Nr. 6. Donnerstag, 8. Zannar 1885. n. Jahrg. i, nicht andern )ichtlg- ) noch ' letzten i Laui« n Riet iter in in etwa !n See, i) etwa cn die rdigem r. Es SMerVMW Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 .. Das„Berliner Bolttdlatt" erschewt täDlich Morgen» außer«ach Sonn» und Festtage». AvonnementSvrei» für Berlin fr« in'« Hau» vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1,35 Marl, wöchentlich 35 Bf. Postabonnement 4 Marl. Einzel»« Nr. 5 Pf. Sonntagt-Nummer«it illustr. Beilage 10 Pf. (Ewgetrage» in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) JnfertioaSgedühr beträgt für die 8 gespaltene Petirzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeittmarkt 10 Pf. Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt«ach Uebereinkunft. Inserate»erde» bis 4 Uhr Nachmittags i» der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annonce»� Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. MsHaKtton nxxö AXpeöition Wertin SWn Mmmerstrage 44. . Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Theil de« fesselnde« Romans„Ge- sucht und gefunden" gegen Vorzeigung resp. Einsendung der Abonnements» Quittung in unserer Expedition. Ztmmerstraße 44. in einem Separatabzuge gratis und franko nachgeliefert. In gleicher Weise werde« die bisher erschienenen Nummern des„Jllnstrirtes Sonntags« blatt" verabfolgt. Die Parlamentsferien find nun zu Ende und— der„Kampf" kann wieder lokgehen. Doch dürften sich alle Diejenige» täuschen, welche einen entschiedenen, scharfen Kampf im Reichstage in dieser Session noch erwarten. Die Entscheidungsschlacht ist in der That schon am 15. Dezember geschlagen worden und hat sich trotz des momentanen Sieges der Opposition in eine Niederlage derselben umgewandelt. Ob das Zentrum standhaft bleiben wird bei der dritten Lesung, ist noch fraglich— vielleicht bröckeln einige Stimmen noch ab; von den Sozial-Demo» kraten gilt es als selbstverständlich, daß sie bei ihrem Votum beharren werden; aber die Dcutsch-Fi eisinnigen fallen zum Mindesten in die zur Majorität für die Bewilligung der 20 000 Mark nöthigen Stimmenzahl um, so daß aus der früheren Majorität eine Minderheit wird. Möglich auch, daß die ganze Partei durch„neue Gründe" überzeugt wird und ins Regierungslager abschwenkt. Bei welcher Gelegenheit soll denn eigentlich wieder der Kampf entbrennen? Bei den übrigen Budgetforderungen? Theilweise werden die„Abstriche" in der dritten Lesung wieder„zugestrichen", theilweise werden sie aufrecht erhal- ten mit dem Willen der Regierung, die in Kleinigkeiten ja ab und zu einmal gern nachgiebt, um desto leichter das Ganze zu gewinnen. Ja. wenn es sich um g r o ß e Abstriche beim M i l i- t ä r- E t a t handeln könnte! Ganz abgesehen davon, daß die gegenwärtige Opposition, wenigstens ein großer Theil derselben, gar nicht den Muth zu großen Abstrichen hat, ist der Reichstag auch durch das sogenannte Septemnat in seinen Entschließungen bezüglich des Militär-EtatS ge- fesselt. Also der Etat bringt keine nennenswerthen„Kämpfe" mehr. Von den andere» Vorlagen der Regierung war nur die Dampfersubvention viel umstritten, doch i st sie eS nicht mehr. Für dieselbe ist eine Majorität unter allen Umständen gesichert. Bei der Vorlage über die Verlängerung de» Belagerungszustandes in Berlin und Hamburg werden sicherlich scharfe Reden gehalten werde», aber eine Stachdruck verboten� 56 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. (Vorsehung.) „Wie?" ftagte der Baron.„Woher wußten Sie da- von?" „Ich wußte, daß der Lord entweder die Steinberg- schen Güter oder die Ihrigen zu kaufen beabsichtigte. Herr von Steinberg hätte gern den reichen Käufer gehabt... Nun, wenn Sie ihn fortschicken, so wird er sicherlich die Steinberg'schen Güter kaufen, die er ebenfalls zu einem ungeheuren Preise soll bezahlen wollen. Herr von Stein- berg wird sich freuen, er hat alsdann die Mittel, mit seiner Tochter in der Residenz leben zu können, einen Wunsch, den er ja schon längst gehegt haben soll." Der schlaue Gärtner hatte diese? Märchen erdacht, «eil er wußte, daß die, bei seinem Herrn am ersten ver- fangen würde. Der Baron härte ihm mit großer Auf- merksamkeit an. „Also Steinberg mochte an ihn sein Gut verkaufen!" murmelte er für sich.»Er wird wieder eine» Triumph über mich feiern, wie er ja m allen Wahlen auch über mich triumphirt.... Er wird Hmterher sicherlich sagen, er hat mich um den Käufer gebracht. Rem, den Triumph soll er nicht haben; Steinberg soll keinen Triumph über mich haben, den ich verhindern kann, und kostete es mir das Opfer größter Selbstüberwindung." In diesem Augenblick- traten Baron Oswald, seine Mutter und der Lord wieder aus der Muschelgrotte her- vor. Herr von Wredow ging dem Letzteren entgegen und sagte: »Mylord, hier ist meine Hand, der Kauf ist abge- schloffen!" «Sehr gut, Herr Baron," sagte Lord Killmare mit immer gleicher Gelassenheit.„So lassen Sie gefälligst einen vorläufigen Vertrag aufsetzen, worauf ich die Hälfte der Kaufsumme Ihnen sogleich anweisen werde." Abstimmung erfolgt nicht, so daß schon deshalb von einem ernstlichen Kampfe nicht die Rede sein kann. Und nun gar die Initiativanträge der Abgeordneten selbst? Theilweise sind sie den Kommissionen überwiesen— und diese Anträge haben bei den ersten Berathungen noch wenig heiße» Blut verursacht; theilweise stehen die Anträge noch aus, allerdings recht wichtige. Zunächst dürsten die Steuerträge der Kon- servativen von Belang sein: Die Regelung der Bor- sensteuer und die Erhöhung der Getreidezölle. Das giebt allerdings Kämpfe, aber nicht zwischen dem Reichstage und der Regierung, sondern zwischen den einzelnen Reichstags- Parteien, wobei die Regierung in der Hauptsache den kalt- lächelnden Zuschauer spielen wird. Dann werden die sozial-politischen An- träge de» Zentrum und der Sozialdemo- kraten allerdings großes Interesse erregen; auch werden bei der Berathung derselben scharfe, prinzipielle Auieinan- dersetzungen stattfinden, aber es dürfte kaum dabei zu er- bitterten"Kämpfen kommen. Außerdem werden diese Anträge in der laufenden Session kaum ihre Erledigung finden, da sie einer Kom- Mission überwiesen»erden, aus deren Schooße sie keines- weg« schnell wieder emportauchen werden. „Doch gutes Ding will' Weile haben"— brauchbares Material wird gewiß sowohl in der Grneraldebatte, als auch in der Kommission noch herbeigeschafft werden, so daß für die nächste Session die Arbeit erleichtert wird und dann auch zu Ende geführt werden kann. Die Regierung selbst aber wird sich bei Berathung dieser Anträge gerade vicht allzusehr engagiren, sondern dem Reichstage die Initiative überlassen.-- Interessant und äußerst wichtig kann sich also der Rest dieser Reichstagssession noch gestalten, doch glauben wir, daß alle Diejenigen sich täuschen, welche noch scharfe Kämpfe zwischen dem Reichstage und der Regierung erwarten. Die Deutsch-Fteisinnigen sind flügellahm geworden und die übrige Opposition, prinzipiell geschieden, wie Feuer und Wasser, befindet sich in der Minderheit. Dolitiscke Mebersickt. Zum neuen Direktorposten im auswärtigen Amt wird offiziös geschrieben: In vielen Zeitungen ist noch immer die Angabe verbreitet, daß die vielbesprochene neue Direktor- stelle im Auswärtigen Amt für den Grafen Herbert Bis- m a r ck bestimmt fei. Diese Angabe ist durchaus unrichtig. Wenn der Sohn des Reichskanzlers dauernd in daS Auswar- tige Amt eintritt, so wird er die Stellung einnehmen, welche zur Zeit von dem Unterstaatssekretär Dr. Busch bekleidet wird und nicht erst neu enichtet zu werden braucht. Herr Dr. Busch Der Vertrag murde abgeschlossen und die Uebergabe schon für den nächsten Tag festgesetzt. Achtes Kapitel. „ES ist wirklich traurig, mein Junge, und thut mir von ganzem Herzen leid, daß Du hier keine Rosen pflückst," sagte der alte Habicht, indem er gewaltige Dampfwolken aus seiner Zigarre blies. In dem ziemlich dürftig möblirten Zimmer des jungen Arztes von Blackfield saß der alte Nimrod mit seinem Neffen an dem Fenster. Fritz hatte gedankenvoll seinen Kopf gestützt und wetteiferte m Produktionen furchtbarer Rauchwolken mit seinem Pathen. Es war, als ob Beide sich deS UnmutheS und Verdrusses in diesen Wolken ent- ledigen wollten. „Dir kann ich keinen Vorwurf machen," antwortete der Doktor,„Du hattest ja die besten Absichten mit mir; eS ist eben persönliche» Mißgeschick, das mich aller- dings verfolgt und mich verfolgen wird, wo ich mich auch niederlasse." „Man sollte doch meinen, daß solch gescheidter Arzt, wie Du, müßte überall Karriere machen," nahm nach einer Pause der alte Habicht wieder daS Wort,„Du hast ganz das Zeug, Dir alle Herzen zu gewinnen, und die Kennt- nisse, die Dich zu der besten Praxis von der Welt be- rechtigen. Ich sage nichts von unS in M'Donuil, ich spreche von fremden Leuten. Graf FerguS seinerseits hält Dich für gescheidter, wie die ganze Fakultät von Oxford und Edinburgh, und Komtesse Agathe spricht mit einer wahrhaft rührenden Dankbarkeit von Dir, und was mich betrifft, Fritz, so weißt Du ja, daß ich stolz auf Dich bin; ich bleibe dabei— wenn Du auch sagst, daß Du nicht» zur Genesung des Grafen beigetragen hast— schon Deine Gegenwart genügte, einen heilsamen Einfluß auf den Kranken auszuüben." „DaS müßte der Fall sein," gab Fritz lächelnd zurück, „denn sonst habt Ihr von meinen medizinischen Kenntnissen nicht die mindesten Beweise erhalten." «O I auch das," erwiderte Habicht sehr ernst,„ich habe auch einen Beweis Deiner Geschicklichkeit. Habe ich eS Dir 6 720461 D.-C. 8 574 591 D..C. 3 469 527 D-C- 492 910 D.-C. 3540427 D.-C. 1826161 D.-C. 107401 D.-C. [+ 606 446 D.-C. gegen 1333) ;+ 1 660 956 25.-6.) (+ 1 272 600 D-C.) ;+ 71 017 D.-C) + 706 126 D.-C.) [+ 232403 D.-C.) 13526 D-C.) 55051 D-C) wird bekanntlich in kurzer Zeit einen Gesandtenposten übernehmen, welchen, ist noch nicht ganz bestimmt, man spricht namentlich von Bukarest oder Athen. Die neue Direktorstelle im Auswärtigen Amt, deren Bewilligung vorausgesetzt, wird auf keinen Fall Graf Herbert Bismarck, sondern höchst wahr- scheinlich Herr von Kusserow einnehmen, in dessen Händen zur Zeit vorzugsweise die Leitung unserer kolonialen Angelegen- Helten ruht. Zur Charakteristik der Nationalliberalen schreibt die „Franks. Zeitung": Während die National-Liberalen bei den letzten Wahlen den Sozial-Demolraten ganz gewaltig um den Bart gegangen find, zeigen ste fich in der W a h l p r ü f u n g s- Kommission des Reichstages zur Abwechselung als Sozia- listmtödter. Bekanntlich hat der Reichstag s. Z. fast einstim- mig eine Resolution gefaßt, wonach Wähler-Versammlungen nicht deshalb verboten werden dürfen, weil ein Sozialdemokrat Einberufer oder Referent in derselben sei. In einer der letzten Sitzungen der Wahlprüfungs-Kommisston vor den WeihnachtS- ferien haben nun die biedern Nationalliberalen, wie der„Köln. VolSztg." derichtet wird, durch den Abg. F r a n ck e erklären lassen, vaß sie obige Resolution für verfehlt erachten und eine Umstoßung dieses Beschlusses wünschen. Die Kommisfion hat indeß die Nationalliberalen abfahren lassen. Es verdient aber dieser neue Beitrag zur Naturgeschichte der letztern verzeichnet zu werden. Getreide-Einfuhr-Statistik. Nach den neuesten Ver- öffentlichunaen des statistischen Amtes sind in der Zeit vom 1. Januar bis Ende November 1384 in das deutsche Zollgebiet eingeführt worden: Weizen Roggen Haser Hülsenfrüchte Gerste Mais Buchweizen Malz 577 694 D.-C. H- Hiervon gingen auf Mühlenlager 1 585 176 D.-C. Weizen, 1121179 D.-C. Roggen, 4 532 D.-C. Hafer. 5404 D-C. Hülsenfrüchte, 63038 D-C. Gerste und 20053 D-C. Buch- weizen. Die Ausfuhr an Mühlenfabrikaten stellte fich auf 1217 259 D.-C. gegen 1267049 D.-C. im Vorjahre. Zur Dampfersubventionsfrage wird anscheinend osfi- ziös geschrieben: Die Frage nach dem Ausgangspunkte der zu subventionirenden Dampferlinie nach Alexandrien giebt, wie schon gemeldet, zu erregten Dtskusstonen in der italienischen Presse Anlaß, obwohl dieselbe als eine noch durchaus offene erachtet werden muß. In Regierungskreisen soll man über den zu wählenden südländischen Hafen, von welchem die Dampfer gehen sollen, noch keineswegs schlüssig sein, und vor Abgabe eines Entscheides die gutachtlichen Acußerungen ihrer Sachoer- ständigen hören wollen. Aus München berichtet das„Münch. Fremdbl.":„In den beiden Nächten vom 1. und 2. Januar wurden von un- bekannter Hand vor der Behausung des ReichStagSabgeordnctm Viereck mehrere Schüsse abgefeuert. Da die erste Schieß- nicht zu danken, daß mein Ajax genesen ist? Er ist mir nächst Dir und meiner Herrschaft daS Liebste auf der Welt. Wochenlang habe ich, so lange er in Gefahr schwebte, keine frohe Minute gehabt, der Gram verzehrte mich förm- lich; erst seit seiner Genesung kehrte mir der LebenSmuth zurück. Und wenn Du auch darüber lächelst, ich bin Dir Zeit meines Lebens dankbar, mein Junge, Du hast mir den theuersten Freund am Leben erhalten, wenn Du auch sagst, es ist nur ein Hund. Jemand, der so allein steht, wie ich, kann sein Herz auch an einen Hund hängen, na- mentlich wenn man Beweise hat, daß derselbe treu und anhänglich ist, wie nur ein menschlicher Freund sein könnte." „Die glückliche Kur freut mich in der That," gab Fritz zurück,„schon deshalb, weil ich Dir dadurch den Frieden Deines Herzens wiedergegeben. Glückliche Kuren aber machen noch keinen gesuchten Arzt; ich kann nicht sagen, daß ich hier in der Stadt besonderes Unglück in meinen Kuren gehabt hätte, aber Niemand sucht mich auf, höchstens arme Leute, welche nicht allein nicht zahlen können, sondern welchen ich sehr häufig noch Medikamente aus meinen eigenen bescheidenen Mitteln liefere.— Die Begü- terten hier halten den für unnobel, der einen jungen, un- bekannten, fremde» Arzt konsultirt. Sie lassen lieber meilenweit den Doktor von Elgin holen, bloß, weil dieser aus einem adligen Hause stammt und den Titel eines Geheimraths fühtt; daß er dabei ein Charlatan ist, merkt Niemand. Es ist mir ein- mal nicht gegeben, die Leute zu betrügen, wie der Geheim- rath von Elzin es thut. Einer Dame, welche den Schnupfen hat, macht er ein Dutzend sehr kostspielige Besuche, ver- ordnet eine ganze Batterie der theuersten Medikamente, macht ein sehr bedenkliche» Gesicht, faßt mit wichtigthuender Miene den Puls— und so weiter und so weiter. Das ist eS eben, was ich Charlatanerie nenne." „Du mußt ihm seine Kunst ablernen." „Das bringe ich nicht fertig! Gelegenheit, ihn nach- zuahmen, hatte ich allerdings, und hätte ich ein Charlatan fein«ollen, so hätte ich vielleicht eine vornehme Kundin." „Erzähle doch den Fall, Fritz!" affaire fich in der Eylvesternacht abspielte, auch keinerlei Schaden angerichtet wurde, legte man derselben keine Bedeutung bei. In der folgenden Nacht wiederholten fich die Schüsse, und eine Kugel drang in das Zimmer des zweiten Stockes, das direkt über Vimck's Schlafzimmer im ersten Stock gelegen ist. Die Kugel durchbohrte beide Scheiben, die Gardinen, und ver- irrte fich bis hinter den etwa 4 Meter vom Fenster entfernten Ofen. Ein von den Hausbewohnern herbeigeholter Gensdarm notirte den Sachverhalt. Es mag bei diesem Anlaß daran er- innert werden, daß bereits in der Nacht vom 28. zum 29. Oktober— also nach der Hauptwahl— mehrere Steine in die Wohnung Viereckes geschleudert worden find." R« h l a n d. Die„Jndependance Belge" veröffentlicht das folgende Telegramm aus Moskau vom 3. Januar:„In einem Seminar von Moskau empörten fich gestern Abend die Zöglinge gegen ihre Vorgesetzten. Auf den Rath des Polizei- mersters ließ der Metropolitan 49 Soldaten nach dem Seminar kommen, wo diese 23 der Anstalt angehörende Geistliche durchpeitschten. Nachher mußten die Geistlichen den Metropolitan fußfällig um Verzeihung bitten, und dieser er- thcilte ihnen dann seinen Segm. Der Fall hat hier große Aufregung hervorgerufen. Er wird allgemein in Verbindung gebracht mit gewissen Bezeigungen von Ungehorsam und revolutionärem Gefühl, die fich seit etlichen Jahren im rufst- schen Klerus gezeigt haben."— Eine eigentümliche Erziehungsmethode für Geistliche; man darf fich unter solchen Umständen nicht wundern, daß die Herren, wenn fie erst eine Pfarre inne haben, nach denselben Grundsätzen verfahren, die man ihnen gegenüber angewendet hat. Spanien. Die spanischen Cortes beschäftigte vor einigen Tagen fol- gender Vorfall: Der Herausgeber der„New-Uork Times" wollte gern den Inhalt des vor Kurzem zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten abgescblossenen Handelsvertrages, dessen Geheimhaltung aber die beiden Mächte beschlossen hatten, in seinem Blatte veröffentlichen. ES gelang ihm durch Zu- ficherung eines Betrages von 2000 Pesetas einen höher gestellten spanischen Beamten, einen Edelmann und Senator, m bewegen, ihm den Hauptinhalt des Vertrages in 8000 Worten nach NermDorl zu telegraphiren. Die„New-Bork Times" versäumte aber nicht, nebst dem Telegramm auch die Art und Meise zu veröffentlichen, auf welche fie sich dasselbe verschafft hatte. Die öffentliche Meinung in Spanien fordert nun auf das Entschiedenste die Eruirung und strengste Bestrafung des Mannes, den weder seine Ehre als Edelmann, noch das in ihn als Beamten gesetzte Vertrauen von einem solch perfiden Verrath zurückbielt. Gegen den Minister deS Auswärtigen wurde dieserhalb ein Tadelsvotum beantragt, von der Majo- rität jedoch abgelehnt. Doch dürfte damit die Affaire schwerlich zu Ende sein. Dänemark. Die in politischer Hinstcht momentan ziemlich ruhige Hauptstadt wurde seit einigen Tagen durch ein Gerücht, das von einem gegen das Rathbaus geplanten Dynamitaltentat wissen wollte, in Angst und Schrecken versetzt. Es handelt fich dabei um einen anscheinend harmlosen Fund, den man beim Aufräumen eines im Erdgeschosse des erwähnten Gebäudes be- findlichen Raumes gemacht hat, in welchem seit Jahren altes Gerümpel ausbewahrt wurde. In diesem Räume hat man einige hölzerne Behälter gefunden, die angeblich mit Spreng- stoffen gefüllt find. Dieselben werden jeyt chemisch untersucht. Bemerkenswerth ist, daß nach einer Notiz der„Politilken" seit einigen Tagen auffallend viele Krankheitsmelvungen von Ma- gistratsbeamten vorgekommen find.— Allem Anscheine nach wird fich das Gerücht wieder als ganz unbegründet beraus- stellen. Oder sollte man vielleicht in Dänemark ein Attentat wünschen?— Unmöglich wäre es nicht, und einigen Leuten, die fich heute festgefahren haben, käme es gewiß recht ge- legen. Großbritannien. Das englische Kanalgeschwader hat plötzlich Befehl zum Auslaufen erhalten, über dessen meitcre Bestimmung ist nichts bekannt. Dieser Befehl erfolgte telegravhisch nach einer statt- gehabten Ministerfitzung. Die englischen Zeitungen legen dieser Aktion größere Bedeutung bei. So schreiben z. B.Zdie„Times": „Wenn diese Befehle nicht von großer Bedeutung sein und nicht einen ernsten Zweck haben sollen, so muß man gestehen, daß fie unter den augenblicklichen Verhältnissen ganz besonders unbedacht find und ungelegen kommen. Die peremtorische und übereilte Anweisung an die Kanalflotte zu Portsmouth und tlymouth, sich bereit zu halten, um in See zu gehen, muß im uslande sicher als eine Maßregel betrachtet werden, durch welche England eine Politik vorbereiten will, die erforderlichen Falls eine dauernde Machtentfaltung oder Kraftanstrengung nothwendig machen mag. Wir halten es für überflüsfig, darauf hinzuweisen, daß irgend eine Bewegung dieser Art, wenn nicht eine ernstliche Abficht dabei vorschwebt, durchaus schädlich sein muß. Zur Zeit find die Angelegenheiten des Reichs nicht dazu angethan, daß wir glerchglltig „Vor einiger Zeit läßt mich zufällig eine Ladij rufen; ich war gerade von Mitteln gavz entblößt, und ich pries mein Geschick, das mir endlich eine zahlungsfähige Kundin zuführte. Ich komme, die Dame liegt auf ihrem Kanapee mit halb geschlossenen Augen, wie eine Sterbende— ich erkundige mich nach dem Sitze ihres Leidens. Mit kaum hörbarer Stimme erklärt sie mir, daß sie nervös sei und Kopfschmerzen habe, daß sie den Ausbruch der Pocken fürchte und weiß Gott was. Dabei steckte sie mir todesmatt ihre weiße, zarte Hand hin, damit ich ihren Puls fühle. Ohne Zweifel hätte der Geheimrath die Lady vier Wochen in dem Glauben gelassen, daß die Pocken in Aussicht ständen, und ein Honorar von hundert Pfund liqurdirt— ich mußte lächeln, als ich den Zustand der Dame erkannte; nur mit Mühe verstieg ich mich dazu, ein Brausepulver zu verordnen. Das Uebel war damit gehoben; aber die Lady war sehr uazuftieden, daß ich ihren Zustand nicht bedenklich gefunden hatte. So sind einmal die Leute." „Die Welt will getäuscht sein," bemerkte Habicht. Es wäre vielleicht klug von Dir, wenn Du den Grundsatz be- herzigtest und Deinen Kunden sagtest:„Wenn Ihr einmal getäuscht sein wollt, so seid denn getäuscht." g O nein, Onkel Habicht," erwiderte Fritz lachend,„ich weiß auch, daß Du nicht im Ernst sprichst. Wenn Du ein Arzt wärst, Du würdest so wenig ein Charlatan sein, wie ich es bin. Um aber wieder auf meinen Entschluß zu kommen: ich muß fort, ich muß mir ein andere« Ge- biet meiner Thätigkeit suchm, hier in diesem Neste ver- hungere ich." „Armer Junge," erwiderte Habicht,„es betrübt mich sehr. Dich wieder aussichtslos in die Welt hinausgehen zu sehen. Ich hatte gerade gehofft, daß Du hier Dein Glück machen solltest, und mit einem gewissen Stolz und einer innigen Freude empfand ich es, daß ich gewissermaßen der Mitgründer Deines Glückes gewesen wäre. Um so schmerz- licher ist es mir jetzt, das Bewußtsein zu haben, schuld an Deinem Unglück zu sein." � � „Ich sagte Dn schon, Pathe. daß Du ohne Schuld Handlungen der Unüberlegtheit mitansehm können, die entweder den Bruch zwischen uns und anderen Staaten erweitern oder den weitverbreiteten Glauben verstärken müssen, daß England weder Stetigkeit in den Entschlüssen, noch Kraft in der Aus- führung zeigt."