Nr. 78. Donnerstag, 2, April 1885. n. Jahrg. ([HiuiIMMiiII Brgsn für dir Intrressen der Arbeiter. 4 Das..Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Wonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in oer Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Durch einen Unfall an der Maschine konnte die Bei» läge der gestrigen Nummer nur einem Theile der Auf» läge bcigegeben werden. Wir fügen der heutigen Ausgabe dieselbe bei und bitten der Verzögerung Wege« um Entschuldigung. Adomrmests-Twladllllg. Zum bevorstehenden VierteljahrS-Wechsel erlauben wir uns, alle Ardeiter Berlins zum Abonnenent auf daS „Berliner BoWblatt" «it der GratiS-Beilage „JllustrirteS SountagSblatt" einzuladen. Frei ins Han» kostet dasselbe für das ganze Vierteljahr 4 Mark, für den Monat April 1 Mark 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Bestellungen werden von. sammtlichen Zeitungsspeditcuren, sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44, angcnommm. Zu dem bevorstehenden Umzug machen wir unsere Leser noch ganz besonders darauf aufmerksam, die neue Wohnung dem Spediteur rechtzeitig anzugeben, damit in der Bestellung der Zeitung keine Unterbrechung eintritt. Am 1. April werden wir mit der Veröffentlichung eines höchst interessanten und spannenden Romans aui der Feder Friedrich Eerstäcker'ö Im Eckfenster beginnen. Den neu hinzutretenden Abonnenten wstd— soweit der Vorrath reicht— der bisher erschienen« Thcil deS Romans „»eslllht not gtfmldtu" sowie das „JllustrirteS SouutagSblatt" gratis und franko nachgeliefert. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion«nd Expedition des„Berliner Bolksblatt." „Aationalreichthu Die Nationalökonowen der„allen Schule", so kann «an jetzt wohl gktrost die Vertreter St. Manchesters nennen, haben immer mit Vorliebe auf den stetig wachsenden Na» tionalreichthum hingewiesen und aus demselben nicht nur die Blüthe eine« Lande«, sondern auch da« Wohl- befinden aller seiner Bewohner gefolgert. Besonder« den Sozialisten der verschiedensten Rich- tunger. wurde diese« stetige Wachsen de« Nationalreichthums entgegengehalten, worauf diese allerding« erwiderten, daß RUlch druck verboten! 2] IeuMeton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) Die Dam» schüttelte immer noch vor sich hin den Kopf, denn die» waren von den ihren so himmelweit entfernte An- sichten, daß sie sich dahinein natürlich nicht so rasch finden konnte. Der Vater aber, obgleich er wohl eben so wemg wie seine Gemahlin mit den hier ausgesprochenen Grundsätzen übereinstimmtn mochte, folgte einem andern, bis jetzt noch unbegreiflichen Gedanken, wovon nämlich sein Sohn die ganze Zeit gelebt und sich auch Geld erworben habe, den» von Handarbeit hatte er sich nicht so gekleidet, wie er da vor ihm stand. Fehlten ihm doch nicht einmal feine Glaceehandschuhe, die jetzt neben ihm auf dem Tisch lagen, und einzelner Schmuck, den er an ihm bemerkte, und der seinem forschenden Blick ebenfall« nicht entgangen war, rührt« eben so wenig von Spitzhacke und Schaufel her,—... „Hm, HanS," sagte er endlich,»ndem er sich vorsichtig zuerst ein wenig räusperte,„da« ist Alle» recht schön und gut, und davon sprechen wir vielleicht später, aber jetzt möchte rch doch— möchte ich doch wirklich erfahren, in welcher Weise Du Deinen— Lebentberuf, könnten wir sagen, da drüben «füllt hast. Du siehst mir für einen Holzhacker oder Lastträger doch ein wenig zu anständig aui, mußt also jedenfalls auch üoch etwa« Andere« getrieben haben." ,«Ich? Gewiß, Papa," sagte HanS, der sein Frühstück deendet hatte, die Tasse zurückschob und wie unwillkürlich mrt der Hand in die Tasche griff, al» ob er etwa« heraushole» wollte, aber doch dabei wieder inne hrelt Er sah zugleich halb lächelnd, halb verlegen d,e Mutter an. Er hatte jedenfalls etwa« auf dem Herzen, «etraute sich aber,«je et schien, noch nicht mit der Sprache nau«. der Nationalreichthum gerade in demjenigen Lande der größte sei, in welchem der Unterschied der einzelne» Be- völkerungSklassen in Bezug auf den Besitz gleichfalls der größte sei. In England herrscht neben dem größren Wohl» stände da» größte Elend. Auch steht e« fest, daß mindesten« drei Viertel der Bevölkerung in den Kulturstaaten an de« Nationalreich- thum wenig oder gar nicht betheiligt sind. E« liegen Berechnungen vor über dm Nationalreich- thum der sechs größten Nationm, die auf die Geschicke der Welt auch den meisten Einfluß gegenwärtig haben, nämlich Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Ruß- land und die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der Gesammtnationalreichthum dieser Staaten beträgt etwa 184 205 000 000 Dollar« und diese enorme Summe vertheilt sich auf die einzelnen Nationen wie folgt: Vereinigte Staatm... 43 642 000 000 Dollars Großbritannien..... 43 366 000 000„ Frankreich...... 35 898 000 000„ Deutschland...... 29 403 000 000„ Rußland....... 17 134 000 000„ Oesterreich-Ungarn.... 14 762 000 000„ Total.. 184 205 000 000 Dollar«. Die Bevölkerungszahl dieser Länder war im Jahre 1880: Vereinigte Staaten... 50 155 783, Großbritannien.... 29 702 727, Frankreich...... 36 905 788, Deutschland..... 45 194177, Rußland...... 87 795 987, Oesterreich-Ungarn... 37 741 434, Auf Basis diese« Ausstellung berechnet, würde bei gleichmäßiger Vertheilung auf den Kopf der B e v ö l k e- r u n g in den verschiedene« Staaten folgende Summe kommen: in den Vereinigten Staaten 872 Dollars, in Großbritannien 1451 Dollar«, in Frankreich 972 Dollar«, in Deutschland 656 Dollar«, in Rußland 195 Dollar« und in Oesterreich- Ungarn 391 Dollar». DaS sind allerding« beteudende Summm. Man hat oft von Seite» der„alten Schule" behauptet, daß eine Vertheilung de« Nationalreichthums auf die einzelnen Per- sonen sämmtliche Menschen arm machen würde. Nach obi- ger Aufstellung leuchtet da« gerade nicht ein. Nehmm wir in Großbritannien eine Arbeiterfamilie von fünf Köpfen, Mann, Frau und drei Kinder; bei der Theilung de« Nationalreichthums würden dieselben erhalten 7255 Dollar«, da« sind rund 30 Tausend Mark I In Deutschland allerding» kämen auf die Familie nur gegen 14 Tausend Mark. Da» ist aber immer noch etwa« Andere«, al« wenn der alte Rothschild die „Theiler" mit den Worten abgespeist haben soll:„Ich be- „Wa» hast Du, Han«?" frug die Mutter, die keinen Blick von dem Sohne verwandte und der auch deshalb die Bewegung nicht entging. „Oh, oh, nicht«, Mama," lachte der junge Mann;„e« war nur— ich weiß nicht— ich— habe..." „Nun, wa« hast Du? Wethalb sprichst Du nicht frei von der Leber weg?" „Kannst Du da« Rauchen vertragen, Mama?" «Da« Rauchen?" rief Frau von Solberg wirklich er- schreckt au«; aber. Hon«, Du rauchst doch nicht?" „Nur einmal am Tage, Mama," lachte der Sohn, „und zwar von Morgen« di« Abend«." „Aber, Han», das ist ja entsetzlich I" rief Fränzchen, während die Mutter sprachlos vor Entsetzen daneben saß —„wie kannst Du nur..." „Ja sieh, Schatz," sagte der junge Mann,„wenn man sich so Jahr nach Jahr da draußen allein in der Welt herumtreibt, fremd überall, wohin man kommt, und immer nur allein auf sich selber angewiesen, da fühlt man da« Bedürfniß, irgend welche Zerstreuung wenigsten« zu haben, und fällt dann, al« die unschuldigste, auf das Rauchen." „Unschuldigste?" sagte die Mutter, indem sie mit dem Kopf schüttelte,„die Raucher verpesten in ihrer Unschuld gewöhnlich ihre ganze Nachbarschaft." „Aber doch nicht m,t guten Zigarren, Mama, und daß ich keine schlechten rauche, kannst Du Dir etwa denken. Mir selber ist wuklich da« Rauchen zum Be- dürfniß geworden, aber wenn eS Dich so genirt, werde ich e« gewiß in Deiner Nähe vermeiden. Irgend ein Plätzchen findet sich ja doch überall, wo man diesem, wenn Du willst, Laster fröhnen kann"—«nd er zog die Hand wieder au« der Tasche zurück und faltete beide, wie in stiller Re« signation, in seinem Echooß. „Aber dann fühlst Du Dich nicht behaglich, und Dein Zimmer ist natürlich noch nicht eingerichtet...." „Oh doch, Mutter," beruhigte sie Han»,„sorge Dich deshalb nicht." Die Mutter rang mit einem großen Entschlüsse.„Nein," sagte sie plötzlich,„Du sollst den ersten Tag in Deiner Heimath sitze 40 Millionen Thaler, in Deutschland leben vierzig Millionen Menschen, wir wollen nun theilen, ich gebe Jede« einen Thaler, dann hat Niemand etwas."— Wir würden diese« Scherze« nicht Erwähnung thun, wen» derselbe nicht in zahlreichen Zeitungsartikeln und Broschüren alle« Ernstes gegen die sogenannten„Theiler" seiner Zeit in's Gefecht geführt worden wäre— und von politischen Siebenschläfern bisweilen noch heute al« Waffe gegen Windmühlen be» nutzt wird. Natürlich denkt kein Sozialist an da« vollkomme« finnlose„Theilen". Die von un» reproduzirten Ziffern, den Nationalreichthum betreffend, beweisen aber: in den Kulturländern ist soviel Gesammtbesitz(National reich- thum wird derselbe ja genannt) vorhanden, daß Niemand bei richtiger Anwendung desselben zu darben brauchte. Natürlich ist da« nicht so aufzufassen, als ob es möglich oder wünschenSwerth wäre, daß die sämmtliche» Be- wohner der genannten Kulturländer sich nach Art moderner Großkapitalisten einfach von dem Zinserträge ihre»„Na- tionalreichthum«" ernährten, wobei ihnen die übrige Mensch- heit al» Arbeiterklasse gegenüber stehen würde. Da« Un- sinnige dieser Vorstellung einmal ganz bei Seite gelassen, der Ertrag wäre alsdann auch kein autreichender. Zu fünf Prozent berechnet kämen auf jede Person in Deutschland noch keine M. 150 jährlich, auf jede Person in den 6 großen Kulturländern zusammen noch nicht Mark 120 jährlich. I» der That ist die jährlich« Einnahme aller Be» wohner dieser Länder natürlich viel größer al« eine solche Reute. Sie beträgt z. B. in England(im Jahre 1876) jährlich etwa M. 850 pro Kopf, während die fünfprozentige Rente de« Nationalreichthums nur nahezu M. 300 pro Kopf ausmacht. Nun ist es klar, daß diese Ertragsquoten nicht« ewig Gleiches sind, fondern etwa» Flüssige», nach der Höhe der ökonomischen(technischen und sozialen) Entwicklung fich Richtende«, durch Fortschritte in dieser Beziehung enorm zu Steigernde«. Große« leistet in dieser Beziehung gewiß die technische Vervollkommnung der Produktion und der Natur» beherrschung überhaupt. Ohne sie bliebe die Menschheit Set» auf eine niedrige, ärmliche Daseinsform beschränkt. ber mit dem technischen Fortschritte allein ist'» nicht ge- than; e« muß der sozial« hinzukommen— die zweckmäßige Benutzung der technischen Errungenschaften durch die Gesellschaft. Eine derartige Entwicklung vollzieht sich natürlich nur durch eine Regelung der Produktion, bei welcher auch die Nichtbesitzende« durch ihreArbeit am Er- trage de« Nationalreichthum« vollen und reichliche» An» nicht gleich etwa» entbehren, woran Du gewöhnt bist. Ich dulde allerding« sonst kein Rauchen in meinen Räumen, heute aber soll Dir eine AuSnabme gestattet sein— aber auch nur heute. Morgen mußt Du Dich wieder den Hau«» gesetzen fügen." „Meine gute Mama," sagte Han» wirklich gerührt, „das ist denn doch zu liebenswürdig von Dir, und ich weiß nicht einmal, ob ich e« nur annehmen darf."~ schwankte in der That einen Moment zwischen seiner Delikatesse und Sehnsucht nach eiuer schon schwer ent- kehrten Zigarre. Ihm selbst unbewußt war er aber dabei mit der Hand schon wieder in die Tasche gefahren, die seine Zigarren barg, al» ihm auch die Schwester noch zu Hilfe kam. „Ja, Mama, da« ist recht, heute Morgen darf er rauchen. E« steht auch interessanter au», wenn er von seinen Fahrten erzählt und dann gleich wie ein halber Boot«» mann dabei sitzt; er hält e« doch sonst nicht au«." „Oh, Fränzchen, darin bist Du im Jrrthum," sagt« Han«, aber schon mit der Zigarrentasche in der Hand,„wa« ich entbehren muß, kann ich auch entbehren, und habe da« schon oft genug bewiesen, wenn man'« aber haben kann..." Der Diener war eben wieder hereingekommen, um da« Früh» stücks.- Service hinau» zu tragen, al« sich Han« an ihn wandte: „Ach, lieber Freund, dürfte ich Sie wohl um etwa« Feuer bitten!" Der Diener sah ihn erstant an: einmal war er dies« freundliche Anrede und sogar Bitte nicht gewohnt, den« hier im Hause wurde nur befohlen, und dann hielt der Fremde eine wirkliche Zigarre in der Hand, die er doch jedenfalls mit dem Feuer anzuzünden beabsichtigt«, und das hatte er in der freiherrlichen Familie noch nicht erlebt. Im Haufe wußte auch noch Niemand, wer er war, denn der alle Glau«, der ihnen allein hätte Auskunft geben können, verkehrte mit Keinem von ihnen und hielt sich vornehm zurückgezogen von der ganzen Dienerschaft. Aber dem Wunsche de« Gaste», da kein Gegenbefehl von der Herrschaft kam, mußt« natürlich Folge geleistet werden, und der Mann sprang auf da» freundliche Wort und theil neunten könne«, während sie jetzt vielfach trotz alle« vorhandenen Natioaalreichthum« Hunger leide« müssen. Der gesteigerte Nationalreichthum a n s i ch kommt der Gesammtnation keineswegs ohne Weiteres zu Gute, da sich derselbe bei ungeregelter Produktion nur i, wenigen Hän» den ansammelt. Deshalb erscheint un« auch der Name „Nationalreichthum" keineswegs richtig zu sein. Der ge- sammten Nation gehört der in einem Lande vorhandene Reichthum nicht, auch daS Land selbst hat kein abso» lute» Recht an demselben, da jeder einzelne Besitzer mit sammt seine« immobilen Besitz au« de« Land« fortziehen kann. Der Besitz ist vielmehr ein Einzelbesitz und so wäre der Ausdruck I n d i v i d u a l r e i ch t h u m für de» in einem Lande angehäuften Besitz, wenn man von dem Staats« eigenthum absieht, viel zutreffender, als da» Wort„National- rerchthum"._ KolMsrKe UebersirKt. Auch die Schnaptbrenner rühren stch um ihrer noth« leidenden Industrie aufjuhelfen. Die Abg. Uhsen und Ge« «offen haben im Reichstag einen Antrag gestellt, der im Wesentlichen dahin geht, daß ein« geringfügige Erhöhung der Besteuerung, dafür aber eine Steigerung der Ausfuhrvergütung stattfinden soll. Der Antrag würde, falls er zur Annahme ge- langte, den Schnapsbrennern zum großen Bortheil gereichen, weil der Staat so gut wie nichts damit an Einnahme erzielm würde und daS Volk den Schnaps theurer bezahlen müßte. Der Antrag ruft bereits in den Grenzländern Repressalien- Sedanken wach. So wird aus Wien dem„Prager Tageblatt" legraphirt:„In Folge der Branntweinsteuer-Vorlage im deutschen Reichstage, die durch eine Steuererhöhung und die damit verbundene Restitutions-Erhöhung den österreichisch-un- § arischen SpirituS-Export schädigen würde, vereinbarten die sterreichischrn Spiritusfabrikanten mit den ungarischen gemeinschaftliche Schritte bei den beiderseittgen Parlamenten zu unternehmen, um die eventuellen Beschlüffe Deutschland« zu p a r a l h s i r e n. Die hierauf bezüglich ge- machten Vorschlägt, welche ebenfalls in einer geringen Sleuer« erhöhung mit der gleichzeitigen Erhöhung der Ausfuhr- prämte lulmintren, fanden in den parlamentarischen Kreisen die vollste Würdigung." Zum Kapitel„Wahlsreiheit." Die Wahl des national- liberalen Dr. Haarmann(Wahlkreis Bochum) ist von der Wahlprüfungskommission beanstandet worden. Der Beschluß der Kommisston ist besonders bemerkenswerth und wichtig, weil zum ersten Male, und zwar mit mU 8 gegen 4 Stimmen angenommen ist, daß Wahlbeeinflussun» «ender großen Arbeitgeber oder ihrer Ange- eilten ihren Arbeitern gegenüber die Ungil« tigkrit einer Wahl ebenso herbeiführen können, wie Wahlbeeinflussungen öffent- licher Behörden oder Beamten. Wenn der Be- schluß der Kommission, wie kaum anders zu erwarten ist, die Billigung des Reichstages findet, so wird dem Wahl- terroiiSmui der Arbeitgeber in den Jndustriebezirken, nament- ltch in den Montangegenden in Oberschlefien, Westfalen und der Rheinprovinz ein kleiner Riegel vorgeschoben werden können. AlS Bismarckspende hat man auS Miesbach in Bayern einen Zuchtbullen und fünf Kai binnen nach dem jetzt für den Fürsten Bismarck wieder erworbenen Etammgute Schönhausen gesandt. Der Eisenbahnwagen, in welchem die Thiere befördert wurden, war bekränzt. Die guten Miesbacher hatten sogar einen Thierarzt miigeschickt. Der Bulle ist nun, wie man hört, mit sammt den Kalbinnen glück- lich angelangt; hoffentlich wird eS also in Zukunft in Schön« Hausen nicht an gutem Vieh mangeln. Der Bundesrath hielt am Dienstag«ine kurze Sitzung ab. In derselben wurde von den Beschlüffen des Reichstages zu dem Bericht der Reichsschuldenkommisfion über die Ver- waltung des Schuldenwesens des Norddeutschen Bundes und des Reiches Kenntniß genommen. Eine Vorlage, betieffend die MusterungSgebühren für Hochseefischerei-Fahrzeuge und ein Entwurf einer Verordnung über die Kautionen der Marine- Zahlmeister wurden den AuSschüffcn überwiesen. Der Gesetz« entwurf betr. die PostdampfschiffSverbindungen mit überseeischen Ländern wurde nach den Beschlüffen des Reichstages einstimmig angenommen, derselbe geht nunmehr zur Vollziehung an den Kaiser. Angenommen wurden feiner die Anträge der Aus- schüffe betreffend die Tara für Taboksblätter. Die Tara sür Verzollung saucirter TadakSblätter in Thierhäuten wird von 6 auf 8 Mark erhöht. Fabrikanten kann der zollfreie Bezug von Tabak in Mengen von mehr als 50 und weniger als 250 Kilogramm(bisher weniger als 50) gestattet werden. Nach dem Antrage der AuSschüffe ertheilte der Bundesrath dem Gesetzentwurfe wegen Verlängerung des Gesetzes betuffend die Herabsetzung der Steuervergütung für Rohzucker auf 9 Mark dem ersten Eindruck folgend(seine aristokratisch« Natur würde sich sonst dagegen empört haben) viel rascher eck« gewöhnlich, um da« Verlangte herbei zu schaffen, und da« war nicht leicht, denn Streichhölzchen gab e« fast gar nicht im Bereich der Familie. Wie Han» dem Diener mm Feuer bat, flog Franz- cht«« Blick unwillkürlich nach der Mutter hinüber, und sie bemerkte rasch, wie sich deren Augen erstaunt auf den Sohn hefteten. Auch der Freiherr wurde dadurch ge- wissermaßen au« seiner Lethargie gerüttelt, denn er hatte die letzte Viertelstunde wie in einem Halbtrau« gesessen. Wie gleichförmig war bi« dahin sein Leben verflossen, wie alltäglich, die Zeit natürlich ausgenommen, welche die Herrschaften hier in Rhodenburg oder dem Jagdschloß zu- brachten l Dann allerding» hatte seine Existenz einen Zweck, er war alle Tage zur Tafel befohlen, ja eigentlich deren Seele, denn ohne ihn hätte die ganze Tafel nicht bestehen können; und wie gnädig verkehrten Ihre Königliche Ho- heilen mit ihm, wie huldvoll wurde er manchmal ange- lächelt und trug dann den ganzen Tag Glück und Selig- keit im Herzen herum I So lange die Herrschaften mit ihm zufrieden waren, existirte weiter keine Welt sür ihn, und es gab da Momente, wo er mit seinen Füßen kaum den Boden zu berühren, sondern fast nur über der Erde zu schweben schien. Wenn der Hof dagegen die Stadt verließ, war e«, al» ob Rh?dtnburg— für ihn wenigsten»— ausgestorben gewesen wäre. Da« Schloß stand leer, e« gab kein Theater, keine Soiree, kurz, et wurde nicht mehr gebraucht und fühlte sich deshalb, da Niemand sonst in Rhodenburg besondere Notiz von ihm nahm, verlassen und elend. Jetzt dagegen war ihm plötzlich in diese«, sonst bodenlose Nicht« ein Ereigniß gefallen, da« mit dem Hofe nicht in ver geringsten Beziehung stand, und er brauchte erst einige Zeit, bi» er sich da« in seinem Innern ordnete und sichtete. Auch die Einzelheiten der Ueberraschung frappirten ihn, da» Ueber- steigen deL Geländer«, da» unangemeldete Eintreten, die Un- befangenheit de« Sohne«, und jetzt sogar der Zigarrendampf, den dieser in der größten Gemüthiruhe hier in fe,ne« Zimmer für ein weiteres Jahr bis Ende Juli 1386'stine Zustimmung. Der Gesetzentwurf geht an de«. Reichstag. Auf den münd- lichen Bericht deS JustizauSschuffes wurde der bereits kommis- sarisch bei dem Reichsgericht beschäftigte Staatsanwalt Treplin zum ReichSanwalt in Vorschlag gebracht. Afrikanisches. Ueber daS w est afrikanische G e> s ch w a d e r erhallen die„Hamburger Nachrichten" von einem Leser folgende Zuschrift-„Es freut mich, konstatiren zu können, daß die verschievenrn ZeitungSmittheilungen, nach denen eS den Mannschaften der bei Kamerun stationirten deutschen Krieg«- schiffe„Bismarck" und„Olga" untersagt sei, Nachrichten über die dottigen Vorgänge in vre Heimaih zu senden resp. die Briefe der Mannschaften einer Zensur unterworfen würden, un- begründet find, da mir heute ein vom 8. Februar datirter Brief von meinem auf dem„Bismarck" dienendem Sohne zugegan- gen ist, der ziemlich ausführliche Schilderungen in Bezug auf das Lebm und Treiben am Bord der Schiff« enthält. Ich laffe hier das, waS von allgemeinem Interesse ist, auS dem Briefe meines Sohnes folgen: Die Korvette„Bismarck" liegt seit dem 18. Dezember in der Mündung des Stromes, nur einmal hat fit die Anker gelichtet, um die auftührerisch gewor- denen Neger in Malimdia(4 Stunden Seefahrt von Kamerun) zur Raison zu bringen. Die„Olga" liegt 3 Stunden ström- aufwärts von dem„Bismarck" entfernt, dicht unter Land. Der Admiral begab fich Anfang Februar vom Ankerplatz der„Olga" per Damrfbarkaffe weiter ins Land hinein, jedoch wurve ihm auf dem Rückwege die Passage durch quer über den Fluß ge- legte Baumstämme versperrt. Erst nach zweitägigen Ver- Handlungen und schließlichen Drohungen ließ man ihn passtten. An Bord des„Bismarck" befinden fich 23 Neger auS Freetown, 12 Matrosen und 11 Heizer, die den übrigen Mannschaften gleich gestellt find; aber die Kerle find so faul, diebisch und unsauber, daß die deutsche Mannschaft fich sehnt, ihrer wieder ledig zu werden, was auch vom Kommando beabstchtigt sein soll, zumal häufig Raufereien zwischen den deutschen und Neger-Mannschaften vorkommen, welche eine gegenseitige Erbitterung erzeugt haben. Charak- teristisch für die letzter« ist, daß fit förmlich jubeln,(?) wenn einer der ihrigen wegen Diebstahls oder Faulheit gepeirscht(!!) wird. Der Gesundheitszustand der Mannschaften ist ein guter, jedoch läßt die Nahrung zu wünschen übrig, zumal eS an den unfern Deutschen nun einmal unentbehrlichen Fleischspeisen fehlt."