Ä i minXP®, iblen, mal IfejuftinW 'a nt tM" 129 onf«' der SrtÖj Jb. 59. Mttiwoch, 11. Marz 1885. n. Jahr?. Jl trliiifrllollistilall. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" Erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementsprcis für «erlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. die Unverletztichkeit der Volksvertreter. Ei stellt sich immer mehr heraus, daß sich in der "eichsverfafsung eine ganze Reihe von Bestim« Zungen vorfinden, die sich äußerlich ganz stattlich aus- fchmen, therlweise recht freisinnig aussehen, bei denen aber ihrer praktische« Anwendung allerlei Hinterthür- Aen und Nebenumstände zum Vorschein kommen, die vorher nicht berücksichtigt worden sind. Zu diesen Be- mmmungen gehört u. A. auch der§ 31 der Verfassung *8 deutschen Reiches, welcher bestimmt, daß Mitglieder des Reichstags während einer Sitzungsperiode ohne Genehmi- iung des Reichstag« nicht verhaftet werden dürfen. Dem entsprechen� ist auch im Strafgesetzbuch eine Bestimmung oorhanden, welche der Reichsverfassung zuwiderhandelnde �kamte mit schweren Strafen bedroht. Namentlich richten M die einschlägigen Bestimmungen gegen solche Beamte, 'o einen Abgeordneten mit Gewalt abhalten, an den Sitzungen deS Parlament«, dem sie angehören, Theil zu "«hmen. Solche Bestimmungen find unsere« Erachten« durchaus f�chtfertigt und nothwendig, denn die Parlamente ent- Jeiben oft in den wichtigsten politische« und volkswirth- >?astl,chen Angelegenheiten. Dabei kann ein Volksvertreter JiJ* fehlen, ohne die Interessen seiner Wähler, resp. die i, Lanzen Vaterlandes zu vernachlässigen. Die Entschn- °ung kann dabei an einer einzigen Stimme hängen und so man im konstitutionellen Staatsleben den Parla- ®ot' selbst darüber zu entscheiden, ob die von e»nem ,.?l8anwalt gegen eine« oder mehrere ihrer Mitglieder ik... � Anklagen wichtig und schwierig genug sind, um 9 etwtllc« die parlamentarische Thätigkeit dieser Mitglieder «n unterbrechen. Nun sind schon mehrmals Verhaftungen von Ab- Ordneten vorgekommen, ohne daß vorher der Reichstag seine Einwilligung gefragt worden wäre. Wir erinnern ** den seinerzeit viel besprochenen„Fall D i e tz" und die im Frühjahr vorigen Jahre« auf de« Bahnhof zu s�l erfolgte Verhaftung der Abgeordneten F r o h m e und �vllmar, als diese von dem Kongresse ihrer Partei K Kopenhagen zurückkehrten. Welcher Partei die vir- [Wielen Abgeordneten angehören, hat mit der Sache selbst Mi« zn thun; für alle wahrhaft freisinnig denkenden jftjMente handelt eS sick nur darum, daß die in der Ver- '»ssung vorgeseheheven Rechte der Abgeordneten, die man '»ch Volksrecht- nennen kann,«eil sie in rhren Wrr- "Sen dem Volke zu Gute kommen, gewahrt werden. . Nun hat die GelchäftSordnungSkommisfion de« Reichs» y* bezüglich der Verhaftung der Abgeordneten Frohme "d Bollmar zwar ausgesprochen, daß diese Verhaftung S»« Hz verboten.] JeuMeton. Ge su ch t und gefunden. Roman von Dr. Dur (Forsetzung-j Der Prediger Wilhelmi war den ganzen Abend bei �"Kranken. Er hatte mit ihm gesprochen. Bei seinen 7Me«worten hatte einmal der Kranke die Augenlider auf- «Wagen; sie hatten sich aber bald wieder gesenkt. Wohl Stunde saß Wilhelmi an seinem Lager, dann hatte m fi* V4"« lap zuzuyeim»> "ch kopfschüttelno entfernt. Als Wilhelmi in seiner Wohnung ankam, war er s��scht, sein Wohnzimmer hell erleuchtet zu finden. Zu ltw �ler Stunde war sonst bei ihm tm Hause anderes Sicht al« da» gedämpfte Licht der &"beschirmten Arbeitslampe seine« StudirzimmerS. -i» ein Besuch dort sei«. Erwartungsvoll trat er hZ D'e alte Haushälterin kam ihm bereit« auf dem Flur "Hfn Pastor, e« ist ein Herr da." -Em Hnr?" ein Fremder- und mit der Extrapost von 'nthal gekommen." USGWW lvtten Ständen angehörig.. � in Neisekleidern, und erhob sich, al« Wilhelm, W'?.ch �be Ihnen zunächst zu erklären, Herr Pastor," '«Weshalb ich zu so später Stunde zu Ihnen den Bestimmungen der Reichsverfassung zuwiderlaufe, sie hat aber dem Antrage, die Beamten, welche die Ver- Haftung ausgeführt, auch bestrafen zu lassen, nicht statt- gegeben. Die Gründe für Ablehnung diese« Antrages wurden in der Kommission ganz offen ausgesprochen. Man sagte, daß man die Bestrafung zwar wünschen und be- schließen, die Regierung aber nicht zwingen könne, einem solchen Beschüsse Folge zu leisten. Und so bleibt«» denn der Regierung überlassen, gegen die betreffenden Be- amten strafrechtlich vorzugehen oder nicht. Der Fall liegt ganz klar: eL f.hlen dem Parlament die Machtmittel und die Organe, um von den im § 31 der Reichsverfassung ihm verliehenen Rechten Gebrauch zu machen. Hieraus ersieht man wiederum, wie mangelhaft der KonstitutionalismuS bei un« ausgebildet ist. Würde man über die Anfänge eines konstitutionellen Leben« hinaus- gekommen sein, so hätte sicherlich der Reichstag auch die Befugniß, für die Fälle, in denen die Reichsoerfassung verletzt wird, einen Gerichtshof aus feiner Mitte zu bilden, der über die Beamten abzuurtheilen hätte, die nach der Ansicht de« Reichstages sich gegen die Verfassung vergangen haben. In anderen Ländern ist der KonstitutionalismuS schon vor langer Zeit so weit vorge- schritten gewesen, daß große StaatSprozesse gegen de- stimmte Personen von den Parlamenten geführt wurden. Wir erinnern an die großen englischen StaatSprozesse, an den Prozeß gegen die Minister Karls X. von Frankreich und an die bi» in die neueste Zeit fortgesetzten Staats- Prozesse vor dem Reichsgericht in Norwegen. Auch in Deutschland können in einzelnen Staaten besondere StaatSgerichtShöfe von den Parlamenten eingesetzt werden, allein eS ist in neuester Zeit und innerhalb de« Rahmen« unserer neuesten politischen Entwicklung zu solchen Attionen nicht gekommen. Wir wissen wohl, daß die heutige hochgehende reaktto- näre Strömung darauf gerichtet ist, die Befugnisse der Par- lammte noch mehr zu beschränken; wir appelliren also nicht an jene Leute, die schon im„parlamentarischen Regime" die bekannten„Wege zum Umsturz" entdecken. Wir wollen nur darauf hinweisen, daß man auf die äußer- liche Form von VersasiungSbestimmungen nicht allzuviel Werth legen kann, wenn sie auch anscheinend freifinnig find, so lange nicht auch die Mittel und Organe vorhanden sind, um die bezüglichen Bestimmungen zur A u S f ü h- rung zu bringen. Wir haben sonach in Deutschland noch keine» Grund, un» unseres KonstitutionalismuS, auf den man sich an ge- wrsier Seite so oft beruft, besonder» zu rühme». komme. Der Zweck meine« Hiersein« wird diese Freiheit hoffentlich entschuldigm. „WaS auch der Zweck Ihre« Hiersein« sein mag," antwortete Wilhelmi,„ich heiße Sie willkommm und bitte Sie, Platz zu nehmen." „Mem Name ist Fritz Rodenburg." „Rodenburg! Ah der Neffe de« Gutsherrn von Feldau! Herzlich willkommen!" rief Wilhelmi, seinem Gaste die Hand reichend.„Ich durfte von Ihrem edlen Herzen erwartm, daß Sie meiner Aufforderung Folge leisten würden. Ihre Anwesenheit würde gewiß Ihrem Onkel cin Trost im Scheiden gewesen sein, und würde ihm die schwere Stunde erleichtert haben... Jetzt ist e« zu spät!" „Zu spät? Also er ist todt?" „Im Sterben; vielleicht hat sein Puls in dieser Mi- nute schon den letzten Schlag getha».. Da« Unrecht, wa« er gegen Sie begangen, hat er leider nicht mehr gut machen können." „Von welchem Unrecht sprechen Sie?" „Er hatte den Vorsatz, da« Testament zu Ihren Gunsten zu ändern; doch, er gewann nicht mehr die Kraft �„O, sprechen wir nicht mehr von seinem Testament; das ist auch ohne feine Aenderung ungiltig..... Herr Wilhelmi, ich muß Sie bitten, mich zu ihm zu geleiten. Lassen Sie un« keine Minute versäumen.... Man muß den schwachen LebenSfunke», der noch in ihm glimmt, zu erhalten und wo möglich anzufachen suchen, daß er so lange vorhält, bi» er seine Hände segnend auf da« Haupt seines Sohnes gelegt." „Wie, seine» Sohne«?" „Kommen Sie, Herr Prediger; ich erkläre Ihnen da« Alle« unterwegs. Lassen Sie un« keine Minute ver- säumen." Wilhelmi war so überrascht und bewegt, daß er kein Wort erwidern konnte. Schweigend schritt er an der Seite de« junge» Manne« dahin. Wa« ihm Fritz mittheilte, setzte ihn in Erstaunen und betrübte ihn tief. Um de» Sterbenden willen be- Kolitiscke UebersirKt. Der BundeSrath hat den ReichstagSbeschluß aus Anlaß eines Anttage« deS Abg. Paper, wonach die veibündct'n Re. gierungen ersucht werden, spätesten« in der nächsten Sesfion de« Reichstages Vorschläge zu machen, welche eine durchgrei- sende Ermäßigung ver Gerichtsgebübren herbei- führen, als durch das Reicksgesetz vom 29. Jui 1881 gewährt worden find und welche mit der Revision des Gerichtskosten- gesetzes eine solche der Gebühcenorvaung für Rechtsanwälte verbinden,— dem Reichskanzler überwiesen. Sicherheitsmaßreaelu gegen schlagende Wetter. Die Kommisston. welche zur Untersuch ang von Sicherheitsmaßregeln gegen schlagende Wetter niedergesetzt worden war, hat, wie man erfährt, ihre Arbeiten nahezu fertiggestellt. Ja der letzten Sitzung derselben, welche im Dezember v.J. stattfand, wurden die im Einzelnen gefaßten Beschlüsse nebst ven noch vorliegen- den Anträgen und Vorschlägen zur Feststellung der wichtigsten grundsätzlichen Bestimmungen über Wetterführung der um drei Mitglieder verstärkten wissenschaftlich-technischen Ablheilung überwiesen. Die noch ausstehenven Einzelarbciten werdm vor- ausstchtlich im April d. J. beendet sein und ver envgiltige Ab- schluß der gesammten Thätrgkeit der Kommisston dürfte im Juni d. I. erfolgen. In der Sitzung vom Dezember v. I. wurde der Wunsch ausgesprochen, daß nebm dem in Ausstcht genommenen umfaffenven General-Berickte auch öie einzelnen Protokolle, die Gpczialberichte und das sonstige wich igere Na- terial ver Kommisston in SeparatauSgaben zur Veröffentlichung gelangen möchte.— Die gräßlichen Unglücksfälle, welche fort- wäh' end aus den Kohlendtstnkten gemeidet werden, zeigen auf's Deutlichste, welche Bedeutung diese Frage hat. Es wäre also wünschenswertb. daß die Äommisfion ihre Arbetten möglichst beschleunigte; jedenfalls wird der deutsche Reichstag bei Be- rathung dieser Maßregeln den Kohlengrudenbefitzern die Pflicht auferlegen, die modernsten und sichersten Schutzvorrichtungen einzuführen. Gegen die Erhöhung der Getreidezölle waren bis zum 4. März 813 Petionen mit 204 379 Unterschriften, für die Er- höhung 1314 Petitionen mit 190 212 Unterschriften dem Reichs- tage zugegangen. Seitdem ist noch eine Petition gegen die Er- höhung mit 20 000 und andere Petitionen mit 2000 Unterschristen eingelaufen. Die Antikornzolldewegung, von der Gegner und zweifelhafte Freunde kühnlichst behaupten, sie bedeute nur einen Schlag ins Wasser, hat also bereits einen Vorsprung von über 35000 Unterschriften gewonnen. Die Gegner der Brodsteuer mögen sich also— so mahnt die„Lib. Korr."— wohl hüten, die Flinte in das Korn zu werfen. Erst die dritte Berathung der Zolltarif-Nooelle wird die definitive Entscheidung bringen. Wenn diejenigen, die durch die Verdreifachung der Getreide- zölle geschädigt werden, bei den Wahlen zum Reichstag ihre Stimmen erhoben hätten, würde die schutzzöllnerische Majorität schwerlich zu Stande gekommen sein. Nachdem das geschehen, bleibt nichts übrig, als auf dem loyalen Wege des PetttionS- rechts den gewählten Vertretern der Ration begreiflich zu machen, daß fie ihre Vollmachten mißbrauchen, wenn fie den Groß- klagte er da» unselige Geschick, wa« verhindert hatte, daß diese große Entdeckung nicht ftüher ge- macht war. Emmp und Charlotte saßen noch am Krankenbette. Da hörten sie Schritte im Flur. Beide Mädchen horchten auf. Wer konnte da» sein? Es waren Männettritte. Wer wagte den Korridor zu betteten und durch da» Geräusch von Schritten den Kranken zu stören? Char- lotte öffnete leise und geräuschlos die Thür. Sie blickte hinaus. Da erkannte sie die beiden Männer, welche auf das Krankenzimmer zuschritten. Entschlossen vertrat sie Ihnen den Weg. „Prediger Wilhelmi", sagte sie,„Ihnen darf ich den Eintt'tt nicht wehren, Ihr Platz ist am Bett de» Sterben- den; doch einen Andern darf ich auf ausdrücklichen Befehl des Herrn nicht vorlassen." „Es ist Befehl deS Herrn Rodenburg, daß dieser Herr, sein Neffe, zu ihm kommt," antwortete Wilhelmi fest. „So erlauben Sie, daß ich erst Fräulein Am- berg..." „Es ist nicht nöthig," unterbrach sie Fritz,„Fräulein Ambera zuvor in Kenntniß zu setzen. Ich komme nicht, um d,e Erbschaft mit Fräulein Amberg zu theilen. Sagen Sie derselben, daß ich komme, mit ihr gemeinschaftlich zu ope» riren, wie mir da« Fräulein damals anbot." Er schob Charlotte bei Seite, und Emmy, die durch da« im Flüsterton geführte Gespräch herbeigerufen war, taumelte einen Schritt zurück, ajs sie die Eintretenden er- kannte. Sie erbleichte und konnte kein Wort sagen. Erst als sie Fritz ruhigen Schritt« sich dem Kranken nähern sab. da stellte sie sich ihm in den Weg. „Herr Doktor. Sie wagen gegen den ausdrücklichen Befehl Ihres Onkel« diese Schwelle wieder zu- be- tteten?...." „Ja, mein Fräulein, ich wage e« wieder in diese» HauS zu kommen, und zwar weil ein glücklicher Zufall die Lügner demasknt hat. Doch nun— erlauben Sie— mein Platz»st h»er. Sie mögen hier bleiben, wenn e« Ihne» arundbefitzern auf Kosten der großen Mehrheit der Bevölkerung Sondervortheile bewilligen. Franrserch. Die Franzosen haben in Tonkin abermals einen Erfolg zu verzeichnen. Eine in Paris eingegangene Meldung deS Generals Briere de l'Jsle wiederholt, daß er am 3. d. MtS. in Tuyenquan angekommen fei, und fügt hinzu, daß er in einem Defilee vorwärts von Tuyenquan auf Schwarzflaggen und die Armee von Uunnan in stark verschanzter Stellung ae- stoßen sei, mit der er einen heftigen Kai».pf bestanden habe. In der Nacht vorder habe der Feind die Belagerung aufge- hoben. Die französtsche Besatzung von Tuyenquan habe nach Oeffnung einer Bresche fieben Smrmangnffe auSaehalten und dem Feinde große Verluste zugefügt. General N-grier habe chinestsche FortS an der Grenze sowie bedeutende Mengen von Munition und Magazine zerstört. Wie femer dem„Temps" aus Hanoi von gestern gemeldet wird, find die chinestschen Verschanzungm vorwärts Tuyenquan erst nach zweitägigen Kämpfen genommen worden. Die Chinesen, wilche den hart- näckigsten Widerstand leisteten, wurden vollständig geschlagen und erlitten sehr bedeutende Verluste- Jtalren. Nach langen und aufregenden Debatten hat die italienische Kammer die Vorlagen der Regierung über das Abkommen mit den Eisenbahngesellschaften angenommm. Mit der Annahme dieser Vorlage bat daS italienische Volk nunmehr die Ver- pflichtung. den Eisenbahngesellschaften die Taschen zu füllen. ES handelte fich um die Frage, ob StaatibaHncn oder Privatbahnen? Die Minister und die Mehrheit der Kammer schwärmten für Privatbahnen und so kam die Vorlage zu Stande. Statt also die wichtigsten Verkehrsmittel in die Hände deS Staates zu bringen und dem Staate den Gewinn, welchen die Bahnen abwerfen, zu fichem, hatte die Regierung nichts EÜigeres zu tbun, als für die Jnterefien der Groß-Kapitalisten einzutreten. Die Beratbungen haben 65 Sitzungen in Anspruch genommen, die Opposttion machte dem Ministerium DepretiS das Geschäft zwar etwas schwer, indeß wurden die Vorlagen, nachdem Depretis die KabinetSftage gestellt hatte, mit geringer Mehrheit angenommen. Dänemark. Der vormalige Minister Krieger griff die Regierung im LandSthing(Oberhaus) an und fordert« zu einem Kompromiß mit dem Folkething und die Regierung zur Abdankung auf. Ministerpräfivent Esstrup antwortete: von Abdankung könne keine Rede sein; wenn die Kammern fich nicht über ein Finanz« Gesetz einigten, sei eS der Reichstag, der abdanke. Das LandSthing genehmigte darauf in zweiter Lesung ein interi- mistisches Ftnanzgesetz, übereinstimmend mit der Regierungs- vorläge. Grohbrita«n»e«. Währmd in voriger Woche die afghanische Frage in London von den Diplomaten in einer Weise erörtert wurde, die Vertrauen auf die Erhaltung des Friedens erweckte, haben beide Theile die Rüstungen für alle Eventualitäten fortgesetzt. Während englischerseits große Truppenkonzentrationen für die Mitte März beabsichtigte Zusammenkunft des Vizekönigs von Indien mit dem Emir von Afghanistan vorbereitet werden, trifft, wie dem Lemberger„Przeglocd" auS Petersburg gemeldet wird, Rußland Vorbereitungen, ein Armet> Korps von nahezu 35000 Mann von Baku über das kaspische Meer nach Mittel- Asten zu senden. General-Adjutant Fürst Tarchan-Murawow soll zum Kommandanten und Generalmajor Folschyn zu dessen Generalstalschef bestimmt sein. AuS diesen Rüstungen kann man fteilich keinen Schluß auf den Bruch des Friedens machen; nimmt man aber die neuesten Nachrichten aus Lon- don hinzu, so kann man fich nicht verhehlen, daß die Situs- tion augenblicklich btunrudigeuder wie vor einigen Tagen er- scheint.