t t 度 jt HRAD Б s HALB 8 AUCHERERE ir た t. ge n er if 1, * D, n, er ert b= e= es ei ent Nr. 223. Sonntag, 21. Dezember 1884. I. Jabrg. Berliner Volksblatt Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Boltsblatt" PP erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtages. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illuftr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonces Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Gxpedition Berlin SW., Bimmerftraße 44. Abonnements- Einladung. Mit dem 1. Januar t. Js. eröffnen wir ein neues Abonnement auf das ,, Berliner Volksblatt" mit der wöchentlichen Gratis- Beilage " Illustrirtes Sonntagsblatt". Wir biicken nunmehr auf ein Bestehen von dreiviertel Jahren zurüd, und der Anklang, den unser Blatt überall gefunden hat, beweist, daß wir uns mit den Ansichten unserer Lefer vollständig in Uebereinstimmung befinden. Wir werden vom 1. Januar t. Js. ab vor allen Dingen unsere Aufmerksamkeit den parlamentarischen Vorgängen widmen; wir werden die Berichte aus den geseggebenden Körperschaften so ausführlich bringen, daß wir mit den größten Berliner Zeitungen erfolgreich zu fonfurriren im Stande find. Der Abonnementspreis beträgt für Berlin wie bisher 4 Mat pro Quaital, 1,35 pro Monat, 35 Bf. pro Woche. Bestellungen nehmen sämmtliche Spediteure, sowie die Expedition dieser Zeitung an. Für Außerhalb nehmen alle Bostanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise von 4 Mart entgegen. Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Theil des fesselnden' Romans ,, Gesucht und gefunden" gegen Vorzeigung refp. Einsendung der Abonnements- Quittung In unserer Expedition Zimmerstraße 44, in einem Seperatabzuge gratis und franko nachgeliefert. Brobenummern stehen den Freunden unserer Zeitung selbst in größerer Anzahl stets zur Verfügung. Wir bitten hiervon recht ausgiebigen Gebrauch zu machen, damit das„ Berliner Voltsblati" in immer weiteren Kreisen Eingang finde. Die Rechtspflege und ihre Kosten. Debatten über Ermäßigung der Gerichtskosten haben wir schon oft gehabt, so oft schon, daß das öffentliche Intereffe, das diefen Debatten entgegengebracht wird, im Schwinden begriffen ist. Die jetzige Rechtspflege ist theuer, Die jetzige Rechtspflege ist theuer, zu theuer für einen nichtbesigenden Staatsbürger, das ist eine Thatsache und die Herren Juristen hätten am Besten gethan, diese Anschauung gleich bei der Berathung dec neuen Gerichtsverfassung fund zu thun. Ja, die Herren Juristen! Sonst wird immer über den Mangel an Fach männern unter den Parlamentsmitgliedern geklagt; als die Gerichtsverfassung fam, hatten wir plöglich zu viel FachRachbruck verboten.] 44 Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. ( Forseyung.) Hätte fie Helenen in's Herz sehen können, so würde fie bemerkt haben, daß diese weit entfernt war, fich so vor dem Mädchentführer zu fürchten oder gar vor Angst zu zittern. Obwohl keine Miene, kein Blick des Fremden ihr berrathen hatte, daß er sich für sie interesfire, so fühlte sie sich doch ein wenig geschmeichelt durch die beharrliche Aufmerksamkeit, welche ihr der offenbar vornehme Mann widmete; und in den hellen, blauen Augen des Mannes lag nichts Verdächtiges, Hinterliftiges oder Mißtrauen Erweckendes, im Gegentheil, er sah so treuherzig, fo gutmüthig, so nobel aus, daß fie, wenn sie nicht gefürchtet hätte, Cordelia zu erschrecken, offen erklärt haben würde, daß das Gesicht des Fremden ihr volles Vertrauen einflöße. An einem hellen Frühlingstage durch die Gänge des Partes von Sanssouci zu promeniren, diesem entzückenden Garten, der an Eschönheit Alles übertrifft, was in diesem Genre irgend eine Residenz Europas bietet, muß natürlich auf das Gemüth junger Mädchen einen ganz besonderen Bauber üben. Helene versuchte daher überall zu verweilen, hier diese Muschelgrotte näher zu besichtigen, dort den Bafferfall, bie Statuen, die herrlichen Fontainen, diese reizenden Baffins, und was sich ihr alles Auffallendes bot; indeffen Cordelia, welche ihr den Arm gegeben hatte, Bog fie unerbittlich mit sich fort, um sie nur möglichst bald aus der gefährlichen Nähe ihres Verfolgers zu bringen. Brand, welcher mit Lucie folgte, fonnte dem Verlangen feiner Begleiterin, hier und da ein wenig zu fäumen, nicht o energisch widerstehen, und nicht umhin, ihr wenigftens einen flüchtigen Blick auf diese oder jene Sehenswürdigkeit gestatten. Der chinesische Pavillon fesselte Lucie ganz befonders. Sie blieb vor diesem bezaubernden kleinen Bau einen Mugenblid stehen, und Brand begann eben, ihr die Bemänner. Ein Heer geschwäßiger Advokaten, den verstorbe nen Lasker an der Spitze, stürzte sich auf die Vorlage und zauste sie so zurecht, daß für das Wohl des- nun des Advokatenstandes in der neuen Gerichtsverfassung recht wohl geforgt war. Die übrigen parlamentarischen Elemente hielten sich bei jener Gelegenheit nur zu sehr zurück und überließen den Advokaten das Feld ganz allein. Und das war vom Uebel, dadurch wurde eben die Gerichtsverfassung so, wie sie geworden ist, und man weiß, wie schwer es bei uns hält, eine einmal zum Reichsgefeß gewordene Institution abzuändern oder gar zu beseitigen. Man frage heute einen Mann aus dem Volte, was er vom Prozessiren hält, und er wird antworten: ,, Es kommt sehr theuer." Die Verehrer einer tofispieligen Justizpflege pflegen zu behaupten, daß eine theure Prozeßführung das geeignette Mittel sei, die in der Bevölkerung oft graffirende Prozeßwuth niederzuhalten und dadurch die Masse der oft überflüssigen Bagatelllagen einzuschränken. Man übersieht bei dieser Beurtheilung nur zu sehr, daß unsere modernen Zustände in stetem Wechsel begriffen find. Die Massenverarmung ist noch nie so groß gewesen. Und doch ist der Einzelne weit mehr auf die Prozeßführung angewiesen als früher. Die verschiedenen Versicherungsformen, Feuer, Hagel, Lebens- und Altersversicherung, die Haftpflicht, die Kündigungsfrist- wie oft legen diese Dinge dem Armen die Pflicht auf, die Hiife der Gerichte anzurufen, ohne daß dabei von frivoler Prozeßsucht gesprochen werden fann. Die sprichwörtlich gewordene Prozeßsucht reicher Bauern hat in demselben ausgedehnten Maße nachgelassen, als die Zahl der reichen Bauern in allen Ländern abgenommen hat. Der arme Mann wird feufzen, wenn er in den Reichstageverhandlungen immer wieder die Behauptung liest, es seien die Gerichtskosten, die ihn so sehr belasten. Gewiß, die Gerichtstoften belasten ihn auch, aber er wird uns sagen, daß ihn noch weit mehr die Anwaltsgebühren belasten. Die Herren Juristen haben bei der Berathung der Gerichtsverfassung dafür gesorgt, daß die Anwälte nicht zu kurz gekommen sind. Es wird deshalb Es wird deshalb nachgerade albern, wenn einzelne Anwälte immer wieder auf den Gerichtskosten herumreiten, was ungefähr dasselbe ist, wie wenn man mit der Wurst nach der Speckseite wirft. Die öffentlichen Beschwerden über die theure Rechtspflege sollen auf die Gerichtstoften abgeleitet werden, damit man dabei das Drückende der hohen Anwaltsgebühren übersieht und diese vor einem Angriff geschüßt bleiben. Solch' eine Taktik mag ganz schlau sein, sie ist aber doch nicht tief genug angelegt, um nicht von der Masse durchschaut zu werden. Wer einmal Advokatenrechnungen zu bezahlen gehabt hat, der wird sich nicht täuschen lassen. Man weiß z. B. doch, daß flimmung desselben und die Freskogemälde der Halle zu erklären, als er bemerkte, daß Cordelia, welche mit der jungen Dame vorauseilte, einen falschen Weg einschlug und und in einen der Seitenpfade dieser labyrintischen Gänge einbog, so daß Gefahr vorhanden war, sie würden sich gänzlich verlieren. Rasch fagte er daher zu Lucie: " Ich bitte, Fräulein Rodenburg, verweilen Sie hier gütigst einen Moment. Ich muß den Damen nacheilen und sie zurückholen; wenn sie dorthin gehen, verlieren mir uns aus den Augen, und wer weiß, ob wir uns wieder treffen." Thun Sie es, lieber Herr Brand; es ist mir lieb, ich habe alsdann Zeit, diese reizenden Statuen zu betrachten." Brand eilte davon, und wahrlich, es war hohe Beit, denn Cordelia, welche wohl bemerkt haben mochte, daß sie auf falschem Wege sei, hatte, um den Fehler zu verbessern, bereits einen anderen Seitenweg eingeschlagen, der die Drientirung noch mehr erschwerte, und sich in das Labyrinth der Gänge so vollständig verwickelt, daß sie schwerlich herausgefunden haben würde, wenn nicht Brand zu Hilfe geeilt wäre. Während Lucie allein im chinesischen Pavillon zurückblieb und die Statuen in Augenschein nahm, froh, daß dieser fluchtähnliche Spaziergang einmal eine Unterbrechung erfahren, hörte sie sich zu ihrem Erstaunen plöglich angeredet. Bedaure sehr, Miß," sprach Jemand in gebrochenem Deutsch hinter ihr, daß Sie zu Fuß gehen müssen." Sie wandte sich um. Es war der Engländer. Der Wagen hat gebrochen eine Feder. Wollen Sie fahren in meinem Wagen? Ich werde, wenn Sie wünschen, mit meinem John zu Fuß gehen." Lucie trat einen Schritt zurück. Mein Herr," sagte ste, den Blick fest auf ihn richtend, in ernstem und abweisendem Tone, ich verkenne zwar nicht, daß Ihr Anerbieten ein sehr gütiges ist, doch Ihre Art, uns dasselbe zu machen, ist so wenig Vertrauen erwedend, daß ich, auch wenn unsere Verlegenheit noch größer wäre, Ihr Anerbieten ablehnen müßte." schon bei einem Klageobjekt im Werthe von 300 Mark für den Kläger und den Beklagten der Anwaltszwang eintritt. Zweifelt da noch Jemand daran, daß die Herren Juristen vortrefflich für sich gesorgt haben? Natürlich werden wir die Bestrebungen, die Kosten der Justizpflege zu ermäßigen, nachdrücklichst unterstützen trotz alledem. Wir verfehlen aber nicht, dabei zu betonen, daß wir eine gesunde Reform des Gerichtsverfahrens nur darin erblicken können, daß alle Justizpflege unentgeltlich gemacht und die Anwälte ebenso wie die Gerichtspersonen aus der Staatskasse besoldet werden. Verstaatlichung der Justizpflege, wenn man es so nennen will, wäre in diesem Fall unser Ziel; natürlich müßte die neue Institution frei bleiben von dem bureaukratischen Ballast, der sich heute noch so vielfach fühlbar macht. Die Herren Juristen werden damit natürlich im Allgemeinen nicht einverstanden sein aus denselben Gründen, aus denen sich der große Unternehmer freie Konkurrenz" wünscht. Denn es gäbe dann feine, fetten" und keine mageren" Prozesse mehr und man würde den Verlust der fetten" Prozesse tief bedauern. Das Interesse dieser Juristen ist freilich nicht das Intereffe des Volkes das liegt klar zu Tage. Politische Webersicht. Arbeiterfreunde sind in der letzten Reit so viel aufgetaucht, daß die Arbeiter gar nicht mehr im Stande find, ihre Freunde alle kennen zu lernen. Von weit und breit, von nah und fein, regnet es Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lage, und bei jedem Vorschlage bemüht man sich, flipp und flar nach zuweisen, daß durch die Verwirklichung defelben, alle Uebel, welchen die Arbeiter heute ausgesetzt sind, spurlos verschwinden werden. In früherer Zeit waren es der Hauptsache nach die Manchestermänner, welche fich angeblich für das Wohl der Arbeiter begeisterten; in neuerer Zeit scheint sich diese Begeiste rung auch auf andere Parteien ausgedehnt zu haben. So hat 3. B. die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" doch im Einklang mit Der Partei, welche fedenfalls fte vertritt fich veranlaßt gefühlt, einen praktischen" Borschlag zur Aufbefferung der Lage der Arbeiter zu machen. In mehreren Artikeln bemühte sich dieselbe, das Prinzip der Ge= winnbetheiligung der Arbeiter zu empfehlen, weil damit Jedem die Möglichkeit, sich durch Energie in den nächst höheren Stand hinaufzuarbeiten, offen gehalten und damit unserem sozialen Leben die Harmonie wiedergegeben würde."- Der Vorschlag der Nordd. Allg. 3ig." ist nicht neu, im Gegentheil: er ist sogar hier und da schon vor fast 50 Jahren ins Praktische" übertragen worden; neu ist aber, daß genannte Bitung, welche bekanntlich einen entschieden anti manchesterlichen Standpunkt einnimmt, und täglich gegen die Manchesterlehren predigt, well durch dieselben der Staat und die Gesellschaft dem Verfall entgegen geführt werden, " " ,, Bedaure sehr," antwortete er, ohne sich durch die Strenge des Tones und den ernsten Blick, der sich fest auf ihn heftete, beirren zu lassen. Mein Wagen fährt leer, er hält am grünen Gitter, das sehr nahe hier. Mein Anerbieten fann Sie nicht beunruhigen, Miß, da ich nicht mitfahre." Wir sind Ihnen fremd, mein Herr, und aus diesem Grunde allein schon dürfen wir eine Gefälligkeit Ihrerseits nicht annehmen, wenn uns nicht die äußerste Noth zwingt." Sie irren, Miß Rodenburg, Sie sind mir nicht fremd," antwortete er ruhig mit derfelben Gelassenheit. " Sie fennen meinen Namen?!" rief Lucie überrascht. " Yes, Miß Rodenburg! Ich habe gehört Ihren Namen nennen von Ihren Begleitern, und diesen Namen habe ich gehört schon früher auf Schloß Donuit, wo ich fennen gelernt habe einen jungen Arzt, Mr. Frederec Rodenburg. Er hat so viel Aehnlichkeit mit Ihnen, Miß, daß ich mir gedacht habe, er ist ein Verwandter von Ihnen." In der That, mein Herr, Frizz Rodenburg ist mein Bruder!" ,, So habe ich auch gedacht! Mein Name ist Killmare, Lord Killmare, Grafschaft Elgin." Die Erwähnung ihres Bruders, die Entdeckung, daß dieser Herr ihn persönlich kannte, mit ihm dort in dem fremden Lande bekannt geworden sei, hatte die Schranke, welche sie energisch bisher zwischen sich und dem Fremden aufgerichtet, mit einem Male gebrochen. 11 Es interessirt mich außerordentlich, Mylord," sagte sie, von Ihnen zu hören, daß Sie mit meinem Bruder Er hat mir von seinem Aufenthalt dort zusammen waren. beim Grafen M'Donuil berichtet und dabei Ihres Namens erwähnt." " Freut mich. daß der Gentleman sich meiner erinnert. Wir waren zusammen auf der Jagd beim Grafen Fergus M'Donuil. Nachdem diefer Anknüpfungspunkt für eine Unter haltung gefunden war, floß dieselbe leicht und ungezwun bahin, um so mehr, als Lucie dem jungen Lor Bweifel darüber herrschen, daß der Riß durch eine heftige Erschütterung verursacht worden ist. Gestern früh um 8% Uhr unternahmen Kapitän Cundell, Mr Dupré, ein RegierungsPhotograph und zwei Polizei Inspektoren wiederum eine genaue Prüfung der Brückenpfeiler. Begünstigt durch niedrigen Wasserstand, konnte der untere Theil des Strebepfeilers beffer in Augenschein genommen werden, als bei irgend einer früheren Inspektion, und man konnte deutlich sehen, daß anftatt einer fleinen Spalte, deren 12 oder 13 vorhanden waren. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß der Sprengstoff von Personen in einem Boote an die betreffende Stelle gelegt wurde und daß die Thäter abfichtlich diesen Plaz gewählt hatten, weil dort das Flußbett ausgehöhlt ist und fie somit annahmen, noch tiefer und folglich sicherer gegen Die Fundamente der Brücke operirt zu haben. Als am Sonnabend die Explofton stattfand, hatte die Ebbe den niedrigsten Standpunft erreicht und war gerade in der Wendung begriffen. 11 in Bezug auf die Lösung der Arbeiterfrage thre Vorschläge der ödesten Manchestertheorie entlehnt. Und das ist ganz besonders bemerkenswerth. Denn das, was bis jetzt durch Verwirklichung des Vorschlages in der Praxis erreicht wurde, und was überhaupt damit erreicht werden kann, steht in keinem Verhältniß zu dem, was erreicht werden muß, wenn sich die hochgehenden Wogen der sozialen Bewegung glätten sollen. Bunächst hängt es doch vollständig von dem guten Willen des Unternehmers ab, einen derartigen Patt mit seinen Arbeitern zu schließen; vielleicht würden einige derselben sich dazu bereit erklären. Doch was wäre damit erreicht? Im günstigsten Falle hätten immer nur einige hundert oder tausend Arbeiter ihre Lage verbeffert, und auch diesen bliebe nicht die geringste Garantie für die Beständigkeit dieser eventuellen Verbesserung. Denn erstens ist der Unternehmer gezwungen, der Konkurrenz Rechnung zu tragen und kann schon deshalb nicht selbst wenn er wollte er wollte seinen Arbeitern auf die Dauer einen nennenswerthen Antheil am Gewinn sichern; und dann kommt in Betracht, daß die Existenz der heutigen Industriezweige Eine für Auswanderer nach Südamerika wichtige auger vom Weltmarkt noch von politischen Verhältnissen und Publikation ist der vom Foment- Ministerium der Vereinigten den Fortschritten der Technik und des Maschinenwesens ab- Staaten von Venezuela veröffentlichte Statistische hängig ist. Wer fann z. B. behaupten, daß die Industrien, Jahresbericht", welcher in gedrängter Kürze alle wichwelche heute in Blüthe stehen, nach 10 Jahren überhaupt nochtigen Nachrichten über Venezuela enthält. Die Art der Anvorhanden find?