Nr 76. Dienstag. 31. März 1885. II Jahrg. SerlianWIMIl. Krgan für die Interessen der Arbeiter. DaS„Berliner Volksblatt" erscheint täglich MorgenS außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Die Subskriptionslisten bitten wir bis spätestens Mittwoch Mittag an. die Expedition, Zimmerstraße 44, einzusenden. Admemtllts-Eiiiladiltig. tum beooiftehenboi Vierteljabr». Wechsel erlauben wir un«. Irbeite: Berlins zum Adonne eient auf das „Berliner Bottsblatt" «it der Gratis- Beilage „JllustrirteS Sonutagsblatt" einzuladen. Frei in» Hau» kostet dasselbe für das ganze Vtcrtrljabr 4 Mark für Monat April 1 Mark 85 Pf., pro Woche 85 Bestellungen werden von sämmtlichen'Z-itungSsvcdsteuren, sowie in der Expedition, Zimmerstrahe 44, angenommen. Zu dem dkvoistebenden Umzug machen wir unsere Leser noch ganz betorderS darauf aufmerksam, die neue Wohnung dem Spediteur rechtzeitig anzugeven, damit in der Bestellung der Zrilung keine Unterbrechung eintritt. Am 1. April werden wir mit der Peiöffentlichurrg eineS höchst intereffanten und spannenden RomanS auS der Feder Friedrich Gerstäcker'» Im Eckfenster beginnen. Den neu hinzutretenden AdonnenUn wird— ioweit der Vorrath reicht— der bisher erfchunet.« Theil des Roman« „Gesicht»d gksuudk«" sowie das „JllustrirteS Sonutagsblatt" gratis und ftanko nachgeliefert. Für Außcrbald nehmen alle Postanstalten Abonnement» für daS nächste Quartal zum Preise von 4 Mark entgegen. Die«edattton««d Expedition de»„Berliner Volksblatt." Einführung der Prügelstrafe. In einem sogenannten liberalen Blatte fanden wir vor Kurzem eine längere Aufführung, in der für verschie- dene Kategorien von Vergehen und Verbrechen„Wasser und Brod" und„Prügel- verlangt wurde«. Nachdruck»erbot««.! 180 Gesucht und gesunden. Uowan von Dr. Du?. (Forselzung.) „Kann»eine Mitwiffenschaft des Geheimnisse« irgend Jemand nützen?" fragte F-itz.„Andernfalls, Mr. Geffer» ton, würde ich dieselbe nicht beanspruchen, so sehr«ich auch Ihr Vertrauen ehrt.". „Ihre Mitwissenschaft ist nothwendig, Mr. Rodcnburg. Sie haben mit großer Aufopferung die Eltern Miß Elly'» ermittelt: Sie haben dieser jungen Dame die Freiheit wiedergaben woll.n; Sie haben erfahren, daß ihre Mutter lebt, und daß ihre Mutter die Lady Daoi« ist." „Da« Alle« habe ich erfahren, uno sobald ihre Mutter zurückkehrt, wird sie sie reklamiren."! „Ihre Mutter wird nicht zurückkehren," sagte Geffeis.n' sehr niedergeschlagen und völlig trostlos.„Ihre Mutter" — fügte er mit dumpfer Stimme hinzu—„ist Miß. Förster." Fritz starrte ihn sprachlos an..... I „Miß. Forster und Lady Davi« sind identisch: da» ,st' da« Geheimniß, Mr. Rodenburg.".' „Gütiger Himmel!" rief Fritz.„Welch' em Geschick- waltet über dieser Familie!.... Arme Elly, dann■ giebt es keine Rettung für Dich.... Deine Mutter 1 wird nicht wiederkehren, um Dir die Freiheit zu i jtben." i Er reiste am andern Morgrn mit Habicht ab. Traurig i und niedergeschlagen saßen die beiden Feunde neben I einander. m Es war zu« ersten Male, daß Fritz einem Berufe Jütnte, der ihm die Nachtseiten de« Leben« in so erschüttern« der Weise vorführte. Neunte» Kapitel. , Der Herbst trat rauh und kalt auf; schon»m Novem« der, der Jahreszeit, welche zuweilen«och einige heitere Tage «u bringen pflegt, gleichsam al« letzte« Oessnen der Augen der sterbenden schönen Jahreszeit, brach winterliche« Wetter derein. Statt schöner Tage brachte dieser Herbst Regen, «chnee, Stur« und kalte Witterung, welche für Georg An der Spitze der betreffenden Betrachtungen heißt e«, die Gerechl'gkcit verlange,„daß die Strafmittel nicht mil- der sind al« die Verdr- chen, die Leiden der Verletzten nicht größer, al« die Strafe der Schuldige n". Wer soll nun aber geprügelt werden? Die Antwort giebt un« der Artikel recht schnell:„Bettler und Vagabunden, betiunkene Kerle, welche sich an der Staat«- und Polizeigewalt vergreifen, Lüstlinge, welche sich an unschul- digen Kindern versündige«. Unverbesserliche, sogenannte Gewohnheitsverbrecher und ähnliche Nebel- t h äter, ferner andere gefährliche Sub- j e k t e." Da» ist eine recht lange Litanei, die für alle Menschen paßt, die den sündigen Adam noch nicht vollständig abge- legt haben. Wir würden zu diesem Vorschlage, der sich von selbst richtet, gar nicht« bemerken, wenn nicht zum Schlüsse de« „PrügelartikelS" die Volksabstimmung über den Vorschlag angerufen würde, mit der sicheren Zuversicht, „daß sich die Oberau« große Mehrheit de« V olke« für die Hunger- und Prügelstrafe erklären wird." Dagegen glaubten wir protestiren zu müssen. Diese .Behauptung bastrt auf gänzlicher Unkenntniß de« deutschen Volkswesen« unv ist eine Schmach, dem deutschen Volke in« Gesicht geschleudert.— Wir würden wahrlich mit tau- send Freuden einer derartigen Volksabstimmung entgegen- sehen, welche der Reaktion eine furchtbare Niederlage de- reiten würde. Da» Volk kennt nämlich die Ursachen der Verbrechen, < s fühlt instinktiv, daß e« ihm selbst an den Kragen gehen würde, da die Reaktion immer neue Reaktion er- zeugt, dann aber weiß e» auch, daß solche Strafen nicht« fluchten würden. Und der Vorschlag selbst? Wie ist er denn motivirt worden? Die Strafmittel sollen nicht milder sein, al« die Verbrechen, die Leiden der Verletzten nicht größer sein, al« die Strafe der Schul- digenl Arnberg'« heftig angegriffenen Gesundheitszustand wenig zuträglich war. Keine ärztliche Hilfe vermochte dem unauf- haltsam daheischreitenden Hebel Einhalt zu thun. Taukend Thronen kostete diese Gewißheit seiner zärtliche» Frau beeil«. Sie verdoppelte ihre Sorge um ibn. Zu dieser Sorge widmete sich Käthchen auch ihren Hauswesen mit gewohnter Pflichitreue, und zu gleicher Zeit den geschäftichen Funkiionin ihre» Gatten, die fast aul« schließlich in ihre Hände gelegt waren. Unter der umsichtigen und kundigen Leitung Strahlenau's, welcher mit dem größten Theil seine» Vermögen« sich an dem Geschäft betheiligie, und also So-iu« Amde'g« war, gedieh da« Geschäft in überraschender Weise. E« nahm fast mit jedem Tage eine weitere Ausdehnung an und ge- wann an Schwungbaftigkeit. Je weiter sich aber die Quellen des Wohlstände« öffneten, je reicher die M ttel in Arnberg« Schooß flössen, die ihn in den Stand schien, sich alle Genüsse de« Leben« zu verschaffen, sich alle Freuden und Bequemlichkeiten desselben zu gönnen, desto weniger fand er Gefallen daran, desto mehr gewann er die Uebcr- zeugung. daß er mit dem Leben abschließen müsse. Sein Zusta-d war jetzt derart, daß er sein Ruhebett sehr selten erließ, und daß er unablässiger Pflege be- durfte: bald Unterstützung bei seinen heftigen asthmatischen Krampfanfällen oder den durch die Blutstockungen herbeigeführten Beängstigungen, dann, um ihm die verordneten Medikamente zu reichen, zum Theil auch dieselben anzu- wenden, da er ja kaum im Stande war, die allergeringste Thätigkeit s-lbst zu v-riichten. Käihchen schien die Fähigkeit zu yabe-, sich vervielfältigen zu können. Unterstützt wurde sie in der Fluth von Ar- beiten, die ihr oblagen, in ihren häuslichen und weiblichen Pflicblen treulichst durch ihre Nichte, Emmy Amberg. Es war den beiden Gatten anfänglich wohl bekannt, daß Fräulem Emmy Amberg in ihrem Hause wahrscheinlich nur bemüht sein wurde, hier dieselbe Aufgabe zu überaeh- men, die ihr im Hause des alten Rodenbura obgelegen hatte, und insofern war sie, namentlich von Seiten Käth- chen« mit Mißtrauen aufgenommen worden. Die junge Dame hatte ab« unzweifelhaft Talent, sich beliebt zu m\ä währte nicht gar lange, so mußte Frau Amberg Wir«ollen un« einmal auf den Boden dieser unHalt bare» Theorie stellen. Dabei aber gebi-tet die einfache Logik, daß dann aber auch die Strafe der Schuldigen niemal« größer sein darf, al« die Leiden der Verletzten. Wir sehen die Gesicht« d« Rache-Theoreliker schon länger»erden. D«„Strolch", der weiter nicht« that, al« daß er bettelte und im Freien schlief,«hält Prügel. Sind die Leiden der Angebettelten, die Leiden der Claussee» gruben und die Furcht einiger Hasenseelen vor einem zer- lumpten Menschen denn so groß, daß dadurch derbe, ernsthafte, offizielle Prügel wett gemacht werden, die nicht nur heftige anhaltende Körperschmerzen erzeugen, sondern auch den letzten Rest von Selbstachtung von den Geprü» gelten mit fortnehmen? Jeder zur Stimmabgabe b«ufene Staatsbürger wird mit Verachtung sich von dem Prügelvorschlag abwenden und einen Nein-Zettel in die Urne werfen. Dadurch aber wäre die größte Zahl d« mit Prügel Bedachten der Prügelgefahr schon evt onnm. Kommen die„betrunkenen Kerle" an die Reihe, welche sich der Staatsgewalt widnsetzen. Die Trunkenheit selbst will der Artikelschreiber— vielleicht au« guten Gründen— nicht mit Prügelstrafe bedroht sehen, lab« den in derZTrunken» heit ausgeübten Widerstand gegen die Staatsgewalt. Der in der Nüchternheit ausgeübte Widerstand soll also nicht mit Prügel bestraft werden? Man sieht schon darau« de« „logischen Unsinn", der au« solchem Vorschlage hervor» blickt. Im Uebrigen bekommen die Betrunkenen, welche der Polizei, die ja auch nicht immer gegen dieselben sehr rück» sichtsvoll ist, Widerstand leisten, übergenügend schon offi» z i ö s e Prügel, daß sie der offiziellen wohl entbehren können. Für die offiziellen wird somit kein Staatsbürger stimmen»ollen. „Lüstlinge, Kindnschänd« und dergleichen Scheusale" hier wird in der That ein Kapitel für sich berührt, an wel» chem übrigen« die sogenannte„vornehme Welt" den größ» ihr einräumen, daß sie ein außerordentlich wirthschaftliche«, aufopfttnde«, unermüdlich thätige«, überall eingreifende« junge« Mädchen sei; und Amberg konnte sich nicht ver» hehlen, daß sie ihn mit einer wahrhaft rührenden Liebe pflegte. Sie hätte sich ihm ge.enüber nicht ander» benehmen können, wenn sie seine rechte Tocht« gewesen wäre. Bei diesen Vorzügen mußte da« Gehässige, da« ihr« Anwesenheit hier im Hause angehaftet haben mochte, bald »«schwinden und einer größ«» Duldsamkeit Platz machen. Fräulein Amberg war klug genug, die« Alle« zu durch- schauen, und für den Plan, den sie halte, nicht eher zu wirken, al« bi« sie eine solche Stellung im Hause erreicht hatte, mit welcher nicht« Gehäistge« verbunden war. Man fing an, sie, wenn sie sich in Geschäften od« sonst einige Stunden entfernte, zu vermissen. Sie war unentbehrlich, und deshalb gönnte sie sich trotz der Aufforderung Amberg« fast nie eine Erholung, ja, Amberg« trieben sie oft erst mit Bitten dazu, daß sie sich einige Ruhe gönne und sich einige Stunden erhol:. So war e» auch heute Nachmittag. Emmy hatte die ganze Nacht am Bette de» Kranken zugebracht, nachdem sie sich den ganzen Tag in der Hautwirthschast abgemüht hatte. Sie sah bereit« angegriffen au», und Frau Amberg selbst rieth ihr einen Spazittgang zu ihrer Erholung an. Sic hatte Anfang» nicht gehen wollen, endlich aber doch einge» willigt, und war auf einige Stunden ausgegangen. Frau Amberg hatte zufällig wieder mit den Geschäfte» zu thua. E« waren eine Menge Rechnungen eingegangen, deren Beträge zu prüfen und zu zahlen waren. Dann lag auch die Korrespondenz von einigen Tagen unerledigt. Sie hatte sich zwar einen Schreibtisch in da» Krankenzimmer stelle» lassen, um in der Nähe ihre» Manne« zu sein; aber da» genügte nicht. Sie hätte auch bei der Arbeit unmittelbar an seinem Bette sitzen müssen. Zuweilen rief er mit schwacher Stimme: „Käthchen, komm einmal her— Mache da«— hilf mir da— und dergleichen." Sie that e« bereitwillig und mit liebender Sorgsamkeit. Dann setzte sie sich wied« an den Tisch und fuhr fort zu schreiben. ttn Antheil hat, welche« aber durchaus nicht geeignet ist, Gefichttpunkte zu bieten, nach denen sich eine durchgehende Reform de« allgemeinen Staatsrecht» regeln ließe. Blieben also nur die anderen„g« f ä h r l i ch e» S ub- j e k t e" und die sogenannten„Gewohnheitiver- brechen" übrig. Wer aber würde, wenn strebsame Staatsanwälte sich Mühe gäben, von Stockhieben wohl ver- schont bleiben? Wenn eine konservative Regierung am Ruder wäre, bekäme« alle Liberalen als„gefährliche Subjekte" den Stock und umgekehrt unter einem liberalen Regiment die konservativen. Hätten aber die Klerikalen die Macht, so wären Konservative und Liberale die„gefährlichen Sub- jekte". Und wie würde eS den Sozialisten, den Radikalen, den Polen, den Elsaß-Lothringern, den Welsen— und auch wohl den Juden ergehen. Aus diese„gefährlichen Sub- jekte' müßte ja eigentlich der Knüppel fortwährend tanzen. Und nun gar Jemand, der z. B. Jude und Radikaler, Jude und Sozialist wäre? Der bekäme natürlich immer die doppelte Portion. Dan« die Gewohnheitsverbrecher? Wer dreimal ein« Ministerbeleidigung begangen hat, ist ein solcher— also aufs Bänkchen mit ihm. Albern, so ruft aber drr vernünftige Staatsbürger und wirst den Prügelzettel weit von sich und vermuthlich sol- chen Schmierern an den Kopf, die derartige Vorschläge zur Einführung der Prügelstrafe machen. Berühren wir nun noch einmal zum Schlüsse den Aus» spruch, nach welchem die Leiden dcS Verletzten nicht größer sein sollen, als die Strafe der Schuldigen, so ergiebt sich doch auch daraus, wie wir oben schon feststellten, daß die Strafe der Schuldige« nicht größer sein dürfte, al» die Leiden der Verletzten. Bei Ministerbeleidigunge«, die den„Beleidigten" erst zugetragen werden, die sie gar nicht unmittelbar ge» lese« oder'gehört haben, die ihnen deshalb wohl kaum Leiden zugefügt haben, ist schon mehrfach auf ein Jahr Gefängniß erkannt worden. Stehen dann die Leiden des Verletzten in irgend welchem normalen Verhältnisse zu der Strafe de» Schuldigen? Und tausend ähnliche Fälle könnten wir anführe«. Daraus aber erhellt das völlig Uahaltdare und völlig U«- vernünftige solcher Vorschläge. Leider aber zeitigt die gegenwärtig sich immer»ehr spreizende Reaktiv> viel thorichte« Unkraut zum Verderbe» unseres Vaterlandes. Dolitiscke RebersirKt. Bettler, Landstreicher, Arbeitsscheue, tüderitche Frauenepersouen u. s. w. können nach§ 362 ve! Str..G.-B. Vurch gerichtliches Elkenntniß der Landespolizcibehörde nach verbüßter Stiafhafl zur KomktionShaft überwiesen werden. Die LandeSpolizeidehördc erhält dadurch die Befugniß, die Betreffenden entweder bis zu zwei Jahren in einem ArdeitShauS unterzubringen oder zu gememnlltzigen Arbeiten zu verwenden. „Diese„Uederweisung", wir fie schlechthin genannt wird, ist bekanntlich— so lesen wir in ver„Voff. Zig."— eine der segensreichsten Einnchtungen, da nichtS geeigneter ist, den auf Abwege gerathenen Faullenzer auf rechte Wege zurückzubringen, als der Zwang zur anstren» genden Arbeit. Auch als Abschreckungsmittel für gewohnheitsmäßige Vagabunden ist die Ueber- Weisung wichtig, weil diese Mrnschenklaffe nichts mehr fürchwt wie das ÄrbeitLhaus; ihre Scheu davor ist geradezu unglaublich. Bisher wurde nun vielfach seitens der Landes» polizeibthö.'de von der gerichtlich«kannten Befugniß kein Gebrauch gemacht, meist weil die Betreffenden zu schwach und elend waren, um die schweren Arbeitest, wie sie in den Arbeitshäusern er» fordert werden, zu verrichten. Nach einer Allgem. Verfügung des JustizministeiS vom 20. d. M. beabsichtigt nun aber der Minister des Innern, dir Bestimmung zu treffen, daß ber körperliche Zustand eines der LanveSpolizeibehörde Uederwiesenen nur dann einen Grund zur Abstandnavme von der Unterbringung in einem Arbertshause abgeben soll, wenn ver Korrigenve nach einem ärztlichen Befunde selbst zur Ver- richtung von leichter HauS-, Garten, und Feldarbeit für un- fähig zu«rachien ist. Die Gerichte w«den darauf hinge- wiesen, daß bei Eintorderung von Altesten die Gefängnißärzte sich über diese letzte Qualität der Gefangenen spezrell zu äußern haben'"— Daß wir solche verrotteien Anschauungen in Amberg nahm Rücksicht darauf und rief nicht so oft, al« er ihrer bedurft hätte. Im Stillen aber dachte er: „O, wenn doch erst Smmy zurückgekehrt wäre!" Endlich, endlich kam sie; und da» war gut, denn eben wurde Frau Amberg durch da» Hausmädchen abgerufen, um die au« der Wäsche abgelieferten Wäschestücke nachzu- zählen. Emmy kam mit Hut uud Mantel. Sie hatte sich nicht Zeit gelassen, ihre Garderobe erst draußen abzulegen, so«- der« beeilte sich, nach de« Befinden ihre« Onkel« zu er, kundigen. „Wie geht es Dir, lieber Onkel?" sagte fie, indem fi« den Schleier zurückschlng und mit ihren Lippen seine Stirn berührte.„Ach, Du fieberst wieder mehr als vorhin.... Was sehe ich! Die Limonade ist ja auch zu Ende; noch keine neue dereitet?"...... „Käthchen hatte bisher mcht Zett, und ich mochte sie nicht daran erinnern; fie war beschäftigt. Et ist gut, baß Du da bist, Emmv. Mach' mir die Limonade zurecht; ich habe entsetzlichen Durst." „Du sollst sogleich Alle« haben, lieber Onkel." Schnell legte sie Hut und Mantel ab und begann, die Limonade für den Kranken zu bereiten. War es Zufall oder Abficht?— Ihre Beschäftigung führte sie zuweilen in die Nähe de« Schreibtische«, und fie wandte sich dabei so, daß ihr Gesicht nicht von de« Kranken gesehen werden konnte, daß diese, nicht bemerkte, wie fie verstohlene Blicke in die Geschäftsbücher warf, die dort auf- geschlagen lagen, auch wohl unbemerkt in eine« und de« ander» blätterte. Die Limonade war endlich fertig. Sie reichte fie dem Kranken. „Dank Dir, liebe Em«,," sagte Amberg mit schwacher Stimme.„Du bist ein gute« Kind"- fügte er hinzu, ihr mit seiner mageren Hand über die Wangen streichelnd —„Du opferst Dich für mich, siehst selber schon bleich au«. Hat Dich der Spaziergang ein werng erquickt?" Ich war nicht spizieren, lieber Onkel; ich war de, ElSler«. Ich wollte mich nach de« Befinden der lieben Verwandten erkundigen; man sieht ja jetzt so wenig von �"�So, so, Du warst bei Elsler»? Wie geht es ihnen?" der„Voss. Ztg" finden, ist ein Zeichen, daß man ln den links- libnalen Kreisen in Bezug auf die heute gebräuchlichen Befferungsmiitel denselben Standp mkt einnimmt, wie in ultra» reaktionären. Statt stch zu fragen, wodurch werden Arbeits- scheue, Bettler und Landstreich« erzeugt, und nach rilttiger Beantwortung der U r s a ch e auf den Grund zu gehen, sucht man daS Hebet durch das Nebel auszutreiben. Niemals waren die strengsten Gesetze im Stande, Verbrechen od« Ver» gehen zu verhüten und niemals wird man durch die oben ge- nannten Maßregeln in den Betreffenden Lust und Liebe zur Arbeit, am allnwenigsten aber Bettelei, Landstreicherei, Ar» beitSfckeu u. f. w. defeitigen können. Als„segensreiche Einrichtungen" können wir vre KorrektionSanstasten nimmermehr betrachten, fie find ein trauriges Zeichen movernn„Zivilisation". Je mehr derartige Anstalten ein Staat aufzuweisen hat, um so schlimm« ist eS mit ihm bestellt. Wohl halten wir es für richtig, daß der Siaat daS Faullenzerthum bekämpft, wir mün- schen sogar, daß man in dies« Beziehung konstquent« verfährt; wir find sogar d« Meinung, daß N i e m a n o im Lande da« Recht haben darf, zu faullenzen, glerchoiel welche Stellung er bekleidet. Daß die gewobnheittmäßigen Vagabonden da«„Ar de tS- hauS" scheuen, ist allbekannt, nichtsdestoweniger glauben wir, daß vre KorrektionShast auch für diese nicht daS BefferungS» mittel ist. Die sogenannten Arbesterkolonten haben den Beweis geliefert, daß von 100 Vagabonden über 90 bereit find, stch der regelmäßigen Arbeil und den bürgerlichen Pflichten zuzuwenden, wenrr ihnen nur Gelegenheit dazu geboten wird> — Nachvem dies selbst von Ultra. Reakrionärcn annkannl wor» den ist, sollte man doch schamroth werden bei d« Empfehlung der Korrek ionshäut« als Universalmittel.