Nr. 9. Sonntag, U. Januar 1885. n. Jahrg. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliue« BoWblatt"., «scheint täglich Morgens außer»ach Saas*«ab Festtages. AboauementipreiS für Berti» frei ia's Haus vierteljährlich 4 Mar!, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Gingel«? Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. lEmgetraqe« in b« PostgeiwnzSvreiSliste für 1885 unter Rr. 746.) Z«sertioa«gedühr beträgt für die 8 gefpalteas Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate»erde« bi« 4 Uhr Nachmittag» m der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. HieöaKtton un» H«peöition Nerlin 8W� Mmmerstraße 44. W Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Theil des fesselnden Romans„Ge- sucht und gefunden" gegen Borzetgung resp. Einsendung der Abonnements- Quittung in unserer Expedition, Zimmerstraße 44, in einem Separatabzuge gratis und franko nachgeliefert. In gleicher W-tse werden die bisher erschienenen Nummern des„JllnstrirteS Sonntags- blatt" verabfolgt._ Der französische Kriegsminister. Herr Campenon hat seinen Rücktritt genommen, resp. nehmen müssen, weil er keine Verstärkungen nach Tong- kmg schicken wollte. Wenn dieser Offizier einige Monate ftüher so weise gewesen wäre, so hätte viel unnütz vergösse- nes Blut vielleicht erspart bleiben können, denn das mußte sich Jedermann sagen, daß die geringe Truppenmacht, die jetzt gegen die Chinesen im Felde steht, über die Chmesen obzusiegen nicht im Stande sein werde. Herr Campenon, der absolut dagegen ist, größere Truppenmassen nach China abzusenden, hätte also gleich von Anfang sich widersetzen müssen, als man den Krieg mit den Chinesen ohne Kriegs- erklärung vom Zaune brach. Militärische Romantiker, die in Frankreich gar keine Seltenheit sind und von Gambetta seinerzeit noch ganz be- sonders gehätschelt wurden, hatten sich wahrscheinlich in die Täuschung gewiegt, ein Krieg mit China bedeute einen „SiegeSzug" wie im Jahre 1860, als eine kleine Armne von Engländern und Franzosen nach Peking vordrang. Da- mals besetzten die Franzosen mit leichter Mühe den präch- tigen Sommerpalast des Kaisers von China, plünderten ihn aus und steckten ihn in Brand. Der Führer dieser famosen „Aktion", Cousin de Montauban später Graf Palikao, un- rühmlichen Angedenken», verband so die kriegerische„Roman- tik" mit einer an Quantität und Qualität äußerst reichhal- tigen Beute und es mag auch diesmal bei den Franzosen Leute gegeben haben, die auf leichte Beute und leichten Ruhm hofften. Sie vergaßen nur die Kleinigkeit, daß sich in China inzwischen sehr Vieles geändert hat. Damals be- trug die chinesische Armee, so weit man sie als regulär be- zeichnen konnte, nur etwas über 100 000 Mann und war schlecht disziplinirt, schlecht bewaffnet. Die Geschütze waren altmodisch und gegenüber der europäischen Artillerie kaum wirksam. Fast alle Schüsse gingen zu hoch, da es der Be- dievungSmannschaft auch an Hebung fehlte. Auch waren die Geschütze meist von schwerem Kaliber, so daß sie im Felde kaum verwendet werden konnten. Die Infanterie war mit schlechten und schwerfälligen Gewehren bewaffnet, die noch Luntenschlösser, theilweise auch Steinschlösser hatten. Ein Theil der Infanterie führte noch gar keine Feuerwaffen, sondern nur Pfeil und Bogen oder die Lanze und den Schild. Sogar hölzerne Kanonen wurden theilweise noch Alachdruck-nb-ten) 69 Gesucht und gefundeu. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.)_ Emmy trat so rasch ein, daß er eben nur«och Zeit hatte, einen soeben gesiegelten Brief unter einen Stoß Papier zu schieben. „Ach entschuldige, lieber Onkel, daß ich störe," sagte Emmy, indem sie sehr verlangende Blicke auf den Papierstoß warf, unter welchem, wie sie bemerkte, der Gegenstand lag, welchen ihr Onkel vor ihr verbergen wollte. „Du störst mich zwar, liebes Kind ," versetzte Amberg,„aber ich zürne Dir deswegen nicht, denn ich setze voraus, daß es etwas Wichtiges ist, das Diich zu einer so ungewöhnlichen Zeit zu mir führt." „In der That, lieber Onkel!" sagte Emmy, indem sie zärtlich einen Arm um seine Schulter legte, mit dem Ellenbogen de« andern Armes aber gleichsam un- willkürlich in dem Papierstoß wühlte, und die Manipula- tion so lange fortsetzte, bi« der darunter verborgene Ge- genstand zum Vorschein kam. Es war ein Geldbrief; denn derselbe trug fünf Siegel. Die Adresse lag unglücklicher Weise«ach unten; auch diese hätte Emmy gern gewußt, denn e« wäre sehr interessant gewesen, zu wissen, wohin ihr Onkel einen Geldbrief schickt, von dem sie nichts wissen durfte. „Denke Dir," sagte sie,„die Hälfte der Arbeiter hat stch heute nur bei der Heuernte eingefunden; die Anderen yttfcen theil» auf benachbarten Gütern Arbeit gesucht, theil» oeadsichti�en sie, überhaupt auszuwandern, wie der Herr , arder Charlotten gesagt hat." •-r/*8'f* ärgerlich," erwiderte Amberg.„Sollte man ?. �enöthigt sein, während der Zeit, da man um Ar- beiter Roth hm. höhere Löhne zu zahlen?" , fx"®rre.5,°UptJat$e'st nur," fuhr Emmy fort,„daß wir so schnell wie möglich Arbeiter schaffen, denn wie Char- tvtte sagt, kann die Heuernte nicht warten, sondern muß in Anwendung gebracht. Die großen tartarischen Reiter- schwärme, welche die chinesische Armee begleiteten, waren ohne alle Uebung und konnten mit leichter Mühe gesprengt werden. Allein seitdem sind 24 Jahre verstrichen nnd die Chi- nesen haben diese Zeit benutzt, um ihre Armee vollständig nach europäischem Muster einzurichten. Geschütze und Hand- feuerwaffen können sich nicht in allen Fällen mit der Be- waffnung der Franzosen messen, allein das frühere Verhält- niß ist verschwunden, die Franzosen befinden sich einer wohl diSziplinirten und bewaffneten äußerst zahlreichen Armee gegenüber, die sicherlich auch eine Anzahl Europäer zu Of- sizieren hat, da militärische Abenteurer aus Europa immer zu haben sind. Wenn erst die Franzosen den Krieg auf daS chinesische Gebiet hinüberspielen werden, so dürften sie kennen lernen, daß China doch nicht so schlecht gerüstet ist, als man vielfach geglaubt hat. Der gegenwärtige Kampf in Tongking scheint uns ohnehin nur ein Vorspiel zu sein. Die Entschließungen des französischen KriegSministerS sind in dieser Zeit von ungemeiner Wichtigkeit und Trag- weite, vielleicht theilweise entscheidend für die Zukunft der Republik. Dre Republik begeht denselben Fehler, wie der BonapartismuS; sie sucht ihre Stärke in kriegerischem Ruhm und militärischer Macht, nicht bedenkend, daß der geringste Mißerfolg verhängnißvoll werden kann, wenn man sich so ganz auf kriegerische Erfolge verläßt. Und nun verwickelt sich die Republtck in einen gefährlichen und kostspieligen Krieg in einem fernen Lande. Man hat gesagt, es seien 50 000 Mann erforderlich, um die Affair e in Tongking sieg- reich zu beenden. Wenn sich die Chinesen mit mehr Macht auf Tongking stürzen, so wird denn doch eine etwa» größere Macht erforderlich sein, denn diese. Bis jetzt sieht es auch gar nicht aus, al» ob die französischen Waffen den chine- fischen besonders überlegen wären. Die Generale melden zwar fortwährend errungene Vortheile, aber eS scheint damit recht windig auszusehen und zu einer großen Schlacht ist es noch nicht gekommen. Dazu wird Niemand behaupten wollen, daß die Heldenthaten der französischen Flotte auf dem Minflusse gerade besonders viel Muth oder Geschicklich- keit erforderten. Wie sich die Franzosen aus dieser Affaire wieder heraus- wickeln werden— wer mag heute darüber etwas sagen? Allein welch ein Leichtsinn, bei der wachsenden Zerrüttung der Fiaanzkräfte des Landes die Republik in einen so ge- fährlichen Krieg zu stürzen! Braucht der neue Herr Kriegsminister Glowe für seine Person oder braucht er sie für Frankreich? In jedem Fall ist's vom Uebel und das französische Voll muß dafür be- zahlen. Es ist richtig, daß dieses in seinen veralteten Kultur- in einigen Tagen beendet sein.... Woher bekommt man nur in solcher Eile die nöthigen Arbeiter?... Soll ich Härder sagen, daß er die Leute zu den alten Lohnsätzen arbeiten läßt?" „Sage ihm, daß er die Löhne etwas erhöht, nicht ganz die alten Sätze... Wozu soll man den Leuten mehr bieten als gerade nöthig ist, um sie sich zu erhalten? Wenn die Ernte vorbei ist, natürlich dann wird die Zulage ihnen sofort wieder abgezogen; dann mögen sie gehen, wohin sie wollen, denn alsdann kann man sich mit geringeren Arbeitskräften behelfen." „Gut, ich werde das Härder sagen!" „Der Alte weiß doch nicht etwa davon?" „Ich denke nicht, Onkel, ich habe ihm wenigstens nichts gesagt." „Bei Leibe nicht, mein Kind. Dem Alten muß e» durchaus verschwiegen bleiben, daß wir auf seinen Gütern Ersparnisse eingeführt haben, denn nach seinen Anschau- ungen ist es nicht nöthig zu sparen; er sucht eine« gewissen Stolz darin, seine Arbeiter besser zu stellen als irgend einer seiner Rachbarn es thut." „Es bedarf Deiner Erinnerung nicht, Onkel... Meinst Du, ich könnte mir nicht selbst sagen, daß Onkel Roden- bürg, wenn er davon erführe, uns einen Vorwurf daraus machen würde?" „Nun fteilich, ich weiß, daß ich mich auf Dich ver- lassen kann. Du bist ein kluges Mädchen, Emmy!" Das kluge Mädchen hatte bei diesem Diskurse den Geldbrief nicht aus den Augen verloren, und es war ihr in der That jetzt geglückt, durch ein Manöver mit dem Ellen- bogen denselben umzuwenden und die Adresse ihres früheren Dienstmädchens Lisette zu entziffern, welche, wie sie aus der Adresse sah, sich jetzt in Berlin aufhielt. Indem sie sich plötzlich erhob, lag nun der Brief offen da. Amberg erschrak und griff hastig danach., � � „Was?" fragte Emmy verwundert,„Du schickst Geld an Lisette nach Berlin?" „Nun ja, ich unterstütze sie.... Du weißt, sie hat uns treu gedient... Aber ich bitte Dich, Emmy, sprich nichts davon zur Mutter oder sonst Jemand. Du bist ein formen erstarrte China der Neuerungen bedarf, um ei« lebensfähiges Gemeinwesen zu werden; es ist richtig, daß das Elend der 400 Mill. Chinesen zum Himmel schreit. ES mag auch sein, daß eS gut ist, wenn die Anregung zu Neuerungen von Außen hineingetragen wird, da den Chinesen die Initiative fehlt, allein ist damit auch bewiesen, daß der Weg, den die Franzosen eingeschlagen haben, der rich- tige ist? Der französische Kriegsminister hat schwerlich eine Kulturaufgabe zu erfüllen; er will den„oberen Zehntausend" in Frankreich neue Spekulationsgebiete eröffnen. Und dazu sollte ihm denn doch Gut und Blut des französischen Volkes zu kostbar sein! IolitiKcke Mebersickt. In Kamerun ist eS bereits zum Blutvergießen gekommen; nach einer Deoesche haben die deutschen Krieg?- schiffe„Bismarck" und„Olga", unter dem Kommando des Kontreadmirals Knarr, am 20., 21. und 22. Dezember aufrührerische Negerp arteten in Kamerun mit Waffengewalt niedergeschlagen. Mehrers 5)äuptlinge und eine größere Zahl ihrer Krie- ger sind gefallen, vertrieben oder gefangen, Ortschaften vernichtet.— Hinzugefügt wird noch: Unter schwieligen klimatischen und Terratn-Verhältnissen Haltung der Truppe vorzüglich. Diesseitige Verluste:„Olga" — Matrose Bugge tobt; vier schwer, vier leicht verwundet; unter letzteren Unterlieutcnant von Ccnsthausen. Autorität der Flagge und Ruhe am Ort wieder hergestellt. DaS Telegramm ist knapp und nach militärischem Stiel abgefaßt, eS enthält wenige Worte; aber diese wenigen Worte sind so schwerwiegender Natur, daß wir nicht umhin können, einige Schlußfolgerungen aus denselben zu ziehen.— Wir haben in unserem Blatte oft genug auf die Konsequenzen, welche sich aus der Gründung überseeischer Kolonien, resp. der Protektoratsei klärung über ferne Länder ergeben, hingewiesen, es war kein besonderer Scharfblick erforderlich, um derartige Katastrophen vorauszusehen. DaS Drama, welches sich nach obiger Nachricht kurz vor den Weihnachtsfeiertagen auf dem schwarzen Kontinent abspielte, wird aller Wahrschernlichkeit nach viele seines Gleichen im Gefolge haben; denn wir befinden unS erst im Anfange stadium einer Kolonialpolitik. Wer kann daran zweifeln? Ein Blick auf das kolonienreiche England spricht deutlich genug; die Geschichte dieses Landes ist gleichsam ein fortwährender Kampf um die Erhaltung resp. Oberhoheit Über die Kolonien. Und wenn auch Deutsch« land nicht in dem Maße nach überseeischen Besitzungen streben wird und kann, wie England, so wird es trotzdem von Kämpfen um die Erhaltung setner Autorität über die unter sein Protek- torat genommenen überseeischen Ländern nicht verschont bleiben. Aber nicht nur Kämpfe stehen uns bevor; überseeische Besttzun- gen erfordern nock andere Opfer. Eine gelegentliche sogenannte Züchtigung der Eingeborenen wird den geforderten Respekt nicht hervorbringen; vor der dreifarbig gestrichenen Fahnen« kluges Mädchen und wirst begreifen, wenn meine Gut« müthigkeit bekannt würde, man Mißtrauen gegen mich hegen würde... man soll Wohlthaten nicht an die große Glocke hängen." Emmy lachte laut auf. „Wohlthaten? Onkel!... Mir brauchst Du dergleichen nicht zu sagen, ich kenne Dein wohlthätiges Herz besser... Ich werde schweigen, Onkel, natürlich; aber ich erwarte, daß Du erkenntlich bist." „Natürlich, mein Kind! Wenn wir unseren Zweck erreicht haben, Emmy, sollst Du von dem Gewinn den Löwenantherl haben, das verspreche ich Dir mit Wort und Hand." „Gut, Onkel! Ich werde Dich daran erinnern.— Aber gefallen will mir's doch nicht, daß, während wir hier sparen, um unsere Erbschaft zu vergrößern. Du ande- reiseitS so verschwenderisch Wohlthaten spendest; den« die Summe, welche Du nach Berlin schickst, ist in der That eine bedeutende." „Nun wohl, ich denke, daß wir sehr bald in der Lage sein werden, dergleichen für Kleinigkeiten zu halten, Emmy, sonst würde ich mich zu solcher Verschwendung nicht be- stimmen lassen.— Geh', mein Kind, gieb Härder Deine Instruktion in Bezug auf die Löhne, damit diese ärgerliche Angelegenheit erledigt wird, noch bevor sie dem Alten zu Ohren kommt; es wäre in der That sehr verdrießlich, wenn er davon wüßte." „O, da können wir ruhig sein. Wer sollte ihm davon etwa? sagen? Wir haben ja jetzt keinen Feind mehr hier; Alles, was irgendwie mit Rodenburg in �Verbindung steht, gehört zu unseren Freunden.". „Das ist wahr, und das ist ein Glück für uns, liebe Emmy!" Es war aber eine Täuschung, daß Emmy glaubte, es fände sich Niemand, der Herrn Rodenburg von den jüng- sten Vorgängen in Feldau Mittheilung machte. In dem- selben Augenblicke, in welchem Amberg mit seiner Nichte über diese Dinge sprach, wurde auch in Rodenburg'S Zimmer von denselben gesprochen. stange empfindet der freie Eobn Afrikas keine besondere Ehr- furcht und sobald die Kriegsschiffe das Gestade verlaffen baben, wird der Eingeborene fich wenig darum lümmern, ob die Fahnenstange[dasteht oder nicht.— Ueder kurz oder lang werden daher militärische Kräfte dauernd Station in jenen Ländern nehmen müssen, eine kleinere oder größere Kolonialarmee wird erforderlich sein, und daS deutsche Volk wird zu den alten Lasten neue aufge- bürdet erhalten.— Und werden die Einnahmen aus diesen Länderflrichm ein Kompensations-Lbjekt bilven? Wir müssen das leider verneinen. Denn das, nas die Neger, was der Sohn des heißen Mittel- Afrika dedarf, ist zu geringfügig, es ist nicht der Rede werth. Heiterkeit hat es im deutschen Reichstage erregt, daß der Abgeordnete H a r t w i g den Negern Mundharmonikas und buntes Papirr verhandeln will; wenn das die einzigen Produkte find, welche dieselben konsumiren, dann ist unsere Anschauung nur zu gerechtfertigt.— Da das Klima fich für die deutsche Einwanderung nicht eignet, so blei- ben für den Handel nur die Bedürfnisse der Neger und die auf den großen Plantagen durch Negerardeit gewon- nenen Produkte übrig. Der Handel mit Plantagen-Pro- dukten dürfte für die Masse des deutschen Voltes kaum in Betracht kommen und somit kann von einem Segen auS dem Handel mit Mittcl-Afrika ernstlich kaum die Rede sein.— Und nun zum Schluß noch ein Wort über die stattgehabten Vorgänge in Kamerun. Wir wollen gerne glauben, daß die Nothwendigkeit zum Einschreiten gegen die Neger vorlag; allein nach dem Bericht zu urtheilm. find eine große Anzahl Menschen erschlagen und sogar Ortschaften vernichtet worden. Wäre es nicht möglich gewesen, den Negern Respekt einzu- flößen ohne die Vernichtung von Menschenleben und Ort- schaften? Eine derartige Vernichtung wirkt freilich abschreckend »nd es ist ja möglich, daß dadurch der beabfichtigte Zweck er- reicht wurde; allein der Neger hat noch viel Platz im Lande und wenn er von der Küste in daS Innere getrieben wird, so wird für den Handel erst recht nichts übrig bleiben.— Es liegt unS fern, ein cndgilliges Urtheil über diese Angelegen- Herr abzugeben; hoffentlich wird fich dieselbe derartig aufklären, daß der deutschen Kriegführung kein Vorwurf gemacht werden kann-. �. Eine Reorganisation des ReichsgefundheitSamteS steht anscheinend bevor; ein dahingehender Entwurf, welcher im Reichsamte des Innern ausgearbeitet wurde, liegt zur Zeit, wie der„Wiener medizinischen Zeitung" geschrieben wird, dem Reichskanzler vor. Unabhängig von den Vorschlägen des Reichsamtcs hat Geheimrath Koch, der die Leitung des Ge- sundheitsamtes interimistisch inne hat, auf Veranlassung des Fürsten Bismarck ein Memorandum über die bisherige Ent- wick'lung des Gesundheitsamtes und die Nothwendigkeit und den Modus seiner Reorganisation zusammengestellt. Die ge- plante Reform soll hauptsächlich darin bestehen, daß das Ge- sundheitsamt aufhöre, eine lediglich konsultative Behörde zu sein, sondern auch exekutive Befugnisse erhalte, indem ihm zu- nächst das Recht gegeben werde, aus eigener Initiative legis- lative Vorschläge auf hygienischem Gebiete zu machen. Ferner soll den, GesundheitSamte das Medizinal- und Vererinärwesen des Reiches biS zu einem gewissen Grade untergeordnet wer- den. Mit der Erweiterung der Befugnisse wird eine Vermeb- rung des Personals verbunden sein. Die Zahl der ordeni- liehen Mitglieder des Gesundheitsamtes soll unverändert blei- ben; hingegen sollen mehr Hilfskräfte als bisher herangezogen werden. Schließlich ist die Ausficht genommen, das Publik«- tionsorgan des Gesundheitsamtes wesentlich zu erweitern. Die überseeische Auswanderung Deutscher über die deutschen Häfen und Antwerpen betrug nach dem neuesten Monatshefte zur Statistik de? deutschen Reiches im Nooember 1884 5966 Personen gegen 8683 im November 1883. Im Jahre 1884 find bis inklusive Nooember ausgewandert 141 056 Personen, das find 21 021 Personen oder 12.9 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 1873. AuS Preußen find bis Ende November 1884 92070 Personen ausgewandert, das find 12077 weniger als im ganzen Jahre 1833. Die Auswanderung aus Wcstprcußen und Polen(13 771 beziehungsweise 13 310) hat diejenige des Jahres 1883 be.eits übertroffen. Bezüglich der monarchischen Spitze des Kongo- staates bringt die„Kreuz- Ztg." folgende, auscheinend wohl inspirirte, Auslassung:„Gegen die Einsetzung einer mon- archischen Spitze, wahrscheinlich eines Suzeräns über die Negerhäuptlinge, wird von keiner Seite ein Einspruch erboben, auch nicht von Frankreich und den Vcr- Staaten von Nordamerika. Die Souveränetät über das zentralafrikanische Gebiet ruht jetzt bei der Internationalen afrikanischen Gesellschaft, die fich mit sehr bedeutenden Mitteln und Anstrengungen die grundlegenden Rechte dort erworben hat. Der Gesellschaft allein liegt es ob, die ihr zustehende Souveränetät auf eine ihr genehme Person zu übertragen; auch denken die Mächte um so weniger daran, hiergegen Einspruch zu erheben, oder andere Vorschläge zu machen, als man schon im Voraus weiß, wohin die Souveränetät übertragen wird, und da es ficher ist, Es hatte Amberg nicht gelingen wollen, Herrn Ehrlich, den Schulmeister, von dem Schlosse fern zu halten. Der- selbe blieb nach wie vor ein gern gesehener Gast des alten Gutsherrn; ja zum stillen Aerger der Familie Amberg be- vorzugte er denselben sogar sichtlich uad empfing ihn stets mit ungeheuchelter Freude. Auch diesen Nachmittag war der alte