Nr 72 Douverstag, 26, März 1885. II. Jahrg. IrrliiKrllolhbloll Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustt. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in oer Postzettungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Abonucmcllts-Cwladillg. Zum bevorstehenden VierteljahrS-Wechsel erlauben wir uns alle Arbeiter Berlins zum Abonnenent auf das „Berliner Bottsblatt" «it der Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonutagsblatt" «inzuladen. Frei in» Han» kostet dasselbe für das aanze Vierteljahr 4 Mark, für dm Monat April 1 Mark 35 Pf„ pro Woche 85 Pf. Bestellungen werden von sämmtlichm ZeitungSspeditmren, sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44. angenommen. Zu dem bevorstehenden Umzug machen wir unsere Leser noch ganz besonders darauf aufmerksam, die neue Wohnung dem Spediteur rechtzeitig anzugeben, damit in der Bestellung der Zettung keine Unterbrechung eintritt. Am 1. April werden wir mit der Veröffentlichung eine» höchst interessantm und spannendm RomanS aus der Feder Friedrich Gerftäcker's Im Eckfenster beginnen. Dm neu hinzutretenden Abonnentm wird- soweit der Vorrath reicht— der bisher erschienene Theil deS RomanS „Seftcht-ud sowie das' „Jllustrirtes SonutagSblatt" Gatts und franko nachgeliefert. Für Außerhalb nehmen alle Postanstaltm Abonnements Rk das nächste Quartal zum Preise von 4 Mark entgegm. Die Redaktion und Expedition des„Berliner Volktblatt." Die Glücksspiele haben von jeher große« Unheil in der Welt angerichtet. Die Gier nach leichtem Erwerb, die fast in allen Menschen schlummert, wird durch da« Spiel noch mehr erweckt, und alljährlich bezahlen Taufende da« Glücksspiel mit Zer- rüttung ihrer Verhältnisse, ihrer Gesundhett, und da das- selbe in unerhörtem Maße da» Nervensystem angreift, auch eine nicht geringe Zahl mit dem Tode. Wie viel Familienelend hat da« Kartenspiel schon ver- ursacht. Zuerst findet man sich bei einem„gemüthlichm" Schaftkopf oder Skat zusammen, bei dem e« aber bekannt- lich meist recht ungemüthlich zugeht. Die Summen, um �achdru klamation hin die Summe von 5000 Franks für die Kosten der Propaganda bewilligt, wodurch das Gelingen unserer AuS« stellung garantirt ist. Gruppirt Euch doch, um Euch mit unS zu vereinigen, in diesem nach Emanzipation gerichteten Bestre« bm. Beweisen wir, daß der Arbeiter weder Vormundschaft noch Direktion nothwendia hat, um zu produziren. Wir wer- den, soviel in unfern Kräften steht, Euch die matettellen Schmie- rigketten des TranSpottS und der Installation bewältigen helfen. Tbut uns Euren Beitritt in der möglichst kürzesten Fttst zu wissen und empfanget unseren brüderlichen Gruß. Die von der Kommisston delegirte Sekretär für das Ausland: L. H e r b i n e t, Desfinateur, 33, Rue des PoissonnierS, Paris. An letzteren find auch alle Zuschriften um Auskunft rc. zu richten. Wien. 22. März. Einigkeit macht stark. Ein Arbeiterstreik spielte fich dieser Tage im benachbarten Ottak- ring recht dramatisch ab. Die Arbeiter der Fernau'schen Eisen« gießerei warm mit ihrem Werkführer nicht zufrieden. Vor« gestern kam nun diese Stimmung in nicht mißzuverstehender Weise zum Ausbruch. ES war nach der Mittagspause, 1 Uhr, der Gehaßte kam— die Arbeiter, 300 an der Zahl, standen vor der Fabrik, statt in die Werkstatt zu gehen. Der Werl- meister mochte wohl schon etwas merken von dem, waS da noch kommen sollte, er ging aber mechanisch den alten Weg in die Werkstatt— da bliedm mit einem Schlage die Ma« schtnen stehen. Dem Werkführer wurde es unheimlich und er ging. An seiner Statt nschim nach wenigen Minuten der Oder-Werkführer und ftagte, waS eS denn eigentlich gebe. Nun ging'S an. AuS jeder Abtheilung, von den Bohrern, den Eisenhoblern, den Drehem und den Schlossern trat ein Sprecher hervor und er sprach die Klagen aus, welche seine Genoffm gegen ihren Vorgesetzten auf dem Herzen hatten, und jeder Satz der Rede wurde von donnerndm Bravorufen der Arbeiter begleitet. Summa: Keiner rührt mehr die Arbeit an, so lange dieser Werksührer amtitt. Der Oder-Werkführer schüttelt den Kopf und appellirt an Herrn Reinhold Fernau, der die Ar« beiter vertrösten will, bis sein Bruder, der Befitzer der Fabrik, von einer Reise, auf der er begriffen ist, zurückgekehrt— nein! Sie bleiben fest. Da erhielten fie denn die Verficherung, daß ihrem Wunsche entsprochen wird, und beftiedigt gingen sie Alle wieder an die Ärbett. Kretheit der Arbeiter. Der Vorfitzende deS Fachvereins der Maurer und Zimmerer Rathenows, G. Kreffe, war als Delegirter zum Deutschm Maurerkongreß in Hannover gewählt worden, um dott die Interessen der hiefigen Maurer und Zimmerer zu vertreten, deren gewiß sehr bescheidene und maß- volle Forderungen vor Kurzem in diesem Blatte in dem„Auf» ruf an die Maurer und Zimmerer Deutschlands" enthalten waren. Daraufhin st ellteihmfeinArbeitgeber. Bauunternehmer Baer, die Wahl, entweder zum Kongreß zu reisen, dann würde er hier in Rathenow überhaupt keine Arbeit mehr erhalten, oder hier zu bleiben.— Bemerkt möge noch wer- den, daß Herr Baer. einer der kleineren Arbeitgeber, erst ge« neigt war, auf die Forderungen der Arbeiter einzugehen, dann aber von den größeren Meistern. Grüneberg, Weigel, Schwarz- lose, Schmidt, Lipkau, wahrscheinlich zu dieser Maßregel ver- anlaßt wurde.— DaS versteht das Kapttal unter Freihett der Arbetter!— Wenn die Ardeiter mit ihnen über Forderungen, die Jeder gerecht nennen muß, in Güte beratben wollen, find die Herren nicht zu sprechen; denn dreimal dazu eingeladen, zogen fie vor, durch ihre Abwesenheit zu glänzen, und sucht dann der Arbeiter die Hilfe seiner Kollegen, so wollen fie ihm sein einziges Erwerbsmittel, die Arbeitskraft auf so gemeine Weise lahm legen.— Herr Kreffe, treu seiner Pflicht, ist zur Erfüllung seines Mandats abgereist.— Möge daS muthvolle Verhalten deS Wackern. wenn, woran nicht mehr zu zweifeln, der Lohnkampf hier losbricht, durch die thätige Unterstützung der Streikenden, nicht nur von Seiten ihrer besonderen Berufs- genossen, sondern von allen vom Solidatttätsgefühl beseelten Arbeitern Belohnung finden- Offenbach.(Streik.) In der hiefigen Schriftgießerei von I. M Huck und Comp, ist ein theilweiser Streik auS- gebrochen, weil die Verwaltung auf eine Tariferhöhung nicht eingeben wollte. Zweiunddreißig Arbetter, von denen 17 ver- heirathet find, werden dadurch drodlos. Zum Glück find die Ledigen z. Th. berettS abgereist, während einige Verheirathete anderweit Arbeit gefunden haben. �. Arbeiterentlassunge« in Hamborg. Auf der Zucker- Iabrik in der Hafenstraße wurden am Sonnabend Abend Ar« Ktter entlassen. Viele waren darunter, die auf der Fabrik 20-30 Jahre gearbeitet habm, einer derselbm hat sogar 47 Jahre dott gearbeitet.., ,, � Liverpool, 21. Motz.(Streik derKohlenarbeiter.) Ein Streik von beträchtlichem Umfange ist unter den in dm West-Cumberland-Kohlmminen beschäftigten Arbeitem auS- aedrochen. Die Zahl der Streikendm beträgt ungefähr 5000. JCie Ursache deS Streiks ist die Einführung einer 14 tägigm Kündigungsfrist, welcher Maßregel fich die Arbeiter widersetzten, da fie früher zu jeder Stunde die Ardett verlassen konnten. Die Stimmung der Ardeiter ist eine sehr erregte und werden Unruhen befürchtet. Hannover, 23. März. Die Delegirten deS MaurergewerkeS begannen heute ihre Verhandlungen über Gründung eines Verbandes deutscher Maurergesellen. Die Majorität zeigte fich vollkommen einig darin, daß die Gesellen gegen obligatorische Innungen fich er« klärm müßten, well durch dieselben der Arbeiter in der Ver« wetthung seiner Kräfte beschränkt und in Formen gezwängt werde, welche wohl belästigen aber nicht fördern könnten. Wer darauf achte, welche Geister für Jnnunam schwärmten, dem müsse die Einführung solcher sehr bedenklich vorkommen, zumal wenn den Jnnungimeistern allein daS Recht zugesprochen werde, Lehrlinge zu halten. Ein gut gebiloeter, mit Nach- denken arbeitender Gesellenstand werde durch die Innungen nicht herangezogen, weil sehr bald der atte Schlendrian fich wieder einstellen werde. Hiergegen anzukämpfen, sei eine Pflicht der Gesellen, aber ein Resultat sei nur zu erzielen, wenn die Lokalvereine einen allgemeinen deutschen Verband bildeten und in Verfolgung ihrer Ziele fich von dem Verbandsvorstande leiten ließen. Unbedingt nothwendig sei auch, daß dem Verbände eine U n t«rstütz un g S k asse beigegeben werde. Aeußerungm über den Geist der Jnnungs- meister wurden durch vielfache Mittheilungen über ein unzu- trägliches Verhallen der Meister in Berlin, München, Mann« heim, Stralsund, Zwickau, Hamburg u. s. w. begründet. Nach einer fiebenstündigm Generaldebatte wurde die heutige Sitzung geschloffen. An die Schlosser und Beruftgenossen Berlins. Kol« legen! Was vorauSzusehm war, rst eingetroffen. Unsere Kollegen in der ersten Berliner Eisenmödel. Fabrik von C. Schulz, Lindenstr. 105, habm, nachdem ihnen ihre Forderungen von Hrn. Schulz verweigert wurden, die Arbett niedergelegt. Bekanntlich wurde in der öffentlichenGene alversammlung vom 15. d. M. in der Viktottabrauerei die Lohnkommijfion beauf» tragt, mit Herrn Schulz Rücksprache zu nehmen, wie er fich unserm Programm gegenüber zu verhalten gedenkt. Die Kam- misfion erfüllte ihre Pflicht, wurde aber von Herrn Schulz mit dem Bemerken abgefettigt, daß, wenn Mißstände in seiner Werlstatt existittm, er selbst der Mann sei, dieselben abzu- schaffm und er dazu keiner Kom misfion dedürfe. Infolgedessen fand am Montag, den 23. d. M. eine Extraversammlung der Arbeiter auS der Schulz'schen Werkstatt statt. DaS Material welches dort zu Tage gefördett wurde, ergab, daß bei den un- würdigen Löhnen, bei der angestrengten Arbett ein Mensch nicht im Stande sei, zu existiren. Es wurde nun eine Kommisston von fieben Personen aus der Mitte der Schulz'schen Arbeiter gewählt, um nochmals ß Herrn Schulz unsere Forderung zur Bewilligung vorzulegen. Folgmde Resolution fand nun einstimmige Annahme:„Die Kollegm der Schulz'schen Werkstatt erklären fich mit dem Vorgehen der Lohnkommisfion einverstandm und verpflichten fich, Alle für diese gute Sache in ihrem eigenen Interesse einzutteten und ihre Forderung durch die heute gewählte Kommisston zur Durchführung zu bringen." Herr Schulz ertheille der Kommisston die Antwott: Ich bin Karl Schulz und nur ich allein habe in meiner Werkschaft zu befehlen- Daraufhin legten etwa die Hälfte der bei ihm beschäftigten Schlosser die Arbeit nieder und ist bestimmt anzu« nehmen, daß die noch weiter Arbettenden fich den Streiken« den anschließen werden. Herr Schulz sah fich nun durch den Ernst der Arbeiter veranlaßt, mtt der Lohnkommisfion zu ver« handeln, indem er eine Deputation von zehn der noch weiter Arbeitenden an dieselbe absandte. Der Leiter der Lohn- levegung, Herr Miethe, stellte im Einverständniß mit den Streikenden folgende schnftliche Forderung, welche Herr Schulz durch seine Unterschrift anerkennen sollte:„1. Eine Maximal- Arbeitszeit von 10 Stunden, sowie Abschaffung sämmtlicher Nachfeierabend- und EonntagSarbeit. 2. Einen Minimallohn von 18 M. pro Woche. Die Auszahlung deS Lohnes muß Sonnabends um 6 Uhr erfolgen. 3. Für diejenige Arbeit, welche in Akkord übernommen und am Schluß der Woche geliefett ist, ist der verabredete Preis voll auSzube- zahlen. 