— Die Zahl dn Gewohnheitsmäßigen schrumpft bei genau« Betrachtung auf ein Minimum zusammen, und dieseS würde stch nock mehr verfeinern, wenn die Grundbedingungen, die in der Besserung unserer wittbschaftiichen Zustände zu suchen find, vorhanden wären.— Nichts kann schlagender die Behauptung nichtS» wrffenv«, albern« Menschen, daß die Vagabonden ein Herren» leben führen, wronlegen, alS die amtlich konstatirte Tbalsache, daß viele derselben drihalb nicht ins Arbeitshaus gebracht werden konnten, weil fie zu schwach und elend waren. Das spricht mehr als wie dickleibige Büch«. Nun sollen aber in Zukunft auch Diejenigen ins Arbeits» HauS, welche zwar schrach und elend find, aber doch noch„leichte" Arbeit verrichten können.— Wir fürchten, daß man den Begriff leichte Arbeit oft nichr wird feststellen können, und ebensowenig, ob ein eingelieferter Bettler wenig oder viel zu arbeilen vermag.— Andererseits muß darauf besondns hin» gewiesen werden, ouß jeder im ArdeitShause thätige Häusling einen freien Arbeit« aue der Arbeit verdrängt und also dazu mttdeiuägt, daß immer neue Vagabonden entstehen. Man muß sehr kurzfichiig sein, um dieseS nicht zu sehen. Wir können die KorrektionShauSstrafe weder als etwas Gegenbringendes noch tonst als ein Institut zur Hellung der sozialen Urdel anerketmin. Die Adschreckungslheorie ist, abgesehen von ihr« Wirtungs- lofigleit in der Prax.s, am allerwenigsten in diesem Falle alg Hellmiitel zu emvfehlen; entweder dringt man den unzweideutigsten Beweis, daß die zu dres« Strafe Verurtheilten Vurch eigene Schuld, ohne Einwirkung andn« Umstände, unverbesserliche Menschen geworden find, od« aber man giebt zu, daß es den Betreffenden an Arbeiisgeleaenheit fehlte und daß unsere ab» normen wirthschastlichen Verhältntsse fie ins Lumpenproletariat hinadgewoifcn haben. Nur im«steren Falle könnte die Strafe qnechttntigt«scheinen, im letzteren Falle wäie es der Gerech- ligkeit entsprechend, daß man Niemanden für etwas verant- wortlich macht, was« nicht verhindern konnte. Afrikanische».„Die Entwicklung des Handels und daS Eindringen europäischer Einflüsse an der westafrikanischen Küste macht— so schreib! die„Kreuz Ztg."— neuesten Nachrichten zufolge gnadczu riesenhafte Fortschritte. Am deutlichsten ttitt das hervor, wenn man den Verkehr an der Kongomündung beobachte!, wo zuerst bei Banana 1855 das sranzöstsche Haus DaumaS Beraud eine Faktorei gründete, vem 1862 die Holländer und bald daraus die Engländer folgten. Gegenwärtig giebt eS zu Banana schon fünf Faktoreien. Der Han» del und Vcikehr am uniern Kongo von Banana bis Vivi, etwas über 200 Kllometn, hat eine Ausdehnung angenommen, daß daselbst nicht wenig« als 15 kleinere Damvfcr die Faktoreien und Stationen in V«bin» dung«hatten. Von diesen Dampfschiffen gehören 8 der Nieuve Afrikanische HandelS-Vennootschap zu Rotterdam, für weiche noch zw« weitere Schiffe im Baue begriffin find; ferner haben die„Zentral Afrilan Trape u. Co.", das Haus Hatton und Cookson zu Boma und daS Haus Daumas Bnauv je einen kleinen Dampf« im Befttz. Hierzu kommen noch vir» Dampf« der Kongo Gesellschaft, welche zwischen Banana und Vivi Dienst thun. Auf dem obnen Kongo hat die Kongo» Gesellschaft bereits eine Flottille von 7 Dampfern, so daß die Gewässer im Ganzen von 22 solchen befahren wnden, wo noch vor wenigen Jahren nur die vrimittven Fahrzeuge der Neger „Recht gut— wie es scheint sogar ausgizeichnet," fügte sie hinzu.„Sie haben sich für die große Stube Mobiliar angeschafft." „Ei, ei; so hat wohl Herr Elsler eine Gratifikation «halten?" „Das bezweifle ich! Gratifikationen»erden ja erst zu Neujahr ertheilt, und bi» dahin sind es beinahe«och anderthalb Monate... Ich habe so meine eigenen Ge« danken, lieber Onkel... Erlaube, Du liegst so niedrig mit de« Kopfe; darf ich Dir das Kissen höh« legen?" „Ja, ja— So.... Nun liege ich besser.... Wie sorgsam Du bist!.... Was hast Du denn für eigene Gedanken?" „O, laß nur Onkel; es wäre unrecht von mir, wenn ich darüber spräche, und würde aussehen, al« ob ich meine liebe Tante verdächtigen wollte; und das sei fern von mir, dazu habe ich Tante Käthchen zu lieb." „Ich weiß, daß Du un« lieb hast," antwortete Am- berg, unbefriedigt von dieser ausweichenden Antwort. „Was hat aber Tante Käthchen mit Elsler'« Wohlstand zu thun?" „Es wäre besser, Onkel, Du ftagtest mich nicht." „Solltest Du etwa meinen," sagte Ambetg, der wie alle Kranke, die an's Bett gefesselt sind, bei aller Lieb«, die er erfuhr, etwa« mißtrauisch war—„meinst Du etwa, daß Käthchen die Elsler« unterstützt?" „Da Du es sagst, Onkel, so kann ich meine Meinung darüber eher aussprechen. Nun ja, ich glaube es! Elsler« sind ja ihre Verwandten, und warum sollte Tante Käthchen, da fie reich ist, nicht von ihre« Reich- thum ihre» Verwandten etwa» zu Gute kommen lassen?... Jeb finde da« ganz in der Ordnung!" «Ja, ja; da«»st wohl in der Ordnung," erwidnte Lmberg, und seine Stirn fing an sich in Falten de« Ver» drusse« zu legen;„nur mühte Käthchen mir es sagen. Sie hat ja nicht nöthig, es mir zu verheimlichen, wenn st« etwas für ihre Verwandten thun will." „O, Onkel, Du thust der lieben Tante gewiß unrecht. ..... Sie führt ja so vortrefflich Buch, und in den Büchern werden schon all' die Posten vkrzeichnet stehen." „Nein, nein; dort steht von einer Unterstützung an Elsler» und die übrigen V«wandten meiner Frau nichts," zu sehen waren. Di« ZIvflisation, welche 400 Jahre hindurch die große zenttataftikanische Wafferader vergessen hatte, marschirt jetzt dott mit Riesenschritten".— Daß der Handel an der afrikanischen Küste«inen größ«en Umfang anzunehmen beginnt, ist an und für stch ganz nfreulich' doch ist das noch keineswegs ein Zeichen, daß stch auch die Zwilisation in dem- selben Maße Eingang o«schaffl hat Von Riesenschritten der- selben dürfte in Zentral-Afrika noch lange nicht« zu spüren sein, waS bis jetzt von dort zu uns drang zeigte kaum eine Spur von Zioilisalton und vi« Großhändler werden den Ein« geborenen wohl Feu«waffen und Schnaps, ab« keine Zivilisation, sondern Degen«ation bringen. Zur Warnung für Auswanderer wird der„Post" aus Hamburg geschlieben:„Neundings wurden üb« Hamburg mehr«« Expeditionen schleswig-holsteinttch« Auswand«« nach Argentinien befördert. Bor d« Abfahrt von Hamburg schloffen die Auswanderer auf dem atgentinischen Konsulat mit de« hierzu besonders bevollmächtigten KonsuiatSkanzln Passage« oerträge, in welchen ihnen Namens d« argentinischen Regie» rung u. A. Beförderung nach jedem von ihnen gewünschten Orte in Argentinien zugcstchert wurde. Die Absicht des größe- ren ThellS ver Auswander« ging dahin, stch nach d« Kolonie Reconquista zu ihnen dekannten Landsleuten zu begeben, wäh« rend etn ander« Thell in der Hauptstadt Buenos. Ap-es zu bleiben gedachte. Als die erste Expedtlion in BuenoS-Ayres eintraf und die Auswanderer d« dortigen Einwanderungs- bebörde ihre Wünsche zu erkennen gaben, war von Erfüllung jener kontraktmäßigen Zusage keine Rede. Der ganze AuS» wanderettranSoori wurde trotz Prot-stcs per Srfrnd nach Patagonien dirigirt, um dort am Zusammenfluß veS Rio Nang uen und Rio Linny, der Ouellströme des Rio Negro, angesiedelt zu werden, d. h. in einem Gebiete, weiches hierzu schon wegen der ungünstigen Beschaffenheit der Ländereien, des Mangel« jedes Absatzes und jeder Eisenbabnverbindung, sowie d« Un- fahrbarkeit v« genannten drei Flüsse für liefer gehende Fahr« zeuge ungeeignet ist. München, 26. Mä z Bei der heute stattgehabten Er« satzmänn ernachwahl im 9. Gemeindebezirk wurden die Kandidaten der nicht-ultramontanen Wähl«, Gast» wstth Georg Birk(A-bettervartei) und Kaufmann Buch« ner llib«al), gewählt. Die Ultramontanen erleiden so durch die München« Arbeiter im Zeilraum von 4 Monaten die zweite Schlappe. Die nächste Gemeinvedevollmächtigten. Haupt« wühl<1887) wirv mehr Sozialisten in das Kollegium bringen. Die Aufregung der Klerikalen ist unbeschreiblich. Oesterreich Ungarn. D« unter der Anschuldigung des LaadeSvercaths v«baf- tele Hauptmann Poti« des Echelle« gehört, wie die„N. Fr. Pr." berichtigend meldet, nicht dem GeneralstabSkoipS an, rst auch nicht an den Arbeiten deffelben betherligt worden;« stand vielmehr seit neun Jahren beim LandrsveschreidungSbureau de« KrtegsministeriumS tn Anwendung, welches stch mit den mili- tärisch.geographischm Verhältniffen der Kronländer beschäftigt und deshalb auch Kenntniß von den Plänen all« Festungen dat. Baron Poti« gehört zu einer dn angesehensten Familten des Landes; mehrere seiner Verwandle» nehme» hohe militärische Stellungen ein. — Der Ausschuß für Berathung des Sozialistengesetzes bat mit der Regierung ein Abkommen dahin getroffen, daß die Regierung auf die weitere Behandlung des Sozialistengesetze« im Parlamente verzichtet, der AuSs vuß ab« die Bestimmung in einem Gesetzentwurf vem Abgeordnetenhause vorlegt, nach welcher die Aufhebung der Geschworenengerichte auf die anar« chistischl» Delikte beschränkt wird. Es wird sich nun Haupt- sächlich darum handeln, daß die„anarchistischen" Delikte, für welche dir Geschworenengerichte suSpendirt wndm sollen, so definirt wnden, daß nicht auch sozialistische und sozialdemokra» tische Bestrebungen mit einbezogen wnoen. Ob ein solcher Versuch gemacht wnden wird, und mit welchem Erfolge, muß ab ewart-t werven. Belgien. Im August des laufenden Jahres findet in Brüssel die Fein oes 50 jährigen Bestehens der ckiiesten Eisenbahn Bei« gten's statt. Es soll die Abficht bestehen, alle Regierungen zur Beschickung eines, aus diesem Anlasse abzuhaltenden Welt« Eisenbahn. Kongresses einzuladen. Zu der Fei«, die stch zu einer großartigen gestalten dürfte, werden auch Modelle der ersten Lokomotive und Waggons ausgestellt werden. Frankreich. Der Minist« des Innern, Waldeck-Rouffeau, gab am Sonnabend dem Ausschüsse d« Kamm«, welcher mit der Prü- jung d« Abänderungen bktraut ist, die der Senat an dl« Gesetze über die rücktälligen Verbrecher vorgenommen Hai, Erklärungen üb« die Verbann ungsorre und vie den Ver« bannten zugedachte BeschäftigungSweisk. Die zur Verbannung verurtheilten rückfälligen Verbrecher sollen zuerst in französischen fiel er lebhaft ein, indem er seine welke Hand auf Emmy's vollen, runden Arm legte. »Ich glaube doch; wenigsten« schien eS mir, al« ich zufällig einmal in da« WirrhschaftSbuch blickte, daß da in dem Konto pro Diverse einige Summen eingetragen find, aber nicht unter einem bestimmten Titel." „Richtig!" rief Amberg.„Richtig, da« habe ich auch bemerkt..... Siehst Du, Emmy, das hat mich damals schon verdrossen. Ich fragte nach diesen Summen.../ „O, da hat Dir die liebe Tante doch gesagt...." „Nichts hat sie mir gesagt, sie wich au»; ich wollte sie nicht kränken und forschte nicht weiter..... a, ja, das ist für die Elsler«..... Hm! Warum ist äthchen nur mißtrauisch gegen mich? Warum vermeidet fie e«, mir dergleichen zu sagen, ob ick, ihr schon jemals einen Wunsch vnsagt hätte?.... Da» ist unrecht, seht unrecht von Käthchen." „Aber Onkel, ich bitte Dich, diesen Umstand nicht so strenge zu beurtheilen," versetzte Emmy gleißnerisch.„Es läßt sich Alle» von zwei Seiten betrachten. Jedenfalls fürchtet Tante, daß, wenn Du stirbst...." „So, so, sie sollte schon an meinen Tod denken?" „Nun, eine vorsorgliche Frau, wie Tante, muß an alle Eventualitäten denken." „Und was fürchtet sie, wenn ich todt bin?"„ „Nun, daß ihren Verwandten nicht» zufalle» würde. „Das fürchtet Käthchen nicht allem, das nimntt sts mit Recht an," erwiderte Amberg.„Käthchen weiß ja, daß auch mein Bruder gewisse Ansprüche hat.. wäre unbrüderlich von mir, wollte ich ihn in meine« Testament nicht bedenken." „Onkel Paul hat mir gesagt, daß Du da« beste H"» von der Welt hast und kleine Beleidigungen nicht nach' trägst," sagte Emmy:„doch gesteh« ich Dir offen, ich hav nicht geglaubt, daß Du baabfichtigst, thn in Deine« Test»' ment zu bedenken." „Das hast Du nicht geglaubt, Emmy? Warum nicht?".« „Weil doch hin und wieder kleine Mißhelligkerten.•• „O, da« ist längst vergessen, schon deshalb, weil Bruder seine damalige Härte aufrichtig bereute. JP nicht von freien Stücken gekommen, um mir Geld zur Weiterung meine« Geschäfts anzubieten?.... Ist � Strafanstalten untergebracht werden, wo fle ihre Hastzeit ab« sitzen und die Verwaltung Muhe hat, ihr Vorleben zu studiren und sich über ihre Arbeitsfähigkeit zu vergewiffern. Nach den Ergebriffen dieser Voruntersuchung werden fir dann in drei Kategorien einqetheilt- Di« erste besteht auS dm Rückfalligm, die zu geringen Strafen verurtheilt sind und einen Beruf auS- üben, der in der einen oder andern der französtschen Kolonien von besonderem Nutzen sein könnte. Ein Bureau, daß in Pariü errichtet wird, sammelt die Nachfragen der Kolonien und entspricht ihnm, indem e» die Entsendung von beruftreibcnden Rückfälligen der ersten Kategorie vrranlaht. Sie werden in der Kolonie außzeschifft, ohne daß die Einwohner» schast sie als Verbannte kmnte, so dah ihnm die Möglichkeit gebotm ist, Dank der Arbeit, eine neue Existenz zu beginnen. Die zweite Kategorie umsaht die Jndi» vidum, welche keines Handwerk» kundig und aller Mittel dar find. Für diese nimmt man nur zwei Kolonien, Guyana und Neu-Caledonim, in AuSficht, wo der Staat für ihren Unter» halt sorgen und ihnm vorkommenden Falls einm tleinm Lohn auSbezavl-n wird, wenn sie sich bei der Anlegung von Straßen, bei der Ueberwachung des BodenS u. f. w brauchbar erweisen. Der drittm Kategorie endlich werdm diejenigm beigezählt, die zuerst der zweiten angehörten, aber durch eigene Geldmiitel oder durch Verdingung bei Arbeitgebern in die Lage kommen, der Unterstützung durch den Staat zu mtrathen. Sie werden deS Zusammenlebens mit ihren SchicksalSgenossm enthoben und dürfen frei ihrem Erwerbe nachgehen. Ein VerwaltungS- reglement wird alle einzelnen Punkte, Beausfichtiaung, DiSzi« vlin u. s. w. endgiltig ordnm.— Nach diesen Auseinander» setzungen genehmigte der Ausschuß die Aenderunam deS Se» natS und beauftragte Gerville- R-ache mit der Ausarbeitung eines entsprechmden Berichtes. Die Kammer wird sich erst nach den Osterferim mit dieser Angelegenheit zu deschäftigm haben. — Vom chinefischm Kriegsschauplatz liegen wiederum schlimme Nachrichten vor. Ein Telegramm der„Agence HavaS" auS Hanoi vom 27. dS. meldet: Bei einer RekognoSzstung nördlich von tzonghoa stieß daS Bataillon Simon auf eine größere Anzahl Phvlan'ha« verschanzter Piraten und erlitt dabei einen Verlust von einigen Tobten und Verwundetm.— General Negrier steht noch in Langsong.— Eine Depesche d« Gmeral« Briere de l'Jile auS Hanoi vom 28. DS, meldet: Gmeral Negrrer sei schwer ver- wundet und gezwungen, Langson zu räumen. Die Chinesen hätten sich in drei starkm Kolonnen auf die französtschen Posttionm vor Ktlua geworfen. Nachdem Oberst Herdinger angestchtS dieser bedeutmden numerischm Uebermacht seine Munition verschaffen hatte, habe er General Briere be« nachrichtigt, daß er gezwungen sei, stch auf Dongsong und Tbannoi zurückzuziehen. Der Gmeral habe alle seine Streit« fräste konzentrirt zu einer Aktion bei den Ausgängen von Chu und Kep. Der Feind erscheine in immer größerer Anzahl auf dem Songkoi, doch sei zu hoffm, daß das ganze Delta gehal- tm werden könne. General Briere ersucht die Regierur g, so- bald wie möglich weitere Verstärkungen zu senden.— Die Franzosen gerathm immer mehr in die Rolle der Engländer in Egypten. Die Tonkin-Affaire dürfte wohl doch noch den Sturz des Ministerium Ferry berdeiführen. R u h l a u d. Nachrichten aus Petersburg zufolge haben in den letzten Tagen zahlreiche Verhaftungen von Nihiltstm stattgefunden. Der rusfischm„Petersburger Zeitung" zufolge ist vom Mi» nister-Komiiee mdgtltig beschloffen morden, für sämmtliche Studenten ohne Ausnahme Uniform einzuführen.— Jedenfalls glaubt man dadurch eine bessere Kontrole über die renitmte studirende Jugmd zu erlangen. Großbritannien. Ali parlammtarifches Schriftstück ist ein AuSzug auS einer Depesche Granville'S an die Vertreter Englands in Paris, Berlin, Wien, Rom und Petersburg vom Z- Januar 1883 veronmtttlbt worden. In derselben find die Vorschläge der englischm Regierung mtbalten, welche von dm Mächten als Basis für die am SO. d. MtS. in Parti zufammmgetrelene Suezkanalkonvention angenommen worden find. Diese Vorschläge find: 1) Der Kanal sollte für die Durch- fahrt aller Schiffe unter irgend welchen Umständm frei sein. 2) In Kriegizeitm sollte eine Beschränkung der Zeit fixirt sein, währmd welcher Kriegsschiffe eines Kriegführendm in dem Kanal verbleiben können, und weder Truppen noch Kriegs- munition sollten im Kanal ausgeschifft werden. 3) Im Kanal oder in deffm Zugängen, sowie anderwärts in den terri» torialen Gewäffern Egyptens sollten keine Feindseligkeiten stattfinden, selbst im Falle die Tü'.kei eine der Kriegführm» den ist. 4) Keine der beiden letzterwähntm Bedingungen sollte auf Maßregeln Anwmdung finden, die für die Ver» theidigung Ezyptms notbwendig werden dürsten. 5) Jede theilnehmmd gegen meine Leiden und hat er nicht vor Allem Dich,«eine liebe Emmy, hier gelassen, damit mir ja keine Stütze und keine Pflege fehle?" „Das war seine Pflicht al» Bruder; andererseits er» kläre ich auch. Onkel, daß«eine Theilnahme für Dich allein«ich bestimmt haben würde. Dir jeden Dienst zu leisten, den ich Dir zu leisten im Stande bin." „Ich würde undankbar gegen ihn sein, abgesehen von anderer moralischer Verbindlichkeit, wenn ich Euch vom Erbe ausschlösse." Er bemerkte nicht, daß auf Emmy'« Antlitz in diesem Augenblick ein Ausdruck des Triumphes lag. Sie hatte spielend und ohne wesentliche Anstrengung ihren Zweck erreicht. Daß er seinen Bruder in ferne« Testament bedenken würde, das wußte sie, e« kam nun darauf an, den An- theil, der auf KSthche» fiel, möglichst zu beschränken, um den Amberg'« desto größer zu machen. Diesen letzteren Zweck aber konnte sie nur dadurch erreichen, daß sie XSth» che» bei ihrem Gatten verdächtigte. Mit große« Geschick wußte sie daher da« Gespräch so zu«enden, daß es wieder auf die fraglichen, unaufgeklärten Posten in de« Conto pro Diverse kam. „Ich wünschte nur," sagte sie,„daß unsere Liebe und Fürsorge Dir nützen könnte. Wie gern würde ich auf Alle» verzichten, selbst wenn ich zu Deinen Erben gehörte, wenn ich Dir dadurch auch nur zum geringen Theil Deine angegriffene Gesundheit zurückgeben könnte." „Du bist ein gutes Kind, Emmy l" „Ich weiß, daß Onkel Paul ebenso denkt, und daß er von Herzen gern auf jede Erbschaft verzichtete, wenn er Dir dadurch die Gesundheit wiedergeben könnte." „Glaub'«; an Euch liegt es nicht.... Wenn«i etwa» trösten kann in de» Tage»«ei»er Leiden, so i «« all' die Liebe, welche ich von den Meinigen erfahre." „Und namentlich von Seiten Deiner Frau," fügte E«my hinzu.