Nr. 83. Freitaq 10. April 1885 II. Sasrg. 9g 94! f 2» 51 75 91 dnlnirrDollistiliill. Brgan für die Interessen der Arbeiter. , Das«Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Monnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustt. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße Ä.— Expedition: Zimmerstraße 44. Nochmals etwas vom ehrbaren Handwerk. Mit einer großen Genugthuung konstatiren die reaktiv« «ärcn Zeitungen, daß die neueste statistische Berechnung nachwefte, daß in den elf Gew-rben(Handwerken) der S ch u hmachet, Schneider. Bäckcr, Fleischer, Goldschmiede, Zimmerleuie, Tischler. Maurer, Glaser, Anstreicher und Stuckateure mebr Menschen be- schäftigt werden, alt in der gesammten Montan-, Eisen- und Textilindustrie. In den oben genannten elf Gewerken waren nämlich K60 000 Personen selbftständig thätig und beschäftigten 4 Millionen männliche Arbeiter und fast 6 Millionen Menschen fanden in diesen elf Gewerken ihr Brod. während die ganze Montan-, Eisen- und Textil- industrie noch nicht 2 Millionen beschäftigte, welche mit ihren Angehörigen noch nicht 4'/, Millionen Köpfe reprä- sentirten. Zunächst ist zu bemerken, daß fünf von den oben ge« nannten Handwerken, die wir durch gesperrten Druck her« vorgehoben haben, in dem engeren Sinne de» Wartet viel- fach nicht handwerksmäßig betrieben werden. Bei großen Bauten, wo ein Unternehmer, der sich einen Baumeister engagirt hat, und'elbst vielleicht Kaufmann ist, mehrere hundert Maurer und Zimmerer beschäftigt, kann doch wahrlich nicht von einem handwerksmäßigen Betriebe die Rede fein. Die Handwerker unter den Maurern und Zimmerern nennt man gewöhnlich Scharwerker, deren keine übergroße Zahl mehr im Reiche vorhanden ist und die sich, besonders auf dem Land«, schlechter stehen, als ein Maurer» oder Zimmergeselle. Im Allgemeine» abir giebtt bei dem Bau- betrieb fast nur noch Unternehmer und Lohnarbeiter, die noch den Namen Gesellen führen. Der Baubetrieb ist ein Großbetrieb im Wesentliche» geworden. Und kann man den Konfektionär in Berlin oder in anderen Städten, der einige hundert Schneider oder Schneiderinnen beschäftigt, einen Handwerker nennen? Ebenso geht et bei den Schuh» und Stiefel- und Möbel- Magazinen. Da ist längst die Theilung der Ar- beit eingeführt, welche den fabrikmäßigen Betrieb bedingt. Gegen den Großbetrieb kann der Kleinbetrieb nicht konkurriren, sintemalen ein brabanter Gaul größere Lasten fortbewegen kann, alt ein kleiner abgemagerter Ziehhund. Und Ackermanviaden thun es freilich nicht. Dat sieht so- gar das konservative Leib- und Magenorgan deS sächsischen Geheimen HofratbS ein, welches folgenden Stoßseufzer von sich giebt: „Wie die Dinge sich heute gestaltet haben, werden die Handwerker gegenüber dem Großbetriebe aber nur etwas erreichen, wenn sie sich zugleich zu Rohstoff- und M a- ««»druck verboten.� 7] 3m Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) ,,Du glaubst wohl gar, die gaffen nach dem Herrn Püster hinüber?" sagte seine Frau beleidigt,„sollte ihnen dock einsallen I Aber glaubst Du nicht, Heinrich, daß man vielleicht von dem Manne..." „3Son welchem Manne, mein Herz?" „Von diesem Herrn Püster, wie der schreckliche Mensch heißt, etwas— etwas Näheres über die Sache, über das Testament meine ich, erfahren könnte?" Der Oberstlieutenant schüttelte mit dem Kopf.„DaS ist AmtSgeheimniß, Veronika," sagte er,„er ha» da einen Eid geleistet." „Wenn man nur so ungefähr wüßte „Er darf auch nicht einmal darüber Andeutungen wachen, oder er stände unter der größten Verantwortlich- keit; aber, wa» ich doch gleich sagen wollte, wo nur eigent» lich die Mädchen bleiben; essen wir denn nicht bald? Ich fange wirklich an Hunger zu bekommen und der Tisch ist noch nicht einmal gedeckt." Die Frau Oberstlieutenant klingelte. Da« Dienst- «ädchen und zugleich Köchin kam herein und wurde be- ordert:„Decken". ES stand nun wohl Alles in der Stube, aber die gnädige Frau konnte natürlich nicht daran denken, selber mit Hand anzu- legen; wofür war das Mädchen da? DaS mußte freilich von feiner Arbeit fort, und die beiden gnädigen Fräulein flanirtm indessen. Jetzt aber kamen sie die Treppe heraufgestürmt, den Apothekerlehrling unten im Haufe rissen sie balv um, so daß ihnen dieser unter seinen struppigen Haaren hervor ganz verdutzt nachsah. Lachend und kichernd hüpften sie über den Vorplatz, sie schienen sich ganz vortrefflich amüfirt zu haben. DaS erste Wort aber, mit dem sie in da« Zimmer förmlich einbrachen, lautete:„Sie war nicht zu Hause!" Sie, natürlich die Tante.> gazin-Genossenschaften zusammenthun. Mit der bloßen Lehrlingshaltung— die auch leicht eine Lehrlingsausbeutung werden kann— sowie mit der bloßen platonischen Forderung der StandeSehre ist eS nicht gethan. In dieser Hinsicht ist der ebenfall« beim Reichstag eingebrachte Antrag bemer- kenSwerth, wonach der Kredit unserer Reichsbank auch den Handwerkerkorporationen zugänglich gemacht werden soll. In welcher Form dieS geschehen soll, sagen freilich die Antragsteller nicht. E« ist aber sicher schon ein Verdienst, diese Frage überhaupt angeregt zu haben. E» ist aber zu berücksichtigen, daß der Zersetzung«- prozeß in unserem Handwerker st andelei- der schon sehr vorgeschritten ist und e» erfor- dert jedenfalls Zeit, die in der liberalen Aera zerschlagenen Formen in einer der Neuzeit entsprechenden Weise wieder aufzubauen. Scheitert aber auch der jetzige Versuch zur Reorganisation de« Mittelstände«, dann dürfte es jedenfalls der letzte gewesen sein. Und giebt e« schließlich nur noch Proletari r und geldreiche Unternehmer. So! Jetzt, nachdem Ackermann und Genossen im Reichstage Sieg auf Sieg erfochten haben, stellt sich da« Organ desselben ganz auf den Boden deS vielgeschmähten Liberalismus, ganz auf den Boden de« verstorbenen Schulze aus Delitzsch. Also— die Innungen können« allein nicht machen, Genossenschaften, Rohstoff- und Magazin-Genossenschaften, sie können helfen. Natürlich sind Rohstoffgenossenschaften nicht zu verachten— daS heißt, wenn die Herren Genossen soviel Geld oder Kredit haben, um die Rohstoffe billig er- werben und wa« wichtiger, sie billig und gut ver- arbeiten zu können, um ihren genossenschaftlichen Pflichten ferner pünktlich nachzukommen. Brechen aber au« solcher Maschine verschiedene Räder und Rädchen, so ist sie lahmgelegt, davon wissen zahlreiche Rohstoffvereine a la Schulze ein bittere« Liedchen zu singen. Und was hilft da« Zusammenschließen der Kleinpro- duze»ten zu Vereinen, wenn dem gegenüber da» Zusammen- schließen de« Großkapitals zu Gesellschaften steht? Dabei bleibt ja immer die Uebermacht der Konkurrenz bei den letzteren, dabei kann ja nimmermehr der Kleine mit dem Großen konkurriren! In nchtiger Erkenntniß jammert deshalb auch da« Ackermannsche Blatt,„daß der Zersetzungspro- zeß in unserem Handwerker stände leider schon sehr weit vorgeschritten ist"— man sieht, daß jene« Blatt auch nur die Ackermanniaden aus „Prinzip" vertheidigt, nicht aus Ueberzeugung. Doch wir haben un« in die Materie eigentlich zu weit eingelassen, da wir schon wiederha t unseren Lesern»achge- „Und habt Ihr Eure Karten abgegeben, Kinder?" „Gewiß, Mama; aber wißt Ihr, wer gestern Nacht von seiner großen Reise hier in Rhodenburg angekommen ist? Ach, Hanna, ein Glas frische» Wasser!" Das Mädchen mußte vom Decken fort, um da» Ver- langte zu holen.._ „Trink nur nicht zu hastig," sagte die Mutter;„nun, wer denn?".,,„ „Der junge Solberg; er soll ganz braun aussehen." „Ja," rief Flora,„und in der Stadt erzählen sie, er hätte eine Negerin geheirochet und brächte drei schwarze Kinder mit." „Du mein« Güte!" sagte die Frau Oberstfteutenant. „Mir auch ein GlaS I" befahl Flora, al» die Hanna mit dem Wasser kam, und sie mußte noch einmal hinaus... „Und heimlich ist er angekommen," ergänzte Hen- riette,„feine Eltern wußten gar nicht« davon, und über das Gartengitter ist er geklettert, ordentlich eingestiegen." „Und die Nacht hat er in einer Fuhrmann«- Wirth- schaft. im Goldenen Löwen, logirt," sagte Flora. „Und dritter Klasse ist er gefahren, weil er ke,n Geld mehr hatte," lachte Henriette;„rein der verlorene Sohn, Solberg« werden heute ein Kalb schlachten müssen. „Es ist doch erstaulich!" sagte die Mutter und schlug vor Verwunderung die Hände zusammen,„abcr woher wlßt Ihr da» nur Alle», Kinder?",... „Wir trafen Bertha von Noltie auf der Straße und begleiteten sie ein Stück, die wußte Alle«. DaS soll eme schöne Szene im Hause gewesen sein, na, daS laßt sich denken! Franziska wird sich besonder« freuen. „Er war immer ein Thunichtgut, nickte die Mutter, „aber wa» werden sie jetzt nur mit ihm anfangen? „Gott weiß e»! Wie alt ist er eigentlich. Mama?" „Ja. laß einmal sehen, mein Kind; w.« er damals fortlief, war er gerade zwanzig Jahre alt, und da« war an dem nämlichen Tage." setzte sie m.t emem schweren Seufzer hinzu,„als da« Kind, Dein seliger Bruder, starb, Den Tag vergess' ich nie. das waren gerade gestern zehn volle Jahre, ja, ein« lange Zeit I" wiesen haben, daß da« Handwerk einer anderen Betriebs« weise völlig weichen wird und daß der gegenwärtige Handwerkerstand nach und nach in dem Arbeiterstand auf- geht.——— Hier wollen wir nur»och unsere Freude darüber au«» sprechen, daß das Blatt de» Herrn Ackermann eingesteht, daß da« ausschließliche Halten von Lehrlingen seitens der JnnungSmeister nicht viel Nutz»» bringt und daß e« ferner zugesteht, daß dadurch„leicht eine LehrlingSauS- beutung werden kann". Schöne Aussichten, da«! Doch durch solch« Thatsachen würde der JnnungS« schwinde! am schnellsten wieder beseitigt werden. Dolitiscke Mebersickt. Um da« Arbetterschutzgesetz setzt die„Nordd. Allgem. Ztg." ihren Eiertanz fort. In ver gestrigen Nummer bemüht fie sich, den Beweis zu liefem, daß die Einbringer deS Ent- wurfes ftüher den Normalarbeitstag gefordert hätten, während fie jetzt einen MaximalarbeitStag verlangen. Daß die Antrag- steller zu einer präziseren Fassung gelangt find, ist doch jeden- falls ein Zeichen, daß sie keinen fix und fertigen Welt» beglückungSplan in der Tasche haben, sondern Willens find, steis Ver besseren Erkenntniß Rechnung zu tragen. Im Uebrigen ist dtr„NorddtUtschen" anscheinend wenigerdarum zu thun, Gründe gegen die gesetzlich geregelte Arbeitszeit anzuführen, als darum, durch allerlei Wortklauberei um den Kern der Sache herumzuschleichm. Wenn daS offiziöse Organ bessere Vor- schlüge machen kann, warum rückt es dann nicht her- auS mit der Sprache? DaS. was in dem Artikel als Sozialreform der„posttiven" Parteien hingestellt wird, die Versorgung der Arbeitsunfähigen, ist doch erst geschaffen wor- den durch den Druck der im Reichstage fitzenden Ärbeiterver- treter und ihrer Wähler. Uebrigeni steht es der„Nordd. Allg, Ztg." keineswegs gut an, von der in Szene gesetzten Sozial- reform soviel Aufhebens zu machen, denn wenn auch die Re- gelang des KrankenkaffenwesenS an fich recht erfreulich ist, so find doch andererseits die Arbeiter stch darüber klar, daß diese Sozialreform auf ihre Kosten geschah, und daß durch daS Un» fallgesetz ein bedeutender Theil der Lasten, welche früher von den Unternehmern zu tragen waren, auf die Krankenkassen ab- gewälzt worden find. Nicht eine organifirte Armenpflege schwebt den Ardeitern alS Ziel vor, sie wollen Krankheit und Armuth verhüten und deshalb fordern fie ein weitgehendes Schutzgesetz. Es ist ein trauriges Zeichen, daß man in den Kreisen der genannten Zeitung kein Verständniß für daS Aller- nothwendtgste hat; mit leeren Redensarten kann man wohl die„Nordd. Allg. Ztg." füllen, aber nicht die soziale Lage deS Volkes verbessern. Dem Reichstage wird, wie die„Nat.-Zeit." erfährt, ein sehr umfangreicher Bericht über die I m p f f r a g e zugehen. ES handelt fich um die Beschlüsse der Jmpfkommisston und um die Verhandlungen, welche den Beschlüssen voraufgegangen. Allem Anschein nach wünscht die Regierung eine nochmalige „Und so lange hat er sich in der Welt herumgetrieben?" sagte Flora. „Ja, Kinder, aber jetzt laßt mir den jungen Vaga« banden laufen," bemerkte der Vater,„und kommt zu Tische. Ihr habt un« so heute ein wenig warten lassen." DaS Mädchen hatte, während die jungen Damen in allen Stadtneuigkeiten schwelgten und die Hüte und Shawl« nur auf die nächsten Stühle abwarfen, dm Tisch fertig gedeckt und das Essen hereingebracht, und die Familie setzte sich jetzt zu dem allerding« sehr frugalen Mahle nieder. ES bestand in der That nur auS einem einzigen kleinen Stück Fleisch für die vier Personen, etwa« dünnem Gemüse und einem Gla« einfachen Bieres für den Vater. Lieber Gott, der äußere Anstand mußte der Welt gegenüber gewahrt werden, und wo hätte man da überhaupt anders sparen können, als am Essen und an der Wäsche. DaS sah ja Niemand, denn über Tisch nah« die Familie nie Besuch an. DaS EckhauS. Auf dem Brink in Rhodenburg, der Apotheke fast gerade gegenüber, stand jenes schon früher erwähnte EckhauS, daS man aber kaum ein EckhauS nennen konnte, da eS, fast allein stehend, in eine stumpfe Spitze nach dem Brink zu auslief und eine Straß« an jeder Seite hatte. Ja selbst im Rücken wurde e» durch eine kleine Quergasse, den sogenannten Geistersteg, von den dabinter liegenden Gebäude» getrennt, so daß es vollkommen isolirt von allen übrigen Häusern Gerade voraus, der abgestumpften Spitze gegenüber, die genau nach Westen zeigte, also ebenfalls nach Westen zu, lief eine sehr kleine enge Gasse, die sogenannte Rosm- twete, sie mochte kaum mehr al« sechs Schritte breit sein, dje rechte Ecke daran bildete die Hofapotheke, die linke ein ebenfalls hübsche«, aber nur zweistöckiges Hau«. Link« von diesem wieder lag die Hauptgafle, die man aber auch noch recht gut von hier au» übersehen konnte. Die beiden vom Brink ab schräg an dem einzelstehen- den Hause hinlaufenden Gassen hießen links die Bären-, rechts die Mühlgasse, waren aber ebenfalls nicht breit, und Erörterung der Frage, obschon fie, wie bekannt, den Impfs zwang aufrecht zu erhalten entschloffen ist. Zur Auswanderungsstatistit. In der Zeit von Anfang Januar bis Ende Februar 1885 belief fich die Zahl der überseeischen Auswanderung aus Deutschland auf 6580. Jm gleichen Zeitraum beirua die Zahl derselben: 1884 10 504, 1883 12 516, 1882 14 538, 1881 11 591. Wenn es richtig wäre, was im Reichstag vom Fürsten Bismard behauptet wurde, daß die steigende Bahl der Auswanderer dem steigenden Wohlstand entspricht, so würde dieser im laufenden Jahre stark in der Abnahme sein. Der Wedell'sche Brief. Der Schles. 8tg." meldet man von Berlin: Die Untersuchung über die Art, in welcher das dem Minister des Innern über einen Bürgermeister Auskunft gebende Schreiben des Präsidenten der Regierung zu Magdeburg, des Herrn von Wedell- Piesdorf( der zugleich Reichstags- Präfident ist) in die Deffentlichkeit gelangte, hat ergeben, daß ein Verschulden auf Seiten der Beamten nicht vorliegt." Wer aber hat denn nun eigentlich die Schuld? Aus Burg bei Magdeburg, moselbst der in dem We bell'schen Briefe genannte Bürgermeister Dr. Melkbach amtirt, wird den ,, Demokratischen Blättern" geschrieben:„ Der Brief des Regierungs. Präsidenten von Wedell an den Minister von Buttkamer zeigt wieder einmal recht deutlich, daß konser vative Gesinnungstüchtigkeit allein nicht mehr ausreicht, um sich die Protetiton hoher Verwaltungsbeamten zu sichern, hierzu ist vielmehr noch, besonders im amtlichen Verkehr mit Offizieren, ein ungewöhnlich hohes Maß von ,, Tatt" erforderlich. Für Bürgermeister und solche, die es werden wollen, wird es sehr lebrreich sein, zu erfahren, worin eigent lich die ,, Tattlosigkeiten" des Dr. Melzbach bestanden haben. So hatte der Konflikt mit den Offizieren in folgenden Vor. gängen feinenselbst nach der Auffassung des Herrn Regie rungs Bräfidenten berechtigten Grund: Die Befizer öffent licher Lofale batten kraft einer bereits viele Jahre alten Polizei verordnung Abends 11 Uhr ihre Schankstätten zu schließen. Eine Ausnahme von dieser Regel glaubten jedoch die Wirthe der Honorationentneipen machen zu dürfen, deren Gäste fich um bie Polizeistunden wenig oder gar nicht fümmerten. Dies änderte fich mit dem Amtsantritt des Herrn Dr. Melzbach. Auf erfolgte Beschwerden sezte er für alle Schankwirthe gleich. mäßig die Polizeiftunde auf Nachts 12 Uhr feft, forderte aber die Innehaltung derselben von allen Gemeindeinsafsen ohne Unterschied des Standes und Ranges. Einigen Wirthen paßte bies natürlich nicht. Unter Anderen mußte der Befizer einer vorzugsweise von den Honorationen, den höheren Beamten und Offizieren, besuchten Lokals wiederholt durch nachdrückliche Strafen an die Beobachtung der Polizeiverordnung erinnert werden. Es kam sogar zwischen den zur Aufrechterhaltung der Verordnung erschienenen Polizeibeamten und Nachtwächtern einerseits und dem Wirth, sowie seinen Gästen andererseits zu turbulenten Szenen!-Kurze Zeit nach diesen Vorgängen gründeten die Besucher des Lotales einen Berein und es blieb ihnen nunmehr unbenommen, täglich von 6 Uhr Abends" ab, wie ihr Statut sagt, Unterhaltung und geistige Anregung," auch noch über die Polizeiftunde hinaus zu pflegen. Ein weiterer ,, Konflikt" erwuchs dem Bürgermeister bei Ge legenheit der vakant gewordenen Stelle des Gymnafialdirektors, und zwar dadurch, daß er gegen die Wahl eines von einflußreichen Persönlichkeiten aufs Wärmste empfohlenen Oberlehrers und Reserveoffiziers bei der zuständigen Schulbehörde erfolg reich Einspruch erhob. Letterer stügte sich nicht auf die Mitgliedschaft des Oberlehrers und Reserveoffisiers im erwähnten Verein aur Unterhaltung und geistigen Anregung", wie man boshaft behauptete, vielmehr lediglich auf den Mangel an Bes fähigung deffelben zu der valanten Direktorstelle. Die Bürger schaft zollte dem Verhalten ihres Bürgermeisters ungetheilten Beifall, leuchtete doch fast Jedem ein, daß die stark verminderte Frequenz des Gymnasiums, deffen Unterhaltung die Stadt un verhältnismäßig bohe Summen loftet, nur durch die Zuführung Will der Herr tüchtiger Lehrfräfte gehoben werden konnte. Regierungspräsident vielleicht auch noch auf den Konflitt" zwischen dem Dr. Melzbach und dem früheren Stadtverord netenvorsteher hinweisen?! Diesen Streit hat die Bürgerschaft längst endgiltig entschieden. Der Vorsteher schied aus dem Stadtverordneten Kollegium, nachdem ihm legteres bei Gelegen heit der turz vorher erfolgten Neuwahl zum Kreistage in un weideutigfter Weise zu erkennen gegeben batte, daß er auf die Wiederwahl zum Vorsteher ferner nicht mehr zu rechnen habe. Dies sind die zahlreichen Konflitte", in welche der p. Dlelzbach durch seine angebliche Tattlofigfeit" ,, mit allen möglichen Behörden und Personen" gestürzt ist. Den treffendsten Kommentar zu seinem Empfehlungsbriefe hat der Herr Res gierungspräftdent wohl selbst dadurch geliefert, daß er den Adressaten bittet, den p. Melzbach über sein Urtheil im Un Waren zu laffen". Frankreich. " Die Deputirtenkammer wählte fich gestern ihren Präfiden. ten an Stelle Briffon's. Beim ersten Wahlgang erfolgte teine definitive Entscheidung, es tam zur Stichwahl, in der Flo= von dem Eckhaus aus fonnte man also auch nach Nord und Süd zu die gegenüberliegenden Gebäude vollständig überbliden, ja ihnen in die Fenster hineinsehen. Das alte, wunderlich gebaute und vorn an der ftumpfen Spige mit reicher Steinhauerarbeit gezierte Haus lag solcher Art wie eine Warte zwischen den übrigen Gebäuden, und im vorigen Jahrhundert sollte auch einmal eine Sputgeschichte damit in Verbindung gestanden haben, wonach wohl die Gasse dahinter der Geistersteg genannt wurde. Jetzt freilich waren so viele Jahrzehnte darüber hingegangen, daß sich selbst die Sage so ziemlich verloren hatte oder doch nur ganz unbestimmt in der Erinnerung alter Bewohner von Rhodenburg eine fümmerliche und burch jeden Todesfall mehr bedrohte Existenz fristete. Stand es früher vielleicht einmal eine Zeit unbewohnt, so fürchtete fich jest tein Mensch mehr vor den neu herge richteten Räumen, und das Parterrelofal entsprach sogar mit seinen großen Spiegelscheiben, brillanten Gastron leuchtern, eisernen Tischen und Marmorplatten und einem glänzenden Buffet den erhöhten Ansprüchen der Neuzeit und machte dadurch all' den übrigen ähnlichen Wirthschaften, besonders für die höhere Gesellschaft, eine gefährliche Ronfurrenz. Das ganze Aeußere des Hauses machte durch den unten neu angelegten Zurus, während oben noch die Jahrhunderte alte folide Steinarbeit darüber hinausragte und große eiserne, jett abgeleitete Dachrinnen in Drachenform ein Stück vom Dach abstanden, einen merkwürdigen Eindruck und Fremde besonders verfehlten es nie, es aufzusuchen. Die erste Etage dieses Eckhauses bewohnte, wie schon erwähnt, ein Notar, der unten in der Bärengaffe, wo sich ber Eingang zu den oberen Stockwerken befand, ein ein faches Porzellanschild mit der Inschrift hatte:„ Püster, Advokat und Notar". Selbst der Vorname fehlte; keine Andeutung war da bei gegeben, ob der Mann Doktor sei oder nicht, oder sonst einen anderen Titel führe; und doch wußte man in ganz Rhobenburg schon längere Zeit, daß dieser einfache Büster ein ganz vortrefflicher Advokat sei, der die schwierigften und verwideltfien Fälle mit einem fast wunderbaren quet gewählt wurde. Hierauf vertagte fich die Kammer bis zum 4. Mai. Der Senat nabm mii 211 gegen 6 Stim men, den von der Deputirtenkammer bewilligten Kredit von 150 Millionen für Tontin an. Darauf vertagte sich derselbe gleichfalls bis zum 4. Mai. gleichfalls bis zum 4. Mai.