Nr 77. Mittwoch, 1. April 1888. II. Zabrg. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. erschei»t täglich Morgens Das.»Berliner Volksblntt" außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis Berlin frei tn'S Haus'vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf.. Postabonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf.' Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der P�stzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. ,746.) 3« serti uns gebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Ravatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. KedaKtw«: Deuthstraße 2.— Erpebition: Zimmerstraße 44. ''0. Die Subskriptionslisten.'". sind heute an die Expedition, Zimmerstraße 44, einzusenden. AboulltmeutsGiiiiaduilg. Zum bevorstehenden BterteljahrS-Wechsel erlauben wir uns, alle Arbeiter Berlins zum Adonneaent auf daö „Berliner Bottsblatt" mit der Gratis-Beilage „Jllustrirtes SountagSblatt�� einzuladen. Frei ins Hans kostet dasseibe für das ganze Vierteljahr 4 Mark, für den Monat April 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen lZeitungSspediteuren» sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44, angenommen. Zu dem bevorstehenden Umzug machen w'-r unsere Leser noch ganz besonders darauf aufmerksam, die neue Wohnung dem Spediteur rechtzeitig anzugeben, damit in der Bestellung der Zeitung keine Unterbrechung eintritt. Am 1. April weiden wir mit der Veröffentlichung eines höchst intereffanten und spannenden RomanS aus der Feder Krtedriq«erstäcker's Im Eckfenster beginnen. De« neu hinzutretenden Abonnenten wird— soweit der Borrath reicht— der bisher erschienene Theil des Romans „Gksicht flit gtslludtll" sowie das „JllnstrirteS SouutagSblatt" gratis und franko nachgeliefert. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für daS nächste Quartal zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion und Expedition de»„Berliner Bolksblatt." vie Zukunft der Parteien. Unter diesem Titel bespricht die Münchener„All- gemeine Zeitung", die bekanntlich eine Menge von offiziösen Beziehungen hat, die gegenwärtige Situation in einem au« Berlin an fie gerichteten Briefe, und meint, wenn der Liberalismus gegenwärtig auch in eine sehr bescheidene Stellung zurückgedrängt sei, so würde» doch in Zukunft„die aristokratischen Elemente aus JeuilXeton. Im Eckfenster. Roman »on Friedrich verstäcker. EineUeberraschung. Mitten in Rhodenburg, einer ziemlich großen deutschen Provinzialstadt, dem alten, jetzt nur noch selten benutzten Schlosse gegenüber, wohnte in einem nicht sehr ausgedehnten, aber dafür höchst elegant eingerichteten Gebäude Freiherr von Solberg, aus einer alten, sehr reichen Familie und durch sein bedeutendes Vermögen auch vollständig unabhängig in der Welt gestellt. Da der Mensch aber nur in Ausnahmefällen selber weiß, wann es ihm wohl ist, und außerdem auch noch eine Beschäftigung verlangt, so suchte von Solberg bald nach seiner Verheirathung den Hofdienst und bekleidete jetzt die Stellung eines Kammerherr», ohne jedoch verpflichtet zu sein, de« Hofe überallhin zu folgen. Nur im Spätsommer jede» Jahre« zog auch der Hof, oft nur der Fürst allein, auf kurze Zeit nach Rhodenburg, und zwar aus ein benachbarte« Jagdschloß, und hielt dort einen kleinen Hofstaat. Dann allerding« lagen dem Kammer- Herrn von Solderg die üblichen Funktioren ob, die oft seine ganze Zeit in Anspruch nahmen. Freiherr von Sol- berg»annte sich aber m,t Stolz einen„fürstlichen Diener", war jedoch in der Zeit nicht einmal sein eigener Herr, viel weniger ein Freiherr. �„ Gegenu äitig hielt der Fürst aber fernen Hofstaat in der Residenz— es war Frühjahr in Deutschland, und zwar ein so prachtvolle» Aprilwetter, daß es den Sommer schon um diese frühe Jahreszeit hereinzauberle. Die glänzenden, klebrigen Knospenkolben der Kastanien brachen auf, die Vögel zwitscherten in allen Zweigen, und die Sonne sandte ihre Strahlen so warm auf die Erde nieder, daß sie den Schnee selbst au» den höheren Gebirgen aufsog und in Sturzbächen hinab in» Thal sandte.' � In dem Frlihpückszimmer de« Solberg'schen Hause» war die Familie heute Morgen versammelt— der Kammeralle» Lagern" dem.Liberalismus wieder da» Feld räumen müsse«. Das Blatt meint,„in alle» Angelegenheiten der bürger lichen und religi» ö s e n F r e i h e i-t" stehe die entschiedene Mehrheit auf Seiten des Liberalismus und„wenn erst diese Fragen»it- der die Volksseele beschäftigen", dann kann eS nicht zweifelhaft sein, wem die Sympathien des VvlkeS in Wahrheit gehörten. Es wäre wohl interessant zu erfahren, wer der liberale Politiker in Berlin ist. der dem sonst so kühl abwägenden Blmte in München einen solch gewichtige« Bären aufgebunden hat. Also weyn„die Volksseele" sich wieder mit den Fragen bürgerlicher und religiöser Freiheit beschäftigt, dann ist der Liberalismus geborgen! Hat denn dieser Ber- liner liberale Staatsmann niemals von dem vom Liberali»- mu» so kräftig betriebenen„Kulturkampf" gehört? Nun, die„Volksseele" hat erfahren, daß vom Liberalismus eigeniliche religiöse Freiheit nicht zu erwarten ist, denn der Liberalismus würde heute den Kulturkampf«it aller Schärfe fortsetzen, wenn die Regierung mitthäte. Stillt«an schon alle Begriffe auf den Kopf, wenn man den Liberalismus zum Verfechter religiöser Freiheit stempeln will. so ist der Versuch, den gegen- wältigen Liberalismus auch noch als den Hort bürger- licher Freiheit anpreisen zu wollen, völlig undiskutir- bar. Wir haben wahrlich zuviel Respekt vor der„deutschen Volksseele", sowie vor dem ihr zugemessenen Verständnisse, um zu glauben, daß nach all den politischen Leistungen des Liberalismus in der letzten Zeit sich größere Volkstheile noch in den kindlichen Glauben einwiegen ließen, der Liberalismus sei fähig oder auch nur gewillt, politische oder bürgerliche Freiheiten gegenüber dem Andringen konservativ- rückläufigtr Bestrebungea erfolgreich zu vertheidigen. Man erinnere sich an daS Sozialistengesetz und wie e« verlängert worden ist, und alle Zweifel sind abgethan. Der Liberalismus kennt nur eine„Freiheit" und diese vertheidigt er mit Zähigkeit, wenn auch nicht immer«it Erfolg. Das ist die anarchistische„f r e i e I n d i v i d u al i- t ä t", die„Freiheit" für den wirthschaftlich Stärkere«, sich Segmüber dem Schwächeren mit dem Ellbogen Raum zu Haffen. Diese„Freiheit" vertheidigt der Liberalismus auch jetzt wieder gegenüber allen Bestrebungen, eine zeit- gemäße Fabritgesetzgebung zu Stande zu bringen, Herr, die gnädige Frau und ihre Tochter Franziska, ein liebes, lebevsfrisches junges Mädchen von etwa achtzehn Jahren—, und da» kleine, freundliche, mit jedem Luxus ausgestattete Gemach sah dabei überaus wohnlich und de- baglrch au». Die Fenster standen geöffnet und ließen die Morgensonne voll herein, der große Blumentisch war' be- deckt von prachtvollen Blülben und breiten, saftigen Blätte»», und das silberne Kaffeegeschirr blitzte und funkelte in den lichten Strahlen— aber an den Insassen dieser reichen Heimath schien das Alle»«achtlos abzugleiten. Die sonst so stolze und gefeierte Dame hatte den Kopf in die linke, feine, mit kostbaren Ringen bedeckte Hand gelehnt und sah still und trüb vor sich nieder; in Franziska'« Augen glänzten ein paar große Thränen, und selbst der im Ganzen etwas�stcife und förmliche Kammerherr schien von irgend einem Schmerz gedrückt und schaute, während er nur langsam dann und wann an seiner Tasse nippte, still und sinnend vor sich nieder. Wieder und wieder aber flog ein Blick der Frau zu mit e nem frischem Kranz umschlungenen Bilde hinüber, das über dem Sopha hing u/rd einen jungen Mann, eigentlich noch einen Knaben, zeigte, der in einer kurzen Jacke,«it offenem Hemdkragen md keckem, gutmüthigem Ausdruck in den jugendlichen Zügen, den linken Arm auf ein neben ihm stehende» kleines schottische« Pony gestützt, einen großen Neufundländer an der Seite, stand, al» ob er nur eben noch auf etwa« warte und dann fröhlich in da» fteie Land hinaustraben wolle. „Zehn Jahre," sagte endlich mit leiser, schmerzgedrückter Stimme die Mutter—„zehn lange, endlose Jahre sind es heute, Rudolph, daß unser HanS un« verließ, an seinem Ge- durtstage gerade. Heute würde er dreißig Jahre alt, wenn er noch lebte," setzte sie leise und kaum hörbar hinzu, und auch ihr quollen jetzt ein paar große, heiße Thränen an den Wangen nieder.._ „Aber warum soll er nicht mehr leben, Mutter!" sagte die Tochter leise und mußte sich Muhe geben, die Eltern nicht merken zu lassen, wie wenig Hoffnung dafür sie selber habe—„eS sind so viel« Menschen weit in die Welt hinausgezogen und gesund und kräftig wieder zu den wie denn gerade die Forderung eine« MaximalarbeitStages von de« Liberalismus entschieden bekämpft wird und von dem„entschiedenen" Liberalismus natürlich gerade am ent- schiedensten. In welchen Winkel der deutschen Volksseele— um diesen Ausdruck einmal festzuhalten— sollten sonach noch Hoffnungen auf einen rettenden und reformirenden Beruf de» Liberalismus sich verkrochen haben? Ohnedies giebt der B-rliner Staatsmann der„M- gemeinen Zeitung" selbst den Grund an, warum der Liberalismus in Verfall gerathen ist. Warum? Weil sich der Liberalismus mit der Reichsregierung in Widerspruch gesetzt hat. Da» ist wahr: aber damit ist dem Liberalismus auch alle Aussicht» für die Zukunft abgeschnitten. Eine Parteirichtung, die nur von der Gnade der Regierung leben kann, ist abgethan, mögen auch einzelne Episode» mit günstigen Konjunkturen für fie eintreten. Gerade die„Volksseele" ist in dieser Beziehung scharfblickender al« man manchmal glaube» möchte; gerade im Volke wird der größte Werth auf die Unabhängigkeit der Parteien und ihrer einzelnen Vertreter gelegt. Da« Gestirn des Liberalismus hat einmal über Deutsch- land geglänzt; nun ist e» im Untergang begriffen und sendet nur noch einzelne verlöschende Strahlen herüber. Daß die Volksseele sich von diesem letzten schwachen Schimmer erwärmt fühlen könnte, scheint un» der Natur der Sache nach ausgeschlossen ,u sein. DolitiBcke Uebersirkt. An» Mecklenburg-Lchwerin schreibt man: Obgleich die Strafe der körperlichen Züchtigung durch die Be- sttmmung des Reichs-Sirafgesetzbuchs auSgeschloffen ist, nach welcher nur die in diesem aufgeführten Strafarten zulälstg find, hat doch die Stadt Stavrnhagen stch erlaubt, ihre neue Hausordnung für das städtische Armenhaus mit der Androhung von Rührchenhteben für gewisse Uedertretungen auszustatten. Diesem Vorbilde versuchte kürzlich auch der Magistrat zu Malchin zu folgen, indem er in einer mit dem Bürger«»»« schuß gemeinsam abgehaltenen Sitzung ein- Hausordnung für das dortige, neu erbaute Stadtarmenhaus zur Genehmigung vorlegte, nach welcher Uebertretungen der Hausordnungen nichr nur mit Haft bis zu 14 Tagen, welche durch Schmäleruna der Kost verschärft werden kann, sondern auch mit körperlicher Züchtigung bis zu 15 Ruthenhieben sollten bestraft werden Ihrigen zurückgekehrt, und wo sich Einer durchschlägt, da darfst Du'« dem Haas gewiß auch zutrauen." „Und glaubst Du denn," rief die Mutter bewegt au«, „er hätte, wenn er wirklich noch unter den Lebenden man- delte, nicht ein einzige« Mal an mich, an den Vater ge- schrieben s Und wovon sollte er gelebt haben? Da» wenige Geld, das er mitgenommen, langte jaZ nicht ein- mal auf Monate, viel weniger denn auf die langen Jahre au»! Nein, nein, mein Kind ist todt, todt und verscharrt an irgend einem fremden, unbekannten Platze: mir sagt es da« Mutterherz; meine Augen werden sein lrebeS Antlitz nie, nie im Leben wieder schauen," �Franziska seufzte schwer'; sie konnte nicht« darauf erwidern, so gern sie die Mutter auch getröstet hätte, und ver Kammerherr stand aus; er schämte sich, feine eigene Bewegung zu zeigen, und grng mit langen, raschen Schritten im Zimmer aus und ab. Die Mutter weinte still vor sich hin, aber sie konnte das nicht heimlich und allein tragen, was ihr jetzt in lang zurückgehaltenem Schmerz« die Brust erfüllte. „Wie still und öde da» jetzt hier im Hause ist I" sagte sie nach einer kurzen Pause,„Weißt Du noch, Rodolph, wenn Hans Morgen» vor un» ausgestanden war und un» geduldig auf da» Frühstück wartete, wie er dann da drinnen an da« Instrument ging und mit aller Gewalt, um uns herbei zu rufen, den Hochzeitsmarsch au« de« Sommer- nachtStraum spielte? Ich kann den Marsch seit der Zeit nie mehr hören, ohne daß es mir einen förmlichen Stich durch'» Herz giebt." Franziska rollten ein paar große Thränen an den Wangen nieder und fie wandte sich halb von der Mutter ab, damit diese sich nicht noch mehr aufregen sollte. Aber plötzlich zuckte sie empor und fühlte zugleich, wie die Mutter fall krampfhaft ihren Arm ergriff und festhielt. Auch der Vater blieb mitten in ber Stube erschrocken stehen und horchte nach dem Nebenzimmer hinüber, auS dem jetzt kräftig gegriffene Akkorde herübertönten, die aber auch schon in demselben Moment eine bestimmte Form annahmen. „Heiliger.Gott," rief die Muster und richtete sich, ohne Hnnen. Der Büraerauischuß versagie jedoch die Zustimmung zu'dieser letzte, en Strafart. Außerdem lehnte er auch die vor- Seschlagene Bestimmung ab, daß alle Insassen des Armen- auses gehalten sein sollten, allmonatlich den Markt»u fegen. — Die guten Mtcklcnburgcr! Sie denken gewiß:.Wo Alles liebt kann Karl allein nicht Haffen!" Ja, das Beispiel wirkt ansteckend, übe, all, ringsum hallt es wieder von Vorschlägen zur Befferur g der„Armen" und„Verkommenen" und da darf natür- lich das schöneLand, welches bez-ichnender Weiie im Wappen den Ochsenkops zeigt, nicht zmückdleiben. A'muth schändet nicht, sagt bekanntlich ein modernes Sprüchwort; aber leider ist dieses Sprüchwort noch lein Wahrworl geworden. D-S«igt der Antrag des Malchiner Magistrats, daß die Insassen des Armen- hauseS gezwungen werden sollen, den Markt zu fegen. Man muß hierbei in Betracht zieben, daß in kl.ineren Städten die Arbeit des Etraßew resp Marktfegens vielfach nur von Sträf- lingen und von AibeiiShäuslern verrichtet, mithin also von den„freien" Bürgern als eine Strafarbeit derrachtet wird. Wer da weiß, wie schwer es dem Armen fällt, Aufnahme im Armenhause zu finden, der weiß auch, daß in diesem Hause nur Diejenigen Platz finden, welche in der That nicht mehr fähig find, fich und ihre Familie durchzubringen. Schicksali- schlage aller Art haben diese Unglücklichen in dai Asyl deS Elends, das Armenhaus getrieben. Von diesen Aermsten nun noch zu verlangen, daß ste eine Arbeit verrichten sollen, die sonst gewöhnlich dort nur als Strafardeit betrachtet wird, das ist hart. Wir wollen von dem Verlangen des Malchiner Magistrats absehe, es ist ja auch glücklicher Weis« von den Bürgern abgelehnt worden, aber das Eine steht fest, unter unserer modernen Zivilisation wuchert noch immer die alte Barbarei. Preußische Forstbeamte sollkn Zeitungsnachrichten zufolge von der Regierung nach Westafrika und Neu- Guinea gesandt worden sein, um die Nutzbarmachung der dortigen Waldung in Angriff zu nehmen. Wie die„Kreuzzig." vernimmt, find dle bezüglichen Miltheilungen sämmtlich nicht zutreffend. Soweit fich p-eußische Forstleute nach den Kolonien schon begeben oder die Absicht dorthin zu geben ausgesorochen haben, sei dies lediglich auf private Anregung hin geschehen; das preußische Ministerium habe diesen Unternehmungen aller- ding« dadurch Förderung angedeihen laffen, daß den betreffen- den Foiftbeamtcn, welche übrigens mit wenigen Ausnahmen der niederen Karriere angehören, Urlaub ertheilt und die An- waltschaft auf den preußischen Staatsdienst offen gehalten worden ist Oefterreich-Ungar«. In Ungarn herrschen„urgemüthliche" Zustände, Bestechun- gen, große Dirdereien und Betrügereien find an der Tages. ordnung. Das zeigt fich namentlich bei den Wahlen zum Ab- geordnetenhaus.