— Wir können kaum glauben, daß der Briefschreiber richtig derichtet hat. ES heißt zunächst:„Die Neger find den übrigen Mannschaften gleichgestellt," hinterher wird aber ge- sagt, daß die Neger wegen DiebslahlZ oder Faulheit gepeitscht werden. Das ist wohl nicht möglich, denn unsere« Wissens darf fich kein Vorgesetzter auf den deutschen Kriegs« schiffen an seine Untergebenen vergreifen. Hier ist also Auf- klärung dringend nothwendig. Reichstag und Abgeordnetenhaus treten bekanntlich am 14. April wieder zusammen. Im Reichstag, wo der Schwer- vunkt der Arbeit auf der Zolloorlage ruhen wird, hofft man in vier Wochen die Session schließen zu können. Das Ab- geordnetenhauS, wo von größeren Aufgaben nm noch da« VerwendungSgesetz zu erledigen ist, wird vorauSfichtlich noch ftüher ferrig werden; man hofft, in vierzehn Tagen die Sesfion und damit auch die Lkgiolaturperiode schließen zu können. Jedenfalls ist durch das lange gleichzeitige Tagen der beiden Körperschaften die Wirkung erzielt worden, daß die parla« mentariswe Arbeit vor Pfingsten abgeschloffen werden kann, waS fett geraumer Zeit nicht mehr der Fall ge« wesen ist. Der in Aussicht stehende rusfisch-euglische Konflitt hat bereit« Veranlassung zur Erörterung ver Kaperei- Frage gegeben. Zwei russische Blätter, die deutsche„St. Petersd. Ztg." und die„MoSkauische Ztg.", hatten in den letzten Tagen eine Diskussion darüber geführt, ob die Bestimmung der Pariser Deklaration von 1856,„die K a- p e r e i ist und bleibt abgeschafft", in praktischer Völkerrecht- licher Geltung sei, ob also in einem rusfisch-englischen Kriege Rußland Kaperdnefe ausgeben, d. h. Private ermächtigen tönnte, englische Handelsschiffe aufzubringen. Die„Nordd. Allg. Ztg." druckt die Deklaration von 1856 ab und bemerkt dazu:„Die Deklaration ist also eben eine Erklärung. Die Frage, ob sie in dieser Form rechtsverbindlich ist, lassen wir dabingestellt Das rui fische Raison nement, daß die nicht allge- meine Annahme der Deklaration einen Einfluß auf die Trag- weite derselben ausübe, ist aber insofern richtig, als allerdings auS jener Thatsache fich eraiebt, daß es fich bei der Deklara- tion nicht um allseitig anerkannte Grundsätze des allgemeinen Völkerrechts handelt, sondern um eine Verabredung, die in mehr oder minder bindender Form zwischen einzelnen Stqaten getroffen ist. Der Ausbruch eineS Krieges zwischen zwei derselben kann deshalb die Wirkung haben, daß die Gül« ttgkeit dieser Verabredung zwischen den kriegführenden Staaten außer Kraft tritt. Immer bleiben aber auch unter dieser Voraussetzung die Bestimmungen der Deklaration für die Neutralen in Kraft, welche nicht in der Lage find, fich auf den Grund zu berufen, auS dem die Giltigkeit von den Kriegführenden bestritten werden könnte."— RusfischerseitS ausblies, ja der Sohn selber, der ihm so lange gefehlt, daß er ihn fast vergessen hatte, denn er war bei Hofe nie erwähnt worden. Er bedurfte wirklich einiger Zeit, bi« er alle diese einzelnen Umstände in seinem Geiste zusammenfassen und ordnen konnte, und erst al« da« geschehen war, kam er wieder auf die Oberfläche der Erde zurück. Die Mutter hatte, als die erste Dampfwolke zu ihr hinüberflnch, abwehrend etwas mit ihre« Tuche geweht, jetzt aber, da kein Hinderniß mehr oblag, nahm sie de» Gatten vorher gethane Frage auf und und sagte:„Ja, Han«, jetzt möchte auch ich Dich bttten, uns zu sagen, wel- che« Leben Du da drüben geführt hat; es ist natürlich, daß die Mutter da« zu erfahren wünscht. Apropo«, wo sind denn eigentlich Deine Sachen?" „Mein Gepäck? Im Hotel, Mama, wo ich die Nacht geschlafen habe; wir können eS nachher holen lassen." „In welchem Hotel bist Du abgestiegen?" „Im Goldenen Löwen, eS war der nächst« am Bahn» Hofe." „Im Goldenen Löwen?" rief der Vater in wahr- hafte« Erstaunen au».„Da» ist ja eine ganz ordinär« Fuhnnannskneipe I" „Sehr vorzüglich ist«i nicht," lachte Han»,„aber«a» that die eine Nacht, und früher, so weit ich«ich erinnere, war et bat beste." „Du hast doch hoffentlich Deinen Namen nicht in da« Fremdenbuch geschrieben?" sagte die Mutter erschreckt. „Und aeshalb nicht, Mama? Ich wollte doch nicht hier inkognito auftreten!" „ES ist schrecklich I" rief die Mutter,„morgen stehst Du zwischen lauter Viehhändlern und Krämern im Tageblatt. Han«, Han«, ich begreife Dich gar nicht!" „Ja, da» ist nun nicht mehr zu ändern," lachte Fränz- en,„und die Rhodenburger werden sich nicht schlecht den opf darüber zerbrechen; aber nun laß ihn auch erzählen, Mama, denn wir erfahren ja sonst wahrhastig kein Wort von der Geschichte." „Ja, mein Herz," sagte Han», indem er seinen Arm war in der oben erwähnten Eiörterung betont worden, daß die Deklaration von 1856 nicht die Unterschriften Spaniens, der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Mexiko«, BrafilienS, PeruS, Chilis, Chinas und Japans aufweise, welche alle zusammen etwa 530 Millionen Einwohner haben. Die „Nordd Allg. Ztg." scheint nun andeuten zu wollen, die De« klaration von 1856 könne deshalb durch den Krieg ebenso, wie jeder andere Vertrag zwischm kriegführenden Staaten, außer Kraft gesetzt werden. Die„Nat. Ztg." meint dazu:„Wir können dieser Darlegung— welche politisch wohl die Be« deutung eineS nach England hin ettheilten Winkes hat— so wenig beistimmen, wie der jüngsten offiziösen Auseinander« setzung, wonach Reis Kontrebande sein soll. Für den Friedens- Zustand dedarf eS keiner Abschaffung der Kaperei, die im Frieden einfach als Seeraub bestraft wird' der Schluß- satz der Pariser Deklaration:„Gegenwärtige Erklärung ist und wird nur zwischen denjenigen Mächten verbindlich sein, welche derselben beigetreten find oder bettreten werden," hat unseres ErachtenS nur dann einen Sinn, wenn sie für den Kriegsfall bestimmt ist.". J Oesterreich Ungarn. Ungarn kann getrost in Punkts großer Diebereien und gräulicher Polizeiwitthschaft neben Rußland gestellt werden. Von der dortseldst herrschenden Polizeiwttthschaft sind zu wiederholtenmalen die haarsträubensten Vorkommnisse in die OeffenUichkeit gedrungen. Die Postvicb stähle gehören zu den Alltäglichkeiten, ohne daß die Herren Diebe rmirt werden. Warum fie nicht eruirt werden, erzählt man fich die wunder« lichsten Dinge, die allerdings nicht zu den nnglaubwürdigen gehören. Vor Kurzem kamen innerhalb vier Tagen vier Post- diebstähle ziemlich hoher Geldbeträge vor. Daß da nicht ge- wöhnliche Diebe Hantiren, ist einleuchtend, weil dieselben nicht so leicht zu Geldbriefen und Geldsäcken gelangen. Diese Diebe müssen also äußerlich sehr anständige Leute sein, vre eine Art Attien-Gesellschaft bilden, um die Diebereien im Großen zu betreiben und die ihre Mitglieder in den verschieden« sten Gesellschaftskreisen haben müssen. Eine solche Att organi« sitten Diebstahls ist natürlich einträglicher, als der niedere, ge« waltthätige, der darin besteht, in Läden einzubrechen, Geld« lassen aufzusprengen u. s. w. Jedenfalls auch ein Z-ichen der Zett. — Als in Wien die Verhaftung des Hauptmanns Po- tier deS Echelles wegen Verdacht des Landesver« r a t h S bekannt wurde, gab es viele, die an die Möglichkett deS Verbr chenS nicht glauben wollten. In der Presse trat be« sonder« der„Pester Lloyd" für die Wahrscheinlichkeit der Un« schuld doS Verhafteten ein. Jetzt schreibt das Blatt auf Grund neuerer Berichte au» Wien:„Anaefichts deS angesammelten BeweiSmatenals soll Hauptmann Potier in Widersprüche ge« rathen sein und Geständnisse abgelegt haben, die klarlegen, daß er von den seiner Verwahrung als Archivar im LandeSbeschrei« bungS-Bureau deS Generalstabes anvertrauten Geheimmateria« lien unerlaubten Gebrauch gemacht habe. Man bestätigt unS im Allgemeinen die Richtigkeit der bisher bekannt gewordenen Beschuldigungen in Betreff de« VerratheS von Beschreibungen und Zeichnungen strategisch wichtiger Objekte an den Grenzen Tirols und KarnthenS," Im weiteren Verlauf der Mittheilun- gen deS„Pester Lloyd" wird bemerkt, daß Potier in nächster Zeit einer namhafteren Geldsumme dedurste, weil er in einem oberösterreichischen Wahlkreise ali Kandidat der klerikal-konseroativen Parte' auftreten wollte.— Selrsame Ironie: also weil der Mann als klerikal-lonservativer Abgeordneter das Vaterland retten wollte, versuchte er fich das Geld dazu durch Verrath d«S Vaterlandes zu verschaffen! — Da« Gesetz über die Reform deS ungarischen Oberhauses hat in dem letzteren eine Reihe tiefgreifender Veränderungen durchgemacht, so daß eS von der ursprünglichen Vorlage wenig mehr als den Titel behalten hat Die Tendenz. den 210 Magnaten, die auf Grund ihrer Grundsteuerleiftung von 3000 Gulden den Sitz im Obeihause haben sollten, in 160 aus den Kreisen der Intelligenz, der Fachleute Ernannten ein Gegengewicht zu bieten, ist an dem Widerstande des Hochadeli gescheitert. Neben jenen 210 PairS werden 26 Bischöfe ritzen, so daß der klr ikal-feudalen Koalition von vornherein die M-hr« beit gefichett sein wird. Zu diesen geborenen Gesetzgebern kommen hinzu 50 Mitglieder deS deklasstrten Adel» und 30 ernannte Mitglieder, welche Zahl nach fünf Jahren auf daS Maximum von 50 gebracht werden kann. Alle Amendements, welche eine Aenderung dieser Bestimmungen bezweckten, wur- den abgelehnt, so u. A. dasjenige, welches die sogenannten Jndigenen, d. h. solche, die in beiden Reichsbälften mtt Sitz und Stimme in der Landesvertretung ausgerüstet find, auch fernerbtn. als ungarische Oberhaus Mitglieder anerkennen und die Pflicht zur Option streichen wollte. F r a n s x e i ch. Die Devutirtenkammer votitte gestern einstimmig einen Kredit von 50 Millionen für Tonkin, das Votum über den weiteren Kredit wurde bis nach der Konstituirung des neuen Kabinets vertagt.— Der Senat genehmigte den von der De« um die Schulter der»eben ihm fitzenden Schwester legte, „aber der fatale Tabaksrauch." „Um Gottes willen, ich ersticke," rief Fränzchen, bog den Kopf so viel fie konnte zur Seite und fing an zu husten; der ungewohnte Rauch war ihr wirklich in die Kehle gekommen. „Ja, mein Herz," fuhr Han« fort, ohne von dem Husten»eitere Notiz zu nehmen, nur daß er sie losließ. „Da ist eben nicht viel zu erzählen, so interessant auch viel« leicht für Euch die Einzelhetten meine» allerdings sehr be- wegten Leben» sein möchten. Mit kurzen Worten will ich Euch aber wenigsten« eine» Ueberblick geben. Ich ging, »ie Ihr wißt, von hier nach Nordamerika, die Taschen so voll von Empfehlungen, wie da» Herz voll froher Hoff« nungen; ich sollte mich m beiden getäuscht sehen. Die Empfehlungen halfen mir gar nichts, al« daß ich bei eine« oder dem andern der betteffenden Herren vielleicht einmal zu Tische geladen wurde. Damals zürnte ich allerdings der stanzen Welt, später aber sah ich doch selber ein, daß jene Leute ihren vollkomme» guten Grund dafür gehabt, denn wa« in der Gotte« Welt hätten sie mit mir anfangen sollen?" „Aber ein gebildeter junger Mann findet doch überall sein Fottkommen," sagte etwa« ungläubig die Mutter, denn ihr Sohn hatte damals Briefe von den ersten Familien de» Lande« mitgenommen,„und solche Rekommandationen be« kommt nicht Jeder." „Hilft Alle» nicht», liebe Mutter." lachte Han«.„die Leute da draußen sind viel zu praktischer Natur, al» sich solchen Schreibebriefen zu Liebe mit fremden Leuten einzu- lassen, die ihnen gleich beim ersten Anblick al«„grün" er- scheinen." „Grün?" ftagte der alte Freiherr. „E» ist der Ausdruck dort. Sagen wir? unreif, wa« etwa dasselbe bedeutet. Ich kam jedenfalls grün in'« Land, und e» fiel Niemandem ein, da« Lehrgeld für mich zu zahlen. Da« mußte ich selber thua und that e« ehrlich. Mein Geld, da» ich mit hinüber genommen— e« waren fünfhundert Thaler, weißt Du noch, Mama?— verzehrte ich nicht zum zehnten Theil; um da« Uebrige betrog mich in größter Geschwindigkeit ein biederer Landsmann, ei» putirtenkammer votirten Kredit von 50 Millionen für Tonkin| ohne Debatte. Vom Kriegsminifterium ist Befehl ertheilt worden, 8000 Mann Infanterie, 6 Batterien Artillerie und eine Estadron Spahis unverzüglich nach Tontin abgeben zu laffen. Das Projekt der Bildung eines Korps von 50 000 Mann bleibt bis zur Bewilligung des Kredits seitens der Kam mer ausgefest.( it inzwischen bereits bewilligt.) Die trans atlantische Kompagnie erbietet fich, in 35 Tagen 10 000 Mann zu befördern, die Einschiffung würde alsdann vom 4. bis 9. April statthaben. " Großbritannien. " 11 nahezu 20 000 Einwohnern, wichtig als legte große Eisenbahnstation im Bendschab; die eigentliche Endstation Pischawer liegt in einer rings von afghanischem Hochland umschloffenen Ausbuchtung der Jndusebene und dicht am Fuße des Ge birges. Ramul Pindi ist der geeignete Drt au einer größeren Truppenentfaltung. Darum wählte Lord Dufferin, der die Wirkungen auf orientalische Phantaste nicht unterschäßt, diesen Drt zu einer Buſammenkunft mit dem Emir, lange bevor die afghanische Frage ein drohendes Aussehen bekam. Lord Dufferin hatte damals schon die Absicht, zahlreiche Truppen um Rawul Pindi zusammenzuziehen, jezt hat er das vielleicht in erweitertem Maße gethan. Freilich dürften fich die indischen Truppen mehr zu einer Schaustellung als zu einer Attion wider einen ernsthaft zu nehmenden Feind eignen. Kommunales. In der vorgeftrigen außerordentlichen Sizung des Magistrats bat derselbe für die durch den Maurermeister A. Rohmer, Pionierstraße 17, zum Raths Tod des Rathsmaurermeisters Barey erledigte Stelle den maurermeister gewählt und wird der Stadtverordneten. Ber sammlung eine Vorlage machen. An Stelle des auf sein Anfuchen vom 1. April cr. aus seinem Amte ausscheidenden Stadtwachtmeisters Bulan ist der frühere Bezirksvorsteher und Stadtverordnete Donny vom Magiftrat gewählt worden. Die Admiralität hat beschloffen eine mächtige Krieg 3 flotte für die Ostsee zu organiftren. In Portsmouth sollen alle diensttauglichen Schiffe binnen 14 Tagen zum Auslaufen bereit ſein. Unter denselben werden sich die Thurm Schiffe Inflexible"," Devastation" und" Rupert", welche Ra nonen im Gewicht von 33-81 Tonnen, sowie Torpedos und und andere Kriegsvorrichtungen an Bord haben, ferner der Monitor Cyclops", die Korvetten ,, Active", Volage", Eme rald" und" Comorant", Mereury" und" Bacchante," sowie bas Avisoboot, Cordelia" befinden. Es werden Anstrengun gen gemacht werden, den ,, Coloffus" eines der neuesten und stärksten Thurmschiffe der Kriegsmarine seefertig zu machen. Bwanzig andere Schiffe, sowie eine ebenso große Anzahl von Torpedobooten sollen ebenfalls in Bereitschaft zum Auslaufen gehalten werden. Sonnabend erhielt die Verwaltung der Staatswerfte in Devonport die Weisung, die Panzerschiffe Iron Dute", Hyacinth", Hotspur Conqueft" und Decate", sowie alle entbehrlichen Kanonen- und Torpedoboote auszu tüften und Meldung zu machen, wann diese Schiffe bemannt werden könnten. Die Aomiralität hat ferner Anstalten ge troffen, um mehrere große Kauffahrer von großer Fahrgeschwindeffen nicht unbedeutende Miethssteuer zahlen müßten, was bet Digkeit als armirte Kreuzer und Transportschiffe für die Be förderung von Truppen auszurüsten. Für diese Swecke find vorläufig die Dampfer Etruria", Oregon", von der Cunard Linie, Alaska" und" Arizona" von der Guion- Linie und Amerika" von der Nationallinie gemiethet worden. Alle diese Unordnungen werden angeblich nur getroffen um den FrieDen" aufrecht zu erhalten. Egypten. Ueber die Verhaftung Bebber Pascha's wird der Pol. Korr." aus Katro geschrieben: In biefigen englischen Kreisen erzählt man, daß es dem General Wolseley ge lungen fet, einer zwischen dem Mahdi und Behber Pascha gepflogenen geheimen Korrespondenz auf die Spur zu kommen. Chiffrirte Depeschen mit Nachrichten über die Bewegungen der englischen Truppen wären täglich von Kairo an einen Groß Scheith der Beduinenftämme in der Gegend von Affuan abs gegangen und von diesem über Dongola an den Mahdi weiter befördert worden. Es handelte sich um den Plan, die Beduinen au infurgiren und der englischen Aimee in den Rücken zu fallen. Im Hause Behbers in Alexandrien wären Dokumente saifirt worden, aus welchen die Existenz dieses Planes nachgewiesen werden könne. Bei den Söhnen Bebber's habe man gleichfalls mit dem großen Siegel Mohamed Ahmed's versehene, tompromittirende Schriftstücke gefunden. Die näheren Freunde Bebber's leugnen jedoch entschieden jede Ronnivens deffelben mit dem Mahdi und verfichern, daß von den angeblichen tom promittirenden Korrespondenzen sicherlich nicht gesprochen werden würde, wenn Gerichtspersonen mit der Hausuntersuchung be traut worden wären, weil man eben nichts Rompromittirendes gefunden hätte. Auch sei es Bebber nicht zuzutrauen, daß er tompromittirende Dokumente nicht besser zu verwahren gewußt hätte. Die lettere Anschauung theilen hochgestellte Bersön lichkeiten. Da ein gerichtliches Verfahren nicht stattfindet, fo ift es leicht möglich, daß die Welt die Wahrheit in dieser mysteriösen Affaire gar nicht oder mindestens nicht so bald erfährt." Amerika. Im Namen einer Anzahl von 8eitungs. spediteuren hatte Herr Lanzte bei dem Magistrat beans tragt: Die Stadt wolle den Beitungsverkauf in den Trink hallen nicht weiter gestatten." Motivirt wurde der Antrag Damit, daß fie für ihre Lokalitäten hohe Miethe und in Folge den Beitungsverläufern in den Trinkhallen nicht der Fall sei. Der Magiftrat hat beschloffen, den Antrag abzulehnen, da in einer Stadt wie Berlin der Beitungsverlauf auf den Straßen eine Nothwendigkeit geworden sei. In der Stadtbibliothet im Rathbause befindet Wissenschaften Prof. Böth. fich ein Reliefbild des verstorbenen Sekretärs der Akademie der Wissenschaften Prof. Böth. Im Auftrage der Familie Böth hat fich der Schwiegersohn des Verstorbenen, Prof. Gneist, mit dem Ersuchen an den Magistrat gewendet, statt des in der Bibliothek befindlichen Reliefs ein anderes, ähnlicheres Reliefbild nach einem Modell des Prof. Begas anbringen zu dürfen. Der Magistrat hat beschlossen, das Anerbieten mit Dant anzu nehmen. Seitens des Oberpräsidenten ist die Wahl des Baurathes Hobrecht zum Stadtbaurath von Berlin bestä tigt. tigt. Bugleich find die veränderten Anstellungsbedingungen genehmigt worden. Lokales. Was haben die Berliner Vieh- und Schlachthof Anlagen geloftet? Die Antwort auf diese Frage ertheilt die Deutsche Fleischer Beitung" in folgendem: Eisenbahnanlage nebst Anschlüffen an die Verbindungsbahn der Viehmarkt. der Schlachthof Verwaltungsgebäude und Dienstwohnungen Gas, Beleuchtung, Wafferleitung und Entmäfferung Terrain. Regulirung, Pflasterung und Um wehrung Bauführungs- Kosten und Jnsgemein Hierzu kommen: Für Anlauf des Terrain Gesammt- Summe Verzinsung der Grunderwerbs- und Baukosten Regulirung und Pflasterung der nach dem Viehhof führenden Straßen für Kanalifirung derselben für Beschaffung des Mobiliars Mt. 1 224 440 3 512 369 2711 802 217 614 197 275 . 