Ehrlich auf ein Stündchen zum Besuch gekommen. Nachdem er dem alten Herrn sein aufrichtiges Bedauern ausgesprochen, daß seine Gemüthsstimmung immer noch nicht eine bessere sei, und ihm von Herzen gewünscht hatte, daß der Abend seines Lebens doch noch glücklicher und heiterer werden möge, als eS den Anschein habe, lenkte er da« Gespräch auf die jetzigen Zustände in Feldau. „Man sollte meinen, Herr Rodenburg," sagte er,„daß Sie nicht mehr so traurigen Gedanken nachhängen, da eS Ihnen doch jetzt an Zerstreuung und Gesellschaft nicht fehlt." „Meinen Kummer kann nicht« zerstreuen," antwortete Rodenburg,„ich muß mir Zwang anthun, nicht zu zeigen, daß mir jede Gesellschaft zuwider iß... Sie allein, lieber Ehrlich, machen eine Ausnahme und wenn auch Ihre Anwesenheit mich keinen Augenblick meinen Kummer vergessen läßt, so fühle ich doch, daß Sie ein Freund sind, der mein Herz versteht, und es gewährt mir eine Erleich- terung, mein mit Kummer belastetes Herz vor Ihnen aus- schütten zu können." „Es freut mich aufrichtig," Herr Rodenburg, daß Sie von der Herzlichkeit und Aufrichtigkeit meiner Theilnahme überzeugt sind. Ich bedauere nur, daß mir die Kunst der Rede mcht lo zu Gebote steht, um meine Trostgründe für Sie überzeugend zu machen; in dieser Beziehung ist sicherlich die Anwesenheit des Herrn Amberg von wohl- thuendem Einfluß." Rodenburg schüttelte den Kopf. „Ich bin meinem Freunde Amberg zu großem Danke verpflichtet; er opfert sich für mich förmlich auf. Wenn er nicht wäre, so würde ich ganz allein stehen und noch ge- nöthigt sein, mich um die mir widerwärtigen WirthschaftS- Angelegenheiten zu kümmern. Ich bin ihm dankbar daß die zu wählende Persönlichkeit allerseits genehm ist. Wer übrigens die Entstehung der Afrikanischen Gesellschaft zu Brüssel und ihre Weiterentwicklung als Kongo- Gesellschaft eingehender verfolgt hat, müßte fich von selbst sagen, daß der neue unabhängige Staat von Zentral- Afrika nur ein mon- archischer werden konnte; im anderen Falle würde seiner an- gemessenen Entwicklung Gefahr drohen. Die Einsetzung einer Regierung des Kongostaates durch die europäischen Mächte ist von keiner Seite beabfichtigt, auch denkt man, wie verlautet, hier an maßgebender Stelle nicht daran, auch dieses Gebiet zu berühren." Die Koste« für den Zollauschluß Altonas find auf 14 Millionen veranschlagt, welche bauptsächlich für Quai- magazine ausgegeben werden sollen. Man rechnet darauf, daß der preußische Staat der Stadt eine Beihilfe nach dem Maß- stabe der Reichsbeihilfe für Hamburg, also etwa sieben Mill. Mark, gewähren wird. In den betheiligtcn Ressorts der Staatsverwaltung ist man, wie offiziös geschrieben wird, mit der Prüfung der betreffenden Anträge nach ihrer technischen, wirthschaflltchen und finanziellen Seite um so angelegentlicher beschäftigt, als man fich der Ueberzeugung nicht verschließt, daß, wenn die beabfichtigten Neubauten zugleich mit denHam- burger Anlagen für den Verkehr bereit sein sollen, ohne Ver- zug damit vorgegangen werden muß. Zm Novemberheft zur Statistik des deutschen Reiches werden die.Hauptresuttate der Anbau st atil von 1883 veröffentlicht: Danach nehmen ein das Acker-, Garten- und Wein- bergsland 26311968 Helta-, die Wiesen 5 903 501 Hektar, die Weiden, Hutungen, das Oed- und Unland 5 041 083 Hektar, die Forsten und Holzungen 13 900 612 Hektar, die Haus- und Hofräume 447 815 Hektar, das Wcgland und Gewässer 2311 081 Hektar. Die bei dieser Erhebung ermittelte Gesammt- grundfläche beträgt somit 53 916060 Hektar. Bei der vorher- gehenden Ermittelung der Bodenbenutzung im Jahr 1878 war eine Gesammtgrundfläche von 53 876 892 Hektar berechnet, so daß die jetzt ermittelte Fläche um 39 168 Hektar größer ist. Dennoch dürfte auch diese neue Zahl zu niedrig sein, weil die zu Grunde gelegten Nachweise über die Kulturartm zum Theil älteren Katastern entnommen werden mußten. Wenigstens be- trägt nach einer anderweitigen genauen Feststellung von 1880 der Gesam mtflächenin halt des Reichs 54 052 180 Hektar, als? noch 36 120 Hektar mehr, als die Anbaustatistik von 1883 ergab. Nach letzterer hat sich daS Acker-, Garten- und Weinbergs- Land gegen 1880 um 188 452 Hektar vergrößert, ebenso das Forstland um 61756 Hettar, wogegen das Areal der Wiesen nur 4129 Hektar und das der übrigen Kategorien, die fich nicht trennen lassen, fum 196 563 Hektar abgenommen hat. Von dem Ackerland waren 15 823 967(1878 15 544809) Hektar mit Getreide- und Hülsefrüchten, 3 943 635(3 515 906) Hektar mit Hackfrüchten und Gemüsen, 332 315(416 724) Hektar mit Handelsgewächsen und 2 404 650(2442 351) Hektar mit Futterpflanzen bebaut, 1 490 029(1508918) Hektar waren Ackerweide und 1,846 800(2 308474) Hektar Brache. Die Getreide- und Hülsenfrüchte nahmen 1883 also 61.4 pCr der gesammten Ackerfläche ein gegen 60,3 pCt. im Jahre 1878, die Hackfrüchte und Gemüse 15,3 pCt. gegen 13,7 pCt. im Jahre 1878. Franc sei ch. Dem Vernehmen nach beabfichtigt der Kriegsminister Le- wal, die Wiederernennung des Generals Thibauvin zu einem aktiven Kommando zu veranlassen, und zwar soll Thibaudin das Kommando des 12. Armeekotps an Stelle des Generals Galliffet erhalten, welcher letztere dagegen daS 7. Korps in Besaneon übernimmt. Zwischen Lewa! und Galliffet besteht seit Langem eine tiefe Spannung.— Der Pariser Polizei- präfett, Herr CameScasse, hat fich zu einem mehrtägigen Auf- enthalt nach Landerneau begeben. Wie es heißt, wird er dem- nächst von seinem Posten scheiden. Als Grund dieser Demission wird einersetts angegeben, daß Herr Camescaffe sich bei dem Begräbniß der Frau Michel zu nachfichtig gezeigt habe; andererseits verlautet offiziös, die Regierung sei mit ihm un- zufrieden, weil er durch seine unentschlossene Haltung im Pariser Gemeindnath fich die Mehrheit dieser uliraradikalen Versammlung ganz und gar entfremdet hätte.— Wie bona» partistische Blätter melden, hat fich aus Anlaß der Wahlen von 1885 ein imperial i st isches Zentral-Komite gebildet. Präsident desselben ist der Herzog von Padua; dem Vorstande gehören ferner an der Senator Porriquet und die Deputirten Jolibois und Paul de Cassagnac. Großbritannien« Die bevorstehende Neuwahl eines Parlamentsmitgliedes für Tipperary in Irland scheint unter den Jrländcm eine arge Spaltung zu verursachen. Während die Mehrzahl der Wähler fich für Mr. O'Ryan erklärt, will der Führer der irischen Partei im Parlament, Parnell, ihnen einen anderen Kandidaten, Mr. O'Connor, aufdrängen. Das von Parnell beeinflußte„Frcmann's Journal" empfiehlt die Kandidatur O'Connor'S, der„Expreß" hingegen äußert fich dahin, daß Tipperary, nachdem es seine Wahl getroffen, fich nicht einer Tyrannei beugen dürfte, die alle öffentlichen Rechte und Pri« vilegien mit eisernem Griff zu fassen drohte. Und die„Jcish Times" fragen, ob Tipperary von Mr. Parnell eingeschüchtert und erkenne auch sein Streben an, mich zu erheitern und zu beruhigen; allein es ist ein Etwas, das mich mehr zu Ihnen zieht, lieber Ehrlich. Seit den vierzig Jahren, die wir hier an einem Orte zusammen Üben, habe ich keine treuere Seele gefunden, als Sie, und ich will nur wünschen, daß Sie mir erhalten bleiben bis zu meinem Ende, das mich endlich von schwerem Kummer be- freien wird. „Ich wünsche, Herr Rodenburg, daß ich da« nicht er- leben möge," antwortete Ehrlich sehr bewegt.„Ich glaube, es treten traurige Zustände in Feldau ein, wenn Ihre gütige Hand nicht mehr hier regiert. O. man fühlt es jetzt schon, daß Sie daS Regiment zum Theil aus der Hand gegeben haben." „Wie meinen Sie das, lieber Ehrlich?" „Ist es Ihnen nicht bekannt, Herr Rodenburg, daß Ihre Arbeiter, welche mit Liebe und Verehrung an Ihnen gehangen, nach und nach ihren Wohnort verlassen, um sich wo anders aazusiedeln, ja, daß sie zum Theil eine Zuflucht jenseits des Ozeans suchen?" „Was sagen Sie da?" „Ich meine, seit Herr Brand fort ist und die Arbeits- löhne geschmälert sind, sind die Leute zum Theil großer Roth preisgegeben. Ohne Zweifel hat Ihnen Herr Härder schon von seinen Verlegenheiten bei den jetzigen Feldarbeiten berichtet?" »Ich habe überhaupt diese Angelegenheit in die Hand meines Freundes Amberg gelegt; aber was Sie da sagen, interessirt mich sehr.... Die Arbeiter ziehen von Feldau fort, sagen Sie?" „Zum Theil ja!" bestätigte der alte Ehrlich. „Sie müssen sich irren, lieber Freund; jedenfalls hätte mir Amberg davcn gesagt." „Vielleicht Vergeßlichkeit des Herrn Amberg. vielleicht auch, daß er diesem Umstände kein großes Gewicht bei- legt.... Es sei fern von mir, hier vorgreifen zu wollen, und ich brtte, Herr Rodenburg, daß Sie auf diese meine Mittheilung nicht etwa den Verdacht gründen als hätte ich die jetzige Wirthschaft tadeln wollen." „Das wollen Sie gewiß nicht, denn so viel ich durch werden soll?— Nachträglich scheint fich jedoch die Siimv zu Gunsten Parnell's gewandt zu haben. Eine neuere" richt lautet: Zu der Konvention der Tipperary-Zweigv der irischen N a t i o n a l- L i g a. die vor einigen i in Thurles tagte, hatte fich auch Mr. Parnell eingefunden, i nach einer Unterredung desselben mit Mr. O'Ryan und de Erzbischof Crokc trat O'Ryan von der Kandidatur für dierl lamentarische Vertretung von Tiperary zurück, und O'Co der von Mr. Parnell empfohlene Kandidat, wurde non „Es ist Mr. Parnell gelungen, seine Autorität als Dikl der nationalen Wahlen zu behaupten", bemerkt hierzu' „Morning Post".— In Anerkennung seiner der irischen Sa geleisteten Dienste wurde gestern Mr. Healy in Carrickmacet von seinen Wählern ein Check im Betrage von 1000 Lst überreicht.— Großbritanniens Staatseinkünfte in d« Zeitraum vom 1. April bis 31. Dezember 1884 beliefen| einschließlich eines vorgetragenen Saldos von 5 632 569 L? auf 58 671 395 Lstrl. gegen 60366 698 Lrstl. im entsprechend Zeitraum deS vorhergehenden Finanzjahres, welches mit cd« Saldo von 6972730 Lstrl. begann. Die S taatsaui gaben in den verflossenen neun Monaten des laufen Finanzjahres beliefen fich auf 60 037 490 Lstrl.£ 60 628 503 Lstrl. in dem entsprechenden Zeitraum des jahres- Das Guthaben des Staatsschatzes in den Ba von England und Irland betrug am 31 Dezember 4749115 Lstrl. gegen 5 600339 Lstrl. am Ende I Jahres 1883. Asie«. Aus Japan wird gemeldet, daß in verschiedenen I zirken, und zwar besonders in Satsuma im südwestlichen Ttz deS Landes, ernste[Unruhen stattgefunden haben. Anfs Oktober verlangten die Bauem eine Frist zur Bezahlung Steuern, die fie wegen des Herabgehens der Reispreise n zahlen konnten. Da ihnen dies abgeschlagen wurde, versama ten fie fich am 31. Oktober auf ein gegebenes Zeichen an ei« bestimmten Orte und zogen gegen die benachbarten St! Ihre fort und fort anschwellenden Haufen drangen in Hauser der Reichen, verbrannten die Befltztitel derselben j bemächtigten fich alles dessen, was fie fortschleppen konst Diese Szenen dauerten mehrere Tage lang. Die gegen Aufständischen abgeschickten Truppen wurden von diesen kr. angegriffen und konnten nur mit Mühe den Kampfplatz haupten und später die Aufständischen verfolgen Die gierung hat nun den Präfekten befohlen, umständliche Bei über die gegenwärtige Lage des Äckerbaues einzusenden soll die Herabsetzung der Grundsteuer beschlossen haben. Australie«. Wie aus Melbourne vom 8. Dezember gemeldet i hat am 7. Dezemb-r daselbst unter dem Vorfitz des M> eine Kundgebung stattgefunden, woran fich etwa 4000 Peil betheiligten. Es wurde eine Resolution angenommen, t daS Verhallen Lord Derby's gegenüber den deutschen Be! greifungen veruithdlt, gleechzei'ig aber jedwede feindlicht finnung gegen Deutschland in Abrede stellt. Eine ander«! sammlung fand gestern in Ballarat statt, worin eine Resod beschloffen wurde, welche angestchts der zunehmenden~ b un gen der auswärtigen Mächte, die Australien benaci Inseln zu annekliren, erklärt, die Inseln seien die Er! Australiens. Amerika. St.John's(Neufundland). Eine aus Bay Robe... eingelaufene Depesche meldet, daß die Orangisten je»! Flaggen herabgezogen haben. Alsdann sangen sie die N«# dymne, waS von Seiten deS„TenedoS" durch Neigung.!? Flagge anerkannt wurde. Der„TenedoS" sowie die Wl Schauplatz der Ruhestörungen entsandte PoliiH«perOW' zurückberufen werden. Die Einwohner drücken über deren Absendung aus und erklären, daß fie nur ei»/ behaupteten und we it davon entfemt warm, Gewaltthä V zu verüben.__ Iommunaw. Aus der Magistratssitzung am Freitag. Der der städtischen Bauoerwaltung Abiheilung iL(Straßen« Brückenbauten) pro 1885/86 schließt in Einnahmt 3 746 503 M. und in Ausgabe mit 7 718224 M ab. ein Zuschuß von 3 971 716 M. erforderlich ist. In t nähme ist die von der Großm Berliner Pferdebahngel zu zahlende Abgabe mit 552000 M. in Ansatz gebracht, rcnd die Neue Berliner Pfervebahngesellichaft und die? fy lottenburaer Pferdebahn 30 000 refv. 20000 M. zu haben. Unter den extraordinärm Einnahmen find II M. aus der Anleihe von 1882 als zweite Rate für Vit breiterung der Neuen Friedrichstraße und Anlegung der � Wilhelmstraße unter Beseitigung der KöniqSmauer aiW Für die allgemeine Verwaltung find im Ordinarium � M. und für Neu- und Umpflasterungen 4473 200 M., ff Unterhaltung der Chauffeen und Wege 329 224 MJ Straßenbrunnen 30000 M., für Gcaniibahnen 1650# Herrn Amberg erfahren habe, ist Herr Härder ein tu? und zuverlässiger Beamter. Herr Amberg ist ja du? mit ihm zufrieden.... Ohne Zweifel sehen Sie a? schwarz, denn ich erinnere mich, daß Sie mit Bra«' freundet waren, und die Entfernung desselben hat jedenfalls etwas erbittert." »Ich gestehe, daß mich die Entfernung Brand'! trübt hat; und da ich weiß, daß Sie abstchtlich kein' gerechtigkeit begehm, so muß ich annehmen, daß? sich Ihr Mißfallen zugezogen hat, und daß seine' gerecht war." „Ohne Zweifel ist sie daS, lieber Ehrlich."„ „Ich will auch keine unberechtigte Kritik üben 0? jetzige Wirthschaft, es sei fern von mir; aber eins 0# Sie mir zu bemerken, es berührt einen Punkt, de' und meinen Beruf angeht.... Erlauben Sie Bitte an Sie zu richten?" „Reden Sie, lieber Ehrlich! Sie wissen,% Ihnen nie eine Bitte abgeschlagen habe. Sie düri? Gewährung auch jetzt von vorn herein versichert s� „Ihre Güte hat eine große Anzahl von Freist� der Schule eingerichtet." „Das war nothwendig, lieber Ehrlich; denn d>fl welche ohnehin schon mit Lebenssorgen zu känwsenj und zwar desto mehr, je zahlreicher sie mit Kind?? segnet sind, sollen nicht durch Armuth behindert r Kinder in die Schule zu schicken. Aach den Gelegenheit gegeben werden, Geist und Herz zu bO, „Ein Grundsatz, der Ihrem edlen Herzen(%z Herr Rodenburg, und Ihre Vorsorge für die fr! dieser Beziehung hat sich ja auch segensreich bewälri aber, da der größte Theil dieser Freistellen gestricht"., WaS sagen Sie, die Freistellen sind gestriche".; „Allerdings! Der neue Verwalter kündigte � u bei seinem Amtsantritt an, daß die für die Schule ß" Summe in Wegfall komme." nj »Ah, davon weiß ich in der That nichts l Aj unter keinen Umständen geschehen.... Wie Herr Härder zu dieser Maßregel, die ja eigentl'�. ü sein Ressort schlägt?"(F»� denen I hen Tt Anfo hlung >reise n vnsam» an ei« !N Sl« en in. elben> l(ond pfplatz Die he Be« mden ISN& nß '*3 Sie ii"1 ausgeworfen. Im Extraordinalium find als erste Rate für den Umbau d er Moltke-Brücke 20 000 M. und für die übrigen Brücken noch 655 000 M. ausgeworfen. In den öffentlichen Schlachthäusern des Zentral- Viehhofes find im Jahre 1884 51 815 Thiere geschlachtet worden; 8253 Rinder, 6303 Kälber. 9524 Schafe und 27 730 Schweine. Von letzteren waren 181 mit Finnen und 16 mit Trichinen dehaftet und mufften deshalb als zur menschlichen Nahrung ungeeignet vernichtet werten. Im Ganzen wurden als zur Nahrung ungeeignet 7 Rinder, 3 Kälber und 260 Schweine zu ückgewiesen und aufferdem noch 4029 einzelne Tbeile von Thier en, als Lungen, Lebern u. s. w. von den Thierärzten beanstandet. Die Interpellation m der Sradtverordncten-Versammlung an den Magistrat wegen der Einstellung des Baues der Markthallen wird der Magistrat eingehend schriftlich be« antworten, der Stadtverordneten- Versammlung die in dieser Angelegenheit mit dem Polizeipräsidium gepflogenen Verhandlungen zur Einstcht vorlegen und zugleich der Versammlung den Inhalt der zunächst beim Bezirks- Ausschuß anzustrengenden Klage gegen die Forderungen des Polizeipräsidiums Kcnntniß geben. Unter anderen Forderungen des Polizeipräsidiums, welche der Magistrat glaubt nicht erfüllen zu können und als durch die Verhältniffe nicht geboten hält, verlangt daffelbe z. B. bei jeder Markthalle die Anlage einer 9 Meter breiten Einfahrt. Der Magistrat hat beschloffen, bei der Stadtverordneten- Versammlung die Genehmigung zum Ausgebot der Gebäulich« leiten des alten Arbeitshauses auf dem Alexander- platz zum Abbruch einzuholen. Der dadurch frei werdende Platz ,oll bekanntlich zur Erbauung des neuen Polizeipräfidial- Gebäudes dienen._ K o k» l e s. t. Laut Bekanntmachung des Kgl. Eisenbahn» Be- triebsamtsafte Treppenbeleuchtung hat wie unS nachtraglich derichtet wird, vorgestern Abend im Hause Alte Jakobstraße 91, in demselben, in dem erst vor Kurzem ein Eteindrucker die Treppe herabgefallen, wiederum einen bedeu- tmden Unglücksfall herbeigeführt. Der in diesem Hause woh- nende Steindruckereibefitzer Alexander batte beim Nachhause- kommen das Unglück, auf der dunklen Treppe fehlzutreten und dieselbe herunterzustürzen. Er fiel so unglücklich, daß er fich, wie der hinzugerufene Arzt Dr. Bögehold konstatirte, eine Zerreißung zweier Sehnen im Arme zuzog. a. Die von uns bereits gekennzeichnete Schwindlerin, die angebliche Schutzmannefrau, welche in Geschäftslokalen und auf Wockenmärkten Waaren entnimmt, unter der Vorspiege- lung, daß ihr in der Nähe dienstlich beschäftigter Gatte den Kaufpreis zahlen werde, setzt ihre Betrügereien fort, ohne daß sie bisher angehalten worden. So war sie vor Kurzem am späten Abend in einem Passemcnterie-Geschäft der Lindenstcaße in der Begleitung eines kleinen Mädchens erschienen und batte von der Verkäuferin, der Inhaberin des Lavens, sich Perlen- besätze vorlegen laffen, von denen sie einen Besatz aussuchte, und welchen sie am folgenden Tage in der Begleitung ihres Gatten, angiblich eines in dem betrrffmden Revier beschäftigten Schutzmannes, holen wollte. Am folgenden Tage begegnete die Schwindlerin der Ladeninhaberin in der Jemlalemerstraße, und ohne diese anzureden, begab sich die Schwindlerin nach dem Paffementerieladen, in welchem fich der Ehemann der fort- gegangenen Ladeninhaberin befand. Zu diesem sagte die an- gebliche Schutzmannsftau, daß sie seine Frau in der Jerusa- lcmerstraße am Dönhofsplatz getroffen habe, welche ihm sagen ließe, er möchte ihr(der Betrügerin) das ganze Stück des von ihr ausgesuchten Perlenbesatzes geben und ihre Schneiderin würde davon so viel nehmen, als fie zu dem anzufertigenden Kleide gebrauchte und den Rest würde fie zugleich mit dem Preise für den entnommenen Theil zurückbringen. Der Mann schenkte der Betrügerin Glauben und gab ihr das ganze Stück des Besatzes, womit sie fich entfernte, ohne je wiederzukommen. Die junge, recht hübsche Betrügerin zeichnet sich besonders da- durch aus, daß fie recht viel und schnell spricht. a. Ein vielfach bestrafter Mensch hat Anfang November v. Js. einen messingenen Mörser und Mitte Dezember eine silberne Zulinder-Uhr mit Goldrand und Sekundenzeiger und langer ficherncr Kette und eine silberne Zylinder-Uhr ohne Goldrand, auf 8 Steinen gehend, mit Nr. 5551 und 1805, versetzt. Die Eigenthümer können sich auf dem Kriminal- kommiffariat melden. Ferner ist einer Frau als wahrscheinlich gestohlen eine goldene Damen-Zylinder-Uhr(Nr. 14283), welche auf der Rückseite eine emaillirte Rose mit Buntdruck hat, abgenommen worden, welche im Kriminal-Kommiffariat affervirt ist. g. Welche Gefahren für Schlittschuhläufer die überschwemmten und dann mit Eis bedeckten Wiesen bieten, erhellt aus folgendem uns mitgetheilten Fall: Mehrere Knaben amü- firtcn sich vorgestern auf den beim Tegeler See überfrorenen Wiesen mit Schlittschuhlaufen. Plötzlich erscholl ein lauter Schrei. Der lljährige Knabe Wilhelm Schenk, welcher nicht wußte, wo die Wiese aufhört und der See beginnt, weil die ganze Fläche mit Eis bedeckt ist, war zu weit vorgegangen und auf der nock zu schwachen Eisdecke des Tegeler Sees einge- brachen. Die übrigen Knaben eilten sofort hinzu und de- mühten fich mit eigener Lebensgefahr ihren Kameraden zu retten. Es gelang ihnen auch schließlich, denselben, jedoch be« reits bewußtlos, aus dem Wasser zu ziehen. Noch der elterlichen Wohnung gebracht, war esemem schnell herbeigerufenen Arzt nur noch möglich, den eingetretenen Tod des Knaben zu konstatiren. Ist eß Betrug oder Diebstahl, wenn jemand in einem Geschäft Einkäufe macht und dann an der Kasse, ohne zu zahlen, vorbeigeht und mit den eingekauften, unbezahlten Waaren das Weite sucht? Mit dieser Frage wird sich dem- nächst in letzter Instanz das Landgericht Beilin beschäftigen. Die Ehefrau eines Beamten hatte in einem Kolonialwaaren- geschäft für fünf Mark Einkäufe gemacht und mit den gekauften Waaren an der Kaffenlontrole sich glücklich durchgeschlichen. Der Streich war aber von einem Verkäufer im Geschäft be- merkt worden, welche der Betrügerin nacheilte, sie festnahm und nach dem Verkaufslokal zurückführte. Hier stellte sich her- aus, daß dieselbe nur 1 M. Geld bei sich führte und zweifellos also auf Betrügereien ausgegangen war. Die Frau wurde darauf zu einer achttägigen Gefängnißstrafe verurtheilt. Gegen diese schöffengerichtliche Entscheidung legte die Verurtheilt« Berufung ein und erzielte, daß die Berufungskammer die Angeklagte von der erhobenen Anklage des Betruges frei- sprach, fie dagegen wegen Diebstahls zu einer sechstägigen Ge- fängnißstrafe verurtheilte. Hiergegen legte nun wiederum der Staatsanwalt die Revision ein, die auch vom Revifions-Ge- richt für begründet erachtet wurde; denn dasselbe wies die Strafsache noch einmal an die Berufungskammer zurück, um wiederum festzustellen, ob Diebstahl oder Betrug hier vorliegt, welches nach Lage der Sache durch eine abermalige Beweis- aufnähme erst klargelegt werden muß. Projektirteß Repertoire der Königlichen Schauspiele. vom 11. Januar bis 18. Januar 1885. Im Opernhause. Sonntag den 11.: Tannhäuser(Herr Niemann); Montag den 12., zum ersten Male wiederholt: Der Trompeter von Säkkin- gen; Dienstag den 13.: Czaar und Zimmermann; Mittwoch den 14.: Die Entführung aus dem Serail; Donnerstag d. 15.: Aida(Herr Niemann); Freitag den 16.: Der Trompeter von Säkkingen; Sonnabend den 17.: Sardanapal; Sonntag den 18.; Aimide(Herr Niemann).