„Tante Käthche« ist dach ein wahrer Engel an Güte." ...»»Da« ist fie, Emmy! Sie ist die Zärtlichkeit, die Herz- l'chkeit und Aufrichtigkeit selber." ....»Ja, ja; damit bin ich vollständig einverstanden. Sie lchueßt i» ihr Herz mit gleicher Liebe Alle ei», welche ihr "ahe stehen, namentlich ihre Verwandten." Macht, deren Kriegsschiffe zufällig dem Kanal irgend welche Beschädigungen zugefügt haben, sollten verbunden sein, die Unkosten einer unverzüglichen Reparatur zu tragen. 6. Egypten sollte alle Maßregeln ergreifen, die in seiner Macht stehen, um die der Durchfahrt von Schiffen Kriegführender durch den Kanal in KriegSzetlen auferlegten Bedingungen in Kraft zu setzen. 7) Befestigungen am Kanal oder in deffm Nach- barstast sollten n'cht e-richtet werden. 8) Nichts in dem Ab« kommm sollte die tenitorialm Rechte der Regierung Egyptens weiter verkürzen oder affiziren, wenn eS nicht darin besondert vorgesehen ist" — Di«„TimeS" erfährt, die rusfische Regierung habe die Konzentrirung von 50 000 Mann bei Baku angeordnet und dm Gouverneur deS Kaukasus zu einem KriegSrathe nach Petersburg berufen. In diesem Schutt erblickt die„Times" ein Anzeichen dafür, daß Rußland entschloffen sei, die engli- schm Propofitionen nicht anzunehmen. Dasselbe Blatt erfährt ferner, die rusfische Regierung habe versucht, mehrere der größten und schnellsten Dampfer der englischen Handelsmarine anzukaufen, die englische Regiemng sei ihr jedoch zuvorge- kommen. Amerika. Wie das„W. T. B." aus New-Bork unterm gestrigen Datum meldet, werden die Republiken San Salvador, C o st a r i c a und Nicaragua, die sich mit einander durch einen Offenstv- und Defenfivvertrag verbunden haben, eine Armee von 20000 Mann aufstellm. Die Republick Costarica stellt dazu nur 1000 Mann, weil fie das Gros ihrer Streit- kräfte in ihrem eigenen Gebiete behalten will. Dieselbe hat stch aber zu einer Geldbeisteuer von 100000 Dollars verpflichtet. Kommunales. Die Geschäftsräume der Gewerbedeputa- fron im Köllnischen Rathhause find so beschränkt und eng, daß sie schon vor einem Jahre für die Deputation und den SladtauSschuß nicht mehr ausreichten. Seit die Krankenversicherung ins Leben getreten ist, haben Räume deS statistischen Bureaus benutzt werden müffm, die aber ebenfalls nicht aus- reichen und im Laufe deS Sommers stet gemacht werden müssen, da die Vorbereitungen für die am 1. Dezember d. I. stattfindende Allgemeine Volkszählung noch vor dem 1. Oktober beginnen sollen. Der Magistrat hat deshalb deschloffen, alle Lokalitäten des Köllnischen RathhauseS, welche von nicht städti» scher Seite benutzt werden, frei zu machen und der Gewerbe- deputation zu überweisen. Es lege aber doch auch die Ver- legenheit, in der die Gewerdedeputation dessen ungeachtet stch befindet, die Frage nahe, cd nicht bald der Zeitpunkt eingetreten ist, an welchem energisch den Mißständen abgeholfen weiden muß, an denen die städtische Verwaltung jetzt durch die Unte- bringung eines großen Theils ihrer Ädtheilungen in Gebäuden, welche fem vom Rathhause liegen, leiden muß. Die seit einiger Zeit gemachte Beobachtung, daß die Schweineschlachtungen auf dem Zentral-Vieh- h o f fortwährend viel stärker find, als tm vorigen Jahre, wiederholt stch auch in diesem Monate. Während rm vorigen Jahre in der vierten Märzwoche 3233 Schweine an dm drei Haupl-Echlachttagen(Montag, Dienstag und Donnerstag) ge- schlachtet wurden, sind diesmal 3933 Schweine(750 Schweme mehr) geichlachtet worden. Daß die Schweineschlachtungen in der nächsten Umgebung Berlins dagegen abnehmen, ist zwar noch nicht unzweifelhaft nachgewiesen, aber doch mit Sicherheit anzunehmen. Inden Frühjahrs-Monaten wird sehr viel gering« werthiges Kalbfleisch in Berlin eingebracht und zu sehr nudrigen Preisen in kleinen Läden, auf Fluren u. s. w. verkaust. Es ist das das sogenannte„nüchterne Kalbfleisch", eigmliich das Fleisch„nüchterner Kälber", solcher Kälber näm» lich, welche kurze Zeit nach der Geburt und ohne daß ste ge» sogen haben, oder doch in den nächsten Tagen geschlachtet worden find- Händler laufen umhersahrend solche ganz jungen Kälber, schlachten fie sogleich und senden ste dann direkt an die Verkäufer nach Berlin. So gering ver Preis ist, welcher für derartiges Fletsch gezahlt wird, so ist er dmnoch zu hoch, wenn man die Qualität deS Fleisches in Betracht ziehr. Dem Ver» nehmen nach ist bei den Behörden die Frage ausgeworfen wo» den, ob derartiges Fleisch, durch welches die Käufer geradezu geschädigt werden und daß keinen Nährwerth hat, in Zukunft noch eingeführt und verlauft werden soll. An Stelle der ordentlichen Sitzung, welche in dieser Woche deS grünen Donnerstags wegen ausfällt, findet am Mittwoch, den 1. April er., Nachm. 5 Uhr, eine außerordentliche Sitzung der Stadwerordneten-Versammlung statt Tagesordnung: Zwei Naturalisationsgesuche— Vor- lagen, betr. Penfionimngen und Anstellungen— Fortsetzung „Nun freilich, für die Meinigen hat sie weniger Sympathie. Ich kann ihr da« eben nicht verdenken; e« ist so Manche», was fie gegen«einen Bruder eingenommen hat. Ich wünschte doch, fie wäre weniger nachttagend." „Du kennst ein Fraucvherz nicht ganz, Onkel Ambera. Sie liebt dafür ihre Verwandten um so mehr, und diese mysteriösen Posten, welche sich in ihren Büchern finden, die sind ja der beste Beweis für die Zärtlichkeit, die sie gegen ihre Verwandten hegt." „Das ist's eben, was mich verdrießt," sagte Ambera. „Es»st nicht recht von Käthchen, daß sie bei«einen Leb» zeiten schon da« Erbe vertheilt, daß sie die Vollmacht, welche ich ihr gegebe«, über unser Vermögen zu schalten, dazu anwendet, um ihren Verwandten einen Vortheil zu« kommen zu lassen, und die«einigen dadurch schädigt..... Wünschte sie da«, so hätte sie mir ihren Wunsch mittheilen müssen, es hätte sich dann wohl ein allseitig befriedigender Ausweg finden lassen." „Meinst Du, e« läge etwa» Verdächtige« in dieser Handlungsweise?... Nun freilich, das darfst Du Tante Käthchen nicht so übelnehmen, sie kennt ja Deine Gerechtig« feit, sie weiß, daß Du uicht dulden würdest, daß Deine Geschwister benachtheiligt würden ihrer Verwandten wegen." „Wenn sie von meiner Gerechtigkeit so überzeugt ist, dann ist es um so mehr unrecht von ihr, daß fie eine Handlung begeht, die mein Gerechtigkeitsgefühl nicht billigen kann." „Ich bitte Dich, lieber Onkel, stelle die liebe Tante nicht darüber zur Red«; Du mußt anderersett» bedenken, daß sie die Perle aller Frauen ist." „Ja wohl; aber Paul hatte recht, ich hätte ihr nicht so unbedingt Vollmacht geben sollen, über unser Vermöge» zu schalten. Wenn ich jetzt gesund und im Stande wäre, die Verwaltung selbst zu übernehmen— ich würde nicht Alles in ihre Hände legen." Da» war'«, wohin Emmy ihn bringen wollte. Er war mißttauisch gegen seine Frau. Eine gewisse Opposition gegen ihre Handlungsweise begann sich geltend zu machen. Diese Oppositton war hinreichend, den Amberg'« eine« Lüwenantheil an der Erbschaft zu sichern. Zehnte» Kapitel. War schon die Witterung de» November dem Gesund- der Bericherstattung, betr. den Ttadthaushaltetat pro 1. April 1885/86, und zwar: Kapitel X(Bauverwaltung), Kapitel XU (Polizeiverwaltung), Kapitel vin, Abtheilung 2 B.(Krankenhaus Moabit). Kapitel XI(Verwaltungskosten), Kapitel XV, Abtheilung 3(Versckiedene Einnahmen und ÄuSgaden) und Kapital III, Abiheilung 4(Gemeinde-Einkommensteuer).— Dritte Lesung des StadthaushaltSetatS pro 1885'86— Berichterstattung über den Etat für die Verwaltung der städttschen Wasserwerke pro 1. April 1885/86— desgl. über die Vorlage, betr. den Ankauf eines zwischen der Sannemünderstraße und der Straße Nr. 30 an der Demminerstraße belegenen Grund« stücki zu Gemeindeschulzwecken— Vorlage, betr. daS Projekt zum Erweiterungsbau des am Eingange deS Zentral- Schlachthofes belegenen kleinen BeamtenwohnhaujeS— desgl., betr. den Entwurf eines Statuts für die Aldert Menzel- Stiftung— desgl., bett. die Ab« änderung der für die Weinfiraße zwischen ver Gollnowstt. und der Mehnerstraße festgesetzten Baufluchtlinie— desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Gemeinde-Doppelschule auf dem Grundstücke Reichenbergetstraße 131—132— Etat für die Verwaltung der Hauvtkaffe der städtischen Werke pro 1. April 1885/86— Eine Rechnungssache— Vorlage, betr. die Erwe» bung deS BürgerstetgterrainS vor dem Grundstücke Fmchtstr. 24 — Berichterstattung über den Normal- Besoldungs-Etat pro 1. April 1885/88 und die bei Ausführung dieses Etat» zur Anwendung kommenden Grundsätze— desgl. über den Etat für die Kanalisationswerke und für die Verwaltung der Riesel- felder. sowie über die Etats für den Zentral-Viehmarkt, den Zentral-Schlachthof und die Fleischbeschau pro 1. April 1885/86— deSgl. über die Vorlage, betr. die Skizze zum Neu- bau einer Gemeindeschule auf dem Grundstück Höchstestraße 34/35— desgl. über die Vorlage, betr. den Anlauf des der Petri-Kirchengemeinde gehörigen TheileS des alten Jakobitirch- Hofe» in der Klirasfierstraße— deSgl. über die Vorlage, betr. den Ankauf der Grundstücke Aiexandrinenstraße 5 und 6, sowie deS Hinterlandes deS Grundstück! Aiexandrinenstraße 11 zum Bau der höheren Bürgerschule— Borlage, bett. den Verkauf der an der Ecke der Kopvenstraße und der Gr Frankfurterstraße belegenen Bauparzellen— deSgl., betr. die Ermächtigung zum Verkauf von Baustellen deS städtischen TerrainS zwischen der Frankfurter Allee resv. der Thaerstraße und dem Weidenweg— Eine UnterstützungSsache. Die Lohnverhältnisse der indenKanälen beschäftigten Arbeiter lamm am 23. März im Etatsausschuß zur Sprache. Die Arbeiter hatten stch mit einer Petition an den Magistrat gewandt, worin fie bitten, daß ihnen eine Erhöhung chreS Lohnes von 2 Pf. pro Stunde der Tage und 3 Pf. pro Stunde bei Nacht gewährt werde. Die erbetene Zulage betrage 20 Pf. pro Tag und 30 Pf. pro Nacht. Da die Arbeiter für thre beschwerlichen Arbeiten jetzt nur pro Tag 2,50 M. und pro Nacht 3 M. erhielten, so bewegt stch ihr Verlangen in bescheidenen Grenzen und es ist ficherlich wünschenSwerth, daß seitens deS Magistrats darauf eingegangen wird. Der Herr MagistratSkommiffar führte aus, daß zwar dem betreffenven Betriebsdirigenten eine derartige Petition übergeben worden sei, daß aber die Kanalt- sations- Deputation stch mit derselben noch nicht beschäf« tigt habe. Die Petition werde geprüft und demnächst eine Beschlußfassung über dieselbe herbeigeführt werden. Da indessen die Arbeiten in den Kanälen eine gewisse Umstcht und Sorgfalt verlangen und der Verwaltung daran liegen müsse, die geschulten Arbeiter zu behalten und mit denselben nicht allzu oft zu wechseln, so glaube er annehmen zu können, daß die KanalisationS-Deputatton die erbetene Lohnerhöhung wohlwollend deurtheilen werde. Der Ausschuß hielt es mit Rückstcht darauf, daß ihm eine Petition nicht vorlieat, sondem solche dem Magistrat eingereicht worden ist, nicht für zuläsfig, in der Sache etwas zu(Hütt, war vielmehr der Anficht, daß zunächst die Entscheidung des Magistrats auf die Petition ab- gewartet werden muffe. Demgemäß ging er über diese An- gelegenheit hinweg.— Hoffentlich beeilt stch nun der Magistrat etwa« in seiner Entschließung. Wenn man derartige Mit- (Heilungen liest, so bat man immer daS Gefühl, daß die Stadt« Verwaltung mit sehr verschiedenem Eifer an die verschiedener. Angelegenheiten herangeht, und speziell für die Wünsche der Ardeiter nie viel Zeit übrig hat. D o k» t e s. g. Mit dem Ablauf de» heutigen TageS. des 31. d. MS., verlieren die im vorigen Jahre gelösten und mit dem «sä «%%%%& rw&z: tauschen. heitSzustand de» Patienten im hohen Grade nachtheilig ge- wesen, so war es die deS Dezember noch um gar Viele» mehr. Nässe, Kälte, und ungesunde Nebel erhöhten die Athemnoth Amberg». Mit jede« Tage, mit jeder Stunde stand«S um ihn bedenklicher. E» war bereit« gegen Abend de« zehnten Dezember, als ein heftiger Anfall seinen Lebensabend plötzlich abzu» schneiden drohte. Jammernd kniete Käthchen vor dem Lager de» Kranken. Emmy stand in einiger Entfernung, die küh» lende Limonade bereitend. Strahlenau stand am Fußende de» Bettes mit verschränkten Armen, an seiner Seite stand Bertha, seine verlobte Braut, ebenfall» in Thränen gebadet. Niemand sprach. Alle» war von den Gefühlen beherrscht, die der herrannahende Tod immer«st sich bringt. Sttahlenau trat an dm Kranke» heran und setzte sich »ebm Käthchen an sein Lager. „Georg," sagte er,„wmn es da» Schicksal fügt, daß Du au« der Welt scheidest, so ist es Deine Pflicht, daß Du zuvor für Diejenigen sorgst, welche es Deiner Sorg« im Lebe» übergeben hatte; ich meine vor allm Diagen Deine Frau." Amberg nickte. „Ich weiß, ich weiß," sagte er mit schwacher Stimme. „Ja,"ja, Käthchen, ich werde für Dich sorgen, ehe ich aus der Welt gehe, nach Pflicht und Gewissen." Emmy, die an dem Nebentische stand, immer noch mit dem Bereiten der Limonade beschäftigt, wandte sich ei» wenig nach dem Bette um, um die leisen Worte de» Kranken hören zu können. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte ste. „Ich will ein Testament machen," fuhr der Krank« fort.„Ruft mir einen Notar." Käthchen hatte vielleicht kau« auf dieses Zwiegespräch geachtet. Sie bemerkte nicht, daß Strahlenau sich entfernte. Von ihre« Schmerze ganz hingerissen lag sie noch weinend an dem Bette de» Sterbenden, als Sttahlenau mit dem Notar zurückkehrte. Erst jetzt schien sie deffm inne zu werden, was bevor stand. (Forts, folgt.) g. Aas de« städtischen Zentralviehhofe find neuer« dinaS wieder bei einer Schlachtung seitens eines Schlächters zwei mit Finnen behastete Schweine gefunden worden, und zwar waren hier die Finnen in so starlem Maße vorhanden, daß der Genuß dieses Schweinefleisches gewiß wieder eine große Zahl von Menschen an ihrer Gesundheit geschädigt, wenn nicht gar den Tod im Gefolge gehabt hätte. Interessant ist eS, wie bei solchen Fällen amtlich resp. polizeilich nach dem Ursprung resp. den muthmaßlichen Ursachen der Finnen dczw. dieser Krankheitserscheinung geforschr wird, da man flch immer mehr der Anficht zuneigt, daß außer dem Ueberfluß der Rattm in einer Gegend auch wohl noch andere Ursachen die Vcran« lassung sein können. Möchte ei doch bald der Wissenschaft gelingen, alles darauf bezügliche pofitw festzustellen, um eine häufige Wiederkehr schon wegen der dabei eintretenden Ver- luste vermeiden zu können. Bei den Schweinen eines Be- fitzers, an denen die Trichinofis festgestellt worden, werden übrigens in den meisten Fällen sämmtliche Schweine im lebenden Zustande auf diese Krankheit untersucht und nöthigenfalls ganze Heerden ausgerottet. Drei«e« errichtete Polizeireviere, welche die Nummern 72, 73 und 74 führen und durch eine andelweite Abgrenzung der Polizeireviere 4, 47, 56, 64 und 67 gebildet worden sind, treten mit 1. April in Wirksamkeit. Bezüglich der„merkwürdigen Strafvollstreckung", über die wir berichteten, ist dem„B. T" von dem ersten Staatsanwalt bei dem königlichen Landgericht I, Herrn Angerer, eine aufklärende Mittheilung zugegangen, und zwar in Form der folgenden Berichtigung:„Die in der Weinstraße Nr. 3 wohnende verehelichte Atbe'lcr Wildelmine Justine Heyde, geb. Baizuweit, wurde durch schöffengerichtlich's Urtheil vom 17. November 1884 nicht zu einer Gelostiafe, sondern zu einer Ge- fängnißstrafe von 8 Tagen verurtbeilt. Die Strafvollstreckung in dieser Sache lag somit überhaupt nicht der Staatsanwalt- schast, sondern dem königl. Amtsgericht l ob, welches dieselbe auch verfügt hm. S-rö Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember pr. wurde der Frau Heyde auf ihren Antrag ein Sttafausschud von 4 Wochen bewilligt. Während dieser Zeit kam Frau Heyde in das Bureau der StaMsanwaUickaft und bat, ihr zu sagen, wo fie eine Geldstrafe von 30 Mark zahlen könne. Der betreffende Beamte, wc.cher mit der Sache amtlich überhaupt nichts zu thun hatte, bezeichnete ihr aus Ge- fälligkeil das königliche Haupl-Steueramt als diejenige Behötde, an welche Geldstrafen einzuzahlen seien, und schrieb der Frau auf deren Bitten die Adresse dieser Behörde auf."— Hierzu bemeik' daS genannte Blatt nock, daß die'n dem betreffenden Artikel erwähnten Thatsachen lediglich aus de: Beickwode ge- schöpft find, welche ein dtefiger Rechttanwalt in vieler Affaire an die zuständige Behörde gerichtet hat und liegt die Vermu- thung nahe, daß der betreffende Rechtsanwalt jedenfalls durch den in der Berichtigung erwähnten handschriftlichen Vermerk stch hat irre führen lassen. t. Arbeit ist deS Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis! fingt unser großer Vollsdichter, in wenigen Worten eine ideale Welt erbauend. Wie wnrg aber dieses Ideal der Wirklichkeit entspricht, hat uns«: Dichterheld in bitterer Weise selber erfahren müssen. Arbeit ist des Bürgers tierdr! Ja Arbeit ist daS große Losungswort, die Parole deS iageS. Tausend fleißige Ha ide regen, helfen stch in munterem Fleiße und mit blutendem Herzen stehen diejenigen von sei«, die ausgeschlossen von dem großen Weltgetriebc, vir arbeitslos find. Zur Arbeit fino wir geboren, von der Arbeit leben wir und stolz find wir, Arbeiter zu sein! Ehrt den König seine Würde, ehret unS der Hände Fleiß! Hierin hat Schiller recht und hierin stimmen Ideal und Wirklichkeit vollkommen mft «inander überein. Wie aber steht es mit der Schiußfolgerue.g, Segen ist der Mühe Preis? Wie bitterer Hohn erscheint dicS Wort in der heutigen Zeit der Lohn- und Arbesterbewegung, angestcktS der vielfachen Streiks. Wie sehr die Wirklichkeit in diesem Punkt« hir.t r dem«'träumten Ideal zurückbleibt, trat recht augenfällig oir vergangenen Sonntag zu Tage. Die Zeit deS großen Umzuges ist vor der Thür, die Berliner Völkerwanderung har bereits ihren Anfang genommen, und wem es irgend möglich war, der benutzte den arbeitsfreien Sonntag, um die Ueddstedelung auS Bei alten in die neue Wohnung zu bewerkstelligen. Tautend fleißige Hände regten, halfen fich in munterem Fleiß« beim„zi hrn", zugleich das so lange hinter kalte Mauern gebannte und sorgsam verborgene Elend den p ofaren Bl'ckr� der Welt b'oßstelln d Welche bcredle, wenn auw stumme Svrack« redeten vre wenigen und dürftigen Habseligkeiten, die herauSbefördert wurden aus den Wohnungen der Arbeiter, die daS Hab und Gut deS Arbeiters bilden. Segen ist der Mß&e Preis! Mit Wehmuth erfüllte es jeden denkenden Menschen, de? diesen Trauer- marsch deobacktete, der fich durch die Straßen der Vor- städte bewegte und mit Verachtung, wenn er das Hobnlächeln bemerkte, das bei diesem Anblick die Lippen besser Sttuirter umspielte. Wabrlick, ein solcher„Umzug" zeugt ergrerfenv von der Noch des Ardeiteistandes, ergrettender als Worte eS vermögen. Eine angenehme Häuslichkeil entseiädrgt für vieles Andere; eine solche flch zu schaffen, werden Ei tbehrungen aller Art gern ertragen. Wie wert es Viele, wenn nicht die Meisten, in dieser Hinficht gebrach» haben, bekundet in offen- barster Weise ein Umzug! Segen ist der Mühe Preis! Möge dieses ideal« Dichter erort für Alle, ohne Ausnahme, zur Wabr- heit werden! Ein« neue Wuchermauipulation wird von hiefigm Geldverleihern, denen durch das Wuchergesetz die Praxis etwas beschnitten ist, neuerdings in Szene geseyt. Dieselben errichten im Auslände Agenturen, von denen aus die Geldofferten nach hier dirigirt werden. Durch ziemlich harmlos aussehende An» nonzen werden die Gelobedürftigen angelockt, erhalten auS ParrS oder London die Offerten mit verhältnißmäßig geringen Zinsforderungen, die sich jedoch in dem Verhältniß steigern, wie flch scheinbar oder wirklick ersckwerende Momente anfinden, bis ver hohe Wucher satz«rreicht ist. Durch diesen Umweg über daS Ausland ist der Geldgeber vor der Schätfe des Wucherges tzeS gescküyt, det Geldnehmer aber in gleicher Weise wie für seine im Inland« konlrahirtc Schulden haftdat. Der Geldgeber, durch setne Zwischenstation maSkirt, verkehri hier am Platz unter den Allüren eines Biedermannes direkt mft dem Sci uloner. ohne daß vieftr n-n der Guitltät Jenes eine Ahnung b.t Charak crt'lisch.st, c. ß mein e-n'"etrog von 5 bis 10 Mark, je nach der Höbe der verlangten Summe„zur Deckung der durch die Erkundigung erforderiichen Kosten" ver« t-.npt wird. Alle Personen, welche mtl solchen Jnstilmen in Verbindung treten wollen, seien somit gewarnt. Gegen den dem Berliner Publikum noch in saftiger Erinnerung gebliebenen Käschändlrr G. L. Vallcntin ist, wie man der„StaatSd.