Nr. 80. Sonntag. 5. April 1885. n. Jahrg. ScrliiiMUMll Krgan für dir Interessen der Ardciter. 4 . Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. Ärbeitszeitersparniß und geistige Erziehung. Bei der Forderung einer geringeren Arbeitszeit kommen natürl ch verschiedene Motive in Betracht. Da«»irthschaftliche, daS Hauptmotiv, ist die durch «inen MaximalarbeitStag angebahnte Regelung der Produktionsweise. ES wird bekanntlich dadurch der schrankenlosen Ausbeutung der Arbeitskraft, der Ueber» Produktion und der Arbeitskrisen ein Damm entgegengesetzt und de» schwankendea Lohvverhältnissen wenigstens in ge- wissen Schranken ein Ende gemacht. Daß dadurch die all- gemeinen Verhältnisse in der Arbeiterwelt mehr geordnet und somit auch gehoben werden, ist klar, daß aber durch mehr geordnete wirthschaftliche Verhältnisse im Arbeiter- stand« auch höhere sittliche entstehen, dürfte ebenso sicher sein. Ein zweites Motiv ist die Schonung derArbeitt- kraft. Je mehr der Mensch an täglicher Arbeitskraft verausgabt, besonder« wenn er dieselbe durch entsprechende Ernährung und gute Pfleg« nicht vollständig wieder ersetzen kann, desto leichter treten Krankheiten und desto früher tritt der Tod ein. Bei einer kürzeren Arbeitszeit aber und bei gcordne- teren wirthschaftlichen Verhältnifle« bleibt der Körper de« Arbeiter» widerstandsfähiger und gesunder, und auch die Lebensdauer wird selbstverständlich dadurch erhöht. „Mens sana in corpore sano"— so lautet schon ein alter lateinischer Spruch. Jawohl! In einem gesunden Körper wohnt auch meisten« ein gesunder Geist. So find wir also zu dem dritte« Motiv gekomme«. Eine verringerte ArbeitSzelt macht den Körper auch em» pfänglicher für Bildung, sie macht den Menschen bildungsfähiger. Wie oft hören wir die sogenannten Gebildeten aller Parteien über die Rohheit der Arbeiter, die denn auch viel- fach von den„Gebildeten" al«„Pöbelrotten" bezeichnet «erden, raisonniren, wie oft aber auch hören wir besser Gesittete auS den sogenannten höheren Stände» auftichtig den geringen Bildungsgrad der Massen beklagen— da« Raisonniren aber taugt gar nicht« und da« Klagen sehr wenig. Man möge dem Volke den Boden beackern helfen, auf welchem da« Samenkorn der Bildung gepflanzt werden, auf de« e« blühe« und gedeihen kann. Nebe« allgemeiner unentgeltlicher Lehrmittel ist der MaximalarbeitStag die Grundbedingung allgemeiner Volks- bildung. Die« letztere scheint selbst der im wirthschaftlichen und politischen Fortschrittlerthum noch befangene bedeutende Ge« lehrte Dr. V i r ch o w zu erkenne«, wenigsten« geht die« Zum Osterfeste. („Freie Glocken.") Vor allen Festen de» Jahre« ist da« Osterfest ganz besonder« getragen von dem Hoffnung«» zug de««enschliche» Leben«. An keinem der Feste sucht unser Auge so sorgsam nach den Spuren de« Pflanzen- segen», der in Millionen Keimen ausgestreut ist auf de« Erdboden. An keine« der Jahre«feste späht unser Blick so sorgsam nach Merkzeiche» au», ob der Segen, den die Wörmestrahlen der Sonne im Erdboden wachrufen, nicht durch da« ewig bewegte Luftmeer gestört werden wird. Der Erdball, der nach festen Naturgesetzen eine wohl berechenbare LebenSspevde von der Sonne erhält, wandert, von einem Luftmeer umhüllt, durch den Weltenraum, der gar oft die Wärmestrahlen auffängt und ihre segensreiche Wirksamkeit nicht zur rechten Zeit eintreten läßt. Wa« die Himmelskunde un« lehrt, reicht nicht au«, um un« in der Wolkenkunde einen sicheren Blick zu gewähren. Wir wiflen, daß da« Weltenlicht de« Sonnensystem« den Raum mit ungrschwächten Kräften durchströmt, aber die Wolken« gebilde und die Nebelgestaltungen de« Luftmeere« bilden einen Schleier der Undurchdringlichkeit vor unserem Auge. Wir sind auf Wünsche und Hoffnungen angewiesen, die sich der Bercchenbarkeit entziehen. DaS Osterfest in der Wechsel- vollsten Epoche der Jahreszeiten ist daher nicht blo» für die Pflanzenwelt, sondern auch für da« menschliche Ge« müth eine Epoche de« Hoffen« und de« Wünschen«. Wie die Pflanzenkeime unter der Oberfläche de« Erdboden«, werden auch die HerzenSregungen de« Menschengeschlechtes gar oft zu frühzeitig geweckt, um wirksam aufzustreben nach dem höheren Ziele der Entwickelung. Gar zu oft greift ®Pätfrost der Nacht und der Frühreif de» Morgen« ver- verbuch in die junge Blüte ei» und ertödtet,»a« zu früh �""hülle durchbrochen hat. Besorgt wie um die zar- testin Frühkeime, die gar schnell wieder ein Raub de« Nach- wrnterS werden können, blicken wir oft auf die Entwicklung»- Erschemungen de« Menschengeschlecht« hin. Manch Hoffnung«- reut e« junge« Leben wird zu früh erweckt, vom Lebenistur« ergriffen und geknickt, und nicht minder wird auch im Bolkerdaseru manch edler Trieb der Entwicklung, der wie au» einer Rede hervor, die derselbe in der Versammlung der Aerzte und Naturforscher zu Rostock zu Ende vorige» Jahre» gehalten hat und die vor einiger Zeit in Druck er- schienen ist. Nachdem der Naturforscher die Leistungen der Naturwissenschast in ihrer Bedeutung auf dem Gebiete de« Handel«, de» Gewerbe«, de« Bergbaues und Ackerbaue« tc. hervorgehoben hatte, fuhr er wörtlich fort: „Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, daß, so schätzenSwerth alle solche materiellen Leistungen an sich sind, «an doch vielleicht hoffen darf, daß gerade von diesem Ge- biete der materiellen Leistungen au« der Menschheit noch ungleich größere und vielleicht unschätzbarere Wohlthate» zugeführt werden dürften. Niemand, der die Geschichte de» Maschinenwesens während der hundert Jahre, die seit der Einführung besserer Maschinen vergangen find, studirt hat, kann sich dem Gedanken entziehen, daß die Ma- schine Menschenarbeit ersetzt; Niemand, der diese» Ersatz der M' nschenarbeit durch Maschinenarbeit verfolgt, kann sich der Hoffnung entschlagen, daß endlich auch einmal diese auf dem Gebiete der mechanischen Arbeitsleistung ersparte Menschen- arbeit nutzbar gemacht werden könnte auf dem Gebiete der geistigen Arbeit, der höhere» und besseren Arbeit. Wenn die Arbeiter selbst in einer zum Theil rohen und ungeschickten Form anfangen, ihre Forderungen nach dieser Richtung hin zu formuliren, so kommt doch der NormalarbeitStag in ähnlicher Weise zur Sprache, wie vor Jahrtausenden der siebente Tag al» Feiertag, al« Tag der geistigen Erholung und Erhebung, und e« ist nicht selten, daß ein in- telligenter Arbeiter in vollem Ernste sagt: die Ersparung an Zeit, welche der NormalarbeitStag mit sich führt, soll 8«widmet werden der geistigen Erziehung, nicht l o» der„Erholung", sondern dem Fortschritte im Wissen, welche« Wissen wiederum verwandt werden soll al« Ausgang für neu« technische und geistige Fortschritte. Man wag in diesem Augenblicke solchen Forderungen noch kühl gegenüberstehen, aber ich denke, Niemand, der sich die ge« sammte Geschichte der Menschheit vergegenwärtigt, wird sich verhehlen können, daß nach dieser Richtung hin berechtigte Forderungen liegen, und daß, wenn e» einmal gelingen wird, n i ch t b l o« d i e F o rm el zu finden, son- dern auch dieBahn zu ebnen, in deren Ver- folgung ein solcher NormalarbeitStag mit Ersparung an Zeit und mit zweckmäßiger Verwendung der ersparten Zeit allgemein vereinbart werden wird, damit der Nation und der Menschheit so große Kräfte zu neuen Zwecken zur Ver» fügung gestellt werden