4. Herr Karl Schulz verpflichtet fich, Maßregelungen nicht eintreten zu lassen und etwaige Anordnungen im Ein« verständniß seiner Arbeiter zu erlassen. Unterzeichnet: Die Lohnkommisfion. Dieses Schttststück wurde Herrn Schulz durch dieselbe Deputation zur Unterschrist übersandt. Herr Schulz lehnte die Unterschrift ad, solch einen Wisch unter- schreibe er nicht. Nähere Aufschlüsse in der Generaloersamm« lung am Donnerstag, den 26. März. Kollegen, jetzt gilt eS, mit der That zu biweisen, daß auch wir Schlosser im Stande find für unsere gerechte Sache einzutreten. Vor allen Dingen muß Zuzug ferngehalten werden. DeS Weiteren fordern wir alle arbeitenden Kollegen auf, fich an den Sammlungen zum GeneralunterstützungSfonds recht lebhaft zu bethelligen. Mit kollegialischem Gruß die Lohnkommisfion der Schlosser Berlins._ vermischtes. vom Unglück im Camphausenschacht. In Hinstcht uf die allgemeine Theilnahme, welche daS fürchterliche Gruben- Unglück in ganz Deutschland hervorgerufen hat, werden auch die nachfolgenden Zeilen eines BettchterstatterS der„Köln. Ztg." wohl noch Beachtung finden. Als die entsetzliche Katastrophe urplötzlich hereingebrochen, war eS leider nicht möglich, sofort den Unglücklichen Hilfe zu bringen; die giftigen Nachschwaden erfüllten den Schacht und die Grollen; es gehörte ein TodeS« mutb dazu, nach einigermaßen erfolgter Klärung in die Tiefe stch hinabzulassen. Inspektor Dr. Sattig war mtt den Ersten; mehrere Stunden lang blieb er unten; als ihn schließlich die Gase betäubten, brachte man ihn schleunigst nach oben. Als er wieder zu fich gekommen, lehnte er jede dargebotene Stär« kung ad—„er müsse noch helfen; nur im westlichen Theile der Grube seien noch Bergleute zu retten; rechts und links vom Hauptschlag sei alles todt",—„die Verunglückten röchelten, wir setzten fie ausrecht, wollten ste mttnehmen, aber wir konnten nicht vor den bösen Wettern, ach, und wir hatten kein Waffer!" Mühsam brachte der überaus pflichttreue Beamte die Worte heraus. Alle die zm Rettung in die schauttge Tiefe gingen, habm fich ausgezeichnet, alle: mit Todesoerachtunz betraten fie die noch so gefährlichm Stättm der Zerstörung. deren Bodm die hingestreckten Gestalten ihrer Kameraden be- deckten. Die Retter zeigten einen herrlichen Heldenmuth. Die Explofion hat fürchterliche Zerstörungen apgerichtet; eine un« faßbar große Kraft hat ihr böseS Spiel gettteben. Im Laufe des heutigen Tages wurdm weiter drei Leichen aufgefunden: der einm fehlte ein Bein; man entdeckte keine Spur von demseldm. Auch zwei Zimmerleute, welche in der mittleren Sohle ihre Be- schäfligung hatten, fehlen; fie find spurlos verschwundm. Die Werkstatt, in welcher sie zu arbeitm hatten, ist wie wegge- blasen; wahrscheinlich befanden fich die beiden Männer nicht weit vom Rande des Schachte» und der furchtbare Luftdruck hat fie in die Tiefe, in den„Sumpf" gestürzt, der dm Boden deS Schachtes dedeckt und zu dem man noch nicht gelangen kann. Nur den Hut des einen Zimmermanns fand man im Stollen. Gestem, Freitag Nachmittag, fand in Dudweiler die feierliche Bestattung von 27 Todten, in HerrenSohr gleich dar- auf von 32 Todten statt. Auf dem Marktplatze zu Dudweiler waren nahe aneinander zwei lange, schwarzbehangene Katafalke errichtet; dorthin wurdm um 3V, Uhr auS den betreffenden Häusern die Särge getragen und aufgebahtt; hinter jedem von sechs Bergleuten getragenen Sarge gingen die weinenden und jammernden Angehörigen. Wahrend dieses traurigen Vor- gange« formitte fich der Traumzug. Al« der letzte Sarg auf- gebahtt war, sang der katholische«irchmchor ein Requiem wo- rauf der Pastor Oesterling die kirchliche Einsegnung ver(17) Todtm seiner Gemeinde vollführte. Noch ein Todtenaesang deS katholischen KirchenchorS; dann setzte stch der unübersej? bare Zug nach dem an einem Bergaohange liegenden Friedhofe in Bewegung. Voran daS MufikkorpS der Grube Dud« weiler; eS folgten die Mttglieder der königlichen Bergwerks« direktion und andere höhere Bergbeamte, sowie die Obersteiger und Steiger. Die Königl. Regierung zu Itter war vertreten durch den Landrath des Kreises, Frhrn. v. Richthofen. Und weiter: Bürgermeister und Gemeindevertretung von Dud- weiler; Knappmverein von St. Ingbert(Pfalz); Deputationen von Bergleuten aller königl. Gruben, der Duvweiler Krieger« verein; die Kirchenchöre, die vier Geistlichen beider Konfcsfionm — dann die T.äger mit dm Särgen, hinter jedem die Fa« milimgliever; die Dudwttlrr Feuerwehr ging zu beiden Seilen. Fünf trauerumflolte Fahnen wehten in dem wohl einen Kilo« meter langen Zuge- das volle Glockengeläute beider Thürme ertönte. Auf dem Friedhofe war ein Massengrab hergerichtet, ein langer Gang, in dem die Särge— der erste enthielt die Leiche deS Steigers Kirst— aneinander gereiht wurden. Ein Geiang des katholischen KirchenchorS eröffnete die Feierlichkeit; nach der Grabrede deS Pastors Oesterling sprachen die evange- tischen Gttstlichen, die Pfarrer Trommershausen und Lichnock ebenfalls in ergreifender Weise; der evangelische(gemischte) Kirchenchor sang zwei Chorale. Eine abseits aufgestellte Ab« theilung des KriegeroereinS gab drei Ehrensalven ab. Tau« sende von Menschen erfüllten dm Frieshof, schweigsam und tief ergriffen. Ais dann nach Beendigung der hehren Trauer« ftter das große Grab zugeworfen wurde, o, da ertönten hun« dertfach Schmerzen Sschreie, der Eeelenschmerz der Verwaisten kam nochmals zum vollen, nicht zu schildernden Ausbruch. Diese Szene war herzzerreißend! r- Still verließ der Zug die Stätte, wo soeben so viele brave, vom Tod so jäh aus dem Lebm ge« ttffene Männer zur letzten Ruhe bttgesetzt waren; aber die Hinterbliebenen derselbm konnten fich noch nicht von ihren todten Lieben trennen. Die bohen Bergbcamtm u. s w., der „Bergmannszug" mtt der Mufikkapelle und die Geistlichkeit begaben fich dann nach dem nahm Herrmsohr; dort fand nun dieselbe Trauerftter in gleich erhebender, hebrer Weise statt. Wie viel Jammergeschrei ertönte wieder dort! Eine Wittwe wollte fich durchaus mit ins Grab stürzen. Gememnutz�eS. Kaltflüsstger Leim. Man löst besten Köllnischen Lei« statt in Wasser in gutem Esstg auf und setzt so viel Mehl unter Umrühren hinzu, vaß er noch dickflüsstg bleibt. So zuberettet kann man den Leim in Flaschen ohne Zersetzung aufbewahren. Vortheil beim Backen. Jede Hausfrau, die in die Lage kommt, dies und jenes selber zu backen oder backen zu müffen, sei hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß man ein schön lockeres Gebäck erhält, wenn man das Mehl vor der Jnangttfst nähme tüchtig lockert, entweder durch bloßes Aufräuseln, oder indem man dasselbe fiebt. Der Teig wird danach ganz auS« gezeichnet und ebenso das Gebäck. Gewöhnlich ist baS Mehl durch daS Pressen in den Säcken u. s. w. zusammengedrückt und daher ist obige Prozedur nöthig, um gute Resultate zu erzielen. Richtiger Wärmegrad- Man lasse bei kätterer Witterung die Luft im Zimmer nicht über 15 Grad Reaumur fein, weil sonst die Abhärtung deS Körpers in Frage gestellt ist, und der Körper selbst all rlei Erkältungskrankheiten auf leichte und empfindliche Weise ausgesetzt ist. Höhere Temperaturen er« schlaffen und bewirken, daß die Haut mit Leichtigkeit Kälte auf' nimmt und nachtheilig auf die Gesundhett zu wirken vermag» Verantworllrcher Redalreur R. krouuerm«n«erlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin sw„ Beuthstraße 2. Briefkasten der Redaktion. A. W 34- Am 31. März. 10 000 K. UnS unbekannt. O. B. Grenadierstraße. ES bedeutet eine Warnung. A- M Wenden Sie fiw an Herrn Lüderitz in Bremer» Machen Sie fich jedoch auf eine ablehnende Antwort gefaßt- E- L- Beides ist richtig. P. S. 54. In Liegnitz. Nr. 100. Zwei Wettende. Wir wissen eS nicht genau, nur soviel können wir Ihnen mittheilen, daß die Statuten jenes Verein« für Arbetter keinen Werth habm.. Wilhelm T- Man kann unsere Schttdemünzen, wenn fie neu find, als Grammgewichte benützen. DaS Einpfennigstua wiegt 2 Gramm, drei Zweipfennigstücke wiegen zehn Gram«, daS Fünfpfennigftück 2'/- Gramm, und das Zehnpfennigstua hat ein Gewicht von 4 Gramm. Will man also z. B. unter' suchen, ob ein Brief das Maximalgewicht des ttnfachen Briefe' (15 Gramm) hat, so lege man dm Brief in die Wagscha», in die andere dagegm 6 Fünfpfennigstücke oder 2 Fünf« uiw 3 Zweipfenniastücke. Einjährig-Freiwilliger. DaS ist kein Grund milrtÄ frei zu werden. Wenn eS Sie nicht am Gehen hindert, können Sie Infanterist, sonst Kavallerist werben. ,,, Treuer Abonnent. Die Reden werden auch fernerhw von uns mit der Äusführlichkett behandelt, die ihrem In?'? zukommt. Es kann Jemand in zwei Stunden viel leere« 5?""* dreschen, das die Druckerschwärze nicht werth ist. � Umziehende Frau. Flecken von Marmor können grüiws lich nur durch Schleifen mit Bimsstein und Poliren Schachtelhalm beseitigt werden. Ein Fachmann(MoflN" arbeite!) wird Ihnen das leicht btsorgm.g„ Mitleidsvolle Brüder R und P. Die Grube C-nZ Hausen liegt eine knappe halbe Stunde von Sulzbach 5:1 Saarbrücken entfernt, und ist eine der im Fischbachthal 0 einigen Jahren neu angelegten Zechen, mit allm Einrichtung� versehen, wie fie die heutige Wissenschaft zum Grudenbettte verlangt. Gegen die gewaltigen Kräfte der Natur laßt N eben nicht ankämpfm. t. Sch. Gürtler. Sie können am 1. Juli kündigen-, . S. Eine Beleidigung verjährt nach Ablauf von Monaten von dem Tage an gerechnet, an dem der Beleiln» Kmntniß davon erhaltm hat. m $?)• Z 206. Kordel(vom lat. oorcka— Seil) ist süddeurscher Ausdruck für Bindfaden.... � Alter Abonnent X. X. BimelalliSmuS ist dasselbe" Doppelwähmng. Statt daß bei der reinen Goldwayru. Zahlungen gesetzlich in Geld geleistet werden müssen, wm) Silber nur als Scheidemünze in klttnen Bettägen angenont � werden muß, läßt die Doppelwährung sowohl Gold-,. � Silbermünzm mit unbeschränkter gesetzlicher Z ah lung nach einem für beide Metalle angenommenen festen Werw hällnrß zu- �, niltf Ersatzreservist C.». Die Eisatzreserve ist durchaus n ganz militärfrtt. Wer im dtttten Tienftpflichtjahre der i � suchungslommisfion noch nach einiger Zeit tauglich K* w scheint, wird zur 2. Ersatzreseroe versetzt und nach der � nommcnen Zeit nochmals auf Tauglichkeit untersuch. scheint Ihr Fall zu sein..■. tyctt H. D., Colbergerstr. Wir billigen, wie Sie mü vermuthen, jene Besttebungen du chaul nicht. Einen mentar wollten wir zu jenem Bericht nicht geben, weit auS unserem Leserkreise zugegangen war. Ww übrigens in allernächster Zett auf den Gegenstand selbst i kommen. 8Seta»ettenbVUn|btt«ffÄo6e. Unter»DrtA£ stehen die Banken ein Unterpfand für einen SWben � schuß. Handelt eS stch um eine Uebergabe von Werwp behufS Aufbewahrung(also ohne Vorschuß darauf), da Sie an die Bank Aufbewahrungskosten zuentrichtew�-� Beilage zum Berliner Bolksblatl. Nr. 72. Nie„fittli»« Zeitung" setzt ihren Aldeiter-Äbonnentenfang beim Quartalwechsel mit der alten Heuchelei und Unverfrorenheit fort. Wir wiesen vor- gestern auf die politische Unwabrhaftigkcit der „Berl. Zeitung" hin. als fte m t eheener Stirn für eine parlamentarische Regierung eintrat, während ste doch zu gleicher Zeit die Geschäfte einer Partei besorgt, welche voller Entrüstung daS Streben nach parlamentarischer Regierung zurückgewiesen hat. Heute müssen wir unS gegen den JesuitiSmuS w>nden, den die„Berl. Zeitung" auf wtrthschaftlichem Gebiete rntwickelt, und mit dem ste den Arbeitern einzureden wagt, ste vertrete deren wirthschastliche Interessen und speziell das sozia- liflische Arbeiterschutzgesetz. Für wie schwachsinnig muß die Berliner Zettung doch die Ardeiter halten. Die„Berliner Zeitung'' ist ein Organ derjenigen Partei, welche alle Eingriffe des Staates in das Wirrhschaftsgetriebe verabscheut, welche mit verschränkten Armen, ohne einen Finger t» rühren, dem ungleichen Kampf zwischen mächtigen Unter» nehmern und schwachen Arbeitern zuschaut, und welche daher, trotz alles fteiheitlichen WortgeklinaelS, auf den Sieg dcS Groß- kapttalS, auf den Untergang des Mittelstandes und auf den wirthschaftlichen Ruin der Ard eiter kl a ff e hinarbeitet. DaS wissen die Ardeiter heute, und ste wer» den alle Versuche der„Freifinnigen", ste mit blendenden Wor« ten zu ködern, mit verächtlichem Achselzucken zurückweisen. So wird eS auch den Versuchen der„Berliner Zeitung" ergehen. Die„meisten" Forderungen deS sozialistische Arbeiterschutz- gesctzeS—«klärt die„Berl. Ztg."—„find von der freifinntgen Partei längst mehr oder minder(mehr oder minder ist gut!) als berechtigt anerkannt und wirksam vertreten worden, alS üb« Haupt von ein« organifirten deutschen Sozialdemokratie noch gar nicht die Rede war." Wie doch die„Berl. Ztg." wit der Wahrheit umspringt, wenn ste Abonnenten braucht! Wer anders als die Fortschrittspartei, oder wenn sich die „Berl. Ztg." des„Fortschritts" schämt, wer anders als der Freistnn hat fich am heftigsten allen staatlichen Maßregeln widersetzt, welche jemals zu Gursten der Arbeit« verlangt worden str d? Der sozialistische Entuurf�kündet fich an als *jne Abänderung der Gewerbeordnung, und nach 1864 äußerte Weldeck:„Die ganze Gewerbeordnung kann gestrichen werden ®om ersten bis zum letzten Pcragraphen", die bloße Prokla» mirung deS Grundsatzes der Koniurrenzfreiheit sollte nach ihm m Zukunft genügen! Nickt einmal die Fabrikmspektoren find hrm fl«en Willen der Fortschrittspartei entsprungen. AlS nn st die Konservativen unter Wagener zuerst im preußischen Landtag Staatshilfe für die Arbeit« verlangten, da«widnte nn einflußreicher fortschrittlicher Abgeordneter:„D« erste kleinste Schritt auf dieser Bahn würde daS Gelächter von ganz Europa hervorrufen, und man würde auf diplomatischem Wege ganz höflich anfragen, ob man aus Parts oder London tinige Jrrenä zte nach Berlin schicken solle." Solche Vor» Uellungen hatte d e Fortschrittspartei von Staatsh lfe Kid Sozialreform, ehe„Ferdinand Lassalle das Signal zur ewrmirung der Arbeiterbataillone gegeben." Und selbst von dem bescheidenen Verdienst dn Aufhebung ber KoalittonSbeschränkungen bleibt so gut wie gar nichts übrig, wenn man die parlamentarische Geschichte etwas genauer kenr r. Nicht auS Wohlwollen für dle Arbeiter, sondern auS Furcht vor den Arbeit« n und im eigenen selbstsüchtigen Hntirrffe hat die Fortschrittspartei seinerzeit die KoalitionS- fteiheit verlangt. In den Motiven deS GewerbegesetzentwurfeS von 1862 äuferte fie ganz unverhohlen:„Solange dai Verbot lder freien Vereinigung) besteht, bleiben die Arbeiter in dem Wohne, daß ihr Lohn durch eine gewisse Willkür zu ihrem Nacktheile gestellt wild, und daß fie durch übereinstimmendes Handeln den Lohn auch willkürl ch zu ibren Gunsten anders stellen könnten; fie kommen nicht zu der Ein ficht, daß ihr Lohn allemal volkSwirthschastlich auf ganz na>u>ges'tzliche Weise durch Angebot und Nachfrage fich bestimmt. Die Folgen ver- suchter Aibeitseinstelluna find die best- Abschreckung gegen die Wiederholung deS Versuchs." Wie arbeiterfteundltch! Um die Arbeiter abzuschrecken, will man ihuen die Streikesteihcit bewilligen! Und in dem Kommisfionsbericht von 1864 plaudert Donnerstag» den 26. März 1885. die fortschrittliche Mehrheit noch schamloser ihre geheimen Ab- stchten aus.