Nr. 74. Sovnabnid, 28 März 1885. IL Jahrg. SMerVvlksW. DrgM sür bk Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeiismarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. Der heutige« Nummer liegt für unsere auswärtige« Abonnenten die Nummer 17 de«„Jllustrtrtes Sonntags« blatt" bei. Abmucmeits-Eillladllllg. Sum bevorstehenden VierteljahrS-Wcchsel erlauben wir uns, rbeiter Berlins zum Abonnenent auf das „Berliner Volksblatt" mit der Gratis-Beilage „JllustrirteS Sonrnagsblatt" einzuladen. Krei ins Hans kostet daffelbe für das ganze Vierteljahr 4 Mark, für dm Monat April 1 Mark 85 Pf., pro Woche »5 Pf. Bestellunam werden von sämmtlichm Zestungsspedtteuren» sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44, angenommm. Zu dem bevorstehenden Umzug machen wir unsere Leser noch aanz besonders darauf aufmerksam, die neue Wohnung dem Epevitmr rechtzeitig anzugeben, damit in der Bestellung der Zeitung keine Unterbrechung eintritt. Am 1. April werden wir mit der Verösfmtlichung eineS höchst intereffanten und spannendm RomanS aus der Feder Friedrich«erstäcker's Im Eckfenster beginnen. Dm nm hinzutretendm Abonnenten wird— soweit der Vorrath reicht— der bisher erschienen« Theil deö RomanS „Sesacht itl irfnln" sowie daS „JllustrirteS SouutagSblatt" Statu und franko nachgeliefert. Für Außerhalb nehmm alle Postanstalten Abonnement» für daS nächste Quartal zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion und Expedition des„Berliner Bolttblatt." Vie Arbeiten in den Strafanstalten. An der Spitze des von den sozial-demokratischm Ab- geordneten im Reichstag« eingebrachten„Arbeiterschutz-Ge- setzentwurfs" befindet fich ein Paragraph, der sich gegen die ungerechte Konkurrenz richtet» welche gegenwärtig d i e Arbeit in den Strafanstalten den sogenannten freien Arbeitern«acht. Wenngleich nun schon viel über diesen Gegenstand ge- schrieben worden ist, so wolle« wir hier die Frage doch noch zu*».-«6,.«) IeuiLl'eton. 128 Gesuch t und gesunde«. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) „Ob ich diesen Ruf, von dem Sie sprechen, verdiene, weiß ich nicht..... Ich werde von heut« den jungen Manu besuchen, und falls ich Ihre Vermuthung seiner UnHeilbarkeit theilen muß, werde ich ihm rathen, nach Deutschland zurückzukehren und einen billigeren Aufenthalt Zu suchen.... Sie haben mir sonst nicht» Dringende» Mitzutheilen, Mr. Gefferson V „Ich wüßte nicht gleich... „So darf ich wohl auf den Gegenstand kommen, Über welchen ich mit Ihnen Rücksprache zu nehmen wünsche S" „Ah! Richtig. Ich vergaß, daß Sie mir auch eine wichtige Mittheilung zu machen hatten." ,,E ne Mittheilung, die nicht minder wichtig für Sie Und die Anstalt ist, Mr. Gefferson. Sie betrifft eine andere Pattentin, Miß Elly." „Ah, ich weiß, Mr. Rodmburg, daß Sie sich sür diese jung« Dame außerordentlich interesfiren. Ich räume auch ein, daß es um ihren Zustand nicht so schlimm steht." „Nicht so schlimm, Mr. Gefferson?.... Miß Flly ist niemal« geiste»krank gewesen. Wenn sie, nachdem sie dreizehn Jahre unter Geiste»kranken gelebt, gerade in einem Alter, in welchem Bildung und Erziehung am fichtbarsten wirken, fich nicht gerade ganz so denimmt, wie eine Dame, welche während dieser Jahre in der guten Welt gelebt hat, so ist da» kein Zeichen ihre» Wahnsinn«, sondern die traurige Folge de» großen Un« recht», da« man an ihr beging." «Zugestanden, daß Sie recht haben, so sagte ich Ihnen bereit», daß ich darin nicht« thun kann. S,e selbst haben fich ohne Zweifel au« den Akte» bereit« über- »eugt... „.»Ich weiß Alle», Mr. Gefferson, weiß unter welchen umstände» allein Miß Elly ihre Freiheit wieder erhalten kann." einmal besprechen und unseren Leser« die Gründe vorführen, welche gegen die Gefängnißarbeit in ihrer heutigen Form sprechen. Hierbei wollen wir folgenden wohl kaum bestrittenen Satz in den Vordergrund stellen:„Da» beste Gegenmittel gegen die Gefängniß- und Zucht- hausstrafen ist stet» angemessene Arbeit»- g e l e a e n h e i t." Arbeitslosigkeit fühtt zur Bettelei und Vagabondage, letztere zur Lüderlichkeit, diese wieder zur Untreue und zu« Diebstahl und zu den Thoren de» Zuchthauses.-- Daß die ZuchthauSarbeit, so wollen wir kurz die Ar- beit in den verschiedenen Strafanstalten und Arbeitshäusern nennen, den Arbeitslohn der freien Arbeiter in den be- treffenden Zweigen herabdrückt, daß sie aber auch viele Unternehmer schädigt, welche fich den geringeren Arbeit»- lohn, der für Zuchthau»arbeit gezahlt wird, nicht zu Nutze machen können, ist eine von der Wiffenschaft und von der Praxi« längst festgestellte und auch wohl unbestrittene That- fache. Daß aber nicht allein der Arbeitslohn gedrückt wird, daß auch die A r b e i t« g e l e g e n h e i t für die freien Arbeiter gemindert wird, ist seltener betont worden, aber sicher ebenso richtig, wie die beiden ersten That- fachen. Die heutige» witthschaflsichen Zustände beruhen im Wesentlichen auf der f r e i e n Konkurrenz, und so lange diese« Prinzip herrscht, so lange ist gerade die Ge- fangenenarbeit völlig unberechtigt, da hier keine freie Kon- kurrenz eintritt, sondern lediglich ein« S ch« i n k o n- k u r r e n z. Der Staat kann in den Strafanstalten billiger produ- ziren laffen, al» z. B. in seinen Eisenbahnwerkstätten oder in den Tatakwerkstätten der Reichslande. Und zwar des- halb, weil er diejenigen, welche in den Strafanstalten die Arbeit verrichten, von den Geldern ernährt, die er auf dem Steuer wege von den Staatsangehörigen erhoben hat. Wir brauchen also darüber kein Wort weiter zu verlieren, daß durch die Zuchthausarbeit eine ungerechte Konkurrenz ge- schaffen wird. Dem entgegne» die Vertheidiger dieser Arbeitsform, daß die Konkurrenz schon de»halb wenig in Frage käme, weil die meisten Fabrikate zum Export bestimmt seien. Da» mag in manchen Fällen so sein; ein« aber wissen wir genau, daß z. B. die Erzeugnisse des Spandauer Zucht- Hause» vielfach nach Berlin„exportirt"»erden. Aber selbst den Fall gesetzt, solche Fabrikate würden immer nach sremden Ländern exportirt, so würde die» nur dann aus- „Sie Kaden gesehen, daß alle Nachforschungen ver« geben» sind." „Im Gegentheil, Mr. Gefferson, ich habe die Elter» der Miß Elly ermittelt." „Was!?" Mr. Gefferson fuhr von seinem Stuhl empor, al» ob er eine übernatürliche Erscheinung erblickte und starrte Rodenburz an, al« ob er nicht ein Mensch, nicht sein Kol- lege, sondern irgend ein Dämon wäre, der plötzlich vor ihm aufgetaucht sei. Dieser fuhr in demselben ruhigen und ernsten Tone fort: „Der Vater Miß Elly'« lebt nicht mehr; aber ihre Mutter lebt und betrauert bis heute ihr Kind al« todt. Die Mutter wird da» Kind reklamiren, sobald sie weiß, daß es lebt.« „Sie haben der Mutter noch keine Nachricht ge- geben?" „Nicht geben können, weil sie fich auf Reisen befindet, und man ihren Aufenthalt nicht kennt." „Wer ist die Mutter?" „Lady Davi»!" Ebenso plötzlich wie Mr. Gefferson von seinem Sitze emporgeschnellt war, sank er bei diesen Motten auf den- selben zurück. Er ließ die Hände sinken und starrte sprach- lo« einige Sekunden den Sprecher an. „Lady Davi»!" rief er nach einer langen Pause, die auch Fritz nicht unterbrochen hatte.„Da» ist un- möglich I" Fritz war im höchsten Grad« veraundett über das Be- nehmen des Chef- Arzte». Er begriff nicht, warum da» un- möglich sein sollte; und noch weniger begriff er, wie diese Nachricht ihn so fichtlich erschrecken konnte. „Ich habe die unwiderleglichsten Beweise," versetzte er mit derselben Ruhe und Sicherheit, welche die Ueberzeugung verleiht.„Selbst das Kennzeichen, die durchrissene Karte, ist vorhanden." „Mein Gott, Mr. Rodenburg, wenn das Alle« wahr ist. Welch' ein Zufall! Ich muß dennoch Miß. Forster sprechen. Mein Himmel, Lady Davis verreist? Sie muß heute entlassen werden; e« geht nicht, daß wir sie noch einige Tage hier behalten. O, nein, nein, es ist ein Irr- thum! Sie ist nicht wahnfinnig. Tiefe Trauer, weiter schlaggebend sein, wenn die deutschen Zuchthäuser sich auch neue Absatzgebiete beschafft hätte». Daß die» nicht der Fall ist, weiß Jedermaan. Man kann aber doch die Sträflinge nicht unbeschäftigt lassen? Gewiß nicht! Aber wenn wir es hier mit einer Schein- konkurrenz zu thun haben, so könnte dieselbe stet» durch Scheinarbeit verhindert werden, d. h. wenn e« keinen andern Ausweg gäbe. Im Freien lassen sich unnöthige Wälle austragen und wieder abtragen und innerhalb der Gefängnißräume lassen sich unzählige Gegenständ« verfettigen, die immer wieder zerstött werden können. Dabei übt der Gefangene ebensogut seine Fertig- leiten, wie bei Fabrikaten, die in den Handel gelangen. DaS Eine aber steht wohl fest, daß der Staat in erster Linie um der redlichen Leute willen da ist und nicht um der Verbrecher willen. Wir wissen recht gut, daß die Verhältnisse viele Menschen in« Gefängniß, in» Zuchthau« bringen, ohne daß man gegen dieselben ein anderes Gefühl hegen kann, al» da» de« größten Mitleid»; aber das kann an der Sache selbst nicht» Wesentliche» ändern, denn solange ein- mal der Staat Staatsangehörige in» Zuchthaus schickt, resp. schicken muß, so muß auch der Staat annehmen, daß diese Leute weder redlich noch ordentlich sind, und da darf er um ihretwillen nicht die ehrliche Arbeit beeinträchtige» durch unberechtigte Konkurrenz. Aber«» giebt ein Mittel, auch bei den gegenwärtige» Verhältnissen»irkliche Arbeit in den Zuchthäusern errichten zu lasse», ohne daß dadurch eine unberechtigte Konkurrenz entstehen würde. Man braucht nämlich lediglich die Be- stimmung und die Vorsorge zu treffen, daß die Arbeitskraft der Sträflinge den Fabrikanten nur zu demselben Preise zur Verfügung gestellt würde, mit welchem sie die freien Arbeiter bezahlen müssen; wo der Staat aber die Produktion selbst übernimmt, da soll er nicht schlechtere Fabrikate anfertigen lassen resp. sie zu keinem billigeren Preise veräußern, als e« die Pttvatfabriktation thut. Dadurch würde au» der Scheinkurrenz eine wirkliche, die vor allen Dingen den Lohn nicht innerhalb der gewöhnlichen Schwankungen drücken könnte. Der sozial-demokratische Gesetzentwurf macht nun in Bezug auf die ungerechte Konkurrenz den Vorschlag, daß in den Strafanstalten nur für Bedürfnisse de» Reich«, der Einzelstaaten und der Gemein« den gearbeitet werden darf. Auch dadurch wird die ver- derbliche Konkurrenz ausgeschlossen. Und in einen Gesetz« nichts. Glauben Sie nur, man täuschte Sie, wenigsten» in Bezug auf die Waise." E» war jetzt an Fritz Rodenburg, den Chef-Arzt an- zustarren. Diese«irren, scheinbar zusammenhangslosen Reden, wa» hatte das zu bedeute»? Fritz beobachtete ihn mit einem Blicke, der fich sehr wenig von dem unterschied, mit welchem er einen Menschen betrachtete, über dessen geistige Zurechnungsfähigkeit er ein Uttheil abzugeben hatte; und e» fehlte wenig daran, so kam er auf den Gedanken: in dem Hirn des Herrn Chef-Arzte» ist e» nicht ganz r» Ordnung. La»y Davi» und Mrß. Forster— der Kummer der Einen und die Krankheit der Andern— da» würfelte er Alle» ohne eine sichtbare Jdeenverbinduug durch einander. Fritz begann eben darüber nachzudenken. Wer weiß, ob ihn nicht da« Nachdenken auf die richtige Spur ge- bracht hätte, daß zwischen dm scheinbar zusammenhanaS» losen Worten de« Chef-ArzteS dennoch ein innerer Zusammenhang sei. Er wurde aber gestört in seinen Bettachtungen durch die Meldung eineS Diener«, daß soeben ein fremder Herr angekommen sei, der ihn zu sprechen wünsche, und der ihn in seiner Wohnung erwarte. Aus die Frage de« Doktors, wer der Herr sei, erhielt er die Antwott, e« sei derselbe alte Herr, der ihm schon einmal hier seinen Besuch gemacht hätte. Die Freude brachte Fritz von dem Gedankengange, den er eingeschlagen hatte, ab. Er erhob sich und sagte, während er sich von Mr. Gefferson verabschiedete: „In Bezug auf Mrß. Forster muß e« natürlich bei der Verabredung bleibm; in Bezug auf Miß Elly aber haben wir die Pflicht, sie nicht mehr zu behandeln wie eine Gefangene, sondern ihr jetzt schon jede Freiheit, die sie wünscht, zu gestatten. Jeder Tag kann ihr die Freiheit bringen." Mr. Gefferson hörte ihn kaum. Er rannte im Zim- mer auf und ab, den Kopf gesenkt, dir Hände auf dem Rücken gefaltet, wie ein Mann, der �vollkommen rathlo» dasteht. Al» Fritz schon die Thür in der Hand hielt, rief er ihm n»ch nach: evtwurf paßt dieser Vorschlag allerdings besser, als die Be- stimmung, daß die Arbeitskraft der Sträflinge de« Fabrikanten nur zu demselben Preise zur Verfügung gestellt werden soll, mit welchem sie die freien Arbeiter bezahlen müssen. Freilich bleibt aber immer«och der wunde Punkt zu» rück, daß die Zuchthausarbeit die A r b e i t« g e l e g e n- h e i t der freien Arbeiter verminderti. Wir haben aber im »Volksblatt" schon oft erwähnt, daß der Staat die Mittel in der Hand hat, die Arbeitsgelegenheit im Ganzen zu ver« mehren. Dazu hat er nicht nur die ökonomische Macht, son» der» auch die politisch« Pflicht.--- Doch eS könnte— allerdings nur durch eine neue, bedeutende Organisation deS ganzen Strafverfahrens und GefängnißwesenS— eine andere Lage, besonders in Bezug auf die Arbeitsgelegenheit auch nach der Entlassung der Sträflinge für dieselben geschaffen werden. Wir meine« natürlich nicht die Arbeitshäuser, wie sie jetzt bestehen, vor denen die Sträflinge gewöhnlich mehr Furcht haben, als vor dem Zuchthause selbst. Wir meinen Arbeitskolonien zur Urbar» «achung unwirthlicher Strecken unseres Vaterlandes. Dorthin müßten alle diejenigen geschickt «erden, die nur ein leichte» Vergehen begangen, dann die- jenigev, welche sich besonders gut in den Strafanstalten ge» führt und alle Sträflinge ein halbe» Jahr vor ihrer Eni- lassuug. Ferner wäre dort Raum vorhanden für alle aus den Strafanstalten Entlassenen, die keine andere Arbeit er- halten könnten und für die zu Arbeitshaus verurtheilten sogenannten Vagabunden. I« diesen ArbeitSkolonien aber müßten neben der nothwendigen Ordnung, liebevolle Be- Handlung und größtmöglich« Freiheit auf die dort Be» schäftigten segensreich einwirken. Dann würde die Frage der Arbeit für Sträflinge und Entlassene, wenn auch nicht endgiltig, so doch zum Theil gelöst sein, dann würde«icht nur die Rückfälligkeit sich vermindern, e» würde auch die Zahl der Vergehen und Verbrechen selbst bedeutend verringert werden, denn diese so gut, wie Bettelei und Vagabondage, haben, wie schon angedeutet, meistens ihren Ursprung in der Arbeits- losigkeit.__ DottUseKe UebersirKt. liebet die Einwanderung rusfisch-polutscher Elemente in die östlichen Provinzen Preußen« wird ver offiziösen „Nordv. Allg. Ztg." folgendes geschrieben:„Der Umfang, welchen die Einwanderung rusfisch-polnischer Elemente in unsere östlichen Provinzen gewonnen hat, ist im Laufe der letzten Jahre ein so erheblicher geworden, daß er nicht nur die Be» achtung der RegterungSorgane. sondern zugleich auch die Auf« merksamteit der national gefinnten Presse auf fich gezogen hat. Wäbrend einerseits zwar Uebereinstimmung darüber herrscht, daß dieser Zuzug eine in wirthschaftlicher Bezrehung nicht unwillkommene Ergänzung der durch die Auswanderung stark gelichteten ländlichen ArbeitSkläfte jener Gegenden in stch schließt, kann man stch andererseits doch nicht verhehlen, daß die Durchsetzung der Bevölkerung mit schwer zu asstmilirenden fremden Elementen Gefahren und Unzuträglichkciten der ernste- sten Ait im Gefolge haben muß. denen gegenüber jene wirlhschaftlichen Vortheile(!) zurücktreten müssen. Die ange- stellten Ermittelungen haben ergeben, daß die Besoranisse vor einer vollständigen Verschiebung der nationalen Verhältnisse einzelner dem Zuzug« von Uebeiläufern besonders ausgesetzter Grenzdistrikte nicht übertrieben find. Gegenüber einer Er» scheinung, die, wenn ste weiteren Fortgang nehmen sollte, zu einer förmlichen Polonistrung gewiss-r Grenzgebiete des Staates führen müßte, kann die der Staalscegierung obliegende Aufgabe nicht zweifelhaft sein. Wie wir vernehmen, stnd die erforderlichen Anordnungen bereits getroffen, um sowohl ferne. rem Zuzüge einen Riegel vorzuschieben, alS arch durch Zurück- Verwerfung in die Heimalh dem Uebermaße der Belästigung durch die einer fremden Nalionolilät angehörigen Elementen einZiel zu setzen."— Dieser offiziöse Erguß klingt recht befremdlich. Es soll eine Beschränkung der Einwanderung russisch- polnischer Arbeiter stattfinden, aber nicht etwa, um die„nationale Arbeit" zu schützen, sondern um die Polonistrung gewisser Grenzgebiete zu verhindern. Woher kommt eS denn aber, daß in diese Gegenden so verhältnißmäßig viel ausländische Arbeiter strömen? WaS und wer hat hierzu Veranlassung gegeben?— Die Sache liegt sehr einfach. Die Arbeiter in den östlichen Provinzen finv zwar sehr anspruchslos, aber die russtsch polnischen Arbeiter noch„bescheidener" und„anspruchsloser". Das veranlaßte die Herren Grundbesitzer und Industriellen jener Gegenden, recht „Herr Doktor, ich bin zwar wcht ermächtigt, Ihnen «ine Mittheilung zu machen, aber unter den gegenwärtigen Umständen bin ich gezwungen, Ihnen ein Geheimniß zu verrathen, daß mir im Verttauen auf meine Verschwiegen- heit und meine Hochachtung für gewisse Personen anver- traut ist. Keine Macht der Erde hätte je meine Lippen geöffnet, daß ich eS verratbe, aber nach Ihren Mittheilungen muß ich eS thun... Mein Gott, eS handelt sich um da» Glück einer Frau, welche ich über Alle» schätze, an deren Geschick ich Theil nehme, als wäre sie meine eigene Schwester. Mr. Rodenburg, ich muß Sie heute noch einmal sprechen; wenn Ihr Besuch Sie verlassen hat, kommen Sie zu mir, Sie müssen das Geheimniß wissen, und dann wollen wir gemeinschaftlich handeln." Fritz bemerkte eine solche Unruhe, eine solche Aufte- gung an dem Direktor, wie er noch nie bei ihm gesehen. Er ging mit der Ueberzeugung, daß daS Geheimniß, welches ihm der Chef-Arzt anverirauen wollte, eine Sache von der größten Wichtigkeit betreffe. Siebentes Kapitel. Fritz Rodenburg war mit einer solchen Gewissenhaftig» keit in seine« Berufe, daß er seine Person, wo e» anging, stet» hintenan setzte und zu allererst trachtete, seiner Pflicht zu genügen. Obwohl er wußte, daß ihn in seiner Wohnung ein Gast erwarte, nach dessen Besuch er fich lange gesehnt und über dessen Ankunft er sehr erfreut war, so ließ seine Pflichttreue eS doch nicht zu, sich sofort nach seiner Woh» nung zu begeben, vielmehr machte er einen Gang durch die Männerstation der Kranken. Es war ihm, als er seinen Chef verließ, auf's Ge» wissen gefallen, daß er nach einer zweitägigen Abwesenheit nicht sogleich vor allen Dingen Krankenbesuch« gemacht habe, und namentlich die Männerstation diesen Tag noch gar nicht betreten hatte. Außerdem hatte ihm ja Mr. Gefferson gesagt, daß ein neuer Patient an» gekommen sei..... Natürlich war es Pflicht deS ArzteS, diesen sogleich zu besuchen. Der Sturm"vn Klagen und Bitten. Freudenbezeu- Sun gen, Mittheilungen von allerlei theils erfundenen, theil« urch die Phantasie de» Wahnsinns ausgeschmückten Sreig» viele bescheidene Arbeiter zu engagiren, der Profit war ihnen jedenfalls die Hauptsache. Die dortigen einheimischen Arbeiter mußten natürlich ihieHeimath verlassen, ste wanderten größten- the'lS nach Amerika auS, wo ste eine bessere Existenz zu finden hoffen. So ist es mit der Zeit dahin gekommen, daß die so sehr„nationalen" Ardeitgeber in jenen Gegenden jetzt fast ausschließlich russtsch-polnische Arbeiter beschäftigen. Originell ist die Behauptung in dem Schriftstück, daß in wirthschaftlicher Beziehung der Zuzug übereinstimmend als eine willkommene Erscheinung betrachtet werde.