1 049 943 308 667 9 222 110 958 010,66 470 266,92 724 666,45 251 421,98 96 973,21 Gesammt- Summe 2501 339,22 • • Die großen Schlachtereien in Chicago haben vollauf zu thun, die Aufträge für England zu effettuiren. Die Fairbanks Canning Company hat 4 000 000 Pfund, die Armour Bading Company 5 400 000 ẞfund zu liefern übernommen. Es wird Tag und Nacht gearbeitet, um diese Aufträge, die so daß die ganze Anlage mit 11 723 449,22 M. zu Buch steht; größten, die man je in Chicago erhalten, innerhalb zwei Wochen davon entfallen nach antheiliger Vertheilung der gemeinschaftauszuführen. Das Fleisch wird nach Woolwich verschifft. lichen Ausgaben: Ferner haben amerikanische Schiffswerften, die sich mit dem a) auf den Viehhof 7315 144,44 Bau von Sternraddampfern beschäftigen, Aufforderungen er b) auf den Schlachthof 4408 304,78 halten, Bläne für den Bau von 30 Sternraddampfern, die zur Bu letter Summe treten noch die Summen, welche für AbFahrt auf dem Nil bestimmt sind, einzureichen. Jedes Schifflösung der Schlachtgerechtigkeiten gezahlt find; es find dies foll etwa 500 Tons groß sein. Aus Pittsburg und St. Louis 491 263,53. Hierzu tommen 6 000 000 m., gezahlt an die find Dfferten eingereicht. Viehhofs- Aktiengesellschaft, so daß die Kosten des Schlachthofes betragen: 4408 304,78 1091 263,53 5 499 568,31 Asien. Die englische Regierung giebt sich außerordentliche Mühe, den Emir von Afghanistan auf ihre Seite zu ziehen. Bu diesem Bwed ist am 27. v. M. Der Vizelönig von Indien, Lord Dufferin, in Rawul Pindi eingetroffen, um dort mit dem Emir zu berathen Dem Legteren wird ein föniglicher Empfang zu Theil werden. Rawul Bindi ist eine Stadt von junger Gauner, vielleicht eben so alt, wenn nicht noch jünger als ich selber, und und dann erst wurde ich auf mich und meine eigene Rraft angewiesen. Ich fand bald, daß ich keine Stelle, das heißt keinen Platz finden konnte, wo ich mir den Tag die Ellbogen hätte an einem Labentisch abreiben dürfen und dafür meinen Lebensunterhalt bekam. Die Leute, die Geld zahlten, woll ten auch etwas Wirkliches dafür gethan haben, und dahinein fand ich mich zulett. Nun lefen wir allerdings hier oft in Stetigen Berichten in Amerika sind mir wenigstens verschiedene Male solche Bücher in die Hand gekommen, daß der Arbeitslohn für Zimmerleute, Maurer, Handwerker oder sonst wen so und so viel Dollars pro Tag macht, und das klingt den Leuten in Europa denn wirklich fabelhaft. Daß diese Arbeiter aber oft Monate lang herumlaufen und das bis dahin verdiente Gelb verzehren können, ehe fie wieder Beschäftigung in der Höhe des Lohnes, ja, oft um irgend welchen Lohn finden, steht nicht dabei, und so ging es auch mir. Ich nahm jebe Arbeit an, die ich bekommen fonnte, aber die bauerte dann selten lange, und ohne mich lange zu befinnen, griff ich zu etwas Anderem. Wenn ich dann auch keine Schäße dabei sammelte, lernte ich doch das amerikanische Leben gründlich kennen. Das trieb ich sechs Jahre und war in der Zeit auch nicht einmal im Stande, mir selbst nur hundert Dollars zu er sparen. In der Zeit hatte ich aber auch herausgefunden, baß man in Amerita mit harter Arbeit wohl sein Leben friften, aber nichts wirklich verdienen könnte, bazu war Spekulation nöthig, und auf die warf ich mich; ich fing an, Handel zu treiben." " Du Sans?" rief seine Schwester und sab ibn mit " Du Hans?" rief seine Schwester und sah ihn mit ihren großen Augen verwundert an," Du bist Raufmann geworden " Das will ich nicht sagen, Herz," lachte der Bruder, Raufmann fann man es eigentlich nicht nennen, denn bazu fehlte mir das Rapital. Ich lernte aber bald, welche Waaren einen möglichen Markt fanden und vortheilhaft verwerthet werden konnten. Dabei verkehrte ich sehr viel mit deutschen Schiffen und kaufte gewöhnlich Alles, was M. Ist das vielleicht keine Fleischvertheuerung, Ihr Herren Manchestermänner? g. Die Berichte in den Zeitungen über die Veranstal tungen zu dem Fackelzuge am Dienstag hatten die Bewohner die Kapitäne privatim mitbrachten. Daran machte ich, bie Rapitäne privatim mitbrachten. Daran machte ich, ohne meine Rörpertraft weiter zu bemühen, einen ganz hübschen Nutzen, so daß ich mir in einigen Jahren mehrere tausend Dollars verdienen fonnte. Da tam der amerikanische Krieg, und ein spekulativer Deutscher hatte es für vortheilhaft befunden, eine Ladung alter, ausrangirter Gewehre von hier nach drüben zu schaffen, um dort, wie er glaubte, einen enormen Preis bafür zu bekommen. Die Amerikaner wissen aber recht gut ein brauchbares von einem unbrauchbaren Gewehr zu unterscheiden; fie mochten die ihnen gebrachten Waffen nicht haben, und wie der Rapitän in aller Verzweiflung und in der Angst, die ganze Fracht mitnehmen zu müssen, zu dem Entschlusse tam, fie um jeden Preis los zu schlagen, laufte ich ihm den ganzen Plunder ab und fand bald, daß ich einen sehr guten Handel gemacht, denn es waren mehrere tausend Stüd sehr gute Gewehre dabei. Jest engagirte ich eine Anzahl junger deutscher Handwerker, Schlosser, Schmiede und Büchsenmacher, um meinen Waaren vorrath wieder in Stand zu sehen. Natürlich akkordirte ich die Arbeit, das Stück zum halben Dollar, was allerdings meinen ganzen Baarvorrath so ziemlich auf die Neige meinen ganzen Baarvorrath so ziemlich auf die Neige brachte, aber ich wußte auch, wohin mit meinem Ankauf. In Peru war wieder eine Revolution ausgebrochen, die Spanier bebrängten das Land ebenfalls, und da gerade ein englisches Schiff Ladung für Lima einnahm, packte ich meinen ganzen Waarenvorrath auf und ging nach Beru. " Ich hätte nichts Gescheidteres thun können; ich verfaufte meine sechstausend Gewehre, die mich wenig genug geloftet hatten, jedes einzelne mit vier bis fünf Dollars Nußen und bekam dadurch ein tüchtiges Rapital in bie Hände. In Peru selber machte ich dann noch ein paar glüdliche Spekulationen, und da bin ich! Das Heim weh packte mich und ließ nicht eher loder, bis ich den nächsten besten Dampfer über Panama benutte, um zu Euch zurückzukehren. Wie lange ich hier bleibe? Quien sabe die Zeit muß es lehren; aber ich mußte Quien sabe Euch erst einmal wiedersehen, und fann ich mich dann mit bem alten Deutschland und seinen etwas wunderlichen Einrichtungen nicht befreunden, nun gut, dann kehre ich wieder ber umliegenden Drtschaften und Städte in großen Maffen nach Berlin gelockt und daher kribbelte und wibbelte es nach Beendigung des Festzuges um 10 Uhr auf den verschiedenen Bahnhöfen wie in einem Bienentorbe. Bei einem berartig ftarten Menschenandrange zu dem Feftzuge ist es ganz natür lich, daß die Berliner Bauernfänger und Taschendiebe ebenfalls ihren guten Tag" gehabt haben werden. An manchen Bunk ten war das Publikum auf ganze Streden weit ,, festgeteilt in fürchterliche Enge". Die Vorderen konnten die durch energische Schußleute gebildete Barrière nicht durchbrechen und die hin teren, welche mit jeder Minute anwuchsen, drängten unaufhör lich nach. Originell war der Einfall einer Anzahl junger Leute, welche die Zimmerstraße durchgegangen waren, um bei dem Kreuzungspunkte fich einen Blid nach der Feststraße zu vers schaffen. Einer derselben schrie plößlich: Da haben wir ja ben Taschendieb!" worauf die Borderen, von Neugierde ge trieben, ihren Boften in Haufen verließen und nach hinten liefen, wo der Ruf erscholl. Inzwismen waren die jungen Leute schnell vorgedrungen und hatten fich so durch einen gelungenen Koup eine sehr gute Pofition verschafft. Geradezu als verwerflich muß es bezeichnet werden, daß trop aller Warnungen in den Beitungen wieder zahlreiche Eltern mit thren Kindern, sowie schwächliche Frauen und Mädchen nicht unterließen, fich in die Maffen einzudrängen. Personen, welche als Fadelträger den Brachtwagen der Germania und den afrikanischen Anhang, welche ganz besonders die Schauluft reizten, begleiteten, vernahmen wiederholt bei Straßenkreuzungen, woselbst stets ein toloffales Gedränge entstand, Geschrei be drängter Frauen und Kinder. Man sollte doch die schrecklichen Vorgänge bei der Kaiserzusammenkunft nicht vergessen, welche fich an der Schloßbrücke abgespielt und einer großen Anzahl von Frauen und Kindern das Leben gekostet haben! Für fünftige, ähnliche Veranstaltungen wäre es übrigens gut, wenn die Schußleute nicht nur die Verhinderung des Betretens der abgesperrten Straße, sondern auch für Bereiteluna ungeheurer Andränge dadurch sorgten, daß einige Schußleute namentlich bei Straßenkreuzungen hinter der Chaine sich auf- und ab bewegen. Das einfichtsvolle Publikum würde diese Maßnahme anerkennen und den Warnungen der Beamten ficher Gehör schenken. Zur Warnung für Auswanderer. Der für 1884 Türz lich erschienene Jahresbericht der Deutschen Gesellschaft der Stadt Newyort", welche in dem Berichtsjahre das Fest thres hundertjährigen Bestehens gefeiert hat und deren Zwed es ist, deutschen Auswanderen beizustehen und nothleidenden Deutschen und deren Nachkommen Hilfe zu gewähren", ent hält u. A. folgende für Auswanderungsluftige beherzigens werthe Mittheilungen: Auch während des vergangenen Jabres", so heißt es auf Seite 417 des Berichts ,,, ward unsere Hilfe wieder häufig in Anspruch genommen von neu einge wanderten Familien, welche lethifinnig und leichtgläubig das Baterland verlaffen hatten und gänzlich mittellos oder mit sehr beschränkten Geldmitteln hier angekommen waren. Sie hatten meift erwartet, gleich Beschäftigung und Lohn in Fülle zu finden oder auf Kosten Anderer nach dem Westen auf eine Farm oder nach einem anderen für sie geeigneten Arbeitsfelde befördert zu werden. In unserer mit Arbeitern aller Art überfüllten Weltstadt bleibt die Enttäuschung nicht lange aus; Beschäftigungslosigkeit, Miethsschulden, Krankheit u. f. w. führen dann solche Einwanderer schon kurz nach ihrer Landung hilfesuchend zu uns, und so gern wir auch nach Kräften Beistand bieten, so können wir doch solchen Bittstellern die er betene Unterstügung immerhin nur bis zu einem gewissen Grade zukommen lassen." Auf Seite 59 des Berichts wird vor den von Spekulanten vielfach verbreiteten betrügerischen Anpreisungen amerikanischer Anftedelungsgebiete, wie folgt, ge warnt: Die Deutsche Gesellschaft" muß Allen abrathen, An preisungen hiesiger Ländereien nnbedingten Glauben zu schenken. Solche Anpreisungen find immer mit größter Vorsicht aufzu nehmen, und Auswanderer sollten sich nicht voreilig durch dies selben bestimmen lassen, wohin sich zur Ansiedelung zu wenden. Die Landschenkungen an im Bau begriffenen Eisenbahnen führen zu ausgedehnten Landspekulationen, welche man durch Agenten, namentlich in Europa, zu befördern sucht, sei es durch Landverkäufe, meist zu Preisen weit über den wirklichen Werth oder durch Anwerbungen unter den Auswanderern, ohne Rüd ficht darauf, ob ihnen Klima und Boden zusagen werden." Es steht zu hoffen, daß diese Warnungen um so mehr Be achtung finden werden, als die Deutsche Gesellschaft", wie in dem Jahresbericht hervorgehoben wird, der Auswanderungs propaganda gegenüber grundsäglich neutral steht, indem sie weber zur Auswanderung nach Amerita ermuthigen( was ursprünglich auch einer ihrer Swede war), noch dieselbe vers hindern will. " Ein überaus glänzendes Meteor, eine Feuerfugel, wurde, wie die N. Pr. Stg." hört, vorgestern Abend, wenige Minuten vor 9 Uhr, von Berlin aus am südöstlichen Himmel, nordwestlich der Mondscheibe, gesehen. Die Erscheinung tauchte im Süden etwa 30 Gr. über dem Horizont auf, nahm die Richtung nach Nordost und schien in nur geringer Höhe über Der Erde dahin zu eilen. Sie war 5 bis 6 Sekunden lang nach dem Süden zurüd und beginne mein abenteuerliches Leben auf's Neue." Die Eltern hatten ihn mit feiner Silbe unterbrochen, benn was sie hörten, war zu ungeheuerlich, um sich ihrer Gefühle gleich bewußt zu werden oder ihnen sogar Ausdruc zu verleihen. Ihr Sohn, Hans von Solberg, Nachkomme bes freiherrlich Solberg'schen Geschlechts, als Rofferträger, als Handlanger, als Tagelöhner und dann mit dem Anauf alter, ausrangirter Gewehre beschäftigt, um fie, ba man fie bort für untauglich fand, mit vier bis fünf Dollars Nuzen für das Stüd einem andern Staate aufzuhängen! Die Mutter fühlte allerdings mehr bas unpassende einer solchen Thätigkeit, und ebenso vielleicht bie Schwester, der Vater dagegen in seinem alten, bis jest durch nichts gebrochenen Abelsstolze wagte diesen entseg lichen und mit der größten Unbefangenheit vorgebrachten Thatsachen gegenüber faum zu athmen, und als Hans endlich schwieg, war es ihm, als ob eine Bentnerlast von seiner Brust genommen, eine andere aber noch darauf liegen geblieben wäre. leise vor sich hin, das sind die Länder, welche man die Das ist die Welt da draußen," murmelte er endlich gelobten nennt unbegreiflich, unbegreiflich!" Hans hatte, in feine alten Erinnerungen vertieft, die Gegenwart der Eltern fast vergessen, feinesfalls aber an ihre alten Vorurtheile und Ansichten dabei gedacht- Du lieber Gott, sie waren in den alten Zopfverhältnissen aufgewachsen und konnten ja leinen Begriff von dem neuen, frischen Leben da draußen haben! ,, Und das find lauter Republiken?" gab der Bater endlich seinen Gedanken Worte." Lauter Republiken, Papa." " Aber Du erwähntest doch vorhin, daß Du jenen jenen Handel mit einer Regierung abgeschlossen hättest, mein Sohn." Nun ja, Papa, mit der republikanischen Re gierung." ( Fortsetzung folgt.) sichtbar und legte in dieser Zeit etwa 50 Gr. am Himmel zu« rück, sich zuletzt etwas senkend und dann plötzlich geräuschlos verschwindend. DaS Meteor hatte die scheinbare Gestalt und Größe einer großen Rakete und bezeichnete seinen Weg mit einem schnell verschwindenden feurigen Schweif. Die von dem Uhrmacher Deitmer verwundete Frau Ulrich ist dem„B. T." zufolge von ihrer lebensaesährlick erschienenen Kopfverletzung so weit wieder hergestellt, daß fie in etwa acht Tagen daS königliche Klinikum als vollständig geheilt wird verlaffen können. Die Kugel freilich, welche Deitmer ihr in den Hinterkopf jagte, wird ste Zeit ihres Lebens mit sich herumtragen müssen; denn dieselbe ist, entsprechend der voraussage der Aerzte, im Gehirn eingeheilt, ohne weitere Störungen zu veranlaffen. Als ein besonders glücklicher Um- stand ist es anzusehen, daß, obwohl das Geschoß außer der Schädetdecke einen Theil des Gehirns durchbohrt hat und darin noch steckt, dennoch keinerlei Störung in den Verstandeekräften der Patientin eingetreten ist. Die Aerzte folgern daraus, daß die Kugel nur solche Theile deS Kleinhirns getroffen hat, welche für das geistige und phqstsche Leben von untergeordneter Bedeutung sind. Derartige glückliche EinHeilungen von Ge- schössen im Gehirn find in und nach den letzten Kriegen häu- figcr beobachtet, und Geheimrath von Bergmann, der Direktor deS königl. Klinikums, befitzt auf diesem Gebiete eine reiche kriegschirurgische Erfahrung, die ihn auch den glückliren Ausgang deS in Rede stehenden Falles voraussehen ließ. Di« gerichtliche Voruntersuchung und die Anklage gegen den in Moabit internirten Deitmer find längst eingeleitet, und sobald über den Gesundheitszustand der Frau ein definilivcS Urtheil abgegeben werden kann, wird daS Nachspiel im Moadtter Justizpalast stattfindm. Vor einiaer Zeit wurde hier, wie mitgetheilt, ein junger Mensch verhaftet, der unter dem Namen Wilhelm Graf von Württemberg eine Reihe Betrügereien verübt hatte. Derselbe entpuppte sich schließlich alS der 20 jährige Kommis Wilhelm Traugott Eberhard Birk, der wegen GeisteSgestörtheit bereits wiederholt in der Charitee wie in Dalldorf beobachtet worden ist. Am 26. v. MtS. ist er, der„Post" zufolge, auf Grund eineS Attestes des Geheimen MedizinalratheS Dr. Wolff aber- malS in die Charitee als gemeingefährlich trrfinnig eingeliefert worden. KericKts-Leitung. Wieder einmal„die Liebe hat ihn so weit gebracht". Der Zstchner W. saß in seinem bescheiden möblirren Stüb- chen und träumte, die Ellbogen auf den kleinen Sopharisch gestützt. Seit Herr W- Fräulein Ottilie M im Schiller« fchlößchen in Gohlis kennen gelernt hatte, träumte er immer und zwar recht schwermüthtg. So viele Verhenlicher und Lodpreiser die Liehe auch gefunden hat, seitdem diese Erfin- dung existirt, so hat eS doch von jeher auch an solchen nicht gefehlt, die uns die Schattenseite derselben gezeigt haben. Wir wollen nicht von der Potiphar sprechen, auch nicht von Heine, denn der steht wie jene bei unseren schönen Leserinnen in einem etwas üblen Gerüche; aber wir können eine Menge unverdächtiger Namen anführen, deren Träger mit Nachdruck vor den Fahrlichketten der Liebe gewarnt haben- Selbst der alte gute Gellert kann fick einer Warnung nicht ent» halten. Nachdem er eine höchst jammervolle LiebeSaffaire er- zählt hat, ruft er der liebeglühenden Jugend in väterlichem Tone zu: „O Jüngling, lern' aus der Geschichte, Die Dich vielleicht zu Thränen zwingt, Was für bejammernswerthe Früchte Die Liebe zu der Schönen bringt! Ob unser Freund, der Zeichner W-, gerade an diese Strophe gedacht, das wissen wir nicht. Ihm schwebte aber, und das wissen wir, seil seiner„Verliebung", stets der Reftain jenes Liedes vor:„Die