Nr. 10. der in Nr. an de Droscl Der vo Droich Droich be Bei rgebene fft. Dit erie von en Verein genftern geute in des hie Morgens wortlich ware Banwal Beiftänd nern 25 290 un Sourier e antis gte Bla durch di er Hand Theodd Artikel rgenfter ihre A wie feiter ins dere Tiirt. S Dienstag, 13. Januar 1885. II. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Boltsblatt" 99 erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Feftiagen. Abonnementspreis für Beclis frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 f. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illuftr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Insertionsgebühr beträgt für die 8 gespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inferate werden bis 4 thr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncens Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Bimmerftraße 44. Der Reichstag und die Parteien. Nationalliberale und Konservative haben es sich zur Der Uebe Aufgabe gemacht, in der Preffe und in Versammlungen eitens möglichst den Reichstag zu schmähen und herabzusetzen. Es 382 te erinnert bas an jene zwei bayrischen Müllerburschen, die orgenste abe Tat sich gleichfalls in sehr unehrerbietiger Weise über den Reichstag ausgesprochen hatten und zu deren Bestrafung die NeVerfahre gierung die verfassungsmäßige Zustimmung des Reichstages Durd verlangte. Allein der Reichstag lehnte nach einem Referat Artikel des Dr. Alexander Meyer unter allgemeiner Heiterkeit die verfehe Bestrafung der beiden Missethäter ab, da er mit Recht anentur de nahm, daß er durch ein Wirthshausgespräch zweier oberfisleitu bayrischen Müller nicht beleidigt werden fönne. In der den jüngsten Entzüftungs- Kampagne find jene beiden groben bernab Müllerburschen durch die offiziösen und nationalliberalen gute re Blätter in den Schatten gestellt worden; eine Fluth von Derbeiträg fel ist Schimpfworten hat sich über das Parlament ergossen, die im Jahr selbst die ältesten und zungenfertigsten Fischfrauen und von ihn Höferinnen zur Bewunderung hingerissen haben muß. Wird haben un die Regierung auch die Zustimmung des Reichstages zur mehr v Verfolgung der konservativen und nationalliberalen Presse fentlicht begehren, um die Ehre des Reichstages zu wahren? Nun, dem Ge der Reichstag würde sicherlich auch in diesem Falle seine Fräule Bustimmung verweigern, denn die deutsche Nationalvertre 3 gefolge tung als solche steht denn doch thurmhoch über Angriffen Behauptung Diefer Art. Das heißspornige Auftreten der Nationalliberalen gegen eine B r, fonden den Reichstag macht in allen Punkten den Eindruck der muroe Uebertriebenheit. Hat doch in einer Entrüstungs"-VerBuwenbur fammlung zu Stuttgart ein nationalliberaler Abgeordneter sabtheilu nach den Berichten von Stuttgarter Lokalblättern heth fich dahin ausgedrückt, er wage es eigentlich faum, in einer e. Die nationalliberalen Versammlung zu erscheinen. da er dem rgeordne ne umfa Reichstage angehöre, dessen Majorität den Beschluß vom it der 15. Dezember gefaßt habe! Was hinderte diesen musters Der Wah haften Nationalliberalen übrigens, sein Mandat niederen wurden " Nationalliberalismus finden soll, ist sicherlich dadurch nicht gestiegen, daß hinter den Nationalliberalen gleich der nicht gerade rühmlich bekannte Herr Liebermann von Sonnenberg auf der Bildfläche erschien und den sogenannten Reichsmit tag" den gewohnten groben Schmähungen überhäufte. Nun, es wird sich trotz alledem kein Wahlkreis finden, dessen Wähler etwa Lust haben könnten, dem Herrn Liebermann v. Sonnenberg ein Mandat zu übertragen. Wir gehören sicherlich nicht zu den überschwenglichen Veeehrern des Reichstages, wir sind von den Leistungen feiner Majorität gar nicht sonderlich begeistert und die Schwächen des Repräsentativsystems überhaupt sind uns vielleicht klarer als manchen anderen Leuten. Allein man mnß den Reichstag doch als den populärsten Faktor unserer gefeßgebenden Gewalten auffassen und Jedermann wird sich fagen: Unter den heutigen Verhältnissen ist es besser, daß wir diesen Reichstag haben, als daß wir keinen haben." In den Resultaten des allgemeinen Wahlrechts kommt wenigstens im Allgemeinen die Vollsstimmung zum Ausdruck und daraus könnten die Herren Nationalliberalen schon entnehmen, daß fie gar kein Recht haben, sich als die zigen Repräsentanten des deutschen Volkes zu geberden. 99 Beamten, Bankdirektoren, Advokaten und Journalisten; eine Volksbewegung aber steht nicht hinter dem Nationalliberalismus. Der gänzliche Verfall dieser Partei ist nur noch eine Frage der Zeit. Sie thäte am Besten, ganz in den Konservativen aufzugehen, dann brauchte sie das von ihr so sehr in Mißkredit gebrachte Wort liberal" auch nicht mehr anzuwenden. Politische Uebersicht. Schutzzoll oder Freihandel? Diese Frage giebt noch immer zu lebhaften Distufionen Anlaß und gegenwärtig ganz besonders deshalb, weil in nächster Beit die Erhöhung der Kornzölle den deutschen Reichstag beschäftigen wird. Den Lands wirthen muß geholfen werden! Das ist die Barole, mit der man diesen Feldzug für Verdoppelung oder gar Verdreifachung des Getreidezolles beginnt. Ein Schutzzoll" soll es sein, um ben angeblich bevorstehenden Verfall der Landwirthschaft zu verhindern. Sonderbar und höchst auffallend erscheint aber diese Agitation für die Landwirthe immerhin, und auch dann noch, wenn- wie wir annehmen wollen ein Theil derfelben sich in einer schlechten Lage befindet. Denn auf ins eindustriellem Gebiete ist die Situation ebenfalls teine glänzende und die Landwirthe haben gewiß noch keine Ursache, den industriellen Arbeiter zu beneiden. Die Lage der Industrie- Arbeiter bedarf viel dringender der Auf befferung, als die der Herren von der Landwirthschaft, ausgenommen die ländlichen Arbeiter. Wenn An diesem deutschen Reichstag ist gewiß viel zu tadeln und noch mehr an seinen Vorgängern. Allein mer trägt denn die Schuld daran, wenn die Sympathien der Voltsmassen für die Nationalvertretung bis zu einem gewissen Grade geschwunden sind? Doch Niemand mehr, als gerade die Herren Nationalliberalen, die zur Zeit ihrer Macht alles nur Mögliche gethan haben, das Ansehen ves Parlaments zu schwächen und seinen Einfluß herabzumindern. Hat vielleicht die bekannte Kompromißpolitit des Herrn v. Bennigfen dazu beigetragen, das Ansehen des Reichstags zu. erhöhen? Das behaupten nur die Nationalliberalen selbst. Wiffenfchaft legen und damit seinem Rummer ein Ende zu machen? Charakterlosigkeit zu einer Parteitaltik zu erheben. Das nwurden Ist es schon jemals dagewesen, daß eine parlamentarische fursmanen Rörperschaft als solche von einer einzelnen Partei, die Jacoby boch zahlreich darin vertreten ist, nur deshalb so sehr ange Tr. Sadfeindet wurde, weil eben diese Partei nicht die Majorität Aussagen dem Parlament besaß? Raum; wenn übrigens die it folgend Nationalliberalen hoffen, durch den Terrorismus, wie sie November hn gehandhabt haben und der sich an einzelnen Orten bis zur thätlichen Mißhandlung politischer Gegner verstieg, auf Wund elben un pie öffentliche Meinung und den verlorenen politischen EinBaffiva luß wieder für sich zu gewinnen, so sind sie im Irrthum. Sabres auf iner Gavon werden sie sich jetzt vielleicht schon selbst überzeugt nstern zwaben. Und der Geschmack, den das deutsche Volk am Verein tr Morge ist eben nachdruck verboten.] titen babe en ftets bo chte Wa Geschä ne mehr mals ein in hat wüßten Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dug. ( Forsetzung.) ,, Dachte ich mir's doch gleich, daß Sie nichts davon Anfänglich habe ich geglaubt, daß diese 1. gewa Maßregel auf den Schulbesuch der ärmeren Kinder nicht terflügun pon so großem Einfluß sein würde, da ja die meisten Arterſtügunbeiter in Feldau so fituirt sind, daß sie das Schulgeld für Betrag ahre Kinder bezahlen können; allein als die beträchtliche hof eracht Schmälerung der Löhne hinzutrat, da stellten sich die Fällen niftrafe vlimmen Folgen dieser Maßregel in abschreckender Weise er Vertreraus." t Das kann ich mir denken," sagte Rodenburg. Ich anke Ihnen, daß Sie mir Mittheilung darüber gemacht. sch werde Anstalten treffen, daß die Maßregel sofort res bies. Blaresfirt wird.... Wie nur Herr Harder dazu gekommen t? Er muß das auch gegen das Wissen meines Freundes Amberg angeordnet haben, denn dieser, als Prediger, th unrichtürde eine solche Ersparniß am allerwenigsten gebilligt Ehrlich schüttelte den Kopf. verweifumaben." worden, en uns mitg Die Nationalliberalen sind diejenige Partei, die für Alles zu haben ist; es giebt in der That auch nichts, was sie jemals ernstlich abgeschlagen hätte. Es hat eine Zeit gegeben, da diese Partei bemüht war, die politische hat denn auch Wirkungen gehabt, aber ganz andere, als bie nationalliberale Partei erwartete; das Volt wendete sich ab und die Partei zerfiel. Sogar Herr v. Bennigsen hielt die nationalliberale Sache gegenwärtig für so unmöglich, baß er die Flinte ins Korn warf. Und nun machen die Herren trotz alledem einen solchen Spektakel, indem sie sich geberden, der Reichstag sei ganz überflüssig, so lange er nicht eine nationalliberale Majorität habe. Aus Volkswahlen wird eine nationalliberale Majorität nimmermehr hervorgehen. Die Herren mögen sich also etwas mehr ruhig Blut zulegen. Das nationalliberale Gebiet erstreckt sich heute wohl noch über eine Klique von Sie sind jetzt nicht so wohl berathen, wie damals, so meine ich nur, daß Diejenigen, welchen Sie jetzt das Res giment übergeben haben, nicht ganz so in Ihrem Sinne handeln, wie es Brand und Lucie thaten." " " Mein Himmel, ist es nicht genug," rief Rodenburg aus, daß das Schicksal mich beirog in allen meinen Le benshoffnungen! Soll ich auch noch von Denen betrogen werden, welche sich meine Freunde nennen?" Zwölftes Kapitel. Die Unterredung zwischen Herrn Rodenburg und dem alten Ehrlich, in Folge deren das Barometer Amberg's bedeutend in's Sinten gerieth, wurde durch einen Zwischenfall ganz unerwarteter Art unterbrochen. Eine Extrapost chaise fuhr auf der Rampe des Schlosses vor, und als Charlotte zum Empfange der Angekommenen erschien, sab fie am Wagenschlage einen Mann stehen, mit einem langen Rock, der ihm bis auf die Knöchel herabreichte, in gelben Stulpenstiefeln und einem Hute mit einer seltsamen Kokarde. Er trug über dem Arm eine Reisetasche und einen Plaid, mit der anderen Hand öffnete er den Schlag, indem er gleichzeitig respektvoll seinen Hut zog. Aus dem Fond des Wagens stieg ein sehr fein ge= leibeter Herr im Reiseanzuge, welcher sich in gebrochenem doch die Herren Agrarier auch einmal ihre Stimme zu Gunsten ihrer Arbeiter im Parlamente erheben wollten! Aber in dieser Beziehung herrscht über allen Wipfeln Ruh. Und doch wäre das gewiß sehr nöthig, denn die ländlichen Arbeiter, welche doch zum größten Theil ihr Brod laufen müssen, werden von dem Segen des Schußzolls auf Korn taum etwas verspüren, wohl aber höhere Brodpreise zahlen, resp. sich mit tieinerem Brode zufrieden geben müssen. zufrieden geben müssen. Die„ Nordd. Allg. 3tg.", welche bekanntlich einen streng schutzölnerischen Standpunkt einnimmt, brachte vor einigen Tagen einen Artikel, aus welchem hervor gehen soll, daß in dem von den Freihändlern stets als corpus delicti für die herrlichkeit ihres Prinzips zitirten England, eine weit größere Summe durch Bölle auf relativ nothwendige Bedürfnisse aufgebracht wird, als in den übrigen Staaten Europa's. Für das Jahr 1881, das legte, über welches die Zahlen vollständig vorliegen, steht die Sache so: Einfuhrzölle Litr. Desterreich Ungarn Rußland Deutschland Frankreich Großbritannien und Frland • Bevölkerung 2 950 000 37 786 346 83 659 321 8 887 000 45 334 001 9 349 000 37 221 186 13 096 000 35 003 789 19 210 000 Hierzu bemerkt die genannte Beitung: Alle diese Länder mit Ausnahme von England sind schutzzöllnerisch, werden von dem Cobden- klub als abschreckendes es ihr oblag, die Honneurs des Hauses zu machen, so unterzog sie sich bei diesem vornehmen Besuch dieser Pflicht mit einer ganz besonderen Sorgfalt. Mit ausgesuchter Bu vorkommenheit bewillkommnete sie den Fremden. Habe ich die Ehre, die Tochter des Herrn Rodenburg zu sehen?" fragte der Fremde. " Nein, mein Herr," erwiderte Emmy ein wenig verlegen, nicht die Tochter, nur eine Verwandte des Herrn Rodenburg. Er hat mich mit der Leitung seines Haus wesens betraut, da er stets kränklich und ganz allein ist, und mir liegt die angenehme Pflicht ob, die Gäfte des Herrn Rodenburg willkommen zu heißen und zu sorgen, daß ihnen der Aufenthalt in Feldau so angenehm wie möglich sei." Sehr freundlich, meine Dame, sehr liebenswürdig," sagte der Fremde galant, ohne indessen in dem stereotypen Ernst seiner Züge die geringste Veränderung eintreten zu lassen. Haben Sie die Güte," für Emmy fort ,,, unserer Wirth schafterin zu folgen. Sie wird Ihnen ein Zimmer anweisen, und ich werde sofort den Onkel Nobenburg von Ihrem Besuch in Kenntniß seßen." Ich weiß nicht, ob Sie Herrn Harder allein beschulbat, fofen dürfen... Zu der Zeit, als Brand noch die Ver- Deutsch an die sehr ehrerbietig knigende Wirthschafterin daß derselbe krant ist. af 14 tagialtung hatte, und Fräulein Lucie Rodenburg Ihr Vercauen besaß, da wären dergleichen Maßregeln unmöglich 1g Sie sind jetzt Berlaffenicht so gut berathen, wie damals." ren fönn efeges Au B, sofern hören. Rodenburg schwieg eine Weile nachdenkend, dann seufzte tief auf und sagte: wandte: Schloſſe?" Treffe ich Herrn Rodenburg anwesend in seinem " Ja wohl, mein Herr!" antwortete sie zuvorkommend. Herr Rodenburg ist immer zu Hause Kränklichkeit und Widerwillen gegen alles Reisen hindert ihn überhaupt, " Ich mag es nicht glauben.... Diejenigen, welchen das Schloß zu verlassen. Diejenigen, welchen das Schloß zu verlassen. Wollen Sie die Güte haben, vertraute, täuschten mich. Sollten auch Diejenigen, näher zu treten, damit ich Sie zuvörberst in ein Bimmer fübre!" Einschreibe mir jetzt Freundscheft beweisen, nicht ehrlich sein?.. t, kann die ist unmöglich!" en wir nißte dem alten Freunde aufrichtiges Mitleiden ein. in ber Sie vor be Wieber schwieg er, und seine niedergeschlagene Miene Herr Rodenburg," sagte er, ich habe Niemanden verichtigen wollen, daß sei ferne von mir. Wenn ich sage, Der Kinng des Posthorns hatte auch Emmy herbeigerufen; diese war nicht weniger erstaunt als Charlotte. Daß sie es mit einem sehr vornehmen Herrn zu thun hatte, sah sie auf den ersten Blick, und ebenso erkannte sie das Fremdartige in seinem und des Bedienten Aeußern. Da Ich danke Ihnen, Miß! Mein Aufenthalt hier wird und Herrn nicht lange sein, und ich will Sie Rodenburg nicht belästigen, um so weniger, da ich höre, Ich lernte vor einem Monat in Berlin einen Herrn kennen, welcher, wie ich hörte, fich hier aufhält." Ah!" rief Emmy erfreut, welche sich in diesem Augenblick erinnerte, daß Herr sich Amberg vor einem Monat ia in Berlin aufgehalten habe und annahm, daß ber Fremde teinen Anderen als ihn meinen tönnte, „ Der Herr, von welchem welchem Sie sprechen, ist mein Ontel." " So so, sehr erfreut! Ich komme hierher, um diesen ehrenwerthen und vortrefflichen Herrn zu sprechen. Selbstverständlich mache ich auch Ihrem Verwandten, Mr. Rodenburg, meine Aufwartung... Haben Sie die Güte, ihm den Lord von Killmare zu melden." Beispiele vorgeführt, als Verächter deS glorreichen Evangeli« umS, welches angeblich England die unschätzbare Woblthat zollfreier Einfuhr gewährt Hai. Wie wurden diese 19 Millionen Lstr. in der gesegneten Heimalh deS Freihandels 1881 aufgebracht? Von Tabak.......... 8KS8 947 Lstr., „ Thee.......... 8865720„ „ Branntwein........ 4443 607" , Wein.......... 1376 219„ „ Aaffee.......•.. 200 000„ „ Kakao, petrollneten Früchten, Bier u. a. Artikeln......- 665 022„ Summa... 19 210 466 Lllr. Von dem deklarirten Werth« betrugen die Zölle bei Wein, dem Luxus der Reichen, 3,7 pCt., bei Kaffee, den der Wohl- habende trinkt, 4,1 pCt.. bei Thee, dem Tröster der Mittel- klaffen, 36,6 pCt., bei Branntwein, in dem der arme Mann Erheiierung und Vcrgeffen sucht, 222,2 pCt., bei Taback, dem Freunde Aller. 310,9?6f." Wenn diese Statistik auf richtiger Grundlage beruht, wo- ran wir nicht zweifeln wollen, dann liefert fie allerdings aufs Neue den Beweis, daß die Freihändler durchaus keine Ursache haben, sich auf das..fteihändlerische" England, als das Land, welches feine guten wirlhschaftlichen Vcrhältniffe dem Frei- Handel zu verdanken habe, zu berufen. Für die Tendenz der „Rord.Allg.Ztg." sprechen diese posttiven Zahlen durchaus nicht, fie liefern im Gegentbeil den Beweis, daß— wie dies genannte Zeitung selbst anerkennen muß— diese ungeheuren Summen zum größten Theil von den Mittelklaffen und dem armen Manne aufgebracht weiden. Unter solchen Umständen gehört doch aber ein gewiffer Muth dazu, für derartige Zölle zu plai- diren und dieselben als„Schutzzölle" hinzustellen! Und oben- ein noch iür Kornzölle, welche ein absolut nothwcndiges Be- dürfniß, das Brod, verlheuern.— Wir haben gewiß keine Ursache von der sog. Freihandelspartei die Volkswohlfahrt zu erwarten, der Freihandel an und für sich rbuis gewiß nicht; es können sogar Fälle eintreten, welche einen Schutzroll gerecht- fertigt erscheinen loffcn.— Aber gegen die sog.„Schutzzölle" auf absolut nothwendige Bedürfnrffe müffen wir uns unter allen Umständen erklären. L.___'•-** Ueber die Vorgänge in Kamerun liegt noch folgende Nachricht vor: Die Kriegsschiffe„Bismarck" und„Olga" lang- ten am 18. Dezember in Kamerun an und landeten am 20. daselbst 330 Mann mit vier Kanonen, weil Hickorptown und Foßtwn den„König"Bell verjagt, die Kaufleute bedroht und Belltown verbrannt hatten. Hickorytcwn wurde bei geringem Widerstände ohne Verlust genommen. Ein Offizier der„Olga", welcher erfahren hatte, daß die Foßleute Woeimann's Agenren Pantanius gefangen genommen hatten, versuchte mit seiner Ab- tbeilung deffen Rettung. Unter heftigem Feuer landete die Abrheilung in Belltown und stürmte einen 100 Fuß hohen Ab- hang mit Verlust von einem Todtcn und mehreren Verwunde- ten. 60 Mann hielten das Plateau 2 Stunden lang gegen 400 aus Buschwerk feuernde Feinde. Als Unterstützung von der Fregatte„Bismarck" anlangte, wurde Foßtown mit Hurrah gestürmt und niedergebrannt. Inzwischen ermorde- ten die Empörer Pantanius. Am 21. Dezember wurde das verödet« Foßtown abermals best t; am 22. Dezember bombardirte die Korvette„Olga", den Fluß befahrend, Hickorytown. Die Ordnung ist jetzt völlig her- gestellt.— Die„Rat. Zeit." bemerkt dazu:„Nach allen Er- fabrungen darf man hoffen, daß die den Negern ertheilte Lehre nachhaltig wirken und daß eine öftere Wiederholung nicht nothwend'g sein wird.— Wir können unS dieser optimistischen Anschauung nicht anschließen, denn Afrika ist groß und der Reger baut fick in einigen Stunden sein Haus hin. wo eS ihm beliebt. Jn's Innere des Landes kann er nicht verfolgt wer- den, wohl aber zu jeder beliebigen Zeit wieder hervorkommen und Vergeltung üben. Trotzdim hoffen wir auch, daß eine zweite derartige Szene nicht mehr stattfindet, da es wohl nicht schwer halten wird, fich in friedlicher Weise mit den Schwarzen zu verständigen. Noch einmal Tasmanien. Herr Friedrich B u ck ersucht die Redaktion des„Hamb. Konesp." um Aufnahme folgender Zeilen: Gestatten Sie mir, Ihrer Mittheilung in der Abend- Ausgabe vom 7. Januar, Tasmanien betreffend, folgende Berichtigung hinzuzufügen: Die in den fiebziger Jahren durch die Slomon'sche Linie nach Tasmanien expeditten skandlnavi- schen, dänischen und deutschen Auswanderer, welche durch die Anfiedlung von Städten wie„Bismarck" am Sorell Creek und anderen Ricderlaffunaen wohlhabend geworden find, haben die Gelegenheit meines Besuchs in Deutschland benutzt, ihre in der Heimalb zurückgeloffenen armen Verwandten und Freunde, etwa 100 an der Zahl, unter den liberalen Bedingungen der Kolonial-Regierung nachkommen zu lassen, und meine Misston ist, dafür zu sorgen, daß keine Taubstumme, Blinde und fon- stige Arbeitsunfähige fich auf Rechnung unserer Kolonial-Re- gierung durchschleichen. Auf„Vorschub" diesseits nehmen wir leinen Anspruch, und was die von Ihnen angedeuteten„Um- triebe" betrifft, so erlaube ich mir, Ihnen zu bemerken, daß ich Emmy erschrack förmlich, als sie diesen hochklingenden Titel hörte. Mit einer tiefen Verbeugung schied sie in der Thür de« Zimmers, in welches Charlotte den Fremden führte, von diesem und eilte sofort— nicht zu Herrn Rodenburg, sondern zu ihrem Onkel. Awberg saß noch immer über den Rechnungsbüchern und hotte sich nur durch die Klänge deS Posthorns in seiner Arbeit unterbrechen lassen. Da seine Fenster nicht nach dem Garten hinausführten, so konnte er nicht sehen, was dort vorging und war nicht wenig neugierig, zu er- fahren, wer der Besuch sei, der mit der Extrapost in Felda» ankomme..... Daß ihn Emmy sofort benachrlchtlgen würde, hatte er erwartet, und darin hatte er sich nicht getäuscht. Die Thür ward aufgerissen und mit hochgerötheten Wangen flog Emmy herein. Sie nahm sich diesmal nicht die Mühe, einen Blick auf den Sch-eibtisch zu werfen, um zu spähen, ob vielleicht wieder Kontrebande, Briefe und dergleichen dort verborgen sei.... Jbre Aufregung war zu yroß. „Onkel!" rief sie,„Du hast mir verschwiegen, daß Du in Berlin eine so destinguirte Bekanntschaft gemacht hast? Warum nur hast Du mir kein Wort davon gesagt?" „Ich eine distinguirte Bekanntschaft?" fragte er.