Nr. 33. Sonrta,i, 8. Febiuar 1885. II- Jahrg. terlmrVMIlill Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 iöissjd m,?®4"ixtljntg Votkebtstt" beträgt für die 8 gespaltese Petitzeile oder deren Raum 40� Pf. Nrdeittmarv 10 M J«sertio«»gebühr litzeile oder deren Raum Bei größere» Nufttäae« hoher Rabatt»ach Uebereinlunft. Inserate»erde» Mi 4 Uhr Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» A»»«MN-. Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. WsHoKLion und GXpeöition Werlin 8W.t Mmmerstraße 44. Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. E« ist eine sonderbare Erscheinung, daß c« Menschen Bstot, die mit aller Zähigkeit an einer Vhrase festhalten, � kinmal in einer phrasenhaften Zeit für Wahrheit ge- Mten, deren Nnhaltbarkeit aber längst bemiesen worden ist. Als He>r Schulze aus Delitzsch vor länger als 20 Iah- "N zum„König im sozialen Reiche" ausgerufen wurde, da Mußten seine Freunde recht gut, daß bei all' seinen„volks- �glückenden Plänen" lediglich der Arbeitgeber, der kleine Ha'dwerier Nutzen haben konnte. Deshalb war auch die �igeisterung für Herrn Schulze in den Bürgerkreisen . Die Lohnarbeiter wurden, wenn man von den Kon- Mvereinen absieht, von den Schulze'schea Plänen kaum «rührt. Schulze war inzwischen alt geworden, er merkte selbst �cht einmal in seiner übergroßen Eitelkeit, daß sein„König- M«," xinem raschen Ende entgegen gehe, da erweiterten stn Schüler Schulze'S, der inzwischen verschollene H?rr �nz Duncker und Herr Max Hirsch die Bewegung. Sie suchten durch allerlei Kassenorganisationen die Lohn» st b e i t e r zu beglücken und proklamirten die„Harmonie W Kapitals und der Arbeii." Das Prinzip der Hirsch-Duncker'schen Organisationen J"# beruht auf dem Prinzip der freien B e r e i n- l«r u n g zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. Zuerst ging die Sache ganz gut, nämlich so lange, als in den Gewerkoereiuen befindlichen Arbeiter mit ihrem mwesen genug zu thun hatten und sich von Ardeitgebern :8 gefallen ließen. Da war auch Herr Max Hirsch so kleiner Potentat im sozialen Reiche. Wenigsten? po- « dies die liberale Presse, welche das Arbeitgeberthum in allen Tonarten in die Welt hinaus. inx-�e Aibeiter in den Gewerkvereinen erwachten aber nach und stellten Forderunzen über die Köpfe W,«ihrer hinaus an die Arbeitgeber, sie wollten mit dea �'tten kürzere Arbeitszeit, höheren Lohn frei„verein- [;> Aus diesen freien Vereinbarungen wurde nun gewöhn- �schichtS""k entstand in der Gesellschaft der Harmonie AtfiÄCn Kapital und Arbeit meist der soziale Krieg, ßch /Ausschluß oder Streik. Dieser soziale Krieg zieht Jahren durch die Hirsch-Dunker'sche Bewegung und krt�Upt durch die Arbeiterbewegung Deutschland« hindurch: Fl'lbe ist die Folge der freien"".....' t»„, Arbeitgeber immer I "e». Mm," Ansichten über die Streiks sind bekannt; wir nn« ber ausgebrochenen Streiks immer auf Seiten Vereinbarung, rn die erste Violine welcher spielen '****, n« Roten.] Feuilleton. Gesucht und gefuuöe». Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) Qstiexl.. Sie wissen««," rief sie, während es in ihren ih.,,-," konvulsivisch zuckte, indem sie gleichzeitig von «in. q» � emporsprang und wild um sich blickte.„Ja, welche man ihrer Kinder beraubt, wird zur „�lese ganze Veränderung hatte nur wenige Momente » �ahrt. Dann sank sie wieder zurück in ihren Sessel; sie fclirft""«ber wie vorher: ruhig, schwach, bleich. Das Äuge nicht wild, das Zucken ihrer Muskeln war ver- da»(st!" Es war ein momentanes Auflodern gewesen, Weich wieder verschwunden war. �"gen � aat Von a�en Symptomen kein einziges ent- »vi, ,®eff«fon hatte das Alles eben so gut bemerkt, so ti1', �dessen er war trotz seiner Erfahrung nicht ein lcharfer Beobachter. Ign Forster", sagte er,„wenn Sie die Anstalt ver» Ucrn�'r Sie meinen Rath: Hüten Sie sich vor K �r�ufregungen, wie die augmbUcklichen Sie S hsstk-ä~ - Ät Ä< 5-- r" *rtUtz in die Hand stützte..„h Reue und ►. E» war, al» ob ein S«wtichw� �«chtigkeit, mrt Scham sie überkommen über du c�nern vorgrng. �ch« st« vrrrathen hatte, waS w'b �he zu folgen, '... W der Arbeiter, aber wir bedauern fast jedesmal den Aus- bruch eines Streiks. Er ist fast immer eine betrübende Erscheinung des erbitterten sozialen Krieges. Diesen sozialen Krieg möchten wir durch die Gesetz- gebung zu lindern, abzuschwächen suchen. Deshalb stellen wir uns entschieden auf die Seite der im Reichstage ein- gebrachten Anträge zu einer Arbeiterschutzgesetz- g e b u n g. UnS ist e« klar, daß dadurch— das heißt, wenn die Anträge realisirt werden— die ArbeitSauSschlüsse und besonders die Streik« auf ein Minimum reduzirt werden. Besonders die gesetzlich« Einführung eine» Maximalarbeitstages wird die Streiks wegen Verringerung der Arbeitszeit äußerst selten machen, die Einschränkung der Ueberproduktion einerseits und der Arbeits- losigkeit andererseits werden die Krisen gleichfalls seltener und gelinder auftreten lassen, der Lohn wird nicht so oft fallen und steigen, er wird vielmehr sich auf einer geregelten Höhe halten und die Streiks überflüssig machen. Dann wird man allerdings und mit einigem Recht von einer ge- wissen Harmonie zwischen Kapital und Arbeit sprechen könne». Diese Harmonie ist zwar dem jetzt alleinherrschen- den Kapital durch die G.setzzebung aufgezwungen worden, aber sie ist dann doch vorhanden. WaS thut nun diesen gesetzgeberischen Vorschlägen gegenüber der Harmoniedoktor pur excellence, Herr Mar Hirsch? Er bleibt auf dem Kriegsfuße; er steift sich auf die freie Vereinbarung, um einen zehnstündigen Maxi- malarbeitStag zu erlangen. WaS ist die Folge davon? Haben die Arbeitgeber nichts zu thun, dann erlauben sie jetzt schon den Arbeitern die 6 stündige Arbeitszeit, ist die KrisiS überwunden, so vereinbaren sie mit ihren Arbeitern, die in längerer Roth mürbe geworden sind, eine 12, an einzelnen Tagen vielleicht gar eine ISstündigc Arbeitszeit. Es dauert dann wieder nicht lauge, so ist Ueberproduktion vorhanden und die Kstündige Arbeitszeit kann wieder losgehen. Möglich, daß ein oder der andere Arbeitgeber in solchem fortwährenden Schwanken einen wirthschaftlichs« Unfug er- blickt, möglich, daß er mit seinen Arbeitern einen Ivstündi- gen Arbeitstag will— dann kommt aber die freie Konkurrenz herangchuscht und zerstört alle seine guten Vorsätze. Diese freie Konkurrenz, die Tochter der Habgier, ist eine Todfeindin der Arbeiter und ihr soll deshalb durch die Gesetzgebung, weil sie fortwährend den Friede« stört, ein Kappzaum angelegt werden. Dr. Max Hirsch will sie aber weiter vollständig frei und zügellos herumlaufen lassen; er will die freie Verein- barung bei Feststellung des NormalarbeitStagS weiter „Sie wollen wieder reisen?" fragte Mr. Gefferson theilnehmend. „Ja! Ich will einige Wochen verreisen; vielleicht daß mir das Reisen diesmal gut thut." „Ich will e« hoffen, Mrß. Forster, und wünsche Ihne« von ganzem Herzen, daß Sie den Schmerz, der Sie quält, vergessen mögen, daß Sie nicht nöthig haben, späterhin meine Hilfe oder die der Anstalt in Anspruch zu nehmen. — Wann befehlen Sie abzureisen?" „Noch diesen Abend, Mr. Gefferson!" „Wollen Sie nicht wenigstens einige Tage verziehen?" fragte der Chefarzt,„bis heiteres Wetter eingetreten ist? — Der Sturm jagt den Schnee über die Fluren, die Wege sind fast unpassirbar. Wenn Sie sich noch einige Tage gedulden, bis sich Wind und das Schneewetter gelegt haben, so werden Sie mit weniger Schwierigkeiten reisen, und die Reise wird mehr zu Ihrer Erholung dienen. Der Dezember pflegt uns ja recht viele heitere Tage zu bringen, namentlich, wenn erst heller Frost eingetreten ist." „Nein, nein; lassen Sie mich," widersprach sie energisch; ich will noch diesen Abend fort!" „Man wird für einen Wagen sorgen, Mrß. Forster; wenn Sie es durchaus wollen. Ich habe Ihnen meinen Rath ertheilen wollen, und ich meine eS gut mit Ihnen." „Davon bin ich überzeugt, Mr. Gefferson; aber ich muß fort. Ich darf keine Nacht in diesem Hause mehr bleiben; ich fühle e», und wenn ich noch eine Nacht hier bliebe, dann würde ich...." Sie unterbrach sich plötzlich, als wäre sie erschreckt über das, was ihr diese Nacht bevorstehen würde, wenn sie hier bliebe. Gefferson wünschte ihr ein herzliche? Lebewohl. Sie reichte ihm die Hand und dankte ihm von Herzen für die Freundlichkeit, mit der er sie in die Anstalt aufgenommen, und mit welcher er ihre körperlichen und geistigen Kräfte wieder hergestellt. Dann reichte sie auch Fritz die Hand, dankte ihm für seine warme Theilnahme und fügte hinzu: „Eine Bitte habe ich an Sie, Mr. Rodenburg: ver- walten lassen, wie das in der letzten Versammlung der Gewerkvereine in Berlin beschlossen worden ist. Dr. Max Hirsch will also den soziale« Krieg weiter haben— er mag sich ja gut dabei stehe»—, die Arbeiterpartei aber will den sozialenFriede« anbahnen durch die Gesetzgebung und zwar zum Wohle der Arbeiterklasse. Iolitiscke Mebersiebt. Ist die öffentliche Sicherheit gefährdet? Diele Frage wird in ultra-reaktionären Organen mit besonderer Vorliebe Ventilat und im bejahenden Sinne beantwortet. Der Begriff „öffentliche Sicherheit" ist aber sehr dehnbar, es würde zur richtigen Beantwortung dieser Frage nothwendig sein, diesen Begriff etwas genauer zu desiniren. Die Reaktionäre aller Richtungen finden freilich die öffentliche Sicherheit schon dann gefährdet, wenn in unabhängen Zeitungen eine unverblümte Sprache geführt wird oder wenn ein Redner in einer Ver- sammlung sich in einigen nicht gewählten Redewenvungen er- geht. Eifrig werden einzelne Brocken aus einer Rede oder einzelne Sätze aus einem unabhängigen Blatte zusammen- gesucht und dem Spießbürger, in gleicher Weise wie dem Stier in der Arena das rothe Tuch, hingehalten; und dieses Manöver verfehlt seinen Zweck nicht: der denkfaule Philister stimmt kräftig mit ein in den Ruf nach mehr Polizei und schärferen Gesetzen.— ES läßt fich nicht verkennen, daß in Bezug auf öffentliche Sprache und Schrift oft viel zu wünschen übrig bleibt, allein das ist erklärlich, wenn man in Betracht zieht, daß das Schulwesen heute noch viel zu wünschen übrig läßt; dasselbe hat zwar im allgemeinen Fortschritte gemacht, aber in Bezug auf Gesetzeskenntniffe wird leider noch viel zu wenig in den Schulen gelehrt.— Darf man fich aber da wundern, wenn ein Ardeiter in einer Versammlung Worte gebraucht, die nach den heutigen beengenden Gesetzen das Erlaubte vielleicht um einige Atome überschreiten? Der Arbeiter spricht so wie es ihm ums Herz ist, er kennt die Anwendung der juristischen Kniffe nicht, welche nöthig find, um die Untiefen, die der gewandte Redner vermeidet, zu umschiffen. Und das- selbe läßt fich von einem den Arbeiterinteressen dienenden Blatte sagen.— Uebrigens find Versammlungs- und Preß- freiheit— soweit überhaupt noch solche existiren— nicht dazu da, die heutigen Verhältnisse zu beweihräuchern und Personenkultus zu treiben, denn das Geschäft wird von Leuten besorgt, die der Freiheit dazu nicht bedürfen— sondern um den Weihrauchnebel zu zerstreuen und die nackte Wirklichkeit ans Tageslicht zu ziehen. Dies ist freilich den Reaktionären ein Gräuel und daher daS Geschrei.— Uns erscheint eS eben- falls, als ob die Sorge für die Sicherheit ungenügend ist, aber wir meinen die Existenzsicherheit der großen Masse des Volkes. Die Existenzunficherhett kann, je stärker sie auftritt, im gewissenSinne die öffentliche Sicherheit in Frage stellen und die Gemüther beunruhigen. Thatsächlich ist die öffentliche Sicherheit überall da am größten, wo die Existenzfrage noch nicht in äußerster Konsequenz auftritt. Will man also der öffentlichen Sicher- lassen Sie Ello nicht, die liebe Elly, und bringen Sie ihr mein Lebewohl, mein herzlichstes Lebewohl." „Wollen Sie sich nicht selbst von ihr verabschieden, gnädige Frau?" fragte Fritz.„Ich bin überzeugt, eS wird Elly schmerzen, wenn Sie hört, daß Sie abgereist sind, ohne sich von ihr verabschiedet zu haben." „Ich darf e» nicht, Herr Rodenburg!... Sagen Sie ihr mein Lebewohl; vielleicht ist eS das letzte, was sie von mir hört." Sie winkte den Herren mit der Hand, und die beiden Aerzte entfernten sich.—-- „Wissen Sie Herr Direktor," sagte Fritz, während Sie über den Gang schritten, daß mein Argwohn gegen den Geisteszustand dieser Frau sich heute noch erhöht hat?" „Kaum glaublich!" erwiederte Mr. Gefferson.„Hörte» Sie nicht aus ihrem eigenen Munde, daß sie sich geistig und körperlich gestärkt fühlt." „Eben das macht mich mißttauisch... und dann diese entsetzliche Aufwallung, welche die zarte Frau in eine wahre Hyäne verwandelte." „Nichts als nervöse Auftegung... Sie hat Kummer gehabt, vielen Kummer. Sie war die Frau eine» Mannes, der sie nicht verstand, der sie roh behandelte und mit seinem Mißtrauen quälte." „Ihr Kummer muß in dem Verlust eines Kindes wurzeln; so viel habe ich erkannt," versetzte Frist,„denn jede» Mal, wenn auf das Muttergefühl die Rede kam, zeigte sich diese Aufwallung. Ich beobachtete dies schon zum zweiten Male." „Möglich, daß sie ein Kind verloren hat, und zwar durch einen Gewaltakt. Können Sie es der Mutter ver« argen, daß die Regungen de» Mutterherzen» sie in Auf- wallung versetzen? Darf man das ohne Weiteres für Wahn- sinn halten?" „Nein, das darf man nicht.... Aber diesen Au». druck... ich vergesse ihn nie!" oersetzte Fritz bei seiner Ansicht verharrend.„Einen solchen Ausdruck habe ich schon früher einmal beobachtet.... Da» Gesicht war dort, wie bei ihr fast raubthierig verzerrt.— Der Kranke, bei heit mehr Sorgfalt widmen, so suSe man die Exlstenzftage, welche die vornehmste und brennendste Frage der Gegenwart ist, zu lösen.— Für dm Ex stenzlosen wird daS Lebm werth- loS; und das ist schlimm. Und nickt etwa nur schlimm für den Betreffender, sondern für die Gesellschaft überhauvt. DaS Etrafgesetzduch kennt als höchste Strafe die Todesstlafe, ob diese aber abschreckend wirft auf Diejenigm, welche existenzloS find und denen in Folge dessen das Leben g l e i ch g i l t i g wurde, das ist zweifelhaft.