Sckluß w mmiiston itü'm fiw Knop rstüeuni Rr. 37. Freita>i, 13. Fcb uar 1885. II. Jahrg. inzung in sein« stimmtz/ AlbuSl Wienecke SM mg des St" ■Ä �reng � % :eWw näiSfe ntereffe« efuitg ;. bei«--� h fuNN Jltfftoft Brgan für die Interessen der Arbeiter. t/, SDci„»ttiiatf««Iflöldö «zch Ssa«« tmb ag«, EisjreiöteiUftirei« für 4 Mark, m»»atlich 1,85 Mari, wöcheatlich 35 Pf. & Pf. vo»ntag»�Nu««er«it illustr. Biilage 10 Pf. der Postz«itm»s»deSmuthige», vor nichts zurückschreckenden Feinde � haben werde. Man hat lange genug mit dem Jakobs ufleute ohl rrsch« , stallet zertdf jwisch wes' g nw Don« r®i lösUN! rri. initnt IgsstU! Ieuitteton. Gesucht uui zefuude». Roman von Dr. Dur. (Forsetzung.) �ch dachte. Raybot," wandte er sich an seinen Kolle- >w,r folgten dem Rath« deS Mr. HarrierS; im ]m c genommen hat er Recht. Man kann ja nicht V* wichtige» Geheimniß Rowland mit ins Grab wenn er bis morgen bei Beginn der Bureau- �."'cht mehr lebte." , Ct'�etcht ist Mr. Knox so gütig, unser Abendessen „$nbe später herzurichten?" bemerkte Raydor. Sn lL" Sie eä durchaus"' S P lebet Stunde d Sie es durchaus wollen, meine Herren, so A,,. � jeder Stunde de« Nachts bei mir ein war- VS."n Kamin, ein gutes Glas Punsch und em . W-S Abendessen finden." Metall'''' �%/9bot seufzte tief, zog noch einmal mit voll«« Zügen nsen- PI;% dem gebratene» Hamr ik* t �1« b(n dem gebratene« Hammelfleisch m seine Rase, Ken �ltn Rest des Punsches, und folgte dann seinem ' Mb,. der bereits seinen Augenschirm mit seiner l in k.°�uscht, und Mr. HarrierS, der sich ebenfalls Alle l?'" schweren Reisepelz gehüllt hatte. «ön'stI'sik un?M��lett?n�etz?'ihre Gläser. Sie 64 ,«->, ,/'%««» irf, ne üble Vorsichtsmaßregel." i% j,«rwidene �Vntn fände bei diesen Nachforschun- | ,»- � mington-Gewehren bewaffneten Araber auf 9—10000. � Zahl der mit modernen Schießgewehren ausgerüsteten UN«. deren Gebrauch durch egyptische Uederläufer wenigstens dürftig unterrichteten Sudanese» ist also bedenklich ange«a® und wird noch immer mehr zunehmen. Diese Geweht"»» aber werden immer gefährlicher werden, je länger fie Zeit fich mit der ungewohnten Waffe vertraut zu machen; wenn fie fich niemals die Vorzüge eines europäischen schützen aneignen werden, dürften fie doch neben dem Haufen der Speerträger fich den Engländern immer unane. nehmer bemertlich machen. Lernen aber die Sudanesen" mit Schießgewehren und Geschützen auch im freien Felde tit" zu Hantiren, so dürfte den Engländern ihre Viereckstellung Feuergefecht bald unmöglich werden; sobald fie indessen.� dieser abgehen, müssen fie auch mit weit stärkeren Streitlrasi als bisher austreten, denn nur solche könnten fich in einer* modernen Taktik entsprechenden Weise entfalten... Daß der Feldzug im Sudan den Engländern ungeh� Summen gekostet hat und auch noch kosten wird, zewJC Summe, welche bis jetzt vom englischen Parlament Entsatz Gordons" bewilligt wurde. Dieselbe betrug 1,62% Lstr., ohne die außerordentlichen Bewilligungen, welches gesammt 518,100 Lstr. ausmachen. Diese 40 Millionen werden jedenfalls noch um einige hundert Millionen vermehrt werden müssen, wenn der angefangene Krieg geführt werden soll.-j, — Aus Pontypridd meldet der Korrespondent deZ�% Telegraph", daß mehrere tausend Büchsen und mehrere 3% Munttion von einem zu Ewansea gehörigen(bcW# einem französischen Hafen verschifft und an einer Stellt', landet worden seien, die für einen Transport zum Mair eignet sei._ WmmunKtes._ Zur Gasfrage. Ein sehr fragwürdiger Punkt«"ifj städtischen Verwaltung ist das Verhältniß der englischen gesellschaft zu der städtischm Verwaltung, wie es dum bekannten Vertrag vom 30. Mai 1881 festgestellt worden �? Roth gehorchend, nicht dem eignen Triebe, nach langem* gen und Drücken zur Leistung eines SteuerbeitrageS vr' ß, 400000 M. an die Siadthauptkasse verpflichtete, hat den sehen Finanzen keineswegs Vortheile gebracht, sondem%, die städtische Gasverwaltung zu einer Quelle steigender A luste geworden. Denn für das Linsengericht der 400 hat die Stadt das Recht verkaust, den Preis deS Gase?) � zu bestimmen; fie muß vertragsmäßig den einmal festgtiW Gaspreis beibehalten, während die englische Gesellschaft w' � um 5 pCt. billiger verkaust und dadurch die gesammte Pr> j kundsckaft an fich zieht. Welche dedeutende Summen d» der städtischen Gasverwaltung verloren gehm und>"«j Taschen der englischen Aktionäre fließen, kann man an den Fingern abzählen. Hat der Magisttat'Qk ....... deS Vertrages einen verha"� Zeit durch Abschluß die Herrschaften verzichten möchten, bis er de« Aderlaß genommen. Dann schlug er die Gardine zur Hälfte zurück, r da« matte Licht der Lampe auf das Bett fiel. ,#,# „Erkundigen Sie sich, ob vom Sherifamt von W�rl« noch Niemand angekommen ist," erklang jetzt die 9 Stimme deS Kranken. „Vom Sherifamt in Westinn?" „Ja!",„ „Das sind ja die Herren, welche Sie zu sprechen'• schen, Mr. Rowland, welche zu empfangen Sie soeben lehnten... Erlauben Sie Ihren Arm; eS ist f# gethan." fei« Er schob einen Stuhl an daL Bett, stellte auf b � ben ein Waschbecken, und schickte sich an, die vorzunehmen. Zu seinem Erstaunen aber folgte diesmal der der sich sonst seinen Anordnungen unbedingt fügte, �.„et ben nicht. Mit einer unerwarteten Anstrengung' Kräfte richtete er sich in seinem Bette auf und fag»' � „Lassen Sie die Herren eintreten; ich will sie M sprechen.".mF „Sie sind schon hier;.... aber sie find"t 2%* augenblicklich zu schwach.... erlauben Sie Jh"" Mr. Rowland.". Da schlug der Kranke den zweiten Vorhang silne«. selber zurück und rief mit schwacher Stimme, aber v'"' genug, daß Alle eS hörten. f „Treten Sie näher, meine Herren, ich muß Sie ehe ich sterbe!" Mr. Cambry näherte sich dem Bette...«w „Ich komme im Aufttage des Herrn Shertf � welcher selber zu erscheinen verhindert ist. Hier'ff Vollmacht."„i Er zog ein Blatt aus der Tasche und legte es Kranken auf daS Bett. Derselbe aber würdigte daS Papier keme» vielmehr gab er den Anwesenden einen Wm», I setzen. Er erkannte jetzt Harrier«. nen Wt« Sff Rill' 3 begangm, so sollte man denselben Zw.?. iu verewigen streben. Nacht dem Wortlaute des beni?,� der Stadtverwaltung jederzeit das Reckt zu, vidi, o J" �ken, und es ist angefichts der schweren Schäden, dch aus jenen unpraktischen Bestimmungen entwickelt a�?/Miim vn" Steuerzahler von diesem Rechte Gebrauch zu machen. »i.i.indesten müßte der Vertrag mit der englischen Gas- evhrv??a�n geändert werden, daß dieser die Möglichkeit «J2K? wird, durch billigere Gasverkaufspreise die lohnende ?f, 5!�"dschast an fich zu fesseln. Man rühmt es gern und �-'M dre Verwaltung der städtischen Gaswerke auf kauf- ein?, � Grundsätzen beruhe. Wo in aller Welt aber ist es «.v Wwannischer Grundsatz, fich selbst die Hände zu binden W Ke Kundschaft zu zwingen, daß fie dem Konkurrenten in laufe? Einen Kaufmann, der in dieser Weise IlÄ' würde man wahrscheinlich unter Kuratel stellen. verhaupt müssen wir sagen, daß unserer städtischen Verwal- Blick für die Erschließung außerordentlicher Einnahme- sür Kl"» und gar mangelt. So wollte fie die Konzesston «,„j* Pferdebahnen ohne jede Entschädigung ertheilen, so hat englischen Gasgesellschaft gegenüber das Interesse stobtischen Steuersäckils nicht zu wahren verstanden. kg of* Gewerbedeputation des Magistrats gehen wieder- «lagen seitens der Vorstände der Orts-Krankenkassm zu, w 1 vuuiö vci vui|iuuvc gw, �ach viele Arbeitgeber ihrer Pflicht zur Anmeldung der von beschäftigten verficherungspflichtigen Personen gar nicht . arauf__________|.......... 2, ihnen beschäftigte verficherungspflichtige Person, welche ? nachweislich einer Betriebs-(Fabriks-), Bau-, Jnnungs- "WÜ 5", L? nicht pünktlich genügen." T>ie Bctheiligten werden daher ?«gend darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbeitgeber jede � IDttP.n bofrfkrtfi« QRßff AM fMßTfKf ?nkenlaffe, Knappschaftskasse oder einer dem§ 75 des TMrnvcrficherungsgesctzes genügenden freien Hilfskasse an- Mi, spätestens am dritten Tage nach Beginn der Be- ??>gung hei dem Vorstände der Ortskrankenkaffe, welcher �. Arbeiter durch seine Beschäftigung angehört, beziehungs- ?e soweit eine solche Kasse nicht existirt, bei der Gemeinde- ji..!1. n erficherung(letztere im Köllnischen Rathhaus, >. n>straß« 20a) anzumelden und spätestens am dritten nach Beendigung deS Arbeitsverhältnisses wieder abzu- ?wen haben. Arbeitgeber, welche ihrer Anmeldepflicht nicht 2j?8en, müssen alle Aufwendungen eistattcn, welche die Ge- �ndelrankenverficherung oder ein« Ortskrankenkasse zur Unter- l Mnz einer vor der Anmeldung erkrankten Person gemacht Erfili Außerdem wird das Unterlassen sowie die verspätete iiiit«fc"g von An- und Abmeldungen für jeden einzelnen Fall Geldstrafe bis zu 20 Mark event. verhältnißmäßiger Haft ti».?! Gewerbe-Deputation hat bereits mehrere derar- rl Kontraventionen dem Polizeipräsidium zur Herbeiführung w.w!trQfun8 der betreffenden Arbeitgeber übermittelt und ,.s?bres auch ferner unweigerlich(htm. Falls den Arbeit« Wn über ihre Meldepflicht irgend welche Zweifel erwachsen, t?«! dieselben am leichtesten durch mündliche Anfrage im CJKrbe-Bureau, Breitestraße 20a, Zimmer 1, an jedem Wochen« «vischen 8 und 11 Uhr Vormittags behoben werden. tz�Der Etats-AuSschuh hielt Dienstag Abend unter dem M des Dr. Etraßmann seine zweite Sitzung. In An- I kam u. A. die Neueinstellung eines besoldeten Stadt- für Medizinal- und Eanitäts-Angelegenheiten. Nächste ig Freitag; Etat der Höberen Schulen. L Große Berliner Pferde-Eis enbahn- Gesellschaft. Gestern S eine Sitzung des AuffichtSraths der Gesellschaft statt- Mnden, in welcher die BetriebS-Resultate des vorigen JahreS r Feststellung gelangten. Die Dividende wurde nach den Mutenmäßigen Abschreidungen und Reservelegungen auf � pCt. gegen 9»/4 pCt. im Jahre 1883 festgesetzt.- Das D o k» l e s. .üglich der ältliche« Hilfe bei Nacht werden rtig seitens deS PolizeipräfidiumS Erhebungen darüber t, in welcher Weise bei plötzlich eintretenden Er- «Hjcn, Unglücksfällen ic.. bisher von den Polizei-Revieren yn worden ist, resp. wie fich das bisherige Verfahren be- wT, hat. Die„StaatSb. Ztg." schreibt hierüber: Wir haben s,«°s°S hochwichtige Thema bereits mehrfach die Aufmerk- «»-M gelenkt und darauf hingewiesen, wie dringend unser« ichen Verhältnisse entsprechende Maßregeln nach dieser -im—- erfordern- Die Polizeibehörde ist, wie wir gern aner- 'nti*.?' na(h Kräften bemüht gewesen, Abhilfe zu schaffen, doch % bas, was geschehen ist, dem inredestehenden Zweck in ift � lehr geringem Maße. So anerkennenSwerth es . ein großer Theil der Beamten der Schutz- sich lAofl als Samariter ausgebildet ist, so können die Hilfeleistungen derselben doch immerhin nur auf �uzeln. m'ur Ankunft des Arztes erstrecken. Ferner find auf Kersch?»? Polizeiwachen sogenannte Rettungskasten, enthaltend Pledikamente, Verbandzeug rc. deponirt. Zur Ver- dürften dieselben wohl nur in verschwindend geringem »J* g-kommen sein, da hierzu ein-"'" von den Beamten nicht ba" sagte er mit matter Stimme. .larnerS; ich wollte Sie noch ein- um Sie um Verzeihung zu bitten, für das, was Ich habe Unglück gebracht über das Haus @52» ikWs�'. Sie auch, Kp- ««69 wäre rnnfirfiA««AriftitA Ihnen in Ihren letzten antwortete Harrier« ... dargebotene Hand nahm.„Er- erz durch Mittheilung dessen, was Sie läßt""."wenn Sie etwa» gethan, wa» sich noch gut machen schwer da« Unrecht, da« Sie thaten, Ihnen weniger Angerechnet werden." ldilch�-ltaydor hatte inzwischen einen kleinen Tisch, Schreis.." dm Kamin stand, an das Bett getragen, ein hatrr zurechtgestellt, die Mappe, welche er bisher hq«!T)v;v? Arne getragen, ausgebreitet, und sich angeschickt, Ca»k. schreiben. ÜUgewn«??�� ihm gegenüber und zwar dem Kranken ISdot f,«.* �"niger Entfernung nahm Harrier« Platz. schrieb— � 1* inzwischen die Einleitung de« Protokoll« ge- b-»«-» i* I" "Aowland!" «Alter?" «Katholisch\" ktnnS..wünschen nntviff''""niqen de« Sherifamt von Westrnn Be- Der 0" wachen. Ich bitte Sie, zu beginnen. alle A.��anke antwortete nicht sogleich, sondern blickte (Yv%. Ss»*» SftrtiJxa—/sAy AM dieser Befehl sehr ungelegen. „ bereit«0'?'51"�—— meici!»>,»—o— o--, töi-"" ,B 'en gedachte.—- ♦«« seinen Kunden vortrefflich zu Nun gerade im entscheidenden Mo- zu verlangende medizinische Beurtheilung und Uebung gehört, auch bei der Entfernung der meisten Polizeiwachen von der nächsten mit einem solchen Rettungskasten versehenen von einer rechtzeitigen Hilfe in dringenden Fällen kaum die Rede sein kann. Was nun gar die in erster Linie vorgeschriebene Herbei- holung des zuständigen Armenarztes betrifft, so kann darüber kein Zweifel mehr obwalten, daß diese Institution einer Re- form am dringendsten bedürftig ist und daß gerade durch diese die wünschenswerthe schnelle Herbeischaffuna ärztlicher Hilfe weit mehr verhindert, als befördert wird. Die Polizeirevier- Verwaltungen find nämlich verpflichtet, unter allen Umständen zuvörderst den zuständigen Armenarzt zu requiriren, und erst nachdem fich die Unmöglichkeit, denselben zu erlangen, heraus- gestellt hat, find fie überhaupt berechtigt, anderweite ärztliche Hilfe herbeizuschaffen. Bei den ausgedehnten Bezirken dieser Armenärzte, deren unsere Millionenstadt überhaupt nur ungefähr 60 befitzt, find die Wohnungen derselben meistens sehr weit von den zuständigen Polizeiwachen entfernt; bestimmungsgemäß muß aber jeder weitere Versuch, ärzlliche Hilfe herbeizuschaffen, unter- bleiben, ehe nickt festgestellt ist, ob der Armenarzt zu Hause ist, und erscheinen kann. Untemimmt es der Reviervorsteher, in Anbetracht der dringenden Nothwendigkeit schleunigster ärzt- licher Hilfe, einen anderen in der Nähe wohnenden Arzt zu requiriren, so thut er dies auf seine eigene Gefahr, da er als- dann für die Kosten aus eigenen Mitteln auskommen muß. Da nun erfahrungsmäßig die zuständigen Armenärzte— woraus ihnen übrigens kein Vorwurf gemacht weiden kann— verhältnißmäßig nur selten angetroffen werden, so muß in der Regel nach langem Zeitverlust die Herbeischaffung eines anderen Arztes versucht werden, selbstverständlich list es dann oft genug zu spät. Daß derartige Zustände unhaltbar find, liegt auf der Hand und wäre es dringend wünschenswerch, daß dir maßgebenden Behörden nun endlich denselben ein Ende machen. Wir find überzeugt, daß nur wenige unserer Aerzte zu entspre- chenden Arrangements, durch welche die Polizeirevierverwaltun- gen in die Lage versetzt würdm, während der Nachtzeit ärzt- licht Hilfe nachzuweisen, resp. herbeizuführen, ihre Beihilfe ver- weigern würden. Gegen einen sogenannte«„Kravattenfabrikanten", einen Wucherer der allerschlimmsten Sorte, den Kaufmann H., hat die Königliche Staatsanwaltschaft beim Landgericht I die Untersuchung wegen Meineids und Betruges eingeleitet. Ein hiefiger wohlrenommierter Schulmann befand fich im Sommer v. I. in Geldverlegenheit und wendete sich an H., der ihm gegen Hingabe eines Wechsels in Höhe von 480 Mk. auch 400 Mk. vorstreckte. Am Verfalltage konnte der Akzeptant nicht zahlen, wurde verklagt, und ihm bald darauf vom Ge- richtsvollzieher in Höhe von 510 Mk. das gesammte Mobiliar verfiegelt. Um den Verlauf des gepfändeten Mobiliars und die Abholung desselben zur Pfandkammer zu verhindern, ver- anlaßte ein Freund deS Bedrängten, Kaufmann Z., den Gläu- biger, einen neuen Wechsel auf weitere drei Monate, natürlich mit den üblichen Damnozinsen von 100 Prozent anzunehmen, wogegen der alte eingeklagte Wechsel über 480 Mk. nebst Protest zurückgegeben werden sollte. Da diese Papiere aber fich hei dem Gerichtsvollzieher befanden, so sollte die AuShändi- gung derselben am andern Tage erfolgen. Dies geschah nicht, und als H. zur Herausgabe des Wechsels und Protestes auf- gefordert wurde, war er dreist genug, der Zwangsvollstreckung aus der alten erledigten Wechselforderung Fortgang zu geben. Nickt genug hiermit, präsentirte er nun noch den zweiten, ihm an Zahlungsstatt für den ersten übergebenen Wechsel und strengte mangels Zahlung auch hier noch die Klage gegen den Akzeptanten und den als Aussteller auf demselben verzeichne- ten Bürgen Z. an. AlS ihm nun von den Beklagten darüber, daß der zweite Wechsel nur an ZahlungSstatt für den ersten Wechsel gegeben, und der erst« Wechsel zurückgegeben werden sollte, der Eid zugeschoben wurde, leistete H. denselben. Die Königliche Staatsanwaltschaft, welche nunmehr angerufen wurde, hat die Verfolgung der