Nr. 257. Svidjelnt täglich außer Montag». AbonueuieniZ- Pret» pränum.: Vierteljährlich S,30Ml�. monatlich 1,10 Marl, wöchentlich 28 Psg. frei in« Haus. Etn,eln« Nummer S Psg., Sonntags- Nummer mit Illuftrirl-r Eonnlags-Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Posl-Abonnement: SLoMk. pro Quartal. Unter«reuiband sür Deulschiand u. Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland S Marl pro Monat. Singetragen In der Post- Zettungs- Pretsltst« sür ISSS unter Nr. 72?7. Jalsrg. 13. ynserttons- Gebühr beträgt sür dt« sünsgespaltene Petttzetle oder deren Raum so Psg., sür Verein»- und Versammlüngs- Anzeigen 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werde». Tie Erpeditton ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- undFest- tagen btS S Uhr vormitiag» geössnet. Fernsprecher: Amt I, Ar. 1508. Telegramm- Adresse: „Soziieldeniolirat Serltn". Berliner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. W-daKlion: 8V. 19. �-uly-Slraße 2. Sonntag, den 1. November 1896. Spedition: 8V. 19. Weuth-Slnch- 3; Die Vlamage ueit OpÄlenilzÄ. gelingt nichts inehr l" Dieser Stoßseufzer muß «uferen eifrigsten Patrioten entfahren sein, als ihnen die Eerichtsverhandlnugen iiber den Krawall in Opalenitza zu Gesicht kainen. Ein Entrüstiingsruiiimel wider das Polen- tl n»l war in der gefammte» Patriotcnpresse angefacht worden, als die ersten Nachrichten in alle Welt htnans telegraphirt wurden, daß ein ebenso edeler wie harmloser deutscher Beamter, der Distriktskommissar Herr v. Carnap, beim Empfange des Erzbischofs von Posen in Opalenitza durch die polnische Bevölkerung ruchlos mißhandelt worden sei. Von polnischer Seite ivurde damals sofort eine ganz andere Darstellung des Vorfalls verbreitet. Wir haben die beiden Lesarten als eilten Beweis dafür, wie entgegengesetzt Augen- zeugen einen derartigen Vorfall zu beurtheilen pflegen, nebeneinander gestellt, ohne uns für die Richtigkeit der einen oder anderen Auffassung bis zur näheren Klärung der Angelegenheit auszusprechen. Dieser Zurückhaltung be- fleißigten sich unsere Patrioten nicht. Im Gcgeilthcil. Mit unanständiger Gier fiel alles, was einen Ruhm darin sucht, den deutschen Patriotismus hervorzukehren, sreisinnige Blätter nicht ausgeschloffen, über die Geschichte von der Miß- Handlung des Herrn v. Carnap her, um sie zu einer Polenhetze auszubeuten. Polizeiliche Zwangsmaßregeln gegen die Polen zum Schutze des Deutschlhums! Das war der Kehrreim der Hetzartikel der bürgerlichen Presse. Nur die Zentrumsblätter stimmten in das Geheul nicht ein. Wie deschämend war es nicht an und für sich, daß die Deutschen „zu ihrem Schutz" gegen die Polen, die auch dort, wo sie im Osten in der Mehrheit find, gar keinen Einfluß auf den rein deutschen Verwaltungsapparat befitzen, nach der Polizei schreien. Zu einer doppelten Blamage für die Ur- Heber der Hetze ist dieses feige Gebrüll jetzt umgeschlagen, da eö sich in der Verhandlung vor dem Schivurgericht zu Meseritz herausgestellt hat, waS denn an der Sache wirklich ist. Ueber allen Zweifel ist festgestellt, und zwar festgestellt durch die widerwillig abgegebenen Aussagen der dem Herrn v. Caniap wohlgesinnten Zeugen, daß der Distriktskommissar an dem fraglichen Tage ubermäßig schnell mit einem nicht beleuchteten Wagen im Dunkeln in eine Menschenmenge hineingefahren ist und daß er, als sein Wagen aufgehalten wurde, die Menge durch plunipe Schimpfereien noch mehr gereizt hat, bis ihm eine gehörige Tracht Prügel verabreicht ivurde. Dann hat er einen Gendarn>en vergeblich zum Schießen auf die Menge veranlassen wollen und wie ein Wahnsinniger mit gezücktem Säbel auf dem Bahnhof ninhergetobt. Der Gerichtshof habe geglaubt, einem der- jenigeu, die den Provokaiiten geprügelt haben, eine Strafe von drei Monaten Gefängniß, einigen anderen Geld- strafeil zudiktiren zu müssen. Was die Staatsanwaltschaft im, in, cht gegen den Urheber des ganzen Skandals, Herrn v. Carnap, unternehmen wird, bleibt abzuivarten. Weit interessaiiter und charakteristischer für die Zu- stände in der Provinz Posen ist aber das, was im Laufe � Mienzi. Der letzte der römische» ivolkstribune». illoina» von Edward Lytton Buliver. „So wie Euer Stolz," fuhr die Signora fort,„so ist auch der gerechte Stolz Rienzi's. Er ist stolz darauf, daß er seinen Ruhm sich selbst zu verdaiiken hat. Solche Männer, wie der Tribuü Roms, waren die Gründer edler Ge- schlechter. S i e haben ihren Vorfahren nichts zu ver- danken, aber ihre Nachkommen ihnen oft alles. Genug davon! Ich bin allerdings von edlem Geschlecht, aber meine Familie, wie so viele andere, fanden ihren Untergang durch die Gewaltthätigkeiten der Orsini und Colonna, gegen sie ist meine Rache gerichtet. Aber ich bin noch mehr als eine Jlalieuerin, ich bin ein römisches Weib, ich weine blutige Thränen über das Unglück meines Vaterlandes. Es kränkt mich, daß selbst Ihr, edler Herr, ja, daß ein Nicht- rönier, so mächtig und groß er sein möge, um Rom trauert. Ich wünsche Rom wieder glücklich zu sehen." „Rieuzi aber würde nur an sein eigenes Glück denken." „Nein, Herr Kardinal; Ihr täuscht Euch. Stolz und ehrgeizig mag er sein— große Geister sind so— aber sein eigenes Glück war immer nlit der Wohlfahrt Roms enge verknüpft. Doch abgesehen von seinen Interessen, die ich nicht verlheidigen will, wollt Ihr die päpstliche Macht in Rom wieder herstellen? Euren Senatoren ist dieses mißlungen. Demagogen können sich nicht behaupten, nur Rieuzi könnte wieder mit Erfolg auftreten, er allein kann die übermüthigen Barone demüthigen, er allein vermag das Volt zu ltiten und ihm zu gebieten. Laßt Rienzi frei, setzt ihn wieder ein als Tribun, und auf Rienzi wird die Macht des Papstes fest begründet in Rom!" Der Kardinal schwieg einige Augenblicke. Wie in der Verhandlungen zu Meseritz über das Vorlebe» des Helden von Opalenitza zu tage gekomnien ist. Es stellte sich nämlich heraus, daß er wiederholt in frivolster Weise Menschen mißhandelt hatte, auch mit dem Säbel, daß aber die Sachen immer wieder vertuscht waren. Das Volksnrtheil über diesen preußischen Musterbeamten prägte sich während der Vorgänge in Opalenitza in deni Warnungsruf aus, derbem Erzbischof auf dem Bahnsteige zugerufen wurde, als Herr v. Carnap dort umhertobte:„Nehme» Sie � sich vor dem in Acht! Wenn der betrunken ist, dann ist er verrückt!" Und ein Mann, der durch wiederholte Gesetzcsüber tretungen, durch wiederholte Mißhandlungen, durch ganz unsinnigen Unfug gröbster Art, wie den frivolen Fenerlärni in dem Torfe Pszenica, in einen solchen Ruf gerathe» war, hat Jahre laug ein hohes Staatsamt ausüben können?! Das verleiht der Blamage von Opalenitza noch ihre eigentliche Bedeutung. Ankwoek. Der Herzog von Lanenburg hat nun endlich die Sprache wiedergewonnen. Er schreibt in den„Hamburger Nachrichten": Einmal geben wir nicht zu, daß biplomatische Vorgänge der in Rede stellenden Art zu den„strengsten SlaaU-geheinmissen" gehören. Die besprochene» r u s s» s ch- d e u t s ch e n Verhandlungen gehören der Geschichte an und den Archiven; ihre Gebeimhallung war für »ns wie für den Dreibund von Hause ans ein Be- dürsniß, sie erfolgte lediglich auf russischen Wunsch und die Siluatio», auf welcher dieser Wunsch damals beruhte. besteht beute nicht mehr. Im deutsche» Interesse hätte nnserer Anficht nach die volle Veröffentlichung gelegen, da der ganze» Sache für uns nicht etwa ein Pudendnm(etwa?, desien wir nne zu schämen haben) zu gründe liegt, sondern ei» berechtigter Anlaß für alle friedliebenden Angehöiigen des Reiches wie des Dreibundes, init Genugthuung ans den Vorgang zurück- zublicken. Staatsmänner, die den Frieden nbeihanpt pflegen wollen, die sich die Schwere der Verantwortlichleit stets vor Augen ballen, welche die Schuld an ei»e»i Kriege der größten europäiscben Mächte unter einander mit sich bringen würde, sind sich der Pflicht bewußt; jedes sich ihnen bietende Mittel zur Erhaltung des Friedens, welches mit de» Interessen des eigenen Landes verträglich ist, auch anzuivenden und zu ver- treten. Die Behauptung, daß das 1390 abgelaufene denlsch-rnssische Abkomme» mit der Treue gegen den Dreibund nicht verträglich wäre, ist vollständig ans der Last gegriffen für jeden, der es kennt und der die Dreibund- Verträge auch nur oberflächlich liest. Schon dieser Text wahrt der österreichisch- ungarischen Monarchie in bezug ans etwaige»ene deutsch-französische Ver- Wickelungen die Freiheit, sogar bei einem Angriffe Frankreichs ans Deutschland neutral zu bleiben und niemandem ist es eingefallen, deshalb von einer Duplizität der öfter- reichische» Stellung im Dreibunde zu sprechen. Auch wenn, wie man theoretisch bei aller praktischen Univahrscheinlichkeit sich zurecht legen kann, Rußland vom Deutschen Reiche nn- provozirt angegriffen würde, so wäre aus dem Dreibunds- vertrage eine Verpflichtung zur österreichischen Belheiligung träumerisches Nachdenken versunke», saß er bewegungslos da. Vielleicht mußte er im Geheimen zugeben, daß die Ansichten der Signora eine reifere Politik enthielten, als er offen gestehen wollte. Indem sein Auge endlich dem beobachtenden Blick der Römerin wieder begegnete, sagte er mit gezwungenem Lächeln: „Entschuldigt, Signora, aber ich darf nicht vergessen, während wir die Politiker spielen, daß ich Euer Anbeter bin. Eure Ansichten mögen richtig sein, aber weshalb nehmt Ihr diese lebhafte Theilnahme an dem Schicksal Rienzi's? Wenn die Kirche durch seine Befreiung auch viel- leicht einen Verbündeten erhält, ist Giles d'Albornoz sicher, daß er dann nicht für seinen eigenen Nebenbuhler gewirkt hat?" „Würdiger Herr!" sagte die Signora, sich halb er- hebend,„Ihr gewährt mir Eure Neigung, aber Euer Rang kann mich nicht in Versuchung führen. Euer Gold mich nicht erkaufen. Wenn Ihr mich liebt, so habe ich das Recht, über Eure Dienste zu gebieten. Wenn ich je eine Neigung erwidere, so wird es die des Mannes sein, der meinem Vaterlande seinen Helden und seinen Retler zurück giebt." „Schöne Signora!" sagte der Kardinal,„Eure Worte ermuthigen meine Hoffnung, aber sie treten meinem Ehrgeiz entgegen, denn ich wünsche, daß die Liebe, und nicht blos die Pflicht mir den Schatz gewinne, den ich suche. Aber hört, schöne Dame, ihr überschätzt meine Macht, ich kann Rienzi nicht befreien, er ist der Rebellion angeklagt, er ist exkoinmunizirt wegen Ketzerei!" „Ihr könnt aber seine Sache untersuchen lassen." „Vielleicht, Signora." „Dann ist er gerettet, und eine Privataudien» bei Seiner Heiligkeit „Juwohl." I an dem deutschen Eroberungskriege gegen Rußland nicht her« zuteilen. Der ganze Dreibund in corpors könnte, wenn Ruß- land dazu bereit wäre, mit letzterem ganz dasselbe Abkommen treffen, was bis 1390 zwischen Rußland und Deutschland bestanden hat; er tvürde deshalb auf seinen Hauptzweck, die gemeinsame Vertheidigung gegen russische Angriffe, nicht zu verzichten brauche», und es würde gewiß allen Freunden des Friedens in Europa eine erhebliche Beruhigung gewähren, wenn die drei verbündeten Regierungen der russischen gemein- sam ihre Neutralität sür de» Fall eines unpiovozirlen An- griffes auf Rußland zusagten. Wenn bei der russischen Regie- rung Neigung dazu voiauszusetzen wäre, so würde es sich unserer Ansicht nach empfehlen, noch heute denselben Vertrag zu erneuern, dessen Fortsetzung in» Jahre 1890 von uns abgelehnt wurde und dessen jetziges Bekanntwerden in so hohem Maße die siitliche Entrüstung aller derjenigen Parteien in der Presse erregt, rvelche vor 1890 dem Reiche»»freundlich und kämpsend gegenüberstanden, nach 1390 aber sich für die Stützen desselben ausgaben. Wir finden bei dieser Sachlage die Behauptung, daß „Staatsgeheimnisse" zum Nachtheile des Deutschen Reiches preisgegeben ivorden wären, unbegründet und»verde» in dem leider nicht mehr bestehenden russischen Vertrage stets einen Berveis der Einsicht und der Geivissen haftig- keit der Regierung Kaiser Wilhelins I er- blicken. Die Theorie des Friedrichsrnher Herzogs, daß Staats- akten, die der Geschichte und den Archiven angehören, pnblizirt werden dürfen, ist zivar sehr vernünftig, ivird aber von den Staatsmänner» vor und nach Bismarck ebenso- »venig getheilt wie von Bismarck während der Zeit, wo er an der Spitze der Geschäfte stand. Man»veiß, wie ängst- lich er die Eeschichtssorscher, von Herrn v. Sybel, dem beauf- tragten Verkünder.seines Ruhmes, abgesehen, von der Einsicht in die Akten der Archive fernhielt, die sich auf Ereignisse seit 1815 bezogen. Wir selbst haben, ohne Widerspruch zu finden, vor einigen Tagen darauf hingewiesen, daß eine Veröffentlichung der friederizianifchen Denkschrift über den siebenjährigen Krieg für jedermann ein höchst peinliches Strafverfahren zur Folge hätte. Auch sei auf den Fall Arnim hingeiviesen, den Fürst Bisnlarck mit einem Uebermaß von Schneid führte, und auf Bismarcks, Rede im Herrenhause, die von den Schweigepflichten entlassener Minister handelte. Nach der herrschenden und von Bismarck bis 1890 vertretenen Rechtsauffassung haben über die Geheimhaltung von Staatsakten lediglich die am Ruder befindlichen Machthaber und nicht jeder x-beliebige Horst Kohl, Chrysander oder Herzog von Lauenburg zu befinden. Wie ganz anders hat Bismarck über solche Indiskretionen gedacht, als er den Geheimrath Gefften wegen der Veröffenllichuiig des Tagebuches des Krön- Prinzen, das doch sicherlich der Geschichte angehörte, in Moabit einsperren ließ! In dem Lob der Gewissenhaftigkeit der Regierung Kaiser Wilhelms I. wird man mehr als ein Selbstlob, mehr als einen Tadel der Caprivi und Hohenlohe lesen. Wenn endlich der Herzog von Lauenburg vorgiebt, daß eine gleich doppelzüngige Politik den Leitern der aus- „Das ist seine Wiedereinsetzung. Seht, das ist alles, was ich verlange." Und dann, schöne Römerin, wird an mir die Reihe sein, hoffen zu dürfen," sagte der Kardinal, vor der Signora ein Knie beugend und ihre Hand ergreifend. Für einen Augenblick fühlte die stolze Römerin, daß sie ein Weib sei, sie errölhete, sie zitterte; aber nicht aus Liebe oder ans Schiväche, sondern aus Abscheu und aus Scham. Sie überließ jedoch geduldig dem Kardinal die Hand, ivelche dieser mit Küssen bedeckte. „So begeistert," sagte Albornoz, indem er sich erhob, darf ich an dem Erfolge nicht mehr zweifeln. Morgen will ich Euch wieder besuchen." Er drückte ihre Hand an sein Herz, die Signora fühlte es nicht. Er seufzte sein Lebewohl, sie hörte es nicht. Erst einige Augenblicke, nachdem er fort war, gelangte die Sig- nora zu dem Bewußtsein, daß sie allein sei. I>h!" rief sie mit leidenschaftlichem, wildem Tone, „was habe ich angehört, was habe ich gesagt! Ihm un- etreu zu sein, selbst in Gedanken! O, nie! nie! Heilige Kutter! beschütze mich und geivähre mir Kraft!" Sie weinte bitterlich, sank auf ihre Kniee und betete. Als sie sich erhob, war sie todtenblelch und große Thränen flössen ihre Wangen hinab. Sie ging an das Fenster, öffnete es und lehnte sich hinaus. Die Abendluft erfrischte sie und gewährte ihrem fieberhaft aufgeregte» Blute Kühlung. Hoch und düster erhob sich vor ihr der Thurm, in welchem Rienzi als ein Gefangener lag. Sie blickte lange und forschend die öden Mauern an, und als sie sich fort« wendete, zog sie aus den Falten ihres Kleides emen kleinen scharfem Dolch. Ihn will ich retten für den Ruhm," flüstert» sie,„und r soll mich retten vor der Schande!" (Fortsetzung folgt.) dieser wartigen Politik Oesterreich-lZngarns und Italiens möglich gewesen wäre und möglich ist, so gesteht er Nur ein, daß bei gleichen Treulosigkeiten der verbündeten Staaten der so viel gerühmte Dreibund keinen Schuß Pulver werth ist. Nicht nur das Untergraben seines eigenen Ansehens, sondern auch das der sonst in mystischem Dunkel sich bewegenden Diplomaten scheint Bismarck als die Aufgabe seiner letzten Lebensjahre zu betrachten. *» * Zmei interessante Preßstimm eu wollen wir im Anschluß anführen; Die„Kölnische Zeitung" wendet sich gegen die Götzendlenerei, welche ans dein geheimen Vertrage zwischen Deutsch- laud und Nußland eine» genialen Meisterzug machen wolle. Caprivi habe ans die Politik verzichtet, die nur im Dunkel des liesste» Geheimnisses zu gedeihe» vermochte. Nach dem Sturze Bismarct's sagten sich die Politiker, daß der Vortheil, Bismarck noch einige Jahre am Ruder zu sehen, mit einer voll- ständigen Zerrüttung der Monarchie denn doch zu theuer erkauft sei, während andererseits eine Gruppe Hypno- tisirter mit größter Leidenschaftlichkeit sich in einen Preßkampf gegen den Kaiser stürzte, der bereits das sechste Jahr anhalte und nur der istachsnchl diene. Eine recht starke nriltlere Gruppe habe diesen Preßseldzug hinweg zu erklären versucht, um sich ihren Bismarck-Enlhusiasmus nicht nehmen zu lassen. Für sie aber habe der heutige Bismarck-Kultus de» Todesstoß erhalten. Eine Petersburger Zuschrift der„Politische» Korrespondenz" versichert, auch in Rußland hätten die Enthüllungen der„Hamb. Nachr." allgemeine Entrüstung hervorgerufen. Gerade FAst Bismarck brachte Deutschland in Autagonismns zu Rußland, insbesondere durch die Verfolgung russischer Ünterthanen, die Entente gegen die rnssische» Werths und de» Zollkrieg gegen Rußland. Eine ernste Annäherung an Frankreich war die Folge dieser Maßnahme». Gras Caprivi habe die durch Bismarck ge- trübten Beziehnnge» zu Rußland gebessert, insbesondere durch de» Abschluß des deutsch-russische» Handelsvertrags, und habe ermöglicht, daß beide Reiche ungeachtet ihres Anschlusses an ver- schiedene Staatsgruppen schließlich dazu gelangt seien, in voll- ständigem Einvernehmen zu bleiben. pottlifche Mebovjtcht. Berlin, 31, Oktober. Zur Wahl in Brandenburg-Westhavelland schreibt unser Parteiblatt, die„Brandenburger Zeitung": Ans eine Ueberrumpelung ist es abgesehen. Die Stichwahl soll schon ans den 7. November, also nächste» Sonnabend, an- gesetzt werden. Für den Landrath sollen nunmehr alle mög- lichen Mittel der Beeinflussung in Aktion treten. Wähler, die Ihr keinen Regierungskandidaten, keinen Land- rath zum Reichstags- Abgeordneten wollt, beantwortet diese Absicht der Ueberrumpelung mit dem größten Eiser, den Ihr schon jetzt für die Wahl des Mannes ans dem Volke, den NN- abhängigen Vorkämpfer der Volksfreiheit entfaltet. Tie„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Insbesondere a» jene 4000 Wähler, die bei der Hauptwahl sich dcr Abstimmung enthalte» haben, wie nicht minder an diejenige», deren Kandidat bei der Stichwahl anssällt, tritt die ernste Pflicht heran, der Zusammen- gchörigkeit aller bürgerlichen Elemente im Kampfegegen das Sozialrevolutionäre eingedenk zu sein und bei der Stichwahl den Ausschlag zu gunsten des bürgerlichen Kandidaten zu geben. Es mag manchem schwer fallen, zu solchem Entschlüsse zu gelangen, nachdem die Parteiverhetzung in der Wahlagitalion auf die Spitze gelrieben worden ist, die patriotisch-politisch«Pflicht ernster Männer wird aber dennoch Parteigei st und-Verbitterung zu überwinden vermöge». Das amtliche Wahlergebniß für West- »velland wird im„Kreisblatt" wie folgt spczialistrt: ie Zahl der Wahlberechtigten ist seit 1893 gestiegen von 22 339 auf 22 669. Die Bethciligimg an der Wahl hat im Kreise 83,6 pCt. der Wahlberechtigten betragen. Das gute „KreiSblatt" meint, wenn der Herr Landrath n i ch t z u m S i e g e k o ni ni e n sollte, s o ,v ü r d e u die Wähler deni deutschen Volke ein schlechtesBeispielgebeu.« Die freisinnige„Berliner Zeitung" schreibt: Nun kommt die Stichwahl. Welche Stellung die Frei- sinnigen bei derselben zu nehmen habe», kann nicht einen Augenblick zweifelhaft sein: sie müssen Mann für Man« dem sozialdemokratischen Kandidaten � ihre Stimme geben. Daß freisinnige Wähler einen hochagrarischen Junker wählen könnten, halten wir selbst- verständlich für ausgeschlossen. Aber sie sollen nicht nur Stimmenthaltung üben, sondern mit ganzer Kraft für den Sozialdemokraten eintrete», damit dem Landrath eine sichere Niederlage bereitet werde. Die Redens- arten von den gemeinsamen Zielen und Interessen der„Ordnungsparteien" gegenüber der Sozialdemokratie sind für die Katz, nur politische Kinder können sich davon be- thörcn lassen. Wer mit offenen Augen unsere Zustände be- trachtet, und wer weiß, was er will, der niuß unbedingt gegen den Landrath stimmen, denn nicht von der Sozialdemokratie, sondern von dem Junkerthum droht uns die Gefahr. Und ivie die Sozialdemokraten bei der Wahl in Neuruppin für de» Frei- sinnigen gestimuit haben, um«inen reaktionären Wahlsteg zu verhindern, so müssen die Freisinnigen jetzt aus demselben Grunde den Sozialdemokralen wählen, wen» anders sie sich nicht als rückständig in politischer Einsicht zeigen wollen. Wir hoffen, daß mit Hilfe unserer Parteifreunde den vereinigten Reaktionären aller Schattirungen zum Trotz der Sozialdemokrat P-us in der Stichwahl gewählt werden wird. Wir warnen des entschiedensten unsere Brandenburger Genossen, diesen und ähnlichen Aeußerungen der frei- finnigen Presse zu viel Gewicht beizumessen. Die frei- finnige Presse hat, das beweisen zahlreiche Vorgänge und speziell solche bei Wahlen, mcht den Einfluß auf ihre Parteigänger wie die sozialdemokratische. Unsere Genossen müssen alles daran setzen, um aus eigener Kraft zu siegen. Nichts dürfen sie unversucht lassen, um für unsere Sache zu agitsren, um der großen Masse der Wähler klar zu machen, daß ihr Interesse gebietet, nicht dem Brot- vertheuerer, dem Reaktionär, dem von der Regierung ab- hängigen Beaniten, sondern dem Sozialdemokraten, dem wirtlichen„Volksvertreter" die Stimme zu geben! Die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feier- tage. Die brandenburzische Provinzial-Synode sprach in ihrer letzten Sitzung ihr Bedauern aus, daß die Sonntags- ruhe nicht ausgedehnt sei auf Arbeiten, die in Zier- und Hausgärten von Lohnarbeitern und kleinen Leuten mit ihren Angehörigen zur Bestellung oder Abwartung der von ihnen benutzten Gärten und Felder außerhalb der Zeit des Hauptgottesdienstes verrichtet werden. Der Predlger Diestelkamp sprach bierbei den mehr als frommen Wunsch aus, daß den Arbeitern auf dem Lande außer- halb des Sonntags genügende Zeit verbleibe zur Bestellung ihres Stückchen Landes, ihres Gärtchens n. s. w. Diesen Wunsch äußerte er„gerade mit Rücksicht ans die Agi- tatio» der Sozialdemokratie ans dem Laude". Unsere Genossen mögen sich dieses gesagt sein lassen; die großen Gulsbesitzcr werden am wenigsten geneigt sein, den Arbeitern an Wochentagen Zeit für deren eigene Angelegenheiten zu gewähren, und die Arbeiter werden für dieselben nach wie vor auf den Sonntag angewiesen bleiben. Die Synode nahm noch weitere Anträge an auf Erlaß von Bestimmungen für die SonntagSheilignng, da�diese mit bedingt sei„durch die rechte Znrüstnng und Sammlung am Vorabend." Die Vergnügen und Lnslbarkciten auch der Vereine sollen gm Sonnabend Abend beschränkt und keines- falls über Mitternacht hinaus geduldet werden. Man sieht, die Frommen finden die Zeit gekommen, ihr Feld zu be- stellen. Sie dürften damit sich freilich sehr verrechnen und das Faß dcr Erbitterung im Volke zum Uebcrlanfen bringen.— •* * Deutsches Reich. — Neber das Recht des Waffentragens schreibt man»ns: Ihre Notiz zum Fall Brüsewitz in der Rummer vom 30. Oktober beruht auf einen Jrrthnm. Ein allgemeines Verbot, Waffen zu trage», existirt nicht. Im s 367 Nr. S des Reichs- Strafgesetzbuchs heißt es: Wer einem gesetzlichen Verbot zuwider Stoß-, Hieb- oder Schußwaffen, welche in Stöcken oder Röhren oder in ähnlicher Weise �verborgen sind, seilhält oder mit sich führt, wird bestraft. Hieraus ergiebt sich schon, daß das Verbot Waffen zu tragen, auf diesen Fall beschränkt ist. Es g i e b t kein reichsgesetzliches Waffe ntragnngs- Verbot. Giebt es ein landesrechtliches? In Preußen nicht— erst wenn nach dem preußischen Gesetz über de» Belagerungszustand der letztere proklamirt wird, dann mag es sei»! Ob in Preußen irgendwo in Polizeiveiordnnngen das Waffentragungs- Verbot eingeführt ist, weist ich nicht. Jedenfalls würde ein solches Ver- bot wähl rechts„ngiltig sein. Also es ist immer»och ein Recht vorhanden, Waffen zu tragen. Es wäre jammerschade, wenn gerade jetzt im Zeichen der vielen Brüsewitze die Meinung sich verbreiiele,„Waffentrage» sei verboten". Es wäre echt deutsch, sich so selbst zu kastriren, sich des letzte» Rechtes des freie» Mannes zu begeben. Da würde man solchen Schandblätlern wie„Das Volk" ja nur in die Hände arbeiten.— — Das Vereinsgesetz wird trotz des Urtheils im Prozeß Auer und Genosse» von denen um Slöcker lustig weiter übertreten. Das„Volk" schreibt heilte: „Die Vorstände. Obmänner und so weiter der chri st lich- soziale n Organisation in Berlin traten am Freitag, den 30. Oktober, abends 3he Uhr im„Alten Askanier" zu eincr Sitzung zusammen und faßten mit Rücksicht auf die Ausdehnung der Partei über das ganze Reich bezüglich der Berliner Olgaiiisatio» nachstehende Beschlüsse: 1. Die Berliner organistrlen Christlich-Sozialen nenne» sich von heute ab„Christtich-sozialer Verein Berlin", an dessen Spitze ein Vorsitzender und dessen Stellvertreter, ein Schriftführer, ein Kassirer und mehrere Beisitzer stehen. Die frühere Organifatio» hört mit diesem Tage aus. 2. Der„Christlich. soziale Verein Berlin", ist als solcher dem Vereinsgesetz cntsplechend nicht korporatives Mitglied der Partei und verivallet seine Angelegenheiten selbständig. Es wird jedoch den einzelnen Mitgliedern der persönliche Beitritt als zahlendes Mitglied zur Gesammtpartei anempfohlen." Der„Christlich- soziale Verein Berlin" hall für seine Mit- glieder in den einzelnen Wahlkreisen in der nächsten Woche sechs geschlossene Versaunnlnngen ab. In denselben werden wohl die Delegirten zu der am 10. November in Frankfurt a. M. stattfindenden Delegirten- versammlniig gewählt werden. Die Berliner Vereinsdelegirten iverden dort mit Delegirten anderer politischer Vereine zusammen- treten, um die Partei-Organisation und.Agitation zu besprechen und die Stellungnahme zu den Ereignissen der letzten Monate zu bestimme». Wir wollen abwarten, ob die frommen Herren in ihren Berathnngen durch einen Vertreter der politischen Polizei ge- stört werden.