llbert H«nii> ' Mark M0 am©onid t!fam ßtmf Wcdding-� die Vers« taß, den e am Di awten-Vm! •rxtn, Rul lse)„Ein- >eichnungen !(onßt M.. statt.„ etzer»etil Sen 15. Mi W-q 29, H t. Dkl »«macht. chernen.™ nmen. � Fachgeuoff ommilfton Zen 16, r Vorstand Freitag, 13. März 1885. n. Jahrg. Mirfi Brgan für die Interessen der Arbeiter. Sonntag, d iger, Stallt' und Vo itimirt. er Vor . onnta h r frü, Zahlreiche> abakarbel� Vormitt i welcher nd gef Z er en g >en ist, >enSw lrständ.. ganisatio« iligten f nerksam- . Das„Berliner Volksblatt" scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für in frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. �stabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) ttti Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 3.— Expedition: Zimmerstraße 44. "k>ie erste gesetzgeberische Leistung der �ozialdemokraiie�. Unter dieser Ueberschrift bringt die„Vossische Zeitung" �Artikel, der die ReichStagsdebatte vom 11. b. M. 'jcht. Derselbe vergleicht das Arbeiterschutzgesetz, welche» Sozialdemokraten eingebracht haben, mit den Vor- gen de» Zentrum» und der Konservativen zur Ge- Rhein» i»!� hr der einer laltend ich ein« den Bod« lllen, m und der tag dtt die in ähnlicher Richtung gestellt wor- Bei dieser Vergleichuug kommen die Vorschläge der daldemokraten noch gut weg, da sie präzisere Form und Bere Klarheit, als die klerikal-konservativen Vor» 8« hätten. Auch zögen sie die vollen Konsequenzen. tön dem Vorschlage, ein Reich»arbeit«amt, Arbeit»» � Arbeiterkammern und Schiedsgerichte einzurichten, ? die„Vossische Zeitung" die„sozialistische Organisa» »ranz%rj tn-i 5« Arbeit", während doch in der That nicht» andere» e den M5I1U7 mese Einrichtungen erstrebt wird, als eine organifirte �Nvachung der Arbeit. Ei berührt übrigens recht wohlthuend, daß die„Voss. "9 ein gewisse» Verständniß für den Minimal- im* lu haben scheint. Während nämlich die übrigen ise«ro sinnigen Organe mit Berserkerwuth gerade über «ib Jn schlag hergefallen sind und ihn al« den Aus- »do-gÄ? Unvernunft und als radikalen Umsturzgedanken fchl% haben, bemerkt die„Vossische Zertung" recht RL alle Diejenigen nicht» gegen einen solchen Vor- 4keun-. den könnten, welche dem Staate da» Recht zu- fie Zollten, dem Waldbesitzer eine gewisse Rente zu u�aß der Vorschlag undurchführbar sei, wie die Man- *rinänner behaupten, davon steht in dem leitenden __""He der deutsch-freisinnigen Partei kein Wort. PL Alan sieht also, daß in der„Voss. Ztat." nicht» von » der genannten Partei üblichen Selbstüberhebung zu . LT* ist, wenigstens nicht in Hinblick auf den sozial- d�atischen Vorschlag, daß sich vielmehr da» deutsch» P�ige Blatt einer objektiven Behandlung desselben be- naß bkX z, �aß die„Voss. Ztg." den sozial-demokratischen Gesetz» rfgehob� der in der bescheidenen Maske eines Abänderung»- lstcllen 1 L zur Gewerbeordnung gehüllt sei, in scharfen Gegen- .i«s* dLÜ auf diesem Felde gestellten Anträgen der Kon- B 1(C,en und Klerikalen bringt, ist nicht zu verwundern. , J �ei» aber verurtheilt da» freisinnige Blatt die An- »«ttoten] ib« JeuMeton. Ge su ch t und gefunden. Roman oon Dr. Dur- (Forsetzung.) Iw.'gch Hab'« Ihnen vorher gesagt, Herr Sanftleben," � Zlwberg.„Sie hätten sich die Unannehmlichkeit er- �können, die Beschuldigungen zu lesen. Jedenfalls Ii; f« au» dem Briefe ersehen, daß ich kein Recht i«, Löhnen da» Geld auszuzahlen; und wa« sonst in steht" �'e haben liicht zu fürchten, Herr Sanftleben," sagte \l\ al» er ausstand,„daß ich Sie zur Thür hinaus» ,» einen Jrrthum ausbeutet, um sich emen un» �v'gen Gewinn zu verschaffen, mit großer Hochachtung ?K«nius verschwand aus der Thür. Äte«es Amberg, indem er sich verächtlich �tn � Freund, Deine» Bruder»," wiederholte ��dn.�dlr?" ÄwÄe'tt ihr Mann. Ohne Zweifel \ ej fUi ihn nicht, wie wir ihn kennen gelernt haben, .ab ihn kennen lernen. Ich««de ihm... �»?-nsch.n K»iiz �n�uiel eine' unerwartete Rettung Roth, Käthchen." sfc»>n mein" ErtiUerun» Die Fabrik ist unser. �.biSherigei, Anstrengung überhoben, mehr a f �"Äickt l'"'* Gesundheit wenden kannst.' Ä träge Ackermann und Genossen in Bezug auf da» Innung»- wesen. Mit dieser Verurtheilung sind wir ja einver- standen. Durch die Verquickung mit dem JnnungSwesen werden auch selbstverständlich die übrigen konservativen Anträge zur Gewerbeordnung, die an sich nicht unbedingt von der Hand zu weisen sind, reaktionär und gefährlich. Doch darüber haben wir un» schon zu wiedetholten Malen geäußert.— Nun noch einige Worte zu der sonderbaren Ueber- schrift:„Die erste gesetzgeberische Leistung der Sozial- demokratie". Die„Tante Voß" ist doch wahrlich alt genug, um wissen zu können, daß die Behauptung, man habe eS hier mit der ersten gesetzgeberischen Leistung der Sozialdemo- kratie im Reichstage zu thun, vollständig unrichtig ist. Doch scheint die alte Tante an Gedächtnißschwäche zu leiden. Frischen wir dieselbe auf. Schon im Jahre 1869 im Reichstage de» Norddeutschen Bunde» finden wir bei Berathung der Gewerbeordnung Anträge auf da» Verbot der Sonntag»- und Kinderarbeit, auf Beschränkung der Frauenarbeit und Regelung der Ge- fängnißarbeit. Ferner auf Errichtung de» Jnsti- tut» der Fabrikinspektoren. Diese Anträge waren unterzeichnet von den Abgg. Schweitzer, Fntzsche und Hasenclev.r. Dann wurden auch von dem Abg. Bebel bei derselben Gelegenheit verschiedene Anträge und Amendement» nach dieser Richtung hin eingebracht. Fünf Jahre später wurde da» Fabrikinspektoramt ein- geführt— den ersten Anstoß dazu aber hatten die Sozial- demokraten gegeben. Was sagt hierzu die„Vossische Zei» tung". Aber auch im Jahre 1877 wurde ein dem jetzigen Ge- setzentwurf ähnlichir Antrag zur Gewerbeordnung eingebracht, der von den Abgeordneten Fritzsche und Bebel unter- zeichnet war. Deshalb ist es falsch, wenn man jetzt von der ersten gesetzgeberischen Leistung der Sozialdemokratie spricht. Die- selbe hat immer schon Versuche zu positiven Leistungen ge- macht. Dies zur Richtigstellung. Kotitiseke NebersieKt. „Alle Preußen find vor dem Gesetze gleich, EtaudeS- Vorrechte finden nicht statt." So lautet Artikel 4 der preußischen Berfaffung. Im bürgerlichen Leben betrachtet man die Verfassung gewissermaßen als das Gesey der Gesetze, al» für Dich gesorgt. Ich brauche nicht mit Bangigkeit mein Auge zu schließen." Amberg war so von ganzem Herzen froh, daß er den Schatten de» Mißtrauen» vergaß, der sich vorher über sein Gemüth gelagert. Er gab sich ganz der frohen Aussicht hin, und zärtlich und glücklich wie je drückte er Käthchen an» Herz, küßte ihre Lippen und sagte:„Laß un» wieder glücklich sein, Käthchen, wie ehemals." Zweiunddreißigste» Kapitel. Die Kur des Herrn Rodenburg nahm einen unerwartet günstigen Verlauf. Als am andern Morgen Emmy den Arzt benachrichtigte, daß der Patient erwacht seit, begab sich Fritz sofort zu ihm. Er fand ihn nicht nur vom Schlummer erwacht und mit geöffneten Augen, sondern mit sichtlichem Interesse an etwas denken. Ja, er blickte erwartungsvoll auf den Arzt, als dieser eintrat. Jetzt hielt e» Fritz für gerathen, stärkende Mittel anzuwenden, indessen trug er aber persönlich Alle» bei, um auf da« Gemüth de» Kranken einzuwirken. Schon nach wenigen Tagen war der Kranke im Stande zu sprechen. Natürlich war seine erste Frage nach seinem Sohne,«ach alledem, was ihm bisher in seinen Andeu- tungen unklar oder unverständlich gewesen war. Mit inniger Freude und rechter Genugthuung sah Fritz den Er- folg seiner Kur, die mehr eine seelische, als eine körper- liche war. Je mehr Emmy inne wurde, daß Rodenburg sich mit Riesenschritten der Genesung näherte, desto mehr war sie bemüht, sich wahrhaft aufopfernd und wahrhaft interessirt für seine Genesung zu zeigen. Mit wirtlich anerkennen»- werther Sorgfalt widmete sie sich der Pflege des Kranken. Die Anwesenheit der alten Haushälterin Wilhelmi'S war nicht mehr nöthig. Rodenburg bedurfte der Unterstützung und der Pflege mit jedem Tage weniger. Zuweilen äußerte er den Wunsch, allein zu sein. Er saß dann in dem Lehnsessel, der auf den pavillonartig verdeckten Balkon geschoben war, der nach dem Park hinaus lag. Da» Leben hatte wieder Werth für ihn, seit er wußte, daß er für seinen Sohn zu leben habe. Er vergaß aber auch nicht, dessen zu gedenken, dem er da» Leben am meiste» zu verdanken hatte. die Wurzel, von der alle anderen Bestimmungen ausgehen müssen; und daher hält man alle Erlaffe oder Gesetze, welche sich nicht im Einklänge mit der Verfaffang befinden, für ge- eignet, das allgemeine Rechtsbewußtsein zu schädigen.— Die Verfassung kennt nur Bürger, ste macht keine Ausnahme zu Gunsten oder Ungunsten einer politischen Partei und die von ihr gewährleisteten Rechte müssen daher folgerichtig allen Staatsbürgern und Bürgerinnen in gleichem Maße zugänglich fem. Aber trotz dieser in der Verfassung klar vorgeschriebenen Bestimmung von der Gleichheit Aller vor dem Gesetz, giebt es in Preußen eine Menge Bestimmungen, die der Veifassung diametral entgegenstehen. Wir wollen das Sozialistengesetz, obgleich auch dieses gegen den Wortlaut der Verfassung ist, nicht mit in Betracht ziehen, weil es als„Ausnahme- g e s e tz" ausdrücklich gefordert und von der Gesetzgebung bc- willigt worden ist. Doch anders verhält es fich mit den Be- stimmungen über Koalitionsfreiheit der Arbeiter, mit der Ge- findeordnung und hundert ähnlichen Dingen. In diesen Be- stimmungen findet man leider oft das Gegentheil von dem, wai die Lerfaffung verspricht. So haben bekanntlich die länd- lichen Arbeiter nicht daS Recht, sich gegen etwaige Bedrückung oorr Seiten ihrer Arbeitgeber dadurch zu schützen, daß sie sich gegenseitig zur Einstellung der Arbeit verabreden, ja, die Ge- findeordnung enthält sogar Bestimmungen, nach welchen stch vaS Gefinde eine„leichte" Züchtigung von der Herrschaft gefallen lassen muß, ohne daß eS die Hmschaft zur Verantwortung ziehen kann.— Auf dem Gebiete des Vereins- lebens find ebenfalls auffallende Verschiedenheiten zu kon- statiren; wie oft sehen wir, daß große Vereinigungen von Arbeitgebern, welche in verschiedenen Städten Zweig- Vereinigungen haben,„um ihre Interessen zu wahren," frei und offen Politik treiben. Diese Vereine korrespo- ndiren miteinander; ste bilden Ausschüsse, welche bei gewissen Fragen gemeinsam entscheiden, ste berathen Ge- setzesooilagen, senden Petittonen an den Reichstag, kurz: diese Vereinigungen treiben öffentlich vor den Augen des ge« sammten Volkes Politik. Und doch bestimmt§ 8a. Absatz b. deS VereinSgesetzcS, daß politische Vereine nicht miteinander in Verbindung treten dürfen.— Wir find die Letzten, welche eine strikte Handhabung dieser Bestimmung wünsch-n; wir wünschen vielmehr, daß diese Bestimmung recht bald verschwin- den wöge. Ader wir erleben gar zu os., daß diese Bestimmungen in Bezug aus Vereinigungen der Arbeiter An- wenduna finden und daher glauben wir ganz besonders zu diesem Hinweis berechtigt zu sein. Was dem Einen recht ist, ist dem Anderen dillig. x- Iä'ä «m%° Ä!'ÄSrtÄ ä; haben, daß derselbe seine Mitgliedschaft bei dem Verein deutscher Metallarbeiter aufgeben muß.— Die„Hamburger Bürgerzeitung" bemerkt dazu:„Nachdem damit das Signal Er nahm die Hand seines Neffen und hielt sie tief gerührt in der seinigen. Fritz mochte wohl wie jeder andere Mensch dabei das Gefühl zärtlicher, verwandtschaftlicher Liebe haben.„Du befindest Dich heute etwa» kräftiger?" sagte er. „Ja, mein lieber Neffe," antwortete Rodenburg;„viel kräftiger als gestern, und ich fühle eS, daß ich mit jedem Tage der Genesung mehr entgegengehe.... Wie soll ich Dir'» danken, Fritz! Es macht mich unglücklich, daß ich Dir nicht zeigen kann, wie sehr ich bereue, Dich jemals verkannt zu haben, ungerecht gegen Dich und Deine Ge- schwlster gewesen zu sein." «Denke nicht daran, Onkel I" antwortete Fritz.„Du bist eben wie wir alle daS Opfer eines JrrthumS gewesen. Dem und unser Geschick gleicht sich darin..... Ein Jrrthum ist schuld, daß Du Deinen Sohn verlorst, ein Irr- thum— freilich durch die Bosheit der Menschen herbei» geführt— war schuld, daß wir einander verkannten, Du und die Kinder Deine» Bruder».. „Das war meine Schuld. Ich war allzu leichtgläubig, zu schwach, und ich habe mir, seit ich mich in dem Glauben befand, daß Felix todt sei, nicht die Mühe gegeben, zu prüfen, ob man mich betrog oder nicht." „Das ist vorbei, Onkel. Denken w'r nicht mehr daran. Ich habe in diesem Punkte eben so viel zu bereuen, wie Du selber. Auch ich habe Dich zu hart und vielleicht ungerecht beurtheilt... Daß mein Vater Deiner Hilfe entbehren mußte, war vielleicht mehr ein Unglück als Deine Schuld." „E» war meine Schwachheit, meine unbegrenzte Liebe zu meinem Kinde, die mich damals einen Äugenblick hart gegen meinen Brnder machte, und als ich mein Unrecht einsah— da war es zu spät. Ich wollte an seinen Kindern gut machen, was ich an ihm zu thun versäumt hatte. Du weißt, daß mir dies nicht vergönnt war." „Ich weiß es, Onkel I Die Amberg'S kamen dazwischen. umstrickten Dich mit einem Netz von Lügen, Du hattest nicht die Kraft, da« Netz zu zerreißen, wuroest in immer engere Fesseln gezogen und warst ein willenloses Werkzeug in ihrer Hand.— Und da man Dich so allen Wunsche» zu leben beraubt hatte, bewirkte die Kur eines unwissen» den Arztes, daß Du bis an den äußersten Ranv de» gegeben ist, werden wohl ähnlich« Maßregeln gegen die de- versen Fachvereine, welche stch zu nationalen Vereinigungen zusammengethan haben, bald auf dem Fuße folgen. Wir wür- den dies zwar sehr bedauern, aber nach den seit langen Jahren gemachten Eriahrungen glauben wir in diesem Frille kein falscher Prophet zu sein. DaS Schlimme ist eben gar häufig das Wahrscheinlich«."— Wir glauben nicht, daß die Behörden überall die Anficht der Nürnberger Behörde theilen; immerhin ist aber die Eni- scheidung dieser Bebörde für die Fachvereine von großer Be- deutung. Wir wissen nun zwar nicht, in welcher Weis« der Nürnberger Fachverein„Politik" getrieben hat, aber soviel steht fest, wenn die Ausstchtsbehörden schon die Diskussson über ge- setzliche Regelung der Arbeitszeit und ahnliche Fragen als „Politik" betrachten, so giebt eS in ganz Deutschland keinen unpolitischen Fachverein mehr.— Womit sollen stch denn die Fachvereine beschäftigen? Gerade solche und ähnliche Fragen bilden das Feld, welches ste bearbeiten müssen, ist ihnen das nicht gestattet, so sind sie überhaupt überflüsstg und können vom Schauplatz abtreten. Mit der so oft in maßgebenden Kreisen ausgesprochenen Arbeitersreundlichkeit würde ein Vor- gehen gegen die Fachvereine recht eigenthümlich kontrastiren. Undank ist der Lohn des Herr« Ackermann. So reaktionär der Herr Hofraih und seine Freunde auch sind, den Zünftlern find sie immer noch nicht reaktionär genug. Diese verbohrten Leutchen können das goldene Zeitalter, welches ihnen nach Verwirklichung ihrer mottenbürgerlichen Ideen vor» schwebt, gar nicht erwarten. Sie wollen, daß nur die Innungen zur Ausstellung deL B«fählgungsze.igniffes für Gewerbetreibende berufen sein sollen, und weiter wollen ste für alle Gewerbetreibende ohne Ausnahme den Befähigungsnachweis eingeführt wissen, während Herr Ackermann und seine Gesinnungsfreunde dem Bundesrath das Recht einräumen wollen, bestimmte Gewerbe von diesem Zwang zu entbinden. Das Organ dcS baterischen HandwerkerbundeS nimmt daher Veranlassung zu einem Angriff auf Herrn Acker- mann und die sächsischen Konservativen, es verweist die sächsischen Brüder auf die Differenz zwischen dem Verhalten dieser Herren und ihren zur Zeit der Wahlen gegebenen Versprechungen.— Vielleicht lassen sich die sächsischen Brüder erweichen und wählen keine Ackermänner mehr. Schweiz. Nach Mittheilung des Berner„Bund" sind von den in Bern verhafteten Anarchisten einige wieder freigelassen worden. Gegenwärtig sind noch 9, gegen welche schwere Belastungs- Momente voizuliegen scheinen, in Hast. Die Voruntersuchung, soweit sie Bern betrifft, scheine bereits dem Abschluß nahe zu sein.— Anläßlich des Zusammentrittes der Bundesversamm« lung wurde die Eprrie der Seiteneingänge deS Bundesrath- hauseS wieder aufgehoben, dagegen findet eine scharfe Ueber» wachung derselben durch Geheimpolizisten statt. fr a n k r � i ch. olizeipräfekt Hr. Andrieux fährt— wie der„Voss. Ztg." geschrieben wird— fort, die niederträchtigsten Polizeipraltiken aufzudecken, deren Verüber er selbst gewesen ist. Nachdem er erzählt hatte, wie er, als die Anarchisten zur Gründung eines Orzans ein kleines Betriebs» kapital suchten, ihnen das Geld aus den P o l i z e i- G e h« i m- f ond s lieferte, theilte er jetzt mit, daß er fich an einem D y- namit-Attentate ganz direkt betheiligt hat. Die Anarchisten hielten in der Redaktion der mit dem Gelse der Polizei gegründeten„Revolution sociale" Berathungen über Dynamit- Anschläge. Sie wollten erst das Palais Bourbon (die Kammern) in die Luft sprengen, fanden aber das Unter» nehmen zu schwierig. Der Reihe nach wurden die Bank von Frankreich, der Elysee-Palast, die Polizeipräfektur, das Mini- . sterium des Innern als Ziele vorgeschlagen und verworfen. Endlich beschloß man, probeweise, gleichsam zur Uebuna, zuerst das kurz vorder enthüllte Thier S-D en km al in Et. Germain zu zerstören.„Die Gen offen", erzählt Hr. Andrieux,„reisten mit ihrer Höllenmaschine nach St. Germain. Diese war einfach eine mit Schießdaumwolle gefüllte Sardinenbüchse. Ich kannte den grausigen Anschlag, den Zug, der die Thäter an ihren Bestimmungsort bringen sollte, die Stunde des Verbrechens. WaS haste ich zu thun? Um strafen zu können, mußte man zuerst die Missethat verüben lassen! Ich zögerte nicht, den„Befreier des Gebiets" zu opfern, um das Palais Bourbon zu retten. Bei eingebrochener Nacht schlichen die Genossen an die Statue heran. Die Sardinenbüchse wurde auf dm Sockel deS Denk- mals zwischen die Beine deS Lehnstuhls gelegt, in welchem Thiers sitzt. Ein Genosse zündete die lange Lunte an, die übrigen klebten rasch an die umstehmden Bäume revolutionäre Aufrufe, dann liefen sie äußerst hurtig zur Eisenbahnstation und kehrten nach Paris zurück. Sie harrten ungeduldig der Neuigkeiten aus Et. Germain. Wie groß war ihre Enttäu- schung, als sie erfuhren, daß fie Alles in Allem blas einige Grabes kamst, ja, daß Du schon einen Fuß im Grabe hattest." „O, diese Amberg'»! Wie ich sie hasse!" erwiderte Rodenburg. „Dazu hast Du auch Ursache, Onkel. Mit Ausnahme eines Gliedes dieser Familie verdienen sie alle Deinen Haß. Diese Ausnahme ist Emmv" „Nimm sie nicht in Schutz, Fritz. Sie war es, welche Deine Schwester verleumdete; ich hasse sie auch." „Sie hat Dich wirklich in letzter Zeit aufopfernd ge» pflegt." „Klugheit!