— Vor Kurzem wurde die Wahl veS Abg. Kraus im ungarischen Abgeordnetenhause geprüft, eS stellte fich dabei heraus, daß Kraus die S immen von 200 Wählern gekauft hat und daß der Kleinrrchter eines Ortes öffeullich unter Trommelschlag bekannt machte, wie viele Wähle: mit Geld ge- kauft wv'den find, und mit wieorel Geld und daß fie pünktlich am Platze zu erschernen haben.— Man hätte erwarten können, daß die Konstalirung derartiger Thatsachen zur Kasstrung der Wahl genügte, aber fehlqeschoffcn; man begnügte fich in der Prüfungskommiiston orit dem Hinweis, daß, wenn eine N wähl stattfinde, die Bestechung und der Ankauf von Stimmen von Neuem beginnen würde. Wirklich neite Volksvertreter! Franrirsich. Die Niederlagen der franzöfischen Tnipven in Tonkin haben nun doch den Sturz des Ministeriums Ferry herdeige- führt. Die Vorstände der Gruppen der Linken im Parlament haben gestern Nachmittag beschaffen, von F-rry zu verlangen, daß derselbe eine Kreditvorlage einbringe, indem er zugleicher- kläre, daß dies der letzte Akt setner Amt«- fllhrung wäre; man beabsichtigt, auf diese Weise jede Debatte über die ministerielle Frage zu vermeiden. Vier Gruppen der Linken werden noch besonders zusammentreten, um eine Resolution zu prüfen, deren Zweck sein soll, unter Leiseitelaffung der ministeriellen Frage sofort ein einstimmiges Votum über den zu beantragenden Kredit zu erlangen. Feny, der von diesem Beschluffe in Kmntniß gesetzt wurde, erklärte, daß er nurvoreinem formellen Votum der Kammer zurücktreten würde. — Gestern Abend erschien Ferry inder Deputirtenkammer und thetlte die aus To- kin eingelaufenen Berichte mit. Er bemerkte, daß der Rückzug der franzöfischer. Truppen stcb in d« größten Ordnung vollziehe, die Armee habe fich Streitkräften gegenüber befunden, deren Giöße man n-cht voraussehen konnte. Die Truppen seien genöthigt, fich in dai Delta zuiückzuzteh-n und die Defenfivc zu bewahren. D» seit gestern getroffenen Maß- regeln seien nicht hinreichend. ES handle sich darum, die Niede läge von Langsong im Jnimffe der Ehre Frankre ichs zu rächen. Der Ministerprästdenl verlangt einen Kredit von 200 Millionen Fi es. und beantragt, die Votirung des Kredits von der Debatte über die ministerielle Frage zu trennen. Die Worte Fri.q's riefen vielfache und lebhafte Unterbrechungen aber der Tochter Arm los zu lassen, halb von ihrem Stuhl empor,»as ist da«? Ist da« nicht..." Sie hatte in der That Ursache, erstaunt zu sein, denn «er konnte jetzt da drüben überhaupt spielen? Die Gesellschafterin Franziska'« lag seit acht Tagen krank in ihrem Zimmer, und die Töne— es war der nämliche Marsch, von dem die Mutter eben gesprochen und den fie nie wieder seit der langen Zeit in dem Hause gehört.— „Hanl!" kreischte die Frau mehr, als fie den Name» rief.„Allerdarmer!" Die Mufik war plötzlich verstummt, aber wenige Sekunden später und ehe fich selbst der Vater besonnen hatte, nach der Thür zu eilen, wurde diese aufgerissen; eine schlanke, kräftige, sonngebräunte Gestalt mit einem»irre«, dunkel« Lockenkopfe stand auf der Schwelle, und mit dem Jubel- schrei:„Mutter, meine liebe, liebe Mutter!" sprang er auf die Dame zu, faßte fie in seine Arme und drückte fie, während er ihre Stirn mit Küssen brdeckte, ftst und innig an sich. Die Mutter lag halb ohnmächtig, selig in seinen Armen; doch auch FtanztSka war herbeigeeilt und hatte den Bruder umfaßt, wählend der Kammerherr einen Mo- ment in einer Art von Betäubung stand, denn diese Art von Ueberraschung, die ganze Szene mit ihrer Aufregung, selbst nebe« de« Ungesetzlichen de« Einschleichen«, ohne daß auch nur einer der Dienstboten einen Fremden ge« meldet hätte, widerstrebte für den ersten Augenblick seinem aristokratischen Gefühl; aber e« war doch auch «irklich nur ein Augenblick. Sein Sohn, sein Kind, sein Erbe, an dem ja von je sein ganze« Herz gehangen, stand da vor ihm, nicht verloren, sondern kräftig unv gesund, und »ie sich der Sohn jetzt, ohne jedoch die Mutter lo« zu laffen, zu ihm überbeugte, schlang auch er seinen Ar« um ihn, und eine glücklichere Gruppe gab e« vielleicht in diesem Augenblick nicht auf der ganze» weiten, sonnbeschieneue« Es dauerte auch eine geraume Zeit, bi« fich die ein- zelnen Glieder dieser fest in einander geschlung-nen Kette wieder lösten und Gedanken, Sprache gewannen; dann aber stürmte eine solche Fluth von Fragen auf den jungen hervor. Der Abg. klemerceau oerlangt die Ermächtigung zu einer Interpellation; Derselbe billigt Die Kredite, vcruttdetlt aber das Ministerium, Das gestürzt werden müsse. Die Abg. Duvil und Ribot erklären fich zu allen Opfern bereit, aber erst nach Dem Sturze des Ministeriums; dieselben werfen dem Kabinet vor, daß es die Wahrbeil verheimlicht Hobe. Ferry verlangt die Priorirät für die Wahl Der Kom- Mission zur Berathung der Kreditvorlage. Der Antrag wird mit 308 gegen 161 Stimmen abgelehnt und Die Priorita t für die v on Cle- menceau einzubringende Interpellation be- willigt. Ferry erklärt, daß das Kadinet unter diesen Umständen srineDemtssion gebe. Laisant von der äußersten Linken und Delafoffe von der Rechten verlangm, daß da» Ministerium in Anklagezustand versetzt werde.— Drlafoffe verlangt die Dringlichkeit für ieinen Antrag. Dieselbe wird mit 304 gegen 161 Stimmen abgelehnt. P äfident Briffon zollt der Tapferkeit der Soldaten und Matrosen in Tongkina, welche die erlittene Niederlage wieder gut machen würden, ehrende Anerkennung. Die Kammer beschließt, sofort in den Bureaux zusammenzutreten, um die Kommisfion für die Kreditvorlage zu wählen, doch wurde d r Zusammentritt der Bureaux später wieder verschoben und die Sitzung auf« gehoben.— Vor den Eingängen zur Kammer wurden die Deputirten von der dort versammelten Menge mit vereinzelten Rufen: nieder mit Ferry, nieder mit der Majorität, empfangen. — Gerüchtweise verlauter, Freycinet werde etn neues Kabinet bilden mit Campenon als Kriegsminister. Senat. Der Präftvent Leroyer erwähnt die sckme'zlichen Nachrichten auS Tongking und qtedt der Bewunderung und Sympathie VeS Senats flh die Soldatm und Matrosen Aus- druck. Der Senat müsse die für den Krieg erforderlichen Hilfs- mittet bewilligen.— Die Sitzung wurde darauf zunächst suspendnt und sodann auf die Nachricht von der Demrsfion des Kabinet» geschlossen. Nach Schluß Der Sitzung der Deputirteniammer wählten die Bureaus die Mitglieder der Kommisston zur Prüfung der Kreditvorlage. Sämmtlicke Mitglieder find für Bewilligung Des KrcDite», behalten fich indessen vor. von dem neuen Ka- binet noch Aufklärungen zu verlangen. Einige Mitglieder find für die Rückkehr zu einer gemäßigten Kolonialpolitrk, sobalo Revanche an China genommen sei.— Nach der Sitzung der Kammer hatte Der Kammerprästvent Briffon mit Greoy eine Unterredung über die parlamentarische Lage. — Den neuesten Nachrichtm zufolge wird der ftühere Minister gräsident F r e y e i n e t wieder zur Leitung derufm werden, einige der jetzigen Minister werden im Kabinet Frey- cinet bleidrn. — Die Sue Kanal- Kommisfion eröffnete am Montag Abmd im Minist, rium VeS Aeußern ihre Sitzungen. Der Minister- präftvent Ferry hieß die Delegirten willkommen und wieS hierbei auf den friedlichm und humanen Zweck der Bera- lhungen hin, durch weiche Europa dm internationalen Cha« rakter des Kanals klar bestimmen wolle. Rußland. In dem Prozesse wegen der Taganrog'schm Zoll- defraudation wurde gestern das Urtheil vom Cha.kower Ge« richtsdof pualizirt. Daffelde lauter gegen Valliano(den Chef der Betlügee) auf Entziehung aller Rechte, vierjähiige Ver« bannung nacd Sibirien und eine Geldstrafe von 396476 Gold- rubel und 363 866 Kreditrubel; die vier anderen schuldig er« kannten Ka a fleute wurden ebenfalls zu beträchtlichen Geldstrafen verurtheilt.— Wie wir seiner Zeit berens voraussagten, so ist es gekommen. Der Betrüger Valliano hat Millionen gestohlen und wird zu einer vnhältnißmäßig geringen Strafe verurtheilt; er wirv zwar ferner auf 4 Jahre oerbannt, aber da er im Be- fitz reichlicher Mittel ist und in Rußland für Geld Alles zu haben ist, so wird er in ver sogenannten Velbannung ein Herr- lichet Leben führen. — AuS Petersburg wird gemeldet, daß laut amtlichem Communiqu- der Finanzminister bei dem ReichSrathe den Gesetzentwurf über die Kapitalrenten st euer eingebracht hat. Nach dem im„Rcgierungs- Anzeiger" veröffmtl'chten be- züglichm Entwurf soll die gedachte Steuer analog Ver für Im- mobilien, Industrie unv Handel bestehendm Einrommensteuer festgesetzt werden und 5 pCt betragen. S chw eden und Norwegen. AuS Norwegen trifft die Nachlicht ein, daß dort eine"eue Minister"ristS erwartet wird, und handelt es fich dieses Mal, d-m Vernehmen nach um keinen Geringeren, als um dm StaatSmtnister Everdrup, der damit gedroht hat, : einen Abschied zu nehmen, sallS der König nicht gmeigt sein sollte, die Ernennung des bekann tm Sachwalters der Liberalen bei der Reichsgerichtsaffaire, Dahl, zum Sormschreiber für Gudbrandedalen zu bestäligen. Wie verlautet, zeigt der König wenig Lust, diese Bestätigung zu vollziehen. Die Lösung des Konflikts wurde durch einen Sonnabmd abzuhaltmden Staatsrath erwartet. — Bei der gemeinsamen Abstimmung beider schwedischer Kammern wurden die Mittel zur skandinavischen In- Mann ein. daß er, noch unter Thränm lachmd, beide Hände vorstreckte und au«rief:„Aber, Mutter, Fränzchen, um Gottes willen nicht Alle» auf einmal, und nur nach ver Reihe I Ich gebe Tuch mein Wort, daß mir der Kopf schon außerdem so wirr ist, ich weiß kaum, wo er mir steht, und ich muß mich selbe, erst besinnen, ob ich auch wirklich bei Euch in de« lieben, atten Rhodenburg sitze und die Geschichte nicht, wie schon viel tausendmal vorher, nur eben ttäume, um nachher dm ganzen langen Tag an dem Traum zu brüten und gegen da« Heimweh anzukämpfen!" „Aber wo kommst Du jetzt her?" sagte der Vater. „Du bist ganz von der Sonne verbrannt/' „Direkt von Peru." „Von Peru?" rief die Mutter und schlug die Hände in blankem Erstaunen zusammen,„so weit und de» langen Weg über da» Meer?" „Ja. Mama," lachte ihr der Sohn fteundlich zu,„eine lange Strecke ist'« freilich, aber auf den englischen Post- dampfen» fährt man jetzt so rasch und so bequem.. „Und die vielen furchtbaren Stürme, d« wir in der letzten Zeit hier gehabt," sagte die Mutter innerlich zu- sammmschaudernd,„oh, da kann ichjdem Himmel ja gar nicht genug danken, daß ich Dich mit keiner Ahnung meine» Herzen« auf de« großm Wasser wußte, ich wäre sonst in meiner Todesangst hier vergangm." „Da« ist allerding« ein Glück, Mama," lächelte Han», „denn Du würdest Dich ganz ohne Roth gesorgt haben. Wir hatten die ganze Zeit da« herrlichste ruhige Wetter und außerdem eine sehr vergnügte Reis« mit äußerst angmehme« Reisegefährten." „Und nicht ein einzige« Mal geschrieben hast Du, Han«," rief die Mutter in vorwurf«oollem Ton—„nicht«ivm einzigen Brief, so daß wir doch wenigsten« wußte». Du lebtest und dächtest«och an un«." „Ja, Mama," sagte Han« verlegen—„da« ist mit dem Briefschreiben von da drüben her eine ganz eigene Sache, und ich könnte Dir Hunderte von jungen Leuten nennen, die fich desselben Vergehen schuldig gemacht haben. So lange man noch yicht« ist und»och nicht« verdient dustrle- Ausstellung W nächsten Jahres«st 214 gegen 126 Stimmen abgelehnt. Damit fällt da« ganze Projekt. Grohb»ita»«te«. Die Admiralität hat fünf große Postdampfer gemiethet, welche in bewaffnete Kreuzer uns Transportschiffe umgewan- Veit werden sollen.—„Dai.'y News" meiden, vi» Regierung habe Mittheilungen aus Petersburg erhalten, die größere Hoff* nungen auf eine friedliche Lösung der afghanischen Streittrage gewähren, als noch vor Kurzem möglich geschienen. Die rusß» sche Antwort auf Lord Granville's Depesche sei unterwegs, ihr Inhalt sei dem Vernehmen nach ein versöhnlicher. — Im Unter Hause regte der Abg. Gorst die Frage be- Mlich der Abtretung Helgolands an und hob hervor, daß Helgoland für England weder einen merkantilen noch strategischen Werth habe, während der Best? der Insel von dm Deutschen gewünscht werde. Im Laufe der Debatte er- klärte Unterstaatssekretär Fitzmamice, er glaube nicht, daß in Deutschland besondere Wünfche bezüglich Helg»lands vorbanden seien, auch seien keine Beweise dafür da, daß die Helgo- länder eine Annexion der Insel du ch Deutschland wünschten; er glaube, daß die Insel ihrer geographischen Lage nach eher dänische als deutsche Sympathien habe; ferner würde die Ab- tretung der Insel der Nordseefisch-rei nachtheilig sein. Ueber- dieS könnte eine solche nur durch Parlamentsakte erfolgen, man würde es aber der Regierung sehr verübeln, wenn ste ein derartiges Gesetz einbrächte. Nach kurzer Debatte wurde der Gegenstand verlaffen- — Der in Alexandrien verhastete Zedehr Pascha ist mit seinm oeiden Söhnen und einem Neffen nach der eny lrschen Festung Gibraltar gebracht wordm. Derselbe soll dort streng bewacht werden. Kommunales. — Stadthaushaltsetat von Berlin. Der Eiatsousschuß der Stadtverordnetenversammlung hielt beute (Dienstag) Vormittag unter Vorfiy des Etadtve-ordnetm. Vor« stthcls Dr. Straßmann seine vierzehnte und letzte Sitzunu ab. Als Magistrats-Kommiffare waren zugegen ver Kämmerer Stadtratb Runge und Stadtratb Bo:chardt. In einer feiner größ-ren Sitzungen hatte der Etat»- Ausschuß beschlossm, der Versammlung zu empfeblen, die U-berichüffe des städtischen Zentral- Viehhofe» pro 1882/83 und 1883/84 soweit über dieselben noch nicht verfügt ist, zum Ankauf neuer Schul» grundstücke zu verwenden und dieselben unter Annahme des Nennwerihes der Effekten mit noch 469, 791. 66 Mark von dem Grundstücks-ErwerdungSfonds zu übernehmen. Der Magistrat hatte dies beantragt und hat diesen Antrag aber inzwischen zurückgezogm. Der Beschluß des EtatsausschuffeS ist dadurch beseitig!. Der Ausschuß hat ferner voraeschlagm, dem Grunveigenihumserwerdungsfonds zu demselben Zweck au« den Ueberschüffen der Wafferwerke 241,478 M zu überweisen. Der AuS'chuß entschiev sich heute, diesen letzteren Betrag nicht in den Grundstück». Er werdungsfond» fließ, n zu laffm, sondern denselben in den Epezial-Erat Nr. 50 einzustellen, um sarauS da».Kaufgeld für den Jalobtkirchhof zu decken. Hiernach ging der AuSfchuß zur Beraihung des Spezial- EiatS Rr. 41 über. Hierbei ist zunächst zu demeikm, daß die Wahl des könialtchen BaurathS Dr. Hobrecht zum Stadt» baurath bestätigt ist. Das Einkommen für denselben wird in den Etat eingestellt, und zwar 9000 Marl. Gehalt, 6000 M. Fur.ktionsbezüge und 3000 M. stxirte Fuhikosten» Entschävigung. Außerdem empfiehlt der Ausschuß Gehalts« erhöhungen für einige Magistrats- Mitglieder und Festsetzung des Minimalgehaltes der besoldeten Siadträthe auf 6000 ML Daffelbe betrug bisher 5700 Mark. Von Einsetzung einer Ge- halt« Position für die neu zu kretrende Stelle eines Mitgliede« für dai städtische Medizinalwesen steht der Ausschuß ad, weil diese Frage noch nickt spruchreif ist. Nach dem Gesammtergeb- niß der Äusschußberathungcn find auch für Da« neue Etatsjahr 100 pCt. der Gemeinde-Einkommensteuer erforderlich, unv be» schloß der Ausschuß einstimmig, der Veriammlung zu empfehlen, die zu erhebende Ouote auf 100 pCt. festzusetzen. D o k» l e s. Die am 1. April er. in Thättateit tretende verichts- lasse: zu Berlin, welcher die GerichtSkostenerheduna für das Kaaimergeiichi, das Landgericht L und das Amtsgericht I. obliegt, befindet fich in den Panerrrlolaliiaten Oes Amtsge- richtSgebäudcs Jildcnstraße 59. Im Kriminalgecichtiaebäud« Alt-Moabit 11/12 ist nur eine mit ein.