„Daß ich nicht wüßte!... Ah, Du meinst Herrn Nikodemus Sanftleben?" „O, von dem spreche ich nicht. Laß' mich mit dem widerwärtigen Heuchler in Ruhe---- Nein, ich spreche von dem Lord, den Du dort kennen lerntest." „Einen Lord soll ich kennen gelernt haben? Kind, Du sprichst in Räthseln!" „O, verstelle Dich nicht weiter, Onkel. Der Fremde, welcher soeben mit der Post angekommen ist, ist der Lord von Killmare.... Er behauptet. Dich in Berlin kennen gelernt zu haben." „Ich wüßte wirklich nicht... doch ja," unterbrach er fich plötzlich.... Hm! Ja, ja, es wäre möglich, wie sieht der Mann aus?" weder die Abficht noch den Auftrag habe, Auswanderern, die den Wunsch haben, fich nach„Angra Pequena" oder Reu- Deutschland oder Neu-Guinea»c, zu begeben, irgend welchen Vorschlag zu machen, lieber nach Tasmanien zu gehen.— Da wir unseren Lesern, von der Misston des Herrn Buck, für die Regierung von Tasmanien Auswanderer auszuwählen, Kunde gegeben haben, so wollen wir auch von dieser Erklärung des- selben Notiz nehmen. Ist die Auswanderung ein Zeichen größeren Wohl- standes? Frage wird von dem konservativen„Reichs- boten" folgendermaßen beantwortet:„Es ist doch zu viel ae- sägt, wenn der Reichskanzler ganz allgemein behauptete:„I e besser es uns geht, desto höher steht die Ziffer der Außwanderer." So steht die Sache denn doch nicht. Wenn es dem Manne in der Heimath gut geht, man- dert im Allgemeinen Niemand aus, wenigstens keine Familien; derer, die etwa aus Uebermuth auswanvcrn, weil es ihnen hier zu wohl ist und die darum, wie ein gewisses Thier aufs Eis tanzen gehen, ist doch nur eine kleine Zahl. Es mag ja auch solche Käuze geben; aber fie schnellen die Auswan- derungsziffer nicht um Zehntausende hinauf. Abgesehen von der auswandernden Jugend, so muß man doch sagen, Fami- lien entschließen fich nur dann zur Auswanderung, wenn es ihnen in dertzeimath schlecht geht und fie hier keinen Ausweg zur Besserung ihrer Lage sehen, sei es, was bei den meisten der Fall ist, daß die Schulden fie drücken und fie das Joch der Echuldknechtschaft nicht anders loswerden können, als wenn fie ihr Befiylhum hier verkaufen und mit dem Rest die neu« Welt aufsuchen, sei es, daß sonstige Abhängigkeits- Verhältnisse drückend auf ihnen lasten. Der Mensch, zumal der Deutsche, erträgt die schwerste Arbeit, übernimmt das Ristko des härtesten Existenzkampfes in dem fremden Lande, wenn er dadurch seine Freiheit und Selbstständigkeit hofft erreichen zu können. Da- gegen läßt fich nichts sagen, das bestätigt die Eifahrung aller Zeiten: Wenn der Mensch dem Druck der Verhältnisse nicht mehr gewachsen ist, dann sucht er fich ihm zu entziehen. Will man ihn in der Heimath zurückhalten, dann muß man ihn in der Erleichterung der Verhältnisse unterstütze n." Zur Zuckersteuerfrage. Die Erwartung der Zucker- industriellen, daß die Regierung die Herabsetzung der Ausfuhrvergütung auf Zuckcr gleich auf 2 Jahre verlängern werde, scheint fich nicht zu bestätigen. Es läge darin eine ganz überflüsfige Elschwerung der gesetzgeberischen Operation, und für den Fall, daß die Verhältnisse der Industrie fich mittler- weile bessern, eine Erschwerung der finanziellen Reform. Daß der Antrag auf Verlängerung des provisorischen Gesetzes auf 1 Jahr erst gegen Ende der Session eingebracht weiden soll, habe Staatssekretär v. Burchard im Reichstage als die Absicht der Regierung bezeichnet und damit motivirt, daß die Gestal- tung der Verhältnisse abgewartet werden müsse. Vom Reichstaasabgeordnete« Viereck wird neben der Wochenschrift„Das Recht auf Arbeit" eine zweite unter dem Titel„Deutsches Wochenblatt" noch im Laufe dieses Quartals herausgegeben werden. Das Krankenkassenwesen in der Stadt Posen ist— so schreibt die„Schlei. Zeit."—, entsprechend den Bestimmungen des Krankenkaffcngesetzes, bereits vollständig organifirt, und es ist zum 1. Dezember v. I. von den städtischen Behör- den eine beiondere Rendantur mit mehreren Asfistenten für das Krankenkassenwesen eingerichtet worden. Es haben auch alle diejenigen älteren Krankenkassen, welche ihrer bedeutenden Mitgliederzahl wegen unter den gegenwärtigen gesetzlichen Be- stimmungen fortbestehen durften, ihre Statuten im Sinne des Krankentaffengeses abgeändert. Rur bei der Krankenkasse der Maurer hat die Durchführung des Gesetzes besondere Schwierigkeiten bereitet, weil die Betbeiligten sich in jeder Be- ziehung weigerten, die gesetzlichen Bestimmungen anzuerkennen und darauf beharrten, beim Alten zu verbleiben. Besonders stläudten fie fich dagegen, ihr Statut dahin abzuändern, daß fie während des ganzen JabreS Beiträge zahlen sollten, wäh- rend sie bisher nur in den Arbeitsmonaten gezahlt hatten, im Winter dagegen davon befreit waren. Es mußte demnach das neue Statut schließlich ohne Mitwirkung der Maurer aufgestellt werden, eine Maßnahme, die nur diesem Gewert gegen- über in Anwendung gekommen ist. Da ste sich außerdem ge> weigert haben, aus ihrer Mitte Personen in den Vorstand zu wählen, und die alsdann vom Magistrate ernannten Borstands- Mitglieder es verweigerten, ihre Odliegenheiten zu erfüllen, hat der Mogistrat auf Grund des§ 45 des Krankenkassengesetzes den Kaffenbcstand dem bisherigen Kassenführer abgenommen und bei der städtischen Kasse hinterlegt; die Verwaltung der Krankenkasse erfolgt bis auf Weiteres auf Kosten derselben durch einen besonderen Rechnungsführer, welcher die laufenden Beinäge einzuziehen und auf Anweisung des Magistrats die Zahlungen zu leisten bat.— Aus dieser Korrespondenz der „Schlcs. Zeit." ist nicht klar zu ersehen, weshalb sich die Mau- rer geweigert haben. Wenn fie sich geweigert haben, in den Wintennonatm zu zahlen, so ist es jedenfalls unter der Voraus- ficht gesche Ken, daß ste im Winter nichts zahlen können. „Es ist ein großer, sehr hübscher und sehr feiner Herr, nur ein wenig zu ernst und zu gemessen." „Ja, ja," sagte er,„es ist möglich.... Ich er- innere mich dunkel, diesen Herrn in Berlin irgend- wo gesehen zu haben.... Also ein echter Lord meinst Du?" „Natürlich, Onkel! Nur ein echter Lord kann ein so aristokcat'scheS Auftreten haben, und schon seinem Diener sieht man'S an, daß unser Gast ein vornehmer Engländer ist, und galant und freundlich ist er auch." „Ei, ei, Emmy, Du bist ja förmlich begeistert für Mylord." »Ich lcugne nicht, daß der Herr auf mich einen sehr günstigen Eindruck gemacht hat." „Nun, am Ende gelingt e» Dir gar. sein Herz zu er- obern..,. Weißt Du, Emmy, eS wäre eine vortreffliche Parthie. Er hält Dich für die Erbin dieser Güter. Wenn Du dai auch nicht bist, so wäre e» doch nicht unmöglich, daß Du Dir einen Lord zum Gatten angelst, denn da ich Dich wie meine eigenen Kinder theilnehmen lassen werde an der Erbschaft, so bist Du ja eine reiche Parthie, und bübsch bist Du auch.... Vielleicht braucht nur Mylord den Vorwand, mich in Berlin gelernt zu haben.... Viel- leicht hat er Dich einmal irgendwo gesehen und kommt Deinetwegen hierher." Emmy erröthete ein wenig. „O nein, Onkel; ich habe eine so vornehme Bekannt- schaft nie gemacht und bin nicht eitel genug, zu glauben, daß er meinetwegen kommt. Du scherzest ja wohl auch nur.... Oder solltest Du gar dem Sord von Deiner Nichte gesprochen haben?" „Nun, das habe ich zwar nicht, mein Kind; aber«an kann nicht wissen, ob er nicht dennoch von Dir'gehört hat. Jedenfalls werde ich sofort dem Lord meine Aufwartung machen." Charlotte wurde an den Fremden abgeschickt, um ihn zu fragen, ob er geneigt sei, den Herrn Prediger Amberg und seine Nichte zu empfangen, sie kam mit der Meldung zurück, daß Mylord fie«rwarteie.— Während Amberg, seine Nichte am Arm dem Gaste Aufwartung machte, Dem Gesetze muß fick natürlich Jeder, also auch die Mm* fügen, ob aber der Magistrat im Winter die Betträge ei» ziehen kann, das ist eine andere Frage, denn wo nichts ist, W hat auch der Magistrat fein Reckt verloren. AuS Nordschleswig. Der königlicke Landrath des Sonde» burger Kreises, von T'cherschnitz, hat folgende Bekanntmachroy erlassen:„Die Vorstände der Stadt-, Fleckens-, Guts- unl Landgemeinden des Kreises werden ersucht, sofort an alle stt dauernd in ihren Gemeinden aufbaltendm dänisch«» Staatsangehörigen, welche im Jahre 1865 gebor» find, und an die fich dauernd hier aufhaltenden in den Jahr» 1863 und 1864 geborenen dänischen Staatsangehörigen, der» Beachtung im vorigen Jahre aus irgend einem Grunde unte» blieben ist, eine Aufforderung dahin ergehen zu lassen, fit zur Vermeidung demnächstiger Ausweisung aus dem deub schen Reichsgebiet gleich den Militärpflichtigen des Iah» ganges 1835 tn der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Febru« 1885 zur Rekrutirungs-Stammrolle anzumet' den. Bis zum 3. Februar 1885 wollen die Vorsteher mir eil Verzeichniß der oben bezeichneten Personen einreichen und d» dei anzeigen, ob dieselben fich zur Relrutnungs-Ltammrolst angemeldet haben oder nicht."_ Frani seich. Sämmtliche Blätter enthalten Leitartikel über die Frei' fp ech un g der Madame Clovis Hugues. Vielfach wick die Anficht ausgesprochen, die Freisprechung beweise die Rost wendigkeit der Revision des Strafgesetzes, weil die Geschworen«« gezwungen gewesen seien, die Schuldfrage zu verneinen, indes sonst mindestens eine Verurtheilung zu fünf Jahren Zuchthais gegen die Angeklagte hätte erfolgen müffen. Im„Ratio nÄ erklärt es dagegen der republikanische Publizist Hcctor Pessar! für seine Pflicht, angefichts dieses widerlichen Schauspiels, de« wir beiwohnen, ohne Umschweife eine energische Reform b« Gesetze über die Presse, über das Versammlungsrecht soaii über die Geschworenen zu fordern und dadurch die Möglich k« für die Gesellschaft zu verlangen, stch gegen diese Verbrechl zu vertheidigen, welche mit dem Eiien rödten oder mit d Feder morden. Angeblich beabstchtigen zahlreiche Deputirte,'j ganz besonders guten Eindruck gemacht habe. „Verzeihen Sie, Miß," sagte dieser,„daß von vornherein nicht den Namen deS Herrn Brands habe, und so die Veranlassung zu diesem gab.... Da Herr Brand nicht mehr hier zu erbauende Polizei-PrSstdialgebäude abaeden. Es hat »mchgchends hohe Bcgenfenster und ist mit sauberen Back- steinen verblendet. Die Miether in dem zum Abbruch kommen- den fiüheren Arbeitshause find zwar sämmtlich bereits per 1. Januar d. I. gekündigt, doch tonnte bei einigen derselben der Umzug noch nicht bewirkt werden. Es find dies Miether, welche sehr hohe Miethen zahlen und die seinerzeit mit erheb- lichen Unkosten die Räumlichkeiten des Arbeitshauses zu ihren Zwecken brauchbar gemacht haben, aus diesem Grunde kann auch der Magistrat nicht anders, als mit ihnen nach Thunlichkeit Nachfickt zu üben. Doch wird, wie wir hören, mit dem Abbruch begonnen werden, sobald die Stadtverordneten- Versammlung die Genehmigung zum Aus- gebot der Gebäulichkeiten des alten Arbeitshauses enthielt, be- zichungsweise ein Unternehmer zur Abnahme derselben stch gefunden hat, was bekanntlich in Berlin sozusagen im Hand- umdrehen erfolgt. Pferdebahnen und Post. Auf den Pferdcbahnlinien, welche die Bahnhöfe berühren und gleichzeitig in der Nähe von Postanstalten vorüderfahren, ist seit Jahren die Ein- richtung getroffen, dofi zur schnelleren Beförderung der bezw. Briefsendungen ein Eilbotendienst betrieben wird. Rechts vom Kutscher steht auf der Pferdebahn ein Postbeamter mit einem großen Sack. Von den Postanstalten ausgesendete Boten er- warten an bestimmter Straßenecke den Wagen, reichen ihr die Poststücke enthaltendes Packet dem Beamten hinauf, der es in den großen Sack steckt und ihn auf der Bahn abliefert. Auf manchen Touren wiederholt sich dies Schauspiel 10 bis 12 Mal. Das Reichs-Postamt hat nun durch das ganze Reichs- gebiet Ermittelungen darüber ausstellen lassen, in welchem Um- fange die Pferdebahnen zu Post- und Tclegraphendienstzwecken verwendet werden. Das übrigens interessante Material liegt nun vor und zeigt, daß Berlin in dieser Ausnutzung aller denkbaren Verkehrsmittel durchaus nicht mehr allein steht. Wir ersehen aber daraus, daß die Pferdebahn in Berlin auch noch in anderer als vorstehend erwähnter Weise von der Post benutzt wird. Sie hat eine Anzahl ihrer Briefträger auf der Pferdebahn abonnirt, nicht für die Fahrten zwischen den Wohnungen der Briefträger und deren Postbureau, sondern zur Beförderung der bestellenden Boten auf den Bestellaängen zur schnelleren Erreichung der Reviere. In diesem Dienste werden nach dem„Archiv für Post und Trlegraphie" wöchent- lich in Berlin 5075 Fahrten gemacht, im Telegramm- und Eilbcstelldienst 630 Fahrten und in dem Eingangs beschriebenen Postbesörderungsdrenst(zur Beförderung sogenannter Brief- karrenschlüsse) 1005 Fahrten. Die Zahl der hierbei insgesammt zurückgelegten Kilometer beträgt iährlich 326 924 o?er 43 590 Meilen! Da der Umfang der Erde 5400 Meilen beträgt, so würde die von unseren Postboten zurückgelegte Strecke etwa einer nahezu achtmaligen Reise um die Welt gleich- kommen. dl. Die Kochkunst-Ansstellung in der Philharmonie war nach einer vorläufigen Zusammenstellung im Laufe ihrer vier- tägigen Dauer von rund ca. 25000 Personen besucht worden. Das fich daraus resultirende Entree-Ergebniß dürste inklusive des Garantiefonds gerade hinreichen, um die ziemlich namhaf- ten Unkosten zu decken. Die ausgestellten Küchenerzeugnisse find bereits gestern Abend von den Meisten der Aussteller abgeholt, um an die Armen verschenkt res?, vernichtet zu werden. g. Das Genfer Kreuz, welches fich an den Läden einer Anzahl von geprüften Heilgehülfen befindet und dem bUfe- suchenden Publikum anzeigen soll, daß es hier Rath und Bei- stand erhält, bildet, wie bereits mitgetheilt, seit kurzer Zeit den Gegenstand der Aufmerksamkeit seitens der Polizeivehörde, welche diese Kreuze entfernt wissen will. Die bisher gegen diese Maßnahme beim Kgl. Polizei-Präfidium erhobenen Be- schw-rden scheinen erfolglos zu sein, denn es wird mitgetheilt, daß erst am Sonnabend der in der Prenziauerstr. 3 wohnende Hcilgehülfe C. Köhler durch den Polizei-Revier-Lieutenant auf- gefordert worden ist, das an seinem Ladenschilde befindliche Genfer Kreuz zu entfernen. K., welcher dieses Abzeichen bereits ca. 30 Jahre führt, hat seinerzeit die Heilgehilfen Prüfung abgelegt und bereits in unzähligen Fällen der leiden den Menschheit seine erfolgreichen Dienste geieestet. Auch er wird eine Rekursbeschwerde erheben, ob mit Erfolg, bleibt ab zuwarten. g. Ein geradezu grausames Spiel treibt die diesjährige Winter Witterung mit den Pächtem der Eisbahnen. Immer dann, wenn nach Aufwendung großer Kosten durch Begießen der Bahnen mit Wasser zc. deren Eröffnung für den anderen Tag vorbereitet war, trat ein plötzlicher Umschwung ein und maebte das Eis zu Wasser. So auch wieder am Sonntag. Am Donnerstag, Freitag und Sonnabend hatte es prächtig gefroren, keine Mühe war Tag und Nacht gescheut worden, Alles zum Empfang eines großen Publikums für den Sonntag vorbereitet,— da trat sozusagen in der zwölften Stunde Thauwetter ein und Alles war wieder einmal vergeblich.„I ist fast zum Verzweifeln," hört man die Eisbahnpächter sagen, und diese Verzweiflung wird erklärlich, wenn man bedenlt, daß sie bereits Hunderte, ja in einzelnen Fällen sogar Tau- will ich auch nicht weiter lästig sein.... Haben Sie die Güte, mir die Adresse des Herrn Brand zu sagen." „Ich bedauere sehr," antwortete Emmy,„Ihnen diese Auskunft nicht geben zu können. Die Adresse des Herrn Brand ist mir unbekannt." Das war nun freilich eine Unwahrheit; aber Emmy hatte sehr rasch kombinirt, daß, wenn sie wirklich einen guten Eindruck auf den Fremden gemacht haben sollte, der- selbe verschwinden würde, wenn er etwa Brand über sie befragte. Sie hatte den gewiß gerechtfertigten Verdacht, daß Brand keine vortheilhafte Auskunft über sie geben würde.———----------- Obwohl Herr Rodenburg durchaus nicht aufgelegt war, Fremde zu empfangen, da ihm Alles zuwider war, was thn au« sich seihst herausriß, und am liebsten mit sich und seinem Gram allein war, so besaß er doch Noblesse genug, um einem Fremden gegenüber die Pflichten der Gastlichkeit zu erfüllen. Charlotte wurde, sobald sie ihm die Meldung gemacht, beauftragt, den Fremden zu bitten, zur Mittags- tafel zu bleiben. Auch Ehrlich ward zu derselben ohne Weiteres eingeladen, und in seiner Gegenwart wollte Roden» bürg den Fremden empfangen. Amberg und seine Nichte begleiteten den Lord in das Besuchszimmer Rodenburg's. Der alte Herr hieß seinen Gast herzlich willkommen und sprach den Wunsch aus, daß ihm der Aufenthalt in Feldau ein recht angenehmer sein möge. „Mr. Rodenburg," sagte der Lord,„ich habe nicht gewußt, daß Ihre Gesundheit angegriffen ist, ich hgtte sonst sicherlich nicht gewagt, Sie mit meiner Anwesenheit zu belästigen; um so höher aber schätze ich die Freundlich» keit, mit welcher Sie mich aufnehme», und um so mehr davke ich Ihnen für Ihr gütiges Averbieten, mich hier nufhalien zu dürfen, bis ich andere Postpfeide habe, um weiter reisen zu können..... Ohne Zweifel ist Ihnen die Veranlassung meiner Anwesenheit bereits mit- getheilt....« „Man sagte mir," antwortete Rodenburg,„daß Sie .enn Brand hier aufsuchten. Derselbe ist jedoch nicht rehr hier." sende verausgabt, ohne bisher auck nur einen Nickel vereinnahmt zu baben, weil es zur Eröffnung noch gar nicht gekommen ist. Wie stark es noch in der Nacht zum Sonn- abend und am Tage gefroren hat, bewies die Spree, welche, besonders an dm Stellen mit geringem Strom stark zugefroren war. Das Waffer in der Schleuse am Rothen Schloß war über Nacht gänzlich gefroren und bedeckte eine starke Eisschicht. Am Sonntag Vormittag war aber bereits das Eis bis auf das letzte Stück verschwunden. An der technischen Hochschule studiren im Winter- semester 1885—85 574 immarrikulirte Studenten. Von den Studirenden gehörm dem Auslände(Belgien, Griechenland, Rußland, Italien, Schweden. Amerika, Afrika u. f. w.) an: 82. Hospitanten find zur Zeit 168 vorhanden, so daß die Ge- sammtzahl aller Hörer 887 betragt.