— O, ich durchschaue jetzt Alle». Ihre Aufopferung ist nicht» weiter als Heuchelei.... Nun wohl, sie hat mir gute Dienste geleistet, al» ich, durch meine Schuld von Allen verlassen, allein da stand; ich will diese Dienste nicht unbelohnt lassen, aber ich kann sie nicht lieben. Mein Herz weiß von einem Danke gegen sie nichts— O, ich leichtgläubiger Thor! Wie konnte ich dieser plumpen Verdächtigung gegen meine Nichte Gehör geben!" „Das ist vergessen und vergeben, Onkel. Lucie schrieb eS Dir ja und ohne Zweifel wird sie binnen Kurzem selbst kommen und Dir sagen, daß fie an die ihr hier wider» fahrene Kränkung nicht mehr denkt." „Nein, nein, sie darf nicht zu mir kommen! Laß mich nur ein wenig zu Kräften kommen, dann gehe ich zu ihr. Ich muß zu ihr gehen und sie anflehen, daß sie mir alten Thoren meine Schwachheit verzeiht; und sie wird eS, denn Lucie ist nicht unversöhnlich." „O, keineswegs!— Muß sie es nicht immerhin als ein großes Vertrauen Deinerseits anerkennen, daß Du von ihrer Unschuld überzeugt bist, wo noch ein Theil ihrer Be» schuldigung unaufgeklärt ist?" Mag dies aufgeklärt sein oder nicht, ich weiß, daß ich ein leichtgläubiger Thor war.— So oft ich Emmy sehe, kommt eine Erbitterung über mich.— Ich bedarf einer so anhaltenden Pflege nicht mehr, und darum mag ich Emmy nicht mehr sehen. Ich habe ihr sagen lassen, daß ich sie nicht mehr um mich haben will.— Du schriebst an Cor» delia, Fritz?" „Ich that es; vermuthlich wird sie heute noch hier sein." „DaS ist gut I Cordelia hat auch ihre Schwächen, aber friedliche Einwohner au? Et. Germain auS dem Schlafe geweckt hatten. Die Statue war unbeschädigt. Ein großer schwarzer Fleck auf dem weißen Marmor war die einzige Spur des Anschlaas. Ich kannte die Namen der Verschwö- rer. Ich war, wenigstens in Vertretung, mit ihnen gerei st, hatte Alles gesehen, Alles ge- hört und die Gelegenheit schien mir geeignet, dieHände aufdie Dynamitgesellen zulegen. Allein ein Rechtskundiger sagte mir, daß die Thäter höchstens wegen nächtlicher Ruhestörung zu 15 Frcs. Buße verurlheilt werden könnten, und so schien es mir zweckmäßiger, ihnen noch nicht den Finger der Polizei zu zeigen, sondern fie weiter zu überwachen."— Also die Polizei in Paris lieferte mit Wissen deS Präfidenten das Geld zu Attentaten!! Sollte man da nicht zu der Annahme berechtigt sein, daß die jetzt in Paris so oft vorgekommenen Aufläufe und Prügeleien ebenfalls von agento proyocateurs angestiftet wurden, um das Volk in Auf- regung zu erhalten vor dem rothen Gespenst? Diese Jünglinge, welche dort in den Versammlungen blutrünstige Reden halten, lassen den Gedanken aufkommen, daß bezahlte Subjekte ge- fl-ssentlich die Arbeiter in Mißkredit zu bringen suchen. Egypten. Thatsächlich herrscht auf dem Kriegsschauplatz am Nil Waffenruhe. Zur Erklärung dieses Umstandes soll wahrschein- lich folgende Nachricht aus Korti, 9 März, dienen:„Es sind unter den Eingeborenen beständig Gerüchte im Umlauf, daß der Mahdi seine Emire instruirt hat, die Stämme daran zu hindern, die britischen Truppen zu belästigen. Er erklärt, daß er schließlich ficgreich sein muß, und daß die Sonne seine Schlachten für ihn beendigen wird." Wahrscheinlicher ist es, daß der Mahdi einen Theil seiner Mannschaften hat entlassen müssen, um in der Heimath die Emtear besten zu verrichten, und dadurch zur Waffenruhe genöthigt ist. lommunules. — Am nächsten Dienstag findet eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten- Veisammlung zur Berathung der neuen Bauordnung statt. — Die Einrichtungen unserer städtischen Straßenreinigung finden in weiteren Kreisen immer mehr Beachtung und Nach- ahmung. So hat fich jetzt der Magisttat von Budapest an den hiesigen Magistrat gewendet und um Uebersendung von je einem Exemplar der Arbeilsgeräthe, wie sie bei dem hiesigen Betriebe im Gebrauche find, gebeten. Dieser Wunsch ist vom hiesigen Magistrat sofort erfüllt worden. I o k» l e s. a. In Bezug auf die endliche Eröffnung der Zentral- Markthalle in der Neuen Fricdrichstrißc neben dem Stadt- bahnhof Alexanderplatz hat in einer Sitzung des Elats-Aus- schuffes der Stadtverordneten- Versammlung in voriger Woche auf eine an den anwesenden Kämmerer, Herrn Runge, ge. richtete Anfrage wegen dieser Eröffnung, der Kämmerer folgende wenig erfreulrche Erklärung abgegeben i Die Eröffnung der ZentrabMarkthalle könne erst nach der Fertigstellung der in der Frievrichstavt in Angriff genommenen Marklhallen, deren Bauausführung bekanntlrch in Folge der Differenzen mit dem Polizeipräsidium wegen der Breite der Zugänge ststirt ist, er- folgen, und es sei somit diese Eröffnung nicht vor IV« bis IV- Jahren zu erwarten. Diese Verzögerung sei dadurch ver- anlaßt, daß in der Zenttal-Marlthalle der Fl-isch-Großdandel, welcher jetzt auf den Wochmmärkten am Dönhofsplrtz statt- findet, konzenttirt werden soll, daß diese konzentrirung aber so lange nicht ausführbar sei, als die Wochenmärkte auf dem Dönhofsplatz stattfinden, weil das Polizeipräfidium eine ein- festige Aashebung des Fletsch-Grnßhandels auf dem DönhosS- platz nicht genehmigen werde. E n« Etabliiung d«S Fleisch- GroßhandelS in der Zentral-Marklballe, welcher gleichzeitig neben dem Großhandel auf dem Dönhofsplatz staitfinve, würde für die weitere Entwickelurrg dieses Handels höchst bedenk- lich sein. Die von dem Kuratorium der Sparkasse angeorvnete Oeffnung der Sparkasse an jedem Sonnabend Abend hat sich bewährt; es erscheinen stets eine größere Zahl von Personen zu Ein- und Auszahlungen. Am Sonnabend, d-n 7. d. Mts., wurden 277 Einzahlungen im B-trage von 18 631 Pik. gemacht und erfolgien auf 128 Bücher 13 080 Mk. Auszahlungen. Nicht weniger als 53 neue Bücher wurden ausgegeben. Ohne Zweifel würde der Gkschäftsoerkehr noch viel großer sein, wenn die neue Einrichtung schon allgemein bekannt wäre. In den Kreisen der Fuhrunternehmer, welche bei den Bauten zu thun haben, harscht augenblicklich große Auflegung darüber, daß von dem Polizeipräfivium Feder wagen mit voll- ständig festen Kästen zum Abfahren von Bauschutt verlangt weiden. Die Fuhrunternehmer behaupten dagegen, dag die ihr Herz ist gut. Sie soll meine Pflegerin sein, bis ich meinen Sohn umarmt habe." Fritz schwieg. Seine Stirn umwölkte sich ein wenig. „Noch keine Nachricht?" fragte nach einer Pause in einem zaghasten Tone der Kranke. „Ich habe Nachricht von Strahlenau," erwidert- Fritz; „allein noch keine recht befriedigende." „Der Arme I Nun irrt er in der Welt umher und könnte hier an meinem Herzen ruhen, könnte die Freuden deS LebenS genießen, wie es ihm gefällt, könnte glücklich sein, und mich glücklich machen.. O, daS macht mich sehr, sehr unglücklich I" „Verzage nur nicht, Onkel Rodenburg. Ich vertraue ganz Strahlenau'S Eifer und Umsicht. Er hat bis jetzt freilich alle Mittel, den Aufentl alt Deines Sohnes zu ent» decken, vergebens angewandt, doch zweifle ich nicht, daß eS ihm dennoch gelingen whd." „Auch Strahlenau bin ich zu Dank verpflichtet.. Mein Himmel, ich bin aller Welt zu Dank verpflichtet und außer Stande, Jemandem zu danken, wie ich's möchte. ES ist doch sonderbar, Fritz, ich, der reiche Mann— ich. der Mann, der durch nichts sich Freunde erworben hat, erfahre Freundschaft und Liebe überall, und kann sie nicht vergelten. Mein Reichthum, mein Vermögen lohnen nicht Diejenigen, welchen ich Dank schulde. O nein, aber glaube mir, ich empfinde eS im Herzen, Fritz, wenn mein Sohn nicht mehr lebte, ich würde Dich wie meinen Sohn lieben." „Ich danke Dir, Onkel Rodenburg, und fühle mich fast beschämt. Mein geringe« Verdienst heischt solchen Dank nicht." «Ja, ja, Fritz, ich weiß eS; in Dir wohnt derselbe Stolz, Der Deinem Vater innewohnte. Du beanspruchst keinen Dank; das Bewußtsein der Pflichterfüllung ist Dir genug. Du nöthigst alle Welt, mit Respekt zu Dir hinauf zu sehen. DaS ist der Stolz des ManneL." „Ich bin stolz und glücklich, daß es mir gelungen ist, Dich dem Leben wiederzugeben, Onkel, und wünsche nicht« sehnlicher, als daß Du recht bald am Ziele Deiner Wünsche und Hoffnungen stehst, daß die Stelle, welche ich jetzt einnehme, recht bald von Deinem Sohne eingenommen werde.... Meine Anwesenheit ist hier übrigen« nicht mehr vöthig, da sie aber wo ander« dringend erforderlich Ausführung dieses Verlangens die Abfuhr von Schutt erheb»seinen Ar lich verthcuern würde. Solche Wagen eigneten sich auli m wissen, keineswegs für die Baufuhren, da mit demselben Wagm oft liftme Eh> an einem Tage Steine engefahren, Schutt abgefahren und ruche, fi« z Baurüstung befördert werden müßte, waS bei dm neuen Wage» H zurück ru nicht ausführbar sei.% drei Wo In jüngster Zeit ist eS den Bemühungen unfern«uldet, zu Sittenpolizei gelungen, wiederum zwei berüchtigte Schlupf' Wt. Als wirke! der lüderlichen Gesellschaft aufzuheben. Der<>»!&• K, in' dieser Schlupfwinkel befand sich in einem Hause der Friedrich'»ihrer Mu straße, unweit der Taubensttaße, in dem Hause eines reichen q hause, r Mannes, der die erste Etage des HauseS an den Tafeldecka! unv hati B. se t Jahren vermiethrt hat. Letzterer hielt daselbst mit seiner Am Gtünli Ehehälfte ein„Hotel parni", das von leichtlebiger Gesellschaft fte Wäsche stark besucht wurde. Trotzdrm die B.'schen Eheleute die Elf'ieser Tag« laubwß zum Schankdetrtebe nicht besaßen, konnte man bei»ie-Wohnu ihnen echte Biere und alle Sotten Weine zum erhöhten f%hgttnii Preis: jederzeit bekommen. Die Königliche Staatsanwaltschaft Mefln Heb hat eine sorgfältige Untersuchung über daZ Treiben in deni> allerdings B.'schen„Hotel gaml" angestellt und nach Abschluß der- Ii Beide be selben gegen die B.'schen Eheleute die Anklage aus§ 180 des i Dienstag Strafgesetzbuches und wegen unerlaubten Gewerbedettteba mim in< als Schankwirthe aus§ 147 der Gewerbe-Ordnung erhoben.> bewegen, r — Der zweite Schlupfwinkel dieser Art ist»in Gasthof in der brte. daß Nähe des Aiexanderplatzes, der von dem Sohne des Haus-« Ech'cksals befitzers verwalt-t wird. Seit Jahren war dieser Grsthof al» rn allein S Schlupfwinkel lüderlicher Gesellschaft bekannt; es gelang ab« 4 votlieb t nicht, ausreichende Beweise dafür beizubringen, um gegen W pt einem tzotelpächter strafrechtlich vorgehen zu können, bis stch endlft» M zu sein die Sittenpolizei entschloß, eine Razzia in dem Gasthofe vor' zunehmen. Das Resultat war ein überraschendes unv genüjl», um nicht allein gegen dm sauberen Pächter des Gasthof«, sondern auch gegen die beiden Hausdiener, welche seit 19'° in dem Gasthofe thätig wa en, aus§ 180 des Strafgrsif buches vorzugehen. Recht belastend für den Hauptanzeklagtc« fallen die Aussagen mehrerer Z-ugen ins Gewicht, xotw übereinstimmend bekundeten, daß der Angellagte, wenn er W Thür des Gasthofes von Polizeideamten besetzt fand, die litt' scheuen Gäste durch einen zweiten Ausgang nach dem Georg«» tirchhof hinaus in Sicherheit brachte. Znm Gattenmord tu der«ngustftraße. Ueber d# Vorgeschichte dieses ehelichen Dramas erfährt das„B. T."«j] folgende Emzelheiten, die stch durchaus wie ein{pannemf Romankapitel anhören: Auguste U., die Stieftochter des Halters F., verheirathete fich noch jung mit einem KoA mütterlicherseits, der Kaufmann in Braunschweig ist. Da keß» der Uhrmacher Albert Deitmer auS Braunschweens soll ÄÄ Fui sÄ jSÄ fei'" II Von Bekannten erfuhr Deitmer jedoch, daß ste diese nicht allein, sondern in„Begleitung" eines Jrländers- treten habe. Gleichwohl hing D. noch so sehr an sciner daß er ihr von London aus wieder schrieb, er werde««" tf» bruar nach Berlin kommen und st- nach Brastlien Diese Nachricht kam der sehr veränderlichen Frau, zwischen den Namen Ulrich wieder angenommen hafte,, L nickt sehr gelegen, denn ste hatte inzwischen in Berlin � mit einem jungen Beamten ein Berhältniß angeknüpft- der Mann Nr. 2 Anfang F-bruar hier ankam und seine aufsuchte, erklärte ihm diese rundweg, daß ste mit ihw V zusammenleben könne und ihren Beamten Heirathen vw ist, Onkel, so benutze ich diese Gelegenheit, um Dir i* sagen „Du willst mich verlassen, Fritz j" unterbrach � Rodenburg.„O, da» betrübt mich! Du sagst, Demk-� Wesenheit sei hier nicht mehr nöthig? Nun Fritz, Du m STT> � M � M A(T)mjLi. �____ I f rö 1 zer Mann, Du hast Deine Pflicht gethan; Du>» J nicht den Dank deS alten Manne«, dem Du Leben Glück wieder gegeben Rücken." aber nun wendest Du mft „Onkel Rodenburg, die Gefahr ist für Dich aoer bedenke, daß es noch andere Patienten giebt, ebenfalls von mir Heilung und Erlösung von � Uebeln erwarten. Lege es mir nicht auS. als Stolz noch al« Gleichgiltigkeit, wenn ich Dich t*'/"% mein Beruf, meine Pflichten rufen mich nach England � rück; ich jverde nicht aufhören, so viel in meinen steht, für Dein Glück zu wirken. Ich bin dort«« l J Gegend, in welcher Felix sich mehrmals blicken ließ.. � weiß nichi, warum mir die Vermuthuag kommt,, mag fich verborgen haben, wo er wolle, er in jenen � den wieder auftauchen werde; ein geheimnißvolle« � scheint ihn unwiderstehlich dorthin zu ziehen. Glaube> Onkel Rodenburg. daß ich für De ne völlige Genesung vielleicht mehr thun kann, als wenn ich hier bleibe- "Fritz, auch wenn daS, wa» Du sagst, nur beftn lAff mtrti üTArflfg tiU,, wäre, mich mit dem Gedanken an Deine Abreise au � söhnen, und sonst durch nichts begründet wir«, Dir doch nicht Unrecht geben können. Es warten"fv(j« Unglückliche auf Deine Hilfe. ES wäre uitf„ Dir dere mir, wollte ich Andern den Segen Deiner hilfebri»�� mn mir'S denken, daß et» Nähe entziehen. Ich kann—,............ n... wie Du, ein Arzt von Deiner Tüchtigkeit, ein Deinem Charakter, ein Freund von Deiner und Aufopferung, ein Segen ist für Diejenige«, hilferufend Dir nahen.... Geh' Fritz, und' Leben und Gesundheit wieder, wie Du es mir 9' Dreiunddreißigstes Kapitel.. y* Eine Stunde später— man hatte Rodenburg Rollsessel wieder in da» Krankenzimmer gebracht eine Pastchaise die Rampe hinauf. Man half A fiß Cordelia Rodenburg au» dem Wage». Man ha%� r darauf da» Rauschen ihres Kleides im Korridor, m '"Jen der t als aunge 5i a erwähl % K üb sr." als Jrendcn »in 6et 1 zu ho % L%' Vorbei Bei -h 8en, si '»Nit. ®MNiy fei P «ie e Sorbe �.L' Nil nic SC®'* U' was «4� i vS? dies «Sie "Da» juit erhtd« J(rinen Ansprüchen, die D. als Ehemann erhob, wollte ste fich mit A wissen, da nach hiefiaen Gesetze'- ihre in England ge- Wagen oft Wne Ehe ungiltig sei. Als alle seine gütlichen ihren uol«uche, fie zu einer Wiedervereinigung mit ihm zu bewegen, ien Wage«»ff zurückgewiesen wurden, bedrohte er fie bekanntlich vor brei Wochen mit einem Revolver, weshalb er, wie bereits N unsere! Meldet, zu einer achttägigen Gefängnisstrafe verurtheilt Schlupf'«de Ais D. am Schlüsse der Gerichtsverhandlung, am Der eine l. A, in Freiheit gesetzt wurde, ging er mit seiner Frau Friedrich'» ihrer Muller. die als Zeugen geladen waren, friedfertig les reiche« ch Hause, verk'h'te auch mit denselben ganz freundschaft- Tafeldicka■> unv hatte mit ihnen bei dem Auguststraße 80 wohn- mit fein« Am Grünkramhändler P. längere Unterredungen. Sogar Hescllschaft ne Wäsche wurde noch von seiner Frau gewaschen, und als >e die Er- dieser Tage erkrankte, besuchte fie ihn in seiner Cftambre- ! man o« inie- Wohnung in der Linienstraße. Trotzdem gab Frau U. erhöhte« �«nhältntß mit ihrem Beamten nicht auf und erklärte,„daß awaltschaft diesen liebe und von ihm nicht lassen werde; der D. könne a in de«'allerdings leid thun, und wenn es anginge, würde fie— chluß der- Ii Beide Heirathen".... Eine Stunde vor dem Aitentat, § 180 d» i Dienstag Nachmittag, kneipte D. mit seinem begünstigten bebetriebe« Wen in einem Lokal der Krausnickstraße und suchte diesen j erhöbe«,' bewegen, von seiner Frau zu lassen. Als dieser darauf er- Hof in d«%te. daß er doch nichts dafür könne, das sei einmal so >es haut»» Ech'ckials Tücke, da meinte D-, er wisse wohl, daß seine s rsthof all'ni allein Schuld trage, aber er, der Begünstigte, müsse dann elang ab« g vorlieb nehmen, wenn er eine Frau mit nur einem Arm gegen de« n einem Bein bekomme. Der Beamte begab fich darauf fich endli«-tft zu seiner Geliebten, um fie vor dem Ausgehen zu warnen, sthofe t)°"'■0. auf fie lauere. Frau II. achtete aber dieser Warnung id genüg», u, ging doch aus, wobei denn auch ihr Mann Nr. 2 fie Gasthof«- Wach und dann da« Attentat auf fie in der geschilderten seit loib nftle verübte. Dettmar wurde, wie uns milgethellt wird, vor- Ltrafzcsck' Mrn Nachmittag in einem Restaurant in der Karlstraße inzeklagWi genommen und gestern nach Moabit zur Haft gebracht. cht, tvelM j,«■ Ein recht gefährliches Hochstaplerpaar, ein angeb- enn er � Baron Julius Fränkel und seine Zuhälterin, welche er , die IW?! stets als seine Ehefrau ausgegeben hatte, find gestern zur r Georg««' N.llrdracht worden. Bor etwa 4 Wochen kam dieser„Baron" Vel mit seiner„Gemahlin" von London nach Berlin und fich im Hotel du Nord ein- Er gab fich hier als ge- führendes Mitglied eines Finanz> Konsortiums aus, ??«« seinen Sitz in London habe und daselbst eine Boden- .°il. T."««Z Ä'Ä > länffS kommM I elteU nen S B d diit� e von sklag««j % i i ION $ h< hatte � lrb.�"Zfigen bki der Kriminalpolizei noch nickt eingegangen, mitthtift�, btirffe durch die Veröffentlichung des geschilderten Tai- 1 n ve itn rfi i a, i, die «ß KZ in« u«d cd Dir 1" vi Du n"1 eben » mir oorM # f,n®.e SS I ..Baamä" Fränkel darüber fich baldig LS:"«assen. Em bedeutender Betrug ist von - s"'vaar gegen den htefigen Kaufmann G- Klarheit er« dem Hoch« verübt wo? den, �,">».uur gege_____________________________ der„Baron" für seine neu gegründet« Boden-Kredit. Malt als Generalagent auf 10 Jahre unter höchst günstigen Mngungen engagiri hat. Dem G. spiegelte er nicht nur die erwähnten Schwindeleien vor, sondern er gab fich dem «. ist � aig �snen kolossal reichen Mann aus, redete ihm Brfitzungen in Ungarn zu haben, wofür von Finanz- der 20 Millionen Gulden geboten worden wären, Kaution für die von ihm in Deutschland einzu- Papiere der Londoner Boden- Kredit. Bank Kiestgen Reichsba-k 150,000 Sterling depo- 5-i»u haben. Der„Baron" bewog den Kaufmann G., M,«nd des Aufenthalts des Baron und seiner Gemahlrn in t7'n sämmtliche Ausgaben für dieses Paar zu bereiten, ffr. Cja Schwindler vorgab, nur wenig deutsches Geld bei fich QÜern ein, als Fritz sich von seinem Onkel verabschieden Cvrdelia hatte es nicht nur als eine besonders Ehre L. hohe Vergünstigung angesehen, daß sie von £* Vetter herbei gerufen wurde, um ihn zu %nt � hatte darin gewissermaßen eine Gerechtlgkert «e» ��tche Genugthuung war es ihr daher, daß sie nun L.-fiodenburg gerufen worden, daß die Macht der Am» Wrf1 gebrochen, daß sie wirklich eine Rolle in diesem ''spielen durfte.._ Höf,.:0""?' welche ihr entgegentrat, um, wie sie es ge« »i-N war. die Honneurs zu machen, erhielt nur«nen laichen Seitenblick. Cordelia rauschte an ihr vorüber, i!/ Charlotte auf, sie dem Kranken zu melden und folgte bewt Cordelia's gutes Herz, ihr Mitgefühl, ihre Theilnahme %?.6« doch starker, als all' die angenommene Grandezza. L, des Kranken anfichtig wurde, da vergaß sie Alles % � sagen, was sie sich zu sagen vorgenommen hatte, den Zweck haben sollte, Rodendurg mrt �or- "C.? i« überhäufen, daß er Fremde den Verwandten »'Wgen. »griff seine Hand, streichelte ihm die Wange, Sc t�an,en rannen aus ihren Augen und ließen auf den vireik.