— ES geht doch nichts über die Beschr7nkt- heit gewisser Leute, wenn es stch um die einfachsten national» ökonomischen Dinge handelt. Daß die ganze Gegend schließlich der Verarmung anHeim fallen muß, weil die dedürfnißlosen Arbeiter wenig oder nichts konsumiren, daS können oder wollen diese Leute nicht begreifen. Sie verwechseln fich mit dem Volk und glauben daher, daß, wenn fie die Bewirtschaftung ihrer Güter oder den Betrieb ihrer Fabriken in Folge der Benutzung „bescheidener" Arbeiter billig bewerkstelligen können und dem» zufolge wohlhabender werden, daß dann auch die ganze Gegend wohlhabend geworden ist. Der geplanten Einschränkung der Einwanderung fremder Arbeitskräfte, könnten wir nur von den angezogenen GefichtSvunkten aus zustimmen, nicht deshalb, wert wir eine Polonistrung preußischer Distrikte befürchten. Zum Saarbrückener vergwerkSungtück schreibt ein kons eroativeS sächsisches Blatt folgendes:„Für die Verunglückten und ihre Hinterlaffenen im Saarvrückener Kohlenbecken sollte die öffentliche Mildthätigkeit fich recht bald kräftig regen. Man har hier ja nicht eine Ueberraschung zu befürchten wie bei der BiSmarck-pende, daß gewisse Patrone in Berlin die gesammelten Gelder eigenmächtig zu Zwecken ver- wenden wollen, die den Spendern vorher verheimlicht wurden. Rein, wai für die Opfer der Grubinlatastroph: eingeht, das kommt auch wirklich den Bergleuten und ihren Hinterbliebenen zu Gute! DaS Unglück ist so groß und so erschütternd, daß kein edles Herz zögern wird, wohl zu thun. Obgleich es eigent- lich Sache d e S Staates wäre, dem die Unglücksgrube gehört, für die bedrängten Familien zu sorgen, so kommt doch die staatliche Unterstützung erfahrungsmäßig so spät, daß daS Elend unabsehbar werden würde, wenn die Privat» Wohl- thätigkeit nicht sofort mit offener Hand zur Stelle wäre. Ein trauriges Beispiel für die Schwerfälligkeit des preußischen staatlichen Organismus in derartigen Fällen liegt gerade jetzt wieder vor. Jetzt endlich bringt die preußische Regierung einen Gesetzentwurf ein, der die Unterstützung der durch Hoch- wasser beschädigten Distrikte WestpreußenS betrifft. Er fordert zu Deichbauten eine Million, zu privaten Unterstützungen eine halbe Million a fonda perdn. Im Herbste war die lieber» schwemmung und jetzt endlich ist die StaatShilfe in Sicht. Was hält« da wohl aus den armen Ueberschwemmten werden sollen, wenn die Privatwohlthätigkeit stch nicht längst ihrer angenommen und wenigstens die allerdringendste Roth geitn- dert hätte!"— Daß fich das sächfijche Blatt gerade gegen die Schwerfälligkeit der preußischen Verwaltung in solchen Dingen wendet, hat seinen Grund in dem Parttkularis.i us, der noch immer in den sächstschen Konservativen steckt. In Sachsen wird e»„ädenso" sein. Im Uebrigen hat aber das Blatt recht. Bezüglich der Prüfung der Maschinisten ans See- dampfschiffea lautet der Beschluß des B u n d e s r a l h s da- hm: 1. daß Maschinisten, von welchen vor dem 1. Januar 1680 auf Fahrten im Sinne des§ 2 der Bekanntmachung, betreffend die Prüfung d:r Maschinisten auf Seevanpfschiffen der Handelsflotte, vom 30 Juni 1879, die Maschine eines Seedampfschrff.-s, wenn auch nur zeitweise selbstständig geleitet worden ist, ein ihren früheren Diensten enlsprechrnves Be- fähigungSzeugniß zu erhallen, 2. daß diejenigen vor dem 1. Januar 1830 während eines Zellraums von mindestens 24 Monaten aus Seedampfschiffen in europäischer Fahrt als erste Maschinisten beschäftigt gewesenen Maschinisten, welchen bisher daS ÄefähigungSzeugmß alS Maschinist zweiter Klaffe ertheilt worden ist, auf Antrag nachträglich ein BesähigungSzeugniß als Maschinist erster Klaffe zu erhalten haben.— Hinsichtlich der Angaben über die Maschinenk- äfle der Seedampfschisse in den bezügliche» Verzeichnissen hat der BundeSraih beschlossen, daß vom 1. Januar 1885 an 1. von der Verwendung der in den Spezial Verzeichnissen enthaltenen Angaben über die Maschinenkräfle der Eeedampfschrffe für die Statrstik der See- schiffsahrt Abstand zu nehmen und 2. in dem laut Beschluß deS Bundesraths vom 29. Juni 1868 alljährlich aufzustellen den Verzeichnisse die Maschinenkraft der Seedampfschiffe nicht mehr nach effektiven, sondern autschließlich nach indizirten Pferdestärken aufzuführen ist. Zur Durchführung de» Unfallversicherung»- Gesetzes. In den nächsten Tagen, v. h. di« Ende VeS laufenden Monats, müssen die letzten Generalversammlungen, welche zur Er- richtung der Unfallverficherungs- Genossenschaften vom Reichs- versicherungsami berufen wurden, stattfinden. Die vom Gesetz niflen, war hier nicht geringir, ol« in der Frauenstation. Fritz hatte weder Sammlung noch Zeit, sich mit jedem Einzelnen zu beschäftigen. Er suchte den Sturm auch hier nach Möglichkeit zu beschwichtigen, die Kranken zu beruhigen und auf seinen morgenden Besuch zu vertrösten, und namentlich den Bitten und Klagen so viel und so schonend wie möglich auSzu- weichen. E« handelte sich für ihn ja heute hauptsächlich darum, den neuen Patienten zu besuchen. Der Wärter führte ihn in ein Zimmer, das man diesem angewiesen hatte. Er fand in demselben einen jungen Mann mit Lesen beschäftigt. Fritz stellte sich ihm als einen Arzt der Anstalt vor und erkundigte sich theilnehmend nach feinen Verhältnissen. Der junge Mann war ein Jurist, ein Mann von außer- ordentlich einnehmendem Wesin und geistvollen Züge«, einer fließenden Unterhaltung und einem GefichtSausdruck, der auch nicht im Mindesten die Spuren de« Wahnsinn« an sich trug. Die Unterhaltung mit dem jungen Manne zeigte Fritz denn auch klar, daß er e» hier nicht, wie Mr. Gefferson vermuthet hatte, mit einem unheilbaren Kranken zu thun habe, sondern mit einem Falle, d-ssen Heilung nach seiner Ansicht eine außerordentlich leichte sei. Der junge Man» sprach durchaus vernünftig, und namentlich wenn Fntz da« Gespräch auf Gegenstände seines Berufe« senkte, entwickelte er einen großen Scharfsinn, eine glänzende Beredsamkeit und ein tiefes Wissen, und doch war eine Geistesstörung, eine fixe Idee vorhanden. Schon zu Anfang der Unterredung hatte Fritz be- merkt, daß der Mann unaufhörlich an seinem Ohr vorbei in die Luft griff, al« wollte er irgend ein Insekt dort fangen. Fritz hielt Anfangs diese Geberde al« eine üble Ge- wohnheir. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß der Geist de« jungen Manne« auf keine Weise zerrüttet sei, kam er auf diese Geberde zu sprechen. „Was haben Sie da?" fragte er de« jungen Mann. „Es thut mir leid, Herr Doktor," sagte der Patient für die definitive Konstlluirung der Genossenschaften vorge» schricbenen Formalitäten find jedoch so wettläufige, daß trotz aller Beschleunigung noch Monate vergehen werden, ede die Organisationen für die Unfallverficherung durchweg vollendet und die Vorbedingungen fstr das Inkrafttreten des Gesetze» allerwärtt gegeben find. Sämmtliche Beschlüsse der zahlreichen Generalversammlungen müssen zunächst im Reichsverficherungs- amt aestchtet und geprüft werden, wozu bei äußerstem Fleiß eine Reihe von Wochen erforderlich sein wird. Demnächst gehen fie mit dem Gutachten deS ReichSverficherungSamtes an den BundeSrath, und da eS Hergedracht ist, daß in wichtigen Angelegenheiten den einzelnen deutschen Regierungen Gelegen» heit gegeben wird, zu den Anträgen, welche an den Bundes» rath gelangen, rechtzeitig Stellung zu nehmen, so wird die Entscheidung deS Bundesraths über die große Zahl der An» träge wohl erst in der zweite« Hälft« deS Mai erfolgen können. Die sogenannten zweiten Generalversammlungen, oder richtiger gesagt, die ersten Versammlungen der inzwischen genehmigten Berufsgenoffenschaften würden also frühestens im Laufe deS Juli stallfinde« können; ehe aber die Genossenschaften als end- giltig konstituirt anzusehen finv, muß nach dem Gesetze bei allen noch eine weitere Generalversammlung stattfinden. Man dürfte datier kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß der September herankommen wird, ehe die Formalitäten durchweg zum Abschluß gebracht find, und daß es der rastlosen Thätig- kett aller detheiligten Kreise bedürfen wird, wenn, wie man be» stimmt erwartet, vom 1. Oktober ab daS Unfallverficherungs- gesetz in voller Ausdehnung funkt'vnirm soll. A«S dem Kamerungebtet wico dem„Reuterschen Bureau" vom 14. Februar gemeldet:„Da die englischen Kaufleute den Häuptling Lock Priffo aus Hickorptown nicht bewegen konnten, aus dem Gebüsch, wohin er fich der Sicherheit halder vor einiger Zeit begeben hatte, zurünzukehren, baten fie die Deutschm um VermMelung und auf Wunsch der Letzteren willigte er schließlich ein, nach Hickorytown zu kommen. Nach einigen Unterhandlungen gab er seine Zustimmung zu einem Frieden«» vertrage mit den Deutschen, und später begab er fich mit einem anderen Häuptling, NamenS Black Acqua, nach Abo, einer einige Mellen landeinwärts gelegenen Stadt. Sie wurden von dem deutschen Admiral der Station und dem deutschen Konsul, Dr. Buchner, begleitet. Bei ihrer Ankunft in Abo schienen die Eingeborenen eine etwaS feindselige Haltung ein» genommen zu haben, denn fie wollten dem Aomiral nicht er» lauden, die deutsche Flagge aufzuhissen, btS König Bell, der Häuptling, welcher zuerst einen Vertrag mit den Deutschen ge» schloffen, versprochen hatte, daß er nicht mit dem Backundu» Lanve, welche« die Einwohner von- bo als ihnen gehörig be» trachten, Handel treiben würde. Sie hielten den Aomiral drei Tage lang fest, bis dieses Versprechen gegeben worden war- Nach seiner Freilassung kehrte er nach Kamerun zurück. Die Eingeborenen von Jostown find noch immer im Gebüsch und haben fich b.shec geweigert, irgend eines der Aneebieten anzu- nehmen, die man ihnen machte, um fie zur Rückkehr zu be- wegen."— In der vorstehenden Mittheilung ist vieles unklar, namentlich was über Lock Priffo gesagt wird. Derselbe soU nach einer allerdings vier Tage späteren Mittheilung deS Korrespondenten der„R. Z" von dm Deutschen gefangen ge- nommen sein. Die„Danziger Zeitung" erklärt, es falle all- gemein auf, daß von unierm westafritaniichen Geschwader fast gar keine ficheren Nachrichten nach Deutschland gelangen. Von „Olga" und„B'smarck" find seit den Berichten über die in Kamerun mit den Schwarzm stattgehabten Gefechte im Dezember vorigen Jahres keine weiteren amtlichen oder privaten Nach» richten bekannt geworden. Der„Frankf. Ztg." ist schon vor einiger Zell gemeldet worden, daß selbst die Angestellten der deunchen Faktoreien stch hätten verpflichten müssen, nichts über die Vorgänge tn Kamerun nach Deutschland zu meldm. Dasselbe wird wohl auch von den 500 Mann der Besatzung der beiden Kriegsschiffe geltm.— Wir haben zu Zeit, als die Kunde von Dem Vorgehen der deutschen Kriegsschiffe gegen die Eingebormm nach hier gelangte, bereits darauf hingewiesen, daß die Schwarzen nunmehr die Küste verlassen unv in» In» nere des Landes gehen würdm, wo fie ungestört und uner- reichbar für die deutsche Macht eristtrm können. So ist auch gekommen; die englischen(?) Kaufleute mußten den geborenen gute Worte geben und wie oben gemeldet wird, st' gar den deutschen Aomiral erst herbeiholen: die Schwarze" kamen also nicht zu den Weißen, sondern die Weißen mußte" zu den Schwarzen kommen. Der schwarze Mann Afrtla» weiß also sehr wohl, daß man ihn braucht, daß man ohne u>" nicht fertig werden kann. Daraus ergiedt fich aber, daß ma" mit Kanonen und Flintm wohl Städte einäschem und Me"* schen tödten, aber nicht den Sohn der Wildniß in Afrika oe- zwingen kann, wenigstens so lange nicht, alS noch unenvu« viel Platz für ihn im Innern des Landes ist.— Uebrige"s müssrn wir bemerken, daß die Anfänge der Kolonialpolittk»e- reiis ungeheure Summen verschlingen, die deutschen Stieß»' schiffe liegen nun schon monatelang in Kamerun, zum Schub' mit einer halb verächtlichen Bewegung de« Kopfe»,*%» Sie nicht sogleich mein Hebel erkannt haben. Hab>"« wohl gleich gedacht, daß man mich hier ebe so wenig von meinem Uebel befreien wird, wie e« in � vorigen Anstalt geschehen ist." „Ah! Sie waren bereit« in einer andere« v? da« sagte; und doch ist eS so.", Wieder griff er mit der Hand nach dem Ohre und den Kopf bei Seite, al« ob er fich schützen wolle vor Stiche de« Insekt«... Fritz war aber weit entfernt zu lachen, wie vre deren Aerzte gethan hatten, sondern mit große« Ernst »ortete er:... MtniS „Erlauben Sie, daß ich nachsehe, ich bin ern �Er �nahm seine Brille ab, reinigte dieselbe mit � Taschentuche, als ob er fich ganz ernstlich vorbereite, fl nachzusehen.,, � jhi" Dann sitzte er sie wieder auf beugte sich i � herüber und sagte mit dem ernstesten Gesicht v Welt:...> „Ganz recht, mein H«"- �a ist ja die Biene-- D, jetzt sehe ich sie deutlich.. Freilich, da« unangenehm, und muß ja der Ihrem Studrren seh für Sie sein.". „Schen Sie die Biene wirklich?" fragte der � sichtlich erfreut. rlfhabenCroi?«U!Ii4.'. Bi« jetzt haben*0�3* ich täuschte mich. Ich wußte ja, daß ich � � der dort vorhandenen deutschen Faktoreien, jeder Tag kostet aber große Summen, man rechnet auf den Monat 60 bis 80000 Ml. für die Schiff«, abgesehen von den Opfern, welche dai Klima von der Gesundheit der deutschen Seeleute verlangt Unter solchen Umständen ist die Frage doch wohl gerechtfertigt, ob der VortheU den diese Kolonien bieten jemals so groß werden wird, daß er die verausgabten und noch zu verausgabenden Summen in dm Schatten stellen kann. Afrikanische». Nor Kurzem ging durch die Presse die Rachrichl, daß die neueste deutsch? Erwerbung an der Westküste von Afrika, die durch Dr. Nachtigall erfolgte Besitzergreifung der großen von der Hamburger Firma G. L. Gayser bei Lagos Sir Deutschland akquirirten Gebiete gegenwärtig den Gegen- and diplomatischer Verhandlungen bilde. Die Sache ist richtig und hängt wie folgt zusammen. England weigert stch, diese neue deutsche Erwerbung anzuerkennen und stützt stch dabei auf die vor etwa 14 Tagen in London zwischen Earj Granville und dem Grafen Herbert Bismarck getroffme Abmachung. Auf Grund dieser Vereinbarung sollte das Küsten« gebiet zwischm Kamerun und dem Rio del Reu mit alleiniger Ausnahme der englischen Kolonie Viktoria, Deutschland zu- fallen, wogegen Deutschland versprach, in dem Gebiete westlich von Rio del Ney bis Lagos keine Erwerbungen machen zu wollm. Das von Herrn Gayser erwordene Territorium liegt nun aber gerade in jmem durch den Vertrag Deutschland ver- schloffenen Küsten> Gebiet, und deshalb verweigert England dieser Erwerbung nicht nur seine Anerkennung, sondern be- anlprucht sogar daS Land für stch. Diese Sachlage wäre schon an und für stch unangenehm genug, ste wird wer noch sehr viel fataler dadurch, daß Ver fast bis zur Gewißhett gesteigerte Argwohn destebt, mrn habe in London auf telegraphischem Wege bereits Nachricht von den Vorgängen bei Lagos gehabt, während ste in Deutschland noch unbekannt warm. Die Raschheit, mit welcher man in London den deutschen Wünschen hinstchtlich der Gebiets-Erwerbungen bei Kamerun misp ach, fände dann ihre Eiklärung in dem Bestreben, die Gegen- konzesston Deutschlands betreffmd das Gebiet zwischm dem Rio del Rey und Lagos unterschrieben zu erhalten, bevor der deutsche Unterhändler wußte, waS er damit auS der Hand gab. Auseinandersetzungm über diesen Punkt bilden den Gegen- stand der jetzt zwischen Berlin und London stattfindenden Ver« Handlungen. Frankreich. Die französtschen Truppen scheinen wieder eine gehörige Schlappe erlitten zu haben. Ein Telegramm des Generals Negrier aus Dongdana vom 24. d. M. meldet, die Chinesen hätten den Posten in Dongdang am 22. d. M. um 2 Uhr des Morgens angegriffen, die Franzosen hätten am folgenden Tage die erste Linie deS verschanzten Lagers in Bangbo ge« nommm, aber die Operationm seien am 24. d. M. an der bcdeutmden Ueberzahl des Feindes gescheitert. Gegen 2 Uhr habe stch die Artillerie, welcher die Munttion ausgegangen war, aus dem Gefechte zurückziehen müssen, so daß die Fran« zosm gegen 7 Uhr Abend« wieder nach Dongdang zurück- gegangen seien. Alle Verwundeten seien nach Langsong zurück- gcvrawt worvm. Die Verluste der Franzosen betrugen 200 Tode oder Verwundete.— Aus diesem Telegramm läßt stch ganz deutlich «rtennen, daß die Chinesen Herren der Situation stnd.— In der Deputtrtenkammer veranlaßte diese Nachricht eine Interpellation. Ferry leugnete eine Niederlage der franzöfi- schen Truppm und behauptete, bei dem Gefechte von Dong- dang handle es stch um einen Zwischenfall, wie er im Kriege vorkomme, die ruhmreichen Führer der französtschen Truppen würden denselben wieder wett zu wachen wissen, daS Vertrauen der Kammerj könne dadurch nicht erschüttert werden. Delafoffe erwidert mit Worten der Anerkmnung für die Tavferkcit der Soldaten und ihrer Führer, spricht aber zugleich sein Bedauern auS, daß man dieselben für eine wahnsinnige und verbrecherische Unternehmung opfere. (Beifall von der Rechten, Protestrufe von der Majorität.) Auf eine hierauf von einem Mitglied« der Rechten an ibn gerta.tete direkte Interpellation erwiderte Ferry;„W?nn Sie die KäbinetSfrage stellen wollen, so stellen Sie doch die- selbe." Delafoffe konstatirte, daß die sukzesflve Absendung von Verstärkungen zu keinen Resultaten führen könne. Floquet gab ver Thcilnahme und Sympathie der Kammer für die Armee in Tonkin Ausdruck, Granet verlangte, daß man den Tag für die Berathung setner Interpellation über den Stand d?S Krieges mit China festsetzen möge. Die Kammer beschloß, am nächsten Sonnabend den Tag dafür festzusetzen.— Der Senat beschloß, zur Berathung der einzelnen Artikel ver Ge- treidezollvorlage überzugehen. — Die Deputirtenkammer erlebt mit dem jungen Wahl- gesetz eine fatale Ueberraschung— daS vielbesprochene Verbot der Wahl von Thronpräiendmten ist einfach vergessen worden. Man begriff anfangs nicht recht, weshalb Cassagnac so nach- drücklich darauf drang, vom Minister des Innern die Ei kärung täuschte.... Freilich, Herr Doktor, Sie haben recht, das Gesumme ist mir außerordentlich störend, und außerdem wuß ich jeden Augenblick den Stich des JnsektS be« fürchten." „Sie sollten sich zerstreuen, Herr Assessor, damit Sie nicht daran denken." „Ich habe dai versucht, Herr Doktor: indessen im tiefsten Studiren und mitten im besten Amüsement «erde ich unaufhörlich gestört und geängstigt durch diese» Insekt." „Wir«ollen einmal den Versuch machen, ob Sie nicht durch eine animirte Unterhaltung von der Furcht vor der Biene befreit werden, sagte Fritz.