"T Nr 7. 187 11 4ia 11 815 811 36 688 931 K) 794 76t 30 354 531 1(150) 2« 94 417 731 >(150) 29t 11 906 101 3 912 18 50) 591 Ii 57 781 KA 08(150) 1 70 122 73t !(200) 575 0) 593 545 00) 13 70 96 563 235 18 705 SÄ 31 993 791 35 733 71« 751 781 352(10 I 735(15 93 713 83 1 467(16 i 41(3 33 128 35 705 291 15 314 17 51 498 18123 0) 409 Freitag, 9. Januar 1885 II�Jabrg. ckrliimMMll. Brgan für die Interessen der Ardeiter. Da«„Verlmer Boittötett' «(chenri räAlich Morgeat außer»ach So«»» u»d Festrage«. Lboavemeutiprei« VerU« irn w's Hau« oierteljährlich 4 Mar!, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Vf. Postabonnement 4 Mark Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer«it illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen m der PostzeitungSpreitliste für 1885 unter Nr. 746.) Znserti««falg, immer kehrte diese Meinung w eder, welcher sich gelegentlich der Berathuvg über das Auswandeiungswesen die Muthellung anschloß, daß eine Erhöhung der Gelreidewlle von der Regierung gewünscht weide. Ww glauben, daß die Anstchl ve« Verrn Reichskanzlers bezüglich der Auswanderer von den Thatsachen widerlegt wi>d und möchten ralhen, einmal die Auswandererzüge persönlich zu insptziren, es würde wohldann auch der Herr Reichskanzler überzeugt werden, daß bei diesen Leuten von Wohlhabenheit keine Rede ist. In der gestrigen Sitzung der afrikanischen Konferenz wurde die von der Komntisian vorgeicklagene und brreils gistern mitgetheiite Fassung der Deklaration bezüglich des Ber- dois deS EklaoenhanvelS genehmigt. Der Beschluß über die difinilive Fassung der Neuiralistcung des Kongob ck-ns wurde ausgesetzt. Demnächst folgte vaS nachstehende D kl uanons- projrkt bezüglich der FormalitLlen, welche zu beobachten find, wenn die neuenBesitzergreifungen an den afrt- kanischen Küsten als esstklive betrachtet werden sollen: Neuntes Kapitel. Mr. Gefferson war ein gewissenhafter Chef seiner An« stakt. Er machte nicht nur selbst sehr häufig Bes-qe bei seinen Patienten, kontrolirte und beaufsichtlgte alle Beamten persönlich, sondern ließ sich auch regelmäßig jeden Morgen von seinen Aerzten, nachdem sie die Runde durch die An» stalt gemacht hatten, und von den Beamten von BetheSda Bericht«statten. Ein großes Zimmer im Par- terre deS Hauses neben dem Hauptportal diente ihm al» Empfangs» und Sprechzimmer, und hier finden wir ihn auch heute, einen Monat nach dem E'gagement Rodenburg'«, im Kreise sein« Unterärzte uno Beamten. Die Konferenz ist soeben beendet; mir Instruktionen für den Tag entläßt er Einen nach dem And«n. Der «st« Assistenzarzt der Anstalt, welcher erst seit einem Monat in derselben weilt, und der Oekonom sind allein noch bei ihm. An den Letzteren wandte sich Mr. Geffer on: „Mit der Einrichtung Ihrer Büffets in den Konversa- tronSsälm bin ich zufrieden, Mr. Dow; sorgen Sie nun, daß e» für den Sommer, wo die Promenaden im Park vorgezogen werden, namentlich ber schönem Wetter, auch draußen an Erfrischungen nicht fehlt, auch nicht an Bällen, Reifen und wa« Sie sonst noch Paffendes finden, und geben Sie den Aufwärterinnen an, welche Unterhaltungen sie für die Kranken zu arrangiren haben.... Die ge» meinschastlichen Spiele scheinen mir von günstigem Einfluß gewesen zu sein, wir werden sie auch diesen Sommer wieder einführen; schaffen Sie also, was da fehlt, bald» möglichst an.... Uebrigens«innere ich Sre daran, Herr Dow, daß die Zimmer für die fremde Dame herge- richtet werden. Wir dürfen sie jetzt jeden Tag erwarten, natürlich, wie immer mit allem Komfort, ich mache Sie darauf aufmerksam." „Oh, ich weiß, H«r Gefferson, eS soll geschehen." Dow»«neigte sich und empfahl sich ebenfall«. „Ihnen, Mr. Rodenburg," wandte sich der Chefarzt nunmehr an den Assistenzarzt, habe»ch keine besondere In- struktion zu ertheilen... Ich. bin mit Ihr« Art. d»e Kranken zu behandeln, vollständig einverstanden. Sie schla- Entwurf einer ErklSrung betreffs der Förmlichkeiten, welche zu e'iüllen finv, damit neue Beflye-gretfuriAen an den Küsten Af-ikaS als tbatsächlich vollzogene angesehen werden. Die zur Knnf-renz vemnig'en Bevollmäcbtiaten der Regierun« aen Dutschlands, Oesterreick-UngarnS, Belgiens, Dä' emarks, Spaniens, der Vrreimgten Staaren von Amerika, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande, Portugals, Ruß- lands, Schwedens und Norwegens und der Türkei, haben in Erwägung, daß es vonVortheil sei, in die internationalen Beziehungen einen einheit- lichen Grundsatz betreffs der inZukunft an den Küsten Afrikas etwa stattfindenden Be- sitzergreifungen einzuführen, folgende B-schlüsie gesaßt: I. Diejenige Macht, welche hinfort von einem Lrnd- strich od'r Ort an den Küsten Afrikas, der außerhalb ibrer gegenwärtigen Besitz irr gen liegt, B fitz ergreifen oder denselben unter ihren Schutz nehmen wird, ist gehalten, den betreffenden Schritt mit einer an die übrigen in dieser Konferenz vertrete- nen Mächte gerichteten gleichzeitigen Ankündigung zu begleiten, um dieselben in Stand zu setzen, entweder jenen Schritt als thatsächlick vollzogen onzucrkennen, oder im gegebenen Falle ihre Beickmerden geltend zu machen. Besagte Mächte erkennen die Verpfl chtung an, in den von ihnen besevten oder in Schutz genommenen Lank strichen oder Orten eine Gerichtsbarkeit her- zustellen und zu erhalten, welche Hinreicht, die Wahrung des Friedens und die Achtung der erworbenen Rechte und gege- denen Falls der Bedingungen, unter welchen die Freiheit deS Handel« und des Durchgangsverkehrs gewährleistet worden, durchzusetzen. Die Regierungen der Unlerzeickneten werden diese Erklärung rur K'nnmiß derjenigen Staaten bringen, welche nicht zur Tbeilnahme an der Konferenz drufen worden find, und werden ste ersuchen, derselben beizutreten.— Die Berathung wurde gestern noch nicht zu Ende g> führt. Wann die nächste Sitzung der Konfeienz statifindin wird, ist noch un- bestimmt. Auf Grund des§ 16 deS Sozialistengesetzes hat das Berliner Polizeipiäfidium das Einsammeln von Geldbeiträg-n duich Verkauf von Miniatur- Photographien Lassalles, sowie die öffentliche Aufforderung zur Leistung solcher Beitröge für d ir Polizerbezirk von Berlin unterm 6. Januar verboten. Der Fond zur Remuneration von HilfSarbeiten im Auswärtigen Amt ist, wie firh auS den dem Reichetage vor- gelegten U.b.rsichten über die Emnabmen und Ausgaben des Reichs iraiedt, regelmäß'g erbeb! ch überschritten worden. Für daS Jahr 1877/78 wurde derselbe auf 85 000 Mar! erhöht, dennoch wurde d est Summe um 27 409 Mark üversch itten. 1878/79 um 23 612 Mart: 1879/80 um 59 555 Mut; 1880/81 um 42 520 Mmk; 1881/82 um 50 300 Mart; 1882/83 um 54264 Mark; 1883/84 betrug die Uso dnung und wurde, nne zu früheren wiederholten Malen abgelehnt. Drm vom Reicks- tage angenommenen Grsetzeniwurfe betreffend die A bände- rung des Gesetzes über die Krankenversicke- rung der Arbeiter wurde die Zustimmung er- t Hei lt. Von den Eingaben wegen EiHöHung der Eingangs- zölle für londwirtbschaftlicke Erzeugniffe wurde swie die kurze offiziell« Mitiheriung über die Verhandlungen besagt),„Kennt- e n* ü frischen Landtag wird die Einführung der Verwaltung s reform für Hannover beschäftigen. Man schreibt dorübkr: Unter den nicht allzu zabkrelchen mga- wsatori'chen Veiändelurg n, welche in dem näctstjährigen preu- ßifchen Etat zum Ausdrucke gelangen werden, beanspruchen die- jenrgcn eine große Bedeutung, welche durch die Einführung der Verwaltung sieform für Hannover bedingt find. ES gilt dort, die sechs Landdrosteien in cbm so viel Regierungen umzuvan- deln, von d>nen nur eine Minderheit die eir fache Gestalt der Regierung in Stralsund erhalten kann- Während rs also einer- seits um die B Idung eir er Anrabl von neuen Sckul- und Fmonzabiheilungcn mit ihren N.beneimichtunaen, Kataster- burecux sc. sich handelt, gelangt andererseits die F nrnzdireklion in Hannover zur Einziehung. Daffelde findet m t den Kon- fistorien sta't, welche bisher die Schulangelegenh>iien verwalte- ten. Die Einricktung von 6 Regürungcn, anstatt der von der Staats' egieiung gcplanien 3, wird s-doch einen nickt imcrbeb- l'chen MeHra' fwanv verursachen. Neben den im O dinarium «intrelendeo Veränderungen bedinct der veränderte Raumbedarf extiaordiräre Aufwendungen. Neubauten find zunächst für Stade und Auiich, Erweiterungebauren für Lüneburg und HildeSHeim vorgrsehm. gen den richtigen Weg ein, jedes Uebel durch sich selbst zu bekämpfen; ich hoffe, daß wir binnen Kurzem schon gün» stige Resultate von Ihrem Verfahren haben werden." „Ich bin sehr erfreut, Herr Direktor, mir Ihre Zu- friedenh'it erworben zu haben," antwortete Fritz.„Was die Resultate meiner Behandlung betrifft, so glaube ich schon einzelne gu'e Erfolge gehabt zu haben." „Ei, in der That? Welche?" „Der junge Mann, welcher an dem Wahn leidet, daß «S in seiner Tasche brenne, ist, wie ich glaube, dadurch kurirt, daß ich dieS vermeintliche Feuer in der Tasche habe löschen lasten. Ich habe ihm gezeigt, wie eue glühende Kohle ausgelöscht wird dadurch, daß man sie mit Sand überschüttet und so habe ich rhm empfohlen, seine Tasche mir Sand zu füllen. Bemts gestern versicherte er mir, daß das Mittel geholfen habe und auch heute ist er noch dieser Ansicht." „Sehr gut; wenn wir einige Zeit die Wahnvor- stellung bei dem junge» Mann bannen können, so wird er zuletzt von ihr befreit sein; ganz ohne Zweifel." „Die Dame, welche sich für Katharina von MediciS hält, habe ich seit einiger Zeit ganz speziell in die Kur genommen," berichtete Fritz werter.„Ick habe ihr natürlich «rnsthast zugehört und ihr dann bewiesen, daß sie Unrecht habe nickt weil Katharina von Medicis seit bereits drei hundert Jahren todt ist, sondern weil sie sich von dieser französischen Tyrannin eine ganz falsche Vorstellung gemacht habe. Ich habe ihr die Portraits gezeigt und sie ihr eigene» Brld im Spiegel mit di fem Portrait vergleichen losten; dann habe ich sie noch Historikern gefragt, welche sie für unbedingt glaubwürdig halt. Sie nannte mir Mocaulay. Ich bewies ihr aus dem Macaulay, daß die Thatlachen, welche sie behaupte, falsch seien.... Sie ist jetzt in dem Stadium, daß sie an sich selbst zweifelhaft wild. Ich traf sie heute Morgen außerordentlich nach» denllich. Sie sing mit mir von selbst einen Disput an in Betreff ihrer Echtheit, und ich merkte es ihrer Rede an, daß sie nicht mehr so sicher sei, wie bisher.... Ich Hobe daher die Hoffnung, auch diese Patientin von ihrem Wahne zu kuriren." Ja Meeraae in Sachse« fand am 3 Jrnuar eine stark besuchte VoikSiersammlung statt, in welcher Herr RnchsiagS- abgeordneter Stolle aus G-sau, reftri te. Die„Franks. Zeit." berichtet über den Bcrlauf der Versammlung folgenves:„Herr Stolle, welcher mit dm konservativen und scheinliberalen Adressenstürmern scharf inS Gericht ging, veriheidigte mit ficht- l'chem Eifolge die Reichsiogsmehrdeil ob ihres ablehnenden Votums wegen der 20000 Mail> Forderung. Dagegen ver- mochte auch Herr Etadtrath Reinhold, welcher vergeblich sein Rednertalent aufbot, Nichts, im Kegeniheil, derselbe lieferte durch seine Gegenrede dem Herrn Referenten, sowie den Hrn. Richard Müller und Cuno schätzbares Material, d-e Sachlage noch b.sser zu kennzeichnen und die Rechte und Pflichten d>s Reichslages in das rechte Licht zu st.llen. Die Vrrsammelten, die nicht nur im Saale unten bis draußen auf den Treppen dichtgevrängt saßen und standen, als auch rings auf den oberen Galerien, nahmen mit allen gegen etwa ein halb?s Dutzend Slimmcn folgende Resolution an:„Die heute, am 3. Januar, in Meerare im Kaiserhof tagende, von mindistens 1500 Per- sonen besuchte öffentliche Versammlung erklärt sich mit d n Aus- führungen ihres Referenten, Herrn Siolle einverstanden und in Folge dessen auch mit der Abstimmung unseres Reichstags- Abg'orvneten Herrn Auer in Angelegenheit der btkanntm 20000 Mark-Forderung. Sie beauftragt daher, diese Zustimmung Herrn Auer in Form einer Adresse zu übermiiteln und für genügende Gelegenheit zur Unterzeichnung der Letzteren Sorge zu tragen." Amerika. St. John'S(Neufundland). Nach einer Depesche aus Rober's Bai haben dort gestern Ruhistörunqen unter dm O-angiften statlgefunden. Die Redemptoristen-Paleis auS New. Hark, Vre an jenem Orte eine Misston abzielten, wurden belagrrt und in ihrem Lokal gesungen gehalten. Unweit der latbol'schen Kirche warb ein Orangisten-Tnumphbogen er- richtet, uns hunderte von bewoffreien Ora�gisten durchzogen die Slraßen. Der hiesige amerikanische Konsul hat Schuv von der amerikanischen Regierung erbeten. Das engl sche Kriegs- sch ff„Tenedos" ist mit einer sta'km Polizeimacht nach dem O>te des Auf-uhrs abgegangen. Die O'angistm umängcltm die katholische Kirche, um den Bischof am AbHallen des Gotles- dienftes zu verh ndern. Die Angelegenheit wird als eine ernste ang> sehen, da die Orangistm fich weigern, den Triumphbogen abzubrechen oder die Fahnen zu bcseiiigm, und die lokale Polizei den Unruhest.ftern nickt gewachsen ist.— Die jüngst bei einem der Zeughäuser der Nationalgarde in Chwago stat onirte Wache wird noch immer beibehalten. Et wiid be- hauptet, diese Anordnung habe ihren Grund darin, daß ein Coips von 700 bewaffneten Sozirlistm regelmäßig das Zeug- Haus zu militärijchm Uedungm benützt. A ttft r a l i e n. Am 6. Nov. hat Kammodore E'skine in Port Moresby, Neuguinea, das englische Protektorat über die Südküste proklamilt. Um die'leremonie so feierlich als mög- lich zumachen, waren 6 Kriegeschiffe versammelt. Der Dcputy- Kommiisioner Romilly Hatte alleidngs aus M'ßverstänomß die Zeremonie schon vorher vorgenommen, so daß sie von dem Zommodore wiederholt werden mußte. 50 Häupilinge und eine Anzahl anderer Eingeborener, welche fich am 5. Nommber auf dem Kriegssch'ffe„Nelson" versammelt hatten, wurden dort gespeist und ertjielun k eine Geschenke. Ein Häuptling, Boe- vagi, wurde zum Oderhäuplling ernannt. Ter Kommodore Erskme erklärte dann den Versammelten die Ablichten der Königin Vik oria. Zum Zeichen s-iner neuen Würde erhielt der neue Obeihäuptimg einen Eb nholzstab mit einem an der Spitze erngrlaffenen Zweischillingstücke, ver Kopf der Königin nach oben. Es wuroen dann ew'ge Schüsse abgegeben und das Nebilhorn ertönte, was den tiefsten Eindruck aus die Ein- geborenen hervorgebracht haben soll. Am anderen Morgen früh fand dann am Lande das Aushissen der englischen Flagge statt, welcher Zeremonie ein paar hundert Mann von den Eckiff.n beiwohnten. Das Protektorutsgebiet wird in der verlesenen Urkunde in folgender Weise festgestellt:„Die ganze Südküste von Neu-Guinea, welche on der Glenze desjenigen Theiles des Landes, das von der Regierung der Ni-de lande in Ansp uch genommen wird, beginnt, von dem 141. G ade östliche Länge bis zum Onk-p, mit all.n anliegenden Inseln südlich von Lstkrp bis eu.sckheßlich zur Kosman-Jnsel, sammt den Inseln in der Goschen-Meeien»«". Nach Verlesung und Eikiärung der Urkunde erfolgte die übliche Ceremonie des Aus- hrsiens der Flagge, mit 21 Salutschüssen sc. Ja A istialicn hrdauelte man M das Ledhafteste, daß die Annexion fich nickt auf die ganze Insel erstreckt hat, ausschließlich des van den Holländern beonsp uchten THeites. Die Regierung von Ouens- land hat den Bau einer Telegraphenimie bis Thursdoy Island beschloffen, wovon die Schiffe, welcke, welche die Torreestiaße pajsiren, piofi.tren. Anfiedrungen sind wie bekannt, zunächst auf Neuguinea noch nicht gestattet. Kommunales. „Ich wünsche Ihnen Glück zu dieser Kur, Mr. Ro- denbura, und spreche ihnen meinen unbedingten Beifall über Ihr Verfahren aus.... Schon sitzt mache ich Sie darauf aufmerksam, daß wir nächstens eine Patientin hier haben werden, die mir bereits feit zwölf Jahnn ein Räthfel ist." „Sie erwarteten eine neue Patientin? Ich hörte, daß Sie Mr. Dow Anweisungen gaben, besondere Zimmer für sie herzurichten." „Ich erwarte eine Dame, welche sich jedes Jahr ein- stellt mit dem Vorgeben geisteskrank zu sein.... Sie kommt um dieselbe Jahreszeit, immer im Frühling, und verbleibt bis zum Spätherbst in der Anstalt." „Und welche» ist ihre Wahnvorstellung?" „Ja, da» ist eben das Räthselhaste. Die Dame ist ijar nicht wahnsinnig.... Sie werden Sie selbst kennen einen, Mr. Rodenburg, und ich bin neugierig auf Ihr Urtherl.... E» ist der allerseltsamste Fall, der mir je in meiner Praxis vorgekommen ist." Schon während sie sprachen, ward da» Gitterthor der Außenmauer geöffnet. Eine Miethskutsche war hereinge- fahren und hielt vor dem Haupiportal. Jetzt meldete der Portier den Besuch mit den mystischen Worten: „Die Dame, Herr Direktor." „Wie M streß Forster?" fragte dieser. „Ja wohl, Herr Direktor!" Mr. Gefferson erhob sich sofort, um selbst die Thürs zu öffnen und die Dame emzulad n, näher zu treten. „Sie werden die Dame bald sehen. Sie ist es, von der wir soeben sprachen," flüsterte er Rodenburg zu, bevor er die Thür dffneie. Es trat eine Dame ganz schwarz gekleidet und tief verschleiert h-rein. „Ich habe Sie erwartet, Mylady.... Mistreß Forster," verbesserte sich d-r Chesarzl sogleich,„denn ich sah aus Ihrem Verhalten bei meinem Utzten Besuche, daß meine Hoffnung, Sie ruhigeren Gemüths zu finden, nicht in Erfüllung gehen wüide." „Ach nein, nein, Mr. Gefferson" sagte die Dame mit schwacher Stimme.