- In der Finanztommisfion des Senats antwortete Freycinet auf eine be zügliche Anfrage, es hätten in der That Friedenspräliminarien mit den Chinesen stattgefunden; aber bevor er den Unterhandmit den Chinesen stattgefunden; aber bevor er den Unterhandlungen weitere Folge gegeben, habe er die Meinung der chine fischen Regierung fennen lernen wollen. Er habe dahe: heute nach Beling telegraphitt und werde den Frieden als abges schloffen erst nach Eintreffen der Antwort der chinesischen Re gierung bezeichnen tönnen. Die Radikalen verschiedener Schattirungen hielten in Paris Versammlungen ab, in denen dem gestürzten Kabinet noch der Prozeß gemacht werden sollte. Die Blanquisten hatten fich in der Salle Lévis eingefunden, die Abgeordneten Clémen ceau und de hérédia waren trop der an fte ergangenen Einladung nicht erschienen. Die bekannten Meetingsredner Joffrin, Labusquièrz und Boultrie sprachen nicht nur gegen das Mi nisterium Ferry, sondern auch gegen die Linke der Kammer, welche es unterlassen, dasselbe lange vor der Affaire von Langson in Anklagezustand zu versezen. Andererseits batte Das Demokratische Komitee des 3. Arrondissements von Paris, bes Wahlbezirks des Abg. Spuller, ein großes Meeting der Wähler nach der Salle Molère, Rue St. Martin, einberufen. Der Abg. Laisant führte den Vorfit und Manjan, der ehe malige Sekretär des Kriegsministers Thibaudin, sowie eine Reihe anderer intranfigenter Persönlichkeiten nahmen an der Debatie Theil, welche in nachstehender Tagesordnung ihren Abschluß fand: Die am 4. April 1885 in der Salle Molière versammelten Wähler, in Erwägung, daß das Ministerium Jules Ferry, für die chinesische Expedition und die letzten Niederlagen in Tontin verantwortlich ift; in Erwägung, Daß die von der opportunistischen Roterie verfolgte Kolonial politit im äußersten Often eine verhängnißvolle und den Inters effen des Landes sowie den unbestreitbaren Rechten der Völker zuwiderlaufende ist, verlangen: 1) den Abschluß des mit der nationalen Würde vereinbarenden Friedens, 2) die Versesung der Minister in Anklagezustand, 3) daß eine Agitation für den Triumph dieser Jdeen organiftrt werde, durch Manifestationen, Petitionen und öffentliche Versammlungen, 4) daß das Volt, der souveräne Richter, von dem Ministerium berufen werde, fich in den Wahlversammlungen auszusprechen, von einem Ministerium dessen beschränktes Programm sein wird, die kriegerische Lage ehestens zu beseitigen und die Unabhängigkeit der Wähler zu sichern". Die Versammlung erklärte dann den Abg. Spuller seines Mandats für verlustig. Italien. In der Provinz Mantua ist eine nicht unbedenkliche Bauern Bewegnng ausgebrochen vielleicht der Vor läufer ähnlicher, größerer und sozialer Erhebungen, denn überall ist die Lage der ländlichen Bevölkerung eine traurige. Dem schweizer Bund" gehen aus Rom folgende Ausführungen zu:" Die freiheitlichen Bustände nach 1859 und 1866 schufen teine Verbesserung für den Bauernstand. Da derselbe keine Verständigung mit den Grundbefizern erzielen konnte, so griff er mit Hilfe sozialistischer und republikanischer Agitatoren zu dem Rechte der freien Vereinigung. Es ent stand in den Provinzen Cremona und Mantua ein paffiver Widerstandsverein der Feldarbeiter gegen die Grundbefizer, welcher in den letzten Jahren eine einflußreiche Stellung ers rang. Er wollte den Tagelohn erzwingen, welcher den Bauern wenigstens das tägliche Brod fichern sollte, doch widersetten fich die Grundbefizer. Ungeseglichkeiten unterblieben, aber eine Krifts war unausbleiblich, je mehr die Macht des ,, Bauernvereins" wuchs. Der Bauernverein wurde sozialisti scher Tendenzen beschuldigt; es fiel den Vertretern des Kapitals nicht übermäßig schwer, das Mißtrauen der Regierung gegen ihn zu weden. Was Leptere plößlich zu einem Repressionssystem gegen den Bauernverein" veranlaßt hat, weiß man noch nicht. Thatsache aber ist, daß sich die Provinzen Cremona und Mantua, namentlich die lettere, in großer Aufregung befinden. Alle größeren Ortschaften wurden von den Truppen besett, sämmtliche Vorstände der Bauernvereine, über 200 Mann, verhaftet und nach Mantua ins Ge fängnis abgeliefert. In allen Dörfern wurden die Fonds der Bauernvereine mit Beschlag belegt, alle Briefschaften und Mitgliederlisten weggenommen und zwar, wie es scheint, auf bloße Anordnung der Polizei. Man spricht wohl von einigen Er geffen, von der Zerstörung von Weinbergen, von Beschädigung des Biches durch aufrührerische Bauern, aber Veranlaffung zu den Massenverhaftungen scheinen diese Vorfälle nicht gegeben zu haben. Die Erlaffe der Präfetten von Cremona und Mantua stehen im Widerspruch mit dem Geifte der freifinnigen italienischen Gesetzgebung; fie aihmen eine eigenthümliche Bartellichkeit für die Grundbefizer. Man darf nicht vergessen, daß es die bittere Noth ist, welche die Bauern zu diesem Ber fahren treibt." Scharfsinn durchschaue und eigentlich keinen einzigen Prozeß verlor. Das Geheimniß lag freilich darin, daß er nicht jede Klagesache cnnahm und Manches, trotz aller aller Aussicht auf größeren Gewinn, von der Hand wies, sobald er selber fühlte, daß die Sache faul sei. Was er aber annahm, führte er auch durch, und der geschäftliche Verkehr in seinem Romptoir, so abgesondert er fich sonst von der eigentlichen Gesellschaft hielt, war deshalb ein nicht geringer. In einem der größeren Zimmer, die nach der Bären gaffe hinaus lagen, befand sich das Romptoir, oder vielmehr die Schreiberstube, denn sechs junge Leute, unglüd liche Menschen, denen der liebe Gott weiter nichts als eine aute Handschrift gegeben, und die jetzt um wenige Thaler Gehalt das ganze Jahr lang geistiöstende Eingaben abschreiben mußten, hatten dort mit wenig Licht und viel Arbeit ihre tägliche Beschäftigung, während der Notar felber das Edfenster wie das daranstoßende größere Gemach zu feinem Privattomptoir gemacht hatte und nur mit einem Einzigen seiner Leute, einem kleinen, verwachsenen Menschen arbeitete. Sonst besorgte ihm eine alte Köchin die Wirthschaft, und ein junges Ding von dieizehn oder vierzehn Jahren, die der Notar als Waise zu fich genommen, hatte wenig mehr zu thun, als die Etage reinlich zu halten, und bes suchte dabei noch immer die Schule. Sie schlief mit der Röchin in einer Rammer nach der Bärengasse hinaus. Büfter saß in seinem Zimmer am Privatpult und hatte einige offene, eben gebrachte Briefe vor fich liegen, von denen zwei seine besondere Aufmerksamkeit zu fesseln schienen. Er nahm wenigstens bald ben einen, bald den andern vor und las fie mehrere Male wieder durch. Jezt stand er auf und trat in sein Edfenster, von dem aus er, heute aber mit ganz andern Dingen beschäftigt, den Blid, mehr wie in alter Gewohnheit, bald da, bald dorthin über die in Augesbereich liegenden Häuser schwei. fen ließ. Das Romptoir felber war ein sehr einfach und nur gefchäftsmäßig eingerichtetes Arbeitszimmer mit hohen, von Aftenstücken gefüllten Regalen, einer kleinen juristischen Lokales. Das von den Befürwortern einer großen nationalen Industrie Ausstellung im Jahre 1888 in Aussicht genommene Terrain liegt in gerade entgegengesetter Richtung vom jezigen Ausstellungspalaste. Von Berlin NW. würde man sich nach 80 zu wenden haben. Es ist jener Streifen der Cöllni schen Wiesen in Betracht gezogen, welcher rechts der Köpnicker Allee von dieser, von dem Babnförper der Görlizer Bahn und an seiner Schmalseite von der Verbindungsbahn begrenzt wird. Es ist ein trockenes, geschüttes Terrain von etwa vier- bis fünfmaligem Umfange des jezigen Ausstellungsterrains. Was zu feinen Ungunsten spricht, ist, daß es so überaus lang gestrect, an seiner breitesten Stelle faum breiter ist, als die Oygiene Ausstellung an ihrem breites en Punkte. Dagegen weist dieser Blas ganz außerordentlich viele andere Vorzüge auf. 3anässt die große Bequemlichkeit, ihn zu erreichen. Die Station Treptow der Verbindungsbahn ist in unmittelbarer Nähe, kaum drei Minuten entfernt. Von jedem Bahr hof der Stadt und Ringbahn würde man also hinausfahren können. Die Pferdebahn Verbindung würde zu einer vortrefflichen ausgebildet werden können. Das Schienennes dr Großen Berliner Pferdebahn würde ge statten, Touren von allen Theilen der Stadt hier hinaus zu tombinizen. Dazu würde fich dann noch die Wasserstraße ge sellen, wie überhaupt die große Nähe der Spree, die hier vor ihrem Eintrit in Berlin bekannt ich noch der Schwan, nicht das Schwein" ist, der Landschaft einen großen Reiz verleiht. Auch der fich hatt an das Terrain lehnende prachtvolle Schle ftiche Park wäre eine nicht hoch genug zu veranschlagende Bur gabe. Dazu gefellt sich, daß die Ausstellung in die Nähe Der großen industriellen Etablissements gerückt würde, welche fich von Berlin an bis Röpnick die Spreeufer entlang aneinan betreiben, daß die Industrieausstellung fich unter dem Schußze der Industrie Etablissements stellte. Das sind die vorzüglichsten Gründe dafür, daß man dieses Terrain empfiehlt, Gründe, zu Denen sich als maßgebendster dann noch gesellt, daß ein anderes Terrain in absehbarer Zeit überhaupt nicht zu haben ist. Wir wiederholen indeffen, daß es sich auch hierbei nur um Vorschläge des Vereins der 79er" handelt, eines Vereins, der übrigens nicht, wie ein Druckfehler uns gestern sagen ließ, auch, sondern nicht militärischen Charakters ist. " „ Gesundbrunnen, fannst ruhig sein!" Bekanntlich soll dem neuesten Projekte gemäß die Verbindungs.Pferdebahn zwischen Gesundbrunnen, Wedding und Moabit durch die Berle bergerstraße nach der Stromstraße geführt werden, was zur selbstverständlichen Voraussetzung die Durchführung der Berle berger durch die Lübeckers nach der Stromstraße hat. Wie ernsthaft das für die Bewohner des Gesundbrunnens hochwich tige Projekt gemeint ist, dürfte der Staatsb. 8tg." zufolge Daraus hervorgehen, daß die städtische Verwaltung fürzlich an Der Stele, wo die Durchführung der genannten Straße er folgen sollte, an Stelle eines Bretterzaunes eine massive Mauer errichtet hat. Für die Bewohner des Gesundbrunnens wird es biernach wohl angezeigt sein, fich in Geduld zu faffen, intereffant bleibt es aber immerhin, in welcher fonfequenten Weise einer bestimmten Gesellschaft geviffermaßen das Monopol er theilt werden kann, unter Janorirung der Intereffen der All gemeinheit, lediglich das Intereffe des eigenen Sädels, respektive dasjenige der Aktionäre zur Richtschnur nehmen zu dürfen. " Publizistisches Industrieritterthum. Vor einiger Zeit machte durch verschiedene Blätter eine sensationelle Meldung die Runde, wonach die Ehe des serbischen Königspaares gelöst werden solle. Diese von vornherein unglaublich flingende Mittheilung. welche zuerst in einem kleinen italienischen Standal blatte des Titels Nabab" erschienen war, wurde bald darnach, wie zu erwarten war, dementirt. Mit Bezug hierauf schreibt man nun aus Belgrad, daß das genannte Blatt megen feinet unwürdigen Haltung überdies bekam es auch einige Gelderpreffungsprozesse an den Hals von der italienischen Breffe tootgeschwiegen, vom Publikum nicht gelesen wurde und des halb ohne Sang und Klang eingehen mußte. Jener Mitarbeiter beffelben, welcher die recht plump erfundenen Geschichten über das Leben am serbischen Hofe veröffentlicht batte, ein gewiffer aus Dalmatien gebürtiger Josef Modric hat nunmehr, mo er brotlos geworden ist, abermals einen Versuch gewagt, um zu dem ersehnten Gelde zu gelangen. In einem an eine in Belgrad lebende angesehene Persönlichkeit gerichteten Briefe theilt er mit, daß er eben im Begriff stebe, ein Buch in italienischer Sprache zu schreiben, das den Titel, La Societa di Belgrads" führen und das eine ganze Auslese Belgrader Hof- und Standalgeschichten enthalten werde. Weiter bemerkt er, daß er die meisten, den serbischen Hof, die Minister, die Königin u. s. w. behandelnden Artikel an Mme. Adam für deren Nouvelle Revue" einzusendtn ge denke und schließt mit der bereits stereotyp gewordenen An deutung, die sich auf event. Schweigegeld bezieht. Es ist eine Pflicht, auf das unqualifizirbare Vorgehen dieses literarischen Industrieritters aufmerksam zu machen, da das unverantwort liche Gebahren derartiger Leute den ehrenwerthen Theil der Bibliothek an den Wänden und ganz einfachen, nur lacirten Möbeln, zwischen denen sich aber doch ein paar bequeme Lehnstühle, jebenfalls für Klienten, befanden. Hübsch gelegen war es übrigens, besonders in der Aus ficht, denn das große, die abgeftumpfte Spiße des Hauses bildende Edfenster bot einen prächtigen Blid nach allen Seiten und war mit einem grünen, jezt zurückgeschlagenen Vorhange versehen, der aber niedergelassen werden konnte und dann den ganzen Erker wie ein fleines Gemach ab schloß. Da öffnete fich die Thür, und sein Faktotum, der kleine verwachsene Mensch, der nur einfach Mur genannt wurde, trat herein. Mug war eine ganz eigenthümliche Erscheinung, mit einem Gesicht, in das man hätte Stunden lang hinein schauen tönnen, ohne zu ergründen, was darin lag. Es spielte eigentlich fortwährend durch jeden Ausdruck und legte sich dabei oft so in Falten, daß man die kleine, faum vier Fuß hohe Gestalt mit den hoch aufgezogenen unregelmäßi gen Schultern und den unverhältnißmäßig langen Armen manchmal geneigt war, für einen Mann in den Vierzigen zu halten, während er dann wieder das reine Rindergesicht zeigte, als ob er dem Rnabenalter taum entwachsen wäre. Nur das klare, dunkle Auge funkelte unter ein Baar wirklich schön geschnittenen Brauen immer gleich flug und aufmerksam hervor. Der Notar wandte sich gegen ihn. Nun," fagte er, wie war's? Hast Du etwas e fahren?" Mur zuchte mit den Achseln, das heißt, er hob fie ein flein wenig höher, als sie überhaupt gewachsen waren. " 1 " Nicht viel, Hrr Notar," erwiderte er, der Herr aus Amerika erinnert sich allerdings, einen Mann Namens Reh berg in Amerika, und zwar in Cincinnati gekannt zu haben, was aber aus ihm geworden sei, fönne er nicht wiffen Dort drüben wechselten die Menschen rasch durcheinande sei er so gut wie verschwunden, denn eine Kontrole findet und wenn Einer nur an Bord eines Dampfbootes gehe, fo natürlich nicht statt." Bon der Frau weiß er nichts?" Bubli Aufga der A wert 2 Schrifts Sarau worde Deutsch aus Antun Antun preußi gimme Sarau Hausu ftatt, verkeh Gatter richter fte ein Minu redung gefüh fte Be haftun Perfo Rufes rich R ift ein Heinri schule in Ki miffen erst Lieute schaft 1852 pagni enblic hätte und f Flens Konne gesezt Sache Thats 4. v. haft b ift, hä Bet se nannt im B Nachd Willi bon g 21. F Newy von tende worde strebu er fich folgun hoch Tager welche einem mus, Juder der C als st fet. 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Vor mehreren Tagen ist der als Publizist und Militär schriftsteller in weiteren Kreisen bekannte dänische Kapitän von Saraum, der zum Besuch in Berlin weilte, dahier verhaftet worden, wie es heißt auf den Verdacht der Ausfundschaftung Deutscher militärischer Berhältnisse hin. Wie dänischen Blättern aus Berlin gemeldet wird, wurde Herr v. Saraum nach seiner Ankunft dahier sofort verhaftet, so daß die Polizei von seiner Ankunft unterrichtet gewesen sein muß; in Gegenwart zweier preußischer Offiziere fand eine Untersuchung desjenigen Hotelaimmers statt, in welchem er logirt hatte. Nachdem Herr von Saraum ins Polizeigefängniß abgeführt, fanden mehrfache Hausuntersuchungen bei einigen in Berlin domizilirten Dänen ftatt, mit denen Saraum bei seiner dortigen Anwesenheit zu verkehren pflegte. Frau Saraum, von der Verhaftung ihres Gatten unterrichtet, eilte sofort nach Berlin. Der Untersuchungs richter gestattete es, daß sie ihren Mann sah. Drei Mal hatte fie eine Busammenkunft mit ihm, die jedes Mal etwa zwei Minuten andauerte. Als fte zum vierten Male eine Unterredung mit ihm beantragte, wurde fte auf das Polizeipräsidium geführt und hier soll ihr bedeutet worden sein, daß, wenn fte Berlin nicht binnen einer halben Stunde verlasse, ihre Ver haftung erfolgen würde. Die Rieler Beitung" stellt die Bersonalien des als Militärschriftsteller eines internationalen Rufes genießenden Publizisten wie folgt fest. Christian Fried rich Konrad Saraum, geboren am 2. Juli 1824 in Schleswig, ist ein Sohn des zu Riel geborenen Kammerraths Friedrich Heinrich Wilhelm Saraum. Er besuchte die Schleswiger Dom schule bis 1843, ftudirte Philologie nnd später Jurisprudenz in Kiel und Heidelberg, machte im Sommer 1857 ein staats wiffenschaftliches Examen in Kopenhagen, war inzwischen 1848 erst Volontär beim 5. Jägerkorps, dann schleswig holsteinischer Lieutenant, 1849 Premierlieutenant und 1851 in gleicher Eigenschaft im schleswig holstein lauenburgischen Kontingent, wurde 1852 nach Kopenhagen versezt, 1864 Kapitän und 1865 Kompagniechef im 4. dänischen Infanteriebataillon und wurde endlich 1872 penfionirt. Nach Meldungen anderer Zeitungen hätte fich bereits die Schuldloftateit Sarauw's herausgestellt und stände deffen Freilaffung bevor, wie auch schon der in Flensburg verhaftet gewesene Dffisier, deffen all man in Konner mit dem vorliegenden bringt, wieder auf freien Fuß gesezt wurde. Eines Ürtheils über den Zusammenhang der Sache wird man fich bis zum Bekanntwerden authentischer Thatsachen enthalten müssen. Ein vermeintlicher Anarchist, der sich bereits seit dem 4. v. M. bei dem Landgericht in Düsseldorf in Untersuchungs. haft befindet, deffen Persönlichkeit aber noch nicht festgestellt ist, hält gegenwärtig die gesammten Polizeibehörden in Athem. Bei seiner Verhaftung, die wegen versuchten Betruges erfolgte, nannte der Mensch fich Rupert Neumayer, auch befand er sich im Befiz eines auf diesen Namen lautenden Militärpaffes. Nachdem sich diese Angaben als falsch erwiesen, gab er an, William John Bonnell zu heißen und im Jahre 1863 in Lon don geboren zu sein. Festgestellt ist, daß der Verhaftete am 21. Februar mit dem Dampfer ,, Fulda" in Bremerhafen von Newport aus angelangt ist. Der Umstand, daß eine Anzahl von anarchistisch- revolutionären Flugblättern An das