Nr. 1. Donnerstag, Z. Januar 1885. II, Jahrg. «MttMÄII. Brg�n für die Interessen der Arbeiter. -'_______._'_ Das Berti««! Votttblatt" JnsertiovKgedühr iSa-ich Dtoraen« auster nach Ssn«. und Festtage». Bös»«eme«tZvrei§% beträgt für die'8 gefpalteve Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pf. Berti? fr« in'« HauS vierteMbrlich 4 Mari, nuuatlich 1,35 Mar!, wöchentlich 35 Pf. Bei größeren Austrage« hoher Rabatt«ach Ueberemkunft. Inserate,«erde» bis 4% Postabonnement 4 Mar!. Einzel»« Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer«it illustr. Beilag» 10 Pf. Nachmittag« m der Expedition. Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von all-» Amwecw (Eingetrage« in der Postzertu»zSprer«lis!e für 1885 unter Mr. 746.) Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angsnomme«. Meöttktton unö GXpeöiLion Wertin 8W,, Mlnmerffraße 44. Abgmemtuts-MllladWg. Mit dem 1. Januar d. Js. eröffnen wir clft ncueS Abonnement auf das „Berliner Volksblatt" mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt". Wir blicken nunmehr auf ein Bestehen von dreiviertel Jahren zurück, und der Anklang, den unser Blatt überall gc- funbcn hat, beweist, daß wir uns mit den Ansichten unserer Leser vollständig in llebereinstimmung beflnden. Wir werden vom 1. Januar f. Js. ab vor allen Dingen unsere Aufmerksamkeit dm parlamenttrischen Vorgänzen widmen; wir werden die Berichte aus den gesetzgebenden Körperschaften so ausführlich bringen, daß wir mit den größten Bertiner Zeitungen erfolgreich zu konkurrircn im Stand: find. Der Abonnementspreis beträgt für Berlin wie bisher 4 Mark pro Quartal, 1,35 pro Monat, 35 Pf. pro Woche. Bestellungen nehmen sämmtliche Spediteure, sowie die Expedition dieser Zeitung an. Für Außerhalb nehmen alle Pöstanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise von 4 Mark entgegen. Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Theil des feffelnden RomanS „Gesucht und gefunden" gegen Vorzeigung resp. Einsendung der Abonnements-Quittung in unserer Expedition Zimmerstraße 44, in einem Separatabzuge gratis und franko nachgeliefert. In gleicher Weise werden die bisher erschienenen Nummern des „Jllustrirtes Sonntagsblatt" verabfolgt. Probenummern stehen dm Freunden unserer Zeitung selbst in größerer Anzahl stets zur Verfügung. Wir bitten hiervon recht ausgiebigen Gebrauch zu machen,* damit das„Berliner Volksblatt" in immer weiteren Kreisen Eingang finde. ZUM neuen Äahre. „Wir habcn wieder die Grenze eines Jahres überschritten und schauen zurück auf lange Tage der Arbeit, auf Tage des Kummers und der Entbehrungen. Nur we- nige Freudentage sind zu verzeichnen gewesen, die wie Oasen aus dem wüsten Sandmeer des Lebens hervor- blinken." So werden wohl die meisten Arbeiter, die dieses Blatt lesen, am ersten Tage des neuen Jahres denken. Doch mit dieser einseitigen Betrachtung thuen die Ar- beiter dem verflosiencn Jahre vielfach unrecht. Wohl wisien Nachdruck verboten� IfßtttCTßfOtt. 51 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) „Es ist mein Verlobter, Martin Rodenburg!" antwor« tetc sie.„Durch meine Dankbarkeit und mein Versprechen gehöre ich ihm an." Der Sehib erhob drohend die Brauen. „Vergessen Sie nicht, daß Sie vor der Hand eine Ge- fangene Wadschid Ali's sind, daß Sie in seinen Landen, in seiner Stadt leben, und daß eine Weigerung des Verlan- gevs für Sie unwiderruflich den Tod zur Folge haben würde.— Ist der Masn, den Sie Ihren Verlobten nennen, englischer Unterthan?" „Nein, er ist ein Deutscher!" „Um so schlimmer für ihn! So würde ich ihm ratheo, sich dem Willen des Königs nicht zu widersetzen, denn Un» gehorsam ist Todsünde." Nun» schlug die Augen nieder. „Wir müssen gehorchen, Martin," sagte sie.„Viel- leicht—" fügte sie mit einem Seufzer hinzu—„ist eS das letzte Mal, daß ich an dem Hofe eines Fürsten singe und tanze." � Dann wandte sie sich an den Sehib:„Ich werde er- scheinen!" „Ich erwartete das," antwortete der Hofbeamte,„und lege Ihnen nochmals an's Herz, sich nicht etwa eines An- deren zu besinnen. Wadschid Ali ist nicht, wie andere Nabobs, von den Sitten indischer Fürsten abgewichen und hat nicht seinen Rechten völlig entsagt, noch ist er in seinem Lande Herr über Leben und Tod." Nach einem leichten Gruß ging er. „O, Nuna," sagte Martin,„mir ahnt, daß uns das Glück der Freiheit nicht zu Theil wird, daß wir nur einer Gefahr entgangen sind, um eine andere eedulden zu müssen." „Welche Gefahr sollte uns hier drohen?" erwiderte sie, ihm die Wangen streichelnd.„Im Gegentheil, ich wir, daß auch in Deutschland unter' der Arbeiterklasse große Roth und mannigfaches Elend herrschen, wohl wissen wir, daß im Allgemeinen die Preise der nothdürftigsten Ver- brauchsgcgenstände gestiegen,- daß aber tye Löhne vor wie nach recht niedrige sind.- Aber, dennoch können die Arbester gerade auf das letzte Jahr mit großer Befriedigung zurückblicken: der Ardeitergedanke ist lebendiger, wie früh er jemals in Deutschland geworben! Ueberall, wohin man blickt, sind Arbeitervereinigungen wie Pilze aus der Erde gewachsen, Fachvereine und Ufiter- stützunzsoere ne, in denen der Arbeiter dem Arbeiter brü- beAich die Hand, reicht. Ueberall streben die Arbeiter ..darnach, ihre Lage zu verbessern durch unablässiges Ringen nach gemeinsamer Organisation, nach gemeinsamem Handeln. Höherer Lohn, niedere Arbeitszeit ist vielfah die Parole gewesen— und wo eä dabei zu einer scharfen Auseinander- setzung mit den Fabrikanten gekommen ist, dg haben sich die Albeiter gegenseitig unterstützt und dabei auch entschiedene Edfolge errungen. Allerdings können diese Akte der brüderlichen Selb st Hilfe den Arbeitern auf die Dauer nichts nützen. Wenn bei einer guten Konjunkmr die Arbeiter auch in Bezug auf Lohn und Arbeitszeit einige Vortheile erringen, so gehen dieselben doch immer wieder bei schlechter Kvn- junktur an die Arbeitgeber verloren. In Wirklichkeit kann den Arbeitern nur eine g e s e tz- liche Regelung derProduktionSweise Helfen, durch welche Krisen und Arbeitslosigkeit vermieden und Lohn und Arbeitszeit dauernd auf einer scharf begrenzten Höhe gehalten werden. Wir haben diesen Gedanken schon häufig genug im„Volksblatt" entwickelt, so daß wir davon heute Abstand nehmen können. Da die Arbeiter im Allgemeinen von der Richtigkeit dieses Gedankens überzeugt sind, bemühen sie sich auch, auf die Gesetzgebung, besonders in Arbeiterfragen, Einfluß zu gewinnen. Und diese Bemühungen sind im letzten Jahre nicht umsonst gewesen. Nicht nur, daß die R e i ch S r e g i e r u n g anerkennt, daß für die Arbeiterklasse mehr, als in früheren Jahren gethan werden muß, nicht nur, daß die Reichsregierung schon bedeutsame Anläufe gemacht hat, um die soziale Frage lösen zu helfen; auch die Volksvertretung steht dieser Frage lange nicht mehr so schroff gegenüber, als früher. Selbstständige Arbeitervertreter sind in größerer Zahl vom Volke gewählt worden, welche sich gleichfalls bemühen, die Fragen über die Arbeitecverhältnisse fortwährend in Fluß zu erhalten. Alles das ist für die Arbeiter ein großer Erfolg, den das Jahr 1884 ihnen zum großen Theil gebracht hat. hoffe, daß uns dieser Tag zum Glück gereicht. Findet der König Gefallen an meinem Gesang, so wird er mich be« lohnen. Noch eben sprachen wir von unserer Mittel- losigkeit; vielleicht gewährt uns dieser Abend alle die Mittel, deren wir bedürfen, meine und Deine Heimath zu besuchen." „Und wenn Wadschid Ali beschließe» sollte. Dich am Hofe zu behalten?" „Fürchte das nicht! Die indischen Könige sind launen- hast und lieben wechselnde Vergnügungen. Vielleicht einen oder zwei Abende wird er mich zu sehen verlangen, dann wird er meiner überdrüssig sein, und man entläßt mich, um einer Anderen Platz zu machen." „Aber bedenke. Du bist indische Unterthanin!" „Und Du unter englischem Schutze! Schon das allein würde den König abhalten, Gewalt gegen mich zu gebrauchen und mich wider Willen hier längere Zeit fest- zuhalten. Sei guten Muthes, mein Freunv, der heutige Abend wird unS nicht Gefahr, sondern Glück bringen, und vielleicht ein größeres Glück, als wir Beide ahnen." „Ich lasse Dich gewähren, Nuna, weil ich Dich liebe, über Alles liebe, und weit Ungehorsam hier für Dich ge- fährlich sein würde.... Aber giebt es nicht Beispiel« genug, daß ein Nabob eine Tänzerin in seinen Harem aufnahm? Du bist so schön, Nuna, Du überstrahlst alle Frauen Indiens an Schönheit... wenn Wadschid Dich für seinen Harem begehrte?" „Dann würden viele Tausende von Frauen mich und viele Taufende von Männern Dich beneiden." „Aber ich würde unglücklich, namenlos elend sein!" Nuna blickte ihn befremdet an. Das war.ihr neu, daß ein Mann es nicht für die höchste Ehre und für das höchste Glück ansehen sollte, wenn ein König seine Geliebte zu seiner Gemahlin macht. Martin errieth ihre Gedanken. „Du verstehst meine Gefühle� nicht," sagte er.„Wenn Du erst einige Zeit mit mir rn meiner Heimath gelebt haben wirst, so wirst Du sie schon begreifen; wir, die wir nur ein Weib erwählen, betrachten sie als unser höchstes Kleinod, das wir mit unserem Leben vertheidigen und dessen Und' das Jahr 1885? Nun, es liegt in den Händen der Arbeiter selbst, daß auch das neue Jahr weitere Erfolge bringt. Vor allen Dingen muß die Arbeiterwelt von Einig- leit und Brüderlichkeit beseelt sein, sie muß be- strebt sein, auf der guten Grundlage, die im vorigen Jahre geschaffen ist, weiter zu bauen. Nimmermehr dürfen die Arbeiter etlahmcn in ihren Einigungswerken. Ferner dürfen die Arbeiter nicht nachlassen, die ihnen - gebührende Stellung in der Gesetzgebung zu erlangen. Bei allen neuen Wahlen sollen sie sich nicht irre machen lassen; keine Schmeicheleien, keine Drohungen, keine Verfolgungen seien danach angethan, die Arbeiter von dem Grundsatz ab- »udrängen, daß der Arbeiterklasse nur durch die Initiative der Arbeiter selbst geholfen werden kann. Auch ist eS Pflicht der Arbeiter, mit aller Entschieden- heit für ihre Presse einzutreten. Das„Berliner Volksblatt", Organ für dieJnteressen der Arbeiter, kann zwar mit Stolz zurückblicken auf seine kurze Laufbahn, eS ist gewachsen und gediehen; doch muß das.Blatt sich im Jahre 1885 noch immer weiter ent- wickeln, eS muß einArbeiterorgan werden im besten Sinne des Wortes.> Und dazu müssen vor Allem die Arbeiter, selbst helfen. Sie müssen das Blatt in jeder Beziehung unterstützen, sie wüsten es führen und leiten helfen, daß das„Volksblatt" wiederum Führer sein kann in der großen sozialen Bewi- /ng der Jetztzeit. An den Arbeitern selbst liegt eS, ob diese Bewegung zu ihren Gunsten verläuft. Deshalb muß mit der Brüderlichkeit und Einigkeit auch immer der alte O p f e r m u t h Hand in Hand gehen, dann können die Arbeiter mit ruhiger Zu- verficht den ersten Schritt ins neue Jahr thun. In diesem Sinne rufen wir den deutschen Arbei- tern zu: Fröhliches Neuzahr! KolMsrke Nebersirbt. Auch die ZentrumSmänner fangen bereits an zu wackeln! Der Moniteur ver Zentrumspartei, die„Germania", schreibt: Der„Reichsboie" sucht dem Zentrum in Sachen des zweiten Direktorpostens im Auswärtigen Amte wie folgt einzu- reden:„Ob es wahr ist, daß das Zentrum auch bei der 3. Lesung wieder stramm mit Nein stimmen wird, bezweifeln wir noch. Wenn es fich aber in seiner offiziellen Verblendung noch dazu fortreißen ließe, so würde seine Jsolirung in einem für dasselbe sehr verhängnißvollen Lichte vor ganz Deutschland aufleuchten— einem Lichte, vor welchem auch das katholische Volk schwerlich länger die Augen verschließen könnte."— Hierzu dcmuki die„Germania":„Der„Reichsbote" möge fich trösten. Was das Zentrum thut, geschieht im Einvelständniß Verlust uns ein Stück Leben kostet... Sage, würdest Du denn glücklich sein können in den Armen eines ungeliebten Mannes?" „Würde ich aufhören. Dich zu lieben? Niemals! Mein Herz würde Dir gehören, auch wenn ich eines Königs Gemahlin wäre." Martin schüttelte schwermüthig den Kopf. Er sah ein, daß er die orientalischen Anschauungen Nuna's vergebens bekämpfen würde. Nur die Erwägung, daß Wadschid Ali kein Tyrann wie andere Nabobs war, beruhigte ihn einigermaßen und ließ ihn hoffen, daß er ihm sein theuerstes Kleinod nicht rauben werde. Als er aber am Abend seine Geliebte nach dem Se- rail begleitete und dort am Eingangsthor auf Befehl des Hauptmann« der Wache von ihr scheiden mußte, da seufzte er tief. Es war ihm, als wäre dies ein Abschied für ewig.— Den Privatdiners des Königs Wadschid Ali wohnten gewöhnlich nur die fünf europäischen Mitglieder seines Hof- staates bei. Sie begaben sich auch diesen Abend in den Palast. In einem Vorzimmer erwarteten sie den König, bis derselbe ein wenig vor neun Uhr erschien, auf den Arm seines Günstlings gestützt. Von dielen beiden Personen war der König der Größere, der Frieseur aber sicher der Männlichere. Beide waren verhältnißmäßig klein, der Günstling aber daran zu erkennen, daß ihm an Breite zu gute kam, was ihm an Höhe fehlte. Die Anordnung des Speisezimmers, als die Gäste ihre Plätze einnahmen, hatte ein eigenthümliches Gemisch von abendländischer Behaglichkeit und morgenländischem Pomp. Der goldene Armstuhl, in welchen sich der König setzte, stand einige Zoll über dem Fußboden erhöht uns nahm die eine Seite des Tisches ein, während seine Ggste zu beiden Seiten Platz nahinen. Die dem Stuhle des Königs gegenüber befindliche Tischseite blieb unbesetzt, theils zur Bequemlichkeit der die Speisen auftragenden und wegräu- Menden Diener, Hauptsächtich aber, damit der König ohne mit seinen Wählern, weil cS in diesen wurzelt. Das Zentrum kennt die Stimmung des katholisibcn Volkes sehr gut, daS haben die Wahlen seit dem Bestand« des Reiches noch immer bewiesen. Unsere Partei ist eben ein Produkt dieser Stim- mung. Wie das Zentrum in dritter Lesung stimmt, wird der Verlauf der Debatten und das Gewicht sachlicher Gründe ergeben."— Noch vor zwei Tagen erklärte die„Germania, daß das Zentrum geschlossen gegen den Diret'orposten stimmen würde- Die Bauern des KreiseS Düren find schon von b a d i- scheu Genossen übertrumpft worden. Die Bauernvereine von Ueberlingen und Pfullendorf sind in ihren Wünschen bereits zu einem Einfuhrzoll von 6 Mark für Getreide gediehen. Sie behaupten, Zölle von 1—2 Mark könnten nichts helfen, da fie doch nur von den Landwirthen getragen würden. Eine gründliche Hilfe könne nur durch einen Einfuhrzoll von 5 oder noch besser 6 Mark erzielt werden. In diesem Sinne bcabfichtigen fie eine Petition an den Reichstag abzusenden. Man wird gut thun, unter den heutigen Verhältnissen die Verwirklichung selbst solcher Ansprüche nicht mehr für unmög- lich zu halten. Ist doch in den Blättern der Zentrumspartei, welche in dieser wie in allen Zollftagm den Ausschlag geben wird, schon die projektirte Verdreifachung der bestehenden Zölle für eine„mäßige" Erhöhung erklärt worden.— Nur nicht schüchtern, immer höher rauf! Warum nicht gleich 10 oder 20 Mark, oder gänzliches Verbot der Einfuhr von Korn und Mehl— dann würde dcn armen Landwirthen gewiß geholfen sein und die Industriearbeiter— nun, diese könnten die „Kleinigkeit" mit Leichtigkeit bezahlen. lieber amerikanisches Schweinefleisch bringt die„Nord. Allg. Ztg." folgende Mittheilung: Nach Mitthcilungen ameri- konischer Zeitungen ist in dcn Staaten Ohio, Indiana, Eon- necticut und West-Virginia die S ch w e i n e« C h o l e r a auf das Heftigste ausgebrochen und hat schwere Verluste der Schweinezüchter zur Folge gehabt. Auch in der Umgegend der Ortschaft Flatbush bei Newriork ist diese Krankheit unter den Schweinen aufgetretren und fordert täglich im Durchschnitt sechszig Opfer. Es werden durchgängig nur vollständig ausge- wachsene Thiere, welche beinahe„schlachtreif" find, von der Seuche erariffen. Nach einem Bericht des SanitätskommissärS William MillS von Flatbush, welcher die Anzahl der in seinem Distrikt bisher an der Seuche gefallenen Schweine aus drei- hundert beziffert, sollen die Kadaver von Newyorkcr und Broollyner Schlächtern angekauft worden sein. Der Brooklyner Sanitätskommissär beabsichtigt, diese Angelegenheit eingehend zu untersuchen und namentlich Ermittelungen betreffs derjenigen Fleischer anzustellen, welche wissentlich die an der Seuche kr«. pirten Schweine gekauft haben. Aus den Staaten Kentucky und Illinois wird außerdem das Auftreten der Lunge nseuche unter dem Rindvieh mitgetbeilt.— Bekanntlich besteht das Verbot der Einfuhr amerikanischen Schweinefleisches; sollte diese Mittheilung vielleicht dazu dicnen, dieses Verbot als segcnbringcnd in gesundheitlicher Beziehung hinzustellen? Bei der Errichtung von Unfallgenossenschaften muß bekanntlich derart vorgegangen werden, daß man zuerst die Be- rufsgcnossen vom Reichsversicherungsamt zu einer Generalver« sammlung einberufen läßt, welche lediglich die Frage zu ent- scheiden hat, ob und in welchem Umfange eine Genossenschaft errichtet werden soll. Nach der Bejahung dieser Frage bedarf der Beschluß noch der Genehmigung des Neichsvcrstcherungs- amtcs, worauf die Mitglieder dieser Berufsgenoffenschaft zu einer zweiten Generalversammlung beruf- n werden, in welcher die Statuten aufgestellt werden. Der Entwurf dieser muß vom Reichsverficherungsamt erst genehmigt werden und alsdann haben die Berufsgcnossen eine dritte Versammlung zur defini- tiven Wahl des Genoffenschaftsvolstandes und der Genossen- schaftsorgane abzuhalten. Zur Abkürzung dieses etwas lang» wierigen Verfahrens geben nun die„Bcrl. Polit. Nachr." die Anweisung, eine Versammlung dadurch zu erübrigen, daß schon in der allerersten ein vollständiger Statutenentwurf vorgelegt, durchberathcn und von der Versammlung genehmigt wird. Dieser Entwurf muß vor der Zusammenberusung der zweiten Versammlung bereits dem Verficherungsamte mit der Bitte überreicht werden, dcnselbin zu prüfen, und wenn dieser Ent- wurf von der zweiten Versammlung gleichfalls gutgeheißen wird, zu genehmigen. In dieser zweiten Versammlung kann dann auf Grund des genehmigten Statuts sofort zur Konsti- tuirung der Genossenschaft geschritten werden.