— — Die Wiederverhaftung unserer Partei- g e n o s s c n H i n z e und Lerche ist vom Kanimeraericht aus Beschwerde des Staatsanwalts angeordnet. Der Beschluß des Kammergerichts giebt als Grund der Verhaftung an, daß„Flucht- verdacht" durch die Höhe der Strafe begründet wird und durch die vom Gerichte erster Instanz bezeichnete Sicherheitsleistung nicht beseitigt werden tan n". Diesen auffallenden Beschluß hat der Strafsenat des Kammergerichts in einer Besetzung mit folgenden Richtern gefaßt: Groschnff, von Uechlritz, Thielmann. Simon und Kandelhardt. Die 3 zuerst Genaiinten waren vor ihrer Ernennung zu Kammergerichtsrichtern nur in staats anwalt- schastlicher Stellung, der vierlgenannte ist durch sein hohes Alter bekniint. Dein nicht angreifbaren Beschluß stellen wir den Wort- laut des Z 117 der Strafprozeßordnung gegenüber:„Ein An- geschuidigler, dessen Verhaftung lediglich wegen des Verdachts der Flucht angeordnet ist, kann gegen Sicherheitsleistung mit der Untersuchungshaft verschont werden." Es ist nunmehr ein erneuter Antrag auf Hastentlassung gegen Kaution gestellt. Mag der neue Beschluß ausfallen wie der erste und mag auch eventuell diesem Beschluß gegenüber der in seiner Mehrheit aus in staatsanwaltlichen Geschäften ausgebildeten Richtern bestehende Strafsenat des Kammer- gerichts dieselbe Stellung einnehmen, wie in dem angeführten Beschluß m die Erscheinung tritt— m>t dem Rechtsbewußtsein des Volkes ist diese Art der Rechtsausfassung und der Korrektur gerichtlicher Beschlüsse auf taatsa nw altliche Beschwerde hin nicht vereinbar. Zur Zeit versucht bekanntlich innerhalb dcr Freisinnige» Partei eine vom Abg. Lenzmanu geführte Gruppe und innerhalb des Zentrums der ultrareaktionäre Flügel unter Herrn Rintelen's Leitung die die Rechts der Verwaltung noch erweiternde Straf- prozeß-Ordiiungs-Novelle zum Gesetz zu erheben. Wird dem nicht völlig reaktionären Theil des Zentrums und dem noch nicht zu bedingungslosen Regieruugsimkerii herabgesunkenem Theil des Freisinns durch solche Vorkommnisse der Nacken gegen die ge- plante Willtür in GesetzeSform gestärkt werden'i — In einer selb st unterm neuesten Kurs außergewöhnlichen Weise geht die Staatsanwaltschaft in Halle a. S. gegen unfern Genossen Adolf Thiele, den Redakteur des„Volksblatts", vor. Bei einer Haussuchung am 5. Oktober waren zehn Schriftstücke beschlagnahmt worden, noch vor wenigen Tagen wurde vom Gericht die Herausgabe derselben abgelehnt, weil sie vielleicht als Unterlage in einer„gegen Adolf Thiele und Genossen einzuleitenden Untersuchung dienen könnten"; am LS. Oktober aber brachten die Kriminalbeamten diese zehn Schriftstücke wieder zurück; es hatte sich also herausgestellt, sdaß die Beschlagnahme überflnsfig war. Derartige Irrungen sind ja im neuen Deutschen Reiche nichts ungewöhnliches. Nim skommt aber das Seltsame. Nach erfolgter Aushändigung der Schriftstücke wurde dem Redakteur Adolf Thiele eröffnet, daß ein neuer Beschluß des Staatsanwalts Kloß vom 24. Oktober vorliege, demzufolge wiederum eine Haussuchung in der Redaktion und Druckeret vorzunehmen sei und zwar sollten alle von der Hand drS Re» dakteurs Ad. Thiele herrührenden Manuskript» beschlagnahmt werden, um Material zu einer Belei- digung-klage in Sachen der Böllberger Mühle zu erhalten. Das Wort„alle Manuskripte" war unterstrichen. Der mit so viel staalsanwaltschaftlicherAufmerksainkeil Bedachtewareben daran, die Tagesgeschichte auszuarbeiten. Alle diese Blätter wurden beschlag« nahmt. Die Einrede des um das Produkt seiner Arbeit Gekommenen, s o könne doch die Slnweisung des Staatsanwalts unmöglich ver- standen iverden, diese Notizen hätten doch absolut nichts mit der Böllberger Mühle zu thiin, fand die Erwideriing, es seien allerdings alle Manuskripte von der Hand Thiele's zu be« schlagnahmen, das sei aus nochmalige Anfrage beim Staats- anwalt Herrn Kloß ausdrücklich bestimmt worden. Mit voll- tommeiister Gründlichkeit wurden sämmtliche in der Re- dakiion befindliche Schriftstücke danach untersucht, ob sie von der Hand des mit der Durchsuchung Bedachien her- rührten. Beschlagnahmt wurden im ganzen dreizehn Blätter bez. Blättche» Manuskript, welche tagesgeschichtliche Notizen und Nolizen aus dem Reiche ciilhielten. Nicht ein Buchstabe handelte von der Böllberger Mühle. Es wird natürlich gegen das Vor- gehe» der Staatsanwallschast energisch Beschwerde geführt werden. So kann es nicht fortgehen, bemerkt das„Volksblatt" hierzu. Der Redakteur wird bezahlt, damit er arbeile, und die Beendigung der laufenden redaktionellen Thätigkeit ist an eine gewisse Stunde gebunden. Wie kann da die Staatsanwalt- schast kommen und mir nichts dir nichts das Ergebniß mehr- stündiger Arbeit wegnehmen lassen! Sieht ein sozialdemokratischer Redakleur vogelsrei da? Und ist es denn überhaupt Aufgabe der Slaatsanwaltschaft, erst Material zu einer Beleidigungsklage zusainmcnzntrageii? Ist das nicht Aufgabe dessen, der die Klage angestrengt wissen möchte? Preßfreiheit mit dem Strick um den Hals— dieses Ideal vormärzlicher Junker ist verwirklicht, wenn die Be- schwerde gegen das Verfahren des hallischen Staatsauwalis er- folglos bleiben sollte. Wir wollen abwarten, was die Richler dazu sagen. — Der Soziali st e n tödter Blum ist ans dem Rechtsanwaltsstande ausgeschlossen worden. Die„Leipz. N. N." berichten darüber:„Gegen den Rechtsanwalt Herrn Dr. Hans Blum, hier, hat in Dresden eine Verhandlung des Ehrengerichts der Auwaltskammer im Königreich Sachse» staltgesniiden. Es Handel! sich, wie wir erfahren, um eine schon vor längerer Zeck eingegangene Anzeige einer früheren Klientin des Dr Hans Blum, welche behauptete, aus einem vor zehn Jahren geführten Prozeß weder Abrechnung noch den ihr m Höhe von etwa 27S Mark ziikommeiideii Ueberschuß der Kostenverläge erhalten zu haben. Ferner sollen ihr bei zwölf Prozessen, die Dr. Blum in den Jahren 1883—1892 für sie führte, zusammen etwa 400 M. zu viel berechnet worden sein. Letztere Summe hatte ihr Dr. Blum indeß unter Wahrung seiner Rechte ersetzt. Die Verhandlung hat für Herrn Rechtsanwalt Dr. Hans Blum einen uiigüustige» Ausgang genommen: das Urtheil des Ehrengerichts lautet aus Ausschließung aus dein AnwaltSstande." Herr Blum hat Berufung an den Ehrengerichtshof beim Reichsgericht«ingelegt.— Halbcrstadt.(Sonntags-ZIg.) Eine Verfügung der Eiseubahn-Betriebsinspektion zur B e s ch ü tz» u g der Bah n Passagiere gegen den Umsturz ist jüngst ergangen. Ueber ihren Inhalt lehrt folgendes Schriftstück, das dcr„Sonntags-Zeitmig" auf den Redaktionstisch flog, das nöihige. Halberstadt, den 29. Seplember 1896. Die könlgl. Eisenvahn- Betriebsiiispektion I. hier theilt mittels Verfügung vom 26. d. M. nach hier mit, daß es beob- achtet worden ist, daß in der 4. Wagenklaffe de» Reisenden. besonders unerfahrenen landwirthschaftlichen Arbeitern von Händlern lleine Pappknstcheii, enthaltend minderwerlhige Uhr- ketten oder Maiischeltenknöpse nebst dem sozialdemokratischen Abzeichen, einer kleinen rothen Blume, durch die eine kurze Metallnadel gesteckt ist, verkaust und gleichzeitig den Käufern sozialdemokrtuische Druckschristen in die Hände gespielt werden. Das Fahrpersonal ist daher anzuweisen, auf derartige Agitatoren und Händler zu achten und dieselben geeigneten Falls zur Anzeige zu bringen. I. Den Herren Fahrbeamten zur Kenntnißnahme und Be- achlung. 2. Weglegen. Der Stations-Vorsteher Fester. Wenn es sich nun um reichstreue Bliiinen oder patriolifche Druckschriften handelle, wie sähen die Dinge denn dann aus? Falls die Verkäufer der Blumen und Abzeichen ordmmgß- gemäße Hausirscheine haben, ist der sürstchtigen Bahnpolizei etwas Vorsicht bei ihrem Einschreiten sehr zu empfehle».— — Landtags- Slbgeordneter Schenck- Wiesbaden hat sein Mandat niedergelegt.— — Der Landtag von Sachsen-Toburg-Gotha setzt sich nach Abschluß der Abgeordnetenwahlen aus 7 Sozial- demokraten. 11 Freistiinigen und 12 Anhängern des Herrn v. Strenge zusammen. Wird der englische Prinz, der nun Herzog vo» Sachsen-Coburg-Gotha ist, die parlanieiilarischen Konsequenzen aus dem Wahlergebnisse ziehen und Herrn Slrenge in den Ruhe- stand versetzen, den ihm die überwiegende Mehrzahl der Bevölke- rung seit langem gönnt?— Rudolstadt, LS. Oktober.(„Thüringer Volksblatt".) Soweit sich bis jetzt die Wahiresultate ubersehen lassen, ist an eine wesentlich andere Persoiitiizusammeiisetzung im Landtage nicht zu denken. Im ersten Wahlkreise erhielt im Stadtgebiete unser K a n d i d a t K ü h ii die Majorität(229 gegen 220 für Richter), die dazu gehörigen Landbezirke jedoch brachten für Richter den Sieg; derselbe dürfte mit etwa 130 Stimmen in der Majorität bleiben. Im zweilen Wahlkreise siegte Liebniann; hier verdoppelte sich unsere Stiminenzahl zwar in der Stadt gegen 1893, jedoch wurden auch für Liebmann 81 Stimmen mehr aufgebracht; wesentlich anders gestaltet sich hier das Bild in den zu diesem Wahlkreise gehörenden Dörfern, indem dort die für uns ab- gegebenen Stimmen überall wuchsen, s<> d a ß gegen das vorige Mal die sozialdemokratischen Stimmen sich fast verdoppelten. Daß sich unsere alte Beste Frauken- Hausen wieder tapfer geschlagen hat, das versteht sich ja am Rande. Genosse Apel siegte mit 445 gegen 844 auf drei Gegner abgegebene Stinimen.(1893: Apel 402, Gegner 230.)— — Das Mannheimer Stadtverordneten- Kollegium, in dem bisher die Nationalliberale unbeschränkt herrschten, wird sich nun, nachdem die Wahlen abgeschlossen find, eudgiltig aus 37 Demokraten und Freisinnigen, 30 Sozial» demokraten, 25 Nationalliberalen und 4 Zentumsleuten zu« saminensetzen. Von den 56 ausgetretenen Stadtverordnelen sind nur 14 wiedergewählt worden, so daß 42 neue Stadtverordnete in das Rathhaus einziehen. Die erste Thätigkeit des neuen Stadtregiments wird die Wahl des Sladtraths sein. Es scheide» zehn Mann aus, sechs Nationalliberale und vier Freisinnige. Zu verbleiben haben noch 8 nationalliberale Stadt- räthe. Da die Nationalliberalen also noch acht Sladträthe haben, scheiden sie bei der Besetzung der 10 neuen Stellen voll» ständig aus und es kämen demnach nach der Stärke der Bürger- ausschuß-Fraktiouen ans die Freisinn- Demokraten 5, ans die Sozialdemokraten 4 und aus die Ullramontanen sozusagen aus dem Gnadenwege ein Stadtrath. Freilich muß abgewartet werden, ob die Freisinn-Deinokraten soviel Rechts- mid Billig- keitssinn haben und bei der Besetzung der EtadtrathSstellen auch dies« arithmetische Rechnung zu gründe legen werden.— Ungar«. — Von den sozialistisch, ngähltandidaturen entfiel die größte Anzahl aus Geiiossen Lokanyi in OrbSBcija, der dort 166 Stimmen erhielt, so daß zwischen den �itwalen und der Ugron- Partei eine Stichwahl noch- wendig i|t.—. ii) Schweiz. -Mrich, 28. Oltober.(Eig. Ber.) Die sozialdemo- 1 V ch? P r° k>° ist mit dem Ausgang der National- rath-.Wahlen zufrieden. So meint Genosse Wullschleger nu-Lasier»Vorwärts", daß die Sozialdemokratie einen guten �.ag hatte.„Abgesehen von dem mit Hilfe eiues großen Theiles der Fre.immgeu errungenen Wahlsieg in Baselstadt haben fast alle» lbalben die lozialdeniokratischeil Stimnienzahlei, sich erheblich veriilehrt. Die Sozialdemokratie ist sozusage» auf der ganze» .�arruckeit begriffen."— Genosse Seidel schreibt in der �»Die Linksschwenkung der eidgenössische» ävahleraraiee isi den von links hergndrängendeil Sozialdemo- liaten und Arbeitern zu danken. Dieses Verdienst gehört unstreitig 3 Sozialdemokratie. Ohne ihr Wirken würde dem "ach i»>ks die Lokomotive fehlen; der Zug nach rechts würde an Kraft gewinnen und alle, die zögernd zwffcheu drin stehe», werden rechts lausen." Ferner:.Die Sozialdemokratie darf mit dem Aussall der Wahlen zufrieden � ftn®0�cn gewonnen und hat in Zürich, Luzern, Bern. Neue, Iburg und Appenzell Stichwahle» nöthig gemacht. Jas hebt ,hr Ansehen und stärkt ihre Reihen."- In Bern hat Sie den mann ans eine Kandidatnr für den zweiten Wahlgang verzichtet. Der Bierbrauer Feller in Thun hat für seine 500. Fr. an die Armen sein Ziel, die Wiederwahl als Nationalrath, nicht erreicht, sondern ist auf der Strecke geblieben. Außer der Wahl Wnllschleger's in Basel ist das bemslkenswertheste Wahlergebniß die Niederlage der Konservative» in Genf, welche statt der bisherigen vier nur einen Vertreter erhielten, da vier Freisinnige gewählt wurden. Ihr Fiasko bedeutet das Fiasko des Alt- Buudesraths Droz, das Fiasko der volks- und reformfeiudlichen Geldsrickspolitik und der bnndesseindlichen Obstruktionspolitik.— Frankreich. Paris, 31. Oktober. Ein Regiernngserlaß verfügt die Ein- selziuig einer außerparlamentarischen Kommission von 58 Mit- qiieder» zum Studium der Alkohol in onopol-Frage.— Dänemark. — Die Arbeiterfrage im dänischen Par- 1 a»> e i> t. Gelegentlich der Berathung des Budgets hatte die Sozialdemokratie den Antrag gestellt, daß de» Staats- ärbtiteril folgende Begünstigungen gewährt werden müßten, da es die Pflicht des Staates sei, mit gutem Beispiel voranzugehen: l. Ein Mininialloh» von 3 Kronen pro Tag. 2. Gleichartige»nd humanere Versorgung all' der Kinder, gegen welche der Staat eine Versorgnngspflicht hat. 3. Eine Ferienwoche jährlich für alle Staatsarbeiter. 4. Allgemeine Unfallversicherung. Das Folkelhing verhielt sich dieser Anregung gegenüber wie immer, wenn es Arbeiterfragen gilt, sehr kühl, die meisten Redner nmgingen die Frage völlig, da sie sich nicht als Arbeitergegner zeigen wollten und doch auch nicht glaubten, dafür sprechen zu können. Und der Minister wußte nichts weiter zu sagen, als daß die Einführung eines solchen Miniinallohnes große Aende- nmgen mit sich bringe» würde! Ein Vertreter der Rechten äußerte die Besorgniß, daß die Besolgung dieser Anträge be- wirke» würde, daß die ausgebildeten Facharbeiter umsatteln würde» nnd Staatsarbeiter werde». Nachdem dann der Vertreter der Sozialdemokratie den Minister darauf anfinerksam gemacht Halle, daß z. B. die Eisenbahn-Arbeiter die Arbeit niederlege» könnten und damit den Staat in die größte Verlegenheit bringen, wen» man ihre Interesse» so obenhin behandelte— ließ sich der Minister zu einer Entgegnnug herbei: Einer Unfallversicherung stände er sehr sympathisch gegenüber und auch die anderen Fragen wolle er gern iu Erwägung ziehen. Dan» ließ sich auch noch ein Redner der Rechten vernehnien: Er habe nichts gegen eine» Minimallohn, aber 3 Kr. ist zu hoch. Die Bewilligung einer Ferienwoche sei undenkbar, da dieS kein privater Arbeitgeber dlirchführen könne(womit Herr Hage seine völlige Unkenntniß der Materie erwies, da dies In Deutschland in mehreren Betriebe» durchgeführt ist.) Zugebe» mußte er, daß er es nnbegreiflich fände, wie ein Staatsarbeiter sich und seine Familie mit einem Tagelohn von 1,80 Kronen ernähren könne. Der Antrag wurde dann mit dem ganzen Gesetz einer Kom- Mission von 25 Mitglieder» überwiese», in die auch ein Sozialdemokrat hineiiikommt. Die Partei will in der Kommissio» eine Statistik über die Verhältnisse aller Staatsarbeiter, die ja i» den verschiedenste» Ressorts lhätig sind, vorlegen niid ans grund derselben die Forderungen im einzelne» spezieller sormnliren.— Der Parteitag für da» östliche Westfalen und Lippe ist wegen der lippischen Landtagswahl ans den 15. R o v« m b e r verschoben. Zu Vertrancnöpersone« wurden wiedergewählt: in Kotlbus Genosse Ad. Lehman«, in Görlitz Genosse Nixdors. Fn Kottbus haben die Parteigenossen die Gründung eines Wahlvereins beschlossen. Bei den GetoerbegerichtS-Wahlen in Chemnitz wurden in der Klasse der Arbeitervertreter die Kandidaten der Sozial- demvkratie mit 4204 Stimmen gewählt. Die Gegner halten von de: Ausstellung einer eigenen Liste als aussichtslos Abstand ge- noinnien. Gegenüber der früheren Wahl haben sich in der Klasse der Arbeitervertreler misere Stimmen um 525 vermehrt.— Die Siimiiien der Gegner sind seit der 1894er Wahl in der Unter- nehinerklasse von 480 auf 412 Stimmen gesunken. Der Ausfall der Gewerbegerichlsivahl wird von unseren Chemnitzer Genosse» als ein gunstiges Zeichen für die Stadt- verordnetenivahlen betrachtet. Zum Beschlüsse des demokratischen Vereins in Frank- furt a. M., auf die demokratische Liste der Stadt- verordueten-Kandidaten uasern Genoffen Wilhelm Schmidl zu fetzen, erklärt die„AolkSstimme", daß dieser durch sein RelchstagSmandat verhindert fei, allen Stadtverordnete»- S�tznngen beizuwohnen. Da es sich wahrscheinlich nur um einen Sitz handele, de» wir mit Hilfe der Demokraten diesmal erringen könnten, so müsse nmsomehr darauf gesehen werden, daß unser Vertreter stets zugegen fei. Genosse Schmidt habe deshalb er- klärt, daß er nicht wünsche, im dritten Bezirk ausgestellt zu weiden, der voraussichtlich nur gewonnen werden kann. Es soll für diesen Bezirk eine andere Kandidatur vorgeschlagen werden. Die„Volksftimme" schließt: Wenn es die demokratische Partei wirklich ernst mit der Unterstützung eines unserer Kandi- baten nimmt, so wird sie wohl auch anf alle in betracht kommen- den Verhältnisse Rücksicht nehmen können. Bemerkt sei hierzu, daß die vom sozialdemokratischen Verein ernannte Wahlkommissio» Herrn Dr. Rößler, dem Vertreter deS demokratische» Vereins in dieser Sache, vier Genossen, darunter den Reichstags-Abgeordneten W i l h. Schmidt, als solche genannt hat, deren Kandidatur seitens unserer Partei in Aussicht genommen fei. Ans Nürnberg. Dem Antrage der Vorstandschaft d«S sozialdemokratischen Wahlvereins entsprechend, wird derselben ein« Abschrift der Gemeinde-Wählerliste, sowie 15 000 Stück StimmzeUel- Formulare für die bevorstehende Genieindeivahl zugestellt werde». Wie für die Abschrift, so hat auch für die Wahlzettel-Formular« die vorftandschast Bezahlung angeboten. Letztere werden aber, wie allen anderen, auch dem Wahlverein u n entgeltlich verabfolgt werden. lieber gute Fortschritte unserer Bewegung, namentlich unter den Landarbeitern, konnle auf der letzten Jahres- versamiiililiig der Genossen des 6. dänischen Agitations- distrikts berichtet werden. Z» diesem Bezirk gehören die Städte Horseus, Vejle und Fredericia. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Wegen Verbreitung von Flugblättern aus össenilichen Wegen, Straße», Plätzen n. s. w., wozu die polizeiliche Geneh- migiing nicht eingeholt worden war, wurde in K o t t b n s der Genosse W i l h e l m H o e g e vom Schöffengericht zu 14 Tage» Gesängniß vernrtheilt. Eine Geldstrafe wurde ansgeschlosse», weil das Gericht annahm, dieselbe würde von Hoege nicht selbst bezahlt werden. Genosse Hoege erhob den Einwand, daß er die Befugniß zum Kolportage-Bnchhandel habe, was aber mit der Begründung znrückgewiese» wurde, daß er einen Erwerb durch die Verbreitung der Flngblätter jedenfalls nicht bezweckt hätte. Berufung ist angemeldet. — Zu l'/i Jahren Gesängniß ist vom Landgericht in Lübeck Genosse Johann Fein vernrtheilt. Er hatte in Nr. 83 des „Lübecker Volksbote n" unter der Rubrik„Aus Lübeck und Umgegend", für welche er die Verantwortlichkeit trug, eine Notiz veröffenllicht. durch die sich die Gymnasiallehrer und die Geistliche» des Herzogthums Laneubnrg, speziell vo» Ratzeburg, beleidigt fühlten. Es war darin ein Gerücht mitgetheilt, wo- nach in den erwähnten Gesellschaftskreisen sich unerhörte Dinge zu- getragen hätten, die anf den sittlichen Stand derselben ein eigen- thüinliches Licht werfen iniißteu. Daran waren noch einige kritische Bemerknngen geknüpft. Die Namen der angeblich Be- theiligten waren nicht genannt, so daß alle Angehörigen der be- treffenden Berufsklassen sich getroffen sühlen konnten. Die Revision des Angeklagten, welche iiisbesondere den Straf- anlrag der Geistlichkeit bemängelte, wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen.— Die christliche Religion hat unter anderem die Vorschrift: Thut wohl de»e», die Euch beleidigen. Nach diese», Grundsatze hätten die Diener der „Religion der Liebe" handeln solle», anstatt den Redakteur vor den Kadi zu zerren, damit er 1>/s Jahre lang im Kerker ver- traner» muß. — Der Margarinefabrikant Mohr hat auch den verantwortliche» Redakteur des„Lübecker Volksboten" und des„Volksblatts für Halle" wegen Beleidigung verklagt.— Dem„Hamburger Echo" sandte Herr Mohr eine Erklärung, worin er mitlheilt, daß er nicht nur sozialdemo- kratische, sonder» alle Blätter, gleichviel welcher Partei sie an- gehöre», die die Wormser Nachricht gebracht habe», wegen Be- leidigmig verklagt habe; die Zahl derselbe» beträgt ca. 400. Die „ W o r m s e r Zeitung", die die betreffende Nachricht zuerst brachte, schreibt:„Herr Mohr- Bahrenfeld entsaltet eine außer- ordentlich rührige Thätigkeit, indem er Klage» gegen deutsche Zeitnugen wegen der Schilderung seiner Wormser Reise einreicht. Diese Reise hat Herrn Möhr damals in eine Untersuchung verwickelt,«»vieweil sein Benehmen gegen das Gesetz, betreffend den unlauteren Wettbewerb, verstoßen könnte. Das Verfahren ist eingestellt worden, weil der Meister, mit dem Herr Mohr u»terha»delte, nicht als Angestellter der be- treffenden Firma zn betrachten war. Nun verklagte Herr Mohr alle mögliche» Blätter, und wir erhalten Anfrage» über Anfragen. Wir möchten also an dieser Stelle mittheilen, daß unsere erste Darstelllliig des Falles identisch ist mit. dem„Polizeibericht", der uns täglich in voller Objektivität zugeht, und daß wir weiter mit der Horchheimer Fabrik i» Verbindung getrete» sind, an deren wahrheitsgetreuer Wiedergabe auch nicht der leiseste Ziveisel zu hegen ist." — Gegen die M a g d e b n r g e r„V o l k s st i in m e" sind zur Zeit 3 Prozesse anhäugig: zwei wegen Majestätsbeleidignng, vier wegen groben Unsilgs, einer wegen Verletzung des Preß- gesetzeS und einer wegen der konfiszlrten Nummer 43 der„Neuen Welt". — Genosse MichelS in K ö l» wurde von der Anklage, als verantwortlicher Siedakteur der„R h e i n i s ch e n Z e i t u n g" durch die in Nr. 182 befindliche Sonntajjsplanderei die evangelische Kirche beschimpft zu haben, freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte vier Monate Gesängniß beantragt. — Wegen verspäteter Aufnahme einer Berichtigung, be- treffend den Streik der Setzer der„Nordbayerische» Zeitung" in Fürth, war Genosse Gärtner, der verantwortliche Redakteur der„Fränkischen Tagespost" ü. Nürnberg, der Ver- letziing des Preßgesetzes angeklagt. Da er nachweise» konnte, daß die Verspätiuig nicht ihm, sondern dem Metteur zur Last fiel, erkannte das Gericht ans Freisprechung. — Das pfälzische Agitationskomitee hatte sich vor dem Schöffengericht in L u d w i g s h a f e n wegen angeb- lichen Vergehens gegen das bayerische Vereinsgesetz zu veraut- Worten, weil es die Sitz»»g, wo es sich konstitnirte, nicht bei der Polizei a»gel»eldet hatte. Die Sitzung sollte eine„Versammlung" sein. Der Staalsanwalt beantragte für jede» der nenn Uebel- thäter drei Tage Gesängniß. das Schöffengericht fand aber keine Schuld an ihnen und erkannte auf kostenlose Freisprechung. Geivevkstfzciftlikfzes. Aufruf zum Kongreß au die Graveure und Ziseleure Deutschlands! Kollegen! Auf Anregung der Kollegen aus verschiedenen Städten, endlich einmal den Versuch zu machen, eine gemeinsame Organisation über ganz Denlschland zu schaffen, sah ich mich veranlaßt, eine öffentliche Versammlung der Berliner Graveure und Ziseleure einzuberufen, um sie vo» diesem Wunsche der auswärtigen Kollegen i» Kenntniß zu setzen. In dieser Ver« sammlnng, die am 20. September im Saale des Herrn Feuer- stein tagte, wnrde das Drängen der auswärtigen Kollegen mit Freuden begrüßt und Unterzeichneter beauftragt, einen Kongreß der Graveure und Ziseleure von Deutschland nach Berlin einzuberuse», auch sofort mit den Vorarbeilen zu beginnen. Kollegen! Die Vorarbeiten sind nun soweit gediehen, daß ich Euch hier- durch einlade, de», Kongreß ver Graveure und Ziseleure Deutsch- lands recht zahlreich zu beschicken. Zu demselben schlage ich folgende provisorische Tagesordnung vor: Freitag, den 25. Dezember, abeiids 6 Uhr. Vorversammlung(Wahl des Bureaus, Wahl der Mandatsprüfnngs- Kommissio». definitive Festsetzung der Tagesordnung); am 26. und 27. Dezember, »liltags 12 Uhr, Eröffnung des Kongresse?; hierauf Bericht- erstattmig der Delegirten über die Verhältnisse in den einzelnen Städten, dann Diskussion über folgende Punkte: Organisations- frage(Lokal- oder Zentral-Organisation?), unsere Fachzeitung. Agitation, Uuterstütznngssrage, Arbeitsnachweis. Erledigung der eventuell eingegaugeneu Anträge, Resolutionen jc.— Hierdurch glaube ich, die Wünsche der meisten Kollegen befriedigt zu haben, und liegt es nun an Euch, den Kongreß zu einem imposanten zu gestalten dadurch, daß möglichst viele Städte in Berlin vertreten stnd. Sollten für einzelne kleine Städte die Unkosten flch zu hoch stellen, so können sich ja mehrere zusammenschließen und einen Delegirten senden. Kollegen, also auf zur Wahl von Delegirten zum Kongreß! Alles nähere ist im Flugblatt und in der Fachzeitung der Graveure und Ziseleure, welche in Leipzig, Hainstr. 1», erscheint, bekannt ge- geben. Etwaige Anträge erbittet bis»um 1. Dezember der Ber- tranensmann G. Seltenhorn in Berlin 3.. Gräfestr. 5, 3 Dr.. bei Liersch. Alle Arbeirerbkätter werden um Abdruck gebeten. Achtung, Metallarbeiter aller Brauchen! Der AuS- stand der Former und G i e ß e r e i- A r b e t t e r ist, da fast sämmtliche Streikende in Arbeit stehen, beendigt. Die Eperr« über sämmtliche Werkstätten ist hierdurch aufgehoben. Der AuS- stand bei der Firma Siegfried Marsch au«r Na chfl., Ritterstr. 41, dauert nnveräitdert fort. Zuzug ist fernzuhalten! Der Vorstand des Verbandes aller i» der Metallindustrie be- schästigte» Arbeiter Berlins und Umgegend. Achtnng, Glaser Berlins und Umgegend? In der letzten Versammlung wnrde der Streik für beendet erklärt und der Beitrag zur Streikkasse auf 50 Pf. pro Woche herabgesetzt. Möge jeder Kollege seiner Pflicht nun auch strikte nach- kommen, denn noch sind wir nicht über die Nachwehen de? Streiks hinweg. Unsere Kassenverhältniffe müssen derartige sein, daß wir jede» Versuch der Unternehmer, ihre Versprechungen rückgängig zu machen, sofort parire» können. Betreffs der Rechiinngslegnng über den Streik ersuchen wir die Kollege», die im Besitz von Marken(10. 25 und 50 Pf.) sowie Listen sind. schleunigst mit den Vertrauensleute» oder Kassirer des Streik- komitees, L. Scherwath, abzurechnen und zwar Sonnabends, Montags und Donnerstags, abends von 8-10 Uhr, bei Stramm. Ritterstr. 123. Die nächste öffentliche Versammlung wird Sonntag, den 8. November, vormittags 10V- Uhr. in den Arminhallen. Kommandantenstraße 20, abgehalten. Kollegen, agiiirt für regen Besuch dieser Versammlung. Die Streikkommission. Im Auf- trage: W. Starke, Boeckhstr. 