Nr 227. Sonntag, 28. Dezember 1884. I. Iabrz. KMerVllllisW Brgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 _... � Da?„Berliner VoMdlatt" (Enegetrages tn der PsstzntunzzpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) JusertionSgedühr beträgt für die 3 gespaltene Petüzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarV 10 Pf. Bei größere« Aufträge« hoher Rabatt«ach Uebereinkunft. J«serate«erde» bi« 4 Ähk Nachmittag» in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie vo» alle»%n«9«(w Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. NeöaKlion und GXpeöition Uertin 8W� Mmmerstraße 44. Al>»MeNellti-Guiad«ug. Mit dcm I.Januar k. Js. eröffnen wir ein neues Abonne- U mtnt auf das „Berliner Volksblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jlhlstrirtes Sonutagsblatt". Wir blicken nunmehr auf ein Bestehen von dreiviertel Jahren zurück, und der Abklang, den unser Blatt überall ge- funden hat, beweist, daß wir uns mit den Anfichtm unserer Leser vollständig in Uebcreinstimmunff befinden. Wir werden vom 1. Januar{. Js. ab vor allen Dingen unsere Aufmerksamkeit den parlamentarischen Vorgängen widmen; wir werden die Berichte aus den gesevgedenden Körperschaften so ausführlich bringen, daß wir mtl den größten Berliner Zeitungen erfolgreich zu konkurriren im Stande find. Der Abonnementspreis beträgt für Berlin wie bisher 4 Mark pro Quartal, 1,35 pro Monat, 35 Pf. pro Woche. Bestellungen nehmen sämmtliche Spediteure, sowie die Expedition dieser Zeitung an. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Quarial zum Preise von 4 Mark entgegen. Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Tbeil des fesselnden Romans „Gesucht und gefunden" gegen Vorzeigung resp. Einsendung der AbonnementS-Quittung In unserer Expedition Zimmerstraße 44, in einem Separatabzuge gratis und ftanko nachgeliefert. Probenummern stehen den Freunden unserer Zeitung selbst in größerer Anzahl stets zur Verfügung. Wir bitten hiervon recht ausgiebigen Gebrauch zu machen, damit das„Berliner Volksblatt" in immer weiteren Kreisen Eingang finde. Nie Tagelöhne in Schlejien. Für die Bewohner einer der reichsten Städte Deutsch- lands, in welcher auch der Arbeitslohn, obgleich für die Verhältnisse dieser Stadt gering genug, den Lohn in den übrigen Gegenden Deutschlands übersteigt, dürfte eS von Interesse sein, üb» die Höhe der Tagelöhne in einer der „ärmsten Gegenden" Deutschland», in Schlesien, Näheres zu erfahren. Zunächst aber wollen wir bemerken, daß man Schlesien nur in soweit„arm" nennen kann, weil unendlich viele arme Leute dort wohnen; sonst ist e» gesegnet genug mit Schätzen des Land- nnd Bergbau?, schöne Flüsse durch- -Nachdruck»erboten.) 48 Gesucht und gesunde». Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) „Die Zeiten haben sich geändert. Nach Deinem Vsr- schwinden nahm er Anfangs Deine Vettern und Kousine Lude Rodcnburg als Erben in Aussicht. Den Jntriguen Ambergs ist eS aber gelungen, diese aus seinem Herzen und auS seiner Nähe zu verdrängen, und den alten schwa- che» Mann zu bethören.... Lude Rodenburg hat sich längere Zeit zu seiner Pflege in sdnem Hause aufgehalten; durch allerlei Jntriguen ist sie aus demselben entfernt worden.... Ich lernte sie kenn»» in Berlin bei alten Freunden von mir." „Sie ist die Schwester des ArzteS, welcher den Grafen M'Donuil in seiner Krankheit behandelte." „WaS, der junge Arzt, den wir dort kennen lernten, wäre Dein Better?" „Ja, mein Vetter! Er weiß natürlich nichts davon. i Ich habe ihn später schätzen und lieben gelernt und mit ihm Freundschaft geschlossen, da die Bande der Verwandt- schast, welche uns aneinander ketten, ihm Geheimniß bleiben müssen." „Merkwürdiges Zusammentreffen! Der verstoßene Sohn und der verstoßene Eibe schließen einen Freundschaftsbund! Deine armen Verwandten sind zu beklagen, sie scheinen Alle nicht gut situirt; Lude bestreitet durch ihrer Hände Arbeit ihren Unterhalt." „Schändlich! Eine solche Nichtswürdigkeit aber durfte man dem Amberg zutrauen!" „Es hat mich innerlich auch empört, Felix." „Durch meine Kousine erfuhrst Du zugleich..." „Nicht durch sie! Ich vermied es, ihr gegenüber irgend ein Interesse an den Tag zu legen, um bei ihr und meinen Verwandten keinen Argwohn zu erregen... Ich wandte mich an eine viel bessere Quelle, an eine Person, welche, wie ich schon sagte, gegenwärtig der beste Freund DdneS rauschen das Land, prachtvolle Waldungen zieren es und leuchtende Wiesen liefern dem zahlreichen Vieh saftige Nahrung. Also arm ist die Provinz an sich nicht— aber die Arbeiter in derselben sind arm, sehr arm. Bei Gelegenheit der Berechnungen für die Krankenver- sicherung find bekanntlich von den Behörden in Deutschland die ort»üblichen Tagelöhne festgestellt worden. Den baaren Löhnen sind Tantiemen und Naturalbezüge(freie Wohnung, Feuerung, B.köstigung, Viehweide u. s. w.), nach OrtS- durchschnittSpreisen veranschlagt, hinzugerechnet worden. Die Gemeinden hatten die Angaben gesondert zu machen: a. für erwachsene(mehr als 16 Jahre alte) männliche; b. für er- wachsene weibliche; c. für jugendliche(unter 16 Jahren) männliche und d. für jugendliche weibliche Arbeiter. Das Ergebniß dieser Lohnfeststellung soll nun nach den in den Amtsblättern veröffentlichten Angaben für die Pro- vinz und die einzelnen Regierungsbezirke nachstehend ange» geben werden. Der Durchschnitt des ortsüblichen Tagelohvs(wohlge- merkt, inbegriffen der Naturalbezüge) beträgt demnach nach Pfennigen: in der Prov. im Bezirk im Bezirk im Bezirk Schlesien Breslau Liegnitz Oppeln für erwachsene männ- liehe Arbeiter.. 103 101 110 98 für erwachsene weibliche Arbeiter.. 67 65 70 66 fürjugendliche männliche Arbeiter.. 57 55 56 60 für jugendliche weibliche Arbeiter.. 44 44 46 44 Die Lebensmittel in der Provinz Schlesien sind nun allerdings etwas billiger, als in Berlin, besonders quan- titativ gerechnet. Faßt man aber die Qualität derselben ins Auge, bedenkt man, daß bei guter Qualität die Quan- tität der Nahrungsmittel nicht so groß zu sein braucht, dann ist in Bezug auf die Ernährung der Preisunterschied der Maaren in Berlin und Schlesien kein so sehr großer. Wohnung und Feuerung allerdings sind in Schlesien merklich billiger, als in Berlin. Doch wenn man auch dies berücksichtigt, so sind doch die schlesischen Durchschnittslöhne gradezu Hungerlöhne. Sechs Mark für sieben Tage! Wie damit ein erwachsener Arbeiter auskommen soll, der noch dazu Frau und kleine Kinder hat, das ist nicht recht zu begreifen! Auch dabei redet man so gern von dem gesegneten„deutschen Reiche!" Nun wollen wir aber auch unfern Lesern zu den Durchschnittslöhnen auch noch die höchsten und niedrigsten Vaters ist. Ich begab mich nach Neustadt und hatte dort mit Amberg eine Unterredung." „Und das Resultat, Max?" „Das zu hören, ersparte ich Dir gern." „Erspare mir nichts...! Alles, was mich an Leiden trifft, betrachte ich als eine Strafe." „Eine Strafe ist's allerdings, aber keine gerechte, die Dich trifft... Wohl aber ist es für Deinen Vater eine gerechte Strafe, daß er einsam und allein in der Welt da- steht. Niemand hat, der sich seiner annimmt, der ihm Freundschaft und Liebe erweist, als jenen— Heuchler." „Sagtest Du ihm, daß Du in meinem Auftrage kämst?" „Ich sagte ihm, daß ein Freund von mir Interesse an Herrn Rodenburg nehme und mich beauftragt habe, nach Deutschland zu reisen, um mich nach dem Befinden deS alten Herrn zu»kündigen." „Und er antwortete?" „Daß der alte Herr sich leidlich wohl befinde und ganz zufrieden lebe... Ich fragte, ob Herr Rodenburg nicht einen Sohn habe; darauf ward mir die Antwort:„„Er hatte einen Sohn."" „Ja, mein unglücklicher Vater hatte einen Sohn! Sein Sohn hat ihn undankbar verlassen, hat den Schimpf eines Verbrechens auf seinen unbefleckten Namen geladen, und ist Schuld daran, daß sein Alter vereinsamt ist, daß er freudlos und liebeleer die letzten Tage seines Lebens verbringen muß." „So war die Antwort nicht gemeint... Man hält nämlich den Sohn für todt." „Ah!" rief Felix erstaunt.„Wie kommt man zu der Annahme?" „Herr Amberg erzählte mir, waS ich natürlich wußte, daß der Betreffende auf eine räthselhafte Weise aus Deutsch- lond verschwunden sei, daß man später erfahren habe, er halte sich in Indien auf, und daß man von dort her die Nachricht seines Tode» erhalten habe." „Uno über das Verschwinden sagte er nichts?" „O ja, doch! Er brachte daS Verschwinden in Verbin- dung mit einem Verbrechen." Löhne angeben. Dabei stellt sich das Verhältaiß in de« betreffenden Regierungsbezirken folgendermaßen: 1) Für männliche erwachsene Arbeiter a. im Bezrik Breslau: höchster Mk. 1,60(Stadt Breslau), niedrigster Mk. 0,80(Kreise Militsch, Münsterbcrg, Wartenberg)'; b. im Bezirk Liegnitz: höchster Mk. 1,80(Stadt Görlitz), niedrigster Mk. 0,90(Kreis Grünberg- Land und Kreis Rothenburg O.-L.); c. im Bezirk Oppeln: höchster Mk. 1,20 (Städte Beuthen, Königshütte, Kattowitz, Tarnowitz), niedrigster Mk. 0,80(in den Landgemeinden neun verschie- dener Kreise). 2) Für weibliche erwachsene Arbeiter a. im Bezirk Breslau: höchster Mk. 1(Stadt Breslau), niedrigster Mk. 0,50(Kreise Guhrau, Militsch, Münsterberg, Neu- markt und Trebnitz); b. im Bezirk Liegnitz: höchster Mk. 1 (Städte Görlitz, Liegnitz, Lauban); niedrigster Mk. 0,45 (Kreis Rothenburg O.-L.); e. im Bezirk Oppeln: höchster Mk. 0,80(in 13 verschiedenen Städten), niedrigster Mk. 0,50 (Kreis Kreuzburg- Land, Krdse Lublinitz, Rosenberg, Rybnik). 3) Für männliche jugendliche Arbeiter a. im Bezirk Breslau: höchster Mk. 0,80(Stadt Breslau), niedrigster Mk. 0,40(Kreise Neurode und Warteuberg); b. im Bezirk Liegnitz: höchster Mk. 0,80(Stadt Görlitz), niedrigster M. 0,30(Kreis Rothenburg O.-L.); c. im Bezirk Oppeln: höchster M. 0,80(Städte Beuthen, Königshütte, Kattowitz, Neiffe); niedrigster Mk. 0,40(Kreis Rybnik). 4) Für weibliche jugendliche Arbeiter: a. im Bezirk Breslau: höchster Mk. 0,60(Stadt Breslau und Kreis Reichenbach, niedrigster Mk. 0,30(Kreise Guhrau, Militsch, Wartcnberg); b. im Bezirk Liegnitz: höchster Mk. 0,60 (©•übte Görlitz, Liegnitz, Mustau); c. im Bezirk Oppeln: höchster Mk. 0,70(Stadt Neiffe), niedrigster Mk. 0,30 (Kreise Lublinitz, Rosenberg). Aus dieser Zusammenstellung ersieht man, daß nur in den Städten Breslau und Görlitz von den Tagelöhnern ein Lohn von 1 Mark 60 Pfennigen erzielt werden kann und zwar als höchster, ausnahmsweiser Satz, während sich zahlreiche männliche Arbeiter mit 80 Pfennig begnügen müssen— das ist ein Wochenlohn von 4 Mark 80 Pfennigen! Daß Frauen nicht mehr als 50 Pfennige und jugendliche Arbeiter nicht mehr alz 30 Pfennige täglich verdienen ohne irgend eine andere Vergütung, ist kaum begreiflich. Jugendliche Arbeiter im kräftigsten Wachsthum können ja kaum die Ernährung mit 30 Pfennig bestreiten! Dieselben müssen bei solchen Löhnen körperlich und mo- ralisch zu Grunde gehen. Wahrlich, solche Zustände dürften doch wohl geeignet sein, die maßgebenden Faktoren in Deutschland anzafeuern, den Arbeitern raschere Hilfe zu bringen, die„Sozial- „Also man weiß es?" „Das schien mir in der That so, denn er erwähnte auch das gleichzeitige Verschwinden des Herrn von Wredow." „Man weiß Alles! Mein Name ist einregistrirt in die Liste der gemeinen Verbrecher." „Leider mußte ich das nach Amberg's Andeutungen ebenfalls annehmen." „Woher aber rührt die Nachricht von dem Tode Felix Rodend urg's?" „Der preußische Konsul in Pondichery hat diese Nach- richt Herrn Rodenburg zukommen lassen... Es ist kein Zweifel, die Identität eines bei Madras ermordeten Offi- ziers mit der Person des Felix Rodenburg, alias O'Bcian, ist vollständig erwiesen." „Und alle Welt glaubt a« den Tod des Geächteten?" „Natürlich glaubt alle Welt daran." „Es ist vielleicht so am besten, Max.... Du hast doch nicht die Unvorsichtigkeit begangen, diese Nachricht zu widerlegen." „Ich dachte das, was Du eben aussprachst, daß es vielleicht am vortheilhaftestcn so sei." „Ja, es ist am besten so, ja; aber besser wäre eS für mich, wenn die Nachricht nicht eine falsche, sondern eine wahre wäre.— Für mich giebt es nur Erlösung durch den Tod." „Lieber Felix, die Reue sühnt die That, und Deine Reue ist so tief und aufrichtig gewesen, daß die That, welche ja nur im Affekt der Leidenschaft verübt wurde, ja eigentlich nichts war, als eine fahrlässige Tödtung, längst gesühnt ist.— Die Zeit wird die Stimme Deines Äe- wiffenS zum Schweigen bringen... Es wäre ja entsetz- lich, zu denken, daß ein Mann, so jung, so voll Lebens- kraft, so voll edler Grundsätze, am Leben verzweifeln und hoffnungslos seine Tage hinschleppen sollte." „Du malst das LooS meiner Zukunft... Aber sage, wie nahm mein Vater die Nachricht von meinem Tode auf?" „Nach Amberg's Bericht sehr gleichgültig." Reform" in ein schnelleres Tempo und in richtigere Geleise überzuführen. Solchen Zuständen gegenüber wäre eS in der That am Platze auszurufen: Unerhört! Unerhört! Dolitisrke NebersieKt. Die AnSdehnung der Unfallversicherung auf die in land- und fo:stwnthschastlichkn Betrieben beschäftigten Arbeiter ist end giltig vom Äundesrath beschloffen worden. Die Be- stimmungen des angenommenen Entwurfes schließen fich so viel wie möglich dem allgemeinen Unfallvelstcherungs- und K'rankengesctze an. Von dem ersten Theile,„Allgemeine Be- fiimmungen", bezeichnet das Folgende die Grundlage und Richtung des Gesetzes: § 1. Alle in land- oder forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Betriebebeamten, Letztere sofern ihr Jahres- Arbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt zweitausend Mark nickt übersteigt, werden gegen die Folgen der bei dem Betriebe sich ereignenden Unfälle nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Gesetzes versichert. Dasselbe gilt von Arbeitern und Betriebebeamten in land- oder forstwirthschaftlichen Rcbenbetricden, sofern sie nicht bereits nach Maßgabe des§ 1 d-S Unfallverficherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 versichert sind. Wer im Sinne dieses Gesetzes als Betriebsbeamter anzusehen ist, wird durch statutarische Be- stimmung der Berufsgenossenschaft für ihren Bezirk festgestellt. Als landwirthschaftlicher Betrieb im Sinne dieses Gesetzes gilt auch der Betrieb der Kunst- und Handelsgärtnerei. Auf die ausschließlich in Haus- und Ziergärten beschäftigten Arbeiter findet dieses Gesetz keine Anwendung. Ob ein Betrieb im Sinne dieses Gesetzes als ein land- oder forstwirthschaftlicher anzusehen ist, entscheidet im Zweifelfalle das R-ichs-Verstche- rungsamt.§ 3. Als Jahresarbeitsverdienst der Betriebsbeamten, soweit sich derselbe nicht aus mindestens wochenweise fixirten Beträgen zusammensetzt, gilt das dreihundertfache des durch- schnitllicken täglicher'. Verdienstes an Gehalt oder Lohn. Als Gehalt cd:r Lohn gelten dabei auch feste Naturalbezüge. Der Werth der letzteren ist noch Durchschnittspreisen in Ansatz zu dringen. Dieselben werden von der unteren Verwaltungsbehörde festgesetzt. Nach§ 4 findet dieses Gesetz auf Reichs-, Staats- und Kommunalbeamte keine Anwendung. Dem Vundesrath ist ein Antrag Preußens, betref- send einen Zusatz zum§ 12 des Gesetzes wegen Erhebung der Tabaks st euer vom 16. Juli 1879 zugegangen. Die Zusatzbestimmung lautet:„Die obersten LandeS-Finanzbehörden find ermächtigt, ausnahmsweise zu gestatten, daß die Gewicht«- ermittelung erst nach dem 31. März, jedoch spätestens biS zum 31. Mai des auf daS Erntejahr folgenden Jahres geschehe. Greiz. Bis jetzt ist folgendes Wahlresultat bekannt: Wiemer(Sozialift) 3390, Liebmann(konservativ) 1646, Kirmse(Mittl. Volkspartei) 46. Die noch fehlenden Ort- schaffen ändern nichts mehr. Wiemer ist somit gewählt. Strafkolonien? Unter den Ausführungen des„Observer" über die neuen deutschen„Annexionen"— dieses Ausdrucks bedient sich d!e englische Prepe ohne Rückhalt— ist besonders ein Hinweis darauf crwähnenswerth, daß Deutschland in der Südsee möglicherweise die Einrichtung von Strafkolonien beabsichtigen könne. Das Blatt schreibt:„Der Schritt ist einer, den Fürst Bismarck seit geraumer Zeit deadsichligte. Er- klärte doch der sächsische Premierminister vor einiger Zeit öffent- (ich, Fürst Bismarck hätte ihm gesagt, er billige die Idee, deutsche Kolonien im stillen Ozean für HandelSzwrcke und Strafkolonien zu gründen. Angenommen, daß die Mel- dung von der Annexion wahr ist, so giedt es einen Punkt, betreffs dessen unsere Regierung Avspiuch auf befriedigende Er- kiärungcn hat. Geht Deutschland mit der Abficht um, diese neuen Niederlassungen als S t r a f k o l o n i e n zu benutzen? Beabsichtigt es dies, so wird es unmöglich sein, der australi- fchen Forderung zu widerstehen, welche darauf gerichtet ist, eine Politik teutonischer Ausdehnung, dw völlig unatiSglich für Australien sein muß, zu hemmen. Aus keinem anderen Grunde könnte indeß in dem gegenwärtigen Stande der öffentlichen Meinung in England irgend ein Einwand gegen deutsche Annexionen im Stillen Ozean erhoben wrrden." Oesterreich-Ungarn. Der Kasstrer der Eskomptc-Bank in Wien, Amschler, welcher den Gegenverschluß der Jauner anvertrauten Kasse führte, ist verhallet worden. Das mit Amschler angestellte Verhör soll ergeben haben, daß derselbe an den strafbaren 5�zndlungen Jaunens und Kuffler's bc- thetligt gewesen sei.— Die Pester Polizei hat in einem Be> diensteten der hiesigen Hauptpost, NamenS Joseph Szado, den Thäter des ini November verübten Postdiebstahls von 5143 Fl. aus einem nach Jaßbereny abgegangenen Pollbeutcl entdeckt. Das Geld ist in Veszprim in einer Scheune vergraben aufge- fundcn worden.