„Wollen Sie nicht heute mein Gast beim Frühstück sein?" „Sie sind sehr gütig, Herr Doktor!" „Ich erwarte Sie in einer halben Stunde." „Ich nehme die Einladung an I" Fritz verließ die Männerstation und begab sich nun endlich nach seiner Wohnung. Als er an der Ausgangs» thür zu dem großen Korridor einen der Wärter erblickte, sagte er zu demselben: „Besorgen Sie mir eine Biene und brmgen Sie wir dieselbe nach meinem Zimmer. Niemand, weder einer der Wärter, noch einer der Kranken darf davon wissen." „Eine Biene, Herr Doktor, im Winter»" „Sie kann erstarrt oder todt sein." „Eme solche kann ich allerdings verschaffen." Der Wärter halte eine Frage auf den Lippen, wozu diese Biene dienen sollte. Da aber Fritz eiligst davon ging, so konnte er weiter nichts thun. als sofort nach dem Pnvat» garten eioeS der Oberaufseher sich begeben, der dort Bie« nen züchtete, um sich ein Exemplar dieser ebenso fleißigen als nützlichen Insekten zu verschaffen. _ Die Begrüßung zwischen Fritz Rodenburg und seinem Pathen, dem alten Habicht, war eine herzliche und freund« schaftliche, wie gewöhnlich. Der alte H°b'cht freute sich Über da« respektable Aussehen seines Pathtzn, und der Slolz, einen so angesehenen, ja gewissermaßen birahmten �stann aus seinem Schützling geworden zu sehen, buchtete au» seinen Augen.. Wenn er sich auch nicht da» Verdienst anmaßte, etwai dazu beigetragen zu haben, daß Fritz eine so glanzende zu erhalten, daß die Regierung irgend welche Zusatz- oder Ab- änderungS-Besttmmungen zum neuen Wahlgesetz bis zu den nächstenWahlen nicht beabstch tige. Heute nun erinnert man stch plötz- lich in republikanischen Kreisen daran, daß man in daS neue Wahl- gesetz den Artikel einzufügnn vergessen, wonach die Mitalirder ehe- dem in Frankreich regierender Familien für nicht wählbar erklärt werden. Bekanntlich hatte gelegentlich der Debatten über die VerfaffungSreviston im vorigen Jahre Feriy versprochen, eine derartige Bestimmung ini Wahlgesetz zu setzen, und wurden daher damals jene Mitglieder nur von der Wählbarkeit zur Präsidentschaft der Repblik ausgeschlossen. Jetzt scheint jedoch kein Republikaner mehr daran gedacht zu haben. Sonach wären also die Orlea risttschen und Bonapartistischen Prinzen zu Deputirten wählbar geblieben. Die Monarchisten könnten beispielsweise den Herzog von Aumale an die Spitze ihrer Listen in einer großen Anzahl von Departements setzen und eive Art von Plebiszit auf dessen Namen herbeizuführen suchen. Vorausfichtlich aber dürften die Republikaner noch durch eine deso chere Gesetzesbestimmung jenes Vergessen betreffs der P inzen nachholen. Grohbritaunieu. Nach dem vom Unterhause in erster Lesung ange- nommenen Gesetzentwürfe zur Einführung des o d l i g a t o- rt schen Schulunterrichtes in Irland soll jedes Kind im Alrer von 6—10 Jahren die Schule besuchen und zwar mindestens 150 Mal im Jahre.— Auf Clerken« well G een in London fand bei künstlicher Beleuchlung eine Kundgebung statt, um gegen den Krieg im Sudan als eine nationale Schmach zu p r o t e st i r e n und von der Re« gierung die unverzügliche Zurückberufung der Truppen zu fordern. Der Hauptredner war Bradlaugh, welcher die egyptische Politik der Regierung energisch mißbilligte. Ein anderer Redner erklärte unter stürmischen Beifallsrufen, daß keinem Ministerium gestattet werden sollte, Krieg zu erklären, ohne vorher die Nation befragt zu haben. Die entsprechenden Resolutionen wurden durch Händeschau angenommen. — Im Oberhause kündigte gestern Lord Greville, ein liberaler Pak, an, er würde an den Herzog von Cambridge die Frage richten, ob im Hinblick auf die starken Verluste auf dem Vormarsche von Suakin am letzten Sonntag, die der Vernachlässtgung der gewöhnlichsten Voistchtsmaßregeln beizu- messen seien, der General. welcher bei dieser Gelegenheit den Befehl geführt habe, daS Vertrauen des Höchstlommandirenden noch immer besttze.— Ja der letzten Sitzung der Königl. geo« graphischen Gesellschaft erklärte Herr L e s s a r, der r u s s i« sche diplomatische Agent, daß eine friedlich« Lösung der afghanischen Grenzfrage undenkbar sei, falls die turkmenische Grenze nicht Penjdeh in stch schließen werde. — Die Ergenthümer der 5 englischen Schmucks, welche angcklagr wurden, im vorigen Jahre das deutsche Schiff „Anna" geplündert zu haben, sowie die Eigenthümer von 3 anderen englischen Fischerbooten, welche beschuldigt stnd, eines ähnlichen Vergehens stch gegen das deutsche Schiff„Diederich" schuldig gemacht zu haben, find vor die Asfisen zu Uarmuth verwiesen worden.__ Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. Sitzung vom 26 März. Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Straßmann er» öffnet die Sitzung um SV« Uhr mit Verlesung deS Antwort- schreibens, welches auf die von der Versammlung zu: Ge- burtStagsfeier des Kaisers dargebrachte Glückwünsche einge- gangen ist. Die Ueberreichung de« Ehrenbürgerbriefes an den Prof. L e o p o l d v. R a n k e soll am 31. März stattstnden. Zur Tbeilnahme an diesem Akt deputirt die Versammlung die dem Mandate nach vier ältesten Mitglieder Stadtv. Dr. Schulz, T e i ch e r t, Dr. N e u m a n n und Dr. B t r ch o w, welchen stch vi« deinen Vorsteher Dr. Straßmann und Büchte- mann anschließen werden. Auf ver Tagesordnung steht zunächst eine ältere Anfrage des Stadtv. Dr. G e r st e n d e r g, welche in heutiaer Sitzung vom Magistrat beantwortet wird. Die Anfrage bezieht stch auf die vom Eisenbahnfiskus beabsichtigte Parzellirung de« Platze» am Lstbahnhofe und Vermiethung desselben zu Kohlenplätzen. Stadtv. Dr. Gerftenberg betont, daß diese Angelegenheit die vtialsten Interessen des Ostens derühre. Durch die Stadt- bahn und die Veränderung deS Fremdenverkehrs habe der Osten ganz kolossal gelitten, denn viele Wohnungen steben leer, andere stnd in ihren MiethSpretsen stark herabgesunken. Be« solchem mißlichen Zustande müsse man alles daran setzen, damit die einzige Lunge de« Ostens, der schöne Schmuckplatz am Ostdahnhofe, demselben erdalten werde.— Stadtrath Voigt beantwortet Namens des Magistrats, daß derselbe sowohl an Karriere gemacht hatte, so war es doch etwa« von Vater- stolz und Vaterglück, waS er empfand. Er hatte nicht nur Vaterstelle an dem verwaisten Knaben vertreten, sondern auch zu demselben eine Liebe, als ob er wirklich sein Sohn wäre; und so war denn seine Freude und sein Glück herz- lich und aufrichtig. Fritz seinerseits liebte den alten Freund wie einen theuren und nahen Verwandten. Wenn auch nicht Blut»- Verwandtschaft sie an einander knüpfte, so war es die gegen- seitige Liebe und ein Band innigster Freundschaft, welches sie verknüpfte. Der alte Habicht sah rüstig und kräftig aus wie immer. Seine verwitterten Züge hatten sich in der rauhen Atmosphäre, in welcher er zu leben ge- wöhnt war, nicht verändert, und seine zähe Natur schien allen Einflüssen des Wetters und deS Alters, und allen Strapazen zu trotzen. „Siehst Du, Fritz," sagte der Alte,„ich hätte Dich längst schon einmal besucht, gesehnt habe ich mich oft genug darnach, mit Dir ein halbe« Stündchen zu verplaudern, aber ersten« ist der Weg sehr weit, zweiten», weißt Du ja auch, daß der Graf meine Gesellschaft nicht gern ent« behrt— er hätte mich am liebsten den ganzen Tag in seiner Nähe— und endlich, was für mich am meisten maßgebend war, meiner Sehnsucht nach Dir Zügel anzulegen, fürchtete ich, daß ich Dich in der AuS« Übung Deine» Berufe» stören möchte. So oft ich aber von Dir höite, und das, was ich hörte, war immer Gutes, so empfand ich stets den Stolz eines Vater», der an seine« Sohn Freude erlebt." „Bist Du nicht auch mein zweiter Vater, Pathe» Danke ich nicht Dir eigentlich Alle», was ich bin? Wenn es mir hier gut geht, so ist das im Grunde genommen Dein Werk.... Nimm meinerseits die Versicherung, Onkel Habicht, daß ich von Herzen erfreut bin, Dich wieder- zusehen." Von Neuem schloß ihn der Alte in seine Arme und drückte seinen struppigen Schnurbart auf die Wangen de» jungen Mannes. „Siehst Du," sagte er darauf mit bewegter Stimme, wir könnten wohl glücklich und ftoh sein, Fritz, nament- lich könnte ich es sein, wenn ich nicht Kummer daheim hätte." dem Droschkenhatteplatz als auch dem Platz vor dem Bahnhof Eigmthumirechte geltend gemacht, dieselben aber noch nicht anerkannt seien. Der Magistrat werde stch auch ferner be- mühen, die beklagte Maßregel zu verhindern. Di« Anftage ist damit erledigt. Die Anträge des Ausschusses bezüglich der Einräumung eines Fenstenechts an der Rochstraße für daS Grundstück Münzstraße 7 werden ohne Debatte genehmigt. Die Versammlung tritt nunmehr in die Fortsetzung der EtatSberathung, und zwar beginnt dieselbe bei dem Etat der Schulverwattung. Bei dem Etat der höheren Lehranstalten beklagt Stadtv. Pickendach dm großen Prozmtsatz der jüdischen Schüler in diesen Anstalten. Die Bevölkerung Berlins bestehe auS 88 pCt. Evangelischen, 7 pCt. Katholiken und 5 pCt. Juden, diese verschiedenen Schichtm seien aber in unseren höheren Unter« richtsanstalten ganz ungleichmäßig vertreten; denn es finden stch nur 70 pCt. evangelische, 3 pCt katholische, dagegen aber 24 pCt. jüdische Schüler, während in den Höheren Töchterschulen sogar 31 pC«. Jüdinnen, nur 2 pCt. Katholiken und nur 66 pCt. Eoangrlische vorhanden find.(Unruhe.) So sei es gekom- wen, daß 51 800 jüdische Schüler die höheren Lehranstalten, nur 703 die Gemeindeschulen besuchen. Dies sei ganz unerhört und man mühte doch im Interesse unserer eoanaelischm Bevöl- kerung Volkehmngm treffen, damit die höhere Bildung etwaS gleichmäßiger vertheilt wird. Schließlich ftägt Redner an, woher e« denn kommt, daß in der Prima eines Gymnastumi der Unterricht an einem jüdischen Feiertage ausfiel. Stadtschulrath Dr. F ü r st e n a u bestreitet entschiedm, daß der jüdische Feiertag der Grund zum Ausfall deS Schulunter- richt» gewesen sei. Ein solcher Fall sei ihm garnicht hekannt. (Stadtv Picken dach ruft:„Friedrichs- Gymnafium!") Wa« die Aufnahme der Schüler beirisst, so b.'stehe darüber ein ganz bestimmter Modus, bei welchem wohl hier und da lokale und Famtlienrückfichten Platz greifen können, er werde aber nie seine Hand dazu bieten, daß konfesstonelle Rückstchtm dabei maßgebend sein sollen.(Beifall.) Stadtv. G ö r ck i hält die Ausführungen des Stadtver- ordneten Pickenbach durchaus nicht für logisch. Nicht irgend eine Konfesfion, sondem die allgemeinen ErwerdSoerhältniffe haben schuld an der heutigen Gestaltung des Schulbesuches und es sei unrecht, wenn man irgend welche Unterschiede in der Konfesfion machen wollte. Die Rückstchten, welche nach dem Zugeständniß des Stadtschulraths in gewissen Fällen ge- nommen werden, könne er als berechtigt nicht anerkennen. Gerade Derjenige, der an die Peripherie zieht, um durch billige Miethe die Möglichkeit zu erlangen, seine Kinder in die höhe- ren Schulen zu schicken, verdienen alle mögliche Rückficht, eine Rückstcht auf die Wohnung der Schüler würde zunächst einer Rückstchtsnahme auf die besser fituirte Klasse gleichkommen. Stadtv. Schwalbe pcotestirt dagegen, daß die Schule in Verbindung mit Bestiebungen und Tendenzen gebracht werden solle, die entschieden zurückzuweisen find.(Beifall.) Stradtv. Löwe: Er ergreife nur daS Wort, um dagegen zu protestiren, daß auch dieser Saal zur Kampsstätte einer un- sittlichen Bewegung gemacht wird, welcher unsere Nation zur Schmach und Schande gereicht.(Oho! Betfall.) Er bedauere, daß es Personen giebt, welche eS stch zur Aufgabe machen, den Prozentsatz der Schüler der Gymnasien nach der Konfesfion zu berechnen. Glücklicher Weise haben fich die Lehrer selbst von dieser Befleckung ferngehalten. Wenn die Versammlung auch die Wähler soweit respektiren müsse, daß ste solche Reden hier anhören müsse, so meine er doch, daß man darüber ge- wissermaßen moralisch zur Tagesordnung überzugehen habe. (Beifall.) Stadtv Böhm: Aus der Rede deS Stadtverordneten tickendach habe deutlich hervorgeleuchtet, daß auch in diesem aale der Ruf„Juden rauS" erschallen sollte. Oder meine Herr Pickcndach, daß die Versammlung ihn nicht verstanden? (Heile: keil.) Stadtv. P i ck e n b a ch: Daß Herr Löwe, der erst ganz am Schluß seiner Rede in diesen Saal getreten, über diese Rede iprechc, wundere ihn bei diesem Herrn garnicht mehr. Wenn Herr Löwe meinte, er habe hier eine antisemitische Rede gehalten, so irre er sehr.(Lcdhafter Widerspruch) Er habe nur die Rechte ver evangelischen Bevölkerung vertreten.(Große Unruh?.) Stadtv. Dr. Meyer führt aus, daß ver Stadtv. Picken- dach nichts weiter gehalten habe, als eine antisemitische Rede. So lange derselbe nicht nachweisen könne, daß ein evange- lisches Kind deshalb von der Aufnahme zurückgewiesen sei, weil eS nicht jüdisch ist, müssen die Aussüdrungen desselben als durchaus unrichtig bezeichnet werden.(Sehr wahr.) Die Quintessenz der Pickenbach'schen Rede geht doch dahin, daß man in Zukunft in der Lage sein möchte, ein Kind von den höheren Schulen zurückzuweisen, weil es jüdisch ist. Glück- licherweise gebe die Antwort deS Stadtschulraths die Gewähr, daß solche Tendenzen in unserer Schulverwattung niemals Fuß „Weiß wohl," antwortete Fritz; und ich kann mir auch wohl denken, daß dieser Kummer die Veranlassung Deine» Besuche» ist." „Hast e« errathen,«ein Junge! Du weißt, e« ist jetzt die Jahreszeit... „Also schon wieder ein Anfall?" „DaS nicht, Fritz; ein eigentlicher Anfall ist e» noch nicht gewesen, aber nachdem ich nun den Grafen dreizehn Jahre lang beobachtet habe, so kenne ich die Symptome ganz genau. Es ist bis jetzt weiter nichts bemerklich, als eine gewisse Unruhe, die sich von Zeit zu Zeit zeigt, und den Eindruck macht, als erwarte der Graf irgend ein Ereigniß, dessen Hereinbrechen er fürchtet. Ich schließe daraus, daß der Anfall auch dieses Jahr nicht aus« bleiben wird." „Da» fürchte ich auch, Pathe," versetzte Fritz theil- vahmevoll,„und wa« da« Schlimmste ist, ich fürchte, da» Uebel des Grafen ist unheilbar; er wird demselben erliegen. Der Anfall im vorigen Jahre war so heftig, daß ich bereit» seinen Tod befürchtete, und wäre nicht auf eine ganz un« erwartete Weise die Krisis eingetreten, so hätte er es da- malS auch sicherlich nicht überlebt.... Sei immerhin darauf gefaßt, Pathe, daß sein Anfall ihm einmal da« Leben kostet." B5„Du hast recht." sagte Habicht mit einem Seufzer, „ich muß darauf gefaßt sein; aber darum komme ich ja eben zu Dir. Es steht bei mir fest, daß Du allein helfen kannst." Fritz schüttelte den Kopf. „Das ist ein Jrrthum, Onkel! Ich habe zu der glück- lichen Wendung, welche die Krankheit zweimal genommen, nichts beigetragen, und ich habe die Ueberzeugung, Idaß ich auch nichts dazu beitragen kann. Schon aus diesem Grunde müßte ich es Dir diese» Jahr abschlagen, während der Krankheit de« Grafen in M'Donuil anwesend zu fein." „Du willst nicht kommen, Fritz?" rief Habicht er- schrocken. „Es ist unnütz!" antwortete der Doktor.„Sieh' Onkel Habicht, die Sache liegt einfach so, daß wahrschein- lich ein Zusammenhang existirt zwischen der Krankheit de» Grafen und der schwarzen Hexe, das scheint mir auige- «acht zu sein." (Forts, folgt.) Taffen werden.( Beifall.) Die Diskussion wird hierauf geSchloffen. Persönlich bemerkt Stadto. Lowe: Er set zu seinem Bedauern noch zeitig genug in den Saal getreten, um den antisemitischen Theil der Bidenbach'schen Rede mit anzubören. Er müsse das tonftatiren, damit herr Bidenbach nicht wieder in die Lage komme, über ihn unwahrheiten zu verbreiten. Stadto. Bidenbach erwidert, daß er nur wieder gegeben, was unwidersprochen in der Kreuzzeitung" ge handen Stadtv. Löwe: Herr Pickenbach babe in seiner Antifemitenversammlung behauptet, daß er, Redner, vertrauliche Mittheilungen aus der Budget- Rommiffion einem auswärtigen Korrespondenten gemacht habe. Dies sei eine Lüge, gleichgiltig ob fte von der Kreuzzeitung", oder von Herrn Bidenbach Herrübre. Stadtverordneter Bidenbach tonftatirt nochmals, nochmals, Daß das, was er gesagt habe, schon 14 Tage vorher in der Kreuzzeitung" gestanden habe. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Bezüglich des Freischulwesens an den höheren Lehranstalten ersucht die Versammlung den Magiftrat, die Uebertragbarkeit der unbenugt gebliebenen Freistellen in der Weise zu reguliren, daß von vornherein so viel Prozente an Freistellen für die Uebertragung zur Dispofition gestellt werden, als durch schnittlich weniger benugt worden find. Ferner gelangt ein Antrag Bellermann zur Annahme, wonach die drei, resp. vier Brüder auch dann die Benefizien des Freischulwesens genießen sollen, wenn dieselben nicht auf derselben Schule unterrichtet werden, sondern höhere Schulen verschiedener Art besuchen. Im Uebrigen wird der Schuletat nach kurzer Debatte nach den Vorschlägen des Ausschusses genehmigt. Bei dem Etat der Steuer- Verwaltung erklärt Stadt tämmerer Runge auf Anfrage des Stadto. Singer, daß der Oberpräfident über seine Stellung zur Reform der MiethsSteuer interpellirt worden sei. Derselbe habe die betr. Anfrage an den Minister des Innern und der Finanzen abgegeben. Dort sei fie noch nicht erledigt. Stadto. Pidenbach plaidirt für pure Ablehnung der Miethssteuer, ein Vorschlag, der vom Stadtv. Dr. Jrmer angesichts der Sachlage doch für revolutionär erklärt wird. Der Etat wird genehmigt. Bei dem Etat, für firchliche Bwede" geißelt Stadtv. Richier die Agitation des Hofpredigers Stöcker. Stadtv. Dr. Jrmer meint, er hätte diese Rede fich auf sparen sollen, bis er Mitglied einer Synode oder des Landtages sei und Vorsteher Dr. Straßmann verweist darauf, daß es sich bei dieser Bofition um ganz fleine äußerliche Dinge, nicht aber um innere firchliche Fragen handele. Auch dieser Etat wird angenommen. Der Etat der Part- und Gartenverwaltung erregt ziemlich lange und lebhafte Debatten, da von verschiedenen Seiten für eine beffere Dotirung dieser Verwaltung plaidirt wird. Einzelne Bofitionen werden dann auch erhöht. Am nächsten Dienstag wird zur Fortsetzung der Etatsberathung eine Ertrafigung stattfinden. Schluß der Sigung 10 Uhr. Lokales. g. Durch Schuhleute finden gegenwärtig in den Häusern threr resp. Bezirke eingehende Revifionen darüber statt, ob auch fämmtliche Dfentlappen aus den Defen entfernt find und die Defen vor den Feuerungsöffnungen das vorschriftsmäßige Schußblech befizen. Es ist erwiesen, daß viele Töpfer bei Umänderung der Defen nach Polizeivorschrift anstatt die alten Dfentlappen zu entfernen, einfach den Griff an denselben hinter dem Ofen abgedreht und die Dfen lappen in dem Ofen ruhig steden gelaffen haben. Welche unberechenbaren Gefahren hierdurch für Wohnungsinfaffen bestehen, braucht wohl nicht erst besonders erwähnt zu werden; die legten traurigen Vorgänge sprechen zur Genüge dafür. Auf das Vorhandensein der Schußbleche vor den Feuerungsöffnungen der Defen wird im feuersicher heitlichen Interesse gehalten. Die Schuld beim Vorhandensein der alten Dfentlappen in den Defen trifft lediglich und allein den Haußeigenthümer. Wie schwer die Nichtbeachtung der einschlägigen Bestimmungen geahndet wird, beweist die Thatsache, daß ein in der Jägerstraße wohnender Hausbefizer wegen Nichtentfernung der Dfenklappen in eine Geldstrafe von 150 M. genommen ist. B B Bet so anhaltend schönem Wetter, wie wir es jest feit mehr als einer Woche baben die