— In dcn(im Verlage von A. Asher u. Co. in Berlin erscheinenden)„Amt- lichen Nachrichten des Reichs-Verstcherungsamts" wird soeben das„Normalstatut für Berufsgenossenschasten" veröffentlicht. DaS Finanzministerium hat— nach der„W. Z." eine Verfügung erlassen, daß bei der Rückgabe der G e r i ch t s- kostenerhebung von der Verwaltung der indirekien Steuern an die Gerichte sämmtliche s. Z. aus der Justiz- in die Steuerverwaltung übergetretene Beamte mit dem 1. April k. I. auf Wartegelv gesetzt werden sollen. Zugleich wird denselben jedoch eröffnet, daß fie sämmmtlich(mit Ausnahme Einzelner, die ihr Examen in der Justizverwaltung bis jetzt nicht gemacht hat-en) in der Jusii'vcrwaltung mitmindcstens demselben Gehalt, als ste bei der Steuerverwaltung bezichen Schwierigkeiten Alles sehen konnte, was an Unterhaltung und Belustigung für den Abend geboten wurde. Man hatte sich kaum gesetzt, als sechs reich gekleidete Mädchen- gestalten von großer Schönheit hinter einem Gazevorhange oder Schirm hervorkamen, der die eine Seite deS Zimmers einnahm. Wredow wandte sich überrascht nach den schönen Mäd- chen um. Sein Nachbar Parr aber zupfte ihn am Rock und flüsterte ihm zu: „Sehen Sie die Mädchen nicht allzu neugierig an. Sie sollen gleich Frauen des HaremS vor den Blicke» der Männer geschützt sein." Wredow fand indeß während des Abends Gelegenheit, sie zu betrachten, ohne sich selbst beobachtet zu wissen. Alle diese Mädchen waren jung und zierlich gebaut; ihre Gesichtsfarbe war eine etwaS bräunliche, aber nicht dunkler als der Teint einer Spanierin; ihr kohlenschwarzes Haar, welches zurückgekämmt und hinten geflochten, dabei aber mit Perlen und Diamanten geschmückt war, stach angenehm von diesem zarten Ton ihrer Haut und der sanften Röthe derselben ab, womit die Aufregung ihre Wangen gefärbt. Ein dünnes, halb durchsichtiges, aber reich gesticktes Ge- wand, leicht auf der Schulter befestigt, bedeckte ihren Ober- körper, ließ aber die Umrisse der Vüste und andere Formen deutlich hervortreten. Lieblich war das Wogen der Brust, wenn sie die feinen Fecher von Pfauenfedern rückwärts und vorwärts über den König schwenkten. Der untere Theil ihrer Per- so» verbarg sich in weite Beinkleider von purpurfarbenen Atlas, die fest den Leib umschlossen, nach unten aber um- fangrcicher sich entfalteten und durch goldgestickte Bänder um die Knöchel eingezogen waren; ein ähnlicher goldge- stickter Gürtel war durch das dünne Obergewand sichtbar. Sie nahmen geräuschlos ihre Plätze hinter dem Stuhle d Königs ein, der sie gar nichr zu bemerken schien, -ms beachtete er sie während deS ganzen Abends Auch die Anderen schienen nicht darauf zu -- eben nur der gewöhnliche Gebrauch beider Z r. Äti weiter. Düi ich'schlecht in Indien zeichnet sich durch und dem entsprechenden Wohnungsgeldzuschuß deS Orts ihrer demnächstigen Stationirung wieder angestellt werden sollen. Ihre Einberufung zu dcn ihnen verliehenen Stellen haben fie von den Vorstanosdeamten des betreffenden Oberlandcsgerichts, in dessen Bezirk ihre Anstellung stcttifindet, demnächst zu er- warten. Voraussichtlich werden fast sämmtliche in Rede stehende Beamte schon am 1. April k. I. wieder angestellt, so daß die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand für die meisten leine nachtheilige Bedeutung hat. Gegen die Abschließung der deutsch- holländischen Literarkonventton, macht fich holländischerseits eine starke Agitation geltend. Die Hauptagitatorin ist die Buchhändler- Firma Noordhoff u. Cmit, welche eine Petition gegen den Vertrag an die Kammer gerichtet hat, die ein sehr deutlicher Beweis davon ist, daß der Krämergeist bei manchem Holländer doch schließlich die Noblesse überwiegt. Die chrenwerthen Herren erklären, Holland würde leinen Vortheil von der Kon- vention haben, da die Deutschen doch keine holländischen Bücher kauften— nebenbei bemerkt eine starke Uebertreibung— und den Holländern dadurch das Recht genommen würde— deutsche Originalwerke ohne Weiteres zu übersetzen. Selbstverständlich kennen die Herren Noordhoff u. Smit, die vom Nachdrucken leben, keine Noblesse dem deutschen Autor gegenüber, derselbe muß seine Geistesprodukte ohne Entschädigung, ja ohne einmal gefragt zu jein, von dieser Firma oder einer sonstigen litera- rischcn Piratengesellschast übersetzen und natürlich auch ver- Hunzen lassen, und es kräht kein Hahn darnach, wenn auch zehnmal auf dem Titel steht:„Uebersetzungsrecht vorbehalten." Ter Schriftsteller hat aber dasselbe Recht auf seine Geistespro- dukte, welche der Landmann auf sein Korn hat, und der Staat hat die Pflicht, ihn darin zu schützen. Wir dürfen angesichts dieses frechen Auftretens der holländischm Firma wohl crwar- ten, daß die deutsche Regierung Alles daran setzen wird, daß die Literarkonvention mit Holland nicht ins Waffer fällt. Aus Butjadinaen«Oldenburg) wird der„Llvenburger Zeit." geschrieben: Werfen wir einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr, so können wir auf dasselbe in betreff unseres Ländchens Butjadingen als ein ereignißvolleS und g e s e g- n e t e s bezeichnen; ist doch in demselben daS Chausseenetz, welches fast alle Gemeinden unseres Ländchens verbindet, voll- endet— sind nicht auch noch neue Projekte in betreff der Vcrkehrsstraßen ausgetauscht?— Da ferner auch eine be- friedigende Ernte eingetreten ist, auf welche viele, viele mit Sehnsucht hofften und wir vor Viehseuchen und sonstigen größeren Unglücksfällen verschont geblieben find, so haben wir Ursache genug, Gott zu danken für den günstigen Verlauf deS letzten JahreS und fröhlich zu sein.— Gleich hinterher heißt eS dann: Die Zahl der Bettler und Vagabunden bat in der letzten Zeit hier, wie anderswo, stark zugenommen. Wenn auch in Zwischenräumen Dutzende über die Grenze un- seres Herzogthurns verwiesen, wenn auch einige festge- nommcn und eingesteckt werden, wenn andere Aufnahme finden in„Dauelsberg" und ähnlichen Anstalten, so ist eine Abnahme doch nicht zu verspüren. Das wirkiamste Mittel gegen die Bettelei hat das Publikum selbst in der Hand; es besteht darin, alle Bettler ab- und an die Polizei zu verweisen, die sie mit Reiserouten und dcn nolhwendigen Reisepfennigen versteht und in die Heimath dirigirt.—„Ei, ci, das klingt recht sonderbar! Also, ein gesegnetes Jahr war das abgelaufene,|o gesegnet, daß der Schreiber ausruft:„Wir haben alle Ursacbe fröhlich zu sein". Und trotzdem die vielen Vagabonden? Vielleicht waren es nur Fremdlinge, welchen der Segen des Butjadingerlandes nicht zu Theil wurde? Oder sollte es selbst in Butjadingen arme, mittellose Menschenkinder geben? Ist letzteres der Fall, so haben diejenigen Recht, welche behaupten, daß der Segen in die Taschen einzelner floß und an Vielen, ja an der Mehrzahl spurlos vorüberging. Doch gleichviel, aus alle Fälle ist es für ein Land, welches nach dem Schreiber alle Ursache hat, fröhlich zu sein, kein gutes Zeug- niß, wenn es Verlangen trägt, daß arme, bittende Menschen der Polizei überwiesen und abgeschubst werden sollen. Ein solcher Wunsch ist weder menschenfreundlich noch christlich,— aber erklärlich, denn es steht schwarz auf weiß in einem natio- nalliberalen Blatte, in dem Blatte einer Partei, welche für die bekannte Sozial-Reform schwärmt. Bremen. Die„Weser-Zeitung" erfährt, daß die Kauf- kontrakte über die Santa-Lucia Bat und das umliegende Ge- biet, vom November datirt, bei Herrn Lüderitz eingetroffen find. Köln. Die„Köln. Volksztg." schreibt: In erschreckendem Maße haben fich neuerdings wieder in unserer Provinz die von Beamten verübten Veruntr euungen gemehrt. Aus dem Landkreise Köln find seit zwei Monaten zwei B ü r- germeister in Haft, welche die ihnen anvertrauten Kassen um bedeutende Beträge verkürzt haben. Vor einigen Wochen ist ein früherer, mit allen Ehren penfionirter und mit einer Ordensverleihung ausgezeichneter Sekretär an der Regierung zu Köln verhaftet worden, welcher Beträge von mindestens 150 000 Mark unterschlagen hat. Eine benachbarte Industrie- stadt gcrietb vor Kurzem in große Aufregung, weil der die Reichsdank-Filiale verwaltende erste Beigeordnete plötzlich nach stattgehabter Revision der Verwaltung enthoben wurde, und manche Schönheit aus; meistens aber durch die schöne Form der Glieder. Kaum möchte ein Bildhauer zarter geformte Arme und Hände zu einem Modell einer Venus finden, als die einer indischen Schönen. DaS Essen mar ganz nach europäischer Manier und wenig von einem feinen Diner in einem noblen, englischen Hause zu unterscheiden. Die indischen Diner kamen und gingen, wie sie gewohnt waren, vorsichtig, aufmerksam, still — die Gäste selbst plauderten mit dem Könige, oder hörten ihm zu. Jede Flasche Wein, von welcher der König trinken wollte, ward durch den Günstling geöffnet, welcher sich erst selbst ein Glas vollschenkte und dann, ehe er austrank, deS Königs GlaS füllte. Außer dem Champagner war jede Flasche im Hause des Friseurs mit seinem Petschaft ver- siegelt, und so untersuchte er erst jeden Kork genau, bevor er ihn öffnete. Der Wein machte nach und nach den König und die Höflinge freier und ungezwungener. Im Laufe der Unterhaltung wandte sich der König auch an Herrn Parr: „Haben Sie Nachricht vom Hofe des Königs Nasir von Pedschah?" fragte er ihn.„Ich beklage König Nasir, daß er mit seiner Familie in die Gefangenschaft der Rebellen gerathen ist; aber es ist ferne Schuld. Warum hat er feine eigenen Truppen abgeschafft und sich ganz auf die eng- lischen Truppen verlassen?... Nicht wahr, Radschah," wandte er sich an den anwesenden Kriegsiyinister,„wir find im Stande einen Angriff abzuwehren, auch ohne Hilfe der englischen Truppen?" „Die Zuflucht der Welt" ist ungefährdet in den Grenzen von Audh," antwortete der Oberbefehlshaber der Truppen; „ja noch mehr," fügte er hinzu,„unsere Truppen drängen die Rebellen bis über den Ganges zurück. Wie haben seit dem Ueberfall des Lagers Nena Sahib's auch noch über eine andere Heeresabtheilung gesiegt. Heute habe ich erst Nachricht erhalten, daß sie eine große Menge Gefangener gemacht, welche nächstens hier eingebracht werden. Unter dem Transport befinden sich auch eine Menge Europäer, welche die Nebellen bisher gefangen und in Sklaverei ge- halten haben." wenn auch dort die fehlende Summe durch einige größere Firmen gedeckt worden ist, bezw. hat gedeckt werden müssen» so bleibt doch die Thatsache bestehen, daß ein städtischer Be- amter an fremden Geldern fich vergriffen hat. In Kettwig ist dieser Tage der Bürgermeister mit Hinterlassung ungc- decktcr Defizits verschwunden. Das sind die Fälle aus jüngster Vergangenheit, welche uns eben einfallen. Ein höchst ernster Beitrag zur Zeitgeschichte! Ueber die Armenpflege in Bayern entnehmen wir der neuesten„Zeitschrift des Kgl. Bayerischen Etatistischen Bureaus" folgende summarischen Angaben: Die Gesammtzahl der im Jahre 1882 im Königreich unterstützen Personen beträgt 164090 gegen 160 650 im Jahre 1880 und 146 388 im Jahre 1879. Als eigentlich verarmt zu zählen waren 65427 Personen gegen 65 839 im Vorjahre. 32,7 pCt. der Unterstützten(im Jahre 1881 31,9 pCt) entfallen auf die Städte und 67,9 (68,1) pCt. auf das Land. Auf 100 Einwohner des Königreichs kommen durchschnittlich 3,0(in den Städten 5.3, auf dem Lande 25) pCt. Unterstützte und 1,2(in den Städten 2,0, auf dem Lande 1,0) Verarmte. Dauernd unterstützt wur- den 101 572(im Vc'ahre 103 507) Personen, vorübergehend 62 518(57148). D.. Gesammtsumme der geleisteten Unter- stützungen im Königreiche betrug 6 120 615 Mr(1881 6 017 929 Mark), wovon 4967 728 Mk. oder 81,2 pCt. auf dauernde Unterstützungen verwendet wurden. Die durchschnittliche Jahres- Unterstützung für eine dauernd unterstützte Person beträgt 49 Mk., für eine verarmte 74 Mk. Holland. Erste Kammer. Auf eine von Fransen van de Putte an die Regierung gerichtete Interpellation in Betreff der Gefangennahme von Holländern durch französische Unterthanen am Kongo erwiderte der Minister van den Does de Villcbois, daß die sranzöfische Regierung die Angelegenheit in die Hand genommen und versprochen habe, an Ort und Stelle Erkundi- gungm einzuziehen. Müller, Präfident der holländischen afri- kanischen Gesellschaft, stellte die Forderung, daß die Regierung das Recht Hollands gegenüber Frankreich aufrecht erhalten solle» worauf der Minister antwortete, daß die Regierung Rechtsan- sprüche nicht geltend machen könne, so lange eine Unficherheit in Bezug auf die Rechte des franzöfischen Protektorats über diejenigen Landestheile herrsche, in welchen Ortschaften nieder- gebrannt worden seien. Frankreich. Der Marineminister macht bekannt, daß der Transportdampfer„Bienhova", über welchen beunruhigende Gerüchte verbreitet waren, am 23. d. in Saigun eingetroffen ist und sich noch daselbst befindet.— Eine Depesche des Ge- nerals Betöre de l'Jsle vom 28. d. M. berichtet, daß in der Umgegend von Hongyen mehrere Gefechte mit Seeräubern(!) stattgefunden haben, bei welchen der Feind(!) etwa dreihundert Todte und zwei Kanonen verlor, wahrend die Franzosen kei- ncn Verlust erlitten. Der Gesundheitszustand unter dm Truppen ist vortrefflich.— Das müssen gut organisirte See- räuber gewesen sein! Wie eS mit dem Gesundheitszustande der Truppen ausficbt, zeigt ein Brief eines bei der Armee in China befindlichen Franzosen, den wir vor einigen Tagen mit- theilten. Nack) demselben ist der Gesundheitszustand durchaus schleckt.— Der„Temps" bestätigt, daß von den franzöfischen Schifffahrtsgescllschasten mehrere Transportdampfer acmiethet seien, welche fich bereit halten sollen, in der ersten Wocke des Januar zwei in Algier stehende Regimenter nach dem Orient einzuschiffen.— Ein offizielles Telegramm meldet, die fcanzö- fischen Truppen hätten einen Vorstoß gegen Tuyenquan ge- mackt und den Chinesen beträchtliche Verluste beigebracht; die Verluste ihrerseits seien unbedeutend gewesen.— Wie gewöhnlich! Rußland. Der„Daily News" zufolge hat die Polizei wieder mehrere Verhaftungen vorgenommen und zwar in der kleinen Stallhosstraße in Petersburg. Bei einem jungen Manne, welcher kürzlich angekommen war und nun verhaftet worden ist, fand man 5 Revolver, Dynamit und viele revolutionäre Pamphlete. Später wurden durch Anwendung von List noch 10 andere Personen gefangen genommen. Als ob das Maß noch nicht voll wäre, dringen heute glaubwürdige Gerüchte über eine neue Defraudalion in dreOeffentlich- keit. Tiekmal ist die Hauptrentei des Finanz- Ministeriums der Ort des Verbrechens, über dessen Dimensionen ncch Ungewißheit herrscht, da die von Beamten der Reichskontrole geleitete Revision noch nicht beendet ist. Gleich zu Beginn derselben wurde eine vom Beamten Kornilow verübte Defraudation im Betrage von 7000 Rbl. entdeckt; nach anderer Verfion gab fie dcn Anstoß zu der Rc- vifion, die in angeblich mit Jmperials und filberner Scheide- münze gefüllten Säcken Steine gefunden haben soll. Als Kornilow fich entdeckt sah, nahm er Gift. Die wegen der be- vorstehenden Feiertage schon auf gestern angesetzte Auszahlung der Dezembergage an die Beamten wurde bis zur Beendigung der Revision verlegt.— Im Militärgericht begann gestern der Prozeß gegen die B.amten des Militär-Medizinal-Ressorts» Wirkliche Staatsräthe Karizky und Ferro, deren Vergehen in Srellenschacher. Bestechlichkeit und Ervressung bestehen. Ihr ebcmaliger Vorgesetz'er, Geheimmth Koslow, der verabschiedet ist, wurde als Zeuge aufgerufen, ebenso der frühere Redakteur „Dcn Sieg werden wir feiern!" antwortete der König.„Wir werden den SiegeSeinzug unserer Truppe» durch Thierkämpfe verherrlichen, und auch den Befehls- Haber der englischen Truppen werde ich dazu einladen. ... Sorgen Sie, Sehib, daß bis zu der Zeit meine Menagerie vollständig ist." „Die Menagerie ist in einem Zustande, daß jeden Tag die größten und interessantesten Thierkämpfe Indiens ver- anstaltet werden können." „Sehr gut!" erwiderte der König. Dann wandte er sich wieder an den Radschah: „Wenn unter den Europäern, welche die Rebellen als Sklaven behalten haben, sich Leute von Bedeutung b-fin- den sollten, so sollen sie mir vorgestellt werden.... Ich habe die Europäer immer lieb gehabt," fügte er hinzu, sich an seine europäischen Freunde wendend,„und meine Lands» leute hassen mich dafür. Meine Familie würde mich ver- giften, wenn sie könnte. Sie fürchten mich außerordentlich. Allah! Wie fürchten sie mich!" Der Friseur nickte beistimmend. „Nicht wahr, meine Herren, Sie sehen die Leute in Lakno öfters mit einander kämpfen?" „Nur zu oft," war die Antwort Parr's,„bringen sie einander um." «Ja, ja, so sind sie; aber nicht wahr. Euch thun sie nichts?" „Nein, niemals!" „Die Elenden wissen nur all' zu wohl, daß ich Jeden vernichten würde, der es thäte. Sie wissen, ich liebe die Europäer, und König Nasir liebt sie auch... nicht wahr, Mr. Parr?" „Zur Zeit, als ich Haushofmeister König Nasirs war, bemerkte ich, daß Nasir nicht abgeneigt war, dem Colone! O'Brian, welcher ihn und die Prinzessin Suleima aus der Gefangenschast befreite, an Kindesstatt zu adoptiren." „Pah, das billige ich nicht!" erwiderte der König. „Aber, das kommt daher, daß JJlasir seinen Harem abgeschafft hat und nach christlicher Sitte mit nureiner Favoritin Übt; hat deshalb auch nur eine einzige Tochter. Das ist nicht nach meinem Geschmack! Ich liebe die Europäer, aber der„Petersburaslija Wedomosti", H«rr Komarow, der in fernem Blatte die im Medizinal-Devartement herrschenden Mißbrauche vor zwei Jahren mit satten Farben schilderte und dadurch wahrscheinlich zur Verabschiedung KoSlow's beitrug. Der An- geklagte Ferro, ein rüstiger 66 jähriger Mann, sttzt auf der Antlagebank in der— Generalsuniform. Der Prozeß wird eine Woche in Anspruch nehmen. Egypten. Die eqyptische Regierung hat gegen die Ent- scheidung des Gerichtshofes erster Instanz. in dem von der Staatsschuldenkaffe angestrengten Prozesse die Berufung ein- gelegt. Die Angelegenheit wird am 14. künftigen Monats vor den Appellationsgerichtshof kommen. Wenn die Entscheidung der ersten Instanz bestätigt werden wird, dürfte die Staats- schulvenkaffe alle Gehälter und Penstoncn sequestriren lassen. China. Aus.Hongkong wird dem„Standard" gemeldet, daß in Tonpking täglich Gefechte zwischen den chinesischen und französischen Vorposten statifindm; alle verfügbaren französischen Truppen werden dazu verwandt, um das Land zwischen Bacninh und Haidzuong, welches von chinesischen Guerillas überschwemmt ist, zu säubern und zu verwüsten. Die Chinesen fahren fort, Truppen, Vorräthc und Geld nach Formosa und ���Nor�-Amerita. Schon vor einigen Monaten traf die Nachricht, daß die Flüchtlinge, von dem früheren Aufstand auf der unter spanischer Herrschast befindlichen Insel Kuba willens seien, wieder eine Erpedition behufs Lostrennung Kuba's von Spanien zu unternehmen. Die Mehrzahl dieser Flüchtlinge befand sich schon längere Zeit im Staate Florida. Jetst wird über Key West(Florida) gemeldet, daß diese Ex- pedition unter dem Kommando von Maximo Gomez auf Kuba in der Nähe vnn MatanzaS gelandet sei. In Havanna habe große Erregung geherrscht. Von anderer Seite derichtet man jedoch, daß die Nachricht unbegründet und die Erregung durch Akte der Insubordination der Truppen hervorgerufen sei. Richtig ist allerdings, daß der spanische Konsul in New- Orleans jüngst dem dortigen Zolldirektor mtttheilte, daß Gomez abgereist sei, um eine Expedition nach Kuba zu unter- nehmen. Iommuunles. Stadtverordneten- Versammlung. Außerordentliche Sitzung vom 30. Dezember. Vorsitzender Dr. Straßmann eröffnet die Sitzung um 5'/: Uhr und es findet zunächst die feierliche Einführung der neu- gewählten Stadtverordneten Dr. Alexander Meyer und Hof- londiior Weiß statt. Dieselben werden von den Etadtv. Dr. Horwh und Moses in den Saal geleitet und vom Vorsteher mit folgender Ansprache begrüßt:„Es ist mir eine aufrichtige Freude, meine hochgeehrten Herren, noch in dieser letzten Sitzung und unmittelbar am Jahresschluß Sie in diese Versammlung einführen zu können. Im Namen derselben heiße ich Sie will- kommen und habe die Gewißheit, daß Sie Ihres Amtes in ernster, treuer Arbeit und selbstloser Hingebung walten und die Interessen unserer Stadt, so weit unsere gesetzliche Befugniß reicht, sorgsam wahrnehmen und nach bestem Wissen und Ge- wissen fördern werden. Darauf verpflichte ich Sie mittelst Handschlages." Dies geschieht. Die Vorlage des Maaifirats, betr. die im Etatsjahre 1685/86 neu- resp. umzupflasternven Siraßen war ein:n Ausschüsse über wiesen worden, in dessen Namen Stadtv. Dr. Stryck referiit. Derselbe verweist darauf, daß der Ausschuß in langen, sorgsamen Berathungen versucht habe, die Auswahl der Straßen so zu treffen, wie es den wirluchen Bedürfnissen und unseren Finanzen entspricht. Ebenso habe sich der Ausschuß bemüht, die an ihn gelangten Petitionen zu berücksichtigen, wenn auch natürlich die Unmöglichkeit sich ergab, allen auftauchenden Spezialwünschcn gerecht zu werden. Ter Ausschuß sei über- zeugt, daß in dieser Beziehung Jeder sich die nöthige Selbst- beschiänkung auferlegen werde und er empfehle deshalb das von dem Ausschusse gewissenhaft ausgearbeitete Tableau. Nach demselben sind zur Neupflasterunq in erster Reihe folgende Straßen bestimmt: Straße 33a. Xll. von der Straße 33 bis zur Prenzlauer Allee, Straße 13b. XII. von der Straße 25. bis zur Straße 2öa., Danziger-Straße, nördlicher Damm von der Greife wold> r Sir. bis zur Straße 25. XII, westlicher Damm, Straße 25. XII, westlicher Damm von der Danziger Str. bis zur Straße 13., Straße 13 b. XII. von der Straße 25 a. bis zur Prenzlauer Allee, Ldeiberger Straße von dm Kastanien- Allee bis zur Schönhauser Allee, Hussttenstraße von der Feldstraße bls zur HermSdorfer Str., Hussttenstraße von der Hecms- dorferstiaße bis zur Straße 88/91 IX., Prenzlauer Allee von der Friedenstr. bls zur Belforterstr., Straße 35 XII. von der Treekowftr. bis zur Wörlherstr., Görlitzer Ufer von der Wrangelstr. bis zur Schlesischenstr., Wneisenaustr. von der Bärwatdstr. bis zur Schlricrmachastr., Straß« 26a. XIII. von der Elbingerstr. bis zur Straße 30 XIII. 1. Zur Um Pflasterung find in erster Linie bestimmt worden folgende Straßen: Chausseestr. von der Elsasserstr. bis zur In- vahdenstr., Linkstr. von der Potsdamenstr. bis zur Königin Augustastr., Seydelstr. von der Alten Jakobsstr. bis zum den Harem würde ich nicht abschaffen. Ich hätte jenen O'Brian zu meinem Radschah gemacht oder zum Kom- mandeur meiner Leibwache, das wäre genügender Dank ge- wesen." „Der Handstreich selbst, den der junge Colone! aus- führte," nahm der Radschah das Wort,„gehört zu den kühnsten Thaten diese? Krieges. Mit einer Hand voll seiner Leute hat er ein großes, gut verschanztes Lager der Rebellen überfallen und sie daraus vertrieben." „Ich hörte das!" bestätigte der König.