Nr. 3. SonntG, 4. Januar 1885. II. Jahrg. MimrUoMoll. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner volksblati" Jusertlontgebühr erschewi täglich Msrgenl außer nach Sonn- und Festtage«. Abonnementtpreii für bekägt für die S gespaltene Petrtzeue oder derm Raum 40 Pf. Arbeittmarkt 10 Pf. Serfia fre, in'» Hau» vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Bei größere« Aufträge« hoher Rabatt«ach Uedereinkunst. Inserate»erde» bi» 4 Ahr Postabonnement 4 Mark. Sinjelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer«it illustr. Beilage 10 Pf. Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annoaco- (Eingetragen in der PostzeiwngSpreitlist« für 1835 unter Rr. 746.) Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise», angenommen. WeöaKtton nnö AXpsöition Nerttn SW., Mmmerstraße 44. Vom Giftbaum. Die letzten Katastrophen in den Wiener Börsenkreisen, die mit Selbstmorden und Verhaftungen endigten, haben allerwärts Aufregung hervorgerufen, doch nicht in dem Grade, als es vielleicht ftüher der Fall gewesen fem würde. Man gewöhnt sich mit der Zeit an Alles; in aufgeregten Zeiten ist ganzen Völkern schon das Sterben als etwas Gewöhnliche« und Alltägliches erschienen, und solche Katastrophen, wie die jüngst in Wien vor sich ge- gangmcn, sind in unseren Tagen so häufig, daß man sich nicht mehr besonders überrascht fühlt, wenn solche gemeldet werden. Ist e« doch noch gar nicht so lange her, daß sich ein Chef des Hauses Rothschild erschossen hat und die Auf- regung war keine sonderliche; sollte man sich nun beson- der« bewegen lassen, weil ein paar obskure Wiener Börsenspekulanten mit„Krach!" von der Bühne abge- treten sind? Diese neueste» Früchte, die am„Giftbaum der Börse", um mit Herrn Maybach zu reden, gewachsen sind, geben aber immerhin wieder zu denken; sie konstatiren abermals die tiefgehende und weitreichende Unsicherheit, die im Geschäftsleben überall da Platz greift, wo die Börse in dasselbe hineinreicht. Und wo reicht die Börse nicht in da« Geschäftsleben hinein? Sie ist verwachsen aufs Engste mit all' den tausend und abertausend Adern, m denen das geschäftliche Leben pulsirt. Was die Börse eigentlich sein sollte, ist sie keines- wegS. Wenn sie ursprünglich nur eine Zentral- und VermittelungSstelle für den Waarenver- kehr und auch den Waarenumtausch war, so ist sie heute in den Händen einer Anzahl von Glücksrittern, Spekulanten und Aufkäufern ein Mittel geworden, Papier- wische in blankes Gold zu verwandeln auf Kosten Anderer, anscheinend aus Nicht» Werthe zu schöpfen und sich zu be- reichern und die guten wie schlechten Konjunkturen nach Kräften und möglichst raffinirt und rücksichtslos auszu- nutzen. Manche haben es in diesem Fach zu großer Ge- wandtheit und Fertigkeit gebracht— Ramm brauchen wir hier nicht zu nennen, da sie Jedermann kennt. Allein die Werthe werden nur scheinbar aus dem Nichts geschöpft; sie müssen eine positive Grundlage haben und diese bildet die rastlose und unermüdliche Hand de» Arbeiter». Die Kosten des Börsenspiel» wälzt bei dem tollen„Tanz um» goldene Kalb" Einer auf den Anderen ab und schließ- lich bleiben sie da hängen, wo sich die schwersten und drückendsten Lasten der Gesellschaft vorfinden, auf den breiten Schultern der Volksmasse, die„in ihrer wimmeln- den Zahl" den Piedestal bildet zu dem Tempel, in dem sich der„Tanz um'S goldene Kalb" abspielt. «achdruck Bctbotcn.) C VtÜTCf 011» 53 Gesucht und gesunde«. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) Kaum war der schwere eiserne Riegel in seine Pfanne Sefallen, als der Menschenfresser angetrabt kam. Sein !opf war mit Blut bedeckt, sein Rachen dampfte von frischer Metzelei. Hier stand er nun, sie wild durch da» Eisengetter an- blickend, mit aufgeblasenen Nüstern und starren Augäpfeln — ein grausiges Ungeheuer. Das Pferd vor dem Brougham zitterte wie Espenlaub bei dem Tone seines ungeduldigen Schnaubens. Nachdem es durch die Eisengitter geglotzt, hin- und hergelaufen war einen Eingang zu finden, und überall Eisen ihm entgegenstand, drehte er sich, wüthend über die Vereitelung, um, schlug mit dem Hufeisen gegen die Stäbe und lief dann mit erhobenem Kopf und gespitzten Ohren fort, die Straße abwärts. Am Ende derselben hatte sich bereit» eine Schaar indischer Reiter aufgestellt, welche mit Schlingen aufgestellt waren., Durch ein geschickte» Manöver gelang es, ihm eine Schlinge über den Kopf zu werfen und ihn nieder zu reißen. Dieser Zwischenfall war Schuld daran, daß Parr mit seinem Begleiter etwas zu spät im königlichen Palast zum Frühstück anlangte. Zu ihrer Entschuldigung erzählten sie von diesem Er- eignisse. Der König hörte mit großem Interesse zu. „Ja, ja, er ist ein wüthendes Thier", sagte er lachend, »eine Zierde meiner Menagerie; doch habe ich nicht geglaubt, ®06 er einen so tapferen Angriff machen kann." «Er ist wilder als ein Tieger", erwiderte Parr. »Wilder als ein Tiger? Gut, er soll mit einem Tiger kämpfen! Wir wollen sehen, welchen Eindruck Burrhy auf ihn machen wird." Burrhy war der Name eines LieblingStigcrs de» Königs. Und was für Leute sind e», die den Tanz aufführen? Eine ganze Menge fast ehrenwerther Leute sind darunter, die, vielleicht oft mit innerem Widerwillen, genöthigt sind, diesen Tanz mitzumachen, weil die Börse heute einmal die große Seele de» Geschäftsverkehr» ist. Aber da drängen sich auch die„dunklen Existenzen" heran, die„Jobber" und „Fixer", die Abenteurer, die hier ihren Golddurst zu be- friedigen hoffen und die, wenn es ihnen gelingt, sich empor- zuschwingen, von der Höhe ihres arbeitslosen Erwerbs herab die arbeitende Menschheit mit jenem Hochmuth und jener Brutalität behandeln, die dem Parvenü fast immer eigen sind. Diese Art von Parvenüs ist, wie ein geistreicher Schriftsteller sagt,„das Lumpenproletariat auf der Höhe der Gesellschaft". Sie bauen sich glänzende Paläste, fahren in prächtigen Karossen durch die Straßen, behängen sich und ihre Frauen mit Juwelen und blicken mit ihren ge- wöhnlich nichts weniger als aristokratischen Gesichtern voll lächerlicher Vornehmthuerei auf die„Thoren" hinab, die sich ihres Lebens kärgliche Nothdurft und Nahrung in harter Arbeit und im Schweiß ihre» Angesichts erschwingen müssen. Aber ein Fluch haftet an ihnen; ihr Golddurst ist so unersättlich wie der jene« Römers, dem seine Feinde, nach- dem sie ihn erschlagen, geschmolzene» Gold in den Mund gösse«. Der Dämon des Glücksspiels läßt die, so sich ihm einmal verschrieben haben, so leichthin nicht mehr los. Da klammern sie sich denn weiter an das rollende Glücksrad und werden zurückgeschleudert in den Schlamm, dem sie entstiegen sind. Daraus entstehen dann jene Katastrophen, wie wir so häufig sie sich abspielen sehen, sei es in dieser, sei e« in jener Form. Man darf sich nicht wundern darüber, daß diese Er- scheivungen und ihr Treiben dem Börsenwescn eine Menge von Feinden erweckt haben, die mit allerlei Mitteln dem Unwesen beizukommen suchen. Allein bis jetzt mit wenig Erfolg, denn das Börsenwesen von heute ist ein Ausfluß der Plan- und Regellosigkeit in Produktion und Komsum- tion. So lange es dem„Unternehmungsgeist" und dem Privatinteresse Einzelner überlassen bleibt, den Bedarf an Nahrungs- und Genußmitteln sür die Gesellschaft zu lie- fern, statt daß dieser Bedarf mehr planmäßig festgestellt und seine Deckung bestimmten Wirthschaftsfaktoren über- tragen wird, so lange wird die Börsenspekulation immer Spielraum haben. Das kann allerdings nicht hindern, daß man heute das an der Börse vielfach grassirende Unwesen kräftig be- kämpft. Ein bekannter Börsenmann hat gesagt:„Mit Sittensprüchen baut man keine Eisenbahnen!"— Nun, mit bloßen Sittensprüchen kann man auch den Spekulanten das Handwerk nicht legen; es wird also gut sein, wenn Die Thierkämpfe gehören an indischen Höfen zu den hauptsächlichsten Belustigungen und namentlich die zwischen größeren Raubthieren. Burrhy durfte, da er des Königs Liebling war, nie mit andern Tigern oder mit Elephanten kämpfen, sondern es wurden ihm nur leicht zu besiegende Thiere gegenüber« gestellt. Schon der nächste Morgen ward bestimmt zu dem viel- versprechenden Zweikampfe zwischen dem Pferd und dem Tiger. Der Zirkus, in welchem die Thierkämpfe stattfinden, ist ein runder Platz, mit hohen und starken Bambusstäben eingefriedigt, welcher etwa zweihundert Fuß im Durch- messer hat. An einem Ende des Platzes befindet sich eine Oeff- nung, vor welche die Käfige der zum Kämpfen bestimmten Thiere gefahren werden, so daß an dieser Stelle die Käfige selbst die Arena schließen. Dieser Stelle gegenüber befinden sich unter prächtigem Zeltdach die Sitze für den König und seine« Hof. Der Hintergrund des Baldachins ist wieder durch eine Gaze- wand abgeschlossen, hinter welcher sich die Frauen des Harems befinden. Zur Seite des König» sind die Plätze der übrigen ge- ladenen Zuschauer. Mit großer Behaglichkeit erwartete der König den Be- ginn des Kampfes, sich rechts und links mit den europäischen Hofbeamten unterhaltend. Hinter ihm standen wie gewöhnlich die Mädchen mit ihren Fächem. Durch eine werthlose Stute hatte man das wilve Pferd in diesen Raum gelockt. Auf Befehl des Königs wurde nun Burrhy'S Käfig an das Bambusgitter herangefahren. Ein lautes Beifallrufen ließ sich unter den Zuschauern vernehmen, al« man das prächtige Thier in seinem Käfig erblickte. Das Gitter wurde geöffnet, und der Tiger sprang mit einem Satze in den innern Raum, die Seite» mit seinem langen Schweife schlagend und wüthend nach dem Gegner ihnen die Daumenschrauben der Gesetzgebung angelegt werden. Nur muß dies auf zweckentsprechende und wirk- same Weise geschehen. DoUtiBeke Uebersickt. Nochmals die 20 000 Mark. Trotz alles Ableugnens in der deutsch-freistnnigen Presse wird von den Deutsch- Frei- finnigen der„Entrüstungs stürm" sehr ernst genommen. Die früheren Sezessionisten find so verschüchtert gewor- den, daß fic nicht müve werden, zu erklären, Bei der dritten Lesung würde die Abstimmung eine andere sein. Aber Eugen Richter und das Gros der Partei? In der „Berliner Zeitung", einem dem FortschrittSführer sehr nahestehenden Blatte, finden wir einen Artekel, tiberschrieben: „Zur dritten Lesung." Derselbe ist augenscheinlich von Eugen Richter selbst inspirirt. Dort wird der deutsch- freistnnigen Partei der direkte Rath ertheilt, bei der dritten Lesung die Position zu bewilligen. Das wird ein großer „Umfall" werden! Das Motiv aber zu diesem„Umfall" ist: „Bei der zweiten Lesung hat die deutsch-freifinnige Partei aus sachlichen Gründen gegen die Posttton gestimmt; bei der dritten Lesung wird fie aus politischen Gründen f ü r die Pofition stimmen!" Um aber den„Umfall", den der „Höchstkommandirende" befiehlt, zu beschönigen, schreibt da» oben genannte Blatt Folgendes: „Unter solchen Umständen erscheint der wüste Lärm, der durch die Reden im Parlamente vorbereitet, in der Presse und in den Versammlungen der letzten Zeit entfesselt wurde, darauf berechnet, eine Spaltung innerhalb der deutsch-frei- finnigen Partei hervorzurufen, deren Bildung bekanntlich schon im vorigen Jahre dm Kanzler in großen Zorn versetzt hat. Nicht die Auflösung des Reichstages, auf welche nur die Heidelberger in der Hoffnung spekulirten, den Deutsch- Freifinnigen noch einige Mandate abjagen zu können, war, wie wir unter sorgfälliger Abwägung aller begleitenden Um- stände meinen, das Ziel der sehr geschickt inszenirten Agitation gegen den Reichstagsbeschluß vom 15. Dezember— sondern dteSpaltungderdeutsch-freisinnigenPartei, deren Einigkeit und Geschlossenheit der Re- aktion ein Dorn im Auge ist. Auch scheint es un» nachgerade, als ob man durch vre unerhörten Beschimpfungen, welche gegen die Reichstagsmehrheit geschleudert werden, eine Bewilligung der am 15. Dezember abgelehn- ten Position durchaus verhindern will, um unter allen Umständen die ungerechten Anklagen, welche einmal erhoben find, aufrecht erhalten zu dürfen." „Die Einigkeit und Geschlossenheit der deutsch-freistnnigen Partei"— fie kann Niemanden ein Dorn im Auge sein, weil fie niemals existirt hat und nicht existirt. Uebrigens verthei- digte dasselbe Blatt, die„Berliner Zeitung", gleich nach der Abstimmung die Majorität des Reichstages in scharfer Weise und hielt emen„Umfall" für schädlich. Wir haben gleich ge- wüßt, daß eine größere Zahl der Deutsch-Freifinnigen in den Ferien umgestimmt würden, doch daß die ganze Partei, blickend, der sich immer noch mit seiner Stute beschäftigte, die ihm ängstlich auswich. Ein schöneres Thier wie Burrhy war in ganz Indien nicht wieder zu finden. Sein glattes, gleichmäßig gestreiftes Haar stach außer- ordentlich von der rauhen Haut und dem schlechten Au*« sehen der Stute ab, selbst das wohlgepflegte Aeußere des Hengstes hielt in dem Glanz keinen Vergleich aus mit dem seidenglatten Felle Burrhy's. Man hatte ihm seit dem vorigen Tage weder Speise noch Trank gegeben, um ihn auf den Angriff vorzu- bereiten. Mit wildem Blicke nach dem Pferde begann er lang- sam um es herumzuschleichen. Sobald dieses ihn erblickte, wandte es seine Aufmerksamkeit von der Stute ab und richtete dieselbe auf diesen Gegner. Mit vorgestrecktem Kopfe heftete es sein Auge fest auf den Tiger und erwartete den Angriff; es wendete nur den Kopf, wie sich der Tiger bewegte. Die kleine Stute war starr und vor Furcht gelähmt, augenscheinlich unfähig, auf ihre Sicherheit zu denken; in einer Ecke niedergeduckt stehend, erwartete fie ihr Schicksal. Mit leichten Sprüngen hing Burrhy auf ihrem Rücken; ein Schlag seiner Tatze warf sie zu Boden. Seine Krallen gruben sich in ihren Nacken, und er trank gierig ihr Blut. „Das wird Burrhy nur wilder machen," memte der König, sich vergnügt die Hände reibend. Fünf Minuten mochte der Tiger etwa sich seines Blut- trankes erfreut haben, als er von Zeit zu Zeit den Kopf nach dem Hengst umwandte, nach ihm hinschielend. Regungs- loS stand dieser immer noch mitten in der Arena in der Stellung des Abwartens. Er drückte keine Unruhe aus und schnaubte nur einige Male. Endlich war Burrhy befriedigt; er zog seine Krallen aus dem todten Thiere, schüttelte sich dabei und begann leise, wie eine Katze, um den Hof herum zu gehen. Ganz geräuschlos setzte er cine der breiten Pfoten nach der andern Eugenius an der Spitze, mit Pauken und Trompeten ins Regierungsloger übergehen würde, um dadurch ihre Einig- leit zu zeigen— so schlecht haben wir nicht von der Partei gedacht.— Da es im deutschen Reichstage keineNational- Liberalen mehr giebt— die sich gegenwärtig so nennen, find national-konservativ— und da diese edle Spezies nickt aussterben darf, so haben die Deutsch-Freifinnigen deren Rolle übernommen: Bei der zweiten Lesung ein tapferes Nein, bei der dritten ein ebenso tapferes I a! Aus dem Gebtete der nationalen„Entrüstung" liegt — so schreckt die„Germania"— eine Nachricht vor, die an Heiterkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Im landräthlichen „Merseburger Kreisblatt" vonr 30. Dezember ist zu lesen: „Mehrere patriotische Damen haben beschloffen: Sr. Durch- laucht dem Fürsten Bismarck eine Ergedenheits-Adreffe, aus Anlaß des ihm von der Majorität des Reichstags gewordenen Mißtrauensvotum, zu übersenden. Dieselbe liegt Domplatz 4 für gleichgefinnte Frauen und Jungfrauen zur Unterschrift— bis 1. Januar Abends— aus.— Hierzu bemerkt genanntes Blatt:„Die acht bayerischen Damen(welche ebenfalls eine Adresse veranlaßten) haben also Nachahmung gefunden und auch in Merseburg werden die Frauen entrüstet. Wir wissen im Augenblick nicht, wie der Abgeordnete für Merseburg, Herr Panse, über die fragliche Etatspofition gestimmt hat, aber wenn ihm seine Augen lieb find, möge er bei der dritten Lesung fich viermal überlcgen, wenn ihn die Lust anwandeln sollte, da- gegen zu stimmen; seine eigene Frau, d. h., wenn er eine hat, wäre im Stande, fie auszukratzen." De« Landräthen tm Regierungsbezirk Breslau ist nachstehende Verfügung von Seiten des Königs. Regierungs- Präfidiums zugegangm:„Nach einer Höherenorts ergangenen Mittheilung find wieverholt Fälle bekannt geworden, in denen niederländische und belgische Werbeagenten Legitimationspapiere deutscher Staatsangehöriger, in deren Befitz fie durch direkte Korrespondenz mit deutschen Behörden gelangt waren, in be- trügerischer Weise dazu benutzt haben, um anderen ohne ge- nügenden Ausweis befindlichen jungen Leuten den Eintrlt in die niederländische Kolonialarmee unter falschen Namen zu ver- schaffen. Es ist daher angeordnet worden, daß Gesuche um Ausstellung von Legitimations- und Militärpapieren, welche im Wege des Schriftwechsels von den Niederlanden bezw. Belgien aus an diesseitige Behörden gerichtet werden, im Falle den- selben Folge gegeben wird, nicht direkt, sondern durch Ver- mittelung der zuständigen kaiserlichen Konsularämter beantwortet werden. Dadurch werden die letzteren in den Stand gesetzt, vor der Verdfolgung der Urkunden die Identität der bethcilig- ten Persönlichkeit in jedem einzelnen Falle zu prüfen. Bescheide der in Rede stehenden Art werden also, insoweit solche für die Niederlande bestimmt find, dem kaiserlichen Generalkonsulat in Rotterdam, die nach Belgien zu richtenden Bescheide aber den je nach dem Aufenthaltsorte des betreffenden Antragstellers zu- ständigen kaiserlichen Konsulaten zur Vermittelung der Zu- stellung zu übersenden sein. Ew. Hochwohlgeboren wollen hiernach gefälligst für die Folge verfahren, sowie die Polizei- behörden des dortigen Kreises mit Mittheilung versehen." Aus Laden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den katholischen Pfarrer von Oos Strafantrag gestellt auf Grund des Gesetz« s vom 20. Juni 1870, weil der Geistliche einem Ortsdürger einige Exemplare des bekannten ultramontanen Wahlkatechismus zur Vcrthcilung einhändigte, ohne ein Pflicht- exemplar der Orts behörde eingeliefert zu haben. Das Schöffen- gericht sprach den Angeklagten frei. In ähnlicher Weise wur- den einige Arbeiter mit Strafzetteln überrascht, weil dieselben nichtverbotene Wahlflugblätter verbreiteten, ohne ein Zensur- eyemplar abgeliefert zu haben. Fügen wir noch hinzu, daß im Bereich derselben Staatsanwaltschaft die Gensdarmen die Stimmzettel träger anhielten und auf dem ganzen Leibe nach Flugblättern visilirten, so kennzeichnet dies die eigenartige Aus- legung des Wahlgesetzes im„liberalen" Lande Baden. Aus Sachse« wird der„Volksztg." geschrieben:„Wir wünschen, daß das neue Jahr den Industrie- und Arbeits- Verhältnissen günstiger sein möge, als das vergangene. Nicht als ob die Fabriken im letzten Jahre nicht flott hätten arbeiten lassen, nicht als ob die Arbeiter hätten feiern müssen; im Gegentheil, es ist mit Ausnahme von einigen Produkten, wie Spielwaaren und einzelnen Wedwaarcn sehr viel gearbeitet worden, doch im Allgemeinen mar auch der Verkauf ein flotter— aber zu Preisen, welche den Arbeitslohn hcrabdrückten. Die Fabrikanten haben allerdings auch wenig verdient(?) bei einigermaßen ausreichenden Löhnen für die Arbeiter aber würde ihr Verdienst gleich Null gewesen sein; damit nun die Fa- brikanten neben den Kapitalzinsen und dem Maschinenverschleiß einigermaßen ein Auskommen erzielen konnten, mußten die Arbeitslöhne noch unter das gewöhnliche Durchschnittsniveau sinken. Wer möchte das dem einzelnen Fabrikanten verdenken? Nur die planlose, konkurrenzwüthige Produktion, die in Ueber- produktiv« und Ucberspckulation ausartet, ist an solchen Zu- ständen schuld. Nicht, daß wir glaubten, daß in Wirklichkeit nach der Kopfzahl und den Bedürfniffen der Konsumenten eine Uebeiproduklion eingetreten sei, aber die Kaufkraft im eigenen Lande ist zu schwach gegen unsere Massenproduktion und unsere auf den Boden; langsam bewegte sich der lange Rücken vorwärts, wobei das Fell bald hier bald dort erglänzte, je nachdem sich die eine oder die andere Hüfte bewegte. Aufmerksam schaute der König und sein Gefolge zu; die Europäer ober strengten Auge und Ohr an, jeden Ton und jeden Blick zu erhaschen. Für sie war ein solcher Thierkampf ein ganz neues, ein überraschendes Schauspiel, und namentlich ein Kamps zwischen einem Pferde und einem Tiger. Immer noch stand das Pferd mitten in der Arena in derselben Haltung, sich langsam nach dem leise schleichende» Tiger drehend, der sammetartig weich aussah und doch so gigantisch in seiner Stärke war. Kein Ton war hörbar, außer dem Scharren, wenn das Pferd seinen Fuß erhob und wieder niedersetzte. Ueber- all stille Erwartung und ängstliches Starren. Plötzlich sprang der Tiger mit der Schnelligkeit eine» Blitzes aus seinen Feind. Das Pferd war aber vorbereitet. Es war jedenfalls Burrhys Absicht gewesen, den Kopf und daS Vordertheil desselben anzufallen, doch war der Hengst zu schlau und durch eine rasche, niedertauchende Bewegung des Kopfes und der Schultern empfing er seinen Gegner auf den fleischigen Hinterschenkeln. Die Krallen sanken tief in'S Fleisch, indem die Hinterfüße deS Tigers sich an den Vorderbeinen de« Pferdes festzuhalten versuchten. Er hatte aber keine Zeit sich diese Stellung zu sichern; mit furcht- barer Kraft schleuderte der Hengst seine Hinterhufe in die Lust, und Burrhy wälzte sich im nächsten Augenblick am Boden. Doch bald darauf begann er seinen Kreislauf wieder so ruhig, als wenn nichts vorgefallen wäre. Mit unwilligem Schnauben nahm der Hengst seine frühere Stellung wieder ein und wartete auf einen neuen Sprung; seine muskulösen Hüften trugen in der zerrissenen Haut und in den Blutstropfen die Spuren der Gewalt und der Schärfe von des Tigers Klauen. „Jetzt wird ihn Burrhy vollends niedermachen," sagte der König zu dem ihm nächsten Höflinge. „Ohne Zweifel", antwortete dieser. Wieder hielt Burrhy seinen schleichenden Umzug, den breiten, runden Kopf nach dem Gegner gerichtet. Konkurrenzkcaft verschiedenen andereren Nationen gegenüber ist auch noch nicht groß genug, um unse-en Produzenten, den Export leicht zu machen— und „Angra Pequena thut's freilich nicht".