arbet tende Boll von Newyork und Umgegend" bei ihm aufgefunden worden ist, läßt darauf schließen, daß er den anarchistischen Bes strebungen nahe steht, und deuten die Widersprüche, in welche er fich verwickelte, an, daß er sich einer strafrechtlichen Verfolgung entziebt. Derselbe ist etwa 23 Jahre alt und spricht hoch und plattdeutsch, sowie englisch und französisch. Der Antisemitismus im Gerichtssaal. Vor einigen Tagen ist wieder einmal einer jener Richtersprüche ergangen, welche das peinlichste Aufsehen zu erregen geeignet sind. In einem Prozesse gegen einen der Vorkämpfer des Antisemitis mus, Herrn de Groufilliers, welcher fich der Beleidigung eines Juden schuldig gemacht hatte, hat das Gericht bei Anmeffung der Strafe nach den übereinstimmenden Berichten der Preffe als strafmindernd berücksichtigt, daß der Angeklagte Antisemit sei. Hierzu machen die ,, Demofr. Bl." folgende zutreffende Be mertungen: Daß die politische Ueberzeugung vor Gericht eine Rolle spielt, ist nichts Neues. Als seiner Zeit in der Aera des Denunziantenthums die Prozesse wider die Majestätsbes leidiger fich abspielten, hat man wiederholt aus dem Munde von Staatsanwälten und Richtern gehört, daß die Bugehörigs teit zur sozialdemokratischen Partet bet Abmessung der Strafe nicht unberücksichtigt bleiben dürfe. Das war noch vor dem Ausnahmegeset. Jede Medaille hat ihre 2 Seiten. Wir erblicken jetzt den Revers: die Antisemiten unter der Protektion der Gerichtshöfe. Du bist Antisemit: wenn Dich Dein Metier mit dem Strafe richter in Konflikt bringt, darfst Du einer rücksichtsvollen Be handlung gewiß sein. Weshalb ist der Antisemit nun in den Augen dieses Gerichtshofes ein Grund zur Strafminderung? Es giebt nur zwei Möglichkeiten. Entweder hält der Gerichtshof die antisemitische Richtung aus Gründen der Staatsraison für so löblich, daß fie auf wohlwollende Berücksichtigung vor Nein, nicht einmal, ob jener Rehberg verheirathet ge= wesen sei oder nicht. Es ist übrigens ein komischer Rauz und mischt eine solche Menge von englischen Wörtern ein daß man, wenn man nicht wenigstens ein flein wenig Eng lisch kann, gar nicht versteht, was er sagt." Und verstehst Du Englisch, Mur?" fragte ihn der Notar etwas erstaunt. Nicht viel," antwortete der Bucklige unb erröthete dabei wie ein Mädchen. " Hm, und wo hast Du das gelernt?" " Ich treibe es Abends." Der Notar erwiderte nichts weiter darauf, seine Ge banken flogen schon wieder nach anderer Richtung hin. " Ja," fagte er, faft weniger zu Mug, als mit sich felber rebend, dann werde ich der armen Frau wohl keinen besonderen Trost schicken können. Was wäre sie im Stande zu thun, was irgend ein Anderer? Dein Amerikaner hat Recht, Mug, wer sich drüben verborgen halten will, ber fann es leicht genug. Was kann's helfen, es ist eben ein armes, betrogenes Wesen mehr in der Welt. Sonst nichts vorgefallen, Mug?" Doch! Gestern Nacht ist der junge Baron Solberg aus Amerita oder Afrika, Gott weiß, woher! fie erzählen darüber bie tollsten Geschichten in der Stadt, zurückgekommen und hat seine Eltern überrascht." Der Hans Solberg?" fragte der Notar erstaunt; alle Wetter, wo hat fich der Junge so lange herumgetrieben Aber was hast Du denn, Mur, Du siehst ja so merkwürdig blaß aus! Fehlt Dir' was?" " weilen." Nein, Herr Notar," sagte der Bucklige ruhig ,,, vor ein paar Minuten wurde mir nur so sonderbar zu Muthe, es ist aber jetzt schon wieder vorüber." Haft Du etwa nichts gefrühstückt?” " Doch; ich weiß nicht, was es war, ich habe es zu Hm, der Hans Solberg," fuhr Püster nachdenkend fort, wird eine Umwälzung in der Familie hervorbringen, und ich bin neugierig, was aus ihm geworden ist. War fonft ein ganz tüchtiger, aufgeweckter Junge. Kennst Du die Familie, Mur?" dem Richterstuhle, vor dem einer alten Mär zufolge alle Preußen gleich sein sollen, Anspruch erheben darf; oder der Gerichtshof faßte nur den speziellen Fall in's Auge und erkannte es als eine in gewiffem Maße berechtigte und daher milder zu beurtheilende Eigenthümlichkeit der Antisemiten an, Juben zu beleidigen und zu verleumden. In der Wir tung tommt Beides auf dasselbe hinaus. Die Politik übt Einfluß auf die Rechtssprechung. Der Richter figt nicht nur über das Verbrechen, oder Vergehen, sondern über politische und soziale Strömungen zu Gericht. Er erklärt die eine für berechtigt, die andere für staatsgefährlich. Er ver wechselt seine Aufgabe, Recht zu sprechen, begangenes Unrecht zu fühnen, mit derjenigen des späteren Geschichtsschreibers, welcher dereinst über die politischen Strömungen der Gegenwart zu Gericht zu fißen hat, um sein Verdikt darüber abzugeben, ob fie dem Staate zu Nuß und Frommen gewesen find oder nicht. In dem Augenblicke, wo der Richter bei seinem Ur theile auf die politische Ueberzeugung des Angeklagten Rücksicht nimmt, werden einfach unerträgliche Bustände geschaffen. Der Richter tritt in den Kampf der Parteien mit den Hilfsmitteln des Strafgesezes. Unzweifelhaft leidet die Rechtspflege ohnehin schwer genug barunter, daß die Richter auch Menschen find und es ihnen offenbar schwer genug wird, bei politischen Vergehen dem Gegner gegenüber die nöthige Unbefangenheit zu bewahren. Wohin muß es aber führen, wenn sie ihre fubjektive An ficht durch ihr richterliches Verdikt mit der Autorität des Gesezes befleiden; wenn der fortschrittliche Richter sagt, wie es dem Herrn Reichstanzler zufolge ja vorgekommen sein soll: die Bes leidigung dieses Ministeriums ist milder zu beurtheilen, denn es taugt in der That nichts; wenn der konservative Richter sagt: hier muß die ganze Schwere des Gesezes zur Anwendung ge langen, denn ich halte die Fortschrittspartei gefährlich für langen, denn ich halte die Fortschrittspartei gefährlich für Thron und Altar; wenn in demselben Richterkollegium Zweifel Darüber entstehen, ob der Antisemitismus des Angeklagten ein Grund ist, sein Vergehen gegen einen Juden milder zu bes urtheilen, oder ob nicht vielmehr gerade diese Richtung mit äußerster Strenge zu bekämpfen ist!? Wie wenn ein ge ta fter Jude und eifriger Antisemit, einen Juden als Bei figer zur Seite hat und in seiner Gegenwart erklärt, daß bei der Strafzumeffung die Ueberzeugung des Angeklagten, daß die Juden aus Deutschland gehegt werden müßten, als Strafminderungsgrund zu berücksichtigen sei. Unsere junge Juristenwelt ist in zwei Heerlager gespalten; soll der Kampf, der gegenwärtig in den Versammlungen und am Biertische tobt, fernerbin in den Gerichtsfälen sich fortspielen? Kann damit das Ansehen des Gerichts gewinnen? Und welche Wirkungen müssen solche Verdikte im Publikum selbst hervor bringen; wird die vom Richter mit milderen Augen angesehene bringen; wird die vom Richter mit milderen Augen angesehene Bartet nicht geradezu berausgefordert, aus dem Urtheil poli tisches Kapital zu schlagen? wird fe nicht ermuntert, in der Folge die Schranken, die ihr das Strafgesetzbuch bei ihren Liebenswürdigkeiten gegen den Gegner gezogen, völlig unbeachtet zu laffen? Man wendet häufig gegen die Erweiterung der Schwurgerichte auf politische und Preßvergehen ein, daß dem Geschworenen nicht die Objektivität dem politischen Gegner gegenüber inne wohnt, wie dem gelehrten Richter. Es scheint, als ob die gelehrten Richter der Gegenwart und ihr Nachwuchs Bedacht darauf nehmen, derartige Einwendungen fiegreich zu widerlegen. Folgende Warnung vor Auswanderung geht der Staatsb. 3tg." zu: Nach aus Tasmanien, dem ehemaligen Vandiemensland, bierher gelangten Nachrichten hat sich von dort ein Auswanderungsagent, Namens Buck, nach Europa begeben, welcher sich verpflichtet hat, hundert deutsche Auswanderer, nur Landarbeiter, nach der von großentheils ehes maligen Verbrechern englischer Nationalität bevölkerten Insel überzuführen. Der Biedermann muß in den nächsten Tagen in Hamburg eintreffen oder er ist möglicherweise bereits einge troffen. Die dortigen Landarbeiter gehen einer förmlichen Stiaverei entgegen. Bei der Rohheit der dortigen Ackerbauer finden sich keine Engländer, die geneigt sind, nach der eng lischen Kolonie auszuwandern, weshalb iept versucht wird, deutsche Arbeiter dort hinüber zu locken. Buck erfreut sich bei seinem Eintreffen hoffentlich geneigter Beachtung. Zeitungs- Tiger im Café. An der westlichen Seite der Promenade in Leipzig befindet sich ein Café, das besonders in den Nachmittagsstunden ungemein start frequentirt wird. Der Kaffee Dort ist vorzüglicher Art, die Bedienung eine sehr gute Kaffee Dort ist vorzüglicher Art, die Bedienung eine sehr gute und wenn auch dies allein schon jenen starken Besuch rechtfertigt, so kommt gerade bei dem in Frage stehenden Café noch ein anderer Umstand hinzu, welcher es zu einem der bes liebtesten Lokale macht, und das ist die ungemein große Anzahl der dem Besucher zur Verfügung stehenden Beitungen. Es ist Dieses Umftandes wegen auch erklärlich, daß sich in jenem Café diejenige Spezies von Beitungslesern findes, welche für die an deren Gäste eine wahre Plage ift. Gleich nach ihrem Eintritt raffen fie alles an Zeitungen an fich, was sie nur erfassen tönnen, und wenn sie einen recht beträchtlichen Stoß vor oder neben sich und auf den Knieen aufgestapelt und auch noch dem Kellner den Auftrag gegeben haben, so und so viele andere Beitungen für fie zu belegen", dann reden und strecken ste " War der kleine bucklige Bursch früher bleich gewesen, so veränderte er seine Farbe jest um so rascher; er war blut roth geworden, aber fagte mit vollkommen ruhiger Stimme: Ich war nie dort im Hause." Büster's Blick haftete auf ihm, aber er machte teine Bemerkung, und anscheinend auf einen andern Gegenstand überspringend, der aber doch nur in der Reihen fette feiner Gebanten lag, fragte er: Apropos, Mug, fette feiner Gebanten lag, fragte er: Apropos, Mug, hast Du Dich bei der Näherin nach meinen Hemden er kundigt?" " Ja, Herr Notar." Wie geht es ihr?" Der kleine Mann schüttelte mit dem Kopf. Wohl nicht besonders, dem armen Ding. Sie hatte ganz rothe Augen, und kein Wunder, denn wie ich die Nacht einmal aus dem Fenster sah, brannte da oben noch Licht in ihrem Zimmer. Sie muß die ganze Nacht durchgearbeitet haben." Lumpenvolt," brummte der Notar vor sich hin. Du haft fie doch nicht getrieben?" Fällt mir nicht ein; die treibt sich schon selber." Püfter trat an's Fenster und sah nachdenkend auf die Straße hinaus." Die Frau Mäusebrob hat heute noch nicht nach mir geschickt?" fragte er endlich. Nein, Herr Notar." Die Straße herauf kamen die beiden Fräulein von Klingenbruch und fegten bas Trottoir mit ihren seidenen Schl- ppen. Es ist gut, Mur, es wird wohl gleich Essenszeit sein, Du kannst gehen;" und er wandte den Kopf gar nicht mehr um, sondern hielt den Blick fest auf die beiden jungen Damen geheftet. Kurz vorher, ehe sie ihr Haus betraten, begegnete ihnen der junge Mann mit dem schwarzen Sammetrock wieder. Püfter tannte ign recht gut, es war der junge Maler von Heidewald, ein nicht besonders talentvoller und dabei blutarmer Mensch, der die beiden jungen Damen auf das Ehrfurchtsvollste grüßte. Er hatte das Nämliche schon fünfmal an diesem selben Morgen gethan, denn er war ihnen überall nachgezogen und manchmal in wahrhaft fich einmal recht ordentlich. nehmen einen Schluck Kaffee, zu weilen wohl auch eine Prise und nun gehts zur Lektüre, ängstlich darüber wochend, daß ihnen ja Niemand eine der be schlagnahmten Beitungen entführt. Viele Stunden hindurch bleiben auf solche Weise die Beitungen in ihren Händen; als ob nicht auch andere Gäste einen Anspruch auf die selben befäßen und gerne das eine oder das andere Blatt leſen möchten. Diese Spezies der Beitungs Tiger" ist aber noch erträglich, da dieselben wenigstens still find und andere Gäfte nicht auch noch der Möglichkeit be rauben, ein Gespräch zu führen. In jenem Lokale aber vers tehrte mehrere Jahre hindurch fast täglich eine Anzahl Journalisten, deren Redaktionen fich nicht den Lurus gönnen, eine größere Menge Zeitungen zu halten, aus denen site thre Blätter füllen, und so find die Mitarbeiter gezwungen, in den im Café gehaltenen Blättern nach Nachrichten zu suchen, die fie dann als Driginal- Berichte" in ihre resp. Beitungen bringen, und gar manche Affaire, welche in Berlin, Wien oder irgendwo sich abgespielt hat, wird auf diese Weise nach Leipzig verlegt. Würden sich diese Journalisten aber nur darauf bes schränken, still für sich solche Thätigkeit zu üben, so brauchte Niemand fich darüber zu beschweren. In dem für uns in Frage kommenden Café fanden sich indessen täglich solche ein, welche ihre Südfchtslosigkeit, bei einer Taffe Kaffee viele Stunden hindurch nicht bloß die Pläge und den anderen Gästen in der Regel gerade die beliebtesten Blätter vorzu enthalten, noch insofern weiter trieben, als sie durch lautes dellamiren, fritifiren, säsonniren, chitaniren, moraliftren das ganze Lokal beunruhigten und sich geberbeten, als ob außer ihnen Niemand etwas im Café zu suchen habe. Für die ge ringen Leistungen in ihrem Berufe sucht diese Art Sourna isten sich nämlich durch lautes bramarbaftren an öffent lichen Drten zu entschädigen, und wenn man ein gezwungener Zuhörer dieser Herren ist und fie, beziehungsweise ihre geringfügige Thätigkeit, nicht kennt, fann man zu der Meinung tommen, daß ausschließlich in ihrer Hand alle Fäden des Welltheaters zusammenlaufen und daß es nur an ihnen liegt, wenn die Welt aus ihren Fugen gebracht werden soll. Da wird ganz genau erklärt, ob der Mahdi oder die englische Armee im Kampfe um den Sudan Sieger bleibt; da erfährt man ganz genau, was Bismard noch für Pläne tiefverborgen in seinem Innern birgt; bei ihnen wird endgiltig festgestellt, daß diese oder jene Sängerin, die schon längst das Entzücken des Bubli fums bildet, absolut nichts tauge, nicht finge, sondern heule und es wird auch fonstatirt, daß diese oder jene Dichter oder Schriftsteller eigentlich nichts anderes find, als gewöhnliche Federfuchser. Was an dem Tische, an welchem jene Herren regelmäßig zu figen pflegten, an Aufschneidereien geleistet wurde, ging manchmal ins Unglaubliche. Doch zurück zu unserem eigentlichen Thema. Eines Tages war jener von Journalisten wieder vollzählig an seinem Blaze. Unter den übrigen Gästen befand sich auch ein junger Gelehrter, der ein Interesse daran hatte, ein an demselben Tage erschienenes Berliner Blatt zu lesen. Das selbe hatte aber einer jener Herren mit vielen anderen längst in Beschlag genommen und trop vielfachem Ersuchen des Kellners, ihm nur für wenige Augenblicke jenes Blatt zu geben, hielt derselbe es an ftch. Es waren so schon vier Stunden vers gangen, aber der junge Gelehrte hatte immer noch nicht die von ihm gewünschte Zeitung erhalten und so ersuchte denn schließlich der Wirth jenen Journalisten, ihm dieselbe zu geben. ,, Ach was" rief aber der Journalist, schaffen Sie doch zwei Exemplare an, Sie können genug andere Beitungen abschaffen, Die tein Mensch liest." Sie werden mir nicht sagen, was Kreis ich in meinem Hause zu thun habe!" antwortete der Wirth sehr richtig. Jezt erhob fich jener Journalist", ergriff seinen Hut und verließ mit den Worten: Sie verfl- Brummochse, Ihnen geht es zu gut, daß Sie sich die Gäste vertreiben!" das Lokal und hatte seiner Meinung nach eine große That ge than. Später that es dem Beleidiger jedoch leib, fich gegen den Wirth so weit vergessen zu haben, besonders wohl mit Rücksicht darauf, daß er in anderen Café's nicht jene große Anzahl von Beitungen fand, und so suchte er durch Betannie eine Versöhnung anzuftreben. Indeß vergeblich, der Beleidigte erhob Klage, war selbst im Termine, der gerade am Geburts tage des Beklagten stattfand, nicht einmal durch den Hinweis des Herrn Vorftßenden auf legteren Umstand zu einem Ver gleiche zu bewegen, wenn er auch den Vorgang selbst in dem Dentbar günstigsten Lichte für den Beklagten erzählte. Der Journalist wurde zu 6 M. Strafe und zur Tragung der Rosten verurtheilt, indem die Beleidigung nicht gerade als eine schwere und die Bereitwilligkeit des Beklagten zur Versöhnung als strafmildernd angesehen wurde. Zwei Zwanzig- Markstücke find am 2. d. M. Abends von einem Dienstmädchen einem Droschkenführer zweiter Klaffe bei einer Fahrt von der Großbeerenstraße bis Blumeshof 16 an Stelle von zwei Einmartflücken gegeben. Am Morgen des 3. b. M. war der Empfänger in anerkennenswerther Ehrlichkeit bei dem Mädchen, frug ob es sich geirit habe, was verneint wurde und erst später gelangte der Frrthum zur Feststellung, der um so mehr empfunden wird, als die 40 Mt. den Theil fieberhafter Eile durch schmale Seitenstraßen gerannt, um ihnen nur immer wieder aufs Neue zu begegnen. Die jungen Damen betraten das Haus, der Herr in bem Sammetrod kehrte aber unmittelbar danach wieder um, ging jedoch sehr langsam und nahm seine Brieftasche heraus, als ob er sich etwas notiren oder nachsehen wolle. Blöglich blieb er stehen und brehte den Kopf herum, wie als ob er nicht sicher wäre, daß er beobachtet würde; jest büdte er sich und hob etwas, das neben ihm am Boden lag, auf. Der Notar hatte noch ausgezeichnete Augen; war ihm der Bleistift aus der Hand gefallen? Nein, bas, was er aufhob, glich eher einem zusammengewickelten Streifen Bapier; follte eine der jungen Damen- es war doch nicht gut denkbar. Der junge Maler warf aber keinen Blid auf das Gefundene er schob es in die Westentasche, es konnte der Bleistift nicht sein, und schritt dann wieder langfam die Straße zurüd, der Richtung zu, von der er zuletzt ge tommen war. Püfter hatte das Fenster aufgemacht und ihm fast unhörte. Er wandte ben Ropf dorthin und bemerkte in dem willkürlich nachgesehen, als er links von sich etwas räuspern Eckhaus links über die Bärenkasse drüben, aber in der zweiten Etage, den Theaterbirektor Sußmeyer, der in seinem rothseidenen Schlafrode, einen eben so grellfarbenen Fes mit blauer Duafste auf, und eine lange türkische Pfeife baltend, aus dem Fenster sah und den Rauch in die frische Morgenluft hinausbies. Jebenfalls mußte er den Notar an seinem Fenster bemerkt haben, denn wie ihm dieser nur den Kopf zubog, grüßte er gnädig, indem er die bis faft zur ersten Etage nieberhangende Pfeife aus dem Munde nahm und die große Bernsteinspiße fo huld- und würdevoll gegen ihn neigte, als ob er hätte fagen wollen: Lebe weiter, elender Sterb licher, ich erhalte Dir noch meine Gnade." ( Fortsetzung folgt.) " eines halbjährigen Dienstlohnes bilden. Herr v. Böckmann, Großbeerenstraße 6, 3 Tr., ist gern bereit, die bewiesene Ehr lichkeit hoch zu belohnen, wenn sich der Droschtenführer noch mals melden wollte. Der Mittagsschlaf unserer Kleinen. Es ist eine leider weit verbreitete Gewohnheit, die Kinder, welche Vor- oder Nachmittags schlafen sollen, unausgekleidet ins Bettchen zu Iegen. Man ist in der Regel zu bequem, um das Kind ausund anzuziehen, und die Mutter weiß nicht, welches Unrecht fie an ihrem Lieblinge begeht, wenn sie das Ausziehen unterläßt.