d§9W Krankt» d Ltlw Jllü-Ütttl olDfA# er, Au# Preffaa zIi>de:-B» 8 UfUi® tet Tilgt» ,; 3J«' Jliflt iluWl für M i Mlikg« %% iemütu»� nisianOt# ti,08«pW ReitulN# •uen«% i Nr 42 Donnerstag, 19. Februar 1885. H. Jahrg. ttrliimMMl Drgan für die Interessen der Arbeiter. Da»„v««lme» Lslttdlatt' Mal täziich Marge«» außer«ach Haus-««d Festtag �a. Nb»«»emeNt»»>rei» für � rl>« frei in'» Hau» vierteljährlich 4 Marl, üwsou.ch 1,35 Marl, wöchentlich 35 Pf. 'vstabenttement 4 Mmk. Siazeiue Nr S Pf. Sonntag»-Nu««er«it illustr. Beilage 10 Pf. (Ewqetragr« i« der Psstzeiw«,ßprei»list« für 1885«attr Nr. 746.) Z«sertt««»gebühr beträgt für die» gespalteae Petitzeile oder deren Raum 40 Pf.»rbeittmarv 10 Pf. Bei größeren Aufträge» hoher Rabatt«ach Nebereiukmst. Jaserate»erde« bi« 4 m* Nachmittag» n» der«xpeditioa, Berli« 8W., Zimm?rstraße 44, sowie von allen Sanancen« Bureaux, oh«« Erhöhung de« Preise», angenommen. Weöaktion und GXpeöMon Uerttn SW� Aimmerstraße 44, s i purde- bei dÄB pro ü-h «j könne« »der � TK @0«�' n. dttd e. Sonderinterejsen. � Wenn die Agrarier, resp. die Großgrundbesitzer hohe j®e'ieibezBIIc verlangen, so dienen sie dadurch Sonderinter- lUn. Wenn die Banquieri und ihre Hintermänner sich °*(!en die Besteuerung der Börse sträuben, so dienen sie da- «l» Sonderinteressen— das erste bejaht der Reichstagtab- »tutbrtte für den fünften Berliner Wahlkreis, Herr Land- , Dr. B a u m b a ch, das zweite verneint er, da er ja Jchö t'U')en �#eta'tn' äu den Hintermännern der Börse Diese Hintermänner der Börse, diese Herren Liberalen -�treten nach Dr. Baumbach's Ansichten keine Sonderinter» ! diese werden aber vertreten, außer von den Agrariern Jh von der Arbeiterpartei, weil die Letztere den �klMalarbeitStag und den MinimalarbcitSlohn fordert. Das sollen Sonderintereffen der Arbeiter sein! i Sonderinteressen aber laufen immer den G e- �«lmtinteressen zuwider; decken sich dieselben näm- 3 den Gesammtinteressen, so hören sie eben auf, Son- Interessen zu sein. l. Dies ist aber sicherlich nicht der Fall bei den Ge- . idezöllen, die das Volk drücken und den Großgrundbesitz j/Mchern; dies ist auch nicht der Fall bei den Börsenspe- J°tumea— auch auf Getreide!— welche einzelne Speku- n'en reich machen, das Volk hingegen belasten. w. aber liegt es im Gesammtinteresse der Nation, in Millionen von Arbeitern durch die Reichsgesetzgebung 1„'?ere wirthschaftliche Lage gesetzt werden, weil dadurch I«,? aßrin der bei weitem größte Theil des Volkes profi- t 8 auch besonder» noch die den Lohnarbeitern « rc/henden Klassen, Handwerker, Krämer u. f. w. besser �kllt werden. So deckt sich das„Sonderinteresse" der �riter mit dem Gesammtinteresse de» Volke». »Ganz ander» aber spiegeln sich solche wirthschaftliche» Absätze in den Köpfen der Manchester» änner und spe- 1" auch deS Herrn Dr. Baumbach, der vor einigen Tagen (■J* in Berlin in der„VolkSwirthschaftlichen Gesellschaft" � sozialpolitischen Vortrag gehalten hat. L, Dieser Herr Baumbach erklärte, wie eben schon ange- di- w' �aß die Majorität deS Reichstags in Bezug auf tz �etrerdezölle Sonderinteressen diene und daß sie solche >8 i'"keressenvertretung gemeinsam mit der Arbeiterpar- «.Mäße, die durch die Forderung der Institution des Nor» 'urbeiistag» die« beweise. » Kein Kind, kein Engel aber sei so rein, wie der Freisinnige, der ächte Manchestermann, der nur Ototrresse der Gesammtheit im Auge habe. % Sehen wir nun davon ab, was Herr Dr. Baumbach UnauSführbarkeit des MaximalarbeitStag» und % »orbottn.] letall-ssl-" "W** Ieuitteton. Ees«cht und getuude». Roman von Dr. Dux. lForsetzung.) ix scheint mir eine eigene Art von Dorngesträuch dies,.'' antwortete Fritz ausweichend.„Man erkennt iiena? wegen de» Schnee«, der darauf liegt, nicht "6 1». ung- »» 6�1 "S� rflfl ein Ä Jo« �knnen, daß e» ein ganz gemeiner Hagedorn ist und ' besondere Art" Und hatte die Fackel gelegen, ganz so wie sie gesagt, M£ weiter. mrnmm Ue beobachten. MinimalarbeitSlohneS in seiner manchesterlichen Wei»heit sagte, so bleibt nur übrig, daß der Kampf um diese In- stitutionen Sonderinteressen seien. St. Manchester aber ver- trete solche nicht. Fühlen wir dem heiligen Manchester also einmal den Puls. Da» Sträuben gegen eine Börsensteuer haben wir schon berührt. Der Kampf gegen die Staatsbahnen im Interesse der Privataktiengesellschaften, den in Deutschland die liberale Partei immer geführt hat, bedeutet wohl keinen Jnteressenkampf? Das mobile Prioatkapital, da» Sonder- interesse desselben sollte durch das Festhalten am Alten, an den Privatbahnen geschützt werden. Weshalb trat St. Manchester und tritt er immer noch mit so großer Vehemenz gegen die Monopolisirung de» Tabaks auf? Nur im Interesse des Privatkapitals. Wir hingegen find keine prinzipielle Gegner des TabakSmono- pol», wir verwerfen eS nur deshalb, weil die Verwendung der aus dem Monopol gezogenen Beträge nach unserer Meinung den Interessen der Gesammtheit nicht entsprechen würde. Hätten wir Garantie für eine entsprechende Ver- wendung, so würden wir unS im Interesse der Gesammt- heit für da» TabakSmonopol erklären. Und käme unser Vorschlag, die öffentlichen Anzeigen zu monopolisiren, den wir vor einigen Tagen machten, zu ernsthafter Diskussion, wie würde St. Manchester> Baum- bach Zeter und Mordio schreien gegen solche Vergewal- tigung de» Privatkapitals— Privat-Mosse geht den Deutsch- Freisinnigen weit über den Staat, weit über die Interessen der Gesammtheit. Keine andere Partei kämpft so sehr im Dienste der Sonderinteressen, als die liberale Partei. Sie hat es zwar immer verstanden, sich ein prunkende» Mäntelchen umzu» hängen, aber bei näherer Betrachtung blickt au» den Löchern desselben immerwährend Selbstsucht und Eigennutz hervor. Es ist nun einmal nicht abzuleugnen, daß die Libe- ralen die Sonderinteressen des mobilen Kapitals vertreten, ebenso wie die Konservativen für die Sonderinteressen de» Grundbesitzes in den Kampf ziehen. Die einzige Partei aber— und das geht klar hervor aus vorstehenden Andeutungen—, welche die Gesammtheit vertritt, ist die Arbeiterpartei; ihre For- derungen decken sich mit den Gesammtinteressen der Nation, sie ist deshalb auch die schärfste Gegnerin der Sonder- interessen trotz der Behauptungen des Herrn Baumbach. Wer aber für die Gesammtinteressen des Volkes tritt, dem gehört die Zukunft. em- Er scharrte mit dem Fuß den Schnee über die Stelle, wo die Brandspuren am Boden waren, und streute mit den Händen Schnee auf das Gezweig, das durch die bren- nende Fackel verkohlt war. Rasch trat Fritz auf ihn zu. Der Zwerg erschrak förmlich, als er plötzlich den Arzt neben sich stehen sah. „Was beginnen Sie, Herr Toby?" fragte Fritz. „Mich dünkt, es liegt gerade genug Schnee auf dem Gesträuch; Sie hätten nicht nöthig, noch mehr darauf zu streuen." „Der Schnee schützt vor Kälte," anlwortete der Zwerg mit einem gewissen Trotz, nachdem er sich eine Weile ge- sammelt hatte. „Das weiß ich," sagte Fritz;„aber er schützt nicht diejenigen Zweige vor dem Vertrocknen, welche ver- brannt sind." Mit weit aufgerissenen Augen und vor Schrecken noch bleicher werdend, als er ohnehin schon war, starrte Toby den Arzt an. Doch nur einen Augenblick verlor er die Fassung. Dann sagte er mit demselben Trotz: „Ich weiß nicht, was Sie meinen, Herr Doktor." „Wohl aber weiß ich, daß Sie mir etwas verbergen," erwiderte Fritz. Ich will Sie nicht zu lange in Ungewiß- heit lassen; beantworten Sie mir eine Frage, Herr Toby, und seien Sie überzeugt, daß ich dieselbe nicht au» In- diskretion thue, sondern im Interesse JhreS Herrn.... Waren Sie diese Nacht, etwa zwischen zwölf und ein Uhr, in ihrem Bette?" „Nein, Herr Doktor!" antwortete Toby rasch.„Um diese Zeit schlafe ich niemals; ich studire." „Sie können durch Ihr Feuster zu den Zimmern de» Grafen hinaufsehen?" „Da» kann ich, denn die Fenster liegen gerade auf das Thor zu." „Haben Sie diese Nacht nichts Auffällige» an dem Fenster de» Grafen bemerkt?" Wiederum zuckle e« auf dem Antlitz de» Zwerge», als ob er erschräkt, und von Neuem wechselte die Farbe auf seinem abgemagerten Antlitz. Einige Sekunden zögerte er Politische Uebersicht. Die diesmalige RetchStagSfesston dürfte, wenn nicht alle Berechnungen trügen, oder der ÄrbeitSstoff noch unerwar- teter Weise bedeutend erweitert werden sollte, um Ostern be- endigt werden. In der laufenden Woche wird voraussichtlich noch die„Kamerun-Vorlage" nebst der dritten EtatSberathung zu Ende kommen. Die nächste Woche wird in erster Linie der Dampfersuboentionsvorlage gewidmet sein. Alsdann wird man erwarten dürfen, daß bereits einige Theile der Zolloorlage aus den Kommissionen wieder an daS Plenum gelangt sein werden. Für daS Postsparkassengesetz und die Unfall- Versicherung der landwirthschaftltchen Arbeiter find die Ausfichten, in dieser Session zu Stande zu kommen, nicht groß. WaS die preußische Landtagssesfion betrifft, so wird deren Dauer und weitere Gestallung vornehmlich davon abhängen, ob die in der Thronrede angelündigtei Steueroorlagen wirklich ein- gebracht werden, was bis jetzt bekanntlich noch nicht ge- schehen ist. Bezüglich der Wirkungen der erhöhte« Zölle äußert sich die Wiener„Neue Fr. Presse" in Oesterreich-Ungam: „Die Zollerhöhungen, welche nunmehr in Kraft treten, be- lreffen demnach Produkte, von welchen wir rund 103 Millionen Gulden nach Deutschland exporttrten, und es handelt sich also um nahezu den vierten Theil unseres gesammten Exportes über die deutschen Grenzen. Es ist eine ganz enorme Mehrbelastung unseres Zerealien-ExporteS, welch! durch daS heute vom deutschen Rcichstage votitte Gesetz bewirkt wird. Der Weizen- zoll wird um 200 Perzent, der Gerstenzoll um 100, Ver Mehl- zoll um mehr als 66 Perzent erhöht. Der neue Roaqenzoll bleibt vorläufig noch unwirksam, da wir vermöge der Meistbe- günstigungS- Klausel den niedrigeren Zollsatz des deutsch- spanischen Handelsvertrages genießen. Ob und inwieweit die deutschen Zollerhöhungen unmittelbar in der n ä ch st e n Zeit ihre Wirkung äußern werden, darüber ist ein Uttheil nicht möglich, da zweifellos in der letzten Zeit bedeutende Getreide Importe nach Deutschland zum Zwecke der Auf- stapelung stattgefunden haben. Von dem Umfange dieser vollzogenen Operationen hängt eS ab, wie bald die höheren Getteidezöll« sich fühlbar machm werden. Ein verläßlicheres Urtheil wird wohl erst nach der nächsten Ernte mög- lich sein." Zur Kolonialpolittk. Die Mittheilung deutscher Zeitungen, daß die englische Regierung den nachträglich er- hobenen Anspruch auf den Theil der Nordostküste von Neu- guinea, zwischen Ostkap und Hüonbai, zurückgezogen habe, wird mit großer Bestimmtheit in Abrede gestellt. Von eng« lischer Seite wird jetzt behauptet, e» sei unrichtig, d. h. beruht auf einem Mißverständniß der englischen Depesche, wenn Fürst Bismarck behauptet habe, dieser Anspruch Englands stehe im Widerspruch mit der früheren Erklärung, daß eS für sich nur die Südküste von Neuguinea in Anspruch nehme, eS habe sich über diesen Theil der Küste weitere Verhandlungen vorbe« halten. Zur sachlichen Motivirung deS englischen Anspruchs wird darauf hingewiesen, daß der Verkehr zwis aen Australien und China durch das Seegebiet zwischen Neubritannien und mit einer Antwort, dann aber erwiderte er ein ent- schiedene»: „Nein I" „Sahen Sie nicht, daß eine Fackel zu jenem Fenster hinausgehalten und geschwungen wurde?" fuhr Fritz uner- bittlich fort, obgleich er sah, daß der Zwerg unter diesem Examen förmlich erzitterte. „Ich sah nicht», nicht« dergleichen, Herr Doktor!" ver- setzte er hastig. „Sie sahen auch nicht die Fackel herabfallen in diese» Gestränch, daS noch die Brandspuren zeigt an der Stelle, welche sie eben mit Schnee bedeckten?" „Fragen Sie mich nicht, Herr Doktor. Ich antworte Jhnm nichts; ich weiß nicht»." „Sie mißverstehen mich, Herr Toby.... Ich wiederhole, daß ich nicht au» Neugierde frage. .... Ich bin der Arzt des Grafen; ich muß Alle» wisse«, was mit der Krankheit de» Grafen im Zu« fammenhange steht. Wenn Sie mir antworten, so ist e» zum Besten de« Grafen." „Ich weiß, was zum Besten meine» Herrn ist. Ich will nichts sagen, ich kann nicht» sagen!" „So beantworten Sie mir eine andere Frage, Herr Toby: Wamm legten Sie, namentlich diese Nacht, Habicht'» Ajax an die Kette?" „Das ist der Wunsch des gnädigen Herrn; er will e» so." „Da man aber sonst Nacht» die Hunde frei im Hofe läßt, so haben Sie jedenfalls einen besonderen Grund, sie zuweilen festzubinden?" „Keinen andern als den, daß der Graf Fergu» es will." „Aus welchem Grunde will die? der Graf Fergu»?" „Da» weiß ich nicht; ich thue nichts als den Be- fehl de» Herrn, und habe nach de» Gründen nichts zu fragen.".. „Sie wollen mir nicht antworten, Herr Toby." „Herr Doktor." antwortetete Toby in fast traurigem Tone, indem er die Hand de» Arztes ergriff;„ich schätze und verehre Sie, weil der Herr und die gnädige Gräfin der Nordostkllste von Neuguinea gehe; wenn Deutschland diese letztere ebenso wie den Archipel von Nmbritannien für sich in Anspruch nebme, so komme es in die Lage, die Verkehrsstraße zwischen Australien und China zu bcberrschen- Voraussichtlich wird schon die neue Folge der Aktenstücke über die deutschen Interessen in der Süvsee, welche dem Reichstage in den nächsten Tagen vorgelegt werden soll, über diese Angelegenheit weiteren Aufschluß geben. UebrigenS verlautet, daß bereits in den nächsten Tagcn zur Schlichtung dieser Angelegenhett in London Verhandlungen stattfinden sollen, zu welchen von bei- den Staaten Kommissare delegirt werden. Zugleich ist auch die Regelung der Streitpunkte betreffs der Fidschi-Jnseln in Ausficht genommen. In Oldenburg haben die Jnnungs-Bäcker- m e i st e r bereits den Beweis geliefert, daß es nicht das A u S- land, sonde' nder inländischeKonsument ist, welcher den Korr zoll bezahlt. Weil in letzter Zeit wegen der mit Sicherheit zu erwartenden höheren Zölle die Getreidepreise bc- reits gestiegen find, haben fie beschlossen, den Preis eines zehnpfündigen SchwarzbrodeS vom 17. Februar ab um 5 Pfg. zu erböben. Der Sieg de« Rahdi über Gordon hat den Musel- manen viel heimliche Freude bereitet. Den türkischen Bläi- tern ist zwar verboten, Egypten nur zu ermähnen, und im Palastc und in amllichen Kreisen darf der Mahdi nicht genannt werden, aber in den Moscheen sollen Kundgebungen für dm Glaubenkheld nicht gefehlt haben. Mehr als die Türken in Konstantinopel muß hier die Stimmung der Muhamedaner in Indien mit Bezug auf die Ereignisse von Khartum inS Gewicht fallen. Die indische Presse drückt fich nach dm Tele« grammen aus Calcutta im Ganzm gemäßigt und ergebm auS, nur einzelne Blätter vermögen ihre Schadenfreude nicht ganz zu verstecken. Nur ist man nicht ficher, daß die Loyalität auch echt ist. R u h l a n d. In der Festung Schlüssel bürg, in welcher gegen- wältig die wichtigstm politischm Verbrecher eingekerkert find, soll jürgst wieder, wie man dem„Schwäb. M." meldet,-ine Hinrichtung statlaefunden haben, und zwar an dem Nchi- listen Myschkin. Er gehörte nicht zu den hervorragenderen Mitgliedern der revolutionären Partei und hat vor etwa 8 bis 10 Jahren vor Gericht gestanden, welches ihn zur Zwangs- arbe,t in Sibirien verurtheilte. Von dort gelang eS ihm, zu fliehen, und er war schon b.s nach Wladiwostok gekommen und hatte eben seinen Fuß auf ein englisches oder amerikanisches Schiff gesetzt, um nach Amerika abzusegeln, als er verhaftet wurde. Da man in Sibirien seiner wenig ficher zu sein glaubte, brachte man ihn nach Lchlüsselburg, nachdem er in strenger Einzelhaft gehalten worden war. Letztere soll auf seinen geistigen Zustand reckt schlecht eingewirkt haben. Er soll in Scblüssclburg in auffälliger Weise mit einem Teller nach einem Offizier geworfen und denselben auch getroffen haben. Da nach den bestehenden Vorschriften für diese Arrestanten kriegsrechtlich über die Schuldigen ab5eurtheilt weidm muß, so wurde er zum Tode vnurtheilt, worauf auch gleich die Exekution durch Pulver und Blei erfolgte.— Rußland hat fich bereit erklärt, den türkischen Protest gegm die von Seiten Italiens erfolgte Besetzung der egyptischen Häfen am rothen Meer zu unterstützen. Holland. Auch in Holland wird sehr streng auf die Einfuhr von Dynamit geachtet. Wie die„Tijd" vernimmt, ist den Zoll- beamten besonders zur Pflicht gemacht, bei der Revifion des Gepäcks der nordamerikanischen und englischen Reisenden dar- auf zu achten, ob diese auch Dynamit oder entzündliche Sachen mit fich führen- Den Zollbeamten ist höhere Amts- befugniß beigelegt worden, als den Polizeibeamten, letztere müssen den elfteren auf deren Auffordernng stets hllfteiche Hand leisten. Frankreich. In Paris ist eine vom 14. Februar datirte Depesche des Generals Bricre de I'JSle mit genaueren Nachrichten über die Besetzung von Langsong angekommen. Nack denselben griffen die Franzosen am 12. d. Mts. ftüh die Chinesen an, welche starke, auf mehrere Forts gestützte und mit Geschützen reichlich versehene Stellungen mit zahlreichen Streitkräften besetzt hielten. Der Kampf dauerte bis zum Abend und wurde durch einen glänzenden Angriff abgeschlossen. Die Dunkelheit und daS schlechte Wetter begünstigten die Flucht des in voller Auf- lösung befindlichen Feindes. Der Verlust der Franzosen be- trug seit dem 9 d. Mts. 39 Todte und 222 Verwundete. Die Franzosen besetzten nach einem Scharmützel und Bombarde- ment Langsong und Kelung und rückten sodann weitere 3 Kilometer vor. — Nach genaueren, der„Franks. Ztg." zugegangenen Berichten führte die Manifestation der deutschen Sozialistm bei dem Begräbnisse VallöS, keine neuen Unruben herbei. Vaillant, Longuet und Rochefort vollendeten ihre Reden un- gestört, wenn auch nur den Näherstehenden vernehmbar.— Die„Republ. fr." steht in den gestrigen Angriffen gegen die Verttauen zu Ihnen haben, und weil auch ich die Hoff- vung habe, daß Sie dem gnädigen Herrn helfen«erden; wenn ich Ihnen nicht so antworten kann, wie Sie es wün» sehen..... Fragen Sie, Herr Doktor, wa« Sie wollen, ich werde Ihnen immer Rede stehen, weil ich Sie hoch achte und verehre... aber fragen Sie nicht solch« Dinge. Fragen Sie mich nicht, fragen Sie Niemanden; Niemand karn Ihnen antworten, und Diejenigen, welche Ihnen antworten könnten,— sie dürfen es nicht." Damit wandte fich der Zwerg um und eilte hastig von bannen._ Siebentes Kapitel. Die Unterredung deS Doktor Rodenburg mit Toby hatte in dem schmalen Gange stattgefunden, der zu der Ausfallpforte führt. Derselbe lag seitwärts hinter einem der vorspringen- den Thürme, so daß der Doktor nicht hatte sehen können, wa« inzwischen im Schloßhofe vorging. Als ihn der Zwerg verlassen hatte, kam Habicht eilig auf ihn zu. „Fritz I Besuch im Schlosse. Rathe wer?" rief er. „Ich habe so viel mit ungelösten Räthseln zu thun," antwortete Fritz,„daß ich nicht Lust habe, mir mit neuen da» Gehirn zu beschweren." „Du würdest eS auch nicht errathen.... Der in- dische Offizier mit seinem Freunde, der Baronet O'Brian, Oberst im indische» Freiwilligen-Regiment und der Lieute- nant Strahlenau." „Ein Besuch zu sehr ungelegener Zeit", antwortete Fritz.