„Ich bin trank, sehr krank." Zur Lolleudaug des Radialsystem« m. beabfichtist die Bauoerwallung ver Kanalitatio i, sobrld vre Wuterun» dies emtgennaßen gestaltet, sofort mit dn Verlegung des D uck- rohres durch die Blücher ftraße vorzugehen. Hinzu ist aber Vit Planiruog des Siraßenkleuzes des auf dem G b ete des Air- haltischen Bahnhof s brlegenen Teiles der Straße erforderlich, welche Planrrung et ra 30000 Mark kosten wnd. Da die Mittel, welche dem Magistrat zur Straßenreaulirung für das laufende Elatsjahr zur Beifügung standen, bireits verbraucht, in dem nächstjährigen Etat für dergleichen Artieiten aber nur 15 000 Mark vorgesehen find, so soll bei der Slabveroidneten- Versammlung beantragt werden, die erforderlichen 30 000 Marl extraord nair a conto oes Fonds für unvoihergesene Ausgaben zu bewilligen. Der Ausschuß der Stadtverordnetenversammluag zur Boibnaihui g rer Vo-lage deS Magist ais, beueffend die für das Jahr 1885 proj>ktirlen Eiwrirerungs- und Erneue« rungsbauten in den stä arisch-n Gasanstalten und am Rohr« system, wrlche durch die in wnte Fnne gerückte E bauung nnn fünften Gasanstalt in F i denau erforderlich fi io, Hai beschlossen, die dreebezüglich-n Vorschläge der Versammlung zU empfehlen, jedock mir der Abvrichung, daß vre vorgeschlagen� E richtung des Gasdehäl'crs in der Danzige straße für da» Jahr 1885 abgesetzt werde, zumal derselbe erst tm JaHie 18881 in G biauch genommen werden solle und man alSoann viel« leicht mit der Einführung des elektrischen LichleS in größere« Umfange vorgehen könnte. Die städtische Baudeputation Hat bei dcm Magistrat! beantragt, daß das Z nan�senleignunaSverfaHren in Bemg auf die zur F eilegung d,s„Reicksrags-Ufers" nöthigin, aber noch im Privatvefitz befindlichen Flächen bischleunigt werde, da« mit zugleich mit der Eiöff ung der im Bau begriffenen Markthalle in der Dvrotheenstraße die zweite Zufahrt zu der« selben vom Reichstags-Ufer aus ermöglicht werden kann. K o k» t e s. r. Kleine Ursaeyen, große Wirkungen. Der P-okurist einer bekannten hirstgen Groxhandtung für Kalonialwaa en ging vor«inigen Tagen„so'für stck hin" dutch d e Straßen in deri G g«nd des Spittelmarktis, um N chts zu suchen, W war sei» Sinn; er hätte inveß ein schlechter Großhandlung»- Prokarist se-n müssen, wenn er so ganz achtlos an dem Lad.n eines seiner Kunden vorübergegangen wäre; er blickle also mit der! üblichen gesckäfismännrscken Neugier auf die bekannte Firm« an der jedoch durchaus nichts Ungewöhnlich s zu bemerken war. Ader vor der Thür sah er eine D-oschke stehen, und zwar eine„erster Güte". Wieder veranlaßie ihn seine ge'chäfls- mäßige Neugier einen Augenblick zu warten und bald rrat aas dem Laden des G-sckäftsfreunoes ein oerr, der die Droschke bestieg, und dabei sein Partefeaille schloß, in das er meh e:e Papiere von jenem schmalen, länglichen Format hineingelegt harre, über deren Werth die Anfichten manchmal dem Weh'« unter wo:fen find. Kein Zweifel, der eben davon g fahren« Herr war ein Notar und der Zvcck setner Anwesenheit bei dem Geichäfiesreunde konnte ebenso wenig zweifelhaft sein, cs half« fich ficker um die Pioiestirung mindestes eines Wechsrls gehandelt. Inveß folcke notariellen Besuche könne« der feinsten Fiima patfiren und beweisen allein und an fi» noch nichts. D«r einmal lege gewordene Acgwohn läßt fifl bei einem Kaufmann aber nicht sogleich b>sckwichtigea und als der Herr Prokulist fich auf seinem Komptorr übeizeugen mußte, daß das Konto des beirefferdcn Gesckästefreundes in de« letzten Monaten ganz erheblich belastet worden war, uns all weiter dre sofort über dessen Verhältnisse ongestellien EimiUp langen ein schr ungiinst ae» Stelaltat ergaben, da erfolgte s«s fort'ger Abbrach der geichä'tUchen Verbindungen, Die aber von der Geschickte: Ein Notar, der Wechsel p.rstts.»«« w ll, soll seine Droschle nicht vor der Ladenthür warten lasse?, l. wenn er es aber dennoch thut, so ist es gut, ihn durch»ü Hinterthür fiter den Hausflur gehen zu lassen; und auch hie? bei ist noch immer einige Gefahr für den Wechselschulonel vorhan:en. I Der tm Duell gefallene StudtofuS Holzapfel hat er»« sehr ehr.nwerlhe Famrlie in tiefe Trauer versetzt; seine oft» wittwete Müller und eine junge Schwester beweinen ihn>« namenlosem Schmerz. Die Drei lebten in rührender Liebe w» unzirtrenniiche Freunde: ste waren immer zaiammen, jev« Freude, jeden Kummer iheilend. Der junge Studiosus, bei Mutler Hoffnung und Stoli, war ein zärtlich liebender Bruder, und da von einer PHowg aphie die Rede gewesen ist, die dej Siudiosus Holzapfel bei nck gel agen hat, so mag es tii-t» üb. rflüsfig sein, zu erwähnen, daß diese Photographie diesem««! Schweiler war. Den beiden Damen halle wie die„Mrgs- Z'g," sckreibi der junge Mann nickt die gerivoste Andeuiuns von sein m Z-rwürfniß mit dem StudtofuS Ochlke gemrcht« so unbedingt offen er sonst üb«r AlleS sprach, was ihn un« seine akademischen Verhälin ffe betraf. Die Schwester gms am Tage des Duells ihrem pädagogischen Beruf nach und Der Direktor schob ihr einen Stuhl hin. Sie naht« auf demselben Platz und schlug den Schleier zurück. Frttz sah da« bleiche, schöne Antlitz einer Frau von einige« vierzig Jahren mit dunklen Haaren, das schon anfing, sich hier und da mit Grau zu untermilchen. Er blickte ih« ausmerksam ins Auge, und sein erster Gedanke war. Ml- Gifferson hat Rech«, diese Frau ist nicht wahnsinnig. „Sie sind also entschlossen, diesen Sommer wiedck hier zu bleiben?" sagte der Chcfarzt. „Nrcht diesen Sommer," antwortete die Dame,„son' der» immer, für immer; so lange 5t» ich ganz geh->6 bin.... Ach, Mr. Gefferson, ich bin unglücklich, seht unglücklich!" „Sie sind nervö» erregt, ich versichere Sie, Sie find nicht geist skrank. BetheSda ist gar nicht der Ort, wo Sit Heilung erwarten können... Zerstreuung, neroenstärkeadt Bäder, R isen, da» ist für Sie." „Sie täuschen sich, Mr. Gefferson; ich bin gemüths' krank. Mein Geist ist zerrüttet; ich fühle es, i* weiß es. „Vor allen Dingen, Madame, bedürfen Sie der RW perstärkung. Sie haben sich noch sehr wenig erholt." „Der Kummer verzehrt mich, mein Herr. Meine köf* perlichen Kiäfte werden sich nicht eher wieder Herstellea, als bis mein Geist hergestellt ist... Glauben See mir— ia kenne meinen Zustand." „Mylady, ich kann ihre Bitte um Aufnahme jetzt fj wenig zurückweisen, wie in frühere« Jahren und thue«s nicht weil Sre verfihern, daß Sie der Aasen Halt beruhe daß schon da« Bewußtsein, S e befiadea sich ia der H«jh anstatt für Geisteskranke, I grein Zustande oortheilhaft% ... Ich wiederhole Ihnen aber trotz dessen, daß Sie n� geisteskrank sind." ,< „Ich bin e», Herr Direktor, und wenn e» für überhaupt Heilung giebt, so finde ich sie hier.".. „Wie Sie wollen, Madame; Ihre Zimmer sind t* Bereitschaft ges tzt." „Hier ist der Betrag für ein I ihr.".. Sie legte ein Täschchen mit Banknoten vor dem Dir««� auf den Tisch. ' kurist QU fit in d« c seilt k.rist einel it brf; iimM icttfli urrt m oschkf h.e-j ielegl bei d K* flü m D.'H alt tl. eben so hatte die Mutter keine Ahnung davon, was den Sohn an jenem Tage besckästigte. Das Unglück elige Duell hat das Lebensglück emer Familie zeistört, die bis dahin in beneiders- werlher©lilie, Soralofiqkett und innerer �reudtakeit f. st zu- sammengehalten halte Der Erschossene war jeder Renommisterei abhola; er lag mit Ernst seinen Studien ob, und um so mehr war seine Familie von dem furchtbar tragischen Schicksal über- rascht, daS sie heimgesucht hat. g. Ter Stand der Partie im Billardtornier am vor. gestrigen Abend v ar: Peyrand-Rudoiphe 2000, E scher 1441 Potnls. D> s Spiel begann um 7 Uhr 20 M>n. und endete um 11 Uhr 5 Min., die zu spülenden 1000 Points wurden also ftühir adsolvirt als am ersten Abend. Heute wird stch der Steg entscheiden- Ter Spüliapport von gestern lautet: Peyrand Rudolphe: 90, 26, 36, 103, 47, 1, 0, 49, 22, 18, 1, 70, 0. 24, 76, 24, 0, 162, 3, 0, 14, 0, 16, 0, 48, 0, 0, 2 9, 9, 5. 4, 5, 3 1, 0, 7, 7. 48, 1, 2, 0, 27. 7, 10. 23--- 1000 Points; Äscher: 46, 80, 0, 10, 0, 4, 6, 32, 0, 2 0 0, 1, 18, 9. 5, 48, 1, 0, 0, 3, 2, 0, 2, 1, 0, 2, 1, 22, 17, 0, 22, 0, 0, 7, 21, 6, 20, 2, 6, 28, 5, 17, 124, 0, 0, 11= 1441 Points. Vo« Herrn Ccherenberg, dem Direktor des Viktoria- Theaters, erhält das„Fiem enbl." folgende Zuschrift:„Da in hi fixen Zeitungen so viel von den Spezialitäten und Kosten der Pariser„Theodoia"-AuSstatiung die Rede ist, so rrä�e es auch mobl oanz bill'g, wenn einmal etwas mehr über die Aus- ftatrung- k sten des Berliner Vik oua-Theaters in die Ocff'Nt- lichkeit dränge. Wir erlauben uns, folgende Details dm über viitzuth'ilen. Der lebende elekirilche Kronleuchter(deffen Eisen- oerippe hier nach einer Panier Zeichnung von Herrn Violet für 875 Mark angefertigt ist) kostet inkl. Apparate, Schmuck- fachen, Maschinerien, Airandolen fOCO Francs, die elektrischen Schilde, Helme und Apparate der zwölf Amazonen zusammen 4360 Fia es, die hundert auf das Sauberste und M'nuüoste angefertigten R« qu sitin. die die 100 Damen tragen, über 2000 Muik; d e loO Kostüme gegen 7000 Mark und die De- loration des L chtsaalcs ca. 3000 Mark; der Schluß« ff findet sich jetzt endlich wieder in der Anstalt zu Dalldorf. Vor etlichen Tagen gingen Beamte von dort noch Hamburg, um den überaus schlauen Menschen, an dessen Geist« skrankhrit nie« mand mehr t eckst glauben will, von dort, wo er verhaftet wor- den, abzuholen und sicher zu transportnen. Im vorigen Sommer in Hamburg bereits verhaftet, entsprang er bekannt- lich dem Ihm beigegedenen Transporteur auf dem Babnbof in Epanvau. Jetzt hat man sein Entspringen zu verhüten ge- wüßt.— Ein anderer der„wilten Mannet", der Falschmünzer Epangenberg, der wegen Gnstesktankheit aus dem Zuchthause nach Dalldorf überführt worden, ist seit mehreren Tagen von dort entsprungen. Spangenberg ging in der Anstalt frei um- „Arme Frau/' sagte die Vorsteherin gutmüthig,„Sie thun mir herzlich l«id.... Warum haben Sie aber nicht lieber meinen Rath befolgt, den Sommer in einem Bade- orte, statt hier zuzubting>n?— Wenn wir Ihnen auch gern alle B« quemstchkeit gewähren, so bleibt doch BetheSda immer eine Krankenheilanstalt, und hat für Jedermann, der nicht krank ist, immer etwas Abschreckendes." „Für Denjenigen, der nicht krank ist," wiederholte die Patientin schwermüthig.„Ich bin aber sehr krank, Madame.... Haben Sie die Güte, mich auf meine Zimmer zu führen." „Wollen Sie nicht heute bei dem reizenden Wetter ein wenig im Garten promeniren?" „Vielleicht am Nachmittag I Ich will mich erst von der Reise erholen." „Uns Alle betrübt e«, Sie hier zu sehen, gnädige Frau; nur eine Person weiß ich, welche sich über Ihre Ankunft freuen wird und welche sich schon täglich erkundigt hat, ob Sie noch nicht da seien." „O, Sie meinen Elly," sagte die Fremde.„Ich freue mich, sie wieder zu sehen. Ich nehme an dem guten Kinde herzlichen Antheil... Sie ist eben so traurig und eben so unglücklich, wie ich selber, und daS Unglück zieht ja die Herzen zu einander hin.... Sagen Sie ihr, daß ich in einer Stunde in den Garten herabkommen werde.... Wenn es Ihnen jetzt gefällig ist, Madame?" „Sebr gern, haben Sie die Güte mir zu folgen?" Die Fremde verneigte sich gegen den Direktor und den Assistenzarzt und verließ dann mit Madame daS Zimmer. Sie stieg die breiten Marmorstufen hinauf, Madame öffnete die große Flügelthür, welche in den Korridor führte, neben welchem die Privatzimmer der Kranken lagen, und als die Dame hier eintrat, da mochte sie da« Gefühl überkommen, daS den nicht eingefleischten Ver- brechet beschleicht, der zum ersten Male die Räume eines Gefängnisses betritt. . Sie weinte still vor sich hin, während sie ihrer Füh- renn folgte. Thränen in einem Jnenhaufe sind stets ein gutes Zeichen; der Wahnsinnige, welcher weint, ist stets her. Er hatte stch auf den Namen deS Oberarztes Dr. Richter einen Urlaubsschein geschrieben und unter Vorzeigung de<« selben bei dem Portier an dem Hinteren Ausgang die Anstalt verlassen. Sein Verweilen außerhalb der Anstalt wird mit dm neuerdings vorgekommenen falschen Kaffmscheinen in Ver« bindung ae bracht. g. Nach Unterschlagung einer größeren Summe GeldeS ist der Handlungslebrling Johannes Knappe au« Ste tin zu Folge einer den Polizeib, Hörden unterm 2. d. MtS. zugegangenen Nachricht flüchtig geworden. K. ist erst 17 Jahre alt, 1,65 Meter groß, schlank, hat blondes Haar und war mit grauem Jaquet- Anzug, braunem Winterüberzieher und schwarzem kleinen weichen Frlzhut bekleidet. An dem linken Zeigefinger des K. seh en zwei Glieder. Auf die Ergreifung des Flücht» lings und Herbeischaffung des unterschlagenen GeldeS hat der Geschädigte eine Belohnung von 50 M. ausgesetzt. Central-Theater Zum 75. Male erfreut„Der Waizer- König" Tausende von Lachlustigen, welche täglich dies Theater bis auf den letzten Platz füllen und schreitet nun in unoer« mindertet Anziehungskraft dem ersten Hundert seit der Wieder» Übernahme der Direktion Ernst entgegen. Der strebsame Bühnenleiter hat dadurch den Beweis geliefert, daß er bei Heranziehung so beliebler Kräfte, über welche das Central« Theater verfügt, auch ohne die früber übliche Gewädrung von Bon« fast täglich auSve« kaufte Häuser zu erflelen im Stande ist. Poltzet-Bericht- Am 7. d. M. Vormittags fiel der Maurer HeirleS auf dem Neuen Packhof an der Moltkebrücke aus Unvoifichtigkeit von einer Leiter und erlitt dadurch so schwere Verletzungen, daß er mittelst Droschke nach dem katho« lischen Krankenbause gebracht werden mußte.— Zu derselbe» Zeit fiel der 3jährtge Knabe Schulz beim Spielen am Louisen» Ufer in den Kanal, wurde jedoch gerettet und nach der Wache des 42. Polizei« Reviers gebracht, von wo aus er nach An» legung trockener Kleider seinen Eltern, Admiralstraße Nc. 36, zugeführt wurde.— An demselben Tage Nachmittag? fiel auf dem Hofe des Hauses Forsterstraße Nr, 56 eine größere Anzahl aufgestellter Hoiflnflen um und trafen den Gold» leisten, Fabrikanten Metz er, wetchox dabei solche Verletzungen im Geficht erlitt, daß er nach der Königliche» Klinik gebracht weroen mußte.— Arn Abend dess Iben Tages entstand in der Schneiderwerkstatt von Spurgat, Frlcherstr. 26 bis 27, dadurch Feuer, daß letzterer eine brennende P troleum- lawpe zu Boden fallen ließ, welches jedoch noch vor Eintreffen der Feuerwehr gelöscht wurde.— An 8. v. M., ftttb, entstand in Ver Tischleret von Große, Rittetstraße 118, im Erdgeschoß und in der ersten Etage des linken Seitenflügels belegen, Feuer, durch welches die Thätigkeit der Feuerwehr für längere Zeit in Anspruch genommen wurde. Die Trschlerei brannte zum Theil aus._ Gerickts- Leitung. Reichsgericht«- Entscheidung. Eine wissentlich falsche Anschuldigung, weiche in§ 164 des Str.-G.-B. mit Gefängniß nicht unter einem Monat bedioht ist, liegt nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Straff., vom 21. Okrbr. 1884, nur dann vor, wenn die bei einer Behörde erstattete Anzeige aus freien Stücken, nicht aber, wenn ste auf Befragen einer Behörde oder eines Beamten erfolgt ist. (c. H. 1907184.) ri. Noch zur Arbeitseinstellung bei Gast u. Bruck Eine für weitere Arbeitetkreise interessante Entscheidung ira- am gestrigen Tage die 44. Abtheilung des ArntSgerichÄ 1- Der Trschler P., vertreten durch den Trschlec Gustat RaeSel klagte gegen die Tischlermeiiter Gast u. Bruck auf Zahlung einer Entschäviguna von 33,25 M, für llV- Tage, welche der Kläger durch die Arbeitseinstellung bei den Verktagten eingebüßt hatte. Der Tischler P, war einer derjenigen Tischler, welche stch seinerzeit weigerten, die sogenannten Packqofsfenster für dm von den Herrm Gast und Bruck festgesetzten Akkord» lohn zu fertigen; der Kläger erklärte den Herren Gast und Bruck gegenüber, daß er die Fenster fertigen würde, wenn ihm ein Mind.-stlohn von 21 M, pro Woche ga'antirt würde. Die Verklagten G. und B. gingen darauf nicht ein und wurde der Trschler P., angeblich wegen zu hoher Lohnforderung, ent» lassen. Derselbe war 9'/, Tage arbeitslos u-rd klagte auf obengenannte Entschäoigung. Das Kö«igt. Amtsgericht ver» urtheilte nach ca.'0 stündigen Verhandlungen die Tischler« meister Gast und Bruck zur Zablung obiger Summe sowie zur Zahlung ver Kosten des Rech sstcrites. Vier Vertreter des Berliner Rowdiethums hatten stch vorgest.rn vor der III. Straikammer hiesigen Landgerichts L weg n einer wüsten Messeraffaire zu verantworten. Die Angeltagten waren: der Arbeiter und Böttch-r Friedrich Paul Thiele, der Steindrucker Otto Feuckt, der Arbeiter Friedrich Mansie und der Arbeiter Gustav Otto Horlitz, sämmuich bereits vorbestrafte Menschen, von denen der Letztgenannte zur Zeit eine mehrjährige Z rchthausstrafe in Brandenburg verbüßt. In der Nicht zum 25. Juni gingen der V ehtreiber Schnur und der Arbeiter Hille in der Lrunnenstraße nach der Ver» bindungebahn zu, als ste plötzlich von den vier Angellagteu auf dem Wege der Besserung. Wenn der Arzt seineu Patienten in Thränen trifft, so weiß er, daS seine baldige Genesung bevorsteht. Auch Madame wußte daS. Sie schüttelte mitleidig den Kopf und dachte bei sich: „Diese Frau ist eben so wenig wahnsinnig, wie ich oder Mr. Gefferson." Zehntes Kapitel. Die Anstalt BetheSda bestand eigentlich aus zwei Tbeilen. Es waren dies die zwei Stationen für männliche und weibliche Kranken. Jede dieser Stationen zerfiel wieder in zwei Abtheilungen, die heilbaren und unheilbaren Irren enthaltend. In dem großen, mächtigen Hauptgebäude, da« seine imposanten Fronten weithin ausdehnte, befanden sich links die Frauen, rechts die Männer, deren Krankheit eimge Hoffnung auf Heilung ließ. Hinter dem Hauptgv» bände, tiefer ,n den Park hinein und vollständig abgeson» dert von dieser Abtheilung, befanden sich die unheilbare» Frauen und unheilbare Männer. Auch eine Jrren-Station für Verbrecher war mit der Anstalt verbunden; diese war von der übrigen Anstalt völlig getrennt, und die unheim« lichen Bewohner derselben kommen mit denen der andere» Adtheilung niemals in Berührung. Wir werden diesen Ort deS Schreckens zu betreten erst später Gelegenheit haben.