Nr 8t Mittwoch, 8, April 1885. II. Jahrg. MttMsM Krgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. �Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Erpedition: Zimmerstraße 44. Zum Kapitel der Ziuswanderunz. Die Einen sagen, die Noth treibt die Leute aus dem Lande, die Andern erklären, eS ist ein Zeichen der Wohl- habenheit, wenn die Leute nach fernen Gegenden ziehen. Das erste ist im Allgemeinen richtig, das zweite ist grundfalsch. Doch diese Frage soll unS heute nur io nebenbei berühren. Es ist ein ganz anderes Motiv, welches uns zu dem vielfach schon erörterten Kapitel der Auswanderung die Feder in die Hand drückt. Uns ist nämlich ein liberales Blatt aus dem Jahre 1882 in die Hände gefallen, in welchem wir nachstehende an den damaligen Bericht des ReichSkommisfarS für das Aus» wandecungswesen geknüpften Aeußerungen lesen. Der Bericht konstatiit« nämlich den ungemeinen Aufschwung der Auswanderung im Jahre 1881 im Verhältniß zu den früheren Jahren. Die Auslastungen des liberalen Blattes sind nun folgende. „Fragllman nach den letzten Ursachen, welche so ungeheure Schwankungen in der Zahl der Auswanderer hervordringen, so wird man nie zu einer völlig erschöpfenden und überzeugen- den Antwort kommen Es wirken zu viele einzelne Motive und Ursachen zusammen, die bald einen Rückgang, bald ein eotdemiearttges Anschwellen der Auswanderung herbeiführen. Nicht« ist ierchts-rnger, als auf bestimmte politische oder wirth- schaftspolitische Beweggründe solche Erscheinungen zurückführen zu wollen. Wir lesen häufig genug, die politische Re- aktion, oder d er Kulturkampf, oder die neue W ir l h s ch afts p oli tik uno dergleichen treibe die Leute massenhaft über's Meer Daß eigentlich politische Motive bei dem Entschluß zur Auswanderung mit- wirken, wird man ernstlich doch höchstens bei einem ganz ver- schwindenden Prozentiatz von Heimathsflücktigen annehmen können, und waS den wirtbschaftlichen Druck als angeblichen Beweggrund zur Auswanderung betrifft, so rst eS durchaus nicht gerechtfertizr in der wachsenden Zahl von Auswanderern den Beweis einer besonders gedrückren materiellen Existenz zu erblicken. Da« gebt ichon aus der Thatsache hervor, daß die stärkste Auswandererzahl nächst dem Jabre 1881 die Jabre 1872 und 1873 aufweisen, die sog. Gründerjahrc, die doch Niemand zu den unter einem desonderen wirtbschaftlichen Druck leidenden rechnen wird, während die notorisch dürftig st en Jahre in der zweiten Hälfte des achten Jahr- zehntS einen starken Rückgang der AuSwan- dererzuhl aufweisen. Zum Auswandern gehört eben Geld, und e« find keineswegs die bedrängtesten Existenzen, die fortziehen. Der Bericht deS Auswanderungskommiffars kon- starirt ausdrücklich:„Die im Jahre 1881 auS den deutschen Häfen beförderten Auswanderer schienen ihrer äußeren Erschei- nung nach fast durchgängig einer bemittelterenKlasse alS die Auswanderer früherer Jabre anzugehören."— Der wirthschaftliche Aufschwung Amerikas wirkt nachweisbar auf die Zunahme der deutschen Auswanderung zurück. In oieser Hinsicht ist bemerkenSwerth, daß etwa 20 Prozent der deutsch.-n Auswanderer auf BilletS befördert wurden verboten.s 6] IeuMeton. I m Eckfenster. Roman von Friedrich Gcrstäcker. lFortfetzung.) Jetzt erst, da das Gespräch inS stocken kam, erinnerte sich Max an seinen Magen, denn das Essen war heute auf unverantwortliche Weife hinausgezögert worden. Wer von Allen, die Kinder vielleicht ausgenommen, dachte auch daran! „Essen wir denn noch nicht bald', Greth«?" knurrte er und zupfte dabei die Tante an der Schürze. „Das Kind hat Recht," sagte der Vater, welcher die Worte gehört hatte;„laß da« Essen hereinbringen, die Leute dürfen nicht so lange warten." Das junge Mädch.n verließ da» Zimmer, um den Auf- trag zu besorgen, und Karl's Blick haftete jetzt zum erste« Mal auf dcn Kindern. „Und da» ist die Bärbel?" sagte er, als er mit thränendea Augen da» kleine Mädchen betrachtete.„Du großer Gott, sie wurde noch auf dem Arm herum- getragen, und den kleinen Burschen kenn' ich nicht ein- mal!" „ES ist Deiner todte« Schwester Lisbeth Kind, der Max. Wir haben ihn erst vor zwei Jahren zu uns ge- nommen." _„Komm her zu mir, Max— willst Du nicht Deinem �nkel die Hand geben?" „Nein," schrie der Knabe,„ich fürchte mich vor Duc! und barg dabei sein dicke«, rothes Gesicht in der Groß- mutter Schürze. «Und Bärbel kennt mich auch nicht mehr?" Da« kleine Mädchen wich ebenfalls scheu vor ihm zurück und hielt die Hände hinter sich, daß er keine davon er- greifen konnte. Karl seufzte recht aus voller Brust, und still vor sich medersehend, sagte er leise und kaum hörbar;„O, da» thut weh. recht weht" „Bärbel, geh hin zu ihm," bat die Mutter. für welche der Fahrpreis von in Amerika ansäsfigcn Lrutzn be« zahlt wurde. Deutschland hat zu allen Zeitcn einen starken Menschenstrom in die Fremde entmnnt, und wirb es unter allen politischen und wirthscdaflltchen Zuständen thun. Dafür sorgt schon die fast bedenklich rasche Zunahme der Bevölkerung. Wenn das deutsche Volk sich jährlich umfast eine halbe Million Köpfe vermehrt, so ist ein Abfluß ganz unvermeidlich und eine Natur- nothwendigkeit. Statt darüber zu klagen, sollte man ernstlicher, als es biSber geschieht, die Frag« untersuchen, ob nicht der Auswandererstrom in Bahnen zu lenken wäre, die den Zusammenhana mit dem Mutterlande besser wahrt en und dem letzteren aus der Abgabe seiner überschüsfigen Kräfte Vonheiie sicherten". So da« liberale Blatt im Jahre 1882. Wir finden hier manches Wahre, aber vermischt mit noch mehr Falschem. Nicht die politische Reaktion oder der Kulturkampf oder die neue Wirthschaftspolitik treibt die Leute über« Meer— das ist allerdings ganz richtig. Doch fetze man an Stelle der Wörtchen„oder" die Wörtchen und, so dürfte die Gesammtheit der politisch- sozialen Unzuträglich- leiten einen Mißmuth in dem Maße erzeugen, daß zahl- reiche Personen ihrem Vaterlande den Rücken kehren. Daß der wirthschaftliche Druck, der in Deutschland auf dem Volke lastet, der aber sicherlich durch die„neue Wirthschaftspolitik", wenn auch nicht gehoben, doch nicht erzeugt worden ist, die Hauptquelle der AuS»an- derung ist, halten wir für selbstverständlich. Natürlich können diejenigen Leute im Allgemeinen nicht auswandern, auf denen der Druck so sehr lastet, daß er ihnen nicht ein- mal die Kosten zur Ueberfa irt läßt; aber bei einem momen- tanen Aufschwung« ihrer wirthschaftliche» Verhältnisse raffen sie das Wenige zusammen, was sie erworben haben und entfliehen dann der in nächster Nähe wieder drohenden Krists. Versteht das liberale Blatt nun, warum vielfach in- stinktiv die Arbeiter in den sogenannten besseren Zeiten massenweise auswandern? Aber es giebt doch auch zahlreiche blutarme Arbeiter, die sich zur Auswanderung anwerben lassen; so nach Samoa und den Südsee-Jnsel»! Auch jetzt würde eS ein Leichte« fein, taufende und abertausende von Arbeitern für Angra-Pequena und Ostafrika anwerben zu können. Be- sonderS deshalb, weil gegenwärtig die Erwerbsverhältnisse in Nordamerika sich verschlechtert haben, drängen sich viele deutsche Arbeiter auch noch nach anderen Gegenden, obgleich Nordamerika immer noch da« Hauptabzugsgebiet ist und auch für längere Zeit bleiben wird. Die in jenen Ländern günstigere» wirthschaftliche» Verhältnisse tragen selbstverständ- lich zur Autwandnung bei; denn wenn eS kein besser situ- irteres Land überhaupt gäbe, al« Deutschland, dann würden unsere Auswanderer wohl hübsch zu Hause bleiben. Ein trauriger Trost aber liegt auch heute roch in der Erörterung der Frage, ob man nicht den Auswanderer- ström in Bahnen lenken könne, die den Zusammenhang mit dem Mutterlande besser wahren und demselben mehr Nutzen au« der Abgabe„überschüssiger Kräfte" sichern würden, als dieS jetzt geschieht. Wahrlich, eS ist soviel in der letzten Session des Reichs- tags über die Kolonialfrage hin und hergerevet worden und kein Redner, auch nicht der glühendste Anhänger der Kolo« nisation hat irgend einen Flecken auf dem ganzen Ervball für uns entdecken können, der sich zu einer wirklichen Kolo- nisation eignet— man konnte nur Handelsstationen ent- decken und wilde Völkerschaften, die uns vielleicht erlauben, mit ihnen primitive Handelsgeschäfte abzuwickeln. Von einem„Export" deutscher„überschüssiger Arbeit«- kräfte" hat Niemand zu sprechen gewagt. Da« wäre auch im Hinblick auf die von Fieber durchglühten Gegenden, zu denen sich die deutsche Kolonialpolitik neigt, der r-ine „Mordversuch" gewesen. Wenn nun der angezogene Artikel zugesteht, daß in letzterer Zeit die Auswanderer einer bemittelteren Klasse im Durchschnitt angehört hätten, so ist der Ausspruch: „Wenn das deutsche Volk sich jähr» lich um fast e in e h a l b e Mi l li o n K ö p f e vermehrt, so ist ein Abfluß ganz un- vermeidlich und eine Naturwendig- keit" — geradezu eine Frivolität. Diese Gleichgiltigkeit, mit der man die AuSivanderung al» eine„Raturnothwendigkeit" hinstellt, weil sich jährlich die Bevölkerung in Deutschland um 500,000 Köpfe— natürlich Kinderköpfe— vermehrt, zeugt zugleich von einer bodenlosen Unkenntniß der einschlägigen national- ökonomischen Lehren und von äußerstem Mangel an Patriotismus. Die Kmder müssen erzogen werden und wenn sie nach Mühe und Roth ,u Männern herangereift sind, so verlassen sie das Land. Wir erziehen bei der damaligen AuSwande- rungsz.ffer somit fast die Hälfte, bei der heutigen Ziffer aber noch weit über ein D-ittheil unserer„Uebergeburten" für W Ausland, wo dieselben al« Männer unserer Industrie Konkurrenz machen. Außerdem kostet im Durch- schnitt die Erziehung eine« Kinde« zu einem Arbeiter 1200-1500 Mark; ferner nehmen außer ihrer Arbeitskraft i die Auswanderer noch Geld und bewegliche Habe mit— ! und überlassen un« als„Raturnothwendigkeit" die Ernährung von 500,000 Kindern, von denen wir, wie gesagt, ein „Nein, ich mag nicht!" rief das Kind verdrossen. „Aber warum nicht, Herz?" „Die Gesellen sagten heute Morgen, er wäre im Zucht» hause gewesen!" „Bärbel, um GotteS willen!" Gretchen kam wieder herein; sie trug die Suppe auf, sah aber todtenbleich aus. „Kommen die Leute?" fragte der Vater eintönig. „Nein, Vater; ich— soll ihnen ihr Essen in die Werkstatt geben." „In die Werkstatt?" rief der Meister auffahrend— „weshalb?" Karl warf sich auf dcn Stuhl am Tische nieder und stützte sein Gesicht in beide Hände. Der Tischlermeister nahm seine Unterlippe zwischen die Zähne— er hatte jedenfalls ein harte« Wort auf der Zunge, aber er bezwang sich.„Gut," sagte er nach einer kleinen Pause, die er ader brauchte, um die Worte heraus zu bringen—„gut, trage ihnen da» Essen hinaus, und morgen..." Er stand neben dem Sohne, der noch immer regnungtlo» in seiner Stellung verharrte; nur da» kon» vulsivische Zittern seine« Körper» verrieth, daß Leben in ihm sei. „Karl!" sagte er plötzlich mit nicht so lauter Stimme— der junge Mann rührte sich nicht— „Karl I" Karl hob scheu den Kopf zu ihm empor— da breitete der alte Mann die Arme nach ihm au». „Vater!" schrie Karl und sprang in die Höhe. „Junge, Kind!" rief der Alte noch einmal, und fest, fest umklammerten sich die beiden Männer und hielte» sich so umschlungen._ Bei Oberstlieutenant». Nicht sehr weit vom alten städtischen Markte, am so» genan«ten Brink einer etwa» gebogeven Straße de« über» Haupt alterthümlichen Orte», stand die Hofapotheke, ein zweistöckige», nicht unansehnliche« Gebäude, dessen Parterre. lokal der Besitzer selber, Hofapotheker Semmlein, bewohnte, während er die oberen Etagen an verschiedene Parteien auSg'wiethet hatte,— gehörte ihm doch auch das Nachbar» Haus, wo er sich mit feinem Laboratorium und Droguen» läge, ausbreiten konnte. Rhoo nburg war allerdings, wie schon erwähnt, keine wirkliche Residenz, in welcher der Hof seinen bleibenden Aufenthalt nadm, aber daS verhinderte keineswegs, daß man die Titel: Hoftapezier. Hosfleischer, Hofschlosseric, über einer großen Anzahl von Werkstätten sah, während AuSschnitthand» lungen, Weingeschäfte, Krämer und Gott weiß wer sonst noch auf ihren Schildern und unter dem oft in Holz ge« schnitzten und bunt bemalten LandeSwappen die wohl» klingende, wenn auch sonst nichts bedeutende Aufschrift trugen:„Hoflisseianten". In der ersten Etage der Hofnpotheke wohnte der Oberst« lieutenant von Klingenbruch mit seiner Familie, seiner Frau und zwei erwachsenen Töchtern, Henriette und eftora. Henriette mochte neunzehn, ihre jüngere Schwester siebzehn Jahre zählen, und beide» waren ein paar wirklich hübsche Mädchen; Henriette mit prachivoll dunkelm, kastanien» braunem Haar und blauen Augen, was ihr einen ganz eigenen Reiz verlieh, Flora mit einem allerliebsten, fast noch dunkleren Lockenköpfchen und dunkeln Augen. Beide junge Damen schauten denn auch mit voller, ungetrübter Lebenslust in die Zukunft hinein, denn bis jetzt sahen sie nur Rosen auf ihrem Pfade und hatten ja noch auf keinen emzigen Dorn getreten— eS ging sich da gar so hübsch! Ihre Eltern besaßen allerding» nur ein sehr geringe», kaum nennenSwnthc» Vermögen und lebten außerdem von der auch nicht besonder« hohen Gage deS Vaters— wahr» lich keine Kleinigkeit mit zwei erwachsenen Töchtern, wo der Anstand außerdem, bei fast unnatürlich gestiegenen Be» dürfmssev, noch g-wahrt werden mußte. Aber einen Zu- schuh fanden sie glücklicher Weise bei einer leider bürger« lichen Tante, die noch dazu einen vollkommen unaristokrati- schen Namen trug— einer verwittweten Mäusebrod. Diese half wenigsten« den jungen Damen mit einem kleinen Taschengelde aus, hatte e» aber schon außerdem offen aus« gesprochen, daß Henriette wie Flora, wenn Gott sie einst Drittheil«indesteni Jahr für Jahr an andere Nationen abgeben.——— Zum Schlüsse«ollen wir nur noch bemerken, d a ß «i r in D«uts ch l and gar keine überschüssi- gen Kräfte haben. Wenn unsere Arbeitskräfte nur planmäßig verwendet würden, so stände eS wahrlich besser mit unserem Vaterlande. Berichtigung. Im Leitartikel der Nr 80„Arbeitszeitersparniß und geistige Erziehung" muß eS die vierte Zeile von unten anstatt„körperliche Erhallung" heißen körperliche Erziehung. Der deutsche Reichstag befindet fich in den Osterferien, und die Herren ReickSboten können darüber nachdenken, was fie seit Anfang dieser Seiston, also vom November vorigen Jahres bis Ende März dieses Jahres, geschaffen haben und auch was fie nach den Ferien in den Monaten April und Mai noch schaffen werden. Besonders viel Erfreuliches war es nach unserer Anficht nicht. Gearbeitet aber hat der Reichstag ungemein fleißig. In der gleichen Zelt haben noch niemals so viele Sitzungen im Plenum stattgefunden, wie in dieser Sesston. Wenn sonst 8 bis 10 Kommisstonen in einer Sesston gebildet worden stnd, so haben wir diesmal deren 17. Dazu kommen noch die Be> soreckungen in den Fraktionen. Die Leistungsfähigkeit der Volksvertreter ist also in diesem Reichstag in einer Weise ge- prüft worden, wie sonst kaum jemals. Aber was hat denn eigentlich der Reichstag bis jetzt fertig gestellt? Zunächst den jährlichen Etat. Die praktische Bedeutung der Prüfung deffelben in der Budgetkommisston und in dem Plenum ist gleich Null gewesen. Von einer Ausgabe von zirka 800 Millionen sind ungefähr sechs Millionen gestrichen worden. Es bleibt immer noch ein Defizit von 35 Millionen vorhanden. Für die Deckung dieses Defizits wird allerdings durch die Annahme der vorgeschlagenen Zollerhöhungen reichlich gesorgt werden. In zweiten Lesungen find die G etreide« z ö l l e und Holzzölle wesentlich erhöht worven. Davon haben Nutzen der ReichsfiSkus, der Fiskus der Einzelstaaten, einige Gemeinden und die Großgrundbest�cr— das übrige Volk hat davon keinerlei Vortheil. Ferner ist bis jetzt die Dampfersuboention in der unseren Lesern bekannten Gestalt endgiltig genehmigt worden. Die Arbeiter gehen bei ven Vortheilen, welche dieselbe bringt, zu- nächst wenigstens leer aus, da der Antrag der Vertreter der Arbeiterpartei, daß die einzustellenden Schiffe sämmtlich neu auf deutschen Werten und aus deutschem Material erbaut sein müssen, von dem„arbettcrfteundlichen" Reichstage leider ab- gelehnt worden ist. Dann hat man weidlich über Arbeiterschutzgesetze, Aende- rung vcS Justizwesens, Vorschläge zu einer Börsensteuer, Bi- mctalliSmus und Goldwährung, Jndustriezölle, Ausdehnung der Unfallverstckerung herumdisvutirt, ohne zu irgend einem Resultate in dieser Beziehung gekommen zu sein. Diese Resultate werden nun wohl nach den Osterferien gezeitigt werden? Bei Leibe nicht! Wohl ist eS ficher, daß die Erhöhung der Getreide- und Holzzölle in dritten Lesungen unter Dach und Fach gebracht wird', wohl werden auch die sogenannten Jndustriezölle noch durchderathen und erhöht werden im Interesse der Reichs- finanzen und der Großfadrikanten. Ist diese Arbeit aber ge schehen, so kann die«rrifion geschlossen werden. Die Regierung hat dann kein sonderliches Interesse mehr an dem RerchStage — er kann gehen, er hat seine Arbeit gethan. Vielleicht wird es ihm aber noch erlaubt sein, die Aus dehnung der Unfallverficherung auf die Trans porige werbe zu berathen und zu beschließen. Der Gesetzentwurf ist aus der Kommission an den Reichstag gelangt und dürfte nur zu sehr geringen Ausstellungen Veranlassung geben. Seine Annahme ist völlig gcfichert. DaS wäre dann das einzige, wenn auch recht wmzige Resultat der Sesston, welches auch einigen Ar beitern zu Gute käme. Die Ausdehnung der Kranken- und Unfallverficherung auf die Landwiithschast wud wohl in der Kommisston stecken bleiben; ferner wird der Reichstag auch nicht zu einem abschließenden Resultat kommen in Bezug auf die Abänderung der Justiz- ge sitze, auf die Wiedereinführung der Appellinstanz, auf die Entsckädigung unschuldig Verhafteter. Und erst die Arbeiterschutzgesetzgebung!? Dieselbe gelangt sicherlich nicht zur zweiten Bcrathung in dieser Sesston. Die Bescuränkung der Gefängnißarbeit, die Sonntagsruhe, die Schonung der weibl'.chen, der kindlichen Arbeitskrast und de- sonders der Mi-ximolarbettstag! Diese schönen Sachen bleiben in der Kommission begraben und harren erst in der nächsten Sesston ihres Äuferstehunftstages— wenigstens in der erstin Lesung. Dann gehts mit ihnen wieder m eine Kommi'fion und waS dann weiter geschieht, daS kann heute noch Keiner wissen!