( Banz ermattet vom Schwißen wacht das Kleine auf, welches in seinen Kleidern zu Bett gebracht wurde. Anstatt erfrischt und gekräftigt zu sein, ist es schlecht aufgelegt, uns muthig, wie es gewöhnlich heißt, verdrießlich, denn es hat nicht ausgeschlafen. Sind die Bänder und Knöpfe nicht gelöst oder wenigstens gelockert worden, so sind die Brust und Unterleibsorgane während des Schlafes gepreßt, an ihrer freien Be wegung gebindert, und das Athemholen und die Verdauung find erschwert. Wie anders erwacht das Kind, wenn es nur mit seinem Hemdchen oder Nachtröckchen angethan in seinem Bettchen lag. Wie rubig und sanft war sein Schlaf, wie regelmäßig fein Athem, wie freundlich lacht es uns entgegen, und wie behaglich streckt es die fleinen Glieder. Frisch ge waschen und angezogen, ist es heiter und lebendig bis zum Abend. Ueberdies erkälten sich die Kinder, die des Tages in thren Kleidern schlafen, des Nachts leichter, als solche, die jedesmal ausgezogen werden. Ein Selbstmord unter höchst geheimnißvollen und intereffanten Umständen hat sich, dem B. C." zu Folge, in der Nacht vom Sonntag zum Montag in einem Café der Friedrichstadt zugetragen. In diesem Café erschien am Sonntag Nach mittag ein junger Mann von etwa zweiundzwanzig Jahren und höchft feinem Aeußern; derselbe bestellte sich ein Glas Bier und fragte nach dem im gleichen Hause befindlichen, von einer Dame geführten Hotel, wo er ein Zimmer zu miethen wünschte. Doch habe er jegt teine Beit, er wolle erst au Mittag effen, feinen Roffer von der Bahn abholen und dann wieder tommen. Eine Stunde später erschien er auch wirklich mit einem fleinen Handkoffer in einer Droschte erfter Klaffe, an geblich von der Bahn, in Wirklichkeit aber von einem Hotel in der Krausenstraße, wo er vorher logirt hatte. Er verlangte nun das fünfte nach der Friedrichstraße hinausgelegene Bimmer. Da daffelbe befest war. erklärte er, fich mit einem geringeren begnügen zu wollen. Auch ein solches fand sich nicht mehr verfügbar, da das ganze Hotel besezt war. Der Wirth des Cafés bot nun dem jungen Manne ein ihm gehöriges, im vteiten Stock belegenes Bimmer an, wohin er seinen Handtoffer schaffen ließ. Der junge Mensch, von großer, hübscher Figur, foldatenhaftem Auftreten, krausem, blondem Haar, einem Vial am Hals und eine alte Schußwunde an der Hand, gab fich für einen Weinreisenden aus Stuttgart aus, woselbst er auch als Einjährig- Freiwilliger gedient baben wollte. Er wies einen Militärpas auf, in welchem er als Alfred Dtto Buro aus Heidenreich in Württemberg, 1863 geboren, fignalt, firt war. Doch war dieser Baß gestohlen, ebenso wie seine Wäsche, die A. B. gezeichnet war; denn sein wirklicher Name ift Otto Schüler und er ist aus Coftebran bei Lauchhammer in Sachsen gebürtig, wo seine Mutter, Traugott Schüler's Wittme, noch jest lebt. Sein Auftreten in dem genannten Cafe war ein so hochfeines, daß der Wirth desselben kein Be denken trug, ihm den bestellten Champagner serviren und ein Austernsouper auftragen zu lassen. Er zechte nun den ganzen Nachmittag und Abend mit den Heben des Cafe's, so daß seine Rechnung fich bald auf fiebzig Mart belief. Er renommite mit feinem gefüllten Portemonnaie, in welchem er Tausende zu haben vorgab. In Wirklichkeit fanden fich später in dem Bortemonnaie nur zwei Mark und eine Anzahl Patronen, in seinem Stoffer wenige Leibwäsche vor. Er spielte auch mehrfach mit einem mächtigen Dolch, den er bei sich führte, machte auch einmal den Verfuch, eines der Mädchen zu stechen, woran er nur durch das Dazwischentreten des Klavierspielers des Lokals verhindert wurde. Im Uebrigen tennzeichnete sein Betragen einen unverkennbaren Galgenhumor". Gegen elf Uhr Abends begab er sich auf das ihm angewiesene Bimmer, aus dem, nachdem er fich zu Bette gelegt, ein scharfer Knall ertönte. Der Wirth des Caffe's begab fich daraufhin zu dem Fremden, der das Licht ausgelöscht hatte, und zündete daffelbe, da er auf seine Fragen feine Antwort erhielt, von Neuem an, und fand nun zu seinem Ent sezen, daß fich sein Gaft erschossen hatte. Ein fleines Loch in der Stirn desselben zeigte den Weg, den die Kugel genommen. In der Hand hielt er einen fleinen Revolver. Das ganze Haus gerieth in begreifliche Aufregung. Alles zeterte und fchrie. Die Revierpolizet wurde benachrichtigt und der Obduk tionswagen holte bald nachher die Leiche des jungen Selbst. mörders ab. Sofort angestellte Recherchen ergaben den wirklichen Namen und die sonstigen Personalien des Unglücklichen. Seine Mutter wurde umgebend benachrichtigt und gebeten, die Photographie ihres Sohnes behufs Vergleichs mit der Leiche einzu fenden. Es ergab sich übrigens bald, daß der Verstorbene in einem Korsets und Krinolinengeschäft in der Kaiserstraße Buch hal er gewesen, wo er Unterschlagungen verübt, die jedoch feine wohlfituirte Mutter gedeckt hatte. Auch in einem großen Posamentiergeschäft in der Leipzigerstraße war er angestellt gewesen, jedoch ohne Zeugniß aus demselben entlassen worden. Er soll einen sehr ausjhweifenden Lebenswandel geführt haben, deffen Beftreitung ihn zu fortwährenden Veruntreuungen führte. Die Furcht vor den Folgen fürzlich verübter Unterschlagungen hat ihn mahrscheinlich zu dem schrecklichen Schritte getrieben. Wie er zu dem falschen Paß des Alfred Otto Buro und zu dessen Leibwäsche gelangt, weiß man noch nicht. Man erwartet die Antwort und Aufklärungen seiner Mutter über den wahren Sachverhalt und über die wirklichen Motive seiner grauenvollen That. Gerichts- Zeitung. Verstoß gegen das Sozialisten Gesez. Unter dieser Spigmarte brachten wir vor einigen Tagen einen Bericht über eine Reichsgerichtsverhandlung, auf welche wir heute deshalb noch einmal zurückkommen, weil die Sache einen so recht deutlichen Beleg dafür bietet, einerseits, wie wenig Klarbeit im Publikum über die Kompetenz des Reichsgerichts herrscht und andererseits, wie nothwendig es ist, vor Gericht einen rechtsfundigen Anwalt als Vertheidiger zur Seite zu haben, und erblich beshalb, weil die Sache rechtlich von hohem Interesse ist. Der Angeklagte Reichelt hatte öffentlich zu einer Versammlung eingeladen und diese Versammlung war noch in letter Stunde auf Grund des Sozialisten Gefeßes verboten worden. Als nun die Gefirnungsgen offen Reichelt's zur festgesetzten Stunde in dem für die Versammlung bestimmten Saale des Schüzenhauses in Groitsch erschienen, wurde ihnen gefagt, daß die Versammlung verboten wo den sei. Darauf gingen fie in ein dem Saale benachbartes Restaurationszimmer und hier fanden die fuzzen Reden, bestehend in dem Aus. bringen eines Hochs, Stellung einer Frage und Beantwortung derselben statt, wegen derer die Bestrafung der drei Ange flagten von Seiten des hiesigen Landgerichts erfolgte. In dem Urtheile wurde zunächst thatsächlich festgestellt, daß die in Frage stehende Versammlung eine von der Polizeibehörde vers botene gewesen sei und sodann erörtert, inwiefern und in welchem Maße jeder der drei Angeklagten sich gegen das Sozialistengeses vergangen habe. Es wurde ausgeführt, daß Germer und Müller nicht nur mit einander gesprochen, sondern daß fie so laut geredet haben, daß alle Anwesenden das Gesagte hören mußten. Daß fie nur wenige Minuten ge sprochen, tönne bei der rechtlichen Beurtheilung der That nicht in Betracht kommen. Anders liege die Sache bei Reichelt; er habe nicht gegen das Verbot gehandelt, indem er die Anwesenden davon in Kenntniß fette, daß die Versammlung nicht stattfinden dürfe; auch darin, daß er ein hoch auf Müller ausgebracht habe, tönne tein Verstoß gegen das Redeverbot erblickt werden, denn seine Worte seien nur eine kurze Aufforderung gewesen und hätten leine Darlegning von Ge banken gebildet. Indeffen, er habe sich an einer verbotenen Versammlung betheiligt, und sei deshalb auch straf bar. Gegen ihn wurde aber nur auf eine Geldstrafe er fannt, während seine beiden Genoffen mit Gefängnisstrafe belegt wurden. Es ist ja leicht erklärlich, daß sich die Angeklagten nicht ohne Weiteres dabei beruhigen wollten, für eine Handlung, ohne Weiteres dabei beruhigen wollten, für eine Handlung, die unter normalen Rechtsverhältnissen durchaus erlaubt und berechtigt ist, Strafe zu erleiden. Sie legten daher Reviston gegen das Urtheil ein und begründeten fte in der Weise, wie wir in der vorigen Nummer bereits berichteten. Nun ist es aber bekanntlich in der Revisionsinstanz nur zulässig, Rechtsirribümer und Formfehler zu rügen. Was den legten Punkt betrifft, so ist mit einer solchen Beschwerde dem Angeklagten sehr selten geholfen, denn das Urtheil wird nicht wegen irgend eines Formfehlers aufgehoben, sondern nur, wenn angenommen Eine werden kann, daß auf demselben das Urtheil beruht. solche Beschwerde hatten die Angeklagten vorgebracht und sich außerdem auf den§ 59 des Strafgesetzbuchs bezogen, bezw. bie Unfenntniß von Thatumständen für sich in Anspruch genommen, welche die Strafbarkeit auszuschließen geeignet sein fönnte. Sie wollten nämlich der Meinung gewesen sein, daß die Versammlung in dem Nebenzimmer nicht die ursprünglich angekündigte und dann verbotene gewesen sei, in welcher Meinung fie noch dadurch bestärkt seien, daß der anwesende Gensdarm nicht fofort bei den ersten für alle Anwesenden bestimmten Worten erklärt habe, die Versammlung sei verboten. Weil hierüber das Ur. theil fich nicht aussprach, so rügten fte eine Verlegung des § 266, 1 der Strafprozeßordnung. Wenn es nun auch nicht ausgeschloffen ist, daß die Berufung auf den§ 59 den Ange flagten hätte au Gute lommen tönnen, so sab sich das Reichsgericht dennoch nicht in der Lage das Urtheil aufzuheben, weil fie in der Verhandlung vor dem Landgerichte sich nicht auf ben§ 59 berufen batter, oder vielmehr weil das Protokoll, welches dem Reichsgericht stets als Beweismittel gelien muß, von einer solchen Berufung nichts enthielt. Das Reichsgericht ift eben feine Berufungsinstans, für welche man irgend ein Vertheidigungsmittel aufsparen tann. Man muß vor dem Landgerichte alles vor bringen, was man vorzubringen im Stande ist und fann sich beim Reichsgerichte nur dann mit Erfolg be schweren, wenn das Vorgebrachte nicht, im Urtheile berücksichtigt ift. Das Sicherste ist immer, wenn ein Broz betheiligter über ein Vorbringen, auf das er Werth legt, eine Notiz in das Protokoll aufnehmen läßt, damit dann eventuell beim Reichs. gerichte eine Handhabe geboten ist, nachzuprüfen, o' fich das Landgericht einen Rechtsirrthum oder einen Verstoß gegen die Prozeßoorschriften hat zu Schulden lommen laffen. Wo es die Mittel der Angeklagten aber nur irgend gestatten, da soll man doch ja einen Rechtsanwalt zum Beistand nehmen! Soziales und Arbeiterbewegung. Ein merkwürdiges Lamento lesen wir in dem ,, Hamburger Korrefp." über das Jnnungswesen. Das Blatt wundert sich nämlich über die Laubheit der Handwerker Korporationen, welche, troßdem im Reichstage so viel über sie ge redet worden sei, gänzlich über sich selbst schwiegen. Aber auch die Preffe brachte über diese Korporationen und überhaupt Das Kleingewerbe wenig. Früher hätte sich der Hamburger Korrefp." über solche Ericheirungen, die ja ganz natürlich find, nicht gewundert; damals wußte er, jo gut wie wir, daß der Handae kerstand dem Untergange geweiht ist im Ronkurrenz lampfe gegen das Großkapital und daß ihn kein Adermann, tein Kleift Rezom und fein Schorlemer erretten können. Jest scheint aber das reaktionär gewordene Hamburger Blatt wirt lich an die Galvaniftrungsversuche einer Leiche zu glauben und fich deshalb zu wundern, weil andere verständige Leute nicht an den Schwindel glauben wollen und ihn einfach todtschweigen. Bei Berathung der Getreidezölle machten die Groß grundbefizer die Zwischenhändler, Müller und Bäcker nerant wortlich für das iheure Brod. Bei der herrstenden Intereffen politik schiebt bekanntlich eine Intereffengruppe die Schuld irgend iner auftauchenden Kalamität der underen Gruppe zu. Um nch und seinen Stand nun von dem Vorwurf der Vertheuerung des Brodes zu reinigen, schreibt ein Bäder aus Hainichen in Sachfen:„ Der Zentner Roggenmebl toftet 11 M. 40-50 Pfg. 2 Benter also ca. 23 M. Diese geben 265 Bfd. Broo, das Pfo. zu 10 Bfg. gerechnet, also 26 Mt. 50 Pfg. 1. Klasse 172. Königl. Preuß. Lotterie. Biehung vom 9. April 1885. Nur die Gewinne über 60 Mart sind den betreffenden Nummern in Parenthese beigefügt. ( Ohne Gewähr.) 72 83 104[ 90] 52 210 34 324 422[ 90] 25 33 37 51 75 512[ 120] 18 [ 120] 61 621 704 42 50 1006[ 120] 8 26 27 102 220 35 333 68 487 588 720 67[ 120] 942 66 85 94 95 2012 46 59 65 84[ 90] 261[ 90] 313[ 15000] 450 90 559 624 64 87 99 737 67 83 977 3026 39 119 73 207 46 55[ 120] 436[ 90] 37 62 599 696 703 977 4008 17 30[ 90] 204 6 13 61 71 353 418 54 59 581[ 120] 653 716 847 84 966 81 5019 73[ 90] 88[ 90] 134 294 460 98 99[ 90] 538 629 765[ 90] 66[ 90] 79 802 926[ 90] 35 6059 77 89 220 47 70 93 489 559[ 90] 603 69 737 44 820 59 911 32 7142 85 224[ 90] 34 37 42 310 26 499[ 90] 660 76 791 [ 90] 829[ 180] 58 64 985 8026 88 145 211 38[ 90] 311 17[ 90] 22 441 88 608 736 88 818 34 906[ 120] 9028 84[ 120] 98 124 48 205 21 38 338 60 506 628[ 90] 57 81 715 910 71 86 10080[ 90] 132 208 78[ 90] 451 88 547 79 645 71[ 90] 879 91 942 11003 90 96 316 402 59 86[ 90] 597 600 43 46 773[ 150] 829 65 958 95 12039 147 76[ 90] 206 52 305 21 48 62 78 410[ 120] 603[ 90] 6 7 700 6 12 19 28 39 804 37( 120) 921 47 13021 224 75 82 346[ 90] 58 432 79 85 500 609 13 64 816 18 53( 90) 927 14000 17[ 150] 126 44 217 34 52 93[ 90] 343 90 412 533 57 87 98 606 22 29[ 90] 801 29[ 90] 61 908 70 99 15161 201 7 28 382 92[ 90] 433 90 95 555 73 87 93 603 16115 50 72 73 91 362 75 91 520 703 23 28 30[ 90] 72 889 945 17003 30 04 116 [ 150] 74 85 89 299 362 89 95 452 84[ 120] 522 645 70 769 96 834 67 71 906 63 18117 43 80 209[ 90] 69 86 97 310 40 496 608 72 718 58 810 20 41 48 89 19066 95 110 78 203 93 301 74 404 58 93 537 613 60 98[ 150] 782[ 90] 851[ 90] 75 84 85 916 20145 266 99 347 53 57 491 614[ 90] 16 30 741 46 826 61 987 21023 52[ 90] 54 62 131 46[ 901 68 242 308 32[ 90] 46 74 97 434 51 1901 79 1201 546 51 75 92 648[ 120] 70 78 81[ 120] 747 43[ 90] 972 22053 190] 162 69 85 98 269 76 310 15[ 120] 26 411[ 90] 70 79 85 91 597[ 120] 601 21 59 70 74 92 95 737 92 846 57 912 23063[ 120] 119 234 78 83 345 455 65 657 719 96 875 976 24016 158 233 57 319 96[ 90] 403 6 64 91[ 90] 598 623 32 64[ 150] 66 91 740 876[ 90] 25263 302 51 61 96 466 67 74 542 58 763 84 94 814 17 34 26043 77 109 28[ 90] 210[ 90] 47 64 82 313 406 68 565 617 66 68 70 82 88 90 718 21 93[ 120] 812 14 910 27 60[ 120] 70 78 27008 60 69 135 81 211 46 80 319 418 71 535[ 90] 42 86 601 12 40 97 706 31 32 820 31 61 68 985 28003 16[ 300] 56 62 63 145 55 246 69 361 404 26 44 46 586 608 52[ 90] 731 63 842 69 96 908 57 88[ 120] 29030 58 68 146 215 301 37 73 83[ 90] 432 35 40 59 66 505[ 90] 7 52 60 621 40 90 754 55 86 829 55 982 1 So wäre der Gewinn des Bäders 3 M. 50 Pfg. beim Ver baden von 2 Bentner Roggenmehl. Hiervon geben jedoch nod andere Ausgaben ab: 60 Pfg. Gefellenlohn, 44 Bfg. Bugab 60 Pfg. Streumebl und Feuerung und 10 Bfg. Beleuchtung so daß nur ein Reingewinn von 1 M. 76 Pfg. übrig bleibt, und von dem soll der Bäcker noch seinen Lebensunterhalt, Ab gaben, Miethe 2c. 2c. bezahlen!" Wir theilen diesen Reini gungsversuch hauptsächlich deshalb mit, um zu zeigen, wie die Interessenten sich gegenseitig hinter das Licht zu führen suchen. Denn daß hier der biedere Bäckermeister ebensosehr unter trieben" hat, wie die Großgrundbefizer übertreiben, wenn f die Vertheuerung des Brodes den Bädern hauptsächlich u schieben, ist wohl einleuchtend. Wenn es nämlich wahr wäre daß der Bäder nicht mehr verdiente, als es der Hainicher hie mittheilt, dann würden die edlen Meister des Bäckerge ve ficherlich nicht einen so- nun wie sollen wir sagen respektablen Eindruck machen. Im Asyl für Obdachlose zu Dresden ist seit einige Beit eine Schneiderei errichtet worden, welche die enlaffene Vagabunden" mit einer anständigen Kleidung verfteht. Di Entlafenen tamen nämlich vielfach zurück und klagten, daß f teine Arbeit erhalten fönnten, weil man ihnen wegen ihre gerlumpten Kleidung tein Zutrauen schenke. Kleider mache Leute" auch beim Arbeitiuchen; dies möchten alle derartigen Anstalten bedenken. Bei dieser Gelegenheit soll tonftati werden, daß nach einem Berichte des Arbeitsvorstehers in ge nanntem Asyle der allergrößte Theil der Aufgenommend den ernstesten Trieb zur Arbeit hat. Dies beweise zur Genüg die große Anzahl derer, welche sich zur schweren Arbeit de Holzspaltens melden, troßdem ihre Kräfte dazu nicht ausreichten Danach scheint doch das ,, Vagabundenthum" in Deutschlan gar nicht so schlimm zu sein, troßdem die Reaktion noch imme nach der Prügelstrafe schreit. Uebrigens ist mit dem Dresdene Asyl auch eine Art Voltsbad" verbunden, welches sehr fleißi Das ist gleichfalls ein gutes Anzeichen benutzt wird Gunsten der Vagabunden." Bei der Submission auf die Schornsteinfegerarbei ten an mehreren militär fiskalischen Gebäuden in Spandau fü Das Jahr 1885/86 hat ein dortiger Schornsteinfegermeister at ein Gebot den Buschlag erhalten, welches 76 Prozen Na weniger betrug, als der Voranschlag. legterem waren die Kosten der betreffenden Arbeiten auf 23 Diart geschäßt. Das ist der Segen der freien Konkurren Natürlich wird für den Ausfall derartig auf die Löhne gedrüd daß der Unternehmer, der höchst wahrscheinlich nicht in eigent Person in den Schornsteinen herumfiiecht, noch auf seine Rofte tommt, ob aber derjenige, der wirklich die Arbeit leistet, no einen solchen Lohn verdienen kann, daß er damit seine not wendigsten Lebensbedürfnisse zu bestreiten in der Lage ist, d ift eine ganz andere Frage. Die Beantwortung derselben wi aber dem Arbeitgeber, der sich nicht scheut, einen behördlich Voranschlag um 76 Prozent zu unterbieten, jedenfal nur wenig Kopfschmerzen bereiten. Für einen vernünftig Menschen ist das heute bestehende Submissionswesen ein! radezu widerfinniges. Wenn die Militär- Behörde in Spand einen Anschlag aufstellt, so muß man wohl annehmen, daß felbe weni, ftens mit einiger Sachkenntniß zusammengestellt Wenn eine Arbeit zu einem bestimmten Preise öffentlich aus boten wird, so muß dieser Preis doch einigermaßen mit Leistung im Einklange stehen. In dem von uns angegeben Falle muß aber die Behörde entweder den wirklichen We der Arbeit um das Vierfache überschäßt haben, und das ist der bekannten Sparsamkeit der preußischen Militär- Behörd doch nicht anzunehmen, oder der Unternehmer muß, wenn Sache einigermaßen mit rechten Dingen zugebt, sein baat Geld zugeben. Wer der eigentlich eingefallene" bei eine folchen Vertrage ist, das dürfte unschwer einzusehen sein. In Spandau ist von gestern ab die tägliche Arbeite für die Arbeiter der königlichen Gewehrfabrit um 1% Stun erhöht werden, da die Arbeiten dringend geworden find. Son währte die Arbeitszeit von 62 Übr torgens bis 6 11 Abends, jetzt von 6 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends. D Mittagspause dauert eine Stunde. Das ist auch eine regel von sehr zweifelhaftem Werth. Wenn die Arbeit du die verlängerte Arbeitszeit nun schneller fertiggestellt wird, haben die Arbeiter später wieder nichts zu thun. Briefkasten der Redaktion. Ein Unsicherer. Mit dem Worte ,, nichts" ist es eben wie mit vormittags" 2c. Der Gebrauch fanttionirt große fleine Anfangsbuchstaben. Wenn man die eine oder and Schreibweise brauchen will, muß man es nur mit Konsequ thun. A. G. Sie müssen am 15. fündigen. 