— Unsere Ausfuhr nach Nordamerika ist in der Tbat noch eine geringe, unaesähr 17 Prozent der gekämmten Ausfuhr nach jenem Lande. Wenn- gleich fich unsere Waaren fest zehn Jahren verbessert haben, so ist die Qualität derselben immer noch nicht derart, daß auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach deutschen Produkten eine bedeutende ist; was von Deutschland im Allgemeinen gilt, das gilt ganz besonders auch von Sachsen. Trotzdem in England bedeutend höherer Arbeitslobn gezablt wird als in Deutsch- land, trotzdem die Rohprodukte, welche bei der Waarengewin- nung verwandt werden, dort mindestens so gut find, wie die in Deutschland verwandten, trotzdem deshalb die Preise der englischen Waaren höher sind als vir verdeutschen, konkurriren die englischen Waaren auf dem Weltmarkt fiegreich mit den deutschen, besonders aber in Nordamerika. Es ist nicht zu leugnen, daß nach der Kritik des Professors Reuleaur, der seiner Zeit in Bezug auf die deutschen Jndustrie-Produkle das Wort„billig und schlecht" aussprach, die deutsche Industrie sich angestrengt hat, diesen herben Tadel von fich abzuschütteln, auch soll anerkannt werden, daß der deutschen Industrie ihr Bestreben in etwas gelungen ist, aber fast scheint es, als ob in den letzten Jahren wieder ein Rückfall eingetreten sei. Das eine aber steht fest, daß die Produktion in quantitativer Hin- ficht und auch besonders in unserem Königreiche vorläufig an der Grenze des Möglichen angelangt ist, und daß nunmehr alle Kraft aufgeboten werden muß, in qualitativer Beziehung nachzukommen. Oualitatio Gutes aber kann nur ein gut be- zahlter Arbeiter leisten; auch dürfte eine allzu lange Arbeitszeit die Tüchtigkeit der Aibeiter in dieser Richtung hin hesonders abschwächen." Oesterreich-Ungarn. Die Melvung des„Londoner Korr." über eine angebliche Konvention wegen gemeinsamer Maßregeln gegen die Anarchisten wird hier offiziös als eine unglückliche Er- f i n d u n g bezeichnet.— Behufs Gründung einer sogenannten „freien katholischen Univcrfität" hat fich bekanntlich in Oester- reich ein Verein gebildet. Der Zweck ist angeblich, geeignete katholische Priester auf derselben auszubilden; in Wirklichkeit handelt es sich aber wohl nur darum, dem Klerikalismus durch- aus gefügige Elemente zu schaffen. Der beregte Verein hat vor einigen Tagen eine Versammlung abgehallen, an welcher viele hervorragende klerikale Persönlichkeiten Theil nahmen. Der Hofrath Lienbacher ließ eine längere Rede vom Stapel, welche von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen wurde. Die Universität soll aus freiwilligen Mitteln her- gerichtet werden; doch find bis jetzt erst durch Sammlungen 1900 Gulden zusammen gekommen. Belgien. Der klerikale Abgeordnete Dumont wird nach Wiederaus- nähme der Kammersesston einen Antrag auf Besteuerung der aus dem Auslande eingeführten Ackerbau- Produkte stellen- Der Antrag, ver wahrscheinlich gar nicht einmal in Betracht gezogen wird, wird natürlich im Interesse der Großgrund- desitzer, zu denen Herr Dumont gehört, gestellt. Durch Ver- mehrung des Einkommens dieser armen Leute und Vertheue- rung der dem überreichen Arbeiter nothwendigen Lebensmittel soll der industriellen Krise abgeholfen werden. Belgien pro- duzirt jetzt kaum zwei Drittel ver für die Konsumtion nothwendigen Lebensmittel. Das Defizit müßte daher immer durch die Einfuhr ergänzt werden; der Schutzzoll würde— so meint die„Franks. Ztg."— den in Armuth varbenden Großgrund- besitzern ein beträchtliches Mehreinkommen verschaffen; das fie aber in Belgien, wo die volkswirthschastlichen Schrullen eines Einzigen nicht die Gesetzgebung bestimmen können, wohl nie erlangen werden- Frankreich. Die Rechte des französischen Senats hat für die bevor- stehenden Neuwahlen einen Aufruf erlassen, in welchem der jetzigen Regierung schwere Vorwürfe gemacht werden. Es Hecht da:„Die vom Lande nach unseren Unglücksfällen groß- müthig übernommenen und muthvcll getragenen Lasten hatten unseren Finanzen zur Ordnung, ja zur Blüthe verhotfen. Uebertricdene, maß- und zwecklose Ausgaben haben alle Früchte dieser Opfer vergeudet. In weniger als sechs Jahren haben drei Milliarden Anleihen, die zu unserer öffentlichen Schuld hinzugefügt wurden, diese zur schwersten in Europa gemacht. Unsere jährlichen Lasten haben sich um mehr als 500 Millionen vermehrt. Die Staarshaushalts-Rechnung deS laufenden Jahres schließt mit einem Fehlbetrag von 200 Millionen und ein gleicher Abgang ist bereits für das nächste Jahr vorgesehen. Wenn diese unsinnige Verschwendung nicht gezügelt wird, so find neue Anleihen unvermeidlich, um tollkühne Verpflichtungen zu erfüllen, und man wird auch zur Ausweisung neuer Steuern schreiten müsien, die durch ein der Unklugheit eines Ministers entschlüpftes Wort bereits angekündigt find. Unter dem Gewicht dieser ungeheueren Lasten erschlafft der Gewerbe- fleiß, und der Äckerbau erfährt täglich eine Steigerung der Wieder hob er leise die weichen Pfoten und setzte sie eben so leise wieder nieder, indem das schön gestreifte Fell über Knochen und Muskeln spielte. Volle acht bis zehn Minuten währte der einförmige Kreislauf. Das Pferd beobachtete denselben mit weit aufstehenden und starren Augen; nur hin und wieder ließ es ei» unge« duldiges Schnauben oder ein Scharren mit dem Vorderhufe hören. Bisweilen öffnete der Tiger seinen großen Rachen und leckte die Blutstropfen ab, die noch an ihm hingen. Endlich erschien wieder der entscheidende Moment. Burrhy sprang diesmal so plötzlich, daß auf der Ga- lerie unwillkürlich Alle erschraken. So sehr man es auch erwartet hatte, so geschah doch dieser Angriff mit einer un- glaublichen Raschheit und Blitzesschnelle, so daß einige Mädchen einen unterdrückte» Schrei ausstießen. Kein Zei- chen hatte auf diesen Sprung vorbereitet, es war, als ob eine galvanische Kraft den Tiger aus seinem gleichmäßigen Schleichen plötzlich in die Luft geschleudert habe. Alle? war von der Schnelligkeit überrascht, nur der Hengst nicht. Er beugte seinen Kopf noch tiefer, seine Vorderbeine schienen unter dem Angreifer hinunter zu geleiten und wieder fuh- ren Burrhy'S Krallen tief in die Schenkel, aber weiter nach hinten als früher. Sein hreiter Kopf fuhr über den Schweif des Pferdes hinaus, indem seine Hinterkrallen tief in das Brustblatt des Pferdes schnitten. Eine Weile sah man ihn in dieser Stellung unstät zittern, mit seinem Bauch sich auf des Pferde« Rücken schmiegend und sich an seine Beute festklammern. Da schlug das wilde Pferd so mit den Hinterfüßen aus, als wollte er sie über den Rücken, und die Hufeisen trafen Burrhy's Kinlade mit solcher Kraft, daß der Tiger im nächsten Augenblick hilflos aus dem Boden lag. Er erhob sich auch diese« Mal schnell wieder; als er sich aber bewegte, um am BambuSgitter entlang zu gehen, war es sehr bemerkbar, daß er keinen Angriff mehr wagen würde, sondern zu entweichen suchte. Seine Kinnlade war zerschmettert, und mit dem Schwanz zwischen den Beinen schrie er laut vor Schmerzen, gleich einem gepeitschten Hunde. durch eine beispiellos hefligen Krise verursachten scharfen Lei- den. Die Maßregeln, mit denen die Regierung ihnen zu Hilfe zu kommen verspricht, laffen auf fich warten; bisher ist keine verwirklicht. Nach den Verheerungen eines blutigen Krieges verlangte Frankreich vor Allem Frieden, um seine erschöpften Kräfte zu sammeln und wiederherzu- st-llen. Man hat es ohne vorherige Ankündigung in erne Reihe unfruchtbarer und mörderischer Kriegszüge ver- wickelt. Es handelt fich nicht mehr darum, ven Nomen Frankreichs in Ländern, die seine Fahne bereits beschattete, und unter Bevölkerungen, denen unsere Glaubensboten die Liebe Frankreichs beigebracht hatten, Achtung zu oerschaffen. Es sind wahre Eroberungen, die man zugleich in Tunis, Madagaskar, Tonkin und am Kongo unternommen hat. In Folge dieser wüsten Grillen führen wir heute mit China einen Krieg, der unvernünftig begonnen, kraftlos fortgesetzt wurde und dessen Ende Niemand voraussehen kann. Der Augenblick ist nicht mehr sehr ferne, wo man, um diesen zerstörenden Kampf weiter führen zu können, die Mobilisation unseres Heeres wird ge« sährden und in jene fernen Gegenden einen Theil der Kriegs- macht sch'cken müssen, welche die allgemeine Dienstpflicht jähr- lich unseren Feldern entzieht."— Der Zweck des Aufrufs soll sein, den Wählern zu zeigen, daß unter dem Kaiserreiche bessere Zustände vorhanden warm und daß also die Republik an allem Unheil schuld ist.' Dieser Zweck, die Sehnsucht nach dem früheren Regime wachzurufen, wird jedenfalls nur in geringem Grade erreicht werden, obgleich der Aufruf, soweit er der jetzigen Regierung Vorwürfe macht, jedenfalls berechtigt isi. Wenn die jetzige französische Regierung auf dcr beschrittmm Bahn fortwandelt, dann dürften die Hilfsquellen Frankreichs, dieses von der Natur so sehr begünstigten Landes, dennoch rasch verfiegm. R u ß l a n d. Die Zeitung„Wladiwostok" schreibt: Wie in Kalifornim und Australien, ganz ebenso auch am Amur sind es die chine- sischen Arbeiter, welche alle anderen Arbeiter aus jeder Be- schäftigung verdrängen. Am Amur bedrohen fie bereits den rusfiscken Ackerbauer mit ihrer erdrückenden Konkurrenz. Im Süv-Uffuri-Lande haben fie es schon so weit gebracht, daß viele schon lange angesessene rusfische Ackerbauer sich dem Fuhr- gewerbe und der Schankwirthschaft zuwenden; an der Eeja gehen fie, die Russen, als Arbeiter in die Goldbergwerke und überlassen den Ackerbau dem überall eindringenden Chinesen. Der Zuzug von Chinesen und Mantschuren ist beständig ein großer. Den Kleinhandel und Gattenbau haben sie schon ganz in ihren Händm. Die Bedürfnißlofigkeit des chinesischen Ar- beiters ist eine ganz unglaubliche. Obgleich ,er für sehr geringen Lohn arbeitet und überhaupt Alles billiger macht als irgend ein Anderer, so macht er doch Geld und zieht früher oder später mit seinem Ersparten nach China zurück. Allein aus Chabarowka und Umgegend sollen nach einer angestellten Be- rechnung jährlich mindestens 300 000 R. von chinesischen Ardestern nach China gebracht werden. 22 Schwede» und Norwegen. So wie in Dänemark, folgt man auch in Schweden mit großer Aufmerksamkeit der deutschen Arbeiterbewegung. Fast ganz genau dieselben Forderungen, welche für die deutschen Arbeiter in dem von den sozialdemokratischen Abgeordneten ausgearbeiteten Arbeiterschutzgesctz verlangt werden, haben jetzt die schwedischen Arbeiter in Stockholm aufgestellt. Die schwe- dischen Fachvereine, nach dem deutschen Muster gebildet, find dieser Tage zu einer größeren Versammlung zusammengetreten und haben fich auf folgende Forderungen geeinigt: Maximal- arbestszeit von 10 Stunden, bessere Arbeitslokale und Kontrole derselben durch besondere Beamte, Errichtung einer allgemeinen Pensionslaffe für altersschwache und arbeitsuntüchtige Arbester, direkte progresstve Besteuerung und gerechte Steuerbefreiung für nothwendige Lebensbedürfnisse, allgemeines Wahlrecht für politische und kommunale Wahlen, verbesserter Volksunterricht. Als neu in dem Programm erscheint nur die Forderung: För- derung der Nüchternheit.— In der Hauptstadt Schwedens, C h r i st i a n t a, haben die Arbetter einen Aufruf zur Bildung einer„A r b e i t e r a l a d e m i e" erlassen, in welcher Unterricht in den verschiedenen, die Natur und das Völkerleben betreffen- den Wissenschaften, in Mathematik und norwegischer Literatur ettheilt werden soll- Man will 10 OOO Kronen für acht Un- terrichts-Monate zusammenbringen, deren eine Hälfte man vom Staate, die andere von Privatbeiträgen erwartet. Ein Lokal hofft man kostenfrei in dem Gebäude der Universität zu erhal- ten. Politischer und religiöser Parteistteit soll von den Vor- trägen fern gehalten werden. Großbritannien. Die englischen Staatseinnahmen sind im verflossenen Quartale um 304 703 Pfd. Sterl. hinter denjenigen des entsprechenden Quartals des Vorjahres und in den verflossenen 9 Monaten des gegenwärtigen Finanzjahres um 1 695 304 Pfd. Sterl. hinter denjenigen des gleichen Zeiträume« des Vw». jahreS zurückgeblieben.— Das Handelsamt hat die Gründer des unterseeischen Kanals zwischen Dover und Calais verständigt, daß, wenn die von ihnen im Privatbill- DaS Pferd, eine List fürchtend, beobachtete ihn so auf- merksam, wie früher, mit Mühe die raschen Bewegungen des Feindes im Auge behaltend. Es war aber keine List, denn Burrhy suchte, erbärm- lich schreiend zu entkommen. „Seine Kinnlade ist beschädigt," rapportitte der Mena- gcriemeister sich dem König nähernd. „Ah, Burrhy's Kinnlade zerschmettert!" rief Wadschid Ali sich nach seinem Hofstaate umwendend. „Oeffnen Sie seinen Käfig!" befahl der König dem Menageriemeister. Dem Befehle wurde geborcht. Das Bambusthor vor dem Käfig ward entfernt und Burrhy schlüpfte hinein, sich in den hintersten Winkel kauernd. Stolz wieherte und stampfte der Hengst, da er sich vollständig als Sieger sah. Er lief zuerst nach der Stute, schnüffelte sie an, schlug dann mit den Füßen nach ihr und trabte mit erhobenem Kopf und Schweif von einem Bambusgitter zum andern, nach den Dienern suchend. Sein Blut war erregt, ihm war ei gleich, wer sein Angreifer sei, oder wen er angreife, Tiger oder Menschen. „Laßt einen andern Tiger auf ihn!" schrie der König den indischen Dienern zu, nachdem er eS eine Weile angesehen hatte.„Verdammt ist das Thier, ich muß eine Rache für den beschädigten Burrby haben." Seine Begleiter nickten natürlich Beifall, und der Rajah beklagte laut den Unfall Burrhy's. «Ja, ja," sagte der König,„es war ein fürchter- licher Schlag, den daS Pferd mit seinen Hinterbeinen ver- „Ein entsetzlicher Schlag! Ich hörte das Krachen von Burrhy's Schädel," antwortete der Rajah. Da nahte sich der Menageriemeister und bemerkte, daß die übrigen Tiger erst vor zwei Stunden, ihrer gewöhn- lichen Futterzeit, ihr Futter erhalten hatten. Der König fuhr wüthend auf. „Schweig!" rief er,„und thue, was ich befehle... Ich sage Dir, wenn die Tiger nicht auf daS Pferd gehen, so schicke ich Dich selbst in den Hof." Amt niedergelegte Vorlage zu Gunsten der Fortsetzung des Tunnelbaues nicht zurückgezogen wird, die Regierung es für ihre Pflicht halten werde, dieselbe im Parlament zu beanstanden. - In Denaby, Yorkshire, haben 1200 K ohlengruben- Arbeiter gegen eine projeltirte Herabsetzung der Arberts- löhne um 20 pCt. aestrikt.- In der Grafschaft Trpperary wendeten fich dieser Tage etwa 1S0 Gutspächter an ihren Grundherren um eine Ermäßigung des Pachtzmses um 20pCt. Da dies rundweg abgeschlagen wurde, beschloflen vre Pachter, gar leinen Pachtzins zu entrichten, und drohen Jedem mit ernsten Folgen, der diesem Beschluffe zuwiderhandele.— Em fürchterliches Unglück ereignete sich am Montag kurz nach Mitternacht in den Dorothea Schieferbruchen rn Nanttle unweit Carnarnon(Wales). Während 8 Mann des Nachtarbeiterpersonals in dem 200 Meter trefen Bruche beschäftigt waren, fiel von einer Höhe von 100 Metern eine enorme Felsenmaffe herab, wodurch sieben Arbeiter auf der Stelle getödtel wurden; der achte cnikam mit schweren Verletzungen. Der Fdsrutsch wurde, wie man glaubt, durch das am Montag eingetretene Thauwetter veranlaßt. Australie«. Die engltsch-australischen Kolonien find, wie bereits in voriger Woche mitgetheilt wurde, in Bezug auf die Ausdehnung des deutschen Protektorats auf mehrere Inseln der Südsee ver- schiedencr Anficht- Tasmania und Queensland haben fich be- reit erklärt, fich dem vom Premierminister von Viktoria vorge« schlagenen Proteste anzuschließen, während Neu-Süd-Walcs und Süd-Austtalien sich zu diesem Vorschlage zur Zeit ab- lehnend verhalten. In Ergänzung der ftüheren Mittheilungcn liegen folgende Depeschen vor: Melbourne, 31. Dezember. In dem Memorandum, welches der Premierminister von Viktoria an den Gouverneur gerichtet hat, beißt eS, es sei jetzt zu erwägen, was angesichts der durch die Einführung des deutschen Protektorates in den benachbarten Inseln geschaffenen Situation zu thun sei. Er bitte den Gouverneur, an den eng- tischen Staatssekretär der Kolonien, Lord Derby, telegraphisch das Ersuchen zu richten, die Kolonialregierungen telegraphisch zu ermächttgen, Schritte zu thun, welche geeignet seien, Australien die benachbarten Inseln zu erhalten. Schließlich wird der Gouverneur noch gebeten, an den Minister der Kolonien einen energischen Protest gegen die Polttik der Unthäligkeit zu richten, welrte alle fremden Mächte geradezu auffordere, Gebictstheile in Besitz zu nehmen, an denen Niemand in so hohem Maße wie die Kolonien in Australien interesstrt sei.