-Ztg." schreib», abermals bei der hiestgen Kriminalpolizei wegen Verkaufs ekelerregender, beziehungsweise gesundheilcschädlicher Butter eine Anzeige ettigegmuen- In derselben wird behauptet, daß Vallentin die in hiefigen Butter- geschäften alt gewordene und somit verdorbene Butter zum Preise von 38 Pfg. daS Pfund einkaufe und diese in seinem Grchäft, Alte Schönhauserstr. 25, unter der Bezeichnung „Dreck" zu bedeutend höherem Preise wiederverkaufe. Die auf diese Anzeige von der Kriminalpolizei in den Geschäflsräumen VallentinS sofort, vorgenommene Untersuchung der Bücher ,c. resp. Feststellung ver in der Anklage gemachten Behauptung, fanden fich in allen Punkten bestätigt. Die Bücher ergaben, vaß der Angeklagte die fragliche Butter unter der obige« Bezeichnung in der Tbat verkaufl und auch in den ausgestellten Rechnungen diesen Ausdruck geführt hatte. Bei dem Vertriebe dieses Materials wurde er besonders durch einen Buttelhändler in der Boyenstraße unterstützt, welcher die von Vallentin unter der bekannten Bezeichnung empfangene Waare in den ver- schiedenen Bäckereien unterzubringen suchte. Während der letzten 14 Tage ist nun die Kriminalpolizei eifrig bemüht ge- wesev, festzustellen, an welche Bäckereien die saubere Masse verkauft wurde. Am Freitag, 27. d. M, fand eine weitere Vernehmung Vallentin'S, seines Hausknechte?, deS Butterhänd- lers sowie des Anklägers statt. Bei dieser Vernehmung ge- stand Vallentin selbst zu, daß er die fragliche Butter allerdings zum Preise von 38 Pf. daS Pfund eingekauft und dieselbe dann unter der Bezeichnung„Dreck" für einen höheren Preis wieder verkauft habe. Diesen Anstoß erregenden AuSdruck habe er abfichtlich gewählt, um damit die Waare mit dem rech- ten Namen zu bezeichnen und jeglicher Beanstandung derselben vorzubeugen. Er glaube somit sein Geschäft den Käufern gegenüber offen und ehrlich(!) betrieben zu haben und müsse den Kommissar ersuchen, ihn gegen die unberechtigte Anzeige in Schutz zu nehmen. Soweit ist die Sache bisher gediehen. Ohne der folgenden Untersuchung deS vorliegenden Thatbe- standes vorgreifen zu wollen, können wir doch nickt umhin, zu bemerken, daß der Preis von 38 Pf. pro Pfund Butter allein schon genügt, um die von Vallentin gebändelte Butter als daS erscheinen zu lassen, als was Vallentin fie bezeichnet. g. Ei« entsetzlicher Unglücksfall ereignete fich Sonntag früh gegen 8 Uhr auf dem Grundstück Metzerstcaß« 20. In der vierten Etage deS rechten Seitenflügels hatte die unverche- lichte, 31 Jahre alle Therese Farr ein Zimmer gemielhet wel- chts sie allein bewohnte. AlS Sonntag früh um die angegebene Zeit der Vizewftth den Hof säuberte, hörte er plötzlich hinter fich einen Fall, und als er fich umblickte, sab er auf dem ge- pflasterten Hof die unverehelichte Farr, da« Gefickt nach oben, liegen. Ob die F. stch in selbstmörderischer Abficht aus dem Fnstec ihrer Wobnung geirürzt hat, oder od fie verunglückt ist, konnte bis jetzt nicht erti. tlelt werden. Bei näherer Unter- suchung stellte stch heraus, daß der Tod der F. in Folge schwerer innerer Verletzungen auf der Stelle eingetreten war. Die Leicke wrirve bis zur Ankunft der Obduktionewagens, mft dem fie nach der Morgue grschaffl worden, in der Remise untergebracht. In dem Zimmer der F. fand man außer einer Taschenuhr und verschiedenen anderen Schmucksachen ein Spar- kassenbuch über 60 M., von welchen 21 M. abgehoben waren. Nahrungssorgen scheinen demnach nicht daS Motiv der That gewesen zu fern. Tie F. bejttzt hser auch noch Eltern, mit denen fie aber nicht im besten Einvernehmen gelebt haben soll; ste wurden von dem ttaurigen Vorfall sofort denachnchtigt. Daß man es hier mit einer Lubesaffa're zu tbun hat, erscheint nicht auspelchloffen, weil die Verstorbene langete Zeit ein Ver« hältniß mit einem St. uereinnehmer, einem Witt wer, unterhasten haben soll. Belle-Allianee- Theater. Wegen Sperrung der Straßen hat die Direktion fich genöthigi gesehen, die heutige Vorstellung „Amerikanisch" ausfallen zu lassen und das Theater zu schließen. Morgen gebt dai Lustspiel, das stch einer sehr bei- falliger. Aufnahme erfreut, zum 4. Mal in Szene. Geriekts- Rettung. Odessa, 21. März- ffi-gomie einer Frau.) In der hie» figen GmwlKpraxr« find Bigamie-Prozrsse zwar kerne seltene Ersckei mg, indem ei schon bäufi.z vorkam, dal Männer wegen Bigami ot r Polym>mie auf der Ankiagebank erschienen und fast imn er freizesmochev wurden. Heute aber beschäftigte daS hiefige Schwurgericht ein seltener Fall, in welchem die öfter« reichilche Unteribnnin Sabine Fest auS Böhmen angeklagt war, bei Lebzeiten ihres ManneS, deS Kavellmeisters der Flotten- Eq uipage, Wjeternik, stch mft dem Skabkapitän deS russischen Pranar Regiments Standulow veiheirc het zu hoben. Der Sachverhalt ist folgender: Im Jahre 1867 machte der Kapellmeister der Flotten-Equipage, Wjeternik, die Bekanntschaft der damals mit einer böhmischen Mafikgesellschaft in Rußland konzertirenden Harfenistin Sabine Fei», die er alSbald liedge- wann und nach Bewältiguna mancher Hinderniste als Gattin heim- fühlt Bis»um Jahre 1879 lebten sie in glücklicher Ebe, welcher drei Kinde entsptofi-n, von denen daS älteste, ein Mächen, gegenwärtig im 15. Lebensjahr« steht. Die Zärtlichkeit des Kapellmeisters für seine Frau ging so weit, daß er daS in Nikolajew für sein schwer erworbenes Kapital gekaufte Haus auf den Namen derselben eintragen ließ und sein ganzes Streben nur darauf gerichtet war, Frau und Kinder glücklich zu machen. Nack zebn- bis elfjähriger glücklicher Ehe wurde er nack Jasta ver jetzt, um daselbst während des Aufenthaltes der kaiscrt.cken Familie zu konzertiren. Zwischen seiner in Nikolajew zurück- gebliebenen Frau und dem EtabSkavitän Etanbulow entspann stch inzwischen ein intimes Verhältniß, infolge dessen ste ihren Mann bei reffen Rückkunft äußerst küdl empfing und nach einigen häuslichen Szenen beim katholischen Geisttichen um die Sckeidung von ihrem Manne einlam. Da jeo»ch dieses Ge- such abgelehnt wurde, so suchte fie in Gemeinschaft mit ihrem Lnbhaber zunächst ihren Gatten auS„ihrem" Hause polizeftich entfernen zulassen, was ihr alS rechtmäßige Eigenlhümerin deS- selben auch nickt lrfiwnfiel. Inzwischen wurde Wjeiernik von einem neuen SchicksalSschlape gettoffen, ineem er ein Bein brach und während der langen Kur gegen seine Frau nichts unternehmen konnte. Diese ließ die günstige Gelegenheit nicht u? benutzt vorübe. geben, verschaffte stch einen auSlänvischen Paß auf den Namen ver Jungfer Marie Feft und ließ fick im Stadt- cken Warworowka mü ihrem schmucken Osssfier kirchlich trauen. AlS der'ttzvischen wieder hergestellte Man» dieS erfuhr, er- stattete er oie gerichtliche Anzeige, ver zu Folge dieser Prozeß entstand-"! ist. Der Olfizier leugnete, gewußt zu haben, daß seine G- liebte mit Wjeternik kirchlich getraut ltt, welche An- zeige jevock durch Aussagen von Zeugen widerlegt wurde. Nach durckgefübrter geheimer Verhandlung wurde daS Paar für schuldig erkannt und der Offizier zur Verbannung nach Sibirien, die Frau»um Verluste aller Rechte und einem Jahre und drei Monaten Gefängniß vermtheilt. Josrnles und Arbeiterbewegung. Daß die Konzession de» Ausschank» nvd Verkaufs von Branntwein nach„dem Bevürfniß" nicht die gewünschte Einschränkung des EcknapStrinkenS herbeiführen kann, dürfte beute ziemlich allgemein zugestanden werden. Man weiß zwor heute noch nicht, in welchem Umfange die Landesregierungen, beziehungsweise die Kommunen die Erlaubniß zur Echank- wirthfchcft oder zum Kieinhandel mit Branntwein von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig machen: daS alleS steht nach dem Gesetz vom 23. Juli 1879 in ihrer freien Befugniß, eS ist keine gesetzliche Pflicht. Aber in dm meisten Ländern und Gemeinden wird von dieser Be- fugniß wohl Gebrauch gemacht; von Mecklenburg gilt das sicher und doch hat dort in den letzten Jahren die Zahl der.«rüge ganz rapid zugenommen(vergl. Soziale« in Nr. 67). Bleibt aber auch die Zahl der Lchankstätten in bescheidenen Grenzen, so ist damit doch noch gar nicht« für die Menge de« ausgesck ä"'ten Branntwein« bewiesen. Wer stinken will, findet dazu aw bei einer geringeren Anzahl von Schänken Gelegenheit. Wmn man mit kleinen Maßregeln gegen das Biannlweintrinken vorgehen will, so möge man in erster Linie die Brennereien beousfichtigen, damit sie nicht mehr billigen, aber giftigen Fusel liefern, und weiter möge man fich nicht langer gegen eine Erhöhung der Brannt- weststeuer spreizm, wie es unsere Großgnindbefitzer heute noch thun. Daß die disherige Besteuerung keine angemcffme ist, geht auS folgender Uebeificht der Steuern hervor, welche 1880 nach einer offiziellen schweizer Denkschrift auf einem Liter öOprozmligen Branntweins ruhten: Großbritannien.... 240 Centimes, Kanada....... 125„ Niederlande..... 120„ Vereinigte Staaten.. 119„ Rußland...... 114„ Norwegen...... 97 Frankreich...... 78„ Schweiz...... 72 Finnland...... 46„ Belgien...... 46„ Deutschland dagegen nur 16 In dem sechsten Bericht der Kommission für oie Petitionen heißt es daher mit Recht:„Eonach dürfte es fich empfehlen, daß eine Neuregelung und Erhöhung der Branntweinsteuer in baldige sorgsame Erwäguug gezogen werde." Freilich müß.e eine solche Erhöhung, die vorzugsweise die arbeitenden Klaffen trifft, letzterm auch wieder zu gute kommen; die Mehrerstäge müßten entweder zur Herabminderung anderer indirekter Steuern oder zu Verwendungen denützt wrrvm, die in erster Linie das Wobl der Arbeiter sördern. Ueber Berliner Bauspeknlanten schreibt die„Volks- zeitung": Die ungesund« Erjchetnung des Steegens der Bau» stellenpreise hält noch immer an und zwar aus dem Grunde, weil eS in Berlin viele Leute giedt, welche nur leben können, so lange ste bauen. Diese kaufen von den Baustellenspekulanten um jeden Preis die Baustellen ur.d bebauen ste mit Hilfe der im Gelve schwimmenden Banken. Ist der Bau möglichst dillig und schlecht f.rtig gestellt, so wird mft den Handwettern unter der Hand akkordut, waS diese thun, um nicht noch mehr hineinzufallen. ES wird nun-ine sehr habe erste Hypothek aufgenommen unv mit Hilfe schwindelhaster Mietherr ein guter MiethSertrag nachgewiesen. Dann verkauft man das Haus für einen PreiS, für welchen«S ein solider Unternehmer nicht her- stellen kann. Verkauf! eS stch aber nicht, vann muß die Bank später die Zinsen stunden, oder das HauS wiid sudhastirt. Das ist diesen Leuten aber ganz gleich riltig, denn fie leben auS der Hand i» drN Mund und finn Eintagsfliegen, welche die Gunst deS Augenblicks benutzen. Von diesen namenlosen Bau- und GrundstückS-Epekulanten wird der bohe Kurs der Baustellen gemacht und darin liegt eine große Gefahr für den Grundb-sitz in Berlin. Wir fügen dem h nzu, daß durch dieses schwindelhafte Treiben der Baufiellenpreise die Wohnungs- miethen erheblich gesteigert werden und die übermäßige allen g-sunobeillich-n Anforderungen hohnsprechende Ausnutzung der Grundstücke bervoraerufen wird, die dann wieder, wie gegen« wärti�, die Grundbesitzer zu wülhenden Gegnern jeder ver» nünft'gen Beschränkung deS Bebauungsrechtek macht. Wenn der Grundbefitz durch die Bauordnung ohne Frage geschädigt werden muß, so bat er fich dieS ledig'ich selbst zuzuschreiben. Dresden. Lage der Bäckergehilsen. In einer Ve.sammlung am vorigen Dienstag schilderte Herr G o l v st e i n eingehend die Bedeutung deS Normalarbe tstageS für da« Bäckethandwerk. Emen Sonntag kennt der Bäck-r nicht, er arbeftel wöit entlich zwischen 98—120 Stunden, der 18-stiindige Arbeitstag ist die Regel. Die lange ArdeftSzeft in den luf!- trockenen, niedrigen, von Licht uns Luft abgesperr en, mit Mchlstaud geschwängerten Räumen sühtt Lungenkatarrbe in Masse herbei. Von den Anfotderrnffen an Luft, pro Mann 15 O�M. bei Räumen von 5 Ö.-M. und 3—3'/, Meter Zim- merdöhe(nach Hirt) ist n cht im Entferntesten die Rede. Durch den plötzlichen Temperarurwechfel, dem der Bäcker, namentlich im Winter ausgesetzt ist, entstehen die bäufir-n Rbe motiä.wn; durch dns Heden von 70—100 Pfunv schweren Mehlfässern und Säcken öfters Bruch«. Die Etkrankmigen«nlsri>chen dem: bei 550 Mitgliedet n der lokalen Bäcker kranker last« ereigneten fich 1883 546 E kranku-igen, dabei 43 Behandlungen im Mo- natsdutchschnftt. Der Verdienst ist, der langen Arbeitszeit int« sprechend, sehr schleckt, 8—16 Mm k der erste Geselle, 5— 9Mk. der zweite. 3—5 Mt. der dritte Geselle.— Redner deleuchtet ferner die au« der kurzen Ruhepause(6—8 S:u den) entstehende Gleichgiltigkeit und Stupidität vieler Bäckir, ihren Hang zum Spiel und Trunk; die kurre Paus« (zwischen 2—6 Uhr fallend) sei— abgesehen vom Schlaf« bedürfniß— zu kurz, die Bäcker zu geordneter Ausnutzung ihrer freien Zeit zu veranlassen. Dre 3X3 Stunden erntbeilung nach Hufeland sei die normale. Der Arbeiterschutzentwurf habe auf 10 Stunden resp. 8 Stunden verlangt. Ueber Ab- schaffung der Nachtarbeit der Bäcker sei heute nur theotetrsch zu reden. In Frankreich»xistuen die Bestrebungen auf Ab- schaffung derselben seit mehreren Menschenaltern. Referent spraey stch für Schichtarbeit und gesetzlich« Regelung der Ar- beitistunden aus, dann würden die a r b e i t»! o s e n B ä ck e r, deren in Berlin bei 4000 G e b i i f e n 1600, in Dresden bei 600 Geht lien etwa 100 seien, auch eher in die Bäckereien einzu»Iiiren eien. Anhaftende: Beifall ward dem Redner am Schiuffe der l'/«-stündigen AuSeinandet» setzungen. welche die Bäcker in größter Ruhe anhörten. In »weiter Linie kam eine Resolution an den Reichstag betreffs 12stündigen Arbeitstages der Bäcker zur Abstimmung, welche einstimmig genehmigt ward. Bei dem brüten Punkte, innere Fragen, ging eS oft stürmisch her. Ueber die schiechte Kost, über die Wohnung, über den faulen GesellenauSschnß und viele« Andere gelangten Klagen zur Kenntniß. Eine vor- geschlagene„Kommtsfion zur Untersuchung der Wohnung«- und Arbeitsräume, der Nahrung der Bäckcr" ward eist an- genommen, später wieder tückgängig gemacht. Eine spätere Verammlung soll darüber befinden. Gleichviel! den Anfang aben die Bäcker nun gemacht und eS giebt kaum einen Ar« eitSzweig, der nicht so sehr deS gesetzlichen ArdeiterschutzeS d« dütfte. wie der der Bäcker. Zum Pariser Nothstand. Der Jahresbericht der unentaelt- lichen Nachtherdergen für Männer weist für 1884 eine Z u- nähme der Obdachlosen um 13389 auf, da im ganzen 50430 dnselden aufgenommen wurden. Die Zunahme trifft besonders auf Erdarbeiter, Gärtner unv Taglöhoer mit 7636 (auf 22 880 Aufgenommene dieser Klaffe), Bauarbeiter tu» 3245(4689 im ganzen), Kellner, Köche und Hausknechte ttt» 2003(5009 im ganzen> und Handl ngSgehilfen mft 240. Hand- lungSgehilfen wurden im ganzen 2545 beherbergt. Andettv- seit« vermochten die Vorstände der drei Nackther bergen nur für 1698 der Beherbergten Arbeit zu verschaffen, gegen 2086 lw Vorjahr. Leider geht aut dem Bericht auch hervor, unsere LandSleute verhältnißmäßig unter allen Au«- ländern am stärksten unter den ObdachSIofen vertreten fino- ES wurden 1875 obdachSloje ReichSangehönae in den dw Nachlherbergen aufgenommen, während die hier ebenso zahl' reichen Schweizer(36000) nur 891 beherbergte Obdachlose aufwiesen. Die viel zahlreicheren(etwa 50000 betragendttft Italiener stellten soaar nur 444 Obdachlose. Die 7000® Belgier stellten 2073 Obdachlose, also auch ein beffeuS Ver hältniß al« das der Deutschen. Daß letztere wiederum um» den unterstützten Armen ungemein stark vertreten find, ist schc» früher hervorgehoben worden. Kleine Mittheiluugen. Mannheim, 27. März. Heute Mittag brach in der Eck« «ineS der großen Arbeitssäle ver Rh Gummiwaaren-Fadr auf bis je-t noch nickt aufgeklärte Weise Feuer aus, daß M mit furchtbarer Schnell iakeft sofort über den größten weitausgedehnten Etablissements verbreitete. Binnen wenig. Stunden zerstörte das Feuer fast sämmtliche Fabrikgebou sammt Maschinen und Waarenvorräthen. Nur ein Waift' facti, die große BetriebS-Maschine unv daS Kesselhaus lvurv gerettet. Die Fabrik beschäftigt ca. 600 Arbeiter, welche auf längere Zeit t heilweise ohne Beschäftigung find.%, Schaden dürfte nahezu eine Million betragen, doch fin».� däude, Maschinen und Vorräthe zum größten Tbeil verstoß. Berlin 6W, veuthftraße 2. fttstis eine Deila«« Verantwortlicher Redakteur«. ftronyet» m Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiug w Beilage zum Berliner Bolksblatt. N-. 