50) 747 0) 965 86 553 18 777. 50) 808 72652 772 308 577 462 62 435. 5( 200) 50) 780 32 771 0( 300) 30( 150) 5( 500) 75 368 78365 30 949 60 421 52( 150) 69 241 00) 655 37 871 26 601 08( 200) 83561 52 916 6.590. 39 272 85530 38 219 50 266. 38 403 40 822 00) 30 D) 379 0) 118 5( 200) 53 490 ( 200) 63 843 ( 200) 55 573 567 95 22 985 Nr. 5. Mittwoch, 7. Januar 1885. II. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen Das ,, Berliner Boltsblatt" fein täglich Morgens außer nach Sonne und Festtagen. Abonnementspreis für Berf in frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Wart, möchentlich 35 f. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit ilustr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Rc. 746.) der Arbeiter. Infertionsgebühr beträgt für bie 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werben bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berfin SW., Bimmerftraße 44. Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Theil des fesselnden Romans ,, Gefucht und gefunden" gegen Vorzeigung resp. Einsendung der Abonnements Suittung in unserer Expedition, Bimmerstraße 44, in einem Separatabzuge gratis und franto nachgeliefert. In gletcher Weise werden die bisher erschienenen Nummern des Janstrirtes Sountagsblatt" verabfolgt. Schutzoll und Handelsfreiheit. den Weg von Südbayern nach Schleswig zu Fuß macht, ohne Arbeit zu finden. geradezu schredenerregende Dimensionen an. Einen schwachen Begriff von den grauenhaften Zuständen, die in den erwerbsthätigen Klassen des englischen Volkes herrschen, erhält man aus einer Mittheilung, welche gegen wärtig die Runde durch die englischen Blätter macht. In Woolwich, der bekannten Arsenalstadt, wurde dieser Tage ein Mann wegen Hausbettelns aufgegriffen. Derselbe hatte ganz das Aussehen und Benehmen eines intelligenten und unterrichteten Arbeiters. Und dieser Mann hatte nicht weniger denn ach thundert( englische!) Meilen im vergeblichen Suchen nach Beschweigen. Unsere Leser wissen, daß wir keine Manchesterleute sind, daß wir im Gegentheil dem Staate eine weitgehende Beschäftigung zurückgelegt. Mit Hunderten von Leidensfugniß, in die wirthschaftlichen Zustände einzugreifen, einräumen. " Mit dem Manchesterthum wird nun irriger 0) 405 Weise der Freihandel" im Gegensatz zum 5( 200) Shu3oIl verwechselt. Diese Verwechslung dürfte D) 608 burch den schlecht gewählten Namen„ Freihandel" noch geD) 131 förbert werden. 53 935 fördert werden. Manchesterthum bedeutet die egoistische 04 14. Privatwirthschaft im Gegensatz zu einer staatlich organi731 firten Gesammtwirthschaft, und Handelsfreiheit ist 29 536 das geeignete Wort, um den Gegensatz zum Schutzzoll ausD) 603 zubrüden. 1 698 Besonders scharf hat dies schon Robbertus her765 vorgehoben, der erklärte, daß sehr wohl ein Manchestermann ( 300) ein eifriger Schutzöllner und ein Sozialist, Staatssozialiſt ober demokratischer Sozialist, ein eifriger Verehrer der Handelsfreiheit sein könne. So sei er selbst, Robbertus, für das Eingreifen des Staates in die herrschende wirthschaftliche Unordnung und dabei doch ein warmer Anhänger der Handelsfreiheit, ein Gegner des Schutzzolls. Wir stehen im Wesentlichen in dieser Frage auch auf dem Standpunkt des großen deutschen Sozial- Dekonomen. Kinde bat, aben) Milch. bt, in r aber neues ert. lokaler Wir haben diese Auseinandersetzung vorausgeschickt, um desto schärfer einen Artikel kritisiren zu können, der gegen wärtig in der ganzen konservativen Presse tolportirt wird. Ronservativ und schutzöllnerisch ist nämlich jetzt dasselbe, ebenso wie vor zehn Jahren fonservativ und freihändlerisch" dasselbe war. Genau diejenige Richtung, welche die Regierung einschlägt, verfolgt auch die konservative Partei ohne jegliche Prüfung. Umfomehr aber haben deshalb Aeußerungen der konSr fervativen Presse Werth, weil gewöhnlich in denselben Ver- die Meinung der Regierung zum Ausdruck ge= langt. d. J. inter 20 304] r. 4Tr. Ueber die gegenwärtigen Zustände in England hören wir nun Folgendes: Die Segnungen" des Freihandels lernt der englische Arbeiter jetzt in einem Maße kennen, daß ihm die Augen übergehen. Das Arbeiterelend nimmt Rachdruck verboten.] 55 55 Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. ( Forlegung.) Dswald bemerkte, daß sich sein Vater immer mehr in Hige redete, daß seine Stirn sich vor Zorn röthete, und seine Aufregung sich in lebhaften und energischen Gesten fundgab. Üm ihn auf eine Bahn ruhigerer Betrachtungen baben zu lenten, blieb er stehen und betrachtete die Blumenan lagen der Terrasse, welche sie soeben herabgingen. Die Baronin durchschaute seine Absicht und unterstützte ihn bereitwilligft. t chen e chaft H" tag t. 1613 Nicht wahr, Oswald," sagte fie ,,, es giebt im ganzen Lande nichts Schöneres als den Park von Stolzenburg?" Jch wenigstens tenne nichts Schöneres," gab Dswald Nicht allein die Anlagen im Großen und Ganzen, fondern auch im Einzelnen verdient jede Parthie, ja jebe Blume Bewunderung. So sah ich zum Beispiel Nelten von solcher Größe und Schönheit, wie die hier neben ber Terrasse, noch niemals!" Bredow hatte bei sich selbst bisher den Gedanken be= harrlich verfolgt, der vorhin unterbrochen war, und sich schweigend verhalten. Indessen sein großes Interesse für Gartenkultur lenkte seine Aufmerksamkeit ab von jenem Gegenstande. Auch er betrachtete die Nelken, von denen sein Sohn foeben gesprochen, und zwar mit nicht geringem Erstaunen. In der That," rief er, diese Nelken find prächtig! Ich erinnere mich nicht, sie hier im Garten oder in den Treibhäusern je bemerkt zu haben." Es war eine Reihe sehr schöner, großer gefüllter Nelken von verschiedenen Farben, welche hier aufgestellt waren. " Merkwürdig," sagte der Baron, woher nur Paddy biese Nelken hat?" # Wir können ihn sogleich fragen," sagte die Baronin; bort fommt er." Der Gärtner, von welchem die Rede war, nahm, als gefährten hatte er an den Docks geharrt und gekämpft, um auch nur für Stunden Arbeit zu erhalten. Umsonst. Seine Füße waren durchgelaufen, und feit vollen acht Wochen hatte er feinen Biffen Warmes zu erschwingen vermocht! Dabei war er mäßig, nüchtern, solide, arbeitsam und in seinen Ansprüchen mehr als bescheiden. Trotzdem zwang ihn die bitterste Noth zum Betteln und brachte ihn so in Konflikt mit dem Gefeß. Sein Loos wird jetzt in dem Freihandelslande Großbritannien von Legionen Nothleidenden getheilt. Und angesichts solcher haarsträubender Thatsachen wagt es bei uns die Böswilligkeit oder Verblendung bes einseitigsten manchesterlichen Radikalismus, den Arbeitern die wirthschaftliche Reformpolitik der Reichsregierung als volksfeindlich zu denunziren und ihnen die total bankerotte Freihandelslehre als unfehlbares wirthschaftliches Allheilmittel anzupreisen. Man weiß nicht, was man für schlimmer halten foll: die Frivolität der Apostel des Manchefterthums oder die Gedankenlosigkeit ihrer Nachbeter im Volte." An diesen Auseinanderseßungen sieht man zur Genüge die ungemein einseitige Auffassung der ganzen Frage. Für das Manchesterthum wird einfach der sogenannte Freihandel" gefeßt und der Gegensatz mit dem Schutzzoll ist fertig. Die deutschen Schutzöllner sind aber zugleich Finanzzöllner und Agrarier. Nicht nur soll die deutsche Inbustrie durch Schutzölle auf fremde Waareneinfuhr gehoben, auch der Landwirthschaft soll durch Getreidezölle u. f. w. eine neue Rente in den Schooß geworfen werden, und der Reichsfiskus soll zu gleicher Beit miternten. Um nun eine solche Schutzzoll- und Finanzpolitik auch dem, armen Manne", der ihm bislang sehr steptisch gegenüber gestanden hat, plausibel zu machen, deshalb muß die nichtssagende Erzählung aus England herhalten. Ein Arbeiter, ein tüchtiger Arbeiter reift 800 englische Meilen, ohne Arbeit zu finden das ist übri gens nichts schlimmeres, als wenn ein deutscher Arbeiter er die Gutsherrschaft erblickte, seinen Hut in die Hand und näherte sich respektvoll. " Die Nelken hier sind sehr schön!" sagte der Baron von Wredow. Ich erinnere mich aber nicht, jemals der= gleichen hier gesehen zu haben." Paddy lächelte. Glaub's wohl," antwortete er, es ist auch das erste Jahr, daß sie hier blühen Ich sah sie vor zwei Jahren in den Treibhäusern des Herrn von Steinberg, und da ich mit dem Gärtner dort befreundet bin, erhielt ich leicht einige Ableger von diesen seltenen Exemplaren." ich leicht einige Ableger von diesen seltenen Exemplaren." ,, Aus den Steinberg'schen Treibhäusern?!" rief der Baron auffahrend. " Ja, Herr!" " Wie können Sie sich unterstehen, Paddy, aus den Steinberg'schen Treibhäusern Blumen hier anfzustellen. Hinweg damit!" Wüthend hieb er mit seinem Spazierstod in die kostbaren Blüthen und schleuderte mit dem Fuße den ihm nächsten Topf die Stufen hinab. „ Ein für alle Mal, Paddy, ich will nichts sehen, Ein für alle Mal, Paddy, ich will nichts sehen, was mit den Steinberg's irgend jemals Beziehung ges habt hat." Eberhard," sagte seine Frau mit sanftem Vorwurfe, erfreuen Dich die schönen Blumen deshalb weniger, weil sie in dem Garten eines Mannes gewachsen sind, den Du fie in dem Garten eines Mannes gewachsen sind, den Du haffeft?" Schweig!" herrschte er sie in barschem Tone an. Sol etwa Herr von Steinberg den Triumph haben, mich in Gartenkultur zu übertreffen, und mich verhöhnen, wie er mich mit meinen veralteten Anschauungen verhöhnt?" Die Baronin schüttelte traurig den Kopf, und schweigend gingen die Drei wieder nebeneinander. Siebentes Kapitel. Der Gärtner stand wehmüthig neben den grausam zerstörten schönen Blumen. Er hob den herabgestürzten Blumentopf auf, ungefähr mit der Miene und dem Gefühl einer Mutter, welche ihr aus dem Fenster herabgestürztes Kind vom Boden aufhebt. Dann betrachtete er eine der Und einen solchen, ebenso langen und vergeblichen Weg haben im letzten Jahr tausende und aber tausende von deutschen Arbeitern machen müssen trotz des ausgebildeten Schutzzollsystems, welches wir in Deutschland haben! Die Erzählung von dem armen englischen Arbeiter beweist somit gar nichts und läßt die Erzähler felbst gewiß recht falt, die das Elend und die Noth im eigenen Vaterlande aus hezerischen und egoistischen Gründen verNicht Handelsfreiheit, nicht Schußzoll können helfen, sondern die staatliche Regelung unserer heu= tigen wirthschaftlichen Zustände! Nicht der Schutzoll bekämpft das Manchesterthum, sondern ein gesetzlich eingeführter Normalarbeitstag, der die Krisen vermindert, die wilde Konkurrenz beschneidet und eine planvolle Produktion vorbereitet. AberManchesterleute sind sie eben alle - die Schußzöllner so gut, wie die sogenannten Freihändler. Sie sind alle, die Konservativen und die Liberalen, Anhänger der freien Konkurrenz, der planlofen Privatwirthschaft und der egoistischen Ausnutzung der Arbeitskraft Anderer. Der ganze Unterschied ist der, daß die Konservativen für die Herrschaft des immobilen Kapitals, die Liberalen für die des mobilen kämpfen. Den Staat benußen und unterstüßen sie immer da, wo fie glauben, daß er ihnen in ihren Herrschaftsgelüften förderlich sein könnte. Die Arbeiter aber mögen den sämmtlichen Manchesterleuten, den offenen und versteckten, nicht trauen. Ihnen nutt weber Schutzzoll, noch Freihandel", ihnen kann nur das staatliche Eingreifen in die Produktionsverhältnisse auf die Dauer Segen bringen. Politische Uebersicht. Schuß den Armen! Durch die Beitungen geht folgende Notiz: Der Straffenat des Kammergerichts entschied in seiner Sizung vom in der Revistonsinstanz im Gegensaße zu der Auffassung der Oberstaatsanwaltschaft, daß Gerichtsvollzieher berechtigt find, Personen, bei welchen sie Pfändungen vorzunehmen haben, die Kleidungsfachen nach Pfandobjekten zu durchsuchen. Der § 678 der Bivilprozeßordnung in Verbindung mit dem§ 63 der Dienstanweisung für die Gerichtsvollzieher läßt nach Anficht des Senats teinen Zweifel darüber aufkommen, daß die Befugniß der Gerichtsvollzieher, behufs Durchführung der Zwangsvollstreckung verschloffene Behältnisse zu öffnen", die Befugniße zur Vornahme derartiger Körpervifitationen einBlumen nach der andern, schüttelte den Kopf und seine Augenränder rötheten sich. Die Verlegungen, die sie erfahren, hatten sein Herz mit verwundet. Dann begann er die unversehrten Blumen vorsorglich fortzutragen, um sie irgendwo zu bergen, wo sie dem Zorn des Gebieters nicht ausgesett wären. Während er hiermit beschäftigt war, hörte er vom Hofe her ein Posthorn. Besuche auf Stolzenburg waren zwar nichts Seltenes, indessen die Besuche bestanden nur aus benachbarten Gutsbesitzern, welche mit eigenen Equipagen famen; ein Besuch, der mit Extrapost antam, war jedenfalls ein auffälliger Umstand. Er hatte eben den legten der Töpfe geborgen, da sah er den breiten Weg, welcher zur Terrasse führte, zwei Männer heraufkommen, deren Aeußeres etwas Fremdartiges hatte. Der Erste war ein hochgewachsener Mann, mit regelmäßigen, nicht unschönen Bügen. Der lang herabgezogene, blonde Backenbart, die Jockeymüße, die elegante Reise= Kleidung desselben, noch mehr aber die Kostümirung des ferzengrade hinter dem Herrn herschreitenden Bedienten, in bem bis auf die Knöchel herabreichenden Rock, welcher über den Arm eine Reisetasche und ein Plaid trug, fennzeichneten dem englischen Gärtner sofort die Antömmlinge als Landsleute. Der Herr, welcher grävitätisch mit den unveränderlich ernsten Zügen daher schritt, und seine Umgebung faum eines Blides würdigte, den selbst die präch tigen Etagèren der Terrasse gleichgiltig ließen, winkie, als er des Gärtners ansichtig wurde, denselben zu sich. Paddy zog wieder seinen Hut, näherte sich dem Fremben und fragte: ,, Sie befehlen, mein Herr?" " Ich höre," sagte der Fremde, daß der Herr dieses Gutes sich hier im Park befindet. Wo ist er?" Er sprach diese Worte mit einem halb gebrochenen Deutsch und mit einem so deutlichen englischen Alzent, daß der lezte Zweifel in die Landsmannschaft des Fremden schwinden mußte. Der Gärtner antwortete daher fofort auf englisch: Der gnädige Herr, die gnädige Frau und der junge Slatt," schließt."— Diese Entscheidung ist, wenn sie vom ObeistaatS- anmalt anerkannt wird, von großer Bedeutung; fie giedt dem Gerichtsvollzieher das Recht, die auszupfändende Person auf der Straße, resp. an irgend einem Orte, zum Zweck der Durch- suchung anzuhalten, was einer Sistirung resp. Verhaftung sprechend ähnlich steht. Die fich hieraus vorausflchtlich ent- wickelnden unliebsamen Szenen, sowie die Fragen, in welcher Weise der Gerichtsvollzieher die Durchsuchung der Frauen vornehmen soll, und ob nicht dadurch weidliche Gerichtsvollzieher nothwendig werden, wollen wir heute nicht weiter berühren, der Hinweis möge genügen. Aber eins können wir nicht unterlassen, nämlich die Frage, ob eine solche Be- fugniß zum Schutze des Gläubigers in unserer Zeit noch nothwendig ist. Wir müssen das entschieden verneinen.— Unserer Anstcht nach hat die Gesetzgebung heute mehr denn je Ursache, dafür einzutreten, daß dem Aermsten nicht das letzte Stück, die letzten Erinnerungen an eine vielleicht bessere Zeit, genommen werden. Es hat in allen Kreisen der Bevölkerung angenehm berührt, als der Minister des Innern die noth- wendige Nähmaschine als nichtpfändbar bezeichnete, aber so nothwendig wie die Nähmaschine, stnd auch in den meisten Fällen die Sachen, welche auf dem Leibe getragen werden, resp. sich in den Kleidern befinden. Man sage uns nicht, der Schuldner kö nn t e werthvolle Gegenstände bei fich tragen; damit läßt fich unserer Anstcht nach eine derartig weit gehende Verfügung noch nicht gehörig begründen. Denn selbst wenn das hier und da vorkommt, so wird man wobl noch andere Mittel und Wege zu finden wissen, um die betreffenden Gegen- stände zu erlangen. An ihrer Verarmung haben viele brave Menschen keine Schuld, viele, sagen wir die Meisten, verdienen Mitleid und keine Strafe. Als eine Art Strafe, als eine Herabsetzung gegenüber ihren Neben- . menschen könnte fich aber unter Umständen eine Verhaftung und die damit verbundene Durchsuchung gestalten, und wir wollen daher annehmen, daß es noch gelingt, die beregte Ent- scheidung umzugestalten um dadurch die harten Konsequenzen zum Nachtheil unserer ärmeren Mitbürger zu verhüten. Zum preußischen StaatShaushalts-Etat wird offiziös geschrieben: Wenn die Störung in dem Gleichgewicht des preußischen Staatshaushalts, welche übrigens Dank den eigenen Einnahmen Preußens erheblich geringer ist, als sie nach der Verschlechterung der finanziellen Beziehungen zum Reiche sich berechnen würde, nicht von einer Verschlechte- rung der Einnahmequellen des Staates, bezw. der wirthschaft- lichen Lage des Landes, sondern lediglich von der unzureichen- den Entwickelung der eigenen Einnahmen des Reiches hcrrührt, so liegt in der finanziellen Lage für eine weise Finanzverwal- tung zwar Anlaß zur Vorsicht, aber kein Anlaß, die Anforde- rungen für produktive wirthschaftltche Zwecke in unzweckmäßiger Weise zu beschränken. Der preußische Finanzminister hat daher, wie die„B. P. N." zu melden wissen, selbst die Jnitia- tive ergriffen, daß Forderungen der bezeichneten Art, welche, wie die für Aufforstung von Oedländereien, die Fonds zur Ge- Währung von Darlehen für Drainage u. s. w., bei den kom- missarischen Etatsberathungen gestrichen waren, wieder aufge- nommen und in den Etat eingestellt worden find. Zur Kongo-Konferenz. In der gestrigen Kommisfions- sitzung der Bevollmächtigten zur Afrikanischen Konferenz, zu welcher auch Delegirte zugezogen waren, wurde zur Vorlage für die Konferenz ein Entwurf zu einer Erklärung bezüglich deS Sklavenhandels im Kongogebiete festgestellt. Die Ausweisung des Italieners Eirmeni, wird von der„Nord. Allg. Ztg. mit. dem Hinweise zu rechtfertigen ge- sucht, daß die von ihm unter der Unterschrift Menenio ge- schriebenen Berliner Briefe„von Gift und Galle gegen Deutsch- land strotzende und von den gröbsten Injurien gegen hochge- stellte Staatsdiener angefüllte literarische Erzeugnisse" seien. Hierzu bemerkt die„Voss. Ztg.": Wir kennen die in Frage stehenden Briefe nicht und können daher nicht beurtdeilen, wre weit diese Behauptung berechtigt ist. Darauf kommt es aber nach unserer Anschauung sehr wenig an, denn selbst wenn die- selbe in vollem Umfange zutrifft, können wir darin keine ge- nügende Begründung für die Ausweisung Cirmcni's sehen. Die letztere erscheint uns als die ganz zweck- und erfolglose Be- thätigung eines Polizeiregiments, welches zwar gesetzlich nicht . anfechtbar ist, aber den vorgeschrittenen Anschauungen unserer Zeit nicht mehr entspricht und, abgesehen natürlich von Ruß- land, von keinem anderen europaischen Grotzstaate mehr geübt wird. Das ganze Verfahren ist thatsächlich ein rein Willkür- liches, da es keine Grenze giebt, bis zu welcher dem auslän- discken Journalisten ein freies Urtheil über deutsche politische Verhältnisse— richtiger wohl über die Akte der deutschen Äe- gierung, denn ein abfälliges Urtheil in der ausländischen Presse über die Opposition kann bekanntlich der besonderen liebevollen Aufmerksamkeit seitens der Regierungspreffe sicher sein— freigestellt wäre, ohne daß er in Geiahr geräth, fich„lästig" zu machen und der polizeilichen Maßregelung zu verfallen. Das Ausland denkt freier in dieser Beziehung und darum ist mit Bestimmcheit anzunehmen, daß ein derartiger Schritt, wie die Ausweisung eines fremden Korrespondenten, uns die Sympathien des Auslandes weit mehr entfremden wird, Herr Baron haben sich soeben nach dem Pavillon begeben, wo dieselben das Frühstück einnehmen werden." „Ah, Sie sind Engländer?!" rief der Fremde jetzt in seiner Muttersprache;„das freut mich.