Straßen moraftattig an vielen Stellen kleine Sümpfe, macht fich der Mangel von Einrichtungen zur Säuberung von Fußbekleidung überaus be merkbar. Wer einen Besuch zu machen hat, bei dem es auf Die Beobachtung äußerer Formen antommt, geräth in die größte Verlegenheit, wenn er nur den Weg vom Pferdebahn wagen über den Straßendamm zum Seitenweg zurückzulegen hat und dabei fehltritt. Der Versuch, nach amerikanischer Mode den ,, bootblad" auf der Straße einzuführen, darf, soweit es fich um praktische Erfolge handelt, als gescheitert angesehen werden. Eines schickt sich in der That nicht für Alle. Wir haben eine angeborene Abneigung gegen die Erledigung auch der unverfänglichsten Toilettenerfordernisse auf der Straße. Der Franzose denkt darin viel harmloser. Wird aber der be hende und expeditive Junge mit einem Wichslasten, wie wir thm in London ohne Schulzwang begegnen, durch einen schläfs rigen, schwerfälligen Greis erseßt, dem es allemal Ueberwinbung toftet, eine Bürfte zu ergreifen, dann ist es wohl erklär. lich, daß das Institut teinen Boden faffen konnte. Die Nothwendigkeit der Vorkehrungen bleibt indeffen unter allen Umständen bestehen. In unserer so wohlregulirten Stadt ift es ein Mangel, der um Abhilfe schreit. Hätte sich statt des Pluvius", der auf den unfruchtbaren Gedanken tam, ein Regenschirm Verleih Institut zu gründen, eine Kleider Reinigungs Gesellschaft gebildet, die es ermöglichte, auf jedem Blaze, oder in der Nähe jeder bedeu tenderen Straßenfreuzung Schuhe und Kleider fäubern laffen, วัน so wäre der Erfolg unzweifelhaft ein großer gewesen. Nun soll nicht dafür plaidirt werden, auf Straßen und Plägen, die ohnehin mit Buden und Häuschen, mehr als manchmal wünschenswerth ist, besezt sind, noch mehr folcher Holzbauten zu errichten. An diese Betrachtungen Inüpft Die Nat. Btg." einen Vorschlag, der gewiß etwas Beherzigenswerthes enthält. Es würde sich z. B. für die Barbiere ganz außerordentlich paffen, meint das genannte Blatt, wenn sie als eine Art Geschäftsanhängsel fich einen wohlaffortirten Raften mit Bürsten aller Art hielten, die dem Besucher gegen ein ge ringes Entgelt zur Verfügung gestellt würden. Gegen die Geschäftsehre würde es nicht verstoßen; es sei denn, daß die Innung, welche als erste in Deutschland fich den Ackermannfchen Lehrlings. Paragraphen zu Nuge gemacht hat, daran Anftos nimmt. In dem Lande, in welchem das Rafiren weit hinaus über das Handwerksmäßige thatsächlich zu einer Runft, und zu einem Genuß für den Besucher geworden, wie das Bad in Rußland; dort wo die Baderstube auch äußerlich ein Salon ist, nimmt man durchaus teinen Anstoß daran, den Runden bud stäblich von Kopf bis Fuß zu verschönern. Aller dings wäre mit der vereinzelten Befolgung dieser Anregung nichts geholfen. Nur wenn man ficher ist, in jebem Barbier geschäft auf Hilfe rechnen zu können, ohne erft fragend von einem zum anderen zu irren, würde sich die Sache einbür Unter der Spitmarke„ Künstlers Erdenwallen" bringt die| Spitmarke ,, Künstlers in Neu- Ruppin erscheinende Märt. Stg." folgenden für gewiffe Theaterverhältnisse recht bezeichnenden Bericht: Die hiesige Schauspielergesellschaft, welche ihre kontrattlichen Verpflichtun gen gegen ihren Direktor, Herrn Wolf, eben nicht auf die le galste und humanfte Weise eigenmächtig gelöst hat, reist jetzt in Die Nachbarorte, um auf eigene Hand dort Borstellungen zu geben. So war die Gesellschaft am legten Freitag auch in Fehrbellin und gab dort eine Vorstellung, die den Künstlern 27 M. einbrachte, und bestieg nach geleistetem Kunstgenuß wieder den von ihr gemietheten Dmnibus, um nach Neu- Rup pin zurüdzufahren. Doch ach! Nach nicht allzulanger Fahrt fiel es den beiden Rosinanten ein, zu streiken. Ste blieben stehen und weder gute Worte noch Peitschenhiebe waren im Stande, das edle Pferdepaar zum Weiterfahren zu bewegen felbft das Eingreifen des ersten Helden und des Komiters in die Speichen der Räder halfs zu nichts; auch der Versuch der Soubrette, die intriguanten Pferde durch den Vortrag eines Kouplets aus der schönen Ungari" nachgiebig zu ftimmen, batte nicht den geringsten Ertolg, und so blieb dem fluchenden Rutscher nichts weiter übrig, als die Rofinanten Wagen abzuspannen und mit ihnen per pedes nach Neu Ruppin อน wandern und ein Baar weniger eigensinnige Gäule zu holen, um Dann Die im Dmnibus zurückbleibenden Schauspieler nach einigen Stunden banger Sehnsucht aus ihrer peinlichen Lage zu erlöfen. Die Situation der noch vom Spiel des Abends echauffirten Menschen darsteller war feine beneidenswerthe. Kalter Wind heulte über das Luch durch die zerbrochenen Fensterscheiben des Omnibus, rabenschwarz war die Nacht, weit und breit kein erleuchtetes Haus zu erspähen, mit einem Wort, die Situation fing an, unheimlich zu werden. Die komische Alte begann zu zittern und der erste Liebhaber seufzte schwermüthig, die Augen schlie Bend: Unglückseliges Flötenspiel, was mir nie hätte einfallen follen!" Doch wie alles im Leben, so gingen auch diese zwei Stunden vorüber. Der Dmnibuskutscher lehrte endlich aus Neu- Ruppin zurüd, begleitet von zwei etwas gemüthlicheren Gäulen, die fich bereit finden ließen, das hartgeprüfte Künstler personal nach Neu- Ruppin zurückzufahren. Dort angelangt, ftieg man aus, stellte sich unter das schüßende Thor eines Hauses in der Ferdinandstraße und begann beim Schein ver fchiedener Streichhölzer das Geschäft der Theilung des Kaffenbestandes. Nach Abzug der Roften blieben von der Einnahme n tto 5 Mart 50 Pfennige. Es kam demnach auf jeden der Künstler die Summe von 90 Pfennigen. Tableau! Stum mer Schmerz und endlich unisono der Ruf: Und darum Räuber und Mörder!" Ein erhängtes Pferd. In einem Stalle des Türkischen Belt" in Charlottenburg richtete, wie das dortige Neue Int. Blatt" erzählt, am Dienstag Nachmittag ein Milchpächter sein bort stehendes Pferd hoch, damit es fich nicht hinlegen könne. Als er nach einigen Stunden in den Stall zurücklehrte, da war das Pferd so zu sagen erhängt. Es hatte sich nämlich gewaltsam von der Schlinge befreien wollen, um fich bequem hinlegen zu können; dabei zog es selber die Schlinge so feft, daß der Erftidungstod eintrat. Ueber eine interessante Operation wird dem Berliner Frobl." berichtet. Major v. L., der hiesigen Garnison ange hörig, war in einer der blutigsten Schlachten des Jahres 1870 durch einen Schuß in den Oberschenkel schwer verwundet worden, und zwar derart, daß die Wunde noch täglich, unter nicht ge ringen Schmerzen seitens des Patienten, verbunden werden mußte. Vor nunmehr faft 14 Tagen gelang es indeß der außergewöhnlichen Geschicklichkeit des Herrn Prof. von Berg mann, die Kugel herauszuziehen, bei welcher Gelegenheit Major v. 2. nicht nur von dem Geschoß allein, sondern auch von mehreren Knochensplittern und zugleich auch von einem Stüd Uniformtuch befreit wurde, das fich in friedlichem Nebenein ander an der gleichen Stelle seit dem Jahre 1870 befunden! Major v. L. wird, zu seiner großen Freude, nun wieder vollkommen dienstfähig werden. Der Rangirmeister Kaiser, welchem vor einigen Wochen im Dienste auf der Anbalter Bahn die Beine abgefahren wurden, ist jest unter der Behandlung des dirigirenden Arztes Dr. Delbues in dem Elisabeth- Krantenhauſe in der Lügom. straße soweit wieder hergestellt, daß ihm am Sonnabend fünft liche Beine angepakt werden sollen. Kaiser, welcher sich im Kreise seiner Bekannten großer Beliebtheit erfreute, steht leider einer traurigen Bukunft entgegen. Das Unglück ereignete fich 8 Tage vor seiner definitiven Staatsanftellung, so daß er nicht penfionsberechtigt ist; dabei hat er eine Frau und 5 Kinder zu ernähren. Soziales und Arbeiterbewegung. Das Syftem der Abschiebungen" steht heut auf allen Gebieten der Sozialpolitit in voller Blüthe. Das Handwerks burschen- Abschieben besteht bekanntlich darin, daß man den Runden unter polizeilichem Geleite über die Grenze einer Ge meinde oder eines Ländchens bringt und damit die Sache er ledigt zu haben glaubt. Daß man damit die Vagabondage nicht aus der Welt gebracht, sondern bloß in andere Distrikte verschoben" hat, leuchtet in diesem Falle sofort ein, in anderen Fällen aber gilt die bloße Abschiebung noch immer für eine soziale Verbesserung. Wenn heutzutage in einzelnen Gegen den Verpflegungsstationen errichtet werden, welche im Handwerk ebenfalls zuviel Lehrlinge fi finden, die später niemals Unterkunft finden, sondern als Arbeitslose bettelnd auf Den Straßen herumirren was soll dann die gegenseitige Aufforderung, die Jungen in anderen Berufen unterzubringen? Wenn es den Kaufleuten z. B. gelingt, die Lehrlinge haupt sächlich in die Handwerke mit dem goldenen Boden" abzus schieben, so ist damit die Lehrlingsfrage so wenig erledigt, wie die Handwerksburschenfrage durch die polizeiliche Abschiebung: im Kaufmannsstand ist fte alsdann weniger brennend, im Handwerkerftand um so schlimmer; im Großen und Ganzen ist fte aber ganz dieselbe. Wenn man in den Kolonien Wolle und Fleisch billiger gewinnt, so scheint das zunächst ein großer Vortheil; aber man sett doch hüben ebensoviel und noch mehr Landwirthe, die ihre Wolle nicht mehr los werden, auger Brod, wie drüben Landwirthe gedeihen.- So ließen fich eine Unmenge von Fällen aufzählen, wo man glaubt, man furire gewiffe Uebelſtände, während man sie doch nur anderen Kreisen zuschiebt. Gerade die Arbeiter, fü: welche ja alle Sozialreformen bestimmt sein sollen, werden gut thun, fich bei jeder einzelnen Gelegenheit zu fragen: ist damit ein Uebel ganz aus dem sozialen Körper beseitigt, oder ist es nur an eine andere Stelle verschoben. Auf einige Kniffe, durch welche die Unternehmer allerlet Nebenverdienste an ihren Arbeitern haben, wiesen wir erst neulich hin. Damals handelte es fich um den Verkauf von Werkzeugen an Arbeiter, in dem heute gemeldeten Beispiel um das Kautionswesen, welches fich hauptsächlich in ver schiebenen deutschen Schuhfabrifen eingebürgert hat. Durch aufoktroprte Fabrikordnungen werden die Arbeiter z. B. in Speyer gezwungen, 10, 20 auch 50 Mart Raution zu stellen, welche ihnen in wöchentlichen Raten von 50 Bf. und 1 Mart vom Arbeitslohn zurückbehalten werden; hat der Betrag die festgefeßte Summe erreicht, so wird dieselbe mit 5 Prozent ver ainst Nun ist aber schlauerweise durch die Fabrifordnung felbft dafür gesorgt, daß die volle Summe nie erreicht wird, es befindet fich nämlich darin die Bestimmung, daß den Ar beitern an besonderen Feiertagen immer ein Drittel des Be trages, den fte stehen haben, zurüdbezahlt werden muß. Daß nun unter den heutigen Verhältnissen die Arbeiter froh find, wenn fie an Feiertagen dies Drittel zurüderhalten und daß fie deshalb gerne auf die Verzinsung verzichten, das wiffen die Herren Unternehmer ganz genau. Es ist daher anzunehmen, daß ein Unternehmer, der 300 Arbeiter beschäftigt und von jedem Einzelnen wöchentlich 1 Mt. als Kaution zurückbehält, welcher Betrag bis auf 50 Mt. anwachsen müßte, wenn er verzinst werden soll daß ein solcher Unternehmer durch schnittlich 20 Mt. von jedem Einzelnen, sonach insgesammt 6000 Mt. Arbeitsgelder jabraus jahrein unverzinslich in vän den hat. Bei einem wöchentlichen Abzuge von 50 Pf. und 20 Mt. als Kautionsbetrag tann man annehmen, daß der Unternehmer von jedem Arbeiter durchschnittlich 10 Mt., bei 200 Arbeitern also 2000 Mt. unverzinslich in Händen hat. Wenn man nun bedenkt, wie nothwendig die Arbeiter bei den heutigen sozialen Verhältnissen die wöchentlichen Abzüge von 50 Pf. und 1 Mt. oftmals brauchen tönnten, der Unternehmer bagegen von dem ohnehin geringen Verdienst der Arbeiter fich noch ein Betriebskapital aneignet, so wird man gewiß einem Arbeiterschußgefeß, welches derartigen Ausbeutungen ein Ende macht, zustimmen müssen. Mögen Manche die Idee der Arbeits ämter und Arbeitskammern immerhin für eine Jllufton halten, den Arbeitern wären dieselben nicht allein ein Schug, sondern ihre Einführung wäre auch ein bedeutender Schritt vorwärts in der angebahnten Sozialreform. Oben erwähntes Kautions unwesen wird hauptsächlich in den Schuhfabriken von Dffen bach, Speyer und Frankfurt start betrieben. 11 In der Steingutfabrit von Villeroh und Bloch in Dresden, in welcher 600 männliche und 300 weibliche Arbeiter beschäftigt find, ist vom 1. März d. J. an der Snap3 Tonsum völlig verboten worden. Den Arbeitern soll Erias burch eine billige Fleischbrühe verschafft werden. Bu det Fleischbrühe wird, wie die 50. Gorrefp." berichtet, nur wil liches Muskelfleisch liches Muskelfleisch kein Fett und feine Knochen vers wendet. Das Fleisch wird auf wissenschaftliche Weise ausge nust. Durch eine Maschine wird daffelbe zu Mus sertleiner und das Mus hierauf einige Stunden mit der Hälfte des zu Suppe benöthigten Wassers ausgelaugt. Es geschieht dies bei gewöhnlicher Temperatur, damit das den hauptsächlichsten Näh ftoff bildende Eiweiß löslich bleibt. Der Fleischrückstand wird Dann abgefiebt und ausgepreßt, nachher nochmals mit wenig Waffer abgefocht. Darauf wird in den Rest des Waffers eine entsprechende Menge von Hülsenfruchtmehl( Erbsen, Bohnen oder Linsen) eingerührt, der Fleischiaft zugefest, auch genügend Rocjalz und Gewürzsals beigefügt uno das Ganze zum Kochen erbigt. Auf 1 Liter Wasser tommen 60 Gramm Muskelfleisch, 50 Gramm Mehl und 2 Gramm Gewürzsala. Diese Suppen, welche sehr schmackhaft find, vereinigen das Anregende ber Fleischbrühe und die Nährkraft der Leguminofen. Für ¼ Liter Dieser Suppe zahlen die Arbeiter 8 Pf.- Wenn sich dies in Wirklichkeit so verhält, so können die Arbeiter mit dem Schnap verbot wohl zufrieden sein. Uebrigens erklärt das genannte Blatt, daß sich der Schnapskonsum innerhalb des betreffenden Etablissements stets in bescheidenen Grenzen gehalten habe Weshalb also das absolute Verbot trotzdem erfolgte, ist nicht recht klar. Arbeiter Krantentassen in Desterreich. Wie es gegen Klas wärtig den Anschein bat, werden die freien Arbeiter Kranten tastrophe der Selbstauflösung eteilt sein. Verzweiflungsschrittes ist in dem Vorgehen der Steuerbehörde zu suchen, welche mit rücksichtsloser Strenge daran geht, von Vermögen einzutreiben. Diese Aktion ist erst durch eine füngft ergangene Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes ermög licht worden, welche die Krantenlaffen für wechselseitige Ver Es war selbstverständlich, daß die Steuerbehörde aus diesem Urtheile nahe liegende Folgerungen ziehen würde. Das Abgeordnetenhaus fuchte dies zwar zu un hindern, indem es den Antrag Clumedy wegen Befreiung der Arbeiter Kranken und Invalidenkaffen von der Erwerbs und Einkommensteuer, sowie von Stempeln und Gebühren mit britter Lesung annahm. Im§ 3 des Gesetzes wird ausd: üd ungewohnter Raschheit erledigte und am 25. Februar b. 3 in lich ausgesprochen, daß diese Vereine in Ansehung des beweg lichen Vermögens von allen Gebühren befreit sind. Das Gefe sollte den Zwed haben, den Bestrebungen der Steuerbehörden gegenüber den Krantentaffen vom Anfang an die Spige abzu brechen. Und doch geschah das Unglaubliche. Drei Tage na Iam 2. März d. J., forderte die Wiener Finanzbezirksdirektion dem das Abgeordnetenhaus dieses Gesetz angenommen hatte, von der allgemeinen Arbeiter- Kranten und Invalidentaffe in von den armen R isenden Holz hacken oder Steine klopfen laffen, ehe sie ein Almosen gewähren, wenn daneben die pri vate Wohlthätigkeit unterdrückt wird so meist man mit Stolz auf die Wanderburichen. Abnahme hin, die durch solche Maßregeln binnen wenigen Monaten erzielt worden sei. In Wahrheit hat man die Wanderburschen nicht vermindert, man bat fie nur in andere Gegenden verdrängt, welche weniger rigoros verfahren, und die Vagabondage hat wohl für den einzelnen Distrikt, nicht aber für das ganze Reich an Schärfe verloren. Es hat eine bloße Abschiebung stattgelunden. Eine Abschie wenn man in einzelnen, vielleicht bung ist es auch, unter dem landwirthschaftlichen Nothstand leidenden Gegenden irgend eine aus Industrie verbreitet, um den Arbeitslosen" Verdienst zu schaffen. Wenn die kleinen äusler in irgend welchem Gebirge nun auch Holzschnit ereien, Korb und Strobflechtereien oder sonst was lernen wenn fie wirklich etwas damit verdienen, so ist die Wirkung doch nur die, daß fie anderen draußen im Reiche, die bisher Holz schnig ten und die Rörbe flochten, das Verdienst schmälern und ent ziehen. Geholfen ist im Großen und Ganzen gar nichts. Und wenn man die Kinder sogar in den Schulen( Schulwerk stätten) verschiedene industrielle Arbeiten lehrt, die sie dann zu Hause oder in gemeinsamen Werkstätten ausüben- handelt es fich nicht um eine gleiche Art von Verbesserungen? Die Kinder produziren, was sonst Erwachsene schufen, fie nehmen Ternig die Steuerleistung für ihr bewegliches Vermögen, und damit den Berdienst hinweg, und nenn die Kinder auch etwas bei ihrer Beschäftigung verdienen: soviel ist es doch nicht, als zwar Nachzahlung der Gebühren seit 1881, auch ist nicht daran die Erwachsenen für die gleiche Arbeit bekommen haben würs Bahlungsaufträgen beglückt werden. Selbst die Santtionirung den, Kinder erhalten ja stets weniger wie Erwachsene. Der Arbeiterstand als Ganzes verliert also nur, obwohl ihm die neue Reform von vielen Seiten angepriesen wird. Aehnlich in dem Falle, daß man die Arbeitsgelegenheit für Die Frauen erweitert haben will. Wo eine Frau mehr eintritt, da muß unter solchen Verhältnissen stets ein Mann mehr aus treten; was hilft also eine deratige Verbesserung? der lex Clumedy würde nicht Abhilfe schaffen, da dieselbe nicht rücm rtend ist. Da thut rasches Eingreifen der maß gebenden Faktoren noth, sollen nicht die freien Krantentaffen um dieser Besteuerung zu entgehen zum legten Mittel, zur Auf lösung greifen. Arbeitern.) An 14 000 ber in den Yorkshire Roblen Liverpool, 25. März.( Maffen- Entlassung von Aehnlich bei dem Lehrlingswesen Jeder Beruf warnt heute gruben beschäftigten Arbeiter ist ein Sirkular erlaffen worden, gern. Es liegt nahe, auf ein anderes, auch noch ziemlich schon überfüllt und die Lehrlinge machten den ausgelernten Arbeit wegen der schlechten Lage des Kohlengeschäfts und in welchem dieselben aufgefordert werden, am 1. April ihre Gehilfen und Gesellen die unerträglichste Konkurrenz. Ganz wegen Verweigerung einer Lohnverringerung von 25 Prozent das sich ganz großartig rentirt. Mit geringer Kapitalanlage von wenigen Mart ließe fich auf diese Weise für viele Barbiere ficherlich eine neue Einnahmequelle erschließen. Berantwortlicher Redakteur R. recht! Aber wenn der Mißstand ein allgemeiner ist, wenn im Kaufmannsstand zuviel Lehrlinge find, die später mit einem Lumpengeld zufrieden sind oder nie Stellung erhalten, wenn wandt, mit dem Ersuchen, ihnen in den staatlichen Kohlen minen Beschäftigung zu verschaffen. Cronyeim in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2, Sieran eine Beilage. Beilage zum Berliner BolNlatt. Nr. 74. Sonnabend, den 28. März 1885. n. Jahrgang. Loh»»ad Lede»s«nIerhaU der Ärdeiler. (Hamb. B.