Nr. 23 Mittwoch, 28. Januar 1885. n. Jahrg. 1 Jl krlimMMII Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 ,. Das„Mrliuee KolkSbiat»" .-i Ä�rch Magens«mßcr nach S««� m»d Festtage«.«Somteme-tSpret« für m5!» fr« iu'L$qu# vierteljährlich 4 Mari, Nnvatlich 1,85 Mark, wöchentlich 35 Pf. Vestabonnernent 4 MW Ei�e!»-e N' b Pf. SonntaaS-Nu»«« mit illustr. Beilage 10 Pf. __(Emgeirag« ix dk Poftreimagsvreisl'ü« für 1885«»ter Nr. 746.) Siotnetne JnsertiovSgebühr beträgt für die 8 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArdeittmarK 10 Pf. Bei größere« Aufträge« hoher Rabatt«ach Ueberemkunft. J«sera!« werde« bit 4 uh- �"V V. y. T J i._«?.— L— M t£..... L~ Ä f... CYX r-..'...»....n—. 44 f � a. m■ m» IVT..—.—»..—-. Nachmittag» m der Expedi'iou, Berlin SW., Zimmerstriche 44, sowie oo* alle« XmwxcitM Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise», angeuomme«. 0*2* J WeöaKtton unö GXpeöMon Werttn 8W� Mmmerstraße 44. Abmcmt«is-W«lai>»llL. Für den Monat Februar eröffnen wir ein neues Abonne- ment auf daS „Berliner Volksblatt" mit der Giatis-Betlage ?,Jllust?irtes Sonntagsblatt". qk Hous kostet dasselbe 1 Mai! 35 Pf. pro Monat, � Pr. pro Woche. Bestellungen werden von sämmtlichen oeitungs'Spedileuren, sowie in der Expedition, Z mmerstr. 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements Nir die Monate Februar und März gegen Zahlung von � Mark 67 Pf. entgegen. Den neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher er- schlenene Thetl des fesselnden und interessanten Romans „Gesucht und gesunden" sowie die bisher cischienenen Nummern des „JÜustnrtes Sountagsblatt." — soweit der Vorratb reicht— gegen Vorzeigung der Abonne- MeniS-Ouittung gratis und franko verabfolgt. Das„Berliner VolkSblatt" hat stch die Sympathien der mbeltenden Bevölkerung Berlins zu erringen verstanden. Trotz der überaus großen Anzahl von Zeitungen der verschiedensten Tendenzen, die in Berlin cxistircn, Hut bisher kein wirkliches Organ des werkihätigen VolkeS bestanden. Es ist daher Pflicht nl** s Ol. t. Ii., w Wi-f-a________ x..'.v. m■» i r i eines jeden Arbeiteis, dieses Organ nach jeder Richtung hin zu unterstützen. Wir treten solidarisch für einander ein, unsere bisherigen Leser und Freunde wissen das, mögen auch fie •. cee r______ w. � cn w» nr�v»«-V#ji-/,' — y— re'*'-v> i»-(j*»*##* w 1 1 1 v ♦» w**»f tt'VMvu mwu;| w ihrerseiis dafür sorgen, daß baß„Berliner Volksblatt" immer neue Freunde und neue Leser gewinne. Der heutigen Nummer liegt ein Bestellzeltel bei. Wir bitten hiervon möglichst ergiebigen Gebrauch zu machen. Wenn jeder drsherige Abonnent nur einen zweiten erwirbt, aber auch wirklich dafür sorgt, daß derselbe abonnirt, so hat er seine Pflicht gethan. Wir unsererseits werden nicht nachlassen, jedem berechtigten Wunsche unserer Abonnenten nachzukommen. Die Redaktton und Expedition de» „Berliner Volksblatt." Nnsere ÄndustrieUen. WaS unsere Industrielle« zu den im Reichstage mehr- fach angeregten Versuchen einer Arbeiter-Schutzgesetzzebung sagen würden, daS konnte man ungefähr aus dem entnehmen, was von einzelnen, die Interessen der Großindustriellen ver- tretenden Rednern bei Berathung des Hertling'fchen Antrages gesagt wurde. Den Herren ist eS äußerst un- angenehm, daß die Gesetzgebung in diese Verhältnisse S iMtout„Kww IeuMeton. 73 H e j« ch t und zefUNdek. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) „Ich weiß die Ehre zu würdigen, die Gattin des Königs von Audh zu sein," antwortete Nuna.„Um dieser Ehre theilhaftig zu werden, habe ich dem Glück der Liebe auf immer entsagt; aber der Aufenthalt in diesen Räumen wird mir doch nie die Erinnerung an Den aus meinem Herzen reißen, dem all' mein Denken und all' meine Sehn- sucht gehören wirb." Die beiden Eunuchen wechselten eigenthümliche Blicke. „ rx»Wahnwitzige!" rief die Favoritin.„Wiffen Sie, daß solche Reden Ihnen das Leben kosten können?... Sie find nicht die Erste, welche solche Reden führte; aber Jene kamen schon m den nächsten Tagen nicht mehr in diesen Raum, und sie sind auch nicht wieder in die Welt hinaus« gekommen. Seien Sie vorsichtig! Diese beiden Männer, welche an unserer Seite stehen, hören jedes Wort und be- richten jedes Wort dem Könige." Nuna sah sich befremdet aber keineswegs erschrocken um, und ein Blick stolzer Verachtung traf die beiden Horcher «n ihrer Seite. „Ich will nicht hoffen," sagte sie,„daß man hier nicht «mmal Herr seiner Gedanken ist, dann wäre ja die Ge- fav genschaft in finsterer Kerkerzelle höher zu schätzen, als das Glück, Mitglied des königlichen Harems zu sein." Die Favontin ergriff die kleine Hand Nuna'S und heftig in der ihrigen, während sie mit der andern Haupt an ihre Brust zog, wobei es ihr gelang so leise !V l �br zu flüstern, daß der Hauch ihrer Stimme das yr»er Eunuchen nicht erreichen konnte: ist, wie Sie sagen. Unglückliche." - ,, 7Una«bleichte. In indischen Vorurtheilen erzogen, gkglauh� daß eS nicht nur für jede Frau da» höchste Glück sei, dem königlichen Harem anzugehören, son- dern auch, daß der Mann ihrer Liebe der Ehre zugleich w't theilhaftig werde. Sie war erstaunt gewesen, als hineinzugreifen beginnt; sie erachten dies für„unzeitgemäß", allerdings eine der bequemsten Ausreden, die sich so ziemlich immer und überall anbringen läßt. Man darf annehmen, daß die Kundgebung des Zentral-Verbands deutscher Industrieller in Berlin so ziemlich die Gesinnung ausdrückt, von der die Mehrzahl der deutschen Industriellen erfüllt ist. Wir kommen deshalb auf den In- halt dieses sicherlich nicht unwichtigen Aktenstücks in seinen Hauptzügen zurück. Zunächst beschweren sich die Industriellen über„d i e unaufhörlichen gesetzgeberischen Versuche ohne genügende Vorbereitun g." Nun, daß diese Versuche so oft wiederkehren, das liegt gewiß nicht daran, daß daS Parlament etwa zu seinem Vergnügen sich fortwährend mit sozialpolitischen Gesetzentwürfen befaßt. DaS kommt von der wachsevde« Roth unter den Arbeiter« maffen, die immer wieder dazu drängt, die sozialpolitischen Frage« in den Vordergrund zu schieben, eine Thatsache, der nunmehr auch diejenigen Parteien, die ihrer Natur nach dem Arbeiter feindlich gegenüberstehen, sich nicht mehr ent- ziehen können. Und eS soll die„genügende Vorbereitung" fehlen? Ja, was werden denn die Herren Industriellen schließlich für genügend erklären? Aus den Berichten der Fabrikeninspektoren, auS der amtlichen Statistik, aus taufen- den von sozialökonomischen Schriften, aus Broschüren und Z'itungen, aus nicht minder zahlreichen Kundgebungen der Betheiligten selbst wird man heute darüber belehrt, welche unleidlichen und geradezu gemeinschädlichen Zustände in den meisten Industriezweigen herrschen und wie diese Zustände sich von Tag zu Tag verschlimmern. Die„freie Kon« k o n k u r r e n z" mit ihren wüsten Auswüchsen hat unsere Industrie soweit gebracht, daß zwischen den einzelnen Unter» nehmern ein für den unbetheiligten Zuschauer wie mahn- sinnig sich ausnehmendes Wettrennen stattfindet. Jeder will am billigsten liefern können und zu diesem Zweck für möglichst niedrige Löhne möglichst lange arbeiten lasten. Da man bei den Männern vielfach organisirten Widerstand gegen dies Bestreben findet, so werden Frauen, Mädchen und Kinder in möglichst großer Anzahl beschäftigt, die Männer dagegen entlasten. Ob dabei die Familien der Ar- beiter verkommmen— wer fragt darnach? Die Löhne sinken dabei aufs Aeußcrste und Mann und Weib und Kind, die sich so aegenseitig Konkurrenz machen, können dabei nicht soviel verdienen, als für ein auskömmliches Däfern erforderlich ist. Aber nicht nur die Löhne sinken, mit ihnen sinkt auch die V e r b r a u ch s f ä h i g» k e i t der Maffen, es wird nicht mehr so viel konsumirt, als zu einer geschäftlichen Prosperität nöthig ist und die aufgestapelten Waarenmassen bleiben liege». Da- her die wilde Jagd nach neuen Absatzgebieten, da- Martin daS Glück und die Ehre, die ihr widerfahren, nicht ferne w............ �...v. �| dern auch, daß er sein und ihr Geschick preisen werde. In diesem Wahn, in dieser Täuschung, wäre sie vielleicht ver- blieben, wenn nicht jene Katastrophe in der königlichen Menagerie, jener erschütternde Zufall, ihr noch einmal den Anblick des Mannes verschafft hätte, den sie sonst schwer- lich jemals wiedergesehen haben würde. Sie hatte sein angstvolles Geschrei gehört, sie hatte sein bleiches, verzweifelndes Antlitz gesehen; ein flehen- der Blick seines AugeS hatte sie getroffen, als er lich auf daS Thier stürzte, das ihr Leben bedrohte und aus Allem dem hatte sie erfahren, daß Martin Rodenburg namenlos unglücklich sei. Von diesem Augenblick an war sie selbst nicht mehr so fest von der hohen Ehre überzeugt, aber noch behielt sie den Glauben an ihr hohes Glück. Ein heftige», wochenlang anhaltendes Fieber war die Folge jener Katastrophe gewesen und in ihren Fieberphantasien war ihr unaufhörlich Martin's bleiches Antlitz erschienen. Eine Sehnsucht hatte sie ergriffen, welche sie vergeben« zu bemeistern suchte, welche alle Vortheile in ihr nicht ersticken konnten. Noch war sie nicht förmlich zur Gemahlin de« König» erhoben; es waren noch nicht alle dazu erforderlichen Zere- monien erfüllt. DaS sollte am heutigen Tage geschehen. Je näher die Stunde kam, desto beklommener ward ihr um? � So wenig sie auch bis jetzt von dem Leben im Harem erfahren hatte, so viel hatte sie doch schon erkannt, daß das Leben der Harems-Damen«icht anders als dasjenige Ge- fangener war. Nun hörte sie e» aus dem Munde der ersten Gemahlin des Königs, der Favoritin selber, und jäher Schreck erfaßte sie. Noch che sie werter sprechen konnte, erschien der Oberste der Eunuchen und meldete mrt lauter Stimme den König.__ ,, Es war, als ob dieses Wort alle Damen, welche sich in diesem Räume aufhielten, elektrisirte. Jede Einzelne suchte eine Attitüde anzunehmen, welche ihr am geergnet- her aber auch die unaufhörlichen Geschäfts- und Handels» krifen, die bei uns nachgerade permanent geworden sind. Daß diese« System, wenn'» noch lange dauert, einen völligen wirthschaftlichen Ruin herbeiführen muß, ist klar, aber von den Unternehmern sucht eben jeder bei der großen Jagd nach Gewinn noch zu retten, wa« zu retten ist. Nach ihnen mag die Sinthfluth kommen. Aber man bedenke, was da- zu gehört, um gegenüber den Zuständen in unserer Industrie zu sagen, e« sei zur gesetzgeberischen Abhilfe„noch keine genügende Vorbereitung" vorhanden! Wahrlich, wenn diese „Vorbereitung" heute nicht vorhanden ist, so wird sie nie- malS zu beschaffen sein. Dabei wird noch, in der Kundgebung de» Zentralver- bands deutscher Industrieller die Volksvertretung ermahnt, dafür zu sorgen, daß durch eine Arbeiterschutzgesetzgebung die Arbeiter nicht selbst geschädigt würden. Eine solche Fürsorge ist wirklich rührend; man hätte sie den Herren gar nicht zugetraut. Oder sollte dem Verfasser deS Akten- stücks die Feder ausgeglitten sein und er solchergestalt die Arbeiter mit dem Kapitalprofit resp. Unternehmergewinn ver- wechselt haben? Noch rührender ist e», wen» die Industrielle» in jenem Verbände auffordern, doch auch die Arbeiter zu ver- nehmen und namentlich solche,„die für Familien- angehörige zu sorgen haben. Dabei hoffen die Herren, bei einer solchen Vernehmung würden die Arbeiter für die Frauen- und Kinderarbeit nnd für möglichst lange Arbeitszeit eintreten. Nun, wir möchten eS auf diese Probe ankommen lasse», die bis zu diesem Zeitpunkte wohl häufig verlangt, aber von den Unternehmern stets hinter- trieben worden ist. Die Arbeiter sind denn doch nicht so kurzsichtig, wie die Herren Industriellen glauben und haben keine so große Freude daran, wenn ihre Familie zerstört beiter um,___________ u arbeit, sowie um staatliche Feststellung der Arbeitszeit petitioniren, daß sie für einzelne solche Forderungen, namentlich für Herabsetzuig der Arbeitszeit sogar mit dem Mittel der Arbeitseinstellung eintreten, das sollte doch den Herren Industriellen die Augen öffnen. Aber diese Wir« kung ist keineswegs wahrzunehmen, im Gegenthsil erklärt sich das angezogene Aktenstück mit allem Nachdruck gegen eine« Maximalarbeitstag für erwachsene männliche Ar» beiter. Man sieht, daß Konzessionen von dieser Seite nicht zu erwarten sind, denn die Herren klagen schon über die„un- geheure» Opfer", die ihnen durch Kranken- und Unfallver- sicherung auferlegt werden. Als ob die Arbeiter dafür die Kosten nicht für ganz selber trügen! Man rühre Jemandem sten erschien, um die Aufmerksamkeit des Königs zu erregen. Die Eine nahm eine sehnsüchtige, schmachtende Miene an; die Andere streckte sich üppig auf einem Polster aus; eine Dritte beschäftigte sich graziös mit einer Perlenstickerei; eine Vierte tändelte mit Blumen in ihrem Schooß; kurz, jede suchte irgend etwas zu beginnen, von dem fie voraus- setzte, daß es Sr. Majestät gefallen würde. Wadschid Ali war gut gelaunt, lächelnd trat er in den Sanl. Es war nicht Sitte, weder daß er begrüßt wurde,«och daß er die Damen grüßte. Vor der üppig hingestreckten Odaliske blieb er einen Augenblick stehen, betrachtete sie ein wenig, betrachtete aber auch die schöne, halbnackte Sklavin, welche ihr Kühlung zu- fächelte. Wadschid Ali näherte sich nun seiner Favontin. Sie erhob sich, als der König auf sie zutrat. Nuna that da«- selbe. Der König winkte ihr sitzen zu bleiben und nahm neben ihr auf dem Polster Platz. Wadschid Ali war nicht so sentimental, daß er seiner neuen Gemahlin weiter Schmeicheleien oder Versicherungen seiner Zuneigung gegeben hätte. ES gehörte überhaupt nicht zu seinen Gewohnheiten, seinen Gemahlinnen Zärt- lichkeiten zu sagen. Nach einigen kurzen Worten erhob er sich wieder, nickte seiner Favoritin zu und machte nun auch den übri- gen Frauen seinen Besuch. Hin und wieder wechselte er ein Wort mit einer, und Diejenige, welche die Ehre hatte, von ihm angeredet zu werden, wurde von den Uebrigen beneidet, und der Stolz röthete ihre Wangen. Mit wahrem Entsetzen hatte Nuna zum ersten Male da» vermeintliche Glück der Gemahlinnen de» König» kennen gelernt. In Nuna erbleichte das Phantom der hohen Ehre, von dem sie geträumt. Mit Schrecken dachte sie an die Zukunft, welche ihr bevorstände. Sie sah den König scherzen mit den Sklavinnen; sie sah die völlige Nichtachtung, welche den meisten seiner Frauen zu Theil ward. Eine tiefe Verachtung gegen den wt seinen Kapitalprofit— da? ist doch die empfindlichste Stelle. Wir wollen sehen, was die Herren Industriellen mit ihren Einwürfen erreichen. Auf alle Fälle haben sie mit denselben die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer ringreifenden sozialpolitischen Gesetzgebung eher erhärtet, denn erschüttert. DolitlKeke Rebersiekt. Eine von etwa 800 Personen besuchte Arbeiterversammlung i« Zürich, in«elcher Nationalrath Vögelin überdas Thema„Internationale Fabrik- gesetzgebung" referirte, faßte einen einstimmigen Protest gegen die im deutschen Reichstag gefallene Aeußerung, die schweizerischen Arbeiter ver- fluchten den Maximalarbeitstag. Diese U n« Wahrheit sei auf den Auslastungen Prof. Kohn's statt auf Thatsachen bafirt. Für die Arbeiter sei der Nor» malarbeitstag eine nie aufzugebende Er- rungenschaft. Der Protest bedauert die Ablehnung der Regelung der Frage auf internationalem Wege durch die deutsche Re gierung und fordert die Arbeiter aller Länder, besonders Deutschlands, zur Durchführung des Kampfes für Arbesterschutz auf. 0, Franks. Zeit.") Unter den für die Nniverfität Verlin im neuen preu- fischen Etat mehrgeforderten 115 240 M. befindet sich auch das Gehalt für Herrn Schweninger, der die neumichtcte außerordentliche Professur für Dermatologie übernommen hat, in Höhe von 3900 M. Auch die Forderung von 23 350 M. für Be- gründung einer ordentlichen Profeffur für tzygieine und eines hngieinischen Laboratoriums befindet fich in der obigen Summe. Es find außerdem neu eingestellt in den Etat 9300 M. zur Begründung einer ordentlichen Ersatzprofcssur für alte Ge- schichte, 6900 M. für einen ordentlichen Profcstor der Meteo- rologie, 3900 M. für einen außerordentlichen Professor der phystkalischen Physiologie, 12 300 M. zur Errichtung von drei außerordentlichen Profcssuren, eine für Paläontologie und Geognofie und zwei für Philosophie. Für das neudegründete zahnärstiiche Institut find 11 780 M. ausgeworfen, darunter 4000 M. zur Besoldung zweier Lehrer und 2700 M. für zwei Asfistenten. Für das Kunstgewerbe- Museum, das mit dem 1. April 1885 in den Staate besitz und in die Staats- Verwaltung übernommen wird, werden 104400 M- mehr verlangt. Z-M Die Proteste gegen die Erhöhung der Getreidezölle mehren steh; aus dem Orte Lörrach in Baden ist soeben ein Protest gegen die Erhöhung der Getreidezölle eingegangen, der nicht weniger als 2000 Unterschriften trägt. Trotz aller Ab- Mahnungen haben Arbeiter die Fnitiative zu dieser Kundgebung ergriffen, der fich eine große Anzahl von Landwirthen, sogar solchen, welche 20 bis 30 Morgen Land befitzen, angeschlossen haben. Bcmerkenswerth ist, daß diese Bewegung ganz ohne Zuthun deS Vertreters des Wahlkreises im Rerchstage hervor- getreten ist. Die Stadtverordneten- Versammlung von Stettin hatte eine Petition gegen die Erhöhung der Getreidezölle be« schloffen. Den Etettiner Blättern'zufolge hat der Regrcrungs- vräfident an den Magistrat das Verbot gelangen lassen, den Beschluß der Stadtoerordneten-Versammlung zur Ausführung zu bringen.— Der Magistrat hat nun zum 29. d. MtS- eine außerordentliche Sitzung anberaumt, in welcher als einziger Gegenstand auf der Tagesordnung steht: Mittheilung deS Magistrats über daS Einschreiten des Regierungspräfiventen gegen Absendung der am 22. Januar beschlossenen Petition an den Reichstag und Beschlußfassung über die eventuell da- gegen zu thuenden TchMtr. Dt«..Most. Ztg." bemerkt dazu: Am Stettin soll fich nach dem Willen der Regierung die Stadtverordneten- Versammlung nicht um Politik kümmern. Nun vergleiche man damit einen Vorgang, auf den die„Ger- mania" aufmerksam macht: In der Sitzung der Stadtverord« neten-Versammlung zu Gütersloh(Westfalen) wurde vor Weih- nachten auf Antrag des Bürgermeisters sogar beschlossen, Na- menS der beiden städtischen Behörden an den Reichskanzler folgendes„Entrüstungs"-Telegramm abzusenden: „Ew. Durchlaucht, dem Mitbegründer des deutschen Rerchs, dem Mehrer deS Glanzes und der Herrlichkeit desselben, dem Hott des Fttedens, sprechen die zu gemeinsamer Arbeit ver- sammelten städtischen Behörden von Gütersloh ihren Unwillen darüber auS, daß in einem Augenblicke, wo die Politik des auSwättigen Amts ihre höchsten Triumphe feiert, wo die Ab- gesandten der ganzen Kulturwelt fich um Ew. Durchlaucht schaaren, eine ultramontan-demokratische Mehrheit des Reichs- tageS ihre von klcinkrämerischer Echacherpolitik getragene Oppofition geltend macht, um Ew. Durchlaucht durch Ver- Weigerung der Mittel für Anstellung eines Direktors zu ärgern. Gott t erhalte Ew. Durchlaucht noch lange zum Wohle des Vaterlandes!" Es ist schon gesagt worden— so bemerkt genannte Zei- ihre Augen eS in ihrem Mann, dessen Gemahlin fie heute werden sollte, beschlich ihr Herz. Ihre Brust schnürte sich zusammen, sprühten Zorn, und mit lauter Stimme rief Innern ein energisches:„Niemals, niemals!" „Die Frau des ärmsten schottischen Bauern an der Seite ihreL Gatten und im Kreise ihrer Kinder ist glück- licher als die Favontin eines Nabob!" So hatte Mr. Parr gesagt.... Wie sehr hatte er Recht!