— Wer sind Sie?" „Der Obergärtner hier im Park! antwortete Paddy bescheiden. „ES soll ein sehr schöner Park sein?" fragte der Fremde. „Es ist nichts bei der Anlage gespart, Sir!— Da Sie vom Schlosse auf dem Hauptwege heraufkommen, so haben Sie den schönsten Theil des Parkes ja bereits ge- sehen. Sie sind an der Muschelgrotte vorübergekommen, an den Bassins, an dem Amorettenplatz, an dem Belvedere...." „O, nichts da!" unterbrach ihn der Fremde. �Jch habe nicht darnach gesehen.— Zeigen Sie mir den Weg nach dem Pavillon und fragen Sie Ihren Herrn, ob er ge- neigt ist, mich zu empfangen." „Sehr gern, Sir!" Gravitätisch ging der Fremde dem voranschreitenden Gärtner nach, und steif folgte ihm in respektvoller Entfer- nung sein Diener, der eben so wenig wie sein Herr den Schönheiten des Parks irgend eine Aufmerksamkeit erwies. Der Gärtner meldete den Besuch dem im Vorzimmer har- renden Diener, während der Fremde sich auf eine Bank deS Blumevplatzes vor dem Pavillon niedersetzte. Nach kurzer Zeit kam der Gärtner zurück, aber nicht allein; Baron Wredow folgte ihm. Der Fremde erhob sich, ging ihm mit seiner ruhigen Gelassenheit und steifen Würde entgegen und fragte:__, „Ich habe das Vergnügen, Herrn Baron von Wredow zu sprechen?"Z „Der bin ich, mein Herr!" antwortete dieser mrt em wenig stolzer Zurückhaltung.,,, �. „Freut mich sehr, Sir," fuhr der Englander fort. „Mein Name ist K'.llmare, Lord von Killmare, Grafschaft Elgin." Der Baron zog die Brauen hoch empor. „Ah, angenehm," sagte er, seine steife aristokratische als dies die ungünstigsten Berichte desselben zu Wege bringen könnten."..« Noch einmal die St. Lucia-Bay. Die in der Presse verbreiteten Nachrichten über Erwerbungen des Herrn Lüderitz an der St. Lucia-Bay— so wird offiziös geschrieben— entbehren bisher jeder Bestätigung durch a m t l t ch e Berichte. Zur Giltigkeit einer solchen Erwerbung und zur Uebertragung von Hohertsrechten würde übrigens ein Vertrag mit den einge- borenen Häuptlingen nicht genügen; ein solcher würde der Zustimmuug der B o e r n- R e p ub lik bedürfen, welche das Protektorat über das Zulu-Land übt. Außerdem wäre das Verhältniß der Letzteren zu England in Rechnung zu ziehen, welches sich ein Bestätigungsrecht für die von der Republik abzuschließenden Verträge vorbehalten hat.— Aus der offiziösen Notiz geht unzweideutig hervor, daß der Herr Lüderitz nicht auf das deutsche Protektorat für sein angeblich erworbenes Land rechnen kann. Damit dürften denn auch die augenscheln- lich mit England in Ausficht stehenden Verwickelungen be- seitigt sein.— Einiges Licht über diese Angelegenheit verbreitet noch folgender Bericht, welchen die„Times" aus der Gegend der Et. Lucia-Bay, von dem Sekretär des Vereins zum Schutz der Ureingeborenen, Mr. F. W. Ehesson erhiellen. Der- selbe tautet: „Die überraschende Meldung verdient im gegenwärtigen Augenblick sorgfältige Aufmerksamkeit. Ihr Korrespondent sagt, Herrn Einwald's Brief sei vom 15. November datirt. Merkwürdig genug enthalten die„Times of Natal" vom29.Novem- der einen Brief aus derselben Feder und unter gleichem Datum (15. November) und es muß hervorgehoben werden, daß in dieser Mitlheilung keine Gebietsabtretung in St. Lucia-Bai oder anterwärts erwähnt wird. Er sagt nur, daß er beim Em- pfange der Nachricht, Dinizulu befinde fich in Emuyati, fich mit seinem Gefährt dorthin begab und den König mit einem— Musikkasten, einem S8bel und„vielen anderen nützlichen Gegenständen beschenkte. Auch fügt er hinzu, daß er eine Unterredung mit Nvabuko, einem Bruder Ketsch- wayo's, der nach dem Ableben des Letzteren als Vormund Dinizulu's fungirte, gehabt habe. Aber Herr Einwald erwähnt Nichts davon, daß in Emuyati irgend ein wichtiges Geschäft besprochen wurde, und find wir daher gegenwärtig ohne Mittel, um die Natur der angeblich stattgefundenen Transaktion zu beurtheilen. Aber im Interesse der Zulus nicht weniger, als in dem Englands, wünsche ich die öffentliche Aufmerksamkeit auf gew sse Umstände zu lenken. Dinizulu ist ein Jüngling von siebenzehn oder achtzehn Jahrm, der durchaus keine Erfahrung in Regierungsangelegenheiten bat; aber selbst wenn er großjährig wäre, würde er nach Zulu-Gebräuchen nicbt die Macht befitzen, irgend einen Theil des Landes ohne die Zustimmung der hervorragendsten Häuptlinge zu veräußern. Ich weiß zufällig, daß Umnyamana, der seit einer langen Reihe von Jahren der erste Rathgeber der Zulukönige gewesen ist, fich an der angeblichen Abtretung nicht bctheiligt haben konnte, da er wenige Tage später, nachdem er Schritte gethan hatte, um die Absichten des deutschen Besuchers in Zululand zu er- kundschaften, gefährlich erkrankte. Kein rein persönliches Ab- kommen'zwischen dem Agenten der Firma Lüderitz und dem jungen Könige würde irgend welche Giltigkeit in den Augen der Zulus haben, wenn es nicht die Sanktion von Umnyamana und Mr. William Grant hätte. Ueberdie? liegt die St. Lucia- Bai an jenem Theile der Zuluküste, welcher Somkeli gehört, einem Häuptling, der stets gegen Ketschwayo loyal war, und dem daher weder die Bai, noch das angrenzende Gebiet ohne schreiende Ungerechtigkeit abgenommen werden könnte." Ottensen. Auf Grund des Sozialistengesetzes ist laut der„Kreuzztg." der Schuhmacher Otto Wollschläger ausge- wiesen worden. Derselbe hat die Ordre erhalten, innerhalb dreier Tage daS Gebiet des kleinen Belagerungszustandes zu verlassen. Frankreich. Wie verlautet, soll im Frühjahr d. I. in Paris eine internationale Konferenz zur Regelung der epyplischen Wirren stattfinden, die meisten Mächte haben, nach den Pariser Zeitun« gen, ihre Zustimmung schon erthcilt, nur England hat noch nicht zugesagt.— Die Mutter von Louise Michel ist gestorben und vorgestern begraben worden. Louise Michel erhielt vor einigen Tagen die Erlaubniß, an das Sterbebett ihrer Mutter zu eilen, jedoch wurde ihr verboten, an dem Bebräbniß Theil zu nehmen. Der Leiche folgten ungefähr 12000 Personen, an deren Spitze Henry Rochefort; derselbe sprach auch am Grabe. Die Polizei, welche zuerst die Fahnen und Embleme nicht durchlassen wollte, erhielt schließlich Ordre, den Zug ruhig pasfiren zu lassen.— Louise Michel dürfte wohl binnen einigen Tagen begnadigt werden.— Prinz Viktor Napoleon beeilt sich als Konkurrent seines eigenen Vaters, Jerome Napoleon, die Prätendentenrolle mit Würde zu spielen. Er empfängt größere Gesellschaften, läßt seine Diener in kostbaren Livreen einher- gehen und bildet so um fich einen Hof en miniature. Wahrscheinlich will er sich an den von ihm ersehnten größeren ge- wohnen.— Das Budget deS Pariser Stadthaushalti beträgt 256 Millionen Franks. Von 1874 bis 1884 find die Ausgaben der verschiedenen städtischen VerwaltungSzweige und Haltung zu einer freundlichen Miene abändernd,„Ihr Besuch entzückt mich. Wollen Sie die Güte haben, näher zu tuten, damit ich Ihnen meine Gemahlin und meinen Sohn vorstelle?" „Es ist eigentlich nicht nothwendig, Sir," versetzte der Engländer, dem die plötzliche Freundlichkeit nicht mehr imponirte, als die vorige Zurückhaltung;„aber wenn Sie es wünschen, so bitte ich, mich Ihrer werthen Familie vor- zustellen." Der Baron führte ihn mit großer Zuvorkommenheit in den Pavillon und stellte ihn seiner nicht wenig er- staunten Familie vor. „Ich habe nicht geglaubt," sagte der Baron von Wredow,„daß ein englischer Reisender es der Mühe werth hält, mein Schloß zu besuchen. Da ich aber sehe, daß es der Fall ist, so verhehle ich nicht, daß mich Ihr Besuch aufrichtig freut..... Ohne Zweifel hörten Sie von meinem Garten sprechen und wünschen denselben in Augen- schein zu nehmen." „O, nein, Sir," antwortete der Engländer gelassen, „ich komme, um dieses Schloß und Gut zu kaufen." Sprachlos starrten alle Anwesenden den Fremden an. Das Anerbieten kam so plötzlich, so unerwartet und noch dazu von einer Seite, von welcher sie am Allerwenigsten ein solches Anerbieten hätten vermuthen können, daß ihre Ueberraschung wohl begreiflich war. „Mylord," sagte Herr von Wredow sich endlich fassend, „ich beabsichtige nicht, mein Gut zu verkaufen." „O, Sie werden ei verkaufen, wenn ich Ihnen einen Preis biete, den Ihnen kein Anderer zahlen würde, Herr Baron," versetzte der Lord, indem er der Aufforderung des BaronS, Platz zu nehmen, mit großer Gelassenheit Folge leistete. „Ja, kennen Sie denn mein Gut?" „Nein, Sir!" „So wissen Sie ohne Zweifel, daß es einen sehr großen Umfang und vorzüglichen Boden Hot?" „Auch davon habe ich noch nichts gehört, Herr Baron?" „Und trotz dessen wollen Sie es kaufen?" „Ja!" Einrichtungen von 38 auf 143 Millionen gleiten; � 1867 ß trugen dieselben erst 75 Millionen. Jnnerha.� fünfzehn Jahi« haben sich dieselben also verdoppell. Die StOIung ist so»« durck die Erhöhung der Gehälter als auch durd°ie Vermehr« der Stellen und der sachlichen Ausgaben herv�ss�ft" ward« 1869 zählte die Stadt— nach einer Korrespc�W der„V« Ztg."- 8000 Beamte. 1884 dagegen 11 000 Die Zahl» in der Unterrichtsoerwalkung und im Lehrfach, der S» besoldeten Personen ist von 831 auf 5400 gk.'-M'n- Dam« hatten 11-1200 Ordcnsleute die städtischen-ollsichulen st» Bei der Jrrenverwattung ist die Zahl d:r Bean�".(das Pflql personal ausgeschlossen) von 13 auf 25, diejeiM.�r behau« ten Irren von 10 5000 auf 12 750 gestiegen. firc den Volk Unterricht wurden 1869 sechs Millionen ausg�An, jetzt 1 Millionen; außerdem wurden im letzten Jahrzehir bai MmioM für den Bau von Schulhäusern verausgabt. KosttN d Unterhaltung der Straßen find von 12-.', auf 2R1 Million« gestiegen. Die Armenverwaltung erforderte 18r 1.f1/, M' lionen Zuschuß, jetzt 21% Millionen. Unter de?„�arserr« waren 9332 Polizisten angestellt, jetzt sind es 60W.® Ausgaben der Polizeiverwaltung, zu denen de Drittel beiträgt, find um 16 Millionen, von 20*36 M lionen gestiegm. Bei der eigentlichen Stadtverw""'Ps l" die Ausgaben um 2 Millionen gestiegen. Von d" S�rnn» wen stnd die Erträgnisse der städtischen Virzehrsteu? S�d I Antheil der Stadt an dem Reingewinn der Gasgesellschaft 4 stärksten gestiegen. Trotz zeitweiligen Rückgangs bringt I Verzehrsteuer immer noch 140 Millionen jährlich ei:?. 3e? 100 Millionen vor 1870; der Antheil an dem Reinertrag» Gasgesellschaft ist seit jener Zeit von 8% auf 18 Milliois gestiegen. Trotzdem in Paris daS Gas rheurer ist als' rrgeno einer Stadt Europas, außerdem von den G'�. brauckern noch hohe Nebengebühren zu entrichten sind,-. � dasselbe doch im Allgemeinen recht verschwenderisch verblaut Spanien. Der Finanzminisier wird den C o r t e s demnächst Gest entwürfe betreffend Reform des Zollreglements, sowie Etab* rung von Hanvelsdepots vorlegen-— Im Senat find k Verhandlungen über die Studentenaffaire vom) November wieder aufgenommen worden. Die Opposition b* an der Behauptung fest, daß dle Unordnungen keinen pol* scheu Charakter besissen halten, wie von der Regierung d! hauvtet werde; der Unterrichtsminister dagegen bleibt bei sein« Ansicht, daß ein politischer Charakter bestehe. Trotzdem t» Ferien bereits ihr Ende erreicht haben, ist noch keiner« renitentrn Madrider Studenten wieder zum Kolleg erschien« — lieber die wiederbolt erwähnten spanischen ErwerbunflO an der afrikanischen Westküste zwischen Kap Bogador und iW Blanko giebt die„Agence Fabra" folgende Aufklärung:„S« vier Jabr Hunderten leben die Eingeborenen dieser Gegend« welche Araber stnd und nie zu Marokko gehört haben, m v« besten Einvernehmen mit den panischen Fischern der kanarisck« Inseln. Sehr viele von ihnen sprechen spanisch. Vor vield Jahren, lange bevor man an die Berliner Konferenz dai« bildete fich auf den Kanarischen Inseln eine spaniich- afrtkanisß Gesellschaft, um die Fischerei an der Küste Afrikas zu c« wickeln. Sie verwendete ein großes Kapital auf diese Uns nehmung und bewarb fich um die Protektion der spanisil. Regierung, welche darauf einen Marine-Offizier abschickte, 4 über den Stand der Fsschereien Bericht zu erstatten. Dü* erkannte die Wichtigkeit derselben und konstatirte, daß' Araber die Protektion Spaniens wünschten. Da später n« Komptoirs von einer andern Gesellschaft, welche sich„Afrß nisten" nannte, gegründet worden waren, beschloß dle spanis» Regierung auf das wiederholt von den Eingeborenen an# Behörden der Kanarischen Inseln gerichtete Begehren, die n lange gewünschte Protektion zu bewilligen.— DaS kli« gerade so, als ob die Eingeborenen eine ungeheure Sefinsi» nach der spanischen.Herrschaft gehabt hätten. So schl� wird es wohl nickt gewesen sein. Großbritannien. Das„Institut der nationalen Rettungsboote Großbritannien" hat soeben seinen Jahresbericht r öffcntlrcht, welcher einen neuen Beweis für die sezensr» Wirksamkeit dieses Institutes liefert. Einzig auf die f« willigen Beiträge des Publikums angewiesen, unterhält% Verein eine Flottille von 234 Rettungsbooten, welche an« gefährlichen Stellen der Küsten des vereinigten Königreich« stationirt find. Die wackeren Leute, welche die Boote zum« freiwillig und unentgeltlich bemannen, und die sich zumeist dem armen Fischeroolke rekcutiren, entrissen im Vorjahre n» weniger als 780 Menschenleben dem sicheren Untergange u« brachten außerdem 17 Schiffe, die dem Scheitern nahe war« in Sicherheit. Seit der Gründung des Instituts wur«> durch die Rettungsboote 31,343 Personen gerettet.— Es? gewiß lein gutes Zeichen für das„stolze" Britenreich, daß j ein derartiges Institut der privaten Thätigkeit uberlai Alle Achtung vor den braven Leuten, welche Ihr eigenes Le« riskiren, um das ihrer Mitmenschen zu retten, aber viel scg« bringender würde ihr Opfermuth sein, wenn der Staat sich& solche absolut nothwendig« Einrichtung kümmern würde. M DaS Anerbieten gewann durch die Art, in welcher i gemacht wurde, einen immer befremdlichern Anstrich. „Mein Herr," sagte der Baron,„das Gut umsaßt« Areal von fünftausend Morgen, darunter tausend Mörz« Wald und sechshundert Morgen Wiesen, zwei Dörfer, vi« Vorwerke, und einen Park von beinahe dreihundert M»« gen.... Die Anlagen des Parks haben Sie zum Th« gesehen." „Ich habe nichts gesehen, mein Herr! Aber was Ä sagm, rst gut." „Es hat einen Werth von mindestens einer Million. „So werde ich Ihnen zahlen eine und eine halt Million!" Der Baron von Wredow schien den Verdacht zu fasse« daß eS im Kopf des Fremden nicht recht richtig sei. E« Käufer, welcher ein Gut kaufen will, ohne es zu kenn« ohne von seinem Umfang, von seinem Kulturzustande an« nur gehört zu haben und dann die Hälfte mehr bietet, man fordert, gehört jedenfalls zu den Seltenheiten. Di Gedanke, sein Gut zu verkaufen, hatte ihm anfänglich ft( fern gelegen und auf eine Detaillrrung hatte er sich haupj sächlich nur eingelassen, um den Fremden von dem Ka« abzuschrecken. Da er aber in einer so auffälligen Wrt diese Absicht mißglückt sah, so fragte er erstaunt: „Mylord, Ihr Gebot überrascht mich.... So ho« ist der Werth des Gutes nicht. Verzeihen Sie mir) Frage: Ist es wittlich Ihre Absicht, das Gut zu lausch und das mir gemachte Gebot ernst gemeint?" „Wenn Sie wollen, Herr Baron," antwortete bf Engländer,„so weise ich Ihnen die Hälfte der Kaufsum� sogleich auf ein Berliner Bankhaus an." Das Gebot war verlockend, aber die- Art, wie es � macht wurde, beleidigte den Baron. „Mein Herr," sagte er,„ich kann Ihnen in dies? Augenblick noch keine bestimmte Antwort geben.... 7 sagte Ihnen von vornherein, daß ich nicht beabsichtige, mj Gut zu verkaufen, und je mehr!ich es mir überlege, d«? fester steht bei mir dieser Entschluß." „Vater," sagte Oswald,„Du sagtest noch vor ei«* halben Stunde, daß e» Dich schmerzen würde, da» Gut* i hat zu anderen Dingen, als da find große Kanonen, Schiffe und so weiter heidenmäßig viel Geld, warum also nicht für die Errettung armer Schiffleute aus Todesgefahr? Australien. Die Gerichte von Brisbane( Kolonie Queensland) haben das Todesurtheil, das gegen die Mörder O'Neil und Williams ausgesprochen worden, in lebenslängliche Buchthausstrafe umgewandelt. Dieselben gehörten, wie früher mitgetheilt wurde, zum Schooner, hopeful" und freuzten an der Küste von Neu- Guinea, mit dem Geschäfte des Menschen- Abfangens beschäftigt. Mehrere Boote mit Eingeborenen näherten fich ihnen, um ihre Artikel( Kokosnüsse und Fische) zu verkaufen, und wurden mit Flintenschüssen empfangen, wobei zwei Eingeborene ums Leben tamen, während die Uebrigen als Arbeiter ,, angeworben" wurden. Das ist die landesübliche australische Art. Der Regierungs- Agent, der sich auf dem Schiffe befand, sah nichts; auch wurde dem noch unschuldigen Schiffskellner, welcher über den Mord berichtete, bemertt: Steward, wenn Du das Geschäft mitmachen willst, mußt Du blind sein und nichts sehen!" Nette Gesellschaft! Schließlich wird es den Mordbuben noch gelingen, sich gänzlich frei an machen. Kommunales. Die Tagesordnung für die Sigung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 8. Januar cr ,, Nachmittags 5 Uhr, ist folgende: Borlage, betreffend die Verleihung des Ferdinand Menzel Stipendiums- Wahl des Vorstehers und des Vorsteher- Stellvertreters- desgl. von drei Beisitzern und drei Stellvertretern derselben- Verloosung der Mitglieder in die Abtheilungen- Beschlußfaffung darüber, an welchem Tage und zu welcher Stunde die ordentlichen Sizungen der Versammlung im Jahre 1885 stattfinden sollen - desgl. über die Neuwahl des Ausschusses für die Wahl der unbefoldeten Gemeindebeamten, des Ausschusses zur Begutachtung der Vorlagen wegen Anstellung bezw. Penfionirung befoldeter Gemeindebeamten und des Ausschusses für Petitionen Desgl. über die etwa sonst noch zu wählenden ständigen Ausschiffe desgl. in Bezug auf die Butheilung der Stadtbezirke an die Mitglieder der Versammlung behufs der Ausführung von Recherchen- desal. über die Neuwahl derjenigen Ausschiffe, welche, im Jahre 1884 zur Vorberathung einzelner Gegenstände ernannt, den ihnen ertheilten Auftrog noch nicht erledigt haben desgl. darüber, welche Gegenstände im laufenden Geschäftsjahre an das Ende der Tagesordnung zu bringen find Wahl von zwei Mitgliedern der Versammlung in den Vorstand der städtischen Blindenschule- Vorlage, betreffend die anderweite Festseßung des Feuersozietätsbeitrages Desgl., betreffend die Festsetung pro 1. Oktober 1883/84 neuer Baufluchtlinien für die Grundstücke Münzstraße 14 bis 18 und Alexanderstraße 55 und 56 RechnungsfachenGesuch eines unbefoldeten Gemeindebeamten um Entlassung aus seinem Amte zwei Unterstügungsfachen. 