5>tt. 84 Sonnabend, 11. April 1885. II. Jadr� ItrlinfrUollistilnll. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Monnementspreis für Berlin frei in s Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustt. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. 3 A Redaktion: KeutWraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Der heutigen Nummer liegt für unsere auswärtigen Abonnentea die Nummer 19 de»„Jllustrirtes Sonntags- olatt bei." Kürzere Arbeitszeit— höherer Lohn! Der denkfaule Philister schüttelt den Kopf, wenn er diese Forderung unserer Arbeiter hört. Es will ihm nicht einleuchten, daß so etwa» möglich sein könnte; dabei müßte ja. seiner Anficht nach die ganze Welt auf den Kopf gestellt werden und schließlich untergehen. Die Herren hinter den fortschrittlichen Weißbiergläsern machen e» sich mit dem Denken eben gar zu bequem. Warum auch nicht? Von ihren Führern, den manchesterlichen„Volkswirthen" k la Richter, Barth und Genossen, ist ihnen nun einmal ein- gebläut worden, daß je länger die Arbeitszeit, auch desto höher der Lohn sei. Und diese Anschauung entspricht dem fortschrittlichen Philister und seiner frommen DenkungSart zu lehr, als daß er sich nicht krampfhaft an derselben fest- klammern sollte. Wo sollte er auch Zeit und Lust her- nehmen, die auf dem ArdeitSmarkte und im Produktions- Prozesse herrschenden ökonomischen Gesetze selbst zu studiren? Viel lieber läßt er sich von Richter und Genossen erzählen, wie es diesen gelungen ist, nach„schwierigen Kämpfen", daS heißt endlosem Gerede, von dem Militärbudget einige tausend Mark abzustreichen, und wie dann die fortschritt- ltche» Staatsmänner nach solch ungeheuerem Erfolge auch noch dem ganzen Budget ihre Zustimmung gegeben haben. DaS ist ja auch viel interessanter. Da muß man die Arbeiter loben, die den wirthschaft- lichen Fragen ein weit tiefere« Verständniß entgegenbringen und d-e schon seit Jahren für eine staatliche Feststellung, resp. Herabsetzung der Arbeitszeit eingetreten sind, in dem sicheren Bewußtsein, daß durch einen zeitgemäßen Normal- resp. Maximalarbeitstag auch eine Steigerung der Löhne herbeigeführt werden müßte, wenn auch die« an- fang« da und dort nicht der Fall wäre oder vielleicht momentan in einzelnen Fällen der Lobn etwa« sinken würde. Die Arbeiter haben sich auch durch den Einwand nicht schrecken lassen, daß die Arbeiter, die durch die Art und Weise ihrer Beschäftigung den Einwirkungen der Fabrikgesetzgebung entzogen seien, sich gegenüber den auf einen MaximalarbeitStag angewiesenen Arbeitern im Vor- theil befänden. Gegen diesen Einwand haben die Gegner de« Normal- arbeitStageS selbst der Beweise genug beigebracht, wie dies jüngst in einer Schrift de« Dr. Bein über die I n d u- stri« im sächsischen Voigtlande geschehen ist. Dieser Dr. Bein ist ein Schüler de« bekannten Dr. B ö h m e r t in Dresden; er kann also auch nicht in den leisesten Verdacht radikaler oder gar sozialistrscher Tendenzen Rachdruck verboten. i 8] IeuMeton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) Püster schüttelte leise und unmerkbar mit dem Kops und brummte für sich:„E« ist doch eigentlich merkwürdig, wie viel wirklich verrückte Menschen in der Welt herum- laufen, ohne daß man einen festen Halt an sie bekommen und sie emsperren lassen könnte. Der Kerl da drüben ist doch augenscheinlich rein toll, aber er hat noch Niemanden gebissen oder Menschen auf der Straße angefallen, und der Siaat kann ihm deshalb nichts anhaben. Eigeothümliche Sache va», um da« Gehirn eines Menschen, und eine wun« derbare Einrichtung von der Natur, daß e« kein Arzt re- vidiren und kontrolire« kann; gäbe auch sonst wahrschein- lich eine heillose Verwirrung im Staats- wie im Familien- lebm!". �. Der Direktor im Fenster da drüben stand auf, zog die Pfeife vorsichtig inS Zimmer hinein und trat zurück. Da» durch aber bekam Püster für einen Moment den größeren Theil der Gestalt zu sehen. „Verdammt will ich sein," rief er halblaut au»,„wenn der verfluchte Kerl nicht einen persischen Dolch in seiner Schlafrockquaste stecken hat I Daß Leute ihren Orden am Schlafrocke tragen, davon habe ich gehört, aber einen Dolch — eä ist doch zu toll!" I» dem Augenblicke klopfte«S an seine Thür, und als ** sich danach umwandte, trat einer seiner Schreiber herein und meldete: »Herr Notar, der Herr Semmlein, der Apotheker von Segenuber, ist unten und möchte Sie gern einmal auf einen lugenblrck sprechen." '�ssen Sie ihn hereinkommen." per Schreiber verschwand wieder, und nach einigen Mmüt-N klopfte es herzhaft an. „Herein..." ...«Morgen, Herr Püster," sagte Herr Semmlein, eine *WIle, breiischultrige Gestalt, aber mit einer etwas lispeln« kommen. In seinem Buche hat er indessen nicht nur mit vielem Fleiß die historische Entwickelung der vogtländischen Industrie dargestellt; er hat auch durch ein reiches statisti- sches Material die gegenwärtigen Zustände beleuchtet, und wenn auch längst bekannt ist, in welch traurigen Verhält- nissen sich die sächsischen Industriearbeiter befinden, so kann man aus dem Buche doch eine ganze Reihe schätzenSwerther Mittheilungen hervorheben. Für die Leute, welche meinen, daß die längste Arbeits- zeit auch die höchsten Löhne mit sich bringe, müßte eigentlich die Hausarbeit oder die Hausindustrie ein Ideal sein. Der im Hause, also nicht in der Fabrik beschäftigte Arbeiter kann ja arbeiten, so lange er will; von der Fabrikgesetzgebung wird er gar nicht getroffen. Nach den Ansichten jener Leute mußte er a so am besten gestellt sein. Für unS war und ist es kein Geheimniß, daß im Gegentheil gerade die Hausarbeiter am schlechtesten gestellt sind, dabei ist indessen doch inter- essant, daß Herr Dr. Bein Ziffern gesammelt hat, die diese Anschauung vollauf bestätigen. Nach ihm ist in Sachsen, was von allen Kundigen längst gesagt wurde, der Haus- weber dem Fabrikweber gegenüber entschieden im Nachtheil. In der Fabrik arbeitet man— nach Dr. Bein— 11 bis 12 Stunden mit UnterbrechungSpaufen von einer Stunde Mittag, von 12 bis 20 Minuten für Frühstück und Vesper. Der Hausweber dagegen muß 14 bis 15 Stunden arbeite», wobei die Pausen geringer sind. In Falkenstein arbeiten die Gardinenweber manchmal 17 Stunden. In der Stickerei arbeitet man in der Fabrik 10 bis 12 Stunden, zu Hause 14 bis 15 Stunden. Und nun die Löhne? AuS der Gegend von OelSnitz bei Plauen berichtete dem Dr. Bein ein Faktor, daß eS ein Weber, der Gardinen zu Haufe webte, nur auf drei Mark Wochenloh« gebracht habe. In Falkenstein kamen die HauSweber auf einen durchschnittlichen Wochenlohn von 5 Marl 40 Pf; in einzelnen Geschäften war der Durch- schnittSlohn noch niedriger. Die Strumpfwirker kamen bei der Hausarbeit auf 2, selten auf 3 Thaler pr« Woche. Die hausindustriellen Maschinensticker kamen auf 9—10 Mk., die in der Fabrik auf 10—15 Mark Wochenlohn. Man kann hier nicht einwenden, daß die verbesserten Maschinen und Arbeitsinstruniente in den Fabriken die» Verhältniß herbeigeführt hätten. Sonst pflegen doch gerade die Ma- schinen„Hände" überflüssig zu machen und durch solcherge- stalt vermehrte» Angebot von Arbeitskräften die Löhne hin abzudrücken. Man sieht also au» dem Angeführten, daß gerade in der Hausindustrie, wo Jeder so lang arbeiten kann, als er will, wo auch die kleinsten Kinder zur Mitarbeit herange- zogen werden können, die Löhne am allererbärmlichsten find. den Stimme, indem er, sein Morgenkäppchen in der Hand, mit dem er nur so über die Straße gekommen war, in die Thür trat—„haben Sie einen Äugenblick Zeit?" „Für Sie immer, Herr Nachbar; womit kann ich Ihnen dienen?" „Hm," lispelte Herr Semmlein,„ich— möchte Sie in etwas um Rath fragen, ist aber eine verdammt kitzlige Geschichte." „Kitzlige Geschichte?" lachte der Notar, indem er auf einen Stuhl zeigte.„Wie so, Herr Nachbar? Aber bitte, nehmen Sie Platz." »Ja, seh'n Sie, erwiderte Herr Semmlein, indem er der Einladung Folge leistete,„kennen Sie meinen Nachbar über der Gasse drüben— Nr. 16, von hier schräg gegen- über—, den Herrn von Schaller, der erst vor kurzer Zeit dort eingezogen ist? Er wohnt meinSwegen da drüben eine Treppe doch." „Nicht näher, nur von Ansehen, Herr Nachbar." „Halten Sie ihn für gut?" «Ich sag« Ihnen ja, daß ich den Herrn nur von An- sehen kenne." „Hm ja— na, dann wissen Sie meinswegen auch �„Aber weshalb fragen Sie danach? Will er etwa Geld bei Ihnen borgen?" „Geld bei mir? Ne!" lachte der Hofapotheker, mdem er sein gestickte» Morgenkäppchen zu dem geringst mog- lichen Kubikinhalt zusammendrehte.„Aber seh'n Sie, da schickt mir«in Schwager von mir, der Apotheker Reuter in Berlin, der meinswegen eine Schwester merner Frau geheirathet hat, eine Rechnung für den Herrn Baron, die ich hier einkassiren oder einklagen soll, und da« ist mir höchst fatal. Der Herr Baron kaust ebenfalls bei mir, und ich weiß selber nun n, cht recht, wie ich eigentlich mit ihm stehe." „Hat er denn so viel Krankheit rm Hause? „Na nu, ne," sagte Herr Semmlein. mdem er ver- suchte, sein Käppchen vollständig entzwe, zu drehen:„außer einer Schachtel Pillen zum Abführen ist von Medizinen noch gar nicht» vorgefallen, aber vier Dutzend Selters- In den Fabriken sind sie zwar etwas höher, aber nicht» destoweniger„zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel." Aber in den Fabriken könnte doch wenigsten« eine Fabrik« gefetzgebung eingreifen, um die übermäßige Ausnutzung der Arbeitskräfte zu verhindern. Dagegen entzieht sich, wie schon gesagt, die Hausarbeit der Fabrikgesetzgebung; vielleicht ist gerade deshalb dieselbe in so vielen ihrer Zweige unrettbar dem Untergang verfallen. Herr Dr. Bein will die staatliche Ueberwachung auch auf die Hausindustrie er« strecken. Aber wie will er da« so durchführen, daß e» einen Erfolg hat? Da müßte ja für jede Familie ein Po» lizeidiener gestellt werden. Zum Schluß fragt man sich: Welche Lehren hat nun der Dr. Bein au» seinen Forschungen gezogen? Nun er hält die Arbeiter de» Vogtlande», die musikalische Jnstru» mente verfertigen, für die bestgestellten; sie verdienen nach seinen Angaben zwischen 7 und 14 Mark wöchentlich; sie leben hauptsächlich von Kartoffeln, essen ein« bi« zweimal in der Woche Fleisch, zuweilen einen Höring; statt Butte« haben sie Schweineschmalz und genießen dabei viel Kaffee, wenn man da» sogenannte Gebräu al» solchen betrachten kann. Und wa» sagt der Herr Doktor zu dieser Situation der„bestgestellten" HauSarbeiter des Vogtlande«, die so lange arbeiten können, als sie nur wollen und dabei so wenig verdienen? Nicht»! Nun, dazu brauchte er weder ein Doktor noch ein Ge« lehrter sein, das hätte der erst« beste Berliner Weißbier- philffter auch gekonnt. Kolitiseke Nebersirkt. Dem VundeSrath ist der Entwurf von Grundsätzen zu» gegangen, welche in Betreff der Vollstreckung einer Gesammtstrafe, falls die Einzelstnfen von Gerichten verschiedener Bundesstaaten festgesetzt find, zur Anwendung zu kommen haben, unbeschadet andelweiter Ver- einbarung der betheiligten Bundesstaaten im einzelnen Falle. In der Begründung deS im ReichSjustizamt aufgestellten Ent- würfe« wird die Herstellung einer einheitlichen Praxis zur Beseiligung vielfach angedeuteter Uebelstände detont. Bei der NeichStagsuachwahl im Teltower Kreise wird noch ein vierter Kandidat austreten. Die neue demokra» tische Partei hat nämlich eine allgemeine Wählerversammlung nach NowaweS berufen, um, wie der„Franks. Zeitung" auS Charlottenburg geschrieben wird,„durch eine glückliche demo« kratische Kandidatur die freifinniae Wählerschaft bei der Fahne des bürgerlichen Liberalismus festzuhalten". Die neue demo« kratische Partei wird also hier zum ersten Male mit der deutsch- frelfinnigen Partei den Kampf aufnehmen.