Nr. 82 Douiierstag. 9 April 1885. I�JadiS. ÄtrlintrHoltelilüll. Brgan für die Interessen der Arbeiter. . Das„Berliner Volksblatt" erschemt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Monnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in oer Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 3.— Expedition: Zimmerstraße 44. Der englisch-rusfische Lonstikt. Der endliche Zusammenstoß von Rossen und Englän- Kern in Asten, den man so lange schon befürchtet hat, ist zwar heute noch nicht zur Thatsache geworden aber steht heute als drohende Eventualität in der nächsten Nähe und wird für absehbare Ze>t kaum zu vermeiden sein. So weit man die Presse alt Ausdruck der öffentlichen Meinung auf- fassen kann, läßt sich erkennen, daß auch die Gemüther schon auf den Ausbruch des kommenden großen Sturmes vorbereitet find. Die Londoner und St. Petersburger Blätter befehden sich in den heftigsten Ausdrücken und man hört die leitenden Organe jenen Ton anschlagen, der gewöhnlich dem Ton d»r Geschütze vorausgeht. Man ver- sichert sich gegenseitig, daß man keinen Grund habe, die begonnenen Rüstungen wieder einzustellen und die Engländer drohen mit einer Blokade de» russischen Seehandel«, worauf ein russisches Blatt, cynisch genug, geantwortet hat, am russischen Handel und an der russischen Industrie wäre nichts mehr zu ruiniren. Ein schöner Trost, der übrigen» ganz den famosen russischen Zuständen entspricht, die ganz natürlicher Weise den Galgenhumor herausfordern. Käme e» auf die einheimischen Kräfte der beiden streitenden Mächte an, so würde der Kampf wohl keine großen Dimensionen annehmen können, denn England hat in Egypten vollauf zu thun und Rußland ist durch innere Zerrüttung an einer größeren Kraftentfaltung ge- hindert. Allein bei einem Zusammenstoße in Asien kommen ganz ander« Faktoren ia'S Spiel; Russen und Engländer «erden dort nur das treibende Element s-in, um die dortigen Völkerschaften gegen einander in Bewegung zu setzen. E» gilt also bei diesem Wettbewerb, möglichst viele Bundesgenossen zu gewinnen. Daß in Indien und den anstoßenden Ländern die englische Herrschaft besonders beliebt sei, wird«an kaum behaupten können. Die ostindische Presse ist auch in den letzten Jahren immer voll gewesen von Beschwerden egen da« RegierungS- und Verwaltungisystem Englands. >!ebn, der brutalen Behandlung Irlands bildet die uner- hörte Bedrückung und Aussaugung Ostindien» seit mehr als einem Jahrhundert das dunkelste Blatt in der Ge- schichte der englischen Kolonialpolitik. Noch sind kaum vreitzig Zahre vergangen seit jenem große» Aufstand der Ostindier unter Tantiah Topi und Rena S a h i b, einem Aufstand, dessen furchtbare Gräuel der Gegenstoß waren auf die unbeschreibliche englische Brutalität. Glaubt man, daß in Indien die von den„frommen" englischen Generalen bei Niederwerfung de» Aufstände» verübten Blutthaten schon vergessen sind? Man wird in Indien auch da» berüchtigte„Wegblasen" noch nicht ver- SteStrad verboten.! 6] IeuMeton. 3m Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) »Und wo« sollte die Tante dabei haben? Nur daß Ihr sie dann und wann einmal besucht? Denn zu un« kommt sie doch selten genug, und sie ist immer so freund- lich und liebevoll gegen Euch..." „Wenn wir dort sind." sagte Flora,„so thut sie weiter nicht», ali daß sie auf die Männer schimpft und kein gutes Haar an irgend einem von ihnen läßt. Wa» sie nur dabei i haben mag?" „Sie hat wohl bittere Erfahrungen in ihrem Leben ge- macht," sagte die Mutter seufzend.„Es giebt nicht lauter f o gute Männer, wie Euer Vater ist." „Aber der Tante Aeußerungen nach," sagte Flora eifrig. „wären e« alle lauter Ungeheuer, die nur ein arme» Mäd« chen linterlistig in den Ehestand verlockten, um ihre Frau dann lanasam zu Tode zu quälen. Papa hat Dich aber nicht zu Tode gequält und der Herr Mäusebrod die Tante auch nicht; er ist todt und sie lebt noch und sieht mir auch überhaupt gar nicht so aus, als ob sie je schlecht behandelt wäre oder sich auch hätte schlecht behandeln lassen." „Flora," rief die Frau Oberstlieutenant in einem halb vorwurfsvollen Tone,„«» ist Deine Tante!"— setzte i"nn"h« ruhiger hinzu:„und ich glaube und hoffe, daß rr vernünftig genug seid, einer alten Frau eine vielleicht»twas überspannte Ansicht nachzusehen. Sie meint es mit Euch jedenfalls gut, und wenn Ihr meinem Rath« «i.£ 1° 9%% die Achtung und Liebe, die Ihr ihr schuldet, me außer Augen. Wie wäre eS, wenn Ihr noch vor Tische einen Spaziergang zu ihr machtet? Da» Wetter rft freundlich, und e» dauert noch wenigstens«ine Stunde, ehe w,r essen." „Ach ja. Jettchen, laß un« gehen I" rief Flora, die eben«reder emen Blick durch das Fenster geworfen und auf's Neue den jungen Herrn mit dem schwarzen Sammet- gessen haben, da« darin bestand, daß man die gefangenen Jndier vor die Mündungen blind geladener Kanonen band und sie dann, beim Abfeuern bei Schusses, in Atome zer- schmetterte. Tausenden, die so hingerichtet wurden, wollte man dadurch den Glauben an die Möglichkeit eines Fort- lebenS nach dem Tode nehmen, wa» für den gläubigen Hindu die grausamste Strafe ist. Aber diese Erinnerungen sind e« nicht allein, welche die britische Herrschaft in Indien gefährden; da» unsagbare Elend der Masse», zum großen Theil durch das englische AuSsaugungSsystem verschuldet, trägt nicht wenig dazu bei, den Haß gegen England zu schüren. In dem von der Natur so überreich gesegneten Indien müssen bei der geringsten HungerSnoth viele Tau- sende HungerS sterben und Alt-England pflegt de« ziemlich glerchgiltig zuzuschauen, weil ja in Indien da»„Menschen- Material" nicht so leicht ausgeht. So bildet Indien offenbar einen günstige« Angriffs- punkt für russische Wühlereien und es wäre wunderbar, wenn nicht längst dort dafür gesorgt worden wäre, daß bei einem Zusammenstoß der Russen und Engländer ein, Erhebung den ersteren zu Hilfe kommt. Der Kampf würde zweifellos ein gigantischer werden und weite Kreise ziehen. Sein Wellenschlag würde offenbar auch Europa berühren, und die Sache würde sonach sehr ungemüthlich werden für jene Philister, deren Hauptvergnügen darin besteht, an Sonn- und Feiertagen sich darüber zu unterhalten,„wie hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen." Man erinnert sich, daß die englischen Blätter gleich nach dem Fall von Chartum Besorgniß für die Erhaltung der englischen Herrschaft in Indien zeigten. Sie fühlen auch, wie hoch der kriegerische Zündstoff angehäuft und wie gespannt die Situation ist. so daß die Erfolge eine» suda- nesischen Abenteurer« im Stande find, den Anstoß zu einem Weltkrieg zu geben. Das kommt von der willkürlichen Ausdehnung großer Reiche und von der gewohnheitSgemäßen Eroberung. Dieser Wettlauf der GebzetSvergrößerung hat die Un- s i ch e r h e i t in den allgemeinen Verhältnissen geradezu auf die Spitze getrieben. Dolitiseke Mebersickt. Die Jnnungs- und Zunftfreunde haben die Adstcht Ende Mai in Berlin einen„Deutschen JnnungStag" abzuhalten. Sie versprechen sich davon einen großen Erfolg für daS Jnnungsweten; zugleich wollen sie für die Ein- sührung von Handwerkerkammern, sowie für ein Reichs-JnnungSamt auf diesem JnnungStag eintreten. — Dem„vamo. Korresp." wird dazu anscheinend offiziös ge« schrieben:„Bis zu einem gewissen Grade steht ja die Regte- rock da unten entdeckt hatte.„Die Lust ist gar zu schön, und wir müssen un« ja doch noch etwaS von dem Band holen! ES fehlen noch wenigsten» sechs bis acht Ellen!" „Nun, ich habe nichi» dagegen," erwiderte Henriette, iudem sie sich von ihrem Sitz erhob,„dann ist«» wieder auf einige Tage abgemacht." „Pfui, schäme Dich, Jettchen I" rief die Mutter. „Nun, ein Vergnügen kannst Du es doch nicht nennen, Mama," entgegenete die zärtliche Nichte, indem sie die Ober- lippe ein wenig emporzog;„ich thu« es auch wirklich nur Dir und dem Papa zu Liebe." „Dann dürfen wir aber unsere neuen Hüte nicht auf» setzen, Hetty," sagte Flora, die Schwester noch mit ihrem Kindernamen nennend,„oder die Tante hält un» wieder eine ellenlange Strafpredigt." „Na, da» fehlte mir auch noch, daß ich deshalb gerade mit dem alten Deckel über die Straße ginge I" lautete die Antwort.„Wir müssen doch anständig auSsihen und nicht wie die Vogelscheuchen I" „Die Tante sagt immer," lächelte Flora,"„daß die jungen Mädchen zu ihrer Zeit ganz ander» gewesen wären wie jetzt — ob da» wohl wahr ist, Mama?" „Inwiefern ander», Kind?" „Nun, nicht so putzsüchtig, wie sie e« nennt, und die Moden,«eint sie, wären auch nicht so oerrückt gewesen — aber weißt Du, Hetty, daS Blatt, welches wir neu- lich hatten, in dem die alten Modenbilder standen— wenn ich mir die Tante in einem solchen Aufzug denk«— hahahaha l",,. „Anständig und seinem Stande entsprechend muß man sich immer kleiden," sagte die Mutter mit Würde;„die Tante geht darin jedenfalls ein wenig zu weit, aber sie meint e» doch gewiß gut." � „Da drüben steht der Alte wleder am Fenster," sagte Henriette, die gerade vor dem zwischen den Fenstern befindlichen Spiegel ihre Toilette beendet hatte und den Blick über die Straße warf.„Wahrhaftig. Mama, er hat ein Operngla»— da» ist aber«irklich unausstehlich! Der spionirt ja die ganze Nachbarschaft ab! Jetzt guckt er nach dem Hause da drüben hinüber!" rung augenblicklich dieser Bewegung nicht unsympathisch gegen» über; das ReichS-JnnungSamt indessen gehl wohl über die Wünsche der Regierung hinaus. Die Vermehiung der Reich»» ämter entsplicht teineswigS den Neigungen der Reichsregierung, und der JnnungStag würde jedenfalls gut daran thun, fich vor seinen Anträgen mit den Neigungen der Reichsregie« rung vertraut zu machen."— Wir haben zu wieder- holten Malen darauf hingewiesen, daß diese Bestiebungen zur Hebung deS Handwerks absolut erfolglos bleiben werden. Selbst wenn alle Wünsche dieser Leute erfüllt, wenn Hand- werkerkammern und Reich»- Jnnungsamt eingeführt würden, wenn Niemand außer den Jnnungemeistern Lehrlinge halten darf, so wird die Lage der Handwerksmeister auch nicht im Geringsten besser werden. Die Zahl der Industriezweige, welche fich noch nicht in Händen des Großkapitals befinden, wird täglich kleiner und stcherlich wird der Moment eintreten, wo auch nicht eine Industrie existirt, welche ausschließlich nur noch handwerksmäßig betrieben wird- Das k rufende Publikum wird aber seinen Bedarf da kaufen, wo er am billigsten und schnellsten zu haben ist; dazu zwingen schon die heutigen Ver» bältniff«. Ob die Sachen vom Jnnungsmcister oder vom Großfabrikanten, der nur jugendliche Arbeiter und keine Lehr» linge oeschäjtigt, angefertigt find, danach frägt ver Käufer nicht, er will billig und gut kaufen oder aber seine Bestellung schleunigst fertig gestellt haben. Mit wenigen Aus- nahmen kann diese Bedingungen nur der Großindustrielle erfüllen, und eS ist daher der Versuch, mit den kleinen g e- setzlichen Vorrechten den Kamrf gegen da« Großkapital aufzunehmen, vollständig nutzlos.— Diese Bewegung wird fteilich von den Reaktionären aller Partrischattirungen lebhaft unterstützt, weil dieselben fühlen, daß ste sich dadurch noch eine Zeit lang Oberwasser verschaffen können. Eine Zeit lang wird eS stcher auch noch gelingen, diese Art de» Handwerkerfange» zu betreiben, denn dte letzteren klammern fich an ihre Forde» rungen, wie der Ertrinkende an den Strohhalm; aber allzu lange kann eS nicht mehr dauern, bis auch dem wüthendsten Zünftler die Erkenntniß wird, daß der game Innung»- und Zunftzopf nichrs weiter als eine taube Nuß ist. -v Ueber eine ostvreußische Arbetter-Kolonie wird der „Franks. Ztg." geschrieben:„Im Februarheft der„Arbeiter. Kolonie, Korrespondenzblatt für die Interessen der deutschen Arbeiter. Kolonien", findet fich eine Schilderung der oft p reu- ßischen Arbeiter- Kalo nie Karlshof. Es wird zunächst berichtet, daß man die Anstalt ausnahmsweise auf gutem Ackerboden errichtet habe, und daß eS Mühe gemacht habe, die Fonds zu erlangen. Dies wird merkwürdiger Weise darauf zurückgeführt, daß„ganz Ottpreußen etwaS von dem an fich habe, was setner Hauptstadt Königsberg den Namen„Stadt der reinen Vernunft" eingetragen hrdc, und wo dies EtwaS zu sehr herrsche, wolle man die Saat nicht gleich daranwenden, wenn dte Erntehoffnung in allzu weiter Ferne liege". Jedoch, waS die Stadt der reinen Vernunft nur lau aufnahm, hat dafür der Provinzialverein für innere Mission„in seinem Schooß sonderli« gefördert", und die Kolonie ist da. Ueber die Arbeit, mit der die Kolonisten beschäftigt werden, wird nun folgendes berichtet: In 7 Werkstätten und auf dem Arbeits- „Zeigt ihm nur um Gotte« willen nicht, daß Ihr auf ihn achtet I" sagte die Mutter.„Eine kleine Unannehm- lichkeit hat jede Wohnung, und diese ist sonst in jeder Hin- ficht angenehm und passend für uns, daß wir eine so un» bedeutende Nachbarschaft auch wohl ertragen können." „Also Adieu, Mama!" „Adieu, Kinder— kommt mir nur nicht zu spät zum Essen." „Nein, gewiß nicht— aber da ist der Papa schon— guten Tag, Papa I" «Guten Tag. Kinder, guten Tag!" rief der Oberst» lieutenavt, der eben in die Thür trat.„Wohin soll e» denn noch gehen? Ein Spaziergang?" „Wir wollen einen Besuch bei der Tante machen." „Da» ist recht, Kinder, da» ist recht," sagt« der Vater vergnügt und schien Lust zu haben sich die Hände zu reibe», woran er jedoch durch den Helm in der einen und ei« Paket Schriften in der andern Hand verhindert wurde —„aber," setzte er plötzlich hinzu,„Ihr werdet sie wahrscheinlich nicht zu Hause treffen; ich bin ihr vorhin begegnet." „Da» schadet dann nichts, Papa," lachte Flora „sie erfährt doch jedenfalls, daß wir dagewesen sind!" — und die beiden jungen Damen huschten die Treppe hinab. Der Oberstlieutenant war eine sehr kleine und etwa« sehr korpulente Gestalt, die eigentlich gar nicht da« geringste Militärische an sich hatte. An den sehr kurze« Beinen rutschten ihm außerdem auch die Höschen noch immer etwa« zu viel hinauf, und die Sttaßenbrut machte sich sogar nicht selten über ihn lustig. Im aktiven Dienst stand er auch nicht mehr, sondern wurde nur im KriegS-Ministeriu« noch verwandt, wo man seine nicht unbedeutenden Kenntnisse benutzte und außerdem so wenig Staat als möglich mit ihm machte. „Du kommst ja heute recht früh," sagte seine Gattin. ohne einen weiteren Gruß für nöthig zu halten,„wie ist denn da»? Sonst wird ja da» Bureau immer erst um zwölf Uhr geschlossen." „Wir haben heute große» Scheuerfest im Bureau," bof wenden stets 40—50 Mann beschäftigt mit verschiedenen Gewerdeardeiten und dem Kleinmachen von Stubben, wofür die Heilanstalt Karlshof wie Privatpersonen in Rasten- bürg willige Abnehmer find.... Auf den Gütern der Um- gegetiv werden Äoorwiesen dekarrt, in Ziegeleien Lehm ge- stachen; auch fanden 50 Mann in der nahen Zuckerfabrik Beschäftigung. Man steht, in Ostpreußen, dem Land der niederen Arbeitslöhne und hohen Aus wanderungSziffern, wirkt die Kolonie gan, etgenthümlich. Sie hilft den Gütern und Fabriken der Umgegend billige Arbeiter verschaffen, und zwar Arbeiter, die in der mit milden Gaben errichteten Kolonie Unterkunft und Schlafstätte haben, bei denen also die Ansprüche recht bescheiden find, und von denen nie zu fürchten ist. daß ste etwa durch zweijährigen Auf- enthalt im Gutsbezirk den Unkerstützungswohnsitz dort gewin- nen. Uns scheint eine derartige Verwendung der Arbeitskräfte der Kolonisten im allerhöchsten Grade bedenklich."