_ Fünfundzwanzig st es Kapitel. Als Wadschid Ali den Harem verließ und sich nach seinem Empfangssalon begab, fand er daselbst seinen Hof versammelt; unter ihnen Mr. Parr, der, soeben von der Reise zurückgekehrt, dem Könige seine Aufwartung zu machen wünschte. „Sie kommen allein?" fragt« Wadschid Ali ein wenig verdneßlich.„Wo ist denn Mr. O'Brian, der englische Offizier, den ich einladen ließ?" „Der junge Offizier hat Urlaub und ist wieder nach seiner Heimath abgereist," antwortete Mr. Parr. „Schon wieder? Erzählten Sie nicht, daß er erst vor einem Monat von dort zurückgekehrt sei?" „Da» ist allerdings der Fall; allein einige Berichte, welche ich ihm über eine Verwandte gab, die vermuthlich in Schottland lebt, veranlaßt«» ihn, sofort wieder dahin zurückzukehren." „Ah, das ist eine Beleidigung!" sagte der König. „Wenn ich ihn einladen lasse, so muß er meiner Einladung unter allen Umständen Folge leisten." „Mr. O'Brian war von der hohen Ehre, welche ihm durch Ihre Einladung zu Theil wurde, wohl durchdrungen erwiderte Parr entschuldigend und hätte derselben mit Freuden Folge geleistet, aber einige Fragen, welche er in Bezug auf jene bereits erwähnte Verwandte an mich richtete, änderten seinen Entschluß..... Er läßt seinen tiefsten Dank sagen für die Einladung und spricht sein auf- richtigstes Bedauern aus, sich der ihm zugedachten Ehre tung weiter—, daß für Stettin bei der Getreidezoll-Erhöhung die vitalsten Interessen der Stadtgemeinde auf dem Spiele stehen, daß dieselbe also eine wesentliche kommunale Be- deutung neben der allgemein politischen hat. In dem Gütcrs- loher Falle auch nur die Spur eines kommunalen Interesses zu erkennen, ist ganz und gar unmöglich. Aber der Auffichts- vehörde, der kgl. Regierung zu Minden, ist es trotzdem nicht eingefallen, gegen den Beschluß der städtischen Bihö.den von Gütersloh einzuschreiten. Hamburg. Der biefigen Kriminalpolizei ging am Sonn- abend ein anonymes Schreiben zu, nach welchem die Absicht bestehe, die hiestge Bör'e in den nächsten Tagen mittelst Dy- namit während der Bö:senzeit in die Luft zu sprengen. In Folge dessen fand eine genaueste Untersuchung der Keller- läumlichketten unter der Börse seitens der Polizei unter Zuziehung von Technikern statt, welche durchaus nichts Verdächtiges ergab. Trotzdem sind seitens der Polizei die möglichsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, und man glaubt, den Brief auf ein gleiches Bubenstück zurückführen zu können, wie einen ähnlichen Brief, der zu Anfang des Dezember die Jndieluft- sprenaung der hiesigen Eternwatte androhte, über den indeß die emgeleitete Untersuchung resultatlos geblieben ist. Hamburg. Als seiner Zeit hier ver Aufruf der neuen Demokratenpattei— Pbillips-Lenzmann— veröffentlicht wurde, fragte ein Herr John Berenderg-Goßlar in einem Eingesandt des„Hamb. Korr.", ob die in dem Aufrufe genannten drei Hamburger Herren— Dr. Mendt, Professor Sellin und Dr. Hugo Töppen— dem hier unter Leitung des Herrn Dr. Fried- länoer stehenden Realgymnafium als Lehrer angehörten und ob, falls dieses der Fall, es im Hamburger Staate eine Dis- ziplinarbehörde gebe, die gegen Erregung öffentlichen Aerger- niffeS einzuschreiten habe, wie solches im bejahenden Falle bei Eltern erregt werden könne, die ihre Söhne besagtem Gym- nafium anzuvettrauen in die Lage kommen könnten. Aus einer heute in den„Nachrichten" veröffentlichten Aufforderung des Herrn Gustav Hermann! ist zunächst ersichtlich, daß die ge- nannten drei Herren gegen Herrn Berenberg-Goßlar eine I n- jurienklage erhoben haben, und erbietet fich Herr Hennanni Zeugniß dafür abzulegen, daß ihm als Vater mehrerer Söhne jenes Auftreten der drei Lehrer Äergerniß erregt habe, zugleich aber werden andere Väter, denen darum zu thun ist, „daß dm Gerichten und Behörden gegenüber klargestellt werde, daß das Auftreten der fraglichen-Lehrer die stärkste Mißstim- mung in den Kreisen der Ellern«regt hat", aufgefordert, Herrn Heimanni ihre Namen mitzutheilm.— Dieser Jnjurienprozeß verspttcht also in mehr als einer Beziehung interessant zu werden.— Dieser Herr Hermanni scheint wirklich sehr zarte Nerven zu haben, da er fich darüber ärgett, daß die betreffen- den Lebrer eine demokratische Gesinnung haben. Und obenein behauptet dieser zatte Mann, daß die Gesinnung der Lehrer öffentliches Äergerniß erregen könne und daß es daher event. Pflicht der Behörden sei, disziplinarisch gegen die Lehrer vor- zugehen.— Wie nun, wenn die demokratisch'gesinnten Väter dasselbe in Bezug auf einen konservativ gesinnten Lehrer be- baupten würden? Nach den Grundsätzen des Ehrenmannes Hermanni wären fie dazu durchaus berechtigt! Also nur ge- mach, waS dem Einen recht ist, ist dem Anderen hillig! Es mag ja manchem Herrn unangenehm sein, daß fie die Lehrer an Pttvatschulen nicht„langen" können und daher der Aerger. Aus Dresden wird der„Germania" geschrieben, daß die dottige Sicherheitsbehörde im höheren Auftrage eine Maffenausweisung von Czechen vorbereitet, weil dieselben im Verdachte stehen sollm, nihilistische und sozial- demokratische Propaganda zu pflegm. Die Czechm bilden hier die Mehrzahl der rn Dresden gegen 14 Tausend zahlenden Katholiken und gehören den ärmeren arbeitenden Klassen an. Bisher ist noch nichts in die Oeffenllichkeit getreten, daß irgend ein Czeche der sozialdemokratischen oder nihilistischen Umtriebe beschuldigt worden wäre; um so unerklärlicher muß die in An- griff genommene Maßregel«scheinen, die unS aber als authentisch bezeichnet wird. Frankreich. Den Deputirten ist der Gesetzentwurf über die Staatssub« ventionen zum Bau und zur Einrichtung von Gebäuden für den niederen, mittleren und höheren Unterricht vorgelegt wor- den. Nach den demselben dttgegebenen Darlegungen sind seit Ende 1878 zusammen 506 Millionen, meistens mittelst der Schulkassc, für Schulbauten ausgegeben worden. Davon sind 259 Millionen den betreffenden Gemeinden als Subvention und 213 Millionen als Darlehen vom Staate bewilligt wor- den, während noch 34 Millionen in der Schulkasse sich be- finden. Letztere soll nun aufgehoben werden, da die Regierung die weiteren Ausgaben zu Schulbauten nicht mehr durch die schwebende Schuld aufbttngen lassen will. Es sind jetzt noch 5,95 Millionen nöthig, um alle in Aussicht genommenen Schulbauten auszuführen. Dieselben sollen durch Anleihen bei dem Credit foncier auf Rechnung der Gemeinden deschafft werden, während der Staat es übernimmt, die Hälfte der Zinsen zu zahlen und für die Tilgung zu sorgen. Jährlich wird durch Gesetz die Höhe der Summe festgesetzt werden, welche zu diesem Zweck verwendet wird. Wird der im jetzigen Gesetz enthaltene Plan nicht theilhaftig machen zu können, verspricht aber seinen Besuch sofort nach seiner Rückkehr." Parr glaubte diese kleine Unwahrheit seinem Freunde O'Brian schuldig zu sein und bezweckte mit derselben vielleicht auch, seinem Gebieter die Laune nicht zu ver» derben. Wadschid Ali war aber dadurch nicht zufrieden gestellt. „Ach was. Verwandte!" versetzte er.„Wenn ein König einen Offizier einladet, so muß er nicht an Ver- wandte denken.... Ist da» nicht auch Ihre Ansicht, Herr von Wredow?" „Es gilt in Europa durchaus nicht für einen Verstoß gegen die Sitte," antwottete dieser, der einsah, daß er Mr. Parr zu Hilfe kommen mußte,„wenn Jemand die Familienbande höher achtet, als äußere Ehre." „DaS mag in Deutschland sein, aber in England sicher nicht.... Habe ich nicht Recht, Khan?" Der Hof-Fttseur, an de« diese Frage gerichtet war, gab natürlich dem Könige in allen Dingen Recht und ant- mottete daher sofort: „Ich halte es für eine Beleidigung I In England gelten solche Anschauungen nicht." „Ich muß dem widersprechen," erklätte Mr. Parr ent- schieden.„Wenn eS sich darum handelt, eine nahe Ver« wandte, vielleicht eine Schwester, oder gar eine Mutter, die vermuthlich im Elende lebt, aufzusuchen, so hat der Sohn vor allen Dingen die Kindespflicht zu erfüllen, bevor er daran denkt, seine Person mit einem äußeren Glanz zu umgeben." .„ D'e übrigen Mitglieder de» Hofes stimmten Mr. Parr lebhaft bei, worüber der Khan einigermaßen ärgerlich ward und deswegen in seinem Innern dem Sprachmeister Rache schwor. Um seinen Freund O'Brian noch weiter zu rechtfetti« gen, hob Parr hervor, daß der Gouverneur die Motive welche Mr. O'Brian zur Abreise bestimmten, gebilligt hatte' Obwohl der Herr Gouverneur dem Offizier em Regiments- kommando übertragen und beschlossen hatte, ibm den Ober- befehl m Bhuta zu übergeben, bewilligte er ihm doch von Neuem emen Urlaub. � W nicht überschritten, so kommen 1101 Millionen von 1878 bis etwa 1890—92 für Schulbauten den. Die Schulkasse jedoch sollt; mit 120 Millioiutt men und hat innerhalb sechs Jahren über 500Mll>? Man läßt jetzt die Schulkasse eingehen, weil es niF® lich ist, noch gerathen ei scheint, die schwebende«Z anschwellen zu lassen.(Oie Millionen, welche zum tt" planlos für überseeische Unternehmungen verpmPZ würden dreifach zu Schulbauten ausreichen!) Die -----"- jjjuil» Mill. sollen zu gleichen Theilen durch den Staat s, meinte» getragen werden. Es entfallen daher ji# fähr 23 Mill. für Zinsen und Tilgung auf den ebenso viel auf die G-meinden. Amerika. In Brasilien sind nach den letzten bis zufl» reichenden Depescken aus Rio de Janeiro die»w zur Kammer zu Gunsten der Liberalen ausgefallen,>«' 65 Liberale und 47 Konservative als gewählt angesi� können. Aus 11 Orten find die Resultate zwar not' luiuu, vuw luimcn viqc um v�eiammieigcmuB Die Republikaner haben 2 Kandidaten durchaesetzt,»j Betreff der Sklavencmanzipation mit den Liberal Der Führer der Abolittonistenpattei befindet ftö? Gewählten in der Brovin» Bernambuca. wäbrend t»- Konkurrenzverl Anstalten, M> und Sterblichk Die Arbeits Löhne aller trauen, jug ehrlirige) fest, Zusammentrete den festgesetzte lenkassen nach als Minimach Die Alkordpr dürfen nicht fi veiter bei duri lohn Verdiener lohnhöhe find Gemeindekranl kammern habe lichen Leben z Gutachten üv welche das v Endlich find s gettchte." Gewählten in der Provinz Pernambuco, während des Kabinets, der Minister der auswärtigen Aar Matta Machado, durchgefallen ist und daher sofort Mission gegeben hat._ MMmettwnMes. Die Reichstags kommission zur 23«�. Börsen st euer-GesetzentwurfeS hielt Abend ihre erste Sitzung ab. Zunächst wurde daS � prozentualen Besteuerung zur Diskussion gestellt. Seifert eröffnete die Debatte mit der Anfrage ß* aierungskommifsar, wie sich die ReichSbank zur% Stempelsteuer stelle. Geh. Rath Neumann eMS vsicmvci'icuci. neue. üxiiu yi c u m u n u bei der Reichsbank allerdings Bedenken gegen das?: prozentualen Steuer beständen. Abg. G a m p(A nach oben abnehmende Skala. Abg. Oechelha�j in erster Linie eine Ermittelung für nothwendig, trage- und ähnlichen großen Geschäfte einen hoheaA Stempel tragen können und befürwortet die Zf*! Sachverständigen zu den Berathungen der KomwM! Vorschlag von dem Abg. Dr. Siemens unli% An der Diskussion, die sich besonders um die töfd Arbitrage drehte, detheiligten sich ferner, theiliw« die Abgg. Graf Stolberg, Dr. G r i m Klemm und Singer, welcher letztere fich tuale Steuer erklätte. Geh. Rath Neumann ist A daß die Bedenken gegen die prozentualen Z v. Wedell'schen Entwurfs für die Arbitrage(%'• mindern lassen dürften. Abg. Woermann tr'; theilige Stellung hervor, in welche die a Börsen nach Annahme de? v. Wedell'schen 8�% englischen Konkurrenz gegenüber gerathen würden� ------------" der v Nächste der Stadtve Auf d tigt der FiS und hat d sur Genehm hat dasselbe nehmigt, da Echarfl wurden am vchreibwaal — führten i beträchtliche, waaren gar rungen(o, das Komm deutenden 2 Beamter, u Einigen wer Zur Lieferui btti Firmen Migen od Redner beri keine Offerte Verhältnisse erwüchsen; des, und ur 21- 505. geboten, könne, u Siemens erörtett ausführlich die Bedeutung der unsere Währung und unfern ganzen Gelvverkehr, � holten Ausführungen des Regierungskommissar« n Nachdem noch die Abgg. Dr. Porsch, v. Maffoß- J Malchow, Scipio und Tttmbom gesprochen, verU� Kommission nach 11 Uhr bis morgen Abend.— Abg. Oechelhäuser angeregte Frage der ZuäehunJJ verständigen— welchem Vorschlage von vielen � stimmt wurde— soll erst in einer späteren Sitzuus werden. Die Kommission setzt fich zusammen auS 6 Kaufleuten bczw. Fabrikanten, 5 Gutsbesitzern.- 1 Bankier und 1 Geh. Regierungsrath. Nach. steht die Kommisston aus 7 Mitgltevern»Äl.t.zis Deutsch-Konservativen, 3 Nationalliberalen, 2% gen, 2 Freikonservatiom, 1 Mitglied der Bollspat' Sozialdemokraten., 2 - Die X. Kommission des ReichStaS-'-j sozialpolitisch en Anträge der Ab�eor«� könne, u vreiswür S-JS 5« bjMent Bedarf i Er könne. einer B v. Hettling, Dr. Buhst Dr. Kropalscheck und Hu'� berathung überwiesen find, rrat Montag Abend Z wurden weitere Anträge der Abgg. Hitze, Ackermann angemeldet. Die Kommission beschw«,., gung dieser Anträge abzuwarten und vettagte st« Viertelstunde. zi — Betreffend die Stellung der neuzuschassenden, kammern hat der Abg. Krück er in der Korn� Aufstellung eines Arbeiterschutzgesetz-Entwurfes trag eingebracht:„Die Arbeitikammem habest Jj ihnen in den Paragraphen 106a, 110 und 121 q! Funktionen in allen das witthschastltche) Leben berührenden Fragen mit Ratb und That die»yU unterstützen- Insbesondere stthen ihnen Unterl»"» über die Wirkung von Handels- uno SchifffabM Zöllen, Steuern, Abgaben, Lebensmittel- und N.( unseres den letzt einen fr werden briefe 01 dort au bis 250 Für un| für Ber -. semer äugen b torS n wände! über d mögen v. I. denlaf händli DieS war maßgebend für Wadschid Al«- j verneur galt ihm ein für alle Mal als Musttfv t Parr bestellte nun die Grüße Nasir'S"J f Gouverneurs, welcher bei demselben gierun Audh indesse jungen sam se lassen. war, und überreichte von dem letzteren ein ■-...... EmpßW ..Sie der König mit großer Genugthuung in „Meine Herren," sagte er darauf,„ die Güte, mich im Parke zu erwarten, wo J i eine Promenade machen werde. Ich Khan allein das Schreiben des Herrn Ö"" � Der König mar nämlich des Lesen» engj� f noch nicht ganz kundig; in anderen Fallen w Sprachmeister vorlesen, hier aber, mo e» st# trauliches Schreiben handelte, zog er seineu Minister, dm Hof'Friseur, zu Rath«. Räch übrigen Mitglieder de« Hofe« entfernt hatte"- ,1 der König dm Brief und befahl ihm, densew und vorzulesen. Der Khan gehorchte und la»--� „Majestät I Gestatten Sie mir Ihnen 3"� Gruß und die Versicherung meine» unverbttW* schaftlichen Wohlwollen» zu senden.— .»Mit großer Freude, hotte ich, daß& englische Sitte an Ihrem Hofe einzuführen da» eine Bürgschaft Ihrer Treue gegen Ihrer Majestät der Königin von England. 0 meinerseits dafür die Garantie, daß man Euer" einen begnü nität mir l Derfe hoch s Ruh! fpezi. d,mf rf zugestandenen Vorrechtm niemals rütteln wir�� Ihr Regiment in Audh durö die Regierung sich keiverlei W_ erlauben wird, und selbst da, wo eS stcy K welche mit dem in England giltigen Recht h(int, stehen, werde ich niemals anders als bu „Ein solcher Akt ist mir zu meinem ..Da' den Brief «ab. Das Frevler f, meines£ Europäer 1 mir die E treten, dan Andere we Kenntniß gekommm. _»Gan Frevler ha Grund voi „Das Muß. So recht halte fchastsdienj „Der junge Mann ist zwar ei» solcher steht er nicht unter dem Schutz I> 1 MI RiHW l)M" i niät %!= den Bß >is ml die S ra WZ rm % Aonwrrmzverhältniffe, FortbildunaSschulen und gewerdllch« Anstalten, Modell- und Muster-Sammlungen, Gesundheits« und Sterblichkeits- Verhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Die Arbeits« Kammern haben die Minimalhöhe der Löhne aller gemerblichen Hilfsarbeiter für(Männer, Frauen, jugendliche Ai bester beiderlei Geschlechts und Lehrlinge) festzusetzen. Bei Inkrafttreten dieses Gesetzes, resp. Zusammentreten der Arbeltskammern sind die von den Behör» den festgesetzten Löhne, nach welchen die Beiträge für die Kran« lenkaffen nach dem Gesetz vom 15. Juni 1833 erhoben werden, als Minimalhöhe der einzelnen Arbeitsbranchen festzustellen. Die Akkordpreise der einzelnen Artikel für Akkord-Arbeiter dürfen nicht so niedrig bemessen werden, daß ein solcher Ar« bester bei durchschnittlicher Leistung weniger als das Minimal« lohn verdienen würde. Bei späterer Festsetzung der Minimal« lohnhöhe find die Generalversammlungen der resp. Orts» oder Gemeindekrankenkassen gutachtlich zu hören. Die Arbeits» kammern haben ferner Beschwerden über Mißstände im gewerb- uchen Leben zur Kenntniß der bezüglichen Behörden zu bringen, Gutachten über Maßregeln und Gesetzentwürfe abzugeben, welche das wirthschaftliche Leben ihres Bezirkes berühren. Endlich sind sie Berufsinstanz wider die Urtheile der SchiedS« «Nichte." est age rM m W Ä nU t4 kehr..� iffari M '# ätag««, jncotW* Iommunaw. Nächsten Donnerstag findet, wie wir hören, keine Sitzung der Stadtverordneten statt. t r_ . 5«f dem Terrain der Hygiene« Ausstellung beabfich- «»1 der Fiskus ein massives Restaurationsgebäude zu errichten und hat daher an den Magistrat daS betreffende Bauprojest zur Genehmigung eingereicht. Die städtische Bau-Deputation hat dasselbe nach eingehender Prüfung mit der Maßgabe ge- nehmigt, daß die bestehende Baufluchtlinie innegehalten wird. Echarfe Angriffe gegen die städtische Verwaltung Mttden am 13. Januar im Verein der Berliner Papier- und vchreibwaareninteressenten erhoben. Die städtische Verwaltung -- führten verschiedene Redner aus— bevorzugt bei ihren sehr betrachtlichen Lieferungen von Papier, Druck- und Schreib- waaren ganz einseitig gewisse Firmen, sie schreibe die Liefe« rungen sogar seit einigen Jahren nicht mehr durch das Kommunalblatt aus. Die Vergebung deS srhr bedeutenden Bedarfes liege vollkommen in den Händen weniger Beamter, und es gelte als öffentliches Geheimniß, daß nur einigen wenigen Firmen diese Geschäfte übertragen würden. Zur Lieferung von Druckarbeiten seien z. B. vor Kurzem nur dreh Firmen aufgefordert worden, obwohl diese keineswegs die einzigen oder leistungsfähigsten in diesem Fache seien. Ein Redner berichtete, daß seine Firma den städtischen Behörden kerne Offerte mache, weil ihr bei den bekannten bestehenden Verhältnissen doch nur unnütze Mühen und Kosten daraus erwüchsen; die Firma habe einmal auf Drängen eines Freun- des, und um diesen von der Zwecklofigkeit zu überzeuaen, beste A. W- Faber'sche Bleistifte fünf Prozent unter dem Preis an- geboten, d. h. so wie man sie mit Nutzen gar nicht liefern könne, und wäre abgewiesen worden, weil die Offerte„nicht preiswürdig" sei. Die Anwesenden waren der Anficht, daß daS jetzt bei derartigen städtischen Lieferungen herrschende Verfahren den vielen steuerzahlcnden Händlern und Fabrikanten grgenüber nicht gerechtfertigt sei, und daß der auS mehr als 100 Berliner Firmen des Papier- und Schreibwaarenfaches destehende Verein Anspruch darauf habe, so früh von dem Bedarf in ihren Artikeln Kenntniß zu erhalten, daß der Vorstand den Mitgliedern rechtzeitig davon Mittherlung machen könne. Der Vorstand wurde mit der Abfassung und Einreichung einer Beschwerde an den Magistrat beauftragt. Dokales« N. Eine unliebsame Ueberraschung ist den Bewohnern unseres Nachbarortes Rixdorf seitens der Oberpostdirektion in den letzten Tagen geworden. Bisher hatten die Rixdorfer für franktrten Ottsbrief nur 5 Pfg. zu zahlen, von jetzt aber 1 iür Berlin festgesetzten Gebührensätze für die Otts- briefe auch bei dem dottiaen Postamt erhoben, also für jeden und dort zu bestellenden franktrten Brief r Gramm 10 Pfg.; Unstanlitte Oltsbriefe kosten 20 Pf. für Berlin dieselben Ermäßigungen wie verduftet! Das Verschwinden eines in Berlin wegen a ra uiso mit ihm verfahren nach den in Vudh giltigen Gesetzen. So weit sind Sie in Ihrem Rechte: indessen gebe ich Ihnen zu bedenken, daß das Vorgehen des lungen Mannes ein sehr verzeihliche» ist, und daß es grau« sam sei, ihn dafür lebenslänglich im Kerker schmachten zu lassen. „ES würde die gute Meinung, welche alle Welt von Euer Majestät hegt, um Viele» erhöhe«, wenn Sie hier einen Gnadenakt übten, ihn frei ließen, und sich vielleicht begnügten, ihn mit der Verbannung zu bestrafen. „Zu dieser Bitte veranlaßte mich einerseits die Huma« nität, andererseits aber auch das hohe Interesse, welches mir befreundete Personen an diesem Gefangenen nehmen. Derselbe steht mit O'Brian, einem jungen Manne, den ich hoch auszuzeichnen alle Veranlassung habe, in näherer Be« ziehung, und au» diesem Grunde interessirt sich auch König Rasir für denselben. „Sie würden durch den Gnadenakt also nicht bloß dm Ruhm Ihrer g'pnesenen Gerechtigkeit erhöhm, sondern speziell Ihren Freunden Nasir und mir, einen Freundschafts- dienst erweisen. William, Herzog von Wale», Gouverneur von Brittsch Ost-Jndien." „Da haben wir'»!" rief Wadschid Ali, als sein Minister dm Brief zusammengefaltet hatte und ihm denselben zurück- gab. Das ist eine schöne Gesch'chte... Ich soll den Frevler frei geben, welcher gewagt hat, eine Gemalin meine« Harem« zu reklamiren?.... Ich liebe die Europäer und will europäische Sitten kultiviren, aber wenn mir die Europäer in meinen heiligsten Vorrechten entgegen« treten, dann werde ich handeln, wie ich will und nicht wie Andere wollen." „Ganz meine Anficht," bestätigte der Khan.