— Der„Standard" bemerkt mit Bezug auf den Befehl der Admiralität:„Es ist natürlich möglich, die Tragwette des plötzlichen Wechsels in den Arrangements des Kanalgeschwaders zu übertreiben oder irrig aufzufassen. Aber der Wechsel und noch mehr dessen Plötzlichkett berechtigt zu den ernstesten Bemerkungen. Vor einigen Tagen war anscheinend das Programm endgiltig festgestellt. Der Admiral sollte näch- sten Mittwoch seine Flagge vom„Minotaur" nach dem „Northumberland" verlegen und die kombinitten Divisionen sollten ihre gewöhnliche Kreuzungstour antreten. Aber kaum hatten die Minister am Sonnabend das Berathunszimmer ver- lassen, als Befehle nach den Häfen gesandt wurden, die Flotte für morgen zur Abfahrt bereit zu halten. Die Abreise wurde so dringend gemacht, daß beurlaubte Mannschaften durch Eni- nähme aus anderen Fahrzengen im Hafen ersetzt werden sollen. Was meint dies Alles? Hat die Regierung fich zu irgend welchen wichtigen Vorsichtsmaßregeln entschloffen, oder hat sie wirklich irgend eine ernste Kundgebung im Sinne? Afrika. Aus Suakim wird geschrieben: Wir erlebten in den letzten Tagen ein Beispiel von ver Verwegenheit der Leute des mah- distrschen Führers Osman Digma. 42 Kameele, Eigen- thum des hiesigen Epekulanten Debbas, lagerten friedlich mtt ihren Gütern außerhalb der Stadt unter dem Schutze des Forts Fould. Da krochen unbemerkt steben Insurgenten herbei, von denen drei die beiden Führer attakitten, während die übrigen vier unterdessen die ganze Heerde, welche einen Wetth von ungefähr 500 engl. Pfd. repräsentirte, davontrieben. Der ganze Vorfall spielte fich so rasch ad, daß die Wachen des Fotts es gar nicht bemettten. Er wurde erst bekannt, als einer der Hüter blutüberströmt in die Stadt kam und denselben erzählte. Der andere Hüter würde todt am Platze gefundm. Unnützer Weise, da kein Insurgent mehr zu sehen war, gab das Forts nachttäglick einige Schüsse ab. Am Tage darauf eröffneten das rechte Wasseifotts, das Kriegsschiff„Delphin" und die aus Sandsäcken erbaute Redoute eine fürchterliche Kanonade. Ein etwa 1500 Mann starkes feindliches Korps, vor welchem tanzende D-rwische zogen, war im Anzüge und beabsichtigte offenbar eine Ueberrumpelung. Außerhalb des Schußbereichs der Geschütze machte es Halt. In Folge dessen wurde die ägyptische Kavallerie unter Oberstlieutenant Haggard zur Vettreioung des Feindes ausgesendet. Auf 200 Meter wurde das Feuer eröffnet, worauf fich der Feind zurückzog. In der nächstfolgenden Nacht näherte.fiel» der Feind auf der entgegengesetzten Sette der Stadt, wurde jedoch, Dank der elektrrschen Beleuchtung des Forts Euryalus, bemerkt und durch das Feuer der groben Geschütze verjagt. Von dem Bau einer Eisendahn von Suakim nach Berber ist unter solchen Verhält- nissen keine Rede mchr. Amerika. Der Minister des Auswärligen hat dem Repräsentanten- hause einen Auszug aus den Berichtm der Ver. Staaten- Konsuln in Europa über die dortigen Arbeiter- Verhältnisse unterbreitet. In dem betreffenden Auszuge find die Verhältnisse in Großbritannien als B-fiS angenommen, weil die dort gezahlten Arbeitslöhne im Durchschnitt die höchsten in Europa und weil die englischen Arbeiterverhältnisse den amettkanischen am meisten ähneln. Dem betreffenden Benchte zufolge erhalten im Vergleich zu den in England ge- zahlten Löhnen die Arbeiter in Chicago, Jll., folgende Löhne: Backsteinleger und Maurer fast dreimal höhere Löhne; Gipser viermal, Schieferdecker, Ziegelbrcnner, Zigarrenmacher, Graveure, Lithographen dreimal; Telegravhisten und Schnftseyer zwei und einhalbmal; Zimmerleute. Hufschmiede, Konditoren, Fuhr- leute und Straßenbahnlutscher, Färber, Pelzarbeiter, Schiffs- stauer, Schneider und Zinnschmiede zweimal; Küfer und Sattler anderthalbmal höhere Löhne als ihre Kollegen in Lon- don. Aus dem betreffenden Auszüge aus den Konsularbettchten geht hervor, daß die Preise der Nahrungsmittel in den Ver. Staaten thatsächlich billiger find als in Europa und daß der Ar- beiter in den Ver. Staaten mehr und bessere Nahrungsmittel ver- braucht, als sein europäischer Kollege, ohne dafür mehr Geld auszu- geben, als der letztere. Kleidungsstück, sowie die Wohnungen find in Europa dilliger, als in den Ver. Staaten, doch wohnen die europäischen Arbeiter schlechter als die amerikanischen. — Dieser Bericht malt die Verhältnisse der amettkanischen Ar- bester in den schönsten Farben und wer dieselben nicht ge- nauer kennt, der muß schließlich denken, daß Amerika faktisch ein Eldorado für Arbeiter ist. Der Zweck dieses schönen Be- ttchtes soll sein, den amerikanischen Gesetzgebern klar zu machen, daß die Forderungen der dortigen Arbeiter ungerechtfertigt find.— Die Kehrseite der Medaille zeigt ein ganz anderes Bild; fie zeigt, daß in Amerika auf wirthschaftlichem Gebiete viel weniger Stabilität vorhanden ist, als in den Staaten Europa's. Die Ardeiter in der Neuen Welt unterliegen den Schwankungen auf diesem Gebiete weit mehr, als die Arbeiter Europa's; selten kann in diesem Lande ein Arbeiter darauf bist, daß es nur mein persönliches Mißgeschick ist, daS mich verfolgt." „Warum hast Du das Averbieten des Grafen'FerguS abgelehnt, im Schloß M'Donuil zu bleiben? Du hättest dort sorgenlos leben können." „Das hieße von Almosen leben, und ein Almosen an- zunehmen, Pathe, dazu bin ich denn doch zu stolz, da« würdest Du doch selbst nicht wollen." „Du hast so Unrecht nicht, mein Junge; ich gestehe Dir, es gefiel mir recht gut, daß Du die Summe, welche Dir der Graf als Honorar anbot, nicht annahmst, sondern Dich begnügtest, eine zivile Rechnung zu machen und lediglich diesen Betrag Deiner Liquidation entgegen nahmst." „Siehst Du? Und doch redest Du mir ern, ern Al- mosen zu nehmen." „Ich dachte eigentlich an etwa? Anderes Fritz, die Krankheit des Grafen wird wiederkehren. Wenn Du dann nicht mehr hier bist, so wird er Deines Beistandes ent- kehren müssen, und das ist trauttg für ihn und für uns Alle; bei mir steht die Ueberzeugung fest— nur Du allein kannst ihm helfen." „Aberglaube, Onkel Habicht I Jeder verständige Arzt, «elcher den Sitz seine« Uebel« zu ergründen vermag, kann einm Weg zur Heilung, wenn ein solcher überhaupt vor- Janden, finden; bis jetzt habe ich die Ursache seiner Krank- eit nicht ermitteln können, also auch noch keinen Weg zu seiner Heilung gefunden." „Ich weiß aber, daß er nach Dir verlangen wird. Wenn Du nun in Deutschland bist, wie sollen wir dann Deiner habhaft werden?" J „Bei aller Freundschaft für Dich, Onkel Habicht, und bei all' meiner Theilnahme für den Grafen und besonders für die liebreizende Gräfin Agathe, könnt Ihr mir doch nicht zumuthen, daß ich auf die unbestimmte Aussicht hin, einmal wieder im Schloß M'Donuil eine Statistenrolle zu spielen, hier in England an Hungerpfoten zehre." „DaS ist wohl wahr Ftttz; aber ich dachte, daß Du vielleicht so lange meine Unterstützung annehmen würdest, bis ich etwa« Bessere« für Dich finde. Viel besitze ich rechnen, längere Zeit an ein und derselben Stelle thätig zu sein und wenn er während der Zeit, wo er das„Glück" hat, arbeiten zu können, elwas mehr verdient, wie ein europäischer Arbeiter, so kommt daS kaum in Betracht, weil der Zeit der Thätigkeit fast immer eine eben so lange der unfreiwilliam Unthätigkttt folgt.— Ueber die wirklichen Zustände Amettfa's giebt ein Berichs in einer der letzten Nummern des„Bradstrett'S Journal" näheren Aufschluß. Dasselbe enthätt ein Resume au« Korrespondenzen von 4000 in 21 verschiedenen Staaten ansäsfigen Berichterstattern, über die L a g e der Lohnarbeiter. Diesem Resume entnehmen wir folgendes: Dem letzten Zensus(1880) zu Folge betrug die Anzahl der in den industtiellen Etabliffe- ments, sowie in den Fabttken der Verttnigten Staaten be- schäftigtm Arbttter 2718 805. Von dieser Anzahl entfielen 90 pCt. oder 2 452 749 auf die obenerwähnten 21 Staaten Gegenwärtig find in den letzteren Staaten 316000 Arbttter beschäftigungslos, während die Löhne daselbst um 10 bis 30 pCt. reduzi rt worden sind. Die Anzahl der strikenden Arbeiter beträgt 17 550 und es heißt, die Tendenz zum Herabsetzen der Löhne sei dort, wo die„Trades Unions" am schwächsten stten, am ausgeprägtesten. In den leitenden Industriezentren find gegegenwärtig beschäfti- gungslos 80000 Eisenarbeiter, 35 000 Kleidermacher, 20000Baumwollspinner. 24000 Wollenspinner. 18000 Schuh- und Stiefelmacher. 13000 Zigarrenmacher. 4700 Glasbläser, 2000 S e i d e n w e b e r u. s. w. Der größte Prozentsatz der be- schaftrgungslosen Arbeiter, 40 pCt, befindet sich in Minne- so t a. Im Staate N e w- Y o r k ist der Prozentsatz 18. in P e n n s y l v a n i a 16, in N e w- I e r s e y 8, in der Stadt N e w- A o r k 24, in P h i l a d e lp h i a 31, in B o st o n 7'/-, in Baltimore 3V- und in Detroit 62. Auch in dieser Woche find in vielen Etablissements die Arbeitslöhne reduzirt worden._ Aommutmw. cn am Dienstag. Nach Mrttherlung rm Magistratskollegium Uber die Benutzung der im Rathhause befindlichen Fernsprecheinttchtung find im Laufe deS Jahres zwischen dem Rathhause und den außer dem- selben liegenden städtischen Bureaux, den Pumpstationen der Rieselgüter, der Irrenanstalt in Dalldott, dem Arbetts- und Waisenhause in Rummelsburg 30 622 Verbindungen behuf« Fernsprechung hergestellt worden, so daß, da an Sonn- und Festtagen eine Benutzung der Fernsprechanlagen nicht statt- findet, täglich etwa 100 Besprechungen durch Fernsprecher statt« gefunden haben.— Das Kuratorium des städtischen Erleuch- tungswesens hat dem Magistrat Mittheilung gemacht über den Verbrauch von Gas während des Kalenderjahres 1884. Hiernach wurden 73 074 100 Kubikmeter Gas gebraucht, während im Jahre 1883 nur 69 600900 Kubikmeter, also 3473 200 Kubikmeter weniger als 1884 verbraucht worden find. Der 19. Dezember 1884 ist der Tag an, welchem der größte Gasverbrauch stattgefunden hat, nämlich 393,400 Kubikmeter, während im Jahre 1333 am 21. Dezember der größte Verbrauch mit 375,500 Kubikmeter stattfand.— Das königliche Polizeipräfidium hat, wie bereits vor Kurzem bekannt geworden ist, seine Erklärung über das ihm vorgelegte i Projekt einer Pferdeeijenbahn über den Müblendamm abge- lehnt, so lange nicht die Frage wegen der Feststellung von Baufluchten für den Mühlendamm erledigt stt, wobei auch die beabstchtiqte Schiffbarmachung der Spree berückfichtigt werden{ müsse. Das Projekt dieser Baufluchten ist unabhängig von dem Pferdettscnbahnprojekt bei dem Magistrat schon früher bearbeitet worden, und rst dabtt auch auf die Spreeregulirung i Rücksicht genommen, die Feststellung dessttben soll aber bei der Kostspieligkeit deS Unternehmens nur erfolgen, wenn zuvor die staatliche Genehmigung der Pferdeetsenbahn Anlage uchP* damit auch der Beitrag der Pferdeeisendahn-Gesellschaft zu vev j Kosten der Verbreiterung der Straße gesichert ist. Erfolgt dann diese Verbretterung, so wird damit auch die Ausführung der Schiffbarmachung; der Spree wesentlich erleichtett. Der! Magistrat wird deswegen dem Polizeipräfidium das Flucht- j linien-Projekt zur Kenntniß bttngen. D o k a l e s. Die neue an der Charlottenburger Chaussee zwischen- Station„Bellevue" und„Zoologischer Gatten" gelegene Halte- x stelle der Stadtbahn ist, wie bereits gemeldet, dem Verkehr j übergeben worden. Vorzugsweise wird diese Haltestelle von] den Studirenden der nahe gelegenen technischen.Hochschule de-] nutzt werden, weniger jedoch von den besonders konservativen i Bewohnern Charlottenburgs, die nach wie vor als bequemere« I Verkehrsmittel die Pferdebahnlinie„Charlottenburg-Kupfer-!, graben" vorziehen dürften. Um so wichtiger wird die neue; Station für die unmittelbar benachdatte reizende Villenkolonie SiegiSmundShof werden, wo im Kranze grüner Bäume die be- kannte Villa„Ende" liegt, ganz besonders aber für einen, Etadttheil Berlins, der im Nordwesten des Thiergattens auf; nicht— Du weißt es— was ich aber besitze, ge- hört Dir so gut wie mir. Willst Du bleiben, so weißt Du, daß Du mir dadurch einen große« Freundschaftsdienst er- 1 weisest. Ich komme den weiten Weg hierher, da Du mir Deinen Entschluß schriebst, England zu verlassen, um zu• versuchen, ob ich Dich nicht zum Bleiben bewegen könnte;» mir ahnt, wenn Du England verläßt, so weicht mit Dir jede Hoffnung auS Schloß M'Donurl. Unser Haus wird ein UnglückShauS fein, wenn Du es nicht mehr betrittst.": «Ich danke Dir, Onkel, für Dein fteundschaftlicheS Anerbiete«. Ich wiederhole Dir, daß mttn Stolz verlangt, daß ich auf eigenen Füßen stehe. So wohlgemeint auch Dein Anerbieten ist— ich kann es nicht annehmen. Würde ich ttner Wohlthat bedürfen, sei überzeugt, Onkel Habicht, von Dir nehme ich sie eher, als von jedem andere» Menschen." Er faßte seine Hand und blickte mit inniger Zuntt- gung in das treuherzige Auge des Alten; dann fuhr er sott: „Ich will Dich nicht kränken, laß Dich begnügen mit dem Versprechen, daß, wenn ich einst einer Unterstützung bedürfen sollte, ich mich zuerst und nur allein an Dich wenden würde; das ist aber auch Alles, was ich Dir ver« sprechen kann. Laß uns jetzt nicht davon reden. Mein Entschluß, England zu verlassen, ist unumstößlich." Habicht wollte antwotten, aber seine Aufmerksamkeit wurde abgelenkt durch das Rollen eines Wagens, welcher vor dem Haufe hielt. Beide blickten neugierig durch das Fenster, denn eine Equipage vor dem Hause des Doktors war eine Seltenheit. Ein fein gekleideter Herr stieg aus. „Da hast Du'S! Ein reicher Patient!" rief Habicht- „Da« unverhoffte Glück, von dem ich vorhin sprach, kom«t schon." „Ich will nur hoffen, daß ei nicht einer der Steuer' Taxatoren ist, die mich zu allem Ueberfluß in letzter Zeit behelligt haben," erwiderte Fritz lächelnd.„Wie ein Patient sieht der Herr gerade nicht aus; und wenn er Patient ist- so schttnt seine Krankheit nicht schwerer zu sein, als die de* vornehmen Dane, von welcher ich Dir eben erzählte. Gie» den ehemaligen schSneberger Wiesm im Entstehen begriffen ist.| Viele Berliner kennen, wie der„Magd. Ztg." von hier ge- schrieben wird, diesen Fleck Erde, welcher in weitem Bogen von der Spree umsäumt wird und mit dem jenseits derselben liegenden, überraschend schnell em- porgeblühten Moabit, mehr nach Westen aber mit Charlottenburg in Verbindung steht, aus unmittelbarer An- schauung kaum, höchstens, daß fie von der Stadtbahn aus, deren Viadukt von Bahnhof„Bellevue" bis zu der neuen Halte- station an der Chailottenburger Chaussee mitten durch das Terrain hindurchführt, einen flüchtigen Blick auf die neuen Straßenzüge geworfen haben, daß dieser Komplex je bebaut würde, konnte man vor zehn Jahren kaum ahnen, Venn er bil- dete eine ebene und tief gelegene Wiesenfläche, welche fast in jedem Winter resp. Frühjahr überschwemmt war und Schlitt- schuhlaufern und Kähnen zum Tummelplatz diente. In seinem Werke: ,,Die Kanalisation von Berlin" kann denn auch Bau- rath Hobrecht nicht umhin, die Umwandlung dieses TerrainS zu Baustellen in so fern als ein beklagenSwerthes Unter- nehmen zu bezeichnen, als dieselbe ohne Berückstch- tigung der Schwierigkeiten, welche die Entwässerung bieten würde, geschehen sei. Hiervon abgesehen, habe auch diese Fläche sowohl im Sommer als Wiese, wie im Winter als Eis- oder Wasseldahn einen herrlichen Abschluß und eine treffliche Ergänzung des Thiergartens gebildet. Acfthetische Gründe find indeß für Spekulanten selten ausschlaggebend, und so ist die Spekulation auch über dieses früher so anmuthige Fleckchen Erde hergefallen, um es mit Häusermassen z» be- setzen. Nachdem im Südwesten Berlin?, in der Gegend der Kurfürstenstraße, auf dem berliner Territorium sämmtliche Bau- stellen besetzt find und nunmehr nur auf Charlottenburger Grund und Boden gebaut werden kann, wo jedoch der Mangel einer Kanalisation und einer Wasserleitung zum Baum keineswegs einladet, hat jenes Berliner Terrain an Bedeutung erheblich ge- wonnen. Da die Hauptstadt dem eigenthümlichen Drange fast aller Großstädte, fich nämlich speziell und mit besonderer Vor- liebe nach Westen auszudehnen, folgt, und da der jährliche Bevölkerungszuwachs Berlins im Durchschnitt auf dreißigtausend Mmschm zu veranschlagen ist, so dürfte hier in etwa fünf Jahren nichts mehr an den ehemaligen idyllisch-ländlicken Charakter der Gegend erinnem und ein voll- ständig neuer Stadttheil von etwa 50 000 Quadratmetern Ausdehnung entstanden sein. Drei breite, vollständig regulirte Avenuen, die Klopstock-, Altonaer- und Lesfingstraße, deren Dammkrone etwa vier Meter über dem Terrain liegt, durch- schneiden die Fläche diagonal und bilden im Schnittpunkte einen weiten Platz, den sogenannten„Hansaplatz". An ihren Endpunkten werden diese Straßen durch die ebenfalls rcgulir- ten Kuxhafen er-, Flensburger-, Claudius- und Händeistcaße, sowie die Brückmallee verbunden. Die beiden letztgenannten Verkehrwege, von denm der eine direkt am Thiergarten entlang läuft, find bereits mit palastartigen, durch schöne Faeaden aus- gezeichneter Häusermaffen dicht besetzt, wäbrmd in den anderen Straßen schon vereinzelt mancher stattliche Bau, darunter Perlen der Architektur, emporgewachsen ist. Beachtenswerth erscheint, daß fich im Gegmsatze zu den riefigen Kasernen in der Kur- füistenstraße, wo die Höfe in Folge ihrer winzigen Ausdehnung wahre Löcher ohne Lust und Licht find und Erage über Etage zu schwindelnder Höhe hinansteigen, eine mehr mit hrigimischen Bedingungen übereinstimmende, mäßigere Ausnutzung des Grund und Bodens vortheilhaft bemerkvar macht. Man findet Häuser von nur zwei Stockwerken mit Vorgärten und bellen, luftigm Höfen, so daß der vlllenartige Charakter des Baues mehr gewahrt ist. Die bevorzugtere Bauweise ist rothe Ziegel- Verblendung für die Faeadm mit Sandsteingliedecung— eine Architektur, die in Folge ihrer Solidität und Schönheit be- kanntlich immer mehr bevorzugt wird, wiewohl ihr Charakter unter dem an und für fich schon melancholisch wirkenden nor- dischen Himmel nur noch düsterer erscheint. So scheint fich hier denn, ebenso wie im Potsdamer- und Kurfürstenviertel, der wohlhabendere Theil der Berliner Bevölkerung niederzu- lassen. Und die neue Haltestelle der Stadtbahn, sowie die in unmittelbarer Nähe gelegene ältere Station„Bellevue" werdm zu der schnellen Bevölkerung und Entwickelung des neuen Stadttheiles insofern eminent beitragen, als nunmehr die Ver- dindung mit dem Zentrum Berlins eine ungemein bequeme und schnelle ist. So wächst Berlln mit Riesenschritten deson- derS nach Westen hin, und die Zell dürfte nicht fern sein, wo eine Jnkommunaliflrung der Nachbarstadt Charlottendurg zu einem Akt der Nothwendigkest wird. e. Im Bäckerladen. Wer das menschliche Elend, wie eS eine Großstadt in so reichem Maße in fich birgt, wenn auch nur von ferne beobachten und kennen lernen will, der folge nicht der großen Heerstraße deS Lebens, wo ihm das Unglück, die Verkommenheit, das Laster in hunderterlei Gestall in schreiendster und abschreckendster Weise entgegentritt. Die Gestalten, die er dort steht, find jene Bedauernswerthen, die fich in trauriger Spekulation den Blicken der Menge preis- geben, um ihr Mitleid zu erwecken, auf das fie angewiesen sind, welche aber besser der Oeffentlichkeit entzogen würden, indem in ausreichender Weise für fie gesorgt würde. Viel er- Acht, ich werde wieder in der Lage sein, ein Brausepulver zu verschreiben." Der Herr, welcher aus dem Wagen gestiegen war, be- trachtete erst von außen das HauS, wobei er das Gesicht «in wenig geringschätzend verzog; dann trat er in das- selbe ein. „Hast Du seine Miene beobachtet?" fragte Fritz.