11 Die Vergebung der Pflastersteinlieferungen in Berlin. Ueber diese wichtige Frage enthält die Beitschrift für Transportwesen und Straßenbau" einen von Profeffor E. Dietrich verfaßten längeren Artikel, dem wir Folgendes entnehmen: Die Vergebung der Pflastersteinlieferungen ist bei der Höhe der dazu erforderlichen Geldbeträge eine für die Stadtkaffen überaus wichtige Angelegenheit, welche nur mit größter Bor ficht eingeleitet werden sollte. Es muß vollständige Klarheit hinsichtlich der Zuschlags- und Lieferungstermine, sowie hinfichtlich der Zeitpunkte für die Bezahlung der gelieferten Steine herrschen. Das Gegentheil führt zu unnöthigen Ausgaben, welche der Stadtkaffe erspart werden können. Die neueren Submissionsausschreibungen der Stadt Berlin entsprechen nun den angedeuteten Forderungen so wenig, daß es als erforderlich erscheint, dieselben einer Beleuchtung zu unterwerfen. Die Ausschreibung schwebt nach ihrem Wortlaute fast vollständig in der Luft. Das Lieferungsobjekt hat einen Werth von nahezu einer Million Mart, wovon jedoch bei Berücksichti gung der höheren Preise für Klaffe 1. nur wenig mehr als die Hälfte fest bestellt werden; der Rest tann obgleich auch seine Anlieferung bis zum 1. April 1885 bringend erwünscht ist nur dann bezahlt werden, wenn der Etat für das Jahr 1885/86 die dazu nöthigen Mittel zur Verfügung stellt." Gefällt es den Stadtbehörden daher, von einer Abnahme dieser zweiten Hälfte abzusehen, dann kann der Unternehmer diese Steine( im Werthe von nahezu einer halben Million Mark) unverzinst bis zum nächsten Jahre stehen lassen, hoffend, daß er sie durch den Ausfall der nächstjährigen Vergebung los zu werden vermag. Fällt er dabei burch, oder beliebt es der Stadtverwaltung, die Abmessungen der Steine abermals, wie in den letzten Jahren wiederholt geschehen, zu ändern, dann mag er anderweitig Verwendung für diese Steine fuchen. Auf solche Ungewißheiten hin soll der Bewerber bindende Preise abgeben, und, sofern ihm der Zuschlag ertheilt wird, die Anfertigung der sämmtlichen Steine veranlassen!! Nur ders jenige Bewerber wird das thun, der sich in der Lage befindet, Besiz Fremder zu wissen; und wenn auch das Anerbieten des Lords von Rillmare gewiß etwas Verlockendes hat, so weiß ich doch, daß Du hinterher unzufrieden sein würdest, in den Verkauf gewilligt zu haben. Entschließe Dich daher schon heute zu einem bestimmten ablehnenden Bescheide. Ja, thue das, Eberhard," fügte die Baronin hinzu, ,, verkaufe das Gut nicht. Dein Sinn kann sich ändern, Dein ältester Sohn kann zurückkehren und dann..." " ,, Dho, da hinaus willst Du!" unterbrach sie der Baron. Nun gerade, um Dir zu beweisen, daß ich meinem ältesten Sohne nie mein Stammgut zu übergeben beabfichtige, daß ich an eine Aussöhnung mit ihm für meine Lebenszeit nicht denke, werde ich im Gegentheil Mylord bitten, mich durch die Gehöfte zu begleiten, um sich von dem Zustand der Baulichkeiten zu überzeugen und um die Wirthschaftsbücher anzusehen, vielleicht auch einen Spazierritt durch die Felber zu machen und in den Wald, wo uns der Förster über den Holz- und Jagdstand Auskunft geben wird." Bei Erwähnung des Jagdstandes schien es, als ob die sonst unveränderliche Miene des Engländers sich ein wenig fpöttisch verzog; vielleicht verglich er im Geifte das Jagdgebiet von tausend Morgen mit den Jagdgründen des Schottischen Hochlandes. Aber nur einen Augenblick nahmen seine Gedanken diese Richtung, dann sagte er zu dem Baron: st durchaus nicht nöthig, Sir! Ich beabsichtige nicht zu feilschen und zu handeln. Ihr Wort, daß das Gut fo und so viel werth ist, genügt mir." ,, Eberhard," bat die Baronin, indem sie versuchte mit Gründen anderer Art den Sinn ihres Mannes zu ändern, fiehe, der schöne Park, dessen Pflege bis dahin Deine Freude war und Dein Stolz.. ihn willst Du ver= Laufen? Würde es Dich nicht, so oft Du daran denkst, betrüben, zu wissen, daß alle diese Herrlichkeiten, welche Du anlegteft, und alle Mühe, welche Du darauf verwendeteft, vergebens waren? Seine, in der ganzen Gegend berühmte Bracht wird verschwinden, denn wohl Niemand wird die Mühe und Kosten auf die Pflege verwenden, wie Du es gethan haft." fich fortgesezt Kenntniß von der finanziellen Lage der Stadttaffe zu verschaffen und danach seine Arbeiten einzurichten, oder ber, man möchte sagen, die Würde der Stellung eines gewiffenhaften Bauunternehmers bei Seite segend, fich von der Geneigtheit der betreffenden Organe der Stadtverwaltung vollständig abhängig machen will. Ein solcher Unternehmer vergißt ganz, daß ein Lieferungsvertrag ein zwischen zwei gleichberechtigten Theilen geschloffenes Abkommen ist und daß er die Stellung des Bauunternehmers herabdrückt, wenn er auf solche unsicheren Bedingungen hin Verträge abschließt. Anderseits aber entgehen die Glieder einer Verwaltung Verdächtigungen aller At bezüglich ihres Verhältnisses zu dem Unternehmer nur dadurch, daß die größte Klarheit hinsichtlich der Pflichten und Rechte geschafft wird. Als ein den Ausbau der Berliner Straßen vertheuernder Mißstand ist auch zu bezeichnen, daß die Lagerpläge der Stadt fich nicht, der Bufuhr der Steine entsprechend, theils an den Bahnhöfen, theils am Wasser befinden. Die Konkurrenzfähig feit der Brüche ist dadurch, je nachdem die Anfuhr zu Wasser oder auf der Eisenbahn erfolgt, eine ungleichartige, der Lieferungspreis wird durch die Anfuhr von der Ankunftsstelle zu den Lagerplägen vertheuert und die Steine werden durch das mehrfache Auf- und Abladen verschlechtert. Man kann solcher Mißstimmung in Ansehung vorstehender Verhältnisse eine innere Berechtigung nicht absprechen und steht zu hoffen, daß die in jüngster Zeit aller Orten und auch bei der Berliner Verwaltung angebahnte Umänderung des Submissionswesens, sich auch auf die Art der Bergebung der Pflastersteine erstrecken möge. Lokales. g. Vom Alexanderplat. In Folge der Neuaufführung eines Gebäudes an Stelle der ehemaligen Landirrenanstalt am Alexanderplat, neben dem Terrain für das neue Dienstgebäude des Königlichen Polizei- Präsidiums, ist schon jezt die Flucht der Straße zu erkennen, welche den Alexanderplatz mit der Neuen Friedrichstraße verbinden wird. Seit wie langer Zeit übrigens dieses Projekt der Durchlegung besteht, beweist der eiserne Viadukt der Berliner Stadtbahn, welcher, analog den anderen Ueberführungen über Straßen, sich an dieser Straßenflucht befindet. Mit dem Abbruch des ehemaligen Arbeitshauses wird nun in Kürze begonnen werden können, da die Bewohner desselben zum großen Theil bereits andere Lokalitäten bezogen haben. Mit der Durchlegung der neuen Straße wird auch der füdöstliche Theil der Neuen Friedrichstraße eine stärtere Frequenz aufzuweisen haben, der gegenwärtig, trozdem er unmittelbar an der sehr verkehrsreichen Königstraße liegt, doch sehr wenig belebt ist. N. Der Wasserstand der Spree, der einer Beitungsnotiz zufolge bereits zu Beunruhigungen Veranlassung gegeben haben sollte, ist in Folge des eingetretenen Frostwetters wieder gefallen, so daß wenigstens für die nächste Beit ernstere Befürchtungen nicht am Plage find. Am Ober- Begel obers halb der Dammmühlen wurden 32,74, am Unter Begel 31,98 Wafferstand gemeffen. Der höchste Wafferstand in diesem Winter war bereits am Ober Pegel 32,98, am UnterBegel 32,18. r. Miethssteigerungen find zu Neujahr in sehr umfang reichem Maße von den Herren Hauswirthen vorgenommen worden und zwar, wie das bei neu beginnenden Steigerungsperioden gewöhnlich der Fall zu sein pflegt, zunächst für kleine und Mittelwohnungen. Besonders im Osten der Stadt scheinen die Hausbesißer auf den durch den neuen Viehhof herbeis geführten Verkehr große Hoffnungen zu sezen, hier haben sie jogar in mehreren Fällen das seit der Wohnungsnoth im Jahre 1872 nicht mehr übliche Verfahren wieder angewendet, die Kündigung der Wohnung bedingungsweise vorzunehmen, näm lich nur für den Fall, daß der Miether die geforderte höhere Miethe nicht zahlt, während sich noch bis vor kurzem solche Steigerungen etwas schamhafter, nur bei Gelegenheit von Neuvermiethungen vollzogen. Nach den bisher bekannt gewordenen Einzelfällen zu urtheilen, betragen die Steigerungen 10 bis 12, ja bis 15 Prozent des bisherigen Miethsbetrages. Hört man die Herren Hauswirthe, so behauptet feder, daß froß der neuen Miethssteigerung sich das in seinem Hause angelegte Kapital immer noch sehr schlecht verzinst, und jeder weiß zum Beweise dieser Behauptung die interessantesten Rechenerempel aus allen vier Spezies aufzustellen, die auch ziffermäßig ganz unwiderleglich find. Der Aufmerksamkeit unserer städtischen Behörden wird sich diese neue Wiethssteigerung ja nicht entziehen können, da das Ergebnis der Miethssteuer ja ein entsprechend höheres werden muß. Diese, für die städtischen Finanzen ja sehr erfreuliche Thatsache wird die Behörden hoffentlich nicht hindern, bei Zeiten das Thrige zu thun, um in den Stadtgegenden, wo die Miethetheuerung fich bemerklich macht, die Baulust anzuregen durch Anlegung und Regulirung der Straßen. Gerade im Dsten der Stadt bleibt nach dieser Richtung hin viel zu wünschen übrig. r. Treibeis in ziemlich fräftigen Schollen machte sich seit einigen auf der Spree bemerkbar. Am Sonnabend haben sich ,, D, Frau Baronin, was das betrifft," fiel der Lord plöglich ein ,,, so find Sie im Irrthum. Ich beabsichtige, den Bart ganz besonders zu pflegen und viel darauf zu verwenden. Der Park wird, wenn es überhaupt möglich ist, fünftig vielleicht schöner sein, als jetzt, denn ich werde zu den Gärtnern, die Sie schon angestellt haben, noch deutsche Gärtner hinzunehmen, welche ihre Studien in Potsdam, wo die Kunst der Gartenkultur ihren Höhepunkt erreicht, gemacht haben." Die Erklärung föhnte den Baron offenbar mit dem Engländer wieder aus. Das freut mich, mein Herr, und würde mir, falls ich überhaupt in den Verkauf willigte, den Entschluß bedeutend erleichtern, denn wie meine Frau Ihnen bereits fagte, der Park liegt mir am Herzen. Sie müssen ihn sehen, Mylorb, wenn es Ihnen angenehm ist, machen wir einen Spazier gang durch einzelne Parthien." ft nicht nöthig!" unterbrach ihn der Lord. Indessen in diesem Punkt war der Baron unerbittlich und so sah sich denn der Lord von Killmare genöthigt, fich von dem alten Herrn den Park zeigen zu lassen. Auch die Baronin und der junge Herr[ betheiligten sich dabei, und der draußen wartende John folgte der Gesellschaft in gemessener Entfernung. " In der Nähe der Muschelgrotte traf sie Paddy, der Gärtner, welchen der Baron herbeirief und ihn zur Bestä tigung verschiedener feiner Erklärungen oder zur Auskunft über diese oder jene Sache aufforderte. Zu seinem großen Erstaunen entdeckte Paddy das Projekt des Gutsverkaufs, und aus manchen Andeutungen des Barons hörte er auch, daß der neue Befiger, falls der Rauf zu Stande fäme, sich die Pflege des Parkes ganz besonders angelegen sein laffen wolle. Er grollte seinem Herrn noch wegen des Vandalismus gegen seine Lieblingsnelfen und wünschte in seinem Herzen, daß Mylord das Gut kaufe. Dieser, so schloß er, würde nichts dawider haben, wenn er aus den schloß er, würde nichts dawider haben, wenn er aus den vortrefflichen Gewächshäusern Steinberg's irgend eine gute Afquifition mache. Er beschloß bei sich, das Projekt seines Landsmannes in jeder Beziehung zu unterstützen. " Ich bin mit Allem sehr zufrieden!" erklärte der Lord Killmare. Es ist nicht nöthig, Herr Ba 11 die Schollen an der Oberbaumbrücke festgesezt und hier den Wasserverkehr gesperrt. Von der Oberbaumbrücke aufwärts ift die Spree mit Eis bedeckt und der Versuch einiger Schiffer, fich mit ihren Fahrzeugen durchzueisen und das freie Waffer Diesseits der Oberbaumbrücke zu erreichen, mißlang. Bei dieser Gelegenheit wurde wieder lebhaft Klage geführt über die be deutenden Holzvorräthe, welche jenseit der Unterbaumbrücke die Spree bis zur Hälfte ihrer vollen Breite bedecken und so das schnelle Festseßen des Treibeisen verschuldet haben, wodurch jest der Wasserverkehr gänzlich ins Stocken gerathen ist. La gerten diese Vorräthe diesseits der Brücke, so würden sie nach dem Urtheil Sachkundiger bei eintretendem Treibeiſe weit weniger in Betracht kommen, weil dies dann schon an den Brückens pfeilern zerschellen würde. Gegenwärtig versucht man nun, die ebenfalls im Eise festliegenden Floße wieder freizumachen, natürlich zu spät, um dem einmal gestauten Eise wieder freie Bahn zu machen. Einige Tage Lhauwetter vermögen hier mehr als zahlreiche Arbeitskräfte. Zweckmäßig aber wäre es doch jedenfalls, die Lagerung des Holzes auf dem Wasser, die so störend auf den Schiffsverkehr wirtt, anderweit zu regeln. Es kann doch unmöglich gestattet sein, Jahr aus Jahr ein so bedeutende Qualitäten Holz toftenfrei zum Schaden aller Schiffer auf einem großen, öffentlichen und verkehrsreichen Wafferlaufe lagern zu lassen. Ein Monftreprozeß, bei welchem nicht weniger als 26 Angeklagte sich zu verantworten haben werden, wird im Februar d. J. die neugebildete fiebente Strafkammer des Landgerichts I beschäftigen. Hauptangeklagter ist der Buchhändler Lübecke, dem in Gemeinschaft mit den übrigen Angeklagten nicht weniger als 1040 Betrugsfälle zur Last gelegt werden. Die Voruntersuchung hat sich beinahe fünf Jahre hingezogen und nach geschlossener Untersuchung die kommissarische Vernehmung von über 80 Zeugen nothwendig gemacht. Zu der Hauptverhandlung, zu welcher vorläufig vier Tage in Aussicht genommen worden, find nur 50 Beugen geladen. Die Unters suchungs- Atten haben im Laufe der Jahre ein Gewicht von einem Viertel Zentner erreicht. Die Betrugsfälle selbst, schreibt die Ger.- 3tg.", um welche es sich in diesem Prozeß handelt, haben die Angeklagten dadurch verübt, daß fte unter Versprechung werthvoller Prämien das Publikum zur Abnahme einer großen Anzahl Schauerromane veranlagt haben. " g. Eine thatträftige Wirthin hatte der Schuhmachergefelle Johannes P., welcher im Hause Pallisadenstr. 63 eine Schlafstelle besaß. P. war von seiner Wirthin aufgefordert worden, seine Schlafstelle zu räumen, und als er dieser Aufforderung nicht Folge leistete, sondern in der Nacht zum Montag dem Verbot zuwider seine Schlafräume betrat, faßte die Wirthin den P., drängte ihn aus dem Zimmer und warf ihn so unglücklich die Treppe hinunter, daß dem P. das Schlüsselbein gebrochen wurde. Dem Verunglückten wurde in der Sanitätswache in der Blumenstraße die erste Hilfe zu Theil. Die gerichtliche Untersuchung, welche gegen den fürzlich verhafteten Bantier W. Bekelt eingeleitet worden ist, wird wegen wiederholter Unterschlagung und betrüglichen Bankerotts geführt. Der mit der Untersuchung betraute Untersuchungsrichter, Herr Landgerichtsrath Bailleu, empfängt fortwährend innerhalb der Dienststunden Personen, die den Gefangenen zu sprechen wünschen, um sich nach dem Verbleib der ihm übergebenen Depots zu erkundigen. Alien diesen Personen giebt Bekeli die lakonische Antwort: Ich habe nichts mehr, ich tann feinen Pfennig bezahlen." Nach dem Verbleib der Gelder be= fragt, erwidert er sodann: Was ich nicht an der Börse verloren, das habe ich verfilbert und mit dem Erlös die kleinen Gläubiger bezahlt." Noch am 27. Dezember hat er Depots von außerhalb erhalten und sofort veräußert. Er ist im vollen Umfange geständig und erklärt ganz offen, daß das Geschäft bereits bei Lebzeiten seines Bruders, und zwar schon im Jahre 1881,, pleite" gewesen, und daß dieser verpflichtet gewesen sei, den Konkurs anzumelden. Seiner, des Häfilings, Ansicht nach find die kleinen Bankiers so wenig wie er im Stande, von dem Provisionsgeschäft zu existiren. Er giebt seine Verluste bei den Börsenspekulationen in der legten Beit, der G.- 3tg." zu folge, auf monatlich 50 000, 60 000 und 100 000 Mt an. Aus dem Ruin feines Geschäfts scheint er nicht einmal so viel gerettet zu haben, um sich während des Untersuchungsarrestes selbst beköstigen zu können; denn er ist die gewöhnliche Gefangenenkost und trägt die Gefangenenwäsche. Beim Sprechen rollen ihm stets die Thränen an den Wangen herab. Außer ihm befinden sich augenblicklich noch drei Bankiers in Moabit im Untersuchungsarrest. a. Zwei nette Bahnbeamte. Bwei junge Männer mietheten am 1. d. Mis. unter dem Vorgeben, Bahnbeamte zu sein, Schlafstellen bei einer Frau B. in der Teltowerstraße und bezogen auch an demselben Tage die Schlafstellen. Bei Frau B. wohnten außerdem noch der Schloffer T. und der Siudateur Sch., zweit gutfituirte Leute, welche eine sehr gute und vollständige Garderobe besaßen. Die beiden neu hinzu gezogenen Bahnbeamten, von denen der eine fich Becker nannte, schickten am 3. d. Mts. thre Wirthin nebst ihrer Tochter nach ihrer früheren Wohnung, um von da ihren zurückgebliebenen Koffer zu holen, und während der Abwesenheit ron, daß Sie sich weiter bemühen, mir Einsicht zu verschaffen in Ihre Bücher, und daß ich die Baulichfeiten, Felder und so weiter in Augenschein nehme... Ich bin außerdem presfirt und bitte Sie daher, mit mir den Kaufvertrag sofort abzuschließen." Der Baron schüttelte mehrmals den Kopf. Das Anerbieten des Lord war verlockend, die Versicherung des neuen Käufers, den Park nicht zu vernachlässigen, sondern ganz besonders kultiviren zu wollen, machte ihm diesen Räufer angenehmer, wie jeden anderen; die Opposition gegen den stillen Wunsch seiner Gemahlin, einmal seinem ältesten Sohne zu verzeihen und ihm das Gut zu übergeben, das Alles bestimmte ihn, in den Verkauf zu willigen. Andererseits aber ward es ihm unendlich schwer, sich von seinen alten Gewohnheiten zu trennen, die ihm lieb gewordenen Räume zu verlassen, die Stätte, welche ihm die Bietät gegen seine Vorfahren gewissermaßen geheiligt hatte, Fremden in Besitz zu geben. Schweigend entwarf er mehrere Minuten lang die Gründe für und wider, und während der Lord von Killmare sich mit der Baronin und ihrem Sohne unterhielt und Letterer nicht nachließ, bis er ihn in die Muschelgrotte hineingeführt hatte, um ihm die Schönheit derselben zu zeigen, blieb der Baron allein stehen. Da näherte sich ihm Paddy, der Obergärtner. " 1 Sie wollen Ihr Gut verkaufen, Herr Baron?" fragte er etwas zudringlicher, als er sonst zu sein pflegte. Ich hörte, daß der Herr von einem Raufe sprach." mir Ich bin noch unentschlossen!" antwortete der Baron ziemlich verdrießlich. Ich kann mich nicht so leicht trenobwohl die Summe, bie Summe, welche der Lord bietet, wohl um die Hälfte größer ist, als der Werth meiner Güter." nen, " Ha!" sagte der Gärtner, indem er verschmigt lächelte, ,, ich wußte davon schon früher." ( Fortsetzung folgt.) der beiden Frauen eigneten fie sich sämmtliche Garderoben- stücke ihrer beiden gleichfalls abwesenden Schlafgenoffen an, mit welchen fie sich entfernten. Die Garderobcnstücke Kotten einen Werth von nahe an 400 Mk. Bisher find die beiden Diebe noch nicht ermittelt. Der eine ist an 20 Jahre alt, mittelgroß, hat dunkelblonde Haare, längliches, blasses, pick- lichcs und bartloses Geficht; der andere ist ca. 18 Jahre alt, ist etwas kleiner, hat blonde Haare, kleinen blonden Schnurr- bart und ist fast erdfahl im Geficht. N. Eine neue Brutalität wird uns heut von den durch seine vielfachen Exzesse übel berüchtigten Kotlbuser Damm ge- meldet. Als vorgestern Abend in der neunten Stunde ein in der Kopfstraße in Rixdorf wohnenendcr Marmorschleifer Jo- Hann Alter den Kotlbuser Damm pasfirte, erhielt er plötzlich in der Nähe des an der Schönleinstraße angrenzenden freien Platzes von hinten einen derartigen Schlag auf den Kopf, daß er zusammenbrach. Trotz seiner Wehrlosigkeit fielen nun die drei Männer über ihn her und bearbeiteten ihn derart mit Messern und Stockschlägen, daß er bald aus mehreren Wunden blutete. Als auf seine Hilferufe andere Personen herbeieilten, ergriffen die Wegelagerer die Flucht. Den sofort von dem Vor- fall in Kcnntniß gesetzten Gensdarmen Schmidt und Peters gelang es, die drei Wegelagerer in der Person eines in Rix- dorf wohnenden 4Sjährigen Töpfers Sch., sowie seines 17jähri- gen Sohnes und eines 18jäbrigen„Arbeiters" Karl R. zu ermitteln und zur Haft zu brrngen. Ueber die Veranlassung zu dem Ueberfall war nichts Bestimmtes zu ermitteln. Allem An- scheine nach liegt eine Personenverwechselung vor, denn der Mißhandelte will seine Angreifer nicht kennen. Nachträglich erfahren wir noch, daß an demselben Abend noch eine Frau in derselben Gegend von drei Personen überfallen und mißhandelt worden. N. Behufs gerichtlicher Obduktion ist gestern Nach- mittag die Leiche eines bisher in der Philippstr. 