�r schönen, aber nicht ganz echten Farben sichtbare ßutüdE SÄ'K%%%«j K# Sf l nn meinem Pensionat immer noch vorstehen, ich iPZWZ "Sie rU8 verlassen." ■»••« Ä" um«-»Ii.. zu haben und einen Che! auf London über einen sehr hohen Betrag bei sich zu führen, welchen er erst vor seiner Abreise umwechseln wollte. G. bestritt während der vier Wochen die Ausgaben des Schwindlerpaares für Logis, Theater, Equl- pagen. große Diners tc., und gab so in Summa mehr als 2000 M aus. Als nun G- zuletzt merkte, daß das Finanz- Unternehmen, für welches er als General- Agent engagirt war, nicht realistrt wurde, schöpfte er Verdacht, und die nunmehr von ihm über Frankel eingezogenen Erkundigungen bestärkten seine Vermuthung, betrogen worden zu sein. Auf seine Anzeige stellte die Kriminalpolizei fest, daß der ca. 50 Jahre alte„Baron" Fränkel ein Kaufmann Julius Fränkel aus Maßbach in Bayern ist und seine angebliche Gemahlin, die unverehelichte Nadler, ein Dienstmädchen aus München, ist, mit welcher er seit mehreren Jahren zusammenlebt, und welche, obwohl ihr die Hochstapeleien ihres Zuhälters bekannt waren, von den Er- trägen derselben stch unterhalten ließ. Frankel ist im Jahre 1860 von Bayern nach Paris gegangen, woselbst er mit kurzen Unterbrechungen bis vor Kurzem als Agent lebte. Als „Baron" gab er fich schon seit einigen Jahren aus. Während eines Aufenthalts vor ca. 6 Jahren lernte er die Nadler kennen und nahm fie mit nach Paris, wo er fie als seine Gaitin ausgab. Seine VermögenSverhältniffe waren stets un- günstige, er lebte zeitweise von Schuldenmachen, bis er durch einen Schwindel-Koup wieder in den Befitz einer Summe Geldes gelangte. In Berlin scheint das gegenwärtige Auftreten des Hochstaplers ein solches Debüt gewesen zu sein, welches ihm glücklicher Weite mißglückt ist. Arbeiter-Jubiläum. Am 7. Mär, feierte der Kutscher Wilhelm Tiesler sein 25jäh-iges Jubiläum in der Fabrik von Dr. Struwe und Soltmann. Der treue Arbetter wurde von seinen Arbeitgebern mit einem ansehnlichen Geldgeschenk de- dacht. Ebenso beschenkten ihn seine Kollegen. Gerirtote.Zeitung. Bamberg, 7. Mä-z.(Fr. Kur.) Gestern sollte am Schöffen- gerichte die Jnjurienklage des Sekondelieutenants Görz oom 2. Jnf.-Reg. gegen den verantwortlichen Redakteur des„Bam- berger Volksdl." Kaplan Schmitz stattfinden. Die BafiS der Klage war eine Mittheilung deS Blattes über den bekannten Vorfall, wobei der Lieutenant seinen Bedienten mit Säbel- hieben traktirte. Das Militärgericht Würzburg hatte zwar Un- tersuchung gegen Görz eingeleitet, im November vorigen Jahres aber die Einstellung des Strafverfahrens beschlossen, weil nach dem Ergebnisse des Vorverfahrens festzestellt worden sei, daß Lieutenant Görz„aus Nothwehr" von seinem Säbel Gebrauch gemacht bade. Da dieser Beschluß schon deswegen befremdete, w.il auf der anderen Seite auch der Bediente, gegen den sein Herr„aus Nothwehr" den Säbel hatte ziehen müssen und der von seinem Herrn„aus Nothwehr" drei gefährliche Hiebe er- halten, straflos ausging, war man auf das Ergebniß der Jnjurienklage mit Grund gespannt, um so mehr, als bekannt ge- worden, daß auf Antrag des Vertreters des Beklagten die Akten des Militärgerichts adhibirt worden waren. Die Verhandlung Hot indcß nicht stattgefunden. Der Kläger zog auf höheren Wunsch die Klage zmück Damit bleibt der Vorfall für immer dem Lichte der O.ffentiichkeit entzogen. Soziales uull Arbeiterbewegung. Versicherung gegen Stellenlostgkeit. Durch die Zei- tungen geht folgende Notiz:„Der Verein der Deutschen Kauf- leute, welcher der erfie Verein war, der eine eingeschriebene Kranken und Begräbnißkaffe für Kaufleute eingerichtet hatte, ist jetzt noch einen Schritt weitergegangen, und ist wieder der erste Verein, der feinen Mitgliedern eine Versicherung gegen Stellenlostgkeit bietet. Durch diese Einrtch- tung hofft der Verein einen höchst empfindlichen Punkt im Er- werbsleben der konditionirenven Kaufleute, das Unglück der Stellenlostzleit, wenn auch nicht zu beseitigen, so doch zu mil> drrn, denn ernsthafter noch als eine etwaige Krankheit, steht vor dem jungen Kaufmann das Gespenst der Acdeitslofigkeit, welche Ott viele Monate andauert, idn pbystsch und morausch rulnirt. Durch den Verein ist ihm Gelegenheit geboten, in seinen guten Tagen durch Zahlung kleinerer Beiträge fich bei eintretender Stellenlofigkeit vor Roth zu schützen."— Die Bestrebungen d?s Vereins find zweifellos sehr wohlgemeint. Aber viel Glück wird man in der Angelegenheit nicht haben, und auch der betretene Weg ist durchaus nicht zu empfehlen. Um eine wiikliche„Versicherung" zu be- gründen, dazu gehört dock vor allen Dingen, daß die dmch- schnittliche Dauer der Aibcitslofigkeit bekannt und zu berechnen ist; man muß wissen, waS für Summen man jedes Jahr, jedes Jahrzehnt für die ins Auge gefaßten Zwecke bereit zu stellen hat. Davon kann aber im vorliegenden Falle gar keine Rede sein, denn die Perioden der ArveitSlostgleit schwanken fort- während, und fie nehm-n in ganz unberechenbarem Maße mit sein, daß ich die Stellung der gehaßten Rivalin ganz und gar übernehmen werde, auch ihre Zimmer beziehen?" „Gewiß, Cordelia, gewiß!" „Das soll sogleich geschehen.... Erlauben Sie, daß ich sofort die Anordnungen treffe." Sie wollte sich eben entfernen, als Emmy mitThränen in den Augen eintrat, um sich von Herrn Rodenburg zu verabschieden. Seine, ihr allerdings in schonender Weise mitgetheilte Forderung, das HauL zu verlassen, da er ihrer nicht mehr bedürfe, und da er in ihrem Zusammensein mit seiner Kousine Cordelia den Frieden und die Ruhe deS HaufeS gefährdet sehe, hatte fie schmerzlich berührt. Sie hatte schnell ihre Reisevorbereitungen getroffen. Der Wagen, welcher sie nach der nächsten Station bringen sollte, stand bereit. „Leben Sie wohl, Herr Rodenburg!" sagte sie. Da« vertrauliche„Onkel" wagte sie nicht mehr auszusprechen. „Ich wünsche Ihnen von Herzen baldige Genesung, und gönne Ihnen das Glück, was Ihnen in dem Wiederfinden Ihres Sohnes bevorsteht." „Ich will's glauben," Emmy," sagte Rodenburg ernst, aber ohne Strenge, und mit einer gewissen Wärme.„Ich will glauben, daß da» aufrichtig gemeint ist. Ich verzeihe Dir, Emmy, da« Leid, wa« Du mir zugefügt um de» Guten Willen, was Du mir gethan. Da» Leid soll ver- gessen sein. Da« Gute, wa» Du mir gethan hast, will ich belohnen.... Das Testament, was ich gemacht, ist bereit« umgestoßen, da« magst Du Deinem Onkel Amberg sagen. So ganz vergebens aber sollen Deine Bemühungen nicht gewesen sein. Ich habe Dir immerhin Deine Pflege. Deine Dienste zu danken und diese will ich belohnen; eine Mit- gift von zehntausend Thalern habe ich Dir bestimmt. Die» möge Dir beweisen, daß ich Dir keinen Haß nachtrage... Und wa« Deinen Onkel betrifft, so will ich seine Dienste eben so wenig unbelohnt lassen. Die Hälfte der Summe, welche ich Dir zugesichert, habe ich für genügend gehalten, da» zu lohnen, wa» ich ihm zu dankm habe. Du magst ihm da» mittheilen.... Und nun reis« mit Gott und sei glücklich, wie e» Leute sein können, die sich den Vorwurf machen müssen, ein schwere» Unrecht begangen zu haben." Ich danke Ihnen, Herr Rodenburg, für Ihre Güte. jedem Jahrzehnt an Dauer zu; die Geschäftsstockungen müssen unter der heutigen WirthschaftSordnung immer rascher auf ein- ander folgen und immer länger währen. Wo soll da eine feste Grundlage für die nöthigen Bedarfsberechnungen herkommen. und wo soll schließlich auch das nöthige Geld hergenommen werden, wenn die Perioden der Geschäftsstockung langer stnd als die des guten Geschäftsganges?— Gegen die Erwerbs- lofigkeit muß angekämpft, aber nicht durch eine ganz undurch- fübrbare Verficherung, sondern durch eine weitsich- tige WirthsckaftSreform, welche Krisen und Ar- beitslofigleit allmälig mildert und schließlich ganz beseitigt. Brandenburg, 10. März. Gestern sollte hier im großen Saale des R'staurants Knape eine Votksvelsammlung abge- halten weiden, zu welcher der Reichstags- Abgeordnete Hasenclever eingeladen war. Die Tagesordnung lautete- Kolonial-Politik, Referent: Reichstags- Abgeordneter Hasen- clever. Nachmittags gegen 5 Uhr traf der genannte Abgeord- nete in Begleitung des Abg. Frohme in Brandenburg ein, wo fich aui dem Bahnhofe eine große Anzahl Sozialdemokraten und N?uzierige eingefunden halten, da inzwischen daS Gerücht verbleitet worden war, daß die Versammlung durch die Polizei verboten sei Dem war auch in der That so. Be- kannt gemachi werden konnte das Verbot nicht mehr, da das« selbe erst vor wenigen Stunden von dem in Berlin weilenden Oberbürgermeister eingetroffen war. Die hiesige Polizei- Verwaltung hatte stch nämlich in diesem kritischen Falle an das Sadtoberhaupt gewandt und erhielt wörtlich folgenden Bescheid, der dem E nbnufer der Vnsammlunz in Abschrift mitgetheilt wurde: Beglaubigte Abschrift. Berlin, 9. 3. 85. Nach ein- gehender Erwäggung sehe ich mich veranlaßt: die für morgen Abend 8 Uhr im Restaurant Knape unter der Führung deS Reichstagsabgeordneten Hasenclever geplante Versammlung auf Grund des§ 9 ad 2 des Reichsgesktzes vom 21. Oktober 1878 zu verbieten. Der Ober- Bürgermeister gez. R e u s ch« r. Für richtige Abschrift- Kolrep, Polizeisekretär. An den Vor» kosthändler Herrn T. M e n g e r t hier. Gegen 8 Uhr sttömten Massen der Arbeiter zu dem Ver- sammlungslokal, die aber von der Polizei und von dort aus« gestellten Arbeiterposten verständigt wurden, daß keine Ver- sammlung stattfinde. Mißmuthig, aber doch ruhig zogen die Arbeiter zur Stadt zurück. Als gegen 10 Uhr die Abgeordneten Hasenclever und Frohme in Begleitung des ausge- wiesenen Berliner Stadtv. Herrn Ewald, der sein Domizil hier aufgeschlagen hat, zur Rückreise nach Berlin auf dem Bahnhof anlangten, hatte stch dort eine nach mehreren Hun- Velten zählende Menschenmenge eingefunden, welche unter fort- währenden Hochrufen ihrem Unmuth über die vereitelte Ver- sammlung Luft machte. Arbettermatzregelnng� In der Sächfischen Ofenfabrik in Kölln bei Merßen wurden 8 verheiralhete Töpfer entlassen, weil ste in der Fachoereinsoersammlung die Mängel der Fabrik kritifirt hasten. Als eine Deputaiion den Direktor um Wiedereinstellung der Genußregelten bat, wurde ihnen er- widert: in Zukunft werde jeder entlassen, der den FachvereinS- Versammlungen beiwohne. Daraufhin haben sämmtliche Töpfer der Fabrik die Arbeit niedergelegt. In einem Aufruf sagen die Streitenden:„Wir hoffen, daß unsere Kollegen unser Hr- deln geiechtfeitigt finden werden und richten an fie die Bitte, uns nach Kräften zu untelstützen und Zuzug fernzuhalten. Kollegen, unterliegen wir dieses Mal, so ist auf lange Zeit die Fackoereinsbeweguna in Kölln und Meißen lahm gelegt. Briefe wr andere Sendungen find zu richten an den Kasstcer Richard Sachse in Niederfähre(bei Meißen)Nr. 36." In Hof(Bayern) sprach am 9. März der Reichetagsabg. Wiemer über die Erhöhung der Getreidezölle. Halle a. d.©., 1. März. Die Arbeiter in den Fabriken unsere? Eisenindustste, welche bis jetzt drei viertel Tage ge- arbeitet baden, haben die Weisung-rhalren— fo tan nur noch „halbe" Tage zu arbeiten, w gen Mangel an Beschäftigung. Schlimme Aue sichten für uns Alle! Belgien.(Roth stand.) Die Situation im Kohlen« basfin Boiinage wird immer trüber. Die Roth wächst, Schaarm Almosen erbittender Arbeiter. Frauen und Kinder durchziehen die Ortschaften; aber auch die Erbitterung nimmt zu. Die Häuter der Bergwerks-Direktoren werden jetzt Nachts durch Gendarmerievosten bewacht; Attentate unter Anwendung von Dynamit und Pulver mehren stch; in Bonverie versuchte man das Haus des Brrzwerksaufsehers in die Luft zu sprengen, in Flenu bewirkte man eine Pulver Explofion. Alle Gerüchte über Wiederaufnahme der Arb-it erweisen fich als unbegründet; fie e? folgt nur sehr vereinzelt. Pereine uuä Persnmmlungeu. In der Versammlung deS Vereins zur Wahrung der materielle« Interessen der Drechsler und BerufSgenoffen am Montag, den 9. März, hielt Herr Dr. Stahn einen mit Ich erkenne an— und wozu soll ich'« verschweigen— ich habe diese Güte nicht verdient." „Diese Erkenntniß macht in meinen Augen Viele» wieder gut." „Ich wünsche nur," fuhr Emmy fort,„Sie überzeugen zu können, daß rch nicht so schlimm bin, wie e» vielleicht scheint." „Glaub'» wohl, Emmy. Du warst verführt, vielleicht hat Dich auch die Aussicht auf Reichthum verlockt." „Gewiß, gewiß I Mein Lebelang will ich mich be« mühen, das Unrecht wieder gut zu machen, das ich )ann wandte sie sich an Fritz.„Ihnen, Herr Doktor, wage ich kaum die Bitte vorzutragen, daß Sie mich m,Ide beurteilen mögen. O, damals, als ich Sie hinterging. „Ich weiß!" unterbrach sie Fritz.„Damals war Gefahr im Verzuge. Es mußten alle Mittel angewandt werden, um die Gefahr, die Ihrer Ausficht auf die Erbschaft drohte, abzuwenden. Ich weiß auch ohne Ihre Bitte Ihre Handlungsweise richtig zu beurtheilen, und insofern, als ich die Schwächen de» mensch- lichen Herzen« kenne, finde ich auch eine Entschuldigung für Sie. Daß Sie mich zum Mitschuldigen Ihrer Jntrigue zu machen suchten, das erklärt sich vielleicht so, daß Sie von den Rodenburgs ander« dachten, als Sie hätten denken sollen. Es ist eine Genugthuung, wenn Sie mich und die Meinigen jetzt ander» beurtheilen." „Herr Doktor, wer könnte ander», als Sie hochschätzen. Sie verehren." Sie sagte das mit so viel Wärme, indem sie ihm einen Schritt näher trat, und ,hr lebhafte» Auge leuchtete in einem so eigenthümlichea Glänze, al» ob fie dabei mehr empfände, als ihre Worte ausdrückten. Niemand wußte, daß Fritz vom ersten Augenblick seine» Eintreten» in die» Hau» einen Eindruck auf sie gemacht. Und die Unglückliche, sie mußte sich sagen, daß sie ihn hoffnungslos liebe. Der Mann, den fie tief im Herzea anbetete, der Mann mußte fie tief im Herzen verachten. Er war ihr nie hart, nie kalt begegnet. (Fortsetzung folgt.) reichem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Geschichte der Erde und die Zukunft deS Menschen." In der Diskussion be- wiesen die zahlreich an den Vortragenden gestellten Fragen, mit welchem Interesse die Anwesenden den Ausführungen des Redners gefolgt waren. Wir weisen nochmals darauf hin, daß der Arbeitsnachweis des Vereins seit dem 1. März an folgen- den Stellen sich befindet, und zwar: bei den Kollegen R. Sündermann, Gitschinerstraße 61, I, und A Gromoll, Molken« markt 7, IV, Mittags von 12—1, Abends von 8 bis 9 Uhr, Sonntags von 9—10 Uhr Vormittags. Die Benutzung ist unentgeldlich, für Arbeitgeber sowohl wie Arbeitnehmer. hr. I« der öffentlichen Versammlung der Drechsler, Koopfmacher und Berufsgenossen, welche am Mittwoch, mehr als 200 Theilnehmer zählend, AndreaSstr. 21, unter dem Vorfitze deS Herrn I. Müller, stattfand, berichtete der Vor» fitzende im Namen der Streik-Kommisston, dafi der Streik in der Brock'schen Fabrik beigelegt sei, der in dcr Behmert'schen Fabrik, wenn auch bis jetzt durch Wiedereintritt einiger Kolle- gen und durch Einstellung neuer Arbeiter vereitelt, wabrschein- lich doch noch mit einem Siege enden werde, wenn die streiken- den Kollegen Männer bleiben, die ihr gegedems Wort halten. Weiter theilt er mit, daß ein Zirkular eingegangen sei, in welchem über eine am 14. Februar in Köln in der Steinnuß- knopf-Fabrik von Ad. Dinklage erfolgt Arbri Seinstellung de- richtet und um eine Beisteuer für die(20) streikenden Kollegen gebeten wird. Das Zirkular wurde vorgelesen. Es folgte arauf Berathung und Beschlußfassung über das Statut für den zu gründenden„Fachverein derDrechsler, Knopf- macherund Berufsgenosse n". Der§ 1 des Statuts lautet:„Zweck des Vereins ist, durch festes Zusammenhalten das Band der Solidarität zu befestigen und mit allen gesetz- lich zu Gebote stehenden Mitteln für die Interessen seiner Mitglieder einzutreten und zwar durch: Gründung einer Unter» stützungSkasse für den Fall von Ardeitslofigkett, beständiges Steuern zur Streikkasse, geregelten Arbeitsnachweis, Rechtsschutz, Belämpfung der Frauen« und Kinderarbeit, Regelung des Lehr« lingswesenS, Bekämpfung der Ueberproduklion, Abschaffung der EonntagSarbeit, sowie Regelung der täglichen Arbeitszeit und der Löhne, E�strebung einer beschränkten industriellen Zucht- Hausarbeit, Brechung des noch herrschenden Kastengeistes, Pflege der geistigen und technischen Interessen der Gcwerksgenossen durch Vorträge, Anlegung einer geeigneten Bibliothek, eventuell Gründung einer Fachschule." DaS Statut wurde vorgelesen und nach kurzer Diskusfion fast unverändert einstimmig ange- nommen. Fast alle Anwesenden schrieben ihre Namen in die auSliegenden Beitrittslisten. Die Herren I. Müller, Fischer, Hildebrandt und Michelscn gaben in warmen Worten ihier Freude, ihren Wünschen und Hoffnungen in Bezug auf den neuen Verein Ausdruck. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Tape- zirer feierte am Eonnabend, den 7. d. Mts. in dem Saale der Tonhalle sein erstes Stiftungsfest. Das sorgfältig gewählte Programm ernster und heiterer Piecen verlief in allen Punkten für jeden Theilnehmer befriedigend und verdienen namentlich drei derselben erwähnt zu werden. Der Prolog, von Herrn Becker in tief durchdachter Weise verfaßt und von ihm selbst vorgetragen, fand allseitig großen Beifall und erntete derselbe am Schlüsse ehrenden Applaus. Das Gedicht„An die Arbeit" wurde von dem Senior der Berliner Gehilfenschaft Herrn Nikolas mit jugendlichem Feuer vorgetragen und wurde dem im Kampfe der Gewer k>chast ergrauten Kollegen ein stürmisches Bravo zu Theil. Die Festrede wurde von dem VereinSvorfitzenden Herrn Wildberger in begeisternder Weise gehalten. Nachdem derselbe die zahlreichen Tyeilnehmer begrüßt und ihnen seinen Dank für ihren Besuch ausgesprochen, legte er seinem Vortrage die auf die Arbeitervereine bezüglichen Jakody'schen Worte zu Grunde und verstand es, im Laufe seiner Rede seinen Gedanken und Empfindungm so rechten Ausdruck zu verleihen. Redner hob den Zweck des Vereins und die Nothwendigkeit der Arbetter vereine im Allge- meinen hervor. In überzeugender Weise auf die bestehenden schroffen Gegensätze verweisend, legte er den Kol- legen den wetteren AuSvau deS Vereins ans Herz und richtete zuletzt noch einen warmen Appell an die Frauen, den Män« nern zur Durchführung ihrer Bestrebungen behllflich zu sein. Mtt einem finnigen Toast auf die gedeihliche Entwlckelung deS Vereins schloß die in gehobener Stimmung gehaltene Fest- rede ab und alle Tbeilnehmcnden überließen sich bis in die Morgenstunden dem Tanz und einem ftöhlichen Beisammensein. Hoffentlich wird dieser Tag allen Anwesenden in schönem An- denken bleiben und dem Verein zu neuer Stärkung und segens« reichem Wirken verhelfen. I« der Versammlung des Arbeiter« Bezirksverein« de« Westen«, Gründer's Lokal, Schwerinstr. 