— Gewiß ist der Zufall der Polizei bei dieser Entdeckung zur Hilfe gekommen, denn unter der Wirthschaft, wie sie bis vato-n Polizei-Krcisen vorhanden war, ist an eine gründliche Untersuchung größerer Spitzbübereien wohl kaum gedacht worden. Die ans Tageslicht ge'ommenen korrupten ungarischen Polizei- Verhältnisse, zeugtin nicht blos von polizeilichen Mißdräuchen sondern auch von einer „Das ist unmöglich! Mein Vater liebte mich wie sein eigenes Leven.— Arnberg sprach die Unwahrheit." „Ich habe denselben Einwand gemacht; Amberg aber meinte, daß die Nachricht von dem verübten Verbrechen Dich vollständig seinem Herzen entfremdet, seine Liebe zu Dir vollständig ertödtet habe... Ja, wenn er die Wahr- heit sprach, so hat Dein Vater seinen Fluch auf Dich ge- schleudert und einen heiligen Eid geschworen. Dich nie wieder sehen zu wollen." Felix sank erbleichend in den Stuhl zurück. Er bedeckte fem Amlitz mit den Händen und verharrte einige Zeit im Schweigen. Die Oualen seiner Brust aber sah man an dem kon- vulsivische« Athmen und den Seufzern, welche tief hervor- gepreßt wurden, an dem Zlltern seiner Lippen, welche das Wort„Fluch" zu wiederholen schienen. „Ich beklage Dich von ganzem Herzen," nahm Mar nach einer Weile das Wort.„Es macht mir Pein, der UnglückSbote sein zu müssen, der Deinem bekümmerten Herzen noch mehr Qualen bereitet.— Aber nachdem ich Dir nur das Schlimme gesagt, laß mich auch dasjenige aussprechen, waS mir für Dich tröstlich und beruhigend scheint." Felix ließ die Hand sinke« und schüttelte traurig den Kops. „Giebt es dergleichen für mich?— Gewiß nicht!" „O doch, mein Freund! Ich habe nämlich einen ge- wissen Verdacht nicht bekämpfen können, der während meiner Unterredung mit Amberg in mir aufstieg." „Welchen Verdacht?" „D.'ß Amberg log!" „Woraus schließt Du das?" „Nach Deinem Verschwinden kann Dem Vater Dich nicht gehaßt und verflucht haben, denn sonst hätte er keine Schritte gethan. um Deine Rückkehr zu ermöglichen." Felix horchte gespannt auf._ Max fuhr fort:„Die Schritte bestanden darin, daß er bei Deiner vorgesetzten militärischen Behörde Deinen Abschied erwirkte. Du begreifst, daß man dort Dein Ver- schwinden als Desertion bezeichnete und daß man Dich, tief liegenden Versumpfung der Justiz und Verwaltung. Die Gattin drs oberstkn Polizeichefs wird wiederholt beschul- digt, 600 Gulden, 25 Dukaten, ja selbst quartaliter eine Rente bezogen zu haben von Leuten, die Konzessionen zu Kaffee- häufe:n, Nachtlokalen u. s. w. haben wollten und denen die Polizei nicht nur die gewünschten Lizenzen ertheilte, sondern das skandalöse Treiben in diesen„Vergnüguvgslokalen" so lange duldete, als die Geldablieferung erfolgte. Der Ratten- fönig von Klagen gegen die Gattin ves Oberstadthauvtmannes wurde von dem Staatsanwälte zwar trotzdem verworfen, aber es bleibt doch eine Thatsache, daß die Budapester Polizei mit Gaunern und Banditen unter einer Decke gespielt hat. Schweiz. Die soziale Fiage drängt fich auch in der Schweiz immer mehr in den Vordergrund und die verschiedenen Parteien sind gezwungen ihr gegenüber Stellung zu nehmen. Nachdem die„Neue Zürich. Ztg." mit einem sozialen Pro- aramm aufgetreten ist, ist auch auf radikaler Seite eine Manifestation zu Gunsten der sozialen Reform erfolgt. Herr Natlonalrath B! e u l e r hat aus dem demokratischen Partei- tage in Winterthur, der vor acht Tagen stattfand, die Aufgaben der Demokraten für die Zukunft festgestellt. Er steht das öffentliche Leben je länger je mehr nach der eidgenösstschen Seite gravitiren und den Staatssozialismus im Gegensatz zum alten Rechts-, Polizei- und Manchesterstaat fich zueignen. „Die wirthschaftlichen Fragen stehen oben- an, das, was Ves Volkes Brod berührt, wird j etzt m ehr b es prochen, alsformale politische Punkt e." Dock auch das Formale, die Staatsorganisation, hat ihr Recht. Obenan stehen die Volksrechte und ihre schweizerische Organisation, da gebe es Arbeit für die Demo- kraten..Herr Bleuler zeigte, daß der heutige Zustand, bei welchem die Gesetzgebung nur in den Händen der Bundesver- sammlung liegt, allein der Obstruktionspolitik diene. Gebe man dem Volke eine obligatorische Abstimmung und die I ni ti at i v e, so werde es stch an den ruhigen, verständigen Gebrauch gewöhnen und dem leidenschaf lichen Treiben der Steinpolitik aus Obstruktion den Rücken kehren. Das Programmjses Herrn Bleuler lautet:„Versicherung von Staa ts wegen mit Belastung der Besitzenden, der Grundrente und der Arbeit- g e b e r; Versicherung gegen die Elemente, Versicherung des Lohnarbeiters auf Aller und Invalidität." Rußland. Auf Vorschlag des russischen Kriegsmirnsters bat der Kaiser den Bau neuer und starker Fkstungswerke in Batum, Poli, Kars und Michailovsli im nächsten Jahre sanktionirt— Auf Anordnung der Petersburger Polizei sollen alle S e tz e r, ehe fie die Druckereien, in denen sie beschäftigt, verlassen, allabendlich einer Durchsuchung unterzogen werden. Die Polizei glaubt, daß diese Männer in Verbindung mit der geheimen Presse stehen, aus der so viele aufrührerische Druckschriften hervorgehen. Die Ar- beiter und deren Meister protestiren energisch gegen diese Blaß- regel.— In dem Prozesse gegen Rykow und Genossen find durch das heute verkündete Ürtheil die Angeklagten nach den Anträgen des Staatsanwalts, und zwar Rykow zur Verbau- nung in eine weniger entfernte Gegend Sibiriens, die übrigen Angeklagten thcils zur Verbannung, theils zu Zuchthausstrafen verurthcilt worden; außerdem find dieselben zu einem Zcha- densecsatz im Betrage von neun Millionen Rubel verpflichtet. Großbritannien«nd Irland. Michael Davitt, de: Gründer der irischen Landliga, hat eine Reise nach Südeuropa, Indien, Australien und Amerika angetreten, die ihn nahezu zwei Jahre von England fem halten wird. Davitt beabsichtigt, in den erwähnten Ländern durch Vorträge Propaganda für die von ihm verfochtene Nation alistrung des Landes zu machen.— James Ellis French, der ehemalige Chef der Geheimpolizei in Irland, welcher eines schweren Vergehens gegen die Siitlrchkeit angeklagt ist, wurde am«onnabend zum drrttm Male vor die Geschworenen gestellt. Diesmal wurde er schuldig gesprochen und zu 2 Jahren Gefängniß, verbunden mit harter Arbeit, verunheilt.— Im ganzen Lande rumort es gewaltig. In London haben sich schon Tausend« vv.-r Personen bereit erklärt, gegen die Hausbesitzer„Strike" zu machen, sobald des Kom- mandowort ausgegeben wird. In der Grafschaft Stec sind Meetings dcr Farmer im vollen Schwange, um den LandlordS mit einer allgemeinen Verweigerung der Pachtzahlung ent- gegenzutreten. In Schottland ist die gleiche Bewegung ganz allgemein geworoen und in mehreren Grafschaften haben die Pächter bereits thatsäcklich die Rentenzahlungen eingestellt, wodurch eine Krise heraufbeschworen erscheint, die ernste Verwickelungen zur Folge haben dürfte. Auf der Insel Skye, wo die Kiewpächter entschiedene Stellung ein- genommen hoben, ist es abtimals zu ernstlichen Ausschrirtungen gekommen. Der Gerichtsvollstcecker, welcher nach dem Dorfe Vaitos gekommen war, um den renitenten Pächtern die Pacht- kttndigungen einzuhändigen, wurde von einer aus der ganzen Nachbarschaft zusammengcströmien Volksmenge gewaltsam vertrieben und auf seinem schleunigen Rückzüge verfolgt. Wer weiß, wie es ihm ergangen wäre, wenn ihm nicht eine Jagdgesellschaft, die sich in der Nähe befand, zu Hilfe gekommen wäre. falls Du zurückkehrtest, als Deserteur bestraft haben würde, wenn nicht Dein Vater sofort Deinen Abschied nachgesucht und erhalten hätte.— Er hat also an Deine Rückkehr geglaubt und Dir den Weg zur Rückkehr erleichtern wollen." „Mein guter Vater! Er hat dem Sohne, welchen er hassen und verachten mußte, dem Undankbaren, den Weg der Rückkehr offen halten wollen." „Das scheint mir wenigstens unzweifelhaft.... Wie ist aber eine solche Handlungsweise mit dem Fluche Deines Vaters in Verbindung zu bringen?" „Er wird jene Schritte gethan haben, bevor er von meinem Verbrechen gehört hatte." „In Bezug auf das Verbrechen, lieber Felix, ist mir auch ein Bedenken aufgetaucht, das mir gar nicht so un- wichtig erscheint." „Ein Bedenken; in wie fern?" „Amberg sprach nicht von einer Ermordung Wre'oow's, sondern nur von' einem Verschwinden desselben." „Er hat einen gelinderen Ausdruck gebraucht, aus Rücksicht für den Namen meine? Vaters." „Amberg ist nicht ein Mann, der nach einem gelinderen Ausdrucke sucht, um auf Jemanden Rücksichten zu nehmen, der ihm bei seinen Intentionen im Wege steht. Wie ge- sagt, mir ist die Sache aufgefallen. Du magst mich aus- lachen, Felix, einen Augenblick dachte ich daran, daß Du Dich am Ende selbst eines VwbrechenS anklagtest, das Du gar nicht begangen hast." Felix machte eine abwehrende Bewegung. „An meinem Verbrechen ist kein Zweifel.— ich gerieth mit Wredow in Wortwechsel, als er an mich das Ansinnen stellte, ihn bei der Entführung des Fräulein von Steinberg zu untersttltzen.... Ich hielt ihm daS Verwerfliche seines Planes vor, ich nannte es unehrenhaft. Er ant- wortete mir, daß er an meine Freundschaft appellirt habe; wenn ich meine Hilfe versage, so würde er seinen Plan ohne mich aulsühren.— Ich erklärte, daß ich mich dem widersetzen würde.... ein Wort gab da» andere, bis Eghstte«. In offiziellen englischen Kreisen beginnt m jetzt endlich— so wird dem„Gaulois" auS London gemeldet— über die Resultate d;r Sudan-Expedition unruhig zu werden. Lord Hartington verhehlt nicht seine Besorgnisse bar- über, daß General Go bon knne Miene macht, Lord Wolselcy entgegenzugehen, der bis Debbch und Korti vorgerückt ist, ohne fich mit den Belagerten in Verbindung setzen zu können. Seit dem 4. November ist man ohne alle Nachrichten aus Khartum, und man äußert selbst Verdacht wegen des Briefes Gordon's, der dieses Dalum trägt. Viele glauben neuerdings an den Fall dieser Stadt und den Tod des Generals. Es wäre sonst kaum zu erklären, warum er, von der englischen Armee nur durch eine Wüste getrennt, welche die Araber in einer Woche durch- ziehen, keine Nachricht von stch gebe, besonders da dcr Lauf des Nil von Khartum bis Girgeb frei ist und von diesem Ort bis Debbch, wo ein englisches Korps steht, nur zwei Marsch- tage find. In Asien rücken sich Russen und Engländer immer näher. Die Regierungen beider Staaten haben eine sog. Grenzreguli- rungskommisfion nach Afghanistan geschickt um streitige Punk« zu regeln. In Wirklichkeit bandelt es fich wohl nur darum, wer von den beiden den fettesten Bissen erhallen soll. Wer den Emir für sich hat, der hat das leichteste Spiel und deshalb sucht jede der Kommissionen es der andern bei demselben zuvor- zuthun. Die englische Regierung ist keineswegs sonderlich von der drohenden Nachbarschaft der Russen erbaut; und ihr Un- muth wird durch die neuesten Berichte noch gesteigert, weil nach denselben die Engländer dem Anschein nach den Kürzeste« ziehen werden. Nord-Amerika. Laut Meldung auS New-Uork ist in doilrgcn Handelskreisen die Bewegung, auf Wiedervergel- tungsmaßregeln gegen deutsche Ausfuhrartikeln zu dringen, neuerdings im Wachsen begriffen. Veranlassung sollen dazu die jüngst von der deutschen Regierung bekundete„Feindselig- keit gegen amerikanisches Petroleum und die drohende Annahm« eines Differentialtarifs sein, der russtschks Oel begünstige Seitens der Schweinefleisch- und Petroleumproduzenten wurde jetzt im Hinblick auf die Maßregeln, welche, wie erwartet wird, der Kongreß gegen deutsche Artikel, die nach den Vereinigten Staaten cxpottirt weiden, ergreifen dürfte, eine mächtige Ver- cinigung gebildet, und in gewissen Kreisen werde geglaubt, daß die neue Administration eine kühne und entschlossene Po- lilik in dieser Richtung einschlagen werde. D o k A l e s. g. Ein seltener Fall. Der Minister des Innern hat vor Kurzem dem Knaben Johann Kochhan zu Heinersbrück(Kreis Cottbus) für die von ihm am 3. April d. Js. bewirkte Rettung der dreijährigen Anna Hügler daselbst vom Tode des Er- trinken s die Erinnerungsmedaille verliehen. Alter Weihnachttgedrauch in dcr Mark. Vor hundert Jahren etwa, so schreibt der„Bär", hatte sich in einzelnen märkischen Städten der Gebrauch noch erhalten, daß neun Tage lang vor dem Feste die sämmtlicheir Hirten Abends eme Zeit lang auf ihren Hörnern blasen mußten. Da die männliche Jng.md, die zur Aushilfe den Hirten gelegentlich beigegeben war, auch hierbei mitwirkte, so entstand bei dem Blasen an verschiedenen Enden der kleinen Städte ein heftiges, anhalten« des, unharmonisches Geräusch. Ueber die eigentliwe Bedeuimtg war schon damals wenig Ausktärung zu erhalten. Einzelne Hutten dies Blasen für eine alte Verpflichtung der Hirten, gegen welche sie von jedem Wirthe zu Neujahr einen Küpel z« erhalten gewohnt wa-.en; Andere führten es auf j us Ze» zurück, da noch Wölfe in der Umgegend hausten, die vor dem Feste verscheucht werden sollten. Inspektor Bauer zu Zossen. der fich dieserhalb an einen bejahrtrn Küster wandte, erhielt die einfache Aufklärung:„Je nun, sollten die Hirten zu Bethlttmn den Heiland so schlcchlweg empfangen, und nicht bei seiner An- fünft posaunt hoben?" Eine unerwartete Weihnack ttfreude wurde einertwe zu Tbeil. Der Ehe- mann derselben kam vor einigen Jahren durch einen Unfall ums Leben, seit welcher Zell der bedaurrnswerthen Frau d-e Sorge für ihre drei Kinder allein oblag. Um aber das Maaß des Elends voll zu machen, stellte sich bei de: Aermstcn Ge- lenkgicht ein, welches Uebel vollständige Arbeitsunfähigkeit rrn GUolge hatte. Nun stieg die Roth von Tage zu Tage, w daß bald das letzte Wirthschastsstück verkauft werden, und vre unglückliche Mutter mit ihren Kindern eine Schlafstelle beziehen mußte. Von diesem harten Gejchick erfuhren die Stammgäste des in der Rosenthalerstraße belegenen Restaurants Julius Herzog, als jüngst über die Verwendung der am Stammtisch eingegangenen Strafgelder Bejchluß gefaßt werden sollte. In diesem Ease besteh: nämlich der Usus, daß solchen Gästen, welche denn Skatspiel oder gelegentlich der Unterhaltung ungewöhnl'ch» Erregung Ausdruck geben, vom Wirth sofort eine verschloffenk Sparbüchse vorgcsctzi wird, der dann ftillschweiaend als Mi- nimum gewohnheitsmäßig ein Zehtipfennio stück einverleibt z» werden pflegt. Ueber die auf diese Weise eiiraegangene» Gelber wurde nun zu Gunsten der nichtsahnenden Wrtlwe ver- wir hart aneinander geriethen.... Da sagte er:„Thae, was Du willst," und wollte an mir vorüber, um die junzk Dame, welche uns vorausgegangen war, zurück zu hole« und mit ihr sofort die Flucht zu bewerkstelligen..-• Ich stellte mich ihm in den Weg.... der Pfad war s# schmal, er konnte nicht vorbei, ohne mich zur Seite zu drängen.... Er versuchte daS, aber ich stieß ihn zuru» ... Der Felsabhang war mehr als achtzig Fuß hoch• Ich sah ihn die Felsenwand hinabstürzen und hinter dem Vorsprung verschwinden." „Das glaube ich Alles", antwortete Max;„aber«eißt Du denn auch, daß er wirklich die ganze Höhe hinabgestürvjz daß er todt ist?.... Ich kann mir nicht helfen,'4 komme immer wieder darauf zurück, daß Herr Amberg nur von einem Verschwinden Wredow'S sprach." „Auch sein Tod ist unzweifelhaft...! Ich eilte in den Gasthof zurück, geängstigt von den Furien des Ge- Wissens, gefoltert von dem Gedanken, daß im nächsten Augenblick die Häscher den Mörder meines unglücklichen Opfers aufsuchen, mich ergreifen, inS G fängniß schleppen würden.... Die Schande meines Namens, mein un- glücklicher Vater, das Schrcckensgespenst des Zuchthauses, ... das Alles trat in furchtbarer Gestalt vor wei� Seele.... O, mein Gott! Entsetzen ergreift mich uo? heute, wenn ich daran denke." „Auch das glaube ich Alles, lieber Freund; aber der Beweis, daß Wredow todt ist?" „Auch diesen Beweis sollte ich erhalten, wenn ich � ohnehin nicht schon gewußt hätte.... Noch am Mowg�n des anderen Tages, als ich eben hinabging, meine Rech'' nung zu bezahlen, um daS Haus und die Gegend Z» verlassen, da sehe ich ein ZeitungSblatt auf dem Tische lugen.... Mit zitternder Hand areife>ch nach; das Erste, was ich erblicke, daS tst die Nachricht, das man am Fuße des unteren Abhanges vom Königstet« Leichnam eine» Manne« gefunden habe, der nach Papieren dem Militär angehöre... die Zeilen flimmerten vor meinen Augcn, ich konnte nicht weiter lesen..