76. Was ist iialioiialc Grjiaimiig? Unter de. Uebcrschrtft:„Herrn vr n Helldorf'S D'vschkcn- kutscher" brinffcn die„Demokratischen BlSttcr" folgenden interessanten Artikel: Die Frage,„wa« ist nationale Gesinnung", rst heute schwieriger zu beantworten als das ewige Räthsel, das vor fast zweitausend Jahren Pontius Pilatus der denkenden Menschheit mit dem Worte aufgab: was ist Wahrheit? Es gab eine Zeit, da batte der Deutsche zu wenig, was der Franzose und der Engländer davon zu viel besaßen. Als Chauvin sich an der schönen Phrase grande nation berauschte, gab es in Deutschland LandcSfürsten, welche nach Tisch bequem jeden Wmkel ihrer Herrlichkeit von GotteS Gnaden befahren, jeden ihrer Unterthanen mit einigen huldvollen Worten erquicken und doch zum Kaffee zu Hause sein konnten. Als John Bull seine stolze Politik de» vms Romanus sum inaugurirte, wurden in Teutschland Studenten als Hochverräther eingekerkert, weil sie von eine« einigen Deutschland gcträumt und im Traume einige balbverständliche Worte gemurmelt hatten. Als nach dem kurzen Frciheitsrausch des Jahrer 1848 und der dumpfe« Schwüle der Reaktion die Politik von Blut und Eisen ihre Triumphe feierte und das geeinigte Deutschland ent- stand, ftril'ch nur als ein Zerrlild des Ideals unserer Träume, erwachte auch bei uns eine nationale Gesinnung, eine nationale Gesinnung eigener Art. Sie säete Drachen- zähne wo immer sie eine Furche erspähte und es wuchsen daraus die„R ichifeinde" empor, wie die geharnischten Männer des Jason. Aber es fehlte rhr das Steinchen der Medea. Sie erfand den Kulturkampf, den Kampf gegen Rom, welcher die Schatten des dreißigjährigen Krieges herauf- beschwor. Sie ersann das Ausnahmegesetz wider die Arbeiter, vielleicht weil sie daran dachte, wie es Luther dereinst mit den lästigen Bauer« gemacht. Sie stürzte sich in den Taumel der Antisemitenbe« wegung und zeugte mit ihr die Siöcker und Henrich sie prügelte nach Wahlen und in der Neujahrsnacht wehrlose Juden und pilgerte um Pfingsten nach dem Kyffhäuser. Sie erhob da» gellende Geschrei, al» man dem Kanzler einen zweiten Direktor verweigerte und ging mit dem Klingbeutel herum, um Geld sür die Bismarcklpende zu sammeln.„Und folgst Du nicht willig, so brauch' ich Ge» walt."„Non olet" sagte Tiber iu». Sie erfand den Schutz der nationalen Arbeit und hetzte die beutegierigen Schutzzöllner auf die wehrlosen Massen. Sie war so vielseitig, wie Neid und Mißgunst; hundert- köpfig wie Eigennutz und Selbstsucht. Aber sie verhüllte sich mitunter, weil sie sich schämte. Da kam ihr ein Helfer in der Roth, der sie auch von diesem überflüssigen An- hängsel befreite. Es war Herr von Helldorf mit seinem Droschkenkutscher. In der Sitzung de» Reichstages vom 13. März 1885 sagte der Führer der Konservativen: „Ich möchte mich nicht nicht enthalten, bei dieser Gelegenheit den Wunsch auszusprechen, daß die Ge- finnung in Deutschland weiter verbreitet sein möchte, die ich früher einmal bei eine« Droschkenkutscher gefunden habe— bei einem Droschkenkutscher. Ich will die Geschichte näher erläutern. Ich war bei einer der Fahrten, die seiner Zeit der Reichstag ge- macht hat, um die deutschen Marineanlagen zu de- sichtigen, in Bremen und hatte an einer Abend» bewirthung theil genommen bei einem großen Kauf- Herrn, und al» ich nach Hause gehen wollte und mir einen Droschkenkutscher nahm, sagte mir der Droschken- kutscher: Nun, war da» nicht schön? Wa das nicht eine eine fürstliche Bewirthung heute? Der Mann war enthusiaSmirt. Ich mutz sagen, diese« kleine Erlebniß hat mir einen tiefen Eindruck gemacht. Wa« ist da« für ein Mann, der arme Droschken- kutscher, der in der kalten Nacht wacht! A b e r e r ist stolz in de« Gefühl der Freude, Dtmstag, oen Li März 1885. II- Jahrgang. Unsere jungen Herren. „Sonn- und Feiertags. Kurier" in Wien. Gähnen Sie nicht, meine schönen Damen! Was kann ich dafür, daß unsere jurgcn Herten so langwellig find? Es ist wahr, ein Ball ist heutzutage für ein junges Frauenzimmer nicht« anderes mehr, als eine Urbung im Sitzen- bleiben und eine Auferlegung deS ewigen Stillschweigens. Sie wollen tanzen, nicht wahr? Aber unsere jungen Herren haben leider alle da» Po- vagra? Sie wollen stch unterhalten? Aber unsere jungen Herren wissen leider nicht, waS fie reden sollen. Sie wollen stch den Hof machen lassen? Ader unsere jungen Herren brauchen selber jemand, der ihnen den Hof macht. Eich im Saal von einer Ecke in die andere drücken, den Klapphut einmal in die rechte und einmal in die linke Hand nehmen und die vordeipasfirenden Damen mit stierem Blick anglotzen— da» ist die Summe der Kraftleistungen, zu denen sich unsere hoffnungsvolle Jennesse dorse auf einem Balle auf- zuschmingen veimag. Ist e« ein Wunder, wenn unter solchen Umständen unsere jungen Damen den Geschmack an einem so zweifelhaften Ber- gnügen verlieren, daS noch dazu so viel Vorbereitungen, soviel Kopf,«brechen und so viel Geld kostet? Wenn es so fortgeht, so wird man noch dahin kommen, **6 stch die Frauenzimmer, wenn fie auf einen Ball gchm, -la.os zum Lesen mitnehmen müssen, wenn fie nicht vor Lange- weile einschlafen wollm. 3°, eS ist ein merkwürdiges Geschlecht, unsere jetzigen laugen Herren! daß er einen Mitbürger hat, der ferne Gäste fürstlich d�wirthet, der so vre Stadt repräsentirt. Bei Gott! Diese Ge- finuung wünschte ich Vielen in Deutschland; ich wünschte daß sie in den Hansestädten noch recht reichlich vertreten wäre, daß namentlich jruch in den höheren Kreisen diese nationale Gesinnung noch mehr erhalten wäre." Damit dürfte die„nationale Gesinnung" den Höhe punkt ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben. Der Droschken- kutscher, der in der kalten Nacht auf seinem Bocke friert und beglückt ist, wenn e» denen da drin nur gut schmeckt; der Arbeiter, welcher sich an da« offene Küchenfenster stellt und besiiedigt nach Hause geht, wenn wenn er sich satt ge- schaut hat; der Knecht, der da» Feld ackert und glücklich ist, wenn er zum Lackaien befördert wird und an der Tafel bedienen darf; mit einem Worte: Der Arme, der fteudig entsagt, wenn e« nur dem Reichen, dem Heno, gut geht— da« ist nach Herrn von Helldorf der wahre Träger der nationalen Gesinnung. Das ist so ungefähr die nationale Gesinnung wie sie in idealster Form im Bienenstaate verlörpert ist, wo die Biene sich der Arbeit, die Drohne sich de« Genusses freut und die elftere den Zweck ihre« Leben» erfüllt sieht, wenn es dem andern Thelle gut schmeckt. Aber freilich hat da» Ding ein üble» Nachspiel, an welche» Herr von Helldorf nicht gedacht hat. Seit Herr von Helldorf in Bremen war, hat sich dort Manches geändert. 1371 erhielt die Arbeiterpartei nur 1506 St mmen; bei der letzten Wahl fehlten ihr nur wenig Stimmen, um ihren Kandivaten in die Stichwahl zu bringen. Sollte vielleicht auch der Droschkenkutscher—? KolitiAcke UebersirKt. Ueber Btelefeid ist der Belagerungszustand verhängt worden. Anlaß dazu soll daS Verhalten oer Bielefelder Be- völkerung, speziell da« der streikenden Arbeiter der Koch'schen Nähmascdinenfabrik gegeben haben. Wie vei schieden« Blätter belichten, hatte sich der Fabiikant von der bekannten Arbeiter- kolonie WllhetmSdorf Leute kommen lassen, die in der christ- lichcn Heiberae einlogirt wurden. Da bekanntlich diese Kolonie zu dem Zwick gegründet wurde, Bettlern ein Unterkommen zu schaffen und der Vagabondage zu steuern, so griff unter den Bielefelder Arbeitern eine große Erregung Platz, weil fie jeden- fall« der Aoficht sind, daß fie dieser Konkurrenz unterliegen müssen. Die Kolonisten erhalten für ihre Thätigkeit auf der Kolonie eine sehr geringe Vergütigung und würden, wenn fie in der Fcb ik für solchen Lohn arbeiteten, die Bielefelder da- durch mir ihren Familien zu Grunde richten.— Wie gewöhnlich bei derartigen Anlässen, so haben sich auch in Bielefeld alle möglichen Elemente zusammengefunden, halb erwachsene Burschen und«xzentrische Persencn haben unsinniger Weise einige Fensterscheiden ein- und die Polizei beworfen I waS naiürlich auf Konto der streikenden Ardeiter geschrieben wird. Wir lassen nachstehende gewiß vielfach übertriebene Nachrichten über die Vorgänge fo'gen: Bielefeld, 27. März. Der Streik in der Koch'schen Nähmaschinenfabril, welcher nun schon 3'/» Woche andauert, hat in den letzten Tagen zu sebr argen Exzessen geführt. ES legten etwa 140 Arbeiter die Arbeit nieder, weil dreseiden ihre Kleinwerkzeuge sich selbst anschaffen sollten, wogegen eine ent- sprechende Lohnrrhöhuna eintreten sollte.(?) Eiwa 60 Arbeiter hielten die Arbeit an, einige neue Arbeiter traten ein. Diese wurden nun bedroht und häufig mißhandelt, so daß die Polizei einschreiten mußte. In dieser Woche entstanden Mittags und Abends Zusammenroll unaen vor der Koch- schen Fabrik; gestern Abend nahm die Menge von 8 bis 10 Uhr eine drohende Haltung der Polizei gegenüber an. Mehrere Polizeisergear.ten wurden mit Steinen beworfen, dazu wurden in der Herberge zur Heimath, wo mehrere neue Arbeiter eil quartirt waren, die Scheiben zertrümmert. Da die Polizei der Mmge gegenüber zu schwach war, so wurde heute Militär requirirt, welches zunächst heute Mittag einschritt. Um 7 Uhr heute Abend marschirten wieder zwei Komvagnien heran, die eine stellte sich an der Zimmerstraße, die andere vor dem Post- gedäude auf. Die Menge, welche hauptsächlich aus Zuschauern bestand, die aber nach Hrmdcitm zählte, verlief sich allmählich, sodaß oas Militär um Vi 9 Uhr wieder abrückte. Alsbald jan- den sich aber die Ruhestörer wieder ein und warfen die Scheiben an der Koch'schen Nähmaschinenfabrik ein. Es wurde daher von Neuem d s Militär requilirt, welches gegen VilO Uhr heranrückte und die Bahnhofsftraße von der Psst bis zur Zim- tnerstraße säuberte Dabei sind manche Bajonnetsröße vorae- kommen; es erfolgten viele Vei Haftungen. Gegen 10 Uhr verlief sich die Menge. Bielefeld, 23. März. Das gestern gemeldete Aufgebot militärischer Kräfte zur Auffechter Haltung der Ordnung sowohl in der Zimmerstraße, wo die Herberge zur Heimaty häufigen Angriffen durch Steinwürfe ausgesetzt war, als auch in der Nähe der vom Streik heimgesuchten Koch'schen Nähmaschinen- fabrik hat Abends gegen 7 Uhr und dann wieder nach 9 Uhr daS ganze 2. Bataillon des 55. Jnsanterie-Regiments umfaßt. Demolirungen aller Art hatten stattgefunden, nachdem das Mustär abgerückt war, und dessen wiederholtes Eingreifen oer« anlaßt. Leider hatte stch, wie daS stets der Fall, eine nach Tausenden zählende Menge von Neugierigen eingefunden, um den Skandal mitzumachen. Die durch Frauen und Jungen verhöhnten Soldaten waren es, wie es scheint, müde geworden, in der ihnen von den Offizieren gebotenen ruhigen Weise, ohne Gebrauch von der Waffe zu machen, vorzugehen, in Folge dessen find einige Verwundungen vorgekommen. Die Verhasteten, größtentheilS Zuschauer, haben ihre Neugierde mit einer ungemüthlichen Nacht im Polizeigefänznisse büßen müssen, zu dessen Bewachung t enfalls Soldaten reqmrirt werden mußten. Für heute Abend find neue Unruhen angesagt. Aber tanzen sollen fie doch wenigstens, wenn sie schon nichts zu reden wissen. „Ja. tanzen möchte ich schon gern," klagte neulich auf einem Balle ein junger Dandy,„wenn nur die Pausen nicht wären." „WaS können Sie die Pausen geniren?" „Ja, in den Pausen will jede Tänzerin m ter halten sein, und das strengt so an." Ist Des nicht köstlich? Sonst fühlte stch ein junger Mann glücklich, stch mit einer schönen jungen Dame unterhalten zu können— unsere jungen Herren von heute halten daS für ein Stück Arbeit, der fie sich lieber entziehen. Freilich sind die meisten Ballgespräche auch danach. „Haben Sie schon einen Faustzykius mstgemacht, Fräu« lein?" „Nein, wir haben keine Karten bekommen. Und Sie?" „Wir haben auch keine Karten bekommen." Kunstpause. „Es soll sehr schön sein, Hab' ich mir sagen lassen." „So Hab' ich auch gehört. Besonders die Dekorationen." Kunstpause. „ES ist sehr voll." „Und sehr heiß." „Später wird cS noch voller werden." „Da wird eS gewiß auch noch heißer." Kunstpause. Amtlich wird vom 28. Abends mitgetheilt: Gestern und vorgestern fanden hier aus Anlaß des ArbeiterstreikS in der Koch'schen Nähmaschinenfabrik Zusrmmeprottungm und Ruhe« störungen statt, in zwei Häusern wurden die Fensterscheiden eingeworfen. DaS requirirte Militär säuberte die Straßen und stellte die Ruhe wieder her. Einige Personen find verwundet, es find gegen 30 Verhaftungen vorgenommen worden. Heute Abend haben stch die Störungen der öffentlichm Ruhe nicht wiederholt. Ein Telegramm vom Sonntag lautet: Nachdem auf Antrag des ÄegierungSprästdenten v. Pilgrim wegen der vorgekommenen Ruhestörungen p ovisorisch der Belagerungszustand erllärt ist, bat der MilitärbefehlShaber und Garnisonälteste» Oberst Koeppen, die vollziehende Gewalt übernommen. Der Belagerungszustand erstreckt stch auch auf die Bor- stadt Gadderbaum Ansammlungen ron mehr als 6 Personen find verboten, die Wftthshäuser müssen um 9 Uhr geschlossen werden. Fr an? reich. Es stellt stch immer mehr heraus, daß die französischen Truppen vollständig auf dem Rückzüge find. Die Chinesen komm n in immer größerer Anzahl über die Grenze nach Tonkin und die Lage der Franzosen ist eine sehr kritische. Die neuesten Telegramme zeigen, daß in Paris große Aufregung herrscht, die Vorschläge zur Bestegung der Chinesen jagen stch förmlich, man will von Seiten des Ministeriums eine Anleihe von 200 3JIU» Honen Franks machen, um eine große Truppenzahl nach Tonkin schicken zu können. Die radikalen Organe gehen mit dem Herrn Feny streng ins Gericht und verlangen, daß er die Regierung niederleg«. — Ein Telegramm orru. in- „ u— r�/V VV*»y W Ii 14 men, vre von demselben gefaßten Entschließungen entsprechm der Wichtigkeit der Umstände. Schon von gestern Abend istjdie Absen» dung von weiteren Verstärkungen an Infanterie und Artillerie an General Briere de l'Jile im Gange. Der Kammer soll heute eine Vorlage wegen Bewilligung eines Kredits von 200 Millionen Franks gemacht werden, die eine Hälfte Dieses Kredits ist für daS KriegSminrsterium, die andere Hälfte ist für da« Marineministerium bestimmt. — Eine Devefche des Generals Brröre de I'Jsle vom 29. D, AbendS 10 Uhr, meldet: General Regner ist in Dongsong, man rechnet auf ferne baldige Genesung. Oberst Herbringer befindet fick mit seiner Kolonne in Thamnoi, er konnte seine bisherige Stellung ohne Schwierigkeiten räumen und wurde auf seinem Rückzüge vom Feinde nicht beunruhigt. Oberst Herbringer wird Thamnoi und Dongsong besetzt hatten und dem t einDe den Vormarsch auf diesen beiden Marschrouten sperren.— ionasong ist mit LebenSmittteln und Munition im Uebe.fluß versehen, auch die in Chu aufgespeicherten Vorräthe retchen für jedes Bedürfniß auS. Von der Seite des Rothen FluffeS her find neuere Nachrichten nicht eingegangen. Amerika. Zur Unterdrückung des in Manitoba(Kanada) unter den Mischlingen ausgebrochenen AufstandeS hat die kanadische Reaieruna Ii Oft aus Quedeck und Toronto nach dem „Geh'n Sie auch aufs Eis, Fräulein? „Heuer war ich noch nicht." n „Voriges Jahr, ja? „Rein, auch nicht." „11/an verkühlt sich so leicht beim Schleifen." „Ja. sehr leicht." Da geht die Mufik wieder an. ES war die höchste Zeit. Der junge Herr hat fich mit seiner Unterhaltung bereit» ganz ausgegeben. Aufs äußerste erschöpft, hält er tiefem Athem und empfiehlt fich mit einer respektvollen Verbeugung. „Nein, ist dieser junge... aber von einer Langweiligkeit" — klagt das reizende Backfischchen der Mama. „Warum hast du ihm aber auch immer gar so kurz ge- autwortet." „WaS soll man aus solche fade Reden antworten?" „So! Warum geht dir denn bei dem... daS Mäulche« wie geschmiert?" „Warum? Mein Gott, weil er ein gescheidter Mensch ist, der ganz anders zu reden weiß." „Aber er hat nichts und ist ein Taugenichts obendrein. DaS du ihm keine Avanzen machst, das sag' ich dir. undlwenn dich der junge Herr.... wieder ansprichst, wirst du lieben»- würdiaer sein." „Mit dem in meinem Leben nickt.", „Ist eS möglich! Ein junger Mann atrs solchem Hause. von solchem Vermögen, der dich glücklich machen kann"— Da steht er schon— lupns in tabula. Er bittet die Kleine zum Tanz. Sie macht ein Geficht wie zehn Tage Regenwetter— wie zwanzig Tage— wie eine ganze Ueberschwemmung. Da» hochaeröthcte Antlitz der Mama aber strahlt wie die Mittagssonne im Juli auf der Ringstraße. Sie stößt ihre Tochter mit dem Fuße. Die Kleine läßt fich endlich zu einem schrecklich erzwun« genen Lächeln herbei, indem fie langsam aussteht und dem geistreichen Kausrur den Arm giebt. Das ArguSauge der Mutter folgt ihr nach. Armes Kind! Man glaubt gar nicht, was für kleine Herzen»« und Famllienvramen stch manchmal auf so einem Balle ab- spielen. Nordwesten beordert. LouiS Niel hat den Befehl über die Rebellen niedergelegt. Vorgestern rückte die berittene Polizei, welche fich in Carleton unter dem Befehl deS Hauptmanut Crozier befindet, aui und griff die Aufrührer an, während die Streitmacht unter Oberst- Lieutenant Jrvine, welche 90 Mann zählte, über den Fluh setzte. Hauptmann Crozier zog stch hierauf wieder nach dem Fort zurück, nachdem 10 seiner Leute gefallen und 11 verwundet worden waren. Später ver- einigten fich die beiden Detachementi. 80 der Aufrührer fielen in dem Treffen, und die Uebrigen haben einen schleunigen Rückzug nach dem Westen angetreten. — In Zentral-Amerika soll eS einer Depesche aui La Lidertad zu Folge zwischen den Truppen von Honduras und San Salvador bereits zu Scharmützeln gekommen sein. In Mexiko giebt fich nach in New-Umk eingelaufenen Nach» richten eine sehr kriegerische Stimmung gegen Barrio», den PrSstdenten von Guatemala, kund. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ein Geschwader entsandt, welches den Gang der Ereigniffe in Zentral- Amerika beobachten soll. D o K» t e s. Kür die Hinterbliebenen der verunglückten Berg- leute der Zeche Camphausen find uni aui der Laternen» Fabrik von G. Müller, Skalttzerstr. 5, 6 Mark und 5 Pf, zugegangen. (Wir haben angefichts der traurigen Verhältniffe unter den Arbeitern und in Erwägung, daß dieselben von allen Sellen leider zu sehr in Anspruch genommen werden, von einer Aufforderung zum Sammeln für die unglücklichen Familien Abstand genommen. Doch find wir gerne bereit, uni diesbezüglich zugehende Gelder den Betroffenen zu übermitteln. Die Redaktion.)_ Da» Aufchlutzgeleife, welches von der GSrlitzer-Bahn nach dem Bahnhof Treptow der Stadt- und Ringbahn ge» baut wird, geht mit Riesenschritten seiner Vollendung entgegen und wird in höchstens vier Wochen dem Betriebiamt über» geben werden. Dai Geleise hat nur eine Länge von 550 m- DaS dazu erforderliche Terrain hat von fünf Gärtnern aui Treptow, im Wege der Zwangsoeräußerung, erworben werden müssen und ist auf 140000 Ml. geschätzt worden- Einer der Eigenthümer, Gärtner Hoffmann, der nur eine Spitze de« hinteren Theili seine« Gartens hat abtreten müssen, hat diese Spitze allein mit 22 000 ML bezahlt bekommen.