26, am Montag Abend sprach der Stadtverordnete Herr Herold über das Ar- beiterschutzgesetz. In ruhiger und sachlicher Weise beleuchtete er die einzelnen Punkte deS von den Vertretern der Arbeiter dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwurfs. Mit dem Hinweis, jetzt sei es an den Vertretern deS Volkes, zu zeigen, daß es wirklich Ernst sei mit ihrer Sozialreform, schloß der Referent seinen mit vielem Beifall aufgenommenen Vorttag. Alsdann begründete das Vereinsmitglud Herr Dennier die Petition an den Magistrat und die Stadtverordnetm- Versammlung wegen Errichtung einer SanitätSwache im Westen resp. von mehreren in ganz Berlin. In dieser wichtigen Frage soll noch in kürzerer Zett eine Volksversammlung im Westen einberufen werden. Der BezirkSverein de« werkthätigeu Volke« der Schönhauser Vorstadt hielt am Dienstag, den 10. März, Kne regelmäßige Versammlung in Meister'« Lokal, Schön« user Allee 161, ab. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag des Herrn Kreutz über Afrika. Da der Referent nicht er- schienen war, hielt Herr Ballmüller einen Vortrag über die deutsch-fteifinnige Partei. Hierauf ging folgende Resolution ein: Die Versammlung erklärt stch mit den Ausführungen des Herrn Ballmüller einverstanden, ste verspricht nur für die Ver« treter der Arbeiter mit aller Kraft einzutreten. An der Dis« lusfion bethettigten sich die Herren Kunkel und Frigge, welche sich in demselben Sinne wie Herr Ballmüller aussprachen. Ferner wurde beschloffen, am Sonntag, den 15. März, eine Henenpartie zumachen, und wurde der Abmarsch vom Vereins« lokal um 8V> Uhr festgesetzt._ Der Herr ReichstagSabgeordnete Hetue(Magdeburg) sprach am vorigen Sonntag in Belfort bei WilhelmSbafen vor einer Volksversammlung über Getrewezölle u. s. w. Am Mon« tag sprach derselbe Herr in Bremen über die Thätigkeit deS Reichstages in dieser Session, und am Dienstag referirte er in Bremerhafen über die deutsch« Kolonialpolitik. Alle drei Ver- sammlungen verliefen in ruhiger und würdiger Weise und erntete der Herr Referent überall reichen Beifall. Rathenow, 9. Mär*. Am Sonntag, 8. Man, sprach Hierselbst in einer vom Fachverein der Tischlti einberufenen össentlichen Versammlung der ReichstagSabg. Herr W. Hasen- clever über„die Arbetterschutz-Gesetzgebung im Deutschen Reichstage".— Er führte auS, die Anerkennung deS Satzes, daß der Arbeiter des Schutzes bedürfe, sei die nothwendige Vorbedingung einer Arbeiterschutz-Gesetzgebung; und diqe An« erlennung hätten alle Parteien mit Ausnahme der liberalen ausgesprochm und theilweise durch Vorschläge rc. ihren guten Willen, dem Arbeiter zu helfen, gezeigt. Allein der gute Wille — abgesehen davon, daß er sonderbarer Weise nur käme, wenn hie bitreffenden selbst der Hilfe deS Arbeiters bedürften— genüge nicht, sondern dazu gehöre auch Verständniß der ganzen Sachlage und diese sei allein richtig von den Vertretern der Arbeiterpartei aufgefaßt worden. Schon 1876 hätten diese einen Arbetterschutz- Gesetzentwurf vorgebracht und ihn jetzt den jetzigen Verhältnissen entsprechend erneuert,— Von den darin enthaltenen Forderungen habe sein Kollege, Herr Reichstags- abgeordneter Harm, die erste, den Maximalarbeitstag, bereits früher hier näher beleuchtet, er wolle noch eine Seite desselben und der damit in Verbindung stehenden: Verbot der Sonn« tagsarbeit, Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, Ver- bot der Gefängnißarbeit, näher hervorheben, nämlich die erziehe« rische.— Wenn der arbeitende Mann die ganze Woche hin- durch seiner Familie entzogen, durch Verkürzung der täglichen Arbeitszeit, durch Gewährung eines ganz freien Ruhetages, seiner Familie sich mehr widmen könne, wenn die Frau ihre Kraft dem Haushalt und den Kindern zuwenden könne, an- statt ihre Zeit in der Fabrik ausnutzen zu lassen, so sei schon das ein großer Gewinn für die menschliche Gesellschaft, indem gerade dre erste Erziehung meist den Menschen zu dem mache, was er später ist.— Die Gefängnißarbeit zu Zwecken der Prioatindustrie schädige durch die niederen Löhne den freien Arbeiter, mache ihn brod- und arbeitslos, treibe ihn dem Vagabundenthum und dem Gefängniß zu, wo er nun wiederum durch billige Arbeit bei Anderen denselben Kreislauf ver- anlasse.— Der gegen den Maximalarbeilstag erhobene Ein- wand, wenn ein Maximum, d. h. Höchstmaß, der Arbeitszeit normirt werde, würden die Arbeitgeber in den Branchen, wo dies Maß noch nicht erreicht sei, dahin trachten, die Arbettszett bis zu dieser Höhe zu bringen, sei nicht stichhaltig, indem die freien Bcrufsgenoffenschaften der Arbetter sehr wohl, wofür es schon jetzt Beispiele gebe, dem entgegentreten könnten.— Der Minimallohn solle nicht durch Gesetz, sondern nach den je- weiligen Beschlüssen der aus freier Wahl hervorgehenden Ar- beiterkammern den Verhältnissen jedes Ortes und jeder Branche entsprechend normirt werden, und falle damtt der Einwand, durch den Minimallohn würde der Lohn an Orten, wo er bisher höher gewesen, herabgedrückt werden, in fich zusammen. Auch hierauf würden die freien Berufsgmcssenschasten einen großen Einfluß ausüben können, wie denn ja schon jetzt z. B. die Schriftsetzer einen bestimmten Lohntartf hätten, unter dem bei Strafe des Ausschlusses aus dem Verbände Niemand arbeiten dürfe.— Das seien im Großen und Ganzen die For- derungen des Arbetterschutzgesetzentwurfes der Arbetterpartei, die darauf fußten, daß Niemand berufener sei, das Wohl der Arbeiter zu erzielen und ihre Lage zu verbessern, als eben ver Arbeiter selbst und hoffe der Redner, daß bei der großen Stimmenzahl, die er beim letzten Wahlkampfe in diesem Wahlkreise erhalten, fich diese Anficht immer weiter ausbreite und das nächste Mal ein Arbeiterkandivat den Wahlkreis ver- trete.— Trotz mehrmaliger Aufforderung meldete fich Niemand zur Diskusfion, obwohl zahlreiche Vertteter anderer Parteien anwesend waren.— Nachdem dann noch Herr Gandcrt aus Stendal in warmen, beredten Worten das Streben der Ar- beiterpartei, als deren besten Berti eter er Herrn Hasen clever hinstellte, was dieser in bescheidener Weise zurückwies— als das allein auf das Wohl deS Ganzen, der ganzen menschlichen Gesellschaft gerichtete hingestellt hatte, schloß die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf Hasenclever.— Es war die größte Versammlung, die in letzter Zeit in Rathenow stattge- funden und wird hoffentlich dazu beitragen, die gute Sache der Arbeiterpartei auch hier zum Stege zu führen.— Die Mitglieder der Allgemeinen Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter feiern ihren diesjährigen Maskenball am Eonnabend, den 14. März, Abends 9 Uhr, im Konzerthaus, Leipzigerstraße 48(nahe am Dönhossplatz). Der Ueberschuß soll solchen Mitgliedern zu gute kommen, we che schon ein Jahr Unterstützung erhalten und somtt ausgekauft find. Des guten Zweckes wegen wäre eine starke Betheiligung sehr erwünscht. Entree 50 Pf., Loge 75 Pf. Billers find in sämmtlichen Zahlstellen zu haben. De« Mitgliedern der Zentral' Kranken-«nd Sterbe- fasse der Tischler und anverer gewerblicher Arbeiter zur Nach- richt, daß die Zahlstelle Invaliden straße 131 hei Dahle hiermit ausgehoben ist und haben die Mitglieder ihre Beiträge an nächstgel« aene Zahlstellen ferner zu entrichten. Die Zahlstellen für die Ortsverwaltung Berlin F.(Schoahauserthor) lind: Linienstraße 160, Ecke ver Gr. tzamdurgersttaße, bei Guth, Liniensttaße 230 bei Lücke, Metzerstcaße 21 bei Wehland, Bernauerstraße 14, Ecke der Strelitzerftraße, bei Hönoch, Zions- krrchplatz 11 bei Hahn. Den Mitgliedern der Allgem. Deutschen Kranken« und Begräbnißkasse für Wirker, Weber, Spinner, Für« der u. s. w. hierdurch zur Kcnntniß, daß am Sonntag, den 15. März, Vo.mitlags 10 Uhr, in Keller's Restaurant(oberer S�al), Andreas straße 21, die erste orveijlicbe Veisrmm'ung statrfinvet. Tagesordnung: 1. Bericht über die am 8. März in Chemnitz stattgefundene Generalversammlung. 2 Wahl deS Vorstandes. 3. Innere Angelegenheiten. Wegen der Wichtig« kett der Tagesordnung werden die Mitglieder ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Das Quittungsbuch legitimirt. Der Kachverein der Nähmaschinenarbeiter hält am Sonnahend, den 14. d. Mts., Abends 8'/« Uhr, in Feuerstein'« Restaurant, Alte Jakobstr. 75, seine Vnsammlung ab. TageS- ordnung: 1. Jahreskrssenbericht. 2. Weitere Beschlußnahme über die Resolution unserer letzt» n Generalversammlung. 3. Verschiedenes. Die Vertrauensmänner des Vereins werden aufgefordert, fich bis zur Eröffnung der Versammlung mit dem Kasfirer zu degleichen, da nach der Versammlung alle Außen« stände veröffentlicht werden müssen. Dieses Avis gill auch für Diejenigen, die noch mit ihren Beiträgen im Rückstände find. UermisMes. Ein ehrlicher Finder. Von den Abenteuern eineS ehr- lichen Finders weiß das„Budap. Tagebl." zu erzählen. Der ehrsame Weinhändler Mathias Zirbelmayer war auS seiner kleinen Provinzstadt in die Hauptstadt gekommen und bei seiner Schwester, der verwittweten MagistratSsekcetär Muckenbein, ab- gestiegen. Am zweiten Tage nach seiner Ankunft fand er im Thorwege deS betreffenden HauseS ein kleines, braunledernes Portemonnaie mit dem Inhalte von einem Gulden fünfund- vierzig Kreuzern.„Der Mensch muß ehrlich sein," dachte er, „besonders in einer fremden Stadt," und da er absolut nichts zu thun hatte, schlenderte er in eigener Person nach der Ober-Stadthauptmannschast, um seinen Fund abzuliefem. Was dem Weinhändler dort pasfirte, erzählte er in folgender Weise:„Wier t in döS Amtszimmer kumma bin, fitzt dort a junget Herr beim Schreibtisch und fragt, was i wünschm thu. Wier i heut aus meiner Wohnung treten bin, sag' i, bin i auf etwas WacheS treten, und wier i'S aufheb', war s a Portemonnaie mtt an papiernen Gulden, vier filberni Sechserln und fünf lupferni Kreuzer d'rin.—„Ah, Sie find also ein redlicher Finder," sagt der junge Herr,„da bttt' ich zu warten, bis der Herr Kanzlist kommt: denn ich bin nur der Diurnist." Setz i mi hin und wart' a halbe Stund', kommt endlich der Kanzlist und fragt, waS i will.—„Wier i heut auS meiner im bin....... M Wohnung treten und wier i'S aufheb', waS a braunlederneS Portemonnaie mtt ein Guldenzettel, vier filberni Sechserln und fünf kupfemi Kreuzer d'rin."—„Recht schön von Ihnen," erwidert der Herr Kanzlist; aber ich bin nicht berechtigt, so waS anzu- nehmen, da müssen'S warten, bis der Herr Konzipist kommt." I wart' a halbi Stund', dann noch a viertel, da kommt da Herr Konzipist, a recht freundlicher Herr, und fragt, waS i wünschen thua.—„Wier i heut' ftüh aus meiner Wohnung treten bin, sag' i, bin i unterm Thor auf etwaS WacheS treten, und wier i'S aufbeb', war'S a Portemonnaie mit an Gulden- zettel, vier filberni Sechserln und fünf kupfern Kreuzer d'rin." —„DaS ist recht schön von Ihnen, daß Sie so ein redlicher t Inder find," versetzt der Herr Konzipist;„aber da müssen'S hnen schon zur Dexoflten-Kaffe bemühen.„Janas," ruft er an Konpabler.„führm'S den Herrn da zur Depostten-Kasse." Der Janas kummt und will mi aufiführen. da ruft der freundliche Herr Konzipist mi von der Thür zurück. sag' i, bin i auf etwas WacheS treten, „Wer find Sie eigentlich?" fragt er mi.—„Dös wissmi nit? I bin der Weinhändler Zirbelmayer aus B-," sag i.— „Und wo wobnen's denn hier?" fragt der freundliche Hen wetter.—„Na, bei meiner Schwester, der verwittweten Frau Mazistratsselretär Muckenbein, in der Lazarusgasse."—„S'W erfreut." sagt der Herr Konzipist,„Ihre werthe Bekanntschaft gemacht zu haben; aber find Sie schon gemeldet?"—„ melvet, was ist das?" frag i.—„Ah so, das wiffen'S nit: sagt der Herr Konzipist.„Janos, nachdem Sie den Herrn M Depofitenkasse geführt haben werden, führen's ihn gleich ins Meldungsamt. Habe die Ehre!" I geh' mit dem Janas, geb' döS braunlederne Portemonnaie mit dem anen Gudeiv zettel, die vier filberni Eechseiln und die fünf kupferni Kreuz» bei dcr Kassa ab, und dann geh' i mit ihm inS Meldung samt, wo auch ein sehr freundlicher Herr is, der mir sagt, i muß Gulden Straf' zahl'n wegen unterlassener Meldung oder z«» Tag' eing'spirrt sein. Was soll i machen, i leg' den braten Zehner nieder und geh' springgifti z'Haus. Wier i inS Haus von meiner Schwester kumm, will die g'rad in die Fleischbcw» schicken und dem Dienstboten Geld geben.„Jeffas, wo hob i denn mei Portemonnaie?" schreit fie.—„Dei Portemonnaie? sag' i daschrocken.„Wie hat's denn ausg'fchaut?'—„Es war a braunledernes Portemonnaie," sagt fie,„und d'rin wareu a papierener Guldenzettel, vier filberni Sechsteln und fünf kupferni Kreuzer." Ah, da legst Di nieder! C'« Vendetta. Unsere Leser erinnern sich ficherlich noch jeneS Verbrechens, dessen Schauplatz im Mai des vergangen« Jahres die Kaserne von Pizzofalkone bei Neapel war. E>n kalabrefischer Soldat Namens Misdea hatte aus Haß gegw die Piemontescn ungefähr zwanzig seiner piemontefischen Käme» raden durch Gewehrschüsse theils gelödtet, theils verwundet Misdea, vor Gericht gestellt, gab seine Absicht zu, so viel monteien als nur möglich, zu tödten; als er das über ihn g<' fällte Todesurtheil vernahm, zuckte er in stoischem Gleichmut? mit den Achseln, dann aber wandte er fich mit w ld funkelnd« Augen an Cirelli, jenem kalabrefischenTrompeter, derihn entwaM hatte und der im Saale anwesend war und rief ihm drohend zu: „C'e Vendetta."(„Es giebt eine Rache.") An Misdea wllldt das Todesurtheil vollstreckt; die Polizei, verttaut mtt?« blutigen Gewohnbetten der Kalabreser, wußte die Verwandt« des tapferen Cirelli zu bewegen, ihren Heimathsort zu verlaff«' und dieser selbst wurde von Neapel weg in ein im Nord« stationiites Regiment versetzt. Die Sache schien vergißsU- Vor Kurzem hatte Cirelli feiner Dienstpflicht Genüge geleW und war, um sein Häuschen in seiner Vaterstadt S. B««*' lomeo zu verkaufen, dortbin gereist, und nun langte auch% vor wenigen Tagen von Neapel die kurze lapivarische Nach"®* ein, daß„der, welcher MiSdea entwaffet, in S. Bartoloms meuchlerisch ermordet ausgefunden wurde." Jägerlatein.„Vor Jahren— so erzählt ein Waidm« — besaß ick einen Hund, dem ich jeden Mittag am Halsdoiw 3 Pfennig befestigte, worauf der Hund fortlief und fich b«» nächsten Bäcker eine Semmel dafür holte. Nun geschah" aber einmal, daß der Hund zwei Tage nacheinander keine E«� mel heimbrachte, obschon er jedesmal seine üblichen 3 PfenN«? erhalten hatte. Wie erstaunte ich aber, als der Hund# dritten Tage eine Wurst heimbrachte. Er hatte stch näauM das Geld zusammengespart, um fich einmal einen Leckerbist« kaufen z j können."., Die düstere Chronik von Monte-Carlo ist um«w neues Drama bereichert worden. Vor einiger Zeit langte« Monako ein junger Engländer an, welcher der Gatte einer st? reichen Erbin war. Die letztere blieb in England und gedo»- seltsamer Weise einem vhilantrovifchen Vereine an, der fich� Ausrottung der Hazardspiele zur Aufgabe gemacht hatte. � junge Engländer war ein großer Mufikfreund, besuchte Konzerte und bezeugte den Künstlern seine Dankbarkeit dur» prächtige Bouquets. Eines Tages ging der junge Mann« die Netz- dts Spielteufels und verlor in wenigen Stunden d» Summe von 1 350 000 Frcs. In derselben Nacht, wo Leichtfertig« fich ruinirt sah, jagte er fich eine Kugel durch d« Kopf. Die Verwaltung der Spielhölle war zartfühlend geM die Leiche schleunigst nach England zu senden.... In der Oper. Kind(auf den Kapellmeister zeig«°z,l „Mama, warum schlägt der Mann die Dame mit dem Sto<"' - Mutter:„Er schlägt ste ja nicht."- Kind:„Ja, w-n"" schreit fie denn so?".... Eine gerettete Katze. Bei den Aufräumungsarbn«n auf der Brandstelle der Rheinischen Tuchfabrik in Aachen«W-" unter Schutt und Trümmern in einem Dampfrohr zusamwiN' gekauert eine in der Garnkammer der Fabrik gehaltene uno seit dem Brande vermißte Katze aufgefunden. Dieselbe war muchlich beim Ausbruch des Feuers in ein unbenutztes Da«?>- rohr gekcochey., stürzte mit diesem drei Stockwerk t«i hinunter und wurde von Schutt und Trümmem so fest i« geschloffen, daß fie nicht entweichen konnte. Auf diese 3M. bat das Thier sechs Wochen ohne Nahrung zugebracht; es« bis auf ein Drittel �seiner frühereu Größe abgemagert, �. Schwarz ist an der Spitze angefteffen, die Haare am% find abgesengt. Die ihr vorgesetzte Milch nahm die Kotze glew an und wird fich wahrscheinlich wieder erholen. Kleine Miiiheilnngtn. Aus der gnten alte« Zeit. Wir hören so vielfach tonen, daß Vagabundage und Bettelei gegmwärtig eim» Höhepunkt erreicht hätten, wie ftüh tx niemals. Dem gegenuv� braucht man nur einen Einblick in die Armenpflege Zeiten zu nehmen. So ersteht man z B. aus einer Urt% auS dem Jahre 1716, auS der Zeit, wo Leipzig ungesa? 25000 Einwohner zählte, daß in dieser Stadt 860 P-Ao"? ein wöchentliches Almosen, sowie 167 Kinder da« geld empfingen- Neben den wöcherttlichen Almosen nnpjjnfst 548 Arme Holz, 18 den HauSztns und außerdem 2210%% stützunge-e, darunter 175 in Krankheiten und zum Begrab!'° und 5 zum Aufdinaen beim Handwerke, so daß die der einheimischen Unterstützten fich auf 3933. fast T, sechsten Theil der Beoölkemng, bezifferte. Ebenso b deutend war auch die Anzahl der Unterstützungen, welche Almosenamt Fremden gewährte. Die Empfänger 1290 Arme aus allen Ständen, 1010 Abgebrannte, 8 Geistl'®' 8 Konvertiten und 55 Sammler für Kirchen, Pfarrgebau. und Schulhäuser, zusammen 2383. Es unterstützte De«"®® die Stadt Leipzig im Jahr« 1716 zusammen 6365 Bedürf-'ö' — Man steht also, daß in jener Zell im Verhältniß bereu» mehr Bettler vorhanden warm, wie jetzt. DaS Erinnern" die„gute alte Zeit" dürfte somtt doch wohl den Zweck" fehlen, die Sehnsucht derselbm zu erwecken und dadurch Reaktion Vorspanndienste zu leisten. . Ueber die Gehälter der Bürgermeister in einer beulfätt Städte bringt der„StaatSanzeiger für Würtlemde s. einige Angaben, die wir, ohne für ihre Korrektheit eine 33"«" wortung übernehmen zu können, hier folgen lassen. wahren danach dem obersten städtischen Beamtm folgende � bälter: Berlin 30000 Mk., Breslau 19 000 Mk. Kol» HU » ,Ä.f«TJ8'i5sÄ Düffeldorf 15 000 Mk.. Stettin 13500 Mk.. München � Mark, Elberfeld 13 000 Mk. Bremen 12000 Mk.. Halle l-M Mark. Eifurt 12000 Mk.. Altona 12001 Mk.. Kassel Mark. Aachen 12000 Mk.. Posen 10 500 Mk.. 10500 Mk., Krefeld 10 500 Mk-, Kiel 10 000 Mk., Wies°U. 10 000 Mk., Augsburg 10100 Mk.. Dresden_ Chemnitz 10500 Mk., Hannover 9000 Mk.. Nürnberg„.