„Mehrere von den in der Kommisston reichlich ver- tretenen Arbeitgebern sprachen fich dahin aus, daß das freie Koalitionsrecht der Arbeiter ganz besonders im Jnter esse der Arbeiter lieg e." Und ein fort- schrilllich« Redner tröstete seine Genossen im Abgeordneten- Haus:„Schlimme Folgen find in der That nicht zu defürchten, denn die Vortheile, die der Arbeitgeber durch den Besitz des Kapitals in einem etwaigen Streite vor dm Arbeitern voraus hat, find so groß, daß man üb«zeugt sein kann,« wird seinen Standpunkt behaupten."— Davon wollen wir noch ganz schweigen, daß man 1864 die Frage der Koalitionsfreiheit nur n o th gedrungen auf die Tagesordnung setzte: die v«- haßten Konsnvatwen drohten den fortschrittlichen Freiheitshel» den zuvorzukommen und agitirten lebhaft für Befestigung der alten Schranken(natürlich nur auf industriellem Gebiet und im Jntneffe der konservativen Partei). Kurzum: die Koali- tionsfreihest mag für die Arbestcr noch so werthvoll sein, die Fortschrsttler dürfen fick wegen ihrer Durchführung nichts ein- bilden: ihre Absichten find durchaus keine arbeiterfreundlichen gewesen, und fie thaten nichts fteiwillig, sondern nur unt« dem Zwang dn Verhältnisse. Und daß die freifinnige Partei, diese Partei deS Kapitalismus und der Arüestnfeindlichkcit, niemals„den Interessen der Ar briter feindlich gegenüber'ge. standen hat"— welchem Arbetter will die„Berl. Ztg." heute noch solche Bären aufbinden? Laffalle, der«ste große Ar» bcitcrführcr Deutschlands, hat seine b>sten Kräfte im Kampfe gegen die Fortschrittspartei verzehrt.„Nur über die Möglich- lest der Durchführung eineS NormalardeitstageS" bestehen nach der„Berl. Ztg." Meinungsverschiedenheiten zwischen dem sozialistischen Gesetzentwurf und dem Freisinn.„Nur" über den NormalarbeilStag, also nur üb« die Hauptsache, über »li» et«.*,.«.----'A- V.1- J. ai.i........ C." eines vie Krümelbürste. Von FranroiS Coppe«. Unt« diese« Titel veröffentlicht d«„B. folgende liebmSwürdige Klernmalerei in Form Selbstgesprächs aus dem Pariser Bourgeoisleben: Die Krümelbürste hat da« ganze Unheil angerichtet I Jawohl, die Bürste mit den weißen Borsten, mit den Rücken und dem Griff au« Elfenbein, welche die Form einer Sichel od« eine« Türkensäbel« hat und mit d«, nach d'n BourgeoiS-Mahlzeiten, vor dem Dessert, da» Dienst- Mädchen und zuweilen die Dame oder die Tochter vom Haufe, die Runde machend, die Brodkrümchen, die auf den Plätze der Gäste liegen geblieben sind, von der Tischdecke 'tßt. Nun— diese Krümelbürste hat mich in'« Unglück Skstürzt. Ich dachte durchau« nicht daran, mich zu v«heirathen 0 o*... am— mam V o-—"7'*9-" v| V* V w y UJ c II II I\ c s i ck getraut, solche Dinge an leitender Stelle zu schreiben. Ab« die Berl. Ztg. untnschätzt die polstiscke Reife deS Ardriler«, unv besonders deS Berliner Arbcstn!! Die Arbeiter durchschauen den plump-n Baunufang; sie wissen, daß die Fortschrittspartei für die Uedermacht des Großkapitals kä mpft und daß die Berl. Ztg. im Schlepptau dieser Partei schwimmt, und nur deshalb fich so arbeitnfreundlich gebcrdet, weil fie für das nächste Quartal daS Abonnementsgeld der Arbeiter braucht! Aber letztere werden kein, im Grunde seines HnzenS arbeiter- feindliches Blatt untnstützen! Die Sprache des Kindes. (Vortrag des Herrn Direktor Schäfer zu Altona.) Ausgehend von dem Ausspruche Goethc's:„Wenn die Kinder Alles hielten, waS fie vnsprcchen, dann hätten wir lauter Gemes", bci welchem Ausspruche nur an die Kind« im Alter von 2—4 Jahren gedacht sein könne, zeichnete der Vor- tragende ein interessantes Bild des geistigen Entwickelungs- gangeS der Kinder auf dieser ersten Stufe drs Lebens, wieS nach, wie der in die Seele des Kindes gelegte Keim unt« d« pflegenden Mutterhand zur hnriichsten Entwickelung gelangt, mit anderen Worten, wie das Kind die Sprache gewinnt. Allerdings ist daS Warum de» Warum dem menschlichen Geiste verborgen, allein die Beobachtung der äußeren Erschei- nungen, die Erkenntniß ihrer Ordnung und GesetzmäHigkeit, grstaltet ein Eindringen in das hinter den Lußnen Erschei- nungen liegende Wesen. Wie die Philosophie schon in alter Zeit nach dem Zusammenhang der Sprache und des Ge- dankenS geforscht, so hat die Sprachforschung der neueren Zeit hier Aufschluß über vre Entstrhung der Sprache gesucht, dn Arzr hat die in der Körperlichkeit des Menschen gelegenen Bedingungen der Sprechfähigkeit und Sprechstörung verfolgt und d« Pädogog hat all' drese Dinge zusammengefaßt, um aus ihnen Gesetze für die sprachliche Bildung des Kinde» zu schöpf-n. Um ein wirkliches Bild d« Sprache, mithin des Ausdrucks einer in d« Menschenseele gelegten Geisteskrast, dn Vernunft, Rundschrift mit einem Schnörkel„Leichen-Amt" geschrieben. vor Augen. Ab« ich verstand meine Sache gründlich, ich erledigte«eine Geschäfte im Nu und beschäftigte mich die übrige Zeit mit den Rebussen der„Monde Illustre". E« war meine starke Seite, ich schickte regelmäßig die Lösung ei« und hatte die Freude, meinen Namen im Blatt zu «rj OUIQ�UU® niiyi cus-wi»/ g** auch? Im Alt« von achtundzwanzig Jahren hatte 'ck noch hinlänglich Zeit, nicht wahr? Mein Bureauchef, nn ausgezeichnet« Mann, hatte mir oft genug gesagt: gr" Ihrer Stelle würde ich mich nicht verheirathen.... � cht etwa deshalb— weil ich feit zehn Jahren bereit« °°n«ein« Frau feparirt bin und inzwischen drei Prozesse �tgen Ableugnung von Vaterschaft mit ihr geführt habe, aber an Ihrer Stelle würde ich«ich nicht v«- hnrathen!"... Und dann hatte ich auch in La Roche- �ucauld den folgende» Gedanken gelesen, dessen tiefer f* B Üch mir jetzt erst offenbart hat, den ich aber damals lchon instinktiv bewunderte:„Et giebt gute Ehen, aber e« »t�t. keine deliziösen I" Uebrigen« war ich vollkommen Mcklich �d hatte mir mein Jnnggesellenleben ganz wunder- * Ungerichtet. * Ich war zu dies« Zeit— und bin e» heute noch— v'°n>ter in einem öffentlichen Verwaltung«- Bureau. «»utausendundfieben Franc« und eine Gratifikation— n>ehr hübsche« Gehalt für einen jungen Mann von di» iwanfig Jahren! Da« Bureau, dem ich attachirt m.:""�Bureau der Morgue und Amphitheater—, und b'"® Obliegenheiten, die in der Allstheilung der Ka- *i*" an die vnschie denen S-zirsäle bestanden, waren seck« Ür erheiternd, und ich hatte den ganzen Tag über � ürüne Kartonschachteln, auf d«en Deckel ich in schön« j ...■-■y•»*_/""'f—•»'•■y»'•••«•<•••»»»WIM flH" brachte, war ein Opfer, welche« der Broderwerb erford«te. Mein Leben begann eigentlich erst um vier Uhr, wenn ich, nachdem ich mir die Hände gewaschen und meinen Ueber- ärmel au« altem Alpakkr angehängt hatte, davonging, mit de« Stock rythmisch auf den Boden klopfend, über den Boulevard de« Invalide« und den Boulevard Montparnasse, nach dem entfernten Quartier, wo ich wohnte. Namentlich an Sommerabcnden war e« ganz charmant. Die schrägen Sonnenstrahlen vergoldeten die alten Bäume, die, welche man während der furchtbaren Belag«ung ge- fällt und du ch dumme Platanen ersetzt hat mit Platten, welche da« Ansehen von eisernen Schuhreinigern haben. Die Bäume von damals waren gute alt« Ulmen, gute alte Linden, gute alte Kastanienbäume, die langsam, in voller Erde, noch au« dem alten Frankreich stammen, au« jenen Tagen, wo man geduldig war, wo man da« Solide liebte, wo«an die nöthige Zeit darauf verwandte, um einen Bau« zu vflanzev, ein Institut zu begründen. Wie Sut e« that, unter den robusten Zweigen unter dem dichten aubwerk, welche« die untergehende Sonne mit warmen Funken besprühte, zu marschiren I Vor der Gare de l'Quest Halt! D« Garcon hatte mir meinen Tisch reservirt, am Fenster, im Enttesol de« kleinen Restaurant, und ich speiste langsam, amüsirte mich damit, die ruck- weise herauskommenden Passagiere de« Versailler ZugeS zu betrachten, die beiden Artilleristen mit de« flammendvothen Busch am Czako in ihren schwerfälligen ledernen Hosen, mit d« Hand die Säbelscheide hochhaltend, die sehr«müdeten Liebespaare, welche große Packete Feld. blumen mit heimbrachten, und den atten graubärtigen Bo< tanik«, in verstaubten Gamaschen und Strohhut mit der grünen Blechtrommel, welche auf seinem Rücken schaukelt. Gegen Abend trank ich mein«„demi-tasse", im Kühlen sitzend, vor einem Caft. Dann kehrte ich fast imm« hei«. n. Jahrgang. zu gewinnen, hat man sich daher an alle diese vnschiedenen Wissenschaften zu wenden. Warum kann nun daS neugeborene Kind, das doch die Sprechfähigkeit leiblich und geistig befitzt, nicht sprechen? Die Antwort darauf lautet, weil diese Sprechfähigkeit der Eni« Wickelung bedarf, ehe fie zur Sprechfettigkeit wird. In leiblich« Beziehung find es zunächst die Weikzeuge, welche nicht oder noch nicht ausgebildet genug vorhanden find, die Lungen, die Lust- röhre, d« Kehlkopf mit den Stimmbändern, die Mundhöhle mit Zunge, Gaumensegel, Gaumen, Zähne und Lippen. Die Lunge«zeugt den Luftstrom und treibt ihn durch die Stimm- bändet, die größere od« gering«« Oeffnung derselben bewirkt die tieferm oder höheren Töne. Durch Mund, Lippen und Zunge in ihren v«schiedtnen Stellungen entsteht die große Mannichfalliakcit der Laute, der Vokale und Konsonanten, die auf die in uns«« hochdeutschen Sprache fixirte Zahl von 25 Laut« nicht beschränkt ist, wie andererjeit« einzelne unserer Laute anderen Völkern fehlen, z. B. das R den Chinesen. Daß bei dem künstlichen Apparat, der zum Sprechen«- forderlich ist, die Kind« nicht im Stande find, gehörig zu sprechen, wird scpon durch die Erwägung nahe gelegt, daß ihnen durch daS Fehlen d« Zähne die Möglichkeit fehlt, die Zahn- laute hervorzubringen, aber auch die mangelhafte Entwickelung der AthmungSoraane, welche bei der Produktion der Laute einen so maßgebenden Einfluß üben, behindert die Sprach« nicht weniger, al« die mangelhafte Ausbildung deS Gehörs in der ersten Kindheit. Die Sprachlofigkeit der Taubstummen ist nämlich, um die» als Beweis heranzuziehen, nicht ein Fehl« der Sprachorgane, sondern nur eine Folge de« ganz fehlenden oder doch mangelhaften GehörS. Aehnlich ist es bei den Neu- geborenen, die Anfang» gar nicht, dann schlecht hören und deren Schwerhörigkeit erst dann aufhört, wenn das bis dahin wagneckte Trommelfell tn die gebührende senkrechte Lage ge- langt ist. Da« Gehör giebt dem Kinde den Anreiz, gehörte Laute nachzuahmen. Nicht minder wichtig find aber die geistigen Gründe für die Sprachlofigkeit der Kinder und hier in erst« Linie die Gedankcnarmuth derselben. Damit daS Kind spreche, muß e« etwas zu sagen haben, und dies ist erst der Fall, wenn Em« pfindungen, Begriffe und Vorstellungen im Kinde entstehen. Der Säuling, der fast den ganzen Tag schläft, hat kaum einen Eindruck von der Außenwelt, d« Geist ruht. Nach Verlauf deS ersten Vierteljahres, oft auch schon früher, stellt fich al« «ste Spur dcS geistigen LcbenS da« Lächeln, der beseligende Ausdruck des Wohlbebagens. die erste Stufe geistiger Regung ein. Die Entwicklung des Gefichtsfinns ist das wettere Stadium, das sür die Ausbildung des Geistes höchst bedeutsam ist, weil jetzt eine Fülle von Eindrücken auf das Kind einströmt und den Geist bereichert. Die geschauten Dinge wünscht das Kind zu«fassen und thunlichst umzugestalten. Noch aber ist es nur eine kleine Welt, welche das Kind beherrscht, ein Kreis, dessen Halbmesser der Arm des KindeS ist. ES regt fich aber in der Seele des KindeS das Verlangen, über diesen engen Kreis hinaus zu gelangen und auch ferner liegende Dinge zu ergreifen, dataus entsteht der Trieb zum Gehen, der liegenden Stimmung folgt die fitzende, dieser die stehende, bis der erste Gehversuch durch die Anfangs gewährte Unterstützung gelingt. Jede körperliche Thättgkett steht aber in engster Wechselbeziehung zu d« gei- stigen, und namentlich besteht zwischen dem Gehen und Sprechenlernen d« engste Zusammenhang. Durch die körperliche Entwickelung ist nunmcbr die Sprechfähigkett