— Hier liegt die Gefahr für die öffentliche Sicherheit, und es ist des Schweißes aller Edlen werth, mitzuwirken, daß diese immer größer werdmde Gefahr «ingeschiäntt und beseitigt wird. Die AuSstchtSlofigkeit auf ein Lefferwerden und die hieraus resultirende Gleichgilligkeit gegen das eigene Leben hat stch leider breiter Schichten der Gesell» schast bereits in hohem Grade bemächtigt, und diese Gleich- giltigkeit wird vergrößert, wenn man den Nothleidenden die letzte Hoffnung, die Hoffnung, durch die Gesetzgebung ihre Lage verbeffern zu können, nimmt. Gerade diese Hoffnung ist es, welche die gefährliche Gleichgilligkeit beseitigen hilft und dadurch die öffentliche Sicherheit befestigt. Blind müffm diejenigen sein, welche dieses nicht einseben, und in ihrem Wahn darauf hinwirkm, daß auch diese Hoffnung zu Grabe getragen wird. Wir können unS denen nur anschließen, welche wirklich bestrebt find, solche die öffentliche Sicherheit gefährdenden Zustände allmählich durch die Gesetzgebung blseiti- gen zu helfen. � � Welche Steuerlast liegt in den Getreidezöllen? Die Einnahmm aus den Zöllen, welche von dem eingeführten Gt' treide erhoben werden, betragm jetzt jährlich ca. 20 Millionen Mark. Nur diese Summe fließt in die ReichSkaffe und kommt somit als Reichseinnahme allm Steuerzahlern wieder zu Gute. Die Einnahme auS der Preissteigerung des inländischm Gc- treides fällt den Getreideproduzenten zu, die über ihren eige- nen Bedarf hinaus Getreide verkaufen Der Gesammtbetrag der Belastung ist für die vorhandenen 26V: Millionen Köpfe, welche unter allm Umständen ihren gesammtm Getreidebedarf kaufen müssen, allein für Brod und Mehlspeisen auf 53 Millionen Mark zu veranschlagen, da die Statistik den Bedarf an Brotkorn für den Kopf der Bevölkerung im Durchschnstt auf 2 Doppelzentner per Jahr berechnet hat. Dieselben 26V: Millionen Köpfe haben durch Berthcuerung der Gerste beim Bier mindestens 4 Millionen Mark, und durch Bertheuerung des Hafers bei Fütterung der nicht in der Landwirthschafl benutz- tm Pferde mindestens 6 Millionen Mark beizusteuem. Dazu kommt noch die indirefte Bertheuerung, welche durch die Ge- treidezölle wegen der verlheuerten Biehhalrung für Milch, Käse, Butter, Fleisch und Speck herbeigeführt wird, wmn fie stch auch nickt genau veranschlagen läßt. Dabei ist der Schaden, den die kleineren Lanvwrrthe, die landwittbschaftlichen Tag- löhner, die Landwirthe, welche vorzugsweise Wiesenbau, Vieh- zucht, Obst- und Gemüsebau, Weinbau u. s. w. treiben, durch die künstliche Preiserhöhung ihres Getreidebedarfs erleiden, noch gar nicht eingerechnet. Alles in Allem wird die in Folge der Einführung der Getreidezölle auf die Bevölkerung, und zwar vorzugsweise auf die Aermsten gewälzte Last mit 80 Millionen Mark eher zu niedrig als zu hoch veranschlagt sein. Werden die bestehenden Getreidezölle verdoppelt oder verdret- facht, so wird selbstverständlich auch diese ungeheure Steuer- last für alle Getreidekonsumenten, deren Mehrzahl Hand- werker und Jndusttte-Arbciter find, in gleichem Maße verviel- fälligt. Zur Warnung für AuswanderuugSlustige nach Süd- afrika bringt die„Kreuz-Zeituna" an hervorragmder Stelle folgendes:„Da seit dem Besuch des Präfidmten Paul Krüger jTranSvaal- Republik) eine starke Neigung zur Auswanderung nach Südafrika stch gezeigt hat, so müssen wir, auS fickerer Quelle instruirt, unsere Landsleute dringend bitten, ihr Vor- haben bis zu einem günstigeren Zeitpuntr zu verschiebm. Wir erhaltm aus Südafrika dre bestimmte Nachricht, daß Handel und Wandel daselbst so sehr darniedeiliegen, daß ein allgemeiner Staatsdankerott defürchtet wird. Wohlhabende Leute halten sich mühsam, minder begüterte verlieren alles und neue Ankömm- linge finden weder Stellen zur Arbeit, noch Gelegenheit, ihr täglich Brot zu verdimen. In TranSvaal vornehmlich find die alten Parteien wieder erwacht, und gegen den an stch wohl- wollenden, aber von der Stimmung des Vollsraths abhängigen Pröfidenten P. Krüger bildet stch eine wachsende Opposttion, welche die alte Burenwirthschaft wieder einführen und dazu alle Ausländer von ihren Aemtcrn entfernen möchte. Auch gegen die Deutschen ist die Stimmung zur Zeit ungünstig, well man fülchret, auch Transvaal werde unter die stramme Bis- marck'sche Zucht gestellt weiden. Nicht selten hört man den Ruf:„Lieber noch englisch als deuts ch". Deshalb ist für deutsche Auswanderer nach Transvaal jetzt keinerlei Ausficht, wenigstens für die nächsten Iahte." Ausweisung Wider Ausweisung. Vor Kurzem wurde der italienische Berichterstatter Cirmeni aus Berlin sowie überhaupt au? dem preußischen Staatsgebiete ausgewiesen. Die Ausweisung erregte großes Aussehen, fie wurde von Seiten der offiziösen Preffe damit motivitt, daß Cirmeni die preußischen welchem ich diese Beobachtung gemacht, litt an periodischem Wahnsinn." „Das mag bei jenem Kranken der Fall gewesen sein," erwiderte der Chef-Arzt; aber hier findet dergleichen nicht statt.". „Man könnte sich davon leicht überzeugen," sagte Frrtz beharrlich. „Wodurch, Herr Rodenburg s" „Man müßte sie nicht reisen lassen. Ich glaube, daß gerade jetzt, wo sie erklärt gesund zu sein, ihre Krankheit erst anfängt; in der Zeit, wo fie erklärte krank zu sein, war sie vielleicht wirklich gesund. Jetzt ist sie'» nach meiner Meinung nicht mehr. „Sie glauben, daß auch drese Frau an periodischem Wahnsinn leide?" „Ich habe fast die Bermuthung, und man konnte sich davon überzeugen, ob sich meine Bermuthung bestätigt, wenn man sie am Reisen verhinderte." „Was sollte das nützen?" „Vielleicht, daß ihre Krankheit schon in den nächsten Tage« zum Ausbruch kommt... Ja. fie selbst scheint zu fühlen, daß der Ausbruch der Krankheit schon in dieser Nacht bevorsteht, daher die Eile, mit welcher fie abreist, trotz deS schlimmen Wetter»." Mr. Gefferson schüttelte mitleidig den Kopf. „O, Herr Rodenburg, Sie verkenne« vollständig den Zustand der Dame; e» ist kein Grund vorhande«, periodi- schen Wahnsinn anzunehmen, und e« ist noch weniger Grund vorhanden, daß der Wahnsinn noch diese Nacht zum Ausbruch kommt. Wir haben kein Recht, sie hier zu- rückzuhalten; wir müssen sie rersen lassen. Wenn fie wie- derkommt, so mögen Sie ihre Beobachtungen fortsetzen, und Sie werden dann zu derselben Ueberzeugung komme«, welche ich hege, nämlich zu der, daß wir es lediglich mit einer Frau zu ihun haben, welche vergeblich versucht, ihres Kummer« ledig zu sein." Fritz mußte sich den Anordnungen deS Chef-Arzte» fügen. Er schwieg zwar, doch er dachte bei sich: „Wäre ich Chef-Arzt, ich ließe sie gerade jetzt nicht Verhältnisse in den italienischen Blättern herabgewürdigt hätte. Nun kommt auS Italien die Nachricht, daß die italienische Re- gerung aus ähnlichen Gründen die Abficht hat, die deutschen erickterstatter auszuweisen.— Der konservative Reichsbote de- merkt dazu:„Nach authentischen Mittheilungen, die unS be- reits gestern aus Rom zugegangen find, unterliegt es keinem Zweifel, daß die italienische Regierung die Ausweisung ver- schiedener römischer Journalisten plant, welche nicht italienische Staatsbürger find. Unter denselben befindet fich auck ein hervorragendes Mitglied der vatikanischen offiziellen Presse, daS stch in einer besonderen Vertrauensstellung zu Leo Xlll. befindet- Soweit es fich um die vorerwähnte Persön- lichkeit handelt, hat die Seitens ver italienischen Regierung geplante Maßregel einen speziell politischen Charakter bezw. soll fie ihre Spitze direkt gegen Leo Xlll. kehren. Unseren hicfigen Informationen zufolge hat man an maßgebender Stelle hierorts davon bereits Kenntniß erhalten und soll von dieser Maßregel nicht gerade angenehm berührt werden. Im Uebrigen dürfte die Miltheilung hiesiger Blätter, daß auch der Korrespondent der„Kreuz-Ztg.", Herr Mangelsdorf, von einer solchen Maß- rcgelung bedroht sei, jeder thatsächlichen Begründung entbehren oder zum Mindesten auf Jrrthum beruhen. Die„Nnrdd. Allgem. Ztg." ergreift hierzu ebenfalls daS Wort, fie schreibt:„Unter allen Umständen wird die italie- nische Regierung keinem einzigen deutschen Blatte Niedetträch- tigkeiten zum Vorwmf zu machen vermögen, wie„Diritto" (Cirmeni war Korrespondent des„Diritto") fie geleistet hat. Oder hat die„Vosfische Zeitung" in irgend einem deutschen Blatte gelesen, daß die italienische Regierung fremdländische, ihr unbequeme Generale durch Freudenmädchen habe vergiften lassen, wie das im„Diritto" unverftoren bezüglich des Generals Ekobelew von der deutschen Regierung behauptet wurde?"— Man fleht, der„Norddeutschen" gefällt die eventuelle Auswei- sung nicht--- Nun, unS auch nicht, wir find gegen jede Ausweilung, eine solche wirft auf den Staat, welcher fie an- wendet, kein gutes Licht, fie zeugt von einer Schwäche des Staates, der ohne solche Maßregeln seinen Brstand gefährdet glaubt. Zur Kongofrage. Seit einigen Tagen war die Nach- richt in Umlauf, daß die Portugiesen beide Ufer des unteren Kongo besetzt hätten. Die Nachricht figurirte gestern in eng- lischen und französtschen Blättern und wurde mit Bestimmt- heit aufrecht erhalten, war aber inzwischen von der„Ag. Hav." dementirt worden. Nun tritt die Nachricht abermals in be- stimmtester Form auf. Dem«Reuter'schen Bureau", so wird aus London gemeldet, ist aus Loanda eine Nachricht vom 15. Januar d. I. zugegangen, der zufolge die Portugiesen die Mündung des Kongo besetzt und daselbst vier Knegsschiffe stationirt haben. Die holländischen und andere Handelshäuser protestirten hiergegen. Die englischen Kriegsschiffe„Forwarv" und„Rapid" befanden sich zur Stelle. Was der Meldung jetzt einen ziemlichen Grad der Wahrscheinlichkeit verleiht, ist der Umstand, daß der portugiefische Kolonialminister in der Sitzung der Deputirkenkammer am 4. d. M. auf eine an ihn genchtete Frage über diese Angelegenheit erklärte,„daß er fich ohne jede Information über den Gegenstand befinde, daß aber der Gouverneur von Angola hinreichend ausgedehnte In- struftionen befitze, um den Rechten Portugals Achtung zu ver« schaffen." — Die englische„Poll Mall Gazette" wirft die Frage auf:„WaS wird jetzt wegen des Kongo geschehen?" und be- antwortet fie wie fotpt:„Sämmtliche Großmächte, darunter die Vereinigten Staaten, haben im Konklave ein großes afti- konisches Reich unter dem Namen„Der Kongostaat" auSge- brütet. Und jetzt hat das kleine Portugal, ohne nur zu sagen „Mtt Eurer Erlaubniß", eine Schlinge um den Hals des neuen Staates gelegt, und besteht auf dem Recht, ihn nach seinem eigenen souveränen Willen und Belieben erdrosseln zu dürfen. Die Beschlagnahme beider Ufer de» unteren Kongo macht es zum Herrn des oberen FluffeS. Wenn Deutschland und England nicht vorbereitet find, mit Emphase„Hände weg" zu sagen, dann dürfte die Konferenz eben so gut gar nicht zusammengetreten sein. Die Gelegenheit ist günstig zur Ent- sendung eines gemeinschaftlichen englisch-deutschen Geschwaders, um die Neutralität und den inteinationalen Charalter deS unteren Kongo zu vindiziren. Es ist zu hoffen, daß Lord Granville einmal prompt und mit Entschloffenheit handeln wird" Frankr/ich. Der„Figaro" veröffentlicht nachstehenden Brief über den mißlichen Gesundheitszustand der Soldaten in Kelung und die schlechte Einrichtung ver dortigen Ambulanzen:„Die letzte Post aus Formosa bringt uns traurige Nachrichten Über die Lage der Ambulanzen des kleinen Korps, welches Kelung be- setzt hält. Dieselben befinden fich in den jämmerlichsten Zu- ständen. Sie find in etwa zwanzig chincstschen Hütten einge- richtet, welche von ihren Eigenihiimern geräumt wurden. Unsere Soldaten find des Nötbigften beraubt, von Krankheiten und Entbehrungen decimirt. Etwa dreihundert Kranke liegen in den Hütten, und von diesen find kaum hundert auf einer dünnen Mattatze gebettet, die den Erdboden zur Unterlage hat. Den Uebrigen müssen ihre Feldvecken oder ihr Mantel reisen. Ich bin überzeugt, sie ist eine Wahnsinnige, wenig- stevS ist sie e» jetzt.-- Am Abend, als e« bereits dunkelte, hielt am Gitter» thor ein ring» verschlossener MiethSwagen. Der Kutscher war bis über den Kopf hinauf in Pelz gehüllt. Die Pferde standen frierend und waren mit Schnee bedeckt. Der Wind heulte um die Mauern von BetheSda in schauer- sicher Musik und jagte den Schnee in gewaltigen Flocken vor sich her. Da kam über die Wege, welche von dem stattlichen Gebäude Bethesda'S durch den Park führten, und welche man vom Schnee einigermaßen befreit hatte, eine dunkle Gestalt. Eine Dame in schwarzem Mantel, mit einem schwarzen Hute dicht verschleiert. An ihrer Seite Mrß. Dobberton, welche eine Reisetasche trug. Der Portter öff- nete daS Gitterthor und zog sich dann in die Ecke hinter dem Pfeiler zurück, um vor dem daher jagenden Schnee ein wenig geborgen zu sein. Auch der Dame jagte der Wind den Schnee in» Antlitz. Er brauste ihr entgegen, daß fie kaum vermochte, einen Fuß vor den andern zu setzen. Ihre Kleider flatter» ten hinter ihr; der Wind zerrte an dem Mantel und an dem Schleier, als ob er diese Hülle gewaltsam herabreißen wollte. „Welch' ein Wetter!" sagte die Wärterin.„Mrß. Forster, Sie sollten bei solchem Wetter nicht reisen." „Ich muß, ich muß!" sagte leise seufzend die Frau, wie im Selbstgespräch. Mit Mühe nur erreichte sie den am Thor stehenden Wagen. Mrß. Dobberton öffnete den Schlag, und die schwarze Frau stieg ein. „Nach Jnverneß!" flüsterte sie ihrer Begleiterin zu, welche diesen Befehl dem Kusscher mittheilte und zurück ging. Der Kutscher brummte etwa» von Verrücktheit— eine Fahrt bei solchem Hundewetter— Menschen- und Thierquälerei... peitschte dann ue Pferde, und der Wagen schlug die Richtung ein, in welcher die Landstraße ver- muthet«erden konnte. Zu sehen war eine solche»icht, denn zu sehen war I als Lager dienen. Sie beHallen ihre staubigen, abgetiffa* blauen Uniformen an und sehen einer langsamen Genesm oder dem Tode entgegen. Viele find von der Dyffenteru» griffen, Viele vom TyphuS, Andere von der Cholera; aber La«« die Wahrheit nicht jagen darf, schmückt man alle diese heften mtt dem schön klingenden Namen: kaltes Fieber.** dem Friedhofe von Kelung ficht man schon über zwechuiw® kleine Gradhügel, von denen ein jeder durch ein aus sammengebunLenen Baumästen gebildetes Kreuz bezew»° wird. Mehr zu thun, reichen weder die Zeit noch die M» hin, ja nickt einmal ein Sarg für den Todten kann desS� werden. Man trägt den Todten auf einer Bahre, m em Decke gewickelt, hinaus, senkt ihn in die Gruft, die tw Mann des Geleites werfen einige Schaufeln voll Erfc r. ihn, füllen die Grube, präsentiren das Gewehr und All» vorüber."— Das klingt ganz anders als die Gloire-w™ richten der offiziellen Organe! Die armen Soldaten P°J? bedauern, fie werden in diese ungesunden Gegenden gw" und können fich ihrem Schicksal nicht entziehm. Grostbritanniett. Ein amtliches Kommunique besagt, daß die Regierung � General Wolseley völlige Freiheit des Handelns giebt und«p die Zusicherung macht, daß ihm jede von ihm für noihseiw« erachtete Unterstützung, sei es durch die Ahsendung von DuM nach Suakin und Berber, sei es auf eine andere von ihm% zugebende Art gewährt werden solle. Das Kommunique l-S hinzu, General Wolseley werde selbstverständlich alle? tw liehe thun, um Gordon zu defreien, wenn er noch lebe,-jr neuere Depesche des Generals Wolseley bestätigt die berei»-k kannten Details über die Misfion Wilsons und fügt Hinz«,? dem Regierungsgebäude in Khattum, welches zerstört J»>'? schien, habe keine Fahne geweht; an Bord des Steamers seien ein Mann getödtet und fünf verwundet worden; Übel*" Schicksal Gordon's liefen sehr verschiedene Gerüchte Einige sagten, er habe fich mit einigen Griechen in einer Fr eingeschlossen. Der Fall Khattums habe die Schukritzchp� veranlaßt, zum Mahdi überzugehen, beide Nftufer seien r feindlich geworden. Ein Bote des Mahdi habe Wilson j 29. Januar eingeholt; der Mahdi habe ihn und die der in seiner Begleitung auffordern lassen, stch zu ergeben Muhamedaner zu werden(?) sonst werde er fie nerrr#* Man sage, Farag Pascha habe den Truppen des Mahd'? Thore Khartume verräthenscher Weise geöffnet. VonJJ? her sei Zufuhr von Prvorant in Gubat eingettoffen, die 6% kräfte der Aufständischen in Metammeh werden auf 20$? 3000 Mann geschätzt. General Wolseley sende Bolen � Näheres über das Schicksal Gordon's in Erfahrung r bringen.. — Unter den Polizeibehörden in Scotland-Vard on»' Polizeigefängniß in Clerkenwell herrschte gestern große � regung, da die Benachrichtigung eingegangen war, M. Versuch zur Befreiung der fmischen Gefangenen gemalhi? den dürfte. Eine große Anzahl von Polizisten wurde" ftrve gehalten, und viele Geheimpolizisten patrouillirte« nach Bowstecet führenden Straßen, weft man erwartet� der alS Mitschuldiger Cunningham's am Dienstag« Mann dem Polizetgericht in Bowstreet vorgeführt, würde. Zu einer späten Stunde wurde jedoch das Verhol bestellt. --.EgYPte«. U Schweine, von letzteren 149 wegen Finnen und 13% Trichinose. Von den finnigen Schweinen gehötten Wj einheimischen Landschlägen an, die übrigen 20 war� Auslande eingeführt. Die trichinösen Schweine waren 1*«r lieh Landschweine. An einzelnen Thetlen und Organen Vt'M beanstandet von Rindern 2276, von Kälbern 3, von 616, von Schweinen 1120, zusammen 4015 Organe und Theile. Die Schnlzimmer und die Aborte der Schul«» sollen auf gemeinschaftliche Anweisung der Minister" bei diesem Wetter überhaupt nicht», und hätte«rn"% sehen können, so hätte maa auf der wette«, überall Schneedecke feine Spur vom Wege entdecken Bi» auf die Axen ging der Wagen i« SchP«-,, die Pferde ihn kaum vorwärts bringen konnten. Der% rüttelte an den Scheiben des Schlages, al« ob er d/» sassin des Wagens zum Opfer forderte... aber wie f draußen der Sturm unheimlich tobte— der Stur« iL Brust des unglücklichen Wesen», das sich in de« in die Ecke drückte und den Mantel dicht um daS™ zog, tobte noch heftiger., Da draußen grausige Winternacht— da drinn-" Nacht des Wahnsinns!