— Dieser Bau ist noch nicht vollendet und schon wieder werden von der Direktion der Stadt» und Ringbahn auf ver» schiedenen Bahnhöfen derselben Neu», resp. Umbauten projektirt. Ei liegen namentlich zwei solcher Projekte zur Be» rathung vor. Zunächst soll der Personrn-Bahnhof Rixdorf ver» legt werden. Es wird beabfichtigt, denselben mehr nach Tempelhof zu, in die Nähe der Hermannstraße lBritzer Chaussee) zu bringen, das Niveau deS jetzigen Bahnhof» alivann auizu- höhen, die jetzt vernagelte Holztreppe, welche früher den Ucber» gang der Bergstraße in Rirdorf vermittelte, wegfallen zu lassen und an Stelle deren eine Unterführung, womöglich auch für Fuhrwerk, herzustellen. Der neue Personen-Bahnhof soll dann für dai Publikum mit mehr Komfort ausgestattet werden und namentlich ein Restaurant erhalten.— Ebenso wird beabfichtigt, das Stationsgebäude auf Bahnhof Tempelhof unmittelbar an die Chaussee zu verlegm und dasselbe direkt von der Chaussee aui durch eine Treppe zugänglich ,u machen. Es würde als» dann die lange Rampe von der Chaussee nach dem Stations- gebäude wegfallen und mit Fuhrwerk ankommende Reisende würden direkt aus diesem in dai Bahnhofsgebäude eintreten können. Auch hier soll beim Neubau auf ein Restaurant Rück» ficht genommen werden. Diese Neubauten liegen zwar erst al» Projekte vor, sollen jedoch an maßgebender Stelle Fürsprache finden, so daß an deren Annahme kaum zu zweifeln ist. Wer e»«ründlich kennen lernen will, da» Berliner Lebe« mll seinen Licht» und Schattenseiten, mit seinen Leiden und Freuden, mit seinen kleinen Ränken und tollen Schwänken, mit seinem grobkömigen Humor und seiner unverwüstlichen Laune, der pilgere hinaus nach Moabit in die stolzen Hallen der Themis, die der mit Epreewaffer Getaufte„den neuen Molkenmartt" zu nennen pflegt. Hier wird er wie der„B-.K." verfichert, die eingehendsten Studien machen können, die inter» effantesten Modelle finden. Während aber vor den Schwur- gerichten und den Straskammern, die über Tod und Leben oder oft lebenslange Freiheitsentziehung zu entscheiden haben, fich die krassesten Bilder aui dem Leben der Großstadt entrollen, da« Verbrechen in seiner ganzen Stufenleiter von dem ge- schniegelten Bauernfänger mit der Talmi-Eleganz an bis zum hohläugigen Mörder erscheint, liegt es den Schöffengerichten ob, die kleinen Vergehen und Uebertretungen. an den Gesetzes- Verächtern zu ahnden. Eine besondere Spezies bei dieser levten Kategorie bilden die„Beleidigungen", Zimmer 24 ist der Ort, wo diese gelindere Sorte von Frevelihaten, die man an seinem lieben Nebenmenschen begeht, gesühnt«erden.»Klatsch- kammer" heißt fie im Munde des Richter»,„Wasch. küche" nennt fie das Volk, weil dort in der That die schmutzigeste Wäsche gewaschen wird. Hier giebt ei keinen Rechtsanwalt, der ex olficro einschreitet, kein Fünf-Rrchter.Kol- legium mit einem halben Dutzend Referendaren, ein Richter, flanlirt von zwei oft sehr selbstbewußten Schöffen mit einem Gerichtischreiber al« Protokoll führende Zugabe— da« ist der ganze richterliche Apparat in diesem Räume. Dafür ist aber hier dai Parteien- Publikum ein weit mannigfaltigeres, als in den anderen SlrafgerichtSsälen. Denn während jene Räume zum größten Theil doch nur durch das gewohnheitsmäßige oder ÄelegenheitS-Verbrechelthum ftequentirt werden, erscheinen hier in Nr. 24 zumeist unbescholtene Personen au« allen Ständen, die ein pikanter Klatsch, eine kleinere Reiberei oba eine dem ähnliche Veranlassung hinherführt. Hier tritt ,. B. die Frau Gehelmräthin ungenirt klagend gegen ihr impertinentes Dienst- mädchen auf und sucht mehr durch ihre Zungenfertigkeit als durch plaufible Beweisführung die Unwahrheit der Be- hauptung zu demonstriren, daß fich das Mädchen bei ihr„nicht habe satt essen können I" Eine aanze Reihe von Zeuginnen,»umeist Vorgängerinnen der Beklagten, müssen die verleumderische Behauptung eidlich entkrästen. DaS Dienstmädchen wird schließlich zu 10 Mark Strafe verurtheilt, aber auf der Frau Räthin bleibt trotzdem das Odium lasten, daß man stch bei ihr„nicht satt esse".— A ehrlich ergeht eS einer jungen Frau, die als Klägerin einem lerchtfinnigm jungen Manne gegenübersteht, der in öffentlichem Lokale ihre eheliche Treue anzuzweifeln wagte. Der Angeklagte erbietet fich, den Wahrheitsbeweis anzutreten und das Gericht ist- tcht in der Lage, denselben pure abzulehnen. Der Termin wird vertagt und schluchzend verläßt die junge Frau den GerichtSsaal— fie ist ungewiß, wer au» diesem Prozesse fieg» reich bervorgeden wird!—--„Ochse hat er mir je- schumpfen!" Mit diesem au« tiefster Seele kommenden Schm erzen ischrei stellt fich dem Richter eine breitlendige, robuste Dame der Halle gegenüber und faßt vor dem Richter- tisch, die Hände in die E ite gestemmt, Posta. Die Vor- Haltung des Richters, daß fich der Kv'enamen„Owse" doch kaum auf fie. al« Frau bezogen baben könne, läßt die vier» schrötig- Duenna völlig unbeantwortet— fie will partout die Bestrafung des Angeklagten, eimS älteren Mannes, der seinerseits v-rfichert, gar nicht daran ge- dacht«u haben, die Klägerin zu beleidigen. Auch die Beweisaufnahme läßt es ungewiß, ob stch der beleidigende Ausdruck„Ochse" auf die Klägerin bezogen habe. Sie wird deshalb mit ihrem Klageaniiage zurückgewiesen und muß die Kosten deS Verfahrens obendrein noch tragen. Natürlich ouittirt ste die Freisprechung ihre« angeblichen Beleidigers mit einer wrnig ehrerbietigen Aeußerung, bevor fie fich mtfemt.... Wieder ruft der Nuntiui zwei Damen auf— aber anstatt ihrer erscheinen zwei Herren— die beiderseitigen Anwälte. Man genirt stch offenbar, persönlich zu erscheinen. Desto besser. Denn wo zwei Anwälte allein anwesend find, da ist ein Ver- gleich schnell geschlossm.... Charakteristisch ist in jedem Falle die Thatsache, daß fich im Zimmer Nr. 24 größtentheilS dai schönere Geschlecht Rendezvous giebt— unter fünfzehn Streitsachen find kaum zwei, in denen stch Männer gegenüberstehen. Aus diesem Grunde wird man ei begreiflich finden, daß dort verhältnißmäßig nur sehr wenig Vergleiche zu Stande kommen; nur selten gelingt ei dem Richter, eine Aussöhnung herbeizuführen. Gewöhnlich bestehen die Damen auf ihrem Schein, d. h. ste verlangen Bestrafung deS Beklagten, find aber dann höchlichst erstaunt, wenn der Spieß umgekehrt, wenn gegen ste Widerklage er- hoben wird und dann nicht selten die Klägerin alt Verurtheilte, die Angeklagte aber als Freigesproche aus der Affaire hervor- geht. Dann giebtS Weinkrämpfe auf der einen und Lachsalven auf der anderen Seite— Wuthauibrüche aber auf Sellen des unschuldigen Ehemanne«, der die ganze Geschichte zu bezahlen hat. WaS für eine Kohorte von Tantippen, Klatschweibern und spitzzüngigen Damen wohl so im Verlauf eines Monats an den armen Richtern vorüberzieht? Jedenfalls zeigt fich im Zimmer Nr. 24 dai schwächere Geschlecht nicht gerade von der ver- führerischsten Seite, dagegen von einer Zungengewandtheit, daß den Hörern angst und bange wird. Wie oft würden, wäre nicht ein achtunggebietender, brellschultriger Nuntius zur Stelle, in diesem Räume nicht nur die Geister, sondern auch die Gegnerinnen aufeinanderplayen, wie mancher federumwallte Hut wäre wohl schon in der Blüthe deS Daseins geknickt, wie manches Chignon hier ohne die Intervention der beamtlichen Autorität von zarter Hand zu scheußlichen Klumpen geballt worden?! Ein vesnch in der Morgne. Wer fich in der Sorge um einen vermißten Angehörigen oder aus„Wißbegier" zu einem Besuch des schaurigen Ortes entschließt, wohin die Leichm von Verunglückten und von Selbstmördern gebracht werden, ver weiß vorhr, daß ihm ein Schauspiel geboten werden wird, daS selbst die stärksten Nerven zu erschüttern geeignet ist. Und wahrlich, der Anblick, welcher stch vorgestern dem Besucher der Morgue bot, war einer der schaurigsten seiner Art. In dem Kellerlokal, das nur durch Luken sein Licht erhält, lagen, wie daS„B. T" erzählt, auf hölzernen Pritschen ausgestreckt, fieben Leichen bei einander, entkleidet, mit Laken halb bedeckt während die Kleider, in denen ste gefunden worden, auf Leinen herum hingen. ES waren ausschließlich Selbstmörder, und die verschiedensten Todeiarten vertreten, deren die Unglücklichen stch bedient, um„den Staub des Irdischen abzuschütteln". Der Eme hatte fich erhängt, sein Halt zeigte noch die Epurm der Slrangulation; ein Anderer hatte fich erschossene er hatte, um des Todes stcher zu sein, die Schußwaffe mit Wasser ge- laden und fich das Gestcht völlig zerschmettert. Drei Andere waren Ertrunkene; abseits bei einander in der Ecke lag daS unglückliche Paar, dessen wir bereits Erwähnung gethan. Ein unbeschreibliches EtwaS in dem Aussehen dieses unglücklichen Paares ließ erkennen, daß dasselbe den besseren Ständen an- gehört haben dürste. Der Mann mochte in der ersten Hälfte der Dreißiger sein, seine Gestalt ist gewaltig, sein mit einem kleinen dunklen Schnurrbart geziertes Gestcht hat einen trotzig vornehmen Ausdruck. Da« Mädchen oder die junge Frau, deren glatte Körperformen, deren noch immer zierliches Gestcht mit dem aufgebundenen dunklen Haar von der I gendfrische der Lebenden erzählt, befindet fich in gesegneten Umständen.. und in diesen Umständen ist wohl der Kernpunkt und die Eni« räthselung des Dramas zu suchen, dai einen so erschütternden Abschluß gefunden hat. Ein Liehesverhältniß, daS nicht ohne Folgen geblieben, während der Vereinigung der Liebenden fich unüberstetaliche Hindernisse in den Weg legten— ein gemeinsam ausgeführter Sprung ins Waffer, dessen todtbringenden Ausgang die Verzweifelnden stch durch Umbinden von schweren Gewichten gefichert.... Bis jetzt find die Leichen noch nicht lekognoSzirt worden; ihre Bestattung hat bereits stattgefunden. — Als wir den schaurigen Ort verlassen und wieder ms Freie traten, schien draußen die warme Frühlingssonne, eine Schaar Schulkinder mit Botanifirtrommeln zog jubelnd vorüber... Welche Gegensätze! g. Vor dem Jnsttzgebände in Moabit, und zwar in der Straße„Alt-Atoabtt", nach welcher die Fenster der im Parterre belegenen Abtheilungen des Schöffengerichts hinaus- gehen, sah man gestern Vormittag einen Velozipedisten mit einem Trizykle(dreirädrigem Fahrzeug) eine Zeit lang aus- und abfahren, plötzlich bremsen, Biegungen machen, auf- und ab- springen— eine Vorführung, welche namentlich in dem Staats- anwalt, dem Vorsttzenden und den Schöffen einer Abiheilung sehr aufmerksame Zuschauer fand. Es handelte fich hier um die Lieferung des Beweise« eine« Radfahrers, der wieder einmal wegen Fahrens mit einem Trizpkle von der Polizei ein Straf- mandat erhalten und die richterliche Entscheidung beantragt hatte, daß ein Trizykle ein gewöhnliches Fahrzeug sei und den Verkehr nicht stö-e. Die Beweisführung ad ocnln« gelang vollkommen, der Velozipedist wurde— analog einer früheren Entscheidung— freigesprochen. a. Eine Ladendiebin. Ein fiebzehnjähriges Kindermädchen, unverehelichte R-, welches als Nebengewerbe den Ladendiebstahl betrieben hat, ist gestern zur Haft gebracht worden. Die R. befindet fich bei dem Bankier D. in der Kürassier straße im Dienst, welchem vor einer Woche vom Küchentisch ein Zwanzig- maikstück gestohlen worden war. D. verdächtigte die R. des Diebstahls, welche jedoch beharrlich bestritt, den Diebstahl ver- übt zu haben. Vorgestern Vormittag durchsuchte die Dienst- Herrschast den Koffer ver R., und fie fand darin in einer kleinen Schachtel eine Granatbroche und Granatohrringe, welche Schmucksachen mit dem AuSzeichnungsvermerk eines dem Bankier D- bekannten Juweliers in der Kommandantenstraße versehen waren. Bankier D. vermuthete nun, daß die R. für die gestohlenen 20 Mk- stch den Schmuck gekaust hätte, und er begab fich, um Aufklärung zu verlangen, sofort zu dem Ju- welier, welcher den Schmuck als sein Eigenthum wiedererkannte. Diesen Schmuck hatte ihm im Februar cr. ein junges Mädchen, welches in den Laden getreten war, fich Granatschmucksachen zur Auswahl hatte vorlegen lassen und ohne zu kaufen fich so« dann eilig entfernt hatte, gestohlen, und die von D. herbei- geholte R. wurde vom Juwelier als die Diebin bestimmt wiedererkannt. Die N, welche jetzt auch ihrem Dienstherrn gegenüber den Diebstahl der 20 Mk.«inräumte, wurde festge- nommen und zur Hast gebracht. Bei der nunmehr erfolgten sorgsamen Durchsuchung ihrer Sachen wurde ein Brief ihrer Mutter vorgefunden, worin diese fich für zahlreiche von der Tochter empfangene Geschenke bedankte. Diese Geschenke rüh- ren wahrscheinlich auch aui Ladendiebstählm her, da der Lohn der R. zu solchen Ausgaben nicht ausreichte. Ueber de« seit dem 15. v. M. von hier verschwurt- denen und inzwischen von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgten Kaufmann Adolf Löwenheim, dem Prokuristen der KonfektionSfirma Benjrmin und Kakparq, find inzwischen daS Vorleben deS BettügerS genugsam charakterifirende Thatsachen bekannt geworden. Er ist berells, wai auch seinen Chef« d& her nicht bekannt gewesen, in Polnisch Krone vor etwa 15 Jahren wegen betrügerischen BankeruttS mll zwei Jahren Zucht« hauS bestraft worden. Nach Verdüßung dieser Strafe kam Löwenheim nach Berlin und wußte stch in ganz lurzer Zell das Vertrauen seiner ChefS in den- Maße zu erwerben, daß ihm sehr bald die Prokura für daS umfangreiche Geschäft über- tragen wurde. In welcher großartigen Weise Löwenheim seine Chefs zu bestehl-n pflegte, geht drraus hervor, baß er in diesem Jahre bis zu semer Flucht, also in dem Zeitraum von sechs Wochen, 14 000 Mk. aus der GeschäftSkaffe fich ange- eignet hatte, auch seine Erstattungspflicht hierzu ausdrücklich an- erkannte. Die Summe, welche Löwenheim durchschnittlich im Jahre verbrauchte, berechnet man nach der„Ger�Zlg." auf 13 bis 15 000 M. Trotz dieser bedeutenden erschwindelten Baarmittel, welche er durch Fälschungen der Bücher sehr g� schickt zu oerdecken wußte, scheute stch Löwenheim nicht, den Versuch zu machen, einen Kondukteur der Großen Pferdebahn- Gesellschaft auf der Strecke Werdeischer Markt— Potsdamer Brücke um das Fahrgeld in Höhe von 10 Pf. zu betrügen. Der Kondukteur iirß Löwenkeim durch einen Schutzmann fest- nehmen und beantragte des Betrügers Besttafung. Löwenhei« wurde auch wegen ansuchten Betruges angeklagt, vom Schöffen- gericht aber freigesprochen, weil angenommen wurde, daß der „reiche Mann" nicht die Abficht gehabt, einer so geringfügigen Summe wegen fich einen widerrechtlichen Vermögensvortheil zu verschaffen. Gegen diese Entscheidung legte der StaatSanwall Berufung ein. Zur Verhandlung in d.r Berufungsinstanz konnte Löwenheim aber nicht geladen werden, da er fich in« zwischen aus dem Staube gemacht hatte. a. In Bezug anf die Verhaftung eine» hiesige« be- kannte« Künstler» wegen Meineides, welche von einigen Blättern erwähnt ist erfahren wir, daß es in dem der gegen den Künstler erhobenen Beschuldigung zum Grunde liegenden Falle fich nicht um unfittliche Handlungen gegen ein Kind und dem Anscheine nach überhaupt nicht um ein SittlichkeitS- Ver- gehen deS Verhasteten handelt. Derselbe war vielmehr vor längerer Zeit in einer Strafverhandlung gegen eine FrauenS- verson wegen Erpressung als Zeuge vorgeladen, da die Ange- klagte beschuldigt war, neben anderen Personm auch gegen ihn Erpressungsversuche gemacht zu haben. Bei seiner Vernehmung wurde ihm gegenüber auf intime Beziehungen, welche er zu einer Dame gehabt haben sollte, angespielt, und obwohl der Zeuge nicht nöthig gehabt hätte, dieser Behauptung gegenüber fich zu äußern, so stellte er doch auf seinen Zeugeneid die vor- geworfenen intimen Beziehungen in Abrede. Neuerdings find jedoch Thatumstände zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft ge» langt, welche die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Metneides gegen jenen Künstler und gegen mehrere andere an der Affaire betheiltgte Personen zur Folge gehabt haben, und im Verlaufe di-seS Verfahrens find auf richterlichen Haftbefehl der Künsller und die mitbeschuldigten Personen verhaftet worden. Daß selbst die Volksküche den Spitzbuben Stoff zur Arbeit liefen, beweist ein Fall, in dem ein der KriminalpoUzei al«„Leichenfledderer" bekannter Mensch beim Besuche der Volksküche nicht Anstand nahm, ein Stück Schweinefleisch von 10 Pfund Gewicht mitgehen zu heißen. Es selbst aufzuzehren, scheint der saubere Patron wegen der Fettigkell deS Stückes nicht im Stande gewesen zu sein, er suchte es daher für 30 Pf. an den Mann zu bringen; hierbei wurde er aber festge- nommen. Wie er selbst gestanden haben soll, ist er bei einer „Fledderet einer schweren Leiche" in der Stallschreiberstraß« detheiltgt gewesen. Ein Angettunkener war von einem Unde- kannten damals in ein Haus dieser Straße genommen worden, damit er dort seinen Rausch ausschlafen solle. Das Erwachen aui diesem war aber für den Betreffenden sehr unangenehm; denn Hut, Rock, Stiefeln, Udr und Stiefeln waren verschwun» den, der barmherzige Samariter, der stch seiner schwankenden Seele angenommen hatte, aber ebenfalls. Jetzt scheint man ihn in der Person des oben erwähnten Schweinefleischdiebes ergriffen zu haben. Studentenübermuth. Vier Studenten saßen, wie der „M Z" von hier geschrieben wird, oben auf dem Deckeine» Pferdebahn Wagens- Dicht bei der Stralsunderstraße, wo ste ab» steigen wollten, begann der Eine im schärfsten Fah-en die Trevoe hinabzusteigen. Seine drei Freunde standen auch auf, er ging ihnen zu langsam.„Wir kommen rascher'runter," riefen ste ihm zu, er stritt dagegen— ein kurzes Flüstern zwischen den Dreien, und zu gleicher Zeit sprangen die tollkühnen Menschen oben vom Deck herab mitten im Fahren aus daS Straßenpflaster. Es scheint, daß nicht nur die Kinder, sondern auch die Studenten ihren eigenen Schutzengel haben(letztere vielleicht BacchuS?), denn ste tarnen ohne jeden Schaden davon N. Hundebiß. Eine schwere Verletzung durch einen Hunde« biß erlitt vorgestern Vormittag in der Blumenthalstraße der 10jährige Sohn eines dort wohnenden Bahnarbeiteri Hamann. Der Knabe war beim Spielen mit anderen Kindern einem vor einen Kohlenwagen gespannten großen Hund zu nahe gekom« men und hatte das Thier dadurch so wüthend gemacht, daß e» dm Knaben trotz dos Maulkorbes in den Fuß biß und da» Knie zerfleischte. Der vor Schmerz halb ohnmächtige, heftig blutende Knabe mußte in der elterlichen Wohnung in ärztliche Behandlung genommen werden, während da» btsfize Thier auf Wunjch der Mutter thierärztlich untersucht werden soll. a. In der Raubmordsache gegen Zwiebler, welcher wegen deS Raubmordversuchs gegen den Knaben Avercast ver« haftet ist, ist die Voruntersuchung geschloffen uud die Akten der« selben find der Staatsanwaltschaft behufs Erhebung der Anklage zugestellt worden. Dem Untersuchungsrichter Herin Land« gerichtirath Hollmann gegmüber hat übrigens der angkschul« digte Zwiebler, welcher von vorn herein auf den inzwischen gleichfalls verhafteten„Tut«">Lehmann die Ausführung der Toat Hai abwälzm wollen, ein hattnäckiges Sch weigen beobachtet. Der verletzte Knabe Adercast ist jetzt vollständig wieder her« gestellt. a. Eine stark in Verwesung übergegangene Leiche eines zirka 35 Jahre alten, anscheinend dem Handwerkerstand« angehörigen Mannes ist an der Unterschleuse aus dem Land« wehrtanal am 27. d. M. gezogen worden, deren Identität noch nicht festgestellt ist. Der Mann, welcher fich zweifellos selbst aetödtet hat, ist von mittler Statur, mit dunklen Haaren und Schnurrbart, dunklem Anzug; er führte ein lcereS Portemon« naie, drei Schlüssel und eine Haarbüste bei fich. Politei-vericht. In der Nacht zum 28. d. M. war der Arbeiter Jäckel in dem Hause Rittersttaße Nr. 72 mit der Ueberwachung von KoakSkördm, welche in einem Zimmer zum Auittockenen einer neu gezogenen Wand aufgestellt warm, bettaut wordm. Am Morgen wurden Thür und Fenster geschlossen und derselbe lodt vorgefunden. Vermuthlich hat er in selbstmörderischer Absicht Thür und Fenster geschlossen und fit in Folge des entwicketten Kohienoxyvgases erstickt. Am 28- d. Mts. früh wurde von einem Geiretten deS Garde- Schützen« Bataillons in dem bewaldeten Thelle der Hasmhaide neben dem Schießstand 24a ein dem Arbeiterstande angehörender, 40 bii 45 Jahre alter Mann an einem Baum erhängt aufge- funden- An demselben Tage Nachmittags fiel ein unbekannter etwa 35—40 Jahre alter, dem Arbeiterstande angehörender Mann vor dem Hause Mithlendam Nc. 9 anscheinend in Folge eines Krampfanfalles zur Erde. Er wurde nach der Wache de« 1. Polizei Reviers gebracht, wo von dem hinzugezogenen Arzt der inzwischen bereit» eingetretene Tod konstatttt wurde- Die Lerche wurde nach dem ObduttionShause geschafft.