„Er schien zu sagen: Ein Doktor, der in einem so unkomfor- table» Hause wohnt, kann kein sehr großes Lumen sein... Nun, wir wollen sehen!" ES klopfte.„Herein!" Ein Herr in den vierziger Jahrm mit einem Gesicht, auf dessen regelmüßigen Zügen Ernst und Würde lag und dessen Benehmen feinen Anstand verrieth, trat ein. »Ich komme, den Herrn Doktor Rodenburg zu sprechen," sagte er. „Das bin ich!" antwortete Fritz, ihm entgegentretend und ihm sein Luxusmöbel, den ledergepolsterten Stuhl, hin- schiebend.—«Wollen Sie gefälligst Platz nehmen?" „Ich danke Ihnen r antwortete der Herr, indem er sich setzte und den spanischen Rohrstock mit dem goldenen Knopfe zwischen seine Knie nahm. Fritz setzte sich ihm gegenüber „Sie sind Arzt, mem Herr?" „Ja!" antwortete Fritz. „Wo studirt?" „Heidelberg und Berlin!" t, „Schon Praxi» in Seelenheilkunde gehabt?« Fritz blickte den Mann jetzt mit einem eigenthümlichen Ausdrucke an. Sollte der Mann vielleicht selbst eineS Irrenarztes be- Hefen, da er fich erkundigt, ob ich Praxis in der Seelen- Heilkunde gehabt habe?" dacht« er bei sich. Nein I Wie ein Geisteskranker sah er nicht aus... und doch waren seine Fragen so eigenthümlicher Art. Weshalb erkundigte er sich nach seiner wissenschaftlichen Karriere?.... Jedenfalls sehr sonderbar I Er beschloß, rn der folgenden Unterredung genau Acht zu geben, wo de, Srtz des Wahnfinns sei, fall« er es mit einem Wahnsinnigen»u thun haben sollte. greifender wirkt das menschliche Elend, welches fich freiwillig und geflissentlich der Oeffentlichkeit entzieht und doch dem auf- merksamen Beobachter in so vielfacher Weise erkennbar ist und anschaulich zu Tage tritt. Sind eS oft auch nur schein- bar unwesentliche Momente, gewissermaßen nur Kapstel- Ueberschriften aus der großen Leidensgeschichte, die uns vor Augen treten und in dem Strudel des weltstädtischen Lebens theils übersehen, theils gar nicht bemerkt werden, für den denkenden und fühlenden Beobachter genügen diese schwachen Anhaltspunkte, um sich aus ihnen den ganzen Roman in allen seinen Einzelheiten zusammenzustellen. So hatte Schreiber dieses Gelegenheit, auf oben geschilderte Weise die tiefergreifende Leidensgeschichte einer Arbeiterfamilie in einen Bäckerladen kennen zu lernen. In besagtes Kaufgewölbe trat ein ärmlich gekleideter Knabe, die Verkäuferin bittend, ihm ein Brod zu„borgen".—„Nein", erwiderte diese,„borgen kann ich Euch Nichts mehr, lieber will ich Euch ein Siück Brod schenken." Mit diesen Worten nahm fie ein angeschnittenes Brod vom Tische und überreichte es dem Knaben, welcher da- mit verschwand. Befremdet und verwundert schaute ich auf die Frau.„Sehen Sie", erklärte diese, welche meinen fragenden Blick verband,„die Leute dauern mich. Es ist ein Unglück, aber wer kann helfen? Die Leute haben immer bei mir gekauft,— der Mann ist Arbeiter— es ging Alles gut bis der Mann eines Tages arbeitslos wurde. Da fingen fie an zu borgen und als es ihnen schließlich wohl peinlich werden mochte, blieben fie fort, gingen anderswohin und ver- suchten doit ihr Glück. Jetzt mögen fie wohl die Reihe durch sein und nun fie nichts mehr geborgt bekommen, so kommen fie wieder zu mir. Ich kann aber auch nicht mehr borgen und so habe ich lieber das Brot geschenkt." Tief ergriffen lauschte ich diesen Worten. Welch' ein Bild entrollte sich vor meinen Augen! Ein rechtschaffener Arbeiter, durch ehrliche Arbeit seine Familie ernährend, bis er durch unverschuldetes Unglück mit den Seinen in Roth und Elend geräch. Außer Stande, das tägliche Brot zu verdienen, sehen die Armen fich genöthigt, ein Stück nach dem andern zu veräußern, um den nöthigen Lebensunterhalt herbeizuschaffen. Als auch diese Quelle endlich versiegt, bleibt ihnen Nichts anderes übrig als zu borgen, in der Hoffnung, die Schuld wieder tilgen zu können. Aber diese Hoffnung erfüllt fich nicht und mit bitteren Thränen essen die Unglücklichen, unfähig zum Betteln, schließlich dennoch das Bettelbrod.— Derartige Existenzen aiebt es in einer Großstadt nur zu viele, welche, die Oeffentlichkeit scheuend und meidend, im Verbor- genen ihr trauriges Dasein fristen, dem aufmerksamen Beobachter aber durch vielerlei Anzeichen fich offenbarend. Ein eigenthümliches Aufquellen des Holzpflasters ist im Anfange des vorigen Monats in Berlin an der vor dem Seitenthore des Reichsbank- Gebäudes gelegenen Strecke der Oberwallstraße beobachtet worden. Dort waren dje Zwischen- räume der Haarmann'schen Straßenbahnschienen seitens der Großen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft mit 8 Zentimeter hohen Klötzen aus amerikanischem Zypreß- und Nellowpine- Holz auf Betonbettung belegt, wie dies in Berlin neuerdings vielfach geschieht. Der Belag ist gegen Ende September v.J. bei völlig trockenem Wetter aufgebracht worden und zeigte keine Spuren von Unzuoerlässtgkeit, bis gleich nach Aufhören des Frostes und Eintritt d«S Thauwetters in wenigen Tagm die beiden mittleren Stränge der Doppelgeleise und das daneben befindliche Holzpflaster auf etwa 15 Meter Länge in die Höhe gehoben wurden, und zwar bis zu 11 Zentimeter hoch. Durch den Raddruck der schweren Lastfuhrwerke ist der Holzbelag theilweise bald wieder zulückgesunken und hat fich sogar an einigen Stellen unter die aufgebogenen Schienen gedrängt, welche in ihre ursprüngliche Höhenlage nicht zurückgingen. Erst nachdem das aus seiner ordnungsmäßigen Beschaffenheit ge- brachte Holzpflaster durchgeschlagen und zum Theil entfernt worden war, nahmen die Schienengeleise annähernd ihre frühere Lage wieder an, abgesehen von den bleibenden Durch- biegungen, welche als Folge der gewaltsamen AnHebung zurück- blieben. Das amerikanische Holz ist wegen seines hohen Harzgehalts im natürlichen Zustand ohne Jmprägnirung verlegt worden. Die einzelnen Klötze und Klotzrethen wurden hierbei ohne Zwischenlage von Asphallpappe oder anderen Fugenfüllmitteln dicht aneinander gesetzt. Ferner ist zu beachten, daß die Oberwall- straße an der bezeichneten Strecke einen tiefen Gefällbrechpunkt hat, nach welchem hin von beiden Seiten aus die Entwässerung stattfindet. Es liegt dort ein Gully zur Einführung des Regen- wassers in die städtische Entwässerungsleitung.— Der eigen- thümliche Vorgang ist so zu erklären, daß bei Eintritt des Thauwetters das gerade an dieser Stelle besonders stark unter Waffer gesetzte Holz durch Aufquellen sich ausdehnte und ge- wallsam hob, da keine größeren Zwtschenfugen vorhanden waren, welche den erforderlichen Spielraum für die Ausdehnung ge- währt hätten. Begünstigt wurde diese Erscheinung vermuthlich noch durch den Umstand, daß durch die nicht gedichteten Fugen des bei trockenem Wetter verlegten HolzbelagS wohl schon vorher Feuchtigkeit gedrungen war, welche während des scharfen Frostes ein Abheben deffelben von der Betonunterbettung ver- anlaßt haben dürste. Daß durch eine vorherige Jmprägnirung „Ich habe bis jetzt nur sehr vereinzelte Fälle von Geisteskrankheit behandelt," antwortete Fritz. „Und mit Glück?" „Soweit auf diesem Gebiet ein Glück möglich ist," er- wiederte Fritz,„darf ich sagen, daß meine Kuren nicht ganz ohne Erfolg waren.... DaL Glück, da« ein Irrenarzt haben kann, besteht ja meistens darin, daß er Patienten zu behandeln hat, deren Wahnsinn eben nicht unheilbar ist. Die ganze Kur des Irrenarztes besteht nach meiner Ansicht darin, daß er zuerst erkennt, woher die Krankheit rührt— ob dieselbe in einem organischen Leiden oder in einem reinen Seelenleiden ihren Ursprung habe. Ist eS möglich, die Beseitigungsmittel den Entste- huagsgründen analog zu machen, so ist Hilfe möglich. Sind die Entstehungigründe seelischer Natur, so muß der Patient von seinem eigenen Standpunkt aus seelisch behandelt wer- den; man muß versuchen, ihn von seiner fixen Idee zu befreien.— Ob das gelingt oder nicht, das hängt immer von der Natur der Krankheit, viel weniger von der Kunst des Arztes ab." „Sehr richtig! Sehr richtig!" sagte der Fremde, „Sie haben das rechte Verständmß von der Sache. Ich täuschte mich in Ihnen nicht; ich erwartete in Ihne« einen Mann zu finden, welcher von der Seelenheilkunst Verständniß hat....... Ich freue mich Ihrer Akqui- sition." Ohne Zweifel wünscht er, von mir behandelt zu sein, dachte Fritz. „Wenn eS sich um eine zu übernehmende Kur handelt," fügte er laut hinzu,„so bedauere ich, daß ich eine solche nicht mehr beginnen kann, denn in wenigen Wochen ge- denke ich England zu verlassen." „Ah, Sie wollen England verlassen?" erwiderte der Fremde.„Aus welchem Grunde, mein Herr?" „Weil ich versuchen will, in Deutschland, meinem Vaterlande, mir Praxis zu verschaffen." „Würden Sie sich unter günstigen Bedingungen nicht bestimmen lassen, hier zu bleiben?" »Es kommt darauf an, mein Herr, was Sie unter günstigen Bedingungen verstehe«?" der Holzklötze das Aufquellen und die Zerstörung des Pflaster« vermieden worden wäre, ist nicht anzunehmen. Wohl aber würde aller Wahrscheinlichkeit nach diese Zerstörung nicht erfolgt sein, wenn die Zwischenfugen des HolzgebälgS weit gmug und mit dichter, elastischer Fugenfüllung versehen gewesen wären. Ein Stück Berlin bei Nacht entwickelte fich am Dienstag in den frühesten Morgenstunden in der Spandauerstraße vor dem Hause der bekanntesten Berliner Pfefferkuchenfabrik. Letztere veranstaltet alljährlich nach der Weibnachtskampagne einen Ausverkauf von Bruch- bezw. zurückgesetzten Pfefferkuchen, der wegen seiner Qualität einen wahrhast reißenden Absatz findet. Bald nach 4 Uhr Morgens erscheinen aus dem Dunkel der Nacht die ersten Käufer auf der Bildfläche und nehmen vor dem noch geschlossenen Laden geduldig Aufstellung, in kurzer Zeit find über hundert Menschen, Frauen und Männer im dichten Knäuel versammelt. Eigentbümlich ist die Ausrüstung derselben, einige haben Säcke und Waschkörbe, andere riefen- haste Taschen und Kästen, die meisten aber haben fich mit Bett- bezw. Kopfkissen-Ueberzügen oder weißen Bettlaken ver- sehen, denn es gilt möglichst viel von der billig verkauften süßen Waare fortzuschaffen. Trotz der scharfen Morgenlust werden scherzhafte Bemerkungen gemacht, und blüht der Humor, auS den Gesprächen geht hervor, daß fich in vielen Fällen kleine Aktiengesellschaften und Kompagniegeschäste gebildet haben. Die» selben schicken einen möglichst kräftigen Vertreter zum Kauf aus, worauf dann an einer verabredeten Stelle die Theilung des„Eingebrachten" stattfindet. Gegen 6 Uhr wird der Laden geöffnet, ein Moment, der ein rege» Drängen und Schieben veranlaßt. Der Verkauf, der übrigens nirgends vorher öffent« lich angekündigt worden ist, vollzieht fick, der„Nat.-Ztg." zu- folge in Eile und Hast, schwerbepackte Gestaltm verlassm durch die Nebenthür das Haus, und in wenig Stunden hat auch das letzte Krümchen Pfefferkuchen seinen Liebhaber gefunden. r. Die Eiserndte» die in der gegenwärtigen Eis-Saison bereits einmal zu Wasser geworden, ist jetzt wieder im vollen Umfange aufgenommen worden und zwar mit verstärkten Kräften; man traut dem Frostwetter selbst im Januar nicht mehr und beeilt fich, die erforderlichen Vorräthe in Sicherhett zu dringen. Das Hauptkontingent der Eisbedürftigen stellen, wre früher so auch in diesem Jahre, die Brauereien, in deren Eiskellern noch weite Räume zu füllen find.— Um die Eiserndte möglichst zu beschleunigen, werden zwar viele beson- ders angenommene Arbeiter beschäftigt, doch steht der durch das reichliche Angebot von Arbeitskräften stark herniederge» drückte Lohn in keinem Verhältniß zu der anstrengenden Ar- beit, die freilich den durch fleißiges Biertrinken ziemlich vollblütigen Brauereiarbeitern leicht wird, der aber die Mehr» zahl der durch Hunger und Entbehrung entkräfteten Tage« arbeiter nicht im gleichen Maße gewachsen ist. Es find mit- unter rechte Jammergestalten, welche mit steifqefrorenenIGlie- dern die Eispicke handhaben, um den geringen Tagelohn Abends der hungernden Familie heimzubringen. Mit welcher unparteiischen Strenge jetzt die Behörden gegen alle diejenigen Eigentbümer vorgehen, welche prostituirte Frauenzimmer in ihren Häusern dulden, dürfte daraus zu er- sehen sein, daß jetzt eine Anklage wegen Kuppelei gegen einen höheren gerichtlichen Subalternbeamten erhoben worden ist, in dessen in der Ackerstraße belegenen Hause solche Frauenzimmer ihr Wesen getrieben haben sollen. g. Der morgen vor dem Schwurgericht des hiestgen Landgerichts II stattfindenden Hauptverhandlung gegen die wegen TodtschlagS angeklagten Bauerngutsbesttzersöhne Ebel aus Schönow wird auch eine große Anzahl von Bewohnern Schönow's und Umgebung beiwohnen, welche neben den ge- ladenen Zeugen bereits in Berlin eingetroffen find. Da auch von dem Berliner Publikum ein großer Zudrang zu erwarten ist, so wird der Zuhörerraum wohl bis auf den letzten Platz gefüllt sein. g- Der erste Tag des große« BillardturnierS zwischm Peyraud-Rudolphe aus Paris und Franz Etscher auS den Gratweil'schen Bierhallen hatte zu einer Entrirung bedeutender Wetten Veranlassung gegeben, welche theils für Peyraud- Rudolphe'S, theils für Etscher's Sieg lauteten. Wie wir hören, besteht auf Etscher allein eine Wette von 5000 Mark. Aber auch auf Peyraud-Rudolphe find hohe Wetten gemacht; wie hoch die Ermattungen auf dessen Sieg find, beweist die Thatsache, daß bereits am ersten Abend Sportsmänner, welche hier die Stelle von Bool-makcr zu vertreten scheinen, Wetten auf Peyraud-Rudolphe von 1506 M. gegen 1000 M. offerirten. Der Ausgang des ersten Spiels von 1000 Points würde allerdings eine derartige Erwartung als berechtigt erscheinen lassen— denn Peyraud-Rudolphe hatte 1000 Points erreicht, als Etscher erst 769 aufweifen konnte— wenn es fich nicht auf beiden Seiten um Billardgrößen handeln würde, bei denen ein glücklicher Abend die verlorenen wieder gewinnen läßt. In Betracht zu ziehen ist auch, daß Etscher erst 4 Jahre das Billardqueue in der Hand hat. während Peyraud-Rudolphe bereits seit über 20 Jahren als Billarvprofessor Kunstreisen in Europa, Amerika«. macht. Das Spiel begann um V-8 Uhr „Ein Gehalt von vierhundert Pfund bei vollständig freier Station." „Wie?" fragte Fritz.„Mit wem habe ich die Ehre?" „Ah, so l" sagte der Fremde.„Ich dachte nicht daran, daß ich Ihnen unbekannt bin und vergaß, mich Ihnen vor- zustellen. Mein Name ist Gefferson; ich bin Chefarzt in BetheSda." Fritz vermochte nichts, als ein erstauntes„Ah!" her» vorzubringen. „Sie wurden mir," fuhr Gefferson fort,„voix einem gewissen Herrn O'Brian empfohlen." „Das war brav von dem Baronet," sagte Habicht, der seine Freude über das unerwartete Glück, das seinem Pathen widerfuhr, kaum noch zu bemeistern vermochte.., »Ja, ja, Herr Doktor, der Baronet hat Recht, mein Pathe, der Doktor Rodenburg, ist ein gescheidter Arzt, der ge- scheidteste Arzt de« ganzen Hochlandes, behaupte ich, und ich kann es deweisen." Der Chefarzt wandte fich leicht lächelnd an Habicht. „Es bedurfte Ihrer warmen Empfehlung nicht, mein Herr," sagte er.„Ich habe schon von anderer Seite die vortheilhasteste Auskunft über Herrn Rodenburg erhalten... Sie kennen den Lord von Killmare?" »Ich sah ihn im Schlosse M'Donuil." „Von ihm hörte ich, daß Sie den Grafen Fergu« M'Donuil behandelt haben und zwar mit günstigerem Er- folg, als alle die berühmten Aerzte, welche man bi» jetzt konfultirte, und schon diese Empfehlung genügt mir, denn ich weiß, daß jedes Wort, das der Lord von Killmare spricht, für baare Münze geomme« wer- den darf.... Er sagt nichts unüberlegt, und was er sagt, darauf kann man sich verlassen.... Ich kenne die Krankheit des Grafen nicht, doch ich bin überzeugt, daß auch hier eine Art Geisteskrankheit vorhan- dm ist." „Ich bin leider nicht ermächtigt, über den Krankheit«» zustand des Grafen Auskunft zu geben, vielmehr glaub« ich, daß es im Interesse der Familie liegt, wenn der Arzt darüber schweigt." (Fortsetzung folgt.) und endete um V»I2 Uhr, die ersten 1000 Points wurden also in 4 Stunden gemacht. Zur Veranschaulichuna des äußerst intereffanten und fesselnden Spiels geben wir hier dm Spiel« rapport. Peyraud: 0, 10, 0, 1, 2, 2, 0, 41, 77, 36, 4, 7, 5, 3, 0, 0, 12, 2, 12, 70, 1, 1, 37, 15, 0, 35, 9, 16, 89, 9, 2, 0, 438, 28 46. 4, 0, 68, 0, 11, 30, 11, 24, 13, 122, 10= 1000 Points: Etscher: 21, 25, 0, 3, 49, 13, 8, 0, 8, 6, 10, 3, 2, 32, 4, 30, 2, 33, 90, 21, 4, 0, 17, 13, 1, 3, 100, 13, 19, 1, 9, 3, 21, 56, 7, 54, 28, 49, 0, 2. 2, 0, 2, 1, 2=- 769 Points. Das Turnier wird auf einem Billard mit abaegrmzten Ecken gespielt, und darf in den vermittelst Kreidestrichen abgegrenzten Ecken nur eine Karambolage gemacht werden, während bei der zweitm Karambolage einer der beiden Bälle aus dem ab- gegrenzten Räume heraus�espielt werden muß. Es soll hier- durch das wenig künstlerische Eck-Sertenspiel vermieden werdm. Unter den zahlreichm Zuschauem bemerkte man Offiziere und eine junge Dame, eine Amerikanerin. a. Zeugengesuch. In der Köpnickerstraße vor dem Hause Nr. 108 ist am 29. v. M. ein Kohlenhändler, welcher einen mit einem Hunde bespannten Handwagen gezogen, von einem Mörtelfuhrwerk überfahren und dabei innerlich so schwer verletzt worden, daß er nach Bethanien gebracht werdm mußte, wo- selbst er bald darauf verstarb. Das Gespann soll der Firma „Berliner Mörtelwerke" R. Guthmann gehören, jedoch tonnte der Führer desselben bisher nicht ermittelt werdm. Zeuge des Vorfalles soll ein ältlicher Herr mit weißem Kopfhaar gewesen sein. Da die Schuld an dem Unglücksfalle dem Kutscher zur Last gelegt wird, so ist es für die Untersuchung von Wichtig- keit, wenn seine Persönlichkeit durch Zeugen des Vorfalles er- mittclt würde. Dieselben wollen von ihren Wahrnehmungen der hiefigen Kriminalpolizei Mittheilung machen- Ueber die Veranlassung zu dem unglücklichen Studenten-Duell ist die„Nat.-Ztg." nun in der Lage, nähere Milthetlungen zu machen. Am 18. Januar des vorigen Jahres fand ein vom Verein Deuischer Studenten zur Feier der Begründung des deutschen Reiches veranstalleter allge- meiner Studenten-Kommers statt, an welchem stch in hervor- ragender Weise auch der Dichter Julius Wolff betheiligte. Das befremdliche Aufsehen, welches diese Betheiligung allge- mein erregte, veianlaßte Julius Wolff in einer Unterredung mit sind. Oehlke die Bemerkung zu machm, daß er dem Feste fern geblieben sein würde, wenn er die Stellung des Vereins Deutscher Studenten gekannt hätte, eine Bemerkung, welche er übrigens in einer größeren Studentcn-Versammlung Ostern 1884 wiederholte. Bei den diesmaligen Ausschußwahlen kam nun Oehlke als Vertreter der philosophischen Fakultät, für welche seit langer Zeit zum ersten Male ein liberaler Kandidat durchgesetzt wurde, in dm Ausschuß. Vermuthlich brachte das Herannahm des Jahrestages jenes Festes die Rede auf die damaligen Vorgänge. In der Unterredung mit seinen Kollegen im Ausschuß berührte nun Oehlke die Aeußerung des Herrn Julius Wolff. Die zum Verein TeutscherStudenten gehörmdenAusschuß- Mitglieder zogen darauf die Wahrheit der Aeußerungen Oehlle's in so beleidigender Form in Zweifel, daß ihm nichts übrig blieb, als eine Reihe von Forderungen ergehen zu lassen, wie wir das bereits gemeldet haben. Er forderte auf Säbel, erhielt aber die Antwort, daß man nur auf Pistolm losgeben wü-de. Speziell Holzapfel, dessen Schicksal allgemeine Theilnahme findet, soll auf dem Auskämpfen der Differenz durch Pistolen bestanden haben. Es bestätigt stch, daß bei dem in der vorigen Woche stattgebabten ersten Pistolenduell Oehlke daS ihm gegen. überstehende Ausschußmitglied ins Bein getroffen und schwer verletzt hat.— Uebrigcvs bat im vorigen Jahre zwischen einem anderen Mitgliede der Freien wissenschaftlichen Vereinigung und einem Angehörigen des Vereins Deutscher Studenten politischer Meinungsverschiedenheiten halber ein Pistolenduell stattgefunden, das indessen unblutig verlief.