- Jedes Jahr bringt Neuerungen in großem ordnung und die Form der Publikation auf der Rückseite Maße und in unserer Beit vollziehen fich wirthschaftliche einer sehr genauen Karte des gesammten Bundesstaates und Aenderungen schneller wie je zuvor. Mithin ist also flar erseiner einzelnen Theile machen den Bericht außerordentlich insichtlich, daß erstens die event. Gewinnbetheiligung immer nur struktiv, und man fönnte wünschen, daß diese Art der Vereiner winzigen Anzahl Arbeiter zu Gute käme und daß zweitens öffentlichung statistischer 2c. Ueberblide auch anderwärts Nachauch diesen nicht einmal die Garantie auf eine gesicherte Existenz ahmung fände. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Artikel geboten werden könnte. Von der Abhängigkeit, in welche die Ar- der Konstitution, deren Kenntniß die Auswanderer nach Venebeiter, denen das Glück der Gewinnbe heiligung" zu Theil würde, zuela intereffiren kann, dient dem Spezialzwecke der Publikation. gerathen, und von noch anderen sich dabei ergebenden Mig-- Hoffentlich wird sich dennoch Niemand veranlaßt fühlen, ständen wollen wir heute nicht sprechen; ein Hinweis möge nach Venezuela auszuwandern. genügen. Wo bleibt aber die Aufbefferung der Lage der gefammten Arbeiter? Wo bleiben die hunderttausende von Arbeitslosen? Soll für diese Nichts geschehen? Also, der Vorschlag der Nordd. Aug. Ztg.", durch das Prinzip der Gewinnbetheilung" Jedem die Möglichkeit zu fichern, sich durch Energie in den nächst höheren Stand hinaufzuarbeiten"-ist nicht dazu angethan, Sympathien in Arbeitertreifen wachzurufen. Uebrigens muß doch gerade die Norbd. Allg. Big." ganz genau wissen, daß der nächst höhere Stand" die noch selbstständigen Handwerker, Kleinbauern, Kleir.händler- der Konkurrenz der wirth schaftlich Stärkeren allmälig unterliegen müffen, daß mithin also auch dieser Hinweis keine Begeisterung wachzurufen vermag. Von der Nordd. Allg. 8tg." hätten wir andere Vorschläge, wenigstens doch den Hinweis, daß die Lage der Arbeiter nur durch die Gesezgebung aufzubessern sei, erwartet. Statt deffen gräbt sie dieselbe Jdeen, welche der Vorzeit angehören und längst in der Rumpelfammer nationalökonomischer Trugbilder begraben lagen, wieder aus. Das ist fein gutes Zeichen! Will man ernstlich den Arbeitern helfen, dann wende man sich an dieselben und überlaffe es ihnen selbst, Vorschläge zu machen. Die Arbeiter wissen ihre Lage am besten zu beurtheilen und die Nordd. Allg. 3tg." würde fich dann überzeugen können, daß fie von der Bedeutungslofigkeit des von ihr vorgeschlagenen Mittels längst überzeugt find und nur von der Gesetzgebung die Verbesserung ihrer Lage erwarten. " " 1 " Die Aus Großbritannien, dem Musterlande der sogenannten Wunderdoktoren Hirsch und Genoffen, fominen immer schlimmere Nachrichten; Arbeiterentlaffungen und Lohnherabsetzungen sind in den meisten englischen Industriezweigen noch immer an der Tagesordnung. Die ChiLington Iron Company, eine der größten Eisenfabriken in Wolverhampton, hat Mangels an Beschäftigung ihrem ganzen Arbeiterpersonale gekündigt. Schiffsbauherren in dem Distrikt Tees, der die Häfen Middles borough, Stockton, Hartlepool und Whitby umfaßt, haben ibren Arbeitern eine Lohnherablegung von 72 Prozent angeKündigt, die fich diese, da ihr Lohn eist im verflossenen Jahre um 17 Prozent herabgesezt wurde, nicht gefallen laffen wollen, um so weniger, da bei Ausführung des von der Regierung geplanten Baues von Kriegsschiffen in Privatwerken die Aussichten auf Arbeit wieder etwas beffer geworden find. In Sunderland, das vorwiegend auf das Schiffebaugewerk angewiesen ist, erhielten in verfloffener Woche bei einer Bevölkerung von 116,000 Seelen 11,775 Personen Armenunterstüßung. In den Töpfereien von Staffordshire wurden die Löhne ebenfalls reduzirt und mehrere Tausend Arbeiter haben die Arbeit niebergelegt, da sie bei den niedrigen Löhnen nicht bestehen tönnen. In den Kohlendistrikten, somie in den Centren der Baumwollindustrie steht es um kein Haar beffer aus. Die Behörden in London find unermüdlich, das Geheimnis zu lüften, welches die jüngste Explosion an der Londonbrücke umgiebt. Bei der vorgestern stattgehabten Prüfung der Brücke wurde ein langer unregelmäßiger Niß in einem der Granitblöcke am Fuße des zweiten Strebepfeilers in einer Höhe dicht über dem Wasserspiegel zur Ebbezeit entdeckt. Es soll kein Es soll fein daß, wenn es ihm bequemer sei, sie bereit sei, mit ihm englisch zu sprechen. Sie überhob ihn damit der Mühe, welche ihm die deutsche Sprache verursachte, und mit diesem 3wange schien auch der Zwang seines Wesens abgelegt. Wenige Minuten hatten genügt, sie einander zu nähern und ihm ihr volles Vertrauen zu verschaffen. Sie fand endlich nichts Bedenkliches darin, als der Lord ihr seinen Arm bot, um ihre Begleiter aufzusuchen; und da die Stufen der Höhe, auf welcher der Tempel steht, ziemlich steil hinabführen, so nahm sie sein Anerbieten dankend an. Eben als fie um die Ecke eines Bosquets bogen, gewahrten sie Brand mit den anderen Damen, welche foeben famen, um sie abzuholen. Der Gutsverwalter erstaunte nicht wenig, als er Lucie am Arm des Engländers daher kommen sah. Helene erröthete ein wenig bei diesem Anblick, als hätte sie durch denselben eine Täuschung in Bezug auf ihre Voraussegun gen erfahren. Cordelia aber, als sie Luciea am Arm des vermeintlichen Mädchenräubers erblickte, stieß einen Schrei aus. . ,, Lucie!" rief fie, um Gottes Willen, Lucie Er entführt das arme Kind... D, Lucie, folge ihm nicht!" Diese aber stellte lächelnd ihren Begleiter der Gesellschaft vor. Bu meiner Freude und Ueberraschung," sagte sie ,,, erfahre ich, daß Mylord Killmare ein Freund meines Bruders Friß ist, und Mylord ist bereit, demselben meine Grüße zu überbringen. Außerdem hatte dieser Herr die Freundlichkeit, uns seinen Wagen anzubieten. Es verleiht diesem großmüthigen Anerbieten noch einen besonderen Werth, daß Mylord sich bereit erklärte, für den Fall, daß wir an feiner Begleitung Anstoß nehmen sollten, selbst zu Fuß zu geben." Das können wir nicht verantworten," antwortete Helene etwas vorschnell.! Kommunales. In Betreff der Einführung der Impfung mit thierischer Lymphe sollen die kommissarischen Verhandlungen mit dem Polizei- Präfidium vom Magistrat wieder aufgenommen wer den. Der Magistrat bat sich damit einverstanden erklärt, daß die einzurichtende Kälber- Impfanstalt mit dem städtischen Ben tral- Vichhof in Verbindung gebracht wird, und vorbehaltlich des Aufsichtsrathes des Polizei- Präsidiums in sanitärer Beziehung als städtische Anstalt besteht. Es sind zur Information über die Erfahrungen, welche mit der Impfung von thierischer Lymphe gemacht find, Mittheilungen von den deutschen Impfinstituten eingefordert werden. Die in Frage kommenden Institute find die in Weimar, Hamburg, Darmstadt, Stuttgart, Bremen, Dresden, Mez, Leipzig und Berlin. Außer Berlin haben alle Institute über gute Erfolge berichtet. Leipzig hat eine große Brozentzahl günstiger Resultate aufzuweisen 86,3 bis 100 pCt. In Darmstadt wird in öffentlichen Impfinstituten ausschließlich mit animalischer Lymphe geimpft, bei runder Summe 50 000 Impfungen pro Jahr. In Dresden und Leipzig wird faft ausschließlich mit animaler Lymphe geimpft, in Mes wird humanisirte Lymphe nur ausnahmsweise angewendet. Aus Bremen lautet ber Bericht, daß in dem ersten Versuchsjahr der Erfolg mit Thierlymphe im Bergleich zu dem mit humanisirter Lymphe äußerst ungünstig gewesen sei. Es hätten etwa 50 pCt. Fehlimpfungen stattgefunden. Erst nachdem die Impftechnik verbessert worden, sei es allmählich dahin gekommen, daß jest sowohl bei animaler, als auch bei humanisirter Lymphe der Erfolg gleich gut sei. Diese Erfahrung ist überall bei der Einführung der animalischen Impfung gemacht worden, so daß zu erwarten ist, daß die in Berlin aufgetretenen Mißerfolge, die, wie in Bremen, wohl auch auf Mangel an Erfahrung und Technik der Aerzte auf dem Gebiete der Impfung beruhen, mit der Zeit verschwinden werden. Bezüglich der Erwerbung der Jmpfkälber besteht, außer in Stuttgart, wo dem Schlächter ein Leihgeld von 30 M. pro Stück gewährt wird, wofür derfelbe jedes Risiko an dem Kalbe zu tragen hat, und in Meß, wo tie Kälber gekauft werden, überall das Verfahren des Leis hens gegen eine festgesezte Entschädigungssumme. Die Impfung wird an Kälbern vollzogen, deren Gesundheitszustand thierärztlich festgestellt ist, und welche auch während der Impfungsperiode unter ihierärztlicher Kontrole verbleiben. Der von einem Kalbe zu gewinnende Impfstoff soll bei sparsamem Verbrauch für ungefähr 600 Personen ausreichen. Die Kosten für die für eine Berfon zur Impfung nöthige Lymphe würden fich auf etwa 20 Pf. belaufen. Lokales. Das Ausspielen von Gänsen, das sogenannte ,, Austrubeln" ist neuester Verfügung des Bolizei- Präsidiums gemäß von Anfang nächsten Jahres ab auf den Aussterbe- Etat gefeßt. Es sollen nämlich fünftig die von Gast- und Schankwirthen in den öffentlichen Lokalen veranstalteten Ausspielen von Gegenständen auf den Billards und Kegelbahnen als Veranstaltungen öffentlicher Ausspielungen angesehen werden, für mit ihrem Leben zu vertheidigen gedächte- ,, nichts das wider hätte.... Erlauben Sie, daß ich Sie als einen Freund des Bruders dieser jungen Dame, auch als unsern Freund willkommen heiße und Sie bitte, nicht zu Fuße zu gehen, sondern, falls Ihr Wagen Raum bietet, die Damen zu begleiten." " Ich danke Ihnen, Sir," antwortete Rillmare ,,, wenn ich diese Erlaubniß erhalte, bin ich gern bereit, davon Ge brauch zu machen... Wie ich gehört, Sir, sind Sie mit den Sehenswürdigkeiten Potsdams bekannt, und ich erlaube mir den Vorschlag, daß wir für jetzt noch nicht an eine Rückkehr denken, sondern in diesem herrlichen Garten noch eine kurze Zeit verweilen, denn ich finde hier in diesem Buche" er deutete auf den Bäbeder, den er immer noch in seiner Hand hielt so Vieles angeführt, das für einen Fremden sehr interessant ist. Wollen Sie nicht die Güte haben, uns vorher noch ein wenig umherzuführen?" Nachdem die Bekanntschaft mit dem Engländer diese Wendung genommen es Brand hatte, fand in man der Ordnung, daß die Flucht ganz und ohne den Zweck erreicht nicht weiter fortsege zu haben, nach Berlin zurückkehre, sondern stimmte selbst dafür, daß man vorher die Sehenswürdigkeiten von Sanssouci in Augenschein nehme. Cordelia konnte, so sehr sie auch innerlich dagegen protestirte, sich dem allgemeinen Beschluß nicht widersetzen, und wenn sie auch, troh ihrer Argusaugen, nicht bemerkte, daß der Lord irgend welche Absicht äußerte, Helene oder Lucie gänzlich zu entführen, sich doch nicht gänzlich beruhigen. „ Diese Verführer," dachte sie, können ja auch wohl Leute sein, welche die Miene eines ehrenwerthen Mannes annehmen, um ihre Absicht desto sicherer zu erreichen," ihre welche nach§ 286 des Strafgesegbuches die obrigkeitliche Gra laubniß einzuholen ist. Lettere soll fünfiig nur noch ganz aus nahmsweise ertheilt werden, und zwar in solchen Fällen, wo besondere Gründe dies rechtfertigen( wohlthätige Zwecke oder dergleichen), für gewöhnlich aber versagt werden. Im Falle der ausnahmsweisen Genehmigung find vorher dieselben Be dingungen zu erfüllen, wie bei allen anderen öffentlichen Vers losungen, das heißt es ist von dem Wirth resp. Unternehmer ein Spielplan unter genauen Angaben der Bahl und des Preises der auszugebenden Antheils refp. Berechtigungsscheine, sowie der auszuspielenden Gegenstände und ihres Werthes ein zureichen. Diese Spielpläne find während der Ausspielung in Den betreffenden Lokalen zur Drientirung der Mitspielenden auszulegen. An den Sonnabenden soll die Genehmigung zu derartigen Ausspielungen ohne Ausnahme versagt werden. Die Grefutivbeamten find angewiesen, vom Anfang fünftigen Jahres ab gegen alle ohne Erlaubniß veranstalteten derartigen Ausspielungen auf das Strengste einzuschreiten und Strafanzeigen zu erstatten. Es machen diese Bestimmungen einer zur Berliner Spezialität gewordenen volksthümlichen Gewohnheit ein Ende, doch ist nicht zu verkennen, daß dieselbe vielfach ihren ursprünglichen harmlosen Charakter allmählig verloren hat und in eine namentlich in Lokalen zweifelhaften Ranges fultioirte Speku lation auf die niederen menschlischen Leidenschaften ausgeartet ist. Es wurde ein Gimpelfang häufig systematisch betrieben, der sich vor allem gegen die arbeitende Bevölkerung richtete, wie die Bevorzugung des Sonnabend, als des Lohntages, deut lich genug zeigte. g Wegen gemeinschaftlich ausgeführten Raubes und Nothzucht werden gegenwärtig von den Polizeibehörden 3 Schlächtergesellen gesucht, von denen zwei die Schlächterge fellen Frigner aus Tempelhof und Georg Hermann aus Stendal find; der dritte ist dem Namen nach unbekannt. Es ist bisher nur ermittelt, daß die anscheinend auf der Wanderschaft sich befindlichen Verbrecher am 29. v. M. Sandau in der Richtung nach Havelberg paifirt haben. Zwei der polizeilich Gesuchten trugen dunkle Kleidung, blaue Halstücher und Hose, schwarze Seidenmügen; sie hatten blondes, kurzgeschnittenes Haar, waren bartlos und führten einen geflochtenen Stock mit weißem Knopf und resp. einen Stod mit einer Krücke aus Hirschgeweih bet fich. Der Dritte war mit dunklem Rock, grauen, abgetragenen Beinkleidern, einem weißen Halstuch mit rother Kante und niedrigem schwarzen Hut mit breiter Krämpe bekleidet. Er hatte langes, schwarzes Haar, dunkelblonden Schnurrbart und auf der rechten Backe nach dem Dhr zu einen erbsengroßen Leberfleck. N. latterfahrer statteten am geftrigen Tage einem Hause am Rottbufer Damm einen Besuch ab. Die gesammte dort in einer Laube aufgehängte, einer Frau. gehörige Wäsche, bestehend aus Bettdecken, Tischtüchern, Hemden 2c., war von den Dieben als willkommene Beute mitgenommen worden. Trot sofortiger Nachforschung war eine Spur der Diebe nicht zu ermitteln. Ju einem Restaurant mit weiblicher Bedienung im Zentrum der Stadt verehrte ein sehr jugendlicher Gaft vor einigen Tagen einer Kellnerin ein goldenes Armband, am andern Tage einen Brillantring im Werthe von 100 Mart; eine zweite Kellnerin wurde ebenfalls mit einem goldenen Armband beglückt. Einige Gäste, welche in dem Lokale verkehrten, machten die Befißeren des Restaurants auf den freigebigen Gast aufmerksam, was zur Folge hatte, daß die Revier- Polizei davon benachrichtigt wurde. Schon am andern Tage gelang es dem Herrn Kriminal- Wachtmeister Hotop, den Verdächtigen festzunehmen. Derselbe entpuppte fich als der Sohn eines in der Leipzigerstraße wohnenden Juweliers, welcher die ver schenkten Armbänder und den Brillantring von seinem Vater mit dem Auftrage erhalten hatte, bei einem Buchbinder Etuis zu den Werthfachen anfertigen zu lassen. Als der Kriminalbeamte bei dem Juwelier erschien und ihm Wittheilung machte, daß den beiden Kellnerinnen die Geschenke bereits abgenom men worden, war der leichtsinnige junge Mann gerade zu dem Etuisarbeiter hingesandt und mit der Nachricht zurückgekehrt, daß die Etuis noch nicht fertig seien. Der Vater des leichtfinnigen Sohnes hat auf Bestrafung des Sprößlings verzichtet, aber Anordnungen getroffen, daß ihm der Verkehr mit den Bierheben nicht mehr möglich wird. Projektirtes Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 21. Dezember bis 28. Dzember 1884. Im Opern bause. Sonntag den 21.: Flick und Flock( Fil. Hoffchüller als Gaft); Montag den 22.: 4. Sinfonie- Soiree; Dienstag den 23. Die Hugenotten( Herr Mierzwiasti als Gaft); Donnerstag den 25.: Lohengrin; Freitag den 26: Tell den 27.: ( Herr Mierzwinski als Gaft); Sonnabend Der Barbier Bilder; Don Sevilla, Niederländische Sonntag den 28.: Die Walküre( Herr Niemann). Im Schauspielhause. Sonntag den 21.: Die Geyers Wally; Montag den 22.: Christoph Marlow; Dienitag den 23. Die zärtlichen Verwandten; Donnerstag den 25.: Der Traum ein Leben; Freitag den 26.: Was ihr wollt; Sonnabend den 27.: Rosenkranz und Güldenstern; Sonntag den 28.: Chriftoph Marlow. Besorgnis erhöhte sich noch, als sie bemerkte, daß Helene mit sichtlichem