Ur. 353. ffindjelnt täglich außer Montag». Abonnements- Pret» pränum.: Bierleljährltch 3,30 Ml., monatlich l.lo Marl, wöchentlich 23 Psg. frei WS HauS. Stnjelne Nummer z Pfg., Sonntags- Nummer mit tllustrtrier SonntagS-Beilage„Die Neu« Welt" 10 Pfg. Post-Abonnem-nt: 3,30 Ml. pro Quartal. Unter Kreuzband für Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post- ZeiiungS- Preisliste für issö unier Nr. 7277. Jahrg. 13. Insertion»-Gebühr betrogt sür die sünsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., sür Vereins- und versammlungS- Anzeigen 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen btS« Uhr»nchinlUagS in der Expedition abgegeben werde». Die Erpedtlion ist an Wochentagen biS7 UhrabendS.an Sonn- undFest- tagen bis 9 Uhr vormittags geöfsnet. Fernsprecher: B»il I, Hr. 1308. Telegramm- Adresse: „Soiialdemolirat Berlin". Verllner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nrtwtiti.l.: SW. 19,?3»> Freien ansainmelnde Menge zerstreuten. Drei Personen wurden ziemlich schwer verwundet. Nach der Versammlung beauftragten die sozialistische» Tepulirten den Deputirten JanröS, die Re- gierung über die mit Gewalt erfolgte Auflösung der Versamm- litng zu interpellireu. Wie wenig diese Darstellung den Thatsachen entspricht, be- weist die folgende Depesche unseres Korrespondenten: „Bei Ai.kuiist der sozialistischen Abgeordneten in Carnianx wurden die Arbeiter von Leuten, die vo» den Behörden und dem Carmauxer Großfabrikanten Ressoguier gedungen waren, provozirt. Die Kavallerie machte mehrere Angriffs auf die maffenweise versammelten Arbeiter, von denen sie einige ver- mundete. Gendarmen sprengten die große Versammlung unserer Genossen, welche bei allen Vorgängen eine bewunderungswürdige Ruhe und Disziplin bewahrte». Jaurös versprach, die Regierung sofort nach seiner Rückkehr nach Paris über die Vorgänge in Carmaux zu interpelliren. Allgemein herrscht die Anschauung, baß den Minister des Innern, Barthou, die Hauptschuld au den bedauerliche» Vorgängen trifft." Herrn Barthou lassen wohl die in Fourmies von dem Staotsretter Consta»? geholten Lorbeeren nicht schlafen. Er wird keinen andere» Eisolg haben: unserer Sache zu nntzen und sich selbst unmöglich zu machen. Vor der Einweihnngsfeier schrieb unser französischer Korrespondent: Die E i n w e i h u n g der Glashütte in Aldi wird sich zu einer imposanten Kundgebung des organisirten französischen Proletariats gestalten. 748 Gewerkschaften, 1122 politische Ob Seine Heiligkeit wohl wieder zur Besinnung ge- kommen ist?" „Wie, ist er denn von Sinnen?" fragte Giacomo flüsternd, „Ich denke, er muß es sein, wenn er, da er Papst ist, nicht daran denkt, endlich seine Maske abzulegen. Ein enthaltsamer Kardinal— ein ausschweifender Papst! lautet das alte Sprichwort, wie Du weißt. Es muß iiicht ganz richtig mit dem Verstände des guten Mannes sein, wenn er noch immer ivie ein Einsiedler lebe» will." „Ah! also das meinst Du? Aber, meiner Treue, Seine Heiligkeit hat Stellvertreter genug. Die Bischöfe sorgen dafür, daß das weibliche Geschlecht— der Himmel segne es!— nicht aus der Diode kommt; und seine Eminenz von Albornoz bestätigt auch nicht Dein Sprichwort, insofern es die Kardinäle betrifft." „Tu hast recht, aber Giles ist ein Krieger, ein Kardinal in der Kirche, aber ein tapferer Degen außer derselben." „Glaubst Du, Angelo, daß er die Festung hier ein- nehmen wird?" „Tie Festung ist freilich weiblich, aber—" „Nun was?" „Die Signora, so schön sie ist, wurde mehr für die Macht als für die Liebe geschaffen. Sie sieht in Albornoz den Kardinal, nicht den Liebenden. Mit ivelcher Würde schreitet sie einher; scheint sie doch selbst ihr goldgesticktes Kleid zu verachten." „Horch!" rief Giacomo, an das Fenster eilend,„hörst Du die Hufe der Rosse? Ah, es ist ein prächtiger Zug!" „Von der Falkenjagd zurückkehrend", erwiderte Angelo, der aufmerksam die Kavalkade betrachtete, als sie in der engen Straße vorbei kani,„wie die Pferde so muthig sind; und welche reiche Mäntel und seltene Federn, sieh, wie jener schöne Ritter der Dame den Hof macht!" „Sein Mantel ist von der Farbe des meinigen", seufzte Giacomo.(Fortsetzung folgt.) Orgauisqiionen. 165 sozialistische Ge»>e!nderäthe»»d 65 Konsum- Genosseiischaslcn lassen sich an der Feier verlrelen oder sandte» Beglückiviinschnngein Die Vertreter aller sozialistischen Richtungen ohne Ausnahme feierten einträchtig die Vollendung des großen Werkes der proletarischen Solidarität. Das französische Proletariat hat vadei zum ersten Mal das Beispiel einer ausdauernden Aktion geliefert. Von den bisher zur Errichtung der Glashütte' verwendeten ungefähr 445006 Franken ist die größere Hälfte Groschen bei Groschen durch den Verkauf von 20 Centiincs- Loosen und durch Teller- sammlungcn aufgebracht worden. An größeren Schenkungen, einschließlich der Subvention des Geineinderalhes von Aldi(25 000 Fr.) sind 140 000 Fr. eingegangen. Die Konsuingenossenschasten haben Aktien der Glashütte im Werths von 30 200 Fr. erworben, der Genter„ V o o r u i t" solche im Werths von 4000 Fr. Vorläufig werden zwei Hochöfen in Betrieb geseht werden. Das prächtig ausgestattete Glasiverk ist für sechs Hochöfen be- rechnet, die hoffentlich nach und nach in Betrieb werden gesetzt werden können. Ressöguier, der Aus- hungerer von Carmaux. soll beim Anblick des stattlichen Gebäudes der Arbeiter-Glashütte ausgerufen haben:„Sehr hübsch! Ich bin entzückt, den» nach weniger als einem Jahre werden sie mir flehentlich ihre Glashütte zum Verkauf anbieten." Der Glaspascha verräth damit den Herzenswunsch der franzö» fischen Bourgeoisie, die in ihrer Presse bereits Krokodilsthränen vergießt über den„unvermeidlichen" Krack, des genossenschaftliche» Unternehmens. In Wirklichkeit stehen die Aussichten derselben sehr günstig. Nebe» den Konsumgenossenschafte» hat eine große Anzahl von Wein- und Liquenrhändlern, die auf eine proletarische Knndschast angewiesen sind, Lieferungsverträge mit der Glashütte abgeschlossen. Und die„Flasche der Arbeiter-Glashütte" wird überall von den Arbeitern verlangt werden. Das Beispiel der verkrachten Glashütte von Rive-dc-Gier beweist nichts. Diese ist der rücksichtslosen Konkurrenz der kapita listischen Glashüttenbesitzer erlege», weil sie die Fortsetzung eines verkrachte» kapitalistischen Unternehmens und von vor» herein mit einem schweren Schnldkonto belastet war. Die Glas Hütte von Albi dagegen beginnt ihren Betrieb mit einer gesicherten Kundschaft und ohne einen Heller Schulden. Der besondere Cha rakler der Albi- Genossenschast, deren Gedeihen eine Ehrenfrage für das Proletariat ist, bürgt dafür, daß die Hoffnungen der Unternehn, erpresse werden zu schänden werden. Die Glassabrikation kann aus technischen Gründen erst nach drei bis vier Wochen begonnen werden. Bis dahin werde» die Ausstände(unverkaufte Loose) im Betrage von beiläufig 100 000 Franks einlausen. Der„Jutransigeant" hat außerdem heute eine Geldsamnilung begonnen, an deren Spitze Nochefort'e Zeitung sich mit 10 000 und Rochefort persönlich mit 1000 Frks eingeschrieben hat.— polikische Nebrepchk. Berlin, 27. Oktober. I» arger Klemme befinden sich unsere Ordnnngs Parteien gegenüber der von unserem Genossen Bebel ein gereichten Denunziation wegen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz. So lange der ß 8 des benannten Gesetzes nur gegen Arbeiterorganisationen Anwendung fand, nahmen die Ordnungsparteien an dessen reaktionärem Inhalt nicht den geringsten Anstoß. Jetzt aber, wo infolge der Bebcl'schen Denunziation der Staatsanwalt den General Sekretair der nationalliberalcn Partei, Herrn Patzig und den Schriftführer des konservativen Zentral Wahlvercius, Herrn v. Seckendorff, zur Vernehmung geladen hat, zetzt heulmeiert der ganze Ordnnngs drei, es möge endlich mit der vom Fürsten Hohen- lohe bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Juni angekündigten Vorlegung eines Vereins-Aotfy gesetzes ernst gemacht werden. Ob Herr von der Recke diesen Schmerzensschrei erhören und das vom Herrn Reichs- kanzler verpfändete Wort einlösen wird?— Selig sind die Fromme»; ihneu Mu� jedes Ding zu», Heile dienen, warum nicht auch der Fall Levy? Die ganze Reaktion ist auf dem Posten! Die gesammte fortschrittliche Kultur wird als Mitschuldige und Anstifterin des Verbrechens an Die Aebeik in den Wlolonien. Die schwerste Sorge für alle, die neue Kolonialgebiete er- schloffen, war stets die, die Eingeborenen zur Arbeit zu ver- anlassen. Die Columbus, Cortez, Pizzaro hatten in Amerika mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie unsere zeit genössischen Kulturträger in unseren eigenen Kolonien. Bald, nachdem natürlich stets ohne jeden ernst zu nehmenden Rechts- titel von Land und Leute» Besitz ergriffen wurde, inachte sich das Bedürfniß nach Arbeitskräften zur Anlegung von Wegen, zur Bestellung von Felder», Errichtung von Wohnstätten. Erbauung von Festungen, Verrichtung häus licher Dienstleistungen«. jc. erforderlich. Arbeiter aus dem Mutterlande hierzu heranzuziehen, war nicht nur zu beschwerlich und zu kostspielig, auch die klimatischen Verhältnisse verboten dies meistens; dann hielt man es auch für natürlich, daß die Ein geborenen für die freilich meist nur Missionäre und SchnapS einführende»„Kulturbringer" ihre ganze Kraft umsonst oder gegen lächerlich niedrige Entschädigung zur Verfügung stellen solle». Nirgends aber wollten dies die Eingeborene». Wer die deutsche kolonialpolitische Literatur auch nur oberflächlich verfolgt hat, erinnert sich, daß bald nach unseren ersten Flaggen- hissungen Schriften über das Thema:„Wie erzieht man die Neger zur Plantagenarbeit?" erschiene». Dieses Thema wurde in Zeitschrifle», Versammlungen:c.-c. vielfach erörtert. Praktisch kam man meistens zur Anwendung von höchst grausamen Zwangs Mitteln. Hätten wir nicht eine öffentliche Meinung, so würden wohl die Steger in unseren Kolonien das Schicksal der amerikanische» Indianer in den ehemaligen spanischen Kolonien bald theilen, welche durch die grausame» Zwangsmittel zur Arbeit fast ganz ausgerottet wurden. Daß diese Befürchtung ihre Berechtigung hat, beweisen die sich an die Namen Peters, Leist, Wehlan nnd Schröder knüpfenden, den deutschen Namen aufs tiefste beschämende» That- fachen. Major Wißmann, der auf einem viel höheren Niveau sowohl in seiner theoretischen Auffassung wie in seiner praktischen Thätigkeit steht, wie die Peters, Leist. Schröder nnd Konsorlen. hat unlängst in einem wissenschaftlichen Vortrage die Gründe auseinanderzusetzen gesucht, warum man die Neger so schwer zur Plantagenarbeit erziehen könne. Er führte als Grund die Bedürsnißlosigkeit der Eingeborenen an, die im Interesse der Kultur durch Steigerung der Bedürfnisse, sei es selbst auf dem künstlichen Wege der Besteuerung bekämpft werden müsse. Diese Benrtheilung ist doch zu einfach und zu schematisch, um in dieser Form richtig zu sein. Dein tiefer dringenden Forscher drängt sich ein selbstverständlicher, tiefgehender Unterschied zwischen der Auffassung der Arbeit bei den hochkultivirte» Europäern und bei den in ursprünglichen von unserer historischen Entwickelung und Kultur unbeeinflußten Eingeborenen in Afrika auf. Karl Bücher, uiiser hervorragendster Wirthschaftshistoriker, erörtert in einer aus anderem Anlasse erschienenen Arbeit")„Die ") Arbeit und Rhythmus.(Des XVII. Bandes der Ab- Handlungen der philologisch-historischen Klaffe der kgl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften Nr. V. Leipzig. S. Hirzel 1826.) geklagt, die übergroße Humanität der Strafen und der Strafvollstreckung ivird für dasselbe verantwortlich gemacht, und die konservative„Pommersche Reichspost" verlangt, daß die Autorität nicht blos des Gutsherrn, sondern anch des Lehrherrn, ja überhaupt des Erivachsenen gegenüber der Jugend erhöht werde.„Einem Erivachsenen," meint sie,„kann es unter Umständen schlecht ergchen, wenn er sich an einem ungezogenen Bengel vergreift, den er bei Be- gehnng grober Unarten ertappt." Das wird nicht blos „unter Umständen", sondern iit jedem Falle geschehen, wenn der Erwachsene ein Arbeiter nnd der ungezogene Bengel der Sohn des Gutsherrn ist. Mit diesem Geschrei aller Reaktionäre vergleiche man ihr Verhalten gegenüber dem Fall des Lieutenants v. Brüsewitz. Als die Nachricht kam, derselbe sei wegen der Nicderstechnng eines Zivilisten zu vier Jahren Festungshaft verurtheilt, ivas wir von vornherein bezweifelten, da das Straf' gesetzbnch keinerlei Anhalt für solche Strafe bot, da hörte man kein Geschrei über die übergroße Milde der Strafe, kein Verlangen danach, eine Strafe empfindlicher zu gestalten, ihre Vollstreckung etwa mit besonderen Nebeit strafen, wie Prügel, zu begleiten. Die Strafe ist die denkbar mildeste und würde in weiten Volkskreisen gar nicht als Strafe angesehen werden. Der Verurtheilte kann sich bei der Festungshaft das Leben so angenehm als möglich, ge stalten, die Unannehmlichkeiten der Freiheitsbeschränkung können durch leicht zu erlangende zeitweise Beurlaubung gelindert werden. Die vier Jahre Festungshaft sind lange nicht so schwer zu ertragen als eine vierwöchentliche Ge fängnißstrafe, wie sie oft auf das gelindeste Prcßvergehcn hin verhängt wird.— Tic Sountagsruhc, die von den Arbeiter» mit Freuden begrüßt wurde, soll dem Volke so viel wie niöglich verleidet werden. Die Arbeiter und wir mit ihnen»ahmen die Bestim- inungen über die Sonntagsruhe trotz mancher Belästigungen, die dieselbe mit sich führt, mit Freuden entgegen, da sie jedenfalls der Ansbeutnng durch die Arbeitgeber gewisse Schranken zog. Das genügte natürlich nicht den Frommen nnd den Frömmlern. Was gilt ihnen die Sonntagsruhe, die Erlösung der Arbeiter, wenn sie für ihre kirchlichen Zwecke keine» besonderen Ge winn davontragen. Daß die Llrbeiter durch die Sonn tagsruhe Zeit zur Erholung, zur Ausbildung, zum Genuß eines menschenwürdigen Lebens erlangten, hatte für sie kein Gewicht, wenn die Arbeiter die Sonntagsruhe nach freiem Belieben benutzten, statt sie in den Dienst der Kirche zu stellen. Nicht ans die Sonntagsruhe kam es den Fromme» und Frömmlern an, sonder» auf die Sonntags Heiligung. Die Härten und Unbequemlichkeiten der letzleren giedt nun den bürgerlichen Blättern Anlaß, mit neuem Eifer gegen die Sonntagsruhe selbst ihre Angrisse zu richten. Selbstverständlich lassen ivir uns dadurch in unserem Kampf für die Sonntagsruhe nicht irre mache». Daß die pfässischen Bcstrebnngen solche Macht errungen haben, das danken wir nur der bürgerlichen Aus beutnngslust, die ohne jene auch nicht den geringsten Versuch ge- macht haben würde, die Sonntagsruhe auch nur im beschränktesten Maße zu gewähren; jetzt müssen sie dieselbe hinnehmen mit allen möglichen pfässischen Beschränkungen. Von dein Augenblicke au, wo die Bourgeoisie mit der Sonntagsruhe ernst machen würde, würden die Arbeiter auch mit ihnen Hand in Hand gehen, um den Sonntag vor pfässischen Uebergriffen zu schütze».— In deut Prozeft siegen den„Vooruit" in Gent hat die Verhandlung gestern stattgefunden. Sie nahm die Vor- und Nachiuittagssitzung des Gerichtshofs in Anspruch. Die Urtheilsverkündigung wurde bis Mittivoch— morgen ausgesetzt. Ein Privattelegramm ans Brüssel, welches leider erst sehr spät in der Nacht eintraf, so daß die Aufnahme ins Blatt gestern nicht mehr möglich ivar, theilt uns einst- weilen folgendes mit: Brüssel, 26. Oktober, abends 11 Uhr. Der Prozeß in Gent ludet unter großer Erregung und großem Andrang des Publikums latt. Angeklagt sind die sämmtlichen Verwalter des Vooruit: Anseele, van Beewern, Sefsers, van Gyseghem Fouckaert, Beerbloek und P a n k r e k. Nach Erledigung der uöthigen Formalitäten erhält zuerst der Arbeits- Arbeitsweise der Naturvölker". Aus dem so überschriebenen ersten Kapitel der unten genannten Schrift theilen wir das folgende auszugsweise mit: Ueherall ließ man die wirthschastliche Entwickelung mit einein Zustande beginne», in welchem die Arbeil verabscheut und ledig- sich, als Last empfunden wurde. Für diese Annahme konnte man sich mit gutem Grunds darauf berufe», daß in verschiedenen Sprache» die Ausdrücke für'Arbeit(griechisch ponos, lateinisch labor, französisch travail, mittelhochdeutsch Arbeil) ursprünglich den Sinn von Roth, Mühsal, Plage gehabt habe». Und die Ethnographie schien diesen sprachgeschichtlichcu Beweis zu bestätige», indem sie die Arbeitsscheu als einen hervorstechenden Charakterzug roher Naturvölker bezeichnete und mit zahlreiche» Zeugnissen namhafter Beobachter von Tacitus bis auf de» jüngste» Afrika- reisende» belegte.„Faulheil und der Znsland der Wildheit entsprechen einander";„ihr höchstes Glück ist der Müßigang; „sie hassen jede Art der Arbeit". Nur die dringendste Roth oder der Härtesie Zwang bringt sie zu einer widerwillig verrichteten Thätigkeit und auch dies nur, wenn andere Mittel der Bedürfniß- befriedigung versagen. Bücher meint, daß es sich hier um eine allgemeine von jeden» Forscher den früheren nachgeschriebene Annahme handle, die aber ihatsächlich nichts anderes sei, als eine durchaus unzulässige Ueberlragung der sozial-elhischen Vorstellung unserer Kulturivelt.„Der Naturmensch leistet, im Ganze» genominen, oft ein nicht geringeres Maß von Arbeit als der Kulturmensch; aber er leistet' sie»iicht in regelmäßiger Arbeit, sondern gewisser- maßen sprunglveise und launenhaft... Die angespannte, regel- mäßige Arbeit, das ist es, was der Naturmensch cheut.') Den Eindrücken des Augenblickes gehorchend, geivährt er gern das Bild der Vielgeschäftigkeit; aber es scheint ihm nicht ernst mit feinem Thun; er kennt keinen Unterschied zivischen Spiel und Arbeit, nützlicher und anhaltender Thätigkeit. Folgende Schilderung eines englische» Missionars") dürfte auf alle primitiven Völker Arnvendnng finden:„In seinen täg- lichen Beschäftigungen steht man die Neuseeländer selten mit einer mehrere Stunden anhaltenden Ausdauer einem Geschäfte obliegen. Denn da er die Zeit nicht richtig zu schätzen»veiß. so ist es ihm etivas völlig gleichgiltiges, wann dieses oder jenes vollbracht 'ein ivird. Seine ganze Lebensiveise ist eine sprunghaste und es kann ihm nicht einsallen, seine Verrichtungen regeln i n»vollen durch Festsetzung geivisser Stunden dafür." Sein Leben rennt keinen äußeren Zivang, keinen Beruf, keine soziale Pflicht, alles»vird nach den eigenen»nmittelbar sich geltend machenden Bedürfnissen eingerichtet. Dieses Leben ist, nach unseren» Maße gemessen, plan- und ziellos, es kennt keine eigentliche Lebeusfürsorge, leine Arbeils- und Mahlzeiten, keinen geordneten Wechsel zivischen Thätigkeit und Ruhe. Aber»venu ein solches Dasein auch nicht geregelt ist, so ist es doch vollkommen ausgefüllt; der Naturmensch»vürde es gegen kein anderes ver- tauschen. So lange diese Daseinsbedingungen aber dauern, ') R a tz e l. Völkerkunde II S. 120. zitirt bei B ü ch e r S. 7 •*) Nicholas, Reise nach und in Neuseeland E. 442, zitirt bei Bücher S. 8. i n s p e k t o r als Zeuge das Wort. Er sagt, daß er infolge der in der Presse— in dem anarchistischen „Recht v o o r Allen"— gemachten D e n n n z i a- tionen eine Uilterslichuiig vorgenoinmen habe. Die Arbeiter erhalten ein festes Lohniniuim»»»», das nach den Arbeitsstunden berechnet ivird und zu den» das,»vas darüber hinaus verdient wird, hinzutritt. Der Gerichtshof prüft die Bücher des„Vooruit", die in der Ordnung befunden werden. Der Umstand, daß in der einen Rubrik steht:„Antheil des „Vooruit", veranlaßt den Vorsitzenden zu einer Frage an Anseele. Dieser erklärt, daß keine Abzüge irgend welcher Art gemacht wurden und dem„Vooruit" kein Theil des Lohnes zufließt. Zeuge Boudezeyn: Die Arbeiter sind vollständig frei; — sie sind keine Lohnarbeiter im geivöhnliche» Sinne, sondern genossenschaftliche Theilhaber und haben blos die Bedingungen zu erfüllen, die sie als Mitglieder des„Vooruit" eingegangen sind. Das jetzige Haftungssystein besteht seit zwei Jahren. Die Kassen, in»velche die Beiträge gehen: die Streikkasse und die Reisekasse, dienen hochinoralischen Zivecken. Zeuge Brock- m«»»»»: Das„Recht voor Allen" hat nicht verleumdet. D i e Arbeiter und Arbeiterinnen getrauen s i ch aber nichts zu sagen. Dujarvin, Schneiderin, be- streitet dies; die Arbeiterinnen sind nicht eingeschüchtert; was geschieht, geschieht mit ihrer Eimvilligung. Mehrere andere Arbeiterinnen bestätigen dies. In der Nachmittags- Sitzung»Verden noch verschiedene Zeugen vernommen, die sehr günstig aussagen. Darauf die Reden des Anklägers nnd der Vertheidigung; dann eine längere Erklärung A n s e e l e' s. Der Gerichtshof verschiebt das Urlheil ans Mittivoch. Ausführlicher Bericht folgt. So das Telegramm. Interessant ist, daß der„Anarchist" Vrocknian» in diesem Prozeß gegen ein Arbeiternnteriiehmen alS Kronzeuge fignrirt.— Ten französischen Russenschwärmern macht ein Russe, der sich nicht zn den Revolutionären zählt, einen recht annehmbaren Vorschlag. Er schreibt uns: Ter Jubel der Französe» über unseren Zaren ivar, »vie»vir gesehen haben, sehr groß. Wir Russen sind natürlich sehr froh, daß»vir nnseren Brüdern eine so große Freude ver- schaffe» konnte». Leider war aber der Jubel unserer Freunde sehr kurz. Um ihn zu verlängern»nd zu vergrößern, köniien »vir nnseren Brüdern als Dank für die Ehre, die sie uns i» der Person des Nikolaus II. eriviesen haben, in» Namen unserer Freundschaft, ein Andenke»» zu stiften, das ihnen Freude und Glückailfinniier verschaffe» kann;»vir meinen— den Zare». Wenn der Jubel unserer lieben Freunde schon während des kurzen Aufenthalts des Zare» so groß»var, da können sie sich vorstellen, wie groß er sein»vird, lveiin sie ihn auf immer als Lmxarour äs la France beibehalten. Wir Russen»vünschei»»inseren Brüder» gern dieses Glück ans lauter Freundschaft z» ihnen, »veil die Franzosen sich immer und an» meisten in den letzte» Ereignissen als echte unverfälschte Freunde des rnssi» scheu Bvlkes zeigie». Wir»verde», uns»och glücklicher fühlen. »»»de»»»»vir da- gelieble„Väterchen" als Selbstherrscher eines ihn »virklich liebenden Volles sehen. Als Revanche»verde»»»vir von den Franzosen den Herrn Fanre zu uns nach Rußland nehmen. Ich hosse,»vir»verde» beiderseits zufrieden bleiben. Und ivenn später der Selbstherrscher von Frankreich Lust haben»vird, Rußland eine Ehre anzlithu» und auf Besuch dahin zu konnne», da»verde»»»vir uns freuen und jubeln und„Vivo reinxerevir de la France" schreien und„Gott behüte den Ernpereur" nnd die russische Marseillaise spielen. Nicht»vahr, diese zivei Hymnen passen sehr gut znsainme»? Das»vird ein herrliches Schauspiel sein, nur mit diesein Unterschied von dem eben in Paris geschehenen: daß die Rollen vertauscht sein werde»: statt sranzösicher Republik— russische und stall russischer Absolutismus— französischer. Sie kön»«»» auch sicher sein, daß nnser Empfang des Selbstherrschers von rankreich den der Franzosen übertreffen»vird, unsere 'oste»»verde», nicht 7 Millionen, sondern siebenmal 7 Millionen erreiche»; Geld dazu werden»vir genug erspart haben; »verde» sie auch eine sittliche Auffassung des Lebens erzeuge», die der un serigen zuwider- läuft. Daher jene»»»»überbrückbaren Gegen- sähe des ivirthschaftlichen Verhaltens und des sittliche» Empfindens, wie sie uns so oft in Kolonialländern zwischen Eingeborenen und inge>va>»derten entgegentreten. Man hat immer geglaubt, daß es genüge, den„Wilden" die Technik»»seres Ackerbaues,»»»seres Handiverks zu lehre», um ihn in rasche» Schritten zur Höhe europäischer Wirthschastskultur einporzubringe», und schloß aus bösen Willen, schlechte Charakteranlage, ivenn es nicht gelang. Aber man über- sah,»vas der Naturniensch mit sicherein Instinkt« erkannte, daß unsere Kultur seinem körperlichen Wohlbefinden nichts hinzuzufügen vern, ag. daß unsere Gesittung ihn, als Unfreiheit erscheinen m u ß. Daher die merkivürdige Erscheinung, daß»» a n ch« Naturvölker nach jahrhundertelanger Be- rührung mit Europäern in ihrem wirthschast- lichen Verhalten keinen Schritt vorwärts ge- t h a n h a b e n. Nur der Trieb der Selbsterhaltung und der eiserne Natur- zivang veranlaßt die Urbewohner Guyanas"), aeivisse Arbeiten, die sie ihren Frauen nicht aufbürden können, selbst zu verrichte». Irgend»velche regelmäßige Arbeit»vill und wird der In- dianer»ie verrichien; ich glaube auch nicht, daß er dazu im stände ist. Wollte man ihn mit der Peitsche dazi» z ,v i ,» g e n, so»vürde er sterben, ebenso»vie eliva eine Katze bei ilus, die»»an vor eine» Hundekarren spannen»vürde. Die Arbeit, die die„Wilden" und ihre Frauen verrichten. ist Bedarfsarbeit, keine Eriverbsarbeit; Ar- beit, auf die nicht blos der Besitz, sondern auch der Ge»»»ß folgt. Und es ist sehr zu beziveifel», ob diese Arbeit von dem Naturiiienschen als Last einpjunden ivird, da sie reiwillig und oft in einem das unmittelbare Bedürfnis über- steigenden Umfange übernonlinen»vird. Rein technisch,»»»cht physiologisch betrachtet, erscheint dies« Arbeit außerordentlich»»übe« voll. Drei Dinge fallen dabei besonders ins Geivicht: Die Un- vollkominenheit der technischen Hilfsmittel, die Kompliziriheit der Arbeilsprozcsse und der ausgesprochen kunstgeiverbliche Charakler vieler ihrer Produkte. Der Erfolg der Arbeit hängr fast ganz von der Geivandlheit und Muskelkraft des Arbeiters ab, tech- Nische Fortschriile bürgern sich sehr langsam ein. In allem »vird die Arbeit schlechtiveg durch rohe Kraftanstrengung beivältigt; daher sind die Menschen auch vor der Zeil abgenützt, weil sie eben»nit ihrer Kraft»iicht ha»is- zuhalten verstehe». Sehr selten begegnet man einen» allen Man» oder einer alten Frau. Ihre Kräfte sind im mittleren Lebensalter schon verbraucht, und dann sterben sie. Die Langsamkeit, mit»velcher die Wilden ihre Arbeite» vor- »värts bringe», ist so groß, daß ein Beobachter das Fortschreiten ihrer Produkte mit dem Wachsthum der Pflanzen verglichen hat. ') I o e st. Ethnographisches und Verwandtes aus Guyana, zitirt bei Bücher, S. S. dcun das Militär mit solchen Herren Offizieren, wie die, die un- längst ihr iveltderllbnitcs Betragen beim Flecken Mejiboji zeigten, iverden wir als Gefolge des Ex-Zaren nach Paris hinaus- expediren. In der Hoffnung. Nikolaus II. als Emxsrenr de la France und Felix Fanre als Präsident der russischen Republik zu sehen, verbleibe ich rc. ec. Hoffentlich gehen die französischen Kosaken auf den Vorschlag ein.