„Daily NewS" bestätigen, daß die englische Regierung in Peteisdurg die Zurückziehung der jensettS der Grenzen Afghanistans befindlichen russtschen Truppen verlangt habe, es werde damit von Rußland nichts weiter verlangt, als was dasselbe England gegenüber wiederholt feierlich versprochen habe. Von dem zwischen den beiden Kadineten fortdauernden Mei« nungsaustausch werde die Lösung der Frage abhängen. Tie „Morningpost" erfährt, daß Giers schon vor Abscndung der letzten englischen Note dem britischen Botschafter gegenüber nachdrücklich erklärt habe, daß die Zurückziehung der russischen Truppen aus ihren gegenwärtigen Stellungen angesichts der starken Konzentrirung britischer Truppen an der afghanischen Grenze nicht leicht bewerkstelligt werden kann. Bezüglich der Stellungen der englischen Truppen wäh« rend des SommerS hat General Wolseley folgende Anord- nungen getroffen: Das Hauptquartier wird fich in Dongola befinden. Das GroS der Armee wird im Lager in Korti bleiben. Die Truppen deS Mudirs sollen in Merawi stationirt werden, wahrscheinlich mit der„Schwarzen Wache", einer Abtbeilung des 19. HusarenrcgimentS, und zwei Gr- schützen. Es weiden zwei bewegliche Kolonnen gebildet, die jeden Augenblick zur Altion dereit find. Eine von diesen, be« gefällt, mein Fräulein; ich verbiete Ihnen nicht anwesend zu sein; für Ihre Jntriguen haben Sie nichts von meiner Seite zu fürchten. Lassen Sie sich das zur Beruhigung gereichen.". Er trat jetzt an das Lager des Kranke». Die abge» magerten, welken Hände lagen bewegungslos auf der Decke. yritz erfaßte den Puls, näherte dann fein Ohr der Brust des Kranken, den Athem belauschend. „ES ist ein Zustand höchster Lethargie," sagte Fritz. „Der PulS ist im Verschwinden, der Athem schwach und ausgesetzt. Ja wohl, der Tod hat bereit» seine Hand ausgestreckt nach ihm; indessen er fällt demselben nur zum Opfer, wenn fein Organismus sich nicht zum Wider« stand aufrafft. Es giebt noch eine Hilfe." Fritz schwieg eine Weile. Dann sagte er: „Medikamente helfen hier nicht; vielleicht aber hilft etwas Andere», um den Funken, der im Verlöschen ist, auf Monat« anzufachen; doch ich muß ihm zuvor ins Auge sehen." Da ergriff der Prediger deS Kranken Hand. „Herr Rodenburg," fagte er, indem er feine sonore Stimme möglichst dämpfte, aber doch so laut sprach, daß selbst den sterbenden Sinnen des Kranken der Ton hörbar wurde,„Herr Rodenburg, öffnen Sie die Augen und sehen Sie an Ihrer Seite Ihren Neffen, der an Ihrem Bette steht, um Ihnen seine und seiner Geschwister Vergebung zu bringen.... Hören Sie? Fritz Rodenburg ist's, Ihres Bruders Sohn. Er kommt im Namen seiner Ge- schwister, er steht im Namen seiner Geschwister an Ihrem Sterbebette." Der Kranke hatte ihn gehört. Langsam erhoben sich seine Lider. Das Auge war wohl glanzlos aber nicht er« fiorben. Eine langsame Bewegung deS AugeS nach ver« fchiedcnen Richtungen deutet« an, daß da» Bewußtsein ihm nicht entschwunden sei. DaS Auge blieb an Fritz haften. Er erkannte ihn, das war klar. Nur einen Moment währte dieser Blick. Da begannen die Lider langsam fich wieder zu senken. Da beugte Fritz fich über ihn herab. „Hm Rodenburg," sagte Fritz,„schließen Sie nicht stehend aus General Dormer's Brigade von drei Bataillonen Infanterie, einer Abtheilung Husarm und vier Geschützen, wird unweit Debbeh ein Lager beziehm; und die andere unter dem Befehl von General Brackenbunj soll irgendwo zwischen Debbeh und Handak postirt werden. Das schwere Kameelkorps wird gegenüber den Hannek-Katarakten lagern. Für die Truppen werden Hütten aus Lehm und Schilf errichtet, da während der Sommermonate die Hitze in den Zelten geradezu unerträglich wäre.— Aus Suakin vom Sonntag wird gemeldet, die durch die Kavallerie in der Umg-gend vorgenommenen Rekognos- zirunaen hätten die Anwesenheit feindlicher Streitkräfte in Stärke von etwa 10 000 Mann ergeben. Amerika. Der Senat bestätigte einstimmig und ohne weitere Debatte die Nominationen für Cleveland's Kabinet. — Ein Telegramm aus Bridgeport, Conneclicut meldet, daß die englische Regierung 50 Millionen und die russische Regierung 100 Millionen Patronen in der dortigen Union M-tallic Carbridge Company bestellt hat. ES sollen dies, wie der„Standard" meldet, die größten, je gemachten Bestellungen sein und man sagt, daß noch andere OrdreS existiren, deren Einzelheiten aber nicht bekannt seien.— Da kannS also wieder ordentlich losgehen; es geht doch nichts über die Zivilisation unserer Zeit! kommunales. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten« Versammlung am Donnerstag, den 12. März ct., Nachmittags 5 Uhr. Vorschläge des Ausschusses für die Petitionen— Vier Naturalisationsgesuche— Berichterstattung über den Stadt« haushaltetat pro 1. April 1885/86 und zwar über Kapitel 1 (Kämmerei-Verwaltung) und Kapitel 7(Armen-Verwaltung)— Vorlage, betr. die Verpachtung der städtischen Hebestelle zu Martinickenfelde— Desgl.. betr. den Ankauf des der Petri- Kirchengemeinde gehörigen TheileS deS alten JakobS-KirchbofS in der Kürasfierstraße— Desgl, betr. die Anfrage von Mit- gliedern der Versammlung wegen Genehmigung der Preisliste für die durch die Deutsche Edison-Gcsellschaft, bezw. deren Nachfolgerin auszuführenden elektrischen Beleuchtungsanlagen. — DeSgl., betr. die bei der Haupt-Stistungs-Kaffe in den Jahren 1883 und 1884 eingegangenen Vermächtnisse und Ge- schenke.— Desgl., betr. vre Anzeige des königlichen Prooin- zial-Schulkollearums, daß die öffenilicken Schulprüfungen für Ostern d. I in den hiestzen höheren Lehranstalten fortfallen. — Desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Gemeindeschule auf dem Grundstücke Höchsteftraße 34/35.— Desgl., betr. daS Projekt zum Neubau eineS Pavillons auf dem Krankenhaus- grundstücke am Friedrichshain für diphtheritislranke Kinder.— Eine Rechnungssache.— Eine Unteistützungssachc.— Eine Penfionirungs lache.— Vorlage, betr. die Ertheilung eines Ehren bürgerrechts. Aus der Sitzung der städtischen Baudeputatio« am Sonnabend. Betreffs des von dem Gcmeindeurchenrath der Sophienlirche dem Magistrat ringereichten Projekts einer neuen Straße zwischen der Großen Hamburger- und der Sophien st raße im Zuge der Krausnickstraße beschloß die städtische Baudeputation, dasselbe den Kommunalbehörden zur näheren Beachtung zu empfehlen, namentlich der Kirchenge- meinde eine Beihilfe zu dieser Straßenanlage unter der Vor- auSsetzung in Lusficht zu stellen, daß der Sophienkirchhof der Stadt zur dauernden Benutzung dehufS Anlage zu einem öffentlichen Garten resp. Schmuckplatz überlassen wird.— Das Projekt der Durchlegung der Wörtherstraße über die Schönhauser Allee nach der Chorinerstraße ist von der Baudeputation ni qt als ein solches anerkannt worden, das im öffentlichen Interesse geboten erscheine. Dieselbe hat daher beschloffen, die eventuelle Ausführung des Projektes der privaten Spekulation zu überlassen.— Denselben Beschluß faßte die Baudeputation betreffs des von Anwohnern der Kommandantenstraßc beim Magisttat gestellten Antrags, eine Verbindungsstraße zwischen Seydel- und Beuthstraße auf dem Terrain deS ehemaligen Grünen Grabens herzustellen. Die Minden-Sobernheim'foen Erden beabsichtigen auf ihrem in der Brunnenstraße belegenen großen Terrain eine neue Straße anzulegen. Die städtische Bau- deputatwn hat beschloffm, die Aufnahme dieser Straße in den Bebauungsplan den Kommunalbehörden unter der Voraus- setzung zu empfehlen, daß die von den Unternehmern von Straßenanlagen zu erfüllenden ortsstatutarischen Bedingungen ficher gestellt werden._ o k n l e s. Die Reserviste« und Landwehrmänner Berlins wer« den in diesem Jahre zum ersten Male nicht mehr durch beson- derS ausgetragen« auf die Person lautende OrdreS, sondern versuchsweise durch die Zettungen zu den diesjährigen Früh- jahrs-Kontrol-Verfammlungen eingeladen werden. Ein fleißiges Studium der Zeitungen für die nächste Zeit dürfte fich daher um so dringender empfehlen, als daS Nichterscheinen zur Kon- wieder daS Auge; halten Sie es offen, um Ihren Sohn zu sehen!" Di« bereit« halb gesenkten Lider erhoben sich langsam wieder. Wahrlich I Jetzt hatte daS glanzlose einen AuS- druck. Es war schmerzvoll fragend auf den Sprecher ge- richtet. „Ihr Sohn lebt!" fuhr Frih fort.„Raffen Sie alle Energie zusammen! Schließen Sre nicht wieder daS Auge! Sehen Sie mich an, hören Sie mich an, dann werden Sie leben und Ihren Sohn, den Sie für todt hielten, um« armen!" Die Worte des Arztes machten einen solchen Eindruck auf den Kranken, daß sich in der That da« Auge nicht wieder schloß, vielmehr schien eS, als ob e« sich unnatürlich weit öffnete, und starr war eS auf den Sprecher gerichtet. Diese Worte hatten aber nicht allein auf den Sterbenden eine solche ungeheuere Wirkung, sondern auch auf andere Pirsonen. Emmy und Charlotte stießen einen Schrei auS, sanken gleichzeitig auf einen Stuhl und saßen da, wie vernichtet, sich einander anstarrend. Wilhelmi und Fritz beachteten diese Wirkung nicht. Ihre Aufmerksamkeit galt allein dem Patienten. „Diesmal Hat'S gewirkt," flüsterte Fritz.„WaS un» jetzt obliegt, ist, zu verhindem, daß der Kranke die Augen wieder schließt und die Lethargie fich seiner wieder be- mächtigt. Schließt er noch«in Mal die Augen, so schließt er sie für immer. Sein Zustand ist ein solcher, in welchem Willensstärke die Auflösung der Kräfte verhindern kann; überläßt er sich der Apathie, und kämpft der Kranke nicht gegen dieselbe, so erliegt er. Sein Organismus hört auf zu funktioniren." Fritz hatte den Zustand de» Kranken durchaus richtig beurtheilt. Die Kur, welcher man den Kranken bisher unterworfen, hatte feine Kräfte bis auf's Aeußerste ge« schwächt. Stundenlang blieben Wilhelmi und Fritz vor dem Bette deS Kranken. Beide suchten den Kranken nicht allein aufzuregen, in ihm die erstorbene Hoffnung zu wecken, da» Theuerste, wa» er auf Erden besaß, wiederzusehen, sie wußten ihm auch die trol-Versammlung vor wie nach disziplinarisch geahndet w* Unkenntniß schützt also auch in diesem Falle nicht vor€&* Da» diesjährige Militär-Musterungs-Geschäft i» Kreise Teltow beginnt am Montag, den 16. d. M., u"' wirv täglich in den verschiedenen Ortschaften des KretteS m» Ausnahme der Sonntage und der Woche vom 2. bis 6. k. R bis zum 16. k. M. fortgesetzt. Die Entscheidung über W Rekiamationen findet am 14., die Losung am 15. und M Klasfifikation der Reservisten und Landwehrmänner am 15. l M. im„Schwarzen Adler" zu Schöneberg statt. In den öffentlichen Parkanlagen ist man gegenjvärti« dabei, den gefiederten Sängern ihre Wohn- und Brutftätt!« bereitzustellen. Eine bedeutende Vermehrung erfahren � Kästen für Staare, um diese ebenso schönen, wie auch für W ganze Bodenkultur nützlichen Vögel, die in ihrem zuW lichen Wesen die Nähe menschlicher Wohnungen dem Waldleden vorziehen, in immer größerer Zahl heimisch P machen. Wer es in Verlin geschickt anzufangen versteht, s« kann— so schreibt der„Nat.-Ztg." ein aufmerksamer Beobr» ter des Straßenlebens— wohl eine Zeit lang fich recht uiw schlecht durchschlagen, auch wenn es ihm an allen Mitteln f# Das Programm, welches dieser liebenswürdige Mensch � wirst, ist allerdings kein sehr anmuthendes, aber es läßt i» der Kuriofität wegen doch hören. Für ein Dach über des Kopfe, so meint er, sorgt nicht allein die Polizeiwache, senW' auch das Asyl für Obdachlose.(Aber wie!) Ist's in eine* Hotel eisten Ranges auch wähltet was komfortabler, so muß? der Roth die Plüsche und der vtrohsack immer noch begehrn» werther sein als das Quartier bei Mutter Grün. Für«JJ Morgenimbiß sorgt das Asyl, für daS Mittagbrot aber W &Ä S'ö «■ Zedlitz-? % t, legen dies« ». V »eiche Bei wiannten Inhaber bi 6t. i „- Ludwi «aalietfr VolkStüche, die für 15 Pfennige eine Portion Essen giebt,«f! der man im Nothfalle einen ganzen Tag auskommen kann- Für das Aufstutzen deS Äeußern find der Gelegenheiten ft viele. Vor dem Hause Stralauerstraße Rr.* braucht man nur mehrere Male auf- und oWj gehen um dann— je weniger vertrauenerweckend Aeußere ist, desto eher erfolgt die Einladung— einzutr«� Und drinnen geht'S sofort an den Kopf. Denn hier IM Friseurfachschule der Berliner Barbiere und hier freut monjr stets, wenn man bereitwillige„Modelle" für die findet, welche die angehenden Haarkünstler zu machen Wf Was kann Jemanden, dem es an einem Toilettmzimmer lV Günstigeres pasfiren, als wenn er unentgeltlich in einen r? ren Burschen verwandelt wird und ein Exterieur erhält, ihm halbwegs als Empfehlung dienen kann. Ja,«(% diese Toilette auf der Siraße sozusagen noch fortsetzen. K und wieder taucht ein wandernder Verkäufer eines Zahnpulvers auch in Berlin auf. Er nimmt in belebt««j gend an einer Straßenecke Stellung, versammelt durch MS Rufen eine Korona Neugieriger um fich, preist die seines Zahnpulvers und hat, ehe es der ahnungslose, offenem Munde zuhörende Gamm vermuthet, dem«™,. am Kragen, dessen Gebiß ihm ein günstiges MM, strations- Objekt zu sein scheint. Im Nu ist xj Kopf nach hinten geriffen und zwischen die und den linken Arm geklemmt, wo er wie ü festgehalten wird, trotz allen Zappclns, rr Masses» v n jaubter Lot eine Wem er v »ose als d Wer nod %n, ein Zar. hat' "werika, Wkontrak «"st hatte. Längen f °>nand 6tf JW er tto Wegenb ir Mne auf «5: •olung f, x", mu s � große i gfes Feil Atzen!ee M währe Weben en( "tue Straf, JjujMUi einer Schraube festgehalten wird, trotz_, Opfers. Im nächsten Moment wird daS Pulver massewj hineingeworfen, unbekümmert darum, ob auch etwas booojL die Rase geht, dann rast die Bürste— die allgemeine% — darüber bin und— eS ist wahr— nach wenigen 6(�5 präsentirt fich ein blendend weißes Gebiß. Auch ein ...........-r-nach. � einer neuen Schubwichse hat einmal den Versuch «r«in gestern! ju ��ses Mourant M'W feil D JWtzte ihn M°g auf W K? neues Fabrikat auf ähnlichem Wege in dm Handel zu bcm I g Haube Für den Bedarf an Streichhölzern sorgt eine Ungarweinb�t ziW,t,,�er lung, die ihre Retlame in dieser Weise betreibt, und!&' J übten ffiüu Lektüre neben den LUfaßsäulen die„Literatur", welche schuldig an allen Ecken vertheilt wird. Wie gesagt, es ist ja bus A» fl JU gramm, das da vorgezeichnit ist, nicht gerade zum BegeilA aber es zeigt doch, daß man in Berlin auf der Straße viele Dinge umsonst haben kann, wenn man nur verfl •Ä" ihnen in den Weg zu stellen. 0, g. Das ununterbrochen stattfindende zahlreich' � fangen von Hunden auf den Wochenmä.kten sübrt jü Annahme, daß im Publikum nur wenig daS Recht des»�ß richters und seiner Gehilfen bekannt ist, alle Hunde, während der polizeilichen Marklstunden auf dm WoA'�W '' auf antreffen, abzufangen und fie wie die übrigen, aus Straße laufenden maulkorblosen Hunde zu behandeln:� diesem Recht ändert der Maulkorb und die richtig« mnrN nirfitd hfr rnif hpm h<*rUnHflU'.(I marke nichts, welche der auf dem Wochmmarlt heruml«" ii Hund trägt. So seltsam diese Bestimmung erscheinen w � A/unv uuui. wu icuiuui*H�tvuv«„muP ist sie doch mit Rücksicht auf die hier an ver Erde und liegenden Waarm dringend geboten. Wer gezwun»- � den Wochenmarkt mit seinem Hunde zu pasfirm, der en»» kurz an die Leine nehmen. In diesem Monate werden«och zwei Schwnrg� Perioden an den hiefigen Landgerichten l und H wte'L p sang nehmen und zwar beginnen dieselben gleichzeitig° y d. M Beim Schwurgericht des Landgerichts l wird ve Ueberzeugung beizubringen, daß er nicht sterbenskra»� daß er nicht sterben werde, daß er vielmehr genesen wenn er seine Kräfte aufraffe und sich nicht apat? Schwäche überlasse. � Und wunderbar wirkte diese Medizin! Die war nicht nur Balsam für sein gebrochenes � sie war auch eine Erquickung für die erschöpften träft«., zlck Nach zwei Stunden— da bekam da» erlösche"� wieder Glanz, da Jjörte der Kranke mit sichtlicher � � nung von seinem Sohne sprechen, da war e«, Strahl der Freude die starren Züge verkläre. w' Nachdem da» erreicht war, hielt eS Fritz für 0 dem Kranken nunwehr Ruhe zu gönnen. o—. ES war erreicht, daß der Kranke LebenSmuth, � Hoffnung und den Willen zum Leben wiedergewönne j? AuS seiner Reiseapotheke hatte Fritz ein Fläschch'" gender und stärkender Tropfen mitgebracht, von w jetzt dem Kranke» einige einflößte. k>"« W A'ü er stal dem s ' fich L Z-rliit'sl * Änc" DreißigsteSKapitel. Emmy und Charlotte saßen immer noch da,> erwartungsvoll., Die Mittheilung des Arzte« hatte ihnen!! ~ Kunstgriff geschienen, um den Kranken am �„if, i. Sie hatten zu hoffen gewagt, M � f bedeute, und fie hatten daraus Beruh i bloher erhalten weiter schöpft. Als sie aber hörten, daß Felix lebe,, Nähe sei, daß er nicht« sehnlicher wünsche, � Vater zu umarmen, daß nur ein unseliger o von der Heimath und dem Vaterherzen fem h°!|iKes fie erkennen, daß da» nicht blo« ein Kunstgriss baKf! k oder gar des beeinttächtigten Erben sei. Wahrheit sei— und eine entsetzliche Niederge> bemächtigte sich ihrer, ein« Niedergeschlagenheit, � g# Emmy schließlich in heißen Thränea und laute d Luft machte. Kie. Ai Charlotte behielt noch am meisten tSoffs�e»� sie nicht auch? Ihr Äntheil an der ff- HÄ "C,"» W I d«finitiv auf den 18. d. anberaumte Termin gegen den vwdenten Oehlke. der oen Studenten Holzapfel im Duell er- Jossen hat, das Hauptinteresse in Anspruch nehmen. Neben t-ehlke find übrigens noch zwei andere Studenten, der Frbr. 5 Zedlitz-Neukirch und der Student Michael angeklagt. Letzte« 5" liegt z. Z noch an der im Duell erhaltenen Schußmunde lrank in der Charitee und es ist noch fraglich, ob die Anklage »igen diesen Angeklagten nicht abgetrennt wird. ,& Von zwei gefährliche» Raten- Loose> Händler«, Welche Berlin und die Provinz gebrandschatzt haben, dem so- flnmnntm Bankier A- Strötzel, Schönhauser Allee 174, Mhaber des„Bankhauses A. Strötzel iun., Berlin, Basel und «t. Ludwig im Elsaß", und seinem Schlafburschen, dem sog. hantier Fersinemd Schulz, ist jetzt Berlin befreit worden. -Widern Strötzel im Dezember 1884 und Januar er. eine raiswöchentliche Gefängnißstrafe wegen Veranstaltung uner- »ubter Lotterien verbüßt hatte, und inzwischen gegen ihn in pulge einer Reihe von Anzeigen über verübte Betrügereien, Wem er von ihm selbst hergestellte Bezugsscheine auf Prämien- Wsc als die Original Loose selbst ausgegeben resp. durch seinen Wher noch nicht ermittelten Agenten Walter hatte ausgeben »Inn, ein Strafverfahren wegen Betruges eingeleitet worden hat Strötzel mit seiner Familie Berlin, angeblich nach «mnika, verlassen, nachvem er sein gesammteS gegen sogen. cnhkontralt gekauftes Mobiliar dem Äöbelhändler zurück ver- »ust hatte. Man vcrmuthet, daß Strötzel nach der Schweiz Mangen sei und sich da aufhalte. Sein Schlafbursche, Fer- buiand Schulz, war Anfangs als Agent bei Strötzel thatig, W er etablitte später ein eigenes Geschäft, indem er vor- Engend in der Provinz die von ihm ausgestellten Bezugs- Meine auf Prämienloose als Original- Loose verkaufte. Auf Wen Bezugsscheinen dezeichnete er sein Geschäft als„Bank- mus Ferdinand Schulz, Beilin", auch machte er in einer An- TOung seine Kunden aufmerksam, ihre Ratensendungen an 5 mit Rückficht auf die Vielseitigkeit seines Geschäfts und r große Zahl seiner Bureaus, an die„Hauptkasse" des Bank- Mses Ferd. Schulz" zu adresstrcn. Schulz verbüßt jetzt am Atzensee eine einjährige Getängnißstrafe wegen Betruges, M während dieser Strafvn büßung find gegen ihn in ver- mieden en Städten, in welchen er seine Loose abgesetzt hatte, Me Strafverfahren wegen Betruges eingeleitet worden, welche Wusstchtlich für Jahre hinaus den Schulz unschädlich machen «ttdm. , a. Einbruch In dem Hause Leipzigerstr. 91 begab fich �gestern Nachmittag der Hausdiener W. nach denjm 5. Stock- dieses Hauses befindlichen Schlafräumen des zu dem ?chaurant im Hause gehörigen Dienstpersonals. Als er in "r zu seinem Erstaunen offenstehenden Räume eintrat, jah >1 Rch gegenüber einen fremden i i%r. Schränke und Kommoden, Mann, welcher sämmtliche Be- erbrochen hatte und im Be« stand aus den von ihm gestohlenen Sachen ein großes „.stet zu bilden. Der Dieb svrang auf den Hausdiener zu, fcLshte ihm mit einem hatten Gegenstande einen wuchtigen «chlag aus den Kopf, daß der Hausdiener zurücktaumelte W1"griff die Flucht. Der Hausdiener verfolgte N Dieb unter Hilferufm, aber es gelang dem L�be. aus dem Hause zu entkommen. Auf der �aße wurde von"Paffanten ein Mann gefaßt, wel- *--0'- umioe von Paganien rw, biiub«, der verfolgende Hausdiener als den Dieb bezeichnete. Der genommene, ein wegen Diebstahls vorbestrafter Maurer L-, «Ute ben Diebstahl in Abrede, indem er eine Personenver- ?echs«lung vorschützte, als aber ein Stiefelabsatz, welcher dem � dtl r,. �.' r f r.uH, ,1 A T\»& tfna5 el,ntm seiner Stiefel fehlte, auf der Treppe des genann- i.?h°us-S gefundm wurde, wurde den Betheuerungen des L. keli, nu' gefunden wurde, wuroe oen«eryeuerungrn or» L i» den geschenkt und dieser zur Polrzerwache gebracht. '"i. Stttern unter dem Verdachte des Einbruchs in der Leip- l™®;.""'