-Ztg.) Wa» braucht ein Arbeiter zum Unterhalt und aofür braucht er eS? Diese Fragen sind oft aufgeworfen und oft beantwortet worden, nicht zum wenigsten von Arbeitern selbst; doch selten hat die Beant» wortung derselben genügende Klarheit verschafft. Wir haben hier wiederum eine Beantwortung der ge- stellten Fragen vor uns, die ein Pfarrer im neueste»„Ar- beiter freund" giebt. Derselbe beschreibt„die Lage der länd- lichen freien Arbeiter in einer der reichsten und fruchtbarsten Gegenden im preußischen Staate, im Magdeburgischen" und giebt eine auf mehrjährige Beobachtung gegründete genaue Berechnung der �ZahreSeianahme und JahreSauSgabe einer ordentlichen Arbeiterfamilie, in welcher der Mann uner« müdlich thätig, die Frau sparsam ist, mit 3 schulpflichtigen Kindern. Als JahreSeinnahme werden für den Mann berechnet M. 475— nämlich 250 Tage je M. 1,60 und 50 Tage je M. 2,— für die Frau M. 120— 60 Tage je 80 Pf. und 36 Tage je M. 2,— und für zwei der Schulkinder zusammen M. 40. Dies giebt zusammen M. 635. Als JahresauSgabe wird die Nahrung zu M. 519,60, die Wohnung und Heizung zu M. 108, Kleidung und Schuhwerk zu M. 155, Steuern und Abgaben zu M. 21,06 berechnet. Da» Ergebniß ist, daß eine Arbeiterfamilie im Magdeburgischen bei einigermaßen genügender Ernährung M. 803 braucht, bei sehr eingeschränkter Ernährung aber mit M. 674 auskommen kann. Wir wollen nun noch annehmen, daß in der aus- geworfenen Summe für Nahrung auch die Ausgabe für einig« Glas Bier— natürlich einfache»— und für etwa» Kaffee und Kuchen auf einem Volksfeste enthalten ist, denn ohne jegliche» Vergnügen kann keine menschliche Familie existuen, auch nicht eine Arbeiterfamilie auf de« Lande bei Magdeburg. Ferner»ollen wir da» Licht in die Summe für Woh» nung und Heizung, Seife und allerlei kleines Geräthe in die Summe für Kleidung und Schuhwerk hineinrechnen. Dann kehlt aber immer noch die Ausgabe für Schul- bücher, für eine Zeitung, für das Lefebedürfniß überhaupt, und auch jede unvorhergesehene Au»gabe fällt außer aller Berechnung. Und wo bleibt der Spargroschen, von dem man in der gegenwärtigen Zeit so viel Aufhebens macht? Davon kann natürlich hier nicht die Rede fein. Bei„sehr eingeschränkter Ernährung" kann die Ar- beiterfamilie in den reichen Magdeburgischen Landen, wie der brave Pastor genau„gestützt auf mehrjährige Be- obachtung" ausrechnet, mit M. 674 autkommen; bei Soßem Fleiß« und unermüdlicher Thätigkeit erhält dieselbe amilie einen Arbeitslohn von M. 635. Da ist dann noch ein Defizit von M. 39 vorhanden, welches auf die„sehr eingeschränkte Ernährung" gelegt werden muß. Eingeschränkt, eingeschränkter, sehr eingeschränkt! Und auf dieses„sehr eingeschränkt" muß dann nochmal» der Komparativ folgen: eingeschränkter noch, alt sehr einge- schränkt. Da» bedeutet bei der Ernährung nichts andere«, «l» den Hunger! Der größte Posten aber in der Nahrung ist, wie unser sicherlich höchst glaubhafter Gewährsmann bemerkt, da» Eine Parlamentsgeschichte. (Aus„Im Glühlicht der Weltstadt". Von P. Gisbert.) Im Papierkorbe einer befreundeten Zeitung fand ich folgende Epistel: „Geehrter Herr Redakteur! Sie werden mit mir zweifellos darin übereinstimmen, daß un» Frauen ein großer Theil der Zeitung«lektüre da- durch verkümmert wird, daß die Kammerdebatten mit ihre« schrecklichen Etattberathungen zu viel Raum in Anspruch nehmen. Wenn im Abgeordnetenhause die HaushaltSgeschich- ten beginnen, dann werden un» armen Leserinnen die Spal- ten in den Zeitungen, in denen soviel Interessante« stehen könnte, geraubt. Wenn ich die großen Spalten überschaue, die mit der Ueberschrift beginnen„Preußischer Landtag", dann ist e« mir zu Muthe, al« müßte ich stundenlang durch unfern märkischen Sand gehen oder ein WohlthätigkeitSkonzert an- hören. Keine Abwechslung, nichts Erfrischende», nur ab und zu heißt e» in Klammern:„Sehr gut recht«"—„Oho lmk»"—„Heiterkeit"—„Allgemeine Heiterkeit"—„Bravo >m Zentrum" und wenn man dann hinsieht, dann ist e» am Ende ebenso eintönig wie das andere und irgend«ine Anspielung auf eine KommissionSberathung(„Kommission»« berathung", diese« HeiterkeitSerstickende Wort schon!) oder einen Gesetzvorschlag aus dem Jahre 1834, von dem selbst mein weiser Mann keine Ahnung hat, oder eine Eigen- thümlichkeit der hannoverschen KreiSordnung, die mir, so schön auch die Stadt Hannover ist, ganz gleichgiltig bleibt. Ich wollte«ich in diesen Tagen nun davon überzeugen, woran e« denn liegt, daß die Sache für un» so uninter- essant ist, und ging mit einer guten Freundin, die auch (erschrecken Sie nicht, Herr Redakteur!) schriftstellerisch sehr veranlagt ist, in das Abgeordnetenhaus am Dönhoff»- Platz. Durch mehrere finstere Gänge, an einer großen Küche vorbei, deren Dust verrietb, daß die Abgeordneten auch Menschen sind, wie alle Andern, und essen, gut essen wollen, gelangen wir auf die Tribüne A.— Nun kann ich Ihnen sagen, Herr Redakteurl daß ich jetzt weiß, an wem die Schuld liegt, daß die Kammerverhandlungen so »üstenhast öde erscheinen. Ich werfe hiermit der ganzen Berichterstattung de» Fehdehandschuh hin.— Sie ist schuld, wenn die Sache nicht amüsanter ist. Lassen Sie un» Frauen einmal erst über die Kammerverhandlungen schreiben, so wie wir«» un« denken, dann sollen Sie sehen, wa» darau» wird. Ich kann e» leider nicht, ich habe e» noch »r« probirt, aber meine Freundin, wie gesagt, die Brot, in Summa jährlich M. 182.„Daran kann' nicht» gespart werden!" UebrigenS stimmt dies« Berechnung auch mit der Be- rechnung, die in Dresden angestellt worden ist, wo die wöchentliche Ausgabe einer Arbeiterfamilie für Brot, mit Weißbrot, gleichfall» 3,50 M. beträgt, macht jährlich 182 M. Auch die Reichiregierung hat den Brotbetrag eines einzelnen Manne» auf täglich 15 Pf. berechnet, da» ist jährlich 54,60 M. Rechnet man auf die Frau und die schulpflichtigen Kinder je 40 M. und den Rest(7,40 M.) für Weizengebäck, so trifft auch nach dieser Rechnung die angegebene Summe zu.— Keine Gesellschaftsklasse giebt im Verhältniß zu den anderen Ausgaben soviel für Nahrungsmittel aus, wie die Arbeiterklasse. Die Wohnung kostet den besser Situirten meist den vierten Theil des Einkommen», während sie bei dem Arbeiter den sechsten Theil im Durchschnitt beträgt. E» liegt ja die» auf der Hand, da dem besser Situirten doch noch genug übrig bleibt zu einer guten Ernährung»« weise, während der Arbeiter zunächst für die Nahrung sorgen muß, um weiter arbeiten zu können. Auf den meisten nothwendigen Nahrung»mitteln aber liege» Zölle und Steuern, die im Verhältniß zu den an« deren Klassen der Bevölkerung die Arbeiter am schwersten bedrücken; diese Steuern wirke« nach unten förmlich pro- gressiv. Und nun erhalten wir noch die Erhöhung des Korn« zoll», der Brotsteuer, um das Dreifache. Der Zoll wirkt hier wie eine indirekte Steuer, der Konsument muß ihn zahlen. WaS aber bei einer Arbeiterfamilie nach dem oben auf- Sestellten Ausgabebudget eine Erhöhung des Brotpreifei be« eutet, da» sollte Jede« klar sein. Dafür die Verantwortung zu übernehmen, dazu gehört in der That großer Muth, wenn man nicht ein andere« bezeichnenderes Wort gebrauchen will.---- Ein braver, ehrenwerther, wahrscheinlich konservativer Pastor hat die obigen Aufstellungen über den Unterhalts« bedarf einer ländlichen Arbeiterfamilie gemacht; ihn wird man wohl nicht al» einen Aufhetze» der Arbeiter von Seiten der gouvernementalen Presse zu bezeichnen wagen. Jedem Andern könnte die» leicht pafsiren— wenn ein De- mokrat obige Aufstellungen gemacht haben würde, gewiß wäre Herr Pindter flugs bei der Hand, um denselben mit Kübeln voller Schmäh vorte zu überschütten. Doch die Wahrheit bleibt die Wahrheit— und hier zeigt sie uns, daß zahlreiche Arbeiterfamilien in Deutsch- land— im Osten Preußen« ist e» noch viel schlimmer, al» im Magdeburgischen— den nothwendigsten Unterhalt nicht bestreiten können, daß bei ihnen die Ernährung«ine im Vergleich zu ihrer Arbeitsleistung völlig ungenügende ist. Wahrlich, traurige Zustände! Welitisck««elinsiellt. r farr« KeichStagSabgeordneten Penzig war ein$ Liest eingegangen, der sich vornehmlich darauf stützte, daß eine Anzahl von Wäh- schriftstellerisch sehr veranlagt ist und schon als sechzehn« jährige» Mädchen einen Romanzyklu»„Die neuen Zehn« gebore" geschrieben und außerdem dem Schauspielhause zwei Stücke eingereicht Hai, hat sofort die Idee ergriffen und einen Parlamentsbericht in belletristischer Form abgefaßt. Sie ist zu schüchtern, um ihre Arbeit selbst anzubieten. Gestatten Sie, daß ich Ihnen diesen Bericht überreiche. Sie werden schon erkennen, worin die Neuheit der ganzen Idee desteht. Während die Zeitungen in der trockensten Manier konfiatiren, daß der und jener bei der EtatSbe« ratbung zu allemeiner Verwunderung da» Wort nicht er- griffen, hat meine Freundin mit dem richtigen Blick einer Belletristin sofort da» Geheimniß, da» dahinter steckt, er- faßt. Ich hoffe, Sie werden der Arbeit meiner Freundin, deren Namen ich noch verschweige» will, in Ihrem werthen Blatte Raum geben und bin mit Hochachtung Ihre eifrige Leserin." Da» Manuskript aber lautete: „Durch die Straßen der Residenz pfiff ein herbstlicher Wind. Da» ASphaltpflaster spiegelte einen grauen Himmel wieder, die Kondukteure der vorübersausenden Pferdebahn hüllten sich fester in ihre Mäntel, die Fußgänger eilten stumm an einander vorüber, sie begrüßten sich kaum. Von der I.-Straße bogen jetzt zwei Männer in den D.-Platz ein, die zweifellos bedeutende Persönlichkeiten sein mußten, denn ab und zu blieb einer der Paffanten stehen und blickte ihnen nach oder lüftete wohl gar den Hut. Der ältere von den beiden war ein Greis, dessen ehr- furchtgebietendes Gesicht jetzt zu dem jüngeren emporsah, sein Genosse überragte ihn um Haupte»länge. „Werden Sie heute reden, lieber Kollege?" fragte der Grei» den jüngeren mit sanfter, einschmeichelnder Stimme. „Nein," antwortete der Gefragte dumpf, ein Seufzer entrang sich seiner Brust und seine hohe Gestalt schauerte zusammen. E» mußte ein schweres Geheimniß sein, da« in diesem„Nein" sich Lust machte. Der ältere sah seinen Kollegen, auf dessen hochragen« der Gestalt ein ausdrucksvoller, schöngeschnittener Kopf saß, kopfschüttelnd von der Seite an und murmelte etwa« wie „er ist mir unverständlich" in seinen dünnen silbergraue» Bart. So gingen sie beide in den Palast, der den Berathun« gen der Volksvertreter diente; die Diener verbeugten sich tief vor ihnen. Der schöne hochgewachsene Mann wurde augenscheinlich von seinen Kollegen, die in dem prunkenden Berathungssaal lern, welche Schulgeld restirten, von den Wählerlisten auS- geschloffen waren. ES fragt sich nun, ob die Ausschließung der Schulgeldrestanten vom Wahlrecht eine gesetzliche Maßregel ist, ob diese Personen als solche zu betrachten find, welche eine Ärmenunterfiützung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln be« ziehen, wie ei daS Reichswahlacsetz für die Aufhebung der Wahlberechtigung vorschreibt. Die Kommisston kam der ein« gehender Prüfung dieser Rechtsfrage zu der Ueberzeugung, daß nach der sächfischen Armenaes etzgedun g dte Behörden allerdings formell im Recht gewesen find, solche Personen von den Wahl« listen auszuschließen. ES wurde deshalb auch die Giltigkcit der Wahl deS Abg. Penzig beantragt. Anderseits wurde aber auch anerkannt, daß die Ausschließung solcher Wähler offenbar nicht die Absicht der fraglichen Bestimmung deS Reichswahl« geseyeS gewesen sei, daß in keinem anderen Bundesstaate eine gleiche Praxis obwalte, daß auch in anderen sächfischen Wahl- kreisen die Behörden diese» Verfahren nicht angewendet haben, daß somit eine Ungerechtigkeit und Unbilligkeit indem betreffen- dm Einzelfall vorliege, und daß dura, die Verschiedenheit der Armmgesetzgebung in den Bundesstaaten eine thalsächliche V er« schiedenheit de» Wahlrechts in denselben bedingt und für ein« zelne Staaten eine Beschränkung des Wahlrechts herbeigeführt werde. Die WahlprüfungSkommisfion beantragte daher gleich« zeitig, der Reichstag möge den Reichskanzler ersuchen, in Er- wägung zu ziehen, wie die Verschiedenheiten, welche nach§ 3 Abs. 3 deS ReichSwahlaesetzeS in Bezug auf den Ausschluß vom aktivm Wahlrecht>n Folg« Armenunterstützung in den einzelnen Bundesstaaten bestehen, zu beseitigen find." Ueber die Kommandtrung und Beurlaubung der Militäranwärter im Interesse ihrer Dtenstversorgung trifft eine KadinetSordre vom 20. d. M. anderweite Besttm- mungen. Danach haben die Militäranwärter, welche zwecks Beschäftigung(auf Probe) zu einer den Millläranwärtern vor« behaltenen Stelle kommandirt find, während der Dauer ihres Kommandos unter Wegfall aller sonstigen Gebührniffe mit Ausnahme der Großmontirungi stücke ein festes monatliches Einkommen, welches gegen die früheren Sätze(§ 39 des Geld- v erpflegunaSreglementS vom 24. Mai 1877) nicht unerheblich vermehrt ist, zu beanspruchen. ES erhalten nämlich, für den Fall, daß fie Familie(Frau oder Kind) haben, die Feldwebel, Wachtmeister, Oberfeuerwerker und Roßärzte monatlich 100 M., die VizefelVrvebel ,c. 90 Ml., die Sergeanten, Feuerwerker rc. 80, die Unteroffiziere, Lazarethgehilfm, etatsmäßigen Hoboistcn mit Unterosfiziersrang 70 und die Gefteiten und Gemeinen 60 Mk Für den Fall, daß ste unverheirathet find, erhaltm die Feldwebel rc. 90 Mk., die Vizefeldwebel zc. 75, die Sergeanten jc. 60, die Unteroffiziere rc. 50 und die Gemeinen ,c. 40 Mk Die früheren Sätze waren für die Chargen in vor- genannter Reihenfolge, gleichviel ob die betreffenden verhei- rathet oder unverheirathet warm, 84, 66, 54, 42 und 21 Mark. Erreicht das Einkommen, welches die KommandHen von der Zivtlbehörde beziehen, die obigen nemn Beträge nicht, so wird ihnen daS Fehlende vom Truppentheil gezahlt. Die Unter- offiziere, welche nach Beendigung einer Ojährigen Dienstzeit, aber vor Erlangung deS ZiviloersorgungSscheinS bei einer mi- lilärisch organistrlen Gendarmerie oder Echutzmannschaft ihre Probezeit adleistm sollen, dürfen nur in vakante Stellen und auch nur dann kommandirt werden, wenn die Zwilbehörde fich bereit erklärt bat, fie au» dem Stellmeinkommen, sobald dieses vakant wird, zu besolden. So lange fie aus dem Stellengehalle noch nicht bezahtt werden können, empfangen fie lediglich die Gamisongebührniffe vom Truppmthellc. Wegen Laudetverrath» soll in Flensburg der Premierlieutmant v. W. verhaftet worden sein. Herr v. W. ist kürzlich von Polen nach Flensburg versetzt. Er ist dringend verdächtig, FestungSpläne an die russische Regierung verkauft zu haben. Frankfurt» M- Die Untersuchung gegen Lieske, soweit fie deffen Bethelligung an der Ermordung des Polizeiraths Dr. schon versammelt warm, sehnsüchtig erwartet. Von allen Seiten stürmte man auf ihn ein und jeder strebte danach, einen Händedruck mit ihm zu wechseln. Nur dort, wo die Minister saßm, ging e» wie ein Gemurmel der Unzufriedenheit durch die Reihen, aber wenn Onno, so hieß der hochgewachsene Mann, sein große» dunkle» Auge erhob und hinüberblickte, dann verstummte alle«. Dann begann man zu debattiren. Wa» e» war, e« kümmerte Onno wenig und auch wir brauchen den Reden nicht viel Beachtung zu schenken. Zahlen, nicht» al« Zahlm! — Lag e» ja doch wie ein trüber Hauch über allem, wa» heute in diesem Saal vorging. Onno, der sonst mit seinem glänzenden Geist, wuchtigen Tones seine Gegner niederwarf und wie ein zürnender Zeu» donnerte, er war heute still, und nachdenklich ruhte sein schönes Haupt auf seiner Hand. Woran dachte er? Wir wissen e». Oben auf der Zuschauertribüne saß ei» hübsches Mädchen von distinguir- tem Aeußeren. Ihr Gesicht war bleich, ihre hellen Augm leuchteten. Jetzt blickt« einer der Deputirten zu ihr hinauf, sie nickte ihm unbemerkt zu. E» war ein Aristokrat vom wohlgeordneten Scheitel bi» zur Sohle. Man sah es den beiden auf dm ersten Blick an, daß sie sich liebten. So blickt nur die Liebe.— Und gerade in diesem Moment fuhr Onno au« seinen Träumereien auf, sein Falkenauge gewahrte sie, sie oben auf der Zuschauertribüne. O Onno, armer Onno I Und wie tief hatte er Hildegard geliebt! In einem Moment der heißen Liebeibetheuerung hatte er ihr zuge- schworen, daß er ihr Alle« zu Gefallen thun würde, wa» sie von ihm verlange.— Hildegard erwiderte ihm, daß sie — ihm nur ihre Freundschaft widmen köane. Ihr Herz gehöre Kurt von Felsenstein und weil sie auf Onno» edle Freundschaft vertraue, bitte sie ihn— ihren Geliebten zu schonen, ihn mit seiner Redegewalt nicht zu zermalmm, denn Kurt von Felsenflein wolle in der EtatSberathung redm. Und diese» Versprechen hatte er Hildegard ge« geben und nun redet« der Rival, der Hildegard« Herz gewonnen. Nachdem Kurt geendet, glaubtm Alle, daß jetzt Onno» gewaltige Stimme ertönen werde. Aber sie ertönte nicht, ein dankbarer Blick flog aber»on der Zuschauertribüne her« unter zu dem großen edlen Manne, die Bänke unten leerten sich, die Deputirten gingen hinau» in die glänzenden Re« staurationSräume und— --(kann während der eintönigen Etatsberathungen fortgesetzt werden). Rumpf betrifft, ist der Frkf. 8tg." zufolge zum Abschluß ge langt. Sämmtliche gegen die Beitungsberichterstatter eingelei teten Untersuchungen find resultatlos verlaufen. Desterreich Ungarn. Das österreichische Abgeordnetenhaus beschloß mit allen gegen 25 Stimmen in die Spezialberathung der Nordbahnvorlage einzutreten. Bei der diesbezüglichen Abstimmung fam es auf der Galerie, die von Gegnern der Vorlage stark besezt war, zu einem großen Spektakel, der so arg_wurde, daß der Präsident dieselbe räumen lassen mußte Einem Telegramm Einem Telegramm zufolge verließ die Linke bei der Spezialdebatte demonstrativ den Sizunftssaal mit der Erklärung, daß fie an der Spezial Debatte nicht Theil nehmen werde. In der Sigung des Herrenbauses gaben die österreichischen Bischöfe die ge= meinsame Erklärung ab, daß fie dem Staate jedes Recht, in Tirchliche Vermögeneangelegenheiten dreinzureden, absprechen. Troydem werden fie für die aur Debatte stehende Rongrua Vorlage, welche fich auf die Besoldung des niederen Klerus bezieht, stimmen, damit der elenden Lage ihrer Diözesangeistlichen abgeholfen werde. Der Prinzipienkampf ist also nur vertagt; vorläufig nehmen die Bischöfe das der Kirche vom Staate gebotene Geld. Aus Wien wird der„ Voff. 3tg." telegraphirt: G: oße Sensation erregt hier die heute erfolgte Verhaftung eines Bes neralstabsoffiziers, des Baron Potier, der im Verdachte steht, militärische Geheimnisse preisgegeben zu haben. Es soll sich um Pläne füdlicher Festungen handeln. Auf das Treiben Potiers, der mit dem Kundschaftsbureau in Kopenhagen in Korrespondenz stand, ist die hiesige Regierung durch die deutsche Kriegsverwaltung aufmerksam gemacht worden. Frankreich. Die franzöfifchen Gerichte haben seit der Wiedereinführung der Chefcheidung den Art. 310. des bürgerlichen Gesezbuches, welcher den seit drei Jahren von Tisch und Bett getrennt lebenden Gatten gestattet, die definitive Scheidung zu verlangen, so verschieden gedeutet, hier zugelassen und dort verworfen, daß der Senator Naquet nach den Osterferien einen Zusatz zu dem Chefcheidungsgefeß in Vorschlag zu bringen gedenkt. Die Rammer hatte den Art. 310, so wie er war, furzweg ange nommen, der Senat aber eine fleine Aenderung