Nr. 4. Dienstag, 6. Januar 1885. n. Jahrg. ßtrliiifrllollislilnll Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Da?„Berliner Volksblatt"., erschemt tSgl'ch MsrgenS außer«ach Soua- und Festtage». Aboasementipreii ftir Berli» frei in's Hau« vierteljährlich 4 Mark, nrouatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Tinzelne Nr. 5 Pf. Sonntaas-Nummer«it illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeiwngspreisiists für 1885 unier Nr. 746.) — /, Jnkerttonsgebühr beträgt für die 3 gespalten« Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmartt 10 Pf. Bei größeren Austrage« hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate»erden bis 4 Uhr Nachmittag« in der Erpsdilioa, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. 'Redaktion und GXpeöition Rertin SW., Aimmerstrage 44. Die Sklavenemanzipation in Lrasilien. Ganz in aller Ruhe, durch gesetzliche Regelung und durch freiwillige Hilfe vollzieht sich die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, ohne Aufstände, Kriege und große, wirthschaftliche Krisen. Diese Erscheinung geht fast unbeachtet vor unseren Augen vorüber und doch verdient ste m-hr Aufmerksamkeit, als die blutigen Kriege und Annexionen, die sich noch fast täglich auf dem weiten Erdballe zeigen, und von denen die Spalten der Zeitungen gefüllt werden. Auch für Deutsch- land ist diese großartige und humane wirthschaftliche Be- wegung, da sie die Handelsbesiehungen mit dem südamerika» nischen Kaiserreiche viel wichtiger gestaltet, wie sie früher gewesen sind, bedeutungsvoller, als der kleine Parlaments- krieg, der gegenwärtig alle biederen Deutschen beschäftigt. Wir wollen deshalb in Kürze unsere Leser mit der Entwickelung der Sklavenemanzipation in Brasilien bekannt machen. Im Jahre 1871 wurde in Brasilien das Sklaveneman- zipationSgesetz erlassen, nach welchem die vom Dalum des Gesetzes an von Sklavinnen geborenen Kinder als frei- geboren betrachtet und Fonds zum Loskauf von Sklaven aus staatlichen Lotteriebeträgen und Steuern bei« Verkauf von Sklaven gebildet wurden. Man rechnete damals ge- nau aus, daß im Jahre 1900 der letzte Sklave m Brasilien erlöset sein würde. Es waren 1871 noch 1 600 000 Sklaven in Brasilien vorhanden. Bis zum Jahre 1882 aber konnten nur etwa 10 000 aus den vorhandenen Fonds mit 10 670 645 Mark freigekauft werden. Nach diesem Verhältnisse aber würde« zum Loskauf der gesammten Sklaven, wenn man die Sterb- lichkcit mit in Betracht zieht, mindestens 1000 Millionen Mark bis zum Jahre 1900 erforderlich sein. Und eine solche Summe ist für Brasilien auf dem Steuerwege neben den übrigen StaatsauSgaben unerschwinglich. So hatte man sich schon vielfach darein ergeben, daß der gehoffte Termin weit überschritten würde und daß das Erlöschen der Sklaverei von dem allmählichen Absterben der Sklaven abhängig sein werde. Diese letzte Rechnung ist aber glücklicherweise durch den brasilianischen Volksgeist zerstört»orden; überall in den Wirthschaften und bei der Arbeit, in Schulen und Kirchen wird seit einigen Jahren geredet, gepredigt und agitirt und die Sklaverei so hingestellt, wie sie ist, als ein Brandmal an der Stirne einer Nation. Zwar halten die großen Sklavenbarone noch fest an ihrem„Rechte"; zwar treten im Interesse derselben Pro- fessoren wie Gelehrte auf, die haarscharf„nachweisen", daß ein furchtbarer wirthschaftlicher Rückgang die Folge der Nachdruck verboten.� 54 JettilXelcm. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) Der Rajah vergaß seinen Respekt so weit, daß er den König an seinem Arm faßte und ihn von seinem Platz emporriß. Die Begleiter drängten sich um den König, um rhn zur Flucht zu zwingen, denn das wüthende Thier konnte sich jetzt jeden Augenblick von seinen Peinigern abwenden, und auf die Zuschauer stürzen. Unter den Frauenzimmern, welche hinter dem Gaze- vorhange gehört wurden, war eine Stimme, welche erkannt wurde von einem Manne, der sich ungesehen zum Zuschauer des Schauspiels gemacht hatte. „Das ist Nuna's Stimme!" hörte man ihn leise flüstern. In diesem Augenblick machte das Thier, durch die vorgehaltenen glühenden Eisenstangen zurückgeschreckt, einen Seitensprung und mit furchtbarem Gebrüll und weit ge- öffnetem Rachen stürzte es die Stufen der Veranda Durch das entsetzliche Gedränge, das dort unter den Zuschauern entstand, die Alle der entgegengesetzten Seite zuzufliehen strebten, dort, wo der Ausgang durch den Gaze- Vorhang versperrt wurde, ward der letztere hcrabaerissen und das, was unter anderen Umständen in Indien für ein todeswürdigeL Verbrechen gegolten hätte, geschah hier, her- beigeführt durch das drohende Entsetzen; da der Gazevor- hang herabgerissen war, so konnte Jedermann da« Antlitz der Frauen des Harems sehen. Aber nur einen Moment -:. denn selbst im Angesicht deS Todes und in der Ver- wnrung dcS Entsetzens hatten die Frauen, ihrer höchsten Pflicht eingedenk, schnell ihre Schleier herabfallen lassen. Nur eine allein blieb unverschleiert. Sie war noch zu neu, um die Pflichten des Harems mit solcher Pünktlichkeit, wie die übrigen Mitglieder zu erfüllen. ES war Nuna, die schöne Tibetanerin, deren dunkle, plötzlichen Freigabe der Sklaven sei, ja daß letztere selbst ein Interesse daran hätten, erst nach und nach auS dem Sklavcnverhältniß entlassen zu»erden. Das hilft Alles nichts. Das Volk hat der Sklaverei das Todesurtheil gesprochen. Wie sehr der Volksgeist gegen die Verschleppung der Aufhebung der Sklaverei empört ist, geht daraus hervor, daß ein ReichStagsmitglied, welches für die große« Sklaven- barone Partei ergriffen hatte, bei einem Besuch in seiner Heimath im Hafen keinen Jollenführer erhalten konnte, der ihn ans Land setzte. Deshalb mußte der Abgeordnetes mit dem Schiffe zum nächsten Hafen dampfen und von dort zu seiner Heimath eine weite Landtour machen. Unter diesem Drucke waren schon in den letzten Jahren deS letzten Dezenniums neben den 10 000 losgekauften Sklaven über 40 000 von den Besitzern ohne Entschädigung freigegeben worden. Die Bewegung aber ist in den letzten Jahren noch in großartiger Weise gewachsen, so daß jeder Sklavenbesitzer moralisch gezwungen ist, so rasch al« möglich seinen Sklaven die Freiheit zu geben. In Südbrasilien giebt es jetzt, zu Anfang des neuen Jahres wohl'kaum noch Sklaven; daß dortige Klima ist günstiger für die weißen Arbeiter, während im Norden deS Kaiferihums die schwarzen Arbeiter wohl noch längere Zeit nothwendig sein dürften. Dieselben werden sicherlich nach ihrer Befreiung dort bleiben und die Arbeit verrichten, da die emanzipirtea Neger von ihrer neuen Freiheit nicht sofort weitgehenden Gebrauch machen können. Nach Aushebung der Sklaverei muß erst eine neue Generation der Schwarzen heranwachsen, um die Folgen der dreihundertjährigen Knechtung zu über- winden.——— Auch wird Brasilien eine wirthschaftliche KrisiS durch- machen müssen— doch das fällt nicht ins Gewicht gegen den großen Aufschwung, den das Land in Zukunft und zwar in Folge der Sklavenemanzipation nehmen wird. Wünschen wir dies, denn eine gute, große That ist der Belohnung werth. KolitiBcke Uebevsiickt. Nach Tasmanien soll ein Herr Friedrich Buck eine An- zahl deutscher Auswanderer schicken. Herr Buck ist von der dortigen Regierung dazu mit der Weisung beaustragt, die Aus- wanderer entsprechend auszuwählen. Die Expedition soll im März stattfinden, die Passagekosten trägt die Kolonialregie- rung.— Tasmanien ist eine große Insel in der Nähe des australischen Festlandes, die Reise nach dorthin dauert in der Regel mit Dampfern erster Klasse 55 bis 60 Tage, mit Segelschiffen oft 4 Monate.— Diejenigen, welche sich zur Auswanderung entschließen, mögen ernstlich mit sich zu Rathe gehen, bevor sie glühende Augen auf den Tiger gerichtet waren, der sich, wie es schien, gerade auf sie zustürzte. Im nächsten Augen- blick mußten die Zähne des Thieres sie zerreißen, das seinen Rachen bereits nach ihr geöffnet hatte. Zwei Schritte trennten sie von dem gräßlichen Tode. Doch in demselben Moment stürzte sich eine Gestalt mit Blitzesschnelle auf das Ungeheuer. So schnell, daß da« Auge den Bewegungen nicht folgen konnte, war ein Mann auf die Veranda gesprungen. Man sah ein breites Messer in der Sonne blitzen— dann wälzten sich zwei Körper am Boden. Es war der Tiger und jener Mann. Der Tollkühne hatte sich im Moment der Gefahr dem Tiger entgegen geworfen und sein Messer ihm tief in den Rachen gestoßen. Mit einem furchtbaren Gebrüll war die Bestie zurück- geprallt; aber ihre Krallen hatten den verwegenen Gegner erfaßt. Nuna stieß einen Schrei aus: sie hatte den Mann erkannt.„Martin!" schrie sie entsetzt. Athemlos hielt die Fliehende inne, Angst und Schrecken lähmten ihre Glieder, und voll Grauen wandte sie sich der blutigen Szene, welche hier vor sich gehen mußte, zu. Die Krallen des Tigers zerfleischten den Mann, der ihm den Todesstoß versetzt hatte. Sollte der Verwegene seine kühne That mit einem gräßlichen Tode büßen? Nein!... Zu seinem Glück hatten die Menagerie- diener mit de« glühenden Eisenstäben noch gerade recht- zeitig den Ort des Entsetzens erreicht und trieben die Bestie von ihrem Opfer zurück. Noch steckte das lange, breite Messer in des Tigers Kehle, und ein furchtbarer Blutstrom floß aus seinem Nachen. Doch einige Lanzenstiche von den jetzt in Menge herbeieilenden Menageriewärtern tödteten ihn vollends. Die Gefahr war vorüber. Wunderbar! Von allen Anwesenden hatte Niemand die Fassung mehr bewahrt, als Wadschid Ali selber. Ge- waltsam hatte ihn seine Umgebung von der Veranda zurück- gedrängt, aber er hatte weder die Angst noch das Ent- setzen getheilt, sondern die einzige Erregung, die er ver- rieth, war die deS Zorns. »Ich lasse den Menageriemeister aufknüpfen!" schrie die Reise nach Australien antreten. Ist schon dasZurückkommen von Amerika schwierig, so ist es von Australien für Unbemittelte unmöglich, und ungehött verhallt der EchmerzcnSschrei der Enttäuschten im fremden Lande. Nur selten findet der AuS- wanderer das erträumte Glück, in den meisten Fällen wird er durch die nackten Thatsachen belehtt, daß seine Hoffnungen trügerische waren, und statt des erhofften Wohlstandes wird ihm nur die nothdürstige Existenz bei hatter, sehr hatter Arbeit in dem ungewohnten Klima zu Theil. Wer irgend noch fein Durchkommen hat, der wandre überhaupt nicht aus, sondem helfe dahin wirken, daß im Vaterlande bessere Zustände an- gebahnt werden. Zu den Getreidezölle«. In einer auswärtigen Zeitung wurde vor Kurzem durch eine Zuschrift aus dem Leserkreise auf einen Punkt hingewiesen, der in der Debatte über die Er- höhung der Getreidezölle noch kaum zur Sprache gebracht worden ist und doch eine eingehendere Erörterung in hohem Grade verdient. Di« erwähnte Zuschrift hob nämlich hervor, daß bei der theilweise üblen Lage der Landwirthe neben dem zu theueren Ankauf der Güter die Produktion von schlechten Getreidesorten, die keine Konkurrenz mit den vom Auslande eingeführten Sorten aushielten, von we- sentlichem Einflüsse sei. Die Gerstenausstellung in Magdeburg in diesem Herbste hat deutlich gezeigt, wie sehr das Ausland die deutsche Landwitthschaft im Gerstenbau überflügelt hat. Bei Weizen steht man das jeden Tag. Keine Mühle kann ohne ausländischen Weizen ein gutes backfahigeS Mehl liefern: bei 20—30 M- Höherem Preise beziehen die Mühlen ausländi- scben Weizen, um die Forderungen der Bäcker nach backfähigem Mehle zu befriedigen. Der mit Vorliebe von den deutschen Landwirthen in Hannover, Sachsen, Thüringen ,c. gebaute englische Weizen ist allein nicht verwendbar und doch bauen ihn die Landwirthe weiter, weil er einen hohen Ertrag liefert. Macht daS Reich durch Erhöhung deS Weizenzolles die Mühlen- industrie von den deutschen Landwirthen abhängig, so wird das Volk nicht nur«inen höheren Preis für das Bcod zahlen, sondem auch obenein noch schlechteres Brod essen müssen. Das auswärtige Amt des deutschen Reiches, dem Fürst Bismarck vorsteht, kostete und kostet: 1872... Ml. 4092915 1879/80..„ 6 335925 1881/82..„ 6 564 890 1884/85..„ 6855415 DaS Gesammterforderniß für das deutsche auswärtige Amt be- läuft sich im neuen Etat auf nicht weniger alS 7 Millionen und 207000 Mk. Hiervon find ganz neu verlangt, also gegen voriges Jahr mehr: 381 600 Ml. Die 7 Millionen und von der mehroerlangten Summe ebenfalls über 300000 Mk. hat der Reichstag schlankweg bewilligt und nur, im Hinblick auf die ungünstige Finanzlage des Reichs, nicht ganz 80000 Mk. in 2. Lesung einstweilen beanstandet- Unter den bewilligten Forderungen ist auch die Erhöhung des„Hilfsarbeitersonds" von 85 000 Mk. auf 110 000 Mk., d. h. um 25 000 Mk- Oefterreich-Ungarn. Auf Beschluß der Mehrheit des kroatischen Landtages wurden vor einigen Wochen verschiedene oppositionelle Abge- er.„Unerhörte Nachlässigkeit! Das Gitter nicht besser zu befestigen!" Als er gar seine Frauen den Blicken der Menge preis- gegeben sah, gerieth er vollends in Much, und drohte alle Diener erdrosseln zu lassen. Erst als die Eunuchen und Harems-Dienerinnen herbeikamen und die Frauen in die dicht verschlossenen Palankine brachten, beruhigte er sich wenigstens so weit, daß er die vernünftigen Einreden seiner Begleiter anhörte. „Die Gefahr hätte{jroß werden können, rief Mr. Parr dem König zu,„wenn nicht der heldenmüthige, junge Mann sich der Bestie entgegen geworfen hätte.... Wahrlich, es wäre um eine oder mehrere der königlichen Gemahlinnen geschehen gewesen." „Wahrhaftig, Mr. Parr, Sie haben Recht!" versetzte der König.„Ihm allein verdanken wir'», daß nicht großes Unglück geschehen ist... Ich werde ihn belohnen— Sehib, erkundigen Sie sich, wer der Mann ist; ich will ihn sehen, bringen Sie ihn zu mir."— Sehr übel gelaunt und verdrießlich begab sich der König mit seinem Hosstaat nach dem Serail zurück. Die Gäste des Schauspiels hatten sich entfernt, weil er nicht in der Stimmung war, heute Gäste zu bewirthen. Selbst mit seiner nächsten Umgebung sprach er nur wenig und nur kurz abgebrochene Worte. Nach Verlauf von etwa einer Stunde meldete der Sehib, vaß der junge Mann draußen warte. „Er soll hereinkommen!" befahl Wadschid Ali. Ein Jüngling von etwa zweiundzwanzig Jahren er- schien, bleich durch den Blutverlust. Er hatte eine Schulter verbunden und trug auch einen Arm in der Binde. Der eine Schlag hatte nicht nur seine Schulter zerfleischt, sondern ihm auch den Arm aus dem Gelenk gerissen. Ans seinem Antlitz lag aber nicht der Ausdruck körperlichen Schmerzes, sondern eines tiefen Seelenleidens. „Es ist einer von den Gefangenen Nena Sahibs, welche unsere Truppen in Freiheit gesetzt haben," berichtete der Sehib. „Ah!" rief Wadschid Ali.„Ein Engländer?" anzuempfehlen, ihr den Rest der Gefängnißstrafe, zu welcher fte bekanntlich wegen Mitwirkung bei anarchistischen Ruhestörungen und Manifestationen verurtheilt ist, zu erlassen. Die demnächstige Begnadigung von Louise Michel ist sonach wahr scheinlich. Großbritannien. Ein Vorschlag des Daily Chronicle", daß die auftralischen Kolonien sich weigern sollten, die deutschen Annerionen in der Südsee anzuerkennen, bezeichnet die Pall Mall Gazette" als einen von Verzweiflung eingegebenen Vorschlag, der England unverzüglich die Wahl zwischen dem Verlust Australiens und einem Kriege mit Deutschland laffen würde. ,, Wir sollten," fügt das Blatt hinzu, dieses Dilemna vermeiden, selbst wenn es uns einen Kolonialminister fostet." Wie der Standard" behauptet, seien die Versicherungen, welche Deutschland der englischen Regierung in Betreff von Neu- Guinea gegeben habe, solcher Art gewesen, daß, wenn die englische Regierung ähnliche Versicherungen ertheilt bätte, von denselben angenommen worden wäre, daß fie die Möglichkeit einer späteren Annegion ausgeschlossen hätten. Beweise! Beweise! In einer an sämmtliche Morgenblätter gerichteten Buschrift, welche die deutschen Annerionen" zum Tert hat, dringt der Erminister W. E. Forster in die Regierung, ein energisches Verfahren in Bezug auf Englands Kolonien einzuschlagen und die austra lischen Kolonisten nicht durch eine negative Politik, welche Deutschland und Frankreich in die Hände spielt, zu entfremden. Vor Allem ermahnt er die Regierung, auf der Hut zu sein gegen eine eventuelle deutsche Befizergreifung an der Küste von Zululand. Eine deutsche Niederlassung in Zululand würde die Schwierigkeiten Englands mit den Bulus und den Transvaalbauern enorm vergrößern. Weniger pessimistisch äußert fich Forster über die deutschen Annexionen an der Nordküste von Neu- Guinea und in Angra Pequena. ordnete auf eine bestimmte Zeit von den Verhandlungen aus-| Ministerrathe zu beantragen, dem Präsidenten der Republik| geschlossen und als fie dennoch den Sizungsfaal zu betreten versuchten, von Gensdarmen daran verhindert. Daraufhin räumte die gesammte Oppositionspartei demonstrativ den Saal. Gestern erschienen sämmtliche oppositionelle Abgeordnete wieder, um ihre Pläge einzunehmen. Ueber diesen Vorgang wird wie folgt berichtet: Die oppofitionellen Abgeordneten erschienen während der Protokoll- Verlesung in corpore. Auf den von Hinkovic eingebrachten Dringlichkeitsantrag, die Protesterklärung der Starcevicianer vom 20. Cttober 1884 zur Verlesung zu bringen, erklärt der Präsident, keinen Protest gegen die Landtage beschlüsse zulaffen zu können. Folnegovic und David Starcevic ſtellen identische Fragen, weshalb ihnen am 18. Oktober der Eintritt in den Landtag verweigert wor Den sei, nachdem sie an den vorangegangenen Skandalen nicht theilgenommen haben. Der Präfident beruft sich auf die diesbezüglichen Beschlüsse des Landtages, welcher seine Anordnungen genehmigt habe. Rukavina interpellirt das Präfidium, warum daffelbe keine Antwort auf die Anfrage des Klubs der Rechtspartei wegen Ablauf des Ausschließungstermines ertheilt habe. Präfident: Ich bin bereit, auf jede Frage den einzelnen Abgeordneten zu antworten; aber mit den Klubs unterhalte ich keine Verbindungen. Markovic protestirt Namens feiner Gesinnungsgenoffen gegen die entgegen den Bestimmungen der Hausordnung vorgenommene Wahl der Regnifolar Deputation. Der Präsident erklärt neuerdings, teine Proteste gegen Landtagsbeschlüsse zuzulassen. Gelächter auf den Oppofitionsbänken antwortete ihm. Die Majorität nahm darauf feine Rücksicht, trot vielmehr in die Tagesord nung ein. Nach diesem ersten Auftreten zu schließen wird es wieder zu heftigen Szenen kommen, und namentlich dann, wenn es zur Besprechung der Ungiltigkeitserklärung der Wahl Kumicfic's, eines Mitgliedes des oppofitionellen Partei fommt. Kumicsic's Wahl wurde beanstandet, weil er zur Zeit seiner Erwählung nicht in Croatien heimathsberechtigt war. Hierauf ertheilte ihm der löbliche Agramer Gemeinderath das Bürgerrecht, die Regierung aber faffirte den bezüglichen Gemeinderathsbeschluß und beauftragte, wie Budapester Blätter berich ten, den Magiftrat, Kumicsic's den Heimathschein wieder abzunehmen. Dieser verweigert jedoch die Ausfolgung des Dokus ments, und hiermit ist der Landtag um eine brennende Frage reicher geworden. Rußland. Endlich einmal etwas Gutes aus dem Reiche der Knute. Ein besonderer Theil des neuen Kriminalfoder, der bereits abgeschlossen vorliegt, enthält in Betreff des Duells eine Reihe neuer Bestimmungen. Der neue Koder zählt das Duell zur Kategorie der Morbe und wendet deshalb bei der Bestimmung der Bestrafung seine Aufmerksamkeit auf die etwaigen Folgen der Duelle. Die Verfaffer motiviren ihre Anficht durch folgende Gründe. Die Ausführung eines jeden Die Ausführung eines jeden Berbrechens und die dafür im Kriminalfoder angesezte Strafe wird durch die Absicht und den Willen des Ver= brechers nach dem Gesetze bestimmt. Welche Absicht hat Derjenige, der zu einem Duell herausfordert? Gewiß nur die, entweder seinen Gegner zu tödten, oder ihm einen Schaden zuzufügen. Die Absicht, für einen guten Namen und Ehre einzutreten, bildet nur das Motiv der That, und das gewöhn lich nur von Seiten des einen Gegners. Obgleich das Duell die Absicht in fich trägt, feinem Gegner ans Leben zu geher, für eine Beleidigung blutige Rechenschaft zu nehmen und des halb der Grundidee unserer christlichen Religion widerspricht, so wird doch Derjenige, der eine Herausforderung nicht akzep titt, für seine Ehre mit seinem Leben nicht einstehen will, als Feigling angesehen. In Anbetracht deffen stellt der neu projektitte Kriminalfoder folgende Punkte auf: 1) Die Duellanten, die sich feinen Schaden zugefügt, werden auf nicht mehr als ein Jahr Gefängniß verurtheilt. 