— Im Schauspielhause. Sonntag den 11.: Hans Lange; Montag den 12., auf Begehren: Ein Schritt vom Wege; Dienstag den 13.: Narziß; Mittwoch den 14: Christoph Marlow; Donnerstag den 15.; zum 1. Male: Vier Temperamente, vorher: Lydia; Freitag den 16.: Nathan der Weise; Sonnabend den 17.: zum ersten Male wiederholt: Vier Temperamente, vorher: Lydia; Sonntag den 18.: Das Testament des großen Kurfürsten. Im„Deutschen Theater" gebt am Sonnabend, 17. d.M., das einaktige Lust'piel„Unter Brüdern" von Paul Heys« in Verbindung mit Jffland's„Die Hagestolzen" zum ersten Mal in Szene. Heute, Sonntag, findet die zweite Aufführung von „Der Weg zum Herzen" statt. Außer Wiederholungen dieses Stückes bringt das Repertoire dieser Woche noch Wieder- holungen von„Die Neuvermählten" und„Flattersucht",„Don Carlos" und„Die große Glocke". Belle-Allianee-Theater. Von heute ab tritt wieder Herr Guthrry in der von ihm kreirten Partie des Professors in dem Schwank„Der Raub der Sabinerinnen" auf. Es ist heute die 87. Aufführung desselben und ist an ein« Abänderung vorläufig nicht zu denken. Grnckts'Leitung. Ein Meineidß-Prozeß, dem ein ganzer Kriminal-Roman zu Grunde lag, kam gestern vor dem Schwurgericht am Land- gericht ll. zur Verhandlung. Angeklagt, in der Strafsache wider den Schlächtergesellen Eggeit wegen Körperverletzung vor dem Charlottenburger Schöffengericht in der Sitzung vom 13. Februar einen wissentlich falschen Eid geschworen zu haben, stand der Schlächtcrgeselle Friedrich Wilhelm Dörr vor dem Forum der Gerechtigkeit. Der Angeklagte, wegen Hausfriedens- druchs und Körperverletzung vorbestraft, ist ein finsterer, mit seinen von starken, schwarzen Brauen überschatteten, stechenden Augen tückisch und verbissen in die Welt schauender Mensch. Die Vorgeschichte des Prozesses geht so klar aus den eidlichen Aussagen der Hauptbetheiligten hervor, daß wir nur die Zeugen reden zu laffen brauchen. Der erste Zeuge ist, der„Ger.-Ztg." zufolge, Herr Rechtsanwalt tzadra. Derselbe sagt aus: Eggert sollte den Dörr, den heutigen Angeklagten, auf dem Charlottenburger Rennlatze überfallen und mit einem scharf- kantigen Schlüssel oder einem Messer— also einem gefährlichen Werkzeuge— verletzt haben und hatte deshalb auf An- trag des Verletzten eine Anklage wegen schwerer Körperver- letzung erhalten. Er bat mich um meine Vertretung in der Sache, legte mir Briefe verleumderischen Inhalts vor, die, mit einem fingirten Namen unterzeichnet, ihm zugegangen waren, und erklärte mir, daß er nur deshalb den Dörr geschlagen habe, weil er diesen für den Verfasser und Absender der Briefe hielt. Ich nahm die Vertretung an und stellte in der be« treffenden Verhandlung vor dem Schöffengericht den Antrag, daß der Vorfitzende den als Zeugen vernommenen Verletzten betragen möge, ob dieser die vorliegenden Briefe und Karten geschrieben oder veranlaßt habe, betonte aber dabei ausdrück« lich, daß der Zeuge diese Frage nicht zu beantworten brauche, sofern er glaube, fich durch eine wahrheitsgemäße Beant- wortung einer strafbaren Handlung zu bezichtigen. Der Vorsitzende machte dem Zeugen die Bedeutung der Frage gründ- lich Ilar; aber Zeuge blieb dabei, er habe die Korrespondenzen weder geschrieben noch veranlaßt. Das Schöffengericht schien selbst an der Richtigkeit dieser Antwort zu zweifeln; denn Eggert wurde unter Zubilligung mildernder Umstände nur zu 10 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Auf Antrag des Strafantrag- stellers, des Dörr, legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, und die Strafkammer erhöhte die Geldstrafe auf 50 Mk. Dieses Urlheil ist mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Prozeß noch nicht vollstreckt worden.— Herr Amtsrichter Vogtel als Vor- sitzender des Schöffengerichts bestätigte den Gang des Vor- Prozesses. Kriminal- Kommissar Frommer hat festgestellt, daß eine„Anna Möllmann, Walvemarstraße", deren Namen und Adresse stets unter den fragliwen Briefen und Karten stand, weder in der Waldemarstraße noch überhaupt in Berlin existirie; wohl aber hat eine„Anna Hallmann" in Berlin bei einem Schlächtermeister in Dienst gestanden, bei welchem zu derselben Zeit Eggert gearbeitet hatte. Diese„Anna Hallmann" defand sich aber zur Zeit der Briefschreiberet nicht in Berlin, sondern in ihrer Heimath.— Schlächtergeselle Eggert, der Hauptbetheiligte sagt folgendes aus: Ich arbeitete bis zum Jahre 1883 beim Schlächtermeister Opitz in Charlottenbura und war über 2V- Jahr in dieser Stellung. In demselben Geschäfte fun- girte die Schwester des Meisters, Martha Opitz, als Verkäuferin. Während der ganzen Arbeitszeit und auch später noch unter- hielt ich mit der Martha Opitz ein Liebesoerhältniß. Nach meinem Abgange trat Dörr in meine Stelle und versuchte, mir meine Braur abspenstig zu machen. Nachdem er ein paar Mal abgewiesen worden, empfing Martha Opitz nacheinander mehrere Briefe, in denen fie als luderliche Dirne, ich selbst aber als ein Mensch bezeichnet wurde, der ein armes Mädchen mit ihrem Kinde fitzen gelassen habe. Meine Braut übergab mir diese Briefe, vre aber ohne Unterschrift waren; ich zeigte sie einem Kriminal-Kommissar, und dieser ver- brannte die seiner Meinung nach nutzlosen Briefe wegen ibres unflätigen Inhaltes. Bald darauf erhielt ich mehrere Briefe und Karten, in denen mich eine mir unbekannte „Anna Möllmann" mahnte, für ein angeblich von mir stam- inendes Kind zu sorgen. Zuletzt erhielt mein Meister einen Brief, in welchem die„Anna Möllmann" mitiheilte, daß ich sie wegen Mangels an Geld allabendlich nach dem Schlacht- Hause bestellt, wo ich ihr Fleischwaaren geben wollte. Sie möge aber auf diese Spitzbüberei nicht eingehen und zeige dies daher dem Meister an. Wir hatten bald den Verdacht, daß Dörr die Briefe geschrieben habe; denn man hatte ihn nicht allein oft heimlich schreiben sehen, sondern auch jedesmal, wenn er in Berlrn gewesen war, erhielt ich tags darauf einen Brief; war er Sonntags in Berlin, bekam ich den Brief Moirtags, und war er Montags in Berlin, bekam ich den Brief Dienstags. Außerdem hat er mich durch Kinder und Erwachsene auf Schritt und Tritt beobachten lassen. Ich wollte ihn schließlich wegen Beleidigung verklagen; aber Dörr kam nicht zum Sühneiermin, und als ich alsdann die Briefe einem Kriminal- Kommissar übergab, rieih er mir, das Klagen sein zu lassen und lieber dem Dörr einmal ordentlich das Leder zu gerben. Das habe ich auch gethan und bin dafür bestraft worden.— Ganz konform lautet die Aussage der Martha Opitz, aus deren Bekundungen überdies hervorgeht, daß sie aus A rger über den Inhalt der Briefe am Typhus er- krankte und nach längerer Krankheit die Stellung bei ihrem Bruder aufgeben mußte, um in der Heimath Erholung zu suchen. Sprach bis hierher schon eine Menge Indizien für die Schuld des Angeklagten, so lautete das Gutachten des Schreib- sachverständigen geradezu vernichtend. Herr Kanzleirath Riegel, der als solcher die Schriftproben mit den Briefen und Karten verglichen, bezeichnete den Angeklagten als einen schriftgewandten Menschen Vor dem Polizei-Kommiffar habe er in mehreren Folioseiten fünf verschiedenen Schreibweisen zu Tage gefördert; erst vor dem Untersuchungsrichter habe er in einer zwei Bogen starken Schriftprobe seine eigentliche Handschrift festgehalten, und diese stimme in charakteristischen Merkmalen, besonders aber in der Orthographie mit den inkriminirten Korrespondenzen überraschend überein..Staatsanwalt Harker konnte daher mit guten Gründen dafür plädiren, daß die Hauptfrage auf jeden Fall, daneben aber auch die Nebenfrage bejaht werden möge, die dem Angeklagten unter dem Gesichtspunkte eine milde Strafe sicherte, daß er fich durch Bekennung der Wahrheit einer strafbaren Handlung bezichtigt haben würde. Wider alles Erwarten votirten die Geschworenen auf Nichtschuldig, weshalb die Freisprechung erfolgen mußte. Arbeiterbewegung, Vereine uuÄ VerBnmmwngeu. n. Die freie Organisation junger Kaufleute welche von jetzt ab ihre Sitzungen regelmäßig jeden Freitag bei Niest, Kommandantenstraße 72, abhalten wird, beschäftigte sich am Freitag mit einer von ihrem Vorstand« ausgearbeiteten Petition, in welcher der Reichstag gebeten wird, dahin wirken zu wollen, daß in die Gewerbeordnung ein Zusatz zu§ 154 aufgenommen werde, durch welchen die§§ 105, 120, 126, 127, 128, 129 und 133, welche das Verhältniß zwischen den Handwerksmeistern und ihren Lehrlingen regeln, auch auf den Kaufmannsstand ausgedehnt werden und daß für Lehrlinge und Gehilfen unter 18 Jahrrn eine Maximalarbeitszeit von 12 Stunden gesetzlich angeordnet werde.'Nachdem der Vorfitzende die Petition in ihrem Wortlaute mitaetheilt, legte Herr Schreier als Referent die angeführten Paragraphen vor und wies in ein- gehender Weise die Anwendbarkeit derselben auf daß kaufmännische Lehrlingswesen und das Bedürfniß nach, die durch diese Paragraphen den Handwerkslehrlingen gewidmete Fürsorge auch auf die Lehrlinge im Kaufmanns- stände auszudehnen. Nach einer sehr lebhaften Diskussion, an welcher fich die Herren Fränkel, Auerbach, Hirschmann, Wohl« fahrt, Caro, Rosenthal bethetligten, und nach Ablehnung der Anträge, den§ 127, der die Lehrlinge der„väterlichen Zucht" der Lehrherren überweist, in der Petition wegzulassen, eine Maximalarbeitszeit von 12 Stunden, tnklustve einer 1 einhalb- stündigen Mittagspause zu fördern, und die Petition zuerst dem Äeltesten-Kollegium der Kaufmannschaft zugehen zu lassen, und nach Annahme des Antrages, die für junge Leute unter 10 Jahren geforderte Maximalarbeitszeit auf 10 Stunden ber« abzusetzen, wurde die Petition unverändert mit Einstimmigkeit angenommen und der Vorstand beauftragt, dieselbe dem Vor- fitzenden der Petitionskommisston deS Reichstags baldigst im Namen der„Freien Vereinigung zuzustellen. Zur Lohnbewegung der Berliner Schneider diene Folgendes: Auf Grund eines Beschlusses der von der Lohn- kommisfion zum 3. Feiertag einberufenen öffentlichen Schneider Versammlung, um Mittel und Wege zu finden, die traurige Nothlage des Schneidergew erdes zu verbessern, tagten am Man- tag, den 5. Jan. ct., in den Armtnhallcn, die Vorstände der In Berlin bestehenden Schneider- Vereine unter dem Vorfize| des Herrn Pfeiffer. Herr S. Adam, Leipzigerstr. 103, der als Vertreter des taufmännischen Geschäftsbetriebs auch eingeladen war, glänzte durch Abwesenheit. Der Einladung der Lohn Tommission zufolge erschienen Vertreter der Innung", des Vereins, Deutsche Mode", Verein selbstständiger Schneiders meister Bentral Verein deutscher Buschneider, Ortsverein der Schneider und des Fachvereins der Schneider. Nachdem der Vorsitzende der Lohnkommission Herr Pfeiffer in furzen Worten die traurige Lage der Gesellen, sowie der Kleinmeister geschildert, was man von allen Seiten anerkannte, wurde der Beschluß gefaßt, ein Komitee niederzuseßen, welches mit der Vorbereitung zu einer demnächst stattzufindenden großen Versammlung der Meister und Gesellen beauftragt wurde. Aus der Wahl hierzu gingen hervor die Herren Brüdmann II, Obermeister( Innung), olzapfel, ( Verein selbstständiger Schneidermeister), Fulde( Verein deutsche Mode), Sievers( deutscher Buschneider), Müller ( Ortsverein), Taeterom( Fachverein), Pfeiffer( Lohntommission). Erst um Mitternacht schloß die sehr interessante Sigung mit der von allen Seiten gehegten Hoffnung, daß durch festes Busammenhalten aller Betheiligten etwas Er Spießliches erreicht werden kann. Im Arbeiter- Bezirks- Verein der Friedrichstadt, wel cher, nach den Feiertagsferien, am Donnerstag, den 15. Jan. cr., Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, KommandantenTheater. Königliches Opernhaus: Heute: Tannhäuser und der Sängerkrieg. Morgen: Der Trompeter von Säckingen. Königliches Schauspielhaus: Heute: Hans Lange. Morgen: Ein Schritt vom Wege. Deutsches Theater: beute: Der Weg zum Herzen. Morgen: Die Neuvermählten. Bellealliance- Theater: Heute: Der Raub der Sabinerinnen, Schwant in 4 Atten von Franz und Paul Schönthan. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Renes griedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Heute: Gasparone. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Central- Theater: Mite Salobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heute: Der Walzer- König. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute: Othello. Residenz- Theater: Direktion Anton Anno. Morgen: Kean( III. u. IV. Aft). Hierauf: Der Tod des Tempelherrn und Christoph Kolumbus. Zum Schluß: König Lear( IV. Att Verwandlung). Walhalla- Operetten- Theater: Heute: Der Feldprediger. Monisenstädtisches Theater: Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute: Jenny Waldmann. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Oftend- Theater: Beute: Der Prinz von Monte Fiasco. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute: Der Kompagnon. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute: Sulfurina. Wellner- Theater: Bittoria- Theater: Alhambra- Theater. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute: Die Galloschen des Glücks. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Unserm Vorsitzenden Herrn Werner zu seinem Geburtstage ein dreifach donnerndes Hoch!!! daß die ganze Staligerstraße wadelt. Mehrere Mitglieder 57 des Arbeiter- Bezirks- Vereins Glückauf." Arbeitsmarkt. Ein verheiratheter junger Mann sucht Beschäftigung. Gefl. Dfferten Laufiberstr. 14 bei Schröder. Tüchtige Knopfloch- Arbeiterin 51 auf dauernde Beschäftigung verlangt Landwehrstr. 19, of III. 49 Jede Tischlerarbeit wird billig und sauber ausgeführt bei Moshage. 56 A. Gaertner, Tischlermeister, Admiralftr. 17, H. 2 Tr. Kleine und große Vereinszimmer auch Sonntags zu haben. Mauerstraße 86. :[ 1304] Allen meinen Freunden und Bekannten empfehle mein ftraße 77/79, feine erste Versammlung abhält, wird eine der wichtigsten Fragen, die Jmpffrage, behandelt werden, indem Herr Dr. med. Sturm einen Vortrag über dieselbe zugesagt hat. Bei diesem für jeden Familienvater so hochwichtigen Thema wäre es zu wünschen, daß alle Diejenigen, welchen die Gesundheit ihrer Kinder am Herzen liegt, recht zahlreich erscheinen und für dieselbe Propaganda machen. Zentral- Kranten- und Sterbekasse der Schuhmacher und verwandten Berufsgenossen Deutschlands, E. H. Nr. 32, örtliche Verwaltungsstelle Berlin, am Montag, den 12. Januar, Abends 8 Uhr Generalversammlung in Nieft's Eaal, Romman dantenstr. 71-72. Bei der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen erwünscht, auch können Billets zu dem am 22. Februar stattfindenden Maskenball entgegen genommen werden. Die Bahistellen der Staffe befinden sich Seildelstr. 16, Restaurant Seidel, Alexandrinenstr. 113, Ede Simeonstraße, Restaurant Seidel, Alexandrinenstr. 113, Ede Simeonstraße, Deftillation, Manteuffelstr. 21, Restaurant Hemmerling, An dreasstr. 44, Restauration Wirsing, Weinstr. 21a, Ede MehnerStraße, Restauration und Elsasserstr. 68, Restaurant Burghard Geöffnet von 8-9 Uhr alle Montag Abend. Beiträge werden nur in den Zahlstellen angenommen. Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenossen am Montag, den 12. Januar, Abends 8 Uhr, bei Teichert, Neue Grün strale 32. Tagesordnung: 1. Geschäftliches; 2. Jahresbericht des Vorstandes; 3. Wahl des Vorstandes; 4. Verschiedenes und Fragelaften, Aufnahme neuer Mitglid Gäste willkommen. Kollegen! zeigt durch zahlreichen Be dieser Versammlung, daß Thr gewillt seid, mit uns auf Grundlagen unseres Programms für die Intereffen der werkschaft einzutreten. Kollegen! nicht die Personen, w an der Spize des Vereins stehen, seien für Euch maßgeb sondern das Programm des Vereins. Darum auf zur fammlung! Die Generalversammlung des Fachvereins der Me Nr. schrauben- Façondreher und Berufsgenossen Berlins f Sonntag, den 11. b. Mts., im Vereinslokal, Manteuffelt Vormittags 10 Uhr, statt. T.- D.: 1. Jahresbericht. 2. richt der Delegirten. 3. Vereinsangelegenheit. Erscheinen bedingt erforderlich. 21. An Der Arbeiter- Bezirksverein der Schönhauser stadt hält am Dienstag, den 13. d. Mts., Abends 8 Uhr Meister's Salon, Schönhauser Allee 161, feine regelma Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Raffenbericht. 2. Sticher, trag des Herrn Kreuß. 3. Verschiedenes und Frageta trags Neue Mitglieder werden aufgenommen. Au welchen Verein der Modelltischler, Ackerstr. 144, Montag, 8 tasse Briefe von May Rehr; Vierteljahresbericht. Gäste willtom werden. Berichtigung. Das in dem in der Donnerstagsnum Ab b. 3. enthaltenen Berichts über die Generalversammlung herrscht. Kürschner erwähnte Stiftungsfest findet nicht am 31., fon fion. am 19. Januar statt. Hauptziehung Preußische Loofe: 16. Jan.- 31. Jan. Original 350 Mart, ½ 154 Mart, 172 Mart. Antheile, 30 Mt., 116 15 Mk., 132 7,50 Mt., 4 Mr. 164 Sympa öffentlic Schwimm Strömu Bedenk Situati noch in um so welche i bat, feft eine P Borchardt Gebr., 1. Geschäft Friedrichstraße 61, Telephon 48 miles Große Volksversammlung. Sonntag, b. 11. Jan., Borm. 10 Uhr, im Restaurant Bolle, Arbeiter- Bezirksu. d. Westen Berlins Linienstraße 30. 46 Montag, den 12. Januar, Abends 8/2 Uhr, im Saale des Herrn Gründer, Schwerinstr. 26, General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des sämmtlichen Vorstandes. 2. Kaffenbericht. 3. Vortrag und Diskussion. 4. Fragekasten. Es wird ersucht, daß zu dieser Versammlung die Mitglieder recht zahlreich erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. Unterstützungsv. d. Buchbinder und verwandten Berufsgenossen. Montag, 12. Januar, Abends 82 Uhr, Alte Jakobstr. 