1 wohnenden Zimmerpoliers Lange zur Morgue geschafft worden. Der&, welcher mit seiner dort wohnenden Ehefrau, die das Geschäft einer Hebeamme betreibt, in Unfrieden gelebt haben soll, soll fich gestern Nachmittag 3 Uhr nach Angabe der Hausbewohner selbst das Leben genommen haben. Genauere Details waren, da die Angehörigen jede Auskunft verweigerten und die Aus- sagen der Hausbewohner fich in auffallendster Weise wider- sprachen, nicht zu ermitteln. Tie gerichlliche Oödukt on, sowie die eingeleitete Untersuchung wird die Angelegenheit voraus- fichtlich in kürzester Zeit aufklären. N. Das Glatteis hat im Laufe des gestrigen Tages einen neuen Unglücksfall herbeigeführt. Eine in der Frievenstraße wohnende Almosenempfängerin, Marie Bustewitz, hatte beim Verlassen des 5zauses das Unglück, auf dem glatt gefrorenen Bürgelsteige auszugleiten und derart zur Erde zu stürzen, daß fie fich eine anscheinend schwere Hüftverletzung zuzog. Die Verunglückte mußte sofort nach dem städtischen allgemeinen Krankenhause geschafft werden. Ferner verunglückte am Sonn« tag Abend das Dienstmädchen, unverehelichte Schulz, welche bei einer in der Langestraße 76 wohnenden Herrschaft in Kon- dstion steht Dieselbe kam in der Nabe der Wohnung ibrcr Herrschaft so unglücklich zu Fall, daß fie fich den rechten Arm brach und die HUfe eines Arztes in Anspruch nehmen mußte, welcher ihr einen Verband anlegte. g. Zwei Rivalen. Der in der Memelerstraße wohnende Arbeiter Joses K. unterhält mit einem in der Barnimstraße 9 wohnenden Mädchen ein Liibeeverhältniß. Davon, daß seine Braut noch einem zweiten Manne ihre Gunst bezeugt, hatte K. keine Ahnung und so war er lehr unangenehm überrascht, als er bei einem seiner Braut am Sonntag Abend zugedachten Besuch in deren Wohnung einen Rivalen antraf. Wie nicht anders zu erwarten war, kam es zwischen den beiden Männern zu einem scharfen Wortwechsel, der bald derartig in Tbätlich- keilen ausartete, daß K. von seinem Rivalen mit einer ziemlich bedeutenden Kopfwunde abgeführt wurde. Durch das Einschreiten der Polizei, welche den K. als Hauptakteur zur Wache brachte, wurde die Schlägerei beigelegt. Dem Verletzten wurde durch einen Heilgehilfen die Wunde verbunden. Eine starke Gasexplosion hat vorgestern Abend in dem erst vor kurzem fertig gewordeneu Umbau in der Anhaltstr. 6 stattgefunden, in welchem fich ein Schirmgeschäft befindet. Die Explofion war bei einer an der Gasleitung im Souterrain vorgenommenen Reparatur erfolgt und eine derartig gewaltige, daß die Thüren aus den Angeln geworfen und an die Decke geschleudert wurden. Nach Eintreffen der herbeigerufenen Feuerwehr erfolgte eine zweite Explofion. Mehrere Feuerwehr« leute haben dabei ganz erhebliche Verletzungen davongetragen. Die große Spiegelscheibe des Geschäftsladens ist vollständig zertrümmert und das Eisen-Rouleau gebogen worden. Ein Brand konnte nicht gut ausbrechen, weil Wohnungseinrichtungcn k. noch nicht eingestellt waren. Anschluß der Teltower- an die Kurfürstenstraße. Der Verein der Westvorstadl hat an die Kommunaldehörden eine Petition wegen Herstellung einer besseren Verbindung zwischen den westlichen und südwestlichen Stadtlheilen Berlins durch Unterführung der Kursürstenstraße unter die Bahnkörper der Potsdamer, Dresdener und Anhalter Bahn zum Anschluß an die Teltowerstraße eingereicht. GmcKts-Rettung. Der große Brand in Rixdorf, durch welchen in der Nacht zum 15. August v. I. drei Gehöfte in Asche gelegt wurden, kam am Montag als erster Gkgenstand der ersten diesjährigen Schwurgerichts Periode am Landgericht II zur straf- rechtlichen Erörterung. Auf der Anklagebank stand der 20 jährige Schlosser Karl Albert Grützmacher, aus Rixdorf ge- bürtig und trotz seiner Jugend schon wegen Widerstands, Be- trugs, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Beleidigung und Sittlichkeitsve: brechen, außerdem schon 14 mal gegen Bettelns mit Gefängniß und Korrektionshast vorbestraft. Die letzte Strafe von drei Monaten Gefängniß, die ihm am 31. v. M., und eine andere von 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß, die ihm im vorigen Jahre durch das Schöffengericht in Rixdorf zu- diltirt worden, find noch nicht verbüßt. Die Feststellung der Brandgeschichte ergiebt, daß es der berittene Gensdarm Müller nur einem gütigen Geschick zu danken hatte, daß er bei dem Brande nicht sein Leben einbüßte. Der Gensdarm war um 11'/« Uhr von einem Patrouillengange heimgekehrt, hatte fich ins Bett gelegt und war sofort fest eingeschlafen. Schon nach einer Viertelstunde weckte ihn seine im Wochenbett liegende Ehefrau mit dem Rufe;„Es brennt Er springt auf und ficht, daß die Scheune auf dem Hofe brennt, neben welcher in einem Schuppen sein Dienfipferd stand.„Um Gotteswillen, mein Pferd!" ruft der Beamte und stürzt, nur mit dem Hemd bekleidet, die Hosen in der Hand, nach dem Hofe. Hier empfängt ihn eine fürchterliche Gluth, er hält die Beinkleider vor das Gestcht, um seine Augen zu schützen und versucht, nach dem Stall vorzudringen. Da er die Augen verdeckt hat, stolpert er dicht beim Stall über einen im Wege liegenden Haufen Bretter und schlägt, so lang er ist, zu Boden. Aber schnell rafft er fich wieder auf, um das Pferd aus dem brennenden S'all zu retten, schon hat er sein Ziel fast erreicht, da stürzt das Tack der an den Sti/ll gren>enden Lcheune zu- sammen, unmirreldar vor se.nen Füßen schlagen die Sparren auf, deren Gluth ihm das Hemd auf dem Leibe entzündet. Der Stall war mll dem Pferde verschüttet; dem GenSdarmen sprangen Hausbewohner bei, drückten das Feuer am Hemd aus, er trug aber erhebliche Brandwunden davon, auch waren ihm die Haare vom Kopf wie die Augenbrauen total abge« sengt. Wäre er nicht gefallen, so hätte er fich im Augenblicke des Zusammensturzes schon im Stalle befunden und dort wäre er unrettbar verbrannt. Obwohl dem Beamten der Taxwerth des Dienstpferdes aus der Staatskasse ersetzt worden ist, hat er doch an dem vottrefflichen Thiere 500 Mk. eingebüßt.— Von dem Wanzlick'schen Grundstücke am Richardsplatze, wo das Feuer ausbrach und nur das Wohnhaus stehen ließ, sprang das Feuer nach dem Nietretz'schen und von da wieder auf das Barta'sche Grundstück über, die beide total eingeäschert wurden. Erst den gemeinsamen Anstrengungen der Turnfeuerwchr. der frciwillrgen Feuerwehren der Umgegend und der Berliner Feuerwehr gelang es, den Lauf des Feuers aufzuhalten. Ab- gesehen von der verbrannten Ernte Barta's war alles ver- sichert, was das Feuer zerstörte. Der erste Verdacht fiel auf den eben entlassenen Knecht Wanzlick's, durch die amtlichen Recherchen wurde dieser Verdacht aber widerlegt. Nach einigen Tagen verbreitete sich das Gerücht, daß Grützmacher sich zu Bekannten geäußert habe, er wolle Feuer anlegen. Es wurde auf den Verdächtigen gefahndet, aber vergeblich; denn Grütz- macher war am 18. August in Berlin beim Betteln ergriffen und zu 8 Tagen Haft verurtheilt worden. Ehe der Untersuchungsrichter am Landgericht II. von diesem Um- stände Kenntniß erhielt, war Grützmacher nach Verbüßung der.Haftstrafe schon wieder entlassen worden. Aber schon am nächsten Tage wurde er wieder ergnffen, als er in der Kronensttaße einen Diebstahl beging. Wie in der Vorunter- suckung, leugnete Grützmacher auch in der Hauptverhandlung. Seine Freunte, fünf oder sechs an der Zahl, bekundeten sämmtlich, daß er schon vor dem Brande zu ihnen gesagt habe, er wolle einmal Feuer anlegen, damit es etwas zu stehlen gebe; er wolle dies bei Batta thun, aber dort seien die Hunde zu gefährlich. Zu dem vierzehnjährigen Bäckerlehrling Hüwener, den er sogar verleitet halte, seinen Vater zu be- stehlen und ihm(Giützmacher) das Geld zu geben, hat er gleich in den Morgenstunden der Brandnacht, als er dem tungcn beim Waare-Austragen begegnete, erzählt, daß er die ianzlicksche Scheune angezündet habe. Von jedem dieser Zeugen sagte Grützmacher stereotyp:„Der lügt, ich lüge nicht!" Eckon nach sehr kurzer Berathung votirten die Geschworenen auf Schuldig im vollen Sinne ver Anklage. Der Staatsanwalt beantragte drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust; der Gerichtehof sab fich aber durch die Strafprozeßordnung— weil in diesem Falle auf Zuchthaus zu erkennen war— ge- nötbigt, die noch nickt veibüßten Gefängnißsttafen von 1 Jahr 6 Monate und drei Monaten aufzuheben, beziehungsweise in die neue Strafe mit einzurechnen und erkannte demgemäß unter Aufhebung der noch nicht verbüßten Strafen auf fünf Jahre Zuchthaus, Ehrverlust auf 10 Jahre und Zuläsfigkeit von Polizeiaufficht. Eine Pferdebahnfahrt. Am Abend deS 26. November v.J. wirbelte der Schnee in so dichten Flocken nieder, daß fich in Zeit weniger Minuten der Pferdebahnbettted in heilloser Unordnung befand. Ganz besonders bildeten fich in der Leip- zigerstraße lange Wagenreihen, deren geringe Bewegungsfähig- keit jeden Augenblick gänzlich zu erlöschen drohte. Mehrere Pferdebahnwagen mußten sogar ausgesetzt, d. h. aus dem Schienengeleise gebracht werden, da dieselben mittelst ihrer Be- spannung n'cht mehr von der Stelle geschafft werden konnten. Eine solche von der Roth wendigkeit gebotene Maßregel wird natürlich von den so plötzlich den Unbilden der Witterung ausgesetzten Paffagieren unangenehm empfun- den. Nur die Insassen eines Wagens nahmen die Aufforde- rung des Schaffners zum Aussteigen mit Jubel auf, kamen derselben jedoch erst dann nach, als die Pferde bereits ausgespannt waren. Während die Beamten der Bahn bemüht waren, den Wegen seitwärts zu schaffen, intonitte das in demselben fitzende Völkchen fortgesetzt die Spottreime: Et fährt fich so jemietlich Uf de Fervcbahn; Der eene Eckimmel zieht nich, Det and're Ferd iS lahm. Der Kutscher kann nich fahren, Der Schaffner kann nich stehst, Un schrumm! mit eenem Male, Da bleibt de Karre stehst! Die Uebermüthigen kamen aber bald zu der Ueberzeugung, ihre Geduld überschätzt zu haben- Dieselben wurden sehr schnell andern Sinnes und suchten in tiner Nebenstraße eine Destillation auf. Dort wurde beim Genuß einer erklecklichen Anzahl „Nordlichter" das kleine Abenteuer lebhaft besprochen, zu glei- chcr Zeit aber die Stimmung in so bedenklicher Weise angeregt, daß es der Wirth schließlich für geboten hielt, die Gäste um ihre Entfernung zu ersuchen. Dieser Aufforderung leisteten auch die Angeheiterten bis auf den 28 Lahre alten Schloffer Joseph Bernhard Mahler F ärger als zuvor und gefiel fi, gen, welche der Beurtheilung weiden mußten. Vors.: Was baben Sie aus die Anklage zu erwidern?— Angekl.; An den Kuddel-Muddel hat man bloß iänzlich alleene de Ferdcbahne schuld. Det möchte woll ville Billjetters ver- koofen, aber ooch wieder det deire Salz sparen, wo denn natierlich der Mensch unteiwejens in'n Schnee stechen bleiben "� Vott-: Das Verhalten der Pferdebahn-Gesellschaft inter- esfirt hier in keiner Weise. Es handelt fich einzig um die Vorgänge in der Destillation.— Angekl.: Et derf mir doch keener anmuten find, det ick mir von de Jründer hochnehmen lasse. Wo ick meinen Jroschen abjeschippt habe, kann ick ooch ste rejuläre halbe Tour vor det schwere Jeld verlangen. Na, sonen Fall nimmt fich aber der Mensch ad notam; det ick man nich wieder in de Ferdebahne'rinsteije; von Stunde an fahre ick jänzlich bloß noch mit de Omdebi. Vors-: Das steht ganz in Ihrem Belieben; doch erzählen Sie nun, was stch in der Destillation ereignete.— Angetl.: Wo wir doch nu jänzlich in st Scknee stechenjeblieben waren, ick mir doch aber st richtijet Billjet jekooft hatte, bleibe ick natirlich noch eenige paar Minuten in den miserablichten Jammerkarren fitzen, in dem ick dock weiter wollte. Wal soll ick Ihnen aber sagen. Herr Jerrchtshof? wie ick per Zufall st Blick nach vorn ttskicre, da zoddeln se ooch all mit de deede Zossen los und lassen uns mutterseelcn alleene uf de Straße stehst. Det find doch nu schon kerne Zustände vor ste Weltstadt! � Vors.: Erzählen Sie nur weiter-— Angekl.: Weil ick doch nu einsehen daht, det ick mir schlecht vcrheirach't hatte, sage ick denn, Schaffner, sage ick, wenn Se nich janz jeschwinde st paar Fündeken Salz uf de Schienen ausstreien. denn leje ick mir uf de Ferdebahne ihre Kosten eenije paar Stunden in de erste beste Budike feste. Un weil er nu mecnt, det ihn det janz piepe find tähte, raffele ick denn ooch mit de janze puck- lije Freindschaft in ste Plarschapteke'ttn. Ick habe doch nich nötbig, mir wejen de faulen Jründerköppe in son Hundewetter de Beene zu verkält.n. Vors.: Was begab fich nun in der Destillat' on?— Angekl.: Ick sage zu ihn, wat der Wirth iS, plumpen Se schon'mal ste Lage in, aber von ste Sorte, wo de Knochen nach schmcidig wer'n; nu allen), wat recht is, det Zeug war ooch nich janz ohne. Vors.: Aber kommen Sie doch zu Ende!— Angekl.: Indem wir doch nu unse fünf Stick waren, ekeln wir uns vor jeden eene Lage'run, wo wir den Budiker unse BiljelterS jeben, wodruf er fich doch sein Jeld von de Ferdcbahne holen konnte.— Vors.: Damit war der Witth nicht einverstanden; Sie zeigten sich über diese Weigerung sehr erregt, obgleich Ihre Begleiter die gesammte Zeche berichtigten.— Angekl.: Na, det is doch nich scheene von den Mann. Vors.: Ter Witth fordette Ihre Entfernung- folgten Sie dieser Aufforderung?— Angekl.: Wie finden Sie sone Be- mhmijung, Herr Jerichtsbof, wenn st Budiker anständije Jäste 'rauSschmeißt? Derf fich da noch eener verwundern, wenn sone Lette jänzlich zu Jiunde jeh'n? Zolge. Dieser trieb es aber h schließlich in Ausschreitun- des Straflichters unterbreitet Vors.: Es wird ihnen auch zum Vorwurf gemacht, dem Witth, der Sic zur Vermeidung weiteren Skandals aus der Tbüre führen wollte, mit der Faust ins Geficht geschlagen zu baben.— Angekl.: Der Fall liegt so, det er stch an meine Fauste stoßen dhat, wie ick mir den Arm von wejen Marodig- keet st Bisken ausräkelte. Vors.: Außerdem sollen Sie noch mit Vorsatz eine Scheibe der Eingangsthür im Werthe von 5 Mark eingeschlagen haben. — Angekl.: Indem det Ding nich rejulär verkitt't war, mußte et woll zu Boden schliddern, wie ick per Zufall st bisken'ttn- stoßen daht. Durch die sonstige Beweisaufnahme wurde Mahler der sämmtlichen inkciminitten Handlungen überführt und in Rück- ficht auf mehrere aus ähnlichen Anlässen erlittene Vorstrafen darum zu nur inßgesammt einem Monat Gefängniß verurtheilt, weil der Angeklagte bei Begehung der strafbaren Handlungen erweislich angetrunken gewesen war. Mahler erklärte zwar so- fort, fich bei diesem Erkcnntniß beruhigen zu wollen, derselbe behielt fich jedoch vor,„erbarmungslos jejen de Pferdebahne" vorzujehen, die den janzen Lenz verschuld't habe." _(Ger.-Zeitg.) Arbeiterbewegung, Vereine uuä Versummlungen. r. Die unerhörten Lohnreduktione«(62 bis 92 PEU) in der Leuschow-Markerf'schen Knopffabrik zu Stralau hatten die vereinigten Kommisstonen der Drechsler und Knopf- macher veranlaßt, zu Montag Abend nach dem Keller'schen Etablissement. Andreasstraße 21, eine öffentliche Versammlung beider Branchen einzuberufen, um gemeinsam Schritte und Wege zu derathen resp. Maßnahmen zu treffen, um das Vor- gchm dieser Firma zu vereiteln und eine Nachttferung seitens anderer Fabrikanten zu verhindern. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und zwar auch von vielen Genossen an- derer Branchen, welche die Botschaft wohl gehört hatten, denen aber der Glaube fehlte und die fich nun von der Wahrhttt des Unglaublichen überführen wollten und als dieses geschehen, die allgemeine Entrüstung thellten und fich sofort mit den Betroffenen solidattsch erklätten. Herr Drechsler Julius Müller, wrlcher über diese Angelegenheit restritte, schilderte die Vorgänge, wie fie in jener Fabrik stch zugetragen und ist nach den gemachten Mitthcilungen der Sachverhalt folgender- Die Arbeiter jener Knopffadrik in Stralau(es sollen, wie wir hörten, ca. 150 Mann bort beschäftigt sein) wurden(wie vermuthet wird, hauptsächlich auf Anstiften des Herrn Boh- mann, Geschäftsführer) 8 und 14 Tage vor Weihnachten von genannter Firma entlassen, mit der Weisung, nach Weihnachten resp- Neujahr wieder einmal nachzufragen, ob fie zu dieser Zeit Beschäftigung erhalten könnten- Augenscheinlich lag hier, wie ausgeführt wurde, die Absicht vor, die Arbeiter für die Lohn- redukiionen gefügig zu machen, welche ihrer bei Wiederauf- nähme der Arbeit warteten. Welche ungeheuerlichen Dimen- fionen dieselben angenommen, ist oben schon kurz angedeutet worden und mögen zum besseren Verfiändniß in vergleichender Zusammenstellung die beiden Lohntarife(alter und neuer) unter gleickztttiger Hinzufügung der Abzugsprozente dienen, wie fie von Herrn Müller zur Kenntniß der Versammlung gebracht worden find: Plattenschnciven bis 9"'(alt) 9 Groß 10 Pf., (neu) 9 Pf.— 10 pCt. desgl. bis 10"', 9 Groß(alt) 15 Pfg. (neu) 12V- Pfg-— 15 pCt.. desgl. bis 11'", 9 Groß(alt) 20 Pfg.(neu) 15 Pfg.— 25 pCt., desgl 12—15'"(alt), 9 Groß 30 Pfg.(neu) 20 Pfg.— 33V» pCt., Maschinenplatten 2 Groß, im Anfang(alt) 8 Pfg., dann(alt) 5 Pfg. (neu) 4 Pfg.— 20 pCt., drehen pr. 9 Groß bis 25"'(alt) — 5 pCt., von 26—30'"(alt) 11V» pCt., von 31-35'"(alt) pCt., von 36-40"'(all) 27'A Pfg Fräser; einfarbig fertig. 17'/- Pfg.(neu) 16'/- Pfg. 20 Pfg.(neu) 17'/- Pfg.--- 20 Pfg.(neu) 19 Pfg.=.5 .(neu) 26 Pfg.= 8 ■»I'~" .......„Et., von 41—50"'(alt) 35 Pfg.(neu) 32 Pfg.— 9 vEt. Klotzen desgl. bis 30"(alt) 15 Pfg.(neu) 8 Pfg.= 92 pCt.. von 31-35'"(alt) 17'/» Pfg.(neu) 10 Pfg.= 70 pCt., von 36 bis 40'"(alt) 22'/: Pfg.(neu) 13 Pfg.= 75 pCt., von 41 bis 50'"(all) 30 Pfg.(neu) 20 Pfg.= 33'/. pCt. Kugeln desgl. bis 24'"(all) 25 Pfg.(neu) 22'/, Pfg., größer 25 Pfg. Ausdrehen sämmtlicher Lochfacons(alt) bis 35'" 10 Pfg.(neu) bis 30'" 9 Pfg., 31-35'" 10 Pfg-= 10 pCt.(alt) 36-40" 17'/: Pfg-(neu) über 35'" 15 Pfg.== 72 pCt. Putzen(alt) bis 35" 12»/» Pfg-(neu), bis 30" 10 Pfg., 31-35" 12'/, Pfg.= 20 pCt.(alt) 36-40'" 17'/: Pfg-, 41-50'" 22'/, Pf. (neu), über 35'" 15 Pfg.— 25—30 pCr. Der Durchsepnitts- verdienst eines Arbeiters soll nachweislich bei den alten Lohn- sätzen pr. Woche 15—18, höchsten Falles 21 Mk. betragen haben. Wieviel ein Arbeiter nach den neuen Lohnsätzen zu verdienen im Stande ist, ist leicht zu ermessen. Die Arbeiter jener Fabrik haben auch sehr bald herausgefunden, daß unter den geschilderten Verhältnissen fie absolut nicht leben können, haben demzufolge beschlossen, unter den neuen Lohnverhältnissen nicht weiter zu aibeilen und aus ihrer Mitte eine Kommt) ston ge- wählt, welche am Montage mit dem Inhaber der Fabrik in Unterhandlung getreten ist, bis jetzt jedoch ohne Erfolg. Da, wie Herr Müllrr klarlegte, dieser Fall die ganze Gewerkschaft und gesammte Industrie tangice, so sei es erforderlich, daß die Gesawmtheit hierzu Stellung nehme und jener Firma diese ungeheure Lohnreduktion unmöglich mache, da sonst fehr bald andere Fabrikanten in gleicher Weise vorgehen würden. Referent rieth den Arbeitern der Stralauer Fabrik eindringlichst, nicht zu den aufgedrungenen Lohnsätzen zu arbeiten(dieselbm haben zwar selber eimn Lohntarif aufgestellt, nach welchen zu arbeiten fie fich bereit erkätt haben, der fich aber wenig von dem neuen Lohntarif der Fabrik unterscheidet), sondern lieber einen Strike einzugeben, indem er ihnen die Hilfe aller Ardeiter»usagte. Herr Möhrmg war auch sofort bereit, Namens der Metall- arbttter im Falle eines Strikes die thalkiästigste Hilfe zu ver- sprechen. Die Anficht der Versammlung dokumentirte stch in folgender gefaßten Resolution:„Die heutige Versammlung fordert die Arbeiter der Leuschow u. Marlers'schen Fabrik aus, an dem selbstgestellten Lohntarif festzuhalten, und sollten die betreffenden Herren nicht darauf eingehen, in corpore die Arbeit Anzustellen und spricht hiermit die volle Solidarität mit ihnen aus, denn Jeder ist fich selbstschuldig, für die Unter- drückten einzutreten. Ferner wurde aus der Mitte der Ver- sammlung eure Kommission von 7 Personen, 4 Knopfarbei.ern (Thun, Weißpflug, Scharfe, Krupp) und 3 Drechslern(Müller, Frscher, Hildebrandl) gewählt, welche mit dem b-tr. Fabrikanten in Verhandlung zu treten hat. Das Resultat wird in der heute (Ä ttwock) Abend bei Keller, AndrcaSstr. 21 stattfindenden großen öffentlichen Versammlung der Drechsler und Kncpf- macher bekannt gegeben und event. wettere Beschlüsse gefaßt werden. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt nolh- wendig. Die Kommission der Drechsler. Knopfarbeiter und Berufsgenossen bat zu Mittwoch, den 7. Januar d I., eine große öffenttlche Versammlung sämmtlicher Gewerksgenoffen angesetzt. Dieselbe findet im großen Saale des Keller'schen Elablissements, Andreasstr. 21, statt und findet in derselben ein Bericht der Kommission über die Angelegenbeit der Leuschow und Markerf'schen Verhältnisse, sowie die entgiltige Regelung derselben statt. Es ist Pflicht eines Jeden daselbst zu ersckei- neu, denn es handelt fich um die Zukunft eines garzen Industriezweiges. Der Loniseustädtiiche Bezirksverei«„vorwärts" hält beute Mittwoch, den 7. Januar, Abends 8'/, Uhr in Konrod'S Saal, Wasserthorstr. 68 eine Versammlung ab, in welcher Herr Rechtsanwalt Ladewig einen Vottraaüber„Das Unfall-Ver- ficherungs-Gesetz" holten wird. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen. Verantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beulhftraße 2. Hier»« etue Beilage Beilage;u in Berliner Bollsblnü. Nr S. Mtlwoch, dcn 1- Januar 1885. II. Jahrgang. C1 J| GrwinnbrtheMsung der Ärbliter. Verschiedene sogenannte National- Oekonomen der libe- ralen Schule, unter ihnen der doppelt verstorbene F a u ch e r und der zwar noch lebende, aber auch schon„tobte" Herr Victor Böhmert haben die Gewinnbetheiligung der Arbeiter„zur Hebung der sozialen Zustände" empfohlen. In die Praxis aber sind in Deutschland dus-! Empfehlungen kaum getreten, jedenfalls nicht mit Erfolg; außerdem haben dieselben so zahlreiche theoreiische Widet- legungen erfahren, daß von der„Gewinnbetheiligung" kaum mehr die Rede war. Man hat diese Idee fast allgemein zu den Todten geworfen. Der große Victor Böhmert hat im Jahre 1878, in dem Jahre, wo die Sozial- Reform> Vorschläge auf den Bäumen wuchsen, als Letzter noch die„Gewinvbetheili- gung der Arbeiter" angeregt, dabei stellte er folgende Grund- sätze auf: a. Die Gewinnbetheiligung muß so eingerichtet sein, daß daraus in der Praxis eine möglichst vollständige Soli- darität und Interessengemeinschaft zwischen Unternehmer und Gehilfen, Kapital und Arbeit hervorgeht, b. Die Lohn- frage ist getrennt von der AntheilSfrage zu behandeln. Die Löhne sollen nicht von den Ge- Winnen abhängen, sondern den Veränderungen des ArbeitSmarkteS unterworfen bleiben. c. Bei der Berechnung der Antheile müssen die kaufmänni- schen und industriellen Seiten des Betriebes sorgfältig aus- einandergeh?lten und die Leistungen der Arbeit, des Kapi- tal« und der Uvternehmereinsicht in ihrem gegenseitigen Vcrhältniß gehörig berücksichtigt werden, ck. ES erscheint rathsam, die Gewinnantheile nach der Höhe der verdienten Gehalte und Löhne und nur in besonderen Fällen auch nach der Dienstzeit im Geschäfte zu bemessen, e. Die Ge- winnantheile sind so reichlich wie möglich zu be- messen und nicht auf einen Betrag herabzusetzen, der die Betheiligten gleichgültig läßt. f. Die Zulassung zum Gewinn muß sich auf die größtmöglichste Zahl der Arbeitnehmer er st recken, muß im Borau« regulirt und nicht von der Willkür des Un- ternehmers abhängig sein. g. Jedes Geschäft, daS Gewinnantheile gewährt, muß mit einem reichlichen Re- servefonds für Abnutzung der Gebäude und Betriebsmittel, sowie für Verlustsälle versehen sein. b. Die Gewinnantheile sind in der Regel der sofortigen Verzehrung zu entziehen und zinstragend anzulegen. Die Arbeiter fallen erst nach einer Reibe von Jahren und nur in außerordentlichen Fällen, wie z. B. bei Familienereignissen, Arbeitslosigkeit tc., über den Gewinn verfügen dürfen. Einem einigermaßen aufmerksamen Leser kann es nicht entgehen, daß Herr Böhmert selbst an der Durchführung seimS Projekts Zweifel hegt. Wie kommt er denn sonst dazu, zu empfehlen, daß die L o h n f r a g e getrennt von der Antheilsfrage zu behandeln sei? Das ist ja selbstverständlich, denn sonst könnte nicht ei omal for- m e l l von einer Gewinnbetheiligung die Rede sein. Aber Herr Böhmert geht noch weiter, indem er sagt, daß die Löhne den Veränderungen des Arbeitsmarktes un- terworfen bleiben sollen, daS heißt, daß sie sich weiter nach Angebot und Nachfrage regeln sollen. Nehmen wir nun noch hinzu, daß Faucher die Ge- winnbethciligung nur für große Fabriken em- pfiehlt, Böhmert aber davon spricht, daß die Zahl der Ar- bester, die zur Gewinnbetheiligung zugelassen werden, eine möglichst große sei, so geht daraus hervor, daß die weitaus größte Anzahl von Arbeitern von der Gewinnbe- theiligung nach dem Böhmert'schen System und nach vor- aussichtlicher Berechnung ausgeschlossen bleiben würde. Wenn nun die Gewinnbetheiligung den betreffenden Arbeitern wirklich Nutzen bieten würde, so liegt es doch Ein Sesuch auf Cypern im Sommer 1880. (Reise-Erinnerungen eines deutschen Kaufmanns.) I. Nachstehende Schilderungen sind aus den Briefen und Erinnerungen eines deuischm Kaufmanns zusammengestellt, den Geschäfte aus einem Hafen SüdfrankreichZ im Mai und Juni dieses Jahres über Alexandria nach Cypern führten. Da deiselbe überall ein aufmerksames und erfahrenes Auge zeigt, so dürften seine Berichte auch für weitere Kreise interessant sein, zumal gerade jetzt aufs neue wieder Aller Blicke auf den Orient gerichtet find. Da keine direkte Verbindung von Frankreich nach Cypern besteht, mußte unser Reisender den Weg über Egypten nehmen, und wir lassen ihn, so erklärt die„Allg. Ztg.", der wir diese Skizze entnehmen, mit der Erzählung von seinem kurzen Auf- enthalt in Alexandna beginnen. Am 21. Mai, Nachts 1 Uhr, kamen wir nach herrlicher Seefahrt an Bord des„MoeriS" in Alexandia an. Bis 5 Uhr mußten wir auf der Rhede vor Anker liegen, da vor Sonnen- aufgang und nock Sonnenuntergang kein Fahrzeug mehr in dm Öafen von Alexandria einlaufen darf. Der Eindruck, den diese erste orientalische Siadt auf mich machte, war ein gewaltiger; so fremdartig hatte ich mir einen Ort nicht vorgestellt, der uns durch Pandels- und Freund- schastsverkehr so nahe gerückt scheint, �as ererben auf den Straßen kam mir vor wie ein großer Mummenschanz: Schnitt und Farbe der Kleidung find je nach den Volkstypen ver- schieden, und deshalb von buntester Mannigfaltigkeit. Un- öahlig find die Kinder, die aus dem Schmutz und Staub der Straße herauszuwachsen scheinen; ihr einziges Kleidungsstück ist em langer Kittel, von schneeweiß durch alle Regenbogen- färben hindurch bis ins unkenntlichste Graubiaun. Das Heer von armen Teufeln, das uns am Landungsplätze empfing, und fich mit Lift oder Gewalt unseres Gepäcks zu bemächtigen suchte, machte einen jammervollen Eindruck durch das tiefe Elend, das aus ihren Lumpen, ihren halbwilden Gefichtern und abgemagerten Gliedern sprach. europäische Stadtviertel sah noch traurig aus, erst 134 Häuser waren aus den Trümmern wieder auferstanden. Da wir uns schon Abends an Bord der„Elpitha" ein- finden mußten, die in den ersten Frühstunden nach Cypern ab- das weiß die„Nordd. Doch darauf kommt, es auch daß das der Staatshilfe so den guten Absichten des auf der Hand, daß das Angebot von Händen grade in de- jenigen Etablissements, in welchen die Gewinnbethei- ligung existirt, ein überaus großes sein wird, da fämmtliche Arbeiter der einschlägigen Branche solche Fabriken aufsuchen werden. Da nun, wie Hrrr Böhmert hervorhebt, der Lohn sich weiter nach Angebot und Nachfrage richten soll, so wird der Lohn in allen den Fabriken sinken, ,wo die Gewinn- betheiligung eingeführt ist, weil das Angebot von Händen so lange ein großes dort sein wird, bis Lohn- und Gewinn- betheiligung zusammen nicht mehr betragen, als der Lohn allein in den konkurrirenden Fabriken. Ob die liberalen„Oekonomen" und vor allem Herr Victor Böhmert diese einfache volkswirthschaftliche Lektion verstehen werden, lassen wir dahingestellt; jeder Arbeiter aber mit fünf gesunden Sinnen wird sie begreifen und daraus den Schluß ziehen, daß ohne fundamentale Verän- derung der gegenwärtigen wirthschaftlichen Gesetzgebung keine erhebliche Besserung der Arbesterverhältnisse zu erzielen � Die viel gepriesene Akkordarbeit, die Gewinnbetheili- gung sind nur Experimente und Einrichtungen, die den Ar- beitern Sand in die Augen streuen. Wir würden das Thema über Gewinnbetheiligung der Arbeiter heute gar nicht berührt haben, wenn nicht vor einigen Tagen das Kanzlerblatt, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung," dasselbe nochmals auf die Tagesordnung gebracht hätte. Das genannte Blatt empfiehlt nämlich in einem„So- zialismuS und Individualismus" überschriebenen Artikel die Gewinnbetheiligung der Arbeiter,„weil damit Jedem die Möglichkeit, sich durch Energie in den nächst höheren Stand hinoufzu- arbeiten, offen gehalten und damit unserem sozialen Leben die Harmonie wieder gegeben würde." WaS daö Blatt unter dem„nächst höheren Stand' versteht, da« wissen wir nicht v'' Allg. Ztg." wohl selbst nicht. wenig an. Worauf es ankommt, ist, ergebene Blatt plötzlich von Individualismus so sehr überzeugt sein muß, daß es glaubt, fämmtliche Arbeitgeber würden sich, vielleicht auf einen Wink des Reichskanzlers, mit der Gewinn- betheiligung der Arbeiter einverstanden erklären. Denn wenn dies nicht fämmtliche Arbeitgeber thäten, so würden ja vermöge der freien Konkurrenz diejenigen Arbeitgeber, welche dem Winke des Reichskanzlers nicht folgten, die anderen überflügeln, oder aber die Arbeiter, welche bei nichtbetheiligten Arbeitgebern beschäftigt waren, würden durch ihr Angebot in den GewinnbetheiligungSwerkstätten die ganze Gewinnbetheiligung illusorisch machen. Man sollte doch meinen, daß die„Norddeutsche" dies vorher in'S Auge gefaßt hat. Wie kommt sie denn trotzdem dazu, das System zu empfehlen? Will sie vielleicht hier einen Staatszwang ein- führen, sollen alle Arbeitgeber durch das Gesetz ge- zwangen werden, die Gewinnbetheiligung einzuführen? Sind unter diesen Arbeitgebern auch die Grundbesitzer zu verstehen, deren Tagelöhnern und Knechten gewiß auch eine Gewinnbetheiligung erwünscht wäre? Auch die Kaufleute? Auch die Rentner, die ihren Hausbedienten gegenüber ja ebenfalls„Arbeitgeber" sind? Die staatliche Oberaufsicht, die staatlichen Bücher- revisoren würden nicht geringe Arbeit haben, um zu be- wirken, daß die Reingewinne auch der Wahrheit gemäß angegeben würden. Wir würden dann allerdings bald schon den Staatssozialismus in schärfster Form haben. dampfen wollte, so blieb mir nicht viel Zeit; ich besckloß aber, doch so viel als möglich von Land und Leuten kennen zu lernen, miethete Führer und Wagen— und habe wohl nie eine lohnendere Fahrt unternommen. Zuerst fuhren wir nach der pompejanischm Säule, der Schwester der Luxor-Säule in Paris, dann den Nilkanal entlang, wo ich ein eayptifches Landleben beobachten konnle. Dieser Kanal versteht Alexandria mit Trinkwcsscr, aber nichtsdestoweniger wird aller Unrath hin- eingeworfen, und Männer, Frauen und Kinder baden sich darin; weiter abwärts sah ich sogar 100 Kühe, für die das Bad ein Hochgenuß zu sein schien. Als ich den Führer aus diesen Unfug aufmerksam machte, meinte er ganz naiv, es sei ja kein stehendes Wasser, aller Unrath werde weiter gettieben und—„apräs nous le deluge j" Wir hörten in der Ferne Musik, die eckte Janitscharen- Mustr, und begegneten bald darauf einem arabischen Hochzeits- zuge, voran die Musik, dann Männer und Kinder, und die Braut im Wagen, ein zartes zwölfjähriges Mädchen in rosen- rothem Gewand und weißem Schleier. Als ich diese ehrfurchts- voll grüßte, kam der Bräutigam heran und dankte mir höflich. Kaum war dieser eine Festzug vorbei, so kam ein anderer, zu Ehren einer Beschneidung; daS kleine vierjährige Schlacht- opfer saß ebenfalls im Wagen, umgeben von seinen Verwand- ten, und Hunderte von Kindern folgten schreiend der Musik. Nun traten wir in den Garten des Chedive ein, der ursprünglich großartig angelegt war, prachtvolle Blumen und Fiuchtbäume enthält, aber nun sehr vernachlässigt ist; ebenso geht es dem Maimorpalast dicht am Meere, der in seiner wun- derbaren Weiße und seinen edlen Verhältnissen wie ein Zau- bermärchen anmuthet. Als wir aus dem Garten kamen, hielten zwanzig Schritt gegnüber zwei elegante Wagen, aus denen fünf Damen, in große schwarzseidene Mäntel und Schleier gehüllt, ausstiegen; es waren die Haiemsdamen Blum-Pascha's, die sich jetzt über- setzen ließen, um im Parke ihres Herrn am andern Ufer spazieren zu gehen. Sie sahen trotz der dichten Hüllen sehr elegant und frei aus, und beim Einsteigen in daS Boot zeigten sie so viel als möglich von dm duntbeschuhtm Füßen und spitzenumgebenen Knöcheln. Die allein sichtbaren, neugierigen schwarzen Augen hafteten aus uns, aber der glänzend schwarze Eunuche hielt uns in respektvoller Entfernung. Im arabischen Quartiere begegnete ich einem Bcgräbniß: mehrere Männer trugen den Sarg, der mit einem bunten Tep- Immerhin könnte durch Staatszwang eine Gewinnbetheiligung der Arbeiter durchgeführt werden, obwohl wir uns auch in diesem Falle nicht für dieselbe erwärmen können; die von den liberale«„National-Oekonomen" aber empfohlene Gewinnbetheiligung ist im Allgemeinen gar nicht ausführbar, und wenn sie th eil weise aus- geführt würde, wäre sie geradezu verderblich sür's arbeitende Volk.— � aber auch die„Nordd. Allg. Ztg." fortwährend nach Sozml-Reform-Vorschlägen solcher Art sucht und sie im Ernst ihren Lesern vorführt, daraus erhellt, daß ihr und ihren Gönnern da» soziale Pulver ausgegangen ist. KolitiMe Uebersickt. Ueberfüllung überall und in allen Branchen. Die Zahl der am 1. Januar c. in Preußen vorhandenen Gerichts- a s s e s s o r e n beträgt 953. Am I. Januar 1834 waren 828, am 1. Januar 1883 714, 1882 612, 1881 494, 1880 386, 1879 328, 1878 283, 1877 261 und 1876 232 vorhanden. In den letzten 5 Jahren ist die Zahl also stetig gestiegen und wird binnen Kurzem 1000 erreichen. Augenblicklich sind fast drei mal so viel Assessoren wie vor 6 Jahren und beinahe noch ein Mal so viel wie vor vier Jabren vorhanden. 3 von den zur Zeit noch im Justizdienst befindlichen Affessoren sind über 5 Jahr in dieser Stellung; 22 haben im Jahre 1880 ihr Examen erst 75 Assessoren aus dem Jahre 1882 und aus dem Jahre 1883. Von dcn im vorigen Jahre ernannten Assessoren ist noch keiner zur Anstellung gelangt. Aussichten zu einer Besserung dieser im Vergleich zu der Zell vor 10 Jahren sehr prekären Verhältnisse find nicht vorhanden, im Gegentheil dürste, je mehr auch die Rechtsanwaltschaft, die bisher viel Assessoren absorbirte, sich überfüllt, die Zahl der Assessoren, die auf Anstellung warten, mehr und mehr rapid zunehmen, so daß die Stauung immer bedeutender wird. Die Hockfluth wiid, wie man mir Sicherheit annehmen kann, noch bedenklicher S? Mnö SÄ bevor nur eine Antwort ervalten. Und wenn eine solche er- folgt, so lautet sie in der Regel:„Es sind zuviel Gelehrte vorhanden, die jungen Leute hätten sich dem.Handwerk zu- wenden sollen, dann hätten sie ficher eine Existenz gefunden!" �- Und die Handwirker? Nun sie klagen ebenfalls, daß bei Ihnen Ueberfüllung vorherrscht; und so ist eS in der That.— «man dem Spießbürger das klar, so folgert er daraus. daß überhaupt zuviel Menschen auf der Welt voi Händen seien. Daß diese Behauptung recht thöricht, und durch Thatsachen langst widerlegt ist, leuchtet dem nicht Denkenden selten ein. Doch auch die allbekannten sozialen Wunderdoktoren wissen kein Mittel, um diese Frage zu lösen; ihre Weiskeit reicht dazu nicht aus. Und doch ist die Lösung sehr einfach, wenn man nur den Muth hat, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Fraktionsvorstände im Reichstage haben an die Mitglieder die dringende Aufforderung gerichtet, fich sofort beim Wiederbeginn der Arbeiten am 8. d. Mts. im Reichstage möglichst vollzählig einzufinden, und hierbei auf die wichtigen Verhandlungen in der nächsten Zeit hingewiesen. Schon die erste Sitzung am 3. Januar wird beim Nachirapsctat(Beschaffung eines Dampfschiffes für dm künftigen Gouverneur von Kamerun) die Kolonialpolitik auf die Tagesordnung brin- gen. Bald darauf stehen die ersten Lesungen über das Post- sparkassengesetz und über die Ausdehnung der Unfallverstcherung auf Transportzewerbe, sowie auf landwirthschaftliche und Forstbetriebe bevor, welche Borlagen an noch zu bllvende be- sondere Kommisstonen gehen sollen. Mann anscheinend besonders drückenden Verhältnissen in Bayern. Demgegenüber wird darauf hingewiesm, daß das Gesetz über dre Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 diesen Fall bereits vorgesehen bat, indem es in§ 13 bestimmt: „Im Gebiete des Königreichs Bayern kann im Bedürfmßfall eine Untertheilung des Pfennigs in zwei Halbpfennige statt- »WMWiiSW» hinterher, heulend und zähneklappernd, und seidene Tücher Die Bazare in diesem Stadtviertel bestehen aus kleinen schmutzigen Buden, vor denen die Araber mit gekreuzten Beinen sitzen und auf Kaufer warten. Auffallend ist die Mannigfaltig. kett der Maaren, aber eine Spezialität scheint keine der Buden aufweisen zu können, die nämlichen Gegenstände finden sich liocrctÜ# Während der Mittagshitze sah ich mich nach Schatten und Labung um und fand bald ein großes Kaffeehaus, wo viele Europäer zu verkebren schienen und Wiener Bierseidel auf dm Tischen standen. In dem großen Saale war eine Estrade an- gebracht, auf der fünfzehn junge Wienerinnen mit Pauken und Trompeten ein Konzert gaben- In dm Pausen ließen sie fich von den englischen Soldaten dm Hof machen und hatten schon eine Menge der zu einem solchen Verkehre unmlbehrlichcn Redensarten der malischen Sprache aufgeschnappt. Das englische Element ist jetzt in Egypten stehr stark ver- treten; Eisenbahn-, Post, und Telographmbeamte, viele See- leute und vor allem das Militär mit seinem zahllosen Anhang. Die mgiischen Soldaten sehen auffallend jung, aber doch stramm aus; ste tragen einen weißm Helm, weißleimnm Waffenrock und schottischen Leibgurt. Wenn fie auf Posten stehen oder unter dem Volke sich bewegen, so tragen fie alle den Aus- druck des„civis Romanus sum" auf der Siirne; die Araber schauen finster drein und sehen aus, als ob ste die Ankunft des Mahdi mit Sehnsucht erwarteten. Die Nacht vom 21. auf dm 22. Mai brachten wir schon an Bord des griechischen Dampfers„Elpitha" zu. Am 22., 8 Uhr Morgens, gingen wir bei herrlichem Wetter in See. Nach- mittags um 3 Uhr pasfirten wir drei große, von Port Said kommende Dampfer, um fünf Uhr eine kleine Flo- tille fizilianifcher Fischer und Taucher, um 7 Uhr prachtvoller Sonnenuntergang. Nach einer unruhigen Nacht stand ich am 23. früh um 6 Uhr auf und hatte mir zum ersten Male seit den acht Tagen meiner Seereise beim tzerausspringm aus der Koje die Knicjcheibm nicht geschunden— es will eben olles gelernt sein. Das schlimmste ist die Luft in den Kabinen des finden." Von dieser Bestimmung ist nie Gebrauch gemacht worden. Die Einberufung des preußischen Landtages auf den 15. b. M. ist erfolgt. Früher hatte man diesen Termin als den legten verfassungsmäßig zulässigen angesehen, da Art. 76 der Verfassung besagt:" Die beiden Häuser des Landtages werden regelmäßig in dem Zeitraume von dem Anfang des Monats November jeden Jahres bis zu Miite des folgenden Januar und außerdem, so oft es die Umstände erheischen, eins berufen." Indeß hat das Ministerium schon einmal vor einigen Jahren als Mitte des Januar" den 16., Mittags 12 Uhr, verstanden und demgemäß die Einberufung angefeßt. Die Konkurrenz der Zuchthausarbeit will der Kriegsminister v. Schellendorf einer Mittheilung aus Altona zufolge dadurch einschränken, daß die Militär- SchuhmacherWerkstätten aufgehoben und die Arbeiten in Zukunft im Buchthause angefertigt werden. Der Buschneider der Schuhmacher des Lehrbataillons in Potsdam ist in Folge dessen zum Vorsteher einer im Buchthaus zu Magdeburg zu etablirenden Werkstatt für die Bedürfnisse des Bataillons ernannt worden. Falls fich die Einrichtung bewährt, soll mit der Einführung Derselben weiter vorangegangen werden. Ein an den Vorstand der Schuhmacherbörse in Altona ergangenes Birkular forderte außerdem eine Erklärung darüber, in welchem Maße die Innungsmeister im Falle eines Krieges Lieferungen fürs Militär bestimmt zu übernehmen in der Lage seien. Die deutschen Neuerwerbungen auf Neu- Guinea, Neu- Britannien und Neu- Jrland find, so schreibt man der ,, Kölnischen Btg.", schon von langer Hand vorbereitet. Bereits vor mehreren Jahren hat sich hier unter Leitung des Geheimen Kommerzienrathes A. v. Hansemann eine Vereinigung von einigen Privatpersonen gebildet, welche die Gründung eines größeren Kolonialunternehmens im westlichen Theile der Südfee plante und vorbereitete. Im Mai 1884 konnte die Ausführung dieses Unternehmens der deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südseeinseln zu Hamburg übertragen werden. Daß dem neuen Unternehmen ausgiebige Mittel zur Verfügung stehen, beweist am besten der Umstand, daß für dasselbe fofort zwei Dampfer angeschafft worden sind, um den Dienst ausschließlich an der Nordostküste von Neu- Guinea und den Inseln des Archipels von Neu- Britannien und Neu- Irland zu versehen. Der erste Dampfer ,, Samoa" ist in Australien selbst getauft worden, der zweite Dampfer wird auf der Danziger Schiffswerft und Kesselschmiede F. Devrient u. Co. nach dem Kompofttesystem mit dreigylindriger Kompound- Dampfmaschine von F. Schichau in Elbing erbaut. Die Nachricht, daß dieser zweite Dampfer für die Samoa- Inseln bestimmt sei, beruht auf Irrthum. Frankreich. Frankreichs Ausgaben für Heer und Flotte find seit dem Kriege von 1870-71 in außerordentlichem Maße von Jahr zu Jahr gestiegen. Im Jahre 1870 betrugen fie 309 Mill. Fr., brei Millionen weniger als im Jahre zuvor. Nach dem Kriege, im Jahre 1872 ftiegen die Ausgaben auf 450 Millionen, wozu noch über 2000 Millionen sogenannte ,, Liquidationstoften" tommen. Lepteres bedeutete, daß eine außerordentliche Ausgabe von über 100 Mill. Pfund erforderlich sei, um das beSchädigte Material wiederherzustellen, die Magazine wieder zu füllen, Befestigungen zu bauen und die Truppen wieder zu bewaffnen. 