Liebe, ach ja die Liebe, hat mich so weit gebracht." Doch, erzählen wir lieber, wie es ihm eigentlich ergangen ist. Anfangs Januar war er in Gohlis gewesen und, nach- dem er dort mehrere Lokale besucht, ohne daß er fich de- friedigt fand, war er am Schillerhäuschen ankommen, lieber eine Viertelstunde hatte er in weihevoller Stimmung vor dem kleinen, bescheidenen Häuschen gestanden und hatte fich tief versenkt in die Gedan'en an den großen Naiional-Dickterbelren. So, wie er da vor dem unansehnlichen Häuschen stanv und hinauf schaute zu den kleinen Fensterchen, die einst dem Dichter- fürsten daS spärliche Licht des Tages gebracht hatten zu seinen Liebem, die dann Tausend Herzen entzückten, und der jetzt in der Eide ruht, während seine Schöpfungen auf einfachen Tischchen, sowie auf goldenen Konsolen fich befinden; wie Herr W. das alles so bedachte, da ward ihm erst so recht die Größe dessen klar, den die deutsche Nation mit hohem Stolze sein eigen nennt. Und wie Herr W. so dastand. in erhabene Gedanken versunken, da weckten ihn fröhliche Mädchenstimmen aus seinen Träumen. Aus dem SchillerhauS- chen waren mehrere junge Mädchen getreten, auf welche Vre Anmuth ihre volle Gaben ausgestreut hatte. Besonders eine von ihnen ließ unserem W. daS Blut schneller wallen und alS diese an rhm vorüberging, uno chn mit ihren großen dunklen Augen anblickte, da ward ihm fiedend heiß zu Muthe. Unwillkürlich wandte er fich um und verfolgte die reizende Mädchengestalt, diS ste mit den übrigen in ein auf der an» deren Gerte belegenes Haus verschwand. AlS wenn es ihn mit tausend Gen alten zöge, ging er ihnen nach und, da eS daS beliebte und stets stark desuchre„Schillerschlößchen" war, das Jedermann gegen Zahlung von 30 Pf. den Eintritt gestattet, so betrat auch er den dichigesüllten Saal. Soeben sollte daS Konzert der Jahrow'schen Kapelle beginnen und alles drängte, um noch einen Platz zu erhalten, da kam der Kellner und brachte noch einen großen Tisch herbeigeschleppt und setzte ihn gerade dahin, wo Herr W. fich befand. Natürlich nahm er ofort Platz, wer aber beschreibt sein Entzücken zugleich mit einem Erschrecken, alS fich auch die von ihm verfolgten Damen > eransetzten, und warum mußte gerade jene schwarzäugige ihn ragen, ob er eS gestatte? Denn als fie ihn so ansprach mit ihrer schönen Stimme, die zu Herzen ging, und der allerliebste kleine Mund fich öffnete, um eine wahre Perlenschnur von schöngefoimten Zähnen zu zeigen, da fühlte Herr W, daß es um sein bis dahin von der Liebe unberührtes H-rz geschehen war. Fräulein Ottilie, denn so halten die anderen Mädchen dir Schöne genannt, setzte fich ihm zu allem Ueberfluß gegen- über und wie fie so da saß in bloßer Taille und die Arme verschränkt, kamen ihre''zwar nicht üppigen, aber schönen Formen so recht zur Geltung. Die Damen hotten ihre Hand- arbeiten herausg.nommen, nur Fräulein Ottilie that dies nicht. Und als fie Alle eine Weile still dagesessen hatten und fich kein Gespräch entwickeln wollte, da faßte Herr W. Muth und begann die Damen zu unterhaikn. Nach und nach nahm die Unterhaltung die Gestalt eines herzlichen Geplauders an und die vielen leeren Flaschen mit ihren lange« Hälsen zeigten an, wie wohl Herr W- fich bei der Gose und den Damen befand. Nach Beendigung deS Konzerts begann der Tanz und wiederum war es ganz natürlich, daß Herr W. den ersten Tanz mit Fräulein Ottilie begann. Immer näher kamen fich die Herzen der Beiden und als endlich der Tanz fein Ende fand, da er- hielt Herr W. die Erlaubnis, Fräulein Ottilie nach HauS zu begleiten. Unterwegs hatte fie ihm erzählt, daß ste in einer Buchhandlung Kasfirerin sei. und daß fie allein in der Welt dastehe, und er hatte ihr erzählt, daß er Zeichner sei und daß er fich ganz gut ernähre. Bis dahin hatte er mit Allem, was er mit seiner Angebeteten gesprochen, die reine Wahrhett gesagt, aber damit, daß er fich gut ernähre, hatte er die erste Lüge gesprochen, denn ei wurde ihm im Gegentheil recht herz- Verantwortlicher Redakteur R. lich sauer, mit seinem schmalen Verdienst sein Auskommen zu haben. Seit jenem Abend aber, an dem er sein Herz verlor, war er mit seiner Ottilie öfters zusammengetroffen, und nach und nach hatte er auch ihr Herz gewonnen. Und seit fie ihm dieS gestanden, und seit fie fich Beide innig geküßt, waren ste jeden Abend und jeden Sonntag Nachmittag ausgegangen, der ersten, reinen Liebe Glück mit vollen Zügen genießend.„DaS aber ist der Fluch der bösen That, daß ste fortzeugend Böses muß gebären." Er hatte gelogen. alS er ihr gesagt, daß er fich gut ernähre, und das rächte fich bitter an ihm, denn Fräulein Ottilie fand es ganz selbstverständlich, daß er ihr öfters Ge- schenke machte, fie fand eS natürlich, daß er jedes Mal die Zeche bezahlte, und daß er fie des öfteren ins Theater führte. DaS Alles aber kostet viel Geld und daS gerade hatte ja Herr W. nicht. Und weil er es nicht hatte, da machte er— Schulden. Diese wuchsen für seine Verhältnisse riefen- groß an, und wenn er fich ab und zu rinen Ueberblick über dieselben machte, da ward ihm ganz bitterweh ums Herz, denn fie alle zu bezahlen, dazu war verzweifelt wenig AuSficht vorhanden. An jenem Tage nun, als wir ihn in seinem Stübchen fitzen sahen, da war er geradezu in Verzweiflung. Nicht daß er gerade heute von einem Schuldner hart vedrängt ward, nein, daS war es nicht. Er sollte vielmehr heute Abend mit seiner Angebeteten zum Kränzchen gehen und hatte— keine Stiefel. DaS eine Paar, das er besaß, war völlig zerrissen, und gerade am Oberleder, so daß an eine schnelle und billige Reparatur nicht zu denken war. Für die fünf Mark, die er vorhin auf dem Lrihamle für seinen Ueberzieher erhalten, konnte er fich keine neuen laufen und dann mußte er doch auch einige Groschen für heute Abend haben. Wie er nun so traurig finnend dasaß— und ab und zu nach dem„Tage- blatt" gegriffen hatte, daS auf dem Tischchen lag, da ging eS plötzlich wie ein Lichtstrahl durch sein düstereS Sinnen. Er hatte einen jener bekannten lyrischen Ergüsse gelesen, die „Staerk's Nachfolger" von Zeit zu Zeit in der hiesigen TageS- presse fließen läßt, und nun schien ihm geholfen zu sein. Eine halbe Stunde später defand er fich in dem großen Geschäftslokal jener Firma und war im Schweiße seines Ängefichts thätig, fich auS der Masse ihm vorgelegter Stiefeln ein passendes Paar herauszufühlen. Aber so viele eS auch waren, wollte doch merkwürdiger Weise leineS paffen.„Ach, möchten Sie nicht so gut sein," sagte er zu der ihm bedienen- den Dame,„und mir lieber einige Paar in meine Wohnung senden, dort kann ich mir bequem und in aller Ruhe ein paffendes Paar auswählen, und ich sende Ihnen die anderen morgen früh mit dem Gelde für das behalten- Paar zurück." Der liebenswürdige Prinzipal hatte gar nichts dagegen und Herr W- den, wie wir gesehen haben, die Liebe erfinderisch gemacht hatte, schwamm in Wonne, alS er mit einem Paar funkelnagelreuer Stiefeln das Kränzchen besuchen konnte. Am anderen Morgen packte er sämmtliche, ihm von Staerk zur An- probe gesandten Stiefel ein und ließ diesem sagen, eS paffe auch von diesem kein Paar und er werde gelegentlich selbst hinkommen und etwas wählen. Herr Staerk's Nachfolger aber war natürlich nicht sonderlich erbaut von der Unverfrorenheit des Herrn W. und als dieser fich auch nach Verlauf von 14 Tagen nicht hatte sehen lassen, da besuchte er ihn, wobei er ihm, alS er gemerkt, daß Herr W. nur für den einen Abend die Stiefel hatte benutzen wollen, mit Recht den Vorwurf machte, daß solches Verfahren einem Gcschäftemanne gegenüber nicht anständig sei. Da sab nun ein Wort daS andere und schließlich kam eS zu Beleidigungen die fich Herr Staerk's Nachfolger natüilich nicht gefallen lassen wollte. Aber werter als zum Friedensrichter kam die Sache nicht, denn, als Herr W. dem beleidigten Kläger die Geschichte seiner Liebe erzählte, da verzieh ihm dieser urd Herr W. brauchte nur eine Mark Kosten zu bezahlen, und dafür hatte er doch an jenem Abend die neuen Stiefel gettagen. Ftäulein Ottilie aber und Herr W. lieben fich noch immer. frnint uuä Perssmmtuvgev. hr. In der gut besuchte« Delegirteu-Versammlung der Tischler, welche am Dienstag Alte Jakobstraße 37 stattfand, wies Herr Lenz in einem kurzen Referate über die Frage:„Wie erhalten wir unsere Konkurrenzfähigkeit in Bei- lin f" in überzeugender Weise nach, daß die Berliner Möbel- fabrikation, die für den Export produzirr, dadurch, daß die Ar- beitgeber die von der Lohnkommisston gestellten Forderungen (9 einhalbstündige Arbeitszeit und Mintmallohn von 18 Mark wöchentlich) dewilligen, keineswegs konkurrenzunfähig werde. Er konstalirte, daß die Preise für Möbel in Hannover, Stutt- gart, Hamburg bedeutend höher find, als in Berlin. Es wür- den nicht in dcrettS 890 Werkstätten die Forderungen bewilligt worden sein, wenn die Lchundfabrikanten mit ihrer Behauptung, daß dadurch die Konluerenzfädigkett Berlins in Gefahr komme, recht hätten. In der Diskusfion wurde dm auf hin- gewiesen, daß die Konkurrenzfähigkeit und der Export Berlins dadurch, daß die Schundproduktion in Berlin beseitigt wird, nur gewinnen können. Es folgte dann die Be- sprechung der Aibettsverhältnisse in den Werkstätten von Hecht, Wafferthoisttaße 27, von Lange, Luckauerstraße 11, von Hühner, Grünstraße 19, und in den Tischlereien Koch, Jokisch, Lmsen und Böttcher. In Bezug auf alle diese Werk- stätten wurde von Solchen, die früher tn denselben gearbeitet haben, kvnstatirt, daß die in denselben arbeilenden Kollegen mehr oder weniger den Forderungen, welche im Interesse der Gesamm'hrtt gest llt find, nicht entsprechen. Die Weidenbach' sche Werkstatt delressend, gab Herr Lenz die Erklärung ab, daß, wie die Lohnkommisston fich durch genaue Information überzeugt habe, Alles, was in der Sonnlags-Verjammlung von einem Kollegen zu Ungunsten dieser Wakftalt ausgesagt worden sei, auf Unwahrheit beruhe. Die dann folgenden Debatten über zwei Unlerstützungsgesuche führten zu dem Ergebnisse, daß daS eine dieser Gesuche abgelehnt, daS andere, welches ein Kolleye zu Gunsten eines krank darniederliegenden fiüheren sehr thä- tigen Mitgliedes der Lohnkommi'fion gestellt hatte, durch Be- willigung von 15 Äk. aus der Untelstützungskaffe und durch den Beschluß, Sammlungen in den Werkstätten zu veranstatten, "l�Jm�Fachverein der Schmiede sprach am Montag Abend im VereinSlolal(Gratweil'sche Bierhallen) Herr RegierungS- baumristei Keßler über Unfall Versicherung. Redner behandelte daS Thema in durchaus sachlicher Weise und sprach fich schließ- lich dahin auS, daß dasselbe kotz aller Mängel ein Fortschritt in der Ardctterschuygeseygebung sei. Der als Gast anwesende Herr Tischlermeister M i t a n dagegen war der Meinung, daß der Nachtheil größer denn der Vortheil sei, das hätten die Ar- beiter- Abgeordneten auch eingesehen und deshalb gegen daS Gesetz gestimmt. Herr Drewitz gab den Vortheil der Un- fall-Veificherung gegen das Haftpflichtgesetz in manchen Fällen zu, sprach aber sein Bedauern darüber aus, daß dasselbe nicht für das ganze Schmiedegewerbe eingeführt sei, obgleich kein Handwerker so sehr wie der Schmied, trotz lgrößter Vorfickt (Redner führt mehrere Beispiele an), Unfällen ausgesetzt sei. Herr Mathees berichiete dann über den Streik in Breslau, bei welcher Gelegenheit Herr Drewitz darauf hinwies, an dem Breslauer Streik zu lernen, denn nur durch«ine gute Organisation sei etwas durchzuführen. Alsdann wurden einem in Roth gerathenen Mitglied« 10 Mark bewilligt. Nach Erledigung des Fragetastens machte der Vorsttzend« bekannt, daß die 3. ordentliche Generalversammlung am 13. AprU in demselben Lokale stattfindet. Der Verein zählt bereits 425 Mitglieder, ist also erfreulicher Weise in stetem Wachsm. Der Fachverein der Stellmacher Berlins hielt am Montag, den 30. v. M., eine regelmäßige Versammlung im Vereinslokal, Jnselstraße 10, ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Kassenbericht. 2 Vorstandswahl. 3. Etatutenbe- rathung. 4. Verschiedenes. Der Kassenbericht wurde, nachdem er verlesen- ohne Widerspruch angenommen. Bei der Vor« standSwahl wurden folgende Herren gewählt: Heiver, Eisenbahnstraße 5, 1. Vorsttzender; Graack, Marienburgerstraße 15, 1. Schriftführer; Hering, Kommandantenstr. 11, 1. Kasstrer; Glaubitz, Stelmann und Böhm zu deren Stellvertretern; Tausch, Köhlert und Rockohl zu Revisoren. Bei der Statuten- berathung wurde§ 2 dahin geändert, daß der Arbeitsnachweis unentgelllich stattfindet, wo hingegen früher 25 Pf. dezahlt werden mußten. Bei„Verschiedenes" macht Herr Menzel bekannt, daß am 2. Osterfeiertag, Vorm. 10 Uhr, im Lokal„Deutscher Kaiser", Lothringerstraße, eine öffentliche Generalversammlung der Stellmacher Berlins stattfindet und bittet um rege Bethel- ligung. Am Schluß wurde noch der Antrag des Vorsttzrnden: Der Verein wolle fich dem Rohleder'schen RechtSschuybureau NeubauS, München, als Abonnent anschließen, angenommen. Der Fachveretu der Rohrleger hielt am 29 v. M. eine Versammlung im Lokale der Herren Wolf und Krüger in der Skaiitzerstraßc ab. Herr Dr. Bohn hielt einen Vottrag über die Verhältnisse im Sudan, den dortigen Sklavenhandel, die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen und die Entstehung deS sttzigen Krieges. Die nächste Versammlung findet am 12. Mai statt. Den Mitglieder« deS Vereins der Einsetzer Berlins (Tischler) zur gefälligen Nachricht, daß am Dienstag, den 7. April, Vormittags 10 Uhr, im Vereinslokale, Neue Friedrich» straßc 44, eine General- Versammlung stattfindet. TageS- Ordnung: 1. Kassen- und Revistons- Bericht. 2. Publikation der gestrichenen Mitglieder. 3, Verschiedenes. 4. Fragekasten. Quiltungebuch legitimirt. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich am Platze zu sein. Neue Mitglieder werden vor und nach der Versammlung aufgenommen. WmuisMes. Ei« exzedirender Magnat- Im Bahnhofe der Oester- reichisch-ungarischen Etaatrbahn in Budapest gerieth jüngst, wie das„Budapester Tagblatt" berichtet, ein Passagier mit dem Fiakeiklttscher, welcher ihn zum Bahnhofe geführt hatte, wegen eineS zu wenig gezahlten B-träges in Strett. Polizeikommissar Valla erschien deshalb in dem Wartesalon erster Klaffe, wohin fich der Passagier begeben hatte, und forderte diesen auf, dem Kutscher noch 40 kr. zu geben, da er dieselben rechtmäßig zu fordern habe. Kaum hatte der Kommissar auS- gesprochen, als der Fremde auf ihn losstürzte und ihn miß- handelte. Auf daS JnspektionSzimmer geführt, sagte derselbe, er sei Fürst Anton Palssy. Als der Kommrffar fich hier miß- billigend über das Benehmen des angeblichen Fürsten äußerte' versetzte dieser rhm wiederum zwei wuchtige Ohrfeigen. Der Lärm lockte zwei Herren in daS Jnspekttonszimmer, von welchen der eine ein Abgeordneter war, welcher den von einem so unerklärlichen Wuthanfalle ergriffenen Herrn als den fiebendü-gischen Baron Grza Apor erkannte. Der Polizei- Kommissar nahm nun ein Protokoll über die Angelegenheit auf und ließ dann den Baron frei. Baron Apor ist Oberhaus- Mitglied. Eine verlooste Braut. In einer von einer Wittwe ge- haltenen Bierkneipe verkehrten, dem„Kijewl." zufolgt sehr eifrig vier unzertrennliche Freunde„vom Militär", nicht sowohl, weil dort das Bier besonders gut war, sondern weil alle Vier an den Augen der hübschen Tochter der Wirthin Fruer gefangen hatten und nicht abgeneigt waren, das Mädchen als Frau heimzuführen. Um nun ihr kameradschaftliches Ver- hältniß nicht zu trüben, waS unfehlbar geschehen wäre, falls der Eine oder der Andere der vier Freunde fernen Kameraden den Rang abgelaufen hätte, beschlossen fie, den Gegenstand ihrer Liebe unter fich zu verloosen. Es wurden vier Papier- streifen, von denen der eine die verheißenden Worte„mein Gold" Kug, zusammengestellt. Der Glückliche, dem dieses Billet zufiel, machte auch sofort einen HeirathSantrag und wurde akzeptirt. Die drei übrigen Freunde trösteten fich damit, daß fie ihre Theilnahme an der bevor stehende« Hochzeit deS jungen Paares als Schaffer zusagten. Kleine Mittheilungen. KottbuS, 30. März.(Sofialdemokratilche Demonstration.) Gestern Nachmittag hat hier das Begräbniß eines Sozialdemokraten stattgefunden. Zwischen 500 und 600 Parteigenossen. darunter solche aus Spremberq, Forst;c., folgten, alle mit rothen Schleifm oder rothen Blumen im Knopfloche. Auch ein Kranz mit mächtiger rother Schleife wurde im Zuge ge- tragen. Natürlich erregte der eigenartige Zug beveurendes Aufsehen unter den Passanten. Auf dem Friedhofe ange- kommm, legte einer der Wortführer der hiesigen sozialdemo- kratischen Partei mit einigen wenigen Worten den Kranz auf den Sarg, und gleichzeitig begannen die Umstehenden ihre rochen Blumen und Schleifen in da« Grab zu werfen. Von der Polizei waren der Herr Inspektor und ein anderer Bc- amter erschienen; dieselben fanden keinen Anlaß zum Ein- schrritm. Ueber die Gruben-Katastrophe in Dombrau veröffent- licht die Wiener„Presse" nachstehenven amtlichen Bericht deS vom Ackerdauministerium nach Domdrau entsendeten Ober» Bergkommiffärs Zechner: Jedes der beiden mit dem Bettina- Schachte aufgeschlossenen Flötze„Wilhelm" und„Ludwig" hat einen eigenen Wetterstrom; die Adbau-Methode in Strebbau. Die Explofion war ausgedehnt und wurde wahrscheinlich durch Kohlenstaub da die Grube sebr trocken, die Kohle mager und sehr staubig ist, bis zum Füllorte des Förderschachtes fortge- pflanzt. Die Schachte, nämlich der Förderschacht und der Äetterschacht selbst, find nicht befchävigt, ebenso der Ventilator, welcher im Gange blieb. Die Ursache der Explosion war muth- maßlich ein verbotener Eprengschuß im OrtSbetiiede auf der strecke des Ludwig-FlötzeS. Zur Z-it der Explofion warm die Baue auf dem Wilhelm- und Ludwig-Flötze mit 86 Mann belegt; hiervon find, wie durch daS MannschaftSbuch und die Verlesung der Arbetter konstatirt wurde, neunundfünfzig verunglückt. Gerettet wurden fiebenundzwanzig Arbetter, von denm fünf schwer und sechs leicht verletzt find. Die Verletzten werden sämmtlich aufkommen. Bis jeyt find 37 Leichen aus der Grube geschafft worden. Die Verunglückten Hmtcilassen39 Wittwe«, die Anzahl der Waisen wird heute festgestclll; die Gewerk« schaft hat zugesagt, für die Hinterdliebenm in ausgiebiger Weise zu sorgen. Die Beerdigung der bei der Domdrauer Katastrophe Verunglückten fand.einem Telegramm der„Presse" zufolge, am 29. d., unter Therlnahme einer nach vielen Tausenden zählmden Menschenmenge statt. Um 3 Uhr Nachmittags setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Demselben schritten die Kar- miner Bergkapelle und Abtheilungen der uniformirten Berg« knappm sämmtlicher Betriebe voran; dann folgte der Wage« mtt der Leiche deS Oberhäuers Krajner; dahinter schritten der Bezirkshauptmann Kortüm, der Belgkommissar Zechner und die Beamten von sämmtliche« Grubm des Ostrau- Karwiner Reviers: nun kamen die schwarz ausgeschlagen«« Wagen mtt den zwerunddreißig Leichen der verunglückten Bergleute, sämmt- lich in reich geschmücktm Särgen beglritet von den Angehörigen. Bergknappm mit brennenden Grubenlampen bildeten Spalier. Der stundenlange Zug bewegte fich in musterhafter Ordnung langsam nach den Orlauer Friedhöfen, der katholische und der protestantische liegm nebeneinander. Einige Leichen wurden von dm Wohnorten der Verunglückten