___ VierunddreißigsteS Kapitel. � Ein Kanonenschuß verkündete im Hafen von die Ankunft des indischen Postschiffes. Es war d«' J waS in dieser Saison ermattet wurde, denn im Dtt* stellt sich bereits Treibeis in der DaviSstraße ein, Schifffahtt ruht alsdann. Aus diesem Grunde hatte das ankommende Sali Jeden, welcher Nachricht oder Besuch aus Indien er ein ganz besonderes Interesse. ,, WaS mit diesem Schiffe nicht kam, da» kon«o vier Monate später eintreffen. m Mit eisiger Spannung sahen daher alle Int**" j der Landung entgegen. Da» majestätifch prächtige Dampfschiff„Kaftatt� y in dem Hafen vor Anker. Eine halbe Stunde beten die Böte die Passagiere; andererseits ab«' zahllose Böte ab, deren Insassen sich vom Dampfts � die Nachrichten abholen wollten, deren Expeditton ff J abwarten mochten. i Die Passagiere, welche gelandet wurden,% � keineswegs glücklich und froh au», die Küsten erreicht zu haben; vielmehr sprach sich in ihren 3"* I Gefühl der Unbehaglichkeit au». Kein Wunder!/ Sie hatten da» ttopische Indien verlassen u«o f so jähling» aus glühender Sonnenhitze in die kal>r % JU'" �Angelegenheiten und des Innern zur Vermeidung >i?.Nidertiagung ansteckender Krankheiten täglich einer gründ- ■tinniguna unterworfen weiden, sobald im Orte selbst, �./� betreffende Scdule sich befindet, oder in seiner Nach- Mchast anstickende Krankheiten ausbrechen. Bei wörtlicher ??Mng dieser Vorschrift an den Berliner Schulen würde, •? JHaselbst fortwährend ansteckende Krankheiten herrschen, die AMung also jahraus und jahrein erfolgen müßte, der �-tadthaushckts-Etat durch die Kosten, welche die Reinigung P* liichr unerheblich mehr belastet werden. Die städtische ?�D«putation hat daher dem Magistrat vorgeschlagen, daß �?wuljimmtr wöchentlich zwei Mal gefegt und naß auf- Üi.°uch die Bankiische und sonstige Schul-Utrnstlien naß «ogewischt werden, da hierdurch bereits ein wesentlicher Fort- KUit m der Reinlichkeit erzielt werde. Der Magistrat hat 2% Wefem Vorschlage angeschloffen und wird in den Eiat JpSS/Se für die Gemeindeschulen hierfür noch die Summe 20000 und in den Etat für die höheren Lehranstalten W jede einzelne Anstalt 250 Ml. nachträglich aufnehmen. "iue polizeiche Anforderungen. Seitens der Feuer- ?is?ird, wie wir hören, die Vermehrung der Dampfspritzen °uf 20 verlangt. Angefichts der vermehrten Anforderungen, welche das Polizei- Präfidium in Bezug auf die Feuerstcherheit "i der neuen Bauordnung stellt, wird diese enorme Mehrforde- "-Fß ganz besonders eingehend erwogen werden.— Ferner vom Polizei Präfidrum eine Vermehrung der Schutzmann- '«aft verlangt, es sollen drei neue Polizei-Bureaus im Süden ljud Osten Berlins eingerichtet werden, zu deren Besetzung je �Wachtmeister und je 23 Schutzleute, zusammen also 6 Wacht- SW'« und 69 Schutzleute verlangt werden' hierzu soll eine von 2 Wachtmeistern und 32 Schutzleuten treten; dies »urde eine Gcsammtvermehrung der Sckutzmannschast um 8 Mchtmeister und 101 Schutzmänner zur Folge haben. Endlich 2 neue Kriminal-Jnspekloren verlangt, welche Haupt- «°N"ch die Ueberwachung der Kriminalpolizeibeaniten besorgen Die personellen Mehrkosten, welche durch diese Personal- �Mehrung veranlaßt werden, hat der Fiskus zu tragen, fit Kaufen fich auf ca. 150000 M., und ist dieser Betrag bereits A-iweiter Lesung vom Adaeordnetenhause genehmigt worden. M sachlichen Kosten für Bekleidung, Bewaffnung:c., welche /(Kommune zu leisten hat, würden 25 755 M. nothwendig •Jttchm; auch diesen Posten hat der Magistrat auf den Nach- 8Wat zu setzen beschlossen. D o k» l e s. N. Verschwundener Nestaurateur. Der Inhaber der Mdrich.Wllhelmstädtischen Bierhallm, Schiffbauerdamm 23, J*1* N-, ist, wie ein Berichterstarter schreibt, mit Hinterlassung "�bedeutender Schulden plötzlich verschwunden. Am meisten Wadigt find der frühere Befitzer dieses Lokals Herr F., der M den ziemlich namhaften Rest von der Kaufsumme zu g&tn hat, sowie der Büfetier Herr P., der als Geschäfts- Mlhaber fast seine ganzen Ersparnisse verliert. Am Tage vor Mem Veischwinden soll N. ein sehr werthoolleS Weinlager, er bereits für 1000 M. verpfändet hatte, dadurch in Kon- Uution geletzt haben, daß er die theuersten Marken mit Nllen Gästen verzebrte. Stark geschädigt sollen auch andere �chäftsleute, wie Bäcker, Schlächter und Cigarren-Lieferanten Da seitens der Gescväöigkn Strafantrag bei der Behörde «Bellt ist. so dürfte die Angelegenheit wohl noch ein Nachspiel % dem Strafrichtec finden. N. umgestürzter Omnibus. Die Paffanten des Omnibus M. 90, Linie HallescheS— Landsberger Thor, geriethen heute «littag gegen 1 Uhr in der Nähe der Jerusalemer Kirche da- Urch in nicht geringe Gefahr, daß einige Federn an dem mnibus brachen und das Gefährt fich auf die Seite legte. glücklicherweise konnten sämmtliche Insassen das Innere des agens noch rechtzeitig verlaffen, ohne daß Jemand beschädigt Verhafteter Einbrecher. In ve Schmidt, Eisenbahnstraße, war der Wohnung der am 23. v. Mts. ein - ► W»...... V. JL,..». tu. sZMchsdiebstahl verübt und es waren dabei Geld und Gold- �Schmucksachen im Wertbe von 80 Mark gestohlen worden. tiUn«leb war mittelst Nachschlüssels in die verschloffenr Woh- während der Abwesenheit der Inwohner eingedrungen Ctjjtottt bei dem gewaltsamen Oeffnen von Behältern ein der- � starkes Geräusch verursacht, daß eine Flurnachbarin auf- L gemacht wurde und nach der Schmrdt'schen Wohnung Als ste eintreten wollte, wurde von Innen die sei r Mthalten und auf ihre Frage, ob das Fräulein darin etifoj!*? bei der Wittwe Sck. wohnendes junges Mädchen), !ein«� männliche Stimme von Innen, daß das Fräu- w gerade ausziehe. Basd darauf trat ein junger Mann °bn.V-Echmidt'schen Wohnung und entfernte fich jchleunigst, beb. � verfolgt wurde. Denn die Flumachbarin glaubte, üfm Frau Sck. einen Besuch abgestattet hätte. Die von !»itt-i. ruchsdiedstahl in Kenntniß gesetzte Kriminalpolizei er- tzgji hjx gestohlenen Goldsachen von dem schon mehr- setzen Diebstahls vorbestraften Schloffer H. bei einem am Tage nach dem Einbruch versetzt worden waren, worden, und fanden Wer vor. in England einen eisigen ÖT VVk' kein nl" �em �kfühl der Unbehaglichkeit drückte sich auf lick v Meier Passagiere noch ein andere? aus, näm- ibn.u? /'ner gewissen Niedergeschlagenheit. Der Eine von fgr... befahl dem Fiakerkutscher, nach dem Hotel rojal zu iltoft»'. Sie nahmen dort ein« der besten Zimmer, da» irQ bchaglich geheizt, indem ein Helles Feuer im Kamin diaü?.- aber ihr Gesicht nicht wesentlich erhellte, we» iüiS, brachte die Behaglichkeit auf dem Antlitz des Einen ie'ne Veränderung hervor. in v; o bere, der jüimere von Beiden, schien sich leichter 5» schicken. Er nahm sofort neben dem Kamin» zu atz, schürte die Kohlen und fing an, sich'» bequem auf.?wn, indem er die Beine ausstreckte und sich behaglich r Stuhl zurücklehnte. « n,,9en Sie uns vor allen Dingen ein Glas guten stand. befahl er dem Kellner, der noch an der Thür 3jfan' JW die Befehle der Herren in Empfang zu nehmen. um fich in England zu akklimatisiren, vor allen gen nach diese« Präservativ greifen. Trenn?"(he Dir, Felix," wandte er fich an seinen Und.welcher die Arme gekreuzt, gedankenvoll auf- Dich? g'ng, zunächst daran zu denken, daß Du «wV.v** heimisch machst.— Zum Teufel, man ist � vom englischen Klima entwöhnt." Sora'»«"älte England« macht mir wahrhaftig wenig "»df,' ant»ottele der Andere.„Ich vergesse Kälte f�ästig"" über de«, was hier meine Gedanke» be- vn, begreiflich! Da wir jedoch noch sehr viel vor �tte etwa'« wit uns doch erst gehörig starkem Ich ben Katzevn.r"�"" gegeben, wenn wir auf dem Scheffe gehabt läH-i* ulten Nimrod vom Schloß M Donml "klix en..., Erinnerst Du Dich des alten Habicht, V<9 Mit der zunehmenden Wärme zusehends und der gestern festgenommene H. wurde von jener Flumachbarin als der Dieb rekognoszirt. H. ist heute zur Untersuchungs- hast gebracht worden. e- Zu dem von«nS gemeldeten Ueberfall eines Kutschers der Aktienbrauerei Moabit auf dem Wege von Spandau nach Charlottenburg, in der Nähe von Haselhorst, welcher von drei Männern ausgeführt worden ist, erfahren wir noch, daß es bisher nicht gelungen ist, die beiden anderen Wegelagerer zu ermitteln und festzunehmen. Der Überfallene Kulscher, welcher nur seiner großen Körperlraft und Uner« schtockenheit sein Leben zu verdanken hat, heißt König. An- scheinend bat der Ueberfall für ihn keine nachtheiligen schweren Folgen gehabt, da er bereits wieder dienstfähig sein soll. Den Bemühungen der Kriminalpolizei ist es gelungen, noch zwei weitere Mitglieder der Friedrichsberger Gaunerbande Markowska und Genossen zu ermitteln und zur Haft zu brin- gen, nämlich einen Handelsmann Strustk und eine Frauensperson Namens SirmonSki, die fich seit der Verhaftung der Häupter der Bande in Neu-Ruvpin aufhielten. Am Mittwoch ging der Haftbefehl nach Neu-Ruppin ab; am Abend desselben Tages warm die Verhafteten schon in Berlin eingeliefert. ES befinden fich nunmehr insgesammt elf Mitglieder der Bande in Haft- doch ist damit die Reihe der Spießgesellen noch nicht abgeschloffm. Das Haupt derselben, die Wittwe Markowska, und deren Tochter Olga leugnen jede Betheiligung an den ihnen zur Last gelegten Verbrechen; indessen find diese beiden Personen bereits so schwer belastet, daß alles femere Leugnen für den Gang der Untersuchung unerheblich ist. g. Der Königlichen Staatsanwaltschaft beim Land- aericht Ii. zu Berlin find von einer Verstcherungsgesellschaft 500 M. als Belohnung für die Ermittelung des oder der Ur- Heber einer Reihe von Feuersbrünsten zur Verfügung gestellt worden, welche im Dezember v. Js. bezw. Januar d. Js. in dem Dorfe Ruhlsdorf(Kreis Nieder-Barnim) stattgefunden haben. Es wird mit Bestimmtheit angenommen, daß in jedem einzelnen Falle vorsätzliche Brandstiftung vorliegt. Die Be- lohnung erhält Derjmige, welcher den Thäter derartig er- mtttelt, daß er zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wer- den kann. N. Eine aufregende Szene spielte fich am vorgestrigen Tage in der Nähe des Hackeschen Marktes ab. Ein etwa 5 jähriger Knabe befand fich ohne welche Aufstcht spielend auf dem Asphaltpflaster, als plötzlich ein Pferdedahnwagen die Stelle passtrte. Ehe es dem Kutscher möglich war, die Pferde zu pariren, war das Kind umgestoßen und derart zwischen die Geleise auf den Damm geworfen, daß der Wagen über das Kind hinwegging, ohne es anscheinend zu beschädigm. Durch einen Schutzmann wurde das so mtt dem Schreck davonge- kommene Kind, seinen in der Nähe wohnenden Eltern zugeführt. N. AlS anscheinend geisteskrank ist am gestrigen Tage ein am Grünen Weg wohnender Arbeiter B. in der königl. Charitee eingeliefert worden. Der Mann der schon seit einiger Zeit Spuren von Geistesgestörtheit zur Schau trug, geberdete fich plötzlich derart, daß seine Festnahme im öffentlichen Interesse durch die Äevierpolizei bewirkt werden mußte. N. Groß- Feuer. Ein größerer Dachstuh'brand, der für die vielen allen Baulichkeiten im Zentrum Berlins leicht die verhängnißvollsten Folgen hätte haben können, fand in der vergangenen Nacht auf dem Grundstück Köllnischer Fischmarkt Nr. 2 statt. Passanten bemerkten in der 11. Stunde in einem nach den königl. Mühlen zu belegenen Theil des Dachstuhles genannten tzauseS einen hellen Feuerschein, der fich mit einer ganz erstaunlichen Schnelligkeit weiter verbreitete. Obwodl man zu einer sofortigen Alarmirung der Feuerwehr mittelst des im Kölnischen Rathhause befindlichen öffentlichen Feuer- melders schritt, so stand beim Eintreffen der ersten Spritzen doch bereits der Dachstuhl in seiner ganzen Ausdehnung in hellen Flammen- Unter dem Kommando des Oderleitenden der Feuer- wehr wurden sofort mehrere Dampfspritzen und große Hand- druckipritzm, die aus der Spree und den vorhandenen H'jdranten mit Wasser versorgt wurden, gegen den Brandheer dirigirt, denen eS aber erst nach beinahe zweistündiger Thätigkeit gelang, des Feuers Herr zu werden. Die Aufräumungsarbeiten zogen fich bis gegen 3 Uhr hin. Ueber die Entstehung deS Feuers war irgend etwas Bestimmtes nicht zu ermitteln. Den Schaden hat fast ganz allein die städtische Feuersozietät zu tragen. Das mit diesem Feuer in Zusammenhang gebrachte Gerücht, daß der ganze Mühlendamm brenne, hatte während der Nacht zahllose Neugierige angelockt, doch war es zu irgend welchen Ruhestörungen nirgends gekommen. Jnr„Deutschen Theater" finden die Aufführungen von „FieSko" in dieser Woche außer heute, nock am Dienstag Donnerstag und Sonntag statt. Morgen, Montag, wird„Der Probepfeil" gegeben. Im Uebrigen bringt das Repertoire noch Wiederholungen von„Der Weg zum Herzen" und„Die Welt, in der man fich langweilt". Belle.Alltance-Theater. In dem Moser'schen Schwanke „Der Salontiroler" wirken Frl. Neumann und die Herren Mauthner und Meißner vom Wallner-Theater in dieser Saison zum ersten Male als Gäste mit. verbesserte.