- � wußte, wer der Todte sei." fügt. Die noch in spLier Abendstunde herbeigerufene Frau war vor Rübrung keines Wortes mächtig, als ihr der einige dreißig Mark betragende Inhalt übergeben wurde. Dank der ermähnten Einrichtung konnte somit einer unglücklichen Familie eine namhafte Unterstützung zu Theil werden. Die städtische Sparkasse wird bekanntlich seit Anfang dieses Monats von Sonnabend Abend für Ein- und Rückzah- lungen offen gehalten, und der Verkehr ist ein ziemlich reger, obwohl er gegen denjenigen an den Vormittagen weit zurück- steht. So fanden am Sonnabend, 20. d. M.. in den Abend- stunden 131 Einzahlungen im Betrage von 16 447 Mark statt, wobei nur 35 neue Bücher ausgegeben wurden. Dazu kamen 187 Rückzahlungen im Betrage von 15 731 Mark. Die be- deutenden Rückzahlungen erklären stch durch die Weihnachtszeit; nach Ablauf derselben pflegen desto zahlreichere Einzahlungen stattzufinden. Das Kuratorium wird vorausstchtlich die neue Einrichtung betreffend die Oeffnung der Spartasse am Sonn- abend, da fie fich bewährt hat, beibehalten. Kurios« aus dem Berliner Adreßbuch. Wer Berlins Bevölkerung in ihrer Buntscheckigkeit und Vielgestaitigkeit kennen lernen will, für den wird ein Blick in den neuen Wohnungsanzeiger eine Quelle der wunderbarsten lieber- raschungen werden. Wir ersehen aus dem Wohnungsanzeiger, daß fich hier 6 Paradiese zu 1 Eden vereinigen, über welchem 4 aus 6 Wolken gebildete Himmel prangen. Die Mythologie verzeichnet nur 1 Gott, 1 Liebegott und 200 Engel in den vor- hondenen 2 Himmelreichen, von denen jedoch nur 1 Himmel- schein herabfällt. Die Topographie Berlins zeigt die wunder- barsten Verhältnisse. In unendlicher Fülle wechseln allerlei Berge, Gärten, Thäler, Wälder und Haine mit einander ab. Wir zählen u. A. 48 Baum gälten, 4 Baumgärtrl, 1 Baumgarden, 3 Düsterwälder, 1 Eichenwald, 2 Freiwälder, 34 Buch- wüider, 6 Ehrenbäume, 17 Ehrenberge, 1 Glücksberg, 1 Goldocker, 1 Dieffenthal, 1 Dierbach, aber auch 1 0elgartcn 1 Juden- bcrg, 4 Goldbäume, 1 Cseldach, und unter den zahl- losen Baumgarten auch einen Heubaum und 3 Bleibäume. Der neue vorhandene„Thiergarten" beherbergt in schier un- endlicher Kette fast alle Thier?, die einit in die Arche Noah hineinspaziit find. Es würde inS Maßlose gehen, wollte man all' die Löwen, Bären, Wölfe, Füchse, Habichte, Lerchen und alle die übrigen„Tbierichens", welche fich hier ein Rendezvous geben, ansühren. Als besondere Spezmlitäten begegnen uns: 7 Pfaue, 1 Zeitvogel, drei Schneevogel, 1 Biene, 21 Hummel, 14 Immen, 1 Wespe, zahlreiche Hähne u. Hänel, mehrere Sträuße u. Hengste, 2 Wallfische, 4 Meisen, 3 Krähäne, 3 Wehrhäne, 3 Wildenhäne, 3 Plückhäne, 2 Rosen Höne, 1 Neuenhahn, 2 Klipphäne, 4 Junehädne, 16 Hennen, 2 Tripphäne, 1 Puvogel, 12 Igel, 2 Manigel, 2 Eber, 7 Erpel, zahlreiche Böcke nebst 1 Gries-bock, 8 Gütrrböcken, C Jüitlbccken und 1 Walzebock, 2 Entrichc, 1 Gänserich, 1 Genserich, 4 Gänse. Zu 11 Hammeln gesellen stch 8 Böhm- Hammel, zu der Unzahl von Haasen noch 43 Lampe, 2 Mehl- Hasen, 5 Schellhasen, 1 Wedehase, 6 Knauerhasen, 4 Knühascn und 1 Hasenritter.— Die Flosscnthiere find nicht sehr zahlreich vertreten; mir zählen nur 9 Fisch-Arten, 10 Karpen, 1 Bratfisch, eine ganze Reihe von Heringen und Bücklingen, nichrere Baise und Brassen, 6 Quappen, 5 Sprotten, 2 Dorsche, 120 Zander, satt ebensoviel Hechte aber nur einen Lacks. Gegen- über 26 Hunden und 1 Köther giebt es 41 Katzen und 2 Kater; ferner finden wir verzeichnet: 23 Stiere, 2 Rinder, 1 Ochsen, 3 Schöpse, 2 Kühe, 20 Lämmer, 2 Rebhühner, 2 Kluckhühncr, 2 Klucken, 1 Hühner dein, zahlreiche Leichen, Schwalben, Spatzen, Sperber und Adler und als ganz besondere Berliner Spezialitäten 1 Baerwolf, 1 Baresel, 1 Gautdier, 4 Brodhiliur, 2 Btodwölfc, 1 Mondwo'f, 1 Steinfalk, 1 Krcitzadler, 1 Rohsau und 1 Laus.— Was die Verproviantirung Berlins be- trifft, so scheint dieselbe im Ganzm nicht Übel zu sein. Wie s ywierig dieselbe ist, gebt daraus beroor, daß für 29 Kaumänner, 8 Esser, 3 Abeffer, 1 Prasser, 5 Beißer, 1 Fleischfresser, 1 Giermann, nur ein Besteck vorhanden ist und nur mit 9 Rindfleisch und 1 Böstfleisch aufgewartet werden kann, trotzdem den 2 Schlemmern, 4 Fetten, 4 Fettbacken und 1 Magerer. 12 Hagere, 3 Faster und 1 Jawmermavn geaenüderstehen. Treibt man etwas eingehendere tiinlologische Studien, so kommt man gleichfalls zu den seltsamsten Resultaten. Wir finden zwar nur 2 Biegler, 3 Pichler und 5 Trinkause, dieselben scheinen den vorhandenen 6 Kaltwässern keinen Geschmack abzugewinnen. denn eS zeigt stch ein Biertebm, wie es kolossaler nicht gedacht werden kann, und der in 6 Exemplaren vorhandene Durst der Berliner scheint ein unersättlicher zu sein. Es cxistirt zwar nur 1 Vierschenke, daneben aber zahlreiche Schenken, 64 Krüge, 2 Bierwirthe und zahlreiche Biermänner, sowie zwei Bierhälse und 4 Bierfreunde. Außer 2 Achteln und 3 Vierteln des in 8 Lorten kredenzten Sckmcckebiils strömen von den existiren- den 2 Bierbcrgm, 5 Bierbäumcn und 6 Bier dächen noch 14 verschied ene Nummern Bier, außerdem als besondere Quaii- täten 1 Dünnbier. 1 Dynneberg, 2 Süßdiere. 1 Saucrdier, 2 Frischbicre, 7 Käsedierc. 3 Gutbiere und 2 Obrere. Da autzerdem noch ein ganzer Kümmelderg mit 10 Kümmel- Sorten vorhanden ist, kann man sich nicht wundern, daß der Berliner dreißig Mal in Brand ist und der Avreß- Kalender „Aber Du sahst den Leichnam des Herrn von Wredow nicht. Warum konnte nicht zufällig ein Anderer dort vcr- unglückt sein...? Der Gefundene konnte ja schon vor mehreren Tagen verunglückt und später erst aufgefunden sein." „Auch darüber sollte mir jeder Zweifel schwinden... Während ich noch da stand, das Blatt in der Hand, mich angstvoll umschauend, ob nicht vielleicht ein Mensch schon da sei, der mich suche, mich eifrig bemühend, meine Auf- reauna»u verbergen, damit ich nicht Verdacht erwecke... da tritt ein Missionar ein. Er erzählte dem Werth dieselbe Geschichte, welche ich eben gelesen hatte. Met der äußersten Anstrengung meine Ausregung niederkainpscnd, frage ich den Mann in so ruhigem Tone, als es nur irgend möglich war:„Auf welchen Namen lauteten die Papiere des verunglückten Mannes?"... Der Missionar sah mich mit einem eigenthümlichen Blicke an, der mich in Schrecken setzte... Ich dachte einen Augenblick daran, ob nicht die- ser vermeintliche Missionar ein verkappter Gensdarm sei. Er fragte mich, indem er fortfuhr, mich mit seinen stechen- den Augen zu durchbohren, wie ich zu der Frage käme... Ich antwortete, daß ich seit gestern einen gewissen Herrn von Wredow vermisse. Der Missionar räusperte sich, m- dem er fortfuhr, mich lauernd zu beobachten, und sagte dann:„Der Verunglückte ist Herr von Wredow.'.... Ich wußte das auch ohne seine Versicherung bereits... Es war gut, daß der Wirth abberufen wurde, und der Missionar Veranlassung nahm, unter den übrige» Anwe- senden kleine Schriften zu verabreichen und von ihnen kleme Beträge einzukassiren, sonst hätte Jeder auf meiner Stirn lesen müssen: Er ist sein Mörder!..- Ich hatte Ge- legenheit, mich hinaus zu schleichen und— das Ucbnge weißt Du... Meine Flucht glückte; ich war meinen Ver- folgern entgangen, aber nicht den Furien de» Gewissen», welche mit mir zu Schiffe gingen, mich nach Indien bezlei- teten, mich dort in allen Schlachten nicht verueßen, und welche noch heute mich unablässig quälen." „Was Du da sagst, klingt allerdings überzeugend und scheint meine Zweifel zli widerlegen.... Hm, ich hoffte fieoen Mal Unfug feststellt, der fich in einem Falle sogar bis zum Biermord steigert. Daß daneben auch der Wein immer mehr das Nationalgetiänk der Berliner wird, beweist die Exi- stenz von 4 Weinschenken, Weinbergen, Trinkkeller und mehre- ren Weingärten, in welchen Trautwein, Altwein, Handwein, Ortwein, Cytelwein und Bergwein verschenkt wird.— Die Nahrungsmittel find in allen nur denkbaren Sorten hier auf- gespeichert; aus der ergiebigen Vorrathskammer führen wir nur an: 5 Borsdorser, 2 Buttermilch, 2 Bretzeln, 3 Kringeln, 3 Brode, 7 Weichbrodte, 12 Degcbrodte, 2 Dreybrodte, 1 Einbrodt, 3 Milbrodte, 1 Gutbrod, 2 Sonnenbrode, 7 Würste und 10 Krautwürste.— Was schließlich die finan- ziellen Verhältnisse der Berliner betrifft, so find dieselben nicht gerade die allerbesten. Es ist zwar ein Geidmacher vorhanden, die Kunst desselben scheint aber nicht weit her zu sein, denn Berlin disponirt bios über 3 Sorten Altgelt, ferner über 3 Hundertmark, 1 Mark, 1 Gulden, 2 Kreuzer, 3 Groschen, 59 Nickel, 18 Pfennige, 14 Schimmelpfennige, 3 Windpfennige und 3 Wucherpfennige, wozu noch 54 Heller, ein Batz'en und 7 Güidenpfennige kommen. Die mangelhaste Treppenbeleuchtung ist ein ständiger Klagegegenstand geworden und wird ein besonderes Augen- merk darauf zu richten sein, daß die Treppen entsprechend er- hellt werden und dadurch Unfälle möglichst vermieden werden. So wird uns berichtet, daß die Beleuchtung in dem stark be- wohnten und durch das Vereinsdureau der Droschkenbefitzer besonders frequentirten Hause an der Fischcrbrücke 14 entschieden eine gefahrdrohende dadurch ist, daß die ca. 10 Stufen des ersten sehr steilen Absatzes absolut in Dunkelheit gehüllt sind. Muß denn eist ein Unfall den Hauswrrthen ihre Pflichten klar machen? g. Nebe» der Verhaftung eines ungetreuen Dienstboten eines Bäckermeisters in der Steglitzerstraße ist eine zweite Ver- Haftung wegen gleicher Strasthaten erfolgt. Bei dem Bäcker- meister T. in Echöneberg hatte der Bäckergeselle M. die Brode und Backwaaren am frühen Morgen nach einer Kaseme zu fahren, mit welcher der Bäckermeister T. in geschäftlichen Be- Ziehungen stand. Eines Morgens kam nun T. plötzlich dazu, als M. einen schweren Sack heimlich auf den Wagen lud. Er stellte den M- sofort zur Rede und erfuhr denn auch, daß M. schon seit mehreren Wochen Brode und andere Backwaaren steig im Werth? von mehreren Mark heimlich in einen Sack gestick:, diesen auf den ersten Treppenflur des Hauses gelegt und ihn später beim Foitjahren nach der Kaserne auf den Wagen sp-dirt habe, um dann die Backwaaren zu verkaufen. Den Erlös dafür bat er zu seinem eigenen Nutzen verwendet. T. drachle die Diebstähle zur Anzeige der Behörde, worauf die Verhaftung des M. erfolgte. Ein Akr brutaler Rohheit fand Mittwoch früh am Koppenplotz eine recht empfindliche Wiedervergeltung. Dort rannte ein Mann mit einem des Weges kommenden Bäcker- jungen zusammen. Die nach solcher Rempelei auf der Straße nicht ungewöhnlichen Redensarten folgten, und Ausdlücke, welche von nichts weniger als gegenseitiger Zärtlichkeit zeugten, flogen hin und her. Als der Bäckerjunge schließlich den Mann schmivfte, schlug dieser den Jungen mit solcher Brutalität ins Gesicht, daß dem Bmschen das Blut aus Mund und Nase stürzte. Dem Jungen würde es wohl übel ergangen sein, wenn nickt Hilfe von mehreren von der Post zur Bewältigung der Packetbefördcrung zur Weihnachtszeit angenommenen Kutschern gekommen wäre. Einer dieser Kutscher stieg vom Wagen und d-ängte den brutalen Menschen, der noch immer auf ven blutenden Jungen einschlug, von diesem fort. Ais hierauf der rasende Mensch sich gegen den Kutscher wandte, ließ dieser ihm die Peitsche um die Ohren sausrn, worauf de: Patron unter Hilfegeschrei die Flucht ergriff. Die unliebsame Szene Haffe einen gewaltigen Auflauf hervor- gerufen. g. Tiefergreifende Bilder spielten fich am heiligen Abend auf einigen Plätzen ab, auf denen am Tage mit den letzten Resten von Weihnachtsbäumen geräumt worden war. Hier hatte man wie gewöhnlich die wegen ihrer Mangelhastig- keil unverkäuflichen Tannensträucker auf einen Haufen geworfen und war dann nach dem häuslichen Heerde geeilt, die Reste ihrem Schicksal überlassend. Auf diesen Augenblick hatten aber bereits arme Frauen mit gramdurchfuichten Gesichtern gewartet, welche nicht in der Lage, für ihre Kinder einen Weihnachts- bäum zu kaufen, einen möglichst großen Strauch zu erhaschen suchten, um diesen, mit einigen Aepfeln und Nüssen behängt, den Ihrigen vorzusetzen. Traurig sah man manche enttäuschte Frau von bannen gehen, welche nicht gefunden, was sie sehn- süchtig gesucht. g- Zu einem öffentlichen Aergerniß hat gestern Mittag wieder einmal das Benehmen eines der Kleidcrhändler am Mühlindamm Veranlassnng gegeben. Derselbe hatte einem ruhig seines Weges gehenden Passanten gegenüber sich einer unqualifizirbaren Aeußerung schuldig gemacht, worauf der Be- leidigte einen Schutzmann um Feststellung des Namens des Belrcssenden ersuchte, welchem Verlangen der Schutzmann auch nachkam. N. Selbstmordversuch. Unglückliche Liebe hat am gestri- schon, daß sich die Sache vielleicht doch noch anders ver- halte." In diesem Augenblicke sah man im Hafen von dem Dampfschiff„Suez" eine Wolke aufsteigen, dann hörte man den Donner einer Kanone. Das war das Signal für die Passagiere, sich an Bord zu begeben. Die beiden Freunde bestiegen das Boot, in einer Viertelstunde waren sie auf dem Verdeck deS eisernen Kolosses. Das Kommando„Anker auf!" ertönte, und das mono- tone Stampfen der Malrosen am Gangspill ließ sich hören; dann begann die mächtige Maschine zu arbeiten und zu keuchen, und die Schraube setzte sich in Bewegung. Das Schiff„Suez" steuerte mit seinen Passagieren dem Ozean zu. Felix stand mit seinem Freunde Max auf dem Verdeck, den Blick nach der fernen Küste des Landes gerichtet, das sie eben verlassen hatten. Der Unglückliche! Die Furien des Gewissens Helten ihn auch jetzt noch nicht verlassen, sie waren auch diesmal mit ihm zu Schiffe gegangen, und be- gleiteten ihn zurück nach Indien. Zweiter Band. Erstes Kapitel. Schon lange vor der Z:it, seit eine GeschichtS schrei- bung exiflirt, lebten in Indien Völkerschaften, welche bereits auf einer hohen Kulturstufe standen. Indien ist das reichste und gesegnetste Land der Erde. Eine üppige Vegetation tropischer Gewächse bedeckt es. Die Felder tragen den Einwohnern das Zehnfache dessen, was sie bedürfe», ohne daß besondere Arbeit zur Bestellung nöthig wäre. 1 Die köstlichsten Früchte, die herrlichsten Gewürze, sie wachsen wild in den riesigen Wäldern, und belebt sind diese Wälder ven dem imposantesten Thierlebe» auf der Erde. Da finden wir den den Eiephanten, welcher schöner, größer, kräftiger ist, als der afrikanische, den majestätischen Löwen, den Königstiger, Panther, Jaguar, Leoparden,— in den Flüssen den Kaiman, das Kromdil, jene Rieseneidechsen, welche größer sind, als die andrer tropischer Länder. gen 2. Feiertag ein junges Mädchen wiederum zu dem Ver« such getrieben ihrem Leben ein gewaltsames Ende zu machen. Die in dem Hause Langestraße 36 wohnende unverehelichte Schulze wurde gestern Vormittag 11 Uhr von zufällig hinzu- kommenden Hausbewohnern im bewußtlosem Zustande anschei- nend im Todeslrampfe in ihrer Wohnung vorgefunden. Ein sofort herbeigerufener Arzt konstatirte eine Vergiftung und ordnete, nachdem der Lebensüberdrüsstgm ein Gegengift einge- flößt war, die sofottige Uebersührung nach einem Kranken- Hause an. n. Mangelhafte Treppenbeleuchtung hat am gestrigen zweiten Feiertag in dem Haute Alte Jakobstr. 91 abermals einen sehr bedauerlichen Unglücksfall herbeigeführt. Ein bis heute noch nicht rckognos-irter Mann, dem Anscheine nach ein Steindrucker, der fich v-rmuthlich in eine in dem genannten Hause befindliche Steindruckerei begebe» wollte, hatte beim Pasfiren der dunklen Treppe das Unglück, fehl zu treten und die Treppenstufen derart herabzustürzen, daß er bewußtlos, heftig blutmd, am Fuße derselben liegen blieb. Auf Veranlassung der sofort benachrichtigten Revrerpolizri wurde der Bewußtlose per Wagen in ein Krankenhaus geschafft. N. Eine Unbekannte, elegant gekleidete ca. 40jährige Dame brach gestern Nachmittag in einem Krampfanfalle in der Königstraße vor dem Rathhause bewußtlos zusammen. Die Unbekannte mußte, da sie fich nicht erholte, mittelst Kranken- wagens nach der Königlichen Eharite geschafft werden. n. Unbedeutende Brände sind nur von den Feiertage» zu melden. Am heiligen Abend waren in dem Lagerkeller der Sprelwaarenhandlung von Enger, Dresdmerstraße 75, Pack- Materialien in Brand gerathen, die mit einigen Ermem Wasser abgelöscht werden konnten. Am ersten Feiertag fand in dem Hause Barutherstraße 3 ein Balkenbrand und am, wetten Feiertage 7 Uhr Abends im Hause Linienstraße 8 ein Schorn- steinbrand statt. Im elfteren Falle genüg:? zur Ablöschung eine kleine Handspritze, bei dem zweiten kam die Feuerwehr gar nicht zu einer Löschthätigkeit. Belleallianee-Theater. Auch hier erzielte der prächtige Schwank„Der Raub der Sabinerinnen" mit den Gästen vom Wallner-Theater einen außerordentlichen Erfolg. An beiden Festtagen war das Haus vollständig ausveikauf: und jubeln- der Beifall wurde allen Darstellern z» Theil. DaS Central- Theater konnte an den Festtagen die Echaaren der Lachlustigen nicht fassen, welche dem unverwüst- lichen Walzrr-König ihren Besuch abstatten wollten. Die Kasse wurde schon Vormittags geschlossen. Im„Deutschen Theater" wird heute zum zweiten Male „�lallersucht" von Sarvou in Verbindung mit den„Neuver- mählten" gegeben. Dieselbe Vorstellung findet Mittwoch, am Sylvesterabend, statt. Am Neujahrstage wird„Don Carlos" gegeben. Außerdem bringt das R.pertoice dieser Woche Wiederholungen von„Pitt und Fox",„Die Journalisten". „Don Carlos" und„Richard III." GmMs- Kettung. Auch nicht Übel.„Wal nu aber unser Vizewirt is, det is schon mehr'ne putzige Kruke erste Jiete; wa! jan, ApartijeS in den Artikel, sage ick Ihnen. Ick trau' mir bald? zu jloben, mit den Bruder könnte eencr de Viktoria von de Siejesseile in'n Dierjarten'tunjraulen. Die Haare drägt det so kurz je- schoren, de janze Kopphaut jlatt wie'n Aal. Vollbart: hoch- feudal von'ne Kolör, die't janich jeben duht," deponirte im Laufe der Verhandlungen die der Mißhandlung angeschuldigte, 32 Jahr atte, verehelichte Henriette Sophie Kahler, geb. Osten. Vors.: Ich wiederhole Ihnen, daß wir über die Persön- lichkeit des Zeugen genügend informirt find. Außerdem will ich Sie nochmals vor jeder weiteren Ausschreitung ernstlich verwarnen, da eine empfindliche Ahndung auf der Stelle folgen würde. Nunmehr theilen Sie uns in aller Kürze mit, was stch am 39. Oktober d. I. ereignete.— Aagekl.: Wo in meine Vorladung schriftlich zu Papier j-dracht is. det ick mir in'n . öffentlichen Termin verdeffendircn soll, wer? ick nu oock schon 'n Ton reden deifen. Ohne diesem seht übcrdcm det Jeschäf. uft Kriminal in Mojabit jänzlich jarnich; det vo richte Mal vor de Strafkammer hatte ick mir'n jelernten Aftaten anje- nommen, indem der Fall nich sehr? jlatt liejen daht. Un allens wat recht is, der Mann hatte Schulbildung un rcd'tc ooch'n janz jediejencn Strahl, wo ick selber keene Lippe riskirte. Wat soll ick Ihnen aber sagen, Herr Jerichtshof; wie't umun- dumm kam, wurde ick mit sechs Monate injeseest, wo ick det vorrichte Mal vor janz denselben Lenz man bloß mit de Hälfte rinjeschliddert war. Vo:s.: Aber lassen Sie doch den vorigen Fall aus dem Spiele, der interesstrt für die gegenwärtige Sache in keiner Weise.