aus m den benachbarten Dörfern beerdigt. »im« ewe BetUm, krouyetm m Berlin. Druck und Verlag von Mft£ Babing in Berlin SW, Beuthstraße 2. Beilage zum Berliner Voltsblatt. Nr. 78. Der Kampf um die Beit. Zu den Eigenthümlichkeiten, welche das gegenwärtige Zeits alter tennzeichnen, gehört ohne Zweifel die Internationalität. In den legten zwanzig Jabren haben vielleicht mehr internationale Ronferenzen, Rongreffe, Versammlungen und Kom miffionen getagt, Ausstellungen und Feste stattgefuuden, als je zuvor in der Weltgeschichte. Es giebt faum noch ein Ding, welches nicht geeignet erschiene, die Völker zu edlem Wettstreit, zu gemeinsamen Feffeßungen zusammen zu führen. Hier handelt es sich um die Münze und das ihr zu gebende Metall, dort um die Reblaus und ihre Vernichtung, hier ist es der falte Nordpol, doit das heiße Afrika, dessen Eroberung für europäische Kenntniß und Kultur die vereinigten Kräfte ge widmet werden sollen. Auch die Zeiten, in welchen jeder Staat der Erde auf seinem eigenen Fuße lebte, wo englisches und Pariser, preußisches und österreichisches Längen- und Ge wichtsmaß neben einander bergingen, ift nun endgiltig vor über, nachdem auch England als letter, dem alten System treu gebliebener Staat seinen„ ,, Dard" geopfett und das Meter angenommen hat. Man ist gewohnt, John Bull fein Dpfer für nichts brin gen zu sehen, und so verhält es sich auch hier. Der Meridian Don Greenwich, die allgemeine Annahme desselben durch alle Kulturstaaten mit wenigen Ausnahmen ist es gewesen, welche England zum Verzicht auf sein landesübliches Längenmaß bes ftimmte. Nun, uns fann dies gleichgiltig sein; denn die Welt bat in beiden Fällen, namentlich aber durch die Festsetzung eines Nullmeridians und einer Weltzeit unstreitig gewonnen. Als es fich um die Einführung allgemeiner Längen und Gewichtsmaße handelte, war der erfte und wichtigste Punkt die Feststellung der Einheit, die Beantwortung der Frage: welche Einheit des Längenmaßes, welche Einheit des Gewichtsmaßes wählen wir? Diese Frage fällt hier als überflüffig weg. Die Mutter Erde ist bei der Rota ion um ihre Are pünktlich genug, um und in dem Zeitraume eines Tages eine mathematisch genaue, von Jahrhundert zu Jahrhundert sich gleichbleibende Belteinheit| zu verschaffen. Mit dem Tage zugleich find uns die Stunden, Die Minuten und Sekunden ebenfalls gegeben. Alle diese Größen ändern sich durchaus nicht, wenn wir von Dft nach West um die Erde wandern; in Deutschland dauert eine Minute genau ebenso lange, wie in Japan. Was sich aber ändert, das ist der Nullpunkt, das heißt, der Beitmoment, von dem ausgehend wir die Stunden von eins bis vierundzwanzig rechnen. In jedem Augenblicke hat nur ein einziger Erdmeridian genau Mittag, nur ein einziger genau Mitternacht. Alle Drte, welche weiter östlich liegen, haben früher Mittag, früber Mitternacht, bei allen westlicher gelegenen Drten treten Diese Beitpunkte später ein. So hat beispielsweise Paris neun Minuten eber Mittag als Greenwich, und indem man fich einer bildlichen Sprache bedient und die Zeitver hältniffe auf die Ditsverhällnisse überträgt, pflegt man zu fagen: Paris liegt neun Minaten östlich von Greenwich. Man denkt fich also den Erdumfang statt wie gewöhnlich in 360 Grade, bildlich in 24 Stunden getheilt, so daß immer auf einen Erdbogen von 15 Graden eine Stunde tommt und folglich auf den Bogen zwischen Paris und Greenwich, welcher etwas mehr als zwei Grad mist, die oben angegebene Zeit von neun Mi nuten. Zwischen Petersburg und Newport beträgt der Beits unterschied schon fieben Stunden; daher das bekannte Kuriosum jener Depesche, auf deren Kopfe zu lesen ist: Aufgegeben zu Petersburg am 1. Januar 1885, Morgens 5 Uhr ausgefertigt in Newyork am 31. Dezember 1884, Abends 11 Ubr." In Allem, was die nach Jahrzehnten und Jahrhunderten gemessene Beit betrifft, in Allem, was Kultur und Fort chritt angeht, mögen die Newyorker den Petersburgern weit voran sein: in der Tageszeit sind sie gegen diese zurück; fle find Nachtschwärmer und Langschläfer; fieben Stunden später begeben fie fich die gleiche Solidität vorausgesezt zur Ruhe und fteben Stunden später erheben fie fich vom Lager, als die Bewohner der Carenstadt an der Newa; aber freilich, fie haben einen triftigen Entschuldigungsgrund: Die Sonne felbst, die Mutter alles Erdenlebens, fanttionirt dieses ihr Thun und Treiben; fie selbst ist hier fäumiger als dort gen Dften im ruffischen Reich, fie taucht um fieben Stunden verspätet über dem Horizonte der amerikanischen Handelsmetropole empor. Die erste Distuffton über das in Rede stehende Thema Rachbrad verboten.] 132 Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. ( Forserung.) Bon Charlotte? Was will sie von Dir?" " Sie schreibt zwar an mich, aber der Inhalt ist für Dich bestimmt. Dente Dir, Onkel, fie verlangt, die zehn taufend Thaler, die Du ihr garantirt hast." " Ist das Geschöpf wahnsinnig?" Sie hat erfahren, daß Herr Rodenburg die Summen, bie er für uns bestimmt hatte, als Belohnung für unsere ihm geleisteten Dienste, einem Berliner Banquier bereits zur Auszahlung an uns überwiesen hat. Sie weiß, daß für Dich fünftausend, für mich zehntausend Thaler ange wiesen wurden." Was für Dich bestimmt ist, kann Charlotte ganz gleichgiltig sein, es wird ihr nicht unbekannt sein, daß ber alte Robenburg ausdrücklich die Bestimmung getroffen hat, baß nur Du allein dies Geld beim Banquier abheben und ganz nach eigenem Gutdünken darüber verfügen darfft." Dhne Bweifel ist ihr bekannt, daß Dir nur fünf tausend Thaler zugefallen find." Ist es also nicht reiner Wahnsinn, wenn sie von mir zehntausend verlangt?" Sie behauptet einen Revers zu haben." Freilich hat fie einen Revers! Jch gab ihr denselben in der Hoffnung, Erbe des Rodenburg'schen Vermögens zu werden; damit ist's aber nun doch nichts." Sie beruft sich auf eine Klausel in dem Reverse, in welcher es heißt, daß Du ihr die zehntausend Thaler garantirft, gleichviel wie hoch fich Deine Erbschaft belaufen wird verse?" " Steht wirklich eine solche Klausel in dem Res Amberg fragte sich verdrießlich hinter'm Dhr. Freilich, ich habe leichtsinnig und thöricht gehandelt, ihrem Verlangen nachzugeben und diese Klausel einzufügen. Ronnte ich denn benken, daß diese Person einmal darauf fußen wird?.... Ich sage, fie ist wahnsinnig! Wie | Donnerstag den 2. April 1885. fand bri Gelegenheit der legten internationalen geodätischen Konferenz in Rom statt; mt bestimmt formulirten Vorschlägen hervorzutreten, blieb indessen einer ebenfalls internationalen Konferenz vorbehalten, welche im Herbste des vergangenen Jahres eigens zu dem Zwecke der Feststellung des Anfangsmeridians und der Weltzeit( Universalzeit)" auf eine Einla dung der Vereinigten Staaten Regierung in Washington zusammentrat. Freilich haben noch nicht alle Staaten, darunter das wichtige Frankreich, ihre unbedingte Bustimmung gegeben; geht aber erst einmal die Majorität in diesem Sinne thats fräftig vor und England bat schon damit angefangen so wird sich der Rest die Vortheile der Neuerung nicht entgehen laffen. Für Nautit und Geographie, für Eisenbahnwesen und Telearaphie, kurz für Alles, was in direktem und indirektem Zusammenhange mit dem Verkehr steht, find diese Vortheile von nicht zu unterschäßender Bedeutung. Was zunächst den Anfangsmeridian betrifft, so wird mit Recht derjenige der Sternwarte in Greenwich vorgeschlagem und gegenüber den bisher noch neben ihm hergegangenen Meridianen von Ferro und Paris mit der Beit allgemein an genommen werden. Aus unseren Atlanten und Schulbüchern ist der höchst unpraktische Meridian von Ferro jest glüdlich ausgerottet worden; man hat eben erkannt, daß als Ausgangs punkt für die Bählung der Längengrade ein Ort gewählt wer ben müffe, welcher durch seine Lage, durch seine Eigenschaft als einer der großen Mittelpunkte des Verkehrslebens und durch seine Ausrüstung mit egatten und dem neuesten Stande der Wissenschaft entsprechenden aftronomischen Apparaten sich hierzu besonders befähige. In so weit also bestätigte Washington die römischen Beschlüsse; dagegen änderte es dieselben hinsichtlich der Bählung der Längengrade. Während man nämlich in Rom vorgeschla gen hatte, die Längengrade von Greenwich aus in östlicher Richtung bis 360 Gr. zu zählen, beschloß man diesmal, fie nach beiden Seiten zu rechnen, und zwar nach Osten bis+180 Gr., nach Westen bis 180 Gr. Beide Festlegungen haben augenscheinlich augenscheinlich gewiffe Vorzüge und und Mängel. Bählt man von 0 bis 360, so erhalten zwei so nahe bei einander ge legene Drte, wie beispielsweise Dover und Portsmouth, bie toloffal verschiedenen Längenbezeichnungen 1 Gr. und 359 Gr., was gewiß nicht zweckmäßig wäre. Im zweiten Fall muß man vor die Bahl immer noch ein Vorzeichen, nämlich Plus oder Minus segen; die Konferenz hat sich trotzdem für diese Alternative entschieden, indem fte annahm, daß diese Begriffe theils aus dem Karten und Kegelspiel, theils von anderen Anwendungen her, den weitesten Kreisen geläufig find. Jst somit Greenwich der Nullpunkt des Ortes auf Erden, so wird man nach dem Obigen nicht umhin tönnen, es auch zum Nullpunkt der Zeit zu machen. Es fragt fich nur: winn fängt in Greenwich der Tag an? Dem Laten, welcher nur bürgerliche Verhältnisse tennt, wird die Antwort auf diese Frage selbstverständlich erscheinen, denn der bürgerliche Tag fängt eben um Mitternacht an. Da aber die in Nede stebenden Festsetzungen für die Aftronomie ganz wesentlich mitbe stimmt find, so haben die Astronomen auch ein Wörtchen mit zureden, und der astronomische Tag beginnt nicht um Mitter. nacht, sondern um Mittag, nämlich in dem Momente, wo Die Mitte der Sonne durch den Meridian hindurch geht nicht etwa, daß die Astronomen erst um 12 Uhr Mittags aufstünden; im Gegentheil, fte müssen bekannts lich mehr als ihre Kollegen aus anderen Wissenschoften wach entsteht also hier das Dilemma, ob man den Tag von Mittag sein, um bei Tag und Nacht den Himmel zu beobachten. Es zu Mittag oder von Mitternacht zu Mitternacht rechnen soll. Man hat fich für das Lettere entschieden, trop der gewaltigen Umwälzung, welche hierdurch in die aftronomische Wiffenschaft, namentlich in ihre Bücher und Tabellen gebracht wer Den wird. Man wurde dabei offenbar geleitet durch die Ueberzeugung, daß fich das Publikum nicht wohl in die Nothwen digkeit finden würde, mitten am Tage das Datum zu wechseln. Dagegen sprachen durchaus teine Gründe für die höchft will türliche und mit der Dauer von Tag und Nacht ohnedies nicht harmonirende Theilung des Tages in zweimal zwölf Stunden; und so wird man denn, wie dies in der Wissenschaft schon bis, ber, in Jtalien aber sogar auch im bürgerlichen Leben geschah, ber, in Italien aber sogar auch im bürgerlichen Leben geschah, Die Stunden des Welttages von Null bis Vierundzwanzig zu rechnen haben. Es ist nun zu untersuchen, wie sich die so tann fie verlangen, daß ich ihr zehntausend Thaler gebe, wo meine ganze Erbschaft nur die Hälfte beträgt?" ,, Was soll ich ihr antworten?" " Antworte ihr, daß es nicht geht!" Recht." Damit wird sie sich nicht begnügen; fie fußt auf ihr So berufe Dich auf unsere Frenndschaft; beschwöre fie, flebe fie an, daß sie von ihrer Forderung nach läßt." ,, Sie fagt fich los von aller Freundschaft mit uns; sie scheint fogar zu bereuen, jemals in unseren Plänen mitge wirkt zu haben." ,, Es ist entseglich! Es ist haarsträubend!.... Ich fehe ein, ich werde auch dieses Dpfer bringen müssen. Diese Rodenburg'sche Erbschaft wird anstatt ein Segen, ein Fluch für mich sein.. Fünftausend Thaler habe ich erhalten und zehntausend Thaler soll ich der Helferin geben, also fünftausend baar zulegen von meinem eigenen Ber mögen. Es ist um rafend zu werden!" ,, Glaubst Du noch noch immer, daß Du Deinen Bruder beerben wirft?" Ich rechne feft darauf; ich kenne Georgs Gut müthigkeit." " Aber nach dem, was vorgefallen ist?" Nun, was wird vorgefallen sein; irgend ein Ges flatsch, eine Verleumbung hat man gegen mich ausgefprengt, etwas Anberes tann's nicht sein." Weißt Du, was ich darüber gebacht ich darüber gebacht habe, Dntel?" Nun, mein Kluges Mädchen, was hast Du gebacht?" Ich sah einmal einen Geldbrief auf Deinem Bult liegen; Du fandtest ihn an Lifette ab; er trug Lifette's Adresse." ,, Sieh, fieh, wie schlau!" Du brauchst mir ja tein Geheimniß daraus zu machen; ich habe die Sache längst durchschaut." Haft Du wirklich" Nun, Dich zu täuschen ist schwierig Da Du einmal die Geschichte weißt, kann ich Dir auch zugeben, daß das, was man bei II. Jabrgang. beftimmte Weltzeit zur Lokalzeit verhält. Denn darüber da: f man fich teiner Täuschung bgeben, daß die lettere für das interne Leben der Säote, Brovinzen und Staaten nach wie vor die erste Rolle spielen wird. Man finn ur möglich den Moskauern zumuthen, thre Uhren nach Greenwicher Beit zu stellen; daß wäre ein Hohn auf ihren Naturfinn. Anderseits liegt es auf der Hand, welche Un auträglichkeiten die Verschiedenheit der Lokalzeit von dem wiffenschaftlichen Verkehr ganz abgefeben für Eisenbahnen und Telegraphen in desto höherem Maße mit sich bringen muß, je reicher fich der internationale Berkehr entwide t. Beide Beiten werden also neben einander herzugehen haben. Phileas Fogg in Verne's Reise um die Erde glaubte am Montag, für fetne vede zu spät, hetmgekehrt zu fein; er fand aber feine Landsleute bei der Sonntagsfeier. Man steht also, der Frr tbum tann fich sogar bis auf das D.tum erstrecken; und bei Drten, welche sehr weit östlich, also gleichzeitig auch sehr weit weftlich von Greenwich liegen, tann man in Bweifel gerathen, ob es bei ihnen zwölf Stunden später oder zwölf Stunden früher als in Greenwich ist. Es herrschen hierüber vielfach irrige Vorstellungen; das Wahre ist, daß ausschließlich der Gang der Kulturentwicklung entscheidend geworden ist. Die fenigen Orte, zu welchen die Bivilisation von Europa aus auf dem Ostwege gedrungen tft, find gegen Greenwich in der Zeit Doran, haben alfo an threm Nach mittage dasselbe Datum wie Greenwich, am Vors mittage dagegen schon das nächstfolgende Datum. Umgekehrt haben diejenigen Drte, welche durch west lich vordringende Kolonisatoren zivilifirt worden sind, ein Manto gegen die Greenwicher Beit Sie haben Vormittags das Greenwicher Datum, am Nachmittag aber find fie um einen Kalendertag zurüd. Die Unbequemlichkeit der Lokalzeit für das Verkehrswesen hat übrigens die meisten Staaten schon längst veranlaßt, statt der Drtszeit eine gemeinsame Staatszeit einzuführen, welche alle Bahn und Telegraphenuhren angeben. So herrscht auf allen österreichischen Stationen Prager, auf allen franzöftschen Pariser und auf allen englischen Greenwicher Zeit. England ist insofern gut daran, als es fich sehr wenig in westöstlicher Richtung ausdehnt; die größte Beitdifferenz, die da vorkommt, bleibt noch unter einer halben Stunde eine Differenz, welche auch für das bürgerliche Leben faum in Betracht täme, so daß der radikale Vorschlag, die Lokalzeit überhaupt zu fasstren und nur noch nach Weltzeit zu rechnen, in diesem Staate bereits zahlreiche Anhänger hat. Nicht so günstig verhält es fich in anderen Staalen, z. B. im deutschen Reiche. Hier beträgt der Zeitunterschied zwischen Meß und Königsberg nahezu eine Stunde, und der Beitunterschied der legteren Stadt gegen Greenwich fast anderthalb Stunden. Von der Einführung der Weltzeit als bürgerlicher Zeit kann daher hier nicht die Rede sein. Sehr plaufibel erscheint dagegen der folgende Vorschlag. Es wird ein mittlerer Meridian für Deutschland gewählt und dieser zunächst für interne Angelegenheiten zu Grunde gelegt. Um dann diese Staatszeit mit der größtmöglichen Leichtigkeit auf Weltzeit reduziren zu fönnen, hat man nur nöthig, gerade denjenigen Meridian zum Ausgangspunkt der Staatszeit au machen, deffen Beit genau eine Stunde gegen Greenwicher Beit voraus ist, also den 15. Grad östlicher Länge von Greenwich. Dieser Meridian würde etwa durch die Städte Stargard und Görliz hindurchgehen. Will man dann beispielsweise dem in Weltzeit abgefaßten Fahrplane gemäß mit dem um 9 Uhr 43 Minuten von Köln nach Baris abgebenden Buge reisen, so Staatszeit gestellte Taschenuhr 10 Uhr 43 Minuten zeigt. weiß man, daß diefer Abgang stattfindet, wenn die nach Man braucht also die Minuten gar nicht umzurechnen und nur zur Stundenzahl eins hinzuzufügen. Eine jede Uhr gäbe somit fast ohne Weiteres außer der Staatszeit auch die Welt zeit an. In Staaten von noch größerer Ausdehnung würde aber selbst eine einheitliche Staatszeit nicht durchführbar sein, weil dann der Widerspruch zwischen dem Stande der Sonne und dem Stande der Uhr ein unerträglicher sein würde; solche Länder müßten also in Sektionen getheilt werden, deren jede einen Meridian, also eine Sektionszeit für sich hätte; und wenn man hierzu immer gerade jeden fünfzehnten Meridian wählte, so würden die einzelnen Sektionszeiten fich immer blos um ganze Stunden unterscheiden, während die Minuten iden tisch wären. Daß diese Joee keineswegs hypothetisch und unmeinem Bruder wahrscheinlich von mir gesagt hat, richtig ist." Du bist also auch der Meinung, daß die Geschichte mit der Lisette der Gegenstand gewesen sei, um den es fich handelt?" Nichts Anderes!" Sollte das nicht Deinen Bruder gegen Dich ver stimmt haben?" ,, Durchaus nicht! Ich kann Dir zu Deiner Beruhigung sagen, daß Georg längst barum wußte. Nein, nein, auf ihn und sein Testament hat die Geschichte keinen Einfluß gehabt, davon bin ich fest überzeugt.... Nur eins wäre mir unangenehm, wenn Georg oder Räthchen erfahren haben sollten von einer kleinen Täuschung, die ich mir er laubte; das wäre in der That unangenehm, und könnte möglicher Weise auf das Testament von Einfluß gewesen sein." ,, Mir ahnt, Dntel, daß uns auch diese Erbschaft ver loren geht." Bewahre! Ich kenne, wie gesagt, meinen Bruder beffer; indeß zieht sich doch die Geschichte länger hin, als ich bachte. Ich erwartete gleich am Tage nach Deiner Ankunft die Nachricht von seinem Ableben; nun ist schon beinahe eine Woche vergangen, und wir haben immer noch keine Nachricht." Da sehe ich eben den Postboten heraufkommen; vielleicht daß die Nachricht kommt, gerade wo wir davon fprechen Erlaube, daß ich Dir den Brief heraufhole." Sie eilte hinaus und lehrte nach wenigen Minuten mit einem Briefe zurüd. Aus Berlin und Strahlenau's Handschrift," sagte Amberg hatte den Brief schnell geöffnet und er be gann Anfangs laut zu lesen. Emmy. Bald aber zog sich seine Stirn in Falten. Seine Augen blickten halb zornig, halb erschroden auf die Seilen, und er las leise für sich hin, ohne darauf zu achten, daß Emmy sehr gespannt war, den Inhalt des Briefes au er fahren. auZführdar iß, lehit die Thatsache, daß man ste in den Ver- einigten Staatm von Nmdamnika schon seit Jabren verwirk- licht findet. Diese Union ist nämlich in vier Sektionen a«- theilt, entsprechend dem 75., 90,, 105. und 120. Grade westlicher Länge von Greenwich, welche ungefähr durch die Städte ßzhÜadtlphia, St. Louis, Denver in Colorado und Carson Ci:v, die Silberstadt in Nevada, hindurchgehen. Die erste Seklion, welche die östlichen Staatm umfaßt, ist mit ihrer Sektionszeit genau um fünf Stunden gegen die Weltzeit zurück! die zweite(Miffisfippi-Etaaten) um sechs Stunden; die dritte(Zrntra! staatm) um