„Die Abwesenheit von beinahe einem Jahre hat die Erinnerungen nicht ausgelöscht? Diebleiche Gräfin lebt immer noch in Deinem Herzen?" „Ihr Bild hat mir vor der Seele geschwebt, seit ich sie verließ, und jetzt, da ich den Fuß wieder auf England» Bode» gesetzt, da ich mich wieder in ihrer Nähe weiß, er- greift eS mich mit einer Sehnsucht, die ich Dir nicht be- schreiben kann." „Das ist auch gar nicht nöthig!" erwiderte Max. „Die Sehnsucht de« Verliebten kann ich mir lebhaft vor« stellen; fühle ich doch selbst so etwa« von Sehnsucht, ob- wohl ich mich nicht in der Nähe des geliebten Gegenstandes weiß, denn mich trennt von demselben immer noch der Canal la Manche. Nun hoffentlich wird unserer Sehnsucht genügt werden, insofern, als wir Beide nicht verabsäumen werden, den Platz Europa'« aufzusuchen, wohin un« unsere � 5„dlein Herz zieht mich vielleicht mehr, als es sollte... Meine Pflicht erfordert, daß ich der Stimme meine» Herzen» kein Gehör gebe; mir liegt es zunächst ob, meine Mutter aufzusuchen." „Ein Unternehmen, was voraussichtlich jetzt so wenig Slückt, als da» erste Mal... Aber da ist der Punsch I !omm her. Junge, laß un» erst das Gla« leeren, damit unsere Herzen nicht auch noch kalt werden, wie es unsere Leiber sind. Ein lustige« Feuer und ein gehaltvoller Punsch. daS giebt frischen Lebensmuth." Während Felix sich zu ihm setzte, wandte sich Strahle- nau nach dem Kellner um. „Nun serviren Sie ein Frühstück, und zwar ein gutes. Vergesse» Sie auch nicht eine Flasche vom ältesten Sherry, den man in Liverpool haben kann." Der Kellner erwiderte ein:„Zu Befehl, gnädiger Herr" und entfernte sich. „Nun Herr Baronet O'Brian, lassen Sie uns zunächst unsere Rollen«emoriren. Natürlich bist Du auch hier, wie dort, der Baronet O'Brian." „Schlimm genug, daß ich meinen eigenen Namen nie- «als mehr führen darf.".. „Ist auch gar kein Unglück," erwidert« Strahlenau, GxrirW. Leitung. rl Die bei manchen Arbeitgebern so sehr beliebte Maßregelung von solche» Arbeiter«, welche fich an den Lohnbewegungm betheiligen, wird jetzt in Folge einer Ent» scheidung der 34. Abthellung des Königlichen Amtsgerichts l wohl nicht mehr so oft in Anwendung gebracht werden, wenn alle Arbeiterorganisationen derartige Fülle vor dem Richter zur Entscheidung bringen. Da diese Sache für alle Arbeiter interessant und nützlich ist, wollen wir den Sachverhalt hier mittheilen. Der Tischler P., seit längerer Zeit beim Tischler- meister Marschall in Arbeit stehend, gehött zu den Tischlern, welche fich die Durchführung der Beschlüsse der Generaloer- sammlungen der Tischler besonders angelegen sein lassen, was manchem Arbeitgeber nicht allzu angenehm ist. Herrn M. gefiel dieses ebenfalls nicht und er erklärte deshalb eines Tages dem P.;„Wenn Sie die Agitationen für Ihre Sache nicht lassen, dann werde ich Sie entlassen," der Tischler P. erklärte darauf:„Herr M., Sie habm mir keine Vorschriften zu machen, was ich außerhalb der Werkstatt resp. in meiner freien Zeit thue." Der Tischlermeister M. entließ darauf den Tischler P. sofort. Derselbe hatte nun 1'/, Tag vorher eine Anzahl Stühle im Akkord in Ärbett genommen, für welche ein Alkoidlohn von 72 M- stipulirt war. Die Lohnkommisston der Tischer, an welche fich der P. wandte, machte den Fall zu dem ihrigen und strengte gegen den Tischlermeister M. eine Klage auf Zahlung von 72 M- an. Nach längeren Verhandlungen entschied oben genannte Abtheilung des Königlichen Amtsgerichts:„Der Tischlermeister M. war nicht berechtigt, den Tischler P. aus diesem Grunde zu entlassen. Der Tischlermeister M. wird daher veruttheilt, an den Tischler P. die volle Akkordsumme von 72 M. zu zahlen, ebenso die Kosten des Rechtsstreites zu tragen. g. Die Bewohner de» Kottbuser Damm und Um- gebung wurden eine ganze Zeit lang durch Ausschreitungen aller Art fast täglich in ihrer Nachtruhe gestört, so daß dieser Zustand schließlich unerträglich wurde. Der dortige Polizei- Revier-Vorsteher, Polizeilieutenant Lange, hat hiervon theil» durch Bewohner, theilS durch seine Beamte Kenntniß erhalten. Er beschloß daher eines Abends die dortige Gegend zu kon- troliren, um die ganzen Helden nach Nummer Sicher zu bringen. Gegen 11 Uhr Nachts bemerkte er in der Nähe der Kottbuser Brücke eine Schaar von Frauenspersonen und Männern, welche in ein dort befindliches Schanklokal lärmend hineinliefen und mit demselben Spektakel wieder herausgerannt kamen. Als der Lärm kein Ende nehmen wollte, trat Polizei- Lieutenant Lange hinzu und forderte die Gesellschaft auf, aus- einanderzugehen. Alle bis auf Einen leisteten dieser Auf« forderung Folge. Seine Renitenz veranlaßte den Beamten, diesen Menschen, einen Zuhälter, durch einen Nachtwächter zur Wache zu ststiren, und leitete gegen ihn das Verfahren wegen groben Unfugs ein. Gestern stand der Mensch vor dem Schöffengericht, um seine Strafe zu empfangen. Der AmtSanwnlt charakterifirte den Angeklagten als ein Subjekt, welches den Prostituitten als Beschützer diente und von deren abscheulichem Verdienst lebte; er sei auch bereits wegen groben Unfugs und Diebstahls vorbestraft. Mit Rücksicht auf die großen und häufigen Ruhestörungen in jener Gegend be- anttagte er eine exemplarische Strafe und zwar 14 Tage Ge- fängniß. Von einer Geldstrafe sollte man ganz absehen, da diese von den„Bräuten" gezahlt würden. Der Gerichtshof erkannte nach längerer Berathung auf nur 3 Tage Gefängntß und Veruttheilung des Angeklagten in die Kosten.-M# y. Die Fälschungen der EtntrittSbilletS zum' Zirku» Renz, über welche wir derzeit berichteten, gelangten gestern zur Kognition der 3. Strafkammer des Landgerichts I. Der wiederholten Urkundenfälschung beschuldigt hatten drei noch jugendliche Personen, der 20 jährige Arbeiter Hugo Wittich, dessen Bruder, der 16 jährige Schriftsetzerling Richard Wittich und der gleichaltrige Schriftsetzerlehrling Max Rabe auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Die beioen Letztgenannten waren in der Professor Langenscheidt'schen Druckerei be« fchästigt und finv geständig, die Falstsikate auf folgende Weise angefertigt zu haben: Auf die Anstiftung deS ersten Angeklagten aalten ste fich heimlich in der Druckerei einen Satz Typen zu Zirkus. Billets 1. Ranges zusammengestellt und Richard Wittich, der in seiner Wohnung eine kleine Handpresse besaß, mit Hilfe derselben den Druck der BilletS besorgt. Der erste Versuch gelang, die FalfifilatS waren so gut hergestellt, daß der Billeteur fich täuschen ließ, als die jugendlichen Fälscher fie zum ersten Male für ihre eigenen Per- sonen benutzten. Waren ste anfangs zur Begehung der Strafthat durch den Wunsch verleitet worden, fich kostenlos ein Vergnügen zu bereiten, so gingen fie bald einen Schritt weiter als ste sahen, daß der Versuch so gelungen, und es wurde bald eine größere Anzahl gefälschter Billets hergestellt, um dieselben gegen baareS Geld umzusetzen. Bereits im November 1883 begannen sie die Fabrikatton und erst nach Jahresfrist, am 30. November v. I. elang eS, der Thäter habhaft zu werden. Einige Tage vor- er waren bereits vom Kasfirer des ZirluS gefälschte Billets „denn an den Namen Rodenburg knüpfen sich ja keine stolzen Erinnerungen. Also nun zunächst von unseren Plänen und Aussichten. Gehen wir systematisch zu Werke und entwerfen einen Operationsplan. Bei unserer erste« Anwesenheit find wir ziemlich thöricht zu Werke gegangen. Wir find auf ein paar unbestimmte Andeutungen hin nach Blackfield gegangen. Der Wirth von Blackfield vexirt un» in da« vermaledeite schottische Hochgebirge." „Seine Weisung führte un» doch nach Schloß M'Donuil," bemerkte Felix. „Nun ja! gab Max zu.„Abgesehen von diesem recht angenehmen Intermezzo, war doch die ganze Tour eine verteufelt halsbrecherische nnd wenig amüsante..... Brr! Ich denke noch mit Schaudern an unsere Tour in Glenmooristan... weißt Du, als wir den Weg nach BetheSda aufsuchten?" „Der Weg war schlimm und nicht ohne Gefahr," gab Felix zu;„aber diesen Weg müssen wir noch einmal beschreiten." „Müssen wir das?" „Wir müssen es. Auf diesem Wege habe ich sie ge- sehen. Erinnere Dir, ich sagte es Dir." „O, ja, ich erinnere mich dessen recht gut.... Du liefst der schwarzen Hexe nach und kamst zurück mit der überraschenden Neuigkeit, daß Du Deine Mutter gesehen habest. Ich habe mir gedacht, daß bei Deinem Fall von der Klippe Dein Gehirn ein wenig gelitten habe, da Du das sagtest." „Die Ueberraschung, da» Eigenthümliche der Erscheinung mag meine Phantasie vielleicht allzu« sehr erregt haben," gab Felix zu;„aber ich schwöre Dir, die Beschreibung, die Parr mir gemacht und die er mir jetzt wiederholt hat, paßt auf jene Frau, die wir mitten durch die Felsen über die Schneefläche dahin eilen sahen." „Offen gesagt, Felix, mir kommt e» vor, als ob Parr selbst ein wenig gefaselt hat. Nun, Du hast ihn ja selbst gesprochen; er hat Dir ja Alles gesagt, was er über diese» Gegenstand weiß. Du magst«un darnach Deine Aastal- ten tteffen.... Also, was thun wir zuerst?" angehalten worden, und um den Fälschern auf die Spur zu kommen, ließ man nunmehr neue Billcts mit einer kaum merk» lichen Abänderung drucken und zur Ausgabe gelangen. Der erste Besucher, der darauf ein Falfifikat präsenttrte, wurde an« gehalten und dieser gab als seine Bezugsquelle einen jungen Menschen an. der ihm das Billet vor dem Zirkus offerirt und verkaust hatte. Man erwischte denselben, als er gerade im Begriff stand, von einer Dame den Betrag für zwei ebenfalls gefälschte Billets einzukasfiren. Es war dies der erste Angeklagte, in deffen Besitz noch sechs weitere Falst- flkate gefunden wurden. Die Angeklagten gaben an, datz im Ganzen etwa fünf Dutzend gefälschte Billets von ihnen ange- fertigt und umgesetzt sein mochten und hat besonders der erste Angeklagte den größten pekuniären Vortheil daraus gezogen. Der Gerichtshof zog ihre Jugend mildernd in Betracht und vermtheilte Hugo Wittich zu drei, Richard Wittich und Max Rabe zu je 2 Monaten Gefängniß. Jostotes uvil Arbetterbeweguug. Die deutsche Gemeindezeitung des Dr. Stolp, ein sehr konservatives Blatr, schreibt zum Schluß ihrer„sozial« rcformatorischcn Jahresbetrachtung":„Wer in die Lage kom- men und verpflichtet werden soll, sich gegen alle späteren Wechselfälle des Ledens sicher zu stellen, der wünscht daher naturgemäß und setzt in erster Linie voraus, daß man zuvor in seinen nächstliegenden Eristenz- und Erwerbsverhältniffen ihn sicher stellt; er verlangt mit Recht, daß, wenn ihm regel- mäßige und dauernde Leistungen austrlegt werden, er vor allen Dingen durch ein regelmäßiges und dauerndes Ein- kommen zur Tragung derselben und zur Sicherung seiner Existenz überhaupt mehr und bcffer fähig gemacht wird. Nicht mit der Regelung der B e r s o r g u n g s«, sondern vielmehr der Erwerbs« und Existenz- Verhältnisse hat sonach jede wirkliche und den sozialen Frieden ermöglichende Sozial-Reform zu be« ginnen, und daß diese von uns schon seit Jahren oi'8& e- sprockene Ucberzeugung sich im bevorstehenden Jabre immer mehr Bahn brechen und daß an Stelle der herrschenden Plan- und Rathlostgkeit sowohl in der öffentlichen Meinung, wie bei den StaatSregierungen ein sicheres und zielbewußtes Denken und Handeln immer mehr Play greifen möge, mit diesen Wün« schen wollen wir in das neue Jahr eintreten. Den Anfang zu einer sicheren, zielbewußten und Erfolg versprechenden Sozial- Reform können wir aber, was wir immer und immer glauben wiederholen zu müffen, allein darin erblicken, daß die Staats- gemalt zunächst die allgemeine berufsgenoffenschaftliche Organs- sation der gesommten bürgerlichen Gesellschaft in Angriff nimmt und demnächst dieser Organisation als erste Aufgabe die Regelung der Lohnverhältnisse zuwei st." Uuternehmerlogik. Nach der eben herausgekommenen Statistik des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller weist die Gesammterzeugung von Robeisen für das Jahr 1884 in Teutschland im Vergleich zum Vorjahre wieder ein Mehr von etwa 190000 Tonnen nach.„Auch der größte Optimist — schreibt die Freihandels- Korr.— wird sich der Erkenntniß nicht verschließen können, d aß eS einem solchen achsthum der Produktion gegenüber der Konsumtion unmög lich gemacht wird, gleich- mäßigen Schritt zu halten. Eine angemeffene B e schränkung der Produktion dürfte daver das nächste und hauptsächlichste Erforderniß sein, um eine beffere Geschäfts- lag« für Roheisen herbeizufühien und nach und nach ein normales Verhältniß zwischen Produktion und Konsum und damit die Basis, auf welcher sich eine allmälige Preiserhöhung vollziehen kann, wieder herzustellen. — Die traurige Geschäftslage von Walzdraht hat sich noch nicht geändert. Trotz der erheblichen Betriebsein- schränkungen der Drahtwalzwerke fehlt eS fortgesetzt noch an genügender Beschäftigung sowohl in Eisen- als in Stahl- walzdraht. Die Preise behalten ihre weichende Tendenz immer noch bei und variiren für Beffemer Stahlwalzdraht per Tonne zwischen 118 bis 122 Mark. Das Geschäft in Fein- blechen hat sich noch immer mehr verschlechtert; in den Siegener Feindlechwalzwerken ist fast gar nichts zu thun. Dabei find die Läger mit Vorräthen überfüllt. Auch in Grob- und Keffelblechen Hai der A b s a tz in letzter Zeit stetig abgenommen und der Betried der betreffenden Werke kann nur unter Einschränkungen fortgesetzt werden, da die neu eingehenden Bestellungen zu einer genügenden Beschäfti- gung nicht ausreichen."— Nackter kann wohl nirgends die Thatsache hervortretin, daß es für unsere Manchesterleute nur eine Klaffe von Menschen gtebt: die Unternehmer. Wenn man blos das Jntereffe der Unternehmer kennt und wahrzunehmen hat, so muß man allerdings folgern: da der Konsum nicht wächst, so müssen wir die Produktion einschränken. Vom Standpunkt deö ganzen Voltes aus würde man hingegen schließen: Da die Produktion so rasch fich ausdehnt, so müssen wir für Erweiterung des Konsums sorgen, wir müffen die Kaufkraft, die Aufnahmefähigkeit der großen Masse erhöhen. Aber was kümmern fich um die große Masse des Volkes jene „Freihandelshaufirburschen", für die der Mensch erst beim Ka- prtalisten anfängt! Die Handelskammer für Mittelfranken scheint ebenfalls der Meinung zu sein, daß der Mensch erst beim Unternehmer anfängt. Sie dezeichnet das Geschäft im Jahre 1883 als„zufriedenstellend", weil man viele Widerwärtigkeiten„durch Billig- kest des Arbeiterlohnes" bekämpft habe. Für die Unternehmer mag das ja recht zustiedenstellend sein— aber konnte man nicht auch einen Augenblick an die Arbeiter denken? Uebrigens müßte man in Mittelftanten geradezu an geistigem Marasmus leiden, wenn der Bericht der Handelskammer Recht häite: „An harte Arbest, rastloses Bemühen, die täglich von allen Seiten austauchenden Schwierigkeiten zu überwinden gewöhnt, hat Niemand Zeit, nach den letzten Ursachen der Verschlimmc- rung seiner speziellen Lage zu forschen." Soll das etwa gar noch ein Lob sein? Das große Kapital hat fich in Frankreich unter der Republik recht gut gestanden. DaS beweisen die Ergebniffe der dreiprozcntigen Steuer, welche auf dem Einkommen aus beweglichen Weichen ruht. In dem genannten Jahre warf sie 31760000. im Jahre 1884 aber beinahe 19 Millionen mehr, d. i. 49841000 FrcS. ab. Aus dem Mehrerträgniß geht hervor, daß die Einkommen um 602700 FicS. gestiegen find, was, zu 4 Prozent berechnet, auf eine Vermehrung deS Kapitals um 15 Milliarden schließen läßt. Diese 15 Milliarden fassen die Kapitalien, die seit dem Kriege in Staatsrenten angelegt worden find, nicht in fich. Die zwei großen nationalen Anleihen, deren Zinsen jährlich 305 Millionen verschlingen, stellen ein Kapital von 7 Milliarden 700 Millionen und die amortistrbare Rente ein solches von 2 Mil- liarden 800 Millionen dar. Rechnet man noch die Schatz- scheine hinzu, die im Jahre 1877, und die Liquidationsdo.ids die 1874 ausgegeben wurden, so hat man ein Kapital von 12 Milliarden, im Ganzen also von 27 Milliarden, welche— so schreibt die„Republique franfaise"— in elf Jahren von den französischen Kapitali st en„erspart" wor- den find.— Die kranzöstschen Kapitalisten müssen entweder von einer wahren Spar-Tollwu h besessen sein, oder es fließt ihnen ein so gewalliger Bruchtheil des nationalen Einrom- mens zu, daß fich leicht sparen läßt. Holland. Das allgemeine D arniede rliea en des Geschäftes, heißt es in einem Amsterdamer Briefe der„K. Z.", macht sich besonders in den großen Siädten unter der Arbeiterbevölkerung recht fühlbar, und auch die an- gestrengteste Arbeit der Privatwohlthätigkeit kann der Roth nur m sehr unvollkommener Weise steuern. Es hat fich zwar so- wohljin Amsterdam wie in Rotterdam ein Verein für Arbeite« beschoffung gebildet, die freiwilligen Beiträge haben eine in früheren Wintern nicht gekannte Höhe erreicht und die städtischen Behörden lassen im Augenblick eine Anzahl öffent- licher Arbeiren ausführen, die einer späteren Zeit vorbehalten waren, allein angefickts der in's Ungeheure gewachsenen Ar- beiterdevölkerung und deS fortwährenden Zuzugs aus den Provinzen ist es kaum möglich, auch nur für die dringendsten Bedürfnisse in irgendwie ausreichender Weise zu sorgen. ganisation junger Kaufleute" aufgestellten Forderungen.