— Eine große Anzahl WahlprÜfunzen steht nock aus. Die Kommisfion ist sehr fleißig gewesen, doch das Plenum hat bisher wenig Zeit gehabt, um fich solcher„untergeordneter" Dinge anzunehmen. Da geht doch der Geldbe tel des Reichsfiskus vor. Und ebenso steht es mit den Petitionen, mit den auS dem Volke gerichteten Gesuchen an leine Ver- tretung. Die meisten von denselben werden auch in dieser Sesston den Weg allen Fleisches wandern, stc werben sterben und verderben. An zwei Steuern aber geht es leider immer vorbei: an der SpirituSsteuer und an der Börsensteuer. Der große Grund« bkfitz und die baute finauee find das„Kräutchen rühr' mich nicht an". Wir würden uns für beide Steuern erklären können, wenn durch Annahme derselben andere auf dem arbeitenden Volke lastende indirette Steuem auf nothwendige Bedürfnisse fori- fielen. Aber da können wir lange warten.--- So bieten wir unfern Lesern kein erfreuliches Bild von der Thätigkeit des Reichstages, de: fich zu viel nach oben bückt und viel zu wenig nach unten ausschaut. DolitiBcKe Uebersirkt. Zur ReichStagSwahl für den benachbarten Wahlkreis Telrow-BeeSkow-Storkow, zu dem auch die Stadt Charlottendurg gehört, wollen wir noch bemerken, daß die Deutsch-Freifinnigin anstatt deS linksflügelichen Herrn Wöllmer den recktSflügelichen Dr. Barth aufstellen Herr Barth ist neben Dr. Bamberger der konsequenteste, aber des- halb auch der hartherzigste aller Manchestermänner in der Partei. Nun kann aber ein Deutsch. Freisinniger in diesem Wahlkreise lediglich in einer Stichwahl siegen, der Sieg desselben bei der ersten Wahl ist vollständig ausgeschlossen. So fiegte auch Herr Wöllmer im Jahre 1881 mit Hilfe der Stimmen der Arbeiter- partei in der Stichwahl, während der konservative Kandidat Prinz Handjery 1884 schon in dem ersten Wahlgange mit nicht besonders großer Majorität durchdrang. In dem devorst-hm- den Wahlgange wird dies wohl kaum der Fall sein: die Stim- men auf den Arbeiterkandidaten werden sich vermehren, sodaß diesmal, wie 1881, bei der Arbeiterpartei die Entscheidung bei einer engeren Wahl liegt. Ob aber in einem solchen Falle die Deutsch- Freisinnigen eine günstige Kandidatur proklamirt haben? DaS möchten wir sehr bezweifeln. Dr. Barth ist den Arbeitern schon von Bremen und Gotha her keine sympathische Person und sein ödes Manchesterthum, welches ihn zum Leibknavpen Eugen Richtcr'S und Bamberger's macht, sann den Albeitern erst recht nicht gefallen. Die Zukunft wird es lehren, od wir recht haben. Wenn wir boshaft sein wollten, so kö-rnten wir behaupten, daß der brave Eugen gerade diesen den Arbeitern unsympathischen Menschen als Kandidaten für unseren'Nachbar- kreiS„kommandirt" hat, um denselben dem Prinzen Handjery ficher zu überliefern. In Bielefeld wurde am 4. d. MtS. die Bestätigung des Belagerungszustandes öffentlich bekannt gemacht. Das betreffende Dokument hat folgenden Wortlaut:„Berlin, den 30. März 1885. In Folge des in Bielefeld ausgedrochcnen Aufruhrs bat das Königl. Staatsministerium deschloffen, oie von dem Militärbefehlshaber daselbst auf Antrag des Regie- rungsprästventen des Bezirks gemäß§ 2 des Gesetzes vom 4. Juni 1851(Gesetz- S. S. 451) unterm 28. März dieses Jahres erfolgte Erklärung des Belagerungszustandes für den Stadt- kreis Bielefelo und die Amttgcmcinde Gadderbaum- Sandhagen unter Suspension der Artikel 29 und 30 der VerfaffuvgSur- künde, wie hiermit geschieht, zu bestärigen. Das Staats Ministerium, v. Bismarck, v. Puttkamer, Maybach, LuciuS, v. Friedberg, v. Bönicher, v. Goßler, o. Scholz, v. Hatzfeld, Bionsart v. Schellendorf. In Betreff der massenhaften Einwanderung auslän- discher Elemente in die östlichen Grenzdistrikte meldete die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." kürzlich, daß die preußische StaatSregierung die erforderlichen Aenderungen getroffen habe, um sowohl der ferneren Einwanderung russtsch-polnischer Ele- mcnte in unfern östlichen Provinzen einen Riegel vorzuschieben, wie auch durch Zurückoerwciiung in die Hrimath dem Heber- maße der Belästigung durch die einer fremden Nationalität angehörigen Elemente ein Ziel zusetzen. Demgegenüber wird von verschiedenen Blättern darauf hingewiesen, daß bereits fett unge- fähr 1'/, Jahren in Folge höheren Orts ergangener Weisung in den östtichen Grenzdistrikten Preußens eine strengere Kon- trole der rusfisch-polnischen Ueberläufer herrscht. Insbesondere fanden Revisionen deS Personenstandes solcher in den dieS- fettigen Grenzdistrikten lebenden Personen statt, welche für fich nach erfolgter Naturalisation auf Grund einer von der höheren Verwaltungsbehörde ausgefertigten NaturalifattonSurkunde die deutsche Staatsangehörigkeit in Anspruch nehmen und als deutlcve Staatsangehörige behandelt sein wollen. Auch haben vielfach Ausweisungen wegen mangelnder Legitimation statt- gefunden. Gegen das Tennnzianteuthum richtet fick eine Be- zu sich nähme, ihre Universal-Erbinnea werden sollten. War fie doch die Schwester deS alten OberstlieutenantS, die aber als armes adeliges Fräulein einen schon ziemlich bejahrten, aber rächen Kaufmann geheirathet und ihn nach sehr kurzer Ehe durch den Tod wiedir verloren hatte. Henriette und Flora behaupteten in der Wohnstube, jede mit ihrem Nähtisch, die beiden Fenster und arbeiteten augenblicklich, wenigstens der Form nach, an einer für die Tante bestimmten Stickerei, da deren Geburtstag in die nächste Zeit fiel. Ihre Biicke glitten aber doch viel häufiger, al» sich das mit der Arbeit eigentlich vertrug, nach der Straße hinüber, und die Aussicht dorthin war in der That fesselnd genug. Gerade ihmn gegenüber, nur ein ganz klein wenig zur Rechten, stand ein eigenrhümlich gebautes Erk-rhau« voll- kommen frei auf der andern Seite der Straße, aber doch in der richtigen Front, aus der e« nur im obern Stock um etwa zwei Fuß vorsah und dadurch ein Erker» oder ziemlich breites Eckfenster bildete. Unten darin, mit einem ähnlichen Eckfenster, einem LieblingSsitz der Gäste, lag ein? der bedeutendsten Cafe'» der Stadt, da» besonders von den Offizieren frcquentirt und von diesen auch zuletzt einfach im„Eckfenster", wo man sich gewöhnlich traf, genannt wurde. Danach be- kam dann natürlich daS ganze HauS mit der Zeit den Namen. DaS Eckfenster hatte nun allerdings die volle Ausficht nach allen benachdaiten Häusern hin, da aber die Seiten- wände des Hause« schräg lagen, so gewann man von gegen- über dadurch nichts, denn die Scheiben blitzten zu sehr. Nur die eigentliche schmale Front, das wirkliche Eckfenster, lag den Blicken der Nachbarschaft offen und bot besonder« durch da« von bunten Uniformen belebte Cafs den interessantesten Anblick. Uebrr dem Cafe in der ersten Etage des Eckhauses wohnte ein alter Notar, Püster mit Namen, der, hier in Rhodenburg geboren, den größten Theil sei-'e« Lebens in ' fremden Ländern zugebracht. Erst seit einer Reihe von Jahren war er zurückgekehrt, und die Zeit war vollkommen genügend gewesen, ihm einen Namen in seinem Fache nicht kanntmackung, welche soeben der Magistrat der thüringislben Stadl Pößneck erlassen hat. Wir geben dieselbe hier wörtl.ch wieder, da ste einen interessanten Beitrag zur Sittengeschichte i des deutschen Volkes in gegenwärtiger Zeit bildet und zeigt, I wie groß schon der Krebsschaden der Denunziation geworden| ist. Es heißt in dieser Bekanntmachung des Peßneckcr Stadt« rathes:„Da das anonyme ungerechtfertigte Denunziren un- geachtet der Magistratsdekanntmachung vom 13. Februar d. I.! kein Ende nimmt und der unterzeichnete Magisttat seitdem fich wiederholt hat überzeugen müssen, daß durch sein in den De-; nunziattonen gefordertes E.n schreiten dem angezeigten Mit- bürger Verlegenheit, Aerger, pekuniärer Schaden u. s. w. ge-< schaffen werden soll, so steht fich derselbe hierdurch zu der Er-- klärung veranlaßt, daß fortan alle anonyme Zuschriften ohne] jeden Unterschied zur Einstcht aller Interessenten behufs Fest- stellung der Namen der Ausfertiger und eventuell deren ge-< richtlichcr Belangung seitens der betlvffenen Denunzirten im Rathhause am schwarzen Brett zur Einstcht aller Interessenten i öffentlich angeschlagen werden" Es wäre ,u wünschen, daß; auch andere Behörden diesem Beispiel des Pößneck«: Magistrats> folgten. In Bezug auf die mehrfachen Verhaftungen wegen, Landesverratys schreibt der„Hamb. Korresp.":„Zahlreiche Beamte der Bertiner Kriminalpolizei haben in den 1 letzten Wochen eine lebhafte Thätigkeit außerhalb Berlins zu 1 entfalten gehabt. Der Erfolg war eben so betrübend als i gründlrch. Es bestätigt stch, daß die österreichische Regierung! eist von Berlin auS über die landeSverrätherijchen Umtriebe deS Hauptmanns im Landesbeschreibungebureau, Baron Potirr, unterrichtet worden ist. Daß auch Offiziere der deutschen i Armee die Wege des verstorben«» Hentfch gewandelt find, ist tief zu beklagen. Näheres über die anscheinend wert ver- zweigte landesverrätherische Organisation läßt fich natürlich nicht mittheilen. In außerbalb der Untersuchung stehenden Kreisen ist die Pcrmuthung laut geworden, ob nicht auch in, diciem Falle nach dem Eifahrungssatze: Cherchez le Polonais 1 — die Fäden irgendwo in eine polnische Hand auslaufen oder polnische Beziehungen aufzufinden seien. Die Erinnerung an, Namen, wie KraSzewski, Roaoziniki und Andere führt leicht zu solchem Argwobn. Der in Flensburg verhaftete l Offizier soll früher in Posen gestanden haben."— Inzwischen ist jedoch der in Flensburg verhaftete Premierlieutenant v. W.) bereits aus der Hast entlassen worden. Man schreibt diesbe- i züglich aus F'ensburg:„Da kürzlich durch die öffentlichen! Blätter Mrttheilungen und mancherlei Vermutbungen über die' Verhaftung eineS hiestgen OffisierS gegangen find, so wird eS auch interejfiren, daß dieser Offizier auf freien Fuß gesetzt ist und seinen Dienst wieder übernommen hat. Er genießt die Achtung aller semer Vorgesetzten und Kameraden nach wie i vor. Damit zerfallen alle Kombinationen über angebliche Vcr«- brechen, und eS bleibt als die der Wahrheit wohi am nächsten i kommende Vermuthung, daß bei Verhaftung des dänischen Militär-Schrütstell-rS die schriftstellerische Verbindung desselben mit dem kiesigen Offizier in Berlin bekannt geworben, und I von der M'litärbehörve es nöthig gefunden ist, in sorgsamster| Weise festzustellen, auf welche milirärischen Verhältnisse sich die Korrespondenz erstreckt hat. Der Ausgang dieser Unrersuchung zeigt klar, daß irgend bedenkliche Mtttheilungen nicht gemacht sind" Zum französtsch-chinefischen Konflitt wird der„K.-Z." aus Berlin(offi,iöS?) depeicyirt, daß man die Depesche, in vcr! es hieß, China s-i bereit, die ihm von Ferry gemachten; Fried, nSvorschläge anzumhmen, für nicht ganz unbegründet j halte Im Ber in glaubt man, daß die Chinesen, die bist. er,| wie der Erfolg gezeigt Hai, weder vom militärischen, noch vom | diplomatischen Standpunkt schlecht berath-n waren, gene�gl find. auf annehmbare französische Bedingungen einzugehen. Fraglich ist vor allen Dingen, od das verletzte französische Seibstgesübl stch dazu bequemen wird, in diesem Augenblicke annehmbare Bedingungen zu stellen. Die franzöfische Presse könnte eine patliotijche Ausgabe lösen, wenn ste nach dieser Richtung otn beruhigend auf die öffentliche Meinung wirkte. E« ist leider. nicht ausgeschlossen, daß ste das Gegenthcil thun und nun erst k recht eine Demüthigung China's verlangen wird. Sollte aber I die öffentliche Meinung auf die Regierung in diesem Stane f einen Einfluß üben, so würde man eigentlich erst am Anfang eines Krieges mit China stehen. Frankreich. Das Ministerium ist noch immer nicht gebildet, nachdem Fceycinet abgelehnt hatte, wurde Constans mit dieser Aufgabe detraut, doch auch dirier hat jetzt abgelehnt und so hat ver Kammetprästvent Brisson fich der Aufgabe unterzogen. Die Kammer hat fich bis heute vertagt, od Brisson im Stande sti« wird, bis zur ersten Sitzung daS neue Ministerium herzustellen, ist noch fraglich.— Aus Tonkin kommen jetzt Nach- richten, welche d e Niederlage der französischen Truppen de- schönigen sollen; man nimmt den Mund gewaltig voll und behauptet frischweg, daß nur ein„Jrrlhum" schuld an veM Rückorge der Armee sei.— Das Journal„Paris" hält scinl Mittheilungen bezüglich der FrielenSmrbanbiungen mit Chlas. allein in Nhodenburg, sondern auch selbst in größeren Städten zu machen. Er galt für einen der geschicktesten Jurifien Deutschlands. Uebrigeni war er ein kigenthümlich verschlossener Mann, der nicht gern mit der Außenwelt in Form großer Gesellschasten oder geselliger Vereine verkehrte, und sein Eckfenster war ebenfalls durch eine große, wohl sehr dünne, aber doch nicht von außen durchsichtige Gardine verzogen, so daß man ihn eigentlich nur dann zu sehen bekam, wenn er selber eS für gut hielt, den Kopf heraus zu strecken. Die beiden jungen Fräulein von Klingenbruch hatten ihre Plätze an den beiden verschiedenen Nähtischen inne, während die Mutter unfern davon rn einem Fauteuil lehnte und einen Roman laS. „Da ist er wieder", sagte Flora, die über ihre Stickerei hin einen Blick nach dem Eckhause geworfen hatte,„er geht heut« nicht von dem Fenster weg; ich sage Dir, Jettchen, mir wird der Mensch ordentlich unheimlich, und ich mag den Kopf gar nicht mehr dorthin wenden." „Ach, Du bist ein Kind," sagte Jettchen, die aber ebenfalls Kmübrrsah—„was geht un« der alte, unan- genehme Mann an! Du mußt nur gar nicht thun, als ob Du ihn stehst, dann bekommt er eS von selber satt." „Von selber satt?" wiederholte Flora.„Wie eine Spinne in ihrem Netze, so hockt er den ganzen Tag da drüben in seinem Zimmer, daß man gar nicht wissen kann, was er vorhat, und nur manchmal schiebt er die Gardinen ein wenig zurück, so daß eben die unheimlichen Augen da- hinter hervorfunkeln, und spionirt dann im Nu die ganze Nachbarschaft ab." „Wenn es mich genirte, ließ ich mein« Rouleaux nieder," sagte Jettchen. „Aber dann kann man selber nichts sehen," rie Flora, „und manchmal..."— Stc schwieg plötzlich, und als Henriette den Blick zu ihr hinüberwarf, sah sie, daß Flora tief erröthete und fich leise nach der Straße zu verbeugte. Unten aber, gerade jetzt am Cafe vorüber, schritt ein junger, bildhübscher Mann in einem kurzen schwarzen Sammetrocke, mit lange« lockigen Haar und einen breittändigen schwarzen Filzhut auf— jedenfalls ein Künstler nn wahrscheinlich ein Maler— vorüber und grüßte achtung« voll hinauf. Auch Henriette dankte, denn man konnte nicht gena> unterscheiden, welcher der beiden Damen der Gruß?al — wahrscheinlich allen zweien. Die Mädchen äußert«' übrigens kein Wort über den jungen Herrn da unten vielleicht genirte fie die Mutier, als diese jetzt plötz«!> �„DaS ist in der That ein höchst unangenehmer Mens« und mir auch schon lästig gefallen— aber was will nra machen!" � Die Blicke der beiden Schwestern begegneten sich; Gedanken waren in vielem Moment unstreitig bei Anderem gewesen. Sie hatten ficher verg-ssen. über sie noch kurz vorher gesprochen. Nur ein leise«, halbo- üohleneS Lächeln zuckle über ihre hübschen Gesichter, u« Henriette sagte endlich: „Von wem sprichst Du, Mutter?", „Von wem ich spreche?" wiederholte diese erstaun indem ste ihr Buch sinken ließ.„Nun, spracht Ihr be" nicht von dem Alten da drüben, der fortwährend hmttt � zusammengerafften Gardine nach der ganzen Nachbar!� ausspäht?" „Ach ja— gewiß!" rief Flora und war über" über roth geworden.„Es ist ein Advokat, nicht wahr „Gewiß, und unser Doktor Potter meinte neulich' gar, daß es ein sehr geschickter Jurist, aber auch«in sonderlicher Kauz wäre. Im Haus« bei fich hat er sten» nur die alte Köchm und den kleinen bucktV Menschen, der immer mit den großen blauen Heften un» dem langen Arm herumläuft. Wen grübest Du denn 1,1 Jettchen?" „Oh." erwiderte die Tochter und wandte den dem Fenster zu, es war nur der Lieutenant von 38% mit dem ich auf dem letzten Offizierball em paar 9 tanzt habe! Er ritt gerade vorüber____« "Em hübscher Mensch." sagte die Mutter,„ab« bl arm/ „Nun, mit der Schönheit geht eS ebenfall»/ aufreckt und bebauptet, der Vermittler sei Camvell, der Agent der chinestscken Regierung, Zolldirektor Hart, welckerleytere von China mit der Führung der Verhandlungen beauftragt war. China habe den Vertrag von Tient-fin und den Handelsvertraq unter der Bedingung alzevttrt, daß«in«inmonatlicker Waffenstill- stand eintrete, und Frankreick auf jede KriegSentsckädigung ver» zichtr Jerry habe die Bedingungen für annehmbar angesehen und nur einige Modifikationen vorgeschlagen- Noch vor Ein- gang der Antwort Chtnai sei die Niederlage der Franzosen bei Langsong erfolgt. Deffenungeachtet habe Ferry am Dienstag Abend die Mittheilung des Agenten Hart über die Ant- wort Chinas erhalten, welche, abgesehen von gewiffcn Details über den Zeitpunkt und den Modus der Gebietsräumung, oün- üig laute.