würden, daß damit Ungeahnte» ge- leistet werden kann." Daß der Professor den Weg»och nicht finden kann, auf welchem der NormalarbeitStag angebahnt wird, dies hat ein Heller Ostermorge« hineinstrahlt in da» Leben, von de« Sturm der Nacht gefaßt und für längere Zeit gebrochen. E« zeigt sich oft ein Hoffen, da« sich nicht erfüllt, und ein Wünschen, da« durch die kalte Wirklichkeit eine« herein» brechenden Nachwinter« vernichtet wird. Aber wa« die Zeit auch bringen mag, wir dürfen selbst in trüben Tagen auf die Hoffnungen eine« Ostermorgen«, der den Anbruch eine« bessern Dasein» herbeiführt, nimmermehr verzichte«. Wir müsse» vielmehr kämpfen um unser Menschenthum im Sinne de« Dichter«, der da sagte:„Mensch sei» heißt«in Kämpfer sei n." In diese« Kampfe um da« wahre Menschenthum hat Jeder nach seinem bescheidene» Theile mitzuwirken. Hier steht Jeder voll seinen Man» und kann fernen Vertreter finden. Möge daher auch Jeder seinen Me»schenthum«-Kampf so bestehen, daß die Gesammt- heit gefördert werde. Unter den Mühen der WerkeltagS- arbeit tritt diese« ideal« Kampfmoment in den Hintergrund. Sobald aber der Lärm der Werkstätte verhallt, die Alltag«» beschäftiguvg stillsteht und einer kurzen Feiertagsruhe Raum macht, dann soll sich die Seele zu neue« KampfeSaufschwung stählen, auf daß der bessere Theil in ihr zu seine« Rechte gelangt. Da« ist da« Osterfest de« freien Gedanken«. 4] Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) „Und doch unschuldig, Mutter," sagte Karl ruhig und refignirt. „Und wagst Du da« noch zu behaupten?" fuhr da der Vater empor, und e« war fast, al« ob er mit den rauhen Motten selbst in ihm aufsteigende Zweifel be- kämpfen und niederdrücken wolle;„wagst Du da» zu be- haupten. Junge, wo nicht die Richter hinter ver- schlossenen Thüren, sondern Männer unsere» Stande», Bürger und Handwerker, brave, unbescholtene Leute, die kein Interesse für oder gegen Dich haben konnten, wo die Geschworenen Dich selbst nach allen Zeugenaussagen seine Ursache in der politischen Erziehung Virchow'S. Auf- gewachsen in der Zeit, wo der wirthschaftliche Liberalismus für Deutschland noch eine Nothwendigkeit, wo derselbe der Träger des politischen und geistige» Fortschritt« war, wo der Liberalismus Sieg auf Sieg erfocht, ist dem Manne nicht zu verdenken, daß er noch in den Banden diese» Liberalismus sich befindet. Aber die geschichtliche Mission de« Liberalismus hat für Deutschland aufgehött und diese Thatsache klingt, wenn auch schüchtern, au« den oben zitirten Motten Virchow'S herau«. Denn sonst würde der Professor dem NormalarbeitStag unter keiner Bedingung da« Wort reden können. Der gesetzlich festgestellte Normal» arbeitStig bedeutet nämlich nicht« Geringeres al« den Untergang der liberalen Weltanschauung auf den«irthschaft« lichen Gebieten. Wenn Virchow meint, daß die Form noch roh und ungeschickt sei, in»elcher die Arbeiter ihre Forderung de» Normalarbeitstage» stellten, so ist un« diese Behauptung zwar unverständlich, doch von wenig Belang, da man die Form leicht zerstören und in geschickterer Weise wieder her- stellen kann. Un« kommt e« auch in der Hauptsache nur auf da« Wesen an, welche« die Form umschließen soll. Und wen» die richtige Formel erst gefunden ist, so wird auch die Bahn leicht geebnet werden, auf«elcher die Formel zu« AuSttag gebracht wird. Nur eine« ist e«, wa« un« an de» Virchow'schen AuS- führungen etwa« seltsam erscheint. Dieser große Gelehtte, der berühmte Professor der Naturwisienschaften legt so große« Gewicht auf die Trennung der„Erholung" von der„geistigen E z i e h u» g". Zu Anfang unsere« Artikels haben wir die Motive angefühtt, welche zur Forderung der Vmingerung der Arbeitszeit geführt haben. Besserung der wirthschaftlichen Zustände, Erholung de» Körpers, um den Körper gesund zu erhalten; durch die Besserung der wirthschaftlichen Kräfte werden die sittlichen Kräfte im Menschen erweckt, durch dieErholungwird derKörper gesund undbildungSfähiger, geneigter zur geisti- gen Erziehung! Trennung der Errungenschaften, die bei der Ver- ringerung der Arbeitszeit für da« arbeitende Volk in Be- tracht kommen, ist unmöglich, eine ergänzt die ander», d i e geistige Erziehung de« Menschen ist nicht zudenken ohne die körperliche Erhaltung. Wir haben e« deshalb nicht mit Gegensätzen hier zu thun, sondern mit de« innigen harmonischen Zusammenhaag von Wirkungen, die au« einer Ursache hervorgehen. und Beweisen für schuldig der furchtbaren That befunden haben?" „Ja, Vater," sagte Karl und sab dem Vater ruhig und fest in'« Auge,„so wahr da droben Gotte» Himmel über un« ist, so wahr ich hoffe, daß er Dich und die Mutter noch lange Jahre gesund erhält, so wahr sage ich Dir, ich bin an der schrecklichm That, für die ich büßen mußte, so unschuldig wie Du oder Margareth." „Oh, mein Sohn,«ein Sohn I" klagte die Mutter. Der alte Tischler schaute ihn betroffen an; da« klang allerding« nicht wie da« freche Leugnen eine« Schuldigen, und eö war sein Sohn, sein eigen Fleisch und Blut; aber ließ e« sich denken, daß alle jene furchtbaren Beweise, die jeden Menschen überzeugend, aufgebracht worden, nur eben so viele Lügen und Täuschungen gewesen wären? Ließ e« sich denken, daß die Gerichte einen Mensche» für sech« Jahre in da» Zuchthau» sperren und damit für ewig ehrlo« machen würden, wenn auch nur der Schatten einer Möglichkeit vorgelegen hätte, daß er unschuldig sein könne? Nein, wieder schüttelte er sinster mit dem Kopfe und sah brütend vor sich nieder,— e« war nicht möglich. „Ich habe," sagte da der Sohn leise und schmerzlich, „bi« jetzt recht hart über die Richter gedacht, daß sie «einen heißen Betheuerungen nicht glauben wollten und mich wie einen gemeinen Verbrecher verdammten, ich kann e» jetzt nicht mehr, wo selbst der eigene Vater seinen Blick von mir abwendet; da» ist hart, recht hart." Der Mann kämpfte noch eine Weite mit sich; endlich sagte er, aber mit leidenschaftlich bewegter Stimm«:„Gott ist mein Zeuge, wie ich gekämpft und gerungen habe gegen alle Beweise, wie ich nicht glauben konnte und wollte, daß mein eigener Sohn, den ich, wie ich fest glaubte, zu einem braven und rechtlichen Menschen erzogen, ein gemeiner Ver- brecher, ei» Mörder habe werden können; aber die Ge« schworen«», brave, unbescholtene Männer au« dem Volke, haben sich selber davon überzeugt und ihr Uttheil gesprochen, und nur Dein jugendliches Alter, wie e« in der Zeitung stand, und Dein früherer unbescholtener KolMscke Uebersickt. I« Betreff der Bielefelder Unruhen haben wir bereit« derichtet, dah da« aufaetauchte Gerücht, e« seien Arbeiter aus der K o l o n i e W i l h e l m s d o r f in die Fabrik von Koch und Stowp. geschickt worden, von der dem Begründer der Ko» lonie, Pastor von Bodelschwingh, nahestehenden„Neue Wests. Voltt'Ztg." dabin berichtigt wurde, daß nur e i n e i n z i g e r Arbeiter auS W i l h e l m s d o r f in der Fabrik beschäftigt worden sei. In Bielefeld trat daS Gerücht sehr bestimmt auf und es scheint fast, alS od man fakiisch den Plan gefaßt hatte, eine größere Aorabl Arbeiter aus der Kolonie in der Fabrik zu beschäftigen, Ob die Adficht bestand und ob man nur deshalb Abstand davon genommen hat, weil man keine größere Er« bitterung unter der Bevölkerung wachrufen wollte, darüber äußert fich das genannte Blatt