(Werden stch jeden« fall« noch wieder vertragen! D. R.) wasser und meinswegen ein Dutzend Magenbitter, wie Pfeffermünzplätzchen und Morsellen scheint er viel zu brauchen— auch manchmal gebrannte Mandeln. So viel macht da« ja auch nicht, und e» ist mir nur um die spätere Kundschaft. Bei meinem Schwager steh'n aber meineSwegen hundertnnundachtzig Thaler zweiundzwanzig Groschen und sieben Pfennig— auch meistentheil» für so Kram—, und jetzt weiß ich nicht recht, wie man die Sache am besten anfinge." „Hunderteinundachtzig Thaler ist freilich schon eine be» deutende Summe; aber haben Sie denn den Herrn von Schaller schon gefragt, ob er die Rechnung anerkennt und sich weigert, zu bezahlen?" „Gott dewahre, noch nicht!" „Nun sehen Sie'mal, e» könnte ja doch möglich sei», daß er die Sache früher, in dem Gewirr de« Umzüge», einfach vergessen hat." „Hm," lächelt« Herr Semmlein verlegen,„ist mir eigentlich nicht recht wahrscheinlich, und ich habe bei den Herren Adeligen schon meinSwegen ein ganz hübsches Sümmchen sitzen lassen, wobei ich ihre« Gedächtniß doch immer dann und wann zu Hilfe kam. Mein häusliches Kriegsministerium meinte übrigen» auch, ich sollte doch erst einmal höflich anfragen." „Nun, versteht sich von selbst," sagte der Notar,„das ist doch da« Einfachste und Natürlichste. Weigert er dann die Zahlung oder hält er den Termin, den er Ihnen vwl» leicht stellen könnte, nicht ein, nun gut, dann müssen wir un» vor allen Dingen von Ihrem Schwager eine Vollmacht kommen lassen, und wenn Sie es dann noch wollen, ver- folgen wir den Rechtsweg." „Sehr schön," nickte der Hofapotheker vor sich hm,„sehr schön, wenn ich nur erst meinswegen drüben gewesen wäre. E» ist eine verzweifelte Geschichte, und ich mahne überhaupt so ungern Jemanden. Nur meine Miethsleute. Wenn die nicht Pünktlich zahlen, fitze ich ihnen wie ein Wetter auf dem Halse!" „Haben Sie Roth mit Ihren MiethSleuten;" fragte der Notar.«Oben in den Dachstuben wohnen freuich einige ärmere Leute." Dem Reichttage ist ein sog. Wembach, enthaltend die Aktenstücke det'.-.ffeno die Kongofrage nebst einer Karte von Zentralafnka von Friedericdien in Hamburg zugegangen. Die« selben betreffen die Vorgeschickte der Weüafrikanischen Konferenz vom 6. März 1884 bis zum Zusammentritt ver Konferenz, die Berichte der Handelskammern von Hamburg, Solingen. Mann« heim und anderer vom März, April und Mai 1884 über Vit v efahren des englisch-portugtrstschen Kongo Vertrages für den deutschen Handel und einen Erlaß Hatfcldt's vom 17. April 1884 an den deutschen Botschafter in Paris, in welchem em« pfohlrn wird, gegenüber der durch den Kongo-Vertrag ge> schaffenen Lage das Prinzip der Solidarität und Gleich- b-rechitguna zm Geltung zu bringen, welches bei handelspolitischen Fragen in Ostasten zur Hensckaft gelangt ist. ES folgt Sie deutsche diplomatische Korrespondenz, durch welche die deutsche Auffassung der Kongosrage zur Kenntniß der anderen Mächte gebracht wird, und der Erlaß Havfeldt'S an Hodenlohe in Parti vom 5. Juli 1884, in welchem Deutschland stck dereit erkläit, stch mit Frankreich wie über das Kongogebiet, so auch über da» Ntgergebiet zu verständigen, sowie da» Schreiben Bismaick's an Comcel vom 13. September 1884 und Coureel't Schreiben an Bismarck vom 29. September über das erzielte Einverständniß, beireffend die Konferenz. Den Schluß bildet der Vertrag Deutschlands mit der internationalen Kongo-Gesellschaft und die Generalafte der Konferenz. Schweiz. In der Schweiz, speziell in Sckaffoausen, find neuerdmgi wieder mehrere Verhaftungen von Anarchisten erfolgt. Einige Zeitungen wollen von einem neuen Komplott wiffcn, finden aber damit keinen Glauben. Auch in anderen Städten sollen einige Verhaftungen und Hausouichjuchungen stattgefunden haben, doch vollständig resultatloS. Endlich zirkulirt in der Schweizer Presse eine lustige Geschichte von einer Haussuchung im Aa-gau, bei welcher man nichts gefunden haben soll als Liebesbriefe eineS Schneiders und seiner Geliebten. Gleichwohl hält der BundeSralh die Sache offenbar noch immer für ernst und allgemein wünscht man, der Verfasser des vrelbcredeten Drohbriefes möge ermittelt werden, umsomehr als das Publikum die fortwährenden Verhaftungen ungern zu seben anfängt und meint, ftemde Beispiele oerderben einheimische Sitten. Belgien. Die ganze AttentatSgeschichte auS Brüssel ist darauf»u- rückzuführen daß ein religiös wahnfinniger Mensch eine Scheibe deS dem Grafen Flandern gehöngen WagenS zer- schlagen hat. Der Wagen der Königin ist also garnicht be» rührt worden. Die sofort angestellte Untersuchung ergab, daß der Attentäter schon lange vorher die wirrsten religiösen Reden geführt hatte. Frankreich. Die französischeRegierung erhielt auS P e k i n g ein Telegramm, worin angezeigt wird, daß die chinesische Regierung den am 4. d. Mts. unterzeichneten Friedens- präliminaren ihre Zustimmung ertheilt habe. DaS „Journal officiel" wird daS gedaozte Telegramm morgen publiziren. — Die Hauptpunkte der Präliminarien find folgende: Die Feindseligkeiten in Tonlin sollen vom 10. April ao aufhören. Am 20. beginnen die chinesischen Truppen mit der Räumung der dem Delta nächstliegenden Punfte und setzen ihre Rückzugs« beweguna derart forts, daß sie am 30 dir Grenze des htmm- lischen Reiche» überschritten haben. BiS zur Rutifizirung des endglltigen Frieden» übt Frankreich das Reckt, die Schiffe der neutralen Mächte zu untertuchen, um den Kriegsschmuggel, den Reis mit einbegriffen, aufzuhalten. Es darf den Golf von Pelscheli blokrrt halten, um die Verproviantirung Nord Chinas zu verhindern. Endlich bleiben die franzöfischen Truppen auf Formosa und den PescadoreS- Inseln, bis der Friede geschloffen ist. Frankreich verzichtet auf jede Kiiegi- CntichäZigung; aber die Familien der Opfer deS Uederialles von Bccle erhalten Pensionen. Ueberdie« wird China zu Gunsten Frankreichs in einen Handelsvertrag willigen, welcher fich von den mit allen übrigen Mächten geschlossenen Verträgen, den mit Rußland, bezüglich den Handelsverkehr zu Lande, allein ausgenommen, vorrherlhcft unterschnden wird. Um die zuaestandenen Tarife benutzen zu körnen, werden alle nichtfranzöstschen Europäer den Weg durch ftanzöfische Be- fitzungen nehmen müffen. Wie der Pariser„Figaro" wissen will, lautet Art. 3 der Friedenspräliminiarien, welche in ackt Artikeln abgefaßt sein sollen, wie folgt: Der Kaiser von China und der Piäfident der franzöfischen Republik willigen darein, daß der König von Annam dem Kaiser von China auch fortan Geschenke an« bietet.— Dies« Beibehaltung des Tributs, wegen dessen man fich schon so oft in den Haaren gelegen hat, soll auf das ausdrückliche Verlangen des MarqurS Tseng auSdedungen worden sein, welcher dachte, alle Unterhandlungen abzubrechen, wenn die althei kömmlrche Oberhcriltchkell Chinas über daS Nachbarland in dem Vertrage nicht anerkannt werde. — Eme ganz praktische Steuer auf das Tra „Nein, mit denen geht's," sagte Herr Semmlein; „der Schuster läßt sich wohl meinSwegen manchmal ein wenig drücken, ehe er die landesübliche Münze heraus« giebt, aber die kleine Näherin, die Peter«, zahlt auf die Minute. Morgen« um acht Uhr an jedem Ersten klingelt sie mit de« Glockenschlage und bringt ihre paar Groschen— nein, die Part in der zweiten Etage, der alte Kommerzienrath, zahlt auch pünktlich, und von meine« neue« MiethSmanne, dem Oberstlieutenant, weiß ich'« noch nrcht; aber die vor ihm darin wohnten, die adelig« Familie, der konnte ich meinswegen da« Logi« einlaufen, ehe Wh die Mieth« kriegte. Ader wa« kann'S helfen! Also werde ich wohl in dm sauern Apfel beißen und Herrn von Schaller mahnen müssen." „Wenn ich für Sie hineivbeiße," lächelte der Notar, „wird er noch saurer." „Da haben Sie wieder recht," nickte Herr Semmlein, indem er fich von seine« Sruhl erhob;„na, nicht« für un> gut, Herr Nachbar, werde die Sache noch einmal mit «emer besseren Hälfte— hahaha I— bereden, und es wird nachher wohl so herauskommen. Sie haben doch hier meinSweg.u eine prachtvolle Ausficht," setzte er hinzu, als er in da« Eckfenster hineintrat und den Blick umherwarf. „Bei mir drüben können Sie die Kuffeekannen auf de« Tische sehen, und die ganze Nachbarschaft, und meinswegen auch die hübschen Mädchen da oben," bemerkte er mit eine« halbverschmitzten Seitenblick auf den Notar, wonach er dann wieder zu Klingenbruch» aufsah. Dort, an dem offenen Fenster, stand eben Henriette und beschäftigte fich mit einem Blumenstock. „Allerliebstes Kind," fuhr der Hofapotheker fort,„auch sehr ordentliche Leute, sehr anständige Familie— die Kleine dort ist aber meinswegen ein Prachtstück. Der Teint, die Augen und da« Haar— seh'n Sie nur einmal. w-.e hübsch sie den Stock festbindet und wie graziös l" Püft r sah hinauf und bemerkte ebenfall«, daß sie den Blumenstock mit einem zi mlich breiten und rothen Bande befestigte, wa« man doch eigentlich sonst nicht zu diesem Zweck benutzt. gen ausländischer Orden, welche wesentlich die liebe, Eitelkeit trifft, ist in Frankceich eingeführt; von Entrichtung; derselben find nur die Militärperonen. im aktiven Dienst bis einschließlich zum Hauptmann hezw. Schiffslieutenant aufwärts ausgenommen. Die Abgabe beträgt laut Perfügung vom 14. April 1884 für einen im Knopfloch zu tragenden Orden 100, für einen Ha'.sorden 150, für einen Orden mit Stern 200, für ein Großkreuz oder eine en ächarpe zu tragende Dekoration 300 F.cs. Bänder, welche mit dem Bande der Ehunlegion verwechselt werden könnten, dürfen nie ohne die zugebörigen Dekorationen getragen, werde-; fie find in der betreffenden Verfügung namentlich aufgeführt. Rußland. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß man in Rußland eine Fabrikgesetzgebung plant. Neu ist der Plan fteilich nicht, man ging schon vor Jahrzehnten mit solchen und ähn- lichen Plänen schwanzer, doch haben Ereign-ffe welch« fich in der letzten Zeit in den FabiikSistrikten abspielten, denselben wieder in dm Vorderprund gedrängt. Es wurde vor Kurzem eine„F a b r i k a e s e tz k o m m i s s i o n" in« Leben gerufen. weiche bereits mehrere Sitzungm unter dem Vorsitz eines Ge« hilfm des Minist:s vct Innern abhielt. Daß etwa! Gutes zu Stande kommen wird, ist wohl kaum anzunehmen; es ist vielmehr fraglich ob überhaupt etwas aeichaffen weiden wird. ES ist eine eigene Sache mit den russtschen Reformen. Am 18. d. Mts. werden es»und gezählte zwanzig Jahre, daß das vom Kaiser Alexander II. bestätigte Etatut über das Preß- wesen in Gesetzeskraft treten sollte, und heute wartet man noch aus die Pubiizirung deffelden. Inzwischen find die„zeitweilig" herrschmoen Bestimmungen über die Zensur und Preffe voll- ständig unmöglich geworden. In den leytcn Tagen konnte noch die Lberrreßverwallung, die in diesem Jahre ihr fün.fund- zwanzigjähriges Jubiläum feiert, einen Redakteur auf die Anklagebank dringen, weil er eS gewagt hat, eine bibliographische Notiz in sein Blatt aufzunehmm, ohne fie erst zmsurrren zu laffm. Großbritannien« Der mglischen Negteiung gmg eine Depesche von dem an der afghanischen Grenze befindlichen engliichen Komm ssar Lumsoen zu, in Folge deren ein KabmetSrath abgehalten wuroe. Die Depesche melder, daß eine größere russische Truppen- abtheilung einen heftigen Angriff auf Pmvjeh machte. Man glaubt, daß Lumsden stch gegenwärtig in Gulran befinde, wo er bleiben werde, um das Defiis von Robat auf dem W:ge nach Herat zu beobachten. DieHDepesche. LumSdm'S bricht plötzlich an einer wichtigen Stelle ad, man vermuthet, daß die telegraphische Verbinoung unterbroch-n wmde.— Im Unter« Hause gab Gladftone eine dctailltrte Darstellung des Zu« sammenftoßrs zwischen russtschen und afghanischen Truppen; er bemerkte am Schluß seiner Mittheilungen: Uns schein! der An- griff ver Russen ein unprovozirter. wir haben Erklärungen darüber von Rußland verlangt und find derselben oewä tig. Der russtsche Minister von Giers hat, noch vor dem Eintreffen unserer Anfrage, gest-rn unserem Botschafter Thmntorr gegen« über die ernste Hoffnung ausgedrückt, daß der unglückliche Zwischenfall die Fortsetzung der Vrrbandlungen nicht ver« hindern werde und dabei zugleich versichert, daß Pendjeh von den rufst, che» Troppen nicht besetzt sei.— Die englische„St. JameS Gazette" äußert stck über den Zusammenstoß folgender« maßen: Wie sehr- auch die englische Regierung geneigt sein möchte, selbst im Falle einer direkten Prooozirung, von Fiind« seligkeiten adzuseben, so könne fie doch Zwischenfälle, wie oas Gefecht am Kusckkfluffe. nicht als bedrurungkio« ansehen, da sonst die Ehre der Regierung und die Wohlfahrt des Reicks schwer beeinträchtigt würde. Der„Giobe" hält den Angriff deS Generals Komaro« für einen Bruch des englisch-russischen Uedereinkommens. England habe jetzt die Pflicht, sein den Afghanen in Bezug auf die Veitheidigung Afghanistans gege- deneS Bersprechen einzulösen, ein längere» Zögern sei un- möglich. Die„Pallmall Gazette", welche in der afghanischen Frage biiher mehr für Rußtand, alS sür die Afghanen Partii genommen hatte, bezeichnet die Situation als sehr gespannt, nnpstehtt inveß kaltes Blut und und eine rubige Feststellung des Thatbestand�s, bevor man etwa einen Beichluß fasse, durch den der Krieg unv rmeidlich würde. DaS Blatt wünscht, daß man Rußland Gerechtigkeit zu-Theil wrrden lasse, wenn aber daS Lorgehen der Russen gegen Pendjeh so unp ovoznt sei, wie tu scheine, werde es stch der KriegSpartei anschließen. — Die schon lange angekündigte Re.se deS englischen Thronfolgers, Prinzen von WaieS, nach Irland ist nunmehr erfolgt Der Prinz traf in Dublin ein und wmde von einem kleinen Theil der Bevölkerung freundlich empfangen. Die Jrlänver vc hielten stch schweigsam. Irl der gestrigen Sitzung der irischen Nationalliga äußerten sich Hraly, Harrington und W. Redmond sehr abfällig über den Besuch des Primen von Wale« in Irland. Redmond empfahl den Nallonalisten von Dublin, alle Ladend-sttzer, die Flaggen auSgestccki hallen, zu„boycstten", das heißt tn die Acht zu erklären und ihnen nichts mehr abzu- itmfe«._ „Ja, ein recht nette» Mädchen," nickte er.„aber nur.._ „Wird einmal eine famose Partie," fügte Herr semm« lein hinzu und stieß den Notar dabei, indem er d'.e Augen» brauen in die Höhe zog, mit seinem Ellbogen an. „Meinen Sie?" sagte Püster trocken. „Wenn die Alte stirbt, die Mäusebrod," flüsterte Herr Semmlein—„heidenmäßig viel Geld, sage ich Ihnen, heidenmäßig viel Geld, Herr Notar, und die beiden Mädchen kriegen«tinSwegen Alle», die Frau Oberstlieutenant hat es schon«einer Frau erzählt." „Das wäre allerdings ein Glücksfall," bnn-rkte der Notar;„aber so viel ich weiß, ist jene Dame noch in den besten Jahren und kann vielleicht die jungen Damen, so jung sie auch sein mögen, überleben." Herr Semmlein iah fich vorsichtig im Zimmer um. als ob er einen Horcher fürchte, dann bog er fich zu dem Notar über und sagte leise:„Die nicht." „Die nicht?" ernnderte Püster verwundert.„Und weshalb nichts" „Weil sie Opium nimmt," versicherte der Apotheker, „und alle Wochen zwei Flaschen Magenbitter braucht, und die Flasche« sind meinSwegen ziemlich groß." w „Opium s" sagte kopfschüttelnd der Notar.„Uvnfin — ohne ärztliche« Rezept kann sie den ja gar nicht be- kommen!" Herr Semmlein zuckte mit den Achseln.„Einmal ver» schreibt ihr der Doktor etwas— denn vorgeschwatzt wird sie ihm genug haben, und dann kann fie e« sich auch meinSwegen unter der Hand verschaffen; aber da« sage ich Ihnen, Herr Notar,»er einmal richtrg anfängt, Opium zu nehmen, der treibt e» auch nicht mehr lange, unv dann werden aus den jungen Backfischen da drüben memswegen Goldfische. Doch ich muß wahrhaftig fort," lagt« er, in- dem er versuchte, sein kleines, indessen fast bis zur Größe eine« Hühnereies zusammengedrehtes Käppchen wieder aus- einander und in Form zu dringen,„muß ja doch auch mft dem Ministerium meiner häuslichen Angelegenheiten die Rechnungsjache in Ordnung bringen und überlegen— aber D o k» l e s. Amerika. In Zentralamerika dürfte die durch den Psifidentt von Guaremala hervorgerufene Bewegung zur Bavung euw Einheitsstaates nunmehr ihr Ende gefunden haben, da M Tod VeS PiSsidenten B arrio» bestäiigt wird und die Le?» latur von Guatemala, wie bereits gemeldet wmde, et für d'ß« befunden hat, den Bestrebungen ihres Prästventen die Sankt» zu verweigern.— Der Präfident von San Salvador ßi fich weigern, den angebotenen Waffenstillstand anzunehmen wj soll beadfichtigen. in Guatemala einzurücken. Auch Hondur» bat fich der Allianz gegen Guatemala angeschloffen— B Regierung von Guatemala bat die E i n g a n g s» ö l l e alle importirtm Artikel um 10 vCt. erhöht. — Auf der Landenge von Panama haben die Aufsti» dischen noch immer dai Heft in der Hand. Dieselben halte nach einer dem Gesandten von Kolumbien in Washington ff gegangenen Meldung Panama noch immer b-s-tzl. Die K> einigten Siaaten von Amerika scheinen entschloffen, in dies«« Falle, wo ihre Handels- und Verkehrsintereffen auf« Weses leckste beeinträchtigt werden, ganz entschieden vorzugehen. 3* Marineminister hat weitere Marinetruppen nach ASpinem entsandt, mit dem BeseHl, den Durchgang über den J-thm» zu öffnen und zu bewachen. Das amerikanische KltegSsÄ „Shenandoah" und da« britische Kanonenboot„H-roine" fW am 6 d. M. in Panama angekommen. Dai franzöW Kriegsschiff„Reine Blanche" hat fich geweigert, Mannichafie zu landen, falls nicht fämmttiche Konsuln gemeinschaftlich>> deSfallstgeS Gesuch stellen. Der Befehlshaber des am# kanischen Kriegsschiffes„Galena" meidet telegraphiich,* unter den fremden Einwohnern in Panama große Besorg# herrsche._ Berliner Asylverei« für Obdachlose. Dem BeriS pro 1884 zufolge wurden im genannten Jahre im Ai» 125,896 Menschen beherbergt und zwar 107,879 Männer u» 18,017 Frauen, Mädchen und Kinder, waS gegen das Vorj» eine Zunahme von 733 Gästen ausmacht. Hierbei hat w Männer asyl 2638 Individuen mehr aufgenommen, während ij Fiauenasyle 1900 Personen weniger genächtigt haben. U DurchschnütSfrcquenz per Nacht war rm Mä»erasyle 29 gegen 288,33 des Vo jabres; im Frauenasyl sanl ste von 5 auf 49,22 hmad. Die Totalsumme der in den deid-n A'yl seit ihrem Bestehen Aufaenommenen beziffert fich jetzt aus ansehnliche Höhe von 1,460,683. Wegen Mangels an Raum de, Verein auch im veifloffenen Jahre außer Staube, in w Wintermonaten allen Obdachsuch-nden die Aufnahme# Männerasyl zu gewähren Es gab Nächte, in denen mehr v Hundert vtescr unglücklichen leider vergeblich Einlaß begeh#* Eine Vergrößerung deS Asyl«, die entw-er durch einen An«� oder durch den Neubau einer Anstalt für 500 Personen zu* werkstelllgcn wäre, wird daher als sehr erwünscht»a# Leider kann daran zur Zeit noch nicht gedacht werdm, da# Einnahmen vei VrreinS nickt einmal»ur Deckung der j-tzig* regelmäßigen Ausgaben ausreichen. AuS dem letztere» Gm# wird vom Verein eine regere Belheitigung zur Mitgiievl# angestrebt. Berne: kenSwerld ist noch, daß vi« Asy. Häuser ck dei um von einer Anzahl auswärtiger Besucher, darunter o* von einem Pariser Gelehrten, einer gründlichen Bestchtigm unterzogen wurden, daß dieselben fich allseitige Anerkenn� erworden haben und als Muster für neu einzurichtende ähnl» Institute dienen sollen. Die interessante Frage, ob für den Recktsan»� eine berufsmästtge. oder eine Anstandspflicht£ steht, den PräsiOenun de« Gerichts, bei welchem er zugelam' ist, im GerickiSgebäud« u id außerhalb drfsilben ,u gruß-n, � kürzlich dir Anwailkammer des Kammergerichisdeziiks und der Revifionsinstanz den Ehrengericht Hof zu Leipzig beschäs Beide Verhandlungen haben mit der Fieispiechun» des Disziplinarverfahren angeklagten Rechtsanwalts geendigt. selbe, welcher beim biefigen Landgericht 1 zugelassen ist,, den Landgerichlspräfidentrn deshalb nicht gegrüßt, weil er in drr— allerdings irrigen— Meinung befand, daß der' stdent einmal oder mehrere Male feinen Gruß abfichtiich erwidert habe. Die Anwaltskammer führte die angeblich L_ lassen« Erwiderung des Grußes seitens des Präsidenten z» aus die Kurzfichtigkeit desselben zu.ück, andererseits nahm ste a# an, daß der Angeklagte von ver Richtigkeil seiner W# nehmungen und der von ihm daraus gezogenen SchlußsulgerS" (d.ß der Präfident seinen Gruß nicht wünsche) üderze» gewesen sei. Die Anwalukammer war übrigens der MetNlW es bestehe eine Pflicht deS Rechtsanwalts, innerhalb des& rich'sgebäudes den Prästventen zu grüßen. Der Ehrengericht bof führte in den Gründen seines die Beschwerde des gwt anwatt» verweisenden Urtheil« auS, daß, falls eine Pfli� den Präsidenten zu grüßen, bestände. dann ein inkorrekt Ptiha'ten deS Prästventen den Angeschutdiglen nicht von Erfüllung drr ihm obliegenden Pflicht hätte entbinden lön-"* Allein eine solche Pflicht bestände ganz und gar nicht, sondc# es sei nur durch den Anstand geboten, diejenigen Formen 0" 1 was ich Ihnen noch sagen wollte. Herr Nachbar, kennen doch den Echreinermeister Handorf?" „Gewiß," erwiderte Püster.„Er arbeitet auch 1» mich und ist ein sehr braver und zuverläsfiger Mann."