— S i d n e y, 31. Dezember. Das Memorandum des Ministers von Neu- Eüd-Wales in welchem derselbe es für letztere Kolonie ab- lehnt, fich dem gemeinsamen Proteste der Kolonien gegen die Erklärung des deutschen Protektorates anzuschließen, führt aus, daS die Ablehnung gegenwärtig erfolge wegen des Mangels definitiver Informationen über folgende Punkte: 1) ob die deutsche Regierung im Einverständniß mit England vorgcgan- gen sei, 2) über die Bedingungen dieses Einverständniffes, wenn ein solches existire, 3) oo eine Ausdehnung des englischen Protektorates in Neuguinea thunlich sei, 4) ob England nicht beschlossen haben könne, sämmtliche Inseln zu brsevcn, welche in strategischer Hinsicht diesen ganzen Theil des Archipels im Stillen Ozean beherrschen. Sobald die Kolonie über diese Punkte Auskunft erhallen haben werde, werde fie fich allen Schritten anschließen, welche die übrigen Kolonien für noth- wendig erachten würden. DommunsleB. Bei dem Bezirksausschuß für die Stadt Berlin find als Mitglieder ausgeschieden: Dr. Alexander Meyer, welcher zrrin Stadtverordneten gewählt und als solcher bereits eingeführt worden ist und nicht mehr Mitglied des Bezilks-Ausschusses sein darf. Die Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsbehörden schließen die Magistratsmitglieder und die Stadtverordneten ausdrücklich von der Mitgliedschaft aus; serner der Dr. Burg, welcher verstorben ist. Der Magistral bat beschloffen, wegen der Neuwahl der Stadtverordneten- Versammlung eine Vorlage zu machen, da die Wahl zum Mitglied des Bezirks-Ausschusscs in gemeinschaftlicher Sitzung von Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung erfolgen muß. Der Magistrat hat beschloffen, der Stadtverordneten-Veo sammlung zu empfehlen, daß zur Verbreiterung der Hirten- straße an der Grenadicrstraßen. Ecke nöthige Tenain zum Preise von 75 Mark für den Quadratmeter anzulaufen. Da zu find 304 Quadratmeter erforderlich. Einen Antrag des Vereins der Stadtbezirke 137 bis 141 hat der Magistrat abzu lehnen beschloffen, welcher dahin ging, gleichzeitig den nach der Hirtenstraße zu belegenen Theil des Gartens des Viktoria-Theaters anzukaufen, um auch an dieser Stelle die Straße zu verbreitern und dabei zugleich die ziemlich hohe Mauer zu beseitigen, welche den Garten nach der Hirtenstraße begrenzt. Zur Verbreiterung der Alexander- und der Magazinstraße find an der Ecke dieser Straße von den Grundstücken Alexander- straße 28 und 28a. 48 Quadratmeter und von den Grundstücken Der Mann wußte recht gut, daß die Drohung ernst gemeint war. Bald stand wieder ein Käfig der Veranda gegenüber, an der offenen Stelle der Arena, und Aller Augen waren gespannt darauf gerichtet. Alle waren sehr erregt, und Mancher mochte fürchten, daß Wadschid Ali seine Drohung gegen den Menagerie- meister, ihn selbst i» die Arena zu schicken, wahr machen möchte. Nur König Wadschid war über das, was kommen sollte, ganz gleichgiltig. Er ließ Wein bringen, trank ein Glas Eisklaret, ließ auch seiner Umgebung diese Erfrischung serviren, die ihnen bei der unerträglichen Hitze sehr wohl that, neigte dann den Kopf hinten über, um sich von den Fächermädchen das Gesicht kühlen zu lassen und gab endlich sehr gelaffe« das Zeichen, den Käfig zu öffnen. Als die Thür geöffnet wurde, trat der Tiger in die Arena, und das Bambusthor schloß sich hinter ihm. Forschend überschaute der Tiger den Platz, doch blieb er unentschloffen an der Stelle stehen, und erst nachdem ihn eine Speerspitze hinten berührt hatte, ging er vor- wärt«.. Er schaute sich nach semem Gegner um. Nachdem er eine Zeit lang den Hengst angestarrt, der ihn gleichfalls beobachtete, ging er nach der tobten Stute, leckte ein Paar Tropfen Blut vom Nacken und schaute abermals nach dem im Vertheidigungszustand stehenden �Dieser Tiger war etwas größer als Burrhy, aber nicht so schön gestreift und auch etwas schwerfällig. Vielleicht hätte ihn Hunger lebhafter gemacht. Er schien keine rechte Idee zu haben, warum man ihn ln diese Lage gebracht und verstand sicher nicht, was man von ihm erwartete. Sich an der tobten Stute niedersenkend und nach dem Pferd schielend, begann er da» Thier zu zerreißen. _„Schafft den Kadaver fort!" rief der König unwillig. „Wie konntet Ihr den hier liegen lassen?" Glühende Eisenstäbe trieben den Tiger eilig hinweg. Magazinstr. 13 und 13a. 404 Quadratmeter Straßenterrain erforderlich. Der Magistrat hat beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung den Ankauf des benöthigten Terrains' zum Preise von 100 Man und 90 Mark für den Quadratmeter zu empfehlen._,•" Seitens eines Unternehmers war an den Magistrat der Antrag gerichtet worden, ihm zu gestatten, die alten hölzernen Brunnensäulen, welche sich noch an einer Anzahl alter Straßen- brunncn befinden, auf seine Kosten entfernen zu dürfen und an deren Stelle neue eiserne Brunnensäulen aufzustellen und diese mit Anzeigen bemalen zu dürfen. Die Anzeigen auf diesen Brunnensäulen sollen sogenannte„stehende" und nicht täglich wechselnde sei« und deshalb mit Oelfarbe auf die Wände der Säulen aufgetragen werden. Der Magistrat hat beschloffen, den Antrag abzulehnen. Brunnen dieser Art, welche dem Unternehmer Nutzen gewähren könnten, find im Innern der Stadt noch vorhanden und gereichen in ihrer Form der Straße keineswegs zur Zierde. Sie stehen daher sämmtlich auf dem Aussterbe-Etat. � Auf Antrag der Gewerbedeputation deS Magistrats ist rn den Eiat für vre Handwerkerschule eine Summe von 5760 Mk. aufgenommen worden zur Einrichtung einer Tagesklaffe für Mechaniker. Der Unterricht zerfällt in zwei halbjährige Kurse, wöchentlich zu 36 Stunden. Es soll darin gelehrt werden: Mathematik, Physik, Mechanik und Technologie. Instrumenten- künde, Entwerfen von Jnstrumententh eilen und Instrumenten. Der Gesammtetat ist in Einnahme und Ausgabe auf 30474 Mark festgestellt; in Einnahme find gestellt an Schulgeld 17 690, Zuschuß ves Staates 16 500 Mark, so daß von der Stadt em Zuschuß zu leisten bleibt in Höhe von 46 284 Mark. Der Etat der Verwaltung der städttschen Volks bibliotheken enthält in seinen Einnahmen für das Jahr 1885/86 einen Zuschuß aus der Stadthaupikasse an die 24 vorhandenen Volks- bibliotheken von 24 600 M, an Zinsen aus dem Vermögen des Fonds für die Errichtung von Volksbibliotheken 1417 M. zc., unter den Ausgaben finv: Entschädigungen an die Biblio- thekare 6300, zur Beschaffung von Büchern und die Buchbinder- arbeit 14 800 M. rc.; die Gesammt-Einnahmen und Ausgaben belausen fich auf 24 950 M. � Die Baugewerkschule ist in fortschreitender Entwrckelung begriffen und erfordert für das Etatsjahr 1885/86 einen Ge- sammtzuschuß von 21 760 M, welcher zur Hälfte mit 10 880 M. von dem Staat und der Stadtgemeinde zu tragen ist; an Schulgeld find in Einnahme gestellt 14400 M.; in den Ausgaben find für persönliche Ausgaben an den Dirigenten, Lehrer k. 30660 Ä. in Ansatz gebracht; die Gesammt-Ein- nahine und Ausgabe ist auf 36 160 M. festgestellt. Der Etat der Haus- und Mtethssteuer für das Etatsjahr 1885/86 ist in Einnahme auf 14 700 060 M. festgesetzt, 600000 Mark mehr als im laufrnden Jahre; die Miethssteuer ist mit 450 000 Ä. höher auf 10 850 000 M. und die Haussteuer mit 150000 M. höher auf 3 850 000 M. angesetzt worden; während im Jahre 1671 nur 1500 Gelaffe als leer stehend gemeldet waren, stieg diese Zahl im Jahre 1878 auf 21 998, welche Zahl fich bis zum 1. Oktober 1884 auf 7975 herabminderte. D o k» l e s. r. Der Neujahrs- Ilmzug war auch diesmal wieder ein sehr bescheidener und kaum bemerkbarer. Nur vereinzelt sah man größere und kleinere Möbeltransporte durch die Straßen schleichen. Die Hauptziehzeit ist eben zum April und Oktober und verspricht namentlich der Umzug zum April bedeutende Dimrnfionen anzunehmen, da durch die zu Neujahr erfolgte Miethssteigcrung fich Viele veranlaßt gesehen haben, ihre jetzige Wohnung zu kündigen. Die Hoffnung, eine billigere Wohnung zu finden, wird fich aber wohl als nichtig erweisen, da die Wohnungsmiethen wieder im Steigen begriffen sind und auch fast durchweg zu Neujahr gesteigert worden find. Eine Verbesserung wird durch einen Wohnungswechsel wohl selten erzielt. r. Zahlreiche Konkurs-Eröffnungen find in den letzten Tagen erfolgt und zwar find es meistens Detail-Geschäfte, die von diesem Schicksal betroffen wurden und deren Inhaber ihre Zahlungen eingestellt und zum Theil selbst ihre Insolvenz dem Gericht angezeigt haben. Das Auffallende bei der Sache ist, daß man in den Schaufenstern der bankerotten Geschäfte in der flotten Geschäftszeit kurz vor Weihnachten noch den be- kannten„großen Weihnachtsausverkauf" angekündigt fand. Ob das dabei eingenommene Geld den Maffengläubigern zu Gute kommen wird, ist etwas zweifelhaft und wird von diesen selbst nicht geglaubt. Nicht minder unwahrscheinlich ist eS, daß den in Konkurs Gcrathenen die Unzulänglichkeit ihres Vermögens erst während der Weihnachtsfeiertage klar geworden sein sollte, vielmehr wird man annehmen dürfen, daß das Mißoerhältniß zwischen ihren Aktiven und Passtocn den be- treffenden Kaufleuten längst klar war, daß aber daS einträgliche Wcihnachts-Geschäft fie hinderte, den gerichtlichen Konkurs anzumelden. Gewöhnlich pflegt die Staatsanwaltschaft den Konkursen ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen und es dürste daher nicht weiter überraschen, wenn wir einige der Ein Netz ward über das todte Pferd geworfen und das- selbe aus der Arena gezogen. Der Tiger ergrimmte über die Art, wie er in seiner Mahlzeit gestört worden. Er streckte sich in der Mitte des Hofes lang aus, leckte sich die Lippen, und knurrte die Menageriediener an, welche mit ihren Piquen an dem BambuSgitter standen. Man wollte ihn wieder aufstacheln, aber es war nicht leicht, ihn dort, wo er lag, zu erreichen. Die glühenden Eisenstäbe waren zu kurz. Endlich ward er von einem Speer von ungeheurer Länge berührt. Er sprang auf, erfaßte den Speer, zersplitterte ihn mit seinem Gebiß und rannte an dem Bambusgitter entlang, bisweilen mächtig an den Stä- ben zerrend, die er mit seinem Gebiß erfaßte. Es war dies zu gefährlich, es ihm zu erlauben, denn bei seiner unge- heuren Kraft wäre eS ihm leicht möglich gewesen, einen der Bambusstäbe zu zerbrechen. Er ward auch hier durch glü- hende Eisen hinweg getrieben. Nun rannte er einige Male die Runde um den Platz, immer von den Augen deS Pfer- des gefolgt. Alle Anstrengungen des Gefolges, den Tiger auf das Pferd zu Hetzen, blieben ohne Erfolg. Er ward gebrannt, mit dem Speer gestochen, und wüthend gemacht, doch ließ er seine Wuth nur an den Bambusstäben aus und zeigte den Männern feine glänzenden Zähne; Nichts aber konnte ihn dahin bringen, den Hengst anzugreifen, und dieser schien nicht Willens, es seinerseits zu thun. Dieser beabsichtigte Kampf schlug also vollkommen fehl, und der Menageriemeister begann bereits zu zittern, daß der König seine Drohung wahr machen und ihn in die Arena schicken möchte. „Der Hengst ist ein braver Bursche," sagte Wadschid Ali.„Was meinen Sie, meine Herren, lassen wir ihn am Leben?" Die Umgebung war der Ansicht, daß das muthige Thier in der That verdiente, geschont zu werden. „Wir wollen es noch einmal versuchen, den Tiger wüthend zu machen," sagte der König, und widersteht er dem Angriff, so soll er leben." Herren, die fich zu Weihnachten eine kleine Pleite bescheert haben, noch später in dem bekannten Justizpalast in Moabit wieder begegnen, wo fie fich wegen dieses Weihnachtsgeschenkes zu verantworten haben dürften. Die Baupolizei des königlichen Polizeipräsidiums ist, wie das„B. Fr." meldet, mit Sachverständigen ins Ver- nehmen getreten behufs Feststellung neuer Vorschriften über Befestigung von Stuck- und Gypstheilen an den Faeaden der Häuser und im Innern. Mehrfach herbeigeführte Unglücksfälle durch herabfallende Stucktheile habm hierzu Veranlassung ge- geben. Zu wahren Goldgruben scheinen die Dunggruben auf dem städtischen Zentral-Vieh- und Schlachthofe sich für die Verwaltung gestalten zu sollen. Die„National-Zettung" meldet darüber nämlich folgendes:„Der Dünger auf dem Zentral- Vieh- und Schlachthof(rund jährlich 300,000 Zentner) ist durch das Viehhof-Kuratorium jetzt an den Landwirth Schrobs- dorff auf fünf Jahre verpachtet worden. Der Pachtpreis ist auf 23 Mark(?) für den Zentner festgestellt worden."— Das gäbe somit die Kleinigkeit von 6,90u,000 Mark jährlich, falls nicht ein Schreibfehler vorliegt, der einen gewaltigen Strich durch die Rechnung macht. Die erste neue Station, welche seit dem Bestehen der Stadtbahn den ursprünglich bestandenen Haltestellen hinzuge- fügt worden ist, die Etation„Thiergarten"(an der Char- lottenburger Chaussee) wird einer Bekanntmachung der zustän- digen Behörde zufolge am 5. Januar dem Betriebe übergebm werden. Die Entfernung vom Bahnhof Bellevue sowie vom Bahnhof Zoologischer Garten beträgt je 2V- Minuten. Die Betriebseröffnung fällt mit dem Beginn der Vorlesungen in der technischen Hochschule zusammen, Zwischen der Station Bellevue und Thiergarten war übrigens die Bauthätigkeit im letzten Sommer eine überaus rege. Hier ersteht ein vornehmer Stadttheil, von dem vor Jahresfrist nur wenig vorhanden war. In der Klopstockstraße ist eine lange Reihe palastartiger Ge- bände wie aus der Erde gewachsen, die Händel- und Lesstng« straße schließen fich ihnen cbmbürtig an. Wenn man von der Errichtung der Stadtbahn hoffte, daß sie dem Verkehr neue Wege zeigen, die Baulust nach neuen Gegenden lenken würde, so erfüllt sich diese Hoffnung draußen an der Lisiere des Thier- gartens zuerst. Noch wenige Jahre und es wird hier ein sich an Moabit anlehnendes, bis nach Charlottenburg reichendes neues großes Stadtviertel sein. Weiter draußen m der Um- gebung des Bahnhofes Charlottenburg ist dagegen noch Alle? öde und leer. Auch hier wird die Erlösungsstunde schlagen. Einstweilen aber saugt die Millionenstadt die ihr näher liegen« den unbebauten Terrains gierig aus. » r. Modernes Bettlerthum. An die bescheidene, in der Rosenthaler Vorstadt belegene Wohnung der Wittwe St. klopfte es leise. Hurtig öffnete die Inhaberin derselben und vor ihr steht ein halberwachsener Bursche, fie um eine„kleine Gabe" anflehend. Wie alle armen Leute, insonderheit Wittwen, mit dem Nothwendigsten selber nur kärglich, dafür aber mit Mitgefühl für die Noth des Nebenmenschen im reichsten Maße ausgerüstet, reicht fie dem Bettelbuben daS Butterbrod, das fie durch harte Arbeit verdient, und jener trat, zwar ohne Dankes- wort den Rückzug an. Kaum jedoch den Äugen der mtldherzi- gen Geberin entschwunden, wirft er das Butterbrod verächtnch in einen Treppenwinkel, von wo es bald nachher die entrüstete Spenderin wieder an fich nimmt. Dem Bettler war es nicht um Brot, sondern um Geld zu thun, und dieses ist bei Witt- wen und Armen nicht zu finden, ja oftmals kaum das Erstere. Doch wie wunderbar oft der Zufall spiett. Als fich die Ww. St. am Nachmittage desselben TageS zum Rollen einiger Wäsche in einen benachbarten GeschäftSleller begab, erschien bald darauf auch der ominöse Bursche und kaufte ein Quantum Kaffee,„aber vom Besten." Die entrüstete Frau, welche ihn sofott wieder erkannte, stellt ihn über seine unschöne Handlungsweise zur Rede, welche doch mit seiner jetzigen Forderung aar nicht im Einklang steht. Keck und trotzig erwidert der Bursche:„Meine Mutter tränkt keinen anderen Kaffee!" und verschwindet.— EineS weiteren Kommentares dedarf es wohl nicht, doch darf man fich nicht wundern, wenn angestchts solcher Vorgänge die Mildthätigkeit verschwindet und der anvochenden Noth die Thüre geschloffen bleibt, selbst auf die Gefahr hin,(dem wahrhaft Bedürftigen wehe zu thun. g- Am Neujahrstage kam zu dem Eigentümer des Hauses Zimmerstraße 37, Herrn Fabrikanten R„ ein Mann, angeblich Arbeiter bei der Gesellschaft für Müllabfuhr, und gratulirte zum neuen Jahre. Herr R., nichts Unrechtes ahnend, übergab ihm auch unbeanstandet ein Geldgeschenk von 2 Mk. Er erstaunte aber nicht wenig, als einige Zeit darauf wieder ein Mann gratuliren kam, der sich glaubwürdig als einer der Arbeiter bei der Müllabfuhrgesellschaft auswies, welche in dem R-'schen Hause die Müllabfuhr bewirken. R. war mit- hin einem schlauen Betrüger zum Opfer gefallen.— Der RegierungSbaumetster Runge hat sich mit seinen Angehörigen nach Jtalren begeben, woselbst er zu bleiben ge- denkt, bis er fernere Beweismittel für seine Schuldlostgkeit bei- gebracht haben wird. Wie die„Post" erfährt, ist ein Bruder Die Diener erhielten Befehl noch einmal Alles anzuwenden, um die Wuth des Tigers zu reizen. Mit Speren und glühenden Eisenstäben setzte man jetzt dem Thiere zu. Die Wuth desselben war allerdings auf's Höchste ge- steigert, und ein entsetzliche« Gebrüll und ein furchtbares Zähneflelschen war die Folge, nur war dasselbe nicht gegen das Pferd, sondern gegen seine Peiniger gerichtet und gegen die Veranda, auf welcher der König mit seinem Hof saß. In seiner Wuth erfaßte mehrmals der Tiger einen der Bambusstäbe, und wenn ihn dann ein glühende» Eisen traf, so stürzte er sich nur auf eine andere Stelle des Gitters, um dort von Neuem einen Durchbruch zu versuchen. Die mächtigen Bambusstäbe krachten unter seinem Gebiß. Es war in der That die größte Gefahr vorhanden, daß eS ihm gelingen möchte, einen derselben zu zerbrechen. „Laßt ihn hinau«!" befahl der König. Man versuchte ihn mit glühenden Stangen vom Gitter hinweg zu treiben. Da!.... mit einem furchtbaren Ge- brüll sprang das Thier auf denjenigen Theil der Umfriedi« gung zu, welcher unmittelbar auf die Veranda stieß. Hoch richtete es sich auf den Hinterbeinen empor und faßte einen der Bambusstäbe. Ein furchtbares Krachen.... und der starke Baum zersplitterte. Schnell sprangen einige Diener hinzu, um den wüthen- den Tiger von dieser zerbrochenen Stelle hinweg zu trei- ben. Derselbe zwängte jedoch seinen Körper durch die ent- standene Oeffnung und mit Wuthgebrüll stürzte er sich auf seine Peiniger. Die Diener prallten zurück. Sie hielten ihm die glühenden Eisenfiäbe entgegen. Ein Zetern und Ängstgeschre, ertönte von der Veranda. Die Fächermädchen hielten in ihrer Arbeit inne, mit laute« Schrei flohen sie von ihren Posten. Gellendes Angstgeschrei weiblicher Stimmm ließ sich auch hinter dem Gazevorhange hören, von wo der Harem des Königs dem Schauspiele zusah. Jedermann suchte fich durch die Flucht zu retten. (Fortsetzunz folgt.) seiner Frau vor kurzem nach Amerika gereist, um daselbst weiteres in Bezug auf einen Kaufmann zu veranlassen, der zur Beit des bekannten Prozesses zu denjenigen Persönlichkeiten gehörte, auf welche ein Theil der öffentlichen Meinung bringenden Verdacht geworfen hatte. Der betreffende Mann hat das mals Hals über Kopf Berlin und Europa verlassen und ist über den Dzean gegangen. Der Familie des Runge aber ist der Aufenthalt desselben nicht lange verborgen geblieben, und fie hofft nunmehr, durch ihre Maßnahmen in die Lage zu kommen, durch Herbeischaffung dieses Menschen, dessen Aeußeres eine auffallende Aehnlichkeit mit dem p. Runge haben soll, der ganzen Affaire eine andere Wendung zu geben. Wohl bekomm's!! Eine eigenthümliche, wenn auch nicht sehr finnige Weihnachtsbescherung wurde einem am Halleschen Thor wohnenden Rentier S. zu Theil. Unter den zahlreichen Geschenken befand sich auch ein fest enveloppirtes Packet des jüngsten Sohnes, der seit kurzer Zeit als Lehrling in einer hiesigen Apotheke beschäftigt ist, zur eigentlichen Bescherung jedoch nicht tommen fonnte, da er bis um 10 Uhr Abends in seinem Berufe festgehalten wurde. Das Packet des lieben Sohnes Erich enthielt eine funstvolle Atrappe, in welcher, wie ein beiliegender Bettel voll Stolz ausdrückte, fich ,, 500 eigenhändig fabrizirte- Rhabarberpillen für Papa" be fanden, als Zeichen der erlernten Fortschritte des jugendlichen Pharmazeuten. Eine aufregende Szene spielte sich in der Sylvesternacht im Hause 30 der Sorauerstraße ab. In einem Zimmer der vierten Etage daselbst war eine lustige Gesellschaft versammelt; der Christbaum strahlte wiederum im hellsten Kerzenglanze und illuminitt waren auch einige der anwesenden jungen Leute, welche der Sylvesterbowle fleißig zugesprochen. Als endlich des Jahres legte Stunde abgelaufen, stieg die allgemeine Aufregung bis ins Bedenkliche und einer der jungen Leute wurde plößlich, des füßen Punsches voll, von dem unwiderstehlichen