2) Die ihrem Geg ner eine schwere törperliche Verlegung zugefügt, sind zu zwei Jahren und nicht mehr zu verurtheilen. 3) Diejenigen, die thren Gegner getödtet, werden zu nicht mehr als vier Jahren verurtheilt, wenn jedoch die Bedingungen des Duells auf Leben und Tod gestellt waren, so unterliegen fie einer Strafe von nicht mehr als sechs Jahren Gefängniß. 4) Wenn die Duellanten auf dem Plaße erschienen und die Waffen entblößt sind, jedoch das Duell aus irgend einem Grunde verhindert wird, so unterliegen sie einem Arrest von nicht mehr als drei Monaten. 5) Bet Duellanten, die fich ohne Sekundanten schlagen, wird die Strafe um das Doppelte verschärft und tritt bei den unter Punkt 3 angeführten Bedingungen Verschickung zur Anfiedelung ein. Das ist eine ganz vernünftige Ansicht, und daß dieselbe gerade in Rußland zuerst in der Gefeßgebung auftaucht, macht berechtigtes Aufsehen. Hoffentlich wird dadurch der Agitation gegen das Duellunwesen, welches der neue russische Kriminalfoder mit Recht unter vorfägliche Körperver legung rubrizirt, ein weiterer Vorschub geleistet. Frankreich. Die Nachricht mehrerer Blätter, daß Louise Michel am Neujahrstage begnadigt werden würde, hat sich, wie die Bost" sagt, noch nicht bestätigt; doch heißt es, daß die Minister des Innern und der Jusiiz gewillt sind, in einem der nächsten ,, Nein, ein Deutscher!" antwortete der junge Mann. Ihr Name, Freund?" " Martin Rodenburg!" Herr von Wredow horchte bei diefem Namen auf. " Rodenburg?" wiederholte er. bekannt. Sind Sie ein Verwandter Feldau?" Der Name ist mir " Der Name ist mir des Gutsherrn von ,, Das ist mein Dheim!" antwortete der junge Mann. ,, Ein Verwandter von Ihnen?" fragte Wadschid Ali sich an Wredow wendend. " Der Sohn jenes Gutsherrn Rodenburg ist preußischer Dffizier; ich war seiner Beit mit ihm befreundet." " So, fo, es freut mich, daß ich einen Verwandten Ihres Freundes belohnen kann." Er wandte sich wieder an den bleichen, jungen Mann: " Sie sind ein entschlossener und muthiger junger Mann. Wollen Sie Dienst nehmen in meiner Armee?" Es ist mein fehnlichster Wunsch in meine Heimath zurückzukehren, welche ich vor fast fünf Jahren verließ," antwortete der Jüngling. " Wohl! Sie haben mir und meinem Hofe einen großen Dienst geleistet. Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet; erbitten Sie sich eine Gnade, Herr Rodenburg." Wohlan," sagte der junge Mann einen Schritt näher tretend und flehend sein Auge zu dem Könige erhebend, während er seine freie Hand gleichsam beschwörend ausfiredte, für mich hat das Leben feinen Werth, ohne den Besitz eines Wesens.... .. Ich lernte in der Gefangenschaft ein Mädchen kennen, das ich mehr liebe, als mein Leben, und mit dem ich in meiner Heimath glücklich zu fein hoffte.... Was ich that, that ich um sie zu retten. Die Angst um dieses geliebte Wesen gab mir den Muth, mich dem wüthenden Thiere entgegen zu werfen.... Wollen Sie mir eine Gnade gewähren, so geben Sie mir meine Braut zurück." Was? Ihre Braut? Ist sie Ihnen entführt, oder ist sie Ihnen entflohen? Wer ist Ihre Braut?" ,, Nuna, die Tibetanerin! D, Sire, ich flehe Sie an, Afrika. In Kamerun herrschen nach den Berichten englischer Blätter sehr ungeregelte Zustände. Am Flusse Bell Townside haben kurz vor der Ankunft des Postdampfers Kinsembo" ernste Ruheſtörungen stattgefunden. Die Kaufleute in dem Distrikt sehnen sich nach der Herstellung geordneter Bustände an dem Fluffe, da seit der deutschen Annerion das ganze Gebiet sich in einer ungeregelten und aufgeregten Lage he findet. Man darf freilich nicht vergessen, daß der Bericht aus englischer Quelle stammt. Amerika. Der bekannte Er- Präsident der Vereinigten Staaten, General Grant, ist in Konkurs gerathen; sein Hauptgläubiger ist ter Millionär Vanderbilt. Die Freunde des Generals haben indeß Veranlassung genommen, mit den Gläubigern einen Vergleich anzubahnen, so daß die Sache einen befriedigenden Verlauf annimmt. Die amerikanischen Freihändler hatten das Gerücht verbreitet, daß der zufünftige Präsident Cleve Iand ein enragirter Freihändler sei und nach seinem Amtsantritt die freihändlerischen Ideen fördern werde. Dieses Gerücht veranlaßte Herin Cleveland zu einem energischen Dementi, in welchem er erklärt, daß er niemals in Verbindung mit einem Freihandelsklub gestanden habe. Die Bahl der im Jahre 1884 im Castle Garden- Depot( New- York) angekommenen Einwanderer betrug 388 267, gegen 320 706 in 1883. Lokales. r. Von vielen Geschäftsleuten, welche auf den Bahnen ganze Waggonladungen von Frachtgut erhalten, wird gegen wärtig lebhaft Klage geführt über das unfoulante Verfahren einzelner Bahnverwaltungen gegenüber den Frachtenempfängern. mit Strenge wird darauf gehalten, daß die eingegangenen Waggons innerhalb weniger Stunden ausgeladen werden müffen, widrigenfalls nach dem Babnreglement empfindliche Ordnungsstrafen gegen den säumigen Empfänger festgesetzt und von diesem Empfänger eingezogen werden. Selbst bei dem ganzen Aufgebot aller disponiblen Arbeitskräfte und Fuhr werke ist es vielfach den Empfängern nicht möglich, innerhalb der angeordneten Frist die Entladung der Waggons zu bewirken, namentlich wenn die Entladezeit, die nur etwa vier wirken, namentlich wenn die Entladezeit, die nur etwa vler bis sechs Stunden beträgt, noch durch eine Mittagspause der Arbeiter, oder durch eine ähnliche Arbeitsunterbrechung abforbirt wird. Der Versuch, solche Bausen in einem dringenden Falle aufzuheben, führt gewöhnlich zu keinem Resultat, da dann die übermäßig angestrengten Arbeitsfräfte schon nach furzer Zeit ermatten. Es sind aus diesen Anlässen mehrfach Beschwerden an das Ministerium gerichtet worden und es ist um so mehr zu hoffen, daß dieselben einen im Sinne der Beschwerdeführer günstigen Erfolg haben werden, als man sonst aus dem Verfahren der Bahnverwaltungen auf einen ganz bedenklichen Waggon- Mangel schließen mußte, der allerdings schon früher im preußischen Abgeordnetenhause von dem Abg. Büchtemann behauptet, von Herrn Minister Maybach aber auf das Entschiedenste in Abrede gestellt wurde. Es wäre auch in der That beklagenswerth, wenn die Eisenbahn- Verstaatlichung wenn Sie mir eine Gnade erweisen wollen, gewähren Sie mir nur das Eine, geben Sie mir Nuna zurück!" Der Nabob fuhr empor. " Der Mann ist wahnsinnig!" schrie er mit zornfun kelnden Augen. Sehib, lassen Sie den Verwegenen in Ketten legen. Er verlangt eine Frau meines Harems! Unerhörter Frevel! Mein Leibarzt soll ihn beob achten. Ist er nicht wahnsinnig, so soll er den Frevel büßen... Führen Sie ihn hinweg!" Auf einen Wint des Sehibs erschienen drei Mann ber Leibwache, welche Martin Rodenburg ergriffen und hinausschleppten. Sechstes Kapitel. Der Spreewald ist in seiner ganzen Ausdehnung reich an romantischen Partien; Berg, Wald und Gewässer wechseln in anmuthiger Weise ab, dazwischen reich bebaute Felber, hübsche, reinliche Dörfer, deren rothe Dächer zwischen dem Grün der tausendjährigen Bäume hindurch schimmern; und in diesen Dörfern das kräftige, urwüchsige Geschlecht der Spreewälder und die allerliebsten runden, derben Gestalten der Spreewälderinnen in ihrer Kleidsamen Tracht, mit ben kurzen Röcken, den buntfarbigen Strümpfen und Schnallenschuhen, dem gestickten Mieder und dem phantastische Kopfpuz aus schwarzen und weißen Bändern arrangirt das ist Alles von anziehender Romantik. Im ganzen Spreewalde aber ist keine Gegend angie hender, als diejenige, in welcher Schloß Stolzenburg liegt. Die Wredow's rühmen sich, schon zur Zeit der Astanier dort eingesessen zu sein dort eingesessen zu sein eine verfallene Burg, die mitten im Walde lag, eine romantisch gelegene Ruine, batirte ficher bis ins vierzehnte Jahrhundert zurück. Diese Burg umgeben von Wällen und Gräben und auf einer Anhöhe gelegen, welche jetzt wild bewachsen war, und zu welcher man fünstlich sich verschlingende Wege hinauf angelegt hatte, war früher der Sitz der Wredom's gewesen; jezt bewohnten dieselben das im Renaissancestyl erbaute präch tige Schloß, das am Abhange eines Berges und am Saume des sich weit ausdehnenden Parkes liegt, durch welchen sich ein Spreearm anmuthig hindurchschlängelt. fich in so unangenehmer Weise für die Interessenten bemerkbar machen sollte. a. Ein Uebelstand auf der Pferdebahnlinie der Invalidenstraße( Alexanderplat Moabit) wird seit Beginn des Winters von zahlreichen Fahrgästen sehr empfunden, ohne daß bisher die Pferdebahn- Direktion Abhülfe geschaffen hat. Die beiden Haltestellen der Pferdebahn am Hamburger Bahnhof und am Portal des Ausstellungs- Barks find seit der Schließung des Hamburger Bahnhofes, resp. seit der Schließung des Ausstellungsparkes gänzlich bedeutungslos, da daselbst sehr selten Personen auszusteigen haben. Dagegen befinden sich an dem eine Strecke hinter dem Hamburger Bahnhof liegenden Weg von der Invalidenstraße nach dem start frequentirten Lehrter Bahnhof und an der eine Strede hinter dem Portal des Auss stellungsparkes belegenen Lehrter Straße teine Haltestellen, und es find jetzt diejenigen Personen, insbesondere Damen, welche nach der Lehrter Bahn resp. nach der Lehrter Straße sich begeben wollen, genöthigt, bereits am Hamburger Bahnhof, resp. am Portal des Ausstellungspartes auszufteigen. r. Schlechtes Brennmaterial. Es scheint fast, als ob es feinen Gegenstand, dessen Gebrauch oder Verwendung zu den täglichen Bedürfnissen gehört, mehr gäbe, bei dem nicht der Schwindel oder die Unsolidität ihre unsauberen Geschäfte verfuchen. In diesem Jahre zeigt sich dies ganz besonders auffallend bei dem im Detail- Handel ausgebotenen Brennmaterial, namentlich der Preskohlen, zerkleinerten Koats und Koats Abfall. Die lebhafte Konkurrenz hat die Preise für diese Brennmaterialien auf einer mäßigen Höhe erhalten, so daß der Verdienst an denselben bei reellem Geschäftsbetriebe fein erheblicher ist. Desto besser wissen unter diesen Verhältnissen unsolide Händler ihre untaugliche Waare abzufezen, indem sie dieselbe noch eine Kleinigkeit unter dem Normalpreise ausbieten und dafür natürlich auch Abnehmer finden, die dann freilich zu spät ihren Schaden einsehen. Da giebt es Preßfohlen, die bei den besten Feuerungsvorrichtungen nicht recht in Brand gerathen wollen, nur eine matte Flamme entwickeln, die keine erhebliche Wärme verbreitet und wo man nach der Verbrennung eine torfartige, groblörnige Asche findet, die auf das Vorhandensein unverbrennlicher Theile in der Kohle schließen läßt. Auch bei dem Koats scheinen minder gute Qualitäten namentlich von den umherziehenden Händlern feilgeboten zu werden; auch dieses Brennmaterial zeigt sich bei Sen besteingerichteten Heizvorrichtungen unverbrennlich, es schlackt im Feuer zusammen und muß dann gewöhnlich aus dem Pfeuer entfernt werden. Dieses minderwerthige Brennmaterial mag vielleicht verwendbar sein für solche FeuerungsAnlagen, wo ein himmelhoher Schornstein den erforderlichen Bugwind herbeiführt, aber für die Oefen armer Leute, und diese werden gewöhnlich mit diesem„ billigen" Brennmaterial beglückt, ist baffelbe untauglich. Den Händlern kann diese Beschaffenheit ihrer Waare auch faum unbekannt sein und des balb verdient solches Geschäftsverfahren die entschiedenste öffentliche Verurtheilung. Wie sehr das Versammlungsleben in Berlin stetig anwächst, laffen folgende Bahlenangaben recht deutlich erkennen. Im Laufe des Jahres 1884 wurden im Berlin 6275 Versammlungen, in welchen öffentliche Angelegenheiten zur Erörterung tommen sollten, beim Polizeipräsidium angezeigt. Von den selben wurde bei ca. 2000 eine polizeiliche Überwachung nicht für nöthig gehalten. In jedem der Jahre 1881, 1882 und 1883 famen 4000 bis 4500 derartige Versammlungen zur Anzeige, von denen jährlich etwa 1000 ohne polizeiliche Ueberwachung blieben. In den Jahren 1877-1879 blieb die Ge sammtzahl der überwachten Versammlungen unter 1000, im Jahre 1880 belief dieselbe sich auf 1006. Man wird nicht zu hoch greifen, wenn man außerdem die Anzahl derjenigen Verfammlungen, welche geselligen, Wohlthätigkeits-, gewerblichen und dergleichen Zwecken dienten und deshalb nicht unter die Vorschriften des Vereinsgefeßes fallen, für 1884 auf 12 000 veranschlagt. Bu ganz tollen Streichen hat, so erzählt die ,, Staatsb.3tg.", die Liebe einen Bureaubeamten bei einem unserer Rechtsanwalte getrieben. In dem Hause des Rechtsanwalts war nämlich ein sehr hübsches Mädchen bedienstet, für das der Bureaubeamte, ohne sich Gewissensstcupel darüber zu machen, daß er eine Frau und zwei Kinder sein nannte, in leidenschaftlicher Liebe entbrannte. Der Gedanke, daß seine Herzensgebieterin anderen Menschen dienen solle, erschien ihm aber ganz unerträglich, und er wußte dieselbe zu bestimmen, die Stellung aufzugeben und wieder zu ihrer auswärts wohnenden Familie zurückzukehren. Nun fing ein flottes Leben an. So oft es feine Beit erlaubte, machte der Liebhaber Reisen zu seiner Heißgeliebten, die fich dadurch wesentlich vertheuerten, daß er außer der Eisenbahn noch Fuhrwerk( und zwar immer sehr elegantes) benutte, um nach dem Dorfe zu kommen, wo fie weilte. Ihren Eltern machte er nun klar, daß er ein studirter Mann sei, brillante Aussichten habe und frei und ledig set. Die Eltern freuten sich natürlich ob des Glückes ihrer Tochter, man lebte herrlich und in Freuden. Plößlich, am 28. v. M., erschien die betrogene Ehefrau auf der Bildfläche und warf das ganze luftige Kartenhaus, das ihr Gatte aufgebaut, über den Fräulein von Steinberg hatte nicht Unrecht, wenn sie sagte, nächst den Gärten von Sanssouci teinen entzückendern Sommeraufenthalt zu kennen, als den in Schloß und Park Stolzenburg.-Trotz des prächtige Schlosses, trotz der herrlichen Umgebung, trob des alten Namens und des wohl konsolidirten Reichthums, war die Familie nicht glücklich. Seit Jahren war in dieses Schloß ein finsterer Geist eingekehrt, der die Zufriedenheit aus demselben verbannte. Der alte Baron von Wredom, ein Aristokrat vom Kopf bis zur Behe, hatte zwar nach wie vor die Bewirthschaftung seiner Güter, die Pflege seiner Wälder, Lände reien und Anlagen gewissenhaft überwacht, denn er suchte ja seinen Stolz darin, unter seinen Nachbarn den ersten Rang in jeder Beziehung einzunehmen und dazu rechnete er auch seinen Ruf, ein Musterwirth zu sein allein er hatte sich seinen Pflichten und seinen Lieblingsbeschäftigungen seit lange nicht mehr mit freudigem Herzen unterzogen. Jedesmal, wenn er Verbesserungen getroffen hatte, oder wenn er durch seinen Park lustwandelte, der von zwei englischen Gärtnern gepflegt wurde, und wenn er sah, wie alle Einrichtungen mustergiltig, Alles in schönster Blüthe in schönem Gedeihen stand, dann freute er sich nicht, sondern er seufzte: Für wen thue ich Alles das?... Nach meinem Tode werden Fremde Genuß von Dem haben, was ich ge schaffen." Das war's, was ihm schwer auf dem Herzen lag. Heute, zum ersten Male feit langer Zeit, hatten sich die Wolken, die sonst beständig auf seiner Stirn lagen, ein wenig aufges hellt, und während er, seine Gemahlin am Arm, den Park durchschritt, blickte er nicht ganz so düster und mißgestimmt wie sonst, vielmehr sah er zuweilen mit inner lichem Stolz auf den jungen Mann, der an seiner Seite einherging. Dieser junge Mann war der Baron Oswald von Wredow, sein jüngerer Sohn, welcher sich zum Besuche in Stolzenburg befand. Oswald von Wredow hatte nie eine Passion für landwirthschaftliche und ländliche Genüffe ges ปี 11 3 10 i 6 S C 5 fo f ปี I 94 Haufen. Den ungetreuen Ehemann traf das Erscheinen seiner Frau wie ein Bliy aus heiterem Himmel; er hatte sie nämlich als sehr bedenklich krank vor einiger Zeit nach einer Klinik bringen lassen, hatte ihren Zustand für unheilbar gehalten und daher geglaubt, schon an Ersatz denken zu dürfen Nun war sie nicht nur ganz unerwartet schnell gesund geworden, sondern hatte auch durch einen anonymen Brief von dem Treiben des Ungetreuen Kcnntnifj erhalten. Jetzt stellte sich auch heraus, woher der Mann die Mittel zu den reichen Geschenken für seine „Braut", zu dm theuren Reisen und den sonstigen damit in Verbindung steherden Ausgabm bestritten hatte: er hatte nämlich das Papiergeschäft, das seine Frau betrieben� um reo- lich ihren Tbeil zur Erhaltung der Familie beizutragen, wäh- rend der Zeit, daß dieselbe krank war, verlauft und mit den 600 Mark, die er dafür erbauten, den flotten Liebhaber gespielt. Das Belle-Alltance-Theater war am Sonntag bei der 80. Aufführung des Schönrhan'schen Schwankes„Der Raub der Sadinerinnen" wieder total ausverkauft. Ein bankerottes Musenm. Der ehemalige Direktor des AmericantheatZls, Herr Heinsdorff, begründete vor mehr als Jahressrist ein sogenanntes„Weltmuscum", drffen Schätze er auf allen möglichen Auktionen und bei den verschiedensten Händlern einkaufte. Die Einrichtung kostete ihm ein schweres Geld; manche Gegenstände, wie die großen Galeriebilder von Meistern ersten Ranges, mechanische Kunstwerke und dergleichen, bezahlte er mit 20- bis 30 000 Ml. Aber die Sache rentirte sich nicht; zweimal wechselte Herr Heinsdorff hier sein Museum, wohl auch mit seinen Schätzen ins Ausland, aber immer lreb der E.folg weit hinter den erhofften Erwartungen zurück. Es half auch nichts, daß der immer strebsame Direktor auf neue, zeitgemäße Erwerbungen ausging und beispielsweise bald nach dem Tode der Ernestine Wegen« deren Originalkostüm als„jüngster Lieutenant" für eine bedeutende Summe erwarb— das Museum blieb nach wie vor leer, und heute werdcn seine Schätze in alle Winde verstreut werden. Der Auktionator wird in den Räumen seines Amtes walten und alle Trödler Verlins werden sich dort ein Rendezvous geben. „Große Versteigerung des Heinsdorff'schen Weltmuseums"— so verkünden Plakate und Anzeigen, und trostlos blickt der Be- sitzer auf das mit so großen Hoffnungen begonnene und nun vernichtete Unternehmen. Das ist das Loos des Schönen auf der Erde! g. Der Neujahrstag wird stets benutzt, um durch un- defugte Gratulationen von angeblichen Angestellten dieses oder jenes Geschäftsmannes, mit dem der Gratulirte in Verbindung steht, kleinere Beträge zu erschwindeln. Der Betrug gelingt in den meisten Fällen, weil man nach einer Legitimation nicht zu fragen pflegt und es immerhin nur kleinere Geldgeschenke sind, die gemacht werden. Außer dem Eigenthümer des Hauses Zimmeistraße 37, welcher auf die gedachte Weise an einen angeblichen Angestellten der Gesellschaft für Müllabfuhr 2 Mk. dezahlt hat, ist am Neujahrstage bei dem Fabrikanten O. in der Alten Schönhauser str. 51 seitens eines angeblichen Echorn- steinfegergesellen des