67 72[ 90] 405 55 519 40 90 642[ 120] 779 83 862[ 150] 78 4809 181 91 203 301 22 58 94 423 77 625 80 94 98 731 40 41 55 59 850 34 39 49176 272 316 31 46 63 420 83 92 506 33[ 200] 634 39[ 150 84 90[ 90] 848 64 936 50009 16 144 66 230 31 50 326 66[ 120] 484 565 68 606 766 32 39[ 90] 929 92 51008 10 55 71 92 117 72 262 312 414 25 61 520 71 652 1120) 56 740 816 913[ 90] 52226 37 309 35 86[ 90] 47 624 90 750 97 821 49 95 957 53036 117 273 88 95 99 331 49 469 630 56 724 91 842[ 120] 53[ 901 972 54049 60 78[ 90] 80 174 77 21 95 456 76[ 120] 530 49 602 701 49 868[ 90] 985 91 55002 60 119[ 90] 25 47,81[ 90] 232 66[ 120] 84[ 90] 85[ 150] 3 459 76[ 90] 95 556 65 70 648 62 68 90 818 24 93 901[ 90] 12 13 43 56 85 6022 94 183 256 337 75 420 501 26 40 47 60 68 70 611 82 702 19 91 97 833 42 83 959[ 200] 81 57094 109 35 205 13 43 95 394 418[ 150] 70 539 612 24 30 46 751 60[ 90] 63 69 87 8 58046 112 13 207 55[ 90] 64 83 315 34 72 92 509 14 77 94[ 90] 656 63 94 744 943 78 59061 75 109 79 81[ 90] 98[ 90] 240 91 377 190] 52 75 78 582 91 703 54[ 90] 835[ 120] 65 906 9 86 98 60000 201[ 90] 12 97 98 321 430 58 76 526 657 85 92[ 90] 745 906 75 61010 29[ 180] 37[ 180] 109 96 218 42 52 329 86 441 77 679 190] 807 61 903 28 52 62016[ 90] 86 94 229 68[ 90] 80 307 41 79 486 503 24 621 76 82 708 81 92[ 90] 841 84 924 34 97[ 200] 202 3 9 65[ 90] 79 94 326[ 90] 79 484 502 626 724 48 8 61 76 86 90 96 4013 84 125 61 216 27 67 86 314 19 27 440 50 14 70 702 14[ 90] 71 80 803 21 56 83 945 6304 65056 64 151 56 59 202 9 307 15 43 414 38 51 76 533 550 57 63 64 65 92 741 844 72 73 86 66019 107 258 90 91 345 402 3 73 532 59 681 95[ 120] 97[ 90] 733 804 74 914 19[ 90] 64 92[ 90] 85 151 203 326[ 150] 71 442 52 62 512 44[ 90] 63 604 59 79 720 926 68088 127 79 212 311 40 99 403[ 90) 15 41 87 99 561 80 6 79 733 39 43 869 985 69003 11 43 308 57 63 468 504 27 739 919 46 51 70010 33 43 116 18 217[ 90] 35 321 457 543 93 660 93 706 17 831 82 97 901[ 120] 12 28 68 96 71083 94[ 90] 119 22 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Eronueim in Berlin. Drud und Berlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthitrake 2. Bieran eine Bellas i e D 0 8 n $ 3 bo fa ge fa bi ei ba be ze be R Ra 13 utt be & hä ni de al ich al un fie Sei 98 So tei Kil 60 DO sei bu für bar Sd Fre ein it Beilage zum Berliner Voltsblatt. Nr. 83 Impfzwang für Rindvich. Noch tobt der Kampf zwischen Anhängern und Gegnern des bestehenden Impfawanggefeßes, nach welchem der deutsche Reichsbürger verpflichtet ist, feine Kinder im zartesten Alter der Ansteckung durch einen Krankheitsstoff auszufezer, um dadurch, so hofft der Gesetzgeber, das Kind vor der Krankheit selbst zu schützen; und schon wieder ist dem Reichstage ein Gefeßentwurf zugegangen, welcher nicht mehr und nicht weniger bezweckt, als die Zahl der Impf gwangspflichtigen zu vergrößern. Swar auf Menschen bezieht sich dieses Gesetz nicht, denn in dieser Beziehung haben die Anhänger des Impfzwanges, unter Anwendung von Gefängniß- und Geld strafen es glückt ch erreicht, daß es unter den in den legten zehn Jahren in Deutschland geborenen und er zogenen Menschenkindern nur noch sehr wenige giebt, die nicht die Berührung mit Impfgift bere.ts haben durchs machen müssen. Ein eigentlicher 8wang besteht freilich nicht. Wer sich beharrlich weigert, sein Kind impfen zu lassen, wird einmal mit Haft bestraft, das Kind aber entgeht das durch der Impfung. Gewaltsame Impfung findet nicht statt, nnd eine Wiederholung der Bestrafung bei andauern bem Ungehorsam des Vaters ebenfalls nicht. Durch das einmalige Brummen" hat der Vater sein Kind frei getauft. Man mag über die Sache denken, wie man will be züglich des Gesetzes kann bei Verständigen nur eine Meinung herrichen. " Das liebe Rindvieh ist es, auf das jetzt unsere Impffreunde ihr Augenmerk gerichtet haben. Dem Reichstage ist kurz vor Beginn der Ferien der: ,, Entwurf eines Ge feßes, betreffend Abänderung des Gefeßes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen" zugegangen und in diesem neuesten Elaborat neudeutscher Gefeßgebung finden wir den Impfzwang für Nindvieh ausgesprochen. Der Anstoß zu diesem Gefeßentwurf ist zunächst gegeben durch die Wahrnehmung, daß trop der strengen und umfassenden Bestimmungen des Viehseuchengesetzes vom 23. Juni 1880 die Lungenfeuche nichts weniger als in der Abnahme begriffen ist. Ja in der preußischen Provinz Sachsen, welche von dieser für die Landwirthschaft so gefährlichen Krankheit am stärksten heimgesucht ist, hat in der Beit vom 31. März 1883 bis 1. April 1884 sogar eine Zunahme des verseuchten Viehstandes konstatirt werden müssen. Bu gleicher Zeit aber haben sich die Fälle vermehrt, daß bisher seuchenfreie Gebietstheile von der Krank it jetzt befallen werden. Besonders sind solche Fälle in etterer Beit außer in den Provinzen Brandenburg, Han over und Westfalen, auch besonders in Schleswig- Holstein onftatirt worden. Als Ursache dieser Verschleppung hat sich nun durchgehends die Thatsache herausgestellt, daß Nindvich aus notorisch verseuchten Gegenden nach den oben bezeichneten Provinzen verkauft worden ist. Zwar bestimmt das Gefeß, baß die Sperre erst 6 Monate nach dem letzten Erkrankungsfalle und nach Ausführung der Desinfektion des Seuchen gehöfts aufgehoben werden darf, troßdem aber hat die Er fahrung gelehrt, daß diese Bestimmung keinen Schuß gegen die Verschleppung bietet. Der neue Entwurf will deshalb dem Seuchen Gesetz eine Bestimmung einfügen, nach welcher sämmtliches vers bächtige Vieh, welches nach Ausbruch der Seuche sich auf dem Gehöft befindet, mit einem dauernd haftenden Rennzeichen zu versehen sei. Die Kennzeichnung hat durch einen beamteten Thierarzt stattzufinden und soll für das ganze Reichsgebiet eine gleichmäßige sein. Der Erfolg dieser Nachdruck verboten.] 135 Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dug ( Forsezung.) Ich habe mich beeilt, Ihnen meine Aufwartung zu machen, Herr Graf," nahm Frizz das Wort, indem er sich den Anschein gab, als habe er auf die letzten Worte des Grafen garnicht gehört, um denselben nicht zu beunruhigen, weil ich hörte, daß Sie Ihr Lager noch nicht verlassen hätten. Ich freue mich, zu hören, Herr Graf, daß Sie sich nicht frant fühlen." • ,, Nicht im Mindesten, Herr Doktor! Nein, nicht deshalb blieb ich im Bett liegen, Vergeßlichkeit, nichts als Vergeßlichkeit Entschuldigen Sie mich, daß ich Sie fo empfing, und nicht, wie es meine Pflicht als Wirth gewesen wäre; doch Sie sind ja Arzt und werden meine Vergeßlichkeit entschuldigen. Ich erwarte fie zum Frühstück. Meine Tochter wird eben so erfreut fein, Sie bewirthen zu fönnen, wie ich es bin.... Auf Wiedersehen, Herr Doktor!" Mit einer Handbewegung entließ er den Doktor. Beim Frühstüc, an welchem auch, auf besonderen Wunsch des Grafen, Habicht Theil nahm, bemerkte Friß, so scharf er auch Acht gab auf jede Miene des Patienten, tein Symptom einer Krankheit. Die erwarteten Gäfte trafen gegen Abend ein. Lord Killmare hatte noch nicht Gelegenheit gehabt, seine junge Gattin seinem Nachbar vorzustellen, da er erst unlängst vom Kontinent zurückgekehrt war, um seine Wohnung auf feinen Gütern in Elgin zu nehmen. Brand mit seiner Gattin war dort geblieben, da Wredow darin gewilligt hatte, Alles, wie es in Stolzen burg war, zu belaffen, bis Brand eine passende Besitzung für sich gefunden. Lord Killmare hatte aus besonderer Rücksicht für Lucie darauf verzichtet, ihren Mann zu nöthigen, daß er ihn nach Schottland begleite. Der Graf Fergus M'Donuil empfing seine Gäste mit Freundschaft und Ritterlichkeit. Lord Killmare war ihm ein ganz besonders werther Nachbar, und die Hochachtung, Freitag, den 10 April 1885. äußerlichen Rennzeichnung foll darin bestehen, daß der Handel mit tiefen Thieren aufhören wird, während sie heute als äußerlich ganz unverdächtige Waare verkauft wer den und durch sie nur allzu häufig die Seuche in sonst ge funde Gegenden verschleppt wird. Gegen das Zweckmäßige dieser Bestimmung läßt sich nichts einwenden, denn der Umstand, daß die Thiere durch bie Kennzeichnung aufhören, Handelswaare zu werden und nur mehr zum Schlachten verkauft werden können, was natürlich eine Werthminderung involvirt, ist zwar für den Befizer unangenehm, fällt aber gegenüber dem Interesse der Gesammtheit nicht ins Gewicht. Mit dieser Bestimmung ist aber leider der Inhalt des Entwurfes noch nicht erschöpft, sondern derselbe enthält noch eine zweite Neuerung, und was diese uns bringen soll, darüber sollen die Motive, welche die Regierungsvorlage zur Begründung derselben enthält, den geneigten Leser selbst aufklären. In demselben heißt es nämlich neben Anderem: " Als Schußmittel gegen die Lungenfeuche wird in den von dieser Plage betroffenen Landestheilen häufig die Im pfung mit der aus den Lungen franker Thiere entnomme nen Lymphe angewendet. Ueber den Werth dieser Impfung als Vorbeugungsmittel oder als Mittel zur Abwehr des Seuchenverlaufs in einem Viehstande gehen die Meinungen nicht nur der Landwirthe, sondern auch der Veterinäre in Deutschland und in anderen Ländern weit auseinander. Wissenschaftliche Verfuche, welche mit der Lungenfeuchenimpfung an der Thierarzneischule in Berlin angestellt sind, haben die Frage nach der praktischen Nüglichkeit der Ja pfung nicht positiv erledigt und auch nicht erledigen können, weil dieselbe nur lösbar ist, wenn die Impfung längere Zeit hindurch in einer großen Anzahl von Viehbeständen von Sachverständigen sorgfältig ausgeführt und ihre Wir fung exalt beobachtet wird." Um nun diese exalten Beobachtungen" machen zu fönnen und um andererseits den lebhaften Wünschen derjenigen derjenigen Interessenkreise zu genügen, welche von ber Einführung der obligatorischen Impfung den ausgiebigsten Schutz gegen die Verheerungen der Lungenfeuche erwarten," foll burch Den § 45 des Entwurfes den Landesregierungen die Bes fugniß eingeräumt werden, für den ganzen Umfang ihres Staatsgebietes oder für Theile desselben die Impfung sämmtlicher Rinder in den Gehöften oder in den Orts schaften, in welchen die Lungenfeuche ausgebrochen ist, an zuordnen. Also, trotzdem die Motive selbst zugeben, daß sowohl innerhalb das Kreises der Landwirthe als auch der Veterinäre die Meinung über den Werth der Impfung eine sehr getheilte ist, troßdem, wieder nach denselben Motiven, die angestellten wissenschaftlichen Untersuchungen zu feinem endgiltigen Ergebnisse geführt haben, soll doch die obligatorische Infizirung des gesunden Viehes mit Lungenfeuchengift stattfinden. Und zwar soll diefelbe stattfinden, nm die ,, leb haften Wünsche" der Impfanhänger unter den Landwirthen zu befriedigen. Diesen lebhaften Wünschen der Impfzu befriedigen. Diesen lebhaften Wünschen der Impf enthusiasten stehen aber entgegen die Befürchtungen der Impfgegner unter den Landwirthen und außerdem das Interesse der großen Maffe der Steuerzahler. Der Entwurf enthält nämlich nicht blos den Zwang für Impfung, sondern er setzt, und zwar im Anschlusse an den Bwang ganz logisch auch fest, daß, wenn in Folge der Zwangsimpfung Thiere mit dem Tode abgehen, der Staat, d. h. die Steuerzahler, für den entstandenen Schaben aufkommen müssen. Die beabsichtigte Impfverseuchung des Rindoiehs ist also nicht blos ein sehr zweifelhaftes, die er für ihn hegte, übertrug er von ganzem Herzen auf feine junge Gemahlin. Killmare hatte sich einmal um Agathens Hand beworben. Sie hatte ihn, ohne ihre Gründe zu sagen, abgewiesen und ihm gesagt, daß er sich nie Hoffnung machen dürfe auf ihre Hand. Sie wußte ihm Dant, daß er damals mit zarter Rüdficht und mit heroischer Resignation zurüdtrat, und sie nie wieder durch seine Anträge beunruhigte. Sie schäßte ihn deshalb hoch und bes wahrte ihm ein dankbares und freundschaftliches Andenken. Wie hätte sie nicht ebenfalls ihre Hochachtung und Freundschaft auf seine junge Gemahlin übertragen sollen, zumal da diese ein so liebenswürdiges Wesen war, daß sie wie zur Freundin Agathens geschaffen schien? An der Abendtafel, an welcher wieder Frizz Rodenburg und Habicht Theil nahmen, zeigte sich ebenfalls nicht die geringfte Spur von Berstreutheit oder sonst einer Verände ung im Wesen des Grafen, und Frit flüsterte Habicht mehrmals zu: Die Berstreuung thut dem Grafen gut. Ich wage zu hoffen, daß die Anwesenheit der Gäste ihn über die verhängnißvolle Periode hinwegbringt." " Ich wollte, Du hättest Recht," antwortete Habicht; ,, aber ich glaub's nicht. Ich hab's nun schon oft genug erlebt es kommt." Nach Aufhebung der Abendtafel, nachdem sich die Gäste zur Ruhe begeben hatten, bat der Graf Friz Rodenburg und Habicht, noch ein wenig bei ihm zu bleiben. Friß lenkte das Gespräch auf die Eigenthümlichkeiten des Schlosses, ließ fich von dem Grafen diesen oder jenen interessanten Abschnitt aus der Geschichte seines Geschlechtes er zählen, und der Graf erzählte mit Lebhaftigkeit und Interesse manche Episode, die sich an diesen oder jenen Schloßthurm, oder an jene verfallene Bugbrücke knüpfte, auf welcher Hedwigia ihrem Gatten kämpfend zur Seite gestanden und mehr als einen der feindlichen Mannen ver wundet habe, daß er über die Brücke in die Schlucht flürzte. Da hielt er ganz plöglich inne, mitten in dem Sat abbrechend. Er streckte den Kopf vorwärts, sein Blick starrte plötz lich und zerstreut in's Leere, als ob er die Anwesenheit der beiden Andern vergessen hätte. Es schien sich ihm förmlich II. Jabrgang. sondern auch ein fostspieliges, möglicherweise ein sehr kostspieliges Experiment und dies alles- blos um den ,, lebhaften Wünschen" einzelner Interessenten zu Gefallen zu sein! Wollen wir hoffen, daß im Reichstage die Impf freunde teine Mehrheit mehr finden und so das Nindvich wenigstens der Impfplage entgeht, die man dem heran wachsenden Menschengeschlechte freilich nicht sobald erlassen wird. Politische Uebersicht. Für die Errichtung deutscher Kolonialtruppen bricht bie Köln. Btg." in einem Leitartikel eine Lanze.„ Es ist ja nur der erste Schritt, der Ueberwindung kostet," so meint das brave Blatt. Die Truppen sollen aus Freiwilligen, resp. dazu Angeworbenen bestehen; zu Offizieren, meint die Kölnerin, können ja frühere Offiziere genommen werden, die in ihrer militärischen Laufbahn durch irgend ein ,, Unglück", hauptsächlich finanzieller Art, Schiffbruch gelitten haben. Die Kölnische Beitung" schließt ihren Vorschlag mit den Worten: ,, Wünschens werth scheint es zu sein, daß zunächst etwas geschieht, was die Verwi: tlichung unserer, wie wir glauben, unvermeidlichen Neu Köpfen Klarheit herrschen: ohne eine tüchtige deutsche Kolonialschöpfung herbeiführt; denn darüber sollte möglichst in allen truppe ist eine dauernde Behauptung der neuen deutschen KoIonien nicht möglich." Natürlich wird dem ersten Schritt der zweite, dritte und vierte folgen. Aus der kleinen Truppe wird fich die große entwickeln und sicher werden die Handelsstationen dem deutschen Volke recht hübsche Summen kosten. Der Grundbesitz des Reichskanzlers umfaßt jest einige Quadratmetlen und ist ganz ohne Schulden. Varsin ist aus der Dotation von 1867, und zwar aus dem Ankauf von 7 Rittergütern entstanden. Friedrichsruh hat der Reichskanzler als Dotation nach 1870 vom Kaiser erhalten. Wie das„ Berl. Tagebl." mittheilt, wurde der Jahresertrag von Varzin Ende der sechziger Jahre auf 16 000 Thaler geschäst, bat fich aber inzwischen duich neue Antäufe und industrielle Anlagen, wie 3. B. einer Papierfabrik, erhöh. Die Einkünfte von Friedrich rub werden bei mäßiger Holzfällung auf 80 000 Thlr. geschäßt. Schönhausen wird in seinem Ertrage, wenn es auch viel kleiner ist als Varzin( lepteres hat ca. 30 000 Morgen, ersteres zirka 8000 Morgen) Doch diesem ziemlich gleich kommen wegen des besseren Bodens und der günstigen Lage an der Eisenbahn nach Berlin. Die Revenüen des Reichskanzlers aus Grundbefit betragen alfo nach den Berechnungen des Bert. Tages blatt" mindestens 360 000 m. Belgien. Aus Belgien, speziell aus der Hauptstadt Brüssel, wird von einem Attentat berichtet. Das bezügliche Telegramm hat folgenden Wortlaut; Brüssel, 9. April. Als das königliche Paar mit Gefolge sich zu dem anläßlich des fünfzigjährigen Geburtstages des Königs abzuhaltenden Tedeum in die Kirche begab, stürzte sich ein Mann auf den Wagen der Königin und zerbrach eine Scheibe desselben. Der Mann wurde fest genommen; man glaubt, daß es sich um einen Wahnsin. nigen handelt." Großbritannien. Die afghanische Frage wird der englischen Regierung jedenfalls noch mehr Kopfschmerzen bereiten, als es die egyp find, von ihrem Borhaben, die rufftiche Grenze weiter in Aften tische bis dato gethan hat. Daß die Russen nicht Willens auszudehnen, Abstand zu nehmen, darüber dürfte fich Herr Gladstone längst klar sein. Die schönen Redensarten zwischen beiden Kabinetten ändern an den thatsächlichen Verhältnissen nichts. Man wird so lange verhandeln, bis eines guten Tages die russischen Truppen das streitige( Gebiet offupit haben wer den, denn es ist kaum anzunehmen, daß das Ministerium Glad stone es wagen wird, sich mit Rußland ernstlich einzulaffen. die„ Daily News", an der afghanischen Grenze bleibe alles Ueber den gegenwärtigen Stand der afghanischen Frage sagen gegenwärtig auf dem status quo; die Bemühungen der Dips lomatie zur Lösung der Schwierigkeit mit Rußland haben nur das ftruppige, grau melirte Haar emporzufträuben, das Ge ficht zu verlängern. Einen Augenblick war es das Wolfsgesicht, was Friz bei dem ersten Anblick des Grafen fast erschreckt hatte, von dem aber keine Spur vorhanden war, so lange der Graf gesund war. Habicht faßte ihn am Arm. " Siehst Du ihn? So fängt feine Krankheit an." " Man muß ihn nicht sich selbst überlassen," sagte Frik leise Versuchen wir, ihn von den Gedanken, die ihn in diesem Augenblick beschäftigen, abzubringen." Weiß man nicht," fragte Fritz, das Schweigen, das mehrere Minuten gewährt hatte, plößlich unterbrechend, ,, was aus der verflossenen Klothilde geworden ist?" Die Frage schien den Grafen aus seiner Geistes abwesenheit zu erwecken. Er schrat bei dem Tone der Stimme förmlich zufammen, wandte sich nach dem Sprecher um, starrte ihn einige Sekunden an, fuhr sich mit der Hand über das Geficht und sagte: " Man weiß es, Herr Doktor; ich erzähle Ihnen das morgen, ich bin müde und will mich zur Ruhe begeben. Habicht, Sie begleiten mich" Er verabschiedete sich turz von Friß und ging. Nachdenklich blieb Friß noch eine Weile sißen, während er den Rest des Glases leerte. ,, Armer Graf," murmetre er, welche Macht Dich und Deine Vertrauten auch zwingt, Dein Geheimniß zu bes wahren wahren diese Macht wird Dich tödten. Bleibt das Geheimniß unenthüllt, dann ist es Dein Tod." Siebzehntes Rapitel. Lord Killmare hatte beabsichtigt, seinen Besuch auf einige Tage auszubehnen. Der Graf hatte deshalb bereits am vorigen Tage Auftrag ertheilt, die Vorbereitungen zu einer Jagb zu treffen. Am Morgen des folgenden Tages aber erhielt Habicht zu feiner Verwunderung Gegenbefehl. Der Graf hatte sich wieder spät von seinem Lager erhoben. Er war sichtlich verstimmt und unruhig. Er entschuldigte sich mit einem leichten Unwohlsein, das ihn hinderte, eine Jagd mitzumachen. Erst nach und geringe Fortschritte gemacht. Die russischen Transportdampfer " Ostroma" und Petersburg", welche in den Suezkanal einges laufen waren, haben Befehl erhalten, nach Ddeffa zurückzu tehren. Die angekündigte Reise des englischen Kabinetsmitgliedes Rosebery nach Berlin, welche angeblich wegen der afghanischen Frage stattfinden sollte, wird jest in Abrede geftellt. " Egypten. Die in Kairo in französischer Sprache erscheinende. Beitung Bosphore" brachte eine arabische Proklamation des Mahdi, was zu polizeilichem Einschreiten gegen das Blatt führte. Die egyptische Bolizei lieg die Thüren der Druckerei gewaltsam öffnen und besezte das Lokal." Das französische Konsulat protestirt gegen diese Verletung des Hausrechts. Es dürfte zu einem diplomatischen Meinungsaustausch kommen. General Graham bat das wenige Meilen von Sualim belegene Handul besetzen laffen. Bis dorthin soll bekanntlich zunächst Die Eisenbahn ausgeführt werden. In Folge der großen Size mehrt sich die Anzahl der Kranten unter den englischen Truppen in hohem Grade. Asieu. An der afghanischen Grenze ist es bereits zu einem Gefecht zwischen Russen und Afghanen gekommen. Der englische Standard" meldet, am Murgab Fluffe, also wahrscheinlich in der Umgegend von Bendschoe h, habe ein Bufammenstoß ruffticher und afghanischer Vortruppen stattgefunden, wobei auf beiden Seiten 500 Mann gefallen wären. Der Standard" fügt hinzu, aus dem Telegramme sei nicht ersichtlich, ob die Ruffen oder die Afghanen geftegt bätten, doch sei aus dem Ursprung des Telegramms zu muth maßen, daß die Ruffen im Nachtheil geblieben seien. Eine Bestätigung dieser Nachricht, nur in einem anderen