— Angekl.: Na, über Ihnen aber ooch, Herr Jerichts- Hof; wo ick den Mann mein koscheret Gelv abladen mußte, wollte er fich nich mal vor mir an't Reichsgericht verwenden un mccitte überdcm noch, er hätte jejlodt, ick würde mit'n rundet Jährken rinjelegt wer'». Finden Sie det hibsch? Vors.: Ihr Geschwätz wird nachgerade unerträglich. Wie kamen Sie den» mit dem Vize wirth in Streit?— Ängekl.: Im Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war Indien in eine große Anzahl kleiner, selbstständiger Königreiche ge- theilt. Es ist erklärlich, daß sich zu der Zeit der Eni» deckungen und Eroberungen die Blicke der habgierigen, see- fahrenden Mächte vor allen Dingen auf diesen Garten Gottes richleten. Engländer, Portugiesen und Franzosen sandten ihre Kriegsflotten dahin, und jede dieser Mächte eroberte sich ein Stück des Landes. Während aber Por- tugal und Frankreich nur auf einem verhältnißmäßig kleinen Theil des ostindischen Gebietes festen Fuß fassen konnten, fing England an, sich breiter und breiter auszudehnen. Einer jener indischen Könige nach dem andern ward unterjocht und zum englischen Vasallen gemacht; englische Handelskolonicn bedeckten einen großen Theil der südöstlichen Küste Indiens. Während aber die englischen Eroberer Schritt für Schritt vorwärts drangen und immer größere Gebiete Indiens unter ihre Botmäßigkeit brachten, regte sich im Innern deg eroberten Gebietes bereits die Empörung. Die großartigste Empörung, welche in den letzten Jahren in Indien ausbrach, nahm einen solchen Umfang an, daß die sämmtlichen englischen Eroberungen eine Zeit lang in Frage gestellt waren. N-na Sahib, der Führer dieser Rebellion, war ei» unternehmender, kriegeiischer König einer der unterjochten Stämme. Tödtliche Erbitterung leitete ihn und seine Ver- kündeten; die Grausamkeit, welche er gegen alle Gefangene» übte, erregte die tiefste Entrüstung in der ganzen zivilisirten Welt. Einen großen Theil des vo» den Engländern er- oberten Gebietes hatte er bereits zurückerobert, hatte die daraus verdrängten Könige wiedereingesetzt und hielt selbst einen königlichen Hof. Die englische Armee war geschla- gen; nur von Zeit zu Zeit ward Nena Sahib beunruhigt durch indische Hilfsarmeen, welche mit den Engländern ver- bündet waren, namentlich die Armeen des Konia« Wadschid Ali von Audh. (Fortsetzung folgt.) Na, ick were mir doch mit fönen Mann in kcene Streiterei inlaffen; da ästimire ick mir denn doch'n bißken zu vtllc zu. Vors.: Sie dringen uns zur Verzweiflung. Sie scheinen heute alles in Abrede stellen zu wollen, was Sie bei Ihrer polizeilichen Vernehmung eingeräumt haben?— Angekl.: I wo wer' ick denn? Keen Schimmer von Streiterei uf meine Seite; int konträre Jegendeel, ick habe uft Bureau man bloß jesagt, dat der faule Kopp janz alleene anjefängt hat. Vv's.: Nun verstehe ich; Sie wollten nur behaupten, daß der in Rede stehende Tumult vom Vizewirth selbst veranlaßt worden sei.— Angekl.: Det war doch keen Tumult. Keene Ahnung von Krach un sowat; man bloß'ne Idee von'n drßken Radau, indem ihn die Klotzpantine jänzlich aus Ver- sehn seien den Ballon seflogen is, wat doch schon'mal vor- kommen kann. Vors.: Endlich wären wir beim Sachverhalt angelangt. Sie iagen, der Mann wäre aus Versehen verletzt worden; wie kam das?— Angekl.: Indem't doch ohne'n bißken Reen- lichkeet schon nich sehen duht, et ooch jrade uf'n Sonnabend war, wo der Mensch merschtendeels ab und zu ooch'mal seine Kücke etwas sauber macht, lasse ick den so'n halbes Emmerken Wasser aus de Leitung loofen und schrubdere janz derbe druf los. Vors.: Sie scheinen hierbei nicht besonders vorsichtig zu Werke gegangen zu sein; denn das Wasser rieselte im wahren Sinne des Wortes an sieben Stellen durch die Decke der unter Ahm Küche belegenen Wohnung des Vizewirths.— Angekl.; Et is nich zu sagen, wat heitzudage miserablicht jebaut wird; et derf man eener'ne Droppe Wasser'mal'n bißken überloofen lassen, det se denn ooch man jleich wie durch'n Sieb durchrennen duht. Un derweilen können de Wnthc von wejen teste Miethe den Schlunk nich voll kriejen, möchten aber na- tierlich vor det scheene Jeld ooch wieder nischt machen lassen- Die Sorte is bloß noch als Echlonfspechte zu ästimiren. Ick frage aber, wo bleibt bei sone Zustände der Mittelstand? Vors.: Es soll Ihnen zugegeben werden, daß das Haus nickt besonders solide gebaut ist. Jedenfalls hatten Sie jedoch gar keinen Grund, dem Viznmrth so unfreundlich zu begegnen, der Sie in höflichen Worten auf die emstandene Unzuträg- lichkeit in seiner Wohnung aufmerksam machte.— Angekl.: Nu möchte ick so'nen Rennsteen.klauer ja noch mit Schockelade besießen. Wenn det von eenije paar Droppen jle'ch den Schnuppen kriesen duht, denn derf er sich doch man bloß'n Rejenschirm ieberspannen. Vors.: Sie wiesen dem Mann mit einer nicht mißzuver- stehenden Geberde, mit drohend erhobenem Schrubber, die Thür, welcher Weisung auch auf der Stelle Folge gegeben wurde. WaS begab fich nun?— Ar gell.: Ick wollte mir doch von überfiehren, wo der Bruder bleiben daht, un loofe janz jeschwinde an't Stufenjeländer, wo mir aber aus Versehen de eene Klotzpantine von't Veen runslilscht. Vors.: Sie sollen absichtlich dem schon auf dem untern Treppenabsatz befindlichen Menschen Ihren schweren Holzpan- toffel gegen den Kopf geworfen haben.— Angekl.: I, wo wer' ick denn! Wat meenen Se woll, Herr Jerichtshof, wie den sein Dämel heste noch brummen dähte, wenn ick man bloß jedacht hätte, ick wollte ihn mit de Klotzpantine eens verwischen. Nee, ick bin nu schon janz jewiß friedlich und kann mir nich leichte mst kernen Menschen verzürnen. Denn bin ick aber natierlich ooch wieder so, det ick von wejen Nothwehr jleich janz rejulär binlange, sowie man eener bloß denkt, det er mir wat ant Zeig flicken möchte. Die Beweisaufnahme stellte außer Zweifel, daß die Ange- klagte ihren Holzpantoffel mit Vorsatz dem Vizewirth gegen den Kopf schleuderte, und der Mißhandelte auf ärztliche Anord- nung die hierdurch empfangene Wunde drei Tage und Nächte unausgesetzt kühlen mußte und dann noch mehrere Tage arbeite- unfähig war. Der Gerichtshof trug indessen der großm Er- regung der Angeschuldigten bei Begebung der strasbaren Hand- lung Rechnung und erkannte in Rückficht darauf auf drei Wo- chen Gefängniß. Die Verurtbeilte entfernte fich stillschweigend auS dem Saas, wandte fich jedoch auf dem Korridor mit den Worten an den wenig beneidenswerthen Vizewirth:„Wenn Se'mal wieder wat brauchen, oerdragen Sc man de Kahlem det Je!d nich." Brandenburg. In der heutigen außerordentlichen Sitzung der hiefigen Strafkammer fand der Tumult vom Abend des 10. Okt. d. I., über den wir bereits früher de- richtet hatten, seinen Abschluß. Auf der Anklagebank nahmen 1) der Fabrikardeiter Ponten, 2) der Schuhmachermstr. Günther, 3) der Handschuhmacher Mühlstein, 4) der Fabrikarbester S. Fischer, 5) der Zimmermann H Fischer, 6) der Zigarrenmacher W. Thiele. 7) der Lohnkellner Ger'cke, 8) der Brett- schneiver Thiele, 9) der Maurer Siegel und 10) der Leckster Weber unter der Beschuldigung des Aufruhrs und Landfriedensbruchs Platz. Als Vertheidiger fungirten die Rechtsanwälte Bintzer und Kirschner von hier. Seitens des Gerichts waren 1 Entlastungs- und 15 Belastungszeugen, seitens der Ver- theidigung 3 Entlastungszeugen geladen, die sämmtlich erschienen waren. Das Crgebniß der Verhandlung war folgendes: Am Abend des 10. Ok:obei fand in Pahle's Salon eine natwnalliberale Wählerversammlung statt, welche aber gleich im Anfang durch Lärmen der zahlreich erschienenen Sozialdemokraten gestört worden war, so daß der Vorfiyende der Versammlung fich genöthigt sah, dieselbe zu schließen, und die Mitglieder der national- liberalen Partei aufforderte, zu einer neuen Versammlung fich eine Stunde später einzufinden. Infolge dessen nahm der die Versammlung überwachende Polizei KommissariuS H. von hier Veranlassung, die Anwesenden zur sofortigen Räumung des Lokals aufzufordern. Dies erfolgte nach einigem Zögern. Vor dem Lokal ind-ssen faßte die Volksmenge, die inzwischen auf ca. 2000 Köpfe angewachsen war, festen Fuß und entfernte fich nicht, obwohl der Polizei- Kommiffarius und die übrigen an- wesenden Polizeibeamten mehrmals unter dem Hinweis, daß auch die später� Versammlung nicht stattfinden könne, zur Räumung der Straße aufgefordert hatten. Vielmehr wurde ihnen energischer Widerstand geleistet und sie mit Steinwürfen insuitirt. Auch einige Personen, die hier veihaftet werden sollten, wurden von der tobenden Volksmenge mit Gewalt befreit. Eist mst Hilfe einer 5 Mann starken Militärpatrouille, die inzwischen herbeigeholt worden war, gelang es, die Menge über die Eteinthorbrücke nach der Steinsstaße hin zu drängen und hier erfolgten die ersten Verhaftungen. Bei Abführung der Arrestanten jedoch wurden die Beamten und Soldaten bis zum Rathhause unter höhnenden und aufreizenden Reden von der Menge de- gleitet und von Neuem insuitirt. Mehrere Beamten wurden erheblich durch Steinwürfe verletzt. Auch gegen das RathhauS wurden Steine geschleudert. Vom Rathhaus aus begab fich die Menge wieder nach der Jakobstraße und demolirte hier die Fenster deS Pahle'schen Hause?, bis auch dort die öffentliche Ruhe wiederhergestellt wurde. Die Angeklagten bestritten sämmtlich ihre Schuld; jedoch ergaben die Aussagen der Be- lastungszeugen gegen alle Angeklagten so gravirende Momente, daß Vre Staatsanwaltschaft gegen alle Anglklagten das Schul- dig und zum Theil recht empfindliche Freiheitsstrafen beantragte. Die Vertheidigung suchte die Thatsachcn in milderem Lichte darzustellen und beantragte Freisprechung event. mildere Strafen. Der Gerichtshof verurlheilte nach längerer Bera- thung sämmtliche Angeklagte wegen Landfriedens bruch und Aufruhr und erkannte gegen P. auf 9 Mon., gegen G. auf 1 Jahr 6 Mon., gegen M. auf 6 Mon., gegen®. F. auf 7 Mon., gegen H. F. auf 10 Mon., gegen W.-p. auf 1 Jahr, gegen G. auf 1 Jahr, gegen T. auf 1 Jahr 2 Mon., gegen S. 9 Mon. und gegen W. auf 6 Mon. Gefängniß. Den noch in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten wurden je 2 Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt abge- rechnet._ Arbtlterbemguug, Gereiue uuü WerAUMmlungen. Der Berein zur Wahrung der materieflen Interessen ersten W>_._.. unter reger Theilnahme der Mitglieder und Freunde des Vereins. Die Arrangements zu dem Feste waren von dem Vergnügungs- komitee in einer dem Verein würdigen Art und Weise ge« troffen worden und so war denn der Verlauf des Festes ein allseitig befriedigender. Mit Recht konnte der Vorsitzende des Vereins, Herr Kühn, deshalb in der Festrede darauf hin- weisen, daß trotz der in neuester Zeit gegen den Verein ge- richteten Angriffe die Zukunft desselben eine gesicherte ist und er(Redner) rufe den Drechslern und Berussgenossen Berlins zu:„wenn eS Ihnen Ernst ist, für Ihr eigenes Wohl, für das Wohl Ihrer Fatnilien einzutreten und die Interessen Aller zu vertreten, dann giebt es nur eine Lösung für die Gewerks- kollegen, welche lautet:„Anschluß an den Verein, der heute sein drittes Stiftungsfest begeht und dessen Feier uns in so großer Anzahl versammelt hat." Nachdem noch einige Redner gesprochen undldie üblichen Toaste ausgebracht waren, ergriff der als Gast anwesende Klavierarbeiter HerrZubeil das Wort, um auch seinerseits dem Verein seine Anerkennung auszusprechen; mit mahnenden Worten erinnerte Redner daran, welche Pflichten der Einzelne zu erfüllen bat, wenn er die Interessen einer Gewerkschaft und somit die Interessen der Gesammtheit vertreten will, hier gelte es für die Gewerksko liegen, fich dem Verein anzuschließen, dessen drittes Stiftungsfest heute in so erhebender und würdiger Weise gefeiert werde; mit einem Hoch auf das weitere Gedeihen des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenossen schloß der Redner, und dreimal wurde dasselbe den Saal durch- brausend erwidert. Nachdem somit der offizielle Theil des Festes erledigt, traten Scherz und Humor, Freude und Geselligkeit wieder in ihre Rechte und erst in früher Morgen- stunde trennte man fich, durchdrungen von dem Gefühl, in freudigen Stunden die Bande des kollegialischen Geistes erneuert haben zum ernsten Schaffen in dem vierten Vereins- jähre- »• Der öffentlichen Bersammluug der Kürschner, welche die Lohnkommisfion ain zweiten Feiertage nach dem„Deutschen Kaiser, Lothringerstr. 37 einberufen hatte, lagen verschiedene, die Lohnbewegung betreffende Angelegenheiten zur Berathung resp. Beschlußfassung vor, Herr Jahnus erstattete zunächst Be- richt über die Thätigkeit der vor wenigen Wochen gewählten Lohnkommisfion. Wenn dieselbe auch now keine positiven Re- sultate aufzuweisen hat, so sind von derselben doch bereits alle zu einer erfolgreichen Lohnbewegung erforderlichen Vorarbeiten in Angriff genommen worden und werden u. A. am I.Januar k. I. die Institution der Vertrauensmänner sowohl in Funk- tion treten, als auch von diesem Zeitpunkt ab die Beträge zum General- Unter stützungsfonds regelmäßig erhoben werden. Diese Mittheilungen zeitigten eine lebhafte Diskusston über gewerk- schaftliche Schäden und Mißstände, an welche sich ein Referat des Herrn Rodel knüpfte über die Notwendigkeit einer Lohn- und Arbeit-Statistik, welche derselbe für durchaus erforderlich hielt, um den Fabrikanten und der öffent- lichen Meinung den Nachweis zu führen, daß die gewerblichen Verhältnisse unbedingt einer Verbesserung bedürftig sind. Die Versammlung schloß fich voll und ganz dieser Ansicht an und wählte die Herren JahnuS, Knappe, Freudenthal, Vömsch und Wedemeyer in eine Kommisston zur Ausarbeitung der bezügl. Fragebogen, zu Revisoren des General- Unterstützungsfonds wurden gewählt: die Herren Menzel. Heilbrenn und Baer L Der Antrag der Lohnkommission auf Erweiterung derselben von 11 auf 15 Mitglieder gelangte der vorgerückten Zeit wegen nicht zur Berathung» wird aber in einer demnächst stattfinden- den Vetsammlung erledigt weiden. Gemeinnütziges. Das Kalkwasser und sein medizinischer Werth. Das Kalkw'rsser gehört zu denjenigen Mitteln, die ein Jever im Haushalte haben muß und daher versäume Niemand sich bei Zeiten damit zu versorgen. Es ist zunächst ein wichtiges Mittel, um bei geschehener Vergiftung durch Säuren diese zu paralistren resp. auszuheben; ferner ist eS sehr in Gebrauch bei HalSent- Zündungen als Gurgelwasser, ebenso bei Diphteritis, bei Man- delbräune, bei Magensäure, um diese abzustumpfen oder auf- zuHeben, bei nässenden Wunden und Flechten, wo es in Form von Umschlägen verwendet wird. Kalkwasser ist in jeder Apotheke zu haben. f Theater. KSuigliches Opernhaus: Sonntag: Die Walküre- Montag: Coppelia.______ Königliche'« L-rausptethaÄ: Sonntag: Christov Marlow. Montag: Der Winkelschreiber._______ Deutsches beater: Sonntag- Flattersucht. Vorher: Die Neuvermählten. Montag: Pitt und Fox.______ Hellealltance-Theater: Sonntag und folgende Tage: Der Raub der Sabincrinnen, Schwank in 4 Akten von Franz und Paul Schönthan. Vmt* Friedrich. WilhelmMtischeS Theater:" Sonntag: Gasparone. Montag: Dieselbe Vorstellung. j-— Alte Jatobstraße 30. Direktor: Ad Ernst. Sonntag: Der Walzer- König. Montag: Dieselbe Vorstellung.___________ «esideuz-Th-ater: Direktion Anton Anno. Sonntag: Der Klub. Montag: Othello.__ Wal täfia-Lptretten-Theater; Sonntag: Gillette. Montag: Dieselbe Vorstellung._ -eeutsenttädttsches Tqemer: Direktion Jos. Firmans. Sonntag: Zum 4. Male: Der Millionen- Barbier.(No- vllät.) Gesangspoffe in 4 Akten von Matthias und VogeS, Mufik von Schreiber. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung.______ vktend�heater; Sonntag: Im Lande der Freiheit. Sensations- Schauspiel in 3 Akten von H. von GordonS. BonS haben Giltigkeit. Montag: Dieselbe Vorstellung._______ Wauner-Theater: Sonntag; Der Salontiroler. Montag: Dieselbe Vorstellung.____ Btttoria-Theater: Sonntag: Sulfurina. Montag: Dieselbe Vorstellung.___ Älhaabra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. , Sonntag: Tue Bimmerleute von Berlin, oder: Ein Mann aus dem Volke. Volksstück m't Gesang in 6 Bildern von G Krüseman«. •Lwr Der Vorstellung: Großes Konzert, ausgesührt von der HuuSkapellr. Anfang des Konzerts 7 Uhr, v« Vorstellung 7','« Uhr. Neben einer reichen Auswahl hochfeiner Modestoffe zu bekannt billigen Preisen haben wir eine Menge Kleiderstoffe für den Weihnachts- Einkauf bedeutend billiger Mir. 30 Pf. Mir. 35 und 40 Pf. Mir. 50 Pf. Mir. 50 Pf. zum gänzlichen Ausverkauf gestellt und empfehlen Cheviot Diagonal jaop«......... Cheviot Warst, glatt und sehr hübsch karrirt,...... Lama-Vigogne, warmes gutes Hauskleid,....... Cröpe-Diagonal, glatt in allen Farben........ Mir. 50 Pf. 