„Ich werde den jungen Colone! hierher einladen, um ihn kennen zu lernen. Erinnern Sie mich gelegentlich an ihn." Das Dessert kam und ward in den prächtigsten und süßesten Früchten, wie sie nur die tropische Ueppigkeit er- zeugen kann, auf die Tafel gesetzt. Mit diesem Dessert begannen die Belustigungen des Abends. Die Urterhaltungen waren sehr verschiedener Art. Zuerst erschienen Gaukler, um ihre oft erstaunlichen Kunst- Produktionen zu zeigen. Leute, welche keine Knochen zu haben schienen, denn sie konnten ihre Glieder förmlich in Knoten verschlingen, suchten die Affen in allerlei Possen zu übertreffen und zogen sich befriedigt zurück, wenn man über sie gelacht hatte. Nach ihnen ward daS an diesem Hofe so beliebte Puppenspiel aufgeführt; die Marionetten agirten und tanzten so krampfhaft, wie die Akteurs der modernen Komödie. Zu gleicher Zeit führten schöne Tänzerinnen im Hinter» gründe deS Gemaches ihre Tänze auf. Nunmehr kündigte der Sehib eine ganz besondere Erscheinung an: Nuna, ein Mädchen auS Tibet, Sängerin und Tänzerin, welche sich zum ersten Malt am Hofe pro- duziren solle. Nuna trat ein, sie war außerordentlich schön. Sie hatte die im Osten Indiens eigenthümlichen schwarzen Augen und jene Vollkommenheit der physischen Formen, welche man hier wegen der Kleidung ganz besonders zu be- wundern Gelegenheit hatte. Diese Künstlerin entzückte den König mehr durch da» Wesen, als durch ihre anderen Ver- dienste. Wenn sie sang, so lag ein klagender Ausdruck in Spittelmalkt, Köpnickerstr. von der Eisenbahnstr. bis zur Zeug- hofstr-, Gitschinerstr. von der Bellealliancestr. bis zur Branden- hurgstr., Echützenstr. von der Mauerstr. bis zur Lindenstraße, Georgenstr., von dem Kupfergraben bis zur Friedrichstr., Alte Jakobstr. von der KommanSantenstr. bis zur Neuen Roßstr., Michaelkirchstc. von der Köpmckeistr. bis zur Brückenrampe, Hitzigstr. von der Stülerstr. bis zur Rauchstc., Pcinzenstr. von der Ritterstraße bis zur Btückenrampe, Artilleriestraße von der Ziegelstr. bis zur Oranienburgerstr.(Die Umpflasterung dieser Straße soll nur für den Fall erfolgen, daß zugleich die beab- sichtigte Verbreiterung der Straße zur Ausführung gelangt.) Neue Friedrichstr. von der Burgstr. bis zur Spandauer Brücke, Niederlagstr., Niederwallstc., Alexandrinenstr. von der Oranien- ftraße bis zur Rittelst�., Klosterstr. von der Bischofstr. bis zur Königstr.. Bcsselstr. von der Charlottenstr. bis zur Markgrafen- siraße, Sebastian str. von der Alten Jakobsstr. bis zur Alexan- drinenstr., Kommandantenstr. von der Krausenstr. bis zurLeipziger Straße, Kommandantenstr. von der Lindenstc. bis zur Beulhstr, Brunnenstr- von der Lothringerftr. bis zur Jnvalivenstr.(Die Umpflasterung dies-r Straße soll nur dann erfolgen, wenn die darin befindlichen Pferdeeismbahngeleise gleichzeitig neu gelegt werden.) Chausseestraße von der Jnvaltdenstcaße bis zur Kessel- straße, Köpnickerstr. von der Zcughofstr. bis zur Schlesischenstr-, Prenzlauerst. von der Aleranderstraße bis zur Friedenstraße, Alexandrinenstr. von der Rittirstr. bis zur Wassertho'.straße, Fischeistr. von dem Köllnischen Fischmarkt bis Friedrichsgracht, Wallstr. von dem Spittelmarkt bis zur Neuen GrÜnftraße, Wallstr. von der Neuen Grünstr. bis zur Neuen Roßstraße, Michaelkirchplatz vom Engelufer bis zur Melchiorstr., Michael- kirchstr. von der Köpnickerstr. bis zum Kirchplatz, Ännenstraße von der Neanderstraße bis zum Kaiser Franz-Genadierplatz, Annenstr. von der Dresdeneistr. bis zur Neanderstraße, Am Königsgraben von der Alexanderstraße bis zur Stadtbahn, Kaiserstraße von der Alexander straße bis zur Gr. Frankfurter- straße. Aus der Mitte der Versammlung werden noch eine Reihe von Epezialwünschen geltend gemacht und einzelne Straßen zur Neu- rcsp. Umpflasterung empfohlen.— Stadtverordneter Dr. Gerstenberg richtet die Aufmerksamkeit der Versammlung auf die Mühlenstcaße, Stadtv. Bergemann wünscht die Um- Pflasterung einer größeren Strecke der Wallstraße, Stadtv. Dopp beantragt die Einstellung der Tieckstraße in die Reihe der in nächstem Jahre umzupflasternden Straßen, da der Zu- stand dieser Straße ein entsetzlicher sei.— Stadtv. Heilmann plaidirt für eine Umpflasterung der Oranienb argerstraße, Etadtv. Geitler wünscht die Belegung der Chausseestraße mit geräuschlosem Pflaster, während Stadtv. Diersch die Enbloc- Annahme der Ausschußvorschläge empfiehlt.— Bei der Abstimmung werden die sämmtlichen Adänderungsanträge abgelehnt und das vom Ausschuß vorgelegte Pflasterungs- Tableau genehmigt. Die vorliegenden Petitionen find hierdurch erledigt. In der Angelegenheit, betr. die Regulirung des Wörther Platzes stellt der Magistrat folgenden Antrag:„Die Versammlung istZmit der Eiwerbung der von dem Grundstücke der jüdischen Gemeinde zur Freilegung der Treskowstraße erforderlichen Fläche von 995 gm zu einem Preise von 25 Mk. pro qm, zu- sammcn von zirka 24 875 Mk. und gegen Uebcrnahme der entstehenden Kosten städttscherseits unter der Bedingung einver- standen, daß die Abtrennung der zum Wölther Pia«,«lforder- lichen Fläche von zirka 483 qm Seitens der jüdischen Ge- meinde ohne Entgelt erfolgt."— Auf Antrag des Stadtv. de Neae wird nach kurzer Debatte die Vorlage vertagt, bis der betr. Ausschuß einen Bericht erstattet haben wird. Es folgt die Wahl der Mitglieder und Stellvertreter zur Einschätzungs-Kommission für die klasfifiziric Einkommensteuer pro 1885/86. Es werden gewählt: I. Aus der Stadtverordneten-Versammlung: Unter-Kom- misston l.: Stadtv. Degmeier, Franke, Reiß, Singer, Solf. — Unter-Kommission II: Stadtv. Grunect, Herrmann, Dr. Leo, bisher Eisatzmann, Paetel, Ziethen. Unter-Kommission Hl: Stadv. Heller, Hoffmann, Jaenicke, Langenbucher, Sckam. Unter-Kommission IV.: Sladtv. Diersch, Gitter, Ger icke, Heil- mann, Salge. II. Aus der Zahl der Einkommcnsteuerpflich'tigen. Unter- Kommission I. Bach, Kaufmann, Unter den Linden 46, Starcke, Buchvruckeicibesitzer, Charlottenstraße 29, Dr. Abraham, Sanitätsrath, Taubenstr. 7, Cauer, Paul, Kaufmann, Anhaltischestr. 4, Gradcnwitz, Handelsrichter, Bendlerstr. 18, Roestel, Karl, Buchhändler, Jägerstraße 6la, bisher Ersatzmann, Thierichens, Hoflieferant, Möbelhändler, Leipziger Straße Nr. 20/21, Gutt- stadt, Tuchbändler, Spanoauerstraße 29, Jacobi, Leopold, Kaufmann, Molkenmai kt 11, Paulsen, Portrait- und Genre- Maler, Dorotheenstr. 32.— Unter-Kommisston Ii. Becker, Ad., Rentier, Potsdamer Str. 119, Kulp, H. F. Julius, Kauf- mann, Schönederger Str. 22. Heilborn. Rentier, Königgrätzer Straße 8., Meyer, Ernst, Bankier, Königin-Augustastraße 53, Borchardt, Rentier und Stavtrath, Potsdamer Straße 52, Angstin, Emil, Kaufmann. Potsdamer Str. 32, bisher Ersatzmann, Schwartz, Maurermeister, Potsdamer Str. 68, Dröge, Kauf- mann, Lützowstcaße 32, v. d. Heyden, jun., Brauereibefiyer, ihrer Stimme, besonders, wenn sie deS glücklichen ThaleS gedachte, wo sie geboren war; dann umflorten Sehnsucht u»d fchmachtende Trauer ihre schöneu Augen und zeigte sich eine Gleichgültigkeit und Ruhe in der Art ihrer Bewegung, daß Auge und Ohr davon bezaubert wurden. Sie gefiel dem König und er sprach laut seinen Bei- fall aus. Als Nuna des König« Worte hörte, glänzten ihre Augen im Triumph und Selbstgefühl; man konnte sehen, wie sich ihr Busen hob, als sie die Aufregung ihrer Sinne niederzukämpfen suchte. „Bravo! Bravo!" rief der König laut, als sie ihren Tanz beendet hatte. DeS Mädchens Wangen waren wie von einem hekti- schen Fieber vor Stolz und Freude bald blaß und bald roth; doch ein indisches Mädchen ist immer Herrin ihrer Gefühle. Nach einigen Minuten hatte sie ihre Ruhe wieder- gefunden; obgleich sie wußte, daß Aller Augen auf sie gerichtet waren, sang und tanzte sie besser als zuvor. Der Wein und das Gefallen an dem Tanze regten den König immer mehr und mehr auf.„Du sollst in mei- nen Harem kommen, Nuna!" rief er in einem Anfalle von Enthusiasmus aus. Nuna sank entzückt vor ihm auf die Knie. Sie konnte ihre stolze Aufregung jetzt nicht mehr bemeistern. Da» Ende des Gemaches überspannte eine Gazevor- hang, auf welchen Wredow zuweilen geblickt hatte. Parr hatte ihm zugeflüstert, daß er dies unterlassen möge, denn hinter dein Gazevorhang befänden sich einige Damen de» Harems, welche den Abendunterhaltungen zuschauten. Wredow hatte auch in der That hinter dem Vorhänge ein unterdrücktes Lachen weiblicher Stimmen gehört. Daß Wredow's Neugierde hierdurch erregt war, ist zu erklären, und er suchte deshalb Gelegenheit, trotz des Verbotes, einen Blick auf den Vorhang zu richten, ohne die Etiquette zu verletzen. Der Stoff war dick genug, den Forscherblicken die Gesichter und Gestalten dahinter zu verbergen, doch konnte man schwache Umrisse von Schatten sich hin und her bewegen sehen. Eine Hauptfigur saß auf einem Kissen, wahrscheinlich die Favoritin, und die Juwelen, womit ihre Lützowstr. 110, Jung, Kapitän zur See z. D.. Derfflinger' straße 15.— Unter- Kommission Iii. Koch, Maurermeister, Alexandrinenstr. 96, Hirsch, Shawls und Tücherfabrikant, Grü- ner Weg 16, Lectow, Kaufmann, Breslauer Str. 1, Stern, Dr. med., Köpnicker Str. 89, Leichte»tritt, S., Kaufmann, Brückenstr. 7, Wessel, Fabrikbesitzer, Prinzenstr. 27, bisher Ersatzmann, Kiesel, Wilh., Kurz- undLederwaarenhändler, Elisabeth- ufer 57, Härtung, Max, Hoflief,, Wilvpret« w. Händler, Dres- denerstr. 89, Schlesinger, Adolf, Silberwaarenfabr., Sebastian- straße 20, Bcckrr, A. O, Maler, Ritterstr. 59.— Unter-Kommff- fion IV. Quilitz, Kaufmann. Rosenthalerstr. 40, Kuhn, Rathsmaurermeister, Auguststr. 83, Sulzer, Theodor, Getreidehändler, Kl. Prästdentenstr. 4, Cunow, Kaufmann, Friedrichstr. 129, Damcke. G» Kaufmann, Landsberger Str. 110, Joachimsthal, G., Kaufmann, Monbijo aplatz 1, Waltz, F., General- Direktor, In den Zelten 8, Feska, Felix. Fabrikbesitzer, Luisen« platz 8, Wagener, ViehkommisstonS-Hänvler. Landsberger Str. Nr. 10, Borchardt, Max, Wäschefabrikant, Neue Königstr. 19. Vorschläge zu den Wahlen der Ersatzmänner zur Em- schätzungS-Kommisfion: I. Aus der Stadtverordneten- Versammlung. Unter- Kommisston J. Stadtoerordn. Boeschc, Roeseler.— Unter« Kommission II. Stadtoerordn. Schiegnitz, de Neve.— Unter- Kömmission III. Stadtoerordn. Schmeißer, Loewel, Morche.— Unter-Kommission IV. Stadtoerordn. Neumann Ii., Schreiber, Wieck. Ii. Aus der 3«hl der Einkommen steuerpflichtigen. Unter- Kommission I. Frankel, Maurermeister, Jägerstr. 19., Wilm, I., Juwelier, Jerusalemerstr. 25, Markmann, Ed., Hof-Sattler- meister, Mauerstr. 37, Friedländer, S., Kommerzienrath, Hof- f uwelier, Jägerstr. 19.— Unter-Kommission II. Zimmermann, arl, Holzhändler, Rauchstc. 26., Dahms, Rentier, Schöne- berger Ufer 47., Stern, Rentier, früher Apotheker, Lützow- Ufer 33, Wiese, Restaurateur, Potsdamerstr 9.— Uatei-Kom- misfion III. Peck, Rickard, Kaufmann, Neue Roßstraße 14, Matthes, Fuhrherr, alte Jakobstr. 63, Baudius, Rentier, früherer Holzhändler, Kottbusersir 17.— Untec-Kömmtsston IV. Sartig, Rathsmaurermeister, Philippstr. 9, Häger, Kaufmann, Greif»- walderstr. 24 a, Weivner, Fabrikvuiqent, Chausseestr. 28. Die Versammlung hat durch Beschluß vom 9. Oktober cc. den Magistrat um Becholung und Verlegung eines Syndikats- Gutachtens, betreffend den Antrag des Stadtverordneten Meyer, ersucht, welcher lautet:„Die ver Stadtgemeinde Berlin gegen den Eigenthümer Lüdecke aus der nkzeptirten Kaufofferte bezüglich des Grundstücks Gitschinerstr. 106 und einer Parzelle das Grundstücks Belleallianceplatz No. 8 zustehenden Rechte erforderlichenfalls im Prozeßwege zu verfolgen." Der Magistrat legt nun dies Gutachten dahin vor, daß er das Beschreiten des Rechtsweges nicht für räthlich hält. Die Versammlung nimmt von dieser Mittheilung Kenntniß. Der Etat sür den Administrativ«sfonds der Sparkasse pro 1885 wird nach den Vorschlägen des Magistrats fest- gestellt. Auf Antrag deS Magistrats erklärt sich die Versammlung mit der Zahlung einer Entschädigung von 1800 M. aus Veranlassung der Äufhöhung der Straße an der Jannowitzbrücke längs des daselbst belegenen eiscnbahnsiskalischen Grundstücks, Jannowitzbrücke 2, und der an dasselbe grenzenden Viadult- räume einvelstanden. In dem Beschlüsse vom 17. April hatte sich die Versamm- lung für Herstellung einer offenen, 17 M breiten Fahrstraße zur Verbindung des Hausvoigteiplatzes mit ver Taubenstraße ausgesprochen und sich gleichzeitig mit der F-stsetzunz der Bau- fluchtlinien für eine derartige offene Vecdindungsstraße im Vo.aus einverstanden erklärt. Magistrat ist diesem Beschlusfe beigetreten und ist, nachdem die Baufluchtlinien für die neue Straße in Gemäßhett der§§ 7 und 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 zur Festsetzung gebracht worden find, die Allerhöchste Genehmigung zur Durchführung der Taubenstraße nach dem tzausvoigteiplatze und zur Festlegung der Baufluchtlinien nach dem diesseitigen Projekt unterm 13. August 1884 ertheilt worden. Da die Verhandlungen wegen freihändigen ErwerbeS der erforderlichen Flächen zu einem annehmbaren Abkommen nicht geführt haben, ersucht der Magistrat nunmehr um folgen- den Beschluß:„Die Versammlung erklärt sich damit einver« standen, daß die zur Durchlegung der Taubenftcaß: nach dem Hausvoigteiplav erforderlich-n Parzellen von zusammen ca. 683 Qm. im Wege des Enteignungsverfahrens erworben«ver- den und stellt die hierzu erforderlichen Mttel aus dem Stcaßen- land- Ecwerbungs- Fonds pro 1885/86 zur Verfügung. Die Versammlung beschließt demgemäß. Es folgt die Neuwahl für die Stellen des Herrn Stadt- baurathS Rospatt und des Stadtraths Meubrink. Die Wahl- zeit des Ersteren läuft am 30. April, die des Letzteren am 30. Juni ab. Die Wahl beginnt mit der Verlesung der einschlä- gigen Bestimmungen der Städteordnung. Im ersten Wahl- gange werden 112 Stimmzettel abgegeben, von denen 5 unbeschrieben find. Es bleiben also 107 giltige Stimmen übrig und die absolute Majorität beträgt 54. Es entfallen auf den Bauratb Hobiecht 60, auf den Baurat'a Rospatt 46 und auf Herrn Gotdowski 1 Stimme. Der Chef-Ingenieur der städti- Arme und ihr Hals bedeckt waren, funkelten hin und wie« der, wenn das Licht darauf fiel. Als Nuna aufgetreten war und der König ihr offen seinen Beifall ausdrückte, schienen auch hinter dem Vorhange Rufe des Beifalls sich hören zu lassen; als aber der König erklärte, sie in den Harem aufnehmen zu wollen, vernahm man ein mehrstimmiges Seufzen. Der König schien dies aber nicht zu bemerken, oder nicht zu beachten; er hob die vor ihm knieende Nuna auf und gebot ihr da zu bleiben, um ihn noch diesen Abend in den Harem zu begleiten. In Hast trank er noch mehrere Pokale voll Wein aus, bis endlich völlige Trunkenheit eintrat; darauf nahm er Nuna's Arm, lehnte seinen Kopf an ihre Brust und verließ so schwankenden Schritte», von zwei kräftigen Eunuchen unterstützt, das Gemach, um alsdann in deaHarem getragen zu werden.