dir mtr.Iunä» rg t)oi\ i. für atW» zu deaM bei d-» n d« t«f ßden !M Ii Nr. 17. Mittwoch, 21. Januar 1885. n. Jahrg. Jl trlnifrUolbtilsll. Brgan für die Interessen der Arbeiter. seine 21. d. )t des 1884- f i-Komiiiki i die M cbl» _ Das„verlwer volttdlatt" uttyiita-aguch ikorg«,» vcher»ach Ko»»« u«d Festtage». Abo«»eule»t irksverÄ Vi Uhr. Z hwendi�' oiumtff: r Honto'.M •1 i:'i*Y, liitgKtf'M r Vott-I aufnehi� itioa. Bereit V:-Ä cht. a««11' für �4 M| oendigst� iitkiion H ffd-Ä Januar t Ä lorB Nachdruck verboten.) 67 ir, tn u. s. 4 Mitg»� n V"'?' auf«» Jntti M- 3'� ilM liH /. Uhr. V Jeuil'teton. Gesucht und gefuude». Roman von Dr. Dux. lForsetzung.) Miß Elly war für ihn nicht nur eine Person, welche sein Mitg-sühl erregte, nicht nur eine Patientin, deren Wohl ihm dem Arzte, am Herzen liegen mußte. O nein! Ihr schönes sanftes Auge hatte sein Herz tiefer gerührt; ihr liebliches AnUitz hatte auf ihn einen tieferen Eindruck gemacht, als "änderen, ja, als er sich selbst gestand. Sie frei, sie £ an su machen, das war sein innigster Wunsch; nicht der Wunsch eines theilnehmende«, nein, der Wunsch eines liebenden Herzens. Neunzehntes Kapitel. Obwohl die Zeit noch nicht gekommen war, wo die Bureaustunden des Sherifamtes aufhörten, glaubte der ältere Kollege des Herrn Naydor doch keine Pflicht- Verletzung zu begehen, wenn er düsem erlaubte, schon jetzt das Bureau zu verlassen, eine Erlaubniß, von welcher der junge Schreiber bereitwillig Gebrauch machte. Fritz ließ sein Pferd in dem nahen Gasthof unierbringen und ging mit seinem Begleiter die Hauptstraße des Fleckens entlang, welche auf die Chaussee hinausführte. Der junge Mann erzählte ihm allerlei; bald von seinen Erlebnissen im Bureau, oder von den Vorzügen des Aufenthalts i» Westinn, bald von feinen früheren glücklichen Tagen, zu der Zeit, da sein Vater noch lebte, oder von Mr. Worlds großer Strenge und von seinem Geize. Aber Fritz hörte die» Alles nur halb, er antwortete rem5 Uni! zerstreut, seine Gedanken beschäftigten sich mit Elly und dem Geheimniß, dessen Lösung er mit jedem Schritte näher kam. Das Haus, in welchem Mrß. Naydor wohnte, lag fast ganz am Ende des Fleckens. Es war ein fehr klemes und sehr bescheidenes Häuschen. Die alte Frau saß auf einer Holzbank vor der Thür '.m schatten erner mächtigen Linde mit einer Näharbeit be- lassen. Es sind nur äußerst seltene Fälle, in denen man sich entschließt, der dritten Klasse auch ein wenig— Komfort kann man nicht sagen— Aufmerksamkeit zuzuweaden. Und doch bringen die Passagiere der dritten Klaffe vielleicht den Bahnen am Meisten ein. Die Paffagiere der vierten Klaffe bringen mehr ein als diejenigen der ersten Klaffe und demnach müssen sie sich darein ergeben, daß man sie in Wagen unterbringt, die sich von Viehwagen nur dadurch unterscheiden, daß eben Menschen mit ihnen tranSportirt werden. Und wozu hat man in der vierten Klaffe die Vorrichtungen zum Sitzen völlig weggelassen. Ein ver- nünftiger Grund wird sich dafür kaum finden lassen. So ließ sich noch einer Menge von Umständen Er- wähnung thun, daß sich unsere Verkehrsanstalten im Ver- gleich zu früher allerdings wesentlich gebessert haben und daß sie in einer Periode ständiger Verbesserung begriffen sind, daß aber namentlich in Bezug auf Bequemlichkeit und Behaglichkeit noch karige nicht der Grad erreicht worden ist, der unseren heutigen allgemeinen Verhältnissen ent- sprechen dürste. Deshalb mögen jene AuSwanverungS- Agenten und andere Bediensteten der Rheder, von denen jener Lärm hauptsächlich herrührt, doch lieber schweigen. Man soll nicht übertreiben und so sei denn auch gerne zu- gegeben, daß die Zustände auf den AuSwandererschiffen im Allgemeinen nicht so schlimm sind, wie sich Mancher eS vorstellt. Andererseits aber ist enlschieden zu betonen, daß in den Einrichtungen dieser Schiffe keineswegs Alle» zu finden ist, was man für Bequemlichkeit, Gesundheit und Verpflegung der Passagiere in unserer Z it und unter unseren Verhältnissen verlangt. Vor allen Dingen steht es den AuSwanderungS- Agenten und Rheder» schlecht an, ihre eigenen Einrichtun- gen selbst so sehr zu rühmen. Sie sollten abwarten, bis dies andere Leute rhun. KoMiseke UeberSiekt. lieber den gesetzlichen Maximalarbeitstag findet jetzt eine lebhafte Diskussion in der Presse statt. Anknüpfend an die Verhandlungen, welche diesbezüglich im deutschen Reichs- tage stattfanden, sucht jede Zeitung, ihren politischen Grund- säßen entsprechend, an dieser Frage herumzudoktern und mit mehr oder weniger Phrasen den Rochweis zu führen, daß eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit aus verschiedenen Gründen nicht eingeführt werden könne.— G-ünde find bekanntlich billig wie Brombeeren und namentlich die Gründe, welche heute noch gegen den Maximalarbeitstag ine Feld geführt werden. Statt einer sachlichen und eingehenden Diekusfion, begegnet man den alten, längst abgenutzten und kleinlichen Einwendungen, die unwillkürlich den Einsruck heiv errufen, daß die halben und ganzen Gegner in dieser Frage mit ihrem Latein zu Ende sind. — Während die Einen auf die Erntezeit und darauf hin- schäftigt. An ihrer Seite saß ein kleines Mädchen und strickte. Al« sie beide Ankömminge erblickte, sah sie Anfangs überrascht und erschrocken aus. „Herr Gott, Charles!" rief sie,„Du kommst jetzt schon? Mr. World hat Dich doch nicht etwa entlassen?" „Sei ruhig, Mutter," antwortete der junge Mann;„ich bin keineswegs entlassen, sondern von meinem Bureauvorsteher beurlaubt und zwar, um Dir diesen Herrn vorstellen zu dürfen; es ist der Herr Doktor Rodenburg von Be- thesda." In ihrer Angst war die Frau ihrem Sohne entgegen- geeilt, hatte ihn in ihre Arme geschloffen, und seinen Be- gleiter bisher nicht beachtet. Jetzt knixte sie tief vor ihm und sagte ihm, verlegen erröthend, daß eS ihr eine große Ehre sei, ihn in ihrem Hause empfangen zu können. Fritz seinerseits versicherte ihr, daß es ihm viel Ver- gnügen mache, die Mutter des vortrefflichen jungen Mannes kennen zu lernen, dessen Bekanntschast er eben ge- macht habe. Am liebsten wäre Fritz gleich auf das Ziel losge- steuert, allein die Gastfreundschaft seines Begleiters und seiner Mutter ließen ihn nicht dazu kommen. Die letztere entfernte sich sofort, um den Thee zu bereiten, während Charlek ihn in eine Einfriedigung von einigen Quadrat- ruthen Größe führte, die er seinen Garten nannte. Es wuchsen hier auf kleinen Beeten nützlich« Gemüse und ver- schiedene Blumen friedlich neben einander. Charles erklärte ihm die Lebensgeschichte jede» ein- zelnen Rosenstockes, entwickelte ihm die Vorzüge jeder ein- zelnen Levkoye; auch über Gemüsebau erging er sich des Breiteren. Fritz mußte jeden einzelnen Kohlkopf be- trachten und wurde endlich zu der Krone aller dieser Vor« züglichkeiten geführt, einem kleinen winzigen Aprikosenbaum, der in der äußcrsten Ecke des Erdfleckchens gepflanzt war, und bi? jetzt freilich nichts weiter zeigte, als hrer und da einige dem Verwelken nahe Blätter. Diese Geduldpröbe wurde erst beendet, als Mrß. Naydor die Herren bat, her- STS'i.Z--.mm- weisen, daß nach längerer Regenszeit an einem guten Tage bis in die Nacht hinein gearbeitet werden müsse, haben die An- deren einen Hufschmidt in petto, der an den Tagen, welche Glatteis aufzuweisen haben, doch unmöglich die gesetzliche Ar- beitszeit innehalten könne. Man muß staunen, über die große Weisheit, welche diese Leutchen zu Tage fördern; es geht ihnen, wie weiland den Pharisäern, welche Jesus von Nazareth, als er die Sabbathheiligung predigte, zuriefen:„Wie können Derne Lehre nicht befolgen, denn wenn uns am Sabbath ein Ochse oder Esel in den Brunnen fiele, was sollen wir dann machen?"— Den Pharisäern wurde die Antwort zu Theil: „Dann zieht ihr den Ochsen oder Esel aus dem Brunnen her« aus!"— Die Pharisäer sollen beschämt von bannen gegangen fein.— Das waren die Pharisäer des AlterthumS; die mo- dernen Pharisäer werden freilich nicht beschämt von bannen gehen; fie find längst in die Hornhaut eines Siegfried ge« krochen und alle Thcile der gesunden Vernunft prallen von ihnen ab.— Die gesunde Vernunft sagt uns aber, daß die große Masse des Volkes nicht um deswegen Abstand von der Einführung«incs MaximalarbeiiStages nehmen kann und wird, weil einige Gutsbesitzer ihr Heu einfahren wollen und ein Hufschmidt ein Pferd zu beschlagen hat, sondern daß es ein Leichtes sein wird, solche untergeordnete Fragen zu lösen, wenn man nur den Muth hat, der Wirklich�' schauen. feft ins Äuge zu Zur Klassen- und klasstsizirten Eirrkommenstener 1884/85. Urber die für daS EtalSjahr 1884/85 zur Klassen- unb klasfifizirten Einkommensteuer veranlagten Personen ist dem Abgeordnetenhause die übliche Nachweisung zugegangen. Wir entnehmtn daraus die folgenden Angaben: Der preußische Staat hat nach den Klassenstcu-rrollen eine Seelenzahl von 27 224 179, davon unterliegen der klcsstftzirten Einkommensteuer 694355. Befreit von der Klassensteuer find 5 259048. 2.55 Prozent unterliegen der klasfisizitten Einkommensteuer, 19,32 Prozent der Klassensteuer, 78,13 Prozent sind von Steuer de- freit. Die Klassensteuer ergiebt einen Beirag von insgesammt 20 110 106. Der Ertrag der Einkommensteuer beläuft stch auf 38 641 428 Mark. 14 015 Personen, welche im Vorjahr zur Klaffensteuer veranlagt waren, find jetzt zur Einkommensteuer herangezogen. Die Debatte über den Maximalarbeitstag im deutschen Reichstage veranlaßt die Londoner„Pall Mall Gazette" zu längeren Ausführungen. Das Blatt empfiehlt dem deutschen Reichskanzlers, diese Arbeiterfrage zum Gegenstand einer internationalen Enquete zu erheben.„Wenn er", be- merkt das Blatt,„eine europäische Konferenz über die Arbeits- stunden einberiefe, würde er die beste Karte der Internationale ausspielen und die Millionen abermals daran erinnern, daß der Sozialismus der Autorität weit mehr für ihre Wohlfahrt thun dürste, als der Sozialismus der Anarchie". Die Pall Mall Gazette hofft, die Zeit sei nicht ferne, wo eine Nation, die keine gesetzliche Bestimmung tlifft, daß ihre Unterthancn Anspruch auf mindestens vier Ruhetage im Monat haben und fie länger als 12 Stunden pro Tag arbeiten läßt, als ein Feind des Menschengeschlechts gebrandmaikt werden wird. beisammen, Fritz auf dem Ehrenplatze, dem großen Polster- stuhl, der noch aus den besseren Zeiten herrührte. Vor ihm stand eine reich vergoldete Tasse, ebenfalls noch au» den besseren Zeiten herrührend, welche, verglichen mit den sehr mittelmäßigen, deren sich die Familienglieder bedienten, hinlänglich den Vorzug kennzeichnete, den man ihm ange- deihen ließ. Jetzt endlich kam der Moment, wo es ihm vergönnt war, die Unterhaltgng auf daS Ziel zu lenken, dem er ent« gegen steuerte. „Ich hörte," begann er, sich an Mrß. Naydor wendend, „daß Sie befreundet waren mit Frau Garrick." „Ach ja, die arme Elsbeth I" sagte Mrß. Naydor schluchzend, indem sie ihr Taschentuch an die Augen brachte. „Ich muß immer weinen, wenn ich an sie denke... da« unglückliche, arme Wesen!— Haben Sie Frau Garrick ge- kannt, Herr Doktor?" „Da» gerade nicht," antwortete Fritz, sich möglichst gleichgiltig stellend,„doch hörte ich mehrfach von ihr.— Sie lebte in sehr unglücklicher Ehe?" „O nein, mein Herr," verbesserte die Matrone,„durch- aus nicht! Sie lebte mit Garrick sehr glücklich, den«« war nicht nur ein zärtlicher Gatte, sondern bewies sich auch in der ersten Zeit ihrer Ehe al« ein recht ehrenhafter, treuer und zuverlässiger Mann."„,* „Und doch konnte er das entsetzliche Verbrechen be- gehen, dessen er angeklagt war?" „Ja, daS hat unS in Erstaunen eines solchen Verbrechens fähig war;._ ra- nimmermehr zugetraut... Die arme Elsbeth. O Gott, wie hat sie sich gegrämt! Sie hat ausgelrtten! Jetzt liegt auch sie schon unter der Erde I Sie zog wieder ihr Taschentuch und widmete der hm- geschiedenen Freundin noch einige Thränen. „Sie hatten ein Kind," nahm Fritz, nachdem sich«hr Schluchzen ein wenig gelegt, wieder das Wort. „O nein," verbesserte Mrß. Naydor wieder,„Garrick'« hatten kein Kind.",.* „Und doch muß das der Fall gewesen ser«! de- t, daß Garrick hätte es ihm „Wir sehen", schließt da» Blatt,„mit einiger Spann unaderAnt- ''-"" zlerS auf diesen englischen Widerhall loott des deutschen Kanzlers feines Vorschlages entgegen."—™„ Die Gerichtskosten find mit 42§63 000 M-, also um 137 vvv Mark niedriger als im Vorjahre, in den v r e u ß i- 1 ch e n Etat eingestellt. Die Einstellung dieses Titels in den Justizetat ist eine Folge der zum 1. April 1885 in Ausficht genommenen Einrichtung selbstständiger Gerichtskassen. Die Jsteinnahme an Kosten und Geldstrafen hat betragen im Jabre 1881/82 46 779 780 Mark, 1882/83 42707 587 Mark. 1883/84 43 194 461 Mark und abzüglich der Einnahme an Kalkulatur- gebühren im Betrage von 397082 Mark, welche seit 1. April 1883 bei den Kosten zum Nachweise gelangt find, vom 1 April 1885 ab wieder bei den Emolumenten der Beamten etatifirt werden, noch 42 797 379 Mark. Mit Rückficht darauf, daß die Kosten durch das vom 15. Juli 1881 ab in Kraft getretene Reichsgesctz vom 29. Juni 1881 betr. die Abänderungen von Bestimmungen des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenord- nung der Gerichtsvollzieher, eine erhebliche Verminderung er- fahren haben, auch in Folge des am 1. November 1883 ab in Kraft getretenen Gesetzes vom 18. Juli 1833, betreffend die Gerichtskosten bei Zwangsversteigerungen und Zwangsverrral- tungen von Gegenständen des unbeweglichen Vermögens, nicht unerheblich herabgesetzt find, andererseits auch die Zahl der Zivilprozesse im stetigen Rückgange begriffen ist, ist dem jetzigen Ctatsansotz nicht der Durchschnitt der obigen 3 Jahre, sondern nur der Ertrag deS Jahres 1833/84 zu Grunde gelegt, unter Berücksichtigung des Ausfalles in Folge deS Gesetzes vom 18. Juli 1883. Dem Reichstage ist eine weitere Sammlung diplomatischer Aktenstücke, betreffend..deutsche Landreklamationen auf Fivji" zugegangen. In der letzten, vom 16. September 1884 datirten Note des englischen auswärtigen Amtes wird dem deutschen Geschäftsträger mitgetbeilt daß Lord Granville wegen des Inhalts der Note des Grasen Münster vom 4. August 1884 mit dem englischen Staatssekretär des Kolonialamts in Ver- biudung get-cten ist. In der erwähnten Note vom 4 August werden die Zustimmung der deutschen Regierung zu dem Vor- schlage, die Reklamationen der deutschen Untcrthanen bezüglich der Fidji- Landfrage durch eine gemischte Kommisfion unter- suchen zu lassen, erklärt und gewisse hiermit in Zusammenhang stehende Vereinbarungen vorgeschlagen. Mainz. Bei der letzten Gemeinderathswahl in dem Nach- barorte Hechtehrim hatten die Sozialdemokraten drei Kandi- daten aufgestellt, welche auch ficgreich aus der Wahlurne her- vorgingen. Vor einigen Tagen ist nun der Bürgermeister von Hechtsheim gestorben und muß in Folge deffen eine Neuwahl stattfinden; die Sozialdemokraten haben, wie der„Rh. Courier" meldet, beschlossen, einen eigenen Kandidaten für diesen Posten aufzustellen. Belgien. Der in der Kammer eingebrachte Antrag, betreffend Korn- und Vichzölle verlangt nach der„Kölnischen Ztg." folgende Ansätze: Auf Brodfrüchte 1 Fr. für 100 kg, auf andere rohe Kornfrüchte 2 Fr., auf verarbeitetes Korn zu Mehl und anderweitig 1 Fr., auf ungeschälten Reis 1 Fr., auf geschälten 1.50 Fr. Ferner auf Vieb für einen Ockfen 10 Fr., auf junge Stiere 8 Fr., auf junge Ochsen und Kühe 5 Fr., auf Kälber 1.50 Fr., auf Schafe 1,50 Fr., auf Hammel 0,50 Fr., auf Eckweine 3 Fr., auf Ferkel von mehr als 10 kg 0,50 Fr., auf 100 kg Fleisch 3 Fr., auf 100 kg Butter 5 Fr. Der Ertrag dieser Steuern soll zu bestimmten Zwecken des Ackerbaues unv verwandter Betriebe dienen. Dieser Gesetzantrag wird am 22. ds. von de Burlet näher erörtert werden. Grohbritannie«. In England hat vor einigen Tagen der Verein für die „Befteiung der Religion von dem Schutz und der Aufficht des Staates" seine vor Kurzem angekündigt« Agitation zu Gunsten der Entstaatlichung der Kirche durch eine Konferenz in der Memorial Hall eröffnet, bei welcher das Parlamentsmitglied Mr. Lyulph Stanley den Vorfitz führte. Das Meeting hatte den Zweck, die Mittel zu erwägen, die fich als am zweckvien- lichsten erweisen dürsten, um beider nächsten allgemeinen Par- lamentswahl unter den Mitgliedern des neuen Hauses der Ge- meinen ein großes Kontingent von aufrichtigen Anhängern der Kirchenentstaatlichungsbeweguna zu werden. Es wurde be- schloffen, eine energische Agitation ins Werk zu setzen, um die neuen Wahlbezirke mit den Prinzipien der religiösen Gleichheit bekannt zu machen nnd ste zu beeinflussen, nur solchen Kandi- daten ihre Stimmen zu geben, die gewillt seien, die Zweck- der Liberation Society zu fördern. Amerika. In Ecuador(Zentral-Amerika) ist Mitte November ein Aufstand der Liberalen, die von der jetzigen konservativ- kleri- kalen Regierung des Präsidenten Caamano oder vielmehr sei- ms Stellvertreters, des Bizepiäfidenten Augustin Guerrero, vergewaltigt werden, ausgebrochen. An der Spitze steht, wie man der„Voss. Ztg." aus Lima schreibt, der aus der Nieder- weifung der Diktatur des Generals Veintemilla bekannte Füh- rer der Radikalen, Eloy Alfaro, der in Panama den Dampfer hauptete Fritz.