nicht. Der„Franst. Ztg." wird geschrieben, daß B e t h e l, eine andere Bodelschwingh'sche Anstalt mehrere Arbeiter gestellt habe. Wenn fich diese Nachricht bewahrheitet, so liegt wieder eines jener so beliebten Dementis vor. die fich an einen Nedenvunkt anklammern und in der hauptsacke drs Publikums täuschen. Hoffentlich wird dieser Punkt genau untersucht, und, wenn nicht anders, wenigstens durch die Verbandlungen deS Landtages, welchem nach dem Gesetze vom 4. Juni 1851 sofort nach Wie» derdeginn der Verhandlungen Rechenschaft abgelegt werden muß, klargestellt. Die Arbeiter-Kolonien, welche auf Anregung des Herrn v. Bodelschwingh gegründet worden find, erfreuen fich in weit.n Kreisen lebhafter Sympathien, während andere demselben noch mit gewiffem Mißtrauen gegenüberstehen. Dieses würde neue und berechtigte Nahrung erhalten, wenn fich her» ausstellen sollte, daß die Leitung einer Kolonie versucht habe, fich in Lohnstnitigkeiten zwischen Fabrikanten und Arbeitern einzumischen, bezw. den elfteren ihre Kolonisten zur Verfügung zu stellen, um die Arbeiter an der Durchführung ihrer An- sprüche zu verhindern. Ob diese gereckt oder ungerecht find, thut nichts zur Sache, würde wenigstens Herrn v. Bodel» schwingd keine Berechtigung geben, durch die in seiner Beffe« rungsanstalt befindlichen Zöglinge einen Druck auf fleißige Ar« beiter, welche zufällig mit ihren Arbeitgebern in Zwtstigkesten geratben find, auszuüben. Da» Famtliengut Schönhause« ist vom Fürsten Bismarck oankend angenommen; den Ueberbringern hat er seine Feude über den Wuderdefitz ausgedrückt. Da» Zentralkomitee ist durch nachträgliche Geldetnsendungen in den Stand gesetzt worden, die noch auf dem Gute lastende Hypothek von 350 000 Mk. abzustoßen, so daß der Fürst das Gut schulden« frei überkommen hat.— Bezüglich der Ueberschüfse der Spende soll fich nach dem„H. C." der Fürst geäußert haben, daß er dieselbe vorauSficktlich nicht für Ai bester, sondern für Lehrer höherer Lehranstalten bestimmen werde. lieber einen neuen Landesverräther wird der„Ger. mania" auS Erfurt unterm 1. April geschrieben:„Den in letzter Zeit auffallend oft vorgekommenen Verhaftungen wegen Lan desverrathS durch Ueberlieferung von auf die ModilmachungSpläne und Aehnliches bezüglichen Akten« stücken an ausländische Regierungen dürfte auch von hier eine hinzug-fügt werden. Vor etwa 3 Wochen fand hier nämlich die Verhaftung eineS Obrifeuerwerker« statt. Derselbe wurde deS Nachts spät vom Kommandeur deS Thüringischen Feld« artillerieregimentS Nr. 19, Ob Inhaberin anscheinend im Todeskampf auf dem Bett liegend vor. Ein sofort hinzugerufener Arzt konstalirte eine Vergiftung, die allem Anschein nach mit einem Extrakt, den stch die N. au» abgekochten Phosphorstrcichhölzern berge- stellt, bewerkstelligt war. Nachdem der Lebensüberdrüsfigen ein Gegengift eingeflößt war, wurde dieselbe auf Anordnung der Revierpolizei nach dem städtischen allgemeinen Krankenhaus im Friedrichshain geschafft. Heber die Veranlassung zu der unseligen That war etwas Bestimmte« nicht zu ermitteln. Projettirte» Repertoire der Königliche» Schauspiele vom 6. bis 12. April 1885. I m Opernhause: Sonntag, den 5., auf Verlangen: Der Trompeter von Sälkingm; Montag, den 6.: Der Prophet(Herr Niemann); Dienstag, den 7.: Die lustigen Weibrr von Windsor; Mittwoch, den 8., neu einstudirt: Normo; Donnerstag, den 9.: Die Walküre (Herr Niemann); Freitag, den 10.: Der Trompeter von Säkkingen; Sonnabend, den 11.: Der Seeräuber; Sonntag, den 12.: Tannhäuser(Herr Niemann).— Im Schau« spielhause: Sonntag, de« 5.: Der Kaufmann von Vinedig; Montag, den 6.: Magnetische Kuren; Montag, den mit belästigender Genauigkeit die Gepflogenheiten der so« genannten vornehmen Klosse nach: Die Dame, die noch vor kurzer Zeit in eine« gut gehenden Caf6 höchsteigen« händig ihre»erthgeschätzten Gäste mit Absynth und Kognak bedient«, muß dann mindesten» ihren Salon haben, fie wählt fich einen Tag der Woche al« ihren jour flxs— an welche« sie Gäste bei fich steht— und der höchste Glunz, die höchste Wonne ihre» Leben» ist eine Equipage mit einem gallo« nirten Diener, der ihr den Mantel abnimmt und zugleich den Palelot ihre« gestrengen Gemahl» trägt. Diese Klaffe der Gesellschaft persiflirt Labich« in seine« „Kernpunkt">n selten gelungener Weise. Man kann sich kaum etwas Amüsantere» denken, al« den Empfang»tag bei Herrn Carbonel, einem reich gewor« denen Kafetier, der fich al« behäbiger Spießbürger mit 16 000 Frank» Rente da« schon leisten kann. Ein jour fixe muß natürlich sein, die Frau Gemahlin will e«, sie hält e» für vornehm, und wenn sich die gebetene Gesell« schast bei ihr auch zum Sterben langweilt, und fie selbst und ihr Ehegespon» fich durch lächerliche Unbeholfenheit auch unsterblich blamiren— da« macht Alle» nicht«, man muß de« Mittwoch« eben Gäste bei fich sehen.-- Frau Henriette Carbonel befitzt eine hei« rath»fähige Tochter, ebenso wie ihre intimste Busenfeindin Frau Katharine Perugin. Man weiß, daß angehende Schwiegermütter eigentlich noch gemein» gefährlicher und mehr zu fürchten find, al« wirtliche. Den beidev Damen eröffnet fich urplötzlich die glänzende Perspektive, einen jungen Millionär einfangen und ihn al« Schwiegersohn annektiren zu können. Eltern fragen bekanntlich niemal« danach, ob der zukünftige Schwiegersohn viel Geld defitzt, da« ist imm.r so lange Nebensache, bis fich Jemand zeigt, der mit irdischen Glückigütern recht reichlich gesegnet ist. So geht e« auch hier. Al« der junge Millionär noch nicht aufgetaucht war, da waren die beiderseitigen Elternpaare darüber einig, daß ihren respektive» Töchtern niemal« auch nur der geringste Zwang in Betreff ihrer Wahl auferlegt werden sollte.— wenn fie mit ihren Zukünftigen nur glücklich und zufrieden leben würden, so sollte e« natürlich an dem elterlichen Segen auch nicht fehlen. 7j: Lydia, der Winkelschreiber; Mittwoch, den 8.: Harold; Donnerstag, den 9.: Tartüffe, Castor und Pollux; Freitag, den 10.: Frau Aspafia; Sonnabend, den 11.: Maria Stuart; Sonntag, den 12: Die Journalisten. Im„Deutschen Theater" geht am Sonnabend, den 11. d. M., das fünfaktige Lustspiel„Fesseln" von Sribe neu in Szene. Außerdem blingr das Repertoire dieler Woche Wie- derholungen von„Prinz Friedrich von Homburg",„Der Probe pfeil" und„Hamlet". Heute, Sonntag, wird„Don Carlos" gegeben. Zentral-Theater. Selbst daS Telephon hat fich des be- reiti volksthümlich gewordenen Duett»„Nach Afrika, nach Kamerun, nach Angra Pequena" au» der heule zum 130. Mal im Zentral-Theater zur Aufführung gelangenden Gesangspoffe „Der Walzer- König" bemächtigt, waS nachstehende heitere Epi« sode beweist. Am letzten Sonntag war das Zentral-Theater, wie immer, ausverkauft; ein Herr bekam die letzten noch vor- handenen Ranglogenplätze; am anderen Tage telephonirte der Empfänger dieses Billets an Herrn Direktor Ernst wörtlich folgende»: Ich hatte gestern in Ihrem Theater in der Rang- löge II die Plätze Nr. 5 und 6, schicken Sie diese Plätze doch „Nach Afrika, nach Kamerun, nach Angra Pequena." Schluß! Den letzten Theil dieser Mittheilung sang der Herr nach der bekannten Melodie der Gesangsnummer. Poltzei-Lericht. Am 1. d. M Abend» fiel ein Dienst« mävchen in der Wohnung sein«! Herrschast, in der Albrecht- straße, beim Herabsteigen vom Hängeboden mit der Leiter um und brach den linken Oberarm, so daß es nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht werden mußte. Am 2. d. M. Vormittags erlitt eine Frau auf dem Molkenmarft beim Ab- springen von einem noch in der Fahrt befindlichen Pferdebahn« wagen eine nicht unbedeutende Verletzung des linken Ober- schenkels— Um dieselbe Zeit erlitt der Arbeiter Neumann in der auf dem Afticn-Viehdcfe in der Brunnenstraße belegenen Fabrik für Feuer- Schutzmittel von Kühlwein und Winter einen Knöchelbruch deS rechten Fußgelenk», indem ihm 4 etwa 130 Kilo- gramm schwere KompofilionSplatten ans Gips und Zement, welche er bis zu deren Erhärtung auftecht halten sollte, auf den Fuß fielen. Der Verunglückte wurde in daS LazaruS-Kranken- bauS gebracht.