—— Selbstverständlich befand sich die Wohnung der Mistreß Forster, wie sich die neu eingetretene Kranke genannt, in dem Hauptgebäude; sie be» wohnte hier zwei Zimmer, welche mit außerordentlicher Eleganz eingerichtet waren, und nicht im Entfernteste» daran erinnerten, daß sie da« Gefängniß einer Wahn» sinnigen seien. DaS Einzige, was hätte auffallen können, war die eigenthümiiche Einrichtung der Fenster. Sie waren antcheinrnd nicht vergittert, aber die Sprossen waren sehr nahe aneinander, und hinter diesen befand sich noch ei» Fenster, dessen Sproffen genau mit denen de« ersteren zu» sammenfielen, nur war daS erste Fenster verglast, da« zweite nicht. (Fortsetzunz folgt.) gestellt wurden, die allem Anscheine nach weiter gehende Ad- sichten als eine bloße Rempelei mit fich herumtrug« n. Unter der tanz aus der L«.fl gegnff nen Bebavpwna, daß die Beiden die iraut des einen Angeklagten belästigt hätten, stürzten fich die vier Gestalten auf die Wanderer»nd trattirten dieselben mit Meflelstichen, so daß Hille sofort zu Boden stü-zte.währendEchnur noch so viel Kraft besaß, um diu einer Angreifer bszumHumboldt- bain zu verfolgen uno dort seine Festnadme zu bewiiken. Die Messerstiche waren mit großer Gewal gkfüdrt so daß die Spitze des einen Messers abbracd und in dem Fstilche des einen der Gemißhandelten stecken dli-b: trotzdem waren die Wunden glücklicher Weise keine glfäbrlrchew Die Angeklagten stellten die Sache so dar, als od fie fich in der Noihwehr befunden, aber abgesehen von der Unwahrscheinlickkeit dieser Ausrede nach der ganzen Situation wurde die Schuld d-r Ang>k aaten durch die Berreisoufnabmen auch klar erwiesen. Rtir Rücksicht auf die Ketahrl chkeit derartiger Exnsse und den Schutz, der dem Publikum gegen solche Gefah«n gebührt, verurtheilte der Geiichtsbof den Thiele, flkg'N welchen gleichzeitig noch einige andere Robheilen zur Anklage standen, zu 2 Jahren, den Frucht zu 2 Iahten 3 Monaten, den Mansie zu 1 Jabr 6 Monaten G.fängniß und den Horlitz zusätzlich zu 10 Monaten Zuchthans. Putzsucht hat das Dienstmädchen Anna W., eine ganz junge und bis dahin unbescholtene Person, zum Diebstahl ge- trieben. Sie war, berichtet die„Post", bei einer Herrschaft im Dienste, die nur aus Mutter und Sobn, einem Kaufmanne, bestand. Obgleich noch unerfahiea, war fie doch flu kund an- stellig und genoß das vollste Vertrauen ihrer Henschaft. Mehr- fach war es nun schon dem Kaufaanne aufgefallen, daß ihm Geld fehle, als er eines Tages bei dem Dienstmädchen eine goldene Uhr nebst Kette fand. Durch weitere Nachforschungen stellte fich heraus, daß das Mödch,n nicht allein duS, sondern Soldene Ringe, die theuersten Kleider und Hüte gekaust, fich !ähne hatte anfertigen und plombiren lassen und auch cinen —„Bräutigam" vollständig hatte kleiden lassen, kurz die ver- ausgabten Summen bezifferten fich auf üb«! 600 Mark und damit wäre der Verlust noch nicht gedeckt gewesen. Im Ver- hör gab die Angeklagte nur einen Diebstahl zu und leugnete die anderen. Der Gerichtshof hielt fie jedoch mehrerer Dieb- stähle für überführt und verurtheilte fie zu einem Jahr und drei Monaten Gefängniß. Arbeiterbewegung, Vereine uuä WeriSttmmlungeu. n Eine öffentliche Versammlung der Drechsler, Knopfmacher und Perlmutterardetter fand in Stärke von ca. 500 Personen bez. der Lohrd fstrevzkn in der Stcinnuß- knopf Fabrik von Lenschow u. Maikerf, Vor dem Siralauer Thorr 22, am Mittwoch Abend im Keller'schen gioßen Saale, Ändreaestraße 21, statt. Der Strike in besagter Fabrik ist, nachdim die Vertandlurgkn der am Montag Abend gewählten Kommisfion mit Herrn Markerf resuliatlos verlaufen waren, unvermeidlich geworden und ist mittlerweile auch tbatsächlich eingetreten. Zurächst hoben die Vorarbeiter lFraiser und Dieher) meistens ältere Leute, 64 an der Zahl, die Arbeit niedergelegt. Mit Poliren)c. fi> d jugendi'che resp. junge Kräfte beschäftigt, welche, wie es heiß», Herr Ma keif an Stelle der Aelteren zu setzen gewillt ist. Tha sächlich soll auch von dieser Seite den Polirern ein dementsprechindes Anerbieten gemacht worden sein, doch wurde in der Versammlung von einem Telegirten der Polmer auf Ehrenwort ver- sichert, daß die jungen A'beiter eber das Aeu- ßerfte über fick ergehm lassen würd n, als daß ?c die Plätze der Sinkenden in der Fabrik einnehmen würden. )ie Erwartungen des Fabrikanten nach dieser Richtung hin find demnach an der Ehrenhattigkeit der jugendlichen Arbeiter gescheitert und wird der Strike fich auch auf diese ausdehnen, sobald fie die von den Vorarbeitern vorräthig gelieferte Arbeit werden fertig gestellt haben, was in etlichen Tagen der Fall sein dürfte. Die unausbleiblichen Konsequenzen der Vorgänge in der Äarkert'schen Fabrik haben fich bereits gezeigt, indem mehrere Fabrikanten erklärt haben, daß sobald Herr Markerf mit seiner Lohnherobsetzung durchvringt, fie fich ebenfalls ge- nöthigt sehen würden, eine lOprozenlige Lohnreduktion eintreten zu lassen, der leidigen Konkunenz wegen. Derselbe Fall würde natürlich bei sämmtl'chen Fabrikanren dieser Branche eintreten. Die Strikekommisfion als Vertreterin beider Gewerk- schaften ist daher bestrebt, alle Kräfte trotz der jetzt gerade schlechten Zeit anzuspannen, um den begonnenen Strike zum Nutzen Aller fiegreick zu Ende zu führen und rechnet hierbei namentlich auf die Unterstützung anderer Gewerkschaften. Auch ist fie der festen Hoffnung, den Sinke zu Gunsten der Arbeiler verlaufen zu sehen, da Herr Markerf einersells noch größere Lieferungen zu effektuiren, andererseits aber seiner Bestürzung darüber Ausdruck gegeben haben soll, machet mit den Drechslern Hand in Hand treten find. Unter diesen Umständen hofft der Strike nur von kurzer Dauer sein wird. maßregeln sind getroffen und die Fabrik zernirt, um fremden Zuzug abzujchneroen. Aus fast allen Knopifabriken find bereits Zustimmungserklärungen zum Strike eingelaufen und auch die in Rede stehende Versammlung gab ihrer Ueberzeugung in Form folgender Resolution Ausdruck:„Die heutige Versammlung erklärt fich mit den sinkenden Kollegen vollständig solidarisch und bittet die Arbeiterschaft Deutschlands, den Strikenden in anbetracht ihrer gerechten Sache vollste Unterstützung zuTheil werden zu lassen." Auch die vereinigte Kommission der Drechsler, Knopfmacher und verwandten BerufSgenoffen schließt fich dieser Bitte an, hat dementsprechend ein Flugblatt ver- breitet und an folgenden Orten Zahlstellen errichtet: Im Norden: Eis ssirstraße,?cke Kl Hamdurgerstr. bei Vvlland. Im Osten: Andrcaestr. 44 bei W'ersing und Vor dem Stralauer Thore 18 bei Nagel. Jm Süd-Lsten: Ritterstr. 123 bei Sodtke. Im Eüd-Westen: Alte Jakodftr. 105 bei Pfeiffer. Im Süden: Riittenwalderstr. 57 bei Schubert. Im Süd-Osten: Naunyn- Straße 78 im Lokal Abends von 7— 10 Uhr und Sonntag Vor- mittag von 9—11 Uhr, sowie beim Kasfirer Herrn Scharfe, Wendenstr. 2. Sämmtliche Zuschriften find an den Vor fitzen« den Herrn Müller, Naunynstr. 73, im Lokal, oder an den Echriftsühur Herrn A. Fischer, Alte Jakobstr. 105 bei Pfeiffer, zu senden.— Im Anschluß hieran fand die Berathung über die schon lange geplante, doch bis jetzt noch nicht zu Stande gekommene Gründung eines Fachvereins der Drechsler, Knopf- macher, Perlmutterarbeiter und verwandten Berufsgenossen statt. Die langwierigen Debatten hierüber wurden in un- erfreulicher Weise verschärft, durch die herrschenden Gegensätze zwischen Majorität und Minorität, welche letztere Anschluß an den schon bestehenden„Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenoffen" wünschte, während die erstere einen diesbezüglichen Antrag ablehnte. Erst nach einem energischen Hinweise des Henn Rödel, Vorfitzenden der Tischler-Lohnkommission, darauf, daß zunächst der vorliegende Strike daß allgemeine und alleinige Interesse beanspruche, die Gründung eines Fachvereins aber auf eine gelegen« Zeit zu vertagen fei, den Antrag Fischer anzunehmen, dahingehend, die vereinigte Kommisfion der Drechsler und Knopfmacher zu be- auftragen, sobald der jetzt schwebende Strike es zuläßt, ein Statut auszuarbellen und einer gemischten Versammlung vor- Der Fachverein der Kürschner hielt am Montag Grenadierstr. 33 die statutengemäße jährliche Generalversamm- luna ab. Ter Kassenbericht ergab: 722 Mark Einnahmen, 496,43 Mark Ausgaben, mithin 225,57 Baarbestand. Die Kommisfion für Arveiisnachweis hat in der Mützenbrancke 172, n der Pelzbranche 57 Etcllensuchende plazilt; 21 Gesuche daß die Knopf« ihm entgegen ge- man ferner, daß Alle Vorfichts- blieben unerledigt. Der Neuwahl des Vo'standes gingen längere Debatten vorher, veranlaßt durch die Bemerkung eines Mitgliedes, daß die voijährige Wahl in Bezug auf einige Vorstandsmitglieder eine verfehlte gewesen unv durch Vor- schlägt, die in Bezug auf den Wahlmorus gemacht wurden. Zum erstm Vorsstzend n wurde Heu Jabnuß, zum zweiten Herr H. Berger«ewählt, zu Schnittübmn die Herren Bähr und G'ertz. Der Rendart und der Kasfirer vertliebm in ih-em Amt Die drei Vertreter der drei B w ch-n des Kilrichnetg-- werbes im Vorstande, wie auch die Kommilsion für den Ar- deirsnackw-is, wurden durch Akklamation gewählt. Vor Schluß der Ve sammlung wies Herr Berg-r noch auf das am 31 Januar in d n Sälen des Säützenhauses Nattfindende erste Stiftungsfest des Vereins hin unv tbeilte mrr, daß Billeis zu d'Mielde bei ihm, H. Berger, Köwgstr. 2(an der Kurlürstenb ücke), bei Herrn Wedemeqer, Bia> denburgstr. 4 und bei Herrn L-win, Keibe st«. 40, zu haben fi-d % Der Arbeiter- Beztrkeverein der Oranienburger Vorstadt und de« Weddtng h elt am Montag, 5. Januar, im VereinSlokal, Werdirg Park, Müllerstr. 178, eine General- Versammlung ab. Beim ersten Punkt der Tagesordnung lBertchteistatlung über das verflossene Ouartal) verlas der Kasfirer, H rr Sillier, die Einnahmen unv Ausgaben des Ver- eins und Herr Jacodq erkälte, daß er bei der statigebobten Revifion die K-ssenfllbrung als ganz korrekt vorgefunden bade, woraus dem Kaistrer Decharae ertheilt wurde. Zum zweiten Punkt der Tog'svtdnung(Wahl einer S>atuten-Acnderungs- Kommisfion) beantragte Herrr kaistr, dem Vorstände noch vier Personen aus der Versammlung beizugeben und wurden die H.rren Jacobey, Stach. Kukhahn und Reinicke gewählt. Zum dritten Punkt(Vortrog) war Herr Zyanen- arbeiter Laeke erschienen, welcher eingehend unv unier fortwährenden Beifallsdezeugungen über„die Bedeutung der Sozialreform" referüte. Ec bemerkte ein- pangs seiner Rede, daß er fich durch den geringen Besuch der Versammlung nicht abschrecken li.ße, sondern auch gern vor einem k einen Kreise seine Ideen entwickele. Referent kam dann zunächst auf das Verholten der verschiedenen Par- teien den Arbeilern gegenüber zu sprechen, wobei rr bcrwihob, daß fie alle vor den Wahlen in Sozialieformbestrebungen thmig waren, aber jetzt nach den Wahlen darüb r schweigen oder m'ndkstens fich sehr reserv'rt verbalten. Als bereits vor zebn Jahren die Vertreter der Arbeiterpartei auf die sozialen Schäden aufmerksam machten, leugnete man deren Votdan- densein, während heute in fast allen Staaten die Sozialteform auf der Tagesordnung stehe, und zwar ist Deutschland zuerst zu nennen, wo die Reiche rcgierung dem Dtävgen von Seiten der Arbeiter nachgab und seinerzeit mit der„kaiserlichen Bot- schaft" den Weg zur Sozialreform betrat. Durch die darauf- bin entstehenden Gctetzentwürfe(das Kranllnvetfichrrungs- und Unfallverficherungs- Gesetz) entstand aber eine Konfusion, daß fich Albefter sowohl wie Arbeitgeber und selbst die Beamten keinen Rath mehr wußten; die Regierung hätte besser gethan, die betheiliglen Kreise vorher anzuhören, ede fie mit ihren Entwürfen kam. und sich nicht auf die Majorität deS Reichstages zu verlassen. Der Referent kam dann im weiteren Verlauf seines Vorlrog s auf die allgemein gehörten Klagen über Ardeitsmangel zu sprechen. Man müsse uniersuchen, woher daS Uebcl kommt, die Arbeiter wissen es sehr wohl und haben auch cen Muth, die Wahrheit zu sagen, aber die gegnenjche Presse verschweigt, daß dies die Früchie der heutigen ungesunden Produktionsweise sind. Die heutigen Gesellichafteklafienjstnd allerdings bemüht, die Vazabonvage zu beseitigen unv jchaff-n Vereine zur Unterstützung durch Geld oder durch Arbert, die Arbeiter müssen aber erkennen, daß ihnen dadurch nicht geholfen werden kann, denn w«nn ein wandernder Arbeiter z. B. 3—4 Stunden Steine klopstn oder dergleichen Arbeit verrichte» soll, um ein Geschenk von viel- leicht 25 Pfennig zu erhalten, so kann er nachher aus seine Piosesston, wenn er wirklich Arbeit bekommt, doch noch nicht gleich arbeilen und wird so schließlich wieder zum Vaga- bonden. Durch sogenannte Aibcilcn Kolonien steuere man dem Uebel aber edensalls nicht, denn ein Jeder müsse seine Kollegen warnen, dorthin zu gehen, wo bei einer 14— löstündigen Ar» bestszeit ein Verdienst von 25 Pfennigen pro Tag erzielt wird, welcher bei dem geringsten Vers, hm auch noch dem Ai bester entzogen wird. AIS einen ferneren Thnl der zu eisttebenden Sostalreform bezeichnet der Referent sodann noch die Be- schiänkurig der Zuchlhausaibeit, der Frouen- und Kinderarbeit und die Einführung eines gesetzlich geregellen Nolmalarbeits- tages. Durch die Gcfängmßarbeit kann nur der Fabrikant gewinnen, der dem gepachteten Gesängnißarbeiter 75 Pf. pro Tag zahlt, während der freie Arbeiter 2—3 Mark verdienen würde. Der S'räfling versucht aber auch, fich einen höheren Verdienst dmch Ueberarbeilung zu erringen, wodurch dann das betreffende Fabrikat natürlich an Qualität unbedingt mangelhaft werden muß. Ehe von Seilen des Slaais die Gesängnißarbeit in Pacht gegeben wird, sollte man die Fabnkanlen anhalien, daß sie ihre Arbeiter riwtig be- zahlen. Die Nothwendiglell der Sozialreform müsse man den Leuten stündlich und täglich in die Ohren schreien, bis man die Gleichberechtigung der Arbeiter mit den höheren Klassen an- erkannt und errercht habe. Vor den Wahlm trat ganz besonders die konservative Partei für die oben angeführten Punkte ein, heu'e nalü.ltch nicht mehr in dem Maße. Jeder Staats- bürger ist verpflichtet, an der Lösung der sozialen Frage mit- zuarbeilen. Selbst der Handwelkelstand ist so heruntergekom- men, daß fich schließlich aus ihm noch ein sogenannter fünfter Stand entwickeln wird, und es ist hohe Zeit, daß man seine ttourige Lage begreift und auch anelkennt. Referent geht so- dann zur Frauen- und Kinderardell über und bemelkt dabei, daß Eugen Richter, der große Führer der Deulsch-Frei- finnigen, seiner Zeit sagte, die Frauenarbeit sei unde- dingt nothwendig um der Prostitution vorzudeugm.(!!) Da« Mann, Fi au und Kind heutzutage arbeiten müssen, sind eben die traurigen Folgen der modernen Gesellschaftsordnung, worunter von einem geordneten Familienleben aar nicht mehr die Rede sein kann. Auf die Einführung des Normalorbells- tages eingebend, bemerkt Referent, daß fich durch die Arbeiter- bewegonq Verbindungen und Vereine entwickelt haben, um dessen Einführung anzustreben. Die Forlschrittspartei will zwar auch einen Nor malarbeitstag, aber nach freier Verein« barung, was für die Arbeiter unbedingt schädlich werden muß. Die Regierung hat die heilige Pfltcht, für die Arbeiter zu sorgen, und die Zukunft wird lehren, wie fie sich den von der Arbeiter- partei im Reichstage zu stellenden Anträgen gegenüber ver- halten wird. Wenn die Konservativen dann nicht auch für dieselben eintreten werden, so wird man ihnen dann sagen müssen, daß fie die Sozialreform nicht wollen. Nach Beendi- guvg des VorlrageS dankte der Vorfitzende Herrn Laske und richtete an die Versammlung die Auffolderuna, in Zukunft recht zahlreich zu erscheinen und immer mehr Mitglieder heranzu- ziehen. Es wurde dann noch eine Frage erledigt, worauf Herr Laske noch einmal das Wort ergriff und über die Ab- lehnung der Forderung von 20 000 Mark(für einen Direktor im Auswältigen Amte) im Reichstage und die in Folge dessen in neuester Zeit fich entwickelnde Agitation seitens der konser- votiven Partei sprach. Er detonte dabei ganz besonders, daß die Majorität deS Reichstages fich ihres ablehnenden Ver- Haltens wohl bewußt war und dieses vor den Wählern wird ver- anlworien können, denn das deutsche Volk hat am 28. Oktober 1884 bewiesen, wem es sein Vertrauen entgegenbringt. Gerade die konservative Partei muß jetzt einsehen, daß fie keinen Einfluß auf die deutschen Arbeiter ausüben kann. Be- züglich der Demonstration der Antisemiten bemerkte Redner, daß er den Herren Müller, Förster, Sonnenderg u. s. w. die Fähigkeit abspreche, ein Urtheil abzugeben über die Charakter- etgenschasten der Herren von Vollmar, Richter und Windt- Horst, deren Pafteien gegen d!e 20 000 Mnk gestimmt haben, und daß e« ihm scheine, als sei der Ternel aus d-n A'beitera he> aus- unv in die antisemitischen Größen hinemg fahre«. Herr Laeke schloß mit der Bemerkung, daß, wenn sich m Folgt der anlisemitächen Arilation j-tzl einig« Pertonen finden, welche die 20 000 Ma k aufbringen woll-n, er wünschen möchte, bei einer mögiutenfalls startfinvenden Ablehnung des Mil iär« elats fänden sich wieder ern paar Millionäre zu'amm.n, die den ganzen Etat vnier fich aulbiächien, wodurch dem dealschen Volke eine große Stcuetlast abgenommen wü de.— Za der nächsten Vetsammlung am 19. Jinuar bat Herr Laske■aiedel einen Vo.trag zugesagt und ist teckt starker Besuch erwünscht', ebiniallS soll dann noch ein; Besprechung über das Sttftunai- fest statlstadcn. r. Kte Tischler werden ihre diesjährige L'hnb;wegunz am künft'g-n Dtenstag w't einer Werkstatien-Delegirtenver- sammlung«öffnen. Ihr Hauptinteresse werd.-n dieselben ,u- nächst dem«m voligrn Jahre ausgearb-it ten Minimai Lohn- tan'e für Sp zialar bellen der vcrich ebenen Bronchi n zuwenden. Tiistlben stnd bereits vor längerer Znt der hiesigen T schl--r- Innung zur Begutachtung urt-lbreiiet worden. Da aber bis beute von dieser Seite noch keinerl« Ruckäußcrung«folgt ist, so deaifichtigt die Kommission, noch im Laste dreteS Monats eine große Meisterversammlung einzuberufen, um von diel er eine Kommiiston zur Prüfung der Minimal-Lohntarrfe wäolen zu last n, nach Veten Begu achtung sodann der event. Durch- fllbrung der Tarife Nichts mehr im Wege sieben dürste. Für cen nächsten Monat rst sodann eine große General- Versammlung im Wintergarten in Auesicht genommen, in welcher der Vor- sitzende des deutschen Tstchlerveib-mdes, welcher sich gegen« wärlig auf einer VetbanvSms« befindet und zu jener Zeit Berlin be ühren witd, spiechen wird. In der Zwischenzeit werden öffentlich' Versammiungen stattfinden, für w.lche bereits Materiol in bi, reichendem Maße wieder vorhanden ist.— Das kommende Frühjehr wird augenscheinlich eine recht umiangletche Lohnbewegung zelligen, da sich eine große Zrhl Gew-iksbaft-n, als wie Schloff-r, Schmiede, Schneider. Schuhmacher, Tischler, Buchbinder, Drechsler u- A. mll aller Macht darauf vor- bereiten. Für die Mitglieder der Allgemeinen Kranken- und Sterbekasse der Metallardeiter iErngeschriebeae Hrlfskasse Nr. 29 Hamburg, Filmt; B-rlin) finden am Sonntag, d>n 11 d. M., Vormiit-gs 10 Uhr, folgende Versammlungen statt. 1. Für diejenigen Miglred«, die m den Zahlstellen Lindower-? straße und Pw lst aße ihre Belli äge zahlen, in der Müller« b straße 7, Pohl's Salon. 