Drange getrieben, irgend eine hohe" That auszuführen. Er fprang zum Fenster, riß beide Flügel auf, und fich dann auf die Brüstung schwingend, hielt er fich mit einer Hand an dem Fenster kreuz feft, bog sich mit dem Dberkörper vor und rief aus der schwindelnden Höhe den Paffanten und denen, die dies halsbrecherische. Manöver zu sehen verurtheilt waren, ein übermüthiges Profit Neujahr!" zu. Die in der Stube An wesenden wurden von Furcht und Entsezen ergriffen, man sprang von allen Seiten hinzu, um den Verwegenen an den Rockschößen festzuhalten und wieder zurückzureißen, doch dieser blieb mit der Hartnäckigkeit der Betrunkenen bei seinem wahnfinnigen Vorhaben. Da wollte es noch das Unglück, daß der Tannenbaum von den in der Stube Hin und Herlaufenden umgerissen wurde und Feuer fing, doch war es wohl vielmehr ein Glück zu nennen, denn die dadurch auftauchende Gefahr brachte den Angetrunkenen in soweit wieder zu sich, daß er feinen gefährlichen Standpunkt verließ und fich mit Erfolg an dem Ersticken der aufzüngelnden Flammen betheiligte, welches in wenigen Minuten gelang, " r. Unsere Damen. Während in Frankreich die Blutthat der Frau Clovis Hougues eine ganz bedenkliche Aufregung ver ursacht, aus der sich für den unbetheiligten Beobachter eine ebenso gefährliche wie beklagenswerthe Verirrung des Rechtsgefühls erkennen läßt, ist es nicht ohne Interesse, einen Blick auf das Geistesleben unserer Damen zu werfen, wie es fich in einem hiesigen Vereine darstellt, der Damen aus den gebildeteren Ständen der Gesellschaft zu seinen Mitgliedern zählt. In einer vor Kurzem stattgehabten Sigung dieses Vereins hielt zunächst Herr Dr. S. einen Vortrag über Nerven- Leiden". Der nach diesem Vortrage stattfindende musikalische Theil des Abends schien nun gewissermaßen eine Probe auf die NervenStärke der anwesenden Damen zu sein. Bunächst spielte, wie ein über jene Sigung verbreiteter Bericht sagt, Fräulein M. mit großer Fertigkeit bie Ballade As- dur von Chopin und die Phantafteftücke des Abends" und Aufschwung" von Schumann. Hierauf sang Frl. R. ,, an die entfernte Geliebte" von Beethoven, der erste Schnee" von Levanski und Fouge" von Mendelssohn. Sodann trug Herr Musikdirektor F. Die Pièce Sträußli Phantaste" für Cornet von Hoch, ferner eine Bhantafe Wolfram's und zum Schluß das ,, Lied an den Abendstern" von Wagner vor. Mit Erstaunen und mit Grauen hören die Spezial- Aerzte für Nervenkrankheiten von diesen Leistungen, denn nach ihren sachverständigen Gutachten wird Niemand von Allen, welche dieser Vereinsfigung wachend von Anfang bis zu Ende beigewohnt, o aktiv, ob passiv, o aktiv, ob paffiv, ist dabei gleichgiltig je zu ihren Patienten gehören, und eine so hochgradige nervöse Erregung, wie sie zur Ausübung einer That à la Clovis Hougues nöthig ist, wäre bei diesen Damen nicht leicht zu befürchten. Möge der betreffende Frauen- Verein, der sich die Belehrung und Unterhaltung seiner Mitglieder zur Aufgabe macht, fich der glücklichsten Resultate feines Strebens erfreuen; seinen schönen Mitgliedern machen wir für die in ihrer Ruhe und Energie bewiesene Nervenftärke unser galantestes Kompliment. = a. Zwei sehr gefährliche Heirathsschwindler, der Schuhmacher Unrath und der Buchbinder Wiese, sind heute zur Untersuchungshaft gebracht worden. Im September v. J. hatte eine verwittwete ältere Dame in einer Beitung ein Annonce veröffentlicht, durch welche fte einen Lebensgefährten fuchte. Es meldete sich bei ihr der Schuhmache Unrath, welcher fich der Dame als der Wertführer in einer Druckerei unter dem Namen Wiese vorstellte und angab, ledig zu sein und ein Jahreseinkommen von 800 Thalern zu haben und eine ältere Dame zur Führung seiner Wirthschaft heirathen zu wollen. Die Dame nahm mehrfach die Besuche des U. an, und verlobte fich sodann mit diesem vor seinen beiden ihr vorgestellten Freunden, dem Buchbinder Wiese und dem Kaufmann M. Diese beiden Freunde stellte Unrath thr aber unter den Namen Schulze und Müller vor. Nach der Verlobung entlockte U. der Dame, unter dem Vorgeben, Wirtschschaftsgegenstände einkaufen zu müssen und hierzu nicht die genügenden Mittel zu beftzen, nach und nach im Ganzen 600 M., welche er theils selbst, theils sein Freund Wiese al. Schulze bei ihr erhoben. Seit Anfang Dezember ließ fich Unrath bei der Dame nicht wieder sehen, und diese erfuhr auf ihre Erfundigungen, daß Unrath verheirathet ist, Kinder habe und mit seiner Familie in der Röpnickerstraße wohnt. Vor einigen Tagen erhielt die hiesige Kriminalpolizei von diesem Schwindel und zugleich von einem zweiten, weit gemeineren Heirathsschwindel Kenntniß, welchen Unrath in Gemeinschaft mit Wiese verübt bat. Ein junges Mädchen, welches sich während ihrer mehrjährigen Dienstthätigkeit 300 M. erspart hatte, war vor Kurzem von Außerhalb nach Berlin gekommen, um hier in Stellung zu treten. Dieses Mädchen logitte sich bei den Unrath'schen Eheleuten in der Köpnickerstraße ein. Unrath überredete das Mädchen, sich mit seinem Freunde Wiese zu verloben und diesem ihre Ersparniffe von 300 M. zur Einrichtung der Wirthschaft anzuvertrauen. Wiese und Unrath verpraßten dieses Geld, gleichwie fte die 600 M. der älteren Dame vergeudet hatten. Denn bei ihrer Einlieferung im KriminalKommiffariat befanden beide fich nur noch im Befiz von wenigen Pfennigen. N. Jn Betreff des Selbstmordes eines hiesigen Kaufmannes wird une, um eventuelle Jerihümer zu beseitigen, mitgetheilt, daß der Selbstmörder ein bisher in der Neuen Friedrichstraße 91 wohnender Kaufmann Dscar Mertens ist. Derselbe hatte fich am 1. d. M. ein Zimmer im Central Hotel gemlethet, und dort in der Nacht vom 1. zum 2. d. in felbftmörderischer Abficht Gift, allem Anschein nach Zyankali, zu sich genommen. Die Wirkung des fürchterlichen Giftes war eine fo rapide, daß sich sofort requirirte ärztliche Hilfe als zu spät erwies. Auf Anordnung der Behörde wurde die Leiche behufs gerichtlicher Obduktion nach dem Obduktionshause geschafft. Verantwortlicher Redakteur R. a. Ueber einen bei Brieg in Schleften verübten Raubmord, begangen von einem Lehrling gegen seinen Meister, gelangt an die hiesige Kriminalpolizei folgende Mittheilung: Am 26. v. Mts, Abends, ist unter einer Brücke bei Groß- Biaftenthal im Kreise Brieg die Leiche des Schuhmachermeisters Fischer aus Klein- Piastenthal aufgefunden worden, und zwar unbekleidet und in einen Bettüberzug gewickelt. Fischer ist wahrscheinlich in der Nacht zum 25. Dezember v. J. in seinem Bett überfallen und erschlagen und sodann seine Leiche unter die Brücke geschafft worden. Dringend verdächtig Leiche unter die Brüde geschafft worden. Dringend verdächtig der That ist der flüchtig gewordene Lehrling des Fischer, Julius Ladny, geboren in Schwanowis, Kreis Brieg, 17-18 Jahre alt, mit vollem, bleichem Gesicht, hellblonden Haaren, von schwächlicher Statur und mittlerer Größe. Derselbe ist im Befiz folgender, zum Theil neugekaufter Kleider: eines glatten, schwarzen Düffel- Ueberziehers mit schwarzem Sammettragen, einer dunkelblauen Weste, gleichfarbiger Hose, eines schwarzen, niedrigen, steifen Hutes, eines dunkelbraunen, farrirten Jaquets. Da das Wanderbuch des ermordeten Fischer fehlt, ist es möglich, daß der Mörder auf Grund desselben sich für den Fischer ausgiebt. N. Ein bedeutendes Schadenfeuer, dem wiederum mehrere Werkstattsanlagen zum Opfer fielen, snchte in der vergangenen Nacht das Grundstüd Gerichtstraße 72 heim. In der Dort in der ersten Etage belegenen Tischlerwerkstatt von Matschke war gegen 1½ Uhr auf bisher noch unaufgeklärte Weise ein Feuer ausgebrochen, welches mit einer solchen Vehemenz um fich griff, daß beim Eintreffen der schnellstens erschienenen Feuerwehr nicht nur bereits die in der 2. Etage bes legene Tischlerwerkstatt von Schmidt, sondern auch die zur legene Tischlerwerkstatt von Schmidt, sondern auch die zur ebenen Erde befindliche Sattlerei von Rahn und die Schmiedewerkstatt von Liebchen in Mitleidenschaft gezogen waren. Dbwohl sofort 2 Dampffprißen und mehrere große Handdrudsprigen in Bewegung gesezt worden, so konnte doch nicht verhindert werden, daß die sämmtlichen Werkstätten in febr empfindlicher Weise beschädigt wurden. Die Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten zogen fich bis heute früh gegen 6 Uhr hin. Der Schaden für die Abgebrannten ist um so bedeutenber, da nur einer und zwar der Tischler Maßschke, verfichert war. Im Deutschen Theater geht am Sonnabend, den 10. d. M. zum ersten Mal das Lustspiel„ Der Weg zum Herzen", von Adolph L'Arronge, in Szene. Außerdem bringt das Repertoire dieser Woche Wiederholungen von Die große Glocke", Romeo und Julia"," Die Neuvermählten" nebst Flattersucht" und Pitt und For"." Heut werden„ Die Neuvermählten" und Flattersucht" gegeben. 11 Gerichts- Zeitung. " 1 N. Der wegen des Sittlichkeits- Attentats in der Königshaide in Untersuchungshaft befindliche Arbeiter" Carl Grüßmacher hatte sich am gestrigen Tage vor der zweiten Straffammer des Landgerichts II wegen dieser Anklage zu verantworten. G. wurde, da er seiner Zeit durch das Dazwischentommen anderer Personen an der Ausführung seines schändlichen Verbrechens behindert worden, nur wegen Körperverlegung mit drei Monaten bestraft. Reichsgerichts- Entscheidung. Ein wohlhabendes Mäd chen machte die Bekanntschaft eines Gutsbefizer- Sohns, mit welchem fte sich verlobte. Bei der Verlobung erklärte sie ihrem Bräutigam, daß fie eine Ehe mit ihm nur eingehen merde, wenn ihm sein Vater mit 12 000 Mart ausstatte. Einige Beit später ließ der Vater des Bräutigams der Braut durch eine Mittelsperson mittheilen, er werde, wenn sie seinen Sohn heirathe, dem legteren 12 000 Mt. mitgeben. Nach der Hochzeit erfolgte die vom Vater zugesagte Mitgabe nicht, und da bas junge Ehepaar die erwartete Summe von 12 000 Mr. zur Verbesserung und Errichtung ihres Gutes nothwendig gebrauchte, so verstand sich der Vater des Ehemannes dazu, die 12 000 Mt. den Eheleuten als Darlehn zu geben. Nach dem Tode des Vaters verlangten die anderen Erben von der Wittwe jenes inzwischen auch verstorbenrn Sohnes die Rückgabe des Darlehns von 12 000 Mt. Ciese verweigerte die Rückgabe, indem sie eine Gegenforderung in gleicher Höhe wegen der ihr vor ihrer Ehe versprochenen aber nicht erfüllten Mitgabe für ihren damaligen Verlobten geltend machte. Mit dieser Gegen forderung wurde aber die von den Erben verklagte Wittwe in beiden Instanzen abgewiesen, und die von ihr eingelegte Re vision wurde vom Reichsgericht, IV. Zivilsenat, durch Urtheil vom 20. November 1884, zurückgewiesen, indem es begründend ausführte:„ Nach dem festgestellten Vorgange hat die beklagte nur ihrem ehemaligen Verlobten gegenüber erklärt, daß ste eine Ehe mit ihm nur eingehen werde, wenn ihn sein Water mit 12 000 Mt. ausstatte. Daß dieses Verlangen der Beklagten irgendwie und insbesondere zum Zwecke der Vertragsschließung in Beziehung gesezt ist zu der Person des Vaters des Verlobien, dem legteren in Absicht einer Vertragsschließung überhaupt nur bekannt worden ist, so daß er, als wie auf eine ihm gemachte Offerte, sich erklären fonnte und mußte, das ist weder behauptet noch sonst sachlich dargelegt. Jenes, dem Verlobten gegenüber ausgesprochene Verlangen der Beklagten ist daher nicht als eine, dem Vater des Verlobten gemachte Offerte einer Mitgift zum Zwecke der Eheschließung anzusehen. Wenn nun der Vater des Verlobten einige Beit später durch eine Mittelsperson der Beklagten hat mittheilen laffen, er werde, wenn sie seinen Sohn heirathe, dem legteren 12 000 Mart mitgeben, so steht diese Erklärung in feinerlei fachlicher Beziehung zu dem früher von der Beklagten an ihren Verlobten gestellten Verlangen, ist daber keine bejahende und einwilligende Antwort auf eine, dem Vater des Verlobten gemachte Offerte, also auch keine Akzeptation eines Versprechens. Beide Erklärungen stehen daher ganz isolist neben einander und bringen bestimmte Personen, als Vertragskontrahenten, überhaupt in feine rechtliche Berührung. Wenn daher ein Vertrag über die Mitgift mit dem Erblaffer der Kläger, dem Vater des Verlobten und späteren Ehemanns der Beklagten, überhaupt nicht zu Stande gekommen ist, so kommt es auf die forrelate Beziehung zwischen Eheschließung und Mitgift nicht weiter an."( B./B. 189/84.) Augsburg, 29. Tezember. Der Bürgermeister Kaspar Bihler von Hansen, Bezirksamt Bruck, wurde durch die Straftammer des Landgerichts wegen Betrugs zu sechs Monaten Gefängniß, 300 M. Geldbuße und zur Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt. Bigler begab sich, wie man den Münchener N. N." schreibt, im Mai 1883 zur Dienstmagd Anna Mösel nach Winkel und schwindelte derselben vor, fie müsse ihm ihre Sparbücher aushändigen, denn der neuernannte Bezirksamt mann von Bruck tomme zur Gemeindevifitation und wolle wissen, was die armen Leute befizen. Nichts Böses ahnend, gab die Mösel ihre beiden Sparbücher, welche zusammen auf den Betrag von 310 M. lauteten, und Bihler erhob bereits einen Tag später zu Landsberg den Betrag von 200 M. und zahlte damit seine Schulden. Auf die Frage, warum er diese gemeine Handlung begangen und ein armes rechtschaffenes Dienstmädchen um sein sauer erspartes Geld betrogen habe, antwortete er: Unser Herrgott hat's halt so geschickt, er ist daran schuld." Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. in dem großen Keller'schen Saal, Andreasfir. 21 zur Ver sammlung zu erscheinen, um über die nöthigen Schritte zur Abwendung der, den dortigen Arbeitern drohenden Gefahr, zu berathen. Kollegen! Bedenkt, ein Abzug bis zu 30 pet. bet einem Wochenverdienst von 15-18, höchstens 21 Mart würde ein Sinken der Löhne auf 12-15, höchstens 16 Mart mit sich bringen. Müssen wir demgegenüber uns nicht endlich er mannen? Nun wohl, Kollegen, zeigt, daß Ihr endlich die Größe der uns drohenden Gefahr erkannt habt und erscheint Mann für Mann in der Versammlung. Den Mitgliedern der Zentral- Kranken- und SterbeKaffe der Drechsler und Berufsgenossen( E. H. Nr. 48) zur Nachricht, daß die Beiträge bei folgenden Herren entgegens genommen werden, Sonnabends von 7 bis 10 Uhr Abends: Kleine Hamburgerstraße, Ecke der Elsasserstraße, bei Volland; Gollnow und Weinstraßen- Ecke; Andreasstraße 44 bei Wirfig; Fischerstraße 24 bei Geride; Alte Jakobstraße 124 bei Pfeiffer; Reichenbergerstraße 24 bei Schröder; Mittenwalderstraße 56: Naunynstraße 78 bei J. Müller. Mitglieder- Aufnahme findet auch in oben genannten Bahlstellen sowohl, wie bei dem Bevollmächtigten und Kassirer statt. Krantenscheine und Geld werden nur bei dem Bevollmächtigten Julius Müller, Engelufer5, oder im Lokal Naunynstraße 78 von 12 bis 1 Uhr und bei dem Kaffirer Kühn um dieselbe Zeit in der Fischerstraße 24 ausgegeben. Die Kranken- und Sterbekasse der Berl. Hausdiener, eingeschriebene Hilfskaffe 61, welche troß der kurzen Beit ihres Bestehens schon 1400 Mitglieder zählt, hält am Dienstag, den 6. Januar 1885, Abends 9 Uhr, in der Tonhalle, Friedrichstraße 112, eine außerordentliche General- Verfammlung ab. Tagesordnung: 1. Mittheilung. 2. Wie verhält sich unsere 3. Er Kaffe zum Sanitätsverein, Referent Herr D. Grauer. ledigung der eingelaufenen Anträge. 4. Wahl des Vorstandes. 5. Wahl des Ausschusses. Die Mitglieder 6. Fragefaften. werden ersucht, in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesord nung pünktlich zu erscheinen. Als Legitimation gilt das Quittungsbuch. Fachverein der Schmiede. Montag, den 5. Januar, Abends 82 Uhr, im Vereinslokal, Kommandantenstr. 77/79, 2. ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. 2. Bericht der Kommission. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vereinsangelegenheiten. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder Ehrensache. Der Vorstand. Der Verein der Berliner Bauanschläger hält beute Sonntag, den 4. b. M., Vorm. 10 Uhr, im Preuß'schen Lokal, Oranienstraße 51, eine Generalversammlung ab, mit der TagesOrdnung: 1) Bericht der Kommission über Unterstützung bei längeren Krankheiten. 2) Bericht der Revisoren über den Kaffenbestand. 3) Wahl des Vorstandes. Der Fachverein der Tischler hält seine nächste Versammlung am Montag, den 5. b. M., in Jordan's Salon, Neue Grünftr. 28, ab. In dieser Versammlung wird Herr Dr. med. Weise einen mit Experimenten begleiteten Vortrag über: Die Ursachen der Lungenkrankheiten" halten. Gäſte haben Zutritt, neue Mitglieder werden aufgenommen. Billets zum diesjährigen Maskenball des Vereins( am 24. d. M. im Schüßenbauſe) find in den Versammlungen des Vereins und bei den Mitgliedern Böhm, Johanniterstr. 10, H. III; Friese, Waldemarfir. 38, III.; Krug, Frankfurterstr. 59, IV. u. Wolter, Lothringerstr. 24, III. zu haben. Eingesandt. Ueber die sozialen Verhältnisse unter den Handlungsgehilfen erhalten wir von einem solchen folgende bemerkenswerthe Buschrift: Seit 12 Jahren in einem biefigen sehr bedeuten den Handlungshause thätig, habe ich Gelegenheit, die soziale Stellung meiner Berufsgenoffen in ihrem ganzen Umfange zu studiren und habe gefunden, daß unsere Lage in jeder Beziehung einer radikalen Reform bedarf. Ueber das Lehrlingswesen, will ich mich hier nicht auslaffen; für jest möchte ich mich nur mit den Handlungsgehilfen beschäftigen. Hat ein Handlungslehrling seine Lehrziit beendet, so blickt er in dem Gefühl, einem nach seiner Meinung bevorzugten Stande anzugehören, mit einer gewissen Nichtachtung auf den Arbeiterstand herab. Gewöhnlich bringt er seine freie Zeit in Kneipen und Tanzlokalen zu, den großen Herrn" spielend und über seine Verhältniffe lebend, obne etwas für seine weitere geistige Ausbildung zu thun und ohne zu überlegen, daß seine Stellung eigentlich sehr primitiver Natur und er bei eintretender Stellen lofigkeit oder Krankheit der Sorge und Noth preisgegeben ist, da die Handlungsgehilfen fast gar keine Kranken- und Hilfstassen befizen. Die Folgen der modernen Produktionsweise machen sich doch in allen Berufsklaffen und Branchen fühlbar. Daher ist auch in dem Kaufmannsstande ein Proletariat entstanden, welches in wahrhaft schreckenerregender Weise fich vermehrt und uns ernstlich mahnt, dem Umftchgreifen dieses Uebels energisch zu Leibe zu gehen. Dieses ist jedoch leichter gesagt, als gethan. Eine Koalition sämmtlicher Handlungsgehilfen würde an dem Indifferentismus und noch mehr an dem Kastengeist derselben scheitern. Es giebt wohl keinen zweiten Stand, in welchem der Raftengeist so ausgeprägt ist, wie in dem Kaufmannsstande. Die Handlungsgehilfen in den Bankhäusern halten es unter ihrer Würde, fich mit denen anderer kaufmännischer Branchen zu vereinigen. In Folge des leichten Geldverdienens an der Börse zu einer verhältnißmäßig üppigen Lebensweise geneigt, glauben ste nur tann ihrer Stellung zu entsprechen, wenn sie den Umgang mit Elementen aus der sogenannten Gesellschaft", wie z. B. Abel, Offiziere u. f. w. erstreben, obgleich fie sehr gut wissen, daß gerade diese Klassen in sozialpolitischer Beziehung Gegner der Börse sind. Doch was thut's, man hat ja sein Biel erreicht und seine Eitelkeit befriedigt, wenn man der Welt seinen diftinguirten Umgang gezeigt und dadurch als„ falonfähig in die sogenannte Gesellschaft" eingeführt ist. " Diese zweifelhaft glänzende" Lebensweise mag wohl ben Handlungsgehilfen anderer Branchen nachahmenswerth erschei nen, denn auch in diesen hat die Sucht nach einer solchen luxuriösen Lebensweise Blaz gegriffen. Auch die der Börse fernstehenden Handlungsgehilfen halten fich für vornehmer als ihre Berufsgenossen, welche einer schlechter bezahlten wie z. B. Kolonialwaarenbranche an= gehören. Daß ein derartiges gesinnungsloses Streberthum