„Er wurde beschuldigt, sein Kind ermordet zu haben." „Des KindeSmordcs ist er beschuldigt und auch ge- ständig," sagte Mrß. Naydor.„DaS ist richtig, er hat ein Kind ermordet, aber es war nicht sein Kind, es war von sremden Leuten angenommen." „Wissen Sie nicht, wessen Kind es war, das er er- mordete?" „Nein! Garrick hat eS eines Tages in'S Haus ge- bracht; eS war ein sehr hübsches Mädchen von zwei oder drei Jahren. Da Elsbeth selbst keine Kinder hatte, so schloß sie den Pflegling bald in ihr Herz und liebte ihn, als wäre eS ihr eigenes Kind." „Liebte Garrick es auch?" „Nein, er hat es niemals geliebt! Obgleich er dem Kinde nichts UebleL that, eS stets mit Schonung behandelte, ist er doch niemals freundlich und gütig zu dem Kinde gervesen, wie mir Elsbeth noch versicherte, als sie das letzte Mal hier war.... Ach Gott, wie haben wir Beide geweint!" Fritz verwünschte in seinem Herzen die gefühlvolle Stimmung der Matrone, die ihr jeden Augenblick Thränen abnöthigte; aber er mußte sich in Geduld fassen, und warten, bi» sich diese neue Wallung wieder gelegt hatte. „Wissen Sie, wie Garrick zu dem Verbrechen kam? Was ihn bewog, e« zu begehen?" „Kein Stetbenkwörtchen! Er hat weder zu seiner Frau.' noch zu seinen Freunden jemals über die Herkunft des Kindes gesprochen.... EiveS Nachts, als Elsbeth erwach», sieht sie das Bett des Kindes, das stets neben dem ihren stand, leer. Das Kind ist fort, auch ihr Mann ist fort und entsetzliche Angst ergreift sie. Sie eilt in die Nacht hinaus, und ruft den Namen der Kindes in den Wald hinein!... Ja, eher hätte die Eiche antworten können, als das Kind... das arme Kind war damals schon eine Leiche!.-. Elsbeth hörte nur das Echo ihrer Stimme... Verzneifelnd kehrte sie zurück und weinte bitterlich. Erst am Abend des andern TageS kam ihr Mann zurück und sah finster und verstört aus.... Ach Gott, da hatte er „Alajuela" und die Goelette„Jacinto" zu dem Zwecke gechar- tert und ausgerüstet hat. Der Präsident Caamano, der in Guayaquil weilt, berief sofort eine Versammlung der dortigen Notabeln, um ein freiwilliges Anlehen zur Niederwerfung des AusstandeS zu erkalten. Trotzdem er den Versammelten die Uebeistände des Bürgerkrieges in den schwärzesten Farben ausmalte, konnte er doch nur 55 000 Thaler gezeichnet erhalten, die in einer zweiten, am folgenden Tage einberufenen Versammlung nur um 17000 Thaler vermehrt wurden. Am 13. v. Mts. erließ er dann eine Proklamation, in der er die Aufständischen alS Anarchisten und Plünderer bezeichnete, wahrend die Regierung in Quito dieselben dem bigotten Volke als Feinde seiner Religion und seines Glaubens, als„eine Bande ohne Gott und ohne Gesetz" hinstellt. Der Regierungsdampfer„9. Juli" hat die„Alajuela" am 20. November in kolumbianischen Gewässern in der Höbe von Tu- maco beschoffen, und ist dann nach Guayaquil zurückgekehrt, so daß Alfaro seine Mannschaften und seine Waffen am 21. in Bahia landete. Seit dieser Zeit haben in Monte Christo, Pu- erto, Viejo u. a. O- Zusammenstöße stattgefunden, die stets für die Regierungstruxpen günstig abgelaufen sein sollen. Wie der Prästdent Caamano dem ecuatorianischen Gesandten in Lima von Guayaquil aus telegraphirt, ist Alfaro von dem General Fierro am 5- d. M. geschlagen worden, während seine Schiffe in Bahia eingeschlossen und blokirt find. Einem spateren Tele- gramme zufolge hat dort am 6. Dezember ein Kampf stattge- funden, in welchem der„Alajuela" den Regierungsdampftr „Huacho" geentert, deffen Osfiziere nach zweistündigem Wider- stände niedergemacht hat, dann aber vom„9. Juli" in Brand geschossen worden und gesunken ist. Alfaro habe sich mit den Mannschaften in Booten gerettet, sei aber in den Wäldern ein- geschlossen und werde ohne Zweifel den Regierungstruppen in die Hände fallen.— Nack einem Telegrumm aus Panama hat sich der ausgebrochene Aufstand bereits auf 5 Staaten ausgedehnt. Die Aufständischen halten Barranquila besetzt. Die Stadt Carthagena, deren fick die Aufständischen ebenfalls be- mächtigt hatten, ist von den Regierungstruppen wieder erobert worden. MmmWjWW. In der gestrigen Sitzung der P eti,ti o n s k o mmi�s- s i o n des Reichstages wurde zunächst eine Petition von werbetreibenden, besonders aus Baiern, um Ernennung eines Reichskommissars für die diesjährige Weitaus- stellung in Antwerpen und Bewilligung von Geld- mittel» berathen. Die Regierungskommissare verhielten sich ab- lebnend, von der Anficht ausgebend, daß die Weltausstellungen fich zu rasch folgten und den Charakter von Messen angenom- men hätten. Die Jnitiatioe für solche Ausstellungen dürste nickt von den kleinen Staaten ausgehen. Die Reichsregierung bade abschläglicke Antworten in letzter Zeit an Italien, Eng- land und Frankreich gegeben. Es wurde beschloffen, die Peli- tion vor das Plenum zu bringen, aber zu beantragen, über dieselbe zur Tagesordnung überzugehen. Zum Referenten wird der Abgeordnete Robbe ernannt. — In der gestiaen Sitzung der Kommission zur Vorberathung der Dampfersubvention wurde die Afrikanische Linie berathen, über die selbst Woermann und Meier(Bremen) fich sehr kühl aussprachen, und die wohl nur aus kolonialpolitischen Gründen in die Vorlage aufge- nommen worden ist. Die Debatte drehte fich um die Frage, ob die Linie Rotterdam anlaufen soll oder nicht- Für das Anlaufen Rotterdam? sprachen die süddeutschen Abge- ordneten, während Woermann und Meier durch billigere Ta- rife nach dm Hafenstädten die Belgischen und Holländischen Häfen entbehrlich machen wollm. Auch Bamderger will mit Rückficht auf die 50 Millionen, die der Zollanschluß Hamburgs gekostet, dieses bevorzugt sehen. Die Regierung wünscht, daß ihr die Entscheidung Uber diese Frage überlaffen bleibe. Kommuusw. Rektor und Senat hiesiger Universität, welche bereits vor einigen Monaten on den Magistrat fich mit der Bitte ge- «n�"----'----""Ji~ ndt haben, das Steinpflaster vor dem westlichen Flügel des Universtlätsgcdäudes durch geräuschloses Pflaster zu ersetzen, find auch an die Stadtverordnetenversammlung mit dieser Bitte herangetretm, nachdem der Magistrat das bezügliche Gesuch auS dem Grunde abgelehnt hatten, weil das betreffende Pflaster auS bestem Material erst vor wenigen Jahren neu hergestellt worden sei. Die Univerfijätsbehördc motivirt ihre neue Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung damit, daß in Folge neuer Einrichtungen die nach der Straße„Unter den Linden" zu einer Treppe hoch belegenen Räume, welche bisher die anatomisch-zootcmische Sammlung beherbergten, zu Hör- sälen verwendet werden sollten, in denen vorzugsweise mathe- matiscke Vorlesungen gehalten werden würden. Da gerade an dieser Stelle die Scheidegrenze zwischen Stein- und geräusch- losem Pflaster sich befindet, wo das Wagengeräusch besonders die schreckliche That begangen; eS war sein böses Gewissen, was ihn so finster und verstört machte." „Fragte ihn Ihre Freundin Elsbeth nicht, was er mit dem Kinde angefangen?" „Freilich fragte sie ihn; aber er war verschlossen und still, keine Silbe hat sie aus seinem Munde erfahren." »Zeigte Garrick denn keine Spur von Reue über seine schwarze That?� „Nein, so verstockt war er, daß er nicht ein einziges Wort von Reue gesprochen hat; im Gegentheil, er war verdrießlich und schleuderte die fürchterlichsten Drobungen gegen seine Frau, wenn sie e» wagte, ihn zu fragen.... Aber sein Gewissen hat sich doch geregt; er war von der Zeit an ein anderer Mensch. Er hat niemals mehr gelacht, hat immer düster brütend da gesessen. Elsbeth meinte Anfangs, es sei der Verlust seines Herrn,— Sie wissen doch, daß gleich nachher Lord Davis das Unglück hatte, mit seinem Pferde zu stürzen, wobei er um's Leben kam — der ihm so nahe ging. Ich sage, sein Jnsichgekehrtsein, fern finsteres Wesen, sein Brüten— daS war nicht der Gram über den Tod seines Herrn, das war die Regung seines Gewissens/' „Wohl möglich," sagte Fritz;„aber liebe Madame Naydor, erklären Sie mir vur eins. Sie sage», Garrick habe kein Kind gehabt. Es steht fest, daß er diese» Pflege- kmd ermordete?" „DaS steht unwiderruflich fest," behauptet« sie,„denn als später die Anzeige beim Gericht einging— man sagt, von der Mutter des Kindes sei die Anzeige gemacht wor- den— da gestand er ja gleich ein, das er das Kind er- mordet, wre er sagt, lebenvig begraben hat... Hub,«S schaudert einen, an solche That zu glauben." „Gut, ein Kind hat er ermordet, ein zweite» aber nach Bethesd» gebracht, woher hat er ein zweites Kind ae- nommen«" Ö „Bon diesem zweiten Kinde weiß ich nicht« mein p* uÄPä'Vmb! störend wirke, so wäre eine erbedliche Behinderung dä wett«� erzählt l matttcken Unterrichts»u befürchten, wenn eine Acnvv���gengkbührei Pflasters nicht vorgenommen würde. D o k» l e s. g. Der Berliner Verein für Feuerbestatt« demnächst an den Reichstag eine Petition wegen Crlaü Gesetzes, betreffend die fakultative Feuerbestattung, Auf eine vom genannten Verein an daS Kaiserlicht bcilsamt gerichtete Anfrage, ob vom Standpunkte l>« liehen Geiundheitspflege gegen die Einführung der f- Feuerbestattung zur Zeit irgend welche Bedenken hat dasselbe folgenden B-scheid gegeben:„Dem beehre ich mich auf das gefällige Schreiben vom 28. crgebenft zu erwidern, daß das Kaiserliche Gefundhei' in der Lage ist, das von dem Verein gewünschte Hierzu treten Honorare für z sich auf 300 M wurde jedoch Hebung eines i trug. Aus t Sitzung war zi nunmevr noch gerichtliche Unt alles, weil ei Rechtswiff-nsch Schreibereien hierdurch bei d Privatkläger fi schafft hatte.- 20 Mark Geld X Vitt AÄM. TW Stt S Koch." SMÄÄÄ SÄ Ä«» ff f0Tb körper, anscheinend leblos, lag. Wenige Schritt- von de: 2 mancherlei gel entfernt, lag der Kutscherbut auf der Straße. Die W. Woche ein grc santen führten die Droschke nach der nächsten Polizeire» jetzt schon auf, woselbst durch einen sofort hinzugezogenen Arzt Z tränke ist beste leben des Kutschers festgestellt wurde. Während der» i,#, w. i höchst wahrscheinlich der Kutscher durch einen Herzschlag k aufgetauchten a0T Der Stephansbote per Schlittschuh ist jedenB alle?ist Erscheinung, welche als originell bezeichnet werden la» brannten dem der starke Frost die Havel bei Spandau und°"annlep liegenden Gewässer mit einer starken Eisdecke MeiW Kunststück Kegelbahn in kann man jetzt toglich den Landbrrefträger für W* und sinnreich Haselhorst, Valentinswerder rc., den Briefbeutel 0 die Form eine Rücken, von Spandau aus die vorgedachten Ortsch» Aussatzorte Schlittschuhen erreichen sehen. Es macht einen ff Eindruck, wenn der Stephansbote die Eisfläche der Fluge durchschneidet, unbekümmert um den grim! Wind, welcher ihm Ohren und Nase röthet. Wie dm„ therlhaft dics-s neue Verkehrsmittel für die gedack schatten ist, beweist der Umstand, daß der Bricfin un Echliltschuhen von Valentinswerder nach Haselhorst\ nuten läuft. Hierbei sei bemerkt, daß bereits das' Plötzensee nach Saatwrnkel rc. für Schltttschuhläufet ist und daS Eis dcs Tegeler See's an einzelnen St? Stärke von 6 Zoll erreicht hat. Was beim Prozesstreu in BeleidlgunaSklag«' lich herauskommt, dafür liefert ein BeleiviarmyttZ recht lehrreiches Beispiel, der beinahe drei Jahre JJJ Amtsgericht I Berlin beschäftigte und in der Instanz am litzten Sonnabend seinen Abschluß% Ehefrau eines BauerngutSbefitzers in dem Dorfe S�j hatte, der„G-Ztg." zufolge, gegen ihren Ehegatten � dungöllage angestrengt, und wie in Ehescherdungssalb� forderte das Gericht von dem Ehemann- die Einzab�? Kostenvorschusses von 65 Mark. Vor der gerichtl'Ä scheidung versöhnte fich das Ehepaar wieder, und% zog ihre Klage zurnck. DaS Gericht ermäßigte hieWy fordsrtcn Kostenvorschuß auf 16 Mk, während der A? Klägerin an Mandatariengebllhren 43 Mk. beanspn� Freund des Bauerngutsbesttzers übernahm es nun, b'i! ten Kosten und Mandatariengebühren für den des®) gegriffen, und daS Gericht zur Rückzahlun/?? W Brudelow, de «ige„Tivoli' auptsache bei amit die Kr Außenseite sta innehält, ist an dessen Rin N. Ein S eines Restaul' stroße Aufregr Veranlassung sich schließlich dem Lokal zu leisten, griff d lich an und b alles Ergreif! wunde an d Hilfe requirirt tigen und na haftete auch d legcnheit vor friedensbruck siegen die E finden. Die Die den Hchaulaß mehr, nackder Arbeiter Bru! „Weißkopf" fi hock Geforderten verpflichtet sei. Der jetzt Beklagte, m# in einem Gasthofe zu Schönerlinde anwesend 0% Bauern darüber debattirten, od das Gericht zur fW angeblich zu viel geforderter Kosten verpflichtet' M Wach hierauf den" Verdacht aus,' daß der Freund .........