„Aber wie in aller Welt kommen die schon wieder hierher? Sie sind vor einem Jahre erst nach Indien ab- gereist und jetzt schon wieder zurückgekehrt? Es muß eine merkwürdige Veranlassung sein, welche die Herren zu einer so ungünstigen Jahreszeit hierher treibt... und schlimmer noch ist, daß sie gerade wieder den Henn des Hauses auf dem Krankenbette finden."� „Ich hätte die Fremden gleich am Thore abgewiesen," antwortete Habicht, oder wenigstens ihnen angeoeutet, daß fie auf eine gastliche Aufnahme hier nicht rechnen können; deutschen Sozialisten einen Protest deS Patriotismus gegen die Internationale und ladet die Manifestanten ein, mit ihren Emblemen durch die Straßen Berlins zu ziehen. Die Zurück- Haltung der Polizei bei ValleS' Beerdigung wird allgemein gebilligt. — Einer Depesche zufolge haben dreihundert Studenten einen Protest gegen die Kundgebung der deutschen Sozial» demokraten bei dem gestrigen Begräbnisse Jules ValleS unter- zeichnet.— Der„Temps" bespricht den gestrigen Zwischenfall und sagt, indem die deutschen Sozialdemokraten politische Kund- gedungen in Frankreich inS Werk gesetzt hätten, hätten fie die Gastfreundschaft, welche fie genießen, verletzt. Die Regierung dürfe ein derartiges Verhalten nicht dulden. G r o ß b r i t a u n i e«. Die beiden Polizisten Colc und Cox, welche bei der jüng- sten Dynamit- Explosion in Westminster- Hall schwer ver- wundet wurden, find beide zu Sergeanten befördert worden, außerdem erhielten beide eine TapferleitSmedaillc.— Die britische Armee hatte nach dem letzten Jahresbericht am 1 Januar 1883 eine Stärke von 158 029 Mann gegm 169 834 Mann am 1. Januar 1884. Gegen den Etat fehlten 7357 Mann. Im Laufe deS Jahres 1883 wurden 33096 Mann als Rekruten eingestellt, von Venen 20 813 unter 20 Jahr alt waren. Ueberhaupt waren in der Armee 12 Prozent sämmtlichcr Soldaten(1882 9 Prozent) im Alter von unter 20, dagegen 18 Prozent im Alter von über 30 Jahren. Desertirt find im Laufe deS Jahres 1883 3717 Mann gegen 4145 im Jahre 1882, 4412 im Jahre 1881 und 5862 im Jahre 1872. Äußer der regulären Armee wurden in den Hilfstruppen gezählt 34 539 Mann Armeereserve 1. und 8596 2. Klasse, 116 624 Mann Milizen, 11204 Mann N-omanry. und 209 365 Mann Freiwillige. Bei den Milizen und den Freiwilligen fehlen zusammen über 60 000 Mann.— Verschiedene von den unter englischem Schutz stehenden Kolonien haben fich bereit erklärt, Hilfstruppen zur Bekämpfung des Aufstandes im Sudan auf ihre Kosten zu stellen. Ein diesbezügliches Anerbieten der australischen Kolonie Neu-SüvwalcS ist von der englischen Regierung angenommen wotden. Amerika. Wie man aus New-Uork unterm 15. d. berichtet, fand in der dortigen Military Service Institution dieser Tage eine DiSkusfion über die Dynamitarden statt, in derm Verlaufe General Abbot die Meinung ausdrückte, daß Alle, die schuldig befunden würdm, mtt Plänen von Dynamit- Ausschreitungen in Verbindung zu stehen, wie Seeräuber geächtet werden sollten, und daß keine Regierung ihnen Schutz gewähren sollte. Er erklärte fich zu Gunsten der Einbringung eines Gesetzvor- schlazes, demzufolge es strafbar sein soll, unautorifirtm Handel zu diesem Zwecke zu treiben oder Geld dazu zu geben oder entgegenzunehmen. Eine solche Maßregel würde, meinte er die Billigung einer großen Mehrheit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten erhalten.— Dem deutschen Generalkonsul in New-Vork wurde am 4. d. Mts. eine Kiste über- sandt, welche eine sogenannte Höllenmaschine und Sprengstoffe enthielt. Die Kiste wurde eine Zeit lang in's Waffer gelegt und dann geöffnet. Der Grund zu diesem versuchten Ver- brechen ist unbekannt. K o K» l e s. Wegen Kontraventionen gegen da« Jmpfgesetz find neuestens wiederum, wie dies ja der Undeliebthett dieses Ge- setzes entspricht, zahlreiche Personen mit den üblichen polizei- lichen Strafmandaten von je 3 Mark beglückt worden, darunter viele, welche thatsächlich ihre Kinder haben impfen lassen und im Äesttz der bezüglichen Bescheinigung hierüber, oder in dem eine? ärztlichen Attestes darüber sind, daß die Impfung wegen Schwäche deS KindeS auf ein Jahr hat verschoben werden müssen. ES erklärt fich dies dadurch, daß eS nicht genügt, der Jmpflpflicht nachzukommen, sondern daß innerhalb de« auf die Geburt folgenden JahreS auch der Nachweis der erfüllten Jmpfpflicht auf dem zuständigen Polizeibureau zu führen ist, wozu übrigens vor Erlaß der Strafverfüqungen an alle, welche dies unterlassen haben, schriftliche Aufforderungen seitens der Polizeirevier- Verwaltungen erlassen werden- Die„Staatsbürger- Zeitung" bemerkt hierzu: Zur Vermeidung von zeitraubenden Weilerungen und Unannehmlichkeiten möchten wir unseren Lesern daher ans Herz legen, die Impfscheine, resp. die JmpfbefteiungS- scheine stets sorgfältig aufzubewahren und rechtzeitig in den zuständigen Polizeibüreaus vorzuzeigen! gleichzeitig aber auch bei dieser Gelegenheit daselbst einen bezüglichen Ver- merk über die erfolgte Vorzeigung machen zu lassen, am besten durch Beidrückung deS Tagesstempels, da im Drange der Geschäfte seitens der im Bureau beschäftigten Beamten leicht die Notiz in den Registern über die erfolgte Vorzeigung unterlassm werden kann und eS dann schwer ist, den Nachweis hierüber zu führen. Es find nämlich mehrfach Fälle vorge- kommen, in denen Personen trotz erfolgter Vorzeigung der ge- forderten Scheine in den Polizeibureaus auS wohl entschuld- barem Versehen der Beamten mit Strafmandaten überrascht allein ich weiß ja, daß Du Dich mit dem Baronet innig befreundet hast." „Das ist wahr; ich würde mich auf da« Wiedersehen sehr gefreut haben, wenn'« unter anderen Umständen statt- gefunden hätte." „Schon au» Rücksicht für Didh mußte ich die Herren aufnehmen, noch mehr aber, weil ich weiß, daß der Graf, wenn er genei't, es übel nehme» würde, wenn wir den Fremden Gastfreundschaft versagt hätten." „Woraus schließt Du das?" „Es wird Dir erinnerlich sein, Fritz, daß der junge Baronet einen sehr guten Eindruck auf den Grafen gemacht hat, daß derselbe sogar eine herzliche Zuneigung zu ihm gefaßt hat, und wenn ich«ich nicht sehr täusche, so würde e« Graf FerguS nicht ungern sehen, wenn der Baronet um die Hand der Komtesse anhielte." Fritz schwieg einige Augenblicke, dann frug er Habicht: „Wo sind die Gäste?" „Sie find eben jetzt im Waffensaal; ich habe aber Anordnungen getroffen, daß die besten unserer Fremden- zimmer sogleich für sie in Stand gesetzt werden." „So laß mich gehen und meinen Freund O'Brian willkommen heißen; vielleicht ist er zum Segen diese« HauseS hierher gekommen." Fritz ging. In dem Waffensaal fand er die beiden Fremden. O'Brian eilte ihm entgggen und schloß ihn mit brüderlicher Herzlichkeit in seine Arme. „Ich würde es als ein Glück preisen," sagte der Baronet, „daß ich Sie, mein Freund, hier anwesend finde, wenn nicht die Ursache Ihrer Anwesenheit eine so traurige wäre.... Welches Mißgeschick für die Bewohner dieses Hauses und uns, daß gerade jetzt wieder die Trauer hier eingekehrt ist.... O, das ist kein fröhlicher Weihnachtitag!— Ich hatte gehofft, mir die schönste Festfreude durch unser Wieder- sehen zu bereiten— statt dessen komme ich in ein Hau» voller Trauer." „Ich beklage Sie, mein Freund," antwortete Fritz, „freue mich aber, Sie wiederzusehen, Sie hier begrüßen zu können, und wünsche nur, daß Sie sich mit der Aufnahme worden find. Bei dem von uns vorgeschlagenen Verfahrens der Jrrthum ohne weiteres nackzuwetsen und Remedur zu# anlassen. Uebrigens besteht die Polizeck-Hörde keineswegs stw auf ihrem Schein, sondern ist in denjenigen Fällen, wo» vorgesckriebene Nachweis zwar zu führen unterlassen,# Jmpfpflicht aber thatfächlich genügt worden ist, auf bezüglllW Ansuchen meistens bereit, die festgesetzte Strafe nachtragA zurückzunehmen. Dergleichen Gesuche find, wie wir zur D-'W tirung hinzufügen, unter Beifügung deS Impfscheines u« Angabe der Aktennummer der Strafoerfügung an Ablheuu»! Vi deS Polizeipräsidiums, Molkenmarkt 3, zu richten. Die Packet-Fahr-Gesellfchaft, mit so großem Apploa ins Leben gerufen, hat am 15. d Mts. ihrem gesammten und Begleitpersonal gekündigt und steht die Entlassung zu« 1. k. M. in Ausficht. Um jedoch den Beamten event. W Stellung zu erhalten, ist denselben am 16. d- M. ein nn» Abkommen zur Unterschrift vorgelegt, inhaltsdcffen das des Kondulreuis auf 3 Mark pro Tag, des Kutschers auf pro Tag ermäßigt wird. Mit 2 M. pro Tag soll ein milienvater bei angestrengtem Tagesdienst besteben, und wo die Misere im Kutscherangebot kennt, kommt auch zur Folg rung, daß er bestehen muß, um nicht ganz brodlos zu den- Das Ganze ist aber ein erneuter Beweis der so get� senen Harmonie zwischen Kapstal und Arbeit. Wir komM auf diese Angelegenheit noch zurück. N. Die ganze Erde unter Siegel. Ein ganz unerw«' teteS Schicksal�ist dem seiner Zell in einem Saale des tot# Schlosses ausgefiellt gewesenen Riesenglobus bereitet trot#' Nachdem die sogenannte Berliner Globusgesellschaft„vetkt#' ist das gesammte Inventar, darunter auch dieses Riesen-isuop werk, durch den Gerichtsvollzieher Dübner in der BehtenOT, im Austrage der Gläubiger gepfändet und noch der lammet in der Münzstraße geschafft worden. Am Son"� vergangener Woche find die Jnoentargegenstände bereit» den Hammer gekommen, während der Riesenglobns in v einer rechtzeitigen Intervention des Verfertigers soH»■ 1 Apothekers G. vorläufig noch vor diesem Schicksal blieb; daS Kunstwerk, das noch bis vor Kurzem von( angestaunt wurde, steht augenblicklich zwischen allen m Auk.ionsobjekten in einem Winkel der Pfandkammet er Psanoiamm»-,... Hauptgläubiger werden ein Herr von R. mtt 1265 Herr B. mit 1600 Mark und ein Herr S. mtt 300 M®' 8 nannt.„ i, g. In Bezug auf de« plötzlich verschwundene« f/Z Halter und Kasfirer L. der bedeutenden Konfeltiom� B. u. C. in der Kurstraße werden uns noch folgende lungen gemacht: Die Festnahme deS L. dürfte jetzt mehr möglich sein, nachdem seine ChefS in großmütiger�, von einer sofortigen Anzeige Abstand genommen ballen� bereits etwa acht Tage seit Entdeckung der Unterschlagt, und Uederführung der Thäterschaft des L- verstrichen F, L. ist ein ebenso gewandter als kenntnißreicher Kaufmann wußte fich so das unumschränkte Vertrauen der Herren zu gewinnen. Als L. erfuhr, daß der eine der Inhaber � dem Geschäft austreten wollte, setzte er Alles daran,"L Firma als Sozius einzutreten. Er glaubte dadurch un*®3 dast, seine Betrügereien und Fälschungen verschleiern zu w#. Die Prokura, welche L. ebenfalls besaß, ist bereits im register gestrichen. Von den„Kunftstückchen," welche seinen Betrügereim ausgeführt, seim nur zwei erwähnt- � häufig und längere Zeit in Amerika weilmde eine Gesell!®� (wie bemerkt, exportirte die Firma fast ausschließlich � Amerika) denöthigte noch vor Kurzem 15 000 M., welche ib® � sofort zugestellt wurden. L. machte aber aus der 1 eine'$ hatte so mit einem Federsttich 10 000 M.„erworben". Fall soll dem Vernehmm nach ein Depot der Firma bet, K hlcfigen renommirten Bankhause in Höhe von ca. 80# � betreffen, welches L- nach und nach abgehoben hatte, Geld in seinem Nutzm zu verwenden. Auch das Börse soll er betrieben haben, zu welchem Zwecke er eWl5t, Summe bei einem Bankier deponirte. L. war ste»°.p- Nothleidenden zu helfen— natürlich auf Kosten seinsf m trauensseligen Chefs. Die Unterstützungen, die er seine« � wandten und Bekannten zuTheil werden ließ, erreichte«. fetten sehr ansehnliche Beträge. Der Leichtsinn, mit% ■......-■--.. Uxben i' j arnrn# tragen haben, wie wir zuerst meldeten; bei dem ...... Luxus, mit dem L. fich umgab, reichte dieses sehr an Gchatt natürlich bei Weitem nicht aus. Die hier zurütig�,, bene Familie des L. hat ihre Wohnung bereits nach yj nahe Berlins belegenen Ort verlegt. Zu berichtigen W ,» fich die L'fche Wohnung nicht im Thiergartm, sottd«*« f dem Potsdamer Thore befand. Die geschädigte durch da« mobile Eigenthum deS L. nur theilweise a. Fuhrwerksdiebe. In der Königstraße wurde W. Abend ein Mann mtt einem Rollfuhrwerk, welches#.„(0 von einem Schutzmann angehalten, weil er daS FubrW»VF erleuchtet hatte. Der Mann, deshalb zur Rede gestellt, begnügen, die Ihnen unter den obwaltenden Umstä«� Theil werden kann." jpt» „Ich mache keine Ansprüche, mein Freund; nur i,,, Zweck, eine Lebensaufgabe Hab» ich— da« ist, bte V � aufzufinden, welche ich suche; und wenn auf* y traurigen Lebenswege mir Freundschaft und Liebe deS Ü> — dann betrachte ich diese himmlischen Gaben m» ter Dankbarkeit, und drücke die mir so gestreuten mit doppelter Innigkeit an'S Herz."... Habicht trat jetzt ein und meldete, daß bi* ust# Agathe bereit sei, die Herren zu empfangen und o' Ji\ auf ihr Zimmer bitten lasse. Habicht selbst dten Führer. Fritz begleitete fie._«.z Agathe saß mit ihrer Gesellschafteria,% r Gabriele, auf einem Sopha in ihrem Zimmer,« f allem Luxus und aller Bequemlichkeit, zugleich a vollendetem Geschmack ausgestattet war._ c.„ai r In dem Licht der blauen Damastmöbel, Borha � Gardinen sah Agathe noch bleicher au» al« sonst-.. � Gäste eintraten, erhob sie fich langsam und ML F einen Schritt entgegen. Purpurröthe aberzog pU>v bleiche Gesicht, als ihr Auge dem O'Brian» A Fritz bemerkte es und bemerkte auch, wie diese Ro v ger Marmorblässe«ich. ja,. 5 Er bemerkte ferner, wie ihre Wimper ztttertt, sie sich nur mit Mühe aufrecht erhielt,«IS der ß# O'Brian ihre Hand ergriff und an seine Ltpp-« g# Sie bedurfte der äußersten Kraftanstrengung,»m, � ji« ihr Bedauern darüber auszusprechen, daß sie ßpM« nähme im Schlosse finden könnten, welche sie un Umständen gewiß gefunden haben würden. g;«, A „Dennoch," fügte sie hinzu,«bitte'ch zu verweilen, so lange es Ihnen gefÄt- der Himmel meinem theuren Vater - dann ft Kiebt- ich weiß, es wird ihn hier begrüßen zu können.", ... S'e sagte das letzte mit unsicherer Stim«� y schien die Kraft sie zu verlassen. Sie sank auf b#' zurück, von welchem sie fich eben erhoben hatte, «Ich sage Ihnen meinen innigsten Dank fttt 0 Sh % abet v J lamüC"u tOJl1" *i?nbet widersprechmd« Angaben und er wurde mit dem lt zur Polizeiwache gebracht, wo das Fuhrwerl als ge- beieits signalifirt war. Der Festgenommene, ein liurer B., war gestern Nachmittag auf vem Alexanderplay ? dem Kutscher des Rollwagens engagirt worden, um ihm «nm Abladen der auf dem Wagen befindlichen Rollls und M'g-n Gegenstände behilflich zu sein. 33. führte auch diese MNt zur Zufriedenheit des KutschcrS aus, welcher nach dem Woben für wenige Minuten in das Haus, vor welchem abae- worden war, fich begab und den noch nicht entlohnten «'.allein beim Wagen zurückließ. B. zog nun vor, anstatt K seinen Arbeitslohn zu warten, mit dem Fuhrwerk fortzu- «um. Er trieb fich einV Zeit lang in den Siraßen des Zen- «z»* m'. �ern gestohlenen Fuhrwerk herum, bis er unter den Uifigethelltcn Umständen festgenommen wurde. Das Sjuei* wurde seinem Eigenthümer zugestellt und B. ->.«.gestern zur Hast gebracht.— Ebenfalls wegen eines & ,Ü,h a" erksdiebstahls" find vorgesterndie„Arbeiter" � festgenommen I worden. Dieselben fuhren gestern auf einem mit Gemüse beladenen Wagen in sehr rascher Siffsm Wilhelmstraße entlang und erregtensowohl durch die Schnelligkeit ihrer Fahrt als auch durch ihr Aussehen die Aufmerkiamkeit eines die Straße pas« nven Tapeziergesellen, auf dessen Veranlassung das Fuhr- uon einem Schuymann aufgehalten wmde. Da die beiden mfr 5? Wagens fich als die rechtmäßigen Inhaber desselben s°» �Üitrmiren konnten und unglaubwürdige Angaben machten, Wurden fie zur Wache gebracht. Daselbst räumten sie ein, - gstuhrweik kurz vorher rn der Thiergartenstraße, in welcher I erregenden Feuerschein, der zu einer sofortigen Alarmirung der Feuerwehr durch die nächste Revierwache Veranlassung gab. Obwohl die Feuerwehr mit gewohnter Präzifion auf der Brand- stätte erschien, so stand beim Eintreffen der ersten Spritze doch bereits der Dachstuhl fast in seiner ganze« Ausdehnung in lichten Flammen, während die Bewohner der unter der Boden- kammer belegenen vierten Etage in größter Feuersgefahr schwebten. Da daS Feuer unter den vorhandenen Fettwaaren reichliche Nahrung fand, so mußten außer zwei Dampfspritzen auch mehrere Handdruckspritzen in Tbätigkeit gesetzt werden, die fast zwei Stunden vollauf mit der Ablöschung zu thun hatten. Die Aufräumungsarbeiten zogen fich bis gegen 10 Uhr hin. Ueber die Entstehungsursache ließ fich irgend etwas Bestimm- teS nicht ermitteln, festgestellt scheint nur zu sein, daß das Feuer in der Eingangs genannten Räucherkammer ausge- kommen ist. Belle-Alliance-Theater. Mr die drei letzten Aufführun- gen von„Der Raub der Sadinerinnen" hat die Direktion er- mäßigte Preise— 1. Parquet I Ml. 50 Pf.— angesetzt. zwecklos ausgehalten hatten, vor einem Hause aufstchts. uJMoen stehen sehen, fich ohne Weiteres auf den Wagen kU hatten, und mit diesem davon gefahren find. Die Diebe llten wahrscheinlich mit dem Wagen schleunig einen ?«ochenmäikte zu erreichen und auf diesem die auf dem befindlichen Körbe mit Gemüsen zu verkaufen. G. und rnid ebenfalls aestern zur Hast gebracht worden. Dem Retseuden eine» hiesigen Abzahlnngs- k Mftes stellte sich im November v. I. in einem Restaurant Georgen kirchstraße ein junger Mann als der Maschinen- Oskar Müller vor, welcher vorgab, in einer im Nachbar- �«befindlichen Fabrik beschäftigt zu sein. Dieser kaufte von .•« w Yraw ff#*« SIT? 9V? fiiM rt er* � uv4vfc»v w|vwv«i*»d* q w| v•«>. i-- v' �«isenden einen Ter pich für 40 M- gegen Ratenzahlungen »2 iahlte 4 M. an. Den über das Geschäft ausgestellten unterzeichnete der Käufer mit dem Namen Oikar «Ii 5,"ü0 gab als seine Wohnung das Haus Belforterstr. 9 LQÄa Käufer die folgenden Raten nicht rechtzeitig zahlte, Li, ß* vor einigen Tagen der Reisende nach der Beliorter- % qL wo er erfuhr, daß eine Person unter dem Namen foiifm m nict)t daselbst wohnte. AIS der Reisende davon L.. Prinzipal Meldung erstattete, stellte fich herau», daß ein zweiter Reisender desselben Geschäftes dem �«'.chenMüller eine Regulatoruhr gegen Ratenzahlungen L 2,"�d übergeben hatte. Die Knmrnalpolizei ermittelte fcit ,?�ger in der Person eines„Arbeiters" Sch., welcher «2., falschem Namen und falschen Angaben erlangten Wrf.V i0??1* weiter veräußert und die Erlöse für fich ver- «atte. Sch. ist gestern wegen schwerer Urkunden- Zungen zur Hast gebracht worden. roher Ueber fall Der in der Markgrafenstr. 6 �'"de Julius H., ein starker, großer Mann, wurde in der Lygsuen Nacht gegen 1 Uhr an der Jerusalemer- und Koch- �um von einem ihm an Kräften überragenden Jndivi- Z?2?