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Denn die bisherige Erfahrung hat uns zur Genüge belehrt, daß nicht nur im größeren Publikum, sondern auch unter den Nächst- betheiligten, den Arbeitgebern der Großindustrie, es immer nur «crhältnißmäßig sehr Wenige stnd, welche Jntereffe genug für diese Benchte haben, um fie sich anzuschaffen, und vollends sie eingehend zu lesen. Man konnte begreifen, daß dieselben nicht gleich in den ersten Jahren in weiteren Kreisen Beach- tung fanden, da Publikationen solcher Art sich stets nur lang- kam ihren Boden zu erobem pflegen; aber täuscht uns nicht Alles, so ist neuerdings eher ein Rückgang, als ein Fortschritt in der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Berichte wahrzu- Nehmen. Es stnd gewiß mehrere und sehr verschiedene Ursachen, denen d'ese jedenfalls bedauerliche Thatsache zuzuschreiben ist; eine der wirksamsten darunter wird wohl einfach dies sein, daß bei der heutigen Gelchäfishetze den Allermeisten schon der bloße Gcvanke, ein Buch von ungefähr 700 Seiten Großoktav lesen zu sollen, einen gelinden Schauder einflößt. Ohnehin gehören gerade Diejenigen, an welche diese Berichte vorzugsweise «dresfirt stnd, durchgehendS zu den meistbeschäftigten Leuten. Doch es fragt fich vor Allem: ist eine solche Ausdehnung un- bedingt nothwendig, könnten die Berichte nicht kürzer zusammen- gedrängt werden V Nun läßt fich schon gegen die bloße Frage allerdings einwenden, daß ste ja in erster Linie überhaupr nicht Itür das Publikum, sondern, wie der Titel besagt,„behufS Porlage an dm Bundesratb und den Reichstag zusammengestellt" seien, und für diesen Zweck müßten fie so erschöpfend als möglich {(ein. Wir lassen diesen Einwand gelten, sobald uns ein Bun- «csraihs- oder Reichstags-Mitglied glaubhaft nachgewiesm wird, welches z. B. den vorliegenden Band wirklich durch- gelesen hat. BiS dahin wagen wir zu behaupten, daß idiese Berichte, oder genauer, die alljährlichen Zusammen- stcllungen derselben in oer That allzu umfänglich stnd, wäh- Nud freilich die einzelnen Berichte, jeder für sich betrachtet, in dieser oder jener Hinficht vielmehr noch ausführlicher, weniger lsummarisch als gegenwärtig sein könnten und sollten. Die Cache ist einfach diese. In Folge deS Umstandes, daß ein bc- ßimmtes, xenau svrmulirtes und spezialifirteS Schema für die Berichtestattun g vorgeschrieben ist. bekommen wir nickt nur Jahr aus Jahr ein, sondern auch rn den Berichten der sämmt- lichcn 46 Fabrik-Inspektoren(von den Auffichtsbeamten der Bergrevler-Beamten abgesehen) in der Hauptsache stets so ziem- lich dasselbe zu lesen— und das wird denn doch nachgerade ermüdend. Tie Oasen charakteristischer und interessanter Wahr- liehmungen, Schilderungen und Thatsachen werden in dieser Wüste des Obligaten immer seltener. Auf der anderen Seite stnd die einzelnen Berichte, wenn ste nicht etwa von der reichsamtlichen Redaktion ganz erheblich zu- sa mm enge strichen werden, eben darum in Vielem lange nicht eingehend genug; namentlich gilt dies in Betreff der fünften �.ubrik: ,,W i r t h s ch a f t l i ch c und sittliche Zustände der Arbeiterbevölkerung: Wohl- sahrtseinrichtungen; Verschiedenes", die in den meisten Berichten kaum zwei Seiten, in manchen sogar Nur eine halbe Seite umfaßt. Kurz, wir find der Anficht, daß fich eine andere, und zwar eine wcsintlich andere Form der Veröffmtlichung der Berichte «wpfehlen möchte. Als ein, wenn auch keineswegs blindlings »nd in jeder Hinstcht nachzuahmendes Vorbild haben wir hier- lei die entsprechenden englischen Publikationen vor Augen.- Dieselben, die gleichfalls zunächst für die beiden Häuser des Parlaments bestimmt find, werden von dem Oberinspektor [Chief-inspector) zusammengestellt und zerfallen in zwei Theile. doch garnicht recht munden will, wie ein kleiner Fabrik- Hornstein vor sich hin, mit einer Art grimmiger Verach- Ung auf die frisch gewaschenen Gardinen blickend, die zur LeihnachtSzeit ja jede Wohnung schmücken. Vielleicht denkt er an frühere Zeiten, wo er noch icht das Haupt und den Vorstand einer Familie reprä- Nrtirte, und ein schmerzliche» Lächeln verklärt seine A Äußerungen der Distrikts-Jnspekiolen über die verschiedenen Materien, namentlich solche, welche gerade im Vordergrunde des öpentlichen Interesses stehen, gegeben, und der zweite Theil ist rein statistisch und tabellarisch. Der erste Theil umfaßt z. B. in dem Bericht für 1382 nicht mehr als 42, der tabella- rische 170 Seiten. Dafür kostet der englische Bericht aber auch nur«inen Sixpence, unsere Jahresberichte 15 Mark» also das Dreiß'gfache! Jndeß von dem Unterschied des Preises ganz abgeseven, obschon derselbe in diesem Jammerthal doch auch ins Gewicht fällt, so ist diele Methode jedenfalls eine ungleich praktischere und vor Allem weit mehr zum Lesen anregende," als die unsrige. Bei uns ist jede einzelne Materie, wie zum Beispiel die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter, in 42 Stücke zertrennt, wobei es natür- lich nicht fehlen kann, daß fich die nämlichen Wendungen so und so ofimal wiederholen. Ueberdies, wofür stnd denn unsere Einzelstaaten da? Von diesen haben einige der größeren, wie Bayern, Sachsen, Baden, ohnehin schon seit ein paar Jahren angefangen, die Jahresberichte ihrer Inspektoren separat drucken zu lassen, da ihnen die reichsamtliche Veröffentlichung zu lange ausblieb; das mögen ste und alle anderen, die Lust und Jnter- esse daran haben, auch in Zukunft thun. Das Reich aber sollte nicht als Wiederkäuer auftreten, sondem eine wirkliche, nicht bloß eine mechanische Zusammenstellung geben, einen systema- tisch geordneten Auszug des Wissensmerthesten und Jntereffan- testen aus den 42 Berichten(wobei immerhin die fünf Haupt- rubriken beibehalten werden könnten); weiterhin aber wäre auch bei uns alles Statistische, so weit es überhaupt brauchbar ist, in einen besonderen Theil zu verweisen. Vielleicht könnte zu- gleich die Sache so eingerichtet werden, daß beide Theile auch separat zu haben wären, so daß den statistischen Theil nur die Fachmänner und Liebhaber zu taufen brauchten. Selbstredend müßte die Redaktion besonders des ersten Theils nicht von irgend einem ad hoc beorderten Bureaumann, sondern von einem mit dem Gegenstande völlig vertrauten Sachoerständiaen besorgt werden; einen Reichs-Oberinspektor haben wir freilich bis jetzt nicht, es wäre aber wohl zu wünschen, daß wir uns auch einen zulegten. Dolitiseke NebersirKt. Zwanztgtausend Mark forderte der Reichskanzler vom Reichstage für einen neu einzustellenden! Direktor im aus- wärttgen Amt. Die Mehrheit der Reichstagsmitglieder stimmte gegen diese Forderung. Seit dieser Abstimmung ist eine riesige Agitation in Szene gesetzt worden, von Rah und Fern gehen dem Fü'stcn Bismarck sog. Zustimmungsadressen zu, und an vielen Orten hat man sogar Geld gesammelt, um die Kosten für den neuen Direktor, der— wie man erzählt— in der Person des Grafen Herbert Bismarck, des Sohnes vom Reicks- kanzler. zu suchen ist, aus Privatmitteln zu bcfktitm. Wir haben diese Angelegenheit bis jetzt kaum berührt� obgleich schon für mehr als zwanztgtausend Mark Tinte um dieselbe verklext worden ist, weil wir dieselbe für höchst unwichtig halten. Interessant find aber die Auslassungen der verschiedenen Parterblätter zu dieser Sachlage. So schreibt z. B. daS deutsch-fteistnnige„Reichsblatt", welches im Gegensatz zu dem ehemals fortschrittlichen„Rcichsfreund" mehr den früher sezessto- nistischen Flügel vertritt über den Dirrktorpostcn im auswärt!- gen Amt-:„Wenn eS den Herren(welche die Adreffenbewe- Sung betreiben) nur auf die Sache selbst ankäme, und wenn e wirklich der Meinung wären, daß der Beschluß vom 15. Dezember von so nachtheiligen Folgen sein könnte, dann würden ste sich Mühe geben, die Majorität mit Gründen zu überzeugen, aber nicht einen solchen Spektakel machen und nicht die Freifinnigen, die in dritterLesung für die definitveBewilligung des neuen Direktors im auswärtrgen Amte stimmen könn- t e n, mit Spott und Hohn überschütten. Es steht gerade so aus, als ob Manchem der Herren nichts unangenehmer wäre, als wenn der neue Direktor schließlich bewilligt werden könnte. Wer die Verhandlungen vom 15. Dezember liest, dir wird zu- geben müssen, daß die Differenz zwischen dem, was die Majo- rität der Budgetkommission und des Reichstags einerseits und der Reichskanzler andererseits ivollen, so klein und unbedeutend Züge, wenn er sich jener Zeiten erinnert, wo ihm verschiedene Toiletten- Gegenstände, mit denen er heute die Frau Gemahlin und die Fräulein Töchter er- freuen muß, noch total unbekannte Größen waren. Was war damals die Folge des Weihnachtsfestes? Ein bischen Katzenjammer, ein bische« dicker Kopf— fast hätte ich Brummschädel gesagt— das war Alles! Wenn der dritte Feiertag heranbrach, wo bekanntlich allmählich wieder die Schrippe und der Salzkuchen in ihr altes Recht treten, dann steckte er einfach den Kopf in das eisige Waffer, nahm „einen" auf den Diensteid, steckte sich eine Havannah ins Gesicht, und widmete sich, wenn auch schweren Herzens und mit jenem undefisirbaren Gefühl im Magen seinen ge« wöhnlichen BerufSgeschästen. WaS wußte er damals von verdorbenem Magen, an welchem bekanntlich augenblicklich fast alle—— Kinder, große und kleine, kranken? Damals überaß er sich nicht an Kuchen, aus dem einfachen Grunde, weil er keinen hatte, und er war doch vergnügt. Heute ist ja Weihnachten vorbei, und heute kann man daher, ohne eine tüchtige Hausfrau und solche, die eS wer- den wollen, zu verletzen, über manche Dinge sprechen, die man sonst unter allen Umständen zu verschweigen ganz ge- gründete Ursache hat. Womit wird in unserer Familie gewöhnlich ein Fest eingeleitet? Welches sind die Hauptvorbereitungen, die ge- troffen werden? Ein gelinder Schauer überläuft uns, mehrere Gänsehäute schütteln unfern Körper, wenn wir nur daran denken, und kaum wag« man das Wort niederzu- schreiben. Es heißt:„Reinemachen!" Dieser Reinemacherci entgeht wohl vor Weihnachten keine Wohnung, Ströme von Wasser befeuchten den Fuß- bodi» und sorgen für den schönsten Schnupfe» zu dem Fest, aufgerissene Fenster und Thüren befördern Zahn- schmerzen uad Rheumatismus und bringen es schließlich so weit, daß sich vielleicht mehrere Familienmitglieder statt mit sreudigen Gesichtern sich um den Weihnachtsbaum zu ver- sammeln, mit dicken Backen hinter dem Ofen herumdrücken, — und das hat mit ihrem Reinemachen die sorgsame Haus- frau gethan. Wir wollen natürlich nicht, daß es zu Weihnachten in einer Wohnung schmutzig aussehen soll, im Gegentheil, das Heim des Arbeiters soll so propper und nett als nur mög- ist, daß man es ganz begreiflich gefunden hätte, wenn die Frei- finnigen ovcr ein größerer Theil derselben am 15. Dezember für den neuen Direktor gestimmt hrtte. Es hrndelt sich hier um keinerlei Partei- und Prinzipienfrage, wie der Abg. Richter ganz richtig auseinandergesetzt hat. Bei der zweiten Lesung stnd die Ersparnißrückfichlen der Badgetkommisfion noch maß- gebend gewesen. Nachdem fich jetzt herausgestellt hat, daß eine Ersparniß, auch wenn die Stelle des neuen Direktors noch nicht bewilligt wird, noch nicht erzielt wird, daß im Gegentheil Mehrausgaben vom Kanzler in Ausficht gestellt find, weshalb sollte man nicht eben so gut in dritter L c i'. � w i» Sti,— i r y t.----•-—- ---------,—„*... L e s u n g für die Bewilligung des Direktors stimmen können?(Wird ja auch geschehen l D- R.) Der Reichstag war am 15. Dezember sehr schwach besetzt, von der freisinnigen Partei allein fehlten 22 Mitglieder, darunter, wie uns gesagt wird, eine Anzahl, die schon in zweiter Lesung die Bewilligung ausgesprochen hätten. In dritterLesung wird bei voll besetztem Hause das Resultat der Abstimmung ein anderes sein.— Der ultamontane„Westphälischer Merkur" spricht sich fol- gendermaßen aus: Wie wir hören, dürfte das Zentrum auch in der dritten Lesung geschlossen für die Ablehnung der zwanzigtausend Mark behufs Kceirung einer neuen Direktorstelle im Auswärtrgen Amte stimmen. Wenn durch eine Schwenkung eines Theiles der steifinnigen Partei in der dritten Lesung ein anderes Resultat erzielt werden sollte, so wird das dem Zentrum sehr gleich- giltig sein. Auch wäre es keineswegs undenkbar, daß die Schlußabstimmung des Zentrums eine andere sein würde, wenn man versuchte, durch weitere nüchterne, sachliche Argumente die Nothwendigkeit einer neuen Direktorstelle zu deduziren. Statt dessen hat die Regierungspresse gegen die Nonkonformisten eine leidenschaftliche Agitation eröffnet, die Frage zu einer hochpolitischen aufgebauscht und den Reichstag so vor die Wahl gestellt, ein Vertrauensvotum für die Gesammtpolitik des Reichskanzlers auszusprechen oder nicht. Das Zentrum hat aber nicht den mindesten Grund, ohne jede Veran- l a s s u n g(!), dem Kanzler eine solche Ovation zu bereiten. Als der vorige Reichstag in guter Harmonie zwischen der Re- gierung und der Reichstagsmehrheit geschlossen und zuletzt noch durch Verständigung zwischen der Regierung, dem Zen- trum und den Konservativen das wichtige UnfallverficherungS- gesetz fettig gestellt wurde, da hatte wohl schwerlich Jemand erwartet, daß der Kanzler plötzlich seine Myrmidonen zu zomi- gem Kampfe gegen dieselbe Partei aufrufen werde, mit de- r e n Hilfe er in den letzten Sesfionspettoden Alles erreicht hat. Das Zentrum kann dem Fürsten Bismarck auch deshalb schon kein Vertrauensvotum aussprechen, weil er nicht nur als Reichskanzler, sondern auch als preußischer Premier auSwättige Politik treibt und in letzterer Eigenschaft mit dem hl. Stuhle sogenannte„Verhandlungen" in einer Art führt, welche bis jktzt noch das Vergnügen keiner Partei, am wenigsten des Zcllstllw.s, erregt hat.— D- h. also: Die Zcntrumspattei wird Alles bewilligen, wenn der Reichskanzler sich auf Unter. Handlungen einläßt!— Es ist wirklich ergötzlich, zu beob« achten, wie fich die verschiedenen Parteien drehen und wenden, und namentlich wie fich die„Freisinnigen" vorbereiten, ihr patcr peccavt in unauffälliger Form aussprechen zu können! — Erwähnenswerth erscheint uns noch, daß— wie aus den Artikeln der! ultramontanen und stcisinnigen Presse hervor- Seht— genannte Partelen nicht prinzipielle Gegner der Forderung stnd, sondern nur aus Klelnigkeitskrämerer gegen dieselbe votirten. Unter solchen Umständen hätten sie ah?r besser gethan, gleich bei der ersten Lesung für die an und für fich vcrhältnißmäßig winzige Summe zu stimmen. Der ReichStagSabfleordnete Antotne soll bei seiner neulichen Anwesenheit hierseibst erklärt haben, er werde nur die Einstellung des wegen Hochoerraths beim Reichsgerichte gegen ihn schwebenden Verfahrens abwarten und dann die eigmthümliche Publikation der bei ihm mit Beschlag belegten Privatbriefe durch die„Nordd. Allg. Ztg." im Reichstage zur Sprache bttngen. Oesterreich-Ungarn. Bei der entdeckten Geheimdruckerei in N e u p e st scheint die Behörde nichts Gemeingefährliches gefunden zu haben, denn alle Verhafteten wurden nach den ersten Verhören auf freien Fuß gestellt. lich erscheine», aber wa« zu viel ist. ist zu viel, und ge- wöhnlich wird bei solchen Gelegenheiten das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Jeder brave Familienvater schüttelt sich einfach, wenn er jetzt, nachdem nun endlich Ruhe eingetreten ist, an die überstandenen Leiden zurückdenkt. Wenn er Mittags nach Hause kam, um die wenigen Minuten, die ihm verblieben, in Ruhe und Frieden zu ge- nießen, so stand sein theures Weib gewiß mitten im Z m- mer, umgeben von den Fluthen der Wasserleitung, und triumphirend schwang sie wie eine Fahne den Schrubber mit dem Scheuerlappen.. Das Mittagessen war entweder noch nicht fertig oder — was noch schlimmer war— angebrannt, und der Mann mußte, nur um den ehelichen Frieden zu wahren, AlleS still hinabschlucken, denn die Frau ist ja vollkommen in ihrem Recht, sie muß reinmachen und zwar auS dem triftigen Grunde, weil eS Weihnachten ist. Ja, es ist angenehm, Feste zu feiern, w nn r.ur die Vorbereitungen nicht manchmal gar so— schön wären. Nun, bei dem nächsten Fest, welche» uns bevorsteht, ist in der Beziehung wenigsten« nicht soviel zu befürchten, denn die kurze Zeit zwischen Weihnachten und Neujthr wird hoffentlich keine Hausfrau dazu benutzen, um eventuell«och einmal„reinzumachen". Bei der Gttindlichkeit, mit der die Prozedur gewöhnlich vorgenommen wird, kann man sich übrigens auch gettost der Ueberzeugung hingebe», daß zum Reinigen überhaupt nichts vorgefunden wird. Unsere Bemerkungen über die R.inlichkeitswuth. mancher Frauen waren gewiß nicht böse gemeint, und wir wissen genau, daß viele Männer, wenn«icht alle, uns in dieser Beziehung Recht geben, aber sicher wird nur der das Ge- fühl riesiger Unbehaglichkeit zu würdigen wissen, der solche Verhältnisse selbst durchgekostet' hat. Wenn sich diese Zu- stände in Zukunft nicht ändern, so wwd nichts weiter übrig bleiben, als daß man jedesmal acht Tage vor Beginn eine« Festes einen Verein gründet zum Schutz„obdachloser ver- heiratheter Männer". Hier würden dann diese wichtigen und einschneidenden Fragen behandelt werden müssen, und vielleicht würden di: Verhandlungen dann dahin führen, daß zur Weihnachtszeit die Thätigkeit de« Schrubbers und des Scheuerlappens möglichst beschränkt werde. Frankreich. Die Rcgierungsorgane stillen in Abrede, daß englische Schiffe sür den Truppentransport nach Tonlin angekauft oder gemiethet werden würden und bemerken, die französische Handelsmarine sei vollkommen in der Lage, diesem Bedürsniß zu genügen.— Laut Nachrichten, welche dem„Tcmps" aus Peking zugehen, hätte der Zerisorenrath beantragt, Ma- Kicng-Chang, Sekretär Li-Hung-Cbanzs, als für den Vertrag von Ticntfin verantwortlich, zum Tode zu verurtheilen, doch glaube man, daß Li-Hung Cbang seinen Sekretär schützen wcrde.— Senat. In dem Bericht des Senators Dauphin wird beantragt, das Einnahmebudget sofort zu berathen, und das Ausgabcbudget bis nach den Ferien zu vertagen. Die Berathung de? Schlußantrages des Berichts ist auf nächsten Freitag festgesetzt.