—"'" ifien«ir MS gntsbefitzers, welcher die Absendung der Kosten für% wirk», wahrscheinlich die zu viel gezahlten Kasten ert� unterschlaxen habe. Der Beleidigte strengte Beleidiger die Klage an. Am 5. Mai 1883 m Dies ist jetzl in Rotzis bei lichcn Ein- u suchungsgefän Die bei Postsekretärs find gestern 1 Einer l Berlins, der Privatbeksaate der öffentlichen Beleidigung für �Stottcr-Ml Berufung ein und erbot fich zum Antritt des Tie Folge hiervon war, daß gegen den B-leivigten � �ss�Schlur suchung eingelertet wurde, aus welcher derselbe ab-rjj nun e(n 6etü gerechtfertigt hervorging. Vor der B-rufung-kamm-r i? Revierpolizei ÄÄ? daS über den Privatkiäger verbreitete Gerücht gca11» j 'txcti afTAflffA i drei Wochen Polizei eifrig wozu auch di Die Richtigkeit dieser Behauptung des Angeklagten� Thell erwiesen; nichtsdestoweniger ging haben, daß er eS versteht, die lästigen Kinder bei schaffen.", Fritz war über diese Auskunft sehr enttäusch � dem er der Lösung deS Geheimnisses ganz �nahe, glaubte, stand er ihr jetzt ferner, denn je. War mutdung richtig, daß Lord Andrew Davis("3 der Garrick ein Kind übergeben, so stand doch � ob dieses Kind daS von Garrick ermordete, odtr.u ihm nach BetheSda gebrachte sei. Nach dem| war eS das nach Bethesda gebrachte; von eine�. aber wußte Mrß. Naydor nichts, sondern nur � ermordeten. Danach schien eS, als ob Garria � deS Lord Davis ermordet, ein andere» aber n innig beklag nach dem T Elsbeth hät mit Miß B ganz intime »Wer: ...Ihr S « nicht« da DaviStown, auch befreur vermeiden wollte, zu zeigen, daß er em S tt t!h auch befreur Interesse an diesem Gegenstand habe, so gebracht ha der Unterhaltung stet» eine Wendung zu{%, if auch mit immer wieder auf den Förster Garrick unv> brachte. �" hatte er ihr „Ein traurige« Schicksal ist eS," N»« giltig wie ihm irgend möglich mar,." d«? -a Beklagte in hervorragender Weise das unwahre Gerücht % 2 weiter erzählt hatte. Die Berufung wurde daher verworfen. An �■��mgengebühren hat dieser Prozeß über 190 Ml. verschlungen. . ierzu treten die Gerichtskosten in zwei Instanzen und die Honorare für zwei Rechtsanwälte, so daß die Gesammtkosten sich auf 300 M. belaufen werden. Von den Kosten der Berufung wurde jedoch Vi dem Beleidigten auferlegt, da er an der Auf- eftattxtl Hebung eines im vorigen Monate anberaumten Termins Schuld i Erlaßl trug. Aus den Aeußerungen der Parteien nach beendigter ittung, Eryung war zu entnehmen, daß der Ausgang dieses Prozesses nunmehr noch weitere Beleidigungsklagen und sogar kriminal- gerichtliche Untersuchungen im Gefolge haben dürfte, und dies alles, weil ein„rechtsunkundiger Linksanwalt" mit seiner Rechtswiffenschaft einem unerfahrenen Landmann für zwecklose Schreibereien da? Geld aus der Tasche zu locken wuxte und hierdurch bei den Landleuten den Verdacht hervorrief, daß der Privatktäger sich einen widerrechtlichen VermögenSvortheil ver- W ichastt hatte.— Für die Genugthuung, den Beklagten nun mit ilen® Geldbuße für die Beleidigung bestraft zu wissen, n Aat» der Kläger aber zirka 40 Mark Kasten aus seiner Tasche n � obendrein noch zulegen müssen. lüi. Jm�ViltoriaHark, einem der beliebtesten Vergnü- erliche nfte d» ver fc'i mlen» )em >m 28. dheitW ckte V-t, m gungslotale Berlins. Pionier straße, hensckt seit einigen Tagen em sehr regeS Leben! die Eisbahn daselbst ist fast überfüllt von Schlittschublaufein. Am Sonntag war es fast nicht mög- « lrch, noch ein Platzchen zu finden, und wurde des Amüsanten s.,>«w, noc» ein Pray! vn desz mancherlei geboten Dk Woche ein großes I ) der? iiw« „.u,,.-.. Hen S'.tzenstock wird im Laufe dieser gkvßeS Ersfest veranstalten, worauf wir unsere Leser letzt schon aufmerksam machen wollen. Für Speisen und Ge- jedenZs� !en kai» und - Um dt- Ecke kegeln. Zu den vielfachen bisher bereits aufgetauchten VerwendungSarten der Stadtbahnbögen bat fich so eben eure neue gesellt, welche gewissermaßen die intereffanteste aller ist. In dem Stadtbahnbogen 330, Alt-Moabit, gegenüber vem dekannten Restaurant zum Weihenstephan nämlich ist eine %- Kegelbahn etadlirt worden. So scheinbar ur mö. lich dieses uic» n. Detsch# ZllM 'A Zriestr. lorM das< irrl) Q � ciaoun woroen. Do tepftnoat urmo�ucy vieles Jir«3 Kunststück in Anbetracht der Raumverhältnifie ist, so einfach (3 und sinnreich ist es durchgeführt. Die Kegelbahn hat nämlich " die Form eines Hufeisens; die Kegel stehen vorn neben dem Aussatzorte und die Kugel läuft wie bei dem bekannten Spiel- zeuge„Tivoli". Alan kegelt also buchstäblich um die Ecke. Die Hauptsache bei der Einrichtung ist die Konstruklion der Kurve. Damit die Kugel nicht hioausspringt, ist die Kurve auf der Außenseite stark überhöht: damit ste ferner einen gewifienKurs innehalt, fit die ganze Kuroenfläche aus Wellblech hergestellt, an dessen Rennen die Kugel halt findet. N Ew Rausbold versetzte vorgestern Abend die Besucher ,...""«s Restamatronslokals von T- in der Köpenickerstraße in Zlaufel große Aufregung. Derselbe hatte wiederholt ohne die geringste n Veranlassung mit anderen Gästen Streit angefangen, so daß fich schließlich der Wirth veranlaßt sab. den Ruhestörer aus dem Lokal zu verweisen. Statt dieser Aufforderung Folge zu leisten, gr, ff der rohe Patron den Wirth und die Gäste thät- lrch an und brachte einem der letzteren, nachdem er im Lokale alles Ergreisbare zertrümmert, eine nicht unerhebliche Biß- wunde an der linken Hand bei. Erst nachdem polizeiliche Hilfe requirirt, gelanges, den rasenden Menschen zu überwäl- tigen und nach der Wache zu transportircn. Da der Ver- haftete auch die Beamten thätlich angriff, so wird die Ange- legcnheit vorausfichtlich neben dir Anklage wegen Haus- friedensbruch und Körperverletzung auch noch wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt ein Nachspiel vor dem Strafrichter finden. Die Diebesbande, welche kürzlich hier in der Pionierstraße den Schaukasten eines Goldarbeiters ausgeräumt hat, ist nun- mehr, nachdem auch der Whrer derselben, der vielfach bestrafte Arbeiter Brudelow, welcher in der Diebeswelt den Spitznamen „Weißkopf" führt, fich in den Händen der Staatsanwaltschaft befindet, vollzählig hinter Schloß und Riegel. Nachdem die einzelnen Mitglieder ver Bande ir/verschiedenen Orten der Um- gebung ergriffen worden, handelt« es fich nur noch darum, auch Brudelow, der im Teltowschm Kreise fich aufhielt, zu ermitteln. Dies ist jetz. dem in Waßmanndorfstationirten Gensoarm Karge in Royis bei Königs-Wusterhausen gelungen, der den gefähr- kicken Ein- und Ausbrecher, schwer gcftffelt, hier zum Unter- suchungsgefängniß eingeliefert hat. Die bei dem EinbruchSdtebstahl« in der Wohnung eines Postsekretärs in der Friedensstraße gestohlenen Werthpapiere find gestern in einem Postbrtefkasten gefunden worden. Einer der gefährlichsten Einbrecher und Ausbrecher Berlins, der in der Verbrecherwelt unter dem Svitznamcn „Stotter-Wilhelm" bekannte 32 Jahre alte Former Wilhelm Jung, welcher fich seit einigen Jahren in der Irren- anstatt zu Dalldorf befand, war von dort am Sonnabend vor drei Wochen zum sechsten Mal« entsprungen. Trotzdem die Polizei eifrigst auf den Ausreißer fahndete, so blieb ihr bisher dessen Schlupfwinkel doch unbekannt. Am Sonntag früh wurde nun ein berüchtigtes Haus in der Prenzlauerstrase von der Revierpoiizei einer genaueren Kontrole unterworfen und es wurden mehrere Wohnungen nach lüderlichen Dirnen abgesucht, wozu auch die im Hofe drei Treppen hoch gelegene Wohnung m W V-v traf« A anrir 1 Ä ernehg W der J.'schen Eheleute gehörte: da dort die Beamten nichts Ver- dächttges vorfanden, so begaben fie fich nach der im zweiten Stockwerk belegenen Wohnung einer Frau Ech. und dort fanden fie ein daselbst unangemeldet wohnendes Frauen- zimmer, welches fie nach der Wache des 19. Poli- zesteviers in der Georaenlirchstraße ststnten. Auf der Wache angelangt, glaubte die Verhastete, die Frau I. habe fie vercathen, weshalb sie sich beim Polizeilieutenant vormmelden ließ und folgende Mit- theilung machte: Die J.'schen Eheleute hätten in rhrer Wohnung einen großen Reisekorb zu stehen, und diesen Korb möchten die Schutzleute sofort untersuchen, da dort der von der Polizei gesuchte Wilhelm Jung verborgen gehalten würde. Sogleich eilten vier Schutzleute in Begleitung eines Polizei- Wachtmeisters nach der J.'sch«n Wohnung, welche jedoch jetzt trotz mehrmaligen Klopfens nicht geöffnet wurde, sodaß sich die Beamten genöthigt sahen, einen Sckloffer herbeizuholen. Als fich die Beamten so Einlaß in die Wohnung verschafft haften, fanden fie auch sofort den vorbeschriebenen Reisekorb, vor«el- chem stch zwei starke Vorlegcschlösser befanden, welche zu öffnen das J.'sche Ehepaar fich weigerte. Auch hier mußte daher der Schlosser in Funknon steten und nachdem der Korb von dresenr geöffnet war, sprang der Gesuchte aui demselben, stürzte fich auf die Beamten und begann mit diesen'zu ringen, wurde aber nach kurzer Gegenwehr überwältigt und gebunden zur Polizeiwache und von da nach dem Molkenmarkt befördert. Im vergangenen Jahre war Jung ebenfalls aus Dalldorf ent- kommen uno hatte bei seiner Wiederergreifung den Schutzmann Braun durch drei Messerstiche verwundet. g. Durch seinen ganz unverantwortlichen Leichtfinn hat am letzten Dienstag der Kutscher des Besitzers von Va- lentinswerder sein Leben eingebüßt. Derselbe wollte von Saat- Winkel aus am Abend Valentinswerder trotz der Warnungen deS bekannten Restaurateurs Meyer auf Saatwinkel per Scklitt- schuhe erreichen und benutzte hierzu den Weg über der Fähre, für welche das Wasser so lange offen gehalten wird, bis die Stärke des EifeS die Kommunikation zwischen Saatwinkel und Valentinswerder mittelst Wagen gestattet. Als der Kutscher am anderen Tage nicht gesehen wurde, kam man zu der Ueber- zeugung, daß er auf dem schwachen Eise eingebrochen und er- trunken sei. Die angestellten Nachforschungen führten erst am Sonnabend zur Auffindung des Leichnams und zwar nahe am jenfeirigen Ufer, dicht an der für die Fähre geschaffenen Oeffnung. Nach Feststellung des Thatbestandes durch den Amtsvorsteher in Tegel wurde der Ertrunkene gestern b:- urde ein ang ei sich führte schoß mehrere! im Besitz von ----......-i,* wurde geschloff 19. d. M, mit dem Thema:„AuflfW'Ann kann sich Fach Vereins." Die Kollegen Baginski, Papke, Kördcl, zugezoge u. A. sprachen fich für Auflösung des Vereins und»Gutem Verne! der Mitglieder in den ZentralunterfiützungsverciN Hockenb-im ver Schuhmacher aus. Einstimmig wurde demgemäß WSffäche sich eine Der Fachverein ist somit aufgelöst. Am Monütvor echt Tager 2. Februar, findet in demselben Lokal, Neue GrünfW die erste Versammlung des UnterftützungSvereins sta� Der verein der Parquettbodenleger hält amD den 21. Januar, Abends 8 Uhr, seine regelmäßige»j Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Verlesung der f denden Mitglieder, welche länger als drei Monate 2. Freie Diskussion. 3. Verschiedenes. GesaugSverein Liederzweig. Stunde jeden Abend von 9—11, Langestr. 53 bei Bärwinkel. Neues werden aufgenommen. Gel un ausgenommen. derselben�d!«� Metallschrauben.. Favondreher und Beruft«j haben. Das Mittwoch, den 21. Januar/große Versammlung bei ÄA Manteuffelstraße 4. T.-O.: I. Ist eine Organisation ia Gewerk nothwendig? 2. Wie verhalten wir uns ß« des Anschlusses an die zentralistrten Metallarbeiter lands? Referent: M. Kreuz Kriesöasten der Keda&Hoß. H. C. Den anonymen Beleidiger können Sie gegründeten Berdacht hin dem Staatsanwalt anzch Ageu. Wir danken Ihnen bestens für Jbre s in Sachen des Spiritismus, müssen aber des Rau auf einen Abdruck verzichten. Elise T... Möckernstraße. Unter Anpassuu man in naturgeichichtlichem Sinne die Uedereinstimi Thieres in Farbe oder Form mit seinem gewöhnli enthaltsorte. Viele Beispiele sinden Sie in der Jl Spannerraupen, die wie ein dürrer Ast aussehen, linge oder Käfer, welche genau die Farben ver v» vorzugsweise srequentirtcn Blüthen tragen u. s. w. sandgelbe Farbe einer großen Anzahl von WüftentH«» hierher gerechnet. Drei Wettende. Hamburg nach der Zählung Vorstädte 290,000, Breslau nach der Zählung H ebensoviel. _ c Dem öfter genannte Sozi Wesentlichen d Loilpge enth- sozialistische B Mangel ährliche gefährliche Vereinen, von eignet sind, so Staate oder< dienen, verfüg In Gemäßheit Vorschriften gi geblich neuer fortsetzen sol Unterstützung fie sozialistisct sondern vorer besondere staa über diese Kol des deutschen l 5:. H- �& ,„ Delitsch. Sie fragen: Wo hat der Bürstenmacher Deutschlands ihren Ery? eS nicht; vielleicht kann einer unserer Leser Aueku Sollt« das geschehen, so werden w r Mitrheiluog m' Oranienftrahe 182.». Wenn Sie tägUck thätig stnd in dem detreffenden Geschäft, so muß'% geber Sie versichern lassen. Da Sie aber nur wew 1 dort anwesend stnd, so ist die Verficherungspflicht f daS Gesetz hat diesen Punkt offen gelassen.,.. Straßenabouneut. Am betten wohl bei% ch der Gesetz! atirt, daß p unter staallich, »w.nn mit(5 «o ecken bienei schließlich auch vildcten Gcno angeordnet.( sammelt wurd erklärt. Besch trcffcnen Vrrs aufschiebende ttlsterium des Ministerien.- nsere Leser nth beimess Der 3 „......... rnr. AM oeiren wvrn uv>- j.n r bahnkondukieuren. Der andere Vorschlag wird stbast, Herr Ln werden. A. G. Reichenbergerstr. , 35. Mit solchen amüfiren fich höchstens Schuljungen. Wenn Sie™ schmack finden, ist daS Ihre Sache, uns fehlt dazu Zeit und Neigung. Abonnent S. Neustrelttz Man überstreicht vi mit Stärkelleister. Derselbe springt, wenn er 0(I1 von selbst ab. Zwei Wettende. 24. Nur 4. Klasse 171. Königl. Preuh. Lotterie. Ziehimg vom 20. Januar l8«S. die Gewinne Uder«IN Mark find den detrelfeuden Nummern in Parenthese beigefügt. ________(Ohne Sewälir.) 92«09 21) 30 86 ü. 92 425 81 547 680 #00« 47 134 204 30 602 7 30 s 65 86 95 549 102 9 23 29 l.________ 1�J1„ *11 24 43 84 752 53 70 s04 37 916 86 88 ay ilfess x iMm'Ufsamaitm. °° 20 98 634 »8J3qoj M i SS SÄ 8%«üü'�167 MMMWÄWW II 8® 234 49 83 316 23 56'696 666 9l"80i VgN 463 607 25 41 51" 654'? 16 33""•»"oo-e>- i« a:iz 100] 274 91 93 316 95 95 419 35 kW I f .-3(3001 14 41 1300) 41[15001 89 977*, aam» wm»» s 702 3 59 803 52 49[1500] 79 15501 952 lU»? 31 108 [1500] 41[550] 69 331 41 97 407~ ' 1)0 170-----.—— Iangszoll auf iingangSzoll ihöht wird. cden! — Von t ludgetkommii itlmng im S schlusse der K »schließung] -teün wiffensch 1100000 Mail — Von 1 larrch von Mi lauf Abänderui > worden. 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Ein E ckenS und in Interesse sti hallen, fich fi Harderu: wohnem, un dir Bahn vr der ganzen wechseln mit besteht zur Meere abrin[ Kolonial- Wei fich Haus an „Logrmenlen aller Derjenl den erfordeil überhaupt n leichifinnig, falls die Hau find eS, die ihn bald zur hat in der 9 als Handwei ben, oder er den ganzen verständlich ZI& 5 der Rekrut i dienstfähig weniger lai der Fremd! einem alten nölhipen Pc geschafft«er Hier»» ränken, k" KÄ aHtibitif die B-W e, GM# juftet uni. ien Tn# Igen h# Beilage mm Berliner Bolksblatl. ie im «'Rr. 17. icnn Ilten 01 onkunenz Ii Mittwoch, den 21 Januar 1885. II. Jahrgang. freund städiÄ KolitiBcke Uebersicht. [ Vlanuyeim. In dem benachbaiten Olle Hocken'geim achoereuie�ur�e ein angeblicher Handmell.barlche, der keine Legiiimolion '5351 � führte und anständig gekleidet war, verhaftet. Derselbe wfchofc mehrere Äialc auf den verchaf(enden Gendarm und war Besitz von ManitionSmrteiial und Geld. Der Verhaftete wurde geschloffen nach Mannheim gebracht: eine Wunde am rm kann sich der Verhaftete durch einen Schnitt oder einen all zugezogen haben.— Eine neuere Nachricht lautet: Jutem Vernehmen nach ist festgestellt worden, daß der in idckenb'im verhaftete Tischlergcselle, an dessen innerer Hand- �ache sich crne etwa acht Tage alte Schnittwunde befindet, sich �vor acht Tagen in Frankfurt a. M. aufgehalten habe. -schäftlstte „Auflö- t,»ördel, (ins und zsverein ri' e Grün. eins flott� )ä(i am (mäßige fung der NtonoK p e ft e r r e i ch» U n g a r n. Dem osterreichrschen Abgeorvnelenhause ist gestern da? so- inrannte Sozialistengesetz vorgelegt worden. Daffelbe ist im üeseniüchen dem deutschen Sozialistengesetz analog.