75 54 General Versammlung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung. 2. Abrechnung des VergnügungsComités. 3. Antrag der Vertrauensmänner und des Vorstandes auf Ausschließung eines Mitgliedes. 4. Wahl des Redakteurs und der Preßkommission. 5. Verschiedenes und Der Vorstand. Fragelasten. Karte legitimirt. Fachverein der Tischler. Montag, den 12. b. Mts., Abends 82 Uhr, in Siegert's Restaurant, Grüner Weg 29, Versammlung 53 Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Gäste willkommen. " 1 zweiler 315 Kräfte Weltthe heimisch Me find au Königstr. 1, Ecke Burgstr. Außerordentl. Versammlung des Fachvereins der Schneid Bestätig und ich Europa, Ventil am Dienstag, d. 13. b. Mts., Abends 82 Uhr, Kommandantenftr. 20. Tagesordnung: 1. Geschichtlicher Vortrag, gehalten Herrn Dr. Heymann. 2. Wichtige Vereinsangelegenheiten Gäfte haben Zutritt. Um zahlreiches Ers seinen bitte Der Vorstand. Taetero Ganzen friegeris aus inn rung, Werkstatt- Delegirten- Versammlung einmal Ab Morgen, den 12. d. M., Abends 8 einhalb Uhr, find am 26. Lokal Annenstraße 16 die eiste diesjährige Werkstatt- Delegi Kolonia Versammlung der Schloffer statt. 6. Miethe. Die Nr.12 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Exped. d.„ Berl. Vollabl." zu Bruft 35, Keule 40 f. Bestim ersten gegenüb relevant neñs de nehmun verbund treten, Kalbfleisch, balbertstr. 80 i. Sibie bent von Tuch, Kammgarn, Tibet, Do Abfälle und wolle taufi&. Quednow, Wienerf Alle Reparaturen im Schlofferfach werden dafelbft Roh- Tabak. franzöft schaffe, fonen e angefer er glaul Etwas Pflicht mähren Standp anderer Auswat Förderu wie ei Wäre Größte Auswahl sämmtlicher in- und ausländischen Soheit vor sowie guten Sumatra- Schnitt zu billigsten Preisen Arb.- Bez- Ver. der Rofenth. Vorst. Brunnen- Straße 141142 Montag, den 12. Januar 1885, in Vettin's Bierhallen, Veteranenstraße 19, Abends 8 Uhr, General- Versammlung. Tages- Ordnung: 50 1. Jahresbericht. 2. Wahl des gesammten Vorstandes und der Revisoren. 3. Fragekasten. Die Mitgliedskarte legitimirt. Der Vorstand. NB. Billets zum Aquarium und Panoptikum zu er mäßigten Preisen sind zu haben bei Beder, Schönholzer ftraße 3 I. und in der Versammlung. Fachverein der Stellmacher. Montag, den 12. d. M., Abends 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung 55 Inselstraße 10a. Vortrag des Herrn J. Müller. Bu der Anfangs Februar stattfindenden Der Vorstand. Weiß- u. Bairisch Bier- Lokal General Versammlung 1289 Berliner Voltsblatt liegt aus. Nothnagel, Rathenowerstr. 85. Herm. Kehr, Hutmacher. Stalizerstr. 109, nahe d. Manteuffelstr. Elegante Seidenhüte v. 5-12 Mk. 59 Gute und feine Filzhüte v. 2-6 Mk. Jede Reparatur wird sauber und billig ausgeführt. Aufbügeln sofort für 25 Pfennige. Für Kürschner und Berufsgenossen befindet sich der Arbeits- Nachweis Abends von 8 bis der Mitglieder der Ortskrankenkasse des Zimmerer- Gewerbes fann der Eintritt nur gegen Vorzeigung des neuen Quittungsbuches gestattet werden. Es werden daher diejenigen Mitglieder, welche noch nicht im Befit des neuen Quittungsbuches find, hiermit aufgefordert, dasselbe bis zum 25. Januar( aegen Einlieferung des alten Buches) im Kaffenlokale von 7-12 Uhr Vormittags in Empfang zu nehmen. Bur Aushändigung von Krankenscheinen und sonstigen Forderungen ist die Vorzeigung des Quittungsbuches unbe dingt nothwendig und machen wir hiermit besonders darauf aufmerksam. Auch erfolgt die Auszahlung der Krankenscheine nur 61 10 Uhr bei Seefeld, Grenadierstraße 33. 1519 Die Aufnahme neuer Mitglieder in die ZentralKranken- und Begräbnißkaffe für Frauen ( fr. H. Offenbach a. M.) findet von fett ab nur Andreasstr. 20, Hof v. 3 Tr. statt, und zwar Alltags von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, Sonntags von 8 bis 3 Uhr. Grenadierstraße 33. 1519 Sonnabends Vormittags von 7 bis 12 Uhr. 1 Außerdem mache ich aufmerksam, daß die Mitgliedsbücher bis zum 4. Januar vom Raffirer B. Schneider, BlumenStraße 29, pt., abgeholt sein müssen. Im Auftrage: Richter. Wir bitten daher die Herren Arbeitgeber, bei vorkommenden Krankheitsfällen die Quittungsbücher auszuhändigen und auch zugleich um gefällige Einsendung der noch in Händen be findlichen alten Bücher. Der Vorstand der Orts- Krankenkasse des Zimmerer- Gewerbes. gez. Schöppe. Gebr. Franck. Der neu eröffnete VOLKS- BAZAR!! ( Kein Abzahlungsgeschäft.) Prinzenstrasse 22, parterre, hat jezt, um seinen neuen Kundenkreis zu erweitern, äußerst mäßigen Preise um fernere 10 pet. herabgefest empfiehlt speziell gleich ei Das für Er sehe rung zu schon d R Der bl auch au n boch de funft- 2 Stadt Me famme lieft; t genuß, bewilligen gern Kred Spalte nur m ist, de es fei Herren- u. Knaben- Garderobe, Uhren u. 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Taschentücher für nur 1 Thlr., 1 Dd. reinl. Wischtücher u.%, DBd. reinl. Stuben- Handtücher für nur 1 Thlt., für Herren in Dowlas, vollständige Größe, 10 Sgr. 1 Sopha Teppich und zwei Bett- Teppiche 1 Fenster Hemden Rolltücher, 3 Ellen lang, 7%, Sgr. Reint. Bettlaken ohne Naht, 3 Ellen lang, 15 Sgr. Salon Teppiche, 6 Ellen lang, 4%, Ellen breit, 7 Thlr. früher bas 4 fache. 111 a pa Verantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin. Drud und Verlag von May Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. se pos Hierzu eine Bell Wörte inform der B zu fag Sen ni ein B fonder linder Ausste Europ ein hat e daß betrüb bleibt Nun, chacu fein f Chefs halten macher daß m Belluns e Vokal richte bekan ren, e er Mit! eichrn. uns auf! issen dn! fönen, n!t 3 maßgck_ Beilage zum Berliner BolMlatt. uf zur der Mi 9��' 9. erlins ß>______. Sonntag, den IL Januar 1885. II. Jahrgang. DurlumeutsberiMe. Uhr. ehalten mheite« ;n bitte Taeter« -Delegi« Uethe u ,u nteuffel» riefet. 2.1 !lscheineai joufer S Deutscher Reichstag. ;s 8 Übt, 21- Sitzung, Freitag, 10. Januar, 1 Uhr. reaeln-a Tesche des Bundcsraifecs Fülst v. Bismarck, v. Boet- � z ticher, v. Caprivi, v. Kufserow u. A. �rnadd Auf der Tagesordnung steht die erste Losung des Nach« tragsetats zum Reichsbausbaltseiat pro 1384/85, durch ontoo 8 180 COO M. zur Beschaffung einer Dampfbar- wilffan lasse für den Gouverneur von Kamerun gefordert "«erden. stagsnuii Abg. Langwerth v. Simmern: Dieses Thema be« �'unz herrscht, zum Theil unausgesprochen, seit Monaten die Situa- <"•( soi tion. Ich bringe der Kolonialpolitik im Allgemeinen meine Sympathie entgegen, und zwar zunächst mit Rflckstchi aus die öffentliche Meinung. Wenn wir auch leider gft gegen den Strom schwimmen müssen, so soll man fich doch nicht einer legitimen Etiömung entgegensiemmen, bei der sittliche oder politische Biedenken großen Stils nicht im Wege stehen. Ich will unsere S'.tucrtion nieM noch dadurch kcmptiziren, daß ich mich auch noch in der Kolonialpolitik in Gegensatz zur Regierung bringe, um so weniger, als ich entschlossen bin. in derjenigen Frage, welche in den letzten Wochen so seh: viel Staub aufgewirbelt hat, fest zu bleiben und nicht nachzugeben, weil ich das für eine Pflicht der Selbstachtung des Reichstages halte. In zweiter Linie haben wir allerdings viele überschäumende Kräfte in Deutschland, die des Abflusses nach fernen Welithellen bedürfen. Je trauriger ich unsere heimischen Verhältnisse ansehe, um so lieber möchte ich jenseits der Meere dem deutschen Geist ein Asyl schaffen. Aber es VJ" find auch andere Kräfte in Teutschland vorbanden, die nach [giß Bestättgung streben, denen ein Ventil geöffnet werden muß: und ich sehe eine Aitionspolitik in Kamerun viel lieber als in Europa, dort ist ste weit ungefährlicher. Oeffnen wir das Ventil nicht, so könnten wir in Zukunft vielleicht zu einer kriegerischen Politik kommen, was weder aus äußeren, noch aus inneren G ünden zu wünschen wäre. Wie dieser Forde- rung, so stehe ich auch der Dampfersubventionsvorlege im Ganzen sympathisch gegenüber; es genirt mich nicht, daß ich einmal in einer großen Frage auf Seiten der Regierung stehe. Abg. v. S t a u f f e n b e r g t Der Herr Reichskanzler hat am 26. Juni 1884 die Veranlassungen, Ziele und Wege seiner Kolonialpolitik mit außerordentlicher Klarheit, Schärfe und Bestimmtheit dargelegt, und es ist heute, wo wir uns zum ersten Male einer budgetmäßigen Forderung für diese Ziele gezenüoersehen, wohl angemessen, diese Aeußerungen, soweit sie relevant find, zu reproduziren. Er sagte damals, von der Ge- nefis derK rtonialfrape sprechend, daß er zuerst durch die Unter- nebmungen hanseatischer Kaufleute, welche mit Trrrainankäufen verbund'N waten, veranlaßt worden sei, der Frage näher zu tr-ten, ob wohl der von jenen Unternehmern nachgesuchte Reichs- schütz für ihre Erwerbungen zu gewähren sei. Er knüpfte daran die denkwürdigen Worte, daß er seine Antipathie gegen das sog. französische Kolonialsystem, das als Unterlage ein Stück Land schaffe, dann Auswanderer anwerbe, Beamte anstelle, Garni- sonen errichte u. s. w., deute noch nicht aufgegeben habe, daß _ er glaube, man könne Kolonialprojekte nicht künstlich schaffen. . Etwas ganz anderes sei die Frage, ob es zweckmäßig und Pflicht des Reiches sei, den nachgesuchten Rechtsschutz zu ge- währen, er könnte diese Frage mit weniger Sicherheit vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit, aber mit unbedingter Sicher- heit vom Standpunkte der staatlichen Pflicht bejahen, und an anderer Stelle hat er hinzugefügt, er sei kein Freund der ■ i Aieswanderung im Allgemeinen, er kämpfe gegen deren rf■. Förderung. Ein Deuijcher, der sein Vaterlano abstreift z.H, I wie einen alten Rock, sei für ihn kein Deutscher mehr. t. Wäre die Fötderung von Handel und Verkehr zu- I gleich ein Mittel der Fötderung ver Auswanderung, so wäre . /y das für ihn ein Grund, der Auswanderung entgegenzutreten. I /L ii®r Ml* aber gerade in dem Export ein Mittel, die Auswande- rung zu vet hüten. Meine volitischen Freunde und ich haben I schon damals ihre volle llebereinstimmung mit diesen Aus» berliner Sonntagsplauderei. E. C.„Wohl dem, deyr es schmeckt und er hat nichts, der bleibt bei gutem Appetit"— wenn diese Redensart auch nicht gerade besonders schön und neu ist, so hat sie doch den einen Vorzug, daß sie ganz brillant auf die Koch- kunst-Ausstellung paßt, mit der«an augenblicklich unsere Stadt beglückt. DaS Wasser läuft Einem im Munde zu- sammen, wenn man nur die erschienenen Zeitungsberichte liest; die Sache gestaltet sich aber geradezu zu einem Hoch« genuß, wenn man zu der Lektüre dieser appetitreizenden Spalten eine ganz gewohnliche, plebejische Butterstulle ver- zehrt. Man soll nicht sagen, was eine Sache ist, wer aber nur mit der gewöhnlichen Durchschnittsbildung ausgerüstet ist, der thut gut, jene Stätte überhaupt nicht zu besuchen, es sei denn, daß er über ein umfassendes französisches Wörterbuch verfügt, in welchem er sich wenigstens darüber rnformiren kann, waS er überhaupt gesehen hat.„Was der Bauer nicht kennt, ißt er nicht" pflegt man gewöhnlich zu sagen, und der Bauer hat in dieser Beziehung entschie- den nicht so ganz Unrecht. Man braucht nun nicht gerade ein Bauer in de« Wortes eigentlicher Bedeutung zu sein, sondern man kann einen ganz zivilisirten Städter mit Cy- linder und Glacees repräsentiren, aber auf der Kochkunst- Ausstellung giebt s doch Vieles, was selbst der zivilisirte Europäer nicht kennt, und selbst wenn ihm irgend ein Gericht von Ansehen bekannt vorkommt, so hat eS wieder einen derartigen französischen Namen daß selbst ein mit Serne- Wasser getaufter Pariser betrübt den Kopf schütteln wür.e, auch dem Franzosen bleibt diese Sorte Französisch gewöhnlich unverständlich. Nun, es schadet ja nichts. Jeder nach seinem Geschmack, chacna a bon goüt, wenn es denn doch einmal französisch sein soll,— wenn es die Herren TraiteurS, Restaurateurs, Chefs de cuisine späterhin wieder einmal für nothwendig halten, uns den Mund mit ihren Leckerbissen wässerig zu wachen, dann werden wir hoffentlich auch so weit sein, daß wir die deutschen Bezeichnungen für Brat-, Quetsch-, Pell- und Brühkartoffeln gänzlich und total vergessen, und «ns ebenfalls anständiger Weise den nöthigen französischen Vokabelschatz angeeignet haben, um die landläufigsten Ge- richte französisch benennen zu können, wodurch dieselben bekanntlich und sehr natürlicher Weise einen ganz besonde» ren, exquisiten Wohlgeschmack erhalten. Der Werth der Ausstellungen ist immer ein Zweifel- Sek ä# einandersetzungen nach der negativen und posi iven Seite hin auegelprocden, und diesen Ausspruch der llebereinstimmung wieoerhole ich heute aufs nachdrücklichste. Im gegenwärtigen Augenblicke ist es ja noch nicht möglich, genau zu übersehen, ob Alles dasjenige, was fich vollzieht oder sich als vollriehend ankündigt, fich in dem Rahmen bewegt, welchen der Herr Reichs- kanzler so scharf gezeichnet hat. Da« wird in Zukunft zu erwägen sein, wenn uns das nothwendige Material zugegangen est. Aber diese allgemeine Uebeinstimmung überhebt weder uns, noch den Reichstag der Verpflichtung, in jedem einzelnen Falle ganz genau zu prüfen, ob die Maßregeln, welchen wir zustimmen sollen, und für welche Geld von uns verlangt wird, fich inner- halb jenes damals gezeichneten Rahmens bewegen. Nun bin ich von meinen politischen Freunden beauftragt worden, zu erklären, daß fie nach genauer Prüfung d?r Vorlage der An- ficht find, daß diese Fragen für den gegenwärtigen Fall absolut bejaht werden müßten, und wir werden deshalb ver Forderung, wie fie heute an uns gestellt ist, nicht entgegentreten.(Beifall Abg. v. B u n s e n: Nicht um der Auswanderung einen Abfluß oder unserer Produktion neue Märkte zu schaffen, faßte unsere Nution die Kolonialpolttik begeistert auf, sondern in der instinktiven Erkenntniß, daß in hundett Iahten Deutschland, Frankreich, Oesterreick und Italien neben den Vereinigten Staaten, Rußtand und England zu einer bescheidenen kontincn- talen Stellung heradgcdtückt sein werden. In unseren Eintritt in den„Kampf um dm Aequator" finden fich die anderen Mächte schwer, einige machen dazu ein saueres, beinahe feind- lickes Gesicht. Ader fie erkennen rasch die NotHwendigkeit, die Thatsacke zu nehmen, wie fie ist, und sich an diese neue Mackt anzuschließen, welche friedlichere und frei- finnigere Kolonialpolitik treiben wird, als die, mit denen England bis jetzt zu handeln genöthigt war: Portugal, Spanien, Frankreich, ja seilst Holland. Zur Sache bemerke ich, daß Kamerun wichtig für uns ist als die beste Einfall- pforte zu dem Gebtete der nördlichen Zuflüffe deS Kongo. Für Wiffensckaft und Handel brauchen wir möglichst viele Wege in das Innere deS Kongobeckens, und Kamerun ist durch des Generalkonsuls Nachtigall Autorttät als ein guter Ausgangs- punkt bezeichnet. Die Besetzung von Kamerun ist daher als ein glückliches Ereigniß zu begrüßen; hier wird der Reisende, der von der Küste in das Innere dringen will, statt der einge- bormen Häuptlinge einen deutschen Gouverneur finden, der fich auf eine immer bereite Flottenabtbeilung stützt, und nickt mehr mit der Schwierigkeit der Beschaffung von Trägern kämpfen müssen. Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Wenn ich zu dieser Frage das Woit ergreife, so geschieht es nicht ohne ein ge- wiffes Zagen und unter dem Eindruck, dem ich gegenüber stehe, daß es den Regierungsvorlagen im Gan- zen nicht nützlich ist, wenn sie von mir persön- lich lebhaftbefürwortet werden. Ich habe das Gefühl gehabt in der Abstimmung am 15 vorigen Monats, daß die billigen und unentbehrlichen Ansprüche deS öffent- lichen Dienstes vielleicht leichter durchgegangen wären, wenn ich nicht zu erkennen gegeben hätte, daß ich mich persönlich da- für interessirte. Ich bin gestern von gleichen Befürchtungen imvresstonirt worden und habe bereut, daß ich überhaupt die gestrige Sache befürwortet habe. Ich muß fast befürchten, daß es bei dem jetzigen Stande der Reichstagsmchrheit, wie ich sie mir gegenüber kennen lerne, den Regierungs- vorlagen vielleicht nützlicher ist, wenn ich schweige und ungewiß lasse, ob ich mich überhaupt dafür interesfire. Es ist ja überhaupt ein Nachtfeeil für den Minister, wenn er an den Geschicken feines Vaterlandes einen lebhaften Antheil nimmt. Es leitet das ja sehr leicht zu der Berechnung, daß der Mann es an seinem Posten vor Sorge und Bekümmern nicht aus- halten wird, wenn die vaterländischen Interessen einigermaßen perrklitircn und fich nicht einer besonderen Berücksichtigung er- freuen. Man betrachtet ihn gewissermaßen wie die rechte Mutter deS salomonischen Kindes, die lieber ihre Ansprüche aufgiebt und lieber persönlich darunter duldet, als die Intel- haftet, wenigstens werden diejenigen Leute mit uns darin übereinstimmen, die noch vor wenigen Tagen in allen Thorwegen Berlins ihre Ausstellungen veranstaltet hatten: die fliegenden NeujabrSkarten-Verkäufer. Im Allgemeinen schenkte man diesen Ausstellern und ihrem Publikum eine viel zu geringe Aufmerksamkeit,— sie sind verschwun- den wie die Eintagsfliegen, Niemand gedenkt mehr ihrer. Wozu auch? Der schadenfrohe Schusterjunge, der für den gestrengen Herrn Meister oder die geizige Frau Meisterin die anzüglichste Karte ausgesucht hatte, hat längst die an- gemessene Belohnung mit dem Knieriemen erhalten, denn der Meister ist dahinter gekommen, wer ihm den Streich gespielt hatte. Vergessen ist Karte und Keile, vielleicht sind die blauen Flecke sogar schon verschwunden. Abwechselung muß sein— Neujahr ist tobt, es lebe der Fasching! Prinz Karneval nennt man ihn in anderen Gegenden, und da tritt er denn als ein flotter, die Schellenkappe lustig schwingender Bursche auf, der übermüthig sein Szepter führt und sein Reich fröhlich verwaltet, aber in Berlin gleicht dieser edle Herr mehr einem siechen Greise, welcher durch künstliche Mittel sich Jugend und Frohsinn zurückzaubern will und welcher dadurch das Abbild einer alternden Koquett: wird. Täuschen wir uns nicht, Berlin kennt das heitere Spiel des Karnevals überhaupt nicht. Man hat es schon oft versucht, die südliche, unschuldige Fröhlichkeit nach dem kalten Norden zu verpflanzen, aber was schon an den rebenumkränzten Ufern des alten Rhein gelingt, das ist noch lange nicht ausführbar an dem„grünen Strand der Spree." Der Berliner kennt nur seinen Maskenball, aber den genießt er auch gründlich. Maskenball! Wie verführerisch das klingt, wer denkt hierbei nicht an glühende Blicke, verstohlene Händedrücke, an Lust und Freude, Fröhlichkeit und Humor, Uebermuth und Leichtsinn! Jemand, der mit den Berliner Verhältnissen nicht vertraut ist, sollte meinen, daß ganz Berlin sich zu einem großen Maskenball« anschickte. Wohin man blickt, sieht man an Läden, Hausthüren und Fenstern bunte, arrffällige An- kündigungen, daß MaLkengarderoben verliehen werden, Har- lequins, buntfarbige Dominos, schwarze Larven sind sogar auf die Scheiben gemalt und glänzen Abends in weithin sichtbaren Transparenten. Welch' bunte, reichhaltige Aus- essen des Vaterlandes benachthclligen zu lassen. In diesem Sinne beadsichtige ick auch, mir in Zukunft mehr Schweigen und Zurückhalung aufzuerlegen und die Frage, ob ich persönlich Sektänkt werden kann, durch eine Ablehnung, wenigstens iin Inklaren zulassen. Ich will zudem, was einer der Herren Vor- rebner gesagt hat, indem er die Kolonialbtldungen aus dem Gestchtspunkte der Auswanderung besonders befürwortete, doch hinzufügen, daß mir vor der Hand und nach der Genefis un- serer Kolonien fast noch wichtiger die Gewinnung neuer Absatz- Märkte für unsere Industrie ist, auch selbst für die kleinsten Industrien, die ja kleinlich in ihrer äußerlichen Bezeichnung erscheinen können, die aber doch zu Hause, wo ste etablirt find, eine ganze Menge Deutsche ernähren und mit lohnender Arbeit versehen. Aus diesem Grunde bitte ich auch, die Kolonien nicht außer Acht zu lassen, die für Anstedlungen deutscher Ackerbauer— ich meine also die tropischen Kolonien— nicht unmittelbare Aussicht bieten, sondern nur dafür, daß wir von den Küstenpunkien aus, die wir okkupirt haben, Wege nach Absatzgebieten finden und Verbindungen für Absatz unserer deutschen Jndustiieprodukte aller Art anzuknüpfen im] Stande find- Dazu müssen wir ganz nothwendig aber die Länder, mit denen wir Verbindungen anknüpfen wollen, und die Stämme und Vötker, welche unsere Abnehmer werden solle», einiger« maßen kennen lernen. Das können wir nur durch Erforschung des Innern von Afrika, indem wir diejenigen Mittel gewähren, über die wir gestern diSkutirt haben. Ich will in dre gestrige Diskussion nickt zurückgreifen, sonvern nur wiederholen, daß ich nach genauer Prüfung und Wiederlesung alles dessen, was vor- gebracht und angezweifelt worden ist, nicht die Möglichkeit sehe» daß von Seiten der Reichsregierung, sei es in der Kommisfion, sei es hier im Reichstage, irgend ein Novum über die gestrige Frage noch beigebracht werden konnte. Ich mochte nur rn Betreff der Kolonialfrage— oder nach ihrer Entstehung will ich ste lieber so bezeichnen: des Schutzes unserer überseeischen Anfledelungen, wie ste der Handel mit fich gebracht hat— ich möchte Ihnen also nochmals ans Herz legen, daß für die kaiserliche Regierung eine wirksame Unterstützung dieser Unternehmungen, eine wirksame Frurtifizirung der Bewegung, welche die deutsche Nation in der Richtung et- faßt hat, ganz unmöglich ist, wenn fie nicht vom Reichstage eine freie, von einer gewissen nationalen Begeisterung getragene Unterstützung hat.