Sache fich sehr angelegen sein lassen und die Untersuchung gegen den Wucherer H. sofort angeordnet. N. Die oft gerügte Uufitte, daß Lastfuhrwerke abfichtlich mit den Tramways der Berliner Pferdebahn-Gesellschaften, in einer sogar die Passagiere gefährdenden Weise, zu karamboliren versuchen, dürfte vorausfichtlich, durch das resolute Einschreiten eines Pferdebahn-Schaffners G- demnächst in einer exemplari- schm Weise geahndet werden. Beim Pasfiren der Kottbuser Brücke wurde gestern Nachmittag ein Tramway, der Linie Spitlelmarlt— Rollkrug, von einem mit Rüststangen beladenen Wagen derart angefahren, daß der Pferdebahnwagen stark be- schädigt wurde, während die Insassen in Gefahr schwebten von den Rllststangen getroffen zu werden. Als G. den Kutscher nach dem Namen fragte, schlug der rohe Mensch in brutalster Weise auf G. ein, und versuchte fich durch die Flucht einer Namensfeststellung zu entziehen. Schnell entschlossen sprang G. auf die Rüststangen und fuhr so bis zur Grimmstraße mit, wo endlich durch einen des Weges kommenden Schutzmann die Verhaftung des Kutschers erfolgen konnte. N. König Kalakaua, welcher vor einigen Jahren Berlin mit seinem Besuch beehrte, hat vor mehreren Tagen an dm in mente sollte er sich entfernen. Da» kam ihm sehr un- gelegen. Der Diener folgte dem Befehl ohne Weitere«. Ihm war es mehr darum zuthun, in seinem Zimmer eine halbe Stunde ungestört zu schlafen, al« sich mit Neuig- keitm zu beladen, welche für ihn sehr wenig Interesse hatten. Der Bader dagegen zog e« vor, sich nicht weiter zu entfernen, al« bi« in da» Nebenzimmer, wo er das Ohr an das Schlüsselloch legte und sich bemühte, so viel zu er- haschen, al« ihm bei der schwachen Stimme de» Kranken möglich war. Rowland begann seine Bekmntnisse: „Ich habe ein große« Verbrechm begangen. Ich habe mich zu demselben verleiten lassen durch meinen Herrn, Lord Davis. Sie wissen, Mr. Harriers, daß der Lord große Stücke auf mich hielt, daß ich fein ganze« Vertrauen befaß." „Ich weiß e», Mr. Rowland," antwortete Harriers. „Sie waren fein beständiger Begleiter auf Reisen, und alle seine Angelegmheitm besprach er mit Ihnen." „Sie wisse« auch," fuhr Rowland fort,„daß ich niemals venätherisch und treulos gegen unfern Herrn ge- handelt habe." „Im Gegentheil," bestätigte Hattier»;„man wußte, daß Sie ihm mit Leib und Seele ergeben waren." „Da« war ich, und das war mein Unglück. Seit zwölf Jahren habe ich keine ruhige Stunde gehabt.... Ich will von vorn anfangen. Vor zweiundzwanzig Jahren war es, al« die gnädige Frau, die erste Gemahlin de» Lord Davis, starb. Wtt waren damals in Italien, und in unserer Begleitung befand sich eine junge Dame NamenS Frieda Arnold, eine Deutsche, welche die gnädige Frau zu ihrer Gesellschafterin genommen hatte. Schon bei Leb- zeiten der gnädigen Frau hatte Lord Davis sie geliebt; sie erwiderte aber seine Liebe nicht, ja, sie behandelte ihn kalt, und wie» jede Annäherung mit Entrüstung zurück. „Anders war e«, als die gnädige Frau todt war! Da lieh sie seinen LiebeSbetheuerungen Gehör. Sie reichte dem Lord die Hand; ich weiß, weswegen..... Ich Schöneberg wohnenden Bierverleger Herrn Albert Götze ein freundliches Schreiben gerichtet, in welchem er um die Zuien- dung einiger Berliner Weißbierproben bittet. Herr A. Götze ift diesem Gesuche sofort nachgekommen und befinden fich die Proben bereits unterwegs. Die Gegner des Weißbieres, welche behaupten, daß dasselbe rothe Nasen mache, dürften bei dem tiefschwarzen Teint der Sandwichs-Jnsulaner leine Gegenlieb« finden und so einem in Ausficht stehenden größerm Export- Geschäft nichts in den Weg stellen können. N. Entsprungener Geisteskranker. Ein gemeingefähr- licher Geisteskranker und zwar ein Arbeiter Friedrich Wilhelm Geske aus Berlin ist einer hierher gelangten Privatmittheilung zu Folge, von einigen Tagen aus dem Spital in Lörrach, Großherzogthum Baden, unmittelbar vor seiner bevorstehenden Ueberführung in die Irrenanstalt zu Dalldorf plötzlich ent- sprungen. Der Geistestranke ist mittelgroßer Figur, sehr schmächtig, bat graumelirtes Kopfhaar und ebensolchen kurzge« schnittenen Vollbart. Das Kopfhaar ist dünn und zeigt den Anfang einer Glatze. Bekleidet war der Kranke mit dunklem Anzug, Lederschuhm, einem sehr langen schwarzen Winterüber» zieher mit Krimmerbesatz am Kragen und an den Eeitentaschen. Trotz aller Nachforschungen war bisher irgend eine Spur von Wahnsinnigen nicht z dem zu ermitteln. N. Einer der gefährlichsten Federviehdiebe, der fest zwei Jahren die Umgegend von Biesenthal, Blankenburg, —-•• nr' c......-ßx—— � X ic*.____«->», Bernau, Schönfließ rc. unsicher machte, endlich glücklich in der Person eines„Arbeiters" Franz Liebner dingfest gemacht und zur Haft gebracht worden. L-, der mit einer ganz erstaunlichm Frechheit einzelnen Gehöften in den Eingangs genannten Ortschaften nächtliche Besuche ab- stattete, dabei das Geflügel sofort an Ort und Stelle tödtete und in Säcken fortschleppte, hatte, wie die Behörde schon längst in Erfahrung gebracht, sein Hauptabsatzgebiet hier in Berlin. Weitere Nachforschungen ergaben, daß L. wiederholt todte« Geflügel zu einem in der Elsasserstraße wohnenden Schuh« macher F. gebracht und diesen unter der Vorspiegelung, er sei Gutsbcfitzer->nd bekäme das Geflügel stets von seinem Außer- halb wohnenden Bruder geschickt, zum Weiterverkauf veranlaßt hatte. Trotz alledem wußte ver schlaue Verbrecher fich einer Verhaftung bisher stets zu entziehen. Endlich, gestern Mittag, wurde dem Revieroorstand des 12. Polizei-Reviers die Meldung gemacht, daß sich der steckbrieflich verfolgte Liebner im Restaurant„zum kleinen Roland", Elsasserstraße 73, befinde und dort Mtttagdrod esse. ES wurden sofort zwei Schutzleute dorthin gesandt, denen es auch glücklich gelang, den gemein- gefährlichen Verbrecher nach kurzem Widerstande festzunehmen. L. ist ein bereits mehrfach vorbestraftes Subjekt, er hatte zuletzt 5 Jahre Zuchthaus zu verbüßen. a. Zwei jnnae Burschen traten vorgestern gegen Mittag in das Haus der Herberge zur Heimath in der Oranienstraße, ein anscheinend volle? Faß und mehrere gefüllte Selterflaschen bei fich tragend. Das Faß, in welchem fich Branntwein be- fand, stellten fie im Hausflur bin und einer der Burschen be- gab fich mtt den mit Branntwein gefüllten Flaschen in die Herberge hinein, um da den Branntwein zu verkaufen. Nach vergeblichen Bemühungen entfernten fie fich mit dem Faß und gingen die Oranienstraße entlang nach der Alexandrinenstraße, verfolgt von einem inzwischen auf ihr verdächtiges Treiben auf- merksam gewordenen Kriminalbeamten, der fie festnahm und zur Wache brachte. Da stellte fich heraus, daß da» Brannt« wein von den beiden Burschen, dem 22 jährigen Bäckergesellen G. und dem 13 jährigen„Arbeiter" Sch., wenige Stunden vor dem beschrieben Vorfall in der Neuen Friedrichstraße von einem Wagen, dessen Besttzer noch nicht ermittelt ist, gestohlen wor- den war. Die beiden Burschen find gestern zur Hast gebracht worden, und das Faß Branntwein, welches mit D. M- 4 gezeichnet ist, befindet fich auf dem Kriminallommiffariat in Ver- Währung. N. Da« verdächtige Individuum, dessen Festnahme auf dem Rummelsburger Bahnhof vor einiger Zeit von hiesigen Zeitungen gemeldet wurde, ist inzwischen in Köpnick, wohin der Vagabund eingeliefert worden, als ein Arbeiter Kutzke auS Berlin rekognoSzirt worden. K. ein vollständig verkommenes, mehrfach vorbestraftes Subjekt, hatte bekanntlich auf dem Bahnhof wohl in animirter Stimmung von einem Attentat gesprochen. Weitere Recherchen ergeben, daß K. noch eine längst rechtskräftig gewordene Freiheitsstrafe zu verbüßen habe und erfolgte in Folge dessen seine sofortige Ueberführung in eine Strafanstall. a. Die Untersuchung gegen die unverehelichte Schneiderin Anna Semmler, deren Kind am 12. Nov. v. I. in dem Hause Jägerstraße 1 bei der Reinigung eines Schorn- st eins im Schornstein halb verkohlt aufgefunden worden, wegen Kindesmordes ist soweit vorgeschritten, daß der Termin zur Hauptverhandlung auf den nächsten Dienstag(17. d. Mts.) vor dem Schwurgericht deS Landgerichts I. angesetzt ist. Die Angeklagte, ein recht hübsches Mädchen im Alter von 20 Jahren. welche Anfangs bei ihrer polizeilichen Vernehmung eingeräumt hatte, ihr Kind vorsätzlich durch Ersticken getödtet und sodann durch die Kochmaschine in den Schornstein geschoben zu haben, hat sodann vor dem Untersuchungsrichter ihr Geständniß wider- allein erfuhr e«, denn ich folgte ihr auf ihren angeblichen Reisen nach London. „Sie besuchte dort einen gewissen Mr. Parr, in dessen Hause sich ein Kind befand, sein Knabe von drei Jahren, den sie herzte und küßte, und den fie verpflegen und er- ziehen ließ von den Reichthümern ihres Gatten. Sie hatte es dem Lord verschwiegen, daß sie bereit» Mutter sei. ZJch hielt die» für einen Verrath, für ein Unrecht, daß sie gegen unfern Herrn beging, ich wurde ihr Feind, ihr Verfolger. Ich war es, welcher dem Lord da» Mißtrauen gegen sie zuerst einflößte. Das Kind mußte entfernt werden. „Sollte etwa nach Jahr und Tag die Sache ruchbar werden? Sollte die Welt erfahren, daß Lady Davis vor ibrer Ehe ein Kind befaß, dessen Vater Lord Davis nicht war? Ich war die Veranlassung der Uebersiedelung Parr'» nach Indien. Ich war es, der seinen Nachforschungen nach der Mutter des Kindes eine falsche Richtung gab, daß e» ihm nicht gelang, die Mutter zu ermitteln. „Das Kind verschwand irgendwo in Deutschland." „Lady Davi« hat nie mehr etwa» von demselben ge- hört. Es ist wahrscheinlich bereit» todt.— Sie haben von dem Kinde auch gewußt, HarrierS, aber Sie verschwiegen eS dem Lord; Sie und Mrß. Lizzi Braddon wußten oder ahnten Alles, aber Sie nahmen dre Partei der Lady, und darum war ich auch Ihnen feind» „Lady Davis ist eine unglückliche Frau, welche da» Mitleid und die Theilnahme aller guten Menschen verdient," antwortete Harrier».„Lizzi und ich, wir hätten es nicht über daS Herz bringen können, noch mehr Leiden auf sie zu häufen, al» sie schon erduldete.... Und wie hatte sie zu leiden unter der brutalen Behandlung ihre» Gatten!... Es war«in Unrecht, ein große» Unrecht, Mr. Rowland, daß Sie, der Sie da« Temperament de» Lord kannten, seine Erbitterung gegen seine Gattin noch mehr anfachten." „Die Eifersucht quälte ihn," fuhr Rowland fort.„Er mißtraute ihr, zumal er wußte, daß sie ihn geheirathet hatte, ohne ihn zu lieben." (Fortsetzung folgt.) tr.fftt und angegtben, daß das Kind bald nach dcr Gtburt eines nalürlichen Todes gestoiben und von ihr, behufs Ver- meidung der nöthipen und fie kompromittirenden Formalitäten in der erwähnten Weise versteckt worden sei. Die Vertheidi- gung der Angeklagten hat der Rechtsanwalt Wronker über- nommcn, und als Suchve, ständige fungiren die Geh. Medizinal- Räthe Dr. Lieman und Wolff. a. Wegen mehrerer schwerer Urkundenfälschungen und Betrügereien ist vorgestern ein„Arbeiter" Hcmmerhng zur Haft gebracht worden, welcher in Gemeinschaft mit dem Protnfionsrrisenden W- den Prinzipal deS Letzteren, Uhren- Händler H. in der Naunynstraße. erheblich geschädigt hat. Der Uhrenhändler H. vertreibt seine Uhren durch Provisionsreisende an kleine Leute gegen Ratenzahlungen und auf sogenannten Lechkontraktcn. Drc Rersenden erhielten nach jedem Geschäfts- adschluß ihre prozentualen Provifionen, und es war deshalb diesen Reisenden darum zu thun, recht viele Geschäftsabschlüffe zu machen. Zwei dieser Reisenden fiviulirten deshalb, da fie aaf reellem Wege Käufer nicht finden konnten, Geschäfts- abschlüffe, um so ihre Provistonen zu erlangen, und einer der- selben, der Reisende W., setzte sich zu diesem Zweck mit Hemmerling in Verbindung. Hemmerling nahm dem W. ver- schiedene Uhren ab unv unterzeichnete die ihm vorgelegten Leihkontrafte mit verschiedenen ftcmden Namen, so daß der Prinzipal deS W. glaubte, die Uhren seien an verschiedene Personen verkauft. Denn wenn Hemmerling säwmtliche Kon- tralte mit seinem eigenen Namen unterzeichnet hätte, so härte der Uhrenhändler den Schwindel bald enldecken müffen. Die so erlangten Uhren wurden von Hemmerling fofort veräußert und der Erlös von ihm mit vem Reisenden W- getheilt, welcher außerdem von seinem Prinzipal die Provistonen für die angeblichen Geschäftsabschlüffe erhielr, während der Prinzipal nur ganz geringe Anzahlungen auf die verkauften Gegenstände erhalten harte. W. ist wegen dieser Schwindeleien schon vor ewiger Zeit zur Untersuchungshaft gebracht worden und Hemmerling ist ihm gestern dahin nachgefolgt. Die diesjährigen Uebunge« der Ersatzreserve« der Infanterie find wie folgt festgesetzt: Die erste zehnwöchige Uebung wird in dem Zeilraum vom 11. August bis 19. Oktober, die zweite vierwöchige in dem Zeitraum vom 22 Septem» ber bis 19. Oktober stattfinden; die Zeitbestimmung für die dritte und vierte vierzehniägige Uebung bieibt noch vorbehalten. Die zum eisten Male übenden Ersatzreserven der Artillerie werden zum 1. September und die übrigen Kategorien dieser Waffe so eingezogen, daß die Uebungen derselben sämmtlich an einem Tage endigm._ Gerichts-Leitung. Eine eigenthümliche Anklage wegen Unterschlagung in amtlicher Eigenschaft gelangte heule gegen den Kranken- wärter Ernst Otto Conftantin vor der zweiten Strafkammer hiefigen Landgerichts I zur Verhandlung. Der Angeklagte war w der Zeit vom 16. April bis Ende September 1881 in der Königlichen Univeisttäts-Klinik angestellt, und es gehörte auch zu fernen Obliegenheiten, den Kranken die ihnen vom behan- delnden Arzt verschriebenen Diätformen und desgl. Ertradiät zu verabfolgen. Zm letzteren Form gehörte auch das Bier. Der Angeklagte zog es aber, rote er vor Gericht einräumte, daj verordnete Bier, anstatt es dm Krankm zu geben, in min- destenS 50 Fällen selber auszutrinken. Er wurde deshalb da- mals auS seiner Stellung entlaffen und selbstverständlich auch zur Untersuchung gezogen. Jndeß ist es erst jetzt gelungen, den Aufenthalt deS Angeklagtm zu ermitteln, der sich damals WS Ausland begeben hatte. Der Staatsanwalt beantragte eine Gesammtstrafe von sechs, der Gerichtshof erkannte auf eine solche von vier Monatm Gefängniß. Ein jugendlicher Meffersiecher präsentirte fich gestern w der Person deS 12 Jahr alten Gemeindeschülers M. Kohnert vor der 90. AbtheUung des hiefigen Schöffengerichts. Durch einen Mitschüler angefeuert, lief er am Nachmittag des 11. Dezember er. nach Schulschluß einem jüdischen Schüler eines Gymnafiums nach, der fich vorher gegen seiner Konfesfion oder Nationalllät geltende schwere Schimpfworte vettheidigt hatte, nach und versetzte demselbm mtt dem gezückten Meffer einen heftigen Stich in den Hinterkopf. Zum Glück find böse Folgen nicht eingetretm. Der jugendliche Angeklagte suchte von seiner anwesenden Mutter untei stützt, sein Heil im Leugnen. Der Staatsanwalt beanttagte 8 Tage Gefängniß, während der als Nebenkläger austretende Vater deS Verletzten mit großer Wärme für einen Verweis plaidirte. Der Gerichtshof verurtheilte aber dm Angeklagten in Folge seines dreisten Aufttetms vor Gericht zu 10 MI. event. 2 Tage Gefängniß. Ein höchst merkwürdiger Prozeß auf Anerkennung, daß eine«ahez» 40 jährige israelitische Ehe nicht zu Recht bestand, gelangte vor einigen Tagen vor der ersten Sttafkammer hiefigen Landgerichts l zu einem definitiven Ab- schluß. Kläger war der Kaufmann Solomon auS Weißmsee, Beklagte seine ihm nach jüdischem Ritus angetraute Eheftau. Mit der Einführung deS sogmannten Judengesetzes vom 23. Juli 1847 wurde auch die Neuerung geschaffen, daß Judm eine rechtsgittige Ehe nur vor dem Gerechte schließen, während nach den landrechtlichm und gemeinrechtlichen Bestimmungen die von dem jüdischen Rabbiner geschloffenen Ehen der Juden veibwdltche Kraft erlangten. In dem ftaglichen Prozeß war vomehmlich die Thatsache zweifelhaft, ob die Ehe des Klägers mit der Beklagten, aus der übrigms sechs zum Theü jetzt schon verheirathele Kinder entsproffen find, vor oder nach Erlaß des gedachten Gesetzes geschloffm worden ist. Dokumente darüber konnten nicht beigebracht wordm, und so macht das Landgericht die Entscheidung des ProzeffeS von der Leistung eines dem Kläger dahin auferlegten EideS abhängig, daß die jüdische Trauung erst nach der Publikation deS Juden- aesetzes stattgrfundm hat. Nachdem diese Entscheidung durch Zurückweisung der dagegm eingelegten Berufung und auch deS Rechtsmittels der Revtfion Rechtskraft erlangt hatte, leistete vor einigen Taam der Kläger trotz der eindringlichsten Vor- Haltungen den ihm auferlegten Eid ad, und der Gerichtshof mußte eine seit beinahe 40 Iahten wenigstens in dm Augm der Betheiligten und der Mitmenschen bestehende Ehe als nicht zu Recht bestehend bezeichnen. Dieser Spruch wird für den größtm Tdeil der Betroffmm noch zahlreiche Unzuttäglichkeitm mtt fich bringm.