den Charakter des Kaufmannsstandes verderben muß, ist wohl leicht zu verstehen, und wohin die Folgen der Genußsucht und weichlichen Lebensweise führt, ist am besten aus der Statistik der Verbrechen zu ersehen, welche zu großem Theil von Leuten verübt werden, welche dem Stande der Handlungsgehilfen an gehören. Eine wie oben geschilderte Lebensweise muß auf die Dauer schlecht auf den Charakter und die Arbeitsfähigkeit wirken, muß schließlich den Hang zur Sinnlichkeit und zum Müßig gang fördern und aus diesen schädlichen Leidenschaften den Keim zum Verbrechen hervorsprießen lassen. Daher ist es die höchfte Beit, mit aller Energie die Handlungsgehilfen aus ihrem Indifferentismus aufzurütteln, fte an das Pretäre ihrer Lage zu erinnern, fie zu bewegen, sich durch Gründung von Vereinen, Kranken- und Hilfskaffen zu verbinden, und ich bin überzeugt, daß dann der größere Theil derselben durch die Verbesserung ihrer ungünstigen withschaftlichen Lage fich von dem Streberthum ab- und ebleren Bielen zuwenden würde. Aufruf an die Drechsler, Knopfmacher und Berufsgenossen. Schon wieder ist in der Markerf'schen Knopffabrik ein Lohnabzug von 10-30 pet. angekündigt und zwingt uns das Vorgehen des genannten Fabrikanten, an Cuch mit der Forderung heranzutreten, am Montag, den 5. Januar Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage Beilage nun Berliner Bolksblatt. Nr. 3. Sonntag, den 4 Januar 1885, IL Jahrgang. Neber Indianer schulen in den Vminiglen Staaten. In der Nähe von Lawrence in Kansas— so schreibt man der„Züricher Post"— befindet sich eine Schule, in welchen den Indianern männlichen und weiblichen Geschlechts Unterricht ertheilt wird. Derselbe erstreckt sich, außer den elementaren Lehrgegenständen, für die Schüler auch auf Land- und Gartenbau und auf verschiedene Handwerke. Die Zöglinge werden in irgend einem Gewerbe unterrichtet, wozu sie Neigung verspüren, ohne dabei einem großen Zwange unterworfen zu sein. Vor allen Dingen scheint eS darauf anzukommen, die Schüler an eine zivilisirte Lebens- weise zu gewöhnen und sie mit den elementaren Lehrgegen- ständen verlraut zu machen, so daß sie einfache Rechenexempel ausführen können, lesen und schreiben und die englische Sprache lernen. Einige haben darin Fortschritte gemacht; sie konnten Englisch sprechen und ihre Namen mit auffallend gefälliger Handschrift schreiben. Viele haben zwei Namen, «inen englischen und einen indianischen. Den letzteren haben Manche gar nicht gekannt oder vergeffen, wenn sie als Kinder hingekommen find. Nach ihrer Aufnahme mird ihr indianischer Name entweder in das Englische übersetzt und dann füh- ren sie den übersetzten Namen, oder, w�nn bei der Ueber- setzung gar zu wunderliche Namen zum Vorschein kommen, wie„der heulende Wolf" oder die„weiße MauS", dann wird kurzer Prozeß gemacht und sie erhalten einfach ge- wöhnliche englische Namen. Nach ihrem Eintritte wird ihnen auch das Haar gekürzt, welches sie sonst unverschnit- ten wachsen laffen. Ihre Tracht müsse« sie ebenfalls mit einem gewöhnlichen Anzüge vertauschen. Alle haben in den Ohrzipfeln Löcher oder kleine Spalten, in denen sie früher Schmuckgegenstände getragen haben. Die Schülerinnen müssen ebenfalls gewöhnliche amerikanische Tracht anlegen und ihr Haar wird auch dem entsprechend geordnet. Sie werden besonders auch in weiblichen Handarbeiten unter- richtet. Eine Schülerin hat sich bereits zur Lehrerin empor- geschwungen und versieht nun insofern eine wichtige Stel- lung, als sie die Sprache ihres Stammes versteht und den Unterricht einleiten kann. Schüler und Schülerinnen ge- hören verschiedenen Stämmen an, die sich aber nicht immer unter einander verständigen können, weil sie verschiedene Sprachen haben. Im Ganzen befanden sich zur Zeit 180 Personen in der Anstalt, von denen aber der größere Theil männlich ist. Das Alter der Schüler ist sehr verschieden. Es sind klrine Kinder da, die höchstens 2 Jahre alt sind, und Erwachsene, die das 30. überschritten haben. Die Schüler kommen entweder freiwillig, oder sie werden mit Zustim- mung ihrer Eltern durch Agenten in die Anstalt gebracht. Wenn sie unterrichtet sind, können sie wieder zu ihren Stämmen zurückkeyren. Früher hat man auf diese Weise wenig Erfolge erzielt, weil die Heimkehrenden mit Hohn empfangen und behandelt wurden, so daß sie bald wieder ihre frühere Lebensweise annahmen. Jetzt soll eS schon besser sein. Die Anstalt hat drei Gebäude. In dem einen wohnen die erwachsenen männlichen Schüler, in dem anderen die weiblichen und die Kinder und das dritte ist das Schul- haus. Ich besuchte die Anstalt in Begleitung von Pro« fessor Carnth von der Staats-Universität in Lawrence. Da eS während unseres ersten Aufenthaltes Mittag gewor- den war, so wollten wir auch am Essen Theil rehmen. Als die Glocke ertönte, versammelten sich die Schüler nach dem Alter in mehreren Abthcilungen auf einem Platze vor dem Speisesaale. Jede Abtheilung hatte einen Hauptmann, auf dessen Kommando sie im Gänsemarsch in den Speisesaal marschirten und vor den angewiesenen Serliner Sonntagsplauderei. E. C.„Saure Wochen— frohe Feste"— nun ist'S umg« kehrt, die frohen Feste sind vorbei und nur die sauren Wochen gähnen unS in endloser, monotoner Reihen- folge an. Die guten Vorsätze, mit denen jeder brav denkende Mensch zu Beginn des neuen Jahres seinen Weg zur Hölle pflastert, sind gefaßt, sie werden natürlich ebenso vergessen werden wie alle übrigen, vielleicht umgaukelt uns zu Be- ginn des nächsten Jahres eine dunkle Erinnerung an oicselben, sie wird dann ein wehmüthigeS Lächeln hervor« rufen. Aber wenn die offiziellen Feste auch vorüber sind, so ist gerade die jetzige Jahreszeit namentlich für die Ju- gend die Periode der schönsten Freuden und der heimlichen Gmüsse. Die Dichter aller Zeiten und aller Völker haben den sogenannten Wonnemonat Mai als die Zeit der ersten Liebe besungen. Das ist entschieden entweder ein chronologischer Jrrthum, oder, wenn man das nicht annehmen will, so paßt diese Zeitangabe doch durchaus nicht für die großstädtischen Verhältnisse Berlins. Denn jetzt ist die Zeit der öffentlichen„Tanzkurse" gekommen, wir stehen im Zeichen des BallschuheS und der weißen Glaces. Ja, die Tanzstunden! Der erste Tanzunterricht bildet einen bedeutsamen Abschnitt im Leben junger Leute. Die Schülerinnen befinden sich größtentheils im UebergangS- stadium vom Backfisch zur großen Dame, in einer Epoche, wo, wenn eS die elterlichen Mittel irgend wie erlauben, die übrigen Hausbewohner durch daS Exerzitium des an- sprechenden Musikstückes„DaS Gebet einer Jungfrau" mit «emerkenswerther Regelmäßigkeit dreimal täglich erschreckt werden. Es ist die schöne Zeit, in welcher angehende junge Damen„Poesie-AlbumS" mit den Bekenntnissen einer keuschen, höhcren-Töchterseele anfüllen, die Schreiberinnen dieser hochwichtigen Schriftstücke erglühen bei jedem Anlaß, wie ein Wölkchen unter den feurigen Küssen der Abend- sonne, und sie betrachten ein Schleppkleid als das Ziel oller ihrer irdischen Wünsche. Und daS Herrenpersonal in den Tanzkursen! Ihrer ! Plätzen stehe« blieben. Das weibliche Personal und die ' Kinder waren durch eine andere Thüre in den Saal ge- kommen. Die älteren Schüler sangen dann einen Choral,«aS aber nichts weniger als schön klang, und dann ließen sich alle, zum Essen nieder. Wir erhielten unserer? Plätze an einem Tische, an welchem ältere Schüler saßen. Das Essen bestand aus gekochtem Rindfleisch, welches in Schüsseln trocken aufgetragen wurde und von dem sich jeder nehmen konnte, aus Bohnensuppe und MaiSbrod. Vor jedem Teller stand außerdem noch ein Krug mit Wasser. Die kleinen Kinder verstanden schon recht gut mit Messer und Gabel umzugehen und versuchten nicht, waS ihnen doch gewöhnlich viel bequemer ist, das Essen mit den Fingern zu besorgen. Nach Beendigung deS Essens erhoben sich alle auf ein gegebenes Zeichen und verließen den Saal in derselben Ordnung, wie sie gekommen waren. Die An- stalt ist erst vor kurzer Zeit eröffnet worden. Gedruckte Berichte oder Lehrpläne waren nicht vorhanden. Hefte von Schülern konnte ich auch nicht erhalten, weil sie meist Schiefertafeln benützen. Die ganze Gesellschaft macht einen eigenthümlichen Eindruck; während der Eingeweihter« von jedem Einzelnen sagen kann, welchem Stamme er angehört, findet der Laie nur einige ausdrucksvolle, aber auch manche unschöne Ge- sichter, heraus. Auch unter den Schülerinnen befanden sich einige recht hübsche Erscheinungen. Man rühmt den Indianern hier keine lobenSwerthen Charakter-Eigenschaften nach und von der poetischen Lebensweise, von der in den Jugendschriften der deutschen Literatur erzählt wird, dafür hat man nur ein mitleidiges Lächeln." Kolltiseke UebnsirKt. Die weitere Ausdehnung des UnfällgesetzeS auf Tüncher, Verputzer(Wcißbinder), Gipser. Stuckateure, Lackirer, Bauklempner und solche Arbeiter, welche Blitzableiter anbringen, ist beim Bundesrath beantragt worden. Bekanntlich find nach § 1 Abs. 2 des Unfalloer sicherungSgesetzes diejenigen Bau- arb irter und bei Bauten beschäftigten Betriebsbeamten der 11 n« fallversicherung unterworfen, welche von einem Gewerbetreiben- den, vefsen Gewerbebetrieb sich auf die Ausführung von Maurer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Steinhauer- und Brunnen- arbeiten erstreckt, in diesem Betriebe beschäftigt werden. Nach §1 Abs. 8 kann jedoch durch Beschluß des Bundesrath die Versicherungspflicht auf Arbeiter und Beamte in anderen, nicht unter Absatz 2 fallenden, auf die Ausführung von Bauarbeiten fich erstreckenden Betrieben ausgedehnt werden. Zu denjenigen Bauarbeitern, welche im Wesentlichen der gleichen Unfallgefahr wie die dem§ 1 Abs. 2 aufgeführten ausgesetzt find, gehören die genannten Arbeiterklassen, die nun auch verficherungs- pflicktig werden sollen. Mit Rückficht darauf, daß die Bildung der Berufsgenossenschasten bereits im Werke ist, erscheint eine beschleunigte Beschlußfassung hierüber am Platze. Aus Kassel, Oldenburg und Hamburg find Petitionen an daS Reichsoer- stcherungsamt um Ausdehnung des Unfalloerficherungsgcsetzes nach der erwähnten Richtung gekommen. Betreffend der Neueinführung einer kleineren Münze, als wie den Pfennig, schreibt die„Volksjtg.":„Die„Nordd. Allg. Ztg." ist, wie mitgetheilt, mit dem Vorschlage hervorge- treten, in unser Münzsystem eine kleinere Münze als den Pfennig, etwa entsprechend dem früheeen bayerischen Heller, einzuführen, da j.tzt für Unterabtheilungen der Maße, wie z.B. für ein viertel Liter oder ein fünftel Pfund, von den unbe- mittelten Konsumenten in Folge der nothwendigen Abrundung auf ganze Pfennige mehr gezahlt werden müsse, als bei einer wetieren Srückelung der Münze nothwendig sei. Das offiziöse Blatt hat mit den daran geknüpften Ausführungen den Gegnern einer Besteuerung der nothwendigen Lebensbedürfnisse ein besseres Material zur Vertheidigung ihres Standpunktes ge- liefert, als es selbst zu ahnen scheint. Zunächst ist es bemerkens- Privatbeschästigung nach sind eS meistentheils Gymnasiasten, sie schwelgen im Genuß der ersten Zigarre und dessen un- ausbleiblichen Folgen, ein Pince-nez krönt die jugendliche Nase, sie glauben durch Anbringung dieses entsetzlichen Möbelstückes studentenmäßiger auszusehen, und wenn Einer von ihnen einmal den Lilienarm eines hübschen Dienstmädchens gekniffen hat, so hält er sich für einen auöge- machten und gefährlichen Don Juan. Und wenn der arme Knabe unglücklicher Weise über die Keime eines Schnurrbartes verfügt! Er maltraitirt die- selben so lange, bis sie total ausgerissen sind. Wer erinnert sich nicht«och ber ersten Tanzstunde? Es giebt gewiß unverfrorene Menschen auf der Welt, aber eS wird so leicht Niemand gefunden werden, der ohne Weiteres einzugestehen wagt, daß ihm die Situation zuerst besonders behaglich vorgekommen ist. Wie schüchtern ist von der einen Seite der erste Knix, wie linkisch von der anderen Seite die erste Verbeugung. „Ich finde es hier furchtbar heiß, mein Fräulein," mit dieser geistreichen wie überraschend neuen Redewendung wird die Unterhaltung begonnen, und sie senkt hold er- rölhend die veilchenblauen, beziehungsweise schwarzen Augen. Innerlich ist sie selig, denn es passirt ihr so feiten, daß sie Jemand mit„mein Fräulein" anredet. Doch wie lange douerts, dann ist das Eis gebrochen. Wenn man erst über die ersten„Positionen" weg ist, wenn die„Herren" unter der Hand des Tanzmeisters erst ein Wenig geschmeidiger geworden sind, und die Dämchen nicht mehr so steif dasitzen wie eine altmodische steifleinene Por- zellanfigur, dann schwindet allmählich die Unbeholfenheit in der Unterhaltung, und urplötzlich giebt es kleine, süße Geheimnisse, Eifersuchtsszenen mit ihrer Lust und ihrer Qual und Liebesintriguen, die sich bis in die Hörsäle der Gymnasien weiterspielen. Ja, mitten im starrsten Winter treibt in jugendlichen Herzen der holde Liebesfrühling seine ersten zarten Blüthen. Und in dieser Zeit leben wir gerade jetzt, man werfe nur einen Blick auf die vielfachen Anzeigen überall, und wenn nun auch für Erwachsene die Zeit der frohen Feste vorüber ist, so ist die heranwachsende Generation augenblicklich um so besser daran. Für sie kommt erst die prosaische Periode, wenn der werth, daß endlich einmal an dieser Stelle anerkannt wird, zu welcher schweren Belastung sich ein Aufschlag von hal- ben und viertel Pfennigen summiren kann, wenn er auf die unentbehrlichen Artikel des täglichen Ver- brauchs fällt. Bisher ist gerade von dieser Seite immer hartnäckig die Anschauung verfochten worden, daß kleine Zuschläge solcher Art der Konsument überhaupt nicht fühle und gerade darum indirekte Steuern weit leichter getragen würden, als direkte Steuern. Bei den im Deutschen Reiche vor fünf Jahren eingeführten Zöllen handelt es stch nicht allein um eine Besteuerung mit Bruchtheilen von Pfennigen, sondern durchweg um eine Besteuerung mit mehreren ganzen Pfennigen; die Berechnung der darin liegenden jährlichen Steuerlast für eine Arbeiter- familie hat also noch eine weit größere Berechtigung, als die von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" angestellte Be- rechnung der aus der Abrundung resultirenden Belastung der vorzugsweise auf den Einkauf in sehr kleinen Quantitäten an- gewiesenen VollSklassen. Außerdem aber liegt in den AuS« fühmngen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" das Zu- geständniß, daß der Detailhandel die Normiruug der Verkaufs- preise gerade gegenüberden ärmstenKonsumenten zu seinen Gunsten durchzusetzen die Kraft hat. Muß man dann aber nicht auch nothwendig annehmen, daß derselbe Detailhandel die in den Zöllen liegende Vertheuerung, welche vom Großhandel ihm zugeschoben wird, nun seinerseits in vollem Umfange auf die Käufer abwälzen wird, ja sogar wiederum mit einer Abrundung auf ganze Pfennige bei den kleinsten Einkäufm? In diesem Falle, wo die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" einmal das Interesse der Konsumenten wahrzunehmen bestrebt ist, stellt ste stch somit genau auf den- selben Baden, auf welchem von jeher alle Diejenigen stehen, welche entschiedene Gegner der Zölle auf nothwendige Lebens- mittel find." Die Ausweisung des italienischen ZeitungS-Korrespon- denten Cirmeni auS dem preußischen Staatsgebiete, beschäftigt fast die gesammte Presse. Derselbe schreibt über seine Aus- Weisung an die„Voss. Zeitg." Folgendes:„Am Abend deS 26. Dezember 1884 fand ich in meiner Wohnung den Befehl, das preußische Gebiet binnen zwei Tagen zu verlassen. Gründe waren nicht angegeben als die Worte:„Der italienische Staats- angehörige Benevetto Cirmeni hält fich Hierselbst auf und macht stch hier lästig." Den nächsten Morgen ging ich zum Herrn Polizei-Präfident v. Madai, um zu fragen, wodurch ich mich lästig gemacht habe. Er antwortete mir:„Durch Ihre literarische Thatrgkert." Ein anderer Grund wurde nicht ange- geben. Aus privaten, aber sicheren Quellen erfuhr ich nun, daß man mich in Verdacht hat, irgend welche Artikel der italienischen Zeitung„Jl Diritto" inspirirt zu haben."— Herr Cirmeni verstchert nun weiter, daß er nie etwas Beleidigendes gegen die deutsche oder preußische Regierung geschrieben, son- der« im Gegentheil mit den politischen Anstchten des Fürsten Bismarck sympathifirt habe.— Die„Voss Zeitg." bemerkt dazu:„Nach diesem Vorgange eröffnen sich für die hiesigen Korrespondenten auswärtiger Blätter recht angenehme Aus- stchten. Wenn fie nur das schreiben dürfen, wodurch ste der preußischen oder der Reichsregierung nicht lästig fallen, also nur das, waS dieser angenehm ist, so find fie damit unter Zensur gestellt, und es entsteht für auswärtige Blätter die Frage, ob Berliner Korrespondenten überhaupt noch Werth haben können. Daß etwa ähnliche Maßregeln gegen deutsche Konespondenten im Auslande ergriffen worden wären, hat man bis jetzt nicht gehört. Wundern aber dürfte man sich nicht, wenn gelegentlich Vergeltung geübt würde." In betreff der St. Lucia-Bai wird dem Reichsboten von gut unterrrchleter Seite mitgetheilt, daß die deutsche Re- gierung bereits Ordre ertheilt hat, in der St. Lucia-Bai die deutsche Flagge zu hissen, und daß zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Kabinet von St. James gegenwärtig ein leb- hafter Meinungsaustausch über die Lilderitz'schen Vertcags- ansprüche stattfindet. Man sei diesseits fest entschloffen, die Priorität der deutschen Ansprüche unbedingt zur Geltung zu bringen. Um Aufhebung der Grenzsperre für die Vteheiufuhr aus Rußland ist dem Reichstage eine Petition von schlestschen große Ball, bei dem der Chor der Mütter die Wand- Tapisserie bildet, die jungen Leute[noch einmal um ihren Meister vereint. In einem Monstre-Kotillon entwickelt sich dann unter Knallbonbons- Salvenfeuer nnd Blumen- Bombardement das glänzende Schlußtableau der Tanz- unterrichtS-Saison. Wie viele Handbücher, Leitfäden und Klassiker aber beim Antiquar schnöde„verklopft" worden sind, um diese Blumenfülle hervorsprießen zu lassen— wer kann daS ermessen? Wenn dann der letzte Kontretanz zu Ende, der letzte Bogenstrich verhallt ist.— dann aller- dings ist eS aus mit dem Liebesfrühling, da» gepreßte „Auf Wiedersehen, mein Fräulein," klingt so hoffnungslos, daß man es wohl merkt, daß, obwohl jetzt draußen die Natur zu erwachen beginnt, in die jungen Herzen eisiger Winter einzieht. Der Jüngling schrertet dann erst nach Haus, um seinem Jammer in Versen Luft zu machen. Auf der Schwelle aber dreht er sich noch einmal um und—„sein letzter Seufzer ist Ama- lia!"