erwirkt, nach der die Gerichte in jedem einze nen Falle nach bestem Er messen vorgehen dürfen. Naquet, die Seele der Bewegung, zielt darauf ab, erklären zu laffen, daß die Richter nach den gesetzlich vorgeschriebenen drei Jahren die Scheidung zulaffen müssen, und räth einstweilen den Bersonen, die sich durch ihre Sprüche geschädigt fühlen, den Rekurs durch alle Instanzen zu verfolgen. nicht zu am Italien. Della In verschiedenen italienischen Universitätsstädten ist es neuerdings zu Tumulten der Studenten gekommen, welche die Schließung mehrerer Universitäten zur Folge gehabt haben. In Turin widersetzten sich die Studenten gewaltsam der Beaufsichtigung einer von ihnen im Universitätsgebäude ver anstalteten Feier zur Erinnerung an den Todestag des repu blitanischen Agitators Mazzini seitens der Poli ei, und in Badua wollten die Studenten einen Gedenkstein mit einer für Desterreich beleidigenden Inschrift anbringen, was die Regie rung untersagte. Da die Studenten infolge deffen lärmende Protestdemonstrationen veranstalteten und auch ein Theil der Profefforen sowie die Studenten anderer Universitäten sich mit thren Rommilitonen solidarisch erklärten, wurden verschiedene Verhaftungen vorgenommen und an mehreren Universitäten die Vorlesungen suspendirt. In Rom beschlossen die Studenten am vorigen Mittwoch, die Vorlesungen so lange zu besuchen, besuchen, bis thren Kommilitoren Genug thuung gegeben sei. Sie versammelten fich alsdann 19. März im Palazzo Sapienza, dem alten Univerfitätsgebäude; eine Anzahl bestieg den Gloden thurm und begann die Sturmglode zu läuten. Demnächst begab fich die Studentenschaft, zum Buge geordnet, mit dem Universitätsbanner an der Spige, nach dem Unterrichtsminis fterium, in welchem eine Deputation Audienz beim Minister Coppino erhielt. Lepterer machte dann auch eine Reihe von Bugeständnissen Er sicherte den Studenten an erster Stelle zu, daß die Aufrechterhaltung der Disziplin im Innern des Universitätsgebäudes in Bukunft nur dem Rektor und der atas demischen Korporation zustehen sollte, sodaß die Intervention der öffentlichen Gewalt nur auf Antrag des Rektors erfolgen Tönnte Coppino bestätigte der Deputation ferner, daß eine ftrenge Unterfuchung eingeleitet, und daß insbesondere der Rektor der Universität Turin bereits wegen etwaiger Ausschreitungen der bewaffneten Gewalt vernommen worden ist. Der Unterrichtsminister gestattete zugleich Studentenversamm lungen zu dem Bwede, seinen der römischen Deputation ertheilten Bescheid entgegenzunehmen. Was die Wiedereröffnung der geschloffenen Universitäten betrifft, so erklärte Coppino, daß er die Gutachten der lokalen Schulbehörden abwarten müßte. Die Erklärungen des Ministers erzielten einen günstigen Eindrud, so daß die Wiedereröffnung der akademischen Vorlesungen in naher Aussicht zu stehen scheint. Großbritannien. -Dem Standard" zufolge werden auf den Staatswerften Anstalten getroffen zur Ausrüstung einer Banzer flotte für Dpes rationen in den nördlichen Meeren.( Also in der Dit fee gegen Rußland!) Die ,, Times" erblickt in der Einberu fung der Reserven das Resultat der praktischen Ueberzeugung. des Ministeriume, daß der Friede mit Rußland nur aufrecht erhalten werden könne, wenn den rusft chen Staatsmännern und Generalen der Beweis geliefert werde, England sei kriegsbereit und wolle lieber alle Gefahren und Opfer eines langwierigen und kostspieligen Krieges tragen, als eine grobe Verlegung feierlicher Versprechungen und einen offenen Eingriff in Die Rechte eines Bundesgenossen Englands, sowie eine unver blümte Bedrohung Indiens dulden. Egypten. Die Auf Die Engländer haben bereits wiederum Fühlung mit den Truppen Dsman Digma's genommen. Wie ein Telegramm aus Suakin meldet, ist General Graham mit den sämmtlichen zum Vormarsche gegen Tamai bestimmten Streitkräften in der auf dem Wege nach Tamai gelegenen, am Sonntag vom Ge neral Mac Nell erichteten Bareba angekommen. Die Auf ständischen griffen ein Karré der Engländer auf dem Marsche nach der Bareba an, wurden aber mit großem Verluste zurückgeworfen. Die Engländer hatten dabei 3( 8) Verwundete. Die Aufständischen sollen gegen hundert Todte haben. Der Pro viant wurde in dem Blockhause niedergelegt und die Truppen begaben sich wieder nach Suakin zuüd, wo fie, ohne von bem Feinde behelligt worden zu sein, Abends wieder eintrafen. Der allgemeine Vormarsch nach Tamai wird voraussichtlich in drei Tagen erfolgen. Wie der Voff. 3tg." berichtet wird, hat ein Maun aus Tamai, der gefangen genommen wurde, ausgesagt, daß Osman Digma's Mannschaften in diesem Orte ihre Weiber und Kinder in das Gebirge senden und sich zu einem verzweifelten Kampfe vorbereiten. 11 Lokales. g. Eine große Anzahl noch uneröffneter Testamente, welche feit länger als 56 Jahren bei den nachbenannten GeAllg. Landrechts wegen der darin etwa enthaltenen milden Stiftungen eröffnet und demnächst wieder verfiegelt nieder gelegt. Von den erwähnten Testamenten waren niedergelegt: 40 beim vormaligen Königl. Stadtgericht, 27 beim vormaligen Kgl. Hausvoigteigericht, 5 beim Griebenow'schen Patrimonial gericht des Erbpacht- Vorwerks Nieder- Schönhausen, und 4 beim Kgl. Kammergericht. gender Vorfall abgespielt. Der Untersuchungsgefangenen, unverehel. Müllerke, war es gelungen, bei ihrer Verhaftung 44 M. in das Gefängniß einzuschmuggeln und unbemerkt in ihrer Belle zu verbergen. Als die Müllerke eines Tages zum Termin geführt wurde, durchsuchte ihre Kollegin", Frau Faulet, eine vielfach vorbestrafte Diebin, den Schrank der M., fand das Geld und theilte es mit einer dritten Bellengefährtin, Diebstahl beobachtet hatte. Das Geld nähten fie in ein Bündel der Frau Magdeburg, welche den von der Paulet ausgeführten ein, welches fie in der Belle versteckten. Als die Müllerke zu tüdgeführt war, ging fie an ihren Schrank und fing, als fle den Berlust ihres Geldes entdeckte, laut zu meinen an, wobei fie ihren beiden Gefährtinnen über ihren Verlust Mittheilung machte. Diese riethen ihr, tein Wort über den Vorfall zu sprechen, da, wenn es herauskäme, daß fie Geld heimlich vers borgen hatte, fie noch obendrein bestraft würde. Die M. be Neue Straßennamen. Von Bewohnern der Brückenstraße, der Wassergaffe und der Holzmarktgasse ist beim Magistrat der Antrag eingegangen, diesen Straßen ordentliche Namen beizulegen. Der Magistrat wird daher für die Brückenstraße, welche eine direkte Verlängerung der Neanderstraße bildet, ebenfalls den Namen Neanderstraße vorschlagen, welcher Namen fowohl an den Kaufmann Neander, der die genannte Straße angelegt hat, als auch an die beiden berühmten Träger dieses Namens, den Bischof und den Professor Neander, erinnert. haufener Holzpläge lagen, der Name Wusterhausenetstraße, und Für die Waffergaffe soll, da in derselben die früheren Wuster- obachtete Anfangs Stillschweigen; als fie aber sodann gegen für die volzmartigaffe der Namen Treubigerstraße, nach der in der Nähe Wusterhausens belegenen Herrschaft gleichen Namens in Vorschlag gebracht werden. Nach einer Mittheilung des föniglichen Polizeipräsidiums an den Magistrat hat der Schmuckplay am Schnittpunkte der Schönhauser Allee und der Weißenburgerstraße, für welchen der Magistrat den Namen Thusnelda- Blag vorgeschlagen hatte, überhaupt einen besonde ren Namen beizulegen, da hierzu ein Bedürfniß in teiner Weise vorhanden sei. Minister der öffentlichen Arbeiten es abgelehnt, dem dreieckigen N. Seitens des töniiglichen Polizeipräsidiums find, wie eine blefige Korrespondenz wiffen will, sämmtliche für den Balmsonntag ertheilten Genehmigungen zur Abhaltung von Konzerten, Voltsbeluftigungen wieder zurüdgezogen worden. Ebenso dürfen während der ganzen Woche vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag keinerlei Volksbeluftigungen und öffent liche Vergnügungen stattfinden. In den Theatern fönnen nur Vorstellungen stattfinden, die feitens der Behörde genehmigt find. Der Inhaber des Konzerthauses darf, wie aus derselben Quelle mitgetheilt wird, während der Charwoche nur geistliche Konzerte veranstalten. g. In dem bekannten Beleidigungsprozeß des Hof predigers Stöder gegen den Redakteur der Freien Zeitung", Heinrich Bäcker, ist nach einer dem Vertheidiger des Letteren zugegangenen amtlichen Mittheilung der Hauptverhandlungstermin auf Sonnabend, den 18. April d. J. vor der 2. Straf tammer hiesigen Landgerichts I festgefeßt worden. Der Prozeß bezw. die Verhandlung versp icht hochintereffant zu werden, wie schon heute aus dem dem Vertheidiger des Angeklagten vorliegenden weitschichtigen Material erfichtig ist. Ueber eine interessante(?) Leichenverwechselung in der Charité erfährt die Staatsb. 3tg." von glaubhafter Seite folgendes: Der Polizeidiener Groß in Martendorf vers starb in voriger Woche in der hiesigen Charité und die Frau fchickte einen guten gefehlten Sarg herein für ihren verstorbenen Mann. Am Dienstag wurde nun die Leiche Groß' in dem Sarge nach Mariendorf geschafft und unter Assistenz_des Kriegervereins mit militärischen Ehren begraben. Der Frau Groß erschien es so, als ob der Sarg einfacher sei, als der von ihr geschickte, ließ die Beerdigung aber vor fich gehen. But felben Beit war nun auch eine Frau in der Charité gestorben, für welche der Mann einen einfacheren Sarg geliefert hatte. Derselbe wurde vor der Beerdigung zufällig noch einmal ge öffnet und zu seinem größten Schreden fand der Mann daiin statt der Leiche seiner Frau die Leiche eines Mannes, nämlich die des Polizeidieners Groß aus Mariendorf, während dort seine Frau bereits mit triegerischen Ehren begraben war. Db das wirklich für die Betroffenen so ,, intereffant" ist? Wir wissen einen anderen Namen dafür. Die Direktion der König wiffen einen anderen Namen dafür. Die Direktion der König. lichen Charitee dementirt zwar die Nachricht, die Wahrheit der angegebenen Thatsachen bleibt daher abzuwarten. In Anbe tracht der folgenden Mittheilung, die von einem anderen Berichterstatter ausgeht, nimmt sich das Dementi immerhin etwas komisch aus. ihre beiden Gefährtinnen Verdacht schöpfte, machte fte der Auf seherin von ihrem Verluft eine Anzeige. Bei der Durchsuchung der Belle wurde das eingenähte Geld gefunden, und die Paulet wurde gestern wegen dieses Diebstahls von der Straffammer des Landgerichts I zu einer Bufasstrafe von 9 Monaten Buchthaus und die Magdeburg wegen Hehlerei zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt. a. Auch ein Wechselreiter. In das Schanklokal des Schankwirths W. in der Admiralstraße tam am 23. d. Mts., Vormittags, ein unbekannter Mann von großer fräftiger Ge stalt, welcher wenige Tage vorher schon einmal in dem W.'schen Schantiotal geftübftückt hatte. Der Fremde nahm einige Ge tänte au fich, erzählte Bimmerer zu sein und an einem benach barten Neubau die Parket Fußboden- Arbeiten auszuführen und ersuchte den Schantwirth um ein Darlehn von 6 Mart, um einige eilige Einkäufe von Materialien zu machen. Als Unter pfand für das Darlehn, welches er noch an dem Nachmittag Deffelben Tages zurüdzahlen wollte, bot er einen Wechsel über 110 Mart an, welches mit den Namen des Atzeptanten und des bezogenen, sowie mit der vorschriftsmäßig tasfirten Stempel marke versehen war. Der Wirth lieh dem Fremden die 6 M. und kreditirte ihm auch die gemachte Beche gegen den verpfände ten Wechsel. Der Darlehnsnehmer hat fich aber bis heut bei dem W. nicht wieder eingestellt, und der verpfändete Wechsel selbst ist werthlos, die an demselben angegebenen Verpflich teten( als Akzeptant figurirt Eduard Leichentritt, Weinstr. 48, und als Bezogener Paul Maies, Johannisstr. 16) existiren in Berlin nicht. Der noch nicht ermittelte Betrüger ist mit grauer englischer Lederhose, blauer wollener Unterjade, dunklem Rod und dunkler Müze bekleidet gewesen. a. Diebstahl. Der Graveur F. in der Lothringerstr. 40 ist durch einen Diebstahl um seine Ersparnisse im Betrage von 787 Matt gebracht worden. F, welcher in dem Quergebäude des bezeichneten Grundstücks 2 Treppen hoch eine Wohnung inne hat, verwahrte dieses Geld, bestehend aus 7 Einhundert martscheinen und Gold, und Silbermünzen, in einer schwarzen Brieftasche, welche er in einem Kommodentaften liegen hatte Als er am 26. d. Mts. diesen Kasten öffnete, fehlte daraus bas ganze Geld. F. weiß nicht bestimmt den Tag anzugeben, an welchem der Diebstahl verübt worden. Jedenfalls ift er in der Beit vom 24. d. Mts., an welchem Tage er noch das Geld gefehen batte, bis zum 26. d. Mts. geschehen. Wahrscheinli ift am 24 d. Mts., Abends, während der Abwesenheit des aus seiner Wohnung ein Dieb in dieselbe mittels Nachschlüs gedrungen, welcher das Geld aus der nicht verschlossen gewese nen Kommode entnahm und sich sodann unter Verschließung der Wohnung wieder entfernte. Der Dieb ist nicht e mittelt. in Ar der englischen Gasanstalt der Gitichinerstraße beschäftigte a. Traurige Folge einer Geburtstagsfeier. Der beiter Braybilla feierte am 22. D. Mts. feinen 45 jährigen G burtstag, und er wurde an diesem Tage Vormittags während seiner Beschäftigung im Retortenhause der Gasanstalt feinen Arbeitsgenoffen beglückwünscht, wobei einige Schna Es wird nämlich noch berichtet: getrunken wurden und P. durch das Trinken etwas unfide auf seinen Beinen wurde. Als nun geoen 11 Uhr der Feuer sich P. rasch zu S. berum, fiel dabei zu Boden und erlitteinen mann S. an B. heran trat und ihm Glück wünschte, drehte Bruch des linken Knöchelgelents. Nachdem ihm ein Nothoe band angelegt worden, wurde er nach dem Krankenbaule Bethanien gebracht, in welchem er gestern an den Folgen feiner Am Mittwoch Abend tam ganz ftil ein Leichen wagen mit dem Sarge des Groß hinten herein nach dem Kirchhof von Mariendorf, man grub den Sarg der irrthümlich bestatteten Frau aus, sentte den des Groß ein und nahm den der Frau wieder mit nach Berlin. Bei der Ehrensalve, welche Tags vorber die Frau irrthümlich bekommen hatte, schoß fich noch ein Kriegervereins Mitglied so in das Geficht, daß es ärztlich behandelt werden muß.- Spiele nicht mit Schieß gewehr! 3 Verlegung verstorben ist. liche Gefängnißrafe. R. führt, da er schlecht fieht, eine Brille nebft Futteral bei fich. Dieses Futteral wurde gestern von einem Aufseher untersucht, und darin wurde eine werthvolle ist ein Wappen eingravirt, bestehend aus einem Querballen links ein Horn und rechts ein halb nond. Auf das Vorhalten des Beamten, woher R. in den Befty dieser Nadel komme, gab Dieser an, die Nadel vor Kurzem im Sefängnißgebäude gefun Den zu haben. Wahrscheinlich ist von einem haftaten vo feiner Einsperrung die Nadel gestohlen oder gefunden und fo a. In dem Filialgefängniß der Perlebergerstraße g. Die in letter Zeit häufiger vorgekommenen 3ah. büßt seit dem 2. Februar cr. der Müller N. eine achtwöchent lungseinstellungen hiesiger Bädermeister und das Fort führen der betreffenden Geschäfte unter dem Namen der She frau gaben die Berliner Mehlhändler, welche hierbei arg geschädigt werden, veranlaßt, mit allen ihnen zu Gebote stehen den gefeßlichen Mitteln gegen solche Leute vorzugehen. Aus diefem Anlaß hatte der Mehlbänder Hirsch gegen den Bäcker meister Schüße eine Denunziation wegen Beiseiteschaffung von Gegenständen bei einer bevorstehenden 8 vangsvollittedung bei Der Königl. Staatsanwaltschaft eingereicht, welche Behörde daraufhin das Hauptverfahren angeordnet hatte. In der gestern vor der III. Straflammer hiesigen Landgerichts I. stattgebabten Verhandlung hatte sich nun der Bäckermeister Schüße als Angetlagter wegen der ihm zur Laft gelegten Handlungen zu ver antworten. Der Angekiagte, welcher einen durchaus soliden Eindruck macht, erklärte, daß er durch die schlechte Qualität des Mehls, welches Hirsch ihm stets gesandt, teine ordentlich aussehende Waare herstellen konnte, was zur Folge hatte, daß ihm seine Kunden allmälig abgingen. Hirsch habe ihm das Wiehl stets mit Gewalt aufgedrängt, obgleich er daffelbe wegen ber schlechten Qualität gar nicht haben wollte. Er fet schließ lich so weit heruntergekommen, daß er seinen Verpflichtungen nicht mehr habe nachkommen können. Als Hirsch schließlich Dann in das Gefängniß mit eingeschmuggelt worden. Eigenthümer der Nidel ist noch nicht ermittelt. N. Ein Zeichen der Zeit. In selbst mörderischer ftürzte fich gestern Nachmittag ein Arbeiter Kunze vom Det Abficht Louifen thren Rähnen vor Anker liegenden Schiffern wurde der Lebens müde noch lebend aber bewußtlos ans Land und nach dem Krankenhause Bethanien geschafft von wo aus seine führung alsdann nach der Königlichen Charitee erfolgte. Ueber heut( Sonnabend) stattfindenden Gnossenschafts- Herrenabenb Herren Abend der Berliner Schauspieler Für ben der Berliner Schauspieler hat Julius Stettenheim einen Brolog einen nicht bezahlten Wechsel einklagte, brachte er die seiner geschrieben. Der fieine dramatische Schwant, welcher sur dern, daß dieselben gepfändet würden und um einer eventuellen Interventionsflage aus dem Wege zu gehen. Die Beweis aufnahme ergab in der That, daß die weggeschafften Gegenstände bei der Verheirathung von der Ehefrau g fauft und deren Eigenthum waren. Der Gerichtshof fällte in Folge biffen ein auf die Freisprechung des Angeklagten lautendes Urtheil. Ueber eine Entgleisung auf dem Ferngeleise der Stadt. bahn am Donnerstag Mittag wird dem Dtsch. Tagebl." von einem in unmittelbarer Nähe des Schlesischen Bahnhofes woh nenden Leser folgendes geschrieben: Ich saß heute Mittag mit den Meinigen beim Mittagessen, als wir plößlich durch einen Erbstoß und durch das Ergittern der Fensterscheiben et schreckt wurden. Viele Bahnfignale ertönten sofort, und so vermutheten wir ein Unglüd auf der Stadtbahn. Auf der Ueberbrückung der Koppenſt aße, furz vor der Einfahrt in den Schleftichen Bahnhof, war die Maschine und der darauf fol gende Backwagen aus dem Geleise gekommen. Anscheinend ist Aufführung fommt, hat Herrn Schriftsteller Laufs zum Be faffer. Herr Görg vom Willner- Theater hat ein Chorlied A stiftet, das durch seine originelle Joee fich bald allgemeines Bopularität erfreuen dürfte. Billets hierzu find nur noch Charlottenstr. 85 zu haben; doch wird ein kleiner Theil für die Abendkaffe der Philharmonie aufbewahrt bleiben. Jm Belle- Alliance- Theater geht heut zum erften Mal das fünfattige Original- Luftspiel Amerikanisch" von G Goener mit den Gästen des Wallner- Theaters in Szene., ist dies das legte Werk des so überaus fruchtbaren und allge mein beliebten Schriftstellers. 11 Zentral Theater. Die im Sentral- Theater ftattgefundent 150. Aufführung des Walzer- Königs" fand trop erböble fiziant, Herr Karl Weiß, sowie die hervorragend beschäftigten Preise vor vollständig ausverkauftem Haufe statt. Der Bene Mitglieder, insbesondere Fräulein Anna Grünfeld, wurden von dem fefttäglich geftimmten Bublifum durch reiche Blumen Polizei- Bericht. Am 26 d. M. Vormittags wurden Era zu verdanken ist, daß die Züge auf dieser Stelle schon gebremst start in Verwesung übergegangene Leichen, und zwar die ein Niemand verunglückt, was wohl hauptsächlich dem Umstande Landwehr- Kanal an der Freiarche der Unterschleuse zwei bereit find. Eine stärkere Entgleifung würde um so gefahrbringender etwa 27 Jahre alten Mannes und die einer etwa 25 Jab sein, da das erste Geleise sehr nahe der nur niedrigen und schwachen eisernen Umgitterung gelegen und der Verf.hr auf der Straße ein fehr lebhafter ist. Der Bug erlitt feinen Aufent balt, da er über eine Weiche auf einem zweiten Strang in den et alten Frauensperson, welche jede ein eisernes 20- Pfund Gewi um den Leib gebunden hatten, aufgefunden und nach De Obduktionshause gefchafft.