(Sehr richtig! rechts.) Wir haben schon ein« mal an der afrikanischen Küste zur kurbrandenburgischen Zeit Anfiedelungen gehabt. In der Zeit der Gamaschen und Perrrücken find fie aufgegeben und verkauft worden» und wenn Sie der Regtet ung nicht mehr Unterstützung entgegenbringen, so ist es besser, wir schreiten zu demselben LiquiVationsvetfahren so früh wie möglich und machen dem Lande keine unnützen Kosten und Hoffnungen, die wir ohne ihr freiwilliges Entgegenkommen und ihren Beistand uicht er- füllen können. Um dort eine koloniale Ausficht, so will ich eS einstweilen nennen, zu etabliren, ist ein Gouverneur ganz un- entbehrlich. Dieser Gouverneur bedarf der Zirkulationsmittel, er dedarf eines kleinen flachgehenden Dampfers, der allein zu seiner Verfügung steht und eines anderen Fahrzeuges. DaS ist die Frage, die uns heute beschäftigt; fie rst klein, aber ste ist doch in Verbindung mit der Frage, die uns gestern be« schäftigte, entscheidend für das Prognostikon» das man unserer Kolonialpolitik überhaupt st e l l e n darf. Wenn man die Kolonialpolitik will» so müssen diese vorbereitenden und unentbehrlichen Ausgnben bewilligt werden. Wenn man diese Ausgaben ab- schlägt, so soll man auch von der Regierung nicht verlangen, daß fie fich einer unmöglichen Aufgabe weiter widme. ES ist ein Gouverneur ohne Fahrzeug zu seiner DiSpofition in jenen Gegenden nicht denkbar. Es ist eine Ordnung in jenen Gegenden nicht denkbar, ohne daß ein Gouvemeur da ist. Wir haben einen Gouverneur bisher nicht ernannt, lediglich aus Achtung vor dem Reichstag, vor der parlamentarischen Mitwirkung, weil wir ihn nicht ernennen können, bevor Sie das Gehalt dazu nicht bewilligt haben. Für die Dampfschiffe, deren er bedarf, für die haben wir die Bewilligung von Ihnen in der Form wähl von Vergnügungen aller Art bieten augenblicklich nicht die öffentlichen Anschlagsäulen— grand bal rnasqu.'-, pare und die"verschiedentlichsten anderen Geschichten, alle mit riesigen Buchstaben auf grellfarbigem Papier,— wer überhaupt noch etwas Geld mit hinübergerettet hat aus de» Zeiten der Feiertage, der kann durchaus nicht in Ver- legenheit komme», wie er es los wird. Und ein Maskenball ist ganz entschieden ein unbe» zahlbares Vergnügen. Es giebt keine noch so ausschweifende, wilde Phantasie, für welche nicht schließlich in irgend einem seltenen Kostüm Befriedigung gefunden werden könnte. Wer z. B. Tage und Wochen lang, bevor er einmal ,seinen" Sonntag hat, dem durchaus friedlichen Geschäft des Heringeverkaufens oder ZuckerabwiegenS obliegt, dem bieten gewiß einige Stunden auf dem Maskenball in dem phantastischen Kostüm eines italienischen Briganten aus den Abruzzen Augenblicke von seligem, unaussprechlichem Ge- nuß. Wird er nicht noch lange Zeit, wenn er längst wieder hinter dem Syrupfaß steht, an die stolze und kühne Hak» tung zurückdenken, die er als beute- und blutgieriger italienischer Räuber zu bewahren wußte? Und unsere Damen! Ihr Ideal bleibt doch stets die Sternenkönigin oder die Königin der Nacht. Muß man noch so hart arbeiten, geht die rasselnde Nähmaschine Tag und Nacht, ein Maskenball mit seinem entzückenden Ver- steckspielen, seinen tausend kleinen Geheimnissen ist damit durchaus nicht zu theuer erkauft, man zehrt noch Monate lang von der süßen Erinnerung. Berlin amüsirt sich eben, so gut und schlecht eS geht, und es thut gewiß Recht daran. WeShalb soll man sich auch die gute Laune verderben lassen, eS giebt ja Leute, die das Leben überhaupt als einen FastnachtSfcherz auf« fassen, und das sind gewiß nicht die thorichtesten unter uns. Hinein denn in den Strudel der maskirten und un- maskirten Bälle, wer will es uns verargen, daß wir so lange fröhlich sind, als uns die Möglichkeit geboten ist? Wozu giebt es spanische Granden, türkische Großwürdenträger, wenn wir nicht einmal das Kostüm derselben entlehnen dürften, um uns darin zu amüsiren? Die Tracht unserer Landsleute in Kamerun können wir ja vorläufig doch noch nicht bei uns einführen, daher müssen wir uns schon mit dem behelfen, was uns durch die Ueberlieferung aufgenöthigt wird. Die Feste müssen eben gefeiert werden, wie sie fallen, und nur ein Kopfhänger läßt dieselben ungenützt vorübergehen. von Berlin zurüdgekommen, ein britischer Kaufmann mit großer Geschäftsausdehnung auf der Westküste von Afrita, aber ohne irgend welchen amtlichen Charakter ist. Mr. Buchan ist lange Jahre hindurch Resident in Kamerun gewesen und ist ein Handelsmann von großer Respektabilität. Er handelt augenblicklich als britischer Vizekonsul in Erwartung der Ankunft blicklich als britischer Vizekonsul in Erwartung der Ankunft des regelmäßigen Konsularbeamten, und sein ihn beauffich eines Nachtragsetats von 1884 erbeten, weil das der Weg war, um am schnellsten eine Entschließung von Ihnen zu erlangen. Diese Dampfschiffe bedürfen, so klein wie fie find, doch mindeftens einer Frist von 6 Monaten, um erbaut zu werden. Wenn fie daher in diesem Sommer fungiten sollen, so muß der Anfang mit der Kiellegung sofort gemacht werden, und er wird gemacht werden, sobald wir Ihre Bewilligung in Händen haben. Wenn Sie uns aber wieder damit in die Kommissionstigender Konsul ist instruirt worden, Bericht zu erstatten mit berathungen zurückschiden, so weiß ich nicht, wann diese Dampfschiffe in Thätigteit treten, und wann in Folge deffen ein Gouverneur dort seinen Bezirk bereisen kann. Wie nothwendig dort eine strenge Aufsicht und eine Drdnung der Dinge ist, werden Sie aus den Ereignissen der neuesten Zeit und der jezigenLage entnommen haben; ich glaube, fie werden in den Beitungen das Telegramm gelesen haben, was mir durch Vermittelung der Admiralität zugegangen ist. Das gestern Abend vom Kontreadmiral Knorr eingegangene Telegramm, welches sagt: BisDas Schiff nämlich mard" und Olga" haben am 20., 21. und 22. Dezember aufrührerische Negerparteien in Kamerun mit Waffengewalt niedergeschlagen. Mehrere Häuptlinge und größere Bahl ihrer Krieger gefallen. bezw. vertrieben oder gefangen. Ortschaften vernichtet. Autorität der Flagge und Ruhe am Drt wiederhergestellt. Unsere fernere Anwesenheit erforderlich. Proklamationen an Einwohner erlassen, darin Es wird Ihnen vielleicht das TeleWaffenkauf untersagt." gramm schon vor Augen gekommen sein, das die„ Kölnische Beitung" über diese Vorgänge hat, was sehr viel ausfürlicher ift, was ich hier aber nicht vorlese, weil ich nicht die amtliche Bürgschaft für alle darin vorkommenden Einzelheiten befize, sondern abwarten werde, bis ich die amtliche Nachricht habe. Von diesem fich an bedauerlichen Borfall, der einem unserer Matrosen das Leben gekostet hat und bei dem andere und ein Offizier verwundet sind, erlaube ich mir, Ihnen die Genesis einigermaßen zu vergegenwärtigen, weil Sie daraus entnehmen werden, wie nothwendig es ist, daß wir entweder das Geschäft dort aufgeben oder unsere Autorität bald herstellen. Ich habe am 24. November folgen den Vortrag erhalten: Das Syndikat für Westafrika in Hamburg überreicht eine Beschwerde über das den Frieden in Kamerun gefährdende Verhalten der Vertreter der englischen Firma John Holt u. Co. und des englischen Vizefonfuls Mr. Buchan. Es wird darauf hingewiesen, daß der Vertreter derselben englischen Firma in Gabon neuerdings wegen Friedensftörung von dort ausgewiesen worden sei, Gabon in franzöfifch und vorgeschlagen, eine ähnliche Maßregel auch unfererseits ins Auge zu faffen. Die englischen Behörden pflegen in derselben Weise gegen die den Frieden in ihren Kolonieen gefährende Personen vorzugehen, wie die von dem faiserlichen Ronful in Lagos eingereichte Proklamation des dortigen deputy governor ergiebt. Es fragt fich, ob unser tommiffatischer Vertreter in Kamerun, Dr. Buchner, oder etwa der Geschwaderchef ermächtigt werden soll, eine ähnliche Proklamation zu erlassen. Außerdem empfiehlt sich vielleicht, in London darauf hinzuwirken, daß der englische Vizekonsul Buchan auf die Verpflichtung hingewiesen werde, zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Friedens mit dem deutschen Vertreter zu kooperiren. Darauf ist an die Botschaft in London geschrieben worden: Nach Mittheilungen aus Kamerun wird der öffentliche Friede daselbst durch das Verhalten einzelner Engländer bedroht, indem dieselben bei den Eingeborenen das Vertrauen an die Dauer der deutschen Schugherrschaft zu erschüttern versuchen. Das ist aus den Spezialbriefen gezogen, welche das Syndikat in Hamburg als Beilage zu seiner Vorstellung eingesandt hat. Es wird in dieser Beziehung besonders der Vertreter der englischen Firma John Holt und Komp. Ein Vertreter derselben Firma ist fürzgenannt. Gabon aus lich ausgewiesen wegen Friedensftörung ich Die bitte, worden nicht Stenographie ชน unterbrechen; ich kann diese Aftenstüde nachher nicht zur Abschrift geben. Mit Rücksicht hierauf ist uns vorgeschlagen worden, eine ähnliche Maßregel unsererseits ins Auge zu fassen. Die englischen Behörden pflegen gegen die den Frieden in ihren Kolonien gefährdenden Personen in gleicher Weise vorzugehen, wie dies eine jüngst von dem Deputy Governor in Lagos erlassene Proklamation ergiebt. Auch der englische Vizekonsul, Mr. Buchan, soll den Umtrieben gegen die Be feftigung des deutschen Einfluffes im Kamerungebiet nicht fernstehen.( hört! hört!) Wir werden deshalb die Frage zu prüfen haben, in welcher Weise derselbe die Anerkennung zur Ausübung tonfularischer Befugniß in den unter deutschem Schuß stehenden Gebieten erhalten hat. Sollte sein Verhalten gerechten Anstoß geben, so würden wir in Erwähgung nehmen müffen, ob diefe Anerkennung zu versagen beziehungsweise zu rückzuziehen sein würde.( Bravo!) Ew. c. beehre ich mich zu er suchen, Lord Granville dies mit der Bitte mitzutheilen, daß der genannte britische Vertreter auf die Verpflichtung hinge wiesen werde, zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Friedens mit dem deutschen Vertreter zu fooperiren. Dem Bericht über die Erledigung dieses Auftrages sehe ich entgegen. Ich will gleich, ehe ich weiter gebe, befürworten, daß ich die englische Regierung bei diesem Vorgange für vollständig unbetheiligt und ex nexu halte. Der Bereich des englischen Kolonialneges rund um den Erdball ist kaum zu übersehen, gefchweige denn zu beherrschen; es ist für die englische Regierung weniger möglich als für jede andere, sowohl nach der Ausdehnung wie nach der Organisation ihrer Kolonien, eine straffe Beherrschung der Menschen und Verhältnisse, ja selbst der eigenen Beamten überall auszuüben. Die Kommunikationen find auch nicht so rasch, daß die höheren Autoritäten schnell genug informirt werden könnten. Kurz, ich bin überzeugt, daß die englische Regierung diese Vorkommniffe, wenn sie richtig geschildert find was ich ja einstweilen dahingestellt lassen muß, aber glaube, ganz ebenso mißbilligen und beurtheilen wird, wie das von uns hier beurtheilt wird. Durch Die Unabhängigkeit der englischen Kolonialverwaltung vom Mutterlande und wiederum der Oberaufsicht im Mutterlande von den auswärtigen Geschäften Englands wird ja die Reallion gegen bergleichen von England ebenso wie von uns gemißbilligten Vorkommnisse verzögert und erschwert. Es ist darauf unter dem 3. Dezember ein Bericht von London einge gangen, der fagt: Ich habe der mir eitheilten Jastruktion ge mäß Lord Granville mitgetheilt, daß der öffentliche Friede in Kamerun durch das Verhalten einzelner Engländer, namentlich u. f. w., bedroht werde, und der englische Vizetonful, Mr. Bus chan, diesen Aufwiegelungen nicht fernzustehen scheine, und habe im Sinne des hohen Erlaffes gesprochen. Lord Granville versprach, sofort die nöthigen Erkundigungen einziehen zu wollen; er habe schon früher die nöthigen Instruktionen ertheilt, nach benen von englischer Seite Alles geschehen solle, um ein gutes Einvernehmen zwischen Deutschen und Englän bern zu erhalten;- das ist richtig; es hat aber nicht gewirkt. ( Bewegung.) Lord Granville hofft, daß die Besprechung des deutschen Geschwader- Kommandanten mit den eng lichen Behörden alle Differenzen für die Bukunft beseitigen wird. Dann ist ein weiterer Bericht vom 15. Dezember eingegangen: Ew. c. beehre ich mich, im Anschluß an meinen Bericht vom 3. d. Mts., das Verhalten gewiffer Engländer in Kamerun betreffend, anliegend Abschrift einer Note Lord Gran villes vom 11. d. Mts. einzureichen, aus welcher sich ergiebt, daß der zuständige englische Konsul angewiesen worden ist, umgehend zu berichten, ob die Gerüchte über das Treiben des Diese interim stischen Vizekonsuls Buchan begründet sind. Note ist in englischem Tert, und der Inhalt lautet die Note ist gerichtet an den Grafen Münster-: Mit Bezug nahme auf Euer Erzellenz Besprechung vom 3. d. Mts. mit Sir Pauncefote über den Gegenstand des Verhaltens britischer Unterthanen am Kamerun habe ich die Ebre, Euer Erzellenz mitzutheilen, daß John Holt, der jest in London ist und kürzlich der ersten Gelegenheit, ob er irgend eine Bestätigung der Ges rüchte, welche Euer Exzellenz zu Dhren gekommen find, geben fann." So lautet der englische Text nach oberflächlicher Ueberfegung. Inzwischen find mir von Seiten des Hamburger Komitees anderweite Mittheilungen zugegangen vom 30. De zember: Ew. c. beehrt fich das unterzeichnete Syndikat unter Bezugnahme auf die Anlage über die Verhältnisse in Kamerun zu berichten: Seit der Befißergreifung hat der dortige englische Konsul aufgehört, irgend welche Autorität über die Eingeborenen, wie sie bisher gelegentlich zur Geltung gebracht wurde, auszuüben, und haben die legteren, da der deutsche Vertreter Dr. Buchner nicht die erforderlichen Vollmachten oder aber nicht die erforderlichen Machtmittel befigt, wir haben dort natürlich definitive Anstellungen noch nicht machen fönnen um sie im Baume zu halten, fich wiederholt Uebergriffe gegen die Europäer erlaubt und sogar einen englischen Kapitän gefangen genommen, dabei einen seiner Leute verwundet und einen anderen getödtet. Es ist daher dringend zu wünschen, daß in kürzester Frist seitens Deutschlands energisch eingeschritten und eine eremplarische Bestrafung der Schuldigen herbeigeführt werde, wozu das in nächster Zeit zu erwartende deutsche Geschwader geeignet sein dürfte. Während die englischen Konsular beamten fich formell jeder Einwirkung in dem deutschen Gebiete enthalten haben, haben unter der Hand sowohl der englische Konjul Hewett, wie auch der Konsularagent Buchan, über den wir bereits in unserer Eingabe vom 17. November d. J. Beschwerde geführt haben, der Befestigung und Ausdehnung der deutschen Autorität Schwierigkeiten be reitet, einerseits durch Aufhebung der Eingeborenen, andererseits durch Versuche, daß die deutschen Beftzungen umgebende Gebiet unter englische Autorität zu bringen fle find also mit der Erforschung früher aufgeftanden, als wir- und da mit die ersteren zu isoliren und ihre weitere Entwickelung zu unterbinden. Ist dieser Besigung die weitere Entwickelung unterbunden, so hat sie wenig Werth, nur den Werth, den ihr der Befizer des Hinterlandes, der es vorher offupirt hat, gestatten will, indem er uns Transit gewährt oder nicht. Hierüber geht aus den Anlagen über die auf Anftiften des englischen Konsuls von Herrn Rogozinski unternommenen Schritte das Nähere hervor. Das Syndikat erlaubt sich daher, Euer Durchlaucht ergebenst zu ersuchen, veranlassen zu wollen, daß baldmöglichst ein mit der nöthigen Vollmacht versehener Gouverneur linie bis Kalabar, find durch Herrn Rogozinski paral und vereitelt worden. Nachdem er von Gabun, wohin fich mit Janikowski nach dem Tode des Reisegefäh Klemens Tomaczeck begeben und wo er von den deuts Projekten gehört hatte, beschloß Rogozinski, der diefer Nation nicht sympathifirte,-tch glaube, das fi dieser Nation nicht sympathifirte, wir, diese Nation seinen ganzen Einfluß unter Häuptern der einheimischen Stämme aufzubieten, um deutsche Herrschaft von den Gebirgen fern halten. Da er aber vermuthete, daß Dr. Nachtigal handeln werde, so sah er, daß er diesen Zwed nicht auf and Weise erreichen könne, als dadurch, daß er eine ande Nation bestimmte, den Deutschen zuvorzukomm Die nächsten wären die Engländer, deren Vertreter in Bo refidirt. Hr. Rogozinslt stellte daher demselben die Lage Dinge vor, überzeugte ihn, daß es sein und der englis Regierung gemeinsames Interesse sei, die Gebiete unter lisches Protektorat zu nehmen, forderte ihn auf, schnell zu h deln, wenn er dieses Gebiet nicht verlieren wolle, und bot überdies seine Mitwirkung und seinen Einfluß auf die Häus der einheimischen Stämme an, wenn das englische Kanon boot noch zur Beit eintreffen werde. Ich bemerke dazu, wir außerhalb der amtlichen Korrespondenz von engli Seite die Buficherung bekommen haben, daß die engli feiner Regierung in Weise die Absicht hege, un Kolonieen auf Biafra durch Annektirung des Hinterlandes umgehen und vom Innern abzuschneiden. Das widersp also ihren Abfichten, das hindert aber nicht, daß engl Unterthanen und Drgane unabhängig von und im W spruch mit dieser Absicht, dieser uns fundgebenen Abficht Lord Granville, vorgehen. Während Rogozinski und Korrespondent Janikowski auf Antwort warteten, erlangten die aus dem Verkehre mit den einheimischen Stämmen wonnene Erfahrung benugend, von denselben die Abtret eines Landestheils als eigenes Eigenthum und bestimmten übrigen Stämme, einen unmittelbaren Vertrag mit Eng zu schließen. Inzwischen ging die Antwort des englis Konsuls ein. Es überbrachte sie das Kanonenboot ward", dessen Befehlshaber Herrn Rogozinski benachrichti daß Herr Hewett seine Propofitionen annehme um Ausführung derselben bitte. In Folge de unterzeichnete Herr Rogozinski den Vertrag, durch chen die von ihm erworbenen Länder unter englis Protektorat gestellt und Deren Unantastbarkeit eigene innere Verwaltung ihm garantirt wurde. Hierauf gab er sich auf dem Kanonenboot nach der an der Küste legenen Gebirgskette, und die Häupter der einheimi Stämme, die schon vorher gewonnen waren, unterzeichn einen gleichen Vertrag in Bezug auf ihre Territorien. diese Weise sind die ganzen Berge so sagt nämlich und die Küste zwischen Viktoria und Kald dem Wunsche des Herrn Rogozineti gemäß von der deutf Oberhoheit crimirt worden. Kaum war das vollbracht, so gegnete das bereits zurückkehrende englische Kanonenboot deutschen Kriegsschiffen ,, Leipzig" und Möve", an deren fich Dr. Nachtigal befand. Sie richteten ihren Lauf g auf diese Küste, aber sie trafen zur großen Befriedigung Landsmannes post festum ein. Das Werk war zur re Zeit ausgeführt worden, denn einen Tag später hätten Deutschen das Vorrecht gehabt. Ja, Heir Rogozinsli ist durch feine parlamentarischen Nothwendigkeiten und Rüd bunden( Große Heiterkeit) in seiner Politik.