— * ♦ Deutsches Reich. — D i e Ersatzwahl in Brandenburg, die am 29. d. M. staltfindet, läßt alle Parteien ihre Kräfte auss höchste anspannen. Am Mittwoch Abend hallen die drei Parteien eine letzte Musterung in Brandenburg ab. Landrath v. Löbell hat sich den Abg. Jakobskölter zur Unterstützung komme» lassen. um die Handwerker in Brandenburg einzusaugen für die von ihm befür» wertete Zwangsorganisation. Ein Pastor aus dem Wahlkreise soll daneben noch Begeisternng unter den Brandenburger» für eine konservative Wahl hervorbringen. Die Sozialdemokraten veranstalten zwei Versammlungen und werdenzu denselben die Abgg. Auer und Singer erscheinen. Die Freisinnigen veranstalte» eine Versammlung, in welcher der Abg. Eugen Richter und Kopsch sprechen werden. � Von den National-Sozialen. In einer Versammlung von Freunden der Naumann'schen„Hilfe" und„Zeit" zu Kassel, die hauptsächlich aus Lehrern bestand, verständigte man sich unlängst nach einer Mittheilung der„Deutschen Zeitung" dahin, daß man zunächst keine eigene Partei, sonder» eine freie Vereinigung bilden müsse, die in den Reihen der alte»,„ausnahmslos dem Untergange verfallenen" Parteien noch weiter wie bisher Anhänger gewinnen soll. Nach dem genannten Blatt erklärte in dieser Versammlung Herr v. Gerlach, der Redakteur der„Zeil", der aus Berlin gekommen, daß man vorläufig nur aus Anhänger aus den Reihen der rechts- stehenden Männer hoffen dürste, da aus die großen Massen der Sozialdemokraten noch nicht gerechnet werden kann.— — Die Bäckerei-Verordnung des Bundes- r a t h 3. Bekanntlich ist in alle» Einzelstaaten eine amtliche Er- Hebung über die Folgen der seit dem l. Juli d. I. i» kraft stehende» Bäckerei-Verordnung auf Weisung des Reichskanzlers im Zuge. Wie aus Hamburg gemeldet wird, werden nicht nur, wie wir befürchteten, die Bäckermeister, sondern auch die Bäckerei- arbeiter hierüber befragt. Hoffentlich bleiben die Beeinfluffungen der Jnnungsmeister auf die Arbeiter, von denen z. B. aus Mecklenburg berichtet wird, erfolglos.— — Der Zuckerfabrikanten- Ring, von dessen Plan, ein deutsch-österreichisch-russisches Kartell zu stände zu bringen, wir schon Mitlheilung machten, agitirt zunächst für ein ,,D e u t s ch e s I» l a n d- Z u ck e r s y n d i k a t". An alle Zucker- sabriken Deutschlands sind dieser Tage Einladungen zum Beitritt ergangen. Das Syndikat will den Berkauf des Konsumzuckers un Julande besorgen. Aus dem Erlös soll vorweg den beigetretenen Fabriken 2 M. für jeden Meterzentner Zucker ihres gesetzlichen Kontingents gezahlt und der Rest abzüglich der Unkosten mit den Konsunizucker erzeugenden Fabriken und Nasfinerien, die dem Syndikat angehören, verrechnet werden. Die„Magdeburgische Zeitung", das Waschbecken der Zucker- barone, preist dies Projekt an als eines, das das„gebotene Maß" halte und sich damit von vornherein Sympathien verschaffe, auch jedwede Provokation der Konkurrenzländcr vermeide". Dagegen meint die„Boss. Ztg.":„Eine bessere Satire aus das Zucker- steu erg esetz, das der„Noth der Industrie" ein Ende machen sollte, konnte jedenfalls nicht geschrieben werden, als es durch diesen Cyndikatsvorschlag geschehen ist." Und die„Berl. Ztg." schreibt: „Zu den„berechtigten Inleresfen". deren Pflege vas Syndikat nach seinem Prospekt bezweckt, gehören offenbar die Jnleressen der deutschen Konsumenten nicht. Das Syndikat hat vielmehr lediglich den Zweck, die deutschen Konsumenten zu gunsten der Produzenten noch über die Verbrauchssteuer und die Aussuhr- Prämien hinaus zu schröpfen." Und wie steht es mit dem„Nothstand"? Thatsächlich befinden sich nur einzelne der durch staatliche Liebesgaben treibhausmäßig gezüchteten Zuckerfabriken in einer schlimmen Lage. In Braunschweig wird sogar bereits von einer in Aussicht stehenden Zuckerpleite gesprochen. Das neue Zuckersteuer- Gesetz sollte den Zuckerspekulauten helfen, darin Man hat auch das ihrer Faulheit zugeschrieben; aber mau bedenkt nicht, wie ungünstig die Umstände sind, unter denen diese Arbeit verrichtet wird. Ueberall muß die schlecht oder gar nicht bewaffnete Hand das Werk liefern, und es wird eine Eigenschaft in hohem Maße in Anspruch genommen, die gerade dem Naturmenschen am meisten fehlt: die Ausdauer. Sein Erzeugniß trägt nach Ursprung und Bestimmung ein ausgesprochen individuelles Gepräge: als Verkörperung individueller Arbeit und als Ausrüstung für das Leben wird es recht eigentlich zu einem Stück der Person, die es schuf. Der Naturmensch hat noch die Freude des Schaffens, die in der Kulturwelt, von Ausnahmen abgesehen, allen Handarbeitern und der Mehrzahl der Kopfarbeiter abgeht. Diese interessanten Forschungsergebnisse Bücher's sind außer» ordentlich werthvoll zur Beurtheilung der Verhältnisse in neu aufgeschlossenen Kolonien. Sie erklären die Schwierigkeiten, die Frage zu lösen, die Milte der achtziger Jahre so oft bei uns gestellt wurde:„Wie erzieht man den Neger zur Plantagenarbeit?" sie erklären so manches, was uns unverständlich und unerklärlich in den Vorgängen in nnseren Kolonien, erscheint, sie zeigt aber auch, daß viel zu schematisch bei der Behandlung der eingeborenen Bevölkerung vorgegangen wird. Wir sind sicher, daß unser« Kolonialpolitiker sich wohl ge- hütet hätten, aus dieser Akademieschrift etwas zu publiziren, sie werden die Arbeit wohl auch künftig todtschweigen. Denn sie können die Thatsachen nicht ividerlegen und müßten, wollten sie diese Forschungsergebnisse berücksichtigen, ihre ganze Taktik andern. Was sie wollen, ist, die Neger zur Mehriverthschaffmig zwingen. Und hierzu erscheint ihnen die Nilpserdpeitsche als viel geeigneteres Werkzeug als ein verständiges und liebevolles Eingehen auf die Arbeitsweise der Naturvölker. Mkersristhes. Protokoll über die Verhandlungeu des Parteitages der sozialdemokratischen Partei Teutschlands. Abgehalten zu Gotha vom H. bis IB. Oktober 1896. Berlin 1896. Buchhandlung Vorwärts. 192 S. gr.&>. Preis 30 Pf. In einem stattlichen Bande, z,, sehr billigem Preise, liegt uns schon ll Tage nach Schluß des Parteitages ein übersichtlich zusammengestelltes, genaues, allen Ansprüche» genügendes Protokoll über unseren letzte» Parteitag vor. Gegen- über den früheren Protokolle», denen es in Format und Aus- stattung gleicht, ist ein Fortschritt zu verzeichnen, indem»un auch zu dem Sprechregister ein sehr gut ausgearbeitetes Sachregister hinzugekommen ist, das das Nachschlage» und die praktische Be- Nutzung in der Agitation i» hohem Maße erleichtert. Hervorhebe» wollen wir, daß allen Rednern, die es wünschten, auf dem Parteitage Gelegenheit gegeben wurde, ihre Reden durchzusehe» und Irr- thümer der Berichterstattung richtig zu stellen. Für jeden ernst- haften Parteigenossen ist der Besitz dieses Protokolles unbedingt »ölhig. habe» sie sich gründlich getäuscht. Nach der„Franks. Ztg." ist bei ihnen jetzt die Ueberzeugiing von der Schädlichkeil dieses Gesetzes ganz allgemein. So werfen sie sich denn auf das Kartell als ihr letztes Rettungsmittel. Ihre blödsinnige Ueber- produzirerei, die zu der schlimmen Lage der Zuckerindustrie führte, soll jetzt das deutsche Volk durch höhere Preise bezahlen. Aber auch das wird den Krach nicht aushallen.— — Gegen das Duell will ein Kreis von Bürgern in Gotha eine Volkskundgebung veranlassen. In dem Aufrufe wird die Blutthat in Karlsruhe eine That anarchistischer Selbsthilfe genannt. Gefordert wird: Aufrichtige und energische Durchführung des vom Reichstage einstimmig gefaßten Beschlusses, betreffend die Beseitigung des Duellweseus: Aushebung der Militärgerichtsbarkeit für alle nicht dienstliche» Vergehen. Unterzeichnet sind Geheimer Rath Beriet, der Präsident des Landgerichts und des Landtages, ferner Richter, Pfarrer, Gym- nasiallehrer, Aerzte, Bankbeamte w.— — Die„Neue Welt" ist auch in Hamburg und anderen Städten konfiszirt worden. Und trotz des konfiszirten Wächterrufes, trotz des Eifers des Breslauer Staatsanwalts wachen immer mehr Arbeiter auf!— — Der schrecklich st e der Schrecken scheint für den neuen Rektor der Berliner Universität die Frau zu sein. Er er- schwert den Frauen den Vorlesungsbesuch und verbot dem sozial- ivissenschaftlichen Studentenverein, sich von Fräul. Helene Lange einen Vortrag halten zu lassen. Da Fräulein Lange am meisten durch das Nachsuchen von Lludienze» bei hohen Persönlichkeiten bekannt ist und politisch auf dem Schräder-Bröniel-Rickeri'sche» Standpunkte steht, so kann es nur die Frau sei», die Rektor Brunner fürchtet.— — Krupp wird nicht bloS als Verkäufer von Mord- waffen, sondeni auch als Produzent international. Er hat auch die belgische Landes- Waffenfabrik in Herstal augekauft. So konzeutrirt sich mit der Zeit die Produklio» vo» Panzern und Kanone» immer mehr i» einer Hand. Belgier, Franzosen Holländer, Italiener, Abessynier, Deutsche, Russen, Oesterreicher, Türken schießen mit Kruppssche» Kanonen, vertheidige» sich mit Krnpp'schen Panzern. Wer aber an Krupp's Patriotismus ziveifelt, dem wird die Antwort, daß er mit Stumm der patriotischesten und nationalsten Fraktion des deutschen Reichs- tages angehört.— Trcsde», 26. Oktober.(Eig. Ber.) Zur Frage der Besteuerung der Konsumvereine dürfte ein Auszug aus dem soeben erschienene» Jahresbericht des Verbandes sächsischer Konsumvereine von allgemeinem Interesse sein. Demnach haben die 182 am Verband betheiligten Konsum- und Produkten- verlheilungs- Vereine 113 326 Mitglieder. Sie erzielten 23107 315 M. Jahresumsatz, dem noch' 3032 119 M. direkter Jahresumsatz mit Bäckern und Fleischern zuzurechnen sind. Ge- zahlt wurde insgesammt 3 096 089 M. Dividende. Der Prozent- sah der Dividende schwankte zwischen 4 und 21. An Steuer» wurden gezahlt 80 965,50 M. Einkommen-, 109 643,97 M. Ge- meinde-, 6922,60 M. Grundstücks- und 3225,67 M. Brausteuer. Als Beiträge zu den Handels- und Gewerbekammern wurde» 1518,51 M. gezahlt. Die Vereine beschäftigten zusammen 1384 Personen ständig und 532 aushilfsweise. Die größte» Konsum- vereine sind: Konsuniverein„Vorwärts" Dresden mit 12067 Mit- gliedern, 2 146 543 M. Jahresunisatz und 6>/e pCt. Dividende. Der Verein hat 23 Verkaufsstellen; Konsumverein Leipzig-Plag- ivitz mit 11 400 Mitgliedern, 3 579 416 M. Jahresumsatz und 10 pCt. Dividende. Hier ist noch zu erwähnen die Leipziger Gcnossenschnstsbäckerei mit 425 Mitgliedern, 259044 M. Jahres- umsatz und 6 pCt. Dividende. Der Konsuniverein Schedewitz mit 30 000 Mitgliedern, 2 970 577 M. Jahresumsatz und 16 pCt. Dividende. — Die Sozialdemokratie Schwarzburg- R u d o l st a d t s sieht dem Ausgange der L a n d t a g s>v a h l frohgemuth entgegen. Nebe» dem Mandat für Frankenhauseir, das sie schon seit fast einein Jahrzehnt in Besitz hat, ist es nicht unmöglich, daß einige andere neu erobert werden. Die Wahl- bewcgling hak diesmal, wie das„Saalselder Volksblatt" schreibt, ein wesentlich anderes Gepräge als früher, wo mit Ausnahme des Wahlkreises Frankenhausen-Stadl das politische Moment keine Rolle spielte. Infolge der Betheiligung der Arbeiter ist die jetzige Wahlbewegung ausgeprägt politisch, wozu außer der fortgeschrittouen wirthschaflliche» Entwickelung besonders die Taktik der Siegierung beigetragen ha< auf grund vorsint- fluthlicher Bestimmungen, die den Arbeitern schon das Recht zur Gründung von politischen Vereinen verbieten, ihnen auch noch die Versammlungen illusorisch zu machen. Es hat infolge dessen unter der Arbeiterschaft des kleinen Ländchens ein Grad von Er- bitternng Platz gegriffen, der bei der Wahl deutlich zu», Ausdruck konimeu dürfte. Die Stinimenzahl. die wir bei der vorige» Wahl erhielte», war bereits recht ansehnlich; von 5493 insgesammt ab- gegebenen Stimmen bekamen die sogenannten„Ord»u»gs"parteieii 3971, wir 1527, also fast ein Drittel aller Stimmen. Am günstigsten waren die Ergebnisse im 1., 2., 6. und 12. Kreise; der 10.(Frankenhausen) ist, wie schon erwähnt, überhaupt sicher. Die Wahl ist n äch st en Donnerst« g. Stuttgart, 25. Oktober. Die württembergische Anwalts- kalumer beschloß mit 45 gegen 3 Stimmen, daß die Ver- leihung des Justizraths-Titels an Rechtsanwälte als nicht im Interesse des Berufs liegend erachtet werde.— Mainz, 26. Oktober.(Eig. Ber.) Am 6. November findet die Ersatzwahl im Reichstags- Wahlkreis Mainz-Oppenheim an stelle des zurückgetretenen Abgeordnete» Joest statt. Nachdem ilunmehr in letzter Stunde die ocmokratisch-deutschsreislnnige Ver- einigung von der Aufstellung eines eigenen Kaudidaten abgesehen hat, treten nur vier Parteien in die Arena. Die sozialdemokratische Partei, die Siegerin von 1890 und 1893, präsenlirt als Kau- dldaten Genosse Dr. Ed. David in Mainz, die ultramontane Partei den Rechtsanwalt Dr. Adam Schmitt in Mainz, die nationalliberale Partei den Oberschulrath Dr. Soldau in Dar,»- stadt und die Antisemiten den Geonieter und Laiidwlrth Michael Wolf zu Stadecken. Bei der Wahl 1893 erhielten im ersten Wahlgange die Dcmokrate» 2042, die Ultramontane» 5133, die Nationalliberalen 5269, die Sozialdemokraten 8965 lind die Antisemiten 270 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte alsdann die sozialdemokratische Partei niit 10 686 Stimmen gegen die nationalliberale Partei, welche 8196 Stimmen erhielt. Bei der bevorstehenden Wahl wird sich eine eventuelle Stichwahl zwischen dem Zentrum und der Sozial- deniokratie abspielen. — Hessische Landtagswahl. Genosse Ulrich in Offenbach ist bekanntlich zweimal geivählt. Da er auf den Kreis Ossenbach- Land verzichtet hat, ist dort eine Neuwahl nölhig. Auf einer Konferenz der Wahlmänner und der Bertraueiislente dieses Bezirks, die am Sonntag in Ossenbach tagte und zu der auch das Landeskomilee und die Landtags- Abgeordneten hinzu» gezogen waren. ist»»>, für Ossenbach- Land der Genosse R a u aus Mülheim als Kandidat ausgestellt worden. Metz, 25. Oktober.(Eig. Ber.) Wie man in Elsaß- Lothringen verfährt, zeigt folgender Fall, über den uns aus Diedenhofe» berichtet wird. Gelegentlich des Kiirchweihfestes in unserem Nachbarorte Rnxweiler kamen am Dienstag, den 20. d. M., abends lli/a Uhr, die beide» Gendarmen B. und G. aus Oellingen in die Wirthschaft des Herrn Comtois und sorderte» die anwesende» Gäste auf. das Lokal zu verlasse». Als ein Arbeiter aus Eschingen de» Beamte» erwiderte, daß er als Fremder das Recht hätte, i» dem Lokale zu verweilen, enlspa»» sich ein Streit, im Verlause dessen die Gendarmen blank zogen und auf den betreffenden Arbeiter eindrangen. Ein Herr I. B. Saueren, welcher versuchte, dieser Handlungsweise Einhalt zu thnn, wurde ebenfalls mit dem Säbel bearbeitet. Schließlich wurden beide„Misscthäter" nach Oettingen transportirl und bis zum anderen Tage eingesperrt. Nach ihrer Freilassung ließen sich die Genannteil sofort ein ärztliches Attest über die erlittenen Mißhandlungen ausstellen und erhoben Klage bei der Staatsanwaltschaft.— St. Ludwig, 25. Oktober.(Eig. Ber.) Unter den Bäckern der elsässischen Grenzorte ist gegenwärtig eine Bewegung im Gange. Sie habe» dieser Tage an das kaiserliche Miiiisteriilin in Slraßburg eine Eingabe gerichtet, dahingehend, es möge die Bestinniiung, wonach den Grenzbewohiiern(Deutschen) gestatlct ist, 6 Pfund Broten zollfrei aus der Schweiz einzuführen, auf- gehoben werden. Begründet wird die Eingabe damit, daß die elsässischen Bäcker das Brot nicht so billig geben können, wie ihre schweizerischen Kollegen, weil sie ihr Mehl zum größten Theil aus dem Auslande beziehe» und hohe Zollgebühren dafür zahlen müsse». Falls das kaiserliche Ministerium dem Wunsche der Bäckermeister entsprechen sollte, was kaum anzuiiehmen ist, so beginnt eben wieder der Schmuggel und die Bäckermeister sind um nichts besser gestellt.— Ungarn. — Von der Wahlbewegun�. Die Wiener Blätter melden einen Wahlexzeß aus Tyrnau in Ungarn; eine Ab- theilung Husaren, welche einschritt, wurde niit einem Steinhagel empfangen, wobei ein Husar gelödtet wurde. Die Adlheilung zersprengte den Pöbel nut blanker Waffe, zwei Personen wurden schwer verletzt. Infolge der stürmischen Wahlbewegung in Ungarn gingen Truppen aus Neunkirche», Traiskirchen, Marburg, Klagenfurt. Laibach und aus mehreren Städten Galiziens nach den gefährdeten Orten ab.— Schweiz. Zürich, 26. Oktober. Im Wahlkreise Zürich(!. eidgen. Wahllreis) blieb eine Wahl u»e>itschieden. Es muß Stichwahl statlfiiideii zwischen Greulich(Sozialdemokrat), S ch ä p p i (Radikal) und Wille(Konservativ). Frankreich. Paris, 27. Okiober. Der Minister des Innern Barlhou legte heule in der Kammer vier Gesetzentwürfe betreffend eine Revision der Gesetze über die Generalräthe und über die Ver- fasslmg der Gemeinden vor. Die Vorlagen haben den Zweck, eine Dezentralisation herbeizuführen und die gegenwärtig bestehenden Präfektur-Räthe durch 18 Bezirksrälhe zu ersetzen.— Paris, 27. Oktober.(Telegramm.) Depntirten- kam m e r. Der Wiederzusanimeiitritt der Kammer vollzieht sich in größter Ruhe. Viele Deputirte fehlen. Präsident Brisson verlas ein Schreiben des Präsidenten Faure, i» welchem derselbe der Kamnier das Telegramm mittheille, welches Kaiser Nikolaus ihm aus Pagny s»r Moselle übersandte. Der Präsident fuhr alsdann fort:„Die Deputirtenkammer, welche seit 1881 in feierlicher Weise die Sympathien Frankreichs für Rußland bekundete, wird bei Eröffiinng der Session dem erhabenen(!) Herrscher Gruß entbieten und an ihn sowohl wie die Kaiserin Wünsche für de» Ruhm ihrer Regierung und das Glück ihres Reiches richten»vollen. Nach den Kundgebungen in Kronstadt und Toulon haben die Oktober-Festtage die Freund- schaft zweier großen und stolzen Nationen sich von neuem festigen sehen. Die Dichter, die Künstler, die Press« und daS ganze Volk habe» diesen Einklang gefeiert. Die französische Demo- kratie(!) hat bezeugt, daß uiisere Slaalseinrichtunge» weit davon entfernt sind, den Geist der Folgerichtigkeit, der Beständig- keit, Einheit und Einhelligkeit in ihren Zielen auszuschließen. In Paris, dessen Größe und Reiz das befreundete Herrscherpaar so tief empsunden und so zartfühlend gerühmt hat, hat die aus ganz Frankreich herbeigeeilte Menge, das über ihr schwebende Bild des ganzen Vaterlandes repräsentirt. Ein Herz, ein Wille! Welch' ein Schauspiel, welche Lehre, welch' ein Quell des Vertrauens und der Hoff» n u n g!" Di« Rede wurde in ihrem ganzen Verlauf mit leb« haften Kiiildgebliiig�i begleitet. Ministerpräsident Meli»« dankte Brisson für seine patrioti- schen Worte inid führte aus. die Kanimcr habe dadurch, daß sie den Worten ihres Prästdenten einmülhig beipflichtete, die Be- deulilng dieser Kundgebung betone» wollen, welche die Stellung Frankreichs dem Auslande gegenüber nur erhöhe» könne und gleichzeitig all' die Kraft irnd die Autorität verleihe, welche nöthig sei, um im Namen Frankreichs zu sprechen. Meline schloß, er sei überzeugt, das Land werde dem ebenso zustimmen, wie die Kammer.(Beifall.) Das Haus setzte hierauf seine Tagesordnung fest. So das Wolff'sche Telegramm. Die Briffon'schen Lataienphrasen verdienen der Nachwelt erhalten zu werden, als ein Denkmal der bürgerlichen Kultur a», Ende des 19. Jahrhunderts. Und vor 100 und einigen Jahren machten die Urgroßväter dieser Bedienten die französische Revolution! Drastischer kann der Verfall deS Bürgerthums nicht zur Anschauung gebracht werden, als durch diesen Kontrast. Im Senat dieselbe patriotische Komödie. Nur daß hier Papa Loubet die republikanische Kniebeuge vor Väterchen ans« führte.— Paris, 26. Oktober. Der Munizipalrath hat sei» früheres Bureau wiedergewählt. Ein Ausschluß der Sozialisten wegen ihrer ablehnenden Haltung beim Empfang des Zaren erschien wohl unmöglich.— Paris, 24. Oltob.(Eig. Ber.) Die Budgetkommissiön ist nun doch noch vor dem Wiederzlifammentritt der Kamnier mit ihren Arbeile» fertig geworden. Ihre Leistungen sehe» aber auch danach aus. I» erdrückender Mehrheit(23 von 33 Mit- gliedern) aus ministerielleii Abgeordneten zusammengesetzt, hat sie nach einigen schandenhalber gemachten Anläufen zur ernstlichen Herabsetzung der Kreditforderungen schließlich der Regierung in allem wesentliche» nachgegeben. Der Gesammt- betrag der Herabsetzungen stellt sich auf blos 10 720169 Fr.. von denen die Regierung zirka 10 Millionen genehmigte. Der Budgetvoranschlag für 1897 weist an Einnnhme« 3 385 764 965 Fr. und an Ausgabe» 3 376 451 503 Fr. auf. Demnach beträgt der Ueberschuß 9 313 462 Fr. Da aber von diesem Ueberschnß 9 Millionen zur theilweisen Rückzahlung der sechsjährigen Obligationen verwendet werden niüssen, so verbleibt ei» Ueber» schliß von 313 462 Frs. Und das, wohlgemerkl, auf dem Papier. Die bisherigen Ersahrungeil lehren, daß die Verwaltung nie mit den in Voranschlag vorgesehene» Krediten auskommt. Nach- trags-Kredite sind in der französischen Finanzwirthschasl ein ständiges Uebel, sodaß das vornehmste Recht des Parlaments illusorisch gemacht wird. In dieser Beziehung sind lehrreich die Ausführungen des Generalanwalts des Rechiiiingshoses, Renaud, der dieser Tage eine förmliche Anklagerede gegen die finanzielle Mißwirlhschaft hielt. Im Zeitraum 1871—1895 stellte der Rechnungshof 3096 Ueberschreitungen des vom Parlament votirten Finanz- gesetzes fest, darunter handelt es sich in mehr als 200 Fällen um von der Verwaltung selbstherrlich zemachte Ausgaben, die dann durch Nachtragskrcdite richtig egalisirt wurden. Insbesondere ist beliebt das System der un- gesetzliche» Kredits-Uebertragungen von einem Posten auf den anderen oder auch von eine»» Ministerium auf das andere. Und zwar geschieht das am häufigsten zwecks Erhöhung des Gehalts des obere» Beamtenpersonals! Mit anderen Worten, die hohe» Würdenträger leisten sich eigenmächtig„Gratifikationen" auf Kosten der Steuerzahler... Und die Kammer zeigt weder den Willen noch die Fähigkeit, diese Auswüchse zu beseitigen. Die Nachtrags- kredile werden von ihr um so eilfertiger volirt, als es sich meist ui» bereits verthanes Geld handelt. Auch der neueste Mahnruf wird spurlos verhallen. Die Mißwirthschaft wird so lange dauern. als die Regierung thatsächlich sich in den Händen eines und desselben Klüngel» befindet. Die Steuerreform ist aus dem Budget ausgeschiedeu ivordcn, entgegen dem vom Kabinet am Ende der Sommersession gemachten Versprechen. Das ist übrigens ein allbeniährtes Mittel, die dringendsten Reformen endlos verschleppen zu rönnen. Dafür wird der Kammer gleich im Anfange der Session eine Vorlage betr. Z n ck e r- A u s f u h r p r ä m i e n zugehen. Die Liebesgabe an die Zuckerbrenner beträgt 15—16 Millionen. Anfänglich willigten die Fabrikanten ein in die Aufbringung der erforderlichen Summe durch Erhöhung der Fabrikations- steuer ans den nicht kontingentirten Zucker, der mit 86 Franks (anitatt 66) pro 166 Kilo besteuert ist. Zuletzt aber wollten sie die Präunen ausschließlich aus den Taschen der Konsumenten, durch Erhöhung der Verbrauchssteuer bezahlt wisse». Mline schlägt nun einen„Mittelweg" ein: er will die volle Verbrauchssteuer von 66 auf 64 und die halbe von 36 ans 32 Fr. erhöhe». — Zum Fall D r e y f u ß. Der„Politiqne coloniale" infolge wurde der Sekretär des Gouverneurs von Guyana ab- gesetzt wegen des Verdachts, den Chiffreschliissel der den früheren Kapitän Dreyfuß betreffenden Tcpesche» verralhe» zu haben.— England. — Ein Th e il der JndependentLabour Party setzt die Liebäugelei mit den anarchistischen Zier- und Schau- rxemplaren fort. So sprach vor 6 Tagen Tom Man n in London ans einem Meeting zu Ehren der nach Amerika(auf Agitation) reisenden Louise Michel, lind für den 11. November ist Tom Man» als Sprecher auf einem„anarchistischen" Meeting zum Andenken an die Opfer des Chicagoer Klasscnjustiz-Mordes angekündigt. Mit Ausnahme Lingg's war bekanntlich keiner der damals Verurtheilten ein Anarchist, und der nichts weniger als revolutionäre Gouverneur von Jllinos, Altgeld, hat, wie man weiß, den Prozeß als Jnstizmo»d gekennzeichnet und die über- lebenden Opfer aus dem Gcfängniß entlasse».— Keir Hardie, der nominell an der Spitze der Unabhängigen Arbeiterpartei steht, aber von Tom Mann mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird, hütet sich vor derartigen Seiten- sprüngen, die seine Wahlaussichten vernichten würden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Gebahren Tom Mann's die Strömung zu gnnsten einer Vereinigung oder doch Verständigung mit der Social Democratic Federatiou innerhalb der Jndcpendent Labour Party kräftigen wird.— Italien. Rom, 24. Oktober.(Eig. Bericht.) Die Unterschlagungen, welche in der Finanzverwaltung der Stadt Palermo entdeckt worden sind, erweisen sich mit jedem Tage als beträchtlicher und bestätigen die Auffassung, daß die Symptome der beginnenden Fäulniß und Zersetzung in der herrschenden italienische» Bourgeoisie nirgens so grell hervortreten wie i» Sizilien. Ebendort zeigen sich deshalb die kräftigsten Ansätze zu einer Organisation der Arbeiterbevölkerung, die in dem größte» Theile der Halbinsel fast völlig fehlt. Die bis jetzt festgestellte Summe der Unterschlagungen in der Stadtkasse von Palermo beläuft sich aus mehr als eine Million Lire. Kassen aller Art, die der städtischen Verwaltung anvertraut waren, sind ausgeschöpft! Kautionen, welche von Bauunternehmern und anderen mit der Stadtverwaltung in Geschäftsverbindung stehenden Personen erlegt worden waren, sind gestohlen worden. Wir immer in solchen Fällen handelt es sich um einen Kollektivdiebstahl. Der Hauptschuldige, der Schatz- Meister der Stadt, hat nach seiner Verhaftung eine Liste von Personen vorgelegt, welche von ihm, um ihr Schweigen zu er- kaufe», Geld empfangen habe», darunter eine Anzahl von Stadt- räthe». Es wäre sonderbar gewesen, wenn unter den Nutznießern an de» unterschlagene» Summe» Francesco Crispi gefehlt hätte, der doch Parlamenls-Abgeordneter für Palermo ist; und in der That fehlt er auch nicht. Nach der einen Mittheilung hätte Crispi von dem Schatzmeister der Stadt Palermo 366 666 Fr. als„Darlehn" erhalle» und dafür, trotz mehrfacher Warnungen, die Thatsache ignorirt, daß jener Schatzmeister sein Amt ver- waltete, ohne die vorschriftsmäßige Kaution geleistet zu haben. WaS aber ein Crispi'sches„Darlehen" bedeutet, zeige» die Summen, die er seinerzeit von der Römischen Bank. gleichfalls als Entschädigung für seine Protektion, er- preßt hat. Nach der anderen Version hätte Crispi von dem Schatzmeister von Palermo Geld dafür erhalten, daß er ihn, trotz des gegenseitigen Gutachtens der Unterbehörden, zum „Kommendatore"(Ritter eines hohen Ordens) ernannte. Anch dies würde völlig in Crispi's Fach einschlagen, da er ja bekanntlich von dem französischen Spekulanten Herz für die Verleihung desselben Ordens 56 666 Franks bc- kommen hat. Die Wiederholung dieses Verfahrens stellt Crispi dem Schwiegersohn des Präsidenleu Grevy, Herrn Wilson, gleich, der aber doch wenigstens nicht Ministerpräsident war.