Sinne, bringt der ruffische Regierungsanzeiger. Derselbe schreibt: ,, Der General Komaroff berichtet, daß er in Folge der provozirenden und fichtlich feindseligen Aktionen der Afghanen genöthigt war, am 18. März( russischen Stils, nach unserer Zeitrechnung 30. März) die befestigten Pofitionen derselben an beiden Ufern des Ruscht anzugreifen. Ein afghanisches Detachement von 400 Mann mit 8 Geschüßen wurde empfindlich geschlagen und zerstreut; daffelbe verlor 500 Todie, die gesammte Artillerie, zwei Fahnen, das gesammte Lager mit dem Fahrpark und den Vorräthen. Auf russischer Seite wurde ein turkmenischer Offizier getödtet, drei andere Offiziere verwundet, zehn Rosaken und Turkmenen getödtet, 29 verwundet. Nach Beendigung des Kampfes gina General Komaroff wieder über den Ruschtfluß in seine frühere Position zurück. Als die englischen Offiziere, welche Augenzeugen des Kamsfes gewesen waren, aber nicht an demselben Theil nahmen, saben, daß die Afghanen ge schlagen wurden, baten fte die Stufen um Schu3; leider aber tonnte eine fofort von Komaroff abgesandte Eskorte die afghanische Kavallerie nicht mehr einholen, welche die englischen Difiziere bei ihrer Flucht mit fortgeriffen batte. Daß die englischen Offiziere um Schuß gebeten haben sollen, flingt eben so sonderbar, als die weitere Behauptung, daß dieselben von den Afghanen bei der Flucht mit fortgeriffen wurden. Man wird weitere Nachrichten abwarten müffen, um Klarheit zu ere langen. Auffällig ist ebenfalls, daß die Nachricht erft 9 Tage nach dem Ereignis eintrifft. F Amerika. Ueber den Aufstand in Manitoba wird weiter bes richtet: Riel's Rebellion ist den durch die Regierungs Land. meffer verursachten Beschwerden zuzuschreiben, indem dieselben fich in die Landrechte einmischten, wie sie von den MischlingsAnsiedlern beansprucht werden und in der in einem öffentlichen Meeting in St. Laurent im vorigen Herbste von den Misch lingen angenommenen Bill der Rechte" formulirt wurden. Ste verlangen in derselben zuerst die Untereintheilung des nordwestlichen Territoriums in Provinzen; zweitens, daß die Mischlinge dieselben Bewilligungen und andere Vortheile er halten mögen, wie fie die Manitoba- Mischlinge genießen; brittens, Daß unverzüglich Land Patente denjenigen Kolonisten ertheilt werden, die sich im Befiz befinden; viertens verlangen fie die Veräußerung von einer halben Mizion Atres Kronlän dereien und die Verwendung des Ertrages zur Errichtung von Schulen, Hospitälern und ähnlichen Institutionen in den Mischlings Anftedelungen, ferner zur Ausrüstung ärmerer Mischlinge mit Saat Getreide und landwirthschaftlichen Ge räthen; fünftens die Reservirung von 100 Stadtgebieten in den Sumpfländereien zur Vertheilung unter die Kinder von Mischlingen während der nächsten 120 Jahre; sechstens die Bewilligung von wenigstens 1000 Dollars für jede Mischlings Nederlaffung zur Erhaltung einer Institution, die sich unter der Aufsicht von Nonnen befindet; und fiebentens eine bessere Fürsorge zum Unterhalt der Indianer. Riel hat eine provisorische Regierung für das nordwestliche Territorium gebildet, mit fich felber als Präsidenten, Gabriel Dumas als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und einem Direktorium von 5 Räthen. nach gewann er so viel Muth über sich, daß er die Pflichten des Gastgebers wieder übernehmen konnte. So fam wieder die Abendtafel, oder vielmehr die Tafel, die um sechs Uhr begann und sich bis spät auf den Abend ausdehnte. Der Graf war gesprächig und unterhaltend. Killmare erwähnte im Laufe der Unterhaltung, daß er beabsichtigte, so weit es die Wege und Witterung erlaubten, der ganzen Nachbarschaft mit seiner Gemahlin seinen Besuch abzu ftatten. ,, Sehr gern würde ich," sagte er ,,, auch Lady Davis meinen Besuch machen, wenn ich wüßte, daß diese Dame geneigt fei, Gäfte zu empfangen." M'Donuil blidte den Lord an, als ob er etwas ihm ganz Unverständliches gesagt habe. Friß ergriff endlich das Wort. " So viel mir bekannt ist," sagte er, schließt sich Lady Davis von jebem Verkehr mit Freunden ab. Sie ist fränt lich und ihr Leiden jedenfalls mit einer Misstimmung und einem unwiderstehlichen Hange zur Einsamkeit und Abgefchloffenheit verbunden." Die arme Frau hat viel gelitten," fagte Rillmare. Ihr Leiden ist fein förperliches, es ist ein Seelenleiden, es ist der Gram, welcher an ihrem Leben nagt." Ich weiß es!" sagte Frizz. Ich hörte von ihrer traurigen Geschichte." Da schlug Gräfin Agathe die Augen auf und blickte unruhevoll den Arat an. Sie schien auf seinem Antlig lefen zu wollen, wie viel er von der traurigen Geschichte der Lady wüßte. Friz errieth ihre Gedanken und fuhr fort, indem er auch seinerseits die Komtesse so wenig wie den Grafen da bei aus den Augen ließ. Gram und Kummer nagen an dem Leben der unglücklichen Frau und machen ihr die Heimath verhaßt. Den größten Teil des Jahres bringt sie ja auf Reisen au, und wenn sie auch, wie ich glaube, gegenwärtig in Davis town anwesend ist.. " 1 ,, Sie ist nicht in Davistown!" rief plößlich M'Donuil mit einer Hefngfeit, die alle Anwesenden in Erstaunen septe. Ste ist nicht dort!.... Sie flieht den Ort, wo man ihr so viel Leides gethan!... Ist es zu verwundern, Kommunales. Die Deputation für öffentliche Gesundheitspflege, welche am Mittwoch unter Vorfiß des Oberbürgermeisters von Fordenbed im Ratbbause eine Sigung abhielt, beschäftigte sich mit awei vom Magiftrat vorgelegten Projekten in Bezug auf Die Errichtung eines Hospitals und einer Siechenanstalt für Männer auf dem städtischen Terrain in der Greifswalderstraße und mit der Errichtung einer Desinfektions. Anstalt in der Bumpftation in der Reichenbergerstraße. In Bezug auf das erste Projekt, betreffend das Hospital und die Siechenanstalt, hat die Deputation beschloffen, eine Subkommission einzuseßen, welche das Projekt in nähere Berathung ziehen und insbeson dere mit der Erörterung beauftragt werden soll, ob mit diesem Projekt etwa eine Anstalt für Lungenschwindsüchtige und nicht geiftestrante Epileptifer zu verbinden sei. Das Resultat dieser Berathungen, sowie die eventuellen Vorschläge der Subkommission follen alsdann der Deputation unterbreitet werden. Das Projekt der Desinfektions- Anstalt hat die Deputation mit nur einer geringen Abänderung den Vorschläge des Magiftrats gemäß genehmigt und beschloffen, das Polizeipräsidium zu ersuchen, den Entwurf zu einer Polizeiverordnung über die Benuzung der Desinfektionsanstalt einzureichen, um daraus zu ersehen, in welchen Krankheitsfällen die fakultative und in wel chen die obligatorische Desinfektion plaggreifen solle. Lokales. Für die Wahl des Stadtv. Herrn Dr. Stryd zum städtischen Medizinalrath beginnt sich bereits, wie die Staatsb. 8tg." fchreibt, in den der Fraktion" ergebenen Blättern verschämte Agitation zu regen. Uebereinstimmend äußern fich Volte und Voifische Zeitung: Für den Sanitätsäußern fich Bolte und Voifische Zeitung: Für den SanitätsDienst der Kommune ist ein medizinischer Praktiker erforderlich, Der vertraut ist mit den städtischen Verhältnissen, mit den kommunalen Einrichtungen, der nicht fernliegende Probleme zu löjen hat, sondern seinen Blick auf das Nächstliegende richtet und feine praktischen Kenntnisse und Lebenserfahrungen zur sanitären Wohlfahrt der Kommune auf allen Gebieten und Lebensäußerungen des tommunalen Lebens verwerthet." Also der fünftige städtische Medizinalrath, bemerkt die Staatsb. 8tg." bierzu, muß zunächst ein Mann sein, der mit den städti schen Verhältnissen und tommuralen Einrichtungen vertraut ist, d. h ber schon zu einer sädtischen Körperschaft gehört und er muß in zweiter Linie auch praktischer Art sein. Nun, Dr. Stryd ist in erster Linie Stadtverordneter und vor allem er gehört zur Fraktion", ja, er ist sogar ein Führer der ,, Frattion", und nebenbei ist er auch noch praktischer Arzt. Da wäre ja der Mann gefunden! Wir find gespannt darauf, wann die bisher noch verschämte Agitation zu einer unverschämten werden wird!! " Die Kurzfichtigteit der Schüler auf den höheren Lehrs anstalten bildete u.. auf der jüngsten Direktoren- Konferenz den Gegenstand eingehender Verhandlungen. Den Hauptgrund der zunehmenden Kurzfichtigkeit fand die Versammlung in dem schlechten Druck vieler Schulbücher, namentlich der darin befindlichen Anmerkungen. Auf den Vorschlag des Realschul Direktors Münch Münster wurde von der Versammlung der Wunsch ausgesprochen, daß im Intereffe des Sehvermögens der Schüler von dem vorgefeßten Ministerium eine Bestimmung über die Ausstattung der Schulbücher bezüglich des Druckes ( Abstand der Zeilen, Größe der Lettern, Anzahl der Buchstaben auf der Beile) und der Beschaffenheit des Paviers erlaffen werde mit der Maßgabe, daß neue Schulbücher nicht eingeführt und neue Auflagen schon eingeführter Bücher weiterhin nicht gebraucht werden dürfen, wenn dieselben den erlassenen Bestimmungen wibersprechen." ein Ein junger Adliger wurde, wie wir vor einiger Zeit meldeten, unter eigenthümlichen Umständen von seinem eigenen Vater einer Hell inftalt zugeführt. Es gehen dem„ B. B.- C" iezt über diesen Fall weitere Mittheilungen zu, denen zufolge Der Vater des betreffenden jungen Mannes war nicht persön lich die Ueberfüh ung seines Sohnes bewerkstelligt, wohl aber hierbei seine Hand im Spiele gehabt haben soll. Die ganze, recht mysteriöse Angelegenheit erscheint wie ein Roman Roman, in welchem der Vater keine sehr schöne Rolle spielt - und erheischt auf das dringlichste Aufklärung. Der junge Mann, Gerard von X., ist der Sohn eines begüterten Hannoveraners, stand früher als Offizier beim Militär und nahm seinen Abschied, weil er sich mit einem jungen, ehrenhaften, aber in den bescheidensten Verhältnissen lebenden Mädchen, den Mädchen, einem Fräulein Klara W., bas fich feinen Unterhalt durch Kravattennähen verdient, Der heirathen wollte. Aber gerade diese Ehe aus Neigung bildete die Ursache heftiger Zerwürfnisse zwischen Gerard von X. und feiner Familie. Als sich vor vierzehn Tagen nun Herr von X. bei seiner Braut befand, soll daselbst ein Kriminalbeamter erschienen sein und dem jungen Mann eröffnet haben, daß seine Verhaftung erfolgen müsse, weil der eigene Vater ihn daß sie diesen Drt haßt wie Diejenigen, welche ihr Leben vergifteten?... Wehe Denen, wehe Denen!.... Man soll die Wölfin fürchten, der man die Jungen geraubt!.. Wehe dem Räuber!" Diese Worte fetten Friz in größtes Erstaunen. Die Wölfia, der man die Jungen geraubt"- das war dieselbe Wendung, welche er mehrmals von Mrß. Forster, der Frau, von welcher er mußte, daß sie feine andere, als die unglückliche Lady Davis selber sei, gehört hatte. Er hatte diese Worte von ihr gehört im November, wo ihr Wahnsinn zum Ausbruch fam. Er hörte dieselben Worie jetzt von dem Grafen M'Donuil. Wie? Sollte er das Geheimniß kennen, von welchem Mr. Gefferson behauptete, daß es Niemandem außer ihm bekannt sei Was Friß noch mehr als diese Gleichheit in den Wahnvorstellungen der beiden Patienten in Erstauen sette, war die plögliche Veränderung, die mit dem Grafen vorzugehen schien. In Miene, Haltung und Gesichtszügen war er wieder der Wolf, so daß Helene, die Gattin Killmare's, vor ihm erfchrat und zurüd wich, als sein flammender Blid bem ihrigen zufällig begegnete. Am meisten von Allen erschrak Agathe. Sie stieß einen Seufzer aus. Man merkte, wie fie fich Gewalt anthat, um ihre Gemüthswallung zu bemeistern." als Hochftabler denunzirt babe. Als fich Gerard von X. auf dem Mollenmarkt legitimirte, erklärte man ihm, daß er behufs Explorirung seines Geisteszustandes auf Antrag seines Vaters nach einer Maison de Santé gebracht werden müsse. Inzwischen hatte sich bas junge Mädchen, auf das höchste beunruhigt, auf den Weg gemacht, um Erfundigungen einzuziehen. Auf dem Transport nach der Heilanstalt spielte fich nun die von uns bereits geschilderte Szene ab. Der junge Mann er blidte Fräulein W., sprang aus dem Wagen und umarmte fte. Der in seiner Begleitung befindliche Beamte widerfeste fich jedoch dem Vorhaben Fräulein W.'s, welche ihren Verlobten bis nach der Maison de Santé begleiten wollte. Dort befindet sich zur Zeit der Unglüdliche noch. Offiziere, frühere Kameraden, die den Internuten sehen wollten, sollen ebensowenig zu ihm gelaffen roorden sein, wie seine Braut, die beständig die Heilanstalt umfreift und sich mit Gerard v. X. in Verbindung zu fezen suat. Hoffentlich wird von zuständiger Seite nunmehr das Nöthige veranlagt werden, um festzustellen, ob es sich hier um eine romanbaft aufaebauschte Angelegenheit oder wirklich um die unrechtmäßige Freiheits Entziehung bei einem geistig vollkommen gefunden Menschen handelt. Ueber die sensationelle Affaire des hiesigen MaschinenFabrikanten, der, in allerdings sebr gewagter Selbsthilfe, mit seinem Sohne bei Wochen die bolländische Grenze überschritten batte, um in dem nahen Städtchen Baals inen dorthin ges flüchteten böswilligen Schuldner gewaltsam dingfest zu machen und auf diesseitiges Gebiet zurückzuführen, kann das ,, Be liner Tabl." noch folgendes mitiheilen: Der biefige Diaschinenfabrikant W., ein überaus strebsamer und fleißiger Geschäftss mann, hatte im August 1883 an den Buchdrucker Jean Postall in Nippes bei Köln eine Buchdruckerpreffe für 1800 m. gegen verabredete Abzahlung und unter der Bedingung geliefert, daß diese Presse erst dann Eigenthum des Buchdruders werden solle, wenn derselbe die über den Rest des Preises ausgestellten Raten Wechsel sämmtliche eingelöst haben würde. Nachdem auf Diese Weise 510 Dt. abgetragen waren, hörten die Zahlungen auf, so daß der Fabrikant fich genöthigt fah, seine Rechte im Wege des Prozeffes geltend zu machen. Nach erlangtem Urtheil begab Herr W. sich nach Köln und von dort mit dem Gerichtsoollzieher zu dem Schuldner, um demselben die Presse wieder abzunehmen, ließ fich aber durch Versprechungen des Buchdruckers bewegen, von der Pfändung Astand zu nehmen. Nachdem durch drei weitere Zahlungen die Schuld auf 1200 Mart reduzirt war, packte der Buchdrucker seine fteben Sachen zusammen und fiedelte damit auf holländisches Gebiet nach dem dicht an der Grenze gelegenen Städtchen Vaals über, ließ dem Fabrikanten bas leere Nachsehen und fügte zu dem Schaden auch noch den Spott, indem er den betrogenen Gläubiger in Briefen frech verhöhnte. Der Geprellte benachrichtigte nun die Kölner Staatsanwaltschaft von der Sachlage. Diese jedoch wies eine Einmischung als unzulässig zurück und bedeutete Herrn W., fich an den Maire von Vaals zu wenden. Allein alle gethanen Schritte verliefen resultat los. Unterdessen erfuhr Der Fabrikant, daß der durchgebrannte Buchdruder wöchent lich mehrere Male über die Grenze nach Aachen fäme, um dori in einem bestimmten Lokal zu Kneipen. Er bat daher die Aachener Polizei, den Flüchtling daselbst zu verhaften. Inzwischen war aber von der Kölner Staats anwaltschaft ein Stedbrief gegen den Buchbrucker Jean Boftall erlaffen, roodurch dieser verscheucht wurde und nicht wieder auf dieffeitiges Gebiet tam. Der Fabrikant entwarf nun den für ihn jo oerhängnißvoll gewordenen Plan zur Entführung des Ausreigers aus Holland; bemerkt sei, daß Vorkehrungen getroffen waren, den Privatgefangenen" beim Ueberschreiten der Grenze sofort den diesseitigen Polizeibeamten zu überliefern. Die Ausführung des Planes war übrigens Schon viel weiter vorgeschritten, als die R. 3." 1. 8. berichtet hatte. Denn der gewaltsam aus seiner Wohnung geholte Buchdrucker war bereits im Wagen und auf dem Wege u Grenze, auf dem man aber einen holländischen Gendarmeries poften pasfiren mußte. Dort wurde auf das Geschrei des Festgenommenen das Gefährt angehalten und durchsucht. Der Fabrikant erklärte den holländischen Gendarmen, sein G fangener fei ein aus Aachen entsprungener Frisinniger. Diese Ausrede fand jedoch feinen Glauben, der Buch bruder wurbe vielmehr befreit nnd freigelassen, Herr W. dagegen mitfammt seinem Sohne einem 2 Jahre alten Techniker festgenommen und später nad Mastricht überführt, während Die Begleitmannichaften welche bei der Entführung mitgewirkt hatten, glücklich über dit Gcenze und nach Aachen entlamen. Die in größter Sorge be findliche hiesige Familie der beiden Verhafteten hat sich sofort an das Auswärtige Amt gewendet, welches fich auch bereit erklärte, au Gunsten der Verbafteten, so weit dies nur irgend zulässig ist, zu interveniren. Bunächst versuchte man die Auslieferung der Gefangenen an die deutsche Behörde zu erwirten, um die An gelegenbeit vor das Berliner Gericht zu bringen. Das mi glückte indeß; ebenso wurde eine für die Freilaffung des Herrn W. und seines Sohnes angebotene hohe Raution zurüdge nicht mehr bewirthen kann.... Jo fleye fie an, Mylady, daß Sie, wenn es Ihnen auch scheint, als ob wir feine freundschaftliche Gesinnung gegen Sie hegten, doch was auch geschehen möge, an unserer Freundschaft nicht zweifeln Sie müssen uns verlassen! Sie fönnen nicht bleiben!" " Ich will nicht in Sie bringen, theure Freundin, Herzen verschließen müssen; es genügt mir, zu wiffen, daß antwortete Helene, mir das zu sagen, was Sie in Ihrem Sie unglücklich find... Von Herzen bellage ich Sie; an Ihrer Freundschaft und Herzensgüte werde ich niemals weifeln. Morgen in aller Frühe werden wir Schloß M'Donuil verlassen." Der Graf hatte auch diesen Abend ausbrücklich ge wünscht, daß Friß ihn verlasse und nur Habicht aufg fordert, bei ihm zu bleiben. Friß wußte, daß an diefem Abend die fürchterliche und geheimnisvolle Krankheit zum Ausbruch fommen werde. In Unruhe und tiefster Besorgnis erhob sich Frit a andern Morgen, als kaum die Sonne über den schneeb deckten Höhen emporstieg, von seinem Lager, die Nachri Habichts erwarteno. Schrecklich und niederdrückend war ihm der Gebante daß von einer eigentlichen Rur seinerseits hier nicht die Rede fein fonnte. Er tappte blind und war machtlos. Die schwarze Hrge umacb nicht nur den Grafen mit ihrem Bant Sie erhob sich, näherte sich ihrem Vater, legte sanft wie es schien, nein, auch die ganze Situation, indem fie dieselbe in ein dichtes, undurchdringliches Geheimnis ihren Arm um seine Schulter und streichelte seine Wargen. Diese Berührung schien dem Grafen wohl zu thun. Noch einmal fehrte er zum flaren Bewußtsein zurüd. hüllte. In seinem Herzen fing Frig an, ber Here, wie man Er nahm die Hand seiner Tochter, brückte sie an seine hier die anglückliche Bettlerin nannte, ebenso zu gürne Lippen, ftreichelte ihre Wangen und sagte leise: Sei ruhig, mein Rind, sei ruhig, es ist vorüber." Agathe aber wußte, daß es nicht vorüber sei. Auf ihre Veranlassung trennte fich die Gesellschaft heute früher als es sonst zu geschehen pflegte. The fie fich aber zur Ruhe begab, fuchte sie ihre neue Freundin Helene auf. Weinend umschlang sie diefe. " D, ich bin sehr unglücklich! Mein Vater ist frank; ich weiß, daß er morgen frank sein wird und seine Gäste wenn Habicht's Kugel sie einmal erreichte." " wäre ein Glück für den Grafen und für Alle Doch nein; er ließ diesen Gedanken sogleich wieber fahren. all Vielleicht wäre dann das Unglück noch größer. Hitett der Graf sie nicht mit einer Sorge, die offenbar mehr bloße Theilnahme befundete? Hatte er sie nicht ausdrücklich in seinen Schuß ge ber ett ge en er en en ch er ne B., Пе hr Fr bit ant nt it น II B n t ge AHEAERANSES D ag en no tet ( te ur te wed Der er. ch 21 ad ten Dit be al ift, Det In wiesen. Inzwischen ist der hiesigen Famile eine aus dem Hol. I ländischen ins Deutsche übersezte Abschrift der gegen die beiden Gefargenen erhobene Anklage zugegangen, die wir in Nachstehendem unter Weglaffung der Personalien der Angeklagten in der Hauptsache wiedergegeben: Gegen den Fabrikanten W. und seinen Sohn aus Berlin ist Untersuchung eingeleitet und Haftbefehl erlassen worden, weil