( Buruf.) Rogozinski wird jeden Tag hier erwartet; denn er soll die ihn gesendeten Gegenstände für die neue Expedition in Innere des Landes in Empfang nehmen. Alsdann wi Ihnen jedenfalls selbst noch vor seiner Abreise, die wegen naben Regenzeit bald wird erfolgen müssen, Nachricht von geben. Ich verfichere Sie, daß wir Alle bier mit Unge und mit dem höchsten Intereffe feine weiteren Saatte verf gen werden. Genehmigen Sie 2c. Antonio Borges S Schuldirektor in Fernando Voo.- der mit den polni Emisfairen dort eng vertraut und befreundet fein muß wir haben in Madrid über seine Bedeutung Erkundigun dieser spanische Lehrer oder G eingezogen; wenn polnische Blatt aber fein Gouverneur ohne Bartasse als welcher sich in Rücksicht auf die geschilderten Verhältnisse in erster Linie ein Marineoffizier em nach Kamerun geschickt werde, daß pfehlen dürfte, Das in Kurzem in Kamerun zu erwartende deutsche Geschwader zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der deutschen Autorität daselbst, sowie zur Bestrafung der Schuldigen die erforderlichen Maßregeln treffe, und daß ferner in Zukunft regelmaßig in furzen Zwischenräumen deutsche Kriegsschiffe dort erscheinen. Die Anlage davon ist ein Auszug aus Briefen deutscher Firmen in Kamerun, welcher lautet: Da von Seiten des englischen Konsuls ersucht wird, den Innerhäuptlingen Verträge abzuleden, so ist eine schleunige Erklärung der Grens zen geboten. Es ist mir vertraulich mitgetheilt worden, daß Herr Rogozinski vom englischen Konful ermächtigt worden ist, mit den häuptlingen von Bacunde Verträge abzuschließen und daß derselbe zu dem Zwecke von Viktoria aus den Landweg nach dort benußen sollte; ferner richtete der englische Missionar in Bacunde an den englischen Kolonialminister Lord Derby mehrere Briefe, so daß wir befürchten, daß wirklich da oben im Lande wir Deutsche umzingelt werden sollen. Das ist also die Stimmung in der Kolonie. Darauf ist in diesen Tagen folgender Erlaß an den Grafen Münster in London ergangen: Mit Bezug auf meinen Erlaß vom 27. November und Em. 2c. Berichte vom 3. und 15. Dezember v. J., betr. das Verhalten englischer Beamten und Unterthanen im Kamerungebiete, beehre ich mich, Ew. c. auszugsweise eine Eingabe des Syndifats für Westafrika in Hamburg vom 30. v. M. und deren Anlage, sowie Ueberfegung aus Nr. 278 des Kuryer Poznanski"- das be zieht sich auf Rogozinski- zur gefälligen Kenntnißnahme und gesprächsweisen Verwerthung des Inhalts zu übersenden. Ew. c. werden darin ausreichendes Material finden, um Lord Granville davon zu überzeugen, daß die von uns angebrachten Beschwerden über Versuche englischer Beamten und Unterthanen, die Ausdehnung der deutschen Besitzungen von und die Befestigung des Kamerun nach dem Innern อน erschweren, auf bedeutschen Ansehens daselbst stimmte Thatsachen begründet war. Wir hoffen umfomehr, Daß englischerfeits alles geschehen wird, um den von Lord Granville ausgedrückten freundlichen Absichten durch die That zu entsprechen. Euer 2c. wollen zugleich Lord Granville mittheilen, daß der kaiserliche Geschwader- Chef angewiesen worden ist, megen eines uns gemeldeten und auch schon in der Presse erwähnten Erzeffes von Eingeborenen gegen den Kapitän eines englischen Handelsschiffes und dessen Leute nachdrücklich einzuschreiten und die Schuldigen zu bestrafen. Dieser in Bezug genommene Auszug aus einem polnischen Blatte, einer Quelle, die auf einem großen Umwege uns das unter Augen bringt, was in Fernando Po gesponnen und schließlich in Kamerun zur Ausführung gefommen ist also die Ueberfegung aus dem Kuryer Boznansti" vom 2. Dezember 1884 ist überRogozinski's Expedition schrieben: Wichtiges Dokument nach Afrika!" Unter dieser Ueberschrift theilt der Kuryer Boznansti" aus dem ,, Kuryer Warszawski" Folgendes mit: Die geftrige Abendpost brachte uns so schreibt der Kuryer Warez." - ein Schreiben, welches wir in mö.tlicher Uebersetzung aus dem Französischen mittheilen, und das unzweifelhaft geeignet ift, lebhaftes Interesse bei unseren Landsleuten zu erweden, und zwar nicht blos wegen der für uns hochinteressanten Expebition unseres Landsmannes Rogozinski nach Afrika, sondern auch wegen der Verbindung dieser Expedition mit der afrika nischen Angelegenheit, welche gegenwärtig auf der Tagesord nung der europäischen Politit steht, datirt: Santa Isabel de Fernando Boo, den 29. September 1884: Herr Redakteur! Da ich seit der Beit meiner Ankunft in der hiesigen Gegend, in der gegenwärtig Ihr Landsmann Herr S. Rogozinski meilt, der Vermittler zwischen der Redaktion des Kuryer Warszawsky" und der Expedition bin und die beiderseitigen Korrespondenzen entgegennehme, so pflege ich mit dem größten Intereffe Alles zu verfolgen, was in Verbindung mit Ihren Forschern steht. -Also auch die Bolen haben, wie es scheint, Mittel zur Er forschung des Innern von Afrika. forschung des Innern von Afrika. Aus diesem Grunde becile ich mich, Ihnen diese kurze Korrespondeus zu übermitteln, welche, wie ich glaube, Jhr Blatt im höchsten Grade intereffiren wird, erster 3 deshalb, weil die hier stattgehabten politischen Ereignisse eine ungeheure Tragweite haben, und dann auch aus dem Grunde, weil herr Rogozinsli bei diesen Ereignissen die Hauptrolle spielt. Seit einigen Monaten hat die deutsche Regierung den Beschluß gefaßt, hier in der Biafrar Bay eine Kolonie zu gründen, und zu diesem Zwede hat ein Deutiches Kanonenboot, an deffen Borb fich Dr. Nachtigall in Der Eigenschaft als Kommissar des deutschen Reiches befand, licher, ich weiß nicht, was er ist, sich an einer Agitation g Deutschland betheiligt hat, so wird er schwerlich im Sinne uns eng befreundeten spanischen Regierung gehandelt ba Ich habe, meine Herren, diesen Mittheilungen weiter ni binzuzufügen; ich hoffe aber, Ste werden zur Beleuchtung Situation und der Bedürfnißfrage dort an der afritani Küste Einiges beitragen und fich möglicherweise auch Kommiffionsberathung vielleicht überzeugen, daß es nüglid hier bald praktisch und entschieden vorzugehen oder die davon zu lassen. Ich bin ad utrumque paratus, wie Sie über befehlen; aber die Verantwortung für den Fall, daß uns weitere Hindernisse schaffen, lehne ich vollständig von ab, und ich weise fie der Majorität, die uns einen Hemmi anlegt, zu.( Lebhaftes Bravo! rechts.) Befürch Anfang für das würde, eine Ko eine pro dufirie diesem 26 nebenei felben S hört, w und mi unsere ganz vo einen G die Ehr entsteht wilder derfeßen beizugeb dem Vo Wechsel feien fi fönnen. für Auf bewaffn hofft, d oder in Pläne nicht ge heben, nicht ge einem d es steht dasteht Lage de Seemäd Ausgab machen sequenz Vorfall Kolonia tommen und da Wir erle barland fition, wiesen bin alt mit der berather fungen augenbl bahin, Schri Bofition wiewohl ausgeleg Reichsto Aber m zu folge bedingt müßte geben. feine fegen al Rei uns Mi hat als Daß di wichtige stebt. wichtig wie fequenze soweit t daß wir bisher i wir zu etat nic 1885 eir Kanzler Gebäude weiß es legt wer zeitig bi Erforder aber die sachfund Sachtun Hambur manche fequenze nun die bin ich daß der wir wär Deshalb eines G gründet zwi willigen nothwen Herr W rebner h stellte, unsere zur See jagen: wir im reich au einzelne Abg. Woermann: Die Vorgänge, die uns beute Kamerun gemeldet wurden, find nicht eine Folge der Ereig der legten Monate. Seit Jahren bestanden dort zwischen Eingeborenen und ihren Häuptlingen Bwiftigkeiten von im wachsender Heftigkeit; jene wollten sich von den Häuptlin emanzipiren und hatten eine gewiffe Macht über dic linge. Diefer Streit wurde geschürt durch die Eifer zwischen den englischen und deutschen Kaufleuten in Rame Kamerun selbst ist nun fein Land, in welches jemals deu Einwanderer werden hineineingebracht werden können; dennoch wird es für unser Vaterland von ganz bedeute Nugen sein können. Man muß unterscheiden Handels- und Ackerbaukolonien. Schaffen diese für die schüssige Bevölkerung Raum, so haben jene den Zweck, fü Erzeugnisse des Muiterlandes Absatzgebiete zu schaffen; un dem legteren3wede eignet sich die Küste Westafritas ganz beson Der Hinweis auf den Absatz von Papier, der gestern gen worden ist, zeigt, wie von fleinen Anfängen aus eine Indu Heute will ich aus meiner eig allmälig gehoben wird. Erfahrung vorführen, daß 300 Fabrikanten thätig sind, w die verschiedensten Waaren für den Export nach der We Afrikas liefern; in allen diesen Bmweigen fing es flein an Es zeigt sich, wie gewinnt allmälig an Ausdehnung. überseeischen Verbindungen auch für einen größeren Kreis Mutterlandes wirksam und von Nugen sind. Wenn man fagt, daß die einheimische Bevölkerung in Afrika keine Be niffe habe, so ist das enischieden irrthümlich. Serade den gern, welche ein großes Nachahmungstalent haben, ist e dürfniß, fich immer mehr zu befleiden und auch sonst es Europäern gleichzuthun, wie ich dies auch seit den Jahren meine Firma fich dort niedergelaffen bat, beobachtet Vor 11 Jahren sind Beuge von 60 Sentimeter in Kamerun eingeführt worden, heute müssen die Beuge bis 120 Bentimeter breit sein. So will auch jeder Häupt jezt nach dem Muster der europäischen Häuser sein eig Haus haben. Westafrika ist aber ein Land, das mit Reichthum seiner Produkte die Erzeugnisse der Europä bezahlen sehr wohl im Stande ist; es fommen auch im der Zeit immer mehr Produkte aus dem Innern Afrifo aus. Balmöl und Balmferne werden ist in großen exportirt, während Balmkerne vor 30 Jahren noch gar ausgeführt worden sind. Ein Reisender fann eine La Ma eing Dies if Frankrei und es legen fir bunden seine T und Fr indeß be indizirt. macht auf die Spanien Deutschl ten, die gegenübe halten m fenne,( S See?( 6 Grade, meine teine Lu lung un Frucht entdecken, eine einzige Entdeckung machen, welche den Handel von der größten Bedeutung werden kann. das Gebiet Batanga, den Fluß Kamerun und Bimbia annet Verhältnisse in Ramerun würden nun aber eine gute Ge durch V tirt. Es war auch die Absicht Dr. Nachtigalls, die Gebirge tung nicht finden, wenn nicht eine ständige Bertretung von Kamerun in Befis zu nehmen, in denen die jetzt schon ziemlich ausgedehnten Befizungen der Station des Herrn Rogozinski belegen find; jedoch die Absichten der Deutschen in Bezug auf die Gebirge, d. h. in Bezug auf die ganze RüftenBezug auf die Gebirge, d. h. in Bezug auf die ganze KüstenDeutschen Reiches dort hergestellt wird. Das Dampfidiff Gouverneurs, welches nicht ein Kriegsschiff sein foll, foll be felben in den Stand seßen, von einem Platz der Küste anderen, welche zu demselben Gebiete gehören, zu fahren. fit aliqui herausdr Sie das I paraly wohin fegefäh n deuts der Das si unter um b fern htigal auf and Candel tomm in Bo Lage englis unter well zu h nd bot die Häup Kanon e dazu, engli Ee engli ege, un tlandes widersp B engli im Wi Abficht und langten ämmen Abtret immten it Engl engli boot achricht ebme Befürchtung, daß die erfte Bewilligung zu solchen Zweden den Anfang neuer Belastungen für unser Budget zur Folge haben würde, halte ich nicht für begründet. Wir verfolgen ja nicht eine Kolonialpolitit, welche auf Eroberungen ausgeht, sondern eine praktische Politik, welche im Auge hat, Handel und Industrie des gesammten Vaterlandes zu unterstüßen. Wenn auf diesem Wege fortgeschritten wird, so wird es eine gesunde und für das Reich förderliche Politik sein.( Beifall.) Abg. Windthorst: Hier müffen zwei Thatsachen nebeneinander gehalten werden, die aber absolut nicht in berselben Weise behandelt werden dürfen. Wir haben eben gehört, welche Begebenheiten dort in Afrika stattgefunden haben, und wir können unseren Landsleuten für ihre Haltung nur unsere volle Sympathie aussprechen. Es versteht sich auch ganz von selbst, daß wir nicht gefonnen sein können, auch nur einen Groschen zurückzuhalten, der erforderlich ist, um die Ehre des deutschen Namens aufrecht zu erhalten. Für mich entsteht nur die Frage: kann man in einem Lande von solch wilder Bevölkerung einen Gouverneur, Sekretär u. s. w. niedersetzen, ohne diesen Leuten zugleich einen bewaffneten Schutz beizugeben? Ich für meine Person glaube nicht, daß wir nach dem Vorgange, der uns heute gemeldet ist, einen Bouvereur den Wechselfällen und den Erregungen der einheimischen Bevölkerung, feien fie spontane oder anderweitig angeftiftete, überlassen können. Es ist deshalb nothwendig, zu erwägen, ob wir nicht für Aufrechterhaltung der Autorität eine größere oder geringere bewaffnete Macht haben müssen. Ich hätte erwartet und gehofft, daß der Reichskanzler in der Lage sein wird, uns heute oder in einem weiteren Stadium der Berathung die ganzen Pläne seiner Kolonisationsidee zu entwickeln. Das ist heute nicht geschehen, und ich sage das nicht, um einen Tadel zu ers heben, sondern ich will nur die Thatsache konftatiren, daß es nicht geschehen ist. Wir will es scheinen, daß Deutschland vor einem der bedeutendsten Schritte in seinem ganzen Leben steht, es steht vor dem Schritte, von einer Landmacht, die gebietend dafteht in Europa, auch eine Seemacht zu werden, die nach der Lage der Dinge so mächtig sein muß, daß fie den größten Seemächten gewachsen ist. Wir müssen umsomehr die ersten Ausgaben prüfen, weil wir uns zugleich damit verantwortlich machen für die Uebernahme alles dessen, was später in Konsequenz derselben nothwendig sein wird. Der heute gemeldete Vorfall bestärkt mich in der Ueberzeugung, daß wir durch die Kolonialangelegenheiten in große auswärtige Berwickelungen tommen werden, einmal an dem Orte der Kolonialpolitik selbst und dann mit anderen eifersüchtigen Nationen.( Sehr richtig!) Wir erleben ja in diesem Augenblicke Aehnliches in unserem Nach barlande Frankreich. Ich werde deshalb beantragen, daß die Bofition, die hier in Frage steht, an die Budgetkommission über wiesen werde, mit dem Wunsche, daß sie daselbst schleunigst berathen werde. Ich weiß zwar, daß dies nach den Bemer fungen des Reichsfanzlers nicht gern gesehen wird, aber ich bin alt genug, um solchen Dingen gegenüber mich nicht durch augenblickliche Begeisterung fortreißen zu laffen. Ich neige dahin, das zu bewilligen, was hier verlangt wird, aber da es mit der Kolonialpolitik zusammenhängt und der erste ernste Schritt auf diesem Gebiete ist, so möchte ich die Pofition nicht im Sturmlauf genommen sehen. Ich sage das, wiewohl ich weiß, daß auch meine heutige Erklärung falsch ausgelegt werden wird. Jeder im Hause ist erfreut, wenn der Reichstanzler die Güte hat, selbst die Debatte zu leiten und uns Mittheilungen zu machen, Keiner das vollständiger als er. Aber mit dieser Neigung, ihn zu hören und seinen Gedanken zu folgen, ist nicht zu verwechseln, daß man nun auch unbedingt das thun muß, was er fordert und wünscht, da müßte man ja seine eigenen Gedanten ohne Weiteres aufgeben. Es muß doch dem Herrn Reichskanzler angenehm sein, seine Forderung selbst prüfenden Männern gegenüber durchzus sezen als Leuten gegenüber, die ihm blind folgen. Ige be Durch englif teit Dierauf er Küfte inheimi terzeichn orien. ämlich und Kald er deut acht, fo enboot deren Lauf g gung zur re hätten sti ift Rüd uruf.) foll bie on in nn wirb e wegen cht von it Ungeb Jitle perf rges S n polni in muß Cundigun oder G Cation g Sinne ndelt ba weiter ni euchtung afritanij auch nüglic r die Die Sie all, daß Dig von Hemmi 8 beute er Ereig wischen von im Häuptlin dic Sp ie Eifer En Kam als Deu nnen; bedeuter daß Sie Ihr ablehnendes Votum schärfer und klarer aussprechen, als es durch die thatsächliche Rückverweisung der Sache in eine Kommission der Fall ist, damit auf diese Weise die Sache nicht verschleppt werde.( Sehr wahr! rechts.) Ich habe außer den Nachrichten, die ich Ihnen vorhin mittheilte, gerade an demsesben Tage noch ein paar andere erhalten, von denen eine schon gedrudt ist, ein Telegramm aus Wellington: Die Regierung von Neuseeland hat den Antrag gestellt, die Samoainseln zu annettiren.( ött, hört! rechts.) Während wir bisher mit der englischen Regierung das stillschweigende, unausgefprochene Abkommen haben, daß teine der oeiden Regierungen eine Veränderung des status quo dort vornehmen soll ohne Bust' mmung der anderen, und daß wir die Unabhängigkeit der Samoainsein erhalten wollen. Ein Dampfer hält sich also in Neuseeland bereit, abzugehen, sobald die Entscheidung Lord Derbys eingetroffen sein wird. Eine andere Nachricht, die mir ebenfalls gestern zugegangen ist, und die in ihrem Lakonismus mir noch nicht vollständig verständlich ist, ist, daß die Eingeborenen in Neu- Guinea die dortigen deutschen Okkupationen hinausgeworfen haben. Das Telegramm hat nur fünf bis sechs Worte, ich fann mir das weiter noch nicht er= flären. Es ist mir nur merkwürdig die Koinzidenz des Widerstandes der Eingeborenen gegen die deutsche Offupation, die an den verschiedenen Küsten stattfindet. Auch in Samoa find es die Eingeborenen, die diese Annexionen seitens der englischen Kolonien beantragt haben. Kurz, wir sehen andere überall beim thätigen Handeln; währenddessen berufen wir Kommiffionen und zitiren den Reichstanzler dorthin. Das tommt mir doch etwa so vor, wie der Hofkriegsrath in alten Beiten in Wien. Ich würde mich, wenn ich Abgeordneter wäre, für verantwortlich halten nicht den Wählern, aber dem ganzen Lande gegenüber, wie es der Verfassung entspricht. Der Herr Vorredner hat gestern von den Aufträgen, die er von seinen Wählern erhalten hätte, gesprochen. Ich mache ihn darauf aufmerksam, daß das verfassungswidrig ist.( Heiterkeit im Bentrum.) Alle die Herren find Abgeordnete des ganzen Volkes und find an Mandate feitens einzelner Wähler oder Wählerkreise nicht gebunden.( Sehr richtig! rechts.) Sie haben die Interessen des ganzen Landes hier sorgsam zu erwägen und zu berathen. Der Herr Vorredner knüpfte daran die gewöhnliche Aeußerung: wozu find wir denn überhaupt hier, wenn wir das nicht genau prüfen und verwerfen können? Ja, das können Sie jeder Sache gegenüber, bei jedem einzelnen fleinen Gegen überhaupt hier, so muß ich daraus schließen, Sie sind überhaupt dazu hier, um Alles zu verwerfen, Alles aufzuhalten, Alles zu hemmen, was geschehen kann.( Ob! im Bentrum.). Indessen geht die Uhr der Welt vorwärts und Sie figen hier als Hoffriegsrath und ich als Feldmarschall Daun.( Heiterkeit rechts.) Unterdeffen werde ich geschlagen, wenn ich mich dazu hergebe, Ihr Daun zu sein. Das werde ich aber nicht.