Schornsteinfegermeisters Schaff in der Dragoner straße ein ähnlicher Betrug versucht worden..Herr O. bemerkte ab«, daß auf der Neujahrskarte nicht, wie ge- wöhniich, der Name des Meisters Schaff stand, worauf der Gratulant die allerdings annehmbare Ausrede hatte, daß diese Karten bereits sämmtlich vergriffen seien und schnell noch andere ohne Namen nachgekauft worden wären. Herr O. wollte sich aber doch über die Richtigkeit der Angaben überführen und als er einen seiner Lehrdurschen herbeirief, welcher bei dem Meister Schaff Erkundigungen einziehen sollte, nahm der Gratulant Reißaus und war auf der Straße mcht mehr zu finden. a. Ein junges Mädchen, welches ihren hiesigen achlbaren Eitern durch ihren leichtfertigen Lebenswandel viel Kummer und Schmerz bereitet hatte, ist vorgestern wegen eines Gelegenheits- diedstahls verhaftet worden. Dieselbe hatte sich vor einigen Tagen, am 31. v. Mts., zu einer mit ihren Eltern bekannten Dame begeben, um angeblich im Auftrage ihrer Eltern Ar- beiten zu bestellen. Mährend dieses Besuches nahm sie unbe- merkt auS einer Kommode 1 Uhr nebst goldener Kette, eine goldene und eine silberne Brochs, mit welchen Sachen sie sich zu einem Pfandleihcr begab und bei diesem die Sachen für 15 M. verpfändete. Diese Summe wurde am Sulvcsterabend von der erst 15 Jahre alten Diebin mit ihrem Zuhälter ver- jubelt. Die Diebin, welche schon vor Weihnachten ihren Eltern entlaufen war und seither sich herumgetrieben hat, ist von der Kriminalpolizei ermittelt und zur Haft gebracht worden. g. I« dem Keller-Restaurant von P. in der Markus straße entstand am 3. d. M, Abends gegen halb zehn Uhr, zwischen den aus Zuhältern ic. bestehenden Gästen eine Schtä- aerei, welche sich bald auf die Straße fortpflanzte. In diesem Augenblicke passtrte der ca. 70 Jahre alte Oberdriefträger Keimeß, welcher erst vor Kurzem sein 50jählig«s Dienstjubiläum gefeiert hatte, ein ruhiger, friedliebender Beamter, mit seinem Sohne, einem Eigenthümer aus Britz, diesen Punkt der Straße, als ohne jede Veranlaß ung einer an der Schlägerei Bethei- ligten von hinten auf K. zukam, ihn ins Genick packte, und mit solcher Wucht gegen ein Haus schleuderte, daß K-, aus habt; von Jugend auf hatte er wisienschaftliche Studien vorgezogen, und so sehr auch sein Vater gewünscht hatte, daß er zum Militär gehe und später seine Güter übernehme, so hatte dieser doch nicht verhindern können, daß der junge Baron die Staats-Karrwre ergriff. Nachdem er in Marburg seine Studien beendet hatte, war er am Oberappellationsgericht der Rheinprovinz eine Zeit lang thätig, um demnächst eine Stellung im Staats- Ministerium einzunehmen. Der junge Mann schien zum Diplomaten geboren. Sein feine?, geistvolles Gesicht, seine gewandte Art zu sprechen. seine Gabe zu kombiniren und sein kluges, berechnendes Auge waren, neben seinen juristi- schen Kenntnissen, sicherlich vorzügliche Eigenschaften des künftigen Diplomaten. „Sieh, Oswald," sagte sein Vater, nachdem er ihm die Herrlichkeiten seines Parks nach einander vorgeführt, „wäre es nicht besser. Du satteltest jetzt»och um, und würdest ein Landwirth?" „Das ist mir unmöglich, Vater!" antwortete der junge Mann;„die Kameralwissenschaften sind einmal mein Beruf, sie sind mir über Alles lieb, und während ich einst, wie ich hoffe, ein guter Staatsbeamter werde, so würde ich andern Falls ein schlechter Landwirth sein.... Du weißt ja, daß ich von Jugend auf zwar Sinn für die Schönheiten der Natur, aber durchaus keine Lust ge- habt habe, mich mit landwirtschaftlichen Dingen zu be- schäftigen." Jetzt seufzte Herr von Wredow wieder. „Es liegt mir schwer auf dem Herzen, mein Sohn," sagte er,„daß alle diese henlichen Anlagen, das schöne Gut, das Schloß, die prächtigen Wälder sich ernst in frem- den Händen befinden werden, nachdem sechs Jahrhunderte lang die Familie Wredow hier eingesessen war." „Eberhard," sagte die Frau Baronin, sich in sanftem, fast bittendem Tone an ihren Mann wendend,„Du hast ja noch einen Sohn." _„Schweig' mir von ihm," unterbrach sie der Baron heftig.„Nein, ich habe keinen zweiten Sohn; Bruno ist nrcht mehr mein Sohn!" „Mein lieber Vater," nahm der junge Mann das einer großen Wunde an der rechten Seite des Kopfes blutend, besinnungslos liegen blieb. Sein Sohn brachte den Verletzten nach der in der Vlumenstraße befindlichen Sanitätswache, deren Inhaber Wemecke, ein Schwiegersohn des K. ist. W. begab flch mit seinem Schwager eiligst nach dem Thatorte und hier traf er den rohen Patron gerade an, als er sich in das gedachte Keller-Restaurant zurückbegeben wollte. W. erwischte ihn noch rechtzeitig und obgleich der Mensch den W. in dessen Vollbart griff und demselben ein großes Büschel Haare ausriß, so hielt W. den Patron fest. Inzwischen waren zwei reitende und Fußschutzleute herbeigeeilt, durch deren Eingreifen es ge- lang, den Thäter zur Wache des 22. Polizeireviers in der Holzmarktstraße zu fistiren. Hier wurde in dem Sistirten der Klempnergeselle Ernst August Zager, Waßmannstraße wohn- Haft, ermittelt. Z. wurde zur Haft gebracht. Gmckts- Leitung. Reichsgerichts-Entscheidung. Durch einen Dampfwagen der Etraßen-Ersenbahn-Gesellschaft zu Hamburg wurde ein über den Straßendamm gehender Mann überfahren und getödtet. Dieser Unfall war hauptsächlich dadurch herbeigeführt worden, daß der Lokomotivführer, welcher die Lokomobile des Zuges, von welchem d« Verunglückte überfahren wurde, führte, statt seiner Pflicht gemäß das Geleise, auf welchem er fuhr, vor sich im Auge zu behalten und bei dem Bemerken des die Geleise überschreitenden Mannes zeitig zu stoppen, seitwärts nach einem vorbeifahrenden Zuge gesehen und deshalb den Mann, bevor derselbe von der Maschine erfaßt worden, gar nicht bemerkt hatte. Allerdings traf aber auch den Verunglückten ein Ver- schulden, well er trotz des Herannahens des Dampfwigens den Fahrdamm überschritten hatte. Die Wittwe des Verunglückten, Frau K., beanspruchte auf Grund d-s§ 1 des Haftpflichtgesetzes von der Eisenbahn-Gesellschaft Schadenersatz, welcher ihr aber von der Gesellschaft verweigert wurde, indem diese geltend machte, daß d« verstorbene K. sich den Tod durch eigenes Ver- schulden zugezogen habe. Auf die Klage der Frau K- wurde die Gesellschaft in beiden Instanzen zum Schadenersatz verur- theilt, und die Revision dec Beklagten wurde vom Reichsgericht, l. Zivilsenat, durch Urtheil vom 15. November 1884 zurückgewiesen, indem es begründend ausführte:„Der Berufungs- rechter imputirt allerdings dem Getödteten ein leichtes, geringes Verschulden, führt aber aus, daß demselben die erheblichsten Entschulvigungsmomente zur Seite stehen, und er legt die Hauptschuld an dem Unfall dem Lokomotivführer bei.... Der Beiufungsrichter sieht deshalb das leichte Verschulden des K nicht als dasjenige an, welches den Unfall verursacht habe." Die rohe Mißhandlung des Herrn Hof- und Land- stallmeisters. Die Amtsanwaltschaft hatte gegen das vom Schöffengericht in Frankfurt a. M. vor etwa zwei Monaten gefällte Urtheil über den 5) o f- und L a n d st a l l m e i st e r Eerdinand von Willich inDarmstadt appellirt. «selbe wurde seinerzeit freigesprochen von d« Anklage, am 18. August auf dem.Sattelplatze in d« Nähe bei Niede«ad sein Pferd öffentlich und in ärgernißerregender Weise mit einem Knotenstock mißhandelt zu haben. Der Angeklagte macht das pädagogische Moment geltend. Ein Pferd beurtheilen könne nur Einer, der es jeden Tag„in der Arbeit" sehe. Das boshafte Thi« habe am Renntage zweimal den großen Waflersprung versagt. Wenn eS nicht pariren wolle, so stelle es sich auf die Hintelfüße oder überschlage sich mit dem Reiter. Angeklagter giebt zu, daß er wegen des Unfalls beim Wasser- sprunjj sehr übel gelaunt war, und sich auch über die Art, wie em herbeigeeilter Schutzmann ihn zur Rede gestellt, ge- ärgert habe. Hätte er gewußt, daß das Pferd schon vorher von dem Stallknecht gezüchtigt worden, so hätte er es vielleicht nicht geschlagen.— Der als Zeuge vernommene Schutzmann bekundet, er sei herbeigerufen worden, weil man an der Behandlung des Pferdes durch den Stallknecht An- stoß genommen. Als er den Platz betrat, habe er keinen Stallknecht, sondern einen anständig gekleideten Herrn getroffen, dec das Pferd mit wuchtigen Hieben überoen Kopf traktirte. Er habe ihn höflich«sucht, daS zu unterlassen, und sei mit den Worten angefahren worden: „Werden Sie das Pferd reiten oder ich?" Das Publikum begrüßte das Einschreiten des Schutzmannes mit einem Bravo. Der Angeklagte habe damals erklärt: er sei Etallmeistn und könne mit dem Pferde, seinem Eigenthum, machen, was er wolle. Er habe dann den Schutzmann nach seinem Namen gefragt, und dies« ihn auf seine Nummer hingewiesen und auch seinen Namen gesagt, worauf der Angeklagte rief:„Es wird Ihnen klar gemacht werden, wie Sie einem Hofstall- meister entgegenzutreten haben!" Der Zeuge bezeichnet das Anfahren des Angeklagten als ein„höchst brutales". Die Beweisaufnahme wird ohne weitere Zeugenvernehmung ge- schloffen, da auch die vom Angeklagten gewünschte Vernehmung des Entlastunaszeugens Barons Doktor von Eclanger(seines Neffen) für überflüssig erachtet wird, weil derselbe nur über das Benehmen des Schutzmanns verhört werden soll. Der Staateanwalt, sieht als erwiesen an, daß der Sattek-Platz ein öffentlicher Ort und das Verfahren des Angeklagten ein ärger- Wort, als der Baron in düsteres Schweigen versank, „im Grunde genommen hast Du keine Ursache, Bruno auf ewig aus Deinem Herzen zu verbannen.... Was hat denn Bruno gethan? Er hat ein Mädchen entführt, das er liebte, um sich mit ihr zu vermählen, weil er wohl wußte, daß Du Deine Einwilligung zu dieser Vermählung nicht geben würdest." „Wenir er sich hätte mit der Tochter eines meiner Arbeiter vermählen wollen," antwortete der alte Baron, „hätte ich eher meine Einwilligung gegeben, als zu einer Verbindung mit ein« Steinberg." „Eberhard, vielleicht urthcilst Du auch zu hart," sagte die Baronin, eine schmächtige, bleiche Dame, mit feinem, aristokratischem Antlitz und sanften, blauen Augen und einem Zuge von tiefem Gram auf ihrer einst gewiß schönen und stolzen Stirn.„Vielleicht bist Du selbst schuld daran. Zu der Zeit, als wir mit der Familie Steinberg befreundet waren, da hast Du nie etwas dawider gehabt, wenn die jungen Leute sich einander näherten. Du hast ihre gegen- seitige Zuneigung entstehen sehen, unter Deinen Augen hat sich die kindliche Zuneigung zu einer heißen, untrennbaren Liebe entwickelt; Du hast es geduldet." „Ja, das war damals," unterbrach sie d« Baron finster, als ich selbst noch die Gesinnung Steinbergs nicht kannte; seit ich aber weiß, daß er allen Traditionen deS Adels entsagt, daß er koquettirt mit dem Bürgerthum und frater- niflrt mit dem Proletariat, hasse ich ihn; und wenn Bruno einen Funken von dem Geist der Wredow'S geerbt hätte, so müßte er die Familie hassen, wie ich eS thue." „Sei nicht ungerecht, Vater," widersprach Oswald. „Man kann wohl politische Anschauungen bekämpfen und widerlegen, aber sie dürfen nicht die Personen berühren. Die politische Gesinnung hat mit dem persönlichen Werth, mit dem Charakter wenig gemein, sofern die Gesinnung«ine ehrliche ist." „Ich will nicht hoffen, Oswald, daß Du ebenfalls an- gesteckt bist von dem modernen Zeitgeist, der alle Privilegien des Adels beseitigen möchte, der faselt von persönlichen Verdiensten, von Menschenwerth und Menschenrechten und was dergleichen hohle Phrasen mehr sind, oder sollen wir nißerregendes war. Als erschwerend gilt der Umstand, daß die Mißhandlung eine Viertelstundi nach dem Wassersprunge erfolgte und stch als eine„rohe" charakteristrt. Als strafmil- dernd sei anzusehen, daß das Unglück auf der Rennbahn den Beklagten in üble Laune versetzt habe. Die Strafe bemißt der Staatsanwalt nicht höher als die Amtsanwaltschaft in erster Instanz: 50 Marl. ES sei eine Bestrafung nothwendig des Beispiels wegen. DaS erste Urtheil habe in ganz unstatt- Haft« Weise die Freisprechung motivirt. Angeklagler bestreitet, das Pferd in der Erregung bestcaft zu haben, sondern eS sei wegen der Ungezogenheit des Thieres geschehen. Die Aussage des Schutzmannes genüge ihm nicht.„Mir aber genügt sie," sagt der Staatsanwalt. Das Urtheil ver Kammer entspricht dem Antrag: 50 Mart oder 5 Tage Haft wegen„roher Miß- Handlung." Ohrfetgen in Raten. Das Dienstmädchen Agnes Huf- nagel in Wien begab sich am 12. v. M. in die Wohnung des Metallarbeiters Joseph Heide, ihres Schwagers, um sich dort einen kleinen Betrag einzukasfiren. Die Art und Weise, in welcher sie ihre Forderung gegenüber der Frau Heide geltend machte, soll nicht besonders zart gewesen sein, weshalb die beiden Frauenzimmer alsbald in heftigen Streit und Wort- Wechsel gcriethen. Zu diesem Zankduett kam Joseph Heide dazu, der ohne weitere Untersuchung Partei für seine Gattin nahm und der Hufnagel einige Ohrfeigen verabfolgte. Als die Geschlagene am Nachmittage desselben Tages ihren Besuch wiederholte, applizitte ihr der schlagfertige Schwager das dop- pelte Quantum der Ohrfeigen. Gestern stand Joseph Heide vor dem Strafrichter des Ottakringer Bezirksgerichtes, um sich gegen die Anklage der Agnes Hufnagel zu vertheidigen, welche angab, von ihm am 12. Dezember fünfzehn Stück Ohrfeigen erhalten zu haben. Richter(zur Klägerin): Haben Sie denn diese vielen Ohrfeigen so genau zählen können?— Klägerin: Jawohl, Herr Richter, weit ich sie nicht auf einmal, sondern in Raten bekommen habe.— Richter: WaS heißt das: in Raten?— Klägerin: Na die erste Rate Hab ich in der Früh' bekommen; zuerst 2 Stück, und in kurzer Zeit darauf 3, macht also zusammen 5 Stück im Ganzen. Gleich nach dem Essen bin ich wiedergekommen, da Hab' ich zum Empfang 3 Stück erhalten, dann im Laufe unseres Gespräches wieder 3 und beim Fortgehen 4 Stück, macht also zusammen 10 Stück und mit denen vom Vormittag in Summa 15 Stück Ohrfeigen— in fünf Raten. Richter: Was haben Sie davon für Folgen gehabt? Hat flch vielleicht ein Kopfleiden eingestellt?— Klägerin: Im Kopf Hab' ich nichts g'habt, aber Fußschmerzen Hab' ich davon be- kommen, so daß ich einige Tage nicht gehen konnte.— Richter: Von Ohrfeigen dürften Sie kaum Fußschmerzen bekommen haben. Kopfleiden hatten Sie also nicht in Folge dies« Schläge?— Klägerin: DaS kann ich nicht so genau beurtheilen. Der Kopf war von jeher mein schwächster Theil und a biffel damischer werd' ich wohl die ersten Tag nach den 15 Ohrfeigen herumgegangen sein, das kann man natürlich nicht so unter- scheiden.— Dn Angeklagte behauptet anfänglich, die Hufnagel nur mit dem Handschuh ins Gesicht geschlagen zu haben, muß ab« eingestehen, daß er doch mit seinen Fingern die Wangen der Klägerin gestreift habe.— Klägerin: Jetzt, wann die fünf» zcbne nur,.«'streifte" waren, da möcht i schon amal 15 Stück feste!— Richter(zum Angeklagten): Aber, wie konnten Sie flch denn einem Frauenzimmer gegenüber so weit vergessen und stch zu solcher Rohheit verleiten lassen?— Angeklagter: Sie hat mir ja die Ohrfeigen abgebettelt.— Richter: Abgebettelt? — Angeklagter: Sie hat mich so lang' gereizt, bis sie eine nach der andern kriegt hat.— Richter(zur Klägerin): Verlangen Sie Schmerzensgeld?— Klägerin: Ja freilich, Herr Richter, er soll mir für meine Fußschmerzen zehn Gulden bezahlen. Der Richter erkennt den Joseph Heide schuldig und verurtheilt den- selben zu einer Strafe von zehn Gulden und zehn Gulden Schm«jenszelv. Der Angeklagte nimmt die Strafe an und sagt nach kurzer Berechnung zum Richter: Da kommt ja das Stück Ohrfeigen auf stebenzig Kreuzer? Da macht die Huf- nagel bei den schlechten Zeiten ja das beste G'schäft, wann'S sonst gar nix thät', als stch den ganzen Tag über Ohrfeigen geben zu lassen._ Arbeiterbewegung, Vereine uuöl VerBnmmwngen. t. Eine Gegendemonstration gegen die von konservativer Seite s. Z. auf Tivoli tu Szene gesetzte, die„20000 Mark" betreffend, fand am Sonntag Vormittag in Golle's Salon, Linienstr. 30 statt, woselbst eine von der Arbeiterpartei cinbe- rufene allgemeine Volksversammlung tagte, und zwar in einer Weise, welche allein schon als Demonstration gelten kann im Gegensatze zu den turbulenten Szenen, durch welche stch jene „Volksversammlung" in so wenig ruhmvoller Weise auszeichnete. In ruhiger Weise, frei von jeder Gehässigkeit, sprachen die He«en Kunkel, Kühne und Steindorf ihre tiefe Entrüstung aus üb« das Vorgehen der Herren Konservativen und wiesin unter Zustimmung aller Anwesenden entschieden uns von den Leuten, welche bis dahin unsere Unterthanen waren, Gesetz und Recht vorschreiben lassen? Sollen wir uns in dieselben Schranken fügen, die für den Plebs ge- macht find?.... Wir sind die Stützen de? Staats, nur in dem Adel findet der Staat Kraft und Werth, und wenn man von„Blüthe der Nation" spricht, so kann nur von den Mitgliedern des Abels die Rede sein." „JmGroßen und Ganzen theile ich DeineAnsichren, wenn ich auch nicht so starr festhalte an Traditionen, die sich überlebt haben.... Die Zeit steht nicht still; jede Zeit hat ihren eigenen Geist, und wir haben die Pflicht, dem jedes- maligen Zeitgeist« Rechnung zu tragen. Selbstverständlich haben wir mit allen Mitteln zu kämpfen für unsere Macht und unsere Privilegien." „Run, daS ist doch ein vernünftiges Wort, mein Sohn. Es freut mich, daß Du, wenn Du auch bereit« angekränkelt bist vom Zeitgeist, Dich von demselben doch nicht ganz hast hinreißen lassen, wie dieser Steinberg... Es überkommt mich immer eine Wuth, wenn ich daran denke, daß er sich von den sogenannten Liberalen— worunter man die Männer des Umsturzes aller Größe und Herrlichkeit ver- steht— zum Parlaments-Kandidaten aufstellen läßt.— Es ist empörend! Einen solchen Mann soll ich Bruder nennen?.... Mit einem solchen Manne soll ich in ein nahes verwandtschaftliches Verhältniß treten?!... Nimmermehr!"■ I „Eberhard, die Liebe kennt solche Rücksichten nicht," sagte die Baronin begütigend.„Bruno liebte die Tochter SteinberglS, und wenn er sich mit ihr zu vereinigen wünschte, so ist ja damit noch nicht ausgesprochen, daß er nicht doch Deine Ansichten theilt." „Das ist vollständig damit ausgesprochen... Bruno bleibt aus meinem Herzen und meinem Hause verbannt.