fieben und die vierte(West- staaten) um acht Stunden. Für den Verkehr wie für wissen- sck astliche Zwecke hat fich diese Einrichtung vortrefflich bewährt. „Zu viel und zu wing ist immer a Ding," sagt der Schlefier; und so werden wir auch hier gut thun, uns weder den zurückhaltenden Mahnungen der Skeptiker, noch den für die geschilderten Reuerungm eingenommenen Foitschrittlern völlig zu verschließen, sondern mit besonnenem Eifer uns die Vortyeile der Welt-, Staats- und SektionSzeit zu Nutze zu machen._ Zuf der Fahrt nach dem Kongo. Als wir am Morgen des 16. Februar erwachten, lag der „Carl Woermann"— ich hätte beinahe gesagt„ruhig"— bei Goree sSenegambim) vor Anker; wir hatten eine so starke Brandung, daß kein Boot vom Lande abkommen konnte, auch kein Kanoe, von welchen sonst gleich hunderte die Tampfdoote umschwärmen, ließ fich sehm. Der Kapitän ließ fich von seinen Leuten unter fortwährender Gefahr deS UeberspültwerdenS an das Land setzen, wobei trotz seiner besten Steuerung das Ruder brach. Die Brandung am Strande war haushoch. ES muß eine hohe Welle abgewartet werdm, mit welcher das Fahrzeug auf den Sand geschleudert wird, die Insassen springen herau» und ziehen blitzschnell— meistens wird dies von Kroo-boyS besorgt— daS Boot aufs Trockene, sonst nimmt die zurück- gehende Welle das Boot mit und eS überschlägt fich. Auf diese Weise geschieht meistens die Landung längs der afri- tonischen klüste. Oft, sehr oft wird der Paffagier total naß; schlägt daS Boot um, so ist die Gefahr des Ertrinkens nicht groß, denn die Kroo-boys schwimmen wie die Haifische, tauchen blitzschnell unter und bringen den Passagier auf's Land. Ge- pack und Ladung ist dann größentheilS verloren. So verlor ein junger Deutscher, der an der Küste ansäsfig ist, vor kurzer Zell seine neuen Möbel und Hausgeräthe, die er selbst von Europa mitgebracht hatte, um— da er deiratben wollte— ein neues Haus damit einzurichten. Von seiner ganzen Einrichtung, die er in dem„Leichter", der ihn landen sollte, verstaut hatte, blieb ihm nicht» übrig als die Kleider am Leibe. Goröe ist eine sehr kleine Insel. Die beiden Forts an der Nord- und Südspitze find mit Geschützen großen Kalibers stark armirt. Am Strande steht man eine Reibe Häuser. Die Bc« wohner find, außer den Franzosen, meist Muhamedaner. Schon in aller Frühe promenirten die Schönheiten von Gorst mehr oder weniger unverhüllt am Strande auf und ab und setzten fich bisweilen zum Schrecken unseres württembergischen Milfio- närS in ungenirtester Weise vor unseren Augen an den Strand hin. Da wir, ebenso wie der Dampfer„Lpobo" von Glasgow der hohen See wegen die Ladung nicht löschen konnten, setzten wir 10 Uhr früh unsere Reise nach dem ca vier Seemeilen entfernten, ganz flachen und auf dem Festlande liegenden Rufisque fort und gingen eine halbe Stunde später vor Anker, um hier gleichfalls die für Goree bestimmte Ladung zu löschen. Die Tons-Fracht von Rufisque nach Goise muß dem kleinen Küstensegler mit 10 Franc« bezahlt werden, so daß fich, wenn in Goree nicht gelandet werden kann, die Fracht für diesen Platz sehr erhöht; selbstverständlich trägt der Rheder diese Fr ichtdrsserenz. Rufisque ist mit St. Louis am Senegal durch eine Eisen- bahn verbunden, die den kurzen Weg in zwölf Stunden zu- rückiegt, dabei an allen kleinen Ortschaften anhaltend. Die Neger kennen kein größeres Vergnügen, als von Dakkar über Rufisque nach St. Louis zu fahren und der Neger, sowie die Karawanen- resp. Kameelführer verputzen, wenn ste an die Küste kommen, einen großen Theil ihre» erworbenen Geldes, um Eisendahnfahrten zu machen- Rufisque kann fich seit den letzten Monaten einer Neuheit rühmen, nämlich der Erdflöhe, „Wiggers" genannt, die vom Süden gekommen find- Diese winzig kleinen Thiere bohren stch in die Ferse, Zehe, unter die Arme rc. ein, verkapseln stch, legen Eier in einem erbsengroßen Sack und vermehren fich rasch, alles Fleisch und sogar die Knochen annagend, wobei der Angegriffene die heftigsten Schmerzen leider. Man steht Neger, denen ganze Zehen, oft auch alle Zehen fehlen, von den J'ggers rein weggefressen; wenn man den winzig kleinen Punkt steht, so muß man mtt der Nadel vorfichtig das Thier nebst Eiersack ohne letzteren zu zerreißen, ausheben: platzt der Sack, so kriechen die Thiere aus und find dann tief im Fleische.— Die Europäer lerden sehr unter dieser Plage. Der Jigger kommt von Brafilien und hat seinen Weg via Indien nach Afrika gefunden. „Emrry," sagte er endlich mit hohler Stimme,„ich glaube, nun ist auch jede Hoffnung für uns verloren!" „Das hat mir geahnt." „Mein Himmel! DaS Schicksal sucht mich uaermüdlich heim... Jede Aussicht auf eine Erbschaft verloren— Charlotte besteht auf ihrer unverschämten Forderung— Sanftleben verlangt Belohnung für seine Dienste.... Sie«ollen M'ch Alle mit Gewalt ruiniren.... Es scheint, die Wellen schlagen über meinem Haupte zu» sammen l" Er rannte im Zimmer auf und ab, schlug sich mit der geballten Faust vor die Stirn und klagte bald fich selbst, bald sein böses Geschick, bald seine Feinde, bald eine Freunde an. Zwölfte» Kapitel. Emmy überließ glücklicher Weis« ihren Onkel nicht all» zulange seiner Verzweiflung.' „Onkel," sagte sie zu ihm, indem sie schmeichelnd seine Hand ergriff.„Du thust mir von ganzem Herzen leid; aber ist denn Alle» verloren? Hast Du wirklich keine Aussicht zu erben?... Sagtest Du nicht selbst. Du kennst Georg'« Gutmüthigkeit und die Uneigennützigkeit Deiner Schwägerin? Sollte Dein Bruder dadurch, daß er etwa« für DichKom- promittirende» erfahren hat, fich wirklich abhalten lassen, Dich zum Miterben seine» Vermögen« einzusetzen?" „Du hast recht, Emmy! Zu unserem Glück lebt er noch; gleich morgen reise ich ab und versuche, Alle» wieder in's alte Geleise zu bringen..... Daß ich darauf nicht gleich kam! Du bist doch ein kluge» Mädchen und»irst einmal eine vortreffliche Beratherin Deine» zukünftigen Mannes sein, Emmy." Emmy seufzte bei der Erwähnung ihre» zukünftigen Manne». „Lieber Onkel," sagte sie,„wir sind Beide zum Unglück geboren und haben unablässig mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen, ich nicht weniger a!« Du." „Ich weiß schon, wa» Du sagen willst. Emmy. Ja, e« ist wahr, mein Kind, Du hast in der Liebe eben so wenig Glück, wie ich in meinen Erbschaftsplänen..... RufiSque wird vom Dezember bis Mai fortwährend von KameelkarawaniU besucht, die in diesem Zeiträume ungefähr 5000 Tons ArachideS oder Erdnüsse zur Oelbereitung bringen. Dieselben gehen nach Marseille und Bordeaux. Die Kameel- oder richtiger Dromedar- Karawanen zählen 200 biS 400 Ka« meele und es kommen in den 6 Monaten biS zu 4000 Ka- meele nach RufiSque, außerdem ca- 20000 Esel und eine noch größere Menge ganz kleiner Ockfen— etwa so groß wie unsere Kälber— die auf der Nase ein ziemlich auSqewach« senei Horn tragen. Ein Dromedar träqt 2—300, ein Esel 100 bis 150, ein Ochse 150—200 Kilo in Säcken auf dem Rücken; viele bleiben unterwegs liegen und Fahrzeug und Ladung find verloren; die Kameeltreiber rekrutiren stch auS allen möglichen Stämmen deS Inneren und eS werden hier 20 verschiedene Sprachen gesprochen; die Verschiedenheit der Trachten ist eine außerordentliche und sehr interessant- Die Neger selbst sprechen die„Jolof"«Sprache. Ich gebe obige Z-ffern, wie ste mir von einem in Rufisque ansäsfigen Franzosen mitgetheilt worden find. In RufiSqne befinden fich ungefähr 20 Handelshäuser, auch find in einigen Häusem Deutsche. DaS Klima ist nicht schlecht, die Häuser liegen unmittelbar an der See und Nacht« kommen stets kühle Wmde. Es wäre hier noch viel Platz für unternehmende deutsche Kaufleute, denn der Handel nimmt von Jahr zu Jahr zu und wo wir Deutsche mit Franzosen zu kon- kurriren haben, tragen wir mit der Zeit steti den Sieg davon, namentlich im Verkehre mit den Eingeborenen, die den Eng- länver, Schotten und Deutschen dem Südländer vorziehen. Ein ziemlich bedeutender Exportartikel find ausaestopfte und lebende Vögel. AuSgestopfie Bälge gehen für Millionen von Franks nach Paris. An buntfarbigen Vögeln, deren Bälge ott biS zu Fr- 109 das Stück bezahlt werden, giebt eS allein 17 verschiedene werthvolle Arten. Von den Bengalis, kleinen buntfarbigen Senegalvögeln werden veinahe mit jedem franzö- fischen Schiffe 5—6000 Slück nach Europa tranSportirt und daS Minimum str d 10 solche Sendungen ver Jahr; der Araber erhält 40—50 Centimes pro Paar in Waare; der EngroS- Preis in Marseille und Bordeaux ist dagegen Fr. 1—1.50 pro Paar, also kein schlechtes Geschäft. Die Threre werden in großen Netzen gefangen.(Franks. Ztg.) Dotitiscke Uebersirdt. AuS Bielefeld. Wie die Bielefelder Zeitung„Der Wächter" verfichert, ist die Rube in Bielefeld völlig wieder» hergestellt. Es ist bis zum gestrigen Tage keine Unordnung und in Folge dessen keine Verhaftung mehr vorgekommen, so daß das Stadtkommando fich veranlaßt gesehen hat, die Polizei- stunde für die öffentlichen Wirthschaften von 9—10 Uhr AbenvS binauSzurücken. Man erwartet unter diesen Umständen all- stündlich die Aufbebung des Belagerungszustandes. Die Nachricht der„Frankf. Ztg.", daß in der vom Streik betroffenen Fabrik Arbeiter aus der Kolonie„WilhelmSdorf" eingestellt worden seien, wird vom Vorstande des Bielefeider Metall- arbeiter-FachvereinS für durchaus unbegründet erklärt. Aus dem oben zitirten Blatte ist erfichtlick, daß daS„falsche Ge- rücht" wirküch im Umlauf gewesen ist und„zu allerhand be« dauerlichen Aergernissen Anlaß gegeben, sowie in Ardeiterkreisen Erbitterung hervorgerufen" hat. Daß die streikenden Arbeiter selbst fich von den Exzessen ferngehalten haben, wird allseitig bestätigt. Auf Grund des Sozialistengesetze« find das in der schweizerischen Genossenlchafts-Druckcrei Hottingen-Zürich her- gestellte Flugblatt:„Zur Biimarck-Feier" und die nichtperiodische Druckschrift„August Reinsdorf und Propaganda der That" von Johann Most, verboten worden. Frankreich. DaS neue Kabinet Freycinet ist noch immer nicht fertig, e» liegt nicht daran, daß keine Bewerber für die Ministersessel zu finden find, sondern daran, daß jede Partei der französtschen Kammer ihre Führer alS Minister sehen möchte. Ein heutige« Telegramm meldet folgendes: Das Ministerium ist noch nicht gebildet. Freycinet war gestern Abend um 11 Uhr im Elysäe und berichtete Jules Ferry über die Schwierigkeiten ein neues Kabinet zu bilden. Er versprach eine definitive Antwort für heute Abend. Die Schwierigkeiten bestehen in den Prätentionen der bisherigen Ministeriellen. Die Radikalen protestiren gegen da» Bleiben irgend welcher Mitglieder dei Kabinet» Ferry. Gestern Abend war Paris wieder sehr aufgeregt, an der Abend- börse erfolgte eine neue Baisse in Folge deS noch nicht bestätigten Gerüchte?, die Brigade Giovaninelli sei in Tuyen- Quan eingeschlossen. Die Mittheilungen der Morgendiätter über die Absicht Greoys, ein Geschäftsministerium zu bilden, find bisher unbegründet-— Die Katzbalgerei ist also im besten Gange. Dänemark. DaS dänische Ministerium hat fich gründlich festgefahren, der erste April ist da, mit chm das neue EtatSjahr, aber kein bewilligtes Budget. In den letzten Tagen haben im Folkething noch mehrfach Verhandlungen staltgefunven, um ein proviso- risches Budget zu erzielen, doch ohne Erfolg. Ein Telegramm Denkst Du, ich habe nicht bemerkt, daß Du damals tiefen Kummer empfandest, al» der Doktor Rodenburg in Feldau anwesend war?" „Den Doktor Rodenburg hätte ich vielleicht geliebt," sagte Emmy,„ich bin überzeugt, daß er die Liebe jede» Mädchen« verdient. Wa« mich aber damals schmerzte, war nicht seine Kälte, sondern seine offene Verachtung gegen «ich..... Weißt Du, Onkel, daß ich damals aufrichtig bereute, die Rolle in Feldau übernommen zu haben, die Du mir dort aufgetragen hattest, und ernstlich da« Ge« lübde ablegte, mich zu einer ähnlichen Rolle niemal« wieder herzugeben?" „Wenn da» der Fall wäre, so würde ich ja die treueste Helferin verlieren." „Ein Unrecht werde ich nicht wieder begehen, wie da» mal«. Die Jntriguen, welche wir gegen die Rodenburg'schen Erben spannen, Onkel, bereue ich von ganzem Herzen.... Ich begleitete Dich nach Berlin und blieb als Pflegerin bei Deinem Bruder mit dem festen Vorsatz, dort zu einem Betrug, einer Täuschung, einem Unrecht meine Hand nicht zu leihen— und ich Hob'S auch nicht gethan. Ich be» trachte e» als ein« gerechte Strafe für meine früher« Handlungsweise, daß man mich dort fast au« dem Hause wie«." „Mir scheint, Du hast den Abscheu, irgend eine That zu begehen, die nach Deiner Ansicht ein Unrecht ist, erst seit der Zeit empfunden, da der hübsche Assessor Wohlfahrt sich so sichtlich um Deine Gunst bemühte." Emmy erröthete. „Weil ich Dich lieb habe, Onkel, und au» Liebe zu Dir Manches gethan habe, wa» sich mit einem guten Ge» wissen nicht verträgt, glaubst Du, daß ich auf die Stimme de« Gewissens nicht mehr hörte?" „Daß Du mich lieb hast, da» weiß ich; ich bin davon Überzeugt, und c« freut mich, daß Du e« mir aussprichst. Du wirst hoffentlich nicht« dawider haben, mir auch Deine Liebe durch die That zu beweisen." „Wenn'« keine That ist, die fich mit meinem Vorsatz, keine strafbare Handlung mehr zu begehen, verträgt." „O nein, wa» ich von Dir verlange, erfordert nicht», meldet Über die letzten Verhandlungen folgende«:„In der Budaetangelegenhett war von der Regierung die Bewilligung von 9 Millionen beantragt worden. Um der Linken entgegen zu kommen, erklärte stch die Rechte bereit, 4'/, Millionen zu bewilligen. Dieser Betrag wurde von dem gemeinsamm AuS- schuß auf 3 Millionen reduzirt. Die Rechte wünschte die Antwort noch NachtS, die Linke unterbrach indessen jede weitere Ditlusfion und sprengte damtt die Sitzungen des Ausschusses. In Folge dessen ist für da« neue EtatSjahr lein Finanzgesetz vorhanden." Dies Telegramm vertritt augenscheinlich dm Standpunkt der Regierung, stellt aber— und daS ist die Hauptsache— fest, daß der dänische Staat heute kein Gesetz hat, auf Grund dessen die Regierung die geringste Zahlung leisten kann. Kopenhagen. Der Reichstag ist mit einer Botschaft ves Königs geschloffm worden. Im Folkething wurde noch vor dem Verlesm der Botschaft eine Proklamation der Linken an das dänische Volk verlesen, die Linke verließ darauf den Sitzungssaal. Auch im Landtthing fehlte die Linke, als die Botschaft verlesm wurde. Egypten.� ' Die Nachricht, daß Osman Digwa einen Parlamentär in das englische Lager gesendet habe, um fich nach dm Frieder!»« dedingungen zu erkundigen, stellt stch als gänzlich unbegründet heraus.(Ur sere gestrige Vermuthung hat fich also vollkommm bettätigt.) Die auigesmdetm Kundschafter berichten, der Feind habe die Dörfer in der Nähe von HaSheen und Tamm ge- räumt. ES soll durch Kavallerie eine Rekognoszirung nach Tamai hin ausgeführt werden, bis daS Ergebniß dieser Rekog- noSzirung vorliegt, wird der allgemeine Vormarsch ststirt.— Einer späteren Meldung zufolge unternahm die Kavallerie die RekognoSzirung gegen Tamai und fand den Ort von einer zahlreichm feindlichen Streitmacht besetzt. Der allgemeine Vor- marsch auf Tamai wird morgen bei Tagesanbruch beginnen. Amerika. Ein Telegramm des Präfidenten von Nicaragua lagt, er marschtre heute mtt den vereinigten Streitkräften der R'publi» ken Nicaragua und Costarica nach Honduras, um die Truppen von Honduras an einer Vereinigung mtt dem Präsidenten Barrioi von Guatemala zu hindern, der gestern in den Staat San Salvador eingerückt ist.— Eine Depesche au» Mexcko bringt die Nachricht, daß ein Kampf zwischen dm Truppm Guatemalas und San EalvadorS stattgefunden habe, bei welchem die Truppm Guatemalas zurückgeworfen wurden. D o k» l e s. Für die Hinterbliebene« der unglückliche« Opfer de« Camphansenschacht ssnd UNS femer zugegangen von dm Ardeitern der Weimann'schen Möbelfabrik 18 Mk. 80 Pfg._ er.„Der Geist der Berliner SalonS"— so betitelt fich in der„Deutschen Revue" ein Brief, den ein kundiger, routinirter Weltmann an einen jüngeren, unerfahrmerm Freund richtet. Es dürfte unseren Lesern vielleicht nicht ganz unan- genehm sein, auch einmal einen Blick in die häuslichen Ver- hältniffe jmer„oberen Zehntausend" zu werfen, die für ge« wöhnlich mit eifersüchtiger Sorgfalt den Blicken Profaner ent- zogen werden.— Von Natur hat der einfache Mann, die ein- fache Frau wohl die Meinung, daß diejenigen Leute, die mtt dm Gütern einer sorgfältigen Erziehung, einer freien, sorgen- losm Existenz ausgerüstet find, dem, der dieie Sachen entbehtt, in jeder Beziehung in der Ausübung aller Tugendm mit gutem Beispiele vorangeben müßten. WaS hört man nicht alle Tage, an allen Orten, in allen Tonarten, von den pirpigstrn Tönen eines frömmelnden Jammers bis zu dem brummenden Bierbaß stttlicher Entrüstung. Über die Verwilderung des„VolkeS" predigen. Die Ehe, das Familienleben geht zu Grunde, da«„gewöhnliche" Volk geht unter im Pfühle der Sünde, und waS dergleichen trostreiche Anfichten mehr find. Es ist ja richtig, daß Manches im menschlichen Leben vorkommt, was nicht pasfiren müßte, aber, wenn man der Sache richtig auf den Grund geht, so find fast immer äubcre Verhältnisse an Zerwürfnissen schuld, welche das Leben in der Ehe unerträglich und diese schließlich selbst un» möglich machen. Allerdings, wer die Sache nicht kennt, sagt wohl: der rohe Mann oder die lüderliche Frau, und die Welt giebt stch fast niemals Rechenschaft von ihrem eigenen Urtheil. Gewöhnliche Leute gehen auseinander, wenn ste die Heber« zeugung gewonnen haben, daß fie nach den Eigenschaften ihrer Herzen und Charaktere nicht zu einander passen— andere Leute machen das aber anders. Lassen wir einmal den weltmännischen Verfasser de» obengenanntm Briefes selbst reden, der uns u. A. auch den Typus eines SalonS der Geburts. Aristo- krati« vorführt.