„Der Frevler hat seine Strafe wohl verdient, und eS liegt kein Grund vor, ihn zu begnadigen." „Das ist wahr, Khan; aber Sie hören ja, daß ich es muß. Sollen mich die Europäer für grausam und unge- recht halten? Muß ich nicht dem Gouverneur jeden Freund- schaftsdienst erweise«?.... Er bittet, aber ich weiß, daß da? bis dahin vom Gericht virwaltete Erbtheil vettrösiet waren, haben alle daS Nachsehen; denn nach Empfangnahme dieses Erbtheils bat sich der Erbe aus seiner in der Linkstraße befind- lichen Wohnung entfernt und ist nach Angabe des HauSwirths nach Patts verzogen. Die von den Gläubigern gegen dm Schuldner ausgebrachten Sicherheitsarreste blieben fruchtlos, da der Beklagte sämmtliche Vermögensobjekte und seine eigene Person vorher in Sicherheit gebracht hatte. Der Fall wird wahrscheinlich ein Nachspiel vor dem Strafcichter haben, da bei der Beiseiteschaffung der Mobilien zum Nachtheile der Gläubi- ger nicht allein Privatpersonen, sondern auch ein Rechtsanwalt sich betheiligt, welche für ihre Mühewaltung durch nicht unbe- deutende Summen entschädigt worden sind. Ein eigenartiger BeleidigungSprozeß wird in Kurzem vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts i zur Entscheidung gelangen. Als Kläger figurirt ein junges Ehepaar, als Be« klagte die Mutter d-S Ehegatten und Schwiegermutter der Ehefrau. Der Fall, um den es sich handelt, ist folgmdcr: Der Ehemann, Sohn sehr wohlhabender Eltern, hatte sich in seine jetzige Ehefrau, ein armes, aber rechtschaffenes Mädchen aus achtbarer Familie, verliebt. Seine Eltern widersetzten sich der ehelichen Verbindung der jungen Leute, da sie für den Sohn ein Mädchen aus reicher Familie in Aussicht genommen hatten. Als trotzdem der junge Mann auf seinen Entschluß beharrte und das arme Mädchen als seine Frau hcimsühtte, zogen sich die Eltern von ihrem Sohn zurück. Am Tage der Hochzeit wurde nun von einem hiesigen Tischlermeister dem jungen Ehepaare im Auftrage der Mutter des jungen Ehe- mannes eine Kommode als Hochzeitsgcschenl übergeben, in deren Innern sich ein hänfener Strick und ein Haken befanden, die, in Papier eingewickelt, von der Hand der Mutter mit der geschmackvollen Ausschrift geziert wa en:„Für Euch zum Auf- hängen." Für diese Liebenswürdigkeit glaubte daS junge Ehe- paar keine andere Genugthuung fordern zu können, als die ge« richtliche Bestrafung der Mutter, die dem Gericht die Erklärung hat zugehen lassen, daß sie als Mutter das Recht habe, ihren Kindern guteS oder böseS zu wünschen, ohne sich dabei strafbar zu machen. Zur Verhandlung über diese Beleidigung steht am 19. Februar Termin vor dem Echöffengettcht an. S. Gegen die beide« seit 14 Tagen in der Uutersu« chunaShaft befindlichen HeirathSfchwindlerinnen Reitz und Lange, von denen die erjterc als HeirathSvermittlerin und die andere als vermögende Braut figurirten, find inzwischen in Folge unserer Veröffentlichung einiger von ihnen verübter Betrügereien noch eine Reihe weiterer Anzeigen bei dem Unter- suchungsgericht eingegangen. Dieselben ergeben, daß nicht nur die Reitz und die Lange gemeinschaftlich in der von uns beschriebenen Weise schon seit längerer Zeit diese Betrügereien verübt haben, sondern auch, daß die Reitz in früheren Jahren, ehe sie mit der Lange sich verbunden hatte, in der Verbindung mit anderen Frauenspersonen, welche ebenfalls von ihr als „vermögende Bräute" ausgegeben worden, ähnliche Heiraths« schwindeleicn ausgeführt hat. N. Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde vorgestern Abend in dem Hause Junkersiraße 21 und zwar in dem dort befindlichen VorrathSkeller der Butterhandlung von Drenkow in Szene geseßt. Drei Diebesgesellen hatten sich gegen 10 Uhr Abends in daS erwähnte Haus geschlichen und erbrachen, nach- dem sie vorher einen ihrer Komplizen als Wache ausgestellt, die Vorhängeschlösser deS Lagerraums. Hierselbst stellten sie zunächst mittelst eines Bindfadens eine sogenannte Signalleine mit dem auf der Straße Wacht haltenden Posten her und vir- anstalteten alsdann ein solennes Zechgelage, btt welchem die Vorräthe, wie Butter, Eier, Käse rc. eine hervorragende Nolle spielten. Der Revierwächter des betreffenden Bezirks bemerkte gegen 12 Uhr in den Kellerräumen ein verdächtiges Treiben und requirirte mit Hilfe des in demselben Haust wohnenden Milchhändlers Quaschnick polizeilichen Beistand. Der aus- spähende Posten hatte sich inzwischen in dem Glauben, daß die Luft vollständig rein sei, ebenfalls zu seinen Kommilitonen ge« sellt und so gelang es, die vier Einbrecher ia flagranti festzunehmen, welche alsdann nach der Polizeiwache in der Linden- straße fistirt wurden. g. Wo ist ein Arzt? Ein Borgang, welcher wiederum zeigt, wie durchaus nothwcndiq die Vermehrung von Hilfs- stationen in Unglücks- bezw. Krankheitsfällen in Berlin ist, dürfte allseitige Beachtung verdienen. Am Eonnabend gegen Abend stürzte vor dem Gebäude des Potsdamer Bahnhofes ein fein gelleideter Herr, bei dem außer einer schweren goldenen Kette mit Uhr ein namhafter Geldbetrag gefunden wurde, plötzlich anscheinend in Folge eines Schlaganfalles zur Erde, wo er regungslos liegen blieb- Nachdem der Regungslose unter Anwesenheit eines Schutzmannes in daS Bahnhofsgebäude getragen worden war, sandte man nach ärztlicher Hilfe aus, die hrer zur Erhallung deS Lebens des Verunglückten durchaus nothwendig war. Ein zweiter Schutzmann, welcher sich eben- falls auf die Suche nach einem Arzt begeben hatte, mußte erst eine ganze Reihe von Wohnungen absuchen, ehe es ihm ge« lang, einen Arzt anzutreffen. Der besorgte Schutzmann war auf seinem Gange von dem Potsdamer Platz bis zur Mark- grafenstraße gekommen. Wenn es auch nicht zu verlangen ist, er eine andere Sprache führen würde, wenn ich ihm seine Bitte rundweg abschlüge." Der Friseur mußte zugeben, daß eS gefährlich fei, dem Gouverneur eine Bitte abzuschlagen. Er dachte vielleicht in diesem Augenblicke daran, daß, wenn man die Macht des Königs von Audh beschränke, eS ja auch um feine bevorzugte Stellung geschehen wäre. „Ich weiß recht gut," fuhr Wadschid Ali mißmuthig fort,„daß man e» dort in Madras und Madura nicht gern steht, daß ich an den alten Sitten fest halte und einen Harem habe." „Damit thut man Unrecht. Das ist eine schöne und heilige Sitte. Ich selbst habe mich überzeugt, daß gewisse indische Gebräuche und Gesetze mehr der Nachahmung werth sind, als die entsprechenden englischen. Au» diesem Grunde huldige ich ja selbst in einzelnen Punkten dem indischen Ritu»." „Ich weiß es, Khan; Sie sehen ei», daß ich Recht habe, und darum schätze ich Sie.... Aber wa» nützt mir das dem Gouverneur gegen- über?... Wer kann nur überhaupt dem Gouverneur da- von gesprochen haben?" „Hm, wer ander», als Mr. Parr, Ihr Sprachmeister!" bemerkte der Friseur, innerlich triumphirend, daß sich so schnell eine Gelegenheit gefunden hatte, seinem Gegner zu schaden. „Wahrhaftig, Khan, ich glaube, Sie haben Recht. Ich werde den Gouverneur fragen lassen, wer e» ihm gesagt bat, und war e» Parr, so soll er sofott meinen Hof ver- lassen." „Dazu würde ich auch rathen," bestätigte der Friseur. „Es hieße ja ein« Schlange am Busen nähren, wenn Sie einen Mann an Ihrem Hofe behielten, der hinter Ihrem Rücken Ihnen zu schaden sucht." „Ganz recht, Sie erinnern mich daran, Khan.. Vor allen Dingen aber muß jetzt etwa» geschehen. Ich muß den Verbrecher frei lassen. Oder meinen Sie nicht, daß ich ihn frei lassen muß?" daß unsere Aerzte sich an den Sonntaanachmlttagen zu Hause halten, um einem eventuellen Rufe sofort Folge leisten zu können, so stellt sich doch wiederum als dringend nothwendla heraus, daß in jedem Stadttheil behördlicherseits SanitätS- wachen errichtet werden müssen, von denen unbedingt Hilfe zu erwarten ist. a. Eine VergiftnngS-Affalre. Vorgestern Abend gegen 6'/: Uhr wurden in der Wohnung deS Schriftsetzers Mi er». Scharrnstraße Nr. 13, 2. Hof 1 Tr., die Ehefrau deS M. auf dem Bett liegend todt, sowie die 3 jährige Nichte derselben. Gretchen Risch, ebenfalls auf dem Bett liegend, eine Ver- wandte der Frau Miers, die 66 jährige Wittwe Gräucrt, und deren 31 Jahre alter Sohn auf Stühlen sitzend in bewußt- losem Zu'iande aufgefunden. Die Leiche der Frau Miers wurde nach der Morgue, die kleine Nichte nach der elterlichen Wohnung in der Kai straße und die Wittwe Gräuert nach der Charit« geschafft, während sich der Sohn der letzteren bald wieder soweit erholte, daß er sich allein nach seiner Wohnung begeben konnte. Der hinzugcrufene Arzt konnte eine bestimm« Ursache deS TodeS, bez. der Bewußtlosigkeit nicht angeben, er vermuthet cme Vergiftung durch Kohlendunst, doch haben sich sichere Anhal Spunkte für drcse Annahme nicht ermitteln lassen. denn die O-fen der Wohnung befinden sich in vorschristS- maßigem Zustande(ohne Klappen). Vielleicht wird sich durch die Obduktion der Leiche der Frau M. Näheres feststellen lassen. Die Wittwe Gräuert und die kleine Risch, welche sich bereits auf dem Wege der Besserung befinden, vermögen keine Aufklärung zu geben, und ebensowenig vermag dies der Sohn der Gräuert, welcher in etwas angetrunkenem Zustande in die M.'sche Wohnung gekommen war. N. Von einem Omnibus lüberfahren. Ein beklagens- werther Unglücksfall trug sich vorgestern Abend auf der Janno- witzblücke zu. Ein in der Alten Jakobstraße 20 wohnender Restauratcur T-, welcher eben im Begriff war, einem ihm ent» gegenkommenden Pferdebahnwagen auszuweichen, wurde beim Ueberschreiten des Straßendammes von einem gleichzeitig deS WegeS kommenden Omnibus erfaßt und zur Erde geworfen. T. erlitt bei dem Fall so bedeutende Verletzungen am Kopf und an der rechten Hand, daß er zunächst von einem Schutz« mann per Droschke nach der Sanitätswache in der Blumen» straße geschafft, und nachdem ihm dott die erste ärztliche Hilfe zu Theil geworden, nach dem städtischen Krankenhaust im Friedrichshain überfühtt werden mußte. dl. Eine Zerschneidung der Pulsadern an der rechten Hand zog sich gestern eine in der Oraniendurgerstcaße 86a wohnende Frau F. beim Aufziehen einer Flasche Wein zu. Die sehr stark verkorkte Flasche zerbrach bei der Kraftanstren» gung, den Korken herauszuziehen und drangen so die Glas- splitter in das Handgelenk der Frau F. Ein in der Nähe wohnender Arzt mußte sofort einen Nothoerband anlegen. GerirktB Leitung. Unter der Anklage des Vergehen» gegen da» Sozia» listengcsetz hatte sich gestern der Trschlergeselle Orth Hierselbst in der Revistons- Instanz vor dem Strafsenat des Kammer- gerichts zu verantworten. Dieser Fall bietet neben den dabei m Betracht kommenden sozialen und politischen Verhältnissen au» noch ein ganz besonderes juristisches Interesse, indem nämlich die drei verschiedenen Gerichtshöfe, die in dieser Sache bisher in Aktion getreten find, verschiedene Ansichten darüber hatten.. Der Thatbestand ist in Kürze folgender: Orth hatte im Mar, vorigen Jahres in der Pianofabrtk von Knöchel in der Friedrichstraße Nr. 136 bei 18 Arbeitern der. Fabrik, welche zu seinen genaueren Bekannten gehörten— die Fabrik zählte 21 Arbeiter— Sammellisten zirkuliren lassen, in wrlche sich nun die betreffenden 18 Arbeiter meist unter falschen Namen und mit verschiedenen Beiträgen einzeichneten, welche aber erst am Lohntage gezahlt werden sollten. Die Sammellisten ent« hielten die Aufschrift, daß sie den Zwecken des„Wahlfonds für streng freisinnige Wahlen für den Reichstag dienen sollten, während unten aber ein blauer Stempel mit der Inschrift: „Berliner Sozialdemokraten, da» Zentral-Koniitee", angebracht war. Auch hatte nach der richterlichen Feststellung Orth den Zeichnern ausdrücklich verstchett, daß die Gelder Beiträge zum Wahlfonds der sozialdemokratischen Pattei sein sollten. Die Polizei verhindette indeß die Abführung der Gelder und nahm die Sammellisten in Beschlag. Es wurde auf Grund dieses That- bestandtS und des Sozialistengesetzes nun gegen Otth die An» klage erhobeck, das Schöffengericht aber erkannte auf Frttspre» chung, da seiner Ansicht nach nicht eine öffentliche, sondern nur eine Privatsammlung vorlag. Auf die Berufung des Staats- anwalts erkannte aber die vierte Strafkammer deS Land- gerichts i dahin, daß das Schöffengericht gar nicht zu einer Aburthetlung in dieser Sache kompetent gewesen sei, da es sich hier nicht um eine Einziehung der gesammelten Beträge, son- dem um eine„Verfallerklärung" derselben, was eben mehr sei und vor die Strafkammer gehöre, gehandelt habe. Die Straf- tammer erkannte nun selbstständig als erste Instanz, sprach übttgens aber den Angeklagten auch frei, da kein„Einsammeln" im Sinne des Gesetzes und auf leine öffentliche Aufforderung „Es wäre allerdings bedenklich, hier gegen den Wunsch deS Gouverneurs zu handeln; jedenfalls aber würde ich rathen, daß Sie, indem Sie ihm die Freiheit geben, nicht sagen, daß eS auf den Wunsch de» Gouverneurs geschähe, sondern daß Sie es von freien Stücken thun, vielleicht auf Fürsprache seiner Freunde. Herr von Wredow interessirt sich ja so lebhaft für den jungen Mann, vielleicht daß eS auf dessen Fürsprache geschehen könnte?" „Sie haben Recht, Khan; Sie haben immer Recht..; Ich werde sagen, daß ich ihn aus freien Stücken laufen lasse, und Herr von Wredow selbst soll ihm seine Freiheit ankündigen; das soll geschehen." Sehr übel gelaunt begab er sich nach dem Park, stvo die übrigen Hofbeamten ihn erwarteten, und hier über- raschte er dieselbe» mit der Nachricht, daß er sich entschlossen habe, Martin Rodenburg aus dem Kerker zu entlassen. „Ich thue e» ganz au» freien Stücken," fügte er hinzu,„damit die Welt sieht, daß ich kein Tyrann, sondern gnädig und gerecht bin. Speziell thue ich es für Sie, Herr von Wredow. Sie müssen nicht glauben, daß ich es auf den Wunsch König Nasir's und deS Gouverneurs thue; ich wiederhole, daß ich es auS freien Stücken gethan habe. Und Sie, Herr von Wredow, sollen dem Gefangenen noch heute seine Freiheit ankündigen, und ihm meinen Befehl mittheilen, daß er ohne Verzug die Grenzen meine» Reiche» zu verlassen habe." Herr von Wredow verneigte sich, hoch erfreut über diesen Entschluß Wadschid Ali'». Er sowohl wie die übrigen Beamten verbargen em Lächeln bei den Worten des König». Sie wußten ja recht gut, daß trotz seiner Gegenver« sicherung sein Entschluß nur herbeigeführt sei durch den Brief des Gouverneurs. „Fügen Sie aber hinzu," fuhr Wadschid Ali fort, «daß, wenn er jemals wagt, sich in den Grenzen von Audh wieder sehen zu lassen, er deS Todes ist. In diesem Punkte werde ich unerbittlich sein, und mich weder durch Bitte« noch durch Drohungen bestimmen lassen, von meinem Rechte Gebrauch zu machen." (Fortsetzung folgt.) dazu vorlitge. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Reviston beim Kainmergericht ein, welcht aber von derOdeislaalsanwalt» schaff(Staatsanwalt Lademann) als an nicht zutreffender Stelle angebracht, gekennzeichnet wurde, da nämlich das Kammer- gericht deswegen inkompetent sei, weil alle Strafsachen, die in erster Instanz von den Strafkammern abgeurtheilt würden, von dort zur Reviston nur an das Reichsgericht gelangen könnten. Eventuell müßte das Urtheil des Schöffengerichts aufrecht erhalten und letzteres für kompetent erachtet werden. Das Kammergericht erklärte sich hierauf für inkompetent zur Entscheidung, da die Strafkammer als erste Instanz«nt> schieden habe und die Sache also zur Reviston nach Leipzig gelangen müsse. In der Privatklagesache der Stadtverordneten Gürcki und Tutzauer gegen den Redakteur Berndt wurde heute in Bezug auf die Widerklage das am Sonnabend gefällte Unheil in öffentlicher Sitzung der 98. Abtheilung hiesigen Schöffengerichts dahin berichrigt, daß der Prrvatklager Tutzauer freige- sprachen und der Privatkläger Göicki wegen Beleidigung dcS Berndt und dessen Kollegen zu 50 M. ev. 5 Tagen Haft ver- urtheilt worden sei. Prozeß Domnauer, Aus der vorgestern noch zu Ende geführten Beweisaufnahme in dem Prozeß gegen den Kauf- mann Louis Domnauer, die fich ziemlich einfach gestaltete, ist folgendes hervorzuheben. Nach dem Zeugniß des Konkursver- walterS Brinkmeyer ist das Waarenlager auf 31 898 M. taxirt und schließlich mit 28 pCt. über die Taxe, mit 41 128 M., losgeschlagen worden. Außer dem Guthaben von 1000 M. bei der Deutschen Bank find noch 1550 M. baar in der Geschäfts- lasse vorgefunden worden, ferner ist von dem englischen Advo- taten des Angeklagten eine Summe von 201 Lftrl.