— Be- merkenswerth sind die in der letzten Zeil stark überhand- nehmende» Desertionen aus der italienischen Armee, welche meist durch die Befürchtung der Soldaten, nach Abessynien verschickt u werden, hervorgerufen werden. Ter Vorgang hat Aehulich- eit mit den zahlreichen Deserlionen aus den spanische» Regimentern, die nach Kuba versandt iverden sollen; nnr erreichen die italienischen Desertionen nicht die Zahl der spanischen, da das gegenwärtige italienische Ministerium bis jetzt nur ganz geringe Truppennachschübe nach Afrika vorgenommen hat. Gleichwohl gingen neulich ans einem Alpenjäger-Regiment. also einer Elitetruppe, vierzig Mann auf einmal über die schweizerische Grenze, sodaß das Regiment öon der Revue ausgeschlossen wurde, die zur Hochzeit des 5kronpri»zen in Rom stattfindet. Dänemark. Im Folkething kam der Appanage- Antrag sowie der Vorschlag der Bewilligung einer Mitgift für Prinzessin Louise zur Verhandlung. Unser Parteigenosse A. E. Meyer führte bei dieser Gelegenheit unter anderem aus: Wir gebe» unserem König genug zum Unterhalt und der König muß die- selbe Versorgungspflicht haben wie andere Väter. Diese Sache hat einen sozialen Hintergrund. Der Betrag, der ver- langt wird, ist so groß, daß man ihn mit dcm vergleichen muß, was für andere Zwecke gefordert wird. Es ist halb soviel, als im Vorjahre für alle Eisenbahnarbeiter bewilligt wurde. Für Kirche», für das Königshaus und für das Militär wird Geld verlangt. Für alles Uebrige ist keines da, so z. B. nicht für das Schuldotatiousgesetz. Tie Armen sollen geistig und leiblich Roth leiden. Es ist die'Aufgabe der Sozialdemo- kratie, gegen solchen Luxus zu protestiren.— Der Minister- Präsident meinte in seiner Erwiderung, nach seiner Ansicht wäre die Existenz der Sozialdemokratie ein Luxus!(sie!) Der An- trag wurde natürlich angenommen. Wozu gäbe es denn„Liberale" im Folkething.»— Nustland. Petersburg, 26. Oktober. Wie hier verlautet, ist bei dem Finanzministerium ein dringendes Gesuch der Landschaft des Gouvernements Twer eingelaufen, die Zölle auf landwirthschaft- liche Maschinen und Gerüche aufzuheben, da die russischen Fabrikate theuer und ungenügend, die ausländischen Fabrikate aber bei dem hohen Zoll für die schon schwer leidende Laudwirth- schast kaum erschwinglich seien.— Türkei Konstantinopel, 26. Oktober. Als sich heute der Verweser des armenischen Patriarchats, Bartolomeos, zu Wagen nach dem Patriarchat begab, stürzten sich 4 Personen, darunter»in Spezereiwaaren-Händler, auf ihn. Die Angreifer, die Armenier sein sollen, wurden sofort, ehe sie ein Attentat ausführen konnten, verhaftet.— Koustautinopel, 26. Oktober.(„Pol. Korr.") In leitenden türkischen Kreisen besteht die Absicht, einen Kriegsschatz an- zulege», aber nicht aus grund einer Kopfsteuer, sondern durch Monopolisirung verschiedener Artikel und durch Maßnahmen, welche auf dieser Grundlage getroffen werden solle». Koustautinopel, 27. Oktober. Gestern haben sämintliche Zivilarbeiter des Marine-Arsenals insolge mehrwöchiger Lohn- rückstände die Arbeit eingestellt.— Amerika. New- Hork.(Franks. Ztg.) Bryan erklärte, er habe 366 sichere Elektoralstimmen. Trotzdem herrscht allgemein die lieber- zeugung, daß er geschlagen wird. Die Chicagoer vereinigten Gewerkschaften treten eifrig für Bryan ei», dagegen hat der Präsident vom Nationalverein der Lokomotivheizer, namens Sargen, soeben ein energisches Schreiben gegen Bryan ver- öffentlicht.—_ Ein angeblicher Brief von Marx, betreffend die Anarchisten, wird jetzt von einigen Zeitungen veröffentlicht. Es heißt darüber: Grlegentlich der Auseinandersetzung mit den Anarchisten auf dem Internationalen Kongreß haben viele Leute de» Sozial- demokraten den Vorwurf der Intoleranz gemacht. Diese guten Leute meinten, die Anarchisten ständen auch auf dem Bode» des Klassenkampfes und seien für uns als Mitkämpfer zu betrachten. Es ist allerdings richtig, daß die Anarchisten, wie sich diese heute geben, wesentlich sich unterscheiden von denen zu Anfang der achtziger Jahre. Heute sagen diese Leute, sie seien konnnunistische An- archisten oder anarchistische Sozialisten, oder sonstiges ungereimtes Zeug. Anfangs der achtziger Jahre dagegen war eine förmliche Mordkultur bei den Anarchisten ausgebrochen, Raubmorde wurden verübt; in Wien war der Bankier Merstallinger von dem Anarchisten Stellmacher ermordet und beraubt'worden und die Zeitungen schoben dies den Sozialisten in die Schuhe. Am 14. März 1833 starb Karl Marx und wenige Tage zuvor schrieb er infolge der Aus- beutung der Merstallinger Affäre gegen die Sozialdemokraten an einen Parteigenosse» in Wien folgenden Brief, der fast mit einem geistige« Testament verglichen werden kann. Ter Brief war von ihm augenscheinlich seinem alten Freunde Thomas Sanders diltirt worden, und Marx hatte nur mit zitternder Hand seinen Namenszug unter die steifgeschriebenen Zeile» gesetzt. Der augebliche Brief selbst—„die wenigen Zeilen, welche Marx diktirte"— hat folgenden Wortlaut: Mein Freund! Ein Brief von mir, dem alten, kranken, verbannten Einsiedler, wird Sie in Erstaunen sehen. Aber es läßt mir keine Ruhe, mein Herz einer gleichgesinnten Seele auszuschülten. In Wien wird za gegen- wärtig viel von uns gesprochen— die wahnsinnige, verbrecherische Handlung einiger nichtswürdiger oder verblendeter Individuen hat man benutzt, um.... Du lieber Gott, mußte ich deshalb so alt werden, um von den meiste» meiner Landslentc die wahre Sozialdemokratie weniger als je verstanden zu sehe»!?... Ein Pariser Blatt schreibt nämlich, es entnehme einem Wiener Journale die Nachricht, der Raubaufall an einem gewissen Merstallinger hätte die Wiener Sozial- demokraten als Urheber gehabt. Das ist erlogen! Es liegt im Priuzipe der Sache, daß die Thäter keine Sozialdemokraten sein können! Aber sollten vielleicht die Gute» de» Anarchismus mit meinen Lehren verivechseln? Es wäre traurig, doch ich fürchte, dem ist so. Jedermann, der mich kennt, weiß, daß ich die An archisten seit meinen Jugendjahren verabscheut und verfolgt habe. Ich las übrigens in dem erwähnten Pariser Blatte auch de» sonderbaren Aus- druck:„Anarchistische Sozialdemokraten." Ich mußte darüber lachen. Es kam mir vor, als hätte jemand von einer„republi- kanischen Monarchie" gesprochen... Ihren Landsleuten meine besten Grüße! Ich werde müde.... K a r l M a r x. Jeder, der Marx kennt, sieht auf de» ersten Blick, daß Marx diesen sentimenlalen Quatsch nicht geschrieben haben kann. Sollte die Unterschrift echt sei»,— was wir indeß beziveifeln— so iväre nicht Marx, sondern der Brief- s ch r e i b e r, gleichviel wie er geheißen, für den Inhalt verantwortlich. Und das soll„ein geistiges Testament" des Mannes von Stahl und Demant fei», der das„Korn- munistische Manifest", die„Internationale Arbeiter- Assoziation" und das„Kapital" geschaffen!— Tie Parteigenosse» von Brcmcu haben zu den Bürger- s ch a s t s w a h l e n ebenfalls ein Programm aufgestellt, worin für die verschiedenen Zweige der kommunale» und siaallichen Ausgaben Forderungen ausgestellt sind. Unterm Punkt„Ar- beiterschutz" wird verlangt, daß den leilenden Körper- schafte» des Staats eine aus' Arbeitern zusaniuiengesetzte, aus allgemeinen direkten Wahle» der Arbeiterklasse hervorgehende A r b e i t s k a in in e r zur Seite gestellt wird, die berufen ist, auf alles, was der Arbeiterklasse dienlich sein kann, fort- während ihr Augenmerk zu richten, darüber zu berathen und dem Senat auf dessen Antrag oder auch unaufgefordert gutachtlich zu berichte», wie auch die ihr zur Förderung der Arbeiterverhältnisse augemessen scheinenden Maßregeln bei den zuständigen Behörden zu beantragen. Der Senat soll verpflichlet sein, etivaige seiner eigenen Initiative entspringende, die Arbeiter- Verhältnisse betreffende Vorschläge der Arbeilskammer zu unter- breiten. Weiter wird die Aushebung der b r e ni i s ch e n G e- sinde-Ordnung und die rechtliche Gleichstellung der Dienst- boten und landwirthschaftlichen Arbeiter mit den gewerblichen Ardeitern verlangt. Tie Gründe seines Austritts ans der Sozialdemokratie gab Herr Max Lorenz in Leipzig am Montag in einer öffentlichen Versammlung zum besten, die von der Sozial- wissenschaftlichen Vereinigung einberufen war. Die Gründe bestehen in den Theorien unseres Älltmeisters Karl M a r x. Es erübrigt sich, ans die Ansichten einzugchen, die Herr Lorenz über diesen allerdings nicht leicht verständlichen Denker und Forscher hat. Daß Herr Lorenz zu früh aus die Bühne getreten ist, um über Karl Marx«in Urthei! abzugeben, das Anspruch ans Beachtmig mackien könnte, ergiebt sich ans der in der Naumann'schen„Zeil" veröffentlichten Zusammenfassung seiner lliede. Danach hat Herr Lorenz die Sozialdemokratie vor die Eutscheidungsfrage gestellt: Wollt Ihr mit vollem Bewußt- sein Marxisten bleiben, mit der heutigen Gesellschaftsform nichts zu thnn haben, durch und durch revolutionär sein, und die marxistische Losung:„Kampf oder Tod, blutiger Krieg oder das Nichts!" zu der Eurigen machen?— oder wollt Ihr Marx und seine Theorien als überlebt preisgeben. Euch auf den Boden der heutigen Gesellschaftsform stellen und statt durch Revolution vielmehr durch Evolution die heutigen Zustände bessern? Im ersteren Falle dürft Ihr Euch nicht wundern, wenn der Staat seinerseits, schon um seiner Selbsterhaltung willen, Euch auf jede ihm mögliche Weise bekämpst und unter- drückt. So zu lesen in der„Zeit", dcm Organ der Naumann'schen Partei, der sich Herr Lorenz angeschlossen hat. Wenn selbst das eigen» Organ seiner Parte» die Rede des Herrn Lorenz nicht besser zu charakrerisiren weiß, als daß sie ihn zu eineiig Ver- theidiger des Ausnahmegesetzes stempelt, so zeigt das genügend, daß Herr Max Lorenz in seinem Kampfe gegen den Riesen Marx nicht glücklicher gewesen ist als die anderen Pygmäen, die das bisher versucht haben. Kein Saül für Bebel ist in Röthen zu haben. So ver- kündet triumphirend der„Anhalter Kurier". Wie agitatorisch gerade solche kleinliche Schikanen für die Sozialdemokratie wirken, merkt das bürgerliche Zeitnngsgeschwister nicht. In Höchst a. M. wurden bei der Wahl der Vertreter zur Ortskrankenkasse die Kandidaten der Gewerkschaften mit 136 Stimmen gewählt. Eine Gegenliste war diesmal nicht aufgestellt. Polizeiliches. Gerichtliches it. i. — In der Breslau er„ V o l r s w a ch t war dem Amlsvorsteher Jacob in Nieder- Wüstegiersdorf vorgeworfen worden, daß ihm die zur Ausübung seines Amtes nöthige Gesetzes-� kenntniß fehle. Es handelte sich darum, daß die bereit-, in den Händen der Abonnenten befindlichen Exemplare der auf Befehl der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Nr. 26 der„Wahrheit" — der Wochenausgabe der„Volkswacht"— im Bereiche des genannte» Amisvorstehers durch den Amtsdiener Haus sür Haus von den Abonnenten wieder abgeholt worden waren. Gegen dieses Versahren protestirte der Verlag der Zeitung, und der Verleger, Genosse Schütz, begab sich persönlich an Ort und Stelle, um bei dem Amtsvorsteher Beschwerde zu führen. Dieser wies ihn aber in ziemlich schroffer Weise ab und infolge dessen erschien am 22. Mai in der„Volkswacht" ein Bericht über die ganze Älngelegenheit, worin das Verhalten des Amtsvorstehers in der bereits geschilderten Weise kritisirt war. Es wurde nun gegen den verantwortlichen fliedaktenr der„Volksmacht", Genossen Ger- Hardt, wegen Beleidigung des Amtsvorstehers Klage erhoben. In der Verhandlung vor dem Langericht bezeichnete der Staats- anmalt das Verhallen des Amtsdieners und damit anch des Vorstehers als völlig korrekt, indem er den Wortlaut des ß 27 des Prebgesetzes:„Die Beschlagnahme von Druckschristen trifft die Exemplare nur da, wo dergleichen zum Zwecke der Ver- breitung sich befinden"— dahin deutete, daß auch ein Abonnent, der die Zeitung mit einem oder mehreren Bekannten zusammen halte, die Absicht der Verbeitnna habe, und daß daher die Be- schlagnahme auch auf Privalhänser ausgedehnt werden könne. Der Staatsanwalt beantragte deshalb gegen Gerhardt einen Monat Gesängniß. Er hatte aber mit seiner Auslegung des Preßgesetzes kein Glück. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung, da nach dem Wortlaut des Preßgesetz- Paragraphen die Beschlagnahme unter keinen Um- ständen auf die bereits den Abonnenten überlieserlen Exemplare ausgedehnt werden dürfe und deshalb die abfällige Kritik der Handlungsweise des Amtsdieners und des Amts- Vorstehers berechtigt gewesen sei. Zudem sei den» Angeklagten der Schutz des fj 193 zuzubilligen, da es sich um das von ihm selbst redigirte Blatt gehandelt habe. — Fünf Preßprozrsse wegen„Beleidigung" stehen dem „ B r a ll n s ch w e i g e r V o l k s f r e u n d" bevor, davon ist einer von dem Margarinefabrikanten Mohr in Ä l t o n a- B a h r e n f e l d angestrengt, obwohl eine von diesem eingesandte Berichtigung unverkürzt aufgenommen worden war. — Ter verantwortliche Redakteur des„Volksblattes sür Halle", Genosse M a n n i g e l, hatte wegen Notizen über den Boykott der Böllberger Mühle einen Strafbefehl empfangen, wonach er abermals 6 Wochen Hast verbüßen soll, weil er durch jene Notizen groben Unfug begangen habe. Er rief den Eni- scheid des Schöffengerichts an, dieses fand ihn aber ebenfalls „schuldig" und verurtheilte ihn zu derselben, sechsivöchigen Haft- strafe. In der Begründung hieß es, es erscheine nicht noth- wendig, daß die durch den Unfug eingeirelene Beunruhigung nachgewiesen wird, da die Möglichkeit der Beunruhigung allem schon zur Verurtheilung genüge. Soziale Aechlspfleges Auf dem Heimwege von der Arbeit war der Bauarbeiter Schlüter am 8. Oktober 1895 verunglückt. Er verlangte dann, da seine Ermerbsfähigkeit gelitten hatte, von der rheinisch-westfäli- scheu Baugewerks, Genossenschaft eine Unfallrente. Der Vorstand der Berufsgenossenschafl wies ihn aber mit der Begründung ab, daß Unfälle auf dem Wege von oder zu der Arbeitsstätte nicht als Unfälle beim Betriebe anzusehen seien und somit auch keinen Anspruch aus Rente begründeten. Schlüter legte hierauf beim Schiedsgericht Berufung ein und machte unter andrem geltend, daß ihm sein Arbeitgeber mit Rücksicht auf den weiten Weg von seiner Wohnung zu dem Neubau, wo er thätig gewesen sei, sogar das einmalige Zurücklegen desselben täglich mit dem Lohn für ein« Arbeilsstunde vergütet habe. Er Habe jedesmal länger als eineEtunde zu gehen gehabt. Das Sebiedsgericht sprach ihm denn anch dieRente zu, weil er für die Zeit, während der Kläger verunglückte, Lohn erhalte» habe. Das sei,»ahm das Gericht an, nicht eine Erhöhung des Lohnes sür die Arbeit ans dem fraglichen Neuba», sondern eine direkte Vergüligung für den Weg gewesen. Die Äerufsgenossen- schast beantragte demnächst beim Reknrsgericht die Aushebung des schiedegerichtliche» Unheils. Sie hob besonders hervor, daß sich ja die Arbeiter bei Aufrechterhaltung jener Entscheidung durch eine» jedesmaligen Vertrag mit dem Arbeitgeber guasi auch für Unfälle auf dem Heimwege und dem Wege zur Arbeit eine ölente sichern könnten. Das Reichs-VersicherungS- a m t hat nun dem Antrage der Genossenschaft stattgegeben und ihre» ablehnende» Bescheid wieder hergestellt. Es läge kein Betriebsunfall vor, führte der Vorsitzende Dr. Sarrazin aus. Einzelne Modalitäten der Lohnverbältuisse seien noch kein Grund, den Weg von und zur Arbeit den» Betriebe zuzurechnen. Ter bei einer landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft gegen Betriebsunfälle versicherte Landmann Plemnis hatte sich beim Schnitzen von Holzschnden, die er selbst tragen wollte, ver- letzt. Sein Anspruch aus eine Unsallrente wurde vom Genoffen- schaflsvorstande und dann vom Schiedsgericht zurückgewiesen. Er legte Rekurs ein und machte geltend, in seinem Heimathorte und dessen Umgegend sei es üblich, daß die Landwirthe Holz- schuhe, sogenannte Klumpe» trügen und daß sich, wer geschickt sei, die Klumpen selbst schnitze. Aber auch das Reichs- Äer- s i ch e r u n g s a»i t erkannte zu Ungunsten des Klägers. Es läge kein landwirrhschaftlicher Betriebsunsall vor: Kläger sei nicht besonderen Gefahren der Landwirthschaft zum Opfer gefallen, denn auch andere Leute wie Landwirthe schnitzten Holzschuhe. Vergleiche zwischen Unfallverletzten und Berufs- gcnosscnschafteu berühren nicht das gesetzliche Recht der letztere», bei einer wesentlichen Beffcrnng im Znstande des Verletzten dieRente herabzusetzen oder gänzlich aufzu- hebe». Diesen Grundsatz hat das R e i ch s-V« r s i ch e r u n g s- a in t bei Erledigung eines Rechtsstreites zwischen dem Arbeiter Dietrich und der schlestschen landwirthschaftlichen Berussgenossen- schast ausgesprochen._ Depeflszen und letzke Mttchvichken. Marburg, 27. Oktober.(W. T. B.) Nach siebei.tägiger Verhandlung verurtheilte die Strafkammer den Kassirer Hab« von der Borkener Darlednskasse wegen Unterschlagung von 48666 M. zu 4 Jahren 2 Monaten Gesängniß. Posen, 27. Oklober.(B. H.) In Tirschtiegel find gestern 13 mit Getreide gejüllle Scheunen abgebrannt. Man vermuihet Brandstiftung. Gravosa, 27. Oktober.(W. T. B.) Gestern früh fand in- folge hestigen Windes und anftrelender Regenböen i» den süd- dalmatinischen Gewässern ein Zusammenstoß zwischen den Schiffe»„Laudon",„Nautilns" und„Zrinvi" statt. Die Schisse gehören zu dem auf einer Segel-Uebniigsfahrt begriffenen öfter- reichischen Geschwader. Alle drei Schiffe erlitten leichte Havarie und sind aus dcm Wege nach Pola, wo die Schäden ausgebefferl werden sollen. Verletzungen der Besatzungsiilaiinschaslen sind nicht vorgekomnie». Kopenhagen. 27. Oktober.(W. T. B.) Der Kassirer des hiesigen Anarchisteuklubs. der Vergolder Peter Jensen, wurde hier am Soiuiabend am Oersled-Park in dem Angenblicke ver- haftet, als er von einem Knaben 26 Kronen enigegeunahm, welche auf gefälschte Sparmarken in der Danske Sparemärke» kasse erhoben waren. Die Kasse ist in letzter Zeit wieder» holt ähnlichen Fälschungen mit bedeutenden Beträgen zum Opfer gefallen. Der Berhaftete gestand, Sparmarken im Betrage von 5660 Kronen gefälscht zu haben, angeblich um dem Anarchisteii» klnb Agitalionsmittel zu verschaffen. Verantwortlicher Redakteur: August Jarobev in Berlin. Für den Jnseratentheil veranlworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 1, Beilage zum„Vomärts" Berliner VolMatt. Nr. 253. Mittwoch, den 38. Mttoder 1896. 13. Inljrg. UoltNles. Parteigeuosse» und Genossinnen! Zn heute Abend A>/e Uhr sind in fSnnntlichen sechs Berliner Reichstags-Wahl» kreisen Parteiversammlungen anberaumt worden, die sich mit folgenden Gegenständen zu befasien haben: Bericht und Neuwahl der Vertrauenspersonen. Wahl von Mit- gliedern zur Lokal- und P r e ß k o m m i s s i o n. Bericht- erstattung der Delegirten vom Parteitage. Ueber säinintliche Gegenstände dieser Tagesordnung findet Dis- k u s s i o n statt. Die Wichtigkeit der Versammlungen bedarf keiner Erörterung; es genügt wohl dieser Hinweis, um die Parteigenossenschaft von Berlin heule zu regster Agitation für zahlreichen Besuch zu veranlassen. Thue jeder seine Pflicht, um die heutigen Versammlungen im- ponirend zn gestalten. Sie werden abgehalten in folgenden Lokalen: 1. Wahlkreis: Staber nack's Salon, Jnselstr. 10; 2. Wahlkreis: Bockbrauerei, Tempelhofer Berg; 3. Wahl- kreis: Broch now's Salon, Sebastianstr. 39; 4. Wahlkreis: Joöl's Festsäle, Andreasstr. 21; 5. Wahlkreis: Altes S ch ü tz e n h a u s, Linieustr. S; 6. Wahlkreis: Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23. Achtung,>V, Wahlkreis(Osten). Parteigenossen, ivelche gewillt sind, am Donnerstag, den 29. ds. Vits., in Brande»- bürg bei der Wahl behilflich zu sein, wollen sich bei Otto Franke, Friedrichsbergerstr. 11, melden. Arbciter-BildnngSschnle. Der großen Volksnersammlungen wegen fällt der Unterricht heute in beiden Schulen aus und findet statt dessen am nächste» Sonntag, vormittags von 9— lO'/e Uhr. statt. Der Vorstand. I. A.: H e i u r i ch Schulz. Freisinnige Sozialpolitik. Die liberale Bourgeoispresse meldet gestern triuuiphirend: Tie städtische Gasoeputation hielt gestern unter Vorsitz des Herrn Stadlraih Namslau eine Sitzung ab, in welcher über die von uns bereits mitgetheilte Polizeiverordnung, betreffend die Sonntagsruhe für Gasanstalts- Arbeiter Beschluß gefaßt werden sollte. Diese Verordnung ist bekanntlich auf Antrag des Magistrais erlassen worden, nachdem die Ar- beiler in der Verhandlung vor dein Einignngsaint des Gewerbegerichts die Beseitigung der achtzehustüudigen Sonntags- schicht verlangt hatten, und die Erfüllung dieser Forderung ohne jene Polizeiverordnung nicht zu erreichen gewesen wäre. I» der gestrigen Sitzung wurde nun die überraschende Thalsache mit- gelheilt, daß die Arbeiter sämmtlicher städtischer Gasanstalte» fast ausnahmslos die Beibehaltung der allbewährten achtzehn- ständigen Sonntagsschicht fordern, da ihnen bei der sünfzehn- stündigen Schicht der Sonntag ganz zerrissen werde. Es lagen dementsprechende, von allen Arbeitern unterzeichnete Gesuche vor, welche, wie gegenüber den Behauptungen eines sozialdemokrati- sche» Blattes betont wurde, in keiner Weise von der Ver- waltung beeinflußt worden seien. Die Deputation hatte nun die Wahl, entweder de» früheren oder den jetzigen Wunsch der Arbeiter zu erfülle»: sie wählte das letztere und beschloß demgemäß: die früher geforderte füufzehnstüiidige Sonntagsschicht gegen den Wille» der Arbeiter nicht einzuführen. Tie kapitalistische Verlogenheit leuchtet aus jeder Zeile heraus. Statt die wahren Gründe für das Verlange» der Gas- arbeiter, die achtzehnstündige Sonntagsschicht beizubehalten, au- zuführen, meldet man, die Arbeiter wolle» sich den Sonntag durch die süufzehnstündige Schicht nicht zerreißen lassen. Wir ivollen der städtischen Gasdepntation und den Preß- trabante» der freisinnigen Kommnnalpolitik wiederholen, warum die städtischen Gasarbeiter sich gegen die von der Verwaltung vorgeschlagene Abänderung erklären. Mit dein von der humane» arbeitersreundlichen Direktion gemachte» Vorschlag ist für jeden Arbeiter ei» Lohnverlust von fünf Mark pro Woche verbunden. Auf grund der Bestimmungen der Reichs-Gewerbe-Ordnung muß für die am Sonntag beschäftigten Arbeiter eine Ruhe- pause von vierundzwanzig Stunden ,n der Woche stattfinde». Für diesen durch die Sonntagsbeschäflignng erzwungenen Ruhetag sollte nun nach Ansicht der Verwaltung der Lohn ab- gezogen werden und da begreift es sich, daß die Arbeiter lieber des Sonntags achlzehnstundige Schicht mache», als bei fünszehn Stunden Arbeil für eine» freien Wochentag fünf Mark Lohn d. h. Igs/z pCt. ihres Verdienstes einbüße» Ein anständiger Privatunternehmer würde sich eine aus humanen Rücksichten nothwendige Verkürzung dieser geradezu gesundbeits- schädlichen Arbeit nicht von den Arbeitern mit einer Lohn- Verkürzung bezahlen lasse». Die freisinnige Verwaltung der deutschen Metropole thut es und erntet dafür den Dank der für möglichste Ausdeutung der Arbeiter scha'ärmenden kapitalistischen Hanplstadtpresse. Wir gönnen der Gasdtreklion diese Freunde, verdient hat sie dieselben reichlich. Ein„freisinnig- volksparteilicheS" Organ, die„B er- l i n e r Zeitung", bringt ans Schwerin eine» Bericht über die Hochzeit zwischen einem oldenburgischen Prinzen und einer mecklenburgische» Prinzessin. Es wird darin unter änderet» genau mitgetheilt, welche Uniform der Kaiser, der der Feier bei- wohnte, bei seiner Ankunft auf dem Schweriner Bahnhof trug, wie der Hochze»tszng geordnet war(auch der.Vorantritt von Kammerhcrre« und Hofchargen" wirb nicht vergessen), ivelche Unifoim der Kaiser während der Trauungezeremonie trug, was Piinz Heinrich und der Oldenburger anhatten u. s. w. Das Blatt wird wisse», daß der.freisinnige" Berliner Spießbürger diese Geistesspeise verlangt. Ncligionsnnterricht nnd FortbildiingSschule». Die dritte ordentllche Generalsynode im Jahre 1391 hatte auch Verband- lungen betreffs der Frage gepflogen, ob bei den bestehende» gewerbliche» Fortbildungsschulen auch der Religionsunterricht in den Lehrplan aufzunehmen sei,»nl den Gesahren, welche der Jugend in religiös-sittlicher Hinsicht drohen, auch ans diesem Wege entgegenzuarbeiten. Ueber die Ausführbarkeit einer solchen Maßregel ist der Evangelische Ober- Kirchenralh mit den betreffende» Ministern in Verhandlung getrete». Der Minister für Handel und Gewerbe hat sich bereit erklärt, zu gestatte», daß die Schüler der Fortbitdungsanstalte» nach dem Schluß des Unterrichts in den gewerblichen Fortbildungsschulen freiwillig bleiben können, um von den Geistlichen ihrer Kon- fession, die sich freiwillig dazn erbieten, in der christlichen Religion unterwiese» zu iverden. Ebenso hat der Minister sich bereit erklärt, Anweisungen zu geben, daß, wo die Einrichtung des Religionsunterrichts von leiten der Kirche getroffen werden sollt«, der Lehrer die Schüler so lange zusainmenhatte, bis der Geistliche zum Religionsunterricht komme. Wie nun der.Evangelisch- kirchliche Anzeiger" mitlheilt, bietet— abgesehen von Berlin— von den in den Pro- »inzen bestehenden S0 Fortbildungsschulen nur eine einzige den Schülern sonntäglich auch Religionsunterricht. Das Konsi- stvrium legt daher unter Anerkennung der große» Schwierigkei der Aussübrung gerade in den in belracht kommenden Orten den Genieindekirchenräihen nnd Pfarrern die Sache dringend ans Herz. Die Betheilignng der Schüler wird, wie das fromme Blatt bedauernd bemerkt, nur eine frernnllige sei» können. Und hierin liegt wohl die Hanpischwierigkeit. Das„freiwillige" Bedttrsniß nach Religionsunterricht scheint keineswegs groß zu sei»! Mit ihrem Bestreben, dem Volke die Religion zn erhalten, haben die frommen Herren zu ibrcm Lcik wesen Fiasko gemacht. Das An- sehen, das die Fortbildungsschulen jetzt genießen, wird durch ihre Verfrommung auch wahrlich nicht gefördert werden. Die Justiz- Kanzleigchilfcn haben eine Petition an den Landtag gelichtet. Sie schildern darin die traurige Lage, in welche sie dnrch die neue Kanzlei-Verordnung, die seit dem erste» Älpril vorigen Jahres in krait getreten ist, versetzt worden sind. Sie führen ans, daß das srühere Tagespensum von 32 Seilen auf 36 Seilen erhöht worden> ist, rvodurch ihnen eine Ausgabe gegeben wurde, die nur bei der angestrcngicste» Thäligkeit gelöst werde» könne. Dagegen sei ihr Eiukonuncn nicht erhöht, sondern vermindert worden, denn früher sei ihnen die sogenannte.Formnlararbeit* ebenso bezahlt worden wie Kanzleiboge»- Arbeit, und jetzt werde ihnen dafür am Schlüsse des Monats ein Abzug von 25 pCt. gemacht. Es könne daher kominen, daß ein Kanzlist sich eine» Abzug von 36 M. im Monat gefalle» lasse» müsse. Die Petenten richten a» de» Landtag die dringende Bitte, dahin wirken z» wolle», daß die srühere» Verhältnisse wieder eingesührl werde». Po» der Eiiigemeiiidiiiigs- Tceschlaiigc. Ein Bericht- erstalter will folgendes wissen: In bezilg ans die Einge»ieind.ungs- frage verlautet jetzt, daß der Minister