— Nunmehr liegt das Gesammtergkbniß der Wahlen von D e l e g i r t e n sür die S e n a t s w ah I e n vor. Hiernach haben die gemäßigten Republikaner einen be- deutenden Erfolg erzielt, Vre Royalisten dagegen eine uncr- wartet schwere Niederlage erlitten. Man kann hiernach vor- aussagen, daß sich am 23. Januar unter den zu erwählenden 89 Senatoren etwa 72 Republikaner und 17 Konservative b> finden werden, wodurch die Republikaner 28 Sitze gewinnen. Italien. Die überaus traurigen Zustände in dem süd- lichen Italien werden wieder von der„Gazetta d'Jtalia" kriti- firt. In diesen Provinzen Calabrien, Terra d'Otranto, Basili- cata, fehlen die Zeichen der Zivilisation, an denen der Norden des Landes reich ist, fast vollständig, namentlich Kanäle, Eisen- bahnen und fahrbare Wege. Mit den Eisenbahnen ist erst ein Anfang gemacht. Der Norden ist übersät mit fleißigen Städten, im Süden find nur wenige nenncnswerthe Städte, die meisten Ortschaften sind öde und todt. Wähiendmr Norden der Ackerbau durch alle Miitel und W.rkzeugederNcuzeit floriri, benutztl nan im Süden Werkzeuge, welche vor Jahrtausenden schon im Gc- brauch waren. Die Küstenländer des Südens, in denen meist Griechen blühende Städte besaßen, deren Reichthum sprüchwört- Hch war, find jetzt öde und leer, heimgesucht von der Malaria, welche die Bevölkerung dezimirt. Nock heute steht man unge- heure Steindämme, an denen meist griechische Schiffe landeten, aber dieselben find jetzt fast vergraben unter dem Ufcrsand. Wohl nirgends in Europa empfängt der Wanderer so tiefe und schmerzliche Eindrücke, als in jenen Küstengebieten, die in ökonomischer und politischer Hinsicht an den Orient erinnern. Die Besitzer dortiger oft ungebeurer Grundstücke seben ihr Eigenthum nie, leben in Rom, Neapel, Florenz, und kümmern sich mcht um die Bcwirihschaftung, welche gänz- lich darniederliegt. Jenes Land könnte man das„italie- nische Irland" nennen. Das befruchtende Wass.-r fehlt dort nicht, ober die Mündungen der Flüffe werden vielfach verstopft und Sümpfe bilden sich welche Pestluft aushauchen. Die Ursachen, welche jenes ein- stige Paradics in eine Wüste verwandelt haben, liegen in früheren Jahrhunderten. Die Gothen, Bnzantiner, Earazener, Normanen haben dort gehaust, Piraten haben unzählige Male jene Küsten mit Raub und Brand heimgesucht, die Herrschaft der Spanier und Bourbonen hat das ihrge zum Ruin beigetragen, endlich ist die Feudalherrschaft ein Hauvtgumd des Verfalls gewesen. Tie Kolonien der Griechen haiien auch mit der Malaria zu kämpfen, aber fie besiegten sie durch Anbau, und wurden reich. Heuzutage herrscht dort d'c allcrti aurigste Miseria und Niemand legt Hand an, um dort zu beffern-— In der Deputirtenkammer brachte der Deputirte Lecca diese agrarischen Zustände zur Sprache, und legte eine von 126 Ab- geordneten unterzeichnete Motion vor. durch welche„die Kam- mer, beunruhigt durch die Lage der londwirthschaftlrchen Pro- duktion und der ackerbauenden Beröikerung, und durchdrungen von der bliurläfjlichkeit, deren Elend zu lindern und größeren Nachtheilen vorzubeugen, welche daraus für den Nationalw-ohi- stand entstehen können, die Regierung ausrordert,. rasch? und rairksan e Abhilfsmittcl vcrzuschlager." Lucca forderte und die Kammer bewilligte, daß seine JnicrpellaUau im Laufe des Mo- rats Januar k I. zur Verhandlung-komme- Ruhlavd. In einem Briefe aus der kaukasischen Haupt- stadt wird der„Westw Jewp." aufmerksam gemacht, daß gegen- wältig noch in einigen Gebenden des Kaukasus(in den Gou- vernementö Dflis ufld Kutais) die Leibeigenschaft existüt, und zwar Mf d:n großen Besitzungen der ausländischen griechischen Ksssler, deren Bauern— nach den Mütheilungen der Einen gegen 4060.Höfe, nach solchen der Anderen etwas weniger— nach hörig sind. Es kommt dieS daher, weil seinerzeit die Behörden nickt wußten, auf welcher Basis die Auf- Hebung der Leibeigenschaft für sie vorzunehmen wäre: obste wie Gutebauern bedachtet werden sollten oder wie Bauern, die sich auf Besitzungen verschiedener Institutionen bifindcn. Im Jahre 1876 beschloß das ehemalige Komilee zur Regelung der Verhällmffe der transkaukasischen Bauern für die obenge- nannten Klosterbaucrn die Bestimmungen hinstchllich vrr Bauern auf Besitzungen verschiedener Institutionen bei der Befreiung aus der Leibeigenschaft irr Anwendung zu brirgnr. Die Ausführung dieses Beschlusses hat fich aber aus verschi?- denen Gründen bis jetzt verzögert und nur eine einzige Maß- reget ist angeordnet worden; auf Verfügung der kaukasischen Verwaltung wurden im Jahre 1881 die landlosen Klosterbaucrn diu Lchlch des„doflfnb" in London. Wer London kennen lernen will, darf nicht nur die„C ty", den Mittelpunkt des Engros- Handels, nicht nur das„West- end" mit seinen glänzend ausaesiatteten Detailgeschüfien nnd seinen zahllosen Vergnügungslolalen aller Art aufsuchen, son- dern muß auch seine Schritte zu den Stätten der Ärmuth und der Roth lenken, muß das im„Eastend" aufgehäufte Elend, den damit verbundenen Jammer aus eigener An- schauung kennen lernen, um ein annäbernd richtiges Bsid zu bekommen von dem Leben und Treiben dieser„Millionen- stadt". Eine naßkalte Dezembernacht war dem Studium des Lon- doner„Preletarieroiertels" gewidmet und wir wollen die Leser d.s„Berl. Volksdlatt" mit eintreten lassen in die Zuflucht- stätten der Armen und in die düsteren Höhlen, welche die Ver- biecher aller Art fich zu ihrem vorübergehenden Aufenthalt auserkoren haben. In Begleitung einiger lokal- und personenkundiger Führer besichtigten wir zunächst ein unbeschäftigten Seelruten zum Aufemhalt dienendes Gebäude, In welchem die Insassen geg n eine Zahlung von wöchentlich 15 Shilling— 15 M. Wohnung und Kost erhalten. Dieses„Sailor home" benannte Institut ist sehr hübsch eingerichtet hat für 1500 Personen Raum und bietet mit seinen sehr an den Aufenthalt auf Schiffen erinnernden Schlaf- und Versawmlungs'äumen sowobl a.s auch den gut und schmack- Haft zubereiteten Mahlzeiten, den in London, ohne Beschäftigung weilenden Schiffsleuten aller Art, so oeit fie noch im Besitz von Mitteln sind, einen Willkomm nen Vereinigungspunkr der Be- rufsgenoffen. � �„ Dieses Haus wurde gegründet um dre ven d-r Rei,- aus kernen Weltchdlen nach London kommenden Matrosen vor der Ausbeutung habgieriger Kostwirthe zu bewahren. Es aatie sich nämlich ein eigener Geschäftszweig heraus- gebildet, der darin bestand, den Scelcu'en Wohnung uns Kost i;i Logi'.häuscrn zu beschaffen! in düscn Hävern herrschte, unter der Aegide der Wirlhe, ein wüstes tolles Treiben, dee Mittel tz-t Gäste wurden bald absorbirt, dann wurde auf Kredit ge- l»st— man kann sich denken, welche Preise vom Wirth be- r+vet wurden— und der Lohn kü sttgcr Thätigkeit wurde •r, r. Inhaber solcher Mnhschast verpfändet. W« Jemand erst einma! ein«» derartigen Biedermann in d' Hstide gefallen, so konnte er fich ihm trotz allen Wollens' den Hofbauern gleichgestellt und von allen Leistungen für die Klöster befreit. Aber auck dies sei ganz zufällig gekommen. D.r bekannte Tiflis'sche Millionär I. Alelow erwies sich nämlich als landloser Bauer eines der griechischen Klöster und nur in Folge seiner wiederholten Bitten um Besteiung von den Leistungen sür die Klöster wurde die angeführte Maßregel an- geordnet. England. Die vor einiger Zeit angedrohte Lohnreduklion in den Töpferei-Bczirken von Staffordshirc scheint sich in aller Ruhe zu vollziehen. In 4 Fabriken stellten die Arbeiter ihre Arbeit während der Verhandlungen über die reduzirien Preise ein und verlangten schiedsrichterliche Untersuchung und Eni- schcidung; mit welchem Erfolge ist unbekannt. Die Porzellan- arbkiter scheinen sich friedlich in ihr Schicksal zu ergeben.— Natürlich doch nur, weil fie fich darin ergeben müssen! Süd-Afrika. Die„Times" meldet aus Durban vom 26. d. M., die englische Flagge sei nicht auf Port Dunford, sondern in St. Lucia au'gehisst worden. Der Gouverneur von Natal habe die Genehmigung zu diesem Schritte bei der englischen Regierung nachgesucht.(Vor Kurzem hieß es b.kannt- lich, in St. Lucia sei durch einen deutschen Reisenden die deutsche Flagge gehisst worden.) U o k« t e s. g. Hiesige Baulustige hatten sich in neuerer Zeit nicht selten an den Minister des Innern mit dem Gesuche gewendet, die Vorschriften der Berliner Polizeiordnung zu dispenstren bezw. Beschwerde über die Versagung von Baukonzejfionen ge- führt. Um nun dem Publikum einen unnölhigen Zeitverlust zu ersparen und die Gefahr einer Fristversäumung zu begegnen, welche derartige Beschwerden im Gefolge haben können, hat daS Kgl. Polizei-Piästvium jüngst Veranlassung genommen, darauf hinzuweisen, daß nach HZ 127 ff des Landesvenvaltungs- gesetzcs vom 30. Juli v. I. dem Baulustigen, dessen Baugesuch entweder abgelehnk oder an ceschwercndc Bedingungen geknüpft wird, entweder die Klage im Vcrwaitungistceitverfahren bei dem Kgl. Bezirksausschuß für den Stadtkreis Berlin oder die Beschwerde bei dem Ober-Präfidenten von Berlin zusteht, in beiden Fällen aber die bezüglichen Schriftstücke stets bei dem Polizei-Präfidium und zwar innerhalb 2 Wochen zur Ben? ei- dvng der Fristversäumniß einzureichen sind, daß ferner der Be- ziiksausickuß für den Stadtkreis Berlin nach Z 145 deS Zu- stävd!gkei!kgesctz!s vom 1 August v. Js. über Dispense von Bestimmungen der Bauordnung beschließt und gegen dessen Beschluß die Beschwerde an drn Minister der öffentlichen Ar- deitcn zu erfolgen Hai. Die Kaiser-Wtlhelmstrasie. Die Aktien scheinen schon im Anzug, denn die Börsenblätter rühren bereits die Werbe- trommel und verkünden wahrhaste Wunderdinge von dieser Straße mit dem schönen Namen. Wer hätte dies jemals der alten harmlosen Paper strcße und der guten Braubausgasie zu- getraut, daß sie eine Fortsetzung der„Unter den Linden" wer- den sollen. Ein schöner Gedanke, aber es kommt gewöhnlich anders und rathen wir von vornherein dazu, es anders zu machen, als eS jetzt projektiit ist, damit nicht die Reue wieder zu spät kommt. Nicht von genialen Baumeistern sollte man die herrlichsten Bauentwörfe Heistellen lassen, sondern, den Be- dürfnissen jencS Staditheiles entsprechend, müßte man einfache Häuser süt billige Geschäftslckale und Weitstätten, Mittel- und kleine Wohnungen erbauen. Die großen und feinen Geschäfte ziehen bekanntstch alle nach dem W.sten und nur die Wenigen bleiben noch im Zentrum, die eige- nen Grundbesitz haben, sonst würden auch sie dem Zuge ihrer Konkurrenien folgen. Einzelne Geschäfts- zweige, Zwie Leder- und Häute-Engros- Geschäfte werden schon Lei halb dort bleiben, weil sie wegen Verbreitung von nicht sehr angenehmen Gerüchen leine Miethslokale in anderer Gegend finden würden- Unsere städtische Verwaltung war sehr klug und weise, als sie sür eine bestimmte Summe die ganze Sache, die Dmchlegimg und dm Bau der Straße in Entre- prise gegeben hat. Der eigentliche Zweck, Lust und Licht in jenen Stadttbeil zu bringen, ist erreicht worden, und so wild die Kaiser-Wilhelmstiaße eine gesunde Errungenschaft für die innere Stadt wcrdm, sie kann auch für die G.ünder sich mitzbringmd gestalten, wenn dieseiben ihre stolzen und hoch- fliegenden Pläne aufgeben, sich vielmehr, wie bereits vorher gesagt, mit einfachen und praktischen Bauten begnügen würden Außer den vielen Gewerbetreibenden, die im Zentrum der Stadt wohnen müssen, würde eine große Anzahl von Be-"' amten wegen der Nähe des Rathhauses, des Polizelpräfidiums und des Landgerichts gerne dort wohnen, wenn die Wuh- nung'n, wie wir vorschlagm. einfach und billig werden. I« Betreff der Brücke über den Schifffahrtskanal im Zuge der Sccstraße ist jetzt die Entscheidung des Minist.es der öffintlichen Arbeiten ergangen. Der Magistrat war be- kanntlich seiner Zeit vom Amtsbezirk Tegel, in dessen Grenze die Brücke liegt, zur Reparatur derselbeil aufgefordert worden, bette fich ab r glwcigett, dieser Auffoiderung nachzukommen, da hierzu die königliche Ministelial Bau-Kommission veipfllchtct sei. Letztere aber behaupt-tc, die Blöcke sei bei Uebergade der Straßen- und Blückcnbaulast an die Stadtgcmttnde in die Unterhaltungspflicht der Letzteren übergegangen. Da eine Einigung hiciüber nicht zu erreichen war, so rief der Magisttat die Einigung des Ministers an, welche dahin ausgefallen ist. daß der Magistrat zur Unterhaltung der Brücke verpflichtet sei, da aus dm Verhandlungen über die wegen der Uebergabe der Straßen- und Biückeillast an die Stadl derselben zu ge- währende Entschädigung hervorgehe, daß bei Berechnung der an die Stadt zu zahlenvcn Rente auch die Unterhaltung dieser Brücke inIBerecktiung gezogen sei! N. Zwei junge Löwen find am 1. Wcihnachtefeiertag im Raudlhierhaus unseres zoologischm Gartens zur Welt gc- kommen. Die jungen Thiere, die augenblicklich noch den Blicken des Publikums entzogen sind, scheinen so munter, daß begründete Hoffnung voi Händen, dieselben am Leben zu erhalten. Elwäönenswerth ist, daß dieselbe Löwin, welche diesen Wurf gemacht hat, damit zum dritten Male in diesem Jabre Mutter geworden ist. Im F-bruar brachte fie 6, im Juni 3 und nun 2, gewiß eine ansehnliche Leiflung. Leider gingen die beiden eisten Sätze in Folge der Nachlässigkeit der Mutter ein, doch ist zu hoffen, daß sie sich dicemal ihrer Nachkömmlinge besser annehmen wird. Der Garten hat, wenn dieser Löwenwurf am Leben bleibt, eine Lö-renheerde in seinem Besitz, wie wohl wenige Gärten der Welt. a. Auch eine Weihnachtsbescheerung. Am Tage vor Weihnachten, Nachmittags gegen 2 Uhr, gcrieth der Arbeittr L. mit dem Maler R. in der Kroßen Frankfuttersttaße, wo beide auf der Promenade mit Weihnachtsbäumen handelten, wegen eines Tannenzwciges in Streit, welcher in Thätlichkeiten ausartete, und wobei R. dem L. mit einem Beil einen Hieb gegen die linke Seite des Gesichts versetzte und ihm eine große klaffende Wunde an der Backe beibrachte. L., welcher zusam- menbrack, mußte sogleich nach dem städtischen Kranken hause im Fliedrichehain geschafft werden, woselbst die Verletzung als eine >ehr schwere bezeichnet wurde, weil auch der Bcckerknochen stall verletzt ist. R. ist zur Hast gebraebt worden. a. Ein bedeutender Einbruchsdtrbstahl wurde in der Nacht vom 25. zum 26. Dez. in der Mittcnwalderstraße verübt. In der Zeit zwischen 4 und 5 Uhr Morgens haben Diebe das von Außen vorgestellte und von Innen befestigte Schau- sensterbrett eines Uhrmachers mittelst einer eilcrmn Stange ge» wattsam erbrochen, die Scheiden eingedrückt und aus dem Schau ferst, r 13 silberne Zylinder- und Anker- Remontoiruhren mit den Nummern 43 979-84, 68111, 68116, 99 751-6, 15 055, 19213 gestohlen. Von dem entstandenen Geräusch er- wachte die Tochter des Uhrmachrr?, und fie verjagte die Diebe, welche, wenn sie nicht gestöst worden, sicherlich daS ganz« Waarenlager im Schaufenster ausgeräumt hätten. Am Thal- ort wu-de ein schwarzer �ut und eine 1 Meter lange Eisenstange von den Dieben zurückgelassen. a. Der junge Kaufmann K. begegnete am 2. Fc'ertage früh Morgen gegen 4 Uhr in der Jnvalidenstraße zwischen der Acker- und der Brunnenstraße, welcher Straßentheil in dieser Zeil fast menschenleer war, einem Manne und einer jungen Frauentperson. Diese wies, als sie wenige Schritte von K- entfernt war, auf diesen mit den Worten hin:„Der hat mir mein Portemonnaie gestohlen", worauf ihr Begleiter unter Droh- und Schimpfworten auf K. zuging, von diesem die Herausgabe des Poitemonnaie's verlangte und mit Gewalt dessen eigenes Portemonnaie aus dessen Tasche hervorholen wollte. Auf den Hilferuf des bedrängt, n K., welcher weder den Mann noch die Frauensperson kannte, kamen sofort der Revierwächter und ein Schupmann herbei, welche die Fraucns- veison festnahmen, während ihr Begleiter, dem der beabsichtigt« Raub nicht gelungen war. durch die Flucht entkam. Di« Frauensperson, eine unverehelichte S-, hat eingeräumt, daß sie und ehr entkommener Begleiter drn Plan gefaßt hätten, in der geschilderten Weise den Eisten, welcher ihnen in der Straße begegnen würde, zu berauben, und daß fie zu diesem Zwecke an den K. herangekommen wären. Wo sind die Felle? Zwei hiesige Handelsleute kauften am 22. d. Mts. aus dem Markte am Alexanderplatz 400 Hasen-, 3 Hirsch- und 9 Rehfelle im Gesammtwerthe von 225 M. und einer dieser Händler beauftragte seinen Kutscher Max Schwan, mit seinem Wagen die Felle an einen in der Prinzcnallee wohnhaften Großhändler abzuliefern. Diesen Austrag hat Schwan jedoch ntckt ausgeführt, vielmehr die Felle anscheinend and rweitig verkauft und den Ettös unterschlagen. Das Fuhr- werk hat er einem Dienstmann übergeben mit dem Austrage, dasselbe an den Eigenthümer abzuliefern. Der bisher noch nicht ermittelte Schwan ist 5 Fuß 6 Zoll groß, von hagerer Gestalt, er hat blonde Haare und blonden Schninbatt, graue große Augen, von denen das linke erblindet ist und stark her- vorttilt. g. Riithselhafter Diebstahl. Der Oberwäscherin des jüdischen Krankenhauses in der Auguslstraße 14/15 wurde vor etwa 6 Wochen in der Zeit von 8—9 Uhr früh eine goldene Damenuhr mit Ständer gestohlen, welche auf der Kommode ihres im Souterrain belegenen Zimmers gestanden hatte. Die von dem Diebstahl in Kenntniß gesetzte Kriminalpottzei lenkte ihren Verdacht, den Diebstahl begangen zu haben, zunächst am die nächsten Angestellten des Krankenhauses, dann aber aut Arbeiter, welche zu jener Zeit an dem Bau eines Pavillons nicht mehr entwinden und die Einsicht, daß dieser Zustand für die überaus zahlreiche Ktasse der Seeleute unerträglich sei, führte zur Erbauung des eigenen, unter guter Verwaltung stehrndrn, Hauses. Von da aus wurden wir in verschiedene Logirhäuser geführt in denen sür ein geringes Entgelt, je nach der Höhe derselben, ein Brtt oder Streu während der Nacht gewährt wird. Dicse Häuser stehen wegen sanitärer Fragen