___ Viertes Kapitel. Parr geleitete seinen neuen Freund, den Hofmaler Herrn von Wredow, nach seiner Wohnung zurück. „Wie hat Ihnen der erste Tag am Hofe Wadschid Ali'« gefallen?" fragte er. „Es ist ähnlich wie in Bhuta, nur daß dort mehr europäische Kultur am Hofe ist als hier; ebenso, wie sid� Nasir auch ganz im europäischen Styl eingerichtet haben �„Es ist unsere Aufgabe", versetzte Parr,„Wadschid Ali auch allmählig dahin zu bringen. Ich befinde mich lediglich zu dem Zweck hier, um diesen Hof nach dem Muster Nasir's umzugestalten, dessen europäische Kultur Wadschid beneidet. Man darf ihm aber nicht auf einmal zu viel zumuthen, damit er nicht mißtrauisch wird. Was Ihnen etwa unangenehm oder lächerlich hier scheint, lieber Herr von Wredow, müssen Sie im Interesse der guten Sache ertragen. Es ist jedenfalls- ljcher Zweck, den wir hier verfolgen, einen HindB Kultur zu bekehren. Wir erre-"'"»s einzigen Fürsten mehr, r' Dezennien erreicht hat' schen Kanalisation,!. Bauratd Hobrecht, ist somit zum Stadt- daurath von Berlin auf die Dauer von 12 Jahren gewählt worden. Bei dem zweiten Wahlgange werden 96 giltige Stimm- zettel abgegeben. Von denselben lauten 88 auf Stadtrath Meubrink, während fich 8 zersplittern. Hiernach ist Stadtrath Meubrink auf weitere zwölf Jahre als besoldeter Stadtrath von Berlin wiedergewählt worden. Schluß der Sitzung 8 Uhr. Am Magistratstische: Kam- merer Runge, Stadtbaurath� Rospatt, Stadtsyndikus Zelle, Etadträth« Wolff, Löwe, Bail, Krause, Friedet, Bor- chardt u. A. In der außerordentliche« Sitzung des Magistrats gelangten bauptsächlich Spezialetats zur Bcrathung und Fest- stellung. In Betreff des Etats des Gefindc-Bclohnungsfonds wurde konstatirt, daß sich das Kapitalvermögen desselben von 188,500 M. auf 200,900 M., die Einnahmen aus den Kapi- talien von 8341 M. auf 9025 M. erhöht haben. Dagegen seien die Einnahmen aus den Briträgen der Dienstboten, welche von diesen bei Antritt oder Wechsel eines Dienstes zu zahlen sind, von 23,562 M- im Jahre 1881 auf 22,283 M. im Jahre 1883 zurlickgegangen. Die Ausgaben belaufen sich im Ganzen auf 3-1,415 M., darunter für Verpflegung der Hospi- taliten 11,603 M., Unterstützungen 7667 M. Den Etat der Gemeindefriedhöfe bctrerrend hat der Magisttat beschloffen, für das Jahr 1885/86 die Einsetzung einer Summe von 13,500 M. in das Extraordinarium bei der Stadtverordnetenversammlung zu beantragen. Es ist in Aus- ficht genommen, von dem Gesammt-Friedhossterrain in Fried- richsfelde aufS Neue 3'/- Hektar(runo 14 Morgen) für Beerdigungen zu� planiren, reguliren, mit Bäumen zu bepflanzen-c. Die Ausgaben im Ordinarium belaufen fich auf 22,031 M.,« welchen nur 11,650 M. Einnahme gegefrüberstehen, so daß ein Zuschuß von 10,381 M. erfordert wird. Transportkosten find angesetzt mit 6000 M., Begräbnißkosten 7845 M. jc. Der Etat der Armen-Verwaltuvg, Abtheilung für Armenwesen, für 1985/86 ist in Einnahme auf 420 960 M. und in Ausgabe auf 4 490900 M- festgestellt. Der von der Stadt- Hauptkafse zu leistende Zuschuß beträgt dcmnack 4070000 M., gegen das laufende Etatsjahr mebr 156050 M. Unter den Einnahmen sind hervorzuheben 400000 M. an die Stadt Berlin zu erstattende Unterstützungen. Unter den Ausgaben find 3 000 000 M. angesetzt zu Unterstützungen, welche die Armen- kommisfion auszahlt, 130,000 M. für Unterstützungen, welche un- mittelbar bewilligt werden: 184000 M. für besondere Arten von Unterstützungen; 1 054 750 M. zur Bestreitung der Kosten der Armen- Krankenpflege; 60 610 M für Verwaliungskostcn rc. In Folge der Ncu-Einthcilung der Stadtbezirke haben die Armen-Kommisfiencn von 193 auf 213 und die neuen Mcdi- zinal-Vezirke von 53 auf 162 vermehrt werden müssen. Die Verhandlungen wegen der Anlage eines städtischen Parks auf der» Kieuzberge sollen nach einem Beschluß des Magistrats mit den betreffenden fiskalischen Behörden jetzt wieder aufgenommen werden. Den Magistratskommiffarien find die bezüglichen Jnstrukrionen ertheilt worden. o k l e K.. t. Die Einführnng gläserner Hohlmaße, die für den Geschäftsverkehr längst ein Bedürfniß war, steht nunmehr in Kurzem beror. Nachdem der Bundesrath die AusführungSbe- stimmungen zur neuen Maß- und Gewichts- Ordnung geneh- migt hat, ist nunmehr der von der Normal-Aichungskommisfion ausgearbeitete Entwurf einer neuen Aichordnung dem Reichs- amt des Innern zugegangen und dürfte bereits in nächster Zeit publizirt und damit in Kraft gesetzt werden. Die wichtige Bestimmung des Entwurfs, die auch für weitere Kreise Jnter- esse' hat, ist zweifellos die, welche die Zuläsfigkeit gläserner Maße für Flüsfigkeiten zur Aichung festsetzt. Es sollen nicht blos gewöhnliche Hohlmaße von Glas, sondern auch Flaschen zur amtlichen Aichung zugelassen werden. Bei Flaschen ist in- deß die Aichung nur auf einen Inhalt von 1,0 und 0,5 Liter beschränkt. Die Aichung erfolgt durch Anbringung eines Aich- striches und Anbringung des amtlichen AichstcmpelS. Dieses Verfahren ist nicht zu verwechseln mit dem Aichcn der Schank« gefäße und anderer Geräthe, in denen Flüsfigkeiten verabfolgt werden. Das Anbringen der Maßzeichen in diesen Gläsern, Krügen u. s. w. erfolgt lediglich auf die Gefahr der Besitzer und diese find der Polizsi gegenüber und eventuell strafrecht- lich für die Richtigkeit des angegebenen Maßes verantwortlich. Eine Aichung im gesetzlichen Sinne, wie sie für die zum Han- del nölhigcn Hohlmaße erforderlich ist, liegt erst dann vor. wenn der Stempel des AichamteS neben den, den Rauminhalt des Gesäßes andeutenden Strich gesetzt ist. Beim Aichcn neuer Glasmoßc und Flaschen gedenkt man zur Anbrrngung des Aichzeichens sich des neuerdings sehr vervollkommneten Aetzverfahrens zu bedienen. Für den Umzug am Ouartalswechsel macht das Po- lizeipräfidium bekannt, daß der am 2. Januar beginnende Umzug bei kleinen, aus höchstens zwei Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen am 3. Januar, Mittags 12 Uhr, bei großen Wohnungen am 5. Januar beendigt sein muß.. m v Droschkenführer-Parade. Nach einer Verordnung des Polizei-PräfidiumS beginnt mit dem 2. Januar die sogenannte Parade der Droschkensührcr Berlins vor dem Kommrssar für daS öffeniliche Fuhrwesen und zwar nach dem A B C, so daß alle Tage eine Serie mit voller Montur antreten muß. Er- scheint es schon an und für fich nicht sehr zweckmäßig, derartige Revisionen im Winter vorzunehmen, so weiß andererseits die Mehrzahl der Beorderten sich insofern zu helfen, als sogenannte fliegende Kleiderverleiher gegen eine Vergütung von 50 Pf. Alle mit Allem aushelfen. Diese Verleiher machen in der Zeit der Troschkenparaden ein gutes Geschäft, der Zweck der letzteren ist aber seit Jahren ein verfehlter. r. Die Ueberbletbsel einer alt-heidnischen Kultur« Epoche erhalten fich mit einer bewunderungswürdigen Zähig- keit in der Bevölkerrmg, sei es auch in der Form abergläubischer Gebräuche, und besonders ist die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr reich an solchen Gebräuchen, an denen noch heute der Stempel des altacrmanischen Heidenthums deutlich er- kennbar ist. In zahlreichen Familien unserer Bevölkerung herrschen für die Tage der„Elften"(vom 20. Dezember bis 1. Januar) bestimmte Gewohnheiten; Wäsche darf in dieser Zeit nicht gewaschen, Hülsenftüchte(Erbsen, Bohnen, Linsen) dürfen nicht gekocht werden u. s. w. Alle diese Gebräuche haben zweifellos ihren Ursprurm in der Feier des heidnischen Jul- esteS. Während der„Elften" stand nach der heidnischen Auf- assung die Sonne still und in scheuer Ehrfurcht vor dem Leben pendenden Lichte, dessen Bewegung am Himmel man sym- olisch in dem Dahinrollen jeden runden Körpers ausgedrückt fand, ruhte während der„Elsten" Alles im Haushalt, was toll;.- bis auf den rollenden Waffertropfcn. der zur Wäsche benutzt urde, und die ebenfalls rollenden Hülsenfrüchte waren für diele /Pt von der Zubereitung ausgeschlossen. Erst nach der Bcevdigr> des Julfestes, nachdem man große, brennende Feuer-Räder von den Bergen in die Thäler herniedergerollt hetro->! die Wiederkehr der Sonne zu verkünden, hörten die P, Ihrend der.Elsten" auf. Aber noch heute leben sie forr■ vcrknöchcn. n llcbcrliestrung, und ausgestattet mit Drohan- 1'-*i im nächsten Jahre für den Fall der Ue-"er Aufklärung versagt diese Drohung (Mr Ken.„Nützt es nicht, so schadet Hausfrau, vertagt die Wäsche Hülsenfrüchte während der 'reiche ähnliche Gebräuche " in kleinen Städten; l Alles Uebcrblcibscl einer seit IQCd Jahren untergegangenen heidnischen Kultur. N. Die Zulukarawane, von der bereits gemeldet, daß sie fich in nächster Zeit hier im Castan'schen Panoptikum produ- zircn wird, ist, wie uns soeben geschrieben wird, bereits vor- gestern Abend 12 Uhr, direkt von London über Hamburg kommend, auf dem hicfiaen Lehrter Bahnhof angelangt unv noch in der Nacht nach dem Panoptikum überführt worden. Die Karawane, die von dem langjährigen Geschäftsführer des Mr. Barnum, Mr. N. Behrens, direkt auS dem Zululande und zwar von den Ufern des Tugela River geholt worden ist, besteht aus fünf Personen und zwar einer Tochter des berühm- ten Zuluhäuptlings Eetcwayo, ihrem ficbenjährigen Kinde und ihrem aus drei Kriegern bestehenden Gefolge. Die Prinzessin, mit Namen Amazula, ist 23 Jahre alt und von einer bild- schönen, üppigen Erscheinung. In der Zulusprache heißt sie eigentlich Ädz-Mwoula, auf Deutsch„Schicke uns Regen". Sie wird Amazula aus dem Grunde genannt, weil sie mit einem Zulukricger Namens Amazula verehelicht war. Der Letztere fiel in der Schlacht von �ockes-Drift nach dem Massakre des 24. englischen Regiments in Jssamdlawhama. Ihr sieben- jähriger Sohn, ein munterer und sehr hübscher Knabe, führt den Namen Ungaue. DaS Gefolge der Prinzessin besteht aus dem eigentlichen Chef der Karawane, dem Häuptlinge In como, zu Deutsch Stier, einem Sohne des berühmten Häuptlings Dengandoo. Jncomo ist 32 Jahre alt, hat seinen Vater durch den ganzen Zulukrieg begleitet und stolz an seiner Seite ge- fochten. Er ist gefolgt von den beiden Zulukrlegern Usafila und Umfula, die beide ebenfalls die ganze Zulukampagne mit- gemacht haben. Von den beiden letzteren ist namentlich Umfula noch zu nennen, da derselbe in seiner Heimath die Stelle eines Kwarkdoktors, Medizinmannes, in der Zulusprache„Umtugat" genannt, bekleidet. Die Zulus werden, nachdem sie fich von den Strapazen der See- und Eiscnbahnreisen erHoll haben, voraussichtlich am 5. Januar ihre Vorstellungen im Panov- tikum beginnen.. Die von Kindern ansgeführteu Diebstähle mehren fichs wie wir hören, irt einer wahrhaft erschreckenden Weise, und in den meisten Fällen sind es ganze Banden von halb- wüchsigcn Burschen, welche fich zusammenthun, um ihre Raub- züge zu unternehmen. Die beliebtesten Angriffsobjclte sind die Wagen der Flaschenbierfahrer, wie überhaupt alle mit Hand- lichen Gegenständen beladcnc Wagen, von welchen die scheinbar harmlos auf dem Slraßendawm spielenden Jungen mit der größten Frechheit alles Erreichbare fich aneignen und damit in bestimmte Produktcngesckäfte verschwinden, wo fie bereitwilliger Abnahme sicher finv. Erst gestern find wieder zwei Burschen im Alter von 14 und 15 Jahren von der Polizei in der Schönhauser Allee festgenommen worden. Die Bengel stahlen einer Bäckerftau einen Napfkuchen im Werlte von 1,50 Mark, und dem Kutscher der Pferdebahn an der Schönhauser Allee, der das sogenannte Vorspannpferd zu besorgen hat, entwende- ten sie eine Pferdedecke im Werthe von 6 Mark. Die Decke boten die Knaben Droschkenkutschern und Fuhrleuten zum Kauf an, und da sie dieselbe nicht an den Mann bringen konnten, zerschnitten fie die Decke und verkauften sie als Lum- pen für 20 Pfennig. Einem Schankwirth, bei dem die jugend- lichen Langfinger eine kleine Weiße trank-n, stahlen sie eine Schlack- und eine Leberwurst direkt vom Ladentisch weg. Beide Taugenichtse sind ihren Ellern wieder zugefühlt norden, welche von der Wiedererlangung ihrer hoffnungsvollen Sprößlinge, die ihnen schon häufig für längere Zeit abhanden gekommen waren, wenig erbaut zu sein schienen. g. Vorficht! Als am Montag Abend gegen einhalb 10 Uhr ein Hausdiener die Fischerfiraße entlang ging, wurde er ohne jede Veranlassung plötzlich von einem vor einen Wagen gespannten großen Hunde angesprungen und von diesem so er-! hedlich in die linke Hand gebissen, daß dem Verletzten in der Sanitätswache in der Brüdcrstraße ärztliche Hülfe zu Tbeil werden mußte. Hier wurde konstatirt, daß dem Hausdiener der Nagel des linken Zeigefingers bis zur Hälfte abgebissen und das zweite Glied vollständig durchbissen war. Dieser Fall mahnt wiederum zur Vorficht, an Hunden und Pferden, welche dicht am Trottoir halten, nicht so nahe vorbei zu gehen. Gebranntes Kind scheut daS Feuer— das heißt: Wer einmal von einem in der Bewegung befindlichen Pferdebahn- wagen her abgesprungen ist und dabei zu Falle kam, wartet in Zukunft gerne bis zur nächsten Haltestelle, sollte man meinen, aber dem ist nickt so. Was nützen da die Plakate im Wagen, welche das Publikum auffordern, denselben nicht während der Fahrt zu verlassen. Ihr Werth ist fast illusorisch, denn die wenigsten Passanten kommen jener Warnung nach. Von der Männerwelt ganz abgesehen, welche durch die liebung und Dank ihrer fie nicht hindernden Kleidung ja im Durchschnitt eine ganz schatzenswerthe Gewandtheit bei dem nicht ganz ge- fahrlosen Salro mortale vom dahinsausenden Pferdebcbnwagen defitzen, sind cs bauptsächlich junge Damen im Backfischalter, die dem Reiz nicht widerstehen können, durch einen kühnen Sprung vom Wagen die bewundernden Blicke des stärkeren Geschlechts auf fich zu lenken. Diese Versuche fallen nun manchmal recht trostlos aus. So verunglückte am Montag Nachmittag eine junge Dame an der Ecke der Koch- und Wil- helmsttaße, welcke in dem Augenblick vom Wagen sprang, als derselbe die starke Kurve beschrieb. Die Dame fiel recht un- glücklich; sie selbst hatte sich zwar nicht verletzt, aber der schöne neue Plüschmantel, wahrscheinlich ein Weihnachtsgeschenk, war total verdorben. Den Kondukteur trifft nicht die geringste Schuld, da derselbe während des Vorfalls im Innern des Wagens beschäftigt war und die junge Dame auf dem Hinter- perron gestanden hatte. Wir denken nicht daran, nochmals in die Warntrompete zu stoßen, das wäre auch dieses Mal er- folglos. Billige Hochzeittfeier. Zu einem Rcstaurateur in der Pionierstroßc kam in der Festwoche ein junger Mann und fragte, ob er den zum Lokal gehörigen Saal zu seiner-Hcch- zeilsfeier am Eonnabend bekommen rönne. Auf die Bejahung seiner Frage nannte er die Zabl der HockzeitSgäste, bestimmte daS Menu und dm Wein, und für Alles sollte er hundert- fünfzig Mark bezahlen. Zur b, stimmten Stunde kamen auch die Neuvermählten mir ihren Gästen, und Alle erklärten dem Wirth bei Tafel, eS schmecke ihnen aus„Mutterns Küche" vor- trmllch- Während man die Tafrl aushob, verschwand das Brautpaar und zwar ohne zu zahlen. Als der Kellner am Montag dem jungen Ehemann in seiner, mit großem Luxus ausgestatteten Wohnung die Rechnung überreichte, sagte dieser sehr kaltblütig:„Heute habe ich kein Geld. Empfehlen Sie mrch Ihrem Prinzipal und sagen Sie ihm, ich würde gelegcnt- lich bei ihm mit herankommen, um das Weitere zu besprechen. — Wie gefällt Ihnen die Einrichtung meiner Wohnung? Nicht wahr, brillant! und Alles aus dem Leihgeschäft, da hat man'S sehr bequem, kein Gerichtsvollzieher darf mir auch nur eine Stecknadel wegholen." Der Kellner empfahl fich und brachte seinem Prinzipal die trostreiche Nachricht, daß er zur silbernen Hochzeit der gestern Vermählten wohl wieder mal wird anfragen können- a. Unermittelter Schwindler. Der vor dem Halleschen Thore wohnende Lieutenant a. D- v. K. erhielt in voriger Woche einen Brief, welcher unter seiner Adresse an einen Portepee- fähnrich W. gerichtet war. Ter Absender, ein Regiments- schncidcr in Brandenburg a. H., theilte in dem Briefe mit, daß er den vom Fähnrich W. bestellten Extraanzug demnächst an die von W. aufgegebene Adresse des Lteutenans a. D. von K. senden werde. Da Herr v. K. einen Fähnrich des angege- brnen Namens gar nicht kannte, so vermuthete er, daß ein Schwindler den Rcgimentsschneiver �um Opfer auSerschkn habe, und er schrieb deshalb in diesem Srnne an den Regiments- schneid er. Der Schneider, welcher einige Tage vorher von Berlin einen Brief erhalten hatte, der mit dem Namen des ihn persönlich bekannten Fähnrich W. unterschrieben war, und in welchem der angeblich in Berlin bei Verwandten fich auf- haltende W. die Anfertigung und Zusendung eines Ertia-An- zuges unter der Avreffe des Lieutenants v. K. bestellt hatte, stellte nunmehr Ermittelungen an, welche ergaben, daß ein Schwindler unter Mißbrauch des Namens von W. den Bestell- brief geschrieben hatte. Der Schwindler, welcher mit den Ver- Hältnissen des Fähnrichs W. ziemlich vertraut sein muß, nahm an, daß der Regimentsschneider ohne Weiteres den Anzug an den Lieutenant von K- senden würde, von welchem sodann der Schwindler, unter dem Vorgeben der Fähnrich W. zu sein, den Anzug abholen wollte. Es scheint aber, daß d-r Bettüger zu früh erfahren hat. daß sein Betrugsversuch entdeckt worden, denn er hat sich zur Abholung des Anzugs an der von ihm bestimmicn Stelle nicht eingefunden. Bisher ist derselbe noch nicht ermittelt. GeriMs- Rettung, Ein Ritter- Schauspiel. Von der Gesellschaft„Vierzig Ritter" fitzen acht auf der Anklagebank. Es find dies Thomas Meßner, Schieferdecker, Franz Krauß, Schreiner, Stephan Döllinger, Flaschner, Georg Blöchingcr, Schriftsetzer, Friedrich Kapp, Taglöhner, Jakob Kuttler, Schreiner, Friedrich Narius, Arbeiter und Johann Renner, Metalldreher. Letzterer ist zu- gleich Vorstand dieses Ritterordens. Der Ort der Handlung deS Ritterschauspiels, welches wir zu erzählen haben, war das im ersten Stock befindliche Kneipzimmer des Gasthauses zum goldenen Schwan in Nürnberg, Zeit: die Nackt vom 28. bis 29. September dieses Jahres. Die Handlung selbst bildet ein etwas allzu ritterlicher Kampf, der von zwei Außschußmitgliedern durch Streit unter sich inszenirt wurde, nach dem Kodex des Reichsftrafgesetzbuches aber Hausfriedensstörung benamset wird. Demselben reihten fich durch Verkettung unvorhergesehener Zwischenfälle einige Körperverletzungen, sowie giober Unfug und ein ganz klein wenig Widerstand gegen die Staatsgewalt an. So behauptete wenigstens die Anklage, als die Ritter in Ermangelung des eigentlich standesgemäßeren Faustrechtes von den hiefigen Schöffen verurtheilt werden sollten. Im Saale des Schöffengerichts erblickte man hinter der Planke außer jenem Völkchen, welches den Gerichtssaal als Wärmstube be- nützt, in buntem Durcheinander Ebelfrauen und Fräuleins, die Auserkorenen der angeklagten, noch nicht verheiratheten Ritter; auch die Zeugenbank wird nach und nach von ritter- lichen Personen besetzt; unter ihnen befinden sich als Erl- lastungszeugen noch einige Ritter, jedoch nicht in ihrer Stahlrüsturg. Hierzu g-sellten fich die Diener der hei- ligen H-rrnandad in Uniform und Zivil, sowie der Wirih vom„Goldenen Schwan" und das Ehegespons dieses Wirthes, dann die Geschädigten; der Hauskveckl des Gasthofes und ein Mielhsb.'wohner, der unverschuldeter Weise ritterliche Hiebe bekommen hat. Dem Charakter der Ritter entsprach es natürlich, sich selbst zu verthcidigen, weshalb Rechtsanwälte nicht bestellt waren. Den Advokatentisch oikupirtcn hier die drei Berichterstatter, während im Landgericht umgekehrt der T'sch der Berichtei statter von Advokaten als Ablegeplatz für Akten, Hüte, Pelz- und Winterrock, Gesetzbücher, Kommentare und andere nützlich, Dinge verwendet zu werden pflegt. Nach Aufnahme der Personalien der Angeklagten wurde den Herren Rittern vorgehalten, fie hatten zur angegebenen Zeit zwischen 10—11 Uhr in ihrem Kneipzimmer im 1. Stock desWafihauses ungewöhnlich stark gelärmt, weshalb der Wirth fich hinauf ver- fügt und abgewährt habe. Die Ritter hätten jedoch demselben nicht Folge geleistet und es habe Rede und Gegenrede die I Streitenden deiverseitS erbittert, zumal als der Wirth sich ! äußerte, die Ritter hätten noch so wenig Bier vertilgt, daß eS i sich bei all' dem Lärm, der gemacht werde, nicht einmal der Mühe verlohne, die Gesellschaft zu bedienen. Wenn das so fortgehe, könnten sie sich ein anderes Lokal suchen. DieS hieß die Ritterehre beim wunden Flecke treffen, denn Keiner wollte sich seine heldenhafte Leistungsfähigkett so herabwürdigen lassen. Ritter Kuttler trat vor und rüttelte an dem Fasse, welches fich im Kneipzimmer befand; dann fragte er nach dem Preise deS noch darin enthaltenen Gerstensaftes. Der Wirth aber gab eine Antwort, in welcher er die Solvenz der Ritter angezweifelt haben soll, worauf Kuttler, der noch immer, um den Inhalt des Fasses zu erforschen, daran rüttelte, dasselbe in der Erregung von seinem erhabenen Standpunkt Perabschleu- derle, so daß der Hahn herausfiel und daS edle Naß fich auf den Boden ergoß. Der Lärm steigerte fich durch diesen Zwischenfall immer mehr und der Wnth fühlte fich bewogen, nach der Polizei zu schicken. Dieser letzte Versuch des Ruhe- stiftenS war Oel rns Feuer gegossen, denn als die Polizei er- schien, war an Ordnung nicht mehr zu denken. Die ausge- wiesenen Ritter halten bereits Miene gemacht, ihre Kneiprequi- fiten gleich an sich zu nehmen, ein Vorgehen, dem sich der Wirth widersetzte. Es wird aher behauptet, der Wirth habe die Ritter zum wiederholten Male aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Die Polizei wurde von beiden Seiten mit einander widersprechenden ErklSiungen über den Hergang der Sache be« stürmt, so daß fich die Polizisten kein Urlheil zu bilden ver- mochten und ruhiges Nachhausegehen der Herren Ritter an- riethen. Dabei soll der Hausknecht Schneider im Hausflur einen Ritter geschimpft haben, wofür er von Anderen einige Hiebe mit Stöcken über den Kopf erhalten zu haben behauptet. Ali Hauptschuldige bei Verabreichung dieser Hiebe sind Meßner, Krauß und Döllinger bezeichnet. Kuttler soll auch das ins Rollen gekommene Faß noch die Stiege hinabgestoßen haben, was ihm als„grober Unfug" angerechnet wird. Der Kunst- tischler Scherbauer, der fich während des Vorgangs in seine Wohnung im zweiten Stock begeben wollte, hatte das Schlacht- seid zu