$ Vereme unü UeroAMtuUmgeu. b. In eiuer öffentlichen Versammlung von Kauf- leuten, welche am Freitag Kommandantenstraße 70 stattfand, degründete H-rr Johann Fischer aus Wien in sehr ausführ- licher Weise die in dem Programm der hiefigen„Freien Or- ......., tUiCll Fotderupg:„Regelung des Lehrlingswesee« besprechend, theilte Referent mit. daß der Verein junger M leute in Wien auch dafür a g i t i r e, daß junge Leute, du i» Kaufleuten fich ausbilden wollen, slS Lehrlinge nur bei isoiV» eintreten, welche selbst„gelernte Kausleute" find. In der Kündigungsfrist führte er aus, daß für Kommis, die p«, lang in einem und demselben Geschäste gewesen, auch d« setzliche sechswöchentliche Frist nicht genügend sei, und daß n gesetzliche Bestimmung nöthig sei zur Beseitigung Des drauchs, daß Prinzipale, wenn sie Kommis auf eine deittm� Probezeit aufgenommen haben, dieselben vor Ablauf# Probezeit zu jeder Zeit ohne vorhergegangene Kündim entlassen dürfen. Die gesetzliche Regelung der Eormp» arbeit und der Arbeitszeit begründend, wies er da:� hin, daß im Großherzoglhum Hessen der Besuch d« Q bildungssckulen für junge Leute von 14 bis 18 Iah en bern obligatorisch gemacht sei. Den Mittbeilungen über den% 3000 Mitglieder zählenden) kaufmännischen Verein in zur Unterstützung der Mitglieder in Krankheitsfällen fügte. Mittheilungen über den„P e n s i o n s v e r e i n s ü r K au leute" bei, den Kommis und Prinzipale in Wien gegi&r haben. In Betreff der Stellenvermittelung ip, er fich dahin aus, daß die für diesen Zweck von den � männischen Vereinen errichteten Bu eaox in KartellverhaM stehen und Freizügigkeit haben wüßten/„Veificherung P. Stellenlofigkeit" erklärte er für eine zur Zeit unaussudr»-' Forderung. Höchstens könnte ein Verein seinen sür die Zeit, in der sie stellenlos find, eine 1W(#M garantiren. In Bezug a.f„Regelung der Gedalts!®, meinte Referent, müßten die Vereine in Gemeinschaft an'.. Handelskammern unter Berücksichtigung der örtlichen WL nisse Minimalgehälter festsetzen. Nach einer letd� Diskussion, an welcher fich die Herren Böhm, Karo, 6% Hinze, Gutmann u. A. betheiligten, und in welcher gegen Äeußerungen des Referenten Bevenken erhoben wurdz. schloffen die Versammelten auf Antrag des Refercnte»'' Einstimmigkeit die Einsetzung einer ständigen Komuiisfiolsj, Vorbereitung und Durchführung geeigneter Schritte bn. Regierungen Deutschlands und Oeuerreichs, um auf% der thatsächlichen Verhältnisse eine Aenderung der brfiy'T Mißstände zu erzielen. Auch der Antrag des Herrn Hl"/ den Vorstand der„Freien Organisatron ju»s, Kaufleute" damit zu beauftragen, die Ausführung � Beschlusses zu betreiben, wurde einstimmia angenommen. den zwei Resolutionen, die während der Diskussion einiP™- Rr. die; ■B eto lungen .. Zu fierheit Mderr worden waren, erhielt die folgende, welche Herr Hinze � „ jpeci jpw-vi brach« hatte, die Mehrheit der Stimmen:„Die Versanw?� bekennt fich mit den Ausführungen deS Referenten in»>< einstimmung, fordert aber außerdem, daß überall da, n>o junge Kaufmann(als der wirthschaftlich Schwächere) sei»«.'? wendigsten eignen Interessen nicht selbfi wahrnehmea" das Gesetz für ihn eintreten soll." Literarisches. Von dem illustrirten Unterhaltungeblatt„Die neu« � Stuttgart, Verlag von I. H. W. D i e tz, ist soeben � des zehnten Jahrgangs erschienen. Inhalt: Auf hoher See. Sozialer Roman% bastian Prutz-(Foitseyung.)— Der HauSgarten. IY;*, Obstgarten.(Schluß.) Von Gattenbaudirektor O. Finnland. Land, Volk und Lied. Von Dr. Max (Schluß)— Tanz-Anko. Von Ä- Weber.(Schluß.)... Macht ves Aberglaubens- Von Wilhelm Bios.( Schluß'. Der Februar ein stiller Dulder. Von P Chnstiani. c, körperliche Schädigung der Schuljugend in unseren Ledranstalten. Von Bruno Geiser.— Der Walnußbaum Unsere Illustrationen: Erregte Gemüther. De: Ka Edelweiß.— Vermischtes: Odilo Schreyer's lulliger um licher Zerlverlieiber. Aus dem Seelenledci der Tylere- sprechen ohne eigentliches Telephon. Erkennung stein.— Für unsere Hausfrauen: Zur Kultur der o" pflanzeo. Um frühzeitig große Zwiebeln zu erzielen. toffeln beim Kochen zu verbessern.— Räthsel.— Rem Aerztlicher Ratbgeber.— Redaktionskorrespondenz.— nütziges.— Mannichfaltige? ymct »«nvfs ftanb z «tt er e und an t,?, Nlngens ,"chi ii öÄ ßemeins Dichau N'deite fc.Ro Zation, S'ibdm •enden, _ Eb SZ Sms Zleichhel «ttnotl B Sü 45" >nisc I« &; ?!♦ überzieht, daß der Frost mit seiner erstarrenden dird Un9 �udgiltig de» Rücken gekehrt hat,— wie lange -�ieb kauern, und in den Selterbuden verkaust man den und ohne," die kohlensaurm Jungfrauen wer« Kr% t kann nicht mehr ausschließlich dem Verkauf« geisti» Slahrung widmen, man wird dann den pikanten In« .1a.———,chwächen. Im Thiergarten fängt es bereit« ver- kbiY. W knospen, nächstens werden die ersten Re« ?x«i,�°.'käfer eintreffen, und der gewissenhafte Chroni« h»,.?uk dann Gelegenheit haben, tiefsinnige Betrach» Schont v 41 klnsterblichkeit dieser Käfer, die rm dunkle» »ist v/ der Erde Hausen, anzustellen und sie zu vergleiche» . ktmerkeniwerthen Dauerhaftigkeit, deren sich andere Sn.'n ken Köpfen mancher Leute ihr Wesen treiben, ners her erfreue». �1.»°"! unk gar hat un» der Winter freilich noch nicht �ck. 5�» draußen lastet immer noch eine schwere Ei«« l»u«. Vt ken Gewässern, fie lockt leidensckaftliche Sport«» 1»%''le kern Schlittschuhlaufen nicht entsagen können, k'nau», sie»erden nicht eher von dem Ver- je«, �Üand nehmen, bis ein kahle« Bad, welche« in 'tfritt.. İh»kSzeit immer noch eine ganz besondere Zeit ift c* dietet, sie belehrt, daß e« nunmehr an der anderen Belustigungen umzusehen. �ittnavb kieser Beziehung kann doch augenblicklich Verlegenheit kommen, denn heute darf man "ner bekannten Melodie singen: £ wem ein Bein gegeben--"«• s-« Ü�entlick, p�iß ein ganz exorbitantes Plaisir, vi1* r c1?8' Damen, und wenn man daS nicht S Feuilleton. wüßte, so könnte man e» sicher au« h.�°sser R* il 4"?ielner Tages, eiwngen entnehmen, deren %%%%%« '»«WC'kSÄÄ'lW-'S Mi tcrung der Mittel der Abhilfe— Kollfftivproduftion nicht ausgeschloffen— sollte auch der Eozialvemokratie voll- ständig zurückgegeben werden." Man steht, eS besteht eine tiefe Kluft zwischen diesem Konservativen und den Polizei« staats-Konservativen Deutschlands und Oesterreich». Das zeigt fich endlich auch in der Stellung unseres Autors zum Arbeiterschutze. Er verwahrt stch zwar auf das Ent- schiedenste gegen den„Normalarbeftitag der Sozialdemokratie", er will ihn keinesfalls niedriger als 11 Stunden angesetzt haben, aber-benso entschieden tritt er für ein wirksames Fabrik- inspektorat ein, vor dem unsere leitenden Kreise ja noch immer zurückschrecken.„Der Staat übe immer vorbehaltloser auch den polizeilichen Schutz im Geiste des unabhängigen Fabrik« inspektorateS und jener englischen Fabrikgesetzgebung, mit wel- cher K. Marx in so verdienstlicher Weise bekannt gemacht hat.... Vor allem behandle er seine eigenen Diener und Lohn« arbester— auf Wersten, in Arsenalen, in den Kasernen, in den Werkstätten, in den Monopolfabriken, bei dm Verkehrs- anstaltm, in den Staatsforsten, bei der Chausseeverwaltung— auf menschenwürdige Weise, was bei dem heutigen Umfang dieser Arbeiterkategorien nicht verfehlen kann, auf die Lage der Arbeiter in den Privatgeschäften günstig zurückzuwirken." Man mag über dieses Programm denken, wie man will, die heutige konservative Praxis steht mit ihm jedenfalls nicht in Einklang, und wenn unsere Konservativen die Art gut- heißen, wie Schäffle den Sozialismus bekämpft, so mögen fie ihm auch darin folgen, wie er dem Sozialismus entgegen- kommt._ DolMseke MebersieKt. Sonderbare Anschauung. In einem liberalen Blatte, welches im Allgemeinen den sozialdemokratischen Antrag zur Gewerbeordnung mit unbefangenen Blicken anschaut, finden wir die höchste Befürchtung ausgesprochen über die„Organi- sation der Arbeit", die in dem Antrage enthalten ist. DaS Blatt schreibt nämlich zum Schluffe emeS längeren Artikels: „DieS ist wohl in den allgemeinsten Umrissen der Inhalt, den die zweite Hälfte deS sozialdemokratischen Gesetzentwurfs hat. Dieselbe erscheint sehr wohl durchdacht und wir haben auch neulich schon anerkannt, daß er mühsam ausgearbeitet ist, aber man darf fich nicht darüber täuschen, daß seine anschel« nende Gleichstellung von Unternehmern und Arbeitern eben nur anscheinend ist. Die belebende Seele der ganzen Organisation find die Arbeitskammern, in denen der Wille der Unternehmer— da Stimmengleichheit so viel wie Ablehnung gilt,— jederzeit lahm gelegt und gar, wenn die Arbeiter- Mitglieder auch nur ein Unternehmer-Mitglfied auf ihre Seite ziehen, durch die elfteren allen Unternehmern des Bezirks die Höhe deS Lohnes vorgeschrieben werden kann. Daß wir damit nicht blos den ersten, sondern fast schon den letzten Schritt in den sozialistischen Staat thun würden, bedarf lemeS besonderen Nachweises."— DaS Sonderbare dieser Kritik leuchtet sofort jedem Unbefangenen ein. Stellen denn nur die Unternehmer Anträge? Wenn die Arbeiter aber Anträge stellen— da Stimmengleichheit soviel wie Ablehnung gilt— s o kann der Wille der Arbeiter zujederZeit lahm gelegt werden. Und wenn bei Festsetzung deS Lohnes es den Unternehmern gelingt, nur einen Arbet« ter auf ihre Gelte zu ziehen, so kann für alle Ar- beiter die Höhe des LobneS von den Unternehmern vorgefchrie- den werden. Man steht, die Liberalen können fich einmal nicht daran gewöhnen, die Arbeiter als gleichberechtigt mit den Unternehmern anzusehen. Daran meiden die Arbeiter- schutzzesetze auf einige Zeit auch scheitern, an dem„liberalen" Unternehmungsdünkel und an dem Interesse, welches der Lide» ralismus an recht hohem Unternehmcrgewinn hat. Die Kolontalfrage beschäftigte vor einigen Tagen auch die Misfions KonferenS der Provinz Brandenburg. Trotzdem man auf dieser Konferenz im Allgemeinen für Kolonialbestte- Hungen war, wurde die Frage dennoch keineswegs in enthu- leicht au« den Hühneraugen. DaS macht aber nicht«, die Hauptsache bleibt, daß auf gewissen Bällen Alle« sprühend, prickelnd und glänzend ist, und daß ganz Berlin erfährt, wie man sich dort amüsirt, wie man tanzt, waS man ißt und trinkt, und— wie man sich kleidet. Namentlich der letztere Punkt ist von außerordent- licher Wichtigkeit. ES muß doch für einzelne Damen«in ganz besonderes Vergnügen sein, die Beschreibung ihrer Toilette bis in die kleinlichsten Einzelheilen in gewissen altersschwachen oder"vn Sensation lebenden Blättern zu finden. Wa« wäre e« auch für ein entsetzliches Unglück für das ganze deutsche Vaterland, wenn man nicht brühwarm erfahren würde, wie gestern auf diisem oder jenem Balle die Sängerin$., die Schauspielerin§)., die Kommerzien- räthin Z. angezogen gewesen ist. ES muß für die über- wiegende Mehrzahl unserer Mitbürger doch von ungeheurem Interesse sein, in die Geheimnisse der Kleiderschränke solcher Damen eingeweiht zu werden. Wohl den Menschen, die nicht genöthigt sind, derartige Berichte lesen zu müssen; daß dieselben überhaupt ge« schrieben werde», ist gewiß ein ttaurige« Zeichen unserer ganzen Zeitverhältnisse, durch derartige„geistsprühende", farbenschillernde Artikel wird die Eitelkeit mancher gesell« schaftlichen Kreise in der öffentlichen Meinung sanknonirt und schließlich den Leuten die Ueberzeugung anerzogen, daß sie in der That etwas besseres wären als Andere, die nicht über eine gleiche Reichhaltigkeit der Garderobe verfügen. Wer das Geschreibsel aber lesen muß, der hält eS nur bei sehr starken Nerven au», im anderen Falle wird er ver« rückt. Auch die Saison der Bälle wird vorübergehen, die künstlichen und natürlichen Blumen werden bei Seite ge- warfen, sie verttocknen, verkommen. Niemand erinnert fich ihrer mehr, sie haben eben ihre Schuldigkeit gethan. Für diese Blumen werden un« jetzt andere geboten, die ersten Veilchen sind bereit» da, mag fie die Natur her- vorgebracht haben oder mögen sie im Treibhause entstanden sein, kurzum, fie sind da, und jeder Mensch kann Sonntag» jetzt für einen Nickel ein noch so leerstehende« Knopfloch standesgemäß dekoriren. Allerdings werden un» diese ersten F'ühlingSboten hier in Berlin gerade nicht von Personen überreicht, die unS den Besitz eine« VeilchenfiraußeS oder eines BouquetS von Schneeglöckchen besonder« begehrenSwerth erscheinen lassen. fiastischer Weise dehandelt. Ein Mitglied. Prof. Plath au« Berlin, warnte davor, fich durch das Misfionrinterkffe blenden zu lassen; er sprach auch gegen daS von anderer Seite erwähnte ausgezeichnete Kolonisationstalent der Deutschen. Es sei ei» Unterschied zwischen Kolonisten und Kolonisatoren, wir seien zwar gute Kolonisten, haben aber noch keine Gelegen- heit gehabt, uns auch als gute Kolonisatoren zu zeigen. Der ehemalige Misfionar Maren Sky, welcher ftüher große chauvinistische Anwandlungen hatte, betonte jetzt, nickt vergessen zu wollen, daß wir mit Kruppkanonen und Mausergewehren nicht die Herzen der Eingeborenen gewinnen können. Und beim Stiftungsfest des Aka« demischen MissionSvereins sprach fich der Festredner, Pastor Grundemann, folgendermaßen aus:„E s w i r d viel jetzt geschwärmt für den schönen frucht- baren Kamerun. Thorheit! Dort oben ge« deiht nichts, daist märkischer Sand besser... lieber die Kolonialbestrebungen müssen wir sagen: Nur recht nüchtern!" Auf Grund deS Sozialistengesetzes ist die nichtperiodlsch« Druckschrist-„An die jungen Leute" von Peter Krapotkin, ans dem Französtschen übersetzt oon Fcau I. Schultze, verboten worden. Afrikanisches. Der bekannte Herr Lüderitz hat von dem Besitzer einer afrikanischen Landstrecke NamenS Bethanien, dem Kapitän Josef Fredricks, die Souveränität über die Küste von Groß-Ramaqualanv, 20 Mellen landeinwärts erworben. Nun- mehr ist Bethanien selbst unter den Schutz des Reiches ge- stellt, und zwar durch einen von Dr. Nachtigal abgeschlossene« Veittag. Roch einmal die Abkommandirung. Bezüglich der Abstimmung von Mitgliedern der deutschsreisin« »igen Partei bei der im vorigen Jahre stattgehabten Ver« längerung des Sozialistengesetzes veröffentltcht jetzt der frühere fortschrittliche Abg. Kaempffer folgende Brieke in der.Leipziger Bürger-Ztg." mit dem Hinzufügen, daß ander« weitige Mittheilungen von ihm in der genannten Angelegenheit W: w., 9. W.W 84. Lieber Kaempffer! Schicken Sie mir doch, bitte, eine Erklärung über die Vor« gange bei Abstimmung über das Sozialistengesetz, die ich, wenn es Roth thut, vubliziren kann. Mendt will das Gleich« thun. Wenn wir jetzt nicht mll den Namen und allen Details heraus» ommen, kommen wir in eine schiefe Lage. Wenn Sie wünschen — was ich indeß nach Lage der Sache nicht annehme— braucht Ihr Name nicht genannt, sondern nur bemerkt zu werden, daß der Schreiber, ein früherer Abgeordneter, bcrett fei, die Wahrheit der Schllderung zu bezeugen. Mit ic. gez. PhillipS. Leipzig, den 10. Dezember. Lieber Phillips! Münch erzählte mir f. Z., daß FrakttonSgenoffen, von welchen bekannt, daß fie Gegner des Sozialistengesetzes, Briefe von der Parteileitung, unterzeichnet: I. A Dr. Hermes» erhalten hätten deS Inhalts, daß ihre Anwesenheit bei der Abstimmung über daS Gesetz nicht nöthig sei und dezeichnete mir alS einen solchen Briefempfänger: Günther- Berlin. Dieser, von mir hierüber interpellrrt, bestätigte Münch'« AuS- sage mit dem Bemerken, daß noch 10 oder 12 anderen Kollegen gleichlautende Briefe zugegangen wären. O. Herme«, von mir befragt, in wessen Aufttage er diese Briefe geschrie- den, antwortete:«Nun, in Eugen'S Namen." DaS ist Alles, was ich über die Affaire weiß, und bin ick, da mir von leiner Seite Diskretion auferlegt ist, auch erdötig, mit meinem Namen hervorzutreten, wenn wider Erwarten von den Betreffenden meine Aussagen bestritten werden sollten. Mit ,c. Kaempffer. Nun wird Herr Eugen Richter hoffentlich nicht mehr leugnen!