des I n n c r». Frhr v. d. 3!ecke. den Einverleibnngs-Gedanke», wenigstens vorläufig, ganz aufgegeben habe., dagegen zur Zeit mit dem Gemeinde. Vorstand von S ch ö n c b e r g über die Erhebung dieses Ortes zur Stadt bereits verhandele. Ja, es soll über die Happtsrage», deren wesentlichste sich auf die Höhe des Beitrages der Gcmeiitde als Statt zu den Kosten der zukünftigen königlichen Polizeiverwaltnng bezieht, zwischen der Staatsregiernng und dem Genirinde'Vorstandc im großen ganze» bereits Einigkeit erzielt sein. Dagegen ist hinsichtlich der Eingemeindnngs- Angelegenheit schon seit Jahressrist der Stadt Berlin ans dem Ministerium nicht die g e r i n g st e A e n ß e r u n g mehr zugegangen, obgleich der letzte Einverlcibungsbericht der Stadt an den Ober- Präsidenten bereits zu Anfang Januar eingereicht lst. Es kann also kaum mehr einem Zweifel unterliegen, daß die Staats- regieruug die Eingemeindung der Vororte in Verlin jetzt ver- hindern will. Bekanntlich sehen manche'Arbeiter— ob mit recht, mag dahin gestellt bleiben— insoweit einen Fortschritt in der Eingemeindung, als die polizeiliche Behandlung, die ihrem Ver- eins- nnd Versainmlungslebeu zn thcil wird, dann nicht ganz mehr nach den Prinzipien des eingeborensten OstelbierlhnmS er- folgen kann und wohl oder übel einige hauptstädtische Allüren annehmen muß. Zustände, wie sie in Rixdorf, Schöneberg k. gegenwärtig in bezng auf Versammlnngsschlnß, TeUersainmlnng, 'Arbeileriesle».s.w. existire», werde» in Berlin den» doch nicht gut mehr für möglich gehalten, obgleich es in der Hauptstadt der Sozialdemokratie auch ivahrlich nicht an polizeilicher Bcanssich- ligung mangelt. Aber auch finanzielle Gründe drängen die Vor- orte immer mehr zu einer Eingemeindung hin. Unsere brave Polizei. Die„Berk. Ztg." schreibt zu dem vor jetzt 11 Tagen i» der Mohrenstraße verübten Morde:„Es war bekannilich davon die Rede, daß sich die Firma Nauck u. Hartmann unter Hinweis auf die Bestimmungen des Gesetzes über die Sonntagsruhe geiveigert habe, einen derartigen Säulenanschlag schon am Sonntag herzustellen. Doch auch in diesem Falle zeigt es sich wieder, daß ein geheiinnißvoller journalistischer Apparat im Hintergrunde arbeitet, der nicht davor zurückschreckt, die gröblichsten Un>vahrhei(°n in die Welt zu setzen, wenn sie nur geeignet sind, die Tbätigkeit unserer Kriminalpolizei in einem etwas günstigere» Lichte erscheinen zu lasse». Genau so, wie man den Eisenwaarenhändler Müller verdächtigt hatte, den Mordbuben dnrch sein Verhalte» Vorschub geleistet zn haben, genau so hat man der Firnia Nauck u. Hartmann zur höheren Ehre der Kriminalpolizei etwas angehängt. Als am Sonntag Morgen das Gerücht von den, Morde durch die Stadt eilte, wurde es auch der Nauck u. Hartmann'schen Offizin hinterbracht. Dort ist an Sonntagen stets eine„Wache" für außerordentliche Fälle stalionirl und diese unterrichtete sofort ihre Vorgesetzten von dein Morde. Bald darauf erschien in der Druckerei ei» Kriminnlschutzmanii mit der Meldung des Mordes und er- klärte, daß ei» S ä u l e n a n s ch l a g gemacht werden müsse. Graf Pückler befände sich zur Zeit in der Mohrcnstraße und nach seiner Rückkehr würde die Zustellung des Manuskriptes erfolgen. Nunmehr setzte die Firma Nauck u. Hartmann alle Hebet in Bewegung. Mit Droschken und anderen Hilfsmitteln wurde das Personal herbeigeholt. Alles w a r zur Stelle und bereit, in kürze st er Frist den Säulen- an schlag fertig zu stellen, nur eins fehlte— das Manuskript. Stunde aus Stunde verstrich, es wurde 1, 2, 8 Uhr, schließlich aber auch der Firma zu lange nnd sie sandte einen Boten nach dem Präsidium, der gegen ffe4 Uhr mit dem Manuskript ankam. Unter diesen Umständen waren kost- bare Stunden verloren gegangen, und an dem Abend eine»'An- sck.lag zu bewerkstelligen, hielt die Firnia, zumal sie keine positiven Anweisungen hatte, iür überflüssig. I» der Tbat war der Sänlenanschlag noch am Sonntag in den Adendftnnden fix und serlig und rvnrde dann in der Nacht an- geschlagen." So die„Berliner Zeitung". Die vielen Vorivilrfe. welche ncuerduigs in der durch de» Mord emporgeschrecklen bürgerliche» Presse gegen die Polizei erhoben werden, können»arürtlch keine Qualitätsverbesserung im Bestände der braven Schutzinannschaft und ihrer Leiter herbeiführen. Die srühere» Unterossiziere, welche den öffentlichen Sicherheitsdienst in Berlin besorge», können, wenn es besohle» rvird, vortrefflich den Gumniischlanch handhaben, sie könne» ebenso tüchtig Versammlungen auflösen und Material zu Vereinsprozessen zusammen bringen, und gleichfalls versiebe» ihre Leiter, den Bureandienst zu ordnen nnd politische Prozesse gegen Zeitungen einzutellen; aber Genialität und tüchtige Kombinalions- gabe i» der Verfolgung wirklicher Verbrecher— das läßt sich nicht befehlen und deshalb stockt die Maschine. Unsere Schntzmannschnst ist wie sie sei» n»iß und unler dein herrschenden Regime gar nicht anders sei» kann. Bruno Werner geistig uiiznrechnungsfähig? In einer Unteriedung, die der Berichterstatter eines Lolaldlattes mit der »»glncklichen Mutler des Bruno Werner gehabt haben ivill, soll der Lebeiislans des junge» Mensche» von der Frau wie folgt dargelegt worden fein: Im Alter von neu» Jahren wnrde Bruno von einem Schul- kollegen durch einen schwere» Schlag auf den Kops verletzt. Nach dem ärztlichen Ausspruche hatte der Schlag eine leichte Gehirn- erschülterung zur Folge. Stach überstaudener Krankheit war das Deiikuermögen des Jungen stark geschwächt, so daß er sich in der ersten Zeit nur schwer auf etwas besinnen konnte. Besonders Zahlen konnte er nicht behalten. Die Krankheit halte aber auch ihre Folge-Erscheinung, denn seit jener Zeit geschah es sehr oft, daß mein Sohn plötzlich in einen fiebernden Zustand ver« fiel. Er sprang auf, seine Augen wurden starr und richteten sich nach einem Punkte, wahrend sich seine Hände krampshast zusammenballten. Währenddessen rief er in ab- gebrochenen Sätze»:„Die Sonne kommt herunter! Sie verbrennt mich!" Wenn er aus diesem Znstande erwachte und ich ihn tröstete, erwiderte er:„Laß mich, ich muß ja doch sterbe»!" Ich muß hierzu bemerken, daß niein Sohn alle möglichen Romane förmlich verschlang. Hatte er nur einen Moment Zeit, so saß er sicher über einem solchen Buche. Die Aufregung des Jungen war niilunter so groß, daß ich das Fenster mit Stühlen veibarrikadire» mußte, weil er wiederholt geäußert hatte:„Ich stürze mich hinunter." In diesem Frühjahr stellten sich diese schrecklichen Erscheinungen derartig heftig ein, daß ich nachts wiederholt an seinem Bette wachen mußte. Nach den Anfällen stellte sich dann regelmäßig ein heftiges Nasenbluten ein. Nach der Ein- segnung hatte ich geglaubt, daß der Vormund den Jungen indieLehre bringen würde; da dies nicht geschah, machte ichmich selbst auf, um ihn unterzubringen. Diese Versuche schlugen' jedoch gänzlich fehl; der Junge erschien allen Meistern, bei denen ich mich meldete, als zu schivächlich. Die Hoffnung, ihn in einem Barbiergeschäst unterzubringen, scheiterte an dem hohen Lehrgelde, denn ich bin eine arme Frau. Endlich fand er eine Anstellung in einer Weinhandlung, aber auch nur knrze Zeit, da ihm der Dienst zu schiver wurde. Hierauf erhielt er Slellllng beim Justizralh Levy. Dort war er ungefähr 1�/4 Jahre. Er bekam zuerst 15, dann 26 und endlich 25 M. pro Monat. Werner sei schließlich bei Gebrüder Naglo aus der 'Ausstellung in schlechte Gesellschaft gerathen und bald total ver- bumniell geivesen. Die Mutter glaubt, daß er Selbstmord be- gangen habe. Die Darstellung, ivelche auch die soziale» Ur- fachen, ans denen heraus die entsetzliche That erklärlich er- scheint, überaus klar hervorhebt, läßt aus dem bisher ver- abscheulen Menschen ein Objekt des Mitleids werden. Kiihnemauu als Arbcitervcrtretcr. Die„Tägl. Rund schau" kommt auf das liebevolle„Geschenk" von einigen hundert- tausend Mark zurück, das der Arbeitsausschuß zum Schaden der Garantiefondszeichncr den Herren Adlon und Dressel dnrch Ge- Währung des Restaurations-Monopols gemacht hat. Mit dieser Generosität, die für die Arbeiter nur insoweit ein Interesse hat, als sie die Ausbentungsprakliken der genannten Nestanrations- firnia in desto häßlicherem Lichte erscheinen läßt, vergleicht das Blatt die seinerzeit von uns registrirten„Lohn"- und Arbeits- bedingungeil der Kellner nnd Kellnerinnen ans der Aus- stellung und meint, dem Arbeitsausschuß sei vor allem ein Vorwurf daraus zu machen, daß er nicht bei Verleihung des Wirthschafts- Monopols an die Herren Adlon und Dressel i» dem Verlrage auf eine ge« n ü z e n d e Besoldung der Kellner bedacht nahm, die schon im Interesse aller Ansstellnngsbesucher gewesen wäre. Dieser Vorwurf zeugt von einer Naivelät und Unkenntniß der Personenverhältnisse, die geradezu zum Lachen reizt. Man stelle sich einmal de» Konimerzienrath Kühnemann als Vertreter der Zl r b e i t e r i n t e r e s s e n vor, denselben Mann, der gelegent- lich der Maifeier 1396 dem Polizeipräsidium 3666 Mark zur Verlheilung an die brave Schntzinannfchast überiviescn hat und der auch nachher keine Gelegenheit vorübergehen ließ, um die Ueberlegenheit des Kapitals in rücksichtsloser Weise gegen die elend entlohnte» Arbeiter auszunntze». In welcher Welt lebt der Man», der solche Scherze i» einem Berliner Blatt losläßt? Ein frommer Mnstcrfabrikant. Herr L. Bayer, Besitzer einer Bildhauerei für Pianino- und Flügelbau i» der Britzerstr. 7, hat seine Loyalität und Frömmigkeit dadurch vor kurzem be- thätigt, daß er zum Bau der Simeonskirche 8000 Mark in der Weise spendete, daß er die Bildhauerarbeilen, die an dem Kirchenbau in, Werthe von dieser Höhe zu verrichten sind, gratis auszusühre» sich verpflichtete. Herr L. Bayer hat auch ver« schiedene Arbeiter, die aber seiner Frömmigkeit zum Trotz an den letzten Sonntagen flott und frisch gearbeitet haben. Warum auch nicht, wenn beim Bau der Gnaden- kirche, der Kirche mit der weggemeißeltep Kameelinschrift, und des Weiße» Saales im königliche» Schloß ähnliches geschehen konnte? Die Arbeiter aber, die sich dazu hergeben, auch»och am So»»- läge ihr bischen Arbeitskraft ausznschinden, sollte» sich auf ihre Organisationspflicht besinne» und im Verein mit ihren Kollegen Zustände anstreben, welche die Ausbeulung in der Woche regeln und am Sonntag ganz»»möglich machen! Eine arge Euttänschniig und lebhafte»« Uumuth hat die anläßlich des SchliffseS der Gciverbe- Ausstellung stattgefundene Vertheilung einer Gratisikalio» an die Beamten der Stadt-'und Ringbahn seitens der Eisenbahn-Direktion Berlin bei dem Lokomotivpersonal hervorgerufen. Wie verlautet, sind von der Gewcrbe-Ansstcllnng selbst 9000 M. und an Tantiemen-Erlös aus verkanfteu Ansstellungsbillets 15 000, im ganze» also 24 000 M. für de» bezeichnete» Zweck disponibel gewesen. Von dieser Sumnie haben nun die Stationsvorsteher I. Kl. je 150 M., die Vorsteher 2. Kl: je lOO M., die Assistenten je 60 bis 90 M., die Weichensteller 40 bis 50 M., und dieBilletverkäufer ebenfalls 40 bis 50 M. erhalte». Das Lokomotivpersonal da- gegen sowie auch die Zugführer und Billetschaffner haben keinen Gratisikationsaniheil erhalte». Wenn man nun bedenkt, welche großen'Ansprüche physischer wie geistiger Art zur Zeit der Aus- stellung vor allen anberen Badnbeaniten gerade an das Lokomotiv- personal der Stadt- und Ringbahn gestellt worden sind, und wenn man ferner berücksichtigt, daß von de» jüngeren examiuirten Heizern keiner eine» einzigen freie» Sonntag halte nnd daß auch das ältere Personal infolge der vielen Exlrazüge hänsig zum Dienst herangezogen wurde und seine Ruhetage opfern mußte, so kann es nicht Wunder nehmen, daß die Zurücksetzung bei Vertheilung der Gratifikation das Lokomolivpersonal im böchste» Grabe verstimmt hat. Ihrer Aufmerksamkeit und Pflichttreue ist es vor allein zu verdanken, daß sich bei dem gewalligen Verkehr nntcr den schivierigsten Verhältnisse» nicht ein einziger Unfall ereignet hat. Um so härter jedoch trifft diese Uevergehnng das bezeichnete Personal, weil es infolge derselben nnuniehr durch die Ausstellung einen direkten pekuniären Schaden erleidet. Durch die stärkere Belastung der Züge ist natürlich auch ein Mehr- verbrauch an Feuerung eingetreten. Und so ist es dem Personal nicht möglich gewesen, annähernd dieselben Prämien- sähe zu erziele», die es unter normalen Verhältnissen wirklich erzielt hülle. Das gleiche Schicksal wie dem Lokomolivpersonal ist auch de» Zugführern u»d Billetschaffner» zu theil geworden, von denen evensalls während der Ausstellung erhebliche Mehr- leistunge» verlangt wurden nnd iür die von den 24 000 M., die nicht als Almosen, sondern als Gelds«»»»« zur schnldige» Eilt« schädignng für geleistete Ueberarbeit zu betrachten sind, gleichfalls kein Pfennig abgefallen ist. Wann werden die Arbeiter nnd 'Angestellten der Eisenbahn der Pflicht eingedenk werde», daß sie sich zur Wahrung ihrer Interessen kraftvoll zu organisiren baben? Po» der Polizei freigcgebeu wurde, wie die„Volks-Ztg." meldet, die Beilage des am 4. o. M. beschlagnahmten Anarchisten- blattes„Sozialist". Das Hauptblatt dagegen, in welchem die Affäre des Anarchisten Machuer mit deni Kommissar Bösel in der Fischkost-Halle in Treptow wiedergegeben wurde, bleibt wegen Polizeibeleidigung bis zur Gerichtsverhaudlung in Ver- Währung. Alle auf dem AusstellunaSgeläude gefundenen und noch incht abgefordeten Gegenstände sind nunmehr von den einzeliieu Fundbnreaus der Ausstellungsleitung, Slufenbahn, elektrischen Rundbahn ec. an die Treptower Ortspolizei abgeliefert worden. Es sind im ganzen über 1200(Stück. Alle Fuudobjekte, die bis zum IS. Januar k. I. nicht abgefordert worden sind, gelangen zur Versteigerung. Zu dem räthselhaftcn Leichenfund am Nordufer wird berichtet, daß die Umstände daraus schließen lassen, daß an dem Arbeiter Karge kein Verbrechen begaugen worden ist. m Ür?'*„erhalten folgende Zuschrift: Ihr Bericht in Nr.-41 über mein Grundstück Wasserthorstr. 46 entspricht nicht den thalsächlichen Verhältnissen. Ich habe meinen früheren Maschinisten niemals beaustragt, das städtische Leitungsivasser für meinen Fabrikbetrieb abzusperren; eine solche Absperrung ist nicht einmal möglich, weil das Wasser nur für das gesammte Grundstück, nicht für einzelne Theile desselben abgesperrt werden kann. Es ist univahr, daß die Art der Anlage Verwechselungen zwischen Leituuas« und Brunnenwasser herbeiführen kann. Von allen Arbeitsräumen aus können die Leitungshähne mit städtischem Wasser schneller erreicht werden, wie die Hähne der Brunnenleitung. Mit meinem Wissen wird niemals ein Arbeiter verhindert, nach Belieben Wasser zu verbrauchen. Bernhard Kohler.— Es wird sich Gelegenheit bieten, auf diese Richtig- stellung zurückzukommen. Der Scharfrichter Reindel ist, der„Voss. Ztg." zufolge. „amtsmüde" und will sich zur Ruhe setzen. Um sein Amt sind bereits zahlreiche Bewerbungen eingegangen, einzelne der Be- Werber sind bereits ersucht worden, sich bei der Staatsanwalt- schast I Berlin vorzustellen. Findet etwa ein Probelöpse» statt? Durch eiuen Sturz aus dem Fenster hat sich in der letzten Nacht um 12�/4 Uhr die 40jährige Arbeiterfrau Anna Jopp beb. Mielitz aus der Chorinerslr. I gelödtet. Frau Jopp, deren Manu sich in Reinickendorf in der Arbeilerkolonie besindet, »vohnte seit einem halben Jahre»>it dem verwittweten Buch- binder Meyer zusammen im vierten Slock des schon bezeichnete» Hauses und ernährte sich durch Näharbeiten. Aus welchem Grunde sie sich getödtet hat, ist nicht bekannt. Als Spitzel wird der anarchistische Agitator Großmann, von dessen Festnahme und Ausweisung wir gestern berichtete», in einem hiesige» bürgerlichen Blatt bezeichnet.' In wie weit diese Bezichtigung zutreffend ist, wissen wir natürlich nicht. Großmann war Redakteur der anarchistischen Wiener„Zukunft". I» einem hiesige» Groffaeschäft ist gestern der erste Buchhalter und Prokurist S. verhaftet worden, der seit drei Jahren in dieser Stellung sich befand. Dem Vernehme»»ach war er vor etwa vier Jahre» wegen Unterschlagung in gleich- artiger Stellung zu einem halben Jahre Gefängniß verurtheilt worden und er hatte sich bisher der Strasverbüßung zu entziehen gewußt. Die Litthauerstraste von der Gubener- bis zur Graudenzer- straße wird wegen Neupflasterung von» 26. ds. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. � Die Unterschlagungen des Buchhalters Albert Rehre bet der Dlskontogesellschaft sind nach de» jetzt zum Abschluß gelaugten Feststellungen kleiner, als ursprünglich angenommen wurde; sie beziffern sich auf noch nicht SO 000 M. Ans dem Polizeibericht vom 27. Oktober. Am Montag wurde vor dem Hause Reichenbergerstraße 21 der 60 Jahre alle Lumpenhändler Wilhelm Schmidt durch einen Schlächterwagen überfahren und am Oberschenkel so erheblich verletzt, daß seine Ueberführnng in das Krankenhaus am Urban erforderlich wurde.— Ans dem Kurfürstendamm blieb gegen Abend der Student Franz Kayser mit seinem Zweirade im Pferdebahn- geleise stecken, kam infolge dessen zu Fall und wurde von einem vorüberkommenden Pferdebahnwagen eine Strecke weil mitgeschleist. Er erlitt dabei anscheinend einen Bruch des Ober- schenkels.— Auf dem Lützowplatze siel der 33 jährige Kulscher Karl Drogulin von dem von ihm geführten Arbeitsivage», dessen Räder ihm über das rechte Bein hinwegginge», und erlitt dabei einen Bruch des Unterschenkels. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Abends wurde in der Gräfestrnße der Arbeiter Gustav Runsch mit einer anscheinend von einem Falle her- rührenden Verletzung am linken Beine aufgefunden und nach dem Krankenhaus« Am Urban gebracht. Knnfl und MMenpchufk. Ein Ehreuivort. So ist ei» Schauspiel von Otto Erich H a r t l e b e n benannt. Es ist vor mehreren Jahren bereits e»t- standen und wurde am Montag im Schiller-Theater zum ersten Male aufgeführt. I. I. Rousseau hat einmal das bedeutsame Wort gesprochen: Mein sechzigjähriger Kopf soll nicht verwirre», was mein vierzig- jähriger für recht erkannt hat.— Ein starkes Vertrauen in die gereifte Männlichkeit und eine starke Zweifelsucht dem starre» Greifenalter gegenüber spricht aus dieser Anschauung. Wenn sie einen Schein von Berechtigung hat, um wie viel be- rechtigter muß es sei», wenn der gereifte Mann auf Jugendbegriffe und Vorurtheile, die er im Knabenalter ur- theilslos einsog, herabblickt? Entweder ist er an der Lebens- wende, ein ewig Unreifer, stehen geblieben, oder er hat sich emporgerungeu. In Hartleben's Schauspiel ist es Hans Burkhard, der Maler, der über die erstickend engen Anschaunnge» seiner Klasse und die Beschränktheit seiner Studentenzeit hinausgekommen ist, wie der Autor behauptet, wenn ich ihn recht verstanden habe. Ist er das, so ruht Hartleben's Schauspiel aus erkünsteltem Fundament und sein Drama gleicht eher den spitzfindig ersonnenen Thesen- dramen der Franzosen, in denen möglichst verzwickte„Fälle" gelöst werde», als dem Schauspiel ohne Rafstuement, in dem sich ein Lebensschicksal frei und natürlich entfaltet. Der Maler Burkhard sieht ein Mädchen, das er verehrt, dank einer kurzsichtigen Mutter ins Verderben rennen. Sie ist mit einem Menschen verlobt, den er als Lumpen kennt. Ter Verlobte, ein gut situirter Redakteur, hat als Student Gelder unterschlage». Es war ein infamer Bertrauensbruch, das Geld war zur Unterstützung eines Kollegen bestimmt. Mau kann als Junge eine Infamie begehen und sie als Mann sühnen. Hier ist eine schwächliche Voraussetzung im Stücke. Jedenfalls ist Maler Burkhard innerlich vom Glauben erfüllt. Redakteur Gotter sei nach 10 Jahren so infam geblieben, wie er als Jüngling war. Muß sich da nicht jeder lebendige Blutstropfen in ihm empören, wenn ein Mädchen, das er liebt, dem tückischen Hallunken preisgegeben wird? Aber ihm bindet ein Ehrenwort die Zunge, ei» Ehren- wort, das er als grüner Student gegeben, um den Skandal Gotter zu vertuschen. Nun ist die These gestellt: Wie benimmt sich ein Mann in so zugespitzter Situation? Für einen freien Menschen, der doch Burkhard sein soll, giebt es keine Frage. Einer Kanaille, die sich auf mein edelstes Gut stürzt, fahre ich an die Gurgel. Hier habe ich die heiße Menschenpflicht, ein Lebendiges zu retten, dort starrt mich ein todter, konventioneller Begriff a». Bei Hartleben führt der Konflikt zuvor zu einein Duell, das doch nur jeniand eingegangen wäre, der noch auf dem Standpunkt der Buchstabeu-Ehre ge- scheitelter Assessoren steht. Maler Burkhard sieht den Widersinn selber ein; aber er hilft sich über ihn mit Selbstirouie hinweg; und die Lösung des Dramas wird eigentlich von außen hinein getragen. Burkhard wird verivundet; ein befreundeter Arzt und Mitwisser von Gotter's Infamien will unbefangen die Wahrheit bekennen; und Gotter verliert seine Unverfrorenheit und geht. Vielleicht wollte Hartlebeu im Maler Burkhard nicht den Mann, der seiner Jugend entwachsen ist, zeichnen. Vielleicht sollte er moralisch noch halbwüchsig sein. Dann aber mußte ihn von vornherein die Scheu vor dem papierne» Ehrenwort kräftiger binden. Dann mußte er mit den Korrekten„ganz korrekt" sein im leidenschaftlichen Affekt konnte ihm eine heftige Anklage end schlüpfen. Dann aber durfte er nicht mit weiteren Andeutungen kommen, die schließlich Böseres vermuthen lassen konnten, als ivas Gotter wirklich gelhan hat. Dann verliert das weitere Pochen aufs Ehrenwort jeden Sinn.— Aber aus Hartleben's Charakterstudie über den Maler läßt sich die Absicht durchaus nicht erkenne», diesen Maler als einen Halbmann hinzustellen der, so gern er möchte, sich über's Klassenvorurtheil nicht hinweg heben kann. Nach den theatralisch wirksamen Schlußszenen des zweiten und dritten Aktes wurde der Autor mehrfach gerufen. Die Aus fiihrung selbst war verständig inszenirt. Der gewandte Schau fpieler P a t r y konnte als Götter in der Mischung von inner- licher Verworfenheit und äußerer patenter Schneidigkeit lebhast interessiren. Herr W i n t e r st e i n, der den Maler Burkhard fein angelegt hatte, schädigte sich selbst durch schlechte Sprach technik. Er blieb stellenweise unverständlich. Die mitspielenden Damen waren diesmal in Wahrheit der„schwächere Theil". Ter„Beethoveil-Abend", den die Direktion des Schiller- Theaters vor einigen Wochen veranstaltet hat, wird Sonntag, den 1. November wiederholt. Das neue Schiller-Theater. Bekanntlich hat sich der Aufsichtsrath des Schiller-Thealers, als die Verhandlungen mit den Wallner'schen Erben betreffs Weilerverpachtung des Wallner- Thealers sich üerschlugen, den Beschluß gesaßt, ein eigenes Theater zu erbaue». Unter vielen Bauplätzen hat er nunmehr den am Hacke'sche» Markt gewählt. DaS künftige Theater wird auf dem Grundstück der Quilitz- Warmbrunn'fchen Erben, dicht bei dem Bahnhof Börse, einem der belebtesten Zentralpunkle, erbaut, und wird sich der Haupteingang am Hacke'sche» Markt befinden, während die Front des Theaters nach der Sophienstraße zu liegt. Das Theater soll 1800 Sitzplätze enthalten. Im Osteud-Theater beginnen die Vorstellungen fortan Wochentags um 8 Uhr. Im Bolks-Theater wird die bekannte Räder'sche Posse „Robert und Bertram" vorbereitet. Zum huudertste» Geburtstag Plateu's wurde an dem Eckhaus Nr. 24 an der Müller- und Theklastraße zu München, in welchem der Dichter in den Jahren' 1332— 34 wohnte und von wo aus er am 26. April 1834 seine letzte Reise nach Italien antrat, eine Gedenktafel enthüllt, welche der Magistrat Münchens dem Dichter gewidmet hat. GevilLzks-Äeikung. Tie Geschichte einer Berliner Ausstellung, die in den weitesten Kreisen nnbekaiiut geblieben ist, beschäftigte heute die 2. Strafkammer hiesigen Landgerichts I in einer einen volle» Sitzungstag ausfüllende» Verhandlung. Die auf Betrug lautende Anklage richtete sich gegen den Redakteur Hugo Bloch zu Char- lottenburg und de» Kausmann Franz I u h a s z zu Charlotten- bürg. Den Vorsitz führte Landgerichts-Direktor K a e l l e r, die Anklage vertrat Staatsanwalt L i e b e» o w, die Vertheidignng führte» die Rechtsanwälte Hirschfeld und Meyer st ein. Der Angeklagte Juhasz, der früher Inhaber eines Damenkonsektions Geschäfts war, mit dem er kein Glück hatte, war später eine Zeit lang Generalinspeklor der Versicherungsgesellschaft Viktoria. Dann trat er in geschäftliche Beziehungen zu dem Kunsthändler Ugo Bw roccio, der seit Ende 1393 Unter den Linden 16 im Hause von „Blnnien-Schmidt" einen Verkauf künstlerischer und kunstgewcrfr licher Erzeugnisse unterhielt. Aber auch dort renssirte er nicht, das Geschäft stand vor dem Zusammenbruch und nun faßte Juhasz den Plan, eine„Ausstellung v o» K u n st- und I» d u st r i e- E r z e u g n i s s e n von Kaufleuten und Gewerbe- treibenden der Provinz" z» veranstalten. Dieser Plan fand wesent- liehe Förderung durch den ersten Augeklagten Bloch. Dieser hatte früher eine Bronzewaarenfabrik, war dann für technische und kauf- männische Fragen schriftstellerisch thätig und giebt„Jnter- nationale Äusstellungsberichte" heraus. Die Anklagcbehörde be- hauptet aus grund der von ihr angestellte» Ermittelungen, daß Bloch für sehr unterwerlhige Ausstellungen in Belgien und Frank- reich deutsche Kausieute und Gewerbetreibende zu interessiren pflege, dann deren Vertretung gegen hohe Gebühren Übernehme und den Beschickern der Ausstellung, die sich durch ihn vertrete» lassen, die „wohlverdienten Anerkennungen in Gestalt vonDiplomen.Medaillen und anderen Preisen" in Aussicht stellt. Eine derartige Wirksamkeit soll er nach der Behauptung der Anklage beispielsweise bei einer 1994 in Liverpool veranstalteten„internationalen Aus- stellung von Nahrungsmittel» zc. entfaltet haben. Der deutsche Konsul in Liverpool hat die Auskunft ertheilt. Es hat auch wieder- holt ein Ermittelungsverfahren gegen Bloch geschwebt, doch hatte das- selbe zu einer Anklage nicht führen können, weil die betr. Aussteller sich nicht für geschädigt hielten, sondern im allgemeinen ganz vcr- gnügt darüber waren, daß sie in den Besitz einer für ihre geschäft- lichen Zwecke verwerthbaren Medaillen- oder Diplom-Auszeichnung gekommen waren. Der Gerichtshof fand darin eine Vorspiegelung falscher That- fachen, daß Juhasz unter den Prospekt die Namen zweier Per- sonen, nämlich Siodewald und Röseler, gesetzt hatte gegen deren Willen. Hierin liege aber gleichzeitig eine schwere Urkundenfälschung. In betreff des Angeklagten Bloch sei nicht der Nachweis erbracht worden, daß er Kenntniß von dem strafbaren Verhalten des Juhasz gehabt habe. Er mußte frei- gesprochen werden. Juhasz wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. In der Klagesache des Pfarrers Witte wider den Hof- Prediger Stöcker ist vor dem hiesigen Schöffengericht am 