<'te« Vi ür mit vom 7- zum S d«.---. �.�tnbruchsdiebstahls rn einem Weinkeller der Kochstr. 10 schuldig zu"der" Staatsanwaltschaft vorgcfühtt worden. ich ö? sligeudltcher Taugenichts, der 13 Jahre alte Kon- � KWUtz, war früher In die Waisenanstalt zu Neuzelle unter- i»lacht; nachdem et sodann von dort mehrmals entlaufen und vagabundirend umhergetrleben, wurde er von dort ent- »Isen und seinen Eltern zugeführt, welche indessen von Rixdorf ?ch Spandau verzogen waren. Auch hier entlief er wieder, i'ch fich umher und knüpfte bald Verbindungen mit Ver- Schern an, die ihn ins Gefängniß führten. Von da entlaffen, »�de er dem Webermeister Göbel in Spandau in Zwangs- �«hung übergeben. Am 6. v. MtS. entlief er auch diesem Mer, nachdem er ihm einen ganz erheblichen Diebstahl zuge- Mi«r stahl die gesammten Werthsachen des Pflegevaters und I seitdem spurlos verschwunden. Es wird vermulhet, daß der iWold fich hier bei V rbrechern aufhält. Im Falle seiner Er- xNsung soll seine Ablieferung in die Landarmcnanstall in Nußberg vorläufig ettolgen. .ästend- Theater.~' dtheatcr Am 12. März(Donnerstag) findet im das Benefiz der beliebten Liebhaberin dieser �»e. Frl. Iva Müller statt. Zur Aufführung gelangt: Geheimniß der alten Mamsell" nach dem gleichnamigen L Marlitt'schen Roman der Gartenlaube, von Dr. Wollherm J ttoncecca. Schaft Zi- %%-°d 8Br sich selber. Sie fühlt. Reue. �....... auch war fieklug genug, zu bedenken, daß d aS«>nz g Im Alhambra-Theater haben bereits seit Montag die Proben für die am Sonnabend stattfindende erfte Aufführung von Alf. Seefeld"u. Carl Wexel's amerikan. Charakterbild „Bella-Vista" begonnen. Die Sonnabendvorstellung ist der beliebten Darstellerin Frau Hedwig Wiese als Benefiz bewilligt worden. Genrkts- Leitung« HauSfriedenSbrnch.„Der Gerichtshof hat soeben Ihre Sistirung zu einem neu anzuberaumenden Termine beschloffen," wandte sich der Herr Vorsttzende an den eiligst in den Saal tretenden, 32 Jahr alten Wollarbeiter Peter Emil Helfert, der mit dem Gruße„Ju'n Morjen die Herren!" auf der Anklage- dank Platz genommen hatte. iW* Da indrß die Zeugen noch anwesend waren, so wurde mit Zustimmung des Staatsanwalts in die Verhandlung ein- getreten. Vors.: In Zukunft möchte ich Ihnen bei Wahrnehmung von gerichtlichen Terminen größere Pünktlichkeit anrathen, wenn Sie anders unnöthigen Kosten und sonstigen Ungelegenheiten entgehen wollen.— Angekl.: Sie haben nu schon janz jcwiß sehr richtig, Herr Jerichlshof; aber in diesen Fall hat an den janzen Zauber man bloß der Omdebus schuld. Vors.: Es möchte Sie allerdings in etwas entschuldigen, wenn dem Wagen, dessen Sie fich bedienten, während der Fahrt ein Unfall zugestoßen sein sollte-— Angck«.: Nich'ne Idee von Stoßen, sage ick Ihnen; det war schon mehr'n so kallibattsches Jestuke uf den Jammerkarr'n, det eener de Engel in'n Himmel seifen hörte. Vors.: Die Bequehmlichkeft einer solchen Fahtt mag ja manches zu wünschen lassen; eine Verspätung erklärt fich jedoch hierdurch nicht.— Angekl.; Die Omvebi find doch aber vor'n klecnen Mann, Herr Jettchtshof, wo ick denn ooch, in- dem ick mir'n bisken versäumt hatte, janz jeschwinde uf eenen 'rufspringen daht. Wo ick't doch nu schon mächtig eilig hatte un bei mir in sone Anjelejenheeten ooch'n Zijarrn keene sehre Rolle sviell, jondelt der Bruder, wat der Kondukteur is, richtig erscht nach eenije sieben bis acht Minuten los. Finden Se det hibsch? Vors.: Sie hätten einen früher abfahrenden Wagen be- nutzen sollen. Dieser Punkt ist übrigens erledigt. Sie find des Hausfriedensbruches sowie der Mißhandlung angeklagt, und ich möchte Ihrem eigenen Jntereffe empfehlen, den voll- ständig erwiesenen Sachoerhall ver Wahrheit gemäß einzu- räumen.— Angekl.: Sowat jiebt et int jeringste janich, Herr Jerichtshof. Ick beweje mir nu schon janz jewiß aller- wejen jebild't un überdem ooch noch mll Anstand, wo ick Zeijen vor habe. Vors.: Einer ganz besonderen Höflichkeit dürsten Sie fich kaum rühmen können. Sie find nicht nur wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und mehrmals wegen Widerstandes, sondern auch bereits wegen Hausfriedens« bruchcs bestraft, alles Handlungen, die fich mit angenehmen Umgangsformen schwer vereinbaren lassen. Doch erzählen Sie nur den Vorgang vom 21. Dezember v. I, wegen dessen die Anklage erhoben worden ist.— Angekl.: Ick komme per Zufall uf den Abend zu Hause, un ttchttg, et hatte wieder leener nich den Jas anjestochen, wat doch man dlos'ne Madijkeet von't Witt is. Son Mann hat'n janz appartijen Kurakter; Miete inrapen, det paßt ihn janz schöneken; aber den JaS ästimiert er als Luxus, wo doch Treppenbeleuchtung in'n Mietskontrakt jedruckt steht. Vors.: Sie schweifen sehr ab. Uebttgens will ich be« merken, daß Sie kurz nach 11 Uhr VaS HauS betraten, also zu einer Zeit, wo die Treppenbeleuchtung nicht üblich ist. WaS begab fich nun?— Angell.: Na, ick dachte in meine Jedanlen, Du wirst schon bei nachtschlafende Zeit fernen Krach machen, indem fich doch sowat nich hibsch anhören duht, klingele aber natierlich beim Witt, weil ick doch in Dustern ooch wieder nich de Stufen'russtttjen wollte. Vors.: Sie haben minutenlana förmlich Sturm geläutet, so daß der Wirt und dessen Angehörige entsetzt au« dem Schlafe schreckten. Ais st« dann vom Dienstmädchen nach Ihrem Begehr gefragt wurden, drangenSie gewaltsam auf den Korridor und stürm- ten nach demZimmer oes Wirts, dernoch beim Ankleiden war. Dort vollführten Sie nun einen Höllenlärm, und alle Versuche zu Ihrer Beruhigung scheiterten nicht nur, sondern steigetten Ihre Erregung immer mehr. Sie verlachten sogar die mehrmaligen Aufforderungen zur Entfernung, weshalb der Witth Anstalt machte, Sie mit Gewalt auS seiner Wohnung zu schaffen. Nun setzten Sie aber dem Ganzen die Krone dadurch auf, daß Sie dem förmlich Überfallenen Mann noch mehrmals mit der Faust ins Geficht schlugen.— Angekl.: Aber keene Idee, Herr Ge- richlshof! Vors.: Sie wollen doch nicht leugnen, verschiedene Mal zum Weggehen aufgefordert worden zu sein?— Angekl.: Der Mieter derf fich doch aber mit den Wirt von wejen de Haus- ordnung'n bißken unterhalten, Herr Jerichtshof! Vors.: Zu diesem Zweck halten Sie jedenfalls eine höchst unpassende Zell gewählt. Wie konnten Sie fich aber so weit Mittel, um sich in der Meinung der Menschen wieder zu rehabilitiren, darin bestehe, daß sie mit aufrichtigster Sorg« sich jetzt der Pflege des Kranken widme, und thue, wa« in ihren Kräften stehe, um ihn wieder genesen zu»äffen. Da» Versprechen, welches sie dem Arzte leistete, war aufrichtig gemeint. Fritz hatte in seinem Berufe Menschenkenntniß genug erlangt, um zu erkenne», daß das, was sie sagte, au« dem Grunde ihres Herzens kam, daß sie ernstlich gewillt sei, ihr Versprechen zu halten. ..Nun hören Sie meme Verordnungen," sagte er. „Der Kranke wird jetzt einige Stunden schlummern. Haben Sie wohl Acht auf diesen Schlummer! Verab säume« Sie nicht zu beobachten, ob der Athem der eine» ruhig Schlafenden, wenn auch an Kräften erschöpften Menschen ist, oder der röchelnde Athem eines Sterbenden. Ich werde in der Nähe sein. Ich darf wohl erwarten, daß man mir ein Zimmer hier einräumt?" „O, gewiß, gewiß!" unterbrach ihn Emmy.„Char- lotte, brmgen Sie geschwind da« blaue Zimmer in Ordnung.— E» ist hier gleich nebenan, Herr Doktor; Sie können schnell zur Stelle sein." „Wohl I Bei der geringsten Veränderung also, welche Sie bemerken, rufen Sie mich; unter allen Umständen aber rufen Sie mich, wenn der Kranke erwacht. Auch wenn er die Augen nicht öffnen sollte werden Sie an einer gewissen Unruhe bemerken, daß der Schlummer von ihm gewichen ist." „Ich wtrde Alle» genau befolgen; verlassen Sie sich �DaS thue ich auch," sagte Fritz,„und nicht au» Miß« trauen gegen Sie, sondern zu Ihrer Unterstützung, wünsche ich, daß noch eine andere Person anwesend sei. Der Kranke darf nicht allein sein. Wenn der Schlummer Sie über- kommt, oder wenn e» nöthig ist, mich zu rufen, so müssen Sie eine Person zur Hand haben zu Ihrer Vertretung... Herr Prediger Wilhelmi, vielleicht haben Sie die Güte, Ihre Haushälterin zur Unterstützung der Dame hierher zu JBon Herzen gern I" sagte Wilhelmi;«und die alte vergessen, dem Mann noch inS Geficht zu schlagen. Das ist doch eine recht bedenkliche Brutalität.— Angekl.: I, wo wer' ick denn, Herr Jerichtshof; der Lenz liegt janz konträr. Wenn der Mensch'n Ton red't, denn, denn— destiltriert er doch son bißken— Vors.: Sie meinen, bei einer erregten Debatte pflegt auch gestikulirt zu werden.— Angekl.: Det stimmt jenau uf den Kopp. Un weil ick doch nu son Häppsken mit de Aermel schlenkerte, da kann't denn schon vorjekommen find, det mir aus Versehen de eene Hand per Zufall ohne schlechte Absicht 'ne Iber zu weit auSjerutscht iS. Ueberdem habe ick mir ooch in Nothwehr befunden, un denn hat der Mann janz alleene dran schuld; warum fieht er fich nich besser vor. Durch die Vernehmung der Zeugen wurde die Anklage in vollem Umfange erwiesen, so daß der Gerichtshof in Rückstcht der überaus rohen Ausschreitungen auf eine Gesammtstrafe von sechs Wochen Gefängniß erkannte. Hierbei war noch in Betracht gezogen, daß fich der Angeklagte bei Begehung der strafbaren Handlungen offenbar in einem hochgradigen Zustande der Trunkenheit befunden haben muß; andernfalls würde die Strafe erheblich empfindlicher bemessen worden sein. Helfert erklärte nunmehr die Frage, ob die Hauswirthe „(eenen Jas anstechen müssen", dem Kammergerichte unter« breiten zu wollen.(Ger.-Ztg.) Jostolw und Arbeiterbewegung. Krankenversicherung der Arbeiter. In den Kreisen der Arbeitgeber herrscht vielfach die Anficht, daß, wenn einer ihrer Alberter einmal einer den Anforderungen des Gesetzes genügenden freien Hilfskassen beigetreten sei, der Arbeitgeber keinerlei Veranlassung habe, fich um die Verficherung des Ar- beiterS gegen Krankheit irgendwie zu bekümmern. Diese An- ficht ist durchaus inthümlich. Der Arbeiter kann während setner Beschäftigung, welche ihn verficherungspflichtig macht, aus der freien Hilfskaffe ausscheiden, sei es freiwillig oder ge- zwungen wegen Zahlungssäumniß rc. Sobald das geschieht, wird der Arbeiter nach den§§ 4, 19. Abs. 2 des Krankenver- ficherungsgesetzes von selbst Mitglied der für seinen Gewerbs- zweig öestehenden Ortskrankenkaffe, eventuell, wenn eine solche nicht vorhanden ist, der Gemeindekranlenverstcherung und ist daher nach§ 50 deS Gesetzes durch den Arbeitgeber beim Kassenvorstanve, bez.(für die G-meindekrankenoerficherung) im Gewerbebureau anzumelden, und zwar binnen drei Tagen nach dem Austritt aus der freien Hilfskasse. Die Uedertretung dieser Vorschrift wird, wie schon wiederholt hervorgehoben, durch Geldsttase bis zu zwanzig Mark(für jeden einzelnrn Fall), ev. verhältnißmäßige Hast geahndet; der Arbeitgeber muß ferner die Beiträge von dem Tage des Ausscheidens aus der freien Hilfskaffe nachzahlen und außerdem alle Aufwendungen erstatten, welche die Gemeinde-Kranken-verstcherung oder eine Otts-Kr nkenkasse auf Grund gesetzlicher oder statu- tarischer Vorschrift zur Unterstützung einer vor der Anmeldung erkrankten Person gemacht haben. Es ist also der Fall sehr wohl denkbar, daß ern Arbeitgeber seine Säumigkeit mit 2—300 M. zu büßen haben kann, und eS find uns auch mehrere Fälle bekannt, in denen die OttS-Krankenkassen ihre Regreßansprüche gegen die Verpflichteten thatsächlich schon gel- tend gemacht haben.— Der Arbeitgeber wird fich mit Rück- ficht auf die ihn event. treffenden oben erwähnten erheblichen Nachlheile nicht auf die Angaben des Arbeiters, daß er ver- sichert sei, einfach verlassen dürfen, sondern fich zu überzeugen haben, daß das VerficherungSverhältniß des Arbeiters auch in der Thal noch fortbesteht. Ob die Kasse zu denjenigen Kassen gehört, welche dem§ 75 des Gesetzes genügen, und somit den betreffenden Arbeiter von der Zu- geHörigkeit befreit, ergiedt fich in der Regel aus dem am Schluß des Statuts enthaltenen Ge- nehmigungsvermerk der Behörden. Gehört also ein Ardeiter nickt schon vor dem Eintritt in die Beschäftigung einer solchen Kasse an. so ist die Anmeldung zu beschaffen, und der Arbeit- geber kann fich dieser Pflicht nicht dadurch entziehen, daß er den Arbeiter veranlaßt, innerhalb der dreitägigen Anmeldefrist einer Hilfskasse beizutreten. AuS den zu unserer Kenntniß ge- langten Bestrafungsfällen haben wir entnommen, daß nament- lich von den Kaufleuten und Gewerbetreibenden die Anmeldung ihrer im Geschäfte thätigen HauSknechte und Komtoir« boten verabsäumt wird, wohl hauptsächlich in der Annahme, daß diese, als Dienstboten dem Verficherungs, wange nicht unter- liegen. Diese Annahme ist jedoch eine irrlhümliche. Ein Hauskneckt oder Komtoiibote, welcher ganz oder vorwiegend für das Geschäft thätig ist— bei Komtoirboten wird dies ja nun stets der Fall sein- ist im Sinne des Krankenverstche- rungSgesetzeS n ckt als Dienstbote, sondern als Arbefter in einem stehenden Gewerbebetrieb beziehungsweise als Gewerbs- aehilfe anzusehen, und fällt als solcher unter den§ l des Gesetzes. Die Hausindustrie als KrankheitSverdreiter. Die Magdeburger Schneiderinnung schreibt in einem Zirkular, welches fich gegen die großen Garderobengeschäfte und deren miserable Bezahlung der Ardeiter wendet:„Wir machen das Frau Barbara wird gewiß bereitwillig sich der Mühe unter« ziehen... Fräulein Amberg, Sie werden an Frau Bar- bara eine gute Unterstützung haben." „Ich kann e» Ihnen nicht verdenken," sagte Emmy sehr kleinlaut und mit tiefer Beschämung,„daß Sie wollen, daß eine zuverlässige Person zugegen ist." „Ich wiederhole Ihnen," sagte Fritz in einem Tone, welcher eine leise Beimischung von Mitleid hatte,„daß e» nicht au« Mißtrauen geschieht. Und um Ihnen zu be- weisen, daß ich Ihne« nicht mißtraue, überlasse ich Ihnen jetzt de« Kranken allein, so lange bis Frau Barbara ein- getroffen ist."— Charlotte hatte inzwischen da« Zimmer hergerichtet, wa» sie jetzt verkündigte. Emmy blieb allein bei dem Kranken. Sie saß an seinem Bette, und mit einer so ängstlichen Sorge, als ob es sich um den eigenen Vater handelte, lauschte sie auf jeden seiner Athem, üge. Sie hatte ja nicht allein eine große Schuld wieder gut zu machen, nein, in ihrer Hand lag e« auch, au» der großen Niederlage, welche sie erlitten,«och ein Geringe» zu retten. Da» konnte sie nur, wenn Rodenburg genas. Emmy war aufopfernd, ausdauernd und klug, Eigenschaften, welche sie besser al» irgend Einen zur Pflege eines Kranken aualifizirten. Charlotte aber entsandte noch in derselben Nacht einen Boten nach Friedenthal mit einer Depesche an den Pre- dtger Amberg. Dieselbe lautete:„Fritz Rodenburg ist unerwartet ein- getroffen. Felix, Rodenburg'» Sohn, lebt. Der Kranke ist in der Genesung." Da» war die Depesche, welche Amberg erhalten hatte, gleich nachdem sich sein Bruder Georg entfernt hatte. Da» war die Nachricht, welche ihn und die Sttniaen so ttef niedergeschmettert hatte. Da« war'«, was da» Ende diese» Festes, welche» so fröhlich begonnen, so unendlich traung enden machte. Dahin waren alle Hoffnungen, dahin waren alle AuSfichten! Alle Jntriguen waren umsonst ge- spönnen, alle Netze umsonst geflochten, alle Lügen umsonst erdacht. (Fortsetzung folgt.) große Publikum aucb auf die sanitärm Gefahren aufmerksam, denen eS in Folge solcher erdärmlichen Löhne ausgesetzt ist. Dem Konfektionsarbeiter, der trotz deS Mitarbeitens seiner Fa- milie bei diesen geringen Löhnen noch mit der größten Noth zu kämpfen hat, und von denen Einzelne noch Unterstützung beziehen, ist es nicht möglich, fich eine Wohnung zu miethen, die nur einigermaßen den Anforderungen der Gesundheit ent- spricht. Viele dieser Wohnungen bestehen aus einem einzigen Räume in der Dachboden- Etage und bilden Wohn-, Schlaf- und Kochraum zu gleicher Zeit. Hierin lebt nun die ganze Hamilie und alle Krankheiten, denen die Erwachsenen und die intet unterworfen find, müssen in diesem einen Räume über- standen werden. Da liegen oft genug Familienglieder an allen möglichen ansteckenden Krankheiten, und der Mann ist gezwun- gen, dicht daneben das tägliche Brot zu verdienen. Da sämmt- «che Kleidungsstücke bei ihrer Anfertigung mit heißem Waffer- dampf dehandelt werden müffen, und dadurch das Kontagium der Krankheit erst recht in den Wollenstoff hineingearbeitet wird und da außerdem grade Wolle ein guter Aufsauger uud Fortpflanzer aller ansteckenden Krankheiten ist, so ist wohl nur zu begreiflich, wie leicht durch den Gebrauch der in solchen Räumen gefertigten Klei- dungs stücke die gräßlichsten Krankheiten übertragen werden können. Beweis die Leinen- kleidung in Krankenhäusern und die äußerst sorgfältige Des« irfeklion aller Wollensachen daselbst, die nur irgendwie in Be- rührung mit Kranken gekommen find. In wie manche Famllie mag auf diese Weise schon eine Krankheit übertragen sein, ohne u wissen, daß fie dieselbe dem billigen Anzüge zu verdanken id."— Das ist alles ganz richtig. Wenn es aber wetter jeifjt, daß in den Werkstätten der Schneidermeister die ange- S litten Zustände„nicht vorkommen können"— so heißt das e Wahrheit ziemlich stark entstellen. Die Ausdeutung und die Lage der Hausindustriearbeiter find ja frellich geradezu un- menschlich; aber auch in den Werkstätten der Meister hockt oft förmlich ein Geselle auf dem andern, auch diese Orte find Brut- stätten für alle möglichen Krankheiten. Die Beseitigung der Garderobengeschäste beseitigt noch lange nicht die Ausbeutung der Arbeit. Neue» von de« Verpflegungsstationen. Im Kreise Jerichow I.