——— Berlin hat wieder einmal sein besonderes Vergnügen. Von unseren zukünftigen Landsleuten aus dem dunklen Kon- tinent hat sich eine Deputation im Aquarium eingefunden, um sich für Geld betrachten zu lassen. Dort unten in jenem fernen Wunderlande müssen die Leute doch wirklich noch glücklicher sein wie wir, oder die Quantität deS Unglücks, welches sich dort auf den Einzelnen konzentriren kann, muß eine geradezu fabel- hafte sein. Man bedenke nur: die junge schwärzliche Dame, die sich im Panoptikum den Blicken der europässchen Besucher präsentirt, ist eine Tochter der 300 Frauen, über welche Herr Cetewayo, seligen Angedenkens, verfügte. Dreihundert Frauen! Wie namenlos glücklich muß Herr Cetewayo gewesen sein, wenn er sich mit dieser respek» table« Anzahl von Damen vertrug, aber wehe dem Aerm- sten, wenn er sich vielleicht einmal eine allgemeine Gardinen- predigt zuzog. Jeder Ehemann, der einmal in die mißliche Lage gekomnen ist, einen derartigen Redeerguß von einer einzelnen Dame entgegennehmen zu müssen, wird da» Grauen und Entsetz;« verstehen, welches ein gewöhnliches Menschenherz bei diesem Gedanken beschleicht. Um eine solche Leistung ertragen zu können, dazu gehört eben wirk- Fleischermeistern zugegangen. Dieselben ersuchen um Bulaffung fremden Viehes unter sanitätspolizeilicher Kontrole. Die Be tition wird jedenfalls von der Petitions- Kommission eingehend diskutirt und dann dem Plenum des Reichstages zur weiteren Beschlußfaffung überwiesen werden. Wie verlautet, wird auch in Regierungsfreisen zugegeben, daß das Verbot der Vieheinfuhr aus Rußland, durch welches die Einschleppung der bort herrschenden Viehseuchen verhindert werden soll, sich nicht vollständig durchführen läßt. Die bisher zu diesem Zwecke getroffenen Maßregeln, als die Verstärkung der Gendarmerie an der Grenze, die Anstellung von Grenzthierärzten, die Einrichtung von Diensttontrolen in den Grenzfreisen, die Befchränkung und sorgfältige Ueberwachung der Viehverladungen auf den in der Nähe der Grenze belegenen Eisenbahnen, die Verschärfung der Strafbestimmungen für Zuwiderhandlungen gegen das Vieheinfuhr Verbot u. f. w., haben den VichSchmuggelhandel an der Grenze und die Gefahr der Einschleppung der Rinderpest nicht zu beseitigen vermocht. Frankreich. Wie bereits mitgetheilt, hat der Gemeinderath von Paris das Budget der Polizeipräfettur, nächdem er die einzelnen Artikel angenommen, mit 40 gegen 37 Stimmen abge lehnt. Dieser Beschluß wird von der Regierung für nichtig erklärt und das betreffende Budget von Amtswegen in das allgemeine Budget der Stadt Paris eingeschrieben werden. Der Minister des Innern wird jedoch in Folge dessen beim Beginn der Seffion sofort den Antrag stellen, daß der eigentliche Polizeidienst direkt vom Ministerium des Innern abhängig gemacht werde und also die Kammern über das Budget der Polizeipräfektur bestimmen sollen. Die Regierungsblätter sprechen sich sehr scharf gegen das Vorgehen des Gemeinderathes aus. Herr Ferry hält eine rasche Beendigung der tonkinesischen Expedition zu seiner eigenen Sicherheit endlich für geboten. Ein Privattelegramm aus Paris meldet heute: République française" führt aus, in Tonkin tönne nur bis April operirt werden, dann beginne die ungünftige Jahreszeit, und was dann nicht geschehen sei, das tönne erst ein halbes Jahr später unternommen werden. Set aber Tonkin bis zu den Generalwahlen nicht erobert, so sei der Sturz des Ministeriums ficher. Da nun lezteres leben wolle, werde es Alles thun, um mit Tontin bis zu den Wahlen fertig zu werden; mibersegen fich einzelne Minister der Absendung der nöthigen Verstärkungen, so werde man ste zur Demisston zwingen. Legtere Anspielung des Regierungsblattes ist bereits zur Wahrheit geworden: Campenon ( der Kriegsminister) hat seine längst angedrohte Des mission gegeben und Ferry unterhandelt mit vers schiedenen Generälen, darunter Davoust und Leval, wegen feines Ersatzes." Großbritannien. Gestern Abend um 9 Uhr fand auf der unterirdischen Stadtbahn in London wieder eine Explosion statt. Der Dit der That war diesmal im westlichen Zentrum Londons zwischen den Stationen Kings- Croß und Gower- Street in der Nähe einer Reihe größerer Bahnstationen und nicht weit vom Regents Part. Die Eisenbahnbeamten behaupten, daß dieselbe durch Tynamit verursacht worden sei. Die Fensterscheiben der Eisenbahnwagen wurden zertrümmert, das Gas erlosch, in die Mauer des Tunnels wurde ein Loch von zwei Fuß im Quadrat geriffen; die Explosion war so heftig, daß die in der Nähe lie genden Gebäude erschüttert wurden, drei Personen wurden leicht verlegt. Ein Verlust an Menschenleben ist glücklicher Weise auch bei diesem Attentat nicht zu beklagen, wie erfreus licher Weise überhaupt bei allen bisherigen Dynamit- Attentaten der Menschenverlust ein verschwindend geringer war.. . Afrika. Ein griechischer Kaufmann, der Anfangs September aus Obeid enitam und Ende November in Massauah eintraf, ist vor einigen Tagen in Kairo angekommen. Er wurde am 28. Dezember von Sir Evelyn Baring ausgefragt. Er sagte, daß feine Engländer in Dbeib seien; der einzige Fremde daselbst fei der frühere deutsche Diener des Majors von Seckendorff, der die Artillerie der Rebellen befehligt. Chartum werde von einer 20 000 Mann starken Armee belagert, die ihre Lebensmittel von Sennaar beziehe. Australien. Die nach Londoner Depeschen von England beanspruchten Inseln in der Südsee, östlich von Neuguinea, die von Bougateville im vorigen Jahrhundert entdeckten und nach dem König von Frankreich benannten Louistaden, die Roffel- und die Südostinsel, sowie die nördlich von ihnen gelegene WoodTartinsel find räumlich höchst und bedeutende Eilande aus Korallentalt oder von vulkanischem Gebilde und haben an fich teine tommerzielle Bedeutung, wohl aber erscheinen fie nunmehr als englische Wachtposten gegenüber dem deutschen Besize in Neu- Britannien und Neu- Irland. Auch von der D'Entre caftraurinsel ist fürzlich, berichtet worden, daß sie England in Besitz genommen habe oder nehmen werde. Es ist dies eine lich ganz ,, kannibalische" Kourage. Es ist daher auch gar tein Wunder, wenn Herr Cetewayo sich bei Lebzeiten bisweilen etwas lockeren Gewohnheiten überließ. Also die Mama der jungen Dame hatte Anspruch auf ben breihundertsten Theil des Herzens Cetewayos. Wahrscheinlich wird sie diefer Umstand in den Augen der Berliner besonders interessant machen, ob sie aber persönlich irgend welche Vortheile von ihrem Hiersein hat, ist eine andere Frage. Es ist in letter Beit ja so häufig vorges kommen, daß man Leute aus aller Herren Länder hierher zu uns verschleppt hat, es hatte das im Großen und Ganzen keinen anderen Zweck, als die Unternehmer auf Kosten der armen Fremden möglich schnell und verhältnißmäßig mühelos reich, und einzelne berühmte Professoren durch die Messungen, die von denselben ausgeführt und dann gefliffentlich in alle Welt ausposaunt werden, noch berühmter zu machen. Wir wollen es nicht untersuchen, ob jene Experimente irgend welchen Werth für die Wissen fchaft gehabt haben, jebenfalls ist den armen Teufeln, die man hier wie Wunderthiere durch's Land schleppt, die Reise ziemlich häufig recht schlecht bekommen, die Indianer ertranfen bei dem Untergang der„ Cimbria" vor Hamburg, von den Feuerländern erreichten nur wenige ihre Heimath wieber, fie fonnten hier das Klima nicht vertragen und starben in Deutschland und in der Schweiz, und die Singhalesen, die uns jüngst besuchten, wurden von ihren Landsleuten bei ihrer Zurückunft mit Reile" empfangen. Wir wollen nicht hoffen, daß den Herrschaften aus dem Zululande hier auch irgend ein Unglück droht. Es ist immer ein trauriges Gefühl, wenn man sieht, daß Leute ber Gewinnsucht Anderer zum Opfer fallen, dena was im Allgemeinen für ein Humbug damit getrieben wird, daß man fagt, man könne bei solchen Gelegenheiten die Sitten und Gebräuche fremder Völker kennen lernen, das weiß am besten der, der wirklich frembe Völker und namentlich fogenannte Wilde" kennen gelernt hat. Wilde" Völkerschaften betragen sich im Allgemeinen auch nicht roher als man es hier in gewissen Kreisen und in gewissen Verfammlungen zu hören und zu sehen bekommt. Schon aus biefem Grunde ist die Einführung von Kannibalen bei uns vollständig überflüssig. Gruppe von hohen vulkanischen Inseln nördlich von dem östlichen Ende von Neuguinea, welche gegen Ende vorigen Jahr hunderts, 1793, von dem französischen Srefahrer, deffen Namen fte tragen, entbeckt wurde; aber erst vor zehn Jahren wurde ihre Lage von dem bekannten englischen Marinelapitän Mores ben auf seinen Entdeckungskreuzen an den Küsten von NeuGuinea ziemlich genau bestimmt. Es sind drei größere Inseln, welche Moresbey Goodenough, Fuogusou- und NormanbyInsel nannte. Die dort wohnenden Melanefter nahmen Moresben, der mit einigen Leuten landete, freundlich auf. Dem Reuterschen Bureau wird aus Melbourne vom 1. Januar gemeldet: Mr. Murray Smith, der General- Agent für Vikforia in London, ist angewiesen worden, einen energischen Protest gegen die Anerkennung der deutschen Ansprüche auf einen Theil von Neu- Guinea zu erheben und zu erklären, daß, falls das fragliche Gebiet nicht zurückverlangt wird und die neuen Hebriden behauptet werden, das Gefühl der Entfrembung der Kolonisten vom Mutterlande England verstärkt werden wird. Lokales. N. Eine Million 809 483 Stadtbriefe find in der Beit vom 31. Dezember 1884 Mittags bis 1. Januar b. J. Abends im Drte selbst zur Bestellung eingeliefert worden. Bei einem vergleichenden Rückblick auf das Vorjahr ergiebt sich daraus, daß in diesem Jahre etwa 30 000 Stüd mehr als im Vorjahre eingeliefert worden. Unter obiger Gesammtzahl befinden fich 9166 unfrantirte Briefe, 1007 514 mit Pf., 224 855 mit 5 Pf. franfirt, 277 316 waren Postkarten und 290 632 Drucksachen. Kaiser- Wilhelm- Straße. Bekanntlich hat das fönigliche Polizei- Präfidium bereits bei der Festsetzung der Baufluchten für die Kaiser- Wilhelm- Straße die Verbreiterung der Münzstraße gefordert; auch hat daffelbe erklärt, nicht eher die Prü fung des Projektes der Anlage einer Pferdebahn durch die Münzstraße vornehmen zu können, bevor nicht die Festsetzung neuer Baufluchten für dieselbe erfolgt set. Der Magistrat hat infolge deffen ein diesbezügliches Projekt ausgearbeitet, und wird dasselbe demnächst der Stadtverordneten versammlung zur Brüfung und Genehmigung zustellen. Nach diesem Projekte wird die Münzstraße an der Stelle auf 19 Meter verbreitert werden, und werden davon die Grundstücke Münzstraße 15-18 und Alexanderstraße 55 und 56 betroffen. Die Festseßung neuer Baufluchten erscheint um so dringender, als voraussichtlich nach Fertigstellung der Markthalle in der Neuen Friedrichfiraße sich sehr schnell eine Umgestaltung der in dem engen Theile der Münzstraße stehenden alten Häuser vollziehen wird und eintreffenden Falls es erforderlich ist, daß die neuen Baufluchten schon feststehen, sollen nicht durch das Fehlen derselben der Stadtgemeinde große Koften erwachsen. Seitens des Königl. Polizeipräsidiums wird für den Bezirk der Innung Bund der Bau-, Maurer- und Bimmer meister zu Berlin"( Stadtgemeinde Berlin) bestimmt, daß 1. Streitigkeiten aus den Lehrverhältnissen der im§ 120a, der Reichs- Gewerbe- Ordnung bezeichneten Art auf Anrufen eines der streitenden Theile von dem Ausschuß für das Lehrlingswesen(§ 43 der Statuten) und, sobald die genannte Innung dem Jnnungsausschusse zu Berlin beigetreten ist, von diesem auch dann zu entscheiden find, wenn der Arbeitgeber, obwohl er ein in diefer Innung vertretenes Gewerbe betreibt und selbst zur Aufnahme in dieselbe fähig sein würde, gleichwohl der Innung nicht angehört und 2. die von der Innung er laffenen Vorschriften über die Regelung des Lehrlingswesens ( S$ 37-45 der Statuten) auch dann bindend find, wenn Deren Lehrherr zu den unter Nr. 1 bezeichneten Arbeitgebern gehört. Diese Bestimmung tritt mit dem 1. Februar 1885 in Kraft. g. Turnlehrerinnen. Zur Theilnahme an dem am 8. April d. J. in der Königlichen Turnlehrer- Bildungsanstalt zu Berlin beginnenden 3monatlichen Kursus zur Ausbildung von Turnlehrerinnen find in erster Reihe solche Bewerberinnen für geeignet befunden worden, welche die Prüfung als wiffenschaftliche Lehrerinnen bezw. als Handarbeits- oder Beichen lehrerinnen abgelegt haben. Bewerberinnen über 35 Jahre werden zur Ausbildung nur ausnahmsweise zugelaffen. Der Unterricht in der Kgl. Turnlehrer Bildungsanstalt ist unentgeltlich. Die durch den Aufenthalt in Berlin entstehenden Kosten find aus eigenen Mitteln zu bestreiten; es erfolgt je doch auch in Ausnahmefällen, aber nur für die Bestreitung des Unterhalts in Berlin, eine Unterstüßung durch bezw. aus dem Bentralfonds. Diese Unterstügungen werden stets erst am Ende eines jeden Monats gezahlt. Bur Bestreitung des Unterhalts einer Theilnehmerin an dem Kursus hat der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten 90 M. pro Monat als erforderlich bezeichnet. Eine besondere Turnklei dung wird nicht verlangt, nur dürfen die Kleidungsstücke die freie Bewegung des Körpers, besonders der Arme, nicht hemmen. Das Kleid muß die Füße fret laffen, die Abfäge lan den Lederschuhen müffen breit und dürfen, außen gemessen, nicht über 12 Cm. hoch sein(!) Bemerkt sei noch, daß die für die Aufnahme in die Anstalt geeignet befundenen Aspiran tinnen bei ihrer Aufnahme event. einer ärztlichen Untersuchung unterworfen werden, von deren Ergebniß die schließliche Entscheidung abhängt. In jedem Falle muß die Bewerberin das 18. Lebensjahr vor dem Schlusse des Kursus( Ende Juni) vollendet haben. N. Der Afritareisende E. Flegel ist jetzt so weit wieder hergestellt, daß er täglich auf einige Stunden das Bett ver laffen barf. Doch ist Herr Flegel noch sehr matt, so daß er noch keine Besuche annehmen darf und immer noch einer sehr strengen Diät bei möglichst nahrhafter Rost unterworfen bleibt. Auch leidet der Kranke an einer starken Nervosität. Sehr günstigen Einfluß hat die Ankunft seines Bruders auf ihn ausgeübt, der vor einigen Tagen, nachdem er endlich direkt vom Minister in Petersburg einen Vaß erhalten hat, aus Chersou in Süd- Rußland eingetroffen ist. Dieser Bruder ist Gymnaftallehrer und ebenfalls ein vielgereifter Mann, da er nach seinen Studien in Rußland und Deutschland( auch Berlin) fich längere Zeit in legterem Lande, wie auch in Frankreich, Spanien, Italien aufgehalten hat. Er wird die Tagebücher seines Bruders über Afrika bearbeiten. Die größte Freude über die Genesung E. R. Flegels legen seine beiden schwarzen Freunde und Reisebegleiter, die beiden HauffaLeute an den Tag. Es ist rührend, mit welcher ängfilichen Soifalt fte sich um ihren Beschüßer zu thun machen. Herr legel gedenkt Ende Februar Berlin wieder zu verlassen und nach einem mebrwöchentlichen Aufenthalt auf Madeira mit den beiden Hauffas nach dem Binete zurückzugehen. b. Zwei Millionen Ueberschuß weist die Stadthaupt faffe für 1884 auf. Man hat dies mit Triumph verkündet, aber dabei vergessen, wie viele Tropfen saurer Schweiß daran leben. hat man doch gerade im vorigen Jahre Tausende in höhere Steuerstufen gefegt und zum Schluß des Jahres abermals daffelbe Spiel begonnen. Vor allen Dingen aber sollte man nun einmal mit einer theilweisen Reform der Miethssteuer Ernst machen. Sie drückt die erwerbenden Stände in unerträglicher Weise. Unsere Miethen für Läden und Geschäftsräume find so hoch gestiegen, daß viele Leute hauptsächlich für den Wirth arbeiten. Der Inhaber eines bescheidenen Ladens zahlt oft mehr Miethe, als der Bewohner einer luxuriösen Wohnung. Die hohe Mietbesteuer vollends drückt ihn furchtbar, während der reiche Inhaber einer Bitvatwohnung fie nicht fühlt. Man brauchte die Miethssteuer nur vernünftiger zu vertheilen und Tönnte doch dieselbe Gesammtsumme herausschlagen. So wie fte heute erhoben wird, macht sie von Jahr zu Jahr mehr böses Blut. g. Die Arbeiten auf den öffentlichen und den Privatbauten haben bis jezt keine Unterbrechung erfahren und so | kann die erfreuliche Thatsache konstatirt werden, daß eine sehr große Zahl von Bauhandwerkern tros der Winterzeit Lohn und Brot findet. Die immer mehr zunehmende Baulust giebt fernerhin die Garantie, daß auch im Laufe dieses oder der Unter den Stadtnächsten Jahre flott gebaut werden wird. bahnbögen an der Zentralmarkthalle in der Neuen Friedrichstraße, sowie längs des übrigen Theils der Parallelstraße bis hinter die Rochstraße werden Läden eingerichtet, deren Räum lichkeiten bereits jeßt zum Theil vermiethet find. Ueberhaupt wird sich in dieser Stadtgegend binnen Kurzem eine sehr rege Thätigkeit geltend machen, namentlich dann, wenn erst mit dem Aufbau der Häuser in der Kaiser Wilhelmstraße der Anfang Der Parallelstraße für die Stadtbahn, welche gemacht wird. ihre Lage auf der Nordseite hat, dürfte wahrscheinlich das noch fast neue Haus Rochstraße Nr. 3 Plaz machen müssen, mindestens müßte es aber einen großen Umbau unterzogen werden, weil die ganze Veranlagung der Parallelstraße eine Aenderung in ben gegenwärtigen Verhältnissen erheischt. An eine Fertigstellung der Bentralmarkthalle zum April oder Mai ist gar nicht zu denken; dieselbe wird aller Voraussicht nach erst im Jult oder Auguft dem öffentlichen Verkehr übergeben werden fönnen, bis zu welchem Termin auch die Anschlußbahn fertiggestellt sein dürfte. g. Die Pächter von Eisbahnen find seit gestern vont neuen Hoffnungen stark beseelt. Der eingetretene Froft hat ste veranlaßt, fleißig Waffer auf die zur fünstlichen Eisbahn her zurichtenden Flächen zu gießen und da die Aussicht auf ein Gefrieren begründet zu sein scheint, so ist schon für morgen Die Wiedereröffnung der unfreiwillig geschlossenen Eisbahnen sehr wahrscheinlich. Bu jenen Eisbahnen, welche fich morgen einer Neueröffnung erfreuen dürften, gehört die auf dem ausgedehnten Terrain des Vereins für Velosipedwettfahrer in der Brückenallee. Eine effektvolle Beleuchtung der Bahn durch elektrisches Licht wird eine Benutzung derselben bis zum späten Abend ermöglichen. Nach Allem hat es den Anschein, als wenn doch noch die Unternehmungslust der Pächter von gutem Erfolg gekrönt werden soll. Wie start es übrigens in den legten Nächten gefroren hat, beweisen die großen und starken Eisschollen, welche auf der Spree treiben. Mit dem Eintreten des Frostes ist auch wieder der Wasserstand der Spree etwas gesunken; die über dem Wafferspiegel an den Uferverschälungen und den sonstigen festen Punkten sich befindlichen Eiskruften geben hiervon Beugniß ab. Tritt fein Schneefall ein und ist Der jezige Frost ein anhaltender, so fann man auf schönes, reines Eis, sogenanntes Kerneis, rechnen. Bis jest war es in diesem Jahre stets mit Schnee vermischt, weshalb es namentlich bei den künstlichen Eisbahnen bald ablief und so die nackie Erde nicht gefahrlose Stellen für den Schlittschuhläufer erzeugte. " unentgeltliche stenographische Lehrkurse beginnt der Berliner Zentralverein Roller'scher Stenographen wieder für Herren, Damen und Schüler am Dienstag den 6. Januar im August- Garten", Auguststr. 24; Mittwoch den 7. Januar in Der V. Schloßkneipe", Neue Friedrichstr. 1 an der Stralauer brücke, und Donnerstag den 8. Januar im Restaurant Waf mann, Leipzigerstraße 33, überall Abends 8 Uhr. Die Kurse erfordern bei der leichten Erlernbarkeit des Roller'schen Systems nur 4 Lehrstunden, wöchentlich eine. Für die Lehrmittel hat jeder Theilnehmer 2 M., zu den Unkosten der Be fanntmachung 1 M. beizutragen. Meldungen zur Theilnahme werden an den genannten Abenden in den betr. Lokalen von den daselbst anwesenden Lehrern entgegengenommen. Auch finden Mittwochs und Sonnabends Nachmittagskurse à 5 M. inkl. der Lehrmittel in den Unterrichts Instituten, Gr. Präftdentenstr. 10, am Hacke'schen Markt, und Müllerstr. 