— So sympathisch uns auch der Gedanke, welcher die Gründung von der- artigen Kolonien veranlaßte, ist, so sehr ist andererseits etnge« troffen, was wir vorausgesagt haben, daß nämlich diese Kolonien mit dazu beitragen werden, die Lage der„freien" Arbeiter zu verschlechtern. Wenn man fortfährt, die Kolonisten in Fabriken und auf den Gütern als billige Arbeiter zu verwenden, so wird man schließlich nicht genug Kolonien errichten können, um alle Arbeitslosen und Herabgelommenen unterzubringen; denn jeder Kolonist mach: immer einen„fteien" Ai beiter brodlos und treibt ihn auf die Straße. Die Lolteriefrage wird das preußische Abge- ordnetenhauS noch zu beschäftigen haben. Man wird noch üb r den Antrag betr. Verbot oeS Spiels in aus- ländischen Lotterien zu diskutiren haben, und bei dieser Ge- legenheit wird die Frage der Vermehrung der Loose der preu- ßtschen Klaffen- Lotterie, obwohl da« Abgeordnetenhaus dieselbe abgelehnt hat, noch einmal zur Erörterung kommen. Auch für die Regierung ist, wie der„Hamb. Coiresp." hört, diese Frage noch nicht abgeschloffen; eS wird nicht als unmöglich angesehen, daß die Regierung selbst später mit Vorschlägen im Adgeord- Nctenhause erscheint. Jedenfalls dürste dieselbe erst die Zu- sammensetzung des HauseS in der nächsten Legislaturperiode abwarten wollen. Die Anträge auf Vermehrung der Loose— das darf als feststehend angesehen werden— waren der Regierung nicht unwillkommen und ihre Ablehnung mindestens unerwartet. In Betreff de» dem Landtage vorliegende« Gesetze» über die Penfiontrnng der Volktschullehrer werden viel- fach Befülchtuvgen laut, daß die Regtnung daffelde, selbst wenn es vom Landtag angenommen werden würde, nicht akzeptiren werde. Man glaubt, daß die Regierung die Ab- lehnung mit dem Hinweis auf den vorherrschenden Geldmangel motioiren wird. Demgegenüber behaupten die ösfiziösen„Verl. Pol. Nachr.":„Keinesfalls dürfte die Finanzstage die Eni- fcheidung der Staatiregierung gegenüber einer von einer ge- setzgederischen Körperschaft beschloffenen, sachlich zutreffenden ge- setzgeberischen Maßregel der bezeichneten Art ausschlaggebend bestimmen. Vielmehr habe der Finanzminister ausdrücklich de- tont, daß die Stellung der Staatiregierung zur Befriedigung eines von ihr selbst als dringend anerkannten, aber wegen Mangel an Miticln zurückgestellten BedürfniffeS, wie die Re- gelung des LehrerpenfionswesenS, fich wesentlich ändere, wenn die die Vertretung der Steuerzahler darstellend« gesetzgeberische Körperschaft mU überwiegender Mehrheit daffelve durch die Annahmt deS Entwurfs für so dringlich erkläre, daß die Be- friedtgung derselben ohne Rückstcht auf die aktuellen DeckungS- mittel erfolgen müsse. Es liege daher auf der Hand, daß die Stellungnahme de« Staates wesentlich davon abhänge, daß und in welcher Weise ein endglltiger Beschluß des Abgeordneten- HauseS vorliegt, daß aber, wknn dieses mit stattlicher Mehrheit angeftchls der Finanzlage dem Entwurf zustimmt, die Frage der DeckungSmittel die Entscheidung der Staatiregierung kaum beherrschen dürste" Bielefeld. Der Streik in der Nähmaschinen-Fabrik von tz. Koch u. Ko. ist, wie der„Voss. Ztg." mitgetheilt wird, durch gütliche Vereinbarung beendet worden. Die Absicht der Firma, eine Einrichtung einzuführen, nach welcher die Ardeiter stch vaS kleine Handwerkszeug, als Feilen%., selbst zu halten haben— bildete bekanntlich den Streitpunkt. Im Verlauf deS Streikes hatten sodann die Arbeiter noch die Forderung eines zehnstündigen Arbeitstages(bisher galt ein erfstündiger) er- Koben. Die getroffene Vereinbarung hält den elfstünvigen Arbeitstag fest und erkennt den Fabrikanten die Freiheit zu, den Modus des EelbsthattenS der kleinen Handwerke zeuge durch die Arbeiter innerhalb Jahresfrist einzuführen- Die Ver« hängung deS Belagerungszustandes— eine Maßregel, welche wir keinen Augenblick als Nothwendigkeit ansehen konnten— hat leider wesentlich dazu gedient, den hiesigen Vorgängen für weite Kreise fernstehender Beurtheiler eine sehr übertriebene Be- deutung beizulegen. Speziell gilt dieS von den beiden in jüngster Zeit vorgekommenen Brandfällen in der benachbarten Bodelschwrngh'schen Kolonie; die Behauptung, daß hier„ruch- lose Brardniftungen" vorliegen, entbehrt bis dahin deS that- fächlichen Anhaltes. lächelte der kleine Mann vergnügt vor fich hin, während er der Gattin freundlich zunickte und seinen Helm auf den nächsten Stuhl, seine Papiere auf die nächste Kommode legt«,„auch den Nachmittag frei, da« find so Lichtblicke im Bureauleben, Schatz." „So?" sagte die Frau Oberstlieutenant, ohne jedoch den freundlichen Blick zu erwidern,„und wenn zu Hause gescheuert wird, so ziehst Du jedesmal ein Geficht, als ob Dir da« größte Unrecht der Welt geschähe." „Ja, liebes Kind," lächelte ihr Gatte, aber doch etwa» verlegen dem sehr bestimmt auftretenden Wesen seiner schöneren Hälfte gegenüber, denn der Vorwurf war eigent» lich gerechtfertigt und ließ fich nicht fortleugven,„aber zu Haus« ist da» auch etwa« Andere», denn hier habe ich ge- rade meinen Ruhepunkt, auf den ich mich, wen» äußerlich belästigt, in Fried n zurückziehen kann." „Und da» nennst Du also eine Belästigung, wen» Dir daheim die eigene Wohnung reinlich gehalten wird?" „Ich sage ja nichts darüber," lenkte der Oberstlieutenant vorsichtig ein, denn da« war ei» Kapitel, in da« er fich nicht gern wagte, da er schon so oft den Kürzeren dabei ge- zogen.„Du hast mich ganz falsch verstanden, mein Herz." „Ich kenne Dich," brummte jedoch seine Gattin;„wo nur irgend etwa« in der Wirthschast vorkommt, wa« Dich im Geringsten genirt, so ist e« Dir gleich nicht recht." „Aber ich sage ja kein Wort mehr." „Ich brauche Dich nur anzusehen, so weiß ich schon, woran ich bin. Aber wenn Ihr heute keinen Bureautag gehabt habt, wo bist Du denn da so lange gewesen?" „Ich habe bei dem schönen Wetter einen Epaziergang gemacht, mein Herz, und war dann einen Augenblick bei Baumann'« drüben, um ein paar Zeitungen zu lesen." Die Frau Oberstlieutenant seufzte recht tief auf.„Also wieder'im Berhaus I" sagte sie.„Du weißt doch, Heinrich, wie oft ich Dich gebeten habe, solche Plätze nicht zu ftequentiren „Aber, liebt» Herz, es ist ein sehr anständiger Platz. Alle Offiziere besuchen ihn." „Weil ihnen da« junge, freche Geschöpf darin gefällt, sagte die Dame mit Entrüstung.„Du aber, in Deinem Alter gehörtest dort, meiner Meinung nach, nicht hinein." — Der Landratb deS Landreises Bielefeld, von DU- I fmth(für den Stadtkreis ist der Oberbürgermeister Bunne- s mann Landrath!, hat folgend« Bekanntmachung erlaffen: „Bielefeld, den 4. April. Es ist zu meiner KmUniß gekommen, daß in letzterer Zeit an verschiedenen Orten des Landkreises Bielefeld und sogar unter freiem Himmel Ber- sammlungen abgehalten find, zu weichen die Erlaubniß der Polizeibehörde weder nachgesucht noch erthellt ist. Ich sehe mich daher veranlaßt, hiermir auf die Verordnung über daS VersammlungS- und Vereinsrecht vom 11. März 1850, insbesondere auf die§§ 1 und 9, wonach vorherige Anzeige der Ortspolizeibehörde dezw. Genehmigung derselben hierzu erfor- derlich ist und auf die Folgen bei Außerachtloffung dieser Be- stimmungen aufmerksam zu machen. Zugleich forvere ich die Gemeindebehörden und die Kreiseingeseffenen auf, in ihrem eigenen Interesse nach Kräften gegen die Abhaltung der in Rede stehenden Versammlungen zu wirken und mir oder der nächsten Polizeibehörde von einer etwa geplanten Versamm- lung ohne Verzug Anzeige zu machen, widrigenfalls ich mich in die unangenehme Nothwendigkeil versetzt sehen werde, die Erklärung des Belagerungszustandes für den ganzen Landkreis Bielef?id höheren Orts in Antrag zu bringen. Der Lanvrath. v. Ditfmth." Oesterreich-Ungarn. Zu der Affaire Votier(der Hauptmann Polier wurde bekanntlich wegen Landesoerraths verhaftet) wird aus Wien geschrieben, eS spreche die Wahrscheinlichkeit dafür, daß diejenigen Recht behalten werden, die den Hauptmann Baron Votier der ihm zur Last gelegten Verrätherei oder Pflichtver- geffenhett nicht fähig halten. Die Untersuchung ist zwar noch nicht zu Ende geführt, allein bis jetzt ist eine Anklage nicht erhoben worden, und sprechen alle Anzeichen dafür, daß ein Anlaß zu einer solchen nicht, vorhanden sei, und daß man es möglicherweise mit einer Irreführung der Mililärbehörde zu thun habe. Franrvsich. Das neue Ministerium Brisson hat sich bereits der Kammer präsentirt. Den Vorfitz in der letzteren führt vorläufig der Vizepräsident Philppoteaux. Brisson verlas eine Eiklärung, welche als das P ogramm des neuen Kabinets gelten kann. NeueS ist in demlelben nicht enthalten, Briffon wird den alten ausgetretenen Wafferpfaden ebenso folgen wie sein Vorgänger; von irgend einer Sozialreform nicht die Spur, nur Phrasen, nichts als Phrasen. Die Kammer klaschte natürlich Beifall. Auf Wunsch des neuen Ministerpräsidenten begann sofort die Berathunz über die Kreditvorlage. Nachdem fich die Kammer eine Stunde vertagt hatte, um der betreffenden Kommisston ZeU zur Information zu lassen, wurde die Sitzung wieder eröffnet und der verlangte Kredit von 150 Millionen mit 373 gegen 92 Stimmen genehmigt. — Nach einer Meldung deS„Temps" war gestern in den KouloirS der Kammer die Nachricht verbreitet, daß nach einer im Auswärtigen Amt eingegangenen Depesche das Tsungli- Namen(chinestsches Auswärtiges Amt) die FriedenSprä- liminarien ratifizirl habe, welche am 3. d. M!s. von Billot, dem Direktor der politischen Angelegenheiten im Auswärtigen Amte, für Frankreich und von Campbcll für China unterzeichnet worden sein. In Peking sei ein Edikt pubiizirt, durch welches den chinestichen Trupven anbefohlen wird, Tonkin zu räumen.— Diese Nachricht wird durch eine spätere Depesche des französtschen Gesandten Patenütre be- stätigt. Grofibri taunie«. Der„Daily Telegraph" erfährt, die Vermehrung d er in I nd i e n st e he n d en englischen Truppen um ca. 80v0 Mann werde durch den größten Theil der gegen- wältig in Egypten stehenden englischen Armee erfolgen. Danach wäre also, da der Ausdruck„Egypten" hier wohl im weitesten Sinne zu nehmen ist, für den Feldzug im Sudan keine lange Dauer mehr in Ausficht genommen, und die Lage in Zmtralasten würde den Vorwand geben, stch aus den Gegenden des oberen Nil berauszuziehen. Die aus Kairo ein- getroffene telegrophischc Meldung, daß Prinz Haffan, welcher als Zioilkommissar zu der Armee Wolseley's abgehen sollte, nach Kairo zurückkehre, beulet allerdings darauf hin, daß an eine lange Fortsetzung de« FeldzugS in jenen Gegenden nicht gedacht wird.— Zur dauernden engen Verbindung Indiens mit Afghanistan ist die Vollendung der Eisenbahn nach Q u i t t a h angeordnet worden. — Deutschen Zeitungsnachrichten zufolge bat die englische Regieruug an den Norddeutschen Lloyd(Bremen) Anerbietungcn gelangen lassen, um dessen ausgezeichnete Schnellschiffe um» denselben Bedingungen wie„Oregon" und„Amerika" in ihre Dienste zu nehmen. Der Nordd. Lloyd hat sich aber nicht de- wogen gefunden, diese Schiffe aus seiner Linie zu ziehen und hat daher das Anerbieten abgelehnt. — Die amtliche„London-Gazette" vom 3. April pudli- zirt eine vom 31. v. M. datirte Bekanntmachung, wonach das Verbotder Vteheinfuhr aus Deutschland vom selben Tage ad aufgehoben ist. Der kleine korpulente Oberstlieutma«t von Klingen» bruch hatte in seinem ganzen Wesen wohl etwas sehr Ge» müthliche», aber teioeSweg» viel Altadeliges, und kein Mensch hätte leichter als er z. B. als würdiger Bäcker oder Fleischermeisier inkognito reisen.können. Er war auch in der That kein«irklicher Aristokrat, und nur seine Gattin hielt ihn noch, und manchmal wirklich«rt Mühe, zu einem höheren Aufschwung seiner selbst an, der aber dann immer von Zeit zu Zeit einer Auffrischung bedurfte. Hauptsächlich aber lag ihm daran, den Hausfrieden zu erhatten, und mit beruhigender Stimme sagte er: „Aber, beste« Kind, Du nimmst die Sache zu schwer, ich geh« ja auch so selten hin. Weißt Du übrigen», wer hrer nebe» un««ingezogen ist? Wie neulich die schönen Möbel in da« Hau» hier nebenan über der kleinen Gasse drüben eingetragen wurden, zerbrachen wir un« doch die Köpke darüber,»er daS sein könnte." „Nun, und wer ist da«?" fragt« die Frau Oberst» lieutenant, die darüber glücklicher Weis« da« andere Kapitel vergaß. „Der Herr von Schaller, der früher draußen vor dem Waldhofrr Thor wohnte und mit dem wir eigentlich nie zusammen kamen, und doch ist er ein alter Jugendfreund von mir. Wir standen auch einmal in einem Regiment, aber er auittirte den Militärdienst. Es war ein etwa« flotter Gesell und zog sich später nach Berlin zurück." „Ist er verheirathet?" „Gewiß; er hat auch eine erwachsene Tochter, da» wäre vielleicht ein Umgang für Hetty und Flora." „Und hat er jetzt noch eine-Charge?" „Ja, mein Schatz, danach habe ich ihn noch nicht ein» mal fragen können; er kam gerade von Bau— hm, ja, von Bauma�n» heran», alt ich hineinging, und wir Wechsel» ten nur eine kurze Begrüßung mit einander." „Die Etage da drüben ist brillant eingerichtet," sagte die Frau Oberstlieutenant,„die Fenster standen gestern auf, es wurde gerade rein gemacht. Da« müffen sehr reiche Leute sein." „Hm," murmelte der Oberstlieutenant, der an seine Egypte«. Der mit großem Huuoh von den Engländern gegen OSmnn Digma in Szene ges-tzte Felvzug hat bereit» wieder ein Ende gefunden. Die englischen Truppen find einige Tage- reisen weit in die Wüste marschirt und Huben in Ermangelung eines Feindes einige Dörfer niedergebrannt und sonsttze» Elgemhum zerstört; nach Verrichtung dieser Heldenthaten zogen sie wieder gen Suakim. Osman Digma hat stch ihnen nicht gestellt, er weiß ganz genau, doß eS den englischen Truppen nicht möglich ist, ihm in die Wüste zu folgen, namentlich jetzt nicht, nachdem die heiße Jahreszeit begonnen hat.