(Provinz Sachsen) will man die nöthigen Gelder zu den Verpflegungsstationen durch einen Zuschlag zur Staats- steuer aufbringen. Diese neue Steuer soll den bezeichnenden Namen„Bettelsteuer" erhalten. Wenn jeder seine Bettelsteuer entrichten muß, so wird er— wie man hofft— privatim keinem Bettler mehr ein Almosen geben. Gleichzeitig hat der Kreistag die Verpflegung erheblich herabgesetzt; eS darf vom 1. April c. ab den Pfleglingen nur noch verabreicht werden: Abends 1 Liter Mehlsupppe, Nachts eine Streu als Nacht- lager, Morgens V- Liter Mehlsuppe und 1 Pfund Kommis- oder Echwarzbrod. Ein bescheidenes Menu in der That; zum Leben zu wenig und zum Verhungern zu viel für Jemanden, der den ganzen Tag unterwegs ist. Bei diesem Speisezettel kommt es übrigen? auch weniger auf die Ernährung, als auf die Abschreckung an. Man rechnet nämlich so:„In Folge dieser Herabsetzungen tritt eine wesentliche Ermäßigung der Preise, aber auch eine ganz besonders fühlbare Abnahme des Zulaufs ein, so daß allo 1885— 1886 vielleicht die Hälfte der Kosten von 1834—1885 entsteh'."— Also: Man macht die Portionen immer kleiner— und man ist die Vaga- bonven los! Freilich nur in Jerichow, dafür fallen sie über andere Gegenden wie die Heuschrecken her.— Man steht aus diesem Beispiel wohl zur Genüge, wie man heute die Vaga- bondenftage mit einer geradezu gemeingefährlichen Oberfläch- lichkeit behandelt. Die Berliner Hutfabritation hat eine solche Vollmdung erreicht, daß ihre Produtte zu den gesuchtesten und beliebtesten gehören, welche nicht nur ftemde Fabrikate aus unserm Vaterlande verdrängt, sondern auck theilweise im Auslande schnell Eingang gefunden haben. Die Hutfabrikatton, welche außer in Berlin auch in anderen deutschen Städten schwunghaft be- trieben wird(wir erwähnen Dresden, Leipzig. Köln, Hamburg, Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Kehl, Liegnitz) zerfällt in die Erzeugung von Seidenhüten, Wollfilz-, Stoff- und Stroh- hüten, von denen die Wollfilz-Hutfabrikation die bedeutendste ist. In dem Artikel„Seidenhüte" genießt Berlin mit Recht einen verbreiteten Ruf für vorzügliche Qualität und vollendete Abarbeitung. Die Mehrzahl der Inhaber unserer reellen Hut- magazine find gelernte Seidenhutmacher, deshalb wird diesem Genre eine bevorzugte Aufmerksamkeit geschenkt, die zur Folge gehabt hat, daß der früher umfangreiche Bezug von Seiden- hüten aui dem Aullande fast ganz aufgehört hat. Die Ber« liner Fabriken decken nicht nur dm Bedarf des Inlandes, son- dem exportiren auch nach Holland, Schweden und Norwegen. Die Wollfilz-Hutfabrikation für Herren und Knaben steht in Berlin in höchster Blüthe und mtwickelt fich von Jahr zu Jahr immer mehr. Während die Produktion im Jahre 1882 ca. 4 Millionen Mark betrug(eS wurden 1410000 Herrenhüte, 840000 Stück Knabenhüte fertiggestellt), beläuft fich der Umsatz des JahreS 1884 auf ca. 6 Millionen Mark, dargestellt durch 2 280000 Herrenhüte und 1 150 000 Knabenhüte. Der Vertrieb der Pro- duttion geschieht im Inland« sowie in allm denjenigen ftem- den Ländem, deren Einfuhrzölle den Import nicht durch die Höhe derselbm unmöglich machen; Holland, Belgien, Schweiz, Skandinavien find gute Abnehmer für Berliner Wollfilzbüte, aber eS ist auch versucht Wörden, gewissen Qualitäten in Eng- land und Frankreich Eingang zu verschaffen. Der Export nach überseeischen Plätzm wird meist über Hamburg gekettet; ist es auch noch nicht gelungen, an diesm überseeischen Plätzen die mglische Konkurrenz, welche den Export seit einer Reihe von Jahren allein beherrschte, vollständig lahm zu legen, so hat doch unsere junge, kaum 10 Jahre alte Berliner Industrie bereits überall Eingang gefunden und dringt mtt vielem Erfolg immer wetter vor; es find größere Verbindungen in Südamerika, Australien»c. angeknüpft worden. Daß die englische Wollindustrie durch die Berliner in Deutsch- land zurückgedrängt worden ist, zeigt die statistische Einganasliste. Währmd im Jahre 1875 1234 Zentner Hüte eingeführt wurden, betrug der Import nach Deutschland i. I. 1883 nur noch 98 Zentner. Die Haarfilzhutfabrikation hat in Berlin nie rechtm Eingang findm können, dieselbe rit ihren Sitz in Süd- und Mtttel-Dcutschland; die Stoff« ut- und Mützenfadrikation wird in Berlin ebenfalls in größerem Maßstabe betrieben und deckt fast den ganzen deutschen Bedarf wie denjenigen von Holland, Dänemark, Schweden, Schweiz, Belgien und Italien. Stoffhüte und Mützen find durch die billigen Wollfilzhüte im Absatz beschräntt worden, immerhin werden in unserer Stadt noch zirka zwei Millionen Stück jährlich fertig gestellt und verkauft. Damen- und Kin- derhüte in Stroh und Filz werden in Berlin nur theilS in besserem, theils in mittlerem Genre angefertigt. Der Massen- konsum wird von anderen Städten befriedigt. Der Absatz be- schränkt fich fast lediglich auf das Inland. Mittlere Genres find sehr gedrückt im Preise und empfinden sehr zu ihrem Nachtheile die Erhöhung deS Zolles auf Strohgeflechle, welche absolut nicht zu entbehren find. Zum Schluß noch einige Worte über die Fabrikation selbst, welche thetts als Haus- industrie, theils in geschlossenen Fabriken mtt Dampf betrieben wttlü Die Ecidenliutfabrilation beschäftigt ca. 180 männliche, 120 weibliche, die Wollfilzdutfabrikation 870 männliche, 900 weibliche, die Stoffhutfabrikation 300 männliche, 500 weibliche Personen, die anderen Hutbranchen 120 männliche, 210 weibliche Personen, im Ganzen finden also in dieser Berliner Fabrikatui über 3000 Personen Beschäftigung, freilich meistens weibliche._ Brün« i. Böhmen, 9. März. Ein Streik der Sträflinge. 115 Sträflinge des hiesigen Strafgerichts- Gefangenhauses haben die Arbeit eingestellt und streiken, weil der neue in den Fabriken, in denen fie arbettm, und im Straf- gerichtshause bekannt gegebene Ministerialerlaß verordnet, daß rückfällige Sträflinge nur 16 Prozent statt 38 Prozent vom Ueberverdienste erhalten sollen. Die Klage« über die geringe Betheiligung der Ar» beiter an den Vereinen zur Vertretung ihrer Interessen wollen nicht aussterben. Ein Arbeiter schreibt uns heute mit vollstem Recht: In Anbetracht der traurigen Lohnverhältniffe der ge- sammtcn Arbetterschast, hervorgerufen durch die verkehrte Wirth- schastspolitik der Parteien, die stets das Jntereffe der b e- sitzenden Klasse im Äuge haben, ist eS unbedingt noth- wendig, daß die Arbeiter fich ebenfalls zusammenthun, um ihr Interesse als Besitzlose wahrzunehmen. Wenn auch die Arbeiter zu verschiedenen Zeiten bewiesen haben, daß fie genau wssen, wer ihre Freunde und wer ihre Feinde sind, so ist immer noch die Beobachtung zu machen, daß es ein« ganze Anzahl von Arbeitern giebt, welche die Be- deutung der heutigen Arbeiterbewegung noch nicht voll und ganz zu würdigen wissen. Wer fich einigermaßen mit den gewerkschaftlichen Verhältnissen verttaut gemacht hat, der wird wissen, daß in jeder Branche Klagen über Klagen gegen die schlechte BezahlungSweise seit Jahr und Tag laut geworden find. ES hat zwar stets eine Anzahl von Arbeitern gegeben, welche bemüht gewesen find, einzutreten für ihre Kollegen, und eine Verbefferung der Lohnverhältnisse zu erst: eben, es find dies aber diejenigen, welche die Kastanim für die Andern aus dem Feuer holen, um nachher brodlos zu werden in Folge ihres Eintretens für ihre Mitarbeiter. Die Klagen über die schlechten Lohnverhältnisse find allgemein, aber es giebt noch Viele, welche bei diesen Klagen stehen bleiben, ohne fich nach Mitteln und Wegen umzusehen, wie ihre schlechte Lage in eine bessere verwandett werden kann. Mit Raisonniren wird nichts geändert; wer wirklich ernstlich bemüht in, Aen- verung schaffen zu wollen, der wird auch thatträftig mitwirken. Und thatkrästig kann Jeder mitwirken, wenn er fich den vorhandenen oder zu gründenden Organisationen a n- schließt. Wenn auch schon viel in dieser Beziehung ge- schehen ist, so beweisen aber noch immer die verloren gegan- gencn Streiks, wie von Seiten der eigenen Arbeiter dazu beigetragen wird, eine Durchführung der gerechten Forderungen der Streikenden zu hintertreiben, indem fie die Stellen Der- jenigen einnehmen, welche für ihr gutes Recht kämpfen. ES find dies meistens Arbeitet, welche jeder Organisation fernstehen und so die Konkurrenten ihrer Kollegen werden. Dieses kann nur vermieden werden durch die eiftigste Agitation zur Anschlteßung eines jeden Arbetters an die Fachvereine. Die Indifferenten müssen aufgerüttett werden aus ihrer Lethargie und es muß ihnen klar gemacht werden, daß nur etwas erreicht werden kann, wenn Einer für Alle und Alle für Einen einstehen. Aber nicht blos die Fachoereine find berufen, für die Verbefferung der Lage der Arbeiter einzutreten, sondern auch die Bezirksver- eine haben so hohe, schöne Ziele, daß kein Arbeiter denselben fern stehen sollte, und doch bleibt auch in dieser Beziehung viel zu wünschen übrig. So müßte z. B. der Ardeiter- Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wevding im Verhältniß zu der starten Ardeiterzahl in diesem Bezirk bedeutend mehr Mitglieder haben, wie es wirklich der Fall ist. Auch hier möge jedes Mitglied agitiren und jedem Fem- stehenden anS Herz legen, daß Einigkeit stark macht. Damm Arbeiter: Organisation und Solidarität führen zum Ziel. Vereine uuä Versammlungen. Eine Bersammlnng de» Demokratischen Verein», die am Montag in der Allen Jakobstr. 87 tagt«, verfiel dem Schicksal polizeilicher Auflösung. Der Abgeordnett Kr ö her hatte über„ die Holzzö lle" gespiochen und dieselben nächst den Getreidezöllen als für die arbeitende Be- völkerung besonders schädlich bezeichnet, weil dadurch der Export geschädigt würde und die deutschen Arbeiter weniger Gelegenheit zum Schaffen hätten.— Eine vernichtende Krttik übte darnach der Etadto. S ch i e g n t tz an dm Vorkommnissen in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung gelegentlich des Antrages Dr. Hermes, über die Getretdezölle ein Votum abzugeben. Die liberale Partei gehe ihrer Auflösung zu, meinte er, das beweise das ausweichende Verhallen, der söge- nannten freistnnigen Stadtverordneten in dieser Angelegenheit, und auch im Reichstage habe fich ein ähnliches Verhältniß bei der Abstimmung über den zwetten Direktor gezeigt. Die Führer dieser Partei könnten die angeführten Schädm nicht mehr ver« decken, so sehr fie dies auch zu tbun versuchten- Herr Schulz forderte im Anschluß hieran die Anwesenden dazu auf, mtt ver Arbeiter partei Hand in Hand zu gehen, da das, was Herr E ch i e g n i tz wolle, von den Aibeitern gleichfalls erstrebt werde, und damil man bei den nächstm Wahlen zum Reichs- tage sämmtliche Kandidaten der Arbeiter in Berlin durch- dringen könne. Bei diesen AuSsührungm löste der überwachende Beamte die Versammlung auf. Eine öffentliche Bersammlnng der Radier und Sieb- macher fand am Sonnabend, dm 7. März, im Lokale Armin- hallen, Kommandantenstraße 20, unter Vorsitz deS Herrn Kaufhold mtt der Tagesordnung: Wie stellt fich der Fachverein den Meistem gegenüber, statt. Da der Referent, Herr Mttan, ttankheitshalber nicht erscheinen konnte, wurde Punkt 1 der Tagesordnung zurückgesetzt und hielt Herr Dr. Hahn einen wiffmschaftlichm Vortrag über Lungenschwindsucht. Ein solcher Vortrag ist jedenfalls immer hörenSwetth und belehrend, daher wäre es wünschenswetth, wenn fich die Kollegen zahlreicher an den Versammlungen betheiligten. Zu Punkt 2 der TageS- ordnung erhielt Herr Hildebrandt das Wort. Er beleuchtete unter lebhafter Zustimmung den Mißbrauch, den einzelne Meister mit der LehrlingSarbeit ttiebm. Ferner plaidirte Redner für Einführung eines NormalarbeitStages, auch in unserer Professton. Um sämmtlicken Uebelständcn abzuhelfen, wäre es wünschenswerth, daß Meister und Grseven Hand in Hand gingen. Den Mitgliedern des Fachoerems der Navler und Srebmacher noch zur Nachricht, daß am Sonnabend, dm 4 April keine Versammlung stattfindet, sondern erst am Sonn« abend, dm 11. April Eine große öffentliche Versammlung sämmtlicher Kürschner Berlins findet 15. März. Nachmittags 3 Uhr, im Königstädtischen GesellschaftShause, Neue Königsttaße 7, mtt folgender Tagesordnung statt. 1. Ist es möglich, in diesem Jahre in unserem Gewerke eine Lohnerhöhung zu erzielm? 2. Die Lohnstatisti! und ihre Bedeutung. 3. Wahl eineS Lohnkommisstons-MttgliedcS und zwei fehlender Vertrauens- männer. DaS Erschemen eines jeden Kürschners ist Ehren« Pflicht._ Vermischtes. Ueber die Grubenkatastrophe in Karwin liegen noch folgende Berichte vor: Der Johannis-Schacht, die Stätte des großen, entsetzlichen Unglücks, war in der Nacht von Donners- tag auf Freitag mit ca. 600 Mann belegt; davon waren 130 Arbeiter im vierten Horizont und die resttichm 470 im dritten und fünften Horizonte beschäftigt. Die GaSerploston fand im vierten Horizont statt. Derselbe war 203 Meter tief. Er wurde durch einen eigenen Lustschacht vcntilirt. ES war Freitag zwei Uhr Morgens, als die Ervloston der schla- genden Wetter erfolgte Die Ursache der Eploston ist bisher noch rmmer unbekannt. Um die genannte Stunde hörte man in ganz Karwin einen furchtbarm Knall. Alles erwachte und eille in größter Bestürzung aus den Häusern ins Freie. Eine mächtige Flammensäule, die aus dem Luftschacht aufstieg, M zeichnete Ott und Natur deS Unglücks. Die Gewalt der% plofion war eine solch außerordmtliche, daß fie die sogmmm Haube, d. i. den eisemen, aus ungeheuren Eisenplatten M stehenden Verschluß des Luftschachtes sprmgte und sc« Meter hoch in die Luft schleudette, und durch die OeffnM welche solchermaßen entstand, entströmte die mäm Feuersäule aus der Tiefe ver Erde, klasterhoch# porschlagend und minutenlang den Zutritt zu Wl Stelle wehrend. Durch die Zerstörung dieses eiferen schlusses wurde das Unglück noch in ungeheurem Maße m größett. Es wurde nämlich dadurch die Wetterventilation A vierten Horizont unterbrochen, der Ventilator war selbst Ä stört und arbeitete nickt mehr an der Ableitung der fW liehen Gase aus der Tiefe, und so verbreiteten fich die vw gase in den Giubenbauen des vietten Horizonts mit ungehni� Schnelligkeit. Viele, deeen Standort ziemlich entW war vom Entstchungspunkte der Explosion und g vor dm Flammen geschützt waren, mußten 4 durch Einathmung der schädlichen Gase den ErstickM tov findm. Es läßt fich nur die eine Hoffnung ausspret� daß die Unglücklichen fich nicht lange quälm mußten, höchst wahrscheinlich find die meisten von dm 104* fort den Erstickungstod gestorben. Nur sieden Arbeiter, W"3 im Qaerschlage und in der Nähe des Johannis- Schachts arbeitet hatten, konnten sich retten, die übrigen vor der KoW wand und mit der Kohlenförderung beschäftigten Arbeiter fa«? ausnahmslos den Tod. Bis Sonnabend Mittag waren � Todte heraufbefördert. Die Meisten zeigen keine Todtenkampfes. Je tiefer man aber kommt, desto mehr W bar verstümmelte Leichen findet man. Es find noch übtt« Leichen unten, deren Auffindung außerordentlich schwimS!" weil die Grudenstrecken auf 300 Meter zerstört find. Die � betten dürsten noch mehrere Tage dauem, bevor särno#* Leichm aufgefunden sein werden...u Straßenbilder in Loanda. Aus einem Prioatsdi� des Führers der deutschen Kongo-Expedilion, Herrn Lieutenants Schulze, erzählt die„Allg. Ztg." aus San% de Loanda, der Hauptstadt der Provinz Angola, einer C"/, von 16 000 Einwohnern, welche fich in erne Stadt derEs®� und zwei getrennte Negerstädte scheidet: Wir sehen in ML Mulatten und Neger, die oermögend find, alS die stuM,„ sten DandyS und Flaneurs in schwarzem Anzüge, weift* L, gen Manscht ttm, weißen Handschuhen, Kneifer ac. und stöckchen auf dm Straßen promeniren. DaS find nun Stutzer, wie man fie ebm überall trifft. Aermere Nqtw find schon glücklich, wenn fie irgend etwas von diesen l--.* Artikeln erhalten können, und so kommt es, daß man biM. Neger steht, dem zum schwarzen Frack leider nur Hea»? Hosen fehlm, dort einen, der sehr stolz und ernsthaft eine»� schäbigen Hut trägt, an dem der schützende Deckel fehlt noch die Krempe vorhanden ist, oder einen, der ein Paar VL trägt�an denen der nothwendigste Bestandtheil fehlt. Jen«� eine Weste— sonst nichts, dieser einen Schirm und eine alte" � jener einen alten Regenmantel u. s. w. Gestern sah"9 n einen Schwarzen, deffen Ausrüstung mich derart zum % ich nicht widerstehen konnte. Ein ziemlich' reizte, daß mj man wroerueyen lonmc.«.in zicuniw Neger— vermuthlich irgend ein Häuptling aus dem 3"% war, Gotr weiß durch welche Schicksalsfügung, in oC J eines kostbar gologcstickten Ministerfracks gelangt. Breiie(r j Epauletren, goldgestickter Kragen, Aufschläge und TasM zz goldene Knöpfe waren gut erhallen. Ohne Hemd trug"V Eigentbümer auf bloßem Leibe. Nun mußte der erste« aber eine Riesengestalt von sechs Fuß gewesen sein, 5«® j kleinen Neger reichten die Schöße biS über die Kn'>'k.dlk ebenio die Aermel über die Hände; die goldgestickten taschen saßen aber da, wo der Kammerherr die Schluß Abzeichen seiner Würde zu tragen pflegl. Der brave* hatte auch keine Hosen, sondern trug statt derselben unm foldglänzenden Frack ein äußerst schmutziges Hüsttu» leger in seiner Nacktheit imponitt durch seinen schönen- seine athletischen Glieder: der Neger in langen ob'g mit dem preußischen Justizministeiii m cin Gesstzentwurf ssNeffend die Einführung der Berufung gegendie Urtheile der Strafkammern in l. Instanz in der «uiarbeitung begriffen ist. Bei der Größe der Oberlandes- gnichtSbezirke ist es als undurchführbar erschienen, die Berufungs- Mcheidung den Strafsenaten zu übertragen' eS würden die Arretsen der Zeugen mit sehr bldeutrnden Kosten verbunden lein over eS würden, wie das in der alten preußischen Appella« «oniinstanz der Fall war, die kommissarischen Vernehmungen derart häufig sein, daß thatsächlich eine Beweisaufnahme vor «rn BerufungSricbter nicht stattfände, vielmehr nur die Pro- »dwlle verles n würden. Es liegt also in der Abstcht, die Be» eusungskammern mit den Landgerichten zu verbinden. Der« Mbe Gerichtshof in verschiedener Besrtzung würde also in erster ddv zweiter Instanz entscheiden. Bei der geringen Mitglieder- #1 mehrerer Landgerichte wird es nicht möglich sein, die L Jr« gtl| mit 5 R chter zu besetzen; eS werden nur 3 Richter am gP-Uch Theil nehmen können. Vielleicht wird man sogar auch ?- die Berufungsinstanz von einer Steigerung in der Zahl Ziehen müssen. * Die Spauuuvg, welche zwischen Deutschland und *"8lomd entstanden ist, hat fich aus einer ernsten Meinungs- Mchiedenhett darüber ergeben, ob die seitens Englands r- Seilten Verstcherungen einer freundlichen Aktion in kolonialen �Mn gegen Teutschland gehalten worden seien oder nicht; ".heißt eS in dem Schreiben G anville's, daS der Unterstaats- Mtär Fitzmaurke im Englischen Unterhause verlesen hat. M°n wird wohl kaum fehl gehen— meint die„Voss. Zeit." r wmn man den tzauptdifferenzpunkt hierbei nicht in Afrika, Lddein in Neu- Guinea sucht. Deutschland beansprucht die tÄ.küste von Neu-Guinea bis zum Kap William mit E n« rnluß der Huon Bai und der Inseln Long und Rook, Eng. M wollte die Huon-Bat nicht als noch zu deutschem Schutz- ''.".et zugehörig anerkennen, lieber die Grenze beider Macht- Mren, Deutschlands von Norden her, Englands von Süden f, entstand der Streit. Deutscherseits sah man darin, daß England für fich die Huon-Bat in Anspruch nahm, einen Bruch rn" out England getroffenen Vereinbarung. Bestätigt fich die -."deicht, daß England das Besttzrccht Deutschlands auf die xuan-Bai jetzt anerkannt hat, so darf man wohl annehmen, °amit auch die Streitfrage über die beiden Inseln Long ?