70, am Weddingplatz statt. = b. Die Erhaltung großer Schlangen in der Gefangen schaft ist ein sehr schwieriges Stück, weil die wenigften zum reffen zu bringen find. Einen selten glücklichen Erfolg hat das Aquarium mit einer füdamerikanischen Anaconda gehabt. Sie verzehrt Woche aus, Woche ein ihre zwei Tauben, während eine andere, mit ihr gleichzeitig eingetroffene Anaconda vers hungerte. Das Thier zeichnet sich durch seine Wohlgenährtheit, seine Munterfeit und seinen feurigen Blick vor allen Schlangen des Aquariums aus. Es ist auch während seiner Gefangen schaft bedeutend gewachsen. Interessant ist es, zu sehen, wie die Schlange fich in das ihr beinahe zu eng gewordene Bassin thres Behälters hineinzwängt. Sie drückt und schiebt so lange, bis fte das Kunststück fertig bekommen hat. Eine besonders feffelnde Szene giebt es, wenn der Wärter bineinsteint, um den Behälter zu reinigen. Mit dem großen, starken Thier ist nicht gut spaßen und so sucht er ihm, wenn er in dem Baffin liegt, eine große Decke überzuwerfen. Mißlingt dies Manöver, so sucht er die Schlange in eine Ecke zu drängen und ihr hier die Decke überzuwerfen. Der Kampf dauert zuweilen eine ganze Zeit. Bet Theaternachrichten ist einiges Mißtrauen gewöhn lich am Blaze. Nicht ohne einen gewissen Argwohn über nehmen wir daher die Mittheilung der Zägl. Rundschau": Eine Dame, die vorläufig nicht genannt sein wolle, habe die Bestimmung getroffen, daß nach ihrem Tode ihr ganzes Vermögen, ca. 100 000 Watt, dem Deutschen Theater anheimfallen solle. Nach den Bestimmungen der Spenderin soll diese Schenkung die Grundlage zu einem Pensionsfonds bilden, welcher nur für die Sozietäre und Mitglieder des Deutschen Theaters bestimmt ist. Herr L'Arronge soll die frohe Mähr den Mitgliedern des Theaters bei einer Sylvesterfeier im ,, Englischen Hause" gebracht haben; in welcher Stimmung, sagt die Tägl. Rundschau" nicht. " " rf. Zeugen gesucht. Unsere Mittheilung über die Be handlung, welche dem Arbeiter" During im Aufnahmebureau der Königl. Charité zu Theil wurde, hat eine Anklage gegen den Arbeiter" During, die Berichterstatter und einen Augenzeugen zur Folge gehabt. Behufs Vertheidigung gegen die grundlose Anflage und zugleich im öffentlichen Interesse, wäre es erwünscht, wenn solche Personen, welche etwa in der Königl. Charité bezm. im Aufnahmebureau eine schlechte Behandlung erfahren haben, hierüber dem Vertheidiger des Angeklagten, Herrn Rechtsanwalt Raphael, Königstraße 69, Mittheilung machen. Goldene Hochzeit. Die in der Wienerstraße 29, Hof 1 Treppe, wohnenden Schneider Rennthaler'schen Eheleute feiern am 11. Januar ihre goldene Hochzeit. Die alten Leute stehen im 72. und 73. Lebensjahr, find schon seit vielen Jahren kränklich und in Folge deffen gänzlich erwerbsunfähig. b. Der Herr Doktor" spielte unter den Stammgäften der Potsdamer Bahn eine große Respektsrolle. Gegen alle möglichen Uebel fragte man ihn um Rath und bereitwillig ertheilte er gratis seine Rathschläge. Sie flangen zwar manch mal etwas wunderbar, aber die Wissenschaft geht oft ihre eigenen Wege, für welche der Late fein Verständniß hat. Wie ein Lauffeuer verbreitete es fich nun am ersten Geschäftstage des neuen Jahres unter den Stammpaffagieren, daß der„ Herr Doktor" Kommis in einem Bankgeschäft sei. Nach- und Schamgefühl erforderten eine exemplarische Bestrafung. Mit Windeseile fanden sich bei der Ankunft in Berlin die Gefoppten zusammen, bildeten eine lange Chaine und begrüßten den Titelsüchtigen mit einem langgezogenen, höhnischen: Guten Morgen, Herr Doktor!" Und als der Entlarvte be schämt von dannen schlich, schallte ihm ein schadenfrohes Hohngelächter nach. Und die Moral von der Geschicht': Man wolle nie mehr scheinen als man ist! N. Sprung aus dem Fenster. In einem Anfall von Geistesgestörtheit stürzte sich gestern Mittag gegen 12 Uhr die in dem Hause Barnimstraße 50 wohnende 29jährige Ehefrau des Kaufmanns Waldauer in vollständig unbekleidetem Zustande aus dem Fenster ihrer in der 1. Etage belegenen Wohnung auf den Bürgersteig. Wunderbarer Weise hat die Frau außer e n e น It 7= e re T. 1, 8 of te te En ent le T 9* re Lie ge Cit e= ent 1: e lle oft Die au de ng jet geringen Hautabschürfungen keinerlei ernstere Verlegungen Cavongetragen. Sie mußte, nachdem sie von Hausbewohnern ins Haus getragen und angefleidet war, um ähnliche Vorkomm niffe zu verhüten, in eine Anstalt für Geistestranke überführt werden. Projektirtes Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 4. Januar bis 11. Januar 1885. Im Opernhause: Sonntag den 4.: Die Stumme von Bortici; Montag den 5.: Die weiße Dame; Dienstag den 6.: Satanella; Mittwoch den 7.: Violetta; Donnerstag den 8.: Fidelio( Herr Niemann); Freitag den 9.: Martha; Sonnabend den 10., zum 1. Male: Der Trompeter von Säfingen; Sonntag den 11.; Tannhäuser; ( Herr Niemann). Im Schauspielhause: Sonntag den 4.: Rosenkranz und Güldenstern; Montag den 5., auf Begehren: Der Leibarzt; Dienstag den 6.: Das Testament des großen Kurfürsten; Mittwoch den 7.: Christoph Marlow; Donnerstag den 8.: Die Geier- Wally; Freitag den 9.: Emilia Galotti; Sonnabend den 10.: Rosenkranz und Güldenstern: Sonntag den 11.: Hans Lange. Polizei- Bericht. Am 2. d. M., Vormittags, entstand in einem Anbau des Malzbodens der Bodbrauerei am Tempel hofer Berg dadurch Feuer, daß ein in den Schornstein zu weit hineingelegter Balten in Brand gerieth. Die Feuerwehr Am war zur Stelle und löschte den Brand in furzer Zeit. Nachmittage deffelben Tages sprang ein Mann in selbstmörde: rischer Absicht von der Moabiter Brücke in die Spree, wurde jedoch von einem Schiffer noch lebend aus dem Wasser ges zogen und dann nach dem städtischen Krankenhause in Moabit gebracht. Am 3. b. M., früh, entstand in der auf dem Grundstück Gerichtsstraße 72, Hof 1 Tr., belegenen Tischlerei von Maschke Feuer, welches so schnell um sich griff, daß beim Erscheinen der Feuerwehr auch die Tischlereien von Schmidt und Müller im zweiten und dritten Stockwerk in Flammen standen. Die Feuerwehr war mit einer Dampf- und drei Handdrucksprisen vier Stunden lang in Thätigkeit. Die eine Hälfte des Eeitengebäudes ist gänzlich ausgebrannt. Gerichts- Zeitung. Ein interessanter Hausfriedenbruchsfall beschäftigte die sechste Straftammer hiesigen Landgerichts I. in der Straffache gegen den Bäckergesellen August Hoppe. Von der hiesigen Bäckerinnung war im Sommer v. J. zur Erledigung einiger Angelegenheiten der Krankenkasse eine Versammlung der Kaffenmitglieder einberufen und der Bäckermeister Bernard vom Innungsvorstande mit der Leitung derselben beauftragt. Der Angeklagte, welcher dieser Versammlung als Kaffenmitglieb beiwohnte, soll sich in der Diskussion ungebührlich benommen und die Weisung des Vorsigenden unbefolgt gelaffen haben. Als schließlich der Angeklagte, trozdem ihm das Wort entzogen war, zu reden fortfuhr, forderte ihn der Vorfizende zum Verlaffen des Saoles auf, welcher Aufforderung derselbe keine Folge leistete. Auf den von Herrn Bernhard gestellten Strafantrag wurde Hoppe wegen Hausfriedensbruchs angeklagt und vom Schöffengericht auch zu 50 Mart eventuell 5 Tagen Gefängniß verurtheilt. Auf die von demselben eingelegte Berufung lam die Sache vor der obigen Straffammer zur abermaligen Verhandlung. Der Angeklagte vertheidigte sein Recht als Mitglied der Innungs- Krantenkaffe, in der einberufenen Versammlung verweilen zu dürfen, und sprach dem Vorsitzenden Die Befugniß ab, ihn hinauszuweisen. Der Gerichtshof ließ die vom Angeklagten angeregte Frage auf sich beruhen, da nach dem Innungsstatut nur der Vorstand der Innung, welcher durch zwei Mitglieder deffelben vertreten wird, zur Stellung des Strafantrages berechtigt gewesen wäre. Da sonach ein legaler Strafantrag nicht vorliege, mußte das erste Urtheil aufgehoben und das Verfahren als unzulässig eingestellt werden. Wegen Rauchbelästigung ihrer Nachbarn resp. wegen Betriebs einer Kefselanlage unter Nichtbefolgung der in der Konzefflonsurkunde auferlegten Bedingungen hatten sich heute Die Inhaber der Sprittfabrik von Fröhlich u. Unger vor der 88. Abiheilung des hiesigen Schöffengerichts zu verantworten. Nachdem beim Polizeipräsidium mehrfach Beschwerden der Bewohner der Michaelkirchstraße über Belästigungen durch den aus dem Schornstein der Angeklagten auf dem Hofe des Grundstücks Köpnickerstraße 56 ausgeströmten Rauches eingegangen, erließ daffelbe eine Aufforderung an die Inhaber der Fabrik, durch Verbesserung ihrer Einrichtungen für eine möglichst vollständige Rauchverbrennung zu sorgen. Obgleich diese nun ihrem Feuermann die größte Sorgfalt beim Anmachen des Feuers resp. beim Aufschütten neuen Feuerungsmaterials bringend zur Pflicht gemacht haben, soll nach der Bekundung des Hauseigenthümers Schulz auch nachher die Ranchbelästis gung nicht nachgelaffen haben. Der Gewerberath v.Stülpnagel begutachtete, daß bei dem heutigen Stand der Technit sich eine fast vollkommene Rauchverbrennung erzielen laffe. Die Anges flagten behaupten zwar, die besten Einrichtungen bei ihrer Reffelanlage getroffen und für prompteste Bedienung der Feues rung gesorgt zu haben; der Gerichtshof erachtete dieselben gegenüber der von dem Zeugen Schulz bekundeten Thatsache nicht für ausreichend und verurtheilte die Angeklagten deshalb, da sie die eine Bedingung der ihnen ertheilten Konzession nicht erfüllt haben, zu je 40 Mark ev. je 4 Tagen Haft. Unter der Auflage der Majestätsbeleidigung stand heute der noch sehr jugendliche Buchbindergehilfe Theodor Mor Rudolph vor den Schranken der vierten Straftammer biefigen Landgerichts I. An einem Dttober Abend sang in einem Restaurationslokale eine angebeiterte Gesellschaft das bekannte Kornblumenlied des Boltsdichters Queva.( Derselbe wurde kurz vor dieser Verhandlung wegen partiellen Nachdrucks des bekannten Schaufelwalzers mit dem Refrain, So wie Du" zu 30 W. ev. 6 Tagen Gefängniß verurtheilt.) Der ebenfalls anwesende Angeklagle rief dazwischen: Ach, was geht uns der Katser an; fingt lieber das Bebellied!" Hieran fand einer der Gäfte, der Raufmann Engel, eine Beleidigung des Kaisers und ließ den Angeklagten durch einen herbeigeholten Schußmann verhaften. Auch die Staatsanwaltschaft und der Ges richtshof fanden in den Worten des Angeklagten eine Gering, schäßung gegen den Landesherrn, wenn nicht gar den Ausdruck der Verachtung. Derselbe wurde deshalb für schuldig erachtet und zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. " Das deutsche Bundesschießen in Berlin vom Jahre 1882 hat gestern ein Nachspiel im Gerichtssaal gehabt. Vor der zweiten Straffommer am Landgericht II stand der Schuhmacher Otto Franz Miehlte aus Berlin unter der Beschuldigung, am 18. Juni 1882 auf dem Bundesschießfeftplate bei Weißen see dem Schlächtergesellen Wichael eine filberne Taschenuhr entwendet zu haben. Der Bestohlene stand vor einer Würfel bude, als er plöglich einen Rud an feiner Uhrtette verspürte. Er griff nach der Westentasche, die Uhr war fort, die Kette zerschnitten. Hinter ihm stand nur allein ein reduzirt aussehender Mensch, den der Schlächter sofort faßte und zu einem Gensbarmen führte. Der Dieb gab die Uhr wieder heraus und bat, ihn nicht unglücklich zu machen, aber das half ihm nur insoweit, als er vor einer ihm drohenden Lynchjustiz be wahrt wurde. Ein Gensdarm und der Amtssekretär brachten thn nach bem Amtsbüreau, bort wurde fofort ein ein Protokoll mit mit ihm aufgenommen, er selbst mit„ Otto Franz Miehlte" unterzeichnete, nachdem er seine Personalien durch Borlegung eines auf denselben Namen lautenden Miethevertrages belegt hatte. Auf direkte Anfrage bei dem zuständigen Polizeirevier in Berlin fam die Nachricht, daß ein Schuhmacher Michlte, auf deffen Person das angege bene Signalement paffe, in der angegebenen Wohnung gemel det sei. Anläßlich dieser Auskunft wurde der Dieb am anderen Tage entlassen, von dem Augenblicke an war er indeffen verschwunden, bis er vor einigen Monaten in Meß aufgegriffen wurde. Nach Berlin gebracht und vor Gericht gestellt, führt er einen umfangreichen Alibi- Beweis, durch welchen er be weisen wollte, daß er sich während des ganzen Schüßenfestes in Oranienburg aufgehalten habe. Thatsächlich bekundete seine Schwiegermutter dete seine Schwiegermutter die freilich nicht vereidet wurde - daß Miehlte sich während der angegebenen Beit nicht aus Dranienburg entfernt hätte, und ein anderer Nachbar belundete, daß Miehlke zu der Beit nicht einmal einen Anzug gehabt hätte, mit welchem er sich in Berlin sehen lassen fonnte. Diese Aussage wurde aber durch den Umstand entkräftet, daß der Nachbar nicht fortwährend in Gesellschaft entkräftet, daß der Nachbar nicht fortwährend in Gesellschaft des Miehlte fein konnte und der Dieb in einem recht schäbigen Anzuge ergriffen wurde. Das Hauptbeweismittel bildet aber die Unterschrift des in Weißensee aufgenommenen Protokolls, die mit der Unterschrift des bei den Akten befindlichen Miethsdie mit der Unterschrift des bei den Akten befindlichen Mieths vertrages übereinstimmte. Bum Ueberfluß ließ der Gerichtshof den Angeklagten nochmals in der Sigung seinen Namen schreiben und die Schriftzüge stimmten mit den vorerwähnten Unterschriften überraschend überein. Der Angeklagte versuchte nunmehr einen neuen Beweisantrag durchzudrängen, daß er seiner Beit den Miethsvertrag an den großen Unbekannten" zur Ablieferung an den Hauswirth übergeben hatte, zog den Antrag aber schließlich zurück, als ihm die Aussichtslosigkeit desselben vorgehalten wurde. Mit Rücksicht auf seine Vorstrafen wurde der Angeklagte zu zwei Jahren Buchthaus, dret Jahren Ehrverluft und Polizeiaufsicht verurtheilt. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. h. Für alle Buchbinder und verwandten Berufsgenossen sämmtlicher Branchen des genannten Industrie- und Gewerbetriebes( der Buchbinder, Kartonagens, Mappen-, Album, Lederwaaren, Portefeuille, Luruspapier c. Branche) wird es bei der täglich mehr in Fluß gerathenden Lohnbewegung derselben von besonderem aktuellen Interesse sein, zu erfahren, daß, wie uns von der Buchbinder 2c. Kommission zum Zweck der Veröffentlichung mitgetheilt wird, von den ca. 200 hiesigen Buchbinderei 2c. Werkstuben und Fabriken zur Zeit erst etwa der vierte Theil( nur wenig über 50) die Wahl von Ver trauensmännern( oder Werkstuben- Delegirten) vollzogen hat, während drei Viertel( ca. 140-150) Wertstuben noch im Rück stand und somit der Erfüllung ihrer gewerkschaftlichen Pflichten im Dienste der materiellen Interessen der Gesammtheit wie des Einzelnen nicht nachgekommen sind. Das Institut der Vertrauensmänner ist aber für Die ersprießliche Weiterentwickelung und den erfolgreichen Verlauf der Lohnbewegung in allen genannten Branchen von so hoher Wichtigkeit, daß die Lohnkommission fich veranlaßt fileht, die Kollegen aller zur Berufsgenossenschaft gehörenden Branchen ouf's Eindringlichste zu ersuchen, die bis jetzt unterlassenen Vertrauensmännerwahlen in allen Fabriken und Werkstuben unverzüglich vorzunehmen. Ueber die Dringlichkeit einer derartigen möglichst zahlreichen Vertretung der Werkstätten aller Branchen durch Vertrauensmänner wird faum irgend Jemand in Zweifel sein können, wenn man beachtet, daß es zu den Hauptaufgaben der Vertrauensmänner gehört, die von jeder Werkstube zu gewährenden regelmäßigen freiwilligen Beiträge zum allgemeinen Unterstüßungsfonds( für alle Eventualitäten ber Lohnbewegung) in jeder Werkstube oder Fabrik zu sammeln und an die Kommission abzuliefern, in stetigem Rapport mit der Kommission die lettere über alle für die Bewegung bes langreichen Vorgänge und Arbeitsverhältnisse auf dem Laufenben und in ununterbrochenem Kontakt mit allen Fach- und Branchen- Kollegen und Verhältnissen zu erhalten. Möge daher -wozu die Lohnkommission im Interesse der Sache allgemein auffordert keine Fabrik oder Werkstube länger versäumen, einen oder mehrere Vertrauensmänner zu wählen. D Der Internationale Gewerkschafts- Kongreß in Chi cago. Der vierte Jahres- Kongreß der Federation of Trades and Labor Unions of the United States and Canada" trat am 7. Oktober in Chicago zusammen. Wir entnehmen dem in Cleveland, Staat Dhio, erscheinenden ,, Carpenter" über die Verhandlungen folgendes: Vertreten waren folgende Internationale Organisationen: die Typographical Union, die Ci garrenmacher Union, Brotherhood of Carpenters and Joiners, Amalgamated Society of Engeneers, die Granit Cutter's Union, Möbelarbeiter, Schneider, Seeleute und SpinnerUnion. Ferner waren vertreten: Trades and Labor Assemblies von Minneapolis, Chicago, Washington, Cinc nnati und eine Affembly der Knights of Labor aus letterer Stadt. Das Legislativ Komitee fonstatirt in seinem Bericht, daß der ungünstige Verlauf unferer großen Strifes, als wie derjenige der Telegraphisten und der Spinner in Fall River sowie der jegige Kampf der Kohlengräber im Hocking Thal, die Nothwen digkeit einer festeren Vereinigung aller Arbeiter klar machen. Die legten 12 Monate feien denkwürdig, für Fortschritte in dieser Richtung. Viele Organisationen feien entstanden und die bestehenden haben ihre Mitgliederzahl vermehrt. Das Komitee empfiehlt die Anstellung eines Organisators, welcher dir Bentral- Organisation repräsentiren soll. In Bezug auf Strifes fagt das Komitee, daß eine Ueberellung bei solchen verhütet werden sollte. Strifes seien industrielle Kriege, deren Folgen zu beklagen feien, die aber als das einzige Mittel gegen Winkür und Unterdrückung nicht immer zu verhüten feten. In den verschiedenen Gewerken des Landes haben im Laufe des lezten Jahres folgende Strikes stattgefunden: Berg leute 9; Buchdrucker 6; Metallarbeiter 17; Lederarbeiter 15; Bauarbeiter 9; Eisenbahn- Angestellte 4; Tertilarbeiter 10; Taglöhner 4; verschiedene Gewerbe 24. Von diesen Strikes waren 31 für die Ausstandigen erfolgreich; 35 waren erfolg los; 5 wurden durch ein Kompromiß beigelegt und von 27 ist das Resultat nicht bekannt. Durch diese 98 Strifes wurden 53,000 Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen. 50 Ausstände richteten sich gegen eine Lohnberabſegung; 7 bezweckten eine Lohnerhöhung; 3. die Feststellung eines Lohnsates; 5 die Entlassung von Nicht- Mitgliedern einer Union; 3 fürzere Arbeitszeit; 3 die Erlangung rückständigen Lohnes. Arbeitszeit; 3 die Erlangung rüdständigen Lohnes. Bwei richteten sich gegen die gezwungene Unterzeichnung eines Kontraftes und brei gegen Auflagen in der Werkstätte. Bei 22 war die Ursache nicht angegeben. Das Komitee empfahl die Einführung einer sorgfältigen und eingehenden Strifes- Statistit. In Bezug auf die Achtstundenfrage erklärt das Komitee, daß feine andere Frage in größerem Maße die Aufmerksamkeit verdient. In Uebereinstimmung mit einem Beschluffe des letzten Kongreffes wurden die National- Komitees der republikanischen und der demokratischen Partei ersucht, thre Stellung gegenüber dem Achtstundengefeß zu erklären. Von dem einen lief gar feine und von dem andern eine ausweichende Antwort ein. Es ist offenbar unnüt, auf eine Gefeßgebung in dieser Hinsicht zu warten.(?) Die Arbeiter müssen sich auf sich selbst verlassen hinsichtlich der Ergreifung und Durchführung der richtigen Maßnahmen. Das Komitee giebt dann eine Uebersicht über die Bemühungen zur Erlangung von Arbeitergefeßen, die in verschiedenen Staaten gemacht wurden. In Bezug auf die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit wurde durch Beschluß der 1. Mai 1886 als der Tag bestimmt, an dem alle zur Föderation gehörenden Organisationen die achtstündige Arbeitszeit einführen sollen. Ein Beschluß, in welchem Präsident Arthur getadelt wird, weil er das Amt eines Sekretärs des nationalen Bureaus für Arbeits Statistit noch nicht belegt hat, wurde angenommen. Beschlossen wurde ferner: Die in Konvention versammelte Föderation der Gewerkschaften von Amerika und Kanada empfiehlt, daß die verschiedenen Geschäftszweige, welche mit einander verwandt find ,, sich zum Bwede gegenseitiger Hilfe vereinigen, besonders die Baugewerbe, welche in großen Städten eine Bau- Liga und eine internationale Organisation bilden sollten, um sich bei Beginn = der Bausaison einen anständigen Tagelohn zu sichern. Das Brogramm enthält folgende Forderungen: 1. Die strenge Durchführung Des nationalen Achtstunden Gesetzes. 2. Die Schaffung von Staats- und Bundes- Gesezen behufs Inkorporation von Gewerkschaften. 3. Die Schaffung eines Schulzwang- Gesezes. 4. Ein Gefeß, welches die Be schäftigung von Kindern unter 14 Jahren in Fabriken, Wertftätten und sonstigen Arbeitsplägen verbietet. 