�t Mark, Würzburg 800) Mk., Regensburg 8000 MI., 10000 Mk.. Mannheim 10000 Mk.. Karlsruhe 8000. Mainz 12000 Mk., Darmstadt 8000 Mk.. Oldenburg 72 Schwerin 6600 Mk. Verantworttilder Redallrur«. Cronhetm in«erlin. Druck und Verlag von«ax»adwg in Berlin 6W, Beulhstraße 2. Htm» eine Beilage M Berliner BolNlatt. Nr. 61. Freitag, dm 13 März 1885. n. Jahrgang. Heber die ßeschfifiigiiiig deutscher Fiaueu in Nordamerika macht der bekannt« Dr. Douai(New-Uork) in der Züricher "»st sehr intercffante Mitthetiungm, die recht eindiinglich be- Men, daß in dem großen„Freistaat" jenseits des Meeres M System der freien Konturrenz dasselbe Unheil angerichtet W, wie in Europa. . Nach Dr. Douai werden nur die weiblichen Dienst« °» t e n leidlich bezahlt, doch ist das viele Treppensteigen beim Achten und Beitmachen, Aufwarten und Einlassen der Gäste N Boten durch die verschlossenen Hauithüren und beim «Nascheaufhängen auf den Dächern, wo dies meist geschieht, rtoaus beschwerlich. Das Waschen und Abreiben der Fenster» ™rtben ist häufig gefährlich, da eS an der Außenseite so ver- uttit werden muß, daß man dabei mit dem Rücken nach der ?iraße oft in großer Höhe auf dem Fensterstms fitzen oder Mm muß.„Die eingeborenen Mädchen, auch die Mischen, weiden den Hausdienst, angidlich weil fie dabei den Dringlichkeiten der Männer zu sehr ausgesetzt seien, in M Regel ober deshalb, weil fie in Fabriken und Werkstätten diniere Arbeit finden, längere Freiheit genießen und häufiger « Männergesellschaft kommen. Die Kaufläden werden Mich größtcntheilS von Mädchen und Frauen, gewöhnlich An- ?l»amerikanerinnen, dedient, welche dazu sehr gesucht, aber M daS fortwährende, anstrengende Stehen allerlei Krank- Mm ausgesetzt find. Am unglücklichsten find die Nadelar« Mninnen daran, welche im Hause Weißnäherei, Korsettmacherei, Mneiderei u. s. w. für Großfabriken in unglaublich niedrigen �snen verrichten. .„Die Frauenarbeit wird auch in Amerika viel schlech« r, bezahlt als die der Männer, und zwar im DurchschnM, selbst gleicher Leistung, nur halb so hoch. Im letzten Jahrzehnt ist Verwendung von Frauen in Fabriken erstaunlich gewachsen, L baß jetzt schon bei der Weberei, Zigarren- nnd Zigaretten« Mttikation. Buchbinderei, Wäschekonfektion, im Posamentirge- %st, der Putzmacherei sc. ein Drittel der Beschäftigten, wenn !"?t mehr, Frauen find, welche um einen Hungerlohn Metten. Dagegen find geschickte Damenschneiderinnen, welche ääk Familien arbeiten und Geschmack haben, äußerst begehrt (« V'v1 bezahlt(mit 1-1'/, Dollar» nebst Kost per Tag) und stnd deren zu wenig vorhanden, da die amerikanischen jKaum sich reicher und sorgfältiger kleiden als die der meisten Nderen Völker, und zwar fast ohne Unterschied des Standes j"® Vermögens. Die Fabrikation künstlicher Blumm war last ganz im Betrieb von Franzöfinnen; neuerdings, I!ybem der kapitalistische Großbetrieb fich dieses Gewerbes be» llm konnte, arbeiten darin Frauen und Kinder aller «M®nalitStm zu sehr elenden Löhnen und find dabei großem «chaden an ihrer Gesundheit ausgesetzt; das Produkt aber ü*t.*"®be vollkommen geworden. Durch die neuer« dewuT Zeichen» und Modellirschulen und Maleraka- ber Ä flu Frauen find deren Tausende in daS Geschäft mn»..''Mstchnerei, Modellmacherci, Teppich- und Tapeten- v„�M»„, er allein verdiente und das Famllienleben geht dabei H°.M Grunde. Ja nicht fetten läßt fich daS Familien-Ober« Hein» Frau und Kindern ernähren, weil eS entweder ar- schsÄ�lahig oder arbeitsscheu oder doch nur zu gelegentlicher Be- d,„'Äung in anderen, seinem erlernten Berufe serner liegen- Branchen verwendbar ist." Kolitiscke Mebersiekt. lebt noch! Nämlich die„Neue Zeitung", da» k« Nationallibercllen in Berlin. Dieses Blättchen, suck?� Mau al» todt, gestorben an der Abonnenten-Schwtnd» ftiö. auaesagt wordm war, wird seine Existenz noch weiter tali« JHW* es heißt, haben fich einigt nalionalliberale Kapi« tu»7 bereit finden lassen, noch einmal einige tausend Mark W». um das Blatt noch für einige Zeit über Wasser zu bt«'7.Dieses Opfer wollen die Herren mll Rückficht auf die dM-m snSntai bindern ist. Vielleicht bekommt dieses Blatt, welches ftüher lii!,«»„VoKSfreunö" und dann„Berliner Morgenzeitung" zieh!.!''« den Wahlen ein neues Fell, um eine größere An- / vungskraft auszuüben. Noch vor ein, gen Monaten erklärte 6s«.i°' Benba pathetisch:„Der Schaar der nationalliberalen in Berlin wird eine stattliche Armee folgen."- Die %ZtIe find freilich noch da. aber auf die Armee wird der İsttderalismus in Berlin ver»ichten müssen. DSZWMp&W «irt la'—... e»nnh« aekommen. Em Lon- abges-hen von der allen englischen Mijfionsstation Victoria, auf jeden Anthell an dem Kamerungebiete. Damit ist auch die Thätigkeit deS Herrn Rogozineki, welcher bekanntlich die Gebirgsgegend, das Hinterland von Kamerun, für England zu erwerben suchte, hinfällig geworden. Ob freilich daS gesammte Kamerungebiet unserem Vaterlande großen Nutzen bringen wird, daS ist nach den neuesten Erfahrungen mehr denn je zweifelhaft. Die Erhöhung der Matrikularbeiträge für 1885/86 deträgt gegen 1884/85 nach den in drllter Berathung im Reichs- tage gefaßten Beschlüssen, 37 596 708 Mark. Davon entfallen auf Preußen: 22 541570 Mark, Baicm 4910 926 Mark, Sachsen 2456 522 Mark, Württemberg 1 811 258 Mark, Baden 1 424 395 Mark, Hessen 773 721 Mark, Mecklenburg-Schwerin 476 838 Mark, Sachsen-Weimar 255813 Mark, Mecklenburg. Strelitz 82856 Mark, Oldenburg 278868 Mark. Braunschweig 288692 Mark, Sachsen- Meintngen 171 112 Mark, Sachsen- Altenburg 128 110 Mark, Sachsen-Koburg- Gotha 160 899 Mk, Anhalt 192197 Mk., Schwarzburg-Sondeishausen 58 759 Mk., Schwarzburg-Rudolstadt 66 350 Mark, Waldeck 46 707 Mark, Reuß iL L. 41 963 Mark, Reuß j. L. 83 734 Mark, Schauenburg-Lippe 29231 Mark, Lippe 99 363 Mark, Lüdeck 52 532 Mark, Bremen 129 504 Mark, Hamburg 375 045 Mark, Elsaß- Lothringen 1402 059 Mark. Dänemark. DaS Folkething hat das Finanzgesetz für 1885/86 in dritter Lesung so genehmigt, wie e» in in der zweiten Lesung beschlossen war: es bleibt also, trotz aller Ein- spräche der Minister, der beinahe 9 Millionen detragende Abstrich bestehen. DaS Lanvsthina wird vorauSfichtlich die Regierungsvorlage wiederherstellen. Der Konflikt ist damit prollamirt. Der 1. April kommt heran, und Dänemark hat kein Finanzgesctz. Damm wird daS Ministerium mit Genehmigung des König» aus eigener Machtvollkommenheit ein Finanzgesetz unter dem schon bekann- ten Tttel„provisorisches Finanzgesetz" erlassen. Zwar hat daS Folkething dieses Vorgehen für verfassungswidrig erklärt, so lange aber das dänische Volk die auf Gmnd des provisorischen Finanzgesetzes ausgeschriebenen Steuern zahlt, fühll fich Herr Esttup dadurch nicht im Geringsten genirt. Gro ß b ri taunie«. Aller Augen richten fich auf die Vorgänge in Asten, man erwarlet jeden Tag die Nachricht von einem Zusammenstoß der msfischen mit den afghanischen Truppen. England steht fich bereits nach Bundesgenossen um und sucht deshalb Perfien für fich zu gewinnen. Lord Granville hatte bereits eine Kon- ferenz mit dem xerfischen Gesandten in London. In England ist man vielfach der Meinung, daß fich mit Perfien leicht ein Bündniß schließen lasse, welche«, während eine englische Armee durch Afghanistan auf Herat marschire, e» einer zweiten englischen Armee ermöglichen würde, die Russen durch eine Bewegung über perfischeS Gebiet in der Flanke zu fassen.„Standard" will wissen, daß das englische Kabtnet über eingegangene wichtige Depeschen der rusflschen Regierung heute berathen werde. MrwmeutarisrkFS. — Die WablvrüfungS- Kommission deS Reichstages beschäftigte fich in ihrer letzten Sitzung mit zwei Wahlen im Königreich Sachsen und faßte darüber beachtcnswerthe Beschlüsse. Im 9. sächsischen Wahlkreis, wo der Abg. Melbach gewählt ist, find einige von Sozial- dem ok raten einberukeneVersammlungen ledig- lich wegen des politischen Charakters der Einberufer verboten worden. Die Kommisston, auch die Konservativen in derselben, war darüber einig, daß ein solches Verbot direkt der Interpretation widerspreche, die der Reichstag dem§ 9 deS Sozialistengesetzes gegeben habe, und beschloß, daS Verbot der Versammlungen für ungerechtferttgt zu erklären. Der Beschluß über die Giftigkeit der Wahl wurde ausgesetzt. Bei der Vrü- fung der Wahl deS Abg. Gehlert, dessen Gegenkandidat Max Hirsch gewesen ist, kamen von freisinniger Sette auSge- gangene Proteste zur Sprache, die darauf beruhen, daß eine freisinnige Versammlung verboten wurde, weil anstatt deS angekündigten Referenten ein anderer das Wort ergriff. Auch dieses Vorgehen der sächstschen Polizei wurde von der Kom« misfion für ganz unberechtigt erklärt, wenn eS auch auf die Giltigkett der Wahl ohne Einfluß blieb. — Aus Abgeordnetenkreisen verlautet, daß dem Abge- ordnetenhause im Laufe der gegenwärtigen Sesfion der Gesetzentwurf, detteffend die Einführung einer Kapital- rentensteuer und die Aufhebung der zwei untersten Klaffensteuerstufen wieder zugehm soll, unter Berückstchtigung der in ver vorjährigen Kommisfion beschlossenen Aenderungen. K«rl»me»tsberickte. Deutscher Reichstag. 65. Sitzung vom 12. März, Nachmittags 1 Uhr. Am Tische de» Bundesraths v. Boetticher, Stephan, Graf L e r ch e n f e l d u. A, später Fürst v. Bismarck. Eingegangen ist eine Verordnung deS Bundesraths, be- treffend die Aufnahme von Anlagen zur Destillation oder zur Verarbeitung von Theer und von Theerwaffer in da» Ver- zeichniß der nach§ 16 der Gewerbeordnung genehmigungspflichtigen Anlagen. DaS Haus tritt in die zweite Berathung der D a m p f e r« vorläge ein, welche die Subventionirung für drei Linien nach Ostasten, Austtalien und Afrika mft höchstens 54.0 000 M. jährlich verlangt. Die Kommisfion hat die Vorlage ganz verworfen. In der ersten Lesung hatte fie aber eine Anlage angenommen, wel- che die näheren Bedingungen der mit den Unternehmern der Dampferlinien abzuschließenden Verträge enthält. Diese An- läge wird im Plenum jetzt von verschiedenen Seiten wieder aufgenommen, 1. von Graf Behr- Behrenhoff, Hammacher unv v. H e l l d o r f f in folgender Faffung: 1. Die Fahrten müssen auf der ostafiatischen und australi- schen Linie in Zettabschnitten von mindestens 4 Wochen statt- finden, auf der afrikanischen Linie mindestens jeden Monat einmal. 2. Die in der Fahrt einzustellenden Dampfer dürfen in ihrer Konstruktion und Einrichtung, namentlich in Bezug auf Personenbeförderung und Sicherheit den auf denselben Linien laufenden Postdampfem anderer Nationen nicht nachstehen. 3 Die Fahrgeschwindigkeit ist für die Linien nach Ostafien und Austtalien auf mindestens 11'/, Knoten im Durchschnitt festzusetzen.— Für diese Linien ist die Zeitdauer der Reisen von Brindifi oder Neapel ab nach Shanghai und Sidney und zurück nach diesem Verhättniß mit entsprechendem Zuschlag für den Aufenthalt in den anzulaufenden Häfen in Stunden mit einem Abschlag von 1 Knoten pro Stunde für die Fahrt gegen den Monsun zu berechnen. 4. Der Unternehmer ist verpflichtet, entweder bei der Hin- und Rückfahrt an einem belgischen oder holländischrn Hafen anzulaufen, oder die dort zur Verladung gestellten Waaren deutscher Provenienz ohne Frachtzuschlag nach dem Abgangs- Hafen de» Schiffes überzuführen. 5. Der Unternehmer ist verpflichtet, sofern die bewilligte Summe dazu ausreicht, die Linie Brindist— Alexandrien bi» Trieft auszudehnen. 6. In diese Linien einzustellende neue Dampfer müssen möglichst auf deutschen Werften gebaut sein. 7. Alle in die Fahrt einzustellenden Dampfer müssen vorher durch von der Regierung zu ernennende Sachverständige als den vorstehenden Anforderungen genügend anerkannt werden. 8. Für ungerechtfertigte Verzögerungen bei der Fahrt- ausführung werden entsprechende Abzüge von der SubvenrionS« summe gemacht. 9. Die Dampfer führen die deutsche Postflagge und be« fördern die Post nebst den etwaigen Begleitern ohne desondere ' 10. Ae regelmäßigen Fahrten müssen spätestens 12 Monate nach Abschluß der Verträge beginnen. 11. Zur Sichersteüung der Erfüllung der Vertragsoer« bindltchketten ist, soweit erforderlich, den Unternehmern die Be« stellung einer Kaution aufzuerlegen. 12. Erwachsen den Unternehmern aus dem Bettiebe dieser Linien �dauernd größere Gewinne, so kann die Regie- rung den Unternehmern größere Leistungen, z. B. in Be« zug auf schnellere oder vermehrte Fahrten u. s. w. aufer» legen. 2. Die Sozialdemokraten Hasenclever und Genossen beantragen, der Nr. 6 folgende Faffung zu geben: Die in die Fahrt einzustellenden Dampfer müssen neu gin, auS deutschem Material hergestellt werden und ist der au derselben bei gleichen Herstellungskosten und gleicher Leistungsfähigkeit deutschen Werften zu übertragen. 3. R i n t e l e n und R a ck e(Zentrum) wollen in Nr. 3 eine Fahrgeschwindigkett von 12 statt von 11'/, Knoten festsetzen und die folgenden Nummem so fassen: 4. Die Unternehmer der Hauptlinie(bezw. Hauptlinien) sind verpflichtet, bei der Hin- und Rückfahrt Rotterdamm od er Ant w erp en an- zulaufen. 6. Der Bau neuer Dampfer ist bei gleichen Herstellungskosten und gleicher Zuverlässig- keit der Arbeitsleistung wie bei fremden Werften, den deutschen Werften zu über- tragen. 7. Alle in die Fahrt einzustellenden Dampfer müssen vorher durch Sachverständige als den vorstehenden Anforde« rungen genügend anerkannt sein. Die Ernenung der Sachverständigen erfolgt durch den Reichs« kanzler. Unter denselben müssen Angehörige der kaiserlichen Marine sich befinden. 9. Die Dampfer führen die deutsche Postflagge und be« fördern die ÄeichSpost und die königlich baterische und württemberaische Post nebst dm etwaigen Begleitern ohne besondere Bezahlung. 12. Erwachsen den Unternehmern auS dem Betriebe dauernd größere Gewinne, so kann die Regierung den Unter« nehmem größere Leistungen, z. B- in Bezug auf schnellere oder vermehrte Fahrtm u. s. w., auferlegen oder die Sud» ventionssumme entsprechend rürzen. . Ferner bcanttagen fie, die Nr. 5 fallen zu lassen und fol« gende neue Nummer aufzunehmen: Dem Reichskanzler oder den von demselben bestimmten Organen steht die Einsicht in die kaufmännischen und nautischen Bücher der snbventionirten Unter« nehmungen offen. Der Präfident will zunächst den§ 1 der Vorlage disku« ttren laffm, sodann den§ 2 mit den mitgetheiUen Anlagen. Auf einen Antrag Richters werden jedoch zunächst die ver« schiedmen Anlagen berathen und zwar unter Ausscheidung der Nr. 1 und 3, welche fich auf bestimmte Linien beziehen: über diese wird erst nach der Entscheidung über§ 1 der Vorlage abgestimmt werden. Bei dem Eintritt in die Verhandlungen giedt Abgeordneter Richter solaenve Erklärung bezüglich der Stellung seiner Partei zu der Anlage überhaupt ab: Wir meinen, daß durch diese Vorschläge, deren Fassung viel zu elastisch ist, die Regie« rung sehr wenig gebunden wird, und daß fie daher mit wmig Ausnahmen für die Anttagsteller nur einm vermeintlichm Werth haben. Andererseits erblicken wir die Gefahr in dm Klauseln, daß fie möglicherweise der Regierung künftig als Handhabe für Mehrforderungen dienen, indem gesagt wird, daß zur Ausführung des Gesetzes in Gemäßheit der Anlagen die bewilligten Mittel nicht ausreichen. Deshalb haben wir schon in der Kommisfion gegen die Anlagen ge- stimmt' und wir werden auch jetzt nur dann für einzelne derselben stimme«, wenn wir dadurch verhüten könnm, daß andere Bestimmungm angenommen werden, durch welche die Gefahr neuer Mehrsorderungen noch erhöht würde. Tarauf wird zunächst Nnmmer 2 der Anlage, die in allm drei Anträgen übereinstimmend lautet, ohne Diskussion genehmigt. Eine eingehende Verhandlung ruft Nr. 4 hervor, die da» Anlaufen der Häfen betrifft. Abg. v. B u o l tritt für dm Antrag deS ZenttumS ein im Interesse de« südwestdeutschen Verkehrs, für den Rotterdam daS wichtigste Ausfuhrhafen ist. Sollte sein Fahrwasser nicht tief genug sein, so brauchen unsere Dampfer nicht unmtttelbar an der Stadt selbst anzulegen, wenn man nur durch die Wasserstraße deS Rheins unmitteldarm Anschluß an die Dampferlinien erhält. Die Bedeutung de» Einwandes, daß man dadurch die Konkurrenz ausländischer Häfen mit Hamburg und Bremen verstärkt, muß gegen die sttdwestdeutschen Interessen durchaus zurücktreten. Die Kosten für die Rheinkonektion wären nutzlos gemacht, wenn man dem Verkehr auf dem Rhein die Nahrung entzöge. Staatssekretär v. Boetticher: Schon in dm Motiven der Vorlage ist daS Anlaufm eine» niederländischen Hafens ins Auge gefaßt. Die Regierung ist mit dem Vorredner völlig darin einverstanden, daß wir Vorkehrungen treffen müssen, durch welche alle drei Dampferlinim für die Interessen der süd- und südwestdeutschen Industrie nach Möglichkeit nutzbar gemacht werden. Wir haben nur deshalb keinen bestimmten Zwischenhafen im Gesetz selbst genannt, weil im Laufe der 15 Jahre, für die wir diese Vorlage machen, die Bedürfniffe des Handels außerordentlich wechseln können, und weil man die Möglichkeit haben muß, solchen Wechselfällen stets sofort Rech- nung zu ttagen. Vielleicht gelingt es auch einmal, dos An- laufen der Dampfer an einen niederländischen Hafen für die süddeutsche Industrie durch Eisenbahn-Tarifermäßigungen ganz entbehrlich zu machen und ihre Waarm direkt nach Hamburg und Bremen zu leiten. Damit würde der Zeitverlust erspart, welchen die Befrachtung in Rotterdam und Antwerpen verursachen würde. Jedenfalls werden wir die süddeutsche Industrie be- rückstchtigen, sonst würde das ganze Wer! halb und unvoll. ständig sein, und wir würden uns die größten Vorwürfe machen müssen. Ich bitte also, von der Festlegung bestimmter Zwischenhäfen im Gesetze abzusehen, wenn ich auch mtt der Tendenz des Vorredners vollständig übereinstimme. Abg. v. Hell vor ff ertlärt fich namens der deutsch. konservativen Partei für den Antrag des Grafen Behr. Abg. H a e r l e: Eine so warme, fast begeisterte Aufnahme wie in Süddeutschland hat die Vorlage nirgend gefunden. Die dortigen Handelskammern und Handelsvereine haben weit- eifemd ihre Zustimmung ausgesprochen, und eS ist ganz in der Ordnung, daß der Aufwand für diese Subventionen nicht dem Etat der Postverwaltung, wie in der ersten Vorlagt, sondern dem des ReichSamts de« Innern überwiesen worden und so auch den süvdeutschen, dem Postoerbande nicht angehörenden Staaten Gelegenheit geboten ist, durch matrikularmäßige Bei- träge ihren Antheil an dem neuen Unternehmen mitzuleisten. Dieser lebhafte Anklang war natürlich kein ganz uneigen- nütziger: man rechnet m Süddeutschland auf erhöhten Absatz und direkten Bezug überseeischer Produkte, statt wie bisher durch englische Vermittelung, der man tributpflichtig ist. Dre Verficherungen des Herrn Staatssekretärs lassen uns hoffen, daß die berechtigten Interessen des südwestlichen Deutschlands zur Geltung kommen werden, und in dieser Voraussetzung wird die Volkspartei einem Theil der Vorlage zustimmen. Abg. Stiller wird gegen beide Anträge stimmen. Das Anlaufen der Dampfer in einem niederländischen Zwischen« Hafen würde eine Zurücksetzung deutscher Häfen gegenüber aus- ländischen bedeuten. Zu solchen Zwecken dürfe man nicht noch Reichsmittel bewilligen. Abg. Hammacher: Es kommen nicht nur die Rhederei. interessen, sondern auch die Bedürfnisse de« Hinterlandes in Betracht, und diese erfordern die Berücksichtigung eines nieder- ländischen Hafens. Es ist das nicht die Bevorzugung eine« ausländischen H-fenS, sondern nur die Heranziehung eines sol- chen für daS deutsche Interesse. Durch Holland geht