— Augen» blickhch beschäftigt man stch englischerseits mit dem Bau de» Eisen bc-hn nach Beider, angeblich schreitet derselbe rüstig vo> wärt«, man hofft, binnen einer Woche diS Handub fertig zu sein. Zum Schutz der Bahn sollen die Lager der Armee läng» derselben aufgeschlagen werden. Es wird bcabfititigt, einen gepanzerten Eiiendahnzug zur Beschützung der Eisendahn zu benutzen. Em von den britischen Militärbehörden nach Er- kowit g-iandter Spion ist zurückgekehrt und derichtet, daß OSman Tüg-na's Anhänger massenhaft(?) desertiren und daß O-tman seider mit 900 Anhängern in Shakateb, einem zwischen Stnkat ur.d Erkowit gelegenen Orte, eine sehr starke Stellung inne Hai._ D o k K l e s. Für die Hinterdltebene« der verunglückten Bergleute im Camphausenschacht find uns ferner zugegangen: Piano- fadrik von Gütschow, 8 Mark 35 Pf. Möbelfabrik Genossenschaft Louisen st adt, 2 Mark 30 Pf. JnSqesammt bis jetzt: 79 Mark 80 Pf. Da» königliche Polizei Pcästdinm erläßt folgende Warnung: In der Epidemie von Tuchmen-Krankheit, welch« vom September diS Dezember 1333 in der Ortschaft Emeis» leben und Umgebend im Regierungsbezirk Magdeburg geherrscht hat, find durch den Genuß de« Fleisches von einem Schweine 403 Eikrankungen mit 66 Todesfällen herbeigeführt worden. Die stattgehabten Ermittelungen haben festgestelli, daß sämmt- »ich« Gestorbene ohne Ausnahme rohes Sch-oeinefleisch genoffen hoben, während Peisonen, welche Fleisch von dem'elben Schwein in gekochtem Zustande verzehrten, nur dann erkrankt find, wenn das genoffene Fleisch nicht vollkommen gar gekocht war, landein sei eS im ganzen Stück, sei es in Zudeieitungen(Würsten, Klößen rc), noch rohe Fleischtheile enthielt. Hieraus ergiebt fich, daß dai Publikum die Thatsache noch immer nicht genug beherzigt, daß selbst dann, wenn eine gut organistrie und zuoerläjfige Fleischschau am Wohnorte für alle geschlachteten Schweine besteht, doch lheils aus Oiten, in welchen die Fleischschau zwar eingeführt, aber nicht für alle geschlachteten Schweine vorgeschrieben ist, therlS aus Orten ohne jede Fleischschau, theilS endlich mit Umgehung der bestehenden Bestimmungen, gar nicht oder mangelhaft untersuchtes Schweinefleisch in Vm Verkehr gelangen und große Gesabren für L-bcn und Gesundheit der Konsumenten herbet» führen kann. Es wird daher vor dem Genuß jeglichen rohen Schweinefleisches ernstlich gewarnt und ferner darauf hm- gewiesen, daß lediglich ein vollkommenes Garkochen(Durch- braten) der Fleischftücke, wie sämmliicher Zubereitungen auS Schweinefleisch(Fleisch-, Blut-, Leberwürste, Klöße, Sülzen u. s. w) im Stanve ist, die etwa vorhandenen Trichinen zu tödten und dadurch jede Gefahr einer Geiündheirsschädtgung auszuschließen. Um das Garkochen, Durchbraten größerer dicker Stücke(Schinken, Genickbraten w.) zu ermöglichen, ist eS nolh- wendig, tiefe, etwa 8 Zentimeter von einander entfernte Ein- schnitte in die betreffenden Stücke zu machen, damit auf diesem Wege die Siedehitze auch auf die tiefst gelegenen Fleischschichten hinreichend«inzuwirkrn vermag. Ei« Musterstückchen au» unserer städtischen Ber« waltnng wild der„Staats d. Zig." von b-freunoeier Seite in folgendem mitgetheilt: Ein Schutzmann hatte vor längerer ZcU Aufnahme im städtischen Krankenhause im Frtevrichshatn gefunden, und wie anderen Kranken, waren auch ihm seine Werthsachen— Uhr und Ring— bei seinem Emtutt abge« nommen worden. Am 21. v. Mts. wurde er enllaffen, und wie üb ich, ein Piotokoll darüber mit ihm aufgenommen, wie er dir Kuikosten zu decken gedenke. Die städtische Armendirek- tion— in deren Bereich dieser Verwaltungszweig fällt— ver» fährt in dieser Beziehung überaus human und begnügt fich mit Ratenzahlungen von monatlich 1 M; unserm genesenen Schutzmann mochte jedoch seine StanveSehre ein derartiges Angebot veibieten; er erklärte stch dereit, die Hälfte der 171 M. detragenden Kuikosten sofort zu entrichten und den Rest am 1. d. MtS. zu zahlen. Er dezahlte dann auch am Eit- laffungstage 86 M. und ersuchte um Aushändigung seiner Uhr und des Ringes.„Die verbleiben al« Pfand, bis der Rest gedeckt ist," ward ihm erwidert. Da die« Verfahren jedenfalls das geseflich vorgeschrietene ist, so wollen wir darüber, daß einem Beamten gegenüber, gegen den man eine derartige For- Verung auch ohne Unterpfand leicht und wirkungsvoll geilend machen kann, nicht anders verfahren wild, kein Wo t onlieren, obwohl uns die Pfandnahme einer Uhr von einem Schutzmanne eigene gute Stube oder sein Empfang«zimmer. wie e« seine Frau nannte, dachte, in da« er da« ganze Jahr kaum zwei Mal hineinkam, während ihn die Möbel da drinnen fast eben so vU Geld kostete», al« seine ganze übrige«inrich» tung.„Der Schein trüg» manchmal. Früher fehlte e« immer am Besten, aber er wird wahrscheinlich eine reiche Frau bekommen haben, und sei»« ganze» äußern Erschei» nung nach muß es ihm gut gehen." „Und der besucht auch da» Bierhau»?" „Ich sage Dir ja, man findet dort eine ganz ausge« wählte Gesellschaft" „Ausgewählt I Ja, darin will ich dir Recht geben," be- merkte feine Frau mit einem ganz besonderen Nachdruck auf da» Wort,„aber wa» ich Dir eigentlich noch sagen wollte, Hnnrich, wir find hier gerade unter un». und ich möchte nne Frage an Dich richten,«inen Rath von Dir." „«"n mir? Gewiß, mein Herz," sagte der Oberst- Ireutknant gespannt, denn um seinen Rath wurde er sonst nur dann m häuslichen Angelegenheiten gefragt, wenn er zu einer außergewöhnlichen Au, gäbe Geld hergeben sollte. Uebngen« war augenblicklich jede Unterhaltung wünschen»« werther, al» die über da» besprochene Bierhau», deffen Erwähnung er so unbedachter Weise wieder herbei- „Die Kinder." sagte seine Gatttn,„sprachen vorher so untereinander, und erne hingeworfene Bemerkung über die Taute, Deine Schwester, die vielleicht nicht einmal so y «eint war, hat mich doch beunruhigt." „Eine Bemerkung, mein Schatz?" Sag' einmal. Heinrich." fuhr die Frau Oberst- da» Schatz?"6" Vtthiltniss«? Wie meinst D» gpKWM viel Aebnllchkeit zu haben scheint mit der vom Magistrat gegm Näherinnen wegm Steuerrückstände vollstreckten Ad- Pfändung der Nähmaschine. Das intereffanteste Moment in dieser Sache kommt noch. Pünktlich am 1. d. Mts. erscheint unser Schutzmann im Raihhause, um die zweite Hülste setner Schuld zu entrichten, wird aber von einem jedenfalls Mangel- Haft unterrichteten Unterbeamten nach dem Kölnischen Rath- Hause verwiesen, von wo man ihn nach einem bestimmten Zimmer im Parterre des„Rothen Hauses" zurückschickt- Von hier weist man ihn nach einem in der zweiten Etage belegenen, wo er denn auch die zur Abnahme des Geldes in einem an- deren Bureau erforderlichen Papiere erhält. Mit diesen auS« gestattet, geht er zur Zahlungistelle, an der auch sein Geld Segen Quittung angenommen wird. Auf sein Verlangen nach Ihr und Ring wird ihm bedeutet, daß er diese an der Stadt- hauptkaffe zu erbeben habe; hier aber heißt eS, daß die Quittung dazu nicht genüge, er müffe ein« besondere Verfügung haben. Wiederum ging er nach dem Bureau, wo ihm vorher die für die Abnahme des Geldes erforverltchen Papiere ausgestellt waren. Der betreffende Beamte bestätigt ihm allerdings die Richtigkeit des Bescheides, meint aber, daß diese Verfügung so schnell nicht zu erlangen und sendet ihn nochmals mit sämmt- lichen Akten, auS denen ja die vollständige Regelung der An- gelegenheit hervorginge, nach der Kasse; vielleicht würde diese darnach Ubr und Ring aui händigen. Doch nein; ohne be« sonore Verfügung ginge es nicht.— Und daß es mit diesen Verfügungen so schnell nicht geht, darin hat stch der expedirende Beamte wahrlich nicht geirrt; denn unser Schutzmann war M>ch am 7. d. MtS. nicht im Besttz seiner Uhr und deS RingeS. Das ist doch wirklich eine prächtige Illustration der„deutsch- frerstnnigen" Muster-Kommunalverwaltung! In Bezug auf die Wahrung de» Wahlrecht» dürfte folgendes von allgemeinem Interesse sein: Anfang April pflegen viele B-rliner schon nach den Sommerwohnungen außerhalb Berlin» zu wandern, und da fie ihre Wohnung in Berlin für die Sommermonate aufgeben, melden fie fich einfach als von Berlin verzogen ab. Dasselbe thun auch die später in die Bäder reisenden Personen. Wenn dieselben auf den de- kannten polizeilichen Abmeldungen nicht bemerkm, daß fie von Berlin„nur zeirweise"—„in Sommerwohnung" oder„im Bade"— abwesend sein werden, verlieren fie hier ihr Wahl- recht, denn fie werden, ihrer Abmeldung entsprechend, als in Berlin nicht wohnend betrachtet und können demzufolge in die Wählerlisten nicht eingetragen werden. Wir ralben deshalb dringend an, dafür zu sorgen, daß bei der beregten Abmeldung «in enispiechender Vermerk auf dem betreffenden Melde- formular gemacht werde. ES ist die» von großer Wichtigkeit, umsomehr, alS in diesem Jahre die Neuwahlen zum Abgeord- netenhause und die Ergänzungswahlen für daS ausscheidende Drittel der Stadtverordneten stattfinden werden. Berliner Asylverei« für Obdachlose. Im verflossenen Monat März nächtigten im Männer. Asyle 9218 Personen, davon badeten 1955 Personen, im Frauen-Asyl 1393 Personen, von denen badeten 177 Personen.— Im März vorigen I rhreS nächtigten im Männer-Äsyl 9286 Personen, davon badeten 1919 Personen, und im Franen-Asyle 1638 Personen, von denen badeten 212 Personen. Die Jahre»berichte der Große« Berliner Pferde- Eisenbahn- Gesellschaft haben nicht allein ein finanzielle», sondern auch für Berlin ein wirthschastlicheS Interesse. Die Verlehrsentwickelung auf der Bahn ging mit dem Aufschwung« Hand in Hand, welchen da» Verkehrsleben Berlins genommen hat. DaS N gannen mit W. einen Streit, der bald in Tbätlichkeiten aus- artete. Einer der Männer ergriff sofort ein Meffer und ver> setzte dem W- fünf Messerstiche in den Kopf und den Hals. In blutüberströmtem Zustande ließen fie den W. liegen und gingen ihre? Weges, während W., nachdem er das Blut einigermaßen abgewalchen hatte, direkt nach der Sanitätsmache in der B'üderstraße fuhr, wo er die erste Hilfe fand. Bis jetzt ist es leider nicht gelungen, die Uebelthäter zu ermitteln. Ein Unglücksfall, welcher am 1. Osterfeiertage auf der Berlin— Görliyer Eisenbahn pasfirte und dem ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist, hat eine Familie in tiefe Trauer vrsetzt. Der 4 Jahre alte Knabe Willy Borchardt und der 3V, Jahre alle Hugo Müller, Sohn des TijwlerS Müller(beider Eltern wohnen im Hause Sorauerstr. 22) hatten sich am 1. Feiertage Vormittags aus dem Hause entfernt und waren in kindlicher Einfalt bis auf die Görlitzer Eisenbahn gekommen. An dem Buschwege am Schleffschen Busch bei der Wärterbude Nr. 1 pasfirte kurz nach 12 Uhr MttagS ein Zug. Die Barrieren waren zwar geschloffen, jedoch lief der kleine Hugo Müller unter denselben fort, gerieth unter den Zug und wurde völlig zermalmt. Der kleine Willy Borchardt eilte nun nach Hause und erzählte setner Mutter ganz harmlos:„Hugo ist von der Eisenbahn überfahren; sein Kopf ist ad, aber die Nase bluttt." Frau Borchardt eilte sofort zu den unzlücklichm Eltern u'd machte denselben Mittheilung von der Trauer- bolschaft. Die kleine Leiche ist, da die StaatSanwallschaft über dieselbe verfügt hat, nach der Leichenhalle auf dem Kirchof zu Treptow geschafft. Polizet-Bericht. Am 6. d. M Nachmittags fiel ein acht- jähriger Knabe beim Spielen in der Schlestschenstraße zur Erde und brach dabei das linke Ellenbogengelenk. Er wurde nach Berhanien gebracht.— An demselben Tage Abends wurde ein Mann mit verstümmelten Fuße auf dem Perron deS Görlitzer Bahnhofes außerhalb der Halle liegend aufgefunden. Wie fich herausstellte, ist derselbe von einem kurz vorher in den Bahn- hos einfahrenden Zuge während der vollen Fahrt abgesprungen, hierbei gefallen und mit dem linken Fuß unter die Räder veS Zuges gekommen, so daß ihm derselbe abgefahren wurde. Er wurde nach Bethanien gebracht.— Am 7. d. M früh wurde ein Mann in der Loldinerstraße an einem Zaune erhängt vor- gesunden. Die Leiche wurde nach dem Obdukltonshause geschafft. Am Vormittage deffelben TageS wurde ein 7 Jahre alter Knabe in der Großen Frankfurter straße von einem mit Weiden beladenen Fudrwerk um'.esloß?'' und dabei am Kopf, fo schwer verletzt, daß er nach dem Krankenhause im Frievrrchshain gr- bracht werden mußte.— An demselben Taxe Nachmittags ent- stand in der Bautischlerei von Oeck, Mittrnwalderstraße 17, dadurch Feuer, daß über dem Trockenofen aufgestapelte Bretter, vermuthlich durch die Hitze des Ofens, in B.and geriethen. Die Feuerwehr war über eine Stunde in Thätigkett. Die über der Tischlerei wohnhaften Miether geriethen d�rch den Qualm in Lebensgefahr und mußten durch die Löschmann- schasten erst aus dieser Lage befreit werden.— Um dieselbe Zeit fiel ein Knecht auf der Tempelhofer Chaussee auS Unvorsichtigkeit von seinem mit Dung beladenen Wogen hereb und erlitt dabei so schwere innere Verletzungen, daß er nach der Charrtee gebracht werden mußte. Genckts- Leitung- Würzburg, Anfang April. Vor dem hiefigen Landgericht wurde dieser Tage gegen den BezirkSgerichtSrath a. D., Fasching, wegen Beihilfe zum Wucher verhandelt. Abgesehen von der Seltenheit des Falles, einen richterlichen Beamten auf der Anklagebank zu finden, gewinnt diese Verhandlung bisvnderes Interesse durch die Opfer, welche dem ehrenwerthen Herrn Rath ins Garn gingen. Fasching wurde auS„administrativen Erwägungen" seinerzeit in Ruhestand versetzt, well er noch als akt'ver BezilkSgerichtSratb„Geldgeschäfte" gemacht, deren Qua. litäl sehr fragwürdiger Naiur war.— In Gemeinschaft eines leider geflüchteten Sigmund Effing aus München(f über Mit, inhaber der fallit gegangener. Firma: Eifing u. PoUiy-r) ver- stand es Fasching, die E-sparn'ffe einer alten Jungfer in München bei Kaval-eren und Studenten unterzubringen. Unter den Kunden des Fasching erscheint an erster Stelle Gras Klemens Schenk von Stauff-nberg(Sohn des verstorbenen Präfiventen des bayrischen R-ichsralhs). welcher gegen Ver- fchreibun> von 15,000 Mark baar 10,000 Mark inkl. eiws Emallkästchens(im reellen Werth von 250 Mark und im Anschlage m 1800 Mark) erhielt.— Der vormalige Hauptmann Wiedemann vom 0. Infanterie-Regiment maßte ähnliche Haare lassen. Ter Jr bab-r einer nun in F-ankfurt domizilirenden Fabrik phyfilalijcher Jnstruweute erhielt ein imlliileu Kästchen (Werth 100 Ml.) um 1800 Mk. und baar 3080 Sil, wofür er 5600 Mk. in einem Drei. MonatSwechsel unterzeichnen mußte. Für die Piolongatron zahlte Hartmann an Fasching 100 Mk — Der praktische Arzt Dr Rascher benöthrgte am Schlüsse seiner Unioersttätsstudien 300 Mk.— Fasching, bei welchem er diesen Betrag leihen wollte, erklärte ihm, mir solchen Kleinig- leiten grbe er stch nicht ab, er müsse mebr nehmen. Gegen einen Wechsel von 3000 Mk. erhielt Dr. Rascher 1100 Mark und eine Uhr rm Anschlage zu 500 Mk.(Weich 100 Mark). Von dem Gelde, welches die Münchener Dame dem Effing und durch diesen dem Fasching gab, hat dieselbe keinen Pfennig zurückbekommen, da Eifing die später zurückgezahlter. Darlehen fü fich verwendete uno damit verschwand. Das Urtheil lautet auf vier Monate Gerängniß und drei Jahre Ehrverlust. 43$ tt»_ Iosmles ti»« Arbelterbeweguuq Lehrlingsbehandlung. Wir lesen in einem sächfischen Blatte folgendes:„In recht dedauerli che Situation gerietb dieser Tage ein Oederaner Gerdermetster. Der Lehrling defielben verweigerte unter dem Bocgeden, krark zu fem, die Ärdert. Odschon ver Lehrling zweimal ärztlich untersucht und für gesund befunden wurde, beharrte er den- r.ock bei seiner Weigerung. Der Meister, glaubend, daß der Leh ling eine Krankheit stmulire, machte von dem ihm zustehen- den Züchtigungsrccht- Gebrauch und versetzte dem Burschen einige Hiebe mit einem leichten Rohrstock. In der folgenden Nacht verstarb plötzlich der Lehrling und es wurde ang-nommm, daß der Tod infolge übermäßiger Züchtigu g erfolgt sei. Am Freitag Mittag fand in Gegenwart deS Herrn Staatsanwalts Bernhard durch Herrn BezirkSarzt Dr. Rein« hard und Herrn Dr. Nippold auS Freiberg die Sektion deS Leichnams statt. Das Ergebniß derselben soll dem Vernehmen nach ein den Meister von aller Schuld an dem Tode deS Lehrlings ftcisprechendes gewesen sein."