____ Sosmles uuä Arbeiterbewegung. Am 14- Februar tritt das Gesetz vom 28. Januar d. I. betreffend vie Abänderung des Gesetzes vom 15. Juni 1883 über die Kran ken Versicherung der Arbeiter, in Kraft, welches in der am 31. Januar zu Berlin ausgegebenen Nummer 2 des Reichsgesetzblattes publizirt worden ist. Dieses für die fteim Hilfskaffen hochwichtige Gesetz hc.t kurz folgenden Inhalt: Nach dem Gesetze vom 15. Juni 1683 mußten diejenigen versicherungspflichtigen Personen, welche am 1. Dezbr. 1884 einer dem§ 75»es Gesetzes nicht genügenden freien HilfSkasse angehörten, mtt diesem Tage Mitglieder der fü dm betreffenden Gewerbszweig votbandenen Orts-, Bet ieds-(Fabrik-). Bau- oder Jnnungekrankenkassen werden. Auch wenn die freien Hilfskaffen nach dem 1. Dezember 1884 ihre Statuten dergestalt umformten, daß fie dem§ 75 des Gesetzes ge- nügen, so war bisher der Austritt aus der Zwangskaffe nur mit dem Sebluffe des Rechnungsjahres und mit mindestens dreimonatlicher Kündigungsfrist gestattet. Dieser RecktSzu»and erleidet durch das neue Gesetz eine Aendc.ung hinsichtlich solcher freier Hilfskaffen, welche zwar am 1. Dezember v. I. den Anfoiderungm deS§ 75 nicht genügt, aber bereits vor diesem Tage die zur Erfüllung dieser Anforderungen nö- thigen Statutenänderungen der zuständigen Behörde zur Ge- nehmigung übermittelt haben. Vetficherungspflichtige, welche derartigen freien Kaffen schon vor dem 1. Dezember 1884 als Mitglieder angehört haben und ihnen noch angehören, k ö n- nen nunmehr vor Ablauf des Rechnungsjahres und ohne dreimonatliche Kündigung aus der Orts Krankenkasse tc. austreten, jedoch nur, wenn: a. die betr. freie Hilfskaffe bis zum 1. Juli 1885 ein abgeändertes Statut erwirkt, welches dem§ 75 genügt, b. der Austritt innerhalb vier Wochen nach Genehmigung des neuen Statuts bei dem kompetenten Kassen- organ angemeldet wird; die letzte derartige Austiiltserklärung rann demnach vier Wochen nach dem 1. Juli 1885 erfolgen. Das Ausscheiden geschieht dann an dem Tage, an welchem nach der AuSlrittsanmeldung zuerst wieder Kaffenbeiträge fällig werden. Wenn die vierwöchentliche Frist versäumt oder das revidirte Statut erst nack dem 1. Juli 1885 genehmigt wird, so ist Beistcherungspflichtigen der Austritt wiederum nur mit dem Schlüsse des Rechnungsjahres und dreimonatlicher Kün- digungsftist gestattet. Zur Gewerbefreiheit. Die hiesige Barbier- und Friseur- Innung hat neulich bei den Verwaliungsdehöiden beantragt, daß ihre Mttglieder, gemäß der bekannten Ackermann'schen Zu- satzklausel zur Geweroeordnung, in Zukunft allein bereebtiat sein sollen, Lehrlinge anzunehmen. Ueber die Ackermann'sche Bestimmung ist an dieser Stelle oft genug gesprochen worden; den Antrag der Innung halten wir daher für überaus bedenk- lich. Biel Richtiges enthält dagegen, was die Jnnungsmeister über die Lage der Lehrlinge im Barbiergewerbe sagen=„Es betrieben viele Lehrhenen neben dem Barbier- und Friseurgewcrde ein anderes Gewerbe, und die Lehrlinge kämen im Revengeweibe weit mehr zur Verwendung als in dem Hauptgeschäft. Dies sei eine Ausbeutung der jugendlichen Kräfte und ein verfehlter Beruf für diese Lehrlinge, denn nach übetstandener Lehrzeit hätten dieselben dann in keinem soviel gelernt, daß fie eins davon mtt Erfolg betreiben könnten."— Stimmt! Aber wenn die Jnnungsmeister ihre Lehrlinge drei Jahre behalten, wenn fie für dieselben fast gar keine Auslagen für Verlust an Material und dergl. haben(die meisten Lehrlinge haben sogar ihre eigenen Meffer zum Rafiren), wenn die Lehrlinge dagegen lange, lange Zeit dieselbe Arbeit verriehten wie die selbständigen Gehilfen, nur nichts dafür bekommen— so ist das auch„eine Ausbeutung der jugendlichen Kräfte", und wenn der Lehrling nur bei der Innung unterkommen kann, dann wird die Innung kaum be- scheidener in ihren Ansprüchen werden. „ES ist die Zeit der allgemeinen Korruption, der universellen Käuflichkeit, oder, um die ökonomische Ausdrucks- weise zu gebrauchen, die Zeit, in der jeder Gegenstand, ob vhystsch oder moialisch, als Handelswerth auf den Markt ge- bracht wird,.... die Zeit, wo selbst Dinge, die bis dahin mitgetheilt wurden, aber nie ausgetauscht, gegeben aber nie verkauft, erworben aber nie gekauft: Tugend, Liebe, Ueber- zeugung, Wissen, Gewissen tc., wo mit einem Worte Alles Sache des Hano-ls wurde"— diese Worte von Karl Marx fielen unS unwillkürlich ein, als wir einen Bericht der„Weser Ztg." über die Pariser Heirathsagenturen lasen:„Mehr als die Hälfte der Ehen wird vier von Persönlichkeiten veimrttelt, die, sei es gewerbsmäßig oder gelegentlich, im Dtenfle Hymens ihren Vortheil suchen. Nicht alle Bräute freilich wiffen, daß fie, anstatt fich zu verheirathen, verheirathet werden Hat der Mann, wie es oft geschieht, dem Vermittler einen Theil der Mitgift— gewöhn- lich 10—15 pCt.— als Lohn versprochen und kann er die Wechsel, die er dafür ausgestellt, an den Verfalltagen nicht einlösen, so hütet sich der Makler wohl, mtt einem Prozeß den Kunden zu brüskiren und das junge Eheglück durck die Ent- hüllung seines Ursprungs zu flören. Er weiß zumeist, daß sein Schuldner rbm zu neuen Gesebäften verhelfen und um so ein- ttäglichere Hilfe leisten kann, je fester er ihn in den Schraub- stock der Schuld und des Geheimniffes einklemmt. Statt der Baaizav'.ung schlägt er ihm vor. die Ehe anderer Mitgift- kandwaien mit den Schwestert!, Nichten oder Tanten seiner Frau einzufädeln. Die neuen Bewerber finden dann beim Schuldner Einführung, Empfehlung und Verlobung und wer« den ihrerseits schließlich auch dem Maklergeschäfte affoziirt. So wächst der Geschäftskreis von Familie zu Familie."— Ein ichlagender Beleg zu dem Worte von Marx, daß„auch die Liebe Sache des Handels" geworden ist unter der Alles zer- setzenden Herrschaft des Kopitalismus! Bildung und Berbrechen. In Preußen kommt nach uns vorliegenden statistischen Beriehten alljährlich ein Mord auf je 85000 Personen, während im Jahre 1883 daS Verhält- mß in den Vereinigten Staaten 1 zu 32 000 war und im Jahre 1884 fich auf 1 zu 16 000 verschlechterte, so daß hier im vorigm Jahre verhältnißmäßig mehr als fünfmal so vrel Morde deaan- gen worden find, als in Preußen. Ein Blick auf die Ver- brecherstatistik der verschiedenen Staaten der Union lehrt, daß überall die Zahl der Morde in einem ausfallen« den Verhältnisse steht zu der Zahl der Aval- p h a b e t e n, oder solcher Personen, die nicht lesen und schrei- den können. So finden wir, daß in allen denjenigen Staaten, wo viel Unwissenheit herrscht, daß Verhältniß der Morde zur Gcsammtzahl der Bevölkerung fich viel schlechter gestaltet, als mz« Union geltende DureHseHnittsverHältniß. Am daS für die ganze_ ungünstigsten ist dasselbe in Texas, wo nach dem letzten Zensus ungefähr der vierte Theil dee Bevölkerung nickt lesen konnte. Dort kam im letzten Jahre ein Mord auf je 8500 Personen. Aehnlich war es in anderen ftüheren Sklavenstaaten; in Kentucky z. B-, wo 22,2 Prozent nicht lesen konnten, kam ein Mord auf je 9300 Personen, und in dem spärlich befiedelten Georgia mtt 42,8 Prozent Leseunkundtgen ein Mord auf je 11 300 Personen. Illinois dagegen, wo die Zahl der Leseunkundigen im Jahre 1880 nur 4,3 Prozent betrug, batte nur einen Mord für je 51 000 Personen aufzuweisen. Im Staate New- Vor», wo 4,2 Prozent nicht lesen konnten, war das Verhältnis 1 zu 42000, also etwas ungünstiger, was fich leicht aus den eigen- thümlichen Veihällniffen der Weltstadt New Nork erklärt. Krefeld. Zur Lage der hiesigen Seiden- indu ft r i e. Die hrefige Seidenindustrie hat einen ungeheuer schlechten Geschäftsgang zu verzeichnen und ist dadurch die Lage der hiefigen Seidenarberter eine höchst traurige geworden. Die Arbeitslosigkeit hat große Dimensionen angenommen und gebe ich einen kurzen statrstischen Ueberdlick über dieselbe: Im Betrieb befindliche Handwebstühle.... 4354 Stillstehende............. 1036 Sm Betrieb befindliche mechanische Etoffstühle. 532 tiüstehende............. 175 Im Be-rieb befindliche mechanische Sammtstühle 664 Stillstehende............. 57 Doch ist zu bemerken, daß die im Betrieb befindlichen meistens'/« Tag arbeiten. Könnte man die Folgen dieser Ar- bettslofigkcit übersehen, so würde man erschreeken. Die hiesige Presse wagt es nicht, di« Folgen einzugesteben, sondern zieht vor, den Thatbestand selbst zu ignoriren. Der Verdienst in den mechanischen Webereien ist auch sehr niedrig, der Wochen- lobn variirt von 9—12 Mark. Die größte mechanische Stoff- Weberei ist die von Krabnen und Godders, welche auch am besten den Arbeiter auszunutzen weiß, dieselbe giebt jedem Ar- betler zwei Stühle und wird der Arbeits preis dann um ein Drittel heruntergesetzt. Wie fick der Ardeiter dabei abrackern muß, um etwas zu verdienen, kann man fich wohl denken. Jene Weberei hat auch die längste Arbettsdauer und wäre es dringend zu wünschen, daß derselben durch Einfüh.ung eines Moximalarberistages von 10 Stunden die Arbeitszeit in etwas beschränkt würde. Möchten doch die Weber Krefelds recht zahl- reich in den deutschen Manufalturarbetter- und-Arbeiterinnen- Verein eintreten, denn nur durch gemeinsames Handinhandgehen können fie bessere Zustände erringen. Die Berichte der Fabritinspektore« pro 1883 km- stattren eine bedeutende Zunahme ver Beschäftigung lügend licher Arbeiter. In 21 516 Fabreken waren 143 805 jugcnd.iÄ Arbeiter beschäftigt, was eine Zunahme von 20 262 ß# 1882 ergiebt. Diese Zunahme ist aber nicht eine thatsacdlize Zunahme dieser Arbeitskräfte, sondern ist zum Tdeil auch o# genauere Erhebungen zurückzuführen. 20 pCt. aller dieser»i- beiter entfallen auf die Textilindustrie. 64 pCt find männlrcher, 36 weiblichen Geschlechts, Kinder zwischen 12 und 14 JaM waren 18 395 beschäftigt. Die Verlegung des Zahltages ot« Sonnabend auf einen früheren Wochentag wird sehr cm» pfohlen., Dresden. Zur Lohnbewegung der Tischt"' Die hrefigen Tischlermeister wollen angesichts der drobenoen Strikebew'gung auch nicht unthätig bleiben. Sie ballen sM jetzt Versammlungen ab, um dm drohenden Arbeitseinstrllun- gen geschlossen gegenüberzutreten. In welcher Weise dies ß* schehen soll, haben die Herren Meiner bis heute noch t»® verrathm. Von Seiten der Gehilfen find unannehmdan Forderungen durchaus nicht gestellt woiden. Die Agiiatrw dreht fich vor Allem um die Aufstellung eines Normallohn- tarifs. Ob die Meister diese Aufstellung werden verbrich� können, muß um so mehr bezweifelt werden, als bis W iw Gehilfen, was das„geschloffme Auftreten" anlangt, den weit überlegen waren. Hamburg. Der Streik in der Philippsohn u. Freud«» thal'ichen Ecduhwaarenfabrik ist fieqreich für die Arbeitet � endet und haben die Streikenden schon am Montag die wieder aufgenommen. Ein weiterer Bericht erfolgt in rnwlp Nummer.. Pest, 10. Februar.(Beendeter Sinke) Der Ornn# ftrike Hai mit einem Sieg der Omnibus befitzer gegen..-, Polizeikommisfion des Magistrats geendet. Die KonM� hat beschloffen, das neue Siatut für dieses Jahr außer zu setzen, um während dieser Zeit ein UebereinkomrB.� den Omnibusbcfitzem zu treffm. Letztere waren in eine*)' versammelt, als vie Nachricht über den Ausgang der zu ihnen drang und fie nahmen dieselbe mit Eljen-Rustn W gegen..M Aufruf an die Vorstände sämmtlicher SchitrWv Fachvereine Deutschlands! Schon im Juni vergangf� Jahres wurden öffenlliche Bekannlmachungm erlassen, da« sämmtliche Fachvereine der Schneider und verwandten S'™: genoffen auf dem Kongreß in Gotha vertreten lassen mödM waS allerdings mit Geldkosten verknüpft und daher auch die Ursache war, daß mancher Verein keinen Delegirten(0�' weil dazu die Mittel fehlten. Auf dem Kongreß wurde � Verband gegründet unv auf Grund des dort festgestellt" Statuts von der hiefigen Polizeibehörde genehmigt un» seit dem 1. November v. I. in voller Thättgkeit. Kollegs Die Zahl der Fachvereine, welche fich bis heute mtt uns i-? gemeinsamen Werte vereinigt haben, ist eine, leider muß'Z dies hier konstatiren, sehr geringe. Woher kommt das?% Ihr, die Ihr unS nocb ferne steht, nicht mit uns das gif? Interesse? Bedenkt Ihr nicht, daß wir nur Erfolge, � liehe große Erfolge erzielen können, wenn wir ein gestio Ganze« bilden? Bedenkt, welche Erfolge wir et« können im großen Verbände der Einrichiung einer entsprcu.. den Reiseunterstützung. Dieselbe kommt den jüngeren � gliedern freilich direkt, aber durch die Verringerung der kurrenz an überlaufenen Plätzen, in demselben Maße den? den einzelnen Plätzen ansässigen ätteren Kollegen mit Fnrr� zu Gute. Dieselbe läßt fich aber nur dann durchführen allgemeinen Besten, wenn Ihr Alle, die Ihr noch ferne st? Euch dem Verbände anschließt. Daher richte ich namentliS? 37 Die liSn 'i Rai ... den 'ihr und: ps U- der 3 %% der 'Manzzöll Jtot A fe % K°nd wi m % Sn e Ü* rjueö vem Bervanoe annhtteßt.»joget rrevre res namenin«', die„Fachvereine der Schneider und verwandten BerufsgenoN nochmals die Aufforderung, fich so bald als rhunlich dem bände anzuschließen. Diejenigen Kollegen aber, welehe nicht organistrl find, fordere rch zu ihrem eigenen Wohl« fich zu vereinigen und dem Verbände beizutreten. Ein allein führt zum Ziel! B. Kulsedbach, 1. Voisitzendrr ve» tral-Veidandes der Schneider und verwandten BerusSgenr,, Hamburg, 3. Marklstraße 26, 1. Etg. nb. Alle arbetterft-A lieben Blätter weiden dringend um Abdruck obigen AUir» gebeten._ Iber I Ä e de ki 1 & und ?Rcbellei E Vereiue unä Perssmmluugeu./ Der Arbeiter. BezirkSverei« des Westens hielt, Montag, den 9. Februar, eine Versammlung in Grün*» Salon, Schwerinstraße 26, ab, in welcher der Stadtverorl*- Herr F. Görcki einen Vortrag über Kommunales hielt. Restl? beleuchtete zuerst die Einschätzung deS Einkommens, beton daß nur die Selbsteinschätzung das einzig richtige sei, dann auf die Miethssteuer und Besteuerung der Luxti� nungen über, verweilte längere Zeit beim Armen- und S» wesen. Reicher Beifall erntete der Redner für seinen VottJ* ES wurde dann folgende Resolution eingebracht und nommen: Der Ardeiter- Bezirksverein des W-stenS eri«. Eine Reform der Miethssteuer ist eine gebieterische Pflilb',�, Etadtoerordneten-Versammlung und drückt der Verein' lebhaftes Bedauem darüber aus, daß die Stavtoerortme' Versammlung so wenig den gerechten Anforderungen ,, arbettenden Bevölkerung und ihrer berufenen Vertreier<' spricht. Ein Antrag deS Herrn Kleinert eine Tellersainwi� zur Unterstützung der strikendmKnopfmacher vorzunehmen,. da die Kasse des Vereins in nicht glänzender Lage fick destn* angenommen, worauf die Versammlung geschloffen wurd«.* Sammlung ergab die Summe 9 Mark 50 Pf. � De« Zentral-Kranken- und Sterbekassen-Mitgiied' der Zigarren- und TabakSarbetter Berlin« machen� � «u»! K- hiermit bekannt, die Beiträge jeden Montag von� � irD* bcN« 9 Uhr Abends im Lokal des Herrn Hilger, Adalberts«. entgegen genommen werden. Den Mitgliedern der Allgemeinen Kranken« Cterbekasse der Metallarbeiter(Etng rschrre»'.':/ Htlfskasse Nr. 29. Filiale Berlin) zur Stacks daß für die Mitglieder, die im Westen und in Schonrbe» wohnen, eine neue Zahlstelle an der Ecke der F l o t t w«>' und Eteglitzer-Straße, Destillation von Sand errichtet ist. ES werden dort jeden Sonnabend, Abends no T/t Uhr ab. die Beiträge entgegengenommen, sowie neue glieder aufgenommen. DerFachverei« der Nähmaschinenarbeiter und Berui' genoffen hält am Sonnabend, den 14. d.M.. Abends 6'/,� m Feuerstein's Restaurant, Alte Jacobstraße 75, eine'lfI sammlung ab. Tagesordnung: 1." Stellungnahme zur meinen Metallarbertervereiniguruz Deutschlands. 2. Abreehn'. über das Weihnachlsfest. 3. Vetschiedenks. Aufr.admc Mitglieder, Gäste willkommen. Isnefttafc?« äer jWuäW» Sterukiecker 1. Der Polarstern ist ein S'.ern Größe. 2. Bei unbewölktem Himmel ist er in unseren den immer zu sehen. 3. Die Ortsbestimmung, die Sie an ist ganz richtig: der Polarstern liest genau in der von angegebenen Linie, unv zwar im Slernbi d des kleinen Man bezeichnet ihn dort mit dem Buchstaben Alpba..