— Danach scheint es, als ob in der That der Frie- densscklufi mit China bevorstand und daß nur die Nackricht von der Niederlage der Franzosen und der daraufhin erfolgte Sturz Ferry'S den Frieden in Frage gestellt hat. Spanien. SötwWfßwiUhte schnüren wieder einmal in Spanien. Kdnrg Alfonso wollte während der Charwoche die Kirche be« kuchen, nahm aber auf Anrathen seiner Minister davon Abstand, werl Vre Polizer-ine Verschwörung entdeckt haben will, welche bezweckte, den König in der Kirche zu ermorden. Es wurde bereits eine größere Anzahl Personen verhaftet. Italien. Fw Zusammenhang mit den vor einigen Tagen aus Rom gemeldeten Verhaftungen(eS handelt sich um Verbreitung repu- blrkanrscher Druckichliften an die Soldaten—) fanden weitere Durchsuchungen, namentlich bei bekannterer, Mazzinianern in Rom, Mailand, Turin, Verona, Padua, Perugia, Ravenna und Macerata statt. Das Ergebniß beschränkte fich auf die Be- schlagnahme von Dokumenten. Egypten. Ueber.ie Ursache der Verhastung Zebehr Pascha'S weichen noch immer die Angaben von einander ab. Eine neue Verfion theilt man der„P. 6." aus Konstantinopel, 23. März, mit. Danach hat die türkische Regierung einen Bericht aus Kairo erhallen, auS welchem hervorgehen soll, daß es einem der Diener Zcbehr Pascha's, einem Nudier, vor einigen Monaten gelungen sei, zum Mahdi und hierauf nach Khartum zu dringen, und daß dieses Jndividuurti es gewesen sei, welches jenen Verrath, dem die Stadt zum Lpfer fiel, ermöglichte und hierauf den General Gordon im letzten Augenblicke mit eigener Hand ermordete. Dieser Mord soll als eine Art Vendetta be- gangen worden sein, um daS Blut des Sohnes Zebehr Pascha s, den Gordon hinrichten ließ, zu sühnen. Die Ver- Haftung Zebehr'« sei eben auf den Verdacht hin erfolat, daß dieser Racheakt auf Anstiftung und Wissen Zebehr Pascha's vor fich gegangen sei. Die angebliche Besorgniß, daß letzterer in Kairo Unruhen-hervorrufen könnte, habe an der Verhaftung keinen, oder doch nur sehr geringen Theil gehabt. — Gegen den Franzosen O l i v t e r P a i n haben die englischen Befehlshaber einen Steckbrief erlaffen und 50 Lstr. auf seine Ernlieferung gesetzt. In Dongola fand man den Steckbrief angenagelt; das Signalement lautet:„Blond, mit Hellem Bart und Haar, Größe 7' 7", Augen blau, Statur schmächtig, Lippen zusammengekniffen, Gestchtsausdruck grausam; in Sprache und Auftreten ickweigsam. Er ist wahrscheinlich als Araber verkleidet. Erkennbar an seinen blauen Augen." Unterzeichnet ist der Brief von C. F. Wilson, 16 März 1885. Pain wurde am 13. März in Debdch gesehen, von wo er zu Kameel mit wenigen Begleitern flußabwärts rllt. Bis jetzt hat Niemand die 50 Lstr. Belohnung, die auf ihn, lebendig oder todt, gesetzt wurden, verdient. Pain wird wahrscheinlich Kairo zu erreichen suchen, um fich dort unter den Schutz des französt- schrn Konsuls zu stellen. — Aus S u a k i m wird telegraphirt: Ein Spion, welcher aus Erkowit zurückgekehrt ist, berichtet, daß die Anhänger Osman Digma'S denselben offen verlaffen. Osman be- fände fich mit 900 Anhängern in Shakuteb, einer befestigten Stellung zwischen Sinkat und Erkowit. Amerika. Ein Telegramm aus Colon(Aspinwall) vom 1. April meldet: Die Stadt ist vollständig niedergebrannt, einschließlich ver Werften. Der auf der Rhede liegende Hamburger Packet- dampfer„H o l s a t i a" ist gerettet. Das Feuer in Aspinwall entstand aus unbekannten Ursachen während des Kampfes zwischen den Regierunaslruppen und den Aufständischen, welche geschlagen wurden Ihr Führer, Prestan, rettete sich mit wenigen. Der Befehlshaber des Kriegsschiffes der Vereinigten Staaten„Galena" meldet, daß das Eigenthum der Dampf- schiffe sich in Sicherheit in seinen Händen befindet, und ebenso daS Eigenthum der Eisenbahnen auf der Nordseite der Insel. Während des FeuerS in Aspinwall brannte daS britische Kon« svlat nieder. Die Bücher der Panamalanal-Gesellschast sowie 160 000 Dollars in Baargeld wurden gerettet. Die aanie Post für den Süden de« Stillen Ozean, die eingeschriebenen Briefe und die regelmäßige Brief- und Zeitungspast, die vom 21. März mit dem Dampfer„Colon" von New' Bork abging, verdrannie in Aspinwall. Henriette, aber doch etwas erzwungen;„er ist aber sehr lebendig und erzählt gern..." „Und so fade," bemerkte Flora. �„Nu», es giebt fadere Menschen," entgegnete die Schwester, aber doch wohl von der Bemerkung ei» wenig unangenehm berührt. DaS Gespräch schien ihr überhaupt nicht recht � passen, und sie gab ihm rasch eine andere Wendung.„Da drüben fängt die Sängerin wieder an," sagte sie;„was die für.eine merkwürdig starke Stimme hat I „Ja," sagte Flora,„sie schreit, daß man e» auf dem Markte hören kann, und dabei reißt sie auch noch die Fenster auf!" „Du lieber®DU," meinte die Frau Oberstlieutenant ochsrlzuckend,„den Damen vom Theater liegt ja eben daran, daß sie g.hört werden!" „Aber die Nochbarschaft brauchte sich das nicht gefallen zu lasten," bemiilte daS jüngere gnädige Fräulein. „Aber sie singt wunderhübsch," sagte Henriette „Ich kann die frrche Person nicht leid«»," uiarf Flora ein;„eS ist auch immer rücksichtslos, fich so hören zu lasten." „Sag' einmal, Mama," unierbrach sie hier Henriette, „wer wohnt uns denn schräg gegenüber in dem Eckhause an der ander» Seite deS GäßchenS, nach rechts zu? Es ist ein wenig zu weit, um e» von hier auS genau zu erkennen, aber ich(ehe da immer Morgen» eine wunderliche Gestalt 'n einem grellrothen Schlafrocke und mit einem vollständig ?"?. Papillote» bedeckten Kopfe— e» muß aber schon ein ältlicher H„r sein." Tie Mutter hatte schon ihr Buch wieder ausgenommen und rbre Lettüre fortgesetzt.„Das ist, glaub' ich, der hiesige Theaterdirektor," sagte sie;„et muß ein wunderlicher Kauz fem, der Doktor erzählte neulich von ihm..." Und unter der Sängerin, links vom Kafee?" .Das werß sich nicht, Kind," sagte die Frau Oberst- lreutenant;„erstlich wohnen wir hier ja noch gar nicht so lange, und dann— was gehen uns auch die fremden Men- schen an I In einer größeren Stadt bekümmert man sich nicht einmal um die Leute, die mrt un» unter einem Dache — Wie aus La Libertad gemeldet wird, sind die Feind- seligkeiten zwischen Guatemala und Salvador einge- stellt, ein einmonatlicher Waffenstillstand wurde abgeschloffcn. Die Gesetzgebung von Guatemala hat die Verordnung dcS Präsidenten BarrioS vom 28. Februar wegen Bildung einer einzigen zentralamerikaniscken Republik vernichtet. Der Degen des Präsidenten Barrios wurde auf dem Schlachtfelde von Chalchuapa zeib-oüen aufgefunden. Eme spätere Meldung aus La Libertad desagt, Barrios sei todt. Darlnmeutarjsckes. — Der Termin zur Neuwahl eines Reichs- tagSabgeordneten für den Wahlkreis Teltow— Becskow— Storkow— Charlottenburg an Stelle deS zum Regierungspräsidenten ernannten Landraths Prinz Handjery ist vom Obcrpräfidenten der Provinz Branden- bürg auf Mitlwock, den 15 April festgesetzt worden. Wir wir bereits gemeldet haben, ist von den Konservativen wiederum Prinz Handjery aufgestellt worden, mährend die Deutsch- Fretfinnigen den rechts- liberalen Dr. Barth als Kandidaten präsentiren. Sozialdcmokcatischerseits wird, wie verlautet, der Medailleur K r o h m wieder kandidiren. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 9. April cr., Nachmittags 5 Uhr. Sechs Naturaiisattonsgesuche.— Vorschläge des AuS- schuffes für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebcamten. — Berickterstaitung übet die Vorlage, betr. den Ankauf eines zwischen der Swinemüaderstraße und der Straße Nr. 30 an der Dcmminerstraße belegenen Grundstücks zu Gemeindeschul- zwecken.— Vorlage, betr. das Projekt zum Erweiterungsbau des am Eingange des Zentral- Schlachthofes belegenen kleinen BeamtenwotznhauseS.— Desgl., betr. den Entwurf eines Statuts für die Albert Menzel- Stiftung.— Desgl., betr. die Abänderung der für die Weinstraße zwischen der Gollnowstraße und der Mehnerstraße festgesetzten Baufluchlinie.— Desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Gemeinde- Doppelschule auf dem Grundstück« Reichen bergerstraße 131/132.— Desgl., betr. die Erwerbung des Bürgersteigterrains vor dem Grunsstücke Fruchtstr. 24— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Skizze zum Neubau einer Gemeindeschule auf dem Grundstücke Höchststr. 34/35.— DeSgl. üb r die Vorlage, betr. den Ankauf de» der Petri-Kirchengemeinde gehörigen TheileS des alten Jakobs Kirchhofs in der ttürassterstraße.— Desgl. über die Vorlage, be!r. den Ankauf der Grundstücke Alexanorinenstr. 5 und 6, sowie deS Hinterlandes de? Grundstücks Alexandrinen- straße 11 zum Bau der höheren Bürgerschule.— Vorlage, betr. den Verkauf der an der Koppcnstraße und der Gr. Frank- furterstraße belegenen Bauparzrllen.— DeSgl, betr. die Er- mäcktigung zum Verkauf von Baustellen deS städtischen Ter- rains zwischen der Frankfurter Allee, resp. der Thaerstcaße und dem Weidenweg.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Erwerbung des von dem Grundstücke Alexandrinenftr. 118 zur Straßenregulirung erforderlichen Terrain«.— Rechnungssachen.— Eine Unlerstützungesache.— Berichterstattung über eine Penstonirungssache, sowie über einige Anstellungssachen. — Vorlage, bell, den Ablauf der Wahlzelt eir es Bürger- deputirten bei der Deputation zur Beschaffung der Brenn- Materialien._ fokales. sellen-Jubiläum beging am zweiten Lsterfeiertage ver Tischlergeselle Johann Langfeldt. Schon am frühen Morgen wurden ihm von seiner Familie Glückwünsche entgegengebracht. Sodann erschien der Vorstand der„Tischler- Innung" an der Spitze mit Herrn Odermeister BrandeS, dem fich der Meister des Jubilars, Herr Kretzmann, angeschloffen halle. Dieselben überbrachten die Glückwünsche der Innung uns ein namhafte« Gclogeschenk- Dresem schloffen fich die Ehrengaben des MersterS Herin Kretzmann und deS Haus- wirthes Herrn Tischlermeister Mosel an. Hierauf erschienen die Kollegen des Veteranen mit einem prachtvollen Stamm- seivel- Der Jubilar dankte allen Gebern und war umsomehr erfreut, als ihm alle! dieses unerwartet gekommen war. Be- sonders, zu bemerken ist noch, daß der Jubilar seit 40 Jabren in derselben Werkstatt und seit 24 Jahren bei Herrn Kretz- mann thälig ist. Ein gemütblich, r Frühschoppen dielt hierauf die Kollegen und Familienmitglieder bis zum späten Nach- mittag zusammen. a. Ein seltenes Fundobjekt. Ein ausgeschlachteter Hammel ist am 30. v. M., Abends 9 Uhr, an der Ecke der Frievenistratze und des WeidenwegS gefunden worden- Ver- mulhlich haben Diebe den von ihnen gestohlenen cammel aus Furcht vor der Entdeckung ihreS Diebstahls daselbst nieder- gelegt. Der Eigenthümer des Hammels ist noch nicht er« mittelt ». Eiil ehemaliger Buchhalter deS Pcri'schen Bankgeschäfts in der Friedrichstraße, Lch., ist wegen Betruges verhaftet wohnen, viel weniger um solche über der Straße drübe». Aber waS ich gleich sagen wollte— Ihr habt Eure Tante die ganze Woche noch nicht besucht, und Ihr wißt, wie sehr der Vater darauf hält" „Aber, Mama, wa« sollen wir dort?" rief Henriette und zog das kleine Mündchen trotzig zusammen.„ES ist erne so wunderliche alte Frau, und wir sitzen da immar wie auf der Anklagebank, nur ihre Strafreden und Bemerkunge« anzuhören! Ueber jede Schleife, jedes Band, da» wir tragen, Hot sie etwas zu erinnern, es ist ihr Alles zu auf- fallend, zu herausfordernd, wie fie sich auszudrücken beliebt, und wir können doch wahrhaftig nicht wie die barmherzigen Schwestern herumlaufen." „LrebeS Kind," sagte die Mutter langsam und mit Be» tonung jede» einzelnen Wortes,„das verstehst Du nicht; ei schickt sich aber. Deines VrterS Schwester hat allerdings ihre Eigenheiten..." „Du kommst ihr auch nicht zu nahe, Mama," warf Flora ei«. „Weil ick— weil wir Beide eigentlich nicht so recht zusammen paffen," erwiderte in einiger Verlegenheit die „Aber genau dasselbe ist ja auch mit uns der Fall." Ihr habt aber trotzdem große Verpflichtungen gegen fie," fuhr die Mutter fort,„ja, werdet später noch vrel mehr habe»— wenn Ihr Euch eben ordenürch danach be- tragt. Die kleine Unannehmlichkeit, Euch jetzt ihren Launen ein wenig zu fügen, könnt Ihr Euch bann schon gefallen lassen und fie ertrag,». „Kleine Unannehmlichkeit, Mama?" „Sie läßt sich ertragen," erwiderte die Frau Oberstlieutenant,„und wenn Ihr erst einmal älter werdet, tritt solcher Zwang wohl noch schärfer an Euch heran." „Sag' einmal, Mama." stagte H-nrrett«,„was für ein Mann war denn eigentlich d-r alte Mausebrod— ein ganz schrecklicher Name I Die Tante erwähnt ihn me, und der Vater scheint auch nicht viel v on ihm wlssen zu wollen." Die Mutter zuckte mit den Achseln.„CS mag wohl keine sehr glückliche Ehe gewesen sein," sagte fie.„Er war sehr reich, aber auch sehr kränklich und dadurch vrellercht worden. Unter Anderem hat er folgenden Schwindel auSge« führt: Im Jahre 1882 hatte ein Schuhmacher in der Jnva« lidenstraße mehrere Prämienpapiere mit dem Perl'schen Bank- geschäft gegen eine Anzahlung von 15 M- gekauft, weitere Ratenzahlungen aber nicht geleistet. Anfangs v. Mts. kam zu dem Schuhmacher der frühere Buchhafter Eck. und thnlte Jenem mit, daß ein Mailänder 10 Fr.-LooS, welches fich unter den von dem Schuhmacher im Jahre 1882 gekauften Papieren befand, mit einem Gewinn von 50 F.cs herausgekommen sei. Dieser Gewinn könne aber crst nach erfolgter Nachzahlung von 5 M. erhoben werden. Der Schuhmacher zahlte sofort die 5 M. gegen eine von Ech. im Namen des Bankier P. ausgestellte Quittung und wartet bis heut auf die Auszahlung deS Gewinnes. Tyatsächlich ist das detreffende LooS gar nicht ge- zogen worden und Sch. hatte diesen Schwindel nur in be» trügerischer Abficht in Szene gesetzt. ES ist nicht unwahr- scheinlich, daß Sch. noch verschiedene bisher nicht ermittelte Betrügereien auf den Namen seines früheren Prinzipals ver« übt hat Die Wittwe Rohrbeck, verstorben ist, hat im Ganzen, Verwandten und deS Gerichts die vor Kurzem in Tempelhof wie jetzt genau von Seiten der festgestellt ist. 1240 000 Thaler hinterlassen Dies koloffale Vermögen schreibt fich den„V. V." zu Folge aus den Einnahmen her, welche durch den Perlauf ver früheren Grundstücke dort, wo jetzt die Gneisenau- und Bergmannstraße stch definden, erzielt wurden. Durch Zinses» zins haben die Summen im Zeitraum von 20 Jabren oei der an« Äeußerne grenzenden Sparsamkeit der Rohlbeck'scken Ehe- leute fich derartig erhöht. In der Behausung der Verstorbenen fand man eine aroße chinefische Schale, die bis zum Rande mit Goldstücken gefülll war, in einem Schränk eine Rolle mit Ber- lrner Pfandbriefen und zwischen Büchern ein Kouvert mit 30 000 Pfund Sterling in englischen TitreS. Drei Arbeiter verschüttet. Als der um 2'/« Uhr fällige Lolalzug am Sonnabend Nachmittag in den Bahnhof von Steglitz einfuhr, ereignete fick ein Unfall, der glücklicher Weise ohne ernstere Folge geblieben ist. Durch die Erschül» terung deS Bahnkörpers Herrn Einfahren des Zuges erfolgte an der Böschung nach der Albrechtst�aße zu ein leichter Erd- rutsch, durch welchen von den daselbst bei den Unterführungs- arbeiten beschäftigten Arbeitern drei bis an den Hals ver- schüttet wurven. Da Hilfe sofort zur Sielle und daS Gewicht der abgestürzten Erdmaffen kein sehr bedeutendes war, so ge- lang es, schon nach kurzer Zeit die drei Halboerschütteten aus ihrer peinlichen Situation zu befreien. Der gewiß seltene Fall, daß ei« Spitzbube de« anderen und noch dazu seinen früheren Spießgesellen wegen Diebstahls denunzitt, ist Gegenstand einer strafrechtlichen Unter- suchung bei der Staaisanwaltschaft am königlichen Landgericht I W- und S., zwei vielfach bestrafte Einbrecher, wurden im Jahre 1878 weaen schweren gemeinschaftlich verübten Dieb- stahls, und zwar W zu lljähriger,®. zu 5V,iähriger Zuchtbausstrafe v-rurthcilt. S., der seine Strafe anfangs vorigen Jahres verbüßt hatte, quartirle fich nach seiner Entlassung auS der Haft in der Wohnung seines Komplizen W. ein, wo sehr b-ld zwischen ihm und der Frau des W. der Entschluß zur Reife gedieh, den noch im Gefängniß fitzenden W. zu„ver- setzen". Wenige Tage vor der Entlassung deS W. aus dem Gesängniß zog dessen Ehefrau mit dem Freunde ihres Gatten au« ver Wohnung fort, so daß der Ehemann W. bei seiner Rückkehr nach Hause die nackten Wände vorfand. Dies war ihm zu arg, und er denunzirte se nen früheren Komplizen wegen Theilnadmc am Diebstahl des von seiner Ehefrau mitgenom- menen und ihm gehö igen Mobiliars, nachdem ihm wohlbekannt war. daß Diebstahl um« Eheleuten straflos bleibt und nur auf Theilnehmec und Begünstiger Anwendung findet. Der um seine gut eingerichtete Wirthschast gekommene Ehemann, der dabei noch seine liebende Gattin losgeworden, hat in seiner Denunziation viele Beweise für seine Behauptung, sein ehe« maligcr Genosse habe gewußt, daß ihm das Mobiliar gehört, beigebracht, und ist in der That die Untersuchung gegen den Frauen- und WirthschaftS-Died eingeleitet worden. a. Eine raffinirte Diebin. In den letzten Tagen sind bei der Kriminalpolizei wieder Anzeigen gemacht worden, wo- nach eine junge anständige Frauensperson im Altec von etwa 13 bis 20 Jadren Kindern, die von ibren Eltern zum Einholen von Lebensmitteln ausgeschickt werden, unter irgend welchen Vorspiegelungen das Grld abnimmt. So wurden am 2. d. M. der siebenjährigen Tochter eines in der Langestraße wohnhaften Kaufmanns zwei Thalerstücke, mit welchen daS Kind nach dem Grünen Weg gehen sollte, auf dem Wege dahin von der Un- bekannte» abgenommen, indem letztere dem Kinde ein Stück Kuchen gab und dasselbe in das HauS MarruSstt. 40 lockte. In einem anderen Falle hat anscheinend dieselbe Unbekannte die neunjährige Tochter eines in der Friedenstraße wohnhasten Handschuhmachers am 3. d. M. an der Ecke der Straußberger» und P illisavenstraße getroffen und ihr erzählt, daß in ver Landsberger Allee ein Mann aus seinem Spielwaarengeschäft fortgelaufen sei und stch ein Jeder Spielwaaren aus demselben unentgeltlich mitnehmen könne. Daraufhin ist die Kleine mit de: Unbekannten bis zur Patzenhofer'schen Brauerei mitgegangen, voller Launen, soll auch die Tante nicht besonders behau» delt haben." „Wie alt ist die Tarne, Mama?" fragte Flora, und Henriette richtete ihre Augen ebenfall» auf die Mutter, als od sie die Frage mit thäte. „Ach, so oft gerade noch nicht," sagte diese vielleicht demselben Jdeengang folgend,„und so rüstig dabei, daß sie noch lange leben kann I Sie muß etwa im Anfange der SechSziger sein." „Das ist freilich noch sehr jung," bemerkteZFlora treu- herzig, und Henriette konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Nun, so sehr jung doch auch nicht mehr," sagte sie; „wir sind jünger. Aber mit der versprochenen Erbschaft, Mama, da wir jetzt doch einmal unter uns sind, liegt mir, wie ei scheint, dir Sache noch in weitem Felde. Erstlich können wir selber darüber alt und grau werden, und dann — wer weiß, ob nicht auch am Ense noch etwa» dahinter steckt" „Dahinter steckt?" fragte die Mutter.