jetzt schon «in großer Theil des deutschen Exports. Die Regierung durch Antwerpen oder Rotterdam zu vinluliren, halte ich für falsch. In zwei bis drei Jabrm wird B- auch Amsterdam vor jenen . beiden Häfen den Vorzug haben. Auch Vlisstngm könnte künftig in Frage kommen, deshalb bitte ich Sie, meinen An- trag anzunehmen. Staatssekretär Stephan: Die Regierungen haben die wichtigen Interessen Süddeutschlands und der Rheinschifffahrt keinen Augenblick verkannt. Wenn aber im Gesetz bestimmte Zwischenhäfen festgelegt werden, so wäre das wahrscheinlich eine Fessel, von der wir vielleicht schon nach kurzer Zett wün. schen würden, wieder befrett zu sein. Abg, Meier(Bremen)- Vom praktischen Standpunkt aus rathe ich, es bei der Fassung unseres Antrages zu de- lassen, daß die Schiffe bei der Hin- und Herfahrt anlegen, oder, wenn fie es nicht thun, verpflichtet sein sollen, die Maaren ohne Mehrkosten nach dem AusgangShofen zu bringen. Damit haben wir die berechtigten Interessen Süd« und Westdeutsch- lands vollkommen anerkannt, ohne daS Anlaufen der Häfen schlechthin obligatorisch zu machen. Wird daS Gesetz, so muß ein Kontrakt mit dem Unternehmer festgesetzt werden, daß jedes Schiff, daS hingeht und zurückkommt, in den bestimmten Hafen einläuft. Folge davon ist, daß die Ankaufskosten von unge- fähr 3000 Mk. für Hafengeld u. s. w. ganz ohne Roth und umsonst ausgegeben werden müssen, auch wenn kein einziger Waarenballen aufzunehmen ist. Sind wenig Güter da, so ist es noch immer eine große Ausgabe für den Unternehmer, und er wird fie ganz gewiß holen lassen. Ist eine bedeutende Gütermaffe da, so wird der Unternehmer mit dem Schiff die Waaren holen, falls das Schiff da anlaufen kann. Rotterdam ist ganz befonders von den Herren bevorzugt; sie sagen: da müssen wir hin. unsere ganze Rheinkommunikation geht dahin! In Rotterdam können aber keine Schiffe von mehr all 19 Fuß Tiefgang anlaufen; sind unsere Schiffe, wenn fie deladm find, tiefer, dann können fie in Rotterdam nicht einlaufen. Die Java-Steamer, die von Rotterdam nach Java gehen, nehmen dort nicht ihre Kohlen ein. fie können es nicht, obgleich fie dort die deutschen Kohlen billiger, zu 11-12 M. einnehmen können, die engl, schen in Southampion aber, wo fie auch noch das Anlaufen bezahlen müssen, zu 16 M- Gleichwohl nehmen die holländischen Dampser fortwährend ihre Kohlen in Eng. land ein, ein Beweis, daß fie in Rotterdam nicht einlaufen können. Dazu kommt noch'etwas Anderes, waS auch selbst bei Antwerpen zutrifft; die Leute werden, wenn fie für diese Waare reservirte Plätze brauchen, die Plätze belegen, wenn fie zuerst zur Stelle kommen. Es ist honcntlich nicht unparla- mentarisch, wenn ich frage: ist darin Vernunft, daß wir durch Gesetz festsetzen, daß unsere Dampfer in Antwerpen und Rotterdam anlaufen, auch wenn fie keine Waaren für diese Plätze haben? Unser Dampfer muß, wenn er auf der Fahrt nach Hamburg oder Bremen australische Wolle, sagen wir 500 Ballen, als Ladung hat, nach seinem Interesse wählen dürfen, ob er anläuft oder nicht. Bei unserer Plata-Linie geschieht das fortwährend, und bei dieser Freiheit der Wahl fährt die Schifffahrt und die Expedition süddeutscher Waaren nach Ost- °��bg. R°i n tÄ e n empfiehlt die Annahme seines An- trags, wonach die Schiffe bei der Hin- und Rückfahrt einen holländischen oder belgischen Hafen anlaufen sollen. Abg. Graf Behr erklärt, daß er, um nicht unnütze Er- schwerungen zu bereiten, dem amendirten Antrage Rintelen zu- stimmen werde. Abg. Richter: Es war mir interessant, vom Abg. Ham- wacher zu hören, daß auf den subventionirten Dampfern nach Australien auch Zement verfrachtet werden soll. Dazu ist die Einrichtung doch wohl etwa« zu kostspielig. ES zeigt VaS aber nur, welche eigenthümlichen Vorstellungen von dem Werth der Dampferverbindungen nach Australien vorhanden find.(Ruf: Ballast!) Sollen Vre Dampfer schon von hier mit Ballast nach Australien gehen? So klein habe ich nicht von der mtt Mit- lioren zu dotirenden Linie gedacht. DaS läßt tief blicken, kann ich mtt dem Abg. Gabor sagen.(Große Heiterkeit.) Die Kritik gegen Herrn Stiller würde fich Herr Hammacher wohl erspart haben, wenn er gewußt hätte, daß sein Fraktionsgenosse Meier fich ganz in demselben Sinne äußern würde. Abg. Rin- t-len bat zwar gesagt, das komme nicht vor. Da« mag für Australiensadrer zutreffen, aber die Dampfer der ostafiatischen Gesellschaft fahren schon jetzt voll beladen. ES ist auch eigen- thümlich, daß Sie zu solchen Argumenten greifen, die Sie doch größeres Zutrauen zu den Linien haben als ich. Wenn die Schiffe nun trotzdem in Rotterdam und Antwerpen anlaufen sollen so wird da« nur Kosten verursachen. Man könnte ein- wenden, daß für die Fracht in Antwerpen und Rotterdam Raum reservirt werden könnte, aber wie daS zu erreichen ist, verstehe ich nicht. Staatssekretär Stephan: Die Regelung dieser Frage dürfte kaum Verlegenhetten derettm. Es kann das Quantum Waaren, waS in Rotterdam oder Antwerpen verfrachtet werden soll, telegraphisch gemeldet werden, und wenn trotzdem ein Thefl derselben zurückgelassen werden muß, so ist der Schaden auch nicht groß; dieselben werden dann acht Tage spater zur Versendung kommen. Wenn man an solchen Kleinigkeiten Anstoß nehmen will, so wird man zu keiner neuen Einrichtung »otmnen. Was den zweiten Einwand betrifft, daß durch die Zwischenhäfen die Postversendung verlangsamt wird, so be- meike ich. daß die Dampfer erst von Brindifi auS den Cha- rakter als Postdampfer erhalten. Während der Fahrt durch die Nordsee und den attantischen Ozean find dieselben als rein« Frachtschiffe anzusehen. Abg. Woermann: Ich finde eS eigentlich nicht richtig, daß bei diesem Punkte darüber gesprochen wird, daß die In- teressen von Süd- und Westdeutschland und diejenigen der etwaigen Unternehmer oder der Seestädte einander so scharf gegenüberstehen, wie hier behauptet woroen ist. Ich meine, die Seestädte oder die Unternehmer werden fich ganz außerordent- lich freuen, daß in Süd- und Westdeutschland Neigung vor- Händen ist, die dortigen Waaren mit den neu zu errichtenden Dampfschissen zu verladen. Die englische Linie, welche von Hamburg aus bereits heute nach Holland fährt, bekommt regel- mäßige Zusendungen von Antwerpen, welche von Antwerpen nach Holland befördert werden, um von da aus nach dem Kap der Guten Hoffnung befördert zu werden. Ebenso haben andere Linien Kontrakte für Durchfracht für Holland, und zwar zu denselben Preisen, wie fie nach Hamburg oder Bremen verladen. In dem Moment, wo dieses Quantum bedeutend genug ist, wird der Rheder sofort die Schiffe Antwerpen oder Rotterdam anlaufen lassen. Deshalb bitte ich Sie, dem Antrage zuzu- stimmen; ich glaube, er genügt allen Ansprüchen und kann auch den Ansprüchen der rheinischen und westfälischen Industrie in jeder Weise genügen. Abg. Richter: Herr Staatssekretär Stephan hat recht: durch daS Anlaufen eines holländischen oder belgischen HafenS werden die Postsendungen nicht später nach Ostafien kommen, da dieselben erst in Neapel oder Brindifi aufgegeben werden sollen. Aber das Postintereffe kommt hierbei doch nicht allein in Betracht, sondern auch das Frachtintereffe, und für die Frachten verlängert fich entschieden die Zett durch daS Anlaufen von Zwischenhäfen. Was soll nun geschehen, wenn in Rotterdam oder Antwerpen größere Waarenposten zu verftachten find? Herr Stephan sagt, es könne telegraphirt werden. Aber da- durch wird der Lagerraum nicht vergrößert. Herr Stephan hat weiter gesagt, unter Umständen müsse ein Theil der Waaren zurückbleiben. DaS ist ein schöner Trost für die, welche auf eine rasche Versendung ihrer Waaren gerechnet. Diese Waaren bleiben dann auch nicht nur 8 Tage zurück, sondern 4 Wochen, wenn fie mtt einem Postdampfer defördert werden sollen. Ein Belladen in den Zwischenhäfen wird immer ein bedeutendes Umladen der Waaren zur Folge haben, es wird also das ein- treten, waS man immer gegen den Transport auf englischen Schiffen gellend gemacht hat. Ich bitte also, daß Sie fich über den Werth des Rintelen'schen Antrages keiner Täuschung hingeben. Abg. Rintelen bemerkt, daß seine Auslassung über die Frachten fich nur auf die neuen Dampfer bezogen hätte. Warum will man dieselben sudventioniren, wenn fich darauf rechnen ließe, daß dieselben schon im AusgangShafen volle Ladung finden würden. Abg. W i n d t h o r st bittet dringend, den Antrag Rintelen anzunehmen. Die Forderung eines Zwischenhafens in Holland oder Belgien im Interesse der Rheinlande und des südwest- lichen Deutschlands ist ebenso berechtigt, wie die Anlage von Bahnhöfen im Interesse des Verkehrs. Die Debatte wird geschlossen und der Antrag Rintelen gegen die Stimmen der Freifinnigm, eines Theils der Sozialdemokraten und der nationallideralen Adgg. Meier (Bremen) und Woermann in folgender Fassung a n g e- n o m m e n: Die Unternehmer der Hauptlinie find verpflichtet, bei der Hin- und Rückfahrt einen holländischen oder belgischen Hafen anzulaufen. Nr. 5 wird ohne Debatte angenommen. Zu Nr. 6 führt der Abg. Dietz(Hamburg) auS, daß mit der Annahme de« Antrages der Konservativen oder des Zentrums, da thatsächlich nur wenige Firmen bei der Submission in Betracht kommen, im Grunde jede Konkurrenz bei Vergebung der Subvention ausgeschlossen sei. Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern, daß eigentlich der Bremer alloyd der einzige Bewerber ist, mit dem sogar schon Verhandlungen eingelei!« find. Wenn vom Staate Unterstützungen gewährt weiden, so muß man wenig- stens dafür Sorge tragen, daß auch wirtlrck etwas Neues, GuteS geliefert werde; nicht daß alteS abgefahrenes Material durch Reichsmittel werthvoller gemacht werde. Wir hätten auch gegen eine Vergebung der Subvention an den Lloyd nichts, wenn dieser oerpflichtet würde, nur neue Schiffe zu liefern. Ein zweites Moment, das uns bestimmt, nur neue Schiffe zu fordern, ist, daß wir dann Schiffe bekämen, die eigens für die Verhältnisse in den Tropen eingerichtet find. Der Bremer Lloyd befitzt aber nur auSrangirte Schiffe, die auf nordamerikanischer Fahrt verbraucht find. Wir verlangm so- dann, daß diese Schiffe ausschließlich auf deutschen Weiften gebaut werden. Der deutsche Schiffsbau liegt jetzt so darnieder, daß eS eine Sünde wäre, wenn wir die ausländische Konkur- renz zuließen. Wir bauen auch ebenso gute und ebenso billige Eisenschiffe wie die Engländer, und ich widerspreche dem Geh. Rath Rösing, der in der Kommisston behauptete, die deutschen Wersten seien nicht so leistungsfähig wie die englischen; noch Niemand hat über die Schiffe geklagt, die in Deutschland ge- baut find- Für die Sozialdemokraten ist die Aufnahme dieser Bestimmung in da« Gesetz, daß nur neue und auf deutschen Werften gebaute Schiffe eingestellt werden dürfen, eine conditio sine qua von; wir müßten sonst gegen das ganze Gesetz stimmen. Staatssekretär Dr. Stephan: Ich muß der Behauptung des Vonedners entschieden entgegentreten, daß bereits Ver- Handlungen mit dem Bremer Lloyv wegen Vergebung der in Rede stehenden Leistungen stattgefunden haben. Es ist daS absolut falsch. Solche Verhandlungen können ja auch gar nicht eher stattfinden, als biS der Gesetzentwurf die Zustim- mung der gesetzgebenden Faktoren erhalten hat. Was dann die Frage neuer Schiffe betrifft, so wäre es unwirthschafllich, nur neue Schiffe einstellen zu wollen, wenn bereits im Ge- brauch befindliche Schiffe allen Anforderungen und besonders auch den Bedüifniffen der heißen Länder entsprechen. Die ftanzöstsche und engtische Regierung stellt den von ihnen sub- ventionirten Linim solche Bedingungen, wie fie der Antrag Dietz enthält, nicht. Wenn der Vorredner behauptet, daß die deutschen Werften ebenso leistungsfähig find wie die ausländi- schen, so werden dieselben ja in der Konkurrenz volle Gelegen- hell haben, ihre Tüchtigkeit zu erweisen. Geh. Rath Rösing: Ich habe in der Kommisston nicht behauptet, daß die deutschen Wersten nicht leistungsfähig find, sondern nur, daß dieselben nicht im Stande find, alle Dampfer, die wir brauchen, in der Zeit von 12 Monaten fertig zu stellen; ich erinnere daran, daß wir je nach der Zahl der Linien, die Sie bewilligen, 12—15 Dampfcr brauchen. Abg Robbe: Ich bitte Herrn Abg. Dietz(Hamburg) auf Punkt 6 nickt so hohen Werth zu legen, um davon die Annahme deS Gesetzes abhängig zu machen. Es stehen sehr schwere Bedenken der Forderung gegenüber, daß alle jetzt ein- zustellenden Schiffe auf deutschen Wersten gebaut werden sollen. Schiffe, wie wir deren 12 für zmei Linien brauchen werden, find noch nicht vorhanden, nur ein« ist vom„Vulkan" gebaut worden, wir find also nicht sicher, Schiffe in gehöriger Güte zu bekommen. ES würde der Bau der 12 Schiffe 18 Millionen Mark kosten, es wird genügen, daß die später einzustellenden Schiffe auf deutschen Werften gebaut werden müssen. UcbrigenS müssen nach Puntt 7 die vorhandenen Schiffe durch Sachver- ständige auf ihre Brauchbarkeit geprüft werden.(Während dieser Rede tiM der Reichskanzler in den Saal.) Abg. Ltpke: ES ist anzunehmen, daß bei gleich guten Leistungen die Regierung immer die deutschen Wersten den fremden vorziehen wird; insbesondere darf ich dies von dem Generalpostmeister erwarten. Dadurch aber, daß wir die Nr 6 t&IA'CC kann die Regierung auch erst erkennen, ob die deutschen Werften daS Gleiche leisten. Wenn ein Ausländer von der Submission ausgeschlossen ist, so würde fich vielleicht eine Koalition d» deutschen Wersten bilden, welche ihrerseits auf die Normirung der Vergebungsbedingungen einen Druck ausüben kö nie. Abg. Hasenclever: Im Großen und Ganzen kommen die Dampfersubventionen nur einigen großen Gesellschaften zn gute. Wir wollen, daß auch unsere Arbeiter einen Vortheil davon haben. Daß die Schiffe neu und auf deutschen Werften gebaut werden, ist aber für die Arbeiter fördn« sicher, als eS sonst die ganze Dampfersuboention ist. Gerade die Konservativen, die immer von der Förderung der nationalen Arbeit sprechen, müßten am ehesten unserem Antrag beipflichten. Der Abgeordnete Lipke a>w die Regierung nickt, er hat das Vertrauen zur Regierung, dn« fie die deutschen Wersten schon berückficktigen wird. Wir haben das Vertrauen nicht. Der konservative Antrag, es sollen die Schiffe möglichst auf deutschen Werften gebaut werden, giebt gar keine Garantie, er legt die Entscheidung in die Hanb der Regierung. Der Antrag deS Zentrums nähert fich de« unsrigen schon mehr; aber eS ist darin nicht gesagt, ob ün Regierung überbaupt verpflichtet sein soll, neue Dampfer eW zustellen. Der Norddeutsche Lloyd hat so viel alte Schiff«. daß er damit noch 15 Jahre auskommen könnte. Reichskanzler Jjürst v. Bismarck: Ich würde bedauern, wenn wegen des Wortes„möglichst" unserer Gesammtvorlagr größere Schwierigkeiten bereitet würden, als ohnehin vorhanden find. Ich würde meinerseits gern bereit sein, bei den vep bündeten Regierungen die Streichung dieses Wortes in de« betreffenden Anttage zu befürworten und die Verpflichtung eingehen, daß daS, was neu gebaut wird, überhaB auf deutschen Wersten gebaut werden soll. Es kann 1° infolge dessen vielleicht die Indienststellung neuer ßif etwas längere Zeit erfordern; schlechtere Schiffe den wir auf deutschen Werften nicht bekommen, � werden auf denselben ebenso gut gebaut werden. L» sehe also keinen Grund, auf diele Klausel deS„möglilbl� die immer noch die von dem Herrn Vorredner bevaue» Fakultät der Regierung übrig läßt, ein erhebliches Gewicht P legen; und ich glaubte, nicht fehl zu gehen, wenn ich über« bin, daß die verbündeten Regierungen derselben keinen beimessen, sondern bereit sein werden, die Verpflichtung ff übernehmen, daß alle neu zu erbauenden Schiffe auf veuM Wersten gebaut werden sollen. ElwaS anders liegt nuvjj, Frage, ob alle Schiffe neu gebaut werden müssen, die in W gestellt werden sollen, ob das gleich von Hause aus derjr sein soll. Es ifi ja ziemlich unzweifelhaft, daß soviel al« in den von uns beadfichtigten neuen Unternehmt'. überhaupt V r Wendung finden, im Ganzen werden neu weiden müssen; denn diese Unternehmungen besteh«? J! Augenblicke nicht und die vorhandenen, jetzt existirenden haben im Allgemeinen ihre Beschäftigung, wenigstens so daß fie nicht regelmäßig jahraus jahrein für einen an««?, Dienst in Anspruch genommen werden können. Es ist wahrscheinlich, daß mit der Zeit— und ich glaube, hierzu nicht ein Zeitraum, wie der Herr Vorredner W. von 15 Jahren anzunehmen ist— so viel Schiffe auf deruFv Wersten, wenn wir das„möglichst" stteichen, neu erbaut jj*J den, als überhaupt im Dienst der neuen Unternehmungen� wendung finden- Ich kann da dem Herrn Vorredner � seinen Parteigenossen doch zu erwägen geben, daß das. wiederum des Guten Feind ist. Wenn von Hause aus° Zwang ausgesprochen werden soll, daß alle Schiffe neu müssen, Die in Dienst gestellt werden, so lann das mojüO» weise die Unternehmer, mit denen wir bisher unterham»* haben, abschrecken. Jedenfalls werden die Kosten dadurw,. beblich gesteigert werden. Es kann sein, daß diese gcftelgeMi Kosten dem Unternehmen noch mehr Gegner schaffen, augenblicklich vorhanden find, und daß es dann gerade ou- diese Steigerung der Kosten ganz fällt. Dann würde � die Werftarbeiter noch schlechter gesorgt sein,.3 wenn der Antrag so angenommen wird, wie er'{£ steht, denn dann würden überhaupt für diesen Zwc�,. weilen keine Schiffsbauten stattfinden und keine JudiensW�A Also da möchte ich doch empfehlen, daß wir den Boge« zu stark spannen. Wenn der. Reichstag bereit ifl,Lk "de dadurch verursacht werden, daß allev«� zu bewilligen, ja, dann würden die vre Mehrkosten, die dadurch verursacht werden, daß alle-,.™, neu sein müssen, zu bewilligen, ja, dann würden die Veten Regierungen fich dem schwerlich widersetzen; ich r aber, daß die Gefahren, die Vorlage abgelehnt zu steigert werden, wenn wir diese strengen und, wie ich gjh,;, für den Beginn nicht erforderlichen Bedingungen von% aus stellen. Dieses Unternehmen, wie jedes andere, organisch entwickeln; es kann nicht gleich von Hause au» höchster Vollkommenheit ins Leben treten. Wenn wir d Haupt zur Lebensfähigkeit bringen, so lassen fie unfern im ersten Augenblick immer schwächlich lein und zu Ausstellungen und Destderim ........S erlangen wir zu' m 1 Den Zitate machen fich zu viel vornimmt, läuft Gefahr, gar nichts zu noch Anlaß geben; die wir mit der Zett noch aufbessern. Verlangen wir zu trop ernbrasae— ich will keine fremden Zitate machen erre« und deshalb möchte ich bittm, an dem„möglichst" keinen »Mf VMWM, Uli Villi....... i/ flidl zu nehmen und das eventuell so anzusehen, alS wenn" 3 da stände. Die Forderung aber, daß alle Schiffe von neu sein sollen, nicht zu stellen, wenn wir nicht die haben, daß die dadurch entstehenden Mehrkosten au« � Reichstage bewilligt werden. Ich fürchte, daß wir jit Fehlrechnung machen, und ich möchte gerade im Jntertsl � Arbeiter, die auf den Werften Beschäfligung finden von abrathen, daß Bedingungen gestellt werden, die dahin führen, daß wir gar nicht in die Lage kommen,« neue Beschäftigung zu geben.