« Wette, Tieckftr. Die englisch, austtalischen Kolonien 9 hören nicht zum Weltpostverein., Skatopponente«. Weshalb sollt« wohl das Wort aus„ei carta" und nicht aus„escarrer" gebildet sein? � muß übrigens lateinisch heißen cbarta und nicht carta, n. Form giebt es überhaupt nicht. Das Stammwort von oder e Carter Ist da» italienische Wort scartare Nun w' wir aber genug sein lassen—„des grausamen Spiels�� Verantwortlicher Redakteur R- Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Htm« eine©eil«*** SS4 V'fl' i Ii bU &"«!S "n fvlj nen tot « T i."'™ i >ant II K i JJontn i i 1833 k 3 uns iuoert» )5 iuflcnSHd* 20 262 pfü«! ! thatsäckM eil auch am er dieser 3 männlicheiif d 14 3at)i«L ihltages � Beilage zum Berliner BolNlatt. rd sehr w Tischler. ;r dlvhenNn hallen schon 'itseinstelluiv leise dies Z» : noch nichl nannehmda« )ie Aftilation Normallohn« n verbindeni i bis ich' w den ÄerchNi u. Freuden« JKg in morziga KotitiseKe Uebersirkt. Zolltarifdebatte im Reickstaze hat nach dreitägigen �."»mxfen gestern ihr Ende erreicht. Die Getreide- tinL Kommission nicht überwiesen worden. Die ver- er Dmm# r gegen W lkomqU» '% n-Rusin P* Schneid' vcrgange� Ren, W% Zten BinA en wöch� r auch-oe»' iiten schu� wurde ds S'Si Kollegen, alt uns »er muß'? das?% l das g>e� folg-. Sf rt» „■» ig der fleln laße den� mit F-nw? imentli® 5• Freitag, den 13 Febmar 1885. n. Jahrgang. iCÖSÄ Konservativen und Klerikalen haben damit einen ent- ii,k Sieg errungen. Der Beschluß bedeutet nichts und nichts weniger, als die pure Annahme der Re- agl« bezüglich der Getreidezölle. Dahingegen find nen, auch die Holzzölle, einer Korn- «um. k m~...... worden An der Erhöhung der Holzzölle Regierung wohl noch mehr gelegen sein, als an der- J,« der Getreidezölle. Beide Zölle werden als eine Art 'suianziölle" der Regierung äußerst willkommen sein. >.lur Auilieferungssrage. Die angeblichen Unterband- U;? Oesterreichs und Deutschlands wegen eines »ii1 �1 e r u n g s o e r t r a g e S bezüglich der Anarchisten KP Iben„Hamburger Nachr." zufolge) von Unterrichteten in �e gestellt. K.! ��lsmark-Speude thellt die„Köln. Volksztg." ein der Firma Ferd. Möhlau und Söhne in Düffeldorf lft.?klches unter der Uebcrschrift:„An meine Arbeller" fol« Wortlaut enthält:„Wir alle müffen und wollen einen It'ta% dieser Ehrengabc deS deutschen VolkeS haben und .'gen Euch vor, aus der Arbeiter-Unterstützungskaste 50 M- 'm Ehrengeschenk für den Reichskanzler zu bestimmen, iSi drrveS ufägenoflj jeiterfr«� [en Aufuo' m. I wir denselben weitere 100 Mark hinzufügen werden, L N Ganze balvigst als Beitrag der Inhaber und Arbeiter iL«. nl von Ferdinand Möhlau u. Söhne dem Zentral- üb-ee zur Begründang einer Bismarkstistung in Berlin zu kTk'tn- Einwendungen gegen unfern Vorschlag find inner- 1% �nächsten fünf Tage zu erheben. Ferdinand Mühlau & � Spanien. i,(�n oolge der zunehmenden Arbeitslosigkeit haben ij. Elsten Unruhen stattaefunden. In Madrid sammelten L,� königlichen Palast eine Menge Arbeiter und ver- Brot und Arbeit. Der Stadtpräfekt ersuchte dieselben, V'u eäumm. Als jedoch die Gendarmerie anrückte, w* ne mit Steinwürfen empfangen und ein Kapitän schwer lW?et. In Folge dessen fanden 40 Verhaftungen statt. teC® on 6000 Se ult ohne Arbeit. DaS Elend ist 4{5®er anhaltenden Kälte sehr groß. Die Stadtverwaltung o�Rahrr estie Anzrhl öffentlicher Arbeiten sofort in Angriff (ö �schaffte so über 2000 Leuten Arbeit. Die Ruhe wurde deffen wieder hergestellt. E. w_ w Egypte«. HuiÄ'8 bem Sudan übermittelt General W o l s« l e y dem suchen Kriegsamt eine Depesche des GmeralS Bracken. WhnfHt'*£ Ke stark befestigte Stellung auf Anhöhm i% I tzVZUen. an. Britische Truppen umgingen die feindliche •WL MNg die sodann von vorn und hinten angegriffen wurde. � i �üündrgem Kampfe wurden sämmtliche Positionen des erstürmt. General E a r l e fiel wäbrend der Bl�Ung auf dem Gipfel der Anhöhe, worauf General i foitw unl 0(18 Kommando übernahm. Während die In- Dter«! stürmte, nahm dir Kavallerie daS feindliche Loger. Jr�utenant Eyre fiel an der Spitze des Staffordshire Re- General Brackenburp meldet weiter: Unser Erfolg > hiellj GiÜiJi vtoerol®� lt. R-f< M m »erortmet� »?.>' Uh wurde. � vollkommener. Wir erbeuteten zehn Standarten, die Stellung ist in unserer Gewalt. Das Treffen wird die w,,,%8 haben, die Straße nach Berber ohne weitere Kämpfe i-Mstrßen. Der Verlust deS FeindcS, der mit entschloffener tämpfte, ist sehr beträchtlich; die meisten ihrer Führer 3 r�fnUcn; unser Verlust besteht in 12 Todten, darunter Wra Der Feind bestand auS den Stämmen Monasfir v. j�nbatub und einer Streitkraft der Derwische aus Berber. fotsttz Kolonne sollte am 11. d. M. den Vorstoß zu Wasser tth Ä W Sand« f' 'S'/* A Ihrechnuss hme nei-i . DarlameutmiKckes. k 1* der Vudgetkommisfion des Reichstaas verlas heute Rath v. Kufferow vom Auswärtigen Amte eine Er- m&oeB Reichskanzlers Fürsten Bismarck, wonach eS außer- ihi k; Aufgabe und des Rechtes der Kommiffarien liege, jiitb � Sestelltm Anfragen(über die staatsrechtliche Bedeu- » Schutzgebiete in Afrika) zu antwortm. Auf An- IV" lonien Ä [«!"- uinf* orst würde der sofortige Druck der verlesenen Er- Nto!L�ich«t'agskommisfion zur Vorberathung de» kor �„ �ffongeseyes hat ihre Ausgabe erfüllt. DaS Resultat oöllig negarives, die Paragravhen 30 biS 48 find ver- �M�ttorden. An der so verstümmelterr Vorlage wird vre . kein Interesse mehr haben. k in',* fottschrittUche Reichstagsabgeordnete Riebour, � Wahlreden immer erklärte, daß er dem„Höchst- X w"***"« also Heim Eugen Richter durch Dlck und dien.« �en werde, ist bis jetzt noch nicht im Rerchstage er- 5ntlichlHt i�at nunm,&t �'n Mandat angeblich wegen Ve-Mk stt mentlich Schuhe, sollen 12 M- statt 18 M., und die An- guillotli, eine kleine Art wohlfeiler Fische, 12 M. statt 60 M. zahlen. Sonst gilt jede Zollerhöhung für gut, jede Zollernie- drigung als vom Hebel, und doch ist es so schwer den mit Anwendung dieses Prinzips verbundenen flagranten Nebeln nachher durch gerechte Korrektur abzuhelfen. Ich werde daher für Verweismig der Getreidezölle an eine Kommiifion stimmen, in der allein, nicht etwa im Plenum, die betr. praktischen Maßregeln zum Schutz der Müllerei geprüft werden können. Durch dm Handels- vertrag mit Spanien find bei einer Erhöhung des Rogaenzolls zweierlei Verzollungsarten zu etabltren, die eine für Spanien und die zahlreichen ihm gleichgestellten meistbegünstigten Länder, die andere für die übrigen Lander, namentlich also für Ruß- land. Beiläufig hat die Behauptung des Reichskanzlers, der russtsche Roggen sei schlechter und wohlfeiler, als der deutsche, überall einen heftigen Widerstand erfahren. Der russtsche Roggen ist zum Thtil unentbehrlich zur Mischung mit deutschem. Die Brodbäckerei verlangt ihn, und der aus Odessa kommende wird 3—5 M. theurer bezahlt, als der deutsche. Noch auf einen Punkt muh ich hinweisen, der zeigt, mit welcher Extra- vaganz meiner Anficht nach die verbündeten Regierungen an dem Grundsatz festhalten, daß im Punkte der Zölle eine Er- leichterung nicht gestattet werden dürfe. Wir haben uns in der vorigen Legislaturperiode eingehend mit den feinm Gar- nen beschäftigt, welche die niederrheinische Industrie nöthig hat. Damals ist die Regierung und zwar nicht nur von den Frei- Händlern, sondern auch von deren Gegnern mit überwältigm- der Mehrheit ersucht worden, dem mit guten Gründen be- legtm Verlangen der niederrheinischen Industrie nach einer Herabminderung der feinen Garnzölle Folge zu geben. Wenn das trotzdem nicht geschehen ist, so kann man äch das nur aus einer voreingenommenen Stellung erklären- kit Gründen, wie ste die Vorlage für Erhöhugg der Industrie- zölle enthält, kann man jeden Zoll motiviren. Man bat ein- mal den Ausspruch gethan:„man gebe mir drei Zeilen von einem Mann, und ich will ihn an den Galgm bringen." Ich könnte beinahe, mit diesen Motiven in der Hanv, sagen; „Geben Sie mir drei Zeilen über einen Waarenartikel, und ich will Ihnen einen Zoll bringen." Die Motive wider- sprechen fich in der sonderbasten Weise. Ein Waarenartikel wird geschützt, weil man seiner Entwickelung in Deutschland zur Hilfe kommen müsse; ein anderer wird mit einem Zoll be- legt, well er so hoch entwickelt ist, daß er daS Bedürfniß deS ganzen Landes befriediat. Ein drittes Mal heißt es:„Die Waare ist so hoch im Preise, daß man ste durch einen Zoll schützen muh"; und dann wieder:„Die Waare ist so hoch im Preise, daß man nickt Gcfahr läuft, ste durch einen Zoll zu vertheuern." Beim Holzzoll heißt es gar und nicht ohne Hu- mor, die Molestationen bei der Holzverzollung fielen dreimal so schwer ins Gewicht als der Holzzoll selbst, und es gehe deshalb in einem hin, wenn man ihn gleich auf daS Dreifache erhöhte. DaS heißt, den Ausspruch:„Wenn schon, denn schon!" zu einem gesetzgeberischen Motive erheben. Die Quint- effenz dieser Zollproxis ist, einzelnen Jntereffenten aus den Taschen Anderer Vortheile zu verschaffen, und nur well diese Andern eine so große und undurchfichtige Zahl find, daß man ste nicht kontroliren kann» geht die Sache weniger bemerkt bin, als es geschähe, wenn die, die den Tribut zahlen müffen, ebenso im Lichte stehen müßten wie die, welche ihn verlangen. Es wäre eine herrliche Erfindung, wenn wir das Mittel finden könnten, die Matrikularbetträge auf Amerika und Ostindien abzuwälzen, zumal wenn wir diese Erfindung geheim hallen könnten; im gegenwärtigen Falle aber nützt die Behauptung um so weniger, als ja auf der andern Seite immer gesagt wird, die Preise müßten höher werden, damit der Landwirih leben könne. Der Grundsatz, daß daS Ausland den Zoll trägt, schlägt fich also selbst. Wenn das Ausland ihn wirklich zahlle, so würde er nicht gegen daS Nebel helfen, das beselligt werden soll. Minister Lucius bat uns daran erinnert, daß die Kala- mitäten, die wir vom Getreidezoll befürchtet, nicht eingetroffen seien, und zugleich das Zugeständniß gemacht, daß er je nach dem Publikum, das er vor stch habe, bald die eine, bald die andere Seite der Sache vorkebre.(Hört! hörtl links.) Das ist sehr schön von einem Phllosophen, und ich freue mich, wenn auch in einem Minister ein Philosoph stickt(Hellerteit links), aber der Herr Minister ist nur Philosoph, wenn er seine Anficht theoretisch auseinandersetzt, wird aber wieder Minister, wenn es sich darum handelt, den praktischen Ernst herauszukehren. Die Gründe dafür, daß die Nolhlage der Landwirth- schast nicht so himmelschreiend sei, hat er als Philosoph entwickelt, aber als Minister ihre Klagen als tief begründet angesehen und ihr Hilfe angeboten, als es gall Ernst zu machen. Herr Dr. Lucius sagte, wir härten 1879 die Tragweste der Getreidezölle überschätzt, da doch eine Kalamität nicht eingetreten sei, die Preise sogar in den letzten Jahrm zurückgegangen seien. Wir haben unS aber aufs Schärfste gegen jeden Getreidezoll verwahrt, nicht well wir glaubten, daß eine Mark auf dm Doppelzentner sofort zu einer Kalamität führen würde, sondern well wir voraussahen, daß dieses Prmziv, wie es jetzt auch geschieht, so weit ausge- dehnt werden würde, bis es zu wirklichen Kalamlläten führm muß. Wir haben nicht geglaubt, daß es bei diesen niedrigen Sätzen bleiben werde, obwohl der kräftigste Befürworter dieser Zölle, der Herr Reichskanzler, selbst dam Kg angab, es handle fich nm um einen FinanzzoU. da nach seiner Anficht der Zoll auf den Roggen niemals ein Schutzzoll sein dürfte.(Hört! hört! links.) Verthcuert der Zoll das Brot, so wird weniger oder schlechteres gegeffm. Wenn es nicht wahr ist, daß der Zoll vertheuert, waS gegen Ihre Abficht geht, wenn cS wahr ist, daß der Zoll mehr Arbell von dem verlangt, der durch seine Arbell fich sein Geld erwirbt, wenn er dadurch daS Brot ver- theuert, so kommen Sie unaufhaltsam dazu, daß der, der sein tägliches Brot mit seiner Hände Arbeit verdient, entweder we- Niger Brot oder schlechteres Brot essm muß.(Sehr richtig! links) Und, wenn da? auch am einzelnen Beispiel nicht be- wiesen werden kann— das ist ja die Stärke der Schutzzöllner, daß ste fich nur auf das stützen, was man steht, wir uns aber auf daS stützen müssen, was thatsächlich im einzelnen Falle zu verfolgen ist, aber durch den Verstand, durch die noth« wendige Verkettung der Dinge fich als unwiderleglich zeigt. Der Import von Getreide nach Europa hängt von der Niedrigkeit der Frachtsätze ab, und da ist eS sehr interessant, daß wir trotz unserer Furcht vor indischem Weizen auf Staats- kosten die Frachten herabzusetzen im Begriffe find. Die Furcht, daß der deutsche Ackerbau zu Grunde gehen kann, rechne ich ebenfalls zu den Prophezeiungen, die wir jetzt füglich in un- sere Betrachtungen nichl hineinzuziehen brauchen. Es ist uns ja früher gesagt worden, wir hätten in Deutschland so viel Getreide, daß, sowie wir nur einen Ordnungszoll etablirt habm würden, überhaupt kein fremdes Getreide mehr herein- kommen würde. Es ist aber seitdem im Gegentheil unablässig und immer mehr und mehr Getreide eingeführt worden. Im Nebligen sollte jene Behauptung dahin führen, den Getreidezoll abzuschaffen, nicht aber dahin, ihn zu erhöhen. Durch die künstliche Vertheuerung des Getreides durch die StaatShilfe verhindert man aber auch vor Allem, daß die Heilung deS Nothstandes, der ja bis zu einem gewiffm Grade in der Land« wirthfchafl wie in anderen Gewerben vorhanden ist, durch die Anstrengung der Betheiligten selbst fich vollzieht. Auf die große Gefahr, die hierin liegt, hat auch auf dem Kongreß der Sozialpolitiker, also einer der gegenwärtigen Wirthschaflspolllik durchaus sympathisch fich fühlenden Gesellschaft, Piofeffor Conrad aus Halle, in beherzigenSwerther Weise hingewiesen. Ich gebe zu, daß die Bewegung, die jetzt in Deutschland und auch in Frankreich in Gang gesetzt worden ist, nicht blos eine künstliche ist, obgleich ja einleuchtet, daß wenn Männer, die von so hohem Einfluß auf die Geschicke des Jahr- Hunderts find, an der Spitze einer Bewegung stehen, dies da« zu mitwirkt, Stimmungen und Meinungen zu machen. Wmn die Landwirthschaft aus der Veränderung unseres MünzsystemS einen Vorthell erhoffen könnte, so könnte der« selbe nur darin bestehen, daß ste ihre Unterproduzenten mit schlechterem Gelbe bezahlt, während fie nach dem Auslande für besseres Geld verkauft. Die Behauptung der Motive, daß die Tarifreform segensreich gewirkt habe, bestreite ich entschieden. Wir haben nicht eine solche Blüthe der Industrie zu verzeich- nen, wie fie von dem Zolltarif behauptet ist. Die Handels« kammcrn klagen über den Niedergang einer großen Zahl von ErwerbSzweigen, und der Verdienst hat fich geschmälert. Gerade in der neuesten Zeit ist ein Umschwung eingetreten, der unS berechtigt, unsere Bedenken gegenüber den gesteigerten Forde« rungen nach Schutzzoll zum Ausdruck zu bringen. 1870 wurden die Exportinteressen als etwas ganz Sekundäres hingestellt. Die Hauptsache sei, der heimischen Industrie den heimischen Markt zu erhalten. Man vergißt, daß das Ziel des Exports der Import ist. Ganz ähnlich wie mit diesen falschm Exportbestrebungen steht eS mit dm Forderungen des mari- timen Verkehrs, welcher auch durch Unterstützung deS See- Verkehrs zu heben versucht wird. Es ist bekannt, daß die gegenwärtige Vertheuerung durch die Zölle namentlich den Norden und Osten unseres Vaterlandes und seine Seehäfen schwer bedroht. Andererseits machen wir aber Anstrengungen, auf Staatskosten den Seeverkehr zu heben, der fich nicht entfernt messen kann mit den natürlich erwachsenen dieser Häfen. Herr v. Kardorff hat uns die Zu« stcherung gegeben, daß die Eisenproduzenten voterst auf jede Erhöhung verzichten. Die Herren Eisenproduzenten haben es jetzt noch nicht für opportun gefunden, ihr letztes Wort auszu- sprechm. Wir haben aber jetzt schon von der Dortmunder Handelskammer Aeußerungen vernommm, die die Erhöhung des Eisenzolles und auch den Kohlenzoll fordern; und wir haben auch bereits vom Woll-, Flachs- und Baumwollenzoll gehört. Wenn nicht dem Anstnnen auf Zollerhöhung, wie fie jetzt Jedermann, der fich meldet, zugestandm wird, eine Schranke gesetzt wird, so haben wir einer maßlosen Steigerung dieser Tendenz mtgegenzusehen. Wir aber werden an dem Berufe festhalten, gegen diese Bestrebungen vollen Widerstand ,u leisten. Wir erfüllen damit nicht bloS einen wiffmichafrlichen sondern auch einen Hochpolltischen Beruf.