geschaffen. Zwar auch die Thiere v«mögen ihren Empfindungen durch Laute Ausdruck zu v«Ieihen, allein das Wort, daS aus dem Gedanken erzeugt, selbst wieder Gedanken und Thaten zeugt, der griechische Logo», der zugleich Vernunft und Sprache umfaßt, ist ihnen versagt. Bei den Kindern ist eS aber die keimartig vorhandene V«- nunft, welche, durch die Sinneseindrücke gereizt, den besten Ausdruck sucht und in der Sprache findet. Die Epoche der Spracherlernung umfaßt im Wesentlichen die letzte Hälfte de« zweiten Lebensjahres, nach dieser Zeit erweitert fich schon der Satzdau. Die Sprachlaute wnden aber im KtndeSmunde in einer Reihenfolge hervorgebracht, welche von den Lauten, die mit der geringsten phyfiologischen Anstrengung hervorgebracht werden, übergeht zu den schwierigeren und bei den schwierig» Wer mag e« jetzt wohl bewohnen, mein hohe« Zimm« in der Rue d'Affa«? Irgend ein Philist« vielleicht, der die Wände durch chromolithographirte Bilder von Politikern verunzirt haben wird. Zu meiner Zeit war e« da« Zimm« eines Armen— parbleu— aber nach meinem Geschmack möblirt, da» Zimm« eine« Stubenhocker», welcher in jed« getrockneten Blume die Erinnerung an eine Träumerei be- wahrte. Ich hatte dort meine Flöte, meine Pfeife, einen guten Teppich, einen großen Fauteuil mit höh« Lehne, so recht bequem, um zu grübeln, und am Feuer sitzend, zu lesen; auf einem Brett die Bücher, welche ich auswendig weiß, Montaigne und La Fontaine und, für die Stunden der Rührung, den lieben Dickens; und recht« und link« vom Spiegel meine schönen Stiche au«„Goucher de la llariee" und den ».Hasards heureux de l'Escarpolette". Im Sommer waren meine Morgen kostbar. Ich schlend«te in Hemdsärmeln im Zimmer herum, mein« erste Pfeife rauchend, deren Dampf mit einem blonden Sonnenstrahl davonwirbelte, und durch da« weitgeöffnete Fenster erblickte ich die grünen BoSket« de« Luxembourg, die Kuppel vom Pantheon und Val-de« Grace und Himmelsbläue, viel Himmelsbläue; und die schmiegsamen Schwalben flogen immerwährend hin und her, höchst«baut von mir, und zwitscherten mir ihr„Piep, Step" zu, da« ganz wie„Guten Morgen" klang. Ab« d,e lbende waren noch süßer, die Stern- Abende, an denen ich, wenn ich zwei od« drei Seiten gelesen und auf meiner Flöte ein Stückchen von Mozart gespielt hatte, mit den Ellenbogen aufgestützt, die Herrlichkeiten de« Zodiacu» an- staunte und den abg«issen herüberschallenden Walzerklänge» aus dem Bulli«-Lokal lauschte, welche d« Wind zu mir herübertrug. Ja, alles da« war sehr schön— ab« e« fehlte etwa«, eine Frau! In mein« Existenz hatten die Unterröcke noch keine Rolle gespielt. Ich hatte genug an den kleinen Mo- distinnen, welche man beim Herauskommen au« dem Ma« gazin«wartet, welch« rnan begleitet, d«en Geschichten man mitanhört, zuweilen ein„Sicherlich!" oder„Ah, sehr wahr" dazwischen werfend, und die sich ihre Stiefel mit einer Haaraadel wieder zuknöpfen I Aber unklug« Weise mußte ich nun gnade da« eine« Kollegen anvertrauen— ich hätte mich vor diesem Schlingel vorsehen sollen; e« war ein praktischer Mensch, welcher zu seinem Vergnügen und sten enbtf. Bei dem Säugling werden nun die Lippen- und Zungen mui kein besonders gestärkt und die ersten Laute find daher Lippen- und Zungenlaute in Verbindung mit einem ohne künstliche Mundaestaltung hetvorgebrachten Vokal, also z. B- B P M F D N- Solche Laute oft hinter einander wieder- holt ergeben zum Beispiel Pappa, Mamma und erklären eS, daß bei nahezu allen Völkern diese Ausdrücke annähernd dieselben find, weil diese leichtesten Worte zur Bezeichnung der dem Kinde nächststehenden Personen verwendet werden. Bei den Vokalen giebt eS zwei Stufen, die leichtesten find A. 0 U, weil bei ihnen der Mund eine Schallröhre bildet und die Verschiedenheit nur durch starkes oder weniger starkes Zurückziehen der Zunge entsteht. Schwieriger ist eS, die Reihen- folge der Konsonanten festzustellen, wenn auch, wie wir oben bemerkt haben, die Lippen- und Zungenlaute jedenfalls zur ersten Gruppe gehören, während unbestritten 8, Sch und R der letzten Gruppe angehören. Selbstverständlich werden aber die Konsonanten namentlich derselben Gruppen oft mit einander verwechselt, an die Stelle der schwereren leichtere gesetzt oder ganz weggelaffen. z. B. T statt X. Der Wortschatz des KindeS ist dabei natürlich ein sehr verschiedener, zu der Anrede an die Eltern und nächststehende Verwandten gesellen fich zunächst Worte für Dinge, durch welche dem Kinde Lust erregt wird, Nahrung. Spielzeug u. s. w., dann aber tritt auch namentlich daS Interesse für die Thierwell hervor in den Bezeichnungen Wau-Wau, Hatto, ferner eine Anzahl von ThätigkeitSworten, die von Laufen, Essen und dergleichen einfachen Dingen handeln. Die Eigen- schaftSwörter der Kinder beschränken fich meist auf wenige, gut, schlecht, groß oder klein. Wenn nun auch die weitere Sprach» entwickelung namentlich auch von dem körperlichen Gedeihen, der Umgebung u. s. w. bedingt wird, so ist doch zu konstatiren, daß gewisse anscheinend einfache Begriffe nur sehr langsam fich einprägen, z. B- Raum, noch mehr aber Zeitverhältniß. Noch langsamer natürlich als der Wortschatz entwickelt fich bei dem Kinde die Grammatik, die Sprache desselben ist zunächst eine völlig flexionslose, die Hauptworte werden im Nominativ der Einzahl, vie Thätigkeittworte nur im Infinitiv gebraucht- Erst allmählich geht dem Kinde daS Verständniß für die Wonbiegung auf, für dm Plural oder für die einzel- nen Fälle, auch die Steigerung beim Eigenschaftswort wird, wenn auch zunächst fehlerhast erlernt, die größte Schwierig- keit macht aber immer noch die Biegung des ThätigkeitS- «ortes, namentlich in der unregelmäßigen Form, auch die An« wendung der persönlichen FürwoNer ist eine mangelhafte. Das Wort Ich erscheint dem Kinde edmso über- flüsstg, wie dem Kaufmann in seinm Briefm. Die Bezeichnungen„ES" und„Sie" find zu vieldeutig und werden daher durch die direkte Personenbczetchnung ersetzt. Sobald aber diese Stufe überwunden und zuerst als„Ich will" aus- gesprochen wird, tritt eine Umwandelung mit dem Kinde ein. Dem„Ich will" oder„Ich will nicht" gesellt fich alSbald daS „doch" bei, und dem Vater beginnen bereits leise Zweifel an oer Engelnatur seines Kindes aufzusteigen. Der Satzbau ist auch noch jetzt sehr einfach, die Frageform tritt erst im dritten Jahre auf, um aber dann als Schrecken!- form auch auf den geduldigsten Vater zu wirken, weShalb denn auch einer der ersten Satze in der Tugmdlehre der Kinder lautet:„Kinder müssen nicht immer Was Warum fragen!" An das Fiagen schließt fich an und läuft nebenher die Periode der Erzählungen, sei eS, daß daS Kind fich selbst, seinem Spiel« zeug oder uns etwaS vorträgt. In reizvoller Abwechselung geht hier Erinnerung und fteie Erfindung Hand in Hand, und wie im VolkSliede nur die Hauptpunkte hervorgehoben find, die Zwischenglieder aber der ergänzenden Phantaste deS Hörers überlassen bleiben, so auch bei der Erzählung deS KindeS. Nicht minder aber ist es von Interesse, zu beobachten, wann bei dem Kinde zuerst Freude an dem Hören von Erzäh- lungen und am Singen beginnt. Einfache Geschichten, wie die vom Rothkäppchen, werdrn schon gegen Ende des zweiten JahreS mit gespanntester Aufmerksamkeit angehört und auch offenbar verstanden, um nicht viel später selbst von den Kin« dem vorgetragen zu werden, und dasselbe gilt auch von den Weihnachtsgeschichten. WaS daS Singen anlangt, so kommt hier viel auf die Umgebung der Kinder an; vielfaches Hören von Musik weckt schon früh den Nachahmungstrieb. Nach Verlauf der ersten 3 Jahre bietet die weitere Eni« Wickelung deS Kindergeistes, so interessant ste an und für fich auch ist, dem Laienauge nicht mehr viel BemerkmSwertheS. Je richtiger das Kind nun sprechen lernt, desto weniger beach- tenSwerth erscheint uns seine Sprache. Der Geist befindet fich scheinbar jetzt in einem Ruhezustände, der erst durch dm Schul- untenicht aufgehoben wird. Die ersten Flegcljahre deS bis dahin fügsamen Kindes beginnen, und die Mutter steht nicht mehr so scheel auf die böse Schule, welche ihr daS Kind wenig« stens für einige Stunden deS Tages entführt. aus Sparsamkeit die Schuhmacherei erlernt und fich im Büreau in seinen freien Stunden selbst die Stiefel sabri« iirte. Er sagte mir sofort:„Ich habe etwa» für Sie— dreißigtausend Frank« Mitgift und gute Aussichten: die Mutter hat violette Lippen, sie wird an einer Herzkrankheit sterben"... Ich war unschlüssig, ich sträubte mich— bah, nach vierzehn Tagen aar ich schon kompromittirt, ich hatte eine Einladung zum Diner in der Familie der jungen Per« son angenommen— die Krümelbürste hat da« Uebrige ge« tl'an E» äar in dem Augenblick, wo man da» Dessert auf« trug. Da« Mahl war sehr hübsch, sehr gemüthlich ge« wesen I Obgleich sie die Photographie ihre« Gatten al« Brosche trug, hatte die Mama da» Aussehen einer au*« gezeichneten Frau und obwohl der Vater etwas feierlich war und von der Suppe an über die Haltung, welche Frankreich Rußland gegenüber bewahren sollte, sprach, mißfiel er mir nicht in seinem Hau»käppchen und mit dem «eißbärtigen Haupt eine» Modells für„Mose»" und „Ewigen Vater". Ich hatte sehr gut, zu gut dinirt. Der Bratm war offenbar am Holzspieß zubereitet und e» gab da einen Burgunder, welch er nach Veilchen duftete. Da» Herz ging mir auf beim Dessert, einem rechtm Winter- bessert, wie man e« bei kleinen Bourgeois findet: ein Kuchen, Makronen, runzlige Aepfel, Apfelsinen und heiße Piaronen in einer Serviette.— In diese« Augenblick nahm da« junge Mädchen, auf eine Geste der Mutter, ein Körbchen und die Bürste in Form eine« Batagans zur Hand, um bei jedem Kouvert die Brod- trümel einzusammeln. Sie find nicht von Marmor, nicht wahr? Ich auch nicht; und al« diese große Brünette, mit Wangen wie Apia-Aepfel, fich zu mir hinbeugte, um da» Tischtuch abzufegen, al»»hre volle Büste meine Schulter leicht berührte und da« ferne Parfüm ihre» Haar» mich berauschte, sagte ich mir— und daran war auch dieser Burgunderwein schuld— sagte ich zu mir selbst:„Ich werde meinen Antrag machen!" Nun wohl, ich habe ihn gemacht- es ist zehn Jahre her,»ch fand eine wohlwollende Aufnahme und bin— der unglücklichste Mensch von der Welt. � Zuerst, al» ich verheirathet war und Familienvater wurde mußte ich ein viel tüchtigerer Beamter werden. K o k« t e s. er.„Eine Schwalbe macht keine« Sommer", davon ist Jedermann überzeugt, denn sonst hätte man dieses Lied nicht schon so unendlich oft gesungen. Aber keine Schwalbe macht erst recht keinen Sommer, und wenn jene leicht be« schwingten, graziösen Thierchm nicht zur rechten Zeit eintreffen, so ist auch der Frühling noch nicht da. und wenn eS tausend« mal im Kalmder steht. Erst die Schwalbe verleiht auch den Städten dm rechten Frühlinasanstrich, wenn die erste Vor« Hut dieser herzig zwitschernden Vögel mit dem frohlockenden Pfiff hart über dem Sttaßenpflaster oder hoch oben im blauen Aether die Luft durcheilm, wmn fie emstg nach einem geschützten Plätzchm für ihr neues Nest suchen, wenn ste geschäftig daS alte ausbessern, oder den grimmen Kampf mit dem räuberischen Spay ausfechten, der ftecher Weise fich über Winter in ihr warmeS Nest einquartirt hat, dann erst ist eS Frühling. Vorgestem war nun nach ur- alter Tradition der Tag, an welchem fie hier bei uns ein- treffen sollten. Sie kamen nicht, fie find auch bis heute noch nicht da, und werden wahrscheinlicher Weise auch noch eine ziemliche Weile auf fich warten lassen. Man steht, wie ge- waltig fich selbst die Tradttion irren kann. Es gehört näm- lich in der That auch nicht viel dazu. Denn wenn unS da« Wetter einen üblm Streich spielt und die Jahreszeit das nicht hält, was die Bauemregeln, der hundertjährige Kalender oder der Schäfer ThomaS versprochen, so fällt auch das zusammen, was eigmtlich sprichwörtlich wahr geworden ist. DaS soll nun Frühling sein! Sonst schlug um die jetzige Zeit schon draußen im Friedrichshain der Fink, der Himmel war so blau und durchfichtig, die Sonne streute Glanz und Wonne auf die Erde und die Keime und Knospen war« teten nur noch aufs Stichwort. Nun ist aber auf einmal das ganze Programm abgeändert: eS weht eine kalte scharfe Lust, aus unserem Jubel ist ein bitterer Schnupfm geworden und fast wäre man versucht, die Natur wegm Verbreitung falscher Nachrichten zu belangen. Ach, so geht eS uni! Der Baum setzt Zweige an und der Strauch treibt frischgrüne Blätter, aber der Mensch gewinnt mit jedem jungen Jahre nur daS Bewußtsein, daß er dem Schluß seiner ir- dischen Amtsdauer näher gerückt; seine Glatze belaubt fich nicht, kein morscher Zahn treibt Wurzeln; ihm blüht im Beginn des Frühlings nur die AuSficht, vielleicht die Wohnungs- miethe doppelt zahlen zu müssen und die Freude, daß