34. In Sä Orten Deutschlands tagen am 2. November öffentliche Schneider- und Näherinnen-Ver« f a m m l u n g e n, um sich mit den Forderungen zu beschäftigen. die an die Gesetzgebung gestellt werden sollen. Unter den Orten sind alle bedeutende» Konfektionsplätze vertreten, so Berlin. Breslau, Erfurt, Hamburg, Leipzig, Stuttgart. Zirka 26 Orte kündige» zum selbe» Zwecke Versammlungen für die nächst- solgendc» Tage an. Die„Fachzeitnng für Schneider" erörtert in einem Artikel eingehend die Gründe, weshalb die Gesetzgebunss z» gunsten der aiisgebeuteten Arbeiter eingreife» muß. „Viele Tansende", schreibt sie,„sind in ihrer Lebenshaltung so elend und niedergedrückt, daß sie wohl einmal i» dumpfer Wuth verzweifelt revoltiren, aber sie halten nicht stand im Kampfe, sondern ducken sich wieder und demüthigen sich. Und diese Massen, deren Körper die Armuth geschwächt, deren Gemiith die Roth verkümmert hat, die im Elend feige geworden sind, ihren Stolz nnd ihre Selbstachtung verloren habe», sind eine Gefahr für die gesammte Menschheit; daher ist es die Pflicht der Gesetzgebung, hier einzugreifen im Interesse der Allgemeinheit, im Interesse des gesammten Volkswohls, damit wenigstens die schll»»»ste» Auswüchse der hausindustrielleli Be- triebsform in der Konsektionsbranche beseitigt werden..... An uns liegt es, die verschiedenen Parteien daran zu erinnern, daß sie in diesem Frühjahr für diese Ansgebellteten gesetzlichen Schutz verlangt haben; nachdem die Erhebungen längst beendet und das rnntlich bekundet haben, was aller Welt schon durch den Streik, wie auch schon vorher bekannt war, haben die Gesetzgeber Farbe zu bekenneii, haben sie zu zeigen, welchen Standpunkt sie den von uns aufgestellten Forderunge» gegenüber einnehmen... Die Versammlungen am 2. November mllffen daher zu groß- artigen DemonstrationS-Versammlungen gegen die miserablen Zustände im Schneidergewerbe werden, tauseude von Kollegen»nd Kolleginnen müssen als neue Mitglieder für den Verband der Schneider und Schneiderinnen und verwandter Bernfsgenosseu Deutschlands gewonnen werden. Erst dann er- reichen die Bersammlniigen in vollem Maße ihren Zweck. Thut daher jedes Mitglied seine Pflicht!" Ein Kongreß der Hafenarbeiter«»d Seeleute wird, wie wir dem„Hamb. Echo" entnehmen, im nächsten Jahre abgehalten werden. Die Hafenarbeiter Hamburgs beauftragten eine Kommission mit den Vorarbeiten. In Harburg ist die Zahlstelle des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen vorläufig ge- schlössen und gegen den Bevollmächtigte» Martens An- klage erhoben worden. In den Versammlungen der Zahlstelle sollen Vorträge politische» Inhalts erörtert worden sein, und da auch Frauen der Zahlstelle angehörten, erblickt die Polizeibehörde hierin ein Vergehen gegen den§ 3 des Vereinsgesetzes. In Lübeck hat die Firma Thiel u. Söhne auf die An» rnsnng des E»,iign»gsan>ts des Gewerbegerrchts durch das streikende Personal die Antwort gegeben, daß ste zunächst das Ergebniß des Prozesses abwarten wolle, de» sie gegen die Ver- treter der Arbeiter wegen angeblicher Beleidigung angestrengt hat. Der Borsitzende des Einignngsaints, Dr. Schön, hat des- halb das Einignngsverfahren eingestellt. Zuzug von Metall- arbeitern aller Branchen ist deshalb nach wie vor aufs strengste sernzuhalten. Von Tom Mann, dem Vorsitzenden des internationaken Verbandes der Schiffs«, Hafen- und Flußarbeiter, wird im „Korrespondenzblatt" der Generalkommission ein Ansrnf ver- öffeullicht, bei» folgende Angaben entnommen seien: Die Hafenarbeiter von London, Liverpool. Glasgow. Hüll, Cardisf, Bristol und den anderen tafenplätzen haben sich der Föderation angeschlossen, ebenso die eelente, Flußschisser und Schanerleute. Wir habe» den Hafenplätzeii von Belgien und Holland einen Besuch ab- gestattet. Das Resultat war. daß Antwerpen sich rapide organistrt und in Uebereiustimmung mit dem Verbände handelt, ebenso Gent und Ostende. Rotterdam, Schiedam und Amsterdam arbeiten ebenfalls in Harmonie mit dem Internationalen Ber- bände und haben, wie Antwerpen, Delegirte zu dem Zentralralh desselben gesandt. Stockholm und Gothenburg haben gleichfalls ihre Bereitwilligkeit erklärt. die intertiationalen Bestrebungen in jeder Weise zu unterstützen und innerhalb einer Stunde nach Empfang eines entscheidenden Be- schlnsses des Zentralraths denselben zur Außsührnug zu bringen. Was wir für alle Seefahrer erreichen wollen, ist das folgend«: 1. Einen ausreichenden Lohn zum Lebensunterhalt. 2. Eine genaue Bemannungsskala im Verhältniß zu dem Tonneninhalt aller Schiffe als einer absolut»othwendigen Borbeugnngsmaß- regel gegen den Verlust von Menschenleben. 8. Ausreichende Nah- rnng von guter Qualität. 4. Angemessene Schlafränine für die Mannschaft, anstatt der elenden Hühnerlöcher, welche jetzt vorschriftsmäßig aus einem britischen Dampfer 72 Kubiksnß groß sein muffen, während für einen Verbrecher 330 Kubiksuß. für den Armenhäusler 630 Kubikfuß festgesetzt sind. Für Hasen- arbeiter, Schanerleute und Flußschiffer verlangen wir ebenfalls einen anständigen Lohn zum Leben und eine vernünftige Arbeits- zeit. Diese Forderungen können durchgesetzt, verde», dessen sind wir sicher, wenn wir uns international verbinden. Soztttles. Die Schwindsucht, die Proletarierkrankheit, wie?e der Volksinstinkt auch ohne statistische» Nachweis gekennzeichnet hat, rafft in Deutschland durchschnittlich ein Drittel aller im erwerbs- fähigen Alter von IV bis 60 Jahre» stehenden Menschen hin, während sie in der Gesainmt- Sterblichkeit etwa'/? bis l's der Todesfälle ausmacht. Hier in Berlin beträgt die Gestimmt- Sterblichkeit an Schwindsucht etwa'/«; die Hauptstadt hält so die Mitte zwischen dem weniger bedrohten ackerbau- treibenden Osten und dem industriellen Westen mit seiner noch höheren Sterblichkeit. Von de» Erwerbsfähigen aber. von den in den Krankeukassen Organistrten starben annähernd 50 pCl.. so daß in der Hauptstadt des Deutsche» Reiches fast jeder zweite Arbeiter der Schwindsucht erliegt. Die Belastung der Krankenkassen durch die Tuberkulose, deren Dauer ärztlicher- seitS auf etwa sechs bis steben Jahre veraiischlagt wird, ist un- geheuer. Fälle, daß ein Mitglied im Verlauf dieser Krankheit der Kasse 1000 M. und darüber gekostet hat. liegen vor, Fälle, wo Aufwendungen von 600, 700, 800 M. gemacht werden muhten. stnd häufig und wird jeder Kassenvorstand oder VerwaltnngSbeainie daS bestätigen können. Auch die Belastung der Jnvaliditäts- BersicherungSanstalten durch dt« Schwindsucht ist«norm, sie dominirt eben auch hier wie bei den Krankenkasse». Der neueste «oencht der Alters- und Juvaliditäcs�Versicheruugsanstalt Berlin vou zeigt, wie die Schwindsucht i» etwa ein Viertel aller Falle die Ursache der Invalidität ist, so in einzelnen Landes- 'heilen, wie z. B. in Baden, ist das Verhältuiß noch ungünstiger. Alle bisherigen Versuche, dieser Seuche «"r ft»w'hch1» sind zunächst mangels geeigneter Peitmethoden, weil es an geeigneten» Zusammenarbeite» eer interessirtm Faktoren fehlte, gescheitert. Hier in Berlin tjt m der proletarischen Bevölkerung unter Führung des •Jlrbetteroertreter-V ereins allmälig eine Bewegung erivachsen, die dieser Geißel der Menschheit ernstlich entgegentrete» und hat sich zu den» Behnfe eine provisorische Kommission gebildet. S ä m in t l i ch e Vorstände und Verwaltungs- beamten� der in Berlin und Umgegend domizilirendeil Orts-, Hilfs-. Jnnuiigs- undBetriebs-Kran ken- c JU en'"h äU �'uer Sitzung eingeladen, die am Freitag, den d. �tovember, abends öVs Uhr, nach den Arminhallen, Komman- da»te»straße 20, einberufen ist und wo zur Frage der Tuber- rulose Stellung genommen werde» soll. 29 pCt. Dibidende, noch 4 pCt. mehr als im vorigen Jahre, vertheilen die Vereinigten G u m in i w a a r e n- Fabriken Harburg-Wien diesmal an ihre Aktionäre. der Penstonsfonds der Beamten und Meister ist reichlich dotirt worden, auch an persönlichen Gratifikationen für diese Leute hat ,bAl Gesellschaft nicht fehlen lasse»; trotz des brillanten Ge- schaftsganges hat sie sich aber nicht entblödet, seinerzeit den Loh nderArbeiterher abzusetzen. ... Die Darmstäbtcr Stadtvcrorducten- Versammlung ent- schie!) sich mit großer Majorität für die Errichtung eines& e- Werbegerichts. Ter ArbeitsnachlveiS der Stadt Gießen wird am 2. No- vember eröffnet. I» zahlreichen Wuthschajlen sollen Plakate ausgehängt werden, die ans den Arbeitsnachweis aufmerksam mache». Formulare zur Anmeldung offener Stelle», sowie zur Alliuelduug von Stellegefuchen sollen in alle» amtliche» Verkaufs- stellen von Postiverthzeichen gratis verabfolgt werde». Im Bureau des Arbeitsnachweises wird ein Beschwerdebuch ans- liegen. Gegen die Entscheidung des Vorsitzenden der Arbeits- nachiveis-Deputation ist Vernsnng an die Deputation selbst zu- lässig, deren Entscheidung endgiltig ist. Um die Mitlheilung «der Erledigung von Gesuchen zn erleichtern, solle» bei jeder Anmeldung Postkarlen mit vorgedruöttem Text verabfolgt werden, die nach Erledigung der Gesuche ausgefüllt zurückzusenden sind. Soziale Mvchkspflege. Gegen nicht weniger als>41 streikende Steindrncker, Lithographen, Schleifer, Buchbinder er. richtete sich eine Klage wegen Kontraktbruches. die augenscheinlich die„Chroino lithographische Vereinigung" veranlaßt hat und die gestern vor der Kammer VIII des Geiverbegerichts zur Verhandlung kam. Es klagte» die Firme» Büttner u. Komp., Schäfer u. Scheibe, B a r n i ck, Böhme, A b e r l e u. K o m p. und die Firma Schlesinger. Da es sich um einen ersten Termin handelte, waren noch keine Beisitzer zu der Verhandlung hinzugezogen, die zunächst Magistrats- Assessor Blankenstein und dann Magistrats- Assessor von Schulz leitete. Die Klägerin»«» vertrat ein Herr B a s ch i n g, sämmtliche Beklagten ließen sich durch den Genosse» M i l l a r g vertreten. Die Klagen sind gleichzeitig in zwei Exemplaren zugestellt worden, von denen das eine an der Spitze als Nachtrag bezeichnet ist. In den„Klage" genannten Schriftstücken stützen sich die Kläger auf§ I24b der Gewerbe- Ordnung, wonach die Arbeiter bei vertragswidriger Niederlegung der Arbeit zu einer Buße in Höhe des ortsüblichen Tagelohns für eine Woche angehalten werden können, ohne daß ei» Schaden nachzuweisen ist. Es werde» deshalb in der Klage ohne Vor- behalt 16,20 M. verlangt. In dem Nachtrag dagegen wird dieselbe Summe unter Vorbehalt einer Nachforde- rung beansprucht, indem die klagenden Firmen sich ans die folgende Bestinlinung ihrer einheitlichen Fabrik- Ordnungen berufen:„In» Falle der rechtswidrigen Auslösung des Arbeitsverhältnisses seitens des Arbeiters hat derselbe den Betrag seines durchschnittliche» Wochenlohnes als Schadenersatz zu zahlen, ohue daß es des Nachweises eines Schadens bedarf.— Der Betrag fließt zur Gcschästskasse". M i l l a r g ivandte nun in allen Fälle» ein, daß dieser Nach- trag eine Klageänderung im Sinne des Z 265 Nummer 3 der Zivilprozeßordnung darstelle und darum unzulässig sei. Er gab dann zu. daß die meisten Beklagten allerdings die vierzehntägige Kündigungsfrist nicht de- achtet hätten. Sie hätten sich jedoch, führte er weiter aus, hierzu aus grund des H 152 der Gewerbe-Ordnung, der doch den Arbeitern die Koalitionsfreiheit zum Zwecke der Erringung besserer Arbeitsbedingungen geivährleiste, berechtigt gehalten. Betreffs der Ausständigen einiger Klägerinnen wendet Millarg noch besonders ei», daß Aeußernngen gefallen seien, aus denen ein Einverständniß mit der Nichtbeachtung der Kündigungsfrist zu entnehmen wäre. Auch seien z. B. die Arbeiter von Schäfer u. Scheibe nicht verpflichtet gewesen, die von ihnen verlangte Arbeil für andere Firmen zu»lachen, deren Arbeiter sich im Streik befanden. Hätten sie es getha», so hätten sie sich damit gegen die Moral und die gute» Sitten vergangen, was man von keinen, Arbeiter verlange» könne.— Die Klage gegen eine Anzahl Beklagte wird zurückgenommen, weil für diese die Kündigungsfrist ausgeschlossen worden war.— Ein Vorschlag des Richters, die Sachen auf unbestimmte Zeit zu vertagen und das Einigungsamt anzurufen, wird von den Beklagten vorläufig abgelehnt. Der Vertreter der Klägerinnen hatte nichts dagegen einzuwenden. Uebrigens zeichnete sich der Herr dadurch aus, daß er recht wenig sprach, sondern sich nur daraus verlegte, die Richtigkeit der Annahme der Beklagten und ihrer Behauptungen zu de- streiten. Sämmtliche Prozesse werden demnächst in Kammer- sitzungen weiter verhandelt. Einzelne versprechen in rechtlicher und auch anderer Beziehung sehr interessant zu werden. Wir berichten dann darüber eingehend. Wegen Beleidigung des Gendarmen Döhrmann hatte sich gestern der Arbeiter Heinrich Löwe aus Steglitz vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Der Anklage liegt folgender Thatbestand zu gründe: Ende Mai dieses Jahres gerieth der Arbeiter Fischer aus Steglitz mit einem Wirth auf dem Schützenplatz in Steglitz in Streit dar- über, daß sein Glas Bier nicht ordentlich gefüllt sei. Er rief den Gendarmen Döhrmann herbei und verlangte von ihm die Beschlagnahme deS Bieres. Döhrmann verweigerte diese und es kam zwischen ihm und Fischer, der angelrunken war, zu einen» Wortwechsel, wobei Fischer sich einiger beleidigenden Redensarten gegen Döhrmann bediente. Döhrmann gebot schließlich Ruhe, woraus Fischer sagte:„Ich bin ruhig, jetzt mach ich ein freundliches Gesicht und Sie machen ein freundlich Geficht, dann lachen wir alle beide." Döhrmann erklärte»ach diesen Worten den Fischer für verhaftet. Döhrmaiin will zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, wie er bekundete, zur Verhaftung des Fischer geschritten sei», da sich infolge des Disputs in dem Restaurationszell eine Menschenansammlung gebildet habe. Auf dem Weg zur Wache bog Fischer, der vor Döhrniann voraus ging, plötzlich rechtS in ein Kornfeld ein und lief in dasselbe hinein. Döhrmann lief ihm nach, in- dem er, wie er beeidete, rief:„Halt! Oder ich schieße!' Als er nicht stand, gab Döhrmann drei Schüffe nacheinander auf ihn ab. Fischer stürzte nach dem dritten Schuß und war bald darauf todt. Er hinterläßt eine Wittwe und mehrere Kinder. Am 16. Juni d. I. hielt ei» Steglitzer Arbeiterverein, zu dessen Vorstand der Erschossene gehörte, eine öffentliche Ver- sammluna ab, um zu dem Vorfall Stellung zu nehme». Der Angeklagte Löwe, der ebenfalls zum Vorstand des Vereins gehört, hielt ein kurzes Referat über de» Fall, verlas auch einen Zeitungsartikel, in den» berichtet war, daß der Gendarm Döhr- niann wegen der That eine Geldbelohnung erhalten habe und befördert worden sei, und sagte schließlich:„Wir müsse» annehmen, unser Kollege Fischer ist durch Mörderhand gefallen." Döhrmann stellte hieraus Strasantrag gegen Löwe wegen Be- leidigiing. Wie sich in der gestrigen Verhandlung herausstellte, hat der Chef der Landgendarmerie das Verfahren gegen Döhrmann am 16. Angnst d.J. eingestellt, weil demselben ein rechts ividriger Gebrauch der Schußwaffe nicht zur La st zu legen s e i. In dieser Verhandlung beeideten drei Zeuge», daß sie, als Döhrniann die Schüsse auf Fischer abgab, in unmittelbarer Nähe waren und sie nicht gehört haben, daß Döhrmann vor Abgabe derselben de» Fischer angerufen habe.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Löwe eine Woche Gefängniß. Der Verlheidiger Rechtsanwalt Herz selb führte aus, daß der Gendarm zun» Gebrauch der Schußwaffe nicht befugt war, daß seine That also ebenso beurtheilt werden müsse, wie die eines Privatmannes, der vorsätzlich auf einen andern schieße und ihn dabei tödle. Der Beweis der Wahrheit der Behauptung des Angeklagten müsse deshalb als geführt erachtet werden; höchstens habe sich der An- geklagte bei der juristische» Qualifikation der Tödtung im Wort vergriffe», was ihn» bei seinem Stande und seiner Aufregung über den Tod seines Kollegen und Freundes nicht verübelt werden könne, auch durch den§ 193 des Slraf-Gesetz-Buchs gedeckt»verde. Denn der Angeklagte habe wie jeder Bürger an der Besprechung und Geißelung dieser That ein berechtigtes Interesse. Er beantrage daher Freisprechung.— Das Gericht er- kannte auf dreißig Mark Geld st rufe oder sechs Tage Gefängniß. Der Gendarm Döhrmann habe den Fischer recht- müßiger Weise verhastet und auch rechtmäßig seiner Instruktion gemäß von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Tor Gold- und Silbcrwaarenhändler Aro« Wolfsoh» betreibt nebenbei eine» Handel mit Messtngspähnen. Diese Ab- fälle werde» in den Fabriken gewöhnlich den Arbeiter» znge- billigt. Wolfsoh» besucht die Fabriken und schließt de» Handel gleich an Ort und Stelle ab. In einer dieser Werlställen kam es zwischen ihn» und de» Verkäufern zu einer Meinungs- Verschiedenheit. Wolfsohn berief sich auf seine von ihm mitge- brachte Schuellwaage darüber, daß das von ihm angegebene Ge- wicht, 6t Pfund, richtig sei, während die Arbeiter das Gewicht der Messingspähne auf etwa das doppelte geschätzt hatten. Die Arbeiter nahmen die Waage selbst in die Hand und nun zeigte sich, daß Wolfsohn sich eines„Kniffs" bedient haben mußte, denn jetzt zeigte sie ein Gewicht von 12 Pfund an. Das Schöffengericht hatte W. derzeit wegen des versuchten Betruges zu fünf, wegen des Gebrauchs einer ungeaichte» Waage zu drei Mark Geldstrafe verurtheilt. Der Staatsanwalt hielt das Strafmaß mit Rücksicht darauf, daß arme Arbeiter betrogen werden sollten, für zu niedrig, er legte Berufung ein und beantragte im gestrigen Termine vor der Strafkammer für das Vergehen 30 M, für die Uebertrelung 6 M. Der Gerichtshof erkannte»ach diesem Antrage. Von den Leiden eincö„Pflege"kindeS erzählte die Ver- Handlung, in welcher sich gestern die verehelichte Sasse ivege» Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs vor der 137. Ab- theilung zu verantworten hatte. Die Angeklagte, welche Mittler mehrerer Knaben ist, nahm im Anfang dieses Jahres ei» Mädchen von 4—5 Jahren in„Pflege", weil fle— wie sie den Elter» sagte— so gern ein Mädchen habet» möchte bei den vielen Jnngens. Der Gerichtshof ist allerdings der Meinung, daß sie das kleine Wesen nur als— Dienstmädchen ausnutze» wollte. Die Kleine mußte nämlich das Geschirr abivaschen, die Stube aufwische», das Nachtgeschirr ausgießen u. f. w. Die Ernährung scheint nebenbei eine sehr mangelhafte gewesen zn sein; das Mädchen strotzte, nach Aussage der Zeugen, vor Ge- sundheit, als es zu der Angeklagten in„Pflege" kam, es siel aber bei dieser„Pflege" ab, wurde bleich, hager und schwächlich. Außerdem setzte es alle Augenblicke Schläge, so daß die Kleine ganz verschüchtert war; oft lief fie mit blaue», dickgeschwollenen Backen umher. Als ie eines Tages eine Tasse zerschlug, flüchteten sie aus Furcht vor der„Tante", wie sie die Angeklagte nennen mußte, auf den Bode»; die„Tante" ließ sie durch ihre Jungeus herunterholen und bald verkündete jämmerliches Geschrei die verabfolgte Züchtigung. Die Ermahnungen der Nachbarn, deren Mitleid rege gemacht worden war, fruchtete nichts. Am 2. Sep- lember gab es wieder eine empörende Szene, welche von der Nachbarn beobachtet werden konnte. Die sehr temperamentvolle Angeklagte bearbeitete das Kind zunächst mit dem Ausklopfer, und zwar nicht nur mit den Riemen desselben, sonder» auch mit dem Stil, immer über den Kopf. Dann zog sie das Kind an der Haaren in die Höhe und„stupste" es mit dem Gesicht auf den Fußbode». Die Prozedur hielt ziemlich lange Zeit an. Das war de» Nachbarn zn viel; sie wandten sich an die Polizei und die Mutter und diese nahm ihr Töchterchen wieder zu sich. Nach dem Autrag des Staatsanwalls erkannte der Gerichtshof aus 1 Monat Gefängniß. Eineu bemerke, iswerthcn Prozeß, den die Staatsanwalt- schaft gegen einen Scktirer eingeleitet hatte, hat jetzt das Kammer- »cricht zu Ende geführt. Der Angeklagte, namens Janssen, war Mitglied einer religiösen Sekte, die den Sonnabend zu ihrem Feiertag ausersehen hat. Er weigerte sich denn auch, seine Kinder am Sonnabend in die Schule zu schicken, was zur Folge hatte, daß ihn das Schöffengericht wegen der Schulversäumniffe zu einer Geldstrafe von 20 M. verurtheilte. Gegen das Urtheil egte I. Berufung ein und bat um Freisprechung, das Land- gericht verwarf jedoch das Rechtsmittel. Nun meldete I. bei»» Kammergericht die Revision an, er wurde aber auch in der letzten Instanz für schuldig erachtet. Das ungünstige Urtheil des Strafsenats wurde folgeiiderinaße» begründet: Die Behauptung des Revisionsklägers, daß Artikel 12 der preußische» Verfassungs- Urkunde die Freiheit des religiösen Bekenntniffes gewähre, sei allerdings richtig. Hierdurch würden indessen die Pflichten des Staatsbürgers nicht aufgehoben. Jeder Staatsbürger habe nun aber die Pflicht, seine Kinder an allen Wochentagei», also auch Sonnabends in die Schule zu senden. Dieser Pflicht hätte I. auch genügen müssen. Wenn er sich auf grund des Artikels 12 der preußischen Verfassuugsurkunde nicht für verpflichtet hielt, eine Kinder am Sonnabend in die Schule zu schicken, dann habe er sich in der Auslegung des Gesetzes geirrt. Der Laudfriedensbruch-Prozeß, der sich wegen der Vor- gänge in O p a l e n i tz a vor dem Schivurg ericht in M e s e r i tz abgespielt hat, ist auf alles andere eher hinausgelaufen, als aus eine Schmeichelei für die Sorte der Edelsten und Beste», die in dem preußischen DistriktSkommissar v. Earnap so köstlich ver- körpert ist. Das an» Freitag gesprochene Urtheil steht zn der Größe, zu welcher der Fall s. Z. namentlich von der konservativen und nationalliberalen Presse aufgebauscht worden ist, in gar keinem Berhältniß; und als wirklich Schuldiger an der Affäre des 14. September ist nicht die Reihe der Angeklagten, sondern der Hauptbelastungszeuge, der Herr Earnap betrachtet worden. Aus den Verhandlungen vom Freilag wäre als wesentlich noch die Vernehmung der Zeugen nachzutragen, welche der vom Schaffner Lehmann gemeldeten Szene mit beigewohnt haben sollen und nachträglich geladen lvorden sind. Stadtkämmerer K a l u sch a(Opalenitza) bekundete: Er sei am Abend des 14. September aus Anlaß der Abreise des Erzbischofs mit dem Apotheker Ehrist auf dem Bahnhof gewesen. Plöglich sei v. Carnap mit blutigem Gesicht, beschmutztem Rock, ohne Kopsbedeckung und mit gezogenem Degen auf den Bahnhof gekommen, v. Carnap war in größter Er- regung und sagte: Wo ist der Eczbischof? Ich will doch mal sehen, ob der Erzbischof nicht soviel Macht über die Hallunken. hat, die mich so geschlagen haben!— Präs.: Hat Herr von Carnap auch gesagt:„wegen solch' eines polnischen Schweines muß ich mich hier schlagen lassen"?— Zeuge: Nein, das habe ich nicht gehört.— Präs.: v. Carnap soll auch gesagt haben:„Ich muß das polnische Schwein in der rothen Jacke er- stechen" und ferner gerufen haben:„Wo ist das Schwein?"— Zeuge: Das habe ich nicht gehört.— Präs.: Wenn da? v. Carnap gesagt hätte, würde» Sie da» dann»och wissen?— Zeuge: Dies würde ich selbstverständlich noch wissen. Ich hatte de» Eindruck, daß v. Carnap sich nur bei dem Erzbischof beschweren wollte.— Apotheker C h r i st(Opalenitza), der hieraus als Zeuge erscheint, schließt sich den Bekundungen des Vorzeugen vollständig an. Die völlige Aufklärung dieser Affäre ist mithin nicht erfolgt. In den längeren Vertheidigungsredeu bemerkte einer der Rechtsantvälte, das Verhalte» des Herrn v. Carnap verdiene öffentlich gebrandmarkt zu werden. Nicht die Angeklagten, sondern v. Carnap gehöre auf die Anklagebank. Er sei überzeugt, dieser Prozeß werde für v. Carnap noch ein böses Nachspiel habe», zumal seine Straflhaten noch nicht verjährt seien. Ob diese optimistische Meinung zutrifft, wird sich ja bald zeigen. Nach dem Verdikt der Ge- schworenen sind bekanntlich die Angeklagten Klaszynski, Smier- chalski»i»d Roy der vorsätzlichen gemeinschaftlichen Körper- Verletzung unter Verneinung der Frage:„mittelst g-sährlicher Werkzeuge" und unter Zubilligung mildernder Umstände für schuldig befunden, alle anderen Schuldfragen verneint worden.— Ans der Verhandlung am Freitag ist noch zu erwähnen, daß einige Zeugen nach ihrer eidlichen Bekundung von dem Koni- missar v. Carnap vielfach mit dem Degen mißhandelt wurden, weil sie polnische Lieder gesungen. Auf eine Frage des einen der Vertheidiger an Herrn v. Carnap, ob es zu seinen Ge- pflogenh-iten gehöre, die Leute zu mißhandeln, verweigerte dieser die Antwort. Das Urtheil der Richter lautete, wie schon gemeldet, dahin. daß Klaszyttski mit 3 Monate» Gefängniß, Smierchalski mit 30 M. Geldstrafe event. mit 6 Tagen Gesängniß, Roy mit 20 M Geldstrafe event. 4 Tagen Gefängiliß zu bestrafen, alle anderen An- geklagten dagegen kostenlos freizusprechen seien. So weit eine Berurtheilung erfolgt sei, fallen die Kosten gemeinschaftlich den verurtheilte» Angeklagten zur Last. Der Gerichtshof habe als Hauptmilderungsgrund erwogen, daß die Angeklagten durch das schnelle Fahren des Herr» v. Carnap in die Menschenmenge und durch dessen Schimpfen gereizt worden seien.— Auf Antrag des Rechlsanivalts Wolinsli werden die Kosten für die von der Ver- theidigung geladenen Zeugen der Staatskasse auserlegt. Ter NeichSpost-Berwaltung hat es neuerdings in einigen aufsehenerregenden Fällen beliebt, sozialdemokratische Zeitungen wegen Postgeldhinlerziehung unter Anklage stellen zu lassen. Zu- weilen hatte sie hierbei das Glück, eine Berurtheilung zu er« ziele». Ein ganz besonderes starkes Stück wird jetzt unseren Parteigenossen Geck in Offenburg zugemuthet, weil er seit drei Jahren eine» bestimmten Theil des„Offenburger Volksfreunde» arglos durch Boten nach anderen Orten besorgen ließ. Mit Geck sind noch 11 Parteigenossen angeklagt. In der am 30. Oktober stattgefundenen Gerichtsverhandlung beantragte der Staats- anwalt, die Angeklagten zu 4973,60 M. Strafe, dem doppelten Betrag der angeblich defraudirten Summe, zu verurthetlen. Das Urtheil soll am 4. November verkündet werden. In dem Habererprozeß verurtheilte heute das Münchener Landgericht den Bürgermeister Eleingräber von Eauerlach zu 3 Jahren, den Angeklagten Killi zu 2 Jahren S Monaten, 2«n» geklagte zu je 2 Jahren uud 45 Angeklagte zu l'/t Jahren dt» 3'/2 Monaten Gesängniß. 3 Angeklagte wurden freigesprochen. Wie uns eine Privatdepesche meldet, wurde den Angeklagten die Untersuchungshaft zumeist augerechnet. Ei» Kenner der Volksgerichte schreibt unS: Das Wort und die Sitte deS Haberseldtreiben» dürfte einen anderen Ursprung haben als den, der in dem heutigen inter- essanten Feuilleton des„Vorwärts" ihm beigelegt ist. Echmoller's bayerisches Wörterbuch, das der Verfasser deS Feuilletons»inrt. und Grimm, vertreten mit Recht folgende Auffassung. Das Haberfeldtreiben ist ein Ueberbleibfel der altdeutschen«ehm- ii»d Rüge-Gerichte. Das Haberfeldlreibe» findet sich am meisten, viel- leicht auch an» ursprünglichsten in der an vielen Orten Bayerns bestehenden, mit der süddeutschen naiven Sinnlichkeit kontrastirende» Gewohnheit, daß ein zu Fall gekommenes Mädchen des AbendS von den jungen Burschen des Dorfes unter Geißelhieben in ein Haber-(Haser)- Feld und von dort wieder nach Haus getrieben wurde, nachdem ihn» ein Hafer- strohkra», ausgesetzt worden. Der Verführer selbst mußte diese Sitte mitmachen. Sie wird uns in den„wohlgemeinten Para- graphen des bayerischen Predigers"(Bd. I S. 15)" und bis in die neueste Zeit hinein(„Bayerischer Landbote", Jahrgang 1626, 1327. 