— Holzapfel studirte seit Michaelis 1882, Oehlke seit Michaelis 1881. Der Tag der Bestattung des Erschossenen ist noch nicht festgesetzt. Möchte doch mit dem Verstordenm auch aller Zwist und Hader eingesargt werden, der unsere Studentenschaft nun schon allzu« lange in zwei feindliche Lager theilt. N. Ein raffinirter Einbruchsdiebstahl ist in der ver- gangenen Nacht in dem Hause Louisenstraße 47, bei einer in der erstm Etage wohnenden Frau Mojorin von Schmeling ausgeführt worden. Die Diebe, welche mit den Wohnungs« verhällnissen anscheinend vertraut gewesen sein mußten, halten, nachdem sie fich in daS Haus Eintritt verschafft, die Glasscheibe der Entreethür geräuschlos eingedrückt und waren so in die Ge- mächer gedrungen. Sie durchwühltm hier sämmtliche Äfften und Kasten, erbrachen diverse schränke, vermuthend auf lohnende Beute zu stoßen. In der Rage haben die Dieb? Gold- und Silbersachm liegen lassen, und fich nur des baarcn Geldes, welches doch über hundert Mark beträgt, angeeignet. Die Frechheit der Diebe ging so weit, daß fie vor Ausübung des Diebeshandwerks die Schlafgemächer der Bewohner sorg- fältig verschloffm. Es ist zu bewundern, daß keiner der Haus- bewohner von der ganzm Diebesaffaire etwas gemerkt hat. Man nimmt an, daß die Diebe in der Voraussetzung die all- monatliche von der Frau Majorin S. zu erhebende Pension vorzufinden, eingebrochen seien. Die Polizei hat bereits die nöthigen Schritte eingeleitet, um der Diebe habhaft zu werden. Gerichte-Rettung. In Dresden hat fich jetzt ein pikanter Jnjurienpro- zetz abgespielt. Hauptdetbeiligter dabei war der Reichstags- vbgeordnere für Dresden, Herr Hartwig. Derselbe hatte den Herausgeber der„Dresdener Zeitung", Herrn Badt, verklagt, weil in diesem Blatte anläßlich des WahlkampfeS in Dresden von Herrn Hartwig gesagt worden war, er habe als Landtags- abgeordneter 1876 bei einer wichtigen Frage seine Ueberzcu- gung in auffallender Weise gewechselt und man habe auch die Gründe dieses Meinungswechsels zu kennen geglaubt. Der Angeklagte bewies durch eine ganze Reihe von Zeugen— ins- gtsumnu sehr namhafte MMeder der Zweiten Kammer—, daß Herr Hartwig bei der Schlußberathung über Einführung des Einkommensteuergesetzes zuerst, unmittelbar vor der Plenar- fitzUNg, in einer vertraulichen Besprechung einer großen Zahl von Abgeordneten fich entschieden gegen das Gesetz ausge- sprochen, dann aber, keine Stunde später, zur allgemeinen Ver- wunderung für dasselbe gestimmt habe. Zum Beweise, daß der Henn Hartwig(als Baumeister) vom Kultusminister übertra- gene Bau zu St. Afra in Meißen nicht damit zusammenhänge, produziite der Amtsanwalt, der Hartwigs Sache führte, ein Zeugniß des Kullusministeriums, wonach diese Uebertragung erst einige Zeit nach jener Abstimmung stattgesunden, wogegen der Vertheidiger des Herrn Badt andeutete, die Verhandlungen wegen dieser Uebertragung könnten immerhin schon früher Platz gegriffen haben. DaS Gericht erkannte den Wahrheitsbeweis ftlr den MeinungSwechsel des Herrn Haitwig als erbracht an und erblickte darin einen mildernden Umstand, nicht aber gleichermaßen den Beweis für die angebliche Thatsoche einer äußeren Einwirkung auf Herrn Hartwig und einer Beein- flussung sewer Abstimmung dadurch; es verurtheilte den An- geklagten zu M. 300 Strafe. Herr Hartwig ist im Reichstage Mitglied der konservativen Fraktion. Breslau, in dulci jubilo. In einem Hause der Mühl- gaffe lebte längere Zeit eine Familie herrlich und in Freuden, welche den Leuten viel zu denken gab. Man zerbrach fich nämlich vergebens die Köpfe darüber, woher die Brachmann- fchen die Mittel zum Lebensunterhalt bezogm. Und allerdings hatte die Frage bei dem seltsamen Lebenswandel dieser Leute eine gewisse Berechtigung. Herr und Frau Brachmann schienen abgesagte Feinde des profanen Wörtchens„Arbeit" zu sein. Weder den Mann noch die Frau sah man eine Beschäftigung verrichten, von der man hätte an- nehmen können, daß fie ihnen Geld einbrachte. Dagegen brachte jeder neue Abend ein neues, anhaltendes Zechgelage in der Brachmann'schen Wohnung, über deren Ver- lauf fich die Nachbam seltsame Dinge in die Ohren flüsterten. Der geneigte Leser enäth es nie, wenn wir es ihm nicht ver- rathen, welche Erwerbsquelle die Leute besaßen, Herr und Frau Brachmann unterhielten ein— Vergnügungslokal für Bettelleute. Das klingt sonderbar, nicht wahr Und doch war es so. Wenn der Abend seine langen Schatten in die Straßen warf, dann kamen nach und nach allerlei verdächtige und zerlumpte Ge- stalten in die Mühlgasse und kehrten in der Brachmann'schen Wohnung ein. Hier wurden die erfochtenen Kupferpfennige auf einen Haufen gestapelt und dafür Branntwein aus der nahe gelegenen Brennerei herbeigeschafft. Fröhliche Lieder er- klangen bald darauf, im tollen Uebermuthe wurden Gläser und Flaschen zusammengestoßen, daß fie in Scheiben zerspran- gen und wenn die Lust ihren Gipfelpunkt erreicht hatte, dann wurde auch ein kleines Tänzchen nach den Klängen einer Har- monika entrirt, wobei man jedoch die Gesetze der Aesthetik nicht allzu ängstlich inne hielt, denn einige neugierige Frauen, welche während eines solchen„Balles" durch das Schlüsselloch der Brach- mann'schen Wohnung lauschten, wollen„Damen" und„Herren" in einem Neglige walzen gesehen haben, das trotz oder viel- mehr wegen seiner Einfachheit allen Regeln der Moralität Hohn sprach. So standen die Dinge, als fich eines Tages ein ebenso unerwarteter als schmerzlicher Fall ereignete. Der Herr des Hauses fehlte. Er hatte in der letzten Zeit an dem Gewerbe seiner Freunde Geschmack gefunden und dasselbe ebenfalls aus- zuüben begonnen. Nun hatten fie ihn zum ersten Male er- tappt. Aber bei diesem einen Male blieb es nicht. Herr Brachmann ward auf ein, zwei, drei, vier und endlich fünf Wochen eingesteckt und da seine belebende Gegenwart mangelte, so verloren fich allgemach die Gäste des Bettlerbeims. Zwar ging die älteste Tochter des Mannes in die Arbeit, diese aber allein konnte unmöglich Brod für die Mutter und drei Geschwister schaffen. Daher sah fich Frau Brachmann genöthigt, die Hilfe des Magistrats in Anspruch zu nehmen und die nunmehr angestellten Recherchen warfen ein seltsames Licht auf das Treiben in dieser Familie. Sowohl der Mann als die Frau wurden wegen Arbestsscheu angeklagt. „Wir könnten noch ganz gut dastehen", sagte Frau Brachmann „und brauchten den Magistrat gar nicht, wenn fie meinen Mann nicht immerfort eingesperrt hätten. Das hat uns erst heruntergebracht."„Aber schämen Sie fich denn nicht," er- widert der Vorsitzende,„allen Strolchen und Vagabunden Unterschlupf zu leisten?"„Lieber Gott," sagte die Frau,„wenn man halt so ein gutes Herz hat"— Karl Brachmann ward zu 6 Wochen Hast verurtheilt, die Frau dagegen freigesprochen. Arbeiterbemguug» Vereine uuü Versnmmwngeu. w-. I« der Generalversammlung der Krankenkasse deS UnterstützungsvereinS der Bildhauer, welche am Dienstag Annenstr. 16 von den Mitgliedern der Verwaltungs- stelle Berlin abgehalten wurde, wurden zunächst die Kassen- berichte erstattet. Der Bericht für daS IV. Quartal 1884 ergab an Einnahmen 1086,40 Mk., Ausgaben(inkl. 1000 Mk., die an die Haupikasse in Stuttgart abgiführt worden find) 1074,60 Mk, während der Jahresbericht für 1884 an Einnahmen 1898,75 Mk., an Ausgaben(inkl. 1000 Mk., die ab« geliefert worden find) 1886,95 Mk. ergab- Die Mitgliederzahl der Kasse ist in Beilin im IV. Quartal auf 305 angewachsen. Aus den dann vorgenommenen Wahlen für die Verwaltung gingen hervor: als Verwalter und Kasstrer Herr Flickschu (wiedergewählt), als Beisitzer die Herren Goffelmann, Buda, Lange und Talke, als Revisoren die Herren Herzau, Kleinert und Ruppert. ES folgte dann dieVerlesung derEcgänzungen»umStatut, welche der Hauptvoistand in Bezug auf die Errichtung neuer Verwaltungsstellen, in Bezug auf die Aufnahme neuer Mit- glieder und in Bezug auf Ueberweisung kranker Mitglieder an Krankenanstalten im Interesse der Kasse für nöthig erachtet hat. Der Hinweis des Henn Dupont auf die Nothwendigkeit, für Berlin noch andere die Krankenkontrole betreffende Vorschriften zu geben, veianlaßte eine längere DiSkusfion. Die Stellung der Kasse zu dem in Berlin neugegründeten Medizinalverein betreffend, führten lebhafte Debatten zu dem Ergcbniß, daß es den Mitgliedern der Kasse überlassen bleiben müsse, dem Me- dizinalverein beizutreten oder nicht. Vor Schluß der Versamm- lung tbeilte der Vor fitzende noch mit, daß an den Zahlstellen (Invalid enstr. 153 bei Hoffmann, Lichtenbergerstraße 14 bei Prabm, Mariannenstr. 8 bei Thiede und Maaßenstraße 35 bei Flickschu) Krankenanmeldungen angenommen und Kranken- icheine für die bei der Kasse vorzulegenden ärztlichen Bescheini- gungen verabfolgt werden. Der Fachverein der Schmiede hielt am Montag Abend in seinem Vereinslokal(Gratweil'scke Bierhallen) seine 2. ordentliche Generalversammlung ab. Der Kasfirer erstattete zu- nächst Bericht über das verflossine Quartal, woraus hervor- ging, daß der Verein über ein Vermögen von 305 M. 15 Pf. vcrfügt, wovon 200 M. auf der Städtischen Sparkasse ange- legt find. Alsdann wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten und wurde Herr M at h en S zum ersten Vorsitzenden, Herr C h a r t o w zum zweiten Vorsitzenden neu gewählt, zum ersten Schriftführer wurde trotz wiederholter Ablehnung Herr D re- witz, ebenso Herr K u h l b r o d t zum zweiten wiedergewählt, zum Kasfirer wurde nach mehrfacher Ablehnung seitens des .Herrn L i m b e k e r, Herr Z e n S, Wasserthorstraße 43 und Herr R aas ch, Landsbergerstraße 64, zum zweitm Kasfirer neu gewählt, zu Beisitzern wurden gewählt die Herren Hahn, Schulz und Fellenberg, zu Revisoren die Herren Limb ecker und Sommerfeld. Da der Referent der Kommission am Erscheinen verhindert war. erstattete Herr Dre- witz einen kurzen Bericht über die Thätigkeit derselben und empfiehlt die Anfertigung von Fragebogen, welche in sämmt- lickm Werkstätten virtheilt werden sollen, was einstimmig ange- nommen wurde, nachdem Herr Chartow und Herr MathenS dafür, und die Herren Fellenberg und Raddatz dagegen ge- sprochm hatten. Ebenso wurde ein Antrag deS Herrn Drewitz, die Kommission auf 15 Mi> glieder zu erhöhen angenommen und wurden gewählt die Herren Michaelis, Grüner Weg 46: Linke, Taubenstr. 35; Lilleike, Borst gstr. 13; Frievrich, Möckernstr. 100; Haberland, Fülstenwalderstr. 4 und Reiser, Kl. Hamburgerstr. 26. Alsdann gab der Schriftführer eine kurze Ueberficht über die Thätigkeit und Entwicklung des Per- eins, mitthellend, daß der Verein über 300 Mitglieder zählt, was eine lebhaste Debatte hcrvonief. Schließlich wurde aus Wunsch der betreffenden Verwaltung bekannt gemacht, daß am Sonntag Nachmittag 3 Uhr eine Mitgliederversammlung der Zmtral-Kronken- und Sterbekasse der deutschen Wagendauer in dm Gratwell'schev Birrhallen stattfindet. Die nächste Vereinsversammlung findet am 19. Januar in demselben Lokale statt. Der Verein„Berliner Turngenossenschaft" eröffnete mit Beginn deS ncmn Jahres seine III. Männerabtheilung in der Turnhalle Gypsstr. 23a; geturnt wird daselbst deS Mitt- wachs und Sonnabends von 8'/,— 10 Uhr Abends.— Ferner ist dem Verein seitens der städtischen Behörden die Tumhalle Stallschreiber str. 54 zur Benutzung an dm Sonntag-Nach- mittagen während der Wintermonate zum Zweck der AuS« brldung von Vorturnern für die Lehrlingsabtheilungm deS Vereins freundlichst miethsfrei überlaffm worden. Ter Verein der jüngste unter den Turnvereinen Berlins, gehört wie alle anderen der„Deutschen Turnerschaft" an. Die nächste Versammlnng des Arbeiter-Bezirktver- ein» der Rosenthaler Vorstadt ist die alljährlich einmal statt- findende Generalversammlung. Sie findet am Montag den 12. d. M, AbendS präzise 8 Uhr, in Vettin's Bierhallen, Veteranmstr. 19, statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Wahl deS gesammtm Vorstandes und der Revisoren. 3. Fragekasten. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber werden alle Mttglieder ersucht, pünktlich zu erscheinen. Di« Mitgliedskarte legitimirt. ■ Permiscktes. Hebet eine Mormonen-Versammlung, welche in Bem vor kurzer Zeit stattfand, drinat die„N. Züricher Ztg." nach- stehenden Bericht: In aller Stille hatten fich etwa 60 bis 80 Mormonen, Männer und Frauen, versammelt. Die Meisten, wo nickt Alle, gehörten dem niederen Landvolke des KantonS an. Das Versammlungslokal war einfach geschmückt. Ein mit rothen Bändern umwundener Kranz schlängelte fich an der weißen Zimmerdecke hin. Auf einem Tische stand ein Fläsch- chen Oel, das von den Aeltesten geweiht wurde und darum die Krast hatte, Blinde sehend zu machen. Der Weiheakt wurde mit einem lauten Gebet begleitet, und die Männer um- schlangen stch dabei mit den Armen. Die Montag-Abendver- sammlung wurde mit einem jener Sektenlieder eröffnet, die ihre Wirkung auf das Gemüth selten verfehlen. ES war eigentlich Versammlung der„Schwestern", der indeß auch die „Brüder" beiwohnten. Die Frauen find fest organistrt, fie haben ihre Vorsteherin und einen Aktuar. Alles, was vor- ging, wurde von Frauenhand sorgsam protokollirt. Die Frauenvcrbindungen haben den Zweck, daS weibliche Wesen zu fördern, wie die Vorsteherin sagte, fie haben fich aber auch der Armen und Kranken anzunehmen. Wie dies bei der HeflS- armee, bei den Temperenzlern und anderen Sekten der Fall ist. pflegt man auch hier viel Werth darauf zu legen, daß die Bekehrten von ihrem Glauben und dem neuen fröhlichen, inneren Leben öffentlich Zeugniß ablegen. Die Zeugnisse batten fast alle die Einaangsformel:„Auch rch will Zeugniß ablegen. daß dies die einzige wahre Kirche Jesu Christi ist." Eine Frau betheuerte:„Ich habe es in meinem Herzen erfahren daß Josef Smith der wahre Prophet ist, ich had' es gesehen, wie er als Engel durch den Himmel geflogen." Des Sprechens in größeren Versammlungen ungewohnt, blieb Manchen ein Stück des Zeugnisses ungesprochen im Halse stecken. Zum Schluß ertönte ein melodischer Gesang von den amerikanischen Sendlingen, welche fick im Kanton Bern fest angefiedelt haben, in englischen Weisen kräftig vorgetragen. Damit hatte das Zeugnißablegen ein Ende. Die amerikanischen Emissäre hielten noch kurze Ansprachen, so gut fie fich in deutscher Rede ausdrücken konnten. Der letzte Redner sprach englisch, und ein Dolmetscher übertrug Satz für Satz in's Deutsche. Allen Anwesenden wurden Schriften und die Glaubensartikel ausgetheilt. Die letzten Braunschweiger. Aus München schreibt man: „In der Braunschweiger Erbschaftsfrage kommt ein neuer Zwi- schenfall zum Vo:schein. Aehnlich nämlich, wie seiner Zeit die Familie des Uhrmachers Naundorf in Holland stch als bour- bonisch auswies, kommen jetzt hier die Erben des Fideikommiß- und Allodialvermögens von Braunschweig-Bevern. Herzog Karl i. von Braunschweig-Bevern, geb. 1. Oktober 1713, gest. 26. März 1780, war am 19. Novem'er 1753 zu Bromderg eine gesetzlich gilttge Ehe eingegangen mit der dortigen Müllers- tochter Anna Marie Scherl. Von den Nachkommen der fünf dieser Ehe entsprossenen Kinder find jetzt nur noch drei am Le« den, nämlich der in seiner Vaterstadt Bamberg im Armenhaus lebende Pfründner und frühere Eattlermeister zu Mün- chen, Georg Bevern und dessen in München lebende zwei unverehelichte Kinder, der königl. Vorreiter Max Bevern und die k. Hofschauspielerin Maria Bevern.— Der bei Jena tödt- lich verwundete Herzog Karl Wilhelm Ferdinand, sein bei Waterloo gefallener Sohn und dcffen beiden Söhne wußten von diesen Verwandten. Besonder« die unglückliche Gemadlin Friedrichs des Großen, Elisabeth Christine von Braunschrveio., stand in lebbaftem Briefwechsel mit ihrem in Bamberg al? Herr von Bevern wohnenden Obeim, dem Urgroßvater der jetzt hier ledenden Braunschweiger. Der am 19. August 1873 in Genf verstorbene Herzog Karl(bekannt als der„Diamanten- Herzog") hatte rhnen sogar die der Stadt Genf zugefallenen Summen zugedacht; allein sein französischer Kammerdiener hatte von Bamberg die Nachricht zurückgebracht, die Familie Bevern exr stire nicht mehr. Der jetzt verstorbene Herzog Wilhelm wußte ihren Aufenthalt, hat ihnen aber nichts hintirlaffen, und doch ist ihre Abstammung und ihr Anrecht unbestreitbar. Die Bevern, Vater, Sohn und Tochter, find wie nun behauptet wird, nach Braunschweiaischem Recht die einzigen gesetzlichen Erben des herzoglichen Privatvermögens." Zwei Freunde treffen fich.„Ich habe gehört, Du willst Dich wieder verheirathen?"—„Jawohl."—„Hast Du noch nicht genug? Wen heirathest Du denn?"—„Die Schwester meiner seligen Frau."—„So, das ist etwas Anderes, Du bleibst doch wenigstens bei einer Schwiegermutter." Witzige Diebe. Aus Neumünster wird dem„B. Fr.-Bl." geschrieben. In der Stadt zirkulirte folgendes artige Geschichtchen, da» hiermit, ohne daß wir die Wahrheit streng verbürgen können, seines Humors Haider nacherzählt sei.— Im Garten des Herrn Echuhmachermeistcrs Todt, Plönerstraße, sollen Spitz- duben in einer der letzten Nächte den ganzen Bestand an grünem Kohl abgeschnitten und als gute Beute fortgeschleppt, an der Garter-thür aber die Inschrift hinterlassen haben:„Für den Todt ist kein Kraut gewachsen!" Ein gefühlvoller Koch. In Paris starb in den letzten Tagen ein bekannter Koch, Namens Durisot, mit Hinterlassung emes Vermögens von etwa 250 000 Francs. In seinem Testa- ment fand fich folgende bizarre Klausel:„Da ich auch nach meinem Tode meinen lieben Mitbürgern nützlich sein will und beobachtet habe, daß die Grabschriften, welche die Tugenden der Verstorbenen preisen, keinen praktischen Zweck haben, ordne ich an, daß statt einer dieser Inschriften auf meinem Grabe ern von ernem Gitter bedeckter Bronze- Rahmen auf einer Marmorsäule aufgestellt werde. In diese Säule soll mein Name eingegraben werden und meine Erben sollen dafür sorgen, daß man jeden Tag ein les- bar geschriebenes Küchenrezept dort finde, von denen ich 365 Exemplare. eineS für jeden Tag. in meinem Schreibtische zu- rücklaffe. Dieses Rezept soll in den Rahmen innerhalb deS Gitters gesteckt werden, so daß es Jedermann lesen kann." Zu- gleich est im Testament festgesetzt, daß, wenn diese Anordnung nicht ausgeführt wird, der ganze Nachlaß an Wohlthätigkeils- anstalten fallen solle. Da fich die Erben geweigert haben, die erwähnte Klausel auszuführen, steht nun ern interessanter Pro- z?ß in Ausficht. Gemeinnütziges. Guter Brustthee. Einen guten Brustthee stellt man ,u- wmmen aus: 8 Tbeilen Süßholz, 6 Theilen Eibisch. 5 Theilen JslSnd. Moos, 2 Tbeilen Bitterklee, 2 Theilm Andorn. Man wischt gut durcheinander uud nimmt zu einem Aufgüsse 2 mal fünf Fingerspitzen voll, seiht durch und trinkt warm. Dies« Thee hat stch bewährt be, Brust- und Lungendeschwerden, Asthma, Alpdrücken u. s. w. „ � Au» welche« Trinkgefästen schmeckt e» uns am besten? Man h-tt dre Erfahrung gemacht, daß Bier u. s. w- aus Gefäßen mit dicken Wänden und schärferer Rundung de» Gesäßrandes besser schmecken, als wenn dies umgekehrt der Fall ist, da dabei die Zunge gezwungen wird, je nach der ickarferen Rundung des Gesäßrandes und der Dicke der Ge- fäßwände eine verschiedene Stellung und Lage einzunehmen. Es würde also aus engen und hohen Zylindern der Geschmack am besten sein. Verantwortlicher Redakteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing w Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 6. Donnerstag, dm 8 Januar 1885. n. Jahrgang. „Die ÄrbeiterfchuhgeletzgebAUg wird voraussichtlich noch den Reichstag in dieser Session beschäftigen. Allein— so meint die„Franks. Ztg."