2. Für die M igli-der, die in der Bergsttaße zahlen in der Ackerstt. 144, Vo stäsirsches Kassno. j Tageeordnung in beiden Versammlungen: Wahl der Ortsver«; Wallungen für die Bezirke Wedbtna, Gesundbrunnen und für' den übrigen Tbeil deS Norden. Z hlreickes und pünktliches Ei- l scheinen ver Mitglieder rst bei der Wichtigkeit der Sache Ehren-' pst cht. Aufruf an die Tischler und Berufsgenossen VerlinS! Kolleg'n! Das neue Jahr hat begonnen, was es uns bringen kann, können wir ermessen, w-nn wir die Vngänge des Vor-i jahres vor uns«em Auae vo überziehen lassen. Wir Kaken gekämpft im vorigen Jahr, wir haben gesiegl, VüleS rst geb.ssert worden, Vreüs ist noch zu reformiren. Grade jetzt in der ge«! schällsstiUen Zeit rotto von den U-llernehmern Alles getban,' um die errungenen Vollheile illusotifch zu machen. Berliner> Tstchler, diele Millheilung wird Efch genügen. An die Ar-- beit Ihr Delegirte, wo in Eurer Werkstatt etwas noch nicht in Ordnung ist! Zur Agitation Ihr Vertrauensmänner der Kommst sto,! Und Ihr Tischler, dw Ihr brsher der Lohnde- wegung noch fein gestand-n habt, werdet Männ-r. wie t't T'schler, die bereits seil Jahren für Euch, für die G-sammthert, für Aibeit und Brot gestritten baden, zögert nicht länger mit Eurem Anschluß, d e Zell der Vorbereitung ist möglicherweise nur noch kurz, und Srdaven droht Euch in der Gesammibest- wenn nicht alte Berliner Tisll ler an der Lohr b-wegung belberiiisi sind. VieiPunkte beachtet momentan, deie nAm ffihtunu un«, rMi» zum Gedeihen unserer Bewegung find: 1. F.sthaltcn an msterW1 Programm. 2. Organisation der Weikftällen durch Wahl vo« Telegirten, die ihr nach den Delegntenversammlungen ent- senden müsset, damit ein gemeinschaftl ches Vo gehen aller Werkstätten möglich wird. 3 Agitation lüc unsere Bewegung in allen Werkstätten, Fabriken, kurz überall da, wo T'schler velkehren. 4. Zahlung von Beisteuern zum Untcrsiützangs' fonds, damit dieser groß und mächtig wird. Kolleuen! Führt ihr diese Punkte aus, dann werden wir in diesem Jahre einen weiteren Schritt voiwärls kommen auf unserer vorgeschrieben» n Bahn. Wohlan denn, Tischler Berlins! Vorwärts mit frrschrM Much im neuen Jahre! Von Sonnabend, den 10. Januar U an, werden wieder regelmäßig Beisteuern zum Unter stützungs- f fonds der Tischler jeden Sonnabend und Montag von 7 Uhr! Abends an angenommen. Die Zahlstellen b»findcn fich: Z. 1' Skalitzerstr. 18 bei Stramm; Z. 2 Giüner Weg 83 bei Blum»; berg; Z. 2a Lichtcnbergeistr. 17 bei W>ck', Z. 3 Belle-Allrance-' Platz 6 bei Hiischer: Z 3a Blumenibaltt. 5 bei Säimaar; Z. 4 Fehrbellinerstr. 50 bei Rügen; Z. 5 Müllerstr. 184 bei Herin«; Z. 6 Ritterstr. 34 bei Ammer. Zum Krankenkassengesetz. Im konseroatioen„Ham- burger Korrespondenten" finden wir folgende Ausfübrunoen, welche für unsere Leser gewiß Jnteiesse haben werden:„Erst' jetzt lassen fich einigermaßen die ersten Wirkungen der neuen Reichsgesetzgebung in Betriff unseres Kranlen.kaffenwesenS über-! sehen- Soviel ist darnach klar, daß in den größeren Städte» I durchweg die«ngischriebenen freien Histskaffen von den Arbeit- nehmern mit Vorliebe aufgesucht wnden. In Schwerin habe» die sogenannten nationalen Kassen, die von Hamburg aus ge- leitet werden, alle übrigen Kaffen überflügelt, in anderen Städten, z. B. in Wismar, haben die freien lokalen Kaffen fich der relativ größten Mitgliederzahl zu«freuen. Alle dieser Kaffen würden einen noch viel bedeutenderen Ausschwung ge«f nommen haben, bestände bei ihnen nicht die sogenannte Alters-« grenze und die Foiderung des GesundHeitSn ach weises. Die? sogenannten Ortskiankenkafsen find unter diesen Umständen vor-! wiegend in kleineren Stävten vertreten, woselbst es den freien Kaffen an der nötbigen Leitung zu fehlen rfl-gt. In größeren Städten stnd die Ottskranken kosten in erster Linie die Zuflucht der älteren und kränklichen Arbeitnehmer. Der Drittelzuschuß des AibeitgeberS, der im Gegensatz zu den freien Hilfekaffen,- durch die Ortekrankenkassen gewählleinet wird, scheint die An»] ziehungskraft der letzteren nicht sonderlich gesteigert zu habe»,) da von den Arbeitnehmern allgemein angenommen wird, daß? jeder Zuschuß bei der Lohnzahlung doch in irgend einer Weist. in Anrechnung kommt. WaS nun den Gesammteindruck der Kranlenverficherung in den Kreisen der Arbeitnehmer anbelangt, j so ist er keineswegs als günstig zu bezeichnen. Der weniger? gut fiiuirle Arbeitnehmer wird jetzt zu Beiträgen zwangSwcistl heranoezogen, während er früher in Krankheitsfällen fich auf die Hilfe der Armenanstalten verlassen konnte. Der besser situirte solide Arbeitnehmer hat ohnehin schon Beiträge gezahlt- Diese aber haben fich gegen früher nicht erheblich et höht, V» die Aerzte vielfach gerade den gegenwättiaen Zeitpunkt benütz«, haben, um den Kasien gegenüber unter Androhung der Ar» bellSeinstellung höhere Forderungen durchzusetzen." Große öffentliche Versammlung sämmtltcher Korb« macher Berlins und Umgegend am Sonntag, den U- Januar, Vormittags 10 Uhr, im Lokale deS Henn Otto, Aval? bertstraßt 21. Tagesordnung: Berathung der neuen Stallt ten der zu gründenden freien Hilfskaffe.- Der Kachverei« der Rähmafchineuarbeiter und 9# rufsgenossen hält am Sonnabend, den 10. d. M., AbendS f elnhalb Uhr, in Feuetstein's Restaurant, Alte Jakobstraße W eine Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Bnicht über de» Metallarbeiter-Kongreß in Gna. 2. Verschiedenes. Wege» der Wichtigkell der Tagesordnung wird um zahlt. Besuch ersu«b Berantwortltcher Redakteur R. Crouheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtn» in Berlin SW., Beulhflraße 2. Hierzu eine»eiMsi* Beilage nun Berliner Bolksblatt. Nr. 7. Freitag, den S. Januar 1885. II. Jahrgang. MMmentsdencktr. Deutscher Reichstag. 19. Sitzung, Donnerstag, 8. Januar, 1 Uhr. Am Tische des Bunvessaihcs Ftust v. Bismarck, v. Boet- ticher, Lucius, Bronsart v. Scheilcndorff, v. Schelling u. A. Das Haus hat nährend da Ferien eines ferner Mitglieder, den Abg. v. Maltzahn(Malchin), durch den Tod ver> loren und ehrt sein Andenken in der üblichen Weise. Ein Schreiben des Reichskanzlers setzt das Präsidium davon in Kenntnih, daß die Bivollmächtrgten zum Bundesrathe General- major v. Tylander und Aabineimiruster Eschenburg aus demselben ausgeschieden und statt ihrer von dem Könige von Baiern und dem Fürsten zur L ppe der Oberst v. Xylander resp- Geh. Rath Meyer ernannt sind. Ein zweites Schreiben des Reichskanzlers benachrichtigt das Präfidium, daß laut einer Mittheilung der sächsischen Regierung das gegen den Abg. Kayser bei rem Landgericht zu Dresden schwebende Strafver- fahren für d e Dauer ver Session eingestellt worden ist. Die zwerte Eiatsderathung wird nnl dlm Etat des Reichs- amis des Innern fortgesetzt. Tit. 1(Staatssekreiaic des Innern 36GOO Mk.) benutzt Abg. Lingms, um die Berichte der Fabrikinspektoren zur Sprache zu bringen, die wesentliche Fortschritte im Jabre 1883 konstatiren, sowohl in den Ein- Achtungen gegen Gefahren als in Bezug auf Besserung der Aibeitelekale, vor Allem aber durch die Durchführung sehr de- deutender Wohlfahrtseinrichtungrn in manchen Betriebsstätten, welche das warme Herz der Arbeitgeber für ihre Arbeiter be- weist. Hätten die Fabrikinspektoren nur in dieser Beziehung noch solgsältiger recherchtit! Dies Institut sollte nicht blog den Schwachen ein Schutz sein und Gefahren von ihnen ab- wehren, sondern auch sittlichen Zwecken dienen, also unzweifel- Haft dem Schutz der Frauen in Fabriken und Werkstätten und der Sonntaasheil'gung. Nur in wenigen von den 46 großen Bezirken haben die Inspektoren ihre Aufmerksamkeit auf den Sonntag gerichtet, und wo von Sonntagsruhe und Arbeit am Sonntage in den Berichten die Rede ist, da ge- schieht das nur nebenbei und durchaus nicht in dem Tone wahrer Würdigung, den man erwarten durfte. Außerdem begegnet man auffäLigen Ungleichheiten in den Be- richten; nach dem einen ist volle oder doch erhebliche Sonn- tagsarbeit in Zuckerfabriken unvermeidlich, anderswo untersagt eine preußische Regierungsbehörde sie ganz oder beschränkt sie auf ein Minimum. Dieser Wirrwarr in einer so bedeutenden Industrie ist jedenfalls sehr zu beklagen. In einem anderen Bezirke werden die Frauen und Mädchen auch zur Nachtarbeit in den Zuckerfabriken verwendet und mehr oder weniger geht es so in fast allen Betrieben: bei 26 wird ausdrücklich Nachtarbeit gestattet und gehandhabt ohne Nachweis des Bedürfnisses. Gewiß bestehen in dieser.Hinsicht eigenthümliche Schwierigkeiten, z. B. in den chemischen Fabriken, und mit allge- meinen Vorschriften durchzugreifen wäre da gefährlich, aber Sachverständige würden sichert ch eine mäßige Ausgleichung finden. Denn auch das Interesse der Arbeitgeber kommt hier in Betracht; es giebt sehr anständige Arbester, aber auch solche, auf die diese Bezeichnung vielleicht weniger Anwendung findet und die dann durch ihre Uebertreibungen die Konkurrenz der anständigen sehr dedeutend erschweren. Daß eine Ausgleichung möglich ist, beweist eine Verfügung der Re- gierung zu Düsseldorf vom 24. Juli 1884, in der eine An- Weisung ergangen ist an die Ortspolizeibehörden über die Zu- lassung der Sonntagsarbeit in Fadriken und ausdrücklich bezeichnet wird, was als zulässige SonntagSardeit anzusehen und zu gestatten ist. In manchen Bezirken klagen die Jnspek- tonn darüber, daß sie keine Handhabe und vielfach auch nicht den Beistand der Polizeibehörde finden. Die Düsseldorfer Re- gierung erklärt den Schutz der Arbeiterinnen für nothwendig durch engere Begrenzung ihrer Thätigkeit. Daß er gewählbar ist, wenn die Behörde Beistand lerstet, ist zweifellos. Wie viel leistet die Bremer Poltzel aus dem Auswandeiungsgebiet I EtwaS Aehnliches könnte durch die Polizei doch auch in Bezug auf die Gesundheitspflege und Ordnung in den Fabrikräumen geleistet werden, damit solche Kloaken von Einrichtungen ver- schwinden, in denen nur mit Gefährdung der Gesundheit gearbeitet werden kann. Der Redner fordert zum Schluß daS Reichsamt des Innern auf, diesen Verhältnissen die Aufmerk- samkeit und Energie, wie bisher, zuzuwenden und empfiehlt für diejenigen Fabrikinspektoren und Gewerberäthe, die sich durch Gewissenhaftigkeit und Sorgfatt in der Berichterstattung auszeichnen, Anerkennung nach Verdienst und Aufbesserung ihrer Gehälter als Sporn für ihre fernere Thätigkeit.(Beifall im Zentrum.) Das Gehalt des Staatssekretärs wird darauf bewilligt, ebenso das des Unterstaatssekretärs, deS Direktors und der zehn vortragenden Räche im Reichsamt des Innern; desgleichen die Besoldung des Bureauvorstehers, welche sich aus 5400 M. und 2700 M.„für Wahrnehmung der Geschäfte eines Bureauvor- steherS für den Bundesratb" zusammensetzt. Jedoch wird die m der letzteren Ziffer enthaltene Aufbefferung um 900 M. "ach dem Vorschlag der Kommission als persönliche Zulage be- trachtet und im Dispositiv des Etats als„künftig wegfallend" bezeichnet. Bei Kap. 7 d der ordentlichen Ausgaben, Titel 1„Reichs- wnrrnjfariat für das Auswanderungswesen" bemerkt kjf/u�tngens: Seitdem im Reichstage zuletzt über »•'l' n?°8enstand diskutirt worden, hat der schreck« t>er„Cimbria" uns wieder die dringende Nothwendlgkeit, alles Erdenkliche zum Schutze der Naturrecht zusteht, aus seinem Vaterlande hinaus will in ein anderes Land, dann rst ei auch das unantastbare Recht der Zurückgebliebenen, emen solchen nicht beschwindeln und be- trügen zu lassen, wie es vielfach von den A»swanderungs- Agenten geschieht. Und wre graßlich sah es obendrein auf den deutschen Auswandererschlffen aus, namentlich im Vergleich zu den englischen! Wir haben zwar nrcht erreicht, daß der Reichs- kanzler eS als sein Recht anerkannt hatte, ein energisches Wörtlein für die Handhabung und den Schutz der Ordnung und Sittlichkeit auch auf der großen Wasserstraße des Ozeans mitzusprechen; aber der Präsident der Vereinigten Staaten hat darauf Rücksicht genommen und unsere Ziele sind durch einen Akt des Parlaments in Washington sicher gestellt: Strenge Vorschriften über die Trennung der Geschlechter unter An« vrohung des Landungsverbots. Wir find stolz darauf, dies Wenigstens erreicht zu haben. Der deutsche Reichs- evvlmissar erfüllt seinerseits die ihm aufgetragenen Funktionen mit Sorgfalt und Gewissenhastigkeit, indem er die genaue Be- folgung gewisser vor der Einschiffung zu treffender Maßregeln »vvtrolirt. Aber es genügt nicht, daß er nur im Hafen auf das 'vmvst: eist nachdem die Anker gelichtet sind, gestalten ttch die Dinge auf dem Schiffe so, wie sie nachher gar zu leicht bleiben. Wollte der Kommissar nur einige Male bis Southamp- jon mit den Bremer und Hamburger Schiffen mitfahren! Eine persönliche Mitfahrt nach Southampton würde dem Reichs- kommissar auch genügende Aufklärung ich er die Zweckmäß gkeit der Abtiennnng der Räume in der großen Kajüte verschaffen, auch hier find die englichen Schiffe den unsrigen überlegen. Nach dem letzten Bericht des Kommissars pro 1883 wird jetzt in tzam- hurg an die Logirhäuser die bessernde Hand angelegt; das ist um so erfreulicher, als wir früher von dem Zustande derselben nurein sehr dunkles Bild entwerfen konnten. In Bremen waren solche Verbesserungen schon lange, schon vor 1882 vorhanden, wie die Bremer Einrichtungen überhaupt musterhaft find; in Hamburg aber sieht man trotz der unleidlichen Zustände von größeren Umbauten ab, und zwar u. a. aus dem sonderbaren Grunde, weil einige dieser Auswanderer-Logirhäuser mit der Ausführung des Zollanschlusses ohnehin eingehen müßten! Dort befindet sich z. B. noch ein Bett über dem anderen, so daß man zu dem oberen Bett hinausklettern muß; das find unerträgliche Zustände, die ich nirgend anderswo gefunden habe, und der Kommissar hätte duredaus seine Autorität gegen diesen Unfug einsetzen müsse». Schon aus sanitätepolizeilichen Gründen wäre es längst am Platze gewesen, hier Wandel zu schaffen! Auf den von Rotterdam im vor. Iah: t geriebenen Schwindel, durch den man Auswanderer, auch Deserteurs und Miiitär- Pflichtige dorthin zu locken suchte, um sie für holländische Dienste zu gewinnen, ist zuerst durch unfern Verein aufmerksam gemacht worden. Im ungarischen Parlament hat man über den Mädchenhandel Klage gefühlt, der über norddeutsche Häfen betrieben würde, wir in den Rheinlanden klagen über einen ähnlichen Handel nach Brüssel und Ant- werpen; da wäre es doch Sache der Brüsseler Polizeiverwal- tung und des Konsuls in Antwerpen, solchem Unfug zu steuern, dem sehr gut beizukommen ist, wie der österreichische Konsul in Antwerpen s. Z. gezeigt hat. Unsere deutschen Mädchen dürfen nicht länger als weiß- Sklavinnen nach Nordamerika geschickt werden, wie es nach den Pesler Debatten über Hamburg ge- schehen soll. Der Auswanderungsfrage muß also ein bedeutendes Interesse nach allen Richtungen hin unausgesetzt gewidmet werden.(Beifall im Zentrum.) Abg. Hasenclever fragt an, warum das Aus- Wanderungsgesetz, das für die Session von 1882 angekündigt gewesen sei, noch immer nicht dem Reichstape vorgelegt sei; serner, warum der Kommissar für Auswanderungswesen noch nicht den Jahresbericht erstattet habe, lieber die Thätigkeit deS Kommrffars verlautet überhaupt in der Oeffentlichkeit sehr wenig; es ist durchaus nothwendig, daß derselbe mehr als bisher dem Treiben gewissenloser Agenten entgegentritt. Daß jetzt die Auswanderung so g-ring geworden, rührt nicht von der Besserung der deutschen, sondern von der Verschlechterung der amerikanischen Verhältnisse her. Im vorigen Jahre wurden wir mit dem billigen Witze von dem Regterungskommissar abgespeist, daß, wenn der Auswanderungs- kommissar seine warnende Stimme erhebe, das bei einem großen Thcil der Bevölkerung als Empfehlung gelte. Das ist nicht richtig; wenn die Regierung Thalsachcn gegen solche Agenten amtlich anführt, so ist das durchaus keine Empfehlung für dieselben. Im übrigen wäre es besser, in der Heimath zu kolonistren, als sozialpolitischen Phantomen nachzujagen. Wenn die koloniale Frage dazu benutzt werden soll, gerade unsere Landsleute in solche unwirthliche Gegenden zu führen, sie ins Elend zu bringen, da würde ich mich doch schönstens dafür be- danken- Es wäre besser, wir schafften einmal reinen Tisch in Deutschland selbst, wir machten eine gute soziale Reform, aber nicht wie sie von der Regierung kommt. Wir haben in Deutsch- land so viel zu kolonistren, wir haben die Vagabundenfrage zu lösen, wir haben noch so viel unwirthliche Gegenden, die wir noch urbar machen können; auf die neuesten Experimente, durch Mischung von Moor und Sand Boden urbar zu machen, sollten wir uns mehr legen. Da können wir Leute genug brauchen. Wenn wir diese Arbeitskräfte dem Lande erhalten, ist es besser, als Kolonialphantomen nachzujagen, das wäre eine ehrliche, gute soziale Reform, die will ich vem Reichstag empfehlen. Staatssekretär v. Boetticher: Auch ich sehe eS als einen Verlust an, wenn Leute, deren Arbeitskraft dem Vater- lande zu Gute kommen kann, das Land verlassen. Die Frage der Kolonialpolitik hat aber damit nichts zu thun; ich hosse vielmehr, daß die Arbeitskraft der in den deutschen Kolonien Lebenden dem Vaterlande nicht verloren gehen wird. DaS Auswanderungsgesetz ist nur deshalb nicht vorgelegt, weil über diese Materie noch Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Ressorts ihrer Erledigung harren. Die Reichsregie- rung hat aber nach wie vor die Absicht, ein Reichsgesetz für die Regelung des Auswanderungswesens zu erlassen. Wenn der Vorredner den Jahresbericht des Kommissars vermißt hat, so erwidere ich, daß der Bericht für das Jahr 1883 im März 1884 vorgelegt wurde; dem entsprechend ist in kurzer Zeit der Jahresbericht für 1884 zu erwarten. Den merk- würdiger Weise uns gemachten Vorwurf, daß wir nicht aktiv genug seien, weise ich zurück. So wie uns pofl- tive Thatsachen berichtet werden, namentlich von unsem Konsuln und sonstigen Organen, wonach irgend ein Auswan- derungsunternehmcn den deutschen Arbeitern keine Prosperität sichert, wird sofort regierungsseitig vor der Auswanderung ge- warnt, und es werden alle Mittel in Bewegung gesetzt, um die Leute zurückzuhallen. Das wird auch in Zukunft geschehen. Weiter können wir aber nichts thun, wir können uns nicht in die