/"gerempclt und zu Boden geschlagen. Hierauf zog der « Messer und versetzte dem H. einen Stich über dem Lus,?ye. Nachdem er dem H. noch einen Fußiritt auf die �latinu*?en Leib versetzt hatte, nahm der dem H. nicht un- ilugen,»,. bäler ReißauS. Mehrere Herren und Damen, welche Wron des Vorganges waren, fich aber an den rohen Miiffmü!? herangewagt hatten, meldeten fich später auf der in der Lindenstraße, um ihre Kenntniß über den Liiwü verübten Ueberfall zu deponiren. Als H. fich in der �..ywache in der Markgrafenstraße befand, deren Hilfe �»«lucht wurde, brach er Blut aus, welches von den Fuß- iJJJ auf den Leib herzurühren schien. Der Thäter dürfte in- ?en ermittelt und festgenommen sein. bssichiet bin, mögen Sie daraus entnehmen, daß $okt,£uLb'e Freundschaft für Ihren Herrn Vater, für den Lg. 2.Aobenbutg, meine Verehrung für Sie, mein gnä- eig. JWulein, mich hierher führten, sondern gewissermaßen vcothwendigkeit. -,Eme Nothwendigkeit s" wiederholte sie mechanisch. her wissen, daß ich die weite Reise von Indien hier» «ivem evt um eine Verwandte aufzusuchen, daß ich vor Wei». � England verlassen mußte, ohne meinen Zweck htttCy � haben. Derselbe Zweck führt auch diesmal mich diick /y die Nachforschungen, welche ich angestellt, leiten Hten i Gegend; wenigsten« hoffe ich hier zu er» btgtg/.°d«ine Vermuthung, die ich über jene Person hege, T*'st oder nicht." Biaufrji diesem Falle wäre e» nicht nur ungastlich, sondern �gatb. i."'chi hier zu beherbergen mein Herr," antwortete vah�' deren Selbstbeherrschung und Kraft immer mehr ab- Ht„(frfM �"'iinsche Ihnen für Ihre Nachforschungen de« d>ohl..'l°Ig,und wünsche, daß Sie sich'» in diesem Hause so diögljch jfi„n** wögen, alt es unter diesen Umstände» daß �*4 eine Handbewegung deutete sie den Herren an, . m Wn wünsche. führt, n? näherte sich O'Brian, ergriff ihre Hand und t'tterte}» T st'ne Lippen. Diese Hand war eiskalt und hiib vi st'nigen. me H«, zu brechen drohte. Achte« Kapitel. im Schlosse M'Doauil hattm •- 7—' 1_. v A�bicht, wie sie am Thore einige Worte mrt dgen. icher vorbei kam, wechselten und dann hinaus- Gerickts-Rettung. 7- Zwei Aindeömörderilinen beschäftigten gestem das Schwurgericht des Landgerichts l. und wie eS bei dergleichen an hochtragischen Momenten reichen Prozessen der Fall zu sein pflegt, hatten dieselben ein zahlreiches Publikum, zum größten Thcile dem weiblichen Geschlechte angehörig, nach Moabit gelockt. Nicht gering war daher die Enttäuschung, als det Prästdent die Tribünen vor Eintritt in die Verhandlung räumen ließ. Von den beiden Angeklagten machte besonders die erstere einen tiestraurigen, mitleiderregenden Eindruck, eS war die 20 jährige Schneiderin Anna Friedericke Auguste Semmler, ein bildhübsches Mädchen von einnehmendem Wesen. Während die Anklage behauptet, und wie die An- geklagte! auch bei ihrer ersten Vernehmung eingeräumt hat, ist daS Kind von ihr gleich nach der Geburt vom Leben zum Tode gebracht worden. Dieses Geständniß wideirief fie aber in der Hauptverhandlung und unter reich- lichem Thränenerguß und von häufigem Schluchzen unter- brochen, stellte sie den Thatbestand folgendermaßen dar: Es war die alte Geschichte, die ewig neu bleibt. Sie hatte die Bekanntschaft eines Herrn gemacht, der fie von Vergnügen zu Vergnügen führte und fie schließlich bethörte. Es gelang ihr, ihren Zustand selbst vor ihrer Mutter zu verbergen und rm August deS vorigen Jahres genas fie heimlich eines Kindes. Durch Hineinstecken des Fingers in den Mund deS kleinen Wesens habe fie sich überzeugt, daß kein Leben in ihm war, habe eS darauf in Lcinewand gewickelt und den Leichnam in dem Schornsteine der elterlichen Wohnung versteckt, woselbst er dei dem Reinigen deS EchomsteinS in haldverkohllem Zustande erst im Monate November aufgefunden wurde. Der Rauch mag wohl den Verwesungsgeruch paralyfirt haben. Durch die Obduktion hat nicht mehr festaestellt werden können, ob das Kind nach der Geburt gelebt hat oder nicht, der Staatsanwalt hielt aber daS früher abgelegte Geständniß der Angeklagten, wonach fie den Tod durch Ersticken herbeigeführt haben wollte, für maßgebend und plaidirte in diesem Sinne. Der Vertheidiger, Rechtsanw. Wronker, führte dagegen auS, daß daS, von seiner bejammernS- werthen Klientin anfänglich abgelegte Geständniß in begreif- licher Verwirrung abgelegt sei, und viel weniger Glauben ver- diene als ihre jetzige Darstellung des Sachverhalts. Und der Vcttheidiger siegte, die Geschworenen erklärten die Angeklagte der vorsätzlichen Tödtung für nichtschuldig, worauf die Frei- sprechung erfolgen mußte. Einen weniger guten Eindruck als ihre Vorgängerin machte die zweite Angeklagte, die unverehelichte Bertha Ernestine Säuberlich. Dieselbe war beschuldigt, ihr heimlich geborenes Kind gleich nach der Geburt erdrossell und den Leichnam so- dann in die Dunggrube geworfen zu haben. Auch fie widerrief im Verhandlungstermine ihr stllher abgelegtes, fie belastendes Geständniß und behauptete ein berettS todteS Kind zur Welt gebracht zu haben. Auch in diesem Falle gelang eS dem Ver- tb-iviger, Rechtsanwalt Wronker, die Geschworenen zu einem Verdikt auf Nichtschuldig zu bewegen, worauf auch diese An- geklagte freigesprochen wurde. Eine interessante Anklage wegen gewerbsmäßigen GlückspielS gelangte gestern gegen den Kaufmann Max Alexander Richter vor der ersten Strafkammer deS Land- aerichts L zur Verhandlung. Der Angeklagte befand fich im Juli und August 1881 zu einer Badekur in Aachen und traf daselbst während der zweiten Hälfte des August mit dem ihm von Berlin her befreundeten Kaufmann Habicht zusammen. Beide speisten im Hotel de rEnrope, wo fie nach der Tafel mit dem Hotclwirth Kaffeeskat zu spielen pflegten. Bei einer solchen Gelegenheit stillte sich ihnen ein Rittergutsbesttzer v. Rohr vor und betheiligte fich auf seinen Wunsch an dem Skatspiel, machte seine neuen Bekannten dann auch mit einem Freunde, Namens Brummer bekannt. Aus dem Kaffeeskat wurde ein Geldskat, bei welchem das Point anfangs mit 10 Pf, schließlich aber mit 1 Mark berechnet wurde. Herr v. Rohr gerieth O'Brian und sein Freund Strahlenau schlugen An» fang» die Richtung der Straße nach Blackfield ein. „Du verharrst dabei, diese Gegend hier durchs» chen zu wollen?" fragte der Letztere. „Ich kann nicht ander»; es ist, al« ob eine Stimme mir sagte, daß ich hier am Ziele meiner Aufgabe bin.— Ich bitte Dich, Max, kehre um; laß mich allein." „Warum soll ich Dich nicht begleiten? Es ist wahr- hastig keine angenehme Sache, zu einer solchen Jahreszeit diese Gegend zu durchstreifen und ist auch nicht ohne Gefahr; also könntest Du meiner vielleicht be- nöthigt sein." „Ich bin Dir für die Freundschaft, welche Du mir bisher erwiesen und auch für Dein jetzige« Anerbieten von Herze» dankbar, Max," antwortete O'Brian;„allein ich kann e« doch nicht annehmen.— Wenn e» wahr ist, daß jene Bettlerin, von welcher der Gastwirth in Blackfield un» eine so genaue Beschreibung gemacht, die Gesuchte ist— e« würde ihr peinlich sein, der unglücklichm Frau, einen Zeugen de« Wiedersehen« zu haben, und da sie später in anderen Verhältnissen leben wird, würde ihr Dein Anblick jedesmal demüthiaend sein. Niemand al» der Sohn darf sie im Elend gesehen haben... Es würde da» Be- wußtsein, daß auch Andere fie aus der Zeit ihre« Elend» kennen, ihr da« künftige LebenSglück, das ich ihr zu bieten habe, verbittern." „Darin magst Du Recht haben..... E» zeugt von einem kindlich gefühlvollen Herzen, daß Du Deiner Mutter eine Demüthigung ersparen willst. So magst Du denn D-ine-i Willen haben. Ich wünsche Dir Glück für Deine Nachforschungen, da« heißt, ich wünsche von ganzem Herzen, daß Du Dich überzeugst, die Bettlerin, von welcher der Gastwirth von Blackfield sprach, die man hier allgemein bei dem Spottnamen„schwarze Hexe" n«nnt, sei nicht die Person, die Du suchst und die Dir so nahe steht..... Ich meinerseits bin von vornherein überzeugt, daß da« Ganze von Dir nur«ine Grille ist." „Nein, nein, Max; nenne e« ist nicht Grille, e« ist Ahnung." in Verlust, er wollte zuletzt gegen 2000 Mark verloren haben und machte nun seinen Mitspielern den Vor- schlag, mit ihm eine Parthie MacaS zu exerzi- ren. Habicht schloß fich davon aus, weil er nicht« von diesem Spiel verstände und die anderen Herren spielten nun die Nacht hindurch. H. blieb nur zeitweise im Spielzimmer und hielt fich während der übrigen Zeit in seinem nebenan belegenen Hotelzimmer auf. Immer tiefer gerieth v. Rohr in Verlust und zu vier vcischiedenen Malen bedrängte er H. mit Bitten um Darlehen die dieser ihm auch bi« zur Höhe von 11000 M. gewährte, wofür der Geldleiher Wechsel ausstellte. Wie Herr v. Rohr behauptet, hat er nur ab und zu die Bank gehalten und den ganzen Betrag an seine Mitspieler verloren; der Angeklagte behauptete dagegen, daß v. Rohr allein der Bankhalter gewesen. Der Letztere behauptete auch, daß Habicht fich während deS Spiels von dem Angeklagten 6000 M. geliehen habe und diese Summe wieder an ihn— den v. Rohr— gegen Wechsel einhändigte. Die? stellen aber sowohl der Angeklagte als auch der Zeuge Habicht entschieden in Abrede. Auf die von Herrn o. Rohr eingereichte Denun- ziation find die Herren Habicht und Richter wegen verbotenen gewerbsmäßigen Glückspiel« unter Anklage gestellt worden. Richter hatte nun in dieser Beziehung trübe Erfahrungen gemacht, er ist bereits vor einigen Jahren wegen desselben Ver« gehens mit 6 Monaten Gefänaniß vorbestraft worden, deshalb zog er eS vor, der neuen Anklage aus dem Wege zu gehen und fich ins Ausland zu begeben. Während der Staatsanwalt ihn steckbrieflich verfolgte, gelangte vor etwa Jahresfrist die Sache gegen Habicht allein zur Verhandlung. Dieselbe endete aber mit der völligen Freisprechung des Angeklagten, da die Aussagen des Zeugen v. Rohr so unficherer und schwankender Natur waren, daß der Gerichtshof nicht darau« eine Ueber- zeugung von der Schuld deS Angeklagten zu gewinnen vermochte. Dies Erkenntniß kam dem im Auslände lebenden Richter zu Ohren, der nunmehr seine Vertheidigung in dieselben Hände, in die des Rechtsanwalts Salomon legte, der dem Habicht mit Erfolg zur Seite gestanden. Richter erbot fich gletchzeitig, gegen Hinterlegung einer Kaution, zum Ver« handlungstermtne zu erscheinen, die Oberstaatsanwaltschast lehnte eS aber ab, den Steckbrief aufzuheben, resp. die An- beraumung eines Termins zu beanttagen, sodaß dem An- geklagten schließlich nichts übrig blieb, als die Untersuchung?- Haft über fich verhängen zu lassen. Auch in diesem Termine gelang eS, den Ausführungen deS Vertheidiger«, den Gericht«- Hof aus den früheren Gründen zu einem freisprechenden Verdikt zu bestimmen, während der Staatsanwalt 9 Monate Gefängniß deantragt hatte. Sostoles uuü Arbeiterbewegung. Die Wirkung der Erhöhung der Getretdezölle auf die BerkehrSgeftaltuug wird nicht gering sein und die Eisen- bahninteressenten und-Spekulanten zerbrechm fich jetzt schon den Kopf darüber, wie hierdurch ihre Einnahmen beeinflußt werden könnten. In der letzten Zett find bekanntlich große Mengen Getreide nach Deutschland eingeführt worden. Die Einfuhr ist in Fluß gekommen theils well die in Folge der bekannten Erklärungen des Reichskanzlers eingettetene Steige- rung der Getreidepreise große Abschlüsse im Auslände ermög« lichte und theils weil man bemüht ist, vor dem Inkrafttreten des Sperrgesetzes noch möglichst große Getreidemengen über die Grenze zu schaffen. Diesem Umstände ist die neuerding« ein« getretene Vermehrung des Getreideverkehr« der betreffenden Eisenbahnen zuzuschreiben. Der Erlaß des Sperrgesetzes, bezw. die Einführung der neuen Zölle wird zur Folge haben, daß die Getreideeinfuhr zunächst so lange inS Stocken feräth, bis die in der letzten Zeit vor ThoreSschluß angehäuften liengen fich vettheilt haben. Dann bleibt aber auch wohl außer Frage, daß die erhöhten Zölle, falls fie eine dauernde Steigerung der Getreidepreise herbeiführen, auf eine Vermin- derung der Getreideeinfuhr Deutschlands hinwirken werden. Namentlich dürfte fich der Verbrauch ausländischen Getreide« zu Futterzwecken einschränken. Auch ist daran zu erinnern, daß die heimische Landwtrthschaft schon wegen der Nothlage der Zuckerindustrie mit einer erheblichen Ecweitcruug deS Getreidebaues vorgehen wird. Neben diesen allgemeinen GefichtS- punkten find besonders die wichtigen Neuerungen in« Auge zu fassm, welche bezüglich der Roggeneinfuhr in Folge deS spa- nischen Handelsvertrags Platz greifen werden. Durch diesen noch biS zum Jahre 1887 laufenden Vertrag wird Deutsch- land gebunden, nicht nur dem spanischen Roggen, sondern auch dem der mcistbegünstigtm Staaten gegen Bei» bringung von Ursprungszeugnissen die Einfuhr zu dem Zollsätze von 1 Ml. für 100 Kar., also 10 Ml. für 1000 Kar. zu gestatten. In dieser Beziehung„meistbegünstigte" Lander find die Argentinischen Staaten, Belgien, Chile, Costarica, Frankreich, Griechenland, Hawaiische Inseln, Italien, Korea, Liberia, Mexiko, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Persten, Portugal, Rumänien, Schweden und Norwegen, Schweiz, Serbien, Spanien, Türkei und die Vereinigten Staaten von Amerika. Während der nächsten Jahre wird also der au« „Ist denn da», wa« Du eine Ahnung nennst, etwa« Anderes?" „Ei ist ja nicht meine Ahnung allein!... Al« ich ihr damals begegnete, dieser Frau— da machte ibr An» blick einen Eindruck auf mich, einen Eindruck, den ich Dir nicht beschreiben kann.... Da* abgemagerte Antlitz er» innert« mich an da» Gesicht der Frau, die mich einst lieb» kostet der wilde Ausdruck ihre« Auge« erinnerte mich trotz» dem an den sanften Blick, mit welchem mich einst meine Mutter unter Thränen anlächelte." „Nun, Du magst Deinen Willen haben, ich kehre um und überlasse Dich Deinem Schicksal." „So sei e», Max; und ich überlasse Dir die Sorge, da» Personal des Schlosse« über den Zweck meiner An- Wesenheit zu täuschen. Niemand darf e« wissen, wen ich hier suche, selbst Fritz Rodenburg, mein Freund, nicht, denn e« ist nicht mein Geheimniß allein, da« ich verbergen muß— es ist da« Geheimniß meiner Mutter... Wem» ich sie finde, dann werde ich sie hinwegführen von hier und unter anderen Umständen soll sie wiederkehren, und Nie- mand soll sagen: da» war einst die schwarze Hexe, welche in der Winterkälte in den Revieren von M'Donuil hauste." „Im Schlosse wird man sich um Deine Spaziergänge wenig kümmern. Du hörtest ja, daß Habicht, al« wir hinausgingen, es ganz begreiflich fand, daß wir einen Spazier- gang machten, und auch, daß wir seine Begleitung ablehnten; von den übrigen wird un« Niemand belästigen.— So weit ich die Verhältnisse hier durchschaut habe, ist wohl der Zwerg Toby der Einzige, der Dein Gehen und Kommen kontroliren könnte; und dieserBücherwurm ist sicherlich derUngefährlichste, denn bi« jetzt tzat er un« nicht« al« völlige Nichtachtung gezeigt. Bei seinen Studien, unter Pergamenten und Büchern, zer» bricht er sich wahrhaftig nicht Zden Kopf darüber, weshalb die Gäste von M'Donuil Spaziergänge in'« Frei unter- nehmen, wa» sie veranlaßt, die Schneegesilde zu durch» kreuzen; ob sie geographische Studien oder Promenaden au» Gesundheitsrücksichten machen, oder ob die wilde Ro» mantik der wüsten Winterlandschast sie anzieht... Adieu, Freund." diesen Lävtern mit Uisprungszcugniffen e'mgcführte Roggen noch wie vor nur mit 10 Ml- zu Mizollen sein, wählend der russische Roggen den erhöhten Zoll von 30 Mk. zu tragen haben wird. Dieser sehr bedeutende Unterschied wird zur Folge haben, daß unterden angeführten Staaten diejenigen Länder, welche für die Einfuhr russischen RoggenS günstig gelegen find, letzteren in großen Mafien importiren und dafür den in der hcimi» schen Landwirthschaft geernteten Roggen nach Deutschland aus- führen werden. Der Reichskanzler selbst hat erklärt, daß diese„kost« spielige Verschiebung" bis zum Ablauf des spanischen Handels« Vertrages ertragen werden müsse. Von da ab freilich wird die deutsche Roggcncinfuhr abermals neue Wege einschlagen müssen. Für die nächsten Jahre ist von großer Wichtigkeil, daß die bisherige Einfuhr russischen RoggenS nach Deutschland nahezu aufhören wird. Welche Länder sich bei der Versorgung Drutsch« lands mit Roggen demnächst am stärksten bctheiligen«erden, vermögen wir augenblicklich noch nicht genau zu übersehen. Der Wettbewerb des Wasserweges mit den Eisenbahnfrachten wird dabei eine große Rolle spielen. Es ist aber schon jetzt wahrscheinlich, daß dabei Oesterreich-Ungarn und Rumänien mit im Vordergrunde stehen dürsten.— Der Spekulation ist durch diese künstliche Verschiebung der Einfuhrverhältnisse natürlich wieder ein neues, weites Feld eröffnet. Sie wird überhaupt mit den unaufhörlichen witthschaftlichen Experimen« ten am lebenden Körper Deutschlands sehr zufrieden sein. Die tägliche Arbeitszeit und die SonntagSarbeit im kaufmännischen Gewerbe bilden seit Wochen den Gegen- stand von Berathungen deS„Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller". Um für die Beantwortung der Frage:„ob und inwieweit die tägliche Arbeitszeit und die Sonntagsarbeit in den kaufmännischen Geschäften Berlins, sowohl im Jnter« esse der Prinzipale, wie in demjenigen der Angestellten, zweck- mäßigerweise eine Einschränkung erfahren kann"— zunächst die erforderliche positive Unterloge zu gewinnen, wird die Kom- Mission eine umfassende Enquete anstellen, welche durch in den nächsten Tagen beabsichtigte Versendung eines Fragebogens an alle im Handelsregister eingetragene Firmen Berlins ringe- lestet werden soll- Man geht bei dem ganzen Unternehmen von der Anficht aus, daß die Prinzipale ihrerseits den Versuch zu machen haben, im Wege der Selbsthilfe die in einer übermäßigen Ausdehnung der Geschäftszeit an Werk- und Feiertagen bestehenden Mißstände, soweit solche wirklich vorhanden find, thunlichst abzustellen, und zugleich durch eine vollständige Klarlegung der unabweisbaren Bedürfnisse deS kausmänuischen Geschäftebetriebes in dieser Richtung der in neuerer Zeit sich breitmachenden,„weit über das erreichbare Ziel hinausschießenden" Agitation für die gesetzliche bezw. polizeiliche Einschränkung der kaufmännischen Arbeitszeit mög- liehst gründlich dm Boden zu mtziehen." Wir glaubm, die Leiter deS„Vereins Berliner Kaufleute und In- dustrieller" täuschm fich sehr, wenn sie auf dem Boden der Selbsthilfe Beseitigung der überm äßigm Arbeitszeit erhoffen. Wir kommen auf die Frage nächstms an der Hand der eng- ltschen Erfahrungen zurück. WirthschaftS-«Ordnu«g". In Anbetracht der riefigen Zuckerübelp:oduktion und ZuckerkrifiS ist für unsere Landwirthe eine wesentliche Einschränkung des Zuckerrübenbaues zur un- bedingten Nothwendigkeit geworden. Das wissen fie auch recht gut; aber, wie es scheint, schiebt ein Bauer immer dem anderm die BetriebSeinschräntung zu und so wird es bei der altm Ueberproduktion bleiben. Eo schreibt die„Echtes. Ztg.": „Die mit Zuckmüben zu debaumde Fläche wird sich in Ober« schlefien, dm Informationen des„Oberschles. Anz." zufolge, nicht so sehr verkleinem, da jeder Anbauer hoffe, die so leb- hast angerathene energische Verminderung des Rübenbaues werde vom Nachbar vorgenommen werden. ES glaube edm Jeder mit Rüben immer noch ein besseres Geschäft zu machen, als mit Halmfrüchten oder Kartoffeln." Da» Elend in London schildert ein Auftuf in den „Daily NewS"(12. Februar) auf folgende bewegliche Weis«. „Zehntausende von Männern, Weibern und Kindern find im Ostviertel Londons dem Hungertode nahe. Taufende von Männern find außer Arbest, weitere Tausmde finden vielleicht nur einen Tag in der Woche Beschäftigung. Ich komme ebm aus einem Distrikt, der fich in günstigerer Lage befindet alS viele andere, wo der ArmenfondS nicht unbedeutend ist und wo hunderte von Kindern alle Wochen unentgeltlich Frühstück erhalten. Ader auch da spotten die Entbehrungen aller Be- schreibung, und am tiefsten schmerzt vielleicht der Anblick der Leute, welche fich nicht rühren, auch wenn der Hungertod an fie herantritt. Sollen wir noch länger dm Vorwurf verdienen, daß während wir freigebig Geld spenden, um der Roth im Ausland abzuhelfen, wir über das ungeheure Elend vor unseren Thüren ruhig hinwegsehen?"