Interesse dem Engländer zuhörte und ihm wartung übernahm. Man unterhielt sich über das Gefehene; und Helene äußerte bei dieser Gelegenheit: Ich habe in meinem Leben nichts Aehnliches gesehen wie den Garten von Sanssouci. Ich glaube auch nicht, baß es auf der ganzen Welt etwas Aehnliches giebt. In der Nähe meines Geburtsortes liegt das Gut Stolzenburg, welches den Wredow's gehört. Um dasselbe befinden sich auch herrliche Anlagen, die bis jetzt für mich das Ideal aller Naturschönheiten waren.... Bor mehreren Jahren ich war noch ein Kind waren wir häufig dort. Ich weiß noch, wie mich damals der schöne Bart, die Blumen teraffen, die Kastaben, die im englischen Geschmack angeleg Ach, damals gab es für mich kein höheres Glück, als dort zu weilen, feinen sehnlicheren Wunsch, als in diesem Schlosse zu wohnen, diesen Garten den meinigen nennen zu dürfen." ,, Wie heißt das Schloß?" fragte Killmare. " Stolzenburg! Es gehört den Wredow's." " John," wandte sich Killmare nach seinem Diener um, merke den Namen, ich werde kaufen Schloß Stolzenburg." Helene klaschte fast vor Entzücken in die Hände. Der Spaziergang dieses Nachmittags hatte die Herzen ſchon ſo genähert, daß sie sich ermuthigt fühlte, auszurufen: auch einmal wieder die schönen Gärten besuchen?" „ Das ist föstlich, Mylord! Nicht wahr, dann darf ich ,, Aber Helene!" mahnte Fräulein Rodenburg ,,, beden ten Gie boch.. " So oft Sie wollen, Miß!" sagte Killmare. Schloß Stolzenburg steht zu Ihrer Verfügung." Ihrer fragte Waltete denn bisher ein Hinderniß o5, das in Brand. be ROSE CARESSE E bi th mi ted ju Di de nic Go lan fra da Go Gi me bie da noc und daf gar wa au fon fich Lor Ber To un Sie pla die ent best " Seit einigen Jahren, ja!" antwortete Helene. ,, Meine mit Herrn von Wredow, und wir waren häufig bort. Poli Rückfahrt trat man erst an, nachdem man ein Abendessen Herrn von Wredom verfeindeten aber die beiden Nachbarn welche sich vor ihre Elevin gestellt hatte, als ob sie sich hatte, wobei der Bediente des Lords einen Theil der Auf- unversöhnlichsten Gegner wurden. Das Verhältniß erinnerte Sie sind sehr gütig, Mylord," sagte Brand ,,, und ich würde Ihr Anerbieten danfend annehmen, wenn ich wüßte, daß Fräulein Rodenburg" er deutete auf Cordelia, Gmrkts- Leitung. a TaS Dynamit-Attentat bei der EnthüllungSfeier des Niederwald-Dentmals vor dem Steichs.Gericht. Leiptig, 19. Dezember. Der Prästdcnt eröffnet die Sitzung um 9 Uhr und ertheilt dem Reichsanwalt Treplin das Wort. Derselbe beginnt: Der gegenwältige Prozeß steht außerhalb alles dessen, was bis jetzt deutsche Gerichtshöfe de- schäftigt hat. Staunend fragt man stch: Kann das, was wir erlebt, wuklich wahr sein? beider stehen wir vor einer sehr ernsten und tiaurigen Wirklichkeit. Ich beginne mit den Aus- laffungen des Angeklagten Reinsdorf, die in vieler Beziehung völlig glaubhaft und nur in den Punkten unglaubhaft sind, wo er einzelne seiner Mitangeklagten zu entlasten sucht. Es fragt sich nun, ob die Handlungen und Auslassungen des Reinsdorf mit einander in Konkurrenz stehen. Diese Frage ist zu bejahen. Er will Aufhebung aller Autorität und allen Eigenthums und zieht für seine Person die äußersten Konsequenzen der anarchistischen Prinzipien. Es ist bemcrkens- werth, daß fast zu gleicher Zeit wie hier sich auch in Oester- reich schreckliche von Anarchisten verübte Virbrechen abgespielt haben. Das Atte tat auf die Festhalle scheidet allerdings be- züglich der Anstiftung bei Reinsdorf aus. Was das Attentat rm Willemsen'schen Lokal anbelangt, so find die Angaben des Reinsdorf für die Anstiftung des Attentats� auf dem Nieder- wald nicht ohne Werth für die Beurtheilung seiner Anstiftung auch für dieses Atteniat. Reinsdorf hat in einer Anzahl von Versammlungen verschiedene Attentate, so auf dem Niederwald, im Willemsen'schen Lokal, in Dortmund uird anderen Orten in Anregung gebraeit. Die bezüglichen Auslassungen find durchaus erwiesen. Küchler selbst hat gesagt, Reinsdorf habe wiederholt bemerkt,„es müffe etwas gemacht werden", Vach- mann solle hier, Rupsch da agiren Es handelte fich dabei auch nicht um en:c bloße Demonstration� um einen Knall. Im W.llemsen'schen Lokal wurde eine so große Büchse zur Erplosion gebracht, daß vernichtende Wirkungen voraussichtlich waren. Die Büchse enthielt sogar Blei, welches nach allen Richtungen hin zer- rissen auseinanderfloz und den Kellner Frincken verletzte. Das Lokal war damals in allen Theilen gefüllt, in einem Reben- räum befanden sich allein ca. 25 Aerzte. welche dort beriethcn. DieS wußte Bachmann, als er in nächster Nähe die Explosion bewerkstelligte. Bochmann wußte auch nach alledem, was mit Reinsdorf verabredet und in den Versammlungen gesprochen war, daß es fich hier nicht um einen bloßen Linau tändeln sollte, er kannte ja auch das Motiv zu der Explosion, deren vernichtende Wirkung beabsichtigt war, denn es sollte ja eben die im Lckal verkehrende„bessere Klaffe" und der bei d-n Ar- bcitern mißliebige Wirth getroffen werden. War ja doch auch stets die Rede davon gewesen,„scharf" oufzutictei» im Gegen- satz zu den Sozialdemokraten, deren Aktion eine viel zu ge- linde sei. Objektiv erscheint der Thatdestand im Sinne der An- klage und eben so auch der Dolus des Bachmann erwiesen.— i Es kommt der zweite Fall. Es steht fest, daß Reinsdorf dem Rupsch und dem Küchler ganz spezielle Aufträge ertheilt hat. Rupsch sollte das Dynamit so legen und anzünden, daß die Expiosion zur rechter Zeit gegen die versammelten Fürsten und deren Gefolge stattfinden konnte. Er wies den Beiden das Dynamit, Geld und alles Erforderliche nach; er gab dem Rupsch sogar sein eigenes Messer mit. Ter Dolus dcS Reinsdorf ist erwiesen. Er selbst sagt, daß er von der Anwesenheit des Kaisers und der Fürsten wußte; er hatte sogar die Mög- lichkeit erkannt, daß sie Alle um das Leben kommen konnten. Den hier zur Sprache gelegten Umstand anlangend, daß er den Wagen des Kaisers geschont wissen wollte, so geht daraus, falls es wirklich richtig, auch nur hervor, daß er es lediglich darauf ankommen lassen wollte. Den Rupsch betreffend, so wird es sich namentlich auch darum handeln, od Rupsch die Wahr- heit gesagt, wenn er sagt, er habe die Zündschnur durchschnitten, um das Attentat zu vereiteln. Anfangs konnte man fich vielleicht dieser Ansicht zuneigen, die Beweisaufnahme hat aber vollgültige Belege dafür gebracht, daß Rupsch die Unwahrheit gesprochen. Er macht den Eindruck, als wenn er mit trotziger Verbissen- heit seine Tßatcn verübt, er macht nicht den Eindruck eines armen Verführten, alS welcher sein Bild vielleicht nach den Akren erscheinen konnte. ES ist charakteristisch, sich zu ver- gegenwärtigen, was aus dem Menschen im Laufe der Zeit ge- werden ist. In Naumburg noch ein harmloser, unschuldiger- Mensch, kommt er zurück als Mann mit den schrecklichsten, gegen die menschliche Gesellschaft gerichteten Ideen, der sich die„Freiheit" verschreibt, um seine Mußestunden mit deren Lektüre auszufüllen, der gegen Kaiser und Reich konspirirt und zum Mord und zur Anwendung von Dynamit gelangt, der leibst gesagt, daß er, wenn er crtapvt würde, im Stande wäre, sich selbst mit einer in den Mund gcsleckim Dynamitpatcone umzubringen. Nicht ohne Geschick hat stch Reinsdorf in ihm den rechten Mann ausgesucrit und er hat wohl Recht, wenn er saat, daß er nicht viel Ueberredungskunst bedurft. Schritt für Schritt kann dem Rupsch nachgewiesen werden, daß er bis zu einem gewissen Punkte den festen Willen hatte, das zu tbun, was ihm aufgetragen worden. Der Schnitt am Baum als Zeichen beweist, daß er damals noch den festen Willen der wich oft an die Geschichte von den Capuletti und M?n- techi." „Ah, nun begreife ich," sagte Brand,„weshalb der junge Herr von Wredow Ihr Fräulein Schwester entführte. Die Feindschaft der Väter ließ ihn wahrscheinlich fürchten, deren Einwilligung zu einer Heirath auf gewöhnlichem Wege nicht zu erhalten." „Wohl möglich, daß dies der Grund war! Meine Schwester und der junge Herr von Wredow liebten einander, lange bevor sie sich hier in Berlin begegneten." „Hat denn Herr von Wredow sonst keinen Erben?" fragte Brand. „Noch einen Sohn!" war Helenen's Antwort;„und da der Vater den älteren verstoßen hat, so ist dieser zweite Sohn der Erbe der Güter. Ich glaube deshalb, Mylord, Sie werden Schwierigkeiten haben, das Gut käuflich zu er- werben." „O, nein!" antwortete Killmare bestimmt.„Ich werde bieten einen Preis, den er sonst nicht erhalten würde, und da wird er einwilligen." „Was aber veranlaßt Sie, ein Gut zu kaufen, das Sie doch gar nicht kennen?" „Haben Sie nicht gesagt. Miß, daß es sehr schön sei, Und daß Sie wünschen, Ihr Lebenlang dort zu sein?" Helene fühlte, vielleicht allein von allen Anwesenden, daß in dieser Antwort eine Huldigung für sie, wenn nicht gar noch mehr als eine bloße Huldigung liege. Dies aber war auch d'e einzige Huldigung, welche der junge Schotte aussprach: durch keine Miene, durch keinen Blick hatte er sonst irgend ein Interesse für Helene verrathen. Als man sich nach Ankunft des ZugeS in Berlin trennte, machte der Bord Killmare den Dorschlag, daß die Gesellschaft ihm das Vergnügen erweism möge, ihn noch ein Stück auf seiner Tour durch Norddeutschland zu begleiten. Er beabsichtige �»nächst nach dem Harz und der sächsischen Schweiz zu gehen. Hier aber erhob Cordelia energischen Wider spruch. Harz— Sächsische Sckweiz— das war ja der Schau- Platz, auf welchem sich das Drama mit Helene's Schwester rntwickclt hatte, davon wollte sie nichts hören.— Cordelia bestand darauf, daß man den Aufenthalt hier nicht weiter That hatte. Er hat auch nachher nichts gethan, was als Beweis dienen könnte, daß er von der That Abstand genommen. Er ist nicht etwa geflüchtet, sondern hat die alten Genossen wieder aufgesucht, dem Reinsdorf Bericht erstattet und mit Holzhauer korrespondirt. Rupsch hat alles das gethan, was geeignet war, die Explosion herbeizuführen. Wenn der Schwamm, den er nochmals entzündete, auch naß war, so glimmte er doch noch und konnte nach dem Gutachten der Sachverständigen eine Explosion verursachen. Er hat dann noch die Zündschnur mit einer Zigarre zu entzünden gesucht, zu der er fich Feuer von Küchler geben ließ. Küchler sagt, daß er dann mit Rupsch nachgesehen und daß er dabei nichts von der Zerschneidung gesehen, welche Rupsch hier behauptet hat. Die WitterungS Verhältnisse anlangend, so hat es ja in der Nacht vom 27. zum 28. stark geregnet. Welchen Einfluß hat nun dies auf die Sachlage gehabt? Der Sachverständige Pagenstecher sagt nun, daß es wohl möglich, wie Rupsch und Küchler behaupten, die Scknur theilweift verbrannt, theilweise nicht verbrannt war. Der Sachverständige sagt aber auch ferner, daß die Explosion unter den beregten Umständen immer leicht möglich gewesen war. Rupsch hat also zum erstenmale mit einer brennenden Zigarre und nachher mit Schwamm zu entzünden versucht und damit ist der Thatbestand im Sinne der Anklage völlig gegeben. Den Küchler anlangend, so ist er bei dem Vorgang zu- gegen und thätig gewesen und er sagt aus, er habe das Attentat vereiteln wollen. Der Nachweis des Gegentheils ist hier aber noch leichter möglich als bei Rupsch. Küchler hat nicht nur eine generelle, sondern auch eine positive Instruktion von Reinsdorf erhalten. Seine Mitthäterschaft ist auch dadurch erwiesen, daß er das Glas mit dem Dynamit an Rupsch ge- geben; er war bereit, sofort mit Rupsch mitzugehen und ver- ließ zu diesem Zweck- sogar seine kranke Frau, er führte die Kasse, veranlaßte die falschen Eintragungen im Gasthaus zu Aßmannshausen, er hielt und wickelte die Zündschnur auf und wies dem Rupsch den Schwamm zum zweiten Anzünden der Zündschnur nach. Küchlcr wollte die Explosion auch schon beim Kaiserzelt. Daß si: dort waren, ist durch Rupsch selbst bewiesen, der gesagt, daß er Arbeiter dort bemerkt. Küchler wollte, wie Rupsch gesagt, auch ein neues Attentat in Wiesbaden. Küchler hat also positive Handlungen der Mit- tbälerschaft begangm. Daß er etwas gelhan, um das Altentat zu vereiteln, ist durch gar nichts erbracht. Er war sogar von Reinsdorf als Aufsichtsperson mitgeschickt wor- den. Er stand auch auf gl-ickem volitischen Standpunkt wie Reinsdorf. Bezüglich der Explosion an der Fcsthalle wird man dem Rupsch glauben können, daß ste Beide die zwei Explofionslörper zusammengebunden, um die Festhalle zu zer- stören. Dies lag in Beider Absicht. Der Erfolg der Explosion war ein solcher, daß er den Thatbestrnv des Gesetzes erschöpft. Es find starke Zerstörungen von Material und auch Verwan- düngen von Menschen vorgekommen- Ich komme zu den andern Angeklagten. Bei Holzhauer beantrage ich das Schuldig, bei Töllner die Freisprechung. Letzterer hat im entscheidenden Moment nicht gewußt, worum es sich handelt. Holzhauer be- findet sich stets auf negirendem Standpunkt, aber es sprechen gegen ihn folgende Thatsachcn. Es ist Dynamit bei ihm ver- borgen gewesen, welches Reinsdorf dort Hingedracht. Holz- Hauer hat bei den Versammlungen auch den Plänen Rems- dorf's stets zugestimmt. Bei Holzhauer war die Versammlung, in welcher der verbrecherische Plan festgestellt wurde, Holzhauer gab die Steinkruke mit Dynamit an Rupsch. Holzhauer ist auch der Schreiber des Briefes an Rupsch, worin ver Geschäfts- gang der Einschmuggelung der„Freiheit" nach Deutschland dargestellt wird. Wenn also Holzhauer mit seinem Thun und Wissen die Pläne der Verbrecher förderte, so hat er sich im Sinne des Gesetzes der Beihilfe schuldig gemacht. Bei Rhein- bach und Eöhngen ist die Schuld zweifelhafter, doch müssen auf Grund folgender Thatsachcn hier Strafanträge ge- stellt werden. Wie Palm sagt, wurde in der Versamm- lung, worin das Attentat besprochen wuede, und wo auch Rheinbach und Eöhngen anwesend waren, so laut verhandelt, daß es keinem Anwesenden zweifelhaft sein konnte, worum es sich handelte. Die Angabe der Beiden, daß ste geglaubt, es handle sich nur um de Linderung einer Nothlage des Rupsch, erscheint daher unglaubwürdig. Dagegen sprechen ihre hohen Beiträge, die sie therlweise unter schweren Umständen erst errungen, die späte Stunde, zu der sie in die Versammlung geladen waren. Sie trafen nachher den Rapsch und drückten keincsrregs ihr Erstaunen über seine Zurückkunft aus, ver- langten auch nicht ihr Geld zurück. Es läßt sich annehmen, daß ste gewußt, worum es sich bandelt und daß sie durch ihre Geldspenden Beihilfe geleistet. Ich beantrage gegen Reinsdoif wegen Hcchverrath, Mordversuch und Brandstiftung die Todes- strafe, 15 Jahre Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Polizeiaufsicht; gegen Bachmann 12 Jahre Zuchlhaus, 10 Jahre Ebrverlust und Polizeiaufsicht; gegen Rupsch und Küchler Todesstrafe und 12 Jahre Zuchthaus; 10 Jahre Ebrverlust und Polizeiaufsicht; gegen Holzhauer 10 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht auf gleiche Dauer; gegen Söhngen und Reinbach 5 Jahre Zuchthaus, ausdehne, sondern den andern Morgen in aller Frühe ab- reise. Sie ließ Lucie kaum Zeit, von Elsler's und Amberg's Abschied zu nehmen.— Der Abschied war ihr schwer. Sie hatte, als sie ganz verlassen gewesen war, hier liebende Herzen und freundliche Aufnahme, Schutz und Obdach und die innigste Theilnahme gefunden. Der Abschied kostete ihr Thränen und kostete auch den Anderen Thränen; doch wagte Niemand, ihr von ihrem Entschlüsse abzurathen, da sie in Cordelia's Hause eine sor- genfreiere Existenz haben würde und nicht gezwungen sei, für ihre nothwendigsten Bedürfnisse durch ihrer Hände Ar- beit sorgen zu müssen. Wenn man sie auch mit tiefer Be- trübniß scheiden sah, so mußte man sich doch sagen, daß es so besser sei; nur nahmen sie einander das Ver- sprechen ab, in stetem und häufigem brieflichen Verkehr zu bleiben. Als am andern Morgen der Lord Killmare in das Hotel kam, um sich nach dem Befinden der Damen zu erkundigen und namentlich sich Bescheid zu holen, ob man sein Anerbieten, ihn nach der sächsischen Schweiz zu begleiten, nicht dennoch anzunehmen gesonnen sei, erklärte ihm der Portier: „Die Damen sind bereits vor zwei Stunden ab- gereist!"