vasflren, und es wurde gegen ihn die Neutralität ver- lctzt, indem er von Meßner mit einem bartenIGegcnstand einen Schlag an den Kopf erhielt, in dessen Folge er angeblich noch heute zuweilen von Schwindel befallen wird- Weiter liegt gegcn Rttter Krauß die Beschuldigung vor, dem Polizei- Soldaten Hofmann dadurch Widerstand geleistet zu haben, daß er ihn am Rock faßte und davon einen Knopf nebst einem Stück Tuch herausriß. Krauß erläut-rt, daß er Hosmann nur desbalb am Knopf erfaßt habe, um fick die Aufmerksamkeit des Beamten für seine Mittheilungen über den Hergang der Sacke zu fichern, dabei sei ein Gedrärge nach der Stiege zu entstanden und nun hat er fich an dem Knopfe fest- gehalten, um nicht hinabzufallen. Dadurch ser das Malheur entstanden. Einige Ritter, sowie Evelfrauen und Fräule ns bekunden, daß fie von der Polizei die Stiege hinabgewarfen morden seien, während fie, um ihre galanten Ritter besorgt, doch deren Hüte, Stöcke und Ueberzieher erst rn ficheren Ge- wahrsam nehmen wollten und also nrckt sogleich das Lokal ver- lassen konnten. Der Amtsanwalt halt sämmtliche Anllage- punkw aufrecht, während im llrtherl der Hausfriedensbruch selbstverständlich in Wegfall kommt und sämmtliche Angeklagte in diesem Punkte freigesprochen werden. Ebenso wird Kuttler in Betreff des gruben Unfugs freigesprochen, da nicht erwiesen weiden konnte, ob er das Faß absichtlich die Stiege hinab oder vom Stuhl herabgestoßen habe. Meßner wird vom Ver- gehen der„erschwerten' Verletzung am Körper des Hausknechts Schneider freigesprochen, dagegen wegen der an Scherbauer begangenen Körperverletzung zu 10 Tagen Gcfängniß ver- urihtiii. Ebenso fällt gegen Krauß der durch Knopfadreißen angeblich verübte Widerstand gegcn die Staatsgewalt weg und cs wird dieser Angeklagte nur in Gemeinschaft mit Döllinger, ein Jeder zu sieben Tagen Gefängniß verurtheilt, weil fie ven Hausknecht Schneider geprügelt hrben, auch müssen st- an den- selben eine Buße von 8 M. 50 Pf. zahlen. Tie Ritter tranken sodann noch Eines, ehe fie nach Hause gingen._ ichcr Redakteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eiue Beilage Beilage;uiu Berliner Boltsblatt. Nr. 1. Donrerstag. dcn i. Januar 1885. II. Jahrgang. Hebet* den Elwerb und Hutzen von Kolonien bringt das englische Blatt„Economist" folgenden inter- efianten Artikel: Das deutsche Volk wird sich, wie wir fürchten, enttäuscht sehkn in den Hoffnungen, welche das- selbe in der wilden Balgerei um unbesetzte Gebiete weiter- treiben. Tie Bewegung, welche aus dem Volke stammt und weniger von dem Fürsten Bismarck veranlaßt worden ist, entspricht drei Wünschen, von denen keiner vollständig er- füllt werden dürfte. Zunächst will die deutsche Nation ebenso groß und einflußreich in der ganzen Welt sein, wie sie es bereits in Europa ist. DaS ist ein ganz natür- licher Wunsch, allein Deutschland im Besitze von Kolonien und Hondelsfaktoreien wirdwahrscheinlich in Europa schwächer sein, als jetzt. Seine jetzige Stärke beruht hauptsächlich in der Konzentration, während der Besitz von Kolonieen es den Gegnern Deutschlands möglich machen wird/ daffelbe an zwölf Punkten zugleich anzu- greifen. Deutschland wird dann gezwungen sein, ent- weder eine große Flotte und eine Kolonialarmee mit großen Kosten zu unterhalten oder sein ganzes Wehrspstem so zu ändern, daß die Soldaten sich zu einer längeren Dienstzeit außerhalb des Landes verpflichten müffen. Die französische Flotte, welche im letzt?» Kriege nirgendwo angreifen konnte, würde dann genügend Anlaß zum Eingreifen erhalten. Und trotz all dieser größeren Anstrengungen würde Deutschland nicht flä'ker werden. Frankreich wurde in seinem großen Kriege mit England aller seiner Kolonien beraubt, weil England sofort in der Lage war, die Meere zu beherrschen und nur in dir Heimath selbst bc- droht werden konnte. Allein selbst England ist durch seine Kolonien nicht stärker geworden. Der zweite Wunsch der Deutschen geht dahin, ein neues Deutschland jenseits der Nieere zu gründ.n. Dieser Wunsch könnte erfüllt werden, allein dadurch würde die Stärke ins Mutterlandes nicht erhöht werden. Kolonien hoben stets das Bestreben, sich frei zu machen. Nordamerika vermehrte nicht die Kräfte Englands und revoltirte zuletzt. Südamerika schwächte Spanien und revoltirte ebenfalls, Brasilien half Portugal in keiner Wnse und erklärte sich unabhängig. Frankreich verliert durch den Besitz von Tunis und Algier nur Sol- daten und Geld. England empfängt nichts von seinen großen Kolonien und kann dieselben nur dadurch behalten, daß es ihnen volle innere Freiheit gewährt. Gelbst Indien theilt Englands Streitkräfte in demselben Maße, als cS sie stärkt und jedenfalls könnte Deutschland kein zweites Indien erwerben, ohne An- strcngungen zu machen, welche es daheim bedeutend schwächen würden. Der dritte Wunsch der Deutschen end- lich geht dahin, ihren Wohlstand zu vermehren. ES wäre möglich, durch Besetzung ausgedehnter Länder die Völker derselben deutschen Waaren zugänglich zu machen, allein dies bedingt die Einrichtung einer vollflän- digen Verwaltung sowie die Ei Haltung von Armeen und Flotten. Die bloße Aufhissung der Flagge t h u t e S nicht, denn die wilden Völker werden dadurch nicht kaufkräftiger und reicher an Bedürf- nissen. Die Ostindische Kompagnie hat die Erfahrung gemacht, daß in dem Augenblick, wo sie nicht nur Handel treiben, sondern auch regieren wollte, der frühere Profit verschwand. Die Havdelöstationen des Fürsten Bismarck werden auffallend ähnlich sein den Stationen der alten Ostindischen Kompagnie, und sie werden ohne Zweifel g e> wissen Firmen Geld bringen, allein nicht diejenige Art des Handels entwickeln, welcher eine Nation bereichert oder Märkte erschließt, Neujahr. R. C. Wer wohl diese Zeilen liest! Am heutigen Morgen wird es wohl nicht viel Leute geben, die sich mit besonderer Aufmerksamkeit ihrer Zeitung widmen, und wer wollte cS ihnen verargen? Heute ist ja der Morgen des privilegirten Katzenjammers, der Tag der guten Vorsätze und— Schrecken aller Schrecken— der äußerste Termin aller unbezahlten Rechnungen. Heute nahen uns alle diejenigen Leute, die wir nicht gerne sehen, deren Kommen uns' ein Greuel und deren Verschwinden uns Labsal rst.— Das neue Jahr hat begonnen, verflogen ist der Syl- vesterrausch, alle glänzenden Bilder, welche uns gestern der feurige Punsch hervorzauberte, sind verschwunden, in ödes, nebelhaftes Grau versunken. Nichts ist uns geblieben wre eine verschwommene Erinnerung, und Mancher, der gestern Abend noch längere, mebr oder weniger gut durchdachte Reden vom Stapel ließ, sagt sich heute halb beschämt und halb belustigt:..Alle Wetter, gestern hast Du aber mal wieder einen haarigen Blödsinn zusammengequasselt!" Dafür war es aber auch Sylvester und cS passirt ja auch alle Jahre nur einmal..... Und trotz alledem rst der Sylvester doch ern schöner Tag! Nachts, so gegen die zwölfte Stunde, wenn die Ge- müther einigermaßen erregt sind, ist es eine wahre Freude die biedern Berliner zu beobachten. Mit der friedlichen und scherzhaften Sitte des Hutantrerbens ist es wohl im Allgemeinen nichts mehr, erstens lvlrd es nicht geduldet und zweitens hütet sich jeder denkende Mensch, den fange- plätteten Zylinder an einem solchen Abend provokatorisch zur Schau tragen. Ob die Hutmacher damit einverstanden sind? Das ist füglich zu bezweifeln. Auf jeden Industrie- zweig kann leider nicht die gebührende Rücklicht genommen werden, schließlich werden bei derartigen Liebenswürdig- keitea nicht nur die Hüte, sondern auch die Köpfe gedenk- "ch ramponirt, und wenn die Hutmacher es erst verstchen werden, einen Kopf mit derselben Leichtigkeit auszubügeln wie e,nen Hut, dann ließe sich über die Wiedereinführung dieser urgemüthlichea Sitte vielleicht etwas mehr reden. Vorläufig aber wollen wir es getrost beim Alten laffen. Dagegen ist es gewiß ein herzerhebender Moment, wenn pttnklich um zwölf Uhr daS landesübliche„Prosit welche der deutschen Industrie einen wirksamen Anreiz geb-n würden. Die Nation, welche für den Schutz der Handelsstationen zahlen muß, wirv dadurch nicht reicher, wenn dies auch bei einer beschränkten Zahl einzelner Personen dir Fall ist. Diese Aussah- rungen seien, wie der„Economist" ausdrücklich am Schlüsse versichert, durchaus nicht zu dem Zwecke nieder- geschrieben, um den Versuch der Deutschen zur Gründung von Kolonien herabzusetzen. Nichts könne, für Europa besser sein, als wenn Deutschland reich und daher Kriegen immer mehr abgeneigt werde. Die Deutschen seien überdies die besten Kolonisten, ehrliche Händler und nicht Beförderer der Sklaverei, außerdem liegen der gegen- wältigen Bewegung tiefere Gründe zu Grunde, als bloßer Ehrgeiz, und dieselbe werde, so lange die Ilrsachcn vicht behoben würden, unwiderstehlich sein. Man blicke doch nur auf Rußland, welches in Asien ein ungeheures Reich gegründet und fünfmal so viel dafür ausge- geben hat, als der Handel einbringt. Dies befriedige das herrschsüchtige Rußland, bereichere eS aber nicht.__ KolMstke Uebersiekt. Eintausend achthundert und vier und achtzig Jahre find nach der christlichen Zeitrechnung verflossen. Welch' ein gewaltiger Zeitraum und voch wie verschwindend klein, in der Entwickelung de? Weltalls! Was kann wohl für den Kultur- freund näher liegen am Abschluß eines Zeitabschnittes, als ein Rückblick auf die gewaltigen Ereignisse der verflossenin Iaht- bündelte, welche mit eisernem Griffet cingeschrieden find ins Buch der Weltgeschichte. Und wenn unsere Augen auf die historischen Thatsachen der Vergcmgenbeit blicken, wenn wir schaudernd aus ihnen ersehen, daß der Weg zu der vechäliniß- mäßig niedrigen Kultur, zu welcher sich die Menschheit bis jetzt aufgeschwungen hat, über blutige Schlachtfelder geführt und mit Scheiterhaufen und Giäuelszenen aller Art bedeckt ist, so kann sich uns bei oberflächlicher Betiachtung wobl der Gedanke aufdrängen, daß der Weg bis zur höheren Kultur, zur Erkenntniß, daß das Menschenthum zu edlen und schönen Auf- gaben berufen ist, nur sehr schwer und erst in ferner Zukunft valfirbar sein wird. Wie viel edle Männer haben stch im Laufe der Jahrhunderte für ihre Ideen geopfert, wie viele sind von der Weit geschieden, ohne daß fie ihren Herzenswunsch, diel.Befreiung der Menschheit aus Geistcsnacht, in Erfüllung gehen gesehen haben? Niemand vermag fie zu zählen; ihre Zahl b:- trägt mehr denn Legionen. Nur die Namen der besonders hcroorrogenden hat uns die Weltgeschichte überliefert. Ader Alle hatten raube Wege zu wandeln, sie wurden von ihren Zeitgenossen wenig oder gar nicht verstanden, sogar verfolgt und gemartert. Tie Anerkennuira ist eine Pflanze, welche auck heute noch auf den Gräbern wuchert. Doch so trübe, wie einerseits das Bild erscheint, welches sich vor uns entrollt, so beruhigend und hoffnungs- freudig wird cs uns bei genauer Betrachtung stimmen. Wo find fie geblieben, alle Drejenizen, welche gegen jeden Fortschritt Front machten, welche da glaubten, daß es in ihrer Macht liege, die Menschheit in bestimmte Bahnen zu lenken? Auch über diese hinweg ist das Weltenrad gegangen, Keiner von ihnen war mächtig genug, in die Speichen zu greifen und daffelbe zum Stillstand zu bringen.— Langsam und allmälig entwickelte sich der Fortschritt, und wenn auch oft Perioden der Stockung eintraten, so wurden dieselben bald durch ein schnelleres Tempo der Kulturentwickelung reichlich überholt. Müßige Träumer find cs daher, welche heute Kassandra-Rufe ausstoßen, welche da glauben, daß der Gipfel- punft aller Kultur bereits! heute von der Menschheit erklommen und ein weiterer Fcrtschritt nicht denkbar sei. Es geht ihren, wie dem Passagier auf einem Dampfschiffe, welcher nur auf seinen Gefährten oder auf die Wände des Schiffes steht; er gewahrt nicht, wie die Gegenstände am Ufer nach und nach verschwinden und immer neue Formen auftauchen. Es kann niemals ein Stillstand eintreten; und selbst dann, wenn man Neujahr!" ertönt. Diesen Ruf erschallen zu laffen, muß doch ein ganz sonderbares Vergnügen sein, und derjenige Mensch, der sich darüber ärgert, hat entweder keine Ahnung von einer richtigen Neujahrsfeier oder er ist ein solcher Philister, daß er höchstens nnser Mitleid verdient. Ist eS nicht in jeder Beziehung durchaus nothwendig, beispielsweise schon von ll Uhr ab in der Leipzigerstraßc da« Erlöschen der elektrischen Lampen zu erwarten, um die- sen welthistorischen Augenblick endlich mit einem Indianer- haften Jubelgeheul begrüßen zu können? Demjenigen, der wirklich von dem Pflichtgefühl durchdrungen ist, daß das neue Jahr nur mit einem ganz besonderen Radau empfan- gen werden darf, dem wird cs ganz gleich sein, ob er sich jetzt bei dem Regenwetter einen„derben" Schnupfen holt oder ob er schließlich wegen nächtlicher Ruhestörung verhaftet wird. Verschnupft ist er heute Morgen jedenfalls in jedem Falle, aber das genirt nicht, ein polizeiliches Strafmandat ist für denjenigen, der in der Neujahrsnacht seine Aufgabe richtig erkannt hat, immer ein ehrenvolles und bleibendes Zeugniß treuer und redlicher Pflichterfüllung. Im Allgemeinen thut man viel sicherer daran, wenn man den frohen Tag entweder im Kreise seiner Familie be- geht, oder, wenn man über eine solche nicht verfügt, daß man den sicheren Platz in seiner Stammkneipe garnicht ver« läßt. Allerdings in der Familie wird die Sache manchmal etwas kostspielig. Karpfen sind aus gewissen Rücksichten nicht Jedermanns Sache, aber Heringssalat, Pfanrikuchen oder„Mohnpielen" müssen sein, und ein mehr oder weniger steifer Grogk muß dafür sorgen, daß alle diese Gegenstände im Magen»'cht zu trock.n liegen. Auch Blei muß ge- gössen werden, man will doch wenigstens etwas wissen, was da? neue Jahr bringt— das junge Mädchen betrachtet zweifelnden BlickeS das krause Metall,— wird der Aaser- wählte ihres Herzens nun endlich in diesem Jahre die nöthige Kourage finden, um vor Vater oder Mutter hin- zutreten, und frank und frei zu fragen, ob er sich mit ihr verheirathen dürfe? Ein Anderer sucht aus dem ge- ronnenen Blei zu ergründen, ob er wohl, wenn er über- Haupt Lotterie spielen würde, das große Loos gewinnen könnte? So sind die Wünsche verschi.den, jeder erhofft et- was Anderes von dem neuen Jahre, und wenn auch schließ- einen solchen mit Posaunen der Welt verkünden würde, so könnten wir oetcost mit Galilei ausrufen:„Und sie beweat stch doch."— Daium frisch auf ins neue Jahr! Unsere Hoff- nung auf eine bessere Zukunft kann keine trügerische sein, denn „was die innere Stimme spricht, das täuscht die hoffende Seele nicht!" Das erweiterte Unsallversicherunasgesetz. Aus der abgeänderten Fassung, welche ver Entwurf eines Unfall-Ver- ficherungs-Gesetzcs für die in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen in Folge der Anträge der Bundesraths�Ausschüsse erfahren hat, h�ben wir uns noch einige weitere Mittheilungen vorbehalten. Es würde aber viel zu weit führen, wenn wir alle Abänderungen bis ins Einzelne verfolgen wollten. So hat u. A. der umfassende zweite Ab- schnitt eine so eingehende Umarbeitung erfahren, daß wenig von der ursprünglichen Fassung stehen geblieben ist. In den meisten Punkten bat es sich jedoch nur um eine klarere und eingehendere Darstellung der cinze.'iren Bestimmungen gehan- delt. Hervorgehoben zu weiden verdient aber der von der „Ausstchtsfüh.ung" handelnde Paragraph(früher 34, jetzt 40). In dem ursprünglichen Entwurf hieß cs dort:„Dem Reichs- verficherungsamt treten vier nichtständige Mitglieder hinzu, von welchen zwei von den Genossenschaftsvorständen aus ihrer Milte und zwei vom Reichstag aus der Zahl der versicherten Personen gewählt werden." Diese Be- stimmung ist folgendermaßen abgeändert worden:„Dem Reichs- versicherungsamt treten vier nichtständige Mitglieder hinzu, von welchen je zwei von den Genossenschaftsvorständen und von den Vertretern der versicherten Arbeiter aus ihrer Mitte gewählt werden." Der„Schluß- und Straf- bestimmungen enthaltende letzte Abschnitt des Entwurfs ist ansehnlich erweitert worden. So sind u. A. folgende zwei neue Paragraphen eingeschoben worden:§ 56.„Die Mitglieder der Vorstände der Genossenschaften und die Mitglieder der Genossenschaftsausschüsse zur Entscheidung über Beschwerden, ingleichem die in Gcmäßheit des§ 39 ernannten Beauftragten und Sachverständigen werden, wenn fie unbefugt Betriebsgeheimnisse offenbaren, welche kraft ibreS Amtes oder Austrages zu ihrer Kenntniß g langt sind, mit Geldstrafe bis zu 1500 M. oder mit Gesängniß bis zu 3 Monaten bestraft. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag des Betricbsunternehmers ein."§. 57.