- Um dieselbe Beit fprang richten niedergelegt worden find, befinden sich beim hiesigen Bahnhof gelangen konnte. Höhere Eisenbahnbeamte und zahlreiche in den Lindwehr Kanal, wurde jedoch, ohne Schaden genommen Königl. Amtsgericht I, Abtheilung 61, in Verwahrung. Falls fich diejenigen Personen, welche an diesen legtwilligen Verord nungen ein Interesse haben, nicht bis zum Oktober d. J. ( inklufive) um Eröffnang unter genügender Legitimation bei der gedachten Gerichtsstelle melden, so werden diese legtwilligen Verordnungen in Gemäßheit des§ 219 Th. 1, Tit. 12 des Arbeiter waren sofort zur Stelle, um das Verkehre hindernis zu beseitigen. Vor ungefähr drei Wochen hat auf derselben funden." zu haben, herausgezogen und nach seiner Wohnung gebracht An demselben Tage Nachmittags wurde ein unbefannte Stelle und unter gleichen Umständen eine Entgleisung stattge Mann bewußilos auf dem Koppenplage liegend angetroffen un nach dem St. Hedwigs- Krankenhause gebracht, wofelbft fi herausstellte, daß derselbe in selbstmörderischer Abficht Gift g a. In einer Zelle für weibliche Gefangene des Moabiter Untersuchungsgefängnisses hat sich fürzlich fol nommen hatte. 15255KSTEDIATE SPACERS at Gerichts- Zeitung. Der Monftre Meineids- Prozeß Better und Genoffen gelangte am Donnerstag- Abende bis zum Schluffe der Beweis aufnahme und begannen am Freitage die Plaidoyers. Seinem Vertheidigungsprinzipe getreu hatte der Angeklagte Vetter vor her wieder eine Anzahl Anträge auf Ladung neuer Beugen und Vertagung der Verhandlung gestellt, die natürlich abge lehnt wurden. Der foloffale Umfang des Prozesses tennzeichnete fich am besten durch die Thatsache, daß die Geschworenen nicht weniger als 35 Schuldfragen zu bewältigen hatten, zu denen fich noch fünf Nebenfragen gefellten. Staatanwalt Dr. Menge leitete fein Blaidoyer mit der Bemerkung ein, daß die Preffe diesen Sensationsprozeß seines Umfanges wegen einen ,, Monstre prozeß" genannt habe, weit eber verdiene derselbe aber mit Bezug auf seinen Inhalt die Bezeichnung einer Monftröfttät, denn in den Annalen der Kriminaljuftig stehe ein Fall wie der vorliegende vereinzelt da. Der Staatsanwalt beschäftigte fich in erster Linie mit dem Hauptangeklagten Vetter und in feffelnder Rede entrollte er vor den Geschworenen ein farbentäftiges und treffendes Bild von dem gemeingefährlichen Treiben dieses Angeklagten, sowie von der grenzenlosen Ber worfenheit seines Charafters. Dr Angeklagte sei ein Mensch, der trop feines geringen Bildungsgrades fich im Laufe der viertägigen Verhandlung als ein Inbegriff von Verschlagenbelt und Spizfindigkeit gezeigt habe, dem ein außerordentliches Gedächtniß zur Verfügung stehe. Diese Eigenschaften haben ihm, unterftügt von einer bodenlosen Gewiffenloft glett, ermöglicht, eine große Anzahl Bersonen, die in Betreff ihrer geistigen Kapazität weit unter ihm ständen, und denen er durch sein Sheinwiffen und seine Rabulisterei zu imponiren verstand, zu feiren willenlosen Werkzeugen zu machen und sie zu einer Reihe der schwersten Verbrechen zu verleiten und anzuftiften, um sich selbst materielle Vortheile zu verschaffen oder fich vor persönlichem Schaden zu bewahren. Er, der Staatsanwalt, fet überzeugt, daß außer den fieben Mitangeklagten, noch eine größere Anzahl Perionen im Interesse des Better Meineide geleistet haben. In Betreff einiger da Mitangeklagten, deren Thätigkeit der Redner sodann beleuchtete, stellte er den Ges schworenen anheim, in einzelnen Fällen nur Fahrlässigkeit anzunehmen, da fie dem demoralisirenden Einfluß des Angeklag ten Vetter vermöge ihrer großen geistigen Beschränktheit leichter erliegen mußten. Unter den Vertheidigern ist besonders der Rechtsanwalt Thelen zu erwähnen, welchem die schwierige Auf gabe geworden, die Mühlenbefizerin Vetter und den Büdner Mahlow zu vertheidigen; die noch schwierigere, die Strafthat des Hauptangeklagten Better in ein milderes Licht zu ftellen, lag dem Referendar Blau ob, der seinen verlorenen Posten nach besten Kräften behauptete. Am meisten sprach natürlich der Angeklagte Vetter selbst, der nach jedem einzelnen Bunti der Anklage unter lebhaftem Gestikuliren mit beiden Händen eine längere Rede hielt, welche stereotyp folgendermaßen schloß: Also, meine Herren Geschworenen, aus den von mir anges führten Gründen meine ich, daß Sie diese Schuldfrage werden verneinen müffen." Das Urtheil werden wir morgen mittheilen. " " " Eine Anzahl von Schaukästendiebstählen gelangte gestern zur Kenntniß der ersten Straflammer hiesigen Landge richts I. Auf der Anklagebant nahmen, aus der Haft vorge führt, Blaz: 1) der Handlungskommis Gustav Adolph Dito Hente( unter dem Spipnamen der Kaufmann Perl" bekannt), 2) der Arbeiter" Emil Arnold Bockich( der Rirdorfer"), 3) der Arbeiter" Carl Gottlieb Eduard Knauth( unter den Dieben Bismard" genannt), 4) der Arbeiter" Johann August Rudelow( der Weißkopf"), 5) der Maler Karl Friedrich Detar Semp und 6) der Handelsmann Friedrich August Mehnert. Die vier ersten fieben unter der Anklage des wiederholten Diebstahls, die beiden letteren der Hehlerei. Der er heblichste von den ausgeführten 4 Schaufäftendiebstählen ist ber am Mittag des 7. November v. J. am Hause Pionier straße 5 begangene. Dort war nämlich der Schaukasten des in demselben Hause wohnhaften Juveliers Ofner mit Gold und Silberwaaren im Werthe von über 3000 M. angebracht. Zwei Der Angeklagten gaben fich bei dem gewagten Koup das Aniehen als Beauftragte des Geschäfts, zwei Angeklagte ftellten fich in die geöffnete Hausthür, um die Arbeit zu überwachen. Nachdem die den Kasten haltenden Eisen entfernt waren, trugen die Angeklagten den Raften in das Haus, um der ge spielten Komödie einen drastischen Ausdruck zu geben, und erst später trug einer den Kasten nach dem freien helde, wo der Inhalt unter den Dieben getheilt wurde. In ähnlicher Weise wurden die übrigen Diebstähle bewerkstelligt. Die beiden legten Angeklagten sollen fich bei dem Ablaß der gestohlenen Gegenstände betheiligt haber. Der Gerichtshof verurtheilte Hente und Rudlow zu je 2 Jahren Buchthaus, Bocksch zu 9, Atnautb zu 16, Lemp zu 6 und Mehnert zu 12 Monaten Befängnis, erkannte durchweg auf Eh: verluft und auf Buläffigkeit von Polizeiaufficht. P. Die vielfach verbreitete Unfitte, beiße, glühende Asche in hölzernen Behältern aufzubewahren, war die Veran Laffung au einer gestein vor der Straffammer II wegen fabrs läfiger Brandstiftung verhandelten Anklagesache. Wegen dieses Vergebens angeklagt erschien die verebel. Arbeiter Anna Höser aus Spandau. In ihrer aus einer Stube und Küche bestehen. Den Wohnung hatte die Angeklagte am Morgen des 26. No vember v. J. die Asche aus Ofen und Kochmaschine in einer zu diesem Zwecke schon längere Zeit verwendeten hölzernen Rifte gesammelt, um dieselbe dann später im Laufe des Tages nach dem Hofe zu schaffen. Dies vergaß die Angeklagte jedoch; inzwischen entzündeten in langsam gebrender Gluth die in der Asche befindlichen glimmenden Kohlenreste die Wandungen des Holzbehälters, dann die Diele und zulegt die Balkenlage. In der Nacht wurden die erschreckten zahlreichen Hausbewohner Durch Feuerlärm aus den Betten getrieben und nur einem energischen Aufgebot von Löschmannschaften war es zu danken, daß größeres Unglüd verhütet und der Brand in furzer Zeit gelöscht wurde. Im Audienstermin räumte die Angeklagte ein, durch ihr Verschulden diesen Brand verursacht zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldbuße von 15 M. event. 3 Tage Gefängniß; das Urtheil lautete demgemäß " " gegen den Wegen Beleidigung des Amtsrichters Höfling in Meiningen hatte sich gestern auf die von demselben erhobene Privatklage der Redakteur des politischen Theils des Berliner Tageblatis" Dr. Boinow vor der sechsten Straffammer bieft en Landgerichts I zu verantworten. Der Privatkläger hat sich in Der vorjährigen Wahlagitation im Sinne der nationalliberalen Bartei lebbaft gegen die Wiederwahl des deutsch- freifinnigen Kandidaten Landrath Baumbach betheiligt, und war sein Auf tieten in einem im Reichsfreund" abgedruckten Artikel einer Das Berl. Tage Scharfen Beurtheilung unterzogen worden. blatt" hat den betreffenden Artikel nachgedruckt. Durch den felben fühlte fich der Amtsrichter Höfling beleidigt und strengte Sowohl Durch den Rechtsanwalt Stein Redakteur Bornow, als gegen den Redakteur des Reichsfreund" Herrn Bartsch Privatllagen an. Die gegen Bornom gelangte in erster Instanz, und zwar vor der 100. b beilung des hiesigen Schöffengerichts, zuerst zur Verhandlung, und Diese verurtheilte den Angeklagten zu 300 Mt. event. 30 Tagen Haft, während in dem später verhandelten Projeß der eigent liche Urheber nur zu 50 Wit. event. 5 Tagen Haft verurtheilt worden ist. Schon wegen der enorm hohen Strafe hatte der eifte Betlagte Berufung eingelegt, die nunmehr vor dem oben genannten Gerichtshofe zur Verhandlung tam Trogdem nun gegen Bartsch die Strafe von 50 Mt. relativ vechtskräftig bleibt, wurde die vom Beklagten eingelegte Berufung auch be uglich des Strafmaßes verworfen, da die begangene Be leibigung gegen einen deutschen Richter gerichtet sei und des balb der Angeklagte au besonderer Vorsicht verpflichtet war. Blauen, 24. März. Heute Vormittag 9 Uhr ist vor der 1. Straffammer des königl. Landgerichts hier ein Fall zur Berhandlung gekommen, welcher die weiteste Verbreitung ver dient. Es erscheinen auf der Anklagebant der 37 Jahre alte Restaurateur Christian Friedrich hörning jun. aus Chrischwis, deffen Vater, der 61 Jahre alte Hausbefizer und Materialwaarenhändler Christian Friedrich Hörning sen. daher, der 50 Jahre alte Brunnenbauer Johann Georg Heutschmann daher und der 34 Jahre alte Brunnenbauer Friedrich Louis Sär chinger daher wegen Vergeben gegen das Reichs, geset, betreffend den verbrecherischen und ges Verbrauch von meingefährlichen Spreng auch Das ft offen, vom 9. Juni 1884. Der Personalbogen zeigt für Hörning, Vater und Sohn, noch teine, für heuschmann und Särchinger dagegen wegen Schlägerei bez. Körperverlegung, Nöthigung 2c. einige unbedeutende Vorstrafen auf, und allen vier Personen wird von ihrer Gemeindebehörde ein gutes Leumunds zeugniß ausgestellt. Hörning jun. hat im Oktober des vorigen Jahres auf seinem Neubaue in Chrischwig, welcher von seinem Vater vielfach beaufsichtigt wurde, von dem Brunnenbauer Heuschmann einen Brunnen graben und bez. aussprengen lassen und dazu auf Verlangen Heuschmann's und mit Bustimmung seines Vaters, welcher Geld hierzu hergab, von Herrn F. A. Grob in Blauen fünf Pfund Dynamit holen lassen. Heuschmann bekam das Dynamit von Hörning sen. und verwahrte es während der Vornahme der Sprengarbeiten in einem mit Biegeln zugedeckten Loche im Brunnen. Nach Fertigstellung des Brunnens waren noch 3% Pfund Dynamit vorhanden. Diesen Rest legte Hörning jun. im Gewölbe seines Vaters nieder und verkaufte ihn am 23. November in Gemein schaft mit seinem Vater an den Brunnenbauer Särchinger, welcher auf dem Breißelpöhl einen 26 Meter tiefen Brunnen zu bauen hatte. Sätchinger nahm das Dynamit in Empfang und verwahrte es auf dem Preißelpöhl in einer in die Erde eingegrabenen Lade. Da nun nach§ 9 des oben angeführten Gesezes das Aufbewahren und Verlaufen von Sprengstoffen nur mit behördlicher Genehmigung geschehen darf, die vier Angeklagten eine derartige Genehmigung aber nicht besaßen, so haben sie sich gegen die Bestimmungen des erwähnten Gesezes, welches sehr hohe Strafen diktiri, vergangen. Das Anführen der Angeklagten, daß fie von dem bezüglichen Gesetz vom 9. Juni 1884, welches im Voltamunde furzweg ,, Dynamit geset" genannt wird, teine Kenntniß gehabt haben, erscheint glaubhaft, es schüßt diese Unkenntniß jedoch nicht vor Strafe. Die Angeklagten werden des Bergebens gegen§ 9 des Gesetzes Dom 9. Juni 1884, betr. den verbrecherischen und gemeingefähr lichen Gebrauch von Sprengstoffen, für schuldig erklärt und deshalb zu der gefeßlich zulässig niedrigsten Strafe, je drei Donate Gefängniß, sowie zur gemeinschaftlichen Bezahlung der Kosten verurtheilt. Köln, 25. März. Der Schuhmacher Nikolaus Schäffer, seine Ehefrau Margarethe, geborene Frey, und die Schlafstellenvermietherin Wittwe Tgeodora Schaffcath, alle drei von hier, waren gestern vor der Straflammer der Verkupp lung von Mädchen in öffentliche Häuser des Auslandes angeklagt. Schäffer und seine Frau hatten früber ein GefindevermiethungsBureau, unter deffen Firma fie ihre Verbrechen ausübten. In Anbetracht der Schwere derselben wurden die Eheleute Schäffer zu 2 Jahren Gefängniß und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren verurtheilt; ferner erkannte das Gericht auf Zulässigkeit der Stellung unter Polizei Aufficht. Die Wittwe Schaffrath wurde freigesprochen. Sodann hatte fich zu verantworten der schon wegen Ruppelei bestrafte Speisewirth Johann Jacobs von hier wegen desselben Verbrechens, für welches ihn das Gericht mit 6 Monaten Gefängniß bestrafte.( Köln. Btg.) Vereine und Versammlungen. die ,, Volks be. Die öffentliche Generalversammlung der Schlosser und Berufsgenossen, welche am Donnerstag, den 26. d. M., Abends, in Keller's Lokal, Andreasstraße 21, unter Vorfiz des Herrn Miethe tagte, war sehr gut besucht, und beschäftigte fich mit dem Streit, der in der ersten" Berliner EisenMöbel Fabrit von C Schulz, Lindenstraße 105, ausgebrochen ist. Herr Miethe fegte in längerer Rede die Gründe ausein ander, welche die Kollegen zum Niederlegen der Arbeit veranlagt haben, und theilte den Verlauf mit, den die V- rhandlungen mit dem Fabrikanten bisher genommen. Da in Nr. 72 dieser Zeitung unter Arbeiterbewegung" der thatsächliche Vorgang bereits veröffentlicht worden ist, so bleiben nur einige Details noch als bezeichnende Vorkommniffe nachzutragen übrig, die im Referat und in der Diskussion erwähnt wurden. So soll es in der Fabrik des Herrn Schulz vorkommen, daß der Ueberschuß der durch Aktordarbeit über den Tagelohn gemacht wird, am Ende der Woche nicht ausgezahlt, sondern auf die nächste Woche übertragen wird. In der nächsten Woche aber ereignet es sich, daß durch Uebertragung meniger einträglicher Arbeit der Ueberschuß wieder verbraucht wird. Nach 81 im Original vorhandenen Lohnzetteln beträgt der Durchschnittslohn pro Mann und Woche überhaupt nur 15 Mt. und Pfennig( dabei sollen von verschiedenen Arbeitern noch Ueber. stunden gemacht sein); und ein Werkmeister empfahl den Ar beitern, die sich über geringen Lohn beklagten, in die„ Bolts füche" effen zu geben, da würden fie schon zurecht kommen". Ein Arbeiter verdiente in einer Woche 1,30 Mt.; Herr Schulj fab ein, daß man hiermit wohl doch nicht austommen fönne, gab einen Beweis von seiner Gutmüthigkeit und legte 1,70 Mark zu, so daß der Mann mit 3 Mt nach Hause gehen konnte. An der Diskussion, die sehr ausgedehnt und lebhaft war, wie die lange Rednerliste beweist, betheiligten fich die Herren Lochmann, Publmann, Krohn, Schurer, Klint, Lochmann, Bublmann, Krohn, Schurer, Klint, Schmiz, Goebel, Bärwald, Seideldorf, Bahn, Kluge u. A m. Alle Redner waren mit dem Referenten einig, daß solchen Buständen gegenüber der Stret das einzige Mittel set, der flegreich durchgeführt werden müsse. Die Schlosserlohnbewegung hätte jest ihre Feuertaufe", den ersten Streit, zu bestehen, fte müsse und werde mit allen Kräften den Kollegen beistehen und sie sei pekuntär in der Lage, daß sie es noch mit 4 oder 5 anderen derartigen Fabriken augleich auf nehmen könne. Der Sieg liege in nicht zu weiter Ferne; es fet zu erwarten, daß auch die noch in jener Fabrik arbeitenden Kollegen fich dem Streike anschließen würden. Im Schluß. wort forderte der Referent auf, die Sammlungen für die Streitenden in allen Werkstätten reichlich zu unterstüßen und theilte Namen und Wohnung derjenigen Herren mit, an welche Die Sammelliften und die eingegangenen Beträge abzuliefern find. Es find dies: 1) Pirch, Prenzlauerstr. 13; 1) Alter, Dieffenbachstr. 11, v. III.; 3) flint, Fürbringerstr. 28, Hof part; 4) Röderis, Bülowstr. 38; 5) Armerbing, Ralftr. 17, of IV.; 6) Marx, Brenzftr. 10, v. IV. 7) Krüger, Weinstr. 31; 8) Kluge, Muladftr. 22: 9) Wilhelm, Wilhelmstr. 94, of IV.; 10) Schmidt, Gr. Frankfurterstr. 44; 11) Mietbe, Adalbertstr. 94, vom 2 April Alexandrinenftr. 118 a, bof Quergebäude IV. Alle 2 April Alexandrinenftr. 118a, bof Quergebäude IV. Anordnungen, um Buzug zu verhüten, sind bereits getroffen oder werden in nächster Zeit getroffen werden. Den Streifenben wurde eine Unterstüßung, für die Verheiratheten in Höhe von 13,50 Mt., für die Ledigen von 10 Mt., pro Woche be willigt und für die Osterwoche außerdem eine Zulage von 3,00 Mt. pro Person. Nachdem ein Herr im Namen Der Streifenden und unter Beifall der Versammlung seine Bufriedenheit und seinen Dank ausgesprochen, gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: Die heute in Keller's Salon tagende Generalversammlurg der Schloffer und Berufsgenossen erklärt sich mit dem Vorgehen der Lohn Tommission, sowie mit dem Vorgehen der Kollegen in der Fabrik von C. Schulz. Lindenstr. 