1834, bayerisches Regierungsblatt 1336 S. 700) bezeugt. In den erwähnten Paragraphen des bayerischen Prediger? lautet eine Stelle unter Hinweis auf diese Sitte: „Menscher gebt acht, daß Ihr nicht mit der Zeit mit de», Strohkränzel vor meinem Pfarrhaus vorbeispazieren müßt." Im September 1334 versuchte die bayerische Regierung dadurch, daß sie eine halbe Kompagnie Soldaten in ei» Dorf des Miesbacher Bezirks legte, diese Sitte zu vertilgen. Ein Kranz von Haferstroh galt als Zeichen der außer- ehelichen Befiecktheit. Auch in einigen ostpreußischen Gegenden werden gefallene Mädchen niit solchem Kranz ge- schmückt. Das Stroh sollte an das Strohlager, in dem die Geburt erfolgt war, erinnern. Das Hrberfeldtreiben richtete sich allerdings nicht nur gegen geschlechtliche Vergehen, sondern gegen alles, was»ach der Rechts« auflassung des Volks verwerflich, aber nicht unter Strafe ge- stellt war. Veztefchett und letzte Aucheichken. Flensburg, 31. Oktober.(W. T. B.) In der Heuligen Ver- Handlung des Seeamtes über die am 3. Sept. d. I. erfolgleStraudung des dänischen Dampfers„Johann Siein" im KatserWithelms-Kanal. wodurch der Kanal vier Wochen gesperrt>var, gab das Ereamt seinen Spruch dabin ab, daß der Unfall durch eine Reihe unglücklicher Zufälle herbeigeführt sei. Den Lootse» treffe kein Verschulden; wen» Taucher früher zur Stelle gewesen wären, hätte das Sinken des Schiffes vermieden werde» können. «s- Lemberg, 31. Oktober.(B. H.) Das hiesige Schwurgericht ver- urtheilte de» Dorfschmied Gorgol zu zwei Jabre» Zuchthaus. weil er unter listigen Vorspiegelungen fünshundert galizische Bauer» zur Auswanderung nach Brasilien veranlaßt Halle. Wien, 31. Oktober.(W.T.B.) Der oberste Gerichts-»»d Kassalionshos hat heute die gegen daS Todesurtheil des Raubmörders Kögler eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde verworfen. Trieft, 31. Oktober.(B. H.) Der die Bäder von Portorose besuchende Ingenieur Wallenberg aus Kottbus stürzte sich i» das Meer uud ertrank. Ueber die Gründe zum Selbstmord ist»och nichts bekaimt. PariS, 31. Oktober.(W. T. B.) Aus den Departements eingegangene Depeschen melden, daß die Ueberschwemmuuge» in dem Gebiete der Rhone uu': der SaSUe fortdauern. In den niedriger gelegenen Stadtthei.'en von Lyon konnten sich die Einwohner nur mit Mühe retten. Einige Häuser snid ein- gestürzt; die Arbeit ruht. Weitere Ueberschwemmungen werden namentlich aus Valence, Avignoi» und Bourg gemeldet, wo unter der Bevölkerung große Bestürzung herrscht. Verantwortlicher Redakteur: August Jaeobey in«erlin. Für den Jnserateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berti«. Druck und Verlag von wia»«»dt«« in Verlin. Hierzu 4 Beilage». 1. Beilage zum„Vomiirts" Berliner VoMIatt. Ur. 337. Sonntag, den 1. Uonembev t896. 13. Jaljvg. UoNttles. T'ie städtische VerkehrSdeputatiou hielt Freitag Abend eine länger« Sitzung im Rnthh.nife ab. Zur Verhandlung stand laut Beschluß der letzlen Tagung, der Vertragsentwurf mit der Pserdebahu-Grsellschaft, welcher paragraphenweise durchberathen wurde. Abgesehen von kleinen, verschärsenden Zusätze» wurde» lediglich die durch den Wegfall des von de» neue» Linie» handelnden tz 4 bedingten Abänderungen beschlossen. Wie wir schon mit getheilt haben. wird es bei der bereits e r t h e i l t e n Z u st i m m» n g zu de» im Z 3 aufgeführten Linien sein Bewenden behalten; es sind dies die folgende»: Die Verbindung der End- punkte Weidendammer Brücke und Friedrich-Behrenstraße(unicr Iteberschreitung der Linde»), Schlesischestraße- Köllnischer Fisch markt, Behrenstrabe-Jnnkerstraße, Neue Friearichstraße, Schüller Alexanderstrane, Friedrich- und Kochstragen-Ecke- Behrenstraße. Mnsrnmstraße. Luftgarten, Schloßplatz, Kaiser Wilhelni-Brncke- Loihringerstraße. Jngleichen soll die der Pferdebahn-Ees-llschast in dem früheren Vertrage geivährte V o r r e ch t s- Zu s i ch er u n für die Ausführung der durch die Linden, die Wilhelm-, Kaiser Wilhelm- und Friedrichstraße(Behrenstraße bis Weidendammer Brücke) zu führenden Sirecke» auch in dem neuen Vertrage an, rechterhaltt« werden. Rücksichuich der ersterwähnten Linien aber wird zusätzlich verlangt, daß die Gesellschaft aus Verlangen des Magistrats auch Theil st recken derselben baue» und in Be trieb setzen muß, sodaß sie also z. B. vom Bau der Linie Echl-siicheftraße Kölnischer Fischmarkt nicht deshalb Abstand nedme» darf, weil sie etwa für die enge Jiobstraße die landes- polizeiliche Genebinigiing nicht erhält. Eine längere Debatte riei der von der„ G t g e» l e> st»„ g der Gesellschaft" handelnde H 12 bervor. Der Vertragsentwurf fordert bekanntlich von der Bruto-Eiiiiiahme(einschließlich der Avonnenients) eine Belriebsabgabe von S pCt., welche erHobe» werden soll, sobald die Hälfte des Bahnnetzes auf städtischem Gebiet für den elektra motorischen Betrieb eingerichtet ist. Es wurde vorgeschlagen, die Betriebsadgabe ans Iv pCt. zu erhöhen und zivar in Rucksicht auf das günstigere Angebot der Firma Siemen' u. Halske und andere Verkehrsgesetlschafte». Zum Beschluß darüber kam es nicht, da die Deputation der vorgerückten Zeit wegen sich auf nächsten Mittwoch vertagte. In der unter Vorsitz des Bürgerineisters Kirschner ab- gehaltenen Sitzung der gemischten Deputation betreffend eventueller Uebertragung des Eigenthuws der Berliner E l e k t ri z i t ä t s. werke auf die Stadlgemeinde wurde die Berathung über diese Frage, welche bereits im Frühjahr dieses Jahres zu de», Be schlnsse der Deputation geführt hatte, die Elektrizitätswerke i>. städtische Regle zu übernehmen, aus grund desjenigen Materials rverdem t' Beschluß soll in der nächsten Sitzung gefaßt In der Mordangelegenheit Lebst läßt der Polizeipräsident v. Wlndheim der Presse durch die Vermittelung von Wolff's Telegraphen- Bureau eine überaus lange Rechtfertigungsschust jiigchen, in der zunächst auseinandergesetzt wird, daß' die Polizei vom Morgen des ersten Tages an auch Werner in Verdacht ge- habt und auf seine Wohnung Acht gegeben habe. Dann legt Herr v. Windheim dar, wie schädlich es unter Umständen sei. wtnn— die Oeffentltchkeit zeitig von einer geschehenen Mord- kh?s erfahr». Dies« Belehrung, die— wie wir gestehe» «lnsscn— auf uns, wie auch wohl auf andere Leute ziemlich verblüffend gewirkt hat, lautet folgendermaßen: Wenn der Kriminalpolizei ein Vorwurf daraus gemacht wird, daß sie nicht schon am Sonntage durch Säule na Uschlag die Blutthat zur öffentliche» Kennlniß gebracht habe, so scheint von der irrlhümliche» Annahme ausgegangen zu werden, daß enie Veröffenilichung ilnter allen Umstände» dem Ermittelnngs- zweck förderlich sei. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Vor- zeitig« oder ungenaue Veröffentlichungen können den Erfolg der Nachforschungen leicht vereiteln»nd auf falsche Spuren führen. Ei» Urtheil hierüber hat nur diejenige Behörde, welche die Fäden in der Hand Z?1"uÖ. welche auch die Verantwortung für die Folgen der Veroffeiitlichung übernehmen muß. Die Kriniinalpolizei hat Nicht ohne Grund Zweifel gehabt, ob nach Lage der Sache eine öffentliche Bekanntmachung am Sonntag zur Ermittelung der Thäter geeignet war. Der Troschkenkulscher S. Halle die vier jungen Leute. die an den, Morde betheiligt sei» sollten. nur flüchlig gesehen und konnte sie daher auch nur ungenau beschreibe». Es lag daher die Gefahr nahe, daß eine aui grund seiner AngabO öffentlich bekannt gemachte Personalbeschreibung der muthmaßKchen Thäter Jrrlhümer enthalten werde, ftür alle Fälle wurde, da der 18 Oktover ein Sonntag war, an welchem der Betrieb in de» Druckereien von 6 Uhr morgens ab ruhen muß, bei der Firma Nauck und Hart Ulan»'' und Anschlag werden könne. Druck bewirkt früh. angefragt, wann eventuell der einer polizeiliche» Bekanntmachung Die Antwort lautete:„Montag Wenn sich nun auch Mittel gesunden habe» würde», de» Säulenanschlag noch im Lause des Sonntags herzustellen, so nahm doch unter diesen Umständen der Leiter der Kriminal Polizei Abstand, da er auf eine sofortige Bekannt- mach u n g keinen großen Werth legte und hoffte, am iolgenden Tage die Thäier genauer beschreibe» zu könne». Daß die Kriminalpolizei die von ihr gegen Bruno Werner erinittelle» Verdachlsgründe nicht schon am Sonntag oder Montag de» Zeitungen zum Zivecke der Ver- öffentlichung mitgetheill hat, kann nur gebilligt werde». Es wäre sogar ein enlschiedener Fehler gewesen, wenn sie anders gehandelt hätte. Bruno Wenier war ganz initiellos und daher die Erivarluiig berechtigt, daß Hanger und Kälte ihn in die� durch Polizeibeaiute bewachte Wohnung seiner Mutter zurücklühre» würden, wie es bei dem in gleicher Lage befindlichen Millhäler Willi Grosse geschehen ist. Hierauf aber konnte nichl gerechnet werde», indem Werner öffentlich als Mörder bezeichnet winde. Die Kombination der Kriminalpolizei hat sich als durchaus zutreffend erwiesen. In der Thal habe» Werner und Grosse, wie durch die heutige Aussage des erstere» jetzt fest- gestellt ist, am Montag Morgen, nachdem sie 24 Stunden im Gruneivalb uinhergeirrt ivaren, den Entschluß gesaßt.in die Wohnung ihrer Multer zurückzukehren. Werner ist hieran aber dadurch abgehalten worden, daß ihm in einem Schanklokal in Wilmers- dors ein Zeitungsblatt in die Hand fiel, in welchem berichtet wurde, daß der Verdacht der Thäierschaft sich auf einen früheren Schreiber des Ermordeten gelenkt habe. Eine Veranlassung, bei Aerzten. Heilgehilfen, Sanitäls- wachen u. s. w. Nachfrage zu halten, ob am Sonnlag Morgen ein junger Man« mit einer frischen Verletzung sich dort vorgestellt habe, lag nicht vor, da der Befund am Thatort keinen Anhalt für die Annahme gegeben hatte, daß die Mörder bei Aussührung der Thal Verletzungen davongetragen hatten. Daß ep'Zr von ihnen bei den mit den Dolchmesser» geführten Stöben' sich selbst in die Hand gestochen hatte, konnte nicht vorher gesehen werden. Ein Kounnentar zu dieser Belehrung des beschränkten UuterthauenverstattdeS hieße ihre Wirkung abschwächen. Zur Illustration des Scharfb.cks der Polizei im allgemeinen genügt aber wohl die Meldung, daß der Mörder Werner während seiner fast vierzehntägigen Wanderung nach dem Harz die Nächte sowie auch zum theil die Tage meistens in den unseres Wissens ständig von der Polizei kontrollirten Verpflegungsstalionen zugebracht hat. Das sagt wohl genug. Zu», Schluß heißt es in der Rechtfertiguiigsschrift noch viel- verbeißend: Das Polizei-Präsidinm verkennt nicht den Werth der Unlerstütznng durch die Presse bei der Erfüllung der ihm ob- liegenden Aufgaben, insbesondere bei der Ermittelung strafbarer Handlungen und wird sich»iemals der Berücksichtigiliig fach- gemäßer Rathschläge verschließen. In der Bemlnihiguiig des Publikums durch die Herabsetzung der polizeiliche» Organe, ivie dies fast ausschließlich in, vorliegenden Falle geschehe» ist, vermag das Polizei- Präsidium eine ivirksanie Unterstützung jedoch nicht zu finden. Uebrigens ist auf aus- drückliche»'Antrag des Chefs der Kriminalpolizei selbst beim Herrn Minister des Innern angeregt worden, eine Untersuchung über etwa»othwendige oder wünschens- werthe A e n d e r n» g e n in der Organisation der Kriminal- polizei eintreten zu lassen. Das Polizeipräsidiuni glaubt in der Annahme nicht fehlzugehe», daß der Herr Minister eine solche Uiltersuchung anordne» wird. Der Polizeipräsident. (gez.) v. Windheim. Man wird abzuwarte» haben, ob die Untersnchmig wirklich zu den überall für nothweudig erkannten Reformen oder zu einer Reihe— Preßprojeffe führen wird. Wie dem auch sei, die polizeiliche Rechtfertigungsschrift >vird, ivie so manches brave Walten der Behörde, im große» Publikum kaum die erhoffte Anerkennung finden. Die Menschen sind eben zu schlecht, von der nörgelnden Presse zn sehr ver- dorbe» worden. Ter Mörder Werner sitzt nun gleichfalls hinter Schloß »nd Riegel. Er»nd sein K->nipan Grosse sehen de» Prozeduren. die noihivendig sind, um die zivei junge» Menschen wegen der begangenen Greuellhat ins Gefängniß zn bringe», mit Hingen und Bangen entgegen; einige Woche» vergehen, bis die H«ipt stadt die Sensation der Gerichtsverhandlung hat, und wen» diese Förmlichkeit vorüber, schließen sich die'Akten über die Mordasfäre Levy. Bis aber die letzte Szene des Dramas heran gekommen, wird die staatserhallende Presse»och iveidlich feite Happen aus dem>villkon»»e»en Fraß herauszerren. I nach den Geschäslsprinzipien ihrer Verleger wird der geriebenere Theil der Blätter das liebe Publikum mit dem Herumtragen der großen Sensaiionslappen ergötzen, denen des Scheins halber einige Moralfetzen beigemengt sind; der unentwegte Theil der Presse nagt am mageren Kiiochen der an der Mordthat schuldigen Sonntagsrahe, und in de» Augen der konservativen Thierchen glänzt während der Arbeil des Verdauens von Zeit �u Zeit eine Thräne christliche» Grolls darüber, daß man de» zugendlichen Verbrechern imnier noch nicht mit Knute oder Rad de» Garaus mache» kann. Jedes staalserhaltende Blatt hütet sich aber geflissentlich, die sozialen ll> fachen prüfen, aus denen herans das Verbrechen erklärlich wird Wir habe» genau aui die Haltiing der Presse in der Mordaffäre acht gegeben, aber dislang blieb, ivas ja in, gründe auch selbst verständlich, von alle» TageSvlälter» der„Vorwärts' mutlerseelenallein mit der wegen ihrer Absche ilkbkeit überall vorsichlig umgangene» Wahrheil, daß die materielle Lage und die moralische Unigebung, gekennzeichnet i» der jaillniervollen Entlohnung, die der zum Mörder geivordene junge Mensch im Hause des reiche» Anwalts bezog, und in de» vielen Kaifflich keilen, von denen er, ein halbes Kind, dort Keniitniß nehme» mußte, wohl wesentlich die treibende Kraft zum Verbrechen ab gegeben haben. Heule behandelt Maximilian Harden in der von ihm berausgegebeiien Wochenschrift„Die Zukunfl" de» Fall i» einer von dem Gebahren der Ordnungspresse grliiidverschiedenen Weise Harde» erklärt die Ursachen der That>vie folgt:„Bruno Werner ivar Schreiber in Levy's Bureau. Bei fast allen Anwälten in es Sitte, Knaben im Schreiberdienst zu verivenden; warum" W-il Knabenarbeit billiger ist als die Leistung Erwachsener und weil durch ihre Verwendung das Spesenkonto verniinderl und der Geschäftsectrag erhöhl werden kann. Der Jiistizraih Levy halte reichliche Einnahme und brauchte durch die Ausnützung der Kinderarbeit seine» Profit nicht zu mehren; ob er sich um das junge Leben geküinmert haben mag. das ihm a» vertraut war? Gewiß nicht; er verwerthete die Arbeit des Jungen und warf ihn, als er ihm nicht mehr taugte, aiifs Pflaster. Und doch sind gerade diese Knaben in besonders ge sährdeler Lage und mehr als andere liebevoller Aufsicht bedürftig Sie werden jämmerlich bezahlt und haben kaum irgend eine Aus ficht auf eine Besserung ihrer Lebenslage; gewöhnlich werde» sie. 'obald sie erwachsen sind und höhere Ansprüche stellen, weggeschickt, denn in die Schreivftubeii der Anwälte dränge» sich alle Schiff- brüchigen, und die Möglichkeit, eines Tages einmal Bureau- Vorsteher zu werde», ist so fern wie der Hauptgewinn in der Lotterie. Im besten Falle bleibt ein solcher Mensch also sein Leben lang Schreiber. Und in welche sittliche Wirrniß blickt oft ein Kindelauge hinein! Er reibt sich an gescheiterten Existenzen, er sieht, wie sür blankes Geld anm die schlechteste Sache gern übernommen, wie der zahlungsfähige Betrüger, Gründer und Gauner besser behandelt wird als der arme Ehrenmann, der den hoben Kostenvorschuß nicht aufznbringen ver- mag, wie jeder Klient nur als Aiisbeninngsoi'jekt ge wogen, niemals aber sittlich geiverthet wird und wie ein allgemein geachteter und wohlhabender Mann alle Künste charssinniger Schlauheit aufwendet, um eine» Schuldigen der Strafe zu entziehen. Für ein Kindergemütb, dem noch die schere Unterscheidungsfähigkeit des reifen Verstandes sehlr, ist ein gefährlicheres Milien kaum zu erdenken; und diese Lnit alhmet der Knabe, ohne daß von den Erwachsenen einer sich um sein inneres Sinnen und Werden kümmert. Mälig verschwinnneii hm die einst unverrückbar ieste» Grenzen von Recht und Unrecht und bald gelangter ans de» Scheitelpunkt der kapitalistischen Ethik, wo von Felsenwänden Sdylock's Wort wiederhallt, daß Gewinn Segen ist, iven» man ihn nicht stiehlt. Wenn man ihn nicht stiehlt? Wen» ma» sich als Stehler nicht erlavpe» täßt! Denn hoch erhobenen Hauptes schritt doch mancher Dieb, den der Herr Rechtsanwalt frei gekriegt" hatre, durch die Schreiberstube. I» den Gold- Haufen des Anwalts wühlen, mit seine» blauen und grauen Scheinen die Taschen polstern! Wie ein Feuersunke in Hobel- pähne, fiel der brennende Wunsch in den Splitterkehricht ittlicher Rechtsschranken und setzte schnell das ganze morsche Wesen in helle Flammen. Das Kind wird zum Dieb, wird, weil zwischen dem Wunsch und der Erfüllung Menschenleiver stehen, zum Mörder. Und die Organe der Gesell- 'chaft, die mit recht die That schändlich und scheusälig nennt, schreiben für die Ergreifung des Thäters Belohnungeii aus und tacheln die Gewinngier, um ihrem schemenhaften Rechtsbewußt- 'ein Sühne zu schaffen." Kein Verständiger wird sich der Erwartung hingeben, daß irgend eine Staats- und Ordnungsstütze durch das grause Schicksal, welches ihrem Klassengenosse» bereitet worden ist, bestimmt werde, Hand zur Besserung der Schäden anzulegen. Der Mörder Werner wurde Freitag Abend nach seiner Ankunft im Polizeiprändinm sofort der Kriminalpolizei zugeführt behufS Aufnahme seiner Personalien und alsdann nach der Zelle gebracht. Werner, der in Zellerfeld durchaus ruhig war und sich auch bei Anspielungen ans die ihm bevorstehende strafe gleich- gillig zeigte, trug dieses Benehmen auch während der Fahrt nach Berlin zur Schau. Erst kurz vor Eintreffen des Zuges auf dem Potsdamer Bahnhof wurde er ängstlich und erknndigte sich b" den ihn transportirenden Beamten danach, ob der Bahnsteig gesperrt nnd er vor Mißhandlungen seitens des Pu- blikums gesichert sei. Auch bei der Fahrt nach dem Alexanderplatz und nach seiner Einlleserung dort« selbst war von der Gleichgiltigkeit Werner's nichts mehr t» be- merke»; derselbe sch lief in der Nacht»ur sehr wenig.— Die Aussage», welche der Verbrecher über den Mord gemacht, sind bereits bekannt und stehe» in vielen Einzelheilen in scharfem Widerspruch zu den Ailssagen des Grosse, welchem W. die Haupt- schuld an dem Morde aufzubürden sucht. Bemerkenswert h lfl, daß W. mit voller Entschiedenheit auch noch gester» den ihn transportirenden Beamte» gegenüber jegliche Beiheiligung einer dritte» und vierte» Person an dem Morde bestreitet und von de»„Schmierestchern", welche nach der Angabe Grosse's auf der Straße ausgegriffen sein sollten, nichts wisse» will. Werner wird heule dem Grosse gegenübergestellt nnd vielleicht wird es gelingen, festzustellen, welcher von beide» die Wahrheit gesagt hat. Unter Hinweis auf 8 11 deS Prestgefetzes erhalte» wir vom Polizeiprälidente» folgende Berichtigung: I» Ihrem Blatte vom 27. Ottober er. Nr. 252 ivird die Darstellimg einer Korrespondenz über de» Unfall des Gymnasiasten März am Abend des 24. d. M. in der Bad- ftraße gebracht, worin behauptet wird, daß von der Polizei sachverständige Leiste, der Maschinenmeister der Brauerei Gregory und andere, daran gehindert worden seien, die geeignete Hilfe zur Erniöglichnng einer leichleren Lösung der Verstrickung der Bremseistheile des Pferdebahnwagens mit dem Korper des Veruiiglückten zu leisten und daß statt dessen«stt die Feuerwehr herbeigerufen worden sei. Diese Be- Häuptling ist wahrheitswidrig, weil weder der ge- »aniite Maschiiienineister, noch andere Sachverständige der Polizei gegenüber überhaupt die Absicht bekundet haben, sich der bezeichneten Hilfeleistung zu unterziehe». Unwahr ist milhi» auch, daß die Polizei durch Jnhibirung dieser H»!* die Entrüstung der Zuschauer heraufveschivore» habe, bezw. daß dem lauten Ausdrucke dieser Eatrüst-mg polizeilich-rseits mit d e m der blanken Waffe begegnet worden sei. Allerdmgs haben die Exekiltivorgaiie stch genölhigt gesehen, blank zn ziehen, aber erst später und zwar, weil die Bergung des»ach den stunden- langen, sachverständigen Bemühungeii der Feuerwehr frei- gemachten Verunglückten>l»ter dem ungestümen Andränge der neugierige» una radausüchtigen Menge andernsalls bedauer» licherweise ernsten Schwierigkeilen begegnet wäre. Wir geben diese Berichtigung, die stch nicht ganz an unsere Notiz den Unglücksfall betreffend anlehnt, wieder, bemerken aber ausdrücklich, baß uns seinerzeit von einem»»gestümen Andränge einer radausüchtigen Menge nichts bekannt war. An- sammliingen werde» gelegentlich solcher Unglücksfälle immer statt- siuden»»d niag der N.iville der Menge wohl als Eutrüstnng über de» Unglücksfall selbst aiiznsehe» sei». Hiermit ist auch gleichzeitig Gelegenheit zur weiteren KlarsteUung des Falles ge- gebe». In den Berliner Konsumvereine« geht es zum theil londervar zu. Diese Vereine ha>-eu mit den Instituten gleichen Namens im Laiide meistens nichls gemein als eben nur den Namen, nnd dezwecken eigeullich kauui etwa? anderes, als durch den Köder des Weihnachts- Rabaits Kmiden heranzulocken und die Händler, die das bekannte Plakat im Laden hängen haben, zn gunsten einiger weniger Vorsitzenden Macher auszusauge». Dem Knuden, der bei dem im Verein eiiigeirageuen Händler käust, wird zu Weihnacht ein ganz geringer Rabatt vom Umsatz der von ihm auf Kousiimiiiarke» entnommenen Waaren ver- spräche», dem Händler wird bei Einlösung der Marlen ein größerer Prozentsatz abgezogen und von dem beträchtliche» Ueber- schuß, der aus der Differenz verbleibt, heimse» die„Vorstands- milgtieder" ein. Sie sind Existenzen, die, ohne eine» ivirthschast« lichen Nntze» zu haben, de» Händler zwingen, sich am Kmiden durch höhere Preise, oder da dies schwer geht, durch minder« , verthige Waare schadlos zn halle». Gegenwäriig gährl es im„Konsumverein Süd-West" der- art, daß lürzlich seine Auslösung beschlossen wurde. Der Verein hielt am Freilag'Abend seine Schlußversammlung ab. Die Ver- saminlung verlief äußerst tuniultuös uiid»ahm schließlich einen »nerivarlelen Allsgaug. Die ans de» Geschnstsbericht folgende Debatte gestaltete sich äußerst stürmisch»nd erregt, da die Anivesenden sich in zwei Gruppen für und gegen den bisherige» Rendanten spalteten. Der Rendanl hat auf das Vereinsvermögen einen Arrest ausgebracht, um seine Gebalts- ansprüche zu sichern. Scharfe persönliche Anspielungen flogen hin und her. Schließlich wurde die Aersamniliing unter großem Tumnll geschlossen und ö Minuten darauf eine neue„öffentliche Versammlung" eröffnet, welche die Gründung eines neue» Konsum- vereins bezivecke. Da die sich bis nahe an Thätlich- leiten steigernde Unruhe dies verhinderte, so wurde auch diese Verfanimluiig geschlossen und eine neue Versammlung für nächste Woche einberufen. Im Miisenn« für deutsche Volkstrachten und Erzeagniffe des Hausgelverbes, Klosterstr. öS(geöffnet täglich von 11—2, außer Mittwoch), sind die mannigfachen zur Berliner Geiverbe- Ansstellniifl entsandt geivesenen Gegenstände wieder eingereiht ivorben. Äteu aufgestellt wurde ein großer eiserner, sogenannter Reoolverständer, wodurch die vielen iin Besitz des Museums befindlichen, bisher nicht ansgestellten Photographien und Trachten« dilder der öffentlichen Besichtigung zugänglich gemacht sind. Das Berliner'Aqnarinm ist in der glücklichen Lage ge« weseii, eine der seltensten und darum werlhvollste» Schlangen, welche im Aquarium und auf dem Kontinent überhaupt noch nicht gezeigt werke» koiiiiteii, z» eriverbeu. Es ist die in Indien und auf dessen Insel» heimische Riesen- Hutschlaiige(BimZan«), von welcher zwei Exemplare durch eine» Kapitän über England mit nach Hamburg gebracht und von da dem Aquarium zugeführt»vurden. In der Tracht ähnelt sie den ungefährlichen Nattern, durch den Besitz von Gistzähnen nnd Giftdrüse» aber zählt sie gleich den in dieselbe Gallinig ge« hörenden und im Aquarium gleichfalls vorhandenen eigrutlichen „Brillenschlangen" zu den gefährlichsten unter ihresgleichen. Was ie jedoch ganz besonders fürchterlich erscheine» läßt, daß ist ihre riesige Größe und der Umstand, daß sie, abweichend von allen anderen Gistschlange», ihrem Angreifer gegenüber stand hält »nd in ihrer Wuih den Feind sogar verfolgt. Das eine der hier befindliche» Thiere ist ö'/z pjz 4 Meter lang und armdick. Die Urania, Abtheilung Jnvalidenstraße, wird, wie vor einige» Jahren, auch in der gegenwärtige» Saison dem Publikum eine Reihe von Vorträgen hervorragender Gelehrte» bieten könne», welche am nächsten Freitag, den 6. d. M., durch unseren bedeutenden Analomen Waldeyer mit einem Aortrage über den „Aufbau des Nervensystems" eröffnet werden wird. Ihm folgt am 13. November ein Bortrag des Herrn Dr. G. Wegener über die Eindrücke seiner Reise nach Spitzbergen und seines Zusammen« Ireffens mit Andröe und Nansen. Demselben werden sich Pro- feffor Dr. Wahnschaffe, Professor Frech(Breslau), Professor K»y. Dr. Jcsench zc. anreihe». Diese Vorträge, mit denen die genannten Gelehrten die Bestrebungen der Urania in erfreulichster Weis« unterstütze», können durchaus nur einmal gehalten werden. Das Nepertoir für diese Woche der Urania in der Jnvalidenstraße lautet: Sonnlag: Herr Dr. Naß. Die Elemente des Wassers.— Montag: Herr Dr. Schwab». Ueber Gebirgsbildnng.— Dienstag: Herr Dr. Bayard, Japan I. — Mittwoch: Herr Professor Müller, Das Hühnchen im Ei.— Donnerstag; Herr Dr. Spics, Die Entstehung des elektrischen Stromes.(2. Vortrag des Zyklus über Elektrotechnik). Freitag Professor Dr. Waldeyer, Ueber den Ausbau des Nervensystems — Sonnabend: Herr Dr. Bayard, Japan II.— In der Urania in der Taubenstraße wird am Sonnlag, Montag und Sonnabend „Ein Ausflug nach dem Monde" gegeben, am Dienstag, Mittwoch. Donnerstag und Freitag„Ditrch de» Gotthard". Die Tage deS alten RcichstagSgebiiudeö sind, der„Voss. Zeitung" zufolge, jetzt gezahlt. Am 1. Januar ISä7 Imyt der zwischen der Regierung und dem Pächter des Reichslagsgebäudes, de». Geheimen Ober-Regierungsralh Frhrn. v. Broich, geschlossene Vertrag ab und wird nicht mehr erneuert, weil im nächsten Jahre das Gebäude abgerissen werden muß. An seiner Stelle wird sich dann der Bau des neuen Herrenhauses erheben, das mit dem neuen Abgeordnetenhause in der Prinz Albrechtstraße durch eine massive Halle verbunden werden wird, deren Bau bereits in Am griff genommen ist. Eine« unerwartet glückliche,, Ausgang scheint der Unfall zu nehmen, der, wie wir seinerzeit berichteten, den» vierjährigen s�'�en k)tto W o l f f aus der Wallstr. 