unter Auf- ficht der Polizei, welche dafür sorgt, daß keine Ucbersüllung und genügende Lüftung und Reinigung der Zimmer statt- findet. Die Preise differiren von 4 peny bis 1 peny abwärts per Nacht und die 4 peny-HLuser geben ihren Gästen ein mäßig sauberes Bett, während für 2 peny nur auf eine Streu und für 1 peny gar nur auf einen Platz am Fußboden An- spruch gemacht werden kann. In jed-m Saal dieser Häuser brennt nn mächtiges Kaminfeuer, welches den frierenden Schlafgästen angenehme Wärme spendet, und wrr Lust und Geld hat. kann sich der dem Herbergsvater mit Eßwaaren ver- sorgen, deren Preise, wie man uns gesagt hat, sehr mäßig sein sollen. Wohl Denen, die entweder durch zufällige Arbeit oder durch MUdthäligkeit ihrer Mitmenschen noch in der Lage find, ficb wenigstens dieses Unterkommen zu beschoffen; jene Unglücklichen aber, die wir in großen Schaaren, Männer, Frauen, Kinder jeden Alters barfüßig und in zerlumpten Kleidern in drr Winternacht umherttren sahen, sie vergegenwärttaten uns so recht, welch' entsetzliches Elend, welch' krasse Roth bei vielen Tausend und aber Tausend Einwohnern Londons herrscht. Diesen Armen bleiben die unter dem Namen „casual works" eingerichteten Arbeitshäuser, in denen sie zwar ohne vorherige Bezahlung Unterkommen der allerdürfrigsten Art finden, dafür aber am andern Morgen vor ihrer Entlassung mehrere Stunden mit„Wer� zupfen",„Loli- hocken." und ähnlicher Arbeit beschäftigt und dadurch drr Möz- lick-keit, frühzeitig selbst den Versuch, ihrem Beruf und Fähig- leiten entsprechende Arbeit zu suchen, beraubt werden. Der Anblick, den ein solches HalrS bietet, ist traurig; um das Feuer zu'ammengedrängt fitzen die meist älterer, L-uIc stumpifinnig da. der wohl schon viele Jahre vergeblich geführte Kampf um das tägliche Brod hat fie aller Energie verlustig gehen lassen und mit der Elgrberhcit der Eckwäcke ertragen sie das yarte häufig genug gewiß ohne eigenrs Bei schulden über sie gekommene Loos. Auch in jene Häuser, in denen die Besucher beim Opium Veigessenheit suchen, warfen wir einen Blick, und wer ver- möchte wohl die Frage zu beantworten, welch eine Summe von Intelligenz und Kraft verloren gegangen ist an jenen Leuten, dick auf Polstern umherliegcnv sich in Träume ver- setzen, um scheinbar hinausgehoben zu werden über das Elend ins Tages. Dann wurden wir in die verrufensten Slraßen der„Riesin- stadt" geführt; jene Straßen und Höfe, welche die Schlupfwink" der Verbrecher bilden und in diesen Höhlen, welche den b" zeichnenden Namen„Diebesküchcn" füh'en, bot fich uns ein Anblick, der in seinen entsetzllrden Einzelheiten unvergeßlich w unserer Errnrnrung bleiben wiid. Ait und Jung, Männer und Frauen, Kinder beiderlei Geschlechts versammeln sich all- nächtlich in diesen fast unter der Eede belegenen Herbergen, zechen dort in der wildesten Weise un? berathen euch wohl ihre „Geschäfte". Die Gesichter, denen das Laster mit eisernem Griffel seinen Stempel aufgedrückt hat. sprechen zu uns in deutlichster W-isi! dre finstere Entschlossenheit des Einen, die Verschmitztheit des Anderen, das scheinbar treue ebrliche Auge deS Dritten, sie geben uns Auskunft über die Verlerbtheit, der dies« Zunft anheimgefallen ist. , Und doch auch hier mitten in dem wüsten Lärm ist cs nicht möglich gewesen, das B-ss-re«m Menschen ganz zu unler- drücken. Der alte Mann dort in der Eck-, vielleicht ist er uv absichrlich hierher gekommen, legi sein von Kummer und No» durchfurchtes G-stcht in den Schoaß seiner Begleit-rin, eines schlecht aber remlrch gckle dcten jungen Mädchens, die selbst KnJ>Jl' Skwiß Ihr einziges Besitzthum- zärtl'« ön(tcl) viltCrt. Es war 2 Uhr Morgens als wir uns von unfern FührttU trennten; wir hatten einen'ehr irtterefsanten aber auck ttaurigen V. ck m daS Getriebe Londons gethan und ernste Gedorken dilsettn unsere Beglettung auf dem Heimwege.. DaS englische Parlament hat vor mehreren Monaten Kommission nredergesetzt, um die Noch und das Elend des t« für Dipbthiriiiskranle befchäftiat waren, der im Garten des at Grundstücks errichtet wurde. Aber alle Ermittelungen blieben trotz der Sorgfalt, mit welcher fie geführt wurden, ohne Er- i, folg. Erst nach Verlauf von etwa 5 Wochen wurde die ver- ie mißte goldene Damenuhr, in Zeitungspapier gewickelt, dicht e- am Eingänge zu einen, Kloset ouf dem Hofe gefunden- Auf er welche Weise und durch wen die Uhr an die gedachte Stelle er gekommen ist, wird wohl unaufgeklärt bleiben. „Oni, oni, onl." Der Pariser Korrespondent der rg Wiener„N. Fr. Pr." schreibt: DaS nachfolgende Geschichten, c- welches schon viele Leute, am allermeisten aber den Urheber :n und Helden desselben eilustiat hat, genießt den schätzenswerlhen rß Vorzug, sich in Wirklichkeit zugetragen zu haben. Zeit: die n. Gegenwart. Ort der Handlung: das„Grand Hotel". Ein rf Herr tritt in das an die Speisesäle grenzende Vestibüle und er steht fich befremdet um. Sofort eilt ein Kellner auf ihn zu und in fragt ihn ehrerbietig, natürlich Französisch:„Gehören Sie, m mein Herr, vielleicht zur Gesellschaft?"—„Our, oui, om!"— ch„Ah, sehr gut. Bitte nur den Rock abzulegen und mir gc- er fälligst zu folgen" Der Fremde wird in einen Eeitensaal m geleitet, worin zahlreiche Trschgenoffen im Begriffe stehen, ein hl auserlesenes Diner zu beenden und in heiterster Stimmung zum Champagner überzugehen.—„Wünschen Sie, mein Herr," fragt ein großartiger Kellner, dessen Weste womöglich noch mehr ausgeichnitten ist, als die seiner Kollegen,„daß Ihnen das ganze Diner nochservirt werde?"—„Oui, oui, oui!"— „Sehr gut. Paul Suppe!" Der Fremde läßt fich, bei Go!t, nicht bitten. So einen Appetit hat man schon lange nicht ga sehen Gericht auf Gericht findet bei ihm eine ebenso rapide als gründliche Werthschätzung. So tüchtig haut er ein, daß er den gelben Reid eines blassen Herrn erregt, dessen Gestcht in Folge eines ohnmächtigen Kampfes mit einem bösuttigen Magenkatarrh eine wahre Duldermiene angenommen hat.— „Kennen Sie," neigt der Vcrdauungsmärtycer sich zu seinem Nachbar,„den Herrn dort, der so— tapfer ißt?"—„Ich? Meiner See!', nein; er steht gar nicht wie ein Franzose aus." Der'Unbekannte in»iguirt bald alle Tafelgenoffcn. Einer de- fragt den Andern, Alle fixiren ihn, Keiner aber weiß etwas von ihm. Das stört den Fremden gar nicht. Ohne sich um- zuseh n, arbeitet er unermüdlich gegen die Speisen los. Der Präfident der Gesellschaft will endlich wissen, wer ver ge- heimnißvolle Gast doch sei.„Fragen Sie," ersucht er den Maure d'hötel,„freundlichst um den Namen jenes Herin."— „Bitte um Entjchuidignng," wendet sich der Maure d'hötel an den Fremden,„hier herrscht doch kein Jrrthum: Sie gehören ficheilich zur Gesellschaft?"—„Oui, oui, oui."—„Wen darf id) also ins Buch einschreiben?"—„Oui, oui, oui."—„Bitte also?"—„Oui, oui, oui."— Pause. Der Maltre d'hötel weiß nicht mehr, wie er fragen solle.„Wen darf ich." wieder- holt er, eintragen...?"—(Im schönsten Wienerisch):„Sie, entschuld igen's, lieber Freund, aber i versteh kein Wort Fran- zöstsch!"— Glücklicherweise versteht der Maitre d'hötel Deutsch. „Ab so? Sie find also gar nicht Mitglied der Gesellschaft, die hier alle Monate ihr intimes Diner abhält?"—„Ich? Keine Spur."—„Da durften Sie hier nicht eintreten."— „Ja, ich wollte auch blos an der Table d'höte speisen."—„Die ist aber nicht hier, sondrrn drüben im großen Saale. Da bitte ich nur, sich hinzudemühen und Ihr Bellet zu lösen."-„Ich danke, ich habe wirklich ge- nug gegessen."-„So?"-„Ja." Nahm seinen Hut und ging wohlgemuth von dannen. Sage man noch, daß man in Paris nicht billig l.bm und ohne Sprachkenntniß nicht gut forrkommen könne!. �„y> g Mit dem Abbruch der Buden auf dem Weihnachts- marke, der heute bis Mitternacht erfolgt sein muß, hören die großen Enttäuschungen aus, denen die Händler von Tag zu Tag in der.Hoffnung auf ein gutes Geschäft ausgesetzt waren. Wenigstens kann man nur von der großen Mindir- heit sagen, daß fie mit den Einnahmen zuftieven sind. Einzelne der Wrihnachtsmarktbeschicker wollen angeblich nicht ein- mal die Unkosten gedeckt haben, welche ihnen der Stand rc. verursacht hatte. So unwahrscheinlich tlingt das durchaus nicht, wenn man die Thatsach« i» Betracht riebt, daß der größie Theil der Berliner seine Einkäufe in den Geschäften der Stadt und in den zahlreichen Bazaren macht, welche stch in den Preisen für Spielzeug und kourante Waaren gegenseitig über- tezw. unter büten.«aust daS Pudlikrm die besseren Sachen vom Wcihnachteinarlt, so will es sehr billige Preise gestellt haben, und hierzu find die icändlcr umsoweniger in der Lage, als der Großkaufmann en masse einkauft, zu sehr wohlferlcn Preisen, und daher auch wieder billiger absetzen kann. Der Weihnachtsmarkt hat fick eben bereits überlebt und er darf da- her nur noch als eine Frage der Zeit zu betrachten fem. Die WeTnachtsmarktbeschicker würden an ihm ebensowenig ver- liercn, wie die Berliner, erstere auch schon deshalb, werl rhncn nach und noch die srequentirtesten Stadttheile versperrt wer- den. Das zeigt u A. das Verbot des Aufbaues von Buden in der Brcitenstraße. Die Händler, welche hier früb-r ge- standen, haben ihren Platz auf weniger frcquentrttcn Stellen des Lustgartens ausschlagen müssen und gerade dort gestaltete sich der Verkauf zu einem besonders ungünstigen. Nicht zu vergessen find auch rock die Gefahren für vre Gesundhert der Märktleute, welchen sie in Folge der fast ununterbrochenen schlechten ungünstigen Witterung auSgesebt waren. D, hat sich der Verdüßung einer über ihn verhänaicii crnjaorigen Gefängnißstrafe durch die Flucht entzogen. Semmel machtt vor etwa 2 Jahren dadurch von sich reden, daß er fich durch Reichsgerichts verbunden wurden. Nachdem er diescrhalb de- st aft worden, während er bereits vorher wegen Körperverletzung, Widerstandes und Unterschlagung bestrafl war. besorgte er'Herls allein, theils mit anderen die Geschäfte einer„Schwarzen Bande, ####! Letzterer wurde nicht sofort in Haft genommen und hat i-tzt srnrnm rn# Christoph Marlow; Montag, den 29.: Der Winkelschreiber, Kleine Mißverständnisse; Dienstag, den 30.: Der Traum ein Leben; Mittwoch, den 31.: Die Journalisten; Donnerstag, den 1. Januar: Wallenstein's Lager, die Piccolmini; Sonn- abend, den 3.: Wallenstein's Tod; Sonntag, den 4.: Rosenkranz und Gülvenstern. Polizei'-Beritpt. Am 24- d. MiS. stürzte sich die unver- ehelichte RückHardt in der Verwirrung und und Aufregung nach einem heftigen Krampfanfall aus dem Fenster ihrer im vierten Stock des Hauses Rheinebergersttaße No. 2 belegenen Woh- nung auf den gepflasterten Hof hinab und erlitt so schwere innere und äußere Verletzungen, daß fle nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht werden mußte, wo fie bald darauf ver- starb.— Am Vormittag Desselben Tages mackte ein Mädchen in der Jcsephstraße aus Schwermuth ihrem Leben durch Er- hängen ein Ende. Die Leiche wurde nach dem Obduktions- Hause gebracht.— Zu derselben Zeit wurde eine unbekannte Frauensperson, anscheinend ein Dienstmädchen, in der Leipziger- straße vor dem[Häuft Ro. 125 von Schreikrämpfen befallen und, da fich ihr Zustand nicht bald besserte, nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit gericth in der Velvct-Fabrik, Köpnickerstraße Ro. 18—20 der Ardeiter Fredrich mit der linken Hand in das Getriebe einer Streckmaschine und wurde ihm dadurch der Mitt-lfiger zerquetscht. Am Nachmittage gegen 2 Uhr gingen die vor einen leeren Geschäftswagen gespannten Pferde, welche ohne Aufstcht vor dem Hause Sellerstraße Nr. 27 gefiandcn hatten, nach der Chausscestraße zu durch und rannten dort gegen einen Wagen des Fouragehändlers Herft, auf dem stch Vre Ehefrau desselben befand. Frau Herse erlitt durch den Anprall der Deichsel mehrere Verletzungen im Gesicht.— Im Laufe desselben Tages wurden auf dem Alexanderplatz der taubstumme Bildhauer- lehrling Quade, an der Ecke der Alten Jakobs- und Komman- dantensteoße ein doit auf Posten stehender Schutzmann und an der Ecke der Frieduchs- und Jägei straße der 14 Jahre alte Knabe Marquardt, die beiden ersteren durch Schlächterfuhr- werke, der letzte durch einen Geschäftswagen überfahren und sämmtzlich, jedoch nur leicht, verletzt.— Am Abend des 24. d. Mts, entstand im Keller des Hauses Dresdcnerstraße Nr. 75 Feuer, indem doet Spielwaaren in Brand geriethcn.— An demselben Tage Nachmittags wollte der Arbeiter Riesler, Kreuz- b-rp straße Nr. 65 wohnhaft, in der Möckernstraße durchgehende Pferde aufhalten, wurde dabei jedoch üder.annt und überfahren und am rechten Fuß bedeutend verletzt. Am 25. d. M. früh wurde der Nachtwächter Gaedikc, als er an der Havelberger- und Per!ebergerstce>ßen-Ecke den Namen eineS Arbeiters, welcher von seinem Wagen flüsstzen Dung auf die Straße ablaufen ließ, feststellen wollte, überfahren und an der Hand uud am Fuß schwer verletzt.— Am Abend desselben Tages verstarb der Musikus Dupre, M.lchwrst:. 35 wohnhast, in einem Barbiergeschäst in der Prinzenstraße, wo er sich ramen lassen wollte, plötzlich am Gehirnschlag. Die Leiche wurde nach dem Oöduktionshause geschafft.— Am 25. d. M. Nachts wurde der Arbeiter Böttcher, Posen erste. 6 im Hinterhause wohnhaft, auf der Tteppe zu seiner Schlassttlle bewußtlos und augenscheinlich krank aufgefunden und mittelst Droschke nach drm städtischen Krankenhause im Fricdrichshain gebracht, ver- sta.b jedoch schon auf dem Transport nach dort. Nach Lage des Kö-peis des jc. Böttcher, welcher mit dem Kopfe nach unten lag, scheint es, daß derselbe rücklings die Treppe hinab- gestürzt ist. Am 26. d. M. Mittag? wurde ein Mann, Schönhauser Allee wohnhaft, in seiner Küche an der Thürklinke erhängt vor- gefunden. Die Leiche wurde nach dem Lbduktionsbauft ge- schafft.— Um dieselbe Zeit wurde ein Müschen aus der Lau- genstraße auf ärztliche Anordnung mittelst Krankenwagens nach dem stäbtischen Krankenhause im Friedrichshain gebracht, weil dieselbe anscheinend an Lungenlähmung litt. Dort stellte stch jedoch heraus, daß dieselbe einen Selbstmordversuch gemacht hatte, indem sie Gsst genommen.— Am Nachmittage fiel die vnwittwete Lorenz, Oranienburgerstraße Nr. 60-63 wohnhaft, vor dem Hause Kronenstruße Nr. 4 über einen Teppich, der wegen einer Privat- Festlichliü dort über de» Bürgersteig gelegt war, und er tut dabei anscheinend eine Verrenkung des rechten Armgclenks. Dieselbe wurde mittelst Droschft nach der Charitee gebracht._ Arbeiterbewegung, Vereine uuü VerBnmmlungen. r. Die Schneider, hauptsächlich die KonfettionSschnei- der, waren auf Einladung der Lohnkommijsion gestern(Sonn- abend) im„Deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37, versammelt. Gegei stand der Besprechung war hauptsächlich die Lage der Konfektionsschneider und die Möglichkeit einer Verbesserung der- selben. Herr Pftiffer, welcher Sie Verhandlungen mit einer Schilderung der allgemeinen Lage eröffnete, sützrte als Jllu- stration die Firma Rosenbaum, Molkenmarkt 6, an, welche für Anfertigung einer Hose oder Weste 60- 80 Pfennige, sür einen Paletot 3 3,50 Mark zahlt. Um hierbei einen Wochenverdienst von 24 Mark zu erzielen, müsse ein Schneider 40 Paar Hosen ferligstellen, waS bei regulärer A.beilszeit nicht möglich ist, sondern nur bei großer Uebrrarbeit und unier Mithilfs von Frau und Kindern. Wie Herr Stäge mitiheilte, ist eine Genossenschast von Berliner Schneidern in der Bildung begriffen, deren Statuten dieser Tage ausgearbeitet und zur Genehmi- gung eingereicht werden. In lebhafter Diskussion wurden viele Vorschläge gemacht, um eine Besserung der Verhältnisse zu erreichen und einigte man stch schließlich dahin, die Lohn- kommisston zu beauftiagen, sämmtliche Vorstände der bestehenden Schreidcrvercine zu einer Konferenz einzuladen, um gemein- sam event. Schritte zu derathen und nach Kräften einzutreten für einen gesetzlich geregelten Normalarbeitstag und Beschränkung der Frauenarbeit. Ferner gelangte fol- gende Resolution zur Annahme:„Die heute tm „Deutschen Kaiser" tagende öffentliche Schneiderver- sammlung spricht dem Referenten und den übrigen Rednern ihre volle Zufriedenheit und ihren Dank aus und erkennt an, daß nur durch starke Organisation die Lage der Konfektions- und Kundenschncider verbessert werden kann." Kranke»- und Begräbnthkasse für die im Berliner Gürtler- und Bronc-urgewerbe beschäftigten Ptrsonen(Ei'igc- schnedcne Hilfskasse No. 60). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß diejenigen Mitglieder, welche noch nicht im Bcfitze von Orrittungsbüchern find, dieselben, jedoch nur persönlich, bis Sonnabend den 27. und Sonnlag den 28. Dezember, von 10 Uhr Vormittags bis 2 Uhr Nachmittags abgeholt haben müssen. Die Hauptzablstelle difindet sich bei Focllner, Ritter- und Prinzenstraßen-Ecke. Es wird gebeten, die Aufnahme- und QuittunzSscheine mitzubringen. Im Fachverein der Tapezierer findet Montag, den 23. d. MlS, Abends 8 Uhr, in Gratweii'S Bierhallen ein Weihnacktsvergnügen mit Kinderbeschcer.mg, Vorträge und Tanz statt. Billcts sind& Person 25 Pf. bei Seidel, Seidel- straße 16, und Abends an der Kasse zu haben. Der Reinertrag wird der Lohnkommisfion überwiesen. Es liegt deshalb im Interesse jedes Einzelnen, dieses zu gemeinnützlichem Zwecke veranstaltete Fest durch sein Erscheinen zu unterstützen. Arbeiter-: ezirks-Verein der Setröntiauser Vorstadt Dienstag, den SO. Dczemb.r, Abends 8'/- Uhr, Schönhauser Allee 161, Generalversammlung. T.'O.: Wahl des gesammten Vo:standcs. Das Ersdeinen sammtlicher Mirglreder ist noth- wendig.