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann vor dem Hause Schönhauser Allee 92 beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Arbeit» wagen überfahren und erlitt dabei einen Bruch des linken Schienbeins. Derselbe wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— An demselben Tage Abends machte eine Frau, in der Kaiserstroße wohnhaft, den Versuch fich mittelst Phosphors zu vergiften. Sie wurde nach dem Krankenhause im FriedrichShain gebracht. Am 3. d. M. Morgens wurde in der Spree am Echiffbauerdamm die Leiche einer 50 bis 60 Jahre alten Frauensperson und und einige Stunden später im Spandauer Schifffahrts-Kanal die Leiche einer etwa 20 bis 25 Jahre allen Frauensperson aufgefunden. Beide Leichen wurden nach dem Obdukttons» Hause geschafft.— An demselben Tage Abends gertethen zwei Einwohner auS Rixdorf an der Ecke der Bärwäld- und Pionierstraße mit einander in Wortwechsel und Streit und erlitt dabei der eine durch Schläge mit einem Schlüssel auf den Kopf mehrere anscheinend schwere Verletzungen, so daß er nach Anlegung eines NothverbandeS nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Der Schläger wurde verhaftet, nach seiner Feststellung jedoch wieder entlaffen. GencktS' Rettung y. Unter der Anklage der Unterschlagung in drei Fällen stand gestern der Bierfahrer Gustav WasinSky vor der 87. Ab- theilung de» Schöffengericht». Der Angeklagte stand schon seit Jahren in dm Diensten der Bötzow'schen Brauerei und mußte ei daher umsomehr auffallen, daß derselbe am 25. S-pt-mder v. I. ohne vorherige Anzeige und ohne einen besonderen Grund angeben zu können, um seine sofortige Entlassung bat, die ihm auch gewährt wurde. Bald darauf stellte stch aber herau», daß Wastnsky stch eines groben Vertrauensbruchs schul« dtg gemacht; die Kunden der Bötzow'schen Brauerei, welche zur Zahlung aufgefordert wurdm, wiesen nach, daß der Angeklagte die fälligen Beträge bereit« einge« zogen hatte. Im Verhandlungstermine räumte der Ange- klagte dies zwar ein, tischte dem Gerichtshofe aber die Ge- schichte auf, daß ihm die nicht abgelreserten Gelder in einer Kneipe gestohlen sein müßten. Seine Angaben trugen aber dermaßen den Stempel der Lüge an fich, daß der Gerichtshof in eine Beweisaufnahme in dieser Beziehung gar nicht erst eintrat. In Erwägung, daß von einer Nothlage deS Angeklagten nicht die-rede sein könne, da die Bierfadrer notorisch gut gestellt find, sowie in Anbetracht de» erheblichen deftau- Birten Objekt»— es waren über 600 M.— erkannte der Gerichtshof auf eine empfindliche Strafe, nämlich ein Jahr Ge- fängniß, ordnete auch die sofortige Verhaftung des Ange- klagten an. -y. Kurzer Prozeh. IPräfident der 91. Abtheilung deS Schöffengerichts zam Angeklagten:„Sie find der Bote Carl In da» bisherige herzlich-fteundschaftliche Verhältniß der beiden Fraum, welche» kau« durch einige der gewöhn» lichm bötartigen Klatschereien und Sticheleien getrübt wer» de» konnte, schneit nun plötzlich der alte Herr Duplan mit seinem Sohne Maurice, dem glücklichen Millionenbesitzer, hinein. Herr Duplan ist ein ehemaliger Advokat, der e« auch verstanden hat, sich bei Zeiten eine Rmte zu sichern, und der nun mit dieser Rente und seinem Sohne in Moni« maurency der Rosenkultur und seinen Erinnerungen lebt, die sich hauptsächlich auf die bloßen Arme der schönen Frau Carbonel beschränken, al» diese noch hinter dem Büffet ihre« Kaffee'» saß, und ihm seinen lKaffee mit Zucker mischte. Duplan ist entschieden die«ohlgelungenste und dank- barste Figur in dem ganzen Stück. Er ist da», wa« wir fri uns in gutem Sinne de« Worte« emen„alten Sünder" nennen. Ein ehrbare« Aeußere, silberweiße Haare, ängstliche Manieren, die einem gewissen Alter«igenthümlich find,— dabei aber glimmt ihm immer noch heimliche« Feuer im Herzen, und wenn ihm sein Sohn von seinen Eroberungen unter den gluth« äugigen Töchtern Italien« erzählt, so übermannt den„alten Sünder" die Verzückung, die Erinnerung an längst ent- schwundene Tage wird in ihm«ach, er ist„ganz hin", aber— die Zeiten find leider vorbei. Von seinem Onkel hat Maurice Duplan ganz unerwartet eine Million geerbt, und von dem Augenblick an, wo diese Thatsache bekannt wird, ist er da« Stteitobjekt zwischen den beiden Frauen mit den heirathtfähigen Töchtern, beide wollen ihn al« Schwieger- söhn einheimsen. E« beginnt daher ein Kampf zwischen den beiden Damen, in deffen Verlauf der Dichter e»«»«gezeichnet versteht, dem Zuschauer da« innerste Innere eine« ettle« Mutterherzen« zu veranschaulichen. Der Frau Carbonel war der Goldfisch zuerst ganz ohne ihr Zuthun in den Schooß geworfen worden. Herr Duplan, der diesen Schatz von Sohn befitzt, war, bevor man wußte, daß er einen Goldsohn habe, in dem Salon jener Dam« stillschweigend geduldet worden, man hatte ihn Laube?" Angeklagter: Jawohl- Präs.:„Sie waren Vereins« böte für den Lürgerverein Neu- Kölln". Angeklagter:„Ja» wohl". P.äs.:„Sie find beschuldigt, von den von ihnen em« kasstrten Geldern 47 M, für fich oerbraucht, also unterschlagen zuhaben, räumen Sie dasein?" Angekl.: Jawohl. Pias.: Wie find Sie dazu gekommen, hat die Noth Sie dazu getrieben? Angekl.: Jawohl. Präs.: H-rr Staatsanwalt, ich bitte um Antrag. Staatsanwalt:„Fünf Tage Gefänqniß". Präs.: Nun, Angeklagter, was sagen Sie dazu, da» finden Sie doch gewiß sehr milde, Angekl.: Jawohl. Die Schöffen nicken bei- pimmend, worauf das Urtheil dem.Antiage deS Staatsanwalts gemäß verkündet wird. Der Kampf«m die Uhr.„Ich bin schrecklich körperlich gemißhandelt, hoher Gerichtshof!" so tritt der Uhrmacher F. aus Eutritzsch vor den Vorfitzenven de» Schöffengerichts rn Leipzig.—„Zweimal bin ich mit aller Gewalt in der Stube niedergeworfen, so daß ich eine schreckliche Beule am Hilter« köpf hatte, an den Händen blutete und am ganzen Körper voller blauer Flecken war, und das alles um die armselige Uhr, an der außer dem Gehäuse nichts mehr gut war!" Vorsttzender:„Also um eine Uhr handelt es stch. Nun, wir wollen hören, wie es damit steht. Bäcker M., Sie find angeklagt, den Uhrmacher F. körperlich mißhandelt zu haben, geben Sie das zu?" Der Angeklagte springt auf:„I keine Idee! Der Uhr« macher träumt ja, wenn er so wa» sagt. Meine Uhr habe ich von ihm wiederholen wollen, nachdem fie vier Monate bei ihm zur Reparatur gewesen fft. Aber gefallen ist der Uhrflicker ebensowenig, wie ich ihn mißhandelt habt." Auf die Aufforderung des Vorfitzenden, den Hergang der ganzen Sache zu schildern, wird folgendes bekannt. Der Uhr- macher F. hatte von dem Bäcker und Restaurateur M. in See» hausen Brov bezogen und war ihm schon längere Zeit hindurch zehn Mark schuldig. Da M. keinen anderen W-g sah, wieder zu seinem Gelve zu kommen, so gab er ihm eine Pendulr, deren Werk in Unordnung gekommen war, in Reparatur. Das war im Oktober vorigen Jahres. Wer aber die Uhr nicht wieder- erhielt, war M. Nach nahezu vier Monaten, im Februar d. I., wurde ihm die Sache denn doch zu arg, und aiS auch ein Schutzmann, den er mit der Aufforderung, die Uhr abzuliefern, dem F. zusandte, mit der Nachricht zurückkam, er sei ohne die Uhr gründlich hinauskomplimentirt worden, da ging M. am 14. Februar selbst in die Wohnung deS renitenten Uhrkünftler», um sein Eigenthum zmückzufordern. AIS persönlichen Schutz nahm er jenen Schutzmann wieder mit. F. empfing seine ungebetenen Gäste mit unheilverkündender Miene.