„Die im§56 bezeichneten Personen werden mit Gesängniß, neben welchem auf Verlust der bürgerlichen Ehren« rechte«kannt werden kann, bestraft, wenn sie absichtlich zum Nachtheile der BetriedSunternchm-r Betriebsgeheimnisse, welche kraft ihres Amtes odrr Auftrages zu ihrer Kenntniß gelangt sind, offenbaren, oder geheim gehaltene Betriebscinrichtungen oder Betriebsweisen, welche kcaft ihres Amtes oder Auftrages zu ihrer Kenntniß gelangt find, so lange als diese Betriebs- gehcimniss« find, nachahmen. Thun fie dies, um stch oder einem Anderen einen Vermögensvoitheil zu verschaffen, so kann neben der Gefängnißstrafe auf Geldstrafe bis zu 3000 Marl erkannt werden." Neu ist auch der§ 58, welcher besagt:„Die Zentralbehörden der Bundesstaaten bestimmen, von welchen Staats- oder Gemeindebehörden die in diesem Gesetze dcn Höberen Verwaltungsbehörden, den unteren Verwaltungsbehörden und den Ort! Polizeibehörden zugewiesenen Ver- richtungen wahrzunehmen sind, ingleichem, zu welchen Kassen die rn den§§ 23, Abs. 2, 39(es handelt stch dort um die Ab- schätzuna zu den Gefahrenklassen und die Unfallrcrfichenmgs- Vorschriften) vorgesehenen Strafen fließen." Ueber die deutschen StaatSlotterien enthält das in Würzburg herausgegebene„Finanzarchiv" in seinem soeben er- N�cnen Schlußheft dieses Jahrgangs eine Aibeit des Geh. Rath Miicinawski. Aus der Zusammenstellung heben wir bervor, dcß das Einsatzkapital für jede Lotterie sich beziffert in Preußen bei rund 27 Millionen Einwohnern auf 13,728,000 Mark, in Sachsen bei 3 Mill. Einwohnern auf 18,135,000 Mk., ' Schwerin bei 577,080 Einwohnern auf 1,831,500 Mb, im Hcrzogtbum Braunschweig bei 349,367 Ein- wohnern auf 10,402,000 Mk., in Hamburg bei 453,869 Einwohnern auf 9,620,000 Mk., in Summa auf 53,716,600 Mk. D,e JahreSsummc belauft stch unter der Voraussetzung, daß in iedem Jahre zwei Lotterien gespielt werden, auf den doppelten Betrag, mithin auf 107,433.200 Mk. Er dürfte lich Jeder in dem großen Lotto des menschlichen Lebens eine Niete zieht, so sängt dieselbe Geschichte im nächsten Jahre wieder von vorn an. Im Grunde genommen ist wohl Jeder froh, wenn er glücklich ein Jahr zu Ende gebracht hat. Woran daS liegen kann? Ja, wer kann's wissen! Die Zeit, die wir er- lebt haben, ist eben unser unbestreitbarer Besitz, während über derjenigen, die uns noch bevorsteht, der ge- heimnißvolle Schleier der Zukunft ruht. Das Unbekannte reizt dcn Menschen bekanntlich ebenso sehr wie das Ver- botene, und deshalb steht man dem neuen Jahre immer mit einem gewissen neugierigen Vergnügen entgegen. Freilich heut' morgen ist das Vergnügen garnicht mehr so groß, die Welt macht wieder ihr alltägliches Gesicht, und 1885 sieht genau ebenso aus wie 1884. Auf die frohen Feste folgen nun wieder die sauren Wochen, und es bedarf unserer ganzen Willensstärke, um uns wieder zu rüsten zu dem Kampf ums Dasein, wozu wären denn die guten Vorsätze da, wenn sie nicht gefaßt und schließlich auch befolgt werden sollten. Allervings wird uns die Ausführung heute gerade vicht sehr leicht gemacht. Hat man z. B. ein paar gute Freunde, so sorgen diese gewiß dafür, daß heute morgen vielleicht der A-rger über ein paar recht sinnvolle Neujahrskarten den verhärtesten Katzenjammer noch übersteigt. Ländlich, sittlich, ein Vergnügen muß doch sein, und wenn es sich der Mensch gerade darin sucht, daß er am Neujahrs- morgen siine besten Freunde und Bekannten so recht aus Herzensgrund ärgert. Auch der Aerger hat ja schließlich seine Berechtigung. Doch weder hämische Nadelstiche noch Bosheiten sollen unS abhalten, der Zukunft mit möglichst frohem Blick ent- gegcnzusehen. Zu Kampf und Streit ist der Mensch ge- boren, wie man sagt, ohne den Streit giebt eS keinen Frie- den. Mag sein, daß der Mensch bioweilen in dem Kampf unterliegt, schließlich aber kommt er doch wieder oben auf, und deshalb braucht Niemand zu verzweifeln. Beim Bs- ginn des neuen Jahres aber schickt es sich am Allerwenig- sten, den Kopf hängen zu lassen, blicken wir frisch und un- entwegt in die Zukunft, und schließlich erhalten wir doch, was wir wollen'„Ein fröhliches neues Jahr I" \ wohl wenig bekannt sein, daß jährlich in die deutschen Landeslotterien 107 Millionen Mark eingesetzt werden. Dieselben werden wieder ausgespielt, doch kommen von den Gewinnen die Summen in Abzug, die der Staat für fich behält. Die jährliche Bruttoeinahme der Staaten beträgt für Preußen(Staatsetnnahme von 1 130 234 790 M.) 4 034 000 M. Sachsen„„ 123 773 955 SR.) 5 604 250 M. Braunschweig„„ 28 485 600 M.)l 169 000 TO. Hamburg„„ 36 935 177 TO.) 1 454 000 TO. Mecklenburg ca. 439 560 TO. in Summa also ca. 12V- Millionen Mark, dazu kommen weitere 5 371 660 TO. als Stempelabgabe für das Reich. Be- sonders deutlich zeigt sich in obigen Zahlen, wie die kleinen Staaten die Mäßigung, welche sich Preußen auferlegt, aus- nutzen und ganz unverbältnißmäßigc Einnahmen aus den StcatSlotterien ziehen. Der Staatshaushaltsetat des König- reichs Sachsen enthält sogar den Betrag von 48 825 TO. a>s Konzesstonsgeld für den Vertrieb der Loose in benachbarten Staaten, wo das Spiel in der sächsischen Lotterie zum Theil verboten ist. In dem Etat der Stadt Hamburg findet fich eine Einnahmeposition von 60000 TO. unter der Bezeichnung „Rekognition von den Pächtern der herzoglich braunschweigischen Landeslotterie". Frankreich. In Rocheforts„Jntranfigeant" wird gemel- det, daß die italienischen Radikalen, denen fich ein Theil der französischen Abgeordneten von der äußersten Linken ange- schloffen, Schritte bei der französischen Regierung gethan haben, um den Leichnam Felix Orsini's, des Attentäters auf daS Leben Napoleons Hl-, ausgehändigt zu erhalten, den sie in seinem Heimathsort TOeldolo in der Romagno bestatten wollen. Italien. Einer neulich erschienenen Schrift„Die Jta- liener im Auslände" entnehmen wir folgende Daten. Die meisten Italiener hat Frankreich, nämlich mit Algier und den Kolonien zusammen 274,825; davon sind 21,577 in Paris, 33,693 in Algier und 57,861 in Marseille. Dann kommt die Argentinische Republik mit 254,388, davon 103 595 in Buenos AyreS. Die Vereinigten Staaten zählen 170,000 Italiener, davon 20,000 in Newyrk; Brasilien 82,196, davon 17,570 in San Paolo; Oesterreich-Ungarn 43,875 davon in Trieft 16,202; die Schweiz 41,645, davon 19,603 im Kanton Tessin; Uruguay zählt 40,000, die Türkei 18,612, Egypten 16,302, davon die meisten in Alexandrien. Im ganzen britischen Reiche sammt seinen Kolonien giebt es 14,567 Italiener, davon 7189 in Großbritannien und Irland; Tunis zählt 11,106, Peru ca. 10,000, Spanien 8825, das Deutsche Reich 7096, davon in Preußen 1552(ausgenommen Heffen-Naffau, auf das 496 kommen). Zuletzt erscheinen Mexiko mit 6103, Monaco mit 3437 und Rußland mit 2938 Italienern. Die Zahlen beziehen sich auf den Stand von 1881. Rußland. Das Mtlitärbezirksgericht verurtheilte den früheren Beamten der Haupt-Militär-Medizinal-Verwaltung Wirklichen Staatsrath Karitzky wegen Bestechlichkeit bei Be- setzung von Aemtern in dem TOilitär-Medizinal-Reffort zur Ver- bannung in eine entfernte Gegend Sibiriens. Ter der Mit- schuld angeklagte Beamte des TOUitär-Medizinalwesens, Karl Fero, wurde freigesprochen. Nord-Amerika. Die Aemterjäger stellen fich schon jetzt bei dem neu erwählten Präfidenten ein. Die eiste Delegation, welche bei Cleveland vorsprach, um denselben um die Ecnen« nung eines Kandidaten zu einem Kabinetsposten zu ersuchen, war die von New-Jerfey, seinem Geburtslande, welche den Ex- Senator Stockton zum Marine Sekretär ernannt wiffcn wollte. Cleveland benutzte, wie es heißt, diese Gelegenheit, um zu er- klären, daß er dem genannten Ex-Senator keine Anstellung in der Regierung versprechen wolle, und daß er auch nicht durch persönliche Drenste, welche während der Kampagne geleistet worden seien, bei der Ernennung von Personen zu Regie- rungsämtern fich beeinfluffen lasten werde. Die meisten poli- tischen Blätter beschäftigen sich inzwischen mit der Zusammen- setzung des Cleveland- Kabinets. Deutsche Blätter meinen, daß Cleveland auch Schurz einen TOinisterposten übertragen werde. Das Repräsentantenhaus des nächsten Kongresses wird aus 180 Demokraten, einschließlich des Greenbackler Weller, der in Parteifragen mit ihnen zu stimmen pflegt, und aus 145 Republikanern bestehen. Kommunalem. Bei der Berathung über den Hochbau-Etat wird der Ma- Mrat auch über vre Frage zu entscheiden haben, ob der seit längerer Zeit in Aussicht genommene Bau eines großen Hospi- tals für alte Leute und einer Siechenanstalt für Männer im nächsten Jahre in Angriff genommen werden soll. DaS jetzt beiden Geschlechtern dienende Friedrich- Wilhelms-Hospital in der Pallisadenstraße reicht nach der„Nat.-Ztg." nicht mehr aus; eS besteht bereits eine Filiale in der Elisabethstratze, die eben- falls nicht genügt. Es wird deshalb beabsichtigt, daS Friedrich- Wilhelms� Hospital ausschließlich für alte Frauen zu bestimmen, das neue.Hospital, das an der Prenzlauer Allee, nahe der Stadlbahn, unweit von dem bereits beschlossenen Asyl für Die Verbissene. (Aus„Pester Lloyd.") Sie war niemals beneidensweith, die arme Elisabeth von Graven. Als Kind galt sie nicht für hübsch, und in der Schule, wo sie stets in der Mitte, nie ganz' oben oder ganz unten saß, mußte sie es oft genug hören. Ihre Nase war etwas zu lang, ihr Mund etwas zu breit, ihre Augen schienen um das zu klein, was ihre Ohrläppchen zu groß gediehen, ihr Haar floß in breiten, glatten Strähnen reizlos um die ein wenig durcb die Schläfenbeine nach außen gebreitete Stirne. Die Gestalt hatte allerorten etwas Eckiges, und als— in späteren Jahren— das Fletsch der„fernrne de trente ans" fich um die Knochen zu breiten begann, gab es der äußern Fonn nicht eine behäbige Abrundung, sondern folgte der Struktur in ihren Ecken und Winkeln, so daß die gute Dame wie eine Zeichnung der „Fliegenden Blätter erschien. Sie hatte viel Unglück, es war eigentlich mehr„Pech". Denn es wirkt nicht tragisch, sondern erheiternd, wenn man etwas für sich in Anspruch nehmen will, wozu einem weder Schönheit, noch Talent, noch Reichthum, noch Seelen- anmuth berechtigen. Wenn in den verschiedenen Kränzchen, an denen sie in ihrer kleinen schlesischen Heimathsstadt theilnahm(Schweivbach hieß der Ort, mit dem keine sechs anderen Städte um die Ehre buhlten, Elisabeth von Graven als Geburtsstätte gedient zu haben), wenn in den unterschiedlichen Gesellschaften ein junger Mann seine Aufmerksamkeit einen Augenblick ihr zu- wandte, um diejenige der Zuschauer für einen Moment von dem wahren Gegenstande seiner Verehrung abzulenken, so be- hauptete sie sofort, sie habe einen Heirathsanirag erhalten. Wer mit ibr sprach, sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigte, auf der Straße vom Wetter, im Ballsaale von der merkwürdigen Hitze redete, den brachte sie in Verlegenheit: er hatte ihr seine Liebe erklärt! Natürlich mußte sie ihn abweisen! So kam es dahin, daß fich ihr Niemand mehr zu nahen wagte. So brachte sie zahllose Liebespaare durch Eirtstellungen, Verdrehungen, durch theils unabsichtlich- eitle, dann überlegt-verleumderische Andeutungen auseinander, und endlich hielten fich nicht nur die Männer, sondern auch die Mädchen und Frauen von ihr kern. Den elfteren erklätte sie, deren Kourmacher machten ihr �ie Kour; den Frauen redete sie ein, man könne mit ihren Obdachlose entstehen soll, aber für Männer einzurichten und dagegen die Filiale zu schließen. Die Siechenanstrlt für Män- ner wird seit Jahren schon vermißt; die stechen Männer, für welche die Stadt zu sorgen hat, find jetzt in den mangelhaften Räumen des alten Waisenhauses an der Ecke der Stcalauer- und Neuen Friedrichstraße untergebracht. Der Magistrat hat beschlossen, auf dem Gesundbrunnen und zwar auf dem von der Giünthaler und Bellermannstraße begrenzten Terrain eine Pumpstation für das Radialsystem X. zu errichten. Da diese bauliche Anlage gleichzeitig eine seit langen Jahren schon beantragte Regulirung der genannten Straßen erfordert, so wird damit auch diesem Nothstande ab- geholfen werden. D o K» l e s. gs. Nichts Neues unter der Sonne. Es ist bekannt, daß einst Gölhe eines Hundes halber seine Stellung in Wei- mar aufgeben mußte. Ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem der Altmeister mit den Worten:„Mehr Licht", seine große Seele aushauchte. Unsere Beleuchtung hat seitdem frei- lich große Fortschritte gemacht, daß aber die Zeit des elek- trischen Glühlichtes noch nicht aus allen Köpfen die Finsterniß inhumaner Gesinnung verscheucht hat, beweist folgender Vor- fall. Ort der Handlung: Eine Fabrik für elektrisches Licht. Zeit: Zwei Tage vor dem Weihnachtsfcste. Ein Schlosser geht beladen mit einer Anzahl Maschinentheile über den Hof. Der große Hund des Fabrikbefitzers, der das Privilegium genießt, ohne Maulkorb auf dem Hof promeniren zu dürfen, verspürt das Verlangen, seine gewalligen Kinnbacken etwas in Thätig- keit zu setzen und wählt sich als Objekt die Beine des Arbei- ters. Zuspringen, die Hose zerfetzen und seine Fangzähne tief in die Wade einhauen, war das Werk eines Augenblickes. Unfähig, ein Glied zur Vertheidigung zu rühren, mußte der Arbeiter warten, bis es dem Hunde gefiel, rhn wieder freizulassen. Als dies geschehen, begab sich der Mann in die Fabrik, die Wunden nothdürftig verbindend und rathlos, was er mit seiner zerrissenen Hose anfangen solle, um mit ihr den Weg nach seiner Wohnung zurücklegen zu können. Um wenigstens an- dere vor gleichem Schaden zu bewahren, trug er den Fall sei- nem Prinzipal vor. Aber o Schrecken! Augenblickliche Ent- lassung war die Folge. Wie kann auch ein Arbeiter eS wagen, einen Lieblingshund zu denunziren! Eine solche Handlung ist ja in den Augen vieler Leute gleichbedeutend mit Auflösung aller Bande der Disziplin und darum mußte die strengste Strafe eintreten. Freilich wurde dadurch einer Familie die Festesfreude gründlich verdoibm. Aber was schadets?. Genug, daß es von den Kanzeln t nt:„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" n. Die Zulu-Kaffern-Karawane, hat sich, wie uns ein Berichterstatter, der die Wilden heute interwievte, meldet, be- reits im Castan'stben Panoptikum und zwar in einem voll- ständig abgeschlossenen Nebenraum häuslich eingerichtet und mit dem Jnstandsetzen ihrer Waffen und Hausgerätbe degon- neu. Die Zulus, den Pantic-Völkern im südlichen Afrika an- gehörig, sind sämmtlich sehr große kräftige unv schöne Gestalten. Die dunlle, schwärzlich pigmentirte Haut schimmert vom Segia- braun bis zum Blauschwarz. Ihr Kopfhaar ist dunkel, wollig und kurz geschoren, wie bei den Negern, während die Frau und das Äend längeres Haar haben. Die Männer tragen Perlcnschmuck und gerollte Panterfelle als Kopfbedeckung, wäh- rend die Prinzessin und ihr Kind Perlcnschmuck und kreuzweise ins Haar gesteckte Stacheln vom Stachelschwein tragen. Die Männer find mit einem Karoß oder Fellmantel am Oderköiper bekleidet, während sie um die Lenden Felle tragen. Die Prin- zcsstn trägt kostbare Felle um Brust und Lenden und einen eigenthümlichcn auö weißen Haaren angefertigten Knieschmuck. Hals und Brust bedecken Gehänge von bunten Perlen, ebenso zeigen die Arme Perlenschmuck in Form von Armspangen. Die aufgeworfenen Lippen und die starke Schädelbildung er- innern etwas an die Negerrace. Bei ihren Kriegs- und Jagd- zügen führen die Männer mannshohe, aus Ochsenhäuten ge- machte Schilde sowie Kricgskculen(Kirri), Wurfspieße(Asiagai) und kurze Speere mit eisernen Spitzen bei sich. Ihre Heimath ist der Dengandoo Krahl am Tugela River, dem Grenzfluß zwischen Natal und dem Zululande. Der Handel mit Wurst bildete u. A. den Gegenstand lebhafter Besprechungen des von einigen Tagen hier zusam- mengetretenen Vorstandes des Deutschen Fleischerverbandes, und zwar erstreckten sich die Erörterungen darauf, wie man der zu einem bedeutenden Handelsartikel gewordenen Wurst genügenden Schutz gegen die gerade auf deesem Gebiete fich sehr breit machende llnreellität angedeihen lassen kann. Der Handel mit Wurst ist jetzt gar keiner Köntrole unterworfen. Trotzdem in Berlin die Pferdewurstfabrik mit einem Dampf- wiege-Avparat arbeitet, findet man doch seltsamer Weise nir- f rds„Pferdewurst", dagegen läuft gefärbt« Schlackwurst in äffen m dle VerkaufSstätten. Daß durch derartige Zustande der ganze Industriezweig geschädigt wird, unterlag in jener Versammlung nicht dem leisesten Zweifel, andererseits aber glaubte man auch, daß die Abhilfe nicht allzu schwer sei. Vor Allem müßte durch Gesetz festgestellt werden, daß Wurst Ehegatten nicht plaudern, ohne unziemliche Geständnisse, für Jungfrauen verletzende Anträge anhören zu müssen. Leider verging unter sothanen Machinationen die Zeit. Alle Jugendgenosstnnen saßen warm unter der ehelichen Haube und zogen es vor, den nicht gefahrlosen Umgang mit der hochadeligen Dame Elisabeth von Graven zu meiden, da ihnen ein ungestörtes Familienleben annehmbarer schien, als die giftige und verbissene Konversation der Alles mit Spott und Geifer befleckenden weiblichen Natter. Nun kam ein neuer Abschnitt ihres thrtenreichen Lebens. Zunächst erklätte sie, daß sie nicht Heirathen gewollt und niemals Heirathen werde, weil sie von so altem ehrwürdigen Adel abstamme, daß die Vereinigung mit einem anderen Adeligen fast unmöglich scheine, mit einem neuen Geadelten ihr als eine Absurdität vorkomme und eine Verbindung mit einem, wenn auch reichen, doch einfachen Menschen, wie sie von ihren Jugendgespielinnen meist geschlossen wurde, fich ihr eben als eine Entheiligung ihrer ganz einzigen Person darstellen müßte. — Psu>, manche ihrer AltcrSgeno'stnnen hatten die Charakter- losigkeit soweit getrieben— nur schaudernd konnte sie es melden—, Juden zu Lebensgefährten zu wählen. Und es war kein göttliches Strafgericht nach der Hochzestsnacht über diese Verblendeten hereingebrochen. Ihre beaure du diable war nicht TagS darauf durch die Pocken zerstört, ihre Mitgift nicht von einer Handelskcists verschlungen, ihre gesellschaftliche Stellung durch diese Mesalliancen in nichts beeinträchtigt wor- den. Sie hatten noch ihre rothcn Wangen, die Elenden, sie zahlten ihre Modistenrechnungen, sie kamen in„Häuser", sie machten ein„Haus", man wendete sich nicht von ihnen ab, wie von Pestk-anken! Doui Jssus! Welch verkehrte Well! Und mit der sollte sie leben, sie, die niemals mit einem Juden unter einem Dache gesprochen, nie einem solchen die Hand gegeben, sie, Elisabeth von Graven, die ihren christlichen Stammbaum direkt bis— Anno 1 zurttckverfolzen konnte! Sie war niemals beneidensweith, die arme Elisabeth. Da sie nun, trotz vielerlei Elends und Jammers, so manches Glück um fich fest und unerschütterlich begründet fand und unendlich viel freie Zeit hatte, kam sie auf einen Einfall. Sie wußte, daß Herr Waldeniar von 3E., der ihre dereinst intimste Freundin, Fräulein Hermione von i). nach langem Liedeswerden heimgeführt, ein lockerer Zeisig gewesm. Lockere Zeisige find nämlich mit vollstem Recht alle, die es sein können. Ter Wald ist groß und der Lockrufe ertönen viele, daß man nicht immer unterscheiden kann, wer lockt, Herr Zeisig von Pferdefleisch nur unter der ausdrücklichen Bezeichnung „Pferdewurst" verkauft werden darf. Femer wurden Kontras bücher über den Bezug der Würste für den Wursthändler ver- langt, und ferner wurde als nothwendiz erachtet, daß der Wursthändler ebenso wie der Fleischer gezwungen werde, Kontrolbücher über die von ihm geschlachteten Schweine zu führen. Der Vorstand des Fleischerverbandes wird demnächst mit diesbezüglichen Vorschlägen hervortreten. Die sogenannten Kleinen Müggelberge bei Fried- richshagen werden, wie die„Nvrdd. Allg. Ztg." schreibt, innerhalb der nächsten Jahre nach Berlin transporlirt werden; allerdings nicht, um daselbst Aufstellung zu finden, sondern um als Zusatz zum Motte! zu dienen. Ein Unternehmer hat diese recht bedeutenden Hügel für die Summe von 8000 Mk. der Stadtgemeinde Köpenick abgekauft und läßt mit Eintritt der milderen Witterung von den Bergen aus nach der Dahme bin eine Drahtseilbahn bauen. Auf einem 5 Meter hohen Gerüst werden rechts und links je eine Schiene gelegt und auf diesen sollen die Wagen vermittelst einer Rolle gewisser- maßen hängen. Eine Dampfmaschine bewegt das Drahtseil, welches die Wagen zieht. Am Ufer entleerm die Wagen sich von selbst und auch die Füllung der Wagen wird, so weit es angeht, eine selbstthätige sein. Der Käuf.r dürfte kein schlechtes Geschäft machen, denn das Innere der Berge besteht aus Lehm und Thon. In größerer Tiefe dü'.ften auch Braunkohlen liegen, allein es darf die Abfuhr nur bis auf das Planum der angrenzenden Waldparzellen bewirkt werden. WaS Alles in der Welt zum Kauf angeboten wird. In mehreren hiesigen Zeitungen liest man feit einigen Tagen folgende Offerte:„Wichtig für die Geschäftswelt! Lübecker Manifestationliste von 1879—84, 1 TO. franko, versendet®. B. Lübeck." Ist das nicht eine schamlos zu nennende Sveku- lation, aufgebaut auf den Ruin seiner Mitmenschen? Jene Manifestationsliste wird ja zweifellos manchen böswilligen Schuldner enthalten, aber müssen auch Diejenigen darauf figu- riren, welche unverschuldet mit ihren Unternehmungen Schiffbruch gelitten haben? Es dürfte fich gewiß menschlicher aus- nehmen, wenn man den ruinirten Geschäftsleuten einen Weg zeigt, auf welchem sie wieder empor kommen können, anstatt sie durch Versendung jener ManifestationSlssten— öffentlich zu brandmarken. b. Auf den Fischmärkten blühte gestern das Geschäft; namentlich der Spittelmarkt war schwarz von Menschen. Alles wollte rogene Karpfen haben, denn Rogen bedeutet Gelb, und die armen Fische wurden etwas Ehrlrches gedrückt und ge- schunden, um ihren Inhalt zu zeigen. Auch bei dem Abwie- gen an den Ftschersländen in der Burgstraße und an der Fischcrbiücke wurden sie nicht gerade sanft behandelt. d. Der Kanarienvogel ist wohl der dankbarste Pflegling des Menschen. In Berlin kann man darüber interessante Studien machen. Aus Kellerwohnungen, aus engen Höfen und selbst zwischen den himmelhohrn Mauern des engen Kröge! schallt dem Vorübergehenden sein Gesang entgegen. Ja selbst in den halbvunklen, zur Sommers- und Winterszeit offen stehenden Gewo.ben der Flickschuster in der alten Rcetzengasse läßt er seine frohen Weisen ertönen- Die heute Morgen gemeldete Verhaftung eines hiesigen BanquierS T. ist, wie uns geschrieben wird, auf eine Anzeige wegen Nichtauslieferung gekaufter Papiere erfolgt, an denen Herr T. wegen anderweitiger Forderungen ein Retentionsrecht zu befitzen glaubte. Derselbe soll das streitige Objekt sofott zu gerichtlichem Depositum gegeben haben. Die Anzeige soll in- zwischen schon revozirt und die Freigebung des Verhafteten nur noch durch die formelle Feststellung des angegebenen That- bestandes aufgehalten worden sein. b. Der arabischen Trupp,, den Venni Zua-Zug, geht cs wie seiner Zeit dem Schab von Persten. Unsere west- ländischen Wohnungen und ihre Lebensgewohnheiten stehen in einem unversönlichen Gegensätze. In den wenigen Tagen ihres 5oierseins haben sie deshalb schon verschiedene Male ihr Hotel gewechselt, und man wird sie wohl schließlich in eine leer stehende Wohnung einquartiren müssen, um ihnen ein festes Domizil zu geben. DaS Schlachten und Kochen find Dinge, welche sich mit einem europäischen Hotel nicht ver- tragen. b. Für Originale ist Berlin lein Boden mehr. Soweit sie nicht aussterben, ziehen sie fich vom Metier zurück. Eine solche Figur, welche fich selbst penstonirt hat, war Robert mit dem Tambourstock. In früheren Jahren sah man ihn stets vor den Kasernen herumlungern, und sobald eine Gruppe mit Musik ausmarschitte, sich gravitätisch an ihre Spitze setzen. Ja, auf dem Rückmarsch zog er stolz mit in die Kaserne ein. Jeit einer Reihe von Jahren hat er dm Tambourstock in die Ecke gestellt; das heutige Berlin eignet sich nicht mehr für solche Harmlosigkeiten. Herr Neumann aus Stettin. Nicht allein dle Reichs- Hauptstadt, sondern auch die Nachbarstätte derselben ettreuen sich des zweifelhaften Vorzuges, von Hochstaplern und Bauern- fängern einer besonderen Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden. In Spandau war vor einigen Monaten der Inhaber von F. W. TietzeS Hotel garni gestorben, und die Wittwe beabstch- oder Frau Kuckuck? Auch Fräulein Hermione hatte in der Tanzstunde zuerst einen Herrn Geodät von Z. nicht widerwättig gefunden. Obwohl die jungen Eheleute schon zwei Kinder hatten und über die Walvflüge des.Herrn von X., wie über die ganz unschuldige Spielerei der harmlosesten der Jungfrauen, weiland Fräulein von?)