— Daß der Lehr- ling in eine viel bedauerlichere Situation ge- kommen ist, davon steht in der Nottz kein Wort und für den Tod des Leh'lings hat man kein Bedauern. Wir müssen selbstverständlich den fungirenden Aerzten glauben, daß der Tod des Lehrlings keine Folge der Züchtigung war. Aber daß der Lehrling todtlranl war, aiS er die tziebe erhielt, daS ist doch als ficher anzu- nehmen. So leicht stirbt ein junger Bursche nicht plötzlich über Nacht. Mit welchem Rechte aber züchtigt ein Meister seinen Lehrling, der mehrfach hinter einander behauptet und detheuert, daß er krank sei? Und er war todeskrank. Aerztlich war er untersucht und für ges nd befunden worden! Kann ein Arzt sofort ein solches Uriheil abgeben? Wir haben gesehen, daß derselbe stch getäuscht bat— einen Tag vor seinem nicht gewaltsamen Tobe ist kein junger Mensch gesund. Oder hat fich der erste Arzt nicht geläuschl? Dann war ver Tod ein ge- wallsamer, durch die Schläge herbeigeführt— dann aber hätten fich die sezirenden Aerzte getäuscht und ver Meister wäre seiner gereckten Strafe entronnen. Die Sache ist also nicht klar. Die Meister sollen ihre Lebrlinge als Menschen behandeln; das Züchtigungsrecht der Meister ihren Lehrlingen gegenüber müßte unter allen Umständen abgeschafft werden, well unter den deutschen Handwerksmeistern— von einer größeren Zahl anständiger und vernünftiger Männer abgesehen— noch große Rohheit und Brutalität herrscht. Ader wir fragen noch ein- mal: weshalb hat der betreffende Gerbermeister seinem Leh:- ling nicht geglaubt, als dieser wiederholt v-rfickerte, daß er krank sei? In diesem Nicktglauben, ohne eine längere Unter- suchung anzustellen, liegt schon ein großes Stück Rohhett. „Ein schönes Beispiel von Arbeiterfrenndltchkeit hat", so berichten triumphirend die Zeitungen,„die Double- stoff-Fabrik von Jancke u. Komp. in Grünberg i. Echl. ge« geben, indem fie vier Arbeiterin, irn in der Appretur und meh> reren Ardeiterinnen in der Weberei, welche bereits 10 Jahre in der Fabrik beschäftigt find, Gratifikationen von je 30 Marl ausgezahlt hat. Es liegt in der Abstcht der Geschäftsinhaber, auch für die Folge jedem Arbeiter, fobalv er eine lOjährige Thätigkeit In dem Etablissement hinter fich hat, eine gleiche Prämie zu zahlen. Vivat sequens!"— Nun, wir wollen, ehe wir„Vivat sequens!" ausrufen, mindestens abwarten, bis die „Abstckt" zur Watnheit geworden ist. Aber auch bann ist diese Art„Arbeiterfreundlichleit" nicht weit her. Eine Grati- fikation von 30 Marl macht auf 10 Jahre vertheilt für den Arbeitstag genau 1 Pfennig! Aber davon abgesehen, so hat durch derartige geringfügige Gratifikationen der Arbeit- gebet Vortherl, wenn eS ihm gelingt, dadurch einen Arbeiter zehn lange Jahre an fern Etabliffement zu feffeln. Bekanntlich ist eS für jeden Arbeitgrber von großem Interesse, feine Ar- deiter recht lang- zu behalten, wei! fie dann erst die nöthige Routine in der betriffcnden Fabrik erlangen. Dagegen läßt fich natürlich nichts sagen, auch nichts gegen die einzelnen Kunf griffe, um dii-s zu vewerkstelligen, als da find: Arbeiter« Wohnungen und Gratifikationen. Ader albern ist es, bei sol- chen Mai ipalationen von Arbeiterfreundlichkeit zu sprechen— und wenn es nicht albern ist, dann ist es verlogen, um die Aibeiter zu täu'chen und ihnen Sand in die Augen zu streuen. Schutz der nationalen Arbeit. Das„Berliner Fremden- ülatt", welches bekanntlich in Hohen Kreisen gelesen wird, be- klagt fich bitter darüber,.daß in hohen Finanz- und Beamtenkreisen das Geld für den persönlichen Bedarf vielfach inS Ausland fließt, tiovdenr die deutsche Industrie der auS! an nii cken nicht mehr nachstehe.„So haben wir," schreibt das Blatr,„Iriver-u derrtt-ren, daß die Tochter eines hohen Beamirn im preußischen Siaare nnd die Tochter eines deveu- tenden Bankiers ihre ganze Ausstattung tqitlS aus Frankreich, theOS aus ver Schweiz und Belgren bezogen baden, ohne Rücklicht darauf zu nehmen, daß Beive ihren Wohlstand dem Deutschen Reich verdanken. Trägt das ut Hebung der deutschen I vustrie bei? Jst daS dir Unterstützung, welche die Regierung verlangt?"— Uebrrgens können fich diese Lektion auch noch ganz andere Leute merken. Einiges über die L bensdauer verschiedener veruss- arten. Statistische Zusammenstellungen haben ergeben, daß als die gesündeste aller Beichäftigungsarten die Gtirt-rrei bezeichnet werden darf. Unter den Arbeitern auf geistigem Gebiete haben die Geistlichen die längste, die Aerzte die kürzeste Lcbensdauer. Von diesen erreicht kaum ein Drittel das sechs- »igste Lebensjahr Jnterefsant sind auch die Berechnungen über oas durchschnittliche Aster der Männer aus der gelehrten Welt. So erreichen z. B. die Naturforscher und die mrt Naturwiffen- schatten fich Beschäftigenden im Durchschnitt ein Alter von 75 Jahren, wäh u.d die Phstottvberr nur ein solches vo r 70, die Juristen einer von 69, die Philologen aar nu: eines von 66 I ihren erlangen. Schauspielern und Muftkern ist keine allzulange Lebensdauer besckieven, namentlich die Letzteren er- liegen sehr härfiz einem Nerv nieiden. Diese Erscheinung er- klärt flch davurch, daß die Mufik durm das Obr auf Gehirn und Rück-nma k einw'kt, und dies um io d- deutender, je mehr das N.roetnyu.m du ch veifmrevei e auße e und inner» Momente erregt wurde. Auffallend st die Wabrnebmung, daß 26 Prozent der B er drauer und 23 Prozent der Bäcker an Oer Aus- zehruna zu 0, runde g'hen. Für Schneider! Hie-m t zur Nachricht, daß der Streik der Schneider in Zeitz noch fortdauert und scheint derselbe noü größeren Umfang anzunehmen. Wie schon Manchen bekannt ist, wird dort für einen schwarzen Tuchrock 7 Mark 50 Pf. bezahlt. demnach braucht man die übrigen Stücke nicht auseinan- der setzen, und wird jeder Kolleg« einsehen, daß dieser Streik anerkannt werden muß. Noch schlimmer ist ti jedoch, daß die Meister in Zeitz einen Bund gegründet und festgesetzt haben, daß Jeder mit 50 Mark Strafe belegt wird, der einen Arbeiter beschäftigt, welcher einem Fachoerein angehört. Deshalb Kalle- gen ist es doppelte Pflicht, unsere Zeitz«: Kollegen zu unter- stützen, um zu zeigen, was unsere O ganisatron hilft, denn dieser Sieg gilt für uns alle. Listen find noch zu entnehmen bei dem Vorstand des Fach- oereins, Römerst-aße 7. II, Für Tischler! Der Streik in der Andre'schen Möbelfabrik zu K rierslautern ist beendet und zwar zu Gunsten der Arbeiter- Die Forderungen der Arbeiter find iämmtlich geneh- migt, ebenso ist die Lohniedultion von 10 Prozent zurückgenommen. Die Arbeitszeit dauert jetzt von Morgens 7— 12 Uhr und Nachmittags V,2~7 Uhr.— Arn Sonntag hatten wir eine große öffentliche Schreineroersammlung, in welch-r Herr Verbands-Vorsteher K. Kloß kurz über den Streik in ver Andre'schen Möbelfabrik referirte. Hernach hielt Herr Kloß noch einen Vortrag über Zweck und Ziele der Fachvereine, welcher die Anwesenden ganz begeisterte und Herrn Kloß großen Beifall zutrug. Zur Gründung eines FackvereinS wurde so- fort geschritten und es haben stch bereits ca. 200 Mann einzeichnen lassen. Hof, 6. April. Die hiefigen Maurer und Steinhauer be- abfichlrgen, fich der zenttalifirten Krankenlaffe„Grundstein zur Einigkeit" anzuschließen, sowie auch einen Fachoerein ins Leben zu rufen und ersuchen ihre auswärtigen Kollegen, ihnen dabei mit Uebersendung von Statuten und Rothschlägen an die Hand zu gehen.— In der hiefigen Zellulosefabrrl bat der Werk- meister vorige Woche wieder verschiedene jugendliche A bester mit Prügeln traktirt. Es ist Zeit, daß einmal diesem Unfug beböcvlich ein Ende gemacht wird. Mehrere Vormünder der geschlagenen Kinder haben Klage gestellt.— Ja der„Neuen Baumwollenspinnerei" werden Aroeiie�, welche zu einem Be- gräbniß grhen wollen und dazu um E.laudmß n-cksuchen, ab« gewiesen mit der hübschen Bemerkung: auf ver Gaffe laufen genug Kerls herum.— Solche, welche trotzdem, um einem Be- gräbniffe beizuwohnen, einige Stunden feblen, werden um 1 Ma-k(!) gestraft! O„Freiheit" der Lobnarbetler! London. 5. April. Während alle Industriezweige dar- niedeilregen und man fast von nichts als Loknh-radsrtzungen, Streiks und äbrlrchen Kämpfen zwischen Arderlgebern und Arbeitnehmern hört, während in Aorkshire 30000 Grudenarbeiter mit einem Streik drohen und in Glasgow mehrere Tau» send Schiffjzimmerlerleute, Maschinenbauarbester u f. w. die Arbeit eingestellt haben, kommt aus Sheffield die Nachricht, daß die bei den Herren William Cook u Co. in der TinSley Siahl-, Eisen- und Drahlfabrik belchäfrigten Aibeiter. mehrere Taufend an ver Zahl, in Anbenackl der Sckw errgkeilen, unter welchen die Fabrik bei dem jetzigen schlechten Geschäf.Sgange und den noch schlechteren P eilen im Gang geHallen wird, ihren Brotherren angeboten haben, eine Woche für fie unent- gelrlich zu arbeiten. Die Offerte ist um so anerkennenswerther, als die Arbeiter derests ichon sett längerer Zat„sbort Urne" machten, d. h. nur vier Tage die Woche arbeiteten, so daß ihr Verdienst um ein Drittel revuzirl wurde. Kleine Mittheilungin. Innsbruck, 1. April. Eine 21jährige Bauersfrau in Werms bei Jmst brachte ihrem 37jährtgen Manne, mit dem ste erst feit November vorigen Jahres oerberrathet ist, wie es heißt, 36mal sogenanntes Fliegengrft bei, um ihn aus der Welt zu schaffen. Der Mann kränkelte in Folge drssen und wurde von seiner Gattin nach dem Gnadenorte Strengen zu einem Mi- raketbilve entsendet, um dost Hilfe zu fi iden. Als Wegzehrung gab ste ihm wieder eine vergiftete Speise mit. Als er sehr un- wohl nach Hause zurückkehrie, bereitete ste ihm einen Kaffee, vergiftete denselben neuerdings und erreichte mrt dem fieben- unddreißigsten Vergiftungsversuche am 24. März ihr Ziel. Die Mörderin ist verhaftet. Bockenheim, 7. April. Die beiden Söhne des Orkono- men Will auf dem Echönhof fochten gestern scherzend mit Meffern. Dabei traf der jüngere, etwas über 13 Iah e alte Bruder den 17 jäh' igen mir nem Messer so unglückrrch in die Brust, daß vas Her, durchbohr r wurde und augenblicklich der Tod eintrat. Der Thäter hat nur ein Auge; das andere bat ! er im vorigen Jabre durch ein abjp itzenves Zünvhülchen oer- ' loten. Die Familie feierte die Konfi mation d-r Tochter. 1 Klasse 172. König!. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 8 April 1885, Hut die Gewinne über KU War! sind den detreffeudeu Nummern In Parenthese beigefsigt. «Ohne Gewähr.) aarnrn###™ «013(91 r Äwa?«5« KAM,%'»%%%%% ff AS« 8 81 Sic 17 2:. 67 91 630 64 703 34 61 69 K45 63 941 5078 80 91 165 70 224 84 61 82 804[90] 39[90] 62 494 546 71 19: -------------------------— r- pg 635 615 zu 79 703 687 47 65 869 968 97«020 60 279 331 83 431 65 804 30 65 58 929 47 71 88 7001 14 26 68 19"] 70 19ü[90t 274 76 325 39 96 470(120] 79 83 660 600[120] 719 55 73 815 33 74 8068 147 228 S S M a«iW W Nl 62 Ula«)2 Vm1 44* 326��3['901 54 630 56 602 786 813 41 917- 6 1108.' 144 277 34) 426 44 97 694 703 9 118(6 57[90] 828 98 924[9 I 34 96 12019 90 101 14 215 34[180] 64 66 386 98 433 45 46 99(90) 583 637 720 83 817 31 58 1 3025 37 47 66 133 212 316 78(90] 611 767 826 H20' 62 900 94 1 4006 28 67 65[150] 282 94 470 84 92 566[90] 76 763 2 ,5029 191 369 79 457 556[150] 624 723 78 812 66 961 I«123 76[150] 227 81 307 18 466 iSuOO]>6 661 614 37(90) 62 736 876 918 171168 104 32 52 63 285 399 661 97 678 781 860 70 913 1*034 90 203 77 390[901 425 37 63 69 60 558 1120]«09 56 700 10[90] 33 830 V89 I»082 152 56 202 68 60[901 74 391 406 65 70 534 45 608 83 1 63 954 4,8)14 26 61 71 131 36 64 358 97 617 600 37 50 85 791 97 845 70 921 22 30 81«1035 67 157[2001 216 34 72 312 21 33 36 4) M' 47 92 466 523[90] 55 59 94 666 89 704 892 901 23[90] 29««018 120[1--0! 216 28 35 39 61(16] 362 59 480(90] 517 18 79 613 35 73 88 716 60 838 79[300] 905 33 69 71 95«3009 11 150 19'] 206(901 86 364 82 425 622 47 665 87 780 1120] 89 838 916 81 89« 4022 38 42 81 212 63 71[90] 464 60 602 37 90[1201 92 676 775 87 91 11501 846 «5049(90] 91 133 30 44 70 227 44 66[180] 75 301 66 408 24 501 4 36[120] 70 6'7 83 721 98[120] 828 31 92 916 19 57««025 27 36 «4 99 153 89 249 86 93 317 39 90 413 43 49 603 19 57 84 91 98 600 l9ol 6 13 37 787 822[150]«7003 61 68 1(4 96 321 35 90 670 614 63(90l 702 9 25(36001 60 62 57 94 804 67 83 95 968 28105 18 32 39 66 93 K M Ä fÄ,« 3%%% S% 6* 0 78 735 87 968 »nK W.W3M 88�8� mgg M 435 588 610 17 62 81 89 706 190] 800 84 94) 34007 48 178 246 59 371 444(1201 501 17[16oJ 48 78 682 793 816(120] 37 65 916 35027 46 68 76 89 94 110 60 68 88 314 40 60 409[Wl 66 53096 640 42 81[120] 702 21 806 906 12 16 26 51 68 65 3 0014 27 71 102 58 262 814[120] 24 37 54 81 90 419 62 70 560[120] 94 601 13 29 779 846 967 98 37044(1801 143 76 79 206 12 65 88 321(36001 480[90] 574[1501 646 79 715 60 906 31 48 56 38040 77 86 123 37 92 218 SO 60 61 340 97 402[120] 28 537 694 801 3 66[90] 923 3 9025 89 60 59 98 214 27 errnisi 394 416 70 84 99[120] 512 34 600 740 62 72 75 846 61[90] 86 4U012 44 134 52[120] 74 93 221 308 66(901 430[90] 33 69 76 566 67 70[901 614 751[90] 916 41101 211 48 65 66 68 301 61 92 448 78 600[901 9 769 65 846 74 903 37 40 4*001 125 32 70 202 8 32 67 69 348 9*4 MWWW»---------------------------------- 76 78 r 44061 814 SS 51 86 98[90] 966 45158 74 83 263 74 79 89 310 412 21[90] 23 28 42 88 512 648 60 75 763 84 91 891[901 98[90] 971 43003 179 81 201 17 319 60 60 68 97[120] 416 72 511 33 SO 69 72 77 89 636 40 862 75 944 73 81 88 47030 192 243(120, 71 313 401 61 isi) 507[90] 709 43 94 882 90 9,7 71 f 86 48022[90] 71 83 174[90] 255 71 373 84 443 68[90] 79 597 607 61 1 766 804 49033 55 136 225 91 346 435 44 54 55 528 93 613 17[90] 41 66 96 707 62 846 81 940 62 5«238 87 402 530 623 84 744 818[9(6 87 930(120) 57 90 5 1 016 I [90] 96 107 87[90] 66 98 215 7» 356 190] 64 485[9(6 513 30 89 606 15 l 42 786[120] 87 928 46 77 5«056 90 117 1120] 39 1901 72 348 63 66 481| 500 22 39 92(120] 650 97 712 69(2001 89 91[120] H16 60 933 46 67 80 f 96«3031 138[150] 210 21 27 55 366 450 68 73 565 667 715 25 47 l>7| 62 66(901 847 939 54000 8[90] 97 133 41 50 55 76 287 569 93[90] 1 614 807 9> »5(34 78»4 123 44 91 213 15 305 417 29 45 46 607 16 627 40 53| 830 53 66 83 84 88 982 190] 560 9 89 54 117 85 227 78 85 93 351 423 53( 50] 61 70 545 190] 661 712 16 34 79 86[90] 810 36 69 87 954 96 9» 55 003 130[90] 74 256 310 12 65 469[120] 86 97 646 49[901 634 80 I 743(90) 73 810 27[90) 49 80 933 6u[1201 66 81 89 58007 23 32 43 100 35 311 68[901 469 591 611 26 60[901 62 68 723 33 53 859 913 20 5«004[90] 7 119 320 96 413 48 54 79 508 647 66 72 742 56 892 91« ««116[90] 66[901 76 230 346 516'4[90] 98 6o4 32 61 70»1 703 I 11 28 32 87«1035 74 88 244 94[90] 99 314[90] 21 67 460 71 586 609 i 22 83 756 823 40 46 71 9' 6 56 74««045 100 96 226 47[15001 73 81! 