er höch- stens seinen alten Strohhut waschen lassen darf. Aber that- kräftig hat fich der junge Lenz auch schon bei un» erwiesen, das muß ihm der Ne'd lassen. An dem einen Ende der Leip« ziger Sraße verttieb er mit seinem jugendlichen Eturmesbrausen den ReichSlag,„wohl mir", seufzt der Laufbursche, der de« Abends bei Sturm und Regen den Bericht Holm mußte,—„wohl mir," seufzt der ZeitungSmensch, der ihn ermattet beim Lampen- licht nicht mehr zu studiren braucht,—„wohl unS," seufzt das Publikum, das fich an Richter'schen Reden schon längst den Appetit verdorben hat,— und„wohl unS," athmen auch die würdigen Vertreter deS deutschen Volkes auf—„laß', Vater, genug sein des grausamm Spiels>" Nur daS preußische Abgeordnetenhaus am anderen Ende der Leipzigerstraße führt noch ein kummervolles Dasein, möge auch hier der Frühlings« wind bald die langw— ieriaen Debatten abschneiden, damit, wenn auch nur für wenige Wochen, endlich einmal Ruhe ein- tritt. Dann kommen auch gewiß die langersehnten Schwalben und mit ihnen wirklicher, lebenswarmer Frühling und mtt ihm die AuSficht auf recht sonnige Ostertage. Eine auffallende«nd wenig erfreuliche Erscheinung bietet, wie der./Loss. Ztg." geschrieben wird, seit einiger Zeit das in der Pallisadenstraße belegene Asyl für obdachlose Familien, indem dasselbe so stark in Anspruch genommm wird, daß die Verwaltung große Mühe hat, die Obdachlosen unter- zubringen. Nahe an 300 Köpfe werden augenblicklich beher« bergt, darunter 75 Frauen mtt etwa 170 Kindern. Es handelt fich hierbei nicht um jene Personen, welche bloS vorübergehend im Asyl nächtigen, sondern um Familien, die theils durch Exmisfionen wohnungSlos geworden find, theilS von ihren Ernährern verlassen, fich nicht Raths wissen, theils, und darauf weist die übergroße Zahl von Frauen hin, dauemd nicht in der Lage find, mit oder ohne Unterstützung der Armen« Direktion eine eigene Wohnung zu behaupten. Da» ist gewiß ein trauriges Bild unserer gesellschaftlichen Zustände, aber die Armen-Direltion allein wird an diesen Thatsachen wenig ändern können. Was nützt solchen unglücklichm Leuten eine einmalige Unterstützung, die, wie die Erfahrung gelehrt hat, meistenthellS so geringfügig ist, daß fie ernsthaft nicht einmal in Bettacht gezogen werden kann! Wenn die Armen und Elenden unserer Reichshauptstadt ausschließlich auf die Armen- Direktion angewiesen find, dann find ste eben verloren. Denn die ArbeitSlostgkeit wird nach- gewiesenermaßen von Tag zu Tag größer, die Unficherhett der Existenz wächst zusehends,— wo soll die Armenverwaltung die Adieu Rebusse de„Monde Jllustrs". Jetzt versenke ich mich bi» über den Hal» in«eine widerwärtigen Papier» wische, ich brüte über der Frage der Morguen, ich studire die„Amphitheater". Da» ist mir zuwider, da» degoutirt mich; aber ich habe schon drei Kinder und bin erst SouS» Chef mit fünftausend Franc» Gehalt. Um in den Augen meiner Vorgesetzten als ein sehr bedeutender Mann, al» eine Spezialität zu erscheinen, habe ich einige Werkchen veröffentlicht, deren Titel schon mir Angst machen.„Die Morguen, wa» fie gewesen sind, wa» sie sind, na« sie fein müßten", 1. Band, oder„Ueber die Gefahr der zu hef« tigen Beerdigungen", 1. broschirter Band; und ich bereite augenblicklich einen sehr umfangreichen Bericht vor„Ueber die Kirchhöfe außerhalb der Stadt und den Leichin- travSport auf Eisenbahnen, vom Standpunkt der Dezenz und dem der öffentlichen Hygiene". Ich, ern ehemaliger Flötenspieler, ich, der ich einst So« n-te gereimt habe! Meine arme Flöte, meine schöne Flöte au» Grenadillenholz! Wie lange ist sie nicht mehr aus ihrem Etui herausgekommen, ebenso wie meine Meer- schaumpfeife mit dem von einer Adlerklaue umkrallten Kopf. Die Musik und die Träumerei sind gut für Poeten und Unverheirathete! Wie weit liegen fie auch zurück, diese angenehmen Spaziergänge nach Bureauschluß l— Jetzt steige ich recht schnell in den Tramway, um in da« schreck- liche Viertel zurückzufahren, in welchem meine Frau hat wohnen wollen, um in der Nähe ihrer Eltern zu bleiben. Ich bewohne da ein trostlose» Entresol mit niedriger Decke, von welche« au« ich de« Morgen», wenn ich mich vor de« Fenster rasire, einen Bauplatz und weiterhin da» Profil eine» sechsstöckigen Hause» erblicken kann mit einem ge- malten, riesigen grünen Teufel, welcher au» einem Füll- Horn die Weste— da! Beinkleid und da! Jaquet eine» komplett» Anzüge» zu siebzehn Francs schüttet. Mein Gott, ich habe mich nicht gerade über meine Frau zu beklagen, sie ist eine gute Kreatur, wenn fie auch ihre Kinder nicht wie eine Mutter, sondern wie eine Henne liebt und sie furchtbar verdirbt. Nur«erde ich «ich nie an ihre Unordnung gewöhnen. Ist e» für einen nervösen Mann wohl erträglich, frage ich Sie, Kinder- schuhe— und das passirt mir alle Tage— ganz durchnäßt auf dem Kaminbock zu finden und eine trocknende Windel Mittel hernrhmen, um schließlich alle Hilfsbedürftige zu unter» stützen? Es ist daher unseres ErachtenS nach vollständig über« flüsstg, wenn die„Voss. Ztg." in ihren weiteren Ausführungen der Armen- Direktion folgendes Loblied fingt:„Die Armen» Direktion thut nach Möglichkeit das Ihrige, durch Einlösung der retinirten Gegenstücke sowie durch Gewährung der Geld« mittel zur Bezahlung der ersten WohnungSmiethe für eine neue Wohnung diese Unglücklichm wirthschaftlich wieder herzu- stellen, nicht allzu oft leider mit dem gewünschten Erfolge." Wenn die Armendirektion das auch Alle« wirklich thut, so be- darf eS doch keines weiteren großen Aufhebens, denn dann thut die gmannte Direktion eben nur ihre Pflicht, wie wir ste Alle thun müffm, ohne dafür öffentlich belobt zu werdm. Der konservative„ReichSbote" schreibt:„Zum Kampfe gegen die Unstttlichkeit fand gestern wieder eine von der Lei« tung der Etadtmisston veranstaltete Männerversammlung in EommerS Salon statt. Dieselbe lr«r nur schwach besucht und die für solche Versammlungm dringend erwünschte gehobene religiöse Stimmung wurde wesentlich beeinträchtigt durch da» Umherlaufen der Kellner, durch das Biertrtnken und vielfache Zigarrenrauchen. Die Herren Pastor Griesemann, Pastor Droß und zuletzt Hoforediger Stöcker schildertm mit bewegten und deutlichen Wortm die Unstttlichkeit in Berlin, die Pflichten der Männer dagegen und da« jammervolle Ende der Sünde, sowie die darin liegenden Gefahren für unser Volk. Hofprediger Stöcker gab die Anregung zur Bildung eines Männeroerein» zum Kampf gegen die Sünde; doch wollen die Herren Geistlichen die Bildung des Verein« nicht selbst in die Hand nehmen, sondern hoffen, daß fich ein Laie dazu gedrängt fühlm wird. Zum Schutz vor unliebsamen Störungen, welche übrigen? kaum zu erwarten find, finden diese doch mehr religiösen und keineswegs politischm Versammlungen regelmäßig unter polizeilicher Ueberwachung statt. Zu der vorletzten Versammlung in der Tonhalle waren sogar eine große Anzahl Schutzleute komman- dirt, die fich in dem unter dem Saale befindlichen Tunnel aufhielten. Vermuthlich erwartete die Behörde damals gröber« Störungen und war gerüstet, denselben entgegenzutreten."— Gut. Wir fügen dem nicht« hinzu und über lassen e» unseren Lesern, fich den nöthigen VerS selbst dazu zu machen. Aber in derselben Rummer des zitirten Blattes finden wir folgende» kleine, durchaus sittlicheScherzchen, welcheAstch das Pastoren-Blatt neben mehreren anderen hi-figen Zeitungen leistet: „Der DäumlinaS-Gencral. Mr. Mite, der fich gegenwärtig all« abendlich im Concordia-Theater in Gemeinschaft mtt seiner jungen Frau produzirt, hat eine Einladung nach dem in der Nähe von Berlin befindlichen Gute eines Finanzier? angenommen, welcher seinen Gästen während eines FestdinerS eine eigenartige Uebcrraschung zu bereiten gedenkt. E« ist beabsichtigt, eine Pastete auf den Tisch zu bringen, in der die Duodez-Exzellenz enthalten sein soll. General Mite befitzt Humor genug, auf den Scherz einzugehen; er wird fich in dieser Pasteten-Festung interniren lassen und auf ein ge« gebeneS Zeichen einen Ausfall machen." DaS hat nicht etwa im Annonzen-Theil deS geschätzten BlatteS gestanden, für welchen eS, wie unsere Leser wissen, nicht einmal dem„D. Tgb." gegenüber eine Garantie übernimmt, sondern eS war dem redaktionellen Inhalt eingefügt. Nun läßt sich freilich über den Werth und die Dehnbarkeit des Begriffs der Sittlichkeit und Unfitllichkeit ganz entschieden streiten, wir halten ,. B. manches für durchaus unfittlich. wa! dem frommen„Reich»« boten" gottgefällig und edel erscheint. Ganz entschieden find wir der Anficht, daß Mißgeburten, denn etwas Anderes ist doch der„General Mite" nicht, nicht dazu da find, um„Finanziers" nach der Mahlzeit zu einem so unpassenden Vergnügen zu dimen, wie es in dem zweiten Artikel des„ReichSboten" be- schrieben wird. Wir halten daS Vornehmen solcher Handlun- gen für durchaus unfittlich. Darüber hat fich jedoch der blafirte Finanzier allein Rechenschast zu geben. Aber für genau ebenso unfittlich halten wir eS, wenn eine Zeitung sich veranlaßt fühtt, derartige Ungehörigkeiten in die Welt hinauszuposaunen, und noch dazu ein Blatt, welche« man eigentlich nur auf den Knien liegend lesen sollte. Es wird unfern Lesern hieraus zur Ge- nüge klar sein, was fie von dm ernstlichen Sittlichkeirsdestre- Hungen derjenigen Leute zu haltm haben, zu deren Vertreter fich der„Reichs böte" macht. ». Die mtt der Durchlegung der Pferdeeisenbah« durch die Münzsttaße und den angrenzendm engen Theil der Alexanderstraße in Verbindung stehende Verbreiterung dieser Straßentheile ist auf eine neue Schwierigkeit gestoßen. Die städtische Baudeputatton hatte behufs Verbreiterung der Münz- straßc zwischen der Kaiser Wtlbelmstraße und dem„König«' grabm" und deS angrenzenden Theil« der Alexanverstcaßc für die Grundstücke Münzstraße 14—18 und Alexanderstraße 56 (Alexander- Regiments- Kaserne) und 55 neue Baufluchtlinien beschlossen, womit fich die städtischen Behörden einverstanden erklärt haben. Man ging dabei von der Annahme au«, daß daS große schon sehr atte Kasernengebäude binnen nicht zu langer Zeit einem Neubau weichen würde. Diese Annahme hat fich aber als eine irrige herausgestellt, da der Ällitärfisku« aus dem Feuergitter?— und ich werde ferner niemal» be' greifen, we»halb sie darauf bestebt, diese« Dienstmädchen zu behalten, welche einen rothen Fleck im Gesicht hat un» deren Anblick allein schon mir dm Appetit raubt! Auch meine Schwiegermutter wäre zu ertragen, diese unglücklich» Helotin, die von ihrem alten Popanz von Gatten mit dem weißen Bart und den dicken schwarzen Augmbrauen förw' lich terrorisirt wird und zu ihm nur in der folgendm, zu' gleich respektvollen und zärtlichm Weise spricht:„Herr Duo«, reiche mir dm Mostrichtopf herüber; Herr Dubu, willst Du noch ein wenig Suppe?" Aber er, Dubu,«ein Schwiege*' vater ist e», welcher mein Dasein vergiftet hat. Er'P ein furchtbarer Bourgeois, ein HauStyrann. Mittel' mäßig und anspruchsvoll, mißbraucht er seine eh*' würdige, erhabene Physiognomie, um allen Seine» die ditttrschmeckende Autorität einer Lektion zu theilm und versetzt«ir gewaltsam erzdumme Theorie» über den Fortschritt, die Wohlthaten de» öffentlichm Ü»' terrichtS und andere längst in dm Zeitungen abgedroiche»» Dinge. Sein Patriarchmkopf, welcher seinm Seifenbürfi» ähnlich sieht, irritirt mich durch ihren Au»druck unertrag licher Dummheit derartig, daß ich, wenn mein Schwiege*' vater von dm Uebergriffm de» KlerikaliSmu« spricht, L»P verspüre, mich für ein« Pilgerfahrt nach Lourde« einz» schreiben, und daß ich, wenn er die legitimm Errunge» schaften der Bourgeoisie, die er niemal« ander« al» „Aristokratie der Arbeit" nennt, lobpreist, ich sehr 0*% bin, eine rothe Schärpe umzubinden und«ich an* Spitze einer Petroleur»bande zu stellen. Sehr enghe*� und hart in seinen Geschäftm, reklamitt er beständig' Lösung der sozialen Frage, nennt die Wohlthätigkett»• gradirend für da» Volk und verweigert einem Armm P*' Sou» unter dem Vorwand, daß die Bettler sich künf�jj mit Gebrechen auSstasfiren und daß er eine»#(» von einer zerlumpten Frau angeredet worden sei, sich auS eine« Packet Kleiderfetzm ein falsche« Beb« zirt hätte. i(j Da ich die Unvorsichtigkeit gehabt habe, mich, a?, «ich einrichtete, ganz in die Hände diese« Menschen zu geben, welcher behauptete, sich Alle« Wb, und billiger verschaffen zu können, als ich, so hause � rothem Sammet und Mahagoniholz, und die P»» wesentlich« bauliche VerSndenmoen auf dem kasernengnmdstück oder aar eine Verlegung der Kaserne nach einer anderen Stelle in absehbarer Zeit nicht vorzunehmen gedenkt- Da nun auf der anderen, der Kaserne gegenüberliegenden Seite der Alexander- straße fich mehrere Neubauten befinden, so würde die Fest- setzung einer neuen Fluchtlinie für diese