., GraS gewachsen war, legte sich doch die hochadelige Elisabeth von Graven die Geschichte nach ihrer Redaktion zurccht und— sandte einen anonymen Bttef an die nichts ahnenden, in ihr Glück vettieften Ehegesponse. Die Wirkung war zunäüst eine fulminante. Szenen, dreitägiges Schmollen— Versöhnung— Verzeihung— Ver- Bei diesem ersten— später vielfach wiederholten— Ver- suche entdeckre leider Fräulein Elisabeth von Graven ihr schrift- stellerischcs Talent. Sie fand die geheimnißvollen Briefe, die sie gleich vergifteten Pfeilen, von rückwärts wie ein fliehender Patther, in die wett geöffneten Fenster der Behausungen Un- schuldiger schoß- p- ächtig stylifirt, novellistisch angebaucht. Um diese Z'it machte sie ihr erstes lyrisches Gedicht Es war im Herbst. Di- Blätter fielen. Ein leiser Wmd strich über die Auen- Da dichtete sie: Die Blätter fallen still.. Der Wind streicht durch die Auen, Ich weiß nicht, waS ich ich wrll, Ich ärmste aller Frauen!— Leider ist die deutsche Sprache so gefällig, jedem, der eine gewisse Schulbildung genoffen, zehn bis zwanzig Lynker gelesen, und der nicht ganz auf den Kopf gefallen, wodurch bekanntlich das Anschauungsvcrmogen verloren geht, ein weiteres Dutzend solcher Strophen»rnsenfret vorzustrecken. Sie„dichtete" demnach rasch einen halben Konzeptbogen voll gleicher Strophen, und sandte dieselbe an vre-„Deutsche Dichterballe". Mit der „Gartenlaube" der„Jllustrrrten Zrrtung",„Ueber Land und Meer" wollte sie nicht gleich anfangen, für diese mit Gedichten überhäuften und sehr— der Prosa zugethanen Blätter de- wahtte sie ihre reiferen Arbeiten. Solche erblickten auch sehr bald in Gestalt von dreibändigen Romanen, Novellen, Epen dos Licht der Welt. Litten sie auch alle an verworrmer Kompo- sition nebelhafter Charakteristik, so entbehtten sie doch gänzlich des Reizes der Neuheit. War auch die Fabel abgedroschen— neu waren die Stilfehler und Verstöße gegen Syntax und Grammatik. Dattn stand Elisabeth von Graven unerreicht da; das hatte noch leiner vor ihr gewagt. f. tlgtk, das Anwesen zu velkaufen. Anfangs Dezember erhielt dieselbe den Besuch eines recht anständig gekleideten Herrn, welcher etwa 28—30 Jahre alt sein mochte, sich als Herr „Gustav Neumann auS Stettin" vorstellte und die Abficht zu erkennen gab, das Hotel zu kaufen. Von seinem Vater, welcher Restaurateur in Stettin sei, erhalte er 12000 Thaler, seine Braut bekomm- eben so viel Mitgift, und das werde wohl zur Anzahlung und zur Führung des Geschäfts ausrerchen. Natür- lich fand die Befitzcrin des Hotels diese Offerte sehr annehm- bar, und der kauflustige Herr Neumann quartirte fich, um -inen Einblick in den Geschäftsbetrieb und den Umfang des- selben zu gewinnen, in dem Hotel vollständig ein. Er legte auch ein sehr weitgehendes Interesse für die einzelnen Geschäfts- zweige an den Tag, kontrolirte in Küche und Keller und lebte dabei einen herrlichen Tag. Daß alles„angeichrieben" werde, hatte er dem Hotelkellner gleich am ersten Tage klar gemacht und fich dab'.i auf eine angebliche Verabredung mit Frau T- berufen; natürlich mußte es der Kellner dem vertrauenswürdi- gen Heren, der ja nächstens sein Chef werden sollte, doch glau- ben!"—„Herr Neumann" korrespondirte auch sehr eifrig mit seinen Eltern in Stettin und am Ende der zweiten Woche seines Auf-nthait s konnte er mittheilen, daß seine Mutter selbst nach Spandau kommen werde, um sich das Hotel anzu- sehen. Am andem Abend ging auch Herr Neumann zum Empfange seiner Frau Mama nach dem Bahnhof; dieselbe kam jedoch nicht. Auch am zweiten Abend traf die Frau Mama nicht ein, aber am folgenden Tage würde fie bestimmt kommen. Bevor Herr Neumann am dritten Abende nach dem Bahnhof ging, entlieh er fich noch einen Regenschirm— und seitdem ist er auf Nimmerwiedersehen aus Spandau verschwun- den. Nachfragen bei der Polizeibehörde in Stettin haben nun ergeben, daß daselbst allerdings ein RestaurateurSsohn Gustav Neumann eriftirt, welcher jedoch zu der fraglichen Zeit Stettin ;ar nicht verlaffen hat und daher mit dem betreffenden Gaste n dem Spandauer Hotel nicht identisch sein kann. g. Der Kutscher beb FuhrwerksbesitzerS F. Müller aus Friedrichsfelde fuhr gestern Nachmittag gegen 2 Uhr mit seinem Arbeitswagen beim Umbiegen an der Ecke der König- und Spandauerstraße unvorfichtiger Weise auf das rechtsseitige Trottoir der Königstraße und zwar derart, daß die Deichsel- stange des Wagens die Schaufensterscheibe der im Hause Nr. 14 befindlich:n griechischen Schwammhandlung zertrümmerte. An- statt nun vom Bock zu steigen und mrt dem Beschädigten wegen Ersatz des Schadens Rücksprache zu nehmen, hieb der Kutscher auf die Pferde ein, so daß diese in rasendem Galopp die Königstraße nach der Kurfülstenbrücke entlang stürmten. Zwei Schutzleute waren aber noch schneller auf den Beinen; fie waren dem Fuhrwerk gefolgt und es gelang ihnen auch, die fserve mit großer Geistesgegenwart gleich hinter der Kurfürsten- rücke zum Stehen zu bringen, worauf die Sistirung des Kut- schers nach der Polizeirevierwache erfolgte. Zu bewundern ist, daß bei dem unqualifizirbaren Treiben des Kutschers keiner der zahlreichen Passanten verunglückt ist. a. In Bezng auf die Massenvergiftung bei den Tischlermeister Brodthogen'schen Eheleuten in der Freienwalvcr- straße Nr. 14, aus Anlaß der von diesen veranstalteten Tauf- feierlichkeit für ihr jüngst geborenes Kind, erfahren wir des Weiteren, daß die Ueberreste des Heringssalats auf Veran- lassung der Staatsanwaltschaft vom gerichtlichen Chemiker Dr. Bischof chemisch untersucht worden, da ohne eine solch« Unter- juchung fich bisher nicht die Veranlassung dcr Vergiftung hat feststellen lassen. Namentlich handelt eS fich um die Untersuchung der einzelnen Bestandtherle des Henngssalats: Oel, Essig, Gurken, Hei inge, welche von Frau C. direkt zur Bei ei- tung des Salats von einem in der Nachbarschaft wohnenden Materialhändler gekauft worden. Der Salat war in einer neuen irdenen Schüssel bereitet worden. Bei dem Genuß des- selben hat keiner der Gäste ein Unbehagen verspürt. N. Ergriffene Fuhrwerksdiebe. Zwei der Spezialität „Fuhrwerksdiebe" angehölige Langfinger find gestern Nach- mittag auf frischer That in der Prinzcnstraße ergriffen und dingfest gemacht worden- Dieselben hatten mit noch zwei an» deren Komplizen einen der Firma Buhrs, Langestraße 10, gehörigen und an der Ecke der Prinzen- und Schmidtstraße haltenden Wagen bestiegen und versuchten, mit demselben davonzufahren. Ihr verbrecherisches Treiben war so rechtzeitig entdeckt worden, daß es dem Kutscher mit Hilfe einrs Schutzmannes gelang, die Diebe einzuholen und zwei zur Haft zu bringen, während die beiden anderen entkamen. N. Der verstümmelte Krankenwärter Koch, der fich bisher im städtischen Krankenhause befand, ist am gestrigen Tage von dort als körperlich aeheitt, entlassen, aber sofort in die Abtheilung für Geisteskranke der königlichen neuen Charit« überführt worden. Koch hatte in letzter Zeit derartive wirre Gespräche geführt, daß man«rztlicherseitS zu der Ueberzeugung gelangte, Koch simulire nicht, sondern sei geisteskrank. Behufs definitiver Explorirung seines Geisteszustandes mußte seine Uebersührung in die genannte Anstalt erfolgen. N. Die Meldung Klein-Feuer führte gestern Vormittag 10 Uhr einige Ablheilungen unserer Feuerwehr nach dem Hause Neue Glünstraße 23. Daselbst war bei der verwittweten Frau Lieutenant Conradi eine Gardine in Brand gerathen. Um diese Zeit ereignete es sich. daß fie einen Brief vom Auslande, wahrscheinlich von einem eiligen Redakteur bekam. Ei; weigerte fich, ihn anzunehmen, weil die Adresse das Wort „Wolgeboren" trug. Sie erklärte dem Postboten: Da sie ihren Stammbaum bis auf Anno 1 zurückoerfolgen könne, fühle fie fich Hochwohlgeborcn mit einem h.. Daß eine neue Recht- schreibung aufzukommen rm Begriffe ser, habe fie nicht nöthig zu wissen, noch weniger sei fie verpflichtet, fie zu sanktroniren und so gewissermaßen die Ignoranz mrt einem Heiligenschein zu umgeben!(Buchstäblich historisch!) Inzwischen schickte ihr aber die„Deutsche Dichterhalle" ihre Gedicht- mit dem Bemerken zurück, solche Dutzendpoeste erhalle die Redaktion stündlich zehn Kilo, und der Verkauf der Makulatur sei ein viel einträglicheres Geschäft, als die Em- treibung der Adonnementsquvte! Unentwegt reimte die hoch- adelige Dame Elisabeth von Graoen weiter. Sie bereicherte die Post in einem halben Jahre um verhältnißmäßig erstaunliche Summen, und erstaunlich war die Zahl dcr Brief- und Post- pakete. die an fie zurückkamen. Am meisten ärgerte fie fich über den Mangel an Galanterie, die Rohheit der großen Blätter. Einfach gedruckte Formulare:„Wir bedauern, von Ihrer gütigen Einsendung keinen Gebrauch machen zu können!" das war alles, was man rhr an Gegenleistung bot. Da trat ein Wendepunkt in ihrem Schicksal ein. Eine kleine Räthselzeitung, die genau wußte, daß fie mit dem neuen Quartal eingehen würde, akzeptirte ein Gedicht von ihr. Mit fieberhafter Spannung erwartete fie wochenlang die Post, schnitt mit einem riefigcn Küchenmesser— um das elfenbeinerne Falzbein zu schonen— die bedruckten Bogen auf und— fand in dir letzten, überhaupt erscheinenden Nummer der„Räthsel- Loge" das Poem— eines wohlbekannten Dichters.— Haß— unauslöschlichen Haß widmete fie seit jenem Tage ihm, dem Glücklicheren!(Ter Redakteur hatte ihn um eine Gabe aus „seiner rühmlichst anerkannten Feder" gebeten.) Haß, ihm und allem Gedruckten. Esfig und Wermuth spielte fie auS ihrem Innern auf jedes Sonett, jede Ode, die ihr, mit Druckerschwärze bestrichen, unter die Augen kamen, rührten fie nun von Tobten oder Lebenden her. 8n dem nebenbuhlerischen, etwas langen Gedicht, daS Elisabeths schönste Hoffnungen so grausam zerstört, fand fich nun aber zu des Dichters Unglück ein, ja es fanden fich mehrere sinnentstellende Druckfehler. Elisabeth lachte Hohn. Beim Eintceffen der Feuerwehr war berellS jede Gefahr be- seitigt. Polizei-Bericht. Am 29. v. Mts., Nachts, wurde der Handelsmann Jacobi in der Friedrichstraße, unweit der Mittel- straße, von einer Droschke überfahren und erlitt dabei derartige innere Verletzungen, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— An demselben Tage, Nachmittags, gerieth der in der Königl. Eisenbahn- Werkstatt Lehrterstraße Nr. 23/24 be- schäftigte Schloffer Groß aus eigener Unvorfichtigkeit zwischen die Kurbel der Schiebebühne und einen Eisenbahnwagen. Hierbei erlitt derselbe einen Bruch des BeckenInochenS und mußte mittels Tragkorbes nach dem städtischen Krankenhause in Moabit gebracht werden. Am 30. v. Mts., Nachmittags, wurde die seit dem 27. v. Mts. vermißte Almosen-Empfängerin Teege in ihrer Wohnung, Potsdamerstraße Nr. 53, auf dem Bette liegend, todt aufgefunden. Dieselbe ist wahrscheinlich in Folge eines Schlaganfalls gestorben, und schien der Tod schon vor einigen Tagen eingetreten zu sein. Di« Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit sprang ein Lehrling in selbstmörderischer Abficht aus seinem im 5. Stockwerk eines Hauses der Taubenfiraße belegenen Zimmer auf den Hof hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach wenigen Minuten verstarb.— Zu derselben Zeit fiel ein un- bekannter, etwa 25 Jahre alter Mann vor dem Hause Koppen- straße Nr. 74 plötzlich nieder und verstarb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— An dem- selben Tage, Abends, gerieih in der Weißwaaren- Handlung von Kluge, Friedrichstraße Nr. 179 durch die Gasflammen das Schaufenster in Brand. Das Feuer wurde jedoch durch vor- übergehende Personen sofort gelöscht. GerirKtS' Rettung. Der außergewöhnliche Fall, daß ein fich in Uniform befindlicher Soldat vor den Schranken des Strafgerichts zu verantworten hat. trug fich gestern hier zu. Vor der sechsten Strafkammer hiesigen Landgerichts i stand ein Musketier, um fich auf die von ihm eingelegte Berufung wegen Beleidigung und Widerstand gegen einen Beamten zu verantworten. Das hiefige Schöffengericht hatte im Juli d. I. den Angeklagten für diese beiden Strafthaten mit einer Gesammtsttafe von fünf- zehn Tagen Gefängniß belegt. Zu dieser Zeit befand fich dcr Angeklagte noch in seinem Zivilverhältniß als Schlächtergeselle. Als die Strafkammer von dem erfolgten Eintritt desselben beim Militär Kenntnitz erlangte, entstand zwischen ihr und der Militärverwaltung eine Kontroverse über die Frage, ob die Bemfung vor dem Militär- oder Zivilgericht zur Verhandlung kommen solle. Schließlich fiel die Entscheidung mit Rückficht darauf, daß bereits ein Urtheil deS Zivilgerichts vorliege, diesem auch die wettere Erledigung der Sache zustehe. Äm Abend des 15. Mai 1884, an welchem Tage die Mastviehaus- stellung hier stattland, sammelten fich«ine große Anzahl Echlächtergesellcn vor dem verschlossenen Thorweg des Vieh- Hofes, der zu ihren Schlachthäusern führt, an und wurden, da ihnen nicht geöffnet wurde, sehr unruhig. Der Angeklagte soll bei dieser Gelegenheit öfter auf den Zaun geklettert sein und auf die Aufforderung des Schutzmannes Pape von hinter dem Zaune aus ausgerufm haben:„Ach quatschen Sie nicht!" Als demnächst das Thor geöffnet ward, soll er fich der Aufforderung der Schutzleute, ihnen zur Wache zu folgen, durch Entgcgenstemmen widersetzt haben. Der Angeklagte räumt ein,_ eine ähnliche Aeußcrung ausgestoßen zu haben, die sich aber nicht auf einen Schutzmann, sondern auf Aeußerungen, die aus dcr Menge ae- fallen find, bezogen haben. Betreffs des Widerstandes be- hauptet er, gleich nach Oeffnung des Thors von den Schutz- leuten sofort am Kragen gefaßt und fortgeschleppt worden zu sein, nachdem Schutzmann Ratzel mit den Worten„das ist er" auf ihn gezeigt hatte. Der letztgenannte Beamte belastete auch in der Berufungsinstanz, in weicher 4 Entlastungszeugen die vom Angeklagten aufgestellte Version bestätigen, den Ange- klagten und behauptete, daß er denselben durch eine Ritze im Thorweg bemerkt und wahrgenommen habe, wie er die inkri- minirte Aeußerung gegen seinen Kollegen ausgestoßen habe. Darauf aufmerksam gemacht, daß der Angeklagte von innen heraus seinen Kollegen ja gar nicht hätte sehen können, trat der Schutzmann mit der neuen Behauptung auf, daß der An- geklagte auf den Zaun geklettert gewesen und die Beleidigung von dort auS ausgesprochen habe. Der Gerichtshof er- kannte bei dieser Sachlage unter der Annahme, daß auf die unklare Aussage des Schutzmanns ein Werth nicht zu legen sei, auf Aufhebung des ersten Urtheils und Freisprechung des Angeklagten. Wegen Widerstands nnd Beleidigung des Nacht» Wachtmeisters Batsch war der Kellner Killer vom hiefigen Schöffengericht, und zwar auf die Aussagen des Batsch und des Nachtwächter Todt, zu vier Wochen Gefäng- n i ß verurtheilt worden. In der vor der sechsten Strafkammer hiefigen Landgerichts l. verhandelten Berufungsinstanz wurden eine Anzahl hochachtbarer Enttastungszeugen vernommen, die im Gegensatz zu den Bekundungen der Beamten ausgesagten, daß der Nachtwachtmeister Batsch den Angeklagten zu Boden Sofort hektographirte fie an den Briefkasten-Redakteur der„Fliegenden Blätter", der„Wespen", des„Kladderadatsch", des„Schalk", des„Ulk" und an zehn im Entstehen begriffene Witzblätter, die am 1. Oktober schon ihre Prospekte versandt hatten. Sie hatte denn auch nach vierzehn Tagen die Freude, in den„Wespen" folgende Notiz zu lesen: Schweidbach. E. v. G. Es ist in der That bedauerlich, daß es in Deutschland Leute von bedeutendster Unbedeutenhrit zu einem bedeutenden Namen bringen, ohne orthographisch schreiben zu können. Daß JuliuS Wolff Fluth ohne h schreibt, und Baumbach Blüte(statt Blüthe) auf„o Du meine Güte" reimt, ist in der That, wie Sie so fein empfunden ausdrücken, grauenhaft. Die Nachwelt wird diese Leute schon auf ihr richtiges Maß reduzircn. So ist E. v. G. gedruckt worden. Seitdem beschränkt fie ihre schriftstellerische Thätigkeit nur auf anonyme Denunziationen. Sobald in einem über Nacht entstandenen Theater- Feuilleton ein Lapsus untergelaufen, telegraphirt fie an Julius Stettcnheim. Die Gelehrten des „Kladderadatsch" werden von allen Ignoranzen der Autoren GermantaS sofort in Kenntniß gesetzt, wenn sie auch noch so sichtlich nur der Setzer verschulvet. Sie sammelt die„Stil- blüten" und schickt sie an die Redaktion des„Magazins sür alle möglichen Litteraturen". Sieht fie, daß ein Autor von Rang und Klang, dem auf diese Weise nicht schadend bcizukommen, in einer Redaktion wohlgelitten und ständiger Mitarbeiter eines Blattes ist, so schreibt fie an den Chef Herrn F. G, der so oft gedruckte Schriftsteller habe fick über ihn geäußert. er pflege in Kaffee- Häusern metallene Löffel mitgehen zu heißen. Herrn E. P. verkündet sie, sein Korresponoent A. H. habe ihn öffentlich Mörder rc. genannt. Einem dritten meldet fie, der Verfasser des letzten Artikels über die„Wanzen in der Litteratur" habe notorisch die Unfähigkeit des Ausnehmenden nachgewiesen.