— Die 5 1 5RVI.en2i«»Bestimmungen gegen gemeingefährliche loztalistrsche Bestr- Hungen" und„Anordnungen gegen Den ge- ieben � Gebrauch von Sprengstoffen und die gemein- Neue Ä öktahriiche Gebarung mit denselben". In dem Molioenbrricht wird bezüglich beider Gesetzentwürfe bemerkt, daß bei Abst-ffung Beruft pnselben die einschlägigen deutschen Gesetze vom 21. Oktober 13 1878 und vom 9. Juni 1884 vielfach als Vorbild gedient d bcn. DaS Sozialistrngesetz verbietet die Bildung von Veremen, von welchen mit Grund anzunehmen ist, daß sie ge- eignet find,(oualifttschen, auf den Umsturz der bestehenden trnHAWf?.! �stehenden gesetzlichen Bestimmungen und «Jr ei9.® m, roer�en' und untersagt die Bildung vor- sie sozialistischen Bestrebungen dienen, nicht sofort aufzulösen, sondern vorerst von der politischen Landesdehötde unter eine befcnbere staalliche Kontrole zu stellen. Tie Bestimmungen . über drese Konirole schließen sich den Anordnungen des§ 4 Jbes deutschen Sozialistengesetzes an. In gleicher Weise beruft i sich der Gesetzentwurf auf das deutsche Voibild, indem er kon- istatiit, daß auch Erwerbs- und Wiribsch-ftSgenossenschafien «ntcr staatliche Kontrole gestellt oder ausgelöst. werden können, »w.nn mit Grund anzunehmen ist", daß sie sozialistischen or> ecken dienen. Die staatliche Kontrole wird im gleichen Falle fchi'.eßtich auch bei den auf Grund gesetzlicher Vorschriften ge- bildeten Garoffenschafien, Kranken- und Unirrstützungskassm angeortnet. Geldbeiträge, welche zu sozialistischen Zwicken ge- sammelt wurden, werden zu Gunsten des Armenfonts verfallen erklärt. Beschwerden gegen die im Sinne dieses Gesetzes ge- titffenen Verfügungen der kompelenten Behörden haben keine aufschiebende Kraft. In letzter Instanz entscheidet das Mi- nisterium des Innern im Einvernebmen mit Den betheiligten �Ministerien.— Mit den einzelnen Bestimmungen wollen wir msere Leser verschonen, weil wir dem Gesetzentwurf keinen -•rth beimessen._ MMmeuwnscws. — Der Direktor der Emder Heringsfischerei-Aktien-Gesell- ast, Herr ändern rnn, beantragt beim Reichstag, daß der Ein- .angszoll auf Heringe auf 7 Marl prolOU Kilo und der inganaSzoll auf gesalzene Flscbe auf 20 Mark pro 100 Krlo höht wud.— Also auch der Salzhering soll noch vcrtheuert — Von den Mitgliedern des Zentrums, welche der udgetkommission angehören, ist der Antrag für die Plenarbe- itlrnng im Reichstage wieder eingebracht, entgegen dem Beschlüsse der Kommisston, Die„Beiytlfe zur Förderung der auf Eischtießung Zentrad Afrikas und anderer Läodergebitte gerich- steten wissenschaftlichen Bestrebungen" statt 150000 Marl nur �1100000 Mark zu bewilligen. — Von der deutschlonservatioen Fraktron ist ein auch von Mitgliedern des Zentrums unterstützter Antrag auf Abänderung der Gewerbeordnung im Reichstage eingebracht Worden. Verlangt wird in demselben in erster Linie ein Be- g bei# sation i" : uns«c larbeitel ÜioR. n Sie � anzeii Ihre. 1 RauB paffun inftirn kwöhnl der Ii sehen, der iüfteni� ählung ung 18 : Aueku (ung m glich rnu r w -flicht I beiW» wird bi stehen Sie t dazu reicht die er gelu M m Das Werbedepot ja Harderwyk. # m M- I S M li,1 57% 7fr! Kolonial-Armee aus Den ostindischen Insulanern, aus Negern und angeworbenen europäischen Soldaten aus aller Herren Länder zusammengesetzt ist r» �° � v Das Werbedepot für diese Soldaten befindet fich in Härder» 1 wyk. Ein Einblick in das Leben und Treiben Dieses Städtchens und in das Werbedepot selbst Dürfte von allgemeinem Interesse sein und auch manchen unserer Landsleute ab- hallen, fich stir holländische Kriegsdienste anwerben zu lassen- Harderwyk ist ein Städtchen mit ungefähr 6000 Einwohnern, und liegt am südöstlichen Ufer Der Zuyder-See, an dir Bahn von Utrecht nach Zwolle. Die Gegend ist, wie in her ganzen Provinz Gelderland, flach; öde Haidestrecken wechseln mit Torfmooren ab. Die Bevölkerung in Harderwyk besteht zur Hälfte aus Fischern, die mühsam ihr Brod Dem Meere abringen(während die andere Hälfte einfach von Dem Kolonial- Weibe- Depot lebt. In den Hauptstraßen befinden sich Haus an Haus Kneipen der seltsamsten Art, fast alle mit „Lvfumenten" verbunden. Nur der bei weitem kleinste Theil aller Derjenigen, die in die Armee eintreten wollen, kommt mit den erforderlichen Papieren nach Harderwyk. Die Einen konnten überhaupt nicht erfahren, was fie brauchen-, die Andern find zu leichtfinnig, fich darum zu kümmern, und denken, es sei jeden- falls die Hauptsache, daß fie selbst da sind. Gerade diese Leute find d, die dem Logementhafter rn die Finger fallen, und Die rhu bald zum wohlhabenden Mann wachen. Der Ankömmling hat in der Regel kein Geld, hat fich Wochen und Monatelang ais Handwerlsbursche oder sonstwie in der Welt herumgetrie- ben, oder er ist auch Direkt nach harderwyk gewandert, und hat Den ganzen langen Weg fich bettelnd durchgeschlagen. Selbst- verständlich ist er in Der Kleidung heruntergekommen, und vor Allem ausgehungert. In Harderwyk findet er für Dte erste Slaebt leicht ein Unterkommen, wenn fich der vorsichtige Loge« »enthalt er avcki noch nicht zur Verabfolgung von Epeisen und Getränken verleiten läßt. Erst am folgenden Morgen, wenn der Rekrut ärztlich untersucht, und von dem Doktor für feld- dienstfähig erklärt worden ist, beginnt nach mehr oder «emaer langer Fastenzeit das lustige Leben. Hat auch der Fremdling außer einem schmierigen Militärpaß oder einem alten Dienstzeugniß kein Attest weiter mitgebraeht: die nothipeti Papiere werden schon auf irgend eine Weise herbeigeschafft werden. Der angehende Soldat wohnt, ißt und trinkt sähigungsirachiveis seitens der Gewerbetreibenden: arßerdem werden den Innungen durch Erweiterung der Bestimmungen des§ 100e noch weitere wesentliche Rechte beigeligt- MrlameutsbmeMe. Deutscher Reichstag. 29. Sitzung vom 19. Januar, 1 Uhr. Am Tische des Bundesrathes von Caprivi, von Burchard u. Andere. Das Haus tritt sofort in Die erste und eoent. zweite Berathung D<3 Handels- und Sch ifff ahrtsver- t r a g e S zwischen dem Deutschen Reich und Griechenland vom 9. Juli 1884. Abg. Menzer(kons.): Ich begrüße Den Abschluß dieses Vertrages mit besonderer Freude; fein Zustandekommen ist, wie das jedes Handelvertrages, vom kaufmännischen und wirth- schaftlich-industriellen Stankpunkt aus eine Etappe auf einem Wege, den wir noch weiter beschreiten müssen und werden. In der griechischen Kammer ist der Vertrag bereits Mitte vori- gen Jahres genihmigt worden. Die griechische Ausfuhr nach Deutschland soll rund 1 400 OCO Drachmen betragen. Das scheint mir viel zu niedrig gegiiffen, wnl nicht angegeben wird, was über nichtdeulsche Häfen, über Rotterdam und Trieft, zu uns gekommen ist. Von dem Havp-ausfuhrar!ikel, Den Ko- rintben, wurden aus Griechenland 1883 für 48 500 000 Drachmen, an Feigen für 2700000 Drachmen exportirt; von elfteren ge- langte nur ein geringer, von letzteren ein größerer Theil nach Teutschland. Von Den für Diese Waaren sowie für Oliven gewählten Zolleimäßigungen wird eine Steigerung der Einfuhr nach Deutschland als sicher angenommen. Die deutsche Ausfuhr nach Griechenland, welche die Vorlage aus 8— 9000000 Mark beziffert, ist noch sehr steigerungsfädig. Griechenland befindet sich in einem g-sunden und gleichmäßigen Aufschwung?, seine Äe- vöikcrung hat eine bedeutende wirthschaflliche Begabung, die E'ädte wachsen, aber nicht an Proletariat, sondern an wohl- habenden B-rrohnern, die Kou'fädigkeit vermehrt fich, das Ersenbahnnetz beginnt sich zu eniw ekeln— kurz, die deutsche Industrie hat hier noch ein großes Arbeitsfeld vor sich und wird die Konkurrenz ohne Schwierigkeit aufnehmen können. Die bisher nach Griechenland wie nach der ganzen Levante expoitieten Maaren sind sehr minderwerthig, und der deutschen Industrie bei ihrer anerkannten Reellilät und Rührigkeit wird es leicht sein, dort Erfolge zu erringen. Ter deutsche Einfluß macht sich dort in ganz erfreulicher Weise geltend, das an- erkor, nieste griechische Handclsbaus. ein Weichaus in Pairas, rst ein deutsches; der d.utsche Konsul Claus in Patras hat die deulsche� Weinbaugesellschaft in Griechenland etablirt. Der Abschluß des Handelsvertrages wird sicherlich alle diele Be- Ziehungen noch inniger gestalten.(Beifall rechts.) Abg. Broemel(veutset-freis.)- Schon bci dem Ver- trage mit Spanien wurden Stimmen laut, welche den Weg neuer Abmachungen mittelst gegenseitiger Konzessionen nicht für bedenklich hielten. An ihn erinnert der vorliegende in mancher Hinsicht. Zwar gingenjhm nicht die Kämpfe voraus, dte sich an Den Vertrag mit Spanien knüpften, und unter fern f(fr% Rj-Kt..Ktr««Wttljch„litt; Dafür friedigung blicken. Es ist das nicht etwa Schuld der Reichs- Regierung, deren Vertreter, bei der Tendenz unserer Zoll- geseygebung von vornherein in schlimmer Lage, unsere Glück- wünsche verdienen, daß es ihnen gelungen ist, noch daS zu erreichen, was in diesem Vertrage erreicht ist. Freilich steht er hinter dem mit Spanien in Bezug aus Erreichtes zurück, aber das liegt an der Verschieden heil der Handelspolitik Spaniens und Griechenlands. Spanien hat, wie jetzt durch sein Unglück, damals unsere Sympathien erweckt, indem es in seinem sehr stark ausgebildeten Schutzzollsystem eine erhebliche Milderung elntreien ließ. Griechenland stand umgclebrt im Begriff, einen mit vielen erhöhten Sätzen ausgestatteten Tarif einzuführen. Die uns gemachte Vorlaae verzeichnet nichtsdr sto- weniger eine Reihe von Konoentionalsätzen, welche lndeffen die Reichsregierung, höflich ausgedrückt, mit zu großem Wohlwollen betrachtet. Handelt es sich doch im Wesenttichen gar nicht um Ermäßigungen, da fich die im Vertrage aufgeführten Sätze fast durchweg im autonomen Tarif Griechenlands vorfinden; der von jetzt ab bei dem Logementbalter auf Kredit, und zwar de« läuft fich sein Kredit bis auf 200 Gulden, denn soviel beträgt das zu erwartende Handgeld. Er zahlt gewöhnlich 1'/- Gut- den(2 M. 50 Pf) täglich für Kost und Wohnung; Getränke und sonstige Bedürfnisse werden besonders berechnet. Inzwischen hat der Wirlh durch irgend einen obskurm „Schriflgelchrten" nach einem Schema, daS diese Herren für alle vorkommenden Fälle bei fich führen, an die Heimathsbe- Hörde des Mannes um Uebersendung der«forderlichen Papiere schrerbcn lassen. Bis von dieser irgend eine Nachricht eintr.fft, lebt nun der Rekrut auf Kredit bei seinem Gastgeber. Er er- hält Alles, was sein Herz sich wünscht, er wird mit der liebens- würdigsten Zuvorkommenheit behandelt, das ganze Haus steht zu seiner Verfügung. Der Wirth erhält seinen Gast stets in einer angebeirerien Laune, so daß dieser schließlieb vollständig jede Uebnficht verliert, was er wohl schuldig sein könnte. Im Anfang hat er Alles, was er genossen und empfangen, aufgeschrieben und berechnet; es wird ihm daS aber bald zu viel- der Wirth, der mit wahrhaft väterlicher Fürsorge fich seiner angenommen hat, betrügt ihn wohl nicht, und so wird in Gemeinschaft mit dem Wirth, dessen Familie und anderen anwesenden Kriegern gelacht, ge- scherzt, gesungen, geschmaust und gezecht. Manche Logement- baller haben 20 bis 30 Rekruten in Quartier; fie anangiren Land- und Seepaithien mit ihnen, und diese Leute, die in Deutschland„fechtend" von Haus zu HauS zogen, die Des Morgens nicht wußten, wo sie Abends ihr müdes Haupt niederlegen sollten, die kommen sich hier natürlich wie die Fürsten vor; sie schlafen in guten Federbetten, erhalten ihre reichlichen Mahlzeiten, können die verwegensten Gelüste befrie- digcn. Selbstverständlich erzeugt dieses Schlaraffenleben eine ungebundene Laune bei ihnen, und sie fangen an zu glauben, daß es niemals ein Ende nehmen wird. Nach Wochen kommt aus der Hermath des Rekruten die Nachricht, daß er ferne Papiere anstandslos erhalten kann, oder daß dieselben ibm aus irgend einem Grunde verweigert werden. Im«steten Fall hat der Wirth durch eine endlose Rechnung und doppelte Kreide dafür gesorgt,.. dem Manne von seinem Handgeld auch nicht ein Pfennig blnbt, tum Vertrag bindet diese Sätze nun auf zehn Jahre. Ander«felis find in G.iechenland gerade vor Abschluß des Vertrages erheb» liche Zollerböbungen für Exportartikel der deutschen Jadustrie, speziell der T-xtitmdustrie, eingeführt, in deren Bekämpfung die dcuische Reichsregierung wenig glücklich gewesen ist. Ebenso ist das Gesetz über die zollfreie Zulassung von Sprit zum Verschnitt von Weinen fast vier Monate vor Verein« barung des Vertrages und zwar allgemein für alle fremden Sprite erlassen. Der im Vertrage stipulirten Bindung griechisch« Zollsätze stihen auf deutscher Veite Konzessionen gegenllb«. durch welche Tbeile des deutschen Tarifs auf die ganze Dauer des Vertrages f-stgelegt werden. Dahin gehört vor Allem der Korinrhenzoll, dessen Ermäßigung von 24 M- auf 8 M. schon jetzt der Reichskasse einen Eianahmeausfall von% Millionen Mark verursacht. Das friedliche Arrangement auf dem Wege eines Vertrages ist freilich auch unter diesen Umständen willkommen zu heißen. Gegen die weitere Berathung der Vorlage im Plenum rst nichts einzuwenden, wenn auch bei wichtigeren Verträgen künftig die Vorberarhung in ein« Kommisston vor- zuziehen ist. Mit den wichtigsten europäischen Staaten fehlt es uns an einer dauernden ve-tragsmäßigen Regelung. Der Vertrag mit der Schweiz läuft im nächsten I ihre ab, die Verträge mit Oesteri eich und Spanien enden 1887, für 1888 steht Italien ein Kürtdigungsrecbt zu, und Belgien kann jedes Jahr kündigen. Diese Unsicherheit der handelspolitischen Lage kann der Erhaltung undEnlwrck.lung unseresExporrhandels nicht frommen. Wir müssen uns darauf gefaßt machen, alljährlich in einenKampfum einen wichtigen Handelsv.rlrag zu gerathcn. Daß diele Lage keineswegs eine nothwenvige Konsequenz der schütz chllnerischen Tendenzen in anderen Ländern ist, deweist das Beispiel Frankreichs und Spaniens, welch« durch erhebliche Zollermäßigungen den Abschluß sehr weilgehender Konvenlionalvertiäge mrt anderen Staaten erreicht Häven. Dem Mann mit den zugernöpf- ten Taschen, welchen daS Deutsche Reich jetzl spielt, thut freilich Niemand«was zu lieb. Wenn Deutschland nur einige Zugeständnisse machen wollte, so könnte es auch heute noch aus europärschem Boden für seine Exporlindustcie eine weit günstigere und fichere Lage schaffen. Jetzt Helsen wir uns mühselig von Jahr zu Jahr fori. Die Verträge mit Spanien, Italien und Griechenland find durch Ermäßigungen von Zöllen auf Südfrüchte«kauft, welche auch vor 1879 möglich gewesen wären. Wie aber steht es mit der Zusage, daß der 1879 geschaffene Tarif eine trefflicke Handhabe zum Abschluß günstiger Verträge bieten werde? Diese Zusage ist bisher nicht eivge- lost. Die große Mehrheit der deutschen Handels- und Industrie« kreise würden ad« gerade dabei der R-ichsregierung zur Seite stehen. Sind doch die großen Kulturstaaten Europas für den Absatz unserer Jnvustrieerzeugnifle tausend Mal wich- tiger als alle Winkel und Landesrheile, welche wir j'tzt in fernen Erdtbeilen aufsuchen.