( Lebhaftes Bravo! rechts.) Kurz und gut, ich muß meinerseits die Mitwirkung an diesen weiteren Hoffriegsrathsberathungen in den Kommissionen ablehnen. Ich will die Mitschuld daran nicht tragen. Der Herr Borrebner hat so mannigfaltige Fragen berührt, daß ich nicht weiß, ob ich fie alle beantwortet habe. Eine fällt mir noch ein. Er stellte am Eingang seiner Rede die Meinung auf, als hätten wir am 15. Dezember die Direktorstelle im Auswärtigen Amte nur wegen der Kolonialverhältniffe gefordert. Ja, das ist ein vollständiger Jirthum. Da hat der Herr nicht die Güte gehabt, meinen Reden mit derfelben Aufmerksamkeit zu folgen, die ich den seinigen zu wid men pflege, wenn ich sie überhaupt verstehen kann von der Stelle, wo er zu stehen pflegt. Auch wenn Ihr Verdikt so ausfällt, daß wir Die Kolonialpolitik ganz aufgeben müssen und daß wir ,, Schwamm drüber" sagen müssen( Heiterkeit), so ist es doch unmöglich, ohne eine neue Direktorstelle im Auswärtigen Amte auszu tommen, ohne einen Beamten mehr, der von der prima plana ist und der unter Umständen in meiner Vertretung unterzeichnen und mir die Gewißheit geben kann, daß ich neben seine Paraphe die meinige sezen kann. Den müssen wir doch haben, und wenn Sie mir den ablehnen, so bin ich genöthigt, zwei höhere Beamte aus dem Auswärtigen Dienste einzuberufen, und das kostet dann leicht dreimal so viel, als wenn Sie diese Stelle bewilligen. Der Dienst kann darunter nicht leiden. Er geht schon jest schlechter. Seit wir darüber diskutirt haben, ist der Graf Haßfeld vollständig erkrankt und für Wochen aus dem Dienste vollständig ausgeschieden. Er kann die Arbeit, die ihm zugemuthet ist, nicht mehr leisten, und ich habe jetzt schon einen Gesandten heranziehen müssen. Sie müssen doch bedenken, daß ich nicht mehr wie in alten Zeiten meine 12-16 Stunden des Tages arbeiten kann. Ich habe 3-5 Stunden Arbeitszeit am Tage, und mit so wenig Leistungsfähigkeit würde ich ja im Dienste nicht bleiben, wenn nicht zwingende Gründe für mich da wären. Ich habe meinerseits das Gefühl gehabt, daß ich damit nicht tanti bin, aber wenn ich einmal darin bin, so ver langen Sie, daß ich von diesen wenigen Stunden noch einige in Ihren Kommissionen verbringen soll. Auch wenn ich das ablehne, so kann ich doch den Arbeiten nicht die Spize bieten, die da find. Der Herr Abgeordnete bat in Aussicht gestellt, daß wir irgend eine Garnison in Afrika haben müßten und hat sich darauf berufen, daß ich früher gesagt habe oder wenigstens darauf angespielt, daß eine solche nicht er forderlich sein würde. Ja, meine Herren, dabei bleibe ich auch noch. Haben denn die anderen Nationen dort Garnisonen? Sie sehen, daß die Mannschaft, die die Engländer, die Franzosen dort auf ihren einzelnen Kolonialpunkten haben, aus einem Konsul und ein paar Leuten von der Kategorie besteht, die man im Oriente Kawaffen nennt, und die dort anders heißen Krooneger oder Hauffa oder Banzibarsoldaten, die fie um fich haben. Sie sehen, daß einzelne Engländer unter Um ständen gefangen genommen, in Verlegenheit gerathen, und daß teine englische Streitmacht sofort zur Hand ist, um dem abzuhelfen. Und beshalb zeugt Dieser Gedanke, stande. Wenn Sie da immer sagen, wozu find wir denn Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Der Herr Vorredner hat als Hauptbafis seiner Entwickelungen den Satz genommen, daß die Bewilligung dieser Bofition ein außerordentlich wichtiger Schritt sei, richtiger als die Summe, die dahinter steht. Meine Herren, ich gebe das volkommen zu; aber sehr beiden wichtig nach Seiten. Sowohl die Annahme, mie Die Ablehnung, wie die Verzögerung wird Konsequenzen nach sich ziehen. Die Annahme wird vor der Hand, soweit ich sie übersehen kann, die Konsequenz nach sich ziehen, daß wir überhaupt bei der Abficht, Kolonialpolitik in dem bisher übersichtlichen Umfange zu betreiben, stehen bleiben, daß wir zu diesem Bwed Ihnen in kürzester Zeit einen Nachtragsetat nicht zu 1884, wie er heute diskutirt wird, sondern zu 1885 einbringen, der die Kosten für den Gouverneur, für seinen Kanzler und für ein paar andere Beamten, die Kosten für ein Gebäude für diesen Gouverneur von Stein oder Holz ich weiß es nicht enthält. Das wird Ihnen in Kurzem vorge legt werden es wäre Ihnen schon vorgelegt, wenn wir recht. zeitig die Informationen über das Minimum, für welches diese Erfordernisse herzustellen sein würden, hätten beschaffen können, aber die Entfernungen find weit, und wir sind eben auf das fachkundige Urtheil( die Regierung nämlich hat Vertrauen auf Sachkundige), auf das sachkundige Urtheil des Syndifats in Hamburg angewiesen, das seinerseits an Drt und Stelle über manche Dinge noch Rückfragen hält. Das also find die Konsequenzen, die die Bewilligung vorläufig nach fich zieht. Was nun die Kriegsbefürchtungen des Herrn Vorredners betrifft, so bin ich es der öffentlichen Beruhigung schuldig, zu erklären, daß der Herr Abgeordnete im Irrthum ift, wenn er meinte, wir wären von Feinden umgeben. Wichtig bleibt der Schritt Deshalb doch, denn er zieht immer die weitere Bewilligung eines Gouverneurs nach sich. Die ganze Forderung ist be gründet auf der Voraussetzung, daß fie den Gouverneur bewilligen werden, denn ohne Gouverneur ist keine Barkaffe nothwendig; ich wüßte sonst Niemand der darauf fahren sollte. Herr Woermann hat seine eigene.( Heiterkeit.) Der Herr Vorredner hat es nun so dargestellt, daß er uns vor die Wahl stellte, entweder auf unsere Kolonialpolitik zu verzichten, oder unsere Seemacht auf eine Höhe zu erheben, daß wir überhaupt zur See Niemand zu fürchten haben, ich will also einmal ich will also einmal fagen: auf die Höhe der Seemacht von England; dann hätten wir immer noch ein Bündniß von England und Frankreich zu fürchten. Die no immer noch stärker, als eine einzelne Macht jemals in Europa sein fann und sein wird. Dies ist daher ein Biel, das ja nie erstrebt werden tenn. Frankreich ist zur See vielleicht weniger start als England, und es fürchtet sich doch nicht, seine Kolonien, die so weit entlegen find, daß der Seeweg ihm an verschiedenen Stellen unter bunden werden fann, ruhig im Vertrauen auf sein Geschick, seine Tapferkeit und sein Ansehen, sowie auf die Gerechtigkeit und Friedensliebe anderer Staaten durchzuführen. Ich will indeß bei Frankreich gar nicht stehen bleiben; auch eine Sees macht wie die französische halte ich gar nicht für Deutschland indizirt. Aber follte es wirklich für uns unmöglich sein, uns er Häupt auf die Höhe von Portugal aufzuschwingen, von Holland, von Spanien, von Nordamerika, ja selbst von Rußland? Sollte Deutschland wirklich außer Stande sein, eine Seemacht zu hal ten, die allen übrigen Wächten, außer England und Frankreich, gegenüber die See halten tann, legteren gegenüber fte auch halten wird nach dem Geiste, den ich in unseren Seeleuten tenne,( Bravo! rechts) entweder über der See oder unter der See? ( Erneutes Bravo.) Also wichtig ist der Schritt ja im höchsten Grade, aber nach zwei Seiten hin. Es ist aber auch wichtig, meine Herren, daß er schneil geschehe. Wenn Sie überhaupt teine Lust haben zu der Sache, wenn Sie entschlossen find, durch Verschleppung der Sache in Kommiffionen, die Entwick lung unserer Kolonien zurückzuhalten und abzuwarten, interim fit aliquid, ob man die Regierung nicht aus diesem Geleise herausdrängen fann durch irgend eine andere Frage- wenn Sie das wollen, meine Herren, so möchte ich wirklich bitten, n zw ir die ved, fil ffen; un mz beson Hern gen ne Ind iner eig find, Der We lein an , wie en Kreis nn man eine Be ade den ift ed fonft es Jabren bachtet teter B Le Beuge fein eig as mit Europie uch im Afritas La oßen Ma och gar eine ein n, welche fann gute Gef rtretung mpfidiff ll, foll de er Rafte fabren. 100 den der Herr Vorredner in Ihnen anzuregen suchte, als wenn wir dort große Garnisonen anlegen müßten, davon, wie wenig die Herren die Verhältnisse dort kennen; Sie können Sie auch nicht fennen; aber wenn ich die Verhältnisse nicht tennte, dann würde ich in solchen Dingen wie Guinea und die afrikanische Küste doch immer noch eher geneigt sein Herrn Woermann zu folgen, als Herrn Windthorst.( Bravo! rechts.) Ich glaube, daß Herr Woermann die Sachen genauer fennt als Herr Windthorst, während Herr Windthorst gewiß sonst uns Allen an mannigfachen Kenntnissen überlegen ist, aber in Bezug auf Afrika habe ich keinen Glauben an ihn. Die Regierung hat Autoritäten, wie denen der Herren Woermann, von Janßen und Thormählen dieser Hamburger Firmen, diefer angesehenen fürstlichen Kaufhäuser, die mit ihren eigenen Intereffen, mit ihrem ganzen Vermögen für den Erfolg der Unternehmungen engagirt find, denen bat fie volles Vertrauen geschenkt, sie ist denen in fidem nachgegangen, fie fann ja darin irren, aber es ist nicht wahrscheinlich. Wenn die kaufmännische Aristokratie eines großen Handelsemporiums, des ersten in Deutschland, des ersten auf dem Kontinent, diese Wege aus freier Wahl eingeschlagen hat, nicht etwa genöthigt durch irgend eine Regierungsinitiative, und sie steht nachher dafür ein, fest ihr Vermögen dazu ein: hat denn Deutschland zu dem kaufmännischen Geschickt seiner ersten Handelsstadt nicht so viel Bus trauen, daß es ihr da mit 50 000 Mart oder einer Barkaffe burger so einfältig, daß sie nicht wissen, was ihnen frommt? zu folgen im Stande ist?( Bravo! rechts.) Sind die Ham ( Bravo! rechts.) haben wir gegen Hamburg, den eigentlichen Führer unseres deutschen Exportes nach überfeetschen Ländern, ein solches Mißtrauen, daß wir glauben, die Leute werden die deutschen Intereffen entweder kaufmännisch nicht verstehen oder aus egoistischen Interessen falsch behandeln? Ja, meine Herren, dann verzichten wir auf die Aktion, dann kriechen wir auf unfere thüringer Berge zusammen und sehen das Meer mit dem Rücken an. Das ist das Beste, was wir thun fönnen.( Lebhaftes Bravo! rechts.) Meine Herren, ich habe für meine Kräfte heute genug geredet, obwohl mein Herz von dieser Sachvoll genug ist; aber ich fürchte, ich möchte schließlich in Unmuth übergehen, nachdem ich auch heute denselben Kommissionssturm wieder wie gestern gehört habe. Also ich kann Ihnen nur empfehlen, nehmen Sie diese Vorlage an und entscheiden Sie fich damit für Beibehaltung und Befolgung der Kolonialpolitik in dem Sinne, wie sie von den hanseatischen Pionieren unseres Handels begonnen und von der Regierung unter ihren Schut genommen ist! Wenn Sie die heutige fleine Bofition ablehnen, so nehme ich an, sie haben ,, nein" gesagt, und dann fallen die Folgen auf Ihre Verantwortung, aber nicht auf meine. ( Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.) tanzler versichern, daß wir seine Erklärnngen über das friedAbg. Richter( Hagen): Ich kann dem Herrn Reichsliche Verhältniß mit unseren Nachbarstaaten mit großer Freude entgegengenommen haben und auch nicht zweifeln, daß sie im Lande dieselbe Aufnahme finden werden. Nun waren der ersten heutigen Rede des Reichskanzlers nur zwei Reden von unserer Seite vorausgegangen; wer aber seine erste Rede lieft, fönnte glauben, es wären das zwei durchaus polemische Reden gewesen. In Wahrheit aber hat Herr v. Bunsen für seine Person an die Entwicklungsfähigkeit Afrikas so hohe Hoffnungen geknüpft, wie sie vielleicht schwerlich von allen Seiten getheilt werden; und die im Namen der Partei abgegebene Erklärung des Abg. v. Stauffenberg beschränkte sich darauf, daß wir auf dem Standpunkt des Herrn Reichskanzlers vom 26. Juni v. J. stehen geblieben sind, daß wir also die Kolonialpolitik in der damaligen engen und Inappen Begrenzung im Gegensatz zu dem sogenannten französischen Kolonialsystem im Allgemeinen zu unterstüßen wohl im Stande find, und daß wir unsere damals martirten Bedenken gegen eine weiter gehende Kolonialpolitik ebenso auch heute festhalten. In lepterer Beziehung stimmen viele Ausführungen des Abg. Windthorst mit unseren Anschauungen überein, und die seitherigen Erscheinungen find sogar geeignet, diese Bedenken zu verſtärken. Indeß hat der Reichskanzler jüngst mit Recht darauf hingewiesen, wie man in der Politik lernen müsse, und so müssen denn auch an diesem ganz neuen Gebiete erst Ers Bedeutung der Frage gewinnt, wird unser Urtheil immer fahrungen gemacht werden, in dem Maße, wie die praktische fester und sicherer begründet werden. Wir sind der Meinung, Daß wir heute nicht über ein Kolonialsystem und über irgend eine in ihren Grenzen nicht erkennbare Rolonialpolitik entschei den, auch nicht über die Entwickelung der Marine; diese Fragen werden vielleicht bei späteren Gelegenheiten an uns herantreten. Vorläufig halten wir uns an das, was der Reichsfanzler am 26. Juni über den letteren Punkt gesagt hat, daß nämlich das französische System unsere Marine zu sehr in Anspruch nehmen würde. Der Herr Reichskanaler hat übrigens Recht, wenn er hervorhob, daß der zweite Direktor mit dem Kolonialsystem nichts zu thun hat; aber er darf es nicht übel nehmen, wenn im Lande vielfach diese Meinung verbreitet ist. Hat doch ein Aufruf für eine Ehrengabe an den Reichskanzler au folonialpolitischen Zwecken, unterzeichnet von den Herren Marquardsen, Buhl und anderen pfälzischen Abgeordneten des Reichstages( hört, hört! links), diese Aufforderung geradezu damit motivirt, daß der Reichstag dem Kanzler die Mittel zur wirksamen Führung der Geschäfte des Landes, namentlich für seine folonialpolitischen Zwecke vor enthält( hört, hört! links). So wird von nationalliberalen Abgeordneten, die doch aus dem stenographischen Bericht wiffen müssen, daß der Unterstaatssekretär Dr. Busch hier das Gegentheil gesagt hat, ein solcher Irrthum im Lande verbreitet, und dann darf man sich nicht wundern, wenn auch hier im Hause diese falsche Vorstellung zuweilen auftaucht; und wir sind dem Herrn Reichskanzler besonders dankbar dafür, daß er diesen Frrthum feinerseits zerstört hat. Herr Wörmann hat uns gemissermaßen darüber beruhigt, daß weitere Belastungen für Das Kamerungebiet, soweit er das übersehe, nicht stattfinden würden und er stellt auch in Aussicht, daß die Interessenten dort ist oder später die Kosten für den Gouverneur und wohl auch für die Schiffsbesaßung übernehmen würden. Diese wichtige Geldfrage. Drängt sich uns nämlich sofort auf: Was zahlen diejenigen Herren, die den nächsten, den größten Vortheil von der Sache haben?( Sehr richtig! links.) Diefe Frage wird sehr bald praktisch werden, und umsomehr beruhigt mich die amtliche Erklärung des Reichskanzlers in den Aftenstücken, daß außer dem Kriegs- und Justisdepartement alle sonstigen Ausgaben dieser Gebiete als Angelegenheit der Interessenten, der Kaufleute, der Faktoreien betrachtet werden, und mit Genugthuung sehe ich die Herren zur Deckung dieser Ausgaben sich auf eine eigene Steuer, die Erhebung eines eigenen Ausfuhrzolls in diesen Gebieten sich gefaßt machen. Eine Kommissionsberathung hat unsere Partei am 14. Dezember nicht für nöthig gehalten, weil es sich um eine relativ vereinzelte Frage handelt, und die Tragweite, daß hier die ganze Kolonialpolitit in unfaßbarer, verschwommener Geftalt engagirt wird, nicht erkennen können. Seitdem find mehrere Wochen verfloffen; die Frage liegt außerdem ganz anders wie gestern. Die Gelder für die afrikanische Gesellschaft wer den ja erst zum 1. April und danach verlangt, die gestrige Kommissionüberweisung hat für die Erforschung Afritas keine Verzögerung zur Folge. Heute liegt uns ein Nachtrag zum laufenden Etat vor, damit das Schiff bis zum Sommer gebaut werden kann, um noch in der guten Jahreszeit nach Kamerun befördert zu werden. Die Voilage ist am 20. November an uns gelangt, auch nicht durch ein Verschulden verzögert worden, sondern durch die in der Thronrede erfolgte Ankündigung jener diplomatischen Aktenstücke, deren Publikation inzwischen erfolgt ist. Soll aber die Forderung den gewollten Zweck erfüllen, so kann man selbst bei sachlichen Bedenken einer beschleunigten Berathung zustimmen. Und da wir unsererseits bereits vor Wochen beschlossen haben, wenn es die parlamentarischen Verhältnisse mit sich brächten, auch sofort in zweiter Lesung für den Bosten zu stimmen, so find wir dem ents sprechend auch heute bereit, für die Bewilligung einzutreten. ( Beifall.) Reichskanzler Fürst v. Bismard giebt seiner Freude Ausdruck, daß er ausnahmsweise einmal das Vergnügen habe, fich mit dem Herrn Abg. Richter in Uebereinstimmung zu be wegen.( Bravo! lints; Heiterkeit.) Abg. v. Hammerstein: Das deutsche Volt steht in dieser Frage ganz hinter dem Reichskanzler, nur hier im Hause werden Nörgeleien gegen die Politit desselben laut. Den Herren hier unten werden die ersten Vorgänge in Kamerun bekannt geworden sein, aber mit Rücksicht auf die gefüllten Tribünen gestatten Sie mir wohl, die neuesten Nachrichten über dieselben zur Verlesung zu bringen.( Redner verliest das Telegramm der Köln. Btg." über die Landung von Mannschaften der„ Olga" und" Bismaid" in Kamerun zur Büchtis gung aufrührerischer Eingeborenen.) Diesen ernsten Vorgängen gegenüber haben wir nicht nur unsere Anerkennung auszus sprechen für die brave Haltung unserer Marine( Beifall), sondern wir dürfen auch nach außen hin keinen Zweifel auftommen laffen, daß der Boden, der mit dem Blute braver Lands leute erworben ist, von uns nicht wieder aufgegeben wird. tritt, so rasch als möglich zu bewilligen. Herr Windthorst hat Deshalb ist es nöthig, die Forderung, die hier an uns heran zur Vorsicht gemahni, weil wir ringsum von Feinden umgeben seien. Ich kann das nicht zugeben, aber troßdem könnte auch die Rücksicht darauf die Kolonialfrage nicht wieder in den Hintergrund zurückorängen. Dieselbe ist zu einer Eristenz frage für uns geworden; wir sind gezwungen, diesen Schritt zu ihnn, da die Uebervölkerung, die uns daheim bedroht, uns nöthigt, neue Handelswege und neue Absaßgebiete für unsere Industrie aufzusuchen. Abg. Windthorst: Troßdem ich meine Gründe in der rübigften, sachlichsten Weise vorgetragen, hat der Herr Reichskanzler seine Erwiderung persönlich zugespigt. Er hat fich gewissermaßen ironisch über meine Befugniß, ein Urtheil über diese Fragen abzugeben, geäußert. Daß der verehrte Herr dieselben sehr genau tennt, war mir nicht zweifelhaft. Aber er hat doch datum noch nicht das Stecht, so zu thun, als ob alle Anderen garnichts von denselben verständen, als wenn es eine große Vermefenheit wäre, in solchen Dingen auch ein Urtheil zu haben. Ein einfacher Abgeordneter hat nicht die Mittel, welche dem verehrten Herin zur Seite stehen, auch kann er auf dem Gebiete auswärtiger Politik nicht handeln, wie der Herr Reichskanzler, der 2 Millionen Soldaten hinter sich hat. Auswärtige Politik auf diesem Boden zu treiben, ist kein übermäßiges Kunststück.( Widerspruch und Lachen rechts.) Daß Sie( rechts) diese Behauptung sonderbar finden würden, war mir flar; aber ich habe dieselbe abfichtlich gethan. Wenn das der Fall wäre, so wäre es bedauerlich; denn wir würden alsdann nach dem Fürsten Bismarck in schwere Bedrängniß fommen. Ich glaube aber, daß wir auch da noch Männer zur Führung unserer auswärtigen Politik finden werden. Die Ausführungen des Herrn Wörmann sind immerhin, wie das ja natürlich und berechtigt ist, wesentlich durch hamburgische Interessen, die ja allerdings auch deutsche Intereffen sind, beeinflußt. Wir müssen sehr vorsichtig verfahren und unser Votum ohne jede Leidenschaft abgeben. Tasjenige, was nöthig ist, um in Kamerun die Autorität der deutschen Flagge aufrecht zu erhalten, müssen wir, das wiederhole ich, einmuthig bewilligen; das sind wir unserer Ehre, unferem auswärtigen Einfluß und dem Andenken derer schuldig, die in weiter Ferne für das Vaterland ihr Blut vergoffen haben.( Bustimmung.) Aber die heutige Frage hängt damit gar nicht zusammen. Es würde mir nicht schwer sein, für die for derung der Regierung zu stimmen, wenn nicht der Reichskanzler gefagt hätte, daß wir mit dieser Bewilligung Die ganze Kolonialpolitik billigen, in dem Sinne, wie die großen Häuser in Hamburg fie auffaffen. Ueber Diese Kolonialpolitif wiffen wir noch sehr wenig. Indessen ist durch die Haltung der Freifinnigen über die heutige Frage schon entschieden; und wenn es auch eine große Beruhigung für mich ist, daß ich meinen Antrag auf Kommissionsberathung geftellt hatte, so will ich doch unter den obwaltenden Verhält niffen die Position für Kamerun bewilligen; jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß ich nur die Position selbst bewilligen und mich im Uebrigen über die Rolonialpolitik durchaus nicht ausgesprochen haben will, und ich glaube, hiermit find auch alle meine politischen Freunde einverstanden. Reichskanzler Fürst v. Bismard: Der Herr Abg. Windthoist sagte im Beginn seiner Rede und er hört so fein, wie wir Alle wiffen, daß er mich taum mißhört haben kann, daß ich behauptet hätte, alle anderen Menschen wüßten gar nichts außer mir. Das hat mir doch sehr fern gelegen; ich habe blos behauptet, daß Herr Woermann und Genossen in dieser Sache mehr wüßten, als Herr Windthorft und ich zusammen. Das behaupte ich auch noch. Das ist doch aber durchaus verschieden von der Art von Ueberhebung, die der Herr Vorredner mir schuld giebt- ich habe unter Umständen viel Selbstgefühl, aber ich halte mich im Ganzen für einen bescheidenen Menschen und möchte mich gegen dieses falsche Licht, das in der öffentlichen Meinung Durch ein so angesehenes Urtheil auf mich fällt, einigermaßen Und das kann ich wiederholen, daß ich wirklich ein falviren. gewiffes Vertrauen auf die hanseatische Kaufmannschaft habe, auch wenn der Herr Vorredner sagt, diese ich weiß nicht, ich verstand so, daß er fie Handelslönige oder etwas ähnliches nannte, ich bin des Ausdrucks nicht ganz sicher, aber ein König" war dabei,( heiterkeit) feien plöglich aufge taucht, wir hätten sie früher nicht gekannt und ohne fte sehr Ja, das glücklich gelebt. war in Der Beit, wie überhaupt Deutschland so zerissen war, Daß das dem in Der Königreich Hannover, Herr Vorredner Minister war, von den Handelsintereffen Hamburgs, feines Nachbarstaates, sehr wenig oder gar nichts wußte( lebhafte Heiterkeit), sonst würde der damalige hannoversche Minister doch auch diese Handelskönige, wie er fie, glaube ich, nannte, schon einigermaßen wahrgenommen haben. Daß die in Folge der Konjolidation des deutschen Volkes, in Folge der Errichtung des Deutschen Reiches größer geworden sind, daß sie angeschwollen im besten und wünschenswerthesten Sinne seitdem find, das glaube ich gern; aber eine Ahnung follte der frühere hannoversche Minister von dieser Bus funft Hamburgs doch immer damals schon gehabt has ben.