— Diesen Vorwurf verdimen übrigens nicht nur die Londoner. Auch bei uns sammelt man lieber für die Spanier, wie für die Einheimischen. Der Staat soll überall helfen! Unter dieser Vorschrift bringen verschiedene Zeitungm die Nachricht, daß die bcschästi- gungslosen Arbeiter Londons„Staatshilfe" verlangten und durch eine Deputation an den Minister Düke beantragten, die Roth durch die Beschäftigung der Arbeitslosen bei Staats- bauten zu lindern- Ja wohl, der Staat soll hier helfen, trotz der Höhnischen vorstehmdm Spitzmarke in liberalm und kon- servativen Blättern. Oder ist es für daS Volk, für den Staat besser, wenn die ArbeUSlosen«IS„Vagabundm" durch daS Land ziehen? Oder verträgt es fich mit humaner(christlicher?) Anschauungsweise, daß die Arbeitslosen Hunger leiden sollen? Oder aber ist daS Ansprechen um milde Gaben für brave, ar- deitStüchtige Arbester ehrmwerther, als daS Verlangen nach Arbeit?— Die liberalen und konservativm Blätter, die der- artig höhnische Notizen gegen beschäftigungslose, arbeitsfreudige Arbeiter bringen, sollten fich biS in die innelste Seele schämen. Sftftke- Cardiff(Wales in England), 15. Februar. Unter den hiesigen Dockarbeitern ist ein Strike auSgcdrochm. Denselben war von der Hafenbehörde angekündigt worden, daß mit der Arbeit deS Morgens zwei Stunden früher begonnm werden sollte, worauf 5000 Albester sofort die Arbeit nieder- legten. Dieselben haben fich an die Presse gewandt, um diese zu bewegen, in ihrem Interesse thätig zu sein. Man hofft auf diesem Wege zu einem gütlichen Einvemehmm zu gelangen. Die Folgen der Juteüberproduktion in England, die wir neulich schilderten, werdm für die Arbeiter sehr fühlbar. In Dundee wurde am 12. d eine Versammlung von Jute« Spinnereidefitzern und Fabrikanten abgehalten, in welcher be- schloffen wurde, die Arbeitslöhne durchweg um 6 pCt. herabzusetzen. Für nächste Woche ist eine Generalversammlung von Fabrikanten eindelufm, um Maßregeln zur Einschränkung der Produktion zu erwägm. Ein Strike in der vlechwaarenfabrik von Stürze! in Barmbek(bei Hamburg) brach am Eonnabend aus. Die Ar- bester, schon längere Zrst unzufrieden, verlangten geregeltere Lohnverhältniffe und Entlassung des WerlführerS. Als dies verweigert wurde, legten neun von elf bisher daselbst deschäf- tigten Klempnern die Aibeit nieder. Dieselben ersuchen hier- mir alle Kollegen, ihnen nicht durch Eintritt in ihre bisherige Stellung den Kampf zu erschweren. Konkursstatistik und agrarischer Nothstand. Nach definitiver Aufrechnung beträgt die Zahl der im Deutschen Reiche im letzten Jahre eröffneten Konkurse 4330, nicht wie provisorisch ermittelt war 4288. Im Veihältniß zum Jahre 1883 haben die Konkurseröffnungen um 277 abgenommen. Auf Preußen entfallen 1968(1883 2009), auf Bayern 432 (454), auf Württemberg 349(391), auf Sachsen 548(657), auf Baden 205(236), auf Elsaß-Lothringen 209(193), auf die Hansestädte 172(195), auf Hessen 196(146), auf Mecklen- bürg 84(61). auf Anhalt 40(21), auf Oldenburg 37(36), auf Waunschweig 30(24) und auf die übrigen Kleinstaaten 120(191) Konkurseröffnungen. Von den Piooinzm Preußens zeigen Schleswig-Holstein und Hannover eine beträchlliche, Hessen-Naffau, Westfalen, Schlefien und Brandenburg eine geringe, Sachsen, Posen(um 15,2 pCt.), Ostpreußen(um 17,7), Pommern(um 18,6) und Westpreußen(um 25,4 pCt.) eine starke Zunahme der Konkurse. Während seit 1880 im ge- jammten Reiche die Zahl der Konkurse um über 1000(19,2 pCt.) abgenommen hat, und diese Abnahme in einzelnen west- lichen Staaten bezw. Provinzen über 50 pCt. steigt, haben die sieben alten östlichen preußischen Provinzen in dieser Zeit eine Zunahme der Konkurse von 943 auf 1194, also um 26,6 pCt. gehabt. Ein äußerst beachteuswerthes Faktum, das unseres EracktenS schlagend beweist, daß ein agrarischer Nothstand in der Tbat in Deutschland vorhanden ist. Die östlichen preußi- schen Provinzen empfinden in ihrer vorwiegend landwirth- schaftlichen Thätigkeit den Druck der überseeischen Konkurrenz natürlich am schwersten. Freilich wird ein Theil der Bänke- rotte auch auf die Rechnung der ZuckerkrifiS geschrieben werden müssen, wie daS besonders aus den Zahlen für die Zucker prooinz Sachsen hervorgeht. Die Lage der deutschen Seeleute. Die Frage, was Diejenigen verdienen, welche ihr Leben im Kampfe mit den unberechenbarm Wellen deS Meeres riskiren, ist namentlich in unseren Tagen, wo den maritimen Verhältnissen von allen Seiten ein lebhafteres Interesse entgegenbracht wird, oft auf- geworfen worden. Der Lohn der Seeleute, Heuer genannt, ist sehr schwankend. Die niedrigste Durchschnitisdeuer der Matrosen im letzten Dezennium wies das Jahr 1880 auf, wo nur 47 M. pro Monat gezahlt wurden; im Jahre 1876 wurde der verhältnißmäßig höchste Lohn, nämlich 62 Mk. gezahlt und in diesem Jahre rechnet man einen Durchschnitt von 51—52 Mk. aus. Selbstverständlich find dabei Essen und Wohnen ftei. Ist dieser Lohn hoch bemessen oder zu niedrig? Wer nur irgend mit den Verhältnissen vertraut ist, muß zugeben, daß dieses Aequivalent, namentlich in Anbetracht der mit dem Be- rufe verbundenen Gefahren, ein sehr niedriges ist; allein andererseits find die deutschen Schiffseigner, wenn fie fich nicht selbst Schaden zufügen wollen, bei den gedrückten Fracht- preisen in der Kauffahrtei gar nicht im Stande, mehr Lohn zu geben. Die Folge davon ist, daß viele deutsche Seeleute, wie auch das retchsstatistische Amt dieser Tage hervorhob, de- sertiren— belief fich doch die Zahl der Deserteure im letzten Jahre auf 3000! In nichtdeutschen Häfen find die Heuern stets erheblich höher. Ja, um nichts unerwähnt zu lassen, viele Matrosen ziehen vor, zur Marine überzugehen, da die Löhne bei derselben keineswegs so ungünstig find. Alle diese Argu- mente lassen am deutlichsten erkennen, daß in unserer Kauf- fahrt« fich Mißstände eingeschlichen haben, deren Beseitigung dringend zu wünschen ist. Das Wichtigste für die gedeihliche Entwickelung unseres Seewesens wird immer die Heranbildung und Erhaltung eines guten Matrosenstandes sein. Ein amt- licheS Stellen- Vermittlungebureau für Matrosen würde inso« fern von sehr heilsamen Einflüsse sein, als durch dasselbe ein jeweiliger Mintmallohn ohne Weiteres bekannt und ein Miß- brauch der Arbeitskräfte leicht ausgeschlossen wird. Aufruf a« alle Kommunalwähler der südöstliche« Louiseustadt. In Verfolg des Austrages der Kommunal- Wählerversammlung, welche vor einiger Zell in Sachen der Ue bernahme reip. Errichtung von Sanitätswachen durch die Kommune in Sanssouci, Kottbuscrstr. 4 a, tagte, macht daS unterzeichnete Komstee hiermit bekannt, daß zum Dienstag, den 24. Februar, Abends 8V- Uhr, in der Urania, Wrangelstraße Nr. 9—10, eine weitere Versammlung in der obigen Sache einberufen wird, um die von den an der vorigen Versamm- lung Bethelligtcn gesammelten Unterschriften zu einer Petition an den Magistrat entgegenzunehmen resp. weiter in dieser Sache zu derathen. DaS nnterzeichnete Komitee erläßt hiermit an alle Kommunalwähler der südöstlichen Louisenstadt die Auf- forderung, eingedenk ihreS Versprechens, bis zur nächsten Ver« sammlung noch überall da, wo es bisher nicht geschehen ist, Unterschriften für diese so hochwichtige Petition zu sammeln, und zwar derart, daß man einen gewöhnlichen weißen Bogen Papier nimmt, denselben in drei Rubriken nach Name, Stand und Wohnung theilt und dann denselben in seinem Hause zirkuliren läßt.— Versäume Niemand, in dieser Sache seine Pflicht zu thun, denn es handelt fich um Abstellung eines längst empfundenen Nothstandes, welcher in den breitesten Schichten der Bevölkerung, namentlich in der Arbeiterwelt schon seit langer Zeit tief empfunden wird. Lasse fich Nie- mand die Mühe verdrießen, sondern sorge Jedermann dafür, daß seine Hausgenossen ihren Namen unter die Petition setzm. Es wird die Abhilfe in diesem Punfte von den segensreichsten Folgen fein; Denn wie dies auch in der Petition ausdrücklich hervorgehoben ist,(dieselbe wurde vor einiger Zeit auch im „B-rliner Volksblatt" veröffentlicht) ist eS dem armen Manne bei den jetzigen Umständen, namentlich in der Nacht, wenn der Armenarzt nicht zu haben ist, absolut unmöglich, fich ärzt- liche Hilfe zu verschaffen. Aber auch selbst am Tage muß der- jenige, welcher über keine Baarmittel verfügt(und dieS ist ein großer Prozentsatz unserer Mitbürger) die beste Zeit, welche vielleicht über Leben und Tod des Kranken entscheidet, dazu verwenden, um fich das Armenattest u. s. w. zu beschaffen. Aber auch für die besser fitutirten Klassen ist die Errichtung von SanttätSwachen, wo man zu jeder Zeit, bei Tag und Nacht, unentgeltliche ärzliche Hilfe erhalten kann von der größten Wichtigkeit, denn eS ist unter Umständen für jeden Einzelnen schwieng, bei Unglücksfällen u. dergl. einen Arzt mit der nöthigen Echnelligkett zn beschaffen. Deshalb hat ein Jeder das größte Interesse, dafür zu sorgen, daß die Petstion mit taufenden von Unterschriften bedeckt werde.— Thue also Jeder seine Pflicht und besuche mit dem Resultat seiner Arbeil die am Dienstag, den 24. Februar in der„Urania", Wrangelstr. 9/10 tagende Kommunal- Wählelversammlung. Robert Herzfeld, Richard Lehmann, Gottsried Schulz, Fritz Zubell. Wereive unä Persammluugeu. In der Sitzung des Vereins zur Wahrung der Ju« teresscu der Tischler» welche am 16. o. M. starrfanv, behandelte Herr Schräge das Thema:„Wie verhält sich der Verein gemaßrcgeltcn Mitgliedern gegenüber." Referent heb hervor, daß man eS fich in einzelnen Kreisen der Großfabrikanten sehr angelegen sein läßt, die Produkte auf Kosten der Arbeiter dtl« liger beizustellen, trotzdem man angeblich überall bemüht ist, die gedrückten Lohnverhällnisse der Arbeiter aufzubessern. Ver- anlaffung zu der heutigen Verhandlung gab der Fall, daß in der Piano-Fabrik von Weidenslaufer ein neu eingestellter Werkmeister rhm mißliebige Arbeiter entfernte, trotzdem die« selben längere Zeit in der Fabrik thätig waren. Auffälliger Weise waren dieselben gleich darauf bei anderen Fabrikanten gekennzeichnet. Redner legte es dem Verein anS Herz, für die gemaßregelten Mitglieder energisch einzutreten und legte fol« geride Resolution vor:„Die heute tagende Versammlung des Vereins nimmt davon Kenntniß, daß, trotzdem man allseitig bemüht ist, die gedrückten Lohnverhältniffe aufzubessern, vielfach größere Fabrikanten darauf hinwirken, die Arbeitslöhne herunter zu drücken. Es wird betont, daß namentlich Mit- glieder deS Bundes deutscher Pianoforte« Fabrikanten solche Kollegen, welche hiergegen remonstriren. entlassen und dafür Sorge tragen, daß dieselben im Kreise der Bundesmitglieder nicht so leicht Arbeit finden Der Verein beschließt, solchen gemaßregelten Kollegen zur Seite zu stehm und nach besten Kräften zu unterstützen", welche einstimmig angenommen und beschlossen wurde, in vorliegendem Falle pro Woche 9 Mk. Unterstützung zu gewähren. Im Verein der Einsetzer Berlins(Tischler), n# am Sonntag Vormittag in Kellers Lokal, Andreassiraße, t# sprach Herr Schonberg in einem längeren Vortrage üd»» Ziele des Vereins. Auch sprach fich Referent über den S® Verein dahin aus, daß eine Einigung beider Vereine nW' erzielen wäre, Nach einer lebhaften Diskusston, an welrber namentlich die Herren Hmkel und Machhatzky bethttW� wurde folgende Resolution mit großer Majorität angenoma!«' „Die beute am 15 Februar in Keller's Lokal tagende oss'w liche Einsetzer-Versammlung Berlins und Umgegend ej» sich mit dem Referenten, welcher die Ziele des Vereins Einsetzer(Tischler) erläuterte, voll und ganz einverstanden, u'' wünscht, daß jeder Einsetzer fich dem Verein anschließt M erklärt fich die Versammlung gegen den S.-W.-Vere!n, derselbe die Interessen der Einsetzer nicht voll und gan)" vertreten im Stande ist.- Die nächste Mitglieder- Ler,-� lung findet Sonntag, den 22. Februar, im Veretnslolal, W marktstraße 8, statt. Die Tagesordnung wird in der V' sammlung bekannt gemacht. Um recht zahlreiches E'�T, der Kollegen wird ersucht. Neue Mitglieder werdend"' nommen. Gäste willkommen. Berel« der Jmpfgegner. Freitag, den 20 3% d- IS., Abends 8 Uhr, findet in Rothacker's Restaurant, 1 towerstraße 3 und Belle-Alliancestraße 5, eine gwße öffa>»� Versammlung der Jmpfgegner statt. Tagesordnung: J'/'j trag über das Thrma„Wesen der Impfung". Rest'? Herr Dr. Sturm. 2. Diekusston. 3. Fragelasten. Huren# Damen haben Zutritt. WermteeKtesi.. Ein Manu der Feder und ein Mann der Th°t"„ dieser doppelten Gestalt präsentirt fich uns, wenn nW ,5 Lebensgang überschauen, Jules Balles, der am„„j verstorbene Chefredakteur des radikalen„Cri du peu?» ehemalige Kommunard. Keine sehr sympathische Persfa® schreibt der„B. B.-C.", aber eine Erscheinung, welche 0%� großen Haufen seiner Streit- und Leidensgefährten ßf L ausragt und wohl werth ist, daß man ihrer nicht blas«J jV, kurzen Zeitungsnotiz gedenkt. Wie der produktive und W Journalist in zahlreichen Artikeln für Dasjenige, was er Ideen nannte, mit der ihm eigenen Leidenschaftlichkeit Schranken trat, so zögerte er auch keinen Augenblick, !-e»inrentllu,ci> ver-s reger varzuorcirn. Jules# ich als Proletarier und defand fich unter Proletarier� seinem wahren Element; er hat alle Entbehrungen#1 j müthigungen der Armuth erfahren und war daher aua A berufen, im Namen der Armen und Elenden das U zu reden. Und doch gab es eine Zeit in seinem � wo ein Goldstrom durch seine Börse floß, wo er an ÜM7 setzter Tafel speiste und alle Annehmlichkeiten und VorziW. ReichihumS genoß. Als dies Intermezzo jedoch zu Enve n fand der Sybarit vor wenig Monaten fich rasch in seW I Lage des vom Tage in den Tag lebenden Publizisten M Jules Balles war am 16. Juni 1833 in Puy(DeparlA Haut Loire) geboren und hat somit ein Älter von fünfzig Jahren erreicht. Schon in früher Jugend»an auf die Politik; als blutjunger Rechtsstudent zog er fi« � Anklage wegen Theilnahme an einer republikanisches � schwörung zu und saß auch einige Zeit in MazaS gf'iV Der Freihiit zurückgegeben, wendete er fich der Journal wurde Mitarbeiter an der„Revue Europeenne" und% „Epoque" und gründete im Jahre 1867 ein Wochendlsd � m Rue", daS acht Monate darauf wegen eines Artikels- vielverheißenden lieber schrift„CochonS venduS" ji« wurde. Er hatte fich nun hinlänglich ausgezeichnet, T.vsi Aufmerksamkeit deS Herrn v. Villemeffant, des � des„Figaro", auf fich zu ziehen, und wurde v°k findigen Zeitungs- Unternehmer für daS genannte.,., akquirirt. Die Persönlichkeit des jungen konnte dem jovialen Villemeffant nrcht gerade dieser liebte ledhaste, muntere, umgängliche Lmte, Jules aber trug ein ernstes, beinahe finsteres Wesen zur Aber die kräftige Sprache, die originellen Einfälle j- z Vallös zogen Herrn von Villemeffant an. Bezeichne j Balles, und den künftigen Kommunard, der Paris n» i brennen half(?), ahnen lassend, waren leine LorschMjl Regenerirung der Literatur. Balles erblickte die vorn»«, Ursache für den Verfall der Literatur in dem Kultus v»/ gangenheit; er verlangte also, daß man alle Bibliothe'»� brennen und insbesondere mit den alten Klassikern, voran � Vater Homer, aufräumen sollte. Von dem Einfluß b»/ Schriftsteller defreit, würde die Literatur zu neuem Lebens, Frische, neuem Schwünge gelangen. In einer solche» glaubte Herr von Villemissant eine besonders werthvoue � zu gewinnen, er engagirte ihn gegen ein JahreSgeha' � 30 000 FrcS. mit der Verpflichtung, täglich eine Chronic � schreiben für daS„Eoenement", dessen Eigenthümer H�A Villemeffant damals war. Damals trat jene Epoche t» � ValleS Leben ein, von der wir oben gesprochen habe» bald kam Villemeffant zu der Einficht, daß er fich in seine» Redakteur getäuscht hatte. Julei Balles besaß zwar ei» unbedeutendes Talent, aber keineswegs die Vtell�,.� Elastizität und Eleganz, welche gerade von dem verlangt werden. AuS der Mitte des Abonnenten, regnete es Ausstellungen, und Villemeffant mußte dar« dacht nehmen. daS Verhättniß zu lösen. Er schickte also Wolff zu Jules Balles mtt dem Annbieten, daß �er � P JahreSgehalt von 20000 Franks zahlen wolle für fettigung von nur drei Artikeln die Woche. Jule» hörte die Offerte an, ohne mit der Wimper zu zu» i ysi antwortete sehr kaltblütig:„Ich habe mein Leben,- Fuße eines Einkommens von 30000 Franks eingeri« e verweigere jede Konzession." Nach einigen weitern>. Handlungen lenkte er indeß doch ein. Er trat von der# zurück, schrieb für Villemeffant einen Roman und erh g den Rest des JahresgehaltS. Albert Wolff ab-r Nachfolger als Chronrqueur... Viel ist über die 1 ValleS' nach der Niederwerfung deS Kommune,, geschrieben worden. Der wahre Sachverhall"gL Als die Barrikade, welche Balles bis zum letzten„ vertheidigt hatte, genommen war, flüchtete er sich M �e dem Quartier lattn, wo er während der naebstni Hüpital de laPitic Krankenwärterdienste versah. DreJ richteten derweil, daß er gefallen wäre, einzelne wollten ws daß er hingerichtet sei. Thatsache ist, daß man erne ten füfilirte, den man für ValleS hielt, und derM., leren allerdings viel Aehnlichkeit besaß. AuS de« Ml% la PitiS begab fich Jules Ballöz nach dem Gros Eaillon, wo er fünf Monate in der Erzs«* CT*------— Bedienten verblieb, ohne erkannt zu werden, ia oh mindeste Argwohn gegen ihn rege ward. Endtiw, � ihm ein treuer Freund einen Paß, mit dem er hernach England erreichte, daß er erst� nach der Verantwortlicher Redakteur ft. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar»adtng in Berlin sw., Beuthstraße 2. der Amnestie verließ. Er litt in der Verbannung Roth, denn die Korresvondmzm, mit denen er% Französische Blätter versah, wurden ihm gut be» �ttk?» Schroffheit seines Wesens, die Exzentrizität stiner aber wurden durch daS Exil nicht gemildert. Der schen Berufe gab er er sich noch biS in die Lebens mit großer Liebe hin. Noch wenige Aug seinem Hinscheiden erkundigte er fich nach fe«* ß „DaS ist ein Kind, welches ich hinterlasse", sagto' pfehle es Euch I"__-"T VtV* Hier»» eiae schreibt (iliw{II MMt. Rr. 42, Donnerstag, den 19. Februar 1885. II. Jahrgang. Iltber die häuslichen Folgen der Frauenarbeit !chttibt uns„ein Aibiiterfreund": v. Sebet Arbeiter wird wissen, wieviel weiter er mit seinem nicht, wenn eine tüchtige Frau ihm zu Hause die Wirth- i,?!' besorgt Die Frau verwandelt durch ihre Hausarbeit «ta k• Seringen Geld lohn in einen höheren Sachlohn, tok, allgemeiner gewerblicher Frauenarbeit. Da die Lohn» CT', soweit die unabweisbaren körperlichen Bedürfniffe be« |M find' nur durch den Widerstand gegen Herabdrückung schalten wird, welchen die Empfindung oder Vorstellung Ä Entbehrung hervorruft, da die Lohngrenze des ehernen Mg'setzes keine feste Schranke ist, sondern nur die srbwan- P? �nie, an welcher ein hin und her drär genden Kampf, Mal und Arbeit ringen, so ist die Ausbildung des haus- Zin EinncS und die Erweckung des BedürfniffeS für häus- Ordnung und Behaglichkeit bei der Frau eine wesentliche j�ttabr für Erhaltung höheren Sachlohns, gegen Erniedrigung � Lebenshaltung. weithvoll das Wirken der Frau im Hause ist, kann i,,. aus der gründlichen Untcrsuchuug von Alphons Thun, m- als Professor der Volkswirthschaft in Freiburg 0 g,'st, über„die Industrie am Niederrhein und Aibciter" allgemein vai legem Derselbe schildert »ikisi'"avtgin ZvemeDe von felvNltanvrgen Vchmieoe- s>ii> auf den Höfen in o rern,elten Häusern angesiedelt «l,! i",«ia'ner Werkstättc Sensen. �' bm Mwaaren erzeugt. Es ist E WW,---------..... Mdchen in reicheren Familien einige Jahre dienen, mehr Feilen und andere grobe Es ist Sitte, daß die heranwachsen- Vit Ul i�u;cvrn?yuaimcii cm ige\)u�ic oh ut«, incuv Abficht, die Wirthschaft zu erlernen, als Geld zu er- ton,, Frauenarbeit ist ausgeschlossen. Das hat auf das ton I, �alkslcben, auf die Sitte und auf die herrschenden An- �Mgen den tiefgehendsten Einfluß.„Das zeigt sich recht tob n bei einem Vergleiche zwischen den Remscheids Schmieden hj. aen Saai brücker Bergleuten. Auch diese wohnen auf den L,?Mstreut, haben eigene HäuSchen, ganz vortreffliche Kassen- .Äsungen und ebenso gutis(oder geringeres, d. Verf.) Ver- a wie jene. dennoch ist ihre Lage eine bei weitem un- tgeie. Das ist die Schuld ihrer Frauen. Die Bergmanns- .find zu stolz(?) fich durch Dienste in fremden Häusern S niden und werden daher schlechte Wiithinnen. Manche z" lassen ihre Männer Tag aus Tag ein mit einem Topf 5sien Kaffee und einem Stückchen Brot in die Grube q i"! andere wärmen nicht einmal das Essen, sondern stecken �««mS Sam«*!•» /? f&.ia»t»»» 'fifftelt- �ch und dann ins Bett. Sie vei stehen nicht eine to faHuii,.au*laIlunMu sllhlen und von Zahltag zu Zahltag hahJr iJ®� �ben der kaufmännischen Bevölkerung hat ychglJa."kW mit Unrecht in ein dreitägiges luxuriöses und �°uen ve� � Dasein getheilt. In guten Zeiten find die W die A�wen derisch und überbieten auf den Wochenmärkten «dr-n der Aerzte und Ingenieure, in schlechten Stn" erstehen fic aus dem kargen Verdienst nichts zu Man steht, daß eS sehr wesentlich ist. daß schon die Mäd- aicht in die Fabrik geben. Die Produklion im Hause ist »roduktion wie alle übrigen auch, welche gelernt sein .Und in einer Fabrik können die Mädchen dieselbe nicht >. TaS findet fich bestätigt an einer Stelle im ersten £ des Thun'schen Werkes, wo er die Verhältnisse in der ».Jchdiistrie von Aachen behandelt. Dort ist es sehr ge- ftp. daß Fabrikmädchen in großer Jugend ebenso jugend- Arbeiter heiralhen. Die Folgen lesen Sic auf Seite 68. tobt» Ehepaar versteht in der Regel von der Haushaltung L/ Und führt die lüderlichste Wirthschaft. Hat doch die Kinder- und Mädchenjahre an der Spul- und jLJJfiwschine zugebracht, so daß die Kür sie deS Nähens und Wt« 8 thr völlig fremd geblieben find. Selbst wenn tot, Geldmittel ihr zur Verfügung stehm, ist fie «rnt.�'ande, dem Mann mehr zu bieten ali Kaffeewasser, lltln J- 1. i Vv r». fT 4 Qn»»»»»»»«f Zauberin, die Red.), die Unheilvolles zusammen- Me ein. brr ist eS gekommen, daß selbst während dei Glanz- . deS letzten Jahrzehnts) zahlreiche solcher Arbeiter« berliner Aonntagsjäger. !V. 8o|A kin eigen Ding um so einen Berliner EonntagS- M-erli� heroischen Erscheinungen der Residenz zählt er t()ler' Weit eher geht eS ihm wre dem bekannten Salon- «°n j-'k�fi lacht ihn au«. Mehr wie im realen Leben hat er ftlni.i.dtr in Kunst und Literatur eine bemerkenSwerthe Rollt �"-' nrr» Vi t_w— A---. f-J-X . Si- mliiT t)te< Jäger wohl auf die Birsch, ZWWSWi» Enten. �Qi,"SIeuttn unserer Metropole: Kam. OWAHMM ä!" MkL öruetiohr Unb Kartoffelland, Schutz vor dem feind- Melnk baß der«!"- fu$tn- Man kann Zehn gegen Eins �»er �onnei,,? llvm bleibt und dem grimmen Manne Äie'.,bas ist. �weist. Rur Einer fürchtet den Sonntags. % ttÄ Ä'Äll Ä" srr«rbÄir ä SÄt äs a ul% ftin. Dabei soll man auch nicht den Humor zu ernähren und in denselben dumpfen Löchern zu wohnen. Bei solcher Lebensweise ergab fich dann am Ende der Woche natürlich ein großer Ueberschuß, und gew. hat, den Wochen- verdienst auch in der Woche auszugeben, verthat der Arbeiter den ganzen Mehrerwerb am Sonntag und Montag. Bei Leuten solchen Schlages war von einer Erhöhung der Lebenshaltung keine Rede, und bei der Arbeitslostgk.it und Lohnerniedrigung haben fie zwar zahlreiche momentane Vergnügungen, nicht aber eine geistig, fittlich und sozial höher stehende Lebenshaltung eingebüßt." Wenn auch die zuletzt geschilderte Art der Verschwendung nicht allgemein war,— Alphons Thun berichtet selbst, daß ein Stamm älterer Arbeiter solidere Wirthschaft gesührt hat— so zeigt fich doch aus der Beobachtung, wie sehr die Fabrik- arbeit der Frauen die Ursache ist, wenn der an fich geringe Geldlohn fich in noch weniger Sachlohn umsetzt, als es ohne die Frauenarbeit der Fall sein würde und daß selbst bei Zeiten hohen Lohnes die Frauenarbeit die Schuld trägt, wenn mit der größeren Geldeinnahme nicht die entsprechende Erhöhung des Lebensunterhaltes verbunden wird. Angefichts solcher Zustände ist es natürlich, daß AlphonS Thun bei der Betrachtung der ganz entgegengesetzten Verhält- nisse bei Remscheid in eine Art dichterische Begeisterung ver- setzt wird. Er sagt:„Einstweilen gehören oben auf den Bergen die Frau und die Tochter in die Familie, an den Herd, in das Haus und verstehen rs trefflich zu verwalten. DaS ist eine enlscheidende soziale und wirthschaftliche That- fache- Darauf beruht das wunderbare Geheimniß, daß der Schmied mit dem geringen Verdienst verhältnißmäßig besser zu leben vermag, als ein anderer Arbeiter in gleicher Lage. Sein Weib, ein echtes deutsches Weib, wie es die Dichter de- fingen, ist es, welches hauszuhalten versteht mit dem Wenigen und durch kluges Zurathehalten ihm doch noch ein« leidliche Existenz bereitet. Euer Weib, ihr Schmiede auf den Bergen, ist der ficherste Hort Eurer Selbstständigkeit, Eures Glückes!" Solche häusliche Verhältnisse wieder herbeizuführen, wo fie verschwunden find, und zu erhalten, wo fie zu verschwinden drohen, muß'daS erste Bestreben jedes volkSwirth- schafrlich gebildeten Politikers sein. Auch der von mir mehr- fach angezogene Nationalökonom ist bemüht, die schädlichen Folgen der Frauenarbeit von der Familie abzuhalten. Auch in der Remscheider Gegend zieht der Fabrikdetrieb ein, gefolgt von den Schatten der Eigentbums- und Famtlienlofigkeit. „Mit dem Untergang der alten Betriebsformen der Industrie tritt uns auch hier die Auflösung der früheren Eigenthums- Verhältnisse und der Verfall des Familienlebens entgegen! je mehr aus Rücksichten der Technik, der Fabrikdetrieb um fich greifen wird und muß, desto dringender wird die Pflicht der denkenden und wohlwollenden Männer aus Rücksichten der Sittlichkeit einmal von Anfang an auf eine gesunde Ordnung der Zustände zu stnnen." Dolitiscke Uebersiekt. Zur Förderung der Zivilisation wird nunmehr auch Rußland sich in das kolonialpolitische Fahrwasser begeben. Es klingt zwar wie Hohn, wenn die Russen sich auf die Zioili- satian berufen, aber nichts destoweniger halten fie fich für be- rechtigt, dieses Stichwort als Deckmantel für die Uebertragung der Knuten. Kultur auf andere Völker zu benutzen. Gegen- wältig ist man bereits auf der Suche nach einem geeigneten Annexions. Objekt und„Suchet so werdet Ihr finden� heißt eS b-kanritlich; ficherlich wird es also nicht lange währen bis das übrige Europa von russtschen Heldenthaten und Befitzergreifungen Kenntniß erhält. Zur BtSmarckspende erhält die ultcamontane„Trier'« Landes-Zeit." aus Louisenthal folgende Nachricht:„In der verflossenen Woche wurde hier den Bergleuten bekannt ge- macht, daß jeder von ihnen sein Scherflein zu der Bismarck- spende beitragen möge, wie dies ja auch an anderen Orten ge- schehe. Wer den kleinen Betrag von 20 Pf. fich nicht vom Lohne abziehen lassen wolle, der sollt« fich auf dem Bureau bei dem betreffenden Abtheilungssteiger melden. Welcher Berg. mann wollte da dies«„Bitte" nicht Gehör schenken? Auf diese Weise wird, da auf hiesiger Grube ca. 3000 Arbeiter beschäftigt find, die hübsche Summe von 600 Marl«ziell werden." Auch die Tragik wirft manchmal ihre düsteren Schatten darüber hin, denn zuweilen kommt es vor, daß d« Hund der einzig Ueberlebende d« fröhlichen Jagdpartie bleibt, weil der Nachbar vom angrenzenden Jagdgebiete seinen Herrn auf dem Anstand mit wohlgezieltem Schuß anstandloS in die ewigen Jagdgründe hinüber beförderte. Solchen Scharf- schützen ist dann gewöhnlich die Lust am heiteren Weivwerk für alle Zeiten gründlich genommen. Gericht und Gewissen sorgen schon dafür. Daß d« Berlin« Sonntagsjäger schon längst fich nicht mehr engherzig an den siebenten Tag der Woche bindet, dem Gel hier, was da k-eucht und fleucht, den bitt«bösen Krieg anzusagen, darf als bekannt vorausgesetzt werden. WaS ihn aber überhaupt dieser Blutardeit in die Arme treibt, ist schw« zu sagen. Natürliche Anlagen, wie Ruhe und Treffficherheit, find es kein-SfallS. Auch nicht etwa ein veihängnißvoller Zug zum Romantisch-Abenteuerlichen. Diese Herren, die immer so satt, so still- vergnügt ausschauen, haben wohl kaum in ihrer Jugend den„Robinson",„Pfadfinder" oder„Waldläuftt" verschlungen, um dann nach der Lettüre die verwegenste Kolonialpolitik und tollsten AuswanderungS- pläne im Wachen und im Traume zu verfolgen. Schwerlich! Auch hier spielt die Mode mit. Wie es heut zu Tage bei den Berliner Bäck«- und Echlächterhono- rattoren»um guten Ton gehört, ein Klavier zu besitzen, jeden Winter einmal, mit bellen Handschuhen und noch hellerer Weste,«in Wohlthätigkeittkonzert im Bezirk zu beehren, so ge- Hütt eS auch in jener unbeneideten Schicht unserer befitzenden Bürgerschaft, die durch Fleiß, Tüchtigkeit und Glück vom Keller zur„Beletage", vom Hausknecht zum Hauswirth avanzirt ist, zur guten Sitte, ein paar Meilen von Berlin, im Vttein mit einigen gleich gestimmten und treugesinnten Freunden, ein fand- und hasenfteies Jagdterrain zu pachten, um nun dort nach Herzenslust ein Loch nach dem anderen in die Luft zu schießen. DaS„Böcke schießen" beginnt dann gewöhnlich erst nach erfolgt« Rückkehr, wenn die Erregung der letzten Helden« thaten das Denken noch ganz erfüllt._ Die Kostumirung des Berliner Sonntagsjägers ist tadel- los, stilvoll und den vielseitigen Anforderungen, welche die moderne Jagd an ihre Jllng« heute stellt, angemessen. Vom Wirbel biS zur Zehe ein vollendetes Ganze. Anzug, Waffen, Fed« am Hut, gewichste Bartspltzen, die gefüllte Feldflasche, der martialische Blick— nichts sehll— nur die Kunst des FrK«4Vsich. Ein Telegramm der„Agence Havas" aus Shanghai be- stätigt, daß ein Kampf zwischen den franzöfischen und chinesi- schen Kriegsschiffen stattgefunden hat. Zwei chinesische S bisse wurden du ch die französischen Torpedoboote in den Grund gebohrt, während eS drei andern gelang, unter dem Schutze eines dichten Nebels zu entkommen.— Im Vienne Depaite« ment fand für den verstorbenen Senator Pelletan die Ersatz- wähl statt, bei welch« dn bonarpartrstische Kandidat Beau« champ gegen den republikanischen Kandidaten gewählt wurde. Großbritannien. D« Kampf um die B e u t e hat bereits begonnen; nämlich der Kampf um die Länder, welche fich nugenblickiich noch zwischen den russischen und englischen Besitzungen in Asien befinden. Die Nachricht, daß dle Russen gegen H e r a t marschiren, ist zwar unrichtig aber vielleicht nur verfrüht, denn seit zehn Tagen befindet fich bereits ein sog. russischer Grcnzkommissar Namens Lessar in London, um den giöß«en Theil der streiti. gen Länder für Rußland zu reklamircn. Uebcr seine Misston berichteten die„TimeS" folgendermaßen:„Die Russen sagen: „Wir nehmen die Turkmenen und Ihr die Afghanen. Laßt uns die Grenzregulirungslommission tnstruireri, erne Grenzlinie zu ziehen, die so weit wie möglich von den letzten Turkmenen und nördlich von den ersten Afghanen laufen wird. Doch müssen bei dem Entwurf dieser Grenzlinie ökonomische Be- dingungen berücksichtigt werden. Die Salor- Turkmenen, die zu uns gehören, haben von jeher die fruchtbaren Wiesengründe südlich von SarakS und nördlich von dem Bergrücken, d r die einzige zu vertheidigende Grenze von Herat bildet, als Weiden benützt. Aus dieser Region beziehen fie auch daS Salz, ohne welches sie nicht leben können. Wenn Frieden an der afgha- nischen Grenze sein soll, dann müssen uns«e turkmenischen Untertbanen ihre Weidegründe und Salzlager behalten. Wir lassen Afghanistan alle strategischen Vortheile, darunter beide Ausgänge sämmtltcher Pässe. Wir verlangen für die Türk- menen nur die Ländneien, ohne die sie nicht leben können. Die„Times" erklären, die Misston sei von vornherein als m'ß- lungen zu betrachten.„Pall Mall Gazette" aber spricht sich günstig über den Vorschlag aus, demzufolge die russische Grenze noch 16 deutsche Meilen weit von Herat und 12 deutsche Meilen von der ersten Position entfernt bliebe, welche der Ver- theidig« HeratS einzunehmen hätte.— Aller Voraussicht nach werden sich„John Bull" und der„Koloß auf thönernen Füßm" schließlich doch in die Haare gerathen; jeder will daS Beste haben deshalb geht es in der Regel nicht ohne die übliche Rauferei ab. Egypten. Bei Suakin find vorgeschobene Schanzen«richtet worden, unter deren Schutz der Eisenbahnbau beginnen soll. Eingeborene Spione berichten, daß auch im Lager O sman D i g m a's große Thätigkert herrscht. Eine Anzahl seiner Leute ist damit beschäftigt, Schanzen und Brustwehren aufzuwerten und Schießgräden anzulegen. Selbst die Frauen werden be- waffnet und etnexerzirt, und jede denkbare Vorbereitung wird getroffen, um dem britischen Vorrücken den hartnäckigsten Widerstand zu leisten.— General W o l s e l e y meldet auS K o r t t, am 13. sei ein B e r w u n d e t e n t r a n S p o r t, der sich auf dem Wege nach Metammeh befand, von Aufständischen aus Khartum angegriffen worden, der Feind habe sich nach andetthalbstündigem Kampfe zurückgezogen, als das leichte, mit Kameelen berittene K ups auf dem Kampfplatze erschienen sei, die englischen Truppen hätten in dem Grfechte einen Todten und fünf Verwundete gehabt. DaS Telegramm lautet einiger- maßen unvnständlich, und man muß Aufklärung durch ein« korrekt« gefaßte Meldung abwarten. — Das Vv' gehen Italiens am rothen Meere hat den Sultan zu dem Entschluß veranlaßt, 2000 Mann nach dorthin zu senden, um dem vor einiger Zeit erfolgten papierenen Pro- teste mehr Nachdruck zu geben. Entschluß und Ausführung find aber zwei verschiedene Dinge und da der kranke Mann schon oft Beschlüsse gefaßt hat, ohne dieselben auszuführen, so wird es auch wohl dieseSmal so sein. DarlameuwnBckes. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags beantragt, die Wahl deS Abg. Anloine(Metz) für gtltig zu «klären und bezüglich der Wahl des Abg. Zeitz(Meiningen l.) Treffens. Und daS bleibt schließlich auch Nebensache. Man trinkt, man ißt. man trinkt wted«. man trinkt noch oft und sehr viel und schwört St. Hubertus den Diensteid auf Lebenszeit. Ein« fühlt fich im Anv«en. Der Anblick des bis an die Zähne bewaffneten Freundes erfüllt die eigene Seele mit einem Schimmer von heroischer Größe. Keiner glaubt dem Anveren, aber Jeder heuchelt die unbändigste, schrankenloseste Vertrauensseligkeit, sobalv d« Freund, W'hr» heit und Dichtung innig»«wählend, eine jene unverwüst- lichcn, tausendmal gehörten, tausendmal«logenen Jagdschnurren herauShatpelt. Dabei kann man eigentlich nicht behaupten, daß der Sonntagsjäger mit der Unwahrheit ein sträfliches Ver- hältniß führte. Wenigstens so lange entschieden nicht, als er sich in seiner eigenen Gesellschaft nur brfindet. Im Koupe« deS Eisenbahnwagens zurückgelehnt, raucht er eine Zigarre nach der anderen, gähnt dazwischen und schläft endlich ein, eine Be« schäftigung, welcher sein Hund mit natürlichem Nachathmungs- triebe fich nun ebenfalls hingiebt. Nur in Gemeinschaft mit anderen Weidgenossen tritt daS Laster der Vervunkelung von Thatsachen heftig auf.— Wer oftmals in solcher Gesellschaft durch die märkische Streusandbüchse gefahren ist, wird auch mit der Zeit in dem Schlafe des Hundes deutliche Unterschiede seiner seelischen Regungen herausfühlen. Etwas von der Kuntt des Gedankenlesens überkommt einem dabei. Ein Hund, der fich während des Schlafes unruhig geberdet, weist deutlich darauf hin, daß die Jagvpartie erst de- ginnen soll. Der Eisendahnwaggon wird ihm zur schwarzen Zelle. Die Todesfurcht der nächsten Stunden wirft bereirS unheimliche Schatten auf sein lebensfrohes Ge- müth. Anders, wenn es Heimgeht. Ein kräftiges, behagliches Schnarchen bekundet uns schon b.im Eintritt, daß AlleS vor- bei, daß H«r und Hund und Wild glücklich aller Gefahr ent. rönnen find. Die Hasenlöffel, welche auS der Jagdtasche neu- jziedj� lugen, haben dem Flintenknall deS Besitzers nie ge- Alte Jungfern und Sonntagsjäger genießen, wie bekannt, bei allen Bahnen die Vergünstigung, ihre vierbeinigen Schütz- linge mit in daS Koupee nehmen zu dürfen, hier unter die Bank, dort in den Schooß, wobei denn zuwellen die seltkarn- stm Dinge sich sckion zugetragen haben sollen. Jeder Schaffner respektirt dies Ausnahmegesetz. Man zeigt daS Hunvebillet vor, ein Schluck aus der stoffreichen Flasche, ein verstohlen«, verdimstvoller Händedruck, und Nero oder Lola sind geborgen die berzoglich'Meiningensche Regierung aufzufordern, über die angeblich rorgekommenen Wahldeetnflufsungen durch Beamte mittelst eidlicher Vernehmung der in den Wahlprotesten ge- nannten Zeugen Erhebungen anzustellen und dem Reichstage die erhattene Auskunft mittheilen zu wollen. Deutscher Reichstag. 52. Sitzung vom 13. Februar, 2 Uhr. Am Tische des Bundesraths! Lucius, Bronsart, von Schellendorf, v. Burchard. An Stelle dcS Prinzen zu Carola th wird der Abg. von Kulmiz durch Akklamation zum Schriftführer gewählt, worouf die Beraihung über den Anttag B r o e m e l, die Erhöhung des Roggenzolles erst nach Ablauf des Handelsvertrages mit Spanien(30. Juni 1887) in Kraft treten zu lasten, fort- gesetzt wird. Abg. Stiller erklätt die Annahme des Antrages nach Erhöhung des RoggcnzolleS auf 3 M. für unerläßlich, da der Differenzialzoll die Müllerei in ganzen Provinzen schwer schä- digen würde, besonders im Gebiet der Ostseehäfen, die auf den Import von rusfischem und dänischen Roggen ange- wiesen find. Staatssekretär v. B ur ch ard bittet, den Anttag abzu- lehnen. Differenzialzöll« find durchaus nichts Ungewöhnliches; Spanien, Frankreich, Oesterreich, Italien, selbst die Schweiz find aus praktischen Rückstchlen dazu übergegangen. Die Mühle nindustrie prosperirt im Allgemeinen trotz der 1879 aus- gesprochenen Befürchtungen. Diese werden auch jetzt nicht eintreffen. v � Nachdem noch der Abg. U h d e n fich gegen den Anttag Broemel ausgesprochen, wiid derselbe mit Majorität ab- gelehnt. Darauf wird die zweite Beraihung deS§ 2 Nr. 5 der Zolltarifnovelle fortgesetzt: Hafer 2 M.