1873 wurde der Effektivbestand um 10 000 Mann und 3000 Pferde vermindert, und doch betrugen die Ausgaben 459 Millionen Franken. Die Stärke der Armee betrug in dem Jahre 425 000 Mann und 84 000 Pferde, ohne die Gensdarmerie und die republikanische Garde. 1874 sezte sich die aufsteigende Bewegung fort, das Kriegsbudget stieg auf 480 Millionen. An der Ostgrenze schien ein neues Ungewitter heraufziehen zu wollen; Truppen wurden fonzentritt, und hierzu kamen noch die Ausgaben, die daraus erwuchsen, daß man die franzöftsche Armee mit Ausnahme der unabhängigen Kavalleriedivifionen und einiger Bataillone Chaffeurs in 19 Armeekorps eintheilte. 1875 mußte der Kriegsminister 10 Millionen ertra verlangen, um die Reorganisation Heeres weiter auszuführen. In dem Jahre stiegen die Ausgaben auf 493 Millionen. 1876 erreichten die ordentlichen Ausgaben die Summe von 500 Millionen Franken. 1877 verlangte der Kriegsminister, da man die Reserven einberufen mußte, 535 Millionen. Die Kammer bervilligte nur 525 Millionen. 1878 verlangte der Kriegsminister 541 Millionen und erhielt 531 Millionen. 1879 stiegen die Ausgaben auf 553 Millionen, und 1880, ba mehr Offiziere und Pferde vers langt wurden, auf 568 Millionen. 1881 hob sich das Budget auf 571 Millionen. 1882 eine Kleinigkeit mehr, 1883 587 Millionen und 1884 605 Millionen. Damit hat man das doppelte erreicht, das vom Kaiserreich ausgegeben wurde, wenn das einfache Budget berücksichtigt und die Liquidationsrechnung nicht in Betracht zieht. Die außer ordentlichen Ausgaben sind in diesem Jahre auf 110 Millionen festgelegt, folglich übersteigt das Budget jezt die Summe von 700 Millionen. Die außerordentlichen Ausgaben waren in den vorhergehenden Jahren noch größer; für die Artillerie allein wurden 1881 150 Millionen ausgegeben und 1880 für man nur des Nachts, wenn alle Luken geschlossen find, und ringsum Sees frante liegen; auch die Moskitos quälen sehr. Dennoch stieg ich rasch vom Verdeck wieder hinab, da die Matrosen mit Aufwaschen deffelben beschäftigt waren und die levantinischen Dec paffagiere ihre verschiedenen Geschirre und Ueberbleibsel ihrer Mahlzeiten in gar nicht einladendem Zustande herumstehen hatten. Freitag, den 23., 11 Uhr 25 Minuten, hatten wir endlich Cypern erreicht und gingen in Limassol auf der Rhede vor Anter und wurden in kleinen Booten nach der etwa eine englische Meile entfernten Landungsbrücke gerudert. * * Der englische Oberst, mit dem ich von Alexandria hierher reifte, gab mir den Rath, zu versuchen, ob ich im englischen Klub in Limassol unterkommen könne, da fein ordentliches Gasthaus am Plage sei. Durch die Vermittelung unseres Korrespondenten W. wurde ich auch von den anwesenden Klubmitgliedern freundlich aufgenommen, erhielt ein wohnliches Bimmer und fand europäisch zubereitete gute Roft. Meine Geschäfte ließen mir Zeit und boten mir Gelegenbeit, mich zunächst in Limassol selbst umzusehen und die ver schiedenartigen Bestandtheile der Bevölkerung zu beobachten. | Die Stadt hat gegen 7000 Einwohner, die Häuser find schlecht, meist aus Lehm gebaut und der Straße entlang steht man nur die Mauer, durch die man in den Hof und von da ins Wohngebäude gelangt. Nur wenige Straßen find ge pflastert, und einige Europäer haben in den legten Jahren Häuser europäischen Styles bauen lassen. Auffallend war mir die große Anzahl halbfertiger oder halbzerfallener Häuser in Stadt und Land, und ich ließ mir erklären, daß sie das ersparte Kapital vieler kleiner Leute repräsentiren. Hat einer ein Sümmchen Geld übrig, so fängt er an zu bauen, so weit es reicht; ein Jahr darauf, wenn es seine Mittel erlauben, baut er die Mauern etwas höher u. s. f., bis vielleicht nach vielen Jahren das Haus zu Stande kommt. Viele Wohnhäuser indeffen, die von außen vernachlässigt genug aussehen, haben prachtvolle innere Höfe mit Kreuzgängen in schönem Spigbogenftyl( Nachklänge aus der Lufignanischen Beit) und mit Blumenbeeten und Springbrunnen gefmüdt. Doch weder dieser alte innere Glanz, noch der moderne Komfort des Klubhauses bieten hinlänglichen Schuß gegen die Unannehmlichkeiten des Drients. Hiße und Ungeziefer wurden. schon Ende Mai von Tag zu Tag unerträglicher; gegen andere militärische Zwecke 169 Millionen. Das Spezialforps für Tunis kostete 1884 außerdem noch 20 Millionen. Für 1885 find 596 Millionen für den ordentlichen und 85 Millionen für den außerordentlichen Etat ausgeseßt. Dies zeigt eine kleine Herabminderung, aber 2 neue Regimenter find bereits für Tongling geschaffen worden, der Anfang einer Kolonialarmee. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß die Militärausgaben für 1885 noch bei weitem größer werden als im Jahre zuvor. Für die Flotte wurden 1870 162 Millionen ausgefeßt, 1871 164 lionen, 1872 132 Millionen, 1873 148 Millionen, 1874 153 Millionen, 1875 155 Millionen, 1876 165 Millionen, 1877 185 Millionen, 1878 189 Millionen, 1879 192 Millionen und außerdem noch 21 Millionen außerordentliche Ausgaben. 1880 stiegen die gesammten Ausgaben für die Flotte auf 213 Millionen, 1881 auf 188 Millionen, 1882 auf 205 Millionen, 1883 284 Millionen, 1884 271 Millionen und für das nächste Jahr verlangt der Marineminister 280 Millionen. Außerdem muß die Marineartillerie fonstruirt werden, was 65 Millionen foſter. Das französische Gesammtbudget beläuft sich auf über 4 Milliarden Franken, das deutsche auf etwas über 2 Milliarden, das englische auf etwas unter 2 Milliarden. Hierfür muß jeder Franzose jährlich 109 Franken an den Staat zahlen, jeder Engländer 58 Franken und jeder Deutsche 54 Franken. Die Nationalschuld Frankreichs beträgt 30 Milliarden Franken, die Englands 19 Milliarden und die Deutschlands 4 Milliarden. Jeder Franzose schuldet 859 Franken, jeder Engländer 579 Franken und jeder Deutsche 99 Franken Das giebt zu Denken! Großbritannien. Der Präsident des Handelsminifteriums, Chamberlain, wohnte gestern Abend einem von Arbeitern abgehaltenen Meeting bei, das über die deutschen Kolonial- Erwerbungen verhandelte und erklärte dabei, England dürfe fich nicht darüber beunrubigen, daß Deutschland von einigen unbedeutenden Gebieten Befis ergriffen habe, welche England nicht erwerben zu sollen geglaubt habe. England habe seiner Verpflichtungen gegen feine Kolonien nicht vergessen, sei aber nicht berechtigt, Annerionen fremder Mächte zu verhindern. Falls jedoch die Rechte und Freiheiten der australischen Kolonien bedroht sein sollten, werde England entschieden für dieselben eintreten. Afrika. Die„ Bohemia" theilt folgendes Telegramm aus Alexanbrien, 4. Januar, mit: Der Khediwe hat die Nachricht erhalten, daß der Mahdi einen seiner tüchtigsten Generale, den Emir Nur Angara, mit einer in der Provinz Sennar angeworbenen Armee von 12,000 Mann Infanterie und 3000 Reitern nach dem Norden abgeschickt habe, damit derselbe an einem geeigneten Puntte des Nil das britische Expeditions- Korps ermatte. Diese Truppen sind durchweg wohlausgerüstet, mit Remington- Gewehren bewaffnet, haben bereits das oberhalb Chartum gelegene Städtchen Halfaja pasfirt und bei Ben Haga, südlich Berber, eine feste Stellung bezogen. Der Khediwe benachrichtigte den General Wolseley von diesem bedrohlichen Unternehmen des Mahdi und es soll nicht unmöglich sein, daß Wolseley demgemäß seine Route ändert, um mit dem feindlichen Korps zusammenzustoßen. " Amerika. Der Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika hat gestern seine durch die Weihnachtsferien unterbrochenen Sigungen wieder aufgenommen. In dieser ersten Sigung so schreibt die Voff. 3tg."- hat sich bereits gezeigt, wie unwillig die republikanischen Repräsentanten die neuesten Pläne der Berliner Konferenz in Bezug auf den Kongostaat aufgenommen haben. In der Repräsentantenkammer wurde eine Resolution eingebracht, durch welche erklärt werden soll, daß eine Allianz, wie sie durch die Verhandlungen der Berliner Konferenz angezeigt werde, der traditionellen Politik der Vereinigten Staaten widerspreche. In der Resolution wird sodann an den Präsidenten Arthur das Ersuchen gerichtet, der Kammer Aufllärung zu geben über die Ernennung der amerikanischen Delegirten zu der Berliner Konferenz, sowie darüber, ob die Instruktionen der Delegirten irgendwelche Vorbehalte oder Einschränkungen in Bezug auf die Ausübung ihrer Befugnisse als Delegitte enthielten, oder ob dieselben unbeschränkte Vollmacht, als amerikanische Delegirte zu handeln, erhalten hätten. Die Resolution verlangt ferner Auskunft über die für den neuen Kongostaat in Aussicht genommene Regierungsform und fordert den Präsidenten Arthur auf, seine Ansicht darüber ausausprechen, ob die Theilnahme der amerikanischen Delegirten an den Berathungen der Berliner Konferenz die Vereinigten Staaten uicht etwa hindern würde, fich gegen die Berechtigung etwaiger Allianzen zu erklären, welche die europäischen Sou etwaiger Allianzen zu erklären, welche die europäischen Souveräne in Zukunft eingehen könnten, um auf dem afrikanischen Kontinent Regierungen in der von ihnen für angemessen er achteten Form einzusetzen. Gleichzeitig meldet eine Depesche aus New- York von gestern, daß die Kriegsschiffe ,, Lancaster" und Kearsarge" Befehl erhalten haben, zum Schuße der ame rikanischen Interessen an der westafrikanischen Küste zu kreuzen, daß jedoch, wie die betreffende Depesche bemerkt, irgend welche besondere Bedeutung dieser Maßregel nicht beigelegt werde. Immerhin sammeln sich an den afrikanischen Küsten die Kriegsman Schnacken ist die in Nacht wenigstens durch Moskitovorhänge geschüßt, aber gegen die zahllosen Flöhe ist man hilflos. Frau Oberst L., die auch im Klubhaus wohnte, trat einmal mit einem weißen Reitkleide in den Saal, und in wenigen Augenbliden hatte sich am Saum des Rockes eine bewegliche schwarze Bordüre gebildet. Aus dem Brode sogar muß man die eingebackenen Flöhe heraussuchen. Alle Getränke find lauwarm; mit einer wunderbaren Eismaschine, die man vor drei Monaten aus Birmingham kommen ließ, versuchte man vergebens, Eis zu produziren. Im gesellschaftlichen und geschäftlichen Verkehr dringt europäisches und orientalisches Wesen in eigenthümlicher Weise durcheinander. Bei einigen eingebornen Geschäftsfreunden stellte ich mich am Tage meiner Ankunft vor. Hr. C. ist sehr stolz auf seine verschiedenen Würden und Aemter, und hält für jedes einzelne ein besonderes Bureau. Schließlich mußte ich auch sein Privathaus besuchen und die Bekanntschaft seiner Frau und seiner Töchter machen, die ihr grand morceau" auf dem Klavier Vor dem Jahre spielen mußten. 1876 waren Klaviere auf der Insel unbekannt. Hr. C. übernahm meine Einführung in verschiedenen anderen Häusern, und überall fand ich die höflichste Aufnahme. Man überhäufte mich mit Aufmerksamkeiten, und die Besuche nahmen kein Ende; sehr drollig machte es sich für unsere abendländische Nüchternheit, wenn mir des Morgens von den Geschäftsfreunden Blumen und Früchte gereicht wurden, so daß ich mir vorfam, wie das Mädchen aus der Fremde. Bei jedem Besuche reicht die Dame oder Tochter des Hauses eine Schale mit Rosenkonfitüren oder Honig, aus der reibum gelöffelt wird; der Hausherr dreht unterdessen die obligaten Bigaretten und dann wird noch eine kleine Tasse türkischen Kaffees ges trunken. Ablehnen darf man aus Höflichkeit nicht, und wenn fich die Sache an einem Nachmittag sechs- bis zehnmal wiederbolt, so können die bösartigsten Folgen für einen noch nicht attlimatisirten Magen nicht ausbleiben. Geschäftlichen Auseinandersegungen gehen die Herren Kaufleute so lange wie möglich aus dem Wege, verschieben von einem Tag auf den anderen und kommen immer wenigstens eine Stunde später als fie versprochen haben. Die meiste Zeit figen fie in den Café's, rauchen und trinken dazu Maftit oder Kaffee, wofür 4 Pfennige per Taffe bezahlt wer den. Ueberhaupt scheinen alle Lebensmittel außerordentlich billig zu sein, wie ich mich auf dem Markt überzeugen konnte. schiffe aller Nationen, und das geschieht, wenn auch eine besondere Bedeutung diesen Maßregeln nicht beigelegt werden soll, doch auch nicht zum bloßen Vergnügen. Lokales. cr. Endlich hat es den Anschein als wollte der Winter nun doch sein wahres Gesicht zeigen, bis jept that er so zim perlich, als fürchtete er sich, einmal mit einem tüchtigen Frost hervorzukommen. In vieler Beziehung thut er ja sehr recht daran, man schilt ihn gewöhnlich hart und erbarmungslos, er scheint aber doch ein mitleidiges und gefühlvolles Herz nament lich für die Armen zu haben, er weiß genau, daß der Frost und die Kälte noch weher thun als der Hunger. Aber es ist doch kein richtiger Winter, wenn der Schnee nicht unter unseren Tritten Inirscht, wenn Flüsse und Seen nicht in spiegelblanter Eisfläche erglänzen, lieber doch noch ein gesunder tüchtiger Frost als das nebelgraue, naßfalte Wetter, wie es uns der Winter bisher gebracht hat. Namentlich ist eine derartige Witterung für unsere Jugend verhängnißvoll, die Jungen, die fich am Liebsten mit Schneeballen werfen oder auch auf dem Eise herumtummeln, müssen ihre freie Zeit in der dumpfen Stube verbringen, fte werden dann den Eltern und sich selbst zur Laft. Ohne Schlittschuhlaufen ist der Winter fein richtiger Winter, leider bietet fich in einer Millionenstadt selbst bei günstigem Wetter doch immer nur für einen verhält nißmäßig kleinen Theil der Bevölkerung Gelegenheit für dieses gesunde anregende Vergnügen. Was ist eine Eisbahn, und wäre sie noch so ausgedehnt, gegen die weite Fläche eines Sees, was der Bretterzaun, der die Tummelpläße der Berliner Schlittschuhläufer gewöhnlich umschließt, gegen die waldigen Ufer eines Fluffes, die von Schnee bedeckt im Glanze der Wintersonne wie mit Millionen Perlen besät erscheinen? Wer hat in einer Weltstadt mit dem ewig rastlosen Jagen nach Ermerb, mit der nimmer aufhörenden Sorge um das tägliche Brot, die Möglichkeit, eine Winterlandschaft im Glanze des Mondes zu bewundern? In den steinernen Koloffen, die von bem Keller bis unter die Dachfenster vollgepfropft find mit Menschen, fühlt man nur die Kälte, nur den schneidenden Wind, der mit schlecht schließenden Fenstern und undichten Thüren Klappert, den eigentlichen Winter mit seiner feffelnden Schönheit und seinen Annehmlichkeiten fennt nicht. Kann die flackernde Laterne, moderne Glühlicht, das sanfte, stetige, in magischen Silber tönen glänzende Licht des Mondes ersetzen, das mit seinen geisterhaften, zitternden Schatten der Winterlandschaft einen so eigenartigen Anstrich verleiht? Was bedeutet das leere, salonmäßige Geplauder auf den modernen Eisbahnen gegen das geheimnisvolle, flüsternde Rauschen des Abendwindes, wenn er verstohlen durch das trockene Schilf ftreicht? Das Alles hat man in Berlin freilich nicht, dafür sind aber die Eisbahnen die Rendezvous- Pläge für alle heimlich und öffentlich Liebende, hier ist die Börse, wo schmachtende Blicke gegen warme Händedrücke, feurige Küffe, bisweilen auch gegen schallende Dhrfeigen eingetauscht werden. Es wäre doch zu lang weilig, wenn das Leben ausschließlich aus angenehmen Stunden zusammengesett wäre. In einem Punkte ist der Provinziale dem Berliner im Winter in Bezug auf das Verliebtsein außerdem noch entschieden über". Auf welcher Eisbahn in Berlin fann man z. B. die Angebetete seines Herzens nach allen Regeln der Kunst ,, Schlittenfahren?" Tausend neugierige Augen begaffen den Kühnen, man hat fernerhin auf einer über füllten Eisbahn nicht einmal den Plas, seinen Gefühlen in würdiger Weise Ausdruck zu geben. Welche Bartheit kann man jedoch in der Führung eines Schlittens entwickeln, menn man unbeobachtet, allein, ganz allein mit dem Gegenstand feiner Buneigung auf weiter Eisfläche wellt! Wie stürmisch tann man dahinsausen, wenn es gilt, ihr einen annähernden Begriff von der Stärke seiner Leidenschaft zu geben, mit welch' rafender Schnelligkeit fliegt man in einem solchen Falle über die spiegelglatte Fläche einer überschwemmten Wiese dahin, und wie abkühlend und erfrischend wirki es nicht, wenn sich Braut, Bräutigam und Schlitten in einem Eisloch wiederfin laufens und des Verliebtseins, den? Das ist die wahre Poefie des Winters, des Schlittschuh laufens und des Verliebtseins, diese aber wird man vergeb lich auf den künstlichen Eisbahnen der Metropole der Intelligenz suchen. man * * * 11 in De St DO Fä ein bis Un De nie Lei ein her lich $ 36 Des uni Leg Sche Der Sch Be gro ftal jen scht De fich ftch stu wa line erfo Fü gen Sch eine CC Drei fan sam Der das Schi Err Ueber das Studenten- Duell bringt die Nat.