(4111 M.) eingezogen und dem Angeklagten find noch 2650 M. baar abgenommen. Die �Kaution für Martha Wagner ist auS den Mitteln des Angeklagten bestellt worden. Die Außenstände von 30 000 M- find zumeist gute Forderungen gewesen, die schnell und glatt eingingen. Ter Angeklagte seinerseits ver- tritt die Anficht, daß bei der Realifirung des Waarenlagers die Beauftragten seiner Frau die Taxen abfichtlich hmbgedrückt hätten. DaS Geschäftspersonal deS Ange- Nagten hat von den Ramschverkäufen desselben vor seiner Flucht keine Ahnung gehabt, dieselben find vielmehr während der Mittagspause ausgeführt worden. AuS den Briefen, welche der Angeklagte von Southampton aus an seinen Buchhalter und seinen Schwager Cohn geschrieben hat, geht einerseits der« vor, daß derselbe sich„Friede" vor seiner Frau habe schaffen wollen und daß er dringend gerathen habe, Alles daran zu setzen, um namentlich das Detailgeschäft zu erhalten. Das Geschäft ist durch Vermittlung eines Verwandten, des Herrn Louis Grumach, der Frau des Angeklagten zugefallen. Wie ein Onkel deS Angeklagten aussagt, habe der letztere brieflich seine Entrüstung über die Nachricht von dem Ausbruche deS RonkomseS ausgedrückt und die Abficht geäußert, aus diesem Grunde wieder zurückzukehren. Die unverehelichte Wagner, welche 26 Jahre alt ist und bei dem Angeklagten bis zum Jahre 1881 in Stellung war, giebt zu, mit demselben in einem näheren Verhältnisse zu stehen und mit ihm das Zusammen- treffen in Rotterdam und die Reise nach London verabredet zu baden. Tie von London hierher gerichteten Briefe find nach Southampton gebracht und dort aufgegeben worden. Die Zeugin bestätigt, daß der Angeklagte auch ihr die Abstckt einer Auswanderung nach Südamerika ausgedrückt habe. Der ge- mernsane Aufenthalt in London dauert« bis zum Tage der Verhaftung am 19. Juni und der Angeklagte war mit den Vorbereitungen zur Etablirung eines Geschäfts beschäftigt. Tie Sachverständigen, Bücher> Revisoren Solomon und Bier- städt, bekundeten übereinstimmend, daß die Buchführung des Angeklagten insofern mangelhaft war, als die Inventuren und Bilanzen bis zum Jahre 1881 fehlten, es sei dadurch eine Ucberficht über seine Vermögenslage unmöglich geworden und selbst der Umstand, daß von diesem Zeitpunkte an eine ge- regelte und vorschriftsmäßige Buchführung stattgehabt, ver- möchte diesen Mangel nickt aufzubeben. Im Uebrigen könnten fie eine betrügerische Abficht des Angeklagten in seiner Hand- lungiwcise nicht entdecken. Hiermit wurde die Beweisauf- nähme geschlossen und es wurde eine einstündige Pause an- beraumt. Nack derselben führte Staatsanwalt Dr. Otto in längerem Plaidoyer aus, daß die ganze HandlungS- weise des Angeklagten fich als eine reiflich vorher ge- plante charakterifire, deren Triebfeder das Bestreben ge- wesen sei, sich von seiner Gattin zu befreien, um mit dem Mädchen, mit dem er in engem Verhältniß stand, unge- hindert weiter leben zu können. Deshalb habe er fich wider- rechtlich in den Besitz großer Mittel gesetzt, um an einem ftem- den Orte ein neues Geschäft gründen zu können. Er bat die Geschworenen auch die Schuldftage ru Betreff des betrügeri- schen Bankerotts zu bejahen, stellte ihnen aber anHeim, dem Angeklagten mildemde Umstände zu bewilligen. Ter Verthei- diger R.-A. Munckel plaidirte für die Freisprechung seines Klienten. Der Angeklagte versicherte dann noch einmal, daß er schuldlos sei, worauf fich die Geschworenen nach erfolgter Rechtsbelehrung seitens deS Präsidenten zur Berathung zurück- zogen. Dieselben verneinten sämmtliche Schuldfragen. Es mußte somit die Freisprechung des Angeklagten erfolgen. Den Antrag des Verrhcidigers, die dem Angeklagten erwachsenen nothwendigen Kosten der Staatskasse aufzuerlegen, lehnte der Gerichtshof ab. Tie«i»ter der Bezeichnung„Gottes Segen bei Cohn" bekannte Kattenlotterie, welche den UnterhalrungSstoff zahlreicher Familien dlldet, ist nach der Anficht der Königlichen Staats- anwaltschaft ein fc-azardspiel. Da dasselbe in dem Restaura- tionslokale von Schwäre in der Wallstraße von den Gästen häufig in der harmlosesten Weise betrieben wurde, ohne daß der Wirth demselben Einhalt that, wurde derselbe wegen Dul« der.s von fcazardspielen in einen' öffentlichen Versammlungsorte unter Anklage gestellt und gestern vor dir 92. Ablhcilung des hiesigen Schöffengerichts geladm. Aus der Beweisauf- nähme ergab fick, daß die gemachten Einsätze fich in den aller- bescheidensten Grenzen bewegt und über Nickelmünzen nicht hinausgegangen waren. Nichtsdestoweniger beantragte der Staatsanwalt das Schuldig und die Verurtheilung des Ange- klagten zu 30 M- ev. 3 Tagen Gefängniß. Der Vertheidiger R.-A. Dr. Halle negirt die Qualifikation dieses reinen Unterhaltungs- spiels als eines Glücksspiels und führt aus, daß höchstens von einer öffentlichen Lotterie die Rede sein könne. Betreffs dieser sei aber nicht das Dulden, sondern nur das Veranstalten straf- bar. Er beantrage daher die Freisprechung seines Mandan- ten, auf welche der Gerichtshof unter Adoption dieser Gründe erkannte. Sosisles irnä Arbeiterbewegung. Die Anträge auf Ausdehnung der Arbeiterschutz. gesetzgebung baden nach dem„Hamb. Corresp."„in der In- dustrre"(„die Industrie find natürlich bloß die Unternehmer! D. Red.)„große Verstimmung" erregt.„Nachdem der letzteren durch die Kranken- und Unfallverficherung große und schwere Lasten auferlegt worden sind und nachdem sie durch die zur Ausführung vieser Einrichtungen erforderlichen Versammlungen und Verhandlungen in eine ungewöhnliche Unruhe versetzt worden ist, hatte man ermattet, daß die ReichSgesetzgebungs- Maschine wenigstens eine kurze Ruhepause sich gönnen und nicht durch schließlich bloß agitatorische Absichten einzelner Reichstagsfraltionen wieder in Bewegung gesetzt werden würde. Welche einschneidenden Folgen diese gesetzgeberischen Versuche für den deutschen Gewerbeflciß haben würden, geht daraus hc-.vor, daß mehrere große Jndusirievereine besondere Versammlungen ausgeschrieben haben, um fich über die Mittel zur Abwehr dieser mehr oder weniger unreifen Experimente schlüsstg zu machen Am 24. Januar halten der Verein„Ton- cordia" und der Aussckuß des Vereins der norddeutschen Baum- wollindustriellen in Brlin zu diesem Zwecke Versammlungen ab. Ebenso werden fich die Mitglieder des Ausschuffes de? Zen- tralverbandeS, welche der Textil- oder Glasindustrie angehören, in einer besor deren Versammlung und auch der Ausschuß deS Zentralverbondes selbst in seiner am 25. Januar in Berlin statifindenden Sitzung mit diesem Gegenstände beschäftigen." (Ist'schon geschehen! Siehe gestrige Nummer! D. Red.) — Man steht, die Fabrikanten find durchaus nicht gewillt, ohne weiteres auf ihr Recht der freien Ausbeutung der Arbeitskraft zu verzichten. Es giebt aber Dinge, die aller Einfluß und alle Rührigkeit der Unternehmer nicht mehr verhindern kann, und wie trotz aller PetitionSstürme der englischen Fabrikanten Eng- land seine Fabrikgesetzgebung erhielt, so wird auch nichts rn Deutschland die Ausvehnung der Arbeiterschutzgesetzgebung verhindern. Bezüglich deS KrankentasstNgesetzeS machen wir wiederholt darauf aufmertsom, daß die Ardeitgebkr denjenigen ihrer Arbeiter, welche Mitglieder der O'ts-Kronktnkoff.n find, bei Lohnzahlung nur zwei Drittheile des Beitrages für die Kranken- lasse vom Lohne retour behalten dürfen, während fie selbst ein Drittiheil dazu beizutragen haben. Wer seinen Arbeitern mehr als zwei Dttttel deS Kassenveftrages abzieht, macht fich eines Vergehens gegen den§ 82 des Gesetzes für Krankenverstcherung vom 15. Juni 1883 schuldig und wird mit Geldstrafe bis 300 M. bedroht.— Uebrigens mögen oft derartige übermäßige Abzüge passtren. So schrieb neulich das„Schwöb. Wochenbl": „In einem größeren Landotte existiren 4 Wibfabriken, Filialen von 4 verschiedenen Fabrikanten. In einer Fabrik werden nun die Arbeiter, welche in die Fabrik eintreten wollen, geröthigt, der Fadrikkrankenkasse beizutreten, in der anderen wieder, der am Ott bestehenden lokalen Hilfslaffe, während in den andern zwei für die Ottslaffen das Wort geredet worden ist, welche aber wahrscheinlich geglaubt haben, die§§ 49—63 des Krankenver ficherungsgesetzes seien sür fie nicht da. In sämmtlicken Fabriken wird nun Niemand ringe- stellt, wenn er fich nicht dem Willen des Besitze, S fügt. Die- jenigin, welche in Arbeit find, erhalten die Eiklärung, daß wenn fie, die Arbeitgeber, gezwungen würden, die Drittelsbei- träge zu zahlen, fie dann pro Stück 1 Pfennig weniger zahlen; leider giebt es Arbeiter, welche, weil fie glauben, eine lokale Hilfskaffe sei das segenspendende Ideal für die Arbeiter, solches Vorgehen noch befürworten und unterstützen, also dem Ar» beitgeber noch, da er wöchentlich für einen Arbeiter 6 Pf. zu zahlen hätte,(wenn der betreffende Arbeiter 20 Stück anfertigt) noch 14 Pf. in die Tasche jagen." diese Fabrik„ein Muster der Unfittlickkeit", und � gesagt,„dem Werkmeister müßte die Sckamröchi steigen, daß er hochschwangere Weiber beschäftigt- genölhigt seien, über die Posamentirerstühle zu ssE Arbeit t-i überhaupt gesundheitswidrig, indem unter leide- So habe fich bereits eine Arbeiterin M ein Blustleiden u. s. w. zugezogen." Das Urthrn* $ Echönlank auf 12 M. Geldbuße und Tragung In den Motiven heißt eS: Keßler und VogekniA sür die Mißstände, die eben in der Natur der W I wu v IV V VV wtii vu vv* w».> niffe liegen, nickt verantwortlick gemocht werden, w» —...... anderen» Rr. 23. Große WohnutigSrroth herrscht augenblicklich in Han- nover unter den kleinen Leuten. Man scheint dort, wie auch in anderen Städten, zwar größere Wohnungen gebaut, aber ganz die kleineren Leute vernachläsfigt zu haben, mit denen allerdings ein Hausdefitzer weniger gern zu thun bat. Leider wollen die ärmeren Klassen auch wohnen; gegen 200 Personen aus dem Stande der Handwerker und der Arbeiter haben seit Michaeli keine Wohnung finden können, und achtbare Familien mit ihren Kindern müssen in Gesellschaft von verkommenen Subjekten Tag und Nacht verbringen, da den Obdachlosen nur sechs Räume im alten Zeugbcuie zur Verfügung gistellt wer- den konnten. Von diesen Räumen ist einer eine Vorhalle, in welcher zehn bis fünfzehn Parteien wohnen und schlafen. Die Lohnschreiber bei den Gerichten werden in Preußen so jämmerlich bezchlt, daß ein wahrer Nothstar-d unter ihnen herrscht. Jetzt hat die preußische Regierung endlich beim Adgeord- netenhause eine Aufbesserung dee Siireibelchms beantrag! von 7 auf 8Pf. proSeite. DemHauptübkldicselBeamten.das in dem gänzlichen Mangel eines gesicherten Einkommens besteht, wird freilich nickt abgeholfen, und auch jevt soll nur den damit IIIU,* UV�V�UilVIl, U.VV UUU, p., MW*«.VI. älteren und verdienten Lobnschrerbern ein Minimolverdienst von monatlich 60 Mark garantirt werden ffür Berliner Verhäitniffe reicht das sicherlich nicht aus, und die Lohnichreiber der hiesigen Landgerichte wenden fich daher in einer Petition behufs Mehrerhöhung an das Abgeordnetenhaus. Wir wünschen ihnen den besten Erfolg, fie gehören ja auch zu uns Proletariern. München, 24. Januar. Der Redakieur Dr. Bmno Schön- lank stand heute unter der Anklage, die Fabrilbtsitzer Fr. Wiib. Keßler und Alb. Emil Keßler in Bahn, sowie deren Wcrkführer Eduard Vogeimeicr durch einen Ärukel in der „Süddeutschen Post" beleidigt zu baben, in welchem er die Frauenaibeit überhaupt und speziell die Velhältnisse in obiger Posamenticrwaarenfabrik besprach. Er nannte in diesem Attrkel Herrn Dr. Schönlank, wie jedem------- und Schriftsteller, der sich mit der m Frauenarbeit beschäftigte, das Recht luaefianlK« müsse, fich mißbilligend über solche Zustände und fie zu rügen, so erscheine doch, wie daS annehmen zu müssen glaubt, eine Bkleidigung in**.! liegen, die der Angeklagte gebraucht, der noch Interessen verfolgt habe, und glaube das Schös er die Abficht hatte, die Kläger öffentlich HeroÜj fie zu beleidigen, durch die maßlosen odenbezem. lassungen, insbesondere aber durch den Schlußsatz 5 an welcher Stelle die betreffende Fabrik als eine"1 gestellt wird,„in welches einzutreten jedes anstand« fich scheuen müsse."— Grstern wurde Nr. 233 da»? GerichlSzeitung" und Nr. 4 der„Harzer Post"»uf? Sozialistengesetzes beschlagnahmt. Der darin ertbaj tagsdnef, Rundschaunctizen über Kolonialpolitik u»«- Mißhandlung und eine Korrespondenz über die? Ausweisung scheinen dazu Veranlassring gegeben Der Abgeordnete Heine sprach am 24. dyL dcburg über„die Lage der arbeitenden Klassen in v\ nach den amtlichen Berichten der Fadrikinsp-ftore»? schlage zu einem Arbeiterschr-tzgesetz." Curopäische Arbeiter in Amerika. Arts*? richtet der„Wests. Merkur":„Wie die statifliW. ergeben werden, hat die Zahl der in Nordamerika n europäischen Einwanderer in den letzten Moai»M abgenommen und zwar in Folge der ungünstige»� über Arbeitsstackung und Atb-it-mangel in de»* Staaten, welche Nachrichten nicht nur durch 9�** tungen, sondern vielfach auch durch zahlreiche namentlich itolienscher und slowakischer Ni" Europa gelangten Mehr als die deutschen wh und slowakische Arbeiter in den Vereinigten L, und verfolgt, seitdem dieselben in größerer Anw kommen und bei höchster Anspruchslosigkeit viel Deutsche zu haben find. Welchen Veefolgunji?» Leute ausgesetzt find, davon kann man fick Vorstellung machen. Man höre n»', was Newyav kürzlich übereinstimmend berichtiten: Anfang 3W Jahres hatte die Reading Coal and Iren Comp)»!. delphia 100 Slovaken für ihre Werl in Sck� Peensyloanien, kommen und ihnen Wohnunge»' DaS Gebäude stand an der Readingdahn und Donaldson, etwa 200 englische Meilen r""1 kernt. Am 11. Dezember 1884, zwischen W Nachts, schlicken fick 75 streikende Bergleute, wohl bewaffnet, an das Gebäude und feuerten* Bauwerk hinein. Viele Slowaken wu.den»n konnte stob, trotz der großen Kälte, �ogar halb Wälder!!! Das Gebäude wurde gänzlich andern Tages fand man ein halbes Duftend 1*3 detcr im Gebirge; der Schluß des Beirchtes Herald" lautet: The rest of the party, who-re or shelter, may never leave the woods alive l» Übrigen(ca. 90) halb nackten Menschen, welche r» Winterlälte ohne Obdc-ch und Nehrung deruL, vermuthlich in den Wäldern iierben.— jv»" a,« bören nicht eben zu den Seltenheiten, find» Umfange und poch dazu in dem zimUfiltenP�tz noch nicht dagewesen. Von einer Ermittelung tti Schuldigen ist keine Rede."- Für uns 0f\lJ Sch'lderung klar beivor, wie groß bereits die- � der Lohndruck in Amerika ist. Die ErbiilerunS � entsteht offenbar daraus, daß fie filber b-rcits» nagen und fürchten müssen, daß ihr dürftiges weiter herunter gedrückl wird durch Lrute, Wiiben wohnen und sich Heiler, und welche 1»� kurrenz alle Mitbewerber auf dos Niveau birA)™ bringen würden.| i» 4. Klasse 171. Königl. Preith. Lotterie. Ziehung vom n. Januar 1885. Ihr Rr?«»w»e iiter 5*10 Mark find den belreffenden Rümmer» in Parenthese b-igesügt. (Ohne Bewähr.) I 61 618 52 627 83 86 46 62" s.M"69 758 837 58 900 20%) W212lch00I 94 312 68 412 600 44 68 1300166 12 15601%s*J A.V/M#-«jl(W/W/J ÖO 6V6 i---j——«— v � � wj 668(3001 74 778 89 13001 839 15501 63 98 I3Ö0I 904 29 15501 31 39 52 85 837 42 951 5237 69 430 84 15701 526 81 642 63 82 705(5501 34 63 94 6205 88 97 1300] 343 60 73 78 96 1300] 408 25[1500] 46 13001 63 546 625 62 785 821 56 1300! 915 45 87 96 7010 66 62 94 175 96 326 30 39 453 508 11 12 76 616 64 704 116001 978(3001 8000 16[660] 69 124 65 213 27 67 356 79 445 79 644 55 650 60 729 37 83[5501 855 57 42 92 925 9035 49 139 42 62 93 94[300] 200 75[3001 80 307 17 87 546 60[1600] 73 627 783 831 1"020 94 104 46 68 805 12 527 75[650] 638 775[560] 82 863 78 97 937 Jl 1061 64 106 34 41 288 99 389 99 400 19 515 44 668 772 803 18 59 83 947 1"�55016� 134 ,(3001. 70,243 82223 63 419.36 46 61 89 631 46 47 641 ._' iw/j«V-ML*/ erv»-X-J VI IL Oü LZKßM#0898 1 900339 4760 84 136 61 mmimmmmmsrnrn 907 42 1 7008 87 94 645 13001 93 613(3001 37 39 138(3001 204 29 89 jsopl S« 74 79 ig« «WMMW 13[1500]' s mm« gaa#%%%%% MMi« MRDMWKwMM l".' � i■-V«'*■* m»«'\J>) I;) W#�L%„§S4. h* 60 90 739[550T74''[300] 826(3000! 919 23»ÄZ? 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E hier Arbeit. und tüchtiger feine Aeußer dies scheint Meister, d« bat. In wies Berbinsung sein. Ob ei heim über se gemacht hat, (»US An den ich vor »kiratben voi l&Sf"' --Ich bi ,„Welch, ich den Füv zwei Prooir trld von dt ,»Na, t willtgung if Bedingung. SS Ii'"' mein Lrid I w itu" »0, ich »aar Jähr-j .»WaS «och de« P Oiizfi, unser %% »«,? auS einfach «alik ein heimbringst «. % ■.xt dem die P itenn(P Urih-'ll- oßUMP« Bog% der Ar� erden, m anbrnnj der P ugesiastb� ■m na in«> Beilage mm Berliner Volksblall. Nr. 23. Mittwoch, dm 28. Januar 1885. U. Jahrgang. CCIMfl irabjijjj S»; tändtej '% i-tbo� q ?i\ m H m ute,»f W' reo M am Uli Politische Nebersicht. Dt« Petition«m Einführung amtlicher«rbeittnach- «eise, welche vor einigen Tagen der PeiittonSkommisfion dri Nelchitages vorlag, geht von einem BreSlauer Arbeiter, ZiamenS RtiKmann, aui. Petent hat folgenden Gesetzentwurf vorge« schlagen! ...L l. Rom l. Januar 1885 erscheint in der ReichZdruckerei Mich eine L�ste, in welcher, sowett alS möglich, sämmtliche «ffenen Stellen in gan, Deutschland, nach den einzelnen©f werben geordnet, veröffentlicht werden. »- 3' de Ortskrankenkosse und jede Gefangenenarbeits- Use ist verpflichtet, ein Exemplar dieser Lifte zu hatten und im Geschtijtelolale den Arbeitsuchenden oder den zur Ent- lariung kommenden Gefangenen zur unentgeltlichen Einstcht vor« »uiegen. Ä 8 3. Die Rcichsdruckerei darf nur die Selbstkosten bei «nneffung des AbonnementSbetrages in Ansatz bringen und »ie Poftvcrwaltung hat die Spedition dieser Listen unentgeltlich tu besorgen. § 4. Alle Arbeitgeber werden im Jntereffe des Gemein- wohl« ersucht, all« ihre offenen Stellen unter näherer Angabe der Anforderungen und deS Gehalts der Reichidruckerel mittelst einfacher Postkarte zur unentgeltlichen Information einzu- »enden. _§ 5. Jährlich findet am 2. Januar eine amtliche Fest« stellung in gan, Deutschland darüber statt, wie vtel Stellen« ziAende ohne Aibeit find.______ � Der Beschluß der Kommisfion geht dahin, die Petition «m Kanzler als Material bei der gesetzlichen Regelung der Krage wegen Einrichtung von Arbeitsnachweisungsämtern zu überweisen. Die Regierungs-Kommiffare hatten fich dahin er- klärt, daß die Regierung diesem Gedanken bereits nahe ge> treten sei, doch dedürfe es einer eingehenden Untersuchung, be« vor an eine gesetzliche Regelung dieser wichtigen Frage her- angetreten werden könne. Doch könne die Regelung wohl nicht gut in der vom Petinten vorgeschlagenen Weise er- folgen: besonderes Material sei in j. der Petitton nicht enthalten. Di« neueste Erwerbung Deutschlands im nördliche« ®kftafrika wild jetzt auch von der„Times" bestätigt. Die verftschx Flopge wuide inmitten der franzöfischen Befitzungen ur.Sen gambien an dem neuendeckten Flusse Dubrecka aufge- W- Die„TimcS" spricht die Anficht au«, die neueste Flaggen« Mung in der unmittelbaren Nachbarschaft der franzöftschen "efitzungen sei die Antwort Bismarcks auf die Haltung Frank« retchs in der Kongofrage. Wegen Landesverraths schwebt nach einer B-kannt- «ochung des Ober-ReichSanwaftS v. Scckendorff gegenwärtig eine Untersuchung gegen einen Kaufmann Jarssens aus Lüttich und einen Geschäftsmann Knipper auS Birkerfeld. Bis zur rechtskräftigen Beendigung der Untersuchung, von welcher bis jetzt in weiteren Kreisen nichts bekannt geworden ist, ist daS Vermögen der beiden Angeschuldigten mit Beschlag belegt worden. . 