— der von ihm beschlossene Schutz wird sich wiederum bloS auf die Fabrikarbeiter beschränken. Die Haus« industriellen Meister werden auch diesmal nicht be» rücksichtigt werden, und doch bedürfen sie nicht minder des Schutzes, als die Fabrikarbeiter. Mit den Handwerks- meistern haben sie nur den Namen„Meister" gemein und den Besitz einer eigenen Werkstätte, meist auch eigener Werkzeuge; jedoch unterscheiden sie sich von ihnen wesent- lich dadurch, daß sie den Rohstoff von den Unternehmern (Vorlegern, Kaufleuten) erhalten, denselben nach deren An- gaben verarbeiten und ihnen die fertiggestellten Maaren abliefern müssen. Mit einem Worte, sie sind Lohnarbeiter. Ihre Anzahl ist eine große; ganze Gegenden sind von ihnen bewohnt; wir nennen beispielsweise am Niederrhein die Krefelder und Elberfelder Sammet- und Seidenweber, im Bergischen Lande die Solinger und Remscheider Schmiede, Schleifer und Feilenhauer, aus dem Thüringer Wald die Sonneberger Spielwaaren- und Ruhlaer Pfeifen- arbeiter, im sächsischen Voigtlande die Sticker u. a. m. Die Zahl dieser Arbeiter wird noch vergrößert durch die Menge ihrer Frauen und Kinder, welche von ihnen zur Hilfeleistung herangezogen werden. In diesen hausindustriellen Arbeitern haben wir also eine Klasse von Lohn- Arbeitern, welche durch kein Gesetz geschützt und daher der Uebermacht der Unternehmer und dem Wechselspiel der Konjunkturen völlig preisgegeben sind. Mit dieser Klasse hat sich der Reichstag noch nicht beschäftigt, es ist nicht einmal ernsthaft die Rede von ihr gewesen. Um so mehr ist eS Aufgabe einer arbeiterfreundlichen Tagespresse, diese Fragen ganz energisch zur Diskus- sion zu stellen und eine Agitation zu Gunsten der haus- industriellen Lohnarbeiter einzuleiten, welche dringend des gesetzlichen Schutzes bedürfen. Wir»folgen mit dieser Agi« tation in Deutschland nur dem Vorgange der Schweiz, wo die St. Gallische Lohnstickerei den Anstoß zu Erörterungen der Regelung der Hausindustrie gegeben hat, wir folgen vor Allem dem Vorgange von England, wo bereits nicht nur eine Fabrik-, sondern auch eine Werkstättengesetzgebung Die„Frankfurter Zeitung" ist nun der Meinung, daß eine Agitation der Arbeiter und Arbeiterfreunde zu Gunsten der hausindustriellen Lohnarbeiter, schließlich auch die Unter- stützung derjenigen Fabrikanten finden werde, welche den etwaigen gesetzlichen Beschränkungen zu Gunsten der Arbeiter unterworfen sind, und daher durch die Unter» nehmer, welche ihre Arbeiten in der Hausindustrie fertig stellen lassen, in der Konkurrenz benachtheiligt werden.— Weiter unternimmt genanntes Blatt den Ver» such, die Lage der oben genannten Arbeiter an verschiedenen Orten eingehend zu schildern. Aus diesen Schilderungen— die unserer Ueberzeugung nach vollkom« men richtig sind— ist ersichtlich, daß die hausindufiriellen Arbeiter sich an vielen Orten Deutschland'S, ja fast überall in einer höchst bedenklichen Lage befinden. In Folge der ländlichen Zerstreutheit— so heißt es ferner in dem Ar- tikel— und des Arbeitens in eigenen Werkstätten sind die Bedingungen außerordentlich verschiedene, zu welchen sich die halb selbständigen Lohnmeister verstehen; gemein- fame Abmachungen und Organisationen find schwierig zu treffen und werden, falls sie zu Stande gekommen, bald zersprengt durch das Fortbleiben der günstiger situirten Genossen oder der ärmsten Arbefter, welche zu allen Be- divgungen Arbeit annehmen müssen. Die Kaufleute sind in Folge der lokalen Zerstreutheit der Arbeiter in der Lage, mit den Einzelnen verhandeln und dabei auf die Arbeits- bedingungen drücken zu können. Hinsichtlich dieser letzteren genießen die haueindustriellen Arbeiter nicht des geringsten Schutzes, und so kommt es, daß sie betreffs der Höhe des Lohnes und seiner Auszahlung, betreffs der Beschäftigung Ein Gesuch auf Cypern im Sommer 1880. (Reise-Erinnerungen eineS deutschen Kaufmanns.) n. Die Landwirthschaft wird höchst primitiv betriebm. Die Dreschmaschinen bestehen aus einem 2 Fuß breiten und 3 Fuß langen Brett, in welches scharfe Feuersteine, 3 Zoll lang, ein- gekeilt find; auf dieses Brett setzt der Bauer seinen Stuhl, spannt zwei Maulthiere vor und fährt über die Getreidetrnne so lange hin und her, bis die Körner ausgedroschen find. Daß der Wein in Schläuchen transportirt wird, war mir bekannt, aber daß diese ganz die Form des Schweines oder der Zuge behalten, ist sehr drollig, gewöhnlich ist ein Vordersuß zum Ausbinden eingerichtet uno bildet den natürlichen Krahnen- Die Weinhäntler dewahren den Wein in liefigen thönernen Gefäßen auf, die hölzernen Deckel werden mit Lehm ringsum festgebacken, und nach einer Welle wird er losgebrochen, um zu sehen, ob die Gährung günstig verlaufen ist und man wirklich Wein und nicht Essig erzielt hat. Nur bei einem Großhändler habe ich ein Faß, und zwar von 150 Hektoliter gesehen... Auf ähnlicher Stufe wie Ackerbau scheinen die Gewerbe zustehen. Einwal war ich in einem arabischtn Dorfe und sah lange dem Brodbacken zu. Der Cfen befindet fich auf einem freien Platze, er ist aus Lehm gebaut in der Form eines Fasses, dem man den Boden ausgeschlagen hat. In der in- ncren Höhlung befindet fich daS Feuer, junge Mädchen fttzm ringsum und kneten den Teig, den sie merst auf dem bloßrn Knie in einen tellergroßen Kuchen flach drücken; die alte Haupt- döckerin nimmt dieselben auf eine Art Kissen und klebt ste an die glühende Ofenwand, wo fie in wenigen Augenblicken durch. gebacken find und mit bloßen Fingern abgelöst werden. Von den religiösen Anschauungen und Gebräuchen der Eyprioten wird man keine zu hohe Meinung haben. Mir ver- schafften mehrere Feste einen gewissen Einblick in dieses Ge- biet. Donnerstag, den 29. Mai, gingen wir nach Kikko, einem Kloster und berühmten Wallfahrtsorte.• Es lagen Taufende von Männern und Frauen um das Kloster herum im Freien. wo fie die ganze Nacht mit Essen und Trinken, Schreien und Tanzen nach schrecklicher Musik zugebracht hatten. Die Vor» von Kindern und Frauen und der Länge der Arbeitszeit allen Anfoiderungen der Unternehmer preisgegeben sind. Dies sind die Ursachen, welche auf die Dauer eine ungün- stige Lage der Arbeiter hervonufen. Dieselbe unterliegt nun einem Wechsel je nach den Konjunkturen im Laufe der Jahre und je nach den Bestellungen zur Saison innerhalb eine« und desselben Jahres. Bald verschlimmert, bald ver- bessert sie sich. In der Weihnachtszeit liegt uns das Beispiel de? Sonneberger Spielwaaren- Geschäfts am nächsten. Bon Ende November bis Anfang März herrscht daselbst fast vollständige Arbeitslosigkeit, die erst gegen Ostern langsam zu weichen beginnt. Diese Winter- monate, et zählt Sax, sind schrecklich im Thüringer Ober- land; bald nach Weihnachten sind die Ersparnisse auf- gezehrt; man muß sich so gut oder schlimm es geht, mit den Kartoffeln durchwintern, die man zurückgelegt hat, oder man fällt Krämern und Wucherern in die Hände. Dagegen muß die„strenge Zeit" im Spätsommer vom Ar- beiter mit krampfhafter Hast ausgenutzt werden, wenn der Unterhalt für das ganze Jahr beschafft sein soll und in der That übersteigen die Anstrengungen dieser Leute alle Vorstellungen. So arbeiten z. B.(in Ruhla die Pfeifen- beschläger und Versilberer täglich 16, im Winter 17 Stunden, die Maler 14 bezw. 16 Stunden, einschließlich der Pausen; ihr Verdienst beträgt durchschnittlich zwölf Mark wöchentlich, woraus sie aber die Hilfcstosse und Verzinsung ihrer Kapitalien bestreiten müssen; überdies haben die Fi- milienglieder noch bei diesem Erwerb mitgewirkt. Noch länger wird an anderen Orten gearbeitet." Die„Frankfurter Zeitung" kommt nach Konstatirung derartiger Thatsachen zu der Schlußfolgerung, daß es hohe Zeit s«, den gesetzlichen Schutz auf die hausindustriellen Arbeiter auszudehnen.— Wir können uns dieser Ansicht voll und ganz anschließen; jedenfalls wird bei den in Aus- ficht stehenden Berathungen über die Arbeiterschutzgesetze auch der hier genannten Arbeiterkategorie gedacht werven. Freilich läßt sich nicht verkennen, daß die Regelung der Haus- industrie viel Schwierigkeiten verursachen wird; vielleicht wird derselben zunächst eine eingehende Untersuchung vorher- gehen müssen. Unüberwindbar sind indeß die Schwierig- leiten auf leinen Fall, es kann sich nur um die Frage handeln, ob die Regelung zugleich der Großindustrie vor- genommen werden kann. Zur gänzlichen Beseitigung aller Schäden, welche heute auf wirthschaftlichem Gebiete vor- Händen sind, wird eine längere Zeit nöthig sein, zunächst gilt es, immer die Uebel zu bekämpfen, welche sich uns ganz besonders bemerkbar machen. Nach Einführung einer geregelten Arbeitszeit, Einschränkung der Frauen- und Verbot der Kinderarbeit in größeren Betrieben, ist der Weg bereits geebnet, der beschritten werden muß, um dem Rest des Uebels erfolgreich beizukommen. Sobald wie man sich erst auch in gegnerischen Kreisen durch die Thatsache überzeugt haben wird, daß die gesetzlichen Ein- schränkungen segenbringend sind, ist bereits die halbe Arbeit zu weiteren Erfolgen gethan. Und dieser Zeitpunkt wird kommen. DoUtizscke Nebersickt. Ueber sogcnaunte Arbeiter-Kolonien haben wir uns in unserem Blatte bereits mehrfach ausgesprochen. Unserer Anschauung nach verdient das Bestreben, die Lage der Ar- beiter zu verbessern, resp. für Existenzlose zu sorgen— möge eS ausgehen von wem es wolle— Anerkennung. Als ein derartiges Bestreben kann unter Umständen die Errichtung von sogenannten Arbeiter-Kolonien angesehen werden. Im Laufe der letzten Jahre find derartige Kolonien mehrfach gegründet worden und allem Anscheine nach ist die Reihe derselben noch keineswegs abgeschlossen. Der Hauptzweck derartiger Kolonien soll— nach Angabe der Begründer— sein, armen, arbeitslosen Menschen ein Unterkommen zu gewähren, und damit der Vagabondage zu steuern. Man will also dem Armen Obdach geben, den Vagabonden an eine regelmäßige Arbeit gewöhnen und ihn dadurch wieder zu einem nützlichen Mitgliedc der Ge- nehmen, d. h. solche, welche große Opfer spendeten, ,. B. ein Schaf, einen Esel, durften im Hofe deS Klosters schlafen, den Ehrengästen wurden sogar Zimmer angewiesen. Am Morgen begann die Pcozesston nach dem Grabe des heiligen Aliphotas, wo jeder noch einmal opfern mußte. Als wir eintraten, kam gerade eine alte, arme, gichtbrüchige Frau, von ihrer Enkelin geführt, und überreichte dem Priester ein mit Oel gefülltes Fläschchen; dieser hielt es gegen das Licht und als er sah, daß es nur halb voll war, weigerte er fick, der kranken Frau mit dem wunderthätigen Knochen des Heiligen über den Rücken zu streichen. Die arme Alte betheuerte, ste habe schon ihre ganze Habe an den anderen Altären geopfert(es gab deren sechs im Temvel und an jedem stand ein mit einem riefigen Knochen bewaffneter Priester), aber standhaft wurde die erflehte Hilfe verweigert, bis wrr zu ihren Gunsten ein vaar Piaster gespendet hatten. Run fing der Priester an, den Rücken der armen Bitlstellerin derart zu bearbeiten, wahr- scheinlich um seinem letzten Unmuthe Luft zu machen, daß ste beinahe zu Boden gefallen wäre.— Als wir nach Beendigung des Hokuspokus mit den Mönchen zusammei. saßen, ftagte mein Begleiter nach der Herkunft der Gebeine, die dem Volke gezeigt worden waren, worauf der älteste Priester ernsthaft er- klärte, es seien die Reliquien des heiligen Aliphotas. Mein Freund bemerkte darauf, er habe vermöge seiner anatomischen Kenntnisse dieselben sämmtlich als Schenkelknochen erkannt, während doch selbst ein Heiliger deren nicht sechs, sondern nur zwei befitzen könne. Die geistlichen Herren sahen sich eine Weile etwas verdutzt an, bis ein ganz junger mit der Anficht heraus« kam, die übrigen vier müßten von den Geschwistern des heiligen Aliphotas henühren. Nun fragten wir weiter nach dem Alter der Gebeine, worauf der Aeltrste mit Würde antwortete, sie seien über tausend Jabre alt. Mein unbarm- berziger Begleiter wollte nun den Beweis liefern, daß die Knochen erst wenig« Jahre alt seien, und brachte aufs neue die ganze Versammlung in Verlegenheit, bis endlich der schlaue JuNftste ihn freundlich aufs Knie schlug: Hören Sie auf mit Ihren Fragen und erzählen Sie nichts weiter— das Volt glaubt das Nöthige und das genügt uns; wenn ein Kranker nickt geheilt wird, so bat er sich noch nicht an seinen besonderen Heiligen gewendet; stirbt er trotz aller Wallfahrten, so ist klar erwiesen, daß er seinen eigenen Heftigen überhaupt sellschaft machen. Die Kolomen erscheinen somit als nützliche Institute. Bei genauer Betrachtung ergiebt stch indeß, daß der beabsichtigte Zweck nur sehr unvollkommen erreicht wird, ja, es leuchtet sogar ein, daß derartige Kolonien für die übrigen Arbeiter nicht geringe Nachtheile im Gefolge haben.— In letzterer Zeit hat man die Kolonisten vielfach den Gutsd.fitzcm für einen sehr geringen Entgelt zur Verfügung gestellt, und wie es scheint, wird man in dieser Beziehung in Zukunft noch weitergehen. Wenn das geschieht, so werden dadurch die in der Nähe wohnenden Ar- beiter im höchsten Grade benachtheiligt, diese können für solche Löhne, wie ste die Kolonisten erhalten, nicht arbeiten, fie müssen die Arbeit aufgeben und da überall Ueberfluß an Arbeits- kräften vorhanden ist, so laufen fie Gefahr, ebenfalls der Vagabondage zu verfallen. Das ist aber gerade das Gegen- tbeil von dem, was durch die Kolonien erreicht werden soll. Um solche Konsequenzen zu verhüten, ist es also nothwendig, daß entweder den Kolonisten für ihre Arbeiten die üblichen Löhne gezahlt werden oder man mnß dieselben zu Arbeiten verwenden, bei welchen eine derartige Schädigung für andere Arbeiter nicht zu erwarten ist. Bei Arbeiten innerhalb der An- staltsräume würde stch dasselbe Resultat erzeben; die Gefängnisse und Zuchthäuser machen durch häusliche Arbeiten den sog. freien Arbeitern schon über die Maßen Konkurrenz, treten nun noch die Kolonisten hinzu, dann wird dieses He el noch verschlimmert. Es bleibt also nur übrig, den Kolonisten Arbeiten an- zuweisen, die nutzbringend für sie und für die gesammte Gesell- schaft find. Und da kommen wir zu einem Vorschlage, der augenblicklich in verschiedenen Blättern lebhaft ventilirt wird: Die Kultioirung der Oedländereien. Es liegen gerade dazu Anfichtcn hervorragender Personen vor, welche derartigen Un- ternehmungen ein günstiges Proznostckon stellen. Von ver- schiedenen Seiten ist sogar der Vorschlag aufgetaucht, das ur- bar gemachte Land später den Kolonisten zu überlassen. Wir könnten einem derartigen, vernünftigen Vorschlage nur zu- stimmen; er ist ficherlich am besten dazu anqethan, daß der Zweck der Kolomen, der Vagabondage zu steuern und den Armen ein Unterkommen zu verschaffen, erreicht wird. *** Zur Zuckersteuerfrage. Der„Magdeburgischen Zeitung" wird mitg.theilt, daß der Entwurf des Gesetzes wegen Ver- längerung der Herabsetzung der Ausfuhrvergülung von Zucker um 40 Pf. wahrscheinlich erst gegen Schluß der Reichstags- Session eingebracht werden wird, und zwar nicht auf 2 Jabre sondern nur auf 1 Jahr. Zunächst seien die Berichte der fach- verständigen Beamten, welche die Hauptorte der Zuckerindustrie b-relien, um Vre ergentliche Ursache der Krists zu erforschen, abzuwarten. Da der diesjährige Zuckerrübenbau überall er- heblich, zum Theil um die Hälfte eingeschränkt wird, so sei die Minderung der Ueberproduktion, welche mit einen Grund der Knfis bilde, in der nächsten Kampagne und damit eine Ge- sundung der Verhältnisse zu erwarten. Sollte diese Hoffnung tauschen, so habe die Regierung, die stch nicht unnöthigerweise auf 2 Jahre rm Voraus brnden wolle, es in der Hand, später eine abermalige Verlängerung des provisorischen G-setzeS um 1 Jahr einzubringen. Die Konao-Konferenz hält heute wieder eine Sitzung ab. Der am Montag von der Kommisston festgestellte Entwurf bezuglich deS Sklavenhandels hat folgenden Wortlaut:„Da nach den Grundsätzen des Völkerrechts, wie solche von den Unterzeichnungsmächten anerkannt find, der Sklavenhandel untersagt ist und die Operationen, welche, sei es zu Lande oder zur See, dem Handel Sklaven zuführen, gleichf.lls als unter- sagt betrachtet werden müssen, so crklären die Mächte, die in den Landerstrecken, welche das vereinbarungsmäßig festgestellte Becken des Kongo bilden, SouverainetäiSrechte oder Einfluß üben, daß diese Länderstrecken weder als Markt noch als Durch- gangsstcaße für den Handel mit Sklaven, gleichviel welcher Race, benutzt werden sollen. Jede dieser Mächte verpflichtet fich zur Anwendung aller ihr zugänglichen Maßiegeln, um diesem Handel ein Ende zu machen und di-jeniaen. welche ihm oblie- st°at eine monarchische Spitze zu geben, und stand nicht an. diese Pläne als wenig ausfichtsvoll darzustellen. Immerhin ist es bezeichnend, daß Frankreich und Nordamerika von solchen Planen durchaus nichts wissen wollen, während anderseits Deutschland der Sache bis jetzt durchaus theiinahmlos gegen- übersteht. Jedenfalls lag ewe solche Wcnduna bisher völlig außerhalb aller Berechnungen der deutschen Politik in der Kongofrage und man ist in diplomatischen Kreisen der festen nicht gefunden hatte. Wie bekannt, dürfell die griechischen Geist- lichen heirathen. aber nur einmal- stirbt die Frau, so gebt der Wittwer ms Kloster, und der chrzbischof erlaubt iüm, eine „Kalozirah d.h eine Nonne, mit stch zunehmen. Entstehen aus diesen Verbindungen Kinder, so behandelt das otto- maulsche Gesetz fie als uneh-lich. fie haben auf Erbschaft keinen Anspruch, das Vermögen der Eltern fällt stets der Kirche zu. Es kann kaum auffallen, daß stch die orthodoxe Kirche auf Cypern so gut mit Resten altgricchischen oder gar phöntkischen Heidenthums verträgt. Am Montag, 9. Juni, war hier das Fest der Venus von Paphos. Wohl gegen sechs- bis achttausend Bauern und Bäuerinnen init ihren Kindern kamen auf Eseln, Maulthieren und Kamelen in die Stadt geritten, um sich im Meere zu waschen. Dieses Fett mit all seinen Einzelheiten hat sich noch aus der heidnischen Zeit bis heute erhalten und es itt nur zu verwundern, daß die alte Aphrodite nicht durch eine ristliche Heftige verdrängt worden ist. Einen köstlichen Anblick boten die großen Barten mit je 60. 80 oder 100 Personen beladen in bunter, malerischer Tracht, darunter einige Mufikanten, wie ste am Strande langsam auf- und abfuhren und fich auf alle mögliche Weise belustigten. Der Hauptspaß war das Landen, wobei die Landbewohner von den Seeleulen getauft wurden unter großem Beifall der Tausende von Zuschauern; selbst die griechischen Priester mußten das unfreiwillige Bad nehmen. was den Jubel jedesmal auf den Höhepunkt brachte. Hunderte von tief verschleierten Türkinnen sahen dem Schauspiel zu und grämten fich wahrscheinlich, nicht mitmachen zu dürfen. Auch an schwarzen Verehrerinnen der schaumgedornen Venus fehlte es nicht, und zwar waren dieselben meist halbnackt, ein weißeS Röckchen und ein buntes Kopstuch machten den ganzen Anzug aus.