Gerichtsbarkeit fremder Territorien mischen und nicht jedem deutschen Auswanderer einen Schutzbrief mitgeben. Die Be- richte, welche über die Agenten in der Presse umlaufen, find viel- fach übertrieben. Dem Abg. Lingens, der ja von jeher ein warmes Interesse für den Schutz der Auswanderer bekundet hat, kann ich versichern, daß unsereits Alles in dieser Richtung geschieht, was nur gesetzlich zulässig ist, und daß namenllich der AuswanderungSkommissrr, dem ich nur das beste Lob er- theilen kann, stets ganz genau bei jedem einzelnen Auswan- dererschiff kontrolirt, ob dasselbe allen für die Ueberfahrt und Verpflegung der Auswanderer gegebenen Bestimmungen ge- nügt. Der Vorschlag, den Kommiyar die Schiffe bis England begleiten zu lassen, ist unpraktisch; derselbe würde dann die Hafenkontrole nicht mehr so wirksam wie bisher ausüben, und andererseits doch nicht kontroliren können, waS an Bord vorgeht, nachdem die Schiffe über England hinaus find. Es sind übrigens nur selten Klagen über unge- nügende Versorgung der Schiffe an uns gelangt; wo dies aber geschehen ist, haben wir stets Remedur geschafft. Auch hinsichtlich der Unterbringung und Einlogirung der Auswanderer in den Ausfahrtshäfen ist namentlich in Bremen viel geschehen; auch hier hoffen wir noch weitere Fortschritte zu machen. Die Bergünstigungen aber, welche die holländischen Bahnen den Auswanderern gewähren, auch auf deutschen Bahnen einzu- fuhren, wie der Abg. LingenS es vorschlug, halte ich für un- thunlich. Jede solche Vergünstigung ist auch eine Begünsti- 6ung der von ihm selbst so beklagten Auswanderung über- aupt; und bei einem Wellrennen zwischen uns und den Hollandern in dieser Beziehung wäre gar kein Ende abzusehen. Wir werden nominell niemals die Auswanderer günstiger stellen können als die Holländer; weil nämlich auf den hol- ländlichen Liniin die Verpflegung, Behandlung und Unter» kunft eine viel schlechtere und darum billigere ist, als auf den schlechtesten deutschen Schiffen. ES ist sehr beklagenswerth, daß der deutsche Auswanderer sich immer noch vielfach durch leere Versprechungen von Agenten bestimmen läßt, ausländische Schiffe zur Ueberfahrt zu benutzen; nachdem er dann eine solche Reise gemacht hat, verschwört er sich, eS in seinem Leben nicht wieder zu thun. Abg. Meier(Bremen): Der Abg. Lingens, der sich sehr anerkennend über Bremen ausgesprochen, hat* behauptet, die weiblichen Passagiere müßten unter weiblicher Aussicht stehen. Nun gehen aber die Auswanderer als freie Leute her- über, sie unter Ausficht zu stellen, ihr Betragen zu überwachen, das wird sehr schwer sein. Früher hat mir Herr Lingens sehr häufig gesagt, wir sollten doch an Bord der Lloydschiffe weib- liche Bedienung einführen. Nun find wir stets bereit, zu thon, was uns wahrhaft Gutes im Interesse und zur Bequem- lichkeit der Auswandaer empfohlen wird, womit ich für den Lloyd gar kein Verdienst in Anspruch nehme, denn wir thun das in unserem eigenen wohlverstandenen Interesse und es ist dadurch gelungen, z. B. im vorigen Jahr bei abnehmender Auswanderung 104 000 Personen mit unseren Dampfern zu be- fördern, also zwar 6—8000 weniger, als im vorangehenden Jahre, aber durch Mehrbeförderung von ungefähr 20000 Personen aus Amerika erreicht die Gesammtziffer des vorigen Jahres beinahe das jemals erreichte Maximum. Ueber weib- liche Bedienung auf den Lloydschrffen habe ich wiederholte Be- sprechungen mit Herrn Lingens hier und mit dem Vertreter des Raphael-Vereins in Bremen gehabt, welcher letztere mit uns der Anficht ist, daß sie unpraktisch ist. Die Abtheilungen find sehr genau gehalten: auf der einen Seite die einzelnen weidlichen Auswanderer, auf der anderen die einzelnen männlichen, in der Mitte die Familien, und es wird sehr streng vom Schiffs- kommando darauf gehalten, daß in dieser Beziehung nieht Unordnungen passtren. Was nützt dann aber die weih- liche Bedienung, wenn sie auch seekrank wird? Herr Hasen- clever hat mich angegriffen wegen meiner Aeußerungen über Honolulu. Meine Aeußerungen haben sich nur auf die Aus- wanderer bezogen, die für das Haus Hackfeldt u. Co. hinaus» gegangen sind, und diese Aeußerungen habe ch mit voller Ueberzeugung gethan. Die Firma Hackfeldt hat auf ihren Plantagen Schulen und Kirchen erbaut, und in dem Zirkular an die Auswanderer, das ich mit eigenen Augen gesehen habe, ist ausdrücklich bemerkt worden, daß dieselben keine leichte Ar- beit finden würden. Die Klagen über andere deutsche Häuser find bis jetzt noch nicht festgestellt, sie stehen nur in den Zei- tungen. Ja, wenn man Alles glauben wollte, was in den Zeitungen stand, so müßte man iveit gehen.(Lebhafte Heiter- keit. Rufe: Sebr wahr!) Dieselben Klagen, die Herrn Hasen- clever jetzt mirgetheilt, waren von Schweden und Norwegern in ihre Heimath gesandt worden. Da Schweden keinen eige- nen Konsul auf Honolulu hatte, wurde der Konful in Washington zur Untersuchung der Klagen an Ort und Stelle entsandt, und in dem ausführlichen Berichte desselben wird nachgewiesen, daß dieselben ungerechtfertigt waren. Würde unsere Regierung dasselbe Verfahren einschlagen, was meiner Ueber- zevgung nach nicht nöthig ist, so würde sich dasselbe heraus- stellen. Mit einer Bemerkung über die Zeitungen habe ich übrigens die Glaubwüidigkeit meiner Herren Kollegen nicht in Frage stellen wollen.(Heiterkeit.) Daß ein großer Theil der Auswanderer sich Rotterdam und Antwerpen zuwendet, ist der ungeheueren Reklame dieser Häfen zuzuschreiben, die namentlich Miiitä: Pflichtigen große Vorthcile in Aussicht stellen. Aber dazu kommt noch die Begünstigung, die Auswanderer auf holländischen und belgischen Bahnen genießen. Die Regierung geht, in Preußen namentlich, sehr enl,chieden vor in der Ver- Hinderung der Auswanderung, und die Agenten find unter eine strenge Kontrole gestellt. Aber die Folge ist, daß die Auswanderer in die Hände von Winkelagcnten getrieben werden, die sich jeder Kontrole entzieb-n, und da ist ein wunder Punkt bei der Auswanderung. Ich wünschte, daß das AuSwanderungSgesetz, das jetzt berathen wird, und das. wie rch glaube, aus der Feder des Abg. Kapp herrührt, zur An- nähme käme. Wie die Kolonisation jetzt in vielen Köpfen in Deutschland spukt, wird sich dieselbe nie ausführen lassen.(Sehr richtig!) Wenn die Leute nicht in vernünftiger Weise davon zurückgehalten werden, so könnten diese Gedanken Manchem ins Unglück führen.(Sehr richtig.) Niemals werden wir uns dazu verstehen tönnen, Leute nach Afrika zu schicken, damit dieselben dort Ackerbau treiben. Wollen aber Leute das frei- willig thun, nun so mögen sie das thun unter eigener Verant- wonrichkeit, sie find ja freie Menschen, und unsere Gesetze ge- statten ihnen auszuwandern. Was ich also früher gesagt habe über Kolonisation, das halte ich mit voller Ueberzeugung auch jetzt noch fest, und ich glaube schwerlich, daß ich davon in memen alten Tagen noch abgehen werde.(Beifall.) Abg. Wind tho rst: Ich bin durchaus kein Freund der Auswanderung; wenn sich dieselbe aber als nothwendig er- «eist, so muß man Sorge tragen, daß sie in der rechten Weife geleitet und behandelt werde. Ich bin deshalb auch der Met- nung, daß man im Prinzip der Auswanderung entgegen- arbeiten solle; so muß jedenfalls, wer auswandern will, erst seine Pflichten gegen das Vate land erfüllt haben, ehe er an- derswo eine Heimath sucht und findet Die Idee der Koloni- sation wird wesentlich von dem Gedanken getragen, Äibeits- kräfte, die hier üderschüsstg sind, anderswo zu verwenden; doch will ich hier diese Frage nicht erörtern, da sich dazu noch be- sonders Gelegenheit bieten wird. Aber einerseits Kolonien schaffen und andererseits feindlich gegen die Auswanderung sich verhalten, ist ein Widerspruch. Es ist vollstängig falsch, daß Deutschland erst jetzt zu kolonistren anfange. Das deutsche Volk hat fich in Nordamerika bereits sehr weite Kolonien geschaffen und der deutsche Einfluß ist da- selbst von großer Bedeutung geworden. Der Anregung des Abg. Lingens, für die weiblichen Passagiere auch weibliche Be- dienung auf dem Schiffe zu schaffen, hat der Abg. Meter widersprochen, die Nothwendlgkeit aber nicht widerlegt. Auf englischen Schiffen hat man dieselbe, und es wird auch wohl möglich sein, sie auf deuischen einzuführen. Auch die Klagen über Hamburg sind durch die Ausführungen des Abg. Meier nicht hinfällig gemacht worden. Was der Abg. Lingens über die Passagierhäuscr in Hamburg gesagt hat, wird mir von anderer Seite bestätigt. So lange diese Mißstände nicht abge- stellt find, rathe ich meinen Landsleuten: geht nicht über Hain- bürg, sondern über Bremen. Abg. Bock(Gotha): Die Klagen der Auswanderer sind durchaus begründet. Wenn der Staatssekceiär von Boetticher sagt, man könne doch nicht jedem deutschen Auswanderer auch einen Schutzmann beigeben, so meine ich aber doch, die deutsche Regierung sollte hier ebenso ihren ganzen Einfluß geltend ma- chen, wie es von ihr in anderen Fragen geschieht. Der Abg. Meier meinte dann, die Beschwerden der schwedischen und norwegischen Auswanderer hätten fich bei ihrer Prüfung durch einen amerilanischen Kommissar als unberechtigt erwiesen, und dasselbe Resultat würde auch eine von deutscher Seite ein- geleitete Untersuchung ergeben haben- Ich hätte ober doch gewünscht, daß wir dieselbe gemacht hätten. ES ist mir bekannt, daß die Arbeiter sogar körperlich in brutalster Weise gemiß- bandelt worden find; ich bin bereit, zwei Briefe, die mir hier« über zugeganaen find, der Reichsregierung zur Verfügung zu stellen. ES könnte endlich auch von der Regierung dafür Sorge getragen werden, daß die Verträge, die in Deutschland mit den Auswanderern abgeschlossen werden, auch thatfächlich zur Erfüllung gelangen; so müßte auch das Haus Hackfeld zur Verantwortung gezogen weiden können; denn der Agent kann doch nicht mehr versprechen, als wozu er von seinem Hause autorifirt ist. Abg. Bingens: Dem Herrn Staatssekretär möchte ich bemerken, daß es mir wohl möglich scheint, zu kontroliren, wie das Schiff gehalten wird- Mir ist glaubhatt versichert worden, daß der Präsident der Nordstaaten von Amerrka es nicht für überflüssig gehalten hat, eine Vertrauensperson die Fahrt mit« machen zu lassen, und daß dies wesentlich zur Verbesserung der Dinge beigetragen hat. Abg. Dirichlet: Es ist im Laufe der Diskussion sehr viel von einer Abnahme der Auswanderung die Rede gewesen, sodaß es den Anschein gewinnen könnte, als sei dieselbe über- Haupt auf einem niedrigen Niveau angekommen. Dem gegen- über konstatire ich, daß seit 1884 eine kleine Abnahme gegen das Jahr 1833 stattgesunden bat, daß die Auswanderung aber trotzdem jetzt dauernd eine fünf Mal so starke als vor 1879 ist. Es muß dies klargestellt werden gegenüber den Bemerkungen von dem Rückgang der Auswanderunzen und den daraus ge- zogenen Folgerungen auf die Segnungen des neuen Zolltarifes. (Aha!) Also mit Ausnahme der Krregsjahre ist die Auswanderung vor 1879 nie so hoch gewesen. Abg. v. K a r d o r f f: Es ist sehr gewagt von dem Abg. v. Dirichlet, zu behaupten, daß der Zolltarif an der Aus« Wanderung schulv sei(Widerspruch). Wie würde aber die Auswanderung sich erst gestaltet haben, wenn die Hundert- jausende von Arbeitern der Eisenindustrie in Folge des Rück- ganges derselben ohne Beschäftigung gewesen wären! Wo wären diese geblieben? Wenn der Abg. Dirichlet aber be- hauptet, die Auswanderung sei heute fünfmal so stark, wie vor 1879, so scheint mir dies durchaus unrichtig.(Ruf: Jawohl!) Nach meiner Rechnung muß der Durch- schnitt unrichtig sein. Die Auswanderung von Ham- bürg aus kann nur zu der Behauptung veranlaßt haben; ein solcher Ort kann dock aber nicht maßgebend sein. Der Abg. Meier bat mit großem Recht schon früher auseinandergesetzt, daß maßgebend für die Auswanderung allein die amerikani- schen Verhältnisse seien; die Zustände bei uns haben nur sekun- däre Bedeutung. Abg. Dirichlet: Der Abg. Kardmff sagt, es wäre von mir gewagt qewesen, die gesteigerte AuS Wanderungsziffer mit den sZollvei Haltnissen in Verbindung zu bringen, und fährt dann sott, daß die Auswanderung ohne den Zolltarif vielleicht noch viel schlimmer geworden wäre. Wenn mein auf Zahlen gegründetes Urtheil gewagt ist, dann sind die Argumentationen des Abg. Kardorff tollkühn. Ich halte, was ich gesagt habe, den Acußerungen des Abg. Kardorff gegenüber vollständig auf- recht, nämlich, daß die Auswanderung, wie das kaiserlich statistische Amt, vor dem der Abg. Kardo:ss mehr Respekt haben wiid alS vor meinen Anschauungen, bis zum Schluß des JahreS 1833 in den vier Jahren 1880, 81, 82, 63 durchschnittlich zwischen 5 Mal und 6 Mal so stark gewesen ist, als in den Jahren vor 1880. Reichskanzler Fürst von Bismarck: Ich kann wie Jedermann die Anführungen deS Herrn Vorredners über die Ziffern der Auswanderung in den verschiedenen Jahren ja nur für richtig anerkennen, nur über den Kausalnexus bin ich ganz verschiedener und entgegengesetzter Meinung wie er. Er nimmt an, dcß die Auswanderung eine Folge des Druckes sei, den das 1878 eingeführte Schutzzollsystem auf unsere Wohlhaben- heit geübt habe— so habe ich wenigstens verstanden das Re- sumce der früheren Diskussion, der ich nicht beigewohnt habe. Ich erwidere ihm darauf: die Ziffer der Auswanderung ist ein ganz genauer Maßstab für das Steigen unseres Wohl- standes', je besser eS uns geht, desto höher ist die Ziffer der Auswanderung, und daß die Z'ffer der Auswanderung 1880/81 höher war, ist der Beweis, daß der Schutzzoll seine Wirkung auf unsere Industrie gethan hat, und daß es viel mehr Leute in dem Jahre gab, die das Geld für die Ueberfahrt und den Landankauf drüben besaßen.(Lehr richtig! rechts.) Das ist allein der Maßstab, nach dem fich die Auswanderung lichtet. In den Jahren der Anämie, des Blutmangels, in dem wir uns unter dem Freihandel befanden, schwand die Ziffer der Auswanderung, sie ging herunter, weil die Leute daS Geld der Ueberfahrt und deS Ankaufs drüben nicht erschwingen konnten. In dem Jahre 1871/72, wo ja bei unS Alles im Golde der Milliarden sich reich fühlte, fanden sich wiederum sehr viel mehr Leute, die bereit waren, auszuwandern. Ich gebe zu, daß unter Umständen die Nei- gung, sich dem Militärdienst, beiden Bauern die Neigung, fich den Grundsteuern und den hohen Kommunallastm zu ent- ziehen, dabei mitwirken kann(sehr richtig! rechts), aber im Ganzen ist die steigende Auswanderungsziffer jedenfalls ein unwiderlegbarer Beweis des steigenden Vermögens und Er- werbs im Lande, und wenn die Herren das nicht wiffen und nicht glauben, dann kennen sie das Geschäft einfach nicht, über das sie hier diskutiren. Jeder Sachverständige, jeder Aus- wanderungsverständige, Jedermann, der in der Provinz lebt und die Dinge mir unbefangenem, nicht von Erbitterung gegen die Regierung und von dem Bedürfniß, zu tadeln, befangenem Auge anficht, wird mir Reckt geben: nur wohlhabende Leute wandern aus(Widerspruch links), nur die besserenj Arbeiter, diejenigen, die io viel verdienen. Außerdem ist der Druck der Kommunalabgaben, der Gemeindelasten, der KreiSlasten, der Grünt steuer, alles desjenigen, was an Abgaben und sonstigen Verpflichtungen bei uns dem Landwirth die Ausbeutung ieiner Scholle erschwert,— so viel größer als in Amerika, daß daS an fich anzieht;£aber nur die privflezirten unter den den Arbeitern, die etwas verdient haben, die gute Einnahmen haben, die besseren, sparsameren Arb riter, die etwas zurückgelegt haben, die wan- dein aus, die anderen, das find die paupers, die in Amerika zurückgewiesen und die vielleicht weggeschickt werden. Es sind nicht die Elenden, die auswandern, das ist ein vollständiger Jirihum und eine Umkehr der ganzen Sachverhältnisse, wie sie wirklich liegen.(Bravo recht?.) Abg. Richter(Hagen): Die Aeußerungen das Henn Reichskanzlers stehen mrt den tbatsächticken Verhältnissen in Widerspruch. In den letzten Jahren sind namentlich groß« Schaaren von Tabaksarbeitern von Hamburg aus ausgewandert. Da» ist nicht als ein Symptom der steigenden Wohlhabenheit dieser Leute anzusehen, sondern eS ist geschehen, weil dir TabakS- industcie durch die mannigfachen Beunruhigungen derart ruinirt worden ist, daß die Leute gezwungen stnd, auszuwandern. Wenn dem gegenüber dann gesagt wird, diese Arbeiter werden durch die guten Verhältnisse in Amerika angezogen, so ist auch hier das Umgekehrte der Fall. In Folge der Auswanderung der Tabaksarbeiter ist eine solche Konkurrenz in Amerika entstanden, daß von dort aus sogar gervarnt worden ist vor der Auswanderung. Wenn die Auswanderung, wie der Herr Reicht kanzlec behauptet, in der steigen- den Wohlhabenheit ihren Grund hätte, so müßte sie doch aus den Gegenden am stärksten sein, wo die W�hlhaben« heit am größten ist. Sie findet aber thatsächlick statt aus Westpreußen, Mecklenburg, Pommern, Posen. Diese That- sacken schlagen den Reichskanzler vollständig. Wenn derselbe dann behauptet, daß die Leute auswanderten, welche fich ein Gew'sseS gespart haben, so ist zu entgegnen, daß die Auswan- derungskostcn nicht nur von den Auswanderern selbst bezahlt werden, sondern von den Verwandten und Freunden in Amerika werden die Gelder dazu häusig hergeschickt. Diese Unter- stützungen verstärken die Auswanderung. Trieben die Korn- munallasten und die Grundsteuer zur Auswanderung, dann müßten diejenigen Gegenden, wo diese Lasten am größten sind, die meisten Auswanderer liefern. Es überwiegen aber hierbei die großen Guisbezirke, namentlich Mecklenburg. Dann spielen die Militärverhäitniffe auch eine erhebliche Rolle; das geht daraus hervor, daß wir in jedem Jahre über 10 000 Untersuchungen wegen unerlaubter Auswanderung ohne Berücksichtigung der Militair- Verhältnisse an- stellen. Dieses Moment hat nun in den Jahren 1872 und 1873 mitgewirkt, die Auswanderung besonders zu steigern. Damals war es wahrlich nicht steigende Wohlhaben- heil, sondern es bestand eine allgemeine Befürchtung, daß ein neuer Krieg entstehen würde(Widerspeuch), das ist sogar amt- lich konstatitt worden. Die Thatsachen beweisen uns doch, daß die großen Segnungen, die man fich von der neuen Wirihschaftspolitik versprochen, als solche vom Volke nicht empfunden worden find. Sonst würden die Leute, wenn sie dies Alles geglaubt hätten, was man ihnen in Aussicht gestellt hatte, eher einen Antrieb darin gefunden haben, zunächst un- schlüssig zu werden und abzuwarten. Sie sollten überhaupt gerade jetzl nicht so viel von den Segnungen der Wirtbschafts- volitik sprechen. Der Zuckerkrach ist so groß, daß Sie alle Ursache haben, von diesen Segnungen zu schweigen. Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Der Herr Vorredner hat, sooiel ich gehört habe, gar nicht einmal den Versuch ge- macht, meine Behauptung zu widerlegen, daß die Auswande- rungszahl einen Maßstab für die steigende Wohlhabenheit und für die wirthschastliche Kraft in unserer Bevölkerung bilde. Er ist darum herumgegangen nach seiner gewöhnlichen Art, hat Einzelnes Herausgeriffen, etwas, was ich gar nicht be- stritten habe, behauptet, als ob ich es bestritten hätte, und zwingt mich da, seiner Fährte ein klein wenig nachzugehen. Er hat also zuerst als Widerlegung dessen, daß die Fähigkeit auszuwandern und das Passagegeld zu bezahlen, ein Zeichen von vergleichsweiser Wohlhabenheit sei, angeführt, es seien nach den Tabackssteueranträgen eine eihedliche Anzahl— lange Züge, wie er fich, glaube ick, ausdrückte— von Tabacksarbei- lern ausgewandert. Nun, meine Herren, diese Arbeiter müssen doch immer die Mittel gehabt haben, ihre Ueberfahrt zu be- zahlen. Wenn fie diese gehabt haben, fo widerspricht das ja gar nicht meiner Behauptung, daß nur Wohlhabende aus- wanderten. Daß das Eldorado für die Tabaksarbeller gerade Amerika sein sollte, habe ich mir bisher nicht denken können. (Bravo! rechts.) Das ist ein ganz außerordentlich unglücklich gewähltes Beispiel von Herrn Richter, daß er den Tabaks- arbeiter unter der amerikanischen Gesetzgebung Schutz sucken läßt, nachdem er Deutschland verlassen hat Das schweb! also vollständig in der Luft. Er hat gesagt, diese Leute seien aus- gewandert, weil fie ruinirt wurden, weil ihre Zukunft ver- kümmert wurde. Wenn ich seinen Satz auf irgend einen Theil der Bevölkerung als richtig gelten lassen kann, so ist eS für die Landwirihe. Die sehen, wenn fie noch nicht ruinirt find, doch var Augen, daß sie bei der Fortdauer des gegen- wältigen Zustandes dem Ruine entgegen gehen und daß fie am b:sten thun, zu verkaufen, was sie noch haben, um drüben ein neues Leben anzufangen.(Sehr richtig! rechts.) Wo Industrie und Landwitthschaft sich einander unter die Arme greifen, wie in Westphalen u- am Rhein, wo die höheren Kornpreise find, die Sie immer fürchten, da find die Leute hinreichend in der Lage, um auf die Auswanderung zu verzichten, da I ben fle ruhig und zufrievcn. Der Industrielle unv der Handwerker kaufen dort für sehr erheblich höhere Preise, als die Schwan- kungen betragen, die bei uns überheupt vorkommen, dem Land- wirlh seine Produkte ab, und der Landwirth ist der kauskräf« tige Abnehmer für die industriellen Produkte. Da ist daS Gleichgewicht der verschiedenen Zweige des Erwerbes und der Tbätigkeit hergestellt. Er hat ferner gesagt, die Kommunal- lasten in den genannten Landes'heilen feien nicht am höchsten. Die Kommunallast ist es ja nicht allein. Ich habe allerdings die Kommunaiabgaben allein genannt. Ich hätte mich rief)» liger ausgedrückk, wenn ich st iit dessen gesagt hätte, der Man- gel an Schutz für das Gew rde, was der Landwirth übei Haupt betreibt, und die übermäßigen Lasten, die gerade auf dieses Gewerde allmählich abgeschoben sind von allen Seilen her. So find alle die drückenden Lasten, die im Grunde Staats- last:n sind, weil unsere Gesetze fie geschaffen haben, auf die Gemeinden neuerdings abgeschoben, unv in den alten landwirlhschaftlicken Provinzen ebenso gut wie in den industliellen. Es ist meines Erachtens ein Fehler in der Gesetzgebung: der Staat müßte einen größeren Antheil daran tragen und die Gemeinden entlastet werden, und darin liegt der Kern deS Steuerdrr.ckeS im Bauer- und im Arbeiter- bause, der unter Umständen die Leute zur Auswanderung bringt und den fie glauben in Amerika nickt wiederzufinden. Das wird zum Theil Jrrthum sein, fie wiffen es aber nicht vorher, und die Agenten sagen es ihnen auch nicht. Wir kommen aber dadurch, daß jeder folgende Redner— und ich natürlich auch— mehr auf den Vorredner antwortet, als fich an die Sacke, an das Thema probandum hält, gänzlich ab von der Frage, die uns hier msp üglich besckäftitte: ist die Zoll- gesetzgebung von 1879 ein Grund, daß die Auswanderung sich gesieig-lt hat ober nicht? Und ich sage: fie ist unter Umstän- den Grund, aber dadurch, drß fie die Wohlhabenheit vermehrt und mehr Leute in den Stand gesetzt hat, auswandern zu können. Wenn Sie das behaupten, haben Sie ganz Recht, wenn Sie aber sagen: deshalb, weil die Leute durch den Schutzzoll bedrückt zur Verzweiflung an den heimischen Zu- ständen getrieben werden, greifen ste zum Wandelstabe,— wenn Sie das behaupten— ich kann kaum annehmen, daß Sie selbst daran glauben, was Sie sagen, aber wenig- ftens bezeuge ich, und die Meisten im Lande werden es mit- bezeugen: daß es durch und durch objektive Unwahrheit ist. (Bravo rechts.) Abg. Dtricklet: Die gesteigerte Auswanderung ist nach dem Herrn Reichskanzler ein Beweis für die gesteigerte Wohl- hnbcnheit unserer Bevölkerung. Da in dem letzten Jahr die Auswanderung hinter der der früheren Jahre zurückgeblieben ist, so würde das auf einen Rückgang in unserer Wohlhaben- heit schließen lassen. Ich weiß aber nicht, was für Ver- ändeiunaen in unserem Tarif vor fich gegangen find, die einen solchen Rückgang rcchtfertiaen könnten. Der Herr Reichskanzler steht übrigens mit seiner Ausfassung der Außwanderung allein da. Selbst ein Organ, wie die„Nordd. Allg. Ztg.", die er nach seinem eigenen Gcständniß oft und mit Nutzen zu lesen pflegt, hatte vor Kurzem in einem längeren Artikel den Rück- gang der Auswanderung als Zeichen unseres wachsenden Wohlstands angeführt, und gegen diese Argumentation hatte ich mich gewendet. Reichskanzler F ü r st v. Bismarck: Der Herr Vorredner hat gemeint, ich müßte in der Konsequenz meiner Anficht aus der Thatsache, daß tn den allerletzten Jahren die Äuswan- derung zurückgegangen, nun wieder den Schluß ziehen, daß unsere Wohlhabenbett wieder gesunken. Es ist ja möglich, daß fie einen kleinen Rückschritt gemacht hat in den letzten Jahren — ich will darüber nicht entscheiden. Die statistischen Ermittelungen werden das ja ergeben. Aber daS würde den Herrn Vorredner doch noch nicht berechtigen, mir eine solche Konsequenz meiner Aeuherung unierzuschieden, daß nun in jedem Jahre, vielleicht in jed-m halben Jahre, vielleicht in jeder Woche mit der steigenden Wohlhabenheil die Kuswandrrung sofort gleichen Schttlt halten soll. Außerdem ist dle Wohlhabenheit auch mcht daS einzig« Moment, was zur Auswanderung treibt. Ich kenne eine Menge r eicher Leute | bei unS, die garnicht an Auswanderung denken(HeUnkM und auf diese Weise meinen Worten eine Deuiung unterzuleg» die ste garnicht gehabt haben können, ist doch mcht ganz gerad finnig verfahren von Seiten des Herrn Vorredners. AußerDrt können auf die Vermehrung oder Verminderung der Luft>* Auswanderung doch die Zustände in Amerika auch erhebÄ zurückwirken. Also es ist doch nicht ganz fair von dem Hera Vorredner mir gegenüber gehandelt, wenn er gar keine ändert AuSwanderungsmotive außer dem einen, das ich hier in tc Geschwindiakcit gerade angefühlt habe, gelten laffen und mit nun beim Wort- halten will, daß, ich möchte sagen, mit jedtt Kurszettel, der bei uns zurückgeht, auch gleich die Auswanb« rung zurückgehen muß. Das ist doch eine Uebertreibung, gegS die ich mich verwahren muß vor dem Publikum; hier in dies«! Räume wird fle keinen Anklang finden. Ich finde weller# den Aeußerungen des Herrn Vorredners keinen Anlaß zur 6 wldemng. Abg. Lingens wendet fich gegen die Bemerkung de Fürsten Bismarck, daß die Auswanderung mit der getteigerf« Wohlhabenheit der Bevölkerung im Zusammenhang stehe. D Gmnd für dieselbe ist aber richtiger in unseren schabione hasten Einrichtungen, vor allem aber in dem unseligen Kulu kampl zu suchen. Rcichekanzler Fürst v. Bismarck: Ich erwidere M Herrn Vorredner, daß ich durchaus nickt gesagt habe, bei Jrländern sei die Wodlbabenhrit der Antrieb zur Auswanl rung gewesen, die ja bekanntlich maffenhaft stattgefunden h Ich habe hier nur von Deutschen gesprochen. In Jrlm mögen die Sachen anders liegen. Ich gebe aber dem Heb Vorredner doch zur Erwägung: es wird ihm ebenso put« mir bekannt sein,— daß vre Jrländer im Großen und Gary weniger ausgewandert find, als ausgewandert worden find. Abg. v. Kardorff: Herr Richter hat die Zuckerk.k mit dem Zolltarif des Jahres 1879 in Verbindung gebrar der mit dieser Erscheinung gar nichts zu thun hat. ErinM Sie fich doch, daß daS Zuckersteuergesetz aus einer viel frühel Zeit herrührt. Im Uebrigen, wenn jetzt so viel gegen> Zuckerinduflrie gesprochen wird, so sollten Sie doch nicht rt geffen, daß jede Aenderung an der bestehenden Zuckelst« auch den Konsumenten betreffen würde, der jetzt den Zucker» einen um das Vierfache geringeren Preis bezieht, als in st Heren Jahren. Häven Sie denn gar kein Herz für den arv» Konsumenten?(Zuruf: Englischen Konsumenten!) Aba. Richter: In Folge des verbesserten Verfahr» in der Zlickerinduftrie würde der deutsche Konsument ei» wohlfeileren Zucker auch bei einer anderen Zuckerpolitik ebenso genießen. Wir verwahren uns nur dagegen, daß» dem englischen Konsumenten aus unseren Steuern jetzt< zuzahlen, damit er unsern Zucker billiger verzehren kaum wir selbst. Dns nennen wir nationale Politik! Ich nicht gesagt, die Zucke, Politik datirt von 1879, sondern: sollen fich Ihrer Wirthjchastspolllik nickt rühmen ange?» der Lage der Zuckeiindusteie, die auf denselben falschen Gr* ansckauungen beruht, wie Ihre Wirthschafts- und Finanz?»' überhaupt. Auf die persönlichen Spitzen, die der Herr Reil kanzler gegen mich gebraucht, will ich nicht antworten.% dem der Herr Reichskanzler aber behauptet hat, daß die steig» Auswanderung ein Zeichen steigender Woblhadenheit j würde es doch dem Lande geg.nüber unverständlich sein, 0» darauf nicht eine Antwort erfolgte. So sehr auch sonst i; Wort des Herrn Reichskanzlers im Lande Beachtung K io erlaube ich doch, daß diese Behauptung auch unter sonstigen Freunden vieliach Kopfschütteln erregen wird.% wäre fie richtig, dann würde zuletzt, wenn die Wohlhade»? auf ihrem Gipfel anlangt, eigentltcb Niemand mehr recht banden sein, um auszuwandern� lGrob« Heiterkeii. Nostle, N Di« staike Auswanderung auS Irland ist ivahrUch'e.g.n�� von Wohlhabenheit, sondern beruht auf der SchrntlBl Besitz zu erwerben, in der Nethlage der Pächter A'% über den Besitzern. Der Herr Reichskanzler bestr* die Thatsache, daß die Auswanderung in den kg Jahren wesentlich unter len Tabaks- Bauern st»� fundm hat. lFürst Bismarck: Nein!) Jeder Bericht& dies aber bestäiigen. Wenn der Herr Reichekanzler ge'M maßen die Einwanderung in Amerika mit der Schitti- industrie in Verbindung stellt, wie darf er dann im Ko»« gebiet daS Freihandelssystem proklamiren; dann wäre es? sehr wenig verlockend, um dorthin die Einwanderung zu zw Der Herr Reickskanzler hat die Lasten geschildert, die auf ländlichen Besitz ruhen. Ich will diese Verhältnisse nicht t» darstellen, aber ich frage den Herrn Reichskanzler, was W für Mittel, diese Uebelsiände abzustellen. Er wird unS»» indirekte Steuern und Zölle vorschlagen, mebr Steuern■ den Verbrauch nothwendiger Lebensmittel. Denn der V seiner ganzen Politck ist die Belastung der LesttzloseN Gunsten der Befitzenden!(Sehr wahr! links, große Uim rechts.) Das wollen wir nicht und deshalb der icharfe Gfll satz, der namentlich seit 1879 vorhanden ist. Zuletzt h» übrigens auch die. Besitzer keinen Vortheil aus dieser Po» Denn was folgt daraus? Sie können wohl verhindern,' billiger Weizen aus Amerika kommt, aber ste können nichtl bindern, daß schließlich die Leute dahin gehen, wo der 0 Weizen wächst, und daS führt auch zum Nachtheil de? G» befitzers, der in Bezug auf Rentabilität seiner Wirth!» doch in erster Reihe auf den inländischen Konsum wiesen ist. Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Der Herr Vor hat damit geschloffen, daß er die Regierung beschuldigt,� ihren Steuervorlagen die Abficht zu haben, den B-fitzlos«» belasten zum Vortheil des Befitzenden. ES ist dies eint, großen Unwahrheiten, die im Jntereffe der Feaktionso» (Unruhe links) und der Bekämpfung der Regterung(B* rech S> in das Land gehen, und deren häufige Behauptung! Wiedeiholung mit dem emphatischen Ton der UederzeÄ den Behauptenden von jeder Beweislost dispenfilen. V man daS in einer öffentlichen Versammlung recht fest mK nöthigen Stimme auS-uft und das täglich mehrmals nst» holt, fo temper aliquid baeret. Es ist aber gerade das G» theil wahr; die Bemühungen der Regierung find nicht v» gerichtet, den Befitzlosen zu belasten, sondern darauf, de-r fitzlosen mitsammt dem Besttzenden vor dem Ruin zu sckZ (Sehr richtig! rechts.) Der Herr Vorredner sagie, die Bcß den wanderte» nicht aus, sondern nur die Arbeiter wanl* aus. Die Mehrzahlder Auswanderer find Arbeiter, solche 04 die sparsam und fleißig gewesen find, die etwas verdient HZ die die Ueberfahrt bezahlen können und den Kaufslbn für drüben übrig behalten. Wenn er aber sagt, die fixenden wanderten nicht auS, so zeigt er eben, daß». Land« nicht um fich weiß, er kennt eben nur die großen v» Wenn der Herr Vorredner mir Aeußerungon unv Mein»', unterschiebt, die ich gar nicht gesagt habe, wie die z. B-M nur die Befitzer verkauften, und noch einige andere, auf � kommen werde,— wie soll ich das anders widerlegen% mit, daß ich dem Herrn Vorredner sage: er hat meine rungen nicht verstanden oder nicht verstehen wollen, od« f. zurechtgelegt, wie er fie für sein Auditorium brauche», Der Herr Vorredner hat ,. B- mir in den Mund ß(% hätte von G treidezöllen in Amerika gesprochen. Die � mit einbegriffen; aber ich habe— und ich berufe mich% stenographiscken Bericht und mein Gedächtniß— van.�Z Zöllen im Allgemeinen gesprochen. Ich habe aestizt: dr«/ wanderer flüchten fich unter daS Dach der Zölle, die ländische Arbeit schützen, tn Amerika- Der Herr Vorrev»" mir ferner die Jnstnuation deS Hrn. Abg- Dirichlet wieder härte ich �behauptet, daß alle Wohlhabenden auS" ..rf" müßten. Meine Herren, ich habe nicht behauptet, daß, wie Hansemann und Bleichröver durch Wohlhabenheit o. Wanderung gezwungen werden würden; im Gegen»� babe daS schon vorhin berichtigt; ich habe nur gesagt: der Arbeiter wandert nicht aus, wenn er nickt zu den Womhaden- den gehört. Das Aongogcbiet ist doch etivas anders bevölkert und organifirt als Deutschland; das wird der Herr Vorredner vielleicht zugeben; und wenn der Herr Vorredner sagt, meine Meinung, daß die Auswanderung ein Wohlbabenhertsmeffer für Deutschland sei, würde im Lande überall Kopfschütleln er- regen, so sage ich ihm, seine gegentheilige Behauptung wird einfach die Ueberzeugung erregen, daß er sein Land und seine Zeit nicht versteht.(Leobastes Bravo rechts.) Abg. Heine: Es ist richtig, was der Reichskanzler saate, daß gerade die intelligenten und sparsamen Arbeiter am meisten auswandern. DaS kommt daber, weil sie am meisten den politischen Druck fühlen, der auf ibnen last.t. Besonders die Zigarrena, heiter, unter denen ia bekanntlich eine sehr große politische Intelligenz vertreten ist, find zahlreich ausgewandert; und es geht ihnen in Amerika gut' ste senden von dort an ihre hier zurückgebliebenen Angehörigen erh'bliche Unterstützungen. Wenn dann aber der Reichskanzler gesaot hat, daß durch die londwirthschaftlichen Schutzzölle die wirth cheft- lichc Kraft des Landes gehcben sei, so find zwar infolge der Werthsteigerung der ländlichen Produkte die Preise der A-cker vielfach um das Vielfache gestiegen, aber die Lage der länd- lichrn Arbeiter ist darum dock dieselbe geblieben, wie vor langen, langen Jahrzehnten.(Widerspruch rcchls.) In dem Beircht der Handelskammer zu Halber stadt für 1883 heißt es bezüglich der gräflich Swlbcrg'schcn Fmstoerwaltunz, dieselbe sei für die ErhöKurg der Holzzölle eingetreten, um so die Waldungen nutzbarer zu machen und dos Wohl Tausender von Waldarbeitern zu fördern. Gleich darauf heißt es aber wörtlich:„Es ist der Verwaltung gewiß nicht zu verdenken, daß ste fich die augenblicklich billigen Arbeitslöhne zu Nutze mackt; und wir sind in der zufriedenstellenden Lage, daß wir ländliche Arheiter für ein Tagelohn von 1 M. haben."(Ruf rechts: Normalsatz!) Das ist nicht der Normalsatz. Der Durckschn tt des ländlichen Tagelohns beträgt mindestens 1,50 M. Wenn Sie die Auswanderung hindern wollen, dann sorgen Sie endlich dafür, daß wir in Deutschland wieder Freiheit haben und daß die Ausnahmegesetze abgeschafft werden. Abg. Junggren konstatirt(soweit er verständlich wurde) daß auch aus seiner Hcimath Nord' Schleswig«ine starke Aus- Wanderung stattfinde, nnd daß dies hauptsächlich an den dor- tigen politischen Verhältnissen liege. Abg. Richter: Die Behauptungen des Reichskanzlers über meine Verbindungen mit der Presse zeigen, daß er falsch unterrichtet war. Ich möchte ihn doch übrigens lieber an den Balken im eigenen Auge erinnern; an die„Nordd. Allg. Ztg.", welche die großen Reden von ibm vollständig wiedergiebt, da- neben aber die opposttioncllcn Reden auf ebenso viel Zeilen zusammendrängt, wie die Reden des Reichskanzlers Seiten einnebmcn.