— Z» derfelben Zeit wurde ein 4 Jahre alter Knabe von einem«m scharfen Trabe aus der Heinersdorfer- in die Greiswalserstraße einbiegenden Schlächterwagm überfahren und erlitt dabei. außer einem Bruch deS linkm Oberarms, so schwere innere Verletzungm, daß er nach dem Krankmhause rm FriedrichShaw gebracht werden mußte. Um dieselbe Zeit verunglückte der am »em Holzplatze Sellerstraße 2 beschäftigte Arbeiter Schreßrr dadurch, daß, als er von einem Stoß aufgestapelter Bren» eines derselben hervorzuziehen versuchte, er den Stapel umrr? und die Bretter ihm auf den Körper fielen, wob i er em Echer.keldtuch und eine Quetschung beider Hände erlitt. Anlegung eir.eS Nothverbandei wurde er nach dem Au gut'?' Hospital gebracht. Am 29. d. M. Vormittags stürzte R*. Mädchen aui dem Fenster seiner in der Metzerstraße 4 Tr.»o belegenen Wohnung auf den Hof hinab und verstarb aus" Stelle. Die Lttche wurde nach dem ObduttionShause geschan• — Um dieselbe Zeit wurde im Zandwehr-Kanal an der Eisen. lahnbrücke der Anhalter Eisenbahn die Leiche einet etwa 40 Jahre alten, anscheinend dem Arbeiterstande angebörigen unbe- kannten Mannet aufgefunden.— An demselben Tage Abendt wurde ein Mann in der Oranienstra�e von einem Pferdebahn» wagen, angeblich beim Heradspringen von demselben, über- fahren und erlitt dabei so erhebliche Verletzungen im Gificht, dah er nach Anlegung einrt Nothverbandes in der Sanitätt- wache, Oranienstraße Nr. 30, nach Bethanien gebracht werden muhte._ Gerichts-Rettung» a. Drei Bookmaker, welche im Sommer 1883 zu Hoppe. garten beim Pferderennen in der üblichen Weise gewettet hatten, standen am Sonnabend vor der 1. Strafkammer det Landgerichts 11 wegen gewerbsmäßigen Glücksspiel». Der eine, ein Londoner Rentier, hatte stch freiwillig, im Gefühle seiner Un> schuld, dem hiestgen Gerichte zur Verfügung gestellt und war auch im Termin anwesend. Die Strafkammer sprach die von dm Rechtsanwälten Friedmann und Wronker vertheidigtm Angeklagten frei, weil ihre Wetten in Hinficht auf ihre gün- stigen VermögenSverhältnifse jedenfalls nicht auf den Erwerb gerichtet gewesen waren. _— y. Der Hypothekenschwiudler OSkar Emil Max Hirsch und deffen Helfershelfer, der Landwirth Friedrich Martin Altschwager und die Güteragenten Franz Wilhelm Steindein und Karl Haak standen gestern vor der ersten Strafkammer det Landgerichts I. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Bachmann, die Vertheidigung für die ersten drei Angeklagten der Rechtsanwalt Dr. Fciedmann, für den vierten Angeklagten Rechtsanwalt Dr. Flatau. Die Verhandlung findet ihres Um» fanges wegen im kleinen Schwurgerichtssaal statt, es find 36 Zeugen zu vernehmen und wird die Verhandlung voraussichtlich Swei Tage in Anspruch nehmen. Gegen den Angeklagten >irsch liegen 10 Betrugsfälle vor, die übrigen drei Angeklagten sollen stch je eines Betrugsfalles und die Angeklagten Steinlein und Haak noch eines gemeinschaftlichen Erpreffungs« Versuches schuldig gemacht haben. Mit Ausnahme des letzten Angeklagten find fie sämmtlick vorbe- straft. Die Verhandlung enttollte ein charakteristisches Bild von dem Treiben gewisser Güter» und Häuscragenten und lieferte einm sprechenden Beweis dafür, daß in einer Mil- lionenstadt problematische Naturen, welche weiter nichts bcfitzen als ein dreistes und fichereö Austreten und unterstützt von einer distinguirtm Erscheinung, jederzeit Leute findm, deren Leicht- gläudigkeit und Vertrauensseligkeit fie auszubeuten verstehen Hirsch ist ein solcher Mann, er beschäftigte fich jahrelang mit dem Ankauf von Gütem und Häusem, und zwar gelang es ihm in verschiedenen Fällen solche Liegenschaften gegen werth» lose Hypotheken zu erstehen und aufgelassen zu erhalten. Als dem Hirsch der Bodm in Berlin schließlich zu heiß wurde, zog er es vor, spurlos zu verduften und einem Zufall sollte es vorbehalten bleibm, dm Aufenthalt des Flüchtigen zu ermitteln. Seine Ergreifung wurde unter ziemlich romantischm Umständen bewirkt. Im hiestgen Untersuchungsgefängnisse befand fich im vorigm Früh- jähre ein Agent Eichler und dieser theilte eines Tage« dem ihn vernehmmden Untersuchungsrichter mit, daß er bis vor Ku-zem der Eigmthümer eines bei Wolfftadt in Schweden belegenen Gutes gewesm und dasselbe vor Kurzem an einen gewissen Hirsch auS Berlin verkauft habe. Nach der Beschreibung, die Eichler von seinem Gutsnachfolger gab, mußte dieser mit dem gesuchtm Hirsch identisch sein und nachdem diese Vermuthung fich bestätigt hatte, wurde mit der schwedischen Regierung wegen Auslieferung unterhandelt. Die Festnahme desselben war aber doch mit Umständen verknüpft. Hirsch besaß nämlich auf seinem Gute eine inmitten eines SecS belegene, fast mit Urwald bedeckte Insel und auf dieser hatte er seine Heimstätte aufge- schlagen, indem er fich von der Außenwelt völlig abaelchlqfien Welt und bei ledern ihm unwillkommenen oder verdächtigen Be- such»in geheimes Versteck aufsuchte. Eines Tages wurde die die Insel umstellt und der Gesuchte auch richtig gefunden und unter ficherer Bedeckung nach Berlin geführt. Nach der An- klage ist Hirsch ein völlig mittelloser Mensch gewesen, als er «it seinen betrügerischen Manipulationen begann, er lebte der- zeit mit seiner jetzigen Frau im Konkubinat, fie bewohnten eine elegant ausgestattete Wohnung, doch waren die sämmt- lichen Mobtlien nur auf Leihkonttakt entnommen. Am 31. Juli 1882 leistete Hirsch einen Manifcstatrons- Eid nachdem mehrere Exekutionen stuchtlos gegen ihn auSgefallm waren. Ein glücklicherweise mißlungener Koup, dem der Lieutenant zum Opfer fall-.n sollte, illustritt am besten, wie die betrügerischen Transaktionen des Hirsch und seiner Gehilfen eingefädelt und ins Werl gesetzt wurden: Lieutenant v. B. war derzeit gesonnen, das ihm zugehörige Gut Ober-Ullersdorf zu veräußern und war zu diesem Behufe mit den Angeklagten Aitschwager und Eteinlein in Verbindung getreten, denen er bei Realistrung des Vcikaufs eine Proviston von 6000 Mk. zuficherte. Der Kaufpreis sollte 225 000 Mk. betragen. Die genannten Agenten wiesen Herrn v. B. als Kaufer den Angeklagten Hirsch zu, den fie als zahlungsfähig und gut stluirt schilderten. Nach längerem schriftlichen Ver- «hr wußten die Angeklagten den Herrn v. B., der derzeit m Darmstadt domizilirt war, zu bewegen, persönlich nach Berlin zu kommen und hier kam der Verkauf auch inso- West zu Stande, als ein schriftlicher Kontrakt stipulirt wurde. Hirsch trat hierbei äußerst großspurig auf, erklärte, daß er der 5>ohn eineS reichen Rittergutsbefitzers sei und daß ihm bedea- Wirde Baarmittel zur Veifügung ständen. Nach dem Kontrakte sollten von dem erwähnten Kaufpreise 132 003 M. als erste Hypothek auf dem Gute stehen bleiben, Hirsch sollte eine an- dere Hypothek von 36000 M. auf dem Gute Engsee, eine iwette Hypothek in Höhe von 48000 M., welche auf dem Grundstücke Köslinerstt. 16 ruhte und schließlich 1000 M. daar Ur Zahlung geben. Bei nicht erfolgter Auflassung innerhalb 8 �agen sollte der schuldige Kontrahent eine Konventional- mafe von 15000 Mk. zahlen. 3118 der Zahlungstermin beranrückte, zahlte Hirsch anstatt der Engsee'er Hypothek drei andere werthlose Hypotheken, welche bei der bald darauf statt- siihadlen Subhastation der betr. Grundstücke ausfielen. Außer- «m war Hirsch außer Stande, die 3000 Mk. baare Anzahlung Aufzutreiben und hieran schetterte schließlich der Verkauf. Von osr Bezahlung der stipulitten Konventionalstrafe war natürlich reine Rede und mußte Herr v. B. auch noch den Stempel mit 1700 Mark bezahlen, welches ihm allerdings später im «ege der Gnade erlassen woiden ist. Die Angeklagten Alt- ttvwager und Steinlein versuchten bei diesen Transaktionen auch M Exlrageschäst zu machen, denn fle versuchten, dem Herrn v. eine Summe von 3000 Mk. abzulocken und zwar unter der An- mohung, daß fie im Weigerungsfälle den bisher noch nicht «�stempelten Kaufvertrag mtt Hirsch dem Stemvelamt vorlegen und dem Herrn v. B. dadurch einen Stempelsteuerprozeß auf- ioven würden. So der eine Betrugtfall, dem die andern ziem- i'ch analog find. Der Angeklagte Hirsch destteitet zunächst jede �trügerische Adficht und will von der Gefchäftsführung eines Lfllen Kaufmanns nicht abgewichen sein. Wenn er fich als «iltterguisbesttzer ausgegeben, so sei er insofern dazu berechtigt lliwesen. als sein Baier vor reichlich 20 Jahren Besitzer eines auch nur kleinen Ritterguts gewesen. Auch seine ihm Vorwurf gemachte Angabe, daß er fich für den Inhaber eineS Lv'UgSaeschäfts en gros ausgegeben, beruhe auf Warheit, denn er V C f Q i e**"# /X4— t— X. Sc« w p ji?, tt—— f t» 1—— �treirfi h in Höhe von 48 000 M. auf dm Namen seines VaterS aufzu« nehmen und dies Papier war eS, daS er dem Herrn v. B. als gut und ficher in Zahlung geben wollte. Vier Tage darauf wurde das Grundstück Köslinerstr. 16 subhastirt und fiel die neukreirte Hypothek natürlich aus. Die Angeklagten Altschwager, Steinlein und Haack bestreiten mit Entschiedmheit jegliche Schuld, und besonders die Beschuldigung der versuchten Er- preffung weisen fie mtt Entrüstung von sich. Steinlein de- hauptet, daß Hirsch ihn aufgesucht und dm Wunsch geäußert habe, durch seine Vermittelung ein Gut zu kaufen und zwar könne er über eine Baarzahlung von 15 000 Thlrn. verfügen Er, der Angeklagte Steinlein, habe den Herrn v. B. eindring lich vor dem Geschäfte mtt Hirsch gewarnt, als er von der Ad- ficht des Letzteren, anstatt der Baarzahlung mit Hypotheken zahlen zu wollen, gehört habe. Als das Geschäft stch schließlich zerschlug, sei Herr v. B. zu ihnen mit der Bitte gekommen, die verabredete Prooifion zu ermäßigen und seien die Parteien übereingekommen, daß Herr v. B. für die von dm Agenten angestellten Bemühungen, denselbm 1500 M. zahlen sollte. Der Zeug« Herr v. B. behauptet den Angaben der Ängeklagtm gegenüber, daß dieselben gemeinsam operirt haben, um ihn zu schäbigen, auch hält der Zeuge die der Anklage wegen Er- preffung zu Grunde liegende Thatsache in vollem Umfange aufrecht. Die Gistmischerin von Leide«. Rotterdam, im März. Der Prozeß gegen die Giftmischerin auS Lewe» ifi spruchreif. Die Anklageschrift gegen die Beschuldigte, Maria Katharina Swanenburg, Eheweio des Johannes van der Linden, 45 Jahre att, gedorm und wohnend in Leiden, jetzt dettnirt im Haag, ist pudlizirt worden. Sie enthält im Wesmtlichen folgmdeS: Gemäß einer Aussage deS Petrus JalobuS de HeeS warm im Jahre 1881 er und seine Brüder Armd und Willem auf An- dringen der Brschuldigtm bei dieser und ihrem Manne in ihrer Wohnung in der Groemsteeg(Grüne Gaffe) in Penfion ge- kommen. Armd, der gerade den Militärstand verlassen hatte und fich einer gesunden und starken Konstitution erfreute, er- krankte eineS TageS im Oktober genannten Jahres plötzlich und starb nach einem zweitägigen Siechthum in der genannten Wohnung. Die Symptome der Krankheit waren: große Beklemmung, wildes Herumwerfen im Bette, fürchterliche Krämpfe, Erbrechen, Blau- und Schwarzwerden des MundeS, Diarrhoe, herausgetriebene Augen und Svrachlostgkett. Man hatte beobachtet, daß die Beschuldigte, im Gemache an- wesmd, ganz gleichgiltig an ihrem Platze blieb, selbst wenn der Kranke fortwährend ihren Namm rief; fie verficherte ihn bloS, daß eS wohl bald wieder fich bessern würde; den Umstehenden aber gab fie zu verstehen, daß der Tod fich wohl bald einstellen werde. Die Leiche ist am 3. November 1881 beerdigt und am 26. Dezember 1883, auf Befehl des Polizeikommiffärs von Leidm, wieder ausgegraben und nach der Anatomie in Leiden tranS- portiit, wo fie untersucht wurde. Nach der Untersuchung sind Gehirn, Leber, Gedärme und Nieren in das Pharmazeutische Laboratorium von Leiden gebracht worden, und ei stellte fich da heraus, daß in den gmannten Körpertheilm eine große Mmae Arsenik fich befand, daß daS Gift in einem Tranke ge» mischt eingenommen wurde nnd die DostS eine sehr detiächt- liche gewesen sein muß. Die Beschuldigte behauptete zuerst ihre Unschuld an dem Tode Arend'S de Hees; fie hat jedoch später eingestanden, daß fie den Plan gefaßt hatte, ihn zu tödten, und zwar aui Habsucht. Er war nämlich auf ihren Namen verfichert und fie hatte die Prämien dafür bezahlt. Bei seinem Tode fiel die Versicherung an fie, wie denn auch wirklich die betreffende Summe an fie ausbezahlt wurde. Das Gift war ein pelbeS Pulver(sogenanntes Oppermmt), welches fie bei einem Gewürzhändler kaufte; dasselbe, mit Kalt vermischt, dient zur Vertilgung von Wanzen und wird nur mit Kalk angerührt verkauft. Die Masse war jedoch bei jenem Ge- würzhänvler nicht gut gemischt, was fie veranlaßt«, daS oben« liegende Gift besonders zu sammeln und in einem Tovfc zu oerwahren. Einen Thcil davon warf fle in Wasser und Milch, die für Areud de HeeS bestimmt waren, waS seinen Tod her- beiführte. Nach dem Tode ihreS OpferS war fie eine Zeit lang so schuldbewußt und beängstigt, daß fie ihre Wohnung verließ und eine andere bezog. Das Geld von der Verstcherung hatte fie jedoch unbeängstigt erhoben. Ihr zweites Opfer war ein fünfjähriges Kind, Susanna Aden, welches fie bei Ab- Wesenheit der Eltern versorgte, und dem fie am 1. Dezember 1883 von dem nämlichen Puloer, das fie im vorigen Falle gebrauchte, eine Portion in einer Tasse eingab. DaS Kind war bis zum Tage seines TodeS vollkommen gesund. Am Morgen dieses TageS hatte eS über Fieber geklagt, war jedoch um acht Uhr wiederhergestellt. Um vier Uhr Nachmittags fand die Mutter ihr Kind ernstlich erkrankt. Die Beschuldigte war nicht dazu zu dringen, einen Arzt zu holen, fie sagte, daß fie zu betrübt sei über des KtndeS Erkrankung. Als nachher, auf Betreiben der Mutter, der Arzt kam, war das Mädchen schon todt. Die Beschuldigte behauptet, daß fie am Morgen de» genannten TageS dem im Bette liegenden Kinde unglücklicherweise auS dem Topf mit dem Puloer, den fie aus ihrer Wohnung mit nach der Wohnung der Aben's nahm, und in den fie Waffer gethan hatte, zu trinken gab, jedoch ohne daß es davon erkrankte, vermuthlich weil der Kalk unten lag. Nach- her habe fie auch unglücklicherweise und ohne Vorbedacht dm Rest in ein GlaS Mllch geworfen und dem Kinde zu trinkm gegeben. Das Kind wurde darauf krank und starb sogleich nachher. Eine Katze, die auch von der Milch trank, mußte fich blos übergeben. Die Angeklagte behauptet, nicht zu wissen. was fie beseelte, als fie den Topf von ihrem Hause mitnahm, denn fie liebte die Kinder deS Aben so sehr und hatte keinm Vorthetl von ihrem Tode. Auch jene Leiche wurde auSge- graben, untersucht und bei ihr daS Nämliche gefunden, wie in dem ersten Fall. Arsenik war auch hier die Ursache des Todes. Der dritte Fall war noch schrecklicher; er forderte nicht weniger als drei Opfer aus ein Mal, einen gewissen Frankhuizen, dessen Weib und ein kleines Kind, welche alle drei nach dem Ge- brauch von gekochter Milch mtt Anis, umter denselben Symp- tomen, Leibschmerzen und heftige Krämpfe, kurz nach einander starben. Aus dem Zeugenverhör und dem daraus erfolgten Gcständniß der Beschuldigten hat fich ergebm, daß die letztere am SIbmd des 8. Dezember 1883, unter dem Vorwand, etwaS ausiichtm zu müssen, nach der Wohnung von Frankhuizen (welcher mit ihres Mannes Schwester veiheirathet war), in der Gromesteeg stch begab. Sie traf Mann und Frau nicht zu Hause, und warf in einen auf dem Feuer stehenden Topfe daS verhängnißvolle Puloer, daS seine Wirkung nicht verfehtte. Die Angeklagte schuldete der Ehefrau Frankhuizen schon seit langer Zeit Fl. 7, und wußte, wie fle behauptet, keinen Rath, diese Summe aufzubringen und die Schuld zu bezahlen; fie meinte, daß die Frau bei einer eventuellen Erkrankung nicht mehr über daS Geld sprechen würde. Aber auch hier hatte fie eine Ver- lcherung von Fl. 70 auf FrankhuizenS genommen, für die erst krau Frankhuizm und nachher die Beschuldigte die üblichen Prämien bezahlt hatte. DaS ergab stch aus den Verhören meh- rerer Zeugen und wurde auch durch das Geständniß der An- geklagten bestätigt. Auf Grund dieser Thatsachen wird nun Maria Katharina Swanenburg. Eheweib de» Johannes van der Linden, des fünffachm Giftmordes beschuldigt. Die öffent- liche Verhandlung dieser Sache, in der ungefähr 50 Zeugen zu hären find, ist auf Donnerstag, den 23. April, anberaumt. der Beschluß gefaßt wurde, Special- Branchen- Kommisfione« von Seiten der Meister und Gesellen zu wählen und nochmals eine Durchberathung der Tarife vorzunehmen. Die Meister hätten, ttotz deS Versprechens, die Sache nicht in die Länge zu ziehen, eS verstanden, die Zeit ungenutzt verstteichen zu lassen. Die Behauptung der Jnnungszeitung, daß die Gesellen die Sache verschleppten, sei eine grobe Unwahrheit und ziele jeden» falls nur darauf ab, Uneinigkeit unter den Gesellen zu er» zeugen. An der Diskusfion betheiliaten fich die Herren Nie» mann, John, Beckschat u. A. Schließlich gelangte folgend« Resolution zur Annahme!:„Die heute in Altermann's Salon, Dennewitzstr. 13 tagende öffentliche Tischlerversammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten, daß die Manipula» tionen, welche von verschiedenen Tischlermeistern resp. dem Organ der JnnungSmeister angewandt werden, durchaus un» richtig find, und nur gemacht werd.n, um die Einmüthigket der Gesellen zu stören, fie verpflichtet fich daher, mit allen gesetz» lichen Mftteln und mit aller Energie für die Durchführung der Minimal-L rhntarife einzutreten." be. Die öffentliche Versammlung der Zimmerleute verlins und Umgegend, welche am Sonntag, den 29. ds, Vormittags, in Büß' Salon, Gr. Frankfurterstr. 