— Abstoßend und widerlich ist eine griechische Beerdigung hier; ich begegnete einem Leichenzuge, der wirklich gegen alle unsere Begriffe von der Feieurchkeir dieser Handlung und der Ehrfurcht vor dem Tode verstößl. Vornher trug ein Arbeiter die Monstranz, zwei Schritte dahinter ging der G-istliche, dann folgte ein zweirädriger mit Ockfen bespannter Bauernwagen, aus dem ich nur einen langen Sack bemerkte, hinten sahen ein paar Stiefeln heraus. So wurde der Leichnam ohne Sarg, Ueberzeugung, daß Fürst Bismard einer solchen Frage wegen die Uebereinstimmung der Konferenzmächte entschieden nicht aufs Spiel stellen wird. Die Auswanderung über Bremen betrug im Jahre 1884: Deutsche 75 709, Angehörige anderer Staaten 27 342, zusammen 103 051. Die entsprechenden Ziffern waren im Vorfabre: 86 388, 23 493 und 109 881. Baden. In den Blättern wird ein Aufruf zur Gründung eines mittelbadischen Zweigvereins des deutschen Kolonialvereins veröffentlicht. Diese Gründung soll in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung versucht werden. Die Generalversammlung des badischen Arbeiter kolonialvereins hat den Ankauf des Gutes Ankerbud bei Klengen genehmigt, ebenso die vorzunehmenden baulichen Veränderungen und die Aufnahme eines Darlehns beim Landesverein für entlassene Straf gefangene. Die Kolonie mit Landwirthschaftsbetrieb soll für etwa 80 Arbeiter Aufnahme bieten. Und Aus Sachsen erhält die Vollsztg." folgende Mittheilun gen: In den Gebirgen unseres Königreichs hat der Schneefall fehr viel Unheil angerichtet. Bahlreiche Bäume find unter der Schneewucht geknickt, von anderen find die Aeste abgebrochen, so daß die Wälder vielfach das Bild großartiger Berstörung bieten. Im Erzgebirge war eine Zeit lang der Verkehr zwischen den einzelnen Dörfern und von diesen zu den Städten völlig gestört, so daß selbst die Lieferungen der Arbeiter stockten. Da Dieselben die gefertigten Waaren nicht abliefern fonnten, so er hielten fie auch keinen Lohn und fein neues Rohmaterial zur Arbeit. Manche Familien tamen so in die Lage, recht traurige Weihnachts- und Neujahrstage erleben zu müssen. Besonders find die Arbeitsverhältnisse jest recht traurige an der böhmischen Grenze und über dieselbe hinaus. Die Strumpfwirkerei, die Glas- und Handschuhfabrikation liegen tief darnieder. nun gar die dortige Spigenindustrie, die noch Hausindustrie ist! Die armen Riöpplerinnen, die von früh bis spät in die Nacht mit eisernem Fleiße und gerötheten Augen arbeiten, verbienen gegenwärtig einen Wochenlohn von 2 M. 40 Pf. bis 3 M. 30 Pf.! Das find täglich ungefähr 40 Pf. Den zahl reichen Haustiern geht's nicht viel besser, fie bieten die Spigen zu den geringsten Preisen an, doch hat sich die Mode gegen wärtig der noch billigeren Tüllspige zugewandt, welche auf den Stickmaschinen hergestellt wird. Im Voigtlande ist die Stickerei Industrie durch die bevor ftehenden Anträge im Reichstage, die auf Beschränkung resp. Verbot der Frauen und Kinderarbeit hinzielen, sehr beunruhigt worden. Bekannt ist, daß nirgends die gegenwärtigen Vorschriften der Gewerbeordnung bezüglich der Kinderarbeit so vielfach umgangen werden, als gerade in den Fabriken des Voigtlandes. Troß verschiedener Bestrafungen werden immer mehr Uebertretungen fonstatirt, so daß die Sticker- Vereine eine Petition an den Reichstag vorbereiteten, welche bezweckt, die Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Fabritarbeit der Kinder dahin abzuändern, daß nicht erst das 12., sondern schon das 10. Lebensjahr des Kindes die Grenze für die Berech tigung zur Fabritarbeit berechtigen foll. Diese Petition dürfte nun doch wohl kaum mehr dem Reichstage zugehen, da die Annahme der in ihr enthaltenen Vorschläge vollständig ausfichtslos ist. Doch werden Proteste verbreitet, welche sich gegen die weitere Beschränkung der Kinderarbeit aussprechen. Man tann zugeben, daß die Fädelarbeit besser durch Kinderund Frauenbände verrichtet werden kann, doch dürften die Frauenhände genügen, wenn die Arbeit, die jezt von den Frauen geleistet wird, auf die vielfach feiernden Unter den Frauen verstehen Männer übertragen würde. wir selbstverständlich auch und zwar vorzugsweise die Mädchen vom sechzehnten Jahre an. Von dem diesjährigen Dres dener Gefindemarfte ist zu berichten, daß die Großknechte einen jährlichen Durchschnittslohn von 210, die Mittelfnechte von 160, Die Kleinknechte von 100, die Großmägde von 140, die Mittelmägde von 125, die Kleinmägde von 100 Mart nebst freier Station und in Aussicht gestellten Geschenken erzielten. Der Lohn der Knechte ist genau derselbe, wie der im Vorjahre, der Lohn der Mägde aber ist um ca. 25 pCt. gestiegen. Die jungen Mädchen gehen lieber in die Fabriken, als daß fie die harte Landarbeit verrichten; auch sind fie als Fabritarbeiterin nen bedeutend unabhängiger. In Neudniß, dem größten Vorstadtsort von Leipzig, in welchem die Sozialdemokratie im Verhältniß zu den anderen Drten bis jetzt schwächer war, wurden bei der Gemeinderaths- Ersagwahl für die Klaffe der Unanfäffigen zwei Sozialdemokraten als Mitglieder und zwei als Erfaßmänner gewählt. Der Lokalverein( unabhängig) brachte ein Mitglied und einen Ersaßmann in den Gemeinde rath, während die Freie Vereinigung"( nationalliberal) erheblich in der Minorität blieb. Frankreich. Nach Tonkin werden demnächst 6000 Mann Verstärkungen abgesandt werden. Wie aus unterrichteten Kreisen bestätigt wird, dürfte der neue Kriegsminister Lewal in Tonkin eine energischere, den Beschlüssen der Kammern mehr entsprechende Attion entfalten. Derselbe ist mit dem Marineminister in dieser Beziehung völlig einig. Die Gerüchte von dem Rüd tritte des legteren find unbegründet. Betreffs des Unterstaatssekretärs im Kriegsministerium ist noch nicht entschieden wors den. Der Konfeilpräsident Ferry empfing Montag Vormittag den Vertreter von Timbuktu, Abd- el- Kader. Das franzöfifche Journal Evanément" bringt eine Bankettmangelhaft mit dem Sade bedeckt, zu Grabe geführt; der Kopf baumelte auf dem federlosen Karren hin und her, und von Zeit zu Beit mußte der Fuhrmann den Körper zurecht legen, damit er nicht ganz herunterrutschte. Den Reichen leiht der Todtengräber einen Sarg, den er aber stets zurücknimmt, und auch Dies ist nur ein rohgezimmerter Raften ohne Deckel. Unter Die Erde nimmt keiner etwas von Werth mit, am Grabesrand wird den Todten noch das legte Verwerthbare abgestreift. Die Cyprioten sollen so fest an dieser barbarischen Begräbnißweise halten, daß die englische Regierung noch nicht daran zu rütteln wagte. Die Mohamedaner, auch der ärmsten Klaffe, bestatten ihre Todten in ernst feierlicher Weise. Einmal war ich auch im Gefängniß von Limassol. Es ist dies eine alte venetianische Festung, in welcher die Engländer einige 50 Bellen eingerichtet haben, jede von faum 8' Länge, 4' Breite und 5' Höhe. Statt der Thüre ist ein schweres eisernes Gitter angebracht, so daß die lange Reihe der Bellen eher einer Menagerie als einem Gefängniß ähnlich fieht; in jedem Käfige waren zwei Gefangene, die auf hölzernen Pritschen schlafen müssen, ohne Matraße, Decke oder Kopfkissen. Außer dem besuchten wir noch einen großen Saal, wo einige vierzig Uebelthäter in Voruntersuchung auf ihr Urtheil warteten. Sm ganzen war das Gefängniß sehr reinlich gehalten, und die Wachen zeigten viel Disziplin. Im Hofe wurden wir leider Beugen einer Geißelung, die an zwei Meuterern vollzogen wurde. Der Delinquent wird mit Händen und Füßen auf einer stehenden Leiter festgeschnallt, bis auf den Gürtel entblößt, und ein riesiger schwarzer Baptieh( Polizeidiener) gab ihm nun die zehn Siebe mit einer neunschwänzigen Kage. Die Verbrecherftatiftit ift übrigens sehr ungünstig für die Insel und trop des zivilifirenden Einflusses der Engländer sollen die Verbrechen in beunruhigender Weise zunehmen; vielleicht ist auch zur Zeit der Türfenherrschaft nur mehr vertuscht worden. Die Saumfeligkeit meiner Geschäftsfreunde ließ mir mehr frete Beit, als mir mit Rücksicht auf mein Geschäft lieb war. Doch nüßte ich die ungewollte Muße nach Kräften aus, um möglichst viel zu sehen. So hatte ich durch das Verschieben und in die Länge ziehen der Geschäfte am 8. Junt einen freien Tag, den ich zu einem Ritt nach Episcopi verwendete. Ganz in der Nähe Dieses Dorfes wird nach verschütteten Alterthümern gesucht, " rede, des gewesenen Kriegsministers Campenon welche großes Aufsehen erregt. General Campenon tabelt in derfelben nicht allein die Kolonialpolitit, sondern die gesammte äußere Politik. Der Konseilpräftdent laffe fich durch Bismard tödern"( leurrer), Frankreich hole für Deutschland die Kafta nien aus dem Feuer, der Kanzler habe Frankreich bereits mit Italien und Spanien entzweit und gebt jest darauf aus, es auch mit England ernsthaft zu verfeinden. Außerdem erklärt Campenon, daß der Krieg in Tongking und China große Schwierigkeiten biete, daß China jezt viel stärker, die chineft schen Soldaten beffer bewaffnet und geführt seien, kurz, daß ohne bedeutende Streitkräfte der Erfolg nicht sicher wäre u. s. w. Der Temps druckt die Mittheilungen des Evènement" ab und erklärt dann, daß er bis auf Weiteres die Ungenauigkeit derselben annehmen wolle. Der Temps" fügte hinzu, er balte es für unmöglich, daß ein General, der gestern noch Kriegsminister war, solche Aeußerungen gethan habe, wodurch die Chinesen zum Widerstande aufgereizt und gleichzeitig Europa der Glauben beigebracht würde, daß durch die Erpedition die französische Armee in bedenklicher Weise desorganisirt werde. Das Evènement" hält dem Temps" gegenüber die absoIute Genauigkeit seiner Mittheilungen über die Rede Campe non's aufrecht. Dagegen erklärt der Voltaire", autorifirt zu sein, diese Mittheilungen als übertrieben zu bezeichnen. Die gesammte Presse diskutirt die Aeußerungen Campenon's, welche eine heftige Polemik veranlaffen. 11 Italien. Staatsbetrieb oder Privatbetrieb? Diese Frage hat in der Deputirtenkammer zu heftigen Diskussionen Anlaß gegeben. Es handelte fich speziell um die Frage, ob das Eisenhahnwesen vom Staate ausgebildet oder Privatgesellschaften überlassen bleiben solle. Das Ministerium hatte sich für Privatgefellschaften erklärt und bot deshalb alles auf, um seine Ansicht zur Geltung zu bringen. Die ministerielle Vorlage wurde nach langen Debatten mit 49 Stimmen Mehrheit angenommen. Dieselbe wird nunmehr dem Senat zugehen und wenn dieser seine Zustimmung giebt, dürfte das Eisenbahnwesen Staliens vorläufig in den Händen der Privatgesellschaften bleiben. Rußland. Der Den polnischen Blättern wird aus Warschau gemeldet: In Lublin wurden zwölf griechisch- unirte Bauern wegen Bu widerhandelns gegen Anordnungen der Behörde in Betreff der rufftschen Staatskirche zu mehrmonatlichen Arreststrafen und Johann Fidia zu einjähriger Festungsarbeit verurtheilt. rufftsche Verwaltungschef fand dieses Urtheil zu mild und erwirkte deshalb die Versegung des Lubliner Gerichtspräsidenten Longinom nach Samara, während zugleich dem Vertheidiger der Verurtheilten, Advokaten Ragowski, bedeutet wurde, er möge in Bukunft die Vertheidigung derartiger Straffachen entweber ganz aufgeben oder wenigstens in seinen Plaidoyers nicht mehr die Behauptung aufstellen, daß in Rußland Glaubensfreiheit gewährleistet sei. Von der Verwaltungsbehörde wurde dem Advokaten bündig erklärt, er werde sonst als staatsgefährlicher Agitator angesehen und ins Eril geschickt werden. Unter solchen Umständen muß man sich wundern, daß sich noch Advokaten bereit finden lassen, die Vertheidigung eines Angeklagten zu übernehmen. Großbritannien. Von der in England berrschenden Aufregung zeugt ein heutiger Artikel der Pall Mall Gazette"; derselbe wendet sich entschieden gegen einen Artikel der Times", welcher Gladstone, Granville, Derby 2c. zum Rücktritt auffordert und meint, man beurtheile Gladstone ganz falsch, wenn man glaube, ec scheue unter allen Umständen vor Krieg zurüd; er werde im Gegentheil hartnäckiger fämpfen als irgend Jemand, wenn er einmal überzeugt sei, daß nur noch eine bewaffnete Entscheidung möglich sei. Bum Schluffe macht das Blatt allen Ernstes den Vorschlag, nicht nur die für die allmälige Ergänzung der Flotte verwilligten 5% Millionen Pfund Sterling Flotte verwilligten 5% Millionen Pfund Sterling iegt mit einem Mal zu Schiffs bauten zu verwenden und 100 Torpedo boote zu bauen, sondern auch alle auf englischen Schiffswerften im Bau begriffenen fremden Kriegsschiffe für Englands Seedienst mit Beschlag zu belegen. Man werde das und noch mehr nöthig haben, ehe man aus dem gegenwärtigen Wirrfal wieder heraus sei. Das klingt sehr friegerisch! Amerika. In der Gesetzgebung der Vereinigten Staaten scheint man es unangenehm zu empfinden, daß der neue Kongostaat angeblich eine monarchische Spize erhalten soll. Nachdem bereits eine diesbezügliche Resolution in der Repräsentantenkammer eingebracht wurde, liegt derselben bereits eine weitere Resolution vor, welche um Angabe der Gründe ersucht, welche die Unionsregierung veranlaßt hätten, der Theilnahme Amerikas an der Berliner Konferenz zuzustimmen, sowie die Mittheilung von Abschriften der den amerikanischen Delegirten ertheilten Be glaubigungsschreiben und der in Bezug auf die Konferenz geführten diplomatischen Korrespondenz. Lokales. cr. Katzentrallen find es, welche die Fortschrittler unter thren feinen Handschuhen tragen, und immer und immer wieder kommen dieselben zum Vorschein,- ,, auch wenn Du die Nas - ,, auch wenn Du die Nas und auch wir stiegen in einen fürzlich entdeckten Begräbnißplay hinab. Auf der Oberfläche hatte ich faum etwas anderes als eine Menge großer und fleiner Steinhaufen gesehen, aber mein erfahrener Begleiter zeigte mir bald eine geborstene Säule, bald des alten Theaters Rund, bald ein Tempelthor, was ich mit Aufwendung einiger Phantafie auch einsah. In den Grabesraum mußte man fich 8' tief durch ein enges Loch hindurchwinden; unten war dann eine geräumige Halle, und die einzelnen Ruhestätten der aniilen Todten saben aus wie in Fels gehauene Krippen. Man hat viele Kleine Thränenfrüge und Lampen aus Thon und Glas gefunden, aber wenig Kostbarkeiten, in vielen Gräbern scheint schon früher nach dergleichen gesucht worden zu sein. Nach Larnaca und Nicofta führten mich außer meiner Am Freitag, 30. Mai, Schaulust auch geschäftliche Zwecke. reifte ich um 3 Uhr Nachmittags von Limassol nach ersterer Stadt, in der wir um 7 Uhr eintrafen. Hier wie dort muß man auf offener Rhede ankern, obschon bei ruhigem Wetter ganz gut an der Landungsbrücke angelegt werden könnte. Allein die arabischen Bootsleute und Auslader haben ein für alle Male erklärt, wenn man fte bei schönem Wetter nicht beschäftige, so bedanken fie fich dafür, bei schlechtem herauszu schäftige, so bedanken fie fich dafür, bei schlechtem herauszurudern, und man mußte nachgeben. terra umbra Die Stadt liegt wie Limassol dicht am Meere, ist aber beffer gebaut und macht einen sivilifirteren Eindruck. Limaffol ist ja auch erst durch die Engländer zu seiner jezigen Wichtig feit gelangt, aber, obschon sein Exporthandel in Wein, Karuben, Rosinen, u. 1. w. bedeutender ist, so stellt sich doch Larnaca über die Schwefte: stabt, und seine Raufleute find auch entschieden gebildeter und feiner; sie haben gereist und sprechen meist eine oder zwei der europäischen Hauptsprachen, was in Limassol eine große Seltenheit ist. Das recht anständige Gasthaus, in dem ich logirte, wird von einem Malteser gehalten, der indeffen die Mablzeiten aus einem italienischen Restaurant holen läßt. Er hält nur in seinem Erdgeschoß eine englische ,, bar", wo sich die wenigen Englisches Militär Euroräer manchmal zusammenfinden. liegt hier nicht, ich traf aber einige Ingenieure und Kaufleute, darunter auch einen Landsmann aus Köln, der ein großes Lager von Quincailleriemaaren und Hausgeräthen hält. " tur mit der Mistgabel austreibst, fo wird fie doch zurückkehren," Ilautet ein wenig ästhetisches aber desto zutreffenderes altes Sprichwort. Man jammert und schreit in den Spalten frei finniger Blätter über den Verfall der Sitten, über die steigende Immoralität unseres Volfes, man möchte die Hände über den Kopf zusammenschlagen über die unseligen Zustände, die aller bings immer mehr um fich greifen, die fich sogar in einer Weise bemerkbar machen, daß fie selbst ultrafreifinnigen Blät tern, den Verfechtern des ödesten, wildesten Manchesterthums, nicht mehr verborgen bleiben. ,, Ein trauriges Beichen der Zeit- so jammert die Berl. Zeitg." in ihrer geftigen Nummer- find die neuerdings fich immer mehr häufenden Fälle, in denen Kinder in noch schulpflichtigem Alter fich wegen Verstöße gegen das Strafgesetzbuch vor Gericht zu verantworten haben." Ja, gewiß ist das ein sehr trauriges Zeichen der Beit, es ist geradezu empörend, und muß den wahren Menschenfreund mit tiefem Mitleid mit den armen Kindern erfüllen, die von der äußersten, drückendsten Noth ge trieben, in einem Alter, in welchem sich andere Kinder noch den fröhlichen, unschuldsvollen Spielen der Jugend hingeben, schon dem Scharfrichter Veranlassung geben, mit der Strenge des Geseges ihre Handlungen zu prüfen. Und wie genau die ,, Berl. 3tg." darüber informirt ist, was jene Kinder Alles thun, welches Quantum von fittlicher Entrüstung fie aufwendet, wenn fte Bald fortfährt: handelt es fich dabei um Diebstähle, nicht selten sogar um bandenweise und mit einem Raffinement ausgeführt, welches dem gewieg testen, in seinem Berufe ergrauten Verbrecher alle Ehre machen würde, bald um Sachbeschädigungen oder sonstige Bergehen leichterer Art, nicht selten sogar um Verbrechen gegen die Sittlichkeit." Bunächst glauben wir, obwohl wir keineswegs allzugroße Optimisten sind, daß das denn doch ein wenig zu sehr übertrieben ist, vielleicht brauchen aber die deutsch- frei finnigen Leser eine so starke Würze, damit sie gar nicht aus der Gänsehaut herauskommen. Man könnte nach einer solchen Darstellung beinahe glauben, daß jeder Berliner Junge, der über die Straße läuft, mindestens mit Dietrich oder Nach schlüsseln versehen ist, um, wo es nur irgend angeht, einen Gelegenheitsdiebstahl ausführen zu können. Die Thatsache, daß Kinder in jugendlichem Alter vor Gericht gestanden haben, daß fie vom Auffichtsbeamten bei der Ausführung verschiedener Delikte betroffen worden find, steht jedoch feft, fte fann nicht geleugnet werden. Die Berl. 3tg." bat daher Recht, wenn fie fragt: ,, Woran liegt das, und wie ist Abhilfe zu schaffen?" Das genannte Blatt giebt verschiedene Gründe der unliebſamen Erscheinung an, in Bezug auf den zweiten Theil der Frage wird, wenn man nicht die wenigen, nichtssagenden Redensarten als Antwort gelten laffen will, peinliches Stillschweigen beob achtet. Die Hauptschuld," so heißt es in den Gründen, fällt auch dem Elternhause zur Last. Ein gut erzogenes Kind, das an feinen eigenen Eltern ein gutes Beispiel hat, ist durch die Reinheit seines Sinnes gegen eine Menge Anfechtungen ge stählt, denen ein anderes bei dem ersten Anlauf unterliegt." Das ist ganz unbestreitbar richtig; es fragt sich nur, ob bei einem großen, vielleicht bei dem, numerisch wenigftens, über wiegenden Theil der Bevölkerung von irgend einem Fas milienleben unter den heutigen Zuständen überhaupt noch gesprochen werden kann. Es kann also hier nur von den Kin dein die Rede sein, deren Eltern in der glücklichen Lage sind fortwährend ihre Kinder um fich haben zu lönnen. Hier macht allerdings das Beispiel der Eltern Alles. In anderen Familien je doch, in welchen nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter mit dem Morgengrauen in die Fabrik gehen, und erst spät Abends förperlich und geistig ermattet oder doch wenigstens obgespannt nach Hause kommen, wer giebt denn dort das Beispiel, wer erweckt und pflegt dort die findliche Reinheit des Sinnes Es läßt sich unserer Meinung nach überhaupt statistisch nicht nachweisen, ob mehr der oben erwähnten Bergehen um. brechen von Kindern der besser oder schlechter fituirten Gefell schaftsflaffen begangen werden, denn so viel ist doch sicher, daß der Herr Papa, wenn es irgendwie angeht, die Sünden seines Söhnchens nach jeder Richtung und auf jede Weise zu ver tuschen suchen wird, bevor er sich und seine Familie der öffentlichen Schande preisgiebt. Daher sind es immer die Kinder weniger gut fituirter Stände, die wir hin und wieder auf der Anklagebant erscheinen sehen, und die Berliner Beitung" scheint das auch zu meinen, wenn sie im weiteren Verfolg threr Ausführungen recht geschmackvoll sagt, andere Eltern nehmen ihre Kinder schon im zartesten Alter mit in die Kneipe und füttern fie dort mit Bier und Schnaps, auf solche Weise ihre geistige wie körperliche Gesundheit gleichzeitig ruini rend." Kommerzienräthe und Börsenbarone trinken wohl felbft nur wenig Bier und Schnaps, fie werden ihren Kindern von Diesen Getränken auch nur wenig zukommen lassen, wer also in der That mit der Schnapsabfütterung gemeint, das dürfte Jedermann klar sein. Geradezu klassisch ist jedoch der pathe tische Say, mit welchem das manchesterliche Drgan seine Be trachtungen schließt: Wenn alle Eltern verständig wären und ihre Kinder vernünftig zu erziehen wüßten, so würde es bald beffer um die menschliche Gesellschaft stehen, und vor Allem würden die Kinder aus den Gerichtssälen verschwinden. Jeder, der es ehrlich mit dem öffentlichen Wohle meint, sollte in diesem Sinne zu wirken suchen, wo und wie er nur immer fann." Wenn alle Eltern verständig wären! Wie nett fich das an hört, man sollte lieber an den Verstand der Manchestermänne " 11 Nachdem ich am Sonntag, den 1. Juni, Abends einem Souper und Ball bei einem der angesehensten Kaufherren an gewohnt hatte, wo es ganz abendländisch zuging, machte ich mich am nächsten Morgen um 5 Uhr auf den Weg nach Nicofta, der Hauptstadt der Insel, wo der eng liche Gouverneur seinen Siz hat. Sir Robert Biddulph hatte mir durch Herin P. sagen laffen, daß er meinen Befud erwarte, und außerdem hatte ich auch einige Geschäftsfreund im Innern aufzusuchen. Eine sehr schöne wohlunterhalten Militärstraße führt 26 englische Meilen lang von Larnaca nad Nicofta, und die tägliche mit Maulthieren bespannte Diligen legt diesen Weg in vier Stunden zurück. Während der gan zen Fahrt nur einmal, in einer elenden Hütte, wird das Ge spann gewechselt und der Reisende kann sich da mit dem un vermeidlichen Mestit, einem Liqueur, oder mit Kaffee erquicken Sonst zeigt sich auf dem ganzen Wege teine menschliche Woh nung, ein armes Dorf, aus Lehmhütten bestehend, sab ich in der Ferne, und das ganze Land ist schlecht bebaut, volle Trümmer einer früheren befferen Beit. Die wenigen Stoppe felder waren von Disteln überwuchert, die der träge Baue forgfältigt umgeht, wenn er seine Gerste schneidet, statt f mit Stumpf und Stiel auszurotten. Nicofta macht, von d Ferne gesehen, einen ganz fremdartigen Eindrud; über di gewaltige Umfaffungsmauer aus der venetianischen Beit mit ihre Thoren und festen Thürmen ragen zahllose Minarets, Ruppel und Balmkronen empor. Die Straßen find eng, düfter, schlecht bepflastert; auch hier tritt einem wieder der Eindruck der ein ftigen Herrlichkeit und des jüngsten Elendes entgegen. Bo zwei Millionen Einwohnern auf Cypern in früheren Jahrhun derten ist die Bahl jest auf 200 000 zusammengeschrumpft, un Städte wie Dörfer tragen natürlich die Spuren dieser En völkerung an fich. Db die Engländer wohl im Stande fin die Infel wieder einigermaßen zu ihrer früheren Blüthe au heben? An Anstrengung und gutem Willen fehlt es nicht, au nicht an intelligenten Kräften, aber die Bevölkerung ist unt dem Türkenjoche stumpf und gleichgiltig geworden, und d falte, oft barsche und hochmüthige Art, die der Engländer Eingeborenen seiner Kolonien überall entgegen trägt, läst ihm viel mehr den übermüthigen Beherrscher als den Träg einer wohlthätigen Zivilisation erbliden. bil be appel ten, t thren Etabl der F Die G Mit von leeres funge ferer nuar ehre heuti der I ab& ift. 