°°k. die zwischen Neu-Guinea und Neu- Britannien, also W'ndeutschen Gewässern liegen, erledigt, und damit der hau d � Zwischen Deutschland und England hoffentlich .* i ttu«stted)rt| utzten, öi" i Dofert''| heiter,»ei« Schachtes? : öetKoM beiterft»!?! I waren* mehr M noch ml c rivatsihtet� 4# W - HS» � t ebltnit«? Paar K, s-»»z ÄZ sf m 3nn?| iN DwS ireile i Icbtüfiii brave n untel ifituch Snen oder n vaS aus der Welt Mtubi? 5?ttschweig. �er Minister Graf Görtz-Wrisderg seit �el der Eröffnung deS Landtage» die Mittheilung, daß iernb«. �>luß deS außerordentlichen Landtages am 17. De- /ent/frf,,» 9 die Lage in Bezug auf die Thronfolge im We- seien dieselbe geblieben sei. Bei der Landesregierung klären �iner Seite Schritte geschehen, welche die Lage seien k könnten- ob an anderer Stelle Schrstte geschehen Küchen" könne die Landesregierung keine Mit! Heilung Frankreich. ,, Die letzten Siege in T o n g k i n g hoben die Franzosen {"euer genug bezahlen müssen. Nach eingegangenen Mel- , jt"« hatte die französtsche Besatzung von Tuyepquan wäh- ..ftl der Belagerung der Stadt durch die Chinesen 52 Todte, Gunter 2 Osflziere, und 33 Verwundete, darunter einen Offi« y"- Die der Besatzung zu Hilfe gekommenen französischen puppen verloren in den Gefechtm vom 2. und 3. d. MtS. Os-twdte, darunter 6 Offiziere, und an Verwundeten 133, Mf�er 9 Offiziere. Der Kriegsminister hat General £« S SU seinen Erfolgen telegraphisch beglückwünscht und .'"Befehlshaber der Besatzung von Tuyenquan, Dominö, -I? Oderstlieutenant ernannt.— Der französische Ge- Mimtverlust an Todten und Verwundeten betrug somit C; Mann, darunter 18 Offiziere.— Der GesundheiiSzustand ein. �?.zöstschen Truppen auf Formosa wurde kürzlich in "em Briefe, welchen daS französtsche Fachblatt„Union m» da« Dsf-ML menschlichen Körper« vertiefte, da war e« ihm ""barung, was er da au« den Muskeln, den Farben s ct. Udert als der erste. Von 1500 Mann, die am 1. Lkuber Kelung nahmen, waren am 12 Januar nur 600 geblieben, die auch wie Leichen avssahen: die Uebrigen hatte Cbolera oder Typbus wep gerafft. Auch rn Madag askar sollen nach dcmselben Fachblatte ähnliche Verhältnisse Helschen. Rußland. In Rußland plant man ebenfalls Revanche für die Er- höhung der Getreidezölle in Deutschland. Man schreibt von dort diesbezüglich: Je klarer man sich hier über die Konse- quenzen der deutschen Kornzölle wird, um so mehr tritt auch naturgemäß die Verstimmung über die Erhöhung hervor. E» ist im höchsten Grade charakteristisch, daß selbst die deutsche „Petersb. Ztg.", die mit den deutschen Konservativm durch Dick und Dünn geht und oft mehr einem Organ Deutschlands als Rußlands ähnlich ficht, einen stillen Groll wegen der Kornzölle in ihrem Busen nähtt und ihre Spalten Auslassungen öffnet, welche zu Repressalien gegen Deutschland auffordern. In einer Korrespondenz aus Eüdposm wird es der Regierung, nachdem sie die rechtzeitige Abschließung eines Meistbegünstigungsver- träges mit Deutschland versäumt habe, zur Pflicht gemacht, solche Verträge mit den Staaten abzuschließen, welche dem russischen Getreide ohne Zollchikane Eingang gestatten und ihnen ermäßigte Einfuhrzölle zu gewähren, dagegen die Zölle auf deutsche Provenienzen derartig zu schrauben, daß der Im- port der Erzeugnisse deutscher Industrie über- Haupt unmöglich wird. Sollte die Unterbindung einer solchen Ader des Nationalwohlstandes, fragt das Blatt, nicht geeignet scheinen, in Berliner maßgebenden Kreisen über den Ausschluß des russischen Getreidemarktes andere Anschauungen zu zeitigen? — AuS London wird geschrieben:„Man ist hier der Meinung, daß Rußland einwilligen werde, seine Truppen unter der Bedingung, daß die Afghanen ein Gleiches thun, eine Strecke well zurückzuziehen, so daß für den Augenblick eine die Gefahr eines feindlichen Zusammenprallens beseitigende Zwischenzone geschaffen würde und daß die definttive Grenze im diplomatischen Wege durch Sir Peter Lumsden und General Zelenri festgestellt werden wird. Für den Fall, daß Rußland diesem Arrangement zustimmen würde, ist man hier zu Kon« zessionen innerhalb der Grenzen der Thunlichkell entschloffen. Anderseits hat Herr Gladstone Herrn v. Staal unumwunden eröffnet, daß England einer neuen Avanze Rußlands mit aller Macht in den Weg treten würde. In unseren militärischen Kreisen herrscht die Ueberzeugung, daß die Chanzen eineS Krieges auf dem dortigen Schauplatze entschieden auf englischer Seite größer seien. Die Afghanen find nickt minder kriegerisch al» die Turkmenen und besser bewaffnet. Die Engländer vcr- möchten eine Armee leichter nach Herat zu bringen, als die Russen von Kaukasten aus, da letztere die Wüste zu pasfiren haben, während eS im blühenden Afghanistan gute Straßen für die Engländer gäbe. Endlich meint man, daß fich mit Perfien ohne große Mühe eine Allianz schließen ließe, welche eS einer zweiten englischen Armee ermöglichen würde, die Russen durch eine Bewegung über persisches Gebiet in der Flanke zu fassen. Di« Pläne für einen englisch russischen Krieg in jener Gegend liegen vollständig fertig im War Office und man hätte h er in Betriff d«S Ausganges keine lebhaften Sorgen." — ES kann also losgehen! Großbritannien. Graf Herbert Bismarck ist nach Berlin zurückgereist.— Der„Daily Telegraph" spricht im Zusammenhang mit der Mission deS Grafen die Erwartung aus, daß daS zwischen England und Deutschland hergestellte gute Einvernehmen sich bald in ein festes Bündniß verwandeln werde.— Das eng- lische Unterhaus hat den Nachtragskredit für die Expe- ditlon nach dem Sudan, einschließlich der Kreditforderung für den Bau einer Eisenbahn von Sualin nach Berber, mit 173 gegen 56 Stimmen bewilligt und mit 88 gegen 23 Stimmen die Absendung indischer Truppen nach dem Sudan ge- nehmigt. Amerika. Die Unruhen in Zentral-Amerika find noch keines- wegS beendet. Nach einem New-Uorker Telegramm bat der Präsident von Guatemala, Barrio«, ein Dekret er- lassen, Inhalts dessen die Union der Staaten von Zenttal- Amerika zu einer einzigen Republik erklärt wird. Barrtos hat zu der Verwirklichung dieses Planes den Oberbefehl über Nerven und dem Geäder heraulla«: er glaubte, daß e» ihm einst gelivgen werde, so manche« Räthsel zu lösen, vor dem der Arzt staunend steht; er war davon überzeugt, daß er den geheimnißvollen Leben«strom, der da, von einem Punkte de« Körper» ausgehend, in jedem Nerve zuckt, jede Muskel bläht und im Gehirne den Funken de« Denkens entzündet, daß er diesen LebenSstrom in seine« intimsten Walten ergründen müsse. War e« da« wieder- holte Weilen unter den Todten, da« seiner Seele frühzeitig den Stempel tiefer Schwermuth aufprägte, war e« der tägliche Anblick de» Zerfallen de» Irdischen, da» ihm die Freude an den Vergnügungen nahm, genug, Franz Lederer fand an all' den tausend Lustbarkeiten, welche dem Uni« versitätSleben so unendlichen Reiz verleihen, keinen Gefallen und er war nicht von jenem Ehrgeize beseelt, der den jungen Mann ungestüm nach rauschender Anerkennung, nach Titel und OrdenSzeichen, ob verdient oder unverdient, drängt, frei von Eitelkeit wollte er den brennenden Wissensdurst kühlen, den seine Seele empfand, er wollte mit sich selbst zufrieden«erden. Lederer war vom Hause aus wohlfituirt, sein Vater war ein begüterter Grund- befitzer nahe der baierischen Grenze in Böhmen und eS war ihm ziemlich gleich, ob er nach dem zehnten oder vier- zehnten Semester den Doktorhut erhielt. Er be- wohnte in einer ziemlich abgelegenen Gaffe de« neunten Bezirkes ein Kabinet, dessen Fenster nach dem Lichtyofe gingen nnd oft graute schon der Morgen und nach brannte auf seinem Tische die Lampe und der blasse junge Mann saß noch immer über großen Folianten, stodirte die Kupfertafeln und machte in seinen Heften Notate. Gar oft flog der Schatten eines feinen, zarten Profil« über das weiße Papier, gar oft warf e« sich wie schwarze Schlangen auf die breiten Karten der Werke und jeder andere junge Mann hätte e« bemerken müssen, daß diese sich kräuselnden Schlangen nicht« Anderes sind, als der Schatten eine» reichen Haares, daS am nächsten Eck- fenster gekämmt wird, aber Lederer achtete nicht darauf. Eines Morgens, als er zu seinem Staunen sah, daß e« bereit« 7 Uhr sei und er daher nicht mehr Zeit habe, sein sämmtliche Truppen übernommen. Die fünf Republiken Zen- tralamerikas, Costarica, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Salvador, hatten fich, nachdem sie am 15. September 1821 ihre Unabhängigkeit von Mexiko proklamirt, laut Beschluß des einberufenen konstituirenden Kongresses am 1. Juli 1823 zu einer Republik der Vereinigten Staaten von Zentralamerika vereinigt. Die inneren Zerwürfnisse der Staaten, die zu fort- dauerden Bürgerkriegen ausarteten, führten jedoch schon im Jahre 1839 wieder zur Auflösung der Union. Die später wiederhott gemachten Versuche einer Wiedervereinigung blieben fruchtlos. Mit welchem Recht jetzt der Präsident von Guate« mala die Vereinigung der vollständig unabhängigen Staaten proklamirt, ist nickt verständlich, da über daS Zusammentreten eines Kongresses und über einen eventuell von demselben ge« faßten Beschluß in der letzten Zeit hier keine Nachrichten ein- gegangen find. Man muß deshalb versucht sein, an einen Gewaltstreich deS Präsidenten von Guatemala zu glauben, um so mehr, als Rufino BarrioS, der bereits seit dem 9. Mai 1873 an der Spitze der Regierung von Guatemala steht, als sehr „unternehmender" Mann bekannt ist. DurlumenturiBrkes. — Die Geschäftsordnungskommission de« Reichstages beantragt: der Reichstag wolle beschließen, 1. zu erklären, daß daS am 2. Ap:il zu Kiel gegen den Reichs« tagsabgeordneten F r o h m e, daS am 3. April zu Kiel gegen den ReichStagSabgeordveten v. Vollmar und daS am 4 April zu Neumünster gegen den Reichstagsabgeordneten Dietz stattgehabte Verfahren dem Artikel 31 der Reichs- Verfassung zuwiderläuft; 2. durch den Beschluß zu 1 den Antrag Kayser als erledigt zu erklären. — Die Unfall-VersicherungS-Kommission des Reichstags hielt gestern Vormittag eine Sitzung und be- schloß auS ihrer Mitte eine Subkommisston zu wählen, mit dem Austrage, darüber in Berathung zu treten, in welcher Weise es durchführbar sei, das Gesetz über die Kranken-Ver« ficherung der Industriearbeiter auch auf die Arbeiter in der Land- und Forstwirthschaft auszudehnen. Die Subkommisston trat gleich nach Schluß der KommisfionSsttzung zu einer 1. Berathung zusammen. — Die Justizkommission deS Abgeordnetenhauses hat über die Anträge in Bettest deS Spielen« .n außerpreußischen Lotterien berathen und be« schloffen, daß Diejenigen, welche in außerpreußischen nicht ge- nehmigten Lotterien spielen, mit Geldstrafe bis 600 M., die Verkäufer von Loosen zu solchen Lotterien bis 1500 M. bestrast werden; die Bestimmungen sollen für daS ganze Staatsgebiet gelten, so daß keine Rechtsverschiedenheit zwischen den Pro- vinzen mehr vorwallet. ? Mrkmentsberickte. Deutscher Reichstag. 83. Sitzung vom 10. März, 1 Uhr. Am Tische des BundcsrathS- von Boetttcher. Kommiffarten. und jagd, wo er Treiber ladziwill angeschossen ist mir aber nur der Vor dem Einttitt in die Tagesordnung erklärt Abg. B e b e l: Fürst Radziwill hat meine neultche Behauptung, daß ein Soldat der Garde-Jäger- Bataillons auf einer" war, durch einen Hauptmann Prinzen wurde, als irrthümlich bezeichnet. Es uv» um oer kleine Jrrthum begegnet, daß ich von einem Hauptmann sprach. Der Offizier ist der Lieutenant Prinz Georg Radziwill ge- wesen, wohnhaft Poststraße in Berlin, vom Regiment der Gardes du Korps. Der Angeschossene ist der ehemalta« Gärtner- gehilfe Max Wolf auf Dominium Berghof bei Rüdersdorf. Nach seinen Erklärungen ist er durch den Prinzen Radziwill am 11. Januar 1881 auf einer Hofjagd bei Falkenrehde, zu der er als Treiber abkommandirt war, am Bein verwundet worden, hat 3 Monate im Lazareth gelegen, ist dann 4 Wochen lang in der Kaserne verpflegt und dann entlassen worden. Gegenwärtig ist er im Begriff, seine Entschädigungsansprüche gegen dm Prinzen Radziwill, der auf einen angebotmm güt- lichen Vergleich nicht eingegangm ist, gerichtlich gellend zu machen. Abg. Fürst Radziwill: Der Abg. Bebel wird zugeben, daß, was er heute mittheilt, etwas Anderes ist, alS wa» er Bett aufzusuchen, öffnete er da« Fenster, den« der Geruch de» Petroleums erfüllte da» Gemach. Er steckte selbst den Kopf hinau» und wollte nach dem Wetter sehen, da lachten ihn ein Paar herrlich« blaue Augen an, über welche sich dunkle Brauen spannten, und diese dunklen Brauen wurden wieder von ewigen goldenen Locken geküßt, die auSaelassm in die weiße Stirne fielen. Da» schneeige Nachtkorfet, da» den Leib de» Mädchen» verhüllte, war mit einfachen Spitzen besetzt, die nach dem Nacken in doppelte Reihen gelegt waren und au» der Fülle dieser Spitzen schaute ein ein» fache», schwarze» Sammtband hervor, das vm edlen Hal» umspannte. Lederer schaute verwundert aus daS schöne Gesicht, da» er noch nie bemerkt hatte und da« ganze Blut drängte fich ihm vom Herzen in daS Gesicht, als die Holde mit unvergleichlichem Lächeln hinüberrief:„Herr Doktor haben heute Nacht schon wieder nicht geschlafen I" Wie sie so lachte, da legten sich in ihre Psirsichwangen zwei gottvolle Grübchen, in denen die Engelchen zu tanzen schie- nen.„Wissen Sie, Herr Doktor, daß ich auch nicht schlafe« kann, wenn Sie nicht da« Licht abdrehen. Meine Gnädige giebt mir keine Rouleaux und da dringt der Lichtschein in mein Zimmer. Ich bitte sehr, Herr Doktor, studnen Sie lieber bei Tage und schlafen Sie bei Nacht. Sehen Sie, ich bin gar nicht ausgeschlafen!" Da« vis-ä-vi» gähnt« jetzt und als die Holde den Mund öffnete, da zeigte sie zwei Reihen perlweißer Zähne, die da wie eine Front Soldaten nebeneiander standen. Husch, war das Köpfchen verschwunden, noch bevor der Doktor, dem jetzt auf einmal eine Menge schöner Wörter einfielen, auch nur eine Silbe hervorgebracht hatte. DeS andern Tages kam Franz Lederer zu ungewohnter Stunde nach Hause und begann, vor sein Fenster einen dichten Vorhang zu spannen, und saß de» Abend« wieder bei seinen Büchern. Der Schatte« des feinen Profils huschte heute nicht über sein Papier, die kleinen schwarzen Schlangen tanzten nicht auf seinen großen Bildern und, wie merkwürdig, e« that ihm leid, daß dies heute nicht der Fall war. Aber er empfand innerlich eine sehr große Befriedigung, daß er so klug gewesen war, den Vorhang gtfkrn mitgetheilt hat, und daß er gestern über den einigen in der Armee dienenden Hauptmann meines Namens falsche Thatsachen behauptet hat. Ich wiederhole, daß, soweit es mir möglich war. Erkundigungen einzuziehen, in meiner Familie nichts von alledem bekannt ist. Auch ist eS ein eigenthümliches Verfahren, den Reichstag von zioilrechtiichen Ansprüchen, die man gegen Jemand geltend machen will, eher in Kenntniß zu setzen— als den Betreffenden selber.(Sehr wahr!) Der Präsident hat den Herrn Abgeordneten mehrfach an die Grenzen einer thatsächlichen Berichtigung erinnert; die letzte Bemerkung liege bereits jenseits derselben. Das Haus tritt darauf in die erste Berathung deS An- träges Ackermann und Genossen, betreffend die A b ä n d e- runa der Gewerbeordnung, ein, der die Eltheilung der Befugniß zum selbstständigen Handwerksbetrieb von einem Befähigungsnachweis abhängig machen will. Abg. Ackermann: Wenn fich heute ein Handwerker selbstständig niederlassen will, so geht er einfach aufS Rathhaus, erhält dort einen Anmeldeschein und macht sofort einen Laden mit großer goldener Firma auf, biS nach einigen Jahren die Sache wieder zu Ende ist, während doch Staat und Kirche von ihren Beamten eine genügende Be- fähigung verlangen, und man kaum einen Diener engagirt, von dem man nrcht die Garantie hat, daß er seine Sache auch versteht. Mein Antrag nun soll das Handwerk schützen gegen regellose Konkurrenz, die nicht ausgeschloffm, sondern nur um- gestaltet werden soll in einen Wettkampf unter befähigten Per« fönen. Der Antrag stärkt ferner da? Selbstbewußtsein und Standesgesühl der Handwerker; er hat eine eminente erzieh- liche Bedeutung. Wir beeinträchtigen auch keineswegs die Freiheit der Individuen, wenn wir wollen, daß nur der fich seldstständig machen kann, der dazu befähigt ist. Ich bitte Sir, diese Dinge nicht durch die Parteibrille anzusehen, sondern als das zu betrachten, waS fie wirklich find, als reine Wirth- schaftsfragen. So ist es auch in Oesterreich geschehen, wo selbst liberale Abgeordnete mit Wärme im Sinne meiner heutigen Anträge aufgetreten find, namentlich mit Bezug auf das Jnnunaswesen.(Der Redner geht sodann auf die Details feines Antrages ein und verwahrt fich besonders gegen den etwaigen Einwand, als wolle er den Verwaltungsbehörden zu weitgehende Ausstchtsrechte geben und direkte Zwangsinnungen einführen.) Abg. B a u m b a ch: Daß auf liberaler Seite Jemand der Anregung des Herrn Ackermann folgen könnte, ist abi'olut ausgeschloffen; ich erkläre mich deshalb auch gegen eine tommiffa- rische Berathung des Antrages, der trotz aller Verwahrungen die Zwangsinnung in optima forma offer irt. Das Kleingewerbe kann den Kampf gegen die Großindustrie in der Weise, wie Herr Acker- mann es will, nicht mit Erfolg führen. Wir Liberalen allein zeigen dem Kleingewerbe den richtigen Weg, indem wir ihm rathen, fich auf das Feld zu konzentriren, wo die Individualität des Einzelnen gegeüber der Maschinenindustrie noch zur Gel- tung kommen kann. Der wahre Freund des Handwerkers ist, wer ihm die Wahrheit sagt, und nicht, wer ihn in falschen Meinungen bestärkt. Wollen Sie etwa durch eine Maschinen- steuer den großen Fabriken zu Leibe gehen? Wohin das Zunft- wesen führt, darüber äußert fich nach dem bekannten Buch des Geheimen Raths Wagener der jetzige Reichskanzler, ehemalige Bundestags- Gesandte v.Bismarck in seinem Briefe aus Frank- fürt a. M, wo in den fünfziger Jahren das Zunftwesen noch bestand, wie folgt:„Die korporativen Verbände hier find weit entfernt, die Grundlage christlicher Zucht und Sitte zu sein; fie dienen nur als Tummelplatz untergeordneter politischer und persönlicher Zänkereien und als Mittel, die Ausbeutung Les Publikums durch Ausschluß der Konkunenz mit Erfolg zu be- treiben."