— In Hamburg wurden zufolge telegraphischer Ordre auf dem vorgestern aus New-Vork angelangten Dampfer„Bohemia" Da» ist ein dunkler Punkt im Leben der Millionen- stadt, aber er besteht einmal und deßhalb darf er auch nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Manche« Geficht der jugendlichen Blumenverkäuferinnen erzählt eine lange, ttaurige Geschichte, eine Geschichte, deren Anfang die Ar- muth und Entbehrung, und deren Ende das Laster bildet. Alles, was zwischen diesen beiden Polen liegt, ist klar. Es ist leicht, sich mit Widerwillen von diesen bemitleiden«- werthen Geschöpfen abzuwenden, eS ist furchtbar bequem, feine moralische Entrüstung in ein möglichst grelles Licht zu stellen, aber schön ist eS nicht, und menschlich ist es erst recht nicht. Ei giebt in Berlin Blätter, die diesen öffentlichen Krebsschaden an rkennen, fie weisen gerade jetzt darauf hin,— sie sehen die Wirkungen, ab�r sie verschließen fich den Ursachen. Mit den Klagen allein ist hier nicht? gethan, hier müßte praktische, wirkliche Abhilfe geschaffen werden, und wo der Hebel anzusetzen ist, daS weiß Jeder- mann, der e« überhaupt wissen will. Hoffenilich»erden unsere witthschaftlichen Zustände einmal derartige werden, daß kein freisinniger Journalist sich mehr vor den Töchtern unsere« Volkes zu entsetzen braucht.—— Merkwürdiger Weise hört man garnichts mehr von der erlauchten Sängerin, die augenblicklich in unseren Mauern weilt. Eine Fürstin, eine veritable Prinzessin als Chan- teufe, das ist so übel nicht, aber der Berliner scheint im Allgemeinen von dem hohen Besuch nicht allzusehr erbaut gewesen zu sein. Die Dame wollte ihrer Familie einen Schabernack spielen, und so wurde sie Sängerin, nach dem, wa» man von ihr gehött hat, hätte fie die Miiglied r ihre» HauseS jedenfalls mehr geärgert, wenn sie ihre Lieder rm Familienkreise vorgetragen hätte. Sie verläßt Berlin in wenigen Tagen, jedenfalls an Erfahrungen reicher als an — Einnahmen. Jedenfalls verdient eine solche Dame ihr Geld leichter als andere Leute, und«S ist doch immer ein Zeichen dafür, daß manche Leute, trotz ihrer Klagen, immer noch Mittel genug besitzen, sonst würde man derartigen„Konzerten" gewiß fem bleiben. Aber so ist e» eben verschieden auf der Welt, der Eine leistet fich Alle», während der Andere froh ist, wenn er bei einttetender warmer Witterung seinen Winterüberzieher versetzen kann, nata bene, wenn er einen hat. Und da jetzt bald die Zeit kommt, wo diese für viele Leute wichtig« finanzielle Operation vorgenommen wird, so wollen wir nicht verfehlen, allen tteuen Wärmespei.dem eine erfrischende Sommerruh« und vergnügten Mottenfraß zu wünsche«. «ine ankommende Dame nebst 10 Männern im Hafen von der Polizei empfangen, durchsucht und verhaftet. Es heißt, man habe anarchistische Schriften bei denselben gefunden- MMmeMrwckeiS. — In der Nachtsttzung der Geschäftsordnung S» Kommission deS Reichstags wurde über dm sozial» demokratischen Antrag, betreffend Bestrafung der Beamten, welche die Abgg. Frohme und v. Bollmar in Kiel s. Z. verhafteten, berathen. Es ist mit 8 gegen 3 Stimmm die Verhaftung der Abgeordneten alS gegen Artikel 31. der Verfaffunä(Immunität) verstoßend, für ungesetzlich erklärt worden, der sozialdemokratische Antrag selbst ist' jedoch ab» gelehnt worden. — Dem klerikalen ReichStagsabgeordnetm Dr- Porsch ist, wie man uns auS Langenbielau schreibt, von dort eine mit 1266 Unterschriften versehene Petition gegen Erhöhung der Getreidezölle mit der Bitte zugesandt worden, selbe dem Reichstage zu überreichen. — Die Abgg. Vissering und v. Hülst haben mit Unter» stützung der nalronallibcralen Fraktion im Reichstage einen Antrag eingebracht, worin ste den Reichskanzler ersuchm, Er- Hebungen anstellm zu lassen, durch welche Maßnahmen die f" izlich darntederliegende deutsche Hochsee-Fischerei zu Sern sei, und nach dem Ergebnisse dieser Ermittelungen daS thwendige zur Hebung derselben zu veranlassen. — In der B u d g e t- K o m m i s s i o n des Reichstags wurde gestern die Debatte über den Nachtragsetat pro 1885 bis 86(die bekannten Forderungm für die Kolonialdeamten) fortgesetzt. Neu eingetreten in die Kommisfion find inzwischen die Abgg. Richter, Dr. Hänel, Dr. Windtdorst und Wörmann. Die von den Abgg. Richter und von Strombcck gestellten Fragen find schriftlich formulirt, sollen aber erst metallographirt «erden. Di« Vertreter der verbündeten Regierungen gaben heute die Erklärung ab, daß ste nicht in der Lage seien, auf alle gestellten Anfragen eine Antwort zu erthellen. Diskutirt wurde besonders die Frage der Bedeutung des kaiserlichm Protektorats. Wird dasselbe ausgeübt über Länder, die auch jetzt noch Ausland bleibm? Auch die Frage stand zur De» batte, welche Gesetze in den Kolonien eingeführt werden sollen für die deutschen ReichSangchörigen, für die übrigen Europäer und für die Eingeborenen. Geheimer Rath von Kusserow ist der Anficht, daß eS fich hier gar nicht um subtile staatsrechttiche Fragen handele, sondern nur dämm, nach den überseeischen Schutzgedietm juristisch geschulte und vorgebildete Beamte zu senden, welche in diesen Gebieten Ordnung schaffm und die demnächst nöthige Organisation erst vorbereiten sollen. Den Rechten, welche die beiden gesetzgebm- dm Faktoren im Reiche, Bundesrath und Reichstag, befitzen, werde durch die geforderte Bewilligung und Hinaussendung von Beamten in keiner Weise präjudiurt. Ein Beschluß wurde auch heute nicht gefaßt und die Fortsetzung der Debatte auf Dienstag vertagt.* WA'%4 — Die Wahlprüfungs- Kommission des Reichstags hat beschloffen, die Wahl des Abgeordnetm Kable im achten Elsaß-Lothringischen Wahlkreise für giftig zu er- klären. — Die Xlll. Kommisston des Reichstages beschäftigte fich heute mit der Berathuna deS Gesetzentwurfes über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenver- ti ch e r u n g. Dieselbe kam über die Generaldiskusfion nicht inauS, da von verschiedenen Seiten Bedenken erhoben wurden, so sympathisch man auch im Allgemeinen dem Gesetzentwurf aenüberstand. Ob eine zweite Lesung erforderlich sein wird, erst nach Schluß der ersten Lesung zur Entscheidung ge» cht werden. DsrlamentsbenMe. Deutscher Reichstag. 44.Sitzungvom 7. Februar, 1 Uhr- Am Tische des BundesratheS von Schellin Lronsart von Schellendorff, v. Haenisch u. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung deS Gesetzentwurfes, betreffend die Ergänzung des GerichtsverfassungsgesetzeS. Der Gesetzentwurf bezweckt die Einfügung eines neuen§ 17a. in das ebengc- nannte Gesetz, nach welchem der Grunvsatz der Exterritorialität auf alle nicht zum deutschm Reich gehörige Staaten und deren Oberhäupter ausgedehnt wird. Von dm Familienmitgliedern und dem Gefolge, sowie von den nichtdeutschen Bedunstetm dieser Staatsoberhäupter soll dasselbe gellen, so lange fie fich in Begleitung der letzteren im deutschm Reich aushalten. Abg. Rintelen; Der Entwurf führt fich als eine Er zung des Gerichtsverfassungsgesetzes ein: eS sei bei der Zerathung des letzteren übersehen wordm, die allgemeinen »ölkenechtlichm Grundsätze über die exterritorialm Personen ausdrücklich als auch von der deutschen Gerichtsoerfassung anerkannt aufzunehmen, und diese Lücke solle die Vor- läge ausfüllen. Die Grundsätze der Extenitorialität richten fich noch der Reziprozität zwischen den verschiedenen Staatm, und darüber, wie die ftemden Staaten in dieser Frage verfahren, erfährt man aus dm Mo» tiven gar nichts. Wir sollen also mit der Regelung einer Materie vorangehen und dann abwarten, daß oie anderen Staaten eS ebenso machen. DaS scheint mir ein nicht ein- wandfteies Vorgehen. Die bekannte Veranlassung deS Ent- Wurfes, daß vor etwa anderthalb Jahren von deutschen Ge- richten Arrestbefehle gegen fremde Staaten als Schuldner er- lassen wurden, hat allerdings zur Erhebung des Konvetenz- konflikteS und zu dem Ausspruch des Kompetenzgerichtshofes geführt, daß eine diesseitige Gerichtsbarkeit über fremde Staatm überhaupt nicht existire- Die Konsequenzen einer solchen Be» stimwung sind aber gar nicht so leickr zu übersehen. Der Hauptgrund der Motive, daß es gelte, Verwickelungen mit den fremden Staaten vorzubeugen, ist ja nicht von der Hand zu weisen: es ist auf alle Fälle gut, eine Norm zu schaffen. Nun macht aber das Gerichtsverfassungsgesetz selbst schon eine Aus» nähme, nämlich in Bezug auf den ausschließlichen dinglichen Gerichtsstand in bürgerlichen Rechtsstceitigkeiten; die Motive sprechen außerdem von der Zulässtgleit der freiwilligm Unter- werfung unter die inländische Gerichtsbarkeit. Warum soll nun die ersterwähnte Ausnahme nur auf das Jmmobiliar- befitzthum fich erstrecken? Warum soll ein auswärtiger Fiskus nicht auch, wenn es fich um bewegliche Güter handelt, bei deutschen Gerichten Recht nehmen können, wenn wir uns ent» sprechend verhalten wollen? Und wie soll es mit der Exterri- torialttät derjenigm Staaten gehaltm werden, wo heute dieses und morgen jenes Staatsoberhaupt vorbanden ist? Diese und andere Bedenken veranlaffm mich, die Vorberathung der Vor- läge in einer Kommisston von l4�Mitgliedern zu� beantragen. Klemm kann diese Bedenken nicht theilm, einer kommissarischen Prüfung will indessen auch er nicht wider» sp"�Bundeskommissar Geh. Ratb Gutbrod: DaS Gesetz ist im Wesentlichen deklaratorischen Charakters: es will das Prin- zip. daß der fremde Staat der inländischen Gerichtsbarkeit nicht unterliegt, ausdrücklich ausgesprochen wissen. Abg. M a r q u a r d s e n ist mrt dem Abg. Rintelen für Kommisstonsbiralhung. Der Grundsatz, daß auch der fremde Staat(nicht bloß der fremde Souverän) der inländischen Iuris» diftion nicht unterworfen sei, stehe in Theorie und Praxis nicht so sehr über zweifelhafte Auslegungen erhaben da, daß es «ünschenSwetth erscheine,.die Konsequenzen desselben w einer Kommisfion gründlich zu erörtern. Abg. W i n d t h o r st: Ich stimme aus denselben Gründen für eine Kommisfion; ich sehe gar nicht ein, warum ich z. B- den russischen FiSkuS, an den ich Forderungen habe, und der hier bewegliche oder unbewegliche Güter hat, nicht bei unseren Geichten soll verklagen können. Die Vorlage wird darauf einer besonderen Kommisfion von 14 Mitgliedern überwiesen. Der zweite Gegenstand, die dritte Berathung des Gesetz- entwurfS, betr. einen Zusatz zu§ 12 des Tabakssteuergesetzes, wird von der Tagesordnung abgesetzt, da nach der Mit- theilung deS Prästdenten aus Anlaß von neuerlichen Pe- tttionen dem Bundesrathe Aenderungen deS Wortlauts erwünscht erscheinen, für welche eine kurze Frist zu ge- währen sei. Die Rechnung der Kasse der OberrechnunzSkammer für 1882/83 wird bezüglich desjenigen Tbeils, welcher die Reichs- Verwaltung betrifft, auf Antrag der Rechnungskommisfion de- chargirt. In Bezug auf die allgemeine Rechnung über den HauShaltSetat von 1879/80 hat die Rechnungskommisfion vorgeschlagen, gewisse Eiatsüberschreitungen und außeretatSmäßige Ausgaben, ebenso den Kabelvertrag der Post- und Telegraphenverwaltung mit Dr. Lasard nachträglich zu genehmigen, und die Entlastung deS Reichskanzlers in Bezug auf diese Rechnungen auszusprechen, sowie den Herrn Reiche kanzler zu ersuchm, den Entwurf eines Gesetz-S über die Vcr- waltung der Einnahmen und Ausgaben des Reiches dem Reichstage demnächst vorzulegen. Unter den nachttäglich genehmigten Ausgaden befinden fich mehrere Ausgaben der preußischen Militairoerwalturg, die von dem preußischen Kriegeminister, und eine Ausgabe, die von dem sächfischen Kriegsminister, nachträglich durch Extrahirung königlicher Ordres justifizirt find. Der Abg. Mener(Halle, dtsch.-fteis.) hat beantragt, in Bezug auf diese Ausgaben den Vorbehalt auszusprechen. 1. daß der Reichskanzler nachträglich die Verantwortlichkeit für die betreffenden kaiserlichen Erlasse übernimmt, 2. daß in Bezug auf den Kabelvertrag die nachträgliche Genehmigung des Reichs- tageS einzuholen sei. Inzwischen haben die Abgg. Richter und Meyer (Halle) einen Anttag eingebracht, durch welchen Nr. 1 des AnttageS Meyer(Halle) folgendermaßen modifizirt wird: nachträglich zu gmehmigm, daß bei der preußischen Militär- Verwaltung eine Doppelzahlung im Betrage von 193 Mark 75 Pf. und Ueberhebungen von Jnvalidenpenfionen im Ge- sammtbetrage von 2735 Mark 44 Pf. und 231 Mark statt- gefunden haben. Eventualantrag im Falle der Ablehnung des obigen An- ttageS:„Die Entlastung des Reichskanzlers auszusprechen, unter Vorbehalt der oben erwähnten Beträge." Abg. Meyer(Halle): In dieser Frage, die das Haus schon wiederholt beschäftigt hat, haben wir unserm ursprüng- lichm Anttag ad] zurückgezogen, um das Stieitfeld möglichst einzugrenzen und dadurch die Einigung aller Parteien zu er- zielen. Materiell find die Beträge, um die es fich handelt, geringfügig; wir wollen die Ausgaden ja auch genehmigen; indessen müssen wir doch die Rechte des Hauses in Bezug auf die nachträgliche Dechargirung von Rechnung«" wahren. Sonst würde unser ganzes Budgetrecht schließlich eine Klinge ohne Heft werden. Die Sanirung der vorliegenden Mängel er- folgt in vollem Umfange, wenn daS Haus jetzt ausspricht, daß es diejenigen Posten, welche der OberccchnungShof monirt hat, nachträglich genehmigt. Ich bitte Sie deshalb, unserem An- trage zuzustimmen. Abg. v. Maltzahn-Gültz(kons.): Dem Vorredner find wohl selbst Bedenken gegen seinen ursprünglichen Antrag gekommen: sonst würde er ihn nicht zurückgezogen haben. Dieser Antrag verlangte etwas von der Reichsregierung, was fie zu thun verfassungsmäßig nicht in der Lage gewesen wäre. Auch den jetzigen Antrag Meyer bitte ich abzulehnen: der Reichstag hat keinen Grund, eine Genehmigung auszusprechen, vie nicht nachgesucht ist. Die stteitigen Rechtsfragen werden in dem hoffmtlick bald wieder vorzulegenden Gesetz über die Verwallung der Einnahmen und Ausgaben des Reichs zu er- ledigen sein. Abg. Richter: Gegen die Resolution haben wir nichts einzuwenden, aber sie hat nur den Werth eines frommen Wunsches, der niemals die geringste Beachtung seitens der Regierung fand, obwohl er hier und im Landtage schon ein Dutzend Mal ausgesprochen wurde. Man mag ihn wieder- holen, soll aber außerdem thun, was man für Recht hält. So lange eine Materie nicht durch das Gesetz geregelt ist, ergiebt fich das Recht aus der Uebung, der Praxis und der Geltendmachung der Betheiligten. Nun macht die Regie- rung ihr Recht in schroffstem Umfange geltend, mehr als vis- her. Eich da auf den Wunsch beschränken, daß ste ein Gesetz vorlegm möge, wäre eine Schwäche und hieße in der That das Recht des Reichstages zurückstellen. Wir haben das Recht der EtatSverweigerung und an der Hand dieses Rechtes müssen wir uns so verhalten, wie es unserer RechtSausfaffung ange- messen ist. Die im Augenblick sekundäre Frage, ob der Kaiser oder König von Preußen gegenzeichnen soll, mit für uns heute gegen eine wichtigere zurück: wir bestretten nämlich überhaupt das Recht sowohl deS Kaisers wie des Königs, eine indeblre geleistete Zahlung durch Gegenzeichnung zu einer giltigm zu erheben. Indem wir also heute die nachträgliche Gmehmigung beantragen, erklären wir, daß fie zu einer rechtsatttigen Zah- lung unerläßlich ist. In Preußen ist dasselbe der Fall, obwohl es an Versuchen, diese Gmehmigung zu umgehen, nicht ge- fehlt hat. Die Instruktion der Oberrcchnungskammer von 1324 destimmt im Z 30 nur:„bei Rechnungsdesekien kann der Ver- waltun gSchef einen von der Oberrechnungskammer festgestellten Rechnungsdefekt niederschlagen oder dessen Einziehung verzögern." Nun will ste ihn hier offenbar nicht niederschlagen; ob blos aus dem formellen Grunde, daß die Gegenzeichnung deS Kanzler? nicht erfolgt ist, sondern nur die des Kriegsministers, oder aus einem andern Grunde, das ist bei der knappen Sprache der Bemerkunzen des Rech- nungshofeS nicht eistchtlich. Die Sache kann also nur durch Genehmigung unsererscils geschlichtet werden, wie es schon bei Etatsüberschrettungen geschehen muß, geschweige denn hier, wo leine Verwendung im öffentlichen Interesse, sondern eine über- Haupt nicht gerechtfertigte Zahlung stattgefunden hat, hinfichtlich deren eine Privatperson ersatzpflichtig ist. Der Kriegsminister vermochte fioz nur auf das Begnadigungsrecht der Krone zu beziehen, von dem es in der preußischen Verfassung ganz ein- fach heißt: Der König hat das Recht zu begnadigen und die Srrafe zu mildern. Daraus ist doch aber unmözlicd das Recht zu folgern, Ersatzforderungen niederzuschlagen in Folge unrecht- mäßig erhobener Gelder, wie der Kriegsminister behauptet, wenn er sagt, daß der Kaiser, der einen zum Tode verurtheil- ten Offizier begnadigen darf, ihm doch auch nachlassen kann, gewisse Zahlungen zu leisten. In diesem Falle sprechen wir die Genehmigung auS materiellen Gründen aus, ohne die wir daS Recht hätten, fie zu verweigern. Die betreffenden Personen find in ärmlichen Perhaitnissen, verzogen, ausgewandert u. s. w-, kurz; eS ist billig, von der Einziehung des Geldes abzustehen. Herr v. Maltzahn fragt, wie wir dazu kommen, eine Genehmigung zu ertheilen, die nickt nachgesucht worden ist? Aber man verzichtet zur leich- teren Eiledigung der Geschäft« nicht selten auf eine förmliche Vorlage und bringt dafür seine RechtSausfaffung, um deren Herausbildung im Reichstage es fich bandelt, unmittelbar zum Ausdruck, ebenso wie wir bei dem Anleihegesetz.Indemnität" ertheillen, obwohl die Regierung nur nachttäalrche Genehmi« gung nachgesucht hatte. Daß fie bona Cde gehandelt hat, bestrette ich nicht. Sie hat schon oft so gehandelt, obne auf Beanstandung zu stoßen. Ader das ist bei vielen Rechtsver- ballnissm der Fall. Ein Reichstag kann nicht immer eine Rechnung in allen ihren Theilcn p.