— Nach dem Statut der Louis Boissonnet-Stiitung für Architekten und Bauingenieure ist für das Jahr 1885 ein Stipendium von 3000 Mark zum Zweck einer größeren Studienreise, und zwar in diesem Jahre an einen Architekten zu vergeben. Als fachwissenschaftliche Auf- gäbe ist das von der Architelturabtheilung vorgeschlagene Pro- gramm gmehmigt worden:„Die für die Baugeschichte des Mittelalters hochbedeutsame Kirche St. Lorenzo in Maitand soll mit den dazu gehörigen Kapellen S- Eisto, S. Jppolito und S. Aquilino. sowie den Resten des Vorhofes genau auige- messen und gezeichnet werden, um aus'dem gewonnenen Ma- teriale eine kunstgeschichtliche Monographie zu veröffentlichen. Ein traurige« Loos ist es, welchem der über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Altgeselle der Berliner Hutmacher, Wilhelm Müller, Landwehrstraße 9 wohnhaft, zum Opfer ge- fallen ist. Müller, welcher bereits 38 Jahre Hutmachergeselle ist und schon seit ca. 20 Jahren an der Spitze der Hutmacher stand, war schon seit einigen Jahren gebrechlich, die Füße vcr- sagten den Dienst, auch war sein Augenlicht sehr schwach, was Wunder, daß er schwer Beschäftigung fand. Ueberall wies man ihn ab, er wäre mit 9—12 Mark Wochenverdienst schon zu- frieden gewesen, da er von der Kasse eine kleine Vergütigung für seine Mühewaltung bekam; aber es wollte ihm nicht mehr gelingen, Arbeit zu erhalten, er wußte es leider zu gut: er war eine verbrauchte Kraft. Trostlos und verzweifelnd brachte er seine Tage zu, bis er am Donnerstag Abend den Entschluß faßte, seinem so überaus trostlosen Arbeiterelend ein Ende zu machen. Er schrieb in seiner Wohnung einen Zettel mit den Worten:„Lebt Alle recht wohl, aus dem Boven findet Ihr meine Leiche." Auf dem Boden nahm er einen vorher gekauf- ten Revolver und erschoß fich. Die gleich darauf nach Hause kommende Ehefrau fand den Zettel, jedoch es getraute fich Nie- wand auf den Boden, bis endlich die herbeigerufene Polizei den leblosen Körper fand. Müller hinterläßt eine Frau und einen erwachsenen Sohn. „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr" scheint die Devise eines Gelvmannes zu sein, wel- cher in der„V. Zig." seinen Kunden die Kleinigkeit von 250 Milliarden Thaler, also 750 000 Millionen Mark, aus Nach- laßmassen, Kirchen-, Staats- und StiftungSkassen zur Verfügung stellt. Was find dagegen alle Schätze des Kiösus, Salomo und aller Rothschilds der Welt? Wenn's nur nicht auch in diesem Falle so ist, wie mit dem alten Neumann, der bekanntlich auch„sieben Häuser und keine Schlafstelle" hatte. Der Prozeß Jahn ist nunmehr in ein weiteres Stadium getreten. Auf Antrag des königlichen Medizinalkollegiums soll nämlich eine sechswöchige Beobachtnng des Angeklagten Gustav Jahn in einer öffentlichen Irrenanstalt erfolgen- Die königliche Staatsanwaltschaft hat daher dieser Tage an den Vertheivigcr des Gustav Jahn, Herrn Rechtsanwalt Dr. Stranz die Verfügung gerichtet, die Ueberführung des Jahn nach der Irrenanstalt von Eorau behufs Vorbereitung des Definitivgutachtens zu veranlassen. g. Auf dem Thurm der Marienkirche am Zieucn Markt scheinen fich seit Kurzem ein paar Stößer häuslich nrederge- lassen zu haben, welche nach Kräften bemüht find, die Tauben- schwärme der dortigen Gegend unausgesetzt zu deunruhigen und eins nach dem andern dieser Thierchen zu erhaschen und zu verspeisen. Diese Jagden in den Lüsten verursachen beson- der? in der Mittagszeit in der Königstraße und der nächsten Umgebung des Neuen Marktes größere Menschenaufläufe und verschwinden diese erst dann, wenn der Stoßer entweder eine Taube mit den Krallen erpackt und fie zum Verzehren nach einem ficheren Wink-l auf den Thurm der Marienkirche ge- schleppt oder er fich nach erfolgtem Operiren ermüdet in sei- nen Schlupfwinkel zurückgezogen hat. Das Schauspiel ist, ob- gleich es zumeist tragisch, d. h. mit dem Tode einer Taube endet, äußerst interessant und fesselnd. Zu bewundern ist oft, mit welcher Geschicklichkeit ein dichter Schwann Tauben bei dem Niederschießen des Stoßeis so zeitig auseinandersttedt. daß der Stoßer die leere Luft durchschneidet. Hat er erst eine Taube von dem Fluae abgebracht, dann verfolgt er nur fie und meisten- theils fällt sie ihm auch zum Opfer. g- Ein Renkontre zwischen mehreren Studenten, welche sämmtlich des Bieres voll gewesen, fand in der Nacht zum Sonntag nahe der Friedrichstraße statt. Hierbei wurde einer derselben, eine Hühnengestalt, von seinen Kommilitonen an „Ich hörte eS bereits! Leider konnte mir Herr Am- berg auch nicht angeben, wo sich der Herr aufhält." „Nicht?" fragte Rodenburg, Amberg ansehend.„Ich dächte, er hätte es Ihnen gesagt, wohin er sich«enden nürde. Sie erfahren aber seine Adresse sicher"— fügte er, an den Lord gewandt, hinzu—„bei meiner Kousine Cor- delia Rodenburg in Wildenhain, sie ist mit Herrn Brand befreundet.— Doch woher kennen Sie meinen ehemaligen Verwalter?" „Ich lernte diesen Herrn in Berlin kennen, und da ich im Spreewalde einen bedeutenden Güterkomplex gekauft habe, so wünschte ich von Herrn Brand zu erfahren, ob er einen zuverlässigen Mann kennt, den ich mit der Verwaltung dieser Güter betrauen kann." „Da würden Sie sich wohl bei Herrn Brand an die unrechte Adresse gewandt haben," bemerkte hier Herr Am- berg mit etwas höhnischem Lächeln. „Wieso?" fragte Killmare. „Ich bezweifle, ob Ihnen Herr Brand einen zuver- lässigen Mann hätte empfehlen können, zumal seine eigene Zuverlässigkeit zweifelhaft ist." „Das ist ein Jrrthum l" widersprach der Lord sehr energisch.„Ich habe den Herrn nur kurze Zeit gesehen, aber seine Person flößt mir volles Vertrauen ein, und eben so viel Zuverlässigkeit bietet mir der Charakter derjenigen Personen, in deren Gesellschaft, ich ihn traf.... Ich hoffe, Herr Rodenburg hat nicht Ursache gehabt, mit seiner Verwaltung unzufrieden zu sein." Rodenberg räusperte sich, ein wenig verlegen, und sagte endlich: 7 „Ich weiß allerdings nur von einem einzigen Um- stand, der mir seine Zuverlässigkeit hätte zweifelhaft er- scheinen lassen können. Im Uebrigen muß ich ihm das Zeugniß eines überaus zuverlässigen, treuen Verwalters ausstellen. Ich habe ihn in den Jahren, während er eine unumschränkte Vollmacht in der Verwaltung meiner Güter hatte, nicht anders kennm gelernt." „Das erwartete ich zu hören, Sir I" „Und ein vortrefflicher Charakter," fügte Ehrlich hinzu. „Ein Mann ohne Falsch und Heuchelei, ein Mann von Ort und Stelle derartig„abgeführt", daß er stch seine nicht unbedeutenden Wunden im Gestcht in der SanitätSwache in der Markgrafenstraße verbinden lassen mußte. Auch nicht schlecht! a. Zwei unbekannte, etwa 10 Jahre alte Knaben klingel- ten am 30. v. Mts. an der Wohnung eines an der Köpnicker- Blücke wohnenden Hauseigenthümers und üdergabm der die Korridorthür öffnenden Tochter des HauseS einen von dem Pfandleiber Krön, Köpnickerstr. 68, für einen gewissen Plagens ausgestellten Pfandschein, Nr. 16 188, über eine schadhafte filberne Zylinderuhr, sowie eine goldene Damenuhr, auf der Rückseite schwarze Emaille mit Blumen und der Fadriknummer 37095, mit dem Bemerken, daß morgen ein Brief nachfolgen solle, worauf sich die beiden Knaben, welche graue Anzüge trugen und ohne Kopfbedeckung waren, schleunigst ent- fernten. Da der Hauseigenthümer den in Ausficht gestellten Brief nicht erhalten hat, so hat er die Sachen der Kriminal- polizei übergeben, woselbst fie von dem Eigenthümer rekognoSzirl werden können. n. In Betreff de« verschwundenen Vizewirths Hilde- brand, Langestr. 91 wohnhast, haben die weiteren Nach- forschungen ergeben, daß H. aller Wahrscheinlichkeit nach mit den von ihm als Vizewirth eingezogenen Geldern durchgebrannt sei. Alle Recherchen privaterseits und seitens der Behörden haben bisher absolut noch keinen Erfolg gehabt. Der vcr» schwundene H. soll außerdem nicht nur die 3000 M-, sondern auch noch 5000 M., die er vorher in der Lotterie gewonnen. mitgenommen haben. Von dem Besitzer des Hauses, Henn Kaufmann Probst, ist, wie wir weiter hören, die Angelegenheit der Wohnung beantragt worden. Frau H. soll Ende der ver- gangenen Woche ihrem Manne nachgereist sein, angeblich um ihn zu suchen. Ob fich diese Angade bewahrheitet, bleibt abzu« matten. N. Vergiftungsversuch. Ein etwas übertnebenes Ehr- gesühl veranlasse am Sonnabend Abend einen in dem Kalo- nialwaarengeschäst von G- in der Andreasstraße konditioniren- den Handlunge kommis Hugo Sch. einen Selbstmordversuch zur Ausführung zu bringen. Sch. hatte von seinem Chef eine Rüge erhalten, die einen derartigen Eindruck auf ihn gemacht baben muß, daß er in selbstmörderischer Absicht eine Quantität Oleum trank. Noch lebend aber innerlich schwer erkrankt wurde Sch. später aufgefunden und sofort nach dem Städtischen Krankenhaus geschafft, wo sein Zustand als ein beinahe hoff« nungsloser bezeichnet wurde. a. Wegen mehrfacher, in recht durchtriebener Weise ausgeführten Heirathtschwindeleien sind heut dieWtttwen Frau Reitz und Frau Lange zur Untersuchungshast gebracht woiden. Die in ver Nostizstraße wohnende Frau Rertz hatte Anfangs November v. I. in hiesigen Zeltungen annonzirt, daß eine junge Wittwe, heiteren Temperaments, mit einem Vermögen von 60 000 Mark einen Gutsbefitzer, am liebsten einen solchen, der ein Kind habe, Heirathen wolle. Auf diese Annonze meldete stch unter Änderen, ein Gutsbesttzer aus der Mark, welcher auf die Aufforderung der Reitz auf deren Ver- langen, für den Fall des Zustandekommrns der Partie, eine Proviston von 2000 M. versprach und ihr sofort 50 Mk. für ihre angebliche Mühewaltung zahlen mußte. Hierauf wurde ihm die„reiche Braut" in der Person der Frau Lange vorgesteA, welche in der Köpenickerstraße eine niedlich eingerichtete kleine Wohnung hat und von nicht unangenehnrem Aeußern ist. Die Braut gefiel ihm, und auf feinen Vorschlag fuhren mit ihm die beiden Frauen nach seiner Heimatb, um sein Anwesen zu betrachten und fich da über seine persönlichen Verhältnisse zu erkundigen. Diese Erkundigungen ffelen recht günstig aus und Frau Lange, welckie fich bis dahin recht zu'.ückhaltenv be- nommen, gab ihr Jawott und die Verlobung wurve gefeiert. Während Ver VerlobungSzeit kam der Bcäutigam oft nach Berlin, führte beide Frauen nach Vergnügungslakalen und Restaurants und machte ihnen werthvolle Geschenke. Auffällige Umstände regten nach eintom Wochen das Mißtrauen des Bräutigams, und seine Nachforschungen ergaben, daß die „reiche Braut" völlig vermögenslos ist. welch; in Gemeinschaft mit der Reitz heirathslustigc Herren in der erwähnten Weise an fich lockle uud schävigte. a. Einbruch. Vor einigen Tagen wurde in dem Hause Köpnickelstr. 110 a ein Einbruchsdiebstahl in dem daselbst be- findlichen Schlächterladen verübt, wobei die Diebe es nur auf den Inhalt der Ladenlasse abgesehen hatten. Die Diebe ver- schafften fich zu dem Laven dadurch gewaltsam Eingang, daß sie die Füllung der von dem Hausflur zum Laden führenden Thür ausschnitten und die Schlösser der beiden Ladenkassen auestemmten. Sie stahlen das in den Kassen befindliche Wechselgeld im Betrage von 150 M., darunter 2000 Stück Pfennige. Eben soolel Pfennige ließen sie aber zurück, ver- muthlich weil ihnen die Kupfermünzen zu schwer waren. Viel- leicht führt die Verausgabung der gestohlenen Pfennige zur Entdeckung der bis jetzt noch nicht ermittelten Diebe. g- Der in dem zweiten Stockwerk des Hauses Petri- straye 12 wohnende Vergolder W Schulz stürzte fich am Sonnabend Nachmittag gegen'|,3 Uhr aus d-m Vorderfcnster Herz und Gemüth, das ist Herr Brand, mag man sonst von ihm sagen, was man will." „Ich wußte, daß es so sei," erklärte der Lord ent- schieden.„Daß Herr Brand nicht mehr auf Ihren Gütern ist, ist mir gewissermaßen angenehm zu hören; in diesem Falle werde ich ihm selbst die Verwaltung meiner Güter übergeben; da ich selten dort anwesend bin, so bedarf ich eine« Mannes, genau so, wie Sie Herrn Brand schildern." „Ich würde Ihnen aber doch zu bedenken geben," versuchte Herr Amberg noch einmal,„ob Sie gut daran thun, einem Manne einen solchen Vertrauensposten zu übergeben, der hier das Vertrauen des Herrn Rodenburg so offenbar mißbrauchte." „Sie gehen zu weit, lieber Freund," unterbrach ihn Rodenburg.„Die Sache war ja nicht recht aufgeklärt; e» kann mit dem Lohnbuch ein Jrrthum gewesen sein, vielleicht auch gar eine Verleumdung, vielleicht bin ich zu übereilt verfahren." „Lieber Onkel," nahm Emmy das Wort,„Sie werden doch nicht behaupten, daß wir diese Verleumdung veranlaßt haben?.... Sie haben sich ja von Allem selbst über- zeugt." „Das sage ich nicht, mein Kind," beruhigte sie Roden« bürg,„Du und Dein Onkel Amberg, Ihr habt es vielleicht ganz gut mit mir gemeint.... ES ist ja auch möglich, daß Ihr selbst g-täuscht wurdet. Wir sind zu übereilt verfahren und ich gestehe, daß eS mir hinterher bereit« leid gethan hat, Herrn Brand den Abschied gegeben zu haben .... Seit der Zeit haben fich die Verhältnisse in Feldau völlig umgekehrt. Unzufriedenheit herrscht unter den Ar- bestem, welche sonst mit Freudigkeit an die Arbeit gingen. Wie ich höre, verlassen schon einzelne meiner Leute ihren Wohnsitz, um denselben wo anders zu nehmen und es fehlt hier an Arbeitern. DaS Alles war früher nicht der Fall.... Ich sehe ein, Herr Brand hatte ganz Recht, nicht so sparsam mit den Löhnen zu verfahren, wie Herr Härder e» thut." Amberg erschrak. Woher hatte Rodenburg nur diese Nachricht? (Fortsetzung folgt.) seiner Wohnung auf die Straße; die hier bei erlitenen Verlegungen waren so schwere, daß Sch., in den Flur des vorge dachten Hauses gebracht, nach ganz furzer Beit verstarb. Die Leiche wurde später nach dem Obduktionshause befördert. Sch. hat die schreckliche That anscheinend in einem Anfalle ron Geistesgestörtheit ausgeführt. Schon vor etwa 5 Wochen bemerkte einer seiner Befannten bei ihm Spuren der Geifteszerrüttung und bewog daher Sch., sich in der Königl. Charitee zur Aufnahme zu melden, was auch erfolgte. Er wurde jedoch bald wieder dort entlaffen, und furze Zeit darauf reifte in ihm die fire Idee, daß fich in dem Vorderzimmer seiner Wohnung ein Fehmgericht" befände, das über ihn aburtheilen wolle. Noch am Sonnabend Morgen hatte Sch., der schon seit längerer Zeit arbeitslos ist, seiner Frau beim Zeitungsaus tragen geholfen; am Vormittag aber verabschiedete er sich bei seinen Freunden in einer Destillation der Taubenstraße mit den Worten: Adieu, wir werden uns wohl nicht wiedersehen". Auf Mittag in feine Wohnung gekommen, stürzte fich Sch. in dem Augenblick aus dem Fenster, als seine Frau sich in die Küche begeben hatte. Der Fall war ein so wuchtiger, daß der Körper einer blutigen Fleischmaffe glich. Noch gestern konnte man auf dem Steinpflaster und dem Flur des Hauses Blutspuren sehen, welche von der großen Blutlache am Sonnabend herrührten. Von der Eisenbahn überfahren. Am Montag Nachmittag wurde auf der Berlin- Potsdam- Magdeburger Eisenbahn, auf der Strecke zwischen Bude Nr. 21 und 22, nahe dem prinz lichen Jagdschloße Dreilinden ein etwa 20 Jahre altes Mädchen von dem 2 Uhr 17 Minuten Zehlendorf passtrenden Zuge überfahren. Die Kleider wurden ihr vollständig vom Leibe geriffen und der Kopf bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Bis jest ist die Persönlichkeit nicht festgestellt, ebensowenig, ob sie den Tod gesucht hat, oder ob ein unglücklicher Bufall vorliegt.# a. Ertrunten. Zwei hiesige Studenten hatten am 7. b. Mis. Nachmittags ihre in der Neuen Schönhauser Straße belegene Wohnung verlassen, anscheinend in der Abficht Schlittschuhe zu laufen. Da dieselben weder an demselben noch am folgenden Tage nach ihrer Wohnung zurückkehrten, so wurde bei der Polizei Anzeige von ihrem Verschwinden gemacht, und die polizeilichen Nachforschungen haben herausgestellt, daß beide junge Leute ertrunken find. Sie hatten fich auf den bei Behlendorf im Grunewald belegenen See ,, Krumme Lanke" begeben, um da Schlittschuhe zu laufen( die im Grunewald befindlichen fleinen Seen werden von Schlittschuhläufern deshalb mit Vorliebe aufgesucht, weil diese stillen Gewässer am raschesten durch Kälte eine Eisdecke erhalten und lange bewahren) und beide find auch auf dem Eise gesehen worden. Beim Laufen sind sie aber in eine offene oder mit einer zu dünnen Eisschicht bedeckten Stelle gerathen und ertrunken. Die Leiche des Einen wurde am folgenden Tage und die des Anderen erst gestern gefunden. Gerichts- Zeitung. Bekanntlich führte der Fachverein für Schloffer und Berufsgenoffen im vergangenen Jahre für seine Mitglieder den Rechtsschutz ein, damit dieselben in die Lage kämen, ihre Rechte überall zur Geltung zu bringen. Wie günstig der Rechtsschutz wirkt, beweist folgender Fall. Der Schloffermeister Mittelstädt, Mittenwalderstraße 17, beschäftigte in der zweiten Hälfte des legten Jahres den Schloffer C. Schröder, welcher Mitglied obengenannten Vereines tft. Herr Mittelstädt beleidigte seinen Gefellen in recht empfindlicher Weise, und dieser sab sich veranlaßt, die Rechtsschußkommission des Fachvereins von dem ungehörigen Benehmen des Herrn Mittelstädt in Kenntniß zu seßen. Es wurde nun die Hilfe des Gerichts in Anspruch genommen. Vor dem Schiedsgericht erschien Herr Mittelstädt nicht, da er jedenfalls annahm, daß der Arbeiter doch kein Geld zum Weiterklagen habe. Er hatte aber die Rechnung ohne den Fachverein der Schloffer gemacht. Das Schöffengericht ver urtheilte her n Mittelstädt zu einer Ordnungsbuße von 30 M. und den sämmtlichen Gerichtstoften event. 6 Tagen Haft. Aehnliche Fälle stehen in allernächster Zeit bevor. Möchte doch ein jeder Schloffergeselle obige Sache beherzigen und nicht ver fäumen, fich dem Fachverein für Schloffer und Berufsgenossen anzuschließen. Die bekannte Thatsache, daß auch der geriebenste Verbrecher bei einem sonst mit großem Raffinement ausgeführten Roup irgend eine Dummbeit begeht, welche die Kriminalbeamten auf seine Spur lenten, erhielt einen treffenden Beleg in einer Verhandlung, welche gestern vor der ersten Straffammer des Landgerichts I. stattfand. Auf der Anklagebank befand sich der 26jährige Vergolder Johann Gottlieb Koch, einer des berüchtigften Einbrecher Berlins. Am 26. Juli wurde er erst nach Verbüßung einer längeren Freiheitsstrafe aus dem Buchthause entlaffen und schon wenige Tage darauf hat er der Anklage nach die beiden Strafthaten begangen, wegen derer er sich gestern zu verantworten hatte. Am 2. Aug. v. J. wurde in der Wohnung des Holz u. Kohlenhändlers Laur, Alte Schüßenstr.6 ein äußerst frecher Einbruch am hellen lichten Tage verübt, während die Bes wohner dieselbe in verschlossenem Zustande für eine kurze Beit unbeaufsichtigt gelaffen. Die Thüren waren mittels Nachschlüssel geöffnet und war darauf in den gesprengten Behältern Der Inhalt durchwühlt worden. Als Beute hatten der oder die Diebe lediglich Geld und Schmucksachen an Geldeßwerth zum Gesammtbetrage von ca. 200 M. mitgenommen. Unter den gestohlenen Gegenständen befand sich auch ein Pfandschein und Der Bestohlene wurde nicht wenig überrascht, als er diesen am nächsten Tage in einem Kouvert durch die Post wieder zus geftellt erhielt. Der Dieb mochte wohl eingesehen haben, daß für ihn der Befit des Pfandscheines gefährlich werden kann und anstatt denselben zu vernichten, sandte er ihn, wohl einer Anwandlung von Uebermuth oder Generöfität folgend, dem Eigenthümer zurüd. Diese That, die gewiß nicht zu seinen schlechtesten zabite, sollte für ihn verhängnißooll werden. Am Tage darauf fand ein Einbruch bei dem Tischlermeister und Bezirksvorsteher Balg, Kleine Markusstraße 19, statt, der genau in derselben Weise wie der erste ausgeführt worden; wieder hatte der Dieb sich mit leicht transportablen und leicht zu vers werthenden Schmudiachen begnügt, auch Herr B. schäßt seinen Schaden auf ca. 200 M. Eine dem bezeichneten Hause gegenüber wohnende Frau batte nun an dem fraglichen Tage drei Männer in verdächtiger Unterhaltung auf der Straße bemerkt, zwei von ihnen hatten schließlich das Haus betreten, während der britte augenscheinlich Schmiere stand. Es sprach Alles dafür, daß fie die Thäter waren. Der Frau wurde das Verbrecher Album vorgelegt und aus den Konterfeien unserer berüchtigsten Einbrecher bezeichnete fie dasjenige des Angeklagten als einem der muthmaßlichen Thäter ähnlich. Natürlich nahm man den Patron sofort in Haft, er leugnete aber entschieden, er leugnete aber entschieden, wurde gestohlenen Gegenstände auch keiner der gestohlenen Gegenstände Da fam einer der mit den bei ihm vorgefunden. Recherchen betrauten Kriminalbeamten auf die Joee, den Angeklagten eine Schriftprobe machen zu lassen, da derselbe möglicherweise mit dem Schreiber des Kouverts mit dem Pfandscheine identisch sei. Der Versuch hatte einen überraschenden Erfolg, allerdings b mühte sich der Angeklagte beim Schreiben der Adresse seine Handschrift möglichst zu verstellen und die unglaublichsten orthographischen Fehler zu bilden, den Schreibverständigen fonnte er aber fein für ein U machen, denn dieselben bekundeten mit pofitiver Bestimmtheit, daß Niemand anders als er die verräthische Adresse geschrieben. Somit fonnte man sicher sein, den Thäfer beiden wenigstens Mittheilhaber der oder Einbrüche Im gestrigen Termine legte legte fich gefaßt haben. Der Angeflagte nach alter Berbrecherart aufs Leugnen, die Beweisaufnahme förderte aber eine so große Anzahl Inbizien gegen ihn zu Tage, daß der Staatsanwalt seine Schuld Verantwortlicher Redakteur R. es für außer allen Zweifel hielt und seine Bestrafung mit 3 Jahren Buchthaus beantragte. Der Gerichtshof war aber der Anficht, daß dem hartgefottenen Sünder eine härtere Strafe gebühre und erkannte auf 4 Jahre Buchthaus, 5 Jahre Ehrverluft und Stellung unter Polizeiaufsicht. Nürnberg. ,, Es war ein jung jung Simmergesell," Namens Raub, dem tam die Sage nicht aus dem Sinn, welche Namens Raub, dem kam die Sage nicht aus dem Sinn, welche fenes altdeutsche Volkslied behandelt; ein junger Bimmergesell erwarb sich die Liebe einer Schloßfrau; er durfte in ihr erwarb sich die Liebe einer Schloßfrau; er durfte in ihr Kämmerlein fteigen und an ihrer Seite ruhen, an ihrem Kämmerlein steigen und an ihrer Seite ruhen, an ihrem schlohweißen Leib." Dabei wurde er jedoch ertappt und mußte sich einen Galgen zimmern von Gold und Marmelstein", woran er aufgebenkt wurde. Das traurige Ende dieser Ge schichte schreckte den jungen Bimmergesellen Stauh durchaus nicht ab; er sagte sich, dem Galgen wollte er schon entgehen, nicht ab; er sagte sich, dem Galgen wollte er schon entgehen, wenn er nur erst das traute Kämmerlein gewonnen hätte. Und warum sollte er es nicht gewinnen? Die Edeldamen von beute sind auch nicht sämmtlich herzlos und das Bestreben der Eva, verbotene Früchte zu kosten, hat sich nicht blos bis zu der Zeit der fittigen Ritterdamen erhalten, sondern es blieb auch lebendig