— Schweigt mir, ich will nichts von ihm hören, und eher will ich sehen, daß die Stammgüter der Familie Wredow.in den Händen des ersten besten Güterschlächter« sich befinden» als daß ich ihn wieder in seine Rechte einsetze." (Fortsetzung folgt.) jene absurdm Verdächiigungkn zmiick, welche gegen die Ar- beitiipartei und Fiihrer geschleudert worden find. Namentlich war es.Herr Wagte, welcher energisch in die Distusfion eingriff und alle derartige tumultuarische Versammlungen als einen Schandfleck bezeichnete welcher dem deutschen Volle anhafte und geeignet sei, den Vatriotismus zu untergraben, welcher ge- pflegt werden solle. Wenn Hr. Liedermann von Sonnenberg dreimal:„Pfui Teufel!" gesagt habe, so fehlen ihm nur die Hörner! Es sei der Wille des Volkes, die Majorität des Par- laments gewesen, durch welche die Ablehnung der Forderung von 20 000 M. erfolgte; jene Herren hätten demnach nicht das Recht, in der bekannten Manier von der Reichstagemajorität zu sprechen und gäben stch lediglich dem Auslande gegenüber dem Fluche der Lächerlichkeit preis, invem fie in die Fußtapfen der„Pcterspfennigsammler" treten. Das Parlament hatte das Recht der Ablehnung und die Arbeiter partei wird jederzeit, auf dem Boden der Verfasiung stehend, die Rechte der Volksver- treter zu schützen wiffcn. Daß sie gesetzliche Reformen wünsche und erstrebe, haben die Vertreter der Arbeiterpartei im Reichstage bewiesen und zeigen würden die Arbeiter, daß fie auch fernerhin, selbst unter den heutigen drückenden Ver- haltniffen den Muth haben, für ihre Ideen einzutreten vvo, treu zur Arbeitersache zu halten, wenn auch dem Stdtv. Pickenbach ein„Dankschreiben" zu Thefl geworden ist. Nach Schluß der Distusfion gelangte folgende Resolution ein- stimmig zur Annahme:„Die heute in Golle's Restaurant tagende allgemeine Volksversammlung erklärt fich gegen die von Seiten der Konservativen ins Leben gerufene Ädreffen- Demonstration und spricht ihre Zustimmung zu der Stellung der Majorität des Reichstages über die Abstimmung am 15. Dezember v. I. aus." h Im Verein der Maschinisten und Heizer, welcher regelmäßig an den Sonntagen nach dem 1. und lo. jeden Monats im Schützenhause, Linienstraße 5, seine Sitzungen abhält, machte am Sonntage Herr Ingenieur Krause sehr beifällig aufgenommene Mittheilungcn über den dem Ingenieur Richard Schwor, kopff patentirten Kontrol- und Sicherhcits-Apparat für Tampskessel. Der Vortragende demonstrirte an einem vorge- sührtrn Exemplare des Apparates. Er zeigte, wie derselbe mittels eines elektrischen Läutewerkes, welches in jeder beliebt- gen Entfernung vom Kessel angebracht sein kann, ein Signal giebt: 1. wenn der zuläsfige höchste Druck im Kcffel um ein Geringes überschritten ist; 2. wenn der Mafferstrom im Kessel unter die niedrigste gesetzliche Marke zu finken an- fängt; 3. wenn der Kessel bei völligem Wassermangel an- geheizt wird; 4. wenn im Keffelwasser ein„Sicdever- zug" stattgefunden, das heißt, das Wasser im-Kessel die dem höchsten zuläsfigen Druck entsprechende Temperatur um ein Geringes überschritten hat, ohne daß gleichzeitig eine dieser Temperatur entsprechende Druckerhöhung staltgefunden hätte. Die Wirkung des Apparats beruht darauf, daß zwei isolirte, zu einer elektrischen Batterie und zu einem Läutewerk führende Kupferdrähte dadurch, daß bei bestimmten Temperaturen im Apparate angebrachte Legstungsringe schmelzen, in metallischen Kontakt gebracht werden. Die praktische Bedeutung des Appa- rates wurde vom Vortragenden dadurch in das gehörige Licht gestellt, daß er die hauptsächlichsten Ursachen zum Versagen der Wasserstandsgläser, Manometer und Speisevorrichtungen an Dampfkesseln und mehrere interessante Fälle vorführte, in denen Kcsselcxplostonen erfolgt sein würden, wenn nicht durch den Apparat(der in Berlin bereits an 400 Dampfkesseln angebracht ist) die Gefahr rechtzeitig fignalifirt worden wäre. Nach einer lebhaften Diskusfion über den Vortrag wurde der Kassenbericht über das verflossene Vierteljahr erstattet, welchem zufolge die Einnahmen 229, die Ausgaden 204 M betragen haben und das Veretnsvermögen 769 M. beträgt. Am 31. Januar wird der Verein in den Sälen des Schützenhauses sein diesjähriges Stiftungsfest feiern. Nach§ 1, Abs. 2 des UnfallversicherungSgesetzeS find diejenigen Bauarbeiter und bei den Bauten beschäftig- ten Betriebsbeamten der Unfallverficherung unterworfen, welche von einem Gewerbetreibenden, dessen Gewerbetrieb fich auf die Ausführung von Maurer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Steinhaucr- und Brunnenarbeitcn erstreckt, in diesem Betriebe beschäftigt werden. Nach§ 1, Abs. 8 kann jedoch durch Be- schluß des Bundesraths die Vnficherungspflicht auf Arbeiter und Beamte in anderen, nicht unter Abi. 2 fallenden, auf die Ausführung von Bauarbeiten fich erstreckenden Betrieben auS- gedehntt werden. Zu denjenigen Bauarbeitern, welche im Wesentlichen der gleichen Unfallgefahr wie die im§ 1, Abs. 2 aufgeführten ausgesetzt find, gehören die Tünchcr, Verputzer (Weihbinder), Gipser und Stuckateure. Diese Gewerbetreiben- den verrichten ihre Arbeiten von stehenden oder hängenden Gerüsten aus oder auf Leitern, in beiden Fällen oft in bedeutender Höhe, und es kommen dabei zahlreiche und nicht selten schwere Unglücksfälle vor. Dazu kommt, daß die Arbeiten der Tüncher und Verputzer und die Arbeiten der Maurer, namentlich auf dem platten Lande, von den- selben Personen verrichtet zu werden pflegen, und daß auch da, wo beide Gewerbebetriebe getrennt sind, die Tüncher rc. oft auf denselben Gerüsten arbeiten, auf welchen die gegen Unfall verficherten Maurer thätig find. Tüncher, Verputzer, Gipser und Stuckateure find gegenwärtig der Unfallverficherung nur unterworfen, wenn fie in einem Betriebe beschäftigt wer- den, in dem mindestens zehn Arbeiter regelmäßig thätig find. Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß unter diesen Ar- beitern der Wunsch nach einer allgemeinen Ausdehnung der Verficherungspflicht auf fie rege geworden ist. Aus Kassel und Oldenburg find bezügliche Anträge an das Reichs-Verficherungs- amt ergangen und bei den Anmeldungen der unter das Gesetz fallenden Betriebe sind auch vielfach Betriebe von Tünchern, Verputzern, Gipsern und anderen Gewerbetreibenden angemeldet worden, waS darauf schließen läßt, daß auch in weiteren Kreisen der Bethciligten die Gleichstellung mit den Maurern, Zimmerern re. als ein Bedürsniß empfunden, ja alS selbstverständlich vorausgesetzt wird. Aehnlich liegen die Verhältnisse der bei Bauten beschäftigten Maler(Anstteicher), insbesondere der Zimmer- und Dekorationsmaler, einschließlich der Fresko- und Sgrasfito- Maler, so wie der bei Bauten be- schäftigten Lackirer und der Bauklempner. Auch diese Hand- werker arbeiten bei Bauten häufig auf Leitern und auf frei- stehenden oder hängenden Gerüsten. Die Innung der Maler und Lackirer in Hamburg hat die Ausdehnung der Unfallver- ficherung auch auf diese Gewerbetreibenden deantragt. Der Um- stand, daß derartige Handwerker häufig auch ander« als Bauar- besten verrichten, und daß fie bezüglich dieser anderen Berufs- thätigkeit der Unfallversicherung durch Beschluß des Bundes- rathS nicht unterworfen werden können, giebt keinen ausreichen- den Anlaß, ihnen für die mit besonderer Unfallgefahr verbun- dene Bauthätigkeit die Wohlthaten der Unfallverficherung vor- zuenthalten. Auch der Gewerbebetrieb der mit der Anbringung von Blitzableitern beschäftigten Personen ist mit erheblicher Unfallgefahr verbunden. Es ist daher beim Bundesratb der Antrag eingebracht, Arbeiter und Betriebs bcamte sämmtlicher erwähnten Kategorien für verstcherungspflicktig zu erklären. Mit Rückficht darauf, daß die Bildung der Berufsgenossen- schaften bereits im Werke ist, erscheint eine beschleunigte Be- tcklußfassuncr hierüber erwünscht.,, «chtosserglwerk. H.rr Karl Miethe, Adalbeitstraße 94, zeigt an, daß er nunmehr die Leitung der Lohnbewegung des Schlosser gewerks übernommen habe und alle Anftagen, Be- richte und Beschwerden entgegennehme. Die Fraiser und Berufsgenossen versammelten fich am 27. Dezember in Wohlhaupt's Salon. Da diese Versammlung durch nicht gehörige Publikation nur schwach besucht war, wurde eine Kommission gewählt, welche eine Versammlung am 11. Januar einberufen soll, um dann in dieser Versammlung schlüsfig zu werden, ob eine Vereinigung nothwendig ist. Pflicht eines jeden Kollegen ist eS, in dieser Versammlung zu erscheinen. Fachverein der Tischler. Mittwoch, den 7. Januar, Abends 8V- Uhr, Ackerstraße 144, Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Bohn über Erdbeben und Vulkanismus. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste will- kommen. Zahlreiches Erscheinen nothwendig. Generalversammlung der Krankenkasse de? Unterstützungsvereins der Bildhauer Deutschlands(E. H.-K) heute Abend 9 Uhr, Annenftraße 16, Rest.„Sahm". Central- Kranken- Kasse des Deutfchen Senefelder Bundes(E H.'K.) Verwaltungs-Stelle Berlin: Dienstag, den 6. er. im Restaurant Weich Alexanderstr. 31, Abends 8 Uhr. Verwaltungs- und Mitglieder-Versammlung. Mitglieder-Versammluna des Vereins der Berliner Maurer am Dienstag, den 6. Januar, Abends 8 Uhr, in Scheffer'S Salon, Jnselstr. 10. Der Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrikarbeiter in Berlin hält am Dienstag, den 6 d. M., Abends 8'/- Uhr, Andreasstr. 21, bei Keller im oberen Saale eine Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. V-r- ändeiung der Statuten. 2. Wahl eines zweiten Vorfitzenden und eines zweiten Revisors. 3. Vortrag über den Normal- Arbeitstag. Referent Julius Müller. 4. Diskusfion und Ver- schiedenes. Es wird dringend gebeten, daß alle Mstglieder er- scheinen. Gäste find willkommen, neue Mitglieder werden auf- genommm. Der Verein zur Wahrung der Interesse« der Ber- liner Dachdecker hält am Dounerstag, den 8. Januar, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Weich Alcxanderstroße 31 seine vierteljährliche Generalversammlung ab. T.-O.: 1. Kassenbericht. 2 Statutenänderung. 3. Anschluß an den Berliner Sanitätsverein. 4. Entgegennahme der von der hiesigen Be- Hörde bestätigten Statuten der Zentral- Kranken- und Sterbe- lasse der Dachdecker Deutschlands„Einigkeit", Eingeschriebene Hilfskasse Nr. 69._ Wermisirlttes. Großer Juwelendiebstahl in Belgrad. Nach einer an daS Wiener„Frdbl." gelangten tclcgraphischen Mittheilung wurde in den letzten Tagen aus dem Postamte in Belgrad ein Packet gestohlen, in welchem stch Juwelen im Werthe von ungefähr 40000 Fr. befanden und zwar: Ein Kollier, mit Brillanten besetzt, im Werthe von 2600 Fr., eine Haarnadel, mit Brillanten und Perlen besetzt, im Werbe von 4750 Fr.; ein Brazelet, mit Saphiren und Brillanten besetzt, im Werthe von 2700 Fr.; ein Brazelet. mit Brillanten in Rosettcnform be- setzt, im Werthe von 1525 Fr.; ein Brazelet, mit Rosetten und einer goldenen Masche rm Wetthe von 1315 Fr.; ein Brazelet in Form eines Reifes mit Hafteln auS Rosen, im Werthe von 1260 Fr.; ein Braelet in Ringform mit Blumen aus Rubinen, im Wetthe von 1250 Fr.; erne Brocke, in Form einer Rosenknospe, mit Brillanten besetzt, im Wetthe von 5700 Fr.; eine Brocke, einen Schmetterling darstellend, mit bunten Edelsteinen besetzt, im Werthe von 3450 Fr-; eine Bloche, aus Saphiren und Brillanten, im Werthe von 2850 Francs; eine Broche, mit Brillanten in Blumenform, im Wetthe von 1650 Fr.; eine Broche mit Brillanten und Ru- binen besetzt, im Wetthe von 2600 Fr.; eine Brocke in Ast- form, mit Brillanten und Diamanten besetzt, im Werthe von 2400 Fr.; eine Broche, einen Sckmelterling darstellend, aus Diamanten und Saphiren, im Werthe von 2275 Fr., und eine Broche aus verschiedenen Edelsteinen, im Werthe von 1650 Fr. Neber eine fürchterliche Pulverexploflo« in Kralup in Böhmen wird der„N. fr. Pr." unter dem 29. v. M. gemeldet: Die Explosion fand heute Vormittag um 11 Uhr in dem Hause des Kaufmanns Hajek am Hauptplotze statt. Das Haus, sowie ein daranstoßendcs Gebäude wurden nahezu demolirt, zwei andere nicht unerheblich beschädigt. Die F nsterscheiben in den Häusern der ganzen Umgebung waren eirgediückt. Dachziegel, herabgestürzte Rauchfänge und Mauer- tlümmer bedeckten das Etraßenpflaster. Nicht weniger als zwölf Personen lagen todt oder schwer verwundet theils vor dem Laden des Kaufmannes, theils noch im Hause urter Trümmern und Schutt. Hajek, der einen Pulve'kleinverschlciß in seinem Detailgeschäfte betrieb, hatte im Keller seines Hauses eine Quantität Pulver vorräthig, und dieses ist wahrscheinlich in Folge Unvorsichtig- keit zur Explosion gelangt. Sämmliche im Laden befindliche Personen, sowie die im ersten Stocke befindlichen Mitglieder der Familie Hajek's verunglückten. Es gelang, die Berschüt- teten noch lebend zu Tage zu fördern. Dagegen find ein Lehrling und zwei Mädckcn, die Töchter des Kaufmanns Hajek, die sich im Laden oberhalb des Kellers befanden, ge« lödtct worden. Neun Personen sind verletzt. Die beiden Aerzte des Ortes hatten vollauf zu thun. Dem Einen, der im Keller verscküttet Gewesenen mußten beide Beine, einem Andern eines abgenommen werden. Sonst kamen meist starke Kontufionen an Kopf, Gliedmaßen und hauptsächlich der Wirbelsäule, sowie auch Brandwunden vor. Nagasaki, 25. Dezember. Ein furchtbarer Orkan hat die Küsten Japans verwüstet und an 2060 Opfer an Menschenleben gefordert. Die See warf fich auf die Ufer und spülte Alles weg. In einem Orte Namens Kurashiki wurden 500 Häuser zerstört und 1800 Menschen büßten ihr Leben ein. In Tamashina wurden die Küstendämme weggespült, 430 Häuser niederaeweht und 100 Menschen kamen um; während in Jm- batt. Matsuyama und Jyo 151 Häuser zerstört wurden, 112 Dschunken sanken und und 170 Personen ertranken. Auf eine seltene Weise ist zufolge amerikanischen Blat- tern am 30. November v. I. ein Farmer in der Nähe von Somerset, Palusky Camty, im Staate Kentucky, ums Leben gekommen. An jenem Tage wollte Julius Robbie,— so hieß der Mann,— fich zur Stadt begeben. Seine Frau lief ihm bis zur Thür nach, um ihn wegen irgend eines vergessenen Gegenstandes zurückzurufen. Er wandte sich um; kaum hatte er einen Schritt gethan, als die Frau durch einen hellen Glanz geblendet wurde, der von größerer Intensität war alS der stärlste Blitz. Sie bedeckte ihr Geficht mit den Händen und glaubte, ihre Sehkraft verloren zu haben. Zugleich mit dem Blitz ertönte ein furchtbares, dröhnendes Geräusch, das rnit einer erderschütternden Explosion endete. Die Frau fiel be- wußtlos auf den Thürstufen nieder. Robbie war augenblicklich todt, sein Kopf war zermalmt, seine Kle'der verbrannt und zerrissen, sein Körper mit Strömen von geschmolzenem Eisen und weißglühenden Steinchen bedeckt, die Glieder verkohlt und zur Unförmlichkeit entstellt. Ein Meteor war,— so melden wenigstens diese amerikanischen Blätter,— auf des armen Farmers Kopf geplatzt. Vern. Die furchlbaren Erdbeben in Spanien scheinen in der Schweiz ein Ecko gefunden zu haben. Wie aus Bern ge- schrieben wird, wurde am 25. Dezember in Zernitz(Graubün- den) fast gleichzeitig und anscheinend im Zusammenhange mit dem spanischen ein Erdbeben in drei Stößen verspürt. Zwei erfolgten um 8 Uhr 17 Minuten Abends; sie waren die stärkeren, ein schwächerer erfolgte 11 Uhr 5 Minuten Nachts. Die Stöße gingen in der Richtung von Nord-Nord-West gegen Eüd-Süd-Ost; fie wann kur» und glichen dem Rollen eines herankommenden Wagens. Die Stärke der Erschütterung wird durch die Mittheilung illustrirt, daß während eine Fa- milie in der Wohnstube am Tische saß, dieser und die darauf stehende Lampe erzittette und die Kinder von 10 und 11 Jahren vor Sckreck in Weinen ausbrachen und die Frau auf die Knie sank. Stettin, Die Neujahrsnacht ist diesmal still und ruhig vorübergegangen. Kein Johlen, Brüllen und Schreien erfüllte die Mitternachtsstunde; man rief fich wohl in den Straßen ein„Profit Neujahr!" zu, wenn man an einander vorbeiging, doch betrug stch im Uebrigen unsere Bevökerung musterhaft. Die einzige Verhaftung, welcke vorkam, war— gewiß ein Kurwsum— die eines... Nachtwächters, den drei seiner Kollegen gebunden wegen— ruhestörenben Lärms und Auf« lehnung gegen die kollegialische Amtsgewalt auf die Kustodie brachten. Heiraths-Vermittluug.„Aaron, ich weiß für dich e' Parthie. Bevor ich fie dir aber rekommandir', möchtt ich wissen, was für Vorzüg' das Mädel befitzen muß?" „Das Erste: schön muß fie sein!" „Und dann?" „Gebildet muß fie sein!" „Sonst m'x?" „Wie haißt sonst nix? Reich muß fie sein!" „Dann is se venückl, wenn fie dich Heirath'!" „Verrückt darf se sein!" Milderungsgrund.„Ihr habt, das furchtbarste Ver- brechen begangen: Eure Eltern ermordet! Was kann ich da zu Eurer Vertheidigung noch vordringen?"„Euer Gnad'n Herr Doktor kunt'n ja die Richter bitt'n, daß fie Mitleid hab'n sollten mit an armen Waisen!" Zweifel.„Jetzt weiß ich nicht, soll ich meinen Schneider von der Remuneration bezahlen, die ich nicht bekommen Hab', oder von der Gageaufbesserung, die mir der Herr Rath für's nächste Jahr versprochen hat? Der jängere Bruder. Der kleine siebenjährige Georg fragt die Mutter:„Mutterchm, sag' einmal, bleibt mein kleiner Bruder immer jünger als ich?"„Gewiß, liebes Kind, warum denn?"„O, das ist schön," sagte der Kleine,„dann kann ich ihn auch immer durchhauen." Ansichten eines Postbeamten über Frauen. Eine ver« beirathete Frau ist ein an seine Adresse gelangter Brief; ein Fräulein ist ein noch unbestellter Brief; eine alte Jungfer, ein Brief, welcher postlagernd vergessen ist. _ Trauriger Ausspruch. Lord Notth verlor gegen das Ende seines Lebens völlig das Gesicht. Da traf er einst mit Obrist Barre zusammen, mit dem er früher in wüthender Feindschaft gelebt hatte, und der nun auch blind war.„Obrist",! rief er ihm zu,„rch glaube, es giebt keine Menschen auf der Welt, die einander so gern sehen möchten, als wir Beide." Zwischenaktsgespräch. 91:„Nun, Herr 93., waren Sie denn auch vorigen Freitag hier im Theater zur Benefiz-Vor« stellung von Fräulein N.?"— 93.:„Leider nicht."— A. n „Oh, da haben Sie wirklich viel versäumt; Fräulein N. wurde deraitig mit Bouquets und Kränzen überhäuft, daß fie schließ« lich nur noch durch die Blume sprechen konnte." Ein Münchener Kindl. Dieser Tage wurde in Mün-' chen ein kleines Kind, das fich verirrt hatte, zur Polizei ge« bracht. Vergeblich waren alle Bemühungen, aus dem Kindt! die Namen seiner Eltern oder eine Adresse herauszubekommen. Endlich kam einer der Beamten auf die Idee, das Kind zu fragen:„Wo holst Du denn für Deinen Vater das Bier?" Sofort nannte dasselbe eine Witthschaft in der Dachauerstraße, und dorthin gebracht, wurde es auch erkannt und konnte seinen Eltern zugeführt werden. Eine boshafte Antwort. Eine Dame hat dm Besuch einer andern zum Nachmittagekaffee. Eus einem sehr animitten Gespräche, in welchem eine dritte gehörig verhechelt wurde, entstand schließlich ein Streit zwischen beiden, und ausstehend. sagte die Besucherin zu der Dame des Hauses:„Nun, es ist so, wie ich heute schon zu meinem Mann sagte, ich möchte nicht in Ihren Schuhen stecken."„Das glaube ich gern," ver- setzte die andere,„denn fie würden Ihnen viel zu klein sein.": Unechte Farben. Eine ältere, geschminkte und kokelte Frau sitzt bei einem Herrn, der es nicht über stch gewinnen kann, galant zu ihr zu sein.„Ich begreife Sie nicht," sagt« fie endlich unaeduttffg zu ihm,„Sie find dock ein wohlerzogener Mann."—„Allerdings, daS ist aber kein Gmnd, Ihnen den Hof zu machen."—„Eigentlich sollte er es aber sein. Ueber- Haupt war das früher anders."—„Ah bah."—„Da trug man meine Farben."—„Ja, Verehtte, damals, da färbten diese auch noch nicht ab." Die Gesammtzahl der Postaustalte« tu Europa be« trug im Jabre 1883 65 500, und zwar jene eine auf 150 qkrn und 5023 Einwohner(in Deutschland je eine auf 38,2 qkroi und 3261 Eint»), Tclegraphenanstalten waren 41 500, Briefkasten 225 000 vorhanden; dos Personal der Post- und Tele- graphenanstalten delief fich auf 356 060 Köpfe, die Summe der in Europa aufgelieferten Briefsendungen aller Art betrug 6847 Millionen, der Telegramme 117 Millionen Stück. Unter den Briessmdunaen waren: 3683 Millionen Briefe. 