& „Sie wissen, daß er eine« Sohn im Zuchthat hatte?",. „Ja, allerdings; deshalb ging er auch immer so r drückt einher; ich habe ihn eigentlich nie lachen sehen.", „Der Sohn isi jetzt freigekommen und zurückgekehll „Lieber Gott, da« wird auch ein schwerer Tag Hause gewesen sein I Wenn man keine Kinder hat, bebau# «an rt manchmal, und wenn man fie hat, wie furcht� Sorgen machen fie un« oft!" � „Der Junge hat noch als ganz junger Bursch ein# Juden todtgeschlagen und beraubt." „Ja, ich weiß es; er ist daraufhin verurtheilt»ord# aber er hat die That nie eingestanden." „Soll er wohl nicht." sagte Herr Semmlein,»weil? wußte, daß er dann meinswegen gehenkt wurde. So#, junger Bösewicht— und die braven Eltern! ist auch ein angenehmer Zuwach« für Rhodenburg, und' dem letzten Monat haben wir außerdem drei Ernbr»� gehabt/ j „Ich glaube nicht, daß wir etwa« Derartiges von f jungen Handorf zu fürchten haben." ,, „Wer weiß!" sagte Herr Semmlein, sehr bedeutunsr voll mit den Achseln zuckend.„Wenn ich Stadtverordnet wäre, würde ich jedenfalls beantragen, ihn aus sten« zwei ober drei Jahre unter polizeiliche Aufsicht" stellen.". ..Da« ist ein gefährliche» Experiment," sagte der „und mag bei einem»irklich schlechten Menschen geb#j erscheinen. Wer aber noch einen Funken von Ehrg� übrig behalten hat, den treiben sie dadurch vollkomme«'. Verzweiflung. Man muß doch erst abwarten, wie™ benimmt." � „Die armen Eltern thua mir leid," sagte Herr S'fZ, lein,„das find so brave und durchaus rechisck ffen« � - und jetzt den Jammer mi, dem einzigen Sohne I Alte gmg auch die ganzen Jahr« wie vor den Kop>» SerWjrS mit Vorgesetzten zu beobachten, welche die gute Sitte vorschreibe. Anzuerlennen sei auch, daß eine Versetzung dieser durch die Sitte voracschriebenen Anstände vflicht für den Rechts- anwalt unter Umstanden eine ehrengerichtliche Bestrafung zur ' Folge haben könne. Allein wenn der Angek'agte die Ueder- zeugung zu baden glaubte, daß das Verhalten des Prästdenten ein beabstchtigtes war, so sei es nicht belastend für ihn, wenn er daraus die Folgerung zog, daß der Prästdent seinen Gruß nicht wünsche und sich deshalb seinerseits von jener Anstanvs- Pflicht enlbrnden eracktete. «in nickt«nbeträcktlicher Theil der Gräber auf den Begräbnißplätzeu Berlins enibehrt der Bezeichnung der« jenigen, die der schlickte Hügel deckt. Dieser Umstand erschwert vm Betheiligten daS Autfinden der letzten Ruhestätte von An- aehörigen nicht wenig. Ja oft ist ei selbst mit Hilfe des TodtengräberS nicht möglich gewesen, das gesuchte Grab de- finitiv zu bestimmen. Um dies in Zukunft auf seinen GotteS- äckern zu vermeiden, hat der Kirchenrath der Jerusalems-Ge- meinde beschlossen, auf den dieser Gemeinde gehörigen vier Kirchhöfen sämmtliche Gräber mit einer kleinen weißen Tafel zu verschen, welche den Namen des Bestatteten und die Num« mer einer Liste trägt, welche, regelmäßig geführt, den Todten- arabir in dm Stand setzt, schnell und sicher die Begräbniß« statte jedes der dort Begrabenen nach Ädtheilung deS Kirch« Hofes, Gräberreihe und Grabnummer zu bezeichnen. Diese Maßregel ist seitens der bezeichneten Gemeinde jetzt in AuS« ftihrung gebracht worden und kann auch anderen Gemeinden zur Nachacht, nz empfohlen werdm. t. Im Hinterhause. Der Kastengeist, welcher gewisieKreise der Berliner Bevölkerung nock immer beseelt und dieselben hindert, alte Vorurtheile abzustreifen, tritt auch recht anschaulich in den Berliner Wobnungsverbältmffen zu Tage. Wir sprechen hier nicht von der naturgemäßen Absonderung von Reich und Arm, von Hoch und Nievrig in besondere Stadtviertel, nicht von dem Gegensatze zwischen Palast und Hütte, sondern von den Gegensätzm, wie fie von Gleichgestellten in ziemlich schroffer Weise hervorgrkchrt werden. Betrachten wir uns beispiels- weise die Vorstädte, die sogenannten„Arbeiterviertel". Wer hier hinauszieht, thut dics wohl schwerlich der besonderen Annehmlichkeiten wegen, welche diese Stodtgegenden ?u bieten vermögen, denn bekanntlich wcrden die» elben in dieser Bezlebung z'emlich stiefmütterlich debandelt, sondern wohl lediglich aus dem Grunde, weil hier die Wohnungsmirthm und üb« Haupt die ganze Lkbensweise billiger ist, als im Inneren der Stadt. Die Vorstadlbewohner haben eben alle nichts„übrig", rurd die Bevölkerung, die fich hier zusammendrängt, ist rnit Fug und Recht im Allgemeinen eine arme zu nennen. Und dennoch macht fich hier gewissermaßen «ine„Aiistokratie der Armutd" geltend und zwar in Bezug auf Wohnungen. Jedes Wohngebäude zerfällt hier in zwei gesonderte Abtheilungen, in Vorderhaus und Hintcrhuas. Das Hinterhaus erfährt nun in der öffentlichen Meinung entschieden eine geringschätzige Bemtheilung, Viele halten es durchaus „unter ihrer Würde", im Hinterhause zu wohnen, und schon der Gedanke hieran verursacht ihnen ein»rauen. Die Woh- nungen im Vmderhausk,- und sei es auch im vierten oder fünften Stock, werden daher von denjenigen Berufs« klaffen okkupirt, welche, ob fie auch gleich an« deren nur„von der Hand in dm Mund" leb'n, fich dennoch etwa?„Besseres" dünken, als Andere, während die Wohnungen im Hinterhause für die Aib-iter reserviit bleiben, denen eS bei kärglichem Verdienst wohl darauf ankommt, gegen Aufgabe deS Vorzugs,„nach vome heraus" zu wohnen, einig« Thaler an der Miethe zu sparen. Das Hinterhaus ist sonach die eigent. liche Heimstätte der arbeitenden Bevölkerung. Während im Vorderhause ein« gewiffe Steifheit nicht zu verbannen ist, ent« wickett fich im Hin'erhause jeneS ungezwungene Leben, wie es der Verkehr mit Seinesgleichen mit stch bringt. Hier kennt Einer den Anderen, fl-'.d ja doch Alle Arbeiter und theiten Alle dasselbe LooS. Für die verloren gegangene Ausficht nach der Straße enrsckädigt das Blumenbrett, das fast in keiner Wohnung fehlt, der Hofraum bildet zur Sommerzeit den Sam« welpunkt für Kinder und Frauen, hier werden die Ereigniffe de» Hauses belprochen und wirthsch istliche Fragen diskutirt, von Fmster zu Fmstcr wird Unterhaltung gepflogen, thetlneh« wende H.-rzen finden fich für Fieud' und Leid, für die Müh« sale des Tages entschädigt ein häusliches Familienleben und daS reinste Menschenglück, es wohnt zumeist„im Hinter« hause".— Die Wahrsagerin Frau W.. die in einem der vor« nehmsten Quartiere der Refioenz ihr Domizil aufgeschlagen bat, erfreut stck eines weitverbreiteten Rufes und umfangreicher Klientel. Die sogenannten höheren Töchter und gebiidete junge Männer verschmähen es ntckt, die steilen Treppen deS nickt gerade sehr verlockend ausschenden HauseS zu erklimmen, um die Kunst der modernen Kaffandra zu»«fragen. Der stille Portier des Hauses macht, wie der„B. C." zu erzählen weiß, seiner Bezeichnung Ehre; er verräth nicht das zweifelhafte Ge« werde der Einwohnerin und nennt nur ihren Namen. Ein paar auf dem Hofe spielende Kinder wissen bessere Auskunft zu geben. Die Wahrsagerin wohnl im Borderhause eine Treppe, schlagen herum. Ich bin nur neugierig, ob der Junge hier vleiden wird; wer soll ihn freilich in Arbeit nehmen— aber ich muß wahrhaftig nach Hause! Nein, wie die Zeit vergeht, da schlägt's draußen schon«einSwegen zwei Uhr! Also nicht« für ungut, Herr Nachbar— gesegnete Mahl« zeit!"—' Und damit verschwand der Hofapotheker wieder durch Puster trat an'« Fenster und sah ihm nach, wie er über die Straße trippelte und drüben in die Apotheke fuhr, als ferne Aufmerksamkeit durch einen lauten und wie zor» »igen Ausruf wieder dem Fenster seines Nachbar» in der zweitenEtage Irnks zugelenkt wurde. Er sah dortgmr eben noch, wie der Direktor in seine« rothen Schlafrock, die blaue Quaste feine« Fez hinten autfliegend, in der linken Hand die lange türkische Pfeife, in der rechten jedoch den jetzt gezückten Dolch schwingend, auSries:„Ha, so stirb, Verräther!" Dabei sp-ang er aber m die Mitte der Stube hinein und entzog sich dadurch seinen Blicke». Püster achtete aber nicht weiter auf ihn.„Rein ver» rückt!? murmelte er nur leise vor sich hin und schritt dann, in tiefe» Nachdenken versenkt, in seinem Zimmer auf und ab.__ Bei« Direktor. Den Markt entlang schlendette HanS von Solberg, selig in dem Gefühl, die altbekannten liebe» Straßen wieder «inmal zu durchwandern und die Spielplätze seiner Jugend auszusuchen. Da lag noch die alte Schule mit ihrer hohen, dunkeln, rerch durch alte Steinarbeit verzietten Pforte und der enge v n? l�W früher weit größer und geräumiger erschien; ®a stand noch der alte Brunnen, au« dem sie sich ihr Wasser mrt ernem schweren, aufrecht stehenden Schwengel hatten heraufpumprr. müssen, und die trüben, mit Blei«in» gefaßten Fenster schillerten noch wie damals in allen Regen bogenfarbcn. Verändert hatte fich Rhodenburg überhaupt sehr wenig m den letzten zchn Jahren, trotzdem daß e« mit in da» Eisenbahnnetz hineingezogen worden. Es fehlten immer und nun irrititt unS auch nicht das an ihrer Entreethür be- festigte Schild, wilches die Bewohnerin als„verwittwete Oekonomie> Inspektor W." ausgiedt. Auf unser Klin« gel« öffnet eine Frau in mittleren Jahren, ihrem ganzen Aussehen nach unzweifelhaft die gesuchte Schwarzkünstlerin, und fühlt uns, nachdem wir unser Begehr vorgebracht, durch einen finsteren Korridor, auS dem uns eine entsetzliche Luft entgegen weht, in ein Helles, freundliches, zwei- senstrigeS Vorderztmmer. woselbst fie unS einen Augenblick verziehen heißt, bis fie Toilette gemacht habe; denn wir find zu außergewähnlich flüher Stunde erschienen. Das Zimmer ist einfach und sauber eingerichtet. Ein Sopha und ein mit grüner Decke verhängter Tisch, ein Kleiverspind, ein Schreibtisch und ein durch eine spanische Wand verdecktes Bett bilden das schmucklose Mobiliar. Die Gardinen find rein und zweifelS- ohne, vor dem Fenster steht ein mtt Blattpflanzen gefüllter Blumentisch. Nach einigen Minuten erscheint die Frau wieder, in der Hand trägt fie ein ziemlich abgegriffenes Spiel Karten; st« ist von einem feisten MopS gefolgt, der uns freundlich um- schnupoett. Die Frau heißt uns an dem Tische Platz nehmen, den Handschuh von der Rechten abstreifen, dann fragt fie nach dem Datum unseres GebuttStageS und beginnt in den Linien der Hand zu lesen. Selbst« verständlich spielt in solcher Siance bei einem jungen Manne die„Heizenidame" die Haupttolle. Da mußte Schreiber dieses zu seiner großen Betrübniß vernehmen, daß seine zatten Hoffnungen fich nie erfüllen würden. Die mannig« fachen Gründe hierzu brachte die würdige Dame in bizarrem Kauderwalsch vor. Referent stellte nun bezüglich seines Alters und Standes einige Fragen, um der Wahrsagerin aus dm Zahn zu fühlen. Das erstere gab fie annähernd richtig an, die zweit« Antwort suchte fie zu umgehen, und der Frage- steller mußte stch mit der Antwott begnügen, daß er„mit dem Kopfe arbeite", sein Pince-nez mochte wohl nicht ganz ohne Einwirkung auf diese ausweichende Beantwortung geblieben sein. Nun kam das Kattenlegen an die Reihe. Nachdem die- selbm gemischt und dreimal abgehoben waren, legte fie vier Rethen, je zu acht Karten, untereinander und begann nun, die„Zukunft zu enthüllen". Wieder bildete die Herzmsdame da? Hauptthema. Die Trefflarten, welche die Koeurvam« um- gaben, deuletm auf Selbstmord der Holden durch Ettränkm, oder wie die Wahrsagerin stch ausdrückte,„die Dame habe Waffer im Kopfe".