20. No- vember, vormittags 10 Uhr, Termin anberaumt worden. Wie eS heißt, soll am 20. November der Landtag eröffnet werde» und damit würde Herr Slöcker von der Pflicht, persöulich im Termin zu erscheinen, entbunden sein. Stöckerprozest. Der bereits einmal vertagte, auf den 4. November anberaumte Prozeß gegen den Redakteur der „Neuen Saarbriicker Zeitung", Peter Schwuchow wegen Beleidi- gung des Hofpredigers Stöcker dürfte noch einmal eine Vertagung erfahren. Hofprediger Stöcker hat vor einigen Tagen eine dritte Beleidigungsklage eingereicht, die die Beschaffung neuen Beweis- Materials seitens des angeklagten Redakteurs erforderlich macht. Als Zeugen sollen auf Antrag des Angeklagten vernommen werden: Prof. Dr. Brecher, Oberst z. D. v. Krause, Landesdirektor Frhr. v. Manteuffel, Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach, Redakteur ' einrich Oberwiuder, Regiernngs-Affessor a. D. Redakteur von erlach, Gerichtsassessor Bresges(Berlin), Pastor Karl Witte, Chefredakteur des„Reichsbote", Pastor a. D. Engel, Freiherr v. Stumm, Freiherr v. Hammerstein, Freiherr Wilhelm von Hammerstein(Moabiter Zellengefängniß), Ober- Verwaltungs- Gerichtsrath Hahn u. a. Der Bankier Mosler, der am 8. Februar d. I. das Un- glück hatte, gelegentlich einer Jagd den Förster Conrad vom Forsthaus Waldkaler im Bernauer Forst todtzuschieße», hatte sich gestern aus Anlaß dieses Falles wegen fahrlässiger Körper- Verletzung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten. Während der Staatsanwalt einen Monat Ge- fängniß beantragte, erkannte das Gericht auf Freisprechung. Die bekannten Vorgänge ans dem Bahnhof zn Opalenitza gelangen heute, Mittwoch, vor dem Schwurgericht des königlichen Landgerichts M e s e r i tz zur Verhandlung. Auf der Anklagebank erscheinen: 1. Ter Schmiedemeister Nepomuk Najewicz, 2. dessen Sohn, der Kaufmann Kasimir Rnjewicz, 3. der Fleischergeselle Hypolit Stelmascyk, 4. der Arbeiter Valentin Wawer, S. der Arbeiter Kasimir Klaszynski, 6. der Schlosser Stanislaus Urbanski, 7. der Fleischer Franz Smierzchalski, 3. der Schneidermeister Peter Filipowsk:, 9. der Bäcker Michael Roy. Am Nachmittage des 14. Sep- tember verbreitete sich in dem in der Provinz Posen belegenen Städtchen Opalenitza die Nachricht: der in Wieliechowo weilende Erzbischof werde am Abend von dort zu Wagen»ach Opalenitza koninien, um mit dem von Opalenitza abgehenden Abendzuge nach Posen zu fahren. Auf Veranlassung des Schmiedemeisters Rajewicz beschloß der„Industrielle Verein" und der katholische Arbeiterverein zu Opalenitza den Erzbischof mit einem Musikkorps und Fackelträgern zu empfangen und den- selben in dieser Weise in geordnetem Zuge durch die Stadt nach dem Bahnhof zu begleiten. Auf dem Platze vor dem Bahnhofs- geb�ude dankte der Erzbischof für den ihm bereiteten Empfang, ertheilte den Segen und begab sich in den Wartesaal. Kaum hatte der Erzbischof den Platz verlassen, so kam der königliche Distnktskoinmissar Otto v. Carnap mit seinem Fuhrwerk an- gefahren. Als v. Carnap auf dem Platz vor dem Postgebäude angelangt war. soll die Menge den Pferden in die Zügel gefalle» sein und ans v. Carnap mit theils brennenden, theils ans- gelöschten Fackeln, Papierlaterne», Stöcken, Fäusten ic. geschlagen habe». Dabei soll die Menge in polnischer Sprache unaufhörlich gerufen haben:„Schlagt den deutschen Hund, das deutsche Hunde- blut, den Lumpen lodt" u. s. w. v. Carnap, der, als er von der Menge angegriffen wurde, vom Wagen gestiegen war, soll, als er sich zur Wehr setzte, vor die Brust und schließlich derartig gestoßen und geschlagen worden sein, daß er taumelte. Selbst der herbeigeeille Oberwachtmeister Stnder vermochte den in Zivilkleidung befindlichen Distriktskommiffar kaum vor der von neiiem einstürmenden Menge zu schützen. Erst als der Kutscher Klimpe! dem Distriktskommissar den Säbel gebracht und dieser blank gezogen hatte, gelang es dem Distriktskommiffar. die Menge von sich abzuwehren. Zu de» Hauptschuldigen dieser Vorgänge sollen die Angeklagte» gehört haben. Dem Vernehmen nach geben letztere zu, ohne vorherige polizeiliche Genehmigung den öffentlichen Auszug theils veranlaßt, theils an demselben theil- genonune» zu haben, da sie der Meinung waren, daß sie dazu berechtigt seien. Dagegen bestreiten die Angeklagte», den Distrikts- kominiflar geschlagen zu haben und behaupten: Letzterer sei init seinem Fuhrwerk im Gallop direkt in die Menge hinein- gefahren, so daß man, um ei» Unglück zu verhüten, den Pferden in die Zügel fallen mußte. Durch das schnelle Fahren und durch die von dem Distriktskommiffar ausgestoßenen Rufe: „Was thut Ihr hier, Ihr verfluchten polnischen Schweine? Was wollen die verfluchten Pollacken" u. s. w. sei die Menge in Wnth gerathen und habe auf den Distriktskommiffar ein gehauen. Diese Behauptung, ganz besonders das schnelle Fahren des Distriktskommissars soll von verschiedenen Zeugen bestätigt werden. Von einer Reihe anderer Zeugen soll dagegen die ersterivähnte Schilderung der Vorgänge behauptet iverden. Die genannten neu» Angeklagten haben sich heute wegen Land- friedensbruches und zwar zum theil als Rädelsführer, sowie wegen vorsätzlicher Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges auf grund der ZZ 125b und 123a des Strafgesetzbuches und außerdem wegen Verletzung des preußischen Vereins- gesetzes vor eingangs bezeichnetem Gerichtshöfe zu verantworten. Die Angeklagten, die sich zum theil noch in sehr jugendlichem Alter befinden, sind säunnllich katholischer Konsession. Die An« geklagte» Stelmazyk, Smierzchalski, Filipowski und Roy sind bereits wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Smierzchalski des- halb mit IVa Jahre» Gefängniß bestraft. Die anderen An- geklagten sind unbestraft.— De» Vorsitz des Schwurgerichtshofes wird Oberlandesgerichls-Rath Rhode(Posen) führen. Es sind für die Verhandlunge» zwei Tage in Ausficht genoinmen. Die Abwesenheit des VertheidigerS bei einem Theile der Hanptverhandlung ist ein Revisionsgrnnd. Der Handlungsgehilfe Eduard F r i s ch»1 u t h von Borgdorf in Ober- österreich wurde am 29. Juli 1396 vom Landgericht Traun- kein wegen schweren Diebstahls zn vier Jahren Zuchthaus und Ehrverlust, sowie Hans B a ch e r l von P a s s a u wegen Hehlerei zu eine»: Jahr Zuchthaus verurtheilt. Frischmuth hatte in R e i ch e n h a l l bei de», Rentmeister einen Einbruchsdiebstahl verübt, wobei er Schnmcksachen je. im Werthe von ca. 1000 M. mitnahm. Die Revision Frischmuth's gegen das Urlheil rügte, daß bei der Publikation des Urtheils, welche vertagt worden war, sein Vertheidiger Rechtspraktikaut Freiherr von Stengel nicht zugegen gewesen sei. Das Reichsgericht hob auf seine Revision das Urtheil auf und verwies die Sache insoweit zur nochnraligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück; die Revision des Bacherl dagegen wurde verworfen. tliches. Zur Bewegung bei deu Lithographen, Steiudrncker» und Berufsgeuoffeu Berlins. Der Geist unter säumUlichen Ausständigen ist ausgezeichnet. Zu den vom Streik betroffenen Firuie» sind noch einige hinzugekoimne», weil sich dort die Kollegen und Kolleginnen nicht dazu hergaben, die Arbeiten für die Ätingfabrikanlen zu machen. Jnsgesammt streiken bis zur Stunde rund 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen, und zwar bei folgenden Firme»: Prager u. Loida, Wendisch, Etiler, Mathes, Friedberg u. Silberstein, Schäfer u. Scheibe, W. Böhme, Barnick. Büttner u. Komp.. Wunsch u. Lange, Heyinann u. Schinit, Littauer u. Äoysen, Aberlee, W. Hagelberg, Radicke, Weyland u. Bauchwitz, Priester Eyck, Gronk u. Aaron, P. Hagelberg, Engel, Wallher Peck, Stentz, Werner u. Schumann, Meysel, Oesterreich«. Hart- man», Lichtdruckcrei Dienslbach, Sala, Hohenstein u. Lange. Frommholz. Daß die Fabrikanten in arger Bedräugniß find. geht daraus hervor, daß bei einer Firma'das kaufmännische Personal gezwungen ist, Arbeilen der Steindrucker zu verrichten; bei einer zweite» Firma zieht man dazu die Arbeitsburschen heran; der Chef einer dritten müht sich selber mit dem Stein- 'chleisen ab. Es wird den Fabrikanten bald klar werden, daß ie besser lhu», unsere minimalen Forderungen zu bewilligen, als ich durch Veriveigerung derselbe» Schaden über Schaden zu be- reite». Die Konjunktur ist äußerst günstig. Zuzug ist streng e r» z u h a l t e n. Die Lohnkonunissio». I. A. S ch ö p k e. Achtung, Parqnetbodenleger! Nachdem die Lohndifferenzen bei der Firma tt a nr p m e i e r in Berlin durch festes Zusammenhalte» der Kollegen beigelegt und der Tarif weiter bezahlt wird, tritr jetzt die Firma Leide n. K 0 IN p. an die Kollege» mit einer Lohnreduzirung Hera». Wir fordern die Kollegen auf. auch hier fest zusannnenzuhalten, dann wird der Angriff dieses Fabrikanten ebenfalls scheitern. Nur die Hochhaltung unseres Tarises kann uns einige»»nd zum Ziele bringen, die Schnuitzkonkurreuz zu beseitigen. Die Kollegen der Firma Leibe u. Komp. werden ersucht, sich an» Donnerstag Abend 3 Uhr bei Zubeil, Lindenstr. 106, einzufinden. Sännut- liehe Vertrauensleute haben zu erscheinen. Die Werkstatt« Kontrollkommission. Achtung, Arbeiter Berlins! Noch immer ist eine große Anzahl der ausgesperrten städtischen Gasarbeiter zu unterstützen. Wir bitten daher, die Sammlungen fort» zu unterstützen. Wir bitten daher, vre«ammrungen f 0 r r- zusetzen und die gesammelten Gelder sofort an das Gmerk- '--Bureau(Adresse: R. Millarg, Annen st». 16) ab» chafts- zuführen. Das Scheiter» der Lohubeweguuge« hat häufig darin eine Ursache, daß mau sich nicht insorinirle, ob der Geschäfts- gang allgemein so gut war, daß man den Kampf mit Aussicht auf einigermaßen sicheren Erfolg wage» konnte. Guter Geschäfts- gang an einem Orte genügt gewöhnlich nicht, wenn es fich um Durchsetzung von Forderungen bedeutender Art handelt, und noch «iet weniger genügt er, das durch besondere Glücksmnstände dennoch Errnngene zu behaupten. Ganz besonders trifft dies auf die Gewerbe zu, die sich mit der Erzeugung von Maffenartikeln belassen, wie z. B. die Schuhmacherei. Den Geschäftsgang recht- zeitig zuverlässig zu ermitteln, ist aber nicht leicht. DieHan dels- k a m in e r- Berichte, woraus meist geschöpft wird, kommen xosb festum, sind auch nicht sonderlich zu- verlässig. Bessere Quellen sind die Konsulats- berichte, insbesondere die österreichischen, die im Wiener „Handelsmiisemii" veröffentlicht werden. Dieses Journal, das den Redaktionen und Vorständen der Gewerkschaften seines an- regenden und reichhaltigen Inhalts wegen mit gutem Gewissen empfohlen werden kann, erscheint wöchentlich einmal im Ver- lag« des k. k. österreichischen Handelsmuseums in Wien und kostet für Deutschland halbjährlich 3, jährlich 16 M., ein Betrag, der snr keine Gewerkschaft zu hoch ist. Neben dieser Literatur all- gemeineren Charakters biete» aber auch die Unternehmer- o r g a n e jedes Gewerbes einen gewissen Anhalt, um beimheilen zu können, wie es um den Geschäftsgang im allgemeinen steht. Die Zahl dieser Blätter ist, wie schon die Kataloge von Mosse, Haasenstein it. Vogler zeigen, sehr beträchtlich. Ob die Ge- werkschaftsleilungen durchweg die Unternehmerorgane ihres Ge- werbes halten und lesen, steht dahin. Nach dem dürstigen In- halt zu urtheilen, den die meisten Gewerkschaftsblätter in Be- ziehnng auf die allgemeinen wirthschnftlichen Angelegenheiten des Gewerbes, wofür sie errichtet sind, bieten, scheint die gewerb- liche Unternehinerpreffe wenig oder nicht stndirt zu werden. Das ist aber ein großer Fehler. Wir möchten deshalb denjenigen Geweilschaftsleitern und Nedaktenren von Gewerkschastsblättern, die der Unternehmerpresse bisher keine oder ungenügende Ans- mcrksamkeit gewidmet haben, nahe legen, das Versäumte nach- znholen. Zur genauen Keniilniß der Geschäftslage ist aber noch mehr nölhig, und da macht das„ S ch u h m a ch er-F ach- b I a t t"— das, beiläufig bemerkt, zu den wenigen Gewerksäiafts» blättern gehört, die sich auch um die Technik des Gewerbes kümmern— seinem Leserkreise einen Vorschlag, der unserer An- ficht nach allgemeine Beachtung verdient. Es will in regelmäßigen Vierte ljahrs-Uebersichten und wenn möglich, noch öfter, Kenntniß geben vom Stande des Geschäfts in Deutschland sowohl wie im Auslände. Um den Stand des Geschäfts in Deutschland zu ermitteln, soll nun in jeder Zahlstelle der Schuhmacher-Organisation ein Kollege beaus tragt werden, regelmäßig aller zwei oder drei Monate an die Redaktion zu berichten, ob der Geschäftsgang gut oder schlecht ist, ob mit Ueberzeit gearbeitet wird oder nicht, ob Arbeiter- Entlassungen oder Arbeiter-Einstcllungen vorgenommen werden:c. Diese Berichterstallung kann per Postkarte, also fast ohne Kosten geschehen. Vorausgesetzt, daß die mit der Bericht- erstaltung beauftragten Arbeiter gewissenhaft berichten,was erwartet werden muß, läßt sich auf diese Weise gewiß ein Resultat schaffen, das in Verbindung mit den Angaben der Unternehmerpresse, der Konsulate ic. ein so zuverlässiges Bild des Geschäftsganges ge- währt, wie es zu schaffen privaten Korporationen eben möglich ist. Dieser Zweck würde wohl noch gefördert, wenn den Lokal- berichterstattern gedruckte Formulare zum iilussüllen ein- gehändigt werden. Vielleicht erörtern auch die übrigen Gewerk- schaflen den Vorschlag des Schuhmacher-Fachblattes in Be- ziehnng auf ihre eigenen Verhältnisse. Jedenfalls kann die Dis- kujsion über ein solches Thema nichts schade», und wenn es aus dein vom Schuhniacher-Fachblatt angedeuteten Wege möglich wäre, etwas Brauchbares zu schaffen, so wäre das ein weiteres Mittel, um das Gedeihen der Gewerkschaften zu fördern. Eine Illustration zur„Koalitionsfreiheit" der Arbeiter Breslaus. Die Breslauer„Volkswacht" veröffentlicht an der Spitze ihres gewerkschaftlichen Theils folgende Mittheilung:„Die den uns zugehenden Mittheilungen über inländische Streiks, Aus- sperrnng n. s. w." oft beigefügten Bemerkungen„Zuzug ist s e r n z u h a l t e n",„Um solidarisches Verhalten wird gebeten" und ähnliches können wir nicht mehr zum Abdruck bringen, da eine Veröffentlichuiig solcher Bemerkuiigen bei Streiknotizen von der in Breslau geltenden Rechtsprechung als „grober Unfug" angesehen und bestraft wird.— Ebenso können wir die Ausforderung, U n t e r st ü tz u n g e n bei Streiks, Anssperrnngen:e. zu leisten, so wenig veröffentlichten wie die- jenigen Adressen, an welche etwaige freiwillige Geld s e n d n n g e n zu richten sind, da beides nach der Breslauer Rechtsprechung als„Vornahme einer unerlaubten Kollekte" angesehen wird. Wir bitten unsere Korrespondenten, vorstehendes beachten zu wollen." Alle diese richterlichen Urlheile widersprechen unserer Ansicht nach dem tz 1S2 der Gewerbe-Ordnung, denn das Ersuchen, bei Lohnbewegungen nicht dort in Arbeit zu treten, wo die Diffe- renzen ausgebrochen sind, und Gelder für die betheiligten Arbeiter einzusenden, sind ein mehr oder minder nothwendiger Bestandtheil des Koalitionsrechts. Die Maurer Stettins haben ihre Forderung nach 42Vz Ps. Stundenlohn von 43 Unternehmern bewilligt bekommen. S2 Unter- nehiner giebt es dort überhaupt nur. Demnach hat die erdrückende Mehrzahl bewilligt. Für den alten Lohn von 37'/s— 40 Pf. arbeiten in Stettin und Umgegend blos noch SS Manier. 730 Maurer arbeiten zu dem geforderten Lohn von 42>/2 Pf.. 60 stehen noch im Streik. Ter Fleusburger Werftarbeiter- Streik ist beendet. Es hat mehrtägiger Verhandlungen mit der Werftdireklion be- dürft, um ein Abkommen zu erzielen, das die Ausstehenden einigermaßen befriedigte. Bewilligt wurde den nichtgelernten Arbeitern ein Lohnaufschlag von 2 Pf. pro Stunde, den Berufs- arbeitern dagegen nur ein solcher von einem Pfennig. Arbeiter, welche ein Jahr auf der Werft(einschließlich der Streikwochen) beschäftigt sind, erhalten einen Mindest- Slinidenlohii von 30 Pf., die übrigen einen solchen von 23 Pf. Alle Ausständigen werden wieder eingestellt und hatten bis spätestens den 23. Oktober die Arbeit wieder aufzunehmen. Den Abgereisten ist zum Arbeitsantritt eine Frist von 14 Tagen gewährt. Dies sind die hauptsächlichsten Bedingungen; der Stunden- Mindestlohn von 30 Pf., die Kardinalfordernng, ist allerdings nur denjenigen Arbeitern gewährt, welche ein Jahr in Stellung sind, doch trifft dies auf die meisten Ansständigen zu, während die während des Streiks in Arbeit getretenen, früher nicht auf der Werst beschäftigten Personen davon ausgeschlossen sind. Der Streik hat lä'/e Woche gedauert. Tic Buchbinder Hamburg-Altona's haben ihre Forde- rungen bis heute bei 70 Firme», die 700 Arbeiter beschäftigen. bewilligt bekommen; bei 36 noch nicht. Die Lohukommission ersucht in einem Ausruf das Publikum, die Bewegung dadurch zit unlerftützen, daß es seine Aufträge den Firmen giebt, die die Forderungen bewilligt haben. In Harburg wurde am Sonnabend aus einer öffent- liche n Lederarb eiter-Verfa in m lung von der Polizei die Entfernung einer Frau— der einzigen, die da war— ver- langt, obwohl der Oberpräsident v. Bennigsen erst unterm 11. Oktober eine Beschwerde aus Lüneburg über die Entfernung der Frauen aus öffentlichen Versammlungen als be- gründet anerkannt hat. Das„Volksblatt für Harburg" hatte diesen Entscheid alsbald veröffentlicht, so daß er auch in Har- bnrg bekannt war. Dennoch verfuhr die Polizei, wie ihre reklifizirte Kollegin in Lüneburg. Aus Frankfurt a. M. Der Streik in derHof-Möbel- fabrik von Schneider u. Hanau hat in der Maßregelung eines Arbeiters seine Ursache. Zur Dresdner Werftarbeiter- Bewegung berichtet die „Säctjst Arb.-Ztg": Wie vortheilhaft die Kritik von Werkstatt- m-ßständen in öffentlicher Versammlung und in der Presse ist, dürfte der Umstand beweisen, daß am Freitag eine Anzahl Be- amte der Amtshauptmamischaft Dresden- N. auf der Werst Uebigau waren, die Arbeiter nach verschiedenen von uns kritisirten Mißständen, wie Schleifsteinstand, Ventilation, Wascheinrichtungen u. s. w. fragten, und die Abstellung dieser Mißstände anordneten. Am Sonnabend waren alle diese Dinge beseitigt. Die Arbeiter der Werst erkennen an, daß dies nur durch die Organisation erreicht worden ist, und so haben sich wieder über 20 Werft- arbeiter dein Deutschen Metallarbeiter-Berband angeschlossen. In Leipzig planen die in der M n s i k i n st r u m e n t e n- Branche beschäftigten Holzarbeiter eine Lohnbewegung. Mit den nothwendigen Vorarbeiten ist eine 13gliedrige Koni- Mission betraut worden. Höhere Bezahlung der Ueberzeitarbeit gehört jetzt zu den Seltenheiten, Löhne von 12—16 M. aber nicht. Die Arbeitszeit währt in verschiedenen Fabriken 10 und in einem Falle noch über 10 Stunden. In Leipzig hat die Fabrikation von Musikwerken eine ziemliche Ausdehnung erlangt. Eine Reguliruug der Arbeitsverhältnisse ist dort umso mehr am Platze, als, wie berichtet wird, in anderen Großstädten die Ar- bester dieser Branche bedeutend günstiger gestellt sind. Tie Holzdrechsler Leipzigs haben bis jetzt bei 42 Unter- uehmern ihre Forderungen durchgesetzt. 162 Gesellen arbeiten zu den bewilligten Forderungen, während 24 Mann noch streiken und 36 zu den alten Bedingungen weiterarbeiten. Nachdem am vergangenen Freitag und Sonnabend mehrere größere Firmen kapituiirt hatten, neigt sich der Sieg den Gehilfen zu, jedoch ist, um den Sieg vollständig zu machen, jeglicher Zuzug von Arbeits- kräften auch fernerhin zu vermeiden. AuS Rosiwriu t. S. wird gemeldet, daß es zwischen den Arbeitern und den Inhabern der Schuhfabrik von S ch u l z e u. U l b r i ch t zu keiner Einigung gekommen ist und infolge dessen die Arbeit niedergelegt worden ist. I» Pirna an der Elbe kam es auf dem Werkplatze der Steiumetzfirma N e ß M a n n' s N a ch f l g. jus einem Streik, weil — wie angegeben wird— ein Mitinhaber der Firma sich ge- weigert hat, bei dem sogenannten„Bttdenrecht" zu erscheinen. Es wird sich wohl um Forderungen handeln, die bei dem Buden- recht— nämlich beim Zusammentritt des Personals in der Werk- Hude— vorgebracht werden sollten, und deren Nichterfüllung man infolge des Fernbleibens des betreffenden Mitinhabers der Firma voraussah. Zur Aussperruug der Tabakarbeiter in Schwede» be» richtet der Skandinavische Tabakarbeiter- Verband: Auf Ver- anlassuiig einiger Fabrikanten wurde versucht, Unterhandlungen mit dem Fabrikanlenverein anzubahnen. Die Grundlage der Verhandlung sollte sein: 1. Das Koalitionsrecht der Arbeiter darf seitens der Fabrikanten in keiner Weise beschränkt werden; 2. Entlassungen wegen Verbandsthätigkeit dürfen nicht statt- finden; 3. als Minimal-Lohnsatz sind 8 Kronen pro Mille zu zahlen. In einer sich über drei Tage erstreckenden Fabrikanten Versammlung wurden schließlich die Forderungen der Arbeiter sämmtlich abgelehnt, trotzdem schon seit mehreren Jahren von den Fabrikanten in Malmö, Helsingborg und zum theil auch in Stockholm 3 Kronen pro Mille als Minimallohn gezahlt wird. Der Einigungsverfnch ist infolge dessen gescheitert. Zuzug ist also nach wie vor streng fernzuhalten. AuS Däncuiark. Die Buchdrucker in Esbyery haben, gestützt auf die Fachorganisalion, die Festsetzung eines Miuimal> lohnes von 20 Kr. wöchentlich erreicht, während bisher nur 14—16 Kr. bezahlt wurden. Dieses Resultat wurde ohne Kampf, nur auf dem Wege der Verhandlung erzielt. Der lange Kampf mit den Maurermeistern in N a e st v e d brachte ebenfalls der Arbeiterschaft den Sieg. Bei der Z u ck e r s a b r i k zu N a k s k o v ist ein Stunden- lohn von 25—30 Oere erreicht worden. Bisher wurden 21 bis 25 Oere bezahlt.— Auch in den Schlächtereien von Nalskov ist eine Erhöhung des Stiindeulohiies von 22 auf 30 Oere er- zielt worden. Bei dem Gaswerk in H e l s i n g ö r ist auf friedlichem Wege eine Erhöhung des Tagelohnes von 2,60 Kr, 2,7S Kr. und 3 Kr. auf 3 Kr. bis 3,ö0 Kr. zugestanden worden. Der I ü t i s ch e I n st in a n n s v e r b a n d, eine Landarbeiten Organisation, umsaßl 126 lokale UnterstützungZ- und Krankenkasse» mit gemeinsamem illltersfonds und einer Zentralleitung; er besitzt auch eine Sterbekasse. Aus dem der letzten Jahresversaiiimluug vorgelegten Bericht ging hervor, daß im letzien Jahre 430 neue Mitglieder beigetreten sind. Der Verband zäh� nun 3416 Mitglieder. Sein Kapital im Altersfonds beträgt 3S000 Kr., in den anderen Kassen 52 000 Kr. Im Jahre 1895 sind an Krankenuiiterstützung bezahlt worden 14 480 Kr. und an Alterslinterstützung 2862 Kr. Die Begräbnißkaffe, die Anfang des Jahres 2500 Mitglieder hatte, verabfolgte 5800 Kr. Unterstützung. Die nächste Jahres- Versammlung wird in Aarhus abgehalten. Eine Protestversaniniliing hielten in Holsens die Erd- a r b e i t e r ab gegen die Art der Enllohming für das Schnee schaufeln, wie sie seitens des Staates und der Kommissionen üblich ist. Es wurde eine Resolution angenommen, wonach lein Arbeiter solche Arbeit unter 30 Oere per Stunde übernehmen soll. Vevmiflckztes. Wahlpoesie auS dem Kreise Brandenburg Wrsthavel- laud. Die Freisiunigen haben, wie man uns vom Wahljchlacht- felde schreibt, folgenden Vers publizirt: „Wir wählen keinen Pens Und keinen von Loebell, Wir wählen einen Volksmann, Und das ist unser Blell.": Darauf antworteten die Konservativen mit folgendem Verse „Ihr Wähler von Westhavelland, Wählt weder Pens noch Blell, Der einzige Mann für jeden Stand Ist Landrath von Loebell." Die Sozialdemokraten schwiegen natürlich auch nicht still und spielten folgenden Trumpf aus: „Scheert Euch mit dem Gebell Von Loebell und von Blell! Wer von Verstand hat nur'ne Spur, Der wählt ja doch den Pens nur! Da schon am 2g. d. M. die Wahl stattfindet, so kann, wie die„Volks-Zeitung" sehr richtig bemerkt, dieser Sängerkrieg glück» icher Weise allzu große Dimensionen nicht mehr annehmen. Eine neue Briisetvitzerei. aber mit etwas anderem Ausgang. Der neueste„Badische Laudesbote" berichtet aus Karlsruhe: Am Sonnabend, nachts gegen halb 12 Uhr, befanden sich mehrere Steindrucker und Lithographen auf dem Heimweg in der Rüppurrerstraße, als ein Zahlmeister(nach einer anderen Mittheilung soll es ein Zahlmeister-Aspirant gewesen sein) ihnen entgegenkam. Der Zahlmeister war offenbar stark angetrunken: er ging ohne jede Veranlassung auf die harmlos ihres Weges gehenden Leute los, packte drei derselben an und suchte sie aneinander zu stoße». Als sich die Zivilisten eine Fortsetzung des Verhallens verbaten und einer von ihnen in seiner Mahnung auf den Fall Brüsewitz anspielte. war der Zahlmeister in seiner„Ehre" tief gekränkt und riß seinen Degen aus der Scheide. Bevor er jedoch zum Schlagen kam, war er von den Handsesten Leuten überwältigt; einer packte ihn von hinten und umschlang ihn, wobei beide zu Boden stürzten. Hierbei gelang es, dem Zahlmeister feinen Degen zu entreißen und, nachdem man dem Angreifer noch eine tüchtige Tracht Prügel verabreicht halte. ließ man ihn zurück, nahm jedoch vorsichtiger Weise den Degen mit, damit die Waffe nicht etwa in den Händen des Betrunkenen noch Unheil anrichten konnte, das glücklicherweise durch die Enlschlosseuheit der Zivilisten verhütet worden ist. Hätte man dem Zahlmeister nicht fdie Waffe entwunden, so würde sich sehr leicht ein blutiges Seitenstück zu der Heldenthat des Briisewitz ereignet haben.— Die Brüsewitze werden sich diesen Fall zur Lehre dienen lassen und hinfort ihren Uebermuth an anderen Leuten, als an Arbeitern auslassen. Das Rüpelzeug muß näin- lich wissen, daß den Proletariern jeglicher bürgerliche Respekt vor dem Sabril und seiner Schneidigkeit fehlt. Ein bürgerliches Blatt bringt heute eine Notiz, welche an« scheinend mit diesem Vorkommniß zusammenhängt. Man schreibt: „Ein Zahlmeister-Aspirant versuchte sich mittels Revolvers zu entleiben, weil er, w i e e s h e i ß t, einige Briefe vergesse» abzuliefern. Derselbe liegt hoffnungslos darnieder." Es ist, wie schon bemerkt, nicht ausgeschlossen, jasehrwahrschein- lich, daß dieser lebensüberdrüssige Aspirant mit dem obigen identisch ist. Wäre das der Fall,— man wirds ja bald erfahren— dann hätten wir einen neuen Beweis, zu welch fürchterlichen Kon- sequeiizen der militärische„Ehrbegriff" führt; denn ist einem der Säbel abgenommen, so ist seine„Ehre" futsch. Hätte der Aspirant einen abgemurkst, so wäre seine„Ehre" gerettet, wenigstens nach den alten„Traditionen" unserer„Edelsten".