„Die fiele Vereinigung"(v. Schorlemer-Älst, v. Kardorff und Genossen) beantragt, den bisherigen Haferzoll von 1 M. pro Doppelzentner aufrecht zu erhalten. Abg. von Wedell-Malckow erklätt fich für den höheren Haferzoll im Sinne der Vorlage, die alle Zerealien wirksam schützen will. Abg. Graf H o l st e i n erklärt fich dagegen für Beibehal- tung dcS Zolls von 1 M., im besonderen Interesse Schleswig- Holsteins. Bundes kommiffar, Landesökonomierath Thiel bittet bei der Vorlage zu bleiben. Wenn irgendwo, so handelt es fich hier um einen rein landwtrthschaftltchen Schutzzoll. Nur der Roggen übertrifft hinfichtlich der Äckerfläche, die er bedeckt, den Hafer. Auch kann unzweifelhaft der deutsche Haferbedarf voll- ständig durch den inländischen Anbau gedeckt werden. Abg. Dirichlet: Wir werden gegen die Vorlage stim- men, weil wir Gegner jeder Zollerhöhung find. Den Gründen des Grafen Holstein gegen die El höhung des HaferzolleS stehe ich rathlos gegrnübir. Ich könnte fi- nur begreifen, wenn fie von unserer Seite gemacht wären. Er behauptet, daß für den Safer der Inländer den Zoll bezahlen müsse, weil Hafer auf inzelbesttllung importirt werde. Ich weiß nicht, ob das für die engere Heimath des Herrn zutrifft, aber die Handelsbe- wegung in Hafer schlägt dlesclben Wege ein, wie in Roggen und Weizen. Man kann doch nicht den Satz, das Ausland trage den Zoll, wechseln wie ein Paar Handschuhe. Die Herren von der freien wirthschaftlichen Vereinigung, welche gegen die Vorlage stimmen, werten fich in elgenthümliches Licht nach außen hin setzen. Ich will hier nicht von Eigennutz sprechen, aber draußen könnte doch die Vorstellung, daß die Pferde ge« schont werden sollen, fich verbretten, während man eine gleiche Rückstcht auf die armen Arbeiter nicht nimmt. Jedes Argu- ment, welches Graf Holstein gegen die Erhöhung des Hafer- zollS geltend gemacht hat, spricht doppelt und dreifach gegen Erhöhung des Zolls auf Weizen und Roggen. Abg. v. Wöllwarth: Ich gebe zu, daß ein hoher Haferpreis gerade für den kleinen Bauer in Süvdeutschland von Nutzen ist; aber der Preis deS Hafers ist bei weitem nicht in dem Maße gesunken wie der Roggenpreis. Abg. v. O w tritt im Interesse deS kleinen Bauern für die Regierungsvorlage ein. Abg. Stiller bittet im Interesse der Ostseehäfen der Zollerhöhung auf Hafer nicht zuzustimmen. Die Debatte wird hierauf geschloffen. Der Antrag v. Schorlemer wird mit den Stimmen der Konservativen, des Zenttums und des größeren Thetls der Nationalliberalen angenommen Es folgt die Debatte über die Pofition„ B u ch w e i z e n". Der gegenwärtige Zoll beträgt 50 Pf.; die Vorlage will ihn auf 2 M, die freie Vereinigung auf 1 M. erhöhen. Abg. v. W e d e l l- Ma l ch o w tritt für die letztere Er- höhung ein. Landesökonomierath Thiel bittet bei der Vorlage zu bleiben. Im Interesse der Distrikt« in Hannover und SchleS- wig-Holstein, welche ausschließlich auf die Buchwcizenkultur an- gewicsen find, ist ein höherer PreiS für diesen Artikel wünschens- werth. Die Zollerhöhung hat keine Bedenken, da Buchweizen kein Nahrungsmittel für die ärmeren Volksklassen ist. Abg. Richter weist auf den Widerspruch hin, in dem fich die heutigen Erklärungen der Regierung mit ihren Auslassun» aerettet. Der Schaffner ist plötzlich von einer totalen Kurz« fichtigkeit überfallen. Leicht ist eS dann nicht, als Unbethei- ligter Einlaß in solch' ein Wigwam zu erhalten. Wenn ich, von einem märkischen Stretfzuge heimkehrend, an einem Herbstabend irgendwo den Zug nach Berlin benutzte, dann bin ich jedes Mal mit Vorliebe in«inen mit Sonntagsjägern angefüllten Wagen geklettert. Und wenn ich mir dann endlich ein schmales Plätzchen erobert hatte, und nun, gemächlich zurückgelehnr, in dem von Tabakswolken dicht umhüllten Koupee Umschau und Ueberstcht gewonnen, dann habe ich stets mit wahrhafter E: bauung und innigem Behagen den Schilderungen dieser Wtldlödter gelauscht, während der röthliche Glanz des Abend- Himmels in den Fensterscheiben flimmerte und der Zug durch die dunkelnde, stille Landschaft rollte. Das mulhmaßuch aus dem Orient herübergekommene Wort„Großartig!" muß dann gewöhnlich Spießruthen hier laufen. Großattig ist eben ein« foch Alles wieder einmal gewesen. Der Empfang im Dorfe, der Anblick des ersten Hasen, der ausgeweichte Lehmboden, die Bowle im Kruge„Zum hungrigen Woif", wie Müller nasse Füße bekam und Schulze beim vierten Frühstück mit dem jiiefernast durchbrach-- All-S, Alles war großattig. Ach, und nun gar, als plötzlich ein Rehbock mit seiner Gattin gegen Abend aus einer Schonung heraustrat, da--„Unvergeßlicher Anblick!" spricht der Böttchermeister Hildebrandt, und ein momentanes Schweigen tritt ein, als wären soeben Fische mit kleinen Gräten als Zwischengcricht aufgetragen worden. Arabeskenattig schlingt fich um jedes dieser Erlebnisse und Heldenthaten rin wahrer Legendenk, anz von Schnurren und Schnaken und lächerlich ernsthaften Ein- zelheiten, Alles begleitet von Lachen, Stauner, beifälligem Grunzen oder niederträchtigem Kopfnicken. Im Grunde glaubt ja Keiner daran.._ Der Eine stopft fich eine frische Pfeife, die natürlich trotz„Jönköpings-Säkerhete-Tändstickers" als echter Weidmann miltilst Schwamm und Feuerstein in Brand sctzt; der Ändere zählt noch einmal da» von einem Baurr lheucr erstandene ein viertel Dutzend Wildenten durch, jcheint sich aber verzählt zu haben, da er seine Bemühung mehrfach wiederholt. Ein Dritter weckt seinen Hund, und al» nun dieser mit lautem Ge- gen von 1879 befinden. Damals wurde der niedrige Zoll auf Buchweizen gerechtfertigt, weil er ein Nahrungsmittel der ärmeren Klassen sei. In der That spielt er für die Ernährung eine große Rolle in Jahren, wo die Getreide- und besonders di: Kartoffelernte mißrathen find. In Schlisten und Posen ist Buchweizengrütze ein HauptnahrungSmittel des platten Landes. Der inländische Buchweizen bau kann Ersatz nicht bieten, da er die Eigenschaften deS österreichischen und russtschen nicht besitzt. Dazu kommt, daß im Jnlanve Buchweizen nur in beschränk- tem Maße angebaut wird; die damit bebaute Fläche beläuft fich auf 200,000 Hektar, wovon die Häiste allein auf Schleswig und Hannover fällt Nun gehören aber gerade diesen Prooin- zen die Abgeordneten an, welche am wenigsten für einen Ge- tteidezoll eingetreten find. Beveficia non obtradantur. Es ist mir zweifelhaft, ob auch nur ein einziger Abgeordneter aus jenen Landestheilen für dm Roggenzoll von 3 M. gestimmt hat. Für den Weizenzoll hat nur Graf Holstein gestimmt, der in Bezug auf Hafer ebenso freihändlerisch ist wie wir. Wenn das der Fall ist, so ist es ein unglückliches Argument, im Interesse von Schleswig'Holstein und Hannover für die Erhöhung des Zolles auf Buchweizen einzutreten. Jetzt wird der ärmere Boden vorangestellt, früher war nur die Rückstcht auf den armen Menschen maßgebend. Die Erhöhung des Zolles wird euch für die Buchweizenkultur kein Interesse haben. Buch- weizen wird bei uns angebaut, um bei einem ungenügenden Ausfall der anderen Futterernte ein rasch anwachsendes Futter zu haben. Ich bitte deshalb, es bei dem bisherigen Zoll von 50 Pf. zu belassen. Die Mehrheit entscheidet fich für den Zoll von 1 M. ES folgt die Position:„Hülsenfrüchte". Die Re- gierung schlägt eine Erhöhung deS Zolls auf 2 M., die freie Vereinigung auf 1 M. vor. Abg. Witt bittet, in dem Wettrennen nach der Ver- theuerung der Lebensmittel einzuhalten vor diesem Artikel, der nach Wissenschaft und Praxis zu den intenfivsten Nahrungs« Mitteln gehört. Von Lina Morgenstern bis hinauf zu den Autoritäten auf chemischem Gebiete ist konstatirt worden, .daß der Nährunaswetth der Hülsenstüchte über dem der Kartoffeln steht und fast dem des Fleisches nahe kommt. Das zeigt fich auch in der Bedeutung, welche die Erbswurst für unsere Armee erlangt hat. Redner, der nunmehr auf die Frage der Zollerhöhungen im Allgemeinen eingeht und deshalb vom Prästdenten zur Sache gerufen wird, bebt zum Schluß hervor, daß Herr v. Kardorff in einem Privatgespräche einem Gutsbesitzer gesagt habe, er könne für ein Gut ein Viertel des Kaufpreises mehr zahlen, da Zollerhöhungen für Getreide in Aussicht seien. Geb. Rath Thiel bittet die Vorlage nicht zu verandern; namentlich der Erbsenbau müsse enkouragitt werden, da die Erbsen eine unfichere Frucht seien. Abg. Robbe tritt gleichfalls für die Zollerhöhung ein. Die Kalamität auf dem Gebiete der Rübenzuckerindustrie werde in den nächsten Jahren zur fast völligen Einstellung des Rüben- baucS führen; wenn die Hülsenstüchte die Erbschaft anträten, so bliebe der Landwirthschast der große Segen des Frucht- Wechsels erhalten. Ueberhaupt übersteige die Einfuhr an Hülsen« flüchten erst seit 1880 den Export. Gerade um den Anbau solcher nothwenvigen sttckstoffreichen Surrogate deS Brot- gctreides zu fördern, müsse man fich für den höheren Zoll ent« scheiden; durch die Sicherung der Kultur der Hülsenfrüchte werde man auch dazu gelangen, fich in dieser Beziehung vom Auslande unabhängig zu machen. Deswegen und im In- tercsse einer gesunden Volktnahrung sei der höhere Zoll anzu- nehmen. Abg. Dir ich let: Wenn ein Land Alles produziren soll, was überhaupt in der Welt produzirt werden kann, dann läßt fich allerdings auch von der wirthschaftlichen Unabhängig« keit im Sinne des Vorredners sprechen; sonst aber ist doch der Inhalt seiner Rede nur der: Habt ihr einmal so viel ver- theuert, dann vertheuert auch noch dieSl(Zustimmung links.) Der Vorschlag, die Hülsenstüchte an die Stelle der Rüben treten zu lassen, nimmt auf die verschiedenen Bodenverhältnisse ebensowenig Rückstcht wie auf die Verschiedenheit der Hülsen- fruchtarten. In Ost- und Westpreußen z. B. an die Stelle der Fruchtfolge, wo fich heute Rüben befinden, HAsenfrüchte treten zu lassen, hieße doch einfach Stroh dreschen. Die Dtskusston wird geschlossen. Persönlich bemerkt Abg. v. Kardorff- Wenn der Abg. Witt etwa ein im Foyer deS Reichstags gefühltes Gespräch überhött hat, so über- lasse ich es seinem Geschmack, darüber zu befinden, ob es an- gebracht war, hier im Plenum davon Gebrauch zu machen. Die Behauptung, daß ich Jemand zugeredet hätte, ein Gut zu kaufen, weil die Getreidezölle kämen, ist absolut unrichtig. Abg. Witt: Ich habe kein hier im Hause gesühttes Gespräch überhört, sondern es ist mir ganz destimmt von einem Bekannten(Rufe rechts: Namen!) erzählt worden, der fich zum Zwecke des Gutskaufs in den Kreis Trebnitz begeben hatte. Ich kann im Augenblick nur den Kreis nennen (Rufe rechts: Aha!), der Name des Mannes ist mir entfallen, ich habe aber bereits Schritte gethan, ihn zu erfahren, und werde ihn ebenfalls Herr v. Kardorff nennen. Von einem Zureden zum Guts kauf, well die Getreidezöllc kämen, habe ich vorhin nicht gesprochen, sondern nur davon, das gesagt worden sei: die Ertrage der Güter würden fich durch die in Ausstcht stehenden Kornzölle wesentlich steigern. kläff an der Scheidewand zum Nachbarraum emporspttngt, von wo Kindergeschrei ertönt, jagt er ihn wieder mit lautem Fluch und leisem Fußtritt unter die schützende Bank zurück. Und jetzt steht der Zug. Elektrische Helle füllt die weite Halle. Die NimrodS klettern vorfichtig aus dem Wagen, und just als der Bahnhofsinspektor ihnen den Rücken zudreht, zerren fie, wie auf Kommando, den tteueu Phylax und blutdürstigen Nero heraus. Die sorgfältig in ein schmuckes Lederfutteral gehüllte Büchse über der Schulter, die mit theuer erkaufter Kriegsbeute geschmackvoll drapitte Jagdtasche an der Seite, gefolgt von den Hunden, schreiten fiedieStufen hinab, welche zum Ausgang führen. Und nicht lange darauf tritt ein Jeder von ihnen daheim, froh bewillkommnet, in das Wohnzimmer, wo ihn bereits die wackere andere Ehehälfte erwartet. Ihr stagender Blick haftet mehr auf seiner Jagdtasche, als seinem geröthcten Antlitz. Stumm und mit schlichtem Selbstbewußtsein reicht er der treuen Echaffnerin die Beute hin. Bedächtig zieht die- selbe einen Hasen an den bervorhängenden Löffeln heraus, dem vor vier Tagen die Sonne Hvmer's zum letzten Male lächelte. „Man vorfichtig, Mutter!" sagt er mit gekünstelter Ruhe, „der Keil wird noch bluten." Sie antwottet nichts. Sic hebt nur ein wenig den Kopf und zwinkert ihn mit dem halb zugekniffenen rechten Auge an. halb lächelnd, halb leise spottend. Ruhig begegnet sein Blick dem ihren, und wie keiner Missethat fich bewußt, geht er end« lich harmlos pfeifend in die Kammer, um die schweren Kanonen- stiefel von den Füßen zu streifen. Die sonnige Heiterkeit eines Siegeis lagert auf seinem Antlitz. Jahrelange Urbung hat ihm dies leicht gemacht. Nero ist bereits zu seinem Oheim auf den Nachbarhof ge- laufen, um mii dankerfüllter Serie seine glückliche Rettung aus der letzten Todesgefahr unter lautem Bellen zu erzählen. Als dann aber der neugierige, alte, zahnlost Verwandte nach sonstigen Jagd- erfolgen ihn anknurrt, hüllt fich der Neffe in ein taktvolles Schweigen, indem er einen liegen gelassenen Knochen jetzt un« verzüglich und energisch in Angriff nimmt. A. Trinius in der„Magd. Ztg." Der Zollsatz der Vorlage wird abgelehnt, der ber% Vereinigung(1 Mk.) angenommen, mit derselben McM auch der genau gleichlautende Antrag der Abgg. v. Schone»'» und Genoffen, bezüglich der anderen nickt besonbei« genannten Getreideatten, welche die Vorlage ebenfall»»>» 2 Mk. Zoll zu bttegen vorgeschlagen hatte. Gerste, welche gegenwärtig pro Doppelzentner 50 M Zoll trägt, soll nach der Vorlage mit 1,50 Ml.; nach dem M trage der freien Vereinigung mit 1 Mk. verzollt werden. 3* Laufe der Debatte beantragt Abg. Richter, es sti bei dl« jetzigen Zollsatze zu belassen-. Abg. Zeitz(nationalliberal): Mit der Gerste verball» fich ganz anders, wie mit Weizen und Roggen. Trotz der« hedlichen Erweiterung der Anbaufläche haben fich die Gerflei» preise auf durchaus angemessener Höhe erhalten. Dabet die Produktionskosten viel geringer als bei Weizen oder RM�- Auch liegt bei der Gerste weder Ueberproduk'.ion, nochsch«?' Konkurrenz des Auslandes, welche die Preise irgendwie deeiriM� könnte, vor. Der höhere Gerstenzoll würde nun andererseits»a« deutsche Brauerelgcwerbe, welches jetzt schon, namenM? Süddeutsckland, sehr stark belastet ist, empfindlich> etwa 50 bis 60 Millionen betragen. Im Reich eine wendung dieser Summen gesetzlich von vornherein zu' men, ist unmöglich. Die Vertheilung der Einnubwe» � den Getreide- und Viehzöllen an die Kreise und Gew'' y: wünsche ich nach dem Maßstab der Einwohnerzahl uN° � Grundsteuer stattfinden zu lassen. Dadurch kommt a« die Höhe der Kommunallasten zum Ausdruck, denen � leichterung gebracht werden soll. Ich habe dem Steuerzahler am nächsten stehenden KoMTj-ji verbände gewählt, um so in erster Linie die% d deS Antrages auszudrücken, die einzelnen Steuerzahlc» lasten.(Redner führt diese Gefichtspunkte im Einzeln� � im Sinne der dem Antrag beigegedenen Motive-) I.?# Sie schließlich, dm Antrag einer Kommisfion von � gliedern zu überweisen., Abg. v. Meyer(kons., Arnswalde): Ich ha6emX einmal gesagt, ich würde nicht wissen, was ich in.« Heimathskreise mit solchen Zuweisungen anfangen ttp.T, habe ich mir inzwischen anders überlegt.(Heiterkest�� würde jetzt Vorschläge zur recht gründlichen machen.(Heiterkeit.) Aber trotzdem sage ich zu dem Nein. Ich denke, an Verwendungsgeseyen müßten# eigentlich schon den Magen verdorben haben.(Heiierke'�.� rechnen in solchen Gesetzen immer mit unbekannten i' Wir kennen die zu verwendenden Summen nicht und m � Zwecke, zu denen die Kommunen fie verwenden sollen..� ji v. Huene berechnet von allen Zöllen einen Ueberschuß/- bis 70 Millionen. Zunächst haben wir aber ein jöe 20 Millionen Mark; dann wollen wir erhöhen, die Lehrerpenfionen auf Staatskosten landwitthschaftliche Meliorationen in größerem Was soll da übrig bleiben? Wie hoch traden der neuen Zölle, die noch gar nicht einmal find, sein werden, davon kann man fich noch gar w" fcjck stellung machen. Ich bezweifle, daß es, wie Abß. meint, 50 bis 60 Millionen sein werden. Wenn Dre � p Zölle ihre Wirkung thun, dann hören ja die Getre'dez». y Wir würden dann in der Landwirthschast wieder so 0 a# treide erzeugen, daß wir keinen Jwport und kerne? rahme ha' en- Also die Rechnung könnte ein Lock fyz jb» denke, wir lehnen den Antrag a limine ab und werfen den Papierkorb.(Heiterkeit und Beifall.) Abg. vom Heede(nat.-lib.): Dem Antrage � Abficht zu Gl und?, den hartbedrängten Kommunen zu kommen. In diesem Sinne bin auch ich für den fi und meine politischen Freunde wollen ihn ernsthaft gehend prüfen. Wir haben allerdings erhebliche K ES fragt fich namentlich, ob das Reich seinerseits am � träge der Getreide- und Viehzölle verzichten kann- , werfelhaft, ob die Finanzen die Ueberweisung der an die Kommunen ermöglichen. Es ist aber ferner Grade bedenklich, den Kommunen schwankende E'»"' äKWS i» V verhält rotz der«> ie GerfiM Dabei fir» x» deeivflW aß 1456 0« kVS Iceich«k� irt? i ei«' .i»i Ädl Erweisen, die eine bedenkliche Unordnung in den Kommunal« hervorrufen würden- Ich halte deshalb diese Uebrr- «»lunz str unzweckmäßig; man lar.n vielmehr den Kom- «wnen nm dauernde und feste Einnahmen überweisen. Da auch dies große Schwierigkeiten hat. so wäre solchen Verweisungen weit vorzuziehen, wenn der Staat, um A überlasteten Kommunen zu helfen, einige der am wwftm drückenden Kommunallasten übernehmen und namentlich ß 6m persönlichen Ausgaben für das Schulwesen sowie � M die Armenpflege genügende Beiträge zahlen wollte. man iualfim hpti im tiAltflcn Nerbaltn Ich beantragt, den Antrag Huene zu überweisen.(Beifall.) t,«"g. Wagner(Osthavelland): Prinzipiell bin ich ein ?Mtr dxz g�zen BerwendungSgesetzwesens! tndrssen, da wir N solches Gesetz einmal haben, muß ich zugestehen, daß der «nlrag Huene ganz auf dessen Boden steht. Wir hatten nun i. Ilster Linie ja stets die Uebcrweisung der Grund- und Ge- «uvestkuer an dle Kommunen ins Auge gefaßt. Der Antrag iSf" geht aber noch einen Schritt weiter. Hch halte die Ein« Wnen aus Getreide- und Biehzöllen für ungeeignet zur �-nweisung, erstens wegen der speziellen Beschaffenheit dieser &Ä MWIKWW IJ-, gegangen; wir müssen daher vor Allem dem Deutschen J"™ dre nothwendiaen selbstständigen Einnahmen verschaffen, *3 in seinem Äcstande zu fichem. Hierauf zielt ja auch e Politik des Kanzlers. Auch die Finanzlage des w Skates ist noch nicht geklärt genug, als daß er fem;■ J°'t Einnahmen zu Gunsten der Kommunen jetzt �verzechten könnte. Dazu kommt die besonders schwirrige it der Höhe der vorausstchtlich sehr schwankenden Ein« " aus den Getreide- und Viehzöllen. Der finanzielle iz j,„6«s Antrags Huene würde wohl der sein, daß etwa »Millionen Mark jährlich im Durchschnitt für die Kom- «in?6lfügbar werden; diese Einnahmen würden aber oft 1 1,,, SU Jahr im Verhältniß von l zu 2 oder gar von Itli 1 lchwanken. Es trstt noch das Bedenken hinzu, daß es " möglich ist, daß einmal d,e Zölle in Folge einer chUrömung, die im Lande entstehen könnte, wieder aufge- 'werden. WaS sollen denn die Kommunen ansangen, ffch an die neuen Einnahmen gewöhnt haben.