(Hört! hört!) In einem anderen Briese deS Gesandten von Bismarck heißt ei dann über die Frankfurter Handwerker:„Ich habe mir bisher viel von der Wieder- aufhcburg der Gewerdefreiheit versprochen;"— das ist also der von Herrn Ackermann vertretene Gedanke—„daß eS aber damit allein nicht gethan ist, beweisen die hiesigen Zustände. Das Zunftwesen ist hstr bisher intakt, und man vermißt keinen der Nachrheile, die es mit fich führt." Nun zählt er alle diese Nachtherle auf:„Es find: übermäßige Ver« thcuerung des Fabrikats, Gleichgrltigkeit gegen die Kundschaft und deshalb nachlässige Arbeit; spätes Anfangen, stühes Auf« hören mit der Arbeit; lange Mittagszeit bei Arbeiten im Hause; mangelhaste Auswahl der Gegenstände und viele andere Mängel, die ich wohl tragen würde, wenn ich dafür einen konservativen Handwerkerstand haben kann. Diese Entichädi- gung für die Uebelstände fehlt ober hier noch mehr wre in Berlrn." Ich empfehle diese Briefe des Herrn v. Bismarck dem Abg. Ackermann; vielleicht wird er dann sein Urlheil movifi- ziren.(Abg. Ack-rmann: Nein!) Frankfurt hat dann unter der Herrschaft der Gewerdefreiheit und nach der preußischen Annexion einen großen Aufschwung genommen; jetzt würde der Reichskanzler es dort anders finden. Der Antrag Acker- mann will das Gute der allen Zünfte, deren autonomen Cha- rakter nicht; er will nur das unglückselige Privllegiumswesen wieder«inführen und da» ganze Handwerk unter Polizei« aufstcht stellen. In Oesterreich, auf das er fich als Muster- land bezogen hat, mußte man bvi den Verhandlungen über die Wiederherstellung der Zünfte eS bereits erleben, daß ein großer Streit darüber enlstand, ob Jemand, der Rahm- vor sein Fenster zu spannen.„Heute wird sie gut schlafen!" dachte er und dann murmelte er eS leise vor sich hin und endlich lag er über dem großen Buche, über eine Seite, die er schon eine Viertelstunde früher gelesen hatte, und dachte nicht« weiter, al»:„Heute wird sie gut schlafen!" „Guten Morgen, Herr Doktor!" Franz zuckte zusammen, als er diesen Ruf hörte; tv bemerkt« mit Entsetzen, daß er bei dem Buche eingeschlafen war und daß der freundliche Ruf ihn erst aus seinen Träumen geweckt habe. „Guten Morgen, Herr Doktor! Hören Sie denn nicht?" Franz eilte zum Fenster, zog den Vorhang in die Höhe und sah seine liebe Nachbarin, da« göttliche Lachen auf den Lippe», am Fenster.„Wenn ich nicht irre, hat Ihnen der Vorhang eben so wohl gethan, wie mir. Sie scheinen sehr gut geschlafen zu haben I Ich rufe schon zum zehnte» Male meinen Morgengruß hinüber und Sie hören nicht. — Ich danke für Ihre Liebenswürdigkeit!"—„O bitte, — e« war— meine Pflicht!" stammelte Franz, der all' die schönen, geistreichen Reden, die ihm gestern zu spät ein- gefallen waren, plötzlich vergessen hatte und sich wieder roth werden fühlte.„O, ich habe so gut geschlafen, wie seit Langem nicht, und wissen Sie, daß ich von Ihnen ge» träumt habe? D, e» war ein sehr schöner Traum, die Dankbarkeit hat mir diesen Traum eingegeben. Also noch- malS meinen Dank I" Und wieder war der schöne Leib verschwunden und Franz schaute wie blöde noch eine lange Weile nach dem leeren Fenster. Er hätte fich ohrfeigen mögen über seine Ungeschicklichkeit; nicht ein einziges gescheidteS Wort hatte er hervorgebracht, wie ein dummer Junge hatte er dage- standen und die muntere Nachbarin wirv von ihm denken, er sei ein Tölpel ersten Ranges. (Schluß folgt.) strudel und Mohndeutel backen dürfe, auch Zwieback solle backen können.(Heiterkeit.) Sollte die deutsche Gesetzgebung durch diese lex Ackermann verunziert werden(Oho! rechts), so wird damit dem Handwerk nicht geholfen; das Publikum wird nach wie vor da kaufen, wo eS die Waare am besten und preis- werthesten findet; und ich werde, wenn ich mir ein Paar Stiefel kaufe, nicht erst mir den Befähigungsnachweis des Ver- käufers vorweisen lassen, sondern kaufe fie einfach da, wo ich fie gut finde und bezahlen kann' auch wenn fie in einer Fabrik geardeitat find. Von historischem Interesse ist der Antrag Ackermann aber unter allen Umständen als eine Bekunvung von dem, waS man im Jahre 1885 dem deutschen Volke in einer Periode rückläufiger Bewegung zu bieten wagte.(Bei- fall links.) Abg. Biehl(Augsburg): Die Forderung des Hand- werks nach Ordnung ist gerecht; denn obschon die Gewerbe- ordnung auch dies stolze Wort mit enthält, so ist man allge- mein in Handwerkerkrcisen darüber einverstanden, daß bis jetzt von einer Ordnung im Handwerk nichts zu verspüren ist. Aber das Handwerk verlangt nicht Ordnung allein, es verlangt auch Schutz gegen seine natürlichen Feinde, die Fabriken und die Pfuscher. Wir wollen den Fabrikvetrieb nicht beschränken, sondern nur das Handwerk so schützen, daß seine Interessen nicht mit denen der Fabriken kollidiren(Ruf linkS: Kunststück!), daß beide in ihrer Produktion sweiie einander nicht zu nahe treter. Ich er- kläre offen, daß wir, da die obligatorischen Innungen zur Zeit nicht zu erlangen find, die Einführung des Befähigungs- Nachweises als eine Abschlagszahlung auf unsere Forderung verlangen müssen. Die Frage ist einfach die: haben die- jenigen, die ein Handwerk nicht erlernt haben, ein Recht das- selbe zu betreiben?(Rufe links: Ja!) Sie glauben also, daß das Handwerk ein Tummelplatz sei, auf dem fich alle breit machen können, die nichts gelernt haben. Diese Zeit ist vor- über. Von dem freien Spiel der Kräfte wird man nicht weiter reden. Wie weit man mit dieser Phraseologie kommt, ist uns in Süddeutschland schlagend bewiesen worden. Die bairische Mrlitärvnwaltung schrieb die Liefnung von Petroleumlampen aus. Sie werden alle glauben, daß ein Klempner die Lieferung derselben habe, aber fie wurde einem Äettfeder Händler über- tragen.(Heiterkeit) Noch ein anderes Beispiel: In dm fiebziger Jahren hatte fich nicht in Süddeutschlanv allein die Spekulation der Bauten bemächtigt, und bedenkliche Elemente waren in das Baugewerbe eingedrungen. Die Folge war, daß in München Neubauten, die kaum fertiggestellt waren, wieder einstürzten. Damals ist auch von einem Mitglied Ihrer Partei (links) die Forderung des Befähigungsnachweises für das Bau- gewnk aufgestellt worden.(Hört, hört!) Das beweist zugleich, daß unsere Forderung nicht erst neueren Datums ist. Für mich ist die Frage eine offene, od nicht auch von den Journa- listen ein BesähigungsnachweiS zu fordern wäre.(Heiterkeit.) Nur eine Zeitung hat fich nicht unaünstig unserem Antrage gegmüberstellt, die„Nordd. Allg. Ztg." ES ist deshalb zu hoffen, daß auch die Regierungen ihm nickt feind find. Ader auch in einem Ihrer(links) Organe habe ich eelesen, daß der Befähigungsnachweis auf allen Gebieten berechtigt sei.(Rufe links: In welchem?) Ich kann Ihnen im Äugenblick den den Namen des BlalteS nicht nennen. Es war freilich dieser Behauptung die andere hinzugefügt, daß damit das Handwerk jetzt doch nicht mehr lebmSfähig gemacht werden könne. Da lobe ich mir die Sozialdemokraten: die haben schon vorJahren das Handwerk zu den Todtm geworfen. Ich vertrete diese Auffassung nicht und deshalb bitte ich die verbündeten Regie- rungen und den Reichstag durch die Annahme unseres Antrags für die Erhaltung eines soliden Handwerks Sorge»u tragen. Auch ein hervorragendes Mitglied Ihrer(linkst Partei in Baiern hat erklärt, daß die Innungen kommen und eine spä- tere Zeit nicht begreifen würbe, weshalb man fich so lange gegen die Einführung derselben gesträubt. Ich bitte, unseren Antrag an eine Kommisfion zu verweisen.(Beifall im Zenttum.) Abg. Böttcher: Es war mir interessant zu hören, daß die Vaterschaft des Antrages eigentlich dem Zentrum zukommt und nicht Herrn Ackermann. Merkwürdig ist, daß während der ganzen Zeit seit Erlaß der Gewerbeordnung Niemand dm Befähigungsnachweis gewünscht hat. Im Jahr- 1878 und 1879 bei Berathung der Gewerbeordnung ist ein solcher Wunsch von konservativer Seite nur schwach laut geworden. Wir wissen ja Alle aus unserer Jugend, daß die Meisterstücke doch nur zum bloßen Schein herabgesunken waren. Man hat wegen der vielen Mißbräuche, die der Prüfungszwang im Gefolge hat, bei Erlaß der Gewerbeordnung denselben verhältnißmäßig leicht fallen gelassen. Dabri gebe ich Herrn Ackermann zu, daß der Staat das Recht und das Interesse hat, die GewerbeauSüd.ng ebenso zu überwachen, als jedes andere Gebiet. Ich hätte er- mattet, daß der Abgeordnete Ackermann die Nolhwendigkeit deS Befähigungsnachweises in Zusammenhang mit der Noch- läge des Gewerbes überhaupt und als erforderlich für daS öffentliche Wohl darstellen wird. Er hat aber ausdrücklich erklärt, daß der Hauptzweck feines Antrages der Schutz des Handwerks gegen regellose Konkurrenz sei. Kein redlicher Mann scheut fich vor dem Wetlkampf. Wenn der Abg. Ackermann we- nigftens deS Publikum gegen Pfuscher schützen zu müssen gemeint halte; auS seinen Ausführungen sprach aber lediglich jener Geist der Engherzigkeit, wie wir ihn aus den alten Zünften kennen. Od daS Handwerk durch die hier verlangte Garantie für Ausbildung der. Lehrlinge gehoben wird, ist doch sehr die Frage. Ist aber der Staat überhauvt einem erwachsenrn, selbstständigrn Menschen gegenüber defugt, ein derartiges Recht auszuüben, wo nicht ein öffentticheS Interesse ihm zur Seite steht? Unsere Gewerbeordnung hat ja den Prüfungszwang nicht ganz ausgeschlossen, aber in diesen Fällen liegt in der That ein öffentliches Interesse vor. Der Befähigungsnachweis soll nun prinzipiell durch daS Lehrlings- und Arbeitszeugniß geführt werden. Ich bestreite aber, daß man durch Zeugnisse die vollständige Garantie dafür erhält, daß der Mann auch die Tüchtigkeit befitzt, die zur selbstständigen Führung eines Ge- werde« erforderlich rst. Durch den Bundesrath soll dann be- stimmt werden, wie viele Jahre Jemand als Lehrling und Ge- selle thätig gewesen sein muß, um bei ihm die nöthig- Vor- bildung annehmen zu können. Die Antragsteller selbst haben es nicht gewußt, da soll der BundeSrath mit seiner Weisheit wieder aushelfen. Und ist denn der Bundesrath stcher, daß seine Vorschläge auch ausgefühtt werden? Die Behörden in den einzelnen Bezirken sollen ja ihrerseits seldstständig die Prüfungskommisfionen und du Grundsätze für die Prüfung feststellen. Dann soll, wenn Jemand Zeugnisse nicht beibringen kann, die Behörde befugt sein, in anderer Weise den Nachweis der Befähigung zuzulassen. Da nun die Verwaltungsbehörden hierüder souverän entscheiden sollen, so können die verschiedenen Behörden ganz auseinander. gehend utthellen. Dasselbe Bedenken erhebt fich dagegen, daß daS Zeugniß staatlicher Unterrichtsanstalten den Befähigung«. Nachweis ersetzen kann. Die Unterrichtsanstalten wer dm von der Zenttalbehörde bestimmt. Es kann auf diese Weise kommen, daß die eine Zmtralbehörde ein Zeugniß einer An- statt zuläßt, welches die andere für nicht ausreichend erachtet Wenn der Betreffende also von dem Bezirke der einen Behörde in dm einer anderen verzreht, so müßte er von Neuem den Nachweis seiner Befahrgung liefern. Die Bestimmungen deS Antrags find überhaupt ein Zeichen höchster Rathlostakeit' fie erinnern an den schönen Vers: Auf vem Dache fitzt ein Greis zirke die Hälfte der Arbeitgeber einer Innung angehört, da hört daS Vettrauen auf, dann muß die Innung an di« Stelle drr Verwaltungsbehörde treten. Daß die Antragslella ein derartige« Zwangsmittel gegenüber der Verwaltung bade« wollen, ist begreiflich- nur reimt eS fich nicht mit den sonstigr« Bestimmungen de« Antrags. WaS der Antrag noch weitet will, läuft geradezu auf den Jnnungszwang hinaus. Dem An< trag Ackermann stehe ich hiernach nicht gerade entgegenkommer» gegenüber. Ader das glaube ich aussprechen zu müssen: da» Herz, welches die Antragsteller haben für die Erhaltung tct deutschen Handwerks, daS haben auch wir. Wir meinen jedoeb, daß Sie durch derartige Anträge und durch das Hineinwerse« deS JnnungSzwangS die Thatkraft des Handwerkers, auf dem Wege der freien Thotigkeit fortzuschreiten, nur lähmen; un> weil wir uns daran nicht betheiligen wollen, müssen wir uns gegen die Anträge erklären. Abg. v. Reinbaden: Ich bringe dm Anlrägm meiae lebhafte Sympathie entgegen, weit wir kein Mittel unversu» lassen wollen, das Handwerk zu heben Wir müssm bestrett sein, die alte Zucht, den korporativen Geist in unserem Hand« werk wieder aufleben zu lassen, und den korporativen Ausim« deS Handwerks würde auch dieser Antrag fördern. Der Antrag, der manches Annehmbare enthält, ist allerdings nicht in alle« Stücken akzeptabel, aber es wird fich dattiber diskutirm lasse«! wir bitten, ihn in eine Kommisfion zu verweisen. Abg. Harm(Soz.): Die Agitation zu Gunsten der Jnnuntf« in dem Handwerkerstände ist nur künstlich hervorgerufen.% wo das Handwerk neben der Großindustrie besteht, ist n»« von dem Wahne, daß in der Innung das Heil liege, w« meinen Erfahrungen längst zurückgekommen- Gewiß befiai« fich der Handwerkerstand in einer Nothlage, und wäre# durch Innungen zu helfen, wir wären zu ihrer Einführt ficherlich bereit; aber es wird ihm damit nicht geholfen.# Ver ersten Maschine war das Schicksal des Handwerk? ci» schieden, war ihm sein Grab gegraben. In Jndustriebezirkw, wo das Handwerk zum Fabrikbetrieb geworden ist, würde' Innungen platterdings unmöglich sein, weil ein B:trirb im«« in dem anderen eingreift. Was nützt auch einem Schaß# einem Schneider sein Meisterpatmt, er würde doch für Großkapitalisten arbeiten müssen. Die letzten großen stellungen haben übrigens gczergt, daß unser Handwe- kersta»' mit den anderer Nationen vollständig konkurriren kann, daS ist doch ohne die Innungen geschehen. Die Zeugnisse die Befähigung würden nur Plackereien und Geldkosten � Ursachen; und wenn fich Jemand irgendwie mißliebig geaE hat, so würde ihm keine Behörde das Zeugniß ausstelle«.™ bitten Sie deshalb, lehnen Sie den Antrag ab. Abg. Hitze: Die Anttäge des Abg. Ackermann g/p un« therlS nicht weit genug, theils hallen wir den in tM vorgeschlagenen Weg für verfehlt. Den Innungen fehlt r.w immer die Autorität zur Durchführung der vorgeschlaj?� Reformen; man mag die schönste Lehrlingsordnung erlalP es nützt nichts, so lange nicht den Innungen auch Zwang»»* fugniffe beigelegt find.— Im Weiteien entwickelt Redner st'# besonderen Anschauungen über die Organisation deS HindSt� und die praktischste Lösung der Handwerkerfrage. Nicht � Handwerker seien dem Kampf gegen die Entwicklung Technik ausgesetzt, eine ganze Reihe von Hand wer kem«% stets ihren handwerksmäßigen Charakter beibehalten, st T Bäcker, Maurer, Zimmerer. Anstreicher, Dachdecker. Diese« trieben gehören große Zahlen von Arbeitern an. In zehn werken, dem Schuhmacher-, Schneider-, Bäcker-, Krobscbmicd-, Tischler-, Maurer-, Zimmerer-, Anstreicher-" Stuckateurhandwerk find beinahe zwei Millionen Arbeiter � schäftigt und 6 Millionen Menschen finden in diesen werken ihr Brod; im ganzen Bergbau, in der Hütten-, � linen- und Textilindustrie find nur 1,700,000 Arbeiter � g-gen 4V, Millionen Angehörigen thälig. Diese 3% geben einen deutlichen Fingerzeig, von welcher Bedeut«� eine zweckmäßige Organisation des Handwerks werden Abg. v. K l e i st- R c tz o w hat das Schlußwott für� Antrag. Eine Reform und Hebung des Handwerk? � nur durch feste Organifirung stattfinden. Das ist aig � wirksamer Schutz gegen daS Vordringen der demokratie und liegt>m Interesse des sozialen Frieden?- hat fich die Kurzstchtigkeit deS Manchestetthums st....j gezeigt, als bei der Preisgebung des Handwerk? die schrankenlose Gewerbefreiheit. Das individualistische deS Liberalismus muß nothwendig zur Adsorbtrung des(j werks durch das Großkapital führen. Davor wollen durch Organisation behüten. ES kommt darauf an. die werker für daS Handwerk zu erobern, wie man Dem!« � für die Deutschen.erobern mußte. Wir wollen die 9""% zu Republiken der kleinen Lmte machen, im Gegensatz K Königen der Großindustrie; allerdings wollen wir nicht, vav demokratische Republiken werden. M Der Antrag geht darauf an eine Kommission von gliedern. ghi- Schluß 5Vj Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch � (Anträge Junggreen und Grillen berger.) Apgeoroneteatzau». 37. Sitzung o o m 10. März, 11 Uhr. 1 Am Ministettisch von Puttkamer,„nP Friedb erg, Lucius, v. Scholz, v. Goßler zahlreiche Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht lediglich die dritte ratbung des Etats. In der Generaldiikusfion führt der je? Abg. v. Minniger ade aus, daß, wenn man da» Etats zieht, dasselbe nicht gerade erfreulich sei.%' pü Jahre gab der Etat wenigstens noch eine glatte B>ia r jxi Einnahmen deckten die Ausgaben, wenn wir auch � Lage waren, die notbwendlge Ermäßigung in den EN tanfen eintreten zu lassen und an die Amottifirung D»„zs bahnschuld denken zu können. In diesem Etat stob noch viel schlimmer daran: nach dem Ecgebniß ot*' aM Lesung haben wir gegenüber den Ausgaben, die n"„oH mäßig nicht meinten verweigem zu können, ein~ 22Va Millionen, daS wir aufdringen müssen. Da..gjgl's gaben nicht zu beschneiden oder zunickzudrängen find, st at st Abhilfe zu schaffen durch erhöhte Einnahmen und? Reiche. Die Verhältnisse bereiien sich auch zu mein. Alb dementsprechend im Reiche vor; die Jntraden au» L st erhöhungen und die Geschäftssteuer werden, wie i®1 *%%%%% VrsS-" deren Versicherung nicht, daß ich den Wunsch, SÄ Referendalien tüchtig vorb rettet in den Dunst thelle. Etwas anderes ist es aber, ob wir der st»* gellst, Gesetzgebung gegenüber zu dem altm Zustande?„pt•J, können. Der Abg. ReichenSperger will nun ab � g Zwischenexamen auf der Universität haben. ,5«erbÄ„,i- bereit, mich darüber mit dem Kultusminister in, 3% zu setzen, und werde dann sehen, ob von vott sprach«folgt gegen eine Bestimmung, daß il>>i»#M welcher in einem intermediärm Examen auf®tl in?'1 seine Schuldigkeit gethan, zum Referendarexame j, werde._ raefa"1 Abg. B ü cht e man n:_Jch stimme �M�igest� re! an.