_ Dreiunddreißigtes Kapitel. In Feldau sah cS trübseliger aus, denn je. Der alte Rodenburg fühlte sich kränklich und schloß sich mehr und mehr von seiner Umgebung ab. Um sein Gut und um seine übrigen äußeren Angelegenheiten kümmerte er sich fast gar nicht mehr. Die Verwaltung seines Gutes und seines Vermögens überließ er Brand, die häuS- lichen Angelegenheiten überließ er Emmy, und diese hatte sich nach und nach daran gewöhnt, sich völlig als Herrin von Feldau zu betrachten, und gerirte sich denn auch ihren Untergebenen gegenüber als solche. Wenn der alte Rodenburg— der„liebe, gute Onkel", wie sie ihn nanvte, — sich zurückzeg und mit seinem Gram allein zu sein wünschte, dann setzte sie den hübschen kleidsamen Strohhut auf, nahm ihren Sonnenschirm und ging hinaus, um das' 10 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht; gegen Töllner Frel- sprcchung.— Rupsch und Söhngen brechen nach Anhörung dieser Slrafanträge in Thränen aus- Die Anderen bleiben unbewegt. Rechtsanwalt T h o m s e n alS Vertheidiger des Rupsch entwickelte in längerer eingehender Rede alle die Momente, die für eine Entlastung seines Klienten sprechen können. Er ver- weist namentlich auf die Schwierigkeit, welche für Rupsch vor- lag, fich der verbrecherischen Gesellschaft, in die er gerathen, stch sogleich und ohne Weiteres entziehen zu können. Aller- Vings ist dem Rupsch nicht zu glauben, wenn er als Motiv seiner Reise das„Vergnügen" angiebt. Ein so ungeheuer- liches Verbrechen unv eine Vergnügungsreise können nicht zu- sammen gedacht werden. Wie sich uns sein Charakter dar- stellt, so tritt in ihm hauptsächlich intellektuelle und moralische Apathie, aber auch eine gewisse Harmlosigkeit hervor, dabei eine kindische Unreife des Urtheils. Sehr viel näher hätte dem Rupsch die Ausrede gestanden, daß er durch den Zwang seiner Genossen scheinbar deren Austrag angenommen hätte. That- sächlich sind ja auch Drohungen gegen ihn verlautbart worden. Ein psychologisch wichtiges Moment habe ich auch in dm Akten gefunden. Rupsch kaufte sich eine Photographie des Niederwalddenkmals für 30 Pf. und nahm ste mit sich. Als er verhaftet wurde, fragte man auch nach dem Verbleib dieser Photographie. Er sagte zuerst, er habe sie verbrannt, nachher aber, ste hänge noch zu Hause und er habe zuerst anders aus- gesagt, weil es ibm leid gethan hätte, wenn die ihm liebe Photographie mit Beschlag belegt worden wäre. Welche kin- dische Unrufe des Urtheils, aber auch welche Harmlosigkeit. Die That selbst anlangend, so ist sie ohne Erfolg geblieben. Die Beweisaufnahme über die Vorgänge bei der versuchten Anzündung der Schnur hat nicht die Gewißheit er- bracht, daß die Angabe des Rupsch, er habe das Attentat vereiteln wollen, unwahr sei. Der Sachverständige, Major Pagenstccher, hat gesagt, daß die Zündschnur immerhin trotz der Durchnässung zünvfähig gewesen sei. Die Explosion ist aber nicht erfolgt. Rupsch' Angaben, die er zu seinen Gunsten anführt, sind nicht widerlegt; auch hat er nicht alle Beweise für seine Entlastung beizubringen, sondern er muß überführt werden. Der Dolus für die Ausführung ist bei ihm nicht erwiesen, es scheint vielmehr die Annahme be- rechtigt, daß er im letzten Moment vor der Aus'ührunz zurückgeschreckt ist und die Zündschnur durchschnitten hat. Der ob- jekiioe Nichterkolg liegt ja vor, aber es find auch psychologische Momente vorhanden, welche dafür sprechen, daß er im letzten Moment vor ver That zurückgeschreckt ist. Er stand ja unter der Aufficht des Küchler und seine Behauptung, daß er dessen Aufmerksamkeit zu täus ,en und die Zündschnur unbemerkt zu durchschneiden verstanden hat, ist durch nichts widerlegt. Das Attentat an der Festhalle in Rüdeshcim anlangend, so ist in Betracht zu ziehen, daß der objektive Thatbestand in Bezug darauf, an welcher Stelle und in welcher Entfernung von der Halle die Dynamitpatronen entzündet wurden, nicht genügend aufgeklärt erscheint. Justizrath Bussenius als Vertheidiger des Küchler führt aus, daß für den Dolus seines Klienten, das Leben des Kai- scrs und seines Gefolges zu gefährden, ein Beweis nicht er- bracht sei. Der Beweis für die böse Absicht aber müsse dem Angeklagten geführt werden. Küchler habe von vornherein stets behauptet, daß er lediglich bestrebt gewesen sei, ein ernst- liches Attentat zu vereiteln. Seine ganze Thätizkeit auf dem Niederwald erscheint nicht als Mitthäterschaft. sondern höchstens als Beihilfe und Rathertheilung. Ist Rupsch von der Ausfüh- rung zurückgetreten, so kommt dieser Umstand auch dem Küchler zu Gute. Das Auftreten des Ruvsch hat nicht den Eindruck gemacht, daß er ein lügenhafter Mensch sei, und es ist nicht erwiesen, daß seine Angaben über die Vereitelung des Atientats unwahr sind. Der Umstand, daß der Hauptthäier von der That zurücktritt, kommt aber auch den anderen Betheiligten zu Gute. Der Thatbestand des in Rede Menden Verbrechens bilden doch das Hinlegen und das Anzünden der Schnur. Nun war aber Küchler gar nicht abgesandt worden, um in dieser Be» ziehung etwas zu thun. Das Verbrechen war auch nicht zwischen Küchlec und Rupsch verabredet, sondern Reinsdorf hatte mit demselben lediglich den Rupsch beauftragt. Der Herr ReichZanwalt führt für die Milthalerschaft die Uebergabe des Dynamits, die falsche Eintragung und andere Umstände an, Handlungen, die stch aber alle lediglich als Beihülfe charakteristren. Eventuell sind die Handlungen des Küchler auch höchstens als vorbereitende anzunehmen. Die Exoloston an der Festhalle betreffend, so ist dieselbe lediglich durch Rupsch geschehen, Küchler war dabei gar nicht anwesend. Man kann die gegentheiligen Anaaben des Rupsch doch nicht ohne Weite- res zu Ungustcn des Küchlcr als wahr annehmen. D:r Ver- theidiger schließt mit dem Antrage, gegen Küchler auf eine zeit- liche Zuchthausstrafe zu erkennen. (Fortsetzung in der Beilage.) Gut und die Arbeiter desselben zu inspiziren und Revue zu halten über die getroffenen Einrichtungen. In dieser Absicht trat sie auch heute zur Hinterthür des Schlosses hinaus, ging in den Garten und musterte aufmerksamen Blickes Alles, was Waldow, der alte Gärtner, arrangirt�und angeordnet hatte. Endlich traf sie ihn selbst, im Begriff, den Rasen eines Platzes zu begießen, welcher sich zwischen blühendem Strauchwerk ziemlich weit aus- dehnte und in seiner Mitte geschmackvolle Blumenanlagen hatte. Sie stand eine Weile und sah ihm zu. „Hören Sie, Waldow, begann sie endlich,„wozu ist eigentlich dieser Rasenplatz?" „Gnädiges Fräulein," antwortete der alte Gärtner, „er dient zum Schmuck des Gartens, wie alle anderen An- lagen." „Von den anderen Anlagen sage ich nichts," versetzte Emmy;„aber mich dünkt, ein so großer Rasenplatz wäre hier gar nicht nöthig. „Ja, wenn Kinder hier wären, welche auf diesem Platze sich tummeln könnten, oder wenn man häusig Gesellschaften hier sähe, die Spiele arrangirten, drnn wäre eS etwas Anderes; aber Herr Rodenburg selbst findet kein Ver- gnügen an derartigen Anlagen. Ihm ist es daher gleich- giltig, ob ein Rasenplatz im Park ist, oder nicht, und ich halte dafür, daß man diesen Platz viel besser verwerthen könnte." „Wie meinen Sie, gnädiges Fräulein?" „Man könnte Gemüsebeete hier anbringen." „Mitten im Park, gnädiges Fräulein? Sie scherzen wohl!" „Nein, es ist mein Ernst! Der Ertrag des Gutes wird natürlich erhöht, je mehr unbenutzt liegendes Land ver- werthet wird. Die vielen Blumenanlagen, namentlich die vielen Plätze sind ganz unnütz. Ihre Pflege kostet nur Geld, während man im anderen Falle, wenn man sie zu Gemüsebeeten kultivirt, daraus noch einen Nutzen erzielt." „Oekonomisch maa das sein, Fräulein," entgegnete der Gärtner;„aber wer Gefühl für die Schönheiten der Natur hat..(Fortsetzung folgt.) Theater. Rönigliches Dyernhaus: Sonntag: Flick und Flock. Montag: Vierte Sinfonie- Soirée. Königliches Schauspielhaus: Montag: Christoph Marlow. Sonntag: Die Geier- Wally. Deutsches Theater: Sonntag: Pitt und For Montag: Die Welt, in der man sich langweilt. Sonntag: Deborah. Bellealltance- Theater: Montag: Dieselbe Vorstellung. Renes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Sonntag: Gasparone. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central- Theater: Alte Jakobftrage 30. Direktor: Ab. Ernst. Sonntag: Rum 58. M.: Der Walzer- König. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sonntag: Kean. Refdenz- Theater: Direktion Anton Anno. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla- Operetten- Theater: Sonntag: Gillette. Montag: Dieselbe Vorstellung. Loutfenstädtisches Theater: Direktion Jos. Firmanns. Sonntag: Lebrecht u. Comp. Montag, Dienstag und Mittwoch geschlossen. Oftend- Theater: Heute und folgende Tage: Im Lande der Freiheit. Großes Sensations Ausstellungs- Schauspiel in 9 Bildern von 5. v. Gordon. Mufil von Th. Frante. Bauner Theater: Sonntag: Halbe Dichter. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Der Blutrichter von London. Original Schauspiel in 5 Abtheilungen von F. W. Ziegler. Vor der Vorstellung: Großes Konzert, ausgeführt von der Haustapelle. Anfang des Konserts 7 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. Cigarren- Fabrik von Bei genügenden Referenzen bewilligen gern Kredit. Bet genügenden Referenzen bewilligen gern Kredit. Neu eröffnet! Neu eröffnet! VOLKS- BAZAR!! ( Kein Abzahlungsgeschäft.) 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Allg. 8tg." in dem in der Morgenausgabe erwähnten hochoffigiösen Artikel in Aussicht gestellte Einfrieren Der Reichsmaschine" im nächsten Winter und die Kämpfe, die Daffelbe zur Folge haben würde, schreibt man der„ NationalBeitung": Die Deutung dieser iäthselhaft klingenden Worte scheint doch nicht allzu fern zu liegen. Die Hauptaufgabe der Reichstagssession im Winter 1885-86 dürfte, obgleich das jetige Septennat erst am 31. März 1888 abläuft, doch, wie man annimmt, die Neuregulirung des Militäretats fein, die Frage nach Erneuerung des Septenats. Für diese Frage werden nach der Art, wie die Mehrheit des jezigen Reichstages Tiegt, heftige Kämpfe in Aussicht genommen; als eine Phale in denselben wird die Stockung in dem Fungiren der Reichs maschine, d. h. eine unausgleichbare Meinungsverschiedenheit des Reichstages und des Bundesrathes, bezeichnet." Nach den statistischen Mittheilungen über das höhere Unterrichtswesen im Königreich Preußen( Ergänzungsheft I. aum Bentralblatt für die gefammte Unterrichts Verwaltung in Preußen) bestanden im Winterhalbjahr 1883/84 in der Monarchie 253 Gymnaften, 36 Vrogymnasten, 90 Realgymnasien, 88 Realprogymnasien, 12 Ober- Realschulen, 17 Realschulen, 18 höhere Bürgerschulen. An diesen 514 höheren Lehranstalten wirkten 5142 Direktoren und ordentliche Lebrer, 782 missenschaftliche Hilfslehrer, 866 technische Lehrer, 357 Drtsgeistliche, 491 Probefandidaten. Der Ronfeffton nach waren von den 128 067 Schülern 92 305 protestantisch, 23 431 fatholisch, 12 287 Juden, 44 Dissidenten. Das Abiturienten- Examen bestanden Ostern 1884 an Gymnasien 3420, an Realgymnasien 638 und an Ober- Realschulen 46. Wie sich die Bahl der Abiturienten auf die verschiedenen Konfeffionen vertheilt, ist nicht an= gegeben. Eine weitere Besitzergreifung von überseeischen Ländern scheint nach einer offiziösen Nachricht stattgefunden zu haben. Dem ,, Neuter'schen Bureau" wird aus Melbourne gemeldet, es gehe bort das Gerücht, daß auf einzelnen Theilen Neu Britanniens, Neu Jrlands, der Admira= fitäts- Inseln und auf einem Theile der Nordküste von Neu Guinea die deutsche Flagge gebißt set. 9 Hamburg. Im legten Jahre betrug die Einfuhr in Hamburg von Westafrita 238 813 Doppel- Bentner im Werthe von 9 105 150 M., und zwar Balmferne 5 012 230 M., Balmöl 2 292 320 M., Elephantenzähne 346 540 M, Gummis elastikum 922 620 R., Rotholz 95 700. Die Einfuhr von bier nach dort betrug 442 774 Doppel- Bentner. Die Hauptartikel maren Genevre 153 206, Rum 111 706, Salze 47 648, Reis 3961, Gebinde und andere Holzwaaren 11 300, Schießpulver 11 297 Doppel- Zentner. Glasperlen wurden allein 87 800 Silogr. ausgeführt. Außerdem geht ein Theil des westafrikanischen Verkehrs via Bremen und Holland. Kiel. Bei der am 19. d. M. stattgefundenen Eriat vahl der Handelskammer murde der bisherige Borsigende der Kammer, Konful Sartori, der die Vorstellung an den Fürften Bismard wegen Unterstüßung der Dampfersubvention unterschrieben, nicht wiedergewählt. Posen. Ende vorigen Monats find vom Kardinal Grafen Lebochowski dem Papst aufs Neue 17 000 Fr. Peterspfennige, welche in den Diözesen Gnesen- Bosen gesammelt find, überreicht worden. Aus Anhalt. Die Arbeiten zur Auffindung der fünf Bergleute, welche am Sonntag in der Edderizer Kohlengrube verunglückten, haben wieder eingestellt werden müssen, va die Schlamm- und Erdmassen die Arbeiter ebenfalls gefährlich bedrohten. Die Verunglückten können, schreibt man der Neuen Preuß. 3tg.", soweit fich die Sache überblicken läßt, mit dem Leben nicht davon gekommen sein; denn dazu waren die Maffen, unter denen sie begraben wurden, viel zu fchlüpfcig; auch tritt an der Unglücksstelle bereits das Waffer Berliner Sonntagsplauderei. R. C. Nur noch wenige Tage trennen uns von dem Schönsten aller Feste, welches wir überhaupt feiern, mit geder mischten Gefühlen sieht Mancher demselben entgegen Eine weint, der Andere lacht, das ist ja überall so im menschlichen Leben, weshalb sollte es gerade hier anders. fein? Berlin hat schon seit längerer Zeit sein FeiertagsRewand angelegt, in den eleganten Stadtgegenden strahlen Schaufenster und Läden in dem Glanz von tausend Lichtern, man legt die fostbarsten und seltensten Gegenstände aus, am Raufluftige anzuloden, Equipagen mit reich gallonirten Dienern bilden förmliche Wagenburgen vor ben hervor Tegendsten Geschäfte, die Insassen machen ihre Weihnachtseintäufe, das bevorstehende Fest bietet ihnen Gelegenheit, bren Glanz ganz besonders zu entfalten durch kostbare Geschenke, nach welchen Viele die gegenseitige Zuneigung ja hur beurtheilen. Manche Dame findet ein besonderes Vergnügen baran, mit den besonders werthvollen Gaben, welche sie erhielt, zu prunken und ihre ausschließliche Beihnachtsfreude ist dann, wenn sie bemerkt, daß die " Freundinnen" vor Neid bersten möchten, daß sie nicht eben so reich bedacht wurden, und diese wissen in der Regel hichts besseres zu thun, als zu Hause den Herrn Gemahl lange zu malträtiren, bis auch er sich entschließt, das fehlende zu ergänzen, damit die arme Frau ja nicht in Bezug auf irgend einen noch so unnüßen Gegenstand hinter bren Freundinnen zurückzustehen braucht. Das ist auch Weihnachten mit seinen Folgen, und ob Berabe hier ein Funken von dem Geiste waltet, der Weihnachten auszeichnet, das muß dahin gestellt bleiben. Sonntag, den 21. Dezember 1884. 31 Tage. Die Arbeiten zu ihrer Auffindung müssen daber auf eine gelegenere Zeit, bei trockener Witterung, verschoben werden. Die Wittwen und Waisen der Verunglückten find auf Anordnung des an Dit und Stelle erschienenen Oberbergraths von der Hoffnungslosigkeit der Rettungsversuche benachrichtigt worden. Der jähe Unglücksfall vor dem Weihnachtsfeste hat allgemeine Theilnahme erweckt, für die Hinterlassenen wird bereits durch Sammlungen eine materielle Hilfe ins Werk gesezt. In Braunschweig ist gestern der ordentliche Landtag im Auftrage des Regentschaftsrathes vom Staatsminister Grafen Görg- Wrisberg eröffnet. Bum Präsidenten desselben wurde Oberlammerherr v. Veltheim wiedergewählt. Außer dem Etat wird dem Landtege zunächst ein Entwurf zu einem Geseze betreffend eine Landesbrandversicherungsanstalt vorgelegt werden. Aus Braunschweig schreibt man der Weser- Zeitung": Nach Meldungen aus Berlin steht unser Herzogthum wieder einmal am Vorabend großer Ereignisse", und trügen nicht einmal am Vorabend großer Ereignisse", und trügen nicht alle Zeichen, so handelt es sich diesmal um mehr als um ein bloßes Gerücht. Man will wiffen, daß Cumberlands geschickter Intimus, der Abg. Windthorst, einer der eifrigsten Fürsprecher für einen unbedingten Friedensschluß desselben mit der preußis schen Krone sei, und des Weiteren giebt man der Hoffnung Raum, daß der Anerkennung der welfischen Thronfolge" in Braunschweig nichts im Wege stehe, wenn der Sohn Georgs V. fich entschließe, die Folgen des Jahres 1866 unbedingt als zu Recht bestehend zu betrachten, also für sich und seine Nachfommen feierlich auf das ehemalige Königreich Hannover Verzicht leiste(??). 