-m eisernen Vorschuß versehene Zahlstelle einzerichtet, um daselbst die G-bühren für dort vernommene Zeugen und Sachver, ländige, sowie die Transportkosten zur sofortigen Auszahlung bereit zu stellen. Außer dem Kurator und den 3Obetbeamten find bei der Kasse 70 Kaffendeaml«, 45 Hilfsgerichtsoollzieher unv 5 Gerichts- diener, im Ganzen also 120 Beamte beschäftigt. Die Haupt- lasse mit den 3 ständigen Zahlstellen befindet fich JüSenftraße, hat, schämt man fich, nach Hm» zu schreiben—«an will nicht gern eingestehen, daß«an fich in allen Hoffnungen ge» täuscht gesehen hat, und nachher— wenn man e« erst zu etwa« bringt, ja, dann denkt man wieder vor Allem an die Heimath, schiebt aber da« Briefschreiben ebenfall« wieder und wieder hinan«, immer in der Hoffnung, auch gleich recht bald und im ersten Brief« den Tag bestimme« zu können, wo man im Stande ist, wieder heimzukehre« — und so wird immer nicht« darau«." „Aber wie bist Du nach Peru gekomme»?" fragt« der Vater. „Und hast Du denn schon geftühstückt, Hau«?" rief die Mutter, indem fie auch schon die neben ihr stehende Glocke anschlug.—„Arme« Kind, mein« Seele hat nicht daran gedacht I" „Gewiß, Mama," lachte Han«, während ei» Diener in der Thür erschien.„Ich bin in der Rächt angekommen, und da ich Euch so spät nicht stören wollte und auch wußte, daß Ihr nicht so früh zu sprechen wäret, trank ich meinen Kaff« tm Wirthshause— aber da» schadet nicht», tch trink« noch einmal. Zu lange habe ich«ich darauf gefreut, hier mit Tuch wieder einmal in dem traulichen Stäbchen am runden Tisch zusammen zu fitzen, und Du darfst mir immer eine Tasse kommen lassen." Die Befehle waren rasch gegeben, und wenn auch der Diene, auf da» Aeußerste erstaunt war, einen fremden Herr« mit an der Frühstückstafel zu sehen, den e, gar nicht ange- meldet hatte, ja, von dem er nicht einmal etwa» wußte, so durfte er doch natürlich dieser Verwunderung keine Wort« geben. Franzi«!» aber war sein verdutzte« Gesicht nicht ent- gangen, und fich lachend an den Bruder wendend, sagte sie: „Aber»ie bist Du nur unbemerkt in'« Hau« gekom- men, Han»? Müller, unser Diener hier, kann wenigsten« nicht« von Dir gewußt haben, denn er guckte Dich mit groß verwunderten Geficht an. „Durch den Garten, Schatz!" rief ihr Bruder. „Durch den Garten?" sagte der Kammerherr,„ab« um in den Garten zu kommen, mußt Du doch erst durch'« Haut uad den Gartensalon." „Ja," meinte Han«,„wenn ich den ehrbare» Weg durch Limmer 39; an Quartals• und WondSetften werden außer diesen stlnvigen auch nichtständige Zahlstellen zur Auszahlung der Gehälter x. errichtet, darunter eine in Alt-Moabit für die dort diätarisch beschäftigten Beamten, Lohnschreiber x. Die Buchhaltereien de« SinztehungSamt«, mit denen das Publrkum besonders zu thun haben wird, find in dem alten Kassenlokal Zimmer 45 eingerichtet. E» find im Ganzen 10 Buch- hallcreien mit 3V Beamten vorhanden, unter denen die Geschäfte nach Gerichtsabiheilungen vertheilt find, derart, daß jede einzelne Buchhalterei fietS nur mit bestimmmtm Ad« thetlungcn bezw. Gerichtsschreidereien des Amts- bezw. Land- gericht« zu thun hat. Für da« Publikum find die Kaffenstun« den auf 9—1 Uhr f'stgeseyt; an welche Buchhalterei(i.— I.) zu zahlen ist, gebt au« den Kostenrechnungen hervor. Unier die 45 HilfegerichtSvollzicher, welch« die Einziehung und Bei- treibung der Gerichtskosten, Strafen x. besorgen, find die Ge- schäste nach örtlich begrenzten Bezirken vertheilt. Mit den Buchhaltereien haben diese Gerichttvollzieher direkt nicht« zu thun, vielmehr vermitteln den Verkehr zwischen Beiden Kassen» sekretär», deren 11 vorhanden find. Jedem von diesen ist eine bestimmte Zahl von Gerichtsvollziehern untergeordnet, die an fettgesetzten Tagen fich zur Abrechnung x. bei dem Kassen- sekretär einfinden müssen. Wir machen wiederholt darauf auf- merksam, daß die Htlf«gericht«vollzieher vom 1. April er. ab Kosten und Vorschüsse bis zu 30 Mk. abholen werden. Ueber- reicht der Beamte eine Kostenrechnung, worin der Vermerk ent- halten ist, daß Zahlung auch an den Ueberdringer geleistet werden kann, so erspart man fich Zeit und Kosten, wenn man sofort an den Beamten gegen Quittung Zahlung leistet. Wie- derzukommen ist der Gerichtsvollzieher nichi verpflichtet, viel- wehr wird bei nicht sofort erfolgter Zahlung die Kostenschulv in die Beitreibung«liste ausgenommen. g- Im Bureau des 40. Polizei-Revier«, Spittelmarkt 4, findet am 4 April v. I. zwischen dem Kommiffarius de« Kgl. Polizei-Präfieium«, Rtgierung«-Asscssor Zacher II und den Interessenten zur Feststellung der Entschädigung für die zur Durch- legung der Taubenstroße nach dem Hausvoigteiplatze erforder- lichen Flächen«ine Verbandlung statt, nachdem aus Antrag de« Magistrat« vom Kgl. Polizei-Prafidium Da« Enteignungsverfahlen eingelerlet worden. Im Falle des Ausbleibens oer ge- ladenen Jntei effenten erfolgt die Festsetzung der Entschädigung ohne Zuihun derselben. Auf die Passauten der Rochstraße, welche von der Neuen Friedrichstraße nach der Münzstraß« gehen, macht c« «inen unangenehmen, für Damen namentlich peinlichen Eindr ck, in vie unweit der Münzftraße befindliche Retirave direkt hin- einsehen zu müssen. Der Eingang zu diesem HäuSchen ist derart angelegt, daß die offene Front gradezu in die Rockstraße hineinblickt, so daß jeder, der diese Straße von der Neuen Friedrichstraße au« freaaentirt, die dort in der Anstalt Stehen- den nicht« bloß seh. n kann, sondern unwillkürlich erblicken muß. Es wäre in der Thai wünschenSwerih, wenn dieser Anblick durch eine Schutzwand, wie ste bei den Anstalten neuerer Konstruktion angebracht ist, dem Auge des Vorübergehenden entzogen oder da« ganze Häuschen derart umgestellt würde, daß der EinKitt von der daselbst befindlichen Maucrseite er- folgen müßte. Die Jugeudaufnahme flog. Konfirmation), welche am Sonntag, ven 29. März, in der freireligiösen, Gemeinde zu Berlin gefeiert wurde, gestaltete fich wieder zu einem Feste in großartigem Stile. Da sich der sonst zu den Vorträgen bc- nutzte Saal Rosenthalerstraße 39 zu außergewöhnlichen Ver« sammlungen stets al« zu klein erwiesen hatte, war der große Saal des Handwerker-Verein« Sophienstraße 15 gemiethet und war derselbe gegen 10 Uhr bereit« gefüllt. Nach dem einlei- tenden Gemeindegesang hielt Herr Schäfer einen Vortrag über die Erziehungs- und LebenSregeln nach den Prinzipien der neuen Weltanschauung mit Mahnn octen an die 42, im Halbkreise vor der mit herrlichen Dekorationspflanzen geschmückten Rednertribüne fitzenden Knaben und Madchen, denen die Feier galt. Nach diesem erhebenden Vortrage folgte ein von dem freireligiösen Gesangverein für gemischten Chor„May's Sän- gerbunv" vorgetragenes Quartett. Demnächst sprachen ein Madchen und ein Knabe ein Festgedicht und legle Herr Schäfer seinen bisherigen Eckülern nochmals Vie Rechte und Pflichten für das zukünft'ge Leben warm an« Hrrz, verpflichtete sie darauf durch Handschlag und übergab Jedem ein sauber ausgestattete« Buch, enthaltend die Grundsätze der Gemeinde, in welches der Name de! Empfänger« nebst einem finnreichen zeitgemäßen Denlspruche erngeschrieben stand, welch letzterer verlesen wurde. Nachdem der Schlußvers deS Chorliede« gesungen, forderte Herr Schäfer die Gemeindemitglieder auf, die Einschulung der Kinder in die Religionsschule in Zukm.st stets nach Ostern zu bewirken. Der Vorfitzende Herr L. Mau übergab den durch diese Feier in die Gemeinde neu eingeführten Mitgliedern al« Gedenkblatt sech« von ihm verfaßte Lieder, zu welchen auch da« vom Gesangverein vorgetragen« Festlied gehört- g. Die starke vaufälligkett mehrerer Gebäude der Fischerstraße hal neuerdings zu wiederholten Revisionen sciiens der Baukommisston geführt, deren Entschlüsse noch ausstehen. Die Fischcrstraße ist mit dem Kölnischen Flschmarkt die älteste Straß« die Thür gemacht hätte, aber ich bin über da« eiserne Staket gestiegen.�.. „Hanl 1" sagte die gnädige Frau erschreckt-„am hellen Tage, na« sollen denn die Nachbarn davon denken i" „War mir verwünscht gleichgiltig heute Morgen, Mama," lachte der junge Mann,„wa« die Nachbarn von mir dachten, weun Ihr mich nur nicht gewahr würdet." „Und über die spitzen Eisenstangen— Du hättest ein Unglück haben können." „Bah— der Weg da hinüber ist kaum«enrger bequem al» durch die Thür- die Querstangen find so pfiffig an- gebracht, daß fie eine förmliche Leiter bilden. Ich begegnete auch keinem Menschen, al« glücklicher Weise unserem alten Clav«, de« Gärtner, der mich natürlich nicht mehr kannte und gleich abfassen wollte. Die Freude von dem Alten aber, al» ich meinen Namen nannte— und der führte «ich denn auch gleich die kleine Treppe hinauf, zu der er den Schlüssel hatte, in den Gartensalon." „Und von Peru kommst Du jetzt?" wiederholte der Vater noch imwer kopfschüttelnd, denn er selber hatte nur einen höchst unbestimmten Begriff, wo Peru überhaupt auf der Karte lag. Alle«, wa« er davon wußte, war, daß e» Pizarro einst entdeckt und erobert habe—„Kind, Kind, wie bist Du dahin gekommen,»a« hast Du dort getrieben und woher überhaupt die Mittel erhalten, nur um zu leben, vielmehr denn die theure Reise zu bezahlen?— und Du stehst," fuhr er, einen prüfenden Blick über ihn werfend,„wohl«in wenig»erwildert und ein klein wenig ** ungenirt, doch immer ganz anständig au»." Hon« lachte.„Ja, Papa," sagte er,„wunderlich ge- i!?%"ur allerding« gegangen, und im Anfang habe I*"« und tüchtig arbeiten müssen." „Atbtitoi!" rief die Mutter in blankem Entsetzen, „arbeiten? Wa«? Auf einem Bureau?" „Hahaha Mama I" lachte Han«, während der Diener gerade htreivkam und da« Verlangte auf den Tisch stellte, f la'*™au o wachst Dir einen schönen Begriff von den dortigen Zustände»; mit der Spitzhacke und Schaufel, mit der Axt und Schürstange, ich war Feuermann auf Berlin»; hier standen die Häuser oder vielmehr die Hütten der alten Einwohner, bevor Cölln zur Stadt erhoben ward. Di« damaligen Einwohner trieben Fischfang und hatten ihre Kähne und Netze hinter ihren Häusern an der Spree, deren Ufer stch in früherer Zett bi« zu dm Höfen der an der Wassersette dieser Straße befindlichen Häuserreihe ausdehnte. Der Schornstein- fegergaffe gegenüber führte ein freier Gang zum Wasser, der nach dem Jahre 1667 mit dem Haufe Nr. 30 bebaut wurde, durch welche« der Durchgang noch heute stattfindet. g.. Die fammtliqen nach Berlin stch bewegenden Vtehfendungen, von Ostpreußen kommend, deren Transpott länger als 36 Stunden dauert, unterliegen einer allgemeinen Tränkung auf der ViehtränkungSanstati des Bahnhofes zu Schneidemühl, für welche pro Wagm mit Vieh 2 Mk. zu entrichten ist. Während der heißen Jahreszeit muß feiten« der Viehbegletter dm Thierm bei einer 30 Stunden übersteigmden Transportdauer außer der obigen Tränkung einmal eine kleine Quantität Wasser im Wagen auf einer der Stationen Korfchm, Deutsch-Eylau, Thoin, Dirschau oder Schneidemühl verabfolgt, werden wozu die nöthigm Einrichtunamieinschließlich de« Wasser« eisenbahnseitig unentgeltlich bereitgehaltm werdm. Wegen eine» ganz eigenartigen Betrüge» ist nach er- statteter Anzeige gegen den Destillateur F. die Untersuchung von der Königlichen Staatsanwaltschaft eingelettet worden. F. ist Besitzer einer im Köpnicker Stadtviertel dclegmm Destillation, die er im Februar d. I. zum Kaufe anbot. Infolge der er- lassmen Annonze mcldete stch als Käufer hierzu ein Kaufmann Sch., der mit F. über den Kaufpreis einig wurde und dem Veikäufer die Summe von 6000 Mk. erlegte. Al« Tag der Uebergabe de« Geschäft« war der 1. April d. I. destimmr wor- dm. Al« nun der Käufer die Vorbereitungen zm Uebemahme der Destillation traf und hauptsächlich mit dem Befiyer de« Hauses, in welchem die Destillation fich befand, wegen Um- schreibong des MiethSverkages auf fich als Käufer deS Ge« schäfts in Verhandlungen trat, erklärte der HauSwirth rund heraus, auf eine derartige MiethSveränderung nicht eingehen zu wollen und eine bezügliche Eiklärung seinem bishettgm Miether bereits vor Abschluß de« Kaufvertrages abgegeben zu haben. Herr Sch. forderte nunmehr die Zurückzahlung der 6000 Mk. Kaufgelv, über welche der Verkäufer aber bereit« anderweitig diZponirt hatte. Der getäuschte Käufer der Destillation hat nun die Hilfe der königlichen Staatsanwaltschaft angerufen, da der Verkäufer schon bei Abschluß des Vertrages gewußt, daß der der Befitzer des Hause» in eine Umschreibung de« Miethsver- träges auf einen neuen Befitzer nicht eingegangen wäre. In der Vcrschweigung dieser Thaisache hat denn auch die Staats« anwaltschast die detrügerische Abstcht gefunden und die Unter- suchung gegen den Destillateur F. eingeleitet. In einer äußerst geriebenen Manier hat ein Schwind- ler kürzlich stellenlose Kaufleute um ihre Führungiatteste und Portolosten gebracht. Der unbekannte Gauner hat in au«- wältigen Zeitungen Siellungen für Buchhalter unv Korrespondenten offeiirt und die Bewerber aufgefordert, ihre Atteste unter Beifügung von 20 Pf. Portomarken für Rückfranko unter der Chiffre eines hiesigen Postamts einzureichen. Wie groß die Zahl der Berreider' gewesen sein muß, geht daraus hervor, daß in ganz kurzer Zeit über 400 eingegangene Briefe dem Schwindler ausgeliefert werden konntm. Selbstverständlich h«t kein einziger ver Bewerber Antwott auf seine Offerte er- halten; denn die 20 Pf. Rückporto, welche jeder Bewerber seinem Gesuche beigelegt hatte, wanderten eben in die Tasche des Schwindler«, der für wenige Auslagen an Jnsertionskostm ein ganz erkleckliches Sümmchen au« dem Erlöse der ihm ein- gesandten Briefmarken einstrich. Den weit größeren Beilust erleiden aber die Geprellten dadurch, daß ihnen ihre Atteste für immer verloren gehen. Das Postamt, bei welchem der Gauner die eingegangenen Briefe abholte, ist leider nicht in der Lage gewesen, über den gemeingefährlichen Bttrüger Au«- kunft zu giben. Eine« unangenehmen Abschluß fand am Sonntag- Abend eine Fußpartie, welche eine Gesellschaft junger Leute nach dem Grunewald gemacht hatte. AbendS aegm 8 Uhr befand stch die Gesellschaft auf dem Wege von Schildhorn nach PtchelSwerder in der Waldung. Hier fiel mehreren Personen ein Mensch auf, der, mit anständiger Kleiduno versehen, regungslos an einem Baum lag. Bei näherer Besichtigung fand man, daß man eine Leiche vor fich hatte. Auf dem Spandauer Bock machten die jungen Leute dem dort stalioniiten Gensdarm Brüning Anzeige von dem Funde, konnten aber den Ort im Grunewald nicht genauer bezeichnen. Der Beamte begab stch noch in der Nacht hinaus, fand aber die Leiche erst am nächsten Morgen, worauf fie nach der Leichenhalle aus dem Kirchhof für Ecibstmörder im Grunewald geschafft wurde. Aeußere Verletzungen waren an derselben nicht stchtbar, so daß die Feststellung der T ckesatt, sowie die genauere Be- schreibung ver unbekannten Leiche erst durch die Gericht«- kommisston erfolgen kann. Eine„Abfuhr". Am letzten Sonntag erschienen wie da« „33 T." erzählt fünf junge Männer in Gesellschaft eines jungen Mädchens in einem Restaurant im Norden Berlins. Nachdem fich dlesribtn ihrer Ueberzieher entledigt und mit dem Ausruf: einem Misfissippidampfer, Arbeiter