im Roccoco- Beitalter, ja es blühte in demselben sogar recht luftig auf und erhielt sich, wenn auch nur sporadisch, bis in unsere Zeit der germanischen Renaissance, der Holztäfelungen und des cuivre poli. Der Zimmergesell verlor also die Hoffnung nicht, und je mehr er sich in seine Träume vertiefte, desto wahrscheinlicher schien es ihm, daß einst vom Söller einer Burg herab ihm zarte Frauenband zum Gruße winken und ihn zur Raft und zum Glücke einladen werde. Um diese Burg zu finden, zog er unermüdlich durch die Lande. Er trat nirgends mehr in Arbeit und wenn seine Baarschaft zu Ende war, dann nahm er die altbewährte germanische Gastfreundschaft in Anspruch, ließ sich mit Brot oder mit Kupfermünzen verforgen, und sang dabei das Lob der Schönen; er war ein Troubadour und nur eine gänzliche Verkennung seiner Pilgerschaft konnte die Gensdarmerie veranlaffen, ihn zeitweilig als Bettler oder Landstreicher aufzugreifen. Landstreicher aufzugreifen. An einem falten Novembertage fam der Zimmergeselle auf seiner Wallfahrt in das freundliche Städtchen Lauf. Dort heimelte ihn Alles ungemein an. Er sah den breiten Stadtgraben, das alterthümliche Thor, die Beugen vergangener Jahrhunderte. Der stattliche Kirchthurm zeigte allerdings ein mehr modernes Geficht, aber da drüben die alterthümliche Burg mit den festen Wällen, den trogigen die alterthümliche Burg mit den festen Wällen, den trogigen Wartthürmen und dem düster- grauen Schloßgemäuer, fte war ganz geignet, den bewundernden Beschauer zurück zu versezen in die Romantik des Ritterthumes und des Minnesanges. Dort um Frauengunft zu werben, welche köftliche Aufgabe! Aber zunächst muß man fich mit den örtlichen Verhältniffen vertraut machen, das war bei den Troubadours des Mittelalters wie bei den Handwerkburschen der Gegenwart stets die hauptsächlichste Bedingung für ein strategisches Unternehmen. Rauh mußte also Erkundigungen einziehen; um einen Behelf zu haben zur Anrede an die Vorübergehenden, sprach er fie um eine Gabe an, worauf er fie in ein Gespräch zu verwickeln suchte, was aber meist fehlschlug, denn die Laufer zeigten sich ihm gegenüber in Bezug auf die Verhältnisse der Stadt und der Burg sehr wenig mittheilsam. Da liegt wahrscheinlich ein dunkles, blutiges Geheimniß zu Grunde", dachte der von romantischen Ideen beherrschte Zimmergesell und setzte feine ansprechenden Bemühungen um so eifriger fort, bis er plöglich von der hohen Obrigkeit arretirt war. Dieses Abenteuer paßte ihm nicht in den Kram, indeß es war doch ein Abenteuer und mußte mit Würde bestanden werden. Rauh erflärte seinen Kettermeistern, daß er über seine eigent lichen Abfichten in Lauf tiefes Schweigen beobachten werde, bemerkte aber doch, um sein Fechten zu entschuldigen, in bedeutsamem Tone, es sei schon mancher Ritter fechtend in eine Burg eingedrungen. Das Schöffengericht zu Lauf ließ fich dadurch nicht abhalten, ihn wegen Bettelns und Landstreicherei zu 21 Tagen Gefängniß zu verurtheilen. Raub gelangte auf Diese Weise in ein stilles Kämmerlein, aber nicht in der Burg, sondern im Stadtgefängniß. Hier fehlte vor allem die wohlige Wärme, welche in den Gemächern der Ritterfrauen immer zu " waren herrschen pflegte. Es gab teinen Kamin und kein luftig praffelndes Feuer, ein eißiger Hauch wehte von dem Gitterfenster her und der Fußboden war empfindlich kalt. Schon nach der ersten Nacht war der Gefangene halb erstarrt vor Frost, und er sagte sich, diese Laufer hätten ihn gern zu ein undzwanzig Tagen verurtheilen fönnen, aber einundzwanzig Nächte halte er es in dieser Kälte Kälte nicht aus. Nächte Er fann also auf Befreiung. Freilich Die Mauern bidk, die Fenster stark vergittert und die Thür so fest, daß ein Entkommen rein unmöglich schien. Der unternehmende Bimmergesell fand aber doch ein Mittel, aus dem Keiter zu Lauf fich zu befreien, und zwar ein sehr einfaches: er appellirte wegen seiner Verurtheilung an die höhere Instanz in Nürnberg und ließ sich in die Nürnberger Frohnveste überführen. Hier wird gut geheizt, und der Gefargene fab deshalb mit ruhiger Behaglichkeit der Verhandlung in zweiter Instanz entgegen. Dieselbe ging am legten Mittwoch vor sich. Es wurden die langen Protokolle und Akten aus Lauf verlesen und endlich wurde der Bimmergefell gefragt, womit er nun seinen Einspruch gegen das wohlermogene Urtheil des Laufer Gerichts begründen wolle. Da verzog sich sein Mund zu einem freundlichen Lächeln und er sprach das große Wort gelafen aus: ,, Es war mir zu falt im Laufer Arreft." Das ganze Tribunal war sprachlos vor Verwunderung über diesen neuen Einspruchs grund, im Publikum mar große Sensation und der Staate anwalt beantragte endlich pflichtschuldigst, ta der Angeklagte sich ja doch schon für den hiesigen Strafvollzug erwärmt hat, die Berufung zu verwerfen. Dies geschah. Der Bimmergesel fist nun ruhig hinter den eisernen Gardinen und läßt in ficherer Hut einen Theil des dem Wanderer feindlichen Winters voi überziehen. Im Frühjahr wird er mit neuem Muthe seine Pilgerfahrt wieder aufnehmen, um endlich sein geträumtes Ideal zu finden. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Aufruf an die Schlosser und Berufsgenossen Berlins! Kollegen! Wiederum sehen wir uns veranlaßt, an Euch einen Appell zu richten, um Euch auf unsere Lohnbe wegung aufmerksam zu machen. Im Juli vorigen Jahres traten wir Schlosser Berlins zusammen, um angesichts unserer traurigen Lohnverhältnisse eine Kommission zu wählen, deren Aufgabe es sein sollte, mit allen gesetzlichen Mitteln einzutres ten, um unsere gedrückte Lage zu verbessern und einem Jeden unter uns en menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen, damit Keiner unter uns durch Noth und Elend gezwungen werde, für jeden Schleuderpreis zu arbeiten, um auf diese Weise un fern andern Kollegen Konkurrenz zu machen. Die Kommission soll stets darüber wachen, daß unsere Forderungen innegehalten werden; die Forderungen, welche die Kommiffion aufgestellt hat, find so gerechte, daß ein jeder Arbeitgeber, der es auf richtig mit seinen Arbeitern meint, fie zugestehen muß. Wir richtig mit seinen Arbeitern meint, fie zugestehen muß. Wir wiederholen unsere Forderungen hier nochmals, welche wir in unserm legten Flugblatte veröffentlicht haben: 1. Festsetzung einer Morimalarbeitszeit von höchstens 10 Stunden pro Tag; 2. Gänzliche Abschaffung der Sonntagsarbeit; 3. Forderung eines Minimallohnes von mindestens 18 M. pro Woche. Die Auszahlung des Lohnes hat jeden Sonnabend spätestens bis um 6 Uhr zu erfolgen. Bei Affordarbeiten muß eine anerkennenswerther. 1 breit machende Schmuskonkurrenz zu beseitigen. Rob legen! Die Kommiffion allein ist nicht im Stande diese gestellten Forderungen zur Durchführung bringen, wenn nicht der große Bruchtheil der Kollegen, der jezt noch unserer Bewegung indifferent gegenübersteht, heran gezogen wird. Darum fühle sich ein Jeder, dem das Wohl seiner Familie am Herzen liegt, dazu berufen, ein Agitator unserer Sache zu sein und mitzuhelfen an der heiligen Aufgabe die wir uns gestellt haben. Bemerken wollen wir, daß fid schon ein großer Theil unserer Kollegen in anerkennenswerther Weise an unserer Bewegung betheiligt, jedoch ein sehr große Theil steht uns noch fremd gegenüber. Wir glauben anneb men zu dürfen, daß die Furcht vor Maßregelung sehr viele Kollegen bisher zurückschreckte, sich an dieser edlen Sache zu betheiligen; aber jenen Baghaften rufen wir zu: Seid Männa und wahrt Eure Rechte!" Und sollte aus diesem Grunde eine Masregelung erfolgen, so ist die Kommission jest in der Lage solchen Kollegen eine entsprechende Unterstügung zu gewähren, Lesung de da unser Fonds, Dank den bis jetzt betheiligten Kollegen, eine neuerdings Höhe erreicht hat, welche uns dies ermöglicht. Darum, Kol und die legen, laßt diesen Ruf der Kommission nicht unberücksichtigt auf Tran erschallen, erschließt Eure Herzen dieser Sache und wählt in tere Bera allen Werkstätten Delegirte, welche Euch der Kommiffion gegen über vertreten und die gestellten Forderungen bei den Meister Reihenfol zur Geltung bringen. Die erfte diesjährige große öffentlich zunächst a Generalversammlung findet Sonntag, den 18. Januar, in det dehnung ,, Urania", Wrangelstraße 9-10, Vormittags halb 10 Uhr, statt trag in B Sorgt dafür, daß in diesem geräumigen Lokal kein Blas un Antrag& L besett bleibt. Die Lohnfommission der Schloffer und Berufs genossen. J. A.: C. Miethe. Der Arbeiter Wedell- M dem, im die Befige Juli fame in ihren Freude üb und die 2 nung des ter. Stur in dieser S Die erste Generalversammlung der Zentral- Kranten am 6. Fe und Sterbekasse der Dachdecker Deutschlands( E. H. Nr. 69 bis nach örtliche Verwaltungsstelle Berlin) fand am Sonntag, det tage Zeit 11. Januar, Alexanderstraße 31, statt. Der Vorsigende macht Uebe bekannt, daß die Statuten der Kaffe bereits am 18. Dezembe richten ni 1884 von der hiesigen Behörde genehmigt seien und wurde Ort Hickor dieselben unter die Mitglieder vertheilt. Es wurde darauf zu Wahl des Ortsvorstandes geschritten und gingen folgend Herren als gewählt hervor: Karl May, Vorsigender, Augu Fähner, Kassirer, Friz Hanke, Franz Klopsteck und Paul Wit als Beifizer. Ferner wurde beschlossen, daß die Beiträge zu Staffe an jedem Sonnabend von 7 bis 9 Uhr Abends an fol genden Stellen entgegengenommen werden: 1) Chorinerstr. 1 bei Herrn Theodor Weber, 2) Brüdenstraße 5 b, Restaurar Town, Lo Krüger, von dem Kassirer, Herrn Jähner und 3) Dranien Stellvertr straße 166 bei Herrn N. May. Die Aufnahme neuer Mi wenn auc glieder findet nur statt Oranienstraße 166 bet Herrn Mat Selbständ jeden Abend von 7-8 und Sonntags von 8-10 Uhr Vor zunehmen mittags. Der Vorsigende berichtete nun über den gegenwär Oberhohei tigen Stand der Kaffe. Demnach haben sich bereits mehre Weiteres Filialen der Kaffe gegründet und ist auch für Berlin schon rechnen 31 eine erfreuliche Anzahl Mitglieder vorhanden, so daß die Kaffe Lock Pref zu den schönsten Hoffnungen berechtigt ist. Zum Schluß for gen Ante dert der Vorsitzende die Mitglieder auf, nach jeder Richtung gründet, mit regem Eifer für die Kaffe zu wirken, damit, wenn möglich sprochen alle Berliner Kollegen der freien Hilfskaffe beitreten, und gung, fich somit von der für sie von den Innungsmeistern bestimmten Auf Ditstaffe, deren Schattenseiten dieselben heute noch garnid hauptman fennen, befreit werden. Brief einer fur Gebr. Me Eine Der Lüder jest, nacht gnade gef News" m Unterredu hr. In der Generalversammlung des Fachvereins det fungen v Schlosser und Berufsgenossen, welche unter sebr zahlreicher Be nächst wegen der Reichhaltigkeit der Tagesordnung die New theiligung am Sonnabend bei Gratweil stattfand, wurde von F. S wahl des Vorstandes vertagt. Es wurden dann die Berichtt über die Thätigkeit des Vereins, über die Kaffe, über den A beitsnachweis, über den Rechtsschuß und über die Bibliothel erstattet. Die Bahl der Mitglieder ist im ersten Vereinsjab von 71 auf 426 angewachsen. Die Einnahmen haben im Quartal( inkluftve Bestand) 245,96 M., die Kosten für die Einrichtung des Arbeitsnachweises( 90,65 W.) und durch d Einwald Vorschüsse für zwei Rechtsschußfälle, von denen der erste berei Wiele derf zu Gunsten des geschüßten Vereinsmitgliedes entschieben Missionss herbeigeführt worden. Herr Miethe berichtete dann in eingehen walo in e der Weise über den Kongreß der Metallarbeiter Deutschlands, de Gazette" vom 24. bis 26. Dezember v. Ja. in Gera, von 66 Delegirten aber fich f besucht, stattgefunden und auf welchem Herr Miethe den Be Acres, die liner Fachverein der Schloffer vertreten hat. Wir beschränken richte der uns hier auf die Mittheilung, daß die Verhandlungen auf Dinizulu, dem Kongreß zu einem Rompromiß der beiden bedrängt Parteien geführt haben, Don benen die mill, so if eine für die zentralisirte Organisation sämmtlicher Branchen det Raiser, der Metallindustrie, die andere für die lokalen Fachvereine eintrat: her weißt es ist mit Einstimmigkeit die folgende Resolution angenommen Einwald. worden: Der Kongreß erklärt: die gewerkschaftliche Bev zählte min einigung der Arbeiter fann eine durch greifende Umgestaltung bitte Dei unferer heutigen Produktionsverhältnisse nicht ermöglichen; je versprach doch ist eine zeitweilige Verbesserung der Lage der Arbeiter ein Gehö zu erzielen, sobald eine Drganisation sämmtlicer Metall Untergang arbeiter herbeigeführt wird und zwar: 1. daß Schluffe, an allen Diten Deutschlands die Gründung von um eine U allgemeinen Metallarbeiter Fachvereinen erstrebt und durchge schnellstene führt wird; 2) wo jedoch örtliche oder gefeßliche Hindernisse Einwald der Gründung von allgemeinen Metallarbeiter Fachvereinen dose mi entgegenstehen, muß die Gründung von Branche- Vereinen Berichte f durchgeführt werden." Es ist auf dem Kongres auch ein Sta Bululand tut für die Vereinigung der deutschen Metallarbeiter" ausge der Welt arbeitet und angenommen und feiner beschlossen worden, daß Sozialism der Zentralvorstand in Mannheim, die Kontrolkommission in im deutsch Karlsruhe domizilit sein soll. Bedenken, die in der Diskussion thn( den erhoben wurden, gaben Herrn Miethe Veranlassung, noch her großer No vorzuheben, daß durch Zustimmung zu den Beschlüffen bel er bie Ma Kongreffes die bestehenden lofalen lofalen Branche Vereine fich nicht verpflichten, der Bereinigung" fofort beizutretenchentt Der Vorftzende theilte darauf den Bescheid mit, welchen ba fein, es t Kriegsministerium dem Vorstande auf das Gesuch um Besei augenblick tigung der den Schloffern von den Militär- Büchsenmacher will. Di gemachten schädlichen Konkurrenz hat zugehen lassen. Gebiet Bescheid geht dahin, daß die Büchsenmacher berechtigt bleiben und the unbeschränkt ihr bürgerliches Gewerbe zu betreiben und ba und da das betreffende Militär- Departement nicht in der Lage ist, au ruf nie die von ihnen gestellten Breise einen Einfluß auszuüben. Ende durc Eine für einen in großer Noth befindlichen Kollegen veram Macht ein Besten der strikenden Knopfweber eine Tellersammlung 3 staltete Sammlung ergab 23 Mail. Auch der Antrag, zu genau gen Spieluhr veranstalten, war angenommen worden. glückli Mün Die erfte diesjährige Delegirten- Versammlung des eine Versa Tischler findet heute, Dienstag Abend 8 Uhr, Alte Jakob wurde jed straße 37, statt. Die Tages- Ordnung lautet: 1. Raffenbericht Verbot en über den Unterstügungsfonds der Tischler. 2. Revisionsbericht und Gefel 3. Wahl einer Revifionsfommission. 4. Die neue Fabril- Drberichte na nung in der Piano- Fabril des Herrn A. Grandt, Dranien anlagt seie straße 185. 5. Verschiedene Mittheilungen. Noch nicht an be Lohnbewegung betheiligte Werkstätten können in dieser Ver fammlung aufgenommen werden. Die im vorigen Jahre aus gestellten Karten müffen in dieser Versammlung abgehol werden. In der Versammlung der Korbmacher Berlins und Umgegend, welche am 11. Januar im Lokale des He Otto, Adalbertstr. 21, zum Zweck der Berathung der neue Statuten der zu gründenden freien Hilfe- Kaffe" stattfand, g langten die neu ausgearbeiteten Statuten zur Verlesung wurden dieselben einstimmig angenommen; auch wurde bem Wir Desterreich cath gemel Daft entla auf einer f In e Ranton T prachen g beidigt v wöchentliche Ratenzahlung von mindestens 18 M. geleistet Herrn Friedr. Franke die Vollmacht ertheilt, den Gang dieser Dr. Grube werden. Kollegen! An diesen, den jeßigen Beitserhältnissen Angelegenheit bei der zuständigen Behörde zu vertreten. Ferner Dr. Jfeli burch dieje hoffen wir der Arbeitslosigkeit, dem Bagabunden der Korbmacher Berlins und Umgegend gewählten provisorische orn und thum zu steuern und eine sich immer mehr und mehr Vorstand auch des Weiteren beizubehalten. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Bellage 1. Stob Stande rung au egen, der ht, heran as Wohl Agitator Aufgabe, daß fid Beilage zum Berliner Volksblatt. nswerthe Nr. 10. hr großer en anneh ehr viele Sache zu Männa unde eine Politische Webersicht. der Lage Der Reichstag wird voraussichtlich vorerst mit der zweiten gewähren, Lesung des Etats fortfahren und dann die erste Lesung der egen, eine neuerdings eingegangenen Vorlagen, wie Bossparkassengeset rum, Kol und die Vorlagen über Ausdehnung der Arbeiterversicherung rüdfichtig auf Transportgewerbe und auf land- und forstwirthschaftliche Arbeiter vornehmen. Am Mittwoch( Schwerinstag) sollen weiwählt in Con gegen tere Berathungen von Initiativanträgen stattfinden in der Meister Reihenfolge, wie fie eingegangen find. Es kommen danach öffentlich zunächst an die Reihe der Antrag Hertling über weitere Ausar, in der Dehnung der Arbeiterschutz- Gesetzgebung und der Antrag von Wedell Malchow über Börsensteuer, weiter der Kable'sche AnUhr, statt trag in Bezug auf den Diktatur- Paragraphen, und dann der Plaz un Antrag Lenzmann megen Entschädigung unschuldig VerurtheilBeruf ter. Sur mit Bustimmung der Antragsteller würde das Haus in diefer Reihenfolge eine Henderung beschließen können. Etwa -Kranten am 6. Februar gedenkt der Reichstag fitch auf neun Wochen, Nr. 69 bis nach den Osterferien zu vertagen, um dem preußischen Landtag, de tage Zeit zu seinen Berathungen zu lassen. de macht Ueber die Reibereien in Kamerun liegen weitere NachDezembe richten nicht vor. Der in dem ersten Telegramm genannte Owurde Ort Hickory ist identisch mit dem Orte Etre Town, weicher in Darauf zu dem, im Weißbuch abgedruckten Bericht Dr. Nachtigal's über folgend die Befizergreifung genannt war. Es hieß dort: Am 13. Augu Juli kamen die Eingebornen aus den entferntern Ortschaften aul Wit in ihren bunibemalten, oft 20 M. langen Canoes, um ihrer iträge zu Freude über den Anschluß an Deutschland Ausdruck zu geben, 3an fo und die Angesehenen unter ihnen drängten fich zur UnterzeichEnerstr. 1 nung des Vertrages. Nur der lokale Häupiling von EkreRestaura Town, Lock Preso, war auf einer Handelsreise abwesend und sein Oranien Stellvertreter wagte nicht, für ihn zu zeichnen. Da aber Lock Preso, uer wenn auch nicht ohne ein gewiffes Ansehen und eine gewiffe rrn Mat Selbständigkeit, boch weit entfernt davon ist, eine Stellung einUhr Vor zunehmen, wie etwa Häuptling Dido, sondern unter der direkten gegenwär Oberhoheit King Bells steht, so glaubte ich Efre- Town ohne 3 mehre Weiteres als zu dem in den Verträgen behandelten Gebiete Elin schon rechnen zu dürfen, indem ich für die geeignete Hinzuziehung die Kaffe Lock Presos nach seiner Rückkehr bei meiner Abreise die nöthihluß for gen Anweisungen zurückließ." Es ist vielleicht nicht unbeRichtung gründet, wenn mit Bezug hie: auf die Vermuthnng ausge n möglich sprochen wird, daß Lock Preso, verlegt durch seine Ueberzeueten, un gung, fich weigert, den Vertrag mit Nachtgal anzuerkennen. eftimmten Auf Grund des Sozialistengefeges verbietet die Kreisgarnid hauptmannschaft zu Leipzig die nichtperiodische Druckschrift: Briefe einer Nihilistin. Mit erklärenden Anmerreins de fungen versehen. Aus dem Franzöflichen überfest und nebst reicher Be einer turzgefaßten Geschichte des Nihilismus, herausgegeben vurde zu von F. Stolz, Rechtsanwalt in Appenzell. Buchdruckerei von die New Gebr. Meyer in Schaffhausen 1884." Berichte Eine Spieldofe für 100 000 Acer Land in Afrika! r den Der Lüderig'sche Forschungsreisende" Ein to a lo scheint sich Bibliothel jest, nachdem er bei dem Sultan von Angra Pequena in Un ereinsjab grade gefallen ist, an England zu wenden. Wie die„ Daily ben im News" mittheilten, ersuchte Einwald zuerst Gladstore um eine 4. für die Unterredung, wurde aber von diesem an Lord Derby gewiesen. burch d Einwald schildert die Lage der Bulus als eine überaus traurige. ste bere Viele derselben bettelten im Lager der Boeren und bei den teben Miffionsstationen um Nahrung. Diese Aeußerung hat Eineingehen wald in einem Interview mit einem Redakteur der ,, Ball Mall Hands, de Gazette" aufrecht erhalten. In dieser Unterredung hat er Delegirten aber sich selber als den Souverain der Lucia- Bai mit 100 000 den Be Acres, die um dieselben herumliegen, erklärt. Aus dem Beeschränken richte der Pall Mall Gazette" ist noch folgendes interessant. ngen auf Dinizulu, der Sohn Ketschwayo's, wird von den Boeren hart beiden bedrängt und sagte zu Einwald: Wenn England nichts thun enen die mill, so ist Dein Land meine einzige Hoffnung. Dein alter anchen der Kaiser, der so viele Soldaten hat, fönnte uns belfen." Wo e eintrat: ber weißt Du etwas über unseren alten Kaiser?" fragte genommen Einwald." D", antwortete er, mein Vater Ketschwayo eriche Bev zählte mir von thm. Wenn England nicht helfen will, so bitte Deinen alten Kaiser, Bululand zu retten." Einwald gestaltung tchen; je versprach ihm, nach Europa zu gehen und wenn England r Arbeiter fein Gehör gebe, nach Berlin zu geben, um die Bulus vom Metall Untergange zu retten. Die Pall Mall Gazette" erklärt zum 1. daß Schluffe, Einwald werde baldmöglichst nach Berlin reisen, von um eine Untereedung mit Bismarck nachzusuchen, und sodann o durchge schnellstens nach Bululand zurückzukehren. Der Kaufpreis, den indernisse Einwald für die Lucia- Bai 3 bite, ist eine Spiel dvereinen bose mit Schellen.