„Wie meinst Du das?" „Ich habe neulich einmal einen Roman gelesen," sagte daS junge Mädchen, indem sie dabei sehr nachdenklich mit dem Kopf nickte,„wo sich ein alter Herr von seinem Neffen mit dem Versprechen einer sehr großen Erbschaft bis zu seinem Tode pflegen ließ und den armen jungen Menschen biß zum Aeußersten dabei quälte. Wie er starb, fand man, daß er gar nichts hinterlassen hatte, denn selbst sein Silber- zeug war unecht, und der große eiserne Geldschrank enthielt nicht» al» Liqueurflaschen." „Aber, Henriette," rief die Mutter vorwurfsvoll,„Du traust doch Deiner eigenen Tanie nicht etwa« Der« artige» zu?" „Da» war auch dec eigene Onkel, Mama..." „Aber ein Roman, eine erdichtete Geschichte, Kind, die nie im Leben wirklich passirt ist." „Wer kann'S w'ssen!" antwortete achselzuckend daS junge Mädchen.„ES sollen im wirklichen Leben viel wunder- lichere und merkwürdigere Dinge vorfallen, al« sie nur irgend ein Mensch erfinden könnte." (Fortsetzung folgt.) wo letzter« derselben einen Thaler, den sie in der Hand trug, mit dem Bemnlen abnahm, daß ste ihn in Papier wickeln wolle. DaS Mädchen gab das Geld der Unbekannten, erhiell aber anstatt des ThalerS einen platten Stein in Papier ge- wickelt zurück, was vaS Mädchen erst bemerkte, als die Unbe« kannte bereits verschwunden war. ». Ei» Schwwdelageut. Bei einem in der Britzerstraße wohnhaften Drechsler erschien gegen Mitte dei Monats Januar «in angeblicher Feuerverstcherungs-Agent Lange und veranlaßte ihn durch Ueberredungen seine Fabrik und Maaren gegen FeucrSgefahr zu verstchern. Ersterer ging auf den Antrag ein und legte ibm der angebliche Lange nach etwa 14 Tagen eine Peificherungspolije der„Berlinischen Feuerverficherungs-Akiien« Gesellschaft" über eine VerstcherungSsumme von 23250 Mark vor, worauf er die jährliche Prämie von 93 Mark zahlen mußte. Später stellte fich jedoch heraus, daß der Drechslermerster einem Betrüger in die Hände gefallen war, da die obengedachte Feuer» verficherungsgesellfckast gar nicht existtrt. Der angebliche Agent Lange ist etwa 45 Jahre all und etwas pockennarbig im Geficht. N. Selbstmordversuch. Am ersten Ostcrfeiertag Nach» mittag versuchte ein Arbeiter Pietsch der Petag'schen Stroh-, Filzhut- und Fa?onfabrik in der Wallstraße 3—4 seinem Leben durch Erhängen ein gewaltsames Ende zu machen. P. benutzte die Gelegenheit, als fich die Arbeiter entfernt hatten, um fich an einem GaShahn aufz hängen. Zufällig zurückkommende Arbeiter schnitten den Lebensmüden los und ließen Wiederbelebungsversuche anstellen, die auch soweit von Erfolg begleitet waren, daß P. lebend in die königliche Charitee eingeliefert werden konnte. DaS Belle.Alliance.TH«ater war an allen Feiertagen ausverkauft. Goerner'S letztes Werk„Amerikanisch" erfreute fich der beifälligsten Aufnahme, daS Publikum zeichnete Herrn Direktor Ledrun und feine Mitglieder durch Hervorruf bei jedesmaligem Aftschluß aus. GenrKtS'Zettuug. Ueber den Begriff einer„Versammlung" im Sinne deS Pereinsgefetzes und über die Pflicht, vertrauliche Be- sprechungen in kleinerem Kreise über tecdniscbe Einzelhetten der Wahlagttation rc. als„Versammlungen" polizeilich anzumelden, wird nunmehr auch die Strafkammer als Berufungsinstanz ihr Urtheil abmgeben haben. In der Strafsache gegen den Rechtsanwalt Cassel und Genosien wegen Vergehens gegen das VminSgesetz hat das Schöffengericht kürzlich, wie mit- getheilt, auf Freisvrechung erkannt, well es solche zwangslose vertrauliche Besprechungen nicht als Versammtungen erachtete. Der Staatsanwalt hat gegen diese Entscheidung die Berufung eingelegt und vertritt darin die Anficht, daß es für den Begriff einer„Versammlung" nicht der parlamentarischen Handhabung derselben bedürfe, sondern jede Zusammenkunft von Menschen zu einem gewissen Zweck darunter zu verstehen sei, ganz ab- gesehen davon, od die Zahl der Menschen größer oder geringer sei. Besteht der Zweck dieser Zusammenkunft in der Erörte- rung irgend welcher politischer Angelegenheiten, so erscheint damit nach der Anschauung, welche die Staatsanwaltschaft vertritt, die Voraussetzung des§ 1 der Verordnung vom 11. Mär, 1850 erfüllt._ SoZmles ttttÄ Arbeiterbewegung. Ueber Streiks. Jahre lang hat die Presse der anderen Stände bei jeder einzelnen Arbeitseinstellung„ausgeku-'d- schafter", daß nur„Aufhetzereien" die Arbeiter zum Streike gebracht hätten. Die Arbesterpartei mußte die Ver- antwortlichkeit für jeden noch so unfinnigen Streik auf fich nehmen. Es half gar nichts, daß fich die Partei als prinzipielle Gegnerin der Stteiks hinstellte, daß fie daS endgiltig Nutz- lose der meisten Streiks, die eine Lohnerhöhung erzielen wollten, unter wissenschaftlichen Beweis stellte, Alles das war pure Heuchelei, die Aibetterpartei hetzte dennoch die Arbeiter zu den Streiks auf. Nun sollte man doch wenigstens meinen, daß bei diesen„Aufhetzereien" die Arbeiterpartei systematisch und ge- schickt vorgegangen sei— man rühmt ihr dieS doch im Allgemeinen nach. Dann hätte fie doch nur dann und nur da zur Albettseinstellung„aufhetzen" müssen, wo einigermaßm AuSficht auf Sieg vorhanden war, denn die Niederlagen machen die Arbeiter muthloS. Und Ausficht auf Steg ist nur dann vorhanden, wenn die Nachftage nach Arbeitern daS An- gebot von Arbeitern übersteigt. In solchem Falle aber ist der Lohn verhältnißmäßig niedrig und die Arbeiter find verhältniß naßig deshalb auch zafricden; fie lassen fich dann nicht zum Streik„aufhetzen". Uebersteigt aber daS Angebot von Albeiishänden die Nachfrage nach denselben, dann steht der Arbeitslohn niedrig und da Ar- dettskräste übergenug vorhanden find, so ist der Streik gemein« hin ausstchtSloS. Und trotz dieser AuSfichtslostgkeit und trotz- dem mancher WarnungSruf ertönte, verbinden fich die ge« drückten Arbeiter zum Kamrfe, ja meist zum ausfichtSlosen Kamvfe. Nor eine eisern« Organisation und bedeutende Unter« stützungen können ein oder das and.re Mal zum Siege führen. Man steht aber aus solchen Erscheinungen, welch: alberne Be« hauptung diejenige ist, daß die Arbeiter von der Arbeiterpartei zum Streik„aufgehetzt" würden. Doch das muß man jetzt auch zur Ehre deS größeren Theils der hauptstädtischen Presse sagen, daß ste von ihrem Jrrrhum zurückgekommen ist und solche Behauptungen nicht mehr aufstellt. DieS überläßt fie einer jammervollen Winkelpreffe und einigen wenigen größeren Hetzblättern, welche auch den bedauernsweuhen Bielefelder Streik mit früheren Agitationen der Arbeiterpartei in jenen Gegenden in Verbindung zu bringen versuchen. Die Stellung unseres Blairs zu den ArdettScmstellungen ist dekannr. Wir find aus eben angedeuteten und früher näher ausgeführten Gründen prinzipielle Gegner deS Streikes. Wir sehen aber, daß fie fich mtt einer gewissen Naturnothwcndigkeit selbst Bahn brechen. Ist aber ein Streik vorhanden, so nehmen wir selbst. verständlich alS Arbeiterorgan für die Arbeiter, für die Ge- drückten, für die Nothlcidenden Partei, selbst auf die Gefahr hin, daß man unS als„Aufhetzer" bezeichnet. Schutz der nationalen Arbeit- Die neuesten Wiener Blätter bringen übereinstimmend folgende Mittheilung, die er- kennen läßt, daß F ü r st Bismarck auch für seine Person von dem Prinzipc des„Schutzes der nationalen Arbeit" zu- weilen abweicht:„In der letzten Sitzung der Wiener Schneidergenossenschaft kam man bei ver Bespre« chung gewerblicher Angelegenheiten auch auf den Fürsten BiS- marck zu sprechen und zwar in sehr sympathischer Weise. Der Vorsteher theilte im Laufe der Debatte mtt, daß, wenngleich die Kletder, Industrie derzeit in Berlin mehr florirt, als in Wien, die der letzteren Stadt doch einen sehr ehrenvollen Ruf behauptetet. Beweis dafür sei, daß sich der deutsche Reichskanzler seit vielen Jahren bereits bei einem Wiener Schneider Kleider anfertigen und nach Berlin sen den läßt. Diese Kleiderlieferung soll zur Zeit der Weltausstellung, als Fürst Bismarck zum Besuche in Wien weilte, ihren Anfang genommen haben. Die Mitglieder der Genossenschaft nahmen diese Eiöffnung ihres Vorstehers mit lebhaftem Beifallt aus."— Wir können einen gewissen Zweifel an die vollständige Richtigkeit obiger Nachricht nicht unterdrücken, besonders da es feststeht, daß die Berliner Schneider ebensogut und billiger arbeiten, als die Wiener. Doch wollen wir betonen, daß an dem Bau und besonders an der Ausstattung des Reichskanzlerpalais damals französische Arbeiter beschäftigt gewesen find. Trotzdem aber ist der Kanzler mit der Einrichtung deS Palastes, wie er das im Reichstag mehrfach ausgeführt hat, nicht zu- frieden. Da in den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Arbeitsverhältnisse recht ungünstige find, so wenden fich auch die deutschen Auswunderer zum Theil schon nach der südlichen Hälfte von Amerika. So zogen am 1. April ca. 60 Personen durch Bremen, welche nach Brafilien fich einschiffen und zwei, die ihr Glück in Westaftika versuchen wollten. Dabei wollen wir bemerken, daß vielfache Anfragen a» verschiedene Re- gierungsbehörden gelangen, welche um freie Beförderung, Dar- lehne u. s. w. zur Reise nach Angra-Pequena ersuchen. Daß diese fteundlichen Anerbietungen zur Förderung der deutschen Kolonialpolitik von den betreffenden Behörden abschläalich be- schieden werden, ist die erste bittere Pille, die unsere Kolonial- schwärmer verschlucken müssen und wenn nicht alle Anzeichm trügen, so folgen noch viele Pillen und recht bittere nach. bk«. Ueber den derzeittaen Stand de« Streik« in der Sächsischen Ofenfavrit zu Cölln bei Meißen geht uns von der Kommission der streikenden Arbeiter(gez. Reuter, Sachs«, Petzolv) mtt dem Ersuchen um Notiznahmc eine vom 4. d. M. datirte längere Zuschrift zu, der wir folgendes entnehmen: Die in den letzten Tagen von verschicdenen Zeitungen gebrachten Nachrichten, daß unser Streik„beendet sei, weil sich hinreichen- der Ersatz an Arbeitskräften von hier wie auSwärtS eingestellt, außerdem die Mehrzahl der Strttkend'.n die Arbeit wieder auf- gcnomm n habe und die übrigen vorausstchtlich diesem Beispiele folgen würden", find durchaus unzutreffend und zum größten Theile völlig aus der Luft gegriffen. Der Streik ist weder beigelegt, noch als für unS verunglückt zu betrachten. Derselbe dauert vielmehr mit fast unveränderter Ausficht auf schließlichen Erfolg noch fort, trotz der nicht zu leugnenden, für uns höchst betrübenden Thatsache, daß von der ursprünglichen Gesammt- heit der Streikenden 25 Mann wankelmüthig geworden find und die Arbeit wieder aufgenommen haben. Die Zahl der Streikenden, zumeist die besten Kräfte d-r Fabrik, beträgt jetzt noch 57. Und fie alle find fest entschlossen, ihre gerechten For- derungen unerschütterlich und voll und aanz auftcchr zu halten. Lieber würden wir Alle anderwärts Arbett suchen, als unter den von der Direktion gestellten Bedingungen die Arbeit wieder aufzunehmen- Die Direttion hat fich die größte Mühe gegeben, Ersatz für die Streikenden zu schaffen, theil« durch den Zuzug von auswärts, theils dura, den Versuch, hier- vrtS junge Arbeitskräfte„von nicht unter 17 Jahren" „zum Anlernen" zu engagiren, gleichviel welchem Berufe oder Gewerbe dieselben bisher angehört haben mochten. Jnveß hatte dieses Bemüoen bis j-tzl nur geringen Erfolg; der n von den von auswärts hierher Gekommenen ist auch noch nicht ein einziger wirklich in der mtt Streik überzogenen Fabrik in Arbeit getreten und von den zum„Anlernen" eingestellten hiesigen Sicbenzebvjährigen mußten einige a!s völlig unbrauch- bar bald wieder entlassen werden, während von all diesen jungen Leuten nur einige wenig« bisher das Töpferhandwerk gelernt halten. Alle übrigen hatten anderen Profefionen oder Berufen angehört. Dazu muß man wissen, daß ein Arbeiter unseres Gewerks, der volle 4 Jahre alS Lehrling das Töpfer- Handwerk erlernt hat, noch immer mehrerer Jahr« zu setner völligen praktischen Ausbildung bevirrf, um allen in unserer Branche an ibn gestellten Anforderungen genügen zu können. Unter solchen Umständen wird wohl Jedermann zugeben müssen, daß die Direktion in so mangelhaften Arbeitskräften, wie die hier in Betracht kommenden, nichts weniger als einen Ersatz für 57 gelernte und völlig eingearbritete tüchtige Arbeitskräfte gefunden haben oder finden kann und daß uns s>lche Konkur- unten, wie die Betreffenden, nicht allzuviel schaden wetden. Unsere Sache steht also vortrefflich und wir können, da wir unS auf die werkthätige brüderliche Unterstützung seitens unserer deutschen Gewerksgenossen und der Arbeiter aller Berufe auch ferner verlassen zu dürfen glauben, mit Siezeszuverficht in die Zukunsl blicken. Pereim uuä Perssmmiuuge«. In der Versammlung de« Fachverein» der Sattler, welche am 28. März in Gratweil's Bierhallen stattfand, refe- rirte Kollege Wirt HS als Vorfitzender des Gesellen. AuS- schusses über die bisherige Tbätigkeit desselben. Redner bedauerte, daß, trotzdem der Aueschoß am 23 November v. I. gewählt, die Innung eS nicht eher für nötbig hielt, denselben zu einer Sitzung einzuladen, als bis verfelde, gestützt auf§ 100a der Gewerbeordnung zu der Gesellenprüfung beim Jaouar-Quartal nicht mit zugezogen wurde. Der Ausschuß glaui te fich in seinen Rechten beschränkt und führte sofort Beschwerde bei der Gewtrbe- deputation des Magistrats, waS nach Anficht de« Redners zur Folge hatte, daß fich der Jnnungsvorstand genöthigt sah, den Ausschuß schleunigst zu einer Sitzung zusammenzurufen. Die« selbe fand dann auch am 15. März statt. In derselben wurde zunächst die Konstituirung des Ausschusses, die Wahl der Prüfungs Kommission und d?r Schiedsrichter oorgenom- men. Eine längere Debatte rief in jener Sitzung die Frage hervor, wer die Unkosten ver Versammlungen tragen solle, welch« zum Zwecke der Berichterstattung des Aui- schuffes den Kollegen gegenüber stattzustirdcn habe. Die Meister erklärten, daß die Innung hrerzu kein Geld habe. Dieselbe Erklärung gab der Gcseller.-Aussckuß für die Kollegen ab. Ein Meister gab den Gesellen den Rath, zu diesem Zweck eine große Vereinigung über Berlin zu gründen, welche die Unkosten durch regelmäßige Beiträge decke,' solle. Mit vollem Rechte machte man den Herrn aufmerksam, er möge doch erst dafür Sorge tragen, daß seine Gesellen dem bestehenden Fachverein d-itteren; dasselbe empfahl man den übrigen anwesenden Mei« stwn. Würden fie dieS veranlassen, dann brauche man keine öffentliche Versammlungen, sondern sämmtliche Ar gelegenhetten könnten dorn in den Fachvereins-Bersammlungen erledigt werden. Eine Einigung über die Frage wurde nicht erzielt, man behielt sich Näheres zur nächsten Eiyung vor. Am Schluß der Sitzung machte der Obermeister noch bekannt, daß man vor allen Dingen die Regelung drs Herbergswei-ns b-lchleunigen müsse. Cr persön- lich lege einen großcn Werth darauf. Es soll nämlich jedem zugereisten Kollegen auf der Herberge freies Quartier für eine Nacht, desgleichen frei« Ve:pflepung für einen Tag gewährt werden. Em Beschluß rrsp. erne bestimmte Stellung hierzu konnte der Ausschuß noch nicht nehmen, da dei einer so ein- greifenden Materie erst die gesammte Gesellenschaft g-hört rrerden müsse; deshalb wurde diese Angelegenheit ebenfall» vertagt. Referent bittet nun zum Schluß, daß der Berein zu dieser Sache Stellung nehmen möge. Kollege Kabel alS Mitglied d.-S Ausschusses kommt nochmals auf die einzelnen Punkte aussührlich zu sprechen. Cr hält von den ganzen Jnnungsbcstrebungen nichts und meint, man brauche sich durchaus nickt den Kopf zu zerdreck-n, w-r d'e Kosten zu be>agt-n Versammlungen und der HerbergSuntelstützung aufbringe. Wenn die Meister durchaus unterstützen wollen, so schlage er vor, doch ihren Arbeitern höheren Lohn zu zahlen. Kollege Steindorff, ebenfalls Mitglied des AuS- schusseS, glaubt nicht, daß die Meister durch die Unterstützungen nur humanen Zwecken dienen wollen, eS ist ebenso leicht möglich, daß fie nur viel Arbeitskräfte nach Berlin ziehe» wollen, was eine Herabsetzung der Löhne zur Folge haben würde. Redner hält die Bestrebungen der Innungen für aus« fichtslos und erblickt die größte Thätipkeit des Ausschuffes darin, daß man gerade den Jnnungsmeistern ein Bild von den so vielfach gezahtten niedrigen Löhnen und der Arbeitszeit ent» rollen werde, um durch dieses Vorgehen allmälig Abhilfe zu schaffen. Er erklärt sich im Prinzip mit der Unterstützung der zugereisten Kollegen einverstanden, hält aber die Regelung in dieser Weise imHinblick auf die momentane Lage für unannehmbar. Redner empfiehlt an Stelle dessen dafür Sorge zu traaen, daß an allen größeren Orten Deutschlands Fach oereine in'« Leben gerufen werden, die fich durch gegenseitige Verträge verpflichten, jeden zugereisten Kollegen, welcher Mitglied eines solchen Vereins ist, zu unterstützen ohne Htlfe der Meister. Hierauf lief folgende Resolution ein: Die heutige in Gral- weit's Bierhallen tagende Versammlung deS Fach oerein» der Sattler erklärt fich mit dem Vorgehen des Gesellen-Ausschusses einverstanden, ist im Prinzip für die Unterstützung zugereister Kollegen, hält jedoch den Vorschlag der Meister bei der jetziaen Lage für unannehmbar und behält fich einen definitiven Be» schluß hierüber, bis nach nochmaliger Anhörung der Meister in einer späteren Versammlung vor. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Zum 2. Punkt der Tagesordnung berichtete die Lohnkommisfion über ihre bisherige Tbätigkeit und demerkt, daß es ihr bis jetzt leider noch nicht möglich war, eine genaue Statistik unserer Arbeitsverhältnisse zu geben. Sie glaubt jedoch in einer der nächsten Versammlungen in ver Lage zu sein, ihre so schwierige Aufgabe lösen zu können. Zu Verschiedenem wurde von mebreren Rednern b-tont, noch ernst« lich daran zu gehen, daß von Berlin aus Anstoß gegeben werde, zur Gründung von Fachvereinen in Deutschland. Man schlug vor, die Gelegenheit, zu ver Ostern stattfindenden Generalver« sammlung zu denn en. Da zu dieser Vecsan rnlung viele auswärtige Kollegen als Delegirte hier find und man diese im Privatgespräch auf die Notbwcndip kert der Fachocrcine auf- merksam machen könne. Zum Schluß machte noch der Vor» sitzende Kabel Mannt, daß der Verein allen Mitgliedern bei Rechtsstreittgkeilen in Gewerbesachen freien ReckiSschuy ge« währe und habe er die erfreuliche Mittheilung zu mürben, du» in der Klage des MitrlieveS Müller wider dm Fabrikantm Zender, ersterer die Klage gewonnen hat. Der Fabrikant wurde verurtheilt, an den Kollegen 52 Mark und die Rosten ,u zahlen. Die nächste Vereinsversammiung findet Sonnabend,:«» 11. April, in demselben Lokale statt. r. Eine gut besuchte öffentliche Schuhmacher-Ver« sammlung fand am dritten Lsterfciertage im Salon„Zum Deutschen Kaiser". Lothnngerstraße 37. statt. Dieselbe war einberufen von der Lohnkommisfion zum Zwecke der Vorlage einer P-tition und ver Lohntarife; dtt Petitton ist an den Reichstag gerichtet und destimmt, demselben für vir Berathungcn über das Arb'itersckutzgesetz Material zu liefern. E« wird demzusolge in derselben die Nothlage des Schuhma.bergeweideS in allen Einzelheiten geschildert und um Festsetzung«stner gesetzlich destrmmlcrr Äoximalarbeitszeit und eines Minimal- lobnes, wie es das Arbeiterickutzgeletz resp. der Entwurf deS« selben forden, gebeten. Die Petition soll gedruckt und sämmtlichcn Schuhmachern Deutschlands zur Unterschrift zuge- stell!, aber auch sofort, scchstständig von den Berliner Schuh- machern dem Reichstage unterbreitet werden und findet indkser Angelegenheit in kürzester Zeit noch einmal eine große öffentliche Versammlung für Meister und Gesellen statt.— Betreffs der Lohntarife ist zunächst eine tägliche Arbeitszeit von 7—7 Uhr, Montags von 7—6 Uhr, inkl. l>/> Stun en Pause WS Auge gefaßt. Jede längere Arbeitszett soll.l« Uederstunden mtt 35 Pf. pro Stunde bezahlt werden. Der Arbeitt lohn soll am Sonnabend Abend um 7 Uhr gezahlt werdm. Die Lohntarif« zerfallen in drei Gruppen: fein« (Herren- und Damen-) Arbeit, mittlere(bestrllte) Arbeit und Geschäftsarbeit. Die Lohntarife find von der Lohnkommisfion ausgearbeitet worden und wurden von derselben der Verjamm- lung zur Kenntnißnahme unterbreitet. Dieselben wurden zwar als dringend notbwendig anerkannt, doch wurde von einer Beschlußfassung über die Lohntarife vor der Hand Abstand genommen, da eine Möglichkeit der Durchführung derselben zur eit ausgeschlossen ericheint, weil die Schuhmacher noch nickt or„arifi l find.— Für die streikenden Kollegen in Burg und WeißenfelS winde sofort eine Tellersammlung veranstaltet, welche einen bedeutenden Ertrag lieferte. Im Verein zur Wahrung der Interesse« der Tape» I zirer findet hrut- Abend 8'/, Uhr in Gratweils Bierhallen f eine sußerordentlicke Versammlung statt mit der Tagesordnung:] 1. Vortrag über vie Bestrebungen und das Statut des VercmS. 2. Vereiniangelegenheiten. 3. Verschied neS. 4. Fragekasten. 1 Den Mitglied?: n zur Nachricht, daß vie erste Nummer der I Tavezirerzeitung bereite erschienen ist und Abonnements sowie! ZeitungsouSgade am VereinSabende erfolgt. Zu dieser Ver- 1 sammlung find alle Kollegen, auch Nichtmitglied«. f.eundlichst eingeladen. Der Louisenstäotische vezirtSderein..Vorwärt»" hält 1 b-ute, Mlllw' ch, den 8. April. Abends 8 Uhr, in Konrav'» I Saal. Wafferthorstraße 68, eine Vereinsversammlung ab. in I welcher Herr Dr. Stahn einen Vortrag über„Darwinismus" I hatten wird. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Gäste will«!- kommen. Delepirtenversammlung der Schlosser und Beruf«« f aenossen 2M Mittwoch, den 8. v. M.. Abends 8'/, Uhr, im Lokal Annenstraße 16. Die Kollegen von solchen Werkstätten, i welche noch keine Delegirten geschickt baden, werden gebeten» F Delegirte zu wählen und hinzuschicken. Zrhlreiche Bethetliaung 1 erwartet die Kommission. Von dem Vorstande der Ortskrankenkasse der Bild- Hauer. Stuckatenre und Gipssiguren. Fabrttante« wird bekannt gemacht, daß fich VaS Kaffenlokat vom 9. April ab Holzmarktstr. 50 c, I. reckts, defindet, und von 7—11 Uhr Bor» i mittags und von 2-7 Uhr Nachmittags geöffnet ist. Medizin- f scheine stellen aus vie Herren: Biester. Aiexandrinenstc. 22a;| Thun. Simeooste. 3' Beiger, Erfurterstr 10(Schöneberg): I Kirtz. Nostizstr. 34' Burcharvl, Lmienftr. 93, III. i Der Verein für Reform der Schule und Erziehua« 1 hält am Donnerstag, dm 9. April. Abends 3'/, Uhr, Nieder-» wallstraße 20, feine General-Versammlung ab, zu welcher Bc- richte, Wahlen und Bcsrrechuna der VemnSioteuffm auf ver Tagesordnung stehen. Der Zotritt ist nur gegen Vorweisung| der BeitragSquittung gestattet, welche auch daseihst in Empfang\ genommen werden kann. ünejlmfteit äer Keliaknou R. St. 101. Da« Sachverhältniß ist nicht klar g'lrgt' und die Fragen unverständlich. Beseitigen Sie diese Mängel» so wird Ihnen Antwort zu Theil werden. A. M. 3 Die Einreden des Arbeitgebers find untr'.eb-; lich. Gegen die Entscheidung der Gewerbe-Tevutation müfftN Sie Berufung innerhalb zehn Tagen feit B-rkünVung vek Entscheidung und zwar durch Zustellung einer Klageschrift o* Ihren Prozeßgegner erheben. A. M.» Dieffenbachstr. 1) Ohne den Inhalt der B«? � ficher.ingspoliz« zu kennen, läßt sich vie Frage nicht be�" worten. 2) Lassen Sie fich das Armenrecht vom Gericht& thcilen. I. K 09. Kündigung ist nicht nothwendia Nach Ab- s lauf ceS Miethsjahres müssen Sre die Wohnung räumen.. I- E. Nr. 2. Sie find Miierbe der Frau und könntt' die Nachlaßregulimna beantragen. Im Uedrigm find JPJ Anfragen nach der thatsächlichen Seite hin nicht genügend ft* ; stellt. Am besten ist eS, wenn Sie in der Angelegenyeit einen Anwalt zu Rath« ziehen.____ Ber-mtwortttcher Redalieur%.«nnuetai m«rrlm. Druck und Vertag von M« Vndtng f» Berlin Leulhftroße 2.•imit eine Beil«««« eilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 8i. Mtttwoch den 8 April 1885 H. Jahrgang. Aas Ende des Nihilismus. Aus St. Petersburg läjjt sich umer dieier Ueberschrist das liberale„L ipüger Tageblatt"*) folgenden Arttkel schreibe», der ors Interessanten Manches enthält, so daß »ir den Lesern denselben nmtbeilm wollen: „Die geheime, in ihrm Exzessen so fürchterliche Gesell» schaft von Fanatikern, welche seit nahezu acht Jahren eine wahre Schreckensherrschaft über Rußland führte, ist ver» schwunden, die so berüchtigte Organisation der Terroristen oder Nihilisten, wie sie auch im Auslände genannt wurde, die Geißel des Thrones und der Gesellschaft existirt nicht «ehr— sie hat sich selbst aufgelöst. Sie mußt: noth- gedrungen, w�nn auch erst nach vielen schweren Kämpfen, jenen unvermeidlichen Schritt thun, m dem sie durch den lebhaft erwachten gesunden Instinkt des Volkes, durch den Widerwillen desselben gegen die Mord» und Blulpropaganda gezwungen wurde. Wohl hütet sich die Führers'. ast der nunmehr vergangenen terroristischen Pariei, dies in klarer und bündiger Sqrache zu erklären; auch bei dieser letzten Aktion wird in gewohnter konspiratorischer Art umschrieben und gelogen, doch noch ein zweiter und zwingender Umstand war vorhanden, die nackte Thatsache nicht einzu» stehen. Die Abenteurer„im Reiche" und die Hetzer in sicherer Schußweite, die Herren 2. u. T in Paris und Genf, welche durch ib�en wahnwitzigen Fanatismus hunderte und aber hunderte Verführter an den Galgen brachhn, fürchten die Revanche, fütchten die Rächer der armen Märtyrer, fürchten für da« eigene Leben. „Darum wird nur erklä t: Es empfehle sich die Neu- bildung»inei revolutionären Zirkels einer rein lozialdemo- kratischen Organisation, da die„Nutzlosigkeit der unorganisirten Kämpfe gegen einzelne Personen erwiesen. „Vor Kurzem war Ihr Korrespondent in der Lage, Ihnen von dem Erscheinen eines neuen revolutionären Blattes, welches sich unter dem Titel:„Der Arbeiter" ein» führte und das Produkt einer Geheimdruckerei»st, Mitthei» lung zu machen. Mit dem Auftauchen dieses Blattei voll- zog sich die Eingang» des Berichtes erwähnte bedeutung«- volle Wendung in der revolutionären Bewegung Rußland». Au dem Tage, an welchem„Der Arbeiter" als Flugblatt in den Straßen und an öffentlichen Orten Petersburg« ver- streut gefunden wurde, hattendieDynamitarden, und B o m b e n p at r i o t e n Rußlands zu existiren aufgehört, war der TerroriSmuS, hoffent- lich für immer, zu Grabe getragen. Da« Programm des neuen sozialdemokratischenZirkels, dessen Organ.Der Arbeiter" ist.lautetzwarnochimmer energisch genug, um seine» Anhängern den Weg»ach Sibirien offen zu halten. Die Kraflstellen, we che in keinem sozialradikalen Glaubensbekenntnisse fehlen, wie„Umsturz der bestehenden Gesellschaltsordnung" zc., haben zwar auch in dem Programm der S�zialvemokraten Rußlands ihren Platz gefunden, doch auch die Erklärung: „daß im Gegensätze zu Bakunin die Existenz des Staate» a l» N o t h« e n d i g t e i t anzuerkennen sei." Diese Stelle allein dürfte die Zaren-Regierung sowohl im Interesse de» Throne« al» der bürgerlichen Gesellschaft bestimmen, von den dra- konischen Bestimmungen de» Strafgesetze» gegen re- volutionäre Verbindungen abzulassen und jene milder« Praxis zu üben, wie sie in dm sechziger Jahren bei uns üblich war. „In der Vorautsetzung, daß diese Umformung der Ver- Härtnisse auch außerhalb der Grenzen Rußlands Interesse erregen dürfte, will ich au»zugsweise jene Stellen au« de« * Wie wir nochträglich rrsehen, bat das.Lripz'ger Tageblatt" dm Arrikel ohne Quellenangabe dem �Pmer Lloyd" entnommen. Red. d. V- m***«rtotrai Ieuilleton. 133 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) «Gesetzt ein Schmuggler hätte in jener Gegend dort sein Waarenwger, so könnte er die Verfolger, die nothwendig doch auf diese« Wege kommen müssen, nicht nur von Wertem erspähen, sondern er könnte auch mit Leichtigkeit durch das Drckrcht. da« sich unmittelbar an den Abhang schließt, auf dem die Hütt« steht, entkommen." . Ii' ,,on. Fritz sprach, lag auf der Höhe «meS Filsenabhange», und z�ar so, vaß vor derselben sich «ine tiefe Schlucht hrnzog, hinter welcher auf einer Anhöhe, die nur von einem kundigen und i« Erklimmen von Bergen geübten Menschen erreicht werden konnte, sich ein dichter Wuld anschloß, der noch dazu unzugänglich gemacht wurde dadurch, daß unter den gewaltig?» Birkenstämmen ein un» durchdringlich«» Strauchwerk wucherte. Die Hütte selbst war von der Art, wie Habicht sie beschrieben hatte. Sie lehnte an einem Felsen. Es war vielleicht dorr eine Vertiefung de« Felsen», die«an nur durch einen kleinen Vorbau von Brettern verschlossen hatte. Die Bretter waren morsch, da» Dach zum Theil erngerrflen. Die Thür schloß nur mangelhaft, und hatte hie und da durch abgebrochene Stücke der Bretter große Oeffnungrn mhalten. Sie sahen da» deutlich, da ja die Hütte«in erhöht lag, obwohl sie in ziemlicher Entfernung vorübersuhr-n. ~ ist auch so gewesen, wie Du sagst," erklärte ' einmal, der Weg, den wir jetzt fahren, rst «gentlrch gar keiner; der Hunderlste könnte e» nicht riskiren hrcr h,»durch, ufahre». nur ich, der ich jeden Maulwurf«. Hügel, so zu sagen, in diesen Gegenden kenre, darf es wagen. Ich moch:e aber keinem Reiter orer Fußgänger, der nicht so Bescheid weiß, wie ich, rathen, �ur Winterzeit sich dresen Weg zu wählen... Dort ,n den Hütten hielt n dre Schmuggler Wacht; auf eine Me e weit konnten sie Alle» sehen, wai die eigentliche Fah ftraße en-larg kam. Programme der„Neusozialisten" folgen lassen, welche von den Zielen und Tendenzen derselben handeln. Es heißt da: „1. Im Gegensatz zu Bakunin anerkennen wir den Staat als nothwendiges Mittel, um die Ordnung der Bourgeoisie in eine sozialistische umzuändern. 2. Die Führerschaft im Kampfe der ausgebeuteten Klassen zur Erreichung der politischen Gewalt und behuf» Aenderung der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung liegt der Arbeiterklasse ob. 3. Von diesen Grundsätzen ausgehend, wenden wir uns an den intelligenten Theil der Arbeiterschaft mit der Aufforderung, unt r sich eine Arbeiterpartei zu bilden mit einem Programm bestimmter Forderungen und einem fest- gesetzten Thätigkeitsplan. „Es werden ferner, wie bereits erwähnt, die Arbeiter vor der Nutzlosigkeit der„unorganisirten Kämpfe gegen einzelne Personen" gewarnt.„Solche einzelne Bewegungen", heißt es da,„wie wir sie jetzt in Rußland vorfinden, solche vereinzelte Kämpfe gegen Personen und nicht gegen da» System absorbiren und vernichten die besten Kräfte der Albeiterschaft. „Im pirsönlichen Verkehr mit einem dieser„Bekehrten", der Kr» vor Kurzem in den vordersten Reihen der Terro- rist n geüanden, erhielt ich eine rückhalrlose Erklärung jener Gründe, welche diese Wandlung veranlahte«.„In Folge der Propaganda der bakunistischen(nihilistischen) und blanqurNischen Ideen", so mein Gewährsmann,„wurde der Name Sozialdemokratie so diskreditirt, daß selb st die zahmste Agitation zur Herbeiführung von b ü r g e r l i ch- l i b e r al e n Reformen zur Un» Möglichkeit wurde. Wo wir anklopften, blieb un» die Thür«- verschlossen, wem wir un» nähern wollten, wen- dete sich voll Angst von un«. Erst jetzt erkannten wir die verhängnrßvollen Konsequenzen der terronstischen Propa- ganda und im Jnter-sse der Revolution haben wir dieselbe aufgegeben. „Die Sozialdemokraten hoffen, daß auf Grund ihres ProgrammeS oie R formpartei wieder den Anschluß an die- selben zur VewirkUchung der liberalen Aspirationen und Herbeischaffung konstitutioneller Zustände suchen wird, und damit stände die ltv0tu>io>äre Partei Rußlands dort, wo sie sich 1866 befand." Dotttiseke Uebersirkt. Frankr/ich. Dem Kamwerptüfivcnten B-rsson ist cS nunmehr gelungen, dai neue Mlnisterlum zu b.lDen. Das neue Kabinet wird au» folgenden Pe>>onen zusammengesetzt fein; Brisson Präsident und Justiz, Fr-ycinel A�srcärtigeS, AUain Targ6 Inneres, Clamagöran Finanzen, Campenon Krieg, Eadt Carnot öffent- liche Ai bellen, Pierre Ligrand Ackerbau, Helvömangon Handel, Goblet Unteirtctt, Sarrten Posten und Telegraphen, Galiber Marine. Die neuen Minister traten gestern Nachmittag 5 Uhr bei Brisson zu einer Besprechung zusammen, die bis AdendS 7 Uhr dauerte und in welcher über die von den Kammern ab- zugebenden Erklärungen berathen wurde.— Das Kabinet Brisson wird allgemein als die einzig mögliche Lösung der KristS betrachtet und als eine Art Versöhnungs-Mnisterium bezeichnet. Die Radikal, n sowie die Opportunisten versprechen demselben ihre Unterstützung. Das Mi.'itteiium soll, wie ver- fichert wird, die Kreditoorlage von 200 Millionen Franks aufrecht erhalten, das Budget TirardS für 1886 akzeptiren und eine politische Amnestie beschließen. Heute findet die Wahl deS Prästvemen dcr Deputirtenkammer statt. Das Resultat ist noch ungewiß. Großbritannien. Die Verhandlungen mit der ruistschen Regierung wegen der afghanischen Grenzfrage sind keineswegs zu Gunsten Eng- lande ausgefallen. Die soeben eingetroffene Antwort Rußlands auf eine vor Kurzem eingereichte engttsche Anfrage giedt der War eS etwa» VerdächtigiS, nun so hatten sie Zeit genug, sich und ihre Woare in Sicherheit zu bringen." „Wird jetzt kein Handel der Art mehr betrieben?" „Bewahre! die meistenZölle sind ja aufgehoben namentlich derjenigen Waaren, die am meisten Gegenstand des SchmuggelhandrlS waren, und mit den andern lohnt sich ein so gefährliches Geschäft nicht; außerdem ist auch die Zollwache an den Buchten der nordöstlichen Küste eine so ausgedehnte, daß es geradezu unmöglich ist, von dort au» Waaren in» Innere des Lande» zu bringen. Die Schmuggler, die da» Geschäft noch nicht aufgegeben haben, haben sich jetzt mehr nach den nordwestlichen Küsten und den Inseln dort begeben." „Mich wundert, daß die Besitzer dieser Gebiete den Aufenthalt von Leuten dieser Art hier geduldet haben." „Pah, dai ist nicht zu virwundern. mein Junge; dies« Gegend rst die wildeste im ganzen Gebirge. Wer ander» kommt bierher, al» etwa der Jäger? Und dieser auch nur, im Fall er durch die Verfolgung irgend eines Wilde« ge» nötyrgt wird, da« Drckrcht zu durchbrechen und über die haUbrechenden Pfade vorwäriS zu gehen. Ich bin über- zeugt, daß Lord Davis, ein so passionirter Jäger er auch war, niemal« bi« hierher gekommen ist; und ttas den Grafen Fergu» anbetrifft, so hat er die auf seinem Gebiete befindlichen Schlupfwinkel der Schmuggler unangefochten gelassen, weil er sich sagte: ES ist die einzige Zuflucht für einen Wanderer, der sich etwa im Gebi ge verirrt, und wenn sich hier Menschen aufh lten, so können sie den Ver» irrten nicht nur Obdach und Speise gewähren, sondern ihnen auch den rechten Weg weisen." „Gegenwärtig sind diese Zufluchtsstätten also un« benutzt?" „Ganz unbenutzt, wenigstens die Hütte dort oben und die übrigen im Gebiet von M'Donuil... Wenn Du da» Unglück hättest, mein Jangs, Dich hier einmal zu verirren, Du fändest Dich nun'unv nimmermehr heraus, und könn- test hier umherwandern bis Du verhungert wärst, oder erf örst. Du würdest in dies.» Gegenden kerne Menschense?le erblicken.... Sieh' Dir einmal dort die Regron um die Hoffnung auk eine friedliche Lösung wenig Raum. Die „Times" glaubt, die Antwort als unannehmbar für England dezeichi.en zu können. Der„Stanvard" dagegen hat Grund zur Annahme, daß die noch bestehenden Differenzen durch gegen- seitige Konzesstonen beglichen werden würden. Diese Hoffnung therlt nach wie vor auch die Regierung.