an der Eisenbahn, ich habe Holz geschlagen und..." Er traf den Blick seiner Mutter, der mit einem wirk- lichen Ausdruck de« Entsetzen« auf ihm hastete und dann von ihm nach dem Diener hinüber flog— wie war e» möglich, daß ihr Sohn in Gegenwatt eine» Bedienten er- zähle» konnte, er habe an der Eisenbahn gearbeitet und Holz gehackt, wa» hier ja nur die niedrigsten Tagelöhner venichttten. Und er wurde nicht einmal roth dabei I Han» lächelte leise vor fich hin. Er begriff recht gut, wodurch er die Gefühle seiner Mutter verletzt habe, und wollte ihr ja nicht«eh thun, wenn er selber auch nicht« Außerordentliche« darin sah. Der Diener verließ auch gleich darauf da« Zimmer wieder. „Aber, Han«." sagte die Mutter mit steundliche« Vor- wurf im Ton, wie der Bediente kau« die Thür in'» Schloß gedrückt,„solche Scherze solltest Du doch nicht machen, wenn die Dienerschaft im Zimmer ist." „Wa» für Scherze, Mama?" „Nun, mit Deinem Arbeiten und Holzhacken!" „Aber, Mama, da« war wahrhaftig kein Scherz; ich habe wenigstens tüchtige Blasen dabei in die Hände be- komme�ei«illst un« doch nicht sagen," warf auch jetzt der Vater ein,„daß Du wirklich und gewiß im Ernst Tagelöhnerdienste hast verttchten müssen?" „Sicher will ich da», Papa," sagte Hanl, ihm treuherzig in'« Auge sehend,„der Mensch will doch leben, und ich war oft gezwungen, wenigsten« im Anfang, Alle» zu ergreifen, %%%&»>-«.. Ichn-b» D- d-.. da nicht an«ich, daß wir Dir Geld hinüber schien. Du weißt doch, daß ich Alle« geopfert hätte, ehe ich meinen Sohn einer solchen Schmach aussetzte." Schmach! Lieber Vater," sagte Han», langsam und mit fTSÄS 2W-W Ä % ää"*» , Kellner, diverse Schoppen!" an einem Ecktisch plazitt hatten,' erklätte ver Aeltest« derselben, ein rothhändtger Jüngling, die Knetptafel für eröffnet- Da» Gespräch drehte stch um die be» kannte Oehlke-Affaire und Anfang« leise geführt, wurde da«* selbe mit jeder neuen Bierauflage lauter, so daß die Herren, welche stch permanent mit„StudiosuS" anredeten, bald die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf stch lenkten. Da« Be» nehmen der Tischgenoffen veranlagte das junge Mädchen, nachdem fie vergeblich die erregten Gemülher zur Ruhe ermahnt halte, fich mit einem der jungen Leute, ihrem Bräutigam, zu entfernen Nun erklätte der„Präses" den„Pantoffelheld" in den 8,>58. und kam ven anderen einen Halben. Ein ohrew zerreißmde« Hohngelächter folgte dem abziehenden Brautpaar. Al« der„Präses" alsdann einen Salamander kommandiren wollte, trat ein alter Herr an diesen heran und sagte laut und vernehmlich:„Herr Kuntze, lassen Sie doch die Kinkerlitzchen sein und machen Sie keinen Radau mehr, sonst sage ich«» morgen Ihrem Prinzipal!" Die Pseudo-Studmten bezahlte« ihre Zeche, trantsn ihr Bier au« und verdufteten beschämt. Im Lokal herrschte über diese„Abfuhr" die heiterste Sttm- mung. Ei« überaus gefährliche« Subjekt, der 29 J»hre alte Buchbinder Otto Sichter au« Berlin, hat neben dem schänd- lichen Gewerbe als Beschützer der leichtlebigen Dirnen noch da» eine» Erpressers betriebm. In den Fällen, wo fich namentlich ältere Herren verleiten ließen, den Lockunaen der Sirenen zu folgen, trat dann Lichter plötzlich auf und drohte mit Enthül- lungen, falls ihm nicht bestimmte Summen al« Schweigegeld gezahlt würden. Um Zerwürfnisse mit ihren Familien zu ver« meiden, haben stch die Männer jdann auch bestimmen lassen» dem Erpresser Geldopfer über Gelvopfer zu dringen. Der frech« Patron, gegen welchen auf Anzeige eine« Gerupften die Unter» suchung eingeleitet wurde, konnte bi« jetzt nicht verhaftet wer» den, da er fich unangemeldet hier umhertreibt. Die königliche Staatsanwalschaft hat jetzt hinter Sichter wegen wiederholter, theilS vollendeter, theilS' versuchter Erpressung einen Steckbrief erlassen. Gerickts-Aeitung. vor dem Kammergericht gelangte dieser Tage eine Klage de« ehemaligen Hüttenalbeiters August Engler zu Neudorf gegen die„Deutsche Verbandskasse für die Invaliden der Ar- best", vertreten durch den Verdandsanwalt Dr. Max Hirsch, wegen Zahlung einer lebenslänglichen statutenmäßigen In« valtdenpenfion in zweiter Instanz zur Verhandlung. Kläger war von 1872 bis 1881 Mitglied der qu. Kasse und hat, nach» dem er am 1. Februar 1881 wegen Invalidität aus seiner bis- herigen Stellung als Zinkhüttenardeiter auf der Antonienhütte entlassen war, am 15. April desselben Jahre« bei dem Ausschuß deS Äntonienhüttmer Zweigvereins den Antrag gestellt, ihn statutenmäßig als Ganzinvalide zu erklären. Am 19. April 1881 abgewiesen, zahlte Engler aber seine Beittäge doch noch bis Ende Dezember 1881 und erneuerte seinen Antrag am 1. Februar 1882. Abermals abgewiesen, wurde er uun klagbar. Die verklagte Kasse wandte ein, daß der Kläger einen Dienst als Portier versehe, dafür 1 Mk. 40 Pf. täglich beziehe, also von einer absoluten Arbestsunfähigkeit deS- selben nicht die Rede sein könne. Daß Kläger als Portier weniger als früher in seiner Stellung als Ar bester verdiene, könne gleichgiltig sein, denn die deklagte Kasse sei nicht ein Ver- ficherungs'Jirststut für ungeschmälerten Verdienst ihrer Mit- glieder. Kläger sei auch, da er an Lungenemphysem leide, wohl nur als Kranker, nicht aber als Jnvalive zu erachten. Auch habe er eine sechSmonatliche Krankenunterstützung, die seiner Jnvalidifirung statutenmäßig hätte vorhergehen müssen, nicht bezogen. Die zweite Zivilkammer des Landgerichts Berlin l entschied am 22. September 1881 dahin, daß Verklagte schuldig sei, anzuerkennen, daß der Kläger in GemSßheit der§§ 6 und 7 der Statuten der deutschen Verbandskasse für die Invaliden d-r Arbeit vom Jahre 1878 al« Invalide zu erachten und zum Bezüge de« in§ 12 dieser Statu! en festgesetzten I nvalidengehalts von wöchentlich 4 M. 50 Pfg. befugt sei, und daß demgemäß diese Penfion dem Kläger vom 15. April 1881 an zu zahle», die rückständige Penston sofott, die laufende Penston wöchentlich. Gegen diese Entscheidung legte die verklaate Kasse Berufung bei dem Kammergertcht ein, indem fie die Einwände erster Instanz wiederholte. Die Be« weiSaufnahme ergab den Thatbestanv, wie er bereits vom ersten Richter festgestellt war, worauf da» Kammergertcht in prinzipieller Uebereinstimmung mst dem Landgettcht auf Zurückweisung der Berufung erkannte und der verklagten Kasse die Prozeßkoften auferlegte. j. Eine interessante Anklage wegen Zweikampf« gelangte gestern vor der zweiten Strafkammer htestaen Landgericht« I gegen den Studiosus pbil. B. zur Verhandlung. Als sein Ver- thetdiger war der Redakteur de»„Rechtsschutz" I. Fraenkel zugelassen. Es handelte fich in diesem Falle nicht um ein ernst» liches Duell, sondern um eine der Studentenmensuren, die in den resp. Pauklokalen der Verbindungen zum Austrag gebracht werden. Der keiner Verbindung angehörende Angeklagte war Scheu zugreist und sich sein Brod durch seiner Hände Arbeit verdient, der gilt für einen Ehrenmann, und wenn e» ein gewöhnlicher Holzhacker auf der Straße, ein Lastträger oder sonst etwa» wäre. Weißt Du, Papa, daß ich selber Reisenden ihr Gepäck von der Dampfbootlandung bi» in ihre Wohnung für einen Vietteldollar hinaufgetragen habe?" „0 rnon Dien!" rief seine Mutter und faltete entsetzt die Hände, denn dafür fand fie nicht einmal einen deutschen Aulruf, der stch anständiger Weise hätte gebrauchen lassen. „Hans, Han», hast Du denn nicht Deinen Namen, Deine Eltern bedacht? Wenn Dich nun Jemand erkannt hätte, «enn e» hier bekannt würde! Sprich nur um Gotte» Willen mit keinem Menschen darüber. Oh, warum hast Du nicht an un» um Geld geschrieben!" „Weil ich e» für ehrenvoller hielt. Mann," sagte der junge Mann, und seine hübschen Züge färbten sich mit einem dunkeln Roth,„mir selber ehrlich durch die Welt zu helfen, al» von Anderen Hilfe zu fordern." „Und da» nennst Du ehrlich?" rief seine Mutter, noch immer durch da» Furchtbare des Gedanken» de- wältigt. Hanl lachte.„Sorge Dich nicht, Mütterchen; Du, m den hiesigen Verhältnissen auferzogen, hast andere Ansichten darüber, aber ich gebe Dir mein Wort, Du kannst Hundert« von jungenLeuten da drüben finden, die hier au« den ersten Adelsgeschlechtern stammen und trotzdem dort die gewöhn« lichsten Handwerker-, ja Handlangerdienste verttchten, ohne dadurch im Geringsten schlechter zu«erden oder ihren alten Adel zu schädigen. Im Gegenthttl sammeln sie da drüben in einem Jahre mehr Lebenserfahrung, al» hier in der zehnfachen Zeit, und kehren fie dann zurück in die Heimath, so dringen sie allerdings andere Anfichten vom Leben und den gesellschaftlichen Verhältnissen mit, als ste hinüber genommen; aber Du kannst Dich darauf verlassen, Mütter» che», daß es ihnen und anderen Menschen nur zum Nutzen gereicht." (Fortsetzung folgt.) «n 17. Januar er. von einem Kommilitonen mit den Worten: �Mit Ihnen möchte ich gern hängen"(!) zur Gestellung auf die Mensur aufgefordert worden und durfte fich dem herrschen- schenden Komment gemäß dieser deutlichen Anspielung nicht ent- ziehen. Ei fand deshalb der übliche Kartenwechsel statt, wel- chem alidann dieAukpauckung mit geschliffenenLchlägern am nach- stenTage in einem in derSchwedterftr. belegenenEaal folgte. Durch irgend einen Zufall erlangte die Polizeibehörde hiervon Kenntniß und entsandte zur Vereitelung der Mensur einen Anwärter und einen Schutzmann in dai qu Lokal. Als beide Beamte dort ankamen, hatten fich die anwesend gewesenen etwa 150 Studenten bereits entfernt, und nur den Angeklagten der einen gehörigen Säimiß erhalten, trafen fie noch an, als ein Arzt die ihm zugefügte Wunde vernähte und verband. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Festungshaft, der Vertheidiger führte aus, daß zwar das Plenum des Reichsgerichts an- genommen habe, daß geschliffene Schläger auch dann, wenn alle Vorstchtimaßregeln gegen Zufügung ernster Verletzungen getroffen find, als rödtliche Waffen anzusehen find, daß nichtsdestoweniger der Gerichtshof vorliegend dai Vorhandensein eines Zweikampfs doch verneinen kann. ES liege nur ein zur Etäikung des MutheS ausgeführtes Kampsspiel vor. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu drei Monaten Festungshaft, da, wer» eine Prüfung die Richtigkeit der AuS- führungen des VertheivigerS auch ergeben sollte, über das Judikat des ReichSgenchtS doch nicht hinwegzukommen sei. Mne theure Weiße.„Ick bin nu schon jan, j wiß friedlich, Herr Jerichtihof, un kann mir mit keene Kreatur verzür- nen; denn bin ick aber natierlich ooch wieder so, Vet mir leener an'n Wagen kommen Verf. Son Knaatsch paßt unse Muttern ihre Dochte»ich. Ick deweje mir aber derentwegen alle Zeit hochfein un verdeffandiere mir man bloß mit Nolhmchr un ooch denn noch mit Anstand," bemerke eingangs der Verband- lung die verehelichte Amalie Minden, geb. Krebs.— Vors.: Sie standen zu der Frau Müller, mit welcher Sie gemein- schaftlich einen Korridor benutzten, Monate hindurch in den besten Beziehungen. Durch welche Veranlassung wurde das 6 ute Einvernihmen getrübt?— Angekl: Det war ooch noch heene, Herr JerichtShof Unse MannSIeite arbeeten in Schallottenburg in een un dieselbigie Fabrike, wo fe denn um Punkte Klocke finven lokjondeln müssen. Weil't nu doch aber um die Zeit mehrschtendeels noch janz jreulich düster is, den Petroljum ooch kemer vor umsonst wegjeben duht, schössen wir denn jeschwinde noch'mal unter un machten noch'n StündS« ken'n kleenen Stoß. Nischt seht über'n paar jediejene Logen Schlaf. Vors.: Sie haben urS immer noch nicht mitaetheilt, warum Sie fich mit der Fi au Müller erzürnten.— Angekl.: Wie'n paar Briedel had'n wir uns beede oerdragen, sage ick Ihnen; sowie wir uns man erscht npch'n bißken ausjeräkelt hatten, zitterten wir los wie noch nie Int Ums.hen hatte jede von uns'ne Kluft überjestreeft un'n Duch über de unjemachten Haare jebunden, wo wir denn beede inholen jtnain un hinterher det Mittag zurechte schnuddelten. Bei die Jelejen» heit wurden denn ooch jleich de Buden reen-jemacht, un jenau um Uhrner elwen rosselten wir beede mit det bißken Futter los, wo wir uns denn beit Retourjehen'ne kleine Weiße leisteten. Vors.: Aber so kommen Sie doch end ich zur Sache!— Angell.: Wat nu aber de Müllern ii, Herr JerichtShof, die hat'ne janz appartiie Natur. Vor jewöhnlich iS fe'n bißken zach; wenn fe aber ne Weiße an'n Kopp setzt, denn merk keener wat von. Denn reißt die't Gefälle jleich so weit uf, det eener Bange kriejen duht, det WeißbierjlaS kijelt jleich mst'rin. Det ist doch keene Benehmijung. Wenn uf jeden Part'n Jroschen kommt, denn muß ooch jeder eerjal ville blinken. Vors.: Weil Sie fich benachtheiligt wähnten, kam es dann zu Meinunaidifferenzen zwischen Ihnen.— Anaek-: Na nee doch, Herr Jerichtihof; um son paar Diöppsken Bier weent de Minden nu schon nich. Aber weil sowat den Men- sehen doch ooch wieder mächtig boßen kann, ließen wir uns von Stunde an jedelmal zwee kleene Weißen inplumpen, wo denn ick un de Müllern jeder alleene an eene knabberten, wat doch immer det Reellste iS. Vors.: Wozu tragen Sie uns aber die ganze Litanei vor? Wir wollen nur wissen, aus welchem Grunde Ihr gutes Ein- vernehmen in die Brüche ging.— Angekl.: Det kam ja aber von det verflüchtigte Weißbier. Vors.: So erzählen Sie doch endlich die Veranlassung! — Angekl.- Den eenen Dag, wie wir beim Budiker fitzen dahten, mußte ick'mal austreten, wat doch vorkommen kann. Ick sage, Müllern, sage ick, jied'mal verweile'n bißken Obacht uf meinen Korb, un zoddele denn ooch richtig los. Wie ick aber nach enije Minuten retourkomme, alle Hagel nich noch eens! iS de Hälfte Bier aus mein JlaS- Vors.: Kommen Sie endlich zum Schluß!— Angekl.: Wenn doch'rundSrum jut und ferne so Daumsbreete fehlt, denn kann det in die paar Oogenblicke nu schon nich inje- drockcnr find, un deJJFliegen konnten et ooch nich ausje'offen haben, indem't doch bei Winterdag sone JndifihibumS man sparsam jeden duht. Wie ick ihr den Lenz nu aber uf den Kopp zusage, wat meenen Se woll, Herr Jerichtshof, da hatte ick det Kalb int Loge jeschlagen. Vors.: Nun geriechen Sie aneinander.— Angekl.: I wo, Herr JerichtShof; weil se fich doch nu aber�ooch noch deleidijt fiehlte, sage!ck,„Mstllern", sage ick.„Haft De schon det Bier jedrunken, denn kannst de Dir de Neeje ooch noch bezähmen!" und halte ihr det JlaS unter den Riecher, wobei't aber per Zufall'n bißken ausschipippte. Vors.: Ganz so harmlos hat fich der Vorgang denn doch nicht abgespielt, wie Sie glauben machen möchten. Sie haben der Frau Müller vielmehr den Bierrest mit unverk-nnbarer Abficht in daS G« ficht gegossen.— Angekl.: I, wo wer ick denn mit het deire Bier so aasen. Sowat passtit de Minden nu schon nich. Vors.: Dieser Umstand kann unerörtert bleiben, da die Anklage kein Gewicht darauf legt. Was begab fich nun?— Angekl.: Reene janischt, Herr JerichtShof; war de Müllem is, die nahm ihren Korb un länderte alleene loS. Vors.: Sie folgten bald darauf?— AngeN.: Natierlich hab' ick mir bei den Budiker nich ver Heiratbit Son(leeret halbct Slünde'en diuf zog ick ooch Leim. Vors.: Wo haben Sie Frau Müller eingehol!?— Angeklagte: Ick trau' mir bald zu jlooben, et wird>n'n Dur- jarten jewesen find, wo se wie'n ratierlicher Räuber mit Hinterlist uf mir zujchürzt kam. Ick verschrak mir wie'n Espenloob, sage ick Ihnen. Vors.: Sie sollten doch nur die Wahrheit sagen, da zwei ganz unparteiische Zeugen den Vorgang aus einer so geringen Entfemung beobachtet haben, daß jeder Jrrchum ausgeschlossen bleibt.