(Sehr richtig! links.) Ich habe für daS solide Unternehmen eines jeden deutschen Kaufmanns, wo immer es sei, die wärmste Sympathie, namentlich wenn n keinen besonderen Zuschuß aus der Reichslasse verlangt. Aber man mag den Vortheil für unsere Exportindustrie noch so hoch veranschlagen, wenn wir in Afrika und in der Süvsee etwas bceilere Zeugstrffe verkaufen und an unsere nußbraunen Kalo- nialbrüder«was mehr Sprit und etwas mehr Paloer absetzen — der Handelsaerkebr mit unseren nächsten Nachbarn ist doch tausend Fäsen ist Deutschlands Produmon unaufioanch vxxt knüpft mit j-nen Ländern, sie bilden mit unS in dieser Hin- stckt ein gemeinsames Handels- und Wirthschaftgebiet, für welches die staatlichen Grenzen doch noch keine wirihschaftlichen Schranken sind. Und nicht allein Europa, auch die große Union jenseits des Ozeans kommt dabei in Betracht, die keineswegs jeder handelspolitischen Abmachung abgeneigt ist. Eine glückliche Initiative könnte hier auch von allgemeiner Bedeutung sein. Die trübe Lage, in welcher fich viele Weltindustrien befinden, rührt nicht zum wenigsten davon her, daß jeder Staat die eigene Industrie durch hohen Zollschutz zur Mehrproduktion aufzustacheln trachtet. Eine nothwendige Folge ist das Hin- auswerfen von Produkten in großen Mengen auf die ausländischen Märkte zu Schleuderpreisen. Ein energisches.Einlenken in die Handelsvertragspolittk seitens eines Staates wie Deutsch- land könnte hier großen Nutzen bringen. Dies ist jedenfalls d« Boden, auf den Dculschland sich für die Zukunft mit seinen handelspolitischen Bestrebungen stellen muß, und wenn der Herr und erhält von ihm bei seiner Einsediffung in die Kolonien womöglich noch ein kleines Gelogeschenk. Geschieht es nun aber, daß das Gesuch des Rekruten von seiner heimalhlichen Behörde abschläglich beantwortet wird, «erden die Papie e aus irgend einem Grunde verweigert, vielleicht weil der Mann noch Schulden bei feiner Gemeinde zu tilgen hat, indem er, wie das ja öfter vorkommt, tn öffent« liehen Krankenhäusern u. s. w. verpflegt worden ist, oder weil er noch Strafen zu bezahlen od« abzubüßen hat, oder find die Papi«e, namenllrch daS Führungs. Attest, nicht derart, daß er mit demselben als Soldat angenommen wird— dann tritt eine gcheimnißvolle dritte Person helfend ein. Der Rekcut ist bei seinem Wirth in tiefe Schulden geraihen— so wird ihm daS wenigstens erzählt— er hat jetzt von seinem Hand- gelde bereits 160 bis 170 Gulden verzehrt— obgleich der wirkliche Kostenaufwand kaum ein Drittel der genannten Summe beträgt; und der Wirth will unter allen Umständen zu seraem Gelte kommen. Der Schuldner wird nun, je nach seinem Charakter, es sei durch Drohungen mit der Polizei. es sei « Relchkkanzser bei einer früheren Gelegenheit den Mitgliedern dieses Hauses ein Hic salta! zurief, so gilt diese Mahnung ganz besondns der Reichsrepierun" für die handelspolitischen Auf- gaben der nächsten Zukunft. Was wir in den letzten Jahren an Handelsve'iiägen haben feitiz bringen können, das ,st nicht mehr als ck-verk, lasien Sie uns endlich einmal ein ganzes Stück tüchtiger Arbeit sehen.(Bravo!) KommissariuS des BundeSrathes kaiserlicher Geh. Ober« Regierungsrath Schraut: Meine Herren, der Herr Vor- redner bat bezweifelt, daß Deutschland als ein Staat mit zu- geknöpften Taschen, wie er fich ausdrückte, in den letzten Jahren Hanvelsvertiäge abgeschlossen habe, die für unsere Industrie günstig wären. D-m gegenüber darf ich bemerken, daß die gesaminte deutsche Industrie vollständig darin einer Meinung ist, daß die Handelsverträge mit Italien, Spanien, Mexiko, die im vorrgen Jrhre Gegenstand der Beratdung dieses hohm Hauses waren, große Errungenschaften darstellen, und daß aus denselben, Dank der Umficht, welche unsere Vertreter im Aus- lande entwickelten, für Deutschland die segensreichsten Vortheile «ntstanden sind. Ich glaube aber auch, daß der gegenwartig zur Beratdung vorliegende Handelsvertrag nicht im Mindesten das immerhin etwas abfällige Unheil verdient, dai der Herr Vor- redner trotz seiner im Allgemeinen entgegenkommenden Haltung im Einzelnen fällte. Zum Beweise dafür darf ich darauf bm- meist n, daß die griechische Regierung für unsere wichtigsten Ausfuhrartikel nach Gnechenland vollständig Zollfreihert gewährt hat. Diese Zollfreiheit genießen Materialeisen. Eisen- bahnschienen, Maschinen, Eisen- und Stahlwaar-n, Chinin, Spiritus welcher zum Verschnittt von Wein benutzt wird, Nähmaschinen u. s. w. Namentlich die Bewilligung der Zollfreiheit für Eisenbahnschienen und Eisenbahnmaterialien ist bei dem Umstände, daß gerade jetzt in Griechenland mit dem Eisenbahnbau in größeren Dimenfioven vorgegangen wird, von der allergrößten Bedeutung.(Sehr richtig.) Wenn der Herr Vorredner die Textilindustrie speziell angeführt hat, so find wir auch auf diesem Gebiete keineswegs ohne Ertola herausgegangen. Die griechische Regierung hat ihre Zölle für Posamentierwaaren— baumwollene und halbseidene— bedeutend herabgesetzt. Andererseits hat allerdings Griechenland für einige Braucken der T-xtilindustrie seine Zollsätze inzwischen erhöht; dies betrifft aber im Wesentlichen die feineren Artikel, die namentlich von Oesterreich und jfrank- reich nach Griechenland ausgeführt werden. Wir führen Haupt- fächlich nur grobe Tcxtilwaaren nach Griechenland aus, und für diese find bei der größten Zahl der ein>eln.en Artikel auch in dem autonomen Tarif die Zrllsätze bei abgesetzt. Der Herr Vorredner sagt: Die uns gemachten Konzessionen ständen in dem allgemeinen griechischen Tarif. Dies ist ricktig. Die Verhandlungen schwebten seit Oktober 1883. Wir stellten unsere Forderungen von Ansang an in der Ausdehnung auf, welche wir zum größten Th-ile erreicht haben, und als die griechische Regierung fich entschloffen hatte, uns diese Forderung zu konzediren, so nahm sie diese Zollbegünstiguugen, welche in erster Linie unseren Jntereffen angepaßt waren, in ihren neuen damals in der Ausarbeitung begriffenen Tarif auf. Diese Begünsti- aungen kommen uns auf die Dauer von 10 Jahren zu statten. Doß auch die griechische Regiening der Anficht ist, daß ihre Konzesfionen von beträchtlicher Bedeutung seien, bat der Herr Minister Tiiecudi in der griechischen Kammer anerkrnnt, indem er sagte, daß der Abschluß des Vertrages mit un» nur gegen bedeutende Gegenleistungen seitens der griechischen Regierung hätte erreicht werden können.— Was unsere Konzessionen be- trifft, so ist, wie der Herr Vorredner schon angeführt hat, der Korinthenzoll bereits in unserem Vertrage mit Spanien er» mäßigt worden. Der Ausfall, der dadurch in finanzieller Be- ziehung entsteht, beträgt allerdings, wenn man die bisherige Einsuhrmenge als Grundlage annimmt, ungefähr 750000 Ml. jährlich. Es darf aber angenommen werden, daß die Einfuhr infolge der Zvllermäßignng dermaßen steigen wird, daß ein Theil duscs Zollausfalles, und zwar k-.in unerheblicher, durch ximui Aupmt oMet, ihr» ine E'rrarstllrsgc'n',' vre rihr bereits in Bezug auf die Zollherabsetzung für Südfrüchte in den Verträae* mit Spanien und Italien gemocht hw ben. Im Uebrigen möchte ich, was die allgemeinen Aus: führungcn des Heim Vorredners bezüglich der Handelsoer- tragspolitik betrifft, e wähnen, daß seit dem Jahre 1879, unter der Herrschaft der jetzigen Zoll- und Handelspolitik, eine so große Anzahl der wichtigsten Verträge abgeschlossrn ist, daß wirklich nicht bezweifelt werden kann, daß die jetzige Zollpolrtrk kein Hinderniß bildet für große Errungenschaften auf inter- nationalem Gebiete. Ich erinnere nur an die sehr wichtigen Verträge mit M-xiko, Serbien, Italien, Spanien u. s. w, auf Grund deren unsire Industrie fortwährend neue Absatzgebiete findet. Wenn man auf andere Staaten hinweist, die günstigere Handelsvirtiäge erzielt haben sollen, so sage ich dem gegen- über: Dos freihändleiische England hat lange Zeit keinen Handelsvertrag mit Spanien zu Stande bringen können. nicht?, er muß in jedem Fall bezahlen, und zwar das, waS fein Wirth verlangt. Eine Beschwerde bei den Offizieren des Werbe- Depots ist vollständig wirkungslos; sie weisen die- sciben entweder kurz zurück, oder spusen den Rekruten mit einigen R-densaften ad: daß man bezahlen müsse, was man schuldig ist, daß der Wilth wohl Recht haben werde u. s. w. Beiweigeil der Schuldner die Zahlung, so wartet sein Glau- diger mit einem Beamten vor dem K-sernen-Tbor, bi? Jener bkrauskoirmt, und läßt ihn ohne W-iters auf das Polizei- Büreau bringen, wo ihm dann, wenn er fich ferner sträubt, die betreffende Summe buchstäblich mit Gewalt entrissen wird. Für solche Heidemhatcn fallen auch wodl an die Beamten cnt- sprechende Trinkgelder ab. Vielleicht in keinem Orte der Welt besitzt die Polizei eine weitgehendere Macht, aber auch ein weitet es Gewissen, als gerade in Hardeiwyk. Für Geld erhält man Alles; ohne Geld selbst mit drnr besten R'ckte— Nichts. Wenn man die drei oder vier Mitglieder dieser UkberwachungS- Behörde etwas näher ins Auge fast, und bemeikt, daß die- selben sich in einem beständigen Gcnsvre-Dusel befinden, so kann man fich allerdings nichi mehr darüber wundem, daß Dinge, wie die oben geschilderten, ein öffentliches Geheimniß bleiben. Beneidenswnth ist auch das Vertrauen, welches die holländische Regierung in ihre ausführenden Organe fetzt. Wenn wir von dm„Logementen" in Harderwyk sprachen. so ist damit nicht gesogt, daß fich dieselben nur in dieser Stadt voisindint man hat sie in ganz Holland. An der deutschen Grenze befinden sie fich namentlich in Oldenzaal und Venlo. Aiißeid-m befaßt fich in allen größeren Stävt>n, wie im Haag, in Amsterdam, in Rotterdam, eine ganze Anzahl von Gast- wiithen mit diesem sauberen Geschäft. Leider thun das aber nickt nur geborene Holländer, sondern hauptsächlich neben diesen auch ehrvergessene Deutsche. An den Grenzen find die Logementhalter oft auch zugle ch Weiber. Das Anwerben von Soldaten ist bekanntlich in allen Ländern, außer in Belgien, auf dai Strengste verboten. Leute, die fich mit diesem getähr- lichcn Handwerk befassen, müssen sehr verschmitzte Barsche sein, fich in jedil Lage schnell zurechtfinden, und die Gabe b-fitzen, fich den verschiedensten Ebaraktcren anzupassen. Viele Werber machen große Reisen, bis tief in die Schweitz hinein und wissen fast immer den wachsamen Augen der Polizei zu entgehen. Unter ihnen b. finden fich sonderbarer Weise auch Schweizer, die selbst ausgediente Soldaten find, und einem abenteuerlichm abwechsclungsreichen Leben nickt entsagen mögen. Sic geben unter der Maske von Pferde- Händlern, Geschäfts- oder Vergnügung? reisenden inö Aueland, namentlich in die westlichrn Gegenden Deutschlands, um ihre Waare zu suchen. Alle verstehen fie es, fich mit einem Anfluge Gerate unser Vertrag mit Griechenland ist ein Bewci?, daß unsere Zollpolitik nicht das geringste Hinderniß bildet. Griechen- land hat zur Zeit keinen einzigen Tarifvertrag außer mit uns, und unsere Haupikonkurrentcn in Griechenland, Oesterreich- Ungarn, Frankreich und die Vereinigten Staaten von Amerika find, soweit wir wissen, mit Griechenland noch nicht ins Reine gekommen. Ich glaube deshalb, daß es ungerecht- fertigt ist, zu sagen, es wäre bei unserer jetzigen Zollpolitik nicht möglich, eine günstige Handelspolitik auf internationalem Gebiete zu treiben.(Bravo! rechts.) Die Diskusfion wird geschlossen, ein Antrag auf Berwei- sung des Vertrages an eine Kommitfion liegt nicht vor, das Haus tritt sofort in die zweite Berathung ein und genehmigt den Vertrag in allen seinen Theilen. Darauf wird die EtatSderathung fortgesetzt: V e r' waltung der kaiserlichen Marine.(Titel 1, Chef der Admiralität.) R-ferent Abg. Rickert(dtsch.-fteis.) rekapitvlirt die V-r. Handlungen der Äudgetkommisfion, verweist auf die bekannten vom Chef der Admiralität dort abgegebenen Erklärnnpen und empfiehlt namens der Kommission, welche fick einstimmig für die Mehtfoiderungen im Maiineetat erklärt habe, dieselben anzunehmen. Es sei nicht möglich gewesen, die durch die Kolo- nialpoiitik entstehenden Kosten im Etat abgesondert erscheinen zu lassen! nach zuverläsfigcr Schätzung dürften fie aber etwa drei Millionen Mark betragen. Der einmüihige Beschluß der Kommission sei gefaßt worden trotz verschiedener sehr er- heblicker Bedenken einzelner KommisfionS-Mitglieder, welche den Mehrforderungen nur zugestimmt haben mit der ausdiück- liehen Erklärung, fich für die Zukunft dadurch nicht binden zu wollen. Abg. Frhr. v. Franckenstein(Zentrum): Das Zentrum wird zwar die Mehrforderungen in ihrer vollen Höhe bewilligen, jedoch ohne P.äjudiz wr die Zukunft. Wir meinen, daß die Kolonialpolitrk des Reichskanzlers den Rabmcn bereits über- schritten hat, der für fie im Juli v. I. in Ausficht genommen war. Bereits im laufenden Etaisjahr hat diese Kolonialpolitik zu Etatsüberschreitungen geführt; für das Jahr 1885/86 veranlaßt sie noch erheblich größere Kosten. Meine Partei ist der Anficht, daß durch die Kolonialpolitik ma- terielle Vortheile nur für einen lleinenTheil der deutschen Bevölkerung, für einige Groß- industrienundRhedereien, entstehen werden. Namentlich die ackerbautreibende deutsche Bevölkerung bat keinen materiellen Vortdeil daraus zu hoffen. Gleickwohl aber müssen die Kosten der Kolonraipolitik vom ganzen Volk ge- tragen werden. Für die heutigen Positionen stimmen wir nur, weil wir wünschen, daß die deutsche Flagge überall geehrt und «speklirt werde. Wir lehnen es aber ab, damit eine Bewilligung der Kolonialpolitik auszusprechen und verwahren uns gepcn jede Perantworllichkeit für die etwaigen Folgen dieser Politik. (Beifall im Zentrum.) � Abg. v. Stauffenberg(dtsch-fteis.): WaS wir in diesem Etat, durch außerordentliche Verhältnisse gezwungen, bewilligen, nehmen auch wir keineswegs für die Zukunft in Ausficht. Wir b-balten uns ausdrücklich für die kommenden Jahre völlig freie Hand vor. Sehr wesentlich wird für uns dabei der Gelvgefichtspunkt sein. Wir gehen an diesem Punkt nicht, wie das neuerdings Mode geworden ist, mit vornehmem Achselzucken vorüber, sondern halten ibn für absolut erheblich. Eine schrankenlose Enlwickelung der Marine gleichzeitig mit d-r Aukrechterhallung der HeercSstärke ist für unS nickt zu er« tragen Wenn das richtige Maß beim Heer überschritten wird, so muß darunter die Marine leiden, und wird eS bei der Marine überschritten, so leibet daS Heer. Ich gehe nicht so weit, zu sagen, daß die Kolonialpolitrk jetzt schon über den ursprünglichen Rahmen hinauSgehe; daS zu beuilheilen, baden wir noch nicht daS Material; aber auch nach dieser Richtung behalte ich für mich und meine Freunde für die Zukunft das Recht vor, die Angemessenheit der betreffenden Ausgaben stets genau im Einzelnen zu p!Üfen.�i>lonialpol>tik ei in die Wagschale fallen- Deutschland steh! in Bezug Abg. Rick i Finanzen am besten da. Ich halte eS auch nicht für rotKr die Kolonial, daß wir mit unserer Marine der franzdstschen oder ei#o die E-Hoimn Marine Konkimenz zu machen suchen. Die EntsenduntchtS). Ich wu Stationssch ffen wird genügen, auf die große Vermrfiedatte Herr He unserer Schlacht- oder Panzerschiffe wird eS nicht anhij*" kf,8®unijji Wir wenden übrigens schon jetzt erhebliche Kosten �n0 ftldst der R Marine auf. Sollen wir uns nun von allen überstKN mzwischen et Plänen gänzlich fem halten, so maß ich sagen, eS'st��ungen gegen unsere Marine schon jetzt zu theuer. Nur um uns J�r ttoe Acuße schützen, bedürfen wir derselben nickt, dazu genügen denn Ii boote. Ich bitte Sie also, in der Bewilligung dessen, ir»>pier ntcht so i zur Vervollständigung unserer Kolonialpolitik gebraucht-."v?