(Sehr gut! rechts.) Sie finden das natürlich;«in dem Reichskanzler sehr ergebenes Blatt, welches jeden Morgen auf Ihren Plätzen hier im Hause ausgelegt wird, ist ja sogar so weit gegangen, daß es bei einer großen Debatte die Rede des Reichskanzlers tröstlich wiedergab, darauf aber, anstatt auch meine Erwiderung abzudrucken, einfach bemerkte; was ich gesagt hätte, könne man aus der nachfolgenden Rede deS Reickskanzlers entnehmen.,, Der Präsident erinnert den Redner an den sehr losen Zusammenhang, in welchem diese seine Ausführungen mit dem eigentlichen Gegenstandz der Debatte stehen. Abg. Richter(forsfahrend): Genau in demselben losen Zusammenhang, wie die Ausführungen des Reichskanzlers, auf welche zu antworten mir sogar in einer persönlichen Bemer- kung steistehen würde. Was dann das Veihäitniß von mir zu meinen Fraktioasgenoffen betrifft, so möge doch der Reichs- tanzler uns das wenigstens gütigst selbst überlassen. Ein solches Verhältniß der Unterordnung, wie zwischen ihm und seinen Ministern, besteht jedenfalls in meiner Fraktion nicht. lOho! rechts.) Er hat dann wieder von angeblicher„Frak- tionspolitik" gesprochen, die wir treiben. Diese Politik, die wir vertreten, ist lediglich dieselbe, die der Reichskanzler bis zum Jahre 1876 vertreten hat. Tie Kornzölle find einfach ein Geschenk für die Großgrundbesitzer auf Kosten der Armen. (Widerspruch rechts.) Ich bedauerte vorhin die heutigen akademischen Erörterungen; ich bedauere fie jetzt nicht mehr. Nun ist's herausgekommen, und Sie auf der Rechten haben's mit Hurrah begrüßt, was eigentlich das Ziel und die Richtung der jitzigen Politik des Reichskanzlers ist; und was bei einer etwaigen Auflösung des Reichstages der Preis der Neuwahlen sein wird: Vertbeuerung der nothwmdigen Lebensbedürfnisse der Sinnen und Entlastung der Befitzenden! (Große Unruhe rechts.) Den Handschuh nehmen wir auf, Herr Reichskanzler!(Beifall links.) Das ist die Frage, die uns immer geschieden hat; und wir danken es dieser Debatte, daß nun im Lande die allgemeine Aufmerksamkeit gerichtet weiden wird auf Das, was wahrhaft verdient der Hauptgegenstand unserer politischen Kämpfe zu sein.(Lebhafter Beifall links; Zischen rechts.) Reichskanzler Fürst v. B i s m a r ck: Ich möchte zuerst den Herrn Abgeordneten Richter bitten, mich nicht hier mit „Herr Reichskanzler" anzureden. Das ist eine Sitte, die manche Er er— ich will Namen nicht nennen— seiner heutigen aklionsgenossen eingeführt haben, die ich aber nicht für par- nentarisch halte, ohne deshalb dem Präfidenten ins Ressort greifen zu wollen. Ick rcrwahre mich nur persönlich dagegen, ich werde nie sagen:„Herr Richter, Sie haben", sondern„der Herr Abg. Richter hat", ich glaube, daß man hier zur Ver« sammlung spricht oder zum Präfidenten, aber mit„Herr Reichs- kanzler" redet man mich nicht an, das ist nur eine rhetorische Form, um einem Ausdruck mehr Nackdruck, und wenn der Inhalt darin ist, mehr persönliche Belcidigungskraft zu geben. Deshalb schlage ich vor, diese Ausdrucksweise zu unterlassen. Wenn Sie sagen:„Herr Graf so und so, Sie haben u. s. w.", so wrrd das der Herr Präfiderst sogleich relcviren. Ich be- ß ve'6. daß der Herr Präsident sich in meine Beziehungen zu bem Herrn Abg. Richter nicht einmischt, und es würde mir auch nicht lieb sein, wenn er es thun wollte. Ich bin nach den Prrvrlegien, die inir die Verfassung giebt, in der Lage, meine Rechte dem Herrn Abg. Richter gegenüber selbst wabrzunebmen, und der Herr Abg. Rrckter wird mich darin auf dem Platze finden. Der Herr Adg'ordnete svrack im Anfang so laut, daß ick mit dem besten Wrllen nicht verstanden habe, was er sagte(Heiter- keit rechts), er machte nicht den vollen Gebrauch von dem Organ, was ihm sonst zu Gebote steht. Ich weiß nickt, ob er in Abrede stellte, daß er in irgend einem Verhältniß zur Presse stand. Ich kann mir das indessen kaum denken und nehme auch an, daß er das nicht gethan hat. Dann Hobe ich nur noch eins zu berichtigen, was auch mehr um das Land, als hier den Reichstag zu überzeugen gesprochen ist. Der Herr Abgeordnete sagt. eS handele sich bei den Kornzöllen nur um den Großgrundbesitzer. Wenn irgend etwas mir die schla- aende Unwissenheit der Großstädter in Bezug auf landwirth- schaftliche Dinge beweist(sehr gut! rechts), so ist es der Ge- danke, daß der Bauer sein Korn nicht verkauft, sondern alles selbst ißt. Was müßte der Mann für einen Magen haben, wenn er die Erträgnisse eines Bauernhofes von lüg Morgen— so find fie durchschnittlich— persönlich verzehren wollte und nicht dabei interesstrt wäre, ob 'j«u �vrn thcuer oder wohlfell verkaufen kann. Schon mi. ,ützer von drei Morgen, wenn er einen Morgen mit Winterkorn baut und auf demselben auch nur fünf Zentner Getrerde prvduzirt, müßte eine ziemlich zahlreiche kornessende Fanulte haben,— denn daneben werden noch Kartoffeln ge- baut,— um diese fünf Zentner felbst zu essen. Der Herr Ab- geordnete hat sich ferner darauf berufen, daß er ja nur den Standtpunkt vertrete, den ich früher selbst vertreten hätte. Ja, es thut mir leid, den Herrn Mgeordneten auf d m Stand- punkte wiederzufinden; denn ich muß eingestehen, daß ich da- mals in diesen wirthschaftltchcn Dingen vollständig unerfahren war und fie noch meinem jetzigen reiferen Urtheil für falsch halte, falsch aus Mangel an Erfahrung. Ich hatte bis dahin gar nickt Zeit und habe das schon öfter auf dieser Stelle ge- sagt, daß ich, bis ich der deulscken Nation im ganzen Frieden nach außen und Einbeit geschaffen hatte, überhaupt gar nicht d e Zeit gehabt habe, mich um innere und w'.rtbschaftiiche Tinge zu bekümmern, fondern die Jemandem überlassen habe, von dem ich glaubte, er verstände fie besser als ich. Ich hoffe, daß der Herr Abg. Richter denselben Bildungsgang, den ich seit meiner wirthickoftlichen Kinvheit zurückgelegt habe, seiner- serts noch durchmacheu wird, und ich glaube vm hersagen zu können, daß er, wenn er vielleicht in späterer Znt an dieser Stelle stehen wird(Heiterkeit rechts), fich als ein ganz resoluter Vrrsechter des Piinzips erweisen wird, daß vor allen Dingen die Getreidepreise bei uns auf der Höhe erhallen werden sollen, daß Getreide im Lande überhaupt noch gebaut werden kann(Sehr richtig! rechts), und daß wir nicht pothwendig und zwangsweise auf überseeische Verproviantirung angewiesen find. Es würde daS dieselben Erfolge in höherem Maße haben, wie die bekannte kleine Panik, die vor wenigen Tag-n in England stattfand, wo man an das angebliche Auslaufen der Kanalflotte kriegerische Ge- rückte knüpfte— ick glaube, von Seiten der Börse— und wo die Operarion den Erfolg hatte, daß die Papiere einigermaßen fielen, die Kornpreise aber, wenn die Telegramme richtig find, um 12 bis 15 pCt. auf der Stelle stiegen(hört, hört, rechts), weil man fich fragte: wie wird fick England, im Falle Krieg ausbricht, verproviantiren. Gebe Gott, daß diese Frage nie- mals für Deutschland vorgelegt werden wird, sondern daß Deutschland immer in der Lage bleib-, das Korn, welches die deutsche Nation ißt, auch selbst bei sich zu Hause zu bauen. Mag der Herr Abg. Richter es auch dem Kopfschütteln des LanveS empfehlen— ich wiederhole wiederum: er versteht feine Zeit und fein Land nicht, wenn er dem widerstrebt.(Lebhaftes Bravo! rechts. Heiterkeit links.) Abg. v. Kard orff: Allerdings rst das Fehlendes kleinen Besitzes in Mecklenburg und Vorpommern ein Haupt- grund für die Auswanderung aus diesen Bezirken. Der Unter- gang dieses kleinen Bcfitzes rst aber gerade durch die englische Fretbandelspolitik herbeigeführt wo den, welche in England felbst die Laiifundienwirthschaft gefördert hat. Abg. Rickert: Die heut'ge, durchaus sachlich begonnene Debatte hat wiederum den Beweis geliefert, wie schwer es ist, wenn man fich auch noch so große Mühe giebt, jedes persön- liche Moment aus der Verhandlung zu entfernen. Bisher waren wohl alle Parteien übereinstimmend der Meinung, daß nicht steigende Prosperität, sondern das Gegentheil die Hauvt- Ursache der Auswanderung sei. Das hat flüher der Minister Graf Eulcnburg, ja auch der Reichskanzler selber auseinander gesttzf. Im Juli 1882 in drr denkwürdigen Rede gegen die preußische Klassensteuer und den Exekutor, der namentlich den Armen bedränge, wenn er die wmige Mark Klaffensteuer nicht zalrlen könne, schrlcb der Herr Reichstanzier„einen großen Theil unserer Auswanderungen der Thalsache zu, vatz die Auswanderer vas Bedürfniß haben, fich der dirck- ten Steuerschraube und Erekution zu entziehen."„Die ame- rikanischen Schutzzölle und die preußische Klasser�teu.r— sagte der Reichskanzler— halte ich für die Hauptmotive der Auswanderung." Diese Auseinandersetzung steht doch in di- reklem Gegensatz zu dem, was der Herr Reichskanzler heute ge- sagt hat.(Wiedelspruch rechts.) Es ist gut, daß heute offi stell der Antrag auf Erhöhung drs Gelrerdezolls angekündigt ist. Der Kanzler hält es für eine Verdächtigung der Re- gierungspolilik, wenn wir sagen, dieselbe habe den Erfolg, die große Masse des Volks ärmer, dagegen einzelne Reiche reicher zu machen. Das ist unsere feste Ueberzeugung; und stets werden wir gegen die jetzige Wirrhschafts- und Zollpolitik protestiren. Das ist das Traurige in der gegenwärtigen Lage, diese Verbitterung und Vergifrung des Parteikampfes, in welcher man einem Mann, der seiner Ueberzeugung nach zum Wohl des Vaterlandes wirkt, gleich mit derartigen Attributen kommt. Ich bitte den Kanzler, uns zmutcauen, daß wir mit derselben Gewissenhasrigkeit, demselben Patriotismus vie öffent- lichen Ding- behandeln, wie irgend ein Mann in diesem Reich. (Lebhafter Beifall links.) Reichskanzler Fürst v. B i s n, a r ck: Ich will nach meiner Gewohnheit in der Erwiderung bei dem anfangen, was der Herr Vorredner gegen den Schluß sagte, wo er meine Behaup- tung anfocht, daß ein Best er von 3 Morgen unter Umständen — wenn seine Familie nichl zahlreich wäre, glaube ich gesagt zu haben— durch seinen Besitz ernährt werde. Der Herr Vorredner hat nur von einem Ertrag von fünf Zentner R. ggen, den ich beispielsweise anführte, gesprochen. Ich habe ange- nommen, daß ihm als Kenner der Landwirthschaft— denn sonst würde er doch über deren Jntrreffen nicht urth ilen— vorschwebe, daß, wer Roggen baut, auch Sommerkoin baut, er baut höchstwahrscheinlich auch Kartoffeln und in einzelnen Fällen Kohl. Daß eine Familie von 5 Köpfen von 5 Zentner Roggen allein satt wrrden soll, behaupte ich nicht. Die Fa- Milien haben gewöhnlich nicht 5 Köpfe, st- schwanken zwischen 4 und 5. Knechte, von denen er sprach, haben solche Familien überhaupt nicht, sondern sie wirthschalten selbst. Der Herr Vorredner kennt das nicht; wenn er mich mal besuchen wollte auf dem Lande, dann würde ich ihm zeigen, wie die Leute leben. Der Herr Vorredner hat dann gesagt, ich hätte im Namen der Bundesregierungen hier Kornzölle angekündigt. Ich spreche im Namen der Bundesregierungen nur dann, wenn ste eine Vorlage habcn. Ich habe meine persönliche Anficht und, wie ich hinzufügen kann, die der königlich preußischen Regie- rung hier ausgesprochen. Der Hm Vorredner hat ferner meine Ausführungen über die Auswanderung bestritten und zu diesem BeHufe sogar das Arsenal der Bibtiolhek in Kontribution gesetzt, aus welchem er eine alte Rede von mir vor einigen Jahren herangezogen hat. Ja, ich will mal annehmen, der Hm Vorredner hätte mich mit diesem Zitat geschlagen, aber der Herr Vorredner so- wohl wie ich, stnd beide in der Lage, doch mehr zu sprechen, als andere Leute. Wenn man dem Herrn Vorredner die ganze Bibliothek der Reden, die er in feinem Leben gehalten hat, vor Augen bringen könnte, glaubt er nicht, daß man darin Sätze finden würde, die man ohne große Gewaltthat als Widerlegung dessen, was er heute gesagt hat, benutzen könnte? Ich habe damals den geschildert, der überbaupt noch wlgkom- men kann, der nur zufiebt, daß er wegkommt, daß er über See kommt, um fich dem Druck der diretten Steuern zu cnt- ziehen. Die Klaffensteuer ist ja noch lange nicht vertilgt, fie ist immer noch als Kommunalsteuer da, und darin macpt der gemeine Mann keinen Unterschied. Also es giebt zwei Sorten, solche, die unzufrieden find, ihre Unzufriedenheit niederschlucken müffen, wenn fie das Geld nicht mehr haben, um auszuwan- dern; haben ste es noch, dann werden ste auswandern; ein sol- cher schwebte mir vor, der durch die Klassensteuer-Schraube dahin gedrängt worden ist, daß er sagt: in diesem Lande ist nicht leben, ich sehe voraus, daß ich hier zu Grunde gehe, ich will das Letzte benutzen, um auszuwandern. Weit größer ist aber die Kategorie Derer, die in den letzten Jahren so viel erworben haben, daß fie auswandern können. Das find also Diejenigen, die auswandern, weil fie daS Geld noch dazu haben, und Diejenigen, welche auswandern, weil ste das Geld dazu schon erworben haben, vielleicht auf Grund derUederschätzung dessen, was ste dazu bedürfen. So lange der Men'ch jung ist, unter 30 Jahren, wirkt die Hoffnung, das Unbekannte noch immer verführerischer, als das Bekannte, in dem er lebt, und das ist die Zulage, die er zu seinem Kapital macht, wenn er hinaus geht. Ich protcstire also gegen die Art, meine Worte auszu- legen, wie der Herr Borredner dieS seinerseits wieder für angebracht gehalten bat, man reißt etwas heraus von dem, was ich hier unvorbereitet vor Ihnen spreche und was mir nach- gerechnet wird fünfzehn Jahre lang. Der Herr Abgeordnete, der vor mir sprach, hat auf die Getreidezölle noch einen Rückblick ge« warfen, und da kann ich nur bedauern, daß es ungeachtet aller Bemühungen— da steht man, wie der Einfluß der Regierung auf die Wahlen überschätzt w rd— nicht gelungen ist, zu bewirken, daß der frühere Abgeordnete Mommsen gewählt wurde- Ich bin überzeugt, ich würde keinen beredteren und keinen historisch durchgebiioeteren Vertreter meiner Ueberzeugung haben, die ich vorher aussprach. Der Herr Abgeordnete hat mir ferner vorgeworfen, daß ich es immer wäre, der Persönlichkeiten rn die Sacke hincineinbrächte. Ja, meine Herren, Sie greifen die Gesetzgebung, unsere Verhältnisse. die Politik der Regierung an. Wen greifen Sie denn dabei an als die Persönlichkeit? Wen meinen Sie überbaupt, wenn Sie die Politik der Regierung in einer Weise schildern, daß kein gutes Haar an ihr bleibt, und daß ste im ganzen eigenen Lande und im Auslande in Mißkredit geraihen muß? Meinen Sie denn einen anderen als mich damit? Ich siebe 23 Jahre an dieser Stelle, wer ist also damit gemeint? Meinen Sie etwa Se. Majestät den Kaiser damit? Das habcn Sie oft g-nug abgelehnt, Sie können also nur mich damit meinen; und ich kann nicht zugeben, daß Sie mir solche Injurien unter der Rubrik„Staat" an den Hals werfen, ohne daß ich berechtigt sein sollte, zu ecwidern. Deshalb nehme ich dieses Recht in Ansprub, und es ist eine ganz künstliche Fiktion, als ob ick, Herr v. Bismarck, nicht zugleich der Reichskanzler wäre, den Sie hier mit allen Ihren anonymen Angriffen meinen und den Ste treffen in seinem Ehrgefühl viel öfter, als in seiner Ueberz-ugung; und deshalb, bis Sie mir angegeben haben, wen Sie mir Ihrer Beschimpfung der bestehenden Ge- fetzgebung anders meinen als mich, werden Sie mir erlauben müssen, daß ich auf persönliche Jnsurien unter der Rubrik „Staat" unter Umständen persönlich erwidere.(Lebhaftes Bravo! rechts) Abg. Richter: Esrgeht uns genau so, wie dem Herrn Reichskanzler; wir find auch alle hierher ge- kommen in dem Glauben, daß nur über Kamerun eine irgend erhebliche Diskusfion stattfinden würde; und erst der Herr Reichskanzler hat durch feine Be- merkungen über die Ursachen der Auswanderung der beutigen Debatte ihre besondere Wendung gegeben. In seiner letzten Rede hat sich nun der Herr Reichskanzler zunächst gegen mich gewandt, wie man mir sagt, weil ich einmal direkt:„Herr Reichskanzler!" gesagt habe. Es mag daS fein; ich gebe auch zu, daß eS nicht üblich ist, aber der Reichskanzler beobachtet ein Gleich-S noch weit öfter. Der Herr Reichskanzler hat dann zugegeben, und ich bin ihm dankbar dafür, daß wir, wenn wir unsere Politik ver- theidigen, damit nur seine eigene, frühere Politik fortsetzen. Heute giebt ver Reichskanzler selbst eine scharfe Kritik fernes srüheeren Systems. Er erklärt die Mißerfolge seiner Politik, die den Erfolgen auf ver anderen Seite gegenüberstehen, damit, daß er nicht genügend Zeit gehabt habe, sich mit den Dingen zu beschäftigen, so seine Zollpolitik, sowohl auch seine Zucker- Politik.(Vehr rrchtig! links, Heiterkeit.) Es wird ihm ja Niemand daraus einen Vorwurf machen; auch die Zeit deS größten Staatsmannes hat eine Grenze. Auch wenn die Getreide- zolle und Alles dewilligtsein wird, was der Reichskanzler an neuen Lasten noch in verschwiegener Brust verbirgt, auch dann wird noch keine Entlastung von Kommunalsteuer, r eintreten, sondern nur das Defizit beseitigt sein Der Herr Reichskanzler sprach vom guten Ton und gleich darauf von der schlagenden Un- wiffenheit der Großstädter.