351 70 4 2(90) 522 606 37 702 51(120) 873 92 983 03, 49(150' I 228 78 80 410 18 70[90] 86 536 66 67 79 80 675 94 726 42 56 190] 81 88 802 3 51 973 44014 32 43[180] 106 8:1 225 39 41 69 310 403 15 44 15 53 150) 66 190] 509! 9 686 742 51 74 78 818[90] 49 901 5 50 «5019 94 194 211 68 77 302 17 80|90| 408 39 504 1150) 23 96 627 763!'5 96 816[120] 900««006 78 108[90] 29 92 251 85 356 59[12H 403 23 572 627 82 715 37 67 822 92 918 61«7001 6 63 79 108 25 200 12 79 331[90] 33 76 85 89 452 53 5Ö3 9t 860 52 57 88 960 87 7«034 60 66 76 190] 167 344 81 97(120] 439 80 90 618 28 804 3? 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Druck und Verlag von Max vadiu« i» Berlin SW* Beuthttraße 2. Hissirn eure Scilai» Beilage mm Berliner Bolksblatt. Nr. 82. Donnerstag den 9 April 1885. Q. Jadrgan» Ein Binnenmeer in Nordafrika. Bekanntlich deslcht der Plan, die in Algerien und Tu- Nisten befindlichen Echoits in ein Binnenmeer umzuwandeln und mit dem Mittelländischen Meer in Verbindung zu setzen. Die„Deutsche Revue" bnngt in ihrem Aprilhkst über diese Idee einen Brief von F v. Leffeps an den Chesrevalteur deS BlatteS, der wie folgt lautet: Paris, 23. Februar 1885. 9, Rue CharraS. Geehrter Herr! Auf Ihren, in dem Schreiben vom 31. Januar d. I. aus» aesprochrnen Wunsch erlaube ich mir, Ihnen folgendes über das Piojekt der Herstellung eines Binnenmeeres in Afrika mitzutbeilen. Seit dem Jahre 1873 machte der damals mit der Vermtffuna des Meridians von Biskra beauftragte Inge- nieur-Kapitän Rouvaire praktische Studien im Hinblick auf den Plan, die Gewässer drs Mittelländischen MeereS durch einen schiffbaren, vom Meere ausgehenden Kanal in die algerischen und tunestschen Schotts zu leiten. Diese Schotts find Boden» senkungcn, welche heutigen Tage trocken liegen. Sic erstrecken stch von Westen nach Osten zwischen Biskra und dem Golf von Gab-s, 50 K lometer nach Noiden von ihrer äußer» sten Grenzlinie. Am Golf von Gabes' hebt stch das Terrain, um die Küste deS Mittelländischen Meeres zu bilden. Die drei bideutendsten dieser Schotts find: der Schott Melrir(in Algerien), der Schott Rharsa(theils in Algerien, theils in Tunesien) und der Schott El-Djerid(in Tunesien), der nur durch einen schmalen Erdstrich von dem Golf von GabeS ge- trennt ist. Nachdem man mit Hilfe der Subvention, welche die fran- zöfische National- Versammlung auf Anregung der Depultrten Paul Bert und Georges Perin votirte, drei wissenschaftliche Expeditionen ausgerüstet halte, wurde durch dieselben festgestellt» daß der Schott El'Djeriv nicht unter, sondern an manchen Stellen bis über 20 Meter über dem Niveau deS Mittel» meereS liegt. Die Feststellung dieser Thatsachc modifizirte in gewiffer Hinficht den ursprünglichen Plan, indem fie das Jnunvationsgebiet auf 8200 Qu.» Kilometer beschränkte(eine Fläche, welche 14 bis 15 Mal größer ist als der Genfer See), und indem fie zur Anlegung eines Kanals durch den Schott Djerid führte. Dabei erlangten die Ervlorateure die Gewißheit, daß die feste Erdkruste, welche die Oberfläch« dieses Schotts dUdet, bedeutende Mafien von Waffer mrd flüssigem Schlamm bedeckt. Man ist der Ueberzeuzung, eine Ver» bindung dieses Bassins mit dem tiefer liegenden Schott Rharsa müffe eine Bodensenkung zur Folge haben, durch welche wiederum ein neues JnundationSterrain geschaffen werden würde. Im Mär, 1883 begab ich mich mit einer Delegation der hervorragendsten französischen Unternehmer öffentlicher Bauten an Ort und Stelle, und wir gewannen die Ueder» zeugung, daß es nur unbedeutender, angemessener Abänderungen des ersten Entwurfes bedürfe, um auf verhäitnißmäßig leichte Art und mit geringem Kostenaufwande die Realifirung deS Projektes zu ermöglichen. In diesem Sinne verfaßte und ver» öffentlichte die Kommission einen detaillirten Bericht, sobald fie nach'- Biskra zurückgekehrt war. Unter Mitwirkung einiger Freunde habe ich darauf eine Gesellschaft von Aktionären ge- gründet, deren Zeichnungen die Vorarbeiten decken und die Konstituiiung der Gesellschaft anbahnen sollen, welche sodann daS Werk selbst in Angriff zu nehmen hätte. Im Namen dieser Gesellschaft habe ich bei der französischen und tunestschen Regierung um eine Konzesston nachgesucht, durch welche der» selben sowohl das Recht der Fischerei, der Schifffahrl und des Transits, als auch das der Ausbildung von Salinen an dem projektirten Meere ertheilt werden soll. Auch ist in dieser Konzesston daS Recht auf die AuSb.utung einer Terrainzone von ungesähr zwei Millionen Hektar Landes zu beiden Seiten des Kanals und deS künstigen MeereS mit inbegriffen, sowie daS Recht der Nutzung aller Forsten und Bergwerke im AureS» gebirge. Als cineS der wichtigsten Resultale der Schaffung dieses Binnenmeeres wird sich in erster Linie die Befruchtung deS Ervniches herausstellen. Durch Verdunstung wird das Meer der Luft bedeutende Feuchtigkeit zuführen, welche die Frucht» barkeit deS ursprünglich weichen Bodens befördern muß, dem es bisher nur an dem nöihigen Waffer fehlte. Aber auch die Hanv-l.beziehung-n mit vcm Innere, von Afrika dürflen durch daS projrktirte Meer eine bedeutende Erleichterung erfahren. »achdruck verboten.� 134 IeuMelon. G e s n ch t nnd gefnnden. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) Da« Zimmer war warm, die Situation behaglich— kein Wunder, daß sich bald die Unterhaltung belebte, und daß auch Segal's melancholisch« Schweigsamkeit, soweit eS da« Naturell diese« echt schottischen Jäger« irgend zuließ, sich bald in größere Mittheilsamkeit umwandelte. „Sie haben also die Hexe in diesem Jahre noch nicht bemerkt?" fragte Fritz, als da« Gespräch durch Segalauf diesen Gegenstand geleitet wurde. „Sie ist roch nicht m diesen Gegenden I" erklärte Segal entschieden;„und doch möchte ich wetten, daß sich schon morgen und übermorgen ihre Spur findet." „Woher vermuthen Sie da«?" „O, ich wußte e« schon vor einigen Tagen. Sehen Sie, um diese Jahreszeit jagt der Giaf regelmäßig. Zuerst aber, wenn seine Krankheit im Anzüge ist, kürzt er die Jagden ab; man sieht e« ihm an, daß er nicht mehr mit Lust bei der Sache ist, wie sonst. Oft steht er nachdentend und starrt in« Weite. E« kann der schönste Eber an ihm vorüberlaufen, ohne daß er da« Wild bemerkt." „Diese Unlust zur Jagd, diese Zerstreuung ist bi» heute geblieben?" fragte Fritz, der dem Jäger aufmerksam zu» gehört hatte. „Hente ist der Graf gar nicht zur Jagd gegangen," antwortete Segal.„Alle« war in Bereitschaft zum Auf» "such, da»heilte mir d,r Zwerg mit, daß der Gras heute Nicht jage» werde; die Pferde mußten in den Stall zurück» gebracht, die Hunde an die Ketten gelegt und die Gewehre an den Nagel gehängt werden. E« wird diese« Jahr nicht beff« sein, al« die früheren Jahre." Mit diesen trostlosen Worten schloß Segal seinen Bericht. „Jedenfalls ist e« gut," nahm Habicht da« Wort,„daß Du diese« Jahr hier bist, ehe die Krankheit so eigenilich zum Auabruch kommt; Du kannst sie diesmal vom Anfange Die Ansiedelungen an den neuen Uf rn werden den aioßen Märkten der Sahara und des zentraler! und östücben Sudan weit näher liegen, als die Seeküste von Tripolis und Marokko; die Karawanen der Eingeborenen werden stch daher unzweifel- Haft diesrn Ansiedelungen zuwenden. Endlich wird die Jnun» dation der ScKottS der Handels- und Kriegsmarine nicbt allein Schutz, sondern auch eine vorzügliche Rhede mit schlammigem Ankergrunde und einer Tiefe von 20 bis 30 Meter gewähren. Augenblicklich beabsichtigt die Gesellschaft der Aktionäre die Ansage eines Hafens an der Küste der Bai von Gabes, wo der kleine Fluß Queel Meloh sich in dieselbe ergießt. Dort soll auch der die Schotis durchschneidenee Kanal seinen Anfang nehmen, sobald die Anlegung deS» selben definitiv beschlossen sein wird. Der Hasen ist für die Schifffahrt ganz unentbehrlich; Venn trotzdem das Mittel» ländische Meer seit der Eröffnung deS Kanals von Suez die große BerkehrSstraße zwischen dem Westen und Osten der ganzen Welt gewrnden ist, bietet es dem Seefahrer doch auf der afrikanischen Küste«wischen Gibraltar und Port-Said nur die beiden Häfen von Algier und Alexandrien. Und in den letztern können Schiffe zur Nachtzeit nicht einlaufen- Durch den Bau zweier Hafendämme und durch leicht zu beweik» stelligende Baggeruagen wird man zu Queel Melah eine vor» zügliche Rhede von zehn bis zwölf Meter Tiefe herstellen können. Die bei diesem Unternehmen engagirten Kapilalten werden ihre Verzinsung theils vmch Ausnutzung des BodenS und die Holzveitäufe finden, welche zur Konstiuktion der stch naturgemäß am Hafen bildenden Stadt erforderlich fein werden, tbeil« durch den Zoll, der den Schiffen auferlegt werden muß, sowie durch daS Recht zur Heibeischaffung vonWaaren k. In Zukunft zieht der Hafen von Queel Mekh unzweifelhaft den Handel an stch, der durch das Binnenmeer ins Leben gerufen werden wird. Nach dem Tode deS Hauptmannes Rouvaire wurde seine Arbeit und seine Misston von einem Freunde, dem Major Landa«, aufgenommen. Major Landas, welcher Lehrer der Topographie an der Atilitärschule von St. Cyr ist, erhielt zu diesem Zwecke die Erlaubniß des KriegSministeitums sowie die nötbigen Vollmachten. Am 9. Februar d. I. ist Major Landa« in Begleitung mehrerer Ingenieure und Hydrographen über Marseile nach GabeS gegangen, um an Ort und Stelle das endgiltige Programm zu entwerfen und die Baukosten-An» schlage für die Arbeiten festzustellen, welche nach der Bewilli- gung durch eine Versammlung der Aktionäre sofort begonnen werden sollen. Genehmigen Sie, verehrter Herr, die Verficherung meiner vorzüglichsten Hochachtung. Der Prästdent Ferdinand v. Lesseps. IntUiBcke UebersirKt. Der über Bielefeld verhängte Belagerungszustand wurde gestern aufgehoben. Dad Garniionskommando hatte bereits Tags zuvor die Aufhebung böhercn Orts beantragt. Der fromme„Reichsbote", bekanntlich Organ deS Herrn Stöcker, versucht in seiner letzten Nummer, dm Führern des Streik« noch eins auszuwischen, indem er dieselben als„iyravmfirende Hetzer" hinstellt. Nach allen bis jetzl eingetroffenen Berichten wird Niemand den am Streik Bctheiligten den Borwuif machen können, daß sie stch provokatorisch benommen hätten und stcher» lich ist daS ruhige und geseymäßige Verhalten ein Umstand, der außer zu Gunsten der gesammten Streikenden ganz beson» ders zu Gunsten der sogenannten Führer spricht. Wie da« genannte Blatt also zu einer derartig gehäsfigen Anschuldigung kommen kann, ist unerfindlich. Der fromme Reichsbote würde besser thun, wenn er stch um seine Freunde kümmerte, die vor einigen Tagen auf dem Spandauer Bock sich wie Tollhäusler geberdeten, die Bielefelder Ardeiter werden fich ficherlich an- ständiger bewegt haben. Zur Bismarckspende. An hervorragender Stelle dringt die„Noidv. Allg. Zlg." folgendes Dankschreiben ves Reichs- kanzierS:„Nachdem ich den Besitz deS vollen ehrmaligen Erbe« meiner Väter hier in Echönhauicn habe antreten können, drängt es mich, allen Denen, welche dazu mitgewirkt haben, daß dieser seit vielen Jahren von mir gehegte Wunsch erfüllt wurde, nochmals von Herzen zu danken. Schönhausen, den 7. April 1835. von Bismarck." In Betreff der Behandlung von Reis als Krieg«» kontrebande richtete die Kieler Handelskammer vor einiger an beobachten, und so wirst Du vielleicht leichter dahinter kommen, al« wenn Du die Symptome nur durch unsere Erzählungen erfährst." „Ich bleibe dabei," meinte Segel,„daß dem Grafen nicht ander« geholfen werden kann, al«»enn man ihn zwingt, täglich zu jagen wie immer." „Thorheit!" fiel Habicht ärgerlich ein.„Die schwarze Hexe ist schuld daran, darauf schöre ich." „Die schwarze Hexe ist ja noch gar nicht hier!" „Ob die schwarze Hexe, wie ihr die alte Bettlerin nennt, sie sich hier um diese Jahreszeit umhertreibt, schuld an der Krankheit de« Grafen ist oder nicbt, da« werden wir diesmal ganz, genau erfahren..... Segal, ich lege Ihnen an'« Herz, daß Sie eifrig spähen, auch in weiterer Umgebung de» Schlosse», ob sich eine Spur der Alten zeigt. Bei dem ersten Erscheinen derselben geben Sie mir Nach- richt, ich werde inzwischen den Grafen beobachten. Tritt seine Krankheit ein. bevor die Alte sich zeigt, so wissen wir, daß da« Zusammentreffen bisher nur ein zufällige« ge» wesen, daß die Krankheit«»t dem Erscheinen der Alten keinen Zusammenhang hat; kommt sie aber zugleich mit der Annäherung der Hexe, so ist der Zusammenhang ganz un» zweifelhaft." „Der Zusammenhang ist unzweifelhaft, Fritz," erklärte Habicht.„Man sieht ei ja schon deutlich daraus, daß die Krankheit sich verschlimmert, je näher die Hexe dem Schlosse kommt, und daß sie verschwindet, wenn die Hexe ver- schwinvet." „Da« macht die Sache wahrscheinlich; ich aber muß vor allen Dingen Gewißheit haben, und habe ich erst Gewißheit, dann müssen wir, trotz de« bestimmten Befehl« de« Grafen, der Hexe nichts zu Leide zu thun, sie doch er« greifen." „Da« geht nicht," erwiderte Segal in einem fast angst- lichen Tone.