(Bravo.') Abg. Hammacher- Auch ich bitte, nicht zu be't>w p daß gleich von vorn herein alle Schiffe»eu sein müssm- � deutschen Werfte würden in einem Jahre gar nicht die derlichen 16 bis 17 großen Schiffe herstellen können. möge man festsetzen, daß in einer gewissen absehbaren S Schiffe der subventionirten Linien solche sein müssen, � zu diesem Zweck gebaut wurden.„_____ Abg. Dietz(Hamburg) glaubt, daß es den Werften schr wohl möglich sein würde, die nöthige Anz Schiffen in einem Jahre herzustellen. �. in � Abg. v. H e l I d o r f f bittet, den Antrag Bedr gf Weise anzunehmen, daß daraus da« Wort„mog»«'' strichen wttd...»ntel«� Abg. Richter: Da die Regierung gar kein haben kann, die ausländischen Werften zu bevorzugen', gi die inländischen gleich leistungsfähig find, so halte i« trage Behr und Rintelen für überflüsstg. Gegen den � Dietz stimme ich, weit er die Kosten erhöhen und w auch vielleicht den Werftarbeitern nützen, doch die Gel» belasten würde.. Damit schließt die DiSkusfion. ,iinaa% Abg. Meier(Bremen) persönlich: Die Bemcrku Abg. Dietz über die Schiffe deS Bremer Lloyv find ,, und nicht richtig.(Unruhe.) iß Prafident v- Wedell-PieSd orff: Da«. persönlich.___ Lßflfi! alt' Abg. Meier(Bremen): Als Bremer Lloyd g persönlich, t Große Heiterkeit.) Ich biete dem eine p 1000 M., der mir beweist, daß die Dampfer irgend L.rr... a—S» s»„ 3 S' l DP**% deren Linie besser find alS die deS Bremer Heiterkctt.) fr ä s i d e n t: DaS war nicht persönlich aS Wort„möglichst" wird bei der Abstimmung� Antrag Bebr gestrichen; in dieser Fassung der»»» i gegen die Fretfinnigen und Sozialdemokraten»'" m e n, und Ver Antrag Rintelen zurückgezogen. 4 i" , �Nr. 7 wird nach dem Antrag Vehr angenommen, eben« 10 Ztr. 8. Bei Nr. 9 richtet , Abg. Graf Adelmann an die Regierung die Anfrage, M es mit der Vergütung gehalten werden solle, welche der oieichzrkgierung für die Beförderung ausländischer Post» Übungen zufließen würde. Nach Auskunst der Regierung in % Kommisston solle diese Frage geregelt werden. Der Bericht We aber an, daß dir Angelegenheit geregelt sei. Redner er» Wt sodann, daß er für vre gesammte Vorlage stimmen werde. wnfall rechts.) Referent Abg. Broemeli In der Kommisfion sei �gierungsseitig die Auskunst rrtheilt, daß die Vertheilung der Uwabnten Vergütigung geregelt werden solle. Bei Feststellung Berichts habe der Regierungsvertreter erklärt, diese Frage Ki geregelt; und dementsprechend sei der Bericht festgestellt Vörden. , Abg. v. Ow wird für den Antrag Rintelen stimmen, der une präzisere Fassung habe, und beglückwünscht den Grafen «Wniann zu seiner der Vorlage günstigen Haltung. Nr. 9 wird nach der Faffung des Antrages Behr an- finomm en, ebenso die Nummern 10 und 11. Nr. 12 er» Mo Fassung des Antrages Rintelen. Die vom Abg. Rintelen beantragte neue Nummer "Urb gegen die Sozialdemokraten, das Zentrum und die Volks- WtW a b g e l e h n t. Das Haus vertagt darauf um 5'/« Uhr die weitere Be- bis Freitag 1 Uhr. »dgeoronereuda»«. 39. Sitzung vom 12. März, 11 Uhr. Am Ministertischt v. Puttkamer, Maybach, Friedberg, ZiVoetticher und Liommissarien, in der Hofloge Prinz und W'iwsstn Wilhelm. Die dritte Berathung des Etats für 1885—86 wird � dem Etat des Finanzministeriums fortgesetzt. w Abg. Rickert: Als ich bei der ersten Lesung des Etats ? Behauptung, das Reich habe alle indirekten Steuern für R genommen, und die Einzelstaaten und die Kommunen seien Tcher nur auf die Hilfe deS Reichs angewiesen, für nicht ganz 'essend erklärte und mich dabei auch auf die Autorität des leren Finanzministers Camphausen stützte, da hat am Tage , auf der Finanzminister v. Scholz nicht unterlassen können, Aeußerungen, ebenso wie vor ein paar Tagen, zu ver- und für unrichtig zu erklären. Ich habe damals die M.auf stch beruhm lassen, nachdem der Minister aber Dörholt meine Aeußerungen unrichtig dargestellt hat und bezweifelte, daß Herr Camphausen solche .gerungen gethan, muß ich heute auf die Sache zurück- .armen. Nie habe ich geäußert, daß ich in den Stempel« für Preußen„die einzige Rettung" sehe, ich habe «zf.. dagegen Widerspruch erhoben, daß die indirekten ganz Reichssache geworden. Was den Minister Imhausen betrifft, so hat er im Reichstag am 22. Februar l> J, ausdrücklich erklärt, daß der Vorschlag, die Stempelsteuern itt�auf daS Reich zu übertragen, an dem Widerstande der ZdM" Einzelstaaten gescheitert sei, und daß er als preußischer bcr ben größten Werth darauf legen müsse, daß die Frage k. Z»mpelsteuern definitiv geregelt werde, damit in Preußen er auf diesem Gebiete vorgenommen werden könne— Lt!». fdion für die nächste Sitzungsperiode ein vollständiges Mä«!. fi�uergesetz mit Erhöhungen einzelner Abgaben und Er- k..»rgungen anderer in Ausficht, falls die damalige Börsen» aaßenomtnen würde. Ich kann nur wiederholen, waS fieuer ich''n,,?!'gMommen würde. Lch lann nur wreoeryoren, was wir(xiÜP dem Spott des Ministers gegenüber gesagt habe: lafft»% seine Finanzpolitik der Kritik der Thatsachen über- raÄoo! ltnkS; Zischen recht») � Erkläninl � Finanzrath Lehn ert: Ich muß mich auf die durch„mk besch.Snken, daß mein Cbef, der Herr Finanzminister, beuti»,« �weitige dringende Amtsgeschäste verhindert ist, der Ltn,«?.?"bung beizuwohnen. Auf die Anfrage betreffs der Wen ßfi' bin ich nicht in der Lage, eine Auskunft zu er- (ji'fter nicht schuldig bleiben.(Beifall rechts. Große Heiter- unks.) Der Etat des Finanzministeriums wird genehmigt. � Bei dem Etat deS Ministeriums für Handel und Gewerbe � Abg. Golds chmidt: Die Uebertraaung des gewerb- iÄ�LmterrichtSwesen« und auch der Fortbildungsschulen auf C Ministerium für Handel und Gewerbe muß ich als eine z.?iogene Thatsache betrachten, an der ich nichts mehr zu vermag. Aber ich will die Gelegenheit wahrnehmen, tkt n Herrn Minister für Handel und Gewerbe eine Bitte zu die Bitte, als handelsminister stch deS kaufmännischen �bungswesens, des Handelsunterrichts anzunehmen. l,. Staatsminister v. Boetticher: Ich bin mit dem Vor- d�er damit einverstanden, daß im Allgemeinen für die AuS- deS Handels- und KaufmannSstandes nicht auskömm- W �legenhett geboten ist. Ich gebe auch zu, daß von Seiten >it tmQattä bisher auf diesem Gebiete sehr wenig geschehen Wrr haben, soviel ich weiß, zwei Anstalten im Lande, ~ g von Kaufleuten beschäftigen und lirt werden, nämlich die Schulen ist in der allgemeinen Finanz- Seiten des Staates nicht mehr hat, und ich tbeile die Auf- 54 fich mit der Vorbildung aus Staatsmitteln subventionirt werden, 1� Flensburg und Kassel. Es ist m der l be�ündet, daß man von Seiten des !°ss . daß man ieser Richtung geleistet mmm S der»!-, Auge zu fassen, weil ich Uveryaupr vre �cnomz, der Gmeralschulmerster werde, nicht theile. Auch 2* Auaif/JL bedeutenden Handelsstaaten, wie in England, ist ldung bes HandelSstandes nicht in den Händen deS beja?;,® aflner; Ich stehe dem Werth der höheren Iwulcn etwas zweifelhaft gegenüber. WaS ffejn allweil ich überhaupt die Tendenz, &. -�ben �' und Transportwesen, setzen, um mu eslso,» l/issnge?�den, eine wettere Vorbildung voraus. als die %il h., Handelsschulen ste mitbringen. Auch daS - r praktischen Kaufleute über diese Schulen ist ein die noch hinzukommen, Geld- und Bank-, setzen, um mit Erfolg ge- iina voraus, alS Auch daS S' Ab Steten �Kchtemann wünscht, der Staat möge erst dann feann�r- �bsolut kein anderes Mittel übrig bleibt, dem U°nde zu helfen. Äantr�����n nebensächlichen Erörterungen wird ein Bei d«? zugenommen und die Einnahme genehmigt. s.d. Ada Ausgaben protestirt ch s(Zentrum) auch seinerseits gegen die herab- »."k, welche in den von dem Abg. Goldschmidt "--—— u,n, Ausgaben und dai Extraordinarium werde« be- den Prüfungen und den Vorbereitungsdienst der Referendarien zurück, welches schon in sder vorigen Sesfion daS Haus ein- gehend beschäftigt habe. Justtzmrnister Dr. F r i e d b e r g: Die Behauptung, daß der§ 14 deS Regulativs ungesetzlich sei, ist, seitdem daS Re- gulaliv hier im Dezember 1883 zuerst zur Sprache kam, als unzutreffend von der Justizkommisston einstimmig erkannt worden. Die Regelung aus gesetzgeberischem Wege würde die Mannigfaltigkeit der individuellen Fälle in eine ganz zweck- widrige hölzem« Paragraphenschablone zwängen. Die Abgg. Simon v. Zastrow und K o r s ch äußern fich im Sinne deS Ministers, während Abg. Westerburg für den Abg. Munckel das Verdienst in Anspruch nimmt, eine gründliche Prüfung der durch die Vorschriften des Regulativs angeregten Zweifel erst veranlaßt zu haben, und stch im Uebrtgen auch für den Wegfall deS Vermögensnachweises ausspricht Nach unerheblicher weiterer Debatte wird der Justizetat unverändert genehmigt. Bevor daS Haus in die Berathung deS Etats des Mini steriums deS Innern tritt, stellt Abg. v. Schorlemer- A l st um 2i/, Uhr den Antrag auf Vertagung und zwar mit Rückstcht auf die gleichzettige Berathung der Dampfervorlage im Reichstag«. Minister des Innern v. Puttkamer: Ich will gegen den Antrag, der die Geschäftsführung deS Hauses betrifft, gar keinen Widerspruch erheben, obgleich ich ja alS Mitglied des Hauses dazu berechtigt wäre. EinS aber stelle ich Ihrer gütigen Erwägung anheim: die dritte Berathung des Etats dauert nun bereits drei Tage; das gesammte Etaatsministerium mit etwa 40—50 Kommiffarten ist genöthigt, hier den VerHand» lungen ununterbrochm beizuwohnen, es ist das eine Aufhebung der ministeriellen Thätigkeit für diese Zeit. Nach meiner Auf- faffung würde daS hohe Haus eine Rückficht auf die Interessen der Staatsregiemng üben, wenn es die Verhandlungen foit- s-tzt-. il'iGWü Abg. v. Schorlemer: Wir stehen heute erst am dritten Tage der Berathung(Rufe rechts: Erst?); es hat doch oft schon viel länger gedauert. Außerdem ist zu bedenken, daß nicht durch Verschulden des HauseS, sondern der Regierung die beiden Körperschaften neben einander tagen.(Lärm rechts.) Minister v. Puttkamer: Nicht die Regierung trägt die Schuld an dem gegenwärtigen Zustande. Um den Klagen über die zu frühe Berufung des Landtages abzuhelfen, hat die Regierung ihn dies mal zu dem letzten verfassungsmäßigen Termin einberufen und damtt einem allgemein getheilten Wunsche Rechnung getragen. Abg. v. Schorlemer: Der Fehler liegt in diesem Jahre daran, daß der Reichstag zu ftüh einberufen worden ist. DaS Abgeordnetenhaus hat es gewiß an Fleiß und Eifer nicht fehlen lassen: niemals find seine Geschäfte cxpeditiver behandelt worden als fetzt. Minister v. P u t t k a m e r: Ich habe nicht im Entferntesten gegen die Geschäftsbehandlung dieses HauseS ein Bedenken er- beben wollen. Nicht zu spät, sondern so ftüh, wie es anging, ist diesmal der Reichstag einberufen worden; am 28. Oktober hatten doch erst die Neuwahlen stattgefunden, und ein früherer Termin für diese hätte eine, wenn auch nur formelle, so doch immer unerwünschte Auflösung nothwendig gemacht. Um das Dllemma des NebeneinandertagenS kommen Sie also nicht herum, und Hoffmtlich werdm Sie durch die Abstimmung er- klären, daß Sie es auch für entschieden ausführbar halten, und daß fich die Geschäfte dabei rascher erledigen lassen alS nach dem Vorschlage des Vorredner?. Abg. Büchtemann steht keinen besonderen Vortheil in der Fortsetzung der Berathung; das Herrenhaus komme ja erst am 20. März wieder zusammen, und da sei es gleich- gittig, ab der Etat einen Tag ftüher oder später fertig werde. Abg. v. Schorlemer: Früher hat die Reichsregierung doch, ohne besondere Rückstchtm zu nehmen, den Reichstag aufgelöst und die Neuwahlen zu ungünstigeren Terminm statt- findm lassen. Der Reichstag ist Ende November zusammen- getreten, daS kann man einen fillhen Termin nicht nennm. Nicht das Zusammentagen ist daS Dilemna, sondern in Wahr- heit liegt es darin, daß wir Doppelmandate haben.(Sehr gut! im Zentrum,) Der Vertagungsantrag wird gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen, der Freifinntgm und der Hälfte der Nationalliberalen abgelehnt, und die Berathung fort- gesetzt. Beim Titel„Gehalt deS Ministers des Innern" beschwert stch Abg. Lassen über die unfreundliche Behandlung, welche den dänischen NordschleSwigern fortdauernd seitens der Ver- waltungsorgane zu Thell werde, beklagt vor Allem die zahl- reichen neuerlich verfügten Ausweisungen und bittet den Mini- ster um eine mildere Verwaliungspraxis. Minister v. Puttkamer verweist dem gegenüber auf die durchaus nicht harmlosen Demonstrationen, welche immer und immer wieder von Dänemaik aus inS Werk gesetzt würden, um die fich anbahnende Beruhigung dieses Landestheiles nicht auf- kommen zu lassen. Dadurch werde die Strenge in dem Ver- fahren der Regierung namentlich gegen die Theilnehmer an den bekannten Vergnügungszügen genügend motivirt. Abg. v. U e ch t r i tz plaidtrt für die finanzielle Gleichstellung der Justiz- und der Verwaltungsbeamten. Der Tllel wird bewilligt und um 3'/- Uhr die weitere Berathung auf Freitag 10 Uhr vertagt. D o k» t e s. g. Seite«« vieler Schlächtermeister«nd Geselle«, so- wie auch einer Anzahl vo« Beamten de« städtischen ientraiviciihofe«. welche in den dortigen Schweineschlacht- äusern zu thun haben, wird darüber, und mit Recht, große tlage gefüdrt, daß in diesen Schlachthäusern häufig tagelang der ganze Raum mtt einem undurchdringlichen Rauch, Dampf und Nebel angefüllt ist, welcher nicht allein die Arbeit erschwert, sondern auch leicht bei dem Gebrauch der scharfen Messer und anderer scharfen unentbehrlichen Instrumente und Gegen- stände Unglücksfälle durch Hineinlaufen, Anstoßen u. s. w. herbeiführen kann. Es darf sogar bebauptet werden, daß die Untersuchung der geschlachteten Thiere durch diese Zustände, wenn auch nicht beeinträchtigt, so doch sehr erschwert wird. Sachverständige nun find der Anficht, daß diesem Uebelstande am besten dadurch abgeholfen werden kann, daß auf den Dächern, in der Mitte der Schlachthäuser, eine Anzahl etwa 2—2'/» Meter lange schornsteinähnlich« Abzugs- kanäle angebracht werden, welche zur Hälfte in das Schlacht- haus hinein- und zur anderen Hälfte über daS Dach hinaus- reichen. An die Oeffnungen dieser Kanäle bezw. Schornsteine müßten dann Gasflammen geleitet werden, welche, angebrannt, durch Hervorbringung von Zug und Erwärmung der Lust am Schomstein den Nebel und Dampf vollständig abziehen lassen, um so dm Aufenthalt in den Schlachthäusem zu einem er- träglichen zu machen. Die Kosten, welche diese Neuerung ver- Ursachen würdm, find nicht bedeutend. «in„Kaffee Congo" ist soeben hier in einer Straße der Friedrichstadt mtstanden. Wenn fich(meint die„Rat.- Ztg.") die Räume desselbm ebenso langsam mit Gästen bevölkern solltm, wie der neue Kongostaat mit Anfiedlern, würde es allerdings schlecht damit bestellt sein. Eine entsetzliche Krankheit, die in den meisten Fällen, bereits nach einem bis zwei Tagen, tödllich wirft und von der nur Kinder und in selteneren Fällen auch junge Männer be- fallen werden, der Kopfgenickkcampf, ist in dem Dorfe Deutsch- Wusterhausen bei Königs- Wusterhausen epidemisch ausgebrochen und bereits in fünf Fällen durch den Dr. med. Gutkind auS Mittenwalde sowohl, als durch dm KreiSphyfikus Dr. Falk, des KreiseS Teltow, konstatirt worden. Die Krankheit ist eine der heftigsten Formen von Gehirnentzündung und mindestens in der Hälfte der Erkrankungsfälle tödtlich. Ja der lleinm Ort» schast Deutsch Wusterhausen ist von fünf Krankbettsfällen, die fich auf vier Grundstücke vertheilm, einer bereits tödtlich ver» laufen. Auf Veranlassung des KceiSphyfikui ist die gesetzliche Anzeigepflicht für sämmtliche Familimväter deS OrtS publizirt; die Schule ist geschloffen und deren gründliche Reinigung, sowie bei eintretenden Todesfällen die sofortige Schließung des Sarges und die Beerdigung ohne jedes öffentliche Gepränge angeordnet und endlich die Ottspolizeibehörde angewiesen, sämmtliche Ottsbewohner dahin zu instruiren, daß keine fremden zu den erkrankten Kindern zugelassen werden. Ein außerordentlich tntereffänter Patient defindet fich nach Milthetlung der»Post" in der Charitee. Das genannte Blatt derichtet: Der Schriftsetzer Sch. wurde im Mai v. I. an einer Darmverschlingung eingeliefert. Der Fall war ein so komplizirter, daß zur Herstellung einer künstlichen After» öffnung, und zwar an der linken Bauchsette, oberhalb der Ver- schlingung, geschtttten werden mußte. Seit dem Tage dieser Operation, also seit zehn Monaten, hat der Patient kontinuir- lich bis zur Brusthöhe im Wasser fitzend zugebracht, in einem Bade, dessen Temperatur auf der Blutwärme erhalten wurde und welches die wirksamsten antiseptischen Zusätze erhielt. Dieses Verfahren hatte den Erfolg, daß der Patient gestem zum ersten Male aus der Chatttee auf sechs Stunden beurlaubt werden konnte, um pttoate Angelegenheiten zu o:dnen. Einem vo« hier au« inszenirten raffinirten Betrüge ist am Dienstag eine Schlächterfrau in Spandau zum Opfer gefallen. Während der Schlächtermeister Tesch fich in geschäft- lichen Angelegenheiten in Berlin befand, erhielt seine Frau in Spandau gegen Mittag eine Depesche von hier, in welcher fie angewiesen wurde, einen Wechsel in Höhe von 375 Mk, der im Laufe deS Tages präsentitt werden würde, einzulösen. Bald daraus erschien denn auch ein Mann bei Frau Tesch und legte ihr ernen Wechsel in Höhe des avistttm BttrageS vor. Frau Tesch bezahlte denn auch das Geld. Als nach etwa einer Stunde der Meister nach Spandau zurückkeh te, stellte eS stch heraus, daß die Frau von einem Schwindler dupirt wor» den war. Die sofort angestellten Recherchen ergaben nur, daß der Fremde in einer Droschke nach dem Spandauer Bock ge- fahren war, er wurde aber daselbst von der Polizei nicht mehr angetroffen. N. Eine Ladendiebi« ist vorgestern Abend in einem Posamentirwaarengeschäft von A. in der DreSdenerstraße auf frischer That ertappt worden. Dieselbe ließ fich unter der Vor- gäbe mehrere Einkäufe zu machen eine große Partie Waaren vorlegen und verstand eS dabei einige Gegenstände geschickt in die wetten Taschen ihrer Kleider verschwinden zu lassen. Ihr Manöver war jedoch von einer anderen im Laden anwesenden Person entdeckt worden und konnte so ihre Festnahme ehe fie noch den Lade« oerlassen, bewirkt werden. Auf dem Polizei« Bureau wurde die Diebin als eine unverehelichte Schulz, Alte Jakobstraße wohnhaft, rekoanoSzirt. N. Ei« Unglücksfall durch Ueberfahrm trug stch heute Vormittag im Thiergarten in der Nähe der Belleoue-Allee zu. Eine ältere, anscheinend dem Arbetterstande angehöttge Frau, wurde beim Ueberschreiten deS Fahrweges von erner Herrschaft- lichen Equipage überfahren und derart verletzt, daß fie auf der Erde liegen blieb. Der Befitzer des WagenS ließ sofort an- halten und nahm die Verunglückte sofort in seinen Wagen, um fie einem in Charlottenbur» wohnenden Arzt zuzuführen. Glücklicherweise scheinen die Verletzungen unbedeutender Art zu sein. N Ueber eine« neue« Zusammenstoß zwischen einem Pferdcbahntramway und einem Stttnwagen, wird unS von einem Augenzeugen bettchtet. Der letzterwähnte Wagen fuhr an der Ecke der Französtschen und Charlottenftraße durch die Unoorfichtigkeit des KutswerS derart mit dem Pferdebahnwagen zusammen, daß-die Deichselstange durch die„Fensterscheiben" in daS Innere des Pferdebahnwagens drang. Mehrere der zunächst fitzenden Paffagiere wurden durch die umherfliegenden GlaSsplitrer glücklicherweise nur geringfügig verletzt. N. Die Finthen der Spree spülten gestem Vormittag gegen 11 Uhr eine männliche Leiche an die nach der Burgsftaße zu belegene Uferseite. Der Ertrunkene, ein anständig geklei- deter zirka 35—40 Jahre alter Mann wurde hier von Fischern an eine der zum Waffer führenden Treppm geschafft und sodann mittelst polizellichen Leichenwagens behufs event. Rekognoszi- rung nach der Morgue überführt. N. Ein schwerer Unglücksfall ereignete fich gestern früh um die 1. Stunde in der Hennigsdotterstraße 4. Ein daselbst wohnender Ardetter R- fiel beim Nachhausekommen so Unglück- lich die nach dem Erdgeschoß führenden Treppenstufen hin- unter, daß er bewußtlos auf den Treppenstufen liegen blieb. R. hatte außer einer großen Stimwunde und Kontafionen deS linken Armes auch anschttnend schwere innere Verletzungen davongetragen, so daß feine sofortige Ueberfllhrung nach dem Kaiserin Augusta-Hospital angeordnet werden mußte. Polizet-Bericht- Am 10. d. MtS-, Morgens, wurde auf einem Grundstück an der Schönhauser Allee ein Mann in einem Schuppen erhängt vorgefunden.