— Jugendlicher Todtschläger. In dem Pfarrdorfe Gebhards- Hägen, Kreis Wolfenbüttel, hat sich der„Voss. Ztg." zufolge vor- gestern Abend eine Blutlhat ereignet, die wieder ein ganz zugend- licher Verbrecher verübt hat. Nach voraufgegangenem Streite erstach der Sohn des Schlächters Starke den 16 jährigen Sohn des Arbeiters Feldgeber. Der schwer Getroffene verschied schon nach dreiviertel Stunden. Der Thäter ist erst 14 Jahre alt. Im Torfe Mosheim(Kreis Homburg) sind 14 Wohnhäuser und Scheunen niedergebraiint. Kampf mit Gendarmen. Aus München wird berichtet: Montag Nacht wurden in einer hiesigen Straße mehrere Gen- darmen von einer Schaar halbwüchsiger Burschen angegriffen. Einer der Gendarmen wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Als die Burschen sich anschickten, die Gendarmen mit Steinen zu bewerfen, gab ein Gendarm einen Revolverschuß ab, wodurch ein Bursche tödtlich getroffen wurde. Aus Havre wird berichtet: Als am Sonntag Abend auf dem Artillerieschießplätze der Ingenieur Brindeau mit Gewalt einen Zünder in die Kappe eines zur Versendung nach Griechen» land bestimmten Geschützes pressen wollte, entstand eine Explosion. Brindeau und ein Aufseher wurden entsetzlich verstümmelt und getödtet, ein griechischer Aitillerie-Osfizier, namens Tseoueala, und ein Arbeiter schwer verletzt. Dr. Tanncr, der aus den achtziger Jahren her bekannte amerikanische Hnngerkünstler, soll am Sonnabend in Cleveland (Ohio) gelegentlich eines Feuers verbrannt sein. Wenn wir nicht irren, war bereits früher berichtet worden, daß Dr. Tanner gestorben sei. In Chicago sind am Montag zwei große Getreidespeicher der Paeifie- Elevator< Company, in denen 1 100 000 Änsheks Weizen lagerten, niedergebrannt. Der Schaden wird auf 1050 000 Dollars geschätzt. DaS größte Naturwunder auf Java, wenn nicht der ganzen Welt, ist die berühmte„Gheko Kandka Gomba", die Heimalh der heißen Teufel". Den Europäern ist der Ort unter dem Namen„Feuerinsel" bekannt. Diese geologische Seltenheit bildet in Wirklichkeit einen See von kochendem Schlamm. Er liegt mitten in der Grobogana- Ebene. Man nennt ihn eine Insel, weil die blühende tropische Vegetation ringsherum ihm das Aussehen giebt. Die„Insel" mißt zwei englische Meilen im Umfang und ist 50 Meilen von Solo entfernt. In der Mitte steigen fortwährend ungeheuere Säulen von weichem heißen Schlamm in die Lust und fallen dann wieder zur Erde. Auch große Blasen bildet der Schlamm. Diese platzen in der Luft mit mehr oder weniger Geräusch. Nach der javanischen Tradition hat es einmal am Westende des Sees eine hohe, trockene Schlammsäule gegeben, aus welcher sich ganze Strahlen reinen kalten Wassers ergossen. Das. war aber in längst ver- gaugeiien Zeilen. � Eingelaufene Druckschriften. Von der..»««ei, Zeit"(Slullaart, I. H. W. D> e tz' Verlag) Ist soeben dak». Hesi d>S 15. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Kunst und Proletariat.— William Morris. Dichlor, Künstler, Hand- werler und Bildner einer neue» Äesellschasi. Von Waller Crane.— Georg Wilhelm Sieller und die ethnologilche Erforschung KamtschattaS. Von C Krug.— Aus den Vereinigten Staaten. Von F. A. Sorge.— Die Flottenvermehrungs-Frage. Von einem See-Ofstzier.— Literarische Rund- schau.— Nolizen: Die Hollerttfpsche gädlinaschine für Vollszählungcn. Von H. Vogel. Der Äenub von Opium und Morphium.— Feuilleton: Die Anfänge der Romanlik. kritische Studio über das ZeUatter der großen Revolution. Von Paul Lafargue.(Fortsetzung). Von der Gl-Ichh-tt, Zeilschrtsl für die Hmeressen der Arbeiterinnen(Ttuit- gart, I. H. W. Dtetz � Verlag) ist uns soeben die Nr. 22 des s. Jahrgangs zugegangen. iluS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ter Parteitag zu Gotha Siebleben,— Dle Frauenfrage auf dem sozial- demotralischen Parteitage.— Resolutton des Parteitags, betreffend die Frauenfrage.— AuSnahmercchie gegen dis ländlichen Arbeiter und das Gesinde. Von Arthur Stadihagen. II— Zur Lage der Kurz- und Maschinen- schrolberiiincit Berlins. Von Fritz Haufen.— Muiiorlicher Instinkt(Be- dicht). Von Ada Regri.— Fcuillcio»: Sein erster Richterspruch. Deutsch von Gustav Ltchtenstein.— kleine Nachrichten. Die„Gleichhur erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer to Pf. durch die Post bezogen(etngelragcn in der Reich spost-Zeiiungsltste sür lSSS unier Nr. 2SS7) belrägl der AbomiementLpreis vterielfährltch ohne Beltell- «eid 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Inseratenpreis dle zweigespatteiie P-Iltzeile 20 Pf.__ WitterungSlibet ficht vom 27. Oktober 1896. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 29. Oktober 1896. Ein wenig kühler, zeilweise nebelig, vielfach heiter bei schwachen südlichen Winden: keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wette rbureau. Briefkasten der Redakkion. Tie juristische Sprechstunde findet am Montag. Dienstag, Freitag und Sonnabend abends von S-7 Uhr statt. A. W. Das ist Fabrikgeheimniß.— D. SV. Bis zum 14. Dezember 1896.— A. D. Ja.— PH. F. Beliebig hänfig. — Heuuig. a) Nein, b) n. c) Das hängt von dem Wortlaut des Testaments ab. Sprechen Sie mit demselben gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— W. 200. 1—3: Nein. X. 93b. Nein.— Lcmnie, Koppeustr. 1- Die Vollstreckung von T 0 d e s n r t h e i l e n ist erst zulässig, wenn die Entschließung des Slaatsoderhauptes ergangen ist, von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen zu wollen. In den Republiken Hamburg, Bremen und Lübeck trifft der Senat. in denjenigen Strafsachen, in denen das Reichsgericht in erster und letzterJnstanz entschieden hat, der Kaiser diese Entschließung. 2. Zum Hamburger Staatsgebiet gehört mehr als die Stadt Hanidnrg.— August Hofniann. Sie wollen in der juristischen Sprechstunde gelegentlich in Ihrer Sache vorsprechen. •PSP- Sechs Partei-Versammlungen MWoch. 28. Weber, abends 81. Mr in folgenden Lokalen: 1. Mahlkreis: Stabernack's Salon, Jnselstr. 10. A. Wahlkreis: Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. 3. Wahlkreis: Brochnow's Salon, SeWaußche 39. 4. W a hl kreis: Ioel's feeßsale, Andreasstraße 21. 3. Wahlkreis: Mies Schüizenhaus, Linienstr. 5. 6. W a is l k r e i s: Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23. Tages-Ordilung: Bericht und Ueuntahl der Vertrauenspersonen. Wahl von Mitgliedern zur Kokal- und Vreß- kommisftan. Berichterstattung der Delegirteu vom Parteitage. Disknsston. 2i3\i _ Die VeekrAuenspevsonen. Sonntag abend n*U Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden mein innig- geliebter Mann, unser guter Vater. Bruder, Schiviegeriohn und Schivager, der Gastwirth Wilhelm Stehe, im 44� Lebensjahre. 1100t) Um steiles Beileid bitten Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. d. M., nachmittags'/s4 Uhr, von der Leichenhalle des Urban-Krankenhauses ans, nach dem alten Jakobi- kirchhof, statt. Berlin, den 27. Oktober 1396. Danksagung. und Be- Für die rege Betheiligung schönen Kranzspenden bei der erdigung des Herrn Gustav Dreyen sage alle» Freunden, Bekannten, Kollege», sowie der Direktion der Brauerei Pichelsdorf und dem Gesang- verein meinen herzlichsten Dank. Smitis Giese, als Braut. Berliner Volks- Brauerei S. Gräfestrasse 8 empfiehlt und versendet in Berlin und die Vororte seine zum Selbftfüllen ans bestem Malz und Hopse» gebrauten Biere als M* Werderschrs Walz ä Liter 10 Pf. Weißbier welches infolge seines großen Malz- und Wnrzc-Exlraktes vo» hoyer Nährstnaft ist! Lieferung frei Hans. Margarine'-: � a kaufen Sie täglich frisch plan-Utsn 38 a. der Koltbnser Brücke A ü. und IlllarlttkallS Drrsbenerstraste, Stsn8 280—281. üng, M) Gegrftndet 1884. Bothe. Gegründet 1884. Gardinen-Reste passend zu 1—4 Fenster unter Fabrikpreis I Nur gute, dauerhaste Qnali- taten werden angefertigt. 7721.' M. Hildebrand, Drvsdvnevstv 117. pt n/Tnliol und Polsterwaaren, billig, aiUNvt D r e s d e n er ftr. 49, 1. VurfzkÄndlunlg Dovmsvks Kerli«» LV., Keuthckraße S. Soeben ist erschienen: Gothaer Kougreß-Protokoll. Preis 30 Pf.(Porto 10 Pf.). Geb. 50 Pf.(Porto 20 Pf.). Das nach ste»ograpl>>scher Niederschrift h-rgeslellte Prototoll Ist durch Beifügung eines au.führlich«» Sachreoifter. zu einem pralllschen pach- fchlagebnch gestallet worden. Jedes in de» Berichten der Parteileitung und der Fraklion erwähnte politische Ereignist, jeder in den itongreßdebatten de- rührte Gegenstand lann sofort ohne jede Mühe festgestellt werden, ebenso jeder der nach der Materie alphabetisch geordneten Anträge>um Parteitag, die Verhandlungen über die f raiuxfrage, die Dislusston über die Zlrbeltrr- schniisrag», die lehrreiche Debatte über Kunst und K»,iaIi«iNU» ttr. reihe» dai diesjährige Prototoll inhaltlich ,u den bedeutungsvollsten unserer , Parteitagsprotokolle. brts-Ilrsellnllssse siii- Uss SeebUrerllgelKepbe au Gerlin. General- Versammlung Sonntag, den 15, Zlovcmber 1896, vormittag» ll'/u|lljr, im Saale der..Rrstonrre", Kommandantenstr. 57. Tages-Ordnung: 1096b 1. Erganzungswahl des Vorstandes(I Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 2. Wahl des Rendanten für 1897/99(§ 52 des Kassenstatuts). 3. Wahl des Rechnungs-Ausschusses für 1897. 4. Antrag des Vorstandes ans'libündernng des Z 19 Abs. 2 und(auf Verfügung der Aufsichtsbehörde) des Z 42 Abs. 5 des Kassenstaluts. 5. Elivaige Anträge von Mitglieder», welche indeß bis Sonnabend, den 7. November er. eingereicht sein müsseil. 6. Verschiedenes. Der Dorstand. Otto Waller, Vorsitzeuder. Paul Magaan, Rendant. Möbeltischlerei u. Pngeveompl. Mohnungsvinrichtunalen von den einfachste» bis zu den eleganteste» in jeder Zjlreioiage in solider Ausführung zu den billigsten Preisen empfiehlt V94KL' Inlius Apelt, Tijllileriiieißer, Skalitzerstr. 6. Eigene Werkstatt im Hause.'WM m Slhilhivliareil-Verklliifshiiils(8�lfllW S. 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Tischler oder Zimmermann, welcher mit Holzbearbeitungsmaschinen Bescheid weiß, findet Beschäftigung bei[l097b Zimmermeisler W e g e l, Adlershof. Maschinenspulerin[>1021? verlangt Jeruialeinerslr. 17, 4 Tr. Tüchtige Farbigmacheri» auf glatte und Plainleisten verlangt Em. Zappert, Goldleiftensabrik. Königsbergerstr. 7._ 2 tüchtige Andmcker werde» bei hohem Lohn für dauernd zum sofortigen Antritt gesucht. E. Wittstock. Leipzig, D u f o u r st r. 24a. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt für die Stadt- und Borort-Auflage eine Einladung zum Abonnement auf die„Berliner Jllustrirte Zeitung" bei. Für die hiestgen Leser liegt der heutige» 11 um»irr unsere» Klatte» die Veminuliste der preußischen Lotterie vom gestrigen Lage bei. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobeh in Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke iu Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vomürts" Berliner Volksblatt. Ur. 253. Mittwoch, den 38. Oktober 1896. 13. Itthrg. Nns den Mnkevnehmev-' VevdÄnden. Die Erzeugung des Kali's. eines für die Landwirthschaft hochwichtigen Düngemittels, befindet sich in den Händen eines der am straffsten organisirten Kartelle, des Stafifurter Kali- Syndikats, dem auch der preußische und der anhallische Staat angehören. Ter Landwirthschaft muß natürlich daran gelegen sein, das Kali so billig wie möglich zu bekommen. Die Land- wirthschaflskammer der Provinz Sachsen verlangt nun die Ein- führung von Ausfuhrzöllen für Kali und chemische Fabri- kate, damit die außerdeutfche» Landwirlbe schwerer oder am liebsten gar nicht mit den deutschen lonkurriren können. Da Deutschland das Hauptproduktionegebict für Kali ist, würde ein Ausfuhrzoll auf die Konkurrenz der ausländischen Landwirthschaft wohl nicht ohne Einfluß sein, aber diese Konkurrenz in der Hauptsache lahm zu legen ist weder möglich noch wünschenswerth. Nicht darum sind die Kornzölle ermäßigt worden, daß den Agrariern durch eine» anderen, neue» Zoll abermals Profithappen in den Nimmersatten Schlund geworfen werden. Notorisch kann die deutsche Landwirthschaft den ein- heimischen Bedarf nicht decken, es muß also ausländisches Ge- treibe eingeführt werden. Der Konsument, das deutsche Volk, hat demnach kein Interesse, dem Begehre» der genannten Land- wirthschastskammer zuzustimmen. Was das Volk braucht, das sind billige Nahrungsniittel. Kann diese die deutsche Landwirth- fchaft jetzt nicht schaffen, so muß sie ihre Produktionsweise ändern, damit das erreicht wird. Die Ausfuhrzölle auf Kali:c. würden noch einen anderen Nachtheil haben. Der Absatz von Kali nach dem Auslande würde vermindert und infolgedessen die Produktion eingeschränkt werden, wodurch ein Theil der bei der Kali-Erzeugung beschäftigten Arbeiter brotlos, das ohnehin riesenhafte Heer der Arbeitslosen abermals vermehrt und infolge dessen die Zahl der aus Roth zum Verbrechen getriebene» Menschen wiederum erhöht würde, was eine Vermehrung der Gesängniffe, des Richterpersonals:c., kurz eine neue Steigerung der Lasten bedeutet, unter denen die moderne Gesellschaft ebenso dahinsiecht, wie die mittelalterliche Gesellschaft unter de» Lasten, die ihr die Kirche auferlegte und die schließlich zum Sturz der Papstherrschafl führten. Eine andere Sorte von Brotvertheurern regt sich in cnt- gegengesetzter Richtung. Die Mühlcnbcsitzcr, deren bei- spiellos schlechte Bezahlung und Behandlung der Arbeiter unseren Lesern bekannt ist, verlangen in einer Petition an den Reichs- lanzler Vergünstigungen für ihre Ausfuhr von Weizenmehlen, insbesondere um der Konkurrenz Frankreichs auf dem Welt- markte ein Paroli bieten zu könne». Es handelt sich hierbei um die großen Mühlen. Diese sind jetzt genölhigt,„ihre riesigen überschüssigen Mehlmengen ans den inländischen Markt zu werfen", weil sie diese auf dem Weltmarkte nicht los werden können. Da die kleinen Mühlen, nach dem eigenen Eingeständniß der Großmüller, bedeutend thcurer arbeiten als diese, steht also, wenn die Regierung den Großmüllern das Geschenk der be- anspruchten größeren Zollrückvergütung machen sollte, eine Steigerung der Mehlpreise in Aussicht. Wenn wirklich eine Ueberproduktion an Mehl bestände— Hunderttausende in Deutsch- land haben im Gegentheil nicht satt Brot zu essen, well der Brotprcis zu hoch ist— so giebt es ein viel einsacheres Mittel, um dem„Üebel" abzuhelfen. Warum erlauben denn die deutschen Regierungen den Großmüllern, viele Wochen lang im Jahre auch Sonntags arbeiten zu lassen? Eine Echniälerung der gerade den Mühlenarbeitern ivegen der ungesunden Art ihrer Beschäftigung so nölhigeu Sonn- tagsruhe, die für die Sozialpolitik Deutschlands einfach ein Skandal ist! Weiter können die Großmühlen ihre„Ueber- Produktion" durch Einführung einer kürzeren Arbeitszeit sehr leicht vermeiden. Eine aus solcher Ursache entstehende Steigerung des Mehlpreises würde auch das arbeitende Volk eher billigen, denn den Pfennig, den es aus der einen Seite mehr zahlen müßte, bekäme es auf der anderen Seite wieder mit Zinsen berein. Mühlenbesitzer und Arbeiter würden also bei solcher Regelung der Sache Nutzen haben. Kurz, auch Hiera» zeigt sich wieder, daß nicht die Grundsätze des Untcrnehmerthums, sondern Väs Miesenfevnvohv in Cvcjtfmn. Aus dem verflossenen Jahrmarktsrunnnel in Treptow, der den Namen einer Berliner Gewerbe-Ausstellung führte, ragt das große Fernrohr als ein Werk hervor, in welchem etwas Dauerndes und, wie es scheint, in mancher Hinsicht Grundlegendes geschaffen wurde. Wir wollen hier nicht die astronomische Be- deutung hevorheben, welche derartige große Fernrohre haben; denn in dieser Beziehung steht es nicht einzig in seiner Art da, sondern macht Deutschland, dessen größtes Fernrohr bis jetzt das ISzöllige Instrument der Straßburger Sternwarte ist. erst den andere» Kulturländern ebenbürtig. Das Objektiv') des Treptower Fernrohrs hat eine Oeffnung von 20 Zoll oder 70 Zentimetern, ist also ungefähr von der Größe der Objektive der Sternwarten in Pulkowa, Wien, Nizza u. a., während es von den beiden großen amerikanischen Fernrohren der Lick-Sternwarte und des Uerkes-Teleskop in Chicago mit 03 und 100 Zentimetern Objektivöffnung erheblich übertroffen wird. Die ergenartige Bedeutung des Treptower Fernrohres liegt wesentlich in dem maschinellen Aufbau, welcher sehr wesentlich von den bisher gebräuchlichen Konstruktionen abweicht. Das Instrument ist ein sogenanntes Aequatoreal, d. h. es ist um zwei auf einander senkrechte Axen drehbar, von denen die eine, die sogen. Polar- oder Stundenaxe, die Richtung der Erdaxe hat, und die andere, die Deklinationsaxe. senkrecht dazu ist, also in der Aequatorebene liegt; dadurch kann man das Rohr nach jedem Punkte des Himmels richte». Um die Stunden- axe wird es mittelst eines Uhrwerkes in 24 Stunden herum be- wegt. so daß es dem scheinbaren Laufe eines Sternes, auf welchen eS eingestellt ist, folgt und derselbe dauernd in Beob- achtung bleiben kann. Bisher hat man derartige Fernrohre stets mit einer große» eisernen Kuppel überdacht, um das Instrument vor den Ün- bilden der Witterung zu schützen; dieselbe muß in bequemer Weise drehbar gemacht werden, damit der in ihr augebrachlc verschließbare Spalt, durch welchen das Instrument nach dem Himmel gerichtet wird, leicht nach alle» Seiten gebracht werden kann. Daß hierzu außerordentlich komplizirte Vorrichtungen nöthig sind. leuchtet ein. wenn man bedenkt, daß z. B. die Kuppel, welche das Fern- rohr der Lick-Sternwarte überdeckt, isoo Zentner wiegt, aber trotzdem durch einen Druck von 07 Kilogramm bewegt werde» kann Um den Durchmesser der Kuppel nicht zu verdoppeln, werde» große Fernrohre nicht um ihr Okularende. sondern um ihre Mitte gedreht: freilich kommt dadurch die Unbequemlichkeit hinzu daß der Beobachter bei Bewegungen des Rohres diesem nachfolgen muß, da ja das Okularende, durch welches er hindurch ') Jeder Refraktor(Fernrohr mit Linsen) besteht aus zwei Haupttheilen. Objektiv und Ocular; das Obzerltv wird aus zwei großen Glaslinsen gebildet, auf welche das Licht der fernen Gegenstände auffällt; das durch sie entworfene Btld wird durch ein anderes Linsensystem, das Okular, betrachtet. die der Arbeiterbewegung aus dem Wirrwarr des jetzigen Wirth- schaftssystems zu geordneten Zuständen führen. Vom rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat wird für 14 Doppel- und 15 einfache Schachte, die neu errichtet sind oder werden, das Recht auf Antheil an der Förderung der Kohlenmenge verlangt, die nach den Beschlüssen des Syndikats je nach dem Stande des Marktes ziffernmäßig festgestellt wird, durch welches Verfahren das Syndikat den Kohlenprcis„rcgulirt", d. h. wenn irgend möglich in die Höhe schraubt. Als das Syndikar am 1. März 1bS3 ins Leben trat, betrug die Gesammt- betheiligungsziffer 33 575 076 Tonnen(a 20 Zentner), am 1. Januar 1694 betrug sie 35 531 116 und am 1. Januar 1896 belief sie sich auf 41 631 243 Tonnen, die Zunahme seit 1803 betrug somit 8 055 267 Tonnen, fast 24 pCt., oder jähr- sich 4pCt. Durch die erwähnten 29 neuen Schächte würde sich die Zunahme um weitere 5160 000 Tonnen jährlich erhöhen, das dreifache der bisherigen jährlichen Zunahme. Wenn der gute industrielle Geschäftsgang namentlich in der Eisen- und Stahlindustrie noch einige Jahre anhält, so würde trotz der Er- öffnung der vielen neuen Schächte der Kohlenpreis auf der für den Prosit der Herren Grubenbesitzer erforderlichen Höhe erhalten bleiben. Aber wer kann deni Landfrieden trauen? Kann man doch in der heutigen Gesellschaftsordnung kaum aus morgen rechnen, geschweige auf Jahre hinaus. Es ist daher natürlich, wenn das Syndikat trotz öfterer Berathung der Frage, ob die neuen Schächte sofort nach ihrer Vollendung oder erst am I.April oder 1. Oktober Anspruch ans Förderungsantheil haben sollen, noch immer zu keinem Entschlüsse gekommen ist. Der Verein der am Kaffechaudel betheiligten Firmen hielt in Hamburg am 21. Oktober eine Generalversammlung ab, wo Beschlüsse über die gegenseitige Waarenverrcchuung im Kaffee- T e r n» i n h a u d e l gefaßt wurden. Die deutschen Bnchdrnckcreibcsitzer erhöhen mittels ihrer Organisation den Druckpreis x., wobei sie sich auf die Be- willigungen berufen, die sie den Buchdrucker- und Buchbinder- Gehilfen gemacht haben. In Berlin, Breslau, Dresden und Leipzig sind, wie es heißt, die Drnckpreise bereits erhöht worden, jetzt hat auch die Hamburger Buchdrucker-Jnnung einen dahingehende» Beschluß gefaßt.— Der„Grenzboten"-Verleger Grunow in Leipzig sucht die Vrrlagsbuchhändlcr zu einer be- sonderen Organisation zusammen zu bringe», einerseits damit die Verleger bei künftigen Lohnbewegungen der graphische» Arbeiter ihr Veto mit Erfolg einlegen, sich also ab ovo dagegen schütze» könne», daß die Buchdruckereibesitzer die Erhöhung der Pro- duktionskosten auf die Buchhändler abwälze»; andererseits soll durch die geplante Organrsatio» den.Sortimentern entgegen- gewirkt werde», die auf des, Bücherpreis einen immer größeren Einfluß ausüben, wodurch der„alte" Buchhandel, nämlich das Prositinteresse der Verleger, in die Enge kommt. Das Organ der Buchdruckereibesitzer, die„Zeitschrift", wendet sich jedoch energisch gegen die Gründung eines besonderen Fach- Vereins der Herren Verleger., wobei es kräftig in die Schalmei der Arbeiterfreundlichkeit bläst; es erklärt Herr» Grunow ungefähr, daß die Buchdruckereibesitzer um so weniger Lust haben, die Rolle von Schwitzmeister» zu spielen, als die Arbeiten für den Buchhandel nur etwa ein Drittel der Produktion des Buchdruckgewerbes ausmachen. Die neulich signalisirte Betriebseinschränkung der Woll- kämmcrcicn scheint zu beginnen. In Wilhelms bürg bei Harburg sind Arbeiterentlaffungen größeren Umsanges vor- genommen worden. Die deutschen Töpfer hatten vor zwei Jahren auf ihrem Kongreß eine Kommission eingesetzt, die mit den Kollegen des Zluslaudcs Beziehungen anknüpfen sollte, um eine gegenseitige Nnterstützung in den Bestrebungen der Organisation zu ermög- lichen. Gegenwärtig liegen dem Obmann dieser Kommission aus sechs Ländern Berichte vor, die zwar ein lückenhaftes, aber manche interessante Einzelheiten zeigendes Bild von dem Stande der Organisation aufweisen. Aus Schivede» wird berichtet, daß daselbst 15 Vereine mit 500 Mitgliedern zu einem Zentralverband zusammen- sieht, sich fortbewegt. Man hebt und senkt daher den ganze» Boden des Beobachtuugsraumcs, was freilich die Kosten des Baues wieder sehr erheblich vermehrt. In neuester Zeit sind mehrfache Versuche angestellt worden, um den Bau großer Aequaloreale zu vereinfachen. Als ein solcher Versuch stellt sich auch das Treptower Unternehmen dar. Die Vereinfachung beruht im wesentlichen darauf, daß die schützende Kuppel durch einen der zylindrischen Form des Rohres angepaßten Mantel ersetzt wird, welcher mit dem Rodre auf demselbeu Stück befestigt ist und daher mit ihm zugleich sich nach alle» Richtungen hin beivegt. Hierdurch ist die Möglichkeil gegeben, das Rohr an dem Okularende statt in der Mitte anfzu- hängen, wodurch der Beobachter eine» festen Standort erhalten konnte. Die Stundenaxe ist in de» Mauerpfeiler eingelassen, in welchem sie sich auf einem Kranze von zwölf konischen Rollen bewegt; an ihrem obere» Ende ist eine Art Glocke befestigt, welche sich mit ihr herumdreht und den feststehenden Bcobachtungs- räum umgiebt. An zwei einander gegenüberliegenden Enden ragt sie etwas i» die Höhe und trägt dort zwei Zapfe», welche die Deklinationsaxe darstelle». Um diese dreht sich eine schivere Traverse, welche das Rohr mit seinem Mantel sowie zwei lange, nach der anderen Seile wcgragenden Arme trägt, au welche» die das Rohr ausbalanzirenden Gegengewichte befestigt sind. Von der Mächtigkeit des Instrumentes kann man sich eine ungefähre Vorstellung niachen, wenn man bedenkt, daß die Gegengeunchle an jeder Seite 200 Zentner betragen; sie müssen der' 440 Zentner schweren Traverse, sowie dem Rohre und Mantel, welche ebenfalls mehr als 100 Zentner wiegen, das Gleichgewicht halten. Diese schweren Massen üben natürlich auch auf die Axe einen erheblichen Druck aus; um sie vor der Durchbiegung, welche sie dadurch erleiden mühte, zu schützen, ruht die Traverse noch auf schwere» guß- eisernen Entlastungsböcke», welche in einem Kranze stehen, der auf 3 Friktionsrollen läuft; die letzteren sind direkt im Mauer- pseiler gelagert, so daß die Hauptlast auf das Fundament über- tragen wird. Auch ist die Axe selbst noch durch eine Rolle ent- lastet, um sie gegen die Durchbiegung zufolge ihres eigene» Gewichtes— sie wiegt etwa 80 Zentner— zu schützen. Auch das Rohr ist mit einer Vorrichtung versehen, welche bestimmt ist, seiner Durchbiegung entgegenzuwirken. Eine Reihe eiserner Stangen sind an ihm verschränkt, welche sämmtlich in die Traverse hineinführen, wo sie mit Spanngeivichten versehen sind, die durch Hebel angezogen werden können, so daß in jeder Lage eine Streckung des Siohres gegen die Biegung ermög- licht ivird. Um die gewaltigen Eisenmassen in Bewegung zu setzen.