« bi< Ü P faffung ves E'ats mit dem Abgeordneten v. Mwn» ein. DaS R'sultat ist nicht nfreulich, und»ck aus wir, statt daS Defizit durch Anleihen zu �.ata% jst wir, statt daS Defizit durch Anleihen zu Mittel zu decken genöthigt sein werden. thut Sparsamkeit noth. Die Börsensteu« »-/K- 1 angeM. I an di« tragstell« mg bade» sonstigl» ch weiilt Dem An« »kommend isen: dat ltung tet tn iedoib, einwerfe» auf den» >en; und wir uns (tn meine imetfufflj n bestreit im Han> i Ausd« r Antrag, t in allen m lasten! innunae» •en. Daist m-n rm wäre ihal TS »crkZ ent- ebezirke», würde» :b im## !,« r kerstaad K- »sten€ irf 5« V 'tot ■y feuntten eröffnen, welche uns und dem Reich über daS LM hinrveqhelfen. So lange die jetzige Wirlhschaft im Me und Reiche bleibt, so lange glauben auch wir nicht, $ dai Defizit beseitigt werden wird. Wir wollen wünschen, 7» Ale Konservativen dem Appell entsprechen werden, wel» der Abg. v. Minnigerode heute hier so lebhast aus- krochen bat.I»SZ *«bg. v U echt ritz thellt mit Reichensptrger nicht den Mansch nach Einführung eineS juristischen Mittelcxamens. ««dg. v. Minnigerode hält seine früheren Ausfüh- ,"8M gegenüber Büchtemann aufrecht und bestreitet insbe» Meie dessen Behauptungen über die Zuckerfrage, deren Er« "�ung überhaupt in den Reichstag gehöre. Ri ckert: Auch die Kräfte deS jetzigm Eisenbahn» .Liters reichen nicht au?, um für die Zukunft die Bewäh» des jetzigen StaatsbahnsystemS zu verbürgen. Die Eisen- �votitik hat, wie die ganze Finanz- und Wiithschastspolitik, ?? Probe noch nicht bestanden. Wo bleiben denn die Eisen- »�Überschüsse, wenn die Kohlenpreise einmal steigen? DaS jUAmonopol, welches allein di« von Ihnen jetzt gewünschten «lVSeinnahmen einbringen könnte, erhallen Sie aber in De» Ä*""'cht.(Widerspruch rechts.) Früher waren auch Sie N kcchtS) Gegner deS Monopols- jetzt scheinen Sie dessen �'Anhänger zu sein� .-vlmrster v. Scholz: Wenn ich jetzt stillschweigen würde, u/dmrte man im Lande denken:„Vor der Wucht des Rickert- M«ngriffs. rvelcher der Regierung vorwarf, fie habe die Ja."'ch' im Auge, hat die Regierung verstummen müssen." r&ieit.) Jetzt spricht Herr R ckert davon, man dürfe den �."ehr mit der Börsensteuer nicht neu belasten. Was iclde Herr aber bei der ersten Berathung des ,,«9 als die einzige Rettuug für die preußischen Mzrn empfohlen? Die Stempelsteuer!(Heiterkeit.) 5w a 0" die Stempelsteuer nicht aucb nur durch >astung des Verkehrs, des Handels und WondelS erhoben ffij* könnte! Wir haben kein so kurzes Gedächtnis für Ihre Führungen, wie Sie vielleicht glauben!(Lebhafter Beifall und Heile, keit.) Büchtemann konstatirt gegenüber dem Abg. ,!U, Mrnnigerodc, daß dieser im Interesse der Land- ; WlOKift vor der Besteuerung des Schnapses und Zuckers mache. Maybach: Es ist oft genug von dieser Stelle L,* und vom Hause gebilligt worden, daß wir auf dem Ge- Tarife ruhig, bedächtig und vorsichtig weilergehen K,(Zustimmung rechts) Daß wir nicht uns überstürzend »riiJÜ.' 20 pCt. Ermäßigung vorgehen, kann doch Niemand iL■............. Snu"' wir wollen auf diesem Wege nicht zurück, sondern »ir n�wärts gehen. Wir haben kein Geschäft machen wollen; wj. �öen die Eisenbahnen erworben, wir haben sie eingerichtet, tiuk- N fie vkrwalten zum öffentlichen Wohle.(Lebhafte e'wmung rechts.) Wir werden hieraus für das Land einm �rrfall Rechts' srößeren Ueberschüffe weit aufwiegt! v. Minnigerode: Die Herabsetzung der Kohlen» '--- Oberschlestschen Eisenbahn auf dem Ge- Ifr der Oberschiefische biete �-, 5 fdAagenbes Beispiel dafür, daß auch �äbaksJ�rtfwesenS reformirt wird. Sie zeigen über das Erin«..""vpol immer eine so große Entrüstung; nach meiner *-------- � l�tiftenL � 3- der Abg. Äamderger oder einer seiner M red»».! ausdrücklich gesagt: Ueber daS Monopol läßt 5?>ntt n.,ü � kommt blos darauf an, welches Regierungssystem diese»nÄZuden ist.(Hört, hört! rechts.) Wozu also immer !>?;""UNung? . N i ck e r t: Eine Aeußerung, wie der Abg. v. de fie hier charakterifirt hat, ist vom Abg. Bam» Der Finanzminister hat in einer bei chm r""------- f_ [in leitet H«tban! Der Finanzminister hat in einer det rym scsproiH». zur Gewohnheit gewordenen spöttischen Art so tunacn sl � ob ich meinte, unter der Wucht meiner Aeuße- «iL-.Regi«ung-p°littk.'''' & wie der Minister, ironisch zu behandeln. SÄZZZMWMZ vi Minister v. Scholz: Wenn gegen mich der Vorwurf tito? en wird, es sei mir zur Gewohnheit geworden, einen spöt» ihffit Ton anzuschlagen, so muß ich mit dem Bedauern ant« bi» daß es bei Herm Rickert zur Gewohnheit geworden zu ti� scheint, stch Mißoelständniffen hinzugeben � �»kegenheiten noch eine viel größere FiSkalität an w ÄtÄ äJÄ'ÄÄ KÄ Ä �Or'"> geht einfach auS dem stenographischen Bericht ,lL�?F«ldisrusfion wird hierauf geschloffen und in der !. Antrag deS Grafen Limburg- Stirum vor, "nbrn,» Lotterieloose zu verdoppeln und demgemäß die .., Aut-JJ, � erhöhen. ».�nno.fw beantraat Abg. Wagner: Die Staats- d-i�Ng ersuchen, entweder im Wege der Reichsgesetz- Andere m' da« nicht zu ermöglichen fein sollte, durch IKk fchen«Verhandlungen tnst den Regierungen derjenigm »Zuraten, welche noch Staatslotterim habm, darauf "che ba,?'.M sämmlliche Staatslottericn im Deutschen Abg'Mglichst aufgehoben werden. «L»,»'.!» deS Grafen Limburg fei zwar WWWKKiW Hau"f' ort.—---. .Vh?« auf AerJ �t. Aus diesem Grunde sei heute der "■ m*.?d?ppeltmg der Lotterieloose wieder eingebracht "" die Lotterie begeistert i v«Of«'Uf"v-V1'0"?1- Aus Olticu -.....- Schädliches betrachte, dann müffel'man fieZ nicht�konserviren, sondern abschaffen. Abg. Meyer(Breslau) erklärt, daß er die Lotterie für nachtheilig Halle, aber nicht für so nachtheilig, um in jedem Jahre einen Antrag auf Abschaffung derselben zu stellen. Abg. R eichens perger(Köln) spricht fich für den Antrag des Grafen Limburg-Stimm aus. Er vergleicht die Lotterie mit der Verstcherung gegen FeuerSgefahr: auch diese treffe so selten ein. wie ein großer Treffer in der Lotterie. Trotzdem finde Niemand etwas Bedenkliches darin, für die Feuerverfichrrung laufende Beiträge zu bezahlen.(Lebhafter Widerspruch.) Durch die Vermehrung den ng der Lotterien hoffe er auswärtigen Lotterien das Handwerk zu rn------■ und dann An» ».zu schmieden, denen jeglicher Inhalt fehlt. Zuj�k. Büchtemann: Wie kann der Finanzminister als «lif.vwuiten vezeichnen, was eine Partei in ihr Programm �>eu. Wir können doch keine Gesetzeivorlagen über �ffen.?* �lll. machen, das müssen wir der Regierung über-} WtiiV°ber die letztere kann doch, wenn fie fich einmal in: fie»wen Fahrwasser bewegt, nicht behaupten, fie allein habe' hAe gemacht. ltn in fi' v. Schorlemer: DaS Zentrum bleibt auch ohne tywjwHuch einer Festnagelung, wie ihn der Abg. Rickert ge» 3,S!' keinen Grundsätzen getreu.(Beifall,) stfij ög. Enneccerus: Die nationalliberale Partei hat öem Standpunkte der Selbstständigkeit der Reichs» Uung gestanden und dieses Prinzip als Richtschnur fest- /n, als fie 1879 gegen die Kar.ckenstein'sche Klausel v. E y n e r n: Der Abg. Büchtemann hat bei namentlich legen. Abg. v. Rauchhaupt erklärt, daß man stch mit einer bestehenden Lotterie allenfalls abfinden könnte, aber er könne nicht dem Grundsatze huldigen, daß der Staat Gelegenheit geben soll zu leidenschaftlichem Spiele, daß man zu diesem Zwecke die Lotterie erwellere, und daß die Sucht des Lotterie- spiels sogar durch Herstellung kleinerer Appoints in daS Volk getragen werde. Dazu könne er seine Zustimmung niemals geben, namentlich in dem jetzigen Augenblicke, wo man stch mit der Sozialreform beschäftige, wo man die ethischen Kräfte im Volke beleben wolle. Solle der Postbote in der«inen Tasche daS Sparkassenbuch für Postsparkaffen und in der an» deren die Lotterieloose tragen?(Große Heiterkeit, Ruf: Sehr richtig!) In namentlicher Abstimmung wird der Antrag d«S Abg. Grafen Limburg mit 162 gegen 152 Stimmen abgelehnt, der Etat der Lotterieverwaltung nach den Beschlüssen zweiter Lesung genehmigt. Sil r den Antrag stimmen die Freikonservativen, die eit der Konservativen und eine Minderheit der National- liberalen, sowie vereinzelte Mitglieder des Zentrums und der fteifinnigen Partei; gegen denselben votiren fast daS ganze Zentrum, die Deutschfreistnnigen, die Polen, die Mehrheit der Nationalliberalen und etwa ein Viertel der Konservativen; die Minister v. Puttkamer, v. Boetticher, Lucius und May- dach, welche zugleich Abgeordnete find, nehmen an der Abstim- mungnich: Theil. Der Antrag Wagner wird mit demselben Stimmenver- hältniß angenommen. Die Fortsetzung der dritten Lesung deS Etats wird um 3'/« Uhr auf Mittwoch 11 Uhr vertagt. D o k s l e s. Die Produktiv- Genossenschaft der Schneider. In einer Zeit, deren wirthschaftliche Devise„billig und schlecht" lautet, wo vielfach gegen gutes Geld schlechte Waare einae- tauscht wird und der Einzelne stch auf Kosten der Allgemein- heit zu bereichern sucht, ist es gewiß mit Freuden zu begrüßen, daß fich Männer gefunden und zusammengethan haben, welche, der allgemeinen Strömung nicht folgend, auf ihre Fahne „dillig und gut" geschrieben und ein Unternehmen ins Leben gerufen haben, welches, nicht dem persönlichen Eigen- nutze und der Sucht nach Gewinn, sondern lediglich den Jnleressen der Allgemeinheit dienend, stch bereils in verkürzen Zeit seines Bestehens vielfache Beachtung und Anerkennung und allseitige Sympathie erworben hat. Es ist dies die von Mit- gliedern des Fachvereins der Schneider gegründete Produktiv- und Rohstoffgenoffenschaft der Schneider zu Berlin(Etngetra- gene Genossenschaft), welche Zimmerstraße 30 ihr Geschästs- lokal eröffnet hat. Auf reellster Grundlage beruhend und unter strengster Kontrole eines Verwaltungsrathes stehend, ist der Zweck dieser Genossenschast, daß konsumirende Publikum und namentlich den weniger bemittelten Theil desselben, welcher bisher seinen Bedarf an Garderobe den„billigen Läden" zu entnehmen gezwungen war, durch Lieferung dauerhafter Stosse, und solider Arbeit zu Preisen, welche den wahren Werth der Waaren nicht übersteigen, vor Ueberoortheilung und sachlichen Schaden zu schützen. Die Genossenschaft ist auch in der Lage, diesen Zweck zu erreichen durch Verarbeitung von Stoffen von nur guter und bester Qualität und zwar nur durch Mitglieder der Genoffenschaft, welche, unabhängig von dt« herrschenden, gedrückten Lohnverhältnissen, im In- tercffe der Allgemeinheit nur gute und solide Arbeit liefern. Die Qualität des reichhaltigen Lager? fertiger Herren- garderobe, sowie in- und ausländischer Stoffe in Verbindung mit der Preiswürdigkeit der einzelnen Artikel, welche der Genoffenschast bereit« zu Gebote stehen, beweist zur Genüge die Reellität derselben, und da dieselbe auch Herren- Garderoben aller Art nach Maaß anfertigt, sowie über ein großes Lager von Futter, Knöpfen und Borten verfügt, so ist sowohl dem Publikum, wie auch Schneidern die günstigst« Gelegenheit ge« boten, jedweden Bedarf reell und billig zu befriedigen und ist nur zu wünschen, daß die Betheiligung der lonsumirenden Interessenten mit der stets wachsenden Betheiligung der pro- duzirenveii Interessenten an der Genossenschaft gleichen Schritt halte zu Nutz und Frommen Aller. Das Geschäftslolal be- findet fich einzig und allein Zimmerstraße 30. Zu welchen Mitteln die Reklame greift, zeigt eine neue Art, in der Geschäfte ihre Empfehlungen zu vertheilen suchen. Die Zettel, die von Dienstleuten an den Straßenecken den Vorübergehenden in die Hand gedrückt werden, üben längst keine Wirkung mehr aus. Die meisten Leute und namentlich diejenigen, auf welche die Wirkung der betreffenden Publila- turnen berechnet ist, weisen dieselben zurück. Um nun mehr Gimpel auf den Leim der Straßenreklame zu lecken, bringt man einen der Uankee's würdigen Trick in Anwendung. Man klebt die Reklamen jetzt auf Kästchen Schwedischer Zündhölzer und steckt diese Schachteln den Vorübergehenden in die Hand. Eine Reklame, die mehr zündet, ist kaum denkbar. So steht'S im„B. B. C." Allerdings kann man aus diese Weise dillig zu Streichhölzern kommen. Eine andere Frage ist jedoch die, wer diese Zündhölzchen eigentlich bezahtt, denn die splendide Firma, welche dieselben verschenft, wird fie jedenfalls nicht um- sonst erhalten. Es ist also der Kunde, dem der Preis der Streichhölzchen bei einem eventuellen Einkauf gleich mitan- gerechnet wird. Geschäftsleute, welche fich derartiger Kniffe bedienen, werden wohl auch darauf bedacht sein, daß fie bei den Geschenken, die fie dem Publikum machen, nicht zu kurz kommen. Jedenfalls thut man besser, man kauft seine Streich. Hölzer besonder« und deckt seinen übrigen Bedarf bei Geschäfts- leuten, welche ihre Waaren in reeller Weise empfehlen. Eine neue Menschenautstellung in Sicht. Die Manager- Firma FuchS, Behrens und Dawe, welche fich hauplsächlich da- mit beschäftigt, Schaustellungen von Angehörigen wilder Völler» stamme zu veranstalten, und die auch die augenblicklich in Castan's Panoptikum befindliche Zulu-Karawane nach Europa gebracht hat, bereitet für Berlin ein interessantes anthropolo- gisches Gastspiel vor. Kein Geringerer als Sitting Bull— so verfichert man dem„B.-C"— der berühmte Indianerhäuptling, welcher den Amerikanern so viel zu schaffen gemacht hat, wird diesen Sommer nach Berlin kommen, und zwar degleitet von einer schönen Häuptlingstochter, zwei anderen Indianerinnen. zwei Kindem und fünf Kriegern, im Ganzen ein Trupp von elf veritablm, waschechten Rothhäuten. Die Echtheit soll durch zahlreiche Zertifikate verschiedener Amerikanischer Be- Hörden dezeugt werden. Sitting Bull ist noch immer Ge- fangen« der Amerikanischen Regierung, und gleichsam ein Pendant zu dem seligen Cettewayo, den die Englänger ja auch internirt hatten. Sitting Bull weilt zur Zeit in Omaha, in der Nähe der Black Hills(Schwarzen Berge) in West-Am«ika. Er wird nicht nur vier Wigwams, Kanoes, Tomahawks, sowie »ablreiche andere Jagd- und KriegSgeräthe, sondern auch seine aanze Kollektion von Skalps— eine Sammlung, die« bei uns kaum bereichem dürfte— nach Europa mitbringen. Die Rothhäute werden ihr Europäisches Tournee in Berlin be» ginnen. In welchem Etadlrssement, ist noch nicht bekannt. Sitting Bull darf übrigens in Amerika nicht gezeigt werden. Mr. Behrens wird in einigen Wochen, sobald die Kontrakte abgeschlossen find, nach Amntka gehen, um den großen Häuptling mit seinem intneffanten Gefolge h«üder zu holen. Wenn die Berliner einmal so vernünftig würden. und ihr Geld nicht für daS Begaffen einzelner unglücklicher Repräsentanten fremd« Nationen ausgeben würden, so wäre eS mit dem Unfug jedenfalls ziemlich schnell vorbei. Di« armen Leute, die wie Wunderthi«« von einem Ott« zum andem geschleppt werden, baden doch nicht« davon, fie dienen nur dazu, um den spekulativen Untemehmer in möglichst kurzer Zeit reich zu machen. Man sollte doch mdlich aufhörm. davon zu sprechen, daß solche Schaustellungen irgendwie der Wissenschaft dienen, eS ist eben nur ein ganz gewöhnliches, krasse? Geldgeschäft, bei welchem eS den Unternehmem durchaus nicht darauf ankommt, ob die„Wilden" jemals ihre Heimath wiedn« sehen od« nicht. In den meisten Fällen find diese..Wilden" viel zahmer als ihre weißen Aukstell«. g. DaS wäre ja noch schöner! Die Pächter von Eis- bahnen haben die Hoffnung, daß noch einmal in diesem Winter ein starker Forst eintritt und die Gewässer gefrieren lassen wird, keineswegs aufgegeben, wie man allgemein glauben sollt«. Man ersteht dieS unter Anderem auS den Baulichkeiten (RestauratwnSbuden, Kasse, Einrichtung für elektrische Beleuch» tung rc.), welche eigens für die EiSbabn hngerichtet find und deren Abbruch noch nicht«folgt ist. Wir wünschen, daß fich die Hoffnung der Hnren Pächter nicht erfüllen möge. Der vergangene Winter war gewiß streng genug, und im Interesse deS weitaus größten Therlei der Beoölk«ung wäre eS nur zu wünschen, daß die warme Witterung möglichst bald eintreten möge. Was beveuten beispielsweise die paar Eispächter gegen die große Zahl der Bauhandwerker, denen ein plötzlicher Frost doch sofort wied« den kärglichen Lohn entziehen würde. Die Eispächter werden während der kalten Tage ihr Schäfchen wohl inS Trockene gebracht haben, und eS wird nunmehr Zeit, daß auch andere Leute an die Reihe kommen. Bravo! Herr Oberkellner. Die Unverschämtheit gegen Damen, welche nicht selten von sogenannten„gebildeten" Herren als eine Art Privilegium betrachtet wird, vermöge dessen fie stch AlleS erlauben dürfen, hat am Sonntag Abend in einem größeren Restaurant des AlexanderplatzeS dem Betreffenden die verdiente Strafe eingetragen. Ein junger Apotheker, welcher fich mit seiner verlobten Braut dort aufhielt, bemerkte, daß die Letzt«« tn unvnschämter Weise von drei in der Nähe fitzenden Jünglingen unausgesetzt fixirt wurde. Als der Bräutigam auf einige Augenblicke seinen Platz verließ, trat ein« von den Henen Süßholzrasplern an den Tisch und erlaubte stch die Dreistigkeit, die in höchste Verlegenheit aerathene Dame um ein Rendezvous zu bitten. In demselben Moment trat aber auch der Bräutigam hinzu und wies den Zudringlichen in ernst«, jedoch anständiger Mani« wegen seines unziemlichen Be« tragenS zurecht. DaS paßte aber dem Jüngling und seinen Begleitern nicht, denn dieselben erklärten in einem hochfahren- den Tone, wenn der Bräutigam fich in seiner Ehre gekränkt glaube und satisfaktionsfähig sei, so dürften fie ja nur ihre Karten wechseln. Nun Kai aber der Oberkellner(gleichzeitig Geschäftsführer in dem Restaurant) hinzu, welcher die kecken Bürschchen schon längst in« Auge gefaßt hatte. Er forderte dieselben auf, sofort daS Cas6 zu verlassen, und alS fie dem nicht gleich Folge gaben, da erschienen zwei stämmige HauS» tncchte, welche die Patrone in kürzester Zeit an die frische Lust beförderten.— Die„Berl. Ztg." konstatirt diesen Fall. ES wäre wirklich wünschenSwetth, wenn solche„gebildete" Herren öftn«inen recht fühlbaren Denkzettel erhielten. Die Uno«- schämtheit gewisser junger Leute, deren einziger Stolz darin zu bestehen scheint, mit einer möglichst grellrothen Seidenkravatte paradiren zu können, geht allerdings manchmal in d« That üb« die Hutschnur, und es ist nur zu bedau«n, daß fich ein großer Theil des Publikum« immer noch durch solche Jürr- gelcben einschüchtern läßt. Allerdings müssen fie, wie in dem erwähnten Falle, in der Mehrzahl sein, sonst fehlt ihnen die nöthige Kourage. ES ist ja nicht Jedermanns Sache, in einem öffentlichen Lokal eine Skandalszene herbeizuführen, und man tdut daS gewöhnlich noch weniger gnn, wenn man fich in Damengesellschaft befindet. Prinzipiell sollte man fich aber mit solchen Herrchen nicht aus den Humbug deS Karten- wechselns und ähnlicher Albernheiten einlassen. Wir waren vor nicht allzulanger Zeit Zeuge einer ähnlichen Szene, die stch in einem gGßcrm Lokal in der Nähe des MoritzplatzeS ab- spiette. Ein jung« Arbeiter, der daselbst mit sein« Braut, einem auffallend schönen Mädchen saß, wurde ganz ebenso in zudringlicher Weise belästigt. Als der übliche Kartenwechsel vor fich gehen sollte, bedauerte der junge Mann, mit einem Stückchen Kartonpavier freilich nicht auswarten zu können,— die Szene schloß mtt einem ganz anderen Knallessekt, und da« Schafsgeficht, welches der„Betroffene" machte, ließ deutlich«- kennen, daß die Vifiten karte des jungen Arbeiters entschieden nicht von„Pappe" war. Solche Zurechtweisungen verfehlen ihren Zweck sehr selten, und es würde, wenn fie öfter ange» wendet würden, fich auch wohl bald etwaS mehr Gefittung unter den„gebildeten" jungen Herren bemerkbar machen. N. Durch die grobe Unachtsamkeit eineS Handlung?