549 Millionen Postkarten, 1046 Millionen Drucksachen, Geschäftspapiere und Waarenpropen, 1672 Millionen Zeitungsnummern. Das Ge* sammtbudget der europäischen Post- und Trlegraohenver« waltungen ergab in Einnahme 763 Millionen, in Ausgabt 639 Millionen, als Uederschuß also 124 Millionen Mark. Gemeinnütziges. Verfahren, Kaffee- und Theebrettcr zu reinigen. Man gießt fern heißes Wasser darauf, besonders nickt auf lockwte, weil sonst der Lack springt und abblättert. Man nehm« vielmehr einen in warmes Wasser getauchten Schwamm wenn Cos Brett sehr schmutzig ist, ein wenig Seife und reib« es schließlich mit einem Tuche. Wenn es schmierig ausficht, so stäube man ein wenig Mihi darauf und reibe es mit einerN trocknen Tuche ab. Desinfektion bewohnter Räume. EHIorkalk mit Essig angerührt und in flachen Gefäßen hingestellt, ist ganz besonders geeignet zur Desinfektion von bewohnten Räumen; die Chlor« entwickelung ist dabei nicht so lästig, als bei 9lnwenduug von gepulvertem Braunstein und Salzsäure zu demselben Zweck. Aus sogar verschiedenartigen Gründen empfiehlt fich die An* Wendung und Benutzung obiger Methode, die sehr heilbrin«. gend ist. Verfahren um hart gewordenen Sammet wieder ge« schmeidig zu machen. Sammet, der durch Regen und Schmutz hart und rauh geworden ist, wird auf der ganzen Rückseitt befeuchtet und dann ein heißes Eisen darüber geführt, aber nicht etwa damit gebügelt. Man führt den benetzten Samm« mit seiner Rückseite über das Eisen, durch die Hitze veiwan« delt fich das Wasser in Dampf und wirkt somit auflösend aus die verwirtten und zusammengeklebten Fasern. Firnifiharz. Ein gutes roihes Firniß- und Politurharz ist das Drachenblut, das eine tieftothe, manchmal auch schwarz« Farbe hat, durchsichtig und geruchlos ist und etwas süßlich schmeckt. Es löst sich leicht in Alkohol, Alkalien, Orlen und Esstgsäure, schwer dagegen in Aether. Dieses Harz ist aller«' dingS etwas in Vergeffenheit gerathen, dock ist seine AnweM dung zu rothen Firnissen, Polituren, selbst zu Zahnpulvern. durchaus zu empfehlen. Glycerinsatbe. Eine Glycerinsalbe, um zusammenge« zogene Haut aufzuweichen und geschmeidig zu erhalten, stell» man dar, invem man 2 Gramm Weizenstärke und 1 Granit destillirteS Wasser verreibt und 10 Gramm Glycerin hinzusetzt. Man erhitzt nun im Waffer bade, bis fich eine durchschernenv« gleichförmige Masse bilvet. Mittel gegen Blutarmuth. Wer an Blutarmuth leidet kann sich auf einfache Art ein Mittel gegen dieS Leiden da? stellen. Man nehme nämlich einen möglichst großen 9lpfel um durchsteche ihn mit einigen, möglichst großen eisernen Nägele damit fie tief inS Fleisch der Frucht eindringen können. 6-1 ist in 1—2 Tagen dann axfelsaures Eisen entstanden, daS m dem Fleische mitgetbeilt hat. Den Apfel ißt man nun und V dadurch ein gutes Mittel gegen Blutarmuth. Verantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw., Beuthfttaße 2. Hier»««tue»eilat< Beilage zum Berliner Baltsblalt. Nr. 4. Dienstag, den 6 Januar 1885. II. Jahrgang. Das Opwmrauchen in Amerika ist leider im steten und mit Recht beunruhigenden Zuneh- men begriffen. Es geschieht heutzutage überall, besonders aber in den Ver. Staaten, Alles in Eile und Hast; die Menschen gönnen sich wenig Ruhe und Behagen. So verändert sich mit jeder folgenden Generation die physische Natur derselben immer mehr, immer größer wird das Ueberwicgen des ner- vösen Elements, sowohl in dem individuellen als im natio- nalen Leben. Während wir, sagt Dr. Lortzing von Newyor! in einem beachtenswerthen Artikel über das Laster des Opium- rauchens, durchschnittlich jetzt in einer Stunde mehr geistige Arbeit verrichten als unsere Vorfahren in sechs, sind wir nicht zum sechsten Theil so fähig, diese Anspannung zu er- tragen, wie sie. Daher sind auch die gegenwärtigen Krankheiten von denen vor einem Jahrhundert sehr verschieden und demge- mäß hat sich auch die BeHandlungsweise geändert. Wenn der Arzt findet, daß gewisse Schmerzen, daß Nervosität und Hysterie beständig seine Aufmerksamkeit erfordern und daß Nichts dagegen hilft wie Opium oder dessen sechsmal stärkeres Alkaloid. Morphium, dann wendet er es immer mehr und ausgedehnter an, in der Absicht, sobald die ernsteren Symptome verschwinden, eine andere Behandlung «intreten zu lassen. Hat der Patient indessen erst einmal eine wirkliche Er- leichterung seiner Qualen gefühlt, so besteht er auf dem ferneren Gebrauch des Mittels, er heuchelt sogar Krankheit, um es zu erhalten, weiß es sich endlich selbst zu ver- schaffen und macht es sich in schuldbewußter Geheimhaltung sehr rasch zur Gewohnheit. Heute giebt es in den Vereinigten Staaten, in Folge der nicht unbeträchlichen Chinesen-Einwanderung via Kalifornien, Tausende von gebildeten und achtbaren Personen in allen Ländern und Ständen, die Habitues des Opiums 8«worden sind, Sklaven einer Gewohnheit, die ge- ieterischer ist, als der strengste Ausseher, eine» Lasters, das sie mehr als alles Andere verabscheuen und das sie dernoch in Fesseln schlägt, welche sie nicht zu brechen im Stande sind. �_, r, Beide Geschlechter fröhnen ihm, doch verhalten sich die weiblichen Opfer zu den männlichen wie drei zu eins, weil die Frauen nervöser sind und weil die Opiate ungleich weniger auffallend genossen werden können wie alkoholische Getränke, obwohl sie ebenso berauschend wirken. Das Opiumrauchm bedarf kärgerer Zeit, um zur Ge- «ohnheit zu werden, schädigt weniger als andere Methoden Opiate zu nehmen(z. B. Injektion, Essen, Einathmen k.) in körperlicher und geistiger Hinsicht und ist auch viel leichter zu kuriren als diese. Die allgemeine Ansicht, daß alle Raucher in einen langen, von den phantastischsten Träumen und wunderbarsten Bssdcrn bevölbrten Schlaf verfallen, ist unrichtig. Die Adepten des Opiums rauchen nicht, um in derartigen Schlummer, sondern vielmehr in ein traumhaftes Wachen zu versinken, in einen Zustand, in welchem sie sich über rhre Mitmenschen und über das Alltagsleben erhaben dünken, im Frieden mit sich und mit Jedermann; eine behagliche Ruhe überschleicht sie. Ei ist dies das dolce far niente des Opiums, das ich(wir lassen Dr. Lortzing sprechen) bei einem Besuch der Höhlen in Mott- und Pearl-Straße in Newyork in allen seinen Stadien beobachtet habe. Man kann gerade nicht behaupten, daß es den Eindruck hervoiriefe, als befinde sich der Raucher auf seinem mit einem zerlumpten Teppich oder einer groben Matte über- zogenen Lager, den Hals auf ein hartes Bänkche», eine Art Joch, gestützt, in einer behaglichen Lage, vielmehr wirkt das Gesammtbild widerlich, abstoßend. Aber der Habitue hat sich bereits daran gewöhnt, es schmeckt ihm nur in der chinesi- Achtzig Äahee. („Aus Herz und Welt". Humoresken aus dem Familienleben.) Ein kleines Zimmer mit niederen Fenstern. Durch die mrt kurzen weißen Vorhängen verhüllten Scheiben drmgen dre ersten Strahlen der Morgensonne. Sie fallen auf erne alterthümlrche, bunt lackirte Kommode, die ein Kruzifix aus gelb gewordenem Elfenbein trägt, auf ein ans Fenster gerücktes Nahtrschchen mit halb zer störten Perlmutter Jntarficn und auf ernen schmalen. hageren Glassckrank, der mit einer Unzahl von Seltsamkerten angefüllt ist. Man gewahrt ein filbernes schwarz gewordenes Muttergottesbild aus Mariazell, eine Jerichorose in einer Vase aus Karneolglas. Rosenkränze aus Zedernholz, Dattelkernen und Elfenbein, eine goldene Denkmünze aus der Zeit des Korsenkaisers, einen Karlsbader Sprudelstein, der, ans Licht gehalten, die Jahres, abl 1820 zeigt, Porzellanfigürchcn in der Mode der dreißiger Jahre, Echuhschnallen aus Silber mit böhmischen Granaten besetzt und eine kleine bronzene Stand- uhr, die in jüngeren Jahren nicht bloß Minuten und Stunden, sondern auch Tage und Jahre zeigte, eine Thatigkeit, der sie jedock nur bis zum 17. Marz 1828 oblag, bei welchem Tage die Zeiger noch heute stA stehen... Nun dringen die Strahlen weiter inS Zimmer: Sie sprelen mit den GlaspriSmen des Lustres, der sechs bunte Paraffinkerzen trägt, gleiten über das Tafelklavier aus aeldem Eschenholz und breiten sich end- lich behaglich auf den Polstermöbeln aus, dre mit großgeblüm- tem Sammet überzogen find. Dann Ottern sie über den run- den Scphatisch, auf dem ein Körbchen m,t weichem Lebkuchen steht, und klettern endlich empor zu großen Bilde, das genau in der Mitte der Wand hängt. Aber Krer müssen fie und kein Strahl dringt durch die Gardine aus dichtem grünen Kattun. � 6Ä-«'«W? bÄÄ niß nachholen, läßt gleich darauf eine zweite Uhr, die auf dem Kamin unter allerlei Nippessachen steht, mit merkwurdrger Hast ihr feines„Bim, bim. bim" hören. Es ist acht Uhr, und draußen ertönen jetzt auch die acht schweren Schlage der Thurmuhr. Leise öffnet fich die Miltelthür deS Zimmers, und ein Herr in einem stark verblichenen türkischen Schlafrock trippelt hinein. Er reibt fich fröstelnd die Hände, steht noch ) schcn Bude, selbst wenn er sich diesen Genuß zu Hause in ij eleganten Räumlichkeiten und mit neuem, reinem Rauch- j ap parat verschaffen könnte. Die ersten Pfeifen also bringen Zufriedenheit mit der häßlichen Umgebung, das ästhetische Gefühl ist eingeschlafen. Nach und nach versinkt der Raucher oder die Raucherin in jenen Zustand reizvollen wachen Träumens, und wer sich noch weiter dem Genuß hingiebt, der schlummert ein oder schläft gar wie ein Bär. Wenn keine schlimmen physischen und geistigen und moralischen Folgen den gewohnheitsmäßigen oder übertriebe- «en Gebrauch der Pfeife begleiteten und wenn die angenehmen Empfindungen immer käme» und niemals ausblieben, so verliehe doS Opiumrauchen ein Glück und eine Sorglosigkeit, die nichts Anderes auf der Welt zu gewähren im Stande wäre. Aber die Strafe kommt und jener wonnige Zustand des wachen Träumens stellt sich nicht mehr ein, selbst wenn man noch so viel raucht. Die Illusion dauert vielleicht ein Jahr oder auch zwei, öfter? auch nur einige Monate, dann verschwindet der guie Geist der Pfeife und macht einem bösen Dämon Platz, der sein Opfer an Händen und Füßen fesselt. Das Rauchen ist nicht mehr jenes reine Vergnügen, es wird aus Zwang ge- übt, weil der entsetzliche Zustand des Leidens erst dann weicht, wenn man zu der gewohnten Stunde in seine Höhle hinabsteigt. Allerdings sind die Einwirkungen auf das Nerven- system beim Rauchen nicht so stark, wie beim Opiumessen oder bei der hypodermischen Anwendung von Morphium. Doch tritt mitunter ein Zittern isolirter Muskeln ein, welches sich beim übermäßigen Genuß zu einem all- gemeinen„Tatterich"(wie bei den Trunkenbolden) steigert. Die Habituös schrecken bei jedem unerwarteten Geräusch oder Laut zusammen, wobei gesunde Menschen vollkommen unberührt bleiben würden, eine Erscheinung, die übrigens auch der Alkohol hervorbringt. Auch die Augen leiden, namentlich an brennendem, überstarkem Thränen, ferner klagen alle HabituöS über zunehmende Kurzsichtigkeit, und es ist auch ganz natürlich, daß diejenigen Organe, mit denen der Opiumrauch in direkten Kontant kommt, am meisten asfizirt merden, und wie den Augen, so ergeht es auch den Respiration s-Organen. Viel mehr als der Körper hat der Geist des Opium- rauchers zu leiden. Bei den Novizen und dem angehenden Habitue zeigen sich angenehme, heitere Stimmung, müssige Sorglosigkeit, Zufriedenheit, ein Gefühl vollkommener Ruhe und eine Entfaltung der wohlwollenden Eigenschaften. Aber nur die größte Vorsicht schützt vor dem Versinken in die Sklaverei. Das Opfer, dem trotz immer stärkeren Rauchens die ersehnte Wonne-Erfindung ausbleibt, läßt von der Pfeife ab, aber nur auf kurze Zeit, denn sobald die gewohnte Stunde des Rauchens schlägt, wird er zu seinem Schrecken gewahr, daß es nicht seidene Fäden sind, welche ihn an die scheinbar harmlose Passion binden, sondern unzerreiß- bare eiserne Fesseln. Er kann sie nicht mehr abschütteln, so gern er es möchte. Die ersten Einwirkungen des Rauchens auf den geistigen Zustand des Habitu-i's sind Abneigung gegen dauernde geistige Anstrengung, Erschlaffung der Willenskraft, Schwanken bei Entscheidungen und Entschlüssen, und Abnahme des Gedächtnisses. Der Habitue fürchtet sich vor dem Schlafengehen, als ob ihm Etwas während des Schlummers vassiren könnte, der Schlaf ist, wenn er sich endlich einstellt, weder ruhig, noch erfrischend, sondern mit einer Reihe entsetzlicher Phantas- magorien angefüllt. Was nun vie finanzielle Seite anbelangt, so arbeilen hier drei verschiedene Faktoren auf ein gemeinsames Ziel hin: die Nothwendigkeit, sich den theucrn Stoff zu kaufen, dem Thermometer am Fenster und zieht dann langsam und bedächtig die Kukulsuhr auf. Dann geht er zu der zweiten Thür und horcht am Schlüsselloch. Ein feines Rascheln wie von Frauenaewändern— ein Lächeln olitt über das kahle verwitterte Gesicht, ein ganz verschmitztes Lächeln, das man dem alten Herrn gar nicht mehr zugetraut hätte. Er verläßt die Thür und widmet nun seine Aufmerksamkeit einem Kalender, der in der Nähe der Kommode an der Wand hängt. Dann sucht er in den Taschen seines Schlafrocks, die mit allerlei nützlichen Dingen, wie Bindfaden, Papier, Zündhölzchen, Heft- Pflaster und Stecknadeln— letztere in einem Hombüchschen verschlossen— angefüllt find, ein Bleististrestchen hervor und streicht damit den gestrigen Tag durch. Er thut dies pünkt- lich jeden Morgen, damit keine Verwirrung entstehe. Heute bleibt er aber länger wie gewöhnlich vor dem Kalender stehen, seine Augen werden feucht, und ein Lächeln zittert wieder über sein Geficht. Er hebt den Zeigefinger senkrecht in die Höhe und dewegt ihn schallhaft drohend hin und her.„Bin doch neugierig, bin doch neugierig," murmelt er,„ob fie daran denkt." Jetzt horcht er wieder. Das Rascheln im Neben- zimmer ist stärker geworden. Er geht zur Thür, biegt den Zeigefinger krumm und klopft leise. Er könnte die Thür auch öffnen, denn ste ist nicht verschloffen, aber er thut es nicht. Bon drinnen ertönt jetzt eine feine zitternde Stimme:„Noch nicht, Hanfi, noch nicht; gleich werd' ich fertig sein". Hanfi lächelt wieder und murmelt:„Brauchen halt immer lang zu ihrer Garderob', die Frauenzimmer." Dann tritt er ernen Augenblick vor den Spiegel und prüft die grauen Bartstoppeln in seinem Gefichte. Seit er fich nicht mehr selbst rafiren kann, ist er nie ganz zufrieden mit seinen Wangen. Jetzt kommt das Rascheln näher, die Thür geht auf, und ein altes Mütterchen in einem Morgenlleid aus geblümtem Perkal tritt heraus. Sie scheint viel älter zu sein, als ihr Mann, ist aber noch weit beweglicher. Jbre milden blauen Augen liegen tief in den Höhlen, und die Nase ragt wie ein spitzer Berg aus dem kleinen Geficht hervor, dessen Kinn fast ganz verschwunden ist.„Guten Morgen, Hanfi," sagt ste und reicht dem Manne ihre Hand, ein schmales Händchen, auf dessen brauner vertrockneter Fläche die blauen Adern fich kreuzen. „Guten Morgen, Mama. Lang geschlafen heute." Er hat das braune Händchen an seine Lippen geführt und drückt einen leichten Kuß darauf. der Geldverlust durch Vernachlässigung des Geschäftes, das Schwinden des Interesses an Familie, Kindern und Freun- den und die Einbuße der Selbstachtung, und das sind gerade die wichtigsten Triebkräfte der Thätigkeit. Der Morphium- Einspritzer oder Opiumesser nimmt seine gewöhnliche Dosis auf seine Art und Weise zu sich, und damit hat die Sache ein Ende, der Raucher dagegen bringt Stunden mit seinem langwierigen Kochen und Präpariren des Stoffes für den Pfeifenkopf zu. Aber gerade in dieser Langwierigkeit und Mannigfaltigkeit der zusammengesetzten Operation des Vor- bereitens liegt für den Stammgast ein ganz gewaltiger Zauber, so unbegreiflich dies dem Zuschauer ist. In an- genehmer Geselligkeit und müßigen Träumereien fliegen ihm die Stunden dahin, ohne daß er es merkt. Was kümmert ihn das Geschäft, was die Familie? Was scheert mich Weib, was scheert mich Kind, Ich trage weit bess'reS Verlangen. Laßt fie betteln geh'n, wenn fie hungrig find, Mich hält Li Yun*) umfangen. Zum Betrüger und zum Dieb wird der eingefleischte Raucher, nur um sich den Stoff zu verschaffen, ohne den er nicht länger zu leben vermag. Direkt wird der Geld- beute! nicht derartig in Anspruch genommen daß die Leiden- schaft durch expensive Ausgaben ruinirt, denn mehr als 3 Dollars den Tag kann selbst der passionirte Habitue nicht in Opium anlegen. Auch die gemeine Umgebung, die gemischte Gesellschaft, das ungezwungene Benehmen haben im Verein mit den berauschenden Wirkungen des Opiums, einen höchst ver- derblichen Einfluß auf die Moral. Vis Erdbeben in Spanien. Wie aus Madrid gem-lvet wird, find nach amtlicher Fest- stellung durch das letzte Erdbeben in Alhama 1300 Häuser zerstört, 302 Personen getödtet und 230 Personen verwundet worden. Eine Madrider Depesche der„Jndep. belge", welche die Heimsuchung Andalustens mlt der gewaltigen Katastrophe von Krakatoa vergleicht, schätzt die Zahl der Todten in den beiden Provinzen Granada und Malaga auf mindestens Zehn- tausend. Ganze Dörfer und Städte sind zerstört; die Ein- wohncr, die sich gerettet, irren verzweiflungsvoll auf den Feldern umher, und ihre Lage gestaltet fich in Folge des schlechten, kalten Wetters und des Mangels an Httsskl ästen noch trostloser. In Alhama und Albunnelos bleiben die Todten unbeeidigt liegen: schwere Krankheiten werden befürchtet. Seit Ende November— so wird der„Köln. Ztg." be- richtet— lag über ganz Spanien ein Gebiet ungewöhnlich hohen Luftdrucks, der stellenweise 770 Mm. betrug; das Wetter war im Allgemeinen trocken und beständig. Am 20. Dezember wurde die Meerenge von Calais von einer heftigen Sturm- welle berübrt, welche über Europa von Norden nach Süven hinzog und am 22. das Mittelmeer erreichte. Die Depresston war ungewöhnlich tief; das Barometer sank bis zu 72 Mm., eine in diesen Breiten unerhörte Tiefe, herab. Am 22. Dezember, Nachmittags 3 Uhr, wurde ein ziemlich starker Erdstoß in Lissabon gespürt, und am 25 begann die unheilvolle Reihe von Bodenerschütterungen in Andaluflen. Auch in Oesterreich (Tarpis und Umgebung) wurden in der Nacht vom 27. auf den 28. h.ftige Erdstöße wahrgenommen. Fast gleichzeitig mit den ersten Erschütterungen wurde Spanien vom Sturmwetter und Gewittern heimgesucht; auf der Hochebene fielen unge- heuere Schneemaffen. Die furchtbaren Erdbeben in Andalusten scheinen demnach in naher Verbindung zu stehen mit jener ungewöhnlich starken Sturmwelle, die, vom Pas de Calais nach vcm Mittelmeer fich bewegend, auf der Pyrenäen-Halb- insel einen so jähen Uebergang vom hohen zum niederen Lust- druck verursachte. DaS Erdbeben, welches am 1. November 1755 die Stadt Lissabon zerstörte, fand unter gleichen Um- ständen statt. Nach sechs Wochen trockenen Wetters brach daS Erdbeben plötzlich wie ein Blitzstrahl herein, durch kein An- zeichen irgend welcher Art angekündigt. Auch damals folgte demselben ein wolkenbruchartiger Regen. In Jschia wieder- holte sich im voivorigen Jahre genau dasselbe; eine wahre Sündfluth von Regenmassen fiel gleich nach der Katastrophe *) Die beste Sorte des Rauch-Opiums. ern ganz „O nein. Ich bin seit sechs Uhr wach. Ich hob' BiSchen nachgedacht und darüber Hab' ich die Uhr überHöst". „Ei, ei, nachgedacht? Was waren denn daS für Ge- danken?" Die alte Frau schielt hinüber nach dem Kalender.„Ja Du wirst freilich nicht daran gedacht haben. Du kannst auch nicht immer an mich denken— das gebt ja nicht." „So, so. Und weißt du, wer hcur' den Tag im Kalender zweimal durchstrichen hat?"— Der alte Herr lächelt triumphi- rend.„Was war heute vor ncunundvierzig Jahren?" Neunundvierzig Jahre! Ein kZittern überfällt die alte Frau, und sie tritt ans Fenster, um sich stützen zu können. Haust folgt ihr und legt seinen Arm um ihre Taille. Und so stehen fie schweigend am Fenster, mit nassen Augen, die kalten Hände in einander gefaltet. Beide sehen fie dasselbe Bild: Ein junges Mädchen im weißen Atlaskletd, mit Mycthen in den golvbrauen Locken, und einen jungen Menschen mit blondem Flaum um Kinn und Wangen. Ach! die braunen Locken find längst weiß geworden, und der Mann hat fich den Bart abnehmen lassen, weil die Haare im Gestcht,„Einen gar so alt machen.. „Weißt du," sagt der alte Herr nach einer Weile,«wie du mir immer an den Hals flogst, wenn ich aus dem Amt heimkam?"... Sie nickt leise mit dem Kopf. „Und wie du dich immer kränktest, daß ich dein Essen kalt werden ließ?"