( Heiterfeit rechts. Abg. Dr. Windthorst: Ganz Ich kann das nicht als eine ganz ephemere gewiß!) und unerwartete Erscheinung betrachten, das Hamburgs Handel seine Fühlfäden nach überseeischen Ländern unter dem Schuße des deutschen Reichsadlers ausstreckt, da, wo er früher mit dem Hute in der Hand bei Fremden bettelnd sich durchzuschlagen suchte, oder, wie Herr Woermann die Sache aus seinen und feines Herrn Vaters Erfahrungen kennt, den Schuß fremder Mächte anrufen mußte, und daß jezt der deutsche Schuß dafür eintritt Natürlich, das hat Hamburg ein gewiffes Selbstgefühl gegeben, aber das gönne ich thm. Der Herr Vorredner ist ferner in einen eigenthümlichen Widerspruch mit seiner ersten Rede gerathen. Buerst sprach er von Feinde ringsum"; wir waren fleine, ängstliche, unvermögende Leute, die fich zur See und zu Lande nicht in dem Maße wie Portugal mehren könn ten, und die jedem Ehrgeiz über See entsagen mußten, weil sie nicht start genug waren, sich auf beiden Elementen zugleich zu vertheidigen; jest fagt er in ferner Rede: es ist gar feine Kunst, an der Spize von zwei Mill. Soldaten Heitei feit rechts) euroich päische Politik mit Erfolg zu treiben. Nun, zwei Mill.- ich beffe für die 3 funf, daß carin eine Vorbedeutung liegt für die Bewilligung von Seiten der Zentrumspartei( Heiterkeit), soweit gehen unsere Brätenstonen noch nicht, aber Andere haben auch Millionen von Soldaten. Ich bin ja weit davon entfernt, das Verdienst der auswärtigen Politik in Vergleich mit dem viel größeren der der militärischen Leistung in der preußisch deutschen Politik irgendwie zu überschäßen. Ich habe mich meiner Leistung nie gerühmt, und ich bin überzeugt, daß Jeder an meiner Stelle, gestützt auf die preußische Armee, namentlich aber der Herr Vorredner, es gerade so gut gemacht haben würde, wie ich.( Heiterkeit.) Sturz, ich bin nicht ruhmbegierig; ich gönne den nicht 2 Millionen, aber, sagen wir, eine Million deutscher Soldaten, zu denen ich selbst im geistigen Sinne mich zuzuzählen mir immer zur Ehre rechne, dem gönne ich das Verdienst in unferer ganzen Entwickelung, nicht nur des Deutschen Reiches, sondern auch der Politik, Die seitdem getrieben worden ist. Chne diese Bafts hätten wir die nicht treiben tönnen, darin hat der Herr Vorredner ganz Recht; aber er behauptet etwas, was ich nie bestritten habe, nämlich, als ob das diplomatische Verdienst in der deutschen Politit über das militärische hin ausgehe. Das ist richt der Fall. Da fist der Herr( auf den Abg. Dr. Grafen von Molte deutend), dem wir tie Einheit des Deutschen Reiches nächst St, Majestät dem Kaiser verdanken, nicht mir.( Bravo!) Ich habe über diesen Punkt schon öfter gesprochen, und ich will alte Geschichten von Schlachtfeltern hier nicht wiederholen; aber ohne die Armee tein Deutschland; weder wäre es geworden, noch ist es zu halten. Daß Herr Windthorst seinerseits eine Rolonialpolitik überhaupt nicht will, ja das ist uns klar aus dem Ganzen. Das ist eine Meinung, deren Berechtigung ich weit entfernt bin zu be ftreiten. Er befindet sich auf demselben Boden, wie früher Der Herr Abg. Bamberger. Und die Herren werden ja darüber einig fein, aus welchen Gründen fie die Rolonialpolitit nicht Berantwortlicher Redakteur N. wollen. Das braucht der Herr Abgeordnete uns nicht zu vers fichern. Aber Worte find über diese Frage genug gewechselt, laffen Sie uns jetzt die That einer Abstimmung sehen! Abg. v. Kardorff: Jch konstatire die bringende Noth wendigkeit, daß wir nach dem, was wir heute gehört haben, sofort im Plenum die Sache entscheiden müssen und entscheiden wollen. Abg. Richter wendet sich kurz gegen einige Aeußerungen des Abg. v. Hammerstein. Abg. Woermann: Richter und Windthorst hätten nicht nöthig gehabt, zu erwähnen, daß er hamburgische Intereffen vertreten habe. Diese Thatsache liege ganz klar zu Tage. Gegen die ihm imputirte Souverainetät" müsse er sich außdrücklich verwahren. " Abg. Dr. Marquardsen: Der Abg. Richter hat vor bin behauptet, in dem Aufruf, der meinen und des Abg. Buhl Namen trägt, hätten wir behauptet, daß der Reichstag dem Kanzler die Mittel zur Kolonialpolitik versagt. Ich will die Stelle wörtlich verlesen; es heißt in dem Aufruf: Dem großen Staatsmann versagt die Majorität des Reichstags die Mittel, die derselbe zur wirksamen Führung der Geschäfte des Reichs, namentlich seiner folonialpolitischen Aufgaben( hört, hört! und große Heiterfeit links) für unerläglich erflärt." Abg. Dr. Bamberger: Meine Herren, der Herr Reichskanzler hat mir die Ehre erwiesen, meiner am Schluffe feiner legten Rede zu erwähnen in dem Sinne, daß er Bezug nahm auf meine frühere Stellung zu dem, was man Kolonialpolitik nennt. Ich will dem gegenüber vorerst nur fonstatiren, daß ich in meinen Ansichten über unsere auswärtige überfeetsche Politit nicht das Geringste geändert habe. Es wird fich Gelegenheit finden, sich darüber näher zu erklären. Wenn ich es heute nicht thue, so werden meine Kollegen in dem richtigen Gefühl der Situation, die durch die Nachrichten von Außen geschaffen ist, wohl erwägen, warum ich mir Stillschweigen auferlegt habe. Abg. Richter: Daß es dem Abg. Marquardsen nicht angenehm ist, wenn von seinem Aufruf Aufhebens gemacht wird, kann ich mir denken. Aber daß die Sache sich genau so verhält, wie ich gesagt habe, hat er eben selbst bestätigt. Damit schließt die erste Berathung. In der sofort stattfindenden zweiten Beratbung ergreift Niemand das Wort. Die Forderung von 180 000 M. für die Dampfbarkaffe des Gou verneurs in Kamerun wird mit sehr großer Mehrheit genehmigt; dagegen stimmen nur einige Bentiumsmitglieder( u. A. von Schorlemer Alft, v. Huene) und Polen. Die Sozialdemokraten enthielten fich der Abstimmung. Schluß 5 Uhr. Nächste Sigung Montag 1 Uhr.( Militäretc.) okales. g. Mit dem Wiedereintritt der falten Witterung nehmen auch die Paletotdiebste hle wieder zu. Bu denjenigen, melche in den legten Tagen durch Paletotmaider um ihren Winter überzieher gekommen find, gehört auch der Kaufmann K., welcher, als er vorgestern Abend im zweiten Stadtbahn bogen des Restaurants Bum Prälaten" am Alexanderplat fas, nach seiner Restaurirung seinen Winterüberzieber vermißte. Bis jest ist es nicht gelungen, des Spizbuben habhaft zu wer den. Wenn das so weiter geht, dann wird man schließlich geAwungen sein, den Ueberzieher im Restaurant stets auf dem Leibe zu behalten. g. Offel! Komme zurüd, Dir soll verziehen wer den. Dein Vater", so lautet ein Plakat an den öffentlichen Anschlagsäulen. Dem Sinne nach bandelt es sich wieder um einen traurigen Vorgang, deffen nähere Verhältniffe fich vorläufig noch der Diffentlichkeit entziehen. Hoffentlich leistet der Gesuchte der Aufforderung Folge und giebt seinem Vater die innere Ruhe wieder. g. Einen schlau angelegten Betrug, der aber noch vereltelt wurde, versuchte gestern ein Ehepaar, um der Benefiz vorstellung des Kapellmeisters Herrn Franke im Ostendtheater toftenfrei beiguwohnen. Ein Herr hatte sich bereits am Vormittag zu der gedachten Vorstellung zwei Billets gekauft, war aber dringend verhindert, die Billets benutzen zu können. Er suchte daher Abends vor dem Theater vor dem Theater die Billets zu verkaufen und hatte auch das Glück, einen Mann mit seiner Frau zu finden, welcher bereit war, die Billets zu laufen. Bevor sie jedoch den Betrag erlegten, wollten fie fich erst an der Theater kaffe erkundigen, ob die Billets ,, echt" und giltig seien. Sie gingen, während der Herr draußen wartete, auch zur Kaffe und erfuhren hier die Echtheit der Billets. Anstatt nun zurückzukehren und das Geld zu bezahlen, begaben sie sich direkt ins Theater und fümmerten fich gar nicht weiter um den ehemaligen Eigenthümer der Billets. Es gelang aber nach einiger Beit, das Bärchen trot des dichtgefüllten Theaters herauszufinden und sie an ihre Schuld zu mahnen. Sie entschuldigten fich mit großer Vergeßlichkeit". Wie die Sache geendet, haben wir nicht erfahren tönnen. 11961 Polizei Bericht. Am 9. d. M. Morgens wurde der in der Memelerftraße 33 wohnhafte Fuhrherr Lindenau an de Verbindungsbahn, neben der Thaerstraße, unter seiner Droschle liegend, toot vorgefunden. Anscheinend ist derselbe in der vo hergehenden Nacht in der Schlaftrunkenbeit mit seiner Droschte die dort befindliche Böschung hinabgefahren und die Droscle dabei umgestürzt und auf ihn gefallen. Um dieselbe Zei wurde in der Reichenbergerstraße ein dem Trunke ergebene Mann im Vorflur eines Kellers erbängt vorgefunden. Leiche Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. Gerichts- Zeitung. " 1 Dit Nr. exfchein Beclin Bostabo D Nat Die in der Staatsbürger Zeitung" in einer Serie von Artikeln ausgegangenen Angriffe gegen den Hausfrauen Verei und speziell gegen deren Vorfißende Frau Lina Morgenstern sowie gegen die Angehörigen derselben beschäftigten heute in einer mehrstündigen Verhandlung die 98. Abtheilung des hie figen Schöffengerichts. Sowohl die Brivatkläger, die Morgen stern'schen Eheleute, als der Privatbeklagte, der verantwortlich Redakteur der genannten Beitung, Dr. Otto Bachler, ware persönlich erschienen, und standen den Ersteren Rechtsanwal Dr. Stern, Letterem Rechtsanwalt Steinauer als Beiständ zur Seite. Infiiminirt sind die Artikel in den Nummern 25 vom 4. November 1883, 260, 262, 270, 273, 282, 290 un 292. In einer Polemik gegen den Berl. Börsen Courier welcher den Rückgang des Hausfrauen- Vereins auf die anti mitische Bewegung zurückführte, machte es sich das angeklagte Bla zur Aufgabe, den Nachweis zu führen, daß dieser Rückgang durch di Schuld der Leitung seitens der Privatklägerin mit der Hand babung der Verkaufsgeschäfte desselben durch Herra Theodo Morgenstern eingetreten sei. In fast sämmtlichen Artikel wurde die Auffassung vertreten, daß Frau Lina Morgenster den Hausfcauenverein als melkende Kub für sich und ihre A gehörigen benuẞt habe, und die Lobeserhebungen, die feiter einzelner Mitglieder in den Ve sammlungen des Vereins dere Leiterin gespendet wurden, in ironiftrender Weise gloffirt. J Speziellen wurde die Behauptung aufgestellt, daß bei der Uebe Aufgabe nahme der Waarengeschäfte des Hausfrauenvereins seitens d möglichst Heirn Theodor Morgenstern am 15. November 1882 feit erinnert Inventur aufgenommen worden war, daß Herr Morgenste sich gleich auch als Eigenthümer der Geschäfte fich fortgesetzt habe Ta d tièmen bewilligen laffen, und daß ihm auch dann noch tag ausg Mitgliederbeiträge zugeflossen find. Dieses Verfahre gierung wurde u. A als ein haarsträubendes Durd verlangte des Dr. einander bezeichnet. Der zweite inkriminirte Artikel mit der Epißmarte: Bur Morgenstern'schen Pleite" versehen Bestrafur In demselben ist behauptet, daß bei der legten Inventur b nahm, da Vereins am 1. Juli 1882 trop der schlechten Geschäftsleitu bayrischer noch eine Unterbilanz von ca. 7000 Mart vorhanden ma jüngsten welchen Betrag doch Herr Morgenstern bei der Uebernahm Müllerbu der Waarengeschäfte des Vereins demselben bätte zu gute red Blätter nen müssen, während ihm nachher noch die Mitgliederbeiträ überwiesen worden find.- In dem ferneren Artikel ist Schimpfm Jahr Behauptung aufgestellt, daß Herr Morgenstern bereits im Jab felbst die 1862 banterottiit hätte, daß die Armen auf die von ihn Höferinne erhaltenen Bahlmarken verdorbene Waaren erhalten haben und die Regie daß seit dem Jahre 1876 feine Bilanz des Vereins mehr v Verfolgun öffentlicht worden wäre. In dem in Nr. 270 veröffentlicht begehren, Artikel ist behauptet, daß Herr Morgenfiern aus dem der Reid schäfte des Vereins ein Gehalt von 6000 Thirn. und Fräule Bustimmu Morgensten 3000 Thaler erhalten haben, woraus gefolge wurde, daß es unter solchen Umständen unmögli unmögl tung als Später ist fonnte. floriren 谁 diese Behauptun dahin berichtigt worden, daß auch Frau Morgenstern eine vifion erhalten und daß die Summen nicht Thaler, fond ben Reich be Uebertrieb nur Mart gewesen find. In dem fernern Artikel wuroe Frau 2. Morgenstern vorgeworfen, daß fie eine Zuwendu fammlung der Kaiferin von 3000 Mart für die Unterfügungsabtheilun nach des Hausfrauenvereins erhalten, diesen Beting akes thr fich dahin Manne für seine schlechten Waaren zugewendet habe. Die den legten Artikeln erhobenen Vorwürfe find untergeordne Natur. Auf ten Wunsch der Privetkläger fand eine umfa Reichstage reiche Beweisaufnahme zum Beweis der Unwahrheit der 15. Deger haupteten Thatsachen statt, während zum Beweise der Wah haften N heit nur die Kaufleute Westhoff und Wolf vernommen wurde zulegen welche aber in der Sache selbst aus eigener Wissenscha nichts bekunden konnten. Als Belastungszeugen wurden vernommen: Bücherrevisor Schmidt, Konkursmaßen Rörperscho Verwalter Rosenbach, Frau Rechtsanwalt Dr. Jacoby boch zahlr Fräulein Aufrecht, Frau Apotheker Kowarzig, Frou Dr. Sadfeindet w und Frau Spielberg. Aus dem Gesammtresultat der Aussagen dem Derselben, sowie der Bugeständnisse des Beklagten ist folgend Nationalli Thatbestand festgestellt: Das Waarengeschäft ist im Novembe hn gehant 1882 dem bisherigen Verwalter, Herrn Morgenstern, auf Wunis zur th der Gläubiger des Vereins und der Mitglieder desselben unbie öffentl Uebernahme der sich etwa deckenden Aktiva und Paffiva luß wiede Davon we unter Bugrundelegung der am 1. Juli desselben Jahres ou genommenen Bilanz übertragen und gleichzeitig in einer G neralversammlung beschlossen worden, dem Morgenstern waben. 1 Drittel der Mitgliederbeiträge zur Bezahlung von Verein schulden zu überweisen. Es ist unrichtig, daß Herr Morge stern früher einmal in Konkurs gerathen war, es ist ebenachdruck unrichtig, daß die Armen verdorbene Waaren erhalten habe vielmehr ist erwiesen, daß die Nevifionen der Waaren stets beften Erfolg hatten und daß die Aimen über schlechte Wa niemals getlagt haben. Nach dem Uebergang des Geschä auf Herrn Morgenstern hat derselbe teine Tantième mehr zogen, ebensowenig hat Frau und Frl. Morg. jemals ein Dad Vortheil aus dem Verein gezogen. Die Kaiferin hat wüßten. mals bem Verein eine Unterstügung von 3000 M. gewä Maßregel vielmehr hat Frau L. Morgenstern ein ihr zu Unterflügunoon so gro zwecken überwiesenes Legat von 3000 Mt. der Unterſtügunbeiter in d abtheilung des Vereins überwiesen, und ist dieser Betrag hre Rinde in diesem Sinne verwendet worden. Der Gerichtshof eracht Schmäleru hiernach den Angeklagten der üblen Nachrede in 8 Fällen fchuldig und verurtheilte denselben zu einer Gesammistrafe vlimmen 390 Mt. event. für je 10 Mart 1 Tag Haft. Der Vertre eraus." der Privatkläger hatte eine Freiheitsstrafe beantragt. dieser Ar Das nationalli bo Ift e ver a. Am Stadtbahnhof Alexanderplatz erregte in der Nacht vom 8. zum 9. d. Mts. ein unter der Königsbrücke amischen mehreren Männern stattfindender erbitterter Streit einen großen Auflauf. Die Streitenden schlugen auf einander mit Weinflaschen und fie befanden sich selbst ersichtlich in einem start angetrunkenen Zustande. Einer der Streitenden, der 20 jährige Anstreicher Engler, wurde von einem Polizeides jährige Anstreicher Engler, murde von einem Polizeibes amten festgenommen, während die Uebrigen durch die Da bei P. Diebeswerkzeuge ge= Flucht entfamen. funden wurden, so entstand der Verdacht, daß die von ihm und feinen Gefährten am Rampfplag zurückgelaffenen Flaschen mit Wein aus einem Diebstahl herrührten, und E. räumte auch ein, am Abend vorher in den Weinkeller des Hauseigen thümers G. in der Krautsstraße mit seinem Komplizen eingebrochen und 40 Flaschen guten Wein entwendet zu haben. Den größten Theil des Weines hätte er und seine Genoffen unter der Königsbrüde verborgen und den Rest hätten sie in einem benachbarten Lokal vertilgt. In erregter Stimmung hätten fte fich gegen Mitternacht nach dem Wein Versted unter der Königsbrücke begeben, um da den Wein unter einander zu vertheilen, und wären hierbei in Streit gerathen. Die weiteren ermittelten polizeilichen Nach forschungen ergaben, daß Engeler ein höchst gefährlicher Einbrecher ist und während der legten 14 Tage eine größere Anzahl von schweren Diebstählen er felbft bat schließlich neun Einbruch- Diebstähle und einen Betrug eingeräumt in Gemeinschaft mit einem oder mehreren Genossen verübt habe. Unter Anderem hat er gegen Ende vorigen Monats einem Kaufmann in der Friedrichstraße einen großen Reffer gestohlen. Bum Sylvefterball lich er sich bei einem Maskengarderobier unter falschem Namen einen Anzug, den er nach der Benutzung verfilberte. Ferner stahl er am 5. d. Mts. bei einem Restaurateur am Morigplaz 7-8 Dgd. Damastservietten, in welche der Name des Be stohlenen eingewebt ist. Schließlich hat er am 8. d. Mis. in in verschiedenen Stadtgegenden drei Einbruchsdiebstähle verübt, von denen er die beiden ersten( Bodendiebstäble) im Laufe des Tages, und am Abend mit seinen Komplizen den bereits gewiesenen werden sodann nach Berlin zurücklehren fönn tief auf erwähnten Weindiebstahl ausgeführt hat. Engler ist gestern zur Untersuchungshaft gebracht worden. Zwei seiner Kom plizen sind gestern ermittelt und festgenommen worden, während die übrigen Komplizen sich schon seit einigen Tagen wegen anderer Diebstähle in Haft befinden. g. Eine recht schmerzhafte Verlegung zog sich vor gestern der Bimmermann Gustav F. auf dem Grundstück Zimmeistraße 78 zu. Beim Umkanten von schweren Balken war ihm einer derselben so unglücklich auf die linke Hand geschlagen, daß ihm zwei Fingernägel ausgequetscht wurden. Shm wurde von einem Heilgehilfen die erforderliche Hilfe zu Theil. Briefkasten der Redaktion. Das ante Ihn sch werde P. R. In den Barlamentsberichten einiger hies. Blairt wi beißt es allerdings, daß in gestriger Reichstagsfigung it? Er m Sozialdemokrat gegen die Bewilligung der 100,000 Mt. die Kamerunbarkasse gestimmt habe. Dies ist jedoch unrichtürde eine Die Sozialdemokraten waren für die Kommissionsverweisuraben." nachdem aber der bezügliche Antrag zurüdgezogen worden ,, hielten fie fich der Abstimmung, the Botum, wie uns mit theilt wird, fich für die dritte Lesung vorbehaltend. Ehrlic Ich 3. J. G. 100. Jeder gewerbliche Arbeiter bat, fofegen dürf nicht etwas Anderes vereinbart ist, Anspruch auf 14 tagatung h Kündigung. cauen bes Grewefen Au . Roden 3. S. 92. Dorotheenstr. 1. Mit Aufhebung des zialistengesetes fallen alle auf Grund dieses Gesetzes erlaffenicht so gu Berordnungen. Die auf Grund des Sozialistengefeges 2. Es find 24. H. Sch. Der Lohnabzug ist nicht gerechtfertig, sofern einer eingeschriebenen Hilfskaffe als Mitglied angehören. Ich vertrau F. W. Blumenftr. So fern die Aufnahme- Einschreibche mir gebühr durch das Statut auf 1,50 Mt. festgefest ist, fann bike Kaffe diesen Betrag verlangen. ist unm Wiede Steinbach, Prenzlauerstr. Bur Klage tönnen wir nißte dem rathen, da wohl anzunehmen ist, daß ein Irrthum in ber zeichnung der Krankheit vorliegt. C. 2. 100 Der Wirth ist nicht verpflichtet, Sie vor 1. April 1885 ziehen zu laffen. Cronheim in Berlin. Diuck und Verlag von May Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2, Be " Herr ichtigen n