- KommiS der einem Kunden anstatt Flcckwaff« Oleum verkaufte, ist einem in d« Kesselstraße wohnenden Herrn H. ein recht empfindlicher Schaden zugefügt worden. Beim Reinigen der Kleidungsstücke wurden die mit der ätzenden Flüsfigkeit ange- feuchteten Stellen der Kleider vollständig znstört und so un- brauchbar gemacht. N. Ein Pferdediebstahl ist Dank der ununterbrochenen polizeilichen Recherchen in Folge Requifition entdeckt worden. Am Montag Nachmittag laufte ein in der GretfSwalderstraße wohnender Pferdehändler G. von einer ihm sonst unbekannten Person zwei prächtige Vollblutpferde zu einem annehmbaren Preise. Kurz darauf, nachdem Ä die Thiere nach seinem in Weißensee belegenen Gestüt geschafft hatte, traf von Branden- bürg die telegraphische Nachricht hi« ein, daß dort in der Nacht vom Sonntag zu Montag von einem Gehöft ein Paar Pferde gestohlen seien. Den polizeilichen Rechnchen gelang eS, die von G. gekauften Thi«e als die gestohlenen zu rekognosztren und zwei wegen dieses Diebstahls vndächtige Individuen im Laufe des gestrigen Vormittags zu verhaften. », Muthmaßlicher Kindtsmord. Eine in der Wrangel- straße wohnende Schneiderin, die unverehelichte D. hat am 8. d. MtS. Abends in ihrer Wohnung heimlich einm Knaben geboren und das Kind in ihrem Koffer versteckt. Ihr« Schlafwirthin, welch« das heimliche Treiben der D- während d« Niederkunft vndächtig erschien, machte am folgenden Tage Anzeige bei der Revierpolizei, und die Leiche des Kinde« wurde von dem in der Stube dn D. nachforschenden Revierbeamten im Koffer aufgefunden- Vorher hatte sich die D., in d« Ab» ficht nach Leipzig zu reisen, bereits heimlich auS ihrer Wohnung entfernt, fie wurde aber von einem Beamten in der Köpnick«- straße«griffen und in die Gefangenenstation der Charitee unter dem Verdach deS KindesmordeS übergeführt. Die Leiche deS KindeS wurde nach dem ObvuktionShause geschafft. Die D. stellt in Abrede, da« Kind getödtet zu haben, vielmehr set es todt geboren worden. g. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete fich gestern Mtttag gegen 12 Uhr in der Prenzlaaerstraße vor dem Hause Nr. 28. Dieser Unglücksfall ist lediglich dem Unverstand einig« Fuhrwnksbesttzer zuzuschreiben, die Pferd und Wagen noch unerfahrenen Personen anvertrauen. DaS ca 2 Jahre alte Söhncken des Holz- und Kohlenhändl«S Leibn«, Prenzlauer- straße 27 wohnhaft, hatte fich der Ausstcht seiner beschäftigten Eltern entzogen und war auf die Straße gelaufen. Hier wurde eS von dem Pferde eines Planwagens, dm ein kaum 16 jäh- riger Mensch führte, umgeworfen, und ehe eS dem Führer ge- lang, das Pferd anzuhalten, war da« en setzlich schreiende Kind üderfahren. Dasselbe hatte im Geficht und an den übrigen KSrpertheilen nicht unerhebliche Verletzungen erlitten und wurde auf Veranlassung eines Schutzmannes nach dem städtischen Krankenbause am FriedrichShatn gebracht, da ein Arzt nicht auszutreiben war. Der»nvorfichtige Wagenführer wurde zur Polizeiwache fistirt. Eine fürchterliche Szene spielte fich gestern stüh um 7 Uhr auf dem Hofe deS Hauses Gäben strafe 20 ab. Als um die angegebene Zeit eine im Hause wohnende Frau O. stch auf den im Seitenflügel belegenen Wäscheboden begab, be« merkte ste zu ihrem Schrecken, wie die Besitzerin des HauseS, Frau verwittwete Gehcimräthin H. in selbstmörderischer Ab« ficht durch eine Bodenlrke hinaurkroch, um fich auS der schwin« delnden Höhe in den Hof hinabzustürzen. Beherzt sprang ste hinzu und ergriff, laut um 5)ilfe rufend, mit kräftigem Arm die Selbstmörderin. Die Hilferufe allarmirtm die gesammten Hausbewohner, vor deren Äugen fich nunmehr ein Kampf um Leben und Tod entwickelte. Während Frau O. die Unglückliche zurückzuziehen suchte, bemühte diese fich mit der Kraft einer Wahnfinnigen, ihr graufigeS Vorhaben auszuführen. Noch ehe andere Hilfe herbeieilen konnte, war die Kraft der Frau O. er- lahmt und Frau H- stürzte in den Hof hinab, wo fit entsetzlich verstümmelt nach wenigen Minuten ihren Geist aufgab. Frau H. hatte in letzter Zeit wiederholt Spuren von Schwermuth bekundet. N. Die polizeilichen Ausweisungen erstrecken fich, nach- dem von denselben wiederholt Einwohner R'xdorfS betroffen worden, neuerdings auch auf den Nachbarort Britz. Von den bisher bekannt gewordenen Ausweisungen find vornehmlich Personen betroffen worden, die bereits mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen. Polizei- Bericht. Am 8. d. MW., Mittags, erbängte stch eine Frau in ihrer in der Belforterstraße belegenen Wohnung. — Am 9. d. MW., Vormittags, wurde in der Wohnung eines Mädchens in der Wrangelstraße, bei der in Folge einer An- zeige vorgenommenen Haussuchung, die Leiche eines neuge- dorenen KindeS, in einem Reisekoffer velsteckt, vorgefunden. Das Mävchen ist verhastet und nach der Gefangenen« Station der Charitee und die Leiche des Kindes nach dem Obduktion?» Hause gebracht worden.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann im Keller seines Hauses erhängt vorgefunden.— Am Nach« mittage deffelben Tages fiel ein junger Mann vor dem Hause KrauSnickstraße 3» plötzlich zur Eide und verstarb auf der Stelle. Wie fich herausstellte, hat er stch anscheinend mittelst KleesalzeS vergiftet. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— Um dieselbe Zeit wurde in den Garten- anlagen deS Lehrter Bahnhofes die Leiche eines neugeborenen KindeS aufgeftrnden und nach dem ObduktionShause geschafft- Pereiue uuü Verssmmluugeu. Alle Berichterstatter über Versammlungen und Vereine ersuchen wir dringlichst, ihre Einsendungen möglichst kurz undknap zu faffen. Wir find zu dieser Bitte auS Raum« rückstchten gezwungen. Ferner bemerken wir, daß nur die» jenigen Berichte mit Sicherheit auf sofortige Aufnahme rechnen können, welche uns bis spätestens Nachmittag 2 Uhr zugehen — und daß bei Manuskripten immer nur eine Seite deS BlatteS beschrieben sein daft. Endlich erlauben wir uns, deS leichteren Verkehrs wegen, an sämmtliche Berliner Fach« vereine die Bitte: unS umgehend Namen und Adresse ihrer Vorsttzenden und Schriftführer mitzuthellen. bfa. Die ArbeitsnachweiS Verhältnisse im hiestgen Tischlergewerbe bildeten vor ein paar Tagen den Gegenstand eingehender Berathungen der jüngsten Vorstands«Sitzung deSFachvereinsderTischler unter dem Vorfitze des Herrn Tutzauer. Namentlich beschäftigte man stch dabei auch mit den fast ausnahmslos auf Spelulationszwecke abzielenden Arbeitsnachweisen in Schanklokalen, Destillationen, Nestau- rants ic., woselbst die Arbeitsuchenden den letzten Groschen zu verzehren gezwungen seien, da ihnen gar wohl bekannt sei, daß nur diejenigen, welche die größte Zeche machen, Arbett erhalten. AlS auf ein besonders bekanntes Eremplar dieser Art wurde auf einen gewissen Herrn D. in der Jnoalidenstraße hingewiesen, welcher fast täglich— seinen ArbeiWnachweis inseriren lasse, obschon der Genannte (wie ein Vorstandsmitglied betonte) die reellen ArbeitSnach« weise der Tischler, also auch den des FachvereinS, fortwährend schädige, da er eS bloß darauf abgesehen habe, seinem Lokal dadurch einen regen Verkehr zu verschaffen. Demgegenüber wurde beschloffen, die Berufsgenossen speziell vor solchen Ar- bettsvermtttlern öffentlich zu warnen, und ihnen vor allem den un entgeltlichen Zentral« Arbeitsnachweis deS FachvereinS der Tischler, Alte Jakobstr, 33, dort zur Be- Nutzung zu empfehlen. Daselbst weiden täglich Abends von 8V- bis 9'/* Uhr, mit Ausnahme der Sonnabende und Sonn« tage, Adressen ausgegeben. Am Sonnabend und Sonntag findet dort die AdrcssenauSgabe Morgens von 9 bis 11 Uhr, statt. hfs. Eine große öffentliche Generalversammlung der Former Berlin«, welche so zahlreich besucht war, daß schon lange vor der festgesetzten Eröffnungszeit auf Anordnung des Poltzeivertreters der Zugang zum geräumigen Versammlung?« lokal hatte geschloffen werden müssen, fand am Montag Abend in Konratb'S Salon, Wasserthorstr. 68, unter dem Vorsitze des Maschinendauers Herrn Behrend, behufs Begründung einer Mitgliedschaft der(Mannheimer) Allgemeinen Ver- einigung der Metallardeiter Deutschlands, statt. Herr Lehrend lettete die Verbandlungen der Versammlung unter Hinweis auf deren Veranlassung und Zweck mtt ver Mit- theiluna ein, daß bereits weit über 4000Berliner Metallarbeiter der verschiedensten Branchen der betteffenden Zentralorganisation fich angeschlossen haben und es nun auch Sache der Former sein werde, diesem Beispiele zu folgen. Hierauf erhielt als Referent der Versammlung der Medailleur Herr Oskar K r o h m das Wort zu erläuternden, äußerst beifällig aufgenommmen Ausführungen über die Angelegenheit. An das Referat reihte stch eine animirte, dem Referenten, welcher dm Anschluß an die Organisation empfohlm, durchweg zustimmmde Diskusfion an, nach welcher einstimmig folgende Resolution zur Annahme gelangte:„Die heutigen versammelten Former w. beschließen, fich als Mitgliedschaft der Allgemeinm Vereinigung der Metallarbeiter Deutschland« zu kon« stituiren und beauftragen das in der Versammlung gewählte, aus 9 Mitgliedern bestehende Komitee als provisorischer Vor« stand der neuen Mitgliedschaft den gesetzlichen Bestimmungen gemäß die geeigneten Schritte zu thun. Fn den prooisorischm Vorstand(resp. das Komitee) wurden gewählt Knappe, Kersten, Koflitzky, Naumann, Jost, Olfen, Sauer, Franz Lehmann und Tetscher. Durch Einzeichnung in die ausgelegten Listen traten sofort 180 Theilnehmer der Versammlung provisorisch der neuen Mitgliedschaft bei. hfa. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Tapeztrer vollzog in seiner gut besuchten General- Versammlung am Montag Abend in Gratweii's Bierhallm die statutarischen VorftandS-Neuwahlen. Gewählt resp. wieder- gewählt wurdm die Herren Wildberger und Becker zum 1. und 2. Vorfitzenden, Tiemann und Nöllenhof zum I. und 2. Kas- strer, Müller und Ltnsel zum 1. und 2. Schriftführer rc. Die Zeitungs-(Fachorganisattons-) Kommisfion wurde auS dm Herren Wilvberger, Tiemann und Müller(als ersten Vor- standsmitgliedern), sowie femer auS den Herren Becker, Nicolas, Groß und Günrher zusammengesetzt. Da» auS 6 Mitgliedern bestehende Vergnügung?- Komitee wurde auf 1 Jahr gewählt. Schließlich wurde mitgetheilt, daß die nächste< H i lf s«) Kranken-asfen-Versammlung am Mittwoch, dm 18. d. Ms., hei Gratweil stattfinvet. Eine große außerordentliche Schneider- Versamm- lung findet Donnerstag, dm 12. März er., Abends 8% Uhr, im Louisenstädtis chen Konzerthaus, Alte Jakodstr. 37, statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Die Werkstellenfrage der Firma TolmS und KuSfeld, Friedrichstt. 2 Die Behandlung ver Arbeiter durch Herm Schäfer, Firma Eo. Cohn. 3. Der Streik der Schneider in Zeitz. — Bei der hochwichtigen Angelegenheit ist das Ericheinen Aller Schneider dringend nö.hig. Gleichzeitig wird um schleu- nigste Einlieferung aller zirkulirenden Listm für die streikenden Knopfardeiter ersucht, damit endlich die Angelegenheit geregelt werdm kann. Magdeburg. Der Fachverein der Metallarbeiter hielt am Montag Abend im Lokale des Herrn Marquardt, in Sudenburg eine öffentliche Versammlung ab, in der Herr Liefländer auS Berlin über daS Thema:„Gewerkverein oder Fachverein" referirte. Der Refermt verbreitete fich über daS Entstehen der Gewerkoereine Hirsch- Dunkerscher Aich« tung, wies auf daS desondere Verhalten der Begründer derselben, sowie aus die Lage der Verbandiinvalidenkasse hin und forderte schließlich die Anwesenden auf, fich dem, dm Jveen der Reuzeit Rechnung ttagendm Fachverein anzuschließe«- Dem Vortrag folgte eine kurze Dikkusston, in welcher der M ficht deS Referenten zugestimmt wurde. Nach erfolgter w sorderung ließ fich eine größere Anzahl Metallarbeiter» den Fachverein aufnehmen; die Versammlung verlief in schön?« Ordnung. «r. Vermischte». Der stumme Parlamentarismus. Unter dieser 6# marke bringt daS Wiener„Deutsche Tgbl." nachstehen««' götzliche Schilderung von den Leiden eines Parlaments Bericht' erstatters.„Parlament" könnte man mit„Redehalle" Übei' setzen; der stumme Parlamentarismus ist daher ein Widch spruch in fich selbst, gerade so wie der stumme Redner, und>» unserem neuen, prachtvollen Abgeordnetenhause ist insofern jed« Redner so gut wie stumm, weil er nicht zu hören ist. Publikum, und besonders die Journalisten auf ihrem Segme» der Galerie mühen fich nicht wenig ab, etwas von dem„Palaver, wie es in Afrika genannt wird, zu vernehmen. Die Sitzu«t beginnt um 10 Uhr, um'AI Uhr wird da? Abendblatt geschlM- und der Sitzungsbericht soll in demselben wenigstens bis 1% reichen. Der Präsident läutet, das Geräusch im Saale nun um so ärger. Der Berichterstatter lehnt stch über W Brüstung weit hinaus, in der einen Hand den Bleistift, d» andere Hand als Muschel vor daS linke Obr hu Kollegen nebenan unterhalten fich über die Vortteffl'chkeit v« Mehlfpeisen bei der„blauen Kugel" oder über Wahlgeschich� in der„Konkmdia", oder ste lachen über die Kalauer und(W hörner de« TageS.„St.! St!" Links säuseln und näseln J« sprächige Wähler aus Tarnopol oderPodwoloczySta, die gekom«« find, das parlamentarische Stillleden deS Abgeordneten# Heimath zu bewundern.„Et! Et!" Jetzt erheht fich ein — der Berichterstatter möchte seine Ohren bis hinunter � Minister dank verlängern-„Was hat er gesagt?" fragt F Schlüsse Einer den Andern. Während der Eine diese � der Andere jene Vermuthung äußert, beginnt ein Redner. M'. er gerade nicht die schnarrende Trompetenstimme deS Abgef� neten Hevera bat, wird wieder nichts verstandm. Ein E wenig wird aber vielleicht doch erschnappt, und der fährt bastig über daS Papier. Da fragt Jemand richte, statter:„Bitte, wer ist denn der Minister —„Dr. X."—„Aha, der Dr. X. Und der Abge� links von ihm, mit der langen Nase?"— Ter ?)•"—„Ah, der Prinz B! Und der dort*5 langen Charfreitagsrocke?"—„Der Rabbi Z.% J Kaufen Sie fich den Sitzplan!" Und nun ist auch dakronsdiener da, und macht fich mit einem„Herr% haben S' schon was?" bemerkhar.«Gleich, gleich!" UvL Redaktionsdiener stellt fich hinter den schwitzenden, Wy* horchenden und zugleich kritzelnden Berichterstatter auf, Tod am Bette eines Sterbenden, dessen Seele et— in Falle das Manuskript— sofort in die Hölle der Drucker« � fördern will. Zweimal, dreimal kommt der fliegende mit dem letzten Manuskripte bekommt er die Weisung,, und der Berichterstatter finkt erschöpft auf seinen Platz spannt seine Ohren auS, mit denen er bis jetzt sozusag'� Galopp gefahren ist, um einer oder der anderen verho" Phrase, einer Rede über Stock und Stein der Meint Berlin f, Postabonr , Reakt Reichs "Mordw fci be,n■ ,%« wil Hand, �Melier °'°der hek der allgemrfnfJjji ruhe nachzujagen. Da« wettere„Palaver" Stenogrammen die„Reichsraths- Korrespondenz".& Ij wahres Räuberleben das, welche? die ParlamenlSberichterp.� auf der Galerie dort oben führen! fie leben Jahraus, nur von dem Raube an dem„stummen Parlamentarii an den geheimen„öffentlichen" Sitzungen. Briefkasten der Kedaltion. Unwissender Abonnent. Die Nachzahlung werbt«, wohl leisten müssen. Nach dem Krankenverficherung steht es den Kassen ftei, die Unterstützungszelt über 26, auszudehnen; wenn die Krsse aber nur 26 Woche« stützung gewährt, so können Sie nichts dagegen mach*. Zwei Wettende, Stalitzerstr. Das ist durM° nöthtg. Ä. F. in v. Die beireffende Frage zu beantwonH wir nicht in der Lage, da wir aus Ihren Angabe« Mm können, wie fich die Sache eigentlich verhält. � fiorrn au, Todes , Alle 5» %% ltt«n das fc. Habe, M Mdlkn. Ufwei« f lahtj"-- jWfn Sie fich direkt an einen Rechtsanwalt. W. B. Münchebergerftr. Wir möglich ist. Heute: Fidelio. Theater. Königltche« Opernhau«. Königliches Schansptelhau». Heute: Narziß.___ Deutsches Theater. Heute: Der Hüttenbefitzer. VeUeallrante-Theater. Heute: Ein gemachter Mann. Reue« Friedrich-Wilhelmstädtische« Theater. Heute: GaSparone. Alte Jakobstraße 30, Heute: Der Walzer-Kömg. rektor- Ad. Ernst. Heute : Zu Sch Residenz.Theate«: Direktion Anton Anno. um 21. Male: Der VergnügungSzug. Hierauf: Die lulreiterin Waltialla-Operetten-Theater: Heute- Der Feldprediger.____ --------- goulfröftädtifche» Theater: Heute: Erstes Gastspiel der Original. White-Star- Mmstrel». Dazu:„Die Eifersüchtigen" und„Die Hanni weint". Ostend-Theater: Heute: Im Schillingshof. Wall«er»Theater. Heut«: Die Sorglosen.__ Viktor ia.Theater. Heute: Die Tochter des Teufels. Alhamdra-Theater. Heute: Der Viehhändler von Oberösterreich. Arbettsmsrdt. Erfahrener MaterlaUa«, augenblicklich hier, sucht Stellung. Geneigte Adr. u. O X. in der Exped. d. Ztg. 508 Eine Maschinen-Näherin wird verlangt, auch können junge Mädchen Mäntelnähen lernen Mariannenstr. 25, 2 Tr. U 512 Regenmäntel-Aib. w. verlangt Mariannenstr. 25, 2 Tr. I.lÜi 488 DrechSlerlehrltng verl. N'ttnann, Waffe. thoistr.�32.__ ArbtttS'Vachmls f. Aschler ZuvMtvstr M. F. Dahle. Die Nr. 14 der humoristischen Blätter ,Der wahre Jacob u n ist erschienen und in der Erved. d.„Berl-�VolkSbl." zu Hab«, en gros. Cigarren- u. Tabak-Handlung Fritz Goercki K dg f?®r en LS unti Berlin 80., Admiralstraße 40(frühere„Lindes) Import echter Havanna, Lager aller Sorten Hauch- und Schnupftabake- Reich assorttrte« Lager echt türkischer, russischer und amerikanischer Cigarretten und Tabake. 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Sorben erschien: Das Elend der Philosophie Antwort auf Proudhons„Philosophie d«S Elenvs- Von Karl Marx. Mit einem Vorwort von Friedrich Engels- UtT Preis Mark 3,50. Zu bez.ehcn durch die Ervedttion.'iimmerstra I bu 2)08 SelbstunteriW eiufachen und doppelten kaufwä»� Buchführung. und Darstellung eines neuen abgekürzten zur doppelten Buchmethode. C. Schmidt, Mm djandibo�® Preis Mk. 1,60. Zu beziehen durch die Erpedition d«S..Berlin� Ztmmerstraße 44. Verantwortlicher Redakteur R. strondeim in Berlin. Druck und Verlag von«ax Babing in Berlw SW. Bmthstraße 2. .;ffi «Fun ,ftra St", K