„Was wollen Sie hier? Ihre Uhr? Da liegt der Dr...— Und damit wies er auf ein wüste« Durch- einander von Rädern, Fedem und Uhrwerktheilchen, die fich auf dem Arbeitstische befanden. M. besah sein« in alle ihre Bestandtheile zerlegte Uhr, schüttelte traurig den Kopf, holte dann aber mit dem Stoßseufzer:„Lieber diese Trümmer, als gar keine Uhr!" ein Zigarrenkistchen hervor und begann die« selben einzupacken. Von einer Zimmerecke aus sah der Schutz« mann dem ganzen Vorgange zu, ohne fich in den Uhrhandel zu mischen. Da plötzlich fäbrt der Uhrmacher in die Höh-:„Lasten Sie die Uhr liegen!" Und mit diesem AuSruf schießt er auf den Inhaber der Uhr loS, packt ihn am Arm und«in Ringen um die Uhr beginnt. Bis zu diesem Moment find die Ausführungen des Klägers und de» Beklagten übereinstimmend. Nun aber gehen fie weit auseinander.„Da hat M mich gepackt, mich zweimal auf den Boden geworfen, so daß ich mir furchtbar weh that!" ver» fichett F.—„Der Mensch hat absolut nicht auf dem Boden gelegen, er hat stetS so fest auf den Füßen gestanden, wie Sie und ich!" beiheuert der Bäcker dem Vorfitzenden.„Ich habe meine Zeugen!" schreit der Uhrmacher, und diese werden nun auch vernommen. Der erste ist der Schutzmann:„Meine Herren, ich war geradezu verblüfft, als ich von der Klage gegen den M. hörte, der Uhrmacher muß gar nicht wissen, waS er sagt. Ich bin doch vom ersten bis zßm letzten Augenblick im Zimmer gewesen und kann auf meinen Eid nehmen, daß F. nicht auf den Boden gefallen ist und abjolut nicht gefallen sein kann, denn weder M. noch ich haben ihn angerührt. Am Finger hat er ge« blutet, aber er ist an seinen Tisch gegangen und hat fich selbst mit einer Pinzette gestochen!" F.'i Antwort auf die Frage de» Vorfitzenden, was er»u dieser Erklärung seine» eigenen Zeugen sage, ist nur:„Ich bin starr!" Die zweite Zeugin ist eine Frau H, die mit F. auf dem» selben Flur wohnt. Sie soll nach Angabe deS Kläger» bezeugen, daß fie, als fie bei dem lauten Wortwechsel die Per- dinvungSihür geöffnet, ihn habe am Boden liegen sehen. Aber, o weh! Auch Frau H- erklärt nach abgelegtem Eide:„Ich habe Herrn F. jagarnicht liegen sehen, er stand ganz ruhig und auftecht da. Blut an seinen Händen habe ich ja gar nicht gesehen. Ich weiß von der ganzen Sache gar nichts." mit verletzender Rücksichtslosigkeit oder garnicht behandelt, dann aber wird er der Gegenstand zartester Aufmerksam« keit und«an überhäuft ihn selbstverständlich mit den aus« gesuchtesten Höflichkeiten. Trotzdem e« nun bestimmt war, daß Maurice die Tochter der Frau Carbonel heirathen sollte, beschließt Frau Perugi» doch, ihr diese Beute abzujagen. Sie gönnt Fräulein Bertha de» reichen Mann nicht, sie will ihn für die eigene Tochter Lucie, die zwar schon an eine» jungen Architekten verlobt ist, in Beschlag nehmen. Alle», wa» Weiberherzen an Raffinement, an Hohn, List und Schlauheit je erdacht habe», kommt jetzt zum Vor» schein, der Streit führt zu den drolligsten VerwechselungS» szenen und den lästigsten Episteln, bi» endlich der vielum« wordene, recht schwankende und wankelmüthige Mrllionär der Sache dadurch ein Ende macht, daß er seine Million einfach brüderlich mit seinem Freund« theilt, so daß schließ« lich jeder seine Angebetete heimführen kann.— Von einzelnen oberfaulen Kalauern, namentlich im An« fang de« Stücke», abgesehen, ist der Dialog reich an witzigen, geistreich pointirten Bemerkungen, und e« ist lobend avzu« erkennen, daß diesmal dem Publikum nicht eine bloß« Uebersetzuvg, sondern eine wirkliche Bearbeitung de» fran« zöfischen Texte« geboten wird. Gespielt wurde durchweg mit wohlthuender Frische und Munterkeit. Die SiegeSpalme ttug Herr Pansa al« Duplan davon, er verstand den kleinen, kurzath» migen Advokaten in durchaus lebensvoller, charakteristischer Weise wiederzugeben. Fräulein Norden und Frau Wank waren in den beiden Frauenrollen gleich gut, vor solchen Schwiegermüttern mußte jeden Zuschauer frösteln. Fräu» lein Wiimar spielte mit gewohnter Liebenswürdigkeit, etwa« weniger durchdacht und abgerundet war die Roll« der Lucie, welche Fräulein Deman vertrat. Alle übrigen Mitwirkenden machten ihre Sache recht gut. Die Regie de» Herrn Direktor Anno ist bekannt und so»ollen wir hoffen, daß„der Kernpunkt" die Berliner recht lange erfreue» möge. Der Kläger fährt sich durch die buschigen Haare und ruft wieder, aber diesmal mit schwächerem Tone: Sch bin ftarr!" Nach Lage der Sache mußte das Schöffengericht natürlich etn freisprechendes Urtheil fällen. F's Nase wird ganz bedenklich spiß und namentlich in dem Moment, als der Herr Vorftzende bemerkt: Die ganze Klage scheint in das Gebiet der wiffentlich falschen Denunziationen zu gehören!" Wenn nur F. nicht an einem anderen Blage, an dem gegen ihn verhandelt wird, starr wird! Soziales und Arbeiterbewegung. Auf nach Kamerun! Die Hamburger Firma Eduard Willers sucht Handwerker, Kleine Raufleute, kleine Kapitaliſten und Arbeiter zur Ueberftedelung nach Kamerun auf Wör mannschen Dampfern. Zur Warnung theilen wir mit, was Dr. Reichenow, der längere Zeit Westafrita bereift hat, noch türzlich über Land und Leute in Kamerun in einem Vortrage gefagt. Das Klima, führte er aus, sei über alle Maßen gefährlich. Noch tein Europäer habe längere Zeit in Kas merun gelebt, ohne schweren Schaden zu erleiden. Niemals würde fich der Weiße in Kamerun afklimatisiren können, ni emals werde Kamerun ein Ziel für Auswandeung, eine Kolonie für Ackerbauer bilden können. Vielleicht werde es später einmal gelingen, mit Hilfe der Eingeborenen in Kamerun Plantagenwirthschaft zu treiben, aber das babe noch gute Wege. Die Eingeborenen find so faul, daß fte weder durch Bwang noch mit Güte zur Arbeit zu veranlaffen seien. Vorläufig bleibe also Kamerun, was es bereits seit einer Reihe von Jahren sei, eine Handelsstation, auf der nur wenige Europäer Be schäftigung finden tönnen. Verstaatlichung des Grund und Bodens- darin fieht der frühere fonjervative Landtagsabgeordnete E. v. Helldorff in einer fürzlich erschienenen Schrift die einzige wirksame Abhilfe der Noth der Landwirthschaft. Dabei kommt der Verfasser zu dem Resultate, daß die Anficht, als könne der Landwirthschaft durch Getreidezölle aufgeholfen werden, unzu treffend set. Den Nachweis führt er durch seine eigenen Wirth schaftsbücher, aus denen er das zur Beurtheilung erforderliche Material zunächst für die drei Jahre vom 1. Juli 1860 bis babin 1863 und dann für die Zeit vom 1. Juli 1881 bis Dabin 1884 zusammenstellt. Die