11 Franfreich. Die Wahlen der Delegirten für die Senatswahlen, welche heute stattfinden werden, bieten auch um deshalb besonderes Interesse, weil dabei zum ersten Male das neue Senatswahlgetes zur Anwendung kommt, deffen Bustandekommen so große Schwierigkeiten bereitet und beinahe eine Ministerkrisis hervorgerufen hat. Außer dem Drittel ( 75) der Mitglieder des Senates, welche ihre neunjährige Periode bendet haben, finden in anderen Departements Neuwahlen für verstorbene oder demissioniste Senatoren statt, so daß heute im Ganzen 17 277 Gemeinderäthe ibre Delegirten zu erwählen haben. Nach dem alten Geseze hätten dieselben 17 277 Delenirte ernannt, während sie nach dem neuen Wahlmodus 33 880 Delegirte diese Gemeinderäthe zu vertreten haben. Unter den legteren befinden sich 7850 Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern, die nur einen Delegirten ernennen, und 7149, welche die doppelte Vertretung haben werden. Unter den größeren Städten, die bei diesen Wahlen in Betracht kommen, befinden fich Paris( 30), Marseille, Lyon, Lille, Roubaix, Brest, Nimes, Saint Etienne, Angers, Nice mit 24, Dijon, Besançon, Grenoble u. f. w. mit 21, Saint Quentin, Trojes, Cren, Bourges u. f. m, mit 18 Delegirten 11. s. w. Von den etwa 90 Senatoren, welche der Neuwahl unterliegen, gehören 50 ber republikanischen Partet an; etwa 40 find Monarchisten. Auf dem Minifterium des Janern rechnet man mit Bestimmtheit darauf, daß mindestens 20 Monarchisten unterliegen und durch neue republikanische Senatoren erfegt In der Deputirtenkammer wurde das Budget des Auswärtigen berathen. Ministerpräsident Ferry erklärte, in Den lezten Jahren set eine bestimmte Anzahl Mitglieder des biplomatischen und tonfularischen Korps entlassen worden, weil fte der Republik feindlich gesinnt und durch Freunde derselben ersegt werden mußten. Ferry anerkennt, daß dies nicht die Mit der regelmäßigen Stellenbesepung sei; man müsse auch von nun an in hierarchischer Weise vorgehen.- Madier de Montjau verlangt Aufhebung der Botschaft beim Vatikan. Ferry erklärt, die Aufrechterhaltung der Botschaft beim Vatikan sei vom politischen und religiösen Standpunkte aus nothwendig; im anderen Falle müßte man das Konkordat auffündigen und das Brotektorat der Katholiken im Orient aufgeben, welches andere Mächte in Anspruch zu nehmen sich beeilen würden; er erwerden. wäre, wenn die große Mehrheit des Volkes nicht so sehr auf jeden Pfennig achten müßte, bevor sie ihn ausgeben fann. Unter den augenblicklichen Verhältnissen wird das Weihnachtsfest in vielen Familien nur recht dürftig ausfallen, in einzelnen sogar sehr traurig. In der Leipzigerund Friedrichstraße, Unter den Linden freilich, da sieht es ganz nach Weihnachten aus; die Inseratenblätter der Reichshauptstadt rühmen in spaltenlangen Berichten und gegen gleich baare Bezahlung die Schäße und Herrlichkeiten dieser glänzendsten Straßen Berlins, in die Vorstädte freilich wagen sich die Berichterstatter dieser Blätter nicht, wohl nur deshalb, weil es da draußen nicht viel Pikantes" zu fehen giebt, meinte doch kürzlich erst noch ein derartiges Blatt geringschäßig: Da draußen giebt es noch nicht einmal Droschkenhaltepläze! Wahrscheinlich wird man ,, da draußen" nicht viel Droschte fahren, und daß man das nicht thut, dafür wird sich auch wohl leicht ein plausibler Grund finden lassen. Womit schmücken ,, da draußen", um in dem Jargon jenes edlen Blattes zu sprechen, die Geschäftsleute ihre Schaufenster? Man sieht dort feine Bronzen, feine in Paris gemalten Fächer, feinen Sammet, feine Seide, wohl aber sieht man die nothwendigsten Wirthschaftsgegen stände, Kleidungsstücke und recht primitive Spielsachen. Da draußen" wird also das Weihnachtsfest nur dazu benußt, um Nothwendiges einzukaufen, und wenn in der Wirthschaft irgend ein Stück gebraucht wird, so schafft man es zu Weihnachten an; man verbindet hier im wahren Sinne des Wortes das Angenehme mit dem Nüßlichen. Db da noch viel von einer besonderen Festfreude die Rede sein kann, wenn es dem Familienvater endlich gelingt, sich den neuen Rock, den er schon zwei Jahre brauchte, nunmehr wirklich auzulegen, und wenn nach längerem Familienrath nun in der That das neue Waschfaß getauft wird, welches eigentlich bereits im Frühjahr söthig war, und der älteste Junge ein eine Puppe, denn das ist doch in den weitaus größten 1. Jahrgang. innerte ferner daran, daß protestantische Mächte beim Vatikan vertreten seien, nirgends aber sei die Vertretung nothwendiger. Ferry weist schließlich darauf hin, daß der gegenwärtige Papst von versöhnlicher Befinnnng sei. Der Antrag Madier de Montjau wird mit 293 gegen 168 Stimmen verworfen. In der gestrigen Sigung der Deputirtentammer wurde über die Zivilliste des Präsidenten der Republik diskutirt. Bei dieser Gelegenheit nahm der Imperialist Bring Leon das Wort und verlangte die Abschaffung der in Nede stehenden Zivilliste von 300 000 Frants. Das ist nicht das einzige Geld so behauptete der Redner welches man dem Präsidenten geben will. Da ist namentlich ein Statsposten von 6000 Frants für das Schuhwerk der Dienstleute. Das ist ungeheuer viel für Stiefel. Was dann die berühmten Jagden anlangt"( Sprechen Sie doch von denen unter dem Kaiserreiche!" ruft der republikanische Abg. Deshov.) Prinz Leon ergreift mit Vergnügen diese Aufforderung und und zieht eine Parallele, die sehr wenig zu Gunsten der Jagden des Präsidenten der Republik ausfällt. Prinz Leon: Der Herr Präsident thut lange nicht das, was der Kaiser that." Stimme auf der Linken:„ Glücklicherweise!" Gelächter.) Brinz Leon: Die Zivilliste zahlte unter dem Kaiserreiche dem Staate 30 000 Franks für die durch die Kaninchen dem Gute Merinos bei Rambouillet verursachten Schäden. Herr Greoy zahlt eben wie gewöhnlich nichts.( Lachen auf der Rechten). Das ist aber nicht Alles. Es ist ihm verboten, NationalDomänen weiter zu verpachten, von denen er die Nußnießung hat. Was hat er gethan? Er hat einem Nachbar die beiden Wälder leihwetse abgetreten, die er überflüssig hat und zwar gegen 500 ihm zu liefernde Fasanenhähne.( Lärm.) Ein anderer Mißbrauch: Die Kaninchen, die auf Roften des Staates genährt sind, werden von dem Herrn Präsidenten der Republik verkauft. Sie find sehr theuer, 4 Franks das Stück." Abg. Berin von der äußeisten Linken: Das müffen gelehrte Kaninchen sein!" Prinz Leon: Ja, das sind sie auch. Sie tönnen:„ Es lebe die Republik!" rufen."( Heiterkeit.) Auch Italien rührt sich nach Kolonien. Sein Begehren schweift nach der nordost afrikanischen Küste. Ein Brivat- Teles gramm aus Rom meldet: Der Kriegsdampfer Messaggero" paffitte am Sonntag Port Said. Wie die Riforma" meldet, nahmen angeblich Messaggero" und ,, Castelfida do" Befig von einer neuen italienischen Kolonie, deren Name noch geheim blieb, aber nicht identisch ist mit Bubla." Rußland. Im Moskauer Kadettenkorps haben sich vor Kurzem Vorgänge ereignet, welche auf eine große Gährung in militärischen Kreisen schließen laffen. Einer der Inspektoren des Korps hatte sich bei den Zöglingen besonders verhaßt gemacht und eines Tages versammelten fich dieselben, 200 an Der Zahl, um denselben tüchtig durchzuprügeln. Als derselbe bereits am Boden lag und übel zugerichtet war, erschien der Shef des Korps, Oberst Wassilikom, mit zwei Bataillonen der Moskauer Garnison zu Hilfe. Der Oberst, welcher zunächst allein den Saal betrat, wurde von den mit Stuhlbeinen bes waffneten Kadetten in die Flucht getrieben und erst seinen Soldaten gelang es, die jungen Leute zu beruhigen. Sämmt liche Kadetten wurden entwaffnet und gefangen genommen. Der Bustand des mißhandelten Jaspektors ist ein sehr beun ruhigender, und befürchtet man, daß er seine Gesundheit niemals wieder erhalten wird. Oberst Wassilikom soll die Aufforderung erhalten haben, seinen Abschied einzureichen. - Der, Regierungs- Anzeiger" veröffentlicht ein vom Kaiser fanttionirtes Reglement, wonach Berfonen, welche höhere Staatsämter befleiben, an Handels- und Industrie. Gesellschaften, sowie an fommunalen und prioaten Kreditanstalten sich nicht betheiligen dürfen. Großbritannien. In Bezug auf die, wie verlautet, neuerdings dem deutschen Schuße unterstellten Gebietstheile in der Südsee hebt die ,, Times" hervor, daß eine blühende deutsche Kolonie auf Neu- Britannien einen beträchtlichen Handel mit vorzügliches Mittel hiergegen, sie sagen einfach: Wenn die Leute fein Brot haben, nun, so sollen fie Kuchen essen!" Das ist probat, aber den Kuchen ist man sich doch zu leicht über, namentlich wenn man keinen hat. Inzwischen ist schon weihnachtliche Ruhe und Stille im öffentlichen Leben bemerkbar. Die Reichsboten find davon geeilt, fie haben den Staub wollte fagen den Schneeschmutz, der augenblicklich wieder unsere Straßen unpaffirbar macht, von ihren Schuhen geschüttelt, sie sind ihren Heimstätten stätten natürlich ohne Umwege zugeeilt, um sich auch einmal ein Bischen zu verschnaufen. Es that auch einmal Noth, daß Nuhe wurde, die Volksvertreter haben nun Zeit, darüber nachzudenken, was sie Alles verbrochen haben an Begehungs- und Unterlassungssünden. Wir werden ja sehen, wie ihnen die Ruhe bekommt, ob sie gefügiger oder noch störrischer zurückkehren werden. Es ist viel ge= redet worden im Parlament, alte, bekannte Rebner find aufgetreten, auch einzelne der neuen Volksvertreter haben sich ihre oratorischen Sporen verdient. Freilich sind einzelne von ihnen nicht besonders günstig in der gegnerischen Presse kritisirt worden, man ist indessen in der Reich shauptstadt schon an jenen widerlich hochmüthigen Ton gewisser Organe gewöhnt, die sich anmaßen, über Alles zu urtheilen, über alle möglichen Personen, und sie bedenken nicht, daß fie genug vor ihrer eigenen Thür zu kehren hätten. Man hat diesen Herren die Deutsch Freisinnigen sind es natürlich türlich ja in den letzten Tagen deutlich genug gezeigt, weß Geistes Kinder sie sind, sie sollten sich nur ruhig um den höheren Blödsinn fümmern, der von ihren Abgeordneten in die Welt hinauspofaunt wird, dann haben fie genug zu thun. Doch laffen wir jetzt die Streitigkeiten ruhen, es wird sich später und an anderer Stelle wohl Gelegenheit bieten, über diesen Punkt unserer Meinung Ausdruck zu geben. Bereiten wir uns lieber auf das Weihnachtsfest vor, so gut es Jeder fann und vermag. So wie diefes Fest die Gewiß ist das Schenken an und für sich eine schöne Sache, es ist immer das Zeichen eines edlen Gemüthes, wenn man fich dazu veranlaßt fühlt, aus freiem Antriebe anderen Leuten eine Freude zu bereiten. Indessen hat die Sitte des fich gegenseitig Beschenkens doch auch manche Paar neue Stiefel erhält und das kleine Mädchen allein Feier der Liebe und des Friedens ist, so wollen wir wünSchattenseiten. Zunächst ist sie durchaus Modefache gewor Ben, Biele Leute bilden sich ein, daß unter allen Umständen Kreisen der Berliner Bevölkerung Weihnachten, das zu schließlich doch die großen Gedanken der Menschlichkeit sich Leute, die überhaupt nicht in der Lage sind, etwas ver chenkt werden muß, und sehr häufig thun das grabe entscheiben, wollen wir höher erleuchteten Köpfen überlassen. Es wird aber wohl noch eine Unzahl von Familien geben, enten zu können. In vielen Familien spart und darbt in denen Weihnachten noch nicht einmal in diefer Weise ges zu diesem Zweck, und in der Regel werden tann häu- feiert werden kann, wo es am Allernothwendigsten fehlt. Anb, für die man im gewöhnlichen Leben oftmals gar feine artige Punfte berühren, es ist aber so, und durch TodtVielleicht findet man es nicht hübsch, daß wir gerade derGegenstände angeschafft, die durchaus nicht nothwendig Bielleicht findet man es nicht hübsch, daß wir gerade der= Berwendung hat. Es wäre das im Allgemeinen durchaus Man Wicht werden Zustände schwerlich aus der fchlimm, wenn unfere wirthschaftliche Lage eine bessere| Welt geschafft werden. Manche Leute haben allerdings ein schen, daß es kein Mißton stören möge, hoffen wir, daß verwirklichen, daß wirklich ein Band der Liebe und des Friedens alle Menschenkinder umschließt. ,, Friede auf Erden"-foer= tönt es überall, es wäre gut, wenn dieser Sehnsuchtsgefang auch einmal Wahrheit würde. Jeder an seinem Teile soll dahin streben, daß er Wirklichkeit werde, dann wird es nicht nur einmal im Jahre Weihnachten werden, sondern wir wer stets und immerdar in einer fröhlichen und leben." Beilage Auftralien treiben würde. Das Blat sagt, man sei durch diese Erwerbungen Deutschlands durchaus nicht beunruhigt; die Times" fordert aber die Regierung dringend auf, mit den Mächten in Betreff der Zukunft bisher nicht okkupirter Ländereien ein Einverständniß zu erzielen. China. Aus Peting wird der„ Times" unterm 28. November gemeldet: Der Bau einer Eisenbahn von den Kohlenbergwerken in Chaitang ist vom Throne sanktionirt worden. Der Beiho ist im Zufrieren begriffen und die Schiff fahrt in dem Fluffe wird balo ihr Ende erreichen. Die Einwohner von Peking und Tientsin werden dann thatsächlich bis zum März von jedwedem Verkehr abgeschnitten sein. Die Bevölkerung von Peking verhält sich ordentlich und achtungs. voll und steht auf gutem Fuße mit den Ausländern. Die Gesandten Englands, Deutschlands, der Vereinigten Staaten und Rußlands werden über den Winter bier bleiben. Eine Notiz in der Morning Post" besagt:„ Die chinest chen Kreuzer, welche den französischen Transportschiffen mit Verstärkungen auflauern, sollen der Dang- Quei" und der Thao- Yong" sein, welche zwei 26 Tonnen- Kanonen, sowie leichtere Geschüße führen und eine Fahrgeschwindigkeit von 16 Knoten per Stunde beftzen. Sie find unzweifelhaft sehr mächtige Fahrzeuge, ausgenommen gegen Panzerschiffe, und sollen neuerdings in Shanghi eine beträchtliche Anzahl von Amerikanern und Europäern, die in chinische Dienste getreten find, an Bord genommen haben. Wir glauben, daß die französische Regierung den Triomphante" den Transportschiffen zum Schuß gegen die chinesischen Kreuzer beigegeben hat." Der Governeur von Saigon hat einen in drohender Sprache abgefaßten Brief betreffs der Frage der flamesischen Grenze zunächst Tonking an die flamesische Regierung gerichtet. Die Siamesen find dadurch höchlich beunruhigt. Australien. Aus Brisbane, Queensland, wird gemeldet, daß dort von der Mannschaft eines sogenannten Arbeiterschiffes wegen Menschenraub auf den Inseln des Stillen Oceans verurtheilt worden find: ein Mac Neil zum Tode, der Kapitän des Schiffes und der Regierungsagent zu lebenslänglichem Buchthaus, der erste Offizier zu zehnjährigem Buchthaus und die Matrosen zu fünf Jahren, alle in Eisen. Hoffentlich werden diese Strafen abs schreckend wirken. Lokales. Die japanischen Abgesandten, welche unsere hiesigen städtischen Einrichtungen fennen lernen wollten, werden fich in nächster Zeit wieder nach ihrer Heimath begeben. In Beglei fung des Hauptmanns Höhn vom 6. Bolizeirevier nahmen ste viele unserer Anstalten in Augenschein. Herr Höhn soll, wie verlautet, die Japaner mit einem unbestimmten Urlaub be gleiten, um in Japan einen Verwaltungsposten zu übernehmen. g. Der Verkauf von Weihnachtsbäumen gestaltete fich gestern recht flott und namentlich im Mittelpunkt der Stadt wurden viele und große Bäume gekauft. In den äußeren Stadtkreisen ist erst von heute ab ein regeres Geschäft zu er warten, weil gestern Lohntag war und dann der Kleinere Mann erst seine Einkäufe zu machen pflegt. g. Auf den letzten Wochenmärkten wurden von den zahlreichen Fischhändlern und Schlächtern große Klagen darüber laut, daß in diesem Jahre das Wild und Geflügel, besonders Hafen und Gänse, überaus billig sei, so daß Fische und Fleisch ganz vernachlässigt würden. Aus diesem Grunde fände bei ihnen ein fo geringer Verkauf statt, wie man ihn bisher nicht gekannt hätte. Richtig ist, daß man an den jezigen Markttagen Hausfrauen und auch Männer mit Gänsen beladen steht und daß namentlich die von auswärts mit schweren" Gänsen tommenden Händler troß der niedrigen Preise ein glänzendes Geschäft machen. a. Den Taschendiebstählen auf den Weihnachtsmärtten am Schloßplatz und Luftgarten, welche sich alljährlich mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholen, wird von der Kriminalpolizei besondere Aufmerkiamkeit zugewendet, und es vermeiden deshalb die routinirten Taschendiebe, ihr verbrecherisches Handweit auf diesen Weihnachtsmärkten auszuüben. Durch einen verhängnißvollen Zufall wurde nun am Freitag Nachmittag eine alte berüchtigte Taschendiebin verleitet, mit ihrer Tochter den Weihnachtsmarkt auf dem Schloßplaz