... Die alte Frau fühlt den Druck seiner Hand...„Weil ich dich auf meinen Schoß zog und kein Ende war mit dem Küssen. Unv wenn du ernstlich zu zanken anfingst, dann nahm ich dich auf die Arme und sprang mit dir durch das Zimmer..." „Ja," seufzt die alte Frau,„und ich war immer voll blauer Flecke..." Hanfi lacht wieder verschmitzt, als ob er heute nach neun- undvierzig Jahren noch seine Freude hätte an den blauen Flecken. „Am schönsten aber war es Abends, wenn du Thee koch- test... Und dann, wenn du am Klavier saßest... Und dann—" 1, Die alte Frau unterbricht ibn.„Damals habe ich auch noch gesungen. Ich hatte eine hübsche Stimme..." „Ja. Aber du sangst immer so furchtbar lange Lieder." „O nein. Du warst nur so ungeduldig. Der„Jungfern- Herniedtr. In allen diesen Fällen irat also das Erdbeben genau in dem Augenblicke ein, da die Luftdruckoerhältniffe einen ungewöhnlich raschen Umschwung erfuhren. Wie aus Madrid unterm l. Januar gemeldet wird, ist von dort eine Regierungskommisston nach Andalusten abgereist, um die Hauptstätten des Unglücks in Augenschein zu nehmen. Sie nahm Regieiungsgelder mit und 20 000 Frs. aus der Privat- schatulle des Königs, um dem dringendsten Elend abzuhelfen, Ein Korrespondent des„Standa d", der die Kommisston deglei- tete, berichtete Folgendes:„Von Granada aus ging es unter Sturm und durch kaietiefen Schlamm auf das Land. Es wur- den verschiedene Dörfer pasfirt, wo die Delegirten veranlagten, dag die Todten begraben wurden. Im Dorfe Doreal fanden fie die meisten Häuser zerstört und zehn Leichen unbegraben. An der Kirche waren das Dach und zwei Schiffe eingestürzt. Da die Führer fich weigerten, weiter zu gehen, mußte die Kom- misston in den Ruinen eines Klosters übernachten. Bei Tages- anbruch ging es nach Albunnela, einem Städtchen von etwa 2000 Einwohnern, das in seiner Zerstörung einen graustgcn An- blick bot. Die Hälfte der Wohnhäuser lag völlig in Trümmern, ebenso das Rathhaus, die Kirche und das Kloster. Die Ein- wohnerschaft lagerte im Freien um große Feuer, Weiber und Kinder in Karren und Wagen, mit dem BtSchen Habe, das fie gerettet hatten. In einer nothdürftig hergestellten Ambulanz befanden sich 60 Verwundete, die durch Nonnen verpflegt wur- den. Aus den Trümmern waren bereits 192 Leichen gegraben; mit dem Herausschaffen weiterer war man noch beschäftigt. Die Erzählungen und Schilderungen der Ueberlebenve» waren herz- zerreißend. Unter den Todten befindet fich auch der Mayor; die Frau des Mayors lag 18 Stunden unter den Trümmern ihres Hauses, bis ste gerettet wurde. Andere lagen bis zu 24 und 26 Stunden eingegraben und waren ganz starr von Kälte. Das Geschrei vieler Verunglückten war schrecklich: aber man konnte nicht gleich zu ihnen gelangen, da die Wegräumung des Schuttes viel Zeit und Menschenhände erforderte. Einige stark beschädigte Häuser wurden auf Befehl der Behörden niedergelegt; eine Abtheilung Truppen brachte Zelte und Lebensmittel. Einen ähnlichen Anblick bot Alhama, eine durch ihre maurischen Bäder und mittelalterlichen Häuser und Kirchen berühmte Stadt, die malerisch hingelagert ist in einer Berg- schlucht, etwa 40 engl. Meilen von Granada. Zum Erdbeben kam dort noch ein Bergsturz. Die Einwohner erzählten, fie hätten fiebzehn Stöße gezählt, die von einem Donner wie von Ärtilleriesalven begleitet waren. Alles floh und kampirte im Freien, trotz Regen und Schnee. 600 Häuser find mehr oder minder beschädigt, 350 Leichen wurden ausgegraben, ebenso viele sollen noch unter den Trümmern liegen. Immer noch suchten die Geretteten mit Gefahr ihres Lebens nach ihren Lieben oder nach ihrer Habe unter den Trümmern, und nur die Nacht machte dieser traurigen Arbeit ein Ende." Einem Berichte der Münchener„91% Ztg." aus Madrid, 1. Januar, also vor dem Eintritt der neueren Erschütterungen, entnimmt die„Voff. Ztg." noch folgende Einzelheiten: In Albunnelos ist von drei Viertheilen sämmtlicher Gebäulichkeiten kein Stein auf dem andern geblieben, und die daselbst ver- unglückten Menschen zählen nach.Hunderten. Ganze Familien haben den Tod erlitten..In Santa Cruz de Alhama stürzten 200 Häuser zusammen, unv schon am folgenden Tage waren 60 Leichen unter dem Schutte hervorgezogen; nur die Kirche steht noch aufrecht. Ebenso liegt Ventas de Zafarraya in Trümmern, wo SO Personen umkamen. 9luch Jatar zählt viele eingestürzte Häuser, darunter das Stadthaus und der Gemeinde- speicher. Verloren daselbst auch nur wenige Personen das Leben, so wurden doch viele verletzt. In Granada befanden fich in der Nacht vom 25. bis 26. Dezember alle Einwohner auf der Straße, indem fie es vorzogen, fich dem starken Regen auszusetzen, als innerhalb ihrer Häuser zu verbleiben, deren Mauerrrsse, Folge der gewaltigen E.schütterungen, die Be- wohner nur zu sehr an Die überstandcne Angst gemahnten. Eist lange nach Mitteinacht, als die Regen- ströme die Straßen überflutheten und die Wärmfeuer auf den Plätzen auslöschten, suchten manche ihr häus- liches Obdach wieder auf, freilich ohne den Gedanken an eine neue Panik los zu werden. Am 26. Dezeniber spürte man zwar noch einige Erschütterungen, doch verliefen sie un- gefährlich. Aus der Provinz Malaga bringt derselbe Korrespondent Nachrichten, die bis zum 29. Dezember reichen. Hervorgehoden wird von dort die Noth an Mitteln für den Lebensunterhalt. Die Rekrutenausloosung wurde verschoben. Der Ortsvorsteher von Frigiliana th-ilt mit, daß zu Folge des Erdbebens am 25. Dezember viele Häuser aus den Fugen gingen und die Mehrzahl jener, welche nicht einstürzten, doch nahe daran seien, dieses LooS zu theilen- Die geängstigten Bewohner bezogen das freie Feld, wo ste fich Hütten-bauten. Der Bürgermeister von Torror macht folgende Meldung:„Man befürchtet ein? Hungersnoth, die nur durch rasche Vorkehrungen abzuwenden ist."Auf freien Platzen hat man große Hütten errichtet, um ein Obdach Denjenigen zu gewähren, welcke fich aus Mangel an Geldmitteln genöthigt sehen, in dem Orte zu verbleiben. Die vermöglicheren Leute hoben ihrerseits außerhalb des Ortes Unter kunftsräume geschaffen, in denen ganze Familien Ausnahm- fanden. In Malaga selbst erregte das überall gleichzeitige Erdbrben am 25. nicht minder Bestürzung. Glück- licherwcise hat Malaga nur wenige Menschenleben zu be- kränz" war doch ganz kurz. Ob iÄ ihn wohl noch weiß?— Ich glaube fast, daß ich ihn vergeffen habe, Haust." panst kennt die Eckwäcke seiner Frau für den„Jungfern- kränz". Sie wird jede Woche einmal melancholisch und spricht dann die Befürchtung aus, sie könnte den„Jungfernkranz" vergeffen haben. Dann muß Haust energisch darauf bestehen, daß ste sich von der Grundlosigkeit ihrer Angst überzeugt, und dann schöpft ste wieder neuen Frohmuth und neue Lebenskraft aus der Thatsache, daß ihrem Gedächtniß das alte Lied noch nicht entschwunden ist. Auch heute führt fie Haust trotz ihrer Weigerung ans Klavier, und nun fitzt fie da mit steifer Haltung, und die steifen Finger tasten schwerfällig hin und her auf den gelben und schwarzen Hämmerchcn. Dünn und müde erklingt das Piano, und dünn und müde ist die Stimme der alten Frau, die nun langsam zu fingen beginnt: „Wir winden dir den Jungfemkranz Mit veilchenblauer Seide, Und führen dich zum Spiel und Tanz Auf fr scher grüner Weide." „Du fingst heute so gut, wie vor fünfzig Jahren," sagt der alte Herr galant, nachdem fie geendigt. „Es ist auch ein schönes Lied. Gegen den Freischütz find aber auch alle die neuen Opern nichts. Die„Haimonskinder" iUm �Gnädige Frau, der Kaffee ist fertig." „Wir kommen gleich... Weißt Du, eS find auch schöne Sachen in den„Haimonskindern". Das zum Beispiel".... Und wieder tasten die Finger über das Klaoier.... Ein alt- modisches, sentimentales Arioso.... „Das hat die R-si so gern gesprev." Die alte Frau unterbricht rbr Spiel und blickt nach dem verhängten Bride.„Heute ist unser Hochzeitstag." Hanfi versteht seine Frau. Er tritt an die Wand heran und zieht an der Schnur, welche den Vorhang zusammen- hält.... Es ist, als ob der Len, mit allen seinen Wundern auf einmal hereinlachte in das Slübchcn. Eine schöne junge Frau mit braunen Locken und lachcnden blauen Augen. mit einem Grübchen im runden Kinn und weißer, schwellender Brust In den nackten, vollen Armen hält fie einen kleinen Blondkopf mit rofigen Pausback n und den Augen der Mutter. trauem, und der Verwundeten liegen im Krankenhause auch nur 15; aber nicht weniger als 227 Häuser der Stadt haben Schaden gelitten, den man auf 12 Millionen Realen schätzt. Im Uebiigen wiederholten fich im Theater, im Gefängniffe und in den Wohnungen die angstvollen Szenen, die von Granada berichtet wurden. Schlimmer als die große Handels- stadt kam Velez-Malaga(6000 Einw.) bei der Katastrophe weg, sowohl in Beziehung auf Menschenverluste als auf materiellen Schaden. Dotitiscke Uebersirkt. Zur Dampfersubventionsfrage verlautet, daß Fürst Bismarck fich für Trieft als Köpsstation der zu subventiontren- den deutschen Dampferlinien entschieden habe. Weiter wird gemeldet, daß man in Trieft bereits über den Erwerb, resp. die Ausführung der nothwendigen Einrichtungen verhandelt. Bezüglich der Errichtung von Geverbekammer« schreibt die„Voff. Ztg.": Wie neulich mitgetheilt, liegt es an maßgebender Stelle nicht in der 9lbficht, aus der geplanten Errichtung von Gewerbckammern auf dem Wege der Gesetz- gebung einen 9lnlaß zur 9lufhebung des preußischen Handels- kammergesetzes vom 24. Februar 1870 zu entnehmen. Dagegen wird beabfichtigt, das Institut der Handelskammern zu re- organistren, und zwar, wie es heißt, nach dem Vorschlage der Handelskammer in Koblenz insbesondere in dem Sinne, daß unter Festhaltung der gegenwärtigen Grundlagen die Handels- kammern für das ganze Land obligatorisch gemacht und Be- zirksabgrenzung wie Beitragspfl cht so geregelt werden, daß auch Gegenden mit noch schwach entwickelter kommerzieller und industrieller Thätigkeit eine ausreichende Vertretung erhalten können. In der preußischen Monarchie, welche 105 Handelskammern hat, find gegenwärtig noch viele Gegenden, darunter sogar Distrikte mit bedeutendem Handel und viel Industrie, ganz ohne Vertretung. Die Provinzen Brandenburg, Sachsen, Preußen und Pommern haben, von den kaufmännischen Kor- porationen in den wenigen großen Städten abgesehen, nur 9 Handelskammern,'während in den westlichen Provinzen die Handelskammem außerordentlich zahlreich find. Es handelt fich auch darum, verschiedene Mängel des Gesetzes vom 24. Fe- bruar 1870 zu befestigen. Jndeß scheint die Frage noch nicht entschieden zu sein, ob zunächst nur für Preußen mit einer Re- form oder mit einer reichsgesetzlichcn Regelung des Handels- kammerwescns vorzugehen sei.— Sollte eine reichsgesetzliche Regelung stattfinden, so wird hoffentlich im Reicbstage die Errichtung von Arbeiterkammern zur Sprache gebracht werden. M#4%! Aus München meldet die„Voff. Zeit.": Das Lavdgericht Chemnitz hat, wie s. Z. gemeldet wurde, einen Prozeß gegen Theilnehmer an dem Kongreß der Sozial- demokraien in Kopenhagen angestrengt. In diesen Tagen hat auch Herr Viereck hier die Anklageschrift zugestellt erhalten; dieselbe umfaßt nicht weniger als 108 Seiten und zählt 120 Beweisstücke auf. Herr Viereck hat einen Entlastungs- beweis dahin angetreten, daß die sozialdemokratische Partei kerne „geheime Verbindung" darstelle. Gegen 100 Entlastungszeugen dürften zu dieser Feststellung ins Feld geführt werden. Auf Grund des Sozialistengesetzes ist die Druckschrift „Rheinisches Wockenblat 1", Verlag: Franz Jöst in Mainz, Redaktion Dr. Bruno Schönlank unv Druck von M. Ernst(in München) vom grvßherzoglichen Kreisamt in Mainz verboten worden. Holland. Der Konflikt mit Frankreich, hervorgerufen durch die Ver- Haftung eines Holländers im Kongoaebiet von französtschen Behörden ist jetzt, nachdem fich bereits die Kammer mit der Angelegenheit befaßt hatte, endgültig beigelegt. Ein Tele- gramm vom Kongo rneldet- Herr tzamel, der Agent der hollän- schen Faktorei am Kongo, der vor einigen Wochen von dm Franzosen verhaftet und nach Gabun gebracht wurde, weil er fich an einer Expedition gegen einige Eingeborene auf einem Territorium betbciligt, das die französtschen Behörden als ihr Eigenthum beanspruchen, ist von den Behörden in Gabun auf freien Fuß gesetzt und in einem sranzöfischen Kriegsschiffe nach dem Kongo gefühlt werden. Franxssich. Die Demission des Generals Campenon(Kriegsminister) bestätigt fich, der Ministerpräfident Ferry hat den General L e w a l zum Kriegsminister ernannt. Campenon demisstonirte, weil er in eine größere Mobilisirung zwecks Abfindung nach China nicht willigen wollte.— Eine offizielle Depesche aus Hanoi vom 4. d. M. meldet: General Negrier schlug gestern eine ca. 6000 Mann starke chinesische Tmppenabtheilung eine Tagereise östlich von Chu vollständig. Details feblen noch. Die Truppentransportschiffe„Chandernagor" und„Cheribon" find heute früh mit Truppen in Haiphong«ingetroffen.— Gestern fand am Grabe Blanqui's eine Kundgebung von etwa 500 Anarchisten statt. Zu irgend welchem Zwischenfalle kam es nicht. Großbritannien. Das Kanalgeschwader hat den Befehl der Admiralität er- halten, sich zum sofoitigen Auslaufen bereit zu halten.— Die „Daily News" schreiben, der dem Kanalgeschwader ertheilie Der Maler hätte das Blüthenmecr nicht nöthig gehabt, das die Landschaft erfüllt... Sie fitzen schweigend und betrachten bas Bild. Die Rest! Wie im Fluge ziehen zwanzig Jahre an ihnen vorüber. Jetzt stehen sie staunend und betrachten das kleine Wunderwerk dcZ ersten Zahnes. Dann nehmen sie den Knirps in die Mitte und leiten seine ersten Schritte. Dann stehen fiz zitternd vor den. Bettchen des kranken KindeS— sie hat fich das erste Loch in den Kopf geschlagen. Dann geht es schneller. Resi lernt die ersten kleinen Geschichten, fie malt die ersten Buch- staben, sie geht in die Schule, ste bekommt Prügel von den Jungen, sie zieht Mamas Schlcppkleid an und will keinen Kamm mehr in den Haaren tragen, sie lernt tanzen, ste ver- liebt fich, fie heirathet... Ja, es kam wieder ein Abend, da saßen fie allein im Stüdchen. Wie das weh that, wie ste das schmerzte, dieses Alleinsein. Es war wie ausgestorben in dem Hause, seitdem Refls filbernes Lachen nicht mehr durch die Zimmer klang... Er war zwar nun ihr Sohn, aber fie liebten ihn nicht, nein, ste wußten, daß sie ihn niemals lieben würden. Und es kam ein Tag, wo fie ihn zu baffen begannen. Arme Rest! Wie fie dalag und aufschrie wie eine Wahn- finnige vor Schmerz. Draußen stürmte und wetterte eS— eine wilde, unheimliche Nacht— und drinnen lag eine weinende Mutter auf den Knien und betete zu Gott, daß er ihre Tochter erhalte. Es war umsonst. Als der Morgen dämmerte, hatte sie ausgelitten. Und neben ihr lag das todte Kind. Ein paar Athemzüge hatte es gemacht, dann war es der Multcr gefolgt. Und ein Jahr später heirathete er eine andere. Sie sprachen nicht mehr mtt ihm und fie wichen ihm aus, wenn fie ihm auf der Straße begegneten.... Das war der große Schmerz ihres Lebens, der alle ihre Freuden durchzitterte, und wie fie auch einander trösteten, ste konnten die Rest doch nicht vergeffen. Der alten Frau laufen die Thränen über die Backen herab. Hanfi wiu fie beruhigen und fängt mit erzwungener Sicherheit an:„Sei doch kein Kind, Mama.—" Aber das Wort„Mama" überwindet er nicht und nun fängt er selber zu schluchzen an. „Gnädige Frau, der Kaffee wird ganz kalt!" „Ja, ja wir kommen schon!" Befehl, fich zum Auslaufen fertig zu halten, sei nichts Außer. gewöhnliches, es werde damit nur der Urlaudsertheilung an Otfiziere und Mannschaften ein Ziel gesetzt, das Geschwader werde fich nach der Arosabay und sodann nach Vigo, Madeira und Gibraltar begeben.— Ein Artikel der„Times" spricht fich gegen die Politik der Regierung in Egypten mit Entschie- denheit aus und empfiehlt den Mintstern, lieber ihre Enllaffung zu geben, als ein gegen das Kabinet gerichtetes Votum deS Unterhauses abzuwarten.— Die gestrige Explosion auf der unterirdischen Bahn kennzeichnete sich durch den eigenthümlichen Schall, das röthliche Licht, den Rauch und die pulveristrende Wirkung als eine unzweifelhafte Dynamitsprengung. Glück- licherweise blieben die Telegraphendrähte unve-sehrt, so daß einem Zusammenstoße der alle fünf Minuten einander kreuzen- den Züge vorgebeugt werden konnte. Der Schaden beschränkt fich auf zerschmettertes Schienenwerk, eingedrückt-s Fachwerk und ein Loch in der Mauer zwischen dem Bahnhofe von Gower Street und der Pancraskirche, welches vier Fuß über dem Boden vier Quadratfuß umfaßt und fünf Zoll tief ist. 9lerzt- liche Hilfe war unnöthig. Die Polizei entdeckte nur einzelne Streifen halbverbrannten Papiers. Die Unterbrechung des Verkehrs dauerte nur eine halbe Stunde. Wahrscheinlich ist Dynamit mit angestecktem Zünder aus einem Wagen hinaus- geworfen worden. Afrika. Die Suezlanal-Gesellschaft hat mit der cgyptischen Regie- rung eine Vereinbarung zur Erweiterung des Kanals getroffen. Die Erweiterung des Kanals erfolgt hiernach auf den der Ge- sellschaft gehörigen Gründen. Das gemeinsame Dominium steht unter der Verwaltung einer Spezialkommisston, in welche die egyptische Regierung und die Gesellschaft je zwei Vertreter entsenden. Das in Port Said bisher gewonnene, noch ftrei- tige Gebiet wurde als gemeinsames Dominium erklärt. DaS ganze übrige gewonnene Gebiet und das in Zukunft zu ge- winnende Gebiet wurden 4n das Eigenthum Egyptens über- geben. lomumtmw. *£? Bei Gelegenheit der Berathung des Spezialetats No. 50, betreffend verschiedene Einnahmen und Ausgaben, hat der Magistrat beschloffen, in den genannten Etat sowohl für den Deutschen Hilfsverein in Wien als für den Fremdcn-Hilfs- verein(Society of Friends of Foreigners in Distress) in London je 1000 Ml. als Beitrag der Stadt Berlin einzusetzen und bei der Stadlverordneten-Versammlung die Bewilligung zu be« antragen. Beide Vereine bedürfen größerer Mittel, legen aber auch Werth darauf, daß die Stadt Berlin ihre Bestrebungen fördert. Die Stadtverordneten-Versammlung hat bekanntlich in ihrer Sitzung vom 11. Dezember v. I. den Llntrag des Magistrats, den Ftuersozietätsbeitrag für das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 1883 bis 30. September 1884 auf 5 Pf. pro 100 Mk. festzusetzen, abgelehnt, und beschloffen, daß nur ein Betrag von 4 Pf. von jedem Hundert Marl der gesummten Feuerverficherungssumme ausgeschrieben werden solle. Der Magistrat hat nun erklärt, daß er diesem Beschluffe nickt zu- stimmen könne, da er den Bestimmungen der§ 16 des Feuer- sozictätsreglements widerspreche, welcher vorschreibt, daß die Adschlußsumme von dem affekurirten Werth sämmtlicher Ge- bäude zu Grunde zu legen und das Prozent, das davon nach Verhällniß des ausgcmirtelten Feuerschadens abzutragen, aus- zurechnen ist. Dieses Prozent bctlägt für das Feuersozietäts- jabr vom 1. Oktober 1884/85 nach dem Bedarf von 1,050,356.33 Pf. nicht 4 Pf., sondern 4,690— rund 5 Pf. Der Magistrat ersucht daher die Versammlung wiederholt, flch damit«inverstanden zu erklären, daß zur Deckung der in dem Zeitraum vom 1. Oktober 1883 bis 30. September 1884 entstandenen, der Feuersozietätskasse zur Last fallenden Brand- entschädigungen, Nebenkosten und Beiträge zu den Kosten des Feuerlöschweiens ein Beitrag von 5 Pf. von jedem Hundert Mark der gesammten Feuerverficherungssumme ausgeschrieben werde. I o k» l e s. er.