fte am 26. März 1885 in der Gemeinde Vaals zusammen und in Gemeinschaft mit noch zwei oder drei Unbekannten, die über die preußische Grenze entkommen find, ohne Ermächtigung der Behörden und ohne sich in der Lage zu befinden, in welcher das Gesez die Ergreifung von Verdächtigen zuläßt, den Buch Drucker Jean Bostall in seiner Wohnung festgenommen, den Genannten mit Gewalt aus derselben gezogen und ges schleift, durch solche vorfäßlich Handlungen verwundet und lange Zeit hindurch, bis daß er befreit ward, festgehalten haben, Vergehen, welche in den Art. 341, 311 und 309 des Straf gefeßbuches, und Artikel 2 des Gesetzes vom 29. Juni 1824 ( Staatsblad Nr. 102) vorgefeben find. Fabrikant W. scheint eine Geldforderung an Jean Bostall für Lieferung einer Druc preffe zu haben und nach vergeblichen Mahnungen scheint bei Beiben der Plan zur Reife gelangt zu sein, dem Schuldner aufzulauern und ihn über die preußische Grenze zu schaffen, wo er kraft eines von der Staatsanwaltschaft zu Köln wegen einer in Breußen gegen ihn anhängigen Untersuchung erlaffenenhaftbefehls arretiit werben konnte. Zu diesem Zwecke hatten Beide zwei Männer gebungen, sowie einen Wagen mit Rutscher gemiethet, sämmt lich aus Preußen. Mit diesem Wagen wollten sie den 2c. Bostall transportiren. Die beiden W. haben an der Festnahme des 2c. Postall selbst nicht weniger thätigen selbst nicht weniger thätigen Antheil genommen, als die gemietheten Männer." Soweit das Berl. Tab.". Die Sache scheint denn doch nicht ganz tlar zu fein. Zunächst ist der ,, äußerst strebsame und, fleißige Geschäftsmann" einer jener Herren, die ganz gewöhnliche Abzahlungsgeschäfte machen, wie doch ganz deutlich daraus her Dorgeht, daß die Druckerpresse erst in den Befis des Käufers übergehen sollte, wenn der legte Wechsel bezahlt war. Also einer der berüchtigten Leibkontratte". Alsdann erscheint es doch mindestens zweifelhaft, daß ein Schuldner, der nicht zahlen will, seinen Gläubiger noch durch Hohn und Spott teist. Es liegt uns natürlich vollkommen fern, für den Durchgänger Bartei zu nehmen, aber ein solches Vorgehen des Gläu bigers ist doch unter feinen Umständen zu billigen. Die bol ländischen Behörden zeichnen sich durchaus nicht durch Lässigkeit aus, fie würten dem etwas zu energischen Gläubiger ganz gewiß zu seinem Recht verholfen haben. Derartige Atte der Selbsthilfe müffen unter allen Umständen verurtheilt werden, und wir hätten einmal sehen mögen, ob man den Fall auch in so mildem Lichte betrachtet hätte, wenn es einem Holländer eingefallen wäre, in preußisches Gebiet einzubrechen. In Folge der bei der Duellaffaire Dehlte- Holzapfel erörterten Mißstände in der Organisation des studentischen Ausschusses find, wie uns mitgetheilt wird, der Rektor und Senat der hiesigen Universität der Frage näher getreten, ob es nicht zweckmäßig wäre, den bei den Ausschußwahlen vorTommenden erregten Diskussionen dadurch ein Biel zu seßen, daß die allgemeinen Studentenversammlungen bebufs Wahl ber akademischen Vertretung überhaupt in Wegfall kommen. Der Ausschuß soll sich sodann folgendermaßen zusammenfeßen: Die vier Fakultäten wählen, jede für sich, ohne Diskussion, je einen Vertreter; die akademische Lesehalle, welche bisher noch nicht in der studentischen Korporation repräsentirt wat, soll zwei Vertreter entsenden, ebensoviel der sehr zahlreiche Turnverein, alle anderen Vereine je einen, wenn ihre Mitglieder zahl 30 Personen übersteigt. Ein Paletotmarder versuchte vorgestern Abend in einem Weißbierlokal in der Wallstraße, während sich die übrigen Gäfte mit Kartenspiel unterhielten, fich mit einem noch neuen Som. merpaletot za verabschieden. Jedoch wurde die Manipulation von dem Eigenthümer des Paletots bemerkt, der Dieb festge halten und dem nächsten Bolizeirevier übergeben. Dortſelbſt entpuppte fich derselbe als ein Handlungskommis B. eines bie figen Geschäftes. Ueberfahren von einem Pferdebahnwagen wurde vorgestern Abend gegen 8 Uhr ein älterer Herr in der Bülowstraße. Beim Abspringen von dem in der Fahrt befindlichen Wagen gerieth derselbe unter einen entgegenkommenden Wagen; er erlitt sehr schwere Verlegungen und verstarb auf dem Transport zum Krankenhauſe. Polizeibericht. Am 8. d. Mts., Vormittags, entstand im Keller des Hauses Blumenstraße Nr. 73 Feuer, indem durch Umwerfen eines brennenden Lichtes eine Rifte mit Lumpen in Brand gerieth. Das Feuer wurde von Hausbewohnern noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht.- Abends_kam mit dem Dftbahnzug der Postschaffner Schulz auf dem Schle fischen Bahnhof hier so frant an, daß er mittelst Tragforbes nach seiner Wohnung in der Fruchisiraße gebracht werden mußte. Er war beim Rangiren des betreffenden Buges in Rüftrin in Folge eines starten Zusammenstoßes der Lokomotive nommen, indem er seinen Untergebenen befahl, ihr nichts Leides zu thun? War das Intereffe, das der Graf an der Bettlerin nahm, bloßes Mitleid, oder war es mehr? ,, Wir werden ja sehen," dachte er, nachdem er Alles hin und her überlegt hatte, ob nicht der Zusammenhang zwischen der Erscheinung der Alten und der Krankheit des Grafen dennoch bloße Täuschung ist. Segal hat bis jet teine Spur von ihrer Nähe entdeckt, und die Krankentdeckt, und die Krantheit des Grafen ist dennoch hereingebrochen Wäre das der Fall, so stände ich vor einem neuen Problem." . Ein Geräusch auf dem Hofe, Pferdetritte und das Rollen von Wagen ließ sich hören. Er trat an's Fenster und fah, wie trotz des schneidenden Windes und des herabfallenden Staubschnees die Fremden des Schlosses den schweren Reisewagen bestiegen. Habicht half ihnen in den Wagen und auf dem Antlig des Alten las er trotz der Entfernung, daß sich seine Vermuthung bestätigte, daß die Krankheit des Grafen in dieser Nacht zum Ausbruch ge tommen sei. Der Wagen rollte vom Schloßhofe. Wenige Minuten päter erschien Habicht in Rodenburg's 8immer. Guten Morgen, mein lieber Junge," sagte er mit einer so traurigen Miene, daß er nicht nöthig gehabt hätte etwas hinzuzufügen. Frig wußte Alles. Ich habe Dich bereits mit Unruhe erwartet," sagte der Doktor. Wäre auch längst hier, um Dir Mittheilung zu machen über den Zustand des Herrn, allein ich hatte die Pflicht, erst den Gästen auf den Weg zu helfen... Ist das nicht eine traurige Sache, daß wir, die wir im Stande find, hunderte von Gästen Monate lang zu beherbergen, die intimsten Freunde des Grafen nicht länger als zwei Tage bier behalten fönnen?" Die Krankheit des Grafen ist also diese Nacht zum Ausbruch gekommen?" " In berselben Weise, Frith, wie ich es Dir bereits zwei Mal berichtete; es ist immer dieselbe Geschichte, nur tommt mir vor, als ob diesmal der Anfall heftiger fei." Der Ausdruck seines Gefichts gestern Abend nach der Tafel fam mir zuweilen bereits wie ber eines Geistesab mit dem Boftwagen auf die im legteren befindlichen Gepäc ftüde gefallen und hatte dabei eine so starke Nervenerschüt terung erlitten, daß er des Gehens unfähig war. Gerichts- Zeitung. -y. Das Ausspielen von Gänsen auf dem Billard bilbete die Unterlage einer Anflage wegen Veranstaltung einer Lotterie ohne polizeiliche Erlaubniß, welche gestern gegen den Schankwirth Wilh. Gebauer, Dorotheenstraße 56, vor der zweiten Straffammer des Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Am 28. November v. J. fand im Lokale des Ange flagten das Ausspielen von 8 Gänsen auf dem Billard statt, zu welchem die Theilnehmer Loose zu 50 Pf. entnahmen. Da jede Gans zu einem Werthe von 11 M. 50 Pf. berechnet wurde, betrug die Anzahl der für jede Gans ausgegebenen Loose 23. In dieser Ausspielung erblickte die Anklagebehörde die Veranstaltung einer öffentlichen Lotterie, zu welcher die ers forderliche Genehmigung weder nachgesucht noch ertheilt worDen mar Die im Termine vernommenen Zeugen befundeten, daß der Angeklagte auf ihr Verlangen nur die Gänse getauft und daß Einer von ihnen das Risiko übernommen habe. Der Staatsanwalt beantragte 30 M. event. 6 Tage Gefängniß; der Gerichtshof erkannte aber dem Antrage und den Aus. führungen des Rechtsanwalts Dr. Friedmann entsprechend auf Freisprechung des Angeklagten, da vorliegend nicht dieser, son. Dern einer der Gäste als Veranstalter der Lotterie anzu sehen sei. 1 Ein Wucherprozeß, der zwar mit der Freisprechung der beiden Angeklagten endete, aber dadurch ein besonderes Intereffe bot, weil er etn charakteristisches Streiflicht auf die Ge schäftspraxis gewisser Geldmänner warf, spielte sich gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts 1 ab. Angeklagt waren der Kaufmann Ifidor Hirschberg und der Agent Emil Blumenfeld. Zu dem Lepteren tam im Dezember v. I der Rentier Gustav Bohnhof, theilte ihm mit, daß er sich in Geld verlegenheit befinde und bat Blumenfeld, ihm zur Diskontirung eines Wechsels von 4000 M. behilflich zu sein. Als Sicher heit bot B. außerdem eine Häuserhypothet über 15 000 M. als Beffion an. Blumenfeld versprach, fich in der Angelegenheit bemühen zu wollen und stellte dem Hirschberg das Geschäft vor. Dieser wollte das Geld nicht flüssig haben und wandte fich an einen Dritten, Den Geldmakler Marcuse und endlich wurden zwei Don Bohnhof atzeptirte Wechsel über je 2000 Mt. diskontirt. Der Akzeptant erhielt hierfür aber nur 3600 Mt. und das ging folgendermaßen zu: Marcuse zog für die Diskontirung iofort 10 Prozent pro Anno ab, macht auf einen Drei- Monats- Wechsel von 4000 Mr. 100 Mt. Hirschberg hatte dem Marcuse aber sein Giro geben müffen, hierfür rechnete er 100 mt, ferner in Summa 60 Mt. Binsen, macht für Hirschberg 160 Mt. Nun gelangte das Geld für die Wechsel in die Hände Blumenfeld's, der ebenfalls als Girant zeichnete und sich hierfür 100 Mt. und als Provision 40 Mt. abjog. Der Leptere erhielt dann noch 100 Dit. Extra vergütung von Bohnhof, weil er sich bei der Bedirung der erwähnten Hypothet etwas bemüht hatte. Alles in Allem mußte Bohnhof also fünfhundert Matt einbüßen. Die Wechsel wurden noch dreimal prolongirt und jedes Mal mußte B. 400 M. Binjen zahlen. Schließlich bestanden die Geldmänner aber auf Einlösung der Wechsel und da diese nicht geschah, gelangten ste zum Protest. Es ist sodann zwischen Verwandten des Schuldners und den Gläubigern zu einer Einigung gekommen. Im Termin stellte fich schon bei Vernehmung des Bohnhof heraus, daß in diesem Falle von einem Wucher nicht die Rebe sein konnte, weil bierzu erforderlich ist, daß die Nothlage des Betreffenden den Geldgebern befannt und von thnen ausgebeutet worden ist. Bohnhof mußte nun zugeben, daß er die Anleihe gemacht habe, um Differenzen zu decken, die ihm durch Börsenspekulationen erwachsen waren. Unter diesem Umstande beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung des Angeklagten. Wehe dem, der unter solchen Umstä den Geld borgen muß! -y. Vom geraden Wege abgewichen. Einen Mitleid erregenden Einorud machte ein junger hochaufgeschoffener Mensch mit bleichen intelligenten Gefichtszügen, welcher gestern auf der Anklagebant vor der 91. Abtbl. des Schöffengerichts Blaz zu nehmen hatte. Es war der Schulamtstandidat Carl Nicolai Sch, welcher der wiederholten Unterschlagung beschul digt war. Nach dem glaubwürdigen Geständniß des Anges flagten war er im Herbste von J. nach Berlin gefommen, um fich hier zum Examen vorzubereiten, wobei e, da ihm nur ge ringe Mittel zu Gebote standen, in erster Linie darauf bedacht fein mußte, eine Nebenbeschäftigung zu erhalten. Nach vielem Bemühen erhielt er denn Stellung, aber eine solche, die ihn den ganzen Tag über, von Morgens 8 Uhr bis Abends 8 Uhr, in Anspruch nahm. Er wurde als Buchhalter beim Verein für Arbeitsnachweis angestellt und erhielt als solcher ein monat. liches Gehalt von 55 M.(!) Zu seinen Obliegenheiten gehörte es besonders, im Namen des Vereins Offerten an diejenigen wesenden vor. Du mußt wiffen, Pathe, daß ich solchen Gesichtsausdruck herauskenne, und wenn er auch noch so leise und versteckt auftritt." Du hast Recht, Friz! Es ist auch faft Geistesabwesenheit... Ich begleitete ihn in sein Bimmer; er wollte Niemanden bei sich haben als mich... In früheren Jah ren, wenn ich dafür gesorgt hatte, daß man ihn zu Bett gebracht, entfernte ich mich, und die Romtesse Agathe übernahm die Pflege; der Graf wollte aber diesmal feine Tochter nicht feben." " Weiß es, Pathe. Die Gräfin Agathe darf sich seinem Krantenbette nicht nahen. Ich habe dafür gesorgt, daß es nicht geschieht... Du merktest also, ehe Du ihn zu Bett brachtest, ebenfalls eine gewisse Abwesenheit seines Geistes." Eine Abwesenheit seines Geistes, das durchaus nicht, Friz. Als wir in das Zimmer tamen, ging er wie fonit, wenn die Krankheit zum Ausbruch lommt, erst einige Male auf und ab, den Kopf gesentt, und schien meine Anwesens heit vergessen zu haben. Von Zeit zu Zeit blieb er lauschend stehen, und einmal sah ich, wie er, nachdem er eine Weile mitten im Simmer da gestanden und gehorcht hatte, mit einem großen Satz auf das Fenster zu sprang, bie Gardine aufriß und sich anschickte, das Fenster zu öffnen. Da trat ich natürlich hinzu und hielt ihn zurüd. Bei meinem Anblick stand er von freien Stüden ab von seinem Beginnen und äußerte den Wunsch zu Bette zu gehen. Es war wahrhaftig bringend nöthig, denn wie erschöpft nach einer großen Aufregung fiel er mir bereits halb ohn mächtig in die Arme. Ich mußte ihn in einen Seffel niederlassen, und während ich mit Hilfe eines Kammer dieners ihn hier entkleidete, blieb er in dem Zustande völliger Ohnmacht liegen; und als er endlich wieder zu fich fam, nachdem wir ihn ins Bett gebracht hatten, war er so schwach, daß er kaum die Hand zu bewegen vermochte." ,, Er schlie nicht?" Periodenweise und nicht tief und ruhig, wie ein Ge funder schläft, vielmehr schien sein Schlaf von bösen Träu men beunruhigt zu sein." Du warst die ganze Nacht bei ihm?" " Ich wich nicht von seinem Bette, und dazu veran laßte mich eine Beobachtung, die ich während der Nacht Leute zu richten, welche durch Annonzen in den Beitungen Arbeitskräfte verlangten. Er hat nun in über hundert Fällen die diesbezüglichen Postkarten unterschlagen, um sich in den Besitz der zur Frantatur bestimmten Freimarken zu sezen. Bu seiner Entschuldigung wußte er nur seine große Nothlage anzuführen. Der Staatsanwalt beantragte, in Erwägung des groben Vertrauensbruchs, wodurch ein Erfolg des in Rede stehenden, wohlthätigen Instituts" geradezu illuforisch gemacht werde, eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen. Der Gerichtshof billigte dem tiefbeceuenden Angeklagten aber mildernde Umstände zu und namentlich mit Rücksicht darauf, daß derselbe durch den erlittenen moralischen Defekt seine ganze Karriere zerstört habe, ermäßigte er das beantragte Strafmaß auf eine Woche Gefängniß. Und wenn diese Woche vorbei Gefängniß ift, was Dann? Was wird Der mit dann dem moralischen Defekt" Behaftete beginnen? Wird er auf der abschüfftigen Bahn des Ver brechens weiler wandeln, oder wird es ihm gelingen, eine Stellung, die etwas besser dotirt ist, als die in jenem ,, wohl thätigen Institut", zu erlangen? Die menschenfreundlichen Herten, welche ihre wohlflingenden Namen und ihre stolzen Titel mit so großer Emphase unter ihre hettographirten Reklame artikel, die sie in regelmäßigen 3wischenräumen an die Beitungen versenden, seßen, sollten doch zunächst daran denken, die in ihren Arbeits. Nachweise- Bureaux Angestellten soweit zu bes solden, daß diese wenigstens ihren Hunger stillen können. Was soll denn ein junger Mensch mit ganzen fünfundfünfzig Mart im Monat bei der geschilderten Arbeitszeit anfangen? Soll ibn vielleicht der schöne Titel eines Buchhalters" über die Bedürfnisse dieses Lebens hinweghelfen? Wenn jene Herren folche Gebälter bezahlen, dann sind sie es allein, die mit dem ,, moralischen Defett" behaftet find. " ne er Unter der Ueberschrift:„ Ein gefährliches Atrostichon ,, berichtet das Jlluftr. Wiener Extrablatt": Gegen den in der Marktgaffe in Benzing( dem Wiener Vorort) wohnhaft gewesenen Flickschneider Balduin Schöllinger erhebt dessen ehe maliger Hausherr Wenzel Luzian die Anklage wegen Betruges. Herr Balouin Schöllinger, ein taum vier Schub hohes, quedfilbernes Männchen mit braunrothem Haare und Knebelbarte, sollte nämlich, weil er den Bins für seine Wohnung nicht bezahlte, am 1. Februar ausziehen. Das that er auch, und zwar nicht am 1. Februar, sondern am 31. Januar d. J. und nicht bei Tage, sondern bei Nacht. Daß er dabei auch die von Seite feines Hausherrn bereits gepfändeten Möbel mitnahm, geschah, wie er vor dem Strafrichter angiebt, einzig und allein deza balb, weil er Herrn Wenzel Lugian die unnöthigen Aug lagen für das Hinaufschaffen der Möbel auf den Boden sparen wollte. Richter: Sie, Schöllinger, Sie haben die Anflage gehört. Bekennen Sie sich schuldig? Angeklagter ( mit einem Fuß vortretend, die Hand auf der Brust und ei malerische Bofitur einnehmend, im reinsten Hochdeutsch): Hoher Gerichtshof! Hochverehrter Herr Richter! Schon Schille sagte: Der Uebel größtes ist die Schuld..." Richt ( ihm in die Rede fallend): Was Schiller sagte, geht unr bier garnichts an. Beantworten Sie meine Frage. Anges flagter: Herr Richter! Wenn Sie des Unrechts schwere Sündvermeiden wollen, so bitte ich, mir eine Frage zu gestatten e Kennen Sie mich? Wissen Sie, wer ich bin? Richter: Was soll diese Frage? Sie haben doch Jhr Nationale an: gegeben. Sie heißen Balduin Schöllinger, find aus Stirneuftedel gebürtig, 38 Jahre alt, fatholisch, verheirathe-Angeli.: Und weiter nichts? Meine Stellung in det. sosialen Welt? sozialen Welt?- Richter: Sie sind, wie ich glauber Schneider. Angefl.: Ein großes Wort gelaffen ausgesprochen Wohl beschäftige ich mich damit, die äußeren Schäden meiner! Mitmenschen init Nadel und Zwirn gutzumachen und die auswendigen Flecken der Menschheit mit Benzin zu reinigen, aber nach Höherem strebt mein Sinn, ich bin auch deutscher Dichter, mein Name ist nicht fremd Richter( mit Mühe sein Lachen verbeißend): Davon weiß ich nichts!- Angekl.: Dann bedauere ich Sie. Richter( streng): Was haben Sie gefagt? Angell.: Dann bedauere ich mich... daß meines Schaffens Ruhm zu Ihrem Ohr noch nicht gedrungen. Richter: Laffen Sie alle Tiraden bei Seite. Wir spielen bier keineswegs Komödie. Haben Sie der vernommenen Antlage etwas entgegenzusezen? entgegenzuseßen?