zu be suchen, und eine sich darbietende scheinbar günstige Gelegenheit zu benutzen, um einer vor ihr gehenden Dame ein Bortemonnaie aus der Manteltasche zu ziehen. Ein an einer Marktbude stehender Herr bemerkte den Kühnen Handgriff der Diebin und veranlaßte ihre Festnahme, che sie noch Beit hatte, das gestohlene Portemonnaie ihrer nachfolgenden Tochter zuzustecken. Das Portemonnaie, welches mehr als 20 Mart enthielt, wurde der Bestohlenen sofort wieder zugestellt und die Taschendiebin wurde zur Haft gebracht. g. Ein Bauer aus der Umgegend von Berlin frat vor einigen Tagen in den Laden eines Kaufmannes in der Fehrbellinerstraße und richtete an diesen die Frage, ob er ihm nicht ein Kouvert und eine Briefmarke verlaufen könnte. Als Der Kaufmann dem Wunsche bereitwilligst nachgekommen war, sagte der Bauer in seinem plattdeutschen Dialekt: ,, Na nu tönnen Sie mir ooch gleich eenen Brief schriwe." Der Kaufmann lächelt über diese Un- genirtheit und schrieb auch noch nach dem Diktat des Bauern einen Brief, der ebenso originell als derb war. Jugendliche Abenteurer. Der 16 Jahre alte Richard W., der Sohn eines achtbaren Acerbürgers aus der Uckermark, steht seit längerer Zeit in der Lehre bei dem hiesigen Schloffermeister R.. Der Bursche hat sich seither gut geführt und zuweilen nur den Unwillen des Meisters dadurch erregt, daß er die ihm zugefloffenen Muttergroschen unb Trinkgelder zur Anschaffung von sogenannten Indianer- Geschichten und RäuberRomanen verwendete. Am vorigen Sonnabend bat der Bursche seinen Meister um die Erlaubniß, zu seinen Eltern reifen zu dürfen. Der Meister gestattete ihm dies auch unter der Bebingung, daß er am Sonntag um zehn Uhr Abends wieder zurück sein müsse. Frohen Muthes nahm der Bursche Abschied von der Meisterin und deren Kindern und meinte dabei:„ Na, wenn wir uns nicht wiedersehen sollten, dann bleiben Sie hübsch gesund und leben Sie mohl!!" Am Montag früh mar der Lehrling noch nicht zurückgekehrt, und als er auch am Abend noch nicht eingetroffen war, telegraphirte der Meister an die Eltern und erhielt bald darauf Antwort, daß der Sohn überhaupt nicht bei ihnen gewesen sei. Alle Nachforschungen nach dem Burschen blieben erfolglos, bis am Dienstag Nachmittag ein Forstbeamter in der Gegend von Erkner, an der Frankfurter Bahn, zwei Burschen festhielt, die Unfug mit einem Revolver in der dortigen Forst trieben. Die Jungen waren ganz munter, und tros der fühlen nafsen Witterung durchaus ,, unverfroren". Der Forstmann beschlagnahmte den Revolver und sistirte beide Jungen zum nächsten Amtsvorsteher, wo bei jedem noch ein großes Messer, Charpie, alte Leinewand zum Verbinden von Wunden, wie fie meinten, und etwas Leibwäsche gefunden wurde. Beide gestanden offen ein, die Absicht gehabt zu haben, nach Rumänien auszuwandern, um sich dort einer Räuber bande anzuschließen. Der von dem Aufenthalt feines Lehrlings in Kenntniß gefeßte Schloffermeister hat sich fofort aufgemacht, um feinen angehenden Rinaldo in Empfang au nehmen; er wird hoffentlich dafür Sorge tragen, daß dem Jungen die Lust zum Räuberwerden" gründlich vergeht. Sein Kumpan wurde in Begleitung eines Amte dieners nach Berlin transportit, da dessen Vater verreist und die Mutter, welche hier ein Schreibmaterialien- Geschäft betreibt, verhindert war, ihren Sprößling persönlich abzuholen. g. Eine Taschendiebin wurde gestern Abend furz nach Ausführung eines Diebstahls auf dem Schloßplat ergriffen ind zur haft gebracht. Ein Knabe hatte bemerkt, daß eine Frauensperson einer Dame ein Portemannaie aus der Paletots| tasche entwendet hatte und sich darauf entfernen wollte. Er theilte seine Beobachtungen einem Schußmann mit, welcher die Diebin in der Breitenstraße festnahm und fte nach der Wache des 1. Polizei- Reviers fiftirte. Erst nach längerem Leugnen gab die Frauensperson den Diebstahl zu, suchte sich aber damit zu entschuldigen, daß die betreffende Dame fte zu dem Diebstahl direkt verleitet habe, weil das Bortemonnaie für Jeder mann fichtbar in der Außentasche des Paletots gesteckt hätte! Ihre Personallen ergaben, daß man es mit einer ganz gemeingefährlichen Taschendiebin zu thun habe, welche schon mehrere Diebstähle ausgeführt hat. Ein stummer Landstreicher, an deffen Sprachlosigkeit indeffen Niemand glauben wird, befindet sich augenblicklich in Landsberg a. W. in Haft. Bei seiner Verhaftung gab der etwa 40 Jahre alte Mensch zu verstehen, daß er ein Schuh macher Ryskiewicz sei, und befand er fich auch in dem Befiz eines auf diesen lautenden, bereits am 9. April 1881 abgelaufenen Basses; gleichzeitig aber hatte er auch eine auf einen Knecht Paul Ampf ausgestellte Reiseroute bei sich, die ihn in deffen augenscheinlich nicht betrifft. Da derselbe zum Sprechen nicht zu bewegen ist, so liegt der Verdacht vor, daß er aus einer Strafanstalt ensprungen, oder aber ein Verbrechen verübt hat, wodurch er veranlaßt wird, seine Verhältnisse zu verschweigen. Seit dem 2 d. Mts. befindet sich der angebliche Ryskiewicz in dem Landarmenhause in Landsberg und hat dort noch kein Wort gesprochen, obgleich er bei seiner Verhaftung noch seinen Namen genannt hat. Die jugendliche Diebesbande, welche erst fürzlich nach Verübung eines Kaffendiebstahls bei einem Schlächtermeister in der Alvenslebenstraße ertappt worden und sodann aus dem Untersuchungs- Gefängniß des Landgerichts II wieder entlaffen worden ist, hat die ihr gewährte Freiheit recht gründlich ausgenutzt. Der Genebarm Goldmann in Schöneberg hat den Rädelsfährer der Bande, den 11 Jahre alten Knaben Krüger, mit einem in Friedenau gestohlenen Kinderschlitten ergriffen, und gestand der Kleine Dieb dem Gensdarmen, daß er den Schlitten von dem ebenfalls zu der Bande gehörigen, zwölf Jahre alten Knaben Helm geschenkt erhalten habe. Da Goldmann den Verdacht hegte, daß die Jungen gemeinschaftlich wiederum Diebstähle dadurch verübt, indem fie fich in den Laden der Geschäftsleute eingeschlichen und die Kaffen bestohlen, fagte er es dem Burschen auf den Kopf zu, daß er mit feinen Genoffen wieder zwanzig derartige Vergehen verübt hätte. Jegt erklärte der Junge weinend, daß es so viele DiebStähle nicht seien. Daraufhin inquirirte der Beamte weiter und erhielt nun eine ganze Reihe von Geständnissen über derattige Diebstähle, welche größtentheils in der Potsdamer Borstadt verübt find. N. Durch einen Hundebiß wurde gestern Abend in der Friedenstraße die in der Pallisadenstraße wohnende unverehelichte 23jährige Louise Sch. nicht unerheblich verlegt. Die Berlegte wurde, als fie nach Erledigung einiger Einkäufe fich in ihre Wohnung zurückbegeben wollte, plötzlich von einem großen Schlächterhund angefallen und derart in das linke Bein gebissen, daß sie ohnmächtig zur Erde fant. Von vor übergehenden Baffanten wurde die Angegriffene in ihre Behausung geschafft, von wo aus ihre Ueberführung nach dem Krankenhause im Friedrichshain erfolgen mußte. Der Besitzer des biffigen Thieres ist bis jegt noch nicht ermittelt. N. Unsere Fenerwehr wurde heute früh neun Uhr nach dem Grundstück Gitschinerstr. 53 gerufen. Da zu dem Feueralarm fein eigentlicher Brand, sondern nur helle Funken, die aus dem Schornstein schlugen, Veranlassung gegeben hatten, so fonnten die Mannschaften, ohne in Thätigkeit zu lommen, wieder in ibre Depots abrücken. Der Gast unseres Königlichen Opernhauses Herr Mirzwinski wird, wie uns von informirter Seite geschrieben, am nächsten Dienstag zum letzten Male als Troubadour auf treten. Die neue Oper Der Trompeter von Säckingen" geht der umfassenden Vorkehrungen wegen, erst Anfang nächsten Jahres und zwar Mitte Januar zum ersten Male in Sjene. Das Zentral- Theater ist in der glücklichen Lage für das diesjährige Weihnachtsfest der Repertoireforgen überhoben zu sein, da Der Walzer- König" von seiner Anziehungskraft bisher nichts eingehüßt hat und daher auch weiterhin das Feld behaupten wird; heute geht die Gesangspoffe 3. 57. Male in Szene. Jm, Deutschen Theater" geht am Sonnabend, den 27. b. M. das Luftspiel Flattersucht" von Sardou neu in Szene. Dazu kommen an demselben Abend ,, Die Neuvermählten" von Björnson wieder zur Aufführung. Außerdem bringt das Repertoire dieser Woche Wiederholungen von„ Die Welt, in der man fich langweilt", Wilhelm Tell"," Die große Glocke" und Richard III." Am Weihnachtsabend bleibt das Theater geSchloffen. Heute, Sonntag, wird Pitt und For" gegeben. Polizei- Bericht. Am 19. d. M. Vormittags erlitt ber Bimmergeselle Maron, Reichenbergerstraße 21 wohnhaft, auf Sem Neubau, Wallstraße 13, dadurch eine bedeutende Quet schung des linten Fußes, daß ihm ein etwa 19 Bentner schwerer eiserner Träger beim Umkanten auf den Fuß fiel. Maron mußte mittelst Droschte nach seiner Wohnung gebracht werden. An demselben Tage Nachmittags entstand im Lagerfeller des Schantwirths Bartels, Markusstraße 27, dadurch Feuer, daß dem c. Bartels eine brennende Petroleumlampe aus der Hand fiel. Um diefelbe Zeit wurde eine ca. 40 Jahre alte obdachlose Frau in der Papenstraße in hilfloser Lage aufgefunden und nach der Charitee gebracht. Gerichts- Zeitung. Das Dynamit- Attentat bei der Enthüllungsfeier des Niederwald- Dentmals vor dem Reichs- Gericht. ( Fortseßung aus dem Hauptblatt.) Rechtsanwalt Seelig als Vertheidiger des Holzhauer, Rheinbach, Soehngen, Bachmann und Toellner plaidirt für deren Nichtschuldigerklärung. Gegen Holzhauer liegen lediglich die belastenden Aussagen des Rupsch vor. Es ist dadurch aber nicht erwiesen, daß Holzhauer dem Rupsch Dynamit gegeben. Bei Holzhauer wurde auch kein Dynamit gefunden, und es ist nicht erwiesen, daß er von dem Vorhandensein von solchem auf seinem Grundstück oder in seinem Hause Kenntniß gehabt. Hinsichtlich Rheinbach und Soehngen ist es fonstatirt, daß fie am 24. September Geld hergegeben haben, aber keineswegs, daß fie gewußt, zu welchem Zwede. Lag es doch gewiß im Plane Reinsdorf's, so wenig als möglich Menschen in seine Absichten einzuweihen. Die Eile der Angeklagten bei Beschaffung des Geldes spricht dafür, daß sie glaubten, es handle fich um schleunige Beseitigung einer dringenden Nothlage. Alle Momente aber, welche auf die spätere Kenntniß der Angeklagten Bezug baben, tönnen nicht zu ihrer Berurtheilung dienen. Ift schließlich Rupsch von seinem Vorhaben zurückgetreten, so würde dies auch meinem Klienten zu Gute kommen. Betreffs Töllners schließe ich mich den Ausführungen des Herrn Reichsanwalts an. Bachmann anlangend, so hat der felbe ein Gefiändniß abgelegt, dasselbe aber dann beschränkt. Er habe wohl ein Attentat bei Willemsen vollführen wollen, habe aber die vernichtende Wirkung des Dynamits nicht ges fannt und auch nicht geglaubt, daß das Haus zerstört und ein Mensch dabei getödtet werden könnte. Die Ausführung des ihm von Reinsdorf angetragenen Attentats in Den ,, Frankfurter Bierhallen" hat er abgelehnt. Seine Angaben erscheinen nach Allem, was ermittelt worden, als glaubwürdig, daß er nämlich nicht Tödtung eines Menschen, Brandstiftung oder Berstörung eines Gebäudes beabsichtigt und sich über die mög liche Wirkung seiner That in Irrthum befunden habe. Es ist auch nicht erwiesen, daß Bachmann die That in Folge der ihm versprochenen großen Belohnung vollführt; er hat lediglich seine Reisekosten erhalten. Es dürfte auf ihn nicht§ 206 fondern 308 des Strafgefeßes zutreffen, auch ist seine bisherige Unbescholtenheit zu berücksichtigen.( Hierauf tritt eine Pause von einer halben Stunde ein.) Nach der Pause nimmt Justizrath Fenner als Vertheidiger des Reinsdorf das Wort. Er weist zunächst darauf hin, daß Reinsdorf in Bezug auf das Attentat an der Festhalle in Rü desheim gar nicht einmal verantwortlich vernommen worden sei. Es bleibt also die Anstiftung zu den Attentaten in Elbers feld und auf dem Niederwald. Die Anstiftung soll ja allerbings wie die Thäterschaft bestraft werden. Was ist denn nun aber geschehen? In Elberfeld handelte es sich wohl nicht um einen Mordverfuch Bachmann's. Reinsdorf ist auch darin zu glauben, daß er hierzu nicht angeftiftet. Nimmt er doch die weit schwerere Anstiftung zu dem Attentat auf dem Niederwald ohne Weiteres auf fich. Hier stellt sich der Mange! eines objektiven Thatbestandes heraus. Hätten sich die Angeklagten von vornherein standhaft aufs Leugnen gelegt, so wäre von dem ganzen Attentat nicht viel herausgekommen. Was Küchler und Rupsch anlangt, so suchen sich beide auf die möglichste Weise herauszulügen. Der Herr Reichsanwalt wendet den Einen als Argument gegen den Andern an, das geht doch aber nicht. Uebereinstimmend befunden beide nur, daß sie auf den Niederwald gegangen sind und Bündschnur und Dynamit mitge nommen haben. Sie hätten sich auch gar nicht zu beschuldigen brauchen, sondern nur einfach zu sagen, es ist nichts vorgefallen. Aber Leute DON diesem Bildungsstande wiffen nicht, was fie retten oder um den Kopf bringen kann. Nachdem Rupsch gesagt, Küchler hat es gethan, sagt dieser natur gemäß, Rupsch ist es gewesen. Die Aussagen und Geständnißſe find daher ohne Werth und nur ein Gewirre von Wahrheit und Unwahrheit. Der Richter fann sich dadurch nicht binden laffen. Es ist stets bedenklich, auf die unbeeidigte Aussage eines Mit schuldigen hin möchte ich für meine Person nicht glauben, daß ich den Muth hätte, ein Todesurtheil zu sprechen. Auch Palm's Aussagen find ohne Werth. Er ist ein höchst verdächtiger Beuge, deffen Aussagen weniger werth find als die eines der Ange klagten. Nun ist thatsächlich auch nicht einmal der Versuch eines Mordes gemacht worden. Man fann ungefähr einen Bergleich mit Jemandem machen, der vielleicht mit einem Gewehr ein Attentat unternehmen wollte, aber nicht einmal zum Spannen des Hahns gelangt ist. So ist hier auch feine wirkliche verbrecherische That, sondern eine vorbes reitende Handlung verübt worden, trifft hier also der§ 80 auf die Angeklagten nicht zu. Die Frage der Anstiftung anlangend, so hat der Angeklagte Reinsdorf allerdings die Anftiftung einfach zugeftanden, aber ich habe doch in dieser Beziehung etwas anzuführen. Er ist lediglich von politischen Motiven beherrscht. Die Intereffen, die er hat, gehen diese Stufenfolge: Buerst sein Prinzip und seine Grundsäge, dann feine Genoffen, zulegt er. Er würde sich für seine Genossen ebenso aufopfern, wie für seine Sache. Es frägt sich nun, ob er im Intereffe feiner Sache so sagen mußte, wie er gesagt hat, ob er nicht im Interesse seiner Sache den Kopf unter das Mär tyrerbeil legt. Sind doch todte Märtyrer gefährlicher als le bende hinter den Gefängnißthüren. Er ist brusitrant, hat nicht mehr lange zu leben, weiß, daß er elend im Buchthause sterben muß. Sollte er da nicht den Tod auf dem Schaffot im Intereffe der Partei vorziehen? Ich muß dies aussprechen; denke man doch an das Beispiel von Herostrat! Reinsdorf soll den Auftrag gegeben haben, den Kaiser zu tödten; er lägt eine Zündschnur faufen, die 13 Minuten zu brennen bat, ehe ste das Dynamit erreicht. Welch unsicheres Geschoß. Es heißt, er habe die Anweisung gegeben, den Raiser bis auf 50 Schritt berankommen zu lassen, ehe die Schnur entzündet wurde. Dann fonnte aber feine Todtung des Kaisers mehr erfolgen. Es scheint, die Angeklagten wollten gar tein wirkliches Attentat, fondern nur den Schein eines solchen, was ihnen ebenso nüßte. Den Kaiser oder irgend welche Fürsten hatten sie nicht töbten wollen, sondern sie haben lediglich, allerdings in höchst frevelhafter Weise, ein Attentat geplant, in Folge desen Menschen umfommen fonnten. Es ist dies ein politischer Prozeß. Fast immer ist die Richterbart bei solchen Verbrechen mit politischen Gegnern befest. Auch bei den Vertheidigern waltet daß Gleiche vor. Joh habe deshalb alle politischen Gefichtspunkte abzuftreifen versucht und erkenne es an, daß der Reichsanwalt dem gleichen Gesichtspunkt gefolgt ist. Ich habe das Vertrauen zum hohen Gerichtshof, daß er hier ganz parteilos ver fahren wird. Ober- Reichsanwalt Freiherr v. Sedendorff: Reinsdorf hat strikte Anweisungen für Rupsch und Küchler gegeben. Seine Anweisungen find befolgt worden. Das Verhältniß zwischen Reinsdorf und den Beiden war nicht so, daß Lettere es gewagt hätten, ihn hinters Licht zu führen. Nur eine höhere Hand, die Hand der Vorsehung, hat den Erfolg des Aitentats vers hindert. Küchler und Rupich gaben nach dem ersten mißglückten Verfuch nicht etwa die Ausführung ihres Planes