- Nach einem ausführlicheren Vereinen Berichte sagte Einwald: Eine Million Deutsche finden im ein Sta Bululand behagliche Unterkunft; es ist das metallreichste Land r" ausge der Welt(?), ein willkommenes Heilmittel gegen den deutschen den, daß Sozialismus, welcher doch nur aus Mangel an Elbogenraum mission in im deutschen Vaterlande entspringt." Ferner: Ich fand thn( den König Dinizulu), gleich den übrigen Bulus, in Diskussion noch her großer Noth; ihn hungerte schrecklich und dankbar nahm lüffen de er die Mahlzeit an, die ich ihm vorfeste, und war überBereine Lüdlich über die Spieluhr, die ich ihm schentte. Die Engländer haben mir daraus den Vorwurf Seizutreten lchen das macht, daß ich Bululand für eine Spieluhr kaufte. Mag um Befei lein, es tommt auf den Kaufpreis nicht an. Zululand steht augenblicklich unter deutschem Schuß, wenn Fürst Bismarc enmacher will. Dinizulu hat allerdings den Boern sein en. Gebiet abgetreten, aber er schwor mir hoch gt bleiben und theuer, daß er nicht wußte, was er that und daß er den von ihm unterzeichneten Aufge ist, au ruf niemals gelesen. Die Bulus gehen langsam ihrem uüben. Ende durch den Hungertod entgegen, wenn feine auswärtige Macht eingreift. Jedenfalls hat" Dinizulu" aber ganz genau gewußt, was er that, als er sein Königreich für eine Spieluhr verlaufte. ang und da en veran ntrag, zum mlung au " " München. Der Reichstagsabgeordnete von Bollmar hatte lung des eine Versammlung nach dem Kreuzbräu" einberufen, diefelbe Ite Jakob wurde jedoch auf Grund des Sozialistengefeges verboten. Das affenbericht Verbot enthält den Hinweis auf die Gefahr für die Staatsonsbericht und Gesellschaftsordnung und den Umstand, daß Rechenschaftsabril- Dr berichte nach taum begonnener Seffion weder üblich noch ver Dranien anlaßt seien. de cht an Diefer Ver Jahre aus abgeboll Desterreich- Ungarn. Wir haben vor Kurzem die Verhaftung zweier DeutschDesterreicher, die Herren Strache und Nittel, wegen Hochver ath gemeldet. Jegt kommt die Nachricht, daß beide aus der Daft entlassen wurden; jedenfalls rubt die Hochverrathsanklage lins und auf einer sehr schwachen Bafts. des Herm Der neuen ttfand, g fung und ge Dienstag, den 13 Januar 1885. II. Jahrgang. stimmung ergab eine große Mehrheit für Verwerfung des Auslegung. Wir wollen für eine anderweite Bemessung der 3mpfzwangs. Frankreich. Es heißt, die Anarchisten bereiteten für den nächsten Sonntag feine Rundgebung vor dem Elysée vor, um Grevy Der zur Begnadigung der Louife Michel zu bewegen. Kriegsminister Lewal erklärt sich im Einverständniß mit Ferry für die dreijährige Dienstpflicht in der Armee, aber für Beibehaltung der einjährigen Freiwilligen. Die Unter suchung in Sachen des Cri du Peuple" bat begonnen. Redakteur Quercy wurde auf Befehl des Untersuchungsrichters in Freiheit gefeßt. Der Friedensbeamte Ballerich ist außer Gefahr. Louise Michel hat abgelehnt, in eine Kranten anstalt zu geben. Sie hat nur verlangt, nicht nach dem Gefängniß von Clairveur zurüdgebracht zu werden und den Rest ihrer Strafzeit in St. Lazare abzufißen. Ihr Gesuch wurde günstig aufgenommen. Sie erlläite außerdem, auf die Politik zu verzichten und nach ihrer Freilaffung sich in der Schweiz bem Unterricht widmen zu wollen. Diese Angaben der ,, Köln. 8tg." fiimmen nicht zu den früheren Meldungen, daß Louise Michel irifinnig geworden sei. Spanien. Der Deputirtenkongres hat ohne Debatte eine Gesezvor lage genehmigt, welche die Regierung zur Aufnahme einer Anleihe von 14 Millionen Befetas ermächtigt, die zum Wiederaufbau der durch die Erdbeben in den Provinzen Granada und Malaga zerstörten Häuser verwendet werden sollen. Die Madrider Hypothekenbank wird mit dem Wiederaufbau beauftragt werden. Die neuen Erschütterungen, welche gestern an den Küsten der Provinz Malaga vorgekommen sind, haben die Berstörung mehrerer Ortschaften, so besonders von Velez- Malaga, Lerfa, Cartama und Canillas, vollendet. Mehr als 2000 Gebäude, darunter mehrere Kirchen, sind eingestürzt. In Loja allein hat das gestrige Erdbeben 300 Häuser zerstört. Die Presse und die Lokalbehörden beklagen fich lebhaft über die Langsamteit, mit welcher von der Bentralbehörde Hilfe geleistet| wird. Mehr als 60 000 Einwohner der zerstörten oder bes schädigten Ortschaften irren ohne Schuß, ohne Nahrung und selbst ohne Kleidung umber. Amerika. In Newyork ist im Bureau des bekannten irischen Dynamit- Revolutionärs, O'Donovan Rossa, ein Attentat gegen einen als Verräther der irischen Nationalisten betrachteten Irländer verübt worden. Ueber den Vorgang wird folgendes gemeldet: Kapitän Phelan, der Vorsteher des Armenhauses in Kansas City gewesen ist, empfing vor einiger Zeit ein schriftliches Gesuch, in O'Donovan Rossa's Bureau vorzusprechen. Er folgte dieser Aufforderung und traf dort Robert Short an, deffen eigentlicher Name, wie Phelan später erklärte, Barker ist. Baifer stürzte sich mit einem großen doppelschneidigen Dolche auf Phelan, und nachdem er ihm mit dieser Waffe sechs tödtliche Wunden beigebracht, feuerte er mit einem Revolver auf sein Opfer. Phelan ward nicht auf der Stelle ge tödtet, sondern lebte lange genug, um zu erklären, daß er den Grund des mörderischen Anfalles auf seine Berson nicht kenne. Bald darauf gab er den Geist auf. Phelan war Mitglied der Dynamitpartei und an dem Versuche, das Dampfschiff Queen" zu zerstören, betheiligt. Er besuchte Jeland zur Beit der Aufregung über die drohende Auslieferung P. J. Sheri dan's, und seine Reise stand mit Sheridan's Angelegenheiten im Zusammenhange. Parlamentarisches. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages beschäftigte fich in ihrer heutigen Sigung mit der Wahl des Abgeordneten Woermann( 3. Hamburg), gegen die zahlreiche Brotefte eingegangen waren. So waren nicht überall die Wahllisten die erforderliche Zeit ausgelegt, es wurden vielfach Stimmzettel neben der Urne gefunden, und einzelne Bezirke sollen eine erheblich größere Wählerzahl enthalten haben, als gefeßlich zulässig ist. Es ist bereits die Anstellung von Erbebungen beantragt, die möglicherweise zur Beanstandung der Wahl führen werden. Eine Schlußabstimmung darüber ist noch nicht erfolgt. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 22. Sigung vom 12. Januar, 1 Uhr. Schellendorf, v. Haenisch u. A. Am Tische des Bundesrathes v. Boetticher, Bronsart von Die Etatsberathung wird fortgesezt und zwar wird über diejenigen Kapitel des Etats der Verwaltung des Reichsheeres verbandelt, die an die Budgetkommission verwiesen waren, in deren Namen der Abg. v. Köller referirt. Bunächst empfiehlt ste, den Antrag des Abg. Richter wegen Ermäßigung der Rationsbezüge abzulehnen, dagegen: 1. eine Revision der Rationsbezüge im Sinne einer Vers minderung derselben vorzunehmen; 2. in Erwägung zu ziehen, ob es nicht zweckmäßig erscheint, an Stelle des Bezuges von Rationen einen Ansatz von Pferdehaltungsgeldern beziehungsweise Fuhrkostenentschädigungen für Offiziere und Beamten treten zu lassen, mit der Maßgabe, daß für jede Stelle bestimmt wird, wie viele Pferde der Empfänger von Pferdehaltungsgeldern mindestens zu halten hat, und daß für Pferde Manquements ein entsprechender Geldabzug statt findet; 3. dem Reichstage bis zur nächsten Session das Resultat Der Erwägungen vorzulegen. Referent v. Köller konstatirt, daß die Vertreter der Regierung sich mit der Resolution einverstanden erklärt haben unter der Vorausseßuna, daß eine finanzielle Verschlechterung Der Stellung der betreffenden Offiziere nicht beabsichtigt wird. Abg. Richter: Wenn auch die Kommission fich nicht zu einer Herabsetzung der Rationenzahl hat entschließen fönnen, fo erfüllt es mich doch mit Genugthuung, daß ste in Nr. 1 Das Prinzip anerkannt hat, welches meinem Antrag zu Grunde liegt. Zu Gunsten der Nr. 1 der Resolution verzichte ich des halb auf eine weitere Abstimmung über meinen Antrag. Ich verwahre mich dabei gegen die Auffassung, als ob wir für richtig halten, daß nicht unmittelbar durch den Etat eine Herablegung der Rationen stattfinden fönnte. Es handelt sich hier nicht um persönliche Rechte, wie die Besoldungen, sondern um eine Dienstaufwandsentschädigung, die mit dem Aufhören des Dienstaufwandes fortfallen kann. In diesem Puntt ist auch unser Budgetrecht nicht beschränkt. Dagegen können meine Freunde nicht für Nr. 2 der Resolution stimmen. Wir halten es für bedenklich, aus der Initiative des Reichstags heraus pofttive Finanzoorschläge zu machen, wenn dieselben nicht ganz bestimmt gefaßt find. Die Ausdrücke der Nr. 2 find aber mehrdeutig, in Egnach. Die Ab- und es bleibt zu fürchten, daß sofort Streit entsteht über die Schweiz. urde bem prachen gegen den Impfawang die Herren Nationalrath ang biefer en. Ferner fammlung In einer großen Volksversammlung in Romanshorn, Ranton Thurgau, wurde über die Impffrage gesprochen. Es Dr. Grubenmann von St. Gallen, Voigt aus Baselland und Dr. Jselin in Bänikon. Der Impfzwang wurde vers heidigt von den Herren Dr. Wartenweiler in Romansvisorischen orn und Präsident Baumann Bellage Entschädigung für die Pferd unterhaltung freie Hand behalten. Unsere Absicht bleibt nach wie vor, eine Verminderung dieser Kosten herbeizufüheen, mit Rücksicht darauf, daß eben jegt die Entschädigung bemessen ist über die Zahl der wirklich zum Dienst erforderlichen Pferde hinaus, und das jezige System aus einer Zeit herrührt, wo die Transportverhältnisse ganz an dere waren, und auch aus diesem Grunde ein größerer Bedarf an Pferden für viele dieser Stellen nothwendig war, als heute noch zutreffend ist. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: Die Militärverwaltung ist sich ihrer Pflicht, nach der Richtung der Defonomie hin thätig zu sein, wohl bewußt; wenn der Abges ordnete Richter aber die Rationen deshalb verkürzen will, weil sie durch den Dienstaufwand bedingt und nicht persönliche Kompetenzen seien, so müßte doch zuvor der Nachweis geführt werden, daß der Dienstaufwand fich neuerdings gegen früher verringert hat. Dafür hat der Abg. Richter nur auf die ver änderten Verkehrsverhältnisse hingewiesen. Durch diese wird aber das Rationenbedürfniß der Offiziere nicht tangirt, weil die Offiziere noch heute, ganz ebenso wie zu der Beit, wo es noch feine Eisenbahnen gab, für Diensttouren innerhalb des Umfreises von 3 Meilen feine Reisekosten liquidiren können. Es würde aber sehr unbillig sein, selbst wenn man wirklich in einem oder dem andern Fall die Rationen uermindern kann, damit nicht wenigstens bis zum Wechsel der Person zu warten, und auf diese Weise einzelne Dffiziere finanziell schlechter zu stellen, als bisher. Will man ferner Pferdehaltungsgelder eins führen, so muß man dieselben nicht nach den Futterkosten allein, sondern nach dem gesammten dienstlichen Aufwand be messen, der mit der Pferdehaltung verknüpft ist. Nur so kann man den bescheidensten Ansprüchen gerecht werden. Abg. v. Huene( Bentrum): Wir stimmen dem Koms misfionsantrag zu, ohne materiell damit irgend eine Frage zu entscheiden. Die materielle Seite der Sache werden wir im nächsten Jahre zu prüfen haben. Gerade das will die heutige Resolution. Abg. Richter: Die Militairverwaltung hat früher selbst anerkannt, daß die Entschädigung für Rationen geändert wer den könne, auch ohne daß ein Wechsel in den Stellen eintritt. Es ist sogar früher ausdrücklich als nicht zuläiftg bezeichnet worden, wenn Anforderungen über die Zahl der wirklich ges haltenen Pferde hinaus gestellt wurden. Ich wäre schon zufrieden, wenn die Zahl der Rationen ermäßigt würde auf die Zahl der wirklich gehaltenen Pferde. Das würde beffer sein, als eine durchgreifende Aenderung des Systems. Ich verwahre mich nur dagegen, daß Aeußerungen in der Kommission ein Präjudiz für den Reichstag schaffen sollen. Die Kommission hat, wie mir berichtet wird, über die Frage der Zulässigkeit einer Aenderung im Etat zu Ungunsten der augenblicklichen Stelleninhaber nicht abgestimmt, und wenn in dieser Hinsicht eine Ansicht der Kommission statuirt werden sollte, so müßte schon in Form irgend einer Resolution eine Abstimmung im Hause darüber provozirt werden. Ich zweifle nicht, daß sich einzelne Redner in der Kommission, so wie es Der Herr Referent vorgetragen hat, in diesem Sinne geäußert haben, aber als ein Präjudiz für die zukünftigen Anschauungen des Reichstags ist dieser Vorgang in der Kommission, glaube ich, nicht aufzufaffen. Die Nummer 1 der Resolution wird hierauf fast ein stimmig, die Nummern 2 und 3 werden gegen die Stimmen der Deutschfreiftinnigen angenommen. Bei Kap. 14( Kriegsministerium) hat die Kommiffion be antragt, eine persönliche Dienstzulage von 1500 M., die für den Generalstabsarzt der preußischen Armee zu streichen. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf: Ich bitte Sie, die Mehrforderung, die einen Beamten meines Mi nifteriums betrifft, entgegen dem Kommiffionsvorschlag, zu be willigen. Auch dann wird noch nicht erreicht, was doch nur der Billigkeit entsprechen würde, daß der Generalstabsarzt der Armee mit dem Generalauditeur, mit welchem er gleichen Rang hat, auch finanziell gleichgestellt würde. Abg. Richter: Ich habe nichts dagegen, daß die Militärärzte dieselben Kompetenzen erhaiten, wie die Offiziere in analogen Stellungen, zumal da die etwaigen Mehrkosten durch Herabsetzung der Bahl der Assistenzärzte ausgeglichen werden fönnen. Anders liegt aber der gegenwärtige Fall. Der Ge neralStabsarzt bekleidet zugleich ein Hofamt und dadurch find besondere Vertretungseinrichtungen, die erhebliche Kosten ver ursachen, erforderlich geworden. Wenn einmal die Verbindung des Staatsamtes mit dem Hofamte später aufhören sollte, würde man ja die Stelle vielleicht höher dotiren können. Nachdem sich noch Abg. von Huene namens des Zen trums für den Kommissionsvorschlag erklärt hat, wird derselbe angenommen. Bu Kap. 17( Militärgeistlichkeit) hatte der Abg. Letocha einen Antrag auf finanzielle Gleichstellung der katholischen mit den evangelischen Militärgeistlichen gestellt. Er zieht diesen Antrag aber zurück zu Gunsten des folgenden, durch den Referenten v. Köller befürworteten, Vorschlages der Budgetkommission: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die Gleichstellung der Militärgeistlichen beider Konfessionen hinsichtlich der Gehaltsverhältnisse, sowie der sonstigen militärischen Stellung herbeizuführen."" Mit diesem Antrage haben sich die Vertreter der Heeresverwaltung in der Kom mission einverstanden erklärt und hervorgehoben, daß die Tendenz desselben mit den Intentionen der Reichsregierung völlig übereinstimme. Der Kommissionsvorschlag wird angenommen. Bei Kap. 19( Höhere Truppenbefehlshaber) führt Referent v. Köller aus, daß ein Landwehr- Brigadekommando in Berlin errichtet werden solle, und zu dem 3 vecke von der Regierung die Gehälter für einen Brigadekommandeur und einen zweiten Regimentskommandeur verlangt werden. Die Kommission hat beschlossen, die Ausgaben für den neuen Oberst zu bewilligen, die für den Brigadekommandeur aber zu streichen. Von Seiten der Regierung wurde für die vorges schlagene Organisation geltend gemacht, daß das Erfaßgeschäft in Berlin fich in sehr bedeutendem Maße erweitert habe. Gegenüber dem Vorschläge, die neuen Stellen mit inaktiven Offizieren zu befeßen, wurde bemerkt, daß, da die eine Stelle mit einem aftiven Offizier bereits besegt sei, es nicht angehe, die anderen Stellen inattiven Offizieren zu übertragen. Der Here Kriegsminister erklärte, er wolle lieber einen aktiven Bezirkskommandeur als zwei inaktive Offiziere. Abg. Richter: Es ist dem Herrn Kriegsminister gewiß lieber, wenn er zwei attive Offiziere verlangt, einen zu bekommen, als gar feinen. Wir glauben aber, daß beide Stellen nicht au bewilligen seien. Es leiten uns hierbei mehr grundfägliche als finanzielle Rücksichten. Die Verwaltung der Landwebtbezirkskommandos burch pensionirte Offiziere, die seit 20 Jabren Plag gegriffen hat, ist durchaus populär geworden; deshalb entstand eine lebhafte Bewegung im Publikum, als die Regierung einmal diese Stellen mit aktiven Difizieren be A fette, und es blieb daher bei der bestehenden Einrichtung. Nur in Berlin bat man versucht, aktive Difiziere in das Landwebr Bezirkskommando einzuführen. Wir sind bes reit, Alles, was die Regierung in Anbetracht der Zunahme von Berlin mehr verlangt für eine neue Organisation des Berliner Bezirkskommandos, zu bewilligen, soweit der Grundsas festgehalten wird, daß aktive Offiziere bierbei ausgeschlossen werden. In der Denkschrift zum Etat beißt es, daß, da diese Offiziere unter schwierigen Verhältnissen im persönlichen Verkehr mit Leuten aus allen Schichten der Bevölkerung die Autorität zu wahren haben, es wichtig ist, auf besonders füchtige und energische Offiziere zurückzugreifen. Das erkennen wir an, nicht aber, wie es dort weiter heißt, daß Offiziere mit solchen Eigenschaften dem aktiven Dienfistande, nicht dem Jnaktivitäte verhältnisse angehören. Das Lebensalter, in welchem aktive Offiziere inaktiv werden, ist häufig ein solches, in welchem Zivilbeamte auf befonders wichtige Boften gestellt werden, die eine ebenso große Energie und Entwickelung einer persönlichen Autorität verlangen. Bedenken Sie doch, daß z. B. im Postdienst die Postdirektorstellen inaftiven Offizieren ganz besonders vorbehalten werden, Stellen, in welchen neben der Eigenschaft des Verkehrs mit dem Publi fum noch besonders technische Kenntniß der postalischen Verhältniffe verlangt wird. Hier wird also mehr verlangt, als vom Offizier des Bezirkskommandos. Wir wollen auch keinen aweiten Oberst, denn wir fürchten, daß sich dann der aktive Brigadekommandeur bald als dritter dazu einfindet. Wir wollen eben verhindern, daß mehr und mehr aktive Offiziere in die Landrebr- Bezirkskommandos eintreten. Gerade in diesem Bosten kommt es darauf an, bürgerliche und militärische Rüc fichten mit einander auszugleichen. Wir bitten deshalb, nicht blos den Brigadekommandeur, sondern auch den neuen Dberst abzulehnen. Abg. Frhr. v. uene bemerkt, die Stelle eines Brigade Tommandeurs sei von der Kammission nicht genügend motivirt befunden und deshalb ihre Ablebnurg empfohlen worden. Was die Heranziehung aktiver Offiziere für die in Rede stehenden Posten betrifft, so ist zu erwägen, daß eine solche nur mit Einverständniß der Offiziere erfolgen tann. Es würde nicht leicht sein, für jene schwierigen und mühevollen Stellen geeignete Personen unter denselben zu finden. Es empfiehlt fich daher, das Gehalt für einen aktiven Regimentskommandeur zu bewilligen. Generalmajor v. Haenisch: Die Militärverwaltung würde es vorziehen, alle Stellen der Bezirkskommandos mit aktiven Offizieren zu beseten; aus Sparsamkeitsrücksichten habe man davon stets Abstand genommen, nicht etwa weil man glaubte, daß die inaktiven die Geschäfte besser wahrnehmen würden. Im Uebrigen widerspricht es dem Militärgesetz, in der Ober- Eisapfommission einen inaktiven Offizier zu beschäftigen. Die Militärverwaltung hält auch heute noch den Brigade tommandeur für nothwendig, glaubte aber den Bedenken der Kommission nachgeben zu sollen und will fich zunächst ein Jahr noch mit einem Oberst behelfen". Abg. Richter: Aus den Bemerkungen des Herrn Kom miffars geht hervor, daß die Regierung den Gedanken, sämmt liche Bezirkskommandos mit attiven Difizieren zu besetzen, noch nicht aufgegeben hat. Ich kann denselben für grundsätzlich nicht richtig halten. Im Gegensatz zu dem Abg. von Huene zweifle ich nicht, daß, wenn man nur die nöthige Gehaltszulage zu der Pension gewähren wird, inaktive Dffiziere für die Bezirkskommandos sich finden werden. Kriegsminister Bronsart von Schellendorff: Die Militärverwaltung würde erfreut sein, in allen Bezirkstommandos vollständig felddienstfähige Offiziere zu haben, ift fich aber der Verpflichtung bewußt, mit den finanziellen Interessen des Landes zu rechnen. Die Frage, ob in diesen Stellen die inaktiven durch aktive Offiziere ersetzt werden fönnen, ist deshalb gar nicht zur Erwägung gekommen, und die Forderung für Berlin ist nicht als Avantgarde zu betrachten für eine derartige Etatsaufstellung. Wenn der Versuch, nur mit einem zweiten Oberst auszutommen, glüdt, so werden wir ganz gewiß nicht mit der neuen Forderung eines Brigadefommandeurs tommen; er hat aber viel mehr Aussicht au glüden, wenn wir einen aktiven Offizier für die zweite Stelle bekommen. Die Anstellung