3*#* Frankfurter Attentat schreibt der in Basel (Schweiz) erscheinende„Volkefreund":„Wir können heute un- «ere Nachricht bestätigen, nach welcher der in Hockenheim bei Mannheim verhaftete Handwerksgeselle, welcher auf einen ©ensdarmkn schoß und durch sein sonstiges Benehmen und die an seiner Hand brfindliche Schnittwunde den Glauben auf- kommen ließ, er sei der Mörder deS PolizcirathS Rumpff in Frankfurt a. M., thatsächlich bei einem hiefigen ehrbaren Schubmachermeister in Arbeit stand. Der Attentäter soll Ju- nus Adolf Lieske heißen, ist 22 Jahr alt und aus Zossen in Preußen. Er kam im Herbst von Genf nach Basel und fand hier Arbeit. Sein Meister schildert denselben als fleißigen und tüchtigen Arbeiter-, derselbe habe fich aber auch durch fein« Aeußeiungen und Schriften als Anarchist bekannt und dies scheint auch der Grund gewesen zu sein, daß er dea Meister, der diese Anstchten durchaus nicht dilligte, verlassen dat. Inwiefern nun Lieske mit dem Mord in Frankfurt in «erbindung zu bringen ist, dürste Sache der Untersuchung sein. Ob endlich Lieske der Untersuchungsbehörde in Mann- herin über seinen wahren Namen und sein Tbun Geständnisse gemacht hat, scheint ziemlich ficher, weil sein früherer Aufent- Sterbe« wir! (Aus dem Ungarischen des„Budapest! Hlrlap".) An dem Tage, an welchem ich 17 Jahre alt geworden wat ich vor meinen Papa hin und erklärte ihm, daß ich nun heiratben werde. Mein Papa legte seinen Hora, hin, in dem er eben ge- lesen, er nahm die Brille ab und stellte auch seinen Meer- schaumkopf bei Seite. In meinem Busen tobte und wühlte ein Sturm, ich ließ aber von der gewaltigen innern Bewegung nichts merken; ruhig und fest fügte ich zu meiner Erllärung hinzu: »Ich bitte um deinen väterlichen Segen." „Sofort, mein Kind. Aber, sag doch, mein lieber Sohn, «irst du dein Weib auch erhalten können?" „Welche Fragt! In unserm Selbstbildungsverein habe ich den Fünfdukatenpreis gewonnen, dann korrespondire ich für zwei Provln.journale, dazu die 15 Gulden monatlich Taschengeld von dir... „Na, dann Wn jch vollkommen beruhigt. Meine Einwilligung ist Dir gefichert, mein Sohn, aber doch unter einer Bedingung." Aha l dacht ich- nun wird der Alte mit seinem„Wenn und Aber" herausrücken. Kommt mir recht! Werde seine Gründe und Argumente zerfetzen, vernichten- Meine Seele dürstet nach Kampf mit der Elterntyrannet! O. wie werd' ich mein Leid in Versen bifingen 1 �„Diese eine Bedingung ist.... Hub Papa wie« „6, ich kenne fiel Weiß schon alle» I«in zu jung, ein paar Jährchen warten....' „Was fällt dir eint Warum nicht gar, zu juna l War doch de» MeßnerS Jarzfi drüben auch nicht älter, als er die Orzfi, unser Gänsemävchen, geheirathet." Dieser nicht eben vornehme Vergleich wirkte etwaS ab« kühlend auf mein Gemüth, doch rief ich sogleich eifrig: „Zweifelst du etwa an dn Echtheit meiner Gefühle? „Aber wie sollte ich I Meine Bedingung ist eine über- auS einfache. Ich wünsche bloß, daß du— aus der Mathematik ein„Gut" und nicht ein„Ger ügend" mir demnächst heimbringst." O, dieser prosaische Papa!— Wenn er doch wenigstens die Bedingung gestellt hätte, daß ich draußen im Thiergarten den Elephanten in Stücke reiße und mit Kartoffeln garnirt aufspeise(ich kann nämlich die Kartoffeln nicht ausstehen), halt in Basel konstatirt wurde.— An der Frankfurter Börse war heute das Gerücht verbrettet, der in Mannheim Verhaftete habe ein Geständniß abgelegt, indeß bestätigt fich diese Nach- richt nicht, wie glaubwürdig gemeldet wird. Doch steht man heute wichtigen Zeugenaussagen entgegen. London. Am Sonnabend wurde in der Nähe der Stadt ein der Tdeilnahme am Attentat verdächtiger Mann verhaftet und dem Polizeigericht in Bowstreet vorgeführt. Er gab an, Gilbert zu heißen, 23 Jahre alt und unter dem Namen Cun- ningham aus dm Vereinigten Staaten herübergekommen zu sein. Die Verhandlung wurde hierauf auf 8 Tage verschoben. Nach den von der Polizei eingezogenen Erkandtgungm stammt der Angeklagte auS der Grafschaft Cork; derselbe lebte fünf Jahre in Amerika und kehrte im letzten Herbst nach England zurück. Der Senat der vereinigte« Staaten von Amerika hat in seiner gestrigen Sitzung mit 63 gegen 1 Stimme eine von Bayard beantragten Resolution angenommen, in welcher der Entrüstung über die jüngsten in London stattgehabten Dynamitattentate und dem Abicheu vor derartigen Verbrechen gegen die Zivilisation Ausdruck gegeben wird. Hierdurch wird die Vermuthung bekräftigt, daß der Senat auch den geiiern erwähnten, von Edmunds eingebrachten Gesetz- entwurf über die Verhinderung und Bestrafung von Dynamit- verbrechen annehmen werde- Ueber den Inhalt dieser Vorlage, welche einem Ausschüsse zur Berathung übergeben ist, liegen heute der„Voss. Zett." einige genauere Mittheilungen vor. Danach bestimmt die Vorlage,„daß eines Verbrechens schuldig erachtet und nach geschehener Ve'rurtbeilung bestraft werden soll jede Person, welche auf dem Gebiete der Vereinigten Staaten Explofionsstoffe fabrizirt, kauft, verkauft oder zu- lammensetzt mit der Adficht, fich derselben auf irgend einem Parkte der Vereinigten Staaten oder irgend eines anderen Landes zu bedienen, um öffentliches oder privates Eigenthum zu beschädigen oder zu zerstören, einer oder mehreren Personen in den Vereinigten Staaten oder in irgend einem anderen Lande einen Schaden zuzufügen, oder endlich Vernichtung von menschlichen Leben herbeizuführen- In gleicher Weise find die- jenigen st-ofbar, welche Kenntniß davon hatten, daß die exolo- dirdaren Mischungen dazu bestimmt waren, anderen Personen zu dem vor bezeichneten Gebrauche zu dienen, ohne davon An- zeige zu machen. Endlich bestimmt die Vorlage, daß jede Person, welche zur Vollendung derartiger Verbrechen bei- trägt, wie die Urheber selvst behandelt und bestraft wer- den soll._ MrwueMrisckes. — Der Petttionskommis sion lag beute eine Peti« tion vor wegen„unbeschränkten Zutritts der Wähler zu den Zubörerräumen des Reichstage i". Es wurde dabei die Anordnung des Prästdenten des Reichstages zur Sprache gebracht, durch welche selbst den Besuchern der Abgeordneten- löge Zutritt nur mittelst Einlaßkarte gewährt wird. Die Peti- tionskommisston stimmte darin überein, daß dieser Modus eine Belästigung der Abgeordneten sei- Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt, doch dürfte dem Präfidenten der Wunsch nahe ge- legt werden, diese Anordnung wieder fallen zu lassen. — Vom Abg. v. E ch a l s ch a ist der Abänderungsantrag zu dem Entwurf« des PostsparlassengesetzeS einge- gangen: Die Kommisston wolle beschließen, den§ 2 zu fassen: Die Annahme der Spareinlagen erfolgt bei allen Postanstal« ten, welche von einer bereits bestehenden öffentlichen Sparkasse wenigstens 5 Kilometer entfernt find. Die Befugniß einer Post- anstatt zur Annahme von Spareinlagen erlischt, sobald im Umkreise von 5 Kilometern eine andere öffentliche Sparkasse er- richtet wird. — Der Abg. Letocha(Zentrum) hat im Abgeordneten- bause folgenden von schlefischen Abgeordneten der anderen Frak- tionen unterstützten Antrag eingebracht: Das Haus der Ab- geordneten wolle belchlirßen, die StaatSregierung aufzufordern, em Landtage— womöglich noch in dieser Sesston— einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher zum Gegenstand hat: 1. Die Sch ffbarmachung auch deS oberen TheileS der Oder von der Neiss«, Mündung zunächst bei Kofel stromaufwärts; 2. die Herstellung einer leistungsfähigen Wasserstraße von der Oder bei Fürstenberg ausgehend nach der Oberspree bei Berlin. freudig wär ich drangegangen I Mir eine solche Bedingung! Mir, der ich mich darauf eingerichtet hatte, mit Greif und Drachen, mit Höll und Teufel um meine Liebe zu ringen. Offenbar— der Alte will fich lustig machen über mich! „Vater! T eib nicht Spott mtt den Gefühlen deines SohneS! Ein Mann steht vor dir, Vater, hörst du, ein Mann, der entschlossen ist, dem Sturm und Drang deS LebenS muthig die Elim zu bieten!" „Vortrefflich, mein Sohn. Aber von meiner Bedingung kann ich nicht lassen. Gott bewahre, daß ich frivolen Spott treibe mit dir, Mein Kind! Allein, du mußt ja selbst ein- sehen, daß du mtt einem„Genügend" auS der Mathematik unmöglich heirathm kannst. Und om Ende könnts ja auch paifiren, daß du gar einen„Zweier" bekommst. Es ist AlleS möglich auf der Welt! Glaubst du, daß deine Llebe würde das Weib eine» durchgefallenen Studenten werden wollen? Andererseits hast du mein Wort, daß, wenn du ein„Gut" aus der Mathematck heimbringst, ich dein Taschengeld von fünfzehn auf zwanzig Gulden monatlich erhöhe." �-X. WaS war zu machen? Ich mußte mich füaen."Einen Vulkan im Busen, stürmte ich Nachmittags in das Gymnafium. Es war gerade Mathematikstunde. Ich natürlich hatte waS Anderes zu thun, ich schrieb während des Vortrages an meine AuSerwählte, um ihr das Ergehniß der Unterredung mit Papa mitzutheilen. Seldstoerständlich verschwieg ich ihr die fatale „Bedingung". Ter Professor, der auch sonst einen„Pik" auf mich hatte, gewahrte meine Zerstreutheit und kaprizirte fich darauf, von mir etwaS näheres über die Logarithmen zu erfahren- Denique: „Futsch" war das„Gut", ich bekam einen„Zweier". Nun wars auS! Die ganze Welt büllte fich in nächtliche Schatten. Ein behagliches Gefühl des Unglücklichseins erfaßte mein innerstes Wesen. AlS ich nach der Schule daheim an- gelangt war, schmeckte mir nickst»; ich stieß die mir vorgesetzte erste Tasse Kaffee weit von mir, sonst hatte ich bei der dritten noch nicht genug. Draußen am Teich wollte ich mein Lerd dem säuselnden Zephir anvertrauen. Der Zephir säuselte in der That. dle Fösche quakten ihren Abendgesang und von der grü- nen Au drüben würden die berauschenden Weisen einer Hirten- flöte zuverläsfia herübergeklungen haben, wenn fich nicht just 8 an, in der Nähe ein Vaterlandsoertheidiger in den Exerzier- gnalen auf der Trompete eingeübt hätte. Als eS bereits ganz dunkel geworden, kehlte ich in schwär- merijcher Stimmung, den großen Weltschmerz im Busen, in die Stadt zurück, zu— ihr, der Angebeteten. z»rl»mMsberickte. Deutscher Reichstag. _ vom 27. Januar. 1 Uhr. Am Tische deS Bundesrates LuciuS, v. Burchard u. X. Die iw-ite Berathung des Etat« der Zölle und Verbrauch». steuern wird mit dem Trlel„Brandweinsteuer" fortgesetzt. Es liegen hierzu zwei Resolutionen vor, I. vom Abg. Dr. Buhl„die verbündeten Regierungen zu«.suchen, dem Reichs-- tage mit möglichster Beschleumgung einen Gesetzentwurf über Erhöhung der Branntweinsteuer vorzulegen, in welchem die Jnter-ffen besonders der kleinen landwirihschastlichen Brenne» reien eine entsprechende Berückfichtlgung finden"; und 2. vom Adg.Uhden:„denHerrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß für das am 1. September 1884 begonnene Be- triedSjahr bis dahin 1885 die Frist für die Entrichtung der Branrtweinsteuer von sechs auf neun Monate verlängert werde." Referent v. W e d e l l. M a l ch o w: Die Budgetkommisfio« entpfi.hlt Ihnen die Bewilligung der Position(36,527,000 M. Einnahme), gegen die rechtsmäßig nichts zu erinnern ist. Zu- gleich bringe ich in ihrem Auftrage zu Ihrer Kenntniß, daß der Vertreter der verbündeten Regierungen die an ihn in der Kam- misston gerichtete Frage, ob fie fich mit dem Gedanken einer Reform der Branntweinsteuer beschäftigten, verneint hat. Die beiden Resolutionen lagen der Kommisfion nicht vor. Abg. Dr. Buhl: Die bedeutende Steigerung der Mainkalardeitrage, welche die Einzelstaaten, anstatt ihnen Steuererlasse zu ermöglichen, zu Steuererhöbungen zwingt, legt mehr als je die Erwägung nahe, ob e» nicht endlich an der Zeit ist, auS dem Branntwein höhere Erträge als bisher für das Reich zu erzielen. Allgemein ist anerkannt, daß der Branntwein ein sehr geeignetes Steuerobjekt ist. Frankreich bat aus der Besteuerung deS Alkohols jährlich 246 Millionen Marl Einnahmen; England 520 Millionen: Rußland gar 900 Millionen; die kleinen Niederlande 47 Millionen, also mehr als dle ganze norddeutsche Branntweinsteuer-Genoffea- sckast mit ihren 36 Millionen; die Vereinigten Staaten 331 Millionen. Wenn ich nicht einzelne bestimmte Detailvorschläge gemacht habe, w e zu veifahren sei, so ist es darum geschehen, weil selbstveiständlich bei der Besteuerung eines wichtigen Konsumartikels, der gleichzeitig mit seiner Produktion eine so dedeutende Rolle in den Erweibsverhältnissen großer Distrikte spielt, nur mtt dem sachverständigsten Urtdeil geprüft werde« darf, ob und in welcher Weise eine Erhöhung durchführbar ist. Fragt man nun, wie mit dieser Schonung eine Erhöhuna der Branntweinsteuer. Erträge vereinbar sei, so find hier ver- schieden« Wege gegeben. Die jetzige Steuer wesentlich ,« erhöhen, erscheint bedenklich. Gegenwärtig aber hat man_ nur die Möglichkeit, die jetzige Maischraumsteuer beizubehalten und eine Zusatzsteuer dazu«inzuführen, und zwar so, daß auch die süddeutschen Staaten auf demselben Weg« folgen können, und das Mißverhältniß in den Einnahmen auS dem Branntwein zwischen Süd- und Noiddeutschlmd möglichst ausgeglichen werde. Was die Fiage betrifft, wie fich die In- tereffen der Konsumenten zur Steuererhöhung stellen, so gebe ich dem Reichskanzler gern zu, daß der norddeutsche Arbeiter �r Ei Haltung seiner L-iftungsfähigkeit ein gewisses Q uantum Alkohol nöthig hat; aber es kommen in England auf den Kopf jahrlich 3, in Frankreich 5, in Rußland 5—6, in Norddeutsch- lanv aber 9 Liter Branntwein, so daß der norddeutsche Kon- sum relativ bei weitem der giößte in ganz Europa ist. Würde er durch eine höhere Besteuerung auch etwaS herabgedrückt, so wäre da» kein große» Unglück. Nach einer statistischen Erhe- dung in England verursachte der übermäßige Genuß geistiger Getränk«'/,» aller Armuth,'/« aller Verbrechen und der Verwahrlosung der Kinder. Man muß daher keine Mühe scheuen, wenn es fich irgend durchführen läßt, auS dem Alka- hol höhere Steuererträge zu erzielen. Darum bitte ich Sie, meinem Antrage zuzustimmen.(Beifall links.) Abg. Uhden: Die Landwirthschaft ist in den letzten Jahren noch wesenttich ungünstiger fituirt, als fie eS schon vorher war. in Folge des Rückgangs der EpIrituS-Jndustrie. Die Kartoffelpreise find exorbitant gesunken, der Zentner wird in den Brennereien nur noch mit 60—70 Pf. verwerlhet. Mein Antrag auf Verlängerung der Kreditfristen für die Branntwein- Industrie ist daher noch viel gerechtfertigter, als es der gleiche Antrag deS Grafen Hacke für die Zucker-Jndusttte ist. In dem Antrage Buhl vermisse ich jeden pofitiven Vorschlag; er «mm—— rn Sie war gerade bei ihren Phyflkaufgaben. Mama saß im R-bengemache auf dem Kanapee und strikte; Schwester Aurelie übte„Das Gebet einer Jungfrau" auf dem Klavier. In feierlicher St mmung setzte ich mich zu meinem himmlische« AnncKen hin. Mama meinte wohl, ich helfe ihrer Tochter bei den Pbysikaufgaben. Verstehe selbst nichts davon. Wir hatten viel Wichtigeres zu thun. Ich legte meiner Angebeteten die Hoffnungslostgkeit unster Lieb« dar und ich sagte ihr, daß ich fie anbete, daß aber Papa und der Mathematikprofeffor fich gegen unser Glück verschworen haben, daß uns nichts übrig bliebe, als— miteinander zu sterben I Die Idee schien ihr sehr zu gefallen. Meine Angebetete ist sehr belesen. Indessen meinte sie, daß fie vorerst doch die Prüfung ablegen müsse; es sei denn doch weit bübscher, mit einem guten Schulzeugnisse in die Ewigkeit hinübcrzupilqern. Dagegen konnte ich wohl nichts Vernünftiges einwenden. Eben- sowenrg gegen den weiteren Wunsch, vorher noch, ehe wir sterben, den Sommerball der Juristen mitmachen zu dürfen. Es war der erste Ball, den die Göttliche besuchen sollte. „Dann aber, dann— sterben wir zusammen!" stüsterte mir die Holde seelisch verklärt zu—„schau nur, daß du dir einen recht schönen Tod ausstudirst!" Ich ging von bannen, ernst, finster wie daS Gespenst aus dem skandinavischen Sagenreiche. Die kurze Spanne Zeit, dt» mich von der Ewigkeit trennte, füllte ich mit der dichterischen Berewtguna meines Erdenjammeis aus, ich schrieb Verse zu Hause:..An Sie!"„Sie!"„An Aennchen!"„Ja Annas Stammbuch!"— strotzend von Todesahnungen, triefend vo« tiefempfundener Verzweiflung.,, Annchen schluchzte bitterlich, als fie diese Verse las. aber daS schadete ihrem blühenden Aussehen nicht im mindesten: auch machte sie eine glänzende Prüfung, was meine durch den „Zweier" erschütterte Seele noch tiefer beugte. Es krm endlich auch der Juristenball heran, so gegen End« Juni. Annchen sah piäcbtig auS in rhrer schneeweißen Krepp- robe, mtt den frischen, weißen Blüthen rm rabenschwarzm Haare. Ein ganzer Hof von An belern umkreiste die Holde, fie tanzte, lachte und schäkerte in einem fort. „Wie fich ver Engel zu verstellen weiß I" dachte ich dort in einem enttegenen Winkel, von wo auS ich die Angebetete be- obachtete.„Wie fie, garz Leben, ganz Frohfinn, dahettchwebt! Niemand ahm die über ihrem unschuldoollen Haupte schweben» den Schatten des TodeS." Ich trat auf fie zu. „Sie find guter Laune, Amnchen?" fragte ich fie dumpfen Tone«. hat mit kein«m Wort gksaat, wie er die kleineren Lretinmien schonen will, wenn die Branntweinsteuer erhöht wird. Die Einsühninx einer Fabrikatsteuer beim Zucker beruht auf ganz anderen Gesichtspunkten, als beim Branntwein, zwischen beiden aiebt es keine Analogie. Ganz unrichtig ist es endlich, wenn Ab. Buhl behauptet, daß dem Branntwein eine Exportprämie gezahlt werde. Staatssekretär v. Burchard: Der Herr Referent hat meine in der Budgetlommisfion abgegebene Erklärung nicht ganz richtig wiedergegeben. Ich habe nickt gesagt, daß die Regierungen die Branntweinsteuersrage überhaupt nicht er- wogen hätten, sondern nur. daß dies in der jüngsten Zell nicht geschehen sei. Was den Antrag Buhl detrifft, so wäre es ja allerseits erwünscht, wenn aus dem Branntweinkonsum höhere Erträge für das Reich gewonnen werden könnten. Schwierig ist nur der Weg zu finvm, auf dem man dahin gelangen könnte; und ich kann Ihnen noch nicht sagen, welchen Weg die Reichsregierung einschlagen wird. Jedenfalls werden wir die Resolution, wenn ihr das Haus zustimmt, in eingehende Erwägnng nehmen. Von dem Antrag Uhden gilt dasselbe wie von dem gestrigen Antrag Hacke; ich glaube nicht, daß er in der jehigen Form bleiben kann. Entweder hat der Bundesrath über die Kreditverlängerung zu entscheiden; dann muß auch das Ersuchen an ihn gerichtet werden,— oder die Entscheidung kann nur im Wege der Gesetzgebung geschehen; dann müßte der Antragsteller in der Kommisston einen entsprechenden Ge- fetzentwurs als Initiativantrag ausarbeiten, zu welchem, wenn ihm dos Haus zustimmt, die Regierung Stellung zu nehmen hätte. Ich habe sodann nur noch die auch heute wieder vom Abg. Buhl aufgestellte Behauptung als unrichtig zu be- zeichnen, daß nämlich beim Branntwein Exportprämien gezahlt würden. Wenn Prämien gezahlt würden, so müßten dieselben steigen mit dem wachsenden Export, und das müßte sich als Ausfall in den Einnahmen aus der Branntweinsteuer bemerk- bar machen. Dies ist aber keineswegs geschehen; wir hatten 1883/4 die bither höchsten Retto-Einnahmen aus der Brannt- weinsteuer, obwohl in demselben Jahre auch di- höchsten Rück- Vergütungen gezahlt wurden. Der Nettoertrag ist nicht zurück- gegangen trotz des Eteigens des Expotts, und trotzdem, daß nicht nur für den exportirenden Branntwein, sondern auch für den zu gewerblichen Zwecken denaturirten Spiritus die Steuer zurückgezahlt wird. Von Branntwein-Expottprämien kann danach keine Rede sein. Abg. Dirichlet- Die Beweisführung des Herrn Staats- sekretärs bezüglich der Exportprämien hat meiner Anficht nach eine Lücke. Er hat gesagt, wenn der Export zunimmt und zugleich auch die Steuer wächst, so ist der Beweis erbracht, daß Exportprämien nickt gezahlt werden. Aber es kommt doch vor- her in erster Linie darauf an, ob der Export in demselben Maße zunimmt wie der innere Konsum. Dieser Nachweis ist nicht geführt worden. Das einfache N'chtzuiückgrhen der Netto- einnahmen beweist gar nichts.