auf, sondern beharrten auf der Ausführung. Die Schnur wurde zum zwet ten Male angezündet. Das Durchschneiden der Schnur geschah nur zu dem Zwecke, um eine trockenes Bündende zu gewinnen. Es lag also eine ftritte Beharrlichkeit vor. Rupsch fit Thäter und Rüchler zweifellos Mitthäter; er hat auch zulegt bei der Anzündung der Schnur mitgeholfen. Ein Weiteres glaube ich nicht sagen zu brauchen. Reichsanwalt Treplin: Man muß in Betracht nehmen, daß die Anreizungen des Reinsdorf fich gerade bauptsächlich auf Berstörung von Leben und Eigenthum gerichtet haben. Die Vornahme der Explosion an der Festhalle zeigt auch, weffen man fich von den Angeklagten versehen konnte. Gerade für die Beurtheilung der inneren psychologischen Vorgänge bet den Angeklagten ist diese That werthvoll. Der Vermuthung des Herrn Vertheidigers in Betreff der freiwilligen Märtyrer schaft des Reinsdorf habe ich entgegenzustellen, daß Reinsdorf eist hier mit dieser Stolle hervorgetreten ist; übrigens hat er seine Genossen, nachdem sie ihn bezichtigt, unter Umständen nicht geschont. Nach einer kurzen Replik des Vertheidigers erhebt fich Reinsdorf zu seiner Bertheidigung: Es baben zwei Attentate, cins in Elberfeld, eins auf dem Niederwald stattgefunden. des Rupsch vereitelt worden. Die politische Polizei in Deutsche land hat nichts entdeckt und nichts verhindert, am wenigsten in Elberfeld, wo man Herrn Gottschalk an die Spige gestellt. Sechs Monate brauchte die Polizei, um erft durch Verräther etwas von dem Attentat zu erfahren. Präf.: Laffen Sie die Polizei aus dem Spiele, sondern beschränken Sie sich auf Ihre Vertheidigung. Reinsdorf: Die Polizei und namentlich Herr Gottschall will Ihre Kenntniß von dem Attentat in Bezug auf die Quellen nicht aufoeden und hat sich hier auf den Dienfteid von der Reise nach dem Niederwald. Der Umstand der Hers veischaffung von 40 M. durch Palm ist doch noch gar nicht aufgeklärt. Der Angeklagte ergeht sich hierauf in den hef tigfien Invektiven gegen die Polizei und wird hier durch den Präsidenten energisch unterbrochen. Er verspricht hierauf Regierung als viel zu spät gelommene, fleine wirkungslose ich zehn Köpfe hätte, ich würde fie in diesem Kampfe Mittelchen. Wir fämpfen gegen ein System, und wenn Die Arbeiter haben zu dem Kampfe gegen Der Angeklagte ver fällt nun in die trasfesten Ausfälle gegen die den Arbeiter unterdrückende ,, Bourgeoifte". Der Arbeiter habe aber Dynamit und werde damit seine Feinde vertilgen; fein Bourgeois werde wagen. die Unterdrückung volles Recht. seines Lebens sicher sein. Ich breche hier ab fchließt der " ch et m al ch 30 ng wie er en efe ne το im ob ärTes cht Den n= fe Den eine fte igt, writt ann Es tat, te. oten velchen Faft chen Das nfte palt Ver Der hat Seine chen vagt D Angeklagte denn meine Erregung übermannt mich und es fönnte mir das Wort entzogen werden. Ich danke hiermit herzlich meinem Vertheidiger, der sich so bemüht hat, meinen Ropf zu retten. Aber ehe ich im Zuchthause umfommen soll, bitte ich Sie lieber um mein Todesurtheil, das ist für einen armen gehezten Proletarier, wie ich ich bin, das beste Schicksal. Rheinbach bittet um Freisprechung, da er sich nicht der geringsten bösen Absicht bewukt fei. Küchler behauptet, daß Alles, was er bereits zu seiner Entlastung vorgebracht, wahr sei. Er habe keine verbrecherischen Abfichten gehabt. Rupsch will ebenfalls in allen Bunkten die Wahrheit gesprochen haben. Soll ich auf dem Schaffot sterben" so schließt Rupsch so möchte ich doch noch bitten, Se. Majestät dem Kaiser vorgestellt zu werden oder ihm ein Bittgefuch schreiben zu dürfen. Ich würde nicht so frech sein, eine solche Bitte aus aufprechen, wenn ich mir bewußt wäre, Sr. Majestät etwas Böses zuzufügen gewollt zu haben." Söhngen, Holzhauer und Töllner behaupten nochmals ihre Unkenntniß und Unschuld, Küchler weist auf ein offenes Ge ständniß und seine zahlreiche Familie hin. Der Präfident schließt hierauf die Sigung und verkündet, daß die Publikation des Urtheils am Montag, 22. Dezember, 12 Uhr Mittags, erfolgen werde. * rechtigt erachtet habe. Der Gerichtshof schloß fich dieser Auffassung an und erkannte deshalb auf Freisprechung des Angeklagten. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. h. Fast sämmtliche Mappenarbeiter Berlins*), deren es hier nur ca. 150 geben soll, hatten am Donnerstag Abend dem an fte ergangenen Rufe der Lohnkommission der Buchbinder und verw. Berufsgenossen zu einer Branchenversamm lung der Wappenarbeiter in Feuerstein's Restaurant, Alte Jakobstr. 75, Folge geleistet, um sich über die Frage schlüssig zu machen, wie sie sich einer beabsichtigten Lohnreduktion gegenüber zu verhalten haben. Die Fabrikanten( Prinzipale) der Branche waren dazu speziell eingeladen worden, von denselben jedoch nur einige Inhaber und Vertreter beträchtlicher Firmen erschienen, während, wie es hieß, auffälliger Weise" die Chefs der Firma 3ersmeyer und Brandeis, um die es sich bei dieser Versammlung hauptsächlich handelte, ihr fern geblieben. Die Leitung der Versammlung hatte Herr Freudens reich, das Referat Herr Jost, der erste Vorfizende des Unterſtügungsvereins der Buchbinder, übernommen, um durch einige, mehr allgemein gehaltene Ausführungen Ausführungen die Diskussion über die betreffenden Vorgänge in der Mappen branche, der er gegenwärtig selbst nicht angehört, einzuleiten. Bor Eintritt in die Diskussion fam noch ein von der Versammlung mit Sensation aufgenommenes Schreiben des Lederwaarenfabrikanten Mattern( Dresdenerstraße) an die Lohntom mission, als Einberuferin der Versammlung, zur Verlesung, worin derselbe unter dem Ausdrucke der vollsten Sympathie für die Lohnbewegung und Gewerbereformbestrebungen der Arbeiter, eine eventuelle Abficht einzelner Prinzipale, es mit Lohnreduktionen zu versuchen, scharf verurtheilt und ferner als Grund seines Nichterscheinens in der Versammlung den Umstand bezeichnet, daß dieselbe keine ausschließliche Arbeiterversammlung, sondern eine kombinirte Versammlung von Brinzi palen und Arbeitern sei. Diese Manifestation des Hrn. Mattern veranlaßte einen ber anwesenden Firmeninhaber und Konkurrenten des Genannten zu der die Versammlung in nicht geringe Heiterkeit versezenden Frage, ob vielleicht Jemand anzugeben vermöge, wie viele Lehrlinge gegenwärtig Der Schreiber jenes Briefes( Herr Mattern) beschäftige, und ein Arbeiter war in der Lage, dieselbe dahin zu beantworten, daß sich jene Zahl zeitweise auf 24 belaufen und Herrn M. den nom de guerre des Lehrlingszüchters" verschafft haben solle. Aus dem Referate und der Diskussion über das Thema der Tagesordnung ergab sich im Wesentlichen als Sachverhalt, daß die bereits obenerwähnte Firma 3ersmeyer und Brandeis, welche ca. 20 Diappenarbeiter beschäftigt und schon seit langer Zeit um 33% pCt. niedrigere Löhne be= zahit, als alle übrigen Geschäfte der Branche, unlängst durch einen der Chefs( Herrn 3.) eine abermalige Reduktion der Löhne in Aussicht stellte, weshalb seine sämmtlichen Mappen Löhne in Aussicht stellte, weshalb seine sämmtlichen Mappen arbeiter gegenseitig auf Ehrenwort sich verpflichteten, Der jezige Rechtskonsulent, früherer Bureau- Vorsteher, Gustav Adolf Hubert, hatte sich gestern vor der ersten Straftammer hiesigen Landgerichts I wegen wiederholten Betruges, Untreue, Unterschlagung und Urkundenfälschung zu verantworten. Zwei Fürstenwalder Tischlermeister hatten an einen hiefigen Bauunternehmer nicht beizutreibende Forderungen im Betrage von 5200 und 2900 Mart. Sie wandten sich deshalb an den Angetlagten, damit dieser für sie auf ein Grundstück des Bauunternehmers in der Blumenstraße Arreste ausbrächte. Auf Verlangen des Angeklagten verstanden sich die beiden Tischlermeister dazu, demselben 1000 Mart resp. 500 Mark als Kautionen" einzuhändigen, welche Summen angeblich bei der Ministerial, Militär- und Baukommission hinterlegt und mit 2 pбt. verzinst werden sollten. Am folgenden Tage erhielten die Beiden vom Angeklagten folgende Depesche: Arrest wird angelegt, wenn Sie noch 500 und 150 Mart zahlen, erwarte die Summe morgen früh Postanweisung." Die beiden Fürstenwalder Tischlermeister trieben auch diese Summen noch auf, ebenso eine nochmals telegraphisch geforderte Summe, indem sie der Meinung waren, daß diese Gelder zur Arrefilaution nöthig seien. Der Angeklagte hat die Gelder unterschlagen und für sich verwandt. In ganz ähnlicher Weise hat er einen Glasermeister, der gleichfalls Forde rungen an jenen Architekten durch ihn geltend machen laffen wollte, um die Summe von 500 Mart gebracht. Weiter hatte der Angeklagte zur Uebergabe an eine Näherin, mit der ein Herr sich abzufinden hatte, 1200 Mart erhalten. Anstatt bas Geld aber abzuführen, zablte Hubert dem Mädchen nur 100 Mart baar aus und wußte dasselbe zu bewegen, ihm die restirenden 1100 Mt. zu belassen, unter dem Vorgeben, daß das Geld auf der Reichsbank ficher angelegt werden solle. Auch diese ganze Summe hat der Angeklagte für sich verbraucht. Endlich hat sich der Angeklagte auch noch einer Urs fundenfälschung schuldig gemacht. Als er nämlich von der Polizei wegen des Betruges gegen den einen Fürstenwalder Tischlermeister verantwortlich vernommen wurde, überreichte er eine mit der Unterschrift desselben versehene Quittung, in welcher dieser bekennt, die en den Angeklagten gezahlten Koften fautionen zurückerhalten zu haben. Die Unterschrift war in der That echt, die Sache flärte sich aber dahin auf, daß der Angeklagte den betr. Meister eines Tages vermocht hat, seinen Namen zu irgend einem Zweck auf einen leeren Bogen zu schreiben, und dann jene Quittung darüber geschrieben hat. Der Angeklagte machte vor Gericht allerlei Winkelzüge und behauptete namentlich, daß er die unterschlagenen Gelder als Kautionen für seine eigenen Roftenauslagen erhalten habe. Der Gerichtshof hielt die Anklage in vollem Umfange für erwiesen und veurtheilte den Angeklagten zu 2 Jahren Gefängniß und 3 Jahren Ehrverlust. kommenden Falls, unter Voraussetzung des Einverständnisses der Gewerksgenossen, sofort und ausnahmslos die Arbeit niederlegen. Nach reiflicher Diskussion wurde von der Versammlung mit allen Stimmen gegen eine beschloffen, die Lohnkomlung mit allen Stimmen gegen eine beschloffen, die Lohntommission resp. den Vorstand des Unterstüßungsvereins der Buchbinder c. mit der womöglich gütlichen, aber wenn nöthig durch Verhängung des Strifes zu bewirkenden Regelung der Angelegenheit an betrauen, zu deffen energischer Regelung der Angelegenheit zn betrauen, zu deffen energischer Unterstügung und Durchführung die Versammelten fich verpflichteten. Schon in der nächsten, am fommenden Montag stattfindenden Versammlung des Unterstützungsvereins der Buchbinder wird nach inzwischen stattgehabten Verhandlungen mit der genannten Firma lungen mit der genannten Firma- über die Angelegenheit endgiltig Beschluß gefaßt werden. Mehrere andere, darauf bezügliche Anträge wurben dem Vorstande des BuchDrucker- Unterstüßungsvereins resp. der Lohntommiffion überwiesen. Einen erregteren Charakter nahmen die Debatten in Folge einzelner Aeußerungen des anwesenden Fabrikanten Herrn Borchardt an, der, seine( wie er ste nannte) besonders Die Zustände im Filialgefängniß der Stadvoigtet humanen Geschäftsprinzipien und Löhne anpreisend, die Zweckin der Perlebergerstraße erfuhren in einer gestern vor der mäßigkeit, ja Möglichkeit der Durchführung eines einheitlichen, zweiten Straffammer hiesigen Landgerichts I stattgehabten Ver- auf einen Minimalwochenverdienst von 18 Mt. abzielenden, handlung einer gegen den Schauspieler Ernst Theodor Dannen- refp. einen solchen zur Grundlage habenden Stücklohntarifes berger aus München wegen wiffentlich falscher Anschuldigung rundweg verneinte und im eigenen Interesse der Arbeiter" gerichteten Anklage eine unerfreuliche Beleuchtung. Der wegen den Versuch einer Durchführung derselben widerrieth, wobei schwerer Urkundenfälschung zu 18 Monaten Gefängniß bestrafte er fich nach berühmten lustern" auf die beklagensAngeklagte wurde im Auguſt cr. aus Stolzenau zur Ver- werthe" und wohl nie ganz zu beseitigende" Ungleichheit der büßung eines geringen teftes seiner Strafe der Filiale in der Arbeitskräfte und Leistungen der Arbeiter, sowie auf die ,, fast Perlebergerstraße als Schreiber überwiesen. Schon unter dem völlige Unbrauchbarkeit" und Ungeübtheit einzelner zumal der 11. bs. Monats reichte er an die Oberstaatsanwaltschaft eine jüngeren, von auswärts nach Berlin fommenden Arbeitskräfte längere Beschwerdeschrift ein, in welcher er u. 2. 3 Beamten berief, indem er beklagte", daß bei einem allgemeinen durch der Anstalt die allerschwersten Vorwürfe ehrenrühriger Natur geführten Normaltarif" auf der Bafts eines wöchentlichen machte. Da die angestellten Ermittelungen die Unrichtigkeit Minimalverdienst es von 18 W., abgesehen von seiner Undurchführ der aufgeführten zahlreichen Einzelpunkte ergab, wur der Ver- barkeit, auch dem humansten Unternehmer nur die Wahl bliebe, faffer, der inzwischen seine Strafe verbüßt hat und nach dem Untersuchungsgefängniß überführt worden ist, wegen obigen Vergebens unter Anklage gestellt. Unter den geladenen Zeugen befand sich auch der Inspektor der Anstalt, Herr Raddat. Derselbe bat aber, von seinem Zeugniß Abstand zu nehmen, ba er erfahren, daß sowohl von Seiten einzelner Beamten der Anstalt als einzelner Gefangener ein Komplot zu seinem Untergang geschmiedet worden und er befürchten müffe, daß man jede einzelne seiner Angaben gegen ihn auszubeuten fuchen würde. Seiner Behauptung nach seien die Zustände dort unerträglich, und er sehne sich darnach, aus seiner verantwortlichen Stellung dort erlöst zu werden. Der Staatssheimgeleuchtet." anwalt und noch anfänglichem Sträuben auch der Angeklagte verzichteten darauf auf das Zeugniß des Radday. Das Gericht fab sich nach dessen Erklärung aber nicht in der Lage, das Schuldig gegen den Angeklagten auszusprechen, da derselbe sehr wohl bios zum Sprachrohr der gesponnenen Intriguen gemacht worden sein könne. band, Der dten dern wet Schah nnen. bäter ei der Se ich men, ichlich - Die veffen De für e bet thung cipret sdorf bat er änden of fich entate, unden. Hand eutsch igiten estellt. räther ondern thchalt ruf die enfteid n Blan er Her r nicht en bef durch bierauf en ber ngslose Kampfe gegen wenn vers Arbeiter Cynamit werde Tießt der " 1 " ,, schwache Arbeiter", welche( nach seiner Taration) nicht 18 m. zu ,, verdienen" im Stande find, auf's Pflaster zu werfen und verhungern zu laffen, oder, wenn er fte trogdem in Lohn und Arbeit behielte, sein Geschä t, d. h. sich selbst zu ruiniren. Was sei da zu thun? Man möge es ihm einmal sagen. Und wo bleibe dann die Gerechtigkeit, wenn man dem ungeschickten oder gar trägen Arbeiter so viel zahle, wie dem gewandten und fleißigen, und was dergleichen bekannte Rebensarten mehr. Aber der hinkenden, gleißnerischen Fabrikantenlogik wurde von verschiedenen Rednern der Versammlung, besonders von dem oben genannten Referenten, gehörig Man bewies dem auf die volkswirthschaftlichen Wissenschaftslehren" fich berufenden Herrn, daß sich die Arbeiter besser auf dieselben verstehen, als er und feine Klaffengenoffen wohl zu glauben scheinen. Es wurde ihm zu erwägen gegeben, daß die Durchführung eines wöchentlichen Minimalverdienstes von 18 M. mittelst eines nach der mittleren Arbeitskraft normirten Minimaltarifs die humanen Fabrikanten keineswegs verhindere, vielmehr fie bazu zwinge, für quantitativ und qualitativ werthvollere Leistungen auch erheblich mehr Lohn zu zahlen. Man bedeutete ihn daß den Prinzipalen der Unternehmergewinn, den sie überhaupt erzielen, noch feineswegs verloren gehen oder bis zur Ronkurrenz- und Produktionsfähigkeit sich ververringern fönne, wenn sie wirklich hin und wieder aus einzelnen schwächeren Arbeitskräften nur wenig oder selbst gar keinen Profit" herauszuschlagen vermögen. Auch wurde dem volkswirthschaftelnden Herrn, der u. A. auf die Nothwendigkeit" und Nüglichkeit" ber freien Konkurrenz der Produzenten unter sich und auf die hieraus fich ergebende„ Unvermeidlichkeit verschiedener der kaufmännischen Kaltulation zu Grunde liegender Tariffäge( Löhne) und Waarenpreise" hingewiesen hatte, flipp und fiar gezeigt, daß die Arbeiter fein Interesse daran haben, der Fabrikanten Konkurrenz gegenüber, deren Opfer fie