- 8tg." noch folgende Einzelheiten: Der so jäh aus dem Leben Geriffene ist der stud, math. Holzapfel, zweiter Vorsitzender des Vereins deutscher Studenten. Sein Gegner, der den unglücklichen Schuß abgegeben, der stud. phil. Alfred Dehlke, der sich sofort selbst der Behörde gestellt hat, ist Führer der freien wissen schaftlichen Vereinigung der Universität. Schon aus der Angabe der Stellung, welche fte in den studentischen Vereinen einnehmen, erhellt, daß dem traurigen Renkontre andere als wie persönliche Motive zu Grunde gelegen haben, daß nur aus bem durch politische Meinungsverschiedenheiten unterwühlten Boden eine gereizte Stimmung erwachsen fonnte, die zu dem verzweifelten Mittel des Pistolenduells führte. In der That hören wir denn auch, daß das gestrige Duell bereits das dritte Die griechischen Bauern und Bäuerinnen figen dort mit ge spreizten Beinen, einen riesigen Rosenkranz zwischen den Fin gern, und halten die Produkte ihrer Gärten und Geflügelhöfe feil. Die Gemüse sind in dieser Jahreszeit meist die Gurken oder Kürbisarten, die man auch in Südfrankreich fennt; auch fab ich viel Sesamsaat, die ins Brod gebacken wird, und Körbe voll getrockneter Roftnen. Die türkischen Frauen schleichen wie weiße Phantome in den Straßen umber, nur die schlauen Augen bezeugen das Le ben in ihnen; selbst die ärmste Türkin fleidet sich hier schneeweiß, und wenn bei der Arbeit der Zipfel des Gewandes, der Den unteren Theil des Gesichts verhüllt, sich verschoben hat, so zieht fte ihn bei Annäherung eines Mannes schnell wieder hinauf. Man steht fte häufig mit Feldarbeit beschäftigt und dabei natürlich unverschleiert. Ueber Sitten und Charakter eines Voltes fann man in vier Wochen fein vollgiltiges Urtheil gewinnen; meine Ansichten beanspruchen daher nicht den Werth voller Objektivität. Doch muß ich sagen, ie mehr ich von den Cyprioten sah, desto weniger sympathisch wurden fte mir. Es gab bis vor kurzem auf der ganzen Insel feinen Juden ein Beweis, daß die Bewohner ebenso schlau oder noch schlauer find, echte Nachkommen des listigen alten Griechen voltes. Wie lose dabei die Sitten sind, kann man aus hundert Umständen merken. Am auffallendsten war mir folgendes: Jch machte mit E., der mir manchmal als Dolmetscher dient, bei einer der ersten griechischen Familien einen Besuch; auf der Treppe begegneten wir einer niedlichen fleinen Mulattin, die ich ansprach, indem ich ihr die Hand gab, worauf sie lachenb ihre weißen Bähne zeigte. E. erzählte mir: C'est un enfant secret, que M. C. a eu avec une deses servantes. Auf meine erstaunte Frage, wie denn ein solches Kind im Hause behalten werden könne, sagte er: dieses Verhältnig komme in den meisten Familien vor, die rechtmäßige Battin habe nichts dagegen, und die Kinder wachsen unter den Dienstboten so gut wie Leib eigene auf, denn Lohn bekommen sie nie. Sobald man hier die Städie verläßt und ins Innere det Insel geht, findet man alles im Urzustande. Die irdenen G schirre sind fast genau noch so, wie vor 2000 oder 3000 Jahre d. h. wie man sie jest in den Gräbern aus verschiedenen Beit altern und von verschiedenen Völlerschaften auf Cypern finde und wenn man eine cyprische Bäuerin mit dem Krug auf de Schulter vom Brunnen tommen steht, so glaubt man eine bet vielen Darstellungen der Rebekka vor sich zu haben. Dur fam Den wur Ber fein Bre Me fich trad föhn Aut Rei wie wäh fetu träd holt eine gro Jeg aufg von Drin hier Stä Fun brud Rac Der hier Ein nach bis fügu Jab Des bem mien zu fi ferti und fülle wart auf eine min hieft pfoh zeigt quen thr 1 fte ti von da d Wac Wol ben im 1 fone Perf 1883 ten von müff ber nicht Den feine traut meni fach aus Bur Dun jabre und weld To b fchre für 1 herv airla Dort auf fich 1 grapl Scheir in einer ganzen Reihe von fünf Forderungen gewesen ist, die Oehike gegen die Mitglieder des Ausswusses der Berliner Studentenschaft zu führen beabstchtigte- Der Getödtete erhielt von Oehike, der ein guter Schütze ist und auch in den flüheren Fällen seinen Gegnern schwere Verletzungen beigebracht hat, «tnen Schuß in die rechte Brust. Die Kugel nahm ihren Lauf bis in die Leber und führte den fast augenblicklichen Tod des Unglücklichen herbei. Der Sekundant und der Arzt versuchten vergeblich, die Leiche auf der nachstbelcgenen Polizeiwache niederlegen zu dürfen. Sie mußten sie schließlich nach dem Leichenhause der königlichen Anatomie bringen, wo zunächst eine Besichtigung der Wunde stattfand. Dabei stellte sich denn heraus, daß der Schuß eine Brieftasche und die darin brfind- liche Photographie einer jungen Dame durchbohrt hatte. Die Photographie wieder zu erlangen war das eifrige Bestreben des erschütterten Sekundanten. Denn immer wieder kam er und immer aufgeregter um dieselbe bittend zurück, bis er zu- letzt verhaftet werden mußte. Der Getödtete war in akademi- schen Kreisen allgemein bekannt. Als man seine Leiche nach der Atorgue brachte, war sie noch ganz warm. Sein fein ge- schnittenes Geficht sab bleich, aber fest entschlossen aus. Das Begräbniß des im Duell Erschossenen scheint sich zu einer großen Demonstration des Vereins deutscher Studenten ge- stalten zu wollen. Der Ausschuß, welcher aus Mitgliedern jenes Vereins besteht, fordert durch einen großen Anschlag am schwarzen Brett zu zahlreicher Betheiligung am Begräbniß auf. Der Gegner ist Mitglied der freien Vereinigung. Nachdem sich die Gegensätze bis zum Todtschlag zugespitzt haben, machen sich immer mehr Stimmen geltend, welche die Schließung jeder studentischen Verbindung mit politischem Anstrich fordern. Der Krach bei de« Konservativen.„Die längst er- wartete Auseinandersetzung im Schooße der sogenannten Brr- liner konservativen Bewegung, schreibt man der Elb. Ztg.", ist erfolgt. Mehrere große Vereine waren schon lange mit der Führung des konservativen Zentralkomit-s, gewöhnlich CCC genannt, unzufrieden. Man warf ihr vor, daß Eitelkeit und Schulmeisterei bei ihr eine Rolle spielten und daß sie sich von einem großen Geldipendcr zu sehr beeinflussen lasse. Das CCC büßte um so mehr an Autorilät ein, als es auch an den drei Abgeordneten Wogner, Siöcker und Cremer keine Stütze fand. Die Häupter des CCC wollten in der gestrigen Ver- sammlung von Vereinsdelegirten und Vertrauensmännern, in der von vornherein die Opposition die Mehrheit zu haben schien, den Plan e>ner Neuorganisation— es handelte sich um Errichtung eines ganz Berlin umfassenden Wahlvereins— durchberathen und zur Annahme gelangen lassen. Die Ver- sammlung endigte damit, daß nach einem brüsken Angriff auf den Abg. Wagner, dem u. A. Undankbarkeit vorgeworfen wurde, obgleich nach Meinung der Opposition vielmehr die Berliner Bewegung dem Genannten verpflichtet sei, der in seiner Hausherrnwürde sich verletzt fühlende Vorsitzende, Prof. Brecher, dessen Geschäftsführung es nicht gelungen war, seiner Meinung zum Siege zu verhelfen, die Klingel niederlegte und sich entfernte. Das CCC darf nunmehr wohl als aufgelöst be- trachtet werden. Ob es gelingt, die Gegensätze wieder zu ver- söhnen, ist fraglich, da es an einer allseitig impoirtrenden Autorilät fehlt." g. Die Arbeiten auf dem Terrain des zukünftigen Reichstagsgebäudetz am Königsplatz find seit zwei Tagen wieder eingestellt worden. Veranlassung hierzu gab der fort- währende Wechsel der Winterwitterung, welcher eine Fort- setzung des Baues bezw. dessen erforderliche Solidität beUn- trächtiate. Jedenfalls haben die Bauleiter durch die wieder- holte Aufnahme der Arbeiten bewiesen, daß sie nur ungern eine Störung in den Arbeiten eintreten lassen und damit einer großen Anzahl von Bauhandwerlern den Verdienst entziehen. Jetzt dürfte aber eine längere Pause eintreten, denn die bisher aufgeführten Fundamentmauern sind sämmtlich mit einer Lage von Ziegelsteinen und Sand bedeckt worden, um so das Ein- dringen der Nässe zu verhindern. Wie feucht der Boden hier übrigens ist, beweist die Thatsache, daß bis jetzt ca. 6000 Stämme in den Boden gerammt werden mußten, um die Fundamentmauern errichten zu können. Erst nach dem Ab- druch des noch stehen gebliebenen südlichen Flügels d-s Raczynski'schen Palais, mit welchem erst in etwa 4 Wochen der Anfang gemacht werden soll, wird es sich zeigen, ob auch hier der Grund und Boden ebenso wasserhaltig ist und das Einrammen von Pfählen nothwendig macht. Allem Anschein nach ist das der Fall. Zur Bauausführung waren bekanntlich bis zum I. April 1885 im Ganzen 3,050,000 Ml zur Verfügung gestellt, da man hoffte, bis zum Ablauf des verflossenen Jahres den größten Theil der Fundamente und einen Theil des KellermauerwerkS zu vollenden, eine Ansicht, die sich nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge nicht erfüllt hat. In- wieweit die Erwartungen, den Bau in diesem Jahre so weit zu fördern, um mit Ablauf desselben das halbe Untergeschoß fertigzustellen und im Jahre 1886 das Untergeschoß zu vollenden und den größten Theil des Hauptgeschosscs herzustellen, sich er- füllen werden, bleibt nach den bisherigen Erfahrungen abzu- warten. Interessant dürfte noch die Bemerkung sein, daß das auf dem ausgeschachteten Boden stehende Grundwasser, welches eine ziemlich große Fläche bildet, gefroren ist und so eine mindestens ebenso große Eisbahn abgeben dürfte, wie sie in vielen hiesigen Gartenlokalitäten dem Publikum zur Benutzung cm- pfohlen werden. b. Die neue Station Thiergartenhof der Stadtbahn zeigt vom ersten Augenblick ihrer Eröffnung an eine starke Frc- quenz. Die Abonnenten der Charlottenburger Pferdebahn sind ihr zum großen Theil untreu geworden. Ein klein wenig trägt sie indeß der Konkurrenz Rechnung, indem sie den Fahrpreis von der Kanalbrücke an von 25 auf 15 Pf. erniedrigt Hai. Und da die Fahrgäste über Zug klagten, so hat man an einem Wagen probeweise Fenster- und Thürbekleidungen von grünem Wollstoff angebracht. Der Witz der Stammgäste hat ihn sofort den„grünen Wagen" getauft. Im Berliner Asyl- Berein für Obdachlose nächtigten ,m verflossenen Monat Dezember im Männer-Asyle 9161 Personen, davon badeten 1993 Personen; im Frauen-Asyle 1567 Personen, von denen badeten 208 Personen. Im Dezember 1883 nächtigten rm Männer-Asyle 9238 Personen, davon bade- ten 2010 Personen, und im Frauen-Asyle 1920 Personen, davon badeten 244 Personen. Die Dunggruben aus dem städtischen Zentralviehhof müssen nach den Berechnungen wirkliche Goldgruben sein, wenn der Pachtertrag 6,900,000 Ml betragen würde. Doch dem ist nicht ganz so. Die„Nat. Ztg. meldete allerdings, daß für den Zentner Dung 23 M. vereinbart seien; doch ist es wohl keinem mit landwirthschaftlichm Verhältnissen einigermaßen Ver- trauten eingefallen, diese Summe für richtig zu halten, viel- weniger aber, daraufhin Berechnungen anzustellen. ES hat ein- fach wieder einmal der Druckerteufel seinen Spuck getrieben und aus den Pfennigen Marl gemacht, also 23 Pf. pro Zentner. Zur näheren Orientirung über die Eiträgniffe der städtiscben Dunggrubcn diene die Mlltheilung, daß dieselben im Betriebs- fahre 1882/84 die Summe von 49,354 M. abgeworfen haben und 2876 M. mehr, als im vorhergegangenen Betriebsjahre, welches Erträgniß nicht zu verachten ist, wenn es auch nicht die so hoch ausgerechnete Summe erreicht hat. ,, BW Japaner in Berlin. ES hat sich nach und nach, so schreibt man der„Wes-r-Ztg." von hier,— recht bezeichnend für«en internationalen Charakter Berlins, welcher immer mehr hervortritt— eine kleine japanische Kolonie in einer Stärke von Zuka achtzig Personen in unserer Hauptstadt angesammelt. Die dort lebenden, Japaner find zumeist junge Leute und studircn auf Kosten ihrer Regierung Jura, Medizin oder beschäftigen sich mit Politik und den Einrichtungen des Post- und Tele- graphcnwesens. Auch dem Studium der lokalen Verhältnisse fcheinen die ostafiatischen Gäste mit großer Gewissenhastig- I keit obzuliegen, denn man kann sie häufig truppweise in den Theatem, im Cafe Bauer und Vergnügungs- etablissements aller Art sehen. Das Weihnachts- und Neujahrsfest ist von den Japanern feierlichst begangen worden. Am Weihnachtsabend fand im Hause des Gesandten Aoki— dem natürlichen Mittelpunkt der japanischen Welt— esne große Bescheeruna für die Mitglieder der Kolonie, und zwar ganz nach deutscher Sitte unter einem duftig-grünen Monstrctannenbaum statt. Hierbei waren es, neben Pfeffer- kuchen und anderen Süßigkeiten und kostbaren Produkten der vaterländischen Industrie, auch Geschenke von spezifisch deutschem Charakter, wie zum Beispiel Schiller's Gedichte in kostbaren Einbänden, die den zur Bescheerung Geladenen überreicht wurden. Es schloß sich hieran ein Mahl, das nach japanischer Art zubereitet war. Herr Aoki— der Name bedeutet„grüner Baum"— und seine deutsche Gemahlin, die etwas Japanisch spricht, machten in liebenswürdigster Weise die Honneurs. Auch der erste Gesandtschastsattache, Herr Tanehast, der ebenfalls eine Deutsche, eine M-gdeburgerin, zur Frau hat, veranstaltete in seinem Hause eine Weihnachtsfeier von allerdings mehr privatem Charakter. Die jungen Japaner, welche sämmtlich in ange- scheuen Familien untergebracht find und einen sehr herzlichen Verkehr mit ihren Wirthen unterhalten, erhielten auch zu Hause allerlei Geschenke und revanchirten sich durch japanische Fächer, Tischdecken aus Papier. Teller, kunstvoll durchbrochene Zigarren- etuts aus Schildpatt, Bilder auf Gaze, Seide und Papier rc. Die deutsche Kost mundet den Japanern trefflich und ihre nationale Vorliebe für Reis und Thee findet in den meisten Familien Berücksichtigung. Sie jungen Japaner zeichnen sich durch einen eisernen Fleiß aus. Die sitzen bis tief in die Nacht hinein über den Büchern und machen namentlich im Deutschen rapide Fortschritte. Nacht amüsant ist, daß auch die Berliner Familien von dem Aufenthalt ihrer fremdländischen Gäste pro- fitiren und ihre Sprach lenntnisse durch eine Anzahl japanischer Brocken nach und nach bereichem.(?) b. Bei Gaslicht und feuchtem Nebel sah man gestern wieder einmal die Kinder, selbst die kleinen sechsjährigen, zur Schule gehen. Und da wundert man sich, daß die Diphteritis in Berlin so stark gralsirt. Der medtzinisch-pädagogische Ver- ein beschäftigt sich mit dem Problem der besten Echult'schen mit Lüftung und Heizung. Er sollte auch einmal den Ein- fluß der feuchten Dezember- und Januar- Morgennebel auf Hals und Lungen der heranwachsenden Generation in den Kreis seiner Belrachtungen ziehen. Die Herren Rektoren haben Amtswohnungen in den Schulgebäuden und daher empfinden sie diesen Uebelstand nicht. Ein Eisenbahnfrevel, der leicht großes Unglück hätte anrichten können, wird aus tzermsdorf an der Nordbahn ge- meldet. Als am 29. Dezember Abends gegen 11 Uhr ein Babnwärtcr die Strecke zwischen Hermsdorf und Dalldorf rcvidirtc, fand er unweit einer Wärterbude einen großen Stein und eine Stange zwischen den Scbienen liegen. Bei genauer Untersuchung ergab sich, daß die Stange, woran sich ein Stroh- wisch befand, an der Innenseite der Schienen aufgepflanzt ge- wesen und, da sie wegen des gefrorenen Bodens nicht tiefein- gesteckt werden tonnte, von dem Stein gehalten worden war. Ter kurz vorher vorübergegangene Zug hatte den Strohwisch umge- geworfeu und den Stein weggeschoben, so daß eine Entgleisung verhütet wurde. Der Wärter holte den Gendarm Schröder zu Hilfe und beide fanden an der bezeichneten Stelle der Bahn Fußspuren, die sie bis nach Hermsdorf verfolgen konnten und die auch schließlich die Entdeckung des Thüters in der Person eines dort ansässigen„Arbeiters" ermöglichten. Der- selbe hat auch die That eingeräumt und angegeben, daß er angetrunken gewesen sei und sich nur einen Spaß habe machen wollen.(!) N. Bier gestohlene Schweine. Ein äußerst frecher Diebstahl ist gestern Abend auf dem neuen Viehhof verübt worden. Ein in der Pallisadenstraße wohnender Schlächter- meister T hatte am Vormittag auf dem Viehhofe vier Schweine gekauft und dieselben einem Beamten zur vorläufigen Ver- pflegung übergeben. Als der Beamte am Abend die Borsten- thiere füttern wollte, fand er zu seinem größten Erstaunen den Stall leer. Die sofort eingeleiteten Recherchen hatten keinen Erfolg. dl. Der Führer eines Postpacketwagens gericth gestern Abend in der Kockstraße unweit der Wilhelmstraße in direkte Lebensgefahr. Während seiner Fahrt wurde der Kutscher auf dem Bock plötzlich von Krämpfen befallen und wäre zweifellos von seinem erhöhten Platz zur Erde gestürzt, wenn nicht Passanten die Pferde aufgehalten und den Ohnmächtigen aus seiner gefährlichen Lage befreit hätten. Erst nachdem dem Kutscher ,n einem Hause ärztliche Hilfe zu Theil geworden und er sich erholt, konnte er die Führung seines Gespannes wieder übernehmen. g. Ein undankbarer Schuldner ist der Tischlergcselle N., welcher sich von dem Destillateur G. einen Geldbetrag ge- liehen und denselben trotz wiederholter Mahnungen nicht zu- rückerstattet hatte.@ begab sich nun gestern Abend wiederum zu N., welcher sich in einer Herberge in der Oranicnstraße aufhält. Anstatt� zu bezahlen oder fich doch wenigstens zu ent- schuldigen, ergriff N. einen Hobel, mit welchem er auf G. ein- schlug und diesem durch das vorstehende Eisen, die Schneide, mehrere Verletzungen an den Händen beibrachte, fo daß G- ärztliche Hülfe nachsuchen mußte. -c Ein Paletotmarder ist in der Nacht vom 4. zum 5. d. Mts. in flagranti ergriffen und festgenommen worden. Der stellungslose Hausdiener und frühere.Hutmacher Richter hatte sich in der fraglichen Nacht in das W.'sche Restaurant in der Markgrafensiraße begeben, und nach kurzem Verweilen in dem- selben hatte er fich mit zwei Ueberziehern über dem Arm und einem neuen Hut auf dem Kopfe, während er seinen alten Hut in der Hand trug, aus demselben durch einen Hofausgang entfernt. In diesem Aufzuge wurde er aus dem Hause tretend von einer Dame gesehen, welche, in der richtigen Annahme, daß die Sachen gestohlen seien, eilig in das Lokal trat und einen Kellner auf den Ausgetretenen aufmerksam machte. Gleichzeitig bemerkte einer der bkstohlenen Gäste seinen Ver- lust, und der davon in Kenntniß gesetzte Kellner eilte dem Diebe nach, den er in der Markgrafenstraße zwischen der Zim- wer- und Schützcnstraße ergriff und nach der nächsten Polizei- wache brachte. Die beiden gestohlenen Ueberzieher wurden den Eigenthümem zugestellt, dagegen konnte ein Eigcnthümer zu dem neuen Hut nicht ermittelt werden. o. Ueber die Entstehung und den Verlauf der Ga»» Explosion in dem Hause Anhaltstraße 6 haben die näheren Feststellungen folgendes ergeben: Als vorgestern gegen Dunkel- werden das Gas in den Fluren des Vorderhauses angezündet wurde, flackerten die Gasflammen sehr und auf eine an den Gaslcitungsfabrikanten, welcher im vorigen Jahre die Gasleitung im Hause gelegt hatte, gerichtete Anfrage wegen Ab- Hilfe dieses Mangels, ließ dieser sagen, man möchte aus dem Wassersack des Hauptrohrs im Keller des Hauses Wasser ab- lassen. Hierauf begaben sich der bei dem Hauscigenthümer beschäftigte Bauführer Borchert mit dem Portier Etegemann nach dem Keller. Letzterer führte eine Laterne bei sich, die er aber im Keller mehrere Schritte entfernt von dem.Hauptrohr an der Wand anhing. Der Verschluß des Wassrrsackes wurde geöffnet und das Waffer floß ab. DaS dem Wasser nachdrängende Gas entzündete sich aber, und das Feuer verbreitete fich über den Keller und erfaßte die Holzgitterverschläge und die Strohverpackungcn der Wcinvorräthe, da beide Personen den Wassersack nicht zu verschließen vermochten und das Gas aus dem Hauptrohr ungehindert hervorkam und dem Feuer neue Nahrung gab. Inzwischen hatte der Portier die Feuerwehr rcquirirt, und vier Feuerwehrmänner drangen unter der Leitung des Borchert nach der Brandstätte vor. Kaum waren fic da angelangt, so erfolgte eine Explosion und einige Minuten spä- ter eine zweite Explosion. Borchert und die vier Feuerwehr» männer erhielten Brandwunden am Kopfe, welche ein herbei- gerufener Arzt für leichte Verletzungen erklärte. Nach Verschluß des HauptgaSrohrs wurde jede weitere Gefahr beseitigt und das Feuer wurde in kurzer Zeit gelöscht. Polizei-Berichl Am 5. d. M. Vormittags versuchte ein Dienstmädchen in der Gormannstraße fich mittelst Zuckersäure zu vergiften. ES wurde noch lebend nach der Eharitee gebracht. — An demselben Tage Nachmittags trank der IV« Jahre alte Knabe Deetz in der Wohnung seiner Eltem, Linienstraße 140, aus einer Flasche, welche ein kurz vorher ausgezogener Miether auf dem Fensterbrett stehen gelassen hatte und in welcher sich Chloroform mit Bilsenkrautöl befand. Das Kind verfiel in Folge dessen in Krämpfe und mußte in anscheinend lebenS- gefährlichem Zustand nach der Königlichen Klinik gebracht werden.