(Lebhafter Beifall' Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Der Herr Abgeord- nete, der soeben sprach, hat für fich den Vorzug in Anspruch genommen, nicht von einem faktiösen Standpunkte, nicht faktiöS zu reden. Ich gebe ihm gerne zu, daß er ruhiger gesprochen hat, als die Herren, die gestern und vorgestern die RegierungS- vorläge kritifirten, und daß er die Diskusfion auf eine höhere, wiffenschastlichere, lehrreichere Linie gehoben hat als vre, auf der fie stch früher bewegt hat. Dabei spricht er in einem an- genehmen und friedlichen Tone, so daß ich nicht leugnen kann, daß ich die erste Stunde hindurch mit Vergnügen zugehört habe.(Heiterkeit.) Der Herr Abgeordnete har gerade, wie ich eintrat, ein Gleichniß gebraucht, um die Hilflosigkeit und die Thorbeit der B-strebungen, die inländische und nationale Arbell zu schützen, in daS hellste Licht zu setzen. Er sagte, es käme ihm vor, wre die Klage des Lichtziehers, der verlangt, daß daS Tageslicht abgeschafft werde, damit die Talglichte Absatz finden. Ja, meine Herren, so ganz unzutreffend ist dieser Vergleich nicht, wenn man ihn nur umkehrt, wenn man sagt: Im In« tereffe des Kornhandels soll die deutsche Landwirlhschast ruinirt merden; dann„atzt das ziemlich genau darauf.(Heiterkell rechts.) Es soll ein ganz unverhältnißmäßiger Schaden an» gerichtet werden, um einen mäßigen Vorrheil zu erhalten. Wieviel Kornhändler giedt es, und wieviel Landwirthe giebt es; selbst wenn es blos die Großgrundbefiyer beträfe, find fie immer noch zahlreicher als die mit der Zufuhr des auslän» drschen Kornes und des ausländischen Holzes nach Deutschland Beschäftigten, und wer der reichste von beiden ist,— ich glaube. da wrrd der Großgrundbefitzer doch immer noch zu kurz kommen- Was mich bei der Rede des Herrn Abg. Bamderger in dem un« sympathischen Einvrvck gerade bestärkte, das waren einige Aeußerungen, wie z.B. die. daß die Landwirthschaft nicht allein nothleidenv sei. Es fiel mir unwillkürlich dabei das Wort im Faust ein:„ste ist die erste nicht".(Heiterkeit.) Sie werden wissen, wo dos steht.- die ,u Grunde geht nämlich. Aber die Landwirthschaft ist in höherem Maße nothleidenv als alle anderen. Ich gebe übrigens nicht zu, daß alles Andere noth- leidend ist. Wie kommt der Herr Abgeordnete darauf dieS vorauszusetzen? Ueberproduktion ist gewiß in allen Branchen, und wir bemühen uns, unser Vaterland gegen die Folgm dieser Ueberproduktion nach Möglichkeit zu schützen, indem wir ihm wesentlich den inländischen Markt zu wahren suchm, da- mit wir nicht auch den noch mit anderen zu theilen haben. Dann sagte der Herr Abgeordnete, der Staat könne der Land- wirthschaft blutwenig helfen, das heißt, er sagt mit Achselzucken: {le muß eben zu Grunde gehen, nicht nur die jetzigen Befitzer, ondern die Landwirthschast im Allgemeinen, denn gegen die wohlfeile Konkurrenz, der wir ausgesetzt find, können auch künftige Befitzer, wenn fie nach Art der Vorgänge in Ostpreußen, von denen ich vorgestern sprach, die jetzigen wohlfeil ausgekauft haben, so daß die Gläubiger dahinter ausfallen— werden auch die künftigen Befitzer nicht bestehen können. Was ist nun aber das, was der Staat thut, wenn er blutwenig helfen kann? Er legt der Landwirthschast seit 30 Jahren ununterbrochen steigende Lasten auf(sehr richtig! rechts) an Steuern, an Leistungen jeder Art, für den Staat im Fuhrwesen, in Wege« bauten, im Gemeindcdienste u- f. w. Der Staat bürdet immer mehr Anstrengungen, die er selbst zu leisten hätte, auf die Gemeinden ab; das Alles, weil er der Landwirthschast blutwenig helfen kann— oder trotzdem. Ist gegenüber dieser stiefmütterlichen oder stiefväterlichen Behandlung der Land« wirthschaft seitens des Staates denn wirklich gar keine Repa- ration und gar keine Ausgleichung möglich? Ich meine, doch wenigstens darin, daß der Staat einen Theil der Lasten, die «r der Landwirthschast auferlegt hat, in der Zeit, wo eS ihr blutwenig helfen kann, wieder rückgängig macht, und daß er nicht dieselbe Ungerechtigkeit, die einmal damit begangen ist, täglich und jährlich fich erneuem läßt dadurch, daß die Grund- steuer und die Häusersteuer, die Lasten auf dem Grundbefitz den Hauptmaßstab für alle kommunalen Zuschläge bilden. Also so ganz blutwenig kann der Staat doch nicht helfen, er kann sogar einen Theil der Lasten, die er der Landwirthschast aufgebürdet, mit Leichtigkeit aufbürden, sogar auf das Aus- land, indem er durch die Komzölle dem ausländischen Ge- treideproduzenten wenigstens eine annähernde, wetm auch noch sehr viel geringere Last auflegt wie diejenige, die die Staats- regterung und ihre Gesetzgebung seit 30 Jahren der inländischen fiornerzeugung aufgebürdet hat. Sind denn alle die Grundsteuem, alle die Lasten, die ich vorher andeutete, ohne fie aufzählen zu können— ich habe fie nicht im Gedächtniß—, find denn die nicht alle ein nothwendiges Mittel der Vertheuerung des inländischm Getreidebaues, Lasten, die 3—400 Millionen Zentner treffen, die wir im Lande bäum, im Vergleich mit den 30—40 Millionen Zentner, die wir vom Auslande importirm? Es find die Lasten, die auf der Landwirthschast haften, allein in Preußen auf über 100 Millionen Mark zu veranschlagen, die auS den Produkten der Landwirthschast bezahlt werden müffen, — einige 60 Millionen Staatslasten und mindestens 40 Millionen Zuschläge dazu. Dief Behauptung des Hmn Vorredners daß der Staat dem Landwirth blutwenig helfen könne, ist doch nur eine andere Form für die Erklärung: ich will nicht helfen. ES ist ja höflicher und wohlwollender, daß man sagt: ich kann nicht. DaS sagt Jeder, der nicht geben will. Ich bin der Meinung, daß wir die Last, die unsere Landwirt- hschaft trägt, lieber auf das Ausland abwälzen sollm, als daß wir fortfahren, es im Inland durch Steuem aufzubringen. Daß daS Ausland diesen Zoll trägt, darüber find Alle im Ausland vollständig einig, davon kommen die Reklamationen und Proteste der Komländer, und ich bedauere aufrichtig unsere Freunde in Ungarn, in Rußland und in Amerika, daß wir ihnen dm Schaden zufügen müffen, daß wir ihr Korn besteuern mit einem Zoll, den fie werden tragen müssen, wenn fie nicht auf den Import verzichtm wollen. Ader Jeder ist fich selbst der Nächste, und wir müssen zunächst für unsere Landwirth- schaft sorgen, ehe wir für die befreundete ungarische sorgen können. Der Herr Abg. hat unS einen kleinen Trost konzedirt, er hat gesagt, das Bedürfniß eines gewissen RepartirenS gebe er zu. Der Herr Abgeordnete hat ferner, was ich namentlich im Interesse der Zeit des Reichstages beklage, einen erheblichen Theil seiner Rede dazu verwandt, um mir Widersprüche mit irgend welchen früheren Reden oder Aeußerunger nachzuweisen oder dieselben in Widerspruch mit der Vorlage zu bringen. Meine Herren, das ist ja ein ganz unfruchtbares Beginnen. daS ändert den Werth der Vorlage in keiner Weise. Ich habe das schon oft gesagt: ich könnte ja die größten Thorheiten ge- laat haben, ich könnte meine Meinungen geändert haben. Es ändert an dem objektiven Werth der Vorlage für daS Reich und seine Interessen nicht das Mindeste, wenn mir der Herr Abgeordnete nachweist, daß ich mit früheren Aeußerungen in Widerspruch getreten bin. Es ist daS aber hier nicht der Fall; ich werde daS gleich darthun: und wenn es der Fall wäre, was ist damit gewonnen? Ich kann darauf antwortm: es giebt eine Menge Leute, die haben ihr ganzes Leben hindurch nur einen einzigen Gedanken, und mit dem kommen fie nie in Widerspruch.(Große Heiterkeit.) Der Widerspruch, in den mich der Herr Abgeordnete hier zu verwickeln suchte, war der, ich hätte vor 6 Jahren behauptet, eS handele fich hierbei blos um einen Finanzzoll, und jetzt wollte ich ein Schutzzoll. Aber das ist ja ganz zweifellos richtig, der bisherige Zoll hat fich als reiner Frnanzzoll bewährt; er hat 20 Millionen eingebracht, und das ist ja ganz außerordentlich erfreulich. Seien Sie doch froh, daß Sie das nicht mit Klassm« steuer aufzubringen brauchen. Wer es bekahlt, das weiß noch Niemand; es ist ja sehr erfreulich, wenn man solche anonyme Geschenke bekommt.(Heiterkeit.) Also ein Finanzzoll ist es S ewesen. Nur hat fich gegen mein Erwarten, das habe ich hon neulich gesagt, die Unzulänglichkeit der früheren Zölle, der lediglicken Finanzzölle— so rasch herausgestellt, die Er- lenntniß ist schnell in weiten Schichten der Bevölkerung durchge- drungen; und jetzt bin ich ganz entschieden für einen Schutz- »oll. Der Herr Abgeordnete hat unter Anderem auch gesagt, es wurde bestritten, daß der Preis deS Getreides steigen würde. Ja, meine Herren, ich bestrerte das nicht gerade; ich bin nicht ficher; aber diese Unfickerheit ist erne solche, mrr der ein gewisses Bedauern verknüpft ist, wenn rch finde, daß das Ziel nickt erreicht ist; ich wünsche, daß der Preis gesteigert werde; ich halte es für ganz nothwendrg. daß er gesteigert werde.(Hört! hört! links.) Ja: Hört. Ich bitte Sie, daS auch ganz deutlich zu hören.(Heiterkeit.) ES ist das nothwendig. Denn es gehört das zu den Sätzen, die ich vorgestern hrer ousgesprochen habe, ohne daß einer der Herren Redner darauf zui ückgekommen ist. Ich sagte, daß eS nothwendig eine Grenze geben muß, wo der Staat mit dem Versuch, den Preis zu fieigem, eintreten muß. Die Frage ist also nur: ist vre Grenze schon erreicht, oder ist fie noch nicht erreicht? Der preußische Herr Minister Dr. Lucius hat neulich Data hier vorgetragen, nach denen wir zugeben müssen, fie wäre schon erreicht. Sie darf aber nicht erreicht werden, denn wenn fie erreicht ist, ist es schon zu spät, und wir Kaden schon die ungeheuersten Ver- luste erlstten. Sobald es aber eine solche Grenze giebt, dann ist Ihr vorheriges Hört! hört!, als ich sagte, die Preise sollen steigen, ein erfreuliches Anerkenntniß der Wahrheit beim Ge- gner: Sie machen das Volk und die Leser aufmerksam darauf, daß ich die Wahrheit gesagt habe: es giebt eine Grenze, die der Staat innehalten muß, wenn er große Kalamitäten verhüten will; da hört jede andere Rückficht auf. Der Herr Vorredner sagte, unser Export würde geschädigt, wenn wir den Import verhinderten. Ja. wenn es gewisse Nationen gäbe, mit denen wir in einem Verhältniß, da« ineinander greift, von Export und Import ständen, wenn z. B. die Getreide expedirenden Nationen, wie Amerika, ihrerseits freihändlerisch wären und unsere Produkte bereitwilligst als Tausch entgegennähmen, dann würde ich ihm bis zu einem gewissen Grade recht geben; wenn Rußland dem Ideal deS Herrn Vorredners, seine Grenze dem freien Handel zu eröffnen, bereits gefolgt wäre. Aber was wollen Sie denn in Rußland absetzen und in Amerika bei den jetzigen hohen Zollsätzen? Der Herr Vorredner hat mich ferner falscher Prophezeiungen beschuldigt, well ich vorgestem gesagt habe, der indische Weizen werde schließlich eine Ausdehnung der Produktion erreichen, gegen die selbst Amerika nicht gepanzert wäre. DaS ist doch etwas zu viel verlangt, daß eine"" gestern ausgesprochen habe, heute.._ sein soll, namentlich in Bezug auf Amerika und Ist ist der Herr Vorredner nicht von seinem gewöhnlichen dilligen Wohlwollen für meine Aeußerungen erfüllt gewesen. Ja noch mehr, die Tbatsachen, die er anführte, um mich zu widerlegen, trugen daS Datum von 1883, da mögen die Herren fie ganz anders gelesen haben; es weiden weiden wahrscheinlich That- fachen aus den Jahrm 1881/83 sein, die referirt wurden. Wes- halb ich an die unbeschränkte Ausdehnung des indischen Ex« ports glaube, das ist wegen der Bodenbeschaffenheit Indiens und wegen der erstaunlichen Wohlfeilheit der Arbeit, die be- kanntlich in keiner Gegend der Welt in dem Mafe vorhanden ist, wie tm englischen, und zum Theil auch im niederländischen Indien. Deshalb kann auch die vor- tige Zuckerproduktion noch immer Konkurrenz halten mit dem Rübenzucker. Der Herr Abgeordnete gab auch Preis- sätze an für indischm Weizen und dessen Transport nach England, die ich nach allen amtlichen Berichten, die mir vorliegen, für unrichtig halten muß, und zwar für weit über- trieben unrichtig. Mir rst gesagt worden-- und der Satz ist ja so einfach, daß jeder, der mit dem Kornhandel vertraut ist, ihn wird berichtigen können—, ich kann ihn nicht be« schwören, aber mir ist gesagt worden, daß der indrsche Weizen heute nach London geliefert wurde einschließlich per Zentner zu 6 Mk. und einem kleinen Bruchthell von Pfennigen, und bei größerem Zufluß wird das noch wohlfeller, und wenn die Einrichtung der Verschiffung durch regelmäßige Organisation noch besser wird, so können wir nicht mehr Weizen bauen und auch England nicht. Ich habe vorher schon erwähnt, daß der Satz, daß es einen so niedrigen Stand der Getreidepreise giebt, daß dessen Eintritt eine Kalamität und einen Zusammenbruch unserer ganzen wirthschaftlichen Verhältnisse bedingt, mir weder widerlegt noch ernstlich bestritten worden ist, daß also, wenn es zugeben wird, damit das Prinzip der Kornzölle, der An- wendbarkeit der Kornzölle, ja der Nothwendigkeit der Korn- zölle als rettende That für die Erhaltung des wirthschaftlichen Lebens gegeben ist, und daß wir uns nur darüber zu fragen haben; ist diese Grenze eingetreten und liegt fie heutzutage vor? Darüber werden wir ja diskutiren können. Ich habe einen anderen Satz aufgestellt, der gar keine Beachtung und Wider- legung gefunden hat, weil er unbequem ist, nämlich den, daß, wenn eS überhaupt oolkswitthschaftlich angezeigt, die' unent- behrlichen Lebensbedürfnisse und aus diesem Grunde daS Brot auf einen möglichst niedrigen Preis herunterzudrücken,— daß dann diese Ausgabe der Gesetzgebung und deS Staats- lebens nicht beschränkt sein kann auf das Brot, weil es andere Gegenstände giebt, die ebenso unentbehrlich als Brot für den Armen wie für den Reichen find. Dazu gehört in erster Linie die Kleidung von Kopf bis zu Fuß mit allen Stoffen, auS denen fie beschafft wird, also: das Handwerk, der Schneider, der Schuhmacher, das Gewerbe, waS Tuch, was Leinwand, was Baumwolle erzeugt und verarbeitet, was zum nothwendi- gen Schutz deS Armen gegen Witterung dient; warum muß daS nicht mit derselben Konsequenz auf den möglichst niedrigen Standpunkt, ohne Rückficht auf die Produzenten herunterge« drückt werden wie das Getreide?(Zuruf links: Gewiß!)— Die Herren sagen: Gewiß. Nun gut, machen Sie das mit den Schustern und Schneidern aus, die dabei betheiligt find. Ich habe mir bisher eingebildet, Sie hätten nicht den Muth, denen denselben Handschuh hinzuwerfen, vor dem die Land- wirthschaft fich 30 Jahre lang ganz ruhig gebückt hat, weil fie eben auf dem Lande wohnt und nicht die Zugänge zu denBehörden, zu den großen Zeitungen, zu den liberalen Parteien hat wie der Handwerker. Wenn Sie aber auf diese Weise mir mit„gewiß" antworten, daS heißt also: der Schuhmacher, der Schneider, alle Handwerker, der Weber, sollen ebenso im Preise herunter- gedrückt werden, daß möglicher Weise die Grenze gesucht wer- den muß: kann er dabei noch bestehen? Daß fie möglicher Weise überschritten wird, daß, selbst wenn fie überschritten wird, gar keine Rückficht darauf genommen werden kann, ob diese zahlreichste aller GewerbSklaffen leben oder sterben kann, — ja, meine Herren, dann finden Sie fich mit diesen Gewerbs- klaffen ab, die wohnen in den großen Städten, die werden Ihr Ohr schon zu finden wissen und Ihr Auge in den Zei« tungen. ES ist mir lieb, daß Sie mir mit diesem„gewiß"— wenn ich nur die Unterschrift dafür hätte, wer daS„gewiß" gesagt hat, dann würde ich dafür sehr dankbar sein—(Zuruf: Dirichlet!)