seien, so ganz paffiv oder geradezu fördernd fich zu verhalten, sondern daß vielmehr ibre gemeinsamen Interessen ihnen gebieten, fich jener Konkurrenz lämpfend entgegenzuwerfen, fte beijeder Belegenheit zu durchbrechen. Nicht minder endlich erinnerte man ihn daran, daß die Buch binder und Berufsgenossen, wie die Arbeiter überhaupt, stets auf die Reformbedürftigkeit der Lehrlings- Ausbildung und damit auf die endliche Beseitigung unzulänglicher, pfuscherischer Arbeitskräfte besonderes Gewicht gelegt haben. Leider verbietet Zimmergeselle Der vielfach bekannt gewordene Zimmergeselle Albert Marzian stand heute vor den Schranten der vierten Straffammer hiesigen Landgerichts I, um fich auf eine Anklage wegen Unterdrückung einer Urkunde zu verantworten. Als der betreffende Fall im Mai c. zur Anzeige gebracht wurde, war der Angeschuldigte in Untersuchungshaft genommen, nach nicht zu langer Zeit aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Angeklagte war Anfangs Kaffiter, später Vorsitzender des Vereins Berliner Bimmerleute, auch Vorsitzender der Lohnfommission. Im Jahre 1882 wurde bekanntlich zur Unterftügung der Stilenden ein Unterstügungsfonds gebildet, und die Einzelbeträge unter den Namen von Brivatpersonen bei der städtischen Spartaffe zinsbar angelegt. Diese Personen hatten zur Sicherung des Vereins demselben nur einen Revers dahin auszustellen, bag der qu. Sparkassenbetrag nicht ihnen, sondern dem Generalfonds gehöre. Auch auf die Namen von 3 Kindern des Angeklagten waren Sparkassengelder in Höhe von etwa 400 Mart angelegt und vom Angeklagten der bezügliche Revers ausgestellt worden. Im März d. J. gerieth der Angeklagte mit dem Verein in Differenzen, in Folge deffen er sein Amt als Vorfigender niederlegen mußte. Bei der Uebergabe der Stripturen fehlte der von ihm ausgestellte Revers. Später brachte der Angeklagte bei der Sparkasse auch einen Brotest gegen die Auszahlung der Sparkassengelder an. Der Ange tlagte deponirt, daß er durch seinen Protest wegen einer For berung an den aus denselben Personen bestehenden Zimmererberband fich habe deden wollen. Durch die Beweisaufnahme wird die Existenz dieser Forderung dargethan, und beantragt Staatsanwalt Simon von Zastrow deshalb bie Freisprechung Des Angeklagten, der sich zur Zurückbehaltung des Reverses be 11 *) Bur Ergänzung des bereits in der gestrigen Nummer unferes Bl. veröffentlichten erflen Berichts über diese Versamm lung laffen wir in Nachstehendem ausnahmsweise einen zrociten, ausführlicheren, seines interessanten Inhalts wegen, folgen. D. Red. der und hier zur Verfügung stehende Naum jedes weitere Eingehen auf die sonstigen intereffanten Momente der weit bis nach Mitternacht sich ausdehnenden animirten Verhand lungen. h. Die Minimaltarif- Kommission der Albumarbeiter, welche in der öffentlichen Albumarbeiter- Versammlung am 8. d. M. gewählt wurde, hat, wie uns von derselben mitgetheilt wird, ihre Arbeiten bereits begonnen und ist in denselben schon wesentlich vorgeschritten. Allerdings sollen sich der Ausarbei tung des Tarijs nicht zu unterschäßende Schwierigkeiten ents gegenstellen, besonders weil man dabei mit einer Anzahl von Materialien zu rechnen habe, welche erst seit kurzer Zeit be gonnen haben, eingeführt zu werden. Namentlich sei dies mit den Lederimitationen der Fall, die, nicht gerade zum Ruhme der Albumfabrikation, mehr und mehr Eingang finden. Die Erfahrung, welche man bis jetzt in der Bearbeitung solchen Kalblederpapiers" und ähnlichen Imitationsmaterials gemacht habe, feien im Allgemeinen noch nicht so weitgehende, daß sich schon jetzt gewiffe Normen darüber aufstellen ließen. Der von Der Kommission festgestellte Minimaltarif wird nach seiner Vollendung und Billigung seitens der Branchenkollegenschaft den Fabrikanten zugestellt und dann jedenfalls mit allem Nachdruck zur Geltung gebracht werden. Die vereinigte Kommission der Drechsler und Kaopfmacher Beilins erläßt folgenden Aufruf: Kollegen! Um die Arbeiter der einzelnen Gewerkschaften vor dem immer mehr überhand nehmenden Einflusse des Kapitals nur einigermaßen zu sichern, soweit dies ohne gesetzliche Regelung der Produktionsverhältnisse möglich ist, läßt sich vor Allem eine große, ges schloffene Organisation, in welcher die Arbeiter über alle ihnen naheliegenden Verhältnisse Aufklärung finden, empfehlen. Kollegen! Wir haben auf dem Gebiete der Krankenkasse enorme Erfolge zu verzeichnen, wir können stolz sein auf die Größe unserer Errungenschaften; warum sollten wir nicht auch in lofaler gewerkschaftlicher Beziehung Triumphe erzielen, welche unsere so tief gesunkene Genossenschaft einführen könnten in die Reihe der großen Einigkeitsverbände Berlins? Auf denn, Drechsler, Knopfmacher und Berufsgenoffen, reicht Euch die Hand zu gemeinsamem, kräftigem Vorgehen im Intereffe Eurer gedrückten Lage, im Intereffe Eurer Zukunft, Eurer Familien! Schon in mehreren Versammlungen haben sich Hunderte von Euch mit großer Einstimmigkeit bereit erklärt: einen Fachverein zu errichten, welcher zwei bisher leider getrennt marichirende, verwandte Korporationen vereinigen soll auf dem Gebiete des gleichen Strebens im Schuge voller undurchdringlicher Solis darität, im Kampfe um die Befferung Eurer Lage, zur Hebung Eurer Gewerke! Um nun diese Angelegenheit vollständig zur Reife zu bringen, haben wir zu Montag, den 22. Dezember 1884, Abends 8 Uhr, im Königstädt. Kasino, Holzmarkt- und Aleranderstraßen- Ede eine große öffentliche Versammlung der Drechsler, Knopfmacher und Berufsgenossen vorbereitet und legen es jebem Kollegen ans Herz, nur gar nicht fernzubleiben, denn in der Einmüthigkeit, da liegt die Macht! Laßt Euch nicht durch die Philisterschaft einzelner befangener Elemente abhalten, Euren Pflichten als Kollegen, als Arbeiter nachzus fommen, denn es gehören Alle an die Seite ihrer ringenden Brüder! Auch Ihr, Knopfmacher, vergeßt was vorgefallen ist, so wie wir vergessen haben, denn noch ist es Zeit Alles wieder gut zu machen, laßt Euch nicht durch die Vergangenheit Eure Bukunft rauben! Unsere Barole, welche wir gemeinschaftlich festhalten müssen, lautet: Alle Mann zur Versammlung behufs Gründung eines Fachvereins der Drechsler, Knopfmacher und verwandten Berufsgenossen! Die vereinigte Kommission der Drechsler und Knopfmacher Berlins. J. A.: Julius Müller, Engel- Ufer 5. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Tischler und Berufsgenossen hält am Montag, den 22. d. Mits., Abends 82 Uhr, Adalbertstraße 21, eine Versammlung ab. T.- D.: Vereinsangelegenheiten. Neue Mitglieder werden auf genommen.- Der Verein veranstaltet am ersten Feiertag Abends 62 Uhr im City- Hotel, Dresdenerftraße, ein Konzert, verbunden mit Gesang- und tomischen Vorträgen. Alle Freunde und Bekannte find hierzu eingeladen. Billets sind zu habent bet den Herren: Gundelach, Solmsstr. 12, Stügelmaier, Gitschinerstr. 93, Latur, Oranienstr. 203, Schrage, Grünauera straße 11, Lerche, Fruchtstr. 35 und in der Vereinsversammlung. Den Mitgliedern der Zentral- Kranten- und Sterbes taffe der Schuhmacher zur Nachricht, daß sich jetzt in allen Stadtgegenden Bablstellen befinden, wir ersuchen nun die Mitglieder, so viel als möglich die denselben am nächstliegenden zu benußen. Die Zahlstellen sind geöffnet Montags Abends von 8-9 Uhr und befinden sich: Seidelstraße 16 Restaurant Seidel, Alexandrinenstr. 113 Ede der Simeonstraße in der Destillation, Manteuffelstr. 21 Restauration Hemmerling, Anbreasstraße 43 Restauration Wirsing, Weinstraße 20 a, Ecke Mehnerstraße, Restauration. Elsasserstraße, 68 Restaurant Burghard." Beiträge werden nur in den Bahlstellen entgegen genommen. Um den Mitgliedern des Arbeiter- Bezirksvereins vom 15. und 20. Kommunal- Wahlbezirt Gelegenheit zu geben, ihre Beiträge entrichten zu tönnen, find vom Vorstand zwei Bahlstellen errichtet worden, und zwar im 15. Bezirk bei Schilt, Adalbertstr. 23, Ede Waldemarstraße und im 20 Bezirk bei Seidemann Adalberstraße 59, und werden daselbst für die nächste Beit Sonnabends und Montags von 7 Uhr ab und am Heiligen Abend von 4-6 Uhr Beiträge entgegengenommen. Der Borstand bittet die Mitglieder, von diesen Bahlstellen recht flotten Gebrauch zu machen. Ferner werden die Mitglieder darauf aufmerksam gemacht, daß Billets für das Panoptikum, zum Preise von 30 Bf. bei König, Engel- Ufer 6 a., Lehmann Adalbertstraße 75, Wolff, Naunynstr. 62 und in obigen Zahl stellen zu haben find. Die nächste Generalversammlung findet am 14. Januar statt. Der Unterstügungsverein der Buchbinder 2c., Alte Jakobstraße 75, wird sich am Montag mit der Regulirung einer Lohndifferenz refp. mit der Verhängung des Streifes über eine größere Mappenfabrik beschäftigen, es ist daber außers ordentlich wünschenswerth, daß die Mitglieder und besonders die Mappenarbeiter vollzählig erscheinen. Die freie Bereinigung der Naucherklubs veranstaltet am dritten Weihnachtsfeiertage in Kellers Gesellschaftsfalon, Andreasstraße 21, ein großes Militär- und Gesangskonzert, verbunden mit Ball. Zu diesem Arrangement haben sich ca. zehn Raucherklubs vereinigt und verspricht dieses Fest, ein großartiges zu werden, und soll eigentlich als Vorläufer au dem im nächsten Jahre wieder abzuhaltenden dritten deutschen Raucherkongreß in der Neuen Weit dienen, welcher bisher vom Publikum alljährlich mit so großem Beifall aufgenommen wurde. Billets zum dritten Weihnachtsfeiertage sind vorher in den betr. Klublokalen, Weinstraße 20 b, Straßburgerstr. 56, Koppenstraße 35, Memelerstraße 67, Friedrichsbergerstraße 6, Köpnickerstraße 191, Balltfadenstr. 83 und 103 zu haben. D Verein zur Wahrung der Intereffen der Korbmacher Berlins und Umgegend. Die diesmalige Versammlung findet nicht statt. Nächste Versammlung Sonntag den 18. Januar. Arbeiter Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Montag, den 22. Dezember, Abends 81/2 Uhr, im Wedding Park, Müllerstr. 178, Versamm lung. Tages Ordnung: 1) Wahl einer Statutenänderungs Kommission. 2) Vortrag. 3) Verschiedenes. 4) Fcagekasten. Gäste willkommen.- Diejenigen Mitglieder, welche in der Gäste willkommen. Beit vom Januar bis Dezember d. J. verzogen find, werden gebeten, ihre Adresse an den Kaffiter, Herrn Silier, Triftstraße 46 A, einzureichen. Eine Versammlung der Mitglieder des Arbeiter Bezirksvereins im Westen Berlins findet Montag, be 22. b. Mts., Abends 8% Uhr, im Saale des Herrn Grü Schwerinstraße 26, statt. T.- D.: 1. Vortrag 2. T' 3. Fragelasten. 4. Verschiedenes. Gäste haben Butritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreiche Betheilt gung wird ersucht. h. Der Fachverein der Tischler hält am Montag, den 22. b. Mts., bei Jordan, Neue Grünstraße 28, eine auferordentliche Generalversammlung ab, mit der Tagesordnung: 1. Antrag auf Rechtsschuß- Gewährung, 2. Wahl eines Arbeitsvermittlers, 3. Diskussion über Aufnahme einer Berufsstatistik, 4. Verschiedenes und Fragekasten. Billets zum Weihnachtsfest des Vereins in der Refourçe( früher Kolosseum) find in den Versammlungen und bei den Mitgliedern Böhm, Johanniterstraße 10, of 3 Tr.; Friese, Waldemarstraße 38, 3 Tr.; 1 Arbeitsmarkt. Ein tüchtiger Seher sucht sofort Kondition. Offerten unter B. C. 80 an die Expedition d. Ztg. Goldleisten. 1617 Ein z. Walzen u. Einlegen der Verzierungen durchaus fauberer, tüchtiger und selbstständiger Arbeiter gesucht. Braune u. Co., Grimmstr. 35. 1607 Arbeiterbezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Montag, den 22. Dezember, Abends 8½ Uhr, im Wedding Part, Müllerstraße 178, Versammlung. 1633 Tagesordnung: 1) Wahl einer Statutenänderungs- Kommiffion. 2) Vortrug. 3) Verschiedenes. 4) Fragetasten. Gäste find willkommen. Der Vorstand. NB. Diejenigen Mitglieder, welche in der Beit vom Januar bis Dezember d. J. verzogen sind, werden gebeten, ihre Adresse an den Kassirer, Herrn Sillier. Triftftr. 46 A, einzureichen. Arbeiterbez.- Ver. d.Westens Berlins. Versammlung der Mitglieder am Montag, den 22. b. M., Abends 8½ Uhr, im Saale des Herrn Gründer, Schwerinstraße 26. Tagesordnung: Strug, Frankfurterstraße 59, 4 Tr. und Wolter, Lothringer straße 24, 4 Tr. zu haben. Am Eingange des Festlokals werden feine Billets ausgegeben; jeder Theilnehmer am Feste muß daher vorher für die Eintrittskarte gesorgt haben. Das Fest besteht aus Konzert, deklamatorischen Vorträgen und Ball. Die Weihnachtsbescheerung der Berliner Bauanschläger für die Kinder der Mitglieder desselben findet am ersten Feier tag, Nachmittags 6 Uhr, in Drschels Salon, Sebastianstr. 39, verbunden mit Konzert und Tanz- Kränzchen statt. Familienbillets 25 Pf. Herren, die am Kränzchen theilnehmen 50 Bf. Programm wie Billets find bei den unterzeichneten Komitee Wegen Geschäftsverlegung mitgliedern zu haben: Hante, Reichenbergerstr. 63, Krause Elisabethstr. 65a, hegelmann, Rottbuser Ufer 27, Müller, Kom mandantenstr. 61, Hillmann, Chriftinenstr. 36, Wallow, Prenzlauer Allee 18, Opez, Alte Jakobstr. 66, Ferdinand, Gerichtsstr. 21/22, of I. III. Die Mitglieder- Versammlung der Krankenkasse der Studateure, örtliche Verwaltungsstelle II, der eingeschriebenen Hilfskaffe der Maurer, genannt Grundstein zur Einigkeit", findet Montag, den 22. d. M., Abends 812 Uhr, in dem Lokale des Herrn Nentwich, Neue Grünstraße 14, statt. Tagesord nung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes, 2. Kaffenangelegenheiten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Ausverkauf!! Wir beabsichtigen, sämmtliche noch vorhandenen Waarenbestände. bestehend in Kleiderstoffen, Leinen, Gardinen, Möbelstoffen, Teppichen, Tischdecken, Wäsche unter Kostenpreis zu verkaufen und bitten, beim Einkauf genau auf unsere Firma Gebrüder Lamm, 44a Kommandantenstr. 44a, zu achten. Wir offeriren von beute ab: 1 Partie Mohair Broché, allerneuster ganz feiner geblümter Mod: stoff 1 " 1 " " ganz schwere Woll- Lamas, vorzüglich zu Hauskleidern Changeant Broché, das Neuefte und Eleganteste der Saison Berliner Warp, reelle derbe Waare zu Hauskleidern, 1 " 1 " 1 " Schwarz Cachemires, gute Waare, doppelt breit, Schwarz Cachemires, 2 Ellen breit, ganz schwere Qualität, Schwarz Double- Cachemire, Reine Wolle, Prima, 1 Posten echter Herrenhuter Bettzeuge in jedem Muster Elsasser Hemdentuch, ohne jede Appretur, 1 " 1 " 1632 1 " 1 1. Vortrag. 2. Diskussion, 3. Fragetaften. 4. Verschie denes. Gäfte haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vorstand. Die Mitglieder- Versammlung der Kranken- Kasse der Stuckateure, örtliche Verwaltungsstelle 2, der Eingeschriebenen Hilfskaffe d. Maurer und Steinbauer, genannt Grundstein zur Einigkeit, findet Montag, den 22, Abends 8% Uhr, in dem Lokale des Herrn Nentwich, Neue Grünstraße 14, statt. Tages- Drdnung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes. 2. Kaffen- Ange Legenheiten. Neue Mitglieder werden aufgenommen.[ 1620 Fachverein der Tischler. Montag, den 22. Dezember, Abends 8% Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünftraße 28. Außerordentliche Generalversammlung. Tages- Ordnung: 1. Ein Rechtsschußantrag. 2. Wahl eines Arbeitsvermittlers. 3. Diskussion über Aufnahme einer Berufsstatistit. 4 Ver schiedenes u. Fragekasten. Das Quittungsbuch legitimirt. 1614 Der Vorstand. Unterstützungsv. d. Buchbinder und verwandten Berufsgenossen. Montag, den 22. Dezeber, Alte Jakob- Straße Nr. 75. Tages- Ordnung: 1. Beschlußfaffung über die event. Arbeitseinstellung der Kollegen in der Mappenfabrik von Bergmier u. Brandeis. 2. Bettungsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fragekaften. Verein Berliner Bauauschläger. 1624 25. Dezember( 1. Weihnachtsfeiertag). Nachmittags 6 Uhr, in Drschel's Salon, Sebastianstr. 39: Weihnachts befcheerung Der Kinder der Vereinsmitglieder, verbunden mit Konzert und Tanz. Familien- Billets 25 Pf. Billets find bei sämmtlichen Vorstands Mitgliedern au haben. [ 1619 Für Kürschner und Berufsgenossen 10 Uhr bei Seefeld, Grenadierstraße 33. 1519 befindet sich der Arbeits- Nachweis Abends von 8 bis Selbstunterricht in der einfachen und doppelten kaufmännischen Buchführung und Darstellung eines neuen abgekürzten Systems zur doppelten Buchmethode. Von C. Schmidt. Lehrer d. Handelswissenschaft. Bu beziehen durch die Expedition des Berl. Volksblatt" Zimmerstraße 44. Soeben erschienen: Cread Leinen, breite schwere Waare. 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