„Daily News" erklärt, die Kriegsgefahr sei keineswegs vorüber. ES wird fortgerüstet. Der Dcputitte Richard übermittelte Gladstonc eine von 80 Itberalen Ab» geordneten unterzeichnete Denkschrift zu Gunsten der Schlichtung der englisch-msssschcn Streitftage durch Schiedsspruch einer neutralen befreundeten Macht. Gladstone erwiderte, er gebe die Erwartung nickt auf, die Frage werde durch ordentliche diplomatische Methoden beftiedtgende Lösung finden. Das Kabinetsmitglied Lord Rosebery wird, wie eine Depesche auS London besagt, von dort nach Berlin abreisen. Daß seine Reise mit der afghanischen Frage in Zusammenhang steht und Lord Rotebery den Auftrag hat, in Berlin wegen einer etwaigen Bermittelung zunächst wenigstens zu sondiren, da» hat viel Wahrscheinlichkeit für stch, da von einem derartigen Reiseplane bisher kein Wort verlautete.— Inzwischen werden in Rawul-Pindi große Feste zu Ehren deS EmirS von Afghanistan gefeiert; es wird auf das Wohl deS Emirs ein Toast über den anderen ausgebracht, welche von demselben natürlich auf daS Wohl Englands erwidert werden. Der schlaue Emir kann ja schließlich bei der ganzen Sache nichts verlieren, für ihn hat so wie so das letzte Stünd« lein seiner Herrschaft bald geschlagen, es kann stch schließlich nur darum handeln, ob er englischer oder russtscher Staats- penstonär wird. Sicher wird er, wenn es nicht anders meist, bei der ersten besten Gelegenheit ebenso auf das Wohl Rußlands trinken, wie jetzt auf das Wohl Englands. Amerika. In der kanadischen Provinz Manitoba gestaltet stch die Lage für die Regierung Kanadas bedrohlicher. Ein P-.ivat- telegramm au» London meldet heute:„ R i e I, der Führer der aufständischen Halbblutindianer, hat eine provisorische Regierung von Manitoba gebildet, an deren Spitze er selbst als Präfioent stebt; Befehlshaber der Truppen ist ein gewisser DumaS, die R-bellen bedrohen Humbolot. 5000 Mann kanadischer Truppen find auf dem Marsch gegen die Rebellen begriffen."__ I o k» l e s. Die bevorstehende Bauthätigkeit wird eine recht er- hebliche sein. Wie die„D. Baugew. Ztg." aus„gut unter» richtet«" Quelle erfahren hat, sind die sämmtltchen Bauinspek- tionen unserer Hauptstadt immer noch mit ArbeU überhäuft. Jeder will noch nach der alten Bauordnung sein HauS ein- richten. Dadurch wird leider Vieles überhastet und unpraktisch eingerichtet. Gleich nach dem Osttlfeste— wird man mit dem Niederreißen von etwa 400(?) alten Häusern beginnen. an deren Stell« dann moderne Paläste oder auch Miethskasernen ttelen werden. ES können demnach bald nach Ostern recht viele Maurer u. Zimmerer in Berlin Arbeit finden, wenn anderer. keitS auch hervorgehoben werden muß, daß an öffentlichen Bauwerken in diesem Jahre wahrscheinlich weniger Arbeiter als im Vorjahre Beschäftigung finden werden.— Es ist ganz klar, zu welchem Zweck solche gut klingenden Nachrichten auch von Blattern, die zeitweise auch in„Arbeiterfteundlichkeit" machen, in die Welt gesetzt werden. Wenn wirklich für unsere Bauhandwerker tn nächste.' Zeit eine so günstige ArbeitSkon» junktur eintreten sollte, woran trotz der V-rstcherungen des genannten Blattei, welches einzig und allein die Interessen der Meister vertritt, mit vollem Fug und Recht gezweifelt werden kann, so haben wir in Berlin selbst Arbeitskräfte voll» auf. die sehr gut im Stande find.„die erhebliche Bauthätig» reit allein zu bewältigen. Wir rechnen es den„arbeitersreund- lrchen" Manchesterblättern, welche in unüberlegter Weise solchen Nachrichten eine weitere Verbreitung geben, nur als eine Ge- danlcnlostgkeit an, es können aber die Folgen so weitgehender Unkenntniß der einschlägigen VerhältnissefücvieleBauhandwerker doch recht verhänanißvoll werdrn. Wer kann es wissen, ob z. B. auch die„Beil. Ztg.", dai Organ der deutschfreifinnigen Partei, wie fie stch in ihren letzten Abonnements Einlavungen im wohlbekannten Rickter'schen„Reichssreund" selbst nennt, ver obigen Notiz nicht geflissentlich Aufnahme gewährt hat, um Hütte an— nicht« al« Schnee, Schnee, kahle Bäume, Felsen und wieder Schnee." „Der Anblick ist«in schauerlich schöner!" sagte Fritz. „Großartig sind die Felspartien und malerisch nehmen sich die schneebedeckten Höhen mit dem beschneiten Tannen» dickicht au», aber doch schauerlich und unheimlich. Ich kann mir'« denken, daß bi» hierher kein menschlicher Fuß kommt, e« sei denn ein Unglücklicher, der sich im Gebirge verirrt hat." „Kein menschlicher Fuß... Zum Teufel l Wa» hat das zu bedeuten?... Siehst Du, Fritz, eben wollte ich bestätigen, wa» Du sagst, daß kern menschlicher Fuß diese Gegenden betritt... Siehst Du dort an dem Saum de» Waldes den dunklen Punkt, der sich dort über die Schnee» fläche hinbewegt?" „Wo?" „Dort, gerade an der Kante des hohen Felsens... Himmel und Hölle I Der Verwegene muß den Abhang hinabstürzen, wen» er noch einen Schritt weiter geht; e« sind dreihundert Fuß dort, und unten nichts al» Fels» geröll." „Es ist jedenfalls ein Verirrter," meinte Fritz.„Wir haben die Pflicht, ihn zu warnen." „Nein, e» ist kein Verirrter," sagte Habicht nach einer Pause, und seine Stimme klang dumpf und unheimlich „Das geht nicht mit rechten Dingen zu..... Der dort geht, weiß so gut Bescheid, wie ich oder irgend Einer in M'Donuil."« „Meinst Du?" „Ich sehe e«, Fritz! Sieh', wie er den Spalt, der noch dazu mit Schnee bedeckt ist, vermeidet... Er macht jetzt eine Wendung, gerade da, wo ich meinte, daß er hinab- stürzen müßte... W:e vorsichtig... Nun ist er hinter vem Gebüsch verschwunden."� r' „Gieb ihm jedenfalls mit Deiner Pfeife ein WarnungS» zeichen."> „Der Ton«einer Pfeife würde kaum bis dahin drin» gen.... Wenn ich an Gespenster glaubte, Fritz, ich würde sage», eS geht nicht mit rechten Dingen zu.... Wa» hat ein Mensch um diese Jahreszeit hier zu suchen? Wohin möglichst viele Bauhandwerker von außerhalb nach Berlin zu locken? Wir können dem gegenüber nur nachdrücklichst de« tonen, daß solche Reklame Notizen stets mit äußerster Vorsicht aufzunehmen find, sonst kann eS leicht geschehen, daß viele An- kömmlinqe bier überhaupt keine A beit finden, oder daß sie durch die Macht der Verhältniffe gezwungen werden, in un- kollegialiswer Weise den Lohn der einheimrschen Arberter herab- drücken zu müffew Es muß daher vor eirer fich überstürzenden Ueberfluthung des Berliner Arbeitsmarktes auf dem Gebiete des BaubandwcrkS ganz entschieden gewarnt werden. Sind die Amfichten wirklich so günstige, wie eS alle jene Blätter Slauben machen wollen, so wird später, wenn eS fich erausstellen sollte, daß unsere Berliner Baubandwerker allein nicht ausreichen, der Zuzug von Außerhalb immer noch mit leichter Mühe herbeizurufen sein. Die Pferdebahn in der Holzmarktstratze ist kontrakt- mäßig von der Großen Lerlmer Pferdeeisenbahn-Aktien-Gesell- schast bis zum Schlcfischen Bahnhofe weiter zu fübren und soll nach dem von der Gesellschaft aufgestellten Projekte in der Breslauer Straße auslaufen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat dagegen darauf hingewiesen, daß der Endpunkt für diese Bahnanlage günstiger in der Verbindungsstraße zwischen Koppen- und Fruchtstraßc nördlich vom Bahnhofe liegen würde. In Folge deffen bat das Polizeipräsidium die Große Berliner Pferdeeisendahn-Aftien-Gesellschaft aufgefordert, daS Projekt dementsprechend zu ändern. Nachdem dieS geschehen, ist das neue Projekt den betreffenden Behörden bereits zur Prüfung wieder vorgelegt worden. Ueber das Treiben ans dem Spandau«? Bock schreibt die„Nat.'Ztg.": Wie alljährlich, so verwandelte fich am Cbar- freitaq auch diesmal der Spanvauer Bock in ein großes Toll» Haus. Es war als seien fünfmalhunderttausend Teufel loS« gclofsen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend wanderten Zehntausende in ununterbrochenem Zuge hier hinaus. All« Verkehrsmittel, welche Berlin kennt, reichten nicht au«, um diesen ungeheuren Andrang zu bewältigen. Die Tradition hat just diesen Platz dazu geschaffen, der Ausgelaffen- heit und der Tollheit am stillen Freitag eine nicht sehr rühmliche Stätte zu bereiten. Fixiren wir daS Bild einen Moment. Es ist 5 Uhr Nachmittags. In dem gewaltigen Lokale drängen fich etwa 15 00s Menschen. Am Eingange ist eine Kaffe, find Kontroleure, find Barrieren. Aber niemand denkt anS Zahlen, kann auch nur daran denken. In unaufhaltsamem Zuge fliegen Hunderte in der Minute, mehr als fie gehen, zu den andern Tausenden. Man ficht keinen Stuhl, keinen Tisch. Alles dreht fich wie im Wirbelstrom. Man wird rückwärts, seitwärts getragen, nickt wohin man selbst will, sondern wohin der Menschenstrom treibt. Wüster Lärm von tausendstrmmtgem Durcheinander liegt über dem Gan- zen. Da plötzlich langgezogene Rufe ironischen Er- staunen?. Die ledendigen Mauern theilen fich, eine Kaffe ent- steht, breit genug, um nne einzeln« Person durchzulassen. Es ist eine auffallend gekleidete Person, deren Ruf nicht mehr ge- schädigt werden kann. So fieck fie auch ausschaut, in diesem Moment schämt fie fich. Durch die Zehntausend« läuft fie Spießrmhen. Wahnwitziges Gejohle begleitet fie. Einige besonders freche Burschen streichen ihr die Wange. Wie fie Miene macht, zu remonstriren, wird ihr gedroht. Endlich ist fie zum Garten hinaus. Der nächste, der ihr folgt, ist ein auffallend gekleideter Herr. Er hat fich in trikotartig anliegende Kleider 8«steckt, weiß uad schwarz karrirt und trägt einen sehr hohen chlinderhut. Ihm spielt man nicht so hart mit, da er schimpft, bekommt er Stöße auf den Weg mit. Mittlerweile stellt fich der Führer einer großen Gesellschaft junger Leute auf einen Stuhl. Er kommandirt mit dem Stock:„Eins, zwei, drei" und der iwiihunderlstimmige Chor fällt rhythmisch ein:„Kell— ner — Bier— her." Selbst dies« Maffmbestellung hörte man in dem Gebraus« nicht. Denn von dem Orchesterraum, auf dem heute die Mufikanten nicht spielen dürfen, hat ein Radau- Orchester Platz genommen, das mit Kindertrompeien, Flöten, Pfeifen, Becken, Mundharmonikas und Tuten einen stein- erweichenden Walzer zum. Besten gubt. Jede bekannte Persönlichkeit wird mit tollem Jubel begrüßt. Die Künstler des American, der Volkstheater, der Tingeltangel, aber auch der vornehmen Bühnen, die Mufiker, die Akrobaten die Equilibnsten, die Trapezlünstlf. Noch größere Angst mögen die beiden Personen ausgestanden haben, welche auf dem Break fick befanden und von denen der Führer veffelben die Gewalt über das Pferd gänzlich ver- loren zu haben schien. Vor dem Hause Kmstraße 53, der ReichSbank gegenüber, machte das Pferd nach dem linksseitigen Trottoir zu einen Seitensprung, kam hierbei auf den Granit- steinen zu Fall, stürzte auf das Trottoir und riß den Wagen mit um, so daß die beiden Fahrgäste auf daS Trottoir geschleudert wurden. Fast wie ein Wunder muß es erscheinen, daß bei diesem aufregenden Vorgange weder Paffanten, noch die auf dem Break befindlich gewesenen beiden Personen ver- unglückt find; nicht einmal das Pferd und der leichte Wagen find hesckLdigt worden. Mit Hilfe von Schutzleuten und mehreren Passanten gelang es nach geraumer Zeit, Pferd und Wagen auszurichten und so das durch diese Affaire verursachte Verl hrshmderniß zu beseitigen. N. Gestörte Einbrecher. Die Feiertage find auch dies Jahr wieder nicht vorübergegangen ohne die alljährlich üblichen Diebstähle. So versuchten gestern Abend kur, nach 6 Uhr zwei Individuen in dem Ha se Äeibelstraße 13 einen EinbruckSdieb- stahl in Szene zu setzen. In Abwesenheit der Hauswiithin, vie mil ihrer Tochter ausgegangen war, hatten die b-iden Ein« brecher, von denen ver eine sehr elegant mit Zylinderbut und modernem Ueberzieher bekleidet war, eine nach dem Hofe führende Thür der zur ebenen Erve gelegenen Wohnung geöffnet und waren so in die Wohnung eingedrungen. Ihr verbrecherisches Vorhaben war aber nicht unbemerkt geblieben und gelang eS so, die Diebe gerade in dem Augenblick zu überraschen, als fie ein von ihnen erbrochenes Zylinderburcau durchsuchen wollten. Beide sprangen durch ein Vordcrfenster auf die Sftaße und suchten ihr Heil in der Flucht. Der eine von ihnen entkam denn auch leider, wäb-end der zweite in der Prrnzlauerstraße ergriffen und einem Schutzmann übergeben wurde Aus der erbrochenen Wohnung fehlte nichts, als ein Revolver, dagegen hatten die Diebe einen Ueberzieher und ein Taschentuch in der Eile zurückgelassen. N. Beim Reiten verunglückt. Ein reckt schwerer Un- glücksfall ereignete fich am 1 Osterfeiertag Nachmittag um die zweite Stunde am Kurfürstendamm. Der in der Zielhcnstr. 10 wohnende Major Wagner beim 64. Infanterie-Regiment ritt um die angegebene Zeit spaziren. Aus unbekannter Veranlassung wurde das Pferd plötzlich scheu und nachdem eS fich zwei Mal doch gebäumt, überschlug es fich, seinen Reiter unter fich begrabend. Herr Major W. kam vabei so unglücklich zu Fall, daß er fich das rechte Schultergelenk brach und von Paffanten in das Hau» Kurfürstendamm 101 getragen wurde, woselbst ihm bei dem dort wohnenden Hauptmann im In- genieur- Korps Kindermann der erste Verband angelegt wurde.— Von hier aus erfolgte alSdann seine Ueberführung nach der Königlichen Klinik. Poltzei-Bertcht. Am 3. d. Mts. Nachmittags wurde ein Mann in seiner in der Holzmarklftraße belegenen Wohnung im Bette liegend und dem Tode nahe vorgefunden. Er ve. starb kurz nach Einwffen deS herbeigerufenen Arztes anscheinend in Folge von Gift, welches er vermutblich in selbstmörderischer Abficht genomnitn hatte. Die Leiche wurde nach dem Obduftions- hause gebracht.— Am 4. d. M. entstand in der Wohnung des Kaufmanns Wegener. Am Schlestschen Bahnhos Nr. 1, dadurch ein unbedeutendes Feuer, daß eine neben dem Badeofen befind- liche Bretterwand>n Brand gerieth. Die Feuerwehr löschte das Feuer in kurzer Zeit.— In der Nacht vom 4. zum 5. d. M. fiel ein Mann vor dem Haus« Fischerstraße Nr. 43 und brach den linken Unterschenkel. Er wurde nach dem katholischen Krankenhause gebracht.— Am 5. d. M. Abends versuchte ein Arbeiter in dem Keller eines Hauses in der Wallstraße fich zu erhängen. Er wurde indeffen noch rechtzeitig demerkr und durch ärztliche Hilfe in» Leben zurück- gerufen. Um dieselbe Zell erschoß fich ein fremd hier an« gekommener Herr in einem Hause in der Friedrichftraße. Die Leiche wurde nach dem OdvuktionShause gebracht.— Am 6. d. M. Vormittags wurde ein Mann in setner in der Kaiser- straße belegenen Wohnung erhängt vorgefunden. Um dieselbe Zeit wurde in der Spree die Leiche eines unbekannten, etwa „Ich wäre wirklich neugierig, da» Ziel seine» Wege» zu kennen," sagte Fritz vachdenkend.„Der Zwerg ist eine Persönlichkeit in Eurem Schlosse, der mehr weiß, al« Ihr Alle glaubt, der manche» Geheimniß kennt, da» zu wissen mir und Euch Allen von Nutzen wäre." „Was meinst Du, Fritz?" „Ich«eine, er kennt die geheim» Ursache der Krank- heit de» Grafen genauer, al» alle auderen; und eine Ah» nung sagt mir, daß sein räthselhafte« Erscheinen hier mit der Krankheit de» Grafen in irgend eine« Zusammen- hang steht." Darin täuschest Du Dich, glaube ich. Der Zwerg kümmert fich um nicht«, al» um seine Bücher. Mit de« Grafen kommt er fast niemal» zusammen; ich erinnere mich kaum, daß der Graf einige Worte mit ihm gesprochen, nur Komtesse Agathe, die ja leutselig gegen Alle, auch gegen den Geringsten ist, erwidert freundlich seinen Gruß und erkundigt fich zuweilen nach seinem Befinden." „Scheint e» Dir nicht, al» ob die Gestalt— fall« der Wanderer dort wirklich der Zwerg ist— gerade den Weg in die Hütte nimmt?" „Möglich, daß er in die Hütte geht, möglich aber auch, daß er in die Schlucht hinabgeigt, jedenfalls wird er unseren Blicken sogleich entschwunden sein, da« Gebüsch dort, da» fich hier unmittelbar an den Abhängen erhebt, wird ihn sogleich unfern Blicken wieder entziehen." „Wenn wir nun hier warteten, bi« er irgendwo zum Vorschein kommt?" „Wir wollen e« versuchen, wenn Dir so viel daran liegt, zu erfahren, wohin der Zwerg geht."--- Der dunkle Punkt, der fich von de« matten Licht der eben untergehenden Sonne nur sehr undeutlich auf der Schnitfläch« abaialte, hatte sich jetzt um ein Bedeutende» genähert. Eben war der Wanderer auf der Höhe de« Felsen» ( angekommen, von welcher au« er nach Habicht« Ansicht den Weg entweder zu der Schmugglerhüite, die er vorhin de- schrieben, oder in dir Schlucht hinab nehmen mußte, al« derselbe plötzlich anhielt. 26 Jahre alten, anscheinend dem Acbeiterstande angehörenden Mannes aufgefunden und nach dem Obduktionsbause geschafft. — An demselben Tage Nachmittags fiel ein Mann in der W irtendu.gstraße in Folge Trunkenheit zur Erve und erlitt dabei eine brdeutenoe Wunde an der rechten Seit« des Hinterkopfes, so daß er erst nach Anlegung eines NolhveibandeS nach feiner Wohnun grdracht werden konnte.— Arn 5. und 6. d. M entstanden in den Häusern Neuer M-rkt No. 13 und Grenzstraße No. 19 Feuer, rndem an dnven Orten die Balkenlage unter einer Kochmarchine in Brand gerietti. Das Feuer wurde von der Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht. Gerickts- Rettung. ReichsgerichtS-Entscheidung. Wird beim Fadrikbetrieb« bei einer gefährlichen Aideit vom Wnksührer die Anordnung der der Gefahr begegnenden Schutzmaßregeln unterlassen, weil von dem deti. Ardeuer bei einiger Geschicklichkeit die Gefahr vermieden werden kann und in der Regel auch von den dabei beschäftigten A.beitern vermieden wird, so liegt nach eine« U-theil deS Reichcgerichts, dritter Zivilsenat, vom 13. Februar 1885 darin ein Verschulden des WeikführerS, für welches der Fabrikinhaber bei einem dadurch eingetreteneii Unfall des Aibeiters haftet.