(Sehr richtig! rechts.) Die, welche eben: Sehr richtig! rufen, stnd die Muster des guten Tons d-s Herrn Reichskanzlers(Heiterkeit links); in seiner nächsten Nähe scheinen seine Ermahnungen am wenigsten zu fruchten. Der Herr Reickskanzler sprach ferner von der Roth wendigkeit, mehr Korn in Deutschland zu bauen. Nun zeigt uns doch die amtliche Statistik, daß heute weniger Fläche mit Brodkorn be- stellt ist, trotz der Zollerhöhuug, als vor 1879. Die vorausgesagte Will ing ist nicht erzielt, es wird etwas mehr Gerste und Hafer, aber weniger Roggen angebaut Nun darf auch nicht vergessen werden, daß die Bevölkerung jährlich um eine halbe Million wächst, während die Ackerfläche dieselbe bleibt; die zunebmende Bevölkerung kann nicht ernährt werden im gleichen Verhältniß von der eigenen Produktion des Landes (Widerspruch rechts); fie dedarf einer zunehmenden Einfuhr von Ltbensmitteln und bedarf ihrer um so mehr, je mehr fie Kartoffeln, Zucker, Spiritus von der nationalen Produktion in das Ausland verkauft. Eine krankhafte Wirlhschaftspolitik hat die wirthschaftliche Krankheit gesteigert und damit hat die Aus- Wanderung zugenommen. Reichskanzler Fürst«.Bismarck: Der Herr Abgeord- nete schloß damit, daß er irgend Jemand aus der Versammlung apostrophirte:„S i e dürfen stch nicht wundern, wenn". Ich glaube, er sprach damit zu den Landwirthen. Ich möchte ihn doch darauf aufmerksam machen, daß die letzferen in diesem Lande die Mehrheit bilden, und daß er alle die, deren Wohl- sein von dem Gedeihen der Landwirthschaft abhängt,— und das, meine Herren, ist die Mehrheit— einigermaßen respektiren möge. Ec ist zu dieser Gleichstellung der beiden Parteien nicht berechtigt, daß er sagen könnte-„Sie gewinnen Vortheile und wir—. Ich verstehe unter dem„wir" die Großstädter, — wenn er nicht etwa wieder vom Fraktionsstandpunkt ge- sprochen hat. Ich muß ferner widersprechen, wenn der Herr Abgeordnete behauptet hat: wir bedürfen einer zunehmenden Einsuhr des Getreides. Was wir selbst essen, bauen wir drei- und viermal im Lande. Wir haben eine Menge anderer Ver- Wendungen der Getreide als zur menschlichen Nahrung, zu denen wir das eingeführte Getreide benutzen. Der Herr Ab- geordnet« hat gesagt, der Karioffelbau habe einen Rückgang des Getreidebaues veranlaßt. Das ist ein ebenso großer Irr- thum, wie der in großen Städten gewöhnlich verbreitete, daß der Zuckerrübenbau einen Rückgang des Getreidebaues veran- anlasse. Beide Hackfrüchte haben eine sehr viel stärkere Pro- dukiion von Getreide in ihrem Gefolge, indem fie die Inten« fität der Landwirthschaft verbessern und erhöhen. Wenn der Herr Abg. gesagt hat, der Kornbau sei zurückgegangen, so ist das die ganz natürliche Folge davon, daß der bisherige Kornzoll zu niedrig ist; es ist nickt möglich, den Scheffel Roggen und namentlich den Scheffel Weizen zu dem Preise, zu dem er heute verkauft wird, innerhalb des gesammten Deutschlands zu bauen. Der Herr Abgeordnete hat ferner wiederum darüber geklagt, daß ich Persönlichkellen in die Debatte hineingebracht habe. Nun frage ick ihn: ist das nicht eine Persönlichkeit, wenn er früher seiner- seitS von Schnapspolitik, von Schwcinepolitik mir gegenüber in öffentlichen Aeußerungen gesprochen hat? Aber dte persön- lichen Angriffe gegen mich b-schräaken fich ja darauf nicht. Der Herr Abgeordnete hat vorhin seine Betheiligung an der Presse — in welcher Form, habe ich nicht hören können— in Abrede gestellt; aber ich erinnere mich sehr wohl, daß ich in meinem Privatleben von denjenigen Zeitungen, die aus der hier de« kannten Be-l ener Fabrik ihre Leitartikel und ihre politischen Artikel beziehen, in einrr Weise beobachtet und verleumdet worden bin, wie ich es ehrloser niemals erlebt habe; ich wurde auf Schritt und Tritt beobachtet, es wurden mir Prozesse angedichtet, die ich verloren haben soll, und mir Rohheiten gegen Damen angelogen, die bei mir zur Miethe gewohnt hätten,— das alles in Zeitun- gen, die L-itarlikel Rrchter'scher Färbungen an der Spitze tragen, und die man die„Richrer'sche Presse" nennt. Man nennt sie im Lande so! Wmn mit Unrecht, dann müßte der Herr Abgeordnete doch energrsch von diesem Verleumdungs- schwinde! fick lossagen! Wenn Jemand in einem anonym ge- I schriebenen Briefe verleumdet, so hält man das im Allge- treJmn für eine ehrlose Beschäftigung. Wenn Jemand aber m gedruckten Blättern verleumdet, ebenso anonym, so ist eS „�uibeit der Presse" für die einzutreten ist gegen jeden Mann, der sich gegen diese Verleumdungen wehren will! Die Herren beklagen fich über persönliche Angriffe von mir; aber dies Alles hängt wie im Netz zusammen mit dem Richterschen Worte„Schnaps- und Schweinepolitik!" Sie brauchen nur an einem Fadm zu ziehen, so zittert das ganze Netz der Richterschen Preffe über daS Land hinaus, die nur dazu da ist, mein persönliches Privatleben— ich will nicht sagen: zu kränken, denn das kränkt mich nicht, aber— zu beobachten und zu diskreditirm; aber es wird ihr nicht gelingen. Der Herr Abgeordnete hat gesagt, die Preffe des Reichskanzlers thäte daffelbe. Es giebt keine„Preffe des Reichskanzlers". Im Grunde ist es eine Verschwendung meiner abnehmenden Kraft, daß ich mich überhaupt hier dagegen vertheidige. Ich rufe das Land und daS deutsche Volk zum Ricdter auf zwischen mir und dem Herrn Richter; wer in dieser Meinung das Urthell des Landes über seine Aufrichtigkest für fich hat — ich bin überzeugt, in dem Streite nicht zu kurz zu kommen. (Lebhafter Beifall rechts, Lachen links.) Abg. F r e g e führt aus, daß von dem Getreidezoll nicht, wie in der steihändlerischen Preffe behauptet wiid, 70— 80 pEi der Landwirthe Nachiheil, sondern Vortheil haben. Die Lage der Landwirthschaft sei so offenkundig, daß eS bedauerlich sei, daß nach den Reden Richters und Rlckerts nock nach außen erscheinen könne, als ob ihre Anschauungen im Reichstage ge- theill würden. Die übrigen Ausführungen des Redners bleiben bei der im Hause herrschenden Unruhe und den sehr lauten konischen Beifallsrufen der linken Seite auf der Journalisten- tribüne völlig unverständlich. Abg. Richter: Der Reichskanzler ist immer werter in persönlichen Angriffen gegangen, und seine letzte Rede gegen mich war fast nur persönlich. Der Reichskanzler selbst vcr- wahrt fich dagegen, alles das zu verantworten, was in seinen Zeitungen steht. Die Thätigkeit deS Reichskanzlers in der Presse ist weit größer als die Preßt hätigkeit von irgend Jemand von uns. Er giebt aus den Zinsen des Vermögens Königs Georg Hunderttausende zur Beeinflussung der Preffe aus. In welcher willkürlicher Weise der Reichskanzler persönlich her- ausfindet, hat er heute bi wiesen, indem er mir sogar den Aus- druck Zuckerpolitik als eine gegen ihn persönlich gerichtete Ver- letzung hinstellte. Wer, wie ein großer Theil des Publikums, nur die Reden des Reichskanzlers liest, muß annehmen, daß der Reichskanzler heute von mir beschimft oder injuriirt wor- den sei, weil er von Bestbimpfunaen, Injurien sprach. Ich habe einmal in einer öffentlichen Versammlung von ver- fchiedenen Steuer, und Zollftagen gesprochen, und zwar zuerst von der Holzpolitik, dann von der Zuckervolitik und zuletzt von der Schweincpolitik, indem ich Maßnahmen gegen die Einfuhr amerikanischer Schweine besprach. Von SchnapSpolitik habe ich allerdings einmal, und zwar in diesem Hause am 1. Septbr. 1883, gesprochen. Ich hätte vielleicht richtiger Branntwein- Politik gesagt. Ausdrücklich führte ich damals aus, daß ich darunter verstanden habe die Schonung deS Branntweins in der Besteuerung, die mit der Bedeutung des Brennereibetriebes nicht im Einklang stehende Berückfichtigung des Ausfuhrinteresses deS Spiritus bei den Handelsverträgen und bei dem Eisenbahntarif. Alles das faßte ich zusammen unter der Bezeichnung einer erheblichen Rolle, welche die Branntweinpolitik in der Wirthschft spielt. Niemand hat damals hier im Hause auch nur Andeutungen herausgefunden zwischen meiner Darlegung und Privatinteressen des Reichskanzlers. Ich stehe mit der Preffe in Verbindung und nenne mich Schriftsteller. Aber Niemand wird behaupten können. daß ich jemals anders geschrieben, wie gesprochen. DaS eine wie das andere kann ich öffentlich verantworten. Die Art. wie der Reichskanzler immer mehr Alles auf meine Person zuspitzt, beweist mir. daß ihm selbst mehr und mehr während der Debatte bewußt gewolden fft, daß d e heu- tige Debatte eine für ihn ungünstige Seile semer Wlrthschafts- wird genehmigt; ebenso der Rest des Kapitels. Um 6 Uhr wird die wettere Berathung bis Freitag 1 Uhr vertagt; vorher soll noch der Antrag wegm Sistrrung deS gegen den Abg. Rödiger schwebenden Strafverfahrens er- ledigt und an Stelle des Abg. Meier(Jena) em neuer Echrrst- führer gewählt werden. Arbeiterbewegung, Vereine uuä Wersnmmlungeu. d. I» der jüngste« Versammlung des Unterstütz«« gsvereins der Berliner Buchbinder und der- wandte« BernfSgenofsen. welche am 5. d. M. im Restaurant Feuerstein unter dem Vorfitze des Herrn Jost stattfand und wieder sehr zahlreich besucht war, theilte der Vorfitzende zunächst mit, daß die in jüngster Zeit vielgenannte Mappen- und Poeste- albumfabrik- Firma Zertzmayer und Brandeis, die bekanntlich soeben erst dem Auebruche eines allgemeinen Strikes ihrer sämmtlichen Mappenarbeitcr nur dadurch entging, daß fie die versuchten Lohnreduklioncn unter gleichzeitiger Bewilligung einer geforderten 2Sprozentigen Lohnerhöhung zurücknahm, ihre Fabrik nach Brandenburg verlegt hat, um dort ausschließlich mittelst Strafgefangenen-(Zuchthaus-) Arbeit ihr FabrikationS- geschäft zu beireiben. In Folge dessen wurden sämmtlichc Ar- beiter der Fabrik, bis auf zwei, welche fich bedauerlicher Weise überreden lreßcn. als sogenannte Weikmei' er mit dahin über« zufiedeln, entlassen und somit vorläufig arbeitslos. Eelbstver- ständlich werden fie, wie einstimmig beschlossen wurde, auS dem allgemeinen UnterstützungSfonds unterstützt werden. Auck hat fich die Lohnkommilston dadurch einerseits veranlaßt gesehen, fich an den betreffenden Verwaltungsbeamten der Brandenburger Strafmfialt mit dem Ersuchen zu wenden, unter thunlichster Berückficktigung der betr-ffenden ihm zuge- sandten Arbeitt preistarife seine Forderungen an die genannte Firma so zu normiren, daß die dem freien Arbeitsmarkte aus der Konkurrenz der Gcfangenenarbeit erwachsende Benachthei- ligung fich möglist wenig fühlbar mache. Andererseits hat die Lohnkommisfion gleichzeitig an die hiefigen Kaufleute resp. Engros-Kunden für die dabei in Betracht kommenden Waaren ein Zirkular erlassen, welcbes fie über die mangelhafte Beschaf- fenheit jener im ZuckthauS gefertigten Artikel eingehend und auf Grund fachmännischer praktischer Erfahrungen gründlich belehren wird. In der fich hieran anschließenden Debatte sprachen fich besonders die Henen Plötz und Rohmann ganz in demselben Sinne aus, wobei fie ihr Urtheil über jenen Schritt der Firma Zertzmayer und Brandeis unter allgemeiner Zustimmung dahin abgaben, daß derselbe nur als der letzte verzweifelte Rettungsversuch anzusehen sei, welcher jedoch bedauerlicher Weise nur zu ihrem Ruin führen müsse. Allgemein wurde das Verhalten der neuen zwei„Werkmeister" für Zuchthausarbeit, die nur der ihnen versprochene resp. vor- läufig gewährte hohe Lobn dazu verleitet hat, streng getadelt und der demnächst zur Diskusfion gelangende Antrag auf ihren Ausschluß aus dem Unterstützungsverein gestellt. Hieran schloß fich dann die Erledigung verschiedener innerer, auf dre Redaltion deS hiefigen Buchbinder- k. Fachorgans bezüglicher Angelegenheiten, wobei dem derzeitigen Redakteur desselben, Herrn Jahn, die von ihm verlangte Geldentschädigung mit schwacher Majorität bewilligt wurde. Die Abrechnung über daS Stiftungsfest wurde wegen zu vorgerückter Zeit vertagt und dafür zur Erledigung des Fragekastens und verschiedener anderer interner Angelegenheiten geschritten. Schließlich forderte der Vorfitzende energisch zu weilerer Vornahme der Wahl von Vertrauensmännern in allen Weikstuben und Fabriken auf. -e. Die erste ordentliche Generalversammlung d«S „Bezirks-Vereins der arbeitenden Bevölkerung des S.-W. Berlins", die am Montag in Rieft'S Salon, Kommandanten- straße, stattfand, beschäftigte fich, nachdem die Versammlung den Bericht der Kassenreoisoren, sowie den JabreSbericht entgegen- genommen hatte, mit der Neuwahl des.Vorstandes. Hierbei wurde Herr Oskar Krohm zum 1. Vorfitzcnden und Herr Schieske zum 2. Vorfitzenden gewählt. Zu Kasfirern wurden die Henen Kroll und Hoffmann gewählt. Zu Beifiyern beschied die Versammlung die Henen Lewit, W. Huste, Greiffenbcrg, Besoll, C. Kuske, Ertel und Seidel.— Einer eingehenden Besprechung wurde sodann die Feier deS EtsstungsfesteS unterzogen und beschloffen, am Eonnabend, den 10. Januar, ein gemüthlichcs Familien-Zusammensein zu anangiren. Das zu diesem Zweck gewählte Komitee bat auch bereits in der gestrigen Nummer des„Bnl. Volksblatts" den Mitgliedern das Lokal, in welchem dieses Familienfest stattfinden soll, bekannt gegeben, und bleibt nur zu wünschen, daß die Mitglieder mit ihren Freunden und Bekannten fich recht zahlreich daran betheiligen mögen. Die örteliche Verwaltung der Zentral-Kranken« ms Sterbekasse der Maler und verw. Berufsgenoffen(E- H) iw dert hiermit alle diejenigen auf, welche im Besttz von olia Etatuten- Quittungsbüchern und Jnterims-Echeinen find, 5» selben so schnell wie möglich gegen Quittun-'sdüchcr der Z» tral-Kaffe umzutauschen; bis zum 14. Januar muß diese A» gelegenheit geregelt sein. Die Kassenstunden finden wochentas von 6—8 Uhr Abends und Sonntags von 9—1 Uhr Vorm» tags Alte Jakobstr. 83 bei Reyer statt. Gleichzeitig mach» wir darauf aufmerksam, daß am 14. Januar, Abends 8 Utz in dem obengenannten Lokal eine Mitglieder- Versammluq stattfindet. Tagesordnung: Statutenberathung und Verscbil denes.— Nach der Versammlungseröffnung werden kei» Bücher resp. Karten umgetauscht. Schlosser und Berufsgenoffen. Montag, den 12. d. Ä Abends 8% Uhr, findet im Lokal Anncnstr. 16, eine Versamv lung der Werkstatt-Delegirten statt. Tagesordnung: 1. Jähret bericht, sowie Bericht der Revisoren. 2. Allgemeine VorschlÄ» zur Hebung unserer Lage. 3. Verschiedenes. Die Kollegen>1 solchen Werkstätten, welche noch keine Delegirten gewählt habe» werden dringend ei sucht, unverzüglich solche zu wäblen u»> dieselben beim Vorfitzenden der Lohnkommisfion, Hrn. C. Mielh anzumelden. Am Sonntag, den 11. Januar, findet die erste diesO rige Hauptversammlung der Mitglieder der Zentral Kranken- uit Begräbnißkaffe der Buchbinder(E. H.-K., stehe Inserat) stick Der wichtigen Tagesordnung wegen ersucht der Vorstand bi Mitglieder, recht zahl- eich und pünktlich zu erscheinen. Es lil in dem Interesse eines jeden Einzelnen, nur Mannt- in den V stand zu wählen, welche voll undganzdie Interessen derMitgliek wie der freien Hilfekaffen vertreten. Auch ersucht der Vorstw da nur gegen Vorzeigung des Quittungsbuches der Einti stattfindet, die neu eingetretenen Mitalieder, fich dieselben bi spätestens Sonnabend Abends 8 Uhr Alle Jakobstraße 120 al holen zu wollen. Der Fachverein der Möbelpolirer(für Kaffenmbei hält am Sonntag, den 11. Januar 1885, Vormittags 10'/- U! im Saale deS Herrn Seeger, Grüner Weg 29, seine M aliederoersammlung ab. Tagesordnung: 1. die Nothwendi feit der Minimaltarife, Referent: Herr Gustav Rövel; 2. Sil träge zur Statutenänderung; 3. Verschiedenes und F-agekaste Ausgabe der Billcts zum Maskenball. Neue Mitglied werden aufgenommen. Vermiscktes. Ein wunderlicher Borgang spielte fich am Sonntai den 4. d., in der Kirche zu Schönwalde ab. Es solte ein Track alt vorgenommen werden. Das Brautpaar hatte vom Prebigs des Ortes die Genehmigung nachgesucht und erhalten, daß a» statt des Orgelspiels Gesänge des Schönwalver Gesangvereick die Frier einleiten und schließen sollten. Als alles vor des Altäre versammelt war, lichtete der Prediger, wie wenigsteck unsere Gewährsmänner berichten, an den Bräutigam die Frack ob er bei seinem Wunsche, den Gesangverein zu hören, b.'harlt Der Gefragte bejabte und nun sollte das EingangSIied a» gestimmt werden. Da trat der Lehrer auf die Vercinsmitgltz der zu und äußerte, fie dürften nur fingen, wenn fie ihm Dirigiren überließen: denn als Organisten stehe ihm in* Kirche die Leitung einer solchen gesanglichen Aufführung ck Darob entstand unter den Anwesenden eine Bewegung so t# ruhig, wie fie in den h-iligen Hallen jener Dorfkirche wohl n»» nicht dagewesen ist. Die Aufregung legte fich erst, alS � Prediger Ruhe gebot. Und nun ging die kirchliche Traualst ohne Sang und Klang vor fich. Der Lehrer war ftüher gent des Vereins.(A. f. d. H.) Gemeinnütziges. Brnstelexir. Bei der jetzigen rauhen Jahreszeit unv de« dadurch häufig hervorgerufenen Affeltionen der Lustwege* dürfte es angezeigt sein, ein Rezept hier zu geben, won»» man obiges sehr wirksame Biustelixir zusammensetzen kani» Man mische zu diesem Zwecke 2 Gr. Lakritzensast, der in 6#' Fenchelwasser gelöst wurde, mit 2 Gr. anishaltiger Ammonia" flüsfigkeit. Diese Zusammenstellung ist sehr gut und seines Zwecken besonders dienlich. Theater. «Snigltcke« Overuhan«: Heute: Meffandro Stradella._ Heute: Königliche»«chausvielhan»: Emilia Galotti. Deutsches Theater: Heute: Die Neuvermählten. Flattersucht.__ Brüealltance-Theater: Heute: Der Raub der Sablnerinnen, Schwank in 4 Akten _ von Franz und Paul Schönthan. Itttt*« Kriedrich.«ilhelurstädttfche» Ttzeater: Heute: GaSparone. ' Ceniral-Theater; Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heut«: Der Walzer-König._ «estdenz-Theater: Direktion Anton Anno. Heute: Othello.__ Walhalla-Operetten-Theater: Heute geschloffen. ««»tstuktttttsche» Theater: Heute: Der Millionen-Barbier. Osteud-Tbeater: Heute: Der Prinz von Monte Fiasco. Wallner-Theater: Heute: Die goldene Spinne._ Viktoria-Theater: Heute: Sulfurina. Alhambra Theater. Heute: Die Galloschm deS Glücks. Arbeitsmarkt. Ein anständiges Mädchen sucht eine Aufwartestelle für den ganzen Tag. 87_ Waldemarstr. 35 a. Entresol bei Frau Graßmann. Ein anständiges Mädchen sucht Aufwartestelle für Nachm. 29 Neanderstr. 21, Hof im Keller. Fachverein der Metall-Arbeiter in Gas-, Waffer- u. Dampf-Armaturen. Sonnabend, 10. Januar, Abends 8 Uhr, Kam- rnandantenstr. 77—79, M t ei Tages- Ordnung: 1. Der stattgehabte Kongreß, dessen Be- schlüffe, und wie verhalten wir uns dem gegenüber? 2. Ab- rechnung vom letzten Vergnügen. 3. Verschiedenes und Frage- kasten. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird ersucht. 35 Der Vorstand. Preußische Loose: 16.|Än93an. -— Original � 350 Mark, � 154 Mark, � 72 Mark. Antheile� 30 Mk., V 15 Mk.,% 7,50 Mk.,% 4Mk. frAhv 1 Geschäft Friedrichstraße 6lf Telephon 480. riOlCliaiaL ueui., 2>f Königstr. 1, Ecke Burgstr.„ 315& General Versammlung. d. Fachvereins für Schlosser u. Berufsg- Eonnabend, d. 10. Januar, Abends 8V1 Uhr, in Gttf weil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1. Jahresbericht, Kaffenrevifionsberi» 2. Vorstandswahl und Kassenrevisorenwahl. 3. Aufnäht neuer Mitglieder. 4. Bericht des Delegirten vom Kongretz 5. Verlesung der Antwort des Kriegsministers auf die Eingan vom November v. I. 6. Verschiedenes und Fragekasten. j 33 Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Der Vorstand, j Fachvelein d. Nähmaschinenarbeitet und Berufsgenoffen. Sonnabend, d. 10. d. M, Abends 8Vi Uhr, in Feuck' stein's Restaurant, Alte Jakobstr. 75, Central-Kranke»' n. Dezräblitzkaffe der Kilchdinder und verwandten Geschäftszweige> "'""~'»ge» bestebende Schneider- Werkst, f. Reo a. Herren-Gard., Rein.„. o. Wenden. Knaden-Anz., a. a. Alt.(g. vass.) zu dek. solides Preisen. Bei Zusendung d. Adr. w. d. Zeug abg. u. pünw' abgeliefert. 36 Hinkeldeh. Muskaunstt. 50 v. Kellers Soeben erschienen- Der gesetzt. MarimalarbeitstaS und seine Wilhelm Liefländer. Preis 15 Pfg. � Zu beziehen durch die Expedition deS„Berl. VolkSbla«. Zimmerstraße 44.__ � e d e u t u n g für die Arbeiter., Von 16*� Kleine und große Vereinszimmer auch Sonntags zu haben. Mauerstratze 86. 11304] Verantwortlicher Redakteur«. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. I