— Angekl-: So dichte iS jänzl'ch ja kemer beijewesm, wie ick un de Müllem; un wat die sagt, nehme ick nich an, indem se'ne Pikanter ie uf mir un den Schwindel uf't Revier anjezeigt hat. Vors.: Frau Müller hat keineswegs Ihre Bestrafung beantragt. Die Einleitung der Untersuchung haben Sie ledig- lich Ihrem urkli-g-n Benehmen zuzuschreiben, welches Sie dem hinzukommendm Beamten gegenüber zu beobachten für gut fanden.— Angekl.: Die Qualmtute hat derentwejen an den janzm Blaak schuld; wat drinkt sone Person mein schemet Bier auS. Vors.: Wollm Sie denn bestreiten, Frau Müller in der Weise hinterrücks überfallen zu haben, daß Sie die ahnungS« los vor Ihnen Herschreitende an dm Haaren zu Bode» rissen und dann mit Füßen und Fäusten bearbeiteten?— Angekl.: Ick habe mir ihr bloß ibjewehrt, wobei et denn schon per Zu- fall oorjekommm find kann, det 'mal'n bißkm ausgerutscht iS. mir de Hand auS Versehen Vors.: Geben Sie zu, den Schutzmann, welcher hinzukam, durch ehrenrührige Revensartm beleidigt zu haben?— Angekl.: Nanu, sowat wird doch bei de Minden nich verzappt! Durch die Beweisaufnahme wurde sowohl das Vergehm der Beamtenbeleidigung als auch dasjmige der öffentlichm Mißhandlung vollständig erwiesen, und infolge dieses Ergeb- nisseS die schon mehrfach wegen gewaltthätiger Handlungen bestrafte Angeschuldigte zu einer dreiwöchigen Gefängnißstrafe verurtheilt. Mit den Worten„Ick verlange'n neien Termin mit Jejenbeweise!" schied Frau Minden mit stolz erhobenem Haupte aus dem Gerichtssaal.(Gerichts-Ztg.) . Iosistes ttttfl Arbttterbmegung. Dr. Max Hirsch scheint einen Theil des Defizits seiner Verbands-Jnvalidenkasse dadurch gurmachen zu wollm, daß er den PenfionSberechtigten nicht zahlt, waS fie zu verlangen haben. Soeben(vergl. Gericht) ist seine Kasse dazu verurtheilt worden, dem Hüttenarbeiter August Enaler zu Neudorf die Penston vom 15. April 1881 ab nachzuzahlen, nachdem die erste Instanz bereits in gleicher Weise entschieden, Hirsch aber gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt hatte. Hirsch mag wohl manch- mal schon seine ganze Tewerkoereinsthätigkeit zum Teufel gewünscht haben. Hohe Dividenden. Die Fabrik Leipziger Mufikwerke (vorm. P. Ehrlich), verlheilt für 1884 als Dividende 75 pCt. ihreS AttimkapitalS von 200000 Mark. In einer noch mehr beneideniwerthen Lage als die Inhaber der genannten Aktien btfinden fich die Aktionäre der Zwickauer Bürgergewerkschaft, deren Gesammtdividmde bei einer Einzahlung von 64 M. die Attie 240 M. beträgt, d. i. 375 pCl.(eben to viel wie im Vorjahr.)— Die Aktionäre des Zwickauer Steinkohlen- dauvereins erhallen 58 pCt.— und die„Magd. Ztg." findet diesen Ertrag„bescheiden" I München, lieber Lohnverhältnisse im Zuchthause bringt die„Korr. Hofm.", um einen Beitrag zur Frage der Konkurrenz zwischen freier und ZuchthauSardeit zu liefern, folgerde Aufstellung aus einer Zuchthaus- Lohntabelle. Es wird an die Gefangenen bezahlt: A. Für 1000 DimfiKuaertS 20 Pf. B.„„ Akter.kouverts 20 Pf. C.„„ Mühlzettel 14 Pf. v.„„ Etikettes 14 Pf. E.„„ Papier sacke 40 Pf. � Soweit die Kartonage> Arbntelöhne; die anderen Löhne find noch geringer. Für das Auslesen von 1 Ballm Kaffee, Erbsen u. s. w. 120 Pfd. 25 Pf. Für 1000 Zündhol, schachtelschieber 12 Pf. Für 1000 Etikettmanhänger 8 Pf. Da nun der an die Gefangenm bezahlte Lohn den dritten Theil dessen beträgt, waS die Anstalt verlangt, so beträgt der BruttoardeitSerttag also daS dreifache, z B. bei den Zündholz- schachtelschiebern 36 Pf.;— und hierzu muß noch der Kleister angeschafft werden. KouverlS sollen übrigms z. Z. für einen hi-stgen Händler dieser Branche daS Mille um 40 Pf. in einer hrestgen Anstalt fadrizirt werden. t. Der Streit der Weber von Nowawes, Strausberg, L ckenwalde und Beenau ist in ein neues Sradium getteten. Wie bereits gemeldet, war entgegen dm Forderungen der Streikmdm von einer größeren Anzahl Fabrikanten ein Lohn- tarif ausgearbeitei, welcher thatjächlich eine Lohnerhöhung re- präsentirle, umsomehr, al< derselbe auch für den Winter maß- gebend sein sollte. Dieser Tarif wurde indessen von den Arbeitern verworfen und von dresen eine Mehrforderung gestellt, welche wiederum auf den energischstm Widerstand der Unternehmer stieß. Da es unter den obwaltenden Umständen eines hartnäckigm und langwierigen Kampfes bedürfm wird, um die Forderungen der Arbeiter zur Geltung zu bringen, hat fich Nowawes entschlossen, in Anbetracht der vorge- rückten und ungünstigen Zeit, da namentlich der Export unter den zeitigen Verhältnissen zu leidm Hot, den Streik zu vertagen und denselben bei günstigerer Geschäftslage sofort wieder aufzunehmen. Da NowaweS maßgebend ist, werden die drei anderen Ortschaften unzweifelhaft desgleichen thun. Herr Klösterliin, welcher am Montag Abend in der Versammlung der Allgemeinen Stuhlarberter- Vereinigung Obiges publizirte, theilte ferner mit, daß, da fich herausgestellt habe, daß Herr Lehmann(bei dem geftreitt wird) viele Urbeit nach Schienen verlegt habe, NowaweS einen Delegirten dorthin entsenden werde, um die schlefischm Weber über den Stand der Dinge aufzuklärm und an Berlin die Aufforderung gerichtet habe, fich an dieser Agitation zu detheiligen, um beim neuen Ausbruch de« Streike« auch die dortigen Weber als Bundesgenoffm zu haben. Berlin wird diesem Wunsche Folge geben und werden die Delegirten bereits in den nächsten Tagen ihre AgitationSreise antreten.— Wie weiter mitgetheilt wurde, wird am 9. April abermals eine Konferenz sämmtlicher Jnnun �vorstände der Weder- und Tuchmacherdranche anberaumt wecoen, damit die Innungen, also die Korperationen, welche Lehrlinge ausbilden dürfen, Bestimmungeu treffen, welche dm Lehrlingen eine derartige Ausbildung garantrren, daß dieselbm späterhin ihr Fortkommen finden können.— Die angesetzte Vorstandswahl wurde vertagt, das Stiftungsfest wird im August in hervorragender Weise gefeiert wer dm. Der Töpfer streik tn Cölln bei Meißen tritt nun all- mählich in daS kritische Stadium ein. daS jeder Streik heute einmal erreicht, und bei dem rasch eingegriffm werdm muß, wenn nicht eine ungünstige Wmduna e, folgen soll. Die Cöll- ner Töpfer leider, wie so viele streikende Arbeiter, unter dem geringen Gemeirfinn ihrer Kollegen: mehrere haben in der Sächfischen Ofmfabrik Arbeit angenommm, obwohl fich keiner über geringe Streileunterstützung beUagen kann. Die Streikenden warm dadurch natürlich nicht wenig erbittert, wenn auch die Meldungen über Ausschreitungen durchaus unrichtig find. Die Verhaftungen von fünf„Rädelsführern" scheinen auf Denunziation und volizeilichm Uebereifer zurückzuführen. Jedenfalls bedürfen die Strettmden rascher Hilfe, wenn fie dm Kampf authaltm sollm, und fie ersuchen daher alle Arbeiter Deutschlands, ihnen nach Kräften beizustehen. ES find 43 Familienväter außer Arbeit. Kaiserslautern, 27. März. Die Schreiner in ver- schiedenm Geschäften unserer Stadt habm eine Lohnerhöhung von 10 Prozent verlangt. Da diese verweigert und in einem Geschäfte einer Anzahl Arbeiter Abzüge am Lohn gemacht werden sollten, habm eine große Anzahl. Schreiner die Arbeit eingestellt. Ein auf dem Büraermristeramte angebahnter Einigunasvmsuch scheiterte.'Die Zahl der Streikenden beträgt in den Fabriken bis zu 150 Mann. Die Zentral-Krauken- und Eterbekasse der Tischler und anderer gewerdllcher Arberter(Sitz Hamburg) zählte laut Abr cknung für daS l-tzte Quartal 1884 am Schlüsse genannten Jahreö 69 912 Milgiiever, die fich auf 560 Orte vertheilen. An Krankengeld wurden ausgezahlt 183 616 Mk., an Sterbegeld 4695 Äk. Die Gefammteinnahme im 4. Quartal 1884 betrug 276 302 Mk 52 Pf., die GefammtauSgabe 210205 Mk. 72 Pf, was einen. Ueberschuß von 66 096 Ml 80 Pf. ergiedt. Mit Uesen Ergebnissen ist die Kasse der T'.schler-c. ohne allen Zweifel an die Spitze sämmtlicher Kaffm Deutschlands getreten._ Uermiscktes. Die Tsetfe-Ktiege. Ueder dieses Insekt wird aus einem Reisebericht von der Ofiküste Afrikas in der Zeitschrift„Die kath. Mtifiorea"(Nr. 5 des Jaing. 1883) folgendes Nähere mitgetheilt:„Dieses berüchtigte Insekt, das in der KtSwahili- Sprache„Tfchafonon" heißt, ist eine det furchtbarsten Geißeln Afrikas. Sie findet stw von den Kapländem bis über den Aequator hinaus, doch glücklicherweise nicht überall. Ohne daß man den Grund hinrrickiend erklären kann, lebt fie an fe* stimmten Plätzen und gedeiht an anderm Orten wieder nicht; man könnte eine vollständige Karte ihrer Verbreitung über Aftika entwerfen. Sie hat ungefähr die Größe einer Stubenfliege; das Männchm ist etwaS kleiner als das Weidiben; fie haben eine gräuliche Färbung und rin eiaenthümliches, hohes Sun men, da« man sofort wieder erkennt, wenn man es auch nur einmal gehört hat. Sie liebt es, im Verborgenen zu stechen; oft machte ich die Beobachtung, wie fie fich unter die Kleider, in die Aermel, unter den Schweif der Thiere verkroch. Sie bohrt dann ihren kleinen Rüffel, an dessen Wurzel, wie ein winziget Tröpfchen Silber m einem durchstchtige» Krystall-Fläschchen, ein GistbläSchen g'änzt, in die Haut, schiebt zwei Sauger in die giftige Stichwunde, pumpt fich voll Blut und fliegt nach kurzer Weile von Bannen. Das genügt, um bei einem Ochsen, Pferde, Hunde oder Schafe eine solche B'ut- Vergiftung herbeizuführen, daß der Tod gewiß ist. Gewöhnlich wird dai verwundete Thier immer schwächer und hinfälliger und verendert erst nach Wochen oder selbst Monaten; manchmal wird eS auch wie toll und rennt fich den Kopf an irgend einem Baum ein. Man behauptet, dem Esel schade das Gift dieser Mücke nicht; ich bezweifle diese Angade sehr wenigstens, für alle nicbt eingeborenen; wir selbst haben schon mehrere Esel durch diese schreckliche Mücke verloren; auch da« arme Thier, das uns auf dieser Reise so gute Dienste leistete, veren ete bald nach unserer Heimkunft. Die belgische Expedition hat für ih-e R-iie ins Innere drei El-phantm au« Indien kommen lassen; auch diese erlagen der Tsetse.(Anderen Nachrichten zufolge v-r- endeten dieselben an Ueberanstrengung.) Nur der Mensch, die Ziege und die wilden Thiere trotzen ihrem Sticke, der üdrigenS nicht schmerzlicher ist, alS ein gewöhnlicher Mückenstich. Ein Gegengift ist nicht bekannt; die Leute hier behaupten, wenn man den Schwanz der Thiere mit Löwenfett einreibe, so vertreibe das die Tietse; leider ist der Löwe nicht immer in der Laune, sein Fett dem ersten Besten zur Nutznießung zu überlassen. Die deutschen Landsknechte, diese Plebejer des Helden- thums, welche im 15. und 16. Jahrhundert einen immerhin belangreichen Typus ausmachten, find in Reihe und Glied sehr diSzrpliniri uno außeroem sehe zügellos gew-s-n. Spiel und Trunk gehörten»u ihrem Wesen; in Betreff veS ersteren Katen fie sogar als Erfinder auf, denn daS nach ihnen benannte Hazardsprel„Landsknecht" ging aus diesen Professtoncsoldaten hervor. ES bekundete nur ein sehr mäßiges Ecfinoungstalent, hat aber, gerade weil eS unnützlich war, Ausbreitung und Dauer gehabt. Wo ist mehr gespielt worden alS in den Heerlagern des dreißigjährigen Krieges! Jener alte Stallmeister hält darüber dem Simplizisstmus einen sehr eindringlichen Vortrag. Die Sptelwuth jener Krieger wurde so groß, daß fie ganze Nächte hindurch mit den Würfeln raffelten und dieieS Spiel viel minder lassen konnten, als den Schlaf. Die Feldhenn verboten das der KriegStüchkigkrit Abbruch thuerde Spiel bei Androhung äußerster Strafen, aber das nutzte nichts— die Spieler kamen in allen Winkeln uns hinter jeder Hecke zusammen, nahmen einander daS Geld ab, spielten selbst um ,hr Kommiß brod und brachen fich die Hälse; wenn täglich Hunderte gehentt worden wären, die anderen würden doch wetter gespielt haben. Schließlich erlaubte man daS Spiel wieder, nur um es doch wenigstens unter Kantrole zu haben. Tilly erfuhr, daß ein gemeiner Soldat bei der Plünderung? Magdeburg 30000 Dukaten zusammengeraubt und diese dann auf einem Breit verspielt habe. Für diese Verschwendung, nicht für den Raub, ließ Tilly den Betreffenden henken; einen Räuber glaubte er immer noch brauchen zu können, aber einen so eminenten Schädiger setner selbst hielt er für gefährlich. Dieser weise Richter bandelte im Ver- dältniß mit seiner Art Praxis vielleicht zweckentsprechend, die Moral der Sache ergiedt fich ganz von selbst. Ein verdächtige« Thier. Lehrer:„Ich habe Euch jetzt von der Klapperschlange erzählt. Wer kennt ein ähnliche« Thier, dem man ebenfalls nicht trauen darf?"„Nun Fritzchen Fritzchen:„Der Klappersto.ch!" Kindermund. Großmutter bringt die kleine Alice zu Bett und läßt fie die kleinen Hände falten zum Nachtgebet: Herr Jesu Christ, ich bin noch»ein. O mache mir mein Herze rein I Bei dem letzten VerS hält fie mne, blickt die Großmutter finnend an:„Großmama! mit waS macht denn ver liebe Gott das Herze rein?" Briest usten äer üeiia&tion. Wiener str. Tcr eingezahlte Vorschuß ist verfallen. E. E. 1. Die Annendtrektion hat in diesem Falle leine Verpflichtung. Es wäre ja möglich, daß fich eine Unterstützung für dai Kind erwirken ließe, Sie geben jedoch keine Thatsachen an, wodurch fich eine solche motiviren ließe. 2. Nein. In solchen Fäll-n gilt nur der schriftlich« Kontrakt. Mündliche Versprechungen find hier nickt bindend. 3. Das läßt fich nicht so ohne Weiteres anaeben, Sie hätten wenigstens sagen müssen» in welcher Weise die Schuld konttahirt worden ist. P. D., Rathenowerstr Es kann wegen der Gerichts» kosten Exekution bei Ihnen vollzogen werden. O. S., A. S,» T. Sie können das Betreffende in unserer Expedition einzahlen. ES wird demnächst darüber quittirt werden. E. E. 79. Sie wenden fich am besten an den Vorstand des betreffenden Vereins selbst. Man wird Ihnen daselbst bereitwilligst Auskunft ertheilen. Schulze, Perleberge rstr- 1. 7'/« Kilometer. 2. London ist größer. Zwei Wettende- Der ZirkuS Ciniselli befand fich allerding» in jener Gegend. In welchem Jahre ist uns nicht mehr erinnerlich. E. W. Nauuynstr. In dem von Ihnen angegebenen Falle haben Sie recht. Ihre Frage berühit indessen so viel« Gebiete der Astronomie, daß wir an dreier Stelle auf«ine ausführliche Beantwortung verzichten müssen. Wir kommen auf die von Ihnen angeregte Sache in nächster Zeit in einem längeren Artikel zurück. Kunstliebhaber. 1) Staffage nennt man die einzelnen Figuren oder Gruppen von Menschen(oder auch Tdieren) auf landschaftlichen oder archtteltonischen Gemälden. Der Zweck der Slaffage ist nur die Belebung der todlen Umgebung. 2) Der„Christus vor Pilatus" von Munkacsy ist neueren Datums, er ist 1333 vollendet worden. X. I Sie find militärpflichtig. Die Gründe, die Sie angeben, find sämmtlich nicht stichhaltig. Zimmcrvcrmiethertn. Der Herr kann erst am Letzten deS Monats ausziehen, resp. er muß für den ganzen Monat bezahlen, wenn er auch ftüher auszieht. Kein Müuzentundtger. 1)%Xe deutsche Münze Karolin war eine frühere Goldmünze, die in Bayern und Württemberg wurde. Ihr W>rth betrug etwa� 7 Thaler. 