beiden Berioden find gewählt, weil fie gleich weit von dem Zeitpunkte entfernt find, an welchem der Uebergang von der alten extenfiven zu der neuen intenfioen Wirthschaftsmethode auf dem Gute des Herrn von Helldorff stattgefunden hat. Sehr beachtenswerth erscheint eine Aeußerung des Verfaffers, die eine ausreichende Erklärung für so manche befremdliche Erscheinung in landwirthschaftlichen Kreisen geben dürfte. Her v. Helldorff sagt:„ Sicher ist das vermehrte Rifiko, was eine moderne Wirthschaft mit sich bringt, schon an fich nicht ohne Einfluß auf die Stimmung der Landwirthe, welche troß allen Sträubens fich demselben nicht entziehen konnten. Die moderne Wirthschaft hat alles Das ver loren, was früheren Landwirthen das Gefühl eines gewiffen rubigen Behagens gab. Es bat auch früher gute und schlechte Jahre gegeben aber die Wirthschaft, einmal geordnet, ging thren geregelten Gang- Beiten der Anstrengung folgten Beiten einer gewiffen Ruhe. Jezt die Maschinen stehen feinen Augenblid still, jeder Tag fast bringt neue Aufgaben und mit den neuen Aufgaben neue Sorgen." Burg bei Magoeburg. Es folgten dem Beispiele der Lobnreduktion auch die mechanische Schuhfabrik von Gebrüder Tad u. Co., so daß fich die Arbeiter ebenfalls genöthigt saben, die Arbeit einzustellen. Somit beträgt die Bahl der Streifenden 56. Also Kollegen helft schnell. Der Fachverein der Steinmeken in Hamburg erläßt folgenden Aufruf: Werthe Kollegen! Seit langer Zeit war es schon unser Bestreben, nur gleiche Arbeitszeit und Lohnregelung in Hamburg wieder einzuführen, wir haben jedoch ftets auf harten Widerstand gestoßen und mußten es uns gefallen laffen, daß im vergangenen Sommer einige Meister uns Die Arbeitszeit/ Stunde verlängerten. Jest hat sich unser Fachverein die Aufgabe gestellt, mit folgenden Bunkten( welche von den Herren Innungsmeistern anerkannt find) gegen die Hanseatische Baugesellschaft vorzugeben: 1. 9stündige Arbeitsgeit; 2. Lobn pr. Std. 55 Bf.; 3. Flachen und Stufen nach Tarif. 4. Alle 14 Tage Abrechnung. Es find in diesen Buntten schon in vernünftiger Weise Schritte gethan um die Sache in Güte zu regeln, doch wurden wir mit unserem Vorbaben getäuscht, denn die Antwort war und zwar in einer Weise ablehnend, daß man die Ausdrücke hier nicht näher be zeichnen tann. Hierauf wurde in der Versammlung vom 31. März einstimmig beschlossen: Die Arbeit bei der Hanseatischen Baugesellschaft einzustellen, mie bereits geschehen. Werthe Kollegen, indem wir hoffen, daß ihr unser Vorgehn billigt, bitten wir Euch, uns den Buzug fern zu halten, damit unsere Sache gerechtfertigt wird. A Die Streit- Kommission. Briefe wolle man senden an: R. Höfer, Schriftführer, Hammerteich 139, I in Hamm Hamburg. Etwaige Unterftügungen an Leonhardt Schneider, Rasfirer, pr. Adr. Boftel mannsweg 158 in Hamm- Hamburg. Zur Erwiderung auf den Artikel, welchen Herr Eisenmöbel- Fabrikant 6. Schulz, Lindenstr. 105, am Charfreitag in verschiedenen biefigen Beitungen publiziren ließ, übersendet uns die Lohntommiffion der Schloffer das Folgende: 1. Es haben nicht nur 31 Mann die Arbeit niedergelegt, sondern am 24. März legten 41 Mann die Arbeit nieder. Dazu kommen 4 in der vorangegangenen Woche Gemaßregelte. Ferner tamen noch am Montag, den 30. März 2 Mann dazu. Es streiten also im Ganzen 47 Mann. Davon nahmen am Nachmittag des 24. März 3 Mann die Arbeit wieder auf. Ferner wurden threm durch Unterschrift gegebenen Worte untreu 2 Mann, von denen einer später zu uns zurückkehrte, von uns jedoch nach einem solchen Verhalten nicht mehr als Kollege anerkannt werden konnte. 2. In Bezug auf den Durchschnittsverdienst von 20,50 M. Die Woche, wie ihn Herr Schulz angiebt, über laffen wir ed dem unpartetischen Publikum, selbst Darüber zu urtheilen, ob wohl so viel Mann die Arbeit niedergelegt hätten, wenn der Verdienst ein derartiger gewesen wäre und bemerken noch dazu, daß Herr Schulz wohl nicht die Nachfeierabend- und Sonntagsarbeit gerechnet hat, denn es vergeht wohl tein Sonntag, an dem nicht in seiner Werkstatt gearbeitet wird. Ist doch sogar am Charfreitag dort gearbeitet worden, und mußte erst die Polizei die Arbeit einstellen laffen( Auf Puntt 3 erwidern wir, daß bis zum 21. März thatsächlich 61 Stunden gearbeitet und nur 60 bezahlt wurden. Ferner ist von uns nie behauptet worden, daß Herr Schula einen Arbeiter wegen einer Agitation zur Arbeitsniederlegung entlassen hat, sondern das geschah wegen der Agitation zur Belsteuer zum Generalunterfügungsfonds der Schloffer. Das Der Streit nicht von Herrn Schulz gemacht ist, ist wohl felbft verständlich. Die Lohntommiffion der Schloffer und Berufs genoffem J. A.: C. Miethe Vereine und Versammlungen. be. Die öffentliche Versammlung der Berliner Kürschner, welche am Donnerstag, d. 2. d. Mts., im Palmen faal, Neue Schönhauserstr. 20, unter Vorfiz des Herrn Janus stattfand, beschäftigte sich mit den Verhältnissen der Burichterbranche. Der Vorfigende führte in seinem Referat aus, daß mit einem Schlage die Burichter an die Spiße der Lohnbewegung getreten seien, daß ihre frühere Indifferenz gegen die Bemühungen ihrer Kollegen durch den Drud der Umstände und durch die immer größer werdende Noth beseitigt und für immer vertrieben sei, und daß die Früchte dieses festen und planmäßigen Anschluffes in überraschend furzer Zeit gereift wären. Die vollständige Durchführung des Leipziger Lohntarifes in allen Werkstätten sei nach furzem Kampfe er reicht worden. In der ausgedehnten Distusfion, an der fich die Herren Reimenthal, Lewin Haase, Kuhnert, Schröder u. A. m. betheiligten, wurde darauf hingewiesen, daß die Zurichtereibefizer fich sehr mit Unrecht gegen die Durchführung eines gleichmäßigen und einheitlichen Tarifs der in gefträubt hätten, ihrem eigenen Intereffe liege, weil durch ihn Das gegenseitige Unterbieten Der Fabrikanten, die Schmuskonkurrens verhindert würde. Es wurde beschlossen, den 11 Kollegen, welche 5 Tag lang bei Gebhardt die Arbeit niedergelegt hatten, eine Entschädigung von 15. M. zu gewähren und sodann trat man in eine längere Erörterung weiterer gewerkschaftlicher Angelegenheiten ein. Zum Schluß wurde noch darauf hingewiesen, daß am dritten Dfterfeiertag, Vormittags 10 Uhr, bei Seefeld, Grenadierstraße, eine Versammlung mit der Tagesordnung: Das Arbetterschußgeset" stattfindet. Der Fachbereiu der Nähmaschinenarbeiter und Be rufsgenossen feiert am Sonntag, den 5. d. tts.( 1. Dfter feiertag), im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, sein diesjähriges Stiftungsfest. Anfang 7 Uhr. Sämmtliche Mits glieder sowie deren Verwandte und Bekannte werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Der Verein zur Wahrung der Intereffen der Tischler und Berufsgenossen veranstaltet heut, 1. Feiertag, in Vauxhall, Dresdenerstr., ein Votal- und Instrumental- Konzert unter Mit wirkung des berühmten Norddeutschen Gesangs Quartetts, sowie des urkomischen Herrn Apel. Alle Freunde und Bekannte find hierzu eingeladen. Billets find zu haben bei den Herren Gundelach, Solmsstr. 12, Stügelmaier, Gitschinerstr. 93, Latur, Oranienstraße 203, Schrage, Grünauerstraße 11 und Lerche, Fruchtstraße 35. Das Norddeutfche Männer Quartett veranstaltet am 1. Osterfeiertag, Vormittags von 11 bis 2 Uhr, eine Wohlthätigkeits- Matinee, in Keller's großem Saale Anbreasstr. 