„Ins Herz getroffen"— so wird gestern Morgens im Grunewald der 9lrzt gesagt haben, der die munde Brust des niedergeschossenen Sludenten untersuchte. Mit Bangen, mit jähem Schreck werden die Anwesenden auf die verhängniß- vollen Worte gelauscht haben, vielleicht drohte ihnen während ver kurzen Spanne Zeit, der es bedurste, um die tödtliche Ver- letzung festzustellen, das Herz selbst so stille zu stehen, wie es dem stille stand, der jetzt vor ihnen lag. dessen warmes leben- diges Blut den Sand roth färbte, und bei dem doch der starre, kalte Tod Einzug gehatten hatte,— vor einer ganzm, vor einer halben Minute noch lebendig, noch frisch und gesund. jetzt das mordende Blei im Herzen, kalt, starr, tobt. Es ist ein Anblick, der dem Menschen tief innerlich widerstrebt, der fast möchte man sagen, für den menschlichen Instinkt grauenerregend ist. wenn man sehen muß, wie ein Anderer auf gewallsamme Weise sein Leben einbüßt.„Ins Herz ge- troffen"— in unserer Zeit giebt es ja viele Leute, die es ge- sehen haben, wie ein Vtensch zusammenbricht, wenn ihm das Blei das Herz durchbohrt, wenn mit einem Schlage das Leben Er erhebt fich und reicht ihr galant den Arm. Und so trippeln sie langsam hinüber nach dem Speisezimmer. „Weißt Du was," sagt der alte Herr, nachdem er seine Tasse geleert hat,„wir fahren heute aus". Unv eine Stunde später fahren ste durch den Sommer- morgen dahin, wieder froh und heiter wie ein Brautpärchen. Der alte Herr wartet seiner Frau mit Bonbons auf, und fie läßt ihn ab und zu«ine Prise nehmen aus ihrer„goldenen Tabatisre. Manchmal saßt er ihre Hand und stretchclt sie, dann rückt er ihr Umschlagtuch zurecht, und dann macht er fie ausmerlsam auf das schöne Schauspiel vor ihren Blicken: den von Sckiffen und Gondeln belebten Fluß; die sanften grün- bewaldeten Höhen und das freundliche Bild der Stadt, die jetzt zu ihren Füßen liegt, halb verborgen durch die breit- ästigen Bäume der Anlagen. Und dann essen ste draußen in einer Sommerwirthschaft, unter blühenden Linden, unv die milde kräftige Luft und der gute Tropfen, den der Wirth aus seinem Keller geholt, zaubert neue Lebensfrische in ihre Adern. Dann kommt Musik, und in den 9lugen der Frau leuchtet es plötzlich auf wie die Erinnerung an selige Tage. Warum muß die Musik aber auch einen Ländler vom alten Lanner spielen! Ah— da« war doch etwas anderes wie die Hopser von heut- zutage! Die alte Frau giebt den Takt mit dem Fuße und wahrhastig— wären nicht so viele Leute da— fie versuchte cS noch einmal. Nun sinkt die Sonne und der Abend bricht herein. Mit lächelnden G-stchtern, zärtlich aneinander geschmiegt, fahren fie durch die Dämmerung dahin. „In einem Jahr," sagt der alte Herr, feiern wir goldene Hochzeit." „W-nn wir noch leben." „Warum denn nicht? Es fehlt uns nichts, und gar so alt sind wir ja mcht.' „Ack-tzig Jahr und Du bist zweiundachtzig." „Wie viele Leute werden neunzig Jahre alt!" „Ja— auch hundert."... Sie schweigen. Der Nachtwind rauscht stärker durch die Wipfel der hohen Ulmen. Und während der Mond nun hinter den Häusern der Stadt emportaucht, träumen die beiden davon, daß fie vielleicht noch zwanzig Jahre so miteinander leben werden.... aufhört,— man soll ehrlich sein oder man soll überhaupt jedeS menschliche Gefühl verleugnen,— jedesmal ist das ein Anblick, gegen den fich unser ganzes inneres Wesen sträubt, der niemals etwas von seinem Widernatürlichen einbüßt. Man vcrurtheilt mit Recht den Mörder, der von Haß, Eifersucht, Geldgier oder Hunger getrieben, seine Hand mit dem Blut seines Nebenmenschen besudelt, man ist verwundert, daß es im neunzehnten Jahrhundert immer noch so verwilderte Äenscken giebt, für welche das Blut des Mitbürgers kein besonderer Gast mehr ist, es find in ihrer überwiegenden Mehrzahl ja aber auch immer rohe, ungebildete Leute ohne Erziehung, denen der Segen eines geordneten Unterrichts nicht zu Theil geworden ist, aus„Arbeitcrkreisen" rekrutirt fich angeblich der größte Theil der Mörder!! Ob das wahr ist? Wir wollen die Gründe nicht untersuchen, soviel ist sicher, heute steht eine aramgebeugte Mutter an der Bahre ihres— erschofienen Sohnes, der junge Mann, der den unseligen Sckuß abfeuerte, fitzt vielleicht im Untersuchunxsgesängniß, es mag sein, daß wahnfinniger Schmerz sein Inneres durchtodt, vielleicht wüthet er mit ungeheuren Selbstanllagen gegen fich selbst,— lobt ist lobt, er wird den Erschossenen nicht wieder lebendig machen. Und doch, ist dieser Unglücklich? wirklich so schuldig an der That? Freilich sein Gegner hat den frevlen, jugendlichen Ueber- muth mit dem Leben bezahlt, er hat den hohen Einsatz, um den man wagehalsig spielte, verloren, das allgemeine Mitge- fühl wird also mit rbm sein. Aber auck er stand gestern Mor- gen mit der gesvannten Waffe seinem Gegner gegenüber, auch er hatte vielleicht die Absicht, seinen Feind nieder- zustrecken. Beide tragen gewiß gleich viel Schuld an dem tragischen Ausgang; Beide sind vielleicht gleich schuldig, nein, fie sind beide gleich unschuldig, denn beide, der lobte Jüngling in der Zliorgne, und der Andere mit dem ver- nichteten Lebensglück hinter den Kerkermauern, fie find arme, jugendlich dethö-te, irregeleitete Opfer unserer gesellschaftlichen tustände. Es ist gleichgiltig, welches Motiv fie zu der blutigen hat getrieben hat, vielleicht eine Rempelei, ein unglückselige?, unkommmtmäßigeS Wort, ein Liebeshandel— genug, das Phantom der sogenannten studentischen Ehre forderte Blut, es ist rhm geworden! Nun mögen fie weinen, die Eltern und Geschwister, der Sohn, der vielleicht mit Kummer und Sorge groß gezogen ist, der die Stütze und den Stolz der Eltern bilden sollte, dahin ist er, das grausame Gespenst der Standesehre wollte es, die ge- sellschastliche Pflicht verlangte es. Und ist es denn ein Wunder, daß unserer Jugenv, der heranwachsenden Generation ein blutiger, barbarischer Sinn anerzogen w'rd? Wir wollen hier von den Studentenduellen nicht weiter sprechen, es ist über diese grobe Unsitte bereits genug gestritten und ge- schrieben worden. Man sehe fich nur die Kinder an, die jetzt nach dem Weihnachtsfeste auf der Straße spielen. Was hat der sorgsame Vater, die liebevolle Mutter dem Söhnchen ge- schenkt? Einen Säbel, ein Gewehr— als Spielzeug natürlich. Die Knaben werden in ihrem zartesten Älter bereits an den Gebrauch gefährlicher Instrumente gewöhnt, oder glaubt man vielleicht nicht, daß auch ein Kindergemüth daraut kommt, daß schließlich der Säbel zum Hauen die Flinte zum Schiehen da ist? Vielleicht sind die Pistolenschüsse im Grunewald die letzten Konsequenzen der jugendlichen Waffen- spielerei,— man erziehe den Kindern von Jugend auf eine friedliche, menschliche Gesinnung an, man gebe ihnen anderes Spielzeug in die Hände als Säbel und Gewehre, vielleicht werden sie dann als Halb- und Ganzerwachsene ihre Ehre auch in unblutiger Weise zu schützen wissen.— N. Dem Reichstage ist eine Vorlage zugegangen, be- treffend die Aufnahme der Fabriken, in welcher Röhren aus Bleck durch Vernieten hergestellt werden, sowie der Anlagen zur Erbauung eiserner Schiffe, zur Herstellung eiserner Bau- konstruktionen in das Verzeichniß derjenigen gewerblichen An- lagen, welche nach Bestimmung des§ 16 der Gewerbeordnung einer besonderen Genehmigung bedürfen, zu rubriziren. N. Auf dem Vahntiof Alexanderplatz ist die Bistim- mung getroffen, daß die Abgabe der Pcckete jetzt nicht mehr wie früher am Ausgong des Bahnhofes, sondern vorn an der Annahmestelle erlebst t wird. Der eine hydraulische Aufzug ist somit außer Betrieb gesetzt. Die Grabstätten der Gebrüder Grimm auf dem Mal- thäikirchhofe waren anläßlich des vorgestrigen Tages von pietätvollen Händen reich geschmückt worden. Den hohen Gra- nitobelisk mit der schlichten Inschrift„Jakob Grimm, geb. am 4. Januar 1785, gestorben am 20. September 1863" zierte ein mächtiger Kranz aus dem buschigem Laub der Etecheiche ge- wunden, zu Füßen beider Gräber lagen Lorbeerkränze. Lor- beerkränze lehnten auch am Sockel der Obelisken, während die Gräber selbst mit blühenden Tulpen und Kränzen geschmückt waren, denen duftige Rosen, weiße Primel, Levkoien und Erika eingeflochten waren. b. Die Spree scheint in diesem Jahre den ungewöhnlich hohen Wasserstand von 1876 erreichen zu wollen. Derselbe ist zur Zeit nur noch V/t Fuß niedriger als im März 1676. Die User find schon an vielen Stellen überfluthet und der Spiegel der Oberspree bietet ein imposantes Bild. Der Strom geht so stark, daß die Schiffe mit Mühe dagegen ankämpfen. Während man sonst von der Görlitzer Bahn aus den Lauf der Spree nur an den Segeln der Schiffe erkennt, uberblickt man jetzt ihren Spiegel weithin. Zwischen Rixdorf und Treptow ist das alte Spreethal weithin ütcrschwemmt und Schlittschuhläufer tummeln fich in Menge auf den breiten Eisflächen. g. Mit der Beseitianug der Grundstücke zur Durch» legung der Kaiser-Wtlhelmstraße nach der Burgsteaßc wird jetzt fleißig vorgegangen. Dem Abbruch des großen Eckhauses an der Ecke drr Kleinen Burg- und Burgstraße ist nunmehr auch der Abbruch der Häuser Heiligegeiststraße 41, 42 und 8 gefolgt, dem jene der Grundstücke 7 und 9 bald folgen wer» den. Mit dem Abbruch der übrigen niederzulegenden Gebäude wird begonnen werden, sobald die gegenwärtig von den Eigen- thümern noch verursachten Schwierigkeiten beseitigt worden find. Meist sind es alte Baulichteiten, deren nothwendiger Abbruch auch ohne die beschlossene Durchlegung der Kaiser- Wilhelmstraße nur eine Frage der Zeit gewesen. Hier ist dem- nach in kurzer Zeit eine Bauthäligleit zu erwarten, wie fie Berlin wohl � bis ver nur in der sogenannten Gründerperiode und zwar wiederum nur in den Außenbezirken kenr.en gelernt hat, woselbst zu imer Zell aus einmal ganze Straßen mit .Häusern bebaut wurden. � Heute ist auch mit dem Abbruch jener kleinen schmutzigen Baulichkeiten begonnen worden, welcke auf dem großen Grundstück Taubenstraße 23a stehen und welche dem sogenannten Bullenwinkel einen geradezu schauderhaften Anstrich gaben. An die Stelle dieser Baulichkeiten worden Pracbtbauren erstehen, wie fie dmer Theil der Taubenstraße bereits mehrere aufzuweisen hat. Von einer Niederlegung der Häuser auf dem Hausvoigteiplatz, welche die projektirte Durch- legung der Taubenstraße erfordeit, haben die betreffenden Miether noch keine Msttheilung erhalten. , In Bezug auf den Artikel„Zwei gefahrliche Heiraths» schwindlet" ersucht unS Herr Wilhelm Wiese, Vorstandsmit- glied der Zentral-Krankenkasse der Buchbinder, Stallschreiber- straße 23, um die Mittheilung, daß er mit dem dort erwähnten Wiese nicht identisch ist- . h; Die Photographie entwickelt sich seit der Entstehung v Ä?urent.Photographie rasch zu einer der ersten Gehilfinnen Wissenschaft. Dem bekannten Pbotogrophen Ansckütz in Ossa ist vom Kultusminister durch Verfügung vom 23. Dezember v- I- die Ausführung derartiger Arbeiten in größerem Maßstabe ermöglicht worden. Es handelt sich hierbei um die Ausnahme von Bewegungen der Menschen und Tbiere, und zwar jedesmal einer ganzen Kette von Bewegungen. Der Photo» graph zerlegt dabei jede scheinbar einheitliche Bewegung in ihre einzelnen Theile, so daß man dieselbe durch das Bild vor seinen Augen entstehen steht. In dem zehnten Theile einer Sekunde müssen daher bis 12 Aufnahmm erfolgen. Der Photograph bedarf daher eines mit einer Reihe von Apparaten besetzten Beobachtungs-Hauses, welche durch eine elektrische Leitung in Thätigkeit gesetzt werden. Für die Physiologie ergeben fich auS solchen Aufnahmen ganz neue Aufschlüsse. Die Festhaltung von Thierbewegungen hat Herr Anschütz mit seinen bekannten Storch- bildern begonnen. Jetzt richtet er fich einen vollständigen Thier- garten ein- g. Zu dem Fabrikanten F. in der Brückenstraße 3 kam am Eonnabend ein junger Mann, den F. als einen Kommis einer renommirten Seidenwaarenhandlung in der Markgrafen- straße kannte. Der junge Mann, Namens S., bat den F. ihm doch auf kurze Zeit 3 M. zu leihen, da er im Auftrage der Seidenwaarenhandlung einen Einkauf machen sollte, zu welchem ihm der Betrag fehle. F. übergab auch dem S. das Geld, die Geschichte kam ibm aber nachträglich verdächtig vor und so ließ er fich miltelst Telephons mit der Firma verbinden, bei der er dann anfragte, ob S. noch bei der Firma angestellt sei und zu einer Besorgung gegenwärtig fortgeschickt wäre. Tie Antwort lautete, daß S. bereits seit 6 Monaten nicht mehr im dortigen Geschäft sei und mithin ein Betrug vorläge. Bis jetzt ist man des S- nicht Habhaft geworden. g. Gin grober Exzeß vei ursachte am Sonnabend Abend in der Niederwallstraße, Ecke der Kleinen Kurstraße, einen größeren Auflauf. Een reduzirt aussehender Brnsche wollte einer im Hause Kleine Kuistraße 9 im Keller wohnenden Schönen einen Besuch abstatten, wurde jedoch von deren zu- fällig anwesendem„Freunde" daran verhindert. Beide Männer geriethen darüber in einen Streit, der bald in rohe Tbätlich- reiten ausartete und wobei der„Beschützer" mehrere blutige Wunden erhielt. Passanten, welche den eigentlichen Sach- verholt erst später erfuhren, packten den abgewiesenen Besucher am Kragen, um ihn zur Polizeiwache zu fistiren. Ein herzu- geeilter Schutzmann nahm ihnen aber die Mühe ab und brachte den Thäter nach der 40. Polizeirevierwache, wohin auck der „Freund" der Sckönen aus deren Wohnung zur Protokollirung des Vorganges sistirt wurde. Der widerliche Auftritt zeigte wieder, wie nothwendig eine baldige Säuberung unserer Straßen von den Personen gedachter Art zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung wäre. a. Wegen Verbreitung falscher Fünf- und Eiumark- stücke, welche vorzüglich nachgeahmt find, find gestern drei Personen festgenommen und zur Haft gebracht worden. Weitere polizeiliche Nachforschungen in dieser Angelegenheit finden noch statt. g. Die Unverfrorenheit gewisser Menschen geht mit- unter dock zu weit. So wurde in einer der letzten Nächte gegen 2 Uhr an der Nachtglocke zur ersten Sanitätswache heftig gezogen. Der Heilgehilfe sprang auf und öffnete, als zum zweiten Male geklingelt wurde. Draußen stand ein Mann, welcher ein Glas Bier verlangte, da er einen„riefigen Durst" hatte. Da der Heilgehilfe inzwischen anderweitig ab- gehalten wen de, so ließ er Viesen Unfug auf sich beruhen und wies dem Manne die Thür. a. Die Ofenklappe I In Folge der polizeiwidrigen Kon- servirung einer Ofenkiopve ist ein junges Mädchen gestern an Kohlcnoxydgas. Vergütung eistickt und ein zweites Mädchen bedenklich c Krankt. Beide Mädchen, die 21 Jahr alte Beyer und die 17 jährige Gabriel befanden fich im Dienst bei einer in einem Hause Unter den Linden wohnenden Herrschaft, welche zur Zeit verreist ist und die Aussicht ihrer Wohnung dem Dienstpersonal überlassen hat. Die beiden genannten Mädchen begaben fich am 3. Abends gegen 11 Uhr nach ihrem im Hof- gebäude belegenen Schlafzimmer, welches fie durch ein im Ofen angemachtes Stcinkohlcnfeuer erwärmten. Als fich am folgen- den Vormittag die beiden Mädchen nicht sehen ließen, begaben fich zwei andere Mitdienstboten um 1 Uhr Nachmittag noch deren Schlafzimmer, dessen Thüi fie von innen veischlossm fanden. Als fie duich ein kleines in der Thür angebrachtes Fenster in das Zimmer sahen, bot sich ibnen ein schrecklicher Anblick dar. Die Gabriel lag auf dem Fußboden leblos da, während die Beyer auf ihrem Bett lag und ersichtlich mit dem Tode rang. Sofort wurde von den Beobachtenden die Scheibe eingeschlagen und sodann das Zemmer geöffnet. Ein herbei- geeister Arzt konstatirte den schon vor mehreren Stunden ein- getretenen Tod der Gabriel, deren Leiche nach der Morgue ge- schafft wurde. Die bewußtlose, aber noch am Leben befindliche Beyer wurde nach dem Charit-ttrankcnhause befördert. Als der Ofen untersucht wurde, fand man an demselben eine wohl auS Vergeßlichkeit zurückgebliebene Klappe, die fast ganz geschloffen war. Vermuthlich haben die beiden Verunglückten nach dem Einbeizen des Ofens die Klappe zum Theil geschlossen, damit die Wärme im Zimmer verbleibe, und die Klappe hat sich so- dann von selbst weiter gedreht. N. Ein Pistolenduell mit tövtlichem Ausgang fand, wie uns geschrieben wird, in den Morgenstunden des heutigen Tages im Grunewald bei Westend statt. Der Eine der Kon- trahenten, ein bisher in der Philippstraße 1 wohnender SludiosuS phil. Holzapfel erkielt dabei im ersten Kugelwechsel von seinem Gegner, einem Studenten Alfred Oehlke, Schumannstr. 22 wohnhaft, einen so unglücklichen Schuß in die Brust, daß er sofort verstaib. Der unglückliche Sckütze hat sofort selbst fich der Behörde gestellt. Die in der Göbenerstraße 20 wohnende Mutter des Erschofienen ist in schonendster Weise sofort von dem Geschehenen in Kenntniß gesetzt worden. N. Die Souterrain- Räumlichkeiten des Hauses Wall- straße 7—8 schwebten gestern Vormittag gegen 10 Uhr in Feucrsgcfahr. In den zur Aufbewahrung von Kisten benutzten Kellenäumlickkeiten von Wolf war auf disker noch unaufge- geklärte Weise ein Feuer ausgebrochen, welches durch die so- fort alarmirtc 3. Kompagnie der Feuerwehr gelöscht wurde. Die Mannschaften rücklen nach ca. V- stündiger Thätigkeit in ihre Depots zurück. Polizet-Bericht. Als am 3. d. M., Nachmittags die un- verehelichte Guasda im Begriff war, den Dachboden des Hauses Potsdamcrstraße 1-, von welchem sie Brennmaterial geholt hatte, zu verlassen, stürzte sie in Folge eines Fehltritts die Treppe hinunter und brach dabei den rechten Unterarm. Die Verunglückte wurde mittelst Droschke nach dem Elisabeth- Krankenbause gebracht.— Am Abend desselben Tages brach in dem Keller eines Remisengebäudes auf dem Grundstücke Brunncnstraße 32, welcher zum Ausbewahren von Brenn- Material dient, Feuer aus, dessen Löschung der Feuerwehr erst nach längerer Thätigkeit gelang.— Als an demselben Tage Abends der Schneidermeister Lerch, Prenzlauerstr. 13 wohnhaft, in ein in der Amalienstraße belegenes Schanklokal eintreten wollte, glitt er auf der ersten Stufe der zu demselben führen- den Treppe aus, fiel zur Erde und brach dabei den rechten Unterschenkel. Lerch wurde mittelst Droschke nach seiner Woh- nung gebracht. Am 4. d. M Nachmittags wurden die Dienstmädchen deS Generalkonsuls Adelsen, Unter den Linden 71 wohnhaft, Bertha Gabiiel und Emilie Beyer, in ihrem Zimmer durch Kohlenoxydgas vergiftet vorgefunden. Bei der Gabriel war der Tod bereits eingetreten, während. die Beyer noch lebend nach der Charitee gebracht wurde. Der im Zimmer befind- liche, noch mit einer Klappe versehene Ofen war am Abend zuvor mit Steinkohlen geheizt und ist der Unglücksfall wahr- scheinlich durch zu frühes Schließen der Klappe herbeigeführt worden.— Um dieselbe Zeit wurde der Kaufmann Neumann an der Karls- und FriedrichSstraßen-Ecke von einem Fuhrwerk umgefahren und am linken Bein verletzt. Er wurde nach der Königlichen Klinik gebracht.— An demselben Tage Abends trat der 55 Jahre alte Twdler, Hohberg, Langestr. 74 wohn- hast, in den Zigarren laden von Noske, Koppenstr. 