- Wrn allzu ängstlich zu sein-(Beifall reckt?.) olrtck. in dem r Abg. Richter(vtschfr-): Der Herr Vorredner bei in Widersprüchen. Er stellt die Sache einmal so dar, wir jetzt erst heiausgetreten seien in den Weltverkehr, seits konstatirt er die große Bedeutung des deutichcn in demselben. DaS letztere ist richtig und diese konnte errungen werden ohne Kolonialpolitik. Diese___ fordert un« auf, die Bedeutung jener Politik nicht a'{ür Danivf« schätzen. WaS die Deutschen im Ausland denken,«s- gi dürfen wir uns nicht beirren lassen. Sie bezahlen � und haben oft aus egoistischen Gründen Deutschland Wir, die wir Steuern zahlen, haben ein besseres Iii solche Fragen, als die Deutschen im Ausland, die ih.e Meinung, und zwar oft in recht aufdringlicM aufzwingen wollen- Es ist früher davor gewarnt wM mit einer Schützenftstfiimmung an die Kolonialpolfirl zutreten. Wenn die deutsche Ehre im Ausland(U#T*itit bereits übe müßten wir auch mit Gut und Blut für dieselbe eintrem�,, Gorwerneu das nun bereits geschehen ist, deshalb stehen wir den FojBfciffe; wir wer Budgetksmm dir uns einem t nd gegen ein uch nur die Erl mserer Partei g. 'olonirrlpolttil e utzen nicht zieh gre F age der nd bestimmt hi origen Jahres x sfordern, und) Anschicken müsset srung und Bestie Abg. v. Fran ________________________________________________ Fo-M des Maiine Etats anders gegenüber, als im vorigen .............. __'»»"a l rztm Schutz der! bandelt sich ja nicht allein um die Streitigkeiten, die f �nb d.zu kommt �Kd in der Dar Kamerun zugetiagen haben- Der Geschwaderkomma� bereits angezeigt, daß sein Bleibm dort noch nothwev�r afrikanischen Unter diesen Umständen wird es Keiner verantworter'?alen Unternehv daß dos Geschwader zuiückgezogm wird. Die vollzogen'« s gIQ lache legt uns hier eine Vetpfltchtung auf. Auch on'.hllgemiimn ver> lanv werden Unordnungen gemeldet; ein GrenjpM'�er Anschauung niedergerissen worden. In Lüderttzland bat e'n%!nb, im Lande t Hcreros erklärt, daß er die Annexion d:s Landes norvAesonders zu Wc der Walfischbai nicht anerkennen könne, und wenn«JT Nachricht, daß die deutsche Olkupation aus Neu-Guine� hinausgeworfen sei, dementirt wird, so wissen wir N' s über unsere ten: so und d die können i ff. sMt aufbringen. •«ifttart rtrtt* ritrftf i jftten gar nicht ' ßiber zu stellen. dort in ver Südsee vorgeht. Unter diesen Umstand nicht anders stimmen, als es.Herr von StauffeiT angekündigt hat- Wir haben aber allen Gmnd, I m acht. Ich bin gar nicht sicher, ob das"'�zirngen, muß: schon geschehen ist, aber ich will mit Herrn v. 6% n ständige und anet kennen, daß ein abschließendes Urtheil jetzt noch".ijlten, nicht abr lrch>st. In dcm aber, was wir bis jetzt erlebt, üerchskantter dl Aufforderung, uns von solchen Anfievlungen fern("UWrum.) wo nicht schon deutsche Arifiedler vorhanden flnd-.« Abg. Woe das auch aus der angekünd-gten Kolonialpolitik. 3-y, uß meine Wot der Ansiedler müssen allein für sich schon ausreichend Isaben. Ich Hab lalem Unfug zu steuern, sonst müssen wir entweder G�apler und Mu oder Kriegsschiffe dort unterhalten. Unsere Maiint m.and handele, e Hauptsache für den Küstenschutz berufen. Reichen �'olomalpolitrk b für diesen Zweck auS, so müssen wir Alles beschtanl�avalttat von H dagegen ist. Aber unsere Marine ist auch berufen, M.®3tnpfetfubi deispolitischen Interessen zu schützen. Was die% stet Entwickelung unserer Marine betrifft, so hat der HeN zo man überhat kanzler bemerkt, daß dieselbe nicht die Stärke der eHe Herren durch oder fran, öfischen Flotte, sondern vielleicht die der boÜiZ Falle bringer oder russtschen Flotte erreichen solle. Aber dieses MAlrch. Und n in durchge�f erreicht sein, wenn der Flottengründtingspltm durchg�tt die Rivalitä (Beifall lints.) Abg. Bötticher(nat.°Iib.): Es ist mir bckaitw den, daß von keiner namhaften Partei Oppofition f Forderung erhoben werden würde, um so meist uns überrascht, bei dieser kolonialpolitische Debatte fich waren darauf nicht gefaßt, fach Gelegenheit bieten wird, treten. Indessen wollen wir den__.....______ das, was unser Volk in seiner Mehrheit aufS liefst* hier im Reichstag keinen Anklang fände, als ob fick satz flufgethan zwischen der Stimmung im Lande un? Hause. Ich war zu dieser Erkiämng um so mehr als Herr v. Franckenstein in feierlicher Weise die nähme seiner Partei zu dieser Frage kundgegeben% zur Rechtfertigung dcS Verhallens seiner Partei die ausgesprochen, daß die Kolonialpolitik eine starke Vs unserer Marine erfordern werde. Aber dieser Besün die Erklärung entgegen sowohl, welche der Chef der tät in der Kommission abgegeben, als auch die%! trenz kann im ;r zu Gute toi Aschen Handel nlschc Marine t übrigens I üJü ttßet Schutz. 'inst übet die jerung zeigt, t ukunft mehr a> den l'tz'en D ir dm Einzeln mdel und an Itbem. In dü st die Bewillic Marine fori habe fcieübi des Herrn Reichskanzlers. Indessen find auch mat�jP�,„ von Herrn v. Franckmstein angezogen worden. E* M"*« abschließendes Urtheil dahin ad, daß' die Kolanialp' einem kleinen Interessentenkreise zu Gute kommen ß"., sie ohne Vorthell für die Landwirthschaft sei, die den Kosten derselben beizutragen veranlaßt trütd v ich entgegentreten; auch fitt � JU witthschaft wird die" Kolonialpolitik" Vöttbelle wenn fich Deutschland vielleicht gemacht jetzt unter den Eewetdu' bat, noch keine befindet, � jir Abg. Mei indt Horst, daß ät bestehe, un ir Sudkommiss gestellt seien, x Zeichen de Diese Pofii p. 55(Servi �rntiffitand gemacht bat, noch keine befinbei," n e l daran, Anlegung von Ackerbaukolonien günstig ist, so bei d« in Zukunft geschehen. Dem Abg. Hasmclever Jjft j �«schädigt roetfc« sttfitt ich, daß wir die Aufmeiksamkeit unseres Vo> die Ausbild sozialpolitischen Aufgaben ablenken wollen; ich"«»ultäall Zas eine tbun. das ander« nickt lnff-n I lsin solo> ,,, Ebef d,r ai Das eine thun, daS andere nicht lassen!«jt � Ehef der A ist gerade jetzt unbegreiflich, wo die großen GestS*.«i»» alaftuna ist 5 eilenden Klassen eingeführt werden. Deshalb dj.1' der Ma, wie dieS auch vom Abg. v. Heitling geschehen»>7 Mdung der Lei daß die Regierung die Soztalpolitck aufgesteckt b-d �Mrden, beerntri einer Cchützenfeststimmung treten wir an die kolo" l.setzten. Dem, Aufgab. n heran, wir werden vielmehr j-den �blicke Elspe prüfen, wie wir auch erst nach jahrelangen � �z�� Mark, un _....— jahrelangen diese Bewegung hineingetretm sind. Aber Ganzen halten wir den Schtitt, der aus dem fdÜ lanialpolitik gemacht wurde, für nützlich und tv» � dem Herrn Reichskanzler als ein großcS Viidiep'' Das Kapit nur v«' frfntt LrbrnStage dieser Aufgabe sein« Kraft (Beifall bei den Nation alliberalen.) Abg. v. Helldorff(kons): Wenn Herr Richter meine am hätte verstehen wollin, so hätle ihm ein Zweifel nicht ,.7?�.�Nsteigen könn.n. Ich bade sagen wollen, daß die Deutschen out,! M"* ,on lange am auswärtigen Handel- verkehr betheiliat sind. ,_«aft aber die deutsche Flagge dem Deutschen im Ausland v cht und Schutz verleiht, das ist doch erst jetzt etngetieten; n, daß Wjjtz das ist es auch, was von den Deutschen im Auslande so •«nlligen Schaft empfunden wird; dos ist die g�oße Thatsache, die Nie- �getreten»�nd misvelstehen �„n. Recht erfreulich war es für mich, , weis« vie Herren Richter und Hasenclever betont haben, daß fie erfahr««„r Kolonialpoliul nicht zustimmen. Ich hoffe, die Nation wird zu emci»hnen die Antwort darauf geben!(Beifall rechts.) '< und W Graf Udo Stolberg-Wernigerode(kons.): Auch iunren, w?) muß zugeben, daß die Jntereffen der Landwirlhschaft an der unse e yMlonialsrage vielleicht die geringsten find. Man wirft unS nun es AnslhiU>r, daß wir immer auf dem Standpunkte der Sonderinter-ssen, cht nicht mjjf dem agrarischen stehen; wäre das der Fall, so müßten t, die JlillUr die Koionialpolitik entweder bekämpfen, oder uns gleich- nicht dMltig gegen fie vei halten. Wir haben indeß unseren eigenen ustrie inv�oithiil stet» nur in d«m Bortheil der Gesammtheit gesucht, t. Auch die»rd darum treten wir auch vom agrarischen Standpunkt für die itats könntsslonialpolitik ein. Bezug am Abg. Richter: Die uninteresfirte Vorliebe der Agrarier für rothtfjr die Koionialpolitik äußert fich gerade in einem Augenblicke, oder enziso die Clhöbung der G-treidezölle in Ausficht steht(Oho! Zatsendunrchts). Ich wundere mich übrigens sehr, daß uns in dieser >ße Veritit�ebattc Herr Hartwig nicht weitere Ersahrungen wie diejenigen nicht anl wenn°7ts über unsere Gründe befragt, so wird die Antwort einfach )ewGuirt«'luten: so und so viel Millionen sollen mehr gezahlt weiden, :n wir nijinb die können wir angesichts der schon bestchenden Lasten iinftändjK hckcht ausbringen. Es würde richtiger gewesen sein, die An- tauffett«?-! schien gar nicht in dieser Schälfe, wie es geschehen ist, gegen- unv, si� sziber zu stellen. Wir hätten vie Sache lreber in Ruhe ge- lskn,,.".! Mtn, so wie die Erklärung deS Abg. v. Franckenstcin cS er- alpoltttt iöglichte. Nachdem aber die Henen(rechts) anders vorge- das Jt'�ittg«:, muß man eine deutliche Sprache reden. Eine rn v.@1%! ßftanblae und maßvolle Kolonialpolitik werben wir unter- zt noch w�Men. nicht aber ern unbcst mmtes Etwas, selbst wenn der lebt, findt Tichekapzixr Sache in der Hand hat.(Beifall im rn fern Qntrum.) m t Aög. Woermann(nationallib.): Der Abg. Richter olitik. �,.>ab meine Worte dem Sinne nach nicht richtig verstanden " l sben. Ich habe sagen wollen: einerlei, ob eS sich um buntes berufen i die t der Htt� �d«r?-Ä tweder A? hopler und Mundharmonikas, um Glasperlen oder Nürnberger Manne in"and handele, eS werden weite Kreise der Industrie von der Reich-n T�olonialpolitik berührt und nicht bloS die Großindustrie. Eine 1" ivalität von Hamburg und Bremen hat in den Berathungen Dampferfudointionkkommisfion fich nicht gezeigt, sondern jetzt hat st-tS Einmüthigkeit geherrscht, außer in Fragen, man überhaupt verschiedener Meinung sein kann. Wenn Herren durch dergleichen Bemetkungen meinen, die Vorlage e ver oo-'it F�lle bringen zu können, so sage ich ihnen r das ist un- dicscs ß'yjbgltch. Unv wenn eine solche Rivalität existirte, so weise ich n durchZ�tf die Rivalität in den süddeutschen Städten hin. Die Kon- rttenz kann im Uebrigen der Sache n'cht schaden, sondern ihr vir b-kaii�Vr zu Gute kommen. Mit der Ausdehnung unseres über- nnüfion gotischen Handels werden ganz naturgemäß auch an die sn mehr putsche Marine immer stärkere Ansptüche gestellt werden. Sie ./it eine»t übrigens seit Jahren btreits den deutschen Handel sebelt-) übeisecischen Ländern gestützt. Ich erinnere an den Fall 1 w-d' Peru, wo ein deutsches Schiff mit Beschlag belegt war; - ben Fall an der westafrikantschen Küste, wo ein deutsches srrage chtift über die Fidji-Jnseln. Dadurch, daß die deutsche'Re� erung zetgt, daß sie Ernst macht, werden die Kolonien in "kunft mehr geschützt sein. Die Kolonialpolitik, wie fie sich 1" Monaten entwickelt hat, trägt dazu bei, nicht t dm Uttzelnen am einzelnen Platz, sondern den gesammten ,, reiben,"T"' Ras ourch ucegec geptunoeri wuroe. ourm vag urtn» fd Tt.fü der Marine gerettet worden ist. Wie wichtig ein der- l cb flA c' � U6 ift. deweitt auch die unZ beute zuaeaanaene ande unb > mehr ise die gebe»____ T �'"überseeischen Plätzen zu stützen und zu Abg. Meter(Bremen) bestreitet gegenüber demAbgeord. lolon a'p.�indthotst, � zwischen ihm und dem Abg. Woermann Riva- wl�ät bestehe, und Abg. Woermann fügt hinzu, daß heutein > dt'.,.g, �r Eudkommisfion die Bedingungen für die Darr pfersubvention 1*% 5l(.�gestellt seien, ohne daß fich dabei Differenzen berausgestellt ch sü'�fer Zeichen der Rivalität gezeigt haben. le ab» Diese Pvfilion wie alle folgenden werden bewilligt. Bei Die s?t>p. 55(Servis- und Garnisonsverwaltung) erinnert Abgeord. �• t, S« jfi n e l daran, daß durch die Einführung der Selbstbewirth- so �.��jWlung bei der Marine die selbstständigen Handweiker nicht geg.. a�ilchädigt werden dürften, wie das meblfach gescheben sei. Auch die Ausbildung der Mannschaften sei die Selbstdewirthschaf- * Virf f-bif 0 �i"i"träglich. i« W dsr Admiralität v. Capri vi: Die Selbstb-wirth x&jtm en"j,. Mdung der Leute, welche zum Handweiködienst kommanvirt , �'r�rachtigt wird, dafür sorgen die militärischen Vor- «»tils /tl tlfl'% T entstehen aus der Selbstdewitthschaltung ■jmsasm M» mx t®,' rid'J d< dieaf »it. Bei Kap. 60 ,,W e r f t b e t r i e b" bringt Abg. Meister (Sozialdemokrat) eine Reihe von Maßregelungen zur Sprache, welchen einige Arbeiter der Schiffswerfen wegen angeblicher sozialdemokratischer Wahlagitation verfallen seien. D e betreffen- den zum Theil lange Jahre thätigen Arbeiter seien auf Ver- anlassung deS Ober-Wnftdirekiors von Wilhelmshaven sotort entlassen respektive aus ihren Dienstwohnungen vertrieben woiden und hätten auch anderswo in Wilhelmshaven keine Arbeit gefunden. Derartige Härten lägen gewiß in nicht den Jn- tentionen des Chefs der Admiralität. Es sei doch eigenthümüch, wenn der Reichskanzler den Sozialdemokraten das dritte Dutzend wünsche, während die Unterbeamten deS Che!s Maßrepeln in Szene setzen, die die Arbeiter dem Hungerlode " �CheTd" Admiralität v. C a p r i v i: DaS Verfahren deS Oberwerftdirektois hat meine volle Billigung gefunden.(Un- ruhe bei den Sozialdemokraten.) Jn der Arbeitsordnung sür die Werflarbeiter steht auidrücklich: Wenn ein Ardeiter einem Verein angehört oder beitritt, welcher sozial- demokratische, nihilistische u. s. w. Tendenzen»verfolgt. kann er ohne Kündigung sofort entlassen werden.(Bravo! rechts.) Die vier Arbeiter wurden von Gensdarmen amtlich als solche gemeldet, welche nicht etwa sozialdemokratisch gewählt. sondern sozialdemokratische Wahlzettet vertbeilt hatten; Einer von ihnen bat sogar versucht, einem Unteroffizier sozialdemokra- tische Pamphlete beizubringen. Abg. Meister: Der betreffende Gensdarm hat vor dem GemeinVevorstand protokollarisch ausgesagt, er wisse gar nicht, ob die von den Arbeitern ausgetheilten Stimmzettel sozial« demokratische waren. Die Abschriften dieser Protokolle hat aber der Oberwerftdirellor einbehalten, um so die Arbeiter zu ver- hindern, sich schriftlich von dem unbegründeten Verdacht zu (Shef der Admiralität v. Caprivir Ich muß dieses bis weiteres bestreiten. Mißtrauen mag eine demokratische Tugend sein, innerhalb einer Verwaltung und der Truppe würde es Gtft sein. Ich habe bisher noch keinen Anlaß zum Mißtrauen gegen meine Beamten gehabt; und werde zu ihnen so lange Vertrauen haben, bis mir das Gegcntheil auf Grund amtlicher Nachweise da-gethan wird.