— Der Müllergesell« H. war beim Auflegen eines Treibriemens leichlnel' Art auf die an einer Belriebswelle befestigte Scheide bei vollem Gang des Müblwerks verunglückt. Er beanspruchte auf Grüns de«§ 2 deg Hafipflichlgefetzes Schadenersatz von dem Mühle» defitzer o. d B., indem er ein Verschulden des Mühlbejcheidert D. geltend machte, welcher verabsäumt hatte, vor dem Aus« legen des Treibriemens das Mühlwerl in langsameren Ganz zu bringen- Der Mühlenbefitzer lehnle dir Leistung einet Echaoenersatzes ad, indem er ein Verschulden des Mühldescheß derS in Abrede stellte. Das Landgericht zu Landsderg a. Ä verurtheilte den Beklagten v. d. B. zum Schadenersatz, dagegen wies das Kammergeiicht auf die Berufung deS Beklagten oe» Kläger H. ah, indem es ausführte, weil nach dim Gutachten des Sachocrständigen bei Riemen leichterer Art die Verlang« samung des Mühlganges nicht gebräuchlich, auch nicht geboten seh weil bei einiger Geschicklichkeit lrvelche bei Äüllergesellen vov auszusetzen sei) das Auflegen desselben auch bei vollem Gang« des Wertes ausführbar gewesen sei. Auf die Revifion oet Klägers hob das Reichsgericht das Urtheil des Berufung« geriet» auf und stellte das Urtheil deS Landgericht« wrevck her, indem eS begründend ausführt:„Unter allen Umstände« war das Auslegen des Treibiiemens eine an fich gefähiirch« Arb-tt, bei welwer der dieselbe anordnende und leitende Müul" aufseher die schützende Maßregel der Verlangsamung des Mu� ganges nicht um deswillen unterlassen durste, weil der mit d« Arbeit veibundenen Gefahr durch Gewandtheit und Kalt blütigkeit deS Klägers hält« begegnet werden können. Der Beklag« welcher für die Unterlaffungen seines AufseherS einstehen mut hat daher dafür zu hasten, daß dem Kläger, der nach den Vck hältniffen mögliche und bei vorfichtig« Leitung der Arl» gebotene Schutz insofern nicht geirährt worden ist, als er ihm aufgetragene Auflegung eines Tr-ibriemens während b vollen Mühlganges vorzunehmen Harle."(282/84.) Da» Spieleu mit Schießgewehre«. Wegen fahrlässt� Tödtung stand dieser Tage der 21jährtge Knecht August B- f Vellahr, gebürtig aus Ostpreußen, vor dem Schweriner Lrick gericht. Derselbe diente auf dem ftüheren Postgehöft« f Vellahn mit einem andern Knechte Namens Senler zusammtt und scherzte mit diesem am 6. Februar gegcn Abend in DJ Gefindestube: bei dieser Gelegenheit nahm der Angeklai- sein« kleine Pistole, welche er 14 Tage zuvor fast bis an Rand mit Puloer geladen und darauf einer. Papicrpsrop!� gesetzt hatte, in die Hand, fragte den in einer Entfernung � etwa einem halben Meter vor ihm stehenden Senter- 6e* ich Dich lodtschießen?" woraus dieser lackt«; unmittelbar C rauf ging der Schuß los, E. stürzte mit den Worten-„Wa� nur" zu Boden, aus einer Kopfwunde blutend, und starb* folgenden Tage Der Eckuß hatte einen Theil deS Un« kiefers, ivwte andere Theile des Kopfes zeischmettert und m auch in das Gehirn gedrungen. Der Angeklagte ward zu 0 Monaten Gefängnrß oerurtheiit. Nürnberg. Ein dünnes Bohnenstängla. ES war� einer kühlen Novembernachl, als die beiden Bauerndurs Markus Blendinger und Erhard Bernet auf der Doifl� von Lberheidelbach dahin wandelten, um fich nach rh� heimischen Hofe zu begeben. Sie waren Beide von Biergenuß und Kartensviel("f regt und hatten eigentlich noch gar nicht Lust, fich auf% Lagerstalt hinzustrecken. Viel l teuer hätten sie gern noch nlttj ein Abenteuer erleb', aber was giedt es in einem kleinen d Ringsum lagerte tiefes Schweigen, mehr an und hinter"' s-lbft i keinem Fenster � seufzte Markus, � zu abenteuern? Hunde schlugen nicht glänzte ein Licht. „Da giebt's nix mehr zu fenstern," die Burschen schrftten weiter. Es war ihnen aber doch noch beschieden. ein Abenteuer l ---— V Er hatte jetzt unten im Thale, unmittelbar am de» Berge», da» Fuhrwerk erblickt, da« dort anhielt. Nur einen Augenblick stutzte er. Er schien seine Äugen anzustrengen, um da» Fuhr,»» zu erkennen. Dann sahen die beiden Reisenden, wie er plötzlich neue Wendung machte, eilenden Laufe« umkehrte und' dem Tavnendickicht verschwand. „Teufel, er hat uns gesehen und verbirgt sich � um# I" sagte Habicht. „Ich habe e« bemerkt," bestätigte Fritz. „Da« hat etwa» zu bedeuten!" „Laß un« eilen, daß wir in M'Donuil J kommen, rch muß mich überzeugen, ob e» wirklich r Zwerg war." „Ich furchte, das wird nicht« nützen," sagte Habicht. X Weg. den wrr zu machen haben, ist bedeutend weite«" derjenige, auf welchem er zum Schlosse zurückkehren Ber der Ort«ken»tinß, die ich de« Zwerge übrigens ff nicht zugetraut hätte, die ich aber jetzt an ihm be< habe, wird» ihm leicht sein, üoer die Gipfel de« gebirg-S den geraden Weg zu« Schlosse zurückzulegen-, wird jedenfalls den großen Wald passiren und kan". drei bit vier Stunden in M'Donuil sein, währen�, fünf bis sechs Stunden zu thun haben, um bi» bah'"; kommen... Du mußt bedenken, daß die Strapaze i unsere Pferde eine so beveulende ist, daß wir sie nicht»' ihre Kräfte anstrengen dürfen." „Wrr wollen es wenigsten« versuchen." Habtcht trrev die Pferde an; allein e»»«* ander« möglich, al» im langsamen Schritt auf Wege vorwärt« zu kommen. Von Zeit zu Zeit ausserdem absteigen und den Weg untersuchen. Rur � fnm ging e« werter---- Fritz Rodenburg f«* jiOQlcn. � Ha. selbst die Elemente traten ihm in de» Weg- y ihn»u verhindern, dass er den Schleier des dichte"� feSiÄ*"" p*- i «rlrben- Ali fie an einem schmalen Seitengange, der fich von der Dorfstraße abzweigt, vorüber kamen, hörten sie ganz dem- ltch ein Fenster klirren; auch sahen sie, daß aus einem Raum im ersten Stock dei dort befindlichen Hausei ein schwacher Lichtstrahl drang. „Donnerwetter, das ist dei der Käthe," meinte Bernet, der über eine große Lolailenntniß verfügte.„Auf wen mag die noch warten?" Markus Blendmger schien diese Frage zu seinen eigenen Gunsten beantworten zu wollen, er schien zu glauben, die schöne Käthe warte auf ibn, denn er stiefelte unternehmungs- lustig auf daS tzous zu. Bernet folgte. Ali Beide näher kamen, bemerkten fie zu ihrem Verdruß, daß Käthe nicht allein war. Auf einem Vorbau, der den Ein- «ang zum Keller deckte, stand ein Mann, welcher auf diesem ilatze gerade bis zu Kathens Fenster hinauf reichen und das Mädchen küffen konnte. Man hörte hatdlauteS Geflüster; daflelbe wurde aber plötzlich durch die raube Bierstimme dei Markus unterbrochen, der Küchen einen guten Abend bot, und fie mit einer indiS- kreten Frage über die Persönlichkeit ihres Gesellschafters de- lastigte. Anstatt des MädchenS antwortete der nächtliche Besucher, indem er bemerkte, daß nach seinem Thun und Lassen Niemand zu fragen habe. Diese Antwort ist bei unserer Dorfjugend völlig aus- reichend zu einem casvs belli. Markus stürzte fich mit einem KampfeSeifer, der seinem llasfisch- römischen Namen alle Ehre machte, auf den nächsten Zaun, riß einen Pfahl davon los, Erhard that daS Gleiche, und„den hauen wir herunter"! war die Loosung. Der Liebhaber Käthens sprang von seinem erhöhten Platze herab und alS seine Widersacher ihn von Angeficht sahen, wurden fie nur noch erbitterter. Tae war ja nicht einmal ein Bursche auS dem Dorfe, sondern der Lorenz Buchner von GerSdorf, der fich erdreistet hatte, in Oberheidelbach zu fensterln. DaS verdiente sofortiges Lynchen! Die Angreifer fielen über den Fremden wie mit elemen- tarer Gewalt her und handhabten ihre Pfähle wie Dreschflegel, so daß der Geschlagene alsbald hilferufend und blutend zu- sammenstürzte. Käihe schloß ärgerlich ihr Fenster. Jede? Vergnügen werde ihr verdorben, fle habe einmal kein Glück, murrte fie und ging zu Best. Die Prügelhelden wanderten befriedigt nach Hause. Sie kalten nun doch noch eine kleine Unterhaltung gehabt. Der Verwundete wurde nach einiger Zeit von mitleidigen Bauern zum Bader transportirt und verbunden. Es zeigte fich, daß namentlich der rechte Arm gelitten hatte, mit welchem Büchner Kopf und Gestcht vor den Hieben zu schützen suchte. Der Ellenbogen war förmlich zerschmettert und Buchner lag mehrere Wochen krank; Aus seinem Krankenlager hatte er das zweifelhafte Ver- gnügcn, den Besuch seines Hauptgegners MarkuS Blendinger zu empfangen, der fich nach dem Befinden desjenigen, den er so abscheulich zugerichtet hatte, theilnehmend erkundigte. Markus erklärte diesen Besuch später mit der Bemerkung, «S sei Sitte auf dem Lande, daß der Thäter dem Geschlagenen «inen Besuch mache; also gewissermaßen eine Anstandsvifite I — Ländlich, fittlich! Während Buchner krank war, hatte Markus Blendinger übrigens auch einige kleine Unannehmlichkeiten. Er wurde wegen MordeS in Untersuchungshaft genommen, weil er in Verdacht gerathen war, irgend einem Mitmenschen abfichtlich das Lebenslicht ausgeblasen zu haben. Nack reichlich drei Mo- naten stellte fich jedoch heraus, daß dieser V-rdacht ganz un« zutreffend war, und MaikuS wurde wieder entlassen, zugleich aber vor daS hiefige Landgericht geladen, zur Verant- wortung wegen gemeinschaftlich verübter schwerer Körperver« letzung. Er kommt und mit ihm erscheint Erhard Bernet, welcher immer dasselbe thut wie MarkuS. Beide nehmen auf der An- klagebank Platz und nachdem der oben erzählte Vorgang dem Markus»orgehalten worden, erkärt er ,u seiner Entschuldigung, er habe nur ein ganz dünneS Bohnenstängla zum Schlagen verwandt,„so dünn—" sagt er und beschreibt eine kaum zwei Finger starte Stange. Auch betont er ganz besonders, daß die Körperverletzung gemeinschaftlich verübt wurde. Ersche.ntdieS für einen grof.en EntlastungSgrund zu halten, während es im Gegentheil ein sehr erschwerendes Moment ist. Bernet aiebt natürlich daS Gleiche an, wie Markus Blen- dinger. Auch er hat mit einem ganz dünnen Bohn-.nstängla geschlagen. Wie die Verletzungen des Buchner dabei haben entstehen können, und wer fie verschuldet hat,„das kann man halt nit wissen". Der Veriheidiger bittet, man möge bei dem Angeklagten MarkuS die in einer anderen Sache ganz unschuldig erlittene Untersuchungshaft in der Strafausmessung berückfichtigrn. Der Präfivent weist darauf hin, daß dies noch den destehenden Ge- setzen unmöglich ist. Die Angeklagten erhalten je vier Monate Gefängniß. Fünfzehnte« Kapitel. E»»ar bereit« spät in der Nacht, als die beiden Reisenden vor dem Thore in M'Donuil hielten. Habicht, welcher selbst den Wagen geführt hatte, zog die Glocke. Die Klappe in dem kleine« Seitenthor ward zurückgeschoben. Ein Geficht ward in demselben sichtbar, in welchem Habicht trotz der Dunkelyeit den Zwerg erkannte. „Ah, Sie sind«», Habichts" sagte eine Stimme, die rhn vollends vergewisserte, daß er fich nicht täusche. »Ich sagte Dir wohl, daß der Zwerg bereit« hier sein «erde,' flüsterte er de« Arzte zu;„er hat UN« den Vor» sprung abgewonnen." „Du kannst Dich doch getäuscht haben; ich werde ihn fragen," versetzt« Fritz. „Versuch'»'." In diesem Augenblick ward das große Thor geöffnet. Toby stand zur Seite und ließ den Wagen vorüber- fahre«. Er trat dann heran und half dem Doktor bei« �„s�Billkommen, Herr Doktor I" sagte er.„Wohl eine schlimme Reise gehabt? Kalt und viel Schnee; habe gar nicht geglaubt, daß Sie heute schon hier sein könnten. Wir haben gerechnet, daß Sie von Bethesda bis hierher mindesten» drei Tage brauchen würden." „Mein Path« Habicht kennt die Gegend genau genug und darf schon wagen, die große Heerstraße zu verlassen und nähere Nebenwege einzuschlagen. Wir haben übrigen« im Wagen war« ginug gesessen; schlimmer ist'S für Einen, der genöthigt ist, bei dem Wetter zu Fuß die Hochgebirge zu durchwandern." Er fixirte bei diesen Worten den Zwerg scharf. Der» selbe zuckte anfänglich zusammen und schien erschrocken. Glerch darauf aber hatte er fei"« Fassung wiedergewonnen und sagte in ganz ruhigem Tone: „Ja; wohl dem, der'« nicht nöthig hat; Gott sei Dank, rvrr haben nicht nöthig, unser behagliches Zimmer zu verlassen und in die Kälte hinauSzuwandern und die Schneegefilde de« Hochgebirg« zu durchmessen." „ES scheint mir nicht," sagte Fritz,„daß Sie den Tag über in Ihrem behaglichen Zimmer zugebracht haben; mich Josiutes uuü Arbeiterbeweglmg. Aus Hannover, 3. April.„In unserer Provinzialhaupt- stadt", so schreibt man der„Germ.",„scheint ein Maureistreik bevorzustehen. In einer am 31. v. M. stattgefundenen Ver- sammluna von Maurern wurde Hervorgehoben, Laß dort die Lohnverhältnisse sthr schlechte seien, daß eS daher unbedingt nöthig sei, daß die Gesellen eine Erhöhung deS LobneS ver- langten; die'es werde in der laufenden oder in der folgenden Woche geschehen. Der Voxfitzende erklärte, er sei zwar kein Freund von Innungen, wolle aber den JnnungSmeistern zur Ehre nachsagen, daß fie im Allgemeinen einen höheren Lohn zahlen, alS die Patentmeister". Das Letztere mag wohl für Hannover zutreffend sein, dei unS kann man mit Bezug auf diese Herren sagen:„Es ist draußen so wie vor der Thüre." AuS Schlessen, 4. April. Die Staatsanwaltschaft hat dem Kowmerzi'nrath Epner in Landeshut angezeigt, daß fie das UntersuckungSverfahren gegen ihn eingestellt habe. ES unterliege keinem Zweifel,— heißt es in der Mittheilung der Staatsanwaltschaft— daß dre Weber durch die neue Einrichtung, betreffend daS Scheren und Anlagen der Ketten in Dezi- malen, in ihrem Lohn verkürzt worden seien, für sie also eine V ermö g en s b es ch ädig un g eingetreten sei. Der Kommerzienrath Epner habe in Anerkennung dessen am 21. Februar d. I eine vorläufig ge- schätzte Lohnentschädigung im Betrage von 607,92 M. an die geschädigren Arbeiter gezahlt und habe im Laufe der Unter- juchung seine volle Entfchädigungspfltcht selbst unumwunden zugegeben. ES sei indeß zu verneinen, daß er von vornherein gewußt habe oder habe voraussehen müssen, daS eine Lohnoer. kürzung für die Weber eintreten würde,— weiter, daß er bei dem neuen Arrangement den Zweck verfolgt habe, fich selbst durch diese verminderte Lohnzahlung zu bereichern, endlich, daß er dadurch, daß er eine ausdrückliche Bekanntmachung bezüglich dieser Neuerung an die in seinem Etablissement beschäftigten Arbeiter anzuordnen unterließ, dieselben vorsätzlich zu dem Jrrthum veranlaßt oder darin unterhalten habe, daß eine Äenderung in der Keltenanlage nicht ersolgt und daher auch eine Mehrarbeit für den bisherigen Lohn seitens der Weber nicht zu leisten sei. Der Direktor Gtvens weiterhin habe an- genommen, und zwar mit Recht, daß den Webern die statt- gehabte neue Einrichtung in Betreff der Länge der Kette gar nicht verborgen werden sollte und nicht verborgen werden konnte, und daß fie es hätten bemerken müssen, wenn hierdurch eine Minderung ihre« Verdienstes gegen früher eintrat. Er habe erwauen können und müssen, daß die Weber, sobald ihnen eine Minderung ihre« Verdienstes bemerklich wurde, ihm die« an« zeigen und auf Abhilfe antragen würden, die gewiß nickt ver- wergert worden wäre. Ein Kommentar hierzu ist üderflüsfig. Pereiue uuü Versummluugeu. Versammlung«. Verbot. Von dem Domhilfsprediger a. D. Gandert(Srendal) war zu gestern Vormittag nach dem „Etablissement Tivoli" eine Volksversammlung einberufen wor« den, in welcher der Einberufener über die friedliche LS- sung der sozialen Frage sprechen wollte. Eine nach mehreren Tausenden zählende Menschenmenge zog in Folge dessen nach jenem Lokal, in dessen Vorgarten fie jedoch von Schutzleuten bedeutet wurde, daß die Abhaltung der Versamm- lung nicht gestattet sei. Der Einberufer derselben war über daS Verbot der Versammlung um so mehr erstaunt, da er, wie er erzählte, zur Abhaltung derselben besonders aus Stendal nach hier gereist und ein schriftlicher Bescheid über das Ver« bot ihm bisher nicht zugegangen sei. Kfs. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Fabrik- und Banarbetter hielt am zweiten Feiertag Vor« mittags bei Keller. Andre.isstraße 21, unter dem Vorsttze deS Herrn Hildebrandt eine Mitgliederversammlung ab, in welcher u. A. auch die statutarischen Vorstands. Neuwahlen vollzogen wurden. Dieselben fielen auf die Herren Hilvebrandt zum ersten und Ahlfeldt zum zweiten Vorfitzenden; Busse und Retber zum eisten und zweiten Schriftführer; Bratsch und Tegrner zum ersten und zweiten Kasstrer; Rennthaler, Rosener und Gellner zu Revisoren. Bei Erledigung diverser Vereins- grschäfte theilte der Voi fitzende unter Verlesung der betreffen- den Namen mit, daß in der letzten Zeit dem Vereine ca. 30 neue Mitglieder beigetreten find, der Verein aber trotzdem erst wenig über 100 Mitglieder zählt, lieber die Ursachen dieser beklagen« werthen Erscheinung, die hauptsächlich in den ge- drückten Lohnverhältniffen und der weit verbreiteten Arbeits« lofigkeit während dei Winter« liegen sollen, sowie über die Agitation behufs ihrer Beseitigung wurde hierauf lebhaft diS- katirt. Unter dem Beifall der Versammlung refertrte sodann Herr Hildedrandt über eine in späterer Zeit vorzunehmende Verbesserung deS VereinsstatulS. An der Diskusston betheilig- ten fich hauptsächlich die Herren Rennthaler und Laike. Schließlich wurde mitgetheilt, daß am nächsten Sonntag, den 12. d. Mls., Vormittags, in der„Urania"(Wrangelstraße) und in Krebs Gesellschaftshaus(Brunnenstraße 144) zwei wichtige dünkt, die Kälte da draußen hat in Ihre« Geficht Spuren hervorgebracht, al« ob Sie länger derselben ausgesetzt ge« »esen wären; oder sollte ich mich täuschen, wen« ich ver» muihe, daß Sie ein Freund von pittoresken Winterland» schaften sind und zuweilen Ausflüge machen?" Von Neuem erschrak der Zwerg. Hastig und verlege» antwortete er: „Sie täuschen fich, Herr Doktor, täuschen sich ganz und gar; ich habe da« Haus heute nicht verlassen." Damit wandte er fich schnell um und hals Habicht die Reiseeffekten vom Wagen nehmen und in die Wohnung de« Haushofmeister« tragen. Fritz schüttelte den Kopf. „Er leugnet, wie er damals da» Hinabwerfen der Fackel geleugnet hat. Er kennt da» Geheimniß und ver» schweigt e«, entweder gezwungen oder au» eigenem An» triebe."