- Angell.: Angell.: Von wem stammt diese Antlage? Von einem Manne, der auf den plebejischen Namen Wenzel" hört. Beleidigungen von solcher Seite verachte ich! Richter: Meine Geduld nimmt ein Ende. Wollen Sie vernünftig antworten oder nicht? Angell.: Nun, so sei's denn, weil ich doch endlich muß. Dies Herz, das ftolze, bezähmen will ich's, und thun mit Grazie, was die Noth erheischt... Herr Richter! Dieser Plebejer Wenzel Luzian, dem ich für elendes Honorar bei all' seinen freudigen Familien- Ereignissen die herrlichsten Gedichte machte, Gedichte, die mir in ganz Benzing unvergänglichen Ruhm verschaffien, der nannte fich meinen Freund und falsch verrieth er Freund und Freundschaft und ließ mich elender paar Gulden wegen pfänden. Ich aber, stols wie ein Spanter, vergalt machte machte... Dente Dir, Frig, trop feiner Schwäche, die einen solchen Grad erreicht hatte, daß man meinen sollte, er hätte keinen Finger rühren fönnen, fuhr er zuweilen aus dem Schlafe auf und richtete fich in dem Bette in die Höhe, kräftig und elastisch wie ein Gesunder. Sein Auge blickte dann starr auf das Fenster. So oft ich ihm zuredete, sich ruhig zu verhalten, und ihn bat, fich nicht über seine Kräfte anzufirengrn, richtete er einen flüchtigen Blick auf mich. Seine Lider fielen schlaff herab und kraftlos fant fein Rörper wieder in die Riffen zurück... Es war gegen Mitternacht, da wollte ich mich entfernen, indem ich dem Rammerdiener auftrug, im Vorzimmer Wache zu halten für den Fall, daß der Graf während der Nacht etwas befehlen follte. Schon hatte ich mich, auf den Behen schreitend, der Thür zugewandt da mit einmal schnellte der Krante empor. Eine Sefunde wieder die lauschende Haltung, bann Friß, Du wirst es kaum glauben, mir graut's, während ich es erzähle ftürzt er, nur mit einem Hemb bekleidet, an's Fenster, reißt dasselbe auf, daß ihm der Schnee in's Gesicht weht. Herr Graf, was beginnen Sie?"" rufe ich, indem ich ihm nacheile und ihm um den Leib faffe; und er, der mir nie ein hartes Wort gesagt, er pact mich bei der Gurgel mit einem Griff, sage ich Dir, als ob feine Sehnen stählerne Federn gewesen wären. Hältst Du das für möglich bei einem schwachen Manne?" Frig nickte. D, ich kenne bas, ich kenne die unnatürliche Kraft, die der Wahnsinn auch dem bis zum Tode Erschöpften zus weilen verleiht." " Nicht Wahnsinnig, Frig. Ich weiß nicht, warum es mich schmerzt, dieses Wort in Bezug auf den Grafen aussprechen zu hören. Ich kann Dir sagen, daß es kein Wahnsinn war, nur ein Traum. Er hat mich nicht erkannt; so wie sein Auge dem meinigen begegnete, da erwachte er aus dem bösen Traum und mit seiner unnatürlich n Reaft, wie Du es nennst, mar's zu Ende. Wie ein hilfloses Rind fiel er in meine Arme und ließ sich von mir in sein Beit zurücktragen. Seine Augen schlossen sich wieder, aber noch mit gefchloffenen Augen bat er mich, daß ich ihn jezt verlassen möge. Wie hätte ich ihn verlassen können; ich hätte ja teine Ruhe gehabt". ( Fortsetzung folgt.) am by ft te ebe هدار Dem ine Dal eln icht t, rem 15 ie; als Lo де ent ge 4 F.. Gr. Frankfurte: straße 116 bei Kalisco, Langestraße 90 bei Bolz, Lichtenbergerstraße 17 bei Wed, Schillingstraße 30 a bei Köpnick, Pallisadenstraße 29, Ecke der Strausbergerstraße, bei Werner. Jeden Sonnabend von 8 Uhr an weiden Beiträge in Empfang genommen. Ebenso findet daselbst die Aufnahme neuer Mitglieder statt. Der Fachverein der Nähmaschinenarbeiter und Berufsgenossen hält am Sonnabend, den 11. d. M, Abends 82 Uhr, in Feuersteins Restaurant, Alte Jakobftr. 75, Ver fammlung ab. Tagesordnung: 1. Auflösung des Vereins. 2. Beschlußfaffung über den Verbleib der Vereinsutensilien. 3. Verschiedenes. Nach Vorstandsbeschluß werden diejenigen Mitglieder des Vereins, welche bis zum 1. April ihren Pflichten dem Verein gegenüber genügten, foftenfrei der Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands zugeführt; es ist darum noth wendin, die Mitgliedsbücher mitzubringen. Mitglieder- Versammlung des Vereins zur Wahrung der Intereffen der Klavierarbeiter Sonnabend, den 11. April, Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Dr. med. Wurm über die Erhaltung der Sebkraft. 2. Das Ergebnis der chemischen Untersuchung des schwarzen Fournierstaubes. 3. Verschiedenes und Fragefaften. Säfte willkommen. Des sehr interessanten Vortrags wegen wird um zahlreichen Besuch gebeten. nicht Gleiches mit Gleichem, ich bewahrte ihm die Freundschaft,| Gubenerstraße 2 bei Schabrodt, Fruchtstraße 69 bei Dommrich, ich rettete ihn vor dem Stachel der Reue und Verzweiflung, die ihn ob seines frevelhaften Thuns schon überfallen hatten. Ich og aus und nahm meine Möbel, Die jahrelangen, stillen Beugen meiner dichterischen Ergüffe mit mir. Ja sammelte glühende Kohlen auf sein Haupt, indem ich ihm die Kosten für den Transport der Möbel auf den Boden ersparte Staatsanwaltschaftlicher Funktionär ( indem er dem Richter mit Bezug auf den Angeklagten eine bezeichnende Gefte dutch Antupfen der Stirne mit dem Beige finger macht, zum Angeklagten): Sie scheinen eine gute Schulbildung genoffen zu haben? Angell: Auch ich war in Arkadien geboren. Richter: Nun ist's genug! Saal Diener, rufen Sie Herrn Wenzel Lugian aus dem Beugen zimmer Sie, Herr Luzian, wie lange kennen Sie den An geklagten? Bitt' ich recht schön, Kaiserliche Rath, lenn' ich fchon zwa Jahr. Angell.( laut zur Seite, als ob er einen Hurd zur Ruhe schreien würde): Kusch Dich Wenzel!" Richter: Stöllinger ich diktire Ihnen augenblicklich eine vier undzwanzigftündige Disziplinarstrafe, wenn sie nicht rubig find! Beuge: Bill' ich redt schön, glaubt er, spricht mit Hund seiniges und sagt er zu dem immer: Kusch Dic, Wenzel! Hot er nämlich, wie wir noch gute Freunde waren, Hund ſeiniges Wenzel gehaßen, aus Ehi' für mich, weil hat er gesagt, daß bat er nur zwa Menschen auf ganzer Welt lieb, mich und Hund ſeiniges!- Richter: Sagen Sie uns, Heir Beuge, ift der Angeklagte sonst bei richtiger Vernunft?- Beuge: Wos Denkens, Herr Kaiserlicher Rath, is er a gebüldeter Mann, fonn er Gedichter machen!- Angell.:( zum Beugen hingehend und ihm die Hand entgegenstredend): Herr von Luzian, ich verzeihe Ihnen Alles! Richter: Sie haben hier gar nichts zu verzeihen, treten Sie sofort an Ihren Play! Beuge: Herr Kaiserlicher Rath, thut es mir leid, daß hab' ich erstattet Anzeig' gegen Schöllinger. Hab' ich nämlich gehabt Burn auf ihm, weil bat er zur Tauf von Bwilling meinige gemachte Afronaftichong su niederträchtige. Richter: Sie meinen mobl ein Afroftichon?- Beuge: Jo, jo, Afronaftichon, was sollte Anfangsbuchstaben vun Versch machen Wenzel Lugian. Hatte aber gemacht: Wenzel Schmugian und hatt' ich Schand vor alle Gäft. Aber hab ich ihm schon ver ziehen, schent ich ihm Alles. Nun konnte sich der Ange flagte nicht länger bemeistern. Er stürzt auf den Beugen zu, umarmt ihn und ruft: Du bist ein Mann, ein ganzer Mann. Arm in Arm mit Dir ford're ich mein Jahrhundert in die Schranken!" Nachdem sich die Lachfalven anläßlich dieser grotesten Szene gelegt hatten, wurde Balduin Schöllinger, da ber staatsanwaltliche Funktionär die Anklage fallen ließ, vom Richter freigesprochen. Kläger und Angeklagter verließen Arm in Arm den Gerichtssaal. zu er Vereine und Versammlungen. hr. In der Werkstattdelegirten Versammlung der Schlosser, die am Mittwoch Annenst. 16 stattfand, wies der Vorsitzende der Lohnkommission, Herr Miethe, zunächst auf die Erwiderung hin, durch welche die Lohnkommiffion in Betreff des Streits in der Eisenmöbelfabrik des Herrn C. Schulz die Angaben deffelben widerlegt hat. Von den 47 Kollegen( dar unter 4 Gemaßregelte), die bis zum 30. März die Arbeit niedergelegt haben, haben 5 die Arbeit wieder aufgenommen; einige haben bereits anderswo Arbeit bekommen, so daß zur Beit 35 Streifende unterstügt werden. Herr C. Schulz hat die Forderungen zum größten Theile bewilligt; nur den MinimalJohn von 18 Mart wöchentlich und die Abschaffung der Sonntags und Ueberstundenarbeit hat er noch nicht bewilligt. Auch weigert er fich immer noch, mit der Lohnkommission zu unterhandeln und sich durch seine Namensunterschrift zu etwas Durch verpflichten. feine zwet Wertmeister hat Die versucht, Streifenden Wiederaufnahme zur der Arbeit zu bewegen; die Versuche sind erfolglos| längeren Distuffton wurde be geblieben. Nach einer fchloffen, daß die Kollegen der Schulz'schen Werkstatt nochmals aufgefordert werden sollen, in einer Versammlung aus ihrer Mitte eine Kommission zu wählen, die Herrn C. Schulz gegenüber die Forderungen der Lohnfommission zu vertreten hätte. Außerdem wurde auch noch der Antrag eins ftimmig angenommen, daß Herr Miethe die Fabrikanten dir Eisenmöbelbranche erfuchen möge, eine Versammlung anzubes raumen und zu derselben Herrn C. Schulz einzuladen, damit eine Einigung deffelben mit den Streifenden erzielt werde. Bum Ersaz für den wegen Krankheit aus der Lohnkommission ausgeschiedenen Herrn Mille wurde Herr Daubiß gewählt. Auf Antrag des Herrn Lochmann wurde die Lohnfommission beauftragt, dafür zu sorgen, daß in der nächsten öffentlichen Bersammlung ein Referat durch eine besonders tüchtige Pers sönlichkeit erstattet werde. Die Mitglieder der Zentral- Kranten und Sterbes Kasse der Tischler u. s. w. der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin G., Fankfurtertborbezirt, beschloffen in ihrer legten Mitgliederversammlung, für die Verwaltungsstelle Berlin G. wegen der immer mehr zunehmenden Mitgliederzahl noch eine neue Bahlstelle zu errichten, so daß von jest ab 7 Bahlstellen vorhanden find. Dieselben befinden sich in folgenden Lokalen: Theater. Königliches Opernhaus. Heute: Der Trompeter von Säffingen. Königliches Schauspielhaus. Heute: Frau Aspafta. Deutsches Theater. Heute: Prinz von Homburg. Beute: Amerikanisch. Bellealliance Theater. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Gasparone. Central Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Beute: Der Walzer Rönig. Refidenz Theater: Direttion Anton Anno. ute: Bum 8. Male: Der Kernpunkt. Hierauf: Die Schultefterin. Walhalla- Operetten- Theater: Heute: Der Feldprediger. Louisenstädtisches Theater: Heute: Hurrah Bermania! Oftend- Theater: Deute: Der fliegende Holländer. Wallner Theater. Heute: Ein weißer Rabe. Vittoria Theater. Heute: Sulfurina. Alhambra- Theater. Heute: Die Gauner von Berlin. Am 2. Dfterfeiertag starb nach langem Leiden mein lieber Mann, der Tischler Theodor Schmiedeberg im 39. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Jakobitirchhofes aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Vermischtes. Eine berüchtigte Verbrecherin ist fürzlich in der Person der eben so verwegenen als schönen 30 Jahre alten Maud Raynor zu Abilene in Texas arretitt worden. Die Freie Prefe" in San Antonio berichtet über das verbrecherische Weib: Sie hat ein edles Geficht, eine prachtvolle, mittelgroße Figur und gleicht viel eher einem fanften Weibchen, das fein Wäfferlein zu trüben im Stande ist, als einem bluts und raubdürftenden Ungeheuer, deffen Hände in Kansas, Texas und im Indianergebiet Ströme von Menschenblut vergossen haben. Maud's Geschicklichkeit im Schießen ist geradezu unglaublich, und mit dem Jagdmesser und Dolch weiß fie so geschickt um zugehen, mie mit der Büchse oder dem Revolver. Vor einem Jahre trieb fie fich mit einer Bande Indianer und Grenzfirolchen im Indianer gebiet umber. Sie zogen den Arkansas entlang und Maud erschoß in einer Anfiedlung, die fie beraubten, den Schankwirth, der ihrer Auffor derung, den besten Schnaps, den er habe, anzuzapfen, nicht schnell genug entsprach. Die Freunde des Ermordeten septen der Bande nach. Maud verließ die lettere und schlug mit dem besten Pferde, das fte besaß, allein den Weg nach Kansas ein. Das Gefindel, das ihr bisher sllavischen Gehorsam geleistet hatte, bezte die Verfolger auf ihre Spur. Sie verfolgten die Flüchtige vier Tage und vier Nächte fast ununterbrochen. Als fte Maud garz dicht auf den Fersen waren, sprengte fte Maud garz dicht auf den Fersen waren, sprengte diese in den Corral" einer ausgedehnten Viehfarm und rief den Dort b.findlichen Hirten zu, fte möchten fie schüßen, fte fei ein unschuldig verfolgtes Weib. Die Viehhirten traten den Verfolgern entgegen, und Blutver gießen wurde nur dadurch vermieden, daß die Rächer fich zu rüdzogen. Gegen den metolichen Desperado liegen so zahlreiche Anklagen vor, daß er, und wenn er Methusalem's Alter erreicht, nicht wieder aus dem Gefängniß herauskommen sollte. Daß er megen seiner zahlreichen Morde zum Galgen verurtheilt wird, ist kaum anzunehmen. Db ein Buchthaus fest und ficher genug sein wird, Maud Raynor festzuhalten, ist sehr fiaglich; fte bat auf dem Gebiete der raffinittesten Flucht und Aus brüche aus den Gefängnissen und Strafanstalten schon Unglaubliches geleistet und beftzt in ihrer Schönheit den GefängnißAufsehern gegenüber eine gefährliche Waffe. " Wegen seiner nur da. In einer kleinen Stadt gab ein Mitglied einer wandernden Bühne zu seinem Benefiz den Rochus Pumpernidel" und fündigte an, der Rochus werde auf einem lebendigen Esel auf die Bühne reiten. Das Haus war bis auf den legten Plaz gefüllt. Als aber Rochus auf seinem Eiel aus der Rouliffe auf die Bühne reiten wollte, fträubte fich der Esel und wollte nicht vorwärts, allen Prügelns ungeachtet. Da sprang Rochus ab, faßte den Efel bei den Ohren und ihn so auf die Szene zerrend, sagte er:„ Raus mußt Du, denn Deinetwegen find's ja ge tommen!" Eine neue Heilmethode hat Prof. Jäger neuerdings in der Selbstbelecking gefunden. Angeregt durch die Mittheilung eines Reisenden, der die Seekrankheit durch Schnurbart fauen überwand, machte der Duftprophet B: oben an sich und zur größeren Sicherheit an Thieren, die ihm die Ueberzeugung brachten, daß bei dem Belecken die Selbstarznei in den Haaren eine doppelte Rolle spielt, einmal, indem das Thier hierbei feine Selbftarznei auflect und verschluckt und sie sodann dem Speichel beigemischt auf die Wunde streicht. Also zwei Fliegen auf einen Schlag, wie Selbstbeledung und Selbstbe räucherung. Ungemüthliches aus Afrika. Ein Agent der Kongo Gesellschaft, der schwedische Lieutenant Hinge, ist eines schreck lichen Todes gestorben. Er befand sich zu Grantville an der Haupt- Versammlung Der Central- Kranken- u. Begräbnißkaffe für frauen u. f. w. ( E. H.) Offenbach a. Main Sonntag, den 12. April, Nachmittags 3 Uhr, Kommandantenstraße 72( Bultermanns). Tagesordnung: 736 Kwilumündung und war im Begriff, nach der Station P lippeville, zu deren Chef er ernannt war, abzureisen. D ging er am 16 Januar mit dem deutschen Landwirth Nipperd noch einmal auf die Jagd. Dabei hatte er das Unglück, a eine grüne Schlange mit gelbem Bauche zu treten, die ihn das Bein biß. Die beiden Genoffen eilten sofort nach Station zurück, doch konnte man ihm dort nicht helfen; s in der Nacht starb der junge und thätige Mann. Dienste der Kongogesellschaft stehender Zimmermann Mar war dadurch verunglückt, daß derselbe von einem Gerüst in de Kongo stürzte und sofort von einem Krokodil gefressen wurd Solche Fälle find daselbst nicht neu. Kleine Mittheilungen. Ein is Frankfurt a. D., 8. April.( Waghalsige That Am Dier staa Nachmittag durchschwamm ein halbwüch Bursche die Dder, weil, wie er angab, seine Beinkleider riffen waren und er damit nicht über die Brücke geben woll Er erreichte unter großen Anstrengungen das jenseitige U ( Ft. Boft.") " Schwiebus, 5. Vpril.( Feuer im Kohlenbergwert.) He früh 7 Uhr brach in der der Firma Rurge u. Rothe bei Lieben belegenen Kohlengrube Pauls Hoffnung" Feuer aus. D felbe schlug aus einem schon früher verlaffenen Schachte her und ergriff den 20 Meter hohen hölzernen Förderthurm. D felbe war im Zeitraum von nur 30 Minuten vollständig Asche gelegt. Der Schacht, der schon früher der Feuergef lichkeit wegen nicht befahren werden könnte, brennt fort. Glüd ist es nur, daß die Bergleute gestern Abend schon Sa gemacht haben, sonst tönnte fich zu den zahlreich gemeld Grubenunfällen noch ein neuer gesellt haben. Der För schacht ist versichert. ( Flf. Poft.) Die Straffammer zu Eisleben hatte in der Berufung instanz die Verordnung des Ober- Präsidenten der Prov Sachsen vom 21. März 1879, melche die äußere Heilighaltu der Sonn- und Festtage zum Gegenstand bat, für rechts giltig erklärt, weil die Ober- Präsidenten nicht zum Erlaß d artiger Verfügungen fompetent ſeien. Der Straffenat N Kammergerichts bob jedoch in seiner heutigen Sigung in fein Eigenschaft als Revisionsinstanz in Landes straffachen die V erticheidung unter folgender Begründung auf: das Recht Dber Bräftdenten zum Erlaß der erwähnten Verordnung w zelt in der Allerhöchsten Kabinets ordre vom 7. Februar 18 und in§ 366 ad 1 des Strafgesetzbuches. Es ist allerding durch die Kabinetsordre der Erlaß derartiger Verordnung den Bezirksregierungen übertragen, jedoch ist auf Grund § 81 der Provinzial Ordnung vom 29. Juni 1875 diese fugniß auf die Ober- Präsidenten übergegangen. Frankfurt a. M., 5. April. In dem Jahresbericht Magdalenen Vorasyls für das Anstattsjahr 1884 schreibt Pfar Gustav Schloffer: Als vor etlichen Wochen die schred Kunde von der Ermordung des Bolizeirath Dr. Rumpff die Stadt drang, sprachen nicht Wenige die Vermuthung wie fie auch in öffentlichen Blättern stand-, der Mör sei wohl aus dem Kreise der verworfenen Menschenklasse vorgegangen, welche fich den Schuß der sogenannten stituirten, der unter polizeilicher Kontrole stehenden öffentli Dirnen, zur Lebensaufgabe und Erwerbsquelle gemacht hab Bolizeirath Dr. Rumpff mochte ja wohl auch diefer Mensch llaffe Born und Haß erregt haben, da sein Verhalten in übung der Sittenpolizei ein strenges, d. h. pflichtgetreues Auch der Umstand mag ihm jenen Haß zugezogen habe daß er eifrig bemüht war, jenen Ünholden Beute zu entreißen, indem er nicht blos nicht wenige der a dem Gefängniß oder Spital entlassenen Dirnen, auf die i Louis" wieder gierig warteten, sondern auch solche ungli liche Mädchen, die gleich bei den ersten Schritten auf Lafter bahn ergriffen wurden, ermahnte, in den hiesigen Mag lenen Aiglen Rettung und Rückkehr auf den Weg ber Ehi feit zu suchen. Noch zwei Stunden vor seinem tragischen tam ein solch unglückliches Geschöpf, ein Mädchen von l 15 Jahren, ein noch völliges Kind nach seiner leiblichen widelung und schon dem Lafter verfallen, von ihm gefand dem Berichterstatter mit der Bitte, fie ins Asyl aufzuneh Es sei ihm dies noch nach seinem Tode gedankt. Man M fich"- meint Herr Pfarrer Schloffer in jener maßung wohl geirrt, aber es war doch ein febr richtiges fühl oder eine richtige Ahnung, die sich darin ausfpr daß man aus jener Menschenklasse das Allerärgfte warten muß." Newyort, 28. März. In Onondaga County, Staat Ne yoit, soll die Saweine Cholera in schlimmster Form herrid Da die von der Krankheit befallenen Thiere faft durchgäng fterben, ist der Verlust der Farmer und Schweinezüchter ein beutender. Wie aus Charleston, West. Virginien, berid wird, herrscht unter der Bevölkerung der von der anhalten Dürre heimgesuchten Counties ein schrecklicher Nothstand. Kanawha County aus ist den Noibleidenden Broviant gejan worden. Die Farmer in den Berg distrikten find nicht Stande, Saat Getreide und Nahrungsmittel zu kaufen. Arbeitsmarkt. Ein Gärtner, tüchtig in allen Fächern, ordnet größere und fleinere Gär gegen mäkige Preise. K. Brofe, Fürftenftr. 22. Ich suche für meine Böttcherei einen Lehrling. Trautmann, Böttchermftr., Manteuffelste. 743 G erid Ber Posi Abo blatt k diese einle ja.fi wert forts Den ihre Rich gebli höhe forts ชิน f flam nehr proz Biel wie bas tauf liche noch Da liche und refp fiche resp öh fa mo wü nid und Fa eine thei arb jün ft r Di Leif Rad 8] un 74 mi Lau 41 bo Ein ordentl. Dienstmädchen wird verlangt Blumenstraße 77.. Goebel. Einen Schlofferlehrling gegen Roftgeld verlangt Bierteljahrsabrechnung. Wahl von Briftzern. Verschiedenes. 742 Tischler- Verein. Sonnatead, den 11. April, Abends 81% Uhr, Rottbuferstr. 4a, ( Sanssouci): General- Versammlung 741 T.D.: Raffen- und Revistonsbericht. Beschlußfaffung über die diesjährige Lan parthie. Verschiedenes. Der Vorstand. Verein d. Sattler u. Fachgen. Sonnabend, den 11. d. M., Abends 8% Uhr, in Grat weil's Bie hallen, Kommandantenstraße 77-79 Versammlung Tagesordnung: 1. Vierteljahrsbericht. 2. Abrechnung. Schuhmachermeisters Herrn Engler. 4. Verschiedenes. willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. 744 3. Vortrag des Gäste Der Vorstand. Sur pünktlichen Besorgung des Berliner Volksblatt sowie Neue Welt, Neue Zeit u. 1. m. empfiehlt sich 710 Herrmann Schmidt, 80. Manteuffel straße 735 74 E. Sas, Adalbertraße 44 Ein tüchtiger Arbeiter auf Cord Lederpantoffein verlang Carl Jesuiter, Aoalbertstr. 74, H. Keller Selbstunterricht in der einfachen und doppelten kaufmännische Buchführung AUT und Darstellung eines neuen abgefürzten Systems doppelten Buchmethode C. Schmidt, Lehrer of Bandelswillenschaf d Preis Mk. 1,50. Bu beziehen durch die Expedition Dis Berliner Bo. blatt" Simmerstraße 44. Verantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin. Drud und Berlag von Mar Bading in Berlin SW. Beuthitrake 2. un be vi lid leb bu ช er un ge S