(Beifall.) r M Abg. Bebel: Durch die Maßnahmen der Werftverwal- tung werden die Arbeiter so recht daran erinnert, daß sie fich in einer Art unwürdiger Sklaverei befinden. Wie vertragen sich jcne Maßregeln mit dem den Arbeitein gesetzlich garantir- ten politischen Wahlrecht? Gerade in diesen Dingen zeigt es sich am klarsten, wie es eigentlich mit der angeblichen Arbeiter- freundlichkeit der Regierung bestellt ist! Die Maßregeln find ein Hohn aus das allgemeine Bürgerrecht der Arbeiter. Chef der Admiralität v. C a p r i v i: Die betreffenden Ar- b.'iter find nickt ohne, sondern nach erfolgter Kündigung ent- lassen(Abg. Bebel: Ist ganz gleich I), also mit Milde behan- delt worden. Auch der Arbeitgeber hat aber seine Pflichten und Rechte; und so lange ich an dieser Stelle stehe, halte ich an meiner Pflicht fest, Leute, welche— sie mögen eine Ge- sinnung haben, wie sie wollen— in den Werften sozialdemo- kratische Agitation treiben, zu entfernen.(Beifall.) Auf den Werften kommen die Arbeiter mehr wie irgend wo anders mit den Soldaten in Berührung; die sozialdemokratischen Tendenzen würden für die Truppe ein Gift sein, wenn ste eindrängen, und ich habe die Pflicht, fie davor zu bewahren.(Beifall rechts.) Abg. Bebel: Ob untere Tendenzen nach der Meinung des ChefS der Admiralität Gift find oder nicht, das bleibt sich gleich.(Lachen rechts) Dies Gift werden Sie von der Truppe doch nicht fernhalten können! Beim flüchtigsten Nachvenken müssen Sie stch drch sagen, daß, wenn wir bei den letzten Wahlen 600,000 Stimmen erhalten haben, hinter diesen noch einige andere Hunderttausende stehen, die noch nicht wahlbe- rechtigt sind und'im militärpflichtigen Alter stehen. Am we- nigsten aber werden Sie jenes Gift von der Truppe fern- halten, wenn Sie in der Weise für die Unzufriedenheit Ihrer Arbeiter sorgen, wie das bei der Werftoerwaltung geschehen ist, und wie es auch vielfach in anderen staatlichen Ver- waltungszweiqen vorkommt. Seit es bekannt geworden ist, daß unsere Partei ein ArbeUerschutzgcsetz votbereitet, erhalten wir seit Wo>en aus Betrieben, die unter der Staatsverwaltung stehen, aus den Eisenbahnwerkstätten der Staatsbahnen zahl- reiche Klagen und Beschwerden über die Behandlung, welche die Arbeiter dort erfahren. Das Kapitel und der Rest werden ohne Debatte ge- nehmigt. Schluß 5'/- Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Börsensteuerantrag o- Wedell-Malchow. Der Abg. Marquardsen zeigt an, daß er morgen den Antrag stellen werde, ven in- zwtscben eingebrachten nationalliberalen Antrag auf Aenderung des Reichssiempelabgadengesetzes gleichzeitig mit dem Antrage v. Wedell zu berathen.)___ Abgeordnetenhaus. 4. Sitzung vom 20. Januar. Am Ministertische Maybach, v. Scholz, LuciuS, v. Pult- kamer. v. Goßler. An Stelle des Abg. Steffens, welcher die Wabl zum Schriftführer abgelehnt hat, wird auf Vorschlag des Abgeord- neten v. Schorlemer der Abgeordnete Sachse dttrch Akklamation gewählt. Darauf wird die erste Berathung deS StaatshauS- Haltsetats für 1885—86 fortgesetzt. Abg. v. H u e n e: Meine Anschauung über den Etat und die Finanzlage unterscheidet fich wesentlich von der Meinung der Regierung. Während die Rede des Ministers eine Fär- bung trug, auf die daS Wort„großartig" paßt, hat doch auch schon Herr v. Zedlitz darauf hingewiesen, daß die gesammte Landwirtschaft, diese Hauptgrundlage der Steuerkraft des Landes (Sehr richtig!), varniederliegt. Wenn man nun aber mit Rücksicht auf diese nicht alänzenden Finanzverhältniffe im Reichstage irgend einen kleinen Absttich im Etat vornimmt, dann wird man so- fort angeschuldigt, man verstehe den Reichsgedanken nicht oder habe antinationale Gestnnungen; dann entsteht leicht irgend eine neue Heren- oder Damenentrüstung(sehr gut!) oder richtiger, fie wird gemacht. Dergleichen ist ganz natürlich, wenn eine Antorität wie der Reichskanzler die Existenz eineZ Defizits in Abrede stellt und den Gebrauch dieses Wortes verbietet. Die Getreidezollvorlage hat die Abficht, den Wohlstand des Landes zu erhöhen; und die schädliche Witkung des Ge- treidezolles, soweit er nicht Schutzzoll, sondern Finanzzoll ist, kann nur durch die Ueberweisung der Ueberschüffe an die Kommunen aufgewogen werden. Dann bleibt daS Geld im Lande und wandert nicht nach Afrika. Man darf bei der Fortführung der Steuerreform nicht wie bisher die Reichsfinanzen von den Staate finanzen ge- trennt behandeln, beide gehören zusammen; die Lasten im Reich und in den Einzelstaaten werden von denselben Steuer- kräften getragen. An die Piüsung des vorliegenden Etats werden wir jedenfalls trotz der rofigen Färbung, die ihm der Finanzmrnister gegeben hat, mit dem Motto heran- treten müssen: Daumen auf den Beutel!(Betfall im Zen- trurnj Finanzminister v. Scholz: Ich bemübe mich ernstlich, Ihnen den Etat und die Finanzlage so darzustellen, wie fie auf Thatsachen und Zahlen beruhen, und verwahre mich gegen die Unterstellung, daß ick hier färbe; ich thue dies weder in Rosa, noch in Grau oder Schwarz. Met den Bemerkungen des Abg. v. Zedlitz über die Landwirt hschaft, ihre Bedeutung und Lage bin ich einvnstanden, erwaite aber im Uebrigen von der wei- teren Erörterung der Getreidezollfrage in dielem vause kernen Gewinn naeh dieser Richtuna. Der Ada. v- Huene hat es getadelt, daß ich von einem Defizit im Reicye gesprochen habe, und stch dabei auf den Reichskanzler berufen. ES ist ab« doch ein Unterschied, ob hier oder in dem Reichstag vom D«» fizit gesprochen wird, und der Reichskanzler hat Recht, daß die Erhöhung der Matrikularbeiträge nicht ein Defizit sei; diese ist ern vetfassungemäßiges Mittel zur Balanztmng des Etats. Abg. d. Benda bezweifelt, daß die Eisenbabnpolttik itt einem Zusammenbruch führen werde; denn der Staatsschuld stehe der Eisendahnbefitz gegenüber, der viel werthvoller sei. Die Zinsceduktion der 4'/,prozentigen Anleihe treffe allerdings manche Familie, allein es bleiben ja noch die 4'/,» und 5 pro« zenttgen Eisenbahnprioritäten wohl noch auf eine Reihe von Jahren bestehen. Die Etträge der Forstverwaltung haben stch in der letzten Zeit gehoben; es sei nur zu bedauern, daß der Minister die Freude daiüber durch die Erwähnung der Holz« zollerhöbung getrübt habe. Auch bei der Domänenverwaltung sei ein Mehr zu erwarten. Betrübend sei allerdings die Mehr» ausgäbe bei der Justizverwaltung. Im Ganzen wäre ohne die Erhöhung der Mitiikularbetträge ver Etat ein befriedigen» der. Es wäie wohl besser, wenn man die vielfachen Ford»» rungen von Schulen u. s. w., soweit es bei den preußischen Mitteln möglich ist, zu befriedigen suchte. Die Echullehr« werden jetzt lieber 100000 M- nehmen, als fich nochmals auf eine ferne Zukunft vertiötten lassen. Redner beantragt schließ» lich, gewiffe Thesit des Etats in die Budgetkommisston zu»er« weisen. Abg. Mooren: DaS Bestreben der Zentralisation all« Verwaltungszweige in Berlin zeige fich auch in diesem Etat in bedenklichem Matze; das diene nickt gerade zur Entlastung d« Provinze,:. Die Vagabonden ziehen noch immer im Land« umher, man sollte von der Humanitätsschwärmerei etwas ab» lassen. Die Wälder im Regierungsbezirk Münster verschwinden immer mehr, weil die Gemeinschaften aufgelöst werden. Red» ner bedauert, daß die Ausgaden sür den kirchlichen Gerichtshof und für Schulinspektionen noch immer im Etat stehen. Die Landwirthschaft liege darnieder, so daß die Auswanderung nach Amerika als einzige Rettung erscheine. Die Steuereinschätzung sei immer schärfer geworden; der mobile Besitz werde gar nicht getroffen. Abg. v. M i n n i g e r o d e: Die einfachsten Dinge w«r» den immer zu politiscken Rekriminationen denutzt; so schob Herr Rickcct die Mißerfolge der Regierung zu und sprach von einem Fiasko der Finanzpolitik. Er wollt« wohl nur daS Fiasko seiner Partei damit verdecken. Die Verhältnisse find eben stärker als die Menschen; die Ausgaben im Reiche kann auch der Abg. Rickert und seine Freunde nickt ,o beschränken, daß das PluS von 24000000 Mk. Matrikularbeiträge ver» schwindet. DaS allmälige Steigen der! Einnahmen bei den Domänen und Forsten sei erfreulich. Die finanziellen Resul» täte der Eisendahnverstriatlichung find allerdings nicht so glänzend, wie zu wünschen, das liegt aber an vem Ausbau der wenig rentirenden Strecken, an der großen Anspan» nung aller Kräfte. Der Niedergang der Zuckerindust'ie er» mäßige auch die Transporte. Man habe wohl den festen Punkt bei Ven Eisenbahneinnahmen erreicht; auf weitere Vermehrungen könne man vorläufig nicht rechnen. Wenn die Ueberschüffe aus den früheren Jahren fehlen, dann ist der Etat von vornherein schlechter gestellt. Man hat davon aesvrochen, daß die kons«» vative Politik in der letzten Zeit keinen Erfolg aufzuweisen hätte. Wir haben verschieVeneLandzüterordnungen festgestellt. das Zwangivolli'.reckungSgesetz, daS Organisations. und Zu- stäadtgkeitsgesetz, die Neuorganisation von Hannover und die Milderung der kirchlichen Verhältnisse,«ine feste Majorität kann man dafür nicht verantwortlich machen, denn die Kon» setvativen find bald mit dem Zentrum, bald mit den National- liberalen zusammengegangen. Wer eine Majorität dafür ver- antworllick macht, will nur dadurch vergessen machen, welchem Joch er fich selbst bei der Wahl hat unterwerfen müssen, und welches Joch ihm noch erst in der letzten Zeit infolge der Kolonialpolitik auferlegt worden ist.(Lebhafter Bei- fall rechts.) Eisenbahnminister Maybach: Der Abg. Rickert hat geglaubt, daß der Mehrüberschuß von 23 Millionen, den der Eisenbahnetat aufweist, nicht so erfrrulick sei, wie die frühere« höheren Ueberschüsse. Es wird ja der Verwaltung nicht ver- dacht werden können, daß ste mit der Veranschlagung mit großer Vorficht verfährt. Die Ermäßigung der Tanf- der ftüheren Privatbahnen find mit mehrfachen Auefällen verknüpft gewesen. Ich schätze ihn für die schlestschen Bahnen allein auf 2V> Millionen. Die Rücksicht auf die gegenwäriige witthschaft- liche Lage des Landes Hub: die Nothwendigkeit ergeben, bei der Veranschlagung um so vorstchtiger zusein, als im laufenden Elat bereits ein Pius von 38 Millionen eingestellt ist. Daneben werden für Erneuerungen 4V- Millionen, für Meliorationen 5'/., Mill. für Einkommensoerbefferungen l'/s Millionen mehr ausgegeben als früher. Das Gcsammtergebniß ist also jedenfalls ein über- auS günstiges. Der Ueberschuß betiägt 200 und% Millionen nach Abzug von 85 Millionen für Verzinsung und Tilauna. woiunter allein 16 Millionen für Amortisationen. Die Ver- zinsung der Etsenbahnkapitalschuld erfordert einen Aufwand von 157 Millionen. El bleibt also ein Ueberschuß von 41 Millio- nen, davon sollen verwandt werden zur Deckung des De» ffzits 2200000 Mark, zur Amortisation 30 Millionen. Der Rest soll sür anvere Staatszwecke disponibel gehal'en werden. Aus diesen Resultaten find keine Besorgnisse zu schöpfen, und wenn man auch den Daumen auf den Beutel halten will, so hoffe ich, Sie werden nicht karg sein, wenn wir demnächst mit einer Vorlage an Ste treten, welche darauf ab- zielt, das Eisenbahnwesen zu verbessern und neue MeliorationS- bahnen zu bauen.(Beifall rechts.) Abg. Büch te mann weist aus den Reden im Reichstag nach, daß sowohl von der Regierung als von den Parteien die Meinung geth-ilt worden sei. daß in erster Reibe E-leickterun- 8'" der Steuern herbeigeführt werden sollen, nicht eine Deckung des Defizits. Die Entlastung ist bisher nur in sehr geringem Maße erre'cht; nicht einmal die Einzelstaaten haben viel davon erhalten. Von den 130 Millionen neuer Steuern find Preußen kaum 40 Millionen zugefallen, während der Finanzminister Hobrccht auf einen Ertrag von 166 Millionen gerechnet batte, wovon 100 Millionen auf Preußen fallen sollten.— Der Minister habe Anträge der Beamten wegen Verbesserungen der Besoldungen ziemlich schroff abgewiesen und fie als„über» flüssig und unangemessen" bezeichnet. Wenn die MeliorationS» bahnen das finanzielle Resultat der Eisenbahnen verschlechtern, dann sollte man zu einem andern System übergehen, vielleicht den Bau den Privaten Überlossen. Zu gesunden Verhältnissen könne man nicht kommen, wenn man nicht die direkten Steuern als werthvoll beibehalte. Die Grundsteuer sei allerdings für Kommunalzuschläge nicht geeignet. Finanzminister v. Scholz: Auch dem Abg. Büchtemann ist der Nachweis, daß die Regierung vor der Steuerrreform Versprechungen gemacht und nachher nicht gehalten habe, nicht gelungen. Die Steuerreform ist ja noch nicht ganz abge- scdlossen, wir stehen vielmehr noch darin. Man habe 1879 den ersten unzulänglichen Schutt dazu gethan. Die Reden, dl» seitdem gehalten worden find, gehören also alle nock dazu und und in ihnen ist eS deutlich ausgesprochen, daß eS stch zunächst um Deckung des Defizits handell. Nachdem noch der ReaiemngSkoinmissar Geheimrath R a p m u n d einige vom Abg. Büchtemann vorgetragen» Zahlen berichtigt hat, wird um 4 Uhr dt» weit«» Berathung bis Mittwoch 11 Uhr vertagt. Außerdem stehen noch eine Rechnungsvorlage und Rech««- schaftsberickte auf der Tagesordnung. Kokttles. s. Dem Zoologischen Garten ist in den letzten Tagen »in ebenso seltenes wie werlhvolles Geschenk von einem iL Rnrttnant zur S«e zugegangen. ES ist dies eine in unserem Garten nock nicht vertretene malayische Bärin, die von dem genannten Seeosstzier von Singapore mitg' bracht wmden. Das Thier war bereili so weit gezähmt, daß stch seder thm ohne Gefahr am Bord nähern konnte. Es ist zirka 12 Monat alt, zstka 1,25 Meter lang und beinahe 0,60 Meter hoch. Der Körper ist mit kurzen schwarzen etwas rauhen Haaren bedeckt. Die Schnauze ist kurz und breit, auf der Brust befindet stch «in Merkmal aller maloyischen Bären ein weißer Haftmond« förmiger Fleck. Vor Jahren war der Garten bereits einmal rm Lefitz einrS solchen maloyischen Bären, derselbe war jedoch eingegangen. Die Bärin ist vorläufig im alten Raublhierhaus untergebracht. N. J« hoher Lebensgefahr schwebte gestern Abend der Droschken führer Uzkurat, indem er bei der Petrikuche von seinem Bocke stürzte und unfehlbar von seinem eigenen Wagen überfahren wordm wäre, wenn nicht durch einen glücklichen Zufall das Pferd plötzlich stillgehalten hätte. Hinzueilende Passanten hoben den Bewußtlosen, der fick bei dem Falle mehrere Kontufionen zugezogen, auf und schafften ihn nach dem 1 Polizei-Revier. Ein hinzugerufener Arzt konstatirte, daß der Verunglückte an epileptischen Krämpfen leide und ordnete die Uebcrfübrung nach einem Krankenhause an. N. Verschwunden ist seit gestern der in Moabit, Lehrter- praße 14—15, bei seinen Eltern wohnende 18jährige' Otto Rctz- liff, welcher als Hausdiener bei dem Schneidermeister Karl Hcyer, Seidelfiraße 6 in Dienst stand. Derselbe erhielt gestern Abend um 6 einhalb Uhr von seinem Prinzipal den Austrag, mit einer Summe von 400 Mark die Rechnung eines in der Mauerstraße 79—80 wohnhaften Kaufmanns Franz Scharfig zu begleichen, von wo er jedoch bis jetzt noch nicht wieder zu- rückgekehrt ist. Da die Nachforschungen nach dem Verschwun- denen bis jetzt ohne jedes Resultat geblieben find, so nimmt man an, daß R. mit dem Geld« das Weite gesucht hat, und ist in Folge bissen seitens des Bestohlenen heule der Kriminal- polizei von dem Vorfall Anzeige gemacht worden. Der Ver- schwundene war mit dunkelbraunem Paleto!