31. Die gesammte Einnahme erhält ein seit Jahren franter Arbeiter, und wäre schon deshalb ein reger Besuch dieser Matinee sehr erwünscht. Das vielseitige, intereffante Programm, ausgeführt von den sechs bewährten Kräften des bekannten Quartetts, verspricht einen genußreichen Vormittag. Der Eintrittspreis beträgt nur 30 Bf. " Der Gauverein Berliner Bildhauer" veranstaltet am 3. Ofterfeiertag eine Herrenpartie nach Behlendorf, von dort nach ,, Alte Fischerhütte" und Schildhorn". Für Unterhaltung ist bestens gesorgt; unter Anderem wird auch die Kapelle, welche aus Kollegen besteht, wieder mitwirken. Die Abfahrt ist Morgens 7 Uhr 53 Min. vom Potsdamer Bahnhofe; Ver sammlung um 7 Uhr 30 Minuten dortselbst, und sind alle Kollegen freundlichst eingeladen. Das Vergnügungs- Romité. Die hiesige Filiale der Zentral Kranken- und Sterbetaffe der Schuhmacher und verw. Berufsgenossen Deutschlands( E. H. K.) macht den Mitgliedern bekannt, daß am zweiten Feiertage( Montag, den 6. b. M.) in den Bahlstellen teine Beiträge entgegengenommen werden. Dagegen nehmen der Bevollmächtigte Papke, Naunynstr. 36, Hof II und der Kaiftrer Burich, Langestraße 21, Seitenfl. VI am ersten und zweiten Feiertage von Morgens 8 bis Nachmittags 2 Uhr Bei träge in Empfang. Auch find dort Billets zu dem am 18. b, Mis. im großen Saale von Keller, Andreasstr. 21, stattfinden den Feste zu haben. " Ueber Die friedliche Lösung der sozialen Frage" will der Domprediger a. D. Herr Gandert aus Stendal am Dienstag, den 7. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, im großen Saale von Tivoli" in der Lichterfelderstraße einen Vortrag balten. An den Vortrag soll sich eine freie Distuffton an schließen. Hierzu macht der um zahlreiches und pünktliches Er fcheinen ersuchende Vortragende und Einberufer der betreffen den Versammlung darauf aufmerksam, daß um 10% Uhr das Lokal geschlossen werben wird. Der Gefangverein Orpheus" veranstaltet am 6. April ( 2. Ofterfeiertag) unter Leitung seines Dirigenten Herrn Kelter bach in den Räumen des Louisenstädtischen Theaters eine Matinée zu einem wohlthätigen 3wed. Der Verein, welcher immer bestrebt ist, dem Publikum etwas Gutes zu bieten, ift auch diesmal bemüht gewesen, zu dieser Matinée tüchtige Kräfte, unter Anderem die Damen Fräulein Montana, Frau Leonhard, die Herren Schulze, Leonhard und Brodeck vom Louisenstädtis schen Theater, sowie den Herrn Ad. Ascher, Mitglied der Leips ziger Sänger, zu gewinnen. Außerdem hat ein sehr berühmtes Bosaunen- Quartett seine Mitwirkung augesagt. Lieder von Abt, als: Sonnenaufgang", auch Der Gondelfahrer"( hier von dem Kölner Männergesangverein zuerst aufgeführt),„ Auf dem See" mit Baritonsolo, außerdem auf vielseitiges Verlangen Mein Wunsch" mit Tenorsolo werden zur Aufführung ge langen. Billets pro Person 30 Pf. find vorher in den mit Plakaten belegten Handlungen und bei den Herren Deute, Röpniderstraße 31B, Ernst, Schmidstraße 14 parterre, zu haben. Raffenpreis 40 Pf. Eine große öffentliche Schneiderversammlung findet am Dienstag, den 7. April er.( 3. Feiertag) Vormittags 10 Uhr im Königstädtischen Rafino, Holzmarkstr. 72 statt. Herr Michelsen wird einen Vortrag über die Lohnverhälnisse im Allgemeinen halten Da außerdem wichtige Angelegenheiten erörtert werden sollen, liegt es im Interesse aller Schneider und namentlich der Ronfektionsschneider, recht zahlreich zu erscheinen. Zentral- Kranken- und Begräbnißtaffe der Sattler und Berufsgenossen Deutschlands( genannt Hoffnung E. H. Nr. 54) erfte ordentliche Generalversammlung am 5., 6., 7. April in den Gratwellschen Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Außer dem am 6. April Abends ein gemüthliches Busammensein au Ehren der auswärtigen Delegirten. General Versammlung der Produktiv und Rohstoffgenossenschaft der Schneider zu Berlin( E. G.) Dienstag, ben 7. April, Abends 8 Uhr, tim Lokale des Herrn Pieper, Mauerstraße 86. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl für 2 Mit glieder aus dem Verwaltungsrath. 2. Besprechung wegen Der Internationalen Arbeiter. Industrie Ausstellung in Paris. 3. Verschiedenes. Der Vorstand: Eppinger. Böhnte. Imme. Die Versammlung des Verbandes Deutscher Bimmer leute( Lokalverband Berlin) findet am Mittwoch, den 8. d. M., Abends 8 Uhr, im Lokale Kommandantenstr. 20 statt. Tages ordnung: 1) Abrechnung pro 3. Quartal. 2) Delegirtenwahl. 3) Verschiedenes. 4) Fragetaften. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen, um die In tereffen des Verbandes zu wahren." tereffen des Verbandes zu wahren. Aufnahme neuer Mit glieder. Den Mitgliedern der Zentral- Kranken- und Sterbe Kaffe der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter, Berlin E., zur Kenntniß, daß der Bevollmächtigte Herr Faist jest Dalldorferstr. 3, of part, und der neue Drtstafftrer Herr Kleinau Hochstr. 38, Hof III., wohnt. Die Bahlstellen bes finden fich Müllerstr. 184, Badftr. 25 und die neu errichtete Anton und Ruheplasstr. Ecke bei heißig. Arbeiter- Bezirts Verein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Die General- Versammlung am Montag, den 3. April, fällt aus und findet die nächste Mitglieder- Ber sammlung mit einem sehr interessanten Vortrage am Montag, ben 20. April, Abends 8 Uhr, im Wedding- Bart statt, worauf schon jetzt die Mitglieder aufmerksam gemacht werden, mit dem Ersuchen, recht zahlreich zu erscheinen und dem Verein neue Mitglieder zuzuführen. Briefkaften der Redaktion. Wißbegieriger Leser. Den Wagen der aus dem Meeres schaum geborenen Göttin, Aphrodite( Venus), zog entweder ein Schwan oder ein Taubenpaar. Der Schwan war im griechi schen Alterthum dem Apollo( Gott des Gesanges) heilig und batte von diesem die Gabe der Weiffagung empfangen, beson Ders die Fähigkeit, im Todestampf unter flagendem Gesang seinen Athem auszuhauchen. Daher rührt der poetisch oft vers werthete ,, Schwanengesang." Auch in der germanischen Götters lebre galt der Schwan als weiffagender Bogel. Daher jagt man noch heute von Einem, der von etwas eine Achtung hat, ,, Es schwant thm". Ungeduldiger. Eine Redaktion ist nicht allwissend, sons dern fie muß, um wirklich zutreffende Antworten geben zu tön nen, häufig fich erst selbst informiren. Dann tann natürlich die Antwort nicht sofort erfolgen, sondern es dauert einige 3: it. W. N. Ludauerftr. Die Beilegung eines falschen Namens ist nur dann strafbar, wenn dieselbe Behörden gegen über oder in betrügerischer Absicht geschieht. Zwei Wettende, Trestowerstr. Die Reihenfolge der Offiziersgrade ist folgende: Lieutenant, Premier- Lieutenant, Hauptmann, Major, Oberstlieutenant, Oberst, Generalmajor, Generallieutenant, General, General Feldmarschall. Wilhelm P., Brunnenstr. Die sieben Wunder der Welt" nannte man im Alterthum: 1) die egyptischen Pyra miden; 2) die Mauern und die hängenden Gärten in Babylon; 3) den Dianatempel in Ephesus; 4) das Mausoleum in Hali tarnaffus; 6) den Koloß au Rhodus; 7) den Leuchtthurm bei Alexandria. Wette, Wörther Platz. Im Jahre 1866 wurden die preußischen Stegesthaler geprägt. Auf denselben ist der Kopf des Königs Wilhelm mit einem Lorbeerkranz geschmüdt. P. P. Fremdwörterbücher giebt es zu verschiedenen Preisen in jeder Buchhandlung. A. 2. Kaiserstraße, berlinge" find solche Trauben am Weinstock, welche wegen mangelnden Wachsthums nicht zur Reife gelangen, deren Beeren daher ungenießbar find. H. C., Nostizstraße. Die Worte ,, vormitttags, nachts", abends", werden groß oder fletin geschrieben, je nachdem man fich dem einen oder anderen Gebrauch anschließt. Nach neuer Orthographie sollen fie nur flein geschrieben werden. 