— es sind im ganzen gegen 2500 Zentner Eisen aufmontirt— diene» eine ßleihe von Elektromotoren, von welchen derjenige, der die Bewegung um die Deklinationsaxe veranlaßt, in einem der großen Entlastungsböcke angebracht ist, wahrend die anderen im Innern des Fundamentes untergebracht sind. Der hauptsächlichste Einwand, welchen man gegen die hier geschlossen sind. Die Arbeitsverhältnisse haben sich in den letzten zwei Jahren fortgesetzt verbessert. Während dieser Zeit fanden neun Lohnkämpfe statt, die mit einem Siege der Ardeiter endeten, während zwei andere und zwar größere Streiks verloren gingen. Streikunterstützungen machten sich nur bei den zwei letzteren nothwendig. In D ä n e ni a r k ist die Organisation dieselbe geblieben. Infolge der Gleichgiltigkeit der Kollege» waren ausführliche Be« richte über die Zustände im Töpfereibetriebe nicht zu erlangen. Ter Bericht ans Ungarn meldet, daß die Hafner in Fünf- kirchen und Budapest ihre Organisationen derart erweitert habe», daß die Arbeiter aller keramische» Branchen derselben beitreten können. Einer sich über das ganze Land ausdehnenden Zentral« Organisation stehen gesetzliche Bestimmungen entgegen. Ein Lohnkainpf der keramischen Arbeiter in Fünfkirchen, der zehn Wocken dauerte, ging verloren, ebenso ein Streik der Ofensetzer in Budapest. Auch die Ziegelei- Arbeiter sangen an, sich zu organisiren. In Steinbruch bei Budapest wollten sie in diesen» Jahre sich zum ersten Male an der Maiseier betheiligen. Es kam dabei zu einem Auslauf, infolge dessen mehrere polnische Arbeiter ausgewiesen»vurdeu. Aus Ober-Oesterreich meldet der Vertrauensmann, daß die Organisation seit 1894 etivas zurückgegangen ist und die Agitation für dieselbe außerordentlich schwierig sei. Die ober» österreichischen Ofensetzer fühlen sich in ihren» Erwerbe dadirrch beeinträchtigt. daß Oese» noch vielfach von Maurern gesetzt »Verden. In der Sch,vei z hat seit dem Jahre 1894 die Organisation der Osenarbeiter einen kleinen Aufschwung zu verzeichnen. Tie Scheibentöpser scheinen der Organisation fernzustehe». Der Be- richt bemerkt, daß sich über dieselbe» nicht viel sagen lasse, denn sie seien meist in kleinen Orten verstreut. Die Geschirrtöpferei ist infolge der Konkurrenz der Emaille- und Porzellamvaaren bedente»ch zurückgegangen. Die Ziegelei-Arbeiter in der Schiveiz sind meist Italiener, auch sie fangen allmälig an, sich zu organi- siren.» Aus Rumänien wird berichtet, daß in Bukarest ein 57 Mit- glieder umfassender Verein besteht, in»velchem die(ineistenthcils ausländischen) Ofensetzer organisirt sind. Diese Organisalion hat als Ziel des nächsten Lohnkampfes die Erringung eines ein« heitlichen Lohntariss in Aussicht genommen. Das Bestreben, den einheimische» Fabrikaten der Ofeninduftrie im Lande selbst»nehr Gellung zu verschaffen, tritt immer mehr in den Vordergrund. Bisher wurde diese Waare»»nd namentlich die bessere zuin größte» Theil aus anderen Ländern bezogen. Ganze Distrikte des Lande? werden von Scheibenlöpfern beivohnt, welche als Haus» industrielle für Großhändler arbeiten. Die Scheibentöpfer in der Walachei sind meist Runiänier, in der Moldau übenviegeiid Juden. Diese Berichte sollen in möglichst umfangreicher Weise mindestens alljährlich»viederholt»verde»,, um ein getreues Bild über den Stand des Berufes zu erhalten. Wichtige Vorkonunnisse sind sofort durch die zur Verfügung stehende Arbeiterpresse be- kannt zu geben. Die Ueberivachung dieser Arbeiten fällt wie bisher dem Obmann der internationale» Kommission zi»,»velcher in Berlin seinen Sitz hat. DaS Landgericht in Oldenburg hat ein für den?l r b e i t Z» vertrag»vichtiges Urlheil gefällt. In Delnienhorst ist im Jahre 1892 zivischen den Zimmerern und den Meistern ein Stundenlohn von 37�2 Pf. vereinbart»vorbei»,»nd dieser Satz gilt heule noch. Drei bei einem dortigen Meister be- schäfligte Zimmerer wurden nun von diesen, auf die Ziegelei in Buschhage» zur Arbeit an einem Neubau geschickt und erhielten dort nur 33 Pf. Stundenlohn mit deu» Bemerke», daß auf der Ziegelei nicht»»ehr gezahlt»verde. Sie klagten beim Amts- gericht, wurde» aber abgeiviesen, weil der in Delmenhorst ver« einbart« Lohnsatz von 37>/s Pf. in Buschhagen nicht gezahlt zu iverden brauche, da dort der ortsübliche Stundenlohn nur 30 Pf. betrage. Auch hätten die Arbeiter bei Eingehung des Arbeitsvertrages sich erkundige»»nüsfen, ob in Buschhagen derselbe Lohn gezahlt»verde»vie in Delmenhorst. Das Land- gericht in Oldenburg hob dieses Erkennlniß auf und verurtheilte den Meister zur Zahlung von 37l/2 Bs. pro Stunde und zu den kurz beschriebene Konstruktion erhoben hat. besteht darin, daß das Instrument gegen den Einfluß des Windes nicht geschützt ist. Der Wind»nag komme», aus»velcher Richtung er»vill, stets ivird er den Mantel treffen, und alle Erschütterunaei»,»velche dieser erleidet, sagte man, müßten sich durch die Luftschicht auf das Rohr selbst übertrage», so daß das Bild kein stillstehendes. ruhiges, sondern ein beständig hin- und herzitterndes sein»verde. Die Erbauer des Instrumentes begegneten diesen, Einwand mit der Bemerkung, daß das Geivicht des Rohres viel bedeutender sei, als das des Mantels, daß daher das Rohr nicht auf die Schwingungen des Mantels ansprechen werde. Die Erfahrung scheint ihnen Recht zu geben; denn obwohl noch Wochen und Monate hingehen werde», bis das Instrument in allen Einzelheiten fertig und zu»visfenschafl- lichen Beobachtungen bereit sein wird, so hat man sich doch jetzt schon ein Urthcil über seine Wirksamkeit bilden können; die von ihm entworfenen Bilder stehen ruhig im Gesichtsfelde und zeigen durchaus keine zitternde Bewegung. Daher hat die Konstruktion auch bei vielen Fachleute», welche durch das Rohr beobachten konnte», Anerkennung gesunde», und es ist nicht unwahrscheinlich, daß es für den Bau zukünftiger großer Fernrohre bestimmend sein»vird. Es wäre dies ei» Fortschritt in doppelter Hinsicht. Erstens werden, wie schon erivähnt, durch den Fortsall der eisernen Dachknppel und die dadurch ermöglichte Vereinfachung die Kosten so erheblich herabgesetzt, daß sie nur noch etwa den vierten Theil der bisherigen Koste» eines Fernrohres von gleichen Dimensionen betragen. Sodann ivird aber durch diese Ko»str>»ktion die Amvendung von Linse» mit sehr langen Brennweiten möglich. Bei einem überkuppelte» Fernrohre bedingt jede Verlängerung der Brenmveile eine Vergrößerung deS Kuppeldurchnieffers, wodrirch die Kosten ganz nnverhällniß- mäßig steigen,, nährend bei der in Treptow angeivendetei, Konstruktion eine Verlängernng des Rohres um einige Meter sehr erhebliche Mehrkosten nicht verursachen kann. So ist man in Treptoiv bereits bis zu einer Brenmveite von 21 Metern ge- gange», wodurch selbst die größten amerikanischen Fernrohre nich» unerheblich übertroffen»verde». Hierdurch ist auch der optischen Industrie eine günstige Aussicht eröffnet- denn trotzdein die lange» Brennweiten für viele astronomische» Zivecke günstiger sind, als kurze,— mit der Breinnveile»vächst z. B. die Ver» größerung— und obwohl sich die Linsen auf lange Bre»n»veiten viel leichter und daher billiger schleifen lassen, als aus kurze, so hat man sich doch, eben der riesige» Kuppel wegen, vor ihnen ge» scheut. Da diese jetzt fortfällt, so ist zu erivarten, daß die Zahl der Fernrohre mit langen Brennweiten in Zukunft erheblich zunimmt. Mit dem Fernrohr»var während der Ausstellung ein astronomisches Muse»»,, verbunden, in welchen» auch der Laie mancherlei Anregung ,»>d ej>,e» kleine» Einblick in die astronomische Welt erhielt. Hoffentlich bleibt dies erhalten und dem Publikum zugänglich; die Stadt Berlin»vürde sich vielleicht ei» Verdienst erwerben, wen» sie die Mittel zun» Ausbau eines solchen Museums bewilligte. Lr. Kosten des Verfahrens In der Begründung heißt eS, daß der Arbeitgeber den üblichen Lohnsatz von Delmenhorst auch zu zahlen habe, wenn er seine Arbeiter an einem anderen Orte be- schästigt, andernfalls hält« der Meister die Arbeiter vorher darauf aufmerksam machen müssen» daß auf der Ziegelei nur L3 Ps. gezahlt würden. Tie vereinigte« Gewerkschaften Stuttgarts.haben für die Zeit vom I. Januar bis 30. Juni 1SS6 eine a e w e r k- schastliche Statistik aufgenommen, die zu folAnden Er- gebmsseu führte. Die Fragebogen enthielten 13 Fragen, die sich im Gegensatz zu früher auch auf das Gründungsjahr der Vereine, die Höhe des Arbeitslohnes, die Auswendung der ein- zelnen Gewerkschaften des Ortes für Reise- und Arbeitslosen- Unterstützung, auf die gesnmmten Einnahmen und Ausgaben und die Höhe des Lokalvermögens bezogen. Von den 33 Gewerk- schaften Stuttgarts sind 33 Antworten rechtzeitig eingetroffen. Die älteste Organisation ist die der Buchdrucker, die seit 1S(5S besteht. Außer ihr bestehen noch 12 Organisationen länger als IvJahre, S seit fünf bis zehn Jahren, 13 wurden in den letzten drei Jahren gegründet. Die meisten Organisationen gehören Zentral- verbänden an. Die Gesammtzahl der Berufsangehörigen, die durch Schätzung ermittelt wurde, beträgt 18 421; darunter sind 2420 Arbeiterinnen. Da nur 12 Gewerkschaften über das Bor- handensein von Frauenarbeit berichten, die Gesammtzahl der Berufsangehörigen dieser Gewerbe aber 10 709 ist, so betrügen die 2420 Arbeiterinnen 22,4 pCt. aller Beschäftigten. Die Gesammt- zahl der gewerkschaftlich Organisirten betrug am 30. Juni 0836, das ist gegen Oktober-November 1895 eine Zunahme von 2230 oder 38,3 pCt. Nur 129 Frauen gehörten Gewerk- schafte»(6) an. Nach dem 1. Juli ist die Zahl der Gewerk- schaftsmitglieder bis über 0000 gestiegen. Das Berhältniß der Zahl der Organisirten zu der Zahl der Beschäftigten ist am besten bei den Brauern(93.0 pCt.) und den Vergoldern(93,3), dann folgen die Buchdrucker(87,7), die Dachdecker(87,0), die Hafner(80.0), Siebmacher(30,0), Bildhauer(69,0), Handschuh. macher(03,2), Zimmerer(08,0), Maurer(00,0). Von den Schneidern sind 9,0 und von den Konditoren nur 4,0 pCt. organisirt. In den 33 in Frage kommende» Gewerben zusammengenommen sind 30,8 pCt.(bei den Arbeiterinnen 0.3) organisirt, 09,2(94,7 bei den Ar- beiterinnen) gehören keiner Organisation an. Als höchster Wochen- lohn für Arbeiter wurden 26 Mark, als niedrigster 11,30 Mark ermittelt. Die 20 Mark-Löhne waren am häufigsten vertreten, nänrlich 3910 mal. 0047 Arbeiter verdienten weniger als 20 Mark. Der Durchschnittslohn des Stuttgarter Arbeiters stellte sich auf 19,04 Mark. Der Durchschnittslohn der Arbeiterinn betrug 8.30 Mark. In neun Berufen nur konnten hier die Wochenlöhue ermittelt werden, sie betrugen 7 bis 12 Mark. Betreffs der Arbeitszeit führte die Umfrage zu folgendem Ergebniß: Dauer d. tägl. Arbeitszeit Stunden 1000 9 3286 9V» 0248 10 92 101/2 985 11 2060 12 400 151/8 1880 16 Anzahl d. Arbeiter Höhe des Wochenverdienstes Mark 26.- 20,61 20,18 14,74 21,96 15,67 15.- 17,- Die Schwankungen bei der 10i/a und 11 ständigen Arbeitszeit erklären sich durch die niedrigen Löhne der Tabakarbeiter(mit 10i/e stündiger Durch schnitts-Arbeitszeit) und dadurch, daß die 500 Gipser und Stuckaieure bei 11 stüudiger Arbeitszeit mit 27 M. wöchentlich den höchsten Lohn überhaupt erzielen. Sieht man von beiden Zahlenreihen ab, so ergiebt sich wieder, daß lange Arbeitszeit niedrige» Lohn, kurze Arbeitszeit dagegen hohen Lohn im Gefolge hat. Bei den Stuttgarter Arbeitern kommt heute hauptfächlich der Zehnftundentag in Frage; 61,3 pCt. aller Be- schästigten arbeiten täglich 10 Stunden und weniger. An Reise-Unterslützungen zahlten 22 Stuttgarter Gewerkschaften in dem angegebenen Halbjahre 1707,08 M. a» 737 Em- pfänger, mithin 2,17 M. im Durchschnitt. Als Arbeitslosen- Unterstützung wurden von II Gewerkschaften an 216 Empsänger 4831�20 M. gegeben, 22,36 M. dem Einzelnen im Durchschnitt. An Reineinnahmen— 10 773 M. Zuschüsse zur Streikunterstützung sind dabei nicht mitgezählt— habe» 31 Organisationen 58007,94 M. erzielt. Diese Einnahmen setzen sich nicht blos aus den direkten Beitragsleistungen der Mitglieder zusammen, sondern auch ans den Extra-Einnahmen der Lokalkasse, den Ueberschüssen von Festlichteilen u. s. w. Dieser Antheil des einzelnen Mit- glieds an den Einnahmen ist bei den einzelnen Gewerk- schaften sehr verschieden. Bei den Hutmachern kamen von de» Einnahmen auf den Kopf 40,54 M., bei den Buchdruckern 31,85 M., bei den Konditoren 12,83 und bei den Bildhauern 12,50 M.; bei den Steinhauern aber 08 Pf. Die Gesammtausgabe von 31 Gewerkschaften bezifferte sich auf 48 119,12 M. Davon wurden 17 906,76 M. von einzelnen Verbandszahlstcllen an ihre Zentralkasse abgeliefert. Von dem verbleibenden Rest kamen 15 955,68 M. oder 52,8 pEt. aus die sechs größeren Streiks, die in der ersten Hälfte des laufenden Jahres in Etnttgart statt- hatten. An Vermögen besaßen die Lokalkassen der Stuttgarter Gewerkschaften am 1. Juli 1396 80 341,69 M.; davon besaßen die Buchdrucker 14 000 M., die Handschuhmacher 4677, die Buch- binder 4100, die Brauer 4000 und die Maler 1000 M. Die Errichtung eines Arbciter-SekretariatS wird, wie die„Buchbinder-Zeilung" mittheilt, auch in Stuttgart ge- plant. Die Buchbinder MlinchenS haben ihre Forderungen in den in betracht kommenden größeren Geschäften fast überall be- willigt bekommen, so daß nur ein Theil die Arbeit niederzulegen brauchte. Da bei den Kleinmcister» die Saison noch nicht be- gönne» hat, wurde dort von der Arbeitsniederlegung vorläufig abgesehen. Die Bewegung der Magistratsbeamten Wien« hat be- reits ein Opfer zu verzeichnen. Der Beanite Sepper, der die traurigen Arbeitsverhältnisse derselben öffentlich besprochen hat. ist vom Bürgermeister Lueger, dem bekannten Führer der Antisemiten, entlassen worden. Soziales. Ueber eine gefnndheitfchützende Erfindung wird uns ans Solingen miigethcilt: Die Schleiferei ist bekanntlich eines der gesundheitschädlichsten Gewerbe. Nach amtlichen Er- Mittelungen vom Jahre 1374 gingen nicht weniger wie 83,5 pCt. der Schleifer vor dem 50. Lebenszahre zu gründe, während von der übrigen männlichen Bevölkerung des Solinger Industrie- bezirks nur 46,2 pCt. vor dem 50. Lebensjahre starben. Eine der allergefährlichsten Arbeiten ist das Egalisiren der neuen Schleifsteine. Der technische Ausdruck dafür lautet:„Ritzen", eine Arbeit, die durch ihre riesige Stanb-Ent Wickelung sozusagen lähmend auf die Organe des Körpers wirkt und fast regelmäßig mehrere Tage ganz besondere Beschwerden verursacht. Umsomehr ist es zu begrüßen, daß der bei der Firma I. A. Henkels be- fchäftigt« Ingenieur Herr Otto Sasse einen Apparat erfunden hat, wodurch die Gefährlichkeit des„Ritzens" vollständig gehoben wird, da bei der Anwendung desselben dem Arbeiter fast kein Atom Staub mehr zu nahe kommt. Die Firma I. A. Henkels sowohl wie Herr Ingenieur Sasse verzichten im Interesse der Allgemeinheit auf die Geheimhaltung der Palentirung dwser für die Arbeiter so wichtigen Neu- Euirichtnng. die vor einigen Tagen zum ersten Male in wirklich überraschender Weise funktionirt hat. Hoffentlich werden die Schleifereibesitzer durch die Gesetzgebung gezwungen, den Apparat einzuführen. Aus grund folgender Beschreibung wird dessen Anfertigung leicht vor- zunehmen sein: Um den Ritzstaub abzuführen, ist zunächst ein kräftig saugender Exhaustor erforderlich, der mit möglichst weitem Saug- rohr an dem, dem Stein umgebenen Staubkasten anzuschließen ist. Der Staubkaften ist so groß zu machen, daß der Stein voll ständig eingeschlossen und für den Ritzklotz in der Länge und Breite noch genügend Platz ist. Der Staubkasten muß mög- lichst leicht und zerlegbar angefertigt werden, damit derselbe binnen wenigen Minuten um den zu ritzenden Stein aufgestellt werden kann. Der Staubkasten hat seitlich zwei und an der Stirnseite eine Doppelthür, die durch Federdruck in jede gewünschte Stellung gebracht werden können, um so die Rihstelle zugänglich zu machen und durch Tageslicht zu beleuchten. Die Doppelthüren, wenn schräg gestellt, haben außerdem den Zweck, die beim Ritzen fortfliegenden Sandstückchen, ebenso den fortgeschleuderten Staub aufzufangen, erstere fallen zu Boden, letzterer wird durch die atmosphärische Luft in den Staubkasten gedrückt, weil innerhalb desselben durch den Exhaustor ein luftverdünnter Raum hergestellt und unterhalten wird und wird so der Staub durch den Exhaustcr nach außen abgeführt. Sollte durch den ins Freie geführten tHitzstaub die Nachbarschaft belästigt werden, so ist der Staub in eine Staub- kammer zu leiten und durch zerstäubtes Wasser niederzuschlagen. Der Krastbedarf für de» Betrieb des Exhaustors stellt sich auf ca. 1�/4 Pferdestärken. Durch die Entfernung des Ritzstaubes aus den Schleifräumen hat außerdem der Fabrikant einen wesentlichen Vortheil, indem die Riemen, Lager und sonstigen Triebwerke von dem Rstzstaub nicht niehr angegriffen werden können, folglich die- selben eine längere Haltbarkeit erlangen. WachSthum der Gewerbe in Stuttgart. Das Stutt- garter„Neue Tageblatt" veröffentlicht folgende Statistik der gewerblichen Betriebe Stuttgarts, die sich auf den Zeitraum 1371—1896 erstreckt: 1871 Buchdruckereien.., i. 25 Buchhandlungen..... 71 Cigarrenfabrike»..... 121 Cigarren- u. Tabakhandlungen 46/ Galanterie-, Porteseuille-, Spielwaareu-Fabriken und Handlungen..... 30 Garühandlungen..... 21 Gas- und Wasserleitungs-Geschäfte....... 5 Holz- und Kohlenhandlungen 52 jbleiderhandlungen.... 21 Papier-, Kunst- u. Musikalien- Handlungen..... 46 Schuhwaaren-Handlungen.. 4 Schuhmacher...... 326 Biklualienhündler.... 188 Konditoren....... 86 Friseure........ 25 Hasuer........ 85 Gipser und Zimmermaler.. 75 Kleidermacheriunen.... 62 Küfer......... 38 Kutscher........ 57 Schlosser 74 Schneider....... 306 Schreiner....... 146 Stuckaieure, Bildhauer... 16 Uhrmacher....... 38 Weinhändler...... 34 Schenkwirthschaften.... 421 Die Zahlen sind jür 1371 Hartmann Stuttgart, für 1396 dem Stuttgarter Adreßbuch entnommen. Im Jahre 1871 zählte Stuttgart 91 623 Einwohner, nach der am 14. Juni 1895 vorgenommenen Beruss- und Gewerbezählung zusammen mit Berg, Gablenberg und Heslach 153 811. Zustände in Halbafien. Unter diesem Stichwort schreibt die österreichische Zeitschrift„Arbeiterschutz" über die Willkür- lichen Praktiken der Verwaltungsbehörde» in G a l i z i e n: Die Delegirtenwahlen zu der Bezirks-Krankenkasse in Przemysl mußten zweimal vorgenommen werden. Das erste Mal wurden sie annullirt. Die zweite Annullirung— die trotz Ehrenwortes des Bezirkshauptmannes von Przemysl, Statt- haltereirathes Gorccki, von eben diesem Herrn durchgeführt wurde ist noch interessanter, so echt galizisch. Die Wahlen wurden von der Leitung der Kasse im Einvernehmen mit der Behörde durchgeführt. Nur eine Liste war da— und natürlich siegte diese. Den Protest brachte ein Baumeister ein. Die Arbeiter warteten geduldig. Da sollte der Kaiser nach Przemysl kommen. Ein Gerücht ging durch die Stadt, daß die Arbeiter, denen das Herumspringen mit ihnen zu bunt wurde, demonstrativ an diesem Tage in Streik treten würden. Dies erfuhr der Bezirkshauptmann, berief das Wahl- komitee der Arbeiter und erklärte ihnen unter Ehren iv ort, daß er die strikte nach dem Gesetze durchgeführte Wahl bestätigen werde. Die Arbeiter gaben sich zufrieden. Eine Woche später wurde die Wahl dennoch annullirt. Bäcker und Brotprcise. Ans Zürich wird uns ge- schrieben: Der Polizeidirektor Zuppinger der Stadt St. Gallen, der nicht, wie dies in anderen Ländern der Fall ist, sein Sinne» und Trachten auf die Verfolgung der Arbeiterbewegung zu richten hat, beschäftigt sich fleißig mit gemeinnütziger Sozial st ati st ik und hat schon einige recht bemerkenswerthe Arbeiten veröffent- licht. Die neueste Arbeit ist in dem III. Quartalshest der„Zeit- schrift für schweizerische Statistik" enthalten und behandelt die " r o t p r e i s e im K a u t o n S t. G a l l e n während der Zeit vom 7. Februar 1895 bis 6. Februar 1896. Dem Texte sind 3 große Zahlen- und 2 graphische Tabellen über die Getreide- und Brotpreise während des Berichtsjahres beigegeben. Die Vergleichung der Weizenpreise vom 7. Februar 1895 mit denen vom 6 Februar 1696 ergiebt, wie beim Brote überall eine Preis- steigcrung und zwar beträgt sie bei Ausstich Theiß 1 Fr.(— 5,12pCt.) Prima Ungar 75 pCt.(4 pCt.), guten ungarischen Mittelsorte» 50 Cts.(2,6 pCt.), bei rumänischen 1,25 Fr.(7,6 pCt.) und bei amerikanischem Weizen 4 Fr.(25,7 pCt.). Die gleichzeitigen Preisschwankungen des Brotes unterscheiden sich darin wesentlich von denen des Getreides, daß sich dessen höchste Preisstufe nur auf 4 bis 5 Wochen, die des Brotes aber auf 14 Wochen aus- dehnte. Auf den Durchschnitt berechnet beläust sich der Preis des 21l» Kilo-Weizenbrotes am 6, Februar 1895 auf 84,58 Cts., am 5. Februar 1898 auf 86,96 Cts. und der Ausschlag auf 2,38 Cts. oder 2,82 pCt. In 64 Gemeinden des Kantons trat ein Brotaufschlag ein von 1 bis 6 Cts., in einer Gemeinde da- gegen ein Abschlag von 4 Cts. und in 5 Gemeinden ein solcher von 2 Cts. ei». Diesen Brotabschlag bewirkte die Errichtung einer Genossenschafls- Bäckerei. Mit dieser Einrichtung und der darin liegenden Tendenz der Konsumenten, gegen die Bäckerringe Repressalien zu übe», meint Herr Zuppinger, wird vielleicht ein Theil unserer Kleingewerbetreibenden in das Ge- dränge, ja möglicherweise in die Gefahr des gänzliche» Unter- ganges gebracht, was zu bedauern fei.„Andererseils ist aber in dem Vorgang vielleicht auch nur die Nemesis dafür zu er- blicke», daß die Bäcker die günstige und unbestrittene Stellung, welche sie den Konsumenten gegenüber einnehmen, zu lange und zu stark ausnutzten. Sei dem, wie ihm wolle, rechnen wird die Bäckerei, die Müllerei und der Getreidehandel mit diesem neuen Faktor früher oder später müssen."— In der Schweiz bestehen aller Orten Bäckerringe, die bei Ausschluß fast jeder Konkurrenz eine Monopolstellung einnehmen und de» Konsumenten Brot- Wucherpreise diltiren. Vevsammlungen. Ueber die Sozialreform und die Handelsangestellte» sprach Genosse Singer am Montag in einer gut besuchten Versammlung der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, die im Keller'schen Saale abgehalten wurde. Wenn seitens der Handels- angestellten— so begann der Redner— der Kamps für Besserung ihrer wirthschaftlichen Lage noch nicht mit demselben Eifer betrieben wird, wie von den Arbeitern; wenn die Organisation der Handlungsgehilfen— bei aller Anerkennung des gutens Willens und der Einsicht Einzelner— noch nicht so umfassend ist, wie die der Arbeiter, so liegt das daran, daß die Handelsaugestellten in ihrer Mehrzahl sich noch für eine zwischen der Arbeiterklaffe und dem Unternehmerthum stehende Mittelschicht halten, deren Interessen nicht mit denen der Ar- beiter zusammenfallen. Diese Auffassung hatte eine gewisse Be- rechtiguug in früheren Zeiten, wo die Angestellten noch im Haushalt des Chefs Unterkunft hatten, und ge- wisserinaßen als mit zur Familie desselben gehörig angesehen werden konnten, zu jener Zeit, wo die Gehilfen noch mehr oder minder begründete Aussicht halten, selbständig zu werden. Heute dagegen, wo auch die Haudelsangestellten. genau so wie die Arbeiter, nichts sind als Ausbeutungs- instrumente in der Hand des Unternehmers, wo auch sie, ebenso wie die Arbeiter nur als Lohnsklaven angesehen werden, wird der eherne Gang der Entwickelung auch den Handelsangestellten die Augen öffnen über ihre wirth- schaftliche Lage, und sie zu der Erkenntniß bringen, daß sie sich, gleich ihren Klassengeuosse» in Fabrik und Werkstatt, organisiren müssen, um im gemeinsamen Kampf für Besserung ihrer meist recht traurigen Verhältniffe dem Unternehmerthum Zugeständnisse abzuringen, die ihnen freiwillig nicht zugebilligt werden. Der Redner ging nun ausführlich auf den Entwurf des Handelsgesetz- buches ein, dem man za zugestehen könne, daß er gegenüber de» jetzigen gesetzlichen Bestimmungen das Bestreben dos Fort- schreitens auf sozialem Gebiet zeige, der aber in der Hauptsache noch weit zurückbleibe hinter dem, was man vom Standpunkt einer vorurtheilsfreien Ausfassung des, Verhältniffes zwischen Chef und Angestellten forder» müsse. Auch durch diesen Entwurf gehe der Zug, der sich in der gesammten Sozialgesetzgebung bemerkbar mache: wenn den Arbeitern gewisse Rechte eingeräumt worden sind, dieselben dadurch illusorisch zu machen, daß durch Ausnahmebestimmungen zahlreiche Hinterthüren offen gelassen werden, durch welche die Unternehmer das bischen Arbeiterfchutz wieder hinausbefördern können. Ein Hauch sozialen Geistes durchwehe den Z 57, welcher bestimmt, daß der Unternehmer die Arbeitsräume:c. so einzurichten hat, daß Leben' und Gesundheit, sowie die Sittlichkeit der Angestellten nicht gefährdet werden. Die Aufsicht über die Ausführung dieser Bestimmungen sei der Polizei über- tragen, während man im Interesse der Angestellten Handelsinspektoren nach Art der Fabrikinspektoren mit dieser Funktion betrauen sollte. Der Entwurf setze eine Minimal- Kündigungsfrist von einem Monat fest: diese Bestimmung werde jedoch dadurch hinfällig, daß sie nicht gelten solle für An- gestellte, die nur zur Aushilfe engagirt sind. Es sei anzu- nehmen, daß die Prinzipale, denen die vierwöchentliche Kündigung unbequem ist, nur noch ihr Personal„zur Aushilfe" annehmen würden. Auch die Fälle, in denen eine sofortig« Kündigung erfolgen kann, bedürften einer präziseren Festsetzung. Ebenfalls sei eine Bestimmung in den Entwurf auszunehmen, welche eL verhindert, daß die Angestellten durch geheime Zeichen in ihren Zeugnissen als mißliebige bezeichnet werden könnten. Bor allem müsse aber die berüchtigte Konkurrenzklausel beseitigt werden. Durch eine planmäßige Agitation sollten die Handelsangestellten dahin wirken, daß der Entwurf in ihrem Sinne umgestaltet werde. Zum Schluß kennzeichnete der Redner die Stellung, welche die bürgerliche Gesellschaft zu den sozialen Reformen«innimmt, und führte unter anderem als drastisches Beispiel die seitens der Unternehmer gegen die Sonntagsruhe und gegen den Achtuhr« Ladenschluß betriebene Agitation an. Namentlich gegen den letzteren sei ja sehr viel agitirt worden. Wenn fich auch die An- gestellten mit aller Kraft für den Achtuhr-Schluß ins Zeug gelegt hätten, so wäre diese Sache doch garnicht so viel werth. Man solle für dieselbe agiliren, nicht, weil sie etwas besonders Werth- volles sei, sondern nur, um bei dieser Gelegenheit zu zeigen, daß selbst so kleinliche und unbedeutende Reformen auf den heftigsten Widerstand der bürgerlichen Kreise stoßen. Der Redner schloß mit der Aufforderung an die Zuhörer, sich zunächst gewerkschaft- lich zu organisiren, um ihre Lage nach Möglichkeit bessern zu können, dann aber auch sich der Sozialdemokratie anzuschließen, derjenigen Partei, welche im politischen Kampfe gesellschaftliche Einrichtungen herbeiführen wird, die jedem, welcher arbeitet. auch ein menschenwürdiges Dasein sichern. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine Diskussion, rn der zunächst ein freisinniger Redner gegen die Sozialdemokratie und deren Fürsorge für die Handelsangestellten sprach. Er erklärte sich als Freund des Achtuhr-Schluffes, derselbe solle jedoch nicht gesetzlich eingeführt werden, sondern jedem überlaffen bleiben, es so zu machen, wie es ihm beliebe. Die nachfolgenden Redner M a a ß und Lippmann sowie Singer fertigten den Herrn unter der Heiterkeit der Versammlung treffend ab. Singer entgegnete unter anderem auf eine Aeußerung Lippmann's, den Achtuhr- Ladenschluß betreffend, daß die Sozialdemokratie, wenn dem Reichs- tage ein dahingehender Entwurf vorgelegt werde, dafür stimmen würde, jedoch könne sie nicht eine so unbedeutende Reform be- antragen. Ein von der Sozialdemokratie gestellter Antrag be- züglich Verkürzung der Arbeitszeit könne nur die allgemeine Einführung des Achtstundentages für alle Arbeiter zum Ziele haben. Die Versammlung nahm eine Resolution an, welche sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt und die Einführung des Handelsgesetzbuches mit den von der sozialdemo- kralischen Fraktion vorgeschlagenen Aenderungen fordert, wobei das Hauptgewicht auf Beseitigung der Konkurrenzklausel und Einführung eines gesetzlichen Geschäftsschlusses auf grund der Vorschläge der Reichs- Kommission für Arbeiterstatistik mit mindestens zwölsstündiger Ruhepause gelegt wird. Eerner erkennen die Versammelten an, daß die Interessen der andelsangestellten nur durch die Sozialdemokratie energisch und wirksam vertreten werden. Gleichfalls angenommen wurde eine Resolution, welche der Firma W. Hagelberg die Mißbilligung der Versammlung aus- drückt, weil dieselbe einem Angestellten sofort kündigte, welcher auf einer Sammelliste für den Streik der Steindrucker und Litho- graphen einen Beitrag gezeichnet hat. In einer öffentlichen Versamtnlung der Posamenticrc, die am 17. Oktober tagte, diskutirte man über die Zweckmäßig- keit einer Lohnbewegung. In dieser Saison will man von einem Lohnkampf Abstand nehmen, dagegen soll für die nächste Saison eine rege Agitation zur Erringung der neunstündigen Arbeitszeit. einer Lohnforderung von 27 M., Abschaffung der Akkordarbeit und 50 pCt. Zuschlag für Uebersiuuden entfaltet werden. Nach dem Bericht des Delegtrten der Gewerkschaftskommisston wurden zum Schluß die Anwesenden ersucht, in ihren Reihen recht eifrig zu gnnsten der Lohnbewegung zu agitiren. I« einer öffentlichen Versammlung der Händler u n d H ä n d l e r i n n e n, die am 23. Oktober bei Renz in der Nauuyustraße tagte, gab Schröder den Thätigkeils- und Rechenschaftsbericht der Agitatiouskomniission. Nachdem aus Antrag der Revisoren der Agitatiouskomniission Decharge ertheilt war, erfolgte Neuwahl derselben. Gewählt wurden: Haupt und Müller. Zu Revisoren wurde» Göritz, N a l j e und Schnitze ernannt. T r u n s ch schloß seinen im Namen der Boykotikommission gegebenen Bericht mit dem Ersuchen, den Boykott über die Firma Pretzel auszuheben. Hieran schloß sich eine längere Debatte, in der hauptsächlich ein Vertreter dieser Finna di« Geduld dtt ZuhSrenden ziemlich«rfchSpfend in Anspruch nahm, oft den größte» Unmuth der Versanun- lung hervorrief»nd eine Vertagung nothwendig machte. CchließUch wurde gegen eine wesentliche Minorität die Aus- Hebung der Boykotts über die Firma Pretzel beschlossen, während der Boykott über die Firma Hoffmann u. Sohn weiter bestehen bleibt. Den Punkt: Die Polizeiverordnung von Berlin, betreffend den Straßen- und Kleinhandel", beschloß man wegen vorgerückter Zeit als ersten Punkt der nächsten öffentlichen Versaminlung zu setzen. Ten Schluß bildete eine ganze Blnthenlese von Klagen und Beschwerden über die Polizeiorgane. Eine öffentliche Versammlung der Steinsetzer«nd BernfSgenoffen» zu der auch die Meister eingeladen waren, tagte am Sonntag bei Cohn, Benthstraße. Zunächst referirte Genosse Keßler über:„Der Gesetzentwurf betreffend die Organisation des Handwerks". Der Redner schilderte das Wesen der Innungen in den früheren Jahren, ihre Leistungen und ihre Aufgaben, und das Verhalten gegenüber den Gesellen, dabei betonend, daß die Verhältnisse der Meister zur Zeil als der Handwerksbetrieb noch vorherrschend war, durchaus keine so glänzenden waren, als man sie gegenwärtig zu bezeichnen pflegt. Der Redner beleuchtete sodann die gegenwärtigen Pro dultionsverhältnisse, die den Kleinmeister, der mit dem Groß kapital konkurriren soll, in eine allerdings nicht beneidens- iverlhe Lage gebracht hat. Bestärkt durch die Versprechungen der bürgerlichen Parteien. glaubt ein Theil dieser Kleinmeifter durch gesetzliche Mittel eine Verbesserung ihrer Verhältnisse herbeizuführen. Diesen Motiven, besonders aber, um gegen die Sozialdemokratie eine Phalanz zu bilden, scheint di« Handwerkervorlage entsprungen zu sein, deren Be- stimmungen keineswegs dazu angethan sind, das Handwerk vor seinem Untergang zu retten. Da die übergroße Mehrzahl der Meister keine Neigung verspürt hatte, sich den Innungen anzuschließen, trotzdem denselben die Privilegien der Lehrlings- ausbentung, Einrichtungen von Schiedsgerichten, Krankenkassen ,c. verliehen wurden, versucht man in den Zwangsinnungen das Heil. Der Redner behandelte einige Bestimmungen des Gesetzes, ver- wieS auf die behördliche Bevormundung und Kontrolle, der die Organisation unterworfen ist. sodaß noch mehr als bei den jetzigen Innungen die Behörde der eigentliche Leiter ist und giebt der Ueberzeugung Ausdruck, daß nach wie vor das Groß- kapital, das ja überhaupt außer dem Rahmen der Zwangsorgani- sation steht, die Macht über das Kleinhandwerl ausüben wird. Redner kommt zu dem Schluß, daß das Gesetz in bezug auf das Großkapital ein Schlag ins Wasser ist, die Arbeiter aber werden es verstehen, die Handhaben, welche das Gesetz giebt, sich zu nutze zu machen. In der hierauf folgenden Diskussion führt Herr Sch link an, daß drei bis vier Kapitalisten die Uebermacht in der Innung bereits erlangt haben, was ihn veranlaßt hat. sein Amt i» der Innung niederzulegen. Der Redner richtet die Anfrage an den Referenten, auf welche Weise das Großkapital zu beseitigen sei. Genosse Keßler beantwortete die Frage mit dem Hinweis auf die Geschästspraktiken, die Produktionsverhältnisse u. f. w. dahin, daß in der heutigen Gesellschaftsordnung an eine Beseiti- gung deS Großkapitals weder durch sogenannten gesetzliche» Schutz des Mittelstandes noch sonstige Bestimmungen zu denken ist, sondern erst dann beseitigt wird, wenn an stelle der privat- kapitalistischen Gesellschaftsordnung die sozialistische tritt. K n o l l kritisirt daS Verhalten der Innung, die cS verschmäht hatte, mit der einzigen legalen Vertretung der Arbeiter, der Lohnkommisston, zu verhandeln und spricht sich im Gegen fatz für einen entschiedenen Protest gegen das geplante Gesetz aus. in welchem Bestimmungen enthalten sind, die die Einrichtungen der Organisation der Arbeiter den Innungen übertragen. Der Redner empfahl eine Resolution zur Annahme, in der das Aussichtslose dieser gesetzlichen Maßnahmen gegen- über dem Handwerkerstände hervorgehoben»nd die Vorlage als arbeiterfeindlich gekennzeichnet wurde. Herr JnnungSmeister Dell os weist auf das gute Berhällniß hin, das nach seiner Meinung bisher zwischen Meister und Geselle» bestanden hat und ersucht die Anwesende», treu zur Innung zu halten. Nachdem Müller noch in treffender Weise den Jndiffercntismus der Kleinmeister, die nach ihren ganzen Verhältnissen in die Reihen der Sozial- demokratie gehörten, gekennzeichnet hatte, wurde die Resolution Knoll einstimmig angenommen. Hierauf referirte K n o l l über die gegenwärtige Lage des Berliner Steinsetzgewerbes. Zum Schluß berichtete Markgraf über die Thätlgkeit der Gewerkschaftskommisston. In einer öffentlichen Versammlung der Schuhmacher, die am Montag in der Viktoria- Brauerei, Lützowstraße, tagte, referirte Schuhmacher Kohle über die allgemeine Arbeitslostg keit. Die Aussührungen des Redners, der die Eutwickelung der Industrie, das Wesen der privatkapitalistischen Gesellschafteord- »una mit ihren Ursachen und Wirkungen in eingehender Weise schilderte, wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Dem Vortrag folgte»ine rege und lehrreiche Diskussion, a» der stch Diener, Weber, Ham macher, Christensen und Schmidt im Sinne des Referats belheiligle». Es konnte konstatirt werden, daß die Organisation der Schuhmacher im letzten Jahre, im Zusammenhang mit den verschiedenen erfolg- reichen Lohnkämpfen, eine ganz bedeutende Zunahme von Mit- gliedern zu verzeichnen bat. Es fällt dies um so mehr ins Ge- ivicht, als es ganze Kategorie» in diesem Berufe giebt. melche für die Organisation auf grund ihrer erbärmlichen wirthschastlichen Verhältnisse fast nicht mehr zu gewinne» sind. Die Umwälzung in der Schuhmacher-Jndnstrie ist gegen- wärtig eine so eminente, wie sie in anderen Berufen kaum zu tage getreten ist. Flickschuster, kleinere und große Schuhwaaren- Geschäfte, das rasstnirteste Zwischenmeister-System und die sich immer mehr ausbreitende Großfabrikation stehen im wilden Konkurrenzstreit. Gin wahrlich trauriges Bild wurde von einzelnen Rednern über die Zustände bei de» Klein- meistern, die in ihren Kellerlöchern ihr Leben fristen, entrollt. Nahezu bis auf die Lebenshaltung der Weber im Eulen- gebirge ist ein großer Tyeil der Gesellen, die gezwungen sind in den Kellerfpelunke» zu arbeiten, herabgesunken. Wie die Arbeits- räume, so sind die Schlafräume in de»»»eisten Fälle» uugefunde, sanilätswidrige. Die Löhne entsprechen diesen traurigen Zuständen und betragen nicht selten 12— lg M. pro Woche bei 12— lsstündiger Arbeitszeit. Charakteristisch für die Zustände im Schuhmachergewerbe ist di« Thatsache, daß seit Jahren die Lehrlinge au« denzurllck- gebliebenen Provinzen aus kleinen Orten herangezogen»verde» »missen, da sich j» Berlin und anderen großen Städten außer von den Waisenhäusern niemand findet, der sich diesem Beruf»vidmen will. Bon allen Rednern»vurde zum Anschluß an die Organisation, den Verein deutscher Schuhmacher. ausgefordert und der Werth der Organisation den Anwesenden klar gelegt. Besonders die noch besser gestellten Arbeiter »vurden ermahnt, in jeder Weise ihre Pflicht zu thun, um schließlich durch gemeinsames Vorgehen auch denen zu helfen, die durch die ungeheuere Ausbeutung auf das tiefste Niveau herabgedrückt wurden. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß am Sonntag ein gemüthliches Beisammen- fein bei Cohn, Benthstraße. und am Montag eine Versammlung i» den Arminhalle». Kommandantenstraße, stattfindet und zum regen Besuch eingeladen. Die Stellmacher nahmen in ihrer Mitgliederversammlung am IS. Oktober den Kaffenbericht entgegen. Mit einem vor- haudenen Bestand betrug die Einnahme 377,03 M. und die Aus- gäbe 56 M. Unter Verschiedenem w»rde angeregt, an den Magistrat ei»« Eingabe zu richten, in der verlangt»vird, der Magistrat möge seinen Einfluß dahin ausüben, daß die Hälfte der zu bauenden elektrischen Wagen»n Ben»» hergestellt»verde». Ter Deutsche Holzarbeiter- Verband(Bezirk.SO.) beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 19. d. M. mit Werkstatt- angelegenheju». Eingeladen waren die Arbeiter aus mehreren Werkstätten, die auch zum theil erschienen waren, bisher aber der Organisation fern standen. Tost legte ihnen das unsolldarische ihres Handelns dar und wendete sich besonders gegen die Ueber- zeitarbeit. Sodann wurde die Werkstatt-Kontrollkommission dl»rch Stuck, Sägebrecht, Klinkner, Mende, Pelz und Hornig ergänzt.- Der Deutsche Holzarbeitcr-Vcrbaiid(Bezirk W. und S.W.) hatte am 19. Oktober eine Versammlung anberaumt, in der Herr Rein einen Vortrag über Nationalökonomie hielt. Zur Be- sprcchung der Werkstatt-Angelegeuheiten waren die Arbeiter einiger Werkstätten eingeladen. Besonders»vurde den Arbeitern, die der Einladung gefolgt waren, das Verderbliche der Ueberstunden- arbeit vorgeführt. So»vurde konstatirt, daß in einer Werkstatt 27—36 Ueberstunden von den dortBeschästigte» geleistet wurden, eine Mittheilung, die allgemeine Entrüstung in der Versammlung hervorrief. Die Organisation»vird diesen Uebelstand, der sich gegenwärtig stark einbürgert, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu beseitigen suchen. Die chirurgische Branche hatte am 20. d. M. eine Sitzung anberaumt, in ivelcher der Kassenbericht vom letzten Quartal ver- lesen»vurde. Danach beträgt das Vereinsvermögen 670,30 M. Hierauf sprach das Mitglied Erb über die politische und geiverk- schnftliche Organisation. Da der Referent unter rnrderem die Herausgabe von Gewerkschaftsblättern für unnöthig hält, wendeten sich Heller und S ch u st e r dagegen,»nit dem Hinlveis, daß die Gewerkschaftspresse für die Agitation sehr nützlich sei, da man nicht an zedei» Ort politische Tageszeitungen habe. Laut Beschluß der Septemberversanimluug wurde den während des Streiks bei der Firma Dewitt u. Herz ans dem Verein ans- geschlossenen Mitgliedern, mit Ausnahme von Krause u. Mauer- hoff, der Eintritt in denselben wieder gestattet. Zcntral-Krankenkasse der Maurer(Grundstein zur Elniy. keit). In der Generalversammlung am 25. Oktober wurde die Abrechnung vom 3. Quartal verlesen, der folgendes z» entnehmen ist: Die Einnahnien betrugen niit einem vorhandenen Bestand von 3509,98 M. 84 695,35 M.; dem stehe» inkl. einer Ueber- »veisung an die Haupikasse in Höhe von 11 000 M. an Ausgaben 31 259.69 M. gegenüber. Es bleibt mithin ein Bestand von 3435,35 M. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 396S und er- folgten 183 Ausnahmen. Nach einem interessanten Vortrag des Herrn Dr. C h r i st e l l e r über Entstehung der Tuberkulose »vurde unter Kasscuangclegeuheit einem Autrag, die Zahlstelle von Waldemarstr. 65 nach Nannynstr. 36 bei Streit zu verlege», zugestimmt. Tie Bilderrahmelimarher waren am Sonntag in den Arminhallen in nur mäßiger Anzahl versammelt. Brandes berichtete krirz über den Verlauf und das Resultat des Streiks. Von 31 Werkstätten wurde in 23 der Neunstundentag vollständig durchgeführt; dasselbe Verhältniß erweise die Lohnregeluug. Außer der Werkstatt deS Obermeisters der Innung. H. W. Röllig, in der nur indifferente Bilderrahme, rmacher beschästigt find. kämen»wch»veiler» sieben Werkstätten in betracht bezüglich Aufrechterhaltung der verhängten Sperre. Ueber jede dieser Werlstätten»vurde einzeln verhandelt und beschlösse», die Sperre über die Werkstatt Christan aufzuheben; bis auf weiteres zu sperren sind dagegen die Werkstätten: Männlich, Greifswaldev straße. Königsberger, Große Frankfurterstraße, Wahl u. Sohn, Behreustraße, Schneider, Blumenstraße. Melhlo»v, Köpnickerstraße, Kasteineke, Krovenstraße und die Werkstatt des Stadlverordneten Rosenoiv, Schmidstraße. Der Beschluß der Versanunlung lautete: „Der Streik der Äilderrahmenmacher ist für beendet zu erklären; der Zuzug nach den gesperrte» Werkstälten ist streng zu meiden." Ferner»vurde der bestehende Beschluß, 1 M. wöchentlich an den Streikfonds abzuführe», dahin inodistzirt, daß dieser Betrag für die ersten beiden Streikwochen giltig resp. von den Säumigen nachzuzahlen ist; von der dritten Woche an bis zum Schluß des Kalenderjahres sind wöchentlich 50 Pf. beizutragen. Für die finanzielle» Angelegenheiten des Streiks wurden zu Revisoren P e, e r s, Röthgen und Brandes bestimmt. Hierauf gab K e l l e r m a'N n in feiner Eigenschaft als Deleglrter der Gewerkschafts. Kominission seinen Bericht und legte sein Amt in die Hände seiner Mandatgeber zurück. Darauf- hin wurde Brandes in die Gewerkschasts- Kommission delegirt. Zum Schluß wurde bekannt gegebe», daß die Berufs- angehörigen in einer Anzahl Werkstätten sich ihren übern ommeiien Pflichten bezüglich der Beitragsleistung zu entziehen gesucht hätten, und daß gerade unter diesen Zugeknöpften sich eine Reihe Kollegen befänden, die bei Inanspruchnahme der Streikunter- stutzungsgelder tapfer zugegriffen haben. Einer Anregung, dem jüngst im„Vorwärts" erschienenen Ruse bezüglich Abhaltung eines Kongresses lokalorgauistrter Gewerkschaften näherzutreten, wurde mit der Erklärung begegnet, daß man erst nähere Er- kundigungen hierüber einziehen möge. Die an Holzbearbeitungö- Maschinen«nd auf Holz- Plätzen beschäftigten Aebeitev hielten am Sonntag eine öffent- liche Versa, nmlnng im„Schützenhause" ab. Zu Revisoren des Vertrauensmannes wurden Stein, Pankow und Hage» dorn gewählt. Unter„Gewerkschaftliches" entstand eine längere Debatte über den schon in Verbandsversammluiigen besprochenen Anschluß der Holzbearbeitungsmaschinen> Arbeiter an den Deuischen Holzarbeiter- Verband. Pankow und B u ch h o l z waren nicht sür den unbedingten Anschluß, weil ihre Organisation in der gegenwärtigen Gestalt leistungsfähig genug sei, was der Streik in ihrer Branche bewiesen habe. Durch den An- schluß könnte die Bewegungsfreiheit der Maschincnarbeiter be- einträchtigt und diese von de» Tischlern ins Schlepptau genommen werden, was man schon deshalb nicht billigen könne, weil sich die Tischler im allgemeinen nicht gerade kollegialisch gegen die Maschinenarbeitcr benehmen. Wen» der Verband der letzteren nicht mehr lebensfähig sei, meinte Buchholz, dann könne man immer „och den Anschluß in Erwägung ziehen. Er sei dagegen, würde sich aber der Mehrheil fügen. Stein, Zimpel und verschiedene andere Redner traten für den Anschluß ein, indem sie daraus hinivicsen, daß der Zusammenschluß zu Industrie- verbände», der auch aus dem Gewerkschastskongreß empfohlen morden sei, das Ziel der Arbeiierorganisalionen sein müsse. Der Erfolg des Streiks sei nicht der Macht ihrer Organisation, son- der» vielmehr de» günstigen Umständen zu danken. Wenn sich die Maschinenarbeiter nicht dem Holzarbeiter-Verbande anschlössen, würden sie wohl nie mehr einen Lohnkamvf erfolgreich durch- führen können. Wenn über das unkollegialische Verhallen der Tischler geklagt werde, so möge man bedenken, daß ein solches Venehineii doch nur von eiiizeliien geübt werde, und daß auch dieser Uebelstand am besten abgestellt werden könne, wenn mau mit den Tischlern in demselben Verbände vereinigt sei. Mariendorf. Der hiesige Arbeitcr-Bildungsverein hielt am IS. d. M. bei Teutschbein rn Marienfelde eine gut besuchte Generalversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende den Geschästs- bericht verlesen Halle, nahm die Versammlung den Kassenbericht vom letzten Quartal entgegen. Danach betrugen die Einnahmen 64,84 M., die Ausgaben 45,45 M., bleibt Kassenbestand 19.39 M. Bei der hierauf vollzogenen Sieuivahl des Vorstandes wurden Otto und Wolfs", Beisitzer; Heinrich, R e i che und Bravem an n. Revisoren. Am Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden zur regen Betheiligung an den Lese-Abenden auf. Es ließen sich alsvann noch 10 Genossen in den Verein ausnehmen. Schöncbcrg. Am 18. d. M. fand hier eine Versammlung des Verbandes der Bauarbeiter statt. Ter Kassenbericht, der zur Verlesung gelangte, weist eine Einnahme von 20.33 M. niio eine Ausgabe von 4.69 M. auf; von dem Neberschuß sind 13,25 M. an die Zentralkasse gefandr Znm Schluß gelangten einige Ver. baudsangilegenhetteii zur Erledigung. Echöneierg. In der am 19. Oktober stattgehabten Der« sammlung des Arbeiter-Bilduiigsvereins hielt Genosse Calver einen Bortrag über den vom Pfarrer Naumann vertretenen nationalen Sozialismus. Die Diskusston, die sich dem rnteressantei» Vortrage anschloß, bewegte stch im Sinne des Referats. Nachdem einige Vereinsangelegenheiten zur Kennt,, iß genommen, erfolgte um 11 Uhr Schluß der gutbesuchten Versamnilung. Chc.rlottenbnra. In einer Versamnilung der Bauarbeiter die an, 20. Oktober tagte, referirte Maurer G r ö p p l e r über „die Gewerkschaftsbewegung und ihre nächsten Aufgaben". Der Vortrag, der darin gipfelte, den Werth und die Bedeutung der gewerkschastlichen Organisation darzulegen, fand in der Ver« samnilung rege Zustimmung und wurde von einer Diskussion Abstand genommen. Nach einer kurzen Schilderung über d,e Aufgabe des Gewerkschaftskartells wurde Karl Hornig zum Delegirte» und John zum Stellvertreter gewählt. Den Schluß der Versammlung bildete eine längere Besprechung über dl« Miß- stände auf einzelnen Bauten. Rixdorf. Hier tagte am 20. d. M. in den Viktoriasalen die Generalversammlung des deutschen Holzarbeiter-Verbandes, die stch mit Verbandsangelegenheiten beschäftigte. O st ermann theilte den Anwesenden die Abmachungen des Hauptvorstandes bei Beendigung des Etuhlmacherstreiks in Lauterberg mit. Sämnitliche Diskussionsredner verurlheilten das Verhalten der betreffenden Kommission auf das entschiedenste und gelangte so- dann folgende Resolution zur Annahme: Die Generalversanim- lung spricht ihr tiesstes Bedauern darüber aus. daß die Dreier- Komnnssivn bestehend aus L c i p a r t. zweiter Vorsitzender des Ber- bandes, R ö s k e- Hamburg und W o l t m a n n- Hannover, den Streik der Stuhlarbeiter in Lauterbcrg und Umgegend sür beendet erklärt haben, nachdem der Kampf so schwere Opfer gefordert und durch Zusammenhalten der Streikenden ein sicherer Sieg in Aussicht stand. ES handelte sich um die Erhaltung des Koalitionsrcchts, das von den Fabrikanten mit Füßen getreten somit den Streikenden entrissen wurde. Ferner erachtet die Versammlung die Unterschrist des Eintrittsreverses als eine Schmach sür die Mitglieder des Holzarbeiter-Verbandes und spricht die tiefste Entrüstung darüber aus, daß den Fabrikanten zugestanden wurde, die Entfernung des Leiters des Streiks binnen 14 Tagen aus Lauterberg zu verlangen. Di« Versamm- lung erachtet es als dringend nothwendig, daß der Haupt- vorstand m Stuttgart sich in dieser Angelegenheit äußert.— tierauf erstattete der Kassirer den Kassenbericht wie folgt: erbandskasse: Einnahme 427,84 M., Ausgabe 333,35 M., bleibt Bestand 89,49 M. Lokalkasse: Einnahme 289,10 M.. Aus- gäbe 191,10 M.. bleibt Bestand 98 M. Die Mitgliederzahl beträgt 230. Unter„Verbandsangelegenheiten" stellte T h r u m den Antrag, das Mitglied Reinhold Arndt ans dem Ver- band auszuschließen. Die Versammlung beschloß demgemäß. Im weiteren gab der Bevollmächtigte die Namen der Streik- brecher bekannt. T h r u m und einige andere Redner bedauerten das Verhalten des Mitgliedes August Zimmermann, der in einer gesperrten Werkstatt arbeitet. Im Anschluß daran gelangte folgender Antrag einstimmig zur Annahme: Den in ver ge- sperrten Werkstatt in Arbeit stehenden Kollegen ist eine Frist zu gewähren, um ihren Akkord fertigstelle» und ihr Arbeits- verhältniß lösen zu können. Nachdem noch der Bevollmächtigte die Wcrkstatt-Verlrauensmänner an ihre Pflicht gemahnt hatte, jeden Freitag vor dem 1. des Monats im Lokal bei Max Hoff- mann zu erscheinen, erfolgte der Schluß der Versammlung. Weistensee. Der Arbeiterverein für Weißensee und Um gegend hielt am 20. Oktober seine Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Kassirers beträgt der Kassenbestand 272,35 M. bei einer Mitgliederzahl von 331 Personen. Der Bücherbestand der Bibliothek ist auf 94 Bände angewachsen und wurde der Vorstand beauftragt, weitere Schritte zur Vergrößerung derselben zu thun. Der Kassirer und die Bibliothekare wurden entlastet. Den ausgesperrten Gasanstaltsarbeitern überwies die Versamm- lung 50 M., außerdem soll in der nächsten Woche«ine neue Broschüre uiiter die Mitglieder vertheilt werde». Die Vertheilung geschieht an den Zahlabenden durch die Beisitzer. Zun, Schluß richtete der Vorsitzende einen kräftigen Appell an die Mitglieder, auch fernerhin für das Wachsen des Verein? energisch einzu- treten. Charlotteuburg. Im Lokale Bismarckshöhe fand am 21. Oktober die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für Tellow-Beeskow-Storkow-Eharlottenburg statt. De», Kassenbericht des Genossen Dörre war zu entnehmen, daß die Einnahme im III. Quartal 250,21 M., die Ausgabe 194,45 M. betrug, so daß 55,76 M. Ueberschuß als Bestand bleibt. Nach dem Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes, den der Vorsitzende Sellin gab, schritt man zur Neuwahl des Vorstandes. Gewählt wurden Nötiger zum ersten, E i s e» m« t h zum ziveiten Vorsitzenden; Dörre zum ersten, Pauls zum zweiten Kassirer; Sch lecks zum Schriftführer. Unter Veretiisangelegenheiten wurde von Görke folgender Zusatzantrag zun, 85 des Statut? gestellt: 8 5 a. Wenn ein Mitglied, entgegen der Verpflichtung, an de» Arbeiten des Vereins und der lsZartei, als Flugblätter verbreiten u. s. w., zweimal nicht theilnimmt, kann es von der Mitgliederliste gestrichen werden. Nach längerer Diskussion, in der von seile» Görke'? die Rothwendigkeit der stramnicrei, Fassung gerade dieses Paragraphen betont wurde, machte sich andererseils die Meinung geltend, daß mehr an das moralische Gesühl der Genossen appellirt werden müsse, als zu Zmangsmaßregcln zu greifen,»nd so wurde dieser Antrag bis zur nächste» Versammlung vertagt. Ein Antrag des Vorstandes, der besagt, daß Vorstandsmitglieder, die dreimal hintereinander in de» Vorstandssitzunge» ohne Entschuldigung fehlen. ihres Amies verlustig gehen, wurde angenommen. Dörre beanlragt, daß, da jetzt die finanzielle Lage des Vereins stch etwas gehoben hat, die Bibliothek, die seiner Zeit Umstände halber verkauft werden mußte, wieder zurück- gekaust werde; das fand allgemeine Zustimmung und Annahme. Ein Antrag Sporer, die Diskutir-Abende alle 14 Tage abzuhalten, wurde abgelehnt, dagegen ein Antrag, in nächster Zeit eine Statistik über die de» verschiedenen Gewerkschaften angehörende» Mitglieder zusammenzustellen, dem Vorstande zur Erwägung überwiese». In bezug ans den Besuch der„Urania", der wegen zu geringer Thcilnahme mit einem großen Defizit abschloß, ist von der Direktion ein e»t- gegenkommendes Anerbiete» gemacht worden, und wird von Görke beantragt, dieses in Erwägung zu ziehe». „n, gelegentlich Gebrauch zu machen. Prill regt an, im 6. Bezirk noch eine Zahlstelle einzurichten. Nachdem Be- diirfniß anerkannt»vurde, hat Gastivirth Ernst Röhr, Gülhc- straße 67». dieselbe übernonmien und wurde dies von der Ver- sammlung bestätigt. Das Arrangement sür das diesjährige Stiflungssest des Wahlvereins wurde einem Komite von 5 Mit- gliedern überwiese». Krb»tt»r-pild,ing«tchul». Mittwoch Abend von»— ,0?; Uhr: Südost s ch u l e, waldemarstr. u:©etcliicfite(Alte Geschichte. Urzeit. Entstehung der Neltgtonen. Orientalifchc Völker. Griechen und Römer). Herr Dr. C. Pinn.— N o r d s ch u l e, Brunnenstr. M: Deutsch(Die deutsche LUerntur de« neunzehnten Jahrhundert».— Aussahlehre). Herr Heinrich Schulz. Die Schulräume find zur Benutzung der«idltothek und de» retchen Zeit- schltstenmaiertal» schon von s Uhr abend» an geöffnet. Ardritrr-»ö»g«rh»«>d Berlin» und Untgegend. vorfitzender Ad.«-»- mau», tpaseivalkerstr. 8. Alle Aenderungen Im Beretn»kalender find zu richten an strtcdrich Kortum, Manreufselslr.«», v. 8 Dr. AtD-it-r- Zjii»»ch«,b»,>d««»Ii»»>>»d tlni»«g»nd. Aenderungen Im Bercinskaiender sind zu richlen an Karl Stiller, Kleine Frankfurter- straße Nr. 7. l Dr. K»»d der gesellig,,, Zirbeiterverei»» Kerlin« ,,„d ZI,»gegend. Alle Zufchristen, den Bimd betreffend, find zu richten an Hermann Jahn. Schönhauser Allee 177 o. xa»d«,»«»„schuft der Kchlegiuls-Vvlfteiiier. Heute, abend» sz Ubr. Zusammentnnft der«andsleute mit graue» t» Zech'» Mestanrant. Kom- maiidantenlir. 10— u; Vortrag de« Herrn Dr. Elernbera über:„Lungen- lraiilhcilcu".»„ u Longfellow, Fnglish Cooversaiinnn'.-£ Resding-Club. Meeting cvery Wedaofeday, 9 o'ciock»t Tettenborns, 9, WaU-Strect. Guests are welcome. Für dr»J»l»ilt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Veranttvortnnq Theater. Mittwoch, den 28. Oktober. «pernhana. Lohengri». Kcha»lviell»an». Die Karolinger. Dentsche» Tl, enter. Morituri. berliner Tl/enter. Die offizielle Frau. Ziestdenz- Theater. Der Stellver- treter.(Le Rempla�ant.) Vorher: Opus L Aesstng Theater. Kollege Crampton. Theater des Westen». Minna von Barnhelm. Diene» Theater. Bocksprünge. Vorher: Treptows Abschied. Zichiiler- Theater. Ein Ehrenwort. Zentral-Theatrr. Eine wilde Sache. Thatin-Theater. Rrüna LaUerioa. (Naison laraxonin.) Kelle- Altianee- Theater. Mamsell Vielliebchen. Volk«- Theater. Ein vorsichtiger Mann. Zum Schluß: Pladdera- dautz. Theater Unter de« Finden. Der Pnmpmajor. Die Bajadere. Vstend- Theater. Der deutsche Michel. Friedrich Milhelmstädt. Theater. Tilli. Aleranderplah- Theater. Ohne sittlichen Halt. Kaufmann'» UarittS. Spezialitäten- Vorstellung. Ztpollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. cZevtral-'I'keAter. Alte Jakobstr. 30. Direktion: Richard Schnitz. Emil Thoma« a. G. Mittwoch, den 28. Oktober: Zum 39. Male: Gine wilde Sache. Große burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von W. 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