„Der Graf verbietet jede Verfolgung der Alten, ja, er will nicht einmal, daß ihr irgend ein Hmder- niß in den Weg gelegt werde, sich dem Schlosse zu nähern." „Vielleicht nicht« al« eine Folge seiner Krankheit," sagte Fritz,„und in diesem Falle habe ich al« der Arzt, voa Zeit eine Eingabe an den Reichskanzler, in welcher»arauf hin» gewiesen winde, duß durch d-n betreffenden Ei.'aß der sian» zöstichen Regierung die deutsche RheZeiei wesinUio geschädigt würde. Der Kammer ist nun folgende Aniwort zugegangen: „Auf die Voistellung vom 1. M. erwidere ich der Handel«» kammrr, daß vre nechlheiligc Rückwilkung, welche die Behand» jung van Reis als Kriegslont« bände für unsere Handels- und Schissfahrts«Interessen haben kann, unS nicht die Berechtigung verleiht, einer an stch erlaubten Maßregel fremder Kriegfühiung entgegenzutreten. Jeder Krieg ist eine Kalamität, weiche nicht nur für die Kriegführenden, sondern auch für die Neutralen Uebel im Gefolge hat. Diese Uebel können durch das Ein« greifen einer neutralen Macht in die Kriegführung Dritter sehr leicht eine Steigerung zum Nachiheile drrU-nerrhanrn der ein» greifenden Macht erfabren, und es kann auf diesem Wege dem veutschen Handel größerer Schaden zugefügt werden, als der einer vorübergehenden Behinderung des Reishandkls in den chinestschen Gewäffern. Die in Rede stehende Maßregel be» zweckt Vre Abkürzung des Krieges durch Eischw-rung der fcind» lichen Verpflegung und ist ern berechtigtes Mittel der K.i-g» führung. wenn ste gleichmäßig gegen alle neutralen Schiffe zur Durchführung kommt. Der Reichekanzler v. Bismarck" Deutschland hat mit der Kongogesellschaft folgenden Vertrag abgeschlossen: Arukel 1. Dre internalronaie G s ll« schalt des Ko�go verpflichtet stch, in ihren gegenwärtigen und zukünftigen Besttzungen in dem Becken de» Kongo und ve« Nradir-Kwllu-FlaffeS, sowie in den angrenzenden Küsten- ländern des Atlantischen Ozeans von den eingehenden oder durchgehenden Maaren und Handelsartikeln keinerlei Zölle zu erheben. Diese Zollfteiheit erstreckr fich tndesondere auf die» jenigen Maaren oder Handelsartikel, welche auf den um dle Kongo-Katarakte gebauten Straßen befördert werden. Artikel 2. Die Angehörigen des deutschen Reichs sollen befugt setn, sich in dem Gebiete der Gesellschaft aufmhalien und ni-derzulassen. Dieselben sollen hinfichtl-ch d s Schutzes ihrer Person und ihres EigenthumS. der freien Ausübr-ng ihrer Religion, der Verfolgung und Veitheidigung ihrer R-chte, sowie in Bezug auf Schifffahrt, Handel und Geweibedetrieb den Angebö igen der meistbegünstigten Nation einschließlich der Inländer, gleichgestellt sein. Insbesondere sollen die da» R cht haben, in drm Gebiete der Gesellschaft belegene Grundstücke und Gebäude zu kaufen, zu verlausen und zu vermielhen, Handelshäuser zu errichten und daselbst Handel, sowie die Küstenschifffahrt unter deutscher Flagge zu treiben. Artikel 3. Die Gesellschaft verpflichtet stch, d-n An» gehörigen einer anderen Nation, niemals einen Vortveil zu ge« währen, der nicht zugleich auch auf die Angehörigen de« Deutschen Reiches erstreckt würde. Artikel 4. Bei Abtretung deS gegenwärtigen oder zukünftigen Gebietes der Getellsch.ft oder eines Theiles derselben gehen alle von der Gks Wange und Nase hin und diese wilb Herr Paul a's unauSlüswti>che« Elinneiunzisteichen an das Polener Atter tat mir inS Grad nehmen. J.tzt erst dab n wir'lsabren, welche leichte Bthantlung dieser gaü setiens der Bah Verwaltung und anderer Elaalso-gane erfubr. Man bedenke, daß>s fich um einen Raubunsall auf der E s.mdahn bancerr, daß derselbe im Koa.p� eines.tturierzuges auf der Bad? st'cke Berlin. Warschau mit einer Mo d uoffe uuegesührt rlUide. Und was geschab, als ver dlutüberst.ömte Paff igier auf d r nächsten St tion ankam und sofort eme Unter uwung ver la gte? Tie Eisen bahn deamten deband> Iten die Ausl agen des Vervienst; ein Zufall, dessen Walten ich freilich noch nicht zu beurtherien vermag, hat diesen Erfolg hervorge» bracht." „Und d ch, Herr Doktor", antwortete Agathe mit einem milden Lächeln,„ist(8 mir ein Trost, Sie rn meiner Nähe zu wissen... Ich weiß nicht, von walchem Zulall Sie Ipiechen, nur dat weiß ich, daß ich ganz die Za- verficht Jores grtunnes Habicht theile, daß, wenn über- taupl Hilfe möglich ist, wir dieselbe von Ihnen zu erwarten haben" »Ich sage nicht, gnädige Komtesse, daß Hilfe überhaupt unmögilch ist." versetzte giitz sthr ernst, indem er auf die Gräfin wieder jenen forschenden Blick richtete, ds erster Klaffe auf und stott-rte einige Entschuldigungen. Vermuthungen Raum, hören Sie nicht auf Gerüchte, ver- iolgen Sie nickt diese Spur.... Es ist ein Jrrihum! Ick beschwöre Sie, Herr Doktor, daß Sie nicht nack vieler R chtung hm forschen.... O, mein armer, unglücklicher Vater!" „A so das ist der Sitz des Geheimnisses," dachte Fritz. Von Neuem war er überzeugt, daß es unumgänglich nothwendig sei, diese« Geheimniß zu enthüllen, wenn er hnr helfen sollte, und überall, wo er dieses Geheimnrß be« rühite, auch nur andeutete, erfuhr er den heftigsten Wider« spruch� Er mußte fich von der Unmöglichkeit überzeugen, hier mehr zu erfahren Emen Augenblick stand er rathloi da. Es war jetzt klar, Toby und die Gräfin Agathe wußten Beide um das Geheimnin, Beide aber wü den ihm nicht« mittheilen; er war auf sich allein angewiesen. Der Gedanke machte ihn muthloS. W'e sollte er allein, ohne auch nur eine Andeutung zu erbaiten- das Geheimniß ergründen? Er verabschiedete sich von der Gräsin, indem er die Hoffnung am sprach, daß in diesem Jahre vielleicht die Krankbeit gar nicht zum Autbruch komme, und den Wunsch aui erte, daß. wenn eS gefchäq«, die Krankheit wiederum einen glückirchen Verlauf nehme, wie in den vorigen Jrqren. Sie schüttelte tramig den Kopf. „Wenn mein Vater nicht geheilt, nicht ganz geheilt wird," sagte sie,„dann ist eS sein Tod... das weiß ich — und auch der mernige." Der Gras hatte sich gegen seine Gewohnheit noch nicht von s.»em Lag-r erhoben Mit Tagesanbruch war er sonst schon angelleidet und zur Jagd bereit. ES war sehr avssalllu, daß er heute noch nicht aufgestanden war. Der Kammerdiener, welcher den Besuch Fritz Rod-nburgs mel- dete, kam zurück mit dem Bescherde, daß ihn der Graf erwarte. Graf Fergui saß in seinem Bette ausgerichtet, den Kopf in dre Hand gestützt. Er war eine straffe, kräftige So konnte der Herr Lieutenant wenigstens nach Magdeburg zurückkehren. Den deraubten Zivilisten hatte man ohne Er» barmen in Börsum fitzen lasten. Geschähen solche Geschichten auf msstlchen oder italienischen Bahnen, so würde man über russische Zustände oder italienisches Räuberwesen spotten, aber diese Dinge ereigneten fich wemge Meilen von Berlin und darum sollten ste vom Publikum und den Behörden sehr ernst genommen werden. Ueber eine Aufsehe« erregende Affaire, die in einem hiestgen Hotel pasfirl sein soll, weiß der„B. B-K." folzenoes zu erzählen:„Der Freiherr S-, einer der größten Grundbe« fitzer Preußens, ein junger Mann, deffen Revenuen eine viertel Million betragen wögen, liebt es, die Göttin des Glücks auf die Probe zu stellen, und der Klub, dem er angehört, bietet ihm hierzu die erwünschte G'legenbeit. Allein sei eS, daß er und seine Partner, drei Persönlichkeiten aus verschiedenen Kreisen der Gesellschaft, stch durch die strengen Klubregcln geniit fühlten, sei es, daß fie Freunde der Einsamkeil find, fie zogen ei vor, eines Tages ihr M cao in einem hiestgen Hotel zuspielen und zwar mit solchem Erfolg, daß, nachdem die„drei letzten� angesagt und erledigt waren, das Schuldkonto des Freiherr« aas nahe an 800000 Mark angewachsen war. Natüiltch hat auch ein großer Herr nicht immer eine Million in der Brust» tasche und daher werden augenblicklich Verhandlungen wegen der Regulirung der Schuldsumme gepflogen, die einen defriedi- genden Verlauf versprechen." Diese„Aufsehen erregen!» Affaire" giedt doch in manchen Beziehungen zu denken. Wenn ein paar Arberter um einige Pfennige Viugl-un spielen, so bat man fie sofort beim Kragen, andere Leute nehmen fich im Hazardspiel eine Million ab,— und man arrangtrt die Sackt einfach. Allerdings kann die letztere Kategorie der Hazard» spieler nicht so leicht gefaßt werden, denn ein Eingeweihtel hat leider nicht das Recht, seine Nase in die geheiligten Rä am« eines„Klub" zu stecken. Außerdem existiren verschwiegene Hotelzimmer genug, wo man ungestraft der Leidenschaft?es Spiels fröhnen kann. Es giebt einen alten Rechtsgrundsas, der heißt: Wenn Zwei daffelde thun, so ist es noch lange nichi daffelbe- ». Ein sehr gefährlicher«nd von der Kriminalpolizei gesuchter Verbrecher, der schon vielfach vorbestrafte W-b« Wagner, ist am zweiten Feiertage Abends bei einem verwegene» Einbruchsdiebstadl in der Wohnung ver Eigenthümerin Wiitoe Pusch in der Keibelstraße 13 auf frischer That ergriffen woröe». Frau P. bewohnt allein mit ihrer Tochter eine Parterrewoh- nung in ibrem Hause, und Wagner hatte auSgelundschast» daß Frau P- während der ersten Tage eines jeden Quartal» die von ihr eingezogenen Quartalsmiethen in ihrem SekretÄ verwahrt. Am zweiten Feiertage Nachmittag nach 6 Uhr b» gab er fich mit einem nock nicht ermittelten Komplizen nat Dem Hause Keibelstraße 13 und beide drangen vom Hofe au* durch die Küchenthür, welche ste mittelst Nachtchlüssels geöff.� hatten, in die P.'ühe Wohnung, während Frau P. und>!>» Tochter abweienv waren und die verschloffene Wohnung ohi» Aussicht stck befand. Zwei Bewohner v-s Nachbargrundstückel Keibetstraße 12 a hatten von ihren Hoffenstern aus die berbs Diebe, ats diese im Hof- Umschau hielten und sodann Ü dem Hintertreppenflur verschwanden, bemerkt, und fie begab« fich nach dem Pusch'schen Grunvstück. Dre Diebe hatten ab« auch ihre Beobachter bemerkt, und als fie diese herankomin» sahen, eilten fie nach den Vorderzimmern der P.'sch-n W« nung, sprangen durch die Fenster nach der Straße und floh«» verfolgt von den beiden Beobachtern, nach der Prenzlauerftrap In oieser Straße wurde Wagner ergriffen, während sein Hol" piize entkam Die Diebe hatten in Folge ihrer Uederrascvu� nur einen an ver Wand hängenden Revolver mitgenomm«'- dagegen batren ffe einen U-derzieh-r uns ein vorzüglich g««� bettet, s Brecheisen zurück,, elaffen. Auch lagen auf ven B«## in Ver P'schen Wobnunä mehrere große Pzpierballen, sür den Fall, daß Frau P. und ihre Tochter in der Wobn# stch befunden Hätten, wahrscheinlich dazu dälten dienen sollt»- den um Hilfe rufenden Frauen mit Gewalt in den Mund � stopft zu werden. Auch hatten die Diebe bereits mehrere uck fchloffme Schränke und Behälter in der Wohnung geöffnf Wagner, welcher zur Untersuchungshaft gebracht worden H war auch bei einem kürzlich in der Barnimstraße verüblen Ä druchs KedstaHl betheiligr gewesen. a. Ein zweiter Einbruchsdtebstahl wurde ebenfalls* zweiten Feiertage, Abends zwischen 7 und 107» Uhr, bisher noch nickt ermitrelren Diebe» in der Wohnung% BuckVruckereibefitzerS M., Neue Frievrichstc. 35, verübt. Sj Diebe hatten die Wohnungsibüc mit Gewalt eröffnet w? waren in die ohne Aussicht befiuvliche Wohnung gedrunz� Aus einem GlaSspinde nahmen ste an fich einen Bl-chkaslA in welchem fich eine Anzahl alter in- und auslänvr'ckj Münzen, eine große fiiberne Medaille der Londoner stellung 1851, vier fiiberne mit Prägungen versehene marken, goioene Ringe, Kesten, Tuchnaveln und sonstige fachen, sechs silberne Eß- und Theelöffel, Op-rngläser � etwas baares G'id und«ine Brieftasche mit Legilcmatioick papieren und Attesten befanden. Der Blechkasten, sowie � sür die Diebe wrr>h!osen Papiere wurden gestern von � Gestalt, die Züge fest und ehern. Sein Auge blickte M traurig den eintretenden Arzt an. „Man hat Sie gerufen. Herr Doktor." sagte 11 „Meine Tochter t heilte mir mit, daß fie nach Jznen ie sch'lkt habe. Es ist schön von Ihnen, daß S>e gtkom>»n find; ich freue wich Ihres Besuchs und h iße Sie? M'Donuil willkommen, nrcht, weil ich mich trank W sondern gerade, weil ich einmal da« Vergnügen h"� werde. Sie als meinen Gast und nicht als meinen bewirthen." „Er fühlt sich gesund/ dachte Fritz,„und doch,«va� liegt er zu Bette?" „Man hat mrch rufen lass.-n," sagte er.„wie Hab'cht mmherlte. w-rl man fürchtet, daß Sie, Herr °uch diesem Jahre von jener schlimmen Krankheit K ........, »Ich w'll nicht hoffen, daß die Krankheit wiederkH ~%'a% 5 nein, man tauscht sich; es wird diesmal vorübergehen■ ßch höre �nichts..... den ganzen Margen«rckü * JiSÄi fragen wollte: � v'. olauÄ'�®11«h«wartete, was ich§«*** SSW (Fortsetzung folgt.) Jnsp'ltor des Garnison- Kirchhofes in der Linien straße auf dem Kirchhofe in der Nähe der Grenzmauer an der Rückerstraße gefunden und der Kriminalpolizei abgeliefert. Die nächste große Ausstellung tn Berlin wird eine Allgemeine Deutsche G-werbe- unv Industrie- Ausstellung im �ahre 1888 sein, vie von dem„Verein der 79ei" proj-ktirt ist. Unmsttelbar nach der„Berliner Getoerbe- Ausstellung von 1879" traten vie Leiter des damaligen Unternehmens, sowie die Bau- meister und Gruppenvoiständc unv verschiedene der Herren, die an dem Zustandekommen dieser Ausstellung wesentlichen Antheil hatten, zu dem genannten Verein zusammen, der die ganze Reihe der Jahre hindurch bis jetzt seine Organisation ausrecht erhalten hat und die Fortschrirre der Berliner und deutschen Industrie aufmerksam verfolgte, um darnach den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem es angezeigt sein würde, eine neue Gewerbe- und Industrie- Ausstellung, diesmal für ganz Deutschland, in'S Leben zu ruien. Ja einer am vergangenen Sonnabend statrgc» funvenen Sitzung hat der Verein nach einem bezüglichen Vortrag des Geh. Kommerzienraths Kühnemann, deS Leiters der Ausstellung von 1879 folgende Resolution angenommen: 1) Der Verein der 79er erklärt stch zu Guristrn einer in Berlin zu veranstaltenden ollgemeimn deutsch-nationalen Jnrustrie- Ausstellung. 2) Er ist der Meinung, daß diese Ausstellung im Jahre 1888 stattfinden sollte. 3) Er beauftragt seinen Bor» oh enden- Herrn Kühnemann fich mit den staatlichen und städtischen Behörden unv den Aeltesten der Kaufmannschaft zur Verwirklichung dieses Beschlusses in Verbindung zu setzen. Wie die„Nat.-Z." hört, wäre ein so ent>chied-ner Echiitt zur Verwirklichung des P.ojells nicht geschehen, wenn man fich nicht bis zu einem gewissen Grade eines fleundtichen Eingehens auf diesen Plan voo vielen ausschlaggedenoen Persönlichkeiten verfichert hallen könnte. Als Ausstellungsploy find dreS« mal die großen Terrains beim Treptower Park in Aussicht genommen. N. Der Segen des Asphalts. Von einem empfindlichen Verlust wurde gestern Mirrag ein hiefiger Schlächtermeister in der Lindcnstraße hetroff-n. Derselbe fuhr mit»einem leeren Wagen den bereits asphaltirten Theil der Snaße entlang, als das Plerd auf dem du ch den Regen schlüpfrig gewordenen Pflaster ausgiitt und so unglücklich niederstürzte, daß es bereits nach kurzer Zeit krepirte. Das Pferd mutzte dem Abdecker überwiesen werden. N. Ein beklagenswerther Unglücksfall trug stch am vorgestrigen Tnge in der Albrechtstraße und zwar in der Wohnung eineS Geheim: aih S- zu. Ein bei Letzterem in Kondition stehendes Dienstmädchen mit Namen Anna Domke war verrnittelft einer Anlegeleiter auf einen zur Wohnung ge- hörigen Hängeboden gestiegen ohne irgend Jemand davon Mit» therlung zu machen. Während ste La oben beschäftigt, war inzwischen die Leiter von einem anderen Mitgltede des Haus» Personals fortgenommen worden, so daß die nichts ahnende D. späier in der Adstcht wieder hcradzusteigen aus der nicht unbeträchtlichen Höhe zur Erde stürzte. Sie erlitt neben an- Icheinend schweren inneren Verletzungen einen Bruch des Ober- armes und mußte daher sofort in die lönigl. Kimik geschafft werden. N. Auscheiuend lebensgefährliche Schnittwunden zog stch gestern Abend ein stmrlos oeirunkener Mensch in der Neuen Königsstraße zu Derjeibe stel in der Nähe der Gollnowstraße in die große Spiegelscheibe eines dort b.fiadlichen Galanteiie» waarengeschästS, dtejetde zenrümmernd und fich dabei mehrere Schnittwunden an den Händen und Armen zuziehend. Der Verunglückte mußte nach einem in der Nähe wohnenden Arzte gebracht werden, wo ihm ein Nolhoerbanv angelegt wurde. OericKts Leitung. Der Eilzug zu einem Entrüstuags-Meeting beschäftigte g-stern die dritte Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Auf Tivoli fand bekanntlich am 27. De,emder v. I eine von Herrn Liedermann von Sonnenderg geleitete Entrüstungs Versammlung gegen den ReichstagSbcschluß vom 15. Dezember statt. Bei derselben ging eS ziemlich stürmisch zu, Denn die Zeitungsbericht« verzeichneten an verschiedenen Srellen tn Paranthese: „Großer Lärm",„Vertagung auf zehn Minuten",„ein Mann wird auS dem Saal gebracht" u. vgl m. Zu den Ordnern an jenem