— So heschäftigte sie sich angenehm und schändlich. Sie ist run- zelig, alt, gelb vor Acrger geworden, und bald macht es ihr selbst keine Freude mehr, andere anonym zu argem. Ach, auch die edelsten und schönsten Unterhaltungen des menschlichen Daseins nutzen fich ab. Das Wort:„Ist nur am großen Mann was klein, gleich— wähnt der Kleine groß zu sein" findet nicht einmal im stillen mehr feine Anwendung auf fie. — Elisabeth von Graven, die arme Verbissene, war eben nie- mals bencidenswerth. geworfen hat, obwohl dieser fich gar nicht gesträubt hatte, mit- zugehen- Auch in diesem Falle hob der Gerichtshof das ver- urtheilende erste erste Erkenntniß auf und erkannte auf kosten- lose Freisprechung des Angeklagten. Acheiterbemguug, vereine uuü WrBAMMWngen. Ausruf. Die Allgemeine Krankenkasse, eingeschriebene Hilfskasse Nr. 32 zu Altona, hat tn dem neu revldirten Statut folgenden Passus aufgenommen:„Arbeiter, welche von anderen Orten Deutschlands nach unserem Kassenbeziik verziehen, sollen ohne Unterschied des Altecs alS vollberechtigte Mitglieder eintreten können, wenn dieselben nachweisen, daß fie einer freien eingeschriebenen 5zilfskasse angehören, bis zur Meldung ihre Betträge berichtigt und von dem damit beauftragten Kassenarzt ein Gesundheitsattest beigebracht haben, wenn die Kasse, der fie angehört haben, den Mitgliedern der Allgemeinen Krankenkasse durch Vertrag dieselben Vergünstigungen einräumt.— Die Berufskassen können nur verpflichtet werden, Diejenigen aufzu« nehmen, die deren Beruf angehören."— Hierauf Bezug neh- mend, richten wir an alle freien eingeschriebenen Hilfskaffen Deutschlands die Aufforderung, in diesem Sinne fich mit uns zu verbinden, und glauben wir dadurch einem längst gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen. Auf dem in Berlin abgehaltenen Kon- greß waren bereits mehrere Kassen mit ähnlichen Bestimmungen vertreten, dieselben ersuchen wir, sofort mit uns in Verbindung zu treten; die Kassen, die derartiges noch nicht haben, ersuchen wir, in nächster Zeit ein Aehnliches zu veranlassen. Unsere Kasse zählt 11 000 Mitglieder, und halten wir uns im Gemein- interesse zu diesem Schritt verpflichtet. Der Vorstand der All- gemeinen Krankenkasse. L I. Levinson, Vorsitzender, Gr. Frei- Heft 18 l., Altona. Der Vorstand der Zentral-Kranke«- und Sterbekasse der Fabrik- und Haudarbeiter b. G.(E. H) Dresven, Ver- wattungSstelle Berlin, giebt den Mitgliedern der Kasse, sowie allen Interessenten bekannt, daß in folgenden Zahlstellen jeden Sonnabend Äbmd von 8—10 Uhr Beiträge entgegengenommen, sowie Aufnahmen vollzogen werden können: 1. Prinzenstraße 93, Lokal von Heilgans; 2. Andreasstraße 3, Lokal von Stange; 3. Adalbertftraße 74, bei Kayna; 4. Ackerstraße 25, bei Herzog; 5. Pritzwalkerstraße 14(Moabit), bei Ohst; 6. Weißer.burger- straße 7, bei Mcy; 7. Chaussecfiraße 78, Ecke Boyenstrahe, bei Müller- 8. Weinstraße 23, bei Hebel; 9. Laustyerstraße 52, Ecke Skalitzerstraße, bei Riesche; 10. Mariendorferstraße 11, bei Busse; 11. Magdeburgerstraße 16, bei Hildebrandt. Zentral-Kranken» uud Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter(E. H. 3), örtliche Vermal- tungsstelle Berlin c., Hallescher Thor-Bezirk. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß zum 3. Januar 1835 eine neue Beitrag- sammlerstclle eröffnet wird, also jetzt 3 Beitragsammler funk- tioniren, und zwar 1) Bellealliance- Platz 6 bei Hilscher, 2) Blumenthalstraße 5 bei Schmarr, 3) Gneiscnaustraße 17, Ecke Solmstraße, bei Lindenborn. An diesen 3 Stellen werden jeden Sonnabend Abend von 8—10 Uhr Beiträge entgegen genommen und neue Aufnahmescheine ausgegeben. Neue Bitcker find nur in Empfang zu nehmen beim Ortskasfirer Wilhelm Kolbm, Bellealliance- Platz Nr. 8, Quergebäude, links, 4 Treppen; auch werden nur an dieser Stelle die Mel- düngen der Kranken angenommen, sowie Kranken-Unterstützung ausgezahlt. Für die Orts-Verwaliung: Karl Böhm, Johan- niterstraße Nr. 10. Den neu eintretenden Mitgliedern der Zentral« Kranken-«nd Begräbnifikaffe der Buchbinder uno verw. Geschäftszweige zur Nachricht, daß die letzte Ausgabe der Bücher(siehe Inserat) am Sonnabend Abend und Sonntag früh stattfindet und wird noch darauf aufmerksam gemacht» daß Jeder nach Neujahr im Besitze seines Buches sein muß, um cvent. Unannehmlichkeiten vorzubeugen. Ferner machen wir alle Mitglieder auf die Zahlstellen unserer Kasse aufmerk- sam, welche Naunynstraße 60 im Keller und Blumenstraße 29 im Laden find. Die Central Kranken» und Sterbekasse der Tischler und gewerblichen Arbeiter beschloß in ihrer letzten Mit- glieder-Versammlung, wegen des enormen Andranges zur Kasse. vom Januar 1885 ab 6 Zahlstellen einzurichten, in welchen an jedem Sonnabend Abend von 8 Uhr die Beiträge angenommen und neu- Mitglieder aufgenommen werden. Zu gleicher Zeit wird noch darauf hingewiesen, daß fich auch bei der Kranken- lasse eine Frauen-Sterbekasse befindet, und können die Frauen auf den genannten Zahlstellen ebenfalls aufgenommen werden. DaS Eintrittsgeld beträgt 1 Mark, der vierwöchcntliche Beitrag beträgt 25 Pfennig. Das Nähere auf den Zahlstellen von den Bettragsammtern. Die Zahlstellen befinden sich in folgenden Lokalen: Gubcnerstraße 2 bei Schabrodt; Fcuchtstraße 69 bei Dommrich: Gr. F-ankfutt-rstr. 116 bei Kalisch- Langestr. 90 bei Pol,- Lichtenbergerstr. 17 bei Weck; SchilÜngstr. 30a hei Koepmck, Ecke der Magazinstr. Die Mitglieder der Zentral-Kranke«. und Begrab» «ißkasse für Krane« u. s. w.(E. H. Nr. 26, Offenbach) Verwaltungsstelle Berlin, welche noch nicht im Befitze ihres Mitgliedsbuches find, werden aufgefordert, dieselben biS spätestens den 4. Januar vom Kasstrer: P. Schneider. Blumenstr. 29, pari, abzuholen. Zu gleicher Zeit machen wir aufmerksam, daß Sonntag, den 18. Januar, Nachmittags 3 Uhr be, Gratwerl, Kommandantenstr. 77—79, die 2. Hauptver- (ammlung stattfindet. Mitgliedsbuch legitimirt zum Eintritt. I. A.: P. Schneider, Blumenstr. 29, pari. Die Metallarbeiter Deutschlands hielten vom 25. bis 28. Dezember in Gera ihren Kongreß ab. Beschickt war der» selbe von 45 Delegirten aus allen größeren Städten Deutsch» lands und vertraten dieselben ca. 12 000 in diverse Fachvereine organifirte Metallarbeiter. Als Hauptthema stand die Frage zur Dtskusston: Allgemeine Metallarbeiter- oder Branchcn-Or- ganisation? Nach langer ermüdender Debatte, in welcher für beide Richtungen mit Ausdauer und Eifer eingetreten wurde, einigte sich der Kongreß schließlich auf Grund folgender Reso- lution:„Der Kongreß erklärt: Die gewerkschaftliche Vereins- gung der Arbeiter allein kann eine durchgreifende Umgestaltung unserer heutigen Produktionsverhältnisse nicht ermöglichen, jedoch ist eine zeitwellige Verbesserung der Lage der Arbeiter zu erzielen, sobald eine Organisation sämmtlicher Metall- arbeiter herbeigeführt wird, und zwar dadurch: a, daß in allen Orten Deutschlands die Gründung von allgemeinen Metallaibeiter-Fachvereinen angestrebt und durchgeführt wird; d. wo jedoch örtliche oder gesetzliche Hindernisse der Gründung von allgemeinen Metallardeiter-Fach- vereinen entgegenstehen, muß die Gründung von Branchen- Organisationen(Berufsgenossenschaften) in die Hand genommen und durchgefühlt werden." Diese Resolutton wurde einstimmig angenommen und war damit die Hauptfrage erledigt. Der Kongreß trat sodann in die Diskusston über die Frage ein: Zentralisation oder lokale Vereinigung? Die Mehrheit ent- schied fich für Zentralisation, und wuidc eine Kommisfion ge- wählt und beauftragt, einen Organisationsplan für die öffent- liehe Diskusfion vorzubereiten. Am 27. Abends hielt einer der anwesenden Berliner Delegirten, Herr Fritz Görckt, im Kaiser- saalc einen öffentlichen Vortrag über dre Nothwendigkeit fach« genossenschaftlicher Organisaiionen. Die Versammlung, welcher sämmtliche Metallarbeiter-Delegirtm beiwohnten, war ungemein zahlreich besucht und nahm den ungestörtesten Verlauf. Der Verein der Einsetzer(Tischler) Berlins hält seine statutenmäßige Generalversammlung Sonntag, den 4. Januar 1885, Vormittags 10 Uhr, im Vereinslokal, Holzmarkistr. 3 bei Sonncck ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Kassen- und Rcvistonsbericht. 2. Wahl deS ersten Vorfitzenden. 3. Publikation der gestrichenen Mitglieder. Der wichtigen Tagesordnung halber ist jedes Mitglied verpflichtet zu erscheinen. Quittungs- buch legitimirt. Neue Mitglieder werden vor und nach der Versammlung aufgenommen. Wevmiscktes. Ein Wundermann. Ein Sensationsprozeß kam kürzlich vor dem Landgericht in Würzburg zur Verhandlung, welcher ein schauerliches Bild von Aberglauben und Verdummung ent- rollte. Auf der Anklagebank saß der dreißig Mal vorbestrafte Franz Schmitt, 40 Jahre alt, Barbier auS Mainsondheim, unter der Anschuldigung von fünfzehn Verbrechen des Betruges. Schmitt erklärte, früher Lump gewesen zu sein, und will jetzt ein solider Mensch sein, der die„Gnade Gottes" erlangt habe. Zu jeder Zeit stehe er mit der Mutter Gottes und.der helligen Dreifaltigkeit in Verbindung und will die„Geistcsfiimmen auf der rechten Seite hören. In seinem Verhör ließ er solche„Geistesstimmen" vernehmen, wobei er die Arme auSbrettete und die Augen himmelwärts richtete. Jeden Paffus schloß Schmitt drei Mal mit den Worten:„Diese hat gesprochen die heilige Dreifaltigkeit." Diese„Spiritistereien" ließ der Vorfitzende nur vormachen, um zu ersehen, wie dieser Mensch bei den Kranken aufge« treten ist. Am 11. März v. I. lernte Schmitt den Pfarrer(!) Bandorf von Lülsfeld kennen, indem er an denselben ein LooS der Giestnger Lotterie verkaufte mit der Vorspiegelung, er helfe mit seinen„Mitteln", daß das LooS gewinne. Da dieS jedoch nicht erfolgte, sagte der„Wundermann", es käme daher, weil in der Kirche das Alleihdlipste gestohlen worden sei. Von da an stand Schmitt mit dem Pfarrer im regen Verkehr, der ihm sogar ein„Zeugniß" ausstellte, in welchem er den rc. Schmitt als einen braven Mann schilderte, welcher Krankheiten aller Art wirklich heilen könne. Schmitt veranlaßte den Pfarrer auch zur Erbauung eines großen Spttals, welches 60,000 Mk. Kosten verursacht hat. Aber Geld war nicht vorhanden, und die Bauleute bekamen nichts. Als bei dem Pfarrer eine Pfändung vorgenommen worden, verkündete Schmitt wieder «ine„Geistesstimme":„Die heilige Dreifaltigkeit habe gesagt, wer einen Geistlichen pfände, oder ihm nur ein Buch weg« nehme, sei des Tode?" Auf mehrere Eingaben des Klerus wurde der Pfarrer durch Beschluß deS bischöflichen Ordinariats suspendirt. Pfarrer Bandorf unternahm sodann mit dem „Gottesmanne" eine Reise nach Rom, um den untcrftänkischen KleruS sogar beim Papste zu verklagen. Allein beide fanden beim Vatikan keinen Einlaß, und so mußten fie unverrichteter Sache wieder abziehen. Einige Zeit später wurde Pfarrer Bandorf in die Kreisirrenanstalt Werncck gebracht. Eine Menge von abergläubischen Bauersleuten bat der„Wunder- mann", welcher zweispännig auf seine Praxis gefahren ist, gleichfalls geprellt. Der..fromme" Mann wurde zu 3 Jahren Zuchthaus, 1800 Mk. Geldstrafe sowie zu 5 Jahren Ehrverlust verurtheitt/ Aus Schlesien. Kattowitz. Das schlimme Geschick eines unschuldig Verurtheilten macht hier Aufsehen. Anfang Oktober d. I. wurde ein Bierkutscher einer hiesigen Brauerei auf das belastende Zeugniß der Ehefrau eines Kollegen hin vom Schöffengericht schuldig befunden, seinem Diensthern Vj Hektoliter Bier entwendet zu haben, und deshalb zu einem Tage Gekäng- niß verurtherlt. Diese Strafe hat der Betreffende, der in Folge seiner Verurtheilung seines Dienstes in der Brauerei verlustig gegangen ist, bereits oerbüßt, und bis jetzt ist es ihm dieser Be- strafung wegen nicht gelungen, ein anderweitiges Engagement zu finden. Da meldeten sich, von Gewiffensbiffen gequält, zwei Arbeiter aus der Nachbarschaft und bekannten, daß sie das in Rede stehende Bier gestohlen und gemeinschaftlich getrunken haben. Auf Grund dieses Bekenntnisses wird nunmehr die Wiederaufnahme des Verfahrens zu Gunsten des verurtheilten Bierkutschers stattfinden, wogegen die beiden Arbeiter stch vor demselben Gericht wegen des Bicrdiebstahls zu verantworten haben werden.— Lber-Glogau, 24. Dezbr. Der in Verlust gerathene Postbcutel mit einem Inhalt von 5100 M. ift nachträglich gefunden und dem Bestimmungsorte zugesandt worden, worüber dem hiefigen Postamte die Empfangsbescheinigung zuging. Lüttich- Nachdem die Budgetkommisston der Stadt Lüttich beschlossen hat, die Flügel und PianinoS— als Luxus« gegenständ— mit einer Sleuer zu belegen, wird jetzt in den 16 000 Häusern der Stadt die Zahl dieser Instrumente genau festgestellt. Wenn man in anderen Städten eine ähnliche nütz- liche Steuer einführen möchte, dann würde der nerventödtenden Klimperei wohl bald ein Ziel gesetzt werden. Hanau, im Dezember. Am 4. Januar 1885 find es hundert Jahre, daß Jokob Grimm das Licht der Welt erblickte. Hier in seiner Vaterstadt soll dieser den»würdige Tag be- sonders festlich begangen werden. Nachmittags 4 Uhr findet eine Festvorstelluug in den Räumen des Stadt-Theaters statt, welche durch einen Vortrag von Professor Dr. Bartsch aus Heidelberg eröffnet werden wird. Es gelangt ein von dem in Frankfurt lebenden Dichter Wilhelm Jordan verfaßtes Fest- spiel zur Aufführung, in welchem hervorragende Frankfurter und hiefige Künstler und Künstlerinnen mitwirken werden. Hierauf folgt Abends um 8 Uhr Festbanket in den Sälen„zur großen Krone" und Festball. Keieföastea der Jiedaltioa. E. L. Muskauerstr Polysperme Pflanzen find Gewächse, welche eine große Menge Samen in einer Frucht enthalten. Deshalb heißt der Mohn eine polysperme Pflanze. R. R. Franseckistr. Es ist uns überhaupt kein Bericht zugegangen. O. tu P. Anfragen an die Konsulat« deS deutschen Reiches im Auslande werden, wenn möglich, durch kostenfreie Briefe beantwortet. Wenn eine Leistung des Konsulats Kosten verursacht, so wird dasselbe den Anftagenden gewiß vorher da- von verständigen, was er eoent. zu bezahlen hat. Wette. Die Meininger hielten im Jahre 1866 zu Oesterreich, dezw. dem deutschen Bunde. Die Besetzung des Landes durch preußische Truppen fand sm 19. September deS genannten Jahres statt, am folgenden Tage legte der Herzog Bernhard die Regierung nieder, die sofort von dem preußenfreundlicher gesinnten Erbprinzen Georg übernommen wurde. Sind Sie nun zufrieden? «ommenttrinker. Die Erklärung der Kneipgcbräuche und die wichtigen Formalitäten d:S Salamanderreibens können wir Ihnen im Briefkasten nicht geben, da unS zur Darstellung dieser ebenso schwierigen wie sinnreichen Materie der Raum fehlt. Theater. Königliche» vv«rubau»: Donnerstag: Rienzi, der letzte der Tribunen._____ Königliches Tckansvielhan»: Donnerstag: Die Piccolomini. Vorher: Wallenstein'S Lager. _ Freitag find die Königlichen Theater geschlossen._ Deutsche» Theater: Donnerstag: Don Carlos. Freitag: Der Probepfeil._ Belleallianee-Theater; Donnerstag: Der Raub der Sabinerinnen, Schwank in 4 Akten von Franz und Paul Schönthan. Freitag: Dieselbe Vorstellung.__ Kene» Krtedrich.WUHelnMdtische's Thester: Donnerstag: Gasparone. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Leutral-Theater: Alle Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Donnerstag: Der Walzer-König. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Residcnz-Theater: Direktion Anton Anno. Donnerstag: Der Club. Freitag: Othello.__ Walhalla-Operetten-TIzeater: Donnerstag: Gillette. Freitag: Dieselbe Vorstellung._ Lonisenstädttsche» Theatktr: - Direktron Jos. Firmans. Donneytag: Zum 8. Mal«: Der Millionen-Barbier.(Novität.) Gesangspoffe in 4 Aften von Matthias und VogeS, Musik von Schreiber. Freitag: Dieselbe Borstellang.___ Ostend-Theater: Donnerstag; Im Lande der Frecheit. Sensations- Schauspiel in 3 Akten von H. von GordonS. Bons hadm Giltigkeit. Frettaa: Dieselbe Vorstellung. Wallner-Theater: Donnerstag: Der Salontiroler. Freitag: Dieselbe Vorstellung._ Btttorta-Theuter: Donnerstag; Sulfurina- Freitag: Dieselbe Vorstellung.___ Alhambra-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Donnerstag: Die Zimmerleute von Berlin, oder: Ein Mann aus dem Volke. Volksstück mit Gesang in 6 Bildem von G Krüsemann- Vor der Vorstellung: Großes Konzert, ausgeführt von der Hauskapelle. Anfang deS Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7'/« Uhr. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Arbettsmsrkt. Korbmacher.Gesellen auf Grün verlangt 1680_ Sl. Marwan, Ritterstr. III. Mein seit 1877 bestehendes, als reell bekanntes Uhrengeschäft verbunden mit Reparaturwerkstatt befindet sich IS? Invalide, Istraße 137 «vischen Brunnen- und Ackerstraße, und empfehle dasselbe allen Lesern dieses BlatteS. Max Basse. 1350_ Uhrmacher._ Soeben erschienen: Der gesetzs. MaÄmalarbeitstag und seine Bedeutung für die Arbeiter. Von 1613 Wilhelm Liesländer. Preis 15 Pfg. Zu beziehen durch die Expedition des„Berl. Volksblatt," Zimmerstraße 44. Die Nr. 12 der humoristischen Blätter ,Der wahre Jacob u f entrol-graußtu- n. Dcgröbliißkajse der Knchbindtt und verwandten Geschäftszweige(E. H.) (Verwaltungsstelle Berlin) Am Sonnabend, den 3. Januar, Abends von 8—11 Uhr, und Sonntag ftüh von 9—1 Uhr findet die letz'e Ausgabe für die vom 22. November bis einschließlich 20. Dezember eingetretenen Mitglieder statt und zwar nur Alte Jakobstr. 120. J682_ I. A.; P. Schneider. Verein der Sattler und Fachgeuossen? Sonnabend, den 3. Januar 1885, Abends 8V2 Uhr, in Gratweil's Bierhollen, Kommandant, nstr. 77—79, Iersammfung. Tages-Ordnung: 1. Vorwahl des Vorstandes. 2. Verschiedenes. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. _ Der Vorstand. Den Mitgliedern der freien Kraute«- und Begräbnis)- lasse der Schnhmacher und Berufsgenoffen Berlins(E. H. Nr. 27) zur Kenntniß, daß Montag, den 5. Januar, Abends 3 Uhr, im Lokale des Herrn T e i ch e r t, Neue Grünstraße 32, die 0 r d e« t l t ch e General- Versammlung stattfindet. Tagesordnung: 1. Jährlicher Kassenbericht. 2 Innere Angelegenheiten. 3. Wahl des Voistandes und Ausschusses. 4. Verschiedenes. Quittungs buch legitimirt. rr ist erschienen und in der Exped. d.„Berl. Volksbl." zu haben 1684 NB. Die neuen Statuten werden ausgegeben Rarere Mitglieder. General-Vnsammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavier-Arbeiter. Sonnabend, d. 3. Januar 1885, Abends 8V2 Uhr, in den Gratweil'schcn Äierhallen. Tages-Ordnuna: 1681 1. Abrechnung vom 4. Quartal und Jahresbericht. 2. Vortrag des Predigeis emer. Kendziora über Moral und Sittlich k.-it gegenüber der ganzen M-nschh-it. 3. Vereinsanzelegenheiten, Fragekasten und Besprechung über den am 14. Februar statlfindendcn Wiener Maskenball. Mitglieder, welche mit den Beiträgen im Rückstände find, werden ersucht, diese zum Jahresabschluß zu begleichen. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Gäste willkommen. 1681 Der Vorstand. Aoß-Habak." Größte Auswahl sämmtlicher in- und ausländischen Sorten, sowie guten Sumatra-Schnitt zu billigsten Preisen Brunnen-Straße 141142, Gebr. Franck. Selbstunterricht in der einfachen und doppelten kaufmännischen Buchführung und Darstellung eines neuen abgekürzten Systems zur doppelten Buchmethode. Von C. Sclimidt, Lekfer i Zu beziehen durch die Expedition des„Berk. Volksblatt" Zimmerstrasie 44. !IRoh-Tabak!! Sumatra, Stuck- und Vollblatt. Deutsche Tabake, | Carmen, Blrasil, für hiesigen Platz. Hröszle Ztuswahl"W bei billigsten Preisen u. konlantesten Konditionen empfiehlt A. Goldschmidt, Alexanderstr B8a. Hauptgeschäft. Brunnenstr. 155, Filiale. 1678 Preßkohlen, Marke E. L. 6,50, Ilse 7.°°, Marie 7,506 10006*. desgl.„„ 0.65,„ 0,70,„ 0,75„ 100„ tief, frei ins Haus A. schenk, Muskauerstr. 28. (1525 Brust 35. Keule 40 Pf. 1675 SOlMer. Kleine und große Vcmiigzimmr auch Sonntags zu haben. 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