(Beifall Joliiiu8, �udrae(konservativ) und die Mehrheit seiner Freunde stehen demZAntrage Huene an fich sehr «egenüber. Alle irgend entbehrlichen Staatsein« »Utw wußten zur Erleichterung der Kommunen verwendet %• Allerdings sei die allgemeine Finanzlage zur Zeit chkm.gw 0 5 aber es werden stets sehr nützliche und 5® 06 Staatsaufgaben zu lösen sein, welche k J,°us dem Staalssäckel erfordern. Im Vergleich sh».�en großen Staatsaufgaben werden die zur Ver- Thfl Ohmden Mittel immer nur knapp sein. So lange § ,a?i ttn,a einmal überflüsstge Gelder hat, könne man 's Ki«. chterung der Kommunen nicht warten. Es HanWe um einen wirklichen Nothstand, dem namentlich auch Wito jj'ffe der Landwirthe und der Erleichterung des ein- fc» Steuerzahlers abgeholfen werden müffe- Im Einzelnen M«. 0,n den Antrag Huene allerdings Bedenken vor- m,i deren Prüfung sich ja die Kommisfion befassen Mundw'f?- Zedlitz(frei. kons): Im Antrag Huene ist ein k baüT«i, tn vorhanden, da ja der Nothstand der Kommunen I der 9%, möglich erleichtert werden soll. Im Einzelnen aber Wm-iflo?0 doch höchst bedenklich. Ueber seine finanzielle {New � kauft zu geben, hat Herr v. Huene vorfichtig So wie er ist, würde der Antrag das Defizit im C 66« von 16 bis 18 Millionen auf mindestens 23 Milli« tze,«rhöhen. Di« vorausfichtlichen Erträge der projektirten dz,">steuer hat Herr v. Huene erheblich überschätzt; sie würden Entfernt Ersatz für die Ausfälle schaffen, welche daS Reich T, Entziehung Ver Einnahmen aus allen landwirthschaft- t�aollen erleiden müßte. Der Antrag ist auch vom Gefichtspunkt /«lammten Zoll- und Handelspolitik bedenklich, indem er heterogene Dinge mit einander in Verbindung bringt. cht sodann auf die Einzelheiten des Antrags ein und mit der KommisfionSberalhuug einverstanden. Die Kom« -.□(«?6rde genau ausrechnen müssen, wie viel jetzt auS il�Mrtteln entbehrlich sei zur Erleichterung der drückendsten lsj��Uallasten, namentlich zur Beseitigung des KopfschulgeldeS. a._ rechts.) ß- EnnecceruS(nat.-lib.): Die nationalliberale *'n»»chwpathifirt mit der Tendenz des Antrages, hält aber Im der zur Erfüllung des gewollten Zweckes führen lUr«�.vollständig verfehlt. Dennoch wollen wir die Hand %, as6esserung bieten und werden daher auch für kommiffa« 6% Bn�athung stimmen. Der Vorschlag, eine gewisse Summe it<>n,�.'6ßkiabe der Höhe der Grund- und Gcbäudesteuer den jich«�ven zu überweisen, unterscheidet fich doch sehr beträcht« Mkte? 1,? ursprünglich von uns getheilten Gedanken der Vz" Ucberweisung der ganzen oder halben Giund- und % Steuer selbst. Letzteres wäre ein Definitivum, erstereS �leib«.. �irchtung offen, daß die Uebeiweisung in finanziell n�tio n fn3,ah"n teschränkt oder ganz eingestellt wird.(Sehr �trew..-»� bcr Annahme des Antrages würden zudem die ?.ch>iike-»-e auf lange Zeit festgelegt werden. Diese Zölle mitn m! tm großen und ganzen doch der Landwirthschaft 5>>b.s �cherl, während fi« der Industrie eine Last auflegen; biese lehr genau untersucht werden, ob die Industrie � MM Leiter ft�shalt würden wir dabei behalten, ja eS würde fich disr. nergern.»«>>»>!. mif Derfuna würt »V»» VMV»» 1« «r und die Aussicht auf Deckung würde mehr als w Ab»(Beifall linkS.) I»r. llcht tu.L ker: Wenn eS fich um die Möglichkeit und nlv nft der r« wirklichen Stcuerentlastung oder einer Ent- �r-hast.'feinden handelte, so würde ich gern dabei sein im �unsere �"�ifen. Wir haben eS ja auch bewiesen; denn &,iHre isän%v( wäre wohl der dauernde Steuererlaß ander« Llcht zu Stande gekommen. Hier liegt die Bedürfniß der Herren, für die Erhöhung Deckung zu verschaffen. Es mag liegen, daß den Nachthellen —"' Ort �»------ ##### «ina�Ng was überhaupt abgeführt wird. Denn die «Nb�dNen Ko.» ,"6 allgemeine und kommt nicht bei dem Sä, Zachst,«ur nr auch bei demjenigen, das im In« M., in Uebereinstimmung zu schätzt die neuen Einnahmen ®ftHn beträgt der'Konsum anden von das 5 Millionen M. auf etwa 20 Danach würde von den 20 Millionen der Staatskasse die Stadt Berlin allein 5 Mill. beanspruchen müssen, um die Belastung infolge der höheren Besteuerung der nothwcndigen Lebensmittel aufzuwiegen. Und wie in Berlin liegen die Verhältnisse in allen wesentlich städti- schen und industriellen Bezirken. Ferner nimmt der Antrag nicht einmal die gesammte Steuerkraft der Bezirke zum Maß- stob, was doch natürlich wäre. Auf Berlin müßten 11 pCt. der zu vertheilenden S ranne kommen; es kommen aber that- sächlich nach diesem Antrage nur 6'/, pCt. auf Berlin- Dabei liegt Berlin, weil die Gebäudesteucr hier sehr groß ist, nicht einmal besonders ungünstig. Viel schlimmer find die Verhält- niffe im Westen; gerade die Wahlkreise deS Zentrums werden vielfach am stärksten dadurch denachtheiligt. Ich habe geglaubt, es sei ein Druckfehler im Antrag«; denn bisher ist es mir noch nicht vorgekommen, daß man Menschen und Mark zusammenaddirt, daß man sagt: der Mensch ist nicht mehr werth als 1 Mk. Grundsteuer.(Heiterkeit) Wie nun weiter, wenn der wesentlich vom Großgrund- befitz beherrschte Kreistag daS Geld zum Erlaß der Grundsteuer verwendet? Dann käme noch das zweite Unrecht hinzu, daß das, was die Staatskasse aus den zu Gunsten der Landwirth- schaft eingeführten Zöllm einnimmt, zur Entlastung des Grund- befitzeS verwandt wird. Der Abg. v- Meyer meint, die In- Haber der GutSbezirke würden so anständig sein, das nicht an« zunehmen. Ich will die Probe nicht machen.(Hciterkell.) In diesen Kreisen wechseln die Begriffe bekanntlich, sobald der Reichskanzler es will. Bis die Regierung damit kam, hat man fich in diesen Kreisen ja auch geschämt, die Zollerhöhung zu fordem. Der Abg. v. Huene sagt: wir find 1879 klug ge« worden, wir wollen unS nicht noch einmal die Finger verbrennen. Aber gerade sein Antrag will daS im Ver- hältniß zwischen Einzelstaat und Gemeinden ausdehnen. Dort besteht die Gefahr, daß daS, was mehr über« wiesen,(r Form von Matrikularbeiträgen zurückgenommen wird haben Sie nun eine Garantie, daß nickt auch der Einzelstaat von den Gemeinden in anderer Form daS Geld zurücknimmt, was er ihnen überweist? Dann find die Steuer- zahlet erst recht schlimm daran; denn nicht jede Erleichterung der Gemeinden bedeutet eine Erleichterung der Steuerzahler. Ueberhaupt liegt in diesem System der Verquickung einer poli- tischen Einheit mit der anderen ein System der Beförderung der Ausgabenvermehrung und Verschwendung.(Sehr richtig!) Das ist natürlich, wenn die Verantwortlichkeit für die Ausgaben an anderer Stelle ruht, als die für die Einnahmen.(Sehr richtig!) Wenn Sie zu einem Theil wenigstens das unrechte Gut, daß Sie durch die Getreidezölle an stch genommen haben, wieder zurückgeben wollen, dann empfehlt ich Ihnen, lieber den Antrag Ihres Mitgliedes Racke anzunehmen, den Petro- leumzoll auf die Hälfte zu ermäßigen und den Kasseezoll herabzufetzen. Für diesen Antrag werden wir stimmen, denn damit wird den Kreisen eine Erleichterung zu Theil, auf welchen die Zölle am meisten lasten. Wenn Sie aber nicht im Reiche, sondern hier eine Erleichterung ein- führen wollen, dann haben Sie ja das Gesetz von 1880. Wir können danach die ganze Klassenstmer aufheben und die 5 untersten Stufen der Einkommensteuer; indem Sie die indirekten Steuern ermäßigen, erleichtern Sie aber auch indirekt die Gemeinden, da diese dann um so größere Ansprüche an ihre Steuerzahler stellen können. Ich rathe Ihnen, be- schleunigen Sie die Kommisfionsberathung aufs Aeußerste. Der Temperaturgrad wird mit jedem Tage sinken. Nach der ersten, Zwesten Sitzung wird schon kein rechtes Leben mehr in die Berathung hineinkommen; zuletzt friert Ihr Antrag ein (Hesterkeit) und wird so starr, daß eS gar nicht möglich sein wird, ihn wieder ins Plenum zu bringen.(Große Heiterkeit.) Sympathie, wie es gegenüber dem Antrage geschehen ist, wird um so lebhafter ausgesprochen, wenn man weiß, daß man den- selben doch im Leben nicht mehr wiedersieht.(Große Heiter- keit.) Die Regierung selbst verhält sich schweigsam wie das Grab; sie läßt Sie ruhig reden, Sie können sich das Beste dabei denken(Heiterkeit), hat sie ja doch hier eine Majorität, wie Sie sie stch für den Reichstag vergebens gewünscht hat. Der Abgeordnete Huene sagt: wir wollen die Hand auf die Millionen legen. Sie strecken die Hand nur aus; Sie haben noch nicht einen Spatz, auf den Sie die Hand legen können(Heiterkeit); Sie malen sich nur die Taube auf dem Dach(erneute Heiterkeit): eine solche Malerei mag ja Vergnügen machen, und wenn wir mehr Zeit hätten, würde ich mich vielleicht auch dabei betheiligen. Sie sollten fich, ähnlich wie eS 1879 unter dem Minister Hobrecht geschehen ist, eine Kabinetsordre auskitten, daß, wenn die Getreidezölle in dritter Lesung durchgehen, ein dem Antrag Huene gleichlauten« des Gesetz vorgelegt werde und in Ihrem Gesuch hinzufügen, daß, wenn diese Kabinetsordre nicht kommt, Sie für die Er- höhung der Getreidezölle nicht stimmen werden.(Große Heiter- test.) Indem ich Ihnen so den rechten Weg zeige, haben Sie Sie den Antrag nicht ernst gemeint haben, oder Sie werden die Düpirten zu sein scheinen.(Heiterkeit.) Jedenfalls wird durch diesen Antrag Ihre Verantwottlichkeit für die Getreide« zölle nicht vermindert.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Windthorst: Wenn der Vorredner es für auf- fallend hält, daß eine Partei, die. von der Regierung so schlecht dehandelt worden, dieser selben Regierung noch Geldmittel über ihr Verlangen hinaus entgegen dringe, so ist das richtig, wenn man bloS die allgemein menschlichen Leidenschaften im Auge hat; wir aber find hier, die Interessen de» Volkes zu vertreten, und das lhun wir auch unseren geschworenen Feinden gegenüber(Hesterkeit)— wobei ich übrigens kaum an die Re- aierung denke, eS giebt auch außerdem noch welche. Prinzipiell stehe ich noch immer auf dem Boden des Zolltarifs von 1879, mst welchem man immerhin hätte eine längere Probe machen können und sollen. Nachdem aber die Regierung die Initiative ergriffen und u. A auch den höheren Gctreidezoll mit dem Hinweis auf den 1879 nicht genügend gewährten Schutz der Landwirth« schaft begründet hat— die städtischen Demonstrationen gegen die Erhöhung der Kornzülle scheinen mir nicht ganz spontan — find auch wir genöthigt gewesen, Stellung zu nehmen, und die Lage der Landwirtschaft ist uns allerdings des weiteren Schutzes bedürftig erschienen. Nicht um Deckung zu suchen, haben wir den Antrag eingebracht, sondern weil wir der er- höhten Belastung eine gleichwerthige Entlastung gegenüber- stellen wollen, und ich bedaure, daß dieser Gegenstand vom Abg. Richter nicht mit dem nöthigen Ernst behandelt worden ist und daß die Minister schweigen. Die Redensart von der Entlastung der Kommunen soll endlich einen Inhalt erhalten, und darum werden wir unseren Antrag mit allen Mitteln durchzubringen suchen. Möchten doch die Patteien einmal allen Hader vergessen und fich mst uns zu praktischer Arbeit vereinigen(Ruf links: anfangen!), möchten doch endlich einmal die Nationalliberalen den ersten Schritt thun, um das Haupthindcrniß zu beseitigen, die Knechtung unserer Kirche(Heiterkeit linkS)! Aber ich konstatire, daß in dem Augenblicke, wo ich daS ausspreche, die Nationalliberalen nicht unterlassen können, zu lachen(Heiterkeit rechts),— und daß, wenn es dort aufhört, es hier(rechts) bei den Freikonser- vatioen fortgesetzt wird!(Stürmische Heiterkeit im ganzen Hause.) Wir wollen nicht, daß die Summen aus den erhöhten Zöllen in den allgemeinen Säcke! fließen, wo sie verdestillirt weiden(Hesterkeit), sondern den Gemeinden zu Gute kommen. Hierauf wird die Diskusston geschlossen und nach dem Schlußwort des Antragstellers Ver Entwurf gegen die Stim- men der Freisinnigen und eines Theils der Nationalliberalen einer Kommijfion von 21 Mitgliedern überwiesen. Die Vorlage betreffend die K o n v e r t i r u n g der 4'/, prozentigen Anleihe und der Gesetzentwurf betreffend die Lande?« kreditkasse in Kassel werden in dritter Lesung unverändert definitiv genehmigt. Um 2'/, Uhr vertagt stch das Haus auf Freitag 11 Uhr. (Kultusetat.)_ Die Klage des Magistrats gegen das königliche Polizei- Prastdmm in der Markthallen-Angelegcnheit wird nun bald in der ersten Instanz zur Entscheidung kommen. Am 4. März steht vor dem Bezirksausschuß Termin an und die Klage» beantworlung ist bereits dem Magistrat zugestellt worden. Das Poltzei-Präfldium hat dem Magistrat Mittheilung gemacht über die letzten Verhandlungen, welche zwischen den beiderseitigen Deputirten in Betreff der Herstellung von ani- maler Pockenlymphe stattgefunden haben, und daran das Er« suchen geknüpft, der Magistrat möge in der Angelegenheit recht bald Beschluß fassen, da nun auch dle vom Retchskanzler ein- berufene Sachverständigen-Kommission fich für die Einführung der Impfung mittelst animaler Lymphe ausgesprochen habe. Dem Vernehmen nach wird der Magistrat schon in der nach, sten Zeit sich mit der Angelegenheit beschäftigen. Die Resultate der städtischen Steuereinziehung für 1834 bis 1885 find, soweit fich bis jetzt übersehen läßt, recht günstig, nur bei der Hundesteuer ist ein Ausfall als sicher anzunehmen. Während nach der Zahl der vorhandenen steuerpflichtigen Hunde für daS zweite Semester 1884 rund 145 200 Mark eingehen sollten, sollen für das erste Halbjahr 1885 nur 133 000 Mark aufkommen. Es entspricht das einer Verminderung von nicht weniger als 2000 Hunden, die ohne Zweifel eine Folge der wiederholt angeordneten und noch immer nachwirkenden Hunde- sperre ist. Dle größte Steuersteigerung wird stch bei der Gemeindc-Einkommensteuer herausstellen; fie ist auf 786 000 Mark geschätzt worden. Dann folgt die Miethssteuer mit mit 282 000 Mark und die Haussteuer mit 66 100 Mark. Die Braumalzsteuer läßt einm Ueberschuß, und zwar von 35 920 Mark voraussehen. Auch bei anderen Abtheilungen der Ein« nahmen find Mehreinnahmen zu erwarten. Dem gegenüber stehen freilich auch recht zahlreiche und oft bettächtliche Ausgabe- Überschreitungen; die größte derselben ist bei der Position Erwerbungen von Terrain zu Straßmanlagen, die gewiß 400000 Mark übersteigen wird. Die Erfahrungen der letzten drei bis vier Monate rrnt ihrem sehr großen Auftrieb von Schweinen und ihrm außerordentlichen großen Schlachtungen haben die Unzuläng- lichkeit der großm Schweinehalle auf dem Zentral- Viehhof nachgewiesen. Obwohl die Halle auf einer Grund» stäche von etwa 15000 Quadratmetern(sechs Morgen) steht, ist es doch nicht möglich, in ihr alle aus dem Auslande kom- wenden, oft der Seuche verdächtigen Schweine, und die so- genannten Meisterschweine, welche bereits in den Befitz der Schlächtermeister übergegangen find, in ausreichender Weise zweckmäßig und gut unlerzubringen. Es wird daher in der nächsten Zell der Antrag an den Magistrat gerichtet werden, noch eine neue kleinere Halle für 2000 ausländische und Meisterschweine zu erbauen. Die große Halle kann mehr als 10000 und im Nothfall bis zu 12000 Schweine aufnehmen. Auf Antrag des Magistrats bat die Stadtverordneten- Versammlung am 1 Juni 1883 den Ankauf derjenigen Grund- stücke beschlossm, welche, im Gemeindedezirk Tegel belegen, zur Ausführung der ganzen zweiten Hälfte der Erweiterung der Wasserwerke zu Tegel erforderlich find. Die Verhandlungen find seit einiger Zeil beendet, es werden auch die meisten Par« zellen(meistens früheres Forstland) bereits von den Wasser« werken benutzt: die Auflassung steht aber noch aus und wird erst am 9. l. Mts. erfolgen. Betheiligt find als Eigenthümet die evangelische Kirchengemeinde zu Tegel und sechs Privat« personen, meist Bauerngutsbefitzer. Der Gesammt- Flächen« Inhalt beträgt 7 Hektare 96 Ar 18 Quadrat-Meter; die Kauf- gelder nebst Zinsen und Holzentschävigung belaufen stch auf rund 46 800 MT. Mit dieser Summe ist eure recht beträchtliche Erweiterung des Werkterrains ermöglicht worden. Im Juli vorigen Jahres hatte der Magistrat den Be- schluß gefaßt, daß die Reinigung der Panke auf städtische Kosten ausgeführt werden solle, fich aher die Wieder« einziehung dieser Kosten von den Adjazenten vorbehalten. Jetzt ist von einer großen Anzahl der Letzteren ein Antrag beim Magistrat dahin eingegangen, diese Kosten nicht von allen Av- jazenten der Panke, sondern nur von denjenigen Grundstück- befiyern der angrenzenden Stadtthelle einzuziehen, deren Grund« stücke in das Flüßchen entwässern. D o k K l e S. Unter höchst geheimnißvollen Umständen, so schreibt der „B. B. C.", hat in der vergangenen Woche eine junge Dame aus vornehmer Familie ihrem Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht. Anfangs dieses Monats erschien in einem von der Potsdamerstraße nicht weit entfernten Hause der Steglitzer« straße Fräulein von B. mit dem Wunsche, die im dritten Stock belegene, aus zwei Zimmern und Küche bestehende Wohnung zu mieihen. Der Wirth, ein vorstchtiger und hinstchtlich seiner Miether sehr wählerischer Mann, lehnte daS Gesuch anfänglich ab, da er nicht an alleinstehende junge Damm vermiethe. Je« doch durch daS distinguitte, gefittcre Bettagen des schönm jungens Mädchms bewogen, stellte er ihr die Wohnung zur Verfügung, welche Fräulein von B. auch sofort bezog, nach- dem fie dieselbe in reizender, geschmackvoller Weise möblirt hatte. Ihren Aussagen und ihrem Auf- treten entsprechend, führte die junge Dame ein durch- auS anständiges und zurückgezogenes Leben während der wenigen Tage, die ihrem jähen und unerwarteten Tode voraus- gingm. Einmal äußerte fie ihrem Wirthe gegenüber, daß fie mit ihrer Familie in Zerwürfniß aerathen sei und fich deshalb von derselben getrennt habe. Ihrer Schwester, der Frau von H., erwähnte fie mehrmals dabei. Am letzten Sonnabend nun erhielt ein Freund des Fräuleins von B- einen Brief von dem jungen Mädchen, in welchem fie ihm anzeigte, daß fie den Entschluß gefaßt habe, ihrem Lebm, das ihr zur Qual geworden, ein Ende zu machen. Er solle an ihrem Hause vorübergehen und wenn er die Fenster offenstehend fände, so solle ihm da? ein Zeichen sein, daß fie ihre Abficht ausgeführt habe und nicht mehr unter den Ledenden weile- Der Herr führte, sobald er den Brief erhalten, die Weisung auS. Er sah, als er am Hause vorbeiging, die Fenster der Wohnung des Fräulein von B. wett offen stehen. Erschrocken eilte er die Treppe hinauf und klingelte. Niemand antwortete, Niemand öffnete. Nun begab er fich sofort auf das Polizeibureau und legte den Brief vor. Zwei Beamte eilten mit ihm nach der Wohnung, die fie aufbrechen ließen. Der Brief hatte die Wahrheit gesagt. Fräulein v. B. lag auf dem Sopha in ruhender Stellung, als ob fie schliefe. Sie war todt und zwar schon seit mehreren Tagen. Gleich nach Absendung des Briefes muß fie die That ausgeführt haben. In ihrem Munde fand stch mit Chloroform getränkte Watte. Die Leiche wurde nun sofort nach dem Obduktionshaus- geschafft, die Wohnung verfiegclt und die Familie benachrichtigt, welche über die Motive zur That wohl am besten informirl sein wird. Irgend welche weitere schrist- liche Auslassung über die Ursache der beklagenswerthen Gewalt- that, durch welche fie ihr junges, blühendes Leben zerfiört, hat fich bisher nicht vorgefunden. Gewiß ist das eine traurige, eine ergreifende Begebenheit, und dafür stand fie auch im „B. B.