„Die verheirachete Frau", so wird auch für den Laien recht interessant aus der Schule geplaudert,„spielt j« diesem Salon die rgauptrolle, und e« versteht ficL von selbst, daß man ihr vre Kour macht. Sie kommt ja eben nur hierher, um stch die Kour machen zu lasten, und ihr Mann al« ein kleine» Opfer D-inerseit». Dir stehen die zehntausend Thaler vom Onkel Rodenburg beim Banquier zur Verfügung, mein Kind. Du weißt, in welcher Kalamttät ich mich be- sinde; ich«erde von allen Seiten gedrängt; ich muß mein eigene« kleine« Vermögen zusetzen, statt etwa» gewonnen zu haben. Wie wäre eS, wenn Du mir Deinen Erbschafts» antheil abträtest? Ich könnte dann Charlotte und Sanft- leben gerecht werden und ich würde diese Peiniger loS" aWa' Dn,"f»•« „Warum geht das nicht?" „Ich habe bereit« darüber verfügt!" „Du?" fetzung, Onkel, daß Deme gegen mich so oft bewiesine Güte nur kern Hwdernrß bereiten würde, habe ich da« Geld bereit» abgehoben. Wilhelm Wohlfahrt weiß darum, und ihm habe ich bereit« die DiSpofition übergeben." „Wa«? Dem verrückten Assessor I" »Onkel, es ist ein Mißgesch.ck. wa« ihn heimgesucht hat. Die fixe Idee, die sich seiner bemächtigt hat, ist ein Unglück, da» fich hoffentlich noch abwenden läßt. Ich liebe ihn darum nicht weniger, und er hat da« heilige Versprechen meiner Hand. Ich befitze ja Mittel genug, ihm jede Kur ange» deihen zu lassen, und ich habe ihm auch die Mittel zur Ver» fügung gestellt, um sich in eine Anstalt zu begeben, wo er Heilung finden wird, wenn e« Heilung für ihn giebt." „Ich bin starr vor Erstaunen, Emmy, da« Alles zu hören." »Ich habe e» Dir nicht gesagt, um Dich durch die fteudtge Nachricht zu überraschen, daß er geheilt ist und w,r verlobt find. Er befindet M gegenwärtig in Be» the«da." „Um Himmel, willen, Emmy, Du hast da» Geld zu der theuren Reise und zur Verpflegung ia dieser theuren Anstalt gegeben, auf die unsichere Aussicht hin, daß er ein» mal geherlt wird und Dich heirathet?" „Wird er nicht geheilt, so habe ich dem Manne, de» : nbtt dai gan, natürlich, wie st« eS wiederum als selbstver- ständlich cmfiekl. daß auch er seinen kleinen Neigunam die Züael schießen läßt. E» ist durcbauS nicht»chic*, in dem Rufe zu stehen, eine glückliche Ehe zu führen, man wird langweilig dadurch-(!) Di« Hausstau selbst geht darin mit gutem Beispiel voran. Sie behandelt ihren Mann alt einen guten Kameraden, dem fie erlaubt, ihre enormen Schneider« Rechnungen zu bezahlen; fie ruft ihn gelegentlich herbei, um rhm einen Austrag zu geben, und erwartet von ihm, daß er stch nicht in ihre kleinen Keundschaftsverhältniffe einmischt. Uebrigens hat er im Laufe der Jahre die Gewohnheit angenommen, blind und taub zu sein" Das ist doch wirklich nicht Übel, allerdings, wenn man fich in diesen Saloni biS zu einem solchen Grave der„Tote- ranz" herabwürdigt, so ist eS kein Wunder, daß in jenen Kreisen sogenannte Ekandalaffaircn ziemlich selten find. Es muß doch wohl aber so sein, denn sonst würde man in der„Deutschen R-vue" wohl schwerlich mit so cynischer Offenheit von diesen Verhältniffen sprechen. Doch hören wir den intereffanten Er- zähler weiter. Er fährt an anderer Stelle fort:„Sie fragen mich vielleicht befremdet, ob denn die geistigen Jntereffen in diesem Salon aar keine Vertretung finden? Ich entschuldige Ihre naiv« Frage mit Ihrer Unkcnntniß der Ver- Hältnisse. Laffen Sie eS fich ein für allemal gesagt sein, daß es entschieden mauvar« genre ist, über Kunst und Litteralur zu sprechen, oder gar emige Kenntniffe über die Fortschritte der modernen Wissenschaft zu verrathcn.— Sie berühren eineS dieser Themata,— man starrt Die bestemdet an, lacht ein wenig, zuckt die Achseln und geht endlich über Die hinweg zur Tagesordnung, d. h. zu irgend einer bekannten Skandal- geschichte über. Sie haben fich einfach lächerlich gemacht. Selbst das Theater kommt nur insofern in Betracht, als die Persönlichkeiten der Schauspieler und Schau- splclerinnen im Spiel find. Eine tiefere Beleuchtung oder ein- gehendere Kritik eines guten Stückes wiffen Sie nicht. Höchstens dürfen Sie, wenn einmal eine Pause entsteht, die Frage hin- werfen:„Haben Sie„Die Sorglosen" bei Wallner gesehen?" und die HauSstau wird Jhn.n antworten:„Donnerwetter! ja, dai ist wieder mal ein schneidige« Stück.".... Wie zart fich doch eine solche Dame vom Stande auszudrücken versteht! DaS find die reinen Jugenderinnerungen vom Exerzierplatz her, trotzdem scheint ei aber auch für eine Dame„chic" zu sein. Wie man steht, ist durchaus nicht Alles Gold, wai glänzt, und unter einem hochnäsigen Aeußern kann recht wohl ein recht fauler Kern stecken. Wir haben auch durchaus nichts gegen die Etgenthümlichkeiten solcher Leute einzuwenden, nur müßten fie endlich einmal aufhören, fich al« etwa« Anderes zu betrachten, als ganz gewöhnliche Menschenkinder. g Die rothe» städtischen Sprengwagen, diese un. trüglichen Anzeichen deS lang ersehnten FrühlingSwetlerS, haben gestern ihre Thätigkeit begonnen. Die letzren trockenen Tage hatten bereit« eine Menge Staub auf den Straßen er- zeugt, welcher in Folge des herrschenden Windei die Passanten nicht wenig belästigte. Die Sprengwagen haben nun rechtzeitige Abhilfe geschaffen. Auf sämmtliche« Pferdebahnlinie« verltu« gelangten im Monat Februar d. I. im Ganzen 121 Betriebsstörungen und 9 Unglücksfälle zur polizeilichen Kenntniß und Untersuchung. Von den Betriebsstörungen wurden 1 durch Zusammenstoß von Pferdedahnwaggoni unter einander, 77 durch Zusammen- stöß« von Pferdedahnwaggoni mst Straßmfubrwerken und 43 durch andere Umstände veranlaßt. Bei den Zusammenstößen wurden 79 Pfrrdebahnwaggons und 38 Straßen fuhrwerke de- schädigt. Zwei Zusammenstöße wurden durch Verschulden von Pferdebabnkutschern, 43 durch Verschulden von Prioatiutschern und 33 durch andere Umstände herbeigeführt Von den Un« glückssällen entstanden 5 beim Auf- oder Abspringen von den Hinterperrons, 1 beim Besteigen de? Vorderperrons, 1 durch Fall vom Perron und 2 durch Ueberfahrcn. Unter dm Ver- unglückten befanden fich 7 Fahrgäste und 2 andere Personen. — 8 Unglücksfälle entstanden durch eigene Unvorfichtigkcit und 1 Unglücksfall hatte eine andere Veranlassung � g. 3« einem Krawall zwischen Publikum und einigen Lchntzleuten kam«S vorgestern Abend an der Schloßfrecheit bei der Schloßdrück«, als der Schloßplatz von dem Bismarck- festzug geräumt wurde und das Publikem nun den obgewerr tm Strußendamm betreten wollte. Lange wogten die Menschen massen hin und her bis eS doch dm verzweifelten Anstrengungen von Fuß- und berittenen Schutzleuten gelang, der Situation Herr zu werden. Manche Personen hatten fich förmlich die Kleider vom Leibe gerissen und gelobten fich, niemals wieder in eine derartige Gefahr fich zu begeben. X. Kirchhofischänder treiben seit einiger Zeit auf dem alten Kirchhof in unserem Nachbarorte Rixdorf ihr Unwesen. In frecher Weise haben Diebe von dortigen Erbbegräbnissen in der Nacht vom Dimstaa zu Mittwoch werthvolle Rosen- stämme gestohlen. Leider sehst von den Dieben bisher noch jede Spur. a. Mubruch. Gestern Abend zwischen 6 und 9'/« Uhr find in die Elsasserstiaße 83 Hof, im Seitenflügel, 1 Treppe Hoch belegene Wohnung de« Klempnermeisters Sch. Diebe ich schon seit langer Zeit lrebe— viel länger al« Du denkst, Onkel— ich war noch ein Kind, al« er sein erste« Examen machte und zuweilen in unser Hau« kam, ihm, den ich schon seit jener Zeit liebe, und von dem ich weiß, daß er mich trotz Allem wa« vorgefallen, und trotz de« Leumunds— Du nimmst mir'« nicht Übel, Onkel— in den Du bei vielen Leuten stehst, aufrichtig liebt, emen Beweis der Auf- richtißkeit meiner Liebe gegeben, und ihm bringt ich das kleine Opfer gern." „Das kleine Opfer? E« kann Dein ganzes Vermögen kosten I" »Ich will nur hoffm, daß mein Vermögen ausreicht In Betheida findet er einen Arzt, zu dem ich unbedingte» Vertrauen habe, einen Arzt, der schon Vielen, die auf Ge- nesung nicht mehr hoffen dursten, die Gesundheit wieder- gegeben hat— Fritz Rodenburg. Bis jetzt habe ich noch keine Nachricht von ihm, ich erwarte aber dieselbe jeden Tag." „Emmy. Kind, mmm Vernunft an I Es ist ein jugend licher Leichtsinn von Dir, daß Du Dein ganzes Vermögen hinziehst für einen so zweifelhaften Erfolg; nur fünf« tausend Thaler gieb mir, fie genügen mir vorläufig, um wenigstens den Revers einlösen zu können, welchen ich Charlotte gab." „Wie gesagt, Onkel, ich Hab« die Disposition über meine Erbschaft, die mir ohnehin wie ein Sündengeld er- scheint, Wilhelm übertragen." „Undankbare! Leichtsinnige! Ich verstoße Dich! Ich «eise Dich aut meinem Haus«! Ich sage mich lo» von schrie Amberg wüthend,„wenn Du nicht dies« Ver- fugung über da« Geld rückgängig machst." Emmtz zuckte die Achseln. .«Ich würde eft sedr beklagen, Onkel, von Dir ver- stoßen und für undankbar gehalten zu werden. Ich weiß, daß ich Du zu Dank vetpflichiet bin, und ich denke auch, ich habe Dir bewiesen, daß ich Dich lieb habe Tochter ihren Vater— das aber kannst Du nicht verlangen, daß ich meiner Liebe entsage, und daß ich unterlaffe, da« Geld, was »ch durch ein Unrecht erworben habe, zum Heile Anderer mittelst Nachschlüssels oder Dietrichs durch drei verschlossen ge- rvesene Thülen eingedrungen und haben daraus Wtrthpapier« und Golvsachen im Werthe von 1739 Mark entwendet, welch« im verschlossenen WSichespind verwahrt gewesen waren. Die Werthpapiere bestanden au« 4 Stück Berlin-DreSdener Eisen- dahn-Stammalti-n zu 100 M(, Nr. 28,924, 28,925, 29,456-7; «rner aus 2 Stück 4'/, prozentigt Stettin er National-tzypo- Helen Pfandbriefe zu 600 resp. 300 Mk. Unter den gestohlenen Goldsachen befinden stch ein Trauring gez. C. B. 1875, eine goldene Damen- Remontoir- Uhr, ein Medaillon, Brochc mit Bommel, besetzt mit rothen und weißen Perlen. Die Familie befand fich während der angegebenen Zeit in dem im Vorder« bause belegenen Geschäftsladen, und die Wohnung war ohne Aufstcht. Der resp. die Diebe find noch nicht ermittelt. a. Unglücksfall. Ein drei und ein halbes Jahr alter Knabe, Sohn des Schneidermeisters Fuchs am Grünen Weg, soielte am 23. v. Mts., auf einem Stuhl fitzend, mit seinen Geschwistern und versuchte, seinem Bruder ein Spielzeug auS der Hand zu reißen. Hierbei stürzte das Kind rückling« vom Stuhl auf den Fußboden und zog stch einen Schädelbruch zu, an welchem das Kind vorgestern verstarb. N. Wegen des Verdachtes, einem Kaufmann H. aus Berlin 550 ist. entwendet zu haben, wurden bekanntlich seiner Zeit 3 Personen in Rixdorf verhaftet. Während zwii der Ver- hafielen bald wieder in Freiheit gesetzt wurden, blieb die dritte Person in Untersuchungshaft. Auf Grund der seilen« deS Untersuchungsrichters Herrn Asch- in Rixdorf vor Kurzem hier vorgenommenen Untersuchung ist nunmehr auch die dritte Person auS der Hast entlassen worden. N. von einem äußerst heftigen Krampfanfall wurde gestern Nachmittag ein zrrka 12jähitgeS Mädchen am DönhofS- platz befallen. Der Anfall war von einer derartigen Heftig- keit, daß das Kind in die Portierloge des Abgeordnetenhauses geschafft und dort in ärztliche Behandlung gegeben werden mußte. Erst nach längerer Zeit gelang eS, das Kind soweit zum Bewußtsein zurückzubringen, daß es die Wohnung seiner Eltern angeben und so nach Hause geschafft werden konnte. N- Eine Wasserleiche wurde g-stern früh im Berliner EchiffaHrtSkanal an« Ufer geschwemmt und von dort mit ihren Kähnen vor Anker liegenden Schiffern anS Land gezogen. In der Leiche wurde ein seit voriger Woche spurlos verschwun- dener, am Kottbuser Damm wohnender Arbeiter P. rekognoS- zirt, welcher seit längerer Zeit an GeisteSgeftörtheit gelitten und in seinem krankhaften Zustande steiwillig den Tod im Wasser gesucht haben dürste. N. In selbstmörderischer Absicht stürzte fich gestern früh eine ca. 50jährtge anscheinend den besseren Ständen angedörige Frau von der Kottbuser Brücke in den Landwehrkanal. Passanten, die den Selbstmordversuch mit angeschen hatten, veranlaßt«» mehrere dort mit ihren Kähnen vor Anker liegende Schiffer, zur Rettung herbeizueilen und gelang es diesen, die Lebensmüde, wenn auch bewußtlos, so doch noch lebend anS Land zu schaffen. Die Lebensmüde, die später als eine Wittwe Brehmer relognotzirt, wurde auf Anordnung der Revier- Polizei mittelst K ankenwagen nach der königlichen Charsts , olizei-Bericht. In der Nacht zum 31. v. M. erhängte stch erne Frau in ihrer in der Lindenstraße belegenen Wohnung. Die Leiche wurde nach dem Odduktionshause geschafft— Am 31. v. M, Vormittag«, sprang eine Frau auS dem Feister ihrer in der Manteuffelstcaße 2 Tr. hoch belegenen Wohnung auf den Hof hinab und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß fie nach Bethanien gebracht werden mußte.— An demselben Tage Mittags wurde ein 9 Jahre alter Knabe in der Fürstenbelgtlstiaße von einem Fuhrwerk überfahren und erlitt dabei einen Bruch des rechten FußeS.— Am Nachmittage desselben Tages verunglückte auf dieselbe Weise ein 5 Jahre aller Knabe rn der unbenannten Straße am Schlestschen Bahn- Hofe, indem er von einem Ardeitsfuhrwerk überfahren wurde und einen doppelten Bruch de« linien Unterschenkel« erlitt.—' Zu derselben Zeit glitt der Kutscher Klar in der Fennstraße während der Fahrt von seinem Wagen, wurde überfahren und erlitt eine so starke Quetschung des linken Fußes, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde ver Kurscher Fitzner in ver Frievrichstraße von einer Droschke überfahren und erlitt dabei einen Bruch deS rechten Fußgelenks, sowie Kontusionen im Geficht, an der linken Schulter und am linken Kniegelenk. Gerirbts-Rettung» Prozeß Hirsch. Die umfangreiche Beweisaufnahme fiel besonder» für den Angeklagten Hirsch höchst ungünstig aus, er hat bei seinen Häuserkäufen die Verkäufer mit völlig werlhlosen vypotheken furchtbar„hineingelegt". Der Staatsanwalt Assessor Meyer, leitete sein Plaivoyer mit der Bemerkung ein, daß oer Angeklagte Hirsch ein Hochstabler der allergefährlichsten Sott« sei, der e« vermöge seine« weltmännischen, gewandten Benehmens und durch eine auf erborgtem Glänze beruhende Lebensweise verstanden habe, das Vertrauen einer großen An- zahl Personen fich zu erwerben, um dasselbe in der schmäh- zu verwenden, damit e« nicht mir selbst zum Unheil gereicht ... Et ist ein Sündengeld I „Schweige mir von Deinen GewiffeoSskrupeln. E» handelt sich hier um meine Existenz. Du bist undankbar. Du verdienst nicht, daß ich Dich wie eine Tochter geliebt habe." „Ich bin nicht undankbar, Onkel, und wenn e« nicht Wilhelm'« we�en geschähe, ich würde Dir dai Geld nicht vorenthalten; ich würde eS Dir mit Freuden geben." „O, mein Himmel, mit welchen Widerwärtigkeit«» hat man zu kämpftn 1" rief Irnberg, indem er von Neuem mit großen Schritten auf und ab ging, lebhaft gestikulirend wie«in Rasender. E«my blickte ihn eine Weile theilnahmevoll an. „Onkel," sagte sie nach einer Pause,„vielleicht bleibt nach seiner Genesung von dem Gelbe noch so viel übrig, al« Du brauchst." „Du hast e« ihm übergeben, er wird e« nicht heraus- geben... Du mußt Dich ganz und gar von ihm lossagen, überlaß ihn seinem Schicksal«. Er ist verrückt, unheilbar verrückt, sage ich Dir; überlaß ihn den Irrenhäusern oder der Pflege der Semigen, wa« geht's Dich an?. Willst Du Dein Leben ketten an«inen Narren?... Hundert andere und bcffere Parthien stehen Dir in AuSficht; nimm Vernunft an, Mädchen." „Ich würde für die Zeit meine« Leben» unglücklich, Onkel, wenn e» wahr wäre, wa« Du sagst, daß er unheil- bar ist; um so mehr aber würde ich mich für verpflichtet halten, für ihn zu thun wa» in meiner Macht steht." „Den letzten Heller für ihn hingeben?" „Gewiß I" „Um ihn nie wieder zu sehen?" Emmy seufzte. Es klopfte an der Thür. „Wieder eine neue Hiobspost?!" rief Amberg, sich un- willig umsehend.„Es scheint, al» ob heute alle» Unheil zusammenkäme." E» war ein Dienstmädchen, da» den Besuch eine« Herrn anmeldete, der Fräulein Amberg zu sprechen wünsche. lichsten und gewissenlosesten Weise zu mißbrauchm. Er sei ein.Häuserdieb" der mtt seltenem Raffinement und großer Ausdauer s-ine Opfer umgamt und ausgebeutet habe. Sodann jeden einzelnen Fall detatllirend, hält der Staatsanwalt die An- klage gegen Hirsch in allen Puntten auftecht und schließt sein fesselndes Plaidoyer mit dem Antrage, denselben mit einer Gesänqnißstrafe von acht Jahren und zehn Jabrm Ehrverlust ,u belegen. In Betreff der Angeklagten Altschwager und Steinlein hält ver Staatsanwalt eS für erwiesen, daß dieselben bei der Affaire deS Lieutenants v- B. von den unreellen Ad- fichten de« Hirsch Kenntniß gehabt haben und, um die in Au«. ficht gestellte Proviston nicht zu verlieren, denselben wenigsten» durch Stillschweigen unterstützten. Auch die Kriterien der Er- pressung, weichen Delikte» diele beiden Angeklagten«benfall» bezichtigt werden, hält der Staatsanwalt durch die Thalsache als vorliegend, daß dieselben durch eine Drohung den Herrn v. B. zur Zahlung eines TheilS der Provifion veranlassen wollten. Er beantragte gegen Altschwager und Steinlein eine Gesängnißstrafe von se sechs Monaten. Auch der vierte Angeklagte Haack habe fich dadurch in einem Falle des Betrüge» schuldig gemacht, ai» er bei dem tzausverkaufe des R-staurateur» Wille an Hirsch, dem Verkäufer wissentlich falsche Angaben zu Gunsten de» Letzteren machte. Gegen Haack bringe er dieser- halb eine Gesängnißstrafe von 4 Monaten in Anttag. Der Vertheidiger der ersten drei Angellagien, Rechtsanwalt Dr. Frievmann. erklärte zunächst, daß er mit aller Energie die Frei« sprechung ver Ängekiagten Altschwager und Steinlein'S bean- tragen müsse und begründete sodann diesen Antrag durch den Nachweis, daß von einem detrügrrischem Zusammenwirken derselben mit dem Angeklagten Hirsch rn der v. B'schen Affaire keine Rede sein könne, sowie der-n Handlungen überhaupt au» dem Rahmen einer reellen Permitlelungsthätigkeit nicht heraus- getreten wärm. In Betreff de» Hirsch suchte der Vertheidiger auch Stratthatm in ein mildere» Licht zu setzen. Rechts- anwalt Dr. Flatau plaidirte sodann mtt gleicher Energie für die Freisprechung seines Klimten Haack, Hierauf nahm der Angeklagte Hirsch das Wort und verstcherte seine Unschuld. Ich bin kein Redner, sagte er, ich war immer einfilbig und kann mich daher nicht ausdrücken. Ich habe nichts Böses gethan und bin nicht ein derartiner Mensch, wie man mich hrer schildert. AuS der Zeit herausgerissen, hat Alles freilich den Schein gegen mich. Aber bedenken Sie, eS war im Jahre 1832... Landgenchts-Direktor Bachmann: Da» eht un» nicht» an, wai Im Jahre 1882 war.— Angekl.: Ich itte, Herr Prästdent, unterbrechen Sie mich nicht.— Vors.: Sprechen Sie also nur über da», was in der Verhandlung vorgekommen ist.— Angesagter: Ich kann mich nicht auS-' drücken.— Vorfitzender: O ja, Sie haben uns ja bogenlange Schriftsätze übergeben.— Angeklagter: Ich bin kein Schwind- ler, ich bin ein gerader offener Charakter. Nach dem Anschein dürfen Sie nicht mtheilen, sondern nach den Thatsachen.— Vors.: So viel Vertrauen können Sie zu Ihren Richtern haben.— Hirsch sucht stch nun unter der größten Erregung reinzuwaschen, wobei er wiederholt vom Vorsttzenven zur Sache gerufen wird, da er über Dinge spricht, die in der Verband- lung gar nicht vorgekommen find. Endlich schließt der Ange« klagte mit der Bitte um seine Freisprechung. DaS Urtheil des Gerichtshofes lautete gegen Hirsch auf sechs Jahre Ge- fängniß, wooon drei Monate als verbüßt erachtet wurden und fünf Jahr« Ehrverlust. Die Angeklagten Attschwager, Stein- dein unv Haack wurden dagegen der ihnen zur Last gelegten Strafthaten nicht für schuldig erachtet und demzufolge steige- sprochm. Die Privatklage des aus Berlin gewiesenen Schrift- steller« Herrn Adolph Kohut gegen den Redakteur, ver „Wahrheit", Heftor de Grousstlier, gelangte gestern vor der 93. Adtheilung des Schöffengericht» zm Verhandlung. Erster« war durch einen Substituten des Rechtsanwalts Dr. Sello, letzterer durch den Rechtsanwalt Stein vertreten. Derselbe stellte vor Eintrttt in die Verhandlung unter der Behauptung, daß der Kläger Ausländer sei, einen Veltagungsantraa und verlangte eine Sicherheitsleistung in Höhe von 50 Mark. Da der Vertreter desselben stch erbot diesen Betrag sofort zu hinter« legen, wurde der Vertagungsantrag adgelehnr und in die Ver« Handlung eingetreten. Jnkriminirt find 4 verschiedene Artikel in Nr. 39 der„Wahrheit" vom 27. September o. I. Der erste ist„Jüdische Geographie" üderschriebm, und ist darin die Ausweisung des jüdischen Dr. Kohut auS Ungarn mit seiner Auswanderung nach Jerusalem persiflirt. — Der zweite Artikel ist eine Briefkasten- Notiz auS Düffeldorf, in welcher die frühere Thätigkeit deS Privatkläaeri als Redakteur der gouvernementalen „Düsseldorfer Zettung" und alt Mensch während seines Auf- rnthaltS dort einer äußerst absprechenden Kritik unterzogen worden ist. U. A. wurde er alS„ein zudringlicher jüdischer Mensch auS Ungarn" bezeichnet und seine Gattin, die damals am Stadttheater al» Primadonna unter dem Theaternamen „Manstein" war, in schlimmer Weise verdächtigt. Nach der Notiz wird auch diese als eine„Jüdin" untergeordnetster Art hinge« stellt und von derselben ehrenrührige Dinge behauptet. Der dritte Artikel ist„Monolog eines Preßjuden" und der vierte „Mich?" fragte Emmy erstaunt.