Abend gehörte auch der Kunsthändler Walmüller, welcher mehrfach an der Hinauibeförderung der als Ruhestörer bezeichneten Personen hervorragenden Änth-il genommen haben soll. Als Herr Walmüller später vre Versammlung ver lasten hatte und an der Ecke der Kreuzbng- und Bellealliancestraße auf die Abfahrt Ver Prerdeeisenbahn wartete, trat plötzlich ein Mann, auf ihn zu und versetzte ihm mit den Worten:„Da ist ja der Lump!" mit irgend einem Instrument mehrere Hiebe über den Korps, deren Wacht allerdings durch den Hut gemildert wurde, die aber doch eine kleine, stark blutende Kopfwunde hervorgebracht hatten. Ais der Angreiser wurde der Dreher Ernst Emil Richard W-gner festgestellt, der fich nun gestern auf die Anklage der vorsätzlichen Körperver- titzung mittelst eines gefah: ticken Werkzeuges zu verantworten halte. Derselbe gab an, daß er jener Versammlung als Gegner beigewohnt habe und Zeuge gewesen sei, daß Herr Walmüller einen angeblichen Ruhestörer unter fortgesetzten Miß- Handlungen hinalisgeworsen habe. Dies habe ihn sehr empört und als man schlüßlich auch ihn nicht unbehelligt gelösten, sondern gleichfalls gewallsam aus dem Saale entfernt habe, da sei er aufs Höchste gereizt worden und habe bei dem persönlichen Zusammentreffen mit Herrn Walmüller seinen Zorn nicht bemeistern können. Der Angeklagte behaup- tete, daß er nur mit dem Bügel e,ner Z'gairentaschc geschlagen bade und suckle die Sache so darzustellen, als sei sein Gegner der'em Renkontre mit dem Kopf gegen die scharfe Kante eines Kellers geflogen und habe fich auf diese Weise die Verletzung zugezogen. Der Staatsanwalt hielt ein Zigarrenetui in dieser Anwendung um ,o mehr für ein getäprnches Werkzeug im Sinne deS Gesetzes, als ihatsächlich der Hut des Verletzten damit durchschlagen worden war und beantragte einen Monat Gesängniß. Der Gerichishof trug jedoch der Geieizlheit deS Angeklagten Rechnung und verurlh rltr denselben nur zu einer Woche Gefangnrß. „Bewahrt da? Feuer und da» Licht I" Eine U- vor- fichtigkest, die lagtäRich vrele Mate degangen wird unv nicht häufig genug gerügt werden kann, lag einer Anklage wegen fahrlässiger Brandfttstung zu Grunde, die stck gegen die Dienst- magd Laura Gabriel richtete und die vor der zweiten Siraf- kammer de» Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Die Angeklagte, welche bii einem Krersthillarzt F. im Hause Am Neuen Thore 1 diente, wollte am Abende des 19. August v. I. eine Lampe anzünden und warf VaS dazu benutzte, noch bren> nende Zündholz achtlos zur Seite. DgSselde fiel in die Nähe eine» Jute- Gardine, und dieser aaßero dcntirch l icht brennbare Stoff fing Feuer und stand in einem Nu in hellen Flammen. Zum Glück eilten einige thatkräsltge Männer sofort zur Hufe herbei und es gelang, des Feuers Herr zu werd-n, bevor die herdeizitiite Feuerwehr zur Stelle war. Der Vorfiyende ließ '8 an einer ernsten Ermahnur g an die Angeklagte, rn Zukunft vorfichllget j„ je(n| fehlen. Ter Gerichtshof biUriderlte aber den Fall, mit Rückficht darauf, daß ein erheblicher Scher- --er. nrcht entstanden, sonst sehr milde, denn er erla nie nur auf e ne Geldstrafe von zihn Mark, eventuell einen Tag Ge« sangmß. ...»rtseur.„Ich wünsche rastit zu werden!" Mit diesen Worien betrat am Vormittag des 15. Dezembers v. I. ein Herr das Geschäftslokal des Friseurs Luyr Dieser thiitie dem Heretngelretinen mit. daß rn seinem«.tchä te nur fnftrt und nicht rafirt werde urd rräbrend der so Aufg.k ä te stch zum Gehen wandte, äußerte Herr Lutze einem Kunden gegenüber, mit besten Haupt er gerade beschäfligt war, fern Befremden, daß solche Anforderungen stch täglich wiederholten, trotzdem ein an der Eingangsthür befindliches Schild einem solchen Irr- thum vorbeugen müffe. Diese halblaute Bemerkung wurde aber doch von dem Fremden vernommen und gerieth derselbe darüber dermaßen in Zorn, daß er stck umwandte u d den Haarkünstler einen Grobian u. s. w. über den andern schimpfte. Erst nach mehrmaliger Aufforderung seitens des Herrn Lutze ging der Erregte dumpf grollend von bannen. Nach wenigen Minuten kam er aber wieder zurück und stck mit Nachdruck tn den Sessel und in die Brust werfend, verlangte er nunmehr kategorisch unv peremptorisch, daß Herr Lutze ihn frifire. Dieser machte ihm vergeblich bemerllrch, daß ihm an seiner Kundschaft nichts gelegen sei und daß er darauf verzichte, ihm den Kopf zurechtzusetzen, der Fremde bestand hartnäckig auf seinem Verlangen, er wich und wankte nicht. Erst M't Hitse eines her- beigerufenen Schutzmannes gelang es, den unliebsamen Gast zu entfernen. Ern Nachspiel dieser kleinen Episode fand gestern vo: der 90. Ablheilung deS Schöffengerichts statt, denn Herr Jmhof, so hieß der hartnäckige Kunde, hatte stch dieserhalb eine Anklage wegen Hauefriedenbruchs zugezogen. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu 30 M. Die Zeugengebühren find, wie die„Le-pz. Ger.-Z'g." schreibt, für Manche schon ein Stein gewesen, über welchen ste stolperten. Mit der Bemeffung derselben seitens des Gerichtes wird es sehr genau genommen und Zeugen, welche aus anderen Orten an die hieftge Gerrchtsstelle geladen werden, haben nur Anspruch auf Ersatz der nothwendig gewesenen R-isespesen, die Ent'chädigung für den erlittenen Zeitverlust natürlich nicht eingerechnet. In der letzteren Zeit find nun mehrfach Fälle vorgekommen, in denen solche auswärts wohneude Zeugen höhere Liquidationen einreichten, als fie der Wahrheit nach thun dursten, oder auch in diese Liquidationen Spesen einstellten, die ste in Wrrklichkeit gar nicht gehabt haben, die aber wahrjchein- lich erschemen. In solchen Fällen vergeht fich der Zeuge gegen VaS Gefitz. und die Statist,? der Gerichtsjäle weist gerade im letzten Jahre eine Reihe von Fällen nach, rn denen durch faliche Z-uqengebühr- Liquidationen Verurlheilunqen wegen B-trugeS, Urkundenfälschung u. f. w. erfolgen mußten. Solche Verurlheilungen find nur gerecht; fie entsprechen dem fitrlichen Gefühl aber umsomehr, je weniger der betreffende Zeuge„ei nüthig Hai". Der in sehr guten Vermögensverhältniffen fich befindende Gulsbefitzer Johann August K- tn Wyhra, ein Mann, der blther mit dem Slrafrrchler nie tn Berührung gekommen ist, Hai fich durch die Unkennlmß seiner Rechte auf Zeugengebühren und durch die durch sein Vergehen hinreichend bewiesene Geld- sucht eine Gefängn'ßstrafe aufgebürdet, die auf sein ferneres Leben imme-hin einen Schatte-, werfen wird. Die Angelegen- heit ist vom allgemeinsten Jvlereffe und deshalb der eingehen« deren Schilderung werth. Zu einer Schwurgerichtssache der letzten Periode war die Vernehmung der F, au und der Tochter des K. nöthig geworden. Beide erhielten die vorschriftsmäßige Ladung, der zufolge fie am 2. Februar Morgens 10 Uhr fich im Landgerichisqebäude zu Leipzig einzufinden halten. A., der natürlich seine Pferde im Stalle hat und eigenes Fuhrwerk besttzt, spannte ein und fuhr seine Angehörigen nach Leipzig. Wäqren.d diese ihrer Verneh- mung harrten, stellte K. seine Pferde in einem hiestgen Gast- dos ein und vertrieb fich die Zeil bis zu der Zurücklunft seiner Frau unv Tochter bei einem soliden Frühstücke, dem ein guter Trunk keineswegs mangelte. Bald in ein Grspräch mit an- deren Gästen verflochten, hört er von einem derselb-n, der über die GerrchtSprox s, namentlich in Bezug auf die Zeugenge« bübren orienlirl war, daß er für die Fahrt von Wyhra nach Leipzig keine Vergütung erhalte, da der Transport der beiden Zeugen im eigenen Geschirr geschehen sei. Das war dem K. etwas fatal. Er hatte darauf gerechnet, daß auch die Fahrt seiner Angehörtgen vergütet werde. Ueber di-sen Gegenstand wuide nun lebhafi debatttrt unvK. vernahm endlich, daß man ihm die Fuhripeien unier allen Umständen bezahlt geben werde, wenn er die Quittung eineS Lohnfuhr- manncc an GeiichtSstelle zu produziren im Stande sei. K. ging, als er diesem Gedanken nachhing, von sehr irrigen RecktSbegriffen aus Er sagte fich: Ich habe ja auch direkte Unkosten gehabt; ich hätte al,o diese sparen können, wenn ick mich an irgend einen Lohnsuhrmann wendete und durch ihn die Fuhre hätte besorgen l ff-n. Ich bin also ge- wiff-rmaßen berechtigr, eine solche Quittung mir selbst zu schreiben! Es kam dem K. keinen Augenblick der Gedanke, daß er durch das Ausstellen einer F h quittung in Höhe von 6,50 M. und durch Unterzeichnung derselben mit einem fi igirten Namen fich einer Urkundensäl'chung schuldig mache. Er schiieb eine solche Quittung, reichte fie bei der L quidation der Zeugen- gebühren ein, erhielt sofoit das Geld und fuhr mit dem Be- wußisein, nur sein gute« Recht gewahrt zu haben, am Nach- mitlage wtever heim. Kurz darauf wurde dem Gericht' bekannt, daß K. mit seinem eigenen Geschirr die Fuhre desorgt habe, daß also jene vo» ihm pioduzirte Quittung gefälscht gewesen sein müffe. Da fich der der Vernehmung des K. dies auch sofoit heraus- stellte, wurde gegen ihn die Anklage wegen schwerer U. künden- fälschung erhoben. In der Hauptverhandlung vor der Hl. Strafkammer deS hiestgen Landgerrchis gab K. den Thatbestand zu, vertheidigte fich aber mit dem Hinweis, daß er nur sein vermeintliches gutes Recht habe wahren wollen. Er selbst unternehme zu- weilen Lobnfuh en unv da sei es doch natürlich, daß er in dem vor legenden Falle eine solche für seine Angehörtgen gest llt habe, deren Bezahlung unzweifelhaft dem Gericht zur Last fallen müffe. Tie Richter erkannten an, daß K. mehr im guten Glauben als um fich einen mtvenechtlichen Vermögensvorlheil zu ver- schaffen, gehandelt habe. Sie sahen Veshalb die Fälschung der Quittung nicht als eine schwere, sondern nur als eine einfache Ui kund.»fälschung an unv hielten eine Gesängnißstcafe von einer Woche iür eine au«, eichende Ahndung. Beim Photographen. Marie Kreipl, ein Stuben- mädcken, ließ fiw tn der L-ovoldstadt(Wien) photogrophiren. Ihr Herzallkrlledst.r, eine milirä ische Stanoesperion vom Feld- mebei obwärte, halte es so verlangt. Als fie hochkiopfenven Herzers ihr Konterfei den Ge, off innen im Hause herumzeigte, da ging ein Eckrei der Entrüstung durch die sämmtuchen Kückerherde; die Genossinnen behaupteten, daß noch niemals ein Photograph seine Kunst tn verwerflicherer Weise zur Aus- tührung gediacht habe, wie in diesem Falle. Man redete der Marie Kreipl zu, den Photographen zu verklagen. Derselbe ei klärte vor dem Rickter:„die Bilder find verhattmßrraßrg sehr gelungen, ja fi- find für Viesen Preis geravezu vorzügirck. Ich bitte, zu bedenken, d:ß man um zwei Gulden kern Kunst- werk liefern kann." Der als Sachverständige vorgeladene Hof» Pszoiograph Stockmann gab an, daß die Matrize der Ärfnahme nichi scdais grnug auspep ägt sei.„Sie werden nun, Herr Sachverständiger, über das, waS Sie hier ausgesagt vab-n, einen E>v schwören", sagie der Rrckter.— Herr St. be- sch vor den Rrckter,«hm ven Etv zu erlaff n; es sei rhm die Adlegung«tneS Etres wegen einer solchen Kleinigkeit unan- genehm—„Ich kann Janen aber den Eid nicht erlassen, sagte der Richter.-..In wüßte einen Ausweg", r res plötzlich frohlockend Herr St.„Ick erkläre wich bereit, der Klägerrn ein hol d-s Duv-nd feiner Pdotagrophten umsonst zu liefern, nur d ß ick nicht schwören mutz!"-..Sind die Parteien er-- verstanden?" fragte Ver R chter.—„Jti bin gonj knckltch. hauchte Marie K-ipl.„Krß vie ba»°!"-»Bravo. B ovo! lärmte das Audr'orium. Damit rst diese sch orer ge Affarre zur allgemeinen Zaf.ieoenheit gelöst..tkarstKieipt hat fich auch beretri phorographiren lassen unv, welches Gtuck!— berm tzof- Pholographen! Sosisles und Arbeiterbewegung. Au» Mecklenburg-Schwert«, 6. April, schreibt man der »Voss. Ztg.":„In Rostock hat fich vor einiger Zeit als Zweigverein des Zentralvereins in Berlin ein Gastwirth-Perein ge- bildet, welcher bezüglich der Kellner eine zunftartige Ocgani- satton angenommen hat. Vor einigen Tagen hielt derselbe eine Versammln a, um zwei Kellnerlehrling«, welche in dem Re« staurationslokal eines Mitgliedes eine zweijährige Lehrzeit bestanden hatten, in feierlicher Weise loszusprechen. Der Vor- fitzende überreichte nach längerer Anivrache den beiden Kellnern im Namen des Z-ntral-Vereins in Berlin ein vo r dem Vor« stände dieses Zentral- Vereins und von den Lehrherren unter- schiiebrneS Lrhrzeugnrß und eine L-g'timationskarte als Aus- weis über die von ihnen vollendete Lehrzeit. Es ist dreS das erste Mal, daß in M'ckienburg L-Hrzeugniffe an Kellner ertheilt worden find. Eine Prüfung hat nicht startgefunden, wie auch eine Gesellenzeit mit dem Abschlüsse durch eine Meisterprüfung in den Ocganisationspian nicht aufgenommen wo:den ist." Dem Publik.m wird es selbst in Mecklenburg furchtbar gleich- giltig sein, od es von.zünftigen" oder„nicht künftigen" Kellnern bedient wird. Die H-rren Gaitwirlhe, welche diesen alten Zapf aufjufri'chcn sür so nothwendig halten, sollten die sozial- Lage ver Kellner lieber in anderer Weise verbessern, beispielsweise durch Verabreichung eines festen Gehalts an ihre Bediensteten. Das wird diesen tausendmal li-ber sein als daS schönst« Lehrdipiom. Ob es. wenn man einen solchen Lehr« blies in ver Tasche hat, weniger demttlhtgend wirkt, nur von den Almolen anderer Leute leben zu müssen, das werden die Kellner selbst wohl am besten beurtheiien können. Pereine und Persnmmlungen. Der Fachveretu der Maurer in Spandau hielt am Sonnabend Abend im„Rothen Adler" eine Versamm ung ab, welche von etwa hundert Personen besucht war. Herr W. Müller, welcher dem in der zweiten Hälfte deS vorigen Monats zu Hannover stattgehabten Kongreß der Maurer Deutschlands als Derutirter beigewodnt hat, berichtete über die dort gepflogenen Verhandlungen. AuS seinem Referate ging hervor, daß sämmt- ich« Fachvereine des Deutschen Reiches bcstrebMnd, in allen da« Wohl der Mitglieder betreffenden Fragen einmüthia vorzugeben. In mehreren Städten gehören fast sämmtliche Maurer den Fachvereinen an. Betreffs des Streiks der Maurer in Rathenow wurde mttgetheilt, daß dieselben bereits von den Beruisgenoffen unterstützt werden. Der Vorschlag, für die Streikenden eine Sammlung zu veranstalten, fand unter den Anwesenden Zustimmung. Es kamen etwas über 20 M. zusammen, unv mehrere erboten stch, unier ihren Kameraden weitere Gaben zu sammeln. Der ganze Ertrag wird in dieser Woche nach Rathenow abgesandt werden. Im ferneren Ver- tauf der Sitzung sprach der Vorfitzende Herr Buge über die hiestgen Lohnoeihältniffe. Er theiite mit, daß aus vie von den Maurern wi, verholt an die hiestgen Meister gerichtete Bitte, letztere möchten mit den Gesellen in Betreff der Lohnfrage in Verhandlung treten, noch immer keine Antwort erfolgt sei. Er selbst und ein Kollege seien vor einiger Zeit, als ste eine Aufbesserung ih' es Lohnes von 30 auf 35 Pf. per Stunde nachgesucht hätten, entlassen worden, unv bei dieser Gelegenheit habe ein mit dem Meister in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen stehender und an der Geschäfts- lettung betheiligter Herr erklärt, dafür sorgen zu wollen, daß beide Arbeiter bei Spandauer Meistern überhaupt keinen Er« werb mehr fänden.