eines inattiven Brigades tommandeurs würde, wie Generalmajor von Haenisch schon erwähnte, gegen den Wortlaut des Militärgesezes verftoßen. Abg. Richter: Wenn die Verwendung des inaktiven Offiziers in der Ober- Ersatkommission mit dem Militärgefeß in Widerspruch steht, so wäre es richtiger, daffelbe mit Rück ficht auf die großen Städte in dieser Hinsicht zu ändern. Hierauf wird das Gehalt für einen aktiven Regiments tommandeur bewilligt, dasjenige für einen Brigadekommanteur abgelehnt. Bu Kap. 20, Gouverneure, Kommandanten, Plagmajore, hat Abg. Richter den Antrag eingebracht, eine Anzahl von Kommandanten in einer Reihe von offenen Städten als künftig fortfallend zu bezeichnen. Die Budgeikommission, welcher dieser Antrag zur Borberathung überwiesen worden war, empfiehlt Ablehnung des Antrags und schlägt die Annahme folgender Resolution vor: den Bundesrath zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob und welche Kommandantenstellen als fünftig wegfallend zu bezeichnen sein dürften, und dem Reichstage bei der nächstjährigen Etatsberathung von dem Resultate dieser Erwä gungen Kenntniß zu geben. Abg. v. Vollmar: Den Soldaten wird verboten, gewiffe Wirthschaften zu befreten, weil dort ein Geist heirsche, In Mainz hat der den Tiuppen gefährlich" werden könne. Dieses Gchidsal 18 Wirthschaften an einem Tage betroffen, in Nürnberg find bereits 76 Wirthschaften verboten; in die Verbote 4 bis 5 mal so groß Berlin mögen sein. Ich stehe auf dem Standpunkte, der freilich jegt von der Mehrheit des Hauses noch nicht, geschweige denn auf der Regierungebant, getheilt wird, daß der Soldat ein Bürger ist, der seine Dienstzeit ableistet, dem aber keine anberen Rechte vorenthalten werden dürfen. Es find übrigens nicht blos öffentliche Wirthschaften, sondern auch andere öffentliche Stellen verboten worden, z. B. in Dresden Tabacksläden. Analog fönnte nun auch eine Zivilbehörde solche Verbote erlaffen, und dadurch kann eine ganz bedeutende Schädigung von Privatleuten in ihrem Gewerbe entstehen. Wenn wenigstens noch eine öffentliche Untersuchung den Verboten vorausginge. Ein Mann, dessen Wirthschaft ein solches Verbot traf, ter aber nie Sozialdemokrat gewesen, wandte sich an die Polizei um Aufklärung, wurde aber an das Militär kommando gewiesen, da fte mit der Sache nichts zu thun habe. Es stellte sich heraus, daß das Verbot einfach auf Grund der Denunziation eines früheren Bediensteten erfolgt war. Solche Verbote find übrigens eher geeignet, die Soldaten auf die Sozialdemokratie aufs merksam und neugierig zu machen, und es ist das ,, Gefährliche" der sozialdemokratischen Jdeen, daß wenn man ihnen erst einmal näher getreten ist, man fich immer tiefer in dieselben hineinlebt. Ich habe diese Dinge zur Sprache gebracht, weil nicht blos die Soldaten, sondern hunderttausende von Privatpersonen dadurch geschädigt werden. Kriegsminister Bronsart von Schellendorff: Die einzelnen Verbote sind mir nicht bekannt; aber ich spreche meine gewiffenhafte Ueberzeugung dahin aus, daß, wo ein der artiges Verbot erfolgt ist, es in wohlüberlegter und wohldurchdachter Weise im Interesse der Disziplin ergangen ist. Dafür, daß dieser Gesichtspunkt Berücksichtigung findet, spricht doch, bak die Kommandanten und Gouverneure, alfo bochgestellte Offiziere es find, welche derartige Befeble ertheilen. Der Abg. b. Bollmar unterschäßt die Intelligenz des deutschen Soldaten doch sehr, wenn er glaubt, doß derselbe, durch das Verbot neugierig gemacht, um so eher in jene Wirthschaften gehe. v. Abg. Richter: Mein Antrag hat für dieses Jahr keine unmittelbare praktische Bedeutung. Wenn nun die Kommisfton im Einverständniß mit dem Kriegsminister, Erwägungen in der Richtung meines Antrages eintreten zu laffen, beschlossen hat und gegen meinen Antrag vorbringt, daß die Verhältniffe sich nicht so rasch klarstellen lassen, so bin ich damit einverstanden, daß zu Gunsten der Resolution mein Antrag nicht zur Abstimmung kommt. Daß die Militärverwaltung ihrerfeits die Soldaten von der Berührung mit den politischen Parteien fern zu halten sucht, würde ich begreiflich finden, Parteien fern zu halten sucht, würde ich begreiflich finden, wenn sie nicht selbst an der polisischen Agitation fich be theiligte. Der Kriegsminister wird es persönlich gewiß für ungerechtfertigt halten, daß bei Kontrolversammlungen politische Verhältnisse und Wahlen berührt werden. In Lauenburg in Pommern hat aber ein Stabsoffizier in der Kontrolversammlung eine Ansprache gehalten, in der er von der Ge finnungstüchtigkeit des Soldaten sprach und diese darin fand, daß er so wähle ,, wie in dem betreffenden Wahlkreise stets ge= wählt worden sei, und das thue, was Se. Majestät der Kaiser will. Solche Reden dürfen auf Kontrolversammlungen jeden falls nicht gehalten werden. Abg. Schott( Volkspartei): Der Herr Kriegsminister legt doch zu wenig Werth auf die von Herrn von Vollmar vorgetragenen Beschwerden. Ich bestreite, daß in allen Fällen seitens der Kommandanturen mit reiflicher Ueberlegung verfahren worden; ganz im Gegentheil find zahlreiche Verbote ohne jeden zureichenden Grund ergangen. Noch schlimmer aber wäre es, wenn der Kriegsminister Recht hätte; es handelt fich ja keineswegs allein um sozialdemokratische Wirthschaften, nein, die Militärbehörden find soweit gegangen, ein Verbot zu erlaffen blos deshalb, weil dieser oder jener Kaufmann einen Wahlaufruf zu Gunsten eines Oppositionskandidaten unterschrieben hatte. Die Militärbehörde findet es also paffend, in die Wahlagitation einzugreifen und ihren Einfluß aufzubieten, um die Wähler der Oppofition einzuschüchtern. Ich halte das für ganz unzulässig. Die Kommandanten können die wirkliche Lage der Dinge in jedem Einzelfalle gar nicht übersehen, da fie lediglich auf die Angaben angewiesen find, die ihnen von fubalternen Behörden gemacht werden. Ich danke deswegen dem Abg. v. Vollmar, daß er diese Angelegenheit hier angeregt hat. die bloße Abg. v. Vollmar: Jch habe mich über die zu erwar tende Antwort des Herrn Kriegsministers von vornherein feiner Täuschung hingegeben; aber es ist doch ganz gut gewesen, daß dasjenige, was bisher blos inoffiziell durch die Preffe ging, jezt auch auf die Reichstagstribüne gelangt ist. Es giebt gewiß hier im Hause und selbst auf der Rechten Viele, welche glauben, daß die Loyalität der Gewerbetreibenden dadurch nicht gestärkt wird, daß man fie Schädigungen aussett, gegen welche fie fich nicht schüßen lönnen. In dem einen von mir angeführten Falle hat die Polizei dem Betroffenen ausdrücklich ein gutes Beugniß ausgestellt, die Kommandaturbehörde aber erklärte gleichwohl, daß für sie die Sache abgethan fei. Auch find in der That die Geschädigten nicht blos Sozialdemofraten, sondern auch vielfach Volksparteiler, und nicht allein die Parteistellung des Wirthes wird in Betracht gezogen, sondern meistens genügt Behauptung, daß in dem Lokale Sozialdemokraten ver thren. Diejenigen, welche zu dem Urtheil über derartige Fragen politischer Natur berufen sind, befinden sich gewiß sehr häufig gar nicht in der Lage, ein solches Urtheil abgeben zu fönnen. Wenn der Kriegsminister erklärt, der Geist der Armee sei nicht ein solcher, daß das Verbot einer Wirthschaft einen erhöhten Anreiz zum Besuche derselben gebe, so steht er die Sache doch etwas von oben an; wie sie von unten ausschaut, das vermögen viele Abgeordnete sicherlich besser kennen zu lernen, als höhere Difiatere. Aehnlich wie in Mainz find in Hannover auf einmal 26 Wirthschaften kurz vor Weihnachten verboten worden; so ganz genau fann es also schlechterdings in jedem Spezialfalle nicht genommen worden sein. Und wie soll ein Soldat in großen Städten mit ihren Hunderten von Lokalen immer über alle verbotenen orientirt sein, wenn man ihm nicht gerade Karten in die hand giebt, auf welchen alle untersagten Häuser roth angestrichen sind? Ich habe seibst erlebt, daß Soldaten in selche ihnen verbotenen Lokale hineingekommen sind und daselbst Platz genommen haben, weil fie gekommen sind und daselbst Platz genommen haben, weil sie eben von dem Verbot nichts wußten. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf: Es wird mir außerordentlich schwer, den Busammenhang zwischen diesem Etatskapitel und dem Vortrage des Aba. Nichter über Vorgänge in einer Kontrolversammlung zu finden, wie es überhaupt ungemein schwierig ist, auf solche Privatbriefe einzugehen, welche dieser oder jener Abgeordnete hier voliest, und namentlich darauf hin etwas Bestimmtes zu veranlaffen. Wer eine Klage über Vorkommnisse in der Armee hat, sollte sich boch zueist an den nächsten Vorgesezten dessen wenden, der ihn vermeintlich geschädigt hat; bekommt er da nicht Recht, so sollte er den Instanzenzug inne halten, in welchem die Sache ja dann schließlich auch an das Ministerium gelangt. Es fragt fich doch auch, ob die thatsächlichen Mittheilungen eines solchen Privatschreibens durchweg richtig sind, und zudem tommt es bei derartigen delikaten Sachen doch auch gar sehr kommt es bei derartigen delikaten Sachen doch auch gar sehr auf den Wortlaut an. Daß allgemein die Mannschaft bei den Kontrolversammlungen zur Treue an e. Majestät den Kaiser und König erinnert wird, dagegen wird auch wohl Niemand hier im Hause etwas einwenden wollen. Daß politische De dultionen, Abwägungen der Parteiverhältnisse gegen einander im militairischen Dienst nicht vorkommen dürfen, steht außer Bweifel, aber es fann erinnert werden an den Glauben, den jeder Soldat wie ein Dogma übernommen hat, daf, was der Kaiser thut, dem Londe zum Besten gereicht, das ist der Stern, den wir Alle im Auge behalten bis an unser Lebensende, so lange wir ein treues Coldatenherz haben.( Bravo! rechts.) Herin v. Vollmar erwidere ich: Mögen die vermeintlich Geschädigten sich bei den Vorgesetzten melden, dann ist auch te medur möglich. Die Gründe zu solchen Verboten find sehr vielseitig. Ich selbst habe als Rommandant von Potsdam 1.8. den Besuch eines Bigarrengeschäfts verboten, weil der Inhaber unmittelbar nach dem Attentat Bilder von Hödel aushing; er hat sich auch beschwert, aber nicht Recht bekommen. Nicht nur Lokale, in denen der Soldat unangemessene Gesellschaft findet, sondern auch solche, tie in moralischer Beziehung Bedenken erregen, solche, in denen gewohnheitsmäßige Schlägereien und Prügeleien stattfinden, werden von dem Verbot betroffen; oft bitten die Wirthe von Lokalen der letteren Kategorie selbst um ein solches Verbot. So leichthin wird demnach in dieser Bestehung teineswegs verfahren. Tem jungen Soldaten soll das Betreten anständiger Lokale nicht beschränkt werden; wir freuen uns, wenn er fich des Eonntags einen fröhlichen Nachmittag machen fann; aber bezüglich seiner Gesinnung, seines Lebenswandels, seines persönlichen Verhaltens müssen wir darauf sehen, daß er möglichst solche Lokale besucht, wo er ein gutes, nicht wo er ein schled tes Beispiel findet. Abg. v. Helldorff hält es für sehr angebracht, daß die konservative Partei ausdrücklich ihre Uebereinstimmung mit der seitens der Armeeverwaltung befolgten Praris in der beregten Richtung bekundet. Abg. Richter: Jm einzelnen Falle ist es ja richtig, ab| ständlich, daß es ebenso wenig, wie Bürgermeister d ihre Aufgabe halten, bei amtlichen Gelegenheiten Ermahnu zur Treue gegen den Kaiser an die Bevölkerung zu rid bei Kontrolversammlungen derselben bedarf. Hier ist es dabei nicht geblieben, sondern der redeluftige Herr, der viertel Stunden sprach, bat dieser Treue eine spez Partei färbung fich zu geben bemüht, er wollte die verstanden wiffen als eine solche, die sich nur durch eine servative Wahl bewähren kann. Darin liegt eine Verle gegen Alle, die nicht der konservativen Richtung huldigen Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: der Abg. Richter hier vorgetragen hat, beruht auf einem B briefe, den ich zur Grundlage meiner Erörterungen nehmen kann. Abg. Heine( Sozialdemokrat): Wenn den Sold lüderliche Lokale verboten werden, so wird Niemand bag etwas einzuwenden haben. Etwas Anderes ist aber ein V aus politischen Gründen. Schlimmer noch ist es, daß ein artiges Verbot zu Polizei- Drohungan ausgenugt wird. fenne Fälle, wo Withen von sozialdemokratischen Verf lungen Säle abgemiethet waren. Sofort erschienen B beamte und drobten mit Entziehung des Militär besuche. diese Drohung ist überall durchgeführt, wo die Wirthe fi Forderung der Polizei nicht willfährig erwiesen. Bezeichn ist vielleicht noch ein anderer Fall. In einer Stadt war sozialdemokratische Versammlung verboten worden. Die nehmer an derselben begaben sich in ein nahe gelegenes das von Arbeitern gar nicht besucht zu werden pflegte. dem wurde auch hier der Wirth ersucht, den Gästen den zu verbieten, er hätte sich sonst die Folgen seines Verh zuzuschreiben. Der Wirth erklärte, daß, so lange die agitatorisch nicht auftreten, er weder das Recht noch die lische Pflicht zu einer solchen Verweisung habe. Ein Tage darauf ward der Besuch dieses Lokals, das, wie g von Arbeitern nicht besucht wurde, für das Militär ve Das find Fälle, die mich bestimmen, mich den an den Kriegsminister gerichteten Wünschen anzuschließen. Abg. Schott: Der Herr Kriegsminister hat uns au Instanzenweg verwiesen. Aber bei Betretung desselben nur selten etwas heraus. Selbstkritik zu üben ist schwe selten wird der Offizier, der eine von ihm getroffene G dung nochmals zu prüfen hat, sagen: ich habe mich Ich möchte deshalb bitten, daß bezüglich des Verbot Wirthschaften eine mildere Proris denn bisher Blaz gi Abg. v. Hammerstein erklärt die von Richter tragenen Beschwerden für unglaubwürdig. Abg. Richter: Die Herren suchen die Aufmerti von der Hauptsache auf Nebendinge abzulenken. Auf de ziellen Fall, den ich berührt, tam es mir gar nicht an liegt der Grund recht nahe, weshalb ich den Namen treffenden Person nicht nenne; ich hatte nur ein Inte wissen, wie der Herr Kriegsminister es auffaßt, wenn fungen über die Wahlen, die Treue zu Kaiser und R Verbindung gebracht werden mit militärischen Verhäl Wenn er ausweicht mit seiner Erklärung, so wiro b ähnliche Fälle nicht ohne Einfluß bleiben, das Bart wird in die militärischen Verhältnisse mehr hineingetrage den, als wünschensweith ist. Abg. Möller: Nachdem Herr v. Helldorf es au lich als nothwendig anerkannt hatte, die Wahlagitation militärischen Kreisen fern zu halten, bin ich überrascht, da v. Hammerstein es unternommen hat, einen Vorfall thetoigen( Rufe rechts: Vorfall?), wo eine militärische rität recht eflatante Wahlagitation betrieben bat. Der hat allgemein Unwillen erregt und fann taum den mili Borgesetzten unbekannt geblieben sein. Man hat ab feiner Remebur gehört. Das sollte doch darthu auch der Besch verdeweg, mit feinem Resultatorhund wesen war, deffen Betreten übrigens nicht ohne Bed für Personen, die noch in dienstlichem Verhältniß militärischen Vorgesezten stehen. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: das lezte Wort des Vorredners bedarf einer Erwiderung weiß nicht, woher derfelbe seine Erfahrung hat; ich habe Armee, der ich seit 35 Jahren angehöre, die Erfahrung g daß Beschwerden nur in dem Falle bedenkliche Folgen wo dieselben ungerechtfertigt gewesen find.( Lachen lin danke Ihnen( links) für das Kompliment; wenn Sie lachen, so wird dieses Gelächter hoffentlich' im stenograph Bericht verzeichnet und im Lande bekannt werden. J hole nochmals, nur für Diejenigen ist die Bes bedenklich, welche ohne Grund Beschwerde führen Diesem Falle wird das Vorgehen als Disziplinarvergeb straft. Wer aber gerechte Kiagen vorträgt, erhält aud Armee sein gutes Recht, und es wäre traurig für die wenn das anders wäre. Abg. v. Bollmar glaubt, das auch die nochmalig fung einer von der Militärbehörde getroffenen Verfügun die objektive Richtigkeit derselben feststellen werde. Die haben allerdings fein Recht auf den Besuch der Soldate der Polizei wird so eine ungebührliche Befugniß eing Sie kann vor den Laden jedes thr Mißliebigen einen mann stelen, der vor dem Besuch desselben warnt, wie auch in Sachsen, aber auch nur da, bereits paffirt is unferer Anschauung hat die Militärbehörde übrigens gar das Recht zu einem Verbot von Wirthschaften, un vom formalen Standpunkt ist diese Frage streitig. Für rechtigung, solche Verbote auszusprechen, spricht nur tärische Disz plinarverhältniß, das von mir und den ralen immer b. stritten wird. Abg. v. Hammerstein bezweifelt auch die von mar vorgebrachten Thatsachen! ba Abg. Saro: Ich hätte gewünscht, daß Herr M Namen des betreffenden Dffisiers genannt bätte. Viell zieht er sich auf einen Boifall, der auch mir in der Gri ist. Aber daß derfelbe allgemeinen Unwillen erregt, be nur auf der subjektiven Auffassung des Herrn Döller war in Königeberg nicht die de, oder doch nur Meller und seiner Partel, die Gott sei Dant immer Scheiden begriffen ist. Herr Abg. Möller, deffen fommunalen und politischen Leben bei uns einst eine Rolle gespielt, hat diesmal nur mit Hilfe der Sozialde in den Reichstag gewählt werden können. Abg. Richter: Ich habe mich in die Aus fegungen zwischen Konservativen und Sozialdemofcat gemischt. Es macht aber einen eigenthümlichen Eindr hier fonservativerseits fede Berührung zwischen So fraten und Soldaten zurüdgewiesen wird, anderer ein fonservativer Polizei- Präsident erklärt, daß Sozialdemokraten lieber find, als ein Freifinniger. ja begreiflich, nachdem der Reichskanzler die Hoffnun sprochen hat, hier noch ein Dugend Sozialdemokraten fehen. Dergleichen pflegt Verwirrung in das Land bringen. Da die fonservative Partei nach der ganzen des Reichskanzlers den Sozialdemokraten näher steh so muß ich diese Auseinanderseßung über den Be Wirthshäuser als etwas Internes zwischen den ver Barteien ansehen( Heiterkeit) und es ihnen felbit üb zuwarten, ob der Betroffene den Beschwerdeweg beschreitet; Wie schwech es mit der Sache bestellt ist, das flebt m aus den Ausführungen des Herrn Saro, der in König durchgefallen ist.( 3wischenrufe.) Ich höre ebent, dort gar nicht als Kandidat hat aufstellen laffen, er in Rönigsberg nicht gewählt worden sein.( Große Herr Saro ist ganz und gar von der Sache Er hat die Da Bel wenn aber ein über die einzelne Persönlichkeit hinausgehendes allgemeines politisches Intereffe vorliegt, so kann dieses Abwaiten nicht unsere Sache sein, sondern wir nehmen dann die Gelegenheit wahr, diese Dinge hier öffentlich zur Sprache zu bringen. Dazu find wir hier. Deshalb ist auch der Lauenburger bringen. Dazu find wir hier. Deshalb ist auch der Lauenburger Fall angeführt worden. Es handelt fich dabei nicht um den Berhältniffe zwischen Bivil und betreffenden Offizier, sondern darum, eine allgemeine Erklärung betreffenden Offizier, sondern darum, eine allgemeine Erklärung im allgemeinen erörtert. Daraus steht man, vom Kriegsminister zu erhalten. Die Treue zu Sr. Majestät Sache selbst nicht rechtfertigen tann. Auf den einzeln dem Kaiser ist„ Gott sei Dank!" derart selbstver tommt es überhaupt gar nicht an. Alles wäre fur abg dal fach erleb reden bei Pathos dem Reid durchaus wird da nicht ger auf, daß Beschrän Krie Ich habe find, ein für heute Jemand daß er tag vor schwerden in der 2 bei sein Reichsta eine Gif Armee f fich besch Zeit des gnügen genannte der Sach Wer Be in geord tärischen Abg schwerde Dieses N nehmlich und Tau Thatsach ganze P des Herr Krie Möller i lichkeiten ist durch folchen jeden S meil er ihm veri Es hand wird nic Ab aus der Wir ha Derselben dieselben Minister gesellsch nehmlich felbst vo gerechtfer gegen d wird, t Konseque das Wal unter de wehrmä wehrhau halten to Krie Abg. D Freunde Armee e Vorgeset richtig is ich fager wenig Verschie überhau langjähr Leute bi richtet ft Ab schränkte Wir ger gen wie Bisher wägung besten v ob es se wahre m person bei Gele säßliche das Hal Je wen einem folche D Land nu Ab flegt, if Deften raden schwerde Abreise nison be Ver fiche mir ferr ich nehn dem ba Soldate Di merkung Da schlagen Ed gemeine tragseta Na weitige fich schl ordneter zu erklä Inspekt in Inte Marim 6000 währt in ein Tönnen. Bersam ber Ma tönnen, reichen Alage daß we gänge fach erledigt, wenn der Minister erklärt hätte, daß er Wahl- reden bei Kontrolversammlungen nicht für richtig Halle. Das Pathos des Ministers erinnerte mich an ähnliche Fälle mit dem Reichskanzler. Es war gegenüber unseren Aeußerungen durchaus nicht angebracht. Er sagte, das Beschtreideführen wird dann unangenehm empfunden, wenn die Beschwerden nicht gerechtfertigt find. Unsere Heiterkeit bezog fich nur dar- auf, daß der Minister glaubt, daß in solchem Grundsätze keine Beschränkung des Beschwerderechts liegt. Kriegeminister Bronsart von Schellendorff: Ich habe keine Veranlassung, an Fälle, milche nicht konstatirt find, eine grundsätzliche Erörterung zu knüpfen' das erkläre ich für heute wie für die Zukunft. Es wäre sehr billig, wenn Jemand in der Armre eine Beschwerde zu haben alaubt, daß er dann einen Abgeordneten bittet, fie im Reichs- tag vorzutragen. Wir haben unseren geordneten Be- schwerdeweg, und ich wünsche am wenigsten, daß es in der Armee Mode wird, daß Jemand, der glaubt, er könne bei seinen Vorgesetzten nicht Recht bekommen, fich an einen Reichstagsabgeordneten mit der Bitte wendet, von dem Minister eine Erklärung zu verlangen. Mein Verhalten wird in der Armee schr wohl verstanden werden; wer fich beschwert, mag fich beschweren auf," seine Kosten und Gefahr. Heute ist die Zeit des Reichstags lediglich in Anspruch genommen zumVer- gnügen eines Einwohners, zum Vergnügen einer nicht einmal genannten Person; und wenn fich nachher herausstellt, daß an der Sache kein wahres Wort ist, wer ist dann verantwortlich? Wer Beschwerde führen will, muß auch den Muth haben, fie in geordnetem Wege vorzubringen. .