(Diagonalstoff), Heller Hose und niedrigem braunen Hut bekleidet. Die Statur ist mittelgroß und untersetzt. Das G-ficht zeigt eine gesund« Farbe unv ist barilos. Mit der Martthallenangelegenheit, bezw. der Klage des Berliner Magistrats gegen daS Polizeipräfivium, beschäftigt stch, wie wir hören, bereits der Bezirksausschuß. Gerichts-Aeitung. -y. Ein interessanter DiebstahlSprozeß gelangte vor einigen Tagm vor der 91. Ablheilung des Schöffengerichts zur Verhandlung. Der Angeklagte war der Schlächurmeister Otto Hering, ein wohlhabender Mann und eine in Schlächterkreisen angesehene Peljönlichkeit. Der Sachverhalt ist der Anklage nach folgender: Am 7. September vorigen Jahres hatte der Buch- Halter König von der ViehlommisfionSfirma W. Keiler auf dem hiefigen Zcntral-Viehhof 39 Siück Schweine auftreiben lassen, um fie zu verkaufen- Ergerieth mit dem Angeklagten ins Ge« schäst und wurde dasselbe auch in soweit perfekt, als verabredet wurde, daß der Käufer die Schweine am nächsten Mor- gen gegen Erlegung des vereinbarten Preises in Em- pfang nrbmen sollte. Denn entgegen dem sonst Herr- schenven Gebrauch, wonach den Schlächtern ein Kredit von 14 Tagen genährt wird, hatte König im speziellen Austrage seines Prinz'pals sofottige Zahlung ausbedungen. Sofort nach erfolgtem Zuschlage ließ der Käufer die Schweine mit seiner Mrnke, einem H zeichnen und wurden fie dann wieder in den Keiler'schen Stand zurückgetrieben. Als König am nächsten Morgen auf dem Viehhofe erschien, machte er die überraschende Wahrnehmung, daß der Angeklagte, ohne vorher Zahlung zu leisten, die Schweine aus dem Stande deS Keiler in seinen eigenen hatte überführen lassen und sogar deren acht schon geschlachtet hatte. Sofort ließ er die übrigen 31 Stück wieder in den alten Stand treiben und verweigerte deren Herausgabe, bevor Zahlung erfolgt war. Zwischen Keiler und Hering, der behauptete, eine Zahlungsfrist von 14 Tagen aus« bedungen zu haben, kam es nun zu Differenzen, die fich zu- nächst durch gegenseitig angestrengte Zwilprozesse äußerten, b s Keiler schließlich seinen Gegner wegen Diebstahls denunzirte. Die Staatsanwaltschaft, welche in d-m unbefugten Forttreiben der Schweine aus dem Keiler'schen Siand ebenfalls daS An« eignen ftemder beweglicher Sacken erblickte, nahm die Klage auch auf und Hering hatte fich somit wegen Diebstahls zu verantworten. Der Angl klagte wies den Vorwurf der Unred- lichkeit seiner Handlungsweise weit von stch und behauptete, daß bei Abschluß des fraglichen Geschäfts von einer sofortigen Zahlung keine Rede gewesen sei, sondern von dem alten gebräuchlichen Zahlungsmodus— vierzehntägige Kreditfrist— sei nicht abgewichen worden. Er wies nach, daß er derzeit bei der Bank ein Guthaben von 30 000 M. besaß, daß sein Umsatz zwischen 12 und 20000 M. schwanke, und daß er damals wie heute noch zahlungsfähig sei. Diese letzteren Angaben wurden durch einen einwandssreien Zeugen in allen Punkten bestätigt, so daß die Anklage nur auf dem Zeugniß des Buchhalters König bafirte, welcher in Betreff des Zahlungsmodus das strikle Gegentheil vom Angeklagten be- hauptete. Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufricht und den Angeklagtm für schuldig, er beantragte eine Gesängniß- strafe von 8 Tagen. Der Verlheidiger fübtte dagegen aus, daß die Eckweine bereits in dm Bcfitz des Angeklagten über- gegangen, als der Zuschlag und die Zeichnung der Schweine erfolgl war, es könne somit von Dübstahl keine Rede sein, jedenfalls habe seinem Klienten aber der Dolus gefehlt. Er hat um bissen Freisprechung. Der Gerichtshof tbeilte aber die Anficht des Staatsanwalts und erkannte auf 5 Tage Ge- fängniß. Merkwürdiger Kriminalfall. Essen, 14. Januar. In der heutigen Sitzung des Schwurgerichls wurde über einen äußerst merkwüidigen Kriminalfall verhandelt. Auf der An- klagebank saß der Maschinist Wilhelm Frensemeier aus Bochold bei Boib ck, welcher bcschuldigt war, seine Ehefrau am 1. Juli 1883 vorsätzlich getödtet zu haben. Der jetzt 49 Jahre alte Angeklagte hatte seit seiner im Jahre 1867 erfolgten Ver- beiiathung bis zum Frühjahr 1883 mit seiner Ehefrau im besten Einvernehmen gelebt. Um diese Zeit wurde ihm jedoch bekannt, daß seine F-au ein sträfliches Verhältniß mit einem in der Nach- barschaft wohnenden Echmiedemcister unterhielt. Ein von dem Ortspfarrer unternommener Vnsuck, die Gatten»u versöhnen, war von Erfolg. Die Frau gelobte Treue, und der Mann vergab ihr. Nicht lange nachher aber b-ach die Frau ihr Versprechen, worüber der Mann, wie er Bekannten gegenüber äußerie, fich sehr unglücklich fühlte. Am 1. Juli 1883 ging Frenscnuier von der Arbeit auf Zeche Woifsbank nach Hause, nachdem er vorher mit einem Kameraden Bier und Branntwein g-trur ken hatte. Bald darauf hörte man in dem Hause lautes Angstge- schrei, und der Pflegesohn des Angeklagten sah vom Garten aus durch daS Fenster der Wohnstube, wie Frenkcmeier auf seine auf dem Fußboden liegende Frau losschlug. Als die Po- tizei erschien, lag in einer großen B utlache der Leichnam der Frau, darauf der Angeklagte in tiefem Schlaf, ein M'sser in der Hand haltend, über unv über mit Blut besudelt. Der An- geklagte gab auf alle an ihn gerichteten Fragen keine Antwort. Er wurde bewußtlos in das Polizeigefängniß geschafft. Als er gegen Morgin von einem Polizeisergeantcn gewccki wurde, war er zwar wieder bei vollem Bewußrsein, konnte fick aber der Vorfälle vom Abend nicht erinnern. Am 19. Oktober desselben Jahres wurde Frensemeier vor das Essener Schwur- aericht gcstclll; sein Vercheidiger, Herr Rechtsanwalt Niemeyer, beantragte indeß, die Verhandlung zu vertagen und über den Geisteszustand des Angeklagten, der seine That im Zustande augenblicklichen Wahnfinns begangen haben müsse, Erhebungen zu veranlassen. Diese Erhebungen haben stattgefunden. Die Herren Kreisphyfikus Dr. Albers— Essen und Saniiätsrath Dr. Pelman— Grafenbcrg sprachen fich als Gutachter dahin aus, daß Frensemeier zur Zeit der That stch in einem Zustande vollständiger Bewußtlcstakeit und Unzurech- nungsfähigkeit befunden habe. Das Königliche M.dizinal- Kollegium zu Koblenz hatte erklärt, daß der Angeklagte wegen dieser Unzurechnungsfähigkeit einen Entschluß zur B gedung des Verbrechens nicht habe fassen können. In demselben Sinne ba'te fich die Kgl. wissenschaftliche Depu- tation für das Medizinalwcsen in Berlin in einem aussühr- lichen Gutachten ausgesprochen- Der Angeklagte, welcher ernst und in fich gekehrt, der Verhandlung folgte, erklärte, er könne stch der That und oer wettern Vorgänge bis zu seinem Erwachen im Polizeigefängniß nickt erinnern. Nach Vernehmung der Gutachten und Zeugen stellie der Staatsanwalt die Emscherdung den Geschworenen anHeim, während der Verlheidiger die Frei« sprechung des Angeklagten vrrlanate. Ter Wahrspruch der Ge- schworenen, welcher nach kurzer Beratbung verkündet wurde, lautete auf„nichtschuldig", und wurde infolgedefien der Angc- klagte von Strafe und Kosten freigesprochen. Eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft war der Verhandlung, welche mit einer kurzen Unlerbrechung von Morgens bis Abends 3 Uhr gedauert hatte, mit der größten Spannung gefolgt. London, 16. Jan.(Prozeß gegen einen„Gedankenleser") Im Scherifgerichtshofe in Holborn kam gestern der Verleum- dutigkpioz.ß des DirekiorS des Theaters der Zauberkünste in der Egyvlian Hall, Mr. I. N. Maskelyne, gegen den„Ge- dankenleser" Mr. Irving Bishop zur Verhandlung. Der Prozeß batte seinen Ursprung in einer Volstclluoa Mr. Bishop's in Liverpool, im Verlaufe welcher der„Gedankenleser" eine Nadel entdeckte, die von einem gewissen Mr. Ladyman verstcckt worden war. Mr. Bisbov beschuldigte hierauf d:e Herren Maskelyne, Labouchere und Whiteliy, sie hätten ein Komplot gegen ihn ge- schmiedet, um Mr. Ladyman durch Bestichuna zu der Erklärung zu veranlassen, daß er mit Bijhop unter Einer Deck- gesteckt und diesem somit zur Auffindung der Nadel verholfen habe. D cse Anschuldigung wurde in einer obskuren Zeitung reprovu- zirr, welch letztere Bishop sowohl in London wie in drn Pro- vinzen in ausgedehnter Weise in Umlauf setzte. Mr. Maskelyne wurde hierauf gegen Bishop klagbar und beanspruchte eine Schadlosbaltungssumme von 10000 Pfd. St., welcher Betrag ihm von den Gefchworen-n auch zugesprochen wurde. Der Ver« klagte war bei den Piozeßverh-ndlungen weder persönlich er- schienen, noch durch einen Anwalt vertreten. Arbeiterbewegung, Vereine unü Versammlungen. Die Lohnbewegung der Tischler hat diesmal früher de« gönnen. Am Montag Abend fand in Kellers Salon, Andreas« straße 21, eine sehr zahlreich besuchte Versammlung* lermeistern und Gesellen Zstatt, �um den von bn gesellen-Kommisfion ausgearbeiteten Tarif zu Der Tarif verlangt Festhaltung der ber-iti Vorjahre eingeführten Arbeitszeit von täglich 9V: ausschließlich der üblichen Pausen, eine Lohneihöhuig 5 bis 15 Prozent. Die Meister stimmten Herrn 3t» den Tarif begsündete, vielfach berund zuletzt wurde aus jid r Branche fünf Meister in eine Kommission welche mit einer analog zu wählenden Gssellenkommis! endgiliiger Fistsiellung des Tarifs in Verbindung' In der„Germania" lesen wir: Auf den und Culelenwaid der Sieggegend mußten fich die durck Unterschrist verpachten, jedes Jahr dem 3b 10 Pf. zur Verfügung zu stellen. Man schreibt de« blättern" mit Recht: Jm Uebrigen sollte fich die reiche v Gesellschaft schämen; anstatt die armen Arbeiter den? 10 Pf. Reichssteuer heranzuzieben, wäre es noblrtl wenn die Herren selber in die Tasche gegriffen und triotismuS in llingcnder Münz« gezeigt hätten." Der Jahresbericht pro 1883 des Hamburgi brikinspetlorS führt unter anderen interessante Er«[itrfcheuu iä eine große Anzahl Unglücksfälle auf. von w« die Ursachen zu ermitteln gesucht werden. Im Ich» tyrftahonni (( 405 Unfälle bekannt geworden, und zwar 297 W Miltheilung der Arbeitgeber, 43 durch Verstcherungst ten und 65 durch Mitr Heilung der Polizei, der All» und durch sonstige Ermittelungen- Die meisten" Uirglücksiällen kamen beim Schiffs- und Maschine« unv zwar im Ganzen 300, oder auf je 100 Arbeiter die zweitmeisten in der NahrungS« und GenußmilüL nämlich 1,22 pCt.; in den anderen Betrieben wäre«! unglückunaen im V-rhältniß zu jenen verschwind� Nach der Ait ihrer Veranlassung verunglückten bei dj Jeder' von Lasten 22,45 pCt., durch Maschinen und masch�nflituts mi richtungen 17,00 pCt., durch Nieten von Schiffen„ fefffflfi 13,85 pCt., durch Ausgleiten und Fallen 11,60 � Verbrennen und Verbrühen 8,00 pCt, beim Schmied«• � Stemmen und Nickten von Metallen 6,15 pCt., du»■ilnlr fallen von Gegenständen 5.65 pCt., durch Transmim brachten, ve Getriebe 2,45 pCt., durch Fahrstühle und Hebezeug! Nerchsiag> und durch sonstige Vorgänge 11,60 pCt. Die äußersten L Maschinenbau-Arbeiter haben also die größten Gefah Antrag«u stehen und find den meisten Unfällen ausgesetzt., unter ihnen verdienen die Leute? Zum Theil 3,60 Mark, zum» Und d auch nur 2,50 Mark täglich. � UJn zahlreic! Zittau(Sachsen). 15. Januar. Ein kleiner StmJ tuna ecljobi dieser Tage in der hiefigen„Mcchanischm Webaa durch Ein neuer Beamter, welcher von Elberfeld nach stand zur Nachricht, daß he tte Mittwoch, Abend# eine Generalversammlung stattfindet zur Wahl des Vorstandes und Ablegung v«S 3al,r-«kass«ndench! tigkeit der Tagesordnung wegen werden die M vollzählig zu erscheinen. Gäste willkommen. � , Der Louisenftädtische Bezirksveretn beute Mittwoch, den 2l. Jan., Abends 8V. Ubr,% Saal, Wasserthoistc. 68, seine statuienmäßige G-w lung ab, in welcher Herr Bursche einen Vottrag übet halten wird. Ferner findet Vorstandswahl und v» derung statt. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes Jsj Aufnahme neuer Mitglieder findet vor Beginn 0% lung statt. Das Quittungsbuch legitimirt. Seit 1 lungen bell big eö und toten. Diesel beitgeber, in Bezug i umgehen, Bezug auf ungemein, ein recht Der? nämlich in Löhne folg „Die Briefkasten äer•fteduktion-, Arbeiterin« G. H. DaS Verfahren deS GerichisvoLzieh-�«'»d aber widrig. Reichen Sie beim Amtsgericht l gegen denü �Fällen vollständiger Darlegung des Sachverhältnisse# nrcht ül schwerde ein. Arbeiter st Boß. Das Geld hätte rechtzeitig an den j, sonders gü sandt werden müssen. Von einer Holschulv kan»------- Rede sein.>�i Schubert. 1. Die Handlung der Frau ist isachdruck 2. Wenn böswillige Verlassung vorliegt, so Grund zur Ehetrennung. 3. Die Sachen kann ot» gg zurückverlangen... P G. K. Nr. 100 Frankiren Sie gefäll'gst schriften, wir können doch nicht für jeden Brm z zahlen. 10. Okiober 1875. v ( „Sie Heblich gen gemacht,, sehr düster „Was _.Ich mich tief e Lady Dav schichte un „Wel «ung. „Daß zwar von „Das „DaS Mr. wußte, d heute belr ihm unbel der bleiche standen, sicherte, di Fritz Niedergesc kämpfen. dem er ss Pflichten ..P°n m dre Kr station zu welche ihn «ahmSloS vielleicht f Theater. Mittwoch, den 21. Januar 1885. teövtgliqe« CvettUou*: Heute: Der Trompeter von Eälkingen. königliche« Schauspielqan»: Heute: Viel Lärm um Nichts. Teutscheii Theater: Heute: König Richard der Dritte. Sellealltauee-Theme«: Heute: Der Raub der Eabinerinneu, Schwank in 4 Akten von Franz und Paul Schönthan. 'ÄrssK Friedrich» Wttueimttäd tische« Theater: Heute: Gasparone.______ Cent?» i-Tt, tuter: Alte Jatobstraße 30. Heute: Der Walzer-König, Direktor: Ad Ernst. «estdeuz-Theater: Direktion Anton Anno. Herste: Die Ehestandi-Jnvalidm._ Watdalla-Operetten-Theater: Heut«: Der Feldprediger. Kouisenftädttsche« Theater: Heute: Papa Kiekedusch. Osteud-Theater: Heute: Der Galeerensklave._ Wllner-Theater: Heute: Klein Geld. Herste: Sulfurina. Viktoria-Theater: Heute- Muttersegen, Alhambra-Theater. Unserem Freunde und Parteigenossen MC Herrn Felsendreff"Wch zu seinem heutigen Gebuttstage ein domierndes Hoch I Mehrere Freunde. Grotze öffentliche Versammlung der Schneidermeister u. Gesellen Berlins. Donnerstag, den 22. Jan. er., Abends 8'/, Uhr, in den großen Sälen des Gratweii'schen Etabltssemeuts, Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: Erörterung der sozialen Schäden im Schnerdergewerbe und wie ist eine Einigung zu erzrelen, um A b h i l f e zu schaffen. Referent. Herr Holzapfel. Correferent: L. Pfeiffer. Sämmtliche Schneider Berlins, sowohl Meister als Gesellen, weiden aufgefordert, recht zahlreich zu erscheinen. Zur Deckung der Kosten wird Entree erhoben. Das Cornitee. Brinkmann(2. Obermeister). Holzapfel(Verein selbstfländiger Schnerdermeister). Gewecke(Verein„Deutsche Mode"), SieverS sZentra.verem deutscher Zuschneider), Müller(Oitsverein), Tacterow(Fachvcrein der Schneider), L. Pfeiffer, Vorsttzenver der Lohnkommisston. 112 Achtung, Knopfarbeiter! der Pßnfrhnrn it i» f-u In der Lenschow u. Marken'schen 5. Januar er. ein Streik ausgebrochen. bciter. jeden Zuzug fernzuhalten. Fabrik ist seit dem Wir bitten die Ar- 113 Die Aufnahme neuer Mitglieder in die Zentral- Kranken- und Begrübnißkasse für Frauen _.. J.,(st. H. Offenbach a. M) CofAi gf � �%%%% 3m Austrage: Richter. Ich habe meine noch einige Tage in der Woche zu vergeben- bis 3 Uhr find alle drei Säle zu habe». Xieffs So 109 Kommandantenstr. 7l/7�. ÄS,,,. Vlctoria-Park-* Grosse Eisbahn. Täglich Co� Ausgezeichnete Restaura<1°!� «f. Wftllieim Kaffee Bier.—'»-- � SW. Zimmer-Straße Nr. 45, s, neben der Expedition des„Betlimr empfiehlt sich allen Freunden und�t iEleeftO*®!, Masken-ar