2) Die ieveutung der Münzzeichen ist: A= Berlin, B Han» nover, C■«= Fran'fmt, v— München, E— Dresden, F= Stuttgart, O— Karlsruhe, H— Darmstadt, J— Hamburg. R. 91., Höchstestr. Am einfachsten dürste eS wohl sein, wenn Sie fich mit Ihrer Beschwerde, die nach Ihrer Meinung degründet ist, an die betreffende zuständige Behörde wenden» die gewiß in unparteiischer Weise die einschlägigen Thatsachen prüfen und im betreffenden Falle Ihnen Gcnugthuung verschaffen wird. Verantwortlicher Redakteur«. ttenfetitn in Berlin. Druck und Verlag von Max vadtag in«Amin sw. Beuthstraß« 2. Beilage m Nr. 77. Der heutige StaatssoMismus uud die bcjitzendcn Massen. ist üblich geword:n, alle Eingriffe der G-setzzebung in dal Tetriebe der freien Konkairenz als„ItaatSsozialis- muS" z« bezeichnen. Wir wollen uns gern diesem Sprach- gebrauch füge«, möchten aber dann streng dm Unterschied zwischen dem heut beliebten StaatSsozialiSmui und dem eigentlichen Eozialitmul festgehalten sehen, der häufig ver- wischt wird, besonders seit Prof. Adolf Wagner bei der unschuldigsten Lumperei Sozialismus und Sieg des„öffent- lich-rechtlichen Prinzips" wittert. Bei jeder wirthschaftUchen Thätigkeit des Staates kommt es vor all-n Dinge» doch darauf an, zu»effen Gunsten fie ausgeübt wird, ob zu Gunsten der ganzen besitzlosen arbeitenden Klasse, oder zu Gunsten der befitzenden Klassen oder gewisser Theile der- selben. Und der heute regierungsfähige StaatSiozialiSmuS arbeitet mit Dampflraft lediglich in letzter Richtung, in feinen wesentlichsten Bcstandtheilen ist er nichts als eine Reaktion gegen das lediglich spekulirende und zinsenbcrech- nende Kapital, nicht zum Vortheil der Arbeit, sondern zum Vortheil des direkt an der Produktion betheiligten Besitze». Es ist eine Thatsache, daß da» mobile Kapital bei der Verschuldungsfreiheit deS Grundbesitzes dem Land- wirthe zu einem harten und verhaßten Gebieter geworden ist. E» ist eine Thatsache, daß viele Landwirthe bei gleicher Erbtheilung ihr Gut mit einer so enormen Schuldenlast übernehmen müssen, daß sie dann keinen Kredit«ehr finden, wenn fie ihren Betrieb verbessern und die Intensität de» Anbaue« steigern wollen. Hier verlangen nun unsere Staatisozialisten Beschränkung der Erbtheile der da» Gut nicht übernehmenden Geschwister, Heimstätten, welche unter allen Umständen zu Gunsten des Bewirth- schafteuden unangetastet bleiben sollen und ähnl. Der Produzent käme dabei vielleicht ganz gut weg: er könnte freier aufath«en, während er jetzt durch die Schuldenlast erdrückt wird; er könnte seinen Betrieb de» Konjunkturen anpassen, weil seine Kreditfähigkeit nicht gleich bei der Gutsübernahme erschöpft ist. Aber die verlangten Refsrmen sind doch nur Reformen zu Gunsten der besitzenden, nicht der kapitallosen Produzenten: der Arbeiter. Wo bleibt bei unsere»„Sozialkonseroativen" der ländliche Ar» beiter 1 Wird an seinem Verhältrnß, an dem Verhältniß zwischen Unternehmer und Arbeiter etwa» geändert, wenn der selbstständige Landwirth vor der Ausbeutung de» Leih» kapital« geschützt wird? Es ist eine Thatsache, daß die kleinen selbstständigen Handwerker schwer unter der Konkurrenz der Händler, der Garderobengeschäft», der Magazine leiden, daß die reichen Magazininhaber um so leichter ihr Uebergewicht geltend machen können, je mehr da» Handwerk durch die wilde LehrlingSwirthschaft zerrüttet wird. Auch die Handwerksmeister verlangen daher Wahrung ihrer Jnieressen durch ein Vorgehen gegen die Magazine, durch Einschränkung der Gewerbefreiheit u. ähnl. Aber wenn auf diesem Wege auch etwa» für die selbstständigen Handwerker zu erreichen wäre, wird dadurch etwa» an dem Verhältniß des Gesellen zu dem ArbeitSherrn geändert? Wo bleibt bei allen diesen Vorschlägen der Arbeiter? Auch sonst kämpfen unsere Staatssozialisten oft recht eifrig gegen da» Kapital, ab-r fast immer handelt e« sich dabei nicht um den Gegensatz von Kapital und Arbeit, sondern um den Gegensatz zwischen dem lediglich spekuliren- den und handelnden Kapital und dem an der Produktion direkt Betheiligten. Der Kampf gegen den Zwischen« Handel ist ein Kampf zu Gunsten de« produzircnden Kapitals, daS heute feine Rente mit vielen kapitalrstifchen Schmarotzern theilen muß und bei dieser Theilung oft ziem« «achdrml ,»»»««.] 131 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. (ftorse,ung.t „Lieber Georg," sagte sie zärtlich, wenn eS Dich auf- regt— nein, nein, thur eS nicht, laß(»... und wenn Du ohne Testament stirbst— Wa» liegt mir an allem Reichthum, wenn ich Dich nicht habe. Wenn ich wüßte, daß da» Sprechen, da« doch nothwendiger Weife mit diesem Akt verbunden ist, die Aufregung, Dein Liben auch nur um eine Viertelstunde abkürzten, ich wollte mit sreuden auf Alle« verzichten." „Liebe Schwägerin," sagte Strahlenau, indem er sanft ihre Hand ergriff, um sie von dem Krankenbette hinwegzu- führen,„ich begreife Ihren Schmerz recht wohl, und weiß sehr wohl, daß sie in diesem Augenblick an nichts Anderes denken, al» an den Verlust, der Ihnen droht; e« ist aber die Pflicht de» vernünftigen und rechtlichen Gatten, daß er auf dem Sterbebette an die Zukunft der Sein'gen denkt. Was an mir liegt, werde ich thun, um diesen Akt nicht allzu anstrengend sein zu lassen für Ihren Gatten. Die Sache ist ja ganz kurz zu machen." „Ihr tödtet ihn'." rief Frau Amberg.„Laßt ,hn»e- nigstens ruhig sterben I.. Rein, nein, Ihr sollt ihn nicht aufregen, Ihr sollt ihn nicht tödten!" „Seien Sie vernünftig, liebe Schwägerin. Bedenken daß wenn Ihr Gatte ohne Testament stürbe, für * genügend gesorgt sein würde." „V a« ich nach Reichthum und Lebenigütern! Wenn ich ihn nicht mehr habe, dann mag Alles verloren sein, dann ist mit Alle» gleich, dann will auch'.ch sterben." ,,Jch begreife Ihren Schmerz, und begreife auch Ihre Abneigung gegen den Akt, der in diesem Augenblick wie nne Verletzung Ihrer Gefühle erscheinen mag. Doch, um sie zu beruhigen, lassen Sie uns zuvor den Arzt fragen, der ja, wie ich glaube, soeben angekommen ist." Strahlenau hatte einen Wagen vor der Thür halten hören. Er hatte sich nicht getäuscht, e» war der Arzt. Berliner Mittwoch, den 1. April 1885. lich schlecht wegkommt. Im Kampf aegen die Börse fallen oft heftige Angriffe gegen daS Kapital, aber wem kommt denn die„Beschneidung" der Börse zu gute, außer der Art von Kapital, welche den Wettlauf mit dem speku- lirenden Großkapital nicht auSzuhalten vermag? Die Arbeiterpartei hat keinen Grund, sich an diesen inter- neu Kämpfen der einzelnen Abtheilungm der Kapitalisten zu betheiligen. Wenn fie auch vielfach gefühlsmäßig mit manchen Reformvorschlägen sympathisiren mag, wenn ihr auch ein tüchtiger industrieller Leiter lieber al» ein Börsenjobber ist, so wird sie sich doch bei der Regelung von Fragen nicht aufhalten, welche von der eigentlichen Frage unsere» Jahrhundert» weit ab liege», und welche mit der Lü ung dieser Frage von sechst erledigt sind; sie wird sich nicht mit einer vorübergehenden Neuordnung von Verhältnissen aufhalten, die doch dem Untergang geweiht sisd. Sie wird es schon deswegen nicht, weck das Auge der Oeffentlichkeit keinen Moment von dem einen Ziel ab- gelenkt«erden darf: den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit zu überbrücken. Ist das gelungen, so werden auch die heute v»n den Etaatssozialisten betonten, ganz nebensächlichen Gegensätze von selbst verschwunden sein. DoUtiisrke UebersirKt. Ueber die Unruhen in Bielefeld bringt die„Franks. Ztg." einen längeren Bericht, dem wir folgendes entnehmen: „Bielefeld ist in der ganzen Welt wegen feiner Leinen-, Damast- und Seidmindustrie bekannt. Es zählt in Viesen Branchen ca. 150 Firmen, darunter solche, die mehrere Tausenve von Ar- bettern und Arbeiterinnen beschäftigen. Bielefeld besteht eigent- lich aus 6 Ortschaften(5 Kantone und dem Gadderbaum) und einer ca. 11 000 Einwohner zählenden Stadt, und hat ohne den Gadderbaum 34 100 Einwohner. Aus Meilenweite ver« theilen sich die Wohnungen der Arbeiter, in den benachbarten Ortschaften Breckwede, Julienbeck, Schildesche, Heepen, Milse, Ubbedissen, Stieghorst, oillegossen u. s. w. wohnen Tausende, die in Bielefeld ihre Beschäftigung finden- Echt in westfälischem Etil erhebt fich da und dort in Schußweite HauS an Haus und Hof an Hof, und es ist ein malerischer Anblick, wenn man von dem Eparrcnderg oder dem Johannisberge aus die Landschaft in Augenschein nimmt. Die weibliche Bevölkerung herrscht in Bielefeld vor, man könnte fast sagen, auf 1 Mann kommen 2 Frauen. Das Leben der Letzteren ist auch nicht auf Rosen gebettet, da fie vielfach für ganz geringen Lohn ihr Leben fristen müssen. Im Innern der Stadt findet eine Massenproduktion von Wäschearttkeln statt. Der Verkehr ist hier geradezu staunen« erregend; in jedem Hause arbeiten fleißige Hände unermüdlich an den Nähmaschinen und man schätzt den täglichen Packet. versandt mittels der Post wohl nicht mit Unrecht auf ca. 1000 Stück. Im gleichen Maßgab« ist der Güterverkehr entwickelt und kein Tag vergeht, an dem nicht 10 große Rollfuhrcn umfangreiche BallotS nach allen Richtungen der Windrose fort« schaffen. Groß ist die Zahl Derer, die um daS tägliche Brot den Kampf de« Dasein» führen: Mann und Weib, Tochter und Sohn müssen redlich arbeiten, bi« fie den hohen An- forderungen, die Wohnung und Nahrung hier verursachen, genügen können-— In einer der größeren Fabriken, der Fabrik von Koch u- Komp(Mhmasch'men) brach vor etwa 3 Wochen ein Streik auS, weil die Eigenthümer von den Arbeitern ver- langten, daß letztere fich aegen eine Erhöhung der Akkordsätze die kleineren Weifteuge, Feilen u. s. w., auf eigene Kosten de- schaffen sollten- Die Arbeiter erblickten darin eine Lohnreduk- tion und wählten eine Kommisston von drei Mitgliedern, die mtt der Firma oerbandeln sollte- AlS diese drei ohne Weiteres entlassen werden, stellten 150 Arbeiter die Arbeit ein; 60 betheiligten fich nicht an dem Streik. Neue Verhandlungen blieben resultotlos. Die Streik ndcn verlang. ten in erster Reihe Wiederaufnahme der drei Entlassenen in die Fabrik, was rundweg abgeschlagen wurde Es sam- melten fich jetzt täglich Arbeiter auS sämmtlichen Fabriken in der Bahnhofstraßc vor den Koch'schen Etablissements, um zu verbindern, daß fremde Arbeiter hier in Dienst treten. Die Neuankommcnden wurden sämmtlich nach Hannover und Essen weitervirigtrt. Da erließ die Firma eine Aufforde- Derselbe trat ein, und während Käthchen den Notar nicht anders al« mit den Augen des Hasses angesehen hatte, als ob sie in ihm einen Mann erblickte, der gekommen sei, um sie des geliebten Mannes zu berauben, um ihm die Scheidestunde zu erschweren, so erblickte sie in dem Arzte den Helfer, den Retter. „Ist's denn wahr, Herr Doktor," rief fie ihm ent- gegen,„daß ich keine Hoffnung mehr habe, daß alle diese Leute recht haben, daß mein geliebter Mann mich auf ewig verlassen soll?" Der Arzt antwortete nicht, sondern trat an das Bett des Kranken, erfaßte seinen Pul», betrachtete seine Züge aufmerksam und sagte dann mit einer Miene, die feine innige Theilnahme ausdrückte: „Sie müssen auf ein baldige» Scheiden gefaßt sein, Frau Amberg,«enschliche Hilf« ist hier vergeben»." Von Neuem warf sich Käthchen schluchzend und laut weinend über da» Bett ihre» Gatten. Sie konnte nicht daran glauben, daß diese Nacht die letzte sei, daß der fol- gende Tag fie vielleicht schon al» Wittwe fände. „Herr Doktor", sagte Strahlenau, sich an den Arzt wendend,„r» handelt fich darum, gegenwärtig einen Testamentsakt zu vollziehen; glauben Sie, daß der Kranke in diesem Augenblick die Kraft dazu hat?" „In diesem Augenblick hat der Kranke noch die Kraft dazu; ob's morgen noch der Fall sein wird, weiß ich nicht/ sagte der Arzt. „Glauben Sie, daß die Auftegung und vielleicht da» unvermeidlich längere Sprechen den Kranken allzusehr an- greifen wird?" „DaS wird nicht gefährlich fein, wenn man nicht be- sondere GesühlSerregungen bei ihm hervorruft.... So lange die Athemnoth nicht wiederkehrt und ein Schlazanfall sich nicht wiederholt, ist nicht« zu fürchten." „Sie hören, Schwägerin," sagte Strahlenau.„Sie können also darüber beruhigt sein, e» wird durch diesen nolhwendigen Alt sein Leben um keine Minute abgekürzt werden... Zu Ihrer Beruhigung aber bitte ich hiermit den Herrn Dcftor, anwesend zu bleiben, damit bei etwaigen bedenklichen Symptomen Ihre Hilft zur Hand sei." Bolksblatt. II. Jahrgang- rung, daß am Montag die Arbeit aufgenommen w.'röen müsse, sonst sei jeder Slretkende entlassen. Hierauf artworle en die Arbeiter mit einer großen Voilsversammlung, Vc.en Ein- müthiakeit genügend bewies, daß e» auch auf die anderen Fabiikherren abgesehen war. Die Firma Dürrkopp u. Cie. er- widerte fofort energisch und st llte ihre Durchschnittslöhne Allen klar. Ihr schloß fich die Firma Hengstenbrrg u. Ko. in würdiger Weise an. Dieses Eintreten bewirtle, daß der Streik leine größeren Dimenstonen annahm, sondern auf die Fabrik von Koch beschränkt blieb. Hierauf ließ die Firma Koch und Cie. von den Bodelschwingh'schen An st alten Ar- beiter kommen. Ali diese ihr Tagewerk vollbracht hatten, ent- stand eine große Maffenansammluna und es wurden in ver Zimmerstraße die Herberge zur tz-rmatb, in welcher jene A-- beiter untergebracht waren, und die Koch'sche Fabrik derart de- molirt, daß nur wenige Fensterscheiden ganz blieben. Am Freitag ging es noch lebhafter zu. Die Straße nach dem Bahnhofe und die Seitenstraßen waren vollgepfropft von Ar- deitern und neugierigen Schulkindern, Nähmävchen und weiblichen Dienstboten. Da man Abends erneute Szenen befürchtete, so wurde Militär requirirt. Oberbürgermeister Bunnemann hielt eine Ansprache, in welcher er die Leute auf- forderte, auseinandezugehen und„sich nicht ins Unglück zu stürze n", was mit allgemeinem Hohngelächter crwiedert wurde. Hierauf schritt das Militär«in, welches von beiden Seiten in die Straßen eindrang und alles auseinandertrieb. An diesem Tage wurden ca. 10 Leute wegen Aufruhr verhaftet, aber eS war nicht ein ein- ziger der streikenden Arbeiter darunter. Ein wahres Gedränge spielte fich am JahnSplatze ab, wo die Post liegt, um die fich nun alleS diängte. Ein Postillow der nach Haufe wollte, wurde derart gestochen, daß er wahrscheinlich nicht mehr davon kommen wird, mehrere andere Personen wurden mit Kolben stößen und Eäbelstichen schwer verletzt, während von einem Garten aus die Soldaten mit Flaschen und Steinen bombardirt wurden.— Am Sonnabend waren schon überall Militärpatrouillen stchtbar, doch füllte fich vie BahnhofSstraße trotzdem Morgenö von 6-8'/-, Mittag« von 12—2 Uhr und Abends von 6 Uhr ab. Der Rcgierungs- prästdent v. Pilgrim aus Minden war mtt dem Ober- bürgermeifter Bunnemann zur Stelle ES tv.irden nun auf grünem Papier in großen Lettern m-yrere Pro- klamationen angeschlagen. Da dieselben ohne Wirkung blibcen, erfolgte die Verhängung deS Belagerungszustandes, die um 5V« Uhr unter Trompetenschall und Trommelwirbel verkündet wurde.— Die Proklamation lautet wie folgt; Bekanntmachung: Nachdem am 26. und 27. d. MtS hier öffintliche Zusammenrottungen stattgefunden haben, bei welchen den Exekultobeamten in der rechtmäßigen Ausübung ihres AmteS mit vereinten Kräften durch Gewalt Widerstand geleistet ist, und da weitere dringende Gefahr für die öffentliche Sicher- heil vorliegt, so wird auf Antrag des Herrn R'gierungSpräfi- denten von Pilgrim hiermit der Belagerungszustand für den Stadtkreis Bielefeld und die Amtsgcmeinve Gadderbaum- Sandhagen auf Grund des Gesetz-s vom 4. Juni 1851 prooi- sorisch erklärt. Mit dieser Bekanntmachung geht die vollziehende Gewalt an mich, den Militärbefehlshaber, über; ich setze vi« Artikel 29 und 30 der Verfaffun«Surkundc für die genannten Bezirke bi» auf Weiteres außer Kraft, und ordne auf Grund deS§ 9 deS bezeichneten Gesetzes zunächst folgendes an: 1. Jede Ansamm- lunp von mehr alS 6 Personen auf öffentlichen Straßen und Platzen ist verboten. 2. Die Fenster an denjenigen Straßen, auf welchen trotz jenes Verbotes Ansammlungen von Menschen stattfinden sollten, find von eintretender Dunkelheit ab zu er- leuchten. 3 Alte öffentlichen Wiithkhäuscr find um 9 Uhr Abends für einheimische Gäste zu schließen. 