30 in der Nacht zum IS. b. M: zustieß. Als damals das Wolff'sche Ehepaar morgens zwlfchen 3 und 4 Uhr von einem Wohlthätigkeits-Konzert heim- lehrte, fand es zu seinem Eulsetzen den vierjährigen Sohn Otto mit gebrochenem Schädel auf dem Hofe liege». Der Kleine war aus einem Fenster des zweite» Stockes herabgestürzt. Obwohl man schon alle Hoffnung aufgegeben harte, ,st es in der königlichen Klinik der ärztlichen Kunst dennoch ge- lungeii, den Schwerverletzten am Leben z» erhalten. Der Kleine hatte jedoch infolge des Schädelbruches eine vollständige Lähmung der rechten Körperseite erlitten und außerdem Sprache und Ge- hör verloren. Nunmehr ist Aussicht vorhanden, daß auch diese schwere» Gebrechen sich allinälig beheben lassen. Das Gehör hat bereits begonnen, sich langsam wieder einzustellen. Verzweiflung über ei» unheilbares Leiden hat die 64 Jahre alte Wittwe Friederike Banse geb. Völker aus der Schmidstr. 34 in den Tod getrieben. Frau Banse, deren verstorbener Man» Be- aniter in der Ludwig Löwe'schen Gelvehrfabrik war, litt an Wassersucht. Gestern morgen fand man sie erhängt. Verhaftung von Falschiniiuzeri,. Seit Ende 1834 tauchten in Berlin und später auch i» anderen Städten Preußens falsche Reichsbanknoten zu 160 M. auf. Sie ivaren durch Handzeichnung mit Feder und Tusche hergestellt. Am 14. November 189S wurde bei der Verausgabung solcher Scheine der Zeichner Burggraf er- griffen und dieser sowohl als auch seine Frau später wegen Münzverbrechens verurtheilt. Burggraf dekannte sich nur als Anfertiger eines Theiles der in Umlauf gesetzten falschen Noten, »md zwar derjenigen Sorte, welche hinter der Nummer eine» kleinen Buchstaben auswies. Die Noten mit große» Buchstaben hinter der Nummer bestritt er gefertigt zu haben. Nunmehr ist es gelungen, i» den Gebrüdern Jarosch die Verfertiger und Ver ausgaber der zweiten Sorte falscher Reichsbankiioten zu Ivo M zu ermitteln und festzuiiehme». Hauptsächlich Schlächter und Btttterhändler sind die Opfer dieser Münzfälscher geworden. Ei„ gefährlicher Kunde der Abzahlungsgeschäfte ist in der Person des L4jähr,geil ehemalige» Hausdieners Max Heuschel festgenomme» worden. H. pflegte die Inhaber derartiger Ge- schüfte dadurch hineinzulegen, daß er werthvolle Gegenstände gegen Leistung geringer Anzahlungen erwarb und alsbald ver- setzte. Weitere Zahlunge» wurde» natürlich nicht geleistet. Dem Festgeuommene» werden 22 Fälle derartiger grober Veruntreuungen zur Last gelegt. Verschwunden ist schon seit mehr als drei Woche» die 29 Jahre alte Verkäuferin Helene Thiele, geb. Albrecht, die aus Küstri» stammt und hier in der Taubenstr. 17 bei den, Schneider meister Müller wohnte. AuS dem Polizeibericht vom Zt. Oktober. Freitag früh wurde ei» Schutzmann von dem Schriftsteller Fritz Pöttler, den er wegen Verübung groben Unfugs und Körperverletzung nach der Wache des 41. Polizeireviers bringen wollte, thällich angegriffen und durch einen Schlag mit einem stumpfe» Instrument, vermuthlich einem zugeklappten Taschenmesser, am Munde erheblich verletzt.— Vor dem Hanse Gipsstr. 14 gerieth vormittags der 2>/2jährige Pflegcsohn' der Wittwe Hensel unter die Räder eines Gesihiiftswagens nnd erlitt dabei eine Ver- letzmig am Kopfe. Der Knabe erhielt im Jüdischeu Kranken- Hause einen Verband.— Mittags wurden die beiden Dienst- Mädchen Auguste und Helene Lange, 19 und 17 Jahre alt, an der Spandauer Brücke durch einen übermäßig schnell um die Ecke kommende» Schlächterwagen überfahren und an der Schulter bezw. an den Beinen verletzt.— In der Rosenthaler- straße fand i» der Mittagstunde ei» Zusaminenstoß zwischen einem Postwagen und einem Rollwagen stall, bei de», der Führer des letztere», der Kutscher Wilhelm Wartenberg, von seine», Sitze Herabsiel und unter die Räder seines Wagens gerieth. Er trug jedoch nur leichte Verletzungen in, Gesicht und an den Händen davon.— Nachmittags wurde vor dem Hause Wienerstr. 40 der ueunjähnae Sohn des Kaufmanns Herzog durch einen Geschäfts- wagen überfahren und a», linken Unterschenkel verletzt. Der Kutscher, welcher den Unfall durch nnvorschrifteinäßiges Fahren herbeigeführt hatte, entzog sich seiner Feststellung durch die Flucht. Ans de» Nachbarorte». Achtung, Schöncberg! Hiermit werden die Genoffeu und Genossinnen auf die heut Nachmittag 4 Uhr bei Obst, Grunwald- straße 11V. stattfindende öffeittliche Versammlung hiiigewiesen. Zahlreiches Erscheinen ist nvthwendig, da Bericht und Neuwahl des Vertrauensmannes und der Lokalkommission auf der Tages- ordmmg steht. Vom Parteitag erstattet der Genoffe Neumanu- Nowawes Bericht. Die Vertrauensperson. Nunpt und MHftcnfchafk. Einen Goethe-Abend will die Arbeiter-Bildungs- schule am 14. November in der Brauerei Friedrichs- Hain veranstalten. Da der erste derartige Versuch der Arbeiter- Bildungsschule, der im April stattgefuudene„Moderne Dichter- und Komponisten- Abend", so ungelheitte» Beifall gefunden hat, glaubte der Vorstand der von vielen Seiten an ihn gerichtete» Ausforderung zur Fortsetzung des Versuchs nachkommen zu solle»,»ni so mehr, als jeder künstlerische Genuß, be» sonders aber der inusikalische, dem arbeitenden Volke in schnödester Weise vorenthalten wird. Da auf dem ersten Dichterabend den Veranstaltern gegenüber von mehreren Seiten der Wunsch geäußert wurde, in Zukunft auch besonders die klassische Literatur zu berücksichtigen, so schien hierfür kein Dichter besser geeignet als Goethe, der. abgesehen von seiner sonstige» umfassenden Bedeutung, durch seine zahlreiche», von den ver- schiedenartigsten Toukünstleru komponirlen lyrischen Gedichte den musikalische» Theil des Abiuds auf das maunigfalligste zu ge- stalten im stände ist. Die nöthige» Vorbereitungen sind bereits getroffen. Es ist den Veranstalter» gelungen, ausschließlich anerkannte Kräfte für die künstlerische Mitwirkung zu erlangen. Unser Genosse Edgar Steiger aus Leipzig, auf den sich die Blicke gelegentlich des letzte» Parteitages besonders gerichtet haben, wird den einleitenden Vortrag über Goethe hallen, die D e k l a m a t i o n e n hat Herr Willy Froböse vom Schiller-Theater übernommen, für den gesanglichen Theil sind als Solisten Fräulein Martha Dsirne (Sopran) und Herr Robert Feld(Tenor), als Chor die„ T y p o g r a p h i a", Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, gewonnen worden, das Klavier hat der als feinsühliger Begleiter bekannte Herr Waldemar Sacks über- nommen. So dürfte den» aller Voraussicht nach von der Arbeiter-Vildungsschule ein seltener künstlerischer Genuß geboten werden, der hoffentlich auch auf die weilesteu Arbeilerkmse Berlins seine Anziehuugskrasl ausübe» wird.(Siehe auch die heutige Annonce.) Modernes Kunststrebeu. Ueber ein neues Theaterprojelt wird den„Hamb. Nachr." berichtet, daß der geplante Kunsttempel in der Näh- der Potsdamer Brücke erbaut werde» soll. Man nenne sogar bereits den Namen des neuen Hauses— Kaiser Wilhelm- Theater werde sich's nennen.„Der Name ist, so bemerkt das Blatt, schon bedenklich und zeugt nicht gerade dafür, daß es Männer der Kunst sind, die das neue Unternehmen planen. Einein Regiment pflegt man den Namen eines regierenden Herrn anzuheften— eben weil Fürst und Militär eng mit einander verbunden sind. Eine Kirche, die dein Andenke» einer hohe» Person geweiht ist, mag man auch»ach dieser Person benennen— wir besitzen ja auch eine Kaiser Wilhelm-, eine Kaiserin Augusta- und eine Friedrich Wilhelm-Gedächtnißkirche. Wie aber kommt man dazu, ein Theater, das mit politischen Persönlichkeiten gar nichts zu thnn hat, auf den Namen eines Herrschers zu taufen? Aber auch in diese», Versuch macht sich eine fatale Zeitströmung bemerkbar— ein Zug zum Servilismus und Byzantinismus, der in den letzten Jahre» freilich auf alle Weise gefördert worden ist, der sich aber nicht gerade schön aus nimmt in der Physiognomie des Reichs und der hier, auf dem Boden einer zweiselhaste» Kunst, seltsam genug wirkt." Wen» selbst ein so volksfeindliches Blatt, wie die Bismarckischen „Hamburger Nachrichten" die moderne Servilitäts-Heuchelei einer solchen rückhalllose» Kritik unterwirft, so muß es wahrlich schon weil gekommen lein. Wir ivaren allerdings wiederholt gezwungen, eine»och krästigere Sprache aus ähnlichen Anlässen zu rede», aber aber— Rückgrat und Bürgerthu», 1 Thcater-Wochclichrouik. Opernhaus: Sonntag, 1.: Das Heimchen am Herd. Montag, 2.: Carmen. Dienstag, 3.: Die Hochzeit des Figaro. Mittwoch, 4.: Die Hugenotten. Frau Marcella Sembrich. als letzte Gastrolle. Anfang 7 Uhr. Donners tag. den 5.: Der Evangelimmi». Phantasien im Bremer Raths kelle«. Freitag. 6.: III, Sinfonie der kgl. Kapelle. Ans. 7,/s Uhr. Sonnabend, 7.: Das Heimchen am Herd. Sonntag, 8.: Die Afrikaneri». Ansang 7 Uhr. Montag, 9.: Margarethe. Herr Emil Götze, als Gast.— Schauspielhaus. Sonnlag, I.November: Graf Essex. Montag, 2.: Der Kaufmann von Venedig. Dienstag, 3.: Goldfische. Mittwoch, 4.: Der Gras von Castanar. Ein Königsidyll. Donnerstag. V.: König Ottokars Glück und Ende. Freitag, 6.: Die Journalisten. Sonnabend, 7.: Zum!. Male: Kehraus. Zu», I.Male: Eine. Souutag, 8.: Kehraus. Eine. Montag, 9.: Der Revisor.— Neues königl. Opern-Theater(Kroll). Sonntag, 1. Novbr. bei ermäßigte» Preisen: Doktor Klaus. Sonntag, 8. Novbr.: Zriny. — Im Deutschen Theater kommen Sudermann's Einakter Morituri heute Sonntag, Montag, Donnerstag, Sonnabend und »ächsteu Montag zur Aufführung. Am Dienstag geht Arthur Schuitzler's neues Schauspiel Freiwild zum ersten Mal in Szene und soll Mittwoch, Freitag und nächsten Sonntag Abend wiederholt werden. Als Nachmittagsvorstellungen bringt der heutige Sonntag Hauptmann's Traumdichtuug Han- uele's Himmelfahrt nebst dem Lustspiel Ohne Liebe, der nächstsolgeude Sonntag Shakcspeare's Lustspiel Der Kaust manu von Venedig.— Das Lessing-Theater bringt am nächsten Mittwoch mit Herrn Engels als Gast das neue Lust- spiel Die goldene Eva von Franz von Schönthan und ranz Kvppel-Ellfeld zur ersten Ausführung, an die sich am wnnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag die ersten Wieder- holungen anreihen. Heute Sonntag wird Herr Engels zum letzten Mal in Hauptmann's Kollege Crampton auftreten. Montag wird Mackams Sans-Gäne mit Frl. Groß, Dienstag Das Glück im Winkel gegeben, das auch am heutige» Sonntag als Nachmittagsvorstellung zur Aufführung kommt. Für de» nächsten Sonntag Nachmittag ist eine Wiederholung von Blumenthal's Lustspiel Das Einmaleins angesetzt. Im Berliner Theater wird der Spielplan dieser Woche fast ausschließlich von Renaissance beherrscht. Das Lnstspiel wird Sonntag. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend und nächsten Sonntag Abend wiederholt. Montag geht Die offizielle Frau und Freitag(9. Abonuemeutsvorstellung) Des Meeres und der Liebe Wellen in Szene; nachmittags gelangen diesen Sonn- tag König Heinrich und nächsten Sonnlag des Meeres und der Liebe Wellen zur Darstellung.— Im Schiller- Theater kommen heute, Sonntag Nachmittag Shakespeare'S Viel Lärm um nichts, abends Die Journalisten zur Aufführung, hartleben's Schauspiel Ein Ehrenwort geht Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag in Szene. Mittwoch wird Ein Schritt vom Wege, Sonnabend Emilia Ealotti gegeben. An dem Beethoven- Abend, den die Direktion des Schiller-Theaters Sonntag im Bürgersaale des Rathhauses veranstaltet, wirken dieselben Kräfte mit wie am erste» Abend. Den einleilendcn Vortrag hält Herr Dr. Karl Krebs. — Der Wocheuspielplan des Neuen Theaters wird auch für diese Woche ausschließlich von dem Schwank Bocksprünge beherrscht, mit dem zusammen die Linscniann'sche Plauderei Opus I in Szene geht. Heute, Sonntag, nachmittags wird Der Hütten- besitzer gegeben; am nächsten Sonntag Nachmittag Der selige Toupinel.— Im Theater Unter den Linden wird heute Nachmittag Zeller's Obersteiger gegeben. Abends geht Die Lachtaube zum S2. Male in Szene.— Im Thalia- Theater(vormals Adolf Ernst- Theater) bleibt Prima Ballerina vorläufig aus de», Spielplan.— Im Zentral- Theater geht Die wilde Sache schon ihrer S0. Auf- ührung eiilgegen.— Das Ostend-Theater bringt heute Nachmittag eine Vorstellung von Dorf und Stadl.— Im Friedrich-Wilhelmslädtischen Theater werden heute Nachmittag Schiller's Räuber gegebe». Am Abend geht zum ersten Male Tie Waise von Lmvood von Charlotte Birch- Pfeiffer in Szene und wird Montag, Dienstag und Mittwoch wiederHoll. Donnerftaa gelangt Der Pfarrer von Kirchfeld zur Ausführung.— Im Theater des Westens ist das Schau- Piel Treue von Alexander von Roberts für Dienstag und Donnerstag Abend sowie für nächsten Sonntag Nachmittag au- zesetzt. Wiederholungen von Hamlet stnden an, Montag und Miilwoch statt. Minna von Barnhelm geht am Freitag in Szene. Am Sonnabend ist die Erstaufführung von Rob. M isch's neuestem Schwank Der dritte Mann. UitevAvifttzes. ..Neuland", I. Jahrgang. Oktober 1836, Heft 1. so E.8°. Preis so Pf. Herausgeber: Joh. Sassenbach, Verlin N. 4. Im Jnseraten- theile des„Vorwärts" vom 3. Oktober d. I. wurde das Er- cheine» von„Neuland" unter Umständen angekündigt, daß man ein Konkurreuzorgan gegen den sozialistischen„Akademiker" er- warten mußt«. Der dieser Bewegung Fernstehende meinte auch, daß die Zeitschrift sich mit einer genügenden Erklärung ihrer Existenzberechtigung einführen müßte, daß sie ihren ozialistischen Charakter betonen würde. Nichts von der Art finden wir i» der vorliegenden Nummer von„Neuland". Die Zeitschrift entbehrt sowohl des sozialistische», wie des studentischen Charakters. � Daß sie Avounenten aus sozialistischen Kreisen nicht verschmähen wird, beweist, daß sie sich in einen, Inserate des„Vorwärts" mit dein Untertitel:„Sozialistische Monatsschrift" empfiehlt. Dieser Untertitel fehlt aber in dem Inserate der Naumann'scheu„Zeit". in dem Zirkular an die Soriimentsbuchhäudler und aus der Zeitschrift selbst. Auch der Inhalt der Zeitschrift deutet nicht auf einen sozialistischen Charakter derselben. Ein Prograu, m-Artikel oder etwas, was als Ersatz betrachtet werden kann, fehlt vollständig. Falls aber der Artikel von F. Haupt, mit dem die Zeitschrist er- öffnet wird, als Prograinin-Artikel gelten soll, so muß mau schließen, daß der Herausgeber eine politisch farblose Zeitschrift plant, der übrige Inhalt derselbe» ist vornehmlich literarisch. Nach dem ersten Hefte zu schließe», ist ein Bedürsniß für dieses Unternehmen nicht vorhanden. Es handelt sich hierbei wohl um eine der zahlreichen Eintagsgründunge», die in jedem Herbste in Deutschland austauchen, aber selten das Frühjahr er- leben.— v Vermifchkes- Eine» Dolipelselbstmord haben die beiden Inhaber der großen Konsektlonsfirma Moritz Wahl in Erfurt ausgeführt. Hierzu erfährt„Der Konfektionär", daß der Bankier der Firma in Erfurt den Konkurs beantragt hat und diesem Antrage auch vorläufig durch Erneuiiuug eines Verwalters staltgegeben worden ist. I» einem a» seine Frau nachgelassenen Briese hat Max Wahl erklärt, er könne das Geschäft, das er mit Unterbilanz übernommen, nicht in die Höhe bringe» und' ziehe den Tod der Schande»or. Der Zusammenbruch der seit 30 Jahren bestehende» Firma zieht weite Kreise in Mitleideuschaft; außer dem Bankier der Firma sind Berliner Firmen mit über isolKB M. betheiligt. Die Gesamint-Passiva können noch nicht angegeben werden. Eine neue Säbelaffäre. Der Säbel i» der Hand der Leute, die nach der Behauptung reaktionärer Blätter ei» ganz besonders seines Gefühl für Ehre und allerlei andere Mannestugendeu habe» solle», droht immer aufs neue Unheil anzurichten. Neuerdings hat sich wieder in S ch ,» i e d e b e r g in, Niesengebirge eine Säbelaffäre abgespielt, bei der es allerdings nicht einem Ziviliste», sonder» de», ritterlichen Säbel- träger schlecht gegangen ist. Der„Bote aus dem Riesengebirge" berichtet darüber: Im„Schlüssel" in Schmiedeberg war Kirmeß und es ging recht fidel zu. Da kam gegen Vi2 Uhr uachls von Hirschberg aus in einer Droschke ein Offizier mit einem Fräulein aus den Greuzbauden angefahren. Er verlangle vom Wirth ein Zimmer, und als dieser fragte, ob er allein sei, antwortete er, daß seine Fr an mit ihm sei, er brauche auch das Zimmer nur für ein paar Stunden. Von der Küche aus hatte man aber die augeblich» Gemahlin des Offiziers gesehe» und— erkannt. Auch einige junge Leute im Flur, denen das Fräulein nicht ganz unbekannt war, begannen ihre Ausmerksamkeit der Angelegenheit»»zuwende». Als dann der Wirth erklärte, es sei kein Zimmer frei, und das Paar zu», Wagen ging, der vor der Thür hielt, fielen sehr unangenehme Redensarten. Darauf drehte sich der Offizier um und zog mit de» Worte», er werde jedem, der seine Frau beleidige, den Schädel ein- schlagen, den Degen. In demselben Augenblick wurde er vo» kräftigen Armen gefaßt, der Degen wurde ihm entwunden, die Scheide zerbrochen, dep Mantel zerrissen, und es wäre noch zu weiteren Folgen gekommen, wenn sich nicht der Offizier in«in Zimmer zurückgezogen hätte. Es ertönten Rufe, man würde sich nicht über den Haufen stechen lassen, auch wurden allerlei Drohungen ausgestoßen. Nach etwa einer Stunde, nachdem eine gewisse Beruhigung eingetreten ivar, gab man dem Offizier seinci, Degen zurück und das Paar fuhr weiter.— Alö der Dampfer„Cordelia" der„Hamburg- Pacific« Dampfschiff- Linie" Freitag Abend gegen 10 Uhr i» den Hasen zu Hamburg eingeschleppt wurde, rannte der ausgehend» holländische Dampfer„Etua" heftig gegen deffeu Backbordseit» an. Die„Cordelia" lief voll Waffer und sank; sie sitzt an der Südseite der Elbe auf Grund. Der„Etna" scheint gleichfalls stark beschädigt, da er von der Ausreise abstand. Soweit di« Dunkelheit zu ermitteln gestattet», sind Personen nicht zu Schaden gekommen. Der Hauptkafsirer der Bayerische» Hypotheken'«nd Wechselbank Franz Klocker in München hat Selbstmord verübt. Die von der Bant angestellte Untersuchung ergab, daß Klocker sich offenbar in der letzten Zeit Unregelmäßigkeiten in feiner Amtsführung zu schulden kommen ließ. Wi» hoch d»r Fehlbetrag ist, ist noch nicht genau festgestellt. Ueber eine in Starnberg(Bayern) erfolgte Verhaftung wird gemeldet: Der Villeiidesitzer, der seit 2'/a Jahren in Sees- haupt mit seiner Familie in den behaglichsten Verhältnissen lebte, ist nach Mittheiluilg der Wiener Polizei mit dem seit dem 13. Novbr. 1835 vo» der Ober-Stavthauptmannschafl in Budapest steckbrieflich verfolgten Bankbeamten August Keller. 37 Jahr« alt, verheirathel, in Budapest geboren, identisch. Keller,«in ehemaliger Mediziner, hat zum Schade» der Bodenkreditanstalt, für Kleingrundbesitzer in Budapest falsche Pfandbriefe und Kupon? zu 1000 G. S00 G. und 100 G. in Verkehr gebracht. Die Ge- samlnthöhe der Fälschungen betrug 110 000 B.. nicht Zl/e Millionen, wie es anfangs hieß. Der Fälscher ergriff damals mit seiner Gattin Marie, geborenen Papp, seinem zwölfjährigen Lohn Richard und der IS jährigen Tochter Marie di» Flucht. Nach seinem Verschwinden machte er gröbere Reisen, namentlich nach England. Keller wird nach Ungarn ausgeliefert werde». Ueberschwe»»»ungsgefahr in Frankreich. AuS PariS wird vom Sonnabend berichtet: Die Seine ist feit mehrere» Tagm in beträchtlichem Wachsen begriffen und ist heute Nacht»M 80 Zentimeler gestiegen. Alle an ihren Userböschungen errichteten kleine» Gebäude stehen unter Waffer. Dabei ist noch ei» iveiieres Anwachse» zu erwarten, da alle Zuflüsse der Seine Hochwasser führen. Ebenso wird di« Lage im Rhonethal immer schwieriger; so mußlen in der Stadt Beancaire alle Thore geschlossen und durch starke Balken verrammelt werden. In zahlreiche» Ort- schaften sind Leiter» a» den Fenstern des ersten Stock- wertes angebracht, um es de» Führern von Booten zu ermög- lichen, die Bewohner nut Lebensmitteln zu versorgen. Die meisten Landstraßen in der Nähe des Flusses find durchbrochen. Bei zahlreichen Familien stellt sich schon Mangel an Lebensmitteln ein. Auch die Flüsse Saüne und Ain find aus den Ufer» ge- trete», haben Dörfer und Wiesen unter Waffer gesetzt nnd die Landstraßen und Eisenbahnen stellenweise durchbrochen. Die Bevölkerung ist in große Besorgniß versetzt. In Bourg über- luthele der Fluß zwei Stadiviertel. Die Einwohner innerhalb der Bannmeile mußten ihre Häuser verlaflen. Die Wassermassen haben einen gewaltigen See in einer Ausdehnung von mehreren Kilometern gebildet. AuS Madrid wird vom Freitag berichtet: Infolge der Störung aller telegraphischen Verbindungen traf erst heute di« Nachricht ein. daß am 28. d. M. ein fürchterlicher C y k l o n in Sevilla große Verheerungen anrichtete. Schornsteine und Bäume wurden umgestürzt, der Pferdebahn-Verkehr gefährdet. zahlreiche Häuser zerstört. Der Schaden ist beträchtlich. Einige Personen sind verwundet. Die verwirrnng und der Schrecken ind allgemein.__ Briefkasten der Kedaklion. C. G. W. Durch die Strafanzeige haben Sie stch nicht strafbar gemacht.— W. St. 54». Die für Berlin giltige Polizeiverordnung über das Echlasstellenwesen vom 19. Januar 1893 bestimmt im wesenllichen folgendes: l. Man darf i» den von sich und seinen Familienangehörigen benutzten Wohnräumen anderen gegen Entgelt nur dann eine Schlaf- lelle gewähren, wenn jeder Echlasraum mindestens je drei Quadratmeter Bodenfläche und je 10 Kubikmeter Lustraum aus den Kopf enthält(für Kinder unter 6 Jahren genügt»/», für Kinder vo» 6—14 Jahren*/8 dieser Mansie) und wenn der Echlasraum in keiner offenen Verbindung mit Abiritlen steht. 2. Schlasleute verschiedenen Geschlechts dürfen nur dann gUichzemg (Hifemonimen werden, wenn sie im VerhSltniß von Eheleute», von Eltern und Kindern oder von Geschwistern stehen, oder wenn besondere polizeilich« Erlaubnis: ertheilt ist. 3. Es ist eine vorschriflsinäßige Anzeige über Ausnahme von Schlasleute»(die Formulare giebt es auf de» Polizeibureaus unentgeltlich) erforderlich. 4. Personen, die innerhalb der letzten S Jahre wegen Verbrechens oder Vergehens gegen die Sittlichkeit oder wegen Uebertretung der sittenpolizeilichen Vorschriften bestraft sind, sowie Personen, die unter Polizeiaussicht stehen, kann das Halten von Schlaf« leuten polizeilich untersagt werden. Lassen Sie sich also ein Formular geben und füllen es aus. Dann erfolgt die polizeiliche Besichtigung Ihrer Wohnräume.— L. L. Besuche» Sie uns. � Seegetetz. Wenn in Ihrem Lokal sich Gäste zwischen 10 und II Uhr vormittags aushalten, so gebe» Sie ihnen, was von den Gästen gegen Bezahlung verlangt wird. Polizeiverordnnngen, die das.Setzen" von Gästen um diese Zeit verbieten, sind rechts- »»giltig. Ob diese Rechlsungilligkeit in letzter Instanz anerkannt wird, hängt von dem Urtheil des in seiner Mehrzahl aus ehemaligen Nur-Staatsanwälten bestehenden Slrassenats des Kamuiergerichts ab.— Agnes. Erst mit kurzer Frist unter Beifilguug«idesstatllichcr Versicherungen über die Jdendilät und unter Einreichung des Vertrages zur Freigabe auffordern, da»» Jnterventionsklage und Eiuslellungsantrag(Arbeiterrccht S. 305, 808) einreichen.— Wilhelm Schmidt. 1, 2., 3. Nein. 4. Giebt es nicht, o. Sie müssen eventuell klagen.— Sonnenburg. Warum nicht mündlich? I. Beschliesit die Gemeinde wie ge- wünscht, so ist nichts dagegen zu machen. Hindern Sie also einen derart verdrehten Gemeindebeschluß nach Kräften. 2. Nein. 3. Ja. — H. Schueidrr. Es ist z. B. im.Vorwärts" vom 17. No- vember l3SV und im Arbeiterrecht. S. 133, 816—319, ausführlich dargelegt, uiiter welchen Voraussetzungen die Altersrente erlangt werden kann und wie sie geltend zu machen ist. Die wiederholte Darlegung im Brieskasten verbietet die Niictsicht auf die Naum- verhältnisse des Blattes. Sprechen Sie event. in der Sprech- stunde vor.— O. P.>48. Patente werden für neue Er- sindungen, welche eine gewerbliche Verwerlhnng gestatten, erlheilt. Ausgenommen von der Patenlirung sind solche Erfindungen, deren Verwerthung den Gesetzen oder guten Sitte» zuwiderlaufen würde, sowie Erfindungen von Nahrungs«, Genuß- und Arznei- mittel», sowie von Stoffen, welche auf chemischem Wege hergestellt werden. Wohl ist aber die Erfindung, welche ein bestimintcsBersahren zur Herstellnug von chemische» Siofse», Genußmiltel» u. s. w. be- trifft, patentfähig. Muslerschutz ist etwas anderes als Patent- schütz. Es giebt zwei Arten Musterschutz: G e s ch m a ck s Muster und Gebrauchsmuster. Das Geschnmckc-Musterrecht ist das Recht, ausschließlich bestimmte Muster der Mode», ganz oder lheilweise nachzubilden. Es wird ertheilt. wen» die Muster«cu und eigentbnmlich»nd bestimmt oder geeignet sind, als Vor- b i l d e r für die F o r in von Jndustrie-Erzeugniffen den Geschmack oder das ästhetische Gefühl zu besriedigc». Als Gebrauchsmuster werden nene Modelle an Arbeitsgeräth- schaften oder Gebranchsgegensilinde» oder von Theilen derselben geschützt, sosern und insoweit sie dem Arbeits- oder Gebrauchs« zweck durch eine»e«e Gestaliung, Anordnung oder Vorrichlung dienen sollen. Ter Markenschutz endlich bezieht sich auf die im Handelsregister seilens deS Handelsrichters einaelragener Firme» eingetragene» Zeichen, weiche zur Unterscheidung der Waaren der Schntzberechtiglen von den Waare» anderer Gewerbetreibenden auf den Waaren selbst od«r auf deren Verpackung angebracht werden sollen. Die gesetzlichen Details über Patent- und Muster- und Markenschutz finden Sie in Nnnuner 22 der Guttentag'schen Sammlung von Reichs- Gesetzen. WitteriingSiibcpsicht vom 31. Oktober I8va. Weiler-Prognose für Sonntag, de«» 1. November 189«. Zunächst ziemlich trübe und mild mit leichlen Regensällen und schwachen südwestlichen Winde»; nachher aufklärend und etwas kühler. Berliner Wetterbureau. Für»euJuhalt der Inserate übe«. nimmt die ttledattion deniPnblitnni gegenüber keinerlei Perantivortniig Cljeatev. am Sonntag, den 1. November Vpernhano. Das Heimchen Herd. Montag: Carmen. Kchaul'plelhau«. Graf Essex.> Montag: Der Kaufmann von Venedig. Neue««per»- Theater.(Kroll.) Dr. Klans. zieuisiche» Tlieaie». Morituri. Nach:». 3 Uyr i Hannele's Himmel- fahrt. Borher: Ohne Lieve. Nlontag: Morituri. Perlinr» Theater. Renaissance. Nachm.'/,3 Uhr: König Heinrich. Montag: Dje offizielle Frau. Dtestdeiiz-Theat«»'. Die Vielgeliebt«. Treptows Abschied. Montag: Dieselbe Aorstellnng. tlfnug-Tiieater, Kollege Crampton. Nachm. 3 Uhr: Da? Glück im Winkel. Montag: Madame Sans-Gsne. Theater de« Dveste»«. Hamlet, Prinz von Dänemark. Nachm. 3 Uhr: Minna von Barn- Helm. Montag: Hamlet, Prinz von Däne lnart. Hirne« Theater. Bocksprünge. Vorher: Opus I. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Der Stellvertreter. Borher: Opus I. Kchlller'Theater. Die Journalisten. Nachm. 