Grundstücke in absehe barer Zeit ebenfalls prektisch bedeutungslos sein. Stehler und Hehler festgenommen. Eine Spitzbuben bände, welche den Üederdiedstadl en gros zu ihrer Spezialität §(macht und vor drei bis vier Wochen in der Dorotheen- ieum Friedrich- und Jnselstiaße bezügliche Einbruchsvistten abgestattet hatte, bei denen ihr eine Beute im Gesammtwerthe, von nahe an lOOOO M. in die Hände fiel, ist>m Laufe der vorigen Woche durch den Kriminal-Kommissar Braun ermittelt und verhastet worden. ES find fünf Spitzbuben, die fich jetzt hinter Schloß und Riegel defindm. Der Umsicht dei Kriminal« Kommissars Grützmacher ist es nun auch gelungen, den Hehlern auf die Spur ,u kommen und dieselben mitsammt dem gc- stohlenen Gut abzufassen. DaS„B. erfährt hierüber folgende interessante Details: Am Freitag v W. Nachmittags kamen zwei junge Männer, welche auf einem Handwagen drei Sohlenleder häute mst sich führten, zu dem Schuhmachermeister W. in der Keibelstraße und boten demselben die Lederhäute zum Kauf« an. W. erklärte ihnen jedoch, daß er das Leder nicht selbst kaufen könne, ihnen aber einen Abnehmer nach. weisen würde, und bestellte die jungen Männer zu diesem Zweck um Punkt 8 Uhr Abend? nach der Brunnen- und VeteranensttaßeN'Ecke. Dort fanden sich die beiden Leute mit ihrem Handwagen auch pünktlich ein, und der sie daselbst bereits erwartende Schuhmacher W führte sie nach der Brunnenstraße Nr. 7 zu dem dort in der ersten Etage des Seitenflügel« auf dem Hinterhofe wohnhasten Schuhmachermeister H, der fich auch bereit erklärte, die Sohlenleder zu kaufen und über den Preis von 15 Mark für jede Haut— die einen reellen Werth von 60 bis 70 Mark hat— bald handelseins wurde. Nachdem die Verkäufer die drei Häute in die Wohnung ge- bracht hatten, begaben sie sich in Beglettung des H. und des W. n ch einer an der Eisaffer- und Rosenthalerstraßen-Ecke ge- legtnen Destillation, woselbst die Zahlung erfolgte. Von dm empfangenen 45 Ml- erhielt der Schuhmachermeister W. von dm Verkäufem 5 Mk. als VermittelungSgebühr. Während Käufer und Verkäufer sich zu fernerer Geschäftsverbindung gegenseitig empfahlm und im Begriff waren, die Destillation »u verlassen, tauchten plötzlich unter Führung des Kr minal- komm ssar? Grützmacher mehrere PolUeidearnte auf, welche die beiden Schuhmachermeister H und W. festnahmen und nach dem Molkenmarkt tranSportirten. Dieselben waren nämlich in «ine von der Polizei geschickt gestellte Falle gegangen; denn die beiden jungen Leute, welche die Lederhäute zunächst dem der Hehlerei bereits verdächtigen H. angeboten hatten, find Vigilantm, währmd die drei Sohlenleder von dem in der Dorotheenstraße destohlmen Lederhändler zu dem polizeilichen Manöver hergeliehm worden warm. Polizeibcamte waren die ganze Zeit über dm beiden Vigilanten mit dem Handwagen unbemerkt gefolgt und hatten die Klappe zugemacht, als die beiden Hehler in der Falle saßen. Bei einer noch in derselben Nacht in der H.'schen Wohnung in der Brunnenstraße vorge- nommmen poltzellichen Durchsuchung wurde noch ein so großer Thkil des auS jenen drei Einbruchidiedstählm herrührenden gestohlmen Gutes vorgefunden, daß zur Uederführung desselben nach dem Molkenmartt ein großer Rollwagen nöthig war. N. gine höchst unerquickliche Nachtszene spielte fich in der vergangenm Nacht in der Auguststraße ab. Zwei jmer der Halbwelt angehörige Damm waren mit Paffanten obm- Senannter Sttaßc in Wortwechsel gerathen, welcher bald in lhätlichkett überging und zwar schlugen dieselbm mit ihren Schirmen auf die Herrm ein. Durch den Lärm ritten auch bald die Beschützer jener Dirnen herbei, und nahm nun die Schlägerei derartige Dimmfionen an, daß polizeiliche Hilfe kequirirt werden mußte. Mehrere der Hauptexzedmten wurdm verhastet und zur nächstm Woche tranSportirt. ». Ein DtebeSbtld au« der Großstadt. Der Handels« wann Z. in der Anklamerstraße war am 10. d. M. in setner Wohnung erhängt aufgefunden worden. Z. hatte fich mittelst «ineS am Bettständer befestigten seidenen Halstuchs in knteender Stellung erwürgt. Dieser Selbstmord des ziemlich gut sttuirten Manne? erregte in der Nachbarschaft großes Befremden, da Z. keine Aufzeichnungen über dm Grund zu seiner That hinter« lassen hatte und auch in sonstiger Weise eine Ursache nicht er« mittelt werden konnte. Z. war nicht verbeirathet, hatte auch sonst keinen Anbang und bewohnte seine Wohnung ganz allein. Bei einer sorgfältigen Durchsung der Wohnung wurde daselbst «in Stück Papier vorgefunden, worauf unter dem 9. d- MtS. mit Bleistift über dm Empfang von 20 M. quittirt war, mtt der Angabe, daß noch ein Rest von 10 M. zu zahlen sei. Diese Quittung war mit dem Namen„Gebrüder Riedel" unterzeichnet. Da nun über den Verstorbenen seit längerer Zeit da? Gerücht verbreitet war, daß er wivcrnatiulichm Leidenschaften stöhnte, so wurde vermuthet, daß die Meine» Salon»— o, du mein hübscher Kukuk au» dem Schwarzwald, der du so munter die Stunden der Freiheit in meine« Zimmer in der Rue d'Assa» verkündetest— die Pendule meine» Salon» ist ein scheußlicher Marmorblock in der Farbe eine» Italienischen Käse«. Schon seit langer Zeit find meine galanten, liebenswürdigen Stiche nach Baudrrn und Fragonard als indezent in einen dunklen Korridor verbannt worden und düstere Bilder nach Delaroche— ein Geschenk meine« Schwiegervaters— Jane Grah„vor dem verhängnißvollen Block, neben de« Henker, welcher weint, und Lord Strafford, welcher die Hand durch die eiserne» Gitterstäbe seine» Gefängnisse» streckt— entstellen in prätentiösen Rahmen die Wände weine» Appartement«. Meine Nächte sind nicht immer sehr gut, wenn ich zum Diner etwa» Schwerverdauliche» gkgeffen habe, so verfolgen mich Jane Gray und Lord Etrafford mit Alpdrücken, und ich träume, daß ich gezwungen bin,«einer Frau den Kopf vom Rumpf zu trennen, oder vor einer Luke niederzuknien, durch welche wir«ein Schwiegervater seine Hand zu« Kusse reicht ....... Der Grausame hat uns übrigen« gezwungen, i« unserem Schlafzimmer seine bedeutend vergrößerte Pho« tographie mit den Abzeichen de« Freimaurerthum» auf» Das ist mein Leben! Und alle« da«, weil da« Blut auf dem Tischtuch liegenden Brodkrümche« fortgefegt hat, Und, wie um mein Bedauern ewig zu erneuern, wacht meine Frau— alle Sonntag Abend nach dem Diner bei den Schwiegereltern, wenn man da» Dessert aufgetragen hat und ich. durch den Modell- Bart meme, Schwiegervater« faSzinirt, an die langweilig« Helmkehr ,n Gegnerischer Nacht denke, mit den Kindern, die zu schwer !uw Tragen sind und mit dem endlosen Warten»n den �wnibuß-Bureaux— wie ehemal», im Glauben, bei mir 5Ugenehme Erinnerungen wachzurufen— die Runde um **u Tisch und zeigt mir lächelnd die Krümelbürste, deren Gjwwm« Form«ich in trauriger Weise an da» letzte Hertel unsere» seit langer Zeit dahingegangene« Honig- wand» gemahnt. Gebrüder Riedel, von welchm die Verwandten und die Geschäftsfreund« des Verstorbenen niemals etwaS gehört hatten, in sträflichen Beziehungen zu Z. gestanden und möglicher Weise den Selbstmord des Z. veranlaßt haben. Behuf« Ermittelung und Ergreifung der beiden Brüder ließ die Kriminalpolizei fortgesetzt daS Haus, in welchem Z. ver- storben war, beobachten, um die Gesuchten, falli fie fich in diesem Hause wieder einfinden sollten, behufs Einkasfirung de» ResteS von 10 M., welche ihnen Z. noch schuldete, sofort zu ergreifen. Gestem stellte fich auch ein junger Mann in dem erwähnten Hause ein, und er klopfte an der verschlossenen Wohnung de« Verstorbenen. Er wurde festgenommen und zur Wache gebracht, woselbst er ali der bereits vorbestrafte „Ardeiter" Friedrich rekognoSzirt wurde. Nach dem Kriminal« Kommissariat gebracht, räumre er daselbst bei seiner Verneh« mung folgende« ein: Er war vor einiger Zeit mit Z. bekannt geworden und hatte von den widernatürlichm Neigungen desselben Kenntniß erlangt. Am 9. d. M. begegnete Friedrich dem Z. und beide begaben fich gemeinsam in ein Schanklokal, woselbst fich zu ihnen der mtt Friedrich befteundete„Arbeiter" Rosenberg gesellte. Frie- drich und Rosenberg stellten daselbst an Z. das Verlangen, ihnen 30 M. zu geben, widrigenfalls fie ihn wegen eines SittlichkettSvergehenS zur Anzeige bringen würden. Z, durch diese Drohungen in Furcht versetzt, gab den beiden jungen Leuten, die sich ihm gegenüber als Gebrüder Riedel bezeichnet hatten, 20 M. und er versprach ihnen den Rest von 10 Mark am 24. d. M. zu zahlen. Auf den Wunsch de« Z. stellten die Burschen ihm die nach seinem Tod» vorgefundene Quittung aus. Am folgenden Tage wurde, wie oben erzählt, Z. in seiner Wohnung erhängt vorgefunden und wahrscheinlich hat er aus Besorgniß, die beiden Erpresser könnten ihre Drohung, ihn zu denunziren, zur Ausführung bringen, fich daS Leben genommen. Die beiden„Arbetter" Friedrich und Rosenberg find wegen Erpressung gestern zur Haft gebracht worden. N. Zwei Unglücksfälle, die beide mit schweren Ver- letzungen verbunden und die auch sonst eine gewisse Aehnlich- keit unter einander haben, werden un« vom 24 d. M- gemeldet. Der erstere trug fich am Nachmittag auf einem Neubau in der Fruchtstraße 40, und zwar in der Weise zu, daß dem auf dem Bauplatz beschäftigten Zimmergesellen Heinrich Quölle ein schweres Stemmeisen aus einer ziemlich beträchtlichen Höhe mit der scharfen Schneide gerade inS Gesicht fiel- Der heftig blutende Qu., der anscheinend einen Backenknochenbruch davon- Setragen, mußte sofort nach dem Allgemeinen städtischen Kranken« ause im FrüCuichsäain geschafft werden.— Der zweite Unglücksfall ereignete fich am Abend vor dem Hause Landsberger- straße 109. Ein au? der 3. Etage herabfallender Blumentopf traf einen vorübergehenden Schulknaben so unglücklich auf den Kopf, daß daS Kind blutüberströmt zusammenbrach. Der Knabe mußte sofort nach der in der Blumenstraße belegenen SanitätS- wache geschafft werden, wo ihm ein Nothverband angelegt wurde. Der letzte Unglücksfall soll dadurch herbeigeführt sein, daß ein Dienstmädchen beim Reinigen der Fenster den Blumen- topf berabgestoßen hat. Polizei-Bericht. Am 23. d. M. Abend« sprang ein Mann in selbstmörderischer Abstcht am Kottduser Ufer in den Landvehrkanal, wurde jedoch, ohne Schaden genommen zu haben, herausgezogen und nach Bethanien gebracht.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann in der Frankfurter Allm von einem Pferdebahnwagen gestreift und zur Erde geworfen und erlitt dabei mehrere, anscheinend jedoch nur leichte Verletzungen am Kopfe, Rücken und Knie. Er wurde nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshatn gebracht und nach Anlegung eine? Verbände« nach seiner Wohnung entlassen.— Am 24. d. M. früh sprang ein Dienstmädchen in selbstmörderischer Abstcht un- weit der Potsdamerbrücke in den Landwehr-Kanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Waffer gezogen und nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht.— Um dieselbe Zeit fiel der Kutscher Minner auf dem Hofe der Schwarzkops'schen Fabrik, Acker- straße 96, von seinem ArbettSwaaen herab, wurde überfahren und erlitt dadurch eine lebensgefährliche Verletzung der Wirbel- säule und eine Quetschung am Kopfe- Er mutzte nach dem �azarus-Krankenhaus« gebracht werden.— Am Vormittage desselben TageS wurde der auf einem am Holsteiner Ufer liegen- den Kahn beschäftigte Steuermann Matkey beim Ausheben des Mastdaume» von demselben getroffen und ihm der Unterschenkel völlig zerschmettert. Matkey wurde nach dem städtischen Kranlen- hause in Moabit gebracht.