4 Das Tragen von Waffen und gefährlichen Weikzeugen ist oerboten.— Zugleich wird auf die in dm§§ 8 und 9 des Gesetzes vom 4. Juni 1851 angedrohten schweren Strafen hiermit nachdrück« lich aufmerksam gemacht. Bielefeld, den 28. März 1885. Köppen, Oberst und Garnison- Aellester." Der„Essener Zeitung" zufolge wären am 27. dS. Mtl. eine tövtltche und zwei leichtere Verwundungm vorgekommen.— Der„Elberfelder Z-itung" wird unterm 29- März berichtet- „Die Ruhe wurve gestern Abenv nicht weiter gestört; nur muß'e einmal Vie Niedernstraße gesäubert weiche». Auf Schließung der WirthShäuser zur angegebenen Zeit wurde „Von Herzen gern!" erwiderte der Arzt. „So können wir beginnen." „Legt mir die Kissen höher." sagte der Kranke mit schwacher Stimme. Emmy war sogleich bei der Hand, um seinem Wunsche nachzukommen.. „Auch ein wenig Limonade." Sie reichte ihm ein Glas. Käthchen war ganz aufgelöst vor Schmer,. Sie über« lreß E amy diese Hilfsleistungen und verhaute in ihrer Stellung am Bette knieend. die Hände ihre» Gatten mit Thränen benetzend. „Ich habe in Bezug auf meinen letzten Willen wenig zu fag.n," begann der Kranke„Mein Vermögen soll in zwer Theile getheilt werden; einen Theil erhält Käthchen, der andere wird zwischen meinem Bruder Paul und meiner Schwester Bertha getheilt." , E» wäre doch gut," bemerkte Emmy hier, wenn zunächst die Höhe Deine» Vermögens festgestellt, oder wenigstens angegeben wäre, auf welche Weife der Betrag derselben später zu ermitteln sein würde." „In dieser Beziehung löirrnn Sie ganz beruhigt sein, Fräulein Amberg," sagte Strahlenau in verwerfendem Tone.„DaS Vermögen des Erblasser« weisen die Bücher de« Geschäft» und die Bücher nach, welche Frau Amberg geführt hat" „Di-- Bücher find aber alle im Besitz eine« der Erben," versetzte Emmy mit Entschiedenheit,„und auch geführt von derselben Erbin. E» fragt sich, ob die anderen Erben sich einen Nachweis, der auf diese Weise geführt wird, gefalle» lasse» würden?" „Da Sie zu diesen Erben nicht gehören," versetzte Strahlenau in demselben verweisenden und wegwerfenden Tone,„so geht Sie das nichts an, auf welche Weise die Höhe des Vermögens festgestellt werden wird, ob durch ae» richtliche Intervention oder durch gemeinschaftlichen Ab- schluß der Bücher mit den anderen Erben; daS ist eine Sache, über welche wir nicht nöthig haben mit Ihnen jetzt schon ein Abkommen zu treffen. Sie können sich damit streng gehalten durch Miliiäipatromllen. ES erfolgten nur wenige Verhaftungen, namentlich von Leuten, welche die angc- schlagcnen amtlichen Bekanntmachungm beschmutzt hatten.— Auch der heutige Tag ist in großer Ruhe verlaufen. Militär wachen sind an etwa fünf Stellen der Stadt ausgezogen; jeder Soldat hat 10 scharf« Patronen. Ei steht zu hoffen, daß die Ruhe nicht weiter gestört wird und somit der Ausnahmezustand bald aufhören kann." Der wegen Landctverrath in Mainz verhaftete Jourvaltst Röltger ist unter tSendarmmedegltitung nach Leipzig gebracht worden. Wie verlautet, ist die Vo-unter« suchung gegen öttger bereits geschloffen und von der An- klag�kammer eine Anklage gegen denselben aus Grund des S 92 res Strafgesetzbuches erhoben worden. Wodurch Nötiger fich das Verbrechen hat zu Schulden kommen laffen, darüber verlautet nichts, wie überhaupt die ganze Angelegenheit mit der größten Titkretion behandelt wird.— lieber die Veranlagung zu der Verhaftung des Premierlieutenants v. W. in Flensburg, find allerhand Gerüchte im Umlauf. Derselbe soll dringend verdächiig sein, FestungSpläne an die rusfische Regierung verka. st zu haben. Frankreich. Frankreich wird also ein neueS, oder richtiger ein altes Ministerium bekommen. Der frühere Minister- Prästdent Freqci'ct ist von Gcevy beauftragt worvin, das Kabinet zu bilden, d. h. Peisonen_jU den Ministerposten vorzuschlagen. Herr Frepcinet ist ein Mann vom Schlage des Herrn Feritz, er wird dieselben Wege wandeln wie sein Vorgänger, und das französische Volk hat also von dem Wechsel nichls zu erwarten. Ferry hatte stch freilich schrecklich blamirt. noch 24 Stunden vor rem Eintreffen der die Niederlagen verkündenden Depeschen hatte er von der Gloire der franzüfischcn Armee in Tonkin vor der Kammer gesprochen, um so nieverschlagender wirkten die darauf folgenden Nachrichten; der lang verhaltene Groll vieler Abgeordneten— der durch die fortwährenden SiegeS- nachrickten niedergehalten wurde— kam nunmehr ungeschminkt zum Vorschein. Die sonderbare Art der RriepsfüHrung, die verfeffungswidriz begonnen wurde, daS Verschweigen der schlechten sanitären Zustände unter den Truppen in Tonlin, kurz, AlleS wurde zusammen geiaht und alS Hebel zum Sturz Ferry'S benutzt.— Man wird jetzt wahr- scheinlich Taufende und Z-hntausende nach Tonkin schicken, ob es aber angesichts der herannahenden heißen Jahreszeit noch möglich sein wird, die Chinesen erfolgreich zu bekämpfen, daS ist sehr fraglich; es ist viel eher anzunehmen, daß die Chmesm, denen eS an Menschenzahl nicht fehlt, die Reste der franzöfischen Armee, bevor Verstärkung eintrifft, in eine verzweifelte Lage dringen, wenn nicht gänzlich vernichten werden. «gypte«. Aus Tuatim kommt die Nachricht, daß der Anhang Osman vigma's stch gärz'.ich verlaufen hrd«, nur 100 Mann sollen ihm treu gtblieren sein. Ein Abgesandter Osman Dsgwa'ö ist u-.tec weißer Flagge im englischen Lager ein- getroffen, mit der Anfrage, unter welchen Bedingungcn'F riebe geschloffen weiden könne— Falls diese Nachricht stch beställgt, würde fie die Lage der Engländer plötzlich zu einer sehr gün. stigcn umgestalten. Durch die Beseitigung Osman Digma'S würde d odachtungen anstellen über den hervorragenden Instinkt der Mäuse, von denen er behauptete, daß ste mehr Verstand hätten, als mancher Volontär. Sollte man es glauben? Fonwährend zernagten die Mäuse den ZwirrSfaden der Falle, und holten — wie klug!— den Lp,ck heraus. Doch wer beschreibt sein Erstaunen, als«r bei einer abermaligen Remston an einem der nächsten Tage in der Falle den— Schwanz eines Mäuschens vorfindet; der Speck war fort und von ihm und der nun schwanzlosen Maus— die fast das Mitleiden des Herrn V. erregte— war keine Spur aufzufinden, ein Erei niß, das beim Personal zu der ledhaftesten Diskusston über die Intel« ligenz der Mäuse Veranlaffung gab. Nur der Volontär, Herr Sch., wußte den Zusammenhang der Sache, war er ja doch der Veranstalter der morgendlichen Ueberraschungen, hatte er ja doch Henn V. e n und dieselbe Maus viermal in dir Falle gesteckt und ste endlich nach Beraubung ihres Schwänzchens aus naheliegenden Gründen in die Aschengrube geworfen. Die Sache machte ihm Spaß, nicht aber Herrn V-, in dessen Falle stch keine Maus mehr fangen wollte. Es verdroß ihn DieS umsomehr, als eist kürzlich, während seiner augenblicklichen Abwesenheit, eine Maus sogar auf dem Pulte gewesen sein mußte, die allem Anschein nach mit dem Schwänze das In« neu deS Tintenfasses berührt hatte. Denn anders— wie auch der Volontär bestätigte— waren die Tintenflecke auf dem aufgelegten Kontoauszüge nicht zu erkiä.en. Ja noch mehr. Herr V. entdeckte, sobald er sich nur auf kurze Zeit aus dem Zimmer entfernt hatte, auf seinem Pulte Spuren, vir von der guten Verdauung der Mäuse in ziemlich vrastischer Weise Zeugniß ablegten. Das war ihm zu viel und nach- dem er schon mehrere Tage diese regelinäßigen Unsaudcrkciten erduldet halte, bli.b er hinter der Thür alv Wache stehen, um endlich einmal eine der Mäuse in flagranti zu ertappen. «oeb wer beschreibt sein Erstaunen, als er von der andeien Seite den Volontär Ech. herein un* an sein Pult treten sah und bimerkte, wie derselbe letzteres mit kleinen schwärzlichen Kügelchen bestreute. Kein Anderer als der Volontär war der Attentäter und er selbst war seit langer Zeil das Lpfer einer abscheulichen Mystifikation. Szene, Tableau! Die bei dieser Entdeckung von H.nn V. gebrauchten Worte, so berechtigt ste sein mochten, waren beleidigend und würden mit einer allerdings ganz geringen Strafe gerügt worden sein, wen» der Volontär nichr lewtzeitrg unter Uebemahme der Kosten seinen Antrag zurückgezogen hätte. Herr V. erzählte uns selbst ausführlich die Geschichte, daß stch aber die Maus damals das Schwänzchen selbst adge- fressen hätte, dad wäre ihm und den Anderen— nur dem Volontär nicht, allerdings etwas sonderbar vorgekommen. AuS Marsrille, 24. d., schreibt man der„Pol. Korr.": „Anfangs Dezember vorigen Jahres erhielt, wie f. Z. bereits gemeldet, das hiesig« östeneichilche Generalkonsulat seile ns beschnöre Dich, Georg, rege Dich nicht auf," fiehte Ääthchen.„Sprich nicht mehr von dieser Angelegen- heit; da« ist ja Alle» vergeffen.".. �, Sie befand sich immer noch m dem Glauben, daß ihr Mann nicht« andere« beabsichtige, all ihr seinen Fehltritt zu verbergen, oder ihr drnselben in milderem Lichte S« zeigen. „Nein, nein, Käthchen," fuhr Amberg fort, in einer Aufregung und mit einer Anstrengung seiner Kräfte, di« für seine« Zustand Alles fürchten ließ,„Du mußt mich anhören, ich muß Dir sage«, wie man Dich getäuscht hat, «je man Dich betrügen wollte.... Komm näher.... Mein Gott, ich kann nicht... Er hatte seine Kräfte übermäßig angestrengt, und sank »u» nach Athe» ringend in di« Kissen zurück. Jetzt trat der Arzt hinzu. „Es ist unmöglich, den Patienten noch«ehr anzustren- Jen. Ich halt« e« für unmöglich, den TestamentSakt in iefem Moment zu vollenden; die Anstrengung würde ihn tödten. Er bedarf mindest'»« einige Stunden der Ruhe," erklärte der Arzt...... „Vielleicht, daß er d»e Kräfte»«der gewönne, wen« ich ihm diese Medizin gäbe, die ihm immer so»ohl gethan hat," sagte Emmy, der e« durchaus mcht gefiel, daß man de« TestamentSakt unterbrechea sollte. „ES geht nicht!" erklärte der Arzt entschieden. „Sie hören e«, Herr Justizrath." wandte sich Strahlena« »» diesen.„ES liegt nicht in unserer Absicht, de» Kranken S drängen, um da» Testament zu beschleunigen. Eine inute seine« Leben« ist un» kostbarer al« der materielle Vortheil, der für Einen oder de» Anderen vo» un« au« dem Testament erwachsen möchte.... Ich bedaure, S« vergeben« bemüht zu haben, und darf mir»ohl erlauben, Sie, wenn der Kranke die Kräfte wieder erlangt hat, noch einmal herzurufen." »Ich stehe gern zur Verfügung,«ein Herr. Die Er- kläruvg de« Arzte« ist auch ohne Ihre Erinnerung schon für«ich maßgebend gewesen." Er erhob sich, um zu gehen. mehrerer galizischer Familien die telegraphische Nachricht, daß zwci Individuen junge Mädchen im Atter von 18 bi« 22 Jahren in mehreren österreichischen Städten unter dem Vor- wände und Versprechen angeworben hatten, fie nach Südamerika zu führen, wo fie angeblich in einer Brasserie al« Dienstboten engagirt waren, während fie tbatsächlich Prostitutionszwecken dienen sslllen. Generalkonsul v. Monkiang avistrte hiervon den Prokureur de la Republique, welcher bereitwilligst die nöthige Polizei« wannschaft zur Bewachung der Stadt und de« Hafen« dem Generalkonsulat« zur Verfügung stellte. Es gelang auch kurz darauf einem Konsularbeamten, welcher einen Omnidu« mit mehreren jungen Mädchen und einem Manne über eine der belebtesten Straßen pasfiren sah, dieselben mit Hilfe der ihm zur DiSpofition stehenden Detektive« in dem Momente zu arretiren, al« fie bereit« im Begriffe waren, stch auf dem Dampfer„La Savoje" nach Bueno« Äyrei ein- zuschiffen. Dem Komplizen gelang es jedoch, zu entfliehen. Die armen Geschöpfe, acht an der Zahl, wurden durch Intervention des Generalkonsulates unterdessen in einem Maigon ineublSe einlogirt und später fünf derselben nach Galizien heimgesendct, während drei hierbleiben zu wollen erklärten und hier auch Beschäftigung fanden. Nach einer langen Untersuchung wurde nun der eine der Mädchen- Händler gestern vor die vierte KorrektionSkammer unsere« Gerichtshofes abgeführt und unter der Anklage, in Frankreich minorenne Mädchen zur Prostitution verführt zu haben, ge- stellt. Nach einem längcrem Verhör der Zeugen hiett der Prokureur de la R-publique eine glänzende Rede. Trotz des guten PlaidoyerS de« Vcrtheidigers wurde der Angeklagte zu einer Keikerstrafe von einem Jahr und 500 Frc«. verurtheilt. Die gleiche Verurtheilung traf seinen Komplizen, welcher der Verhaftung entkommen und verschwunden ist. vereine uuü Perssmmluvgeu. Ueber eine Volksversammlnng, welche am 25. v. Ms. in Posen stattfand, entnehmen wir der„Pssener Zeitung" folgende«:„Im Herforth'schen Saale fand eine von der Ztm- mcrinnung einberufene Volksversammlung statt, zu der auch anderen Arbeitern der Zutritt gestattet war. Dieselbe war von ca 400 Arbeitern, unter denen man eine bedeutende Anzahl von Tabakarbeilern bemerken konnte, besucht. Nach Bildung des Bureaus, zu dessen Vorfitzenden der Zimmergeselle Priewe, zum Schriftführer Kruse, zu Bnfitzern die Gesellen Bocianski und Maciejewski gewählt worden waren, erhielt der Referent Bocianski VaS Wort zu dem einzigen Punkte der TazeSord- nung:„Krankenkasse der Zimmergesellen Posen« und Stel- lungnahme zu dem Vorgehen deS Magistrats gegen diese Kasse". Demselben entnehmen wir nun folgendes. Die Zimmergesellcn wollten ihre Krankenkasse wetter allein behalten, da dieselbe über 100 Mitglieder zählt. Magistrat jedoch verband mit ihnen die verwandten Gewerkc, als Schiff«- und Mühlendauer, Brunnemnacker und Bcettschneider zu der gemeinsamen Ort«- rrankenkaffc Nr. 8. Die der Kasse vorgelegten Statuten hatten auch einige Aenderungen namentlich in Bezug auf das Sterbegeld, welche« nicht mehr 75 M., sondern 64 M betragen sollte, erlitten. Schließlich hat der Magistrat da« Vermözm der Kasse, in Höhe von über 2000 M. mit Beschlag belegt. Die Kasse wandte stch nun an die königliche Regierung ist aber noch ohne Bescheid. Nach Vorlegung de« zwischen Magistrat und Kasse stattgcfundenen SchrifiwechsclS wirft Referent die Frage auf: „WaS für Schritte find zu thun, um bei der eigenen Kasse zu bleiben und um da« d-schlagnahmte Vermögen zu retten. Bei der nun e: öffneten Diskusfion erhielt zuerst da« Wort der Reichstagsabgeordnete August Heine(Sozialdemokrat). Sein« Aeußnungen gingen zunächst darauf hin, daß daS Vorgehen deS Magistrats gegen die Kasse völlig gerechtfertigt sei. Auch eine Kasse von über 100 Mitglieder müsse stch dem Gesetze unterwerfen. Was die Beibehaltung der eigenen Kasse an« lange, so sollten fie den Bescheid der Regierung abmatten, ist de. selbe abweisend, so giedt Redner den Mitgliedern den Rath, stch an das Ministerium des Innern zu wenden. Nun aber sprang Redner plötzlich vom Thema ab und fühtte dem Audito» rium rn einer länger als eine Stunde währenden Rede seine Ideen vor. Er mahnte zur Einigkeit, namentlich hier in Posen, wo Nationalität und Konfelfion so hart gegenüber stehen. Weiter führte er aus, daß dem Arbeiter.ie Bildung fehle und zu diesem Zwecke schlagt er die Bildung von Fach vereinen vor mit den Worten:„Der Arbeiter ist voll und ganz berechtigt, das zu verlnngcn, was ihm zukommt, wenn lhm die noth- wendigen Kenntnisse sowohl über daS tägliche L-den als über seine Privatinteressen zur Seite stehen." Am Schluß seiner Rede weist er auf da« jetzt dem Reichstage vorliegende Arbetter- ichutzgesev mit erklärenden Zusätzen hin und empfiehlt den Bettritt zu den zentralistrten HilfSkassen. Nachdem noch einige andere sich ebenfalls in diesem Sinne ausgesprochen hatten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die am 25. März abgehaltene zahlreich besuchte Volksversammlung be- schließt nach den betreffendeu Ausführungen der Redner ein« stimmig mit aller Kraft für die Rechte de« Arbeiters ein- zutreten und nach den Vorschlägen de« tc. Hciue prattische Maßregeln einzuführen und mtt Beisritesetzung aller nationalen Der Kranke aber»inkte ihm mit der Hand zu bleibe». „Ich«ill sprechen," flüsterte er,„in Ihrer Aller Ge- genwart... Nur noch eine Minute Ruhe." E» traf tiefe Stille ei», allein unterbrochen durch Käthchen« laute« Schluchzen und dnrch ei» verlegene« und unruhige« Hüsteln Emmy'», die sich vergeben« bemühte, ihren Verdruß über diesen unerwatteten Verlauf de« wichtigen Akte« zu verbergen. „Georg l" rief Käthchen endlich,„Du hättest mich nicht betrogen!" „N«, nie, mein geliebte« Weib.... O, daß Du da» glauben konntest!" „Mußte ich H nicht glaube» f Konnte ich annehmen, daß Dein Bruder so schlecht gegen Dich Handel«»firbcf" „O, daß ich noch auf dem Todtenbette«eine« Bruder fluchen muß l... Er hat«ich um Jahre»eine« Glück« * trat»jeder eine tiefe Sttlle ein, und diesmal»ar es nur Käthchen'« Weinen, welche« die tiefe, feierliche Stille unterbrach. Der Kranke athmete sch»er. Ei» verrätherische« Röcheln ließ sich hören. Da mit aller Kraft raffte er stch noch ein- «al auf. „Ich»ill mein Testament machen," sagt« er.