„ ,, Abg. Dr. Möller: Ich bin ja überzeugt, jedem milt- täuschen Beschwerdeführer wird sein Recht, wenn seine Be- schwerde als begründet befunden wird; aber die Erlangung dieses Rechts muß oft erkauft werden durch dienstliche Unan- nehmlichkeiten; und davor ist die Furcht so groß, daß Hunderte und Tausende lieber auf den Beschwerdeweg verzichten. Diese Thatsache mag dem Kriegsminister unbekannt sein, aber das ganze Publikum kennt fie. Auf die allgemeine Standrede des Herrn Earo einzugehen, erlassen Sie mir wohl. Kriegsminister Bronsart v. Schellendrff: Herr Möller ist nicht informirt, wenn er von dienstlichen Unannehm- lichkesten beim Beschwerdeführcn sprach. Der Beschwerdeweg ist durch Allerhöchste Verordnung geregelt, und danach ist von solchen Unannehmlichkeiten keine Rede.(!) Natürlich ist es für jeden Soldaten unangenehm, seinen Vorgesetzten zu verklagen, weil er das Gefühl hat, daß er ihm gehorsam sein soll, daß er , hm vertrauen soll; aber wozu diese Diskusfion im Parlament? Es handelt fich um eine innere Angelegenheit der Armee, die wird nicht im Parlament zum Austrag gebracht. Abg. D i r i ch l e t: Wir haben unsere Information auch aus der Armee von unseren Angehörigen und Bekannten. Wir haben bei uns die allgemeine Wehrpflicht, auf Grund derselben gehören fie der Armee an. Wir haben also genau dieselben Informationen aus den Kreisen der Armee, wie der Minister, und stammt die unsrige vielleicht aus etwas anderen gesellschaftlichen«schichten der Armee. Die dienstlichen Unan- nehmlichkeiten kommen allerdings nicht beim Beschwerdefühlen selbst vor, aber fie folgen, wenn die Blschwerden als un- gerechtfertigt befunden werden. Dann gilt dies als Vergehen gegen die Disziplin, und wie die Militärbehörde entscheiden wird, kann der Beschwerdeführer vorher nicht wissen. Die Konsequenz der Aeußerungen des Herrn Kriegsministers ist, das Wahlrecht nicht nur für diejenigen ruhen zu lassen, welche unter der Fahne stehen, sondern auch für Reservisten, Land- wehrmänner und Landsturm. Das folgt, wenn ein Land- wlhrhauptmann bei der Kontrol-Versammlung Wahlreden halten kann. K'iegsminister Bronsart v. Schellendorff: Den Abg. Dirichlet bitte ich, fich einmal bei seinen militärischen Freunden und Verwandten zu erkundigen, was wohl in der Armee entstehen würde, wenn unbegründete Beschwerden über Vorgesetzte straflos bleiben wüiden. Wenn übrigens das lichtig ist, was Herr Dirichlet aus Armeekreisen erfährt, so muß ich sagen: diise Kreise haben während ihrer Dienstzeit unendlich wenig von dem gelernt, was der Soldat lernen soll. Eine Verschiedenheit der Gesellschaftsschichten giebt es in der Armee überhaupt nicht. Ich schöpfe meine Informationen aus meinen langjährigen persönlichen Erfahrungen, oder, wenn ich andere Leute höre, doch aus Quellen, die besser über die Armee unter- richtet find, als d e Gewährsleute des Henn Dirichlet. Abg. Richter: Das läust doch ein biSchm auf den„beschränkten Unteithanenverstand" hinaus.(Sehr wahr! links.) Wir gewöhnen uns ja auch nachgerade daran, solche Anschauun- gen wieder schärfer am Mintsteltisch hervortreten zu sehen. Bisher war es auch noch nicht Sitte, vom Ministertifch Er- wägungen darüber zu hören, wie das HauS seine Zeit am besten verwenden würde. Es ist lediglich Sache des Hauses, ob es seine Debatten ausdehnen oder verkürzen will. Ich ver- wahre mich dagegen, als ob ich zum Vergnügen einer Privat« person hier Debatten reranlaßte. Mir kam es nur darauf an, bei Gelegenheit dieses Etats, was mein Recht war, eine grund- sätzliche Erklärung des Ministers darüber zu erhalten, ob er das Halten von Wahrcden bei Kontrolversammlungen billigt. Je weniger wir Sicherheit haben, daß innerhalb der Armee an einem Punkte das Richtige geschieht, desto mehr müssen wir solche Mängel hier zur Sprache bringen; dafür ist uns das Land nur dankbar.(Beifall links.) Abg. K r ö b e r: Selbst wenn der Beschwerdeführer ob fiegt, ist er keineswegs in guter Lage, er verliert zum min- deften das Wohlwollen seiner Vorgesetzten, und seine Käme- raden verzichten dann ein andermal freiwillig auf das Be- schwrrderccht und dulden lieber Unrecht. Gerade vor meiner Abreise ist mir ein solcher Vorfall aus der Münchencr Gav nison berichtet worden, und war ich daher veranlaßt, über die Veificheiung des Heun Kriegsministers zu lachen. Es lag mir fern, den Herrn Kriegsminister dadurch verletzen zu wollen, lch nehme gern an, daß es dem Herrn Kriegsminister und auch dem bayrischen KricgSminister damst Ernst ist, auch dem letzten Soldaten sein Recht zu verschaffen. Die Debatte wird geschlossen. Es folgen persönliche Be- merlungen. Das'iapitel wird mit der von der Kommisfion vorge- schlagcnen Resolution genehmipt. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr.(All gemeine Rechnung für l88i--gZ. dritte Lesung des Nach tragsetatS- Dampfbarkasse für Kamerun- Militäretat.) HomumMles. Nachdem die Normal- Etats-Deputation über eine ander- weitige Regelung der Etatsvelhaltnisse der Echul-Jnspeltoren sich schlüsfig gemacht hat. ersucht der Magistrat die Stadtvec- ordneten-Versammlung, fich mrt diesem Beschlüsse einverstanden zu erklären, und zu genehmigen, daß das Gehalt der Schul- Inspektoren anfangs 5400 Mark betrage und das Einkommen in Intervallen von 3 Jahren um je 300 Marl big zu dem Maximum von 6900 Mark steigen soll. Die Beträge über 6000 Mark sollen als penfionsfähige Funkllonizulage ge- währt werden, aus welche bei dem etwargen Uebertritt in ein anderes Amt keinen Anspruch soll erhoben werden können. — Die Vorloge des Magistrats an die Stadtverordneten- «krsammlung, betrcffmd die Gründe, auS welchen der Bau der Markthallen in der Innenstadt nicht hat fortgesetzt werden können, ist, wie die„Rat.- Ztg." hört, von ziemlich umfang- rirchen Schriststück-n begleitet. Sie enthält namentlich in der Klage eine sehr eingehende Kritik deS Verlangens der Polizei, daß wegen etwa möglicher Panik in den Markthallen die Ein- gänge zu denselben so breit gehalten sein sollten, wie etwa der Fahrdamm in der Mohrenstraße, d. h. 9 M breit. Es wird in der Klage behauptet, daß diese Forderung ebenso rechts- widrig wie sachwidrig sei. Bekanntlrch hat fich das Polizei- Präfivium zur Begründung seiner Ansp'üche an die Stadt, deren Verwirklichung(wegen der hierdurch entzogenen Ausnutzung des an der Straße liegenden Vorderlandes für Gemeinde- oder sonstige Ertragszw:cke) das Markthallen-Unter- nehmen um Hunderttausende belasten würde, ganz allein auf die landrechtliche D-finition vom Amt der Polizei:„Die nöchi- gen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Rübe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahr zu tref- scn, ist das Amt der Polizei" berufen. Auf diese allgemeine, der Polizei erthellte Vollmacht stutzt fich das Verlangen. Da ober der Gesetzgeber nur von bivorftebender Gefahr in der Definition gesprochen hat, so ist in der Klage die Frage aufgeworfen worden, ob die V-rmuthung des Herrn Branddirektor Wüte, es könnte einmal in einer Markthalle eine Panik durch Feuerschrccken entstehen, irgend welchen Boden in der Wirklichkeit babe. Es ist in der Klage ausführlich nachgewiesen, daß selbst die Re- dakioren des Landrcchts nur an„Gefahren" gedacht haben, deren Beoolstehen nach objektiven, aus der Erfahrung herge- nommenen Momenten anzunehmen ist. Was darüber hinaus- geht, sei imaginär. Es ist serner in der Klage dargelegt, daß die Markthallen, um welche es hier handelt, derartige Dirnen- fionen haben, daß die Annahme einer durch ausbrechende Panik cn> stehenden Mcnschen-Ansammlung und Gefährdung derselben umsomehr ausgeschlossen sei, als durch einen 4 Meter breiten Ausgang in einer Minute bequem tausend Menschen ohne besondere Ucberstürzung den Ausgang nach der Straße ge- Winnen können. K o k» l e s. er. Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, es kann ihm sonst zu leicht pasfiren, daß ihm einige Scheiben eingeworfen werden. Es giebt in Berlin wohl kaum eine Zeitung, die an Dreistigkeit und edler Unverfrorenheit so- viel geleistet hätte, als das in dieser Beziehung hinlänglich be- kannte und schon oft gekennzeichnete„Berlrner Tageblatt". Wie oft ist dieses sogenannte Weltblatt nicht schon auf einer wirklich bösartigen Privat-Depcschenfabrikation ertappt worden. man denke nur an die rühmlich bekannte Gesandtschaft des Mahdi, die nach dem„B- T." zur Theilnahme an dem Ber- liner Kongreß unterwegs sein sollte,— man erinnere fich nur jener„verfrühten" Berichte über die Flotten- manöoer aus Kiel im vorigen Jahre, und man wird einsehen, wie jenes dreiste Blatt, welches von Organen der eigenen politischen Observanz als eine öde Bei- läge zu dem humoristisch se n sollenden„Ulk" hingestellt wird, seine Leser zu täuschen versteht.„Die Mache ist Alles"— heißt es dort, und man scheint genau zu wissen, was man einem Kreise fortschrittlicher Leser zu bieten wagen darf. Im„Ber- liner Tageblatt" ist natürlich Alles Original, von den Privat- Telegrammen aus allen Tlmlen der Welt, die meistentheils in den rauchgrschwängerten Bierstuben der Jerusalemer-Etraße entstehen, an bis auf die aufgeputzten Schnurren, die, älteren Jahrgängen anderer Zeitungen entnommen, gewöhnlich im „Berttner Tageblatt" ihre Auferstehung feiern. So lesen wir in der gestrigen Montagsauszade des edlen Blattes folgende, durch ehrwürdiges Alter fich auszeichnende Geschichte: Diana im Bade. Auf einem Herrenhofe in Schweden sand in Veranlassung des Geburtstages des Hausherrn eine große Ge- sellschaft statt. Alle Nachbarn hatten fich eingesunden und ihre Glückwünsche ausgesprochen. Unter den Gästen befand fich auch ein junger Pastor, den wir H. nennen wollen. Dieser war sehr brliebt, sowohl wegen seines Freifinns, wie wegen seines iieblnswürdigen Wesens. Die Gesellschaft befand fich in der angenehmsten Stimmung, man hatte bereits die ganze Skala ländlichen Vergnügens durchgekostet, daher wurde ein Vorschlag, lebendeBildcr zu arrangiren, mit lautemJubel begrüßt. Die Arrangements waren bald gemacht, und ein gelungenes Bild nach dem andern wurde enthufiastisch applaudirt. Plötzlich hörte man hinter dem Vorhang einige sonderbare Töne, die von unter- drücktem Lachen begleitet wurden, und gleich darauf trat der Pastor H. hervor und erklärte, daß daS nächste Bild„Diana im Bade" darstellen werde. Die anwesenden Damen schaute» einander verlegen an und mehrere der älteren Herren wagten einige scherzhafte Bemerkungen darüber zu machen. Die„ge- mischten Gefühle" verwandelten fich jedoch bald in die ausge- lassenste Heiterkeit, als der Vorhang ausging und das Bild fich vor der Gesellschaft zeigte. Mitten auf der improvifirten Bühne stand ein großer Holzkübel voll mit Wasser, aus welchem der schwarze Kopf der Diana— des Jagdhundes des Gastgebers— mit wehmüthigen Blicken die Anwesenden musterte. Unter diesen erkannte Diana ihren Herrn und stürzte nun vor Freude mit lautem Gebell aus dem unfreiwilligen Bade mitten in die Gesellschaft, welche erschreckt nach allen Seiten entfloh. Nur mit Mühe gelang es, den schützenden Schleier vor die badende Diana zu ziehen. Der Pastor H. aber mußte viele Scherze wegen seiner Bekanntschaft mit der heidnischen Göttin Diana über sich er- gehen lassen, die er mit zufriedenem Lächeln aufnahm."— Nach dem Dafürhalten der Herren vom„Berliner Tageblatt" muß diese kleine Episode mindestens etwas Pikantes enthalten, sonst hätte fie wohl schwerlich in denjenigen Spalten Aufnahme gefunden, in welchen sich so ziemlich die hervorragendsten Geister der deutschen Nation Rendezvous geben, wo es von frillantcn Einfällen förmlich wimmelt, und geadelte Börsenjobber und halb bankerotte Sportsleute gleichmäßig gefeiert werden, und fich die auf Tantiemen versessenen Fabrikanten „geistsprühender" Theaterstücke gegenseiiig in widerlicher Weise beweihräuchern.„Die Mache ist Alles"— wenn jener Scherz hier in Berlin pasfirt wäre, so wäre er für die blasir- ten Leser deS„Deutschen Montagsblatt" und der Montags- Ausgabe des„Berk. Tgbl." jedenfalls nicht würzig genug ge- wcsen, man verlegt den Schauplatz der Handlung nach Schweden. Das kostet erstens nichts, und zweitens hört es steh viel besser an. Dadurch, daß man einem solchen Artikel die Chiffre eines sogenannten„Epeztalkorrespondenten" vorsetzt, erhält die Sache in den Aug-n des Publikums nur eine größere Weihe, der FortschrittSphilister läßt sich durch den„alten Schweden" ganz ficher imponiren. Nun ist die Sache aber insofern recht unangenehm, als die Geschichte durchaus des Reizes der Neu- heit entbehrt, dafür aber garnicht in Schweden pasfirt ist. In der Nr. 152 des„Berliner Volksblatt" vom 30. Sep. tember 1884 steht nämlich fast wörtlich derselbe Vorfall, nur mtt dem Unterschied, daß er nicht in Schweden, sondern in der Nähe Berlins vorgekommen sein soll. Doch was schadet das, daS„Berliner Tageblatt" schmückt sich jedenfalls niemals mit fremden Federn,— dies Kind, kein Engel ist so rein I — Wir wollten mit unseren Ausführungen nur einen kleinen Beitrag zur Entstehungsgeschichte der sogenannten Original- Artikel deß„Berliner Tageblatt" geliefert haben, möge er dazu dienen, daß diesem anmaßenden Blatte endlich auch ein- mal ein wenig Bescheidenheit anerzogen würde. *** Stenografischer Unterricht. Oeffeniliche Unterrichts- kurse in der Gavelsberger'schen Stenographie werden von dem Stenographenverein„Gabelsberger" eröffnet: Donnerstag, 15 Januar, in der ehemalig Dr. Wieprecht'schen Schule, Mark- grafcnstr. 105— Freitag, 16- Januar, in der Königlichen �hierarzeneischule, Luisenstr. 56— Montag, 19. Januar, im Köllnischen Gymnafium, Jnselstr. 2-5. Der Unterricht findet zweimal wöchentlich Abends 8 Uhr statt, Anmeldungen nehmen die betreffenden Schuldiener entgegen, oder können bei Beginn des Unterrichts erfolgen. Pränumerandobeitrag zu den Kosten inkl. Lehrmittel 6 Mark. a. Ein anscheinend zu den sog. internationalen Taschendiebe» gehöriges Mitglied ist gestern Nachmittag gegen 3 Uhr Unter den Linden, in der Nähe des Nieder- ländischen Palais, in flagranti festgenommen worden. Derselbe istZein angeblich aus England gekommener, hier auf der Durch- reise befinvlicher russtscher Unterthan, welcher sich Israel Blume ai. Quintek nennt. Blume ,og einer vor ihm gehenden Dame ein Portemonnaie aus der Tasche, wurde dabei bemerkt und zur Wache gebracht. Dei seiner Visttation wurde ein ziemlich beträchtliche» Vermögen bei ihm gefunden, und zwar 15'/- Pfd. Sterling und 255 Papierrubel in seinem Hemd eingenäht auf der Brust, ca. 6 Rubel in Silbermünzen, 35 Mark deutsches Geld, ferner zwei Zehnmarkstücke in einem blauen Damen« Portemonnaie mit Kugelsibloß und schließlich eine stelberne Damenuhr mit der N-. 30 593/4. Das Portemonnaie und die Damenuhr scheinen von Blume hier gestohlen worden zu sein. Blume, welcher den Diebstahl durchaus ableugnet, giebt vor, gestern früh aus London hier angekommen zu sein, um an demselben Abend weiter nach seiner russtschen tzeimath zu reisen. Mehre Blätter berichten über eine schreckliche Szene, die z am Sonnabend Nachmittags an den Kanalufern zwischen d r Potsdamer- und Bendlerbrücke abgespielt haben soll. Ein Ehepaar, so meiden fie, warf seine beiden Kinder in den Kanal, augenscheinlich in der Absicht, dem Mord den Selstmord fol- gen zu lassen. Durch dos Schreien der unglücklichen Opfer wurden Paffanten herbeigelockt und die Eltern verhindert, den Kindern zu folgen, fie rannten daher der Potsdamer Brücke zu und führten hier ihren Vorsatz aus. Beide versanken so rasch in die Tiefe, daß die Rettungsversuche fruchtlos ausfielen. Zwischen 3 und 4 Uhr Nochmittags gelang es, die Leichen der Kinder aus dem Wasser zu fischen. Nach den Mittheilungen eines Berichterstatters ist über diesen Unfall bisher noch nichts bekannt geworden. Fistgestellt ist ferner, daß die Kindesleichen, die doch aufgefunden worden sein sollen, bis heute früh nicht in die Morgue eingeliefert worden find. In die Morgue ist seit Sonnabend nur die Leiche eines Mannes, an dem eine äußerliche Todesursache nicht wahrzunehmen, gebracht worden. Polizei-Bericht' Am 10. d. Mts. Morgens sprang ein unbekannter Mann gegenüber dem Hause Schöneberger Ufer Nr. 23 in den Landwehr-Kanal und ertrank.— Am Nachmittag desselben Tages stürzte sich ein Mann aus dem Fenster seiner in der Petristraße rm 2. Stock belegenen Wohnung auf die Straße hinab und verstarb in Folge der erlittenen Ver- letzungen auf der Stelle.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung RheinS bergersttaße erhängt vorgefunden.— An demselben Tage wurde der 8 Jahre alte Sohn des PionierstraßelNr. 6 wohnhaften Schneiders Braunhold beim Ueberschreiten des Sttaßendamms von einem Bierwagen über- fahren und erlitt hierbei einen Schädelbruch. Er wurde auf ärztliche Anordnung nach dem Eiisabcih-Kinder-Hospital ge« bracht.— Der Kutscher Obst wurde, als er um dieselbe Zeit auf dem Hof der Packetfahrt-Gesellschaft in der Alexandrinen- straße Nr. 93 kranke Pferde bewegte, von einem scheu gewor- denen Pferde ins Gesicht geschlagen und bedeutend verletzt, so daß er nach dem Argusta-Hospital gebracht werden mußte. An demielben Tage versuchte ein junger Mann, in der Andreasstraße wohnhaft, fich mittelst Oleum zu vergiften. Er wurde noch lebend nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshain gebracht.— Am 20. 0. Mts., Nachmittags, fiel eine 75 Jahre alte Frau an der Ecke der Belle-Alliancestraße und des Blüchcrplatzes vuS Unvorfichtigkeit die dort vom Straßendamm führenden zwei steinernen Stufen herab und verletzte d) dabei derartig an der Nase, daß sie stch mittelst Droschke nach ihrer Wohnung begeben mußte.— An demselben Tage, Abends, verunglückte der Arbeiter L«pke in der Moabiter Aktien-Brauerei dadurch, daß er beim Auflegen eines Riemens auf die Riemenscheibe eines Elevators mit dem rechten Fuß unter die Transmisstonswelle gerieth und ihm dadurch die Knochen desselben zermalmt wurden. Der Verunglückte fand Aufnahme im städtischen Krankenhause in Moabit.— Im Laufe des 10. d. Mts., entstanden an zwei Orten kleine Brände, welche von der Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht wurden.