— ack, Herr Dirichlet! Na--(Große Hetter- leit) dann habe ich mich vielleicht umsonst gefteut. Sie glauben das Recht zu haben, vom Landwirth zu fordern, daß er zu Grunde geht, daß 25 Millionen fich opfern, und etwa— ich weiß nicht, wie viel Millionen landwirthschastliche Arbeiter, ich habe die Ziffer nicht im Kopfe, aber es ist bei Weitem die Mehrzahl— mit geopfert werden, um den sehr viel geringeren, vielleicht 1 bis 2 Millionen städtischen Arbeitern um einen Pfennig das Brod wohlfeiler zu schaffen, daß fie deshalb fich ausschlachten sollen, fich wie CuttiuS in den Abgrund des Vater- landes stürzen, daS find die Konsequenzen, zu denen Sie kommen; die können Sie dem Landwirth gegenüber vielleicht 20 Jahre halten, wenn der Bauer fich aber darüber einmal klar wird, daß er die äupe und der Ambos so viele Jahre lang gewesen ist, dann kriegen Sie das aus seinem Kopf anch nickt mehr heraus, die Landwirthe fangen jetzt an— Dank der Bauernvereine, die gebildet find— fich darüber aufzuklären, daß fie gut thun, ihre Interessen selbst zu vertreten, selbst fie in die Hand zu nehmen und das nicht den Herren Sckriflgelehrten aus den großen Städten zu überlassen, die hinkommen auf das Land, um an den Verfolgungswahn— der ja in unserer Nation statistisch stärker grasstrt wie anderswo— an den Ver- folgungswahnfinn mit dem Geschrei„Reaktion" zu apprlliren: „Hütet Euch vor der Reaktion: Es ist diese verruchte Kaste", die dann weiter bezeichnet wird:„die jetzt wieder nach der Herrschast strebt." Wir kennen das ja auS Ihren Wahlverhandlungen, theilS aktiv, thells passiv. Der Ausdruck„Re- attion" ist nur ein Appell an den VerfolgungSwahnfiun, der fich Gefahren einbildet, die nicht bestehen. Aber wenn der Landwinh und namentlich der kleinere und mittlere Land- wirth erst einsteht, daß er genant worden ist von diesen Henen lange Zeit,— dann, meine Henen, fangen Sie ihn nicht wieder; der verbrennt fich einmal, aber nicht zweimal. Und ich glaube, eS wird dahin kommen, daß die Erkenntniß fich mehr und mehr Bahn bricht— dazu hat namentlich die Berufsstatistik außerordentlich viel gewirkt—, und daß der Landwitth auch fich dadurch ermuthigt fühlt, daß er steht, er hat die Majorität in der Hand, wenn er nur einig Sa und geschlossen gegen Diejenigen stimmen will in den ahlen, die ihn bisher ausgebeutet, die auS seiner Haut die Riemen geschnitten haben.(Sehr richtig! rechts.) Die ver« bündeten Regierungen werden schwerlich darauf eingehen, den Handel mit Kleidern, Stiefeln, Tuch, Leder ebenso zu ruiniren, wie die Landwirthschast ruinitt werden würde, wenn die Fort- schrittspartet bei uns am Ruder wäre. Der Abg. Dirichlet hat uns gestern die llnmöglichkett nachgewiesen, daß ein kleiner Grundbefitzer— ich glaube, er sprach von 20 Morgen beispielsweise— überhaupt Korn verkaufen könne; ja, der hätte eigentlich gar nichts. Das zeigt nur, wie die reichen landwirth- schastlichen Ersahrungen, die der Herr ohne Zweifel früher im Kreise Darkehmen gesammelt hat, wie die in dieser Wüste von Mauersteinen und Pflastersteinen und Zeitungen hier in Berlin vollständig verloren gegangm find.(HeiterkeUrechtS) Er hat es vergessen, wie es auf dem Lande aussteht und ist jetzt wohl« Fraktionsdienst auch, glaube ich, zu sehr beschäftigt(HeiterM um der Landwirthschast mehr als einen gelegentlichen widmen zu können. Es ist nicht so, wie er gesagt hat. p* kleine Landwirth verkauft alleS, was er baut, mit ÄuSnaW dessen, was er mit seinem Vieh verfüttert— das ist natürlich. — Aber er kann doch sein Getreide, seinen Roggen, den« gebaut hat-- ja, bei der Gelegenheit komme ich nochim» darauf zurück, weil ich im stenographischen Bericht, wie ick früher mal gesagt habe, die Bemerkung„Heiterkett"—«6 muthe, in der Region Dirichlet— gefunden habe. Die Herr« kennen das Geschäft eben nicht. Glauben Sie denn, daß der Landwitth seinen Roggen in Körnern in natura kaut und'P (Heiterkett), oder daß er ihn, wie die Alten, zu Hause zwischen Steinen zerreibt? Er muß doch wenigstens seinen Roggen an den Müller verkaufen, um ihn gemahlen zu bekommen- kennt man nicht mehr, daß er mtt dem Sack dabeisteht wn» wartet, bis der Müller den Roggen mahlt, sondern er brmgr seinen Roggen zu einem bestimmten Preise auf die Mühle und nimmt sein Mehl zu einem bestimmten Preise. Also das>n auch ein längst überwundener Standpunkt! Wenn die Herren sagen: Der kleine Landwitth verzrhtt sein Korn düekt, w bitte ich doch, gehen Sie auf das Land, da will ich es Jonen zeigen. Wenn einer der Herren mir die Ehre erweisen nw}, mich zu Hause zu besuchen, werde ich ihn die%% Verschiedenheit gewiß nicht entgelten lassen, ich werde eS mir zur Ehre gereichen% einen deutschen Reichstagsabgeordneten einen KursuS Landwitthschast durchmachen zu lassen, denn es sollte hier fitzen, der nichts davon versteht! Ich habe Ihnen nrv>» das Beiipiel zitirt, wie ein Wald das wirthschaftliche Lebens seiner Umgebung kräftigt und in welchem Maße er beschäftigt. Wenn dasselbe Verhältniß im ganzen Lande � fände, waS nicht stattfindet, denn es find nicht alle gut bestanden, es erfreuen fich nicht alle Wälder einer r#r. Ausbeutung, so könnte man annehmen, daß auf je 50 He"®? immer eine Familie und ein Pferd Beschäftigung finden� beschäftigungslos werden, sobald dieser Wald bettiebslos � sobald er durch die ausländische Konkurrenz in seinem AM erdrückt wird. Ich weiß nicht auswendig, wie viel Cuoü® meilen Wald wir in Deutschland befitzen, ich vermutht." werden um 2000 Quadratmeilen herum sein, ich weiß es w» (Zuruf) 2500 sogar, nun, wmn daS übervll zuträte, vaß � 50 Hektare eine Familie leben kann, so würden damit am«ss Quadratmeile, die über 5000 Hektare hat, 100 Familien% können; also wenn eS 2500 Ouadratmeilen find, so pM das 250000 Familien geben, die im Walde leben koinu'' Nehmen Sie aber auch an, daß die Zahl sehr viel gettnaer ist! � erwäam Sie, wie viele von impotirtem Holze leben. Esfiiw?? die Brettschneider und andere, die längs des Blomberg« nals fich etablitt haben, bis hier nach Berlin heran; gönne ich ihren Verdienst; aber ich glaube, daß an KovM schwerlich 10 000 herauskommen werden, ich kenne fie aber selbst wmn fie ebenso zahlreich wären, wie Diejenige welche in unseren Wäldern arbeiten, so find fie doch nicht ho� berechtigt. Der Industrielle, der in ausländischem Hott* � bettet, ist nicht höher berechtigt als der inländische Holzbeß� Material fast umsonst und auf den Wasserstraßen, die Staat gebaut hat, hingefahrm bekommt. Außerdem wr. ich noch an eine gestrige Aeußerung ein paar Worte ankniWr Der Herr Abg. Dittchlet ist empfindlich geworden daß ich gesagt habe:„Deshalb find die Behauptungen inf, Presse und in Redm, die davon ausgehen, daß die ganzeff setzgebung in Bezug auf Getreide und Holz daS Mtttel den Großdrundbefiy zu erleichtern auf Kosten des armen y* nes, einmal verlogene Entstellungen der Wahrheit, oann' zwetter Linie rc." Nun, ich glaube nicht, daß fich mit dirsen% ten irgend Jemand getroffen fühlen kann, wenn er fich% bewußt ist und einräumt, daß er die Behauptungen 8#% hat. Aber auch selbst dann möchte ich ihn doch bitten, K nicht getroffen zu füh'en. Wmn ich starke Ausdrücke ver» gebrauche so bitte ich daS immer unter der Benefiz deM» liehen Sprüchwortes zu akzeptirm„present persons al*,. excepted", d h. die Anwesenden find ja jedenfalls davon genommm(Heiterkett), wie die Unteroffiziere bekanntlich?) dm Herren Freiwilligen sagen. Ich würde mich in BezuK die hier anwesenden Herren ja nie eines so unfreundlichen � druckeS bedienen, ich würde vielleicht nur von Verschiebung, sprochen, oder ich würde einen milderm Ausdruck babm, wenn ich dabei an die Herren hier irgendwie g®% hätte. Ich habe wesentlich an die Presse gedacht und oü, Redm, die außerhalb dieses Saales gehalten mm#, über die habe ich mich zu beklagen. Ich habe z- Aeußerungen gedacht, wie SchnapSpolitik und EchweinÄ« (Oh! links), die notorischer Weise in Bezug auf meine kett, für die Landwitthschast einzutreten, angewandt find Ja, meine Herren, wenn Sie einen Minister in wss» Stellung einen Schweinepolitiler nennen(Oh! U Heiterkeit) In dem Augenblicke, wo er zum Schutz*.z. dmtschen Landwirthschast austtttt, oder einen Politiker— die beiden Ausdrücke find, soviel'*6 J? tu gebraucht—, so werfen Sie ihm doch damit vor, daß fvi-( einer unredlichen Weise und wider besseres Wissen> Stellung dazu ausbeutet, um fich persönlich zu bereichern eigmnütziger Art. Kurz und gut, eS ist ein vollständig*"*,( rühriger Vorwurf, der damit gemacht wird. Verlangen.,�, denn, daß ich eS stillschiveigenv hinnehme, wenn dergt« � hier in milderen Wortm produzirt wird, wenn eS beißt- � ist wiederum das Bestteben, den Reichen auf Kosten Armen noch reicher zu machen und den Armen noch ar?... Ich leugne garnicht, daß ich zu den Reichen und zu den grundbesttzern gehöre, aber ich behaupte, daß ich diesen wurfnicht verdient habe, und wenn ich in meiner p\ alS Minister zufällig der Majottät meiner Landsleute � Landwirth angehöre und deren Interessen zu vettreten« u ja, dann ist daS ein Vorzug meiner Stellung, und» Völker gegeben, wo der Ackerbau gesetzlich pttvtligitt war will nicht sagen, daß man von dem leitenden Staatsmu--� immer verlangen sollte, daß er der zahlreichsten Klaff«>. st Mitbürger, den Landwitthen, angehören soll, obgleich gz ganz unvernünftig noch nicht wäre, ein Gesetz zu geben,»y Preußen darf Niemand Ministerpräsident fem, � nicht Landwirth ist."(Bravo!) Aber es wäre leicht nützlich, wmn die Herren, die auf die GesetzZ* Einfluß hätten, überall auf Revenuen angewiesen wu � die aus irgend einer gewerblichen Thätigkeit stießen,= st fieZfühlen. wie es ist; daß man also beispielsweise, wie v in allen Zeiten auch war, jedem Minister eine Präben�Q'�/- aus derm landwirihschastlichen Etträgen er die 12,000» � die er jetzt baar erhätt, berausschlagen kann oder mcktt er nicht so ganz gleickgiitig gegen das Ergehen der schaft wird(Heiterkeit), sondern damit er an seinen*b pfi Einnahmen es empfindet, wenn dieses erste Gewer°s Deutschen prosperirt, und wenn eS Noth leidet. So» ff» aus der Thalsache, daß ich nicht nur Minister, sondew Landwirth bin, einen Anlaß entnehmen, um gegen 1*� � schlag, der dahin zielt, der Landwitthschast zu nütz«»# Schaden von ihr adzuwmdm, mich kühl wie der H**!�% Bamberger zu verhalten und zu sagen: ich bitte, laß»' � f Ruhe, das würde meine Uneigennüyigkeit verdächtigen,��-» Landwitthschast, damit habe ich nichts zu thun? theil, die zu schädigm und auf ihre Kostm alle anderen, f chastlichen Branchen nach Möglichkeit zu fördern, � ür mich eine Ehrmpflicht, das bin ich meiner"*• chuldig? DaS würde eine ganz elmde Ettelkett von w Sä It. 2» i8noW atürlii dm« lochmal« ich da« ich w e Herrai und>«> zwischen fk: iie»? ä Ihnen senÄ ssndan loiseNf a M Üicmand nn-l'ch % % öefli W lÄ l| würde könne» «"L .onl Si äePg «erend? % in" 1 n-r U Sf '"J A« Jnh ich würde meine Pflichten gegen die Mehrheit dieses Landes verletzen. Ich ffth« dies nur an, um meine Berechtrgung nach- «uweism,»mn bei dm unwürdiaen— ich kann wohl sogen— niederträchtigen und infamen Angriffen, denen ich in der °L?l!esetzt gewesen bin in Bezug auf die Verdächtigung tnebrer Thätigkeit, mitunter mir die Galle überlauft und ich auch einen hartm Ausdruck gebrauche, und ich will nur ein M allemal erklären; wenn ich in Zukunft noch e nmal brer rm Reichstage von Lügm sprechen sollte, so meine ich in Be- M auf Minister und Abgeordnete immer nur Jrrthümer. (hti�keit. Lebhaftes Bravo rechts). Abg. v. Put. kamer(Plauth): Der Abg. Dmchlet, a°hl überhaupt der einzige praktische Landwirth seiner aanzen rr-aktion, hat als Sachverständiger derselben für die Sektion �andrvir hschaft" unter Anderem bestritien, daß eine Noth- M der Landwirthschaft vorliege, und fich auf daS angeblrch Wtwährende Steigen landwirthschaftlicher Produkte berufen. üch kann das nicht zugebm. Weder find die Preise gestregen. M liegt eine nur vorübergehende Kalamität vor. Es handelt M) um eine akute KrifiS, deren Ende gar nicht abzusehen, st, man nicht weiß, wie weit die ausländische Produktion steigen wird. Herr Dirichlet sagt, die mangelhafte Vor- guhmg, lüderliche Wirthschaft und so weiter der �ndwtrthe verschulde die Kalamität. Damit stellt er �e immer die Verhältniffe der Landwirthschaft auf den Kopf. ? lese doch den üngsten Verwaltunasdericht des Ministers «cius; dann wird er findm, wie erhebliche Fortschritte bei P in Kultur und Technik der Landwirthschaft gemacht wor- ? find. Und nicht nur unsere Landwirthe, auch die eng- Am Farmer, die ftanzöstschen Bauern stehen vor dem Ruin. Herr Dirichlet etwa, daß auch dies weggelaufene Sfnjjlsche Gardeoffiziere find?(Heiterkeit.) Redner schildert im Mteren die schwere Belastung d-s großen Grundbeflyes vurch �»munale und Staatsleistungm und die zunehmende Ver- Mnng des Bauernstandes, welcher der schleunigsten Hilfe Mrfe, und fährt dann fort: Herr Dirichlet hat fich auf dm ijnnaligen Oberpräsidenten von Ostpreußen, Herrn v. Schön, Mw. Ich beziehe mich demgegmüber auf dm Freiherrn S0n Stein. Herr von Schön vertrat in diesen Dingen be- Mtlich den Standpunkt der Manchesterpartei, der Frei» von Stein aber den der jetzigen Regierungs- piin TO fcn P 1 i S?1 P-? % ■'S $ K va' vi 'S s ,if n Die Rede deS Herrn Dirichlet wird bei dm .preußischen Gutsbefitzrm gewiß recht peinlich berühren, »y" den Vorfahren derselben, die Gut und Blut dem »lande geopfert haben und von der französtschen Invasion .�. vlderm Kriegslasten hart zu leidm hatten, den Vorwurf hat, ihre Wirthschaften seien verlottert gewesen. Auch Anspielungen auf den Pferdebandel paffen nicht. Viel- uF lst es die Pferdezucht, mit der fich der ostpreußische Grund- «nw��weise beschäftigt und durch derm Hebung er fich i�entlich um unsere Wehrkraft große Verdienste erworben � Auf die Red« des Herrn Rickert habe ich nichts zu er- wTj er hat nur Argumente vorgebracht, die schon tausend« «b widerlegt find; und dafür hat er dann einen Hochdrama« Ton angeschlagen. Was seine Bemerkungen bezüglich chlagitation betrifft, so erwidere ich nur, daß die deutsch- AsftWion außerhalb des Hauses geradezu mit ver« ; �Lasten geführt wird und an alle Leidenschaften und der Mafien oppellirt.(Zum Beweis verliest Redner daS (AT«Reichsblatt" erschienene Gedicht mit der w m heraus!", in welchem der Bürgerstand Rel mlL* wf'C aufgestachelt werde.) Wmn femer Herr S»«. eVut>ltltanöen' daß es am besten wäre, daß die WJJta thre Gehälter statt in baar, in VrSbmden ausgezahlt um die tsiolhlage der Landwiithschaft kmnm zu Eß.?lich würde in diesem Falle nur wünschen, daß fie mit IJtar ausgestattet würden, auf denen hauptsächlich Zucker- lebaut werden. Wir würdm dann vielleicht schnell zu (form der Zuckerstmer kommen. Wäre wirklich der ..� Wand nur halb so stark an Zahl und Bedeutung seiner so wären wir schon sehr zufrieden, wenn ihm auch Hälfte des Mitleids geschenkt würde, daS man der %>7'Uhschaft entgegenbringt. Nicht eist hmte nimmt man selhg? Nothlage der Landwirthschaft Rückficht; die Landwirthe Warben doch wahrlich bisher nicht an einem Uebermaß bis« I'd'idenhett gelitten, es hat ihnen auch an Protektion Mehlt. und hätten fie fich selbst vergeffen, dann würde IfoTj8 von maßgebmder Seite eine Erinnerung zu Tbcil �den sein. Vor Allem aber muß ich der Be« ung widersprechen, ob die Seestädte durch die Tarifteform 9 noch nicht gelitten hätten. Der Vertreter Memels, loltke, wird mir bestätigen, daß die Zustände in Memel, M ausschließlich auf den Holzhandel angewiesen ist, U?°kttose find. Es ist die einzige Stadt in Preußen, viel» mt«," ganz Deutschland, welche zurückgeht, in welcher eine derti. der anderen liquidirm muß, in welcher der Grund- «or�auernd finkt. Wie eS in Danzig aussteht, haben Sie WA', n von Herrn Rickert gehört. Im vorigen Winter find bei% von tüchtigen Arbeitern, welche bisher in ��iLvlzbranche ihren Erwerb gefunden, vor den ».»A. gezogen und verlangten Brot. Dadurch inn der Stadt Danzig um Hunderttausende ange- q.Sehnliche Zustände finden sich nicht annähernd in � Landwirthschaft. Ueberrascht l,a! es mich, daß thjw. Jtetchslangler auch heute das Dogma ver« btn%, daß die Zölle vom Auslände getragen wer- ?bsn,,,.�e bliden Beweise, die er dafür anführte, find Vicht stichhaltig. Im intemationalen Handel trägt iiy,?.9e den Zoll, der die Waare braucht- Wären wir die Kunden von Ungam, so könnten wir vielleicht das ß&et Q.% Getreide mtt einem Zoll belegen. Dasselbe geht Jlhweft Wegen, ohne Deutschland zu berühren, nach der ■ÜftsuJ und Südftankreich- Noch eigenthümlicher ist das S, ttr,L°on dem russischen Holze Wenn Herr Dr. Frege �Uihi� rijng deS Hafens Libau der vermehrten rusfischen �tt'�JWfchieibt, so defindet er fich gleichfalls im Jrrthum. .Uen n!i?ung Libaus verdankt seine Entstehung ganz an« diese» flachen' nicht aber dem vermehrten nisfischen Export; ,�tr«id-.» 9t großen Schwankungen, je nach dem Ausfall der Wer,' Don einer Vermehrung ist aber nicht die Rede. �:............ "llführt- eine" neue Beschränkung des Handels« m,.wlt Rußland wird dem Hafm wiederum WiMiii »»A miü? WiJ«?» w.»" te" J;.