„Eine Frau mtt einem Wasserkopf würde ich ohnehin nie heirathen", wagte Refermt zu bemerken, waS ihm einen sehr ungnädigen Blick zuzog. Der Sibylle mochte hierbei wohl ein Lrcht darüber aufgehen, daß wir nicht zu den „Gläubigen" gehörten und nur der Wiffenschaft halber ge- kommen seien. Mit vieler Mühe vermochten wir ste zu de« gütigen und zum Weiterreden zu bewegen.„Sie werden es rn Ihrem Berufe nie zu großem Relchthum, aber zu großer Berühmtheit dringen, prophezeite die Berliner Pythia weiterhin. „Heirathen werden Sie erst in späteren Jahren und dann eine vermögende Dame mit guter Ausstattung.".. DaS steht schon besser aus, man steht doch, wo und wie. Als der Moment gekommen war, die Kartenlegerin für ihre Bemühungen m klingender Münze zu entschädigen, bezahlten wir da« Dop- pelte der geforderten Summe, zwei Mark, um uns für die prophezeite, lange Junggesellenfreiheit dankbar zu erweisen. Sofort hellten sich die Züge der Wahrsagerin auf.„ES gtebt doch ein Mittel, um die von Ihnen Geliebte zu befiyen", sagte fie—„gewaltsame Entführung!" Wir lehnten dankend ad. Zum Schluß prophezeite uns die„verwittwete Oekonomie-Jn- speltor W." noch Unsterblichkeit, für zwei Mark gewiß alles, was man verlangen kann. Sind die Behauptungen dieser Frau nicht vollkommen erdichtet, so kommen zahlreiche junge Leute zu ihr, um fich in prekärer Lage Rath zu erbitten, na- mentlich aber, wenn es fich für die Betreffenden um Dinge von höchster Wichtigkeit handelt, ein neuer Beweis dafür, daß die einer gewissen Kategorie Angehörigen noch immer nicht alle werdm. Ueder den Schwindler, der unter dem Vorgeben, ein Journalist Mendel aus Wien zu sein, hier längere Zeit fein Wesen getrieben hat, macht jetzt daS Berliner Polizeipräsidium den Sicherhcttsl ehücden folgende Mittheilung: Der Betreffende hat fich tm Dezember vorigen Jahres hier aufgehalten und da- durch Betrügereien verübt, daß er unter dem Vorgeben, er sei Korrespondent des„Magyar Közlen", des ,,P:ster Lloyd" und Angestellter tm Osfijial.Prcßbureau in Wien, Abonnentm unter den hier wohnenden Oesterreich«» und Unga n auf diese Blätter zu billigem Preise sammelte, die Abonnementsbeträge auf längere Zeitdauer einkassttte, ohne die Zettungen zu liefern. Er suchte ferner ungarische Schauspieler und Schauspielerinnen auf, versprach, diesen glänzende Engagements nach dem Auslände zu vermitteln und Eisenbahnfahrbillets zu sehr ermäßigten Preisen zu verschaffm, und erschwindelte stch bei dieser Ge- legmheit größere Summen als Darlehen, w'il er angeblich in momentaner Geldverlegenheit war. Da stch jetzt in süd- deutschen Städten ein Individuum unter dem Namen L. Marchfeld herumtreibt, das fich als Wiener Journalist auf- spielt und ähnliche Betrügereien in Szene setzt, so wird ver« muthet, daß vaff'lbe mtt dem Mendel identisch ist. noch Schienenstränge, die ei in dm eigentlichen Verkehr brachten, es lag noch außerhalb der Weltstraßen und war deshalb nicht viel von Fremden aufgesucht worden, die allein ein anderes und regeres Leben hineinbringen konntm. E» ging seinen altm Schlendrian sott, aber die Leute be» fanden sich im Ganzm wohl dabei, weil fie ebm nicht» Bessere« kannten und— verlangten. In de» engen Sttaßen wurde noch manchmal ein breiter Frachtwagm ab- und aufgeladen, so daß er den Verkehr dort auf halbe Tag« hindurch völlig unterbrach. Auf dem schmalen Troittoir stieß man noch manchmal, wenn man sich nicht vorsah, an einen dort bis in Kopfsbereich nieder« Hangenden riefigen eisernen Haken, der zum Aufwinden in die Speicher benutzt wurde. Droschkm gab e» nur wmig in der Stadt; die überall vorgebaute», oft noch vergoldeten und geschnitzten Giebel gaben dem ganzen Ott« aber etwa» «igenthümlich Heimische», und Han» schwelgte in seinen Erinnerungen. Gar so sonderbar kam ei ihm dabei ansang« vor, daß er all' die Menschengruppen, die er hier und da ,n den Straßen zusammen stehen sah. Deutsch sprechen hörte. Dort drüben wurde ja nur Spanisch gesprochen, auf de« Dampfer hatte er nur Englisch gehört und die kurze Eisenbahnfahrt dann wie im Fluge zurückgelegt. Jetzt aber war er plötz- lich mit beiden Füße» zugleich in da« alte, liebe deutsche Leben hineingesprungen. Er ging auch wirklich halb wie in einem Traume umher, er sah nicht«, als was ihn unmittelbar umgab, und konnte Viertelstunden lang neben ein paar alten Bauerweibern stehen bleiben, die sich in dem heimischen, so lange nicht gehörten Dialekte zankten und einander alle nur erdenklichen Schlechtigkeiten nachsagten; ja, als sich ein paar Jungen auf der Straße prügelten und ein größerer einen kleinen überfiel, nahm er thatsächlich Partei für den schwächeren ��Jetzt bog er in eine der Seitenstraßen ein, als ihm an der Ecke ein Offizier begegnete, der ihn, wie er zufällig den Blick auf ihn warf, scharf fixitte. HanS hatte gar nicht auf ihn geachtet und wohi eben fo wenlg bemerkt, daß jener stehen blieb und ihm nachsah. Gerirlrts-Uettuug» Ei» Paar Stiesel.„Der Sachverhalt ist doch wesentlich anders, als Sie behaupten," äußerte der Herr Vorfitzende zu dem Schuhmacher Bernherd Emil Vinzer, einem etwa 40 Jahr alten, stämmigen Mann mtt kurz geschnittenem, dunkeln Vollbart. Angeklagter, bedächtig eine Prise nehmend und verächtlich die Achseln zuckend: Die Sache liegt tiefer, Herr JerichtShof. Wer nur Klotzpantinen jewohne is, fich aber derentwegen Sliebeln bestellt, der weent nachher, wenn er ihr anziehen will. Vors.: So weit holen Sie nur nicht aus; ein einiger» maßen paffend gearbeiteter Etiefel pflegt gerade von so che» Personen am wenigsten verworfen zu werden, die fich in der Regel einer bequemen Fußbekleidung bedienen. Wenn stch aber trotz längeren Abweichen« die Ferse nicht in die Kappe zwängen läßt, so entspricht eben der Stiefel in keiner Weise berechtigten Anforderungen.— Angekl.: Herr JerichtShof, ei iS balde gesagt, vor'n Sechser Keese; aber was vor'ne Nummer, das ist der Kasus knusuS! Un jerade so is es mtt de Etiebeln; legen Ee schon Eohlleder und Fahlleder, Flecke un Kappen, Stifte un Holznägel hin, und ich pariere drei jroß« Weißen, wer keine Wissenschaft von sonen Jäjenstand hat, daß der nur leinen jediejenen Sttebel bäum kann. Vors.: Die Richtigkeit einer solchen Anficht wird Niemand anzweifeln; indessen dürfte auch daS vorzüglichst gearbeitete Schuhwerk nur für solche Personen Werth haben, denen e» paßt.— Angekl.: Gtudiren und Schusteriren un sowas find Wlffenschasten, die den Menschen nich in'n Droom zufliegen. Alles will rejulär jelernt sein. Dadrum kann aber auch'n Sttebel, was doch schon mehr'n Kunstprodukt iS, nur von'n Kenner reell taxirt wer'n un nich von sonen Laien, wie der Mann(der Zeuge) einer is.— Zeuge Knaut, erregt auffahrend: Wat. ick bin'n Laie? Nee, Sie find noch'n sehr« Laie» Ste! Vors. zum Zeugen: Wollen Sie wohl schweigen, bis ich Ihnen bis Wort ertheile. Der Angeklagte hat Sie mit keiner Silbe beleidigt.— Zeuge: Wo kann der Bruder mir Laie schimpfen, indem ick doch vier Jahre dein- Jnnungsmeester reell Discher jelernt habe un hinterher nach't Jesetz auije» schrieben bin- Vors.: Verhalten Sie stch setzt ruhig.(Zum Angekl.) Da Sie doch aber sahen, daß die Stiefel zu eng waren, so würde es einzig itchtig von Ihnen gewesen sein, diesem Mangel ohne alle Weiterungen abzuhelfen.— Angell.: Herr JerichtShof, dm Rummel muß einer kennen;'n Sttebel is janz jmau wie'ne Dampfmaslyine zu ästtmiren. Eon« Jägenstänve jehen erscht immer etwaS dränge, hinterher aber doch sehr« willig. Vors.: Sie haben doch aber gehört, der Zeuge vermochte seinen Fuß überhaupt nicht in den Stiefel einzuzwängen.— Angekl.: Wenn'ne Maschine drang« jeht, dann schmiert man ihr mit Oel, un wenn'n Sttebel dränge jeht, denn muß er mit jrüne S?ese einjerieben wer'n, wo denn jeder Fuß'reinjlibdett wie noch nie. Vors.: Ste hätten von diesem Mittel Gebrauch machen sollen, anstatt den Empfindsamen herauszukehren, und haben eS fich somit selbst zuzuschreibm, wenn fie der Zeuge etwas unsanft zur Thür hinausbesörderte.— Angekl.: Beine find sehr unterschiedlich, Herr JerichtShof; der eine hat'n hohlm Fuß, der in jeden Sttebel paßt, wenn der Spann nich zu dränge jearbettet is; der andere hat wie de Jänse Plattbeine, die denn nitürlich leichte anlaufen, wo kein Stiebel v'rauf be» rechnet wird.— Zeuge Knaut: Lieber Mann, sehen Se fich man bloß vor, det ick Ihnen nich blau anloofm lasse.— Angekl.: Nu sehe ich doch, wie weit die Jemeinheit jeht; wo» vor jiebt es Plattbeine, wenn ihr keiner hiben will. Vors.: Sie haben fich hier nicht miteinander zu unter« halten.— Angekl.: So iL es aber heitzudage in der Witt. Plattbeine möchte kener, aber wenn er berappen soll, denn schmeißt er de mehrschte Zeit die Leite schon lieber zu de Dühre'rauS. Vors.: ES ist sehr erklärlich, daß Sie in ungewöhnlich erregter Stimmung das Haus verließen, und ich möchte Jhnm nochmals in Ihrem eigenen Interesse anrathen, das absichtliche Zertrümmern der Fensterscheibe einzuräumen. Sie würden fich in diesem Falle die denkbar mildeste Beurtheilung fichern.— Angekl: Ick fühle mtt jänzltch unschuldig un bitte, den Herrn Staatsanwalt mit seine Anklage unter Kostenlast retour zu weisen, indem doch son Knaatsch vor's Zlfiljertcht jehört. .Vors.: Wir möchten doch noch zunächst die anderen trugen hören. Sie bleibin also dabei, deS bequemeren ransporles wegen hätten Sie fich die Stiefel über die Imke Schulter geschlagen, bei welcher Prozedur ganz gegen Ihre Abficht einer derselben mit der Scheibe in Berührung gekommen wäre.— Angekl.: So stimmt es; ich schwenkte mir ihr so über, ohne an waS ArjeS zu denken. Nunmehr wurde der Arbeitskutscher Weber aufgerufen, der fich ohne die geringste Befangenheit vor dem Zeugentisch auf» stellte und im Laufe seiner Vernehmung mehrmals ermahnt werden mußte, die Hände aus den Taschen seiner Beinkleider zu nehmen. „Hans!" hörte er da eine Stimme rufen und drehte rasch den Kopf danach um.—„Bist Du'« denn?" rief der Hauptmann, der ihn noch immer ganz erstaunt ansah— „HanS Solberg!" „Dürrbeck, beim ewigen Gott— Bernhard!" rief Han« und sprang auf ihn zu, wie er nur wenige Sekunden in da« erstaunt ihm zugewandte Antlitz geschaut hatte. „Alter, lieber, lieber Freund, wie geht eS Dir und wa« tteibst Du?" „HanS— aber bist Du'« den wirklich?" rief Haupt» mann von Dürrbcck noch immer im äußersten Erstaunen. „Mensch, wo kommst Du her?"— Und die beiden junge« Leute schüttelteu sich dabei herzlich die fest in einander ge» schlossenen Hände. „AuS Peru, Bernhard— direkt. Aber wie geht e« Dir— hast Du ein bestimmte» Ziel?" setzte er hinzu, in» dem er seinen Arm in den de« Freunde« schob.