6. B., Lübbenerstraße. Wenden Sie sich an das betreffende Polizeirevier, in welchem der betreffende Herr zulegt gewohnt hat. Man wird Ihnen dort wahrscheinlich Auskunft geben tönnen, wohin derselbe verzogen ist. Unferm Rauchflub- Mitgliede Heinrich Rönig au seinem 27. Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß ganz Nendoof bis schwarzen Thorweg wadelt, und im Gasthof zum Fließ fich gemüthlich das Lied anstimmt: :: Umsonst fragt teene Henne nich:,: G'n Morgen Herr Dingskirchen. J. A. D. V. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weißund Bairischbier- Lokal. F. Ebel, Staligerstraße 43. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein 706 Tischler und Tischlermeister am Dienstag, den 7. April, Weiß- und Bairischbier- Lokal. In Rigdorf findet eine öffentliche Versammlung der Vormittags präz. 10 Uhr im Lofal von Nised, Bergstr. 129, statt. Bei der Wichtigkeit der in der Versammlung befannt zu machenden Tagesordnung ist das Erscheinen sämmtlicher Tischler Nixdorfs nothwendig. Als Referent fungirt Herr G. Rödel aus Berlin. In Charlottenburg findet eine öffentliche Versamm lung der Tischler und Tischlermeister am Dienstag, den 7. April, in Conrad's Salon, Berlinerstraße, statt. Die Lages ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen sämmtlicher Tischler Charlottenburgs nothwendig. Als Referenten fungiren zwei Mitglieder der Berliner Lohntommiffion. Kranten- und Begräbnißlasse des Vereins sämmt licher Berufsflaffen( E..) veröffentlicht die 4. Bahlstelle Flottwellstraße und Karlsbad- Ede bei Kuß. Erfte Versamm lung am 18. April. Auskunft ertheilt Wiegand, Steinmezftr. Nr. 24 und D. Bopff, Stegligerstraße 92. Fachverein der Tischler. Versammlung, Mittwoch, den 8. April, Abends 82 Uhr, Bergstr. 68, Kurzmann's Salon. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Canis, prakt. Ver. treter der Naturheilmethode, über Naturheilkunde und ihr Werth für das Familienleben. 2. Verschiedenes und Frage laften. Gäfte find willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Versammlung der Mitglieder der Zentral- Krantenund Sterbekaffe der Tabatarbeiter Deutschlands( E. H.) am Dienstag( 3. Feiertag), Vormittags 10 Uhr, tm Lokale des Herrn Keller, Andreasstr. 21. Tagesordnung: Dertliche Ver waltungs. Angelegenheiten und die erste Generalversammlung in Lübed. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Versammlung der Fabrik- und Bauarbeiter am 6. April( 2. Osterfeiertag) in Kellers oberen Saal, Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1) Neuwahl des Vorstandes. 2) Vortrag des Herrn Hildebrandt. 3) Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Mitglieder ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen. Neue Mit glteder werden aufgenommen. 725 Berliner Volksblatt liegt aus. W. Pohl, 112 Manteuffelstraße 112. Allen Freunden und Bekannten zeige ich ergebenst an, daß ich Weinbergsweg 15c eine Destillation übernommen habe und bitte ich meine werthe Nachbarschaft mich zu beehren. Weiß und Bairischbier von bekannter Güte. 716 Friedrich Kuhlmey, Weinbergsweg 156. Allen Freunden und Bekannten empfehle meine Restauration Zum wahren Jakob. Weiss- und Bairisch- Bier à Glas 10 Pf. Für Abend- Unterhaltung ist auf das Beste gesorgt. 258 G. Spiekermann, Rüdersdorferstr. 51. Harmonikaspieler bill. Winkel, Pallisadenftr. 83, 4 Tr. 726 Bur pünktlichen Besorgung des Berliner Volksblatt sowie Neue Welt, Neue Zeit u. s. w. empfiehlt sich Manteuffel 710 Herrmann Schmidt, effe Das Berliner Boltsblatt", sowie Bauhandwerker" und Metallarbeiter- Rettung" wird pünktlich besorgt. 676 W. Iwankky, Manteuffelstraße Nr. 34, v. 3 Tr. Püdlerstraße, jest 718 Dr. Schoen, Giffinerstraße 36. 10-1, 4-7. Die Nr. 15 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" 687 ift erschienen und in der Exped. d.„ Berl. Boltsbl." zu haben Die von Mitgliedern des Fachvereins der Schneider gegründete Mitglieder- Versammlung Produktiv- u. Rohstoff- Genossenschaft der Schneider des Vereins zur Wahrung der Interessen der Berliner Maurer am Mittwoch, den 8. April, Abends 8 Uhr, Inselstraße 10, bei Scheffer. Tagesordnung sehr wichtig. 708 Arb.- Bez.- Ver. der Rosenth. Vorst. zu Berlin( Eingetragene Genossenschaft) No. 30 ZIMMER- STRASSE No. 30 empfiehlt ihr Lager fertiger Herren- Garderobe, sowie ihr reichhaltiges Lager in und ausländifcher Stoffe, ebenfalls Futter, Borte und Knöpfe. Herren- Garderoben jeder Art werden nach Maaß angefertigt. Reelle Arbeit. Dauerhafte Stoffe. Feste Preise. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Adressen zum Geschäftskalender bis Donnerstag, den 9. April, beim Vors. Ballmüller, Veteranenstraße 28( Cigarren- Geschäft), abzugeben 723 find; spätere Annoncen finden teine Berüdfichtigung. 712 Dtto Ballmüller. Große Schneider- Versammlung am Dienstag, den 7. April( 3. Feiertag), Vormittags 10 Uhr, im Königstädtischen Cafino, Holzmarktstrake 72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Michelsen, Buchbinder. 2. Vers schiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 721 Die Lohnkommission. General- Versammlung der freien Kranken- und Begräbnißkasse Der Schuhmacher und Berufsgenossen Berlins( E. H.) Mittwoch, den 15. April, Abende 8 Uhr, in Feuerstein's Restaurant, Alte Jakobstraße Nr. 75: Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kaffenbericht. 2. Jnnere Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. NB. Die Abnahme von Beiträgen fällt die Feiertagswoche aus. Der erste Kaffenabend ist Montag, den 13. April, im obigen Lokal v. 8-10 Ubr Abends. Der Vorstand. 724 Fachverein der Tischler. Mittwoch, den 8. April, Abends 8 Uhr, in Kurzmann's Salon, Bergstraße 68: Versammlung. Tagesordnung: 1. Bo trag des Herrn D. Ranis über Naturheilkunde und ihren With für das Familienieoen. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Gäfte wilkommen. Neue Mitglieder merten aufgenommen. Die nächste Versammlung des Fachver.f. Schlosser u. Berufsg. findet Sonnabend, den 18. April, Abends 8½ Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenftr. 77/79, statt. 709 Es findet am 4. April teine Versammlung statt. Die beiden Fachvereine der Möbelpolirer" machen am dritten Feiertag eine Herrenparthie nach den Rüdersdorfer Kaltbergen und laben alle Berufsgenossen dazu ein. Sammelpuntt früh um 27 Uhr an der Billetausgabe des Schlesischen Bahnhofa. Abfahrt um präziie 3/47 Uhr. Arbeiter- Bez.- Ver. der Oranienb. Vorst. u. des Wedding. Am zweiten Osterfeiertag, Nachmittags 5 Uhr, Gemüthliches Beisammensein bei Schramm, Hochstraße 32a. Der Vorstand. Allgem. Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter( E. H. Nr. 29). liches. 688 ( Filiale Berlin- Rigdorf.) Dienstag, den 7. April, Vormittags 9 Uhr, Monats Versammlung. 1. Bericht der Kommission über die Aerzte. 2. Geschäft Mitgliedsbuch legitimirt. Der Bevollmächtigte. Central- Kranken- u. BegräbnißKaffe für Frauen und Mädchen Offenbach. 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