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Wenn das der Fall wäre, hätte die„Berliner-Ztg." wahrhaftig nicht nöthig, die Eltern zu ermahnen, ihre Kinder„vernünftig zu erziehen". Mit der Regelung unserer sozialen Zustände werden die Kinder von selbst aus den GerichtssÄen verschwinden; es ist nur ein leeres Wortgeplänkel, wenn man fortwährend auf die Wir- lungen hinweist, ohne den Muth zu finden, die Ursachen un- serer gesellschaftlichm Schäden aufzudecken. AuS Plauen-DreSden geht uns folgendes(vom 1. Januar datilte) geschäftliche Zirkular zu:„P. P. Hierdurch beehre ich mich Ihnen anzuzeigen, daß meine Frau und ich am heutigen Tage auf unseren eigenen Wunsch als Theilhaber aus der Firma Jßleib und Bebel ausgeschieden find und von heute ab Herr Ferdinand Jßleib alleiniger Inhaber des Geschäftes ist. Indem ich Ihnen für das bisher der Firma bewiesene Vertrauen verbindlichst danke, bitte ich Sie, daffelbe auch ferner Herrn Jßleib schenken zu wollen, der fich stets be- mühen wird, dm bisherigen guten Ruf des Geschäftes zu erhalten und zu erweitern.— Die Gründe, die meine Frau und mich zum Austritt veranlaßten, find rein peivater Natur. Meine seit dem Sommer 1881 auf Grund des Sozialistengesetzes erfolgte Ausweisung legte meine Thätigkeit für das Geschäft zu einem großen Theile lahm, so daß die Leitung und Veraniwortung Herrn Jßleib zufiel, der steh dieser auch opferwillig unterzog. Die lange und vorläufig nicht absehbare Dauer dieses Zustandes machte mir meine Stellung allmälig zu einer äußerst unbehaglichen und so ent- schloß ich mich zu dem oben erwähntm Schritt. Ich werde dem Geschäfte auch ferner insoweit meine Kräfte widmen, als ich im Einverständniß mit Herrn Jßleib die Geschäftsreisen für dasselbe wie bisher unternehme. August Bebel. r. Eine herrenlose Hypothek. Unter den vielen eigen- artigen Erscheinungen, welche die neue Grundbuch-Ordnung bei uns im Hypothrken-Wesm hervorgerufen bat, dürste die fol- gende doch wohl einigen Anspruch auf Originalität und für Geschäftsleute auch auf besondere Beachtung laben. E.n biestger Eigenthümer errichtete auf seinem Grundstücke einen Neubau und beauftragte mit der Lieferung der hierbei erforderlichen Ofenkacheln einen, in dem bekannren Töpferdorf Velten woh- nenden Töpfermeister. Wegm des Kaufpreises für das Ofen- Material will der Eigenthümer mit dem Töpfermeister das Ab- kommen getroffen haben, daß dieser einen Rest von 4200 Mark als Hypothek auf das betreffende Baugrundstück eintragen und bei prompter Zinszahlung fünf Jahre lang unkündbar stehen lassen soll. Der Befitzir stellte denn auch eine dahin lastende Schuldurkunde aus und bewirkte die hypothekarische Eintragung. Ader sei es nun, daß dem Töpfermeister dies Abkommen nach- träglich leid geworden, oder daß es— wie er zu beschwören fich erboten hat— gar nicht getroyen worden ist, genug, er wollte von der Hypothek nichts wissen, verweigerte auch die Annahme des Schuldvoluments und hat seine Forderung an den Eigenthümer einem Dritten übertragen, der dieselbe sofort gerichtlich geltend gemacht hat, und auch seine Befriedigung erlangte Trotzdem behält der Eigenthümer die Hypothek von 4200 Mark auf seinem Grundstück basten; diese kann nur nach gerichtlicher Quittung desjenigen, für den fie eingetragen ist, gelöscht werven, und der Töpfermeister verweigert jede Quittung und will von der ganzen Sache nichts wissen. Trotzdem, daß der Eigenthümer nichts schuldig ist, steht die Hypothek im Grundbuche eingetragen und ist hier nicht zu entfernen, wenn nicht etwa eine mitlerdige Subhastation das ganze Grundbuchs- blast reinigt und damit zugleich diesen lästigen Flecken weg- wischt. Für alle Diejenigen aber, welche solche Schuidurkunden ausstellen, dürfte es fick angesichts dieses Vorkommnisses doch empfehlen, der abgegebenen Schulverktärung gleich die Annahme des Gläubigers beifügen zu lassen; in diesem Falle besteht den Fall der Befriedigung desselben ein recht- auf die zur Löschung erforderliche QuiltungS- wenigstens für licher Anspruch leistung. Bei den Ersatzwahlen gestern vollzogene« Stadtverordneten- fiegte im achten Kommunal- Wahlbezirl der Kandidat ver Liberalen, Buchhändler Beelitz, mit 364 Stimmen; sein Gegenkandidat, Dr. Womiger, erhielt 77 Stimmen. Im V. Kommunalwahlbezirk fiegte der liberale Kandidat Leopold Kalisch mit 300 Stimmen gegen rofschlächtermeister Maaß, der 148 Stimmen erhiest. „ a. Errichtung einer fünften GasbereitungSanstalt. Der Antrag des Kuratoriums des hiefigen fiädtijchen Erleuch- tungswesens auf Errichtung einer fünften Gatbereitungsanstalt in der Nähe von WilmerSvorf(bei Echönederg) behufs Spei- sung der städtischen Gasrohrleitungen in demjenigen Theile der West-Vorstadt Berlins, welcher nicht von der englischen Gas- Gesellschaft mit Gas versorgt wird, ist bekanntlich von der Stadtverordneten- Versammlung abgelehnt worden. Da nun die städtischen Gasbereitungsanstalten in der Gitschiner- und in der Müllerstraße nicht den genügenden Druck bewirken kön- nen, um den in Betracht kommenden Theil der West-Vorstadt — es handelt fich um die Straßen zwischen dem Schifffahits« kanal und der Kurfürstenstraße westlich von der Genlhinerstraße, welche? Etraßenterrain früher nicht zu der ehemaligen Schöne- bergcr Feldmark gehört hat und deshalb nicht von der engst- scheu Gasgesellschaft mit Gas versorgt wird— ausreichend mit Gas zu versorgen, so hat das Kuratorium des städtischen Er- leuchtungSwesens ein Abkommen mit der englischen Gasgesell- schaft vor berettet, welches jetzt den städtischen Behörden behufs Genehmigung unterbreitet worden ist. Nach diesem Abkommen soll der oben bezeichnete Theil der West-Vorstadt an die eng- tische Gasgesellschaft zur ausschließlichen Gasversorgung aus der englischen GasbereitungSanstalt zu Schöneberg von der Stadt überwiesen werden, wogegen die englische Gesellschaft ein entsprechend gleiches Terrain, das von ihr bisher mit Gas ver- sorgt worden, an die städtrschen Gasanstalten überlassen soll. f- Die städtische Baudeputation hat bei dem Magistrat beantragt, daß das Zwangsenteignungs- Verfahren in Bezug au, vre zur Freilegung des„Reichstags- Ufers" benöthigten, noch im Privatbesttz befindlichen Flächen beschleunigt werde, damit zugleich mit der Eröffnung der im Bau begriffenen Markthalle in der Dorotheenstraße die zweite Zufahrt zu der- selben vom Rerchstags-Ufer aus ermöglicht weiden kann. Wie die Königliche Direktton der Berlin-Hamburaer Eisenbahn bekannt macht, werden von jetzt ah im Lokalverkehr, sowie im direkten Verkehr mit den übrigen preußischen Staats- und unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen Gepäck- stücke aller Art, sowie Güter, Hunde und sonstige kleine Thier« in Käfigen, welche sich zur Beförderung im Packwagen eignen, auf Gepäckschein ohne Lösung von Fahldilleis sowohl in den gewöhnlichen Personenzügen, als auch in den Schnell- und Cxprcßzügen befö:dert. Der zu erbebende Mindestbetrag an Gepäckfracht beträgt 1 M. für jede Sendung, igieichviel od die Beförderung mit einem gewöhnlichen Velsoven-, Expreß- oder Schnell- bezw. Kourirrzuge«folgt. In Berlin erfolgt die Zu- stellung der für daselbst wohnhafte Adressaten bestimmten Sen- düngen, falls nicht vom Absender„Selbstabholung durch den Adressaten oder„Bahnhof-restame" vorgeschrieben und solches auf dem Gepäckschein vermerkt worden ist, durch die Berliner Packetfahrt-Gesellfchast innerhalb einer Frist von 6 Stunden, nach Ankunft des betreffenden Zuges, wobei jedoch die Zett von 7 Uhr AdcndS bis 7 Uhr Morgens nicht in Ansatz kommt. An Sonn- und Feiertagen erfolgt bis auf Weirercs nur eine einmalige Bestellung LormtttagS. Für die Zustellung durch ----......-"' x im die Packelfahrt. Gesellschaft werden erhoben: a) für Kollis Gewicht bis einschließlich 10 Kilogr. 0,30 M., b) für Kollis im Gewicht bis einschließlich 25 Kilogr. 0,60 M., c)""— Gewicht von mehr als 25 Kilogr. 1 M. für Kollis im b. Die Affaire deS KriegervereinS- Mitgliedes Schmidt, welcher bei LaSker's Begräbniß die Fahne eines Be- zirks-Vereins trug und deshalb vom Verein ehemaliger Garde- Füsiliere ausgeschlossen wurde, hat noch immer nickt ausge- spielt. Im Verein„Elesvigia" stand in der ersten Versamm- lung des neuen Jahres seine Aufnahme auf der Tagesordnung. Der Verein ehem. Garde-Füstli«e hatte im Fall seiner Auf- nähme mit Kündigung der Kameradschaft gedroht, gleichwohl erfolgte Schmidt's Aufnahme in die Slesvigia nahezu ein- stimrmg�n|nteteflattteg Schauspiel gewährt seit einigen Tagen der Spreewafferdurchlauf bei den Dammmühlen in der Bretten- bezw. Poststraße. Hier, wo die Waflerkrast bekannt- iich schon sett Jahren nicht mehr zum Mühlenbetrrebe benutzt wird, schießen die Wasseimassen durch die Dammschützcn in Folge des jetzigen sebr hohen Waffcrstandis mit einer solchen Krast, daß fich das Wasser zu einem Gischt gestaltet, wie man ihn nur bei Katarakten antrifft. Die Strömung ist hrer so gewaltig, daß Fischer mit ihren Kähnen nur mit Aufbietung aller Kräfte das Fahrzeug gegen diesen Strom fortbewegen �""eOO jährige« Mühlendamm-Jubililäum Der„Bär" enthält gefchichlliche Mitthe-lungen über den Müblendamm Berlins, denen wir folgenves entnehmen: Um das Jahr 1232 richteten, als Berlin und Köln als Städte mit dem Markt- und Niederlagerecht belieben worden waren, die Fürsten Jobann und Otto ihr Augenmerk auf die Anlage von Waffermühlen. Diese Anlage mußte schon vor dem Jahre 1251 erfolgt sein, denn am 22. Mai desselben verkaufte der Ritter Friedrich von Kare die am„Bache Pankowe" auf der Feldmark deS als „wüst" bezeichneten Dorfes„Weddinge" gelegene Wassermühle, welche bisher für den Bedarf der berden Orte genügt hatte, für 21 Talente Pfennige an den Konvent des Nonnenklosters in Spandau. Die Anlage der Stadtmühlen erfolgte auf den zurückgebliebenen Inseln im Durchbruch der Spree zwischen dem Nikolai- und dem Petrihügel mit einem vor dm Mühlen hcrgerichtcten„Fangdamm"— dem sogenannten„Mollendamm", — wie dies die noch heutige Fluchtlinie des MühlendammeS erkennen läßt. Dieser Damm bildete bekanntlich die erste Brücke zwischen beiden Städten und erstreckte sich, da die Spree hinter dem Mühlenpaß ihr Ufer bis in die heutige Poststraße hinein erweiterte, ebenfalls bis zu dieser hin. Die Anzahl der Mühlen betrug ursprünglich vier, welche mit je fünf Gängen versehm waren und später die Benennung„Kölnische, Mittel-, Klipp- und Berlinische" Mühlen erhielten. Zu ihrer Verwaltung wurde der jetzt zum G-bäudckomplex des königlichen Polizei- Präsidiums gehörige„Mühlenhof" als Amt eingerichtet. Der Mühlenmeister, später Mühlenhauptmann, stand mit seinen Gehilfen bis zum Jahre 1448 unter der Jurisdiktion des Stadtgerichts, und hatte auS der hier angelegten Viehmast, Schlächterei. Bäckerei und Brauerei zugleich für den erforderlich werdenden Bedarf des Hofes, sobald derselbe in Berlin refi- dirte, zu sorgen. Außer den beiden Städten waren auch die Dörfer der Umgegend verpflichtet, auf diesen Mühlen ihr Ge- treibe mablen zu lassen: im Barnim also Pankow, Hohen- und Niedcr-Schönhausen, Reinickendorf. Aosenthal. Blankenfelde, Buchhol«, Carow, Blankenberg, Lindenberg, Arnsfelde, Bies- darf, Rosenfelde(FciedrichSfelde), Lichtenberg, Falkenberg, Wartenberg, Weißen, ce. Heinrichsdorf(Heinersdorf), Marzahn und Malchow. Im Teltow: Rixdorf, Blitz, Mariendorf, Lankwitz, Dahlem, Steglitz, Schmargendorf, Lütze tLützow), Wilmersdorf, Schöncberg und Stralow— mithin 32 Dörfer. Die Einrichtung der Mühlen führte auch alsbald Veränderun- gen in der Fischerei auf dem Spreestrom herbei. Das Mühlen- amt nahm den alleinigen Fischfang vom Müblendamm bis zum Wasserbaum in der Obnspree für sich in Anspruch; der HauS- vogt dagegen den Raum auf der Unterspree bis zum Wasser- bäum bei der heutigen Neuen Friedrichstraße. Auf beiden Strick.n und bis zur Gegend des TKiergartens stand bis dabin die Fischereigerrchtigkeit den, am Spreekessel in der Fischer- straße wohnenden kölnischen Fischern in Gemeinschaft mit den Epandowern zu; letztere hatten außerdem vom Thiergarten bis nach Spandow die alleinige Fischerei tnne. Was nun das Jubiläum deS Mühlendammes betrifft, so schensten die Mark- grasen Otto V. und vi. durch die Eingangs erwähnte Urkunde vom 2. Jan. 1235,„zum Wohl und Heil ihrer Seelen, und zur Ver- gebung ihrer Sünden, sowie zur Mebrung drs Gottesdienstes", der Parochial-(Petri-) Kircke in Köln eine jährliche Hebung von 2 Mispeln Roggen aus der zunächst bei Köln gelegenen (also der„Kölnischen") Mühle zu ewigem Besitz. Dagegen sollte der jedesmalige Pfarrer oder Propst verpflichtet sein,„an jedem Tag in jedem Jahr eine Messe in aller Frühe oder in der Morgendämmerung zu halten. Sechs Jahrhunderte mit einer überaus reichen Geschichte, die innerhalb dieses engbe- grenzten Raumes fich abgespielt, find seitdem wie„verschwin- dende Schatten" an demselben vorübergezogen; die ursprünglich einzige Verkehrsader der beiden Schwesterstädte aber ist zu einem, die aufgestiegene Kaististadt verunzierenden Engpaß geworben. Möchte fein architektonisches Gerümpel bald von der Bildfläche««schwinden! a. Verbrannt. Die 61 Jahre alte Rentiere verwittwete Frau L. verstarb in der Nacht vom 5. zum 6. Februar durch Verbrennen. Die seit Jahren kranke, allein stehende Dame, war in der erwähnten Nacht in ihrem Lehnstuhl, nachdem fie zur Linderung ihrer Schmerzen ein betäubendes Mittel einge- nommen hatte, eingeschlafen und hatte im Schlaf das neben ihr auf dem Tisch stehende Stearinlicht umgeworfen, wodurch sowohl ihre Kleider als auch der Lehnstuhl Feuer fingen und zum Theil vnkohlten. Am anderen Morgen wurde Frau L. von ihrer Auswärterin halbverbrannt, in dem Lehnstuhl fitzend, leblos vorgefunden. N. Die Beerdignng des imDnell erschossenen Studenten Holzapfel findet morgen Freitag, Mittag 1'/- Uhr, von der Leichenhalle des Alten St. Jakobikirchhoss statt. Die gericht- lrche Obduktion die heute Nackmittag 1 Uhr im ObdultionS- hause stattfand, ergab, daß die Kugel oberhatb des Herzens in die Brust gedrungen und die große Schlagarterie zerrissen. Der Tod war so aus der Stelle eingetreten. S- Auf dem Spittelm arkt wurde gestern Abend gegen 7 Uhr eine Frau, als sie den Platz überschreiten wollte, von dem Pferde eines daherkommcnnen Möbelfuhrwerk umgestoßen und von den Räoern des Wagens derartig an mehreren Kör- pertheilen gestreift, daß fie auf Veranlassung eines Schutz- mannes mittelst Droschke nach ihrer Wohnung befördert wer- den mußte. Der Kutscher des Möbelfuhrwerks wurde notirt. N. Von einem Möbelwagen überfahren wurde gestern Nachmtttag in der Blumen- und Krautsstraßen Ecke ein zirka 8jährig« Knabe. Der Kutscher, welcher im trunkenen Zustande nicht mehr Herr der Zügel gewesen, mußte vom Kutscherbock heruntergeholt und zur Wache ststirt werden. Der anscheinend schwer verletzte Knabe mußte in die Wohnung seiner Eltern geschafft werden. Polizet-Bericht- Am 6. d. M. Vormittags wurde die Wtttwe Lutze, in ihrer Dresdenerstraße 74 belegenen Wohnung in einem Lehnstuhl fitzend, mit zum Theil verbrannten Kleidern angethan, todt aufgefunden. Die Verstorbene, welche in letz- terer Zeit zur Linderung höchst schmerzhafter Körperleiden Chloral-Hydrat in größeren Massen genoffen haben soll, ist wahrscheinlich in betäubtem Zustande mit ihren Kleidern dem Licht zu nahe gekommen und dann in dem entstandenen Rauche erstickt.— Um dieselbe Zeit brachte sich ein Mann in seiner in der Taubensttaße belegenen Wohnung in selbstmörderischer Abficht mittelst eines Revolvers zwei Schüsse in den Kopf bei. Er wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— An dem- se ben Tage Nachmittags waren in einer Küche des Hauses Hitzigstraße 7 durch eine schadhaste Stelle der Jsolirschicht die Drelen unter der Kochmaschine in Brand gerathen. Das Feuer wurde durch die Bewohner gelöscht. Um dieselbe Zeit wurden die Pferde eines Bierwagens in der Petersburgerstraß: plötz- Iich scheu und gingen durch. Der Kutscher Hentschel wurde vom Bock gerissen und Übersahren und erlttt hierbei solche Ver« letzungen, daß er mittelst Droschke nach dem Kcankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte.— Am Abend dcsselben Tag«? wurde in dem Schanklokal von Kutzke, Landsberger« straße 59, der Agent Ephraim, Raupachstcaße 8 wohnhast, plötzlich von einem Unwohlsein befallen, welches stch derart verschlimmerte, daß er nach dem städtischen Kranlenhause tm Friedrichshain gebracht werden mußte, woselbst er bald nach sein« Aufnahme am Herzschlage verstarb. Genckts- Leitung. Gegen den Herausgeber der„Dentfchen Volkse Max Ltebermann v. Sonnenberg wurde am 2. d. M. eine Privatklage deS Kaufmanns A. F r e u n d aus Kottbus vor der 99. Abtheilung des hiefigen Schöffengerichts verhandelt und die Urtheilspublikation zu heule vertagt. Zur Zett des Erscheinens des inlriminirten Artikels zeichnete der Privatbe- klagte gar nicht mehr als verantwortlicher Redakteur, sondern nur als Herausgeber. Rechtsanwalt Lindenberg als Vertreter des Privatbeklagten machte den selbstverständlichen Einwand, daß sein Mandant, der zudem zur Zeit des Erscheinens deS inlriminirten Artikels fich auf einer Agitationsreisc in West- falen befand, gar nicht verantwortlich sei, und beantragte dessen Freisprechung. Der Vertreter des Privatklägers führte dem- gegenüb.r aus, daß nach§ 21 des PreßgesctzeS auch der Her« ausgeber einer Zeitung für den strafbaren Inhalt derselbm verantwortlich sei und beantragte Bestrafung des Beklagten. Der Gerichtshof hat, wie der Vorsitzende deffelben beute ver- kündete, beschlossen, von dem Privatbeklagten vor Abfassung des Urthcils noch eine Aufklärung darüber einzufordern, ob er nur während seiner zeitweiligen Abwesenheit von Berlin oder ständig auf dem Blatte als Herausgeber fungire. Nach Ein- gang derselben soll ein neuer Termin anberaumt werden. Seitens der Schöffengerichte werden manchmal wesent« liche Erfordernisse zur Strafverfolgung der Angeklagten in den zur Verhandlung anstehenden Strafsachen übersehen und ohne das Vorliegen eines legalen Strafantrags recht schwer« wiegende Urtheile gefällt. Ein solches Urlheil unter- lag gestern vor der fünften Strafkammer hiefigen Landgerichts l. der Aufhebung. Der Knecht Friedrich Carl Weiland war am 28. Juli v. I. mit dem Bäckerlehrling August Krapitzki in Streit gerathen, und es war zwischen Bei- den zu Thätlichkeiten gekommen, in dessen Verlauf Weiland dem Krapitzki mit dem Lriel einer Mistforke einen Schlag über den Rücken versetzte. Während des Ringens hatte fich der Letztere eine blutende Verletzung am Hinterkopfe zugezogen. Am 1. August erstattete der Verletzte auf dem Bureau seines Polizeireviers Anzeige von dem Vorfall und stellte auch zugleich den«forderlichen Strafantrag. Die Staatsanwaltschaft, welche von der Voraussetzung ausging, daß dieKopfoerletzang mittels des Mistforkenstiels verursacht worden war,«hob die Anklage wegen Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges. Das Schöffengericht verurtbeilte aber den Angeklagten nur wegen einfacher Körperverletzung, zu deren Verfolgung ein legaler Strafantrag erforderlich ist. zu einem Monat Gefäng- niß. Nach§ 65 des Str-G.