„Ein fremder Herr? Ich wüßte nicht.. Sie konnte nicht vollenden. Da« Dienstmädchen bei Seite schiebend, trat der Mann, von welchem man eben ge- sprochen, ein, der Assessor Wohlfahrt, der junge, geistreiche Justist, den wir bereit« in Betheida kennen lernten, und der nach wenigen Tagen feine« Aufenthalt» al« geheilt ent- lassen werden konnte, geheilt durch die genial« Kur de» Doktor Rodenburg. Mit einem Ruf der Freude flog Emmy in feine Arme, während Amberg finster d'reinschaute und stummer Zeuge de« Wiedersehen» war. „Du hier? Du schon wieder zurück? 1" rief Emmy. „Ja, und zwar geheilt. Da» Uebel wird nicht wieder» kehren, ,ch weiß e»; auch keine Spur hat sich seit dem Tage meiner Abreist von Betheida gezeigt— die böse Biene ist für immer verschwunden...... Nun Emmy, steht unserem Glück nicht» im Wege.... Herr Amberg verzeihen Sie, daß ich Sie nicht früher zum Mitwisser de» Bündnisses unserer Herzen machte. Sie vertreten Vaterstelle an Emmy, wir bitten um Ihren väterlichen Segen." „Um meinen Segen, Herr Wohlfahrt? E« scheint Emmy wenig daran zu liegen; noch eben er- klärte sie, daß fie lieber mich und mein Hau« ver» lassen würde, al» mir einen thätlichen Beweis ihrer kind« lichen Lieb« und Dankbarkeit zu geben." „Ich habe mich nicht geweigert. Dir den Beweis, von dem Du sprichst, zu geben," nahm Emmy da» Wort.„Ich durfte Dir nicht mein kleine« Vermögen zur Berfügung stellen, so lang« ich Wilhelm nicht wieder gesund in meinen Armen hielt; jetzt ist das etwa« Anderes.... Wilhelm, hast Du etwa« dawider, wenn wir die Hälfte meiner Roden- burg'schen Erbschaft meinem Onkel überlassen?" „Durchaus nicht«, Emmy I Ich finde eS natürlich, daß Du Dich Deinem Pflegevater dankbar erweisest; ich würde unrecht handeln, wollte ich Dir davon abrathen... Ich hoffe, Emmy, wir werden auch ohne Dein Vermögen glück« lich fein können, wenn Du mtt den bescheidenen Aussichten, die Dir ein Kreisrichter bieten kann, zufrieden bist.".(F- f) Die Jüdin und ihr Kindlein" überschrieben. In dem ersteren ft ohne Namennennung der Hohn über einen nun doch Ausgewiesenen ausgegoffen, deffen Wangen einmal von zarten Händen berührt worden find. In dem legten ist in höchft verlegender Form der Privatkläger als der schöne Adolph" hingestellt, welcher seine Lehrzeit hinter dem Ladentisch verbracht und fich als für einen Journalisten genügend vorgebildet erachtet habe. Als er zum Militär eingezogen werden sollte, sei es seiner Mutter, der fchlauen Jüdin, gelungen, der Behörde ein Schnippchen zu fchlagen und ihr Herzblättchen vom Militär zu befreien. Am Schluffe heißt es Kohut habe, um Gelegenheit zur Rückkehr nach Ungarn zu erlangen, die Berliner Polizeibehörde um seine Ausweisung gebeten." Auf den Antrag des Argeflag ten find zum Erweise der Wahrheit der Kriminalfommiffar Abel, der Journalist Waechter aus Düsseldorf und der Redakteur Fußangel vernommen worden. Während die beiden Lesteren Kohut als einen guten Gesellschafter bezeichneten, auf den die in der inkriministen Notiz aufgestellten Behauptungen abfolut nicht paffen, bat der Erftere über Gerüchte ungünstiger Art Mittheilung gemacht. Aus vorgelegten Urkunden wird fon ftatirt, daß Kohut mit 18 Jahren das Abiturienten- Examen gemacht, daß er jüdische Theologie studirt und auf der Universität in Jena promovitt hat. Seine Ehefrau ist als evangelische Chriftin in Dresden geboren. Der Vertreter des Brivatklägers plaidirt bei dieser Sachlage, wo sämmtliche Ber bächtigungen auf das Unzweifelhaftefte widerlegt find, auf eine empfindliche Strafe. Der Gerichtshof fand aber Beleidigungen nur in dem zweiten und vierten Artikel; in dem ersten ver mißt er eine Ehrverlegung, und in dem dritten sei die Bezugs nahme auf den Privatlläger nicht erwiesen. Bei der Straf Bei der Straf abmeffung fei erschwerend in Bezug genommen, daß die be haupteten Thatsachen fich als unwahr resp. widerlegt herausgestellt haben, und der Umstand, daß die beleidigenden An griffe gegen einen Ausgewiesenen gerichtet sind, der sich nicht mebr genügend vertheidigen könne; mildernd tomme dagegen in Betracht der Standpunkt des Angeklagten als Antisemiten, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, die Auswüchse des Judenthums zu geißeln und daß er vorliegend der Meinung war, daß Brivattläger hierzu zu rechnen set. Hiervon ausgehend, war eine Verurtheilung des Angeklagten zu 75 Mart auszusprechen. Neu- Ruppin, 30. März. Verurtheilt. Am Freitag und Sonnabend standen vor dem Schwurgericht die beiden Müllergesellen Laffe und Proppe. Erfterer hat, wie seiner Zeit aus führlich mitgetheilt, bei seiner Arretirung am 12. November vorigen Jahres durch den in Cremmen stationirten Gendarm Siepelt von einem geladenen sechsläufigen Revolver Gebrauch gemacht und sowohl deffen Frau als auch den zu Hilfe eilenben Knecht Langer aus Sommerfeld niedergeschossen; die Schüffe auf den Gendarm gingen fehl. Proppe hatte mit dem Laffe zusammen einen schweren Diebstahl begangen und bei feiner Festnahme auf dem Felde bei Marwig aus einer gela denen Pistole auf seine Verfolger zwei Schüffe abgegeben, die glücklicher Weise nicht trafen. Das am Sonnabend in dieser Sache gefällte und verkündigte Urtheil lautet: Lasse wird wegen Mordes zum Tode und wegen versuchten Mordes, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und schweren Diebstahls zu 15 Jahren Buchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre und Bulässigkeit der Polizeiaufsicht, Proppe wegen versuchten Mordes und wegen schweren Diebstahls zu 15 Jahren Buchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre und Bulässigkeit der Polizeiaufficht ver urtheilt. Zur Entschädigungsfrage. Die Frage der Entschädigung unschuldig Verurtheilter oder Verhafteter ist noch immer nicht gelöst. Wie nothwendig die Regelung der Angelegenheit ist, bas haben eine Anzahl Fälle in den legten Jahren deutlich bes wiesen; auch der nachstehend erzählte ist ein neuer Beweis da für. Am 20. Dezember v. J. wurde in einem zum Land gerichtsbezirk Glaz gehörenden Drte ein Kaufmann verhaftet und nach Neurode ins Gefängniß abgeführt, weil gegen ihn von einem Beamten eine Denunziation wegen eines Sittlich teitsvergebens bei der Staatsanwaltschaft eingegangen war. Es war fünf Tage vor Weihnachten; die Frau des Mannes war am 18. Dezember, also zwei Tage vorher, entbunden und Tonnte fich um nichts fümmern. Die Folge davon war, daß gerade in der besten Geschäftszeit Alles stockte, und als der Mann am 14. Januar aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, weil es fich herausstellte, daß er die ihm zur Last ges legten Verbrechen nicht begangen hatte, da war er ruinirt: sein Hab und Gut war mit Arrest belegt, eine Arreft flage nach Der andern war ihm bereits zugestellt worden, und ehe er die nothwendigen Schritte thun fonnte, wurde ihm sein Habe am 19. Januar zwangsweise versteigert. Gleich nach seiner Verhaftung batte der Betreffende feine Entlassung beantragt, die Straflammer des Blazer Landgerichts aber theilte ihm d. d. 28. Dezember mit, daß seinem Gesuch keine Folge gegeben werden könne. Am 12. Januar erft wurde der Mann zum ersten Male mit den b.iden Frauens Theater. Königliches Opernhaus. Heute und morgen: Keine Vorstellung. Königliches Schauspielhaus. Heute und morgen: Keine Vorstellung. Heute: Hamlet. Deutsches Theater. Bellealliance Theater. Deute: Amerikanisch. Renes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Beute: Gasparone. Central Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Deute: Der Walzer König. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. beute: Bum 1. Male: Der Kernpuntt. Hierauf: Die Schulreiterin. Walhalla Operetten- Theater: Heute: Der Feldprediger. Louisenstädtisches Theater: Heute: Graf Effer. Oftend- Theater: Heute: Lorbeerbaum und Bettelstab. personen, denen er zu nabe getreten sein sollte, konfrontirt. Dabei ftellte fich denn sofort heraus, daß die Angelegenheit ganz anders lag, als die Denunziation behauptet hat, und schon am 14. Januar wurde der Mann entlassen. Am 10. Fes bruar wurde ihm der Beschluß der Glazer Straftammer mits getheilt, der dahin ging, daß der Angeschuldigte unter Auf hebung des Haftbefehls vom 19. Dezember v. J. sowohl wegen Der ihm durch die Verfügungen des Untersuchungsrichters vom 30. Dezember v. J. und 9. Januar d. J. zur Laft gelegten Verbrechen, als auch wegen der ideell damit tonfurrirenden Beleidigung der X. außer Verfolgung zu segen ist, da die Handlungen des Angeschuldigten nicht geeignet find, ben gefeßlichen Thatbestand der erwähnten Reate darzustellen. Nachdem der Kaufmann diese Nachricht erhalten hatte, wollte er wissen, wer die Denunziation gegen ihn eingereicht habe, um gegen diesen vorgehen zu fönnen. Er wandte fich an die Staatsanwaltschaft in Glaz, erhielt aber folgenden Bescheid: Auf Shre Eingabe vom 18. d. M. werden Sie hiermit benachrichtigt, daß eine Polizeibehörde mich amtlich von dem gegen Sie vorliegen den Verdachte in Kenntniß gesezt hat, und daß ich zu weiteren Mittheilungen mich nicht berechtigt erachte. Der erste Staats anwalt. Schmidt. Glag, den 19. März 1885. Bu dieser Antwort schreibt uns der Kaufmann: Das ist die Genugthuung für ca. 4 Wochen unschuldig erlittene Untersuchung, für die zerstörte Ehre, für den Verlust von Allem, was zum Lebensunterhalt nothwendig ist; das ist die Entschädigung für die förperlichen Entbehrungen, für das Zusammenleben mit den größten Verbrechern und Spizbuben, daß die Entschädigung dafür, daß ich jest mit meiner Familie den größten Nahrungsforgen ausgesezt bin. Ueber den Aufenthalt im Gefängniß schreibt uns der Betreffende: Körperlich war ich sehr angegriffen und auf meine Mittheilung im Gefängniß, daß ich mich sehr unwohl fühle, erhielt ich den lafonischen Bescheid:„ Na, a biffel fettleibig noch nicht ge wohnt wird sich schon legen- ein Pulver zum Abführen geben!" In diesem Zustand wurde ich von Neurode nach Glas gebracht, wo ich in eine Belle zu den größten Ver brechern tam z. B. zu einem Siebmacher, der bald darauf zu 15 Jahren Buchthaus wegen Diebstahls verurtheilt wurde. Ich befand mich in einer Belle, in welcher nach ärztlichem Gut achten nur drei Mann internirt werden sollen, die jedoch mit fteben Mann belegt war. Es würde zu weit führen, wenn wir die Leiden des Internirten ausführlicher schildern wollten. Der Kaufmann schließt sein Schreiben mit den Worten:„ Geehrtefte Redaktion! Ich wollte freundlichst bitten, wenn Sie so freundlich wären, bei event. Publizitung meiner Affaire ein mal anzufragen, ob vielleicht Jemand die Güte hätte, mir einen Vorschuß zum Anfange eines Geschäfts zu geben, oder ob ich irgendwo einen Boften erhalten tönnte, um aus diesen Nahrungsforgen herauszukommen!" Wir legen die Fragen unseren Lesern vor und stehen event. mit näheren Details und dem Namen des Kaufmannes zur Verfügung. ( Bote aus dem Riesengebirge".) Soziales und Arbeiterbewegung. Basel, 30. März. Der Streit der Bandweber, der in letter Woche unsere Stadt in nicht geringe Aufregung ver feste, ist Sonnabends aütlich beigelegt worden. Die Seidenindustrie Basels ift in Folge ausländischer Konkurrenz und ungünstiger Bollverhältniffe in den lezten Jahren derart zurück. gegangen, daß von ca. 25 Bandfabriken nur noch etwa 12 im Betrieb find und daß diese selbstverständlich auf die Löhne brüden müffen. Die angesehenfte Firma Bafels( Hans Franz Sarafin) fab fich feit längerer Zeit zu derfelben Maßregel ge nöthigt, so daß die Wochenlöhne auf ca. 18 Fr. rebusirt wurden, was verheirathet n Arbeitern ein höchft mißliches Austommen gewährt. Die Folge war, daß einige Hundert der Betroffenen Die Beit eingelaufener größerer Bestellungen zum Streit be nügten, deffen Bwed war, 30 pCt. Lohnerhöbung zu erzwingen. nügten, beffen Bwed war, 30 pCt. Lohnerhöbung zu erzwingen. Nach längeren Unterhandlungen wurden von Seiten der Chefs die erhöhten Löhne zuge standen. Die namentlich zur Sprache gebrachten Uebel stände, daß das die Arbeit vertheilende Personal zu rücksichtsLos verfährt, wurde von den Prinzipalen anerkannt und dadurch aufgehoben, daß Vertreter der Arbeiterschaft, gleichsam als Vollstribunen, direkt mit den Chefs zu verkehren haben. Unordnungen oder Unziemlichkeiten tamen während der ganzen Arbeitseinstellung keine vor; die männlichen Arbeiter sowohl als die weiblichen begaben sich nach erlangtem Zwecke wie in einem Feftzug wieder an ihre Webstühle. Der Unterstütungsverein der Schuhmacher zu Burg bet Magdeburg erlägt folgenden Aufruf: Kollegen! Am Montag, den 30. März, haben die Arbeiter der mechanischen Schuhfabrik von Wilhelm Haase die Arbeit eingestellt, weil fte für den von W. Haase gestellter Lohn nicht weiterarbeiten tönnen. Es find nämlich den 8widern und Buzern pro Baar 2 bis 4 Bf. abgezogen worden, so daß ein Buzer, der bisher 10-11 Mt. verdient hatte, jezt nur noch höchstens 9 Mt. verdienen lann. Und damit soll nun bei den jeßigen Verhält niffen eine Familie von 3-5 Kindern durchkommen! Deshalb, Kollegen, laßt den Muth nicht finden und bringt Euer Scherf lein, denn nicht nur die haben den Vortheil, welche den Streit ftegreich beenden, sondern wir Alle. Es braucht wohl erft gars nicht erwähnt zu werden, daß neben der Lohnreduktion uns auch noch Strafgelder auferlegt werden, welche dann ebenfalls noch vom Lohne in Abzug gebracht werden. Also, Kollegen, wir rufen Euch nochmals zu, unterstügt uns nach Kräften, denn unsere hiesigen Kollegen in den anderen Fabriken fteben eben falls schon in Lobndifferenzen mit dem Arbeitgeber. Die Zahl der Streifenden beträgt 36, und ist hauptsächlich der Zuzug nach hier fern zu halten. Gelder nimmt entgegen August Buhlmann, Brahmstraße 815, Briefe u. s. w. Der Unterzeich nete. Burg bei Magdeburg, 31. März 1885. J. A.: Gustav Schulz, Schartauerthor Nr. 1135b, Bevollmächtigter des Unter ftügungs- Vereins deutscher Schuhmacher. Vereine und Versammlungen. Die am Dienstag Abend vom Bezirksverein des wertthätigen Voltes im 29., 30. und 31. Wahlbezirk in Golle's Lotal, Linienftr. 30, abgehaltene Versammlung endete mit polizeilicher Auflösung. Nach einem Vortrage des Schuh machermeisters Herrn Engler über den Kampf ums Dasein", in welchem derselbe vielfach die Lehren des„ Nazareners" lobend erwähnte, erhielt Herr Gutsche das Wort und meinte selbiger, daß die Lehren des Nazareners dem Arbeiter ftande weniger nügen tönnten. Hierauf erfolgte die Auflösung seitens des Polizeihauptmanns Hoppe. Auf Befragen nach dem Grunde, theilte derselbe mit, daß die Auflösung aus allgemeinen fittlichen" Gründen erfolgt sei. Den Metallarbeitern Berlins theilt der Vorstand des Facvereins der Nähmaschinenarbeiter& c. mit daß derselbe in der Lage war, eine weitere Rate von 130 M. an die streitenden Bielefelder abzusenden. Kleine Mittheilungen. Halle a. S., 31. März. Aus Eisleben wird der N. Pr. Stg." gemeldet, daß im Ernstschacht bei Helbra geftern dreißig Kilo Dynamit explodirt find. Bwei Bergleute find todt, mehrere verlegt. Königsberg. Der von Zürich als Profeffor der Phyfios logie nach Königsberg berufene Prof. Hermann hat fich, wie man nach der Frankf. 8." erfährt, im vergangenen Jahre mit seiner ganzen Familie taufen laffen. München, 30. März. In der Nacht von gestern auf heute find in verschiedenen Stadttheilen maffenhaft Flugblätter verbreitet worden, welche auf die Bismardfeier Bezug haben, und erfolgten hierwegen zahlreiche polizeiliche Haussuchungen. - Das klingt ja furchtbar geheimnisvoll. Briefkasten der Redaktion. F. H, Stralauerplay. Wenn Sie das Mitgetheilte nicht als Thatsache erweisen, dürften Sie wegen falscher An schuldigung zur Verantwortung gezogen werden. Ein solches Vergehen wird mit Gefängniß nicht unter einem Monat bes ftraft, auch fann auf Berlust der bürgerlichen Ehrenrechte er tannt werden. F. W., Alexandrinenstraße. Wenn der junge Mensch fich wirklich nicht von seinem Vorhaben abbringen läßt, fo laffen Sie ihn gewähren. Nur muß er bedenken, daß allein Konsequenz und Ausdauer zum Ziele führt. Ein Abonnent. Einen Rath können wir Ihnen in solcher Angelegenheit nicht geben. H. G., Weinstraße. Es stehen in den laufenden Etats zur Verfügung der Flotten von England 216 235 400 M., Frankreich 112 496 000 Mt., Rußland 108 531 190 Mt., Italien 46 118 840 Mt., Deutschland 37 990 300 Mt., Holland 21 717 720 Mt., Desterreich 7 546 340 Mt. 3., Pionierstraße. Wir bedauern, Shnen über die Bus sammensetzung der Elixire und Medikamente feine Auskunft geben zu tönnen. Abonnent in E. Der 27. September 1866 war ein Donnerstag. Wilhelm N. Neue Friedrichstr. Die Einlassungsfrist beträgt in Landgerichtsprozessen 1 Monat; bei Amtsgerichtss sachen 3 Tage; in Urfunden- und Wechselsachen 3 Tage; wenn an einem anderen Drte zugestellt wird 1 Woche. Alle diese Fristen fann der Richter auf Antrag des Klägers verkür en. Sit die gefeßliche resp. Die richterlich verkürzte Frift nicht inne gehalten, so hat der Richter, auch wenn der Beklagte nicht erscheint, den Antrag des Klägers auf Eclaß eines Versäumniß Urtheils zurückzuweisen. St. B. Staligerstr. In der Nachahmung einer Annonze durch einen Konkurrenten liegt an und für sich weder Be leidigung noch sonst ein Verbrechen. en gros. Cigarren- u. Tabak- Handlung Fritz Goercki Berlin SO., Admiralstraße 40( frühere ,, Linde.") en détail, Import echter Havanna, Lager aller Sorten Rauch- und Schnupf tabake. Reich affortirtes Lager echt türkischer, ruffischer und amerikanischer Gigarretten und Tabake. Echt Nordhäuser Rautabale. Wallner- Theater. beute: Ein weißer Rabe. Vittoria Theater. beute: Sulfurina. Alhambra Theater. Heute: Unter der Erbe, oder: Die Macht der Arbeit. Am Sonntag, den 29. März, entriß mir der unerbittliche Tob meine brave Frau Henriette. Dieselbe starb am Rind bettfieber und ließ mich mit fünf unerzogenen Kindern zurück. Die Beerdigung findet heute( Donnerstag) vom städtischen Krankenhause Moabit nach dem St. Pauls Kirchhof, Nachmittags 5 Uhr, statt. Um stilles Beileid bittet Die Nr. 15 der humoristischen Blätter Karl Schroite. Der wahre Jacob" 584 August Herold Berlin SO., 112 Skalitzerstrasse 112. Möbel, Spiegel- und Poffterwaaren Magazin Eigene Fabrik, Solide Preise, Prompte Bedienung. Möbel-, Spiegel- und Wolfterwaaren verkauft billigst F. Trapp, Tischlermeister, Berlin SO. Elifabeth- fer 49, nahe Oranienplak. 687 Möbel- und Polsterwaaren. terschienen und in der Exped. d. Berl. Boltsbl." zu haben 667 490 Möbel jeder Art werden billig und sauber aufpolirt Forsterftr. 52, Duergebäude 4 Tr. rechts. Soeben erschien: der Die Erlösung darbenden Menschheit Don R. Theod. Stamm. Preis 2,50 Mt. Zu haben in der Expedition des Berliner Boltsblatt", Bimmerstraße 44. Fabrik von A. Schulz, Wafferthorftr. 34, empfiehlt nur reelle Möbel unter Garantie. Auch Theilzahlung. 637 Verantwortlicher Redakteur R. 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