3 Uhr: Viel Lärm um Nichts. Montag: Ein Ehrenwort. Zentrat Thrater. Eine wilde Sache. Moiitog: Dieselbe Borstellung. Thalia-Theater. Prima Ballerina. (Maison Tamponin.) Nachm. 8 Uhr: Gebildete Menschen. Montag: Prima Ballerina. Kelle- Alliance- Theater. Mamsell Vielliebchen. Nachm. SUHr: Lumparivagabundus. Montag: Mamsell Vielliebchen. Voll:«- Theater. Ein vorsichtiger Mann. Zum Schluß: Pladdera- dantz. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Puter de« Linde». Die Lachtaube. Nachm. 3 Uhr: Der Obersteiger. Montag: Die Lachtaube. Gstend- Theater. Der deutsche Michel. Nachm. 3 Uhr: Dorf«ud Stadt. Montag: Der deutsche Michel. Friedrich Wilhelmftädt. Theater. Die Waise von Lowood. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Die Waise von Lowood. Alerauderplah-Theater. Ohne sitt- lichen Halt. Nachm. 3 Uhr: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Montag: Ohne fuilichen Halt. Kitnfmm»»'« Parists. Spezialitäten. Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitälen-Vor« stellnng. Schiller-Theater. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Kiel Lärm «m flicht«. Abends 8 Uhr: Die Ionrnalilte«. Montag, abends 8 Uhr: Ei» Ehre»- »vort. FritdnlhMhcWht.Thellter Chausscestr. 25/26. Dir. Vax Samst. N»chm!tt. 3 Uhr: Klassiker-Vorstellung zu Abonnements-(kleinen) Preisen: Die Knuber. Trauerspiel in b Akten von Friedrich von Schiller. Abends 8 Uhr: Die Waise von Kowood. Schauspiel in 3 Alten und I Vorspiel von Charlotte Birch.Pfeiffer. Montag u. Dienstag: Di» Waise von Lowood. Billels an der Theaterkasse und im „Jnrnlidendant", Unter d. Linden 24. �lexanilei'platz.llloklter. Nachm. 4 Uhr: Auf allgemeines Verlangen: golulowtticliau und die sieben Zwerge. Zaubermärchen in 8 Bildern von Georg Zimmermann. Abends 8 Uhr: Pillante Novitittl"W Gijne sittlichen Salt. Sittenbild ans dem Berliner Leben i» 4 Akten von Wild. Friedhold. Anfang 8 Uhr. Montag. Dienstag, Mittwoch: Pikante Novität! Ohne stttiiihr» Halt. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Direktion: Riebard Scbullz. Sonntag, de» 1, November: Zum 43. Male: Emil Thomas■. Q. Eine milde Sache. Große burleske AnSstattungSposie mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von W. Mannstädt und I. Freund. Musik von I. Einödchofer. Anfang->/z8 Uhr. Morgen: Eine wilde Hache. OAM-TWkr. Crosse Frankfui-terstr. 132. Direktion: Eart Weiß. Der deutsche Michel. Der deutsche Michel. DM" Anfang?>/» U h r."Wfli Sonntag, de» I. November, nachm.: Dorf»i»d Stadt._ Konzertluius Sanssouci Kettbaserstrasse 4a. Heute, sowie jeden Sonntag u. Donnerstag: Strltinel jtr (Meyael, Piotro, Britten, Steidl, Krone, Riibl und Sobrader. Steidl°ls Li-Hung- Tschang. Ansang heute 7 Uhr. Entree 30 Pf. lllontag: Viktoria-Brauerei. Auf. 8 Uhr. Vorverkaussbillets giltig. Dienstag: Böhmisches Brauhaus. Uittwoell: Moabiter Stadttheater. Apollo- Theater. Frieirlchitr. 218.— Dir.: j. Glück. 8 neue Debüts. M. E. Kaufmann, der beste Konst- Radlahrer ier Veit. The Troubadours. Eugenie Fougere Hern*! Bender. ■ Bernardi■ im Restaurant tin de stiel«. u. f. w. u. f. w. Kasseueröffnung 8 Uhr. Anfang Ü Uhr. Thalia-Theater (vormals: Adolph Eenst-Theater) Dresdenerstr. 72/73. MMF" Nachmittags 8 Uhr:'TKü BeibisanfdieHälfte ermäßigten Preisen: Gebildete Menschen. Abends 7>/v Uhr: krima Ballerina (Maison Tainponiii). Vandeville-Operntte in 3 Akten von Blum und Tuche, bearbeitet von Hugo Willmann. Musik von Karl Weinberger. Morgen: Prima Ballerina. H/. Koaek s Thealer Brunnenstr. 16. Täglich(außer Sonnabends): K«ikrt, Thaitrr-VttsicllUg. Mit vollen Segeln. Volksstück mit Gesang in 3 Abtheilungen _ von Hugo Schulz. jM- Jede» Sonntag, Dienstag ». Donnerstag nach d. Vorstellung Tanzbränzche». FAIvszeer. 'iet� unä Sstezialiläteu Illeater I. liaiixes. Dresdenerstrasse No. 52 53. . City-Pasiage Annenstr. No. 42/43. Vom 1.— IC. November: Durchweg uvues VroqrAmm. Zwölf GrandAttractions-Nammernl Mr. Field mit seinem nr- komischen Panopticnm. Hans u. Clara Saruo, Original-Dnettlsten. Hr. Freibnrg im Reiche der Schatten. Ros'l Perona, Tyrollenne. Allee Scsegeny, die Perle Ungarns. 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Montag, den 2 November, abends 9 ülir, Unter den Linden 21-' Besichtigung des Kinetographen und Phonographen zum ermässigten Preise von 25 Pfennigen, P r o g r a mm: Phono- Ver- sammlung am Sonntag zu haben. 4/8 Sammtipunkt; Auf dem Hofe Unter de» Linden 21, abends um 83/i Uhr.— Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand, Heute Abschieds-Vorstellungeu. Volksthümliclie Preise. Nachm. 5-7; Abend, 9-11 uhr, Bolossy Kiralfy's„Orient11 Olympia Grösstes SchaustUck der Walt. Ca. 1008 Mitwirkende. Debertritlt alles bisher dagey. I Vau Publlknm a, Preise eiastimm. anerkannt. Niesen t/i eafer, Klnetograph.! (Lebende Pholographieen Auch in Nalurfarb.) Jnter essauteste Bilder historischen Charakters u. des Ge- sellschaftslcb. in vollkouimcuster Ratnrlvahrheit. Wiedergabe musikalischer und deklamator, scher Vor- Pnöüöü�ä!lll!8üll? txiW- L'ir alle Besucher zugleich deutlich " r hörbar ohne Schläuche. Eintrittspreis iiir alle Torfttbrnugen 50 PI. Uilitära und Kinder 25 PI. Vorstellungen ununterbrochen von 10 Uhr vormittags blt 11 Uhr«bendf. 21. Unter den Linden No. 21. Vereine erhalt«» Preisermäasiguag nach Ter«tnhanuig."SSM Passage•Panopticum. Das Tyalre Variete tat wieder eröffnet! Ohne Eztra-Entrde. Circns Busch. (Bahnhof BSrse.) Souutag, 1. Doorwber 1806: 2 grosse Vorstellnngen 2 Nachmittags 4 Uhr: (1 Kind unter 10 Jahren frei.) Millennium, Bilder ans Ungarn. Festeinzug. Skioptische Darstellungen. Der sensat. Sprung über einen Landauer mit Insassen. Tonnenritt. Außerdem die besten Freiheits» und Schnlpferd«! die vorzügl. ClownS u. Spezialitäten. IHP- Abends 7V* Uhr:-MW Tie Zagi»«ch i>m Auck. Außerdem großartiges Programm: u. a. Dir. Rusch mit seinen bestdressirten FreiHeitspserden. Auftreten des Herrn Rügen Salamonskt. Doppel- Jockey, ausgef. von Geschw. vcttreU, bisher unerreichte Leistung. Auftr. d. Gigerl- Clowns Mr. AU. Dnnleln. Spezialitäten 1. Ranges. Morgen: Die Jagd nach den Qlttok. Urania. Tanbenstr. 48/49. Tauhenslr. 48/49. Naturkundliehe Ansstellnng täglich geöffnet v. 10 Uhr vormitt. ab. eintritt so Pf. WißtisAstl. yreter tSif' SIfArilWAi'fo luvalldenstr. 57—82 Olülliwai IC Lehrt. Stadtbahnhof täglich geöffnet von 7 Uhr abends ab. Eintritt 50 Vf. Im Theater- Saale täglich S Uhr abends Vorträge mit Experimenten und großen Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Vogler'« Casino früher Wett-Ueftaoraut, Oresdeneratr. 97. Im vorderen Saal täglich: Tyroler Konzert. Direktion Alois Ebner. Entree volietSndig frei. In» großen Theatersaal: Variete- u. Spezialitäten- VorsteMung. Auftreten von Kunstkräften nur I. Ranges. Jeden Sennabend und Sonntag: Die unübertresstichen Hamburger Sänger. Anfang Wochentags 7i Uhr. Sonntags 6 Uhr. Billard«. 4 neue Kegelbahuen. Sorgf. gepfl. Biere, aiierk. gute Küche Kanariruh ähu« verkauft Joachim. Fehrbellinerstr. 40. 1229b Einzig in BeHiit ist das Programm des Volks-Theater 34 Reichenbergerstrasse 34. Pferdebahn-Haltestelle: Kottbuser Thor. Seit 20 Jahren die lustigste Posse: kill vorsichtiger Mann. Jeden Abend stürmischer Lacherfolg. Um S'/s Uhr: Gelutschter Theil(Ho-hol). Durchweg neue KLustler Spezialitiiten. Zum Schlüsse: PIsdi>vnsiElaiik-. Montag: Novitäten- Abend. Zum 1. Male: Do« Juan von rückwärts» oder: vor vergnügte steinerne(last. Opernparodie von Richard Thiele. TieRMgtt'sallsSchliurg! Damen• Terzett ausser Konkurrenz. Die Sunde-AKodemle, dirigirt von hliss Adele. Martin Reuter,£ä Familie Derrington, Parforre K« ust- Zlndfahrer. Anfang: Woche 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. AMT Entree 60 Pf. bis 3 M. Dem geehrte» Publikum zur ge- fälligen Nachricht, daß die Bekannt- machungen des Volks- Theaters nur durch die Zeitnugen erfolgen, uicht durch Käutenanschtäge. Evvn-psissK Rurgutpa»»« 22. Direktion: WinMap& Fröbel. Nur noch kurze Zeit: Kunstschiitzin WM" Elsa Oowe.'�jm U.«.: Schießen auf den Original- Dove-?anzer. Anhaltender Erfolg des Hochturner» Trios Uiagara, Matadore auf dein Thurmseil. Dazu das durchweg neue große Noveinher- Programm. U. a. der allbeliebte urkomische WjWF- Eduard Rennert."MQ Anfang T'/a Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirt 50 Pf. Arbeiter- Bildungs- Schule. Sonnabend, den 14. November, in der Brauerei Friedrichshains Goethe-Abend. Ppogpamm: | Vortrag über Goethe| gehalten von Herrn Scliriftsteller Edgar Steiger ans Leipzig. Deklamationen Goetlie'scher Dichtungen Herr Willy FrobSse vom Schiller-Theater. Gesangsvorträge Goethe'scher Lieder Fräulein Maptha Osirne(Sopran), Herr Robept Feld(Tenor), Typogpaphia, Gesangverein Berliner Buchdrucker u. Schrlftgiesser. Instrumentalmusik: Orgel Herr Geopg Naumann� Klavierbegleitung: Herr Woldemap Sacka Während der einzelnen Vorträge werden die Saalthüren geschlossen. Eintritt 50 Pfennig. Anfang pünktlich O'l» Uhr. Das Rauchen ist während des Konzerts nicht gestattet. Nach dem Konzert; a I a. Berliner Aquarium Untep den Linden 68a Ecke der Scludovrstrasse.— Eingang Sohadowstr. Id. Heute Sonntag Einiritiaprais mr 50 Pfg.-MW Reichhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Riesenschlangen, Krokodile, Hai- u, Tintenfische, Quallen etc._ Aktien-Brauerei Friedriclishaiii Heule Sonntag: Bsngksn- Konzert. Eintritt 80 Pf. Programm unentgeltl. Während des Konzerts im Neben-Saal Familien-Kränzchen. „Englischer Garten", AIrrandrrstr. Ä7c., 28. November, 6. und 12. Dezember, Sylvester-Abend, 1. Nenjalirstag: Ifcfr Saal frei. Achtung! Arbeiter! Achtung! Ein schönes Zimmer mit Piano und Billard, 30—40 Personen fassend, ist noch einige Tage frei. l2>0b A. Werk, Alte Jakobstr. 36 97. Zahn-Klinik, Preis« l event. Theilzahlung. Frau Gig» dueoliZon, Invalidenstr. 145. Achtung I Achtung I Kiinstl, Zähne v. 3 M an, Theilz. wüchenil. 1 M., wird abgeholt. Zahn- ziehe», Zahnreinigen. Nervlödten bei Bestellung umsonst. Eustiel, Lausiherplah 2, Elsasserstr. IL, Steglitzerstr. 71. I. (ft r mal v— CM *x SH eJ ". ayj ixen 5 w= ■§"~ ■m 0) -» A" ««« Ott*" 3 S.ti a« n •£« L-'S e 3,==« ui g»5 s"S■ ■g S*S= 2 c Z c�- Z« , b i. a St:;2 £ 3 ö t; s ii w»■£ sS" ♦ ♦ ♦♦♦♦• kÄ OO OO CÄ IM C t-H t— H v— H t-H evi k® ♦ o Ol ol Z-«- � « 01 �. Q- c>.~c> xK oco 55 Zco Z V co 3«i CT i-» CS 5» L?= — g o- 8 Z oä«Ä ® s m S 05 A s s T#1 a S Z lO co «Ä5 Ö ÜB r»" od 05 d § co -5 .5 C C I Ifi d m co d» od ♦ so 00 s g � ZL L tQ»"o S O a« G A 55 K 'S.= Jx 3 Z 9 s E 3 S N � « Z o iq e .(A So 00« §75 05» . I 8 L d« S � Z ,E K* « Jo c5 5 2 « d dsoi - oi -o. - Ol Ol Z O 16 sv j Oo'go S M S os 3 2 3 *• «S SO «vi © O A © e V «V»* •B « v © « S°z-? ■2« S *2 ab Ii 'S o <33 « K Ol.??' L O O *3*5«> N- N-"Z 9 � K G Ol M dX � 0 .(0 So) . i O L Ol u ♦ö cd d S Ö tj aa 5*"S o. 5 3• 3 3— CQ C4 M W*e S 3 3 49 Nckhaler Straße Kcucs Waarenhans 49 Roseathaler Straße 49 Nahartikel, Nutz und Kesatz, WoUwaaren» Weißmaaren, Eravatten» Wasche, Corsetts ete. 49 Die Eröffnung der Verkaufsränme findet am Mittwoch, den 4. November, nachmittags 5 Uhr, statt. Centrale in Frankfurt a. M. Etablissements in vielen Städten Deutschlands. ■& g�eppiche spottbillig. Poitimir, Gardine«, Läufer, tisch.«. Zteppdecken spotlbill. T. Sic ehr, Königsyraben, Münzstr.-Ecke. Straaßsedenl, Blumen* besondere Spezialität, zu Engrospreisen d. H. die Hälfte billiger als anderswo. Phantasiesedern.Hulblume», sowie hoch- garnirte Köpf« jc. B. Leutge, Neu- Cölln am Wasser 23, t Tr., eben- daselbst Waschfedern 2S Pf.. Krause- federu 10 Pf. Betten, spotlbihig, Neanderstraße 6. Pfandleihe._ 20 I. best. Geschäft, tägl. Ei»». 100M.. f. 1000 M. verk. Neanderstr. 16. Helm. Winter-Kegeldahn sowie Vereins- zimmer mit Piano noch zu vergeben. Froelich, Schönhauser Allee 161. Kinderwagen- Uäder und jede Reparatur. Pallisadenstr. 101. I22b Nähmasch. 20 M., Garant. Urbanstr. 83. Kostüme 8 M..Hauskl.-tsM. fett. saub. gut sitz. Modistin Gitschinerstr. 74. 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In der Bauliichlcrei von Reil, Demmiuerffr. 7, haben die Kollegen die Arbeit wegen Lohndifferenzen nieder- gelegt. Anzug fernhalten. 73/12 Die VerkslaU Kontrollkommission des Deutschen Holzaibeiter-Verbandes. Pliittcrillucil auf Umlegekiagcn in u. auber dem Haus« snchl Max Treppe, Lotbringerstr. 16, Ouergeb. 4 Tr. AM Arbeiterinnen__ bei guten Preisen verlangt Berliner Hemdenfnbrik, Ranpachstr. 14. 1222b Tücbl. Belegerinne» s. bessere Arbeit sucht Werkmeister» Brunne» str. 194. Redegewandte Manner, welche gewillt nnd beiähigt sind. Volks- versichernngs- Anträge aufzunedmen, wollen sich melde» Molkeumarkt 4, II., morgens von 3—9 Uhr. Bei ge- nüyenden Leistungen«rsolgt feste An- stelliing. 1136b Korbmacher. Ein tüchtiger, geschlagener Arbeiter bekommt dauernde Beschäflignng bei 1227b Räber««eitgie Kopenhagen E. 1 tüchtigen Bilderrahinenmacher verlangt R. Petereit, Bülowstr. 45. Suche sofort eine» tüchtigen Ban- dagiftc». Philipps, Ziegelstr. 31. Ei» j. Mann, gel. Weber, sucht paff. 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Sie graphische» Arbeiter n«d Arbeiterinnen, welche sich g?se»wmirg in einei» von, Ring der Prinzipale anjgezivungeiie» Eeneralstreil befinden, hatte» sich am Freitag Abend in so statt- ,-i vL � versanmielt, daß der große Saal bei Keller um r>irrung herbeizuführen, wird die Kapitalistenpresse benutzt, nur die lügenhaslesten Gerüchte z» verbreiten. Mit einer dieser Gesellschaft eigenen Rasfinirlheit wird die Trommel gerührt, um der staunende» Welt zu verkünden, daß die Stellen der Streikenden(zirka 3000) vollständig befetzt sind, trotzdem särnmtliche bürgerliche Blätter mit Annonce» der Herreu Ringinhabcr gefüllt sind und einige Herren zur Jagd aus Streikbrecher bereits ab- gereist sind. Gewiß ein Beweis, wie überfüllt die Kuusttempel sein müssen. Thatsächlich sind die heiligen Hallen leer bis auf einige ältere Arbeiter. Ebenso führen die Herren Ringsabiikantcn darüber Beschwerde, daß leine Unter- Handlungen gepflogen wurden. Sie verschweige» dabei absichtlich die mit ihren Arbeiter» wiederholt stattgefundenen Unterredungen, welche auch zum»heil von Erfolg waren, aber durch den rigorosen Beschluß des Ringes wieder aufgehoben wurden. Das Organ der Papier- Industriellen, die„Papier- Zeitung" läßt es sich be- sonders angelegen sein, in einem langathmigen, vo» Unwahr- heilen strotzenden Artikel für ihre Interessenten einzutrele». Zunächst sollen die graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen der bestbezahlte Beruf von allen Arbeitern sei», eine Behauptung, welche durch die Statistik mit den aufgeführten Hungerlöhnen längst widerlegt ist und zu der Forderung vo» Mindest- löhn e n geführt hat, die allerdings nach der„Papier-Zeitung" eine Prämie auf die Faulheit sei» sollen, von den Prinzipalen aber als unverschämte Forderung ohne Beachtung geblieben sind. Diese Insinuation weisen die Arbeiter und Arbeiterinnen mit Entrüstung zurück. Die Prämie auf die privilegirte Faulheit ist schon längst von den Kapitalisten in Erbpacht genommen. Wenn sich ferner die„Papier-Zeitung" die Dreistigkeit erlaubt, vo» einer söge- nannten Lohnkommission zu sprechen, so verbitte» sich die Slrei- kenden solche Unterstellung gegenüber ehrenhaften Kollegen, welche das Vertrauen der Gesammtheil genieße». Da- gegen empfehlen fie, die viele» Unfälle, die jetzt heim Anlernen von Arbeitern und Arbeiterinnen vor- komme», gefälligst zu registriren. Redner schließt seine oft- mals mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit der Mahnung, Verlockungen und Versprechungen znrückzuweisen und nur den Beschlüssen der Lohnkommission sowie der Ge- fammtheit zu folgen und kampfesmuthig und treu auszuhalten bis zu dem Augenblick, wo die Arbeiter und Arbeiterinnen den Sieg davontrage». In der Diskussion, an der sich die Kollegen der verschiedenen Firmen betheiligten, wurde der gute Geist und die Standhaftigkeit unter den Kollege» und Kolleginnen ausdrücklich betont und von den Versammelten jubelnd aufgenommen. Die drastischen, mit Humor gewürzten Ausführungen hatten oftmals wahre Lachsalven im Gefolge. Ferner wurde der Lohnkommission das Recht zugestanden, sich um weitere sechs Kollegen zu ergänzen und bekannt gemacht, daß am 2. November Sonnksllgsplauvevei. Altrömische Erobererweisheit, die das Menschenthum in zwei Gruppen schied, in Sieger und Unterjochte, wird auch in deutsche» Landen bochverehrt. Sie mögen hassen, wenn sie nur fürchten! Dieser Grundzug von Hochmuth ist unseren Eroberern ebenfalls eigenlhümlich; und er wurde in einer Entwickelungsperiode. die durch eine geivaltsame Natur ihr besonderes Merkmal erhielt, geflissenilich genährt. Moltke hatte einmal im Reichstage mit einem Anflug von Resignation erklärt: Wir haben ringsum keine Freunde. Wir müssen uns dieser Thatsache fügen. Er hat aber der Umstände nicht gedacht, die zu diesem Ergebniß geführt haben. Wo Haß und Furcht als Grundstütze der Erziehung auf- gestellt waren, da konnte keine warme allfrech le Frenndschajt sich entfalle». Es giebt nicht viele mehr unter uns, die die Zeiten der Polenschwärmerei, der vielbespöttelten, selbst noch als Jünglinge oder Männer mitfühlend durchgemacht haben. Nichts drängt dies Geschlecht mehr dazu, das Polenthiim in verklärtem Zander zu erblicken. Die einstige leidenschaftliche Theilnahme für ein unglückliches Volk kann man begreife», selbst wenn nian sie heule nicht mehr theilt. Fast unbegreiflich aber bleibt der leidenschasiliche Haß, der heute noch im Polenthiim die Quelle aller Verderdtheit, aller trüben Machen- sckiafien erblickt. Mir sind Menschen vorgekomme», die gewiß keine Dentschthlimler'weren. die- sogar witzig bis zum Zynismus sein konnten; kam aber der Pole ins Spiel, dann war aller Witz und aller Geist beim Teufel. Wirre Vor- stellnngen, eine ungeheuerliche Fülle von Borurlheil be- mächligte» sich ihrer Köpfe; und Wuth lähmte jedes freiere Denken. Nichts wußten sie, als die einzige Boruirlheil: den Haß zum Erzieher über die„Polenband«" zu setze». Nu» muß nur ein überhitztes Temperament, ein Mensch, der sich als erobernde Herrennatur geberdet, auftreten, und die traurignen Konflikte, wie sie jüngst in den Borgängen vo» Opalenitza blutig offenbar wurden, sind gegeben. Wo Männer wie Herr vo» Carnap das Deulschlhnni darstellen, er, dessen ganzes Thun den Satz predigt: Sie mögen hasse», so lange sie uns sürcdten, da will man Verständigung und Versöhnlichkeit erwarte»? Das polniscke Volk ist geivlß nicht angriffslustig. Wer jemals polnisches Gebiet gestreift, polnisches Land durchwandert hat, der hat sicherlich mit innerster Beschämung es erleben müssen, wie demüthig sich der polnische kleine Man» nicht selten vor dem herrisch Gekleidete» geberdet; eine Folge jahrzehnte langer Knechtung. Wie n»iß Herr v. Carnap die Empfindungen der Leute von Opalenitza gereizt und erbittert haben! Von einer„Pöbel- surie", wie es ist einem wülhig antipolnischen Blatte dar- gestellt war,'kann nicht die Rede sein. Wenn die Furie einmal cntsessclt war, wie'hätte eine einsacke Ansprache des Bürger- meislers genützt, um die Leute zur Besonnenheit zu bringen. nachmittags 4 Uhr bei Keller eine Versammlung der Streikenden und Arbeitslosen stattfindet. Nachstehende Resolution fand ein- stimmige Annahme:„Die Versammlung erklärt sich mit de» Ausführungen des Referenten einverstanden, und halten es die Versammelte» für ihre Pflicht, bis aufs äußerste dahin zu wirken, daß die gestellten Forderungen erfüllt werden. Die Versammlung erklärt weiter, daß sie auf der Grundlage der vom Fabrikanten- ring gestellten Bedingungen eine Einigung sür unmöglich hält." Mit einem dreifachen Hoch auf die gerechte Sache, in welches die Versammelten begeistert einstimmte», schloß der Vorsitzende Friedewald die imposante und nuisterhafte Versammlung. Eine öffentliche Versainntluiig der Maurer, die am Freilag im Louisenstädtischcu Konzerthaus tagte, beschäftigte sich mit der Tagesordnung:„Tie Uebergriff« der Firma Strauch- scke Aktiengesellschaft und der Firma Puniplun in Deutsch- Wilmersdorf." Wie der Referent Frilsche anführte, legten seinerzeit auf dein Bau der Aktiengesellschaft in der Bülow- straße wegen Maßregelung eines Kollegen 4ö Mann vo» 6S die Arbeit nieder, um die Wiedereinstellung des Gemaßregelten zu bewirken. Die Verhandlungen, die seitens der Lohnkommission aufgenommen wurde», verliefen resultatlos, da der Polier, trotz der Befürwortung des Van- führcrs, die Wiedereinstellung des Gemaßregellen kurzerhand ver- weigerte. Tie an der Arbeitseinstellung Betheiligten wurden von allen Bauten der Gesellschaft abgewiesen. Der Reduer bemängelte sodann unter Anführung der Einzelheiten das Verhalten einiger Polizeibeainten gegenüber den Ausständigen, die sich auch hier, wie bei fast allen Streiks der letzte» Zeit, im ausgiebigste» Maße den Unternehmern zur Versügung stellten. Bei der, durch die Ausstellungsarbeite» den Lesern des„Vorwärts" besonders bekannte Firma Puniplun, legten IS Maurer aus dem Van des Gymnasiums in Wilmersdorf ivcgeu Lohnrednzirung auf SO Pf. die Stunde die Arbeil nieder. Hier war es, wie behauptet wurde, ein Polizeiwachtmeister, der den Arbeitern klar zu machen versuchte, daß der Lohn ei» sehr guter ist und bei dieser Firma die beste» Arbeitsverhältnisse herrschen. Schließlich forderte er die Streike»- den auf, die Arbeit wieder aufzunehmen, andernfalls sie der Arbeitsstätte fernbleiben sollten, da der Ortsvorsteher da»» weitere Maßnahmen ergreisen wird. Wie der Redner be- kannt gab, hat die am 29. Oktober vorgenommene Baukontrolle folgendes Resultat ergeben: Auf 630 Baustelle» arbeiten 6795 Maurer. Aus 513 Bauten mit 5161 Maurern wird 9 Stunde», aus 117 Bauten mit 1684 Maurer» 10 Stunden gearbeitet. Bei den Neunstundenbäuten sind diejenigen Bauten, wo durch die vorgeschrittene Jahreszeit die Verkürzung der Arbeitszeit ein- getreten ist, nicht nüt berechnet. Außer den angeführten Bauten sind 50 Abrisse und 40 Ausfchachtbauten zu Zverzeichne», bei denen in nächster Zeit eine weitere Arbeits- gelegenheit sür eine größere Anzahl Maurer zu ge- wärtige» ist. Der Redner, der die Zahl der Arbeitslosen gegenwärtig auf 400 bis 500 schätzt, bezeichnete das Gesaunnt- resullat als ein sehr günstiges. In der hierauf folgenden Dis- kussion, an der sich eine große Anzahl Redner betheiligten, wurde das„Staken" der jüngeren Kollegen auf de» einzelnen Baute» einer herben Kritik unterzogen. Um Arbeitskräfte zu sparen, begünstige» die Unternehmer nur die Pfuscharbeit. Vo» anderen Rednern wurde darauf hingewiesen, daß ein- zelne Unternehmer bereits den Versuch mache», Lohn- reduziruugen vorzuuehmen und richte» den Appell au die Versammlung, i» jeder Beziehung solidarisch zu Handel», um die Erfolge der Lohnbewegung nicht illusorisch zu machen. S i l b ers ch in id t, der gleichfalls das Verhalten der Behörden bei den Ausständen der Arbeiter bemängelte, führt an, daß nicht weniger als 27 000 Unglückssälle, die zum großen Theil auf das überaus hastige Arbeilen und dem Mangel an geeigneten Schutzvorrichtungen zurückzuführen sind. unter den Bau- arbeitern im Jahre 1895 in Deutschland bekannt ge- worden sind. Der llledner behandelt sodann in längeren Ausführungen das Vorgehen der Unternehmer, die»ach den be- kanntenBeschlüssen des Bundes der Bau-,Maurer- und Zinnnerineisler beabsichligen, im nächsten Frühjahr wieder die zehnstündige Ar- beitszeit einzusühre». Bereits jetzt werden dazu alle möglichen Vorbereitungen getroffen. So versucht die„Bavgewerks-Zeitung" durch allerlei Verdächtigungen der Lohnkommission und durch die Behauptung, die Maurer wollten im nächsten Jahre den Das hat die Meseritzer Verhandlung doch ergeben. Wie wenig angriffslustig also mußte die polnische Bevölkerung gewesen sein; und wie sehr mußte Herr v. Carnap sich als Eroberer im er- oberten Lande aufgespielt haben! In diesen Tagen- erst gingen durch die nationale Presse wehmüthige Belrachtungen darüber, wie es nirgends gelungen sei. in de» preußische» Ostprovinzen das Polenlhnm und seine Wirk- samkeit zurückzudrängen. Um den wohlgesinuteu Leser» recht tüchtig das Gruseln beizubringen, wurden sogar höchst übertriebene Angaben über die polnischen Fortschritte im Lande gemacht. Man sollte meinen, daß derlei zu nachdenklicher Einkehr mahnte, daß das Kriegsgehenl gegen das Polcnthum nachließe. Aber »nsere„Patrioten" sind ei» zähes Geschlecht. Ueber begangene Fehler nachzusinnen, ist mühsam; und so bequem' ist es andererseits, doppelt und dreifach über die Undank- bare» zu zetern, die noch immer sich den Seg- nungen höherer Kultur nicht fügen wollen. Was in polnische» Gemüthern ivohl vorgehen mag, wenn sie den säbel-rasselnden Herrn v. Carnap, der vor Erregung ausrief:„Ich muß das polnische Schwei» in der rolhen Jacke niederstechen", als Träger einer höhere» Kultur preisen sollten? Sie müßten die erbärmlichsten Hohlköpfe sein, wenn sie im Hin- blick auf Carnap'sche Erziehungsiverke nicht zu herber Ironie gelangte». Und wie die Brüsewitze im Westen Deutschlands, so die Carnap's in den polnischen Gebieten. Gleiche Erscheinungen auf gleichem Stamme. Das schneidige Erziehungswerk zu höherer Kultur gedeiht heutzutage freilich auch in außerpreubische» Staate». Ei» fach- gemäßer Aussatz hat die Leser des„Vorwärts" über das Wesen des Haberfeldtreibens unterrichtet.„Habererprozesse" wurden schon »»ehrfach geführt; keiner hat solches Aufsehen erregt, wie der gepenivärtige Prozeß in München. Anschauungen, Ehr- nnd Silt-nbegriffe. die in einer besonderen Volksschicht fest- gewurzelt sind, sollen mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Ter Geist der Widerspenstigen soll gründlich gebrochen werden. Wo sich ein Hang zu Aeußerungen überschüssiger Volkskraft zeigt, wie im bayerischen Oberland, da muß dieser Hang nicht etwa in vortheilhakte Bahne» gelenkt werden; nein, dieser Hang muß schivinden: Haß und Furcht sind die Erziehungsmittel. Die Haberer werden zwar nicht zur Erkenntniß gelangen, was an ihrer cigenthümliche» Rechtsjustiz veraltet und verkehrt sei. Es wäre auch beschwerlich, sie zu dieser Erkenntniß zu führe». Der moderne Volkserzieher von Schneid hat nur nach dem Satz zu handeln: Mögen sie hassen, so lange sie fürchten. Das ist der bequemere Weg der Volkserziehung. Und so mußten denn die Bauern und Knechte diesmal ganz exemplarisch die Strenge des Gesetzes kosten. Schon die langwierige Voruntersuchung, die Verhaftungen von Leuten, die gewiß nie daran dacklen, sich dem Gericht zu entziehen und die Erdscholle zu verlassen, auf der sie zu leben und zn alhmc» gewohnt sind, sollten den Trotzigen fühlbar zeige», daß die Zeit der Nachgiebigkeit Achtstundentag fordern, Propaganda für den Plan der Unter- nehmer zu mache». Unter Verschiedenem wurden den ausgesperrte» Gasanstalls-Arbeitern 200 M. bcivilligt. Tie Gürtler halten am 26. Oktober eine Branchen-Ver- sammlung mit der Tagesordnung einberufen: Was lehrt uns die diesjährige Metallarbeiter- Bewegung? Otto Rät her wies in seinem Referat daraus hin, wie so mancher Streik in- folge des Jndifferenlismus verloren gegange» sei und ermahnte des- halb die Anwesende», sich der Organisation anzuschließen, um wenn es nölhig ist, den Unternehmern zeigen zu könne», daß auch der Arbeiter nicht mit sich spielen läßt.— Unter Ver- schiedenem wurde die Ersatzwahl sür einen Beisitzer im Vorstand vollzogen, mit welchem Amt Gürtler Quitzow betraut wurde. FriedrichShaacu. Die Parteigenossen am Orte hielten am 24. Oktober eine Parteiversammlung ab, in der Genosse Knauf vom Parteitag zn Gotha Bericht erstattete. Derselbe löste seine Ausgabe zur Zufriedenheit der Versammlung. An der Diskussion betheiligten sich S o n n e» b u r g, H e y s e l d e r und Barth. Sodann erstattete der Vertrauensmann Paatz Bericht über seine Thäligkeit; demselben wurde Decharge ertheilt und betraute ihn aufs neue die Versammlung mit diesem Amt. Zu Revisoren wurden die Genossen H e y f e l d e r. Krüger»nd Tobias, in die Lokalkommission Mertens, Li ose und 5t a r o s s a r gewählt. Nachdem der Vorsitzende die Parteigenosse» aufgefordert hatte, im kommenden Jahre sich rege an der Agitation zu be- theiligen, erfolgte der Schluß der Versammlung. Arb»>««r.Kil>»,>g»sit,«l». Sonniaa, vormtuag« von Nhr ab- wichse». d ForkichrUlililrsu« in Nalionalökonomte und Redeübung im Lolaie der 91 o r d s ch u l e. Brunn enstr. 26. Montaa Abend lein Unterricht. Tic Schulränine find zur Benutzung der Bibliolhel und det reichen Zeit- schristenmaierial« schon von 8 Uhr abend« au geöffnet. Arbeiier-Hnngerbnnd Berlin«»nd Nuigegend. Borsitzender Ad. Neu- mann, Pasewailersir. 8. Alle Acndcrnnge» im AereinStalender find zu richte» an Friedrich liortum, Manie» ffetslr. 40, v. 3 Tr. Arbeiter- jlaucherbund Srrlin»»u> tlmgegend. Aenderunge» im Bcriinilaiender find zu richte» an Karl Stiller, Kleine Frankfurter- sirahe Nr. 7, r Tr. zsnnd der vefellig«» Arbeitervereine Keriitt«»nd zlmgegend. Alle Zuschriften, de» Bund betresfend, find zu richte» an Hermann Jahn, Schönhauser Allee 177 c. Acht»»«, Tababarbeiter! Mittwoch, den 4. November, abend« sr Uhr, bei Buske. ljirenadieiftr.»s, höchst wichiige ösfeutliche Bersa»»»lu»a. Rech- n un g s leg»» g d e rL ohn k o m m is s io». Bericht der lScsanuntkominissio» und Neuwahl der Lokaltommission. Der gedruckte Bericht der Lohnkommission kommt dort zur Verlheilung. Indem wir hierauf ganz besonders aufmerksam machen, ersuchen>vir um rege Betyeiligung. Die Kommission. Kerriii dentfchrr Schul,»l»chrr. Montag, den 3. November, abends »8 Uhr: Zahlstelle l bei Feind, Weinsir. ti. Zahlstelle i bei Lange. Dia- gonerstr.>6. Zahlstelle 8, Arminhallen, Kommandantenstr. 30.(Sonntag, de» i. Rovemb-r, geselltae« Beisammensein bei Cohn, Beuthftr. ao.) Zahlstelle 4 bei Raulenderg, Oraniensir.>80. Nähere« stehe Inserat. Deutrai-tzlranlie».»nd Hegräduisjknlsr der Schuhumcher(ffi. H., Hamburg.) Oe lliche Berwallung« stelle Berlin. Montag, den s. November, abend««X Uhr, Versammlung der Mitglieder im Lokal de« Her»» Paasch, Alte Jakobstr.«8 hierein der vtaschi»!»«», fleiier und Kernfogeuofsen iSerlin» und Umgegend. Heute, nachmittag« 6 Uhr, in der Oraniensir. 6l, Versammlung. Kerliner Arbeitervertreter-Merein tagt jed-n Dienstag nach dem erste» im Monat�bei Buske, Liren adierflr. 88, abend««8 Uhr. Unentgelt- licher Rath wird erlheilt: z», Zierde» Kerlin»! Für Unsall-, Invalidität«- und Rllers-Berstche- rung, abend« von 7-9 Uhr: W. Buch holz, Hussttenstr. 8«, v. 8 Tr. A. D a c h n e, Teminincrsir.«c. v. 3 Tr. il. l» n t h e i t, Wtcscnstr. aoa, von 8-o Uhr abend«. F. Pieschcl, Sartenstr. 66, v. a Dr. ffi. S t in a n o w s k i Liarleustr. 78, Portal a, a Tr. 3)1, Stuhl in an», Oderbergerstr. 87,« Dr., vo» o-« Uhr abends. N. Da min, Husstlensir. o, von 8-s Uhr abend«. A. Voigt, Wiesensir.*1— ia. E Warnst, Koibergerfir. 7, von 8-7 Uhr abends.— Nur für Jnvaiidiiäi«- und AUersverstchernng: F. Blume, Strelltzerfir. 68. P. Reimann, Billei-i»a»»str. 88. F. Trapp, Schul- strahe 68, von 7—8 Uhr abend«. Ii» Zier»-«sie»! 91 u r für Jnvaltduäi«- und AlterSverstcherung: W. M o h«, Schönhauser Allee na. Ii» vste»! 91»r für Jnvalldttäl«- y»d AlterSverstcherung: E. Bader Ar. Franksui terftr. 8«, v.« Dr. Kl»$»>-«»(»: Für Uusall-, Invalidität«, und Altersversichermig; S ch a l i h o f s, Michaillirchsir. 18. Ii» Knie»! Für Unfall-, JnvalsdUäi»- und AU-rSverstchsrung: F. S i ü g e i m a t e r,(Jrimmftr. 3«.— Nur für Jnvaliditält- und Alter«- Versicherung: P. Keller, Eainphaufenstr. 6. In, Kud Ziuesten: 91ur für Unfalloersicherung: gl. Hänel, Solms- strahe««. Ii» ztvrd-DUelirn! Nur für Unfallversicherung: I. kraus«, Wils- »acterstr. l». R, S l e p h a u, Lessingsir. 8«. In, Zentrum! 91»r sür Unsallversicherung: E. Lös st er, Kloster- strähe»i. Bei sämmllichen vorgenannte» Personen, bei denen hier keine Sprechzeit angegeben, ist diesclbc Wocheniag« vo» 7—8 Uhr: ferner wird Auskunfi er- iheilr in den regelmäh.gcn Mouaksverlmnuilunge» de« Berliner Arveiier- Vertreter- Verein« jeden Dienstag nach dem erste» im Monat bei Röllig, Nene Friedrichsir.««, abend« 8); Uhr. vorüber ist, und daß man zu züchtigen entschlossen sei. Der Bauer, der monatelang in Voruntersuchuiig gesessen halte, der ferner einer weilereii Freiheitsstrafe entgegengeht, wird allerdings auch jetzt noch nicht recht begreisen, was er denn Schweres verbrochen habe. Aber er ivird dunkel empfinde», das Gericht sei etwas Unheimliches, dem er, als eine Art von Märtyrer, zum Opfer gefallen sei. Die Leute im Oberland haben es indessen schon bunt genug getrieben. Es kam einmal der merkwürdige Fall vor, daß bei einem Bäcker geuieben wurde, weil der ausschließlich Lehrlinge beschäftigte und sie elend ver- köstigte. Das Habererprotokoll hierüber«xistirt, e- findet sich unter den von Oskar Panizza veröffentlichten Pro- tokollen und es ist darin in ganz naiver Sprache vom wüsten Kapital zu lesen. Solcher Vermessenheit waren die Haberer schon fähig. Sie erdreistele» sich, Dinge moralisch zu rügen, die kein bürgerliches Gericht so ernsthaft rügen würde. Was habe» sie an Dingen verbessern zu wollen, die das Gesetz stillschweigend billigt? Man wird ihnen schon andere Flölentöne beibringen, und ihnen zeige», daß es in gesitteten Welten nicht angeht, Empfiudunge» des Unwillens lebhaft zu äußern. Wie begehrlich sie ihr Laieurichleramt ausübten, das hat ja der letzte Müncheuer Prozeß wiederum bewiesen. Bei einem Haberfcldlreiben wurden Verse so unsittlichen Inhalts verlesen, daß das Gericht, als die Angelegenheit zur Sprache kam, die Oeffentlichkeil aufhob, um kein unteusches Aergerniß zu erregen. Nur die Zeitungsschreiber durften im Saale sitzen bleibe». Sie sollten es der Welt mittheilen, was sür frivole Burschen eigentlich die Haberer seien. Warm» mußten sie auch so unverschämt sein, nnfläthige Dinge, die irgend«in Dorfgenosse beging, in plump-bäuerlicher Deutlichkeit zu be» sprechen? Ueber derlei schweigt man in honneter Gesellschaft, oder man deutet es geschminkt an. Aber den Unflath so un- verblümt Unflalh zn nennen,' auf keine Zimperlichkeit Rücksicht zu nehme», ist das nicht in bohem Maße frivol? Wer nicht gerade mit allzu romaiitischen Gefühlen anf da? Haberfeldtreiben blickt, wer sich vor den Schäden des ungeregelten Ueberbleibsels von Volksjnstiz nicht verschließt, die Jrlhünier» ausgesetzt ist— wie das ordentliche Gericht ja auch— und unbestimmten Gefnhlsausbrüchen beengten dörflichen Anschauungen manchmal mehr nachgiebt, als im Sinne Höherer Gerechtigkeit gelegen ist: dec wird trotzdem über den gestrengen Feuer- eifer, mit dem man von Amtes wegen gegen die Haberer vorging, verwundert mit dem Kopf schütteln. Die Haberer sind gewiß nicht bekehrt worden; eine alte Votkssitle wird durch strafenden Gerichtsbeschluß nicht urplötzlich aufhören. Aber das Prinzip ist gewahrt, das jetzt so mannigfach als Allheilmittel ausposaunt wird, das sogar zu dem milden Rachegeschrei führte, als der jugendliche Mörder Bruno Werner in der Berliner Bahnhofshalle ankam, und dies Prinzip lautet«: Züchtigt sie mit eisernen Ruthen, auf daß sie fürchten lernen. •Alpha. 7000 Stück elegante Tüll- und Spachtel-Kragen und Fichus bestes Fabrikat für Damen und Kinder kommen in dieser Woche zu ganz besonders billigen Preisen zum Verkauf« W arcnhans A.W er(heim. Moritz Seidel 45, Grüner Weg 45, Ecke Koppenstrasse. Wäsclie-Ausstattungamagazin, Bettfedern Pfd. von 50 Pf. an, Bannen Pfd. von 2,50 H. an, sv fertige Betten,-wm Steppdecken, Portieren Gardinen SV Kleidepstoffe. SWollwaaren._ zeuge, Tischdecken Taschentücher, SSpi. 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Sauberste Haitdarbeit, saminetweich, Bossleder-Zugstietel, solid und dauerhaft, mit Herzblatt, 13 Lw hoch im Zuge, genagelt, Lederkappe und Lederbrandsoble, überhaupt mit reinen Lederzuthaten angefertigt Bk. 3,90. Dieselben 12 om hoch im Zuge, genähte Sohle mit markirtem Rand.............. Bk. 4,75. Bossleder-Zugstietel, sehr hoch im Zuge, mit Herzblatt oder Vordernaht und Lackspitzkappe, aus Rand genäht, in denkbar ��z�rlässigsterAusführun����������Bk� !?ossle�-?üöp!s!le?e�n??ürchgenahte�Sohle����Bk�?� Satin-Kalbleder-Zugstiefel in vorstehender Ausführung, geschmei- diges, zartes und dabei durchaus dauerhaftes Oberleder Bk. 7,25.| Extra prima satinirte Kalbleder-Zugstiefel. Das Wohithuendste für empfindliche Füße, außergewöhnlich hoch,) auf Rand genäht, in verschiedensten Faqons.. Bk. 8,75. 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Leser als Aufklärung dafür genügen, das; ich bei dem grossen Umfange meines Geschäfts j noch bedeutend billiger als bisher verkaufen kann. Auch dem Nichtkänfer steht mein Etabltffement, welches zu de» gröffteu Sehenswürdigkeiten am Platz gehört, zu jeder Zeit zur Ansicht offen. BÜ. Berlin, jetzt sp Brück 2. Sämmtliche Abtheilungc» meines Etablissements sind Wochentags bis 10 Uhr Abends u. SonntagS während der polizeilicherseitS erlaubten Stnude« geöffnet. Anf mein Inserat. Eigarreu betreffend, Seite R, 4. Beiblatt mache den geehrten Leser anfmerksam. 3. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. Ur. 337. Sonntag, den 1. Uooember 1896. 13. Jahrg. Das Schttvideeaemvvbv in Vveslnu. Nuter diesem Titel veröffentlicht der„Verein für Sojint« poliuk" eine Arbeit von Dr. August Winter. Der Versoffer hätl die Schneiderei innerhalb der i» de» Untersuchungen vom „Verein für Sozialpolitik" behandelten Handwerke als eins der rvichligsten,„und doch sind die in ihr zu tage tretenden Er- scheimmgcn vielleicht weniger bekannt als in anderen Gewerben", ineint der Verfasser.„Es bat der jahrelangen und nachhaltigsten Slgitation eines Theiles der in der Schneii erei beschäftigten Ar- tciter bedurft, ehe sich das öffentliche Interesse dem Kampfe zwischen Konfektion und handwerksmäßiger Schneiderei zu- wandte". Dr. Winter bat seine Arbeit noch vor dem Ausbruch des froßcn Kvnfeklionsarbeiter-Ausstandes in den verschiedenen dcut- che» Konsektioi�sorte» verfaßt. Seitdem sind die krasse» Er- scheinungen in der Konsektionsindnftrie noch rnebr bekannt ge- worden als früher. Die Erdebmigen der Neichskommission für Arbeiterstatistik und des Einigungsaurles des Berliner Gewerbe- gerichls sind mittlerweile bekannt geworden, und habe» die elende» Zustände, unter denen die Arbeiter dieser Industrie vcgetircn, i» ihrer ganzen Nacktheit ausgedeckt. Dennoch kommt die Winter'sch« Arbeit zur rechten Zeit; sie ist ein weiterer Beitrag zur Er- gäuzimg der Elendsstatistik der Arbeiter in der für die Unter- uehmer so blühenden und gewinureichen Konfeklions-Jndustrie. Breslau und Schlesien waren für den Verfasser ein be- sonders günstiges Untersuchungsgebiet.„Schlesien ist die Provinz der geringsten durchschnilllichen Tagelöhne, und es ist bekannt, daß die Lebenshaltung des schlesischcn Proletariats so ziemlich die niedrigste i» ganz Deutschland ist. Schlesien, vor allem Breslau, war also der Ort, wo lapitalkrästige, in der Konleklion bewanderte Unternehmer ihre Geschäfte gründen und zu der Blüthe bringen konnten, die zwar auf dein Elend der Kouseklionsarbeiter und-Arbeiterinnen beruht, aber doch den Neid der anderen Gewerbe erregt." „Die schlesische und insbesondere die Breslauer Schneiderei leider außerdem noch darunter, daß»ninderwerthige und lohn- drückende Arbeitskräfte aus polnische» Gebiete», Oberschlesien, Posen und Russisch-Polen, zuströmen. Die Lebenshaltung der Schneider wird dadurch noch tiefer als in sonstigen Gegenden herabgedrückt und die Organisalionsfähigkeit der Arbeiter muß dabei eher ab- als zunehmen." Wie aus diesem Boden die Kon- fektions-Jnduslrie ihren gewaltigen Aufschwung genommen, das alle Handwerk vernichtet und den ehemaligen Handwerksmeister zum Arbeiter im Dienste des großen Unternehmers herabgedrückt hat, das zeigt uns der Verfasser mit deutlicher Schärfe im Laufe seiner Untersuchungen. Aber auch die weiteren Folgen der seit ungefähr 4 Jahrzehnten sich mit immer größerer Schnelligkeit vollziehenden Revolution in der Schneiderei, die Hausindustrie mit. allen ihre» traurigen Begleiterscheinungen in potenzirter Form, das Ueberhandnehme» der Frauenarbeit, Schwitzarbeit, Lehrlingszüchlerei und andere Dinge, werden von deni Versasser scharf gekennzeichnet. Mit großem Fleiß ist das vorhandene Material zusammengetragen und nach Möglichkeit ergänzt; der Verfasser betont indeß:„Am schwierigsten war es, über die Lage der am schlechtesten gestellten Schneider genaues zu erfahren; das Elend verkriecht sich in versteckte Höhlen." Um ein ungefähres Bild von den Leistungen Breslau's im gesammten Schneidergewerbe und dessen Anhängseln zu geben, führt Dr. Winter einige Zahlen an, die der letzten Ausgabe des Breslauer Adreßbuches entnommen sind. Danach hat Breslau Ivb Herren- und Knabengarderobe- Magazine; 8 davon betreibe» nur Engrosgeschäfte, 4 haben nur Arbeilergarderobe; Damenkonfektious- Geschäfte giebt es 41, Mäntelfabriken IV, Kindergardcrobe- Handlungen 14, Kleider- Handlungen 36, Mode- und Schnitlwaaren- Handlungen 157 (en gros 3), Leinwand» und Wäschehandlungen 166(nur an gros 14. nur Versandt 1), Posamentenhandlungen 282, Tuch- waaren- Handlungen 168(nur en gros 2), Knopffabrike» 13, Kuopshandlungen 17, Handlungen für Schneider-Bedarfsurtikel 15. Tuchmacher giebt es 3(1 Tuchfabrik gehört der Tuchmacher- Innung), Tuchscheerer IS, Tuchhändler 66(nur on gros 3). Unter den Kofektionsgeschäften sind sehr bedeutende, so be- schäfiigt nach Dr. Winter's Angabe das größte Herren- und Knabeukoufeklions- Geschäft etwa 260 Zwischenmeisler; die täg- liche Produktion beläuft sich hier aus 1000—1860 Anzüge. Das größte DamenkonfektionS- Geschäft Breslau's produzirt jährlich 200 000 Tamenmäiitel und Jaquets. Für Breslau würde schon die Hälfte der Jahresproduktion dieses Geschäftes allein aus- reichen. Die Preise der Sachen schwanke» zwischen 5 und 150 M. Wie anderswo, so vergebe» auch die Breslauer Großkonsektionäre ihre Produkte ausschließlich au Zwischenmeister; Werkstätten werde» von den Geschästsinhaber» nur in ganz beschränktem Umfange unterhalten. Soweit solche vorhanden sind. dienen sie zur Ausführung ganz feiner Maßarbeit und zur Vornahme von Aeuderungeu und Reparaturen. So besitzt das größte Breslauer Damenmäntel-Geschäft, das ein Geschäftspersonal von 135 Damen und Herren beschäftigt(Ver- käufer, Verkäuferinnen, Lageristen, Konfektionäre, Modelldamen. Schneiderinnen u. s. w.) eine von nur ungefähr 10 Schneiderinnen besetzte Werkstatt. Daß aber auch der Staat seine Liekernnge» unter den Auswüchse» des Schwitzsysteins herstellen läßt, dafür bringt der Verfasser ein sehr markantes Beispiel. Eine Brcslauer Firma läßt nur Uniformen verfertigen, und zwar hauptsächlich für Eisenbahn- und Postbeamte und für Schutzleute. Für dieses Geschäft arbeite» allein in Breslau etwa 100 Meister, außer- dem hat es in einigen kleinen Provinzialstädten noch eine bedeutende Anzahl Arbeiter; 16 Zuschneider, Lageristen, Verkäufer jc. bilden das Personal dieses Hauses in Breslau, das in Kiel, Hamburg, Frankfurt a. M. Filialen hat. 8 Reisende sind steis auf der Tour; der Jahresumsatz zählt nach Millionen. Die Lage der Zwischenmeister, welche in vielen Fälle» als eine neue Art Unternehmer gelte» können, die allerdings von mächtigeren Unternehmern abhängig sind, ist, wenn sie einiger- maßen große Werkstätten habe», nicht übel. Nach Lange, dessen Ermittelunge» Winter mit den gegenwärtigen Verhältnissen noch im wesentlichen für nbereinstimmeud hält, verdient ein Breslauer Meister in der Damenkonfektion mit nur 2 Mädchen 30—40 M. in der Woche, mit 5—6 Arbeiterinnen aber schon 80—100 M. Im ganzen behalte» Meister und Meisterin 1/3 bis 2/3 der Betrages der von den Fabrikanten gezahlten Stücklöhne für sich; ihre Arbeiter und Arbeiterinnen wissen in der Regel nicht, welche Löhne die Fabrik bezahlt. Der Versasser hebt aber an anderer Stelle hervor, daß als Schwitzer im üblen Sinne des Wortes man nicht alle Zwischenmeister betrachte» darf. Die Interessen der kleinen Zwischenmeister, die zum theil auch bereits ihre Lage erkennen, sind mit denen der Arbeiter durchaus identisch. Die Lage der angestellte» Zuschneider und Konfektionäre ist im ganzen eine ziemlich vorlheilhaste; die Gehälter oft noch sehr junger Konfektionäre und Zuschneider variire» zwischen 1500 und 5000 M., auch höhere Gehälter kommen vor. Noch besser als diesen geht es de» tüchtigen Reisenden, besonders in der Damen- konsektion; Reisende, von denen man allerdings einen Umsatz von 100 000 M. verlangt, erkalten bis 20 000 M. GeHall. Damit ist die günstige Seite der Bilder der in der Breslauer Schneiderei und Konfektionsindustrie beschäftigten Personen auch erschöpft und Dr. Winter schildert uns nun die Lage des größten Theiles der Arbeiter, die unter einem harte» Joch seufzen;„besonders die in der Konsektion beschäftigten Frauen und Mädchen führen meist ein reines Sklavendasein." Der Verfasser schätzt die Zahl der gegenwärtig im BreSlauer Schneidergewerbe und in der Konfektionsindustrie beschäftigten Schneidermeister und Arbeiter auf 25 000 bis 30 000. darunter 20— 24 000 Frauen und Mädchen. Die in Maßgeschäften, Konfektionsgeschäften und-Magazinen beschäftigten Personen sind hier noch nicht mit einbegriffen. Ueber die Löbne der Breslauer Konfektionsarbeiter»nacht Dr. Winter folgende allgemeine Angaben:„Die höchsten Wochen- löhne für Arbeiter schivanken zwischen 6 und 27 Mark, für Arbeiterinnen zwischen 5 und 18 Mark, die mittleren zwischen 4 und 24, resp. 3 und 12 Mark. Die niedrigsten zwischen 0 und 15, resp. 0 und 10 Mark. d. K. für schlechte, ungeübte und mit ivcnig lohnender Arbeit beschäftigte Arbeiter betragen die böchsle», mittleren u»»d niedrigsten Löhne 6, 5, 4 Mark, für die tüchtigsten 18, 12, 10 Mark. Die Verschiedenheiten richten sich hauptsächlich nach der Saison...."„In der Hochsaison ist, namentlich in der Damenkonfektion, eine 16�-18 stüudige Arbeitszeit für Sonn- und Wochentage die Regel. Daß den Tag über gearbeitet wird, ist selbstverständlich; die Nachtarbeit richten die einen so ein, daß sie abends bis höchstens 10 Uhr arbeiten, um früh 3 oder 4 Uhr aufzustehen und arbeilen zu könne»; andere so, daß sie nachts bis 12, 2 Uhr und noch länger arbeiten und erst um 6 oder 7 Uhr ausstehe». Und trotzdem ist es einer tüchtigen Konfektionsarbeiterin, die, un» einen besonderen Fall heraus- zugreifen, mit ihrer Mutler und z,vei Schivestern Jaquets näht — in der Werkstatt einer Zwischenmeisterin arbeitet sie täglich 12 Stunden ohne Mittagspause, Mutter»»nd Schivestern arbeiten zu Hause— nur selten»nöglich, arf«ine» Wochenverdiensl von 24 M. zu kommen. Auf die Person kommt, ivenn»vir die z>vei mitarbeitenden Schivestern, die nebenbei den Haushalt besorgen, als eine volle Arbeiterin rechne»,«in Wochen- verdienst von 8 M., ein Tagesverdienst von ca. 1,15 oder ein Stundenlohn von ca. 7 Pf.,»venn wir eine» durchschnittlichen 16 stüiidigen Arbeitstag annehmen! Diese Löhne sind aber Bruttolöhne!"„Entsprechend de» Lohnverhältuiffen sind die Wohnungsverhältnisse der großen Masse der Schneider uiid Schneiderinnen recht traurige. Die Mielhspreise selbst für die meist im 4., 5. Stock oder im Souterrain liegende» kleine» Wohnungen der allein arbeitenden„Schneidermeister" sind für diese viel zu hoch. Eine heizbare Stnbe(ist sie groß, ohne, ist sie klein, mit Alkoven oder einem Vorraum oder Eutrec) kostet durchschnittlich 84 bis 30 M., eine giößere Wohnung, für kleine Zwischenmeister ge- eignet, mit zwei Stube», von denen die eine heizbar ist. und eine besondere Küche oder erneu Entree hat, kostet SO— 180 M, im Durchschnitt 169 M." Die Raumverhältnisse der Zwischenmeister-Werkstätten werden vom Verfasser durch folgende Zahlen veranschaulicht.„Für 12 beliebig ausgewählte Werkstätten ergab sich als Luftraum- Minimum für den Arbeiter 2.06 Kubikmeter, als Maxi,»»in 10,8 Kubikmeter, als Durchschnitt 7,57 Kubikmeter. So bei Werkstätte» für Konfeklionsarbeiter. Bei Werkstätten für Maß- arbeiter ergab sich als Luftranni-Miniinnm 2.1 Kubikmeter, als Maximum S,43 Kubikmeter und als Durchschnitt 6 Kubikmeter. Das Minimum bleibt in beide» Fälle» hinter dem der Londoner Schneider zurück(3.25 Kubikmeter), ivährend sreilich der Durchschnitts- Luftraum der Londoner Schwitzhöllen mit 4,82 Kubikmetern schlechter war, als der Breslnner ist. Das so bescheidene Lust« raum-Minimum»ach Mr. Asquith's Novelle zum englischen Fabrik- gcsetze(7,42 Kubikmeter) wird nur von der Hälfte der Werlstätten erreicht." Es folgt dann noch eine Schilderung des Schlafstelleniveseus als eine Quelle vieler physischer und moralischer Schäden.„Es giebt geradezu Masseuquartiere, von deren Existenz manchmal die Polizei nichts zu wissen scheint. Je nach de» be- sonderen Bedingungen bezahlt jedes Mädchen und jeder Bursche pro Monat 2,50 M. bis 5 M. Schlasgeld; der am häufigsten vorkommende Satz ist 4 M. Dafür dürfen sich die Schlafgäuger die Nacht über, während der event. abgehalteneu Mittagspause» und des Sonntags aushalte». Auch die Mehrzahl der bei den Eltern wohnende» Mädchen und Burschen zahle» Schlaf- und Kostgeld, 4 M. geivöhulich pro Woche; das Verhältniß der Eltern zu de» arbeitenden Kindern ist hier längst zu einem vorwiegend ge- schäsllichen geworden." Entsprechend dem geringen Verdienste können diese Arbeiter sich nur eine geringwerlhige Nahrung leiste». Dr. Winter schreibt darüber:„Die Kost besteht meist früh aus einer Zlrt „Kaffee", eigentlich Zichorienbrühe, mit Brot; von diesem Früh- stück nehmen die Kostgänger, wenn sie sich das erlauben dürfen, eine» Theil zu einem Zehnuhr-Frühstück mit. Mittags giebt es Gemüse, mit oder ohne Rindfleisch, sogenanntes Lappenfleisch, „Braten" höchstens Sonntags,»achmillags Kaffee mit Brot. abends Brot, das in gute» Zeiten mit einigen Wurstscheibe» belegt wird und zu dem„eine Halbe", eine Art Dünnbier, getrunken wird. Für diese Kost, die sich natürlich nur gut und miltelmäßig bezahlte Schneidergeselleu und Schneiderinnen erlauben dürfen, werden täglich 0,40—0,60 Pt. berechnet." „Dementsprechend kann der Gesundheitszustand der Bres- lauer Schneider und Schneiderinneu kein günstiger sein. Die nn- menschlich lange Arbeitszeit in höchst ungesunden Räumen. schlechte Ernährung, die sitzende Lebensweise, die Arbeit an der Maschine, das sehr anstrengende Bügeln ic. machen auch die festesten Körper mürbe." Nach den Berichten des Allerheiligen- Hospitals ist unter den Behandelten kein Gewerbe so zahlreich vertrete», als die Schneider, mit selbstverständlicher Ausnahme der Personen in den Rubriken„persönliche»nid häusliche Dienste" und„Lohn- arbeit aller Art". Ungefähr 400 Schneider und Schneiderinnen und deren Angehörige sind in den letzten Jahren jährlich be« handelt worden, von denen ungefähr der sechste Theil ge« storbe» ist. Diese allgemeinen Angabe» finden ihre Bestätigung und Er- gäuzung durch«ine private Enquete, die im Winter 1833—94 die Breslauer Zahlstelle des Verbandes deutscher Schneider und Schneiderinnen veranstaltete und die von Dr. Winter mit benutzt ist. Diese Schilderungen beziehen sich immer noch auf die besser gestellten Arbeiter. Welch' grausiges Bild würde erst entrollt werden, wenn das Elend in seiner ganzen Gestalt blosgelegt würde! Nachdem der Verfasser die Zustände in der Breslauer Schneiderei und Konsektionsindnstrie rückhaltlos aufgedeckt hat. beschäftigt er sich mit den Arbeiterorganisalionen, ihre Agitation und ihre Forderungen aus wirthschaftlichem und geseh- geberischem Gebiete zur Anbahnung besserer Zustände. Die Forderung nach Betriebs- Werkstätten wird von ihn» anerkannt, wenn er auch für wenig wahrscheinlich hält — die Arbeit ist, ivie schon hervorgehoben, vor dem Ausbruch des Streiks verfaßt— daß die Gewerkschaft in dem bevorstehenden Kampfe siegen wird. Das ist, weil diese Arbeiterschaft»och zu ohnmächtig ivar, ihren Forderungen auf den ersten Ansturm Geltung zu verschaffen, hinterher leider ein- getroffen.„Die Handwerkerfordernngen, auf die man übrigens nur theilweise ernstlich eingehen kann," so bemerkt Dr. Winter. „werden weder auf die Dauer das Handiverk rette», noch auf die Gestaltung der viel wichtigere» Arbeiterverhältnisse Einfluß haben." Er konstalirt:„Die Großbetriebsentwickelung in Maß- schneidere! und Konfektion wird ihren Weg weiter gehe» und damit die Proletarisirung der noch von Kundeuarbeit lebenden Meister." „Ein verständiger Arbeiterschutz muß," wie Winter hervor- hebt,„zur Kräftigung der Arbeiterorganisationen, besonders der Gewerkschaft, der volle Bewegungsfreiheit gewährt werden muß, beitragen, so daß diese in den Stand gesetzt wird, den Kampf gegen die Unternehmerschaft erfolgreich zu führen." Geiviß, das ist dringend nölhig, aber nur leben im Zeichen des Köller-Kurses und der Stumm-Politik und da hat die liebe Seele der Unternehmerprotzen in der Konfektion noch lange Ruhe. Tempelhof-Marienilorf. Zlienstng, de» 3. Alovember et,, abend« 8'/- Uhr, bei Santk» Tempelhnf(Torsstraße): 12sl Lkse-Adend des A»beiter-Kilduugsver-w. Tagesordnung: Vortrag des Herrn vi». Rkvzfl.— Diskussion. E-takIissemvirt„Siid-Osf" Waldemarstrasse 75. 