-B. ist der Verletzte nur wenn er das 18. Lebensjahr vollendet hat, zur Stellung eines Straf- antrages berechrigt. Auf die von dem Vertheiviger Rechts- anwalt Dr. Z eidler eingelegte Berufung stellte stch heraus, daß der Verletzte zur Zett der Stellung des Strafantrages noch nicht volle achtzehn Jahre alt war. Der Gerichtshof hob daher das erste Urtheil auf und erkannte auf Einstellung des Ver- fahrens. In der Holzapfel'schen Duell-Angelegenheit ist die gerichtliche Untersuchung im vollen Gange. Heute haben vor dem hiestgen Amtsgericht, Abtheilung 84, bereits Vernehmungen stattgefunden, und ist unter Änderen ein Onkel des im Duell erschossenen Holzapfel gleichen Namens vernommen worden. Arbeiterbewegung, Uerewe unü Wersummwngen. Der BezirkSveretn des werkthätigen Volks im 29., 80. «nd 31. Wahlbezirk hielt am Dienstag, den 6. Januar, bei Golle, Linienstr. 30, feine ordentliche General- Versammlung ab, zu welcher die Mitglieder durch Karten eingeladen waren. — Auf der Tagesordnung: Kassenbericht, Vorstandswahl und Vnschiedenes.— Zum 1. Punkt der Tagesordnung erhielt der Kasfirer Herr Franke das Wort und erstattete derselbe über den zettiaen Bestand der Kasse umfassenden Bericht; auf An- trag der RevlstonS-Kommisfion wurde demselben Decharge ertheilt- In den Vorstand wurden neu resp. wiedergewählt die Herren- R. Schulz, 1. Vorfitzender; A. Steindorff, 2. Vorsitzender; E. Franke, 1. Kasfirer; R. Gutscke, 2. Kasfirer; E. Tübbecke 1. Schriftführer; G- Scheftel, 2. Schriftführer und C. Jentsch, Beisttzer.— Zu Revisorm wurden wiedergewählt Herr Blan- kenburg und neu gewählt Herr Seiffe, zu denen fich noch Herr Krüger gesellt, der im Amte verbleibt. Interessant waren die Ausführungen des Herrn©che fiel, der zum 3. Punkt der Tagesordnung(Verschiedenes) das Wort «hielt, und die Widersprüche konstatirte, welche die Polizeibe- amten bei Ausübung deS Sozialistengesetzes vollführten; so theil te dnselbe u. A. mit, daß bei der Hauptwahl zum Reichs- tag die Proklamirung eines Kandidaten die Auflösung der be« treffenden Versammlung zur Folge haste, während bei der Stich- wähl der Kandidat ruhig proklamirt werden konnte. Anderer- seits konstatirte Redner, daß ein Polizeilieutenant die Reichs- togsabgeordneten in den Wählerversammlungen sprechen ließ, ein anderer aber schon bei der Wortertheilung an einen Reichs- tagsabgeordn-ten die Versammlung auflöste.— Ein anderer Polizcilieutenant warnte vor der Wortertheilung an einen Abgeordneten und empfahl, den Kandidaten deS betreffenden Wahlkreises sprechen zu lassen, als trotzdem der Reichstags-Wbgeordnete Heine das Wort erhielt, löste der betr. Beamte die Versammlung auf. Am anderen Abend, als kein Reichstag«. Abgeordneter anwesend war, vassirte dasselbe Schicksal der Wäblerversammlnng, als dem Kandidaten des betr. Kreises das Wort ertheilt wurde. Redner meint nun, daß die Arbeit« immer bemüht find, fich auf gesetzlichen Boden zu stellen, daß es aber bei der Handhabung deS Sozialistengesetzes sehr schwierig ist, fich in den Rahmen des- selben hineinzufinden.— An der fich hieran anschließenden Diskussion betheiligen fich die Herren R. S ch u lz, Gutsche, S t e i n d o r f f und Tübbecke, welche, da die Reichstags- wählen vorüber, das Halten wissenschafllicher Vorträge und solcher über kommunale Angelegenheiten für die Vereins- fitzungen im laufenden Jahre empfehlen.— Zum Schluß theilt der Vorfitzende mit, daß die nächste Verelnsfitzung am Diens- tag, den 20. Januar bei Golle stattfindet und sein« Zeit im „Lolksblatt" annonzirt wird.— Möge der Verein auch im neuen Jahre wachsen und gedeihen! R i. Der Arbeiter-Bezirksverein„Glückauf" hielt am Dienstag, den 6. Januar, Abends 8 Uhr, rn den Industrie- Hallen. Mariannenstraße 31—32, feine General-Verfammlung ab. Auf der Tagesordnung stand- 1. Geschäftliches, 2. Wahl des Vorstandes, 3. VnschiedeneS, 4. Fragekasten. Bei Punkt 1 der Tagesordnung, Geschäftliches, gab der Vorsitzende Herr Kreutz einen Rückblick auf das verflossene Geschäftsjahr deS Vereins und legte sodann die Gründe klar, welche den Vor« stand veranlassen, sein Amt niederzulegen. Hierauf wurde zu Punkt 2 der Tagesordnung, Wahl des Vorstandes, geschritten und setzt sich derselbe folgendermaßen zusammen: 1. Vorfitzender Herr Werner, 2. Vorsitzender Herr Krüger- 1 Schriftführ« Herr Malchow, 2. Schriftführer Herr Pohl; 1. Kasfirer Herr Friedrich, 2. Raffirer Herr Grau. Zu Beisitzern wurden die Herren Ernst, Ostertag und Röhl; zu Vertrauensmännern die Herren Busch, Roussel und Rönneberg gewählt. Zum 3. Punkt der Tagesordnung, Verschiedenes, forderte der Vorfigende aus Anlaß der verhältnismäßig schwach besuchten Ver sammlung die Anwesenden zu engerem Zusammenhalten auf und betonte hauptsächlich, daß die Mitglieder darnach streben möchten, immer mehr neue Mitglieder heranzuziehen. Nach Erledigung einer Frage schloß der Vorfigende mit einem dreis maligen Hoch auf den Verein die Versammlung um 114 Uhr. Central Kranten- und Begräbniß- Kaffe der Sattler und Berufsgenossen( E. H. genannt Hoffnung, Nr. 64). Beiträge werden vom 1. Januar ab jeden Sonnabend Abend Don 8-10 fan folgenden Stellen entgegengenommen. Neue Butowersttr. 9, Restauration. Jakobstr. 11, Restauration. Spreeftr. 12, Destillation. Straußbergerstr. 10, Deftillation. Neustädtische Kirchstr. 15, Restauration. Lüzowstr. 7, Restauration. Bionskirchstr. 34, 2 Treppen. Boyenstr. 11, Hof links 3 Treppen. Aufnahme von Mitgliedern Neue Jakobftr. 11 und bei dem Vorfizenden E. Bäthge, Fürstenstr. 19, 1 Treppe, 84-9 Uhr. Statutenbücher werden ausgegeben. Der Interessenverein Berliner Glafer wird sich dem nächst auflösen um fich in einen Unterstüßungsverein um zuwandeln. Das von der niedergesezten Kommission ausge arbeitete Statut wurde vom Vorfißenden verlesen und be= schloffen, in der nächsten Generalversammlung die Durchberathung vorzunehmen. Der Bericht vom Weihnachtskränzchen Für das bevorstehende Stiftungsfest ergab ein Defizit. wurde ein anderes Vergnügungskomitee gewählt. Bezirksverein der arbeitenden Bevölkerung des SW. Berlins. Gemüthliches Beisammensein der Mitglieder mit Familie am Sonnabend, den 10. Januar, in Otto's Salon, Mittenwalderstraße 15, Abends 8 Uhr. Die Mitglieder werden ersucht, mit Freunden und Bekannten recht zahlreich zu erscheinen. Druckfehlerberichtigung. In unserem Artikel über die Lohnreduktion in der Fabrik von Lenschkow und Markert muß es überall statt 9 Groß 1 Groß heißen. Tagesliste der Königl. sächsischen Landeslotterie. Biehung vom Mittwoch, den 7. Januar. ( Dhne Gewähr!) 352 621( 300) 765 461 975 146 905( 200) 489 37 101 762 649 501 270 967 929 830 696. 1645 704( 150) 934 353 293 789 97 661 39 879( 150) 806( 500) 278 357 813 356. 2452 35 344( 150) 671 751 810 394 302 744 704 264 724 634 576. 3353( 500) 683 780 454( 300) 250 712( 200) 609 210 807 183 955( 200) 281 452( 200) 654 373( 500) 396 449 338. 4508 523( 150) 287 741( 150) 570( 200) 931( 150) 237 887 348 300( 150) 622 139 394 79( 150) 203 765 943 723 842. 5540 69 675 145 632( 200) 860 241( 150) 371( 200) 38 876 336 915 518 507. 6083 526 224 542( 500) 273 555 7607 14 78 903 35 400 30 868 98 695 110.439( 150) 711. 42 294 217( 150) 600 455 226 927 245 12 943 103( 300) 766 980. 8741 307 422 455 923 396 38 352 763 49 943 584 795 693 621. 9127 12 708 226 964 958 944 776 154 342 690 161. 10360( 200) 80 570 690 137 905 979 88( 150) 890 735 715 798 844 26( 200) 986( 300) 449 473 738. 11775 702 553 436 816( 150) 396 171 841 172( 150) 162 676 770 170. 12318 582( 150) 113( 150) 482( 300) 609 750 880 875 778 604( 200) 741 864 717 698( 500) 597 290 394( 200) 24 ( 150). 13070 607( 150) 852 713 696 48 494 701 841 118 187( 150) 752 745 812( 150) 749 559 876 586 378. 14876 251 503 731 694 796 670 623( 200) 131 4 636 286 113 152 15984( 300) 270 717 455 462 748( 150) 71 382 496 380. 16237( 200) ( 150) 722 758( 150) 425 247 914 10 632 861. 212( 300) 443 663 829 834 995 99( 500) 226 711 801 712 ( 200) 224 335. 17000( 1000) 579( 300) 79 927 447 816 392 74 802 725 349. 18487 917 280 964 842 300 101 202 793 ( 200). 19386 743 242 929 174 327 577 719 980 35 428 337 745 404( 150) 681 938 960 18 897. 20636 329 368 791 524 717 470( 1000) 134 548( 1000) 715 ( 200) 680. 21882 968 441 296 413 97 342 667 359 644 184 402 830 666 487 290 646 672. 22536 861 849 388 718 103 Heute: Fidelio. Theater. Königliches Dyernhans: Rönigliches Schauspielhaus: Heute: Die Geyer- Wally. Deutsches Theater: Heute: Die Welt, in der man fich langweilt. Heute: Bellealliance- Theater: Der Raub der Sabinerinnen, Schwank in 4 Atten von Franz und Paul Schönthan. Renes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Heute: Gasparone. Central- Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heute: Der Walzer- König. Heute: Dthello. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Walhalla- Operetten- Theater: Heute: Gillette. Bonisenstädtisches Theater: Heute: Der Millionen- Barbier. Heute: Jm Lande der Freiheit. Ottend- Theater: Wallner- Theater: Bittoria- Theater: Heute: Die goldene Spinne. Heute: Die Galloschen des Glücks. Heute: Sulfurina Alhambra Theater. Meinen Freunden und Bekannten zur Nachricht: Das längst erwartete Paquet, von der Firma Nu ist Genug früher Storch& Co. ist heut früh 1 Uhr pünktlich eingetroffen, dasselbe enthielt unser neuestes Werk: Berlin. 27 Ein kräftiger Staatsbürger. 6. verbesserte Auflage. Besten Gruss Ad. Hoffmann nebst Frau. Am Ostbahnhof 18. Arbeitsmarkt. Ein i. verb. Mann sucht Beschäftigung, welcher Art es sei. Beft. Offerten Reichenbergerstr. 65, II, bei Guſe. 29 29 Drucker f. Ziegeldruck( Liberty) verlangt 28 Buchbruckerei, Annenstr. 24,. r. 2 Tr. Ein anständiges Mädchen sucht Aufwartestelle für Nachm. Neanderstr. 21, hof im Keller. ( 200) 106 242 617 544 335 895( 300) 866 526 405. 23812 461 37 160 643 891 939 623 746 187( 150) 794 953 298( 500) 169. 24988 234 898 114 784 994 389 218 972 171 255 711 138 872 160 800( 150) 240 477 396( 150) 954. 25468( 200) 603 822 753 79 674( 300) 339 524 781 614 470. 26152 687 ( 200) 955 103 799 176 431 134 192( 150) 360 252 962 924. 27125 425 671 114 457 288 123( 150) 175 642( 300) 764 422 707( 500). 28999 288 302 6 960 823 448 142 913 435 ( 150) 788 219 503. 29056 38 307 217 467 609 630 246 826 ( 150) 632 904 610 623 775 590( 150). 30881( 150) 789 309 205 375 22( 150) 880 494 122 122 ( 300) 211 906 365 555 91 66 146. 31569 26 839 876 668 133 231 265 480 217 422 957 57 486. 32369 523 674 742 725 457 19 766 487 118( 200) 231 932( 200) 139 146 387 882. 33314 773 935( 200) 631 275 171 791 731 880( 200) 580 841 755 838( 150) 468 307 521 879 622. 34456 284 ( 150) 529 620 23 510 652 752 953. 35965 418( 300) 212 ( 150) 694 840 564 535 609( 200) 945 422 3 689( 150) 398 691 949 585 649 71 507 698 513. 36296 995( 500) 138 351 336 243 77 488( 150) 225 387( 150) 558 909 186 960 771 ( 150) 815 435 671 728 828( 300) 231( 150) 494 946 631 537. 37675 903 65 937( 500) 710 228 870 701( 500) 95( 150). 39024 513 38948 448 598 990 158 884 673( 150) 702 869. ( 200) 538 88 766 474 690( 300) 756( 300) 47 747 438 130 607 262 948 969 961. 40565( 300) 586 557 362 549( 500) 424 575 672 609 518 871 240( 150) 839 717 296( 150) 622( 200) 847 956. 41854 964( 150) 145 356( 300) 90 906 579 725( 200) 487 ( 300) 897 186 684 749 877 117 520 218 207. 42502( 150) 499 765 321 699 386 848( 200) 162 320 845. 43579 581 803 265 842( 150) 753 838 760 942 826 442( 200) 443 611 201. 44182 947( 150) 1 832 897 218 673 169 573 513 505 757 768( 150). 45625( 200) 74 902 607( 150) 309 631( 150) 930 805 99 660 742 333 502 400 650( 150) 690( 150) 688 847. 46490 238 202 932 383 430 24 986 900 262 803 643. 47136( 300) 87 123 940 16 795 796 467 933 809 563 828 922. 48881( 300) 441 285( 150) 12 261 387 37( 200) 340 ( 200) 913 453( 200) 758( 200) 330 331( 200) 549 757( 150) 478( 150) 843 998 357 306( 150) 266 747 465 855 815 567 ( 200). 49017 40 410( 200) 142 70( 150) 986 861 379 434 7( 200) 411( 300) 117( 300). 50339( 150) 688( 200) 679 642 419 115 106 52 97 579 470 34( 300) 170 131 455. 51634 725( 150) 190( 200) 816 65 529 99 766 592( 150) 625 696( 3000). 52823 102 846 209 679( 300) 305 103 625 393 913 630( 200) 427 649 36 651 941( 150). 53033 316 36 518 600( 300) 355 586 208 6 692( 200) 967 915 762 102 727( 200). 54457 190 225 594 997 885( 200) 904 299 42 218 731 269 8 291 81 666( 200) 723( 1000) 549. 55829 718( 150) 724( 150) 283 131 972 570 286 563 901 665( 5000) 19( 150). 56238 240 184 173 627 ( 150) 175 618 865 392 783( 1000) 241 420 775 157 591 92 ( 150) 68( 150) 819. 57272 380 533 806 4 36( 200) 173 724 698 792 981 890 946 602. 58675 655 451 822( 150) 893 415( 200) 462 88 967( 500) 386( 200) 192( 1000) 8 332. 59880 104 578 143 206 406 435 322 96 619 41( 300) 646 508 567 692 685 927( 150) 887 164 495. 60581 670 998 172( 200) 162 21 835 702( 200) 42 104 338 536 904. 61198( 150) 447 937( 150) 877 240 362 19 271( 150) 637( 150) 218 896( 150) 965 434( 150) 976( 200) 979 630 164 49 61 20( 150) 858. 62593 423 48 940( 200) 318 122 560( 300) 827 960 72 834 513 104 24 568 634. 63368 444( 150) 919 320 132 193 536 396 877 106 597 260 269. 64068 451 305 289 833 109. 65985( 150) 766 363 184 319 785 850 718 298 419 933 884 236( 500) 727 440 848 296( 150) 196 96( 200). 66090 34 567( 150) 746( 200) 484 480 855( 5000) 353 86 584 844. 67982 709 466( 150) 228 216 660 487 922 282 126. 68175( 150) 359 860 606 141 132 127 75 834. 69937 463 632 194 481 339 241( 3000) 510( 150) 726 604. 70738 942 244 60 481( 150) 749 297 317( 200) 590 26 546. 71408 916 203 425( 200) 410 439( 150) 589 246 730 658 295( 300) 245 552 164 937 875( 150). 72000 767 433 748 875 624 851 967( 150) 356 45 159( 150) 389 221 325. 73652 34( 200) 469 298( 300) 584 726 863 881 217( 150) 24 431 530 963. 74219 320 930 292 62 324 97 876 235( 200) 118. 75357( 150) 42 816 113 184 942 519 685( 150) 307 ( 500) 294 697( 500) 892 216 137 429 756 860 287 11 419 76651 453 224 135 392 635 400 10 202 879 441 845 814 153( 200). 77853 309( 1000) 932( 150) 544 749 166 688 934 303. 78240 431 694( 150) 571 136 267( 200) 390 794 76 545 589 956 384 588 921 863 395 654 968. 79290 354 53 183 593( 1000) 867 449 908 441 389( 300) 627 134( 150) 213 151 976. 84608( 150) 85670 122 738 80803 977 56 548 654( 150) 851 21( 150) 594 417 73 821 666 412. 81525 683 563 372 543 885 140( 150) 29 824 751 551 829 90 17 408 404 486( 300) 725 641 906 10 828 868 577 23 813. 82942 187 574 131 298 3 912 16 ( 500) 796 793( 150) 256 175 129 990 807 329( 150) 591 19 ( 200) 802. 83194 95 657 577 146 936( 200) 705 57 781 62 472 905 202( 200) 920 219 700( 200) 294. 611 366( 500) 295 622 820( 150) 111 902. ( 200) 808( 1000) 78 150 768 918 209 45( 300) 572( 200) 579 111 18 697. 86104( 200) 612 29 157 600 342( 200) 503 542 563 258( 150) 111 759 675 443 27( 200) 507( 300) 13 70 87205 182 496( 300) 851 643 440 236 805 809 696 563 235 573 258 346( 300) 200 294( 200), 88643( 500) 618 705 924 639 923( 150) 576( 150) 812 870 2 77( 150) 886 431 993 79 410 445 970( 200). 89397 229 236 288 191 485 733 710 757 145 822 376 929 598 15 652 700( 200), N erichet Berlin Bostal 90651 616 805 365( 150) 481( 25000) 338 751 781 8 743 990 915 969 971. 91986( 150) 136 707 407 352( 1000 92266 279( 1000) 245 620( 200) 707 963 944 249 735( 150 42 130 373 139 189 860. 93871 925( 300) 455 293 713 839 349 250( 200) 586( 150) 742 781 334. 94917 63 467( 150 546( 150) 277 536 152 573 229 513 155 27( 200) 41( 300 456 515 672. 95515 385 251 595 320 363 249 563 128 92 ( 150) 636 65 473( 150) 894 708 529 753. 96405 705 29 ( 200) 312 537 546 801 911 975 5 603 658 683 445 314 17 809( 200) 499( 150) 678 392. 97943 78 802 831 498 38 995( 200) 45 554( 200) 228 484 117 436 390. 98123 92 bisher 801 294 365( 150) 270 183 577 611 85 622 568( 150) 65 ( 300) 69 806( 150) 850 845( 150) 787 759 912 466. 9980 622 528 690 186( 500) 922 377( 150) 433 586( 200) 409 94 17 350 925 525. Gemeinnütiges. Di fucht u der At Bimme franto bisher blatt" 1 D Dauerhafter billiger Holzanstrich. Man stellt eines solchen dar, indem man wasserfreien Cement mit Milch so lange verreibt, bis diese Maffe die Konsistenz einer Delfarbe erhalten hat; man fann dies Gemisch mit einer beliebigen Erdfarbe färben. Dieser Anstrich schüßt in jeder Beziehung Erschein das Holz vor äußeren Einwirkungen, wie er auch gegen Ve neu abe brennung desselben dadurch geeignet ift. Fleck. Staaten En Goldprobe. Diese geschieht einfach dadurch, daß man au zu vergi die blanke Oberfläche von echtem Golde etwas Höllenstein land da lösung bringt. Hat man kein ächtes Gold vor sich, sonder erwerb, nur eine Legirung, so entsteht auf dem Metalle ein schwarz fie noch Kaltwasser ist eine Lösung gebrannten Aezkaltsi Waffer. Es findet seine Anwendung gegen Vergiftungen mi Brutali Schwefelsäure, ferner bei Erkrankungen der Harnwege, be trachtet, Knochenerweichung, bei englischer Krankheit, bei Gicht und tolon fir als Gurgelwasser. Aeußerlich wendet man es in Verbindung der Gre mit Leinöl gegen Verbrennungen und zwar 1 Theil Lein thumsi mit 2-3 Theilen Kaltwasser. Kaltwasserdämpfe werden übrigen bei Diphteritis in Anwendung gebracht. offen ei Länder John Di S Einiges über das Einpökeln. Wer Fleisch einpöke will, nehme nicht zu junges; man nehme möglichst gro Stücke, die man von Fett und Knochen zu befreien hat. Da fein. Salz muß möglichst trocken sein und wird entweder jede Stüd damit eingerieben oder in Fäffern lageweise zwische Verände das Fleisch sorgfältig eingestreut. Schweinefleisch ist as ropäisch meisten zu falzen. Ein gutes Bökelfalz fegt man zusammen friedlich durch Vermischen von 16 Theilen Salz, halben Theil Sal und einen Theil Bucker. vermicel Da Alaun, schwefelsaure Thonerde, wird namentlich innerlid zu 10-50 Centigramm bei Erkrankungen des Magens und de uns fest Darms, bei Catarrhen und Blutungen derselben, viel häufige ber alle wird er äußerlich angewendet bei Catarihen der Augen. De Verwid Rachens u. f. w. Bu Augenwaffer nimmt man 5-15 Cent 1. gramm auf 30 Gramm Wasser, zu Mund- und Gurgelwaffe in Auflösungen von 1: 100. Hauptziehung Preußische Loose: 16. Jan.- 31. Jan. 1 2 Original 1, 350 Mart, ½ 154 Mark, 172 Mark. Antheile, 30 Mt., 116 15 Mt., 12 7,50 Mt., 144 Mr. wir feit entspänn feinen 2 meiblich land un Drittel Indien, aftatifch ben Kü Kontine hunderts und Ve Borchardt Gebr., 1. Geschäft Friedrichstraße 61, Telephon 480. 14eint a 2. " Königstr. 1, Ecke Burgstr. " 3158. fcheint u Bezirksverein d. arbeitenden Bevölkerung| Brestohlen, Marke E. L. 6,50, Ilfe 7,00, Marie 7,50 á 1000 St Raporud des SW. Berlins. Gemüthliches Beisammensein mit Familie am Sonn abend, den 10. Jan., Abends 8 Uhr, in W. Otto's Ge sellschaftshaus, Mittenwalderstr. 15, parterre. 30 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Verein der Former. Eingeschriebene Hilfskaffe. Ordentl. General- Versammlung Sonntag, 11. Januar, Vorm. 10 Uhr, Grenadierftr. 33 b. Seefeldt. TD.: Antrag 3.§ 9 d. Statuts. Halbi. Bericht d. Revisoren. Jahresbericht und Vorstandswahl. Der Vorstand. 26 Kleine und große Vereinszimmer auch Sonntags zu haben. Mauerstraße 86. Die Nr. 12 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" [ 1304] ift erschienen und in der Erped. d.„ Berl. Wolfsbl." zu haben Selbstunterricht in der einfachen und doppelten kaufmännischen Buchführung und Darstellung eines neuen abgekürzten Systems zur doppelten Buchmethode. Von C. Schmidt, Lehrer d. Handelswissenschaft Preis Mk. 1,50. Bu beziehen durch die Expedition des„ Berl. Volksblatt" Zimmerstraße 44. Desgl. 0,65, 0,70, lief. fret ins Haus A. Schent, Mustauerstr. 28. Soeben erschienen: 0,75, 100 [ 1525 67 Der gesetzl. Maximalarbeitstag und seine Bedeutung für die Arbeiter. Von Wilhelm Liefländer. Preis 15 Pfg. 6 " 1615 Ton. C 19 thun w gewesen gefagt periodif Lung e 3 Bu beziehen durch die Expedition des Berl. Volksblatt, Bimmerftraße 44. Drucksachen = aller Art,= namentlich Circulaire, Rechnungs- und Quittungsformulare, Adreßkarten, Prospecte, PreisCourante, Brochüren, Statuten und Quittungsbücher, Marken, fämmtliche Formulare für Krankenkaffen etc. werden prompt und preiswerth angefertigt. Buchdruckerei MAX BADING Beuthstrasse 2. Berantwortlicher Redakteur St. Cronheim in Berlin. Diuck und Verlag von Max Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. men hat Ihnen Frit be größere Meine des Gr Fergus A " Doktor Vorschl ersten 2 gegeben beiden fagte i Renntni Glüd nehmen G bem He und ich Mr. G Anerbie Aussicht A mir Jh