üfen, Oiiginalrechnungen bekommen wir überhaupt nicht, sondern wir sind nur auf dt _______... geradezu,____ vom Kriegsminister angerufene Analogie mit dem Rechte W Kaisers, einen zum Tode verurtheitten Offizier zu begnadig» wurde uns die Bedeuiung der Frage in ihrem ganzen Umfange klar, und wenn wir jetzt die nachträgliche Genehmigung da Postens aussprechen, so thun wir, was billig ist, und W« zugleich unser Reckt. Bundeskommiffar Generollieutenant v. Hänisch: � Auffassung deS Abg. Richter vom Begnadigungsrecht der Rro« muß ich zurückweisen. Historisch ist die Krone Inhaberin alle Gnadenrechte. Sie übt dieselben auf den verschiedensten W bieten aus, und weder durch die Verfassung noch durch andere Rechtsnorm ist hieran irgend etwas geändert. Ai'" Jahre 1879 der Gesetzentwurf über die Verwaltung der nahmen und Ausgaben hier verhandelt wurde, sagte auch � Referent Abg. Lasler ausdrücklich:„Ich nehme keinen Anst»' zu erklären, daß das materielle Gnadenrecht der ßrotf diesem Gesetz nicht behandelt ist oder irgend eine AendeW» dadurch erfährt." Uebereinstimmend erklärte der damaw Finanzminister Camphausen, daß die materiellen Pcärog� der Krone durch jenes Gesetz nicht berührt werden sollen. � Regierung hält deshalb gegenüber den Aeuße-ungcn derW Meyer und Richter vollständig an ihrer früheren der Rechtslage fest.. Geh. Over-Regierungsrath Schulz führt aus. daß W den Antrag Richter-Meyer ein von der bisher bereits geübten Praxis völlig abweichender Rechtszustand werde, der staatsrechtlich unhaltbar sei.(Der BundeSirr®™* verliest die bezüglichen Gesetzesstellen.) Abg. Meyer(Halle): Nicht weil ich meinen i#? Autrag für bedenklich hielt, wie Herr von Maltzahn � sondern lediglich aus den von mir und dem Abg. retts dargelegten Gründen habe ich jenen Anttag zifL zogen. In die bestimmt fixirten Gnadenrechte ver R wellen wir nicht eingreifen- ein allgemeines Gnadenr»� dem Sinne, wie Herr v. Hanisch es meinte, ist aber Ä unkonstruirbar: namentlich giebt es kein Gnadenrecht der% durch welches daS Recht eines Dritten beeinträchligt dürste. Der Dritte ist aber hier der Reichstag, de stimmte Finanzrechte nicht beeinttächtigt werden dürfen, n* der Rechnungshof, diese sachkundige und unabhängige unS selbst daran erinnert, unsere konstitutionellen wahren, so dürfen wir das keinesfalls ignoriren., Abg. Windthorst(Zentrum) glaubt, daß eS wefen wäre, wenn man es hier, ohne die PrinzipicnftaS'L vorzukehren, einfach bei dem Beschlüsse der Kommissto»? bewenden lassen. Aber nachdem dies trotzdem vom M Malyahn in einer so scharfen Weise geschehen ist, Wj Reichstag die Pflicht zu konstatiren, daß über die Euv� und Ausgaben des Reichs nur er zu entscheiden hat. j Regierungskommissar Geheimrath ÄschendorN'" Bestehen des Norddeutschen Bundes find Nieverschl« ordreS unter Gegenzeichnung deS Kriegsministers eclaff« voller Kenntniß des Reichstages, der an denselben v gangen ist, weil er es vermuthlich nicht für thunlich Erlaß deS KomptabttitätSgefetzeS aus einer heiklen einen beliebigen Punkt herauszugreifen. Ich glaube, d Zurückhaltung ist auch jetzt am Platze und es empfi dem Vorschlag der Kommisfion beizutreten. Herrn Andeutung, daß eS der Reichsregierung nicht Ernst sei KomptabilttätSgesetz, ist unrichtig. Von der Reich» wurde ein solches Gesetz 1872 und 1874 vorgelegt. blieben damals eine Anzahl von Streitfragen offi wurde alsdann versucht, auf dem Wege einer vert Besprechung, zu welcher auch die Abg. v. Bends, v- Malchow und Herr Richter hinzugezogen wurden, eil Näherung herbeizuführen. Ader man konnte nicht über großen Streitfragen hiilw'qkomm-n, in wieweit dem tage das Recht der Mitwirkung bei Etatsüdersidreitun! Richtung der Einnahmen, beispielsweise bei der Post-" Elsenbahnverwaitung, vaS Recht der Mitwirkung bei kredüen, Niederschlagungsordres und bei Verfügung Gehaltsersparniffe zuzugestehen sei. Ich frage zum noch, was hat fich geändert, daß der Reil Bezug auf die Niederschlagungsordres plötzlich von d früherer Jahr« abweichen soll? Mir scheint es, rlS Bestreben(links) dahin geht, die Schärfung der Gig> Haufe zu vermehren. Abg. Hänel(deutfch-fteifinnig): Die erste Rech Militairverwaltung, welche im Reichstag vorgelegt ifi aus dem Jahre 1875; die heutige ist erst die vierte. Schweigen darf nicht als da» Zugeständniß von( ausgefaßt werden; erst allmälia hat man die Sck erkannt, die hier vorliegen. Würde unser Schweige» gedeutet werden können, so wäre es das Beste, jede an eine Kommisfion von 23 Mitgliedern zu verweilt»« J Befugniß zustehen müßte, Sachverständige zu verhöre» ja nicht ein Punkt übersehen würde. Ader das istj] die Art, das Berhältniß zwischen Regierung und tretung festzustellen in Bezug auf eine so umfassenv« wie es der Etat ist. Der Rcgierungskommissar rn&M jwbie «ms be % chrMs 155»1, �kgierm h«& bn Zulc Kit X «Weise «ißerdeu «ung de, fV» bleibt „ Abg ttrr woll 1° läge e iwgekehr beworfen «rfochter scschah. gimet nc Setcto> fefi «ffi piKkannl ? der i fe H dem m g Fäll. »tN. I ?-Nktnnl.' Wen, un A» im Lc ?»chdem Men Ne, Mafiunt «ßahrunfl ■"tan auch »tiner Ger den C Dmäßig einfa archisc »wir liru % «5S n' ». Ader nrchl wir, sondern der Rechnungshof, dessen% ein« gen wir pflichtgemäß zu beobachten haben, hat diese«■-■®t' geregt, und wenn wir nicht mtt bestimmten F0#, hervortreten, sondern nur betonen, daß wir unS nachträglichen Genehmigung außeretatSmäßiger � m. W fällm. Wies b|"c auf eine Schärfung der G-gensäye Hingearbeitet OiL,, Ader nickt wir. sondern der R�.-bniinr-hnf h-ftm 8.,' ein. wciKwimwung augereraismatzig-r � j wahren, so können Sie eine mildere, weniger die 1% auflegende Form von einer gewissenhaften Volkever nicht verlangen. Wenn ich über die Sache selbst mir auferlege, so möchte ich doch noch meine abweiche»; faffung in Bezug auf zwei Punkte markiren. Nack m, ficht ist sedes materiae ver Art. 62 der Verfassung« die Verwaltung des ReichsheereS eine einheitliche J» ganze Reich. Ich lege deshalb Protest ein gegen den des Regierungskomm.ssars Schulz, die innere dieser Verwaltung, das vnfaffungsmäßige Verhältattz t der Reichsarmee und der Preußens zu bestimme» clausula bajuvarica, die doch nur ausnahmsweise I bairische Kontingent Gellung hat. Diese Art der Jalerp und der Handhabung der Verfassung ist in fick ti. deutsche Heer ist ein einhettliches Heer, und wir, v�. diese Aussaffung eintreten, vertheidigen in Wahrhe» narchische Prinzip. Die Frage vcS Niedeftcklagung»* nicht zu verwechseln mit dem Begnadigungsrecht- y. alle Ursache, in der milden Form, in der daS 5 unser Recht bezüglich der Einnahmen und Ausgaben m »u wahren. t„ Regierungskommissar Geheimrath A s ch e n b o r Darstellung, als ob der Reichstag bis jetzt ohne Kcn» derartigen Vorkommnissen gewesen sei, entspricht» Hergang der Dinge im Jahre 1875. Damals hanveu um Ueberholungen der Jnvalidenpenstonen. In der Jy. kommisfion wurde die Ängelegenbeit eingehend eran fie hat nicht Anstoß an der Konttastaiiimng der schlagungSordreS Durch den Kriegsminister genom� verstehe nicht, weshlb man von der bisherigen? weichen will. Man beschwört so nur die Gesav�« 3% i Aufgabe. | 1 1 Verwaltung nicht das gleiche Entgegenkommen zeig', der. Wer steht dafür, daß fie nicht nach der Anna�, (links) AnttageS in Erwäguna aubt. ob eS nicht beW (links) AnttageS in Erwägung zuhi, ob eS nicht Motive für die KabinetSordreS überhaupt nicht w» thnlen?(Hört! Höft! links.) Abg. von Be nda(nat.-lib.) glaubt, daß 5 ftlhrung einer Verständigung nicht erleichtert wird, I Htntualltättn in ZluZsicht gestellt werden. Im Jahre 1875 Frage, ob die Kontrafigninmg der Riederschlagungs« Fr™ durch den Reichskanzler oder den Kriegsminister zu er- r-BfJI habe, nur ganz nebensächlich berührt worden, vielmehr f" vte Kommisston vor Allem versucht, darauf hinzuwirken, W.die Wirkun» der JustifizirungsordreS überhaupt ringe« '«Ä"- . sr»- Richert(deutsch-freis.): Die Vorhaltung, daß un- �Stellungnahme eine Verschärfung in den Gegensatz der �Mssung zu tragen geeignet sei, verdienen wir nicht; wir »Mn Fraam dieser Art stets ruhig und sachlich zu verhandeln uns bemüht. Ich habe im vorigen Jahre die Anregung zu 5-. w Stellungnahme gegeben, weil ich der Meinung war, daß TT Rechnungskommisston fernerhin nicht mehr so gleichgiltig Ä dieser ,�rage vorübergehen dürfte. Die Sache hat eine N�dung erhalten, seitdem der Reichskanzler uns ausdrücklich I? ii klärt hat, er wäre der Einzige, an den der Reichs- ;,,R nch zu wenden habe, nicht der Kciegsmimstcr, der gar nicht )% Stellvertreter sei. Das Mindeste, was Sie annehmen IM.en, ist die nachträgliche Gmehmigung; wenn das nicht ge« L»°ht, werden wir die Decharge oerweigern und sehen, ob die Regierung damit zufrieden ist. . Abg. v. Helldorf(kons.): Praktisch ist doch die Frage 5 Kontrafignatur ziemlich gleichgiltig, während die Frage � Zuläsfigkett der justifizirenden Ordres ganz abseits liegt, M der Kommisston wenigstens gar nickt erörtert worden ist. der Annahme des Antrages Richter schaffm wir Unzweiselhaft einen Anlaß zu Mißhelligkeiten. und �«erdem liegt für unS eine Veranlaffung, über die Berechti- ftung der JustifikatwnsordreS heute einen Beschluß zu fasten, gar nrcht vor. Nehmen wir den Antrag der Kommisston an, i» bleibt die Lage dieser Streitfrage unverändert. Abg. Richter: Wenn Herr Direktor Aschenborn meint, nur wollten mit unserem Antrage einen Konflikt herausfordern, 0 läge es doch sehr nahe, auf gewisse Fälle zu verweisen, wo umgekehrt die Regierung ohne jeden Anlaß Rechtsfragen auf- geworfen und in sehr schroffer Form gegenüber dem Reichstage utrfochten hat, wie es z- 33. bei den letzten Wahlprüfungen gilchah. Hier liegt ein solcher Fall gar nicht vor; wir stnd ?ur gezwungen, in gewissen Grenzen unser Recht zu wahren. nuch die Regierung giebt zu, daß in der Rechnungskommisfion >mmei nach den Gründen der Niederschlagung gefragt wurde. Gerade diese konstatirt« Praxis beweist, daß Herrn v. Benda'S mtemung unrichtig ist, daß mit dem Vo, zeigen der kaiserlichen �rvre die Sache erledigt sei. Die Kommisston hat es nur nicht Mr opportun gehalten, die Frage rechtlich der Form nach weiter u untersuchen, nachdem fie in der Sache die Billigkeitsgründe JUttlannt hatte, und weil fie glaubte, daß die ganze Materie ?.der nächsten Zeit gesetzlich geregelt werden würde. Im Mre 1875 war dies« Regelung sehr nahe. Ich gehörte �damaligen Kommisston für das Etatsgesetz selbst an und ?uß dem Abgeordneten v. Benda aufS Allervestimmteste bereiten, daß in der Kommisston auch nur von der Mehrheit dn Recht, durch KabinetSordreS Gelder niederzuschlagen, aner« umnt sei. Damals ist versucht worden, für gewisse untergeord- .lle Fälle der Verwaltung ein Recht der Niederschlagung zu kden. In einer Reihe anderer Fälle sollte ausdrücklich die Mehmigung dem Reichstage vorbehalten bleiben. Es han- gk fich um eine Art Kompromiß. Da derselbe nicht zu Arnde gekommen ist, so bleibt Jeder auf scirnrn Standpunkte Wen, und es ist nur eine Frage der Opportunität, wie man An im Laufe der Zeit schärfer oder weniger scharf akzentuirt. Mchdem uns beute rc> sichert worden ist, daß zu einer gesetz- «chen Neuregelung dieser Materie bei der Verschiedenheit der «ussaffungen keine Aus ficht, sei, müssen wir erst reckt auf die Wahrung unseres Standpunktes Bedacht nehmen. Ftüher hat man auch einmal geglaubt, für außeretatsmäßige Ausgaben ler Genehmigung nicht zu bedürfen; man besoldete z. V- s den Ersparnissen an Landgerichtsgehäitern einen außer- .tsmäßigen Major, heute geschieht das nicht mehr. Es fragt einfach, wie weit die Verfassung das früher geüble rchische Recht modifizirt hat; die Regierung meint das wir halten es für fundamental modifizirt. Die nähere lirung ist zur Stunde noch nicht erfolgt, folglich bleibt bei seiner Auffassung stehen. Wir stnd gerade durch die is'"»i>g des Kriegsministers provozirt worden, der in einem wie nie zuvor, daS Begnadigungsrecht geltend ge- AÄ hat. Die Frage, ob der Reichskanzler oder der Kriegs- Ilster kontrafigniren müsse, war 1875 sekundär, die Re- f'?Ung sprach damals selbst nur immer von kaiserlichen Er- jPOi. Daß die Gegenzeichnung jetzt auchdurch den Kriegs- W Ilster erfolgen kann, ist ein ganz neuer Standpunkt. Nach- N die aussührlichen Debatten über diese Frage stattgefunden v«en, würde die einfache Annahme des KommisstonsantrageS rn?* Verschlimmerung unserer ganzen Rechtslage bedeuten. M sind ja dem Antrage der Kommisston auf Verlegung eineS MgesetzeS keinesweges entgegen, halten aber dafür, daß dieser nicht ausreicht. �.Abg. v. Helldorff: Auch mit der Annahme des Kom- ?!)?°nsantrages wahren wir voll und ganz unser Etats- Mi; wir haben es nickt nöthig, im gegenwärtigen Augenblick ,,,?.die aufgeworfene Streitfrage eine materielle Entscheidung ,w'allen. Abg. p. Benda: Wenn das Parlament ein unzweifel« Wes Zischt gehabt hätte. alle Justtflkationsordies zu gench- , so wären in der Kommisston von 1875 die Versuche, richtige Vertheilung de- Berechtigungen zu erreichen, doch mcht angestellt worden- o Abg. Hänel konstatirt, daß auch er 1875 der erwähnten jornrntsston angehört habe, und daß Herr v. Benda die da- Mse Sachlage ganz unrichtig wiedergegeben habe. Ein /»»t der Regierung ist nicht anerkannt worden; allerdings 5 �iemand von uns geleugnet, daß der Verwaltung eine aN', Freiheit der Bewegung in Ansehung der unter- Seordnetnen Fälle gewährt werden müsse. Zwischen diesen Wen Standpunkten zu vermitteln. war damals unsere �"lgabe. Ada. v. Helldorf: Auch der Vorredner erkennt also an «SK 5# Wigebiet. Durch Debatten und Anträge wie die heutigen �ri man die Lösung solcher Fragen nicht, und. ich bitte nDI'4,inan Ott iioiung imcher prägen mtm, um.«v bt, mot8' lassen wir die Angelegenheit auf fich beruhen, bis Regierung selbst wiedrr mit entsprechenden Vorlagen an Richter! Wenn wir mit Äerrn v. Helldorf die kommt.. -...chter: Wenn wir mit Herrn v. Helldorf aussetzen wollen, bis die Regierung daS Bedürfniß fühlt, mo�ririflich beschränken zu lassen, dann können wir lange -lue»«?