5. Die Ein führung von gleichmäßigen Lehrlings- Gesezen. 6. Ein Gese, welches die kontrafiliche Vergebung von Gefangenenarbeit in Strafanstalten verbietet. 7. Aufhebung des sogen. ,, Truck" Systems. 8. Die Schaffung eines Gesezes, welches dem Arbeiter bei etwaigen Vorkommnissen das erste Anrecht auf die Erzeugnisse seiner Arbeit sichert. 9. Die Widerrufung des Verschwörungs- Gesezes. 10. Die Anstellung eines Sekretärs fär das nationale Bureau für Arbeits- Statistit. 11. Die Schaffung eines Gesezes, durch welches die Inkorporation von ausländischen Arbeitern unter Kontraft verboten wird. 12. Die Aufhebung des Kontrakt- Systems bei Regierungsarbeiten. 13. Die Schaffung eines Haftpflichtgesetzes für Arbeitgeber. 15. Gehörige Vertretung in allen gefeßgebenden Körper schaften. Im Anschluß an die Plattform wurden noch folgende Resolutionen unterbreitet und angenommen: Wir ver langen von den Gefeßgebungen der verschiedenen Staaten: 1. Die Annahme eines Gesezes zur Lizenftrung von Dampfmaschinen und die Einführung von Regeln, durch welche Leben und Eigenthum besser geschüßt werden. 2. Strenge Gesetze für die Inspektion und Ventilation von Minen, Fabriken und Werkstätten und die sanitäre Beaufsichtigung von allen Nahrungsmitteln und Wohnhäusern. Ferner wurde beschoffen: Daß die Körperschait von ihren Vertretern in der Nationalen Gesetzgebung verlangt, daß diese alle Landverwilligungen, welche nicht von Eisenbahn oder anderen Korporationen er wirkt find, für verfallen erklärt und dieselben der öffentlichen Domaine wieder einverleibt. Der Organisationsplan umfaßt folgende Punkte von Wichtigkeit: Die Anregung und Bildung von Trades und Labor Assemblies oder Councils. Die Anregung und Bildung von Staats- und Provinzial- Föderationen und Gewerkschaften. Die Anregung und Bildung von nationalen und internationalen Gewerk schaften. In Bezug auf Strikes wurde beschlossen, daß bet den von der Föderation anerkannten Strifes die Ausstehenden eine Unterstügung von 3 Doll. pro Woche erhalten sollen, zu welchem Zwecke dem Komitee für Gesetzgebung die Macht verItehen ist, eine Steuer von 2 Cents pro Mitglied von allen unter der Botmäßigkeit der Föderation stehenden Gewerkschaf= ten zu erheben, doch soli tein Gesuch um Gewährung des Benefits im Strike oder Lockout berücksichtigt werden, wenn derselbe von einer nationalen oder internationalen Behörde der betreffenden Organisation nicht anerkannt ist, und wenn der Strife oder Lockout nicht bereits 60 Tage gedauert hat. Die Beiträge betragen für jede Organisation von tausend Mitgliedern oder weniger 10 Dollars pro Jahr und 1 Cent für jedes Mitglied und tausend; doch soll in feinem Falle der Betrag 25 Dollars übersteigen. Beschloffen wurde ferner, Senator Blair zu ersuchen, im Kongreß zu beantragen, daß der Bericht des Senats Komitees für Arbeit und Erziehung in 300 000 Exemplaren gedruckt und unter die Arbeiter- Organisationen des Landes vertheilt werden. Ferner, daß das Obergericht des Staates New- York wegen seiner Entscheidung, daß das Gefeß gegen die Bigarren- Fabri tation in Miethshäusern untonftitutionell sei, hiermit getadelt wird. Die Wahl der Beamten für das neue Jahr hatte fol gendes Resultat: W. W. McClelland, New- York, Präsident; James W. Smith, Springfield, J.; Richard Powers, Chicago; James O'Sullivan, Philadelphia; Fred. Blend, Evansville, Ind; William B. Ogden, Cincinnati, und Joseph Bernard, Milwaukee, Vize- Präsidenten; Gabriel Edmonston, Wash ington, Sekretär; Robert Howard, Fall River, Echameister. Der nächste Kongreß wird in Washington, D. C., am zweiten Dienstag im Dezember des nächsten Jahres stattfinden. Arbeiter Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Montag, den 5. Januar, Abends 8%, Uhr, General- Versammlung im Wedding- Park, Müllerstraße 178, Tagesordnung: 1. Berichterstattung über das verflossene Quartal. 2. Wahl einer Statutenänderungs- Kommiffion. 3. Vortrag. 4. Verschiedenes. 5. Fragekasten. Gäste haben Butritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Verein der Maschinisten und Heizer. Heute Nachmit tag 3 Uhr, Linienftr. 5( Schüßenhaus) Versammlung. Bor trag des Ingenieur Herrn Krause. Gäste willkommen. Von der Lohukommission der Schneider wird zu Mitt woch, den 7. Januar cr., Abends 82 Uhr, in Brauer's Salon, Große Frankfurterstr. 74/75 eine große öffentliche Schneiders versammlung einberufen, in welcher die Lohnverhältnisse bei verschiedenen Meistern( Schulz, Theaterstraße, Kleinigki u. A.) im Often, zur Klarlegung gelangen, und alle Schneider des Ostens zu dieser Versammlung eingeladen find. Fachberein der Schuhmacher, am Montag, den 5. Januar 1885, Generalversammlung, Neue Grünstr. 32, Teichert's Restaurant. Tagesordnung: Vorstandswahl; Kaffenbericht; Abänderung der Statuten. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Quittungsbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die erfte ordentliche Generalversammlung des Bes zirks- Vereins der arbeitenden Bevölkerung des S. Berlins findet am Montag, den 5. Januar, in Nieft's Salon, Romman bantenstraße 71/72, statt und ergeht der wichtigen Tagesord nung wegen an alle Mitglieder das Ersuchen, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Säften ist der Eintritt nur dann gestattet, wenn fte fich sofort zum Beitritt melden. Es wäre erwünscht, daß sich recht Viele zum Beitritt melden, damit der Verein auf dem seit nunmehr einem Jahre und, man kann wohl sagen, mit nicht geringem Erfolge betretenen Wege rustig weiter arbeiten und dem gesteckten Biele somit immer näher tommen fann. Laufizer Play- Berzirksverein. Der Vorstand hat be schloffen, die für den 7. cr. anberaumte Vereinsversammlung ausfallen zu lassen und für den 21. b. Mts. eine Generalver fammlung zur Neuwahl eines Vorstandes und Ablegung des Kaffenberichts einzuberufen. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Im Fachverein der Tapezierer findet Montag, den 6. d. Mts., Abends 82 Uhr, in Gratweil's Bierhallen eine Vereinsversammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Vortrag über die Reformationszeit. 2. Diskussion über Lohn- und Stückarbeit. 3. Jnnere Vereinsangelegenheiten und Frage taften. Kollegen ist der Eintritt gestattet. B V Arbeiter Bezirks- Verein Glückauf, umfaffend den 13.- 16. Kommunal Wahlbezirk. Dienstag, den 6. Januar 1885, General- Verfammlung Abends 8 Uhr in den Louisenstädtischen Bierhallen, Mariannenstr. 31-32. Tages- Didnung: 1) Wahl des Vorstandes. 2) Verschiedenes. 3) Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Eine große Versammlung des Fachvereins der Berliner Kürschner und Berufsgenossen findet am Montag, den 5. Januar, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn See feld, Grenadierftr. 33, statt. Tagesordnung: Vorstands wahl. Der Eintritt ist nur gegen Borzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Arbeiter- Bezirksverein vom 15. und 20. KommunalWahlbezirt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß heute Vormittag, piäz. 11 Uhr in Werners Salon, Dranienstr. 170 die ordentliche Generalversammlung stattfindet. Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes. Verschiedenes. In Anbetracht der Lage des Vereins ist es nothwendig, daß alle Mitglieder am Plage find. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Tischler und Berufsgen. hält am Montag. den 5. b. Mts., Abends 8 Uhr, Adalbertstr. 21 eine Versammlung ab. T.- D.: Vierteljahrs Bericht. Bericht der Kommission über die WeihnachtsAusstellung. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Vermischtes. Die Erderschütterungen, von denen Spanien seit dem ersten Weihnachtsfeiertage fast täglich heimgesucht worden ist, haben ihr Ende noch immer nicht erreicht. Nach einer hier eingegangenen Depesche aus Madrid haben gestern in Granada wiederum Erschütterungen stattgefunden. Die ganze Bevölke rung ist geflüchtet, Details fehlen noch. Die Bahl der in der Proving Granada seit dem 25. v. M. durch die Erdbeben ums Leben Gekommenen beträgt 910; in den übrigen heimgesuchten Brovinzen liegen hunderte noch unter den Trümmern begraben, so daß sich die bisher auf 2000 geschäßte Gesammtzahl der Verunglüdten leider als viel zu niedrig gegriffen erweisen wird. Allmählich treffen briefliche Berichte aus Spanien ein, welche jedoch bis jetzt nur den ersten, am wenigften verhängniß. vollen Theil der Katastrophe betreffen. Der Pariser Figaro" erhält aus Granada folgenden Brief: Jch tam in Granada am Donnerstag, den 25. Dezember, Abends balb 8 Uhr an. Ich war noch keine fünf Minuten in der Gepäckhalle, als die erste Erschütterung erfolgte, die ungefähr 30 Sekunden anhielt. Sie bestand in Schwankungen, denen ein Erzittern folgte. Die Erschütterung war von unerhörter Heftigkeit; ich glaubte bestimmt, daß das Bahnhofsgebäude über uns zusammenstürzen werde. Ich lief hinaus, denn ich fühlte, wie der Boden fich hob, und noch auf der Straße machte fich das Beben fühlbar. Die Aufregung war unbeschreiblich, alle Welt war in Verwirrung. Die Panit wurde noch größer, als der Gouverneur der Stadt den Einwohnern befahl, die Nacht über nicht in den Häusern zu bleiben, sondern auf den Promenaden und den öffentlichen Plägen ihr Lager aufzuschlagen. Dies geschah. Man zündete große Feuer an, und die Personen, welche im Befige von Wagen waren, brachten die Nacht im Innern derselben zu. Es war ein ungeheures Lager, wo Jeder sich so gut einrichtete, wie er konnte. So erwartete man das Weitere. Von 11 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens erfolgten neun Erdstöße, Theater. Rönigliches Opernhaus: Sonntag: Die Stumme von Portici. Montag: Die weiße Dame. Königliches Schaufvielhaus: Sonntag: Rosenkranz und Güldenstern. Montag: Der Leibarst. maila Dentimes Theater: Sonntag: Die Neuvermählten. Flattersucht. Montag: Die große Gloce. zwei davon ziemlich start; in Stärke und Dauer jedoch kamen zwei davon ziemlich start; in Stärke und Dauer jedoch tamen| dieselben dem ersten nicht gleich. Am Morgen sah man auf den öffentlichen Pläßen die Geistlichkeit der Stadt, umgeben von einer Menge Menschen, Frauen und Kindern, weinend und jammernd. Glücklicherweise ist in Granada Niemand vers unglückt, nur einige Häuser haben Riffe erhalten. Am 26. Iagerten trop eines wahren Unwetters von Regen und Wind neun Behntel der Bevölkerung abermals im Freien, doch kamen feine neuen Erschütterungen vor. Ein beklagenswerthes Unglück ereignete fich am Montag furz nach Mitternacht in den Dorothea Schieferbrüchen in Nantile, unweit Carnarvon( Wales). Während acht Mann des Nachtarbeiterpersonals in dem 200 Meter tiefen Bruche beschäftigt waren, fiel von einer Höhe von 100 Metern eine enorme Felsenmasse herab, wodurch sieben Arbeiter auf der Stelle getödtet wurden; der achte enttam mit schweren Verlegungen. Der Felsrutsch wurde, wie geglaubt wird, durch das am Montag Abend eingetretene Tauwetter verursacht. Ein empörendes Verbrechen wird aus Carlopago( ungarischer Hafenstadt am Adriatischen Meere) gemeldet: Die Wittwe Ninna Pavelics, Schwester des Bürgermeisters Jomines, eine Frau von 63 Jahren, galt nach dem Tode thres Gatten, der ein ansehnliches Vermögen hinteelaffen, im Orte und Umgebung als wohlhabende Person, in welcher Ansicht man durch den Umstand bestärkt wurde, fich taum daß dieselbe äußerst sparsam lebte und etwas zu vergönnen getraute. Am verhängnißvollen Tage herrschte hier starke Bora, so daß die Straßen ganz verödet waten und fich Wenige auf die Gasse wagten. Der Sturm ließ erst gegen Abend nach, da sich denn auch die gewöhnliche Gesellschaft, auch der Bürgermeister, im Drtstafino einfand. Gegen 7 Uhr wurde dieser von seinem Sohne mit der Meldung abgeholt, daß deffen Schwester seit Mittag im Hause eingeschlossen sei und auf wiederholtes Rufen und Klopfen seitens ihrer Bedienerin, Anna Eegotta, sowie einiger Kundschaften nicht aufmachen wollte. Auf dies hin ging der Bürgermeister sofort in Begleitung eines Verwandten der Frau Pavelics zu deren Hause, wo Letterer gewaltsam die Glasthür zum Gewölbe erbrach. In der Küche des ersten Stockes bot fich den Angekommenen ein gräßlicher Anblick dar. Die Unglückliche lag am Kamin der qualmerfüllten Küche mit dem Gefichte dem Feuerheerde zuge Arb.- Bez.- Verein f. d. Often Berlins. Dienstag, den 6. Januar, Abends 8% Uhr, Mitglieder- Versammlung in Keller's Lokal, Andreasstr Nr. 21, Tagesordnung: 3 1. Statuten- Berathung. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung Sonntag: Der Raub der Sabinerinnen, Schwank in 4 Atten wird um zahlreiches Erscheinen der Mit von Franz und Paul Schönthan. Montag: Diefelbe Vorstellung. Renes griebris- Wilhelmftädtisches Theater: Sonntag: Gasparone. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central- Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Sonntag: Der Walzer- König. Montag: Dieselbe Vorstellung. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Sonntag: Der Club. Montag: 17. Gastspiel des Signor Ernesto Rofft: Othello Walhalla- Operetten- Theater: Sonntag: Gillette. Montag: Dieselbe Vorstellung. Soutfenstädtisches Theater: Sonntag: Der Millionen- Barbier. Montag: Dieselbe Vorstellung. Oftend- Theater: Sonntag: Jm Lande der Freiheit. Montag: Dieselbe Vorstellung. Buner- Theater: Sonntag: Die goldene Spinne. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vittoria- Theater: Sonntag: Sulfurina. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alhambra Theater. Sonntag: Die Bimmerleute von Berlin, oder: Ein Mann aus dem Volke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Arbeitsmarkt. Werkführer für Rüschenfabrik nach Wien gesucht. Derselbe soll die Hilfsmaschinen beaufsichtigen und dieselben repariren; er muß die Rüschenarbeit verstehen und längere Beit in einer Gutes Gehalt. großen Fabrik dieser Branche gewesen sein. Unerbielungen mit der Aufſchrift„ Werkführer" an die Exped. d. Ztg. 13 Allen meinen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiß- u. Bairisch Bier- Lokal 1289 Berliner Voltsblatt liegt aus. Nothnagel, Rathenowerstr. 85. Kleine und große Vereinszimmer auch Sonntags zu haben. Mauerstraße 86. Mein seit 1877 bestehendes, als reell bekanntes Uhrengeschäft perbunden mit [ 1304] Reparaturwerkstatt befindet sich 157 Invalidenstraße 157 zwischen Brunnen- und Ackerstraße, und empfehle dasselbe allen Lesern dieses Blattes. 1350 Soeben erschienen: Max Busse. Uhrmacher. Der gesetzl. Maximalarbeitstag und seine Bedeutung für die Arbeiter. Von Wilhelm Liefländer. Preis 15 Pfg. 1613 Bu beziehen durch die Expedition des Berl. Volksblatt," Bimmerstraße 44. glieder gebeten. Der Vorstand. Bezirksverein d. arbeitenden Bevölkerung des SW. Berlins. General- Versammlung am Montag, den 5. Januar, Abends 8 Uhr, in Nieft's Salon, Kommandantenstraße 71-72. Tages Ordnung: 1. Bericht der Kaffenrevisoren. 2. Jahresbericht. 3. Vorstandswahl. 4. Verschiedenes. Butritt haben Der Vorstand. nur Mitglieder, sowie Jeder, der fich neu aufnehmen laffen will. 17 Mitglieder- Versammlung des Vereins der Berliner Maurer am Dienstag, d. 6. Januar, Abends 8 Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstr. 10. 16 Unterstützungsv. d. Buchbinder und verwandten Berufsgenossen. Montag, Abends 8/2 Uhr, im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, Vereins- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Antrag Tilgner( Entschädigung für Herrn Jahn). 2. Antrag Biaesch( Gehalt d. Redakteurs). 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 7 Die Aufnahme neuer Mitglieder in die ZentralKranken- und Begräbnißlaffe für Frauen ( fr. H. Offenbach a. M.) findet von jetzt ab nur Andreasstr. 20, Hof v. 3 Tr. statt, und zwar Alltags von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, Sonn tags von 8 bis 3 Uhr. 1 Außerdem mache ich aufmerksam, daß die Mitgliedsbücher bis zum 4. Januar vom Kassirer P. Schneider, Blumenstraße 29, pt., abgeholt sein müssen. Im Auftrage: Richter. Gewerkschaft der Maschinenbau- u. MetallArbeiter und verw. Berufsgenossen. Dienstag, den 6. Januar 1885, Abends 8 Uhr, im Wedding Bat Watier ftr. 178 Mitglieder- Versammlung Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung der Delegirten über den Kongreß zu Gera. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. 11 Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Montag, den 5. Januar, Abends 8% Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grürstr. 28, Bersammlung. 5 Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. med. Weise über„ Die Lungenkrankheiten"( mit Experimenten). 2. Dietuffton, Verschiedenes und Fragekasten. 5 Der Vorstand. Fachver. d. Marmor- u. Granit- Arb. Montag, 5. Januar, Abends 8% Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a, Mitglieder- Versammlung. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder und Kollegen wird gebeten. Kaffenbericht. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. 10 Fachverein d. Schuhmacher. Montag, den 5. Juni, Abends 8% Uhr, Neue Grünftr. 32, General- Versammlung. Quittungsbuch legitimirt. Der Vorstand. 15 lehrt, die rechte Hand war bis zum Oberarm, der linke Arm und Brust waren ganz verkohlt, das Geficht durch Brandwunden bis zur Unkenntlichkeit entstellt, so daß man glauben fonnte, es liege hier ein unglücklicher Bufall vor. Die nähere Besichtigung der Leiche ergab aber, daß dieselbe am Kopfe Blutspuren aufwies. Die aufgebrochenen Schränke in der Wohnung verriethen, daß ein Verbrechen begangen wurde. Die vorgenommene tommiffionelle Obduktion ergab denn auch, daß Frau Pavelics durch Hiebe mit einem Holzscheite auf das Hinterhaupt getödtet worden war. Es fand sich auch das Holzscheit vor, auf welchem Blutspuren und angeklebte Haare der Ermordeten tenntlich find. Von den Thätern hat man bisher noch keine Spur. Dieselben waren offenbar bestrebt, die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Dafür zeugte der Umstand, daß die Leiche mit Del begoffen wurde, offenbar um diese wie auch das ganze Haus in Brand zu setzen, was aber nur theilweise gelungen. Frau Pavelics hinterläßt eine einzige Tochter, welche an einen Dberwund arzt in Linz verheirathet ist. Das geraubte Geld dürfte etwa 20 000. betragen. Im Waffer geboren. In Exeter( England) hörten, wie die Londoner ,, Allg. Korr." schreibt, kürzlich die Arbeiter in einer dortigen Schmiede Morgens Klagetöne vom Fluffe her und fanden, als sie sich zur Brücke begaben, eine Frau im Wasser mit den Wellen fämpfen. Die Männer eilten der Berunglückten in einem Boote zu Hilfe und nahmen die Frau in daffelbe auf, von der ihnen mitgetheilt wurde, daß sie im Waffer ein Kind geboren habe. Das kleine Geschöpf wurde auch alsbald aufgefischt, und Mutter und Kind, das letztere noch Lebend, in einer Droschte nach Hause gebracht. Ob die Frau, welche die Gattin eines Arbeiters ist, ins Wasser fiel oder aus selbstmörderischer Absicht in den Fluß sprang, tonnte bis jest mit Bestimmtheit noch nicht ermittelt werden. " 1 Ein Goldfund ohne Gleichen. Bei Stockhampton in Queensland ist auf dem Gipfel des Berges Morgan, wie dem Schwäb. Merkur" berichtet wird, ein Golderzlager entdeckt worden, welches den glücklichen Findern, die fich rechtzeitig das Ausbeutungsrecht zu sichern wußten, einen Werth von mehreren Millionen Pfund Sterling zubringt. Ein solches Neujahrsgeschenk möchten fich wohl viele Forscher wünschen. Für Kürschner und Berufsgenossen befindet sich der Arbeits- Nachweis Abends von 8 bis 10 Uhr bei Seefeld, Grenadierstraße 33. 1519 Breßtohlen, Marke E. L. 6,50, lſe 7,00, Marie 7,50 á 1000 St. 0,75, 100 " lief. frei ins Haus A. Schent,' Mustauerstr. 28. 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