10, klagte über Unwohlsein und bat um ein Glas Wasser. Da der Zu» stand deS Hohberg fick jedoch verschlimmerte, ließ Noske zwei in der Nähe wohnende Aerzte herbeiholen, in deren Gegenwart Hohberg an Herzlähmung verstarb. GerieW- Rettung. Frankfurt, 3. Januar. In heutiger Sitzung des Polizei- gerichteS wurde u. A. auch ein Baron W. von Drach aus Hanau abgeurtheilt, der zugestandenermaßen mehr alS ein Jahr als Bettler im Lande umhergezogen, ohne ein einziges Mal aufgegriffen worden zu sein. Er erhielt 14 Tage Haft. Er verficherte dem Gerichtshofe, daß er nach Verbüßung der Strafe seine Heimath wieder aufsuchen werde. Stuttgart, 31. Dezember. Der Wundarzt 2. Kl. und Geburtshelfer M. Frankfurter aus Obcrndorf stand heute wegen fahrlässiger Tödtung vor Gericht. Er hatte, zu einer Wöchnerin gerufen, an der die Hebeamme nach der Geburt abnorme Er- scheinungen bemerkte, eine„Operation" vollzogen, indem er mehrere edlere Theile aus dem Körper der Frau förmlich herausriß. Nach Ansicht der Sachverständigen wäre die Frau ohne dies Eingreifen wahrscheinlich am Leben ge- blieben. Der Staatsanwalt beantragte 2'/, Monate Ge- fängniß, worauf auch die Strafkammer erkannte. Doch wurde Frankfurter gegen eine Kaution von 3000 M. auf freien Fuß gesetzt. Bremerhaven. Das Seeamt verhandelte in seiner letzten vorjährigen Sitzung über den Untergang der englischen Brig „Glanavon", Kapt. Prttchard, am 26. Dezember d. I. in der Wesermündung. Der«Schiffer und der Steuermann des unter- gegangenen Schiffes, welche, nachdem sie hier durch daS Rettungsboot gelandet waren, in ihre Heimath abzureisen be- abfichtigtcn, find hier vernommen worden; zur heutigen Verhandlung find vier Personen geladen. Es wird zunächst ver- nommen der Matrose Joh. Schmidt aus Memel. Der- selbe war seit zwei Jahren aus der„Glanavon"; diese habe bei schwerem Wetter Wasser gemacht, es habe dann alle zwei Stunden fünf Minuten gepumpt werden müssen. Die „Glanavon" hatte am 25. Dezember Morgens auf der Rhede gelegen, das Wetter war neblig; als es fich am Mittag aufklärte, trat die Brig mit voller Ladung Gelbbolz ihre Reise nach Fleetwood an. Die Vernehmung des Zeugen macht einige Schwierigkeit, derselbe vermag auf eine Anzahl Fragen keine oder doch nur sehr unsichere Antworten zu geben. Nach der Darstellung des Zeugen war der Wind am 26. Dezember OSO- oder SO-, mäßig, es wurden alle Segel gesetzt. Um V-5 Uhr seider Leuchtthurm pasftrt worden, Zeuge war damals am Ruder, wurde aber mehrfach vom Kapitain abgelöst. Der Kurs war erst NW., später NNW. Der letztere KurS war etwa zehn Minu- ten vor dem Aufstoßen gesetzt worden, nachdem der Steuer- mann, der kurz vorher gelothet halte, dem Kapitän, der in die Kajüte gegangen war, zugerufen hatte, daß zu wenig Wasser sei. Der Kapitän kam sofort nach oben, worauf der Steuer- mann ihm sagte, daß IV- Faden Wasser sei. Der Kapitän ließ in Folge dessen aufluven, worauf das Schiff bis NNO aufkam und dann stieß. Es saß jedoch erst nach länge- rem Arbeiten fest auf Giund. Ob das Schiff leck war, wurde nicht untersuch!, die Pumpen wurden erst angestellt, als Waffer im Schiff bemerkt wurde; es mußte das Pumpen jedoch wieder aufgegeben werden, da dasselbe sich nutzlos erwie«. Die„G'anavon" gab dann mit F-ckelfeuer Notbsignale, es kam auch ein Dampfer, der aber nicht näher heran konnte und wieder verschwand und erst am Morgen wieder in Sicht kam. Auf Befragen sagt der Zeuge noch aus, daß fie keinen Lootsen an Bord gehabt hätten. Dos Wetter war klar; eine halbe Stunde vor der Strandung sei an Backbord eine Spiere in etwa 200 Schritt gewesen, die Zeuge dem Steuermann gezeigt hat; er habe auch mehrere Lichter gesehen, die er aber nicht kenne. Weshalb der Kurs geändert worden, wisse Zeuge nicht. Der Kapitän sei nüchtern gewesen, der Steuermann habe ihm etwas angetrunken geschienen. Als das Schiff verlassen wurde, gingen die Seen über dasselbe. Gerettet wurde die Besatzung durch das Bremer- bavener Rettungsboot. Der folgende Zeuge ist der schwedische Matrose Anton Claßen, zu dess-n Vernebmung Herr Kapt. Tell als Dolmetscher geladen ist. Die Aussagen des Zeugen er- geben nichts wesentlich Neues. Der folgende Zeuge, Matrose Iwan, kann selbst mit Hülfe des Dolmetschers nicht vernommen werden, da er nur mangelhaft schwedisch spncht und oberein etwas angetrunken scheint. Es werden darauf noch die Aussagen des Kapitän John Pritchard verlesen. Derselbe fuhr die„Glanavon" seit sechs Jahren. Das Schiff selbst war 22 Jahre alt und im eng- tischen Lloyd A l registrirt. Dasselbe hatte vorn 10 Fuß 9 Zoll, hinten 12 Fuß 9 Zoll Tiefgang. Nachdem das Leucht- schiff um 5 Uhr pasftrt war, so hat Kapitän Pritchard auS- gesagt, sei er nach unten gegangen, um zu essen, er habe be- fohlen, zu lothen und den Kurs NNW. zu setzen, eher etwas nördlicher, als westlicher; der Steuermann habe ihm gesagt, daß er V- Strich nördlicher gesteuert habe. Als der Kapitän kaum 2 Minuten unten gewesen, habe der Steuennann gerufen, es seien vier Faden Wasser. Darauf sei Kapitän Peitchard nack oben gelaufen und an das Ruder getreten, zugleich habe er Befehl zum Aufluven gegeben. Dann seien drei Faven Wasser gewesen und das Schiff sei ausgelaufen. Da die Ruderkette brach und die„Glanavon" dadurch steuerlos wurde, lief fie immer weiter auf, nach zwei Stunden erst saß sie fest. Es wurden dann die Pumpen angestellt, aber daS Wasser war nicht zu bewältigen und das Schiff wurde am anderen Morgen verlassen. In gleicher Weise hat der Steuermann der„Glanavon", William Jones, ausgesagt. Der Spruch des Seeamts geht dahin: Der Schiffer Pritchard hat unvorsichtig gehandelt, weil er zur Nachtzeit ohne Lootsen und mit einer ungenauen und veralteten Karte aus der Weser herauSgesegelt ist. Derselbe hat durch dieses unvorfichiige Verhalten die Siran» dung der Brigg„Glanavon" am 25. Dezemd-r herbeigeführt. E» ist ferner zu rügen, daß Schisser Pritchard bald nach dem Passtren des Leuchtschiffs„Bremen", als zu einer Zeit, wo das Schiff an einer gefährlichen Stelle deS Fahr- wassers war, unter Deck gegangen ist. Das Verlaffen des Schiffs am Morgen des 26. Dezember war in Rückficht auf die damalige Lage gerechtfertigt. Seitens des Dampfers„Carl" und Seitens der Rettungsmannschaften ist alles den Umstän- den nach Mögliche behufs einer baldigen Rettung der Be- satzung der„Glanavon" gethan. Arbeiterbewegung, Vereine unü Versummlungen. Der Arbeiter-Bezirksverein v. 15 u. 20. Kommunal» Wahlbezirk hielt am Sonntag, den 4. Januar, Vormittags 11 Uhr, feine ordentliche General-Bersammlung in Werners Salon, Oranienstraße 170, ab, zu welcher die Mitglieder durch Karten geladen waren. Auf der Tagesordnung stand außer Kassenbericht nur Vorstandswahl. Es wurde der gesammte Vorstand gewählt und setzt sich derselbe nun folgendermaßen zusammen: 1. Vorfitzender Herr Herzfeldt, 2. Vorsttzender Herr Noeske, 1. Schriftführer Herr Janssen, 2. Schriftführer Herr R. Lehmann, 1. Kasstrer Herr Scranewitz, 2. Kasstrer Herr König. Zu Beisitzern wurden die Herren H. Schulz, Schley, Prause, F. Lehmann und Kickert; zu Kontroleucen die Herren Alb. Schulz, Wuchauer und Wolfs gewählt. AuS Anlaß der verhältnißmäßig schwach besuchten Versamm- lung forderte der erste sowohl als der zweite Voifitzende die Mitglieder zu engerem Zusammenhalten auf. Bei der näch- sten Versammlung möchten alle Mitglieder vollzählig erscheinen und namentlich die Zahlstellen, welche fich nach wie vor deS I Sonnabends und Montags Abends von 7—10 Uhr bei Schelk, Adalbertstr. 23 und Seidemann, Adalbertstr. 59 befinden, recht fleißig in Anspruch zu nehmen, so daß der Verein seinen sämmtlichen Verpflichtungen nachfommen fann. Mit einem 3 maligen hoch auf den Verein schloß der Vorsitzende die Versammlung um 2 Uhr. Der Louisenstädtische Bezirks Verein Vorwärts", hält Mittwoch, den 7. Januar 1885 in Konrad's Saal, Wafferthorstr. 68, Abends 8 Uhr eine Vereins- Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Ladewig über Das Unfall Versicherungs- Gesez." 4. Disfuffton. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste willkommen. Große öffentliche Schneiderversammlung in Breuer's Salon, Große Frankfurterstr. 74/75, am Mittwoch, den 7. Januar cr., Abends 8%, Uhr. Tagesordnung: Die Lohnverhältnisse bei Schulz, Thaerstraße; Kleinigky, Frankfurter Allee; 8immermann, Rüftrinerplag und anderer Meister im Often Berlins. Sämmtliche Schneider, werden aufgefordert, recht zahlreich zu erscheinen. Die Lohntom mission. Tagesliste der Königl. sächsischen Landeslotterie. Biehung vom Montag, den 5. Januar. ( Ohne Gewähr!) 998 303 119 974( 300) 785 600( 150) 763 186 853 412 ( 150) 405 831 103 662 444 192( 150). 1917( 300) 911 882 ( 150) 907 982( 150) 653 310 9 451( 200) 237( 150) 129 45 279 971 376. 2210( 300) 599( 150) 130 20 662 238 222 817 275 917 958 466 978 439 151 423 736 160 97. 3314 548 557 361 534 985 889 705 720 738( 200) 735 569( 200) 782( 500) 772 240 587 393 845( 200) 795( 500) 547 116 763 236( 150) 62 276 54 911( 150) 190. 4289 712 533( 200) 96 669 177 652 752 772 672 415 766( 150) 84 76 108 576 616 ( 200) 73 181. 5903 140 219 964 28 100 390( 200) 578 582 807 313 589 62 177 406 385 953 23. 6437 491( 150) 968 ( 200) 985 289 844 820 284 886 571 663 732 97 282 829 297 152 606 545. 7560( 150) 692 351 520 974 595( 150) 145 628 747 568 53 497 613 551 769 379 584 843 257 670 724 894( 200) 764( 150). 8879( 1000) 822 620 698 597 364 811 240 235 672( 300) 650 755 137 589( 200) 452 328. 9741 517 982( 150) 498 18 400 728 244 336 941 856 817 883 983 ( 200) 617( 300) 116 146 195 64. 10 743 670( 150) 755 303 16( 200) 612( 150) 782 764 437 92 499 263 46 241( 200) 98( 150) 503( 150). 11078 469 610( 150) 481( 150) 605 725 835 988 126 989 905 966 222 131 994 28( 300) 984 231. 12961 713 6 816( 150) 239 762 74( 300) 838 516 834 601 817 620 155 13 445. 13423 930 352 915( 300) 622 796 976 737 208 490 461 698 322 572( 200) 312 535 660 851 231 1( 5000) 130( 150). 14423 838 529 825 450 962 477 206 126 216 572 577 453 165( 300) 800 890 21 536 91 625 960 938 718 598( 200) 576( 150) 115. 15580 635 992( 150) 2( 150) 996( 150) 6 702 257 150 ( 200) 614 297( 300) 133 95( 150) 968( 200) 358( 200). 16013 ( 200) 591 594 623 348( 150) 836 459 806( 500) 963 165 405 666 78 37 107( 150) 667 73 928 370 512. 17461 736 569 388 77 315( 30 000) 322( 150) 575 566 824( 150) 433 620 847 881 713 947 280 677 762 792( 500) 131. 18138 903 ( 3000) 774 5 551 391 255 701( 200) 111 719 725( 300) 834 808( 300) 506 574 236 849( 200) 600 764 505 844 992 137. 19726 2 240 874 358 688 556 507 740 68 545 260 89( 200) 344 609 417( 200) 216 814 425 541( 150) 57. 20235 509 494 484( 300) 614 270 468 187 356 407( 1000) 685 966 486( 300) 1 203 683 250 858 238. 21146 650( 200) 953 453( 150) 56 64( 150) 997 893 318 319 400 963 816 ( 150) 110 896 94 245 656 237 457 533( 150) 124 92. 22451 887 975 765 829 741 303 228 481 518 656. 23879( 150) 290 ( 150) 712 224( 150) 370( 300) 484( 200) 849 877 362 847 897 737( 300) 718 916( 200) 986( 200) 836 711 446. 24106 ( 150) 459 398( 200) 4 569 779 433 180 457 133 840 85 763 97 139 51 269 490 858 620 884 642 831 914( 300) 981. 25965 991 920 860 557 427( 150) 595 460 476 224 853 40 699 743 455( 150) 754 758( 150) 616 8 452( 150) 30 391 335 497 463( 300) 635 136 178. 26279( 200) 422 912 485 6 228 971 620( 150) 246 867 801 531 813( 200) 55 785 757 847 614( 200) 520. 27619( 150) 442 397 751( 150) 618 196 11 898 221 968 855 110 697 146( 150) 780 636 140 737( 200) 728. 28597 670 263 541 573 66 414 344 388( 200) 819( 200) 744( 150) 660( 150) 707( 200) 808 272( 150) 446 178 646 Theater. Königliches Opernhaus: Dienstag: Satanella. Königliches Schauspielhaus: Dienstag: Das Testament des großen Kurfürsten. Deutsches Theater: Dienstag: Romeo und Julia. Bellealliance- Theater: Dienstag: Der Raub der Sabinerinnen, Schwank in 4 Atten von Franz und Paul Schönthan. Renes Friedrich- Bilhelmstädtisches Theater: Dienstag: Gasparone. Sentral- Theater: te Salobftraße 30. Direktor: Ab. Ernst. Dienstag: Der Walzer- König. Dienstag: Kean. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Walhalla Operetten- Theater: Dienstag: Gillette. Montfenstädtisches Theater: Dienstag: Der Millionen- Barbier. Oftend- Theater: Dienstag: Jm Lande der Freiheit. Wolner- Theater: Dienstag: Die goldene Spinne. Dienstag: Sulfurina. Bittoria Theater: Alhambra Theater. Dienstag: Die Galloschen des Glücks. Arb.- Bez.- Verein f. d. Often Berlins. Dienstag, den 6. Januar, Abends 8% Uhr, Mitglieder- Versammlung in Keller's Lokal, Andreasstr Nr. 21, Tagesordnung: 3 1. Statuten- Berathung. 2. Verschiedenes. 3. Fragetasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung wird um zahlreiches Erscheinen der Mit glieder gebeten. ( 200). 29728 827 499 789( 150) 914 173 993 848 569 708 ( 200). 29728 827 499 789( 150) 914 173 993 848 569 708 933 570 948 153( 200). 30200 801 188( 150) 96 388( 300) 790 429 236 370( 300) 344 184 526 641( 200) 105( 150) 326 509 248( 150) 492 391 663 681 679 252( 150) 975. 31449 591 344( 150) 604 900 44( 200) 648 55 423( 150) 913 885 671( 150) 25 659 869 108 669( 150) 464 559 583 115( 150). 32346 183( 200) 301 391 43 568 177( 3000) 295 66 575 636 823( 150) 199 371 995 929 319 612 67 63 158 249 876 298 162. 33054 603 ( 200) 447 165 299 981 57 868( 300) 608( 200) 770 368 41 516 717 281 797 260( 300) 123 96 846 27 331 160 291 8 ( 500) 919 962 833 441 45( 150) 775 481. 34772 231 218 811 309 367 919 961 269 449 987 894 552 603 155 427 283 817 679( 1000). 35251( 200) 855 332( 300) 810 141 22 221 670( 150) 243 89( 150) 771 249 429 633 484 193( 200) 14 770 754. 36594 916 284 98 542( 200) 438 701 989 493 968 147 232( 150) 645 979 119 372 957 222 682( 150) 888 313 686 257. 37180 171( 300) 628( 200) 354 474 364 364 259 ( 150) 662 660 529 637 215 8 813 448 466 566( 1000) 101 94 476 159 50 759 712( 300) 906. 38494 68 256 728 489 284 149 550 222 532 663( 200) 634 630 214( 150) 504 292( 160). 39017 707 193 465 230 85 216( 200) 682 911 736 861 507 776 284( 300) 99 449 124. 40751( 500) 862( 150) 627 313 235 161( 150) 410 81 902 448 262 632( 200) 928 637 559. 41020( 150) 941( 150) 719 442 196 413 847 752 969 832 38( 150) 111 605 221 422 896 822( 150) 953 115. 42751 115( 200) 537( 300) 676 197 709( 200) 967 454 305( 200) 31889 18: 527 474( 200) 531 955 684 645 784. 43638( 300) 736 381 135 82 658 43638( 300) 736 381 135 82 658 506 84 897 503 612 801 302 770 436 83( 150) 992 860 9 777 613 742 286 536 849 823 68 774( 150). 44876 986 ( 150) 2 170( 150) 154( 300) 980 873 125 59( 200) 609 334( 200) 320 155 573 781( 150) 77( 200) 612 277( 150) 67 400 318 115 979 499 977. 45200 699 779 371 910 897 532 900 175 439( 300) 996 358 159 617 477 623( 10000) 836. 46353 78 322 689 522 131 755 810 667 10( 330) 826 264 315( 500) 600( 150) 253 193. 47048 807 124 615( 3000) 617( 150) 969 296 276 790 128 214 269 261 572 370 743 194 872 725 86 662 827 84( 150) 465 493. 48438 917 313 779 200( 150) 127 991 195 514 891 798 29 633 522 773( 1000) 804 319. 49788 302 176 296( 150) 12 921 658 837 638 605 83( 200) 694 497 964 742 627 150 140 696 936 50138 555 116 982 761 505 603( 200) 362 664 411 154 ( 150) 227 825( 200) 863( 150) 712 866 523 721 678 719( 150) 867 49 39 374 848( 200). 51579 8 516 591 586 249 454 ( 150) 394( 300) 136 524( 200) 123( 150) 421( 150) 461 232 94 962 538. 52513 206 10 863( 150)-608 888 903( 200) 244 43 478 108 186 463. 53264 998 26 541 779 249 251 592 714( 150) 819 239( 300) 424 879 520 535( 150) 325 8 695 ( 150). 54257 996 434 221 737 807 762 891 113 201 2 84 742 859 164 675( 150) 821. 55729 891( 150) 742 210 938 954 208 555 180 705 902 500 244 526 367( 1000) 265( 150) 905 512 273 580 240 233( 150). 56974 510( 150) 731 518 ( 500) 436 305 549 585 88 354 277 356 511 535 209 749 628 ( 200) 594 261 151( 150) 383( 150) 939 327 597 671 656 776 976 102( 200) 249 795( 150) 653( 150) 695. 57405 301 621 978( 300) 390 19( 200) 58 69 184 154 718( 200) 967( 150) 957( 500) 81 942 841( 300) 267 932 614 525 958. 58556 173 783 338 365 517 118 494 43 392 34 712 888 658 309 ( 150) 748 695( 150) 3 621 975 423 467 514. 59941( 300) 779 729 600 18 535 112( 200) 568( 150) 35 312 648( 150) 419 244 196 935 733 24 446 479( 1000) 689 210( 150) 191 986. 60228( 150) 684 60( 300) 458 923 918 748 517 468( 500) 61643 866 11 889 977 368 346( 150) 579 560 89 782 789 48 303 911 122 62 246 103 378 318 390 419 328( 150) 361 40 983 62441 815 395 95( 200) 124 587 183 90 951 75 310 995 80 629 798( 300) 449 271( 200) 879 222 461 336 327( 1000) 63630 85 446 814 403( 200) 828 917 252 417( 150) 750 700 540 102( 150) 384 460 50( 1000) 878 959 ( 300) 81 285 749 242( 150) 677 516( 150) 243 484 44 350 ( 150) 78( 150) 605 223 872 64852 492 40 503( 150) 980 792 364 257 350( 500) 743 629( 200) 911 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Nächste Ziehung Mittwoch den 7. Januar. Gemeinnütiges. Milchprobe. Um ganz sicher zu gehen, ob die dem Kinde zu reichende Milch sauer ist resp. einen säuerlichen Stich hat, nehme man etwas Lacmuspapier( in jeder Droguerie zu haben), schneide ein Streifchen davon ab und tauche dies in die Milch. Uit biefe angesäuert, so wird der Streifen rothgefärbt, in welchem Falle man die Milch entweder fortgießt oder aber doppeltfohlensaures Natron dazwischen rührt, bis ein neues Streifchen Lacmuspapier seine Farbe darin nicht verändert. Briefhaften der Redaktion. E. B. D. 35. 20 Mart. A. A. Flensburg. Ihr Bericht ist doch zu lokaler Natur. Sollte sich einmal etwas von allgemeinerem Jr tereffe ereignen, so sehen wir Ihren Einsendungen mit Bergnügen entgegen. Für Aerzte! Für mehrere Krankenkassen in einer norddeutschen Landeshauptstadt werden zum 1. März d. J. zwei Aerzte gesucht. Reflektanten wollen ihre werthen Adressen bis zum 15. d. Mts. unter A- Z. an die Expedition d. Blattes einsenden. Arbeiter- Bezirksverein Glückauf. Umfaffend den 13.- 16. Rommunal- Wahlbezirk. Dienstag, den 6. Januar 1885, Abends 8 Uhr, General- Versammlung in den Industriehallen, Mariannenstraße 31-32. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Verschiedenes. 3. Fragefaften. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreiches Erscheinen wird ersucht. 8 Der Vorstand. Sonntag, den 11. Januar, Vormittags 10% Uhr, im Palmensaal, Neue Schönhauserstraße, außerordentl. Generalversammlung der Berliner Sutarbeiter u. Berufsgenossen. Tages- Ordnung: Wahl des ganzen Vorstandes. Quittungsbu legitimirt. Fachverein der Tischler. 22 Mittwoch, den 7. Januar, Abends 8% Uhr, Ackerstr. 144, Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bohn über ,, Erdbeben und Vulkanismus". 2. Verschiedenes und Frage tasten. Gäste willkommen. Sahlreiches Erscheinen nothwendig. Der Bevollmächtigte. 21 Fraiser und Berufsgenossen. vorgel ein ei ober Hand für d schaft der im des a defto wärti Ronse ebenf Terifd Regie обие fervat bie langt hören engli bie 55 20 Rachdr Kleine und große Vereinszimmer 55 auch Sonntags zu haben. Mauerstraße 86. [ 1304] 19 Eine möbl. Schlafst. Landsberger Allee 146, H. 3 Tr. r. 24 Eine g. Schlafft. b. Kolbin, Belle- Alliance- Platz 8, H.1.4 Tr. Die Nr. 12 der humoristischen Blätter Hike feine tund Der wahre Jacob" chienen ist erfund in der Exped. d.„ Berl. Voltsbl." zu haben zu le Selbstunterricht in der einfachen und doppelten kaufmännischen Buchführung und Darstellung eines neuen abgekürzten Systems zur doppelten Buchmethode. Von lagen Bare reitw Land zu. Sonde Blun von Terr harr schwe C. Schmidt, Lehrer d. Handelswissenschafte Preis Mk. 1,50. 21 foebe Bu beziehen durch die Expedition des Berl. Volksblatt" Zimmerstraße 44. Ich Trei Nelt ware biese 1613 bor Soeben erschienen: Sonntag, den 11. Januar, Vorm. 11 Uhr, Manteuffel Der gesetzl. Maximalarbeitstag ftraße 9( Wohlhaupt's Salon) 18 und seine Bedeutung für die Arbeiter. Wilhelm Liefländer. Preis 15 Bfg. öffentliche Versammlung. Die Kommission. Breßtohlen, Marte E. L. 6,50, Jlfe 7,00, Marie 7,50 á 1000 St. Desgl 0,65, 0,70, 0,75, 100 Der Vorstand. lief. fret ins Haus A. Schent, Mustauerstr. 28. [ 1525 Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Dind und Verlag von May Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. Bu beziehen durch die Expedition des Berl. Boltsblatt," Bimmerstraße 44. 126