56S4L Jeden Konntag: Großer Kall. Anfang äUhr. Ende 2 Uhr. Entree frei. Ferner empfehle meine» Saal, 500 Personen fassend, zu allen Vereins- festlichkeiten und Vecsammlungen unentgeltlich. Uerwanu vrtiSer. ilnf Admiral-Straue i8e. Iwecii KBal-IlCff" HUlf Jeden Sonntag im prachtvollen Spiegelsaal großer LestbaU. Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Gr. Orchestermusik. Tie beiden Säle sind Sonnabends und Sonntags an Vereine zu Bällen, Hoch- zeiten und Versammlungen zu vergeben. Gr. Vereinszimmer. Die Restan- ralions Räume stehen de» geehrten Familien zur Verfügung. Moabiter Klub-Haus, Ho. 9. Beusselstrasse Ho. 9. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Musik, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil- Bernssmusiker.— Saal mit Thcaterbühne, bis 400 Personen fassend, steht den Parteigenossen und Vereinen J» Vergnügungen und zn Versammlungen unentgeltlich zur Verfügung.— Tages-Restaurant, Weiß- und Bairisch-Bier- Lokal.— Großer Mittagslisch mit Bier 60 Pf.— 2 Vereinezimmer sind noch einige Tage zu vergebe». 4357« C. Fischer. Berliner Volks- Brauerei S. GrSfestrasse 8 empfiehlt und versendet in Berlin und die Vororte seine zun« Selbstsüllen aus bestem Malz und Hopfen gebrauten Biere als Ick« Werdersches Mal) I a Liter 10 Pf. Meihliier welches infolge seines großen Malz- und Würze-Extraktes von hoher Zlährkraft ist! WM" Lieferung frei Haus.-MI H. Nieft's Festsäle, 17, Weberslrasse 17. 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Vereinsziniuier für 60—80 Personen steht Gesellschaften. Vereine». Gewerkschaften zu Festlichkeite», Zahlstelle» u. f. w. zur Verfügung WM" Jeden Sonntag: Musihallsche Abendunterhaltung.-MW Um geneigten Zuspruch ersucht Achtungsvoll RnW»* Cnknn«» 0. Klnmrnstrake 38, nahe Andrcasstraffe. liODen»Cll66r6 243L« Telephon: Amt Vll Nr. 3760.(früher Tischler). Nrltslurttnl„Skmsfmtci" Schmargendorf. Sonntag, Montag und Dienstag: Gr.Wellßeislj-u.WllMell,. wozu ergebenst einladet �UrsS Malitz. Krieger's Ball-Salon Wasterthorstr. 68. SM* Jeden Sonntag, Dienstag. Donnerstag u. Sonnabend Kall. Stelle meinen Saal zu Versammlungen und Festlichkeiten zur Verfügung. Empfehle ineinen 4S64L« FrUhstUcksa, Mittags- und Abendtisch, K. Kiebehenschel, Hariannanstr. 48 Ein gr. Dereinszimmer m. Piano z. vergeb. Scholz, Gr.Fra»ksnrterstr.74. Achtung! Geuo sfinnen zmd Genossen! Oeffentliche sozialöemllkrat. Artti-Bttiliiiiiiilllilg für den Kreis Nieder-Barnim am K«m»tag. den I. U-v-mber, vormittags 11 UI,v. im Fokal des Herr» Piatkomsky. Rnmmelsbnrg. Kavptstra/jr Ur. 83. Tages-Ordnung: {• Berichterstattung vom Parteitag in Gotba. Referent Reichstaas Abgeordneter eifikur Stadlhagen. 2. Diskussion. 3. Bericht und Ab rechnmig des Vertrauensniannes von Ruminelsbnrg. 4. Wahl des Ver trauensniannes. 5 Wahl der Revisoren.. S. Bericht der Lokalkommifsion 7. Wahl der Lokalkommifflo». 222/2 ...>. Der wichtige» Tagesordnung halber ist es Ehrenpflicht der Genossen und Genossinnen, ltt dieser Versammlung zu erscheinen. .____ Der Vertrauensmann. Wm* 2. Wahlkreis."Um Tonntag, de» 1. November, abends«V- Uhr, bei Zubeil, Lindenstraße 1O«: (DvffenrUttrv Venssnrmluttg. Tages-Ordn ung: Vortrag des Genossen He». Bsnii.tain über: .Hypuotismus". 1. Theil. 210/S Nachdem: Grsielliges Keijammensei».— Eintritt 10 Pf. __ ttm regen Besuch ersucht Die Uertraneusversoa. BildliilljSliemil„Mehr Kicht" Versammlung am Konntag, de» 1. Uovemd-r, vbends 7 Uhr. Aleeanderstr. Z7o Vortrag:„Der Werth der Verkürzung der Arbeitszeit!" Referent: Herr Di«. Weyl. Diskussion. Darauf: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Gast willkommen. Berliner Arbeitervertreter- Berel«. Diruftag, den 3. Uovrviber, abend» 8Vs Uhr, im Lokale des Herril DttsKe, Grenadierstraße Nr. 33: UM" VerkÄttrinlung. Tages-Ordnung: 1. Die Beschwerde des Hauptvorstandes der Zentral-Kranken- und Sterbe- lasse der Tischler au das Reichsamt des Innern und die Antwort daraus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. DV Gäste haben Zutritt."ME Zahlreiche» Besuch erwartet Der Uorstaud. KB. Die Mitglieder werden dringend ersucht, ihre» etwaige» Wohnungswechsel anzugeben sowie ihre Quittungsbücher in Empfang zu nehmen. sö3/12 Zentralverein der Bildhauer. Dienstag. 3. November, abends 8'/- Uhr, Aunenstr. I«: NersÄmmUmii. Modelleurangelegenheiten.— Wahl eines Mitgliedes zur Bibliothek Kommission. Verlesung resp. Besprechung der angekündigten Broschüre. Sonnabend, den 7. November, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbnserstr. 4a: Hcrbstfest mit Damen. Billets k 40 Ps. sind bei de» Kollegen Rubbert, «Äitschinerstr. 4, Hof rechts 4 Tr. links, K o s w i g, Mauteuffelstr. 23, v. 4 Tr., und dem Vereinswirlh Annenstr. 16 zu haben. 20/6____ Der Vorstand. Ter Fachvereiu der Klempner hält jeden Mittwoch nach dem Erste» in Cohn's Festsalen, Keuth- Strohe 20— ÄS, seine Uersammlung ab. Nächste Versammlung: Mittwoch, de» 4. November, abends 8>/2»Hr. Tagesordnung: 1. Erste Fortsetzung des Vortrages des Genosse» Ewald über:„Das Vereins- und Versammlungsgesetz."(Die zweite Fort- setzung des Vortrages findet in der nächsten Versammlung statt.) ß. Diskussion. S. Ausgabe der Billets zum Tanz-Kränzchen und Verschiedenes. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, da st am Sonnabend, den 28. November, in Brochnow's Salon, Sebastianstraße 39. ein Tanz- Kränzchen stattfindet, zu welchem alle Kollegen freundlichst eingeladen find. 69/2 Bei« Verstand. Berti« deutscher SchulMcher! Bersatnmlllnge«: Montag, t taiüer, abends llhr. Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. II. Vortrag des Genossen vr. Jo81 über „Die Eroberung des Nordpols". „ II bei Fange. Dragonerstr. 15. Vortrag des Herrn vr. Weyl 0 III Arminhallen, Kommandaiitenstr. 20. Vortrag des Genossen Bmuen.(Sonntag, den 1. November, abends: Gemüthliches Beisammensein bei Cohn, Beuthstr. 20.) „ IV bei Dautenberg, Oranienstr. 160. Um zahlreiche Betheiligung bitten 169/ö __ Die Bevollmächtigten. Achtung 1 Achtung 1 Krauerei Hilfsarbeiter. Mittwoch, den 4. November 1896, abends 8 Uhr findet eine__ Nerems-Uersammluttg"WU im Englischen Gar««, Alexauderstr. 270 statt. 41/5 Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen vr. Weyl über Berufskrankheit. 2. Diskussion. 8. Abrechnung vom Sommerfest. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Bei« Verstand. JTiittf gvoHe öffonktiäze Schlleider-««d Mhtckaea-Bersamnllaagen für alle Kranchen der Schneiderei n. Konfektions-Jndnstrie in k v n I i n und! U m g e g v n ei am Montag, den 2. November 1896, abends 8Hz Uhr, und zwar Kiid-vst:„Sansscuci", Kotibuserstr. ia.; Norden: Bernhard Raabe'e Selon(früher Kolberger), Kolbergerstr. 23; Meihenfee:„Prälaten", Königs-Chauffee 42; Uirdorf:„Vihtoriasäle", Hermannstr. 44/45; Dtrsten-Schöneberg:„Xönigshot", Bülowstr. 37. 164/1 Tages-Ordnung in allen Versammlungen: I. Die Eröffnung de« Reichstages und die Forderungen der Schneider und Näherinneu au die Eesehgebnng. 2. Diskussion und Beschlußfassung. Referenten: Ottilie Baader, Marie Greifeuberg, Martha Rohrlack, Johannes Timm, Albert Zander. Kollegen, Kolleginnen! Erscheint zahlreich in diesen Berfammlunge», es gilt, unsere» Forderungen Nachdruck JU 9e6en'_ Die Futtser-Knulmission. I. A.: F. Timm, Vertrauensmann. Orts- Kranbenbajfe tottbes Der Lackirer Berbaub her in Hsljbearbeituugs-Fabrike« u. auf Kolzpitzell beWstigteil Arbeiter De«Wlaubs Filiale Berli« Ij. Mitglitdll-WsaminlW zu Berlin. am Montag, den 2. November 1896, abends 8Vi Uhr, bei Wilke, Andreasstraße 26. Tages-Ordn u n g: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bernstein über die erste Hilfe bei Unglücksfällen. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des ersten Vor- sitzenden. 4. Gewerkschaftliches. 62/2 _ Die Versammlung wird pünktlich eröffnet._ Der Vorstand. 9/l Uhr, im Lokal Annen« straste 16, oberer Saal. T a g e s- O r d n n n g: Wahlen: a) Abends 3>/z Uhr wählen die Herren Arbeitgeber 1 Vorstands- Mitglied, b) Abends 9 Uhr wählen die Herren Arbeitnehmer 3 Vor- staiidSmitglieder. Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. Verschiedenes. Berlin, den 1. November 1896. D«r Vorstand. 20/6 I. A.: I. S ö f n e r. Orts-Krankenkasse der Clgarre«malsjer,Cigarre«ssrtlr. n. deren gewrrbl. Hilfsarbeiter. Mitglieder- Uersammlung Dienstag, den 10. November, abends 3 Uhr im Restaurant B u s k e. Grena- dierstraße 33. Tages-Ordnung: Wahl von 91 Delegirteu zur General- Versammlung. Quittiingsbuch legitimirt. Wahl- berechtigt und wählbar sind nur MU- glieder, welche dem 8 49 Absatz 2 des Status genügen. Der Vorstand. Arbeitgeber-BersaMlung der Orts-Krankenkasse der Cigarrenmacher etr. Dienstag, den 10. November, abends 6 Uhr im Restaur. Buske, Grenadier- straße 33. Tages-Ordnung: Wahl von 36 Delegirteu zur General- Versammlung. Nur solche Arbeitgeber haben Zutritt, welche Vs der Beiträge aus eigenen Mitteln für ihre Arbeitnehmer zu obiger Kasse zahlen, ß 49 Abs. 3 des Statuts. 1193b Der Vorstand. Zithechieler finde» Aufnahme im Arbeiter-Zitherverein„Einigkeit". Uebungsstnnde jeden Dienstag Abend �9 Uhr bei Streit, Naunyn- straße 66. 122Sb M. WMe's Wiiilts-Vortriigk. 1. Am Montag, den 2. November, abends 8 Uhr, werde ich in Bräsel's Festsaal, Neue Friedrichstraste 3», vor Damen und Herren Vorlrag halten. Thema: a) Durch rechtzeitige, sachgemäße Behandlung der sog. chirurgischen Krankheiten mittels des mit der Naturheilkunde verbundenen Pflanzenheilverfahrens werden die weitaus meisten Operationen in Zukunft niinöthig. Rückfälle nach erfolgter Heilung kommen, falls die in Vorschlag gebrachte Behand- lmigsweise ausreichend lauge fortgesetzt wird, nicht vor, weil die iinreiiicn Körpersäste, die die chirurgischen Krankheiten hervortreiben und unterhalleii, aus dem Körper ausgeleitet sind.— d) Darstellung der in den beireffeiiden Heilungsprozessen sich gesetzmäßig abspielenden Ansscheiduiigskrisen. das Ergebniß einer mehr als sechshnndertfacheu Kranken-Beobachliing.— Zutritt frei. 2. 23. Sitzung des Heilvereins„System Glünicke". Vom II. November ab wöchentliche, theoretische und praktische Lehrkurse in der Gesiindheils- und häuslichen Krankenpflege. Näheres bringt die„Berliner Reform", erste im Geiste einer neuen Zeit gehaltene Tageszeilung. Preis inonallich 60 Pf. Postzeitungsliste 968».— Krankenvorstellungen.— Gäste willkommen. M. Glünickey Rechtsanwalt a. D., medizinischer Privatgelehrter. Lithographen, Steindrucker» Lichtdrucker, Schleifer, Präger und Prägeriunen, Aulegerinucn, Formstecher» Tapeteudrncker n«d verwandte Bcrnfögenosseu, Arbeiter und Arbeiterinnen des graphischen Gewerbe? Berlin? k Montag, den 2. November, nachmittags 4 Uhr� Große össentl. Uersammlung in Keller's Festsiilen, Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohiikommisston. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Tcllersammlnng findet nicht statt. 66/11 Wir ersuchen die Kollegen und Kolleginnen, überall dafür zu agitiren, daß sämmtliche Ausständigen in unserem Gewerbe vollzählig erscheinen. Kollegen und K o l l e g i n n e n! Zeigt durch Euer zahlreicht? Erscheinen, mit welchem große» Jnlcresie Ihr diesen Kampf verfolgt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer: R. S ch ö p k«. iehlung! Zinkgiesser und Stürtzer. Dienstag, den 3. November, abends 8'>, Uhr bei Schuhmacher, Pücklerstr. 49 General-Uersammlung. i. stand es. Bericht des Vorstandes. 2. Kassen-Bericht. 3. Ersatzwahl des Bor» Gewerkschaftliches. 5. Verschiedenes._ 260/1 Kisten macherl Oeffentliche Versammlung am Montag, den 2. November 1896, abends 8'!- Uhr, in den ArmiuhaMeiB, Konimandaiiteiistraße 20. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über die Beschlüsse des Juler- nationalen Arbeiter-Kongresses zu London und die Gewerkschafts-Orgaiiisatiouen. 2. Abrechnung des Vertraiiensmannes. 3. Verschiedenes. 94/2__ E. Tschernig, Vertrauensmann. � Berlin."WU Verband aller InTKandels- u. Transportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter. Dienstag, den 3. November, abend« 8'/« Nstr, in den ArminhaUen, Kommandaiitenstr. 20. Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosse» I-iikUi über:„Der Werth der Verkürzung der Arbeitszeit." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. 7a, 9 ISonntag, den SÄ. November, in Foni« Keller'« Festsälen, Koppenstr. 29: Krosasr Familien- Abend. Konzert. Kumorlssische Uortrage. Gratis Nerloos««g. Gr. Kall. Programm gratis, Nnfcm 7 Chr._ Bntre«: Herren 50, Dtmei 15 Pf. Stuckateure! Montag, den S Nov., abends 7 Uhr, bei Buske, Grenadierstraße 33: Große öffentliche vetslnmnlung. l1ö9b Tages-Ordnung: 1. Die Konferenz der Ktnrkatenr« Usrd» und Mittet Dentsch- land«. 2. Bericht der Revisoren über die Abrechiiuna der Lohnkommission. 3. Rechnungslegung der Vertrauensleute über ausgezahlte Unterstützimgsgelder. VersiMlW der BildiNer am Donnerstag, deil 5. Itovember 1896, abends 8 Uhr, in den Armiuhalle», Kommandantenstraße SO. Tages-Ordnung: Die Jnnungsvorlage, der Beschlnft der selbst. Bildhauer, eine Innung zu gründen, und wie stellen sich die Nollegen dazu. Referent Panl Dnpon t. Verschiedenes. 20,7_ Der Bcrtraucnömann: Otto Meyer, Engelufer 2b. Unserem alten Kassenlokal- Wirth krit. Kluge zu seinem morgigen Geburtstage ei» dreimal donnerndes Hoch! Die GrtsverWiUtttng D. Fritze inertste was? 182/3 Mvmm der Tamim Berlins n.Umg. Dienstag, den N. S! o v e m b c r, abends U h r, Alte Jakobstr. 83(Kintz'schcr Ansschauk): Tages-Ordnung: I. Dekorations-Vortrag. 2. Vereins-Angelegenheiten. 3. Verschiedene und Fragekasten. 179/4 Gäste willkommen.__ Der Vorstand. Achtung! Cliirurgische Branche! Dienstag, de» 3. Nov., abends 8V2 Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 33: Oeffentliche Versammlung aller in der chirurg. Branche beschäftigten Bernfsgenossen Tages-Ordnung: 1. Abrechnung und Neuwahl des Vertrauensmannes. 2. Wie stellen sich die Kollegen zum Kongreß der lokalorganisirten Gewerkschaften Deutsch- lauds? 8. Verschiedenes. 48/3 Der Vertrauensmann. ! Chartottenburg. Dicustag, de» S. November 18SS, abends 8 Uhr, in Bismarckshöhe, Wilmersdorferstr. SS: Kresse Partei�Versammlung. Tages-Ordnung: 202/5 1. Berichterstattung vom Parteitag. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute. 4. Bericht und Wahl der Lokalkonimission. Die Vertrauensleute. Tentscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Vezrrlrs--VersklNtml4tNge»t � Dienstag, den 3. November, abends 81/2 Uhr: für Wedding M Oranienburger Vorstadt im Kolberger Salon, Kolbergerftr. 23. Tages-Ord nnng: 113/3 1. Vortrag des Herrn Dn. JoSl über:„Die Eroberung des Nord- Pols." 2. Diskussion. 8. Verbands-Aiigelegenheiten. Dienstag, de» 3. November 18S«, abends 8V» Uhr: Fuv Mixdovf in den„Biktoria-Säleu", Hermannstr. 48I4S. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen krieelHck Schlegel über:„Modernes Wohnungs-Elend." 2. Diskussion. 3. Verbands-Augelegenheiten. Mittwoch, den 4. November K8S«», abends 8V2 Uhr; JTüi; Südoflen(Görlitzer Viertel) im„Märkischen Hof", Ztdmiralstrahc Nr. 18o. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Bn. vhi-istellei» über:„Gewerbe-Krankheiten". 2. Diskussion. 3. Berbands-Angelegenheiten.— Gäste ivillkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Grtsvermaltung. ttvlltmig! Konditoren! Acdwllg 1166b Heute, Sonntag, den 1. November, abend» 7 Dhr, im Lokal von Stabernack(früher Schester), Insel-Straße Ur. 10 Vvnssn»iU>Iung. Vortrag des Genossen M i l l a r g über„Technische Revolulion". Nachdem: BeniUthliclie» Beieammensein mit Tanz. Um zahlreichen Besuch bittet vor Vorstand. Dienstag, den 3. November 18V«, abendS 8'/, Uhr Große öffentliche Versammlung ilempner für die Mitglieder der Ortskraukenliasse der. im Lokale de» Herrn Cohn, Heuthftr. Sil Tages-Ordnung: 89/3 1. Wie stellen sich die Mitglieder zu dem Verhalten ihrer Delegirten betreffs der Wiedereinführung der freien Arztwahl und der Gerechtigkeitsliebe des Voistaudes? 2. Diskussion. SMT Zur Deckung der Uukoste» Tellersammluug! Kollegen! Die Wahlen zur Geiieral-Versamiiilung stehen vor der Thür«! Verschiedene von den DelegirteU sind der Meinung, daß die jetzige Majorität der General-Versaiuiiilung, welche bekanntlich für beschränkte Arztwahl ist. dem Willen der Mitglieder nicht entspricht. Sie fordern Ench daher auf, vollzählig in dieser Versaminlung zu erscheinen, und Euren Willen zum Ausdruck zu bringen I. A.: lapxicb, Fliederstr. 11. L. Keller's Festsäle, Koppenstrasse 29. Sonntag, den 8. Nov. 1896, mittags 12 Uhr: VII. Novitäten Matinee veranstaltet von den Gesangvereinen Berliner Damenchor und HZemischter Chor Dertin- Stralau(Dirigent Herr'O. E u ch s d 0 r s), den Männerchöreu: Ahorn(Dirigent Herr F. M 0 h r), Alt-Nlaigl-ckchrn und Humanität(Dirigent Herr H. W en d t). Deutsche Linde(Dirigent Herr F. Gutan) und Longobardia(Dirigent Herr R. T h i e m e), unter gütiger Mitwirkung der Frau Marie Kattner(Sopran), des Streichquartetts der T 0 n k ü n st l e r. Herren F. Schmidt(Violine I), E. Rietsch(Violine II). C- Thäns(Viola) und R. Naundorf(Cello), des Herrn W. Schwedler(Cornet i Piston) und der Herren Ebert und Lippert (Bariton und Tenor). Vor Beginn des Gesangs-Konzerts und in der Pause: Vorträge des„Neuen Hrrliner Konzert- Grchrsters" unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Rud. Dieb. 1147b Entree inkl. Programm 20 Pf., Liedertexte 10 Pf. MF* Nachher: Grosser Sänger- Kommers.*MB Genossen» welche gewillt sind, einem Arbeiter- Gesangverein beizutreten. können sich melden Dienstag Abend 9 Uhr Walde- mar-Straße 23/24. 1196b ee. billigst» direkte Gllldvamn«..�. «oldvaarsRindasiri» Belmonte& Li«. Einzelverkauf Königstr. 22, Hof pari. Verm MWalMghtrZnter- Oll iler Gaß-«. Slhankviirthe Krrlins und zlmgegeud. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau unseres Mitgliedes Hermann Stramm Fl'llll Eleonore Stramm im Alter von S1 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. November, nachmittags 3�2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi- Kirchhofes aus statt. 69/3 Der Vorstand. MMMBMHmMnHBai Nach langen schweren Leiden verschied Freitag früh S'/e Uhr meine liebe Frau, unsere gute Schwester, Schwägerin, Tante u. Großtante Eleonore Stramm geb. Sodtke im Alter von 31 Jahren. Dies zeigt Freunden und Be- kannten tiesbelrübt an Herrmann Stramin. Die Beerdigung findet Montag. den 2. November, nachm. 3�/» Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobikirchhoses statt. 1191b Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich mein Meist- nnd Kalrisch-Kier-Lokalvon derWörther- strafte nach l?appel>Allee 114 verlegt habe. Ein Vereinszimmer zu 30 Personen u. 2 Winter-Kegelbahnen sind in der Woche noch zu vergeben. Hochachtungsvoll Ernst Schmidt, 11956 genannt Bart- Schmidt. TodeS-Anzeige. Nach langem, aber schwerem Leiden starb am 29. d. Mts., abends 3»/» Uhr, unser lieber Sohn, Bruder 11. Schwager, der Tischler Mgid Ewald im Alter von 29 Jahren. 1209b Um stille Theilnahme bitten die Hinterbliebenen Marie Ewald nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, de» 2. November, nachmittags 4 Uhr, vom Moabiter Krankenhause aus statt. Zelltrill-Krailkeil-ll. der Tischler u. (Verwaltung Berlin H.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter August Gfraetz im Alter von 47 Jahren verstorben ist. DieBeerdigung findet heute. Sonntag, 1. November, nachm. 3 Uht, von der Leichenhalle des Eminaus-Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 184/3 Die Ortöverwaltuug. Achtung! Achtung l Kackirer! Dienstag, 3. November, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten". Alexander Straße 27 C; Versa m m 1 u n g der Filiale 4, Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 8. Gewerk schasiliches. 4. Filialangelegenheiten. 124/5 Der Vorstand. Saal (tausend Personen) zn allen Ver- samnilungen und au Vereine. Die beiden heizb. Kegelbahnen sind Sonnabends u. Sonntags noch z. vergib. Cösliner Hof, Cöslinerstraße 8. —& Tttcilch: FW a r m e riihstück® zur J«® Auswahl. d® tA Huamani. � a ■'loI—- Echt Münchener Bürgerbräu Pilsener, hiesiges Üell. u. dunkl. 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Zunächst ersolgte die Abrechnung vom dritten Quartal, die eine Einnahme von 502,85 M. und eine Ausgabe von 375,28 M. ergab, mithin ivurde ein Ueberschnß von 127,62 M. erzielt, der mit einein Kastenbestand von 926,23 M. das Vereinsvermögen auf 1053.85 M. erhöht. Hierauf hielt Dr. Joel einen recht inter- essanten Vortrag über die Erforschung des Nordpols. Ein An- trag des Vorstandes und der Delegirte», Einführung eines neuen Sammelwesens, muhte wegen der vorgerückten Zeit zurückgestellt werden. Die Dekateure hielten am Dienstag eine öffentliche Ver- sammlung ab, in der Genosse Jahn über„Sozialgesetzgebung und Berufsstatistik' referirte. In der Diskussion wurden von Letzin, Rasch l und Braun die Ausführungen des Redners ergänzt und übereinstimmend der Wunsch ausgesprochen, daß derartige Vorträge recht oft in Arbeiterversammlnngen gehalten werden möchten. Eine lebhafte und längere Diskussion ver- nrsachte alsdann die Regelung der Arbeitszeit auf der Straße, d. h. beim Abliefern der Stoffe. In einer früheren Versamm- lnng beschloß man, die Arbeitszeil ebenso wie in der Fabrik bis abends 7 Uhr inne zu halten. Dieser Beschluß wurde bisher nicht beachtet, was allgemeine Entrüstung hervorrief, uinsornehr, als viele Fabrikanten diesen Beschluß nicht nur anerkannten, sondern die Arbeiter sogar daraus hingewiesen haben. L a s k e machte infolge dessen den Vorschlag, zu einer späteren Ver- sammlnng sänuntliche Chefs einzuladen, um eine genaue und bestimmte Lieferzeit festzusetze». In Verbindung damit wurde ein Antrag: Diejenigen, welche die Arbeitszeit auf der Straße nicht innehalten, ans der Organisation auszuschließen, als in einer öffentlichen Versammlung ungeeignet, von der Tagesordnung abgesetzt. Braun theilt unter Verschiedenem mit, daß die für einen Kollegen nachgesuchte Unterstützung als ungeeignet abgewiesen werden mußte. Vom Vertrauensmann sind zwöl- Listen, mit Nummern versehen, ausgegeben worden zur Samm»' lnng für den Agitationsfonds; es wird ersucht, sich rege daran zu belheiligen und nur ans Listen mit Nummern und Stempel versehen zu zeichnen. Die Metallarbeiter hielten am Donnerstag eine gutbesuchte Versammlung bei Wernau in der Schwedterstraße ab, zu der die Arbeiter der Werkstätten von Schulz, Fehrbellinerstr. 47, Wilke, Fehrbellinerstr. 14, Sielaff, Zionskirchstr. 39, N o t h m a n n, Anklamerstr. 38, Eckert, Brunnenstraße, Veit, Brunnenstr. 45, R ö s s e m a n n, Kastanien-Allee, H i l l e r- s ch e i d t u. K a s b a u m, Schönhauser Zlllee, und Härtung ganz besonders eingeladen und auch zum lheil erschienen waren. N ä l h« r reserirte über den ersten Punkt der Tages- ordnung:„Die neuesten Maßnahmen der Metallindustriellen und unsere Aufgaben für die Zukunft". Siedner erinnerte zunächst an die Machinationen des Verbandes der Metallindustriellen anläßlich der Maifeier im Jahre 1890, als die 3000 M. Gratifikation von Herrn K ü h n e m a n n für die Polizeibeamten an das Polizeipräsidium gezahlt wurden. Heute sind die Verhältniste ganz andere geworden, da dem Unternehmer verband eine starke organisirte Arbeiterschaft gegenüber steht, weshalb die Aussperrung der Arbeiter in diesem Jahre nicht so leicht hingenommen wurde. Von einem Sieg der Fabrikanten könne hier keine Rede fein, denn bei der gegenwärtig günstigen Konjunktur müssen sie froh sein, Arbeiter zu haben. Um so ver- werslicher sei die den Arbeitern gestellte Bedingung, sich zu „verpflichten", nur in bestimmten Fabriken, die dem Ring angehören, zu arbeiten, wie es von dem Fabrikantenring ver- einbarl ist. Der zu diesem Zweck neu eingerichtete Arbeits- Nachweis wird aber bereits von den organisirten und ziel- bewußten Arbeitern gemieden und die Fabrikanten haben das Nachsehen. Immerhin ist es von großer Bedeutung, daß dieser neu gegründete Fabrikantenring die Weisung ausgiebt: alle Differenzen mit den Arbeitern zu vermeiden, im Gegensatz zu den Kühnemännern, denen es daran liegt, den Neunstundentag wieder rückgängig zu machen. Vom I.Januar 1397 an gedenken nun jene Herren den Zehnstundentag wieder einzuführen und etwa 8000 Arbeiter, die sich dagegen auflehnen werden, auszusperren. Hiergegen Front zu machen, muß die heiligste Pflicht aller Arbeiter sein. Besonders gilt es, recht- zeilig für den allgemeinen Fonds zu sammeln, um den im Frühjahr in Aussicht stehenden Kampf rechtzeitig auf der ganzen Linie energisch aufzunehmen. Dazu ist aber eine größere Opferfreudigkeit nolhwendig, als es leider im Verlauf des Sommers für die Ausständigen der Fall war. Besonders gilt es, in allen Werkstätten, besonders in den obengenannten, wo leider eine große Lässigkeit Platz gegriffen hat, das Ver- trauensmänner-System erfolgreich durchzuführen, um rechtzeitig gerüstet zu sein. Um für den Kampf auch sonst gut unterrichtet zu sein, wird in den nächsten Tagen ein« Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in allen Fabriken ausgenommen werden. Pflicht aller Arbeiter ist es, die ausgegebenen Fragebogen recht- zeitig und genau auszufüllen, um ein vollständiges Ergebniß er- zielen zu können. Redner ermahnt zum Schluß nochmals, die günstige Konjunktur auszunutzen und die Sammlungen jetzt schon eifrig fortzusetzen, damit die Drohungen der Fabrikanten zu schänden werden!(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion, an der sich abwechselnd Klix, Nagel, Stahr, Schäfer. N ä t h e r, I ü h n k e und E i s e l e detheiligen, werden die Ans- sührungen des Referenten theils ergänzt, während andererseits die gegen die Arbeiter einzelner Werkstätten erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen wurden. Nagel berichtigt, daß er mit dem H. Nagel, Lottnmstraße, nicht identisch sei, daß er sämmtliche Gelder und Listen abgeliefert habe, was von N ä t h e r bestätigt wird. Zum Schluß der Versammlung fordert der Vorsitzende S ch ä s e r nochmals auf, in allen Werkstätten die Vertrauens-� männer zu wählen, damit diese die nächste Vertrauensmänner- Versammlung auch vollzählig besuchen. D, Feibel, ö« Vi» 1/2 Kilo 60 Ps.. I M. bis zur! feinsten Echwanenseder. Halbdanne», sehr süllkräftig. 1,25, 1,50, 2.00. 2,50. Daunen, 3 Pfd. zum großen Deckbett ausreichend, das Pfund nur 2,50 M. ec. MI Kette» Ü (Deckbett, Unterbett, 2 Kopfkissen) von 12 M. am 9W Specialität'3W3 zu Taugenden im Gebrauch: Prachtvolles 97 TW Daauenbett 11U1 ül ill. Matratzen garantirt reine Füllung ans! 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