«, Z. MRMW? svn�elhaf�wskanzler mir in dm Mund legt, von der �Vorbildung der lanvwirthschaftlichen Junker. "tleren und größerm Besitzer gesprochm, und einm Unterschied zwischen der UniveifitätSbildung der Bürger« lichm und der VorbUdung der Grundbesttzer in den Kavallerie- Regimentern gemacht. Auch habe ich mir die Verwechselung zwischen Pferdehandel und Pferdezucht nicht zu Schulden kommen lassen, sondern der Reichskanzler hat gesagt, daß jene sudhastirten Güter in den Befitz von Viehhändlern, in Ost- preußen von Pferdehändlern übergegangen find. Abg. Bamberger: Die Äcußerung des Reichskanzlers, als ob ich unempfindlich wäre gegenüber der Nothlage der Landwirthschaft, kann fich nur beziehen auf ein Zitat, welches ich nach dem Professor Conrad in Halle gemacht habe. Ich verstehe dasselbe aber lediglich dahin, daß mit dieser Zollverbeffe- rung nicht zu helfm ist. Die vom Reichskanzler berührte Frage der Steuergesetzgebung ist für mich eine offene; ich habe davon garnicht gesprochen. Es ist mir ferner gamicht eingefallen, altere Reden des Reichskanzlers zu zitirm und ihn auf Wider- sprüche zu provozirm. Ich habe vielmehr ausdrücklich gesagt: sett dem Jahre 1879 hat fich eine andere Phnfiognomie heraus- gestellt, und daS habe ich aus Zitaten der Reden des Reichs- kanzlers nachgewiesen. Vom Nachweism von Widersprüchen war keine Rede. Die Sache und die Person stehen mir zu hoch, um solche Advokatenkniffe zu gebrauchm. Abg. Rickert, welcher prinzipaliter die ganze Vorlage einer besonderen Kommisfion von 21 Mitgliedern überweisen will, beantragt eventuell, für den Fall der Annahme deS Antrages v. Kar- dorff die Mitgliederzahl für die Holzzollkommisston statt auf 14 auf 21 Mitglieder festzusetzen. Er führt auS, daß er mit diesem Antrage keineswegs eine Verschleppung der Vorlage beabfichtige. Im Gcgentheil, wenn man gewisse sachverständige Abgeordnete nicht in die Kommisfion wählm könne, so würden die Plenarberathungen nachher um so länger dauem. In der Abstimmung wird zuerst der Hauptanttag Rickert gegen die Stimmen der Deutschfreifinnigen, der Volkspartei, der Sozialdemokraten und zahlreicher Nationalliberalen ad- gelehnt; darauf der Eoentualanttag Rickert auf Vermehrung der Mitgliederzahl der Holzzollkommisfion mit denselben Stim- men und außerdem von den meisten Konservativen und einigen Zentrumsmitgliedern angenommen. Mit der hierdurch be- dingten Aenderung wird der Anttag v. Kardorff so gut wie einstimmig angenommen. Schluß 5'/« Uhr. Nächste Sitzung Frettag 1 Uhr.(Anträge Lenzmann, Ackermann, Grillenberger.) Abgeordnetenhaus. 18. Sitzung vom 12. Februar 1885, 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Boetticher, Friedberg.' Die EtatSberathung wird fortgesetzt und vom'Etat des Ministeriums für Handel und Gewerbe eine Reihe von Titeln des Kap. 69„Gewerbliches Unterrichtswesen, wiffenschafttiche und gemeinnützige Zwecke" ohne Diskusfion bewilligt. Titel 7 enthält die Forderung von 177,000 Mark.„Zuschüsse für Fortbildungsschulen", welche Pofition fich bisher im Kultusetat befand. Abg. Langerhans stellt den Anttag, die Fortbildungs« schulen bei dem Ressort deS Kultusministeriums zu belassen und demgemäß dm Ausgabeposten für dieselben aus dem Etat deS Handelsministeriums zu streichen. Minister v. Boetticher: Es ist durchaus nicht ver- ständlich, von der Ueberttagung der Fortbildungsschulen auf das Handelsreffort eine Zerstörung der heutigen Konstmklion derselbm zu befürchten- Die Foribildungsschulen find ja kom- munale Einrichtungen, auf deren Gedeihen dieser einfache Reffortwechsel eine nachtheilige Folge um so weniger wird haben können, als der Ministerialdezcrnent für dieses Fach derselbe bleiben wird. Die Schulen bleiben, was fie bisher gewesm find; die Förderung durch dm Staat bleibt ihnen ebenfalls ungeschmälert erhalten. Abg. Sack ist mit der Ressortveränderung einverstanden undspncht die Hoffnung aus, daß unter der nmm Oberleitung der Wunsch der Konservativen auf Beseitigung deS Fortbildungs- schulunterrichts am Sonntage etwas mehr Berückfichtigung fin- dm möge. Was der Kultusminister auf dm in voriger Eesfion vom.Hause angenommenen bezüglichen Antrag gethan, sei nicht genügend. Abg. Reichensperger(Köln) hält dem Abg. Langer- Hans entgegen, daß in dm Fortbildungsschulen vor lauter „allgemeiner Bildung" daS gewerbliche Moment allzu sehr in dm Hintergrund getreten sei, und daß in dieser Beziehung Wandel geschaffm werdm müsse. Nach einer nochmaligen Auseinandersetzung zwischen dem Abgeordneten Langerhans und dem Minister v. B o e t- ti 6er wird der Anttag LangerhanS abgelehnt, die Pofition genehmigt. Bei Titel 10„Zuschüffe zur Unterhaltung von gewerblichen Zeichenschulen, von Baugewerk« und anderen gewerblichen Fach- schulen 198467 Ml" b-klagt Abg. Berger, daß die Leistungen dieser Schulen, wie überhaupt das niedere technische UnterrichtSwesen in den letzten Jahren nmnenswerthe Fortschritte nicht gemacht habe. Geheimer Rath Lüders widerspricht der Behauptung, daß auf dem beregten Gebiet ein Rückgang der Leistungen eingetreten sei. Der Tttel wird bewilligt, ebenso Kapitel 69 a„Porzellanmanufaktur", Kapitel 70„Vermischte Ausgaben", desgl. daS Exttaordinarium dieses SpezialetatS. Zum Etat der Kauverwaltung hatte der Abg. Graf Clairon d'Hauffonville den Antrag gestellt, eine erste Rate zur Anlegung eines Fischerboothafens in Leba von 50000 Mf. ins Exttaordinarium dieses Etats einzustellen. Die Budgetlommisston beantragt: In Erwägung, daß gemäß dm Erklärungen der Staats« regierung die Verhandlungen wegen Herstellung der noth« wendigen Einrichtungen zur Förderung des Fischereidelriebes an der Leba schweben, über dm Antrag zur Tagesordnung überzugehen. DaS Haus beschließt demgemäß und wendet fich darauf zur Spezialberathung deS I u st i z e t a t s. Abg. Jmw alle spricht fich für die Ueberttagung und für die Nmorganisation in der von der Jufiizverwattung inten- dirten Form aus. Abg. Westerburg erklärt gleichfalls sein Einverständniß. Abg. U h l e n d o r f f wünscht den baldigen Neubau des Oberlandesgerichts-Gebäudes in Hamm. Abg. Günther regt wiederum die Frage der Anrechnung deS Militärdienstjahres auf daS Referendariat an. Justizminister Fried b er g: Der Versuch, dm Juristm in dieser Beziehung entgegmzukommen, ist von mir gemacht worden, aber gescheitert, und er wird immer scheitern, sobald den Juristen allein exzeptionelle Begünstigungen zugewmdet werden sollm. DaS ist in einem Staate mtt allgemeiner Militärpflicht nicht ohne Benachtheiligung anderer gleich- berechtigter Berufsstände möglich. Nur durch Erlaß all- gemeiner Vorschriften in dieser Beziehung würde fich auch für die Juristm die Möglichkeit ergeben, das Diensijahr auf ihre Anziennetät angerechnet zu erhalten. Abg. Schreiber(Marburg) macht darauf aufmerksam, daß im Großherzogthum Hessen die Frage für die Referendarien, Baubeamtm und Lehrer in allseitig zufriedenstellender Weise gelöst worden sei. Hiernach wird das Kapitel„OberlandeSgerichte" ge« Bei Kapstel„Land« und Amtsgerichte" bezeichnet Abg. Stern die Genehmigung erleichterter Errichtung von Testa- mentm für Frankfurt a. M. als dringendes Bedürfniß. - Abg. vom Heede wünscht die Anstellung eines etatS« I mäßtgrn drittm Richters beim Amtsgericht in Lüdenscheid, Abg. B a ch e m die Vermehrung der Zahl der Richter beim Amtsgericht in Köln. Geh. Rath Schmidt: Die Anstellung eines dritten Richters in Lüdenscheid ist von der Justiz- Verwaltung bereits in Ausficht genommen. Abg. Bachem nimmt die Gerichtsvollzieher deS Rhein» landes, namentlich diejenigen ölten Schlages, gegen die An- griffe des Abgeordneten Westerburg in Schutz; Abg. von Bismarck(Flatow) erklärt es dem gegenüber als seine und vieler altländischen Juristen Ueberzeugung, daß daS alte Exekutionsoerfahren bei weitem vor dem jetzigen den Vor« zug verdiene. Die Abgg. I m w a I l e und Westerburg plaidirm für die Verewigung sämmtlicher Strafanstalten in der Hand der Justizverwaltung. Das Kapitel wird bewilligt und eine�Reihe von Petttionm 73 und 74 gefaßten Beschlüffe für erledigt werdm ohne Debatte be« durch die zu Kap. erklärt. Die Einnahmen des Justizetats willigt. Bei der Ausgabeposition„Ministergehalt" bringt v. StablewSki eine Reihe von Klagen über die Mangel des DolmetscherwesenS und über die Beeinträchtigung des Ge- brauchS der polnischen Sprache seitens der deutschen Gerichts« behörden im Großherzogthum vor; der Chauvinismus sei so weit gegangen, daß man einem polnischen Geschworenen im Restaurationssaal deS GerichtSgebäudeS dm Gebrauch deS Polnischen in einer Privatkonoersation untersagt habe. Ebenso schlimm stehe eS mit der Behandlung im Gefängniß befind- lieber polnischer Redakteure und Schriftsteller. Schreiben und Lesen werde ihnm auf Monate hinaus verboten, und die ele- mmtarstm Rückstchtm der Mmschlichkeit würden ihnen gegen« über außer Acht gelassen. Die Betroffenen und die ganze Be« völkerung schrieben die Jnittattve zu dieser schlechtm BeHand« lung dem Posmer Staatsanwalt zu, der einmal geäußert habe, die polnischen Redakteure sollten auch fühlen, daß fie im Ge« fängnisse wären. Der Justizminister sei moralisch verpflichtet, hier abhelfend einzugreifen.(Zustimmung im Zentrum und bei den Polm.) Minister Friedderg: Das erwähnte Privatgespräch ist nach dm mir zugegangenen Informationen demonstrativ in polnischer Sprache gehaltm worden; ich habe gleichwohl das Verhalten des Vorfitzmdm deS Schwurgerichts dem Ge» schwornm gegenüber gemißbilligt, konnte aber nicht ebenso verfahren hinfichtlich des Referendars, mit dem die Unterhat» tung gepflogen war; diesem eine betreffmde Vorhaltung zu machen, war dem Ermessen des Vorfitzendm allerdings über- lassen. Was die schon im vorigen Jahre erwähntm Redakteure betrifft, so hat fich auf von mir eingefoidertm Bericht aller« dingS schon vor einiger Zeit als richtig herausgestellt, daß einige dieser Redaktmre mit Dütmklebm beschäftigt worden sind' zugleich ergab fich aber, daß dieS auf ihren speziellen Wunsch geschah(Heiterkeit), und einer von ihnen hat ausdrücklich zu Protokoll gegeben, daß ihm von allm Beschäftigungen daS Dütmklebm am meisten zusage.(Stürmische Heiterkeit.) Die in Frage kommenden Persönlichkeiten find übrigens nicht ohne weiteres mit wttklichm Redakteuren auf eine Stufe zu stellen. (Hört, hört!) Die heutigen Klagen werden gleichwohl geprüft und, wenn fich Harten ergeben, wird Abhilfe geschafft werden. Auch für die Verbesserung deS DolmetscherwesenS werde ich weiterhin möglichst Sorge tragen. Abg. v. Uechtritz verwahrt die Staatsanwälte gegen die Jnfinuationm des Abg. v. StablewSki, beklagt daS Ueberhand» nehmen der Winkelkonsulentm und VolkSanwalte im polnischen Oberschlefim und erhofft Abhilfe von der Bevorzugung polnisch redender Notare bei der Anstellung. Abg. Westerburg konstatirt dm neuerlichen Rückgang der GertchtSkostm-Einnahmm; Besserung werde erst eintreten, wenn die allgemeine Herabsetzung der Äerichtskosten Thatsache geworden sei; wenn daS Publikum nicht mehr durch die lan« gm Apothekerrechnungm für GerichtSgebührm und RechtSan« waltSgebührm von der Wahrnehmung seines guten Rechts abgeschreckt würde. Ferner bespricht Reoner die Frage der Wie- dereinführung der Berufung und giebt seinem Erstaunen über den neuen an den BundeSrath gerichteten Antrag auf Ver» krüppelung der Schwurgerichte Ausdruck, einen Antrag, der die Reform des Sttafprozesses an einer Stelle in Angriff nehme, an der Niemand eine Reform für nöthig gehalten yat. Redner kritifirt den Gesetzentwurf in eingehendster Weise: seine An« nähme würde die Institution der Schwurgerichte überhaupt bald zur Unmöglichkeit machen(Sehr richtig! links und rechts): jede sichere Garantie müsse schwinden, wmn die Reduktion der Zahl der Geschwormen Gesetz würde. Abg. v. Bismarck(Flatow): Die Ausführungen deS Vorredners, so intereffant fie waren, gehören ficher nicht in dm Landtag; übrigens können wir nicht zugebm, daß man mtt der Herabsetzung der Zahl der Geschworenen sofort meuchlerisch gegen das ganze Institut der Geschworenengerichte vorgeht. Der Titel wird genehmigt und um 4 Uhr die Fortsetzung der Etatberathung auf Frettag 11 Uhr vertagt. fäkales. rbeitshau» mit de« dazu gehörige« Baulichkeiten, dessm Verkauf zum Abbruch nunmehr für den kommenden Sonnabend festgesetzt ist, wird jetzt täglich von Personen befichtigt, welche aus dem Abbruch alter Gebäude ein Geschäft machen. Welche Taxe fich der Magistrat ge- setzt hat, wird natürlich nicht bekannt gegeben, sondern es wird das Gebot der Unternehmer abgewartet. Wird die Taxe er- Gebote so gering, daß fie die Tarhöhe nicht erreichen, dann wird nach zehn Tagen ein neuer Bietungstcrmin anberaumt. Nicht immer ist der Profit der Häuserschlächter bei dem Ab« bruch von alten Häusern und dem Verkauf des gewonnmm Baumaterials ein ficherer. Ist beispielsweise als Bindemittel für die Ziegelsteine:c. Zement benutzt worden, dann muß beim Abbruch des Mauerwerk» der Meißel in Anwendung kommm, und die? erfordert nicht nur viel Zeit und Arbeitskraft, son« dem die Gewinnung ganzer Ziegelsteine ist gering, weil der Zement eine Loslösung sehr erschwert bezw. unmöglich macht. Bei dem Arbeitshaus und feinen Nebenbauten ist daS Mauerwerk noch gut erhalten und die innere Einrichtung ist durch das Bewohnen von Privatpersonen gebessert worden. Deshalb wird auch der Preis allem Anschein nach kein geringer sein. Findet eine Verständigung zwischen einem Unternehmer und dem Magisttat beretts am Sonnabend statt resp. verspricht daS Gebot dem Anschlage des Verkäufers, so dürste bereits in der nächsten Woche mit dem Abbruch der Anfang gemacht werden. welcher wohl zirka 3 Monate in Anspruch nehmen dürste. Bei diesen Arbeitern werden dann auch zahlreiche beschäftigungslose Arbeiter Lohn und Brod finden. g. Mit einem Schlage find die Hoffnungen auf«ine« nahen Frühling vernichtet, zu welchen noch der letzte Sonntag berechtigte. Im Thiergarten sah man schon hier und da ew vorwitziges Knöspchen, auch von munterm Schmetterlinam wurde oerettS berichtet, auf den Gewässern um Berlin schössen bereits lustig die Vier« und SechSriemer dahin, in den Gärte« der nahe belegenen Vergnügungilokale wurde der Nachmittag»- kaffee im Freien einaenommen— kurzum, man sah fich bereits vollständig in den Frühling versetzt und dachte nicht im Ent« vorgeholt worden; vorsorgliche Hausfrauen hatten bereits Muffe und Pelzkragen gut mtt Kampfer infizirt und sorgfältig aufde« wahrt, um B-schSdigungen durch Mottrnfraß zu tjerhitxdnrr Viele Pelzscchcn mögen auch wohl schon ihren Weg nach dem „großen Kleiderschrank" in der JSgerstraße genommen haben, welcher Aufbewahrungsort in vielen Fällen gewiß nur deshalb gewählt wird, um die Gegenstände vor Diebstahl zu schützen! Die Sonne, welche bereit» jetzt fast ununterbrochen hinter den Nebelwollen verborgen und der eisige Wind, welcher durch die Straßen Berlins pfeift, erhöht noch die Unannehmlichkeit des Aufenthalts außer dem Haufe. Die Schifffabrt in den Spree« wasierläufen hatte bereits wieder schwache Regungen von sich gegeben, nachdem die sie behemmcnde Eisdecke zerschmolzen war. Dre Schiffer glauben, daß das Schmelzen deS Eises seinen Fortgang nehmen und auch daS EtS um Berlin verschwinden würde, damit sie ihre Fahrten nach den Handelsstädten auf- nehmen können. So lange aber hier das EiS noch vorhanden ist, find die Schiffer gleichsam Gefangene in Berlin. Bor- läufig ist daS Eis auf der Oberspree und der Havel noch sehr stark und nimmt bei der jetzigen Witterung steriz zu. g. Der 90 Jahre alte Dr. phii. N., Alexandrinenstraße Nr. III wohnhaft, wurde gestern Vormittag gegen 10 Uhr an der Ecke der Friedrich- und Pultkamerstraße von einem bedauer- lichen Unfall betroffen. Als der alte Herr über den Straßen- dämm schreiten wollte, bemerkte er nicht eine Equipage, welche in demselben Augenblick direkt auf ihn zugefahren kam. Dem Kutscher war es nicht mehr möglich, die Pferde rechtzeitig zu pariren und so wurde Dr. R. von den letzteren umgestoßen und von der Equipage überfahren. Durch die vom Kutscher versuchte Hemmung de» Fuhrwerkes ging daffelbe langsamer über Dr. N. fort,«aS anscheinend für den Verunglückten nachtheiliger war, als wenn die Equipage schnell über ihn hinweggefahren wäre. Dr. N. wurde von schnell herbeigeeilten Paffanten und einem Schutzmann aufgehoben und nach der SanstätSwache in der Markgrafenstraße geführt, von wo aus er nach Leistung der erforderlichen Hilfe per Droschke nach seiner Wohnung geschafft wurde. Dem Dr. N. waren die Räder der Equipage über beide Beide gegangen und außerdem hatte er eine Verletzung im Gestcht erhalten. Der Kutscher wurde von dem Schutzmann notirt: ob aber gerade ihn eine Schuld an dem Unglück trifft, kann bei dem hohen Alter des Dr. N. nicht absolut behauptet weiden. Glücklicherweise scheinen die Verletzungen nicht der- artige zu sein, daß eine ernste Gefahr für das Leben des Dr. N- vorliegt. Polizei-Bericht. Am 10. d. M. Mittags verunglückte der in der Holzschneiderei von Steffan, Alexanderstr. 