(Heilerkeit.) Der Regierungsstandpunkt ist ja der be- �uafnbHrf# Ti-? �-aieruna dc Der ReichS- Bu�Ia»8 ,u �langm sei. wird, daß die Allerhöchste Ordre dem Reichstag nicht genügt. Eine Drohung irgend welcher Art habe ich nicht ausge- sprachen. Abg. Richter: Daß es doch bedenklich ist, wenn wir unS bei der bloßen Decharge-Ertheilung beruhigen, hat der Rath Aschenborn selbst vorhin dargethan: denn er hat daraus, daß wir früher immer die Decharge ertheilt hatten, geschlossen, daß damit ein festes Recht konstituirt sei. Eine Drohung lag ferner allerdings in seinen Ausführungen, wenn auch eine solche in höflicher Form. Wenn Herr v. Benda es als so bedenklich darstellte, die Decharge zu verweigern, so hat man doch im allgemeinen Rechte, um ste zu gebrauchen. Wenn unser erster Antrag nicht angenommen wird, so werden wir über die jetzt in Frage stehenden Punkte allerdings die De- charge nicht aussprechen können. Der Antrag Richter-Meyer, soweit er die zurück- gezogene Nummer 1 ersetzen soll, wird gegen die Stimmen der Konservativen genehmigt. Es folgt nunmehr die Berathung des Antrages Meyer ad II, betreffend den Kabelverirag, Abg. Meyer(Halle) weist darauf hin. daß dieser Kabel- vertrag, wenn er auch an stch nickt zu mißbilligen sei, doch verfassungsmäßig dem Reichstag zur Genehmigung vorgelegt werden müsse, da er als Garantieoertrag eine Belastung deS Reiches enthalte. Bisher habe die Po'tverwaltung versäumt, diese nachträgliche Genehmigung beim Reichstag nachzusuchen. Abg. v. K ö l l e r führt aus, daß das Reich nicht selbst die Kadelverbinduag hergestellt, sondern daß eine Akttengesell« schast als Rechtsnachfolgerin des Dr. Lasard diese Einrichtun« gen getroffen hat, und daß daS Reich gegen eine bestimmte Entschädigung in ein Pachtoerhältniß zu dieser Gesellschaft ge« treten ist. Die Einnahmen aus den Telegrammgebühren fließen in die ReichSkaffe, dadurch wird die Pacht völlig gedeckt. Direktor im Reichs-Postamt Fischer: Der Antrag ist nicht anzunehmen, weil er von einer falschen Interpretation des Art. 73 der Verfassung ausgeht. Der Abg. Meyer meint, daß jedes Schuldoerhältniß, welches die Verwaltung eingebe, der Genehmigung des Reichstag? bedürfe. Ohne die Möglichkeit, irgend em Schuldoerhältniß einzugehen, kann aber eine Verwaltung überhaupt nicht geführt werden. Ein Garantievertrag im Sinne des Art. 73 liegt hier nicht vor. Der Vertrag ist für das Reich im höchsten Grade vortheilhaft gewesen. Abg. Haupt hält den Vertrag für einen einfachen Pacht- vertrag. Die Postoerwaltung konnte auf Grund der etats- mäßigen Ermächtigung die aus diesem Vertrage für fie ent- stehenden pekuniären Verpflichtungen erfüllen. Der Antrag Meyer sei daher gegenstandslos. Abg. Halben befürwortet den Antrag Meyer. Wenn der Vertrag auch sehr vortheilhaft gewesen sei, so dürfe der Reichstag doch gegenüber der Verwaltung keines seiner ver- fassungsmäßigen Rechte aufgeben. Geh. Oher-Regierungsralh M e y e'r bestreitet, daß es fich hier um einen Garantievertrag handle, und bittet, den Antrag Meyer(Halle) abzulehnen, dessen Wortlaut schon allein zu Bedenken Anlaß gebe. Abg. Mey er(halle) demerkt, sein Anttag schließe fich dem Wortlaute nach an die Monita des Rechnungshofes an; und bittet nochmals, dem Antrage zuzustimmen. Abg. Hänel führt auS, daß der Vertrag schon deshalb nicht als gewöhnlicher Pachtvertrag anzusehen sei, weil die Summe, welche die Gesellschaft jährlich erhält, auch zur Bil- dung eines Reservefonds zu verwenden ist. Der Antrag M ey er(Halle) wird gegen die Stimmen der Ferstnnigen abgelehnt, dagegen der Antrag der Kommisston auf Vorlegung eines KomptabllitätSgesetzes angenommen. Schluß 5'/« Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr. Tagesordnung; Zolltarifnovelle. D o k» l e s. g. Unter den Beamten des städtischen Zentralvieh» Hofes, welche bei der Auffindung der Leiche deS Droschken- kutschers Lindenau an der Böschung hinter ver sog. Schwarzen Brücke zugegen gewesen, herrscht trotz der entgegenstehenden Meldungen immer nock die gleich von vornherein ausgesprochene Anficht vor, daß ein Mord oder ein sonstiges Verbrecken ganz ausgeschloffen sei. Sie find der Meinung, daß das Pferd der Droschke durch einen schrillen Pfiff der Lokomotive eines Güter- zuges, welcher hier bereits gegen 4 Uhr früh verkehrt und unter der Brücke fortgefahren ist, gescheut war, kurz hinter der Brücke einen Seitensprung gemacht bat und sammt der Droschke und dem Kutscher Lindenau die Böschung hinabgestürzt ist. Für die Annahme, daß ein Verbrechen bezw. eine Beraubung nicht stattgefunden hat, spricht auch der Umstand hinreichend, daß außer sämmllichen Kleidungsstücken die filberne Taschen- uhr und ein Geldbetrag bei dem Verstorbenen vorgefunden wurden. Bedauerlich ist nur, daß fich die Personen nicht melden, welche nach den Buggenhagen'scken Häusern fahren w llten; fie würden zur Entwirrung aller aufgetauchten Vnfionen über die Ursache deS Unglücks wesentlich beitragen. Nachdem jetzt aber von Raub und Mord gesprochen wor- den, ist wenig Hoffnung vorhanden, daß die viel- leicht gänzlich unschuldigen Personen aus ihrer Reserve heraustreten werden, um fich unliebsamen Weiterungen auszu- setzen. Allem Anschein nach ist der Unfall bei der Rückfahrt von den Buggenhagen'schen Häusern geschehen; wurde dies als pofitiv festgestellt werden, so würde die» erheblich für die Un- begründeiheit der Muthmaßung sprechen, daß der Droschken- kutscher während der Fahrt ermordet und er mit seinem Fuhr- werk den Abhang Hinabgeschleist worden sei. Man darf jeden- falls auf das Resultat der Exhumirung der Leiche des Lindenau gespannt sein. Ob die Sachverständigen in der Lage sein werden, mit Bestimmtheit zu eruiren, daß die Wunde am Kopf von einem Instrument herrührt oder aber durch einen vorragen« den Thell der Droschke oder den Huf des fich überschlagenen Pferdes, muß erst abgewartet werden; schwierig ist eine der- artige Aufgabe auf jeden Fall, wenn nicht ein spitze? Jnstru- ment(Messer, Dolch-c.) zur Verwendung gekommen ist. That- fache ist, daß die Kriminalpolizei von einer Untersuchung der Leiche durch Sachverständige vor der Beerdigung Abstand ge- nommen bat; dies wäre nicht geschehen, wenn nicht der scharfe Blick der Kriminalbeamten die blutende Wunde als einen Messer- oder Dolchstich erkannt hätte.— Mit der Anbringung der Barriere an der Böschung, woselbst die Droschke hiirunterge- stürzt oder— wenn ein Verbrechen vorliegt— hinuntergeschleist worden, ist man jetzt fertig. Dagegen fehlt noch die Laterne an der Brücke, deren Vorhandensem als erwünscht bezeichnet wird. R. Ein schreckliches Unglück trug fich gestern Mittag im Louisenstädtischen Kanal zu. Drei Schulknaben kamen aus der Wrangelstraße und wollten, um den Umweg über die Köpnlcker oder Adalbertbrücke zu vermeiden, über den noch mit Eis bedeckten Kanal von der Thomaskirche nach der Melchior- straße zu gehen. Kaum zehn Schritte vom Ufer brachen alle drei ein, zwar hielten fie stch noch eine geraume Zeit an der Oberfläche, doch konnten nur zwei von hinzugekommenen Pas- santen gerettet werden, der dritte, ein Knabe im Aller von un- gefähr 10 Jahren, perieth unter daS Eis und ertrank. Wohl gegen dreitausend Menschen mußten zusehen, wie der arme Knabe von der Oberfläche verschwand. Niemand konnte helfen, weil das Eis vollständig zerbrochen und auck nicht der geringste Gegenstand zum Retten zur Hand war. Nach geraumer Zeit wurde endlich auS einem Hause am Engelufer eine Letter herbei- geholt und auch einige Stricke wurden zur Stelle geschafft. Zwei beherzte Männer begaben fich auf daS Eis, konnten aber auch mit Hilfe der Letter die Stelle nicht erreichen. Schließlich holte ein verstandiger Mann von der Köpnickerbrücke ein Boot, aber da vielfach noch starke? EiS im Kanal war, so konnte daS Boot erst die Stelle«reichen, nachdem von beiden Seiten des Kanals dem Bootssührer Leinen zugeworfen waren, an welchen es vom Ufer aus hingezogen werden mußte. Nach ein paar Minuten eifrigen Suchens wurde der Knabe herausgezogen, die Schulmappe auf dem Rücken und die eine Hand krampfhaft vor dem Munde. Obgleich derselbe sofort in eine Lage mit dem Kopf nach unten gebracht wurde, so gab er doch.ein Lebens- zeichen mehr von fich; man brachte rhn nach Bethanim.— Wie mag wohl den armen Eltern zu Muthe geworden sein, als ihnen diese schreckliche Nachricht zu Theil wurde? Wir können nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit auf daS Fehlen der Brücke im Zuge der Wrangelstraße hinzuweisen; taufende von Arbeitern müssen täglich einen weiten Umweg bis zur Adalbert- oder Köpnickerbrücke machen, auf diesen Umstand ist schon seit Jahren hingewiesen worden, doch hat man fich von Seiten des Magistrats bis jetzt nicht veranlaßt gefühlt, Abhilfe zu schaffen. ProjekttrteS Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 8. bis 15. Februar. JmOpernhause. Sonntag, den 8.: Unvine; Montag, den 9.: Die Stumme von Portici; DimS- tag, den 10.: Der Trompeter von Eäkkingen; Mittwoch, den 11.; Der Barbier von Sevilla, Nurjahd; Donnerstag, den 12.: Die Walküre(Herr Niemann); Freitag, den 13.: D:r Trompeter von Eäkkingen; Sonnabend, den 14: Die Hochzeit des Figaro; Sonntag, den 15.: Die Aftikanerin(Herr Niemann). — Im Schauspielhause. Sonntag, den 8.: Roderich Heller; Montag, den 9,: Othello, der Mohr don Venedig; Dienstag, den 10.: Die Bekenntnisse, Kleine Mißverständnisse; Mittwoch, den 11.: Rosenkranz und Güldenstern; Donnerstag, den 12: Die Karolinger; Freitag, den 13.: Neu einstudirt: Turtüffe, Castor und Pollux; Sonnabend, den 14.: Frau Äspafia; Sonntag, den 15.: Die Rantzau. Polizei-Bertcht. Am 6 d. M. Nachmittags wurde der Kutscher Dierdurg aus Rixdotf, als er in der Pionierstraße die plötzlich durchgehenden Pferde dcs von ihm geführten Arbetts- wagens aufhalten wollte, umgerannt und überfahren und erlitt dabei eine Verletzung am linken Unterschenkel.— Um dieselbe Zeit wurde der Arbeiter Schlichtiger, Manteuffelstraße wohn« Haft, in der Holzmarktstcaße von einer Equipage überfahren und dabei am Kopf und an den Beinen leicht verletzt— In der Nacht vom 6. zum 7. d. M. brach auf demGrundstückKöllnischer Fischmarlt 2 Feuer aus, durch welches der Dachstuhl des Seiten- flügels zerstört wurde. Die Feuerwehr war über zwei Stunden rn Thätigkeit.__ Gniekts Rettung. N.$ie tnmultuarischen Szenen, die im April des vori- gen Jahres die Villa Froboen in Steglitz zum Schauplatz hatten, fanden am gestrigen Tage ein Nackspiel vor der Straf- tammer deS Landgerichts II, Nach den Anklageakten hatten fich die beim Bau dieser Villa beschäftigten Putzarbeiter wie» verholt darüber zu beklagen, daß ihr Arbeitslohn nicht voll und nicht ganz zur Auszahlung gelangte. Als ihnen nun am 26. April v. I. wiederum statt voller Zahlungen nur Theil- Zahlungen angeboten, soll der Alngeklagte Putzer Flohr dem Unternehmer BomrowSki zur Zrh'ung ihm nicht zustehenden Arbeitslohnes veranlaßt, den Tumult am 28. wiederholt, schließlich seiner Arretirung Widerstand entgegengesetzt und den Amtsdiener beleidigt haben. Die umfangreiche Beweisaufnahme bestätigte die Anklage im Wesentlichen, ergab aber auch, daß der Bauunternehmer in ver That den geforderten Lohn dem Angeklagten schuldet. Die Staats- anwaltfchaft beantragte eine sechswöchentliche Gefängnißstrafe, der Vertheidiger plaidirte dagegen auf Freisprechung event. nur auf eine Geldstrafe zu erkennen, da eine Widerrechtlichkeit nicht vorliegt, im Uebrigen der Angeklagte in erklärlicher Aufregung gehandelt hade. Der Gerichtshof trug diesen Umständen Rech- nung und erkannte aus Freisprechung wegen der Erpressungen und der Beamtendeleidigung, oeructhettte jedoch den Angektag- ten wegen Nöthigung, Nöthigunasversuchs, Widerstands gegen die Staatsgewalt und einfacher Beleidigung zu 50 Mark Geld- strafe, indem er in seinen UrtheilSgründen das Lohnabzugs« verfahren Ver Bauunternehmer einer vernichtenden Kritik unterzog. Eine wenig geräuschvolle, aber trotzdem äußerst leb. hafte Verhandlung fand gestern vor der 90sten Astheilung des Schöffengerichts statt. Der taubstumme Handelsmann Julius Ackermann halte fich wegen groben Unfugs zu verantworten. An einem Oktoberabende des vorigen JahreS ging der Ange- klagte mit zweien seiner Leidensgenoffen die Lchönebergerstraße entlang. Plötzlich entspann fich zwischen seinen Begleitern ein äußtast heftiger Gebervenwechsel, der bald darauf zu Thätlich- ketten überging. Der Angeklagte warf stch vermittelnd zwischen die laullos aber heftig kämpfenden, hatte aber das Malheur von dem hinzukommendm Schutzmanne für den Rädelsführer gehalten und zur Wache fistirt zu werden. Im Termin fun- girte der Taubfiummenlehrer Kröning als Dolmetscher, der dem Gerichtshöfe die heftigen Gist'kulationen des Angeklagten, welcher seine völlige Unschuld betbeuerte, zu erklären hatte, Der Gerichtshof schenkte dem Angeklagten Glauben und sprach ihn frei._____ Vereine unü Versammlungen. v. Eine allgemeine öffentliche Metallarbeiter» Ver« sammlnng fand am 3. d. Mts., gleichzeitig mit der von der neuen Lohnkommisfion in das KonzerthauS„Sanssouci"(Kott- buserstraße) einberufenen Versammlung der Metallarbeiter aller Branchen, im Louisenstävtischen Konzerthaufe, Alte Jakob- straße 37, auf Veranstaltung des Fachoereins der Metall- und Dampf Armaturen statt. Die- selbe beschäftigte stch unter dem Vorsitze des Herrn Wurche mtt dem bekannten Strtke in der B. Joseph'schen Armaturen- & RaI von ca. 300 Thsilnehmern besucht. Herr Teuttch referirte über die neueste Strikelage und hiett dabei ?lle früher gemachten, neuestens von Herrn Joseph theil weise bestrrttencn Angaben vollständig aufreckt. Die 35 Strikenden nnd, so führte er aus, in vollem Einverständniß mit allen Branchenlollegen fest entschloffen und gewillt, bis zum Aeußersten zu oerrharren. Schars tadelte der Referent den unkollegialischen und pflichtvergessenen JndisferentismuS einer kleinen Anzahl von Berufsgenossen, die fich dazu herbeiließ. ÄS S» ÄÄÄÄ ÄÄÄ" SSÄA« würde«t schon nach kurzer Zeit fich dem unfehlbaren Rain uberantwocten.-Lac Sache der Strikenden sei gerecht und der genannte leitende Fachoerein werde fich ihrer jetzt nur noch um so energischer annehmen. Um keinen Preis dürfe man den Versuch einer Verlängerung der Arbeitszeit durch Ver- kürzung der Mittagspause dulden. Im Höchen Grade zu ta« dein sei der JndisferentismuS und Egoismus der Berufs- genossen, welche die Strikenden durch Weiterarbeit oder Eintritt in die Fabrik schädigten. Der in Rede stehende Branchen- Fachverein werde daher auch in DM'SM-SS-L EKWSx.SSZ d«r„SetUn« Zeitung", dem Strike in der Joseph'schen Fabrik gegenüber beobachtet bätte. Nach einer animirten, nur im Sinne de? Referenten sich äußernden Diklusfion, an der fich Einstimmigkeit zum Beschluß erhoben- Kür die Mitglitder der Zentral» Kranke«- und Eterbekasse der Drechkler und verw- Berufkgenosst« Verein d. Bert. MetallarhelW Dienstag, den 10 Februar, AbendS 8 Übt in Nieft's Salon, Vommandantenstraße 71"' Mitglieder Versammlung. _ Tages-Oidnuog:. As 1. Geschäftliches- 2. Bericht üb« den Kongreß 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Pünktliches Erscheinen sämmtticher Mitglied« wendig. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Aufnahme neu« Mitglied«. m�srj 259_ DerVow� Abfälle 2 Brüder suchen 1 möbl. Zimmer, separat, mtt kl. räum»um 1. März. Off, m. Preis an die Erped-L Dte Nr. 13 d« humoristischen Blätt« zu ,.D 4% iü erschienen PS „Der wahre jSncok' j letim und in der Exped. d.„B�t VolkSbl." � V Veranrworttich« Red altem«. krouhet« in Berlin. Druck und Verlag von W«r vädtng in B«Un SVf. Beuthstraße 2. U