„Komm, ich begleite Dich; ich ziehe jetzt nur eben durch die verschiedene« Straßen und schwelge in alten Erinne» rungen." „Ich hatte allerdings eine bestimmte Richtung," sagte der Hauptmann, indem er de« Freunde« Ar« drückte,„aber da« kann auch noch bleiben. Jetzt gehen wir zusammen, suchen noch einmal unsere Tummelplätze aus und plaudern von vergangenen Zeiten. Aber dabei erzählst Du mir, welcher glückliche Umstand Dich zurückgeführt; Du glaubst nicht, Han», wie ich mich freue. Dich zu sehe« und wieder hier zu haben I" Die beiden jungen Leute schlenderten jetzt zusammen durch die Straßen der Stadl, und Han« mußte dabei dem Freunde erzählen, wie und wo er sich in der Zeit herumgetrieben und sich so wacker draußen n der Welt ohne fremde Bei« Hilfe eine eigene Existenz gegründet. „Ader wie geht e« Dir selber, Bernhard?" fragte Solberg endlich, al« er dem Schulkameraden wenigsten« die Umrisse seine« bewegten und unruhigen Leben« mit» getheilt. (Fortsetzung folgt.) Vors.: Drr Anfttklagte ßiebt zu, daß die Scheibe durch seine Siduld zeriiümmert worden sei; er bestreitet jedoch, daß er die Beschädigung deabstchtigt Hobe. Was wiffen Sie von der Sache?— Zeuge: Als wie icke? Na, ick weeß dock von «if cht. Det kommt schon vor, det ick eenen mangunier'mal aus Veisehn de Fensterladen'n bisken ausbessere, aber um Fensterscheiben kümmere ick mir jänzlich janich. Vors.: Sie scheinen angetrunken zu sein, und im Falle fich Ihre Vernehmung nicht ermöglichen lasten sollte, würde ich Sie einsperren lasten und den Termin auf Ihre Kosten vcr- tagen. Hüten Sie fich daher vor jeder ungehörigen Bcmer- kung— Zeuge: Ick bade heite noch keenen Feuchten über de Lippe jekriegt, sage ick Ihnen, indem mir all jestern det Pulver jänzlich ausjegangen is. Vors.: Heute erklären Sie. von dem ganzen Vorfall nichts zu wiffen, während Sie bei Ihrer früheren Vernehmun« ein» Sehende Details zu Protokoll gaben. Wie kommt daS?— ieuge: Herr Jerichtshof, die Sacke iS diese Wo wir beede, ick un Hujo, den janzen Dag bei't Klamottenfahren waren, ver- nüchterten wir uns denn natierlich ooch enije paar Minuten bei den Budiker, indem wir zusammen an eene kleene Weiß« knopperten. wodruf wir uns denn noch'n Jroßen auStrudeUen, wobei Hujo int Essen zu liegen kam. Vors.: Das ist ja aber vollständig gleickgiltig.— Zeuge: Na, nee doch, Herr Jerichtshof; indem er doch nu vor den Jroßen abschippen mußte, jung'ck vorneweg aui't Lokal und riskierte det die Jelejenheet'n Blick nach schräjerwi, wo ick uf de HauSdhürenstufe'n Menschen jcwahre, der mit'n Paar Stiebeln in de Scheibe sengest. Ob't oder neie oder jedragene Stiebeln waren, det will ick unjelogen lasten. Vors.: Tarauf kommt es nicht an. Sie haben aber gesehen, daß auf der zur Hausthür führenden Treppe ein Mann stand, welcher mit einem Paar Stiefel so heftig gegen die Scheide schlug, daß dieselbe zertrümmerte.— Zeuge: Kann ick nu schon nich bemeineidijen, Herr JericktSbof; bumsen habe ick et woll jehört, un ooch Jlassplittern raffelten uft Pflaster'run; ob aber de Scheibe entzwee jegangen is, det weeß ick natierlich nich. Uederdem kann ick ooch janich mal sagen, ob t'ne Manns» oder'ne Frauensperson jewesen is, weil fich doch in de Fastnachten der mehrschte Mensch so spitz- findig verkleeden duht, det man ihm bloß bei jenaue Unier- suchung'rauslennen kann. Vors.: Der Angeklagte giebt selber zu, die in Rede stehende Person gewesm zu sein. ES kommt nur darauf an, ob aus seinem Benehmen an jenem Abende auf die abstchtliche Zer» tiümmerung der Sckeibe geschloffen werden muß. Was haben Sie nach dieser Richtung hin für Wahmehmungen ge» macht?— Zeuge: In diese Beziehung habe ick reene jonischt jewahrt, Herr JcrichtShof. Best Fortjehen rs er man janz jefchwinde noch'mal umjekehrt un ooch wieder de Stufe'rufjestiejen, wo er fich denn uf de Zehen stellte und mit de Stiebeln recht derbe int Fenster'rindreschen daht. Natinlich w.:ß ick nich, ob de Scherbe davon entzwee jijangen is, oder od er man bloß det Fensterkreiz tristen wollte. Trotz dieser vorsichtigen Auslastungen des Zeugen erachtete der Gerichtshof erne weitere Beweisaufnahme für überflüsfig und verurthellte den Angeschuldigten in Rückficht auf die de- gleitenden Umstände zu einer Gewstrafe von nur 10 M, dezw. zu zwei Tagen Gesängni«(Ger-Z.) Idstoles unil Arbeiterbewegung. Sine deutsche Ausstellung in Berli« wird für das Jahr 1888 geplant. Wir haben nichts Sonderliches dagegen einzuwenden. Aber wäre es nicht viel gescheidter, wenn man endlich einmal mit einer Weltausstellung in Berlin vor- ginge? Eine nat'onale Ausstellung— es soll eine Gewerbe- und Jndustrie-Ausstellung werden— baden wir schon 1879 in Berlin gehabt. Die Besucher haben stch amüfirt, die Bcr- Ilner noch mehr. Einige Gastwirlhe find reich gewordm, und dergleichen ist noch einiges Andere pasfirt. Aber einen natio- nalm Nutzen hat die Ausstellung nicht gehabt. Eine AuS- flellung soll doch in der Thcft den Zweck haben, den Stand der Industrie und die Jndustrieerzeugniffe in einem Lande vor aller Welt bekannt zu geben, damit der sogenannte Welt- markt fich mehr wie sonst mit ihnen beschäftigt. Das aber kann dock nur geschehen, wrnn auch fremde Nationen die heimische Industrie in Augenschein nehmen und das kann wiederum nur auf einer Weltausstellung erfolgen. Man redet doch jitzt immer davon, daß die deutsche Industrie den Witt. kämpf mit der auswärtigen nicht mehr zu scheuen habe, wohlan denn, auf, zum friedlichen Wettkampfe! Darüber find fich alle Sachkenner, unter ihnen auch Prosestor Reulleaux, einig, daß lokale und nationale Ausstellungen die Kräfte nur verzetteln und geringen Nutzen haben, Weltausstellungen aber die Kräfte zusammenfassen, wodurch allein Großes geleistet werden kann. DaS MihverhSItniß zwische« Produttion und Kon- sumttou ist gegenwärtig fast in allen Gemerbzweigen vorban- d u m s, welche in dem gleichen Zeittaum entstehen tonnte. Der im Jahre 1877 eingeführte hohe Zollschutz für die Eilenindusttie bat zu dieser Entwicklung nickt zum wenigsten beigettagen. Jeden« falls ist die deutsche Industrie in Folge dessen mehr als je» malS auf den Export eines sehr großen Tbdls ihrer Erzeugnisse angewiesen. Nur eine eingehende Untersuchung wird feststellen können, in welchem Umfange die deutsche Eisen« tndustrie bei diesem forzirten Absätze die Preise auf dem Welt« markte herabgedrückt hat, während st« gleichzeitig durch allerlei Manöver, durch Konventionen und Koalitionen, oie Preise auf dem inländischen Martte unter dem Schutze der Zölle möglichst hock zu halten suchte. Die unausbleiblichen Folgen haben stch frcilrch trotz alledem geltend gemacht und heute besteht bereits die Gefahr, daß die niedrigen Preise auf dem Weltmarkt« in chr er Rückwirkung auch die inländischen Preise unter die Selbst« kosten hinabdrücken. Die Ernteautfichteu für das laufend« Jahr sollen gute sein, wenigstens meldet man dies aus verschiedenen Gegenden Deutschlands. Dabei ist zu bemerken, daß der Ostwind, welcher drn Boden allzusehr austtocknet, nicht allzulang« anhalten darf, da er sonst doch wohl den Saaten verderblich werden könnte. Im Allgemeinen find wir dieses Jahr um 14 Tage bis drei Wochen ,n der Frühjahrsbestellung sowohl, als in der Vegetation hinter dem Vorjahr zurück, doch girdt das keinen Ausschlag in Bezug auf die Ernte, da warme feuchte Wtt- terung das von der Natur bis jetzt Versäumte leicht nachholen kann. In England hört man im wirthschafllichen Leben gegen- wärtig von nichts Anderem, als von Lohnreduttionen, EtteikS u. s. w. Die Montanindustrie liegt dort ebenso sehr, oder fast noch mehr darnieder, als am Niederrhein. Taufende von Ma« fchinenbauirn und Sckiffszimmerlt'-ten, Zehntausend« von Glubenardettern streiken schon oder droben mft einem Streike, da ihre Löhne nicht mehr auskömmlich find. Und während diesis Kampfes bringen englische Btäiter die sonderbare Nacht richt,„daß die bei den Herren William Cook u. Co. in de» Tinsley Stahl-, Eisen- und Drahtfadrik zu Shesfield beschäf- tigten Arbeiter, mehrere Tausend an der Zahl, in Andettachr de Schwierigkeiten, unter welchen die Fabrik bei dem jetzigen schlechten Geschäftsgange und den noch schlechteren Preisen im Gang gehalten wird, threnFabrilherren angeboten haben, eine Woche für sie unentgeltlich zu ar- b e i t e n, eine Offerte, die um so anerlennenswerther ist, als die Arbeiter bereits schon sett längerer Zeit„ebort tirne" machten, d h. nur vier Tage die Woche arbetteten, so daß ihr Ver« dienst um ein Drittel reduzirt wurde."— Wir registriren diese Nachricht nur, um zu zeigen, auf welche Weise jetzt die arbeit- gebeifreundlichen Zettungen in England Stimmung gegen die streikenden Arbeiter zu machen suchen. Daß an obiger Mittheilung selbst kein wahres Wort ist, braucht wohl nicht besonders verfichert zu werden. DaS Ktuderheilbad zu Sulza, welches Knaben von 3 bis 12 Jahren und Mädchen von 3 bis 14 Jahren zur Heilung und Kräftigung aufnimmt, wird auch im bevorstehenden Sommer drei Kurperioden einrichten; die erste vom 28. Mai bis 1. Juli, die zweite vom 4. Juli bis 8. August, die dritte vom 11. August bis 15. September. Das Kur- und Pflegegeld für je eine fünfwöchige Kurperiod« ist für wenig Bemittelte aus dem Groß- herzogthum auf nur 45 M. normirt: für Bemittelte sowie für Auslander beträgt daffelbe 70 M. Dafür gewährt die Anstalt volle Beköstigung, Bett, arztliche Behandlung, Pflege durch geschulte Krankenpflegerinnen, Arznei und Bäder. Aufnahme- gesuche find an die Oberin der Pflegerinnen-Anstatt zu Weimar zu richten. Zum glückliche« Abschluß des Bielefelder Streiks der Nähmasckinenarbeiter der Fabrik von Koch u. Co. find wir auf Grund direkter Mittheilungen von zuständiger Seite der Ar- bester zu berichten in der Lage, daß die gütliche Einigung unter Vertragsbedingungen erfolgte, welche einem vollständigen Siege der Arbeitersach« nv bekommen. In Folge hiervon haben sämmtliche streikende Ardeiter der Fabrik, bis auf zwei, welche fteiwillig auf ihre Wiedereinstellung verzichteten, am Morgen des 9. d. M. die Arbeit zu den früher maßgebend gewesenen Bedingungen wieder aufgenommen. Die ÄuSgleichsverhand- lungen, welche wiederholt abgebrochen und wieder angeknüpft worden waren, führten schließlich zu folgendem Abschluß: 1) Ter entlvssene(ge maßregelt«) Ardefter Neuman wird wieder eingestellt; den zwei anderen(gleichfalls„gemäß- regelten") Arbeitern, welche fteiwillig auf Wirdereinstellung ver- zichten, stellt die Firma ein gutes Zeugniß und eine Ehren- erkiärung aus. 2) Die Firma Koch u. Co. verzichtet prinzipiell auf die den Arbeitern versuchsweise zugemuthete und den Streik hauptsächlich provozirende Forderung der An- schaffung und Jnstandhalluna(d. h. Ausbesserung und Nach- schaffung der sogenannten„kleinen Werkzeuge" durch die Ar- bester selbst rrsp. auf deren eigene Kosten. Zunächst soll, so lauten die weiteren Bestimmungen dieses Punktes, hinfichtlich der„kleinen Materialien"(Werkzeuge) bis nach Ablauf eines vollen JahrcS Alles beim Alten bleiben, d. h. es sollen die Kosten für Anschaffung und Instandhaltung derselben nach wie vor ausschließlich von der Firma getragen werden. Nach Ablauf dieser Frist jedoch soll, falls bis dahin in den anderen Bielefelder Nähmaschinmfabrrlen das in Betracht kommende System(der Selbsthaltung rc. der Werkzeuge auf eigene Kosten der Arbeltei) überhaupt noch besteht, lediglich die Instand« Haltung resp. Reparatur und Nachschaffung der„kleinen Werk- zeuge" den Aidettern, aber nur insoweit zur Last fallen, als letztere einstweilen(in der oben näher angegebenen Weise) für die Kosten aufzukommen haben, wofür ihnen dagegen von der Firma(„je nach Abnutzung und Verbrauch der Materialien") eine wätere entsprechende„Erhöhung des Stücklohns" resp. fix-n Lohns zugefichert ist und berechnet werden soll. 3) Kein Arbtiter wird wegen Thellnahme an dem Streik entlassen, wenn nicht durch eigenes Verschulden eine Emlastung provozirt wird. Ebenso wird der bisherige Lohn beibehalten. Darmstadt. 