— Am Sylvester versammeln stch die Mitglieder im Vereinslokal zu einem gemüthlichen Sriivesterpunjch. Der Fachverein der Rohrleger hält heute Vormittag 10 Uhr im Lokale von Woiff und Krüger in dir Skalitzer- straße 126 seine Versammlung ad. Tagesordnung: Vortrag deS.Herrn Liefländer. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen. Verein der Modelltischler? Montag, Ackerstraße 144, 8 Uhr, Briefe von Max Kehr auS Bloomington(Nord- Amerika). Gäste willkommen. Vermischtes. Wunderliche Schwägerschaften. Welch' seltsame Ver- wandlschaften kann eine Ehe zur Folge haben! Die schroffsten Gegner in Literatur und Leben, in polstischen und religiösen Ueberzeugungen begegnen uns als— Schwäger. War es nicht eine absonderliche Ironie des Schicksals, die den Dichterfürsten Goethe Schwager des Verfassers des RäuberromanS „Rinaldo, Rinaldini" werden ließ? Die Schwester der de» rühmten Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, der unerschütterlichen Rechtsfreunde, war mitHassenpflug, dem ruchlosesten aller deutschen Minister, der Recht und Gesetz mit Füßen trat, vermählt. Als Hassenpflug den kurhesstschen Staatsstreich von 1850 beging und stürmischen Widerstand im Lande fand, erklärte Jacob Grimm in der„Konstitutionellen Zeitung":„Ein geborener Hesse bin ich nur noch stolzer geworben auf meine Abkunft": er würde, lebte er noch im Lande, unerschütterlich jeden Rechtsbruch des verhaßten Ministers bekämpft haben. Er protestirte nachmals dagegen, daß Hassen- Pflug seiner verewigten Gattin, geb. Grimm, ein Denkmal aus s Grab setzen lasse, das Recht dazu habe der Schändliche verwirkt.— Der reaktionäre preußische Minister von W e st- p Halen war der Schwager des Sozialdemokraten Karl Marx und des zur alleinseligmachenden Kirche bekehrten Schrrflstellers Franz von Florencourt, er würde den ersten„gekreuzigt und verbrannt" haben, hätte er seiner habhaft werden können.— Bassermann, der bekannte Abgeordnete, Unterstaatssekretär und„Geftaltenseher", 1848 eine Säule der Monarchrschgefinnten. und Friedrich Hecker, der rothe Republikaner, hatten zwei Schwestern zu Frauen, außerdem war Baffermann Schwager des orthodox- lutherischen Theologen Adolph Harle ß in München und des gläubigen Phvsto- logen RudolfWagnerin Göttingen(des Vaters des Prof. Adolf Wagner). Von Friedrich Hecker bis Adolf Wagner— gewiß eine merkwürdige Verwandtenreihe! Friedrich Hecker nannte als amerikanischer Farmer einen der beiden Ochsen, mit denen er pflügte,„Bassermann", der andere hieß„Mathy"!!— Der reaklionärste aller Staaisrechtslehrer und Kurator der Univer- sttät Halle, Pernice, hatte die Schwester des erzlib oralen Professor Nrem cy er, seines schroffsten Gegners, und Nie- tneyer seinerseits hatte eine Schwester von Pernice zur Frau Und wiederum kam eine Doppilverschwägerung der Kinder deS ulirakonservativen und streng orthodoxen Kurators und seines politischen und religiösen Antipoden des bekannten Hegelianers Professor H i n r i ch s zu Stande-— Der bekannte Polizei- dirckior Stiebcr war der Schwager des strengfortschritt- lichen Abgeordneten Dr. LangerhanS, der die radikal« Zeitung„Die Zukunft" begründen half.— Mitunter vertragen fich solche Gegensätze. Arnold Rüge, der republikanisch« Junghegeliancr, heirathete die Tochter des hyperkonservativen und altgläubigen Kammerraths Ritze in Dresden, eines Mitarbeiter s des feudalen Berliner„Polit. Wochenblatts" und da wachte stch der Redakteur der radikalen„Hallischen Jahr- bücher", die damals einen wahren Sturm hervoniefm, das Vergnügen, die ungeschickr geschriebenen Artikel seines Schmie- gervoters ganz in dessen Sinne umzuarbeiten und dadurch Mit- a: bester des„Polittschen Wochenblatts" zu werden. Auch religiöse Antipoden können Freunde bleiben. Ludwig Achim von Arnim, der Drchter, Bettinen's G-mahl, hat, obgleich er Konfcssor eines freistnnigen Protestantismus war, seinem starr katholischen Jugendfreunde und Schwager Clemens Brentano, der die Wunden einer Stigmatisirten verherr- lichte und in seinem Ueberglauben zuletzt überschnappte. steiS die treueste Freundschaft bewahrt.— Welche religiöse Gegensatze finden sich mitunter in derselben Familie! Die Schwester des atheistischen Philosophen Ludwig Feuerbach, Frau Dobenert, ließ sich von ihrem Gemahl, mit dem sie biS dahin glücklich gelebt, aus Bewunderung für Paganini scheiden, den sie nnn verfolgte aus Schritt und Tritt, von Land zu Land. Von dem großen Virtuosen und Weiberfeinde gröblich zuluckgewiesen, trat sie zur katholischen Kirche über und wurde eine so sanatische Ultramvntane. daß sie eine Kapelle in ihrem Hause errichten ließ, in welcher fie einen guten Theil des TageS Führers der KreuzzeitungSritter. Er war als Jude geboren und ließ stch in seinem 17. Jahre taufen und wurde nun ein scharforthodorer Lutheraner, heirathete aber ein strengreformlrte» Mädchen. Von seinen Brüdern wurde der eine, der berühmte Nationalökonom in Gießen, liberaler Protestant, der andere als Maler in München fanatischer Katholik. Als letzterer in Noth geriet), oerweigerft ihm sein Berliner Bruder auS kon- fe'fionellen Rückstchten eine Unterstützung. So waren also in dieser Familie die verschiedenen Konfesstonen hinlänglich ver- treten und mit Fug nannte„Kladdeeadaisch" Stahl einen christlichgcrmanischprotestantischdeutschkatholischcn Reformjuden. Wie man's nennt. Wenn Jemand etwas viel genossen, Und ihm dann in den Kopf geschossen Der Wein, der Schnaps und auch das Bier, Daß er sodann in großen Bogen, Die Straße kommt daher gezogen, So nennt man das verschieden schier! Kommt so ein Dienstmann angeschoben, So heißt's:„Er hat zu viel gehoben l" Und für den Spott zu sorgen sticht Braucht Jener, welcher hat den Schaden.— „Der Mann bat aber schwer geladen!" Also das Volk vom Fuhrmann spricht. „Zu viel hat er stch unverdrossen, Oft hinter seine Bind' gegossen!" Heißt's vom Kravatten-Favrikant. Zu tief ins GlaS steckt seine Rase Der Glaser, d'rum vom gift'gen Gase Zu viel den Weg zum Kopfe fand. Wer viel mit Thieren hat zu schaffen, Von dem sagt man:„Er hat''neu Affen," Mitunter auch:„Er hat'neu Spitz." Und wieder sagen auch die Leute: „Der löschte doch»u viel schon heute!" Gili's einem Manne von der Spritz'. „Nicht mehr auf grader Linie geht er," So sagt man von dem Geometer, Der etwas lang im WirthshauS blieb.— Im Tritt st rd oft die Jnfant'ristcn; Kanonenvoll die Artill'iiftcn; Die Kaoall'cie hat weg'neu Hieb. Zum Schlüsse des Gedichtes wähl' ich Den Ausspruch:„Der ist aber selig!" Tieö sagt man nämlich vom Pastor, Wenn in Gedanke» tief versunken Er'mal zu viel des Weins getrunken— Es kommt dies aber selten vor. Gefahren des Genies. Lemberg, 18. Dezember. Vor dem hiesigen Schwurgerichte hat heute eine Verhandluna in einer durch einen Realschüler vor einigen Wochen beaanaenen anknotenfätschung stattgefunden. Eduard Tyicharski. Schüler der fiebenlen Klasse der hiestgen Rea'.schule, ist der Sohn eines Eemerndeschre'bcts aus dem Hufiathüner Bezirke. Tyscharski v-rrl-th schon>n seiner Kindheit ein ungewöhnliches Talent zum Zeichnen, und er war auch der beste Zeichner in der ganzen Realschale. In dem G-richtesaale befinden fich zwei fein« Oelgemäldk, welche darauf schließen lassen, daß der An- gkklagte bei entsprechender Ausbildung ein hervorragend« Künstler geworden wäre. Tyscharski, der daS nöthige Schul- geld nicht hatte und mit großem Elend kämpfte, verfiel auf den schrecklichen Gedanken, sein Talent in vnbrecherisch« Weise zu verwerthen. Er fälschte mit frei« Hand und ohne jegliche Werkzeuge fünf Stück Zehngulden-Banknoten, welche er in verschiedenen hiestgen Handlungen ausgab. Eine sechste Zehn- auldew Banknote wurde, noch nicht vollendet, bei dem Ange« klagten vorgefunden. Auf einem Falflfikate fand man an d« Stelle, wo der ungarische Ter.t stch befindet, die Anmerkung, daß die Verfertigung dieser Banknote einen Zeitraum von 58 Stunden in Anspruch genommen hat. Auf einem zweiten Falfifikate findet fich an der gedachten Stelle eine Travestie der Volkshymne; daher erhob die Staatsanwaltschaft auch die Anklage wegen Majestätsbeleidigung. Den Vorfitz führte Landgeliehtsrath Simonovrcz, der Angeklagte wurde von Dr. JackowSki vntheidigt. Ein Theil der Verhandlung, welch« das Verbrechen der Majestätsbelerdiaung betraf, wurde mit Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgeführt. Den Geschworenen wurden von dem Gerichtshofe drei Fragen, nämlich die erste Frage wegen vollbrachter, die zweite wegen versuchter Bank- noten-Fälschung und die dritte wegen Majestätkbelerdigung vorgelegt. Die Geschworenen bejahrm mit neun Stimmen blos die«ste Frage und überreichten zugleich dem Vor- fitzenden eine Bitte wegen gelinden Strafmaßes. Der Ge- richtShof verurtheilte den Angeklagten zu drei Jahren Kerl«. Das größte Dorf Deutschlands, Linden bei Hannover mit seinen 82ÖOO Einwohnern, on Hannover lediglich durch den kleinen Fluß Ihme getrennt, wird als Dorf mit dem 1. April nächsten Jahres verschwinden und fich zur Stadt ver- wandeln. Die Genehmigung zu dies« Metamorphose ist von Berlin eingetroffen. Der aeuuestsche Dampfer„Matteo Bruzzo", von dessen Irrfahrten wir bnerts früher berichteten, hol nunmehr Erbraltar pasfirt. Mährend der langen Seereise wurden von den 1200 Passagieren, worunter 160 weibliche, 44 von der Cholera befallen und starben daran 22, Krankheits- und Todesfälle aus anderen Ursachen nicht mitgerechnet. Die italienische Regierung hat dem Schiff die Insel Pianosa, nach- dem dieselbe von den sie allein bewohnenden Sträflingen ge- räumt worden war, zur Landung der Paffagiere angewiesen. Letztere find daselbst einer Quarantäne von 30 Tagen unter» worfcn und werden einstweilen auf Kosten der Regierung ver- pflegt. Das Schiff wird mit Matrosen und Osfliierpersonal der könrgl. Kriegs-Marine bemannt und nach der Insel Gm- nutri gebracht, behufs Ventiliiung und Desinfizirung der La- dung. Die Betten und andere Ger äthschaften, welche nicht des- infizrrt werden können, sollen verbrannt werden. Tos hierzu erforderlicheSanitätr personal wird ebenfalls von der Regierung geliefert. Nach gehöriger Desinfizirung werden alle an Bord befindlichen Briefe, Zeitungen und sonstige Drucksachen auf Verlangen an die Absend« zurückgegeben. Was die Paffagiere und die mehr oder minder beschädigten Güter betrifft, darüber ist bis jetzt nichts Näheres bestimmt worden. Die Rhederei beruft steh auf die Einwirkung höherer Macht und wäscht stch die Hände in Unschuld. Mehrere Hunderttausend Francs hat fie der Unglücksfall bereits gekostet und ohne weitere Lpfer wird die Sache schwerlich für fie ablaufen. Alle übrigen derselben Rhednei gehörenden Dampfschiffe, sowie diejenigen ander« Gesellschaften, welche den Verkehr mit den südamerikanischen Häfen unterhalten, find, da der Gesundheitszustand ihrer Paffa- giere und Mannschaften nichts zu wünschen übrig ließ, endlich zugelassen worden. Der Mangel an Transportgelegenheit, de- sonders in den brofilianischen Kaffeehäfen, begann schon sehr fühlbar zu werden- Rezept zum LtebeStrank. Nimm zwei inn'ge Liebesblicke, Sieben warme Händedrücke, Süßes Schmachten, dreizehn Gran, Jeucht' dies gut mit Thränen an; Dazu sechs Gran Neckerei, Zwei Loth Erferjüchtelei, Sierzu mische einen vollen ind«Iöffel leises Schmollen, Ein Unze Leidenschaft. Seufzer, aufgelöst in Saft, Vier bis fünfundzwanzig Tropfen (Solche luftdicht zu ver pfropfen) Liebes schwüre grad ein Pfund. Dies koeh' Alles eine Stund', Seih' es durch ein feines Siebchen, Schütt'le es und gieb dem Liebchen Stündlich einen Löffel voll: Wird Dich lieben dann wie toll! Wien, 27. Dezember. Bei derSkontrirung der Krainischcn Eskompte-Gcsellschaft in Laibach stellte fich ein Abgang von 70000 fl. heraus; der Direkior Zenari erschoß fich, als seine Verhaftung vorgenommen werden sollte. Der Vörsenredakteur des„Leipziger Tagebl.", der unvergleichliche unfreiwillige Humorist dergefammten deutschen Preffe, leistet in jüngster Zeit wieder Erhabenes. So führt er den Kursbericht der Börse in der Nummer seines Blattes vom 16. d. M. folgendermaßen ein:„Der Wintersturm braust durch die Gefilde, jagt die Wolken durcheinander und ver- kündet die Herrschaft deS Schreckens. Wehe dem, was nicht vollständig niet- und nagelfest. Es wird in die Lüfte geschleudert und der Vernichtung geweiht. Wer in ficter« Behausung fich befindet, mag sehen, wie draußen die Zersrötung wülhet, die Bäume fich biegen und brechen, wie der Mensch nichts vermag gegen die Elemente. Die Landschaft wird grausig. Der Mond scheint von dem Winde gejagt zu werden, so fliegen die Wolken in rasender Eile. Die Stimme des Sturmes tönt wie Donner, der Erdboden selbst scheint zu wanken. Wer alt wird, gewöhnt fich an das Unheil. Er fl ht seine Gefährten nacheinander hinwelken, und zuletzt stch allein übrig als Rest aus längst ver- gangen« Zeit. Er hat unzählige Stürme überstanden, gesehen, wie fie ablaufen, wie zuletzt, nach aller Auflegung, nach allen Niederlagen doch trotz Schutt und Ruinen die Welt ihren Gang einhält. Ueber die Gräber von Tausenden und Abertausenden erfüll' das Schicksal sein Ziel. All' die Asche der Zerstörung, die herumgestreut wird, ste lehrt daS Eine: jeder Fehl« rächt Ich. Davon ist die Gegenwart wieder Zeuge. Sie steht eine Fluth des Unheils plötzlich wach werden und heranstürmend das Äergste drohen. Die Börsenkourse deuten an, wie hoch die Wogen reichen, der Preis der Kreditaktie wetterleuchtet weit hin durch die Lande, die Größe der Gefahr... Heiliger Viktor Hugo! Wanne in Westfalen, 21. Dezember. Auf der hiestgen Etation ereignete fich gest«n ein Bahnunfall, d« ja in seinen Folgen nicht geradezu nheblich, ab« einen Ausgang hätte nehmen können, wie er noch niemals dagewesen. Em aus- fahrender Dynamit- Extrazug stieß nämlich auf einen eben- falls ausfahrenden Güterzug. Erster« hatte, außer den vor- geschriebenen Schutzwagen vier volle Waggon Dynamit. Wäre der Unfall umgekehrt geschehen, d. h. der Güterzug dem Dynamit, ugc in die Flanke gefahren, dann würde wohl die Etation Wanne mit ihrer gesammten Umgebung vom Eid- boden verschwunden sein. Eine herzzerreißende Szene. Im„P. Ll." schildert ein Augenzeuge folgenden tragischen Vorfall, der stch am Sonntag Nachmittag im Pest« Stadtwäldchen zugetragen hatte. In Folge des henlieden Winterwetters gab es daselbst einen sehr belebten Korso. Namentlich stark besucht war die Umgebung deS Stadtwäldchenteiches, auf dessen morscher Eis- fläche fich zahlreiche Kind« mit Schlittschuhlaufen vergnügten. Plötzlich wurde in der Richtung deS sogenannten„Gratis- Platzes" ein schriller Hilferuf hörbar. Ein Knabe war durch daS E's gebroben und unt« die Eisfläche g«athen. Im nächsten Augenbick sah man ein kleines Mädchen der Unglücks- fiätte zueilen, in der offenbaren Abficht, den verunglückten Knaben zu retten; allein auch das Mädchen brach durch die Eisdecke und war sofort den Blicken der Zuschauer dies« er- schulternden Szene verschwunden. Mehrere Personen liefen nach den am Ufer befindlichen Kähnen, um mittelst dieser den Verunglückten Rettung zu bringen; allein bevor dies noch ge- schehen konnte, hatte fich bereits ein junan Mann durch die am Teichufer angesammelte Volksmenge Bahn gebrochen und sprang resolut in den Teick. D« wackere Mann stand bis an die Schultern im eisigen Wasser; dreimal gelang es ihm, den Knaben unter dem Eise zu fassen und hervorzuziehen; dreimal schob er ihn auf die Eisdecke hin, aber immn wieder brach das unglückliche Kind ein. Alle Rettungsversuche erwiesen stch als v«geblich, ja, d« beherzte junge Mann gnieth schließlich selbst in Gefahr, zu ertrinken. Unteroessen hatten ein Konstabler und drei Feuerwehrmänner einen Kahn auf die Eisfläche gebracht, dieselbe dann durchbrechen und fich mit groß« Mühe zu der Durchbruchsstelle hingearbeitet, mit dessen.Hilfe sehließltch die beiden Kinder, diesmal leid« nur mehr als Leichen, gefunden wurden. Gemeinnütziges. Chlorcalcium als Lösungsmittel. Man bedient fich desselben im geschmolzenen Zustande, um schmierig, fettig und fast unbrauchbar gewordene Toilettenschwämme, die ihre Elastizität und Fähigkeit Wasser aufzusaugen, verloren haben, wieder brauchbar zu machen. Man drückt zu diesem Zwecke die zu reinigenden Schwämme so gut als möglich aus, legt fie auf einen Teller, bestreut fie mit etwas pulverifirten, ge- schmolzenen Cblorcalcium und läßt dasselbe auf dem Schwamm zerfließen. Nach ca. Stunde kann man fie in Mass« auswaschen und trocknen; fie find sodann wieder wie neu. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Cigarren-, Rauch-, Schnupf- u. Kaulahak-Geschäft sowie Barbier-, Frisir-u. 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Januar 1885 von dem Kasfirer P. Schneider, Blumenstraße 29, abzuholen._ 1669_ Der Lorstand. Fachverein der Stellmacher. Montag, d. 29. d. M., Abends 8 Uhr, in Scheffer's Lokal, Jnselstraße 10a, Mitglieder-Versammlung Tages-Ordnung; 1. Vortrag des Herrn Dr. Kanitz. 2. Kassenbericht. 3. Ver- schiedenes. 1665 Gäste willkommen._ Der Vorstand. Für Kürschner und Berussgenossen befindet fich der A r b e i t s- N a ch w e i 6 Abends von 8 bis 10 Uhr bei Seefeld, Grenadierftraße 33. 1519 Verein der Parquet- Fußbodenleger. Montag, d. 29. Dezember, Abends 6'/- Uhr, im Albrechts- Garten. Wilhelmstraße 105, Weiynachtsvefcheerung für Kind« der BereinSmitglieder, verbunden mit Kränzchen, wozu ergebenst c Das VergnügungS-Comitee. Die Nr. 12 d« humoristischen Blatt« n Der wahre Jacob 3 süi um IM# iiiiiliii. eeessäsää; iiii#» iil ü � liiiiili *|au||oaS«puaqfr g|q Baantwortlich« Redakte« 9L«r-utzti« in Berlin. Druck und Verlao von M«»«diuq in Berlin sw.«euthfiraße X