— In der Nacht vom 10. zum 11. d. Mts. fiel der Arbeiter Kavier, als er seine in der Hennigsdorferstr. Nr. 4 im Keller belegene Wohnung auf- suchen wollte, die Treppe hinab und erlitt dabei eine Ver- renkung des linken ArmeS und eine bedeutende Verletzung am Kopfe,. so daß er nach dem Augusta-Hospital gebracht werdm mußte.— Am 11. d. MtS., Vormittags, wurde eine Frau auf dem Werderschen Markt von einem ArbettSfuhrwert über- fahrm und erlitt dabei anscheinmd schwere innere Ver» letzungm, so daß fie nach der Charttee gebracht werden mußte. GerirKts- Rettung» Jener exzentrisch« Russe, welcher, wie wir berichtetm, am 2 März dem Lehrling in einem, in der Königstraß« be- legenen Zigarrenladen durch ttnm Schlag mit einem eisernen Spucknapf eine nicht unerhebliche Wunde zufügte, stand gestern wegen dieses Gewaltaktes vor der 99sten Abtheiluna des Schöffengerichts. Man glaubte anfangs. eS mit einem Geistes- kcanken zu thun zu haben und ist der Exzedent daraufhin un- tersucht worden, es hat fich aber herausgestellt, daß er geistig aesunv und nur der Sklave eines unbestegbarm Jähzorns ist. Von einem solchen Anfalle ist der Angeftagte, der fich Michael Lappa nennt und ein wohlhabender Kaufmann in Wilna ist, auch an jenem Nachmittage beim Besuche in dem Zigarren- laden ergriffen worden. Er machte daselbst einen Einkauf an Zigaretten und gab einen Hundertmarkschein in Zahlung. Der Lehtting hatte das herauszugebende Geld auf dm Trsch gezählt, doch glaubte stch der mißtrauische Ausländer, welcher deutsche Sprache und deutsches Geld nicht tmnt, übervorthellt und versuchte, dem Lehrling dies in hef» tiger Weise begrttflich zu machen. Als ihm dies nicht gelang, wurde er dermaßen von Wuth ergriffen daß er den eisemen Spuck- napf vom Fußboden aufhob und denselben so heftig vor dem erjchrockmm Lehrling auf den Ladmtisch warf, daß der Napf in Stücke zersprang, von denm einige dem Lehrling gegen dm Kopf flogen UebrigenS find die Verletzungen bald wieder ge- heilt und babm keine andauernde üble Folgen nach lfich ge- zogen. Vor Gettcht war der wllde Russe äußerst zahm und kam er auch mit der verhaltnißmäßig gelinden Strafe von hun- d-rt Mark, die er sofort erlegte, davon. ick«. Prozeß.«udienztermtne gegen angeklagte, au« Berlin ausgewtesene Arbeiter. In der Antiagesache gegen den aus Berlin ausgewiesenen Maurer, Herrn Robert Conrad, den die Anklage deS Vergehens gegen die§§ 130, 131 und 74 d«S R..Etr>-G..B. beschuldigt, daS er gelegentlich einei BersammlungS- Referates über Maßnabmen deS Vorstandes der alten lOrtS») Kranken- und Sterbekaffe der Maurer be- gangen haben soll, steht am Sonnabend, den 14. d. M., Vor- mittags 10 Uhr, in Moabit bei der zweiten Strafkammer des Landgerichts i(Saal Nr. 49) Audienztermin an. Zahlreiche Entlastungszeugen find vorgeladen. Auch gegen den gleichfalls aus Berlin ausgewiesenen und jetzt in Halle wohnhasten Tischler, Herrn W. Grothe, findet die Verhandlung w der gegen ihn schwebenden Anklage— soweit wir recht untenichtet find, wegen ihm zur Last gelegten Vergebens wider daS „Sozialistengesetz"— am Dienstag, den 17. d. M., Vormittags, beim Landgericht l statt. Herr Rechtsanwalt Freud entbal hat die Vertheidigung übernommen. Die beiden Angeklagten haben für die Dauer ihrer Prozeffe„steieS Geleit" erhalten. „Ist ein Gummischlauch ein gesiihrliches Werkzeug tm Stuue des Gesetzes?" Unter dieser Sgitzmarle brachten wir vor einiger Zeit ein Referat über eine GerichtSverhand- lung, welche daS Resultat hatte, daß die Angeklagte, die ver- ehelichte Arbester Justine Hende, zu vier Monaten Gesang- »ist verurthestt wurde. Die Beweisaufnahme hatte ergeben, daß ste ihr S fahriges Mädchen zu wiedelhosten Malen mittels eineS Gummischlauchs gezüchtigt hatte und zwar, wie zwei als Hauptbelastungszeugen austretende Nachbarinnen bekundeten, in einer die Grenzen deS Erlaubten west überschrestenden Weise. Die Verurtheilte legt; die Berufung ein und wurde gestern vor der sechsten Straflammer des Landgerichts l— glänzend freigesprochen. Der Vettheidiger, Rechts- anwalt Hoffmann, hatte eine Menge EnttastungS- zeugen laden laffen, welche bekundeten, daß daS gezüchtigte Kind wegen seines HangeS zum Diebstahle, sowie wegen sonstiger Untugenden eine viel hättere Bestrafung verdiene, alS ihm zu Thest geworden. Da der als Sachverstän- diger vernommene Arzt auch begutachtete, daß die durch Schlagen mit einem Gummischlauche bewirkten Striemen nicht gefäh:licherer Natur seien, als solche, die von dem gewöhnlichen Züchrigungsmsttel, einem Rohrstocke, herrühren, so beantragte der Staatsanwalt selbst die Aufhebung des ersten Urtheils und Freisprechung der AngeNagten. Dieser Fall beweist wieder einmal zur Evidenz, wie durch müßiges Geschwätz aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde. �„ De« tappre Laudsoldat. Sie hießen Raßmuffon, Ole- son und Petersen; alle drei waren Dänen, alle drei waren Schuhmacher und alle drei arbeiteten bei einem Meister in Berlin. Am 19. Januar feierte Raßmuffon seinen Geburtstag und die drei Freunde sprachen zur Feier des Tages dem „Toddy" wacker zu. Sie geriethen in eine fidele Stimmung und als das Kleeblatt um 11 Uhr auf dem Nachhausewege die Niederwallstraße pasfitte, da mußte der stohen Laune Luft ge- macht werden. Der Wächter horchte hoch auf und dachte sich in die Zeit deS Düppelsturmes zurückversetzt, als die vereinten drei etwas heiseren Kehlen nickt gerade schön aber desto deut- licher, daS bekannte dänische Natwnallied„Den tappre Land- soldat" durch die Stille der Nacht ettönen ließen. Natürlich bedeutete der Wächter den nordischen Sängern, daß hier in Berlin jegliches„Spektakelmachen" bei nachtschlafender Zeit verboten sei und als Ruhestörung auf- gefaßt würde, entrüstet und verwundett hierüber folgten ihm die orei Dänen zur Polizeiwache. Gestern standen ste dieser Uedertretung wegen vor dem Schöffengericht, Raßmuffon, der von ihnen am besten Deutsch sprach, führte das Wort und gab zu ihrer Entschuldigung an, daß eS erstens ein sehr schöaeS Lied gewesen, daS ste gesungen, zweitens, daß ste etwas an- gehettett gewesen und drittens, daß in ihrer Heimath das Singen auf der Straße gestattet sei. Das Schöffengericht ver- urthellte die Ausländer höchst milde, indem eS jedem eine Geld- strafe von nur 1 M. auferlegte.. � Ei« blutige» Ltebesdrama, welches vor zwer Monaten in Kastel alle Gemüther in Aufregung versetzte, erhielt am 10. Mär, seine gerichtliche Sühne. Der zwanzigjährige KommiS Johann Wilhelm Albrecht unterhielt mit der im benaSbatten SanderShausen wohnhasten Dorothea Estein ein Liebeioer- hältniß. Die Estein war ein bildhübsches, üppigeS Mädchen von 18 Jahren und so war eS ihr nicht schwer geworden, das Herz des zwanzigjährigen JünglingS zu gewinnen. Im Januar erst wurde in ihm der Vervacht rege, daß daS Mävchen seiner nicht würdig sei und in fittlicher Beziehung fich Vergehen zu Schulden kommen laffe. Zwar war er stüher gewarnt worden, doch hatte er damals der Warnung keinen Glauben geschenkt. Am Abend deS 7. Januar wollte er seine Geliebte besuchen, traf ste aber nicht zu Hause, vernahm dagegen von ihrem Vater eine Aeußerung, die seinen Verdacht zur Gewißheit machte. Allein ging er Nachts in fürchterlicher Erregung zurück und das Unglück führte ihm die heimkehrende Geliebte in den Weg. Der Revolver, den er verhangnißvoller Weise immer bei stch führte,(!) vollzog nach einigem Wortwechsel einen traurigen Dienst. Zwei Schüffe fielen und beim zweiten Schutz, der der Unglücklichen in die rechte Brust gedrungen war, fiel fie ihm in die Arme. Jetzt erst kam der Unselige zur Bestnnung und zum Bewußtfein seiner schrecklichen That; er trug das schwer verwundete Mädchen, daS er zu bereden suchte, stch als Selbst- Mörderin anzugeben, nach ihrer Wohnung. Die Verwundete aber nannte vor ihrem am 13. Januar erfolgten Tode Albrecht wiederholt als denjenigen, der den tödtlichen Schuß auf ste ab- gegeben. DaS Schwurgericht verneinte die auf Mord genchtete Schuldstage, sprach dagegen Albrecht des Todtschlags unter Annahme mildernder Umstände schuldig und veruttheilte ihn zu einer fünfjährigen Gefänanißstrafe. Kob«rg, 7. März. Dre Strafkammer verhandelte dieser Tage gegen einen 12 jährigen Bauernknaben wegen Körper- Verletzung mit nachfolgendem Tode. Ein sechsjähriges Mävchen aus Neundorf suchte auf-iner Wiese Kräuter und wurde dabei von dem 12 jährigen Sohn des Befitzers der Wiese betroffen. Dieser hetzte den Hofhund, den er bei fich fühlte, auf das Kind. Der Hund, der im höchsten Grade bisfig war, durchbiß dem Kinde die Halsschlagader und zerfleischte die Wangen und Oberschenkel. Einer Frau gelang eS erst dann mit großer An- strengung dm Hund von dem schon in den letzten Zügen liegmden Kinde wegzubringm, als fie fick ein Messer ver- schafft und mit diesem dem Hunde einen Stich zwischen Nase und Auge versetzt hatte. DaS Mädchen war bald darauf eine Leiche. Der Knabe wurde zu einem Monate Gefängniß vermlheilt._ Perewe uuä Uerssmmluugeu. Der Verein der Maschinisten«nd Heizer hält Sonn- tag, dm 15. d. Mts., Nachmittags 5 Uhr, Neue Jakobstraße 24/25(Schultheis), eine Versammlung für Damm und Herrm ab. Vortrag des Ingenieur Herrn W. Kirchner über die Fortschritte der Photographie, mit Experimenten. Gäste willkommen, neue Mitglieder werdm aufgenommen. Kleine Mittheilungen. Lanterbera a. H., 11. März. In St. Andreasberg ist heute stüb ein furchtbares Feuer ausgebrochen, dem leider auch mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen find. DaS Feuer brach„Im Echlagbaum", im Hause der Wittwe Janson, aus und äscherte in kurzer Zeit die anliegenden Häuser des Mützen- mackers Hartmann und deS ZigarrmbändlerS Ulrich ein, und ergriff das Haus deS Bergschmiedemeisters Finke, ohne bis jetzt (ÄbendS) auf seinen Heerd beschränkt zu sein. Im erstgenann- ten Hause der Wittwe Janson find drei Kinder deS Dachdecker- meisters Großkopf verbrannt. Brüssel, 11. März. Ein schweres Verbrechen deweist aufS Neue die Verhetzung der Gemüther der belgischen Landbevöl« leruna; in dem Dorfe Mechelen, in der Provinz Limburg, ist ein liberaler Arbeiter Thomaffen, welcher fich durch seine In- telligenz und Tüchtigkeit großen Einfluß auf die Einwohner deS Dorfes und seine Umgebung erworben hatte, auf A» stiften von vier Klerikalm rn einen Hinterhalt gelockt# durch einen Schäfer ViSscherS mit Mefferstichm ermoilet worden. Der Mörder hat im Gefängniß ein offenes Gestanb niß abgelegt. f osen, 11. März, lieber ein angebliches Attentat d esenbahn belichtet die„Pos. Ztg.":„Als der KouriePi der Märkisch-Posener Bahn fich Dimstag, den 10 d. M- Morgens, auf ver Strecke zwischm Bentschcn und Posen befand, wurde plötzlich durch die Zugleine dem Lokomotivführer da» Signal zum Halten gegeben, so daß der Zug zwischen d« beiden Stationen Neutomischel und Eichenhorst auf ftw> Felde hielt. Es stellte fich bei Durchsuchung der einzeln« Eisenbahn-Koupees, daß in einem Koupee 2. Klaffe, in dem P« ein einzelner Herr befand, dieser in seinem Blute schwarne Es war eine Kugel in daS linke Auge nach dem Gaumen 9* gegangen und war hier stecken geblieben; das eine Fenster d« oupee's war geöffnet. Eine Beraubung des Reisenden hat" nicht stattgefunden; doch bing die goldene Uhr des H-rrn«s der Westentasche heraus; bei demselben wurde ein vollstaM geladener sechsläufiger Revolver gefunden. Ein Ausstett« oder Herabspringen einer fremden Person beim Halten da Zuges war nicht bemerkt worden. Der Schwerverletzre, Slja» spieler Fränkel, welcher fich auf der Reife von Berlin na» Moskau defand, erzählte, er habe auf der Fahrt im HalbiM bemerkt, wie die Thür seines Koupecs geöffnet wurde und 1° alsdann durch einen Knall und heftigen Schmerz auS Halbschlafe geweckt worden, worauf er sofort nach der Zuglnt" gegriffen und den Zug zum Stehen gebracht habe. Nadn** der von Bentschen nach Posen durchgehende Zug hier? getroffen war, wurde der Verletzte nach einem Hotel gebraA Die ärztliche Untersuchung der Schußwunde soll ergeben hat« daß die Verletzung lebensgefährlich ist. Bis jetzt ist ei* Kriminalpolizei nicht gelungen, zu ermitteln, von wem d» Attentat gegen den Reisenden verübt worden ist. Offenbar)' eine Beraubung deffelben beabfichtigt worden, doch scheint ij; Verbrecher in seinem Vorhaben gestört worden zu sein." einer anderen Mittheilung über den Vorfall wird der Schauspieler A. Paul(vielleicht der Künstlername dei Fränkel) genannt, der früher am Berliner Rchvenztheater nachher am Hamburger Thaliatheater wirkte.) R. Briefkasten der Redaktion. P Lausitzer Platz.„Nervus rennn"(vollst� nervös rerorn gerendarnrn) bedeutet„Haupttriebfever A Handlungen und Unternehmungen." Im Allgemeinen«� man darunter: das Geld., H F., Maurer. Aus Ihrem Schreiben ist nicht. sehen, waS Sie wünschm, kommen Sie zwischen 12—1 W unsere Redaktion. M. P. Bellealliance-Platz 6 bei Hilscker. a Zwei Wettende, Ritterstr. Der Amazonenftroi» � wenn auch nicht der längste, so doch der mächtigste Stro« Erde. Er nimmt über 60 Flüße von der Größe der W> und der Donau auf; fein Stromgebiet beträgt ca.. Quadratkilometer. Er ist von der Straße von DWL, 7 Kilomet r breit und über 40 Meter tief. Bei seinem fluffe hat er eine Breite von ca. 300 Kilometer und ist fähr 180 Meter tief. Noch über 290 Kilometer in die hinein ist seine Fluth bemerkbar.# E. L. Solingen. Wenn die Kaste schon vor dem[t zember 1884 als freie Hilfstasse gesetzliche Genehmigung% so kann der Bürgermeister kein Mitglied dieser Kaste J®1™* einer Zwangskasse beizutreten. Ein solcher Zwang ist% setzlich. Nur Diejenigen können dazu gezwungen wc>?. welche erst nach dem 1. Dezember dieser freien Kaste treten find. Die freie Kasse hat das Recht, zu bestimmen, nur gesunde und unter 45 Jahre alte Personen aufgeno" werden sollen. Ar. & Theater. Königliches Opernhaus. Heute: Der fliegende Holländer. Königliches Schauspielhaus. Heute: Die Journalisten. Deutsche» Theater. Heute: FieSko.__ Bellealliance-Theater- Heute: Der Raub der Sabinerinnen. Neues Kriedrich-WilhelmstädtischeS TheatcrT' Heute: GaSparone._ Central- Theater: Alle Jakobstraße 30. Direktor- Ad. Emst. Heute: Der Walzer-König. Residenz. Theater: firektion Anton Anno. Dire------------------ Heute: Zum 21. Male; Der VergnügungSzug. Hieraus: Die bulretterin. Heute- Der Walhalla-Liperctten-Theater: Feldpredigcr._ Louisenslädttsche« Theater: �, Heute: Erstes Gastspiel der Original. White- Star- Minstrel«. Dazu: Onkel Bcäfig.___ Ostend-Theater: Heute: Das Geheimniß der alten Mamsell._ Heute: Die Sorglosen. Wallner-Theater. Vtktoria-Theater. Heute: Die Tochter deS Teufels. Alhambra-Theater Heute: Der Viehhändler von Obelösterreich. ArbettsmsrKt. Ein Schuhmacherlehrling wird verlangt Naunynstr. 32. 520 Mitglieder-Versammlung der Central Krankeu- u. Sterbekasse der Tischler u. anderer gewerbl. Arbeiter (örtliche Verwallung Berlin C. Hallesches Thor) om Sonntag, d. 15. März, Vormittags 10 Uhr, bei Rothacker, Teltowerstraße 3. T.-O.: 1. Statutenberathung. 2. Vorwahl ei DaS MUgliedsbuch legllimirt. 523 . eines Delegitten. Zahlreicher Besuch erwünscht. Der Bevollmächtigte. General- Versammlung der Maurer u. Putzer Berlins am Sonntag, den 15. März, Vorm. 10 Uhr, dn IiOiilsenstädUsclien Theater, Drcsdenerstraße 72. Tagesordnung: r_,,. 1 Vortrag deS Herrn Keßler. 2. Wahl des Delegitten. & Verschiedene»._ 518 Am 19. und 20. dieses Monats Ziehung der Kroßen Schlelischen Lotterie zu Breslau. 2000(Beroinne Hauptgewinne J000 Ül, 2000 M., 1000 M.«. f. w. W. 15 000 Marli. W. 5 000 Mark. lioose ä 3 Marli. (11 Loose= 30 Mark) empfiehlt A. Aschenheirn, Berlind liirtrMjpwIf 85, zwischen Unter den Linden u. Behrenst®rv en gros. Cigarreii- u. Tabak-Handlung- Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40(frühere„Linde.") Import echter Havanna, Lager aller Sorten Rauch- und Schnupftabake' Keich assortirtes Lager echt türkischer, rnsfischer und amerlkantscher Cigarrette« and Tabake. Echt Nordhäuser Kautabake. Verein d. Sattler u. Fachgen. Sonnabend, den 14., Abend« 8'/, Uhr. in �rnilueii'A Bierhutten, Kommandantenstr. 77/79, V ersammlungr. Tagesordnung: 1. Vortrag über Zentralisation oder Lokal- Vereinigung. 2. Diskusfion. 3. Verschiedene«. Gäste willkommen.— Aufnahme neuer Mitglieder. 524 Der Vo. stand. Vereins zur Wahrung der Interesse« der Klavierarbeiter Sonnabend, den 14. März, Abends 8'/, Uhr, in(ßtldVeittö üierhll stell, Kommandantenstr. 77/79 E WäTageSordnung: j des Predigers einer. Kendziora über: Werth und Mehrwert p. 2. Die Verhältnisse in dec Weidenelaufer'schen Fabrik. Die Kollegen derselben find anwesend. 3. Verschieden-s und Fragekasien. Gäste willkommen.— Um pünktlichen und zahlreichen Besuch bittet_[522] Der Vorstand «SfäUeÖWÄSIÄ'1 Die Rr. 14 der humoristifchen Blätter ,Der wahre Jacob n Druckscrchen = aiTer Art,= namentlich tonlniw, Kechllvilgs-«vd Sllitw� formolare, Adrtßkllrtev,pros?tttez Elmralitt, Krochörea, Statuttv SmttllngMlher, Marke«, Idmmtfidie Formulare für ättffcn ete. werden prompt und prttswerth angefertigt. Aurhörmkerei MAX BABING Beuthstrasse 2. n ist«schienen und in der Exped. d.„Bert. VolkSbl." zu hab.7r. Veranlwottlicher Redakteur«. Cronheim in Berlw. Druck und Verlag von«ar»adiug in Berlin SW. Beuchftraße 2. �sdrui, Us h