(Widerspruch rechts.) Dem Buhl'scken Antrage stehe ich in mancher Beziehung sympathisch gegenüber. Nur glaube ich, daß man die Voitheile, welche die Branntweinbrennerei der Landwirthschaft bringt, nicht über- schätzen sollte. Rechnen Sie nur zusammen, was durch Ver- mehrung der Armenlast in Folge übertriebenen Branntwein- genuffes, durch schleckt geleistete Arbeit und schlechte BeHand- lung des Viehes der Landwirthschaft an Schaden entsteht. Man kann über die Frage, wie diesem unmäßigen Branntweingenusse zu steuern sei, verschiedener Ansicht sein. Ich glaube, daß sich als das einzige wirksame Mittel die Erzeugung dilligen Bieres erweisen wird. Eine Aenderung der Zollgesetzgebung in diesem Sinne dürfte am meisten zu empfehlen sein. Was nun die Form des Buhlschen Antrages anbetrifft, so muß ich mich gegen dieselbe erklären. WaS den Uhdcnschcn Antrag betrifft, so habe ich gestern bereits klar gelegt, daß derselbe kommen mußte. Herr Uhden hat zur Begründung sein«» Antrags auf ganz exzeptionelle Zustände in den Brennereidetricbcn hinge- wiesen. Ick glaube indessen, daß ihm die Beweisführung für seine Behauptungen nicht gelungen ist. Wenn wirklich die Lage der Branntweinbrenner so schrecklich ist, daß Sie die Kartoffeln nur mit 60 Pfennigen pro Zentner verwerthen können, warum verfüttern Sie dieselben nickt direkt, wie das die kleineren Besitzer thun müssen? Ein billigeres Futter als den Zentner Kartoffeln zu 60 Pfennigen können Sie doch wirklich nicht bekommen. Es ist sodann noch gesagt worden, daß die Zuckerindustrie durch die Beibehaltung der Steuer- gesetzgebung, welche in den sechziger Jahren für dieselbe wohl am Platze gewesen sei, zu der Ueberproduklion gelangt ist. Das war genau das, waS ich gestern ausgeführt und wogegen die Herren rechts und auch die Herren am Bundesrathstische so lebhaft polemistrt haben. Die Frage, ob wir eS bei der Ausfuhrvergütung mit Exportprämien zu thun haben, will ich hier nicht erörtern;«S laffen sich eben so viele Gründe dafür wie dagegen anführen. Ader wenn der Beweis gescheitert ist, daß dir Branntweinbrenner sich meiner weit schwereren Nothlage be- finden, als die übrigen landwirthschaftlichenBetriede�so ließe sich mtt gleichem Rechte, wie hier von dem Abg. Uhden eine weitere SteuerkreditirungSfrist für Branntweinbrenner verlangt wird, auch die Forderung ausstellen, den sämmtlichen Landwirthen „Wie Sie sehen, ich amüsire mich ausgezeichnet." „Darf auch ich um eine Tour bitten?" flüsterte ich mit ruhigem Lächeln. „Nur die vierte Hab ich frei." „Gut! ich nehme sie' vergessen Sie aber nicht..." „O, gewiß nicht, aber bleibe« Sie nur hübsch in der Nähe." „Nicht das wüste Tanzvergnügen meine ich, daS selige Sterben, Anna!" Sie hatte mich nicht mehr gehört, da sie just zu Mama hinlief, um sich den derangirtcn Blumenschmuck ordnen zu lassen. Es kam die vierte Tour. Mtt wonnigen Schauern um- schlang ich die Geliebte und begann die ungeübten Beine im Takt des„Dreischritts" zu bewegen. Anfangs gingi leidlich' doch plötzlich... Der storchdeinig« Muckt brauste mit seiner Tänzerin an unS vorbei, ich verwickelte mich in sein Gehwerk und— da lagen wir beide, nämlich ich und Aennchen, unter heillosem Lärm und Geschrei wie ein Knaul auf dem Tanz- doden Todtcnbleich suchte ich meine Tänzerin aufzurichten, sie weinte jämmerlich, sie hatte sich dm kleinen Finger der linken Hand venenkt. Mama riß mir die Weinend« auS dem Arm. „Wie kann man nur so ungeschickt sein!" stotterte Annchen schluchzend. „Machen Sie sich nichts aus den kleinen Leiden dieser nichtsnutzigen Erdenwelt, trennen unS doch nur wenige Tage noch von jenem wett ernsteren großm Sturz, dem Sturz in des Todes bodenlosen Abgrund." „Ach was I Schwatzen Sie mir doch nichts von solchen Albernheiten." Ich taumelte vernichtet zurück. Schwätzen! Albernheit I So war ei mir noch nie von diesm Purpurlippcn erklungen. Also Fräulein belieben nicht sterben zu wollen!— Auch gut! Dann werd' aber auch ich nicht der Narr sein— allein zu sterben. Ich ließ die Treu- lose auf dem Flrck stehen, ging hinaus frische Luft schöpfen. Unerhört! Mich so im Stich lassen! Ich hatte mich schon so vortrefflich in die Jammerstimmung dineingelebt, mich dem wohlthuendm Gefühl der Verrweiflung schon so ganz erpeben! Nun find auch alle meine Verse„für die Katz". Der Teufel hole die ganze Geschichte. Die Romantik ist hin, ich bin nicht mehr der unglücklich Liebende, bin ein simpler durchgefallener Student. DaS ist zu fad! Gnrnd- und Personalsieuer u. f. w. auf neun Monate zu kce- ditire". Freilich würden wir dann zu sinanzwirthschaftlichm Zuständen gelangen, die nickt haltbar sind Gemäß meiner gestrigm Stellungnahme zu dem Antrage Hacke werde ich auch beantragen, den Uhden'schen Antrag an die Budgetkommijston zu verweisen- Für mich allerdings liegt die S-che so klar, daß ich denselben schon& limine zurückweisen könnte. Abg. Fürst Hatzfeld: Ich habe mich gefreut, daß ein Antrag wie der des Abg. Buhl, dem ich durchaus sympathisch gegenüberstehe, uns aus Eüddeutsckland entgegengebracht wird. Wir hatten deretts den Antrag auf eine Enquete gestellt, der indeffen nicht zur Verhandlung gekommen ist. Eine Veitheue- rung des Branntweins halte ich aus ethischem Interesse für gebotm. Schon Luther sagte, daß jedes Volk einen Teufel befitze, der Teufel des Deutschen aber sei der Saufteufel. Nun will ich Niemand einen Schnaps zur rechten Zeit verargen.(Widerspruch rechts und im Zentrum.) Ich bin kein Temperenzler. Aber wenn ich sehe, wie im Osten namentlich der Branntweingenuß zunimmt, so sage ich und wohl Sie alle mit mir, daß unsere Bevölkerung zu Grunde gehen muß, wenn nicht aus dem Wege der Gesetz- gebung gegen die Trunksucht eingeschritten wird. Aus meiner eigenen Praxis(Zuruf rechts)— ich bin sehr gern bereit, mtt Herrn v. Massow zusammen zu trinken, ich bin kein Tempe- renzler— kann ich bestätigen, daß von Acbcitem der beiden Zuckerfabriken meines Heimathsortes oft schon früh am Mar- gen ein Thetl trunken zu sehen ist, die während der Nacht- arbeit die Branntwcinschänkcn aufgesucht haben. Und als Amtsvorsteher habe ich die Erfahrung gemacht, daß Schulkinder im Alter von 9 bis 10 Jahren sich gegenseitig mit Brannt- wein trunken gemacht haben, um sich, wie sie sagten, ein Ver- gnügen zu machen. Es hat nichts geholfen, daß die Genehmi- gung zur Errichtung von Schnapsschänken von der Bedürfniß- frage abhängig gemacht ist. Wenn die Resolution Buhl mit großer Mehrheit angenommen wird, so wird sich ja jedenfalls die Regierung eingehend mit der darin angeregten Frage be- schäftiaen.(Beifall rechts.) Minister Dr. Lucius: Allerdings haben sich Zucker- und Spiritusindustrie nach ganz natürlichen Bedingungen ent- wickelt, aber den ganz besonderen Einfluß des Steuermodus auf diese Entwickelung wird gleichwohl Niemand in Abrede ' stellen. Darin liegt nicht das Prinzip der Exportprämie, son- dein die Bonifikationen find immer in ein ungefähr richtiges Verhältniß zu der gezahlten Steuer gesetzt worden. Beim Spiritus spielen sie nicht dieselbe Rolle wie beim Zucker, und zwar aus dem Grunde, daß dem SpirttuScxoort nach andern Ländern die Tbüren verschlossen find. Wenn wieder auf die Fabrikatsteuer hingewiesen ist, so möchte ich darauf aufmerksam machen, daß Bayern erst vor wenigen Jahren unser Steuer- system adoptirt hat und mit günstigem Erfolg für den Fiskus und für die Landwirthschaft. Sodann muß noch ein Punkt hervorgehoben werden. Die Fabrikatsteuer wird unsere ganzen Produktionsverhältnisse verschieben. Jetzt zumal, wo die Zuckerindustrie sich so wenig rentabel erweist, wird sich eine Brennerei auS Rüben im großen Umfange entwickeln, die für die kartoffelbautreibenden Gegenden des Ostens von bedenklicher Folge werden dürfte. Man sollte also nicht kurzer Hand über diese Fragen ein Urlheil fällen. Mir liegt eine Denkschrift des Vereins der Spiritusindustriellen vor, auS der sich ergiebt, daß der Preis für absoluten Alkohol auf 42 Mark per 100 Liter, also 13 Mark unter dem Durchschnittspreis der letzten Jahre, gesunken ist. Die Kartoffeln haben nur einen Werth von 55 Pfennig per Zentner. DaS find Sätze, bei denen die Landwirthschaft nicht bestehen kann. Ich resumire mich dahin: die Regierunzen werden Anlaß nehmen, die ihr gegebenen Anregungen sachgemäß zu prüfen- Wenn Herr Dirichlet gesagt hat, er könne nicht begreifen, wie die Interessen der Spiritusbrenner mit denen der Gesammtland- wtrlhschaft zusammengebracht werden könnten, so erwidere ich, daß in allen landwirthschafrlichen Fragen nicht ein Moment ausschlaggebend ist, sondern eine Summe von Momenten. Wenn eine oroße Zahl von Betrieben, die Spiritusbrennerei betreiben, in eine Nothlage gcralhen ist, so ist es klar, daß davon die gesummte Landwirthschaft betroffen wird. ��Abg. K o p f e r: Von den badtschen, württembergischen und bayrischen Fabrikanten wird eS als ein großer Uebelstand empfunden, daß von Lack, Firniß, Glasuren und Parfümerien wenn diese Fabrikate mtt Spiritus versetzt sind, bei ihrem Uebergang über die Eteuergrenze die Branntweinausgleichsab- gäbe erhoben wird. Sie haben sich wiederholt darüber be- schwelt und darauf verwiesen, daß nach dem Gesetze vom 5. Juli 1879 Spiritus zu industriellen Zarecken von der Steuer freibleiben soll. Schließlich haben mehrere Handelskammern, z. B. die von Mannheim und Stuttgart, eine bezügliche Be- schwerde an den BundeSrath gerichtet, bisher aber keine Ant- wort erhalten. G-h. Regierungsrath B o c c i u s: Die Petition, von der der Vorredner gesprochen, ist der Regierung zugegangen; der- selben wird die eingehendste Erörterung zu Theil werden. Abg. von Swalscha: Zunächst muß ich dem Herrn Minister meinen Dank dafür aussprechen, daß er wiederum Veranlassung genommen hat zu erklären, daß er die landwtrthschastiichen Interessen den fiskalischen vor- ziehen werde. Der Abg. Dirichlet hat an dieser Erklärung Anstoß genommen, indem er sie dahin auslegte, daß die Gesammtmteressen den landwirthschaftlichen nachgesetzt werden sollen. DaS heißt doch dem Sinne der Worte Gewalt anthun. Die fiskalischen Interessen find die des Fiskus, den wir alle als ein nothwendigcs Uebel ansehen, denn er z'eht unsere Steuern ein und die zahlt Niemand gern; das Gesammtintereffe aber ist etwas, was jeder von unS gern gefördert sehen möchte. Den Antrag Buhl halte ich für sehr beherzigenswerth. Der Abg. Buhl hat diese Steuer mtt der Trunksucht in Zu- sammenhang gebracht. Wir haben durch die Novelle zur Ge- werbeordnung vom Jahre 1883, welche der Zügellofigkett des SchankgewerveS gewisse Schranken setzt, die Trunksucht einzu- schränken versucht. Ader waS nützen alle gesetzlichen BorsicktS- maßregeln, wenn sie thatlächlich nicht angewendet werdm? Der Gesetzentwurf gegen die Trunksucht, der im vorigen Jahre hier eingebracht worden ist, ist schlafen gegangen. Der Bundesrath hat unS auch ein Mittel gegen die Trunksucht beschränkt, das- jenige, das wir in unseren geistlichen Orden hatten; waS die- selben in dieser Richtung geleistet haben, ist ja bekannt. Zum Schlüsse bitte ich, den Antrag Uhden an eine Kommisston zu verweisen. Abg. Heine(Soz.): Ich möchte die Frage: giebt eS üder- baupt noch kleine Brennereien? entschieden verneinen. In meiner Jugend gab eS noch eine Anzahl kleiner Brennereien, welche ebnen guten KornschnapS brannten: seit Einführung der Maischfteuer find sie aber nicht mehr konkurrenzfähig gewesen. Man sagt: Der Kartoffelbranntvein sei ebenso gut, wie der«ornbranntwein; daS glaubt aber lein Mensch. Wenn durch Einführung der Fadrikatstruer die kleinen Brenne- reien wieder möglich gemacht weiden sollen, so könnte das nur auf Kosten deS Konsumenten geschehen. Die Konsumenten aber sind daS arbettende Volk und die untersten Stufen der arbeitenden Bevölkerung. Wo die große Masse in Armuth ist, da wird auch am meisten Schnaps getrunken; ich verweise hierfür auf die östlichen Pro- vinzen. Namentlich find die ländlichen Arbeiter dem Trünke ergeben, denn seit einem Mcnschenalter hat sich die Lrae dieser iWAM« Der das Land von sich abhängig zu mache». höhere Steuern werden Sie den übermäßigen C SchnapseS nicht einengen, auch nicht durch geistliche dergleichen Mittel, sondern nur durch Hebung ver_ Volkes im Allgemeinen. Wo das Volk sich befähigt W fühlt, wird auch der Schnapsgenuß mehr und nicht verschwinden, so doch auf das natürliche Maß Ich erkläre mich gegen die gewünschte KreditgewÄ kleine Mann muß seine Gewerbesteuer bezahlen, und sie nickt bezahlt, dann kommt der Exekutor und pf° aus. Warum sollen wir hier Rücksicht wallen lasse»! Abg. Dirichlet: Dem Abgeordneten v. 66« widere ich: mit welchem Recht wollm Sie einen Bruchtheil der Bevölkerung fördern, indem Sie die heit der Steuerzahler belasten? Könnten Sie denselben ohne diese Belastung, so wüiden wir uns freuen., Widerspruch in sich selbst, auf der einen Seite zu müssen der Landwirthschaft helfen, weil sie die große Ä des Volkes bildet, und dann wieder: wir müssen der Minderheit helfen, weil sie die Minorität ist. De« Lucius entgegne ich: der Begriff der Land zahlt keine Steuer, sondern die betreffenden Landwirt»' daher muß ich nach wie vor behaupten, daß etwaS Maß der Landwirthschaft zu Gute kommt, als eS da' ber Landwirthschalttreibenden zu Gate kommt. Eoda«"' gefährlich, die Interessen der Branntweinbrenner 0s der Landwirthschaft zu iventifiziren. In der Etablin>«> großen Brennerei liegt für den kleinen Grundbesitz«? reiz, den Kartoffelbau über daS natürliche Maß aair und durch zu große Ausdehnung deS Bodens denselbr«' kräften.. Abg. v. Kardorff: Der Abg. Dirichlet hat k«? die Existenz einer Branntweinexportprämie nachweise« Der innere Konsum bewegt sich stets auf ziemliäl� Niveau; nur der Export ist gewachsen; und wenn wohl kein Ausfall in den Steuererträgen ergeben weist das, daß eben keine Prämie gezahlt wird.@ii*-j Zucker- und Brennerei- Industrie ist für den$#»*! Landwirthschaft absolut nothwendig; der Brennereib� mentlich auch für die ärmeren Gegenden und zn)«?! mit Rücksicht auf den Kartoffelbau, sondem vornebinZ, der damit verbundenen Verwendung von Arbeiisji® handelt sich hier um die LebenSintereffen für große, schichten. Die Herren, welche der deutschen LandwirM» extensiven Betrieb anrathen, welche unS auf die Viebwirthschaft verweisen, sollten doch bedenken, schränkung der Landwirthschaft auf diese Betriebe ifu tuktion der ländlichen Bevölkerung auf ein Viertel ira Bestandes führen müßte. Damit sind erhebliche nsirtflS und politische Gefahren verbunden. Wo würde d«*2 unsere Armee bleiben, wenn man dafür nicht mehr% Burschen vom Lande zur Verfügung hätte, die durch Pg von Jugend auf für den Kriegsdienst gestählt find;«?, man lediglich auf die zum großen Theil schiefbe� krüpplige städtische Bevölkerung(Oho! link»)«� wäre? Will man also die Einnahmen auS dem»fv erhöhen, so muß daS jedenfalls in der Weise die Landwirthschaft nicht noch weiteren Schaden lew� Nachdem die Ab�g. Buhl und Uhden not für ihre Resolutionen eingetreten, wird der Tii» und der Antrag Uhden der Budgetlommisstun lieber den Antrag Buhl wird erst in der dritten M«** stimmt werden. s.J Auch der T-tel 6(Brausteuer und Uebergang»««� Bier) wird bewilligt; ebenso die Aversen. Es folgen Berichte der Wahlprüfungskom«"!� Buderus und v. Carlowitz werden ohnt' Erhebungen veranlaßt werden, bevor das HauS P Giltiakeit schlüssig macht. 1 Abg. Ackermann referirt im Auftrage j schäftsordnungskommission über die Frage der Q des Mandats des zum außerordentlichen Professor.? bisherigen Privatdozenten Abg. Dr. Delbrück. D«'", hat befunden, daß daS Mandat durch die Ernennu»! loschen sei; daS HauS beschließt demgemäß.. i Schluß 4«/« Uhr. Nächste Sitzung Ä i t t w (Antrag Junggreen, betreffend die dänische sprach«, dritte Berathung des Antrags WinvthAS Aushebung de« ExoatriirungsgesetzeS. Anrrag treffend die Aufhebung deS eljaß loihcingische»- Paragraphen.) , sregrerunl der Etalsanscl /die Zunahme l zumal die Zu lheblich übersch Abg. Sc Zölle auf alle form der Ber »on 2 pCt. d befitzer drücke, mangU und' baldigst wie de v Abg. Gl der Hüttenver Rückgänge de die Prövuktio erhöht werder Abgeordnetenhaus. 9. Sitzung vom 27. Januar 1885, H Am Regierungstisch Maybach und Kommiss��J Eingegangen ist 1. die Ueber ficht der von rung gefaßten Entschließungen auf Anträge und ZK! des Hauses der Abgeordneten aus der Session lo�l Antrag Letocka, betreffend die SchissoarmackunS Theiles der Ooer und die Herstellung einer W*ßw der Oder bei Fürftenberg nach der Oberspree be> Rechnungen der Kasse der Ober-Rechnungskammer und 4. Bericht über die bisherige Ausführung rl munaen oeisckiedtn-r Gesetze über dm Erwerb eisenbahnen für den Staat...j< Das Haus setzt dte zweite Berathung des Etat der Bergwerlsverwaltung fort:?t 66753051 Mark..J* Abg. Natorp: Der Spezialetat der Berg«�,� hält diesmal eine Menge von Positionen, dje�� Prüfung erfordern; auch wird eine zutreffende anschlags dadurch erschwert, daß uns der Bericht"i# waltungsergebnisse der fiskalischen Bergwerke, Salinen noch nicht zugegangen ist. J* 30 ist der Etat, wie man anerkennen»stf.«#, mal mtt Umsicht und Vorstcht aufg«" A» Nettoertog der gesammten Verwaltung.z 17 404000 M. veranschlagt. 626000 M. mehr A jähre, von diesem Mehrüderschuß entfällt der 6»%, die Bergwerke, obwohl hier auf ein« Preiesterg« rechnet wird. Daß man aus einer vermehrt«", nicht ohne Weiteres auf eine vermehrte Einn.�j darf, gebt aus dm Ergebniffm der Verwaltung widerleglich hervor, und bei den Steinkohlen � Rechnung noch etwas ungünstiger. Der ifl Steigerung der Stein kohlenförderung um 8(jl; aber eS fragt sich doch sehr, ob dieses Ouantu« �sf n Zentner) auch Absatz finden wird.(jt# Honen ___________..w«oiay irnurir wirv-~ u jji". fiskalischen Werken werden außerdem sich sondern sie werden edent � jetzigen Höhe halten, enormen Preisrückgänge etwas afsizttt werden,-., koblendergwerke in den letzten Jahrm s» N» p, daß in einzelnen Distriktm der Selbstkosten ,.�» uag in rinzrinrn«/ipniicn ver«tmiiivi"- /.(„»ti» mehr erreicht wird. Erfreulicherweise ist J' ajeirt«, der Arbeiter nicht herabgesetzt worden: die Bergwerke ist aber eine wahrhaft klagli»«- Klagelied über die Lage der Berg- und stimmen; aber der extremen Nothlage geg«".*3 die Landwirthschaft befinden soll, behaupi« der erstklm eine weit ungünstigere ist; du f gesellschaftm bezifferten nach einer vor Kurr� weg. vr die Verwaltl müsse die B gesetzt werde better gerade „ Abg. V Bergverwalt Harzberawer durchführbar Kommisston ick darin üb duktion nicht griffen ist. «tünden sei und daß ein «uktlonSauss! schiede irste. oussetzungen >m Gegensaj Die Unterstt «ehr die I- cken nach sii und immer' Ministe Regierung n durch, daß s den Privater er allerdings Bezüglich d Bergwerke i eine Vorlage Abg.? des Abg. Bi unsere gcsan Krists eingei bleibt die 5 in der Mon ßWdjbar. «iä'-j «stv* Politik schuld Abg. R deS Abg. v. sind mtt der die Ueberpr, großer Erw« Schutzzoll ei zu vermehrte auch nicht d «U Beföhle nehmig und H man die R, Preis daulick steiger «üßte, in »brig aus Kapi „i-,»Aufnahme fhr« Durchscknittsdioidende während zehn Jahren I ....