87, unter Vorsty deS Herrn E« i tz t tagte, berieth die Stellungnahme "'■— cn. vi.r-.~-— zur Lohn- und Unteistützungsftaae für dieses Jahr. Der Referent, Herr Weiß, hob, nach einem Rückblick auf die Verhättnisse des vorigen Jahres, hervor, daß eS immer noch Werkplätze gebe, wo der Minimallohn von 40 Pfg. nicht gezahlt würde, daß aber trotzdem für die Lohnkommisfion kein Grund zum Einschreiten vorgelegen habe, weil die Kollegen, die einen geringeren Lohn erhielten, flch nicht gemeldet hätten. Die neu zu wählende Kommisfion müsse hierin energisch vor» gehen, fie müsse wissen, daß fie das Vertrauen deS ganzen Zimmerergewerks befitze und gestützt auf diese Macht werde fie überall den Minimallohn durchsetzen. Zu diesem Zweck sei eS aber nothwendig, den Generalfond zu erhöhen und Samm» lungen zu veranstalten, denn eS sei zu erwarten, daß in nächster Zeit in einer Reihe von Städten Deutschlands die Zimmerleute in StteikS treten würden, um ihren gedrückten Lohn zu er» höhen. Diese Kollegen müßten unterstützt werden im Interesse der Solidarität und um ihren Zuzug nach Berlin zu verhindern. An der Diskusfion, die sehr sachlich verlief, betheiliaten flch die Herren Post, Hentze, E i e g w a l d, Kruse, Schön» stein, Reuter, Kliem, Lehmann u. A. m. In Uebereinsttmmung mit dem Referenten wurde als Grund der bisherigen Lethargie in der Bewegung angegeben» daß ei den Berliner Zimmerleuten noch viel zu gut gehe(Wir glauben nicht, daß ei den Zimmerleuten zu gut geht, es fehlt nur die Erkenntniß. D. R.) und daß persönliche Reiberetm und Verdächtigungen ein geveihlicheS Vorgehen bisher unmög» lich gemacht hätten. Es wurde darauf hingewiesen, daß die reue Baupolizeiordoung vorauifichtltch das Kapital im nächsten Jahr von Bauunternehmungen zurückschrecken werde, daß in Zolge dessen ein Zurückgehen der Löhne zu erwarten wäre und daß demgegenüber Einigkeit mehr denn je geboten sei: ein» pfohlen wurde außerdem der Ausschuß an den V e r b a n d deutscherZimmerleute, dessen Berliner Mitgliedschaft schwächer sei, als die vieler Provinzialstädte. Zum Schluß ge» langte der Antrag Kliem zur Annahme,„zum Zweck der Organisation einen Auftuf an die Berliner Zimmerleute zu er» lassen und die neu zu r. ählende Kommisfion mit der 3lbfaffung desselben zu beauftragen." In Anbetracht der vorgerückten Zeit, welche die Reihen der Versammlung bereUS sehr gelichtet hatte, wurde die Neuwahl der Kommisfion nicht vorgenommen, sondem dieS sowie die Erledigung der übrigen Punkte der Tagesordnung der nächsten Versammlung überlassen. I« der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands(Mitgliedschaft Berlin i.j, die am Sonntag im Wedding- Park tagte und von ca. 250 Personen besucht war, referirte Herr Michelsen über das Thema „Ist durch die Gewerkschaftsorganisation ein« dauernde Besser» stellung der Arbeiter zu erzielen?" Redner verneint diese Frage, da die heutige Organisation der Arbeiter noch nicht auf der Höhe stände, als fie müsse, um wirksam die Interessen. derselben zu vertreten. Eine dauernde Besserstellung der Lage deS arbeitenden Volkes könne nur durch die Regelung der Produktionsweise erzielt werden. Im weiteren Verlauf deS Vortrags erklärte fich der Referent gegen die Zersplitterungs» wuth(Wir glauben nicht, daß die Gegner der Zentralisation lediglich aus„Wuth" Gegner sind; prinzipiell haben fich un- seres Wissens alle Redner bis jetzt für Zentralisation erklärt, eS wurden nur taktische Gründe und zwar recht erhebliche gegen dieselbe geltend gemacht. D. Red.) der Anhänger der II v_______,... w.. w.viuku wuroen« änc Versammlung spendete dem Redner lebhaften Beifall. Herr Guchett berichtete über den Streik der Bielefelder Nähmaschinenarbeiter und he» dauert»>in6 0-"—''' Vereine und Versammlungen. Eine öffentliche Ttfchlerversammlung fand am Sonn. tag in Altermann's Salon, Dennewitzstr. 13, statt. Herr Etellmann referirte über„das Verhallen einer Anzahl Tischler- meister zu den Mintmal-Lohntarifen und waS thun wir da- gegen." Referent führte aus, daß nun schon eine geraume Zeit oerstrichen sei sett der Meister-Versammlung, in welcher _______— r,««iviim rnoji an oem Solidaritäts« gesühl der hiestgen Kollegen irre werden. Eine zur Unter» stützung der Stteikenden beantragte Tellersammlung ergab 15,75 Mark. hr. I« der öffentliche« Versammlung de« Tischler, welche am Sonntag, Lothringerstr. 37, unter dem Vorfitze de» Henn Lenz stattfand, referirte Herr G. Roedel über:„Die Stellungnahme einer Anzahl Berliner Tischlermeister gegen unsere Minimallohntarife, und was thun wir dagegen?" Re» ferent wies darauf hin, daß die mit der Mehrzahl der Meister vereinbarten Minimal ohntarife, welche nach Ostern zur allge» meinen Geltung gebracht werden sollen, bei solchen Meistern, welche bis jetzt noch bedeutend niedrige Löhne zablm, nicht ohne ein energisches Vorgehen der in den betreffenden Wert- stätten beschäftigten Kollegen werden durchzusetzen sein. In der Bautischlermeister- Versammlung, welche am Don» nerstag stattgefunden, sei ein Tarif, in welchen die mtt der Lohnkommisfion vereinbarten Sätze aufgenommen find, von einer nicht unbedeutenden Anzahl von Meistern in sehr un« parlamentarischer Weise bekämpft worden. Zum Be» weis« dafür, daß ein einmüthiges Vorgehen der Kalle« len zum Siege führe, machte Referent die erfreuliche Miltheilung, daß in der Brunzlow'schen Werkstätte» Neue Königstiaße 15, eine vor vier Wochen eingeführte neue Werkstattordnung, welche eine zehnstündige Arbettszeit fest» setzte, in Folge der einmüthigen Oppofition der(90) Kollegen zuerst in so weit abgeändert wurde, daß die 9V,standige Ar« beitszeit unter der Bedingung eines Lohnabzugs für eine halbe Stunde zugestanden wurde, zuletzt aber in der Weise, daß die Forderung der 9'/>stündigen ArbeitSzett bedingungslos bewilligt worden ist. In der Diskusston wurde die Thatsache, daß von der erwähnten Bauttschlermeisterversammluna der Delegirte der Gesellen-Subkommisston für die Baubranche ausgeschlossen worden ist, einer Herden Kritik unterzogen und über bedauerliche Mißstände und Vorkommnisse in der Müller'schen(Invaliden» straße 7) und in der Wetvenbach'schen Werkstatt Bericht er» stattet. ES wurde schließlich einstimmig ein« Resolution an« genommen, in welcher die Versammelten fich mit den AuS» führungen deS Referenten einverstanden erklären und fich ver- pflichteten, nach Kräften für die Bewegung einzutreten, und die Zahlung zum Unterstützungsfonds für Ehrensache erklären. t. I« der öffentliche« Versammlung der Echlosse» und Beruftgeuossen, welche am Sonntag, den 29. v. Ms., in der Viktottabrauerei unter Vorsttz deS Herrn Miethe tagte, nahm Herr Göbel Gelegenheft, den zahlreich Erschienenen die Bedeutung der Lohnbewegung klar vor Augen zu führen und anknüpfend an den jetzigen Streik veranschaulichte Herr Miethe, daß die Lohnkommisfion eine nothwendig« Behörde. für daS Schloffergeweib« sei und bleiben müsse. Daß Herr Schulz fich weigere, mit der Lohnkommisston zu verhandeln, geschehe auS dem Grunde, weil er erkannt habe, daß er Männern gegenüberstebe, welche, mit allen Verhältnissen ver« traut, bereit find, die Rechte und Interessen der Arbeiter aufs energischste zu wahren und demzufolge befürchte, den Kürzeren zu ziehen.-Ebenso richtig hätten aber auch die Schulz'schen Arbeiter dieS erkannt und ebenso, wie diese, müßten alle Kollegen fest und treu zusammenstehen, um daS von der Lohnkommisston aufgestellte Programm überall zur Durch« füdrung zu dringen. Der jetzige Streik sei ein warnende« Beispiel für die Zukunft und viele Unternehmer würden stch veranlaßt sehen, e» nicht auf einen solchen ankommen zu lassen, sondern die Forderungen der Arbeiter in Güte zu dewilligen. Bezüglich de« Streiks theilte Herr Micthe mit. daß zur Zeit 41 Mann streiken, daß aber bereits am nächsten Tage noch mehr Arbeiter die Arbeit niederlegen würden. Die Haltung der Streikenden sei eine vorzügliche und würden dieselben nicht eher die Arbeit wieder aufnedmen, al« diS alle Forderungen bewilligt find. Trotz seines diesbezüglichen Zugeständnisses habe Herr Schulz am letzten Sonnabend wiederum nur 15 Mk. Lohn ausgezahlt. Eine Autstellung von Spezioltanfen für Akkordarbeiten, wie verlangt wurde, sei vorderhand noch nicht möglich; nur Schritt für Schritt könne vorgegangen werden und müsse vorerst die allgemeine Regelung der Lohn« und ArdeiiSverbältnisse ini Auge gefaßt werden. Um vielfachen Wünschen zu entsprechen, wird die Kommisfion noch weitere Zahlstellen in entlegeneren Stadttheilen errichten.— Zu be- richtigen ist noch, daß Herr Birch nicht Prenzlauerstraße sondern Breslaucrstraße 13 wohnt. Sine Delegirten.Versammlung der Tischler findet am Dienstag, den 31. März, AbendS 8'/- Ubr. Alte Jakobstr. 37 statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Wodurch erhalten wir unsere Konkurrenzfähigkeit in Berlin; 3. Die ArbeitSverbältniffe und A beitszeit in den Werkstätten bei Hecht, Wasserthor- stroße 27: Longe, Ludauerstr. 1 1; Hübner. Grünstr. 19; 3. In den Tischlereien Koch. Fänsch. Larsen und. Böttcher; 4. Unte-stüyungSgesuche. Werkslatten, welche noch nicht deiheiligt find, können zu dieser Versammlung noch ihren Delegirten anmelden.„,„ Gauverein Berliner vildhaurr. Annenstr. 16. heute Abend 9 Uhr, Vortrag de« Herrn Dr. S chn e lle nd a ch über „Deutsche Sage" und„Deutscher Sang." Zentral- Ki anke«.«nd Sterbe Kasse der Tischler und anderer gewerblicher Ardeiter(örtliche Verwaltung! stelle Berlin C.. HallescheS Thoi) macht ihren Mitgliedern bekannt, daß vom 1. April ab Herr Karl Böhm, Johanniter straße 10 wohnhaft, den OrtSkasfirerposten übernimmt und werden daselbst von dem Tage ab sämmtllche Kranken- Ar- und Abmeldungen entgegen« ��°Sine'öfftvtl. Arbeiter.Ber sammln« g firdet am Mitt« woch, den 1. April er., AdcndS 8 Uhr. im«on«rthau,e LanS- souci, Koltbuserstr. 4a stait. Herr Stadtv. Fritz Gorcki hat es übernommen, in derselben über„Die Arbeiterfragen m Parlament" zu ltferiien...„... ,.,'ä4 i' In der SonntagS- Nummer unseres Blattes ist angegeben, daß die Zahlstelle von der Skalitzerstr. 140 nach der Grünstraße verlegt wird. Eb muß heißen nach der G r i m m st r. Nr. 1 Permiscktes. Summarische Justiz. Am Montag Morgen, so wird der„Franks. Ztg." auS London, 25. d. M. geschrieben, fand vor dem GastbauS zum Sarazenen-Kopf in Shivl-y, einem etwa 6 e»gl. Meilen von Birmingham entfernten Mark« flecken, ein außerordentlicher Austrstt statt. Am Sonnabend war dort ein fashionabel gekleideter Herr mit einer jungen Dame angelangt und harte im desagten Gasthof Zimmer gemielhet. Es verlautete, daß e« stch um eine romantische Ent- führung handle, aber bit Montag Morgen blieb daS LiebcSpaar ungestört. Da erschien auf dem Schauplatz f üh Äoigens ein Mann aus Birmingham mit 4 handfesten Freunden und ei kundigte fich nach dem flüchtigen Pärchen. Es war der Gatt« der Frau und wollte die Treulosen bei« lammen übe: raschen. Trotz der Frühe war der Cstisbeo schon ausg flogen. Ec hatte mit einem Freund im Dorfe, der ein Wägelchen besaß, verabredet, daß ste miteinander nach Birming- bam zurückfahren wollten, und war ausgegangen, ihn aufzu- suchen. Man erwartete ihn im Hotel. Der beleidigte Gatte und seine Freunde verstcckten fich inzwischen hinter einem Heuschober und st hen bald zu ihrer großen Freude den Verführer mit seinem Freund im Gig in den Hof fahren. Der Wagen hielt vor der Thürk. Cpne dem faihionadlen Herrn Zeit ,u lassen, auS- zusteigen, stürzten fich die Rächer auf ihn, zerrten ihn ir oy sein- m Widerstreben und den Peitschenhieben seines Freunvcs herunier und schleppien ihn zum Brunnentrog, der mit eiskaltem Wasser Htfüttt zur Operaiion dereit stand. Wie sehr er stch auch wehrte, birein mußte er, und während Drei ihn festhielten, setzte ein Vierter die Pumpe in Bewegung und ein Fünfter begoß ihn mit einem Eimer. Der arme Bursche wäre beinahe ertrunken. Der Lärm setzte daS ganze Dorf in Aufregung und eine Menge Bauersleute versammelte fich gaffend im Hof; doch rührte keiner einen Finger, um den Halbertrur.kenm aus den Händen seiner Quäler zu befreien. Schließlich war er so erschöpft, daß man >bn aus dem Trog beben und auf den Beinen halten mußte. Ein Eimer voll Miblwaffer, für die Postpferde bereitet, stand da. Zum Ad'chied wurde der schmierige Inhalt über seinen funkelnagelneuen Anzug gegossen, was die Lächerlichkeit der Situation, aber auch die Unbequemlichkeit des Opfers de- deutend vermehrte. Er eilte in cmen Bäckerladen und wollte fich hinter dem Ladentisch verrückm, wurde aber von den fünf Rachcengeln unbarmherzig herausgelchleppt durchgepiügelt und freigelassen. DieSmal flüchtete er fich auf die Brachfelder, von den Fünfen verfolgt, die ihm ge» leger, tlrch mit Fußtriitcn und Püffen das Laufen erlerch- leichterten. Eine volle Halde Stunde dauerte die Hetzjagd, schließlich gelang eS ihm, trotz seiner Erschöpfung, über eine Hecke zu klettern, wobei er in einen schmutzigen Graben pur- zelte und liegen oder stecken blieb. Dieser letzte Unfall schien die Rache deS beleidigten Gatten zu kühlen; er ließ ihn liegen und eilaubte dem Freund, der in der Nähe dem Schauspiel u b-n harte, ihn aufi dem Graben zu ziehen. Berde fuhren unter dem Hohngclächter der Bauern nach Birmingham zurück Doch ist nicht bekannt gewoiden, auf welche Weise der Mann fich mit seiner entlaufenen Frau auseinander« gesetzt hat. Bestrafte Renommage. Mcdizinalroth:„Wie geht'S lieber Herr Kollege?"— Dostor:„Alb Goit, beute Nacht bin ich fünfmal geweckt worden!— Medizinalrath:„Ja, warum kaufen Sie nicht Insektenpulver?" Wie die Alte« sungen, so zwit chern die Jungen, und sogar die dummen Jungen. Aus Paris kommt die Nachricht, daß dieser Tage im BoiS de VincenneS zwei Knaben von 14 Jahren ein Duell nach allen Regeln deS Ehrenkovex ausge- fochten haben. Die Heiren Väter, so demerkt ein"Berliner Blatt hierzu werden hoffe Uich das richtige R-imwort auf den „Kodex" zu finden wiffm. Schmeichelhaft. Während eines Gastspiels in Manchester gingen Kemble und Lewis, zwei berühmte englische Bühnen- künstler, einmal zusammen spazieren, und kamen an einem Straßenkehrer vorbei, der mit seinem Lehrling das Pflaster säuberte.„Seht, Meister, das find Schaaipieler!" schrie der Bube, auf die Vorübergehenden mit dcm Finger zeigend.— „Sei Du nur still, Range," meinte der Straßenkehrer,„wer weiß, was aus Dir noch ernmal wird?" imepuljiea det JUda&tion. Ei« Abonnent Sie find der Geschädigte und thun am besten, fich sofort an dir&taa sanwaltsibaft zu wenden. O. Sch-, Greife waiderstraste. Sie wollen fich wobl einen nicht recht passe,, drn Wiy machen, wenn Sie fragen, wie es kommt, daß es auch des Nachts tegnet, da doch dann der von uns dewobnte Theil der Erde nach unten steht. Wenn Sie stch eine solche F-age wirklich nicht beantworten können, nutzt Ihnen eine Antwort von uns auch nichts, da wir uns hier auf weitläufige Auseinanderletzungen nicht einlassen können. O- I. Manteuffelstr. Sie wollen stch das Gewünschte selbst aus unserer Exv-dNion abholen. E. K. Skalitzerstr. Wir sehen Ihren geschätzten Mit« theilungrn sehr gern entgegen. Kranker, Sebaftianstr, Gegen Karzathmigkeit wird manches Mittel empfohlen, welches so gut wie gar nicht Hilst. Und das ist sehr natu-'ich. Die Kurzathmigkest kann auf ver- scdiedenkN Ursachen beruhen und nach dielen Ursachen muß sich die Behandlung des Uebcl» richten. Es ist also unter allen Umständen durch ärztliche Untersuchung festzustellen, wel- ches die Ursache der Kurzathmigkeit ist, ehe Mittel zur Abhilfe derselb.n bezeichnet werden können. Emma B., Oranienplatz. August von Kotzebue wurde am 23. März 1819 von dem Studenten Sand in Mannheim etstocken. R. St., Schlosser. Sobald Jemand in Deutschland zwei Jahre lang ununterbrochen in einem Orte seinen bleibenden Wohnfitz hat, hat er daselbst den„Untcrstützungswohnsty" er« langt, muß also auch im Falle der Verarmung, reip. der Arbeitsunfähigkeit seitens der Grmeinde unterstützt werden. Kelke. Wenden Sie fich an daS königliche Polizei« Präsidium. Theater. KSutgltche« Opernhau». Heute: Geschloffen._____ Köntgitche» S-r,ausvrelhau». Heute: Torquato Taffo.__ Deutsche« Theater. Heute: Prinz Friedrich von Homburg._ BeNeallianee.Ih«atcr Heute: Geschlossen.________ Neue« Kriedrich-WUhelmstädtische« Theater. Heute: Gabvaronc.____ Ceatrat-Theate»: Alte Jakobstraße 30. Direktor- Ad. Ernst. 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Zahlstelle: Fcbrbellinerstr. 46, o. 1 Tt., bei Fr. Meter. 679 OcS'cntliche Arbeiter-Versammlung Mittwoch, d. 1. April, AbendS 8 Uhr. im Lokale„Sanssouci", Kotibuserstraße Nr. 4&. Tagesordnung: „Die Arbeiterftage im Parlamente". Referent Herr Stadtv. Fr. Goerckt., Um zahlreiches Eischeinen wird ersucht. Zm MMA.«-J-g»« � "w" 57. Abonnements-Gnladung auf die tn München erscheinende soztalpolstische Wochen- schrift: „Das KMaufAMt" die im nächsten Monat ihren zweiten Jahrgang voll- endet und in der kuizen Zeit ihre« Bestehens schon einen außeroidentlich zahlreichen Leserkreis gewon- nen hat. „DaS Reckt auf Arbeit" ist ein vollkommen un- obhärgiges A. bettet vi gan, das mit allen gesetzlichen Mitteln für die Rechte ver Arbeit, Gwie für die Interessen der unpolitischen Aibeiterorganisationen ein- „Das Recht auf Atbett" ist im Berliner Post- zeirunaS Katalog unter Nr. 4108a, in München unier Nr. 532a eingetragen. „DaS Recht auf Arbeit" kostet vierteljährlich 75 Pf. bei eigener Abholung von unserer Hauvtixpedition in München, oder bei den Postanstalten deS deutschen Reichs: 90 Pf. bei Postabonnenten mit Zustellge- bühr; M. 1,20 bei direktem Kreuzbandabonnement. In demselben Verlage und als volifische Ergan- zun« zum„Recht auf Ardett" erscheint srit Februar d. I. die Zettschrift „Dentsches Wochenblatt" welchrS vornehmlich die Aufgabe fich grstellt hat, auch über die Vorgänge auf rein politischem Gebiet, vor- zugSweise über solche Vorgänge, welche daS Interesse der arbettenden Klaffen betreffen, streng sachliche Be- richte zu liefern. Auch für daS„Deutsche Wochenblatt" ist derselbe AdonnementSpreiS wie für daS„Recht auf Arbeit" festgesetzt- Mit„Reckt auf Arbeit" gemeinsam beträgt er vonotlich 50 Pf., unter Kreuzbond zugestillt 75 Pf, wodti der humoristisch-satyrische„Süddeutsche Postillou" grat's rugegeben wird. Bei Pzrtienbczug tritt eine bedeutend« Pre seimäßigung ein. Recht zohlreichen Abonnements sehen entgegen Redaktion und Verlag 1 dts,Ltlht L. Viereck. Arl>etism«rkt. Ein Korbmachergehilfe tüchtig in lNeftellardeit, wird verlangt nacs Cyristranta; Reist vergüttgt. Nähere Auskunft ertheilt ft Zoffenersttaße 53, �3,« JV'» tj I» v � Hof jjart. rechts, b Reban. Lehrmädchen a. Knoben-Anz verl. 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