— Ebenlo fand am 11. d. Mtir, Nackmittags, in einem Hause der Körnerstraße ein kleiner Brand statt, durch welchen einige Kleidungsstücke beschädigt wurden. Das Feuer wurde von Hausbewohnern gelöscht. Genckts Leitung. Der Betriebsdirektor der Grossen Pferde Eisenbahn» Gesellschaft, Herr v. Knoblauch, war wegen Lagerung von Steinen auf der Kronensttaße ohne polizeiliche Genehmigung durch Polizeimandat in eine kleine Geldstrafe genommen wor« den und hatte gegen dm Strafbefehl Widerspruch erhoben. In Folge dessen gelangte die Sache vor der 95sten Abtheiluna des hrefigen Schöffengerichts zur Verhandlung. Dort wurde durch die stattgehabte Beweisaufnahme folgender Sachverhalt festgestellt: Anfangs September v. I. war auf die Auffordr- rung der Polizeibehörde an den Magistrat die Pferdebahn- Gesellschaft als Verpflichtete veranlaßt worden, an dem Straßen« pflaster in der Kionenstratze eine Reparatur vorzunehmen. Zu diesem Bchufe hatte vor dem am 12. September v. I. statt« gehabten Beginn der Arbeiten der Anaeklagte dem Revier« lieutenant auf einen Zettel die Anzeige erstattet und in dem qu. Schriftstück zugleich um die Genehmigung zur Lagerung der bcnöthigten Steine auf dem Straßendamm ersucht. Nach der Bekundung des betreffenden Polizeibeamtcn pflegt eine be- sondere schriftliche Genehmigung nickt erthcilt zu werden. Da dt« Ausführung der Reparaturen stch aus nicht bekannten Grünren verzögerte, so waren die gelagerten Steine länger alS sonst üblich auf dem Pflaster liegen geblieben, wodurch der Straßenverkehr gestört worden ist. Den Verstoß gegen§ 71 des Straßenpolizet- Reglements fand die Polizeibehörde gerade in diesen längein Lagern, während die gedachte Strafbestim« mung nur das Lagern von Steinen ohne polizeiliche Ge« nchmigung verbietet. Der Gerichtshof erkannte daher, da vor« liegend die nachgesuchte Genehmigung in der gewöhnlichen Weise crtheilt war und das längere Lagern der Steine nicht unter Strafe gestellt ist, auf Freisprechung deS Angeklagten. — y. Wie der Buchhändler O- Erler Justiz ausübte. Dem Buchhändler Erker wurde eines Tages von seinem Per« sonal die Älttheilutrg gemacht, daß der lljährige Knabe Erich Herzberg bei einem seiner Ernläufe in dem Erter'scheir Lasen die Gelegenheit benutzt und stch eine auf dem Tijche liegende Freimarke angeeignet habe- Herr Erler ließ fich den kleinen Thunichtgut nach seiner Wohnung holen, nahm ihn mit nach seinem Privatzimmer und hielt ihm eine kräftige Vorlesung über das siebente Gebot. Dieses war nun gewiß ganz in der Ordnung, aber Herr Erler überschritt seine Befugnisse als er den Missethäter dermaßen mit Ohrfeigen regalirte, daß dessen Backen hoch aufschwollen und als er ihn nachtraglich noch fast eine Stunde lang eingeschlossen hielt. Der einige Jahre ältere Bruder des Gezüchtigten, der fich nach dessen Schicksal und Verbleib erkundigen wollte, mußte unoerrichteter Sache, aber ebenfalls mit einigen kräftigen Ohrfeigen ver« sehen, unoerrichteter Sache wieder abziehen. Für Herrn Erler hatte dieser Akt der Lynchjustiz aber üble Folgen, denn gestem hatte er unter der Anklage der Mißhandlung und der Freiheitsberaubung vor der ersten Strafkammer des Land« gerichts i. zu erscheinen. Da die Beweisaufnahme lediglich den Thatbestand der Anklage bestätigte, so mußte Herr Erler trotz seines bisher völlig tadellosen Lebenswandels bitter büßen, denn das Gericht veruitheille ihn wegen der FreiheitS« beraubung zu 2 Tagen Gefängniß, wegen der Mißhandlung zu 30 Mk. cvent. 3 Tagen Haft. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Die Voltsversammlung zum Strife der Steinnußfnopfarbeiter, welche von der Strike- Kommission der Drechsler und Knopfmacher in Sachen des Strikes in der Martert'schen Fabrit einberufen war, fand im großen Saale des Keller'schen Restaurants, Andreasstraße 21, statt. Der Vorfißende der Kom mission, Drechsler Julius Müller, theilte mit, daß der Strikekommission eine Antwort auf ihren Brief an Herrn Markert noch nicht zugegangen sei. Die verschiedensten Gewerkschaften hier und außerhalb hätten Unterstüßungen zugesagt. Als in der hierauf folgenden Diskussion der Bimmerer Tiegwald( Mitglied der Zimmerer- Kommission) eine Unterstützung der Zimmerer in Aussicht stellte und zu einer festen Organisation mit den Worten aufforderte: ,, Das Kapital ist nur durch Kapital zu bekämpfen; der Arbeiter muß sich deshalb eine Organisation schaffen, denn wenn er erst hungernd und mit bleichen Wangen dafteht und hinausgeworfen wird" erklärte der überwachende Polizeibeamte die Versammlung für aufgelöst. Die Bahlstellen der Strifefommission, an denen täglich Abends von 7-10 Uhr und Sonntag Vormittags von 9-11 Uhr die Unterstüßungsgelder entgegen genommen werden, befinden sich zur Zeit: Im Norden: Elsasserstraße, Ecke d. Kl. Hamburgerstraße b. Volland; im Osten: Andreasstr. 44 b. Wierfing und vor dem Stralauerthor 18 bei Nagel; im SüdDften: Ritterstraße 123 bei Sodike; im Süden: Alte Jakobstaße 105 bei Pfeifer; im Südwesten: Mittenwalderstraße 57 bet Schubert; im Süd- Osten: Naunynstraße 78 im Lokal, sowie beim Kassirer Herrn H. Scharfe, Wendenstr. 2. Alle auf den Strife bezüglichen Buschriften find an den Vorfigenden der Kommission, Herrn Jul. Müller, Naunynftr. 78, im Lotal, oder an den Schriftführer Herrn A. Fischer, Alte Jakobstraße 105 bei Pfeifer, zu adresfiren. Am Dienstag, den 13. b. Mts., findet wieder eine Versammlung der Strikenden und schon am darauffolgenden Tage, spätestens am Donnerstag, den 15. b. Mis., wieder eine allgemeine Arbeiter- oder Volksversammlung zur Besprechung des Strikes statt. In den Industrie- Hallen in der Mariannenstr. 31-32| fand am Sonntag, den 11. Januar, eine Versammlung des Fachvereins der Gürtler und Berufsgenossen statt. In der felben bielt Herr Dr. Bohn über Vulkanismus und Erdbeben einen höchst interessanten Vortrag. Derselbe schilderte die Entstehung der Vulkane und deren Zusammenhang mit dem Innern der Erde, indem er dieses durch Aufzeichnungen den Anwesenden erklärlich machte. Ferner erklärte er die Thätigkeit Derselben und er mies nach, daß bis jetzt noch keine bestimmte Anzeichen dem Ausbruch eines Vulkans vorangehen. Auf die Erdbeben übergehend und hauptsächlich die legten Ereignisse in Betracht ziehend, erklärt Dr. Bohn, daß das Erdbeben mit dem Ausbruch der Vulkane nichts zu thun hat, sondern auf einer unterirdischen höhlenreichen Gegend, und dem Zusammenbruch einer solchen zurückzuführen set, und betonte zum Schluß, daß auch wir in Deutschland und feiner zu großen Sorgloftgkeit überlassen sollen, da es nicht ausgeschlossen sei, daß wir eines fchönen Tages von solch einem Ereigniß überrascht werden könnten, 3. B. habe der Vesuv Jahrhunderte paufirt, ehe er wieder in Thätigkeit getreten ist, was auch von unseren als ausgestorben geltenden Bulkanen der Fall sein tönnte. Nachdem der Vorfigende dem Referenten im Namen der Versammlung seinen Dant ausgesprochen, und legterer einige an ihn gestellte Fra gen beantwortet, fam Punkt 2 ,,, Arbeitsnachweis", zur Sprache. Derselbe wurde wiederum auf Vorschlag des Vorsitzenden abgefeßt, um in einer demnächst stattfindenden großen Gürtlerversammlung, wozu die Meister und die Vorstände der Krankenfaffen eingeladen würden, erledigt zu werden. Ein Antrag, die ftrifenden Arbeiter der Firma Lenschow und Markert zu unterftügen, wurde, nachdem fich alle Redner dafür ausgesprochen, angenommen und denselben 50 Mark bewilligt. Nachdem noch ble Frage wegen Anschluß an die Bentralisation zur Sprache gekommen, wurde dieselbe auf Antrag Ballmüller auf die nächste Tagesordnung gefeßt. M t. Juteressante Streiflichter auf die neubegründete demokratische" Partei und auf die erste Versammlung derselben im Universum" warfen die Verhandlungen der am Sonntag Vormitag bei Golle, Linienstr. 30, stattgehabten allgemeinen Volksversammlung, welche zmar gut besucht war, aber dem Schicksale der polizeilichen Auflösung verfiel. Auf Grund des vorliegenden, von der demokratischen Partei aufgeftellten Programms, welches allerdings nur pro primo verfaßtsein, pro secundo aber vermehrt und verbessert werden soll, wurde eine interessante Vivisektion des Neugeborenen vorgenommen und diese von den Vivisektoren als ein Ableger der deutsch freifinnigen Partei erklärt. Referent Hr. Engler, welcher erft Tags zuvor von einer Steise zurückgekehrt und demzufolge nicht genügend informirt war, außerdem an Unpäßlichkeit litt, mußte fich auf nur furze Ausführungen beschränken und es zumeist der Diskussion über laffen, Klarheit in die Verhältnisse zu bringen. Dennoch glaubte er den Vogel an seinen Federn erkannt zu haben und warnte davor, nicht allzuviel auf den schönklingenden Namen der neuen Partei" zu geben. Dieselbe sei nur geeignet, das Volk zu zersplittern, aber nicht, es zu befriedigen, da sie nicht die berrschenden Uebelstände zu beseitigen suche. Die Noth des Arbeiters stamme daher, daß er für die nothwendigsten Lebensbedürfnisse mehr Kapital auszugeben ge3ungen fet, als ihm auf anderer Seite wieder zufließe. Sn Folge dessen trete naturgemäß ein Zustand der Verarmung ein. Die Steuern schädigen den Arbeiter lange nicht so sehr, als " 1 Theater. #autolimes Opernhaus: Heute: Baar und 3 mmermann. Heute: Narzis. Königliches Schauspielhaus: Deutsches Theater: Heute: Der Weg zum Herzen. Heute: Bellealliance- Theater: Der Raub der Sabinerinnen, Schwant in 4 Aften von Franz und Paul Schönthan. Renes Friedrich- Uhelmstädtisches Theater: Heute: Gasparone. Central- Theater: Alte Jalobftraße 30. Direktor: Ab. Ernst. Heute: Der Walzer- König. Heute: Der Club. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Walhalla Operetten- Theater: Ponisenstädtisches Theater: Heute: Der Feldprediger. Heute: Jenny Waldmann. Oftend- Theater: Heute: Der Prinz von Monte Fiasco. Wallner Theater: Heute: Der Kompagnon. Heute: Sulfurina. Bittoria- Theater: Alhambra- Theater. Heute: Die Galloschen des Glücks. 11 14 Tage der Arbeitslosigkeit. Auch Herr Gutsche war der Anficht, daß man es der demokratischen Partei nie gelingen werde, einen Keil in die Arbeiterpartei zu treiben. Zwischen Wahrheit und Lüge gäbe es noch ein Blittelding, die Heuchelei, und die neue Partei sei nichts weiter, als eine deutsch- freifinnige Heuchelei, bestimmt, die erhaltene Schlappe wieder gut zu machen und würde event. Falles mit fliegenden Fahnen zur übergehen. Recht interessante deutsch- freifinnigen Partei übergehen. Enthüllungen machte Herr Laste über die Vorgeschichte feines Präfidiums in der Mittwochs Versammlung der demokratischen Partei im Universum. Besagte Vers sammlung war durch große Plakate an den Anschlagssäulen als„ öffentliche Bersammlung angekündigt, beim Polizeipräsidium aber als Vereinsversammlung" gemeldet worden. Demzufolge durfte nur ein Vereinsmitglied" den Vorfiz führen, was aber feine Schwierigkeiten hatte, da außer Als den Gründern" teine Mitglieder vorhanden waren. er( Laske) daher zum Vorfißenden gewünscht wurde, thn, man um aus diesem Dilemma herausmußte berauszukommen, als Mitglied" in die Mitgliederliste des Vereins eintragen, da sonst die Versammlung aufgelöst worden wäre. Als er das übliche Eintrittsgeld entrichten wollte, wurde ihm bedeutet, daß dies nicht nöthig sei, wahrscheinlich, bemerkte Herr Laske, in der frohen Zuversicht, daß man von ihm doch Nichts würde. erhalten haben Ueber Die Partei respektive Verein urtheilte Herr Laske, daß bas veröffentlichte Programm nur von der Arbeiterpartei entlehnt sei, welche schon seit Jahrzehnten für die hauptsächlichsten For derungen deffelben eintrete. Man versuche nur unter demofratischer Maste Arbeiter in das deutschfreifinnige Lager hinüberzulenken unter Voraussetzung, Daß die Arbeiter, die unter drückenden politischen Verhältnissen Icben glauben würden, fich dort freier bewegen zu können. In Icben glauben würden, sich dort freier bewegen zu können. In drastischer Weise kritisirte er sodann das demokratische Programm, verbreitete fich über englische Verhältnisse, über die Ausnutzung der wirthschaftlichen Abhängigkeit für politische Swede und äußerte fich dahin, daß man hier die wirthschaft liche von der politischen Frage niemals trennen, sondern stets gemeinsam behandeln würde. Hierauf löste der Vertreter der Bolizei die Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes auf. Der Im Fachberein der Schneider hält am Dienstag, den 13. b. Mts., Abends 8%, Uhr, in der Kommandantenstr. 20 Herr Dr. Heymann einen Vortrag über Bauernkriege und ihre Bedeutung, wozu auch Gäste Zutritt haben. Im Gauverein Berliner Bildhauer, Annenstraße 16, findet heute Abend 9 Uhr die halbjährliche Generalversamm lung ftatt. Tagesordnung: Kaffenberichte, Kommissionsberichte und Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren. Die Freie Vereinigung der Vergolder und Fachgenoffen hält ihre monatliche Versammlung Montag, den 19. Januar, Abends 8 einhalb Uhr, Inselstraße 10 ab, wozu alle Mitglieder und Kollegen freundlichst eingeladen sind. Die Versammlung des Verbandes deutscher Zimmerleute, Lofalverband Berlin, findet am Mittwoch, den 14. d. M., Inselstr. 10 II. im Saale des Herrn Schäffer, statt, Abends 8 einhalb Uhr. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Kaffenbericht. 3. Verschiedenes. 4. Fragefaffen. Gäfte( Bimmerer) haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder. Vermischtes. " 1 Ein geriebener Ausbrecher. Ein gefährlicher Arrestant ist dieser Tage in St. Petersburg entsprungen. Derselbe heißt Jwan Jeliffejew; er stebt unter der Anllage, 2000 Rubel aus dem Alexander- Newski- Kloster entwandt und außerdem einen Raubmord auf dem Schlüsselburger Prospekt begangen zu haben, wobei er seinem Opfer 6000 Rubel abnahm. Dieser Jeliffejew wurde( wie Pet. Liftof" berichtet) dieser Tage vor den Untersuchungsrichter des 10. Bezirks geführt, um von diesem verhört zu werden. Während der Untersuchungshaft hatte er seinen Bart stehen lassen. Als man ihn aus dem Haftlokal abführte, umschlang er unter dem Vorwande, daß ihm talt sei, den unteren Theil des Gefichtes mit einem Tuch, so daß der Bart nicht sichtbar war; zugleich drückte er seine Müge tief ins Gesicht, so daß die ihn abführenden zwei Soldaten auch nicht einmal seine Phyflognomie sehen konnten. Vor dem Amtslokal des Untersuchungsrichters angekommen, postirten sich die Soldaten vor dem Eingang, während Jeliffejem eintrat. Nach dem Verhör bat er den Untersuchungsrichter, er möge ihn den Paragraphen durchlesen lassen, auf Grund deffen die Anflage gegen ihn erhoben werde. Der Untersuchungsrichter überreichte ihm das Strafgesetzbuch. Unter dem Vorwand, daß das grelle Licht ihn blende, fezte sich Jeliffejew, um lesen zu können, eine blaue Brille auf, die er späterhin auch nicht mehr abnahm. Der Unterfuchungsrichter händigte ihm sodann den Bassirschein ein, und Jeliffejem verließ das Lokal. Das Tuch, mit dem er früher sein Gesicht umwunden hatte, hatte er jest in die Tasche feines Paletots gesteckt; dem Anschein nach eifrig den Paffirschein durchlesend, ging er an den beiden Soldaten, die nach wie vor beim Ausgang standen, ruhig vorüber; lettere hielten ihn wegen der blauberänderten Müße, die er tiug, und wegen der blauen Brille, die er aufgelegt hatte, für einen beim Untersuchungsrichter in Dienst stehenden Beamten, und so gelang es ihm, unbehelligt zu entkommen. Schiffsverlufte im Jahre 1884. In Folge des im Vergleich zu den Vorjahren verhältnismäßig wenig stürmischen Wetters haben im Jahre 1884 411 Schiffsbrüche weniger stattgefunden, als in 1883. Aber wenn auch die in Folge der Witterur gseinflüsse geschehenen Schiffsunfälle abgenommen b ben, so weisen andererseits die aus anderen Gründen, wie Kollisionen, die sich in erschreckender Weise von Jahr zu J vermehren, eine Bunahme auf. Die Bahl der durch Ko flonen herbeigeführten Unfälle betrug in 1884 beinahe 2 bei welchen in mehr als 120 Fällen ein Verlust des einen o beider Schiffe die Folge war. Mehr als 130 Schiffe britis Nationalität find durch Kollifion, zum größten Theile an d englischen Rüften, zum Sinten gebracht, doch fonnten ein derselben später wieder geboben werden. Die Bahl Schiffbrüche betrug 1884 1589, von denen 776 britische Sc betrafen; an den Küsten von England, Schottland und Jila ſanten 359 Schiffe, davon 322 englische, gegen resp. 522 und 4 im Vorjahre. Die nachstehende Tabelle zeigt die Schiffsverlu während der legten fünf Jahre: Verluste an Verluste a den britischen Gesammt zahl der Schiffbrüche Britische Schiffe Menschen Küsten lebin 1884 1589 776 359 3000 1883 2000 948 522 4200 1882 1790 945 576 4129 1881 2039 1048 826 4134 1680 913 480 4000 4630 2763 19436. 1880 Busammen 9098 Von unseren Taubstummen. Das Bild, welches Centralbatt für die gesammte Unterrichtsverwaltung" von d Taubstummenanstalten giebt, wird manchen Leser üb taschen, welcher vielleicht hier zum ersten Male erfährt, lest in allen Taubstummenschulen der gesammten Monate gesprochen wird, wie beim Unterrichte vollfinniger Kin und daß jene künstliche Geberdensprache, welche allerdings, wir ja oft genug auf der Straße sehen, z. B. noch das V ständigungsmittel der Taubstummen unter einander bildet, ihren Schulen überall verschwunden ist. Ein hundertjähri Wettstreit zweier Unterrichtsweisen, welche nach der Heim französische und ihrer Meister gewöhnlich als die deutsche bezeichnet werden, hat nach manchen, fast verderblichen Schwankungen zum Siege der teren geführt. Bor reichlich einhundert Jahren se der Abbé Charles Michel de l'Epe zu Paris, welcher seis Jansenismus wegen sein Pfarramt haite aufgeben mü erst Paris, dann Frankreich, zuletzt ganz Europa durch Erfolge in Staunen, welche er in der von ihm errichte Taubstummen- Anstalt unter Anwendung einer von ihm se Diese Erfolge hat ausgebildeten Reichensprache erzielte. zeitwe aber doch den Mangel, daß fie mehr dazu dienten, dem ta stummen Kinde ein allerdings nicht geringes Maß allgemein Bildung zu geben, als seine Erwerbsfähigkeit zu begründe und daß fie es nicht aus der Jsolirung befreiten, in welche durch den Mangel des Gehöres und der Sprache gefest Diesen Mängeln zu begegnen, war das Bemühen von Sam Heinicke, einem sächsischen Bauernsohne, weicher schon als g meiner Soldat im sächsischen Heere taub tumme Kinder unt richtet hatte, später als Kantor und Lehrer zu Eppendorf ihnen die Sprache, Hamburg es unternahm, weld Nr. erfcheir Berlin Boftab 933 Reichsto erwarte Niederl bei der gelegen De Legenhei Berathu griff de an viel Au Seite Wer ge gedrückt Sachlid Bock, Böttich zur re Fürft großer Gegner Herrn S und au Die vollsinnigen mittelst des Gehörs lernen, durch Hilfe Knabe sprach bei seiner Einsegnung das Glaubensbekennt anderen vier Sinne zuzuführen. Ein von ihm unterrichte wie die anderen Kinder. Nun entbrannte ein beftiger Str zwischen beiden Männern; der Kampf war ungleich. Auf einen Seite stand der vermögende, fein gebildete Franzose mit in seiner blühenden Anstalt, getragen vom Beifalle der Z genoffen aller Nationen; auf der anderen Seite der deuti vermögenslose Autodidakt, anfangs in einem einfachen Do später freilich in Leipzig, aber auch dort faft ohne jede Unt stüßung durch seine eigenen Landsleute. Obenein hatte Kai Es ist zu ihrer Leitung zwei Schüler Epée's berufen. So geschah D. Daß die strikte Durchführung der Heinide'schen Methode, wie sie technisch bezeichnet wird, der reinen Artif tionsmethode, den Begründer selbst nicht übett.ote. ihrer Wiederbelebung erforderlich; eigenen Schüler fielen ab. Großer Muth way sche Pr diefen Bisma ift. D wenn f und he er sich bie He Vorfäl Details D des de unermüdliche Gedu und selbstlose Hingabe allein konnten ihr den Erfolg ficher aber in stiller, vor den meisten Beitgenossen, selbst vor der Me zahl der Pädagogen kaum beachteter Arbeit hat der Fleiß deutschen Schulmeisters gefiegt, und vor zwei Jahrzehnten bere gab es mehr als eine deutsche Taubstummenanstalt, in der oberen Klaffen ein Fremder dem Unterrichte geraume Zeit zuhör fonnte, ohne zu errathen, daß er nicht bei vollfinnigen Kinder verbitte wäre. Nach diesen Erfahrungen ist die Artikulationsmethode den Schulen des preußischen Staates allgemein aufgenomm und demnächst im September 1880 auf dem international Taubstummenlehrer- Kongreffe zu Mailand von den Vertreter aller gebildeten Nationen als die allein zum Biele führen erkannt worden. Im Jahre 1884 beftanden allein in Preus 96 Anstalten und Schulen mit 463 Lehrern und Lehrerinne und 3991 Böglingen. Briefkasten der Redaktion. allen C u wie be des Ra gläubig Situat Reichst 5 fann n Nachdruc A. R. Techniter. Sie werden binnen einigen Tagen Betreff der etwas schwierigen Frage Antwort erhalten. R. Frôl. Nach dem geschilderten Sachverhältniß haft 61 Sie nicht für den Verlust des Buches. A. B. C. Es kommt auf die Bestimmungen in Schuldurkunde, welche der Hypothet zu Grunde liegt, an, fie Zinsen zu verlangen berechtigt find. Hauptziehung - 31. Jan. Preußische Loose: 16. Jan. Original 154 Mart, 172 Mart. Antheile, 30 Mt., 116 15 Mk., 132 7,50 Mt., 164 4 Mr. Borchardt Gebr., 1. Geschäft Friedrichstraße 61, Telephon 3158 2. " Königstr. 1, Ecke Burgstr. Durch die Geburt eines derben Jungen wurden erfreut P. Rüde und Frau. Berlin, den 12. Januar 1885. Achtung, Metallarbeiter! Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß fich die Arbeiter der B. Joseph'schen Fabrik wegen Verlängerung der Arbeitszeit im Strife befinden und bitten wir jeden Buzug dahin fernzuhalten. Der Fachverein C Verbre wirths am un Lufte b haben Roden 8 zwische sei, da 480 wie e bas t Woher follte Selbstunterricht„ daß in der Schaftu einfachen und doppelten kaufmännische schädli Buchführung Ich er der S " und Darstellung eines neuen abgekürzten Systems Ihnen erinne regeln 62 von ih ein tre S mächti der Metallarbeiter in Gas-, Wasser. u. Dampfarmaturen. J. A.: Der Vorstand. Jede Tischlerarbeit wird billig und sauber ausgeführt bei 56 A. Gaertner, Tischlermeister, Admiralftr. 17, H. 2 Tr. Die Nr. 12 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" i erschienen und in der Exped. d. ,, Berl. Boltsbl." zu haben zur doppelten Buchmethode. Von C. Schmidt, Lehrer d. Handelswissenschaft, Preis Mk. 1,50. Bu beziehen durch die Expedition des„ Berl. Volksblatt" Zimmerstraße 44. Verantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. telter " Brand und K