-C." Wahrscheinlich ist es die alte Geschichte, die ewig neu bleibt, nur mit dem Unterschied, daß eine junge Dame auS „vornehmer" Familie den Selbstmord in einer eleganten Wohnung begeht, die fie in„reizender, geschmackvoller Weise" mobllrt. Eine Slibcitain srcht Vergefsinhcit in den kalten Wellen der Spree— dann aber sucht man veigebens auch nur ein Wort in den Spalten gewisser Zeitungen, der Polizeibericht erwähnt einen sollen Fall höchstens in seiner lakonischen Weise, im Ucbrigen ist der Tod eines Mädchens aus„gewöhnlicher" Familie viel zu wenig„pikant." Ob eine Arbeiterin leichter stirbt als"ine„vornehme Dame"? Gerickts-Zeitung. Die jugendliche Diebesbande, welche, wie wir derzeit berichteten, mit fast unglaublicher Verwegenheit eine ganze Reihe von Diebstählen ausgeführt hat, stand gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts l. ES waren dies die erst 14jährigen Arbeitsbmschen Emil Alsle'l'en und Friedrich Schallert und des letzteren Bruder, der 20jährige Kutscher Karl Schallert. Als vierter im Bunde hatte noch der lSjährige Rudolf Rex auf der Anklagebank Platz zu nehmen, doch wurde diesem nur Hehlerei in einem Falle zur Last gelegt. Die drei ersten Angeklagten hatten sich unter der Führung und Anstif« tuna deS älteren Schallert vereinigt um Laventassen zu de- stehlen. Natürlich warteten fie den Moment ab, wenn der In- Hader eines von ihnen beobachteten LadenS denselben für eine kurze Zeit ohne Aufficht lnß, abwechselnd schlichen fich dann entweder Alsleben oder Friedrich Schallert in den Laden, krochen auf allen Vieren um den Ladentisch herum und räumten die Kasse auS. In vielen Fällen ist ihnen dies Manöver geglückt und das Kleeblatt lebte von der Beute herrlich und in Freuden. Sie scheuten aber auch vor größeren Unternehmungen nicht zurück, beim Trödler Müller in ber Lietzmannstraße stahlen fie eine goldene und drei stlberne Zylinderuhren und dann be- schloffen sie, einen Raubzug in die Umgegend Berlins zu un- tcrnehmen. In Weißensce machten fie die erste Station und das erst« Geschäft; fie räumten dem Schankwirth König am lichten Tage die Ladenkaffe auS und erbeuteten 15 Mark. Sodann gma's nach Gotzow; hier wurden fie aber vom Ver- hängniß ereilt; man erwischte fie, als sie im Begriffe waren, einen Einbruch in die Wohnung des Kutschers Sbcknitz aus- zuführen. Der Gelichtehof bewilligte den jugendlichen Ver- blechern zwar mildernde Umstände, erkannte aber doch in An« betracht der vorliegenden Rasfinirtheit und Verwegenheit auch empfindliche Strafen und verurtbeilte Karl Sckallert als den Anstifter zu 2'/- Jahren, Emil Alsleben und Friedrich Schal- Irrt zu je einem Jahre und R-x zu vier Wochen Gesängniß. IoßMes unü Arbeiterbewegung. Arbeiternoth und Arbeiterrevolten. In merkwürdiger Gleichmäßigkeit spielt fich überall die Arteilerbewegung ab. Heute e.haltcn wir Nachricht von zwei ganz gleichen kleinen Arbeiterrevolten; die eine ereignete fich rn Berlin, die andere in London. Nach den Berliner Zeitungen hatten fich am Montag Vormittag auf den Höfen des ehemaligen Arbeits- Hauses in der Alexanderstraße mehrere hundert Beschäftigung suchende Arbeiter eingefunden. Ein Theil derselben konnte auch durch den Polier ang< stellt werden, die Mehrzahl wurde dagegen aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Ein allgemeines Murren erhob fich hierüber unter den Abgewiesenen, die end- lich laut nach Arbeit schrien und anfingen, zu Thällichkeiten überzugehen.— Aehnlich am Sonnabend in London. In einem Etablissement wurden nach einer Zeitungsannonce 40 Arbeit« gesucht; 200 stellten fich ein, und als fie keine Arbeit erhielten, entstand ein großer Tumult, der schließlich mit dem Einwerfen von Fenstern, der Zertrümmerung von Geräthen rc. endigte. Ueb«all die gleiche verzweifelte Lage der Arbeiter und als ihre Folgen die gleichen Thaten der Verzweiflung. Lüneburg. Sämmtliche Tischler in Lüneburg find von ihren Meistern auS der Arbeit ausgeschloffen worden, die Meister versuchen in Berlin und Hamburg Tischler für dort anzuwerben. Wir ersuchen daher auf keinen Fall jetzt Engagements für Lüneburg anzunehmen. Die Zahl der Aus- geschlossenen beträgt 47. Nahne Mittheilung erfolgt spät«. Vereine uuü Versammlungen. Die Mitglieder der Maschinenbau» und Metall- arbeitergewerkschaft versammelten fich in Stärke von 200 Mann am Montag Abend im Wedding-Park, um den Vortrag deS canä. ehern. Herrn Emil Leffer über„NahrungSmittelver- fälschung" anzuhören. Redner nörlerte in fast einstündiger Rede die Schäden der heutigen Ernährungsverhältnisse unter gespannter Aufmerksamkeit der Mitglied«. Er führte untn Vorweisung von Experimenten den Zuhörern die Verfälschung der rothwendiasten Lebensmittel als Brod, Fleisch, Thee, Kaffee, Zuck«, Butter, Käse u. a.m., sowie deS allerunentbehr- lichstin Gewürzes, des SalzeS, recht anschaulich vor. Er be- dauerte, trotzdem er die Strenge der Markt- und Gesundheits« polizet lobend anerkannte, das Fehlen genügend« Gesundheitsämter, die nach seiner Anficht auf ca. 25000 Einwohner je eins errichtet werden müßten. Referent empfahl zum Schluß, daß, wenn Jemand den Vndocht hege, daß Lebensmtttel ver- fälscht seien, er dieS unverzüglich der Behörde anzeigen möge, um den Fälscher der gerechten Strafe zu üb«lrefern.(In dieser Beziehung ist vom hiesigen Polizeipräsidium die einzig richtige Maßregel getroffen worden, daß die Namen übersührler Fälscher der Oeffentlichkeit übergeben wnden sollen. D. R.) Zum 2. Punkt, B«icht d« 21er>Kommisfion, referirte He« Gutheit üb« die Thätigkeit derselben und hob hervor, daß die Majorität fich für dm Anschluß an die„Vereinigung deutscher Metall- arbeit« zu Mannheim"«kirnt habe, und empfahl den M'.t- alied«n unverwellt den Anschluß an die Zentralisation. Hnr Nicolaus brachte einen von ca. 30 Mitgliedern unterstützten Antrag ein, der die Einb«ufung einer außerordentlichen Generalversammlung behufs Auflösung der Gewerkschaft und Glündung einer Mitgliedschaft der„Vereinigung deutsch« Metallarbeiter" bezweckte. Für denselben sprachen die He«en N'colaus, Hill, Gutheit, Jentsch und Flicke und wurde derselbe einstimmig angenommen. hr. Im Arbeiter- Bezirktverein der Friedrichstadt hiett am Dienstag(bei Gratweil) Herr Dr. Heymann über„Schule und Haus" einen Vortrag, ver von den Versammelten mit großem Beifall aufgenommen wurde. In der an den Vortrag fich anschließmden Diskusfion wieS der Vorsttzende, Herr Pfeiffer, darauf hin, daß der orthodoxe Religionsunter- licht bei vielen Menschen später die Folge habe, daß fie, wenn fie das ihnen in der Jugend als Religion Beigebrachte als unhallbar erkennen, fich vollständig von dem Erlernten abwendm. Ein anderer Redner sprach fich dahin aus, daß vorzugsweise in Bezug auf das weibliche Geschlecht der Schulunterricht noch viel zu wünschen übrig lasse Der Ein« fluß, welchen die Mütter auf die Kinder ausübm, sei für den Bildungsstandpunkt der folgenden Generation entscheidend. Darum müsse viel mehr, als es bisher geschehen, für bessere Mädchenschulen gesorgt werden. Dem gegenüber behauptete Herr Dr. Heymann, daß in Bezug auf die Erzie- hung der Mädchen, die der Vorredner im Sinne habe, weniger in der Schule, als im Hause gesündigt werde.— Es«staltete dann der Vorsttzende einen Bericht über die Thätigkeit des Vereins während des veiflrssenen ersten Jahres seines Be- stehens. Darauf wurde ncch eine von Herrn Höppner einge- brachte Resolution, in welcher die Versammlung sich gegen die Bewilligung von 3000 Mark jährlich zu Illuminationen des Rathhavses erklärt und die Stadtverordneten ersucht, diesen Posten aus dem Ausgabe- Etat zu streichen, nach kurzer Dis- kusfion einstimmig angenommen, und der Vorstand beauftragt, die Resolution dem Stadtverordneten> Kollegium zu üb«- Mitteln. E. Eine öffentliche Versammlung deS Vegetarier- Vereins, welche fich durch die seitens einiger Arbeit« und Arbeiter freunde erfolgte Theilnahme an der Diskusfion zu einer sehr interessanten gestaltete, fand am 16. Februar im Ge- sebschaftshause, Nied«wallstraße, statt. Der Vegetarier und Wanderredner He« Max Klein beleuchtete in seinem Vortrage eing-hend die Lebensweise der Vegetarier, empfahl auf das Wärmste die Pflanzen- und Obstkost, jndem er wiederholt her- vorhob, daß daS Fleisch für jeden Menschen nur schädlich und Verderben bringend sei. Der Genuß des Fleisches sei wider« wärtig, ekelhaft und unmoralisch, ve«ohe und verwilder« die Menschen und stelle fie den Raubthinen gleich.(I) Der He« Referent war so„liebenswürdig", den Arbeit«« anzurathen, fich der Pflanzen- und Fruchlkost zuzuwenden und exempllfi- zirte dabei auf die g e n ü g s a m e n(!) s ä ch s i s ch e n, i t a- lienis chen und chinesischen Arbeiter! Auch ging « in seiner„sehr löblichen" Fürsorge dem Arbeiter gegenüber so weit, daß« demselben anrieth, keinen Schnaps mehr zu trinken, des Abends zwischen B bis 10 Uhr zu Bett zu gehen und mehr für die— Ventilation seiner Wohnräume zu thun. Die Diskusfion über das Gehörte gestaltete fick>, wie er- wähnt, äußerst ledhast. Eine Dame gab nach berühmten Mustern unverfroren der Meinung Ausdruck, daß der Arbeiter an sein« traurigen Lebenslage zumeist selbst schuld sei, indem er sein Geld in Destillationen verprasse, wodurch dem Laster in der Familie Thor und Thür geöffnet wnde.(Die verehrte Dame findet jedenfalls überall die Räume des Arbeiters auf das Behaglichste, Komfortabelste und zum angenehmen Ver- weilen einladend hergerichtet?) Der Arbeiter müsse zunächst durch„Selbsthilfe" fich auf ein höhneS Niveau zu bringen suchen. Dann sprach Arbeiter Holl und meinte u. A, wenn er nur Pflanzenkost zu fich nehmen sollte, könnte« nimm«- mehr seine Karre schieben oder Eisenschwellen tragen. Herr Kaufmann Wohlfarth traf dann wohl den Nagel auf den Kopf dadurch, daß er äußerte: Wenn der Referent so sehr das Echnapstrink.n beim Arbeiter verdamme, so möge er«st gefälligst dafür Sorge tragen, daß ein gewisser Wohlstand auch im Arbeitnstande hensche. Auch dem Arbeit« gebühre als Menschen sein Glas gutes Bier oder Wein und würde er dann auf den SchnapS schon von selbst v«zichten. Daß der Referent die italienischen und chinesischen Arbeiter den intelli- gentnen deutschen Arbeitern so zu sagen als gutes Beispiel mit Bezug auf die Mäßigkeit empfohlen, habe ihn(Wohlfarth) auf das Peinlichste berührt. Der Referent und die Dame, welche demselben so lebhast Recht gegeben und so sehr über Rohheit und Sittenlofigkeit unter den Arbeitern geklagt, möch- ten doch einmal«st die sog. oberen Zehntausend, welche doch das meiste Fleisch tonsumiren, was den Menschen nach Anficht des Refnenten dem Raubthiere gleichstellen solle, zum Vege- tarismus zu bekehren suchen. Bessere Zustände würden fich«st durch Regelung der Produktion nach dem Konsum herbeiführen lassen und in nicht ferner Zukunft w«de auch die Frage deS Vegetarismus in vernunftgemäßer Weise gelöst weiden. Wir schließen unseren Bericht mit dem Wunsche, daß He« Wand«- redn« Klein auch einmal in einem Arbeit«vi«tel B«lins einen öffentlichen Vortrag halten möge. Die Arbeiter lassen fich bekanntlich g«n belehren, daß fie aber auch ihre Antwort nicht schuldig bleiben werden, dessen find wir gewiß! —(Wir geben diesen Bericht, wie er uns von einem Freunde unseres Blattes zugeht, unverkürzt wieder, und schließen uns, da wir die Frage der allgemeinen Volksernährung für offene hallen, namentlich dem letzten Wunsche des Herrn L: senders an. Eins scheint unS aber doch wichtig genug, gleich hier darauf zurückzukommen. Der Referent, Herr M- pries als leuchtendes Vorbild dem deutschen Arbeit« den fischen Kuli an. Mir welchem Recht, ist uns allerdings# klar. Wenn der Herr Referent den chinesischen Arberter M einen Vegetarier fcalt, so befindet er fich ganz gewallig Jrrthum. Der Chinese ist durchaus Omnioore, d. O- Mensch, d« Alles— gemischte Kost— genießt. Er wnd � Vegetarier, wenn er keine Flnschkost hat. Wir wissen rMi aus welchen Gründen der vegetarische Redner die Ehinefl» ihrer„Genügsamkeit" für besondns empfehlenswetth W'- scheint uns fraglich, od dieser Herr Chinesen persönlich leiw gelernt hat. Wir können ihm aus eigener Anschauung° fichern, daß es keinen wiederrrärtigeren Fleischefier güdt � gerade den Chinesen. Wir haben mehr als(W Gelegenheit gehabt, so sehen, wie chinestsche Ardeiter aus d Kadaver einer verendeten Katze oder Ratte fich ein für>» Geschmack sehr leckeres Mahl bereiteten, und ob Spinnen s Eidechsen auch noch zu den Vegetabiiien gezählt werden dun' das mag Herr Klein ebenfalls entscheiden. Wenn vollends sächsischen Arbeiter ins Treffen geführt wnden, so bedoit wohl kaum einer ernsthaften Wrdnlegung, man kann w', sagen:„Hier liegt da Knüppel beinr Hunde", wenn der°. fiche Arbeiter— und das darf wohl im Allgemeinen bed» werden— mehr Geld verdienen würde, so würde er fl® scheinlich auch besser nähren- Diese„Genügsamkeit" W L ihren guten Grund. Allerdings ist es sicher, daß Völler weniger Bedürsmß nach Fleischkost haben als da wir aber in einem gemischten Klima leben, werden w""v, m auch auf gemischte Nahrung angewiesen sein. Je höh«.-. nach Norden geht, desto mehr ist eine möglichst fette iiuu.; �vvivtu iAtu*-/ vtfiv tuit inu�uu�fi iv»»v nahrung zur Erhaltung des menschlichen Organismus lich. Man nehme einem Eskimo seinen Thran und Robbenspeck und beköstige ihn mit Acpfcln und Apfels., wird er höchst wahrscheinlich sehr bald eingehrn- Urb! d- ist das Bestreben, welches sich bei den Bemühung,-, Vegetarier bemerklich mach*, zu dem Urzustand unser« lichen Ve-Hältniffe zurückzukehren, durchaus nicht niWOL, anzuei kennen; die Natur hat das Menschengeschlecht wahr'® j lich nicht deswegen mit Verstand und Vernunft begab',,,., man in der Ernährung auf dem Standpunkt der ersten stehen bleib«, sond«n auch wohl deshalb, daß wir um« � jeweiligen Verhältnissen, unter denen wir uns befinden, psS sollen und können, was unsnem Kö per am ZuträglMeb D. h. Von ein»m nur durch die Einigkeit aller betm. den Kartonarbeiter erzielten Erfolge in einem KovM.,, dem Prinzipal geht uns nachträglich aus der I a c o b% schen Karlonfabnk, Schillingstraße 12, die erfreuliche lung zu, daß zu Anfang ver vorigen Woche die sest*3, Zeit mit ihren Arbeitsbedingungen unzufriedenen 30 arbeit« der Fabrik einmüthig die Forderung auf Heradiej der täglichen Arbeitszeit von 10'/, auf 10 Stunden, fern� Gewährung eines Lohnzuschlages von 16 Prozent und' Minimallohnes von 18 Mk. wöchentlich geltend zu v suchten. Nachdem fie damit anfänglich vom Prinzipal, b« - weile« Verhandlung ablehnte, mit Entschiedenheit abgevA worden waren, bewilligte dnselbe, als er sah, daß(M'w "~" und fest entiltU 30 Mann auf ihr« Forderung bestanden und fest enli«-� waren, ausnahmslos die Arbeit einzustellen, doch schvii � darauf Alles, was fie verlangt hatten. Man steht also daß Einigkeit auch den Schwachen Stärke vnleiht- � Eine Versammlung der Näh- und Dam-nsÄrt$% macher findet heute, Donnerstag, Abend präzise 8'/,% oberen Saale bei Keller, Andreasstr. 21 statt. Togesorb „Die von der biefigen Tischlerinnung herabgesetzten lohntarif« für Nähtische und Damenschreiblrsche". und Beschlußfassung darüber. Das Erscheinen all« dies« Branchen ist nothwcndig. Gemeinnütziges. i Die Salizylsäure im Dienste der Haushaltung � Salizilsäure hat sich vorzüglich gut bewährt zur KonservZ, von Lebensmitteln, ohne in den Erforderlichen winzigen-A gen irgend welche nachiheilige Wirkung auf Farbe, kurz Qualität der damit behandelten Substanzen oder Wohldefinden de? dieselben Verzehrenden zu haben. lizylsäu« zerstört dabei die mikroskopischen Organismen.• rasche Entwicklung das Wesen der verderblichen Gäh Fäulniß und Zersetzungen ausmacht. Auf diese Weise? Fleisch, Milch, Butt«, Bier, Wein u. s. w. lange dem Verderben geschützt und durch die kleine Aukga« � druß, Verlust und Gesundheitsschädigung vermieden. löst in 100 Theilen warmen Wassers 1 Theil' und benutzt jedes mal ein wenig davon. Mittel, um daS Anlaufe« und Gefrieren Scheiben zu verhüten. Um das so lästige und stören� laufen und Gefrieren der Scheiden und Schaufenster f � hindern, benutzt man eine Mischung aus Wasser und letzteres nimmt man nur in gering« Dosis dazu. mit diesem Gemisch die Scheiben öfters und wird Rnb% es ein Verhinderungsmittel obig« nachtheiliger Eigen!« ist- Um eine bessere Wirkung zu erzielen, nehme man kalten Waffers lieb« warmes, vaS sich wrdcrftan zeigt- Heute; Carmen. Theater. Königttche« Opernhaus. Königliches Schauspielhaus. Heute: Tirtuffe._ Deutsches Theater. Heute: Der Weg zum Herzen. Vellealliance-Theater. Heute: Dn Raub der Sabinerinnen. Neues Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Heute: GaSparone._ Central-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heute: Der Wal,«-König. Refidenz-Theater: Direktion Anton Anno. Heute: Zum 1. Male: Der VergnügungSzug. Hinauf: Die Schulreiterin.___ Walhalla-Operetten-Theater; Heute- Der Feldpredig«. Louisenstädtisches Theater: Heute: Dn Goldbauer. Ostend-Theater- Heute: Die zwei Waisen. Heute: Die Sorglosen. Wallner- Theater. Heute: Sulfurina. Viktoria- Theater. Alhambra- Theater. Heute: Selbst ist der Mann, oder: Die Schloffer von Berlin. Arbejtsmarkt. Mamsells auf leichte Dollmans verlangt 335 Wnnicke, Ädalbntstraße 75, v. 3 Tr. Knopflochatbeitc rinnen in und außer dem Hause werden verlangt Vor dem Stralauer Thor 34. Singer- Stepperinne« in und außer dem Hause v«l. 319 Bor dem Stralauer Thor 34. Arb.-Bz.-V. Laufitzer Platz. Sonntag, den 22. ds. Mts., Grosse Herrenparthie nach Johannisthal. Sammelpunkt Köpn'ckelstraße 191, Restaurant Foge. Abmarsch präzise 8'/, Uhr- Um recht rege Betheiligung ersucht Der Vorstand. Gr. V ersannnlung: des Dereins der Impfgegu« Deutschlands. Freitag, den 20. Februar, Abends 3 Uhr, im Restaurant R o t h a ck e r, Belle-Alliancesttaße 5. Tagesordnung: 1. Vor- trag über„Wesen der Impfung". Refnent he« Dr. Sturm. 2. Ditkusfion- 3. Fragekasten. Gäste, Hnren und Damen, find eingeladen. 336 Dr. Sturm. Arbeiter-Bezirksverein v. 15. u. Communal- Wahlbezirk. w Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die orvcntlia�. zf liederversammlung diele Woche ausfällt. Dagegen -onntag, dm 22. d. M., eine#. Herren-ParthJ6 (Jl nacb 8cliöiiwel(l£, statt. Versammlungsort früh präzise 8 Uhr Köpmck«## bet I v g e. Für Nachzügler Rendezvous im Neuen Krug./ SsÄtes16" Allen Freunden und Gönnern, sowie ein« geehites barschaft empfehle mein Gel-, Licht- und SeifengeschG 25. Oppeln«'"-� Im gefl. Kenntnisnahme! m A. de Neve's Special-Liste für kaufmän�jV Vacanzen erscheint wöchentlich 3 Mal Barniw!> Elegante y Masken-Gardero111 Fr. Panknin, 17Ö H 2. v' Oranienftraße 178 v 2 330 Ecke Adalbertstr. Verantwortlicher Redakteur St Cronhetm in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw. Beuthstraße 2.