«m/»ur auf etwas über 2 pCt. '«rlL.ntM: Regierungslommiffar, Geh. Rath Freund erwidert, daß . der Etatsanscdlag mit äußerster Vorfickr veranschlagt, und auch ml i die Zunahme der Kohlenförderung nicht zu hoch bemeffen sei, > die Zunahme im laufenden Jahre den Voranschlag er- u"d mch'�blich Überschriften habe. » Abg. Schmieding spricht sich für eine Reoiston der Hgewähnwoz� auf alle Bergwerlsprodulte aus, befürwortet eine Re- ''s ÜtfJ'0,tn der Bergwerlssteuer, die in ihrer gegenwärtigen Höhe r und PH jon 2 pCt. des Bruttoertrages m stark auf die Bergwerks- aS-t� ,» i pCt. des Bruttoertrages zu stark en laffwi� befitzer drücke, beklagt den wiederholt eingetretenen Waggon- 0- r®% wangel und spricht die Hoffnung aus, daß die Kanalvorlage gw"na,u baldigst wieder dem Landtage vorgelegt werden möge. Sie die»E Abg. Gärtner bespricht das unbefriedigende Ergedniß ! denselben der Hüttenver waltung, deffen Ursache die Regierung in dem sreucn. vi fRüstgangc der Bleipreise suche. Wäre dem so, so müßte doch rite zu die Produktion der fiskalischen Bleibergwerke wenigstens nicht die große erhöht werden, was aber gleichwohl im nächsten Etat in Aus- nlbt genommen sei. Gerade diese Ueberproduktion habe den diuckaang der Bleipreise verschuldet. ., Geh. Rath Freund erklärt auch diesen Vorwurf gegen d'( Verwaltung als ungerechtfertigt. Namentlich im Oberharze rnllffe die Bleiproduktion der fiskalischen Bleierzbergwerkc fort- alS es«», gesetzt werden, wolle man nicht die dortigen zahlreichen Ar- ,t. goMJf, bester geradezu um Lohn und Brod bringen. brenner«« Ag. Büchtemann: Aus welchen Gründen c Etabltnin Bergverwaltung die Silbererzproduktion namentlich in den ndbesttz« 5 Harzbergweiken lo enorm erhöht, und ist dies auf die Dauer Maß auifl*»urchfümbar? Mher diese Frage würde mir Auskunft in der s denselb»' Kommisfion sehr erwünscht sein. Mit dem Vorredner stimme t.. ich darin überein, daß unsere gesammte wirhschaftliche Pro- hlet hat la?«Union nicht im Aufschwung, sondern eber im Rückgang be- iachweis% Lnffcn ist. Der erhöhte Konsum der Vorjahr« hat anderen ziemlich kl Gründen seine Entstehung verdankt als den erhöhten Zöllen, S wenn und daß eine weitere Erhöhung der Zölle den ersehnten Pro- geben hat,? buktionsaufsckwung bringen werde, destresten wir auf das Eni- schiede nste. Die Tbronrede geht von ganz unrichtigen Vor- «ussetzungen aus(Oho! rechts), wenn fie die Landwtrthschast lm Gegensatz zur Industrie als besonders leidend darstellt. Die Unterstützung einer Branche durch den Staat zieht immer «ehr die J- anspruchnahmt des Staates seitens anderer Bran- chen nach stch, und gegen dieses System müffen wir immer und immer wieder protestiren. Minister Maybach: An der Ueberproduktion ist die Regierung nicht schuld; der Besteuerungsmodus erklärt stch da- durch, daß seiner Zeit der Staat ein Regal aufgegeben und den Privaten zur Ausbeutung überlassen hat; an fich entspricht er allerdings den Bsdürfniffen des Bergbaues nicht mehr. Bezüglich der Beschaffung der Vorfluth namentlich für die srt Bergwerke im Ruhrkohlenrevier find die Berhandlungen über . Vn.kr tlne Vorlage zwischen den ReffortS im Ginge. kttf1 Abg. Frhr. v. Minnigerode: Den Ausführungen „ n? uji des Abg. Büchtemann stelle ich die Behauptung gegenüber, daß n unsere gesammte Industrie durch die Schutzzölle gestallt in die LristS eingetreten ist. Das eigentliche Fundament der Klagen bleibt die Nolhlage der Landwirthschaft; die mißliche Lage in der Montanindustrie ist damit nicht ohne Weiteres ver- Sleichbar. Wagner(Osthavelland): An dem Sturz des Silbers vom Thron und an seiner fortschreitenden Ent- werthung von zwei Millionen pro Jahr in Preußen ist ledig- lich die reue deutsche ReichSwährung und die neue Währungs- � Ada �Richert freut fich, durch einzclne Ausführungen des Abg. v. Minnigerode sympathisch beillhrt zu sein. Wir sind mit dem Minister und v. Minnigerode der Meinung, daß die Ueberproduktion die Schuld an dem Niedergänge mancher großer Erwerbszweige ist. Dagegen kann aber unmöglich ein Schutzzoll ein Heilmittel sein; im Gegentheil, er reizt künstlich zu vermehiter Produttion an. Der Landwirthschaft wird man auch nicht durch Schutzzölle aufhelfen können. _.Abg. Boediker bittet die Regierung um die thunltchste Beschleunigung der Kanalvorlage. Die Diskusfion wird geschlossen und die Einnahme ge- nehmigt, desgl. von den Ausgaben die Betriebskosten der Berg- und Hüttenwerke ohne Debatte. Beim Kapitel„Salzwerle" macht Abg. B ü ch t e- « a n n auf den Widerspruch aufmerksam, der darin liege, daß die Regierung einerseits den Konventionen beitrete, welche den Preis der Kalisalze zu erhöhen bezweckten, und andererseits dauliche Neuanlagen in Ausficht nehme, welche die Förderung steigern und die Durchschnittspreise wieder herunterdrücken «üßten. Vom Regierungstische wird erwidert, daß die beabfichtigte Reuanlage eines Förderschachtes mit einer Mehrförderung nicht w Zusammenhang stehe. Das Kapitel wird genehmigt, desgl. ohne Debatte die übrigen Posttionen dieses Epezialetats, ebenso der Etat deS auswärtigen Ministeriums. Es folgt der Etat deS Finanzministeriums. Nach einer kurzen Diskusston wird der Etat des Finanz- Ministeriums exkl. der der Budgetkommisfion überwiesenen Kapitel bewilligt. Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Mitwoch (Antrag v. tzuene, betr. das Kommunalsteuergesitz, Letocha, betr. die Schiffbarmachung der Oder u. s. w., Vorlagen)._ D o k» l e s. er. Den Aufenthalt t» Berliner„Tingeltangeln" schildert der„Verl- Börs.-Cour." in einer setner letzten Nummern, und gestern betet die„Berl. Ztg." die in den meisten Be- ztnhungen auch nicht höher steht alS der Monrteur aller schlüpf- rigen Thcatergeschichten, daS Zeug getreulich nach und findet das Bild, welches von diesen Lokalen der Refiven, entworfen wird, außerdem auch noch treffend. Ueber den Werth oder Unwerth von Cafe chantarcks wollen wir hier nicht streiten, wir wundern uns nur über die seltsamen Anfälle von Eilt- lichkeit jener Blätter, denen doch sonst keine Klatsch- und Slandalgeschichte zu„pikant" genug ist, um fie ihren sensalionS- bedürftigen Lesern auftischen zu können. Wir kennen leider die Berliner Tingtltanael aus eigener Erfahrung zu wenig, um ein endgilligcs Urtheil über diese Kunstinstitute abgeben zu können, wenn es in Venselben aber so zugeht, wie es der Be- richteistatter des„B. B. C. schiwert, so müßten eS ja min- destens eben solche Brutstätten des Obskönen und der Prostitution sein wie gewisse CasäS, in welchen hauptsächlich Herren ver- kehren, die mit ausgezeichnetem Wohlgefallen die Geschichten d«S„Börf.-Cour." und der„Berl. Ztg.' lesen. Um zu diesen Tafts, die freilich in den glänzendsten Straßen der Reichshauptstadt liegen, zu gelangen, braucht man allerdings nicht erst einen dunklen Hof zu überschreiten, man tritt direkt von dem elektrisch beleuchteten Asphaltpflaster durch hohe Glasportale in dieselben ein.- ein berkulischer Portier floßt dem Zaghaften Much, dem Raublustigen jedoch gerechte Besorgmß ein. Und welch« Kranz von edlen, zücktigen Jungfrauen ist hier gewöhnlich ver- sammelt! In den Tingeltangeln dagegen Nuß eS nach dem »B B.-C." ganz schrecklich sein, man höre nur, wie er die Sängerinnen daselbst deschreibt:„Auf dem Podium haben stall � die angepriesenen„Damen- Spezialitäten Platz genommen, ungefähr ein halbes Dutzend von Frauenspersonen gewohn- lichsler Art. In ihren stark dekolletirten, knapp bis zum Kme reichenden verblichenen Sammet- und grellfarbigen Atlas- tleidern, mit den schminkeverschmierten Zügen, auf denen das Laster seine Spuren hinterlassen hat, den schwarzummalten Augen und dem stereotypen frechen Lächeln erscheinen ste wie Ol' 11 Uhr Antrag kleinere u «IT fM ein abschreckend«? Zerrbild de? ewig Weiblichen." Wenn fich das wirklich so verhält, wäre es gewiß ein trauriges Zeichen für den Geschmack des Berliner Publikums, aber«S mag ja wohl sein, daß in solchen Etablissements für gewöhnlich nicht nur„Damen" enaagirt werden, deren Toiletten und Brillanten man in spal- tenlangen Artikeln befingen kann, wofür namentlich der„Börsen- Courier" bekanntlich eine ungemeine Vorliebe hat. Weshalb aber verwenden die edlen Blätter nicht auch einen kleinen Tbeil ihrer fittlichen Entrüstung auf die bereits erwähnten „Wiener Cafts"? Haider„Börsen- Courier" und die„Ber- liner Zeitung" keinen Berichterstatter, der fich einmal in ge- wisse Cafts in der Leipziger- und Friedrichstraße wagt'i Cr hat dort gewiß nicht nöthig, eine„gewundene Holztreppe" hinabzusteigen, auf welcher er bei dem herrschenden Glatteis vielleicht noch sein kostbares Leben einer Gefahr aussetzt! Viel- leicht macht er dort die Beobachtung, daß die Damen in diesen goldstrotzenden, helle rleuchteten Sälen auch aerade nicht bis unter die Ohrläppchen zuge- knöpft find, daß auch hier die Schminke durch- aus nicht gespart ist, und daß man hier auck mehr angeiuschte wie echte Augenbrauen zu sehen bekommt. Allerdings verkehrt dort daS GrcS der Leser des„Börsen-Kourier" und anderer Blätter ähnlicher Observanz, und man hütet stch aus nahe- liegenden Gründen, der dort verkehrenden Gesellschaft etwas näher auf die Finger zu sehen. Wenn man in Sittlichkeit machen will, so sucht man fich andere Lokale und anvere Ge- sellschaftsklaffen ans. Geradezu klassisch ist der Schluß jener T'raden:„Welch' eine Anschauung von Berliner Geschmack und Gestttung aber muß ein Fremder bekommen, der fich in die Bierdunst- und Tabaksqualm- Atmosphäre so zügel- loser Cafe- Chantant- Baracken hineinverirrt?!" Also das ist die Hariptsorge? Unseretwegen mag ein Fremder,„der einen Hof überschreitet und eine gewundene Holztrcppe" hinabklettert, um fich zu amüsiren, denken was er will; diese Sorte von Fremden, die„Bier- dunst- und Tabalsqualm- Atmosphäre und zügellose Caft- Chantant-Baracken" geflissentlich aussucht, wir» dem Berliner Renommee keinen Abbruch thun, viel verderblicher find in dieser Beziehung Schilderungen unseres öffentlichen LebenS, die durchaus unzutreffend find. Der Hauptstrom der Fremden, an deren Meinung dem„Börsen-Kourier" und der„Berliner Zeitung" so viel gelegen zu sein scheint, geht gewiß in die glänzenden Caft's in der Friedrich- und Leipziger-Straße, und ob man sich über das dortige Leben und Treiben wundert, daS ist den edlen Blättern ganz egal. fr. I« der Strafsache gegen den Arbeiter Düring «nd Gen. wegen verleumderischer Beleidigung der Kgl. Cha- rite und des Schreibers Schelzig mittelst der Presse ist nun- mehr die Hauptverhandlung angeordnet worden. Der Termin findet am 21. Februar, Vormittag 9'/« Uhr vor der II. Straf- kammer in Moabit statt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Weichert, während die Vertheidigung Rechtsanwalt Raphael führt. Da der Vertheidiger den Beweis der Wahrheit antreten will, wäre es von großer WichtPkeit, wenn fich solche Personen. die jemals im Aufnahme-Bureau der Charit� eine schlechte Be- Handlung erfahren haben, dem Rechtsanwalt Raphael, Köaig« straße 69 Mittheilung machen, um eoent. als Zeugen geladen werden zu können. Eine sehr bedeutende gegen eine hieflge Firma verübte Defraudation beschäftigt seit einigen Wochen die hiesige Kriminalpolizei, worüber wir folgendes erfahren: An« fang Januar cr. schick!« eine hiestae Firma an eine Firma in Warschau einen eingeschriebenen Brief, enthaltend 242 russtsche Zollkoupons, welche in englischer Golvwährung(Psd. Ster!.) ausgestellt find, im Bettage von ca. 12000 Mark. Als nach der Ankunft des Briefes in Warschau dieser von dem Adressaten geöffnet wurde, fanden fich darin nur 83 Zollkoupons vor, während 159 Koupons fehlten, und zwar 59 Koupons zu 1,5 Pfd. Sterling und 100 Koupons zu 2,10 Pfd. Sterling, zusammen ca. 6000 Mark. Der Adressat stellte sofort fest, daß das auf dem Berliner Postamt vermerkte Briefgewicht: 33 gr. mit dem Gewicht deS Briefes nach seiner Ankunft ttberem- stimmte, und daß somit während der Beförderung des Briefes eine Beraubung desselben nickt geschehen sein konnte. Tcm hiesigen Absender wurde das Kouvert zurückgeschickt, und dieser machte von dem Verlust der hiefigen Kriminalpolizei eine An zeige. ES wurde nun ermittelt, daß, nachdem von ein-m An- gestellten der hiesigen Firma die Zollkoupons in zwei Packeten mit 159 Koupons und mit 83 Koupons dem Briefe an den Adressaten in Warschau beigefügt worden, der Bote der Firma den offenen Brief an fich nahm, denselben schloß und mit fünf Siegeln versah. Sodann trug dieser Bote den Brief zu dem Postamt, woselbst der Postamtvorsteher selbst sofort den Brief abwog und darauf vaS Gewicht von 33 gr. vermerkte- Zu dieser i* q 0,l?. dem Briefe nur das eine acket mit 83 Kupons befunden, da, wenn fich noch die beiden Kupons darin befunden hätten, der Brief über 45 Gramm hätte wiegen und mit 1 Mark hätte ftanknt sein müssen, während er thaisächlich bei der Post nur mit vier 20.PftNnig-Ma,ken beklebt, also mit 80 Pf. frankirt — was einem Gewicht von 33 Gr. entsprach— aufgegeben worden war. Der Verdacht richtete sich demzufolge gegen den Komtoirboten, welcher den Brief versiegelt und zur Post ge- tragen hat, daß dieser entweder vor dem Verfiegeln das Palet mit den 159 Kupons an fich genommen oder daß er auf dem Wege zur Post drei der Siegel erbrochen, das Paket mit den 159 Kupons herausgenommen und den Brief mit einem heim- lich angefertigten Firmenstegel von Neuem wieder verfiegelt hat. Für die letztere Annahme spricht der Umstand, daß drei Siegel auf dem Briefe ersichtlich zweimal aufgetragen find. Der Bote, welcher bestreitet, die fehlenden Koupons sich ange- eignet zu haben, ist von der Kriminalpolizei festgenommen wor- den. Zweifellos ist, daß die fehlenden Zollkoupons hier, in Berlin, entwendet und wahrscheinlich von hier aus in den Ver- kehr gebracht worden find. Es ist deshalb sehr wünschen* mm, daß hiesige oder auswärtige Bankiers resp. sonstige Kaufleute, welche in den letzten Wochen rusfiiche Zollkoupons der beschriebenen Art(zu 1,5 Pf. St. und zu 2,10 Pf. St.) in Zahlung erhalten oder angekauft haben, darüber bei der Kriminalpolizei Anzeigen erstatten. g- Ein schlaues Manöver hat vorgestern ein Bauer aui- geführt, um eine Quantität Kartoffeln theuer abzujetzen. An der Küch-nthür der Wohnung des Kaufmanns H. in der Wall- nertheaterstraße wurde vorgestern Nachmittag geklinaelt, und alS das Dienstmädchen öffnete, stand draußen ein Mann mit zwei Säcken Kartoffeln, welcher das Mädcken mit den Worten anredete:„Ich bringe hier die Kartoffeln." Das Mädchen wußte aber von einer derartigen Bestellung ebensowenig wie die nur allein anwesende Erzieherin und als fie beide dieS dem Manne mittheilten, erwiderte dieser:„Ich werde von Frau H., der Mutter deS Herrn H., geschickt." Die Erzieherin schenkte nun den Worten Glauben und bezahlte auch den ihr allerdings etwas hoch erschienenen Preis von 10 Mark. Später stellte eS fich heraus, daß man eS mit einem Betrüger zu thun batte. Denn die Mutter deS Herrn H. hatte weder einen Mann mit Kartoffeln abgeschickt, noch repräsentirten dieselben den geforderten Betrag; der Werth der Kartoffeln stellt fich auf döchstenS 4 Marl 50 Pf. Anscheinend ist der Schwindler eine Person, welche mit den Familienverhältnissen des Herrn H. vertraut ist und dem auch die momentane Abwesenheit des Ehepaars bekannt war. 2. Ein Akt der brutalsten Rohheit wurde vorgestern von einem Manne gegen einen 13V-jährigen Knaben verübt. Am 25. d. M. Abends kam den beiden Knaben Herbst und Schröter vor dem Hause FriedenSstraße 47- ein Mann ent gegen, der nach dem Asyl für Obdachlose gehen wollte. Bei der Annäherung der Knaben versuchte er zunächst de» Herbst zu ergreifen, der stch ihm aber wieder entwand, worauf er den Schröter festhielt und gegen das Haus schleuderte, so daß er zu Boden fiel und einen Armbruch erlitt. Auf die Anzeige ves Herbst wurde am folgenden Tage im Asyl recherchttt und in dem rohen Menschen der Schlosser Schütz ermittelt. Der- selbe ist gestern wegen der Körperverletzung zur Hast gebracht worden. N. Ungenügende Treppenbeleuchtung hat vorgestern Abend in einem Hause der Siralauersttaße wieder einen Un« zlücksfall herbeigeführt. Ein in dem fraglichen Hause wohnender Tischler Weber trat beim Treppmheruntergehen fehl und stürzte so unglücklich die Treppenstufen herab, daß er neben einer Kopfwunde auch anscheinend schwere innere Verletzungen erlitt. Der Verunglückte mußte nach einem Krankenhaus« ge- schafft werden. Poltzetbericht. Am 25. d. M, Abends, wollte ein Unterolfizier in der Chausseestraße einen Pferbcbabnwagen von der unrechten Seite besteigen, trat hierbei fehl und wurde von einem entgegenkommenden Pferdebabnwagen erfaßt und so gequetscht, daß er einen Bruch eines Schlüsselbeines erlitt. Er wurde mittelst Droschke nach dem Garnison-Lazareth ge- bracht.— Am 26. d. M.. Mittags, entstand in dem rechten Seitenflügel des Hauses Oranienstraße 62 dadurch Feuer, daß Maschinenöl, welches in einem Zinkeimer über einem eisernen Ofen aufgethaut werden sollte, hierbei überkochte und in Brand gerieth. Das Feuer griff so schnell um fich und gewann soch« Ausdehnung, daß zwei Etagen ausbrannten und die Feuer- wehr über eine Stunde in Thätigkeit war.— Am Nachmit- tage desselben Tages waren beim Aufthauen von Klosetiöhren in einer Wohnung des HauseS Königgrätzerstraße 40 durch die dabei benutzteLaternedieRöhrenkleidung und demnächst inderNähe stehende Möbel in Brand aerathen. Das Feuer wurde in kurzer Zeit gelöscht. Um dieselbe Zeit wurde der Reftauratem Ttetze in der Ärückenstraße von einem Omnibus überfahren und dabei so schwer verletzt, daß er nach dem städtischen Kran- kenhause im Friedrickshain gebracht werden mußte.— An demselben Tage Abends fiel der Ti!chler Weber in dem Haus« Straulauerstr. 42 aus Unvorfichtigkeit von der Treppe und er- litt dabei so schwere Verletzungen am Kopfe, daß er in die Charit« aufgenommen werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurden in der Wohnung des Schriftsetzers Miers, Schauen« straße Nr. 13, die Ehefrau desselben todt auf dem Bette lie- gend, und deren 3 jährige Nichte, sowie die zum Besuch an« wesende 66 Jahr« alte Wittwe Gräuert mtt ihrem 34 Jahre alten Sohn bewußtlos auf den Dielen liegend vorgefunden. Nach Ausspruch des hinzugezogenen ArzteS scheint Vergiftung durch Kohlendunst vorzuliegen. Gerick�' Leitung. Wegen Gewerbesteuer- Uebertretung durch«üb»- fugten Billethandel hatte fich heute der jetzige Inspektor, frühere Kastellan des Deutschen Theaters A. Sachse vor der 96. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts zu verantworten. Der Angeklagte ist von einigen Theaterbillethändlern denunzirt worden, ohne Anmeldung zur und Zahlung der Gewerbesteuer einen Handel mit Theaterbillets betrieben zu haben. Er räumt auch ein, entweder im Auftrage seines Kafstrers oder einzelner Privatpersonen Billets zum Deutschen Theater zum Kassenpreise verkauft zu haben, stellt aber entschieden in Abrede, daß er da« durch den Gewerbebetrieb eines Billethändlers ausgeübt habe. Auf den Antrag des Rechtsanwalts Dr. Solomon wurden der Theaterdirektor LÄrronge und der Theaterkasfirer Schiff vernommen. Beide bekundeten, daß es zu den Funktionen des Thcaterkastellans gehört, für durchreisende Fremde Brstellun« gm auf Billets entgegenzunehmen und auszuführen, wenn die Rasse bereits geschloffen sei. Andererseits besorgt der Kastellan auch Mittags nach 12 Uhr, wenn fich übersehen läßt, welche von den reservirten Billets nicht abgeholt find, solche für die- jenigen Theaterbesucher, welche mangels guter Plätze auf die« selben besonders reflekliren. Endlich komme es auch Abends, nach Schluß der Kasse, vor, daß der Kastellan noch einige BilletS zum Velkauf an etwa noch erscheinende Nachzügler erhalte. Beiden Zeugen ist bisher ein Ueberschreiten dieser Instruktionen seitens des Angeklagten nie bekannt geworden. Der Gerichtshof erkannte hiernach in Uebereinstimmung mit den Anträgen des Amtsanwalts und des Vertheivtgers auf Freisprechung des Angeklagten. Gegen den verantwortlichen Redakteur der„Ger- mania", Hermann Adels, wurde heute vor der zwetten Straf- kammer hiefigen Landgerichts l. eine Anklage wegen Beleidi« aung des Landraths Frantz zu Worbis verhandelt. In einer Korrespondenz aus dem Eichsfelde vom 11. Mai v. I., abge- druckt in Nr. III des genannten Blattes vom 14. deff. Mts., wurde berichtet, daß der Landrath dem Kaplan Dr. Wiehe, die Ausübung jeder Amtshandlung verboten habe, well der- selbe nur in einem Institut in Rom ausgebildet sei, daß aber nach einem Besuch des Dr. Wiehe der Herr Kultusminister die sofortige Remedur veranlaßt hat. Im Anschluß an diese Mittheilung wurde daS Verfahren deS Landraths als ein im Ueb. reifer begangener grober Mißgriff bezeichnet, der mit einem „sogenannten Jrrthum" gedeckt werden soll. Durch diesen Vor- wurf fühlte fich der Landrath Frantz beleidigt, auf deffen Straf« antrag die obige Anklage erhoben worden ist. Der Ange- klagte suchte aus dem übrigen Inhalts des Artikels seine Behauptung zu rechtfertigen, daß die Spitze desselben fich gegen die StaatSregierung, speziell gegen den Herrn Kultusminister, richte, da in katholischen Gegenden Landräthe angestellt werden, die vom Katholizis- muS keine blasse Ahnung haben. Staatsanwalt Weichert beantragte 50 Marl eventuell 5 Tage Haft, während Rechtsanwalt Modler für den Angeklagten de« Schutz deS§ 193 Str.-G-B. in Anspruch nahm. Der Ge- richtshof verurtheilte den Angeklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts, indem er die Spitze des Artikels als gegen den Landrath Frantz mitgerichtet erachtete und der Presse im All- gemeinen den Schutz des§ 193 nicht zubilligte. Vorliegend Sehe aber die Beleidigung auch auS der hämischen Form ervor. Hamburg, 25. Januar. DaS Geschworenengericht hatte bis heute Morgen um!'/> Uhr Sitzung. Es handelte fich um den im letzten Sommer viel besprochenen Mordanfall zweier Männer auf den Geldwechsler Kanert, Neuerwall. Letzterer erhielt, während er einige Dollars wechseln wollte, von einem der Subjekte einen Schlag mit einem Hammer auf den Hinter- köpf, der jedoch nicht tödtlich war. Beide Verbrecher ergriffen die Flucht; der eigentliche Thäter entkam, nur sein Helfer, der Schornsteinfegergeselle Königsberg aus Krivitz in Mecklenburg, wurde auf der Flucht in den Straßen ergriffen. ES wurden 6 Sachverständige und 57 Zeugen vernommen. Königsberg, der schon viele Strafen erlitten, im Gefängniß W-hnfinn Heu« chel e, wurde mit 12 Jahren Zuchtbaus bestraft. Seine als Helfershelfer Mttangeklagten. ebenfalls Krioitzer Kinder, Tischler GöUng und Fabrikarbeiter Stulpnagel, wurden freigesprochen. München. 20. Jan. Ein Fall von unmenschlich grau« samer Kindesmißhandlung, der an entsetzlichen DetaUS noch den berüchtigten Fall Mathaus übertrifft, wurde vom hiessge« Schwurgericht verhandelt. Die 29 jährige Hafnerstochter Fcan« ziska Wüst und der 24 jährige Barbiergehilfe Karl Hahner, die hier schon längere Zeit im Konkubinate leben, hatten ein außer« eheliches Kind der erstgenannten, einen sünijährigen Knaben seit März vor. Jahres bei fich. Während d-r Knabe, so lange er auswärts in Kost und Pflege gewesen, stets gesund und blühend war, begann derselbe alsbald nach der Aafnabme bei seiner Mutter und deren Galan zu krärrteln, und es blieb der Na qdarschast kein Zweifel darüber, daß dies nur eine Folge der empörenden Mißhandlungen sei, denen der Knabe von dem sauberen Paare tagtäglich ausgesetzt war. Am 18. September Nr 24 o. I. starb daS lmgwckliche Kind, drsim nicht lange vorher nachgesuchte Aufnahme in'S Hanner'sche Kinderhospital mit der Motwirung abgelehnt wu,d«, dasselbe sei lunaensüchtig I Die Sektion ergab aber, daß dies keineswegs der Fall, sondern daß daS Kind zweifellos in Folge der ausgestandenen Entbehrungen und Mißhtmdlungeu gestorben sei. Mit welcher teuflischen Rasfl- nirtheit daS arme Wesen von seiner Mutter und deren Kom- um dem Kinde das Berunrerntgen seines krankhaften Zustandes— abzugewöhnen, wurde demselben eine Puhbürste mit den Borsten auf die ohnehin von Züchtigungen wund« Haut gebunden und dasselbe auf sein elendes Lager gelegt, und als der Knabe einmal Salz„ge- nascht", mischte Hahner Paprika unter daS Salz, damit eS den Jungen recht brenne, wenn er wieder naschte. Die beiden Angeklagten stellen mst frecher Sinne in Abrede, daS Kind mißhandelt zu haben, fie wollen dasselbe bloß in üblicher Weise „gestraft" haben, weil eS schmutzig, naschhaft und verlogen ge- wesen. Die Zeugenaussagen lauten tndeß so erdrückend, daß kein Zweifel obwalten konnte, daß die Geschworenen ein Schuldig ohne mildernde Umstände aussprechen würden. Der Gerichtshof verurtheilte darauf die Rabenmutter zu S jähriger, ihren Komplizen zu 4 jähriger Zuchrhausstrafe und beide zu 10 jährigem Verlust der bürgerlichen Ehren.echte. Mehr fast noch, als über die Möglichkeiten solcher Unmenschllchkerten, wundert man fich darüber, daß keiner der Nachbaisleute, denen diese Vorkommnisse doch seit langer Zeit bekannt waren, an zuständiger Stelle Anzeige machte; e» ist daS eine Bemerkung, die stch uns schon oft bei solchen, fich neuerdmgS in trauriger Weise mehrenden Verhandlungen aufdrängte. Wereiue uuü Persnmmluugm. 3« einet öffentliche« Versammlung der Tischler im N. und NW. Berlins, welche am Montag Brunnenstr. 34 unter dem Borsttze des Herrn Len, stattfand, wie» Herr Künzel in seinem Referate über:„Die Tischlermeister im N. Berlins und deren Stillung zu unserer Lohnbewegung" zunächst auf vre erfreuliche Thatsache hin, daß in der vor acht Tagen abgehal- tenen großen Tilchlerversammlung etwa 500 Meister, unter ihnen auch der Obermeister Brandes, fich mit der Lohnberre- gung und den Forderungen der Lohnkommisston, wie auch mit den aufgestellten Minimaltarifen, einver« standen erklärt hoben. ES werde nun für die Arbeit« nehmer, wenn fie für die als gerecht und billig anerkannten Forderungen einmüthig und entschieden eintreten, nicht schwer sein, in den Werkstätten, in welchen bis jetzt diesen Forderun- gen noch nicht Genüge geleistet ist. dieselben zur: Geliung zu bringen. Es gebe vorzugsweise im Norden Berlrns noch mele ausbeuten zu müssen. Daß diesen Arbeitgebern sobaidwie möglich daS Handwerk gelegt werden müsse dmch Veröffent« lichung ihrer Namen, die zur Folge haben werde, daß fie kerne Arbeiier mehr bekommen und durch Unterstützung derjenigen Arbeiter, welche bei ihnen die Arbert ein- stellen, aus dem angesammelten Unterstützungsronds, auch darin seien die rechtlich denkenden Meister mit der Lobnkommisfion einverstanden. In der an daS Referat fich anschließenden Diskuifion, an welcher die Herren Krug, Schneider. O. Meißner. L-nz. Boy und der Referent fich be- theiligten. wmden interessante Mrttheilungen über Mißstände und Vorkommnisse in einigen namhaft gemachten Werkstätten temacht. Aus der Fabrikorvnuna der Firma Pietschmann und söhne wurden§ 16, der den Ardeitern für Entdeckung von Veruntreuungen und Unordnungen, dtr von MUa, bette-n be- gangen werden, Gratifikationen zugefichert, und§ M mitge« th.tlt, in welchem gesagt ist, daß der Aiber'geber berechtigt ist. jeden Arbeiter ohne Kündigung zu entlassen, elbst wenn kein Zuwiderhandeln gegen die Fabnkordnung vorliegt Eine mäßig besuchte Versammlung der Kraiser und BerufSge nassen tagt« am Sonntag in Wohlhaupt'S Salon, Manteuffelftraße 9. Herr Rödel war als Referent bestellt, war jedoch vei hindert. An dessen Stelle hatte Herr Lenz daS Referat übernommen. Derselbe verurtheilte scharf die Saum- seligkeit der Fraiser, denn um 10 Uhr sei die Versammlung einberufen und um II'/» Uhr beginne fie erst. ES sei Pflicht eineS Jeden, pünktlich zu erscheinen, um zu Mittag bei seiner Familie zu sein. Zu dem eigentlichen Referat über Organisation übergehend, vertrat er die Anficht: Die Fraiser hätten mit ihrem erster Verein Fiasko gemacht,(die Schuld daran schob er dem Vorstand zu, er wäre nicht energisch genug ge- wesen und hätte die Flinte ins Korn geworfen) nun möchten fie es doch mit einer Lohnkommisfion versuchen, nach dem Muster der Berliner Tischler; zu diesem Zweck beschrieb er die Organisation der Ttschler Lohnkommisfion. Sollten die Fraiser aber dennoch gewillt sein, noch einmal einen Verein zu ründen, so empfehle er den Anschluß an den Stuttgarter 'erband deutscher Tischler und verwandten Berufsgenossen, dann könnte der Verein etwas bezwecken. Reichlicher nur Beifall lohnte dem Redner. Die Diskusston war eine sehr ledhaste, fast alle Revner sprachen fich für Gründung eineS Vereins auS und überließen eS einer späteren Zeit, eine Lohn- kommisston zu schaffen. Vorstandsmitglieder des früheren Vereins verwahrten fich entschieden gegen die Anficht des Referenten„fie hätten die Flinte ins Korn geworfen", fie brachten klariiegende Gründe vor, weshalb fie für Auflösung gestimmt halten. Der 3. Punkt der Tagesordnung, Statuten- oerathung, kam nicht mehr zur Debatte, weil die Zeit schon zu weit vorgeschrttten war, dieselben wurden nur verlesen und die Beratbung bis Sonntag, den 1. Februar, verschoben, wo daselbst wieder eine Versammlung statlfindet. Kran kuillaume- Schock, die bekannte Vorkämpferinder Frauenrechte, sprach am Freitag im Eiskeller gegen die Be- schränkung der Frauenarbeit. Die von ca. 400 Personen desuchte Versammlung sttmmte zum Schluß fast einstimmig fol- gendem Piotest zu, den wir zum Abdruck bringen, nicht weil wir ihm zustimmen, sondern weil er die Stellung der Frau Vortragenden am treffendsten kennzeichnet:„In dem Be- wußtsein, daß schon beute die Lage der Arbeiterin viel trost- loser ist. als die des Arbeiters, daß schon heute nur ein ge- ringer Theil der Frauen im Stande ist, fich sekbstständig durch ihre Arbeit zu ernähren, erhebt die Versammlung Einspruch gegen jede wettere Beschränkung der Frauenarbeit. Die selbst- ständige Frau wird in Betreff der Steuerlasten wie hinfichtltch der Sorge für ihre Familie, die daS Gesetz ihr auferlegt, alS mündige Staatsbürgerin betrachtet, eS ist also nicht gerecht- fertigt, fie bei der Wahl ihrer Arbeit für unmündig zu erklären, und fie in der Freiheit zu beschränken, dieselbe zu verwerthen, wie es ihr am Besten dünkt. ES ist unmöglich, durch irgend ein Verbot ihr gegen- über ihr irgend einen Schutz gegen die Ausbeutung ihrer Ar- betlSkraft gewähren zu können, da jede Zurücksetzung oder Be- schiänkung ihre Lage nur verschlimmern und fie zu billigerer Arbeitsleistung zwingen muß. Auch die Rückstchten auf die Gesundheit und Sittlichkeit können nicht als Gründe dafür gelten, denn ihre Gesundheit kann niemals durch eine Ver- schlechterung ihrer Lage gefördert werden; und da die Sittlich- keit überall mehr durch den Mann als durch die Frau gefähr- viele Tausende zu Hunger und Schande, und durch tift� Roth dazu gezwungen, erhebt die Versammlung% der deutschen Frauen Einspruch gegen jede weitete Ar» schränkung und bittet den hohen Reichstag, alle dahin ziA Anträge ablehnen zu wollen."— Die Referentin diesen Motten einer weit verbreiteten Anschauung A»> Diese Anschauung erscheint unj aber durchauS irrii wir werden in der nächsten Nummer ausführlich auf?r" kommen. Der Arbeiter-VezirkSverei« für de« Oste» hält am Freitag, den 3 0. Januar, in Ke! sellschaftssälen eine Versammlung ab. Tagesordn.: 1 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Die Mitglieder wn sucht, recht zahlreich zu erscheinen und dahin zu dem Verein neue Mitglieder zugeführt werden. Mitglieder eingeführt, find stetS willkommen. Der rn»' Bettrag beträgt 20 Pf. Gesangverein Liederzweig. Stund« jeden_ W Abend von 9—11 Uhr, Langestr. 53 bei Bärwlnkcl. Mitglieder werden aufgenommen. u Rationale kaufmännische Kranken-«nd StttH seingeschrtedene Hilfskaffe Nr. 71). Konstituirende Stf. sammlung Mittwoch, den 28. Januar er., Abends �. in Rieft s Salon, Kommandantenstr. 72. Tages mir y "----„nd dn? 2*% ftsi » 1. Wahl deS Vorstandes, der Ersatzmänner und soren. 2. Vorlegung deS Statuts und der GeschästioiA 3. Festsetzung der Entschädigungen sür Kasfirer und n boten. 4. Voi legung der Offerten von Aerzton und n? Häusern. 5. Verschiedenes Jeder zu dieser General»? lung erscheinende und seinen Beittitt zur Kasse erklärendt' mann ist stimmberechtigt., Der Arbeiter-Bezirktverei« vom 15. und munal-Wahlbe,irk vereinigte seine Mitgl eder am Vormittag bei Otto, Adalbeitstraße 21, zu einer Bels»� in welcher Herr W- Liefländer einen sehr anziehenden über Süd-Amerika hielt. VvftobMmar («i Ab det wird, wären ihm gegenüber Velbote gerechtfertigter als der Frau gegenüber. Die Besch änkung der Arbeit der Frau würde nur dann keine Ungerechtigkeit sein, wenn der Mann auch seinerseits zu ihren Gunsten seine Arbeit beschiänkte, ihr ein« zelne Arbertszweige ausschließlich überließe. Da die Arbeit der Frau aus den heutigen sozialen Verhättniffen nicht zu ver- bannen, ist, würde jede Unterscheidung derselben von der Arbeit deS ManneS durch«in Ausnahmegesetz die allaemelnen Zustände verschlimmern, anstatt ste zu ver- bessern. Das Interesse der beiden Geschlechter geht so innig Hand in Hand, daß durch jeden will- kürlicken, die Gerechtigkeit verletzenden Eingriff einem derselben gegenüber, beide Theile leiden müffen.— Die heute schon bestehenden Beschtänkungen der Frauenarbeit verdammen Für den «ttit auf das „Ber Briefkasten äer Keäaktion. j Mehrere Abonnenten. Eine„Zeitung deS � Bund" giebt es nicht, ebensowenig ein Abonnemms> wtt der Grati jedoch erhalten die Mitglieder deS„Senefeldeif� cvr Fachorgan mit der Ueber schritt„Mittheilungen" gWI',"-O1 lediglich zur Orientirung der Krffenverhällmsse dient.| Frei inS wünschenSwerth, wenn"die Jntereffent'en dem„8*? Pf. pro! treten würden, da derselbe panz loflale Zwecke verfolg � oettungs Epe Zwei Wettende. Mit der Rohrpost werden � genommen. mit einer Geschwindigkeit von 1000 Metern in der Für Äuß befördert. Die erste Rohrpost war in London, und tÄ mr die Mon im Jahre 1858, eingerichttt; in Berlin giebt eS eine" 2 Mark 67 3 schon seit 1865, in größerem Maßstäbe seit 1876_„i Den neu Stammtisch, Waldemarstr. Eine MondfinW» Wenene The steht dadurch, daß der Mond in den Erdschatten% Eonnenfinsterniß, wenn der Mond in gerader Linie K Sonne und Erde steht und die Erde in den eintritt, eigentlich wird also nicht die Sonne, sonder» 3 verfinstett. Die Beantwortung Ihrer übrigen astro»� Fragen würde uns zu weit führen. favle die bis! ,.„31 loweit der iiuiuc Uli» zu lütu luvten.„.F 2" J. Palltsadenstr. Gerhard Rohlfs ist ein N ���Qutttu Zahrcn. Er hat fich, soviel wir wiff-n, an»Ü, Das„33« «.j. an. arveltcnden 3 L. jetzt 52_,. i.. deutschen Kriegsschiffes nach Westafrika begeben Vegesack bei Br.men geboren, von Beruf ist er" Hyäne. Sie haben stch ja einen ganz sonderv�M namen beigelegt, Sie gehören wohl dem Stamm% SWSMWSM R. K. 26. DaS erfahren Sie im Reichstage �tbeitenden 3 ber überaus( Tendenzen, t Organ oeS tt eineS jeden Ä " f, 1 itooÖ als Icfttcc. deren Loos als letzter Haupttreffer gezogen worden ist, Theater. Kövialtcke« Overnb»««: Matte, oder: Die Tochter des Regiment«. Königliche» SchansvielhanS: Heute: Der Winkelschrttber.__ Heute: Heute: Deutsche« Theater: Romeo und Julia. Heste: Selleallianee-Theetter: Der Raub der Sabinettnnen, Schwank in 4 Akten von Franz und Paul Schönthan. ?e»t» Friedrich-«ilhelmstädttfchei Thesttr: Heut«: Gasparone. «»ter: Heute: Central-! Alte Jakobstraße 30. Der Walzer- König.__ Rtstde«,- Theater: irektion Anton Ann Ad- Ernst. Direktion Heute: Die Ehestands- Invaliden. Anno. Hierauf: Die Schulretterin. Walballa-Overetten-Theater: Heute: Der Feldprediger._ Heute: «onisenstädtische» Theater: Papa Kiekedusch._ Heute: vvend-Theater: Im Land« der Freiheit._ Wrllner-Tdeater: Heute: klein Geld. Heute: Sulsurina- Viktortt« Theater: Heuw Alhamdra-Theater. und folgende Tage: Muttersegen, oder: Di« Nene Fanchon. Den am Montag Nachmittag erfolgten plötzlichen Tod meiner guten Frau Anna, geb. Risch, zeigt Freunden und B, kannten tiesbetrübt an Berlin, den 27. Januar 1885. --- Ernst Hiera. Unserm Vorfitzenden Herrn Arnold Flügge sagen wir hiermit zu seinem beut'gen Wiegenfeste die herzlichste Gratulation! 172 Der Bezilksverein deS werktbätigen Bo-keS der Schönhauser Vorstadt. _ I A.: O. Schindler, H. Schriftführer. Herrn Arnold Frül donnerndet„Hoch"! daß ge zu seinem Geburtstage ein >ie ganze Fürstenbergerstr. wackelt. Acheitsmsrkt. 173 Eine Frau zum ZettungS trogen wird oerlangt Arnold, kllichstraße 39. Vierte General-Versammlnng d«S Arbtilkr-Aksllkslt. d. FlikdriWiidt am Donnerstag, den 29 Januar, AbendS 8'/, Uhr, w Gratweil's Bierhallen, XZn�n' TagcS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes über daS verflossene Quattal sowohl als deS Jahre». 2. Rechnungslegung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden aufgefordert, recht zahlreich zu er- scheinen. DaS Mitgliedsbuch ist am Eingang vorzuzeigen. 170__ Der Vorstand. Etulral-KrtiiiKell- n. dn Kttchbitldtr und verwandten Geschäftszweige(E. H.) (Verwaltungsstille Berlin) 174 Haupt-Versammlung am Donnerstag, den 29. Januar 1885, AbendS 8V»' Uhr, im Saale de« Herrn Niefts, Kommandantenstraße. Tagesordnung: Voistandswabl. Verschiedenes.— Qutt- tungsbuch legilimirt. I A.: P. Schneider. ihrerseits das neue Freundr kiekt ein B ergiebigen G« «ur einen drrselbe Wir uns Die Aufnahme neuer Mitglieder in die � Wunsch« uns Kranken- und Begräbnißkafse für _....(st. H. Offenbach a. M)«, findet von jetzt ab nur AndreaSstr. 20, Hof 0. 3 Tk. ff Zwar Alltags von 8 Uhr Morgen« bis 8 Uhr Aden» tagS von 8 diS 3 Uhr..<1 Im Austrage: R f�> Paul Freyei" Dealer Berlin SW.t Bergrmann- Strasse empfiehlt stch zu allen Maler- Arbeitt»' sowie Oel-Auftrich als auch Tapezirnoge« bei billiger Bedienung. Unter Beilage von Hand geschrie und der so I vollständig v Der Ar »Mit ge verböte Elegante � J -iiiir# 74 Masken-Gar. Fr. PanWy Oranienftraße 178 v. 175--- ßm 01 Auftrag au Eine Ifer.strige Stube sofort zu verm. Koppe»�> Ereignissen, Aufg. 2. Treppe rechts.~" Eine saubere Schlafstelle sof. zu verm. Koppt"�. Aufg. 2. Treppe rechts. Z. 154 Eine freundl. Scklaf't. Oranienftr. 28. Soeben erschten:, /',/ hja zu I Zas Lsend derMtosA, Serail verli einer Proze! Die P, mahlinnen I und fie Alli Prinzen zu neuen Gemi big zu mach Mof Antwort auf ProudhonZ„Philosophie des& Von Karl Marx« Ä Mit einem Vorwort von Friedrich j Preis Hnrk 3,50. Zu beziehen durch die Expedition Zimm«� en gros. 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