— Am Abend desselben TageS fiel ein Herr auf dem Bürgersteige am Kupfergraben in Folge AusgleitenS zur Erde und brach dabei den rechten Unterschenkel. Er wurde auf seinen Wunsch nach dem Augusta-Hospital ge« bracht. Gerickts-Leitung. Die Vertausch un g eine» Filzhutes führte den bisher völlig unbescholtenen 50 Jahr alten Schneidermeister Wilhelm Zabel unter der Anklage deS Diebstahls vor die Schranken der 93. Abthellung des hiesigen Schöffengerichts. Der Angeklagte, dem an einem Abend im November v. I. in einem RestaurationS- lokale scherzweise sein Zylinderhut aufgetrieben worden ist, hatte von dem Wirth desselben als einstweiligen Ersatz einen Filzhut erhalten und in demselben seine Avreßkarte befestigt. Am Abend des 24. November pr. besuchte er mit diesem Hut daS Kaiser' sche Bierlo'al und ergriff bei seinem Nachhause- aange einen fremden Hut. Der Angeklagte behauptet, daß das Futter dieses HuteS herauSgetrennr war und daß er zu dem Zwecke, da» ihm nicht einmal gehörende vertauschte Exemplar wieder zu erlangen, seinen Namen in die innere Hutfläche mehr- mals geschrieben habe. Herr Schye, dem der Hut an jenem Abend im Kaiser'schen Lokal vertauscht worden war, fand an dessen Stelle den mit der Karte des Angeklagten, wodurch er auch die Adresse desselben erfuhr. Schye bekundet nun, daß der Angeklagte bei seinem Erscheinen ihm sofort die Thür gewiesen habe, so da« er gezwungen war, die Hilfe der Polizei in An- spruch zu nehmen, während der Angeklagte behauptet, daß er dem Zeugen den vertauschten Hut sofort vorgezeigt hatte, wo- rauf dieser ihm vorwarf, daS Futter aus dem Hut herauSge- rissen zu haben. Die« veranlaßte ihn zu der Annahme, daß der vertauschte Hut nicht der deS Herrn Schye sein könne. Auf dem Polizeidureau seien alsdann die Hüte getauscht wor- den. Da der Zeuge mit Bestimmtheit den vom Angeklagten mitgenommenen Hut als den seinen rekognoSzirt, nahm der Ge- richtShof an, daß ihn der Angeklagte fich rechtswidrig aneignen wollte, und verurthmte ihn deshalb wegenUnterschlagung zu einer Woche Gefängniß. Daß man fich von einem Dienstmann bei Ertheilung eine» Auftrage» stetS eine Marke geben lassen muß, wenn man fich vor Schaden fichern will, lehrte die Verhandlung einer An- klage wegen Unterschlagung welche gestern gegen den„Arbeiter" Gottlieb Gustav Schröder vor der 93. Abthellung de« hiefigm Schöffengerichts verhandelt wurde. Der Angeklagte war früher Dienstmann und bewegte fich auch nach seiner Entlassung auf den Straßen Berlins in seiner DienstmannSuniform. Am 16. d. M. trat der Schlächteraeselle Emil Bruhn an ihn mit dem Auftrage heran, ein 20 Markstück zum Rechtsanwalt Theten zu bringen. Der Angeklagte benutzte diese Gelegenheit als gute Beute und oerbrauchte diesen Betrag. Auf Grund seines Ge- ständniffeS verurtheilte ihn der Gerichtshof zu vierzehn Tagen Gefängniß._ Pereiue uuü Wersnmmluuge«. de. I« der Werkstatt-Delegirten-Versammlung der Tischler, die am Dienstag, Atte Jakobstr. 37, unter sehr zahlreicher Betheiligung stattfand, wie» Herr G. Rödel in Betreff der ArdeUSeinstellungm, welche in dm letzten Wochm in mehrerm Werkstätten stattgefunden haben, auf den vor vier Wochen gefaßten Beschluß hin, welchem zufolge in der Zeit kurz vor Durchführung der Minimaltarife nur solch« Arbeit»« einstellungen, die durch Lohnabzüge veranlaßt find, nicht aber solche, mit denen Lohnerhöhungen bezweckt werdm, unter« stützt werdm sollm, und auf dm Umstand, daß durch ein selbstständigeS Vorgehm einzelner Werkstätten die dem Zweck mtsprechende Leitung der Lohnbewegung durch die Lohnkommisston erschwert oder gar unmöglich gemacht werde. Die Lohnkommisston habe fich schlüsstg gemacht, erst nach Ostern in allen Werkstätten gleichzeitig die Minimalrarife zur Geltung zu bringen. Im Interesse der Gesammtheit sei eS zu empfehlen, daß bis dahin keine Werkstätte hier vereinzelt höhere Lohnforderungen durchzusetzen suche. Zum zwetten Punkt der Tagesordnung:„Die Eonn- tagS- und UeberarbenSzeit in den sogenannten besseren Werkstätten, speziell i n der von Pohl, Oranienstr. 22"— gaben zwei Kollegen au« der Pobl'schen Werkstatt die Er« klärung ab, daß nur ausnahmsweise, um kontraktlich bis zu einem bestimmten Termin zu liefemde Arbeit fertig zu stellen. einige Kollegm einmal 14 Tage in den Feierstunden und Sonntags gearbeitet hätten. Von anderen Rednern wurdm noch andere„bessere" WerkstSttm namhaft gemacht, in dmm gleichfalls die normale Arbeitszeit nicht strenge innne- gehaltm wird. Mehrere Redner wiesen darauf hin, daß die Kollegen in den„besseren Werkstätten" vorzugsweise fich ver« pflichtet fühlen müßten, mit gutem Beispiel voran, u« gehen und auch ausnahmsweise nicht von dem abzuweichm, waS als nothwendig für daS Gesammt» Interesse erkannt worden ist. Es wurde dann da« Unterstützungsgesuch eines auS der F. Vogt'schm Werk« statte hinausgemaßregelten Kollegen einstimmig dewilligt. In Bezug auf den Antrag der Bauanschläger, daß die Lohn-Kom« misston der Tischler die zur Unterstützung eines Streiks vom Vereine der Bauanschläger gegebenen 100 Mk. jetzt zurückgeben möge, nahm ein Mitglied deS Vorstands deS Vereins der Bauanschläger, Herr Niemann, daS Wort, um den Antrag al» einen gerechtfertigten darzustellen- Nach kurzer DiSkusfion ging die Versammlung, wie eS vorher die Lohnkommisston schon ge- than, über dm Antrag zur Tagesordnung über. Im Arbeiter-Bezirttverei« für de« Osten Berlin». welcher am Dienstag, den 24. März, in Keller'» Lokal, Andrea?« straße 21, seine Versammlung abhielt, referirte der Schriftsteller H. Land über„des Volkes Kunstgenüsse". Zuerst wies der Vortragende auf den Unterschied in der Wirkung der körper« lichen und geistigen Genüsse hin. Der körperliche Genuß hinter« läßt nach augenblicklicher Befriedigung ein Gefühl des Ekel«. wahrend der geistige Genuß stets ein Glücksgefühl hinterläßt. Einen geistigen Genuß kann man nur in der Kunst finden, die ein veredelnder Spiegel deS LebmS ist und Trost und Ver- gessenheit spendet. Der Kunstzmuß ist daS Einwirken eine» Kunstwerkes aus die Seele. Redner ging dann auf die Kunst« genüsse über, die dem Volke geboten werden. Die schönen, ebenmäßigen Schöpfungen der antiken Bildhauerkunst wirkm ..... Volksschulen ge- lehrt werden sollte. Die Maleret bietet dem Arbeiter eine Art Naturgenuß, indem fie ihm Gegenden. dt« sein Auge nie schauen wird, vorführt. Sowohl die Werke der Malerei wie der Bilddauerkunst findet man in den Museen, die aber nicht dem Manne de« Volke» zugänglich find, da fie am Sonntage, dem einzigen freim Tage, dm er hat, nur am Vormittage geöffnet find. Den braucht der Arbeiter zur Erholung und am Nachmittag, wo er seinem Geist Genüsse zeigen will, find eben die Museen geschloffm. Die Musik wird vom Volke sehr gepflegt. Jeder pfeift und fingt bei der Arbeit und beim Bier. Die höhere, klasfische Musik soll daS Gemüth de» Menschen von Qualen und Schmerzen befreien und ihn über das Elend der Welt erhebm. Dieses Trostes dürfen die Arbeiter fich nicht enthalten, sondern auch ihn in Konzerten genießen. Die höchste Kunstgattung. die ohne Material schafft, ist die Poefie, von deren Unter« abthetlungen die Lyrik den Menschen in seine eigene Seele führt; der Roman— daS Epos— dm Menschen in ihm sonst ganz unbekanate Gesellschaftsklassen der Gegenwart und Ver- gangenheit versetzt; während ihm im Drama handelnde Personen vorgeführt werden. Der Roman muß dem Volke durch große Bollsbibliotheken zugänglicher gemacht werdm, da« Drama ist ihm zur Zeit durch Hohe Eintrittspreise verschlossen. Ein wahre» Volkstheater, das bi« jetzt noch fehlt, muß 6—8000 Zuschauer fassen können und bei ganz geringem Eintrittspreis vorzügliche Daistellungen bieten. Man soll nicht einwerfen, daß da» Volk gebildet sein muß, um die Kunst verstehen zu können. Die Kunst ist durch fich selbst verständlich und man braucht zum Kunstgenuß nur Interesse. Interesse hat aber der VolkSgeist, der nach Schönheit strebt und ringt. Daß die Kunstwerke vom Volke gut verstanden werdm, zeigt fich darin, daß die Volk«« lieder und Volksdichtungen daS Beste der Literatur find. Zum Schluß seines Vortrages resümirte fich Herr Land dahin: Die Kunst ist Trost für alle Menschm. Es ist wahr, daß jetzt für den Arbeiter dringlichere Fragen zu behandeln find als die über den Kunstgenuß. Aber darüber find ja alle Parteien einig, daß geholfen werdm muß. Ist auch Hilfe besser als Trost, so ist doch auch Trost nicht zu verachten. Die Kunst als wahre Trösterin wendet fich an diejenigm, die deS Trostes bedürfen. An der Diskusston, die fich an den mit Betfall auf» enommenm Vortrag anschloß, nahmen die Herrm Bemdt, rlatow, Vogt u. A. Theil. ES wurde dann ein Antrag de» lorstandei wegen Unterstützung eineS bedürstigm Vereins» Mitgliedes angenommen und darauf die Versammlung ge- schlössen. hfs. I« der öffentlichen Versammlung der Drechsler, Knopfarveiter und Berufsgenossen am 23. d. Mt». im „Louismstädtischen ConeerthauS" referirte zunächst der Vor- fivende Herr Jul. Müller über„die Aufgaben deS neuen Vereins d. h. deS unlängst gegründeten„Fachvereins derDrechSler.Knopfarbetter und verwandten Berufsgenossen", dem, wie mitgetheilt wurde, dereit» über 200 Mitglieder beigetreten find. Aus den vom Referen« ten näher erläuterten Aufgaben deS Vereins heben wir nament- lich hervor die mtt allen gesetzltchm Mitteln zu erstrebende Befestigung de« BandeS der Solidarität durch: Gründung einer UnterstützungSkaffe für unverschuldet Arbeitslose, regel- mäßige Beisteuerung zum GeneralfondS für Streikfälle, Arbeit»- Nachweis, Rechtsschutz, Bekämpfung der Frauen- und Kinder« arbeit, Regelung deS Lehrlingswesens, Bekämpfung der Ueber« Produktion, Abschanung der Sonntagsarbeit, Regelung der Löhne und der Dauer de» Arbeitstages, Erstrebung ver Rege- lung der industriellm Zuchthausarbeit respektive deren Ein» schrankung, Bekämpfung dei noch herrschenden exklusiven Kasten« resp. Branchen-GeisteS, Förderung der geistigm und technischen Interessen der Berufsgenossen durch Vorttäge, Schaffung einer fibliothel:c.— Hieran schloß fich die Wahl des provisorischm ------ r,. f'""---■ _____ 0,«9 v*««»v v»» i» a u. awm wiwn unu zlvnien Schriftführer, Mönch undSchrader zum ersten und zweiten Kasstrer. In Erledigung deS zweiten Punkte« der TageSord« nung theilte der genannte Referent mit, daß in jüngster Zeit vielfache Maßregelungen resp. unmottoirte Entlassungen au» der Arbeit gegen solche Arbeiter inszmirt wurdm, welche fich an der Organisation bethelliat hattm und daß daher die Be« rusSgmossen doppelt Ursache haben, fich möglichst zahlreich gegm die Koalition der Fadrikantm zusammmzuschaaren.— Die Zahl der Streikenden in der Behmer'schen Fabrik beträgt noch 78. hfs. Im Verein zur Wahrung der Jnteressen der Tapeztrer hielt am Montag Admd in den Gcatweil schen. KierhaLm, unter dem Vorsitze deS Herrn Wildderger, daS Mitglied Herr N i k o l a S einen von der Versammlung beifällig aufgenommenen und ledhast diSkutirten Vortrag über daS Wandern der Handwerker einst und jetzt, sowie über daS WanderuntcrstützungSwesen der Arbeiter überhaupt und nach den Anforderungen der Gegenwart. Die Grundgedanken deS Vortrages gingen dahin, daß man vor Allem für die weiteste Ausbreitung einer guten Organisation Sorge zu tragen habe, da nur unter der Voraussetzung zahlreichster BetheUigung an einer solchen vie Gründung und Auftechthaltung leiflungS- fähiger Unter stÜtzungSkaffen möglich fei und daß von letzteren, nächst den Kranken» und Eterbe-Kaffen, auf lokale Unter- stützungS- Kaffen für unverschuldet Arbeitslose daS Hauptgewicht gelegt werden müsse, weil man ihrer am dringendsten bedürfe. In der Ditkulfion wurde unter/ Anderem auch besonders die Weisheit der den JnnungSmeistern daS Monopol der Lehrlingsbildung ver- leihenden„Ii x Ackermann" unter Anführung drastischer Exempel auS der neuesten Praxis im hiesigen Tapezirergewerde scharf glosstrt.— AuS dem zur Erstattung gelangten Jahres kaffen- bericht de« Vereins ging hervor, daß letzterer, trotzdem er sich an allen gewerkschaftlichen(z. B. Streik-) UnterstützungS- und anderen gemeinnützigen Angelegenheiten betheiligte und zum Theil nicht unerhebliche Beträge zur Gründung der Zentra'- HUfS' Kranken» und Sterbc-Kaffe, sowie des neuen(vom S. k. MS. an erscheinenden) Fachorgani(d.„Taptz..Ztg."), ferner für die Vergrößerung der VereinSbidliothek und andere VereinSzwecke verausgabte, dennoch einen Kassenbestand von ca. 200 M. aufzuweisen hat.— Laut gleichfalls erstatteten Berichts über daS jüngst vom Verein anangirte Stiftungsfest, daS sehr gut besucht war, erwrzchS der Vereinskaffe auS dem- selben, trotz der bettächlichen Unkosten, noch ein kleiner Ueber» schuß. AuS den vom Vorsitzenden gemachten Mittheilungen heben wir hervor, daß die LeiKittSanmeldungen zum neugegründeten Sanitätiverein(für ärztliche Hilfeleistung), dem bei- zutreten den Mitgliedern anempfohlen wurde, zu jeder Tages» zett bei Werschke, Adaldertstr. 16, entgegengenommen werden, temer, daß in der ersten Woche nach Ostern eine Werkstellen- Delegirten-Versammlung und am Mittwoch, dm 8. k. Mts, die nächste VereinSversammlung stattfindet. Der Arbeiter-BezirtSveretn de» Westen» hielt am Montag, dm 23. März seine regelmäßige Versammlung in Gründer'S Lokal, Schwerinstraße 26 ab. Der Reichstags- Abgeordnete Herr Heine hielt einen Vorttag über: Die Geichichte ver deutschen Reichsoerfaffung. Redner betonte das er nicht alS Parteimann sprechen, sondern einen geschichtlichm Vortrag halten wolle. Von der großen stanzöstschen Revolution ausgehend, die Bewegung im Anfange dieses Jahr- bundertS in Deutschland, die fterhettlichen Bestrebungen von 1818 und 1830 berührend, kam er auf die Reichsoerfaffung von 1849 zu sprechen welche aber niemals in Kraft getreten sei. Die 1866 vom norddeutschen Reichstage angenommene Reichs- Verfassung sei 1870 ohne jede Aenderung von dem deutschen R-ichttag angenommen. Zum Schluß ließ Redner noch einige interessante Stteiflichter auf die Parteien im oeutfchen Reich«- tage fallen. Die Versammlung spendete dem Redner reichlichen Beifall. Im Kachverein der Tischler hielt am Montag Abend Herr Klose einen Vortrag über die Bestrebungen de« Fach- vereinS jetzt und in Zukunft. Der Vortragmde behandelte das Thema in klarer und sachlicher Weise und wies am Schlüsse seineS Vortrages darauf hin, daß es Pflicht aller Fachgenossen sei, sich dem Vereine anzuschließen. Dem Vortrage folgte eine lebhaste Diekusston, an welcher fich die Herren Äppelt, Böhm und Pfeiffer betheiligten. Da von jetzt ab regelmäßige Ver- sammlungen im selbigen Lokal, Bellealliancestr. S, stattfinden sollen, wurdm die Herren Appelt al« Bevollmächtigter, Fetzke als Protokollführer und Tretop als Beitragsammler vorge- schlagen. Herr Merkel macht auf die am 20. April in der Neuen Grünstr. 