—— Da man den Doktor erwartete, so hatte man sein Zimmer, und zwar wieder da» Stuartzimmer im Donald» Thurm bereit« hergerichtet und behaglich durchwärmt. Ein helle« Feuer brannte in dem Kamin. Der Tisch war gedeckt, und Madame Duprs ließ sich'« augelegen sein, denselben mir einem guten Abendessen zu besetzen, für ein gutes Glas Wein und einen dampfenden Punsch zu sorgen, überhaupt AlleS einladend und behaglich zu machen. Der Doktor Rodenburg stand in ihrer Achtung ganz besonder» hoch, und sie ließ sich'» daher nicht nehme», ihm den Aufenthalt in M'Donuil so angenehm wie möglich zu machen. Durch Madame Dupr« erfuhr er, daß die Komtesse Agathe sich bereit» zur Ruh« begeben hatte, und daß der Graf sich leidlich wohl befinde; ausgenommen, daß er heute nicht zur Jagd gegangen fei, habe fich nicht» Bemerken»» werthes in seinem Benehmen gezeigt. Habicht theilte natürlich da« Abendessen mit Fritz und auf dessen Veranlassung war auch Segal ein- geladen. Die beiden Reisenden hatten ernen vortrefflichen Appetit mitgebracht. Da» Abendessen war gut. (Forts, folgt.) öffentliche Versammlungen der Fabrik- Und Bauarbetter statt« finden sollen. Anläßlich einer Mittheilung deS Vorfitzenden über da« Verhalten einer hieflgen„demokratischen" Zeitung dem Verein gegenüber, von dessen Versammlungsanzeigen fie durchaus nicht Notiz nehmen will, empfahlen die Herren Hildebrandt und LaSke den Anwesenden daS Abonnement de« „Berliner VoikSblatt" mit warmen Worten. _ Die Delegtrten der htefigen Ortskrankenkasse der Maurer hielten am 2. d. M. im Lokal des Henn Scheffer, Jnselstraße, eine Versammlung zur Vorsprechung über die Vorstandswahlen zu dieser Kasse ab. Zu Vorfitzenden wurden Herr Buchholz und Neumann, alS Schriftführer Herr Kubsch gewählt. Herr Buchholz kritifirte das Verhalten de« jetzigen Kassen Vorstandes und wie? auf den sonderbaren Ausspruch eine» VorstandSmitaliedeS gelegentlich einer Versammlung auf Tivoli hin, woselbst fich der Betreffende zu den widersprechen» den Mitgliedern geäußert habe:„Meine Herren, wir haben mit ihren nicht zu rechnen" Herr Neumann legt es den An- wesenden besonders an'S Herz, dafür Sorge zu tragen, daß nur solche Personen gewählt werden, welche die Interessen der Mitglieder auch wirklich zu vertrete» Willens find. Nachdem fich noch die Herren Born. Rockman, Sibke u A. an der De» datte betheiligt hatten, wurden folgende Herren a'S Kandidaten zur Wahl vorgesch'agen: Buchholz, Neumann, Dähne, Baars, Born, Trill, Gewiß, Ludig, Mahn, Kubfch Hattwich und Knappe. In der freireligiösen Gemeinde spricht am nächsten Sonmag, Vormittags 10 Uhr, Rosenthaler Straße 38, Herr Schäfer über den rabdinischen Ausspruch:„Ein Narr macht hunderte, aber ein Weiser nicht zehn Seinesgleichen". Zutritt steht Jedem frei. WermisMes. Doppelmord in Pest. Der Urheber jener bestialischen Blutthat in Pest, welche die Bewohner in unglaubliche Auf» reguna versetzt hat, ist von der Polizei dingfest gemacht wordm. Der Mörder ist ein den besseren Klaffen angehörender, intelli» genter junger Mann, der Geliebte der Veronika Peschek, welche er. nach seinem eigenen Geständnisse, vorsätzlich in der grau« samsten Weise abschlachtete DaS Kind tödtete er, damit eS ihn nicht verrathe. DaS Motiv der bestialischen That ist noch nicht klargelegt, denn die diesbezüglichen Angaben Emerich Balentici— so heißt der Elende— verdienen kaum Glauben. Wir entnehmen Pester Blättern den Bericht über das Geständniß des Verbrechers, das viele charakteristische und interessante psychologische Momente zählt. Balentic» erzählte in fließender Rede und ohne fich einen Augenblick zu unterbrechen seine schauerliche That wie folgt:„Nachmittag« 2 Uhr verließ ich meine Wohnung, nachdem ich mein scharf« geschliffene» Rafirmeffer zu mir genommen hatte. Ich ging aus den Kerepeser Friedhof hinaus, um am Grabe eines Freunde» zu beten, und kehrte um vier Uhr Nachmittags in die Stadt zurück. Ich begab mich direkt in die Wohnung der Vera. Die Thür zu ihrer Wohnung war offen und der Scklllffel fleckte von innen. Ich überraschte Vera gerade beim Ankleiden/ Sie hatte das TageShemd gewechselt, und lag dasselbe am Loden. AlS fie mich wahrnahm, kam fie. daS Mieder in der linke» Hand haltend, mir bis in das Vorzimmer entgegen.„WaS willst Du bei mir?"— fragte mich Vera„Dich besuchen" — war meine Antwott.„Ich brauche Dich nicht"— erwiderte Vera voll Hohn-„schau, daß Du gleich fort kommst". Bei diesen Motten Vera's begann mir das Blut in den Kopf zu steigen: ich ergriff mit meiner linken Hand Vera bei der Brust, worauf das Mädchen mir einen Faust« schlag inS Geficht versetzte. Nun gab eS keinen Pardon mehr; ich zog auS der Rocktasche da« Rafirmeffer hervor und führt« mit diesem mit Blitzesschnelle einen kräftigen Schnitt gegen den Ha» Vera'S, so daß die Kehle derselben förmlich durchschnitten wurde. Beim Anblick deS aus der Wunde hervorspringenden Blutes wurde ich von einem Ekel ergriffen, andererseits fürchtete ich, daß ich mit Blut befleckt werde, und stieß ich daher Vera von mir fort. DaS Mädchen wankte nun, mit röchelnder und dumpfer Stimme um Hilfe rufend, ssu» dem Vorzimmer in das zweit« Zimmer und fiel ätä» aasnr,««"«r Boden erhoben und wankte in daS Vorzimmer. wo ich mich noch immer befand, zurück. Sie wollte wahrscheinlich die auf den Gang führende Thüre— die ich aber schon früher ab- gesperrt hatte- gewinnen, brach jedoch bei dem knapp an der Thür befindlichen Kanapee zusammen und stürzte zu Boden. Ich ging nun in da« zweite Zimmer hrmin. um nach der kleinen Rosa Budai zu sehen, von welcher ich wußte. daß fie stets bei Vera sei. DaS kleine Mädchen, welches Zeugin der Ermordung ihrer Taufpathin ge- wesen. hatte fich in seinem Schrecken hinter den Kohlenbehälter neben dem Ofen gepflüchtet und bat mich von dort aus mit erhobenen Händen im flehentlichen Tone, ihr Leben zu schonen. „BacSi, lieber BacSi, lassen Sie mich leben!" rief die Kleine. „ich werde Niemandem etwas sagen I" Die Bitten de» Kinde» konnte ich nicht berückfichttgen; die kleine Rosa kannte mich von meinen früheren Besuchen bei Vera und einem Streite, welchen ich vor einiger Zeit mit Vera hatte- Ich durfte das Kind nicht schonen, eS mußte ebenfalls sterben, um an mir nicht zum Ver. räther zu werden. Als Rosa mich ihrem Versteck nahen sah sprang fie rasch empor und wollte an mir vorüber in daS Vorzimmer eilen. Sie konnte aber diese Abstcht nicht ausführen denn ich erfaßte daS Mädchen bei seinen dichten, schönen blonden Haarflechten, zog e« mit einem heftigen Ruck zu mir empor und schnitt dem Kinde mit dem Rafirmeffer die Kehle durch. Dann warf ich die kleine Rosa zu Boden. bückte mich zu ihr hinab, entfernte die Oberkleider und schlitzte ihr den Leib auf. Jetzt kehrte ich in da« Vorzimmer zurück, um nach der Vera zu sehen. Sie lebte noch und ihre Ettremi« taten zuckten krampfhaft. Um jede Möglichkeit, daß fie mit dem Leben davonkomme, zu benehmen, schlitzte ich auch Vera den Untetterb mit zwei Schnitten mit dem Rafirmeffer auf. so daß die Gedärme zu Tage traten. Alles da» war das Werk von wenigen Minuten. Ich ging hierauf nochmals in da» zweite Zimmer hinein und reinigte dort in einem Lavoir meine Hände vom Blute. Hierauf trocknete ich mir die Hände an einer Serviette ab. Die kleine Rosa schien damals ebenfall» noch zu leben und hatte ihre Augen mit einem entsetzlichen Blick auf mich gerichtet. Ich wußte, daß das Kind bald ausgelitten haben werde und sah von einer weiteren Ver« wunvung desselben ad. Nachdem ich auf diese Weise meine thiettsche Rache beftiedigt hatte, entfernte ich mich aus der Wohnung Vera'S, nachdem ich dieselbe von außen verschlossen und den Schlüssel zu mir genommen hatte. Ich habe mir weder Schmucksachen, noch etwa irgend einen Geldbetrag an« geeignet, denn ich verübte die That nur auS Rache für die mir zu Theil gewordene Beleidigung. Mehr habe ich nicht zu tagen."— Damit hatte BalenticS die Erzählung von setner Miffethat beendigt, und, nachdem AlleS zu Protokoll genommen war und der Mörder dasselbe unterzeichnet, wurde er gefesselt und von drei Polizei-Wachmännern ins Gefängniß der Ober» Siadth lUptmannschast abgeführt. Der Mörder, der bei seiner Einbringung fich gefaßt und gleichglltig zeigte, war nach dem Verhöre vollständig gebrochen; sein Geficht war kreidebleich, seine Haltung eine gebeuzle und sein oiang ein schlottemder. Im Arreste saß er stumpf vor fich hinbrütend und äußette kein Wort. Er wird selbstverständlich scharf bewacht. BräuttgamSwtlle. Ein junger Mann sagte wenige Tage vor seiner Hochzeit im Hause feines zukünftigen Schwiegervater» und in Gegenwatt seines sanften BräutchenS etwas perem- torisch:„Ich will, daß meine Trauung Punkt 11 Uhr stattfinde, dann will ich, daß ein glänzendes Diner im nächsten Blkannten- und SßetroanWenlttiä nngenommtn treibe, und darauf will ich mit meiner Frau nach der Schweiz reisen/'— Ali bei Bräutigam fortgegangen war meinte die Mutter der Braut etwas bidauerltch zur Tochter:„Hm, Dein Zukünftiger will eben recht Vielerlei"—„Laß ihn nur," entgegnete das junge Mädchen mit feinem Lächeln,„er giebt seinen letzten Willen kund." Uederbott«. In einer kleinen kalifornischen Stadt, be- richtete das Lokalblättchen, wäre ein Goldfischbehälter zwei Stock Koch aus dem Fenster gefallen, ohne zu zerbrechen, oder einen Tropfen Waffer zu verschülten. Darauf berichtete das Konkurrenzblatt:„Wenn bei uns ein Goldfischbehälter vom Tische fällt, dann springen die Goldfische immer sofort beraus, fangen den Behälter in der Luft auf, nock ehe er den Boden berührt, und setzen ihn aus den Tisch zurück, ohne auch nur et>en Tropfen Waffer dabei zu oerschütten." Daniel in der Löwengrube.(Nach der Schilderung eineS Nigger. Predigers.) Daniel war ein so guter Mann, als nur je einer in der Bibel lebte; allein ob et ein Weißer oder ein Kchwmzer wm, dos kann ich euch nicht sagen, denn ich weiß es nicht und oörte nie etwas Genaueres darüber. DaS macht auch nichts; er war jedenfalls gut, denn er betete drei- mal täglich. Sowie der Tag nur ein wenig herausguckte, sprang Bruder Daniel auS seinem Bett und sank betend auf seine Knie; sowie daS Horn daS erste Zeichen gab, daß die Arbeiter zum Mittageffen vom Felde heimkommen sollten, ging Bruder Daniel inS HauS und kniete gleich wieder hin; und sank die Sonne, so lag er schon wieder da und betete und sprach mit dem lieben Gott. Nun gut; der König von dem Lande dort unten wollte aber daS viele Beten gar nicht und sprach:„Dem Dinge muß ein Ende gemacht weiden!" Doch der Bruder Daniel kehrte fich daran nicht; er bitelc immer weiter, bis der König sagte, daß er den ersten Besten, den man noch betend antreffe, in die Löwengrvbe werfen(äffe. Am nächsten Morgen fällt Bruder Daniel, wie er auS d-m Bett gestiegen, geradenwegs auf seine Knie und beginnt zu beten; und wie er so ,im inbrünstigsten Gebete liegt, kommen die Häscher, binden ihm Hände und Füße mit Stricken und gehen geradeaus mit ihm zur Lö vengrube und wie fie dort angekommen waren, hörten fie die Löwen brüllen: Ar-ooorrrar— ar-ooomar! Er nahm aber keine Notiz davon, sondern fuhr fort zu beten. DieHäicher aber schlangen ein langes Seil um seinen Leib, trugen ihn bis dicht zum Rande der Grube und ließen ihn hinunter. Dann zogen fie den Strick zurück und gingen fort. Am nächsten Morgen kommen fie wieder her und der König mit ihnen. Sie hören abermals die Löwen brüllen und loben: Ar-ocorrrar! Aber da find die Bej ien mit offenen Mäulern und blitzenden Augen und rennen hin und her, vorwärts und rückwärts; doch in einem Winkel der Höhle fitzt Bruder Daniel; neben ihm ein Engel, der schwingt immerfort sein Schwert hin und her— und o Wunder!— der Bruder Daniel war ganz unberührt! Seine Klei- der rochen nicht einmal nach den Löwen; seine Stiefel waren ganz und noch so glänzend wie T rgs zuvor. Er predigte des Herrn Wort— ja Kinder, das that er— und hernach begann er folgende Hymne zu fingen: Der Daniel war ein frommer Mann, • Der dreimal täglich bfet; Drum that der Herr ein Wunder ihm, Hat ihn vom Tod errettet. Da kletterte Bruder Daniel herauf und rief alle Traurigen und Betrübten zu fich. Sie kamen alle, ach, die ganze Erde war voll davon; die Weißen erschienen, die Neger, die Häscher und sogar der König und alle nahmen eine Religion bei ihm und von dem Tage an diente das ganze Volk dem Heern. an Und nun, liebe Kinder, müßt auch ihr wie der Bruder Damel sein und immer beten und Buße thun, denn dann braucht ihr euch nicht vor den Jörnen zu fürchten. Der Herr wird euch be- schützen und stolz auf euch sein......, Sw Geschäftsgehetmniß.„Fckl muß mich übet unseren Prokuristen deschwei en, Onkel. Er erzahlt der ganzen Welt, daß ich ein Esel bin."-„So? Nun, beruhige Dich. Ich werde eS ihm für die Zukunft ordentlich verbieten, daß er mrr Geschäftsgedeimniffe in die Oeffentlichkeit trägt." Der noble Johann. Kommerzienrath:„Sie haben vorher beim Grafen£ seivirt; Ihre Zeugniffe find gut Ich werde Sie engagiren. Noch eins— rauchen Sic?' Johann: „Ja, aber nur— prima!" Tagesliste der Köuigl. sächsischen Landeslotterie. Ziehung vom Dienstag, den 7. April. (Ohne Gewähr!) 538 275 147 80 632 451 916 651 900 384 803 605 407 611 979 622 68 337. 1823 43 538 901 978 852 375 169 638 299 78 772 495 419 962 322 938. 2106(1000) 987 367 235 592 126 198 533 162 252 757(300) 268 19(1000) 48 660 762 762 695 579 857 849. 3896 723 367 989 154 4u4 247 341 197 937 322(500) 678 134 563 309 743 993 963 600 525 332 664(300) 927. 4659(300) 964 658 78 192 722 898 967 224 56 44 568 919 639 656 562 985 645 586 528 34 782. 596 228 494 552(1000) 685 113 424 826 645 683 248 774(500) 805 72 927 25 907. 6723 691(300) 720 190 191 421 231(300) 62 572 136 463 976(1000) 747 705 373 507 127(500) 201. 7355 732 240 148 366 260 196 309 806 268 72 339 937(300) 49 138 506 451 93 433 768 788 477 511. 8439 268 312 382(300) 551 269 54 872 808 427. 9655 587(60 000) 537 943 459(300) 680 859 875(1000) 397 529 421(300) 358 938 449 294(300) 393(300) 988(500) 341. 10631 875 893 332 633 558 30 540 117 527(300) 974 906 176 579 260 259 52 620 293 719 557(500). 11419 339 956 431 964 979 480 884 52 630 873 381 712 415 571 242 287 672 805 306 660 253 175 965(300). 12900 81 364 571 649(300) 873 216 684(300) 14 775(500) 357 541 298 878 332(300) 171 354 396 54 185 87 240. 13431 814 216(300) 298 664 21(500) 24 828(3000) 526 170 722 140 177 498 480 804 476 366 797 877 849. 14677(300) 999 278 430 45 619 338 669 618 505 822 640 99 873 96 306. 15627 653 966 190 5 199 11 587 41 38 703(5000) 658 244 364 569. 16935 898(300) 528 735 733 631 573 868 88 539 914 803 (500) 621 765 415 4 662 974 583 713 680. 17667(300) 133 923 922 147 460 416 405(3000) 489 302 818 989(500) 673 541 639. 18132 18 798 901 428 13 967 517 645 79 163 55 272 297 51 432 469 602 52 431 242(300) 705 198 741 738 691. 19282 997 21 226 213(300) 854 698 209 155 345 167 203 296 374(5000). 20756 452 724 816 622 662 24 302 988 8 146 479 832 390 935 358 696. 21280 482 964(300) 778(300) 542 11 172 796 645 887 89 196 251 674(300) 363 263 13 987. 22583 631(300) 263 801 309 394 538(200) 873 286 671 614 862 104 184(500) 250 928 148 305 489 645 561 116 623 611 835(500) 340 322. 23132 125 696 437 330 71(300) 486 525 977 749 413 378 871 616 876 631 964 361 174. 24707 893(300) 673 575 851 169 709 435 732 159 803 896 855 117(300) 887 965 258 280 799 536 671. 25841(5000) 475 (500) 447 730(300) 243 974 204 815 804 543 954 158. 26603 301(300) 547 838 106 871 272 653 54 534(500) 975 193 480 250 561 312 964 763 575 966 27478 750(10000) 903 891 100 235 155(300) 22 966 177 621 854 856(300) 160(300) 562 554 932 714 150 253 357 805(500). 28288 416 276 25 875 147 491 595 931(300) 35 401 181 230 710 753(500) 692 434 831(300) 441 374 523 426 946 159 805 750 424 29561 313 149 135 229 132(300) 658 492 519 315 151 778 73 119 456 193. 30390(500) 927 77 911 469 704 557 815 529 984 673 307 65 20 386 475 757 377 958 173 919. 31053(300) 946 81u 927 714 149 258 878 322 888 300 167 930 439 936 (1O00). 32433(300) 324 894 780 224 769(300) 233 764 240 926( 300). 33904 484 535 93 256 561 198(300) 599 799 292 651 416 159 843(300) 733 34833(300) 880 945 120 388 51 795 391 544 362 163 698(1000) 682. 35896 896 322 78 643(3000) 857 491 620 888 775 65 510 79 1 533 164 833 581 715 129 80 352 539 209 849(300) 132 188(300) 651. 36547 446 306(3000) 725 200 656 628 785 363 538 (1000) 609 527 180 407 160 653 448 295 871 880 349 525 3i 1 375 87734 693 983 433 554 522 200 39 854 702 61 13 990 863 2 103 912 952(300) 659 440. 38154 247 581 791(300) 688 84 281(5 0) 637(300) 92 984 43 981 364 677 769 603 761(1000) 476 836 697 839 410. 39276 942 178 685 602 488 169 615 26 839 993 58 294 635 182 559 116 613 479 50 502, 40909 897 800 54 259 320 542 350 947 480 243 504 475 48 79. 41475 61)38 496(306) 865(3000) 284 791 446 583 164 48 782(300) 942 946(300) 560 489 59(300). 42339 31 899 695 365 747(300) 420 642 785 168 954 794 457 708 441 585(3000) 961 828 661 741. 43675 114 140 746 590 173 86 802(300) 735 981 794(300) 920 85 107 692 277. 44950 419 38(3000) 178 410 ,300) 515 105 332 899(1000) 682 562 787 679 933 240 17 281. 45339 131 558 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232 165 318 633 16 224(300) 712. 98220| 616 56 527 580 662 256 769 132 538 468 383 646 506 917 938 701 885 366. 99448 157 842 820 492 684 795 189 848 784 3u4 786 675(1000) 340 695 598 614 231 344 548 670 j 201(1000). £rief&a|kn der jWu&lion. Hedwig N Puckler ftrahe. iiritische Besprechungen von Gedichten können wir im Briefkasten nicht machen. Freiligrath's Löwemitt ist ein anerkannt vortr.ffliches Gedicht, welches freilich nicht die Formvollendung Platen'>cher Eichen hat und baden soll. Ob man ein dichterisches Bild für schön hält, ist Gesckmacksache. Tischler 84. Sie haben den Betrag zu zahlen. Theater. Königliche» Opernhaus. Heute: Der Barbier von Sevilla. Königltche» Schauspiel!, aas. Heute: Harold.__________________ Deutfa,«» Theater. Heute: Prinz von Homburg. �Vellealltanee-Theater. Heute: Amerikanisch,____ Rene» Kriedrtch-Withetmstädlisches alieater. Heute: Gasparone. Eeotrl Alte Jakobstraße 30. Heute: Der Wal-.ek.Könia eater: lrektor- Ad. Ernst. Restdenz. Theater: Direktion Anton Anno. Heut«: Zum 6. Male: CAuttfUern_ Der Kernpunkt. Hierauf: Die Watstalla-Lperetten-Theater: Heute- Der Feldprediger._ Lou.senstädttfche» Theater: Heute: Hurrah Germania! Ostend-Theater- Heute: Der fliegende Holländer Wallner-Thealtr. 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