26, beschäftigte Arbeiter Diettich dadurch, daß er der Kreissäge zu nahe kam und ihm dabei drei Finger der linken Hand zerschnitten wurden.— An demselbeu Tage Abends fiel der Tischler Frech- min, Manteuffelstr. 109 wohnhaft, in der Frankfurterstraße zur Erde und erlitt dabei eine so schwere Verletzung am Hinter- köpf, daß er nach Anlegung eines NothverdandeS in der Sa- nitätswache in der Blumenstraße nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte.— Am 11. d. M. früh brach in einer Küche deS HauseS Wilsnackerstr. 32 Feuer aus, indem ein« Kiste mit Brennmaterial und demnächst Küchen- möbel, sowie der Fußboden und die darunter befindliche Balken- läge in Brand gertethen. Die Feuerwehr war zur Stelle und löschte das Feuer in km, er Zeit.- An demselben Tage er« hängte stch ein Mann in der Rüdersdorferstraße in einem Pferdestall. Die Leiche wmd« nach dem Obduvionshause ge- schafft._ Gerickts- Zeitung. Bremerhaven, 10. Febmar. Das Seeamt hielt gestern Nachmittag eine Sitzung, in welcher der Untergang der bremischen Bark„Autoinette", Kapitän Wiffel, am 27. Dezbr. v I. bei Dodoy zur Verhandlung stand. Die„Antoinette", 1848 in Boston aus Holz gebaut, befand stch auf der Reise von Philadelphia nach Doboy. Zur heuttgen Verhandlung find verschiedene Vorvernehmungen geschehen. Geladen find außer dem Kapitän und dem Steuermann zwei Mann von der Besatzung. Kapitän Wissel, seit 1865 im Befitze deS Schiffer. patents, sagt aus:„Ich war am 15. Dezember mit der„An- toinette" von Philadelphia in See gegangen. DaS Schiff hatte 12V:' auf ebenem Kiele. Daffelbe steuerte gut und die Reise verlief anfangs günstig. Am 26. Dezember, Mittags 1 Uhr. hatte ich Beobachtungen. NacktS 12 Uhr ficktete ich dieFeuer vonDoboy und WolfiSland. daS Schiff machte damals 5'/- Knoten. Ich hiett von 1 bis 3 Uhr auf die Feuer zu, die in derselben Pellung blieben, biS ich etwa 7 Mellen davon war. Ich steuerte dann bii 6 Uhr O»S. bis OSO- Um 5 Uhr setzte ich die Fock wie« der. Um 5V: Uhr kamen die Feuer aus Sicht und ich ließ nun nach NWzN- herumhalsen und fuhr mit diesem Kurse bis 7'/« Uhr, um welche Zeit eS neblig wurde, weshalb ich ostwärts wenden ließ, fiiach einer Viertelstund« klarte eS ab, der Thurm von Dodoy kam in 9 bis 10 Meilen Entfernung NWV»W. in Sicht, und ick ließ der weiten Entfernung wegen von neuem halsen und NWzN.-KurS setzen. Ich wollte dicht unter Land bleiben, weil ich die Lootsenflagge Keffer zeigen wollte. Das Schiff machte 5V» Mellen, die Segel standen sämmtlich, bis auf die Bramsegel und daS Großsegel. Wir hatten etwa 3 Mellen wieder gemacht, als um 8 Uhr 47 Min. das Schiff plötzlich aufstieß. Kurz vorher war noch gelothet und Sand gefunden. ES war überhaupt immer das Loth in Gang gewesen, bis 6 Uhr alle Stunden, von 6 Uhr alle Viertelstunden, der Steuermann und Bootsmann lotheten, ich selbst sah das Loth dann noch; es waren immer nur 7 Faden Wasser und Sandgrund gewesen. Als wir aufliefen, waren wir NW-V-W. 6 Meilen vom Feuerthurm. Das Schiff trieb weiter herauf, und als wir es am Mittag verlassen mußten, pellten wir den Thurm NW. Wir pellten das Waffer rings um das Sckiff und fanden vorn 10, in der Mitte 12, hinten 14 Fuß Wasser. Nachdem verschiedene Abbringungsmanöver ohne Erfolg gemacht waren, schickte ich ein Boot an Land, um Hilfe zu holen, ohne daß diese kam, Die Pumpen zeigten erst kein Waffer, daS Schiff arbeitete nach Nordwest vor und legte stch dann nach Backbord über, so daß wir in das zweite ausgebrachte Boot direkt hineinsteigen konnten. Wir mußten die Nacht über im Boote bleiben, gingen aber den nächsten Tag nochmals an Bord. Steuermann Martin Geldes, seit 1856 im Befitze deS Patents, sagt im Wesentlichen daffelbe aus, wie Kapt. Wiffel. Bootsmann Marschall bestätigt die Aus- sagen von Kapitän und Steuermann. Als daS Schiff gestrandet war, wurde er mit dem Boot an Land gesandt. Er ttaf nach dreistündigem Rudern einen kleinen Dampfer, der zuerst nicht an die„Antoinette" heran konnte. AIS dies end- lich geschah, war es Abend geworden und das Schiff lag bereits ganz auf Seite. Die Aussage deS Zimmermanns Franz Treu rst ohne Belang. Die zur Verlesung gebrachte Aussage des Segel- machers Osterhage, der von 7'/» Uhr bis zur Sttandung am Ruder war, weicht von der des KapilänS ab; nach seiner Aussage strandete das Schiff, ehe eS noch wieder auf Steuerbordhalsen S«bracht war, nachdem es kurze Zeit Ost gesteuert hatte. Kapitän Wissel erklärt jedoch auf das bestimmteste, daß daS Schiff bereits längere Zeit wieder westlich gesteuert hätte. Die Angaben des SegelmacherS seien ungenau. Es wird ferner ein Bericht über eine Bestchtigung des gesttandeten Schiffes ver- lesen. Darnach lag dieses bis an Deck unter Waffer, Reling und Schanzkleivung waren fort, die Kajüte eingeschlagen, das Schiff als total verloren zu betrachten. Der Reichs- kommiffar hat nichts Besonderes zu bemerken, vielleicht wäre es oorstchtiger von Kapitän Wiffel gewesen, wenn er nicht so dicht an das Feuer von Doboy herangegangen wäre, aber ohne die vom Kapitän benutzte Karte zu besttzen, ver- möge man darüber ein bestimmtes Urthell nicht zu fällen. Das Seeamt giebt seinen Spruch dahin ab: DaS Seeamt hat keinen Grund, die Angaben deS Schiffers Wiffel über die von ihm benutzten Karten in Zweifel zu ziehen, um so weniger, als die von ihm gemachten Angaben mll den vorliegenden Karten stimmen. ES muß darnach angenommen werden, daß der Unfall dadurch herbeigeführt ist, daß der Schiffer auf Grund der von ihm benutzten Karte der irrthümlichen Anficht war und sein durste, daß er auf dem gesteuerten Kurse noch länger bleiben dürfe. Im Uebrigen ist nicht festgestellt, ob die auf der Karte verzeichnete Drri-Faden-Linie weller von der Küste sort sein muß, oder ob, was wahrscheinlicher ist, das Schiff auf eine vereinzelte an der Küste befindliche Untiefe ge- lausen ist._ Pereiue uuü Wensmmluugeu. d. I« der gut besuchten Generalversammlung der Mitglieder des Fachvereins der Schneider, Kommandanten- straße 20, am 10. d. Mts., unter dem Vorfitze des Herrn Täterow, wurde nach Erledigung deS mitgetheilten und richtig befundenen Rechnungsberichts für dos IV. Quartal v. I. der Bericht der Statuten-Rcvifions-Kommisston erstattet. Die Re- viston deS Statuts war in einer früheren Versammlung mll Rückstcht auf den in Ausstcht genommenen Anschluß des Ver- eins an den Zentralverband der Vchneider-Fachvereine Deutsch« lands für nöthig befunden und beschloffen worden. Nachdem die betteffenden Statutenänderungen die Billigung der Ver- sammlung gefunden, stellte Herr Pfeiffer als Vorfitzender der Statuten- RevistonSkommiffion den Antrag, jenen Anschluß nunmehr am 1. April d. Jahres zu bewerkstelligen, worauf die Versammlung den Pfeiffer'schm Antrag mit großer Majorität zum Beschluß erhob. Bezüglich einer den dritten Punkt der Tagesordnung dllvenden Äeguliung deS vom Verein den hierauf reflektirenven Mitgliedern zugäng- lich gemachten EchreibkursuS wurde beschlossen, denselben am 1 März d. I. beginnen zu lassen. Auch theilte der Vorfitzende mit, daß die Fachschule des Vereins, in welcher Unterricht im Zuschneiden ertheilt wird, auch bei der am 9. d. M- stattgehabten Prüfung der Schüler abermals vortreffliche Resultate aufzuweisen im Stande war. Eine zahlreiche Betheiligung der BerufSgenoffen an dem Zuschneide-Unterricht dürste daher dm- selben nur bestens zu empfehlen sein und für dieselben reiche Früchte traam. Ist es doch bei der gegenwärtigen ungünstigen Lage der SchneidergewerbSverhällniffe für jeden Schneider, der seine Existmz nur einigermaßen erträglicher gestallen will, doppelt geboten, aus eigener Kraft durch Steigerung seiner Leistungsfähigkeit und Kenntnisse Alles dafür einzusetzen. fa. Im verein der Berliner Metallarbeiter(Klempner, Gürtler, Drücker, Preffer, Schnitlarbeiter rc.) referitte in der von ca. 150 Thcilnehmern besuchten Versammlung am Diens« tag, den 10 d. M, Abends bei Rieft, Kommandantenstraße, der Vereinsvorfitzende Herr R o j a h n in beifällig aufgmomme- ner Weise über oie Geraer Metall- Arbeiter- Kongreß- Besckfilsse und die Stellungnahme der Mitglieder deS Vereins zur Stellungnahme der Mitglieder des Vereins zur beschlossenen„Vereinigung der deutschen Metallarbeiter". Der Redner sprofl stch rücksichtslos für volle Zentralisation resp. für unmittelbamr Anschluß an die„Vereinigung der deutschen Metallarbeiter, also für unbedingtos Aufgehen in dieser aus, schräntte jedoch seinm Vorschlag zugleich und eventuell dahin ein, daß ficb bei Verein für die strikte Ausführung der von der unlängst gewählten „Einundzwanziger-Kommission" der Berliner Metallarbeiter zu machenden Vorschläge oder zu faffendm Beschlüsse erklären und entscheiden möge. In der animirten Diskussion sprachen P alle Redner für die Zenttalisation, zum Theil jedoch mit ge- wissen Vorbehaltm und Einschiänkungm, aus. Von einer Be- schlußfassung wurde jedoch, besonders auf Veranlassung d» auS verschiedenen Gründen von etwaigen Uebereilungm rathenden, im Uebrigen aber prinzipiell für volle Zentralisoio» eintretenden Redners, vorläufig noch Abstand genommen. Au« schweifte plötzlich, aus Anlaß einer vom Vorfitzenden und w ferenten gemachten Aeußerung, welche stch auf interne Vereti»- angelegenhciten bezog, der Gang der Debatte von dem eigerm lichen Thema der Tagesordnung ab, um längere Zeit und M zu dem alsdann eintretenden Schluß der Versammlung uwn ziemlich erregter Stimmung der Versammlung und ihrer meistM Redner, bei den berührten Jnterna's zu verweilen. Doch 0 sich die Diskusston über dieselben bis nach Mitternacht hin, l" daß dann der Schluß der Versammlung eintreten mußte. Die Verwaltung der Drechsler-Aranken- und Zt#*' lasse macht ihren Mitgliedern bekannt, daß dieselben JfJ Montag, den 16. Februar ab in Krankheitsfällen sich ersten Schein auf folgenden Stellen abholen können: 1.,% Herrn Schmädicke, N., Veteranenstr. 11, Mittags 12—1% Abends 7— 8V: Uhr. 2. bei Herrn Schiefke, S., SchleiermiulA straße 5, Hof links. 2 Tr.. Mittags 12-1 Uhr, AbendS 7j» 8V: Uhr. 3. bei Herrn Kaiser, SO., Skalitz-rstr. 63, o. 4 Tk-, nur Abends 7—87: Uhr. Krankengeld zahlt nur der WM Herr G. Kühn, Etallschreiberstlaße 25, Hof parterre, MttM 12—1 Uhr, aus. Außerdem wird am Sonnabend, den 21- ij? bruar, Skalitzer straße 65, bei Herrn Munske, eine neue Z# stelle eröffnet. Die Versammlung deS Fachvereins der RohrlM findet am Sonntag, dm 15. d. Mtl., Vormittags 10 Uhr, Lokale der Herren Wolff und Krüger, Slalitzerstraße,% Quittungsbuch legitimirt, Gäste, durch Mitglieder eingefiM willkommen. b Eine bemerkenSwerthe öffentliche Gtneralversa»?s' lung der Berliner Ztmmerlente wird zum 22. d. M° eines der größeren Versammlungslokale Berlin» von der Lob-' kommiksion der Hiesigen Zimmerer einberufen werden. auf der Tagesordnung dieser Versammlung als Haupigci stand der Verhandlungen die„Regelung der den früheren L, bands-Vorsteher betreffenden Angelegenheiten", die belann« Marzian'lche Angelegmheit, steht, so verspricht daS Me«> auf die Masse der dabei in Bettacht kommenden Arbeiterkn� eine nicht gewöhnliche Anziehungskrast auszuüben. Eine große öffentliche Versammlung der BerlW' Fabrik- und Bauarbeiter findet Sonntag, den 15 Febr«� Vormittags 10 Uhr in der„Urania" Wrangelstraße O-'JS statt. Tagesordnung: Unsere heutigen Verhältnisse und«* Nothwendigkcit der Gründung eines Vereins zur WahEz unserer Interessen. Referent: Herr Hildebrandt. Ä Deckung der Unkosten ein Enttee nach Belirbm. Um r reiches Erscheinen wird gebetm. k. Eine große öffentliche Genralversammluna � Berliner Metallarbeiter(Klempner, Gürtler, Drücker, PreT Echnittarbeiter rc), einberufen von der neuen L o h n- K o s Mission der Metallarbeiter, findet am nächsten SonM den 15. d. Mt3., bei Niest in der Kommandantensttaße,% um eine besonders wichtige Tagesordnung zu erledigen. selbe lautet: 1. Die Arbeitseinstellung der Gewerks-KoIWS bei Fabian und das Verhalten der Berliner Metall« zu derselben. 2. Verschiedenes.— Die Lohnkommisston Ä nicht vergebens an daS SolidarttätSgefühl und Interessen-� ständniß der gesummten Arbeiterschaft aller Branchm der" liner Metallindustrie zu appellirm, wenn fie fich der Erwartung hingiebt, daß diese Versammlung aujergew zahlreich besucht werden wird. _. Oranienburger Vorsts und deS Wedding. Den Mitgliedern zur Nachricht, doß„ zu Sonntag, dm 15. d. Mts., im Wedding Park bestP�, Arbeiter-vezirkSvereiu der »ding. Dm Mitgliedern zur Nachricht, dubj, dm 15. d. Mtl., im Wedding Park best'�Z äußerordentli che Versammlung eingetre�, Verhältaiffe halber nicht stattfindet. Die nächste Verfi�?. lung, mit der Tages-Ordnung; Das Arbeiters®,% «setz, Referent; Herr Tischlermeister Mitan, sind«' "ittwoch, dm 18. d. M, Abends 7:9 Uhr statt. -S Theater. KöuigttcheS Opernhaus. Heute: Der Trompeter von Säkkingm. Heut«: Tartuffe. Königliches Schauspielhaus. Deutsche« Theater. Heute: Die Welt, in der man fich langweilt._ "— Belleallianee-Theater Heute: Der Salontiroler.____ ' Neue« Friedrich-WiltielmslädtischeS Theater. Heute: Gasparone. Alte Jakobstraße 30. Heute: Der Walzer-König. eater: rektor: Ad. Ernst. ...sidenj-Theater: Direkttor. Anton Anno. H ute: Die Ehestands-Jnvaliden. Hierauf: Die Schulreiterin. Waihalla-Operetten-Thcater: Heute- Der Feldputiger._________________ Louisenstädtische« Theater: Heute: Aladin, oder: Die Wunderlampe. Ostend-Theater- Ideute: Der Prinz von Monte Fiasco- Heute: Die Sorglosen. Wallner-Theater. Viktoria- 5hcater. Heute: Eulfurina._____ Alhambra-Theater Heute: Die Schule des Ledens. Allen Freundm und Verwandtm, welche meinem lieben Mann, dem Steint- äger Marlin Anders, dre letzte Ehre er- wiesen haben, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. 286 Frau Anders. AvbewmsM„ Lebrmamsell auf Damen-Mäntel. nach der Lehrzeit dauernde Beschäftigung, verl. Wernicke, Adalbertstr- 75, 3 Tr. 284 Etiltral-Krackl»- n. KeMniMe der Buchbinder und verwandten Geschäftszweige(G. H.) (Verwaltungsstelle Berlin) Hnupt-Bersummlung. Sonnabend, den 14. Februar 1885, Abends 87: Uhr, Kommandantmstr. 20, Arminhallen, vis-ä-vis der Grünstraße. Tages-Ordnung: Kassenbericht, Bericht des Kontroleurs, Antrag des Vor- standeS betreffs Remuneration d-ffelben, Verschiedenes. 289_ I. 3t.: P. Schneider. An die Mtglieder der Orts-Krankenkasie der Maschinenbau- Arbeiter und verwandten Berufsgenossen Berlins. Die Wahl der Deligüten zur Wahl der Vertreter der Arbeitnehmer für den Vorstand der LrtS-Krankenkasse findet für die diversen Mitglieder, d. b. für solche, welche ihre Bei- träge im Kassenlolal selbst zahlen, am Mittwoch, 18. Februar, Abends 7'/, Uhr, im Universum, Brunnenstraße 29 statt. Anträge für die Tagesordnung find bis zum 2. März cr. schriftlich beim Borstand ein- zubringen. Das Ouittungsbuch legittmirt. Ter Vorstand. 283__ K e y l i n g._ Die Beleidigung, die ich gegen Herrn G. Berndt auS- gesprochen habe, nehme ich hiermil zurück. H. Pollack. 282 Mitglieder-Versammlung der Allgemeinen deutschen Kranken- � Segrätmißkasse(S. H.) für Weber, Wirker, Spinner, Färber Sonntag, d- 15. Febmar, Vorm. 10 Uhr, m, in Saeger's Restauration, Grüner Weg 3. 8"** 1. Kassenbericht. 2. Angelegenheiten. Das Mitgliederbuch legitimirt. 278 ahl eines Kasfirers. Der Vorstdll* Oeffentliche BersammluttS Zimmerleute Berlins u. Umgegend Sonntag, d. 22. d. M., Vorm, 97: Uhr, Andreasstt. 21(Kellei's Salon). T.-O.: 1. Abrechnung pro 4. Quartal 1884.... he- 2. Regelung der den früheren Verbands-Vorsteh«' treffenden Angelegenheiten. 3. Bibliothek. ggH 4. Verschiedenes. NB. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen en dringend Die Kom-nisfion. _ I. A.: August Weiß, F-hrbelliittlL� Faclivercin der Tischler., Montag, den 16. Februar, AbendS 87: Uhr, in 3" Salon, Neue Grünstraße 28, Außerordentliche Henerat-Dersammlung. Tagrsordnung: 1. Rechtsschutz-Anträge. 2. Herbergsftage., der vorigen Versammlung. 4. Wahl des 2 Vor auS„ 5- Statuten änderungs- Anträge. 281 6. VerschiedemS. Verantwortlicher Redakteur St. Sronhetm w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW. Beuthstraße 2.