(Wir harren bereits vor einiger Zeit dieses Mustermenschen von Arbeitgeber Erwähnung ge» lyan. Red. d- Volksbl.) Mit der Neuwahl des Vorstandes, bei w-lcher von neuem Herr Buge zum Vorsttzenven und Herr W Müller zum Schriftführer ause sehen wurde, schloß die Ver» sammlung nach 10 Uhr PermiseMes. Natve Frage. Der Herr Kommerzienrath gebt mit seinen Töchtern in das Theater. Es wird ein Zauberstück mit Ballet gegeb n. Im ersten Akte erscheinen feuerspeiende Drachen, über die stch die kleine Rosa so ängstigt, daß ste nicht bleiben will. Sie beruhigt fich eist, als Papa verflchert, vte Unge- Heuer seien nur von Pappe. Im drrtren Akre kommt ein Herr- lrcheS Ballet. Zahlreiche schöne Tänzerinnen drehen stch in graziösem Reigen. Da fragt die Kleine:„Papa, find diese auch von Pappe?"—„Nein, mein Kmd," entgegnet der Papa mit eigenem Lächeln—„vie find nicht von Pappe". Die rasende» Weiber. Eine merkwürdige Szene spielte fich letzten Monrag tn Konstantinopel ab. Eine ungeheure Menge erboster Weiber schaarte fich um das Finanzministerium zusamme-t und bahnte stch trotz des Widerstandes der Wachen einen Weg in das Gebäude. Diejenigen, welche stch zuerst Eingang vilschafft hatten, stürmten kreischend und gestikulircnd tn daS Bureau des Mimsteis und forderten von ihm zu seiner großen Bestürzung, unter lauten Drohungen, den rückständigen Gehalt ihrer Männer. Inzwischen strömten vie übrigen der rasenden Weiber rn das Ministerium und die Lage des Mi- nisters wurde mit jedem Aug nvl cke eine krittschere. Eine starke Abthetlunq von Polizisten, welche aufgeboten worden, ver» suchte das Gebäude von den Weibern zu säubern; alle An- strengungen jedoch blieben vergeblich und die Polizei mußte fich schließlich zurückziehen und den Amazonen das Feld über- lassen, während es dem Minister, nachdem er Ven wüthrnven Frauenzimmern e-nige annehmbare Versprechungen gemacht bulle, gelang, durch eines ver Hinteren Fenster zu entschlüpfen._ Kleine Mittheilungen. Potsdam, 7. April.(Salzsäure■ Vergiftung). Der Zimmermann Zehm halte seit längerer Zeit in seiner Wohnung k ank vamiedergelegen, als ihm eines Tages statt Ver üblichen Medizin durch ein bedauernswerthe« Mrßverständniß Salzsäure gereicht wurde. Die Folgen zeigten stck nur gar zu schnell, indem fich der Patient alkbatd vor Schmerzen zu?ümmen begann,(o daß seine Uebc'ührung in's städtische Krankenhaus erforderlich wurde. Dort Hai ihn nunmehr ein schneller Tod von seinen gräßlichen Sckmerzen befteil. BärwaGe N.-M., 1. April.(Ein schrecklicher Unfall.) Der Waldwärter Haase aus Sellin mit dem Arbeiter Krusch ans Grünrave paßten am Sonntag auf Wrlooi be, deren Schießen tn den Wainitzer Forsten man gehört haben wollte. Gegen Nachmittag 3 Uhr traten 3 Wilddiebe über die Grenze, flohen aber bei dem Anruf. Bei der Verfolgung derselben blieb der eine der Flüchtlinge hinter den beiden anderen zurück und erhielt durch seine Verfolger einen Schuß in den Rücken, emen zweiten in den Kopf, so daß sofortiger Tod eintrat. Die Schützen behrupten, ihre Büchsen hätten fich durch einen Unfall von selbst entladen. In der Lnche wurde ein Tagelöhner rekognoszlrt, derselbe soll verheiratiel sein und eine Frau mit sects unversorgten Kindern hinterlass n. Die Untersuchung ist im Gang-. Sommerfeld 1 Ap il.(Unfall.) Heute Nachmittag er- eigwte flch hieiselbü ein betlageNLw:Uher Unfall. Eine zahl- reime Kinverschaar belustigte stch auf der Straße an den Pro- dr-klionen mehrerer Afftn, die auf Kameelen hockten oder herumlprangen, unter Anderem auch eine Pistole luden unv abchoffen. Hierbei ließ einmal der Affe den Ladestock in ver Mündung stecken und als er abschoß, flog der Ladestock einem Knaben ins Auge und deschädigte daffelbe so schwer, daß an der Erhaltung des Auges gezweifelt wird. vom Rhtw, 5. April. Der Lustmorder Peters, welcher in der Nähe von Gladbach zwei Mädchen im Atter von 7 und 10 Jahren ermordete, ist vorgestern durch den zu seiner Per« folgung ausgesandten Gladbacher Polizei- Sergeanten Meyer mit Hilfe holländischer Genedarmen in der Nähe von Roermonde auf einem Feldwege entdeckt und verhaftet worden. Der Mörder wurde nach Roermonde in's Gcfängniß trans» vlZttirt und legte dort ein umfaffendeS Grständntß ab. Seine Auslieferung wird erfolgen, sobald die im Auslieferungsvertrag mtt Holland vorgesehenen Formalitäten erledigt stnd. In Schwelm ist am 4. d-, Abends, die Jbach'sche Piano« fortefabri!(ein fünf Stock hoheS Gebäude) zusammengestürzt. Drei Arbeiter wurden verschüttet, von denen einer todi, die beiden Andern schwer verletzt auS dm Trümmern hervorgeholt wurden. Eine Falschmünzerwerkstatt(zur Anfertigung von Ein« und Zweimarkstückm) ist in Königsberg in der Wohnung eines ebematigen Kaufmanns D. entdeckt worden. �__ 1»«»•»%»•»•war-v««». Pest. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in der Maststallung de» Ladislaus Toth zu Steinbruch Bei Untersuchung deS Brunnens entfiel dem Aufseher Ludwig Öroszly der Zollstab. Der Ai better Stephan Papp stieg mittelst einer Leiter in den Brunnm, hatte aber kaum einige Stufen betretm, als er, von den aufsteigmden Gasen betäubt, in den Brunnen hinabfiel. OroSzky, der ihm nach- geeilt war, um dem Verunglückten beizustehen, verlor dos Gleichgewicht und fiel gleichfalls in den Biunnen. Auf den Lärm stürzte die Gattin OroSzky'S herbei und als fie das Unglück ge- wahr wurde, stürzte ste sich, von Schmerz überwältigt, halb be- wußtloS ihrem Manne nach. Zwei Arbeiter, Joseph Balog und Michael Janko, die in den Brunnen hinabstiegen, um die Ver« unglückten zu rettm, thellten daS Schicksal ihrer Vorgänger. Die von Polizeiorgar.en voraenommmen HitfSversuche blieben erfolg« loS. Di« Leichnam« der fünf Verünglückten wurden mittelst Eisen« stangen auS dem Biunnen he, ausgeholt. Ein Eisenbahn wächter, der fich zur Rettung nbot und fich mit einem Seil in den Brunnen hir.obließ, winkte sofort zum Heraufziehen, hatte aber lon daS Bewußtsein verloren und es wird an seinem Auf« nmen gezwerfelt. Brüssel, 4. April. In der Kohlengrube Marcinelle bei Charleroi hat gestern eine Explofion schlagender Wetter 18 Mann getödtet. Madrid, 6. April. In Jativa(Stadt von 14,000 Einwohnern in der Nähe von Valmcia) ist eine Epidemie auS« gebrochen, dir von dm Aerzten für die sporadische Cholera erklärt wird. In 24 Stunden starben 5 Personen; 30 find erkrankt. ES wurden sofort Maßregeln ergriffen, um die Westervnbreitung der Seuche zu bindern. Indianer haben kürzlich bei Calistiahuaon in Mexiko ein Götzenbild von purem Golde ausgegraben, welche? 32 Pfund wog. Sie hattm keinm Sinn für AllerthumSkunde, sondern »erschlugen daS Bild und thrilten die Bruchstücke ur ter fich nach dem Gewichte. Tagesliste der König!, sachfischen Landeslotterie. Ziehung vom Mittwoch, dm 8. April. (Ohne Gewähr!) " 240 517 468 335 686 86 913 851 171 251(300) 636 630 320 934 977 874 115 481(300) 98 696 112 930. 1152 794 593 264 674 827 131 705 37 117(300) 606 744 180 531 126 728 797 83 421 52. 2558 128 420 647 500 47 347 827 390 279 547 18 502 676 489 132 585 278 962(1000) 334 759 639. 3702(300) 737(500) 96(500) 105(3000) 680. 4746 299 88 173 431 235 62 521 674(500) 291 465 45 445 755 688 26. 5658 557 850(1000) 77 488(500) 640 465 835 820 863(300) 103 428 719(5000) 205 6 904 239 415 869(5000) 125 25. 6349(300) 922(300) 37 425 407 655(1000) 620 561(300) 25 831 223 846 962. 7811 (300) 445(300) 833(300) 166 646 82 150 656 919 859 496 648(300). 8123 790 941 759 102(300) 37 266 384 87 689 435 77 993. 9273 830 253 140 773 141(3000) 997 52 38 290(5000) 179(500). 10084 356 239 48 815 898 801 827 652 173 902 568 (1000) 817. 11124 998 928 119 66 200 972 154 100 501. 12067 245 198(300) III(1000) 7 86 737 896 228 513 996 712 699 270(1000) 347 355 581 874. 18188(500) 488 942 760 314 136 451 381 153 850 363 810. 14820 75 813 993 898 511 939 911 119 518 130 553 429 915 370 366 702. 16727 80 902 900 605 679 375(5000) 588 419 666 453 83 (300) 878 987(1000) 813 9. 16232 935 454 130(500) 571 486 302 20 217 739 539 374(20000) 399(500) 568 671 184 161 525. 17311 359 239 75 99 735 451 64(5000) 63 901 (300) 690 744 507 59 547 739 556. 18714 711(300) 67 265 260 145 444 471 498 543 648 156 978. 19150 401 414 81 149 504 982(300) 547 988 979 668 413 295 13. 20109 664 795 790 121 369 870 718 480 573 980 449 397 183 996 119. 21301 980 624 575 122 343 730 235 807 (500) 972 523 623 334 125 775 179. 22052 625 871 66 (300) 734 135 573 63 537 433 166 477. 23910 304 218 322 303 8 148 405(1000) 220. 24919 99 906 723 849(300) 695 376 591 801 287(300) 878 347 821 476 728 165 572 859 7 263(500). 25090 471 630 390(300) 206 531 628 877 279 337 870 408 926 26892 780 833 597 309 207 163 870 856 923 952 546 419 555 587 845(500) 864 212. 27234 147 98(300) 176 80 884 631 1 765 280 71 209 472 963 609 481. 28915 474 173 77 76 793 583(500). 29555 361 886 459 374(300) 276 347 390 337 330 576 219 808(3000) 534 210 902(3000). 80675 684 783 11 799 737 645 925 583 768 616 82 991 (300) 817. 81077 168 618 674 376 742 704 692 868 637 698 415 615 110(500) 630 509(300) 274 684 145(1000) 276 391 279(560). 82390(300) 356(3000) 436 424 180 119 860 713 768(300) 841 333 69 320 986 954 635 133 563 114 402 585 244. 841 523 233 762 656 701 305 534 699 613 175(5000) 793 12 978 537. 84487 141 699 5 411(300) 193 952 942 490 875 667 627(300) 123. 85668 973(300) 748 252 253(300) 783(500) 376 561 496 785 834 416 966 (500) 27 285 328 428 367. 86806 468 754 287 714 368 822 367 993 244 63 102 144 724 91(30000) 634 358 464(300) 586 256. 37218 193 274 801 504 90 613 941(300) 16 557 194 635 788 56 949(300) 358 884. 38615 107 188 560 143 79 121 304 360 524 120 192 718(500) 29 936 781(300). 89662 504 293 379 666 354 556 482 516 788 782 122(500) 319 509 113 245 673. 40965 207 423(5000) 880 671(500) 642 885 436 570 995 246 217 452 285. 41864(300) 452 437 335 652 826 148 709 87 421 474 563. 42'41 198 75 867 194 38 816 697 468 863 221 180 998. 48064 811 453 634 430 177 955 263 549 420(500) 024 791. 44030 423 643 579 427 909 173 751 462 319 892 687 937 940 802 618(300) 375 271 65 44 45. 45021 912 766 672 155(300) 882 319 184 775 373 572 521 575(5000) 472 39(300) 736 832 417. 46675 928 295 101 342 244 334 276. 47611 823 338 507 74 764 555 763 148 64 426 622 624. 48448 575(300) 512 150 532 740 775 73 920 954 180 41(306) 269 915 941 943 49233 234(500) 981 491 461 212 224 563 88 975 889 146 878 702 101 108 655(5000) 23 594 149 127 52 576. 50422 85 383 661 994(3000) 410 714 401 175 194 622 713 959( 500) 387 96 915 93 137. 51142 427 195 542 7 288 561 561 43 130 588 194 988 336 141 211. 52013 277 510 814 584 5 750 183 882 224 139 130 187 748. 53478 (300) 238 358(300) 861 734 283 908 9 364 588. 54546 60 613 750 389(300) 436 634 55226 445 424 777 32 970 39 963 172 985 475 482 182. 56025 998 836 403 910 981(300) 739 613 476(300) 115 319 935 502 13 588 969 854. 57769 582(300) 833 803 845 142 127 850 124 809 8ö5 249 298 965 466 126 265 487. 58751(1000) 82 774 377 271 96 654 785 486 126 62 265 322(300) 586 101. 59697 991 271(300) 4 200 432 462 415 607 77 675 194 10 97 815 464. 60659 444 869 613 43 66 814 145 79 114(500) 777 (300) 568 696. 61830 756(3000) 121 184 540(300) 138 665 917 181 295 883. 62044 792 458 130 791 863(300) 292(500) 858 806 919 550 211 733 126 70 502(500) 855 921 162. 63682 939 463 861 699 950 457 442 200 759 614 (1000) 330 533 270 888(300). 64069 392 737 162 216 360 (40000) 913 297 275 612 805 154 330 250 519 821 826. 65389 474 809 725 360 533 937(1000) 724 48 396(500) 157 84 181 80 428 273 729. 66932 160 478 3 360 196 247 254 490 950 115. 67704 201 537 601 251 877 911 510 807 254 (500) 800 81 244 985 808 68546 421 527 667(1000) 531 (300) 845 136(300) 124 585 802 597 144 696 312 229. 69399 752(300) 701(300) 191 664 697 63 533 549 99 446 276 755 511(300) 653 939 402. 70691 238(1000) 9 34 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Lriefstustea äer JWolition. A. I. Eßlingen. DeS Eingesandte IP für uns leid nicht verwendbar, doch sehen wir weiteren Einsendungen gS entgeam. O. S. Nein. Dai könnte ja Jemand stören. Alter Abonnent. Pallisadeostr. IG Verein für Reebä schütz und Justizreform. Voisipcnver Rechtsanwalt KauffmaB Mohrenstraße. S- 3000. Der betreffende Herr erhält 3000 Mark jährl» außerdem läßt er fick natürlich seine Rcisespcsen vergüten. Abonnent T. Z. Wenden Sic fich an die betreffend� ZeitungS Redaktionen, man wird Jhrm Wunsch gewiß ni» abschlagen. H. H. I. Darüber sagt daS Gesetz über dai Exprojrt* tionsvcrfahren alles Nothwendige. Sie erhalten daffelbc> jeder Buchhandlung. Eifrige Leserin. In gut verkorktm und verstegea Flaschen, deren HatS man mit Orl gefüllt hat, hält fich» Saft sehr lange Zeit. Zwei Wettende. Der Dichter der„Wacht am Rhei> hieß Schnrckendmgcr und der Komponist Wilh-lm- P. Wtenerftraße 41. Im Herbst 1872. L- S- Statitzerstiaße. Sie baden Recht. Der Veifat jenes Artikels hat fich geirrt. Besten Dank für Ihre 2l> merksamkeit. Zeichnerin. Man schützt Bleistift- oder Kreidezeichnung auf Papier(Karton) vor dem Verwischen, wenn man dai' allen Handlungen mit Malute�.stlien käufliche Fixatin 4 wendet. Gebrauchsanweisung ist jedem Fläschchm* gegeben. � Ein Schafskopf. Wir nehmen an, daß Sie in Folg!-! von Ihnen sechst gewählten, äußerst geschmackvollen SpitzN'Ä der Belehrung überhaupt nicht zugänglich find. Wend(«� fich daher an den Scharfrichter Krauts selbst, wir wißid' nicht. W B Grüner Weg. Wenn Ihnen ein Goldar» für einen Ring, welcher von einem anderm Goldarbeiterß 5 Mail Werth geschätzt worden ist. einen Kaufpreis vm> Mark abgenowmen hat, so ist dies für den Mann nicht! empfehlenswerth, aber auch nicht strafbar, dmn Jeder s' seine Waaren so theuer auSbieter, wie er will, sobald et dabei nur der Vorspiegelung falscher Thatsachen enthält., F. H., Luckauerstr. Tie Geschenke können innerh» Monaten seit erfolgter Uedergobe zurückgefoidert werden, i Hg. Gollnowstraße. Am stchcrstm erhalten SÜs Auskunft beim Schuidirektor selbst. Theater. Königliches Opernhaus. Heute: Die Walküre. Heute: Tartuffe. Königliche» Schauspisthaas. Heute: Hamlet. Deutsche« Theater. Vellealliance-Tsteater. Heute: Amerikanisch.____ Aeue» Friedrich-Wilhelmstädlischsti. ThiUt.?. Heute: GaSparone. Heute: Der Alte Jakobstraße 30, Walzer-König. Eeutral-Zlieater: i Direktor- Ad. Ernst. .»ter: Direktion Anton Anno. Heute: Zum 7. Male: Der Kernpunkt. Hierauf: Die _ Schu'reitertn______ Wätiialla-Lperetten-Theater: Heute- Der Fddpuviger._______ Louisenstädttsche« Theater: Heute: Hurrah Germania!___ Oftend-Thrarcr- Heute: Der fliegende Holländer.___ Wallner-Thelttcr. Heute� Ein weißer Rabe._________ Prttoria Theater. Heut«: Sulfurina.____ Alhamdra« Theater Heute: Die Gauner von Berlin. PgWtoNrtsmratag Ä.- � � A.A rn A» AA A A A A A_ des �Vereins Mr �Währung d. 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