26. März. Der Fachverein der Tischler hat den Meistern eine Forderung auf Herabsetzung der Arbeitszeit unterbreitet und die Meister find nicht abgeneigt, darauf einzu- Sehen. Der Verband der Zimmerleute(Lokalverband Darm» adt) hat den Meistern eine Forderung auf Lohnerhöhung von 40 Pfg p:o Tag zugehen lassen, worauf ihnen folgende Lohn- sätze, die aber eine Erhöhung des seitherigen Lohnes keines- wegs involviren, angeboten wurden: Im nsten Jahre nach der Lehre Mk. 1.30, im zweiten 1.74, im dritten Mark 1.90 bis zum vollendeten 21 Jahre Mk. 2.20, bis zum 27. Jahre M. 2.40 und von da ab Mk. 2.60. DieS mußte nun seitens der Gesellen, gegenüber ihrer bescheidenen Forderung, beinah« als Hohn aufgefaßt werden, worauf dieserseitS«ine erneute Forderung in folgenden Lohnsätzen den Meistern zugestellt wurde: Im ersten Jahre nach der Lehre M. 1.80, im zweiten 2 Ml, im 3. Jahre bis»um 20. Lebensjahre einschließlich M. 2.40 und von da ab Mk. 2.80 für jeden Gesellen. Die rückfichtsloseste Behandlung seitens der Meister wurde der Lohnforderung der Wcißdinder zu Theil: In einem längeren Schreiben erklärten die Meister unter Zuhilfenahme der hin- fälligsten Gründe, daß fie unter keinen Umständen auf die ge- forderte Lohnerhöhung von 15 pCt. eingehen können. Hierauf wurde den Meistern in einem zweiien Schreiben gemeldet, daß man durchaus nicht gewillt sei, fich mit der so bescheidenen Forderung durch einige hohle Phrasen abweisen zu lasten. Nach einer trefflichen Widerlegung der vorgeschützten Gründe heißt es, daß man gut organifin sei und den Muth habe, die Forderung bis in die letzten Konsequenzen zu verttelen. Es muß vor Allem konstatirt werden, daß die Arbeitslöhne, vor- zugsweise im Bauhandwerk, wohl nirgends so miserabel find, wie.in Darmstavt. � M Suchen. Der Fachverem der Schneider wurde durch die kzl. Polizeidirektion aufgelöst. Pereiue uuü Persswmluugt«. be. I« der Generalversammlung de» Berein» für Reform der Schule und Erziehung, welche unter Boifiy des Herrn Buchhändlers Rudenow am Donnerstag, den 9. d. Mts, Abends, Niedirwallstr. 20, stattfand, berichtete zu- näcvst Herr Schäfer über Wirksamkett und Bestand dcS Vereins in den vier Monaten dieses JahreZ, in denen derselbe nach fiedenjähttger Rast seine Thätigkeit wieder aufgenommen hat. In diesem Zettraum find vier öffentliche Vorträge ge- halten worden, die beiden letzten auch für Frauen, vor denen nach dem Vereinsgesetz, wenn fie auch nicht Mitglieder eines politischen Vereins werben können, dennoch politlscke und sozi- ale Themata, behandelt werden dürfen. Nach dem Referat er- folgte VorstandSwahl, in der Herr Friderlcizum Vorfitzenden gewählt wurde. Dann folgte die Erledigung interner Vereins- angelegenheite,� ZM/MM Krankeuunterstützungeound oer Schneider(E. H.) Die Zahl der Mitglieder bat fich nach der voilicgenden Ab- recknung des 4. Quartals 1884 allein in diesem Zeitraum um 7000 oermehrt, so daß stch die Mitglieder, ahl Anfang dieses JahreS auf 13,022 belief. Auch der Kaffenbestano ist in diesem Quartal ein bedeutend beffcrer geworden, und zwar betragen die Einnahmen in demselben 27,391 M. 2 Pf., die Ausgaben dagegen 5,002 M. 47 Pf., so daß fich ein Be- stand von 22,888 M. 55 Pf. ergiebt. An Extra st euer ergab fich ein Bestand von 2,511 M. 20 Pf. bei einer Ein- nahm« von 2,828 M. 70 Pf. und einer Ausgabe von 317 M 50 Pf.— De: Rechnungsabschluß für das volle Jahr 1884 betrug: Einnahme 108,422 M. 39 Pf., Ausgabe 93,606 M 49 Pf., Bestand 14,815 M 90 Pf. Letztere Summe zu den bereits destehenden Uederscküfien von 18,000 M. hinzugerechnet ergiebt ein Gefammtvermögen von 32,815 M. 90 Pf.— Drefer so günstige Bestand der Kaffe dürfte hoffentlich dazu beitragen, daß auch diejenigen Kollegen(Schneider, Kürschner, Schirm- und Mützenmacher rc.), welche noch immer anderen Krankenkaffen angehören, baldmöglichst diesem Unterstützungi- bund beitreten, der an allen Orten seinen Mitglie- dein ihre Rechte wahrt, wohingegen daS die Stadt durch irgend welche Umstände verlaffen müssende Mitglied einer Orisftankenkaffe vollständig auf fich angewiesen ist und k-inerlei Unterstützung eintretenden Falls zu verlangen ein Recht bat. Die Möbelpoltrer der Nähmafchineufabrik von Roth- mann, Neue Hochstraße 20, haben am 7. d. M die Arbeit eingestellt, weil ihnen ein Lohnabzug von 3 Mark gemacht wrven sollte. Danach würden die dort aideilenden Polirer statt wie bis jetzt 21 in Zukunft 18 Mark pro Woche ver- dienen. Zur Mittheilung näherer Details findet am Sonntag, den 12. d. M.. Vormittags 10 Uhr, in Go lle' s Salon, Linienstraße 30, eine öffentlich« Versammlung sämmtlicher Berufs genossen statt. Za dieser Ver- sammlung find die Herren Gedr. Notbmann und der Potrrer- Meister Herr Manteuffel eingeladen. Die Kollegen weiden ge» beten, recht zahlreich zu erscheinen. Die Kommisston. Eine große öffentliche Versammlung der Maler findet am Sonntag, den 12. April, um 10 Uhr Vormittags, in Gratweu's Bierhallen, Kommandanten- Sraße 77—79, statt. Tagcs-Ordnung: 1) Wie verhalten stch die Maler Berlins und Umgegend zu dem neu geschaffenen„Verbände der Maler und verwandten Bcrufsgenoffen". 2) Gründung eines Gau- Vereins 3) Verschiedenes. Der Wichtigkeit wegen«isuchen wir vi« Kollegen um pünktliches Erscheinen. Die Kommisfior. Zentral» Kranke«- und Sterbekasse der deutscht» Wagenbauer(E. H. Ni. 8 zu Hamburg). Für die M' glieder der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin findet am SoM tag, d'n 12- April, Nachmittags 5 Udr. in den G atweil'scht Blei hallen, Kommandanienstraße Nr. 77—79 die regelmäW QuattalS- Versammlung statt. Es wird ganz besonders daran aufmelksam gemacht, daß fich jeder Theilnehmer durch Mj gliedSduch zu legitimiren hat- Da der RcchenschaftSberia' über das 1. Quartal auf der Tagesordnung steht, ist cS Pflia' jeden Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen. Sine Ttschlerversammlung findet am Sonntag Vorm»' tag 10 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthause, Alte Jakod' straße 37, statt. T.'O.: Beschlußfassung über den von Wl En quete. Kommission aufgestellten Minimal-Tarif der antik"1 Branche. Die Herren Meister werden höflichst gebeten in v«l Versammlung zu erscheinen. Diejenigen Kollegen, welche no2 im Lefitz von Maiine. Billets find, werden ersucht, San»' tag VormUtagS 9 Uhr in der Kürasfierstraße 19 Dieselbe»' abzuliefern. Der Arbeiter-Bezirksverein der Roseuthaler stadt hält am Montag, den 13. d. Mts, Abends 8 Ubr,» der„Neuen Walhalla", Schönhauser Allee 156, eine Versa» lung ab. Tagesordnung: 1) Kassenbericht. 2) Vortrag.(« rent wird in der Versammlung bekannt gemacht) 3) Berta denes und Fragekasten.» Mitglieder-Versammlung de« Vereins zur Wahr«» der Interesse« der Klavierarbetter Sonnabend, den l1' April, AbendS 8'/> Uhr, in Gratweil'ü Bierhallen, Komm»? danlenstraße 77/79 Tagesordnung: L Voltrag des Dr. w«- Wurm über die Erhallung der Sehkraft. 2. Dos Erged»1' der chemischen Untersuchung deS schwaizen Fournie:stuub» 3. Veischiedenes und Fragekasten.— Gäste willkommen. sehr interessanten Vorrrags wegen wird um zahlreichen Bei»1' gebeten. Der Fachveretn der Schmiede hält am Montag, 13. April, seine 3. ordentliche General> Versammlung rm einSIokal, Kommandantenstraße 77—79(Gratweil'sche hallen), Abends 8V» Uhr ab. Auf der Tagesordnung M Der Kassenbericht über taS 1. Quartal, Vortrag, Verschiede»? und Fragekasten. Referent und Thema werden in der sammlung bekannt gemacht. Recht zahlreiches Erscheinen* wünscht. Gäste sehr willkommen. Fachverein der Radier, Siebmacher«ud geuosst«. Versammlung am Sonnabend, dm 11. d-% AbendS 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraß« Der Voistand bittet um recht rege Betbeiligung besonders" jenigen, die dem Verein noch nicht angehörm. M Tischler« Verein. Heute Abend 8'/. Uhr Rdib# Straße 4a. General»Versammlung. Retallarbeiter. Krankenkasse(Hamburg) Filiale Berlin. Die Zahlstellen befinden fich 1. hei Balla>i Moritz, und Prinzmstr.- Ecke. 2. bei Htlger(Restartt� Adalderlftr. 4. Jedm Sonnabend von 8—10 Uhr. Der Verein zur Wahrung der materielle« Znterel der Drechsler und Berufsgenossm tagr am Montag, de» s, April, AbendS 8 Uhr, Kommandantenstr. 20(Armmho�Ä Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag deS Herr» Z Kinn:„Uebn die vegetarische Lebensweise". 3. B nicht die Errichtung der ReiseunierstützungS- Kasse für wand� Kollegen. 4. Verschiedenes und Fragetosten; Aufnahme r j Mttglieder.— Gäste willkommen. Im Interesse der Sack1 recht zahlreicher Besuch dieser Versammlung gebotm. Arieskasten der Keäaktion. Htilbtdürftiger. 1. lieber die Wirksamkeit des% haben wir kein Urlhell. 2. Seltertvaffer ist wie jedeö ko-i. saure Woffer gesund, da rs die Verdauung fördert und»% wie gewöhnliches Wasser, bei Erhitzung des Körpers g«»� schädlich wirkt. � Zwei Wettende Etud. 6. und R. Der AuA „Congrua"(vevtr. plnr. vom tat. congrnna,&, am) bc, A 'n der Rechtssprache dm zukommenden Unlnhrlt. die g'l'V scftaeflelltru Amtsdezüge. In Oesterreich handelte«S# f gleichmäßige Durchführung einer Gehaltserhöhung für»' ffirnmtf rkir>vrp:c* rr v ctLrnnt• faminte niedere Geifilschkeit. dos ist �„�ngrW-l'� « OD----- UNS gQ Verattworttiaa Redatleur IL Erouuer« m iverlm. Druck und Vertag von M« vgdin«» Perlin BW, Beuthstraße X Etralauerftraße. Die Beantwortung w S.' irÄ ÄÄ'ÄÄ 1 schasten. � wÄ5","a6e' � „um, rl». Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 84. Sonnabend, den 11. April 1885. n. Jahrga»» Ör. L art h, der„deutsch-freisinnige� Kandidat im ReichstagswahtKreise Tettow-Leeskow- Storkom- Chartottenburg. Wir bezeichneten dieser Tage Herrn Dr. Barth als einen Älianchestermann, welcher neben Dr. B am berger das Prinzip des laissez faire laissez aller mit am konsequentesten vertritt- Um unseren Lesern den Beweis und gleichzeitig Gelegenheit zu geben, eine Seite des wirthschaftlichen Prinzips deS Herrn Dr. Bart näher kennen zu lernen, wollen wir nachstehenv einige Punkte seines Referates über die Verstaatlichung des Verstche- rungswesenS ansühren, welches er auf dem 21. Kongreß veut- scher VolkSwirthe am 21. September 1883 zu Königsberg i. Pr. gehalten hat und welches von seinen gleichgefinr.ten Zuhörern natürlich mit großem Beifall aufgenommen wurde. Obschon die Verhandlungen des genannten Kongrisses vielen L-sern bekannt sein dürsten, halten wir angestchts der Kandidatur deS Herrn Dr. Barth im obengenannten Wahlkreise eine Auf. stischung einiger Krafistellcn des Referenten für zeitgemäß. Wir entnehmen unsere Auszüge dem bei Mittler und Sohn, Berlin, im Druck erschienenen stenographischen Bericht. Nach einer längeren Auseinandersetzung der Vortheile, welche die Privat-Veificherungs'Gesellschaitrn bieten, namentlich i» Rücksicht der Jndwivualisirung der einzelnen Risiken, sagt Dr. Barrh unter Anderem folgendes:„Bei der Berathuna der Unfallverficherungsooilag« ist von vornherein Hervorgehoben worden, daß der Unfall nicht dienen dürfe als Unterlage für Dividenden von ErwerbSgesellichaften. Diese Phrase ist eigentlich das Inhaltloseste, waS überhaupt jemals in einer Regierungsvorlage in die Erscheinung getreten ist-- und das will schon etwas sagen!" Ferner sagten in seinem Schlußwort: „Nur zum Schluß möchte ich noch einmal zusammenfaffen, was für ein tzauptgefichtspunkt mich bei dem Referat getestet hat. Es war der, möglichst klarzustellen, daß man mit der Forderung der Verstaatlichung deS Versicherungswesens noth- wendig auf die Bahn gelangt, welche dirrkt zum sozialistischen Staate führt, und daß, wenn man die Gründe für vre Verstaat- lichung des Versicherungswesens in ihren Konsequenzen weiter verfolgt, man nothwendigerwcise zu der Forderung eines Staates nach orthodoxem sozialistischen Muster gelangen muß. Die» stnigen, welche kein Bedenken tragen, einen solchen sozialistischen Staat in's Leben zu rufen, handeln nickt unklug; sie werden, wenn sie den sozialistischen Staat herbeiführen wollen, mit der Vlrstaatlichung des VerficherungSwesens ein guteS Slück voran» kommen zur Erreichung ihrer Zwecke. Aber wir, die Vertreter des wirthschaftlichen Individualismus, haben gewiß dringende Vcranlaffuna, mit allen uns zu Gebote stehenvenden Mitteln gegen die Verstaatlichung des Versicherungswesens zu kämpfen. Wir, die wir hier im Saale versammelt find, werden wohl fast ohne Ausnahme der Ansicht sein, daß, wenn man uns die individuelle Freihetr in wtrthschaftlicher Beziehung nimmt, ein Hauptreiz des Lebens für uns verloren ist." DicS der Stand- punkt des Herrn Dr. Barth zur Verstaatlichung deS Verstche- rur gswesen«, woraus sich bei der prinzipiellen Auffassung dieser Saoje von selbst ergiebt, daß er auch jeden anderen Eingriff des Staates in die Privatwirthschaft, welcher zu Gunsten der arbeitenden Klaffen sich vo kSwirthschastlich als nothwendig «iweist, zurückweisen wird. Ein Gegner der Anschauungen des Herrn Dr. Barth, der konservative Herr Knauer(GroeberS), welcher später in jener Versammlung der Interessenten der Privaten VersicherungSbranche das Wort ergriff, erwiderte dem teferenten Dr. Barth und wartete mit drastischen, wenn auch längst bekannten Angaben auf, welche wir hier folgen lassen und denen wir unS zum Theil nur anschließen können: „Der erste Herr Referent, welcher von seinem Standpunkte aus in ausgezeichneter Weise die Sache dargelegt hat, ging nach meinem Dafürhalten von einem großen Jrrthum aus, und wenn der Sprecher seinen Reden einen Jrrthum zu Grunde legt, dann können die Schlußfolgerungen nur irrthümlich aus- fallen. Er sagte nämlich, eS sei absolut richtig, daß die privaten Verfichnungsanstalten nur den Zvcck verfolgten, den Einzelnen vor Gefahren sicher zu stellen. Nun, m. H., ob das jemals der «achdruck verboten.! 136 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. lForsetzung.) »Ich hätte keine Ruhe gehabt, sondern Todesangst ausgestanden. daß er in seinem Traumwandel sich wieder » �?m offenen Fenster aussetzt. Ich stellte mich also, alS ginge ich hinaus, blieb aber hinter den Vorhängen zu Haupten seine» Bette» und habe dort gesessen bi» zum frühen Morgen." «Und der Anfall kehrte nicht zurück?" „Nicht m dieser Heftigkeit I BlS eine Stunde nach Mitternacht richtete er sich noch zuweilen auf; von da ab Hot er bis zum Morgen, da ich ihn verließ, geschlafen, Fritz. Unruhig genug ist der Schlaf gewes'N; ich sah e» ihm an, daß böse Träume ,hn im Schlafe ängstigten. Es war kein Schlaf, wie er einen Kranken erquickt; mir kam sein Schlaf vor wie ein neue» Symptom seiner Krankheit," „Deine Beobachtung ist ganz richtig. Habicht. Ein Schlaf, wie der seine, erquickt den Kranken nicht.... Ich werde mich zu ihm begeben und mich über seinen Zu- stand unterrichten.... Habicht, mache Dich darauf ge- faßt, daß der Graf den dieSjShrigen Anfall nicht überlebt. Derselbe ist mit größerer Heftigkeit aufgetreten als da» vorige Mal; und schon da» vorige Mal wäre eS beinahe mu ihm zu Ende gewesen." .«Fritz erschrecke mich nicht; sage nicht, daß der Graf Ii f!n?ilb..... Hast Du schon Deine ganze Wissen« schaft erschöpft?" „Meine Wissenschaft ist hier zu Endel Ich stehe hier nicht vor grersbaren Thatsachen, sondern vor undurchdring- llchen Geheimnissen, Habicht, und mit solchen hat die Wissen» schaft nicht» zu tyun." .«2ch denke. Du bist längst mit Dir im Reinen darüber, daß die Krankheit de» Grafen lediglich Zauberei der schwarzen Hexe»st?" «In diesem Jahre ist der Anfall gekommen ohne da» Fall gewesen ist, weiß ich nicht; seitdem ich mich um das Ver- 1 fichcrungsiresen belümmeit habe, das ist seit 15 bis 20 Jalnen, i war oer Zweck der LerficherungSanstalten nickt ver, den Ein- zelncn sicher zu stellen, sondern der Zweck war für die Akiien» Gesellschaften nur der. Geld zu verdienen. Das haben auch die Direktoren alle, mit denen ich in Berührung gekommen bin, zugestanden, indem sie erklärten: wenn wir nichts mehr verdienen, so hören wir auf. Direktoren zu sein, so werden wir schleunig von unseren Stellungen entfernt, wir können also keine humanen Zwecke verfolgen."— Ferner:„Dann ist ge- sagt worden, die Verstaatlichung der Versicherung wäre eine außerordentliche Erweiterung der fiskalischen Macht, und eS würde eine steuerliche Ausbeutung seitens des Staates sehr leicht daraus gezogen werden. Ja, m. H, wenn der Staat dieselben Prämien erhebt, wie d-e Privatgesellschaften, dann macht er allerdings ein großes Geschäft, und wenn daS Geld, was er gewinnt,»n den Staatssäckel fließt, dann brauchten wir nicht dieses Quantum als Steuer aufzubringen. Ich würde mich also freuen, wenn der Staat die Versicherung in die Hand dekäme, dabei Geld verdiente und somit die Steuerlast ver« minderte. „Was nun den Betrieb der Aktiengesellschaften betrifft, so muß man staunen, wir das von dem Herrn Referenten so hingestellt worden ist, als od die Prämien so heiuvtergedrückt würden durch die Konkurrenz, daß sie keine Gewinne mehr machten, sondern hauptsächlich von den Zinsen der großen Ka- pitalien lebten, welche sie in großer Weisheit angesammelt hätten. Nun, wenn sie gegenwärtig nichts mehr verdienen, so sind die Kapitalien, die sie angesammelt haben, ein Beweis, daß sie früher immer zu viel genommen haben; sie haben, so wert sie gut verwaltet waren, Dividenden gegeben und außer- dem noch Reservekapital angesammelt, und zwar aus der von uns zuviel genommenen Prämie; darüber kann doch nicht ge« stritten werden. „Was daS anlangt, daß die große Konkurrenz die Prä- mien auf den richtigen Standpunkt bringt, so ist vaS in der Praxis nicht so. Ich bin Landwiitb, habe also meine Ver- ficherungsobjckte in einem Dorfe. Ich habe vor 15 Jahren genau dieselbe Prämie gezobtt wie hi« ner des Impfzwanges so rasch als nur möglich den Reichstags- abgemdnclen geordnete« Material überweisen würden, welches ?«eignet wäre, auch den Mitgliedern des Reichktages die gewichigen Umstände, welche gegen den Impfzwang sprechen, klar urbd ul ch vorzuführen, welche sich bis jetzt noch für letzteren erklärt haben- Zur BiSma» ckspende gehen noch immerfort Beiträge ein, so dap fich der Gejammtertrag wesentlich über den erwarteten von 1,200, CO Mark erhöhen dürste. Wie verlautet, soll die genannten Betrag übersteigende Summe vorerst zinstragend angelegt werden. Afrikanisches. Ein seit Kurzem aufgetauchtes Gerücht, daß der Sultan von Zanzidar seinen Unrerthunen verboten habe, fich für Expeditionen anwerben zu laffen, erregt in den Kreisen, die fich für geographische und koloniale Angelegen- Herten intereifiren, nicht geringe Bestürzung. Sollte fich diese Annahme bestätigen, so wäre dies ein sehr harter Schlag für die gesammte E. forsch ung und Entwicklung AstikaS. Nur mit Hilfe der Zanzibariten ist eS gelungen, die großen Erfolge in Bezug auf die Erforschung Anikas zu erreichen. Ohne diese mit aiabischem Blute vermischten Eingeborenen hätte weder Stanley seine Fahrten machen können, nock würde die Kongogesellichaft Ihren jetzigen Standpunkt erreicht haben Werden die Zanzibarilen' zurückgehalten, so wird die Eni. des Kongostaates nach Anficht Wickelung des' KonoostaateS nach Anficht von Kennern um mindestens 50 Jahre aufgehalten. Eine Bestätigung des Ge üchts dürfte nickt Lngc auf fich warten lassen, da die Association internationale africaine auf Zanzidar ein Depot mit et) tm Agenten an der Sp tze eingerrchtet hat, der be- sonders mit der Anwerbung der Eingeborenen zu thun hat. Holland. In der holländischen Kammer hatten biS jetzt die Konservativen 44 und die Liberalen 42 Sitze. Ein? jetzt im Haag stattgefundene Nachwahl hat zu Gunsten der Liberalen geendet, so daß j'tzt beide Parteien eine gleich starke Anzahl Vertreter, nämlich 43, in der Kammer haben. Grotzbritannie«. In England hat das rusfische Vorgehen in Asten unae- Herne Aufregung hervorgerufen. Fast sämmtliche Blätter drmgen geharnischte Artrkel gegen Rußland. Die rusfische P esse rechtfertigt den Vorstoß des Generals Komarow, indem ste behaupiet, daß die Afghanen die getroffene Vereinbarung, daß keine der betheiligten Mächte vorrücken dürfe, nicht inne- gehalten hä t-n. Die Afghanen seien vorgerücki und deshalb sei der rusfische General zu dem Angriff derechtiat gewesen. — Dem gegenüber erklärte Gladrtone im englischen Unterbaus?, daß die Afghanen allerdings Vedetten vorgeschoben hätten, doch sei das nicht als ein Vormaisch anzusehen; eS habe fich nur um die Besetzung einer vorlhellhafterm militärischen Stellung gehandelt.— Di« englische Regierung hat in Folge dieses Vorfalles eine energische Note an die rusfische Regierung ge- richtet, tn der darauf hingewiesen wird, daß der Angriff auf Penosch.deh eine Verletzung dcS jüngst getroffenen Ad kommens sei und nicht durch einen Vorstoß oder eine feindliche Bewegung der Afghanen gerechtfertigt werde. Die rusfische Regierung wird ersucht, das Vorgehen Komarow's. zu des- avouiren und die Rücklehr der russtschen Truppen in ihre frühere Stellung anzuordnen. Dieser Schritt sei unbedingt noth wendig für vie Fortdauer der Grenzvcrhandlungen.— Die Note ist scharf. ES wird sehr darauf ankommen, ob die ruf- fische Regierung nun nicht eine eben solche erläßt, Komarow Reckt giebt und die Verhandlungen Dem zufolge abgebrochen werden — Aus Rawul Pindi verlautet, daß der Emir von Afghanistan allerlei für ihn vorthcilhafte Zugeständnisse von dem seh� lriegerisch gestimmten Vizckönig von Indien, Lord Dufferin, eingeheimst hat daß er aber der Eventualