Nr. 70. Dienstag, 24 März 1885. II. Jahrg. KMerMtiMl «Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 Das..Berliner Volksblatt" Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Abi>MMtilts-Et«lad«»g. Zum bevorstehenden VierteljahrS>Wtchsel erlauben wir unS, alle Arbeiter Berlins zum Adonne nent auf das „Berliner Volksblatt" «st der Gratis-Beilage „Jllustnrtes Sountagsblatt" tinzuladcn. Die Reicksbauptstadt hatte vor dem Erscheinen unseres Blattes kein Organ, welches den Jntcreffen der wcrkthätigen Bevölkerung diente. DaS„Berliner Volksblatt" füllt diese iiürfe aus, es bedarf aber, um seiner Aufgabe voll und ganz gerecht werden zu können, der nachhaltigsten Unterstützung der Arbeiter. Wer der Lache der Ai bester dienen will, helfe ein Unter- nehmen befestipen, welches bestimmt ist, die berechtigten For- Zungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen, und auf ihre thatjächliche Erfüllung hinzuwirken. , Ein Jeder von unseren bisberigen Anhängern suche in dem preise seiner Freunde und Bekannten daS„Berliner B o l k S b l a t t" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu- gefundene GestnnungSgenoffe, sein Versprechen, zu abonnirm, «Uch wirklich hall. Am 1. April schließen wir unseren ersten Jahrgang ab; % ist unS in dem verflossenen Jahre klar geworden, daß die xnliner Aideiterschaft wirklich von der Wichtigkeit durch- Zungen ist, ein Organ zu besttz-n, in welchem ihre Mrebungen und Bedürfnisse in unverfälschter, ungefärbter �stse an die Oeffentlichkeir gebracht werden. ---- ♦-tp r« r nr j» --------------------- Feder Friedrich Gerväcker's Im Eckfenster �«ginnen. Den neu hinzutretenden Abonnenten wird— soweit der Borrath reicht— der bisher erschienene Theil des Romans „Seskuht oud gksulldtll" kowie daS „Jllustnrtes Sonntagsblatt" gratis und franko nachgelieferl. Das „Berliner Volksblatt" a**™ onboUn.] Ieuitseton. 124 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. (Forsetzrmg.) Vierter Band. Erste» Kapitel. Philippinenstraße 74!" befahl ein wohlbeleibter Herr M de« Frankfurter Bahnhofe einem Droschkenkutscher. �ann half er einem recht hübschen, jungen Mädchen in den -Ziagen, nahm selbst in seinem warmen Reisepelze behaglich und breit neben ihr Platz, und der lebensüberdrüssige Gaul istzte sich mißmuthig in den bekannten, schleichenden Trab k>neS Berliner Droschkenpferde». % Da die Entfernung weit genug war bis zum Ziele der vahrt, so hatten die beiden Insassen dcS Wagens Zeit ge» noch mit einander zu plaudern und sich über den S«eck ihre» Besuches in der Residenz genau auszusprechen. Dieser Zweck mußte ein aanz besonderer sein, denn zum �ergnügen reist man im November, dem unfreundlichsten ."ivnat des ganzen Jahre», nickt in die Residenz. Die In» Nffen dieses Wagen« waren Niemand ander« als Amberg n° seine Nichte Emmy. to.„Glaubst Du denn. Onkelchen," sagte tie Letztere,„daß n einen guten Empfang haben werden?" „Gar nicht zu bezweifeln, mein Kind I" antwortete Z�oerg. ,.Jch kenne meinen Bruder: es giebt kein gut- ??"thigeres Hau« auf der ganzen Welt, al« er. Freilich Behandlung, welche er bei uns erfuhr, da« war eine �illrlichk Geschichte, er wird sie aber längst vergessen haben. Außerdem komme ich ja, um ihm daS Anerbieten zu machen, einige tausend Thaler vorzuschießen." „Das willst Du thun, Onkel?" t°..r"?h°rin, wohin denkst Du? Ich ihm einig« " �altX°°�chleßen? Daran ist gar mcht zu „Aber Du sagtest eben noch.. r,., sag�e, daß ich ihm da» Geld anbieten würde. Ich liia.°uch thun, aber nur,«eil ich weiß, daß er e» �*"nwt, und zwar weil er«» nicht braucht." „Es geht ihm wirklich jetzt so glänzend?" kostet für das ganze Vierteljahr 4 Mark, für den Monat April 1 Mark 35 Pf., pro Woche 85 Pf. frei in« Hau«. Bestellungen werden von sämmtlichen ZellungSspediteuren, sowie in der Expedition, Zimmerstraßc 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise von 4 Mar! entgegm. Außerdem bitten wir unsere auswärtigen Abonnenten die Bestellung bei der Post rechtzeitig aufzugeben, damit die Nach- zahlung von 10 Pf. Strafporto vermieden wird. Die Redaktion»nd Expedition de»„Berliner Volksblatt." Äuch ein„nationales� Unternehmen. Vor einigen Tagen wurde vom Rhein gemeldet, daß der erste See-Fluß-Dampfer„Industrie", welcher von der badischen SchraubendampfschifffahrtSgesellschaft zu Mannheim eingestellt worden ist, von London in de« Zollhafen zu Köln a. Rh. eingelaufen sei. Auf dem prunkvoll geschmückten Dampfer befanden sich verschiedene Aktionäre und Vertreter deS Großkaufmanns- standeS, durch deren Kapitalbetheiligung das Unternehmen zu Stande gekommen war. Das mächtige Schiff wurde bei seiner Einfahrt von Böllerschüssen begrüßt, während«S selbst durch drei Kanonenschüsse der alten Rheinstadt den Gegen- grüß zufeuerte. Allgemeine Theilnahme zeigte sich bei der ungewohnten Erscheinung diese« hochragenden, einem Seeschiffe ähnlichen Dampfer»; die Bevölkerung der sämmtlichen Rheinorte war in Bewegung gerathen und tausendstimmige Hurrahs durch- brausten die Lüfte. Auf der„Industrie" war ein Festmahl bereitet, ein jubelnde» Hoch wurde dem Kaiser, ein zweites dem Vater- laude gebracht und die ganze hochachtbare Gesellschaft schwamm in patriotischem und nanonalem Entzücken. Da« neue prächtige Schiff wird einen regelmäßigen Verkehr zwischen Köln und London unierhalten, wodurch den niederrheinischen Städten neue Gelegenheit gegeben wird, ihren Handel und ihre Industrie zu fördern. Wie nunmehr feststeht, will die badische Schrauben- dampfschifffahrtsgesellschaft zu Mannheim demnächst eine größere Anzahl solcher Dampfer bauen lassen, um auch den Frachtverkehr zwischen den Rheinstädten, den englischen und den Ostseehäfen einzurichten. DaS ist gewiß ein lobenSwertheS Unternehmen, dem man seine ganze Sympathie zuwenden kann. Und nicht nur der deutsche Handel wird dadurch ge- fördirt, sondern auch die nationale Arbeit. Der Werfibetrieb liegt in Deutschland sehr darnieder, wie man allseitig, auch aus dem Munde deS Reichskanzlers bei der „Ruch Allem, was ich gehört Hab.', hat er ein außer« ordentliches Glück gemacht. Der Kauf der Fabrik war schon an sich ein sehr günstiger, dann aber das Patent, was er erworben hat, oder was ihm vielmehr so i« Schlafe gekommen ist, denn mein Bruder ist ja nicht ein Geschäfts- mann, der sich großer Rührigkeit rühmen darf, schon seiner Kränklichkeit wegen nicht. Dieses Patent bringt ihm aber Taufende, wenn nicht Hunderttausende; e» soll etwas Ungeheures sein mit der Maschine." , Und Du glaubst, daß wir, wenn seine Krankheit wirk- lich so bedenklich ist, wie Du meinst, und wie nach den neusten Berichten Dein Freund Lauer sagt, daß wir dann von ihm erben werden?" „Natürlich, mein Kind! Ich habe ja schon die nöthi- gen Andeutungen über das, was seine Pflicht ist, voraus« geschickt, und was noch zu thun übrig bleibt, um ihm klar zu machen, daß sein Bruder der einzig berechtigte Erbe ist, daS soll eben bei diesem Besuche geschehen, und wa» ich nicht erreiche, überlasse ich dann Dir." „Ich will wünschen, daß wir dieses Mal nicht wieder getäuscht werden." Die Droschke hatte sich inzwischen durch den halb auf- aethauten Schnee, der sich mit dem Straßenstaub zu einem schwarzen Schlamm vereinigt hatte, hindurchgearbeitet, und hielt vor dem bezeichneten Hause in der Philippinenstraße. Es war noch dieselbe Wohnung, welche Georg Amberg früher bewohnt hatte. Georg Amberg hatte erreicht, wonach ihn so lange verlangt hatte. Er befand sich in größerem Wohlstand, als derjenige war, den er früher genossen hatte. Er be- saß ein Fabrikgeschäft, das in der Vorstadt schwunghaft be- trieben wurde. Während der wenigen Monate, die er im Besitz dieses Geschäfts war, hatte er die Zahl der Ardeiter bereits verdreifacht, und immer noch konnte er den An- forderungen nicht genügen. Die Güter häuften sich förm- lich bei ihm. Er war in der kurzen Zeit bereits zu einem wohlhabenden Manne geworden. Amberg'S Gesundheitszustand hatte sich aber in den letzten sechs Monaten bedenklich verschlimmert. Schon mit Beginn des Herbste» hatte sein Asthma so zugenommen, daß alle Aerzte, welche er zur Rathe zog, den Kopf schüttel- ten, und seiner besorgten Gattin bedeuteten, daß sie auf Berathung der Dampfersubvention im Reichstage vernehme» konnte. Giebt man nun im Reichitage und von Seiten der Regierung dem Verlangen der Vertreter der Arbeiterpartei nach, daßZneue Schiffe und diese auf deutschen Werften und au» deutschem Material gebaut werden, läßt dann die deutsche Gesellschaft zu Mannheim jährlich auch«och zwei bi» drei solcher See-Flußdampser bauen, dann ist auf den deutschen Werften für längere Zeit die Roth vorbei, die deutschen Arbeiter werden dort einen leidlichen Lohn verdienen und die nationale Arbeit überhaupt wird nach vielen Richtungen hin gefördert werden. Schon die Fertig- stellung de» deutschen Material», besonder» de» siegerländer Eisen», welche» sich zum Schiffsbau, wie kein andere» eignet, wird der deutschen Industrie und der deutschen Arbeit zu Gute kommen!——— Aber»aS lesen wir da? Der neue deutsche Dampfer„Industrie" ist ja gar nicht auf einer deutsche» Werft und nicht aus deutschem Material gebaut, er ist vielmehr auf den Werften von L. SmitS und Zoonen in Kinderdyke in Holland und zumeist aus englischem Material hergestellt worden zur höheren Ehre unserer deutscheu Flagge und zur höheren Ehre unseres deutschen Vaterlandes. Kein deutsche» Vaterländchen aber macht neben dem biedern Schwaben land sosehr in deutschem National- spektabel, al» Baden. Die Herren in jenen Gegenden, wo diese Aktiengesellschaft ihren Sitz hat, haben ja schon seit einiger Zeit den Patriotismus allein in Pacht ge« nommen und geben vor, hauptsächlich die deutsche Reich»- regierung ihrer„echt nationalen" Gedanken wegen zu unterstützen. Und hür unterstützt eine deutsche Gesellschaft eben au» jenem Vaterländchen in erster Linie das auswärtige, da» holländische und englische Kapital. Möglich auch, daß da» heimische Kapital sich nicht für den Bau der Schiffe engagiren ließ, so daß derselbe dem ausländische« Kapital übertragen werden mußte.— Hierbei fällt uns ein, daß die verschiedenen private» Kolonialunternehmungen, die gegenwärtig geplant werden und die sich nicht allein auf einen eventuellen Profit, sonder« auf daS Nationalgefühl stützen, sämmtlich nicht vorwärts kommen, sondern auf dem besten Wege sind, voll- ständige« Fiasko zu machen. An sogenannten nationalen Gedenktagen können die Herren tausendfach Hurrah schreien, sie können die patriotischsten Phrasen dreschen, sie ver» spritzen in Reden und Liedern ihr Herzblut für da» Vater« das Schlimmste gefaßt sei« müsse. Als der Spätherbst kam, die naßkalten Novembertage, die jetzt herrschte», da verlor sie fast jede Hoffnung. Georg Amberg war unfähig zu jeder Arbeit. Er saß in dem Lehnstuhl, in wollene Decken gehüllt, mit keuchen- der Brust, von Schmerzen gequält; und doch bemühte er sich, da«, was er litt, nicht zu verrathen, um seine Frau nicht noch mehr zu beunruhigen, Es war ein Glück für Amberg und seine Frau, daß bei diesem Leiden da» umfangreiche Geschäft nicht vernach« lässigt wurde. Sie hatten eine Siütze gefunden an Strahle» nau, der mit Umsicht und Gewandtheit die Fabrik leitete und dem Komtoir vorstand. Rasch vermehrte sich unter seinen Händen der Reichthum, und e» war wie eine Ironie de» Schicksal«, je höher im Hause das Leiden stieg, desto schneller vermehrte sich draußen der Reichthum. Amberg wünschte e«, daß Käthchen nach wie vor a» dem Geschäfte Theil nehme. Auf seinen Wunsch aber nahm sie sich nach wie vor der Geschäfte an. Sie berieth mit Strahlenau; sie hörte dessen Dispositionen. Sie nahm von ihm die Kasse in Empfang, hielt dieselbe in ihrem Gewahrsam und führte Bücher darüber, als ob sie der erste Beamte wäre. Bei einer solchen Beschäftigung war sie gerade, al» Paul Amberg mit seiner Nichte zur Thür hineintraten. Derselbe nahm zuerst die Miene eines Manne» an, den da» Wiedersehen nach langer Trennung in die höchste Verzückung versetzt. Al» aber sein Blick auf seinen Bruder fiel, der i» seinem Lehnstuhl in der Nähe de» Kaminofen» saß, al» er dessen leidende« Antlitz erblickt«, seine hinfällige Gestalt, seine veränderten Züge— da nahm sein Gesicht plötzlich den Ausdruck herbe« Schmerze» an. Nachdem er in salbungsvollem Tone sich eingeführt, reichte er auch Strahlenau die Hand, die dieser mit einige« Widerwillen nahm. „Es ist sehr hübsch von Ihnen," sagte er,„daß Sie Ihren Bruder besuchen.... Der liebe Gott scheint Sie und Ihr Fräulein Nichte berufen zu haben, als Tröster und Helfer da aufzutreten, wo ein reicher Mann krank darniederkiegt. Sie haben sich ein unsterbliche» Verdienst um Rodenburg erworben. Wollen Sie sich vielleicht auch eben so verdient um Ihren Bruder machen?" land, aber wev« fi« in die Tasche greife« sollen, so ist bald schon aller Patriotismus verraucht. Ueber die„verkommenen" Franzosen machen sich unser« nationalen Biedermeier oft genug lustig, aber daS Ein« steht fest, daß unsere Nachbarn jenseits der Vogesen für ihren Patriotismus und wenn es auch ein gänzlich ver- bohrter wäre, opferfreudig große Summen Geldes hingeben, während unsere Herren vom Besitz dem bekannten „Wanzerich" in dem hübsche» Gedicht von Heinrich Heine gleichen. Im Uedrigen haben wir ja wieder einmal an obigem Beispiel nachgewiesen, wie wenig unsere Kapitalisten ge- neigt find, die nationale Arbeit zu schützen und zu förder«._ IoMisrKe Rebersirkt. Sind wir wohlhabend geworden? Als einen Beweis für die vorurtheilSfreie Würdigung, welche die deutsche Schutz« zollpolttil im Auslände findet, rcproduzirt die„Nordd. Allg. Zeitg." einen Artikel der„Ncw-Norker Tribüne", deffen Lek« türe fie vor der dritten Lesung ver Zolltarifnovelle allen Gegnern derselben als zeitgemäß empfiehlt. Es heißt da u. A.:„Fürst Bismarck hatte anfänglich den Freihandel als daS wirthschastliche Prinzip deS deutschen Reiches adoptirt und ist mit dessen Resultat nicht zufrieden gewesen. Seit 1880 hat er Versuche mit der Echutzzollpolttil angestellt, und findet nnn Anlaß, den Reichstag zu diesem Wechsel zu beglückwünschen. Er giedt an, daß die neuen Tarifsätze eine gute Wirkung auf die heimische Industrie hervorgebracht haben, und daß die wirthschaftlicheLage desVolke» sich gebessert hat. Dtei ist ohne Zweifel richtig.(?) Reue Fabriken find entstanden, die industrielle Thätigleit hat neue Antriebe er« halten, in vielen Produktionszweigen haben stch die Löhne verdoppelt(!!), die Auswanderung hat abge« n o m m e n(das ist doch erklärlich bei der in Amerika Herr- schenken Arbeitslofigkeit) und eine Politik kommerzieller Aui- dreitung ist mit Kraf und Vertrauen eingeschlagen worden. Unter dem Freihandel gab es fortwährende Nredergänge der Werthe, Lohnherabsetzungen und Bankerotte industrie« eller Unternehmungen. Engliiche Konkurrenz brachte deursche Fabriken zum Eldließen und verminderte die Zahl der An» stellungen, welche einem verarmten Volke zugänglich waren. Unter dem Schutzzollsystem sind die Fabriken wieder eröffnet worden und das„Vater- land" ist wohlhabender geworden."— Mehr kann man wirklich nicht verlangen! Nach dem amerikanischen Blatte bleibt in Deutschland nichts mehr zu wünschen übrig. Die wirthschastliche Lage bat fich gebeffert, die Löhne find fast verdoppelt, die Auswanderung hat abge- nommen, Lohnherabseyungen gab es nur früher, heute kennt man fie nur noch vom Hörensagen; Bankerotte haben aufgehört und das„Vaterland" ist wohlhabender geworden.— Und wir, die wir im Aatei lande leben, haben von allen diesen schönen Dingen wenig oder garnichts verspürt! Sollte unS die Michel- mütze bereits so tief fitzen, daß wir mit offenen Augen nicht sehen und mit aufgespenten Ohren nicht zu hören vermögen 7 Wenn das der Fall ist, dann müffen wir freilich mit Beschä- mung eingestehen, daß uns die schlauen ZlankeeS in Bezug auf„Helligkeit" weit über find.— Doch Scherz bei Seite, unsere Leser wiffen, daß wir so wenig auf den Freihandel wie auf den Schutzzoll schwören, daß vielmehr für uns jeder Fall besonders geprüft und danach geuitheilt wird. Glaubt denn aber die„Nordd. Allg. Ztg." mit derartig übertriebenem und vielleicht auf Bestellung fadrizirtem Geschreibsel den Beweis ür die Notbwendigkett der Erhöhung der Kornzölle zu liefern? Den Agrarier« genügt die in»weiter Lesnng be- schlofsene Erhöhung der Getretdezölle uodi immer nicht! In der Generalve rsammlung des Zentralkollegiums der land- wirthschaftlichen Vereine Schlesiens behauptete Baron von Tschammer, daß die jetzigen Zollerhöhuvgen nicht im Stande seien, den deutschen Landwirthen die außereuropäisch« Konkur- renz vom Halse zu halten. Das Hauptprodult sei W'i,en. von dem jetzt der Doppelzentner mit 16,20 Mark bezahl! werde, während ein WeizenpreiS von mindestens 21,20 Mark erforder- lich sei, um die Landwirthschaft existenzfähig zu machen. Wenn Roggen- und Werzenbau wieder lohnend werden solle, dann müßten für Roggen 4 Alk. und für Weizen 6 Mk. Zoll erhoben werden. Aber freilich würde, sobald einmal in Deutsch« land die Ernte knapp würde, das Geschrei der Konsumenten so groß werden, daß die Getreidezölle wieder aufgehoben wer- den würden.— Recht auffallend ist eS, daß eS vorzugsweise die Herren Großgrundbesttzer find, welche die Landwirthschaft nicht existenzfähig finden! Zur Bismarckspende. Wie dem„Altm. Jvt.-Bl." auS Schönhaujen berichtet wird, ist das Gärtner'sche Rittergut, das Amberg fühlte die Ironie, welche in diesen Worten lag, recht gut; er zog e» aber vor, sich den Anschein zu geben, als merke er den Stich nicht, und antwortete dabei ganz unbefangen: „Wenn mein Bruder meiner Hilfe bedarf, bin ich alle Zeit da, und auch meine Nichte Emmy ist bereit, de« lieben Onkel ihre Dienste zu widmen..... Nicht wahr, Ewmy. Du wärest bereit, da« Opfer zu bringe», hier zu bleiben und der lieben Tante in ihrem Hauswesen bcizu- stehen und den Onkel zu pflegen wie eine Tochter? Nicht wahr, Emmy, wärst Du nicht zu diesem Opfer bereit?" „Wenn Onkel Georg e« wünscht," sagt« Emmy schüchtern. „Ahl" machte Strahlenau.„Ich sehe die Roden- burg'sche Komödie in neuer Auflage." „Sie verkennen mich, Herr Strahlenau," sagte Amberg in vorwurfsvolle« Tone,„wie mich m-in Freund Roden- bürg verkannt hat. Nicht um de» Mammon« Wille« brachte ich da» Opfer, und auch meine Nichte that e« de»« wegen nicht; es war Freundschaft, eS war Liebe." „So, so, nun ich will Sre an de, Ausbeutung der- selben nicht hindern.... Also liebe Schwägerin, ich darf die Punktition zum Ankauf de« Fabrikgebäude« in der be- sprochenen Weise abschließen?" „Thun Sie eS, lieber Strahlenau!" antwortete Käthchen.„Machen Sie Alles nach Ihrem Ermesse«, die Anzahlungssumme von zwölftausend Thalern steht zur Verfügung." Amberg machte große Augen. „ApropoS!" sagte er.„Mein lieber Bruder, der eigentliche Zweck meints Kommens war der. Dir ein« Summe zur DlSpositio« zu stellen.„ES hat mir damals unendlich leid g-than, daß ich Dir'« abschlagen mußte; jetzt bin ich in der Lage „Ich danke Dir, lieber Paul," unterbrach ,hn Georg, „Ich bedarf jetzt deS Geldes nicht«ehr; e« ist sehr freund- lich von Dir, und ich erkenne Deine Bereitwilligkeit von ganzem Herzen an." �, „Ah, Du brauchst mich nicht mehr?" erwiderte Amberg, indem er sich überrascht stellte.„Du befitzest doch nicht selber all' die Mittel, deren Du zur Erweiterung Deine» Geschäft» bedarfst?" � Mehr als da« I" antwortete Georg.„Damals, al« ehemalige groß« der BiSmarck'schen Familie gehörig« Gut, daselbst vor eimgen Tagen verkauft worden, jedoch unter dem Vorbehalt, daß der Käufer btS zum 26 April zurücktreten darf. Das genannte Blatt meint:„Es scheint, daß also doch jeneS Gut die Ehrengabe ist, welche dem Fürstm Bismarck an seinem 70. Geburtslage überreicht werden soll." Afrikanisches. Die Handelsfirma G L. Gaiser in Ham- bürg soll in Äfnka nördlich und östlich von LagoS große Land« strecken erworben haben. Wie verlautet, sollen beretts Ver- Handlungen stattfinden, um das Land unter deutschen Schutz zu stellen. Araukreich. Die französische Dcputirtenkammer bat die Listenwahl im Prinzip angenommkn. Der Minister Waldeck-Rouffeau hob dem Deputirten Hemon gegenüber hervor, daß die Listenwahl der geeignetste Wahlmodus sei, die Republikaner einander näher zu dringen. Die Kammer beschloß mtt 430 gegen 77 Stim« men, auf die Berathung der einzelnen Artikel einzugehen.— Besonders bemerkeniweith ist die Rede des Abg. Achard über die Listenwahl.„Die Listenwahl", sagte Herr Achard, „bedeutet die Unterdrückung der Minderheiten. Sie macht es möglich, daß in einem Departement, dessen Bewohner an« nähernd zu gleichen Tdeilen zwei entgegengesetzten Parteien angehören, die eine Partei ihre Listen durchsetzt, also allein alle Abgeordneten ernennt, während die andere, die vielleicht blo« um einige Dutzend Stimmen schwächer ist, gänzlich unvertreten bleibt. Bei der Bezirkswahl ist eine solche Ungerechtigkeit nahezu ausgeschlossen, da es äußerst unwahrscheinlich ist, daß in zehn, fünfzehn oder zwanzig einzelnen Wahlkreisen eine schwache Majorität überall eine starke Minorität besiegen wird; in der Regel wird eine Partei, die im Lande oder im Depar- tement die Minderheit bildet, in dem einen oder andern Kreise die Mehrheit ausmachen und so zu einer Vertretung gelangen. Dadurch, daß die List nwahl die Minderhetten unterdrückt, kennzeichnet sie fich als eine Feindin de« Fortschritts und der D-mokratie; denn die Minderheiten find mcht blos die Anhänger alter, aussterbender Jrrthümer, fie find auch die eisten Jünger neuer, unbekannter Wahrhetten. Das Kaiserreich er- tränkte die Wahlstimmen der Großstädte in denen des flachen Landes. Will die Republik etwas Aehnliches thun?"— Die Freunde der Listenwahl ließen fich indeß von ihrem Vothaben nicht abbringen; ihnen ist vor Allem daran gelegen auch ferner- bin die Herrschaft in Frankreich auszuüben und dazu ist ihnen diese« Wahlsystem das bequemste Mittel. Großbri tauuiem Aus Poitsmouth wird der„Franks. Ztg." gemeldet, daß die Schiffe der ersten Flottenresewe Befehl erhalten haben, Kohlen einzunehmen.— Die„United Service Gazette" sagt, alle Vorbereitungen seien vollendet, um in wenigen Tagen nach dem Ausbruche eines Krieges mit Rußland eine Flotte naw dim B'itüchen Meere zu senden.— Das wird die Raffen in Asten nicht hindern vorzurücken!— Die„Daily News" verzeichnet die merkwürdige Thatsache, daß eine sorgfältige Prüfung ergeben habe, daß ein großer Theil der Mitglieder deS gegenwärtigen Unterhauses nicht die Abstcht hat, eine Wiederwahl zu suchen. Sollte ihr Beschluß keine Ver- änderung erfahren, dann darf man erwarten, daß daS nächste Parlament mehr als zur Hälfte aus neuen Mitgliedern besteben werde.— Für England wäre es gewiß ein wahres Glück, wenn Sie albn bemoosten Häupter aus dem Parlament verschwinden und lebensfähigeren Elementen Platz machen würden. Vielleicht find dieselben bereits auch zu der Erkennt- niß gekommen, daß fie überflüsstg find und daher mag«S kommen, daß sie kein Mandat mehr annehmen wollen. — Die englische Amtszeitung veröffentlicht Noten des franzöfischen Bostch�fterS Wavdington, auS denen hervorgeht, daß Frankreich ReiSIadungen nur dann als KriegSkontrebande betrachtet, wenn dieselden für chinesische Häfen nördlich von Kanton bestimmt find- Egypte«. Ueber das bereits gemeldete Gefecht in der Nähe von Suakim meldet ein Telegramm vom 20 d. M. folgendes: Nachdem die Truppen heute Morgen 6 Uhr das Lager von Suakim verlaffen, besetzten fie die Spitzen mehrerer Hügel. Als fich der Feind vor der Front entfaltete, befahl General Graham, eine bedeutendere, vom Feinde besitzt«, isolirt stcherde Anböhe zu nebmen, was vollkommen gelang. Der Feind, welcher 4000 Mann stark war, zog fich in der Richtung von Tamat zurück, durch Lanzenreiter beschossen. Außerdem fanden einige andere Scharmützel statt. Inzwischen errichteten die Truppen Verschanzungen; ein Bataillon mit 6 Kanonen bleibt in der Zareba, die übrigen Truppen find sämmtlich nach Haschun zurückgekehrt und gehen nach Suakim ab. Die Verluste der Engländer betrugen 9 Todte und 38 Verwundete. Der Verlust des Feindes ist unbekannt, aber beträchtlich. ich Dich verließ, e» find gerade sechs Monate, war ich allerding» sehr verstimmt, und glaubte schon, daß ich mir die gute Aussicht entgehen lassen müßte. In meinen Hän- den befand sich ein Depositum, da» Strahlenau bei mir niedergelegt hatte. Er stellte e« mir zur Verfügung, da die Verwendung, welche da« Geld früher haben sollte, re- dresflrt werden mußte." „Ah, ich erinnere mich," bemerkte Paul etwa« ver- legen. „Da die Sache nun in sich zerfallen war, so stellte Strahlenau mir da» Geld zur Verfügung. Ich kaufte die Fabrik, und damit hatte ich mir eine Quelle eröffnet, die mir im Laufe der Zeit zur wahre» Goldgrube geworden ist. Da« Patent, das ich erwarb, eine neue Steuerung der Dampfmaschine, ist eine so wichtige Erfindung und ein so dringende« Bedürfniß, daß ich den Bestellungen nicht ge- nügen kann. Sie liege» zu Hunderten noch unerledigt." Er hatte sich durch da« Sprechen dermaßen ange- strengt, daß ei» heftiger und beängstigender Husteaanfall ihn überkam. Er bedurfte längerer Zeit,»ach Athem zu ringe« und einigermaßen wieder Beruhigung zu erlangen. Häusliche Pflichten nöthigten Käthchen, da» Zimmer zu verlassen, hatte sie doch die Aufgabe, für ein solenne« MittagSessen zum Empfangt ihrer Gäste zu sorgen. ES war freundlich und zuthuvlich von Emmy, daß fie fich nicht abweisen ließ, sondern durchaus die Tante in ihren häuslichen Arbeiten unterstützen wollte. In Küche und Speisekammer, im Eßzimmer und überall war fie ihr zur Hand und zur Hilfe bereit, und wahrlich, fie hatte darin Routine, Umsicht und Gewandtheit, und zeigte eine Wirthschaftlichkeit und Emsigkeit, daß Käthchen fich im Stellen über die vorzüglichen Anlagen freute, die Emmy zu einer verständigen Hausfrau hatte. Inzwischen blieb Georg mit seine« Bruder allein. Sie saßen eine Weile schweigend neben einander. Noch immer keuchte Georg'» Athem; er hatte immer noch nicht die Kraft gewonnen, zu sprechen. Sobald er fich stark dazu fühlte, nahm er die Hand seines Bruder», welcher fich nebe» seine« Lehnstuhl gesetzt hatte. „Paul," sagte er,„ich fühle e», daß mein Leiden zum Amerika. Die sogenannte»Kontrakts. ArbeitS-Bill" ist von dem Senate der Vereinigten Staaten in folgender Faffung angenommen worden:„Keine Person, Gesellschaft, Fira» oder Korporation darf für einen Ausländer auf Grund eine« mit demselben abgeschlossenen Kontraktes oder Vertrages, wo» nach derselbe bestimmte Arbett verrichten soll, die Ueberfahrt für den Betreffenden bezahlen oder auf sonstige Weise die Einwanderung auf Grund solcher Kontrakte fördern. 2. Alle derartige Kontrakte, welche von nun an abgeschloffen werde« mögen, find null und nichtig. 3- Jede Uebertretung de« Ab« schnitteS soll mit einer Geldstrafe von 1000 Doll. bestraft werden, die in die Bundeskasse fließen sollen. Irgend Jemand kann al« Kläger austr,ten, s-lbst ein Ausländer, welcher bei einem solchen Kontrakte oder Uebereinkommen bethelligt war. Für jeden solcher Ausländer kann ein separater Prozeß geführt werden. Die Bundesdistriktsanwalte find verpflichtet, i« ihren respektive» Distrikten solche Gesetzübcrtteter auf Kosten der Vereinigten Staaten gerichtlich zu verfolgen. 4. Ein Schiffseigentbümer, welcher wissentlich Ausländer, mtt den« im Voraus ArbettSkontratte abgeschloffen worden, in seinem Schiffe nach den Vereinigten Staaten befördern und dort landen läßt, soll um Geld bis zuSOODoll. für jeden solchen Ausländer bestraft werden und kann nach dem Ermessen de« Richters außerdem noch Gefängnißstrafe bis zu 6 Monaten erhalten. § 5. Keinem Bürger oder Unierlhan eines fremden Landes, der fich zettweilig in den Vereinigten Staaten aufhält, soll eS jedoch durch dieses Gesetz verwehrt werden, in privater oder amtlicher Eigenschaft durch Kontrakt oder auf andere Weise Personen, die nicht Bürger oder Bewohner der Vereinigten Staaten find, als Privatsekretäre oder Diener anzustellen. Ferner soll es keiner Person, Korporation oder Ftima verwehtt sein, im Aui« lande geschickte Handwerker kontraktlich anzuwerben, welche in einem neuen Industriezweig beschäftigt werden sollen, der in den Vereinigten Staaten noch nicht eingeführt ist, wenn i« diesem Lande keine geeigneten Handwerker für die betreffende Ar- deit gefunden werde» können- Auch soll dieses Gesetz nicht auf profejfionelle Schauspieler, Künstler, Vorleser oder Sänger, noch als Bediente angestellte Personen anwendbar sein. Fern« soll eS keinem Jndiduum verwehrt sein, irgend einem iltit- gliede seiner Familie, einem Verwandten oder Freunde, der fich in diesem tlande anzusiedeln beabstchtigt, die Mittel zur Ueberfahrt u. s. w. zur Verfügung zu stellen. Abschnitt« widerruft alle früheren, dem obigen widersprechenden Gesetze.' — Der„Hamb- Korresp." bemerkt dazu:„Das Gesetz hat nicht den Zweck, freiwillige Einwanderung zu verhindern, ton- dein einem Gebrauch entgegenzuwiiken, der zu einem öffent- lichen Uebelstand geworden ist, nämlich die Einfuhr von Horden weißer Sklaven, welche dem Lande nicht mehr von Nutzen find al« chinefische Kulis, und fich an die Stelle un' abbängiger amerikaniicher Ardettcr setzen, die nicht von de« Löhnen leben können, welche diese Sklaven zu erhalten froh find. Haufenweise find solche Arbeiter in den letzten beide« Jahren eingeführt worden, nur um der Armuth und öffcnt- lichen Unterstützung anheimzufallen. Das amerikanische System des ArbeiterschutzeS machte dies Gesetz notbwendig und nur die Gegner eines solchen Schutzes widersetzten fich ihm. Amerikanisch� Blätter sprechen allgemein die Anficht au«, daß es für v« Einwanderung nach den Vereinigten Staaten nur von xoow thättgen Folgen sein könne."— Dieses G-setz verdient gast besondere Beachtung; eS ist von wetttragender Bedeutung und kann im wirklichen Sinne als ein Arbeiterschutzgesetz betrachtet werden. Denn eS schützt nicht nur die amerikanischen Ardcitel gegen die Konkurrenz dcr bescheidenen und anspruchsloses Ausländer, sondern auch die Letzteren selbst, indem eS verhindert, daß ihnen mittelst findiger Kontrakte Fesseln angelegt werden, denen fie stch nicht mehr entziehen können. Es wir» fiellich nicht ausbleiben, daß geriebene Agenten trotz allede» in dem Gesetz eine Lücke finden werden, die ihnen daS Durch' schlüpfen gestattet, aber eS wird die Jmportirung von an- spruchi losen Arbeitern in Zukunft doch nicht mehr in den» jetzigen Maße möglich sein. F« «rlamenlarisclies. — Die Zoiltarif-Kommission d e S Reicht t a g e s berieth über den Antrag Singer und Witten- den Zoll für baumwollene Spitzen statt auf 350, auf 250 festjUsißen. Die Antragsteller begründeten ihren Antrag mr» dem Hinweis, daß durch den erhöhten Zoll verschredent Industrien geschädigt würden. Nach sehr lebhafter Debatte wurde der Antrag mtt neun gegen fünf Stimmen abgelehflu Ein Antrag des Ab« Lohren, für Leinengarn Nr. 8—3» einen Zoll von 9 Mk. festzustellen, wurde angenommen. Zw gleichen wurde ein Antrag des Abg. L e t o ch a, den Zoll fß Zwirn aus Rohseide auf 100 Mk. zu erhöhen, angenommen. Ein Antrag des Abg. L o h r e n, welcher eme AdänverunI Tode führt. Ich-weiß e», daß ich über kurz oder lai>s diesen Leiden erliegen muß." Ich hoffe, daß Dir noch ein lange» und freudenvolle' Leben beschieden ist," sagte Paul.„Vielleicht erscheint D» selber Dein Uebel schlimmer als es ist." Georg schüttelte langsam den Kopf. „Ich fühle, e» geht zu Ende. Wie lange eS no# währt, da« freilich weiß ich nicht; aber ich will nicht der Welt gehen, ohne den Schatten hinweggeschafft zu hab� der zwischen mir und Käthchen seit jener unseligen Sww�- fich eingedrängt und den Sonnenschein unsere« Glück« vf bunMt hat." „Du willst ihr Alle« beichten, Georg?" „Ich muß ihr Alle« sagen, mein Bruder!.•' Sieh', so lange habe ich geschwiegen au« Rücksicht 8% Dich; ich hatte e» Dir versprochen... Jetzt!#«», darf ich nicht länger schweigen... Oder soll ich o** der Welt gehen, und soll Käthchens Andenken an mich trübt fein durch den Gedanken, daß ich ihr nicht vo»� Vertrauen geschenkt?" „Denke doch nicht an Deinen Tod, mein Lru** So schlimm ist e» nicht mit Dir. Fühlst Du Dich% gedrungen. Deiner Frau Bekenntnisse zu machen, so'P noch immer Zeit.". „Nein, nein! Wer weiß, wie lange ich noch ÄW' habe, ihr da« zu sagen. E« ist gut, daß Du da bist! Deiner Gegenwart will ich es ihr mittheilen.",..i „In meiner Gegenwart? Bedenke doch, wie pein� mir eine solche Konftontatton sein müßte." � „Du»ußt mir aber da« Opfer bringen, Paul, h mußt e« Deinem sterbenden Bruder bringen!... Je werde Käthchen da« Versprechen abnehmen, daß fi« wandern ein Wort davon sagt, wa» unter un« gesptfw� wird." jj. „Nun, wenn mein Geheimnrß im Besitz einer Fr«» ir dann ist eS bald der ganzen Welt bekannt." t* „Du kennst Käthchen nicht! Sie wird e« tre« wahren." Paul Amberg schwieg. � Seine Stirn umwölkte fich. Er dachte nach, wie** beste» dieser fatale« Erklärung entgehen könne.* Unmöglich konnte er Käthchen gegenüber einriu«' | daß er der Vater jene« Kinde« sei. nß* I oV* * K bt8 Systems der Verzollung der Baumwollengewebe bezweckte, wurde nach einer E>klälunz des Geheimrath Schraut zurück- gezogen. Im Uebrtgen wurden die Beschlüsse der ersten Lesung bezüglich Baumwolle und Seide genehmigt. — Die WahlprüfungSlommrssion deS Reichs- tags hat den Beschluß über die Giltigleit der Wahlen der Abgg. Richter- Hagen uad Haarmann- Bockum ausge- ßzt und beschlossen, über die in den bezüglichm Protesten be- upteten Thatsackcn Beweis zu erheben. — In der letzten Stzung der XVlll. Kommission (Antrag Ackermann, die Abänderung der Ge- werbeordnung betreffend) wurde die auf tz 100s und 100k der Gewerbeordnung begrenzte Generaldtskusston fortge- setzt. An derselben betherligten fich außer den Kommisfions- Mitgliedern auch der als Rcgierungikommiffar erschienene ge- Heime Rath Lohmann, welcher die Mitthcilung machte, daß nach den gepflogenen Ermittelungen, soweit sie Preußen bc- treffen, in diesem Bundesstaate in den Jahren 1883 und 1384 56 Gesuche im Sinne des geltenden§ 100s der Gewerbe- Ordnung gestellt worden seien, von welchen Anträgen bisher 31 genehmigt, 21 unerledigt geblieben und nur 4 abgelehnt worden seien. Hieraus widerlege stch die geltend gemachte Meinung, als ob die höh ren Verwaltungsbehörden der För- derung der Innungen mißgünstig gegenüberständen. Bezüglich der vorliegenden neu:n Anträge sei er außer Stande, die Stellung der verbündeten Regierungen oder auch nur der preußischen Regierung bekannt zu geben, da eine Stellung- nähme zu diesen Jnitiat vanträgen noch nicht stattgefunden habe. Nach Schluß der Generalöiskusston, in welcher wesent- nch neue GefichtSpunkte nicht zu Tage traten, erfolgte die Per- tagung der Sitzung bis nach Ablauf der Osterferien. — In der gestrigen Sitzung der P e t i t i o n S l o m m i s- sion des Reichstages kam folgender Fall zur Sprache. Ein ehemaliger Gefreiter, wrlcher das Unglück gehabt hat, m einem Anfall von Schlafwandeln aus dem Fenster des Schlafsaals zu stürzen and hierbei eine Verletzung zu erleiden, welche die Amputation eines BeineS nothwendig gemacht hat, bittet um Erhöhung seiner Penston. Nach längerer DiSkusston in Anwesenheit der Regierungskommiffare Oberst Spitz, Major Kroktstus, Oberstabsarz! Großheim und des Ueber- reichers der Petition Abg. Grafen vönsbröch beschloß die Kommisston, die Petition für ungeeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären, da man trotz des lebhaften Interesses rür den Betroffenen eine Dienstbejchädigung im Sinne von § 39 deS MilitärpenstonsgcsetzeS nicht anzuerkennen vermochte. — Der Abg Metzner wird mit der Unterstützung der ZcntrumSfraktion in den nächsten Tagen nachstehenden Antrag auf Heranziehung der Konsumvereine zur Gewerbesteuer im Abgeordnetenhause ein- bringen: DaS HauS der Abgeordneten wolle beschließen, nach- nehender Ergänzung des Gewerbesteuergesetzrs vom 30. Mai 1820 die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen: * 3. Die Gewerbesteuerpflicht zum Handel trifft: &) Jedes Groß- oder Einzeln-, Handels-, KommisfionS-, Spe- bitions-, Wechselbank-, Leih-, Asstkurranz-, Fabrik und Rhede- �'Geschäft. Auch die bei der Käufmannschaft angestellten Mäkler und Handelsagenten find der Steuer unterworfen. Desgleichen Konsumvereine, auch wenn deren Geschäfts- betrieb nur den Bedarf der Mitglieder an Lebensmitteln und wrderen Waaren zu beschaffen bezweckt. I o k u l es. _ Um einen Pfennig! Die Kostspieligkeit des behördlichen Sportelwesens erhäll wieder einen drastischen Beleg durch eine titiem Mitarbeiter deS„B. T." zu Geficht gekommene Steuer- Mahnung im Betragt von 0,01 M., d. h. von 1 Pfennig. Ein ;r Äixdorf wohnender Zimmermeister, der in Berlin ein Grund- 1% btfitzi, ist auf eine ihm unerklärliche Weise bei der Grund» 1''% mit einem Pfennig im Rückstände geblieben. Dieser Um- m>nd trug dem„Restanten" folgende, durch die Rixdorfer �iruerbehölde übermittelte„Mahnung" ein: Rückständige OJiunbfteuer per 4. Quartal 1884/86 für Berlin 0,01, Porto O,10, Uebcisendungtporto 0,20, Mahngebübren 0,10, Summa 0,41 M Hier stellen stch also die Kosten für einen vergessenen Pfennig auf das Vierzigfache des eigentlichen Objekts! Jnter- efiant ist daS Rubrum:„Uebersendungsporto" 20 Pfennig; die R xdorfei Steuerbehörde sendet als offenbar den eingezogenen Psennrg per Postanweisung nach Berlin. An der Korrektheit des Verfahrens ist gewiß nicht zu mäkeln; ebenso wenig läßt stch aber die Ungeheuerlichkeit des Kostensatzes bestreiten, die aus einem so winzigen Objekt erwachsen ist. Ueber eine beklagcnSwerthe Maßregel der Leipziger Vehörden giebt der Betroffene, ein Berliner, folgend- Mit- theilungen. Anfangs di-seS Monats wurde aus Leipzig ge- meldet, daß der Diamantendieb, welcher den Laden des Juwe- liers Lcwr) in der Avenue de l'Opera in Paris geplündert, da- selbst verhaftet worden sei. Diese Verhaftung hat fich jedoch In welchem Lichte würde er Käthchen gegenüber er- scheinen? Nicht allein, daß er sich eine« solchen Vergehen« schuldig gemacht, nein, noch mehr, er hatte sie ja in de« Mauben gelassen, daß ihr Mann jenen Fehltritt begangen Er hatte von ihr stet» die Alimente in Empfang ge- dommen. Unmöglich konnte er fich vor seiner Schwägerin so '»mpromittiren lassen. Hier war guter Rath theuer. Vergeben» sann er auf einen Ausweg, und mit sich �lbst unzufrieden, daß sein Scharfsinn ihn gänzlich im Mich ließ, erhob er sich endlich, indem er zu seinem Bruder sagte: , ,, Lieber Georg, e« wird fich hoffentlich während Mine» Hiersein« noch einmal Gelegenheit finden, Jarüb« zu sprechen. Versprich mir nur, daß Du Deine �richte nicht allzusehr übereilst. Ich will inzwischen ein Mnig spazieren gehen, und wenn Du nicht« dawider hast, Deine Fabrik besehen." „Thue da«, Paul! E« ist mir auch lieb, wenn ich Me halbe Stunde allein bin. Ich bedarf der Ruhe und Mholung um die Kraft zu gewinnen, Käthchen zu sagen, Q�mir so lauge und so schwer auf dem Herzen gelegen � Amberg entfernte fich und schlug in der That den jMg nach der Fabrik ein.@» war ihm aber weniger um ae» Spaziergang und um die Besichtigung des Etablisse- MtttS zu thun, al» darum, Gelegenheit zu haben, um un- Mört bei fich zu überlegen, wie er diesen fatalen Ent- ""Bungen entgehen könne. i Er war in der That kau« eine Vierielstunde allein, glättete sich seine Stirn und da erhob er sein Haupt, mit stolzem Lächeln blickte er um sich. Er hatte den �suchte» Ausweg gefunden. . Mit leichterem Herzen und zufriedener Miene vollendete lttzt seine» Spaziergang. cv, Er war in bester Stimmung, al« er da» Komtoir der Fabrik betrat und fich von Herrn Strahlenau die Etablisse- zB**, die Maschinen, den Betrieb derselbe« zeigen und �'«rru ließ. Sine Stund« später trat er ebenso vergnügt später als ein Rißverständniß herausgestellt und das bedauernS- wertbe Opfer desselben, der Berliner Kaufmann F. S, stimmt darüber folgendes Klagelied an:„Am 24. Februar fuhr ich in Prioatangelegenheit per Retourbillet nach Leipz'g In meinem Besttz befand stch auch ein Juwelen-Armdand, welches ich von der Firma Leo Sachs u. Co in Paris, rue Taitbout 47, in Kommisfion erhalten hatte. Ich hatte dasselbe noch kurz vor meiner Abreise in Berlin dem Sohne deS Herrn Direktors Th. Lebrun auf kurze Zeit zur Anficht überlassen, beabfich'.igte zuerst, dasselbe bei S. Friedebcrg Söhne zu devoniren und sprach darüber mit dem Angestellten dieser Firma, Herrn Oscar Gicser, da mir aber die Zeit zu knapp wurde, nahm ich das Armband mit nach Leipzig. Am 25. Februar, Nachm. 5 Uhr, offerirte ich daS Armband in Leipzig in dem Geschäfte deS Juweliers Holtduer am Markt zum Kauf für 4400 M., derselbe tadelte jedoch die Steine gewaltig und ich empfahl mich mit dem Avis, daß ich öfter derartige Objekte auS Paris bekomme und mir gestatten würde, ihn einmal wieder zu besuchen. Bald darauf wurde ich in einem nahe gelegenen Restaurant ver- haftet und zwar als der vermeintliche Diamantendieb, ob- gleich das von dem bestohlenen Lewa in Paris versandte gedruckte Zirkular ein so'ches Armband gar nicht an- zeigte. Ich mußte zur Polizei und wurde untersucht, was auch mit meinem vom Hotel geholten Handkoffer geschah. Ich gab korrekt meinen Namen und Wohnung an, berief mich auf die Firma L. Sachs u. Co. in Paris, mußte aber 24 Stunden in einem entsetzlichen Räume zudringen. Nach schlaflos verbrachter Nacht bat ich um Papier, um depeschiren zu können, erhielt das Papier aber erst nach der dritten Nacht, die ich im Amtsgericht zugebracht hatte. Drei Briefe, welche ich an diesem Morgen sofort schrieb und um 10 Uhr früh dem Aufseher übergab, wurden wiederum statt am Sonnabend eist am Montag spät AbendS zur Post getragen, sodaß eine weitere Verzögeiung von 3 Tagen eintrat, und ich nun schon 6 Tage lang dieses grenzenlose Elend erdulden mußte. Eist nach inständigstem Flehen und dem Hinweise darauf, daß ich bei der Gefangenenkoft umkommen müßte, wurden mir von meinem Gelde 10 Ä zur Selbstbeköstigung dewilligt, und letztere begann dann am Nachmittage des dritten Tages. Ich wurde noch in Hast behalten, trotzdem schon von der Pariser Präfektur der Bescheid da war, daß ich das Band von der Firma L Sachs u. Co. in Paris erhalten habe; ich mußte noch volle vier Tage„fitzen", bis Herr Lewy aus Paris persönlich den Jrrlhum aufklärte. Inzwischen ist auch in Berlin bei mir Haussuchung abgehalten, mehrere kleinere Gegenstände, deren rechtlichen Erwerb ich nachweisen konnte, wurden konfiSzirt, gleichzeitig fi-l aber der Kriminalpolizei an diesem Tage(26. Februar) schon ein Brief der Firma L. Sachs u. Co. in die Hände, welcher meine vollständige Unschuld sofort ergeben mußte. DaS Brillantarmdand, welches von der Firma SachS u. Co. zurückgefordert wird, habe ich noch immer nicht wieder bekommen, ebensowenig die übrigen, mir gehörenden Sachen, wie Uhr, Kette, Ring, Knöpfe, Briefe>c. Wegen dieser fatalen Angelegenheit habe ich meine Stellung verloren und muß zum Ueberflaß noch erleben, daß die Tyatsachen in einer ent- stellten Weise erzählt werden, unter welcher meine persönliche Ehre arg leidet." 647 Brände inkl. 8 Schornsteinbrände und 63 Gardinen- brände, 5 Blitzstrahlbeschädigungen und 9 LeuchtaaSexplostoncn find an Gebäuden in Berlin, für welche die Feuer-Sozietät inkl. aller Nebenkosten und VerwaltungStosten für die Zeit vom Oktober 1883 bis Oktober 1884 1 051 921,35 Mark zu zahlen hatte, vorgekommen. Die Brandentschädigungen selbst betrugen nur 559 60», 96 Mark; der Beitrag zu den Kosten des Feuer- löschwcsens pro 1. Oktober 1883—84, inkl. der Hälfte der Unterhaltungskosten der Feuerwachtgebäude und der Miethen zu Feuerlöschzwccken 412 185,56 Mark-c. Außer den obengedachten Bränden waren noch 60 angemeldet, wodurch indessen kein zu vergütender Schaden entstanden, sondern nur Löschungskostm und Ncbenausgaben verursacht worden find. a. Ein Schlafstellendieb, welcher unter dem Namen Göbel und wohl auch unter anderen Namen fich bei Leuten «ingemiethet und sodann nach VerÜbung von Diebstählen fich heimlich entfernt bat, wird von der Kriminalpolizei gesucht. Einen Schuhmacher in der Bergstraße, bei welchem er fich am 15. d. MtS. eingemiethet hatte, hat er um nahe an 100 Mark geschädigt. Er gab fich diesem gegenüber als Architekt Paul Göbel aus, ließ fich mehrere Tage hindurch verpflegen, lieh fich von seinem Schlafwirth 10 M. und entfernte stch sodann mit dessen Ueberzieher und filbernec Zylinderuhr. Auf der Innen- seue des Deckels der Uhr ist der Name„Otto Vohsen" ein- gravirt. Der Dieb ist ca. 35 Jahre alt, ziemlich klein, er hat schwarze Haare mit kleiner Glatze, schwarzen Haaren, Schnurr- bart. Bekleidet war er mit dunklem Jaquetanzug. a. Vermißt. Das 21 jährige Dienstmädchen Marie Moni» schewsk» wird leit dem 19 d. Mts. vermißt. An diesem Tage Nachmittags 4V- Uhr entfernte stch die M. aus ihrer Dienststelle in der Kodlankstraße mit ihrem Dienstbuch, um dieses bei den Rückweg an,»ar doch die Stunde, die er zum Mittag- essen bestimmt hatte, nahe genug. Zweites Kapitel. Auf sein Klingeln an der Wohnung seine» Bruder» öffnete das Dienstmädchen. Er fragte theilnehmend, wie es seinem Bruder erginge. Da« Mädchen sagte ihm, daß er fich etwa« besser be- finde und fügte hinzu, daß Frau Amberg ihn bitten lasse, ihr einige Minuten in ihrem Zimmer zu schenken. „Alle Wetter!" dachte er bei fich.„Er hat am Ende doch schon gebeichtet, und ich soll zur Rede gestellt«erden .... Das würde mir den ganzen Plan durchkreuzen." Ziemlich zaghaft folgt« er der Weisung in da« Zimmer seiner Schwägerin. Käthchen kam ihm entgegen, ernst aber nicht unfreundlich, und aus ihren Mienen ersah er sogleich, daß fich seine Furcht nicht bewahrheitet hatte. Noch hatte Georg nicht gebeichtet! „Ich habe Sie bitten lassen, Herr Schwager, mir einige Minuten zu schenken," nah« Käthchen da» Wort, „um Sie in der bewußten Angelegenheit wieder zu be» lästigen." „In der bewußten Angelegenhest,«eine liebe Schwä- gerin? Welche?" erwidert« er, immer noch zweifelhaft, um wa« e« fich handle. „Ich bin jetzt, Gott sei Dank, im Stand«, dem un- glücklichen Mädchen— Sie wissen von wem ich spreche— eine wirksamere Unterstützung zugehen zu lassen. Wollen Sie die Güte haben, dem jungen Mädchen diese Summe au»zuhändigen?" Sie übergab ihm mit diesen Worten ein Päckchen Kassenanweisungen. „Wie Sie großmüthig find, theuerste Schwägerin I" sagte er.„Natürlich»erde ich dem Mädchen diese Summe einhändigen. Ich thue es gern, nicht nur,»eil ich e« für meinen Bruder thue, sondern»eil ich e» für Sie,«ein« theure Schwägerin, thue." Sie trat einen Schritt zurück und sagte kalt: „Ich danke für Ihre Bereitwilligkeit... Da» war'», wa» ich von Ihnen wünschte. Wenn Sie fich nunmehr zu Ihre« Bruder begebe» wollen... Sie entschuldige» mich: ich bin noch mit häu«lichen Arbeite« beschäfttgt." Sie wollte sich durch eine Seitenthür entfernen. Panl einer fiÜhereN Dienstherrschaft vervollpändigen zu lassen, und kehrte bis heu'e von diesem Gang nicht wieder zurück. Da st« ihre sämmtlichen Sachen in ihrer gegenwärtigen Dienststelle . zurückgelassen hatte und auch mit ihrer Herrfchaft in gutem Einvernehmen fich defindet, so vermuthet man, daß ihr ein Unfall zugestoßen sei. Sie ist 150 Ctm. groß, hat braune Haare, niedrige Strrn und dunkle Augen. a Selbstmord in einem Hotel. Nach einem Hotel in der Fcieorichstadt kam am Eonnadend Abend ein Herr, welcher fich der Wahrheit gemäß als Ingenieur S. aus der Dennewitz« straße bezeichnete und im Hotel während der folgenden Tag« zu logiren wünschte, weil er einen Umzug nach seiner neuen Wohnung vorhätte. Am folgenden Vormittag war E. in seinem Zimmer mit Schreiben beschäftigt, und als am Nach» mittag ein Dienstmädchen in das Zimmer treten wollte, fand fie dasselbe verschlossen und fie sah durch daS Schlüsselloch den S- erhängt am Fensterkreuz in knieender Stellung. DasZim« mer wurde sofott geöffnet und Wiederbelebungsversuche wurden angestellt, welche jedoch erfolglos blieben. Zenüttete Ver- mögensverhällniffe scheinen den S. in den Tod getrieben zu haben- Zeutral-Theater. Zu dem morgm im Ze.rtral-Tbeater stattfindenden Benefiz für Herrn Carl Weiß hat Herr Mann- fiädt einen humoristischen Prolog gedichtet, welcher vor dem „Walzer-König" durch den Benefizianten zum Vortrag gelangen wird. Di« am Sonntag stattgefundene 147. Aufführung deS „Walzer- Königs" hatte wiederum ein auSverkaufteS HauS erzielt. Gerickts- Rettung» GeburtStagSfreuden.„AllenS erstunken un erlogen, Herr JerichtShof; wer wird woll bei sone Kreatur jleich mit'n Äappkuchm vor acht Jute un bei die Jahreszeit ooch noch mit 'n Bouquet int Verjniejen springen. Fragen Se jeden Järt- ner, wat vor sonen Zejenstand bei Winterdag abgeschippt wer'n muß," depontrte, sehr erregt, die als Zeugin aufgerufene, ver« wittwele Schankwinh Flora Große, eine untersetzte, wohlge- nährte, im 41. Lebensjahr stehende Frau. Vors.: Die Angeklagte will der Meinung gewesen sein, daß Kuchen und Blumen von einem ihrer Verehrer herrührten. — Zeugin: Na, wissen Se, Herr Jerichtshof, ick bin nu schon nick kitzlich; aber da muß ick denn doch bald lachen. Stimmen duht et, der et miserablichte Mannsleite jiebt, die fich ooch von 'ne Person anködern lassen, un wenn se keenen janzen Rock nich hat; die Sötte schmeißt aber»ich jleich dahlerweise det scheene Jeld weg; da find sone Btteder zu helle zu. Wenn die ihr Jutet jenossen haben, denn schnappen se ooch re» julär ab. Vors.: Können Sie denn bestimmte Thatsachen angeben» daß die Angeklagte wissen mußte, daS Präsent sei ihr nicht zu- gedacht gewesen?— Zeugin: Ob ick det kann? Eenmal ders doch'n Mächen nischt behalten, wat in ihre Herrschaft ihre Wohnung abjijeben wird, un denn war doch ooch ihr JeburtS- dag janich'mal. Vors.: Der GebuttStag der Angeklagten fiel allerdings einen Tag später; diese geringe Zeitdifferenz kann indessev bei dem vorliegenden Fall nicht schwer ins Gewicht fallen.— Zeugin: Nu war ja doch aber ooch noch'n mtt Jold gedruck- ter Versch bei, wo d'ruf stehen dhat;„An meine einzigst jeliebt« Flora." Vors.: Die Angeklagte heißt ebenfalls Flora und konnte daher wohl deS Glaubens sein, daß da» Präsent für fie selber bestimmt war. An einer Andeutung auf die Persönlichkeit deS Spenders fehlte es vollständig.— Zeugin: Na, det möchte nu schon nischt find, Herr JerichtShof. So wie ick ihr miethen dhat, sagte ick ihr ooch, det se von Stund' an Male Heeßen dähte von wejen Irrungen, wat doch vorkommen kann. Vors.: Wußte denn die Angeklagte, daß am 4. Febmar Ihr Geburtstag war?— Zeugin: Wenn sone Person erscht zwee Dage in'n Dienst iS, denn were ick ihr no schon nich jleich allenS uf de Nase binden. Die Sorte will bei sone An» jelejmheeten immer jut leben, aber nischt dhun. Vors.: Wie kamen Sie aber dahinter, daß die Angeklagte daS Präsent deHalten hatte?— Zeugin: Die Sache is die, Herr JettchtShof, der Mann interessiett fich all int dritte Monat vor mir, un weil doch nu son Jesckäft vor'ne eenzelne Frau nischt iS, indem mangunter große Radaudrieder kommen, die ick nich alleene an de Luft setzen kann, will ick mir denn na- tterlich ooch verändern. Nu schnuppte et mir aber janz mächtig döse, det mein Verhältniß an den Dag janischt von fich hörm ließ. Un wie er nu uf'n andern Abend kommen dhat, Ssti- mierte ick ihm ooch int jettngste janich. Natierlich war ihm sone Benebmijung nich schnurz, wodruf ick ihm mit jroßer Kalt- blietigkeet stezte un bloß sagte-„Wenn Se sonst keene Schmer- zen haben, denn find Se scheene rauS." Vorst: Kommen Sie zur Sache.— Zeugin:_ nu bei die Wotte noch mtt sone Verachtung int Ooge Wie ick ihm nehme, Amberg aber bat sie durch«ine flehende und reuemüthige Geberde, noch einen Augenblick zu bleiben. Halb abge- wandt blieb sie stehen. „Sie haben mir noch etwa« zu sagen?" frug Käthchen. „Ja, meine theure Schwägerin, wen» Sie die Güte haben wollten,«ich anzuhören." „Sprechen Sie!" „Mein Bruder fühlt, daß er nicht mehr genesen wird." Käthchen'» Augen begannen sich mit Thränen zu füllen. „Ich habe ihm natürlich zu Gewissen geredet," fuhr Amberg sott,„denn«» ist meine Pflicht al« Bruder." Käthchen sah ihn halb ungläubig, halb erwattung»- voll an. „Ich weiß ja," fuhr Paul Ambera fort, ohne fich durch Käthchen« Mißtrauen gegen die Aufrichtigkeit seiner Wort« beirren zu lassen—„ich weiß ja, daß er fich schwer gegen Sie vergangen." „O. ich habe es ihm längst angemerkt, daß er fühlt, wie er sich gegen mich vergangen und daß er sein Unrecht bereut." „Sie find die Perle aller Frauen I Sie sind die groß- müthigste und zärtlichste und nachsichtigste aller Frauen!" rief Amberg mit Begeisterung.„Sie können e« billigen, daß Ihr Gatte«ich auffordett, die Vaterschaft de» Kinde» anstatt seiner anzuerkennen, damit, wenn nach seinem Tode die Sache einmal an daS Licht käme, nicht der Schatte« eine» Vorwurfs auf ihn falle?" „Er wollte, daß Sie „Daß ich die Vaterschaft anerkenne, oder vielmehr, daß ich mich zu dem Fehltritt bekennen soll, den er be- gangen; daß ich bestätigen soll, daß hier nur ein Jrrthum obwalte, wenn einmal die Geschichte an da» Tageslicht kommt." „Freilich kann man nicht Jedem zumuthen, daß er eine Unwahrheit bestätige," sagte Käthchen;„doch von einem Bruder darf man verlangen, daß er Einem einen Dienst erweist, auch wenn derselbe nicht«it den aller- strengsten Gesetze« der Pflicht sich vereinbaren läßt, und noch weniger darf man einem Sterbenden diesen Dienst versagen, wenn man überzeugt ist, daß ihm dadurch die Sterbestunde erleichtert wird."(Fortsetzung folgt.) steht et ooch schon janz versteenelt wie'ne BildsLule. Denn zieht er aber janz jeschwinde Seine un sagt in de Dhüre:„Nu sehe ick all, bei Sticke kann den Hals nick vollkiiejen> un wenn ihr eener zw« Toppkuchen un vor 5 Mk. Blumen mit'n Dienst« mann schicken dhäte." Vors.: Auf Grund dieser Worte vermutbeten Sie, daß tagS zuvor für Sie etwas abgegeben sei?— Zeugin: Keene Ahnung, Herr Jerichtthof. Weil doch nu sone Anzüglichkceten schon nick mehr hibsch find, boste ick mir denn janz derbe. Hinterher legte rck mir aber den KasuS knusus richtig ieber, wie't fich doch bei jede Sache jchören dhut; un wie ick nu in die Küche'n Topp mit scheene Blumen sehe, da fährt mir denn och jleich der Schreck in de Beene, det ick denke, ick muß länge- lang hinschlagen. Vors.: Nun, Sie haben fich bald erholt. Außer der Unterschlagung wird der Angeklagten auch noch vorgeworfen, Sie im Verlaufe deS fich nunmehr entspinnenden Streites thätlich mißhandelt zu haben. Die Angeklagte behauptet jedoch, von Ihnen zuerst angegriffen zu sein und fich gewiffermaßen in der Nothwehr befunden zu haben.— Zeugin: IS notier» lich ooch allens fauler Zauber, Herr Jerichtshof; wie ick doch nu jewahre, det die Person den janzen schienen Toppkuchen bis uff de letzte Nagelprobe all verputzt hatte, wo ick nu jänz- lich Rooch schnappen mußte, un ick mir überdem mit mein Ver- hältniß verzümt hatte, schmiere ick ihr'n Ding, wie't'ne jede Herrschaft zusteh'n dhut. Da fährt se aber wie'n wlldet Dier uf mir los und alxt mir mtt ihre Finger int Jestchte'rummer- Her, det ick mir drei Dage vor kernen Menschen habe sehen laffen derfen. Die sonstige Beweisaufnahme ergab, daß die Angeklagte, die unverehelichte Karoline fflora Römer, zunächst von der Zeugin an den Haaren zu Boden gerissen worden war, fich dann aber energisch zur Wehre gesetzt hatte. Im Uebrigen kam auch zur Sprache, daß eine vollständige Aussöhnung zwischen Frau Große und deren„Verhältniß stattgefunden hat, welches letztere fich bis zur Beendigung deS Trauerjahres an der Stellung eines Geschäftsführers bei seiner Zukünftigen genügen läßt. In der Sache selbst erachtete der Gerichtshof die Kriterien der Unterschlagung nickt für vorliegend; es sei vielmehr Sache der Zeugin, etwaige Ansprüche an die Angeklagte im Wege deS Zivilverfahrens geltend zu machen. Unzweifelhaft jedoch habe fich die Römer der Mißhandlung schuldig gemacht; in diesem Falle müsse dagegen Kompensation eintreten, da es fich einzig um Erwiderung tdätlicher Beleidigungen gehandelt habe. In Berückstchtigung dieser Umstände wur.e auf kostenlose Frei- svieckung erkannt.(Ger.-Ztg.) Ein Monstre-Meineids> Prozeß hat gestern vor dem Schwurgerichte des Landgerichts II seinen Anfang genommen und wird vorauSfichtlich vier Tage in Anspruch nehmen. Auf der Anklagebank befinden fich acht Angeklagte, vier männliche und vier weibliche, und erinnert der der Anklage zu Grunde liegende Thatbestand lebhaft an daS verbrecherische Treiben des berüchtioten„MeineidSschlofferS" Orthmann.— In dem im Kreise Mittenwalde belegenen Dorfe Motzen wohnt sett vielen Jahren die Müdlcnbefiyerin Auguste Vetter, deren Sohn Johann als Mühlenmeister das Geschäft leitete. Derselbe hat eine Schulbildung genoffm, wie ste auf dem Lande zu den Ausnahmen gehört und er besaß unter den Einwohnern MotzmS und der Umgegend den Ruf eines außerordentlich klugen Menschen. Johannes Vetter war besonders von einer lebhaften Neigung zur Juristerei deseett, feine Lektüre bestand lediglich in rechts- wissenschaftlichen Büchern, von denen er eine ansehnliche Zusammenstellung im Hause hatte, eS fehlten ihm auch ebenso- wenig die neuesten Entscheidungen deS Ober-TribunalS und des Reichsgerichts. So ist es erklärlich, daß er von den pro- zeßführenden Landleuten häufig um seinen Rath angegangen wurde und schließlich wurde die Motzener Mühle ein reineS Winkelkonsulmtenbüreau. Johann Better ließ e« aber bei seinem Salbe allein nickt bewenden, er führte für fich und Andere selbstständig Prozesse und seine Thätigkeit als Winkelkonsulent hat schließlich unsägliches Unglück über eine große Anzahl Menschen gebracht.— Er steht jetzt unter der Anklage der Anstiftung zum Meineide in sieben und der Verleitung dazu in drei Fällen. Seine de- dauerniwerthen Opfer, welche neben ihm auf der Anklagebank Platz zu nehmen hatten, find folgende aus Motzen und Um- gegmd herstammende Personen: 1. feine betagte Mutter, die Mühlenbifitzerin Auguste Vetter, der vier Meineidsanstiftungen und drei Verleitungen zur Last gelegt werden, 2. der Bauer Wilhelm Mahlow, 3. der Töpfermeister Emil Kalkmann, 4. der Altfitzer August Magdeburg, 5 dessen Ehefrau Emilie Magde- bürg, 6. die 9li beiteifrau Christiane Simon und 7. die Dienst» magd Wilhelmine Etahn. Die letztgenannten sechs Angeklagten find beschuldigt, im Laufe des JahreS nicht weniger als vierzehn Meineide geleistet zu haben. Eämmtliche Angeklagte mit Ausnahme deS Vetter find echt ländliche Typen und besonders die weiblichen Angeklagten tragen den Stempel der Einfalt an der Stirn. Nur der Angeklagte Kalkmann, dem zwei, und die Dienstmagd Stahn, der vier Meineinde zur Last gelegt werden, bekennen fich für schuldig, alle Uebrigen de- streiten ihre Schuld. Der Angeklagte Vetter, der schon einmal wegen schwerer Urkundenfälschung eine Gefängnißstraf: von Schs Monaten verbüßte, soll der Anklage nach das kettende gens bei allen diesen Meineiden gewesen sein und in ebenso unheilvoller Weise auf seine Mutter eingewirkt haben. Die Meineide find theils vor dem Amtsgericht zu Mittenwalde, theilS vor dem hicstgen Landgericht Ii. geleistet worden und zwar in Zivil- oder Kriminalprozessen, welche Vetter ange- strengt hatte, resp. welche gegen ihn erhoben worden waren. Die Angeklagten fitzen sett Jahr und Tag in Untersuchungs- hast und haben dieS lediglich ihrem An- und Verführer Vetter zu verdanken, welcher seine juristischen Kenntnisse dazu benutzt, alles Mögliche heraUszutüfteln, waS die Verhandlung hinaus- zuschieben im Stande ist. So hat er beispielsweise ein 40 Seiten langes Beschwerdeschreiben an den Kammergerichts- fitLfidenten gerichtet und darin den jetzigen Vorfitzenden, andgerichtsralh Humdert, perhorreszirt, well derselbe seiner Anficht nach fich in einer früher gegen ihn stattgehabten Verhandlung einer Ueberschreitung der Amtsgewalt schuldig gemacht habe. Natürlich ist diese B-schwndesckrift ab- gelehnt worden und beantragte Vetter nach Eröffnung der gestrigen Sitzung aus dem Grunde die Vertagung, weil sein ursprünglich gewählter Vertheidiger ihm noch in letzter Stunde das Mandat gekündigt habe und der ihm gestellte Osfizialvertheidiger nicht genügend orientirt sei. Der Gerichts» Hof lehnte diesen Anttag aber ab. Bei dem Umfang der Sache— es find sieben Vertheidiger zur Stelle und müssen ca. 70 Zeugen geladen werden— und bei der VertheidigungS- weise des Angeklagten, der unter Aufbietung seiner ganzen nicht geringen Schlauheit die unglaublichsten Winkelzüge macht, stehen den Richtern, Geschworenen u. s. w. einige mühselige und anstrengende Tage bevor. Wir werden s. Z. da» Resultat dieses Prozesses bekannt geben. Petersburg, 18 März.(Polizisten auf der Anklagebank.) ES ist eine bekannte Thatsache, daß der Sicherheitspolizei aller großen Städte die Matadore unter den dort domizilirenden Dieben und Gaunern nicht allein bekannt find, sondern daß auch die Sicherheitsorgane mit manch« n dieser Individuen auf leidlich vertrautem Fuße stehen, p-rmanent mit ihnen Fühlung hakten, um— schneller über einzelne Ve« brechen Aufschluß zu be- kommen. Wie in anderen Städten, so ist eine derartige geheime.Verbindung vor Allem in Petersburg sehr wichtig, woselbst vollständige, wohlorganifirte Diebesbanden exlstiren und ihr Wesen tteiben. Einzelne der dortigen Polizei- organe scheinen aber diese Fühlung mtt den Dieben in ganz eigenthümlicher Weise, d. h. zu eigennützigen Zwecken, anstatt zum Wohle und Schutze der Gesellschaft auS- gebeutet zu haben; kurz gesagt, ste machten— wie dem„B. T." geschrieben wird,— mit den Dieben gemeinschaftliche Sache. Unlängst wurde nämlich auf einem von Petersburg abgelassenen Zuge ein reicher Paffagier in sehr empfindlicher Weise bestohlen, unter Anderem ihm ein äußerst kostbarer Pelz entwendet. Die Polizei ward über den Vorfall verständigt, doch alle Recherchen nach den Gaunern wollten zu keinem Resultate führen; die Diebe blieben unentdeckt. Da erwieS es fich vor Kurzem, daß der gestohlene Pelz fich in das Eigen- thum eines hervorragenden Geheim- Agenten der Polizei verwandelt hatte. Der Betreffende, hierüber befragt, that allerdings sehr aufgebrocht; doch daS half ihm nicht viel, denn der bestohlene Befitzer des fraglichen Pelzes bat darum, daS Pelzwerk auseinander zu trennen, jedes einzelne Stück würde dann auf der Lederseile die An« fangsbuchstabm seines Namens tragen. Diese Angade stimmte denn auch vollkommen, und nunmehr wurde sofort gegen den eigenthümlichen zweiten Befiyer des Pelzes das gerichtliche Verfahren eingeleitet. Nach dem„Swet" ist dies der ehe- malige Beamte für besondere Aufträge bei der Polizei, Kollegien- Assessor Molodowski. Verdächtia der Mithilfe find außerdem noch die Polizei-Revieraufseher Cheunitzki und Chamargin, so- wie der Polizeiagent Bogdanow. Die Anklage lautet auf Un- thätigkeit(?), sowie thetlweis adfichtlichc Verheimlichung deS vordezeichneten Verbrechens aus habsüchtigen Zwecken. Zur Klarstellung der Sachlage soll übrigens zwischen d-r Justiz- und der Administrativ Obrigkeit vollständige Solidarität erzielt worden sein.— Der Prozeß dürfte recht interessante Sachm zu Tage fördern. jWal# utiÄ Arbeiterbeweguttg. Die„Berliner Zeitung" macht vor dem Quartalswechsel wieder gewaltig in Arbeiterfreundlichkeit. Heute fingt fie dem Abg. Liebknecht ein Loblied, weil er im Reichstag scharf für die Rechte der Volksvertretung und des Volkes eingetreten ist; im„Interesse der polttischen Moral und Klarheit" erklärt die„Berl. Ztg." vom„freisinnigen" Standpunkte ihre„entschiedenste" Zustimmung. Damit ist der Arbettersache aber doch sehr wenig gedient und die Arbeiter werden fich darüber auch niemals einer Täuschung hingeben. Wie kann die „Berl. Ztg." es aufrichtig mit einer„parla- mentarischen Herrschaft" meinen, wenn ste gleichzeitig einer Partei Gefolgschaft leistet und überall für eine Partei eintritt, die fich ausdrücklich dagegen verwahrt, eine wirklich parlamentarische Regierung zu erstreben? Die „Berl. Ztg." macht zwar geltend, daß die einstigen Führer der Fortschriitspartei, die Waldeck, die Ziegler, die Jakoby und Haverbeck auch so gesprochen haben würden, wie das Haupt der Arbeiterpartei. Vielleicht! Aber auf den Bänken, wo einst die Walveck, und Jakoby saßen, fitzen heute jene schattenhaften, portefeuillelüsternen Gestalten, die nichts mehr mit ihren Vorgängern gemein haben, nicht einmal mehr den Partei namen. Und wenn zwischen der von der„Berl. Zrg." geförderten Partei und der Arbeiter- partei auch politisch mancher Berührungspunkt vorhanden ist, auf dem wichtigsten Gebiete stehen fich beide doch todtfeindlich gegenüber— und zwar auf dem wirthschaftlichen. Hier vertritt der Freisinn und mit ihm die „Berliner Zeitung" eine durchaus arbeiterfeindliche Politik, hier vertritt fie ein System, das trotz allen freiheitlichen Scheines schließlich zur vollständigen Knechtung des Arbeiters, zur Zerrüttung aller geordneten Ar- beitsverhältnisse führen muß. Ein solches Blatt hat keine Sympathien für die Arbeiter, eS schmeichelt ihnen nur, weil es ste als Abonnenten nicht entbehren kann und nicht ent- dehren will. Aber die Arbeiter werden das zu würdigen wissen, und um der geringen politischen Uebereinstimmung willen nicht ein Blatt unterstützen, das durch seinewirthschaillichen Bestre- bungen dieSache der Arbeiter so schwer schädigt, wie die„Berl. Ztg." Bei Berathung de««ckermann'schen Antrage« wiesen emige Abgeordnete mit großem Pathos auf die gewerblichen Veihättnisse Oesterreichs hin. Wie wenig indeß der dortige Gewerdestand von dem neuen Gewerbegesetz erbaut ist, zeigt stch in der Petition der Wiener Schuhmacher- an den öfter- reichischen Handelsminister, in welcher unter Andrrm folgender PaffuS vorkommt:„Zwei Wiener Schuhmacher wurden, weil fie alte, von ihnen reparirte Stiefel in ihren Läden verkauften, wegen Eingriffs in das Trödlergewerbe von der Bezirkshaupt- Mannschaft zu je 5 fl. Strafe verurtheilt, welches Urtheil auch durch Erlaß der Etatthalterei bestätigt wurde." Etwas vor- sündfluthlich, und doch daS allermodernste! Die Ackcrmnnnlana" hat auch in den nicht zur Innung gehörigen und doch aufnahmefähigen Arbeitgebern deS Schuhmachergewerbes zu Liegnitz ein weiteres Opfer er- langt. Der Magistrat zu Liegnitz publizirt nachsteken»e Verordnung deS Regierun gs- Präsidenten:„In Gemäßheit deS Gesetzes, betreffend Abänderung derGewerde-Ordnung für das Deutsche Reich vom 8. Dezember 1681, bestimme ich hiermit nach Anhörung des Magistrat» der Stadt Liegnitz als der Auf- fichtibehö:dc der Innung daselbst für den Bezirk derselben unter Vorbehalt des Widerspruchs: Arbeitgeber, welche, obwohl fie daS Schubmachergewerb: betreiben und selbst zur Aufnahme in die Schuhmacher, nnung fähig sein würden, gleichwohl aber der Schuh- macher Innung nicht angehören, dürfen vom 1. Juli v. I. ab Lehrlinge nicht mehr annehmen. I. V. gez. von Prittwitz. — Ter„Ltegnitzer Anz." macht bereits darauf aufmerksam, daß daS gar nichts nützen wird Denn die NichtinnungSmeister dürfen zwar keine Lehrlinge, aber doch„jugendliche Arbeiter" halten, soviel ste wollen. Auch ver Erfolg der Barbiermeister in Berlin ist ein sehr zweifelhafter. Wenn man ficher ist, bei einem NichtinnungSmeister keinen Lehrling anzutreffen, so möchte man fast mit Vorliebe dorthin gehen: man ist dann ficher, daß das Blut etwas weniger in Strömen fließt. In der Schneiderei steht eine große Veränderung bevor, da eine Bügelmaschine erfunden und bereits patentirt ist, welche sogar von Frauen ohne Anstrengung soll in Verwen- dung gebracht werden können. Ist das richtig, so würde natüi lich die Verdrängung der Männerarbeit durch die Frauen noch weiter fortschreiten, die Löhne noch tiefer finken, als bisher. Mißstände im Maurergeverbe. Im Hamburger Fach- verein der Maurer wies Herr Limbach auf die ungenügende Beschaffenheit der Baubuden hin, wie man die- seiden häufig antreffe. Bei Regenwetter würden dem Maurer nicht nur die Kleider auf dem Leibe, sondern auch die in den Buden hängenden naß. Zu tadeln sei auch die Unfitte, daß die Gesellen nicht eher aufhörten, bis fie total durchgeregnet wären, weshalb man fich über die große Zahl der Rheuma- tiSmuSkranken unter den Maurern nicht wundern dürfe. Herr Hartwig rügt die in jüngster Zeit stch immer mehr eindür- gernde Unfitte deS LohnholenS resp. daS Ausbezahlen des Lohnes in der Wirthschaft. Dies Unwesen würde von einigen Meistern in spekulativer Weise benützt, um für Kellerwirthschaften höhere Miethr zu erzielen. Bei der Vermiethung solcher Lokalitäten macht der Meister, der zu- fc»s lä™' sMÄWVÄB wieder aufgenommen und stch auch bei der Löhnung die Ab- wmm zu einem für fie günstigen Entscheide stch ruhig und frei von allen Ausschreitungen verhalten." Liegnitz. 20. März.(Beendeter Streik.) Wie daS„Liegn. St." hört, sind die Differenzen zwischen Arbeit- aebern und Arbeitnehmern der Schilder'schen Lampenfabrik(die Arbeiter der genannten Fabrik hatten am 17. d. M. die Arbeit eingestellt. D. R) durch gegenseitige Einigung ausgeglichen worden. Der Streik ist somit beendet. In kouserdativen Blättern lesen wir:„Wie in Berlin die besonders gut organifirten Tischlergesellen, so haben dort auch die Schmiedegesellen mit Hilfe ihres Fachvereins begonnen, die Forderung einer Normalarbeitizeit und eines Minimallohntarifs durchzufechten. Die Arbeitszeit soll, nach ihrer Forde- rung, an Wochentagen 10 Stunden, der Minimallohn pro Woche 18 Ml. betragen. Außerdem verlangen ste Abschaffung der Sonntagsarbeit und Beseitigung der Kost- und Logisarbeit. Der Odermerster der S ch m i e d e i n n u n g e n hat stch in Bezug auf die Forderungen selbst ziemlich entgegenkommend ge- äußert, er verwies jedoch darauf, daß das JnnungSstatut andere Verhandlungen alS mit dem(JnnungS)-GesellenauSschuß ver- biete; die Meister wollen also nur innerhalb der Jnnungs- Organisation die in Anregung gebrachten Fragen lösen. Die Arbeiter wollen ihrerseits nur qaa Fachverein, also durch ein Glied der sozialdemokratischen Organisation verhandeln. Es handelt fich hierbei um die nicht unwichtige Frage, od der Damm der Innungen stärker sein wird als die sozialistisch« Hochfluth." Die deutschen Slasarbeiter in England«nd Schott- land erlassen eine Warnung an alle Kollegen in Deutschland, ja nicht auf ein Engagement nach diesen Ländern einzugehen- ES befinden stch namentlich die schottischen Glasarbeiter in Streik. Ursache: Die schottischen Glasarbeiter hatten auf den 15. Februar einen Kongreß nach Glasgow einberufen. Auf diesem waren von jeder Fabrik ein Arbeiter und ein Beamter resp. ein Fadrikberr. Die Fabrikanten verlangten, daß p" Tag 6 Dutzend Flaschen mehr abgeliefert werden sollen,# Schotten haben nämlich festen Wochenlohn und haben pro TA ein bestimmtes Quantum abzuliefern, für die Waare, welche st« mehr prvduziren, erhalten ste eine Extra Entschädigung unj wurden bisher für 144 Stück 4 Mk 50 Pf. bezahlt), wäärend fie nunmehr für dieselbe Zahl nur 3 Mk. 50 Pf. erhalte» sollen. Die Arbeiter erklärten fich mit der FordcrM einverstanden, wenn der Preis der Mehrarbeit aul 4 Mk. 50 Pf. stehen bleibe; außerdem stellten ste d>e Bedingung, daß die Fabrikanten keine deutschen Ardeiter weist beschästigen. Diese Forderung wurde jedoch von den Fabrikante» einstimmig abgelehnt, worauf die Arbeiter die Arbeit nievet" legten. Die deutschen Arbeiter streiken nicht, da dieselben»>» auf Stücklohn arbeiten und überdies Höheren Lohn wie»# Schotten haben. Damit sind übrigens die Schotten ein««» standen, dock könnte der Fall eintreten, daß auch den Deutsüe» niedrigerer Lohn zugemuthet werde, in welchem Falle fie W gemeinschaftliche Sache mit den Schotten machen werden. B« eS in dem Berichte heißt, soll ein Herr aus Pontegello fl* Deutschland gereist sein, um deutsche Arbeiter zu holen,* dadurch die Schotten zur Beendigung des Streik» zu join# Dieses»u verhüten, erlassen die Deutschen diese Warnung,'' fie im Interesse der Arbeitersache dem Streike der SW* sympathisch gegenüber stehen. Alle arbeiterfreundlichen werden um Abdruck dieses Berichts gebeten. Die beutst Glasmacher in England. Nr. Permisektes. Vom Journalisten zum Köuig. Der rothhaut� Journalist Stanley Huntley zu Standing Rock hat nach»"l Tode der„jungen Antilope" die auf ihn gefallene Wahl Chef der Sioux-Jndianer angenommen. Unser ehemaliger i»n» M>»ini eine erhabene Auffassung seines neuen Berufe»» hat in einem Manifest an die Regierung.� die Hoffnung ausgesprochen, daß püsei» lege scheint Kaden, denn er. Vereinigten Staaten vir vo�nung ausgriprowen, da«"g'Yii die Rechte und Freiheiten der Indianer achten werde,%% ssch eine Krone und einen Kö.riasmantel in London bis"»» fich eine Krone und einen Kö.rigSmantel in London um fich als König der Sioux krönen zu lassen. Der letzte Wunsch eines Sterbenden. Bei der® gräbnißfeier in Cbiffelhurst befand sich unter den Leidtrage» ein französischer Veteran, General Sch amm, welcher no« Schlacht b;i Leipzig beigewohnt hat. Wie es heißt, fand � poleon I. den damaligen Lieutenant— jetzt ist Sckraww� Jahre alt— nach der Schlackt bei Friedland(1807) � verwundet und anscheinend sterbend auf dem Schlachtfeiv« f gen, Schramm weinte, und der Kaiser fragte ihn, weine. Die Antwort lautete:„Weil ich sterben muß,'L Kapitän geworden zu sein." Um dem jungen Manne die Augenblicke zu versüßen, machte ihn Napoleon auf der c. zum Kapttän. Die„letzten Augenblicke" des Sterbenden lst"� diS jetzt 77 Jahre gewährt., aj I» einem amerikanischen Gerichtshöfe ereign«'� folgende Szene: Der Gefangene tritt ein:„Sind Sie> � vorbestraft worden, Angeklagter?"— Angeklagter: ,,%#( bin schon destraft worden. Ich hatte drei Schwiegen" � und wohne in einem Hause, in dem fich dreizehn Thätigkeit befinden."— Richter(wischt heimlich eine Tbf ✓ „DaS ist hart— Sie find schon genug bestraft word« Gefangener, Sie find frei!"-w, In der Instruktion. Offizier:„WaS haben Er« wenn ein Vorgesetzter Sie ungerecht behandelt, viellei«., � schlägt?"— Rekrut:„Da tbu i nix, da halt i's Mam. Offizier:„Nein, dann beschweren Sie fich bei Ihrem fl» Borgesetzten".— Rekcut:„Zu Befehl!"— OffiM' was geschieht dann, wenn Sie fich beschwert ha»«"' Rekrut:„Dann werd' l b'straft!". Raturgeschichtliche«.„Das Kam«! kann acht Tag jj* arbeiten, ohne zu trinken!" erzählte Herr Pioppmschfl«?�, lich seiner sehr zungenfertigen Frau.„Das ist noch(1*, ß iUn(dtnrf Q:«-*.« OTJ.- fcftri 21 yvH' erwiderte, ihn scharf fixirend Frau Proppenschne«»«'. jd kenne sogar ein Kamecl, das kann acht Tage trinken. arbeiten." Herr Proppenschneiver ging still in' zimmer. 2)'« � Welt", Stuttgart. Verlag''von' J H� W"' 5D««#' t 14 deS h' IUI uf d°w s�eo'XÄil? % Verantwortlicher Redakteur«. tetwutim m Berlin. Druck und Vertag von«« vadt«, w Berlin SW, Beulhftraße Literarisches. Bon dem illystrilten Unterhaltungsblatt ~' W. Dies. h-'' BW» im Garten.(Schluß.) Von Gartenbaudireltor O-*>,„ i Christblumen. Novelle von M. Rupp.(Forttetz�chti« Unwesen der Lotterien.- Sehfehler und deren Ben?lfC� durch Augengläser. Von Dr. Alfted Stelzner- deutscher Volkpoeste der Gegenwart: FruWW�L' Karl Vogel.- Die Elektrotechnik.- Tie 6%%% Solenhofen. Von I. Mvscat.— Unsere"jU Eine schwere Stunde. Ein Czikosrennen.— Charakteristik unseres Bankier, und Börsenwesen« A% Ausstellung im Krystall-Palast ,u Leipzig. Wem Aj, schukkrtt für Metall. Geräthe und Werkzeuge in®« llin|» und Oekonomie vor Rost zu schützen.— Literan iÄÄÄÄ« Stachelbeerzucht in Gemeinschaft mit riechende Pomaden und Essenzen auf Blumen zu gewinnen. Fußdodenkttt. Reg...-. - Gefährliche Freundschaft.(Mit Illustration-) Aerztlicher Rathgeber.— Redaktionslorrespo»®« sigeS.— nütziges.— Mannichfaltiges- tun» K, «chli, (9 rel von ) Wie Arbeit rit( bie e Arbeit eglichen Berlin en dort gonnen, hallohn Forde hn pro Barbett. in Be haffung end ge Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 70 England und Rußland in Bentralaften. Unter dieser Ueberschrift bringt die Aug. Stg." einen napp gehaltenen Situationsartikel, der aus sachkundiger Feder t andere u stammen scheint und auch unsere Leser interefftren dürfte. juß ver England und Rußland verhandeln fortgesett einstweilen anungs mit der größten Höflichkeit über die Sienze in Zentralaften, einstweilen n. Die und es ist möglich, daß der Konflikt dadurch so durch um Stehen gebracht wird, daß die Ruffen ihren Vormarsch handeln nicht weiter ausdehnen. Aber er ist selbst dann auch eben nur ob der um Stehen gebracht. Konstantinopel hat, seit rufftsche Truppen alistische Shiwa genommen, seine Bedeutung als Etape nach Indien für Hußland verloren, der Weg nach Indien geht, wie schon der Schott fte Napoleon richtig erkannt, durch Aften, und in Aften ist Rußtschland, and schon jest fo weit vorgedrungen, um an den Ganges zu ge zugeben. langen. Dort findet es nicht, wie in Ronftantinopel, ganz Europa beiter in gegen fich, dors steht es nur einer einzigen und militärisch ihm auf den her nicht ebenbürtigen Macht gegenüber. n. Auf orderung Es ist schwer zu sagen, wie weit bisher dte diplomatischen Beamter Auseinandersetzungen zwischen St. Petersburg und London gedaß pro diehen find, nur das Eine steht wohl feft, daß England den en,( Die militärischen status quo ante voll wiederhergestellt wiffen will, pro Tag und daß Rußland freilich mit allgemeinen Friedensphrasen sehr belche fie freigebig gewesen ist, aber fich zu bündigen Erklärungen in der ing und gedachten speziellen Richtung noch nicht herbeigelassen hat. Wir während beilen die Besorgniß nicht, daß irgend ein unerwarteter Vorfall, erhalten daß das auch nur zufällige Losgehen einer einzigen Flinte den Konflikt zum Bruche und zum Kriege ausweiten fönne: feder eit auf Regierung bleibt es unbenommen, aus einem von ihr nicht ges fte bie wollten, felbft ernstlichen, blutigen Busammenstoß feine Ronter mehr fequenzen zu ziehen, und jede besonnene Regierung wird es ritanten ablehnen, sich durch die Unbesonnenheit irgend eines Generals t nieder engagiren zu lassen. Aber doch ist es immerhin bedenklich, lben nur wenn die Atmosphäre, wie es augenblicklich der Fall, mit wie die tinem feinen Pulvergeruch geschwängert ist, benn man darf vergessen, das Rußland unter allen Umständen sein Deutschen Breftige unter den zentrala statischen Stämmen aufrecht erhalten fte banus und daß England noch weitere Verlegungen des obenen. drein boch erregten nationalen Gefühls nicht dulden darf, und ello nad tine solche Verlegung, ein unmittelbarer Angriff auf die aftas len, um lische Stellung Englands, wäre ein Vordringen Rußlands in Afghanistan um so gewiffer, als Rußland selbst seinerzeit das t einver wingen nung, Da Schotten deutschen thhäutige Babl u nach dem nie Gebiet bis Dienstag den 24. März 1885. Isten Konfequenzen bes Sonflitis gezogen werden, so würden um man wir vor die Cventualität eines Krieges zwischen zwei Koloffen gestellt sein und der Fall eines jeden von ihnen würde vie halbe Welt mit Trümmern bedecken. Für welchen Theil schließ lich das Kriegsglück fich entschiede, vermögen wir nicht zu be urtheilen. Wohl mag es es richtig sein und darauf scheint in England zu troßen, daß Rußland, welches schon der ungeheuersten Anstrengungen bedurfte, Die nördlich von Afghanistan hausenden Völker schaften zu bezwingen, mit diesen faum unterworfenen und jederseit unbetmäßigen Stämmen im Rüden, schwerlich an die Nie derwerfung der friegerischen und auf ein zur Genüge verfügbares anglo- indisches Heer gefügten Afghanen selbst würde denken tönnen; aber es ist auch sehr wohl möglich, daß England seine eigene Kraft überschäßt und die des Gegners unterschäßt, und es wird sich rechtzeitig daran erinnern müssen, daß Rußland bisher wohl geschlagen, blutig geschlagen, aber nie beftegt wer den konnte. Noch treibt keine innere Nothwendigkeit, kein unversöhnlicher politischer Widerspruch zum Kriege und so dürften beide Staaten und Regierungen besonnen genug sein, den aweifelhaften Erfolgen der Schlachten den sicheren Erfolg maß voll entgegenkommender Verhandlungen vorzuziehen. Intereffenlinie, die ein Staat sich selbst gezogen, lann niemals als absolut unantastbar gelten. Politische Webersicht. Bezüglich des Grubenunglücks der Zeche Camp hausen wurde gestern im Abgeordnetenhause vom Minister May ba ch die Erklärung abgegeben, daß es Pflicht des Staates set, soweit die Leistungen der Knappschaftstaffen nicht ausreichten, nach Maßgabe des Unfallversicherungsgeseßes für die Hinterbliebenen zu forgen, event. würde die Mitwirkung der Landesvertretung in Anspruch genommen werden. Der Welt- Postkongreß in Lissabon hat in der Gesammt figung vom 16. März beschlossen, daß es im Welt- Postvereinsverkehr fünftig gestattet sein soll, Gold- und Silbersachen, Edelsteine, Juwelen und sonstige loftbare Gegenstände mit der Bost in Briefen zu versenden, insoweit dies nicht durch die Gesetzgebung der betheiligten Länder ausdrücklich verboten ist. Die Konferenz der Staaten der Lateinischen Münzunion soll, wie aus Paris berichtet wird, am 15. September d. Js. zusammentreten. Es soll in dieser Konferens erwogen werden, ob ein internationaler Münzfongreß einzuberufen sei, zu welchem auch die der Münzunion nicht angehörigen Staaten, wie Deutschland, Desterreich, England und die Bereinigten Staaten Nordamerikas, eingeladen würden. Die Konferenz soll ferner über die Mittel berathen, um der weiteren Entwerthung des Silbers vorzubeugen. zwischen dem tuitmenischen und den afghanischen Element als die Scheide des russischen und des englischen Eins Blätter fluffes bezeichnet hat. Es ist, wie gesagt, zur Stunde nicht bekannt, ob die rusfiche Regierung ihren Truppen aus jenen Bofitionen, die ein zunehmen die Berechtigung mindestens zweifelhaft erscheint, m diplomatischen Austrag der schwebenden Grenzfrage zurückzuziehen zugesagt oder file vielleicht schon zurückgezogen bat, aber der dahin gerichtete Vorschlag Englands, der Entscheidung ganz unpräjudiziriich, darf ein ebenso billiger als praktischer genannt werden, und Rußland würde beiter!" verboten worden. burch seine Annahme den überzeugendsten Beweis erbracht haben, daß es die augenblidlichen militärischen und politischen Verlegenheiten Englands nicht für sich außzunüßen, sondern,( Mains) und Ulrich( Offenbach), beide Sozialdemokraten, iger Rol erufes rung b Diefel und hal n beftellt noch ber camm 97 fblieglichen was Stati. awischen ihm und England zu ordnen, ohne einen Appell an die Waffen zu ordnen gebente. Bis heute ist nur die mis litärische Ation Rußland engagirt, resp. tompromittirt, feine Bolitit nicht, und es begeht keinen Att der Demüthigung, Der Beinn es ein nidt durch politische, sondern durch strategische Stor de bedingtes Vorgehen seiner Truppenbefehlshaber des dragenden oouirt. Es ist möglich, daß auch England gefehlt hat, und Daß die Arbeiten der Grenzbestimmungs- Rommission glatter von gegangen wären, wenn es nicht seine Kommissäre, statt 7) fchme mit einer bloßen Bedeckungsmannschaft, mit einer ganzen Armee entfendet und in dieser Weije ihre Aufgabe von vorn gerein in ein schiefes Licht gestellt bätte; aber das ist doch am Ende noch tein Grund, die Lösung der Kontroverse auf die Spize des Echwertes zu stellen, das ist kein rationeller tfelde Tie # uß, obn esbalb Die legim Der Stelle Den haben gnete fid Sie fon Ja, ta germütter Sianos in Thräne): worden e zu thun Leicht gar Caul nadften er: Und ben? Tage lang eider new ar nichts ber, obne ju Neben casus belli. " Auf Grund des Sozialistengesetes ist von der Ham burger Polizeibehörde das ohne Angabe des Druckers und Verlegers erschienene Flugblatt mit der Ueberschrift:„ Ar. Mainz, 21. März. Bei der heutigen Landtagswahl waren von 122 Wahlmännern 103 erschienen, welche Jost mit 90 resp. 89 Stimmen zu Abgeordneten wählten. Holland. Ein der Kammer vorliegender Gefeßentwurf, betreffend die Revision des Wahltableaus verlangt für die Wahlberechtigten das Janehaben einer Wohnung, deren Miethzins mindestens 50 Gulden beträgt. Die zweite Kammer würde die Bahl ihrer Mitglieder durch das neue Wahlgefez um 14, die erste Kammer um 11 vermehren. Die allgemeinen Wahlen für bie zweite Kammer finden alle vier Jahre statt. Der obligatorische Militärdienst soll durch Gefeß geregelt werden. Landund Marinetruppen sollen danach auch ohne ihre Einwilligung nach den Kolonien geschickt werden dürfen, wenn dies nach dem Geseze für nothwendig erachtet wird. Belgien. Nachdem die Journalisten in Wien und London mit Er Sollten indef, wenn von beiden Seiten fünftliche Berbitterung in den Streit hineingetragen wird und für eine rein folg gestreift haben, scheint nunmehr Brüffel an die Reihe zu tommen. Einem Telegramm zufolge beschwert sich der klerikale fachliche Erörterung fein Raum mehr bleibt, die äußersten und Mik Carlino. Nach dem Französischen des Catulle Mendès. I. auch nichts von Dornröschen, Aschenbrödel und dem Feenreich. Zwischen ihr und den Schafen bestand nur der Unters schied, daß sie sprach und jene blödten; ein Unterschied, der um so weniger spürbar war, weil sie sich durch ihre häufammenhängende Sprache angewöhnt hatte, daß diese zu fammenhängende Sprache angewöhnt hatte, daß diese zuweilen den langgezogenen, flagenben, milden Lauten der Thiere glich. Ihr größter Kummer war die allabendliche Heimfehr nach dem Bauernhof, wo ihre Tante und ihr Onkel Im Schatten dicht belaubter Kaftanienbäume hütete die Meine Miou ihre Schafe und mit jenem bläulichen Schatten fige Unterhaltung mit ihnen eine so schleppende und unzuvermischte sich das Goldgrün der Wiesen, der kräftige Erdgeruch und der Duft von allerlei Pflanzenfäften, fo daß elbst die glühende Mittagshize hier noch frisch erschien. Bachstelzen hüpften unter den weidenden Thieren umher, wippten mit ihren perlgrauen Schwänzen auf und nieder, flogen zuweilen auf das wollige Fell der Schafe, pickten feßen und mit den Leuten sprechen; doch nach dem Abend Darin umber und flogen wieder fort. Miou faß unter einem Baume; ihre rofigen Füße waren nadt, ftellenweise aufgerigt von den Dornen und ganz kleines Lamm und neben ihr im Grase schlief der gelbliche, ftruppige Schäferhund, seine Schnauze ruhte auf effen hütete sie sich wohl, auf den Heuboden hinauf zu -fie schlich sich geben, wo fie eine Art Schlafftelle hatte, lieber verftohlen in den Schafstall, streckte sich angekleidet II. Jahrgang. Deputirte Rolin über Störung durch liberale Journaliſten im Barlamentshaus, daraufhin ließ der Präsident die Journalisten Tribüne räumen. Die libetalen Journale haben die Bericht erstattung über die Verhandlungen eingestellt. Großbritannien. Auch in Aften wird der Kriegslärm immer stärker; nach einem Telegramm aus Raltutta find nunmehr zwei Armeekorps auf Befehl des englischen Kriegsministeriums mobil gemacht. Die Truppen sollen schleunigst nach der afghanischen Grenze rücken, bevor die heiße Jahreszeit beginnt. Egypten. Die Truppen des General Graham haben ein weiteres Gefecht mit den Truppen Deman Digma's bestehen müssen. Ein Telegramm berichtet darüber: Die englischen Truppen batten eben die Bareba vollendet und waren beim Ablochen, als die Meldung einging, daß der Feind im Anmarsch set. Fast gleichzeitig stürzte sich der Feind aber auch bereits auf die Bareba, es gelang ihm fogar, in eine Ecke derselben einzu bringen, nach einem lebhaften, etwa 20 Minuten dauernden Kampfe wurde derselbe aber zurückgeschlagen. Die Verluste deffelben find sehr große, die Bahl der Todten wird auf 1500, die Gesammtzahl der am Gefechte betheiligten Aufständischen wird auf 4000 bis 5000 Mann Geschätzt. Die Verluste der Engländer beziffern sich auf 56 Todte und 170 Verwundete. Amerita. Bei dem Aufstande in Neu- Granada, welcher zu einem Kampfe bei Panama geführt hat, handelt es sich um eine Erhebung der tlerital fonservativen Partei gegen die liberale Regierung. Alle Staaten der Föderatiorepublit am Atlanti schen nnd am Stillen Ozean befinden sich im Bürgerkriege Die Unruhen in den fünf Republiken 3entral- Amerika's, welche fast gleichzeitig mit jenen ausbrachen, find dadurch ent standen, daß der Präsident der Republik Guatemala, General Barrios, die Vereinigung aller dieser Republiken zu einem Föderatiostaate proflamirt bat, ohne vorher deren Einwilligung eingeholt zu haben. Die Republit Honduras hat die Pro flamation günstig aufgenommen, wogegen die Republiken San Salvador, Nicaragua und Costa Rica fich entschieden gegen den Uebergriff verwahrt haben. General Barrios hat die Republik San Salvador bereits mit bewaffneter Hand an gegriffen. Das belgische Wahlverfahren. Unter dieser Ueberschrift befindet sich in Nr. 68( Beilage) unferes Blattes ein Artikel, bei dem aus Versehen die Quellenangabe fortgeblieben ist. Der Artikel ist den Demokratischen Blättern" ents nommen. " Parlamentsberichte. Dentscher Reichstag. 74. Sigung vom 23. März, Nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrathes v. Boetticher, v. Butttamer, v. Schola, v. Stephan, v. Rufferom, Reuleaux u. A. In der Hofloge Fürst von Schwarzburg- Rudolstadt, Große herzog von Sachsen- Weimar und Bring Wilhelm von Würt temberg. Präfident v. Wedell: Das Präsidium des Reichstags ist gestern leider nicht im Stande gewesen, dem ihm ertheilten Auftrage gemäß Sr. Maj. dem Kaiser die ehrfurchtsvollen Glück. wünsche des Reichstags zu überbringen, da Se. Majestät der Kaiser leider durch Unwohlsein verhindert war, das Präsidium zu empfangen. Eingegangen ist ein Gesezentwurf, betreffend die Abände rung des Gesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen. Das Haus tritt in die dritte Berathung der Dampfervorlage ein. Abg. v. Jazdzewski: Sch will auf die Frage der Stellung meiner Landsleute zu diesem Hause und zum Reiche nicht weiter zurückgreifen, da ich mir davon keinen Nugen vers spreche, und die Mühe, den Herrn Reichskanzler von seinen mager, geschmeidig. Also wollen wir den Kontrakt unter zeichnen. Dreihundert Francs für zwei Jahre! Die Kleine ahnt ihr Glüd nicht! Miou betrachtete ihn entsegt mit offenem Munbe und starrem Blick. Als man ihr nun mittheilte, daß der Mann fie mit sich nehmen würde, um eine Seiltänzerin aus ihr zu machen, fing fie bitterlich zu weinen und zu schluchzen an. Ihre Heerde verlassen? Nie! Nicht mehr mit dem Lamm im Schooß und dem Hund neben sich unter den Ras stanien figen, war denn das denkbar?„ Nein, nein," rief ich gehe nicht, ich will nicht!" Als am folgenden Tage der Moment der Abreise ers fchien, mußte man sie mit Gewalt aus dem Stalle schleppen; fie weinte, fie schrie, fie sträubte fich und streckte bittend ihre fleinen, magern Arme nach Stacheln, fie trug nur ein rothes Kattunrödchen und ein auf's Stroh unter die schlafenden Thiere, lehnte ihr dem Schafftalle aus. Umsonst! An der Stallthüre stand Hemb von grober Hausleinwand; auf ihren Knieen lag ein Haupt an eines der friedfertigsten und schlief sanft in seiner die Heerde und blöckte ihr traurig nach. Wolle ein. Auch der heutige Tag war beseligend; es ereignete feinen Pfoten, er schnarchte; zuweilen fnurrte er auch fich, wie immer, nichts anderes, als daß sie ein verirrtes biffig, als habe er eben vom Wolfe geträumt. Miou war te Rea ift forbe nball: an Brut zen. Bon Sättig Weinftod -Dal richtigung Proben uß. Bon rüche von trationen: tes: Fine -Mufter Gärtnerei 4. Raut Umidbau und von den Fliegen verjagtes Schaf zurückholte oder mit II. ungefähr neun Jahre alt, sehr klein und hatte lebhafte dem Hunde zusammen das in Milch getauchte Schwarzbrod naftikern gleich. Dhne Stange auf dem Seile zu tanzen, Augen, die unter der mit braunem Haar umwundenen verzehrte. Dann verlängerten sich die Schatten und lagen Stirne hervorleuchteten. Sie lachte glückselig über das Flattern der Vögel, während sie selbst das fleine Lamm wie ein dunkler Nebelhauch über den Aesten und Zweigen; die Heerde zog langfam ben schmalen, von Dornbüschen Areichelte oder der Heerde zusah, die eraft und gravitätisch eingehegten Weg ins Thal hinab und glich dabei nur einem Don Grasbüschel zu Grasbüschel zog. weißen, wogenden Durcheinander; Miou folgte, von Stein Sie war so vers gnügt beim Anblick ihrer Schafe, daß ihr nichts mehr auf zu Stein springend und auf einen kurzen Stab geftüßt, ihr gebreiteten Flügeln unter einem furchtbaren Knall und dieser Welt zu wünschen übrig blieb. Mit der Spiße der nach, in den Stall hinab. tippte an feine Nase, stülpte sein Dhr um, bis der in die Küche gefeßt, als ihre Tante zu einem dort wartenHund den Kopf schüttelte, halb wach sich aufrichtete, umbes blidie, gähnte, fich wieder niederlegte und den nackten Fuß Miß Carlino wurde in kurzer Zeit eine berühmte Akrobatin. So jung und schmächtig sie auch war, so that sie es doch bald den verwegensten Gyms war ihr bald zu unbedeutend, zu gering; fie verzichtete auf so leichte Leistungen; lieber hing fie fich wie Leontarb, wie Leona Dare an die unsichern Trapeze, schwang sich daran herum, erfaßte fie, ließ sie los; dann steckie man sie in ein Kanonenrohr und sie flog leicht wie ein Vogel mit ausBulverdampf daraus hervor. Ueberall, in London, in Paris, in Wien, folgte ihr stürmischer Be fall, Enthusias= mus, und Ausrufe der Furcht umgaben Miß Carlino, wenn fie ohne Nez über der tausendköpfiigen Maffe hin schwebte, blendend in Gaze, Goldflittern und elektris ja, die kannte fte nun! Miou's ledend auch gleich wieder einschlief. Da lachte sie Hut auf, schwere Ringe an den Fingern, eine bide Uhr schem Licht. Ruhm Ruhm- Beifall usfrauen: aus brotes Wobl Seife aud Rebud Töpfen Gemein Hingh Raum aber hatte fie, von dort zurückkehrend, den Fuß ben Manne sagte:„ Das ist die Kleine." Der Mann richtete fich empor; er hatte einen runden wieder aus vollem Herzen. fette hing an feiner Weste und er trat auf Miou zu, ers mußte, nie etwas von Eisenbahnen und Städten in diesem Höhe bis an die Balken der Dede, ließ fie mit der einen grünen Trift, an den ftruppigen, gelben Hund, den sie mit Da sie nichts von all den anderen Dingen des Lebens faßte sie am rothen Gürtel ihres Röckchens, hob sie in die abgeschiedenen Erdenwinkel vernommen hatte, so war Miou j Hand fallen, fing fie mit der andern wieder auf, erfaßte der grnßen Behe ärgerte und nedte, bort unten, weit weg hier sehr glüdlich; für sie gab es keine anderen Freuden, fie aber nicht am Gürtel, sondern am rechten Fuße, schwenkte als mit den Lämmern zu spielen und die Vögel fliegen zu fie drei bis viermal in der Luft herum und setzte sie dann leben. Was ahnte fie von Puppen, Reifen- oder Feder auf die Steinfliesen nieder. Miou floh entsegt, erschreckt Schmudes hatten sie nicht verblendet; fie fab sich in Ge ballspiel! Da sie nicht lesen fonnte wer hätte seine so träumte fie laffen zu ihrer Tante:„ Also abgemacht. Sie ist jung, Hembe uud barfüßig und bewahrte, ohne daß sie die Hirten Beit damit an fie verschwenden wollen! in die fernste Ede; der schreckliche Aber Miou sann immer nur an ihre Heerde auf der von hier, im Schatten der Kaftanienbäume. Der Glanz und die Bracht der seidenen Kleider, der Flitter und des banken immer wieder in ihrem rothen Rattunröckchen, in grobem Anfichten abzubringen, doch vergeblich aufgewandt wäre. Aber eine persönliche Bemerkung, die ich Nack Schluß der Debatte am 16. d. M. gemacht, hat den Herrn Reichskanzler zu einer Zuschrift veranlaßt, die mir die Angabe unterlegt, als wenn ich behauptet hätte, daß in den Ausführungen, die Fürst Bismarck am 14. d. M. gemacht, und die stch auf meine Landsleute be- ziehen,„der entgegenstehende Text nachträglich geändert sei". Diese mir zur Last gelegte Behauptung habe ich nicht auf» gestellt, ich kann deshalb für dieselbe keine Verantwortung über« nehmen und muß die Zumuthung ablehnen, als wenn ich hier eine unrichtige Angabe gemacht hätte. Staatssekretär v- Boetticher- Ich kann mich ja im Allgemeinen mit der Erklärung des Herrn Vorredners bc friedigt erklaren und den Gegenstand, den er besprochen hat, für ad- geschlossen erachten. Er hat stch indessen im Eingang seiner heutigen Erklärung wiederum in einem Jrrthum bewegt. Er sagte, der Herr Reichskanzler habe ihm gegen- über behauptet, er seinerseits habe die Behauptung aufgestellt, daß das Stenogramm des Herrn Reichskanzlers über die betreffende Rede konigirt sei, und der Herr Abgeordnete hat heute stch gegen diesen Vorwurf ver- verwahrt und bestritten, daß er eine solche Behauptung aufge- stellt habe. Nun aber lautet seine Erklärung in jener persön« liehen Bemerkung wörtlick folgendermaßen:„Ich glaube auch, den Ausdruck, den ich zitirt habe, von dem Herrn Reichskanzler wörtlich so gehört zu haben, wie ich ihn zitirt habe, und ich bin überzeugt, wenn ich das Mutterstenogramm der Rede des Herrn Reichskanzlers erhalten könnte,— was ich nicht erhalten konnte—, daß ich den Nachweis dafür erbringen könnte, daß ich wörtlich richtig zitirt habe." Deutlicher kann man doch den Vorwurf einer Korrektur wohl kaum erheben, und insofern be- Haupte ich nicht mit Unrecht, daß der Herr Abgeordnete stch heute beim Eingang seiner Ausführung wiederum in einem Jrrthume befunden bat. Abg. v. Jazdzewki: Ich kann nicht zugestehen, daß ich mich im Jrrthum befunden habe, denn die Angabe, welche in dem Schreiben des Herrn Reichskanzlers enthalten ist, ist nicht meine Behauptung, sondern lediglich eine Deduktion aus meiner subjektiven Meinungsäußerung, die der Herr Staats- sekretär vorgelesen, eine Deduktion, die nicht die einzig mög- liche ist; und ich habe mich dagegen verwahrt, daß ich in meiner persönlichen Bemerkung die mir zur Last gelegte Be- hauptung aufgestellt habe. Abg. Grad: Der Abg. Virchow hat neulich sein Er- staunen darüber ausgesprochen, daß gerade Vertreter des Elsaß die Kolonialpolitik unterstützen, da doch die Anfiedelung der Elsäffer in Algerien zu jämmerlichen Erfahrungen geführt haben soll. Nun, ick kenne die algerischen Zustände au« eigener Anscbauung und habe diese Kolonie besonders in Hinficht auf die Bedingungen der Anstedelungen meiner LandSleutc auS dem Elsaß in allen Theilm wrederholt bereist. Nach den letzten Volkszählungen ist die Zahl der Europärer in Algerien von 357,179 im Jabrc 1876 auf 423,381 im Jahre 1881 gestiegen, also um 66,702 Personen, das heißt um 15 pCt., darunter etwa 7000 Deusche und Schweizer. Daß das Klima dort unsern Anfiedlern nicht ungünstig ist, beweist das Ueber- wiegen der Gebarten über die Sterbefälle bei den Kolonisten, auch bei den Elsäffern. In Hinficht auf die Förderung der Kustur, der Ausbreitung christlicher Einflüsse in wilden Gebieten möchte ick den Abgeordneten Windthorst bitten, die Vertreter des deutschen katholischen Adels, die Nach- kommen jener Ritter, welche zur Zeil der Kreuzzüge für die Sacke des Christenthums so viele Opfer gebracht, aufzufordem, durch Förderung der projektirten Verbindungen mit weit ent- fernten heidnischen Gegenden an dem religiösen Interesse in der Menschheit mitzuwirken. Im Interesse des allgemeinen Fortschritts der Kultur sowie der Beförderung des deutschen Handels bitte ich Sie, die Subvention für unsere Postdampf- Verbindungen zu bewilligen.(Beifall.) Abg. Dr. Bamberger: Als das auffallendste und de- herzigenswertheste Ergedniß der fünftägigen Dentten in der zweiten Lesung trat mir daS entgegen, daß die Meinungen beinahe gleich gespalten waren, und mit den kleinsten Majoritäten über einen großen Wendepunkt in unserem ge- sammten wirthschastlichen Leben entschieden wurde. Von den verbündeten Regierungen und namentlich von dem Herrn Reichskanzler wurde auch der Nachdruck nicht sowohl auf die einzelnen Beschlüsse an stch, sondern auf ihre symbolische Be- deutung als ein Zeugniß dafür gelegt, daß der Reichstag mit dem nunmehr inaugurirten System des Vorgehens in über- seetschen Dingen einverstanden sei und ihm die unentbehrliche Stütze biete. Der Herr Reichskanzler hat damit durchaus recht, nur wird sein eigentlicher Zweck durch Entscheidungen mit so schwachen Mehrheiten nicht erreicht, und er gewinnt den imposanten Stützpunkt, dessen er bedarf, nicht, wenn fie fich bei der dritten Lesung wiederholen. Nur die ostafiatische Linie würde Ausficht haben, von einer Majorität an- genommen zu werden, von der jener moralische Effekt ausgehen würde, an dem dem Hrn. Reichskanzler vor- zugsweise liegt. Ich bin erstaunt, daß die Herren von der sozialdemokratiichen Partei für die Subvention ein- getreten find, indem fie ausführten: wenn mit Hilfe einer Subvention der Export gesöidert wird, so heben wir da- durch die deutsche Arbeit. Ja, wir heben die deutsche Arbeit, aber wir brandschatzen fie auch. Denn schließlich wird doch die Subvention nur von den Steuerzahlern bezahlt, und da die Sozialdemokraten doch gewiß nicht der Anficht find, daß die reichen Leute allein die Steuern bezahlen, so müßten fie fich doch eingestehen, daß fie nur mit dem Resultate ihrer eigenen Arbeit stch wieder künftige Arbeit schaffen. Noch besser, als die 2'/t Millionen zu Ausfuhrprämien zu verwenden, wäre, jedes Jahr diese Summe in den Juliusthurm zu legen und von Zeit zu Zeit, wenn die Industrie Noth leidet, das Geld an dieselbe zu vertheilen. Da wären wir wenigstens ficher, daß daS Geld im Lande bleibt, wie man fich ausdrückt, daß eS nur die Hand wechselt, nicht ins Waffer geworfen wird. ES wird uns nun von den Gönnern der Vorlage der Vorwurf gemacht, daß wir dabei allzu philiströs den Nutzen und Schaden berechneten. Wo es fich um kommerzielle Unternehmungen handelt, spielt daS Rechnen allerdings keine untergeordnete Rolle, und die- jenigen Unternehmer, welche, ohne zu rechnen, etwa mit bloßer Jntuttion und Begeisterung an die Sache gehen, find das Holz, auS denen man die Bankerottem« zu schneiden pflegt. Trotzdem gebe ich zu, daß man nicht Alles ausrechnen kann und nament- lich in der vorliegenden Frage die Rentabilität von Niemandem zu berechnen ist. Indessen, wenn ich einen Felvzug erst wagen und dann wägen wollte, würden Sie mir dazu gewiß kein Vertrauen schenken. Ebenso wenig ist hier der Vorwurf ange- zeigt, daß wir zu pedantisch kalkutiren. Ich wüßte nicht, auf welche Erfahrungen die Freunde der Vorlage fich berufen könnten. Es find lediglich Lesefrüchte, allgemeine Behaup- tungen, die fie vorbringen. Soll es uns imponiren, was die sehr geehrten, sehr verständigen, sehr gewissenhaften Herren von der Gegenseite, die aber niemals mit solchen überseeischen Unternehmungen auch nur von ferne zu thun gehabt haben, allgemein zum Besten geben? Entschuldigen Sie, daß ich da- gegen hier ein entschiedenes Mißtrauen habe. Es ist be- zeichnend, daß die zwei kompetentesten Männer in dieser Sache, auf die stch die Gönner der Sache am meisten stützen, fich weniger schwärmerisch ausdrücken als die Landwirthe und Advo« katen oder Richter von der rechten Seite deS Hauses. Der Abg. Meier begeistert fich für die Sache mehr als Rheder, selbst die Schifffahrt steht ihm in zweiter Linie; und der Abg. Woermann schwärmt am wenigsten für die Linie, die ihm am meisten bekannt ist, die afrikanische. Nicht meine fach- liche Prüfung hat etwas Philiströses, sondern ein großer Theil der Bewegung draußen im Lande ist philisttöS; wir haben da den wild gewordenen Philister, und ich nehme das Wort von der Schützenfeststimmung nicht zurück. Es ist die leicht und schnell fertige Begeisterung, die Selbstgefälligkeit, die Großthuerei mit Dingen, die noch lange nicht fertig find, die stolz darauf ist und der Begeisterung die Zügel schießen läßf. Gerade so steht es mit dem Vorwurf, daß ich kein Herz für überseeische Entwickelung habe und der Kolonialpolitik noch skeptischer gegenüberstehe, als die meisten meiner Fraktions« genoffen. Ich habe, als 1879 die Frage nur ganz beiläufig be- rührt wurde, meine Stellung zur Sache charakterifirt. Acker« baukolonien können wir jetzt nicht machen, dafür haben wir kein Land, und Handelskolonien zu gründen, halte ich für einen Anachronismus. Der Handel wird am besten gefördert durch das System der Gleichberechtigung, das feierlich bestätigt ist durch die Thätigkeit des Reichskanzlers bei der Lösung der Kongo-Frage Die Art, wie man fich jetzt in Deutschland für Kolonien begeistirt, flößt mir kein besonderes Vertrauen ein; fie trägt einen wesentlich doktrinären Charakter. Man thut jetzt immer so, als ob eS immer für ausgemacht gegolten habe, daß wir Kolonien erwerben müssen. DaS ist gar nicht der Fall. Man beruft fich zwar auf Poschers Buch über Kolonien, daS jüngst von einem jungen Gelehrten, dem ich kein Mißtrauensvotum geben will, in neuer Auflage heraus- gegeben ist. Aber pe-ale Poscheis Buch hat mir in Bezug auf Kolonialpolitik viele Zweifel tn die Seele gesenkt. Wenn wir jetzt Kolonien gründen wollen mit Vereinen, die ihren Mit- gliedern 10, 20, 50 M Beitrag auferlegen und uns glauben machen, wir würden England und seine Kolonien und Amerika aus dem Sattel heben, so frage ich: waren die alten Kolonien- gründer Männer, die im Auftrage«ineS Vereins mit regelmäßigen Versammlungen und Festessen hinausgegangen find um Kolonien zu münden? So werden die Dinge doch nickt gemacht- Selbst Australien ist aus Zufällen, auS einer Straf« kolonie, entstanden und es hat langer Zeit bedurft, die eS fich zu der Höhe erhob, die wir an dieser Kolonie bewundern. Wenn ich den Sturm sehe, der stch gegen Jeden erhebt, der nicht mit allen Kräften für unsere kolonialpolitischen Bestrcbun- gen eintritt, so erhalte ich den Eindruck, als od ein großer Theil jener Bestrebungen aus den Gymnafien rc., der Lektüre stammt. ES ist hier wiederholt gesagt und es ist ein Axiom derjenigen, die fich mit Kolonialpolitik beschäftigen, daß wie für den Krieg für die Kolonim Geld und wieder Geld erforderlich sei und daß vielleicht Jahrzehnte hindurch große Ansprüche an das deutsche Kapital gemacht werden müßten, che die Kolonien, die jetzt so f.öhlich unter der neu auf« gehißten Flagge begründet werden» etwaS nach Deutschland zurückschicken. Dir Reichskanzler äußert« fich als er uns zuerst seine Ideen über Kolonialpolitik exoonirte, sehr anerkennend über den Unternehmer, den er zuerst durch Zusage eines SchutzbriefS ermuntert habe. Ich habe an dieser Anerkennung nichts auszusetzen. Nack Allem, was ich gehört, ist Herr Lüdcritz ein achtungSwerther Mann, aber ich glaube, der Herr Reichskanzler würde fich überlegt haben, für die Sache Partei zu ergreifen, wenn Herr Lüderitz ihm damals schon ge- sagt hätte, er gebrauche mehr als eine Million, um seine Sache flott zu machen. Ich wundere mich über die Summe nicht, denn ich weiß aus Erfahrung, was Bergwerksunternehmungen kosten. Bergwerke find Lotterien und gar ein Bergwerk in einer Kolonie, das ist eine Lotterie in der Lotterie. Die große« Finanziers, die daS Ludmxland flott machen wollen, bringen Opfer, fie glauben vielleicht den Dank des Vaterlandes zu ver« dienen. Ich wünsche ihnen alles Glück, bin aber auch über« zeugt, daß fie noch viel Geld zuschießen müssen, bis fie zu dem Punkt gelangen, wo die ausgestreute Saat Früchte bringen wird. Ich komme daher zu dem Schlüsse, daß nach reiflicher Ueberlegung der Reichstag dazu kommen wird, den Weg zu wählen, den der Herr Reichskanzler in der zwetten Lesung vorgezeichnet hat und mit der fich Alle im Prinzip einverstanden «ikläii haben: daß man die Linien für Austraten und Afrika streicht, so daß nur die ostafiatische Linie üarig bleib!(Redner verliest die betreffend« Stelle aus der Rede deS Reichskanzlers). Sie werden auS diesen Worten entnehmen, daß auch nach der Anficht deS Herrn Reichskanzlers etwas dafür spricht, daß Klugheit und Votficht gebietet, vorerst die australische Linie fallen zu lassen. Wenn Sie mit mir einverstanden find, daß in diesen Dingen Vorficht nicht vom Ucbel ist, so werden Sie fich dem Antrage anschließen, diesen bedächtigen Weg zu gehen und die australische Linie heute wieder zu beseittgen. (Beifall links.) Abg. v- Helldorff: Meine Freunde werden für die Beschlüsse ver zweiten Lesung stimmen. Einer näheren Be- gründung bedatf es dafür heute nicht mehr; und auch wenn ich den Abg. Bamberger widerlegen wollte, könnte ich nur wiederholen, was ich schon in der zweiten Lesung gesagt habe. Es handelt fich hier um große nationale Fragen, die nicht von den kleinen Gestchtspunkten aus, die der Abg. Äamberger vor- trug, richtig beurtheilt werden können. England trotz seiner kolossalen Hilfsmittel überläßt die Entwickelung seines auswär« tigen Handels nicht der bloßen Privalthätigkeit, sondern zahlt große Dampfersubventionen; ebenso Frankreich; und wenn in Frankreich jetzt eine wirthschaftliche Krists herrscht, so ist fie nicht die Folge der ftanzöfischen Kolonialpolittl, sot> dem innerer Wirren. Diese mit unserer Kolonialpolttik in engstem Zusammenhang stehende Vorlage will unserem w-rth« schaftlichen Lehen auch nach außen hin einen nationalen Boden fichern, wie es nöthig ist, wenn wir unsere politische Macht und utisere nationale Einheit würdig vertreten und für die Zukunft jedem Wechsel der Weltlage gegenüber behaupten wollen. Diese unsere Politik wird von der großen Mehrhest der Nation und des Hauses getragen. Wenn wir die Wieder« Herstellung der afrikanischen Linie nicht beantragt haben, so ist das nur aus Gründen der augenblicklichen Opportunttät ge« schehen und nicht etwa, weil wir die Linie nicht wollen. Im Gegentheil hoffen wir, daß das Werk, zu dem mit dm Bc- schlüffen der zweiten Lesung der Grund gelegt ist, auch in Zukunft energisch weitergeföroert wird(Beifall rechts.) Damit schließt die Generaldiskusston. § 1 lautet nach den Beschlüssen zweiter Lesung: § 1. Der Reichskanzler wird ermächtigt, die Einrichtung und Unterhaltung von regelmäßigm Postdampfschiffsverdin« düngen zwischen Deutschland einerseits und Ostafien sowle Australien anderetseitS, auf eine Dauer bis zu fünfzehn Jahren an geeignete deutsche Unternehmer auf dem Wege der enget«» Submission einzeln oder zusammen zu übertragen und in dm hierüber abzuschließenden Verträgen Bethilfen bis zum Höchst« betrage von jährlich vier Millionen Mark aus ÄcichsmittelN zu dewilligen. Vom Abg. Richter ist beantragt, im§ 1 die Worte „sowie Australien" zu streichen, eventuell statt„sowie Australien" zu setzen„sowie Festland Australiens" und die Summe der jährlichm Subvention auf 3 750000 Mark zu be« messen. Dietz und Gen. wollen prinzipaltter nur die Linie nach dem Festlande von Australien und beantragen für den Fall der Ablehnung ihits Prinzipalantrages die Streichung der australi« schen Linie überhaupt. Abg. Virchow: Der Abg. Grad hat meine Aus« fühmngen über Algier bemängell, und auch der Reichskanzler hat neulich gegm mich geltend gemacht, daß wir alle doch die klimatischen Verhältnisse der Kolovim nicht auS eigener Er» fahrung kennten, sondern fie nur nach gewissen Mittheilungen beurtheiltm. Diese Mittherlungen find aber doch tn rbtem Werthe nicht vollkommen gleich; den relativ größten Werth muß man aber doch den statistischen Ermittelungen beilegen, die unS die MortalitätSvcrhältniffe zahlenmäßig darstellm- Diese Frage läßt fich nur durch eine sehr langsame allmältge Erziehung der Eingeborenm zur Arbett, nicht durch eine zu schnelle überhastete Entwickelung der neuen Unternehmungen lösen. Sonst möchte fich in den in Frage kommmden Ge« bietm lediglich eine neue Form des Sklavenhandels entwickeln- Ohne Samoa hat übrigens die australische Linie gar keinen Werth: wer also Samoa auischlitßen will, sollte die ganze australische Linie ablehnen.(Beifall links.) Abg. Woermann: Der Abg. Bamberger hat eS für richtiger erklärt, die 2'/, Millionen für Australien an die deutsche Industrie zu vertheilen als damit eine Dampfnlinie zu gründen. DaS würde aber eine unproduktive Anlage sein- Wenn Dampfschiffe gebaut werden, so finden dabei tausende von Arbettern Beschäftigung, später auf den Sckiffm selb? hunderte von Matrosen. Auch versteh» ich nicht, wie die Sud« vention nur dazu dienen soll, die Passagiere besser zu verpflegm. Daß der Norden und die Seestädte für die Vorlage weniger begeistert find, liegt an der ruhigerm Natur der Norddeutschm, die nicht so übersprudelt wie die unserer südlichen Mitbürger; aber speziell in Hamburg weiß man sehr wohl zu beurtheilen. welche Vorthefle für die Nation und für die Bevölkerung die neuen Dampferlinien bringen. Der sozialdemokratische Antrag zeigt, daß die Kolonialpolitik das Hinderniß bildet, welche» die Herren von der Zweiglinie nach Samoa zurückhält. Abg. R i n t e l e n bestreitet gegenüber dem Vorredner, daß die Mittel vorhanden seien, um eine kostspielige Kolonialpolittl zu treiben. Der Geh. Rath Reuleaux M neulich darauf hin« gewiesen, daß die australische und oitastatische Linie mit ein« ander durch die gemeinschaftliche Linie Trieft- Alexandrien in engem Zusammenhang ständen. Für mich genügt dieser Zu« sammenhang nicht, um für die australische Linie zu stimmen- Die von Herrn Reuleaux selbst angeführten statistischen An- gaben über die immense Zunahme deS VerkehS mit Austrelren beweisen lediglich, daß die Rheverei auch ohne Reichssuboention im Stande ist, Linien nach Australien zu begründen. Nicht well ich diese Dampferlinie selbst für unnöthig Halle, sonder« vielmehr weil die Ähederel auS eigener Kraft der Aufgab* völlig gewachsen, und weil die Reichssuboention vom liebet ist, wtrve ich auch heute gegen die australische Linie stimmen- Damit schließt die SpezialdiSkusfion.. In der Abstimmung wird zuerst der Antrag Richter, Die australische Linie auf das Festland zu beschränken(d. h.*** legenden kannte, in ihrem Koffer die einstigen Habseligkeiten eben dem Prunke der Zirkuskostüme. Während deS kühnen Sprunge« von einem Trapez um andern, in jener halsbrecherischen Minute, wo die ge« ingste Zerstrtutheit wenn nicht den Tod, doch ein ge« rochen«» Glied bringen kann— in jener Minute gedachte ie der Sprünge ihrer weißen Thier« bergab auf dem Heimwege; sie gedachte des kleinsten Lamme« und wie groß s schon sein müffe, da sie so lange, lange schon ort sei! Kehrte sie dann nach dreifachem Hervor- ufen in die Koulissen oder in den Pferdestall zu« ück, so barg fie daS Gesicht in ihre Hände,»einte titterlich und verdarb mit den vielen Thränen fast ihr chöne« neue» Kleid. Nur eine Hoffnung hielt sie aufrecht. Zwei Jahr«— aber zwei Jahre sind so lang, so lang, und »och, sie vergehen einmal, sie sind nicht da» ganze Leben. ver Kontrakt band fie nur auf zwei Jahr«, dann wurde sie rei; mit welcher Ungeduld erwartete sie die Stunde der krlösung! Monateschaanden. Reisen, Gefahren, Triumphe; sie zählte >ie Wochen, die Tage I Wie lang ihr die Zeit wurde I Und >och weinte sie nicht mehr,»ein, sie war beinahe heller. stach ihrer Rechnung nahte die Zeit, wo sie zu ihren Schafen heimkehren konnte: einmal kommt Alle», auch da» Mck! „Mein Herr/ sagte fie eine» Abend« zu dem Zirku»« nrektor, al» fie eben ihre Kunststücke beginnen sollte,„nicht oahr, morgen kann ich nach Hause zurückkehren?" Der Mann lachte laut auf. „Nicht übel!" sagte er.„Ich habe den Kontrakt auf uns Jahre mit Deinen Verwandten erneuert; Du gehörsi nrr noch so lange." Da» war ein Schlag! E» schien etwa» in ihrem Her- en zu reißen; e» war ihr, al» müsse sie sterben. Man tieß sie in den Zirkus hinau»; sie mußte arbeiten. Ganz mechanisch— wie betrunken— in einem Zu« tunde, da man nicht mehr weiß, wo» man thut, rgriss sie den Strick und schwang sich empor. War e» »enn möglich? Fünf Jahre, noch fünf Jahre! Sie setzte sich luf da« Trapez, sie schwang sich hin und her, aber sie war vie gerstesabwesend. So viele Jahre I Ebenso gut konnte van zeitlebens sagen. So würde fie nie mehr ihre Schafe unter den Bäumen wiedersehen und der Hund würde bi» dahin sterben. Und zwischendurch schwang sie sich unter frenetischem Beifallssturm von Trapez zu Trapez. O, wie fie diesen Beifall verfluchte! Wäre fie nicht so geschmeidig und so kühn gewesen, so hätte man sie entlassen. Die ungeschickte» Leute sind gut daran, die ver- krüppelten noch besser, man kann sie nicht zu Kunststücken zwingen. Der Augenblick war da, wo man fie in die Kanon« steckte. Sie kroch bi« an'» äußerste Ende ttef hinein. Wie gewöhnlich, schwieg die Musik bi» zum letzten, gefährlichsten Momente und in diesem Stillschweigen wob die Kleine an ihrem Gedankengange weiter:„O ja, verstümmelt, ein Krüppel, hinkend oder mit gebrochenem Bein, da« wäre ein Glücksfall!" Der Knall erfolgte. Herausgeschleudert, durchschnitt MißCarlino die Luft.„Ver- krüppelt— verkrüppelt!" sprach fie noch einmal zu fich selbst. Da» Trapez hing dicht vor ihr. sie konnte eS gut erreichen, e» war ganz nahe-- sie faßte nicht danach, sondern stürzte mit lautem Auffall auf einige Treppenstufen nieder, mitten in die entsetzten und schreienden Zuschauer hinein. in. Monate sind vergangen. DaS Ränzel auf dem Rücken kommt ein Wanderer, vielleicht ein Maler, vielleicht ein Poet, oben auf einem Plateau an, da» weit abseit» von Eisenbahnen und Städten liegt und auf dessen safti- gem Wiesenabhange ein Mädchen eine Heerde Schafe im Schatten dichtbelaubter Kastanienbäume hütet. Sie fitzt unter einem Baume, neben ihr liegt ein struppiger, gelb« licher Hund, der, mit der Schnauze auf seinen Pfoten, fest schläft. Sie betrachtet ihre Thiere'.und lächelt selig' der Wanderer betrachtet sie lange, denn sie sieht reizend au« in ihrem stillen Glück Da auf einmal entsteht ein großer Aufruhr unter den Schafen und Lämmern; alle blöckten, als ob sie vor Vergnügen lacht n wollten; die kleine Schäferin aber erhob fich, lief froh mitten in die Heerde hinein und sprang seelenvergnügt mit ihnen um die Wette. Da» Wunderbarste an ihrer Lustigkeit aber war, daß sie unter einem ihrer Arme eine kleine Krücke trug, die sie jedoch gar nicht bei ihren Sprüngen zu stören schien. tom für Clich an Die afs mach fich Erte, urch efer ört, be, ache ge ache cht, gen in Ben gen Der bers Dem gent cher Beg ung Den crta oner rs). ber daß inie daß Sie zu gen. die Be enn nur abe. Dor iner värs Dern und icht, fon in rth Den acht Die pten Cheit Ders wift ges Im Be in Eung bin wie gren eren Den chft tteln Sorte owie Die benach Der cali lughat Die Er ngen rem Serth gen, llen. ilige zu ngen Be teln. rth; liſche für Die linie fein. ende elbft Subs gen. niger chen, rger; len, Die itrag Die baß olitil bin ein in Bus men. An alien tion Nicht Dern gabe Tebel men Die .bie Zweiglinie nach Samoa abzulehnen) mit 163 gegen 155 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmen die Deutschfreifinnigen, die Volkspartei, Sozialdemokraten, Bolen und der größere Theil des Zentrums. Gegen den Antrag stimmten bie beiden konservativen Fraktionen, die Nationalliberalen, Elfäffer, vom Zentrum die Abgeordneten v. Landsberg, Letocha, hige, v. Buol, Graf Adelmann, Pfafferott, Roßhirt, Stößel, Limborn und die beiden Welfen Langwerth v. Simmern und v. Wangenheim( Eldenburg.). Der Prinzipalantrag Richter, die( in zweiter Lesung mit 170 gegen 159 Stimmen angenommene) australische Linte nicht zu bewilligen, wird mit 166 gegen 152 Stimmen ebenfalls abgelehnt. Die Stellung der Parteien ist bei dieser Abftimmung dieselbe, wie bei der vorigen. § 1 wird darauf unverändert nach den Beschlüssen der weiten Lesung mit den Stimmen der Deutschkonservativen, der Reichspartei, Nationalliberalen und eines Theiles des Bentrums angenommen. liche Sicherheit laffe fich wohl weniger auf den Kulturkampf, als auf die Verdoppelung der Bevölkerung und das Busammen strömen fragwürdiger Elemente aus aller Herren Länder zurückführen. Gegen die um fich greifende Bedrohung des Lebens unserer Mitbürger, nicht bloß mit Dolch und Revolver, sondern auch auch mit selbstgefertigten, höchft gefährlichen Waffen, z. B. sogenannten Hampelmännern( die aus einem Ende Gummischlauch bestehen, in welchem eine Schraubenmutter eingefügt ift) müffe die schärfste Anwendung unserer Strafgeseze statt finden.( Beifall.) Die Vorlage wird darauf mit dem Amendement v. Schor lemer mit großer Mehrheit definitiv genehmigt. Schluß 124 Uhr. Nächste Sigung Dienstag 10 Uhr. ( Dritte Lesung der eben verhandelten Vorlage, Gefeßentwurf betr. die Weichselüberschwemmungen, Kommunalsteuernoth gefeß.) Kommunales. Aus den Stadtverordnetenvorlagen. Der Magiftrat theilt den Stadtverordneten u. A. folgendes mit: Das König liche Eisenbahn- Betriebsamt Stadt- und Ringbahnwelchem der Betrieb auf den der hieftigen Stadtgemeinde gehörigen Geleisanlagen des städtischen Zentral- Vichhofs unterstellt ist, hat uns wiederholt seit Jahren um die Herstel. § 1a lautete nach den Beschlüssen zweiter Lesung: Der Reichskansler wird ferner ermächtigt, zum Anschluß en die Hauptlinien die Einrichtung und Unterhaltung einer Bweiglinie von Triest über Brindift nach Alexandrien auf eine Dauer bis zu fünfzehn Jahren an geeignete deutsche Unternehmer auf dem Wege der engeren Submission zu übertragen und in den hierüber abzuschließenden Verträgen eine Beihilfe bis zum Höchstbetrage von jährlich zweihunderttausend Markung von Dienstwohnungen für den Stationsvor aus Reichsmitteln zu bewilligen." Auf Antrag der Abgg. Graf Behr und Hammacher wird die Summe von 200 000 M. auf 400 000 Mt. erhöht. Ein Antrag Diet( Samburg), in den Anlagen zu bes stimmen, daß die Dampfer, außer auf deutschen Werften auch, soweit angängig, aus deutschem Material gebaut sein müssen und daß nach Ablauf des ersten Jahres nur neue Schiffe ein gestellt werden dürfen, wird mit großer Majorität abgelehnt. Die Anlagen werden, abgesehen von geringen in Ronsequenz der bisher gefaßten Beschlüsse nothwendig gewordenen redak tionellen Henderungen, wie in der zweiten Lesung bewilligt, ebenso die SS 2 und 3 der Vorlage. Bei der sofort hierauf folgenden Abstimmung über das Gefeß im Ganzen wird dasselbe mit erheblicher Ma ajorität gegen die Stimmen der Freifinnigen, Vollspartei, Sozialdemokraten, Bolen und des fleineren Theils des Bentrums, unter lebhaftem Beifall der Konservativen und Nationalliberalen, angenommen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sigung Dienstag 12 Uhr. ( Aleinere Borlegen und Bolltarif.) Abgeoronetenhaus. 48. Sizung vom 23. März, 10 Uhr. Am Ministertische: von Putttamer, Maybach, Lucius, Friedberg, von Goßler, von Schola und Kommiffarien. Eingegangen ist der Gesetzentwurf, betreffend die Be willigung von Staatsmitteln zur Beseitigung der durch das dochwaffer der Weichsel herbeigeführten Verheerungen; ferner hat der Abg. Megner einen Gesezentwurf zur Ergänzung und Abänderung des Gewerbesteuergesetes Don 1820 eingebracht. Vor der Tagesordnung ergreift " steher, einen Stationsassistenten und einen Rangirmeister, welche auf dem Bahnhof Bentral Viehhof" stationirt find, ersucht und dabei bemerkt, daß die Nothwendig teit eines solchen Arrangements, durch welches den betreffenden Beamten ihre schwierige und verantwortliche dienstliche Thätig feit wesentlich erleichtert und gleichzeitig das dienst. liche Interesse sehr gefördert werden würde, würde, diesseits wohl zweifellos anerkannt werden müsse. Auch müffe darauf hingewiesen werden, daß es ein seitens des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten ausgesprochener Grundsatz sei, denjenigen Beamten, welche im Eisenbahnbetriebe verwendet wer den, wenn irgend möglich, Wohnungen an dem Orte ihrer Thätigkeit zu schaffen. Es táme in der Eisenbahnverwaltung sonst wohl auch kaum vor, daß die Stationsvorsteher nebst einigen anderen Beamten des äußeren Dienstes nicht auf dem Bahnhof selbst( und zwar auf einem Bahnhof von der Be deutung des Zentral Viehhofs) Wohnung hat. Nach An ordnung des Kuratoriums des städtischen Bentral- Vichhofs fönnen wir uns gegen die gestellte Forderung nicht ablehnend verhalten und haben im Einverständniß $ mit unserer Bau- Deputation und der Bahnverwaltung beschloffen, zu dem in Nede stehenden Zwed eine Erweiterung des sogenannten fleinen Beamtenwohnhauses am Bentral Schlachthof durch einen Anbau vorzunehmen, wodurch gleichzeitig dem längst gefühlten, von der Stadtverordneten- Verfammlung bei Gelegenheit der Bewilligung des Wohnungsgeldzuschusses für den Fourageverwalter bereits anerkannten Bedürfniß, auch noch einigen Viehhofsbeamten und namentlich dem Fourage Inspektor Dienstwohnungen auf dem Viehhofs- Etablissement zu gewähren, abgeholfen werden würde. Abgesehen davon, daß es nicht rathjam ist, gerechtfertigten Anträgen der EisenbahnBetriebsverwaltung lediglich aus Ersparnißrücksichten nicht zuzustimmen, fönnen leicht im Bahnbetriebe, namentlich während Der Nachtstunden an denjenigen Wochentagen, an welchen Züge in größerer Bahl eintreffen, Fälle vorkommen, welche bei der Nichtbe willigung der zur Herstellung von Dienstwohnungen erforderlichen Mittel Veranlaffung zu der Stadtgemeinde nachtheiligen Folgen und mit Rücksicht auf die Vertragsbestimmungen zuEntschädigungs. forderungen geben fönnen." Der Magistrat verlangt daher 77,400 Mart zur Herstellung von Dienstwohnungen auf dem Im Etatausschuß der Stadtverordneten war die Frage an geregt worden, ob nicht eine Vermehrung der Freis stellen an den städtisch en höberen Lehranstal ten und zwar von 8 refp. 10, auf 10 resp. 12 pet. ins Auge gefaßt werden solle. Der Ausschuß konnte nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß ein Bedürfniß auf Vermehrung der Freistellen vorliege. Es sei nicht gelungen, die alten vollständig zu vergeben, vielmehr seien noch 5 pCt. derselben unbesetzt geblieben. Minister Maybach das Wort zu folgender Erklärung: Es ist Ihnen aus Bettungsnachrichten bekannt, daß vor einigen Tagen auf der Staatsgrube Camphausen" in Folge einer Explosion fich ein großes Unglück ereignet hat. Von 225 Berg leuten, die eingefahren find, find nur 52 lebendig an das Tageslicht gekommen; die übrigen find bis auf 14, deren Leichen bis gestern nicht gefunden worden find, als Leichen zu Tage gebracht. Es ist das ein Ereigniß, wie es, Gott sei Sentral Schlachthof. Dant, in den Annalen des preußischen Bergbaues nur sehr felten ist. Die Rettungsarbeiten, bei denen seitens der Beamten und Mannschaften mit über alles Lob erhabener Aufopferung verfahren ist und wobei auch der Bevölkerung das Beugniß einer musterhaften Haltung ertheilt werden muß, haben noch nicht zum Abschluß gebracht werden fönnen, weil das Bordringen in der Grube noch mit großer Gefahr verbunden it. Die Grube wird in einigen Wochen wieder in Betrieb ge nommen werden können. Die Ursache des Ereignisses ist noch nicht aufgeklärt werden, weil der Mund der Beugen, die bars über sprechen tönnten, auf ewig geschlossen ist. Wahrscheinlich war es ein unglücklicher Sprengschuß oder Unvorsichtigkeit, belche in Folge des Zutrittes von Koblenstaub ganz ungeahnte Dimenfionen angenommen hat. Ich bemerke, daß gerade der Roblenstaub ein& der gefährlichsten Dinge ist in Bezug auf Die Erzeugung und Fortfezuug von Exploftonen. Was nun die Hinterbliebenen der Opfer dieses Ereignisses angeht, so ist Die Staatsregierung der Meinung, daß, abgesehen von den enigen Leistungen, welche nach der bestehenden Gesetzgebung der Knappschaftstlane zufallen. und denjenigen Spenden, welche etwa mildthätige Herzen gewähren möchten, auch von Staatsbegen- und das entspricht auch dem landesväterlichen Sinne St. Majestät für die Hinterbliebenen Sorge getragen wer en müsse( Beifall), und zwar nicht bloß vorübergehend, sondern Das tönigliche Polizeipräsidium hat sich jetzt über den Dauernd. Es find bereits die nothwendigen Einleitungen ge Entwurf des Regulatios für die Untersuchung des hier toffen, um auch fortdauernd die Fürsorge auf festen Boden eingeführten Fleisches der außerhalb ge. ftellen. Wir haben ja, Gott sei Dank, an dem schlachteten Thiere dem Magiftrat gegenüber geäußert. Unfallversicherungsgeset Direktiven, gewiffe mie wir Dem Vernehmen nach wird dem Entwurf des Kuratoriums des werden zu behandeln haben. Genug es Bentral- Vichhofes fast überall beigestimmt, es werden nur we für die ist freilich Hammel nur in ganzen Thieren eingeführt werden. Voraussichtlich 5. Die Frage -Der Magistrat scheint sich bisweilen recht viel Zeit in seinen Arbeiten a nehmen. Einige Gutachten über die Heizanlagen des Leibnisgymnasiums, über welche die Stadtverordneten gern Bericht haben möchten, liegen schon seit mehreren Monaten im Rathhaus zur Prüfung. Die Magistratsfommiffarien waren auch nicht in der Lage, im Etats ausschuß eine bestimmte Auskunft zu geben, und da die Besorgniß vorliegt, daß bei längerer Verzögerung auch der kommende Sommer verstreicht, ohne daß die durchaus nothwendige Abhilfe geschaffen wird, ersucht der Ausschuß den Magistrat, ihm nunmehr unverzüglich mitzutheilen, welches Resultat die vorgenommene Untersuchung gehabt hat und welche Schritte der Magistrat zur Abstellung der in den Heizungsanlagen vors handenen Uebelstände zu thun gedenkt. it die Aufgabe des Staates, die Fürsorge zu übernehmen. Sollten die zur Verfügung stes recht erheblich. Es sollen Rinder nur in Viertel, Kälber und benden Mittel fich als nicht ausreichend erweisen, so bin ich überzeugt, daß, wenn wir die Mitwirkung des Landtages für werden nunmehr die Verhandlungen zwischen den Behörden weitere Mittel in Anspruch nehmen sollten, die Forderung hier Dollen Antlang finden wird.( Beifall.) Auf Antrag der Geschäftsordnungskommiffion wird be glich des Schreibens des Juftizministers vom 11. März d. J., betreffend die Genehmigung zur Einleitung des Privatklage Derfahrens wegen Beleidigung gegen den Abg. Go15. midt, vom Hause beschloffen, die Genehmigung zur Fort ung des Privatllageverfahrens während der gegenwärtigen Sigungsperiode auf den ausdrücklichen Wunsch des Abgeordn. Boldschmidt zu ertheilen. orlage Es folgt die dritte Berathung der SekundärbahnDarauf wird das Gesez im Einzelnen sowie in der Gefammtabftimmung definitiv genehmigt. In der dritten Lesung des Entwurfs betr. die Versor bald zu Ende geführt werden; der Beginn der Untersuchung des von auswärts eingeführten Fleisches ist freilich vor Eröffnung der Markthallen nicht ausführbar. Lokales. Die Herren unter sich. In Geldsachen hört bekanntlich die Gemüthlichkeit auf, das ist eine alte Sache, an der garnichts zu ,, tippen" ist, Geschäft bleibt eben Geschäft. Es ist ja auch in der That so, wenn irgendwo ein Paar alte Hosen zu vers laufen find, und ein Anreißer tommt dem andern zuvor, so ärgert fich der um eine Nasenlänge zurückgebliebene natürlich. Und ist es schließlich etwas Anderes, wenn der konservative Reichebote" schreibt:" Das Lonservative" Deutsche Tage blatt" bat uns beute die Einladung zum Abonnement auf nach dem Büreau des Stadtausschuffes. Am folgenden Morgen erhielt er zwei dicke portopflichtige Briefe. In dem einen lagen feinsäuberlich die zwei Exemplare seines Gesuches, mit der Aufforderung, fie durch das vorschriftsmäßige dritte zu vervoll ständigen, in dem andern Briefe ein Eremplar mit der Aufforderung, es durch noch zwei Exemplare zu vervollständigen. Der Petent braucht bei dem nahen Termine jede Stunde, um nicht in seinem Erwerbe gestört zu werden und so mechanisch geht man mit seinem Gesuch um. Der Mensch denkt, aber es tommt manchmal anders. Fräulein D. in der Schönebergerstraße wollte am Sonntag einen Maskenball mitmachen und besorgte am Sonnabend Nachmittag diverse Einkäufe von Gegenständen, welche fte zu diesem Hauptvergnügen aller Fräuleins brauchte. Doch mit des Geschickes Mächten u. s. w. Als Fräulein D. nämlich, wahr scheinlich tief in Gedanken versunken, gegen 5 Uhr den Fahre damm vor der Börse überschreiten wollte, wurde sie von dem Pfede eines Bierfuhrwerts umgeworfen und so heftig zur Erde geschleudert, daß fie am Kinn eine nicht unbedeutende Wunde erhielt, welche ihr von einem Heilgehilfen augenäht werden mußte. Mit dem Maskenball war es diesmal nichts. Der Kutscher wurde notirt. g. Einer gewiffen Tragikomit entbehrt jenes bekannte alte Bild gewiß nicht, auf welchem man einen Bauer steht, der feine an einem Eisenbahnschlagbaume erhängte Biege betrauert. Dem Bäuerlein mußte das Warten auf den vorüberfahrenden Eisenbahnzug zu langweilig geworden sein, er band daher seine Biege an den Schlagbaum und trat selbst in ein Wirthshaus. Inzwischen pasfirte das Malheur, der Bug fuhr vorbei, der Schlagbaum ging in die Höhe und die arme Biege hauchte in dieser unwürdigen Weise vorzeitig ihre Seele aus. Ein ähnlicher Unglücksfall, wenn auch nicht mit ganz so tragischem Ausgang paffitte gestern Nachmittag in der Neuen Friedrichstraße mit zwei Pferden. Diese beiden Roffe tamen in die Gefahr, an ihrem Wagen, vor dem fte gespannt waren, aufgehängt zu wer den. Vor dem Bause Neue Friedrichstraße, Ecke der König ftraße, befindet sich nämlich noch ein tiefer Rinnsteinabflußkanal. In diesen fuhr der Kutscher eines mit großen gefüllten Spiri tustonnen beladenen Wagens, wodurch der Wagen umkippte, die Deichselstange hoch in die Luft ragte und die Pferde an den Hälsen emporgeriffen wurden. Mit großer Mühe gelang es, die Kummete von den Hälsen der Pferde zu streifen und diese so von der Gefahr des Gehängtwerdens zu befreien. b. Vor dem Hallischen Thore waren in der vorigen Woche drei Rohrbrüche auf ein Mal zu repariren, einer am Waterloo- Ufer, einer auf dem Blücherplat und einer in der Belle Allianceftraße. Die Rohrbrüche find hier in Bermanenz und die Gegend muß allmälig verpestet werden. Es ist hier entschieden ein Fehler in der Anlage vorhanden, der beseitigt werden muß. Die Kunft der Kartenlegerin. Aus jenem Gewirr von Gaffen und Gäßchen, so schreibt das Kl. J.", welches fich im Often des Alexanderplates erstreckt und von dessen Existenz nur wenige Bewohner von C und W Kenntniß haben, schlüpfte bis vor wenigen Wochen jeden Morgen um eine be ftimmte Stunde eine gar liebliche Mädchengestalt in die nahe Königstraße, um in einem dort gelegenen Wäschegeschäft ihrer Arbeit obzuliegen. Die liebliche Knospe, welche wegen ihres reichen blonden Haares, das in langen Böpfen über die prächtigen Schultern fiel, den Namen„ Goldelse" führte war die einzige Tochter einer Frau F. Thre Sprödigkeit war nicht minder groß, als ihre Schönheit, und fchon mancher feurige Liebhaber beklagte ihre Unnahbarkeit. Da stand eines Abends, als Goldelse ihre Schritte der elter lichen Wohnung zulentte, vor dem Cafe im Hotel Alexander plaß ein junger Mann, deffen sorgfältig gewählte Kleidung den Mann aus der Gesellschaft erlennen ließ. Der Herr Baron tein Pseudobaron verschlang die Gestalt des jungen Mädchens fast mit den Blicken, dann folgte er furz entschloffen der jungen Dame. Als sie sich verfolgt fah, verdoppelte diese ihre Schritte, der Baron durchmaß nicht minder eiligen Fußes die Straßen und schon hatte er eine höfliche Frage auf den Lippen, als ,, Goldelse" plöglich in dem Hauſe ihrer Mutter verschwand. Nun giebt es in Berlin stets Hausbewohner, die für einen in die hand gedrück ten Thaler bereit sind, gefällige Austunft über ihre Nachbarn zu ertheilen. Schon am nächsten Morgen erhielt ,, Goldelse" ein mit einer Freiherrntrone geziertes Billet- dour, in welchem Der Herr Baron inständigst um eine Unterredung bat, die ihm auf Andrängen der Mutter und nach langem Sträu ben auch seitens seitens des jungen Mädchens gewährt wurde. Seit jener Busammenkunft sah man oft die Beiden in traulichem Gespräch auf ihren Spaziergängen Der junge Mann überschüttete seine Angebetete mit Blumen spenden und werthvollen Angebinden, aber fein Wunsch, bei einem Souper in einem der fashionablen Restaurants der Residenz einmal ein trauliches tête- à- tête mit Goldelse zu feiern, stieß auf ihren entschiedenen Widerspruch. Da vernahm der Liebhaber von einer verzeiblichen Schwäche seiner Schönen. Sie beichtete ihm einst unter Lächeln, daß fie an die Möglichkeit glaube, aus Rarten die Zukunft zu deuten, und nannte ihm auch die Adresse der von ihr öfter besuchten Sybille. In der Landwehrstraße wohnte die kluge Frau", eine Wittwe E., die neben mancher anderen lichtscheuen Thätigkeit auch die Kunst des Kartenschlagens übt. Da hielt vor ihrem Hause eines Morgens eine Equipage der Herr Baron stattete der Kartenlegerin einen langen Besuch ab Am anderen Tage schon hüpfte ,, Goldelse" wieder zu der Alten. Gat wundersame Dinge vernahm sie diesmal aus den Blättern: Da lag die Herzen Dame neben dem Piques König. Das bedeute baldige Hochzeit mit einem hohen Herrn, Reichthum und Ehren. Aber so fügte die Sibylle mit einem liftigen Swinfern ihrer grauen Augen hinzuda stört Alles wieder die garstige Treff- Neun! Kind, nur nicht so spröde dann ist Alles gut! Und heute Abend schon las die Alte aus den Karten weiter- wird der Bräutigam fich erklären dann nur keinen Wunsch versagen, Goldpüppchen, teinen Wunsch!- Mit pochendem Herzen bestieg am Abend dieses Tages das Mädchen den Wagen des Barons, der Beide auf einer Spazierfahrt nach dem Thiergarten führte. Der junge Mann sprach von seinen Einnahmen, seinen Bu funftsplänen und schließlich- hielt der Wagen vor einem der elegantesten Restaurants unserer Stadt, das burch seine lauschigen 3immer ein beliebter Rendezvous Ort unserer Lebewelt geworden ist. Diesmal schlug Goldelse die Einladung nicht aus. Der Sett, der bald in den Kelchen schäumte, jagt das Blut schneller durch die Adern, in dem als endlich die herabgebrannten Lichter gebieterisch zum Auf bruch mahnten, da hatte die Kunst der Kartenlegerin ihre Schuldigkeit gethan. fung der interbliebenen des Polizeiraths unser Blatt, die wir, natürlich gegen Bezahlung, auch bei traulichen Bimmer hielten sich zwei Liebende umfangen und mpff bemerkt Abg. v. Schorlemer. Alst: Das Zentrum will durch Buftimmung zu dem Entwurf seine Sympathie mit den InTentionen des Ministers fundgeben, wengleich die Form ihres Borgehens ungewöhnlich ist. Dagegen bedauern wir, daß be iglich der beiden Bochumer Gendarmen vom Ministertische auch versichern, daß wir unsererseits mit Vergnügen bereit sind, Feftung, in welcher er internirt werden wird, ist noch nicht be noch teine entgegenkommende Erklärung abgegeben ist. Die Unsicherheit in diesem Industriezentrum sollte überhaupt mehr als bisher Gegenstand der Aufmerksamkeit der Regierung wer Den: fe hat insbesondere seit dem Kulturkampf zugenommen, Das Waffentragen ist ganz allgemein geworden. Sur Sicher Rellung des Zwedes der Borlage nach jeder Richtung müßte brigens eine Bestimmung hinzugefügt werden, daß das Recht auf diese Renten weder abgetreten noch verpfändet wer Justizminister Friedberg erklärt sich mit einem der Den tann. artigen Bufaß einverstanden. mit denen des Abg. v. Schorlemer, daß für die Hinterbliebenen Des einen ermordeten Bochumer Gendarmen der Staat ein Abg. Berger vereinigt feine Bitten an den Minister Reten möge. Die Vermehrung der Gefahren für die öffent verweigert. Wir danken dem Blatte für das uns so gesvendete Kompliment und wiffen die Erwägungen, welche diesem Ents schlusse seiner Leitung als Milderungsgrund zur Seite stehen, voll zu würdigen. Wir können dem Deutschen Tageblatt" feine Abonnementseinladung mit allem phantafievollen Bu behör zur Kenntniß unserer Leser zu bringen. Ohne Garantie" selbstverständlich, und die letteren wiffen ja, daß wir für die Güte des in unserem Inseratentheile Offerirten ein für allemal feine Garantie übernehmen." Immer nobel, das ist die Hauptsache, aber es giebt auch einen Spruch, der spricht: Leben und leben laffen". Hiervon scheint man beim Deutschen Tageblatt" allerdings feine Ahnung zu haben, man huldigt vielmehr dem Grundfaße: Selber effen macht fett. b. Magiftratlicher Büreaukratismus. Der Restaurateur J. zieht zum 1. April von der D..... nach der 2.... straße und muß in Folge dessen eine neue Ronzeffton nachsuchen. Er sandte in Folge dessen ein doppeltes Gesuch an den Stadtausschuß, erfuhr aber inzwischen, daß es dreier Exemplare bes dürfe. Da die Zeit drängt, trug er selbst das dritte Exemplar b. Der Kandidat Dehlte ist nach Aussage von Freun ben, welche ihn gesprochen haben, durchaus nicht verzagt. Die stimmt. Seine Freunde haben begonnen, einen Verpflegungsfonds für ihn zu sammeln, der vorläufig 600 Mart beträgt. Dehlte steht übrigens mit seinen fünf Pistolenforderungen nicht azein da. Auch sein Sekundant hatte fünf Mann(!) vom Verein deutscher Studenten gefordert. Bei einer PistolenMensur hatte seine Waffe versagt und die fünf Geforderten hatten das Gerücht verbreitet, es sei ihm das Pistol aus Angst entfallen. Mehrere deprezirten, einer wurde unsichtbar und schließlich blieb die Sache auf seinem Gegner hängen, den er nun nochmals forderte. Polizei- Bericht. Am 21. d. M. Vormittags fielen von einem die Lothringerstraße entlang fabrenden, bochbeladenen Rollwagen mehrere Kisten auf den Bürgersteig hinab, und wurde ein gerade vorübergehendes, 14 Jahre altes Mädchen von eine Rifte getroffen und an der rechten Hand so schwer verlegt, daß es nach der Königlichen Klinik gebracht werden mußte. An demselben Tage Abends entstand auf dem Boden des Hauses Mühlenstr. 59a Feuer, durch welches ber Dachstuhl vollständig zerstört wurde. Die Feuer mehr war zur Stelle und über drei Stunden in Thätigkeit. Am 21. d. Mis. Nachmittags ging ein vor eine Equipage gespanntes Pferd von der Charlottenstraße nach der Dorotheenstraße zu durch und rannte vor dem Hause Dorotheen ftraße Nr. 11 gegen einen Gaskandelaber. Hierbei stürzte der Kutscher vom Bod und erlitt eine bedeutende Verlegung am Kopfe. Am 22. d. M. Nachmittags wurde in einem Gaft hofe in der Krausenstraße ein am Tage zuvor eingefehrter Mann im Simmer erhängt vorgefunden. Um dieselbe Zeit Um dieselbe Belt fiel ein taubstummer Mann im Seitengebäude des Hauses Landsberger Allee Nr. 146, die zum Keller führende Treppe hinab und erlitt dabei eine so schwere Verlegung am Kopfe, daß er nach dem Städtischen Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte. Bu derselben Zeit versuchte ein Mann vor der Garde Dragoner- Kaserne in der Bellealliancestraße fich durch Zerschneiden der Pulsadern der rechten Hand das Leben zu nehmen. Nach Anlegung eines Nothverbandes wurde er nach der Charitee gebracht. 22. b. Mts. Abends fiel eine Frau vor dem Haufe Planufer Nr. 39 in Folge Ausgleitens zur Erde und brach dabei den linken Unterschenkel, so daß fie nach der Charitee gebracht wer ben mußte. Gerichts- Zeitung. Am Die P. Zwei feindliche Nachbaren. Der Schuhmacher August Raetz und der Wäscher Friedrich Matham, Beide zu Köpenic mohnhaft, verschafften ihrem Groll dadurch Ableitung, daß Einer den Andern wegen Holzdiebstahls denunzirte. Wohnungen Beider liegen hart am Spree- Ufer und die um liegenden Königlichen Forsten find auf dem Flusse mittelst eines Rahnes bequem in einigen Miruten zu erreichen und auf Diesen Umstand baute Reeß seinen Plan. Um fich wegen einer Anzeige des Matham, infolge deren er wegen Holzdiebstahls verurtheilt worden war, zu rächen, denunzirte er den Matham ebenfalls wegen Holzdiebstahls und zwar unter der Beschul digung, daß der Lettere am 29. Dezember 1883 in Begleitung feines Sohnes, Paul Matham, auf einem Rahn bei hellem Mondenschein um Mitternacht mit einer Ladung gestohlenen Holzes von der Königlichen Forst herkommend von ihm, Rack und seiner Frau gefehen worden seien. Diese Angabe beschworen Raeß und seine Frau Augufte geb. Schüße, in einem am 15. Oftober v. J. vor dem Schöffengericht zu Köpenic stattgehabten Audieratermin in der infolge feiner Anzeige eingeleta feten Straffache gegen Mutter und Sohn. Die letteren batten jedoch eine Anzahl Entlastungszeugen gestellt, deren Aussagen im stritten Gegenfaz zu den Aussagen der Raez'schen Eheleute stand und in erster Linie die Freisprechung des Matham und feines Sohnes zur Folge hatten, dann aber des Weiteren der nicht unbegründeten Vermuthung Raum boten, daß die Reep schen Eheleute wider befferes Wiffen falsches Brugniß abgelegt hätten. Wegen wissentlichen Meineides angeklagt erschienen Daher die Raetschen Eheleute vor den Schranken des Schwur gerichts. Die Beweisaufnahme im Audienstermin ergab nach Vernehmung von ca. 20 Beugen, daß die Angeklagten in der That ein falsches Beugniß abgegeben, denn es wurde klar er wiesen, daß Matham und Sohn in der Nacht zum 29. De zember 1883 den ihnen zur Last gelegten Holz- Diebstahl nicht ausgeführt haben können. Troßdem beharrten die beiden Ans geklagten bis zum Schluffe bei der Behauptung des Gegen theils. Belaftend für die Angeklagten sprach ferner die Aus fage der unverebelichten Donath, einer Beugin, die bekundete, daß der Angeklagte Rack thr ein Paar Schuhe versprochen, menn fte, die Beugin ihre Aussage zu seinen Gunsten einrichten wolle. Das Verdikt der Geschworenen verneinte die Frage, ob die Angeklagten des wiffentlichen Meineides fich schuldig gemacht; dagegen wurde die Frage, ob dié Angeklagten des fahrlässigen Meineides schuldig, bejaht. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der Meineid in einer Untersuchungsfache geleistet worden, 1 Jahr Gefängnis. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete auf 6 Monate Gefängniß. Dem diesbezüglichen Antrage des Bertheidigers stattgebend, beschloß der Gerichtshof die in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten vorläufig aus der Haft zu entlassen. P. Ein Raubanfall, der am 12. Dltober v. J. auf dem Wege zwischen Woltersdorf und E: kner stattgefunden beschäftigte vorvorgeftern das Schwurgericht des Landgerichts II. Vor den Schranten erschien, wegen versuchten Raubes ange tlagt, der am 4. Februar 1849 zu Neu- Stahnsdorf, geborene, Theater. Königliches Opernhaus. Heute: Der Wildschüß. Königliches Schauspielhaus. Heute: Der Kaufmann von Benedig. Deutsches Theater. Heute: Die Welt, in der man fich langweilt. Bellealliance Theater. Heute: Doktor Klaus. Heute: Gasparone. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Central- Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. uie: Der Walzer König. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Heute: 3um 34. Male: Der Vergnügungszug. Hierauf: Die Schulretterin Walhalla- Operetten- Theater: Heute: Der Feldprediger.n Louisenstädtisches Theater: Oftend- Theater: Heute: Faselhans. Heute: Lorbeerbaum und Bettelstab. Wallner Theater. Bittoria Theater. Heute: Die Sorglofen. Heute: Sulfurina. Alhambra Theater. Heute: Bella- Vista. Arbeitsmarkt. Ein Schloffergeselle, der auch schmieden kann, wird vers langt Pallisadenstr. 72 bei Mattern. 627 625 Ein Tapezirer Lehrling gegen Rostgeld wird verlangt C. Boch, Kommandantenstr. 12. Schneidern, Beichnen und Buschneiden können Damen in furzer Zeit gründlich erlernen( 4 Wochen 10 Mart) 621 Schneidermeister C. H. Bodenburg, Damen. f. Grenadierfir. 23, II, nabe d. Münzstraße. Allen Freuden und Bekannten empfehle mein Möbel- Transport- Geschäft. 603 Pappel Allee F. Dam, tr. 26. bereits vorbestrafte Arbeiter Friedrich Wilhelm August Meyer. Vor längerer Zeit schon stand Meyer wegen Raubes angeklagt vor den Geschworenen; er war damals beschuldigt, einem be trunkenen Maler an derselben Stelle seine Baarschaft geraubt zu haben; das Verdikt der Geschworenen hatte jedoch Mangels Beweises auf Nichtschuldig" gelautet, da der Beraubte in seiner Truntenheit die Persönlichkeit seines Angreifers nicht ins Auge gefaßt hatte. Dieser für ihn gür stige Verlauf des Dieser für ihn gür stige Verlauf des qu. Strafprozesses hatte den Angeklagten ermuthigt, die Frei beuter Karriere zu forciren und er lauerte am 12. Oktober v. J. auf einem einsamen Wege zwischen den obengenannten Drtschaften dem heimkehrenden schaften dem heimkehrenden Töpfergesellen Otto Teßmar auf, in der Abficht, denselben zu Serauben. The Teßmar fich's verfah batte ihn der Räuber mit einem wuchtigen Schlage au Boden gestreckt und machte sich an die Durchsuchung der Taschen. Der Angegriffene besaß indeffen Kraft und Geifte gegenwart genug, Widerstand zu leisten, bis auf seine Hilferufe Leute herbeieilien; bei deren Annährung nahm der Strolch von seiner Abficht, fich die nicht unbeträchtliche Baarschaft des Theßmar anzueignen, Abstand und ergriff die Flucht. Eine Personal- Beschreibung seines Angreifers, den Teßmar dem in Etner stationirten Gensdarm Marade zu geben im Stande war, führte den Legteren auf die richtige Spur und es gelang demselben schon nach Verlauf einiger Lage des Räubers in der Person des Meyer habbaft zu werden, da ihm derselbe aus früheren Beiten wohl bekannt war. Meyer wurde unverzüglich nach dem UntersuchungsGefängniß abgeführt und obwohl er die Thäterschaft ableugnete wurde dennoch gegen ihn Anklage wegen versuchten Naubes erhoben, nachdem er zuvor erst wegen Entwendung eines dem Schlächtermeister Krüger in Woltersdorf, seinem früheren Arbeitgeber, gehörigen Portemonnaies mit 85 Mart von der Straffammer des Landgerichts zu einer längeren Freiheitsstrafe verurtheilt worden war.- Im Audienz Termine vor den Geschworenen versuchte der Angeklagte sein bieber befolgtes System des Ableugnens, allein er wurde von den Beugen auf das Bestimmteste als der Thäter bezeichnet und unzweifelhaft überführt. Die Geschworenen bejahten die und unzweifelhaft überführt. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage. Bei Abmessung der Strafe zog der Gerichtshof die früher wegen Diebstahls erkannte Strafe, welche er gegens wärtig verbüßte, mit in Rechnung und lautete das Urtheil demgemäß auf eine Gefammistrafe von 3 Jahren Buchthaus, 5 Jahre Ehrverlust, sowie Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. Vereine und Versammlungen. hr. Der Fachverein der Schlosser und Berufsgenossen hielt am Sonnabend in den Gratweil'schen Bierhallen eine sablreich besuchte Versammlung ab. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten, Vergrößerung der Bibliothek u. s. w. referirte Herr Kreuß über die Bentralisirung der Metallarbeiter Deutschlands. Redner irat entschieden für die Zentralisation ein und rieth dem Fachverein, fich derfelben anzuschließen. Herr Michelsen trat ebenfalls für Zentralisation ein, während die Herren Krohn, Klint, Miethe u. A. für das Fortbestehen des Fachvereins eintraten. Es wurde von lepteren Rednein ins besondere darauf hingewiesen, daß der noch junge Verein durch den Anschluß seine Entwickelungsfähigkeit einbüßen und somit ftatt zu erstatten, schwächer werden würde. Man müsse mit den vorhandenen Verhältniffen rechnen. Theoretisch set ja die Sentralisation sehr gut und prinzipiell müsse fich Jeder damit einverstanden erklären, aber in der Praxis bestehe die Nothwendigkeit, in der jegigen Weise fortzuarbeiten, wenn etwas erreicht werden solle. Nach Schluß der Diskussion wurden Ersatzwahlen für die Arbeitsnachweis- Kommission vollzogen. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Tischler gesellen, welcher auch eine große Anzahl Meister beiwohnte, gefellen, welcher auch eine große Anzahl Meister beiwohnte, fand am Sonntag, den 22. D. Mts, Vormittags, im Gesell schaftshaus Ostend Rüdersdorferstr. 45, statt. Herr Gustav Rödel behandelte hierfelbst in längerem Vortrage die Frage: Wird Beilin durch die Einführung der Minimaltarife fon furrenzunfähig?" Der Vortragende wies darauf hin, daß der Berliner Export fich nur auf Möbel erstrecke und daß hierbei wiederum zu unterscheiden sei zwischen den besseren, sogenannten stilifirten Möbeln und ben geringeren Spezialmöbeln die ersteren würden in Berlin nicht billiger hergestellt, als auswärts und machten sich auch insofern feine Ronkurrens, als fte, von dem jeweiligen Geschmade abhängig, überall anders gefertigt würden. Anders fet es allenfalls mit den Spezialmöbeln. Aber durch solidere Herstellung der Waare würde auch hier die Ronkurrer zfähigkeit nicht beeinträchtigt, sondern im Gegentheile erhöht werden. Die Versammlung versprach in einer Resolution, für die Durch ührung der Minimallohntarife eintreten Central- Kranken- und Sterbekasse Der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin G. Dienstag, den 24. März, Abends 8 Uhr, Grüner Weg 29 bet Säger: Versammlung. Tagesordnung: 629 1. Wahl der 14 Delegiten. 2. Verschiedenes. Bahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Das MitgliedsDas Mitglieds buch legitimirt. Der Bevollmächtigte. 630 Orts- Krankenkaffe der Klempner. Die General- Versammlung der Kaffen Mitglieder betr. Wahl von 150 Vertretern der Arbeitnehmer findet am Sonntag, den 29. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, in den Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstraße 77-79 und die General Versammlung der Arbeitgeber beir. Wahl von 75 Vertretern findet am Montag, den 30. d. Mts., Abends 8 Uhr, ebendaselbst statt. Der Vorstand. General- Versammlung der Produktiv- und RohstoffGenossenschaft d. Scheider z. Berlin( E.G.) 635 Sonnabend, 28. b. Mts, Abends 8% Uhr, im Lokale des Herrn Pieper, Mauerstraße 86. Tagesordnung: Wichtige Angelegenheiten. Sämmtliche Mitglieder werden hierzu eingeladen. Der Vorfland. und die freiwillige Beisteuer zum General- Unterstüßungsfonds regelmäßig leisten zu wollen. In der letzten Mitglieder- Versammlung der Freien Vereinigung der Vergolder und Fachgenoffen" handelte es fich hauptsächlich um Statutenberathung. Referent Herr Böhl. Außerdem beschäftigte man sich mit Misständen in der Fabrit des Herrn Aug. Werkmeister( Brunnenstr.). Letterer zieht seinen Arbeitern 50 Pf. für eine Verspätung von 5 Minuten ab, sagt aber nicht, wie er die Strafgelder verwendet. Leipzig, den 22. März. Von Seiten der Gewertvereinler war auf heute eine Versammlung nach dem Zentralhallen saale einberufen, in welcher Herr Dr. Mar Hirsch über die Arbeiterschuß- Gesetzgebung referiren sollte. Die Versammlung, welche von ungefähr 3500 Personen besucht war, wurde vom Vorfigenden des hiesigen Gewerkoereins mit einer Ansprache er öffnet, in welcher derselbe darauf hinwies, daß die in legter Beit stattgefundenen Arbeiterversammlungen stets einen mufter giltigen Verlauf gehabt hätten und er baher hoffe, daß auch Diese Versammlung in ruhiger Versammlung enden werde. Es wurde nun zur Bureauwahl geschritten, die Mehrzahl der Anwesenden war für den Bigarrenarbeiter Herrn Hoffmann als Vorsitzenden, während die Gewerkvereinler Herrn Friedrich haben wollten. Nach einer stürmischen Geschäftsordnungsdebatte fügte fich die Minderheit und Herr Hoffmann übernahm den Vorfis. Derselbe machte nun den Vorschlag, den zweiten Vorsitzenden aus den Reihen der Anhänger des Herrn Mar Hirsch zu ernennen; die Versammlung war hiermit aber nicht einverstanden und so wurde auch der zweite Borfißende aus der Majorität der Versammlung gewählt. Bei der darauf folgenden Wahl des Schriftführers wurde die Versammlung polizeilich aufgelöft. In Halberstadt, wo die Handwerkerinnungen lebhaft für den Adermann'schen Antrag petitioniren, sprach am 20. Der Abg. Heine gegen die reaktionäre Gewerbepolitik und für einen gründlichen Arbeiterschuß. Die Versammlung sprach ihr volles Einverständniß mit den Ausführungen des Referen ten aus. Der Arbeiter Bezirksverein für den Osten Berlins bält am Dienstag, den 24. März, Abends 82 Uhr, in Keller's Gesellschaftsfälen, Andreasstr. 21, eine Versammlung ab, in welcher der Schriftsteller Herr H. Land einen Vortrag über: Des Voltes Kunst genüsse" halten wird. Im Hin weis auf diesen interessanten Vortrag ist ein recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht, ebenso find Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willkommen. Die Mitglieder, welche thre neue Karte noch nicht eingelöst haben, werden gebeten, dies beim Kafftrer Berger entweder in der Versammlung oder in dessen Wohnung, Straußbergerstr. 27 II, baldigst zu thun. Der Bezirksverein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt hält heute Dienstag Abend 8 Uhr feine regelmäßige Versammlung in Meister's Lokal, Schönhauser Allee 161 ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Meißner. 2. Verschiedenes. 3. Fragetaften. Die Mitglieder werden auf§ 5 aufmerksam gemacht. Die neuen Mitglieds bücher können in Empfang genommen werden. Die Mitglieder der Zentral Kranken- und Sterbekasse der Tischler u. 1. m., örtliche Verwaltungsstelle Berlin G., Frankfurter Thor Bezirk, halten ihre Mitgliederversammlung beute Abend 8 Uhr im Lofal Grüner Weg 29 bei Säger ab. Tagesordnung: Wahl der 14 Delegirten zur Generalversamm lung. 2. Verschiedenes. Recht zahlreiches Erscheinen ist noth wendig. Das Mitgliedsbuch legitimirt. Bei der am 22. d. Mts. im ,, Wedding- Part", Müller ftraße 178, stattgefundenen Versammlung der Zentral Kranten und Sterbetasse der Tischler u. f. w.( Berwal tungsstelle E) wurden folgende 14 Personen als Delegirte ges wählt und erhielten Stimmen: Herr Faist 28, Sleinert 25, Hildebrand 24, Noeste 22, und 21, Bubeil 21, Marwig 20, Blero 20, Schloffge 19, Schulze 18, Roffin 19, Ritter 19, Bennewig 17 und Böhm 17. Kleine Mittheilungen. 21 Auf„ Wilhelminen höhe" bei Kiel hatten die Sozial demokraten in der Nacht um 18. März eine rothe Fahne mit der Inschrift: hoch lebe die Sozialdemokratie" aufgehißt. Als am andern Morgen dieselbe bemerkt ward, war man so fort bemüht, die Fabne herabzunehmen, was jedoch keine leichte Arbeit war, da die Stange, nachdem der Fahnenstrid oben ab geschnitten, in einer Länge von zitka 8 Fuß mit Seife bestrichen war. N eriche Berli Pofto her Vo über babei gebal Lefun tellt, batte venti lifd macht bemo batter zufch Ben unger baß trum Sca 55 Dam Freif bie träge Abge reich zwei fiebt Sozi um t einfa haup genel Anza Nachor 549 125 - Die Gesammtzahl der Todten in der Grube Camphausen beträgt 175, die der Hinterbliebenen 141 Witt wen mit 416 Kindern. Bersonen, welche gewillt find dem jest neu gegründeten Sanitäts- Verein( Derein für ärztliche Hilfe leiftung) beizutreten, tännen sich zu jeder Tageszeit in die Listen bet Werschte, Adalbertstr. 16, einzeichnen lassen. 628 Eine freundliche Schlafstelle für zwei Herrn zum 1. April Josephstraße 14, of L. IV. bei Ritter. [ 619 Ein 1fenster. möbl. Zimmer, Stegligerstraße 70 zu verm. Bu erfragen Körnerstraße 17, Hof 4 Tr. 624 H. Buldermann's Salon Nachfl. Th. Lammers Kommandantenstraße 72, 1 Tr. Mein hocheleganter Parquet- Saal ist noch am 1. Dfterfeiertag um Tanzfränzchen zu vermiethen. Dachdecker und Maler erhalten Farben, Lack und Firnisse zu den billigsten Preisen in der Droguerie von 626 H. A. Fest, Berlin W. Kurfürstenstr. 25. Allen Freunden und Bekannten empfehle meine Restauration Zum wahren Jakob. Weiss- und Bairisch- Bier à Glas 10 PE Für Abend Unterhaltung ist auf das Beste gesorgt. 258 G. Spiekermann, Rüdersdorferstr. 51. Bu beziehen durch die Expedition Zimmer- Straße 44. Soeben erschien im Berlage von J. H. W. Dies Dergleichende ftafiffifdie Uebersicht Der Wahlen hätte Sie thun bien fchaff wer leich Lich uns Geo mad fand lena tom eini Sebr fabie mich Em fant Geo war Tor Do Bel mob Mo zum deutschen Reichstage DON 1881-1884. in Busammengestellt unter Benugung der vom kaiserlichen en tistischen Amte ausgearbeiteten Statistik der allgemeinen Wahlen Jahre 1884, fowie Dr. A. Phillip's Statistik der Wahlen ( Berlin, Louis Gerschel.) Von H. D. Preis 20 Pfennig. Bu beziehen durch die Expedition Zimmer- Straße 44. Berantwortlicher Redakteur R. Crsuheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin SW. Beutostraße 2.