— Um dieselbe Zeit wurde die 5 Jahre alte Tochter des Malers Mellin, Straußbergerstraße Nr. 25 wohnhaft, in der Großen Frankfurtcrstraße beim Ueberschretten des Fahr- dammcs von einem Arbeitsfuhrwerk überfahren und erlitt oabei einen Bruch des linken Oberschenkels. Sie wurde nach dem Krankcnhause im Friedrichshain gebracht.— Zu derselben Zeit fand im Keller und Parterregeschoß des Hauses Anhaltstraße Nr. 16 ein kleines Feuer statt, wobei durch eine Gasexplosion ein Oberfeuermann, drei Feuermänner, sowie ein Bauführer mehrfache, jedoch nur leichte Brandwunden erlitten.— An demselben Tage Abends wurde der Schlosser Ring in der Wohnung seiner Schwester, der Schankwirthin Scholtke, Andreasstraße Nr. 70, von einem Glasergcsellen nach voran- gegangenem Streit vermittelst eines Hobeleisens durch fünf Stiche in den linken Ann bezw. in den Rücken so schwer ver» letzt, daß er nach Anlegung eines Nothverbandes nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde ein unbekannter, anscheinend dem Handwerkelstande angehörender Mann vor dem Hause Potsdamerstraße Nr. 136 von einer Droschke umgestoßen, wobei er vor einen gerade vorüberfahrenden Omnibus zu liegen kam, so daß er überfahren wurde und eine schwere Verletzung am Kopfe erlitt, in Folge deren er auf dem Transport zur Eharitee verstarb.— An demselben Abend gerieth in einer Wohnung des Hauses Neanderstraße Nr. 14 der angezündete Weihnachtsbaum in Brand, und wurden durch das Feuer auch in der Küche stehende Möbel in Brand gesetzt. Beim Eintreffen der Feuerwehr war das Feuer bereits gelöscht. GevieW-Zeitung. Der Schriftsteller Otto Glagau hatte sich heute vor der 88. Abiheilung des hiefigen Schöffengerichis auf die Anklage der öffentlichen Beleidigung des Gerichtsassessors Buchholz zu verantworten. In der Privatklagesache des jetzigen Angeklagten gegen den Buckdruckereidtsitzer Jhring stand am 4. April pr. vor der 99. Abthetlung des hiesigen Schöffengerichts VerHand- lungstermin an. Als Vorfitzendcr desselben fungirte der Ge- richtsassessor Buchholz. Der vom Privalkläger laudirte Zeuge hatte die inkriminirte Aeußerung bekundet, welche von keinem der vernommenen zahlreichen übrigen Personen, welche bei dem fraglichen Vorfall ebenfalls zugegen waren, gehört worden ist. D'.es veranlasste den Vorsitzenden Richter umsomehr zu einem besonders eingehenden Examinatorium dieses Zeugen, als seitens der Gegenpartei von demselben mangelnde Zurechnungsfähigkeit behauptet worden war. Plötzlich trat der Pri- vatkiäger hervor und erklärte:„Ich protestire gegen diefe Be» einflussung des Zeugen und der Herren Schöffen!" Auf die Frage des Richters, ob er ihm durch diese Behauptung den Vorwurf der Pflichtverletzung machen wolle, antwortete der Kläger:„Das ist nicht meine Abficht; aber ich mache von meinem Rechte Gebrauch und protestire gegen die Beeinflussung deS Zeugen und der Herren Schöffen!" Hierdurch fühlte fich der Richter beleidigt, und wurde auf den von ibm gestellten Straf- antrag die obig- Anklaae erhoben. Herr Glaqau nahm den Schuy des§ 193 des St.-G.-B. für fich in Anspruch, indem er nur sein gutes Recht verfochten habe- So sei vom Schöffen- gericht der Beklagte freigesprochen, von der Straftammer aber verurtheilt worden. Der Staatsanwalt erachtete die Abficht zu beleidigen für dargethan und beantragte 400 M.; der Gerichtshof nahm aber auf die Aufregung, in welcher stch der Angeklagte befunden habe, Rücksicht und serurtheilte denselben zu 50 M. ev. 4 Tagen Haft. Eine als Zeuge geladene Person, welche das Recht hat, ihr Zeugniß zu verweigern, und von diesem Rechte auch bereits im Vorverfahren Gebrauch gemacht hat, darf sich dennoch nicht der Zeugenpflicht zum Erscheinen in dem anberaumten Termin entziehen. Denn ebenso wie einem derartigen Zeugen vom Gesetz das Recht eingeräumt ist, nach Ablegung seine« Zeugnisses noch von dem Rechte des Zurücktritts resp. von seinem Rechte der Eidesverweigerung Gebrauch zu machen, so kann er umgekehrt in der Hauptvcrhandlung auf sein Recht der Zeugnißverweigerung verzichten und das verlangte Zeugniß ableaen. Aus diesem Grunde werden die gedachten Personen in der Regel sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch von der Vertheidigung als Zeugen laudirt und geladen, trotzdem sie bereits im Vorverfahren von ihrem Rechte der Zcugnißver- Weigerung Gebrauch gemacht haben. Sie find daher ebenso wie alle anderen Zeugen gezwungen, der an fie ergangenen Ladung Folge zu leisten, wenn fie nicht der für das Ausbleiben angedrohten Strafe verfallen wollen. Einen Beleg für die Richtigkeit dieser Behauptung lieferte die heute von der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts i ausgesprochene Bestrafung des in der Strafsache gegen den Techniker Gebhardt geladenen Onkels desselben, Maurermeister Munck, wegen unentschuldigten Ausbleibens zu 100 Mark ev. 10 Tagen Haft und zur Tragung der Terminskosten. Derselbe war höchst wahrscheinlich in der Meinung nicht erschienen, daß er in Folge seiner im Barver- fahren abgegebenen Erklärung, sein Zeugniß zu verweigern, nicht mehr inkommodirt werden dürfe. Arbeiterbewegung» Vereine uuü VerBnmmlungen. Der Verein zur Wahrung der Interesse« der Klavterarbeiter hielt am Sonnabend, dm 3. Januar, in den Gratweil'schen Bterhallen eine Generalversammlung ab. Nachdem der Kasstrer den Jahresbericht verlesen, wurde dem- selben vom Vorsitzenden Decharge ertheilt, es erhielt das Wort zu einem Vortrage der Prediger«m. Kendziora. Derselbe hatte das TKema:„Die Moral und Sittlichkeit gegenüber der ganzen Menschheit" gewählt. Der Vortragende ist ver Anficht, daß es eine Moral des Einzelnen nicht giebt, sondern nur durch frftes Zusammengehen der Menschen ist es möglich, die Moral zu Heden. Der Kampf gegen die Trunksucht derspielS- weise erfordere andere Mittel als die gewöhnlichen, man gebe vor allen Dingen den Menschen genügende Nahrung und Kleidung. Wetter bemerkt der Redner, die Stattstik weise nach, daß die Mehrzahl der Prostituirten nur durch Nahrungssorgen zur Unsittlichkeit getrieben wird. In der Eiaenthumsfrage verweist der Referent auf drn bekannten Ausspruch:„Das heiligste Recht ist, die Früchte feiner Arbeit zu genießen." Zuin Schluß bemerkt Redner, die soziale Frage erfordere ein festes und energisches Zusammenhalten aller Arbeiter und schließt seinen Vortrag unter dem lebhaften Beifall der Ver- sommlung. In der Diskusston ergreift das Wort Herr Tischlermeister Mttan. Derselbe erklärt stch ganz mit den Ausführungen des Vortragenden einverstanden und auch er er- mahnt die Arbeiter zur Vereinigung. Aus der Provinz Sachsen wird der„V.-Ztg." ge- schrieben: In der zweitgrößten Stadt unserer Provinz, rn Halle a. S., haben stch die Arbeitsverhältnisse immer mehr noch verschlechtert. Die Maschinenfabriken, welche schon vor Neujahr zahlreiche Arbeiter entlassen mußten, haben nunmehr auch die Arbeitszeit wesentlich verkürzt, meist auf zwei Drittel des früheren Arbeitstages. In einer der größeren Maschinenfabriken der Stadt war schon im Dezember die Arbeitszeit um zwei Stunden verringert worden, doch hatte die Verwaltung angekündigt, daß am 2. Januar wieder bei voller Arbeitszeit gearbeitet werden sollte. Dies geschah auch. Die Leute athmeten ordentlich wieder auf. Auch am 3. Januar fing die Arbeit wieder um 6 Uhr früh an. Im Laufe des Vormittags wurde den Arbeitern mitgetheilt, daß die Entrüstungsadresse" auf dem Komtoir zum Unterzeichnen aufliege. Da sich nur einige Meister meldeten, so wurde Mittags von Meistern und Beamten die Adresse in den einzelnen Werkstätten kolportirt, doch unterzeichneten sich von einigen hundert Arbeitern nur 15 oder 16. Darob großer Aerger, besonders weil verschiedene Arbeiter erklärten, ihnen sei das ,, Treiben von Politik" in der Werkstatt verboten, deshalb brauche dies auch die Verwaltung nicht zu thun. Merkwürdigerweise wurde nun einige Stunden später in der Fabrik angeschlagen, daß vom 5. d. Mts. an die Arbeitszeit nicht, wie vor Weihnachten, um zwei Stunden, sondern um einen Drittelstag verfürzt werde. Wie weit diese Maßregel mit der Unterschriftsverweigerung der Arbeiter zu thun hat, tönnen wir nicht wissen. Das Eine aber ist sonderbar: Die Fabrikverwaltung hatte doch wohl nach genauer Raltulation die volle Arbeitszeit am 2. Januar wieder eingeführt und so ist es kaum glaubhaft, daß innerhalb eines Tages durch irgend ein natürlich nicht angegebenes Ereigniß die frühere Kalkulation plöglich über den Haufen ges worfen sein sollte. Die Arbeiter in dem Etablissement des fonservativen arbeiterfreundlichen" Herrn Kommersienraths wenigstens halten den Zusammenhang zwischen der Entrüftungsadreffe" und der neuesten Maßregel als feststehend. Besonders leiden diejenigeu Fabriken, welche landwirthschaft liche Geräthe herstellen; sicherlich ist daran die ZuckerindustrieKrifts schuld. So hat eine Fabrik, die derartige Maschinen herstellte, von 198 dort beschäftigten Schmieden nicht weniger als 118 entlaffen müssen. Vermischtes. " " 30 ein Verbrecherstatiftit. Die Stat. Korr." enthält eine genaue Personalstatistik der im Jahre 1882/83 in preußische Buchthäuser eingelieferten Verbrecher. Wir entnehmen daraus, daß im genannten Jahre 8693 Personen internirt wurden gegen 9168 im Vorjahre. Das ergiebt eine Abnahme von 9,3 pCt., an welche die Männer( 7317) mit 9,9, die Weiber ( 1376) mit 6,3 pCt. partizipiren. Unter den Eingelieferten befanden sich 94,79 pCt. Preußen, 3,82 pCt. andere Deutsche In der ganzen preußischen und 1,39 pCt. Ausländer. Monarchie tamen auf 100 000 Einwohner 30. gelieferte Buchthausgefangene; die einzelnen Provinzen zeigen aber eine außerordentliche Verschiedenheit. Pofen batte auf 100 000 Einwohner 55, Berlin 51, Schlesien 45 und Westpreußen 40 Internirte, Hannover dagegen 18, die Rheinproving 16, Hohenzollern 15 und Schleswig- Holstein 10. Beachtensmerther Weise hat die größte Abnahme( 9 auf 100 000) in Bosen und Westpreußen stattgefunden, wogegen Hannover, Hohenzollern und Hessen- Nassau sogar eine geringe Zunahme ( 2 bezw. 3 pro 100 000 Einwohner) zeigen. Das Berichtsjahr läßt also die Tendenz erkennen, die Verschiedenheiten zwischen dem Osten und dem Westen auszugleichen. Der Religion nach waren unter den neu eingetretenen Buchthausgefangenen 5141 Evangelische, 3417 Katholifen und 130 Juden und 5 Andersgläubige. Auf 100 000 evangelische Einwohner kamen 29( im Vorjahre 32) neu internirte Buchthausgefangene, auf 100 000 fatholische Einwohner 37( 41), auf 100 OCO Heute: Violetta. Theater. Königliches Opernhaus: Königliches Schauspielhaus: Heute: Christoph Marlow. HE 0 Deatsches Theater: Heute: Die Neuvermählten. Flattersucht. Sellealliance- Theater: Heute: Der Raub der Sabinerinnen, Schwant in 4 Aften von Franz und Paul Schönthan. Stenes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Heute: Gasparone. Central- Theater: Mite Salobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heute: Der Walzer König. Heute: Der Club. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Walhalla- Operetten- Theater: Heute: Gillette. toutsenstädtisches Theater: Heute: Der Millionen- Barbier. Ottend- Theater: Heute: Im Lande der Freiheit. Heute: Die goldene Spinne. Heute: Sulfurina. Wellner Theater: Bittoria- Theater: Alhambra- Theater. Heute: Die Galloschen des Glücks. Am Montag, den 5. Januar, verschied nach kurzem Krantenlager unser altes, treues Vereinsmitglied, der Strumpfwirter Friedrich Wölfef. Sein braver Charakter, sein treuer, ehrlicher Sinn werden ihm bei allen Vereinsmitgliedern ein ehrendes Andenken fichern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Januar, Nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Große Frankfurterstr. 31 aus nach dem St. GeorgenKirchhofe vor dem Landsberger Thore statt, und werden die Mitglieder ersucht, fich zahlreich zu be theiligen. Der Vorstand 25 des Arbeiter Bezirksvereins für den Osten Berlins. Die Aufnahme neuer Mitglieder in die ZentralKranken- und Begräbnißlasse für Frauen ( fr. H. Offenbach a. M.) findet von jest ab nur Andreasstr. 20, Hof v. 3 Tr. statt, und zwar Alltags von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, Sonn tags von 8 bis 3 Uhr. 1 Außerdem mache ich aufmerksam, daß die Mitgliedsbücher bis zum 4. Januar vom Raffirer P. Schneider, Blumenstraße 29, pt., abgeholt sein müssen. Im Auftrage: Richter. jüdische 36( 29). jüdische 36( 29). Die Juden zeigen also eine erhebliche Verschlechterung. 14,29 pCt. im Vorjahre( 15,82 pCt.) waren ohne jede Schulbildung, 38 der Eingelieferten waren Beamte im Staats- und Kommunal dienst, 35 Aerzte, Lehrer, Geistliche, Gelehrte und Schriftsteller, 2875 batten Land-, Forrwirthschaft und Gärtnerei, 3054 Jnduftrie, 431 Handel betrieben; 895 hatten sich durch öffentlichen Verkehr, 853 durch persönliche Dienstleistungen und 132 auf andere Weise ernährt; 202 konnten feinen Beruf angeben, 27 waren Pensionäre und und Rentiers und 13 Almosenempfänger. Unter den Ursachen der Verurtheilung steht obenan Diebstahl und Unterschlagung, wegen deren 66,73 Prozent aller Verbrecher mit Buchthaus Strafen belegt wurden. dann folgen Verbrechen gegen die Sittlichkeit mit 7,83 ( im Vorjahre 6,83) pCt, Meineid 7,33 Meineid 7,33( im Vorjahre 6,56) Et. c. In 60 Fällen war auf lebenslängliches Buchthaus erkannt, in 108 Fallen auf über 10 Jahre, in 643 Fällen auf 5-10 Jahre, in 2800 auf 2 bis 5, in 3366 auf 1-2 und in 1757 auf 1 Jahr oder weniger. 6897 oder 79,90 pet. der Zugegangenen( im Vorjahre 78,95) waren schon früher wegen Vergehen oder Verbrechen bestraft, darunter 2121 sechsmal und noch häufiger. Ueber 73 pet. der Rückfälligen wurden schon in den ersten 2 Jahren nach ihrer Entlassung wieder bestraft. Ueber Kellerwohnungen schreibt die Sozialforrespons dena": Ueber die große Schädlichkeit der Kellerwohnungen sind Aerzte und Hygyenifer schonst längst einig, Behörden und Bautechniker scheinen jedoch vielfach der Ansicht, daß von dieser Seite die Sache übertrieben, zu viel verlangt werde. Denn sonst könnten nicht fort und fort Neubauten, sogar glänzende, tostspielige, mit allen Bequemlichkeiten ausgestattete entstehen, deren untersten Räumen es in fläglichster Weise an Licht und Ventilation gebricht, so daß die Wände jabraus jahrein übermäßig feucht bleiben müssen, wo zum Ueberfluß noch nicht die mindeste Fürsorge getroffen ist, das Einströmen der Bodengase auf ein erträgliches Maß zu beschränken. Auch neue Bauordnungen großer und größter deutscher Städte, wie von Magdeburg( 1878), Hannover( 1880), Hamburg( 1882), ebenso die neuesten Entwürfe zu Veränderungen für Berlin und Breslau erlauben wieder den Bau von Kellerwohnungen mit ungenügenden Beschränkungen. Man bat berechnet, daß in Hamburg und Breslau an 20 und in Berlin nicht weniger als 1/10 Die der Bevölkerung in ungesunden Kellerwohnungen leben. Besorgniß, die Bahl billiger Wohnungen und die Lust zu Neubauten zu vermindern, scheint die deutschen Behörden abzuhalten, strenger einzuschreiten, Erfahrungen in England können jedoch über diesen Punkt beruhigen. Seit 1875 geht man hier rücksichtslos vor gegen diese anerkannte Schädlichkeit und hat keine Ursache, es zu bereuen, sondern von der Entbehrlichkeit der Kellerwohnungen fich überzeugt. Um wohlfeile Quartiere in Großstädten zu schaffen, genügen durchaus hohe, große, den Verkehrsmittelpunkten nahe gelegene Miethshäuser, mit kleinen Kaufläden im Erdgeschoß. Ueber diesen ist das Hochparterre und darüber erheben sich vier Stockwerke. Auch in Paris find seit 1883 die Kellerwohnungen verboten. Sonnenbe firahlung macht die Mauern trocken und lüftungsfähiger, Helligteit befördert außerdem die Reinlichkeit, ist nothwendig für die Beschäftigung mit feineren Sehobjekten, regt das Gemüth angenehm an und ist bedeutend für den gesammten Lebensprozeß, namentlich des findlichen Organismus. Der Werth des Lichts für Menschen ist noch gar nicht gehörig gewürdigt, während verständige Biebzüchter dies längst beachteten. Ein Vortrag des Kreis phyfikus Jacobi- Breslau brachte diese Dinge in der Naturforscher Versammlung fürzlich wieder einmal zur Sprache, hoffentlich nicht ganz fruchtlos. Von anderer Seite( Waffer fuhr- Straßburg) wurde gerügt, daß unsere Straßen neuerdings zwar breiter werden, aber auf Kosten der Hofiäume, welche immer mehr einschrumpfen und, im Gegenfaß zu ehedem, nicht mehr Schuppen, Speicher, Gärten u. dergl. enthalten, sondern abermals hohe Wohnhäuser. So stellt sich leider die Dichtig feit der Bevölkerung in den neuen Stadttheilen vielfach noch größer als in den alten. Unterirdischer See im Kanton Schwyz. In der legten Woche drangen einige junge Männer unter Zeitung des Laui lochführers Alois Hospenthal in der großen böyle im Riet ( Schwyz),„ Lauiloch" genannt, einige hundert Meter weiter in die noch unbekannte Tiefe vor und stießen dabei auf einen etwa 20 Meter langen, 6-7 Meter breiten und 4 Meter tiefen See, dem sie den Namen Scylla und Charybdis gaben. Nach etwa ftebenstündigem Aufenthalt in der weiten Höhle traten die Männer den Rückweg an, und erreichten nach dreistündigem angestrengten Marsche den Ausgang der Höhle wieder. Es scheint danach die Höhle ziemlich tief zu sein. Verhängniß. Und will man mich jetzt auch lästern, War ich doch von Freude beseelt. Als aus der Schaar meiner Schwestern Er mich allein nur erwählt. Als mich seine Lippe berührte Im heißen, berauschenden Kuß, Da war's, wie wenn leise vibrirte Durch's Herz mir ein Heimathsgruß. Wie hab' ich an seinem Munde Mit heißer, verzehrender Gluth, Ach, nur eine einzige Stunde In meinem Leben geruht! Da hab' ich ihm alles gegeben, Was ich ihm bieten nur fonnt', Mich selbst, meine Seele, mein Leben, Und er hat es grausam gelohnt! Er hat mich dann fortgeschleudert, Mit faltem verachtenden Blick. Das ist des Bigarrenstummels Urewiges, böses Geschick! Gemeinnütiges. Einiges über Alkohol. Alkohol ist der berauschend wir tende Bestandtheil im Branntwein, Bier und Wein; er entsteht durch Gährung zuckerhaltiger Flüssigkeiten, ist farblos, gefriert nicht und zieht begierig Wasser an, weswegen man ihn vor Lufteinwirkung gut verschloffen aufbewahren muß. Mischt er sich mit Wassertheilen, so wird z. B. seine Brennkraft sehr ge schwächt und im ungünstigsten Falle sogar in Frage gestellt. E: mischt sich in Waffer und zwar unter Staumverminderung und Wärmeentwickelung, bildet bei der Drydation Aldehyd, und dann Essigsäure. Alkohol wird von den meisten Säuren in Aether umgewandelt. Alkohol ist in verschiedenen Graden vorhanden und nennt man ihn bei 92-95 Prozent alkoholifirter Weingeist, bei 85-90 Prozent meist gereinigter Wein geift, bei 60-70 Prozent gereinigter Weingeist, bei 50 Prozent Weingeist, bei 40-45 Prozent Branntwein. Seine Verwen dung wird als bekannt vorausgesetzt. Rattenvertreibung. Wenn ein Gebäude von Ratten be läftigt ist, so gieße man in alle ihre Löcher Steinkohlentheer, verstopfe aber dieselben nicht dabei, da die Ratten keine neuen Deffnungen machen, so lange die alten noch vorhanden sind. Da diese Thiere eine eigenthümliche Reinlichkeit für ihre Füße haben, ziehen fie fich vor Efel zurück, sobald eines derselben von Pech oder Theer besudelt ist. Diejenigen, welche nach diesem Experiment innen zurückgeblieben find, müffen in Fallen gefangen oder sonst getödtet weiden, da ste nie über den Theer hinweglaufen. Für Aerzte! Für mehrere Krankenkassen in einer norddeutschen Landeshauptstadt werden zum 1. März d. 3. zwei Aerzte gesucht. 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