„E» ist nur kurz.... Ich habe wenig zu sage»... Käthchen ist Erbi« meiner ganzen Hinterlassenschast... Schreiben Sie da«.... Noch habe ich di« Kraft«eine Unterschrift zu gebe».... Ich fühle e«, dieser Schlag wird«ich tödten!"—-—— Eine Stunde später»ar Emmy bereit» auf dem Wege zu« Onkel nach Neustadt, fie hatte sich, ohne Abschied zu nehme», a»S dem Zimmer und au» dem Haufe«nt- fcrnt.——_ Elfte« K a v i t« l. Der Prediger Amberg hatte sich seit dem großen Miß- erfolge in Felda» mit größerem Eifer al» seit langer Zeit seine« Berufe wieder gewidmet. Er hatte damal« schon fest darauf gerechnet, daß er e« bald nicht mehr nöthig | Mißhclligkeiten ein innige« Zusammengehen aller Arbetter her- beizufützren."— Zugleich wird das Komitee der Zimmeraesellm unter Belobigung seiner Thätigkeit aufgefordert, alle Schritte zu thun, um daS beschlagnahmte Vermögen wieder zu erlangen." dr. Im UnterstützungSverein der Buchbinder und verw. verussgenossen(Alte Jakobstr. 75) wurde am Montag zunächst die Berathung über den vom Stuttgarter Verein vor» gelegten Entwurf eines Statuts für einen Verband der deutschen Buchbinder u. s. w., welcher auf dem am 4., 5. und 6. April in Offen dach stattfindenden Kongreß gegründet werden soll, zum Abschluß gebracht. Die in dem Entwürfe vorkam- mende Bez-ichnung der Lokaloereine als„Zahlstellen" wurde verworfen, weil der Berliner Verein einen Verband will, in welchem die Selbstständigkett der Lokaloereine so viel wie möglich gewahtt bleibt. Herr Reuter begründete dann einen von ihm eingebrachten Antrag, welcher dahin ging, daß der Voistano des Vereines in den am meisien verbreiteten Zeitungen Berlins eine Kundgebung veröffentlichen möge, in welcher unter Hinweis auf die Nothlage der Ge- Wstn und auf die Mißstände deS Lehrlingswesens im Buchbindergewerbe Eltem und Vormünder gewarnt werden, ihre Söhn« und Mündel als Lehrlinge im Buchbindergewerbe unterzubringen. Nach einer sehr langen DiSkusfion, in welcher daS zur Zeit herrschende L hrlinaSunwesen in drastischer Weise aeschtldett, die Schwierigkeit einer rationellen Regelung de» LehrlingSwtsenS bei dem zur Zeit vorhettschenden fabrikmäßigen Betriebe dargelegt und das dem Antiaae zu Grunde liegende „Abschiebungssystem" als der Solidarität aller Arbeiter zuwider- laufend bekämpft wurde, wurde der Antrag Reuter abgelehnt und einstimmig der Antrag angenommen, durch die Zeitungen bekannt zu machen, daß der Vorstand dcs Unterstützungverein» der Buchbinder bereit sei, Eltern und Vmmündern. welche ihre Söhne oder Mündel als Lehrlinge im Buchbindergewerbe unter- bringen wollen, solche Lchrherren namhaft zu machen, bei denen «ne Ausbildung der Lehrlinge zu tüchtigen Gehilfen in Au«. ficht steht. Eine Versammlung von Holzbearbeitungsmaschinen- arbetter« fand am 29. v. M. im Lokale Köprncknstr. 150 unter dem Vorsitz de« Herrn Friedrich statt. Nachdem Herr Roloff eine kurze Ansprache an die Versammlung gerichtet, erhielt Herr Michelsen zu einem längeren Vottrage das Wort. Derselbe verbreitete stch ausführlich über den Zweck der Organisation und führte orrschtedene Beispiele an, welche den deutlichsten Beweis liefern, daß bei einer guten Organisation die Arbeiter im Stande find, große Bortheile zu erreichen. Redner fordert daher alle in duser Branche Arbeitenden auf, stch der Organi- sation anzuschließen und die Indifferenten herbei zu ziehen. Dem sehr beifällig aufgenommenen Bortraa folgte eine lebhafte Dislusfion, in welcher den Anfichten deS Vortragenden zugestimmt wurde. Die nächste Versammlung des V-reinS findet am 20. Apnl, Abends 8 Uhr, Köpnickerstr. 150, statt. Der Sachverein der Dachdecker Berlin« tagt am Donnerstag, den 2. April, Abends 8 Uhr, im Lokale deS Herrn Weick, Alexanderstr. 31. Die TageS-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet der Vorstand. S«»erei« für Pflege freireligiösen Leben« findet am ersten Oiterfeiertage. Voimittag« 10 Uhr, im GesellschaftS- hause, Niederwallstr. �Jugendweihe statt, wozu Jedem der Zuttltt freisteht. «ine große öffentliche Bersammlnna Berliner«ürsch. «er findet Donner, taa, den 2. Apnl, im Palmen Saal, Neue Schönhauserstr. 20, Abends 8 Uhr, statt. Tagesordnung- 1. Die Gebhard'scke Zurichterei vor dem Forum Berliner Kürschner. 2. DaS Ehrenwott deS Zulichterei-Bcsttzers Herrn Lehmann. Die Herten Meister und Fabrikanten werden zu derselben höflichst eingeladen. Uermiscktes. „Ich bi« der Dottor Eisenbart". Dem„Frank. Kur." werden neue Endeckunqen des Wollapostels Jäger mttgeiheiltt Wir entnehmen den Feuilletons, welche unter dem passenden Titel„Ich bin der Doktor Eisenbart" erscheinen, folgende Kuriosa: Jäger rühmt dem Haarvuft folgende Heilwirkungen nach:„1) Ist dasselbe ein appetitmachendes Mittel. 2) Be- seitigt e« Kopfschmerzen. 3) Eine andere, zunächst phystologi- sche Wirkung, die aber auf eine oerhältnißmäßig geringe Zahl von Personen beschränkt blieb, war die, daß es einschläfernd wirkte, und bald benützten diese Personen mtt Erfolg da« Mittel gegen Schlaflostgkeit. Diese Wirkung entsp.icht der Thalsache, daß die betreffende Dame einen sehr guten und festen Schlaf hat. 4) Einige meiner Schüler, Sie regelmäßig diesen Haarvuft zum Humanistren ihrer Getränke ver- wendeten, machten die Beobachtung, daß die bei jungen Leuten so häufige Aeene sebace»(die sogenannten„Wimmerl" oder„Finnen") beim Gebrauch des Mittels entweder ganz schwand oder sich besserte, um wiederzukehren, sobald mir dem Gebrauch ausgesetzt wurde." Aber der Haarduft bewährte stch auch gegen Asthma, Husten und RheumattSmus. Die Haarkur führte Jäger aber wieder zur Entdeckung eines neuen --------=====5 haben«erde, sich mit den Obliegenheiten feine« Amte» zu quälen, und fich bereit« in der süßen Hoffnung gewiegt, daß er binnen Kurzem Gutsherr von Feldau und Zubehör und Besitzer eine» große» Kapital» sein»erde. Nachdem aber diese Hoffnung so gänzlich fehlgeschlagen, sah er fich m d» Rothwendigkeit versetzt, die seit einiger Zeit lässig betriebenen Amtsgeschäfte wieder mit großem Eifer au, zunehmen. So hatte er sich denn auch heute, obwohl er nicht Serade in rosenfa, bener Laune war, am Studirtisch zu Haffen gemacht. Ein Klopfen an der Thür seine« Studirzimmer« stört« ihn i« seiner Beschäftigung. Er hätte jede Störung in der barschen Weise de« HauStyrannea, die er stet« Hand- habt«,»enn er zu Hause und allein unter den Seinige« »ar, abgewiesen, wenn e« nicht Emmy gewesen»äre, di« zu ihm einttat. Emmy war ihm nicht nur«ine besonder» liebe Ver- wandte, er hielt fie ja wie seine Tochter; und wenn e« wahr war, wa« die bösen Zungen sprachen, daß ste in Wirklichkeit seine Tochter sei, so konnte man behaupten, sie sei sein Lieblingskind. Sie allein hatte von alle« Hausgenossen da« Vorrecht, ihn zu jeder Zeit fprecheu zu dürfe». „Entschuldige, lieber Onkel," sagte fie,„daß ich störe. Da« ist heute wieder ein unangenehmer Tag, an dem Alle« Ungemach zusammen zu kommen scheint." „Wa« giebt'« denn nun wieder, Kind s" fragte Am- berg. Ist'« denn noch mehr, al» Sanftleben« impertinenter Brief?... Ich denke diesen Zudringlichen schon gebührend abzuweisen.... Er droht mir mit Veröffentlichung, der Heuchler, al« ob sein« Schuld etwa geringer wäre al» die meinige." „Mit Sanftleben wirst Du schon fertig werden, Onkel ," sagte Emmy,„daran zweifle ich nicht; er kann Dir nicht mehr schaden, al« Du ihm und mit ihm würdest Du Dich auch schlimmstenfall« im Guten einigen können; aber fleh'— hier ist ein Brief von Charlotte." (Forts, folgt.) oßartiaen HeilvirfabrenS, der Seliflbtlickung i diese vtM«det er Wolilaposttl mit folgenden Worten:»Der Freund eine» mir Mannten Apotbekers fing während der Uederfahrt nach Amerika am ersten Tage in seiner Langeweile an, zuweilig an seinem Echnurdart zu kauen, und wunderte sich, von der See- lrankheil verschont zu bleiben, während alle Passagiere nach und nach erlagen. Ohne von meiner Sache irgend etwas zu wissen, kam er auf die V-rmuthung, wahrscheinlich geleitet durch ein hierbei sich einstellendes Kräftigungsgefühl, daS Schnurrbarlkauen sei schuld daran. Er setzte es deshalb während der ganzen Reis« absichtlich fort und gewann, wie er sich sagte, schließlich die Ueberzeugung, daß er diesem Kniff daS vollige Fernbleiben von der Ee> krankheil verdanke. Diese Mittheilung veranlaßte mich, zu prüfen, ob daS Schnurrdartkauen bei mir dieselbe Wirkung habe wie die mit meinem Haardust imprägnirten Streulügelchen. Ich benutze hierzu hauptsächlich meine leicht zu konttolirende JndiSposiiion des Sprachver- mögenS, und der Erfolg war in der That der gleiche, nur, wie eS mir schien, nicht so prompt. DaS führte mich nun wieder zu meinen Erfahrungen bei den Thieren, die bekanntlich eine wunderbare Fähigkeit besitzen, namentlich Wunden durch Selbst- beleckung zu heilen. Ich war früher der Anficht, daß die Wirkung hauptsächlich vom Speichel ausgehe, da dessen Heil« kraft jedem Naturpraktiker bekannt ist, und zwar seit den ältesten Zeiten. Jetzt aber bin ich der festen Ueberzeugung, daß bei dem Belecken auch die Eeldstarznei in den Haaren eine doppelte Rolle spielt, einmal indem das Thier hierbei seine Selbstarznei aufl-ckt und verschluckt und sie sodann dem Speichel beigemischt auf die Wunde streicht." Äesterhin macht Jäger die Entdeckung, daß die Haarlügelchm den Menschen vor Höhenschwindel bewahren. Auf den Schwindel aber, der sich in der Heilkunde breit macht, scheinen dtese Kügelchen nicht den geringsten Einfluß zu üben. Verstandsprobe. Meister herablassend zu einem Gesellen (auf die Dose schlagend):„Da schnupfen Sie einmal, das reinigt das Gehirn und macht klaren Verstand."—(Geselle schnupft langsam mit Kennermiene);„3Ra, von dem schnupfen Sie auch noch nicht lange." Raheliegeude Betrachtung. Der Kaffer auf Freiersfüßen Verfährt mit Schick und Pli, Er schenkt der schwarzen süßen Zukünst'gen ein Stück Vieh. O lacht nicht in der Rund« Zu solchem Kaffernbrauch! Bei uni passtrt im Grunde Dergleichen manchmal auch. Manch Mädchen ohne Frage GiedtS, wenn nicht Alles trügt, DaS am Verlobungstagc Auch seinen Ochsen kriegt. I« Wirthshaus. Chemiker:„Ich biet« Ihnen mein Patent an, wodurch Sie dem Wasser daS Ansehen beliebiger Getränke geben können." Wirth:„Lassen Sie sich nicht aus- lachen! DaS wissen wir schon lange." Kleine Mittheilungen. Pistolenduell. Am Mittwoch Morgen hat, wie auS Zinten gemeldet wird, in dem Ottener Wäldchen wieder ein Pistolenduell stattgefunden und leider einen tragischen Aus« gang genommen. Die Gegner waren der Eisenbahnbaumeister Hinz, Sohn eines Elbingcr Schloffermeisters, und der Sohn eines Rittergutsbesitzers auS der Gegend von Zinten(beide Reserve> Ossiziere). Hin, erhiett eine Kugel durch den Unterleib und verstarb bald nach der Verwundung. Die Kugel war durch den Unterleib in die Nieren gedrungen. Der Verstorbene war bei dem Bau der Allenstein- Kobbelbuder Bahn beschäftigt, verkehrte während seines Verweilens in Zinten mit seinem Gegner stets freund- schastlich, bis beide sich in animirter Stimmung zu gegensei- tigen Beleidigungen hinreißen ließen,' welche durch die Pistole gesühnt werden sollten. Zu bemerken ist, wie die„Königsb. AUg. Ztg." meldet, noch, daß beim Kommando zum Feuern der Schuß des Verstorbenen nicht los ging, weil der Hahn seines Pistols nicht gespannt war. Briefkasten der jWa&üon. Anna St, Auguststr. Der Echrif.steller Roseqger, der Ihnen so gut gefällt, ist am 31. Juli 1843 in der Steiermark teboren und war der Sohn von sehr häuslichen Landleuten, iis 1880 lebte R. als Hirt und Lan dar Detter, dann wurde er Schneider, als welcher er in seinen heimathlichcn Dörfern seines Handwerks willen umherstreiste. Es wurde ihm dann ermög- licht, vier Jahre lang in Graz den Studien obzuliegen. Dann machte Roscgger größere Reisen durch Norddeutschland, Holland und die Schweiz. Seitdem ist er nur literarisch, und zwar mit sehr gutem Ersolge, thätig gewesen. Ob R. verheiralhet ist, wissen wir leider nicht. P. P. in P. Ja. wird mit Zuchthaus bis zu zwei Jahren bestraft. Alter Abonnent. Kerzenträger(tat. Eandelaber) hieß ursprünglich ein Gcräth, daS zum Tragen der Wachs, und Talg« k-rzen(candel&e) diente, dann aber auch ein säulenarriges Ge- stell, auf welches Lampen gestellt werden konnten. D. Gubenerstr. Die betreffende Notiz war auswärtigen konscroatwen Blättern entnommen. Die Nummern lassen sich nicht meh f.ststellen- Wegen der andern Sache wollen Sie sich an unsere Expedition wenden. Dab Elsvioerliiche est ver» anlaßt worden. Zwer Streitend«. Beides ist anweirdbar aber nur im „kaufmännt'chen" Deutich. Gedräuchricher ist es zu schreiben: „Unser ergebenes Gestriges." Theater. Heute: Königliches Opernhaus. Der Tromm tcr von Säktingcn- Könen uches Schausptelhau». Heute: Die Gner-Wallp.__ Deutsches Theater. Heute: Prinz Friedrich von Homburg.__ Vellealliance-Thealer. Heute: Amerikanisch._____ Steue» ftrtedrtch-Wilhetmslädlisches Theater. Heute: Gasparone._____ Ceutral-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor- Ad. Ernst. H« u«: Der Walzer. König.______ Vtestdeuz-Theater: Direktion Anton Anno. Heute: Zum 41. Male: Der Vergnügungszug. Hierauf: Die Schulreitertn._ WaU,a!iu Operetten-Theater: Heute- Der Feldprebiger._ Louisenslädttsches Theater: Heute: Graf Essex.__ Oftend-Theater- Heute: Lorbeerbaum und Bettelstab._ Wallner-Theater. Heute: Ein weißer Rabe. Heute: Sulfurina. Ptktorig. Theater. Älllamdra-Theater- Heute: Unter der Erde, oder: Die Macht der Arbeit. Ein junger Geschäftsmann sucht ein Darlehn von 200 M. Adressen bitte unter Z. 100 in der Expedition dieses Blattes abzugeben._ 686 Allen Freunde» und Bekannten empfehle metne Restauration Zum wahren Jakob. Weiss- und Bairisch-Bier ä Glas 10 Ff. Für Abend-Unterhaltung ist auf das Beste gesorgt. 358 H. Spiekermann, Rüdersdorferstr. 51. 18 Skalitzerstrasse 18 Eestaorant E. Stramm cmpfiedlt seinen reichhaltigen MM.,»M„. w> IfartUf»«5i Hrökte Auswahl-W» von Schuhen und Stiefeln Bestellungen nach Maß nur reell, solideste Preise «4 bei C. Wolf, Adalbertstr. 80. Möbel jeder Art werden billig und sauber aukpolirt 667 Forsterstr. 52, Quergebäude 4 Tr. rechts. Möbel- und Polsterlvaaren- Fabrik von A. Schulz. Wasserthorstr. 34. rmpsiehft nur reelle Möbel unter Garantie. 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