105 vollständig einverstanden und erkennt die Forderungen der Kollegen dieser Fabrik als voll und ganz gerechtfertigt an; die Versammelten verpflichten fich mit allen ihnen geseglich zu G: bote stehenden Mitteln, die felben thatkräftig zu unterstüßen. Die Versammlung und die ganze Gewerkschaft der Schloffer spricht ihr Bedauern über das Verhalten derjenigen Kollegen dieser Fabrit aus, welche fich den Streitenden nicht angeschloffen baben. Herr Schulz war brieflich eingeladen, aber nicht erschienen. Die nächste Ge neralversammlung findet, wenn möglich, nächsten Sonntag, sonst nächsten Dienstag statt. Der Bezirksverein der arb. Bevölkerung des S.W. Berlins hielt am Dienstag, den 24. März cr. eine außerordents liche Sigung in Niefts Salon, Rommandantenstraße 71/72 ab, in welcher der erste Vorsitzende des Vereins, Herr Krohm, einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über Sanitätswachen hielt. Herr Krohm führte aus, wie unumgänglich es sei, derartige Institute zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger herzurichten, da es heut selbst den bemittelten Leuten oft nicht mörlich sei, ärztliche Hilfe bei Nacht zu erlangen. Daß der Stadt durchaus teine erheblichen Mehrkosten entstehen würden, beweise schon der Umstand, daß schnelle Hilfe den Keim einer langwierigen Krankheit verhüte, eventuell den Tod verhindere, also die Stadt bezüglich der Armenpflege entlaste. Redner wies ferner darauf hin, daß bereits im Jahre 1767 derartige fegensreiche Einrichtungen in Holland entstanden, dann folgte Frankreich diesem B.ispiel. In Paris habe ein jeder Schußmann eine Lifte, auf der sämmtliche Aerzte figuriren, welche ver pflichtet sind, den Verunglüdten die erste Hilfe zu ge währen. Dann folgte England im Jahre 1774. In London bestehen jeẞtur Bit 640 Hilfsstationen; selbst Spanien befißt derartige Institute. Redner betonte noch ausdrücklich, wie in unserer Stadtverordneten- Versammlung fich Autoritäten befinden, wie z. B. Profeffor Virchow, der in seinem Archio, welches er jährlich ausgiebt, fich sehr anerken nend in dieser Beziehung über die fremden Gcoßftaaten aus spricht, fich selbst aber noch nicht veranlaßt fühlte, dafür ein zutreten, daß in der Stadt Berlin solche segensreiche Institute geschaffen werden. Schließlich empfiehlt Reoner Massen- Beti fionen, um so die Väter der Stadt zu zwingen, die Initiative zu ergreifen, um endlich einmal das nachzuahmen, was andere Großftaaten schon ein Jahrhundert voraus haben. Ein Antrag, fich petitionirend an Magistrat und Stadtverord neten- Versammlung zu wenden sowie recht viele Unterschriften zu sammeln, wurde einstimmig angenommen. In der Dis fuffton erklärten sich sämmtliche Redner mit den Ausführungen Des Referenten einverstanden. Es wurde besonders erwähnt, daß das Reichsgesundheits Amt fich solche sanitären Einrich tung für das ganze Reich angelegen sein laffen sollte. Außerdem beschloß der Verein, am 2. Osterfeiertag eine Herrenparthie au machen. Näheres hierüber am Charfreitag im Inseratentheil des Berl. Volksblatt." Es wurde allgemein be dauert, daß die Mitglieder so spärlich erscheinen, Pflicht eines jeden Mitgliedes wäre es, in jeder Sigung zu erscheinen und Sorge zu tragen, dem Verein immer mehr neue Mitglieder zuzuführen. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß die nächste ordentliche Sigung am Montag, den 20. April stattfindet. " t. Der Verein der Impfgegner Deutschlands hielt am Donnerstag Abend bei Scatweil eine außerordentlich zahl reich besuchte Versammlung ab. Herr Dr. Sturm eröffnete dieselbe mit der Mittheilung, daß die Versammlungen fortan präjis beginnen und mit einem populären sanitären oder naturphilofophischen Vortrage eingeleitet werden würden. Das Vortragsthema des Abends bildete die Frage:„ Warum nehmen die nervösen Krankheiten in großen Städten immer mehr überhand?" und schilderte Herr Dr. Wurm im Verlaufe seiner Erörterung dieser Frage im Allgemeinen die Grundbe bingungen, auf welche es bei Verhütung oder Hebung von Nervenkrankheiten antommt. Alle Krankheiten entstehen nach der Ansicht des Vortragenden durch eine falsche Körperpflege und können demzufolge nur durch eine richtige Körperpflege wieder gehoben werden. Wenn die nervösen Krankheiten über hand nehmen, so ist die Ursache darin zu suchen, daß die Nerven entweder gar nicht oder falsch gepflegt werden. Die Grundbasis der organischen Thätigkeit des menschlichen Körpers ist die Ernährungsweise, indem Durch Die Nahrung Nahrung dem Körper Säfte zugeführt werden, aus denen derselbe Drgane baut. Der wichtigste Theil der Körperpflege ist daher eine naturgemäße Diät. Der Krante muß aber dem Arste Zeit laffen, seine Natur zu studiren, dann wird es diesem auch möglich sein, durch eine richtige Lebensweise die Gesundheit wieder herzustellen, wenn er durch die größte Bünktlichkeit und Ausdauer in der Befolgung der gegebenen Vorschriften unterstügt wird. In fachlicher und überzeugender Weise veranschaulichte sodann Herr Dr. Endt mann die Untichtigkeit der Impftheorie und schrecklichen Folgen des Jmpfzwanges, den Anschluß an den Verein Allen and Herz legend. Die nächste Versammlung findet am 17. April und von da ab regelmäßig alle 14 Tage in den Gratweil'schen Bierhallen statt. Der Bezirksverein des wertthätigen Voltes der Schönhauser Vorstadt tagte am Dienstag, den 24. März, in Meister's Lotal, Schönhauser- Allee 161. Herr Meißner hielt einen Vortrag über: Produktion und Konsumtion", welcher von der Versammlung mit großem Intereffe verfolgt wurde. Redner besprach die Errichtung von Staatswerkstätten unter der Regierung Napoleons I., und unterzog die Agitationsweise von Schulze- Delisich einer scharfen Kritik in Betreff der Selbst bilfe, und äußerte fich über das Recht auf Arbeit. Zu Ver schiedenem wurde der Antrag gestellt, dem Miegliede und Kafftrer Herrn Josef, der seit 13 Wochen schwer trant darnieder liegt, 10 Mt. aus der Vereinskaffe zu bewilligen und eine Tellers fammlung für ihn zu veranstalten. Der Antrag wurde eins ftimmig angenommen. Dienstag, den 14. April findet die Generalversammlung des Vereins statt. Burg bei Magdeburg. Der Unterstügungsverein der Schuhmacher hielt am Montag, den 23. d. M. eine öffentliche Versammlung ab, zu welcher Herr W. Papte aus Berlin und Herr& Glaeser aus Magdeburg als Referenten erschienen waren. Herr apte referitte unter dem Beifall der Versammlung über das Thema: Die Nothwendigkeit einer großen Dr ganisation." Die anwesenden Gegner, welche mehrmals aufgefordert wurden, fich doch zum Wort zu melden, verhielten fich schweigend. Am Schluß der Versammlung ließen sich 20 Kollegen in den Unterstüßungsverein aufnehmen. " Alle diejenigen Mitglieder der ehemaligen Maschinenbau und Metallarbeitergewertschaft, die ihren Verpflich tungen spätestens bis ult. November 1884 nachgefommen sind, merden auf die am Sonntag, den 29. März, Vormittags 10 Uhr, im Wedding Part, Müllerstraße 178, stattfindende Mitgliederversammlung der Vereinigung deutscher Metallarbeiter, Mitgliedschaft Berlin I, behufs Empfangnahme der neuen Statutenbücher aufmerksam gemacht. Tagesoronung: Vortrag des Herrn Michelsen. 2. Der Streit der Bielefelder Nähmaschinena beiter. 3. Verschiedenes und Fragelasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste find gern gesehen. Der Bevollmächtigte. " Zwei öffentliche Versammlungen der Tischler finden am Sonntag Vormittag 10 Uhr statt. 1. Jm Deutschen Kaiser", Lothringerstraße 37; 2. bei Altermann, Dennewit straße 13. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Die Stell ngnahme einer Anzahl Berliner Tischlermeister zu unseren Minimallobntarifen, und was thun wir dagegen? Im Fachberein der Schmiede wird am Montag Abend ( Vereinslotal Gratwell'sche Bierhallen) Herr Keßler einen Vor trag über Unfallversicherung balten. Da dieses Thema für die Kollegen von großer Wichtigkeit ist, so ist zahlreicher Besuch erwünscht. Gäste, Meister sowohl als Gesellen, find stets will. Tommen. Gleichfalls bittet der Vorstand die Kollegen, aus beren Werkstellen die Fragebogen noch nicht eingegangen find, dieselben in dieser Versammlung abzuliefern. Der Männergesangverein„ Treue" wid am Sonn abend, den 28. b. M., Abends 8 Uhr, unter Leitung seines Dirigenten, Herr Adolph Huppert mit der Ausführung eines Bolal Konzertes im Saale des Herrn Wulff, Gr. Frankfurter ftraße 117, seinen Besuchern einen genußreichen Abend zu ver Schaffen suchen, bei welchem es an Humor wiederum nicht fehlen bürfte, da der Charakterfomifer Herr Franz Apel mehrfach auftreten wird. Freunde und Gönner des Vereins laden wir hiermit ganz ergebenft ein. Der Vorstand. Verein zur Wahrung der Interessen der Klavier. arbeiter. Sonnabend, den 28. März, Abends 8 Uhr, in Gratweils Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl eines Beifibers. 3. Ber schiedenes und Fragelaften. Die Mitglieder werden ersucht, das Quittungsbuch der Wahl wegen mitzubringen. Säfte willkommen. Tischler Verein. Kottbuserstraße Nr. 4a, Abends 8% Uhr. Den Mitgliedern der Allg. Kranken- und Sterbekafe der Metallarbeiter( E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin III. ( äußere Louisenstadt) zur Kenntnißnahme, daß die Beiträge jeden Sonnabend Abend von 8-10 Uhr in nachfolgenden Bahlstellen entgegengenommen werden: Dranienstraße 196 bei Herrn Malice( Destillation am Heinrichsplaz); Wendenstraße 5 bei Herrn Nicolas( Destillation am Görlizer Bahnhof); Wrangelstraße 93 bei Herrn Menzel( Deftillation Ede der Oppelnerstraße). Kleine Mittheilungen. Kaffel, 25. März. Bei einer in den legten Tagen des Januar hier abgehaltenen Hofjagd fungirten 200 Soldaten als Treiber, von denen einige angeschoffen wurden. Bekanntlich tam die Sache im Reichstage sur Sprache. Unter dem heutigen Datum schreibt man nun dem Hannov. Cour." von hier: Während bei mehreren Soldaten die Schrotkörner nur die Theater. Königliches Opernhaus. Heute: Keine Vorstellung. Königliches Schauspielhaus. Heute: Der Kaufmann von Venedig. Deutsches Theater. Heute: Der Weg zum Herzen. Heute: Amerikanisch. Bellealliance- Theater. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Gasparone. Central Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heute: Der Walzer- König. Residenz- Theater: Direktion Anton Anno. Heute: Bum 38. Male: Der Vergnügungszug. Hierauf: Die Schulreiterin. Walhalla Operetten- Theater: Heute: Der Feldprediger. Louisenstädtisches Theater: Heute: Die Waise aus Lowood. Oftend- Theater: Heute: Lorbeerbaum und Bettelftab. Wallner Theater. Deute: Ein weißer Rabe. Vittoria Theater. Heute: Sulfurina. Alhambra- Theater. Heute: Zum Besten für die Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute im Camphausen- Schacht. Zum ersten Male: Unter der Erde, oder: Die Macht der Arbeit. Arbeitsmarkt. und Wenderin verlangt Meyer, Bernauerstraße 31, Hof 4 Tr. Einfasserinnenderin verlangt Meher, [ 662 25 Mamsells auf Dollmans verl. Adalbertstr. 75, III I. 18 Skalitzerstrasse 18 Restaurant H. Stramm empfiehlt feinen reichhaltigen Frühstück, Mittag und Abendtisch. Allen Freunden und Bekannten empfehle meine Restauration 651 Uniform burchlöcherten und keinen Schaben anrichteten, wurde ber Musketier Rüfter von der 3. Kompagnie des 83. InfanterieRegiments am Fuße erheblich verlegt und mußte 8 Tage im Lazareth liegen; jest ift er wieder geheilt und kann wieder seinen Dienst regelmäßig thun. Schlimmer erging es dem Musketier Roop von der 4. Kompagnie deffelben Regis ments; er betam eine ganze Schrotladung in die Beine; 21 Körner brangen ein, und er mußte schwer verlegt ins Lazareth geschafft werden. Drei Schrottörner hat man ausgeschnitten, 18 Stüd steden noch in den Beinen, da ein Ausschneiden derselben lebensgefährlich gewesen wäre. Nachdem bie Wunden ziemlich vernarbt, ift er vor einigen Tagen ebenfall aus dem Lazareth entlassen, man betrachtet ihn als geheilt. Briefkaften der Redaktion. 2. N. Oranienftraße. Ein imaginärer" Gewinn ist ein solcher, den man fich nur herausrechnet, ohne daß man ihn schon wirklich baar in der Tasche hätte. Wenn Sie z. B. eine Waare beziehen und auf Lager legen, so berechnen Sie sich, daß Sie beim Wiederverkauf etwa 20 pCt. verdienen wollen. Daß ist ein ,, imaginärer" Bewinn. Ob Sie beim Verkauf diesen Gewinn als wirklichen machen werden, ist fraglich. H. S. Sp. Sie können über Ihre Fragen nur bei der Direktion der Reichsbank selbst Auskunft bekommen; es find interne Berwaltungsangelegenheiten, über die wir nicht unter richtet sind. " Druckfehler Berichtigung. In dem Absaz Wiß begierige X. U." der geftrigen Nummer muß es ftatt Neumond, Vollmond beißen. In dem Absaz Kommis 8... p. Charlotte nstraße statt adoptirt, afzeptirt. Abonnent. Nein. A. 8. Rüdersdorferstraße. ad 1, Borag mit Buder. ad 2, das ist Geschäftsfache und wir lönnen, obwohl wir Ihre gute Abficht achten, darüber keine Mittheilung machen. ad 3, wir empfehlen teine derartige Gesellschaften. Aber Sie können fich auch Sonntags versichern laffen. Unw. Wittwe. Wenn Sie Ihren Jungen als Schiffs jungen zu plaziren wünschen, müssen fie fich an eine Rhederet wenden. Im Falle Sie den Knaben bei der Kriegsmarine unterbringen wollen, was uns aus Ihrer Anfrage hervorzus geben scheint, müßten Sie ihn beim Kommando der Schiffs jungen- Abtheilung der deutschen Marine in Friedrichsort bei Stiel" anmelden. Sie werden dann über die Bedingungen Näheres erfahren. J. B. Zimmerstraße. Der oft gebrauchte Ausdruck ,, die Herren Eltern" ist gänzlich unlogisch, es tann nur heißen„ die Eltern". Ein Elternpaar besteht doch nicht aus Herren, und es lönnte für die ,, Frauen" Eltern beleidigend sein, wenn man Der Ausdruck ist der übers nur von den Herren" spricht. mäßigen Höflichkeitssucht der Deutschen entsprungen. Ein Sparsamer. Was Sie auch nicht Alles verlangen! Bringen Sie doch Ihren Hut zu einem Hutmacher, der wird Ihnen schon sagen, ob er gefärbt werden kann oder nicht. Wette, Arkonaplay. Gelbe Husaren giebt es und gab es in Preußen überhaupt nicht. Wenn Ihr Gegner behauptet, 1866 folche in Dresden gesehen zu haben, so hat er wahra scheinlich die sächsischen Postillone für Husaren gehalten, dies selben trugen nämlich gelbe Fracks. Rt. St... p. Eisenbahnftr. Ift nicht strafbar; Jeder fann mit seinem Gelde thun, was er will, so lange Anderen dadurch kein Schaden seschieht. Und dies ist hier nach Ihrer Schilderung nicht der Fall. N. P. 15. Holen Sie den Nath eines Arztes ein. 99. Scheunemann. Ein formelles Recht hat der Arbeit geber dazu nicht. R. W., Pionierstraße. Rothweinflecken, wie überhaupt alle Flecken, welche von Früchten, Dinte, Farben oder Säuren herrühren, entfernt man aus Leinewand, Seide, Wolle ac. wie folgt: 4 Theelöffel voll Ammoniat Spiritus, ebensoviel Weins geift 1 Theelöffel voll Kochfals werden gut durcheinander ge mischt, und die Mischung mit einem Schwamm aufgetragen. Man tann diese Mischung in einer Flasche aufbewahren. M. P., Friedenstraße. Kommen Sie zu uns. Zwet Wettende. Borortszug Potsdam.Eckner. Beschäfts- Eröffnung. Allen unseren Freunden und Genoffen zur Nachricht, daß wir mit dem heutigen Tage ein in der Cigarren- und Tabak- Geschäft Veteranenstraße 28, Ecke Brunnenstraße, eröffnen. Durch eigene Fabrikation find wir in der Lage, eine reelle und preiswerthe Waare zu liefern und werden und damit das Vertrauen unserer Abnehmer erwerben. 651 Ballmüller& Steinicke. Gr. öffentl. Versammlung Der Bimmerlente Berlins n. Umgegend Sonntag, den 29. März 1885, Vormittags 10 Uhr, in Buss' Salon( vorm. Bade), Gr. Frankfurterstr. 87. Tagesordnung: 1. Stellungnahme der Bimmerleute Berlins und Umgegend zur Lohn- und Unterstüßungsfrage für dieses Jahr. 2. Neuwahl der Kommission, Kafftrer und Revisoren. 3. Bibliothek- Angelegenheit. 4 Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ersucht um ein recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen Die Rommiffion. J. A.: E. Petermann, Fennstr. 45. Gr. Volksversammlung Sonntag. den 29. März, Norm. 10% Uhr; im Saale des Centralgartens, Safenhaide Jr. 7a, Tagesordnung: ,, Unsere gegenwärtige wirthschaftliche und politische Situation." Referent: Herr Ostar Krohm. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. 661 Zum wahren Jakob. Vereinigung deutscher Metallarbeiter. Weiss- und Bairisch- Bier à Glas 10 Pf. Für Abend Unterhaltung ist auf das Beste gesorgt. 258 G. Spiekermann, Rüdersdorferstr. 51. Aufruf an die Metallarbeiter Berlins. Die Vereinigung der deutschen Metallarbeiter, Mitglied Mitgliedschaft Berlin I. Sonntag, den 29. März, Vorm. 10 Uhr, im WeddingPart, Müllerftr. 178: 648 Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Michelsen. 2. Der Streit der Bielefelder Nähmaschinenarbeiter. 3. Verschiedenes und Frage Laften. Der Bevollmächtigte Versammlung 659 schaft Berlin( S.), veranstaltet zum Besten der Unterstüßungs- des Fachvereins d. Gas, Waffer- n. Heizungs- Rohrleger taffe für Arbeitslose am 1. Osterfeiertage eine MATINÉE 654 und werden Billets am Sonnabend Abend von 7-9 Uhr bei Sobtle, Ritterfir. 123, sowie bei den Herren Möhring, Dranien Straße 14a, Thielce, Friedenstr. 56, Groß, Fürstenstr. 11 ver ausgabt und bitten wir fämmtliche Metallarbeiter Berlins, fich im Intereffe der guten Sache recht rege daran zu betbeiligen. Der VOLKS- BAZAR ( Kein Abzahlungs- Geschäft) Prinzen- Strasse No. 22. parterre, empfiehlt zur Frühjahrs- Saison elegante und dauerhafte Damen- und MädchenMäntel, Herren- u. Knabenanzüge, Paletots, ferrer Manufakturwaaren, Betten, Singer- Nähmaschinen, Wollwaaren, Uhren und Goldwaaren, Hüte, Schuhe, Stiefel, zu äußerst billigen aber festen 526 Bei genügenden Referenzen bewilligen gern Kredit. Gebrauchte Lotal- Stühle, Gartentische billig zu ver Taufen Belleallianceftraße 80 auf dem Zimmerplay. 638 Preisen. Sonntag, den 29. März, Vormittags 10 Uhr, Staligerstr. 126 bei Woiff u. Krüger. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. 2. Vortrag. Um zahl reichen Besuch wird gebeten. Der Vorstand. Grosse öffentliche Versammlung Der Schlosser u. Berufsgenossen Sonntag, den 29. d. M., Vormittags 9% Uhr, in der Bittoria- Brauerei, Lüzowstraße 112. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es nothwendig, daß alle Schloffer am Blaze find. 664 Die Lobntommiffion. J. A.: C. Mietbe. Möbel- und PolsterwaarenFabrik von A. Schulz, Wafferthorftr. 34, empfiehlt nur 637 reelle Möbel unter Garantie. Auch Thellzahlung. F. möchl. Schlafftelle zum 1. zu vermiethen Fürstenstraße 663 Nr. 21, v. IV. Kleinschmager. Bestellungen auf das Berliner Volksblatt bei pünktlicher Besorgung nimmt entgegen 649 Max Kirsch, Beitungsspediteur, Admiral- Straße 25. Vom 7. April ab Bernauerstraße 23, Dienstags u. Freitags Jung- Bier- Verkauf der größten und renommirtesten Brauereien Berlins. Um reichen Bufpruch wird gebeten. Vom 2. April befindet sich meine Wohnung zable 655 658 Alexandrinenstrasse 118a, Hof IV. C. Miethe. Abonnements- Einladung auf die in München erscheinende sozialpolitische Wochen schrift: „ Das Recht auf Arbeit" die im nächsten Monat ihren zweiten Jahrgang vollendet und in der kurzen Belt ihres Bestehens schon einer außerordentlich zahlreichen Leserkreis gewon nen hat. 11 Das Recht auf Arbeit" ist ein vollkommen unabhängiges Arbeiterorgan, das mit allen gefeßlichen Mitteln für die Rechte der Arbeit, sowie für die In tereffen der unpolitischen Arbeiterorganisationen ein tritt. ,, Das Recht auf Arbeit" ist im Berliner Postzeitungs Katalog unter Nr. 4108a, in München unter Nr. 532a eingetragen. ,, Das Recht auf Arbeit" loftet vierteljährlich 75 Pf. bei eigener Abholung von unserer Haupterpedition in München, oder bei den Bostanstalten des deutschen Reichs: 90 Pf. bei Bostabonnenten mit Zustellge bühr; M. 1,20 bei direktem Kreuzbandabonnement. In demselben Berlage und als politische Ergan zung zum Recht auf Arbeit" erscheint seit Februar D. I Die Zeitschrift ,, Deutsches Wochenblatt" welches vornehmlich die Aufgabe fich geftellt hat, auch über die Vorgänge auf rein politischem Gebiet, vor zugsweise über solche Vorgänge, welche das Intereſſe Der arbeitenden Klaffen betreffen, streng sachliche Be richte zu liefern. Auch für das Deutsche Wochenblatt" ist derselbe Abonnementspreis wie für das Recht auf Arbeit" festgefeßt. Mit Recht auf Arbeit" gemeinsam beträgt er monatlich 50 Bf., unter Kreuzband zugeft at 75 Bf., wobei der humoristisch- satyrische ,, Süddeutsche Postillon gratis zugegeben wird. Bei Partienbezug tritt eine bedeutende Preisermäßigung ein. Recht zahlreichen Abonnements sehen entgegen Redaktion und Verlag des ,, Recht auf Arbeit". ,, Deutschen Wochenblatt" L. Viered. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2. MATE 3618 9 F น 2 g