33 stattfindende Versammlung aufmerksam, wo sämmtliche Vorstandsmitglieder gewähtt werden. Herr Stellmann theilte noch mit, daß die BilletS zum Stiftungsfest am ersten Lsterfeiertag vorher entgegenzunehmen find bei den Herren Tutzauer, Moritzstt. 22; Böhm, Johanniterstr. 10; Hcckmann, Mar.teuffelstr. 40; Straßburg, Münchedergerstr. 26; Wolter, Lothringerstr. 24. Die Dachdecker und BerufSgenossen tagten am 21. d. M. im Lokale deS Herrn Weik, Alexanderstr. 31. Herr Matz refe- rirte über da» Thema:„Welcher Krankenkasse schließen wir uns am 1. April dieses Jahres an?" Referent beleuchtete die Ortskaffe und die freien Hilft lassen und kam schließlich zu dem Resultat, welches auch von der Versammlung freudig degrüßt und angenommen wurde, daß die freie Hllfskaffe am besten sei. Redner machte dann noch bekannt, daß ein Sanitätsver- Theater. Königliche» Opernhau». Heute: Marie, oder: Die Tochter de» Regiments._ Köntaltche» SchansPtelhau». Heute: Lthcllo, der Mohr von Venedig._ Deutsche» Theater. Heute: Ehrenschulden.— Im Bunde der Dritte.— Unter Brodem._ Vellealltance-Zheater- Heute: Der Hypochonder.__ " Neue« Krtedrich.WiUieimsiädlisches Taeater. Heute: GaSparone.______ Ceutral-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor- Ad. Ernst. Heute: Der Walzer-Kömg._ Refide«»-Theater: Direktion Anton Anno. Heute: Zum 36. Male: Der VergnügungSzug. Hierauf: Die Schulrettertn._ Walyalla-Operetten-Theater: Heute- Der Feldpredigcr.________ Louisenstädtifche» Theater: Heute: FaselhanS. Zum Schluß: Der amerikanische Dorf- _ barbier._ Ostend-Theater- Heute: Lorbeerbaum und Bettelstab._ Wallner- Theater H.-ute: Die Sorglosen._ Vittorta-Theater. Heute: Sulfurina._ Ältiambra-Theater. Heut«: Bella- Vista, oder: Die Rache de« Indianers. Die Beleidigung gegen Herrn Schorsch nehme ich zurück. 639___ Flecfc. Arbettsmarkt. Ein tüchtiger Maschinenbauer sucht Beschäftigung. Offerten erdeten an Herrn. Kallauke, Skalitzerstraße 114, v. 4 Tr. Gebrauchte Lokal-Stühle, Gartenttsche billig zu der- kaufe« Bellealltaueeftratze 80 auf dem Ztmmerplatz. 633 Für die Mitglieder der freie« Vereinigung der Kormer Berlin« und Umgegend erfolgt die Ausgabe der Statuten- dücher Sonnabend von 8 Uhr ab im Restaurant Eodtke, Ritterstraße 123. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 636 ein ins Leben gerufen sei, zu dem Mitgliedern von Kranken- kaffen, die keine ärztliche Hilfe, sondern nur eine bestimmte Summe gewähren, der Beitritt ganz besonders zu empfehlen fei, da die arbeitsfähigen Kranken für einen geringen Beitrag, der event. von der Kasse gezahlt wird, steten Arzt und Medizin erhalten. Zeutral-Kranken- und Sterbekasse der Tabakarbeiter Deutschlands(E. H.) in Hamburg, örtliche Verwaltungsstelle Berlin. Die wöchentlichen Beiträge werden von jetzt ad jeden Sonnabend von 7 bis 9 Uhr Abends in folgenden Zahlstellen entgegen genommen- Alte Schönhauscrstraße 42 bei Äeese; Krautstraße 54a bei Nagel; Wafferthorstraße 44 bei Struth- mann; ferner jeden Montag von 7 biS 9 Uhr Abends: Adaldertstr. 4 bei tzillger, sowie an den übrigen Tagen, und zwar MorgenS von 8 bis 10 Uhr, Mittags von 12 bis 2 Uhr und AbendS von 7 bis 9 Uhr(mit Ausnahme des MontagS und Sonnabends AbendS) und deS Sonntags von 8 bis 12 Uhr Vormittags in der Wohnung deS OrtSkasfireri Adolf Dittmann, Brunnenstr. 42, v- 3 Tr., bei welchem auch alle Kranken-Meldungen u. f. w-, sowie die Auszahlung der Ver- pflegungSgelder stattfinden. De« Metallarbeitern Berlins theilt der Vorstand deS Fachvereins der Nahmasch-nenaibeiter mtt, daß es ihm möglich geworden ist, in dieser Woche eine zweite Rate von 126 Mark alS Unterstützung an streikende Kollegen in Bielefeld ab- zusenden. Zugleich glaubt derselbe noch einmal darauf hin- weisen zu müssen, daß die streikenden Bielefelder der weiterm Hilfe dringend bedürfen, wenn der Streik zu ihren Gunsten beendet werden soll und daß Sammellisten nöthigenfallS zu haben find bei E. Warnst, Wtesenfst. 38 upd bei F. Günther, Avalbeltstraße 66. Große öffentliche Generalversammlung der Schlosser und BerufSgenossen, Donnerstag, den 26. d. MtS., Abend« 8% Uhr, in Keller'S Lokal, Andreakstr. 21. Tagesordnung: Der Streik in der ersten Berliner Eisen- Möbel Fabrik von C. Schulz, Lindenstr. 105. Um recht zahlreiche Bethetligung ersucht die Lohnkommisfion der Schloffer und BerufSgenossen. Der Verein der Metallschleifer hält seine General« Versammlung de« Lokals und der Revifion wegen erst am Sonntag, den 12 April, Vormittag 10'/, Uhr, im Lokale der Herren Wolff u. Krüger, Skalitzerstr. 126, ad. Der wich- tigen Tagesordnung wegen bittet um zahlreiches Erscheinen der Vorstand._ UermlScktes. Ob e» eine« Krieg geben wird? Ein unangenehmer Zwischenfall ereignete fich, wie verschiedene auswärtige Zei« tungen schreiben, bei dem am 19. d. abgehaltenen JahreSessen der Londoner Gesellschaft zur Unterstützung nothleidender Au«- länder, bei welchem Äusurui Pascha, der türkische Botschafter, den Vorfitz führte. Unter den Gästen befanden fich der deutsche Botschafter und der spanische Gesandte. Der diplomatischen Etiquette zufolge waren diese Herren befugt, die Ebrenfitze zur Rechten und Linken des Vorfitzenden einzunehmen. Graf Münster nahm den ihm gibührenden Platz zur Rechten Hano deS Vo> fitzenden ein, ab-r der Pl-tz zur linken Hand war der Weisungen MusuraS Pascha« zufolge Hassan Fehmi Pascha, dem außerordentlichen Gesandten der Pforte in London, zuge- wiesen worden. Der spanische Gesandte hielt es für seine Pflicht, gegen diese Mißachtung des Herkommens zu protestiren, und da sein Einspruch unberückstchtigt blieb, verließ er den Bankettsaal. Der Zwischenfall hat zu einer diplomatischen Korrespondenz Anlaß ge- geben! Es wird natürlich Jedermann von der weittragenden Bedeutung der hochwichtigen Thatsache überzeugt sein, daß für die ganze zivilistrte Welt unendlich viel daran gelegen ist, auf welchem Stuhl der spanische Gesandte bei einem Fest- dankett sttzt. Ueber da« Schicksal eine» Zehnkreuzerstücke» giebt „Közvetemery" folgende Geschichte zum Besten:„ES ereignet« steh, daß irgend ein österreichisches Gericht die Echtheit eines ungarischen Silberzehners anzweifelte. Zur weiteren Unter- suchung erstattete der erwähnte Gerichtshof das corrra» delicti an daS österreichische Justizministerium. Dai österreichische Justizministerium beeilte fich, den ungarischen Justizminister amtlich zu ersuchen, er wolle daS„beigeboaene" Silber- zehnerl untersuchen lassen, da begründeter Verdacht ob- walte, daß dasselbe falsch sei. DaS„verdächtige" Silber« zehnerl wurde nun amtlich der Kremnitzer Münze zur Begutachtung übermittett. In der Kremnitzer Münze wurde daS Zehnerl einer strengen sachgemäßen Prüfung unterzogen, wobei eS fich herausstellte, daß dasselbe nicht falsch, sondern nur etwas abgenützt sei. Der Direktor der Münze erstattete hierüber amtlichen Bericht an den Justizminister, wobei er ein funkelnagelneues Zehnerl beidog und um den Ersatz von einem Kreuzer Kostenplus ersuchte. DaS ungarische Justizministerium berichtete sodann an daS österreichische Justizministerium, daS beigebogene Zehnerl sei echt und man bitte um den Ersatz von einem Kreuzer. Das österreichische Justiz- Ministerium, verständigte hiervon daS quästionirende öfter- reichische Gericht und vergaß nicht, da« Zehnerl beizu- biegen- Der österreichische Untersuchungsrichter war aber er« staunt, al« er den Akten statt des schmutzigen, abgegriffenen Zehnerl ein funkelnagelneue«, kaum noch in Zirkulation ge- wesenei entnahm. Er konnte fich die Sache nicht erkläien und erstattete hierüber seiner Gerichtsbehörde amtlichen Bericht. Der Gerichtshof berief die Fachkundigen, welche vor ändert- halb Jahren die Echtheit de« Zehnerl« in Zweifel gezogen hatten, und diese konstatnten, daß dieses Zehnerl nicht j neS Zehnerl sei. Der österreichische Gcrichtsdof erstattete hierüber dem österreichischen Justizministerium amtlichen Bericht, invem er daS hellglänzende Zehnerl beibog und um Aufklärung des Jrrthum«, bezw. um Herbeischassuag deS corpus delicti bat; demzufolge wendete fich da« österreichische Justiz- Ministerium diesfalls abermals an den ungarischen Justizminister. Dieser schrieb nun der Kremnitzer Münze. Hierauf berichtete die Münze, fie sei infolge FinanzministerialerlaffeS verpflichtet, jedes schlechte Zehnerl brevi mann einzuschmelzen und dafür unter Abrechnung der Münzspesen ein„gutes" auszufolgen; ste bitte daher wiederholt um Ersatz von 1 Kreuzer. Der ungarische Justizminister verständigte nun seinen österreichischen Kollegen in einer weitläufigen Zuschrift von dem Stande der Dinge, sendete daS bekannte Zehnerl zurück und drückte die Hoffnung auS, daS österreichische Justizministerium werde dem ungarischen Staate die auS dieser Angelegenheit erwachsenden Kosten von 1 Kreuzer ersetzen- Wahlgefchichte«. DaS„Jll. Wiener Extrablatt" läßt fich von einem Abonnenten folgende„g'svaßige" Wahlgeschichten erzählen:„Da wird in der vorigen Woch'n a Kandidat von an Wähler dam sch interpellirt:„Sind Sie für die Errichtung einer städtischen Hypothekenbank?"—„Ja, natürlich," sagte der Kandidat.—„Sind Sie für eine städtische Gasanstalt?"— „Jawohl."—„Sind Sie für ein städtisches Versayamt?"— „Unbedingt."—„Sind Sie für die Parzellirung derMondgründe?" —«Ja freilich," reißi'S da d-m Kandidaten außer, weil er schon im Jasag'n drin war. Na, da« Gelächter könnenS Jhner denk'n! Bei aner andern Versammlung hat Aner gar schön reden woll'n und hat desweg'n so ang'fangt:„Schon Galilei hat gesagt:"Wollet mir meine Kreise nicht stören..."—„Oho", schrei'n a Paar unten,„der Archimedes hat das g'sagt."— „Was Jhner net einfallt, der Galilei war's" eifert der Kandidat ob'n;„alsdann, schon Galilei sagte..."—„Der Archimedis!... schamen's Jhner!" brüllen's unten, daß Dem oben angst und dang' word'n iS.„Also weg'n meiner der Archimedes— aber d'Müthologie braucht m'r z' können."— Wieder ein Redner über ein' Herrn „Mein geschätzter Zeitgenosse....—„-o viu»n»n» iu,«» da der Betreffende unten,„i vrotestir', Jhna gieb i kan Zeit« genoffen net ad, verstengen'«!" Will der da ka Zeitgenosse sein! Hab'n'S schon so ein Locherl g'seg'n?— A net übel war'S, wia a b'sunderS Eifriger fich hat eintögeln woll'n bei der Versammlung, indem er a Masse Ai bett'n aufzählt bat, die er alS Mitglied von aner Kummisfion g'macht hat.„Seg'ns, meine Herr'n," sagt er zon End',„das All's hat unser Kum« misfion g'macht, ob Sie's glaub'n oder net:'s war a Viech» arbeit!" Den Herrn frozzeln'S heunt no' mit dera Viecharbeitt Aber'S Beste war da', wia lürzli a Herr Reichsrath, der von zehne in der Fruah bis um neune auf d' Nacht in neuch'n Parlament g'sess'n is, Hund?-» müad' in sein StammgasthauS kummt und fi' wundert, daß'S dort so voll is und immer völler wird. Auf amal— g'rad will er'n erst'n Biss'n efi'n— steht Aner auf und tagt: „Meine Herren, ich eröffne die heutige Wählerversammlung und bitte zur Wahl eines Vorfitzenden zu schreiten. Zugleich begrüße ich dm Herrn Reichsraths-Abgeoidneten, der uns die Ehre seiner Anwesenheit geschenkt hatt" Bravo! Bravo! schrei'ns Alle, hat eS net g'seg'n und fixt eS net a, is der Herr ReichSrath zum Vorfiymden g'wählt und muaß bi« Mitter« nacht präfidiren, daß eahm d' Aug'n übergegangen sein. I lug' net, aber in Schneuztuachel hätt'ns'n könn'n z' Hau« ttag'n, den Herrn Reichsrath, wia dö Versammlung auS war. Eo a Pech, was?..." Subtil.„Welchem von diesm beiden Dichtern geben Sie den Vorzug, liebes Fräulein?"—„Dem jüngeren; er macht nur Verse, der ältere liest fie aber auch vor!" jetzt geben's ein' Ruh', g'rad' net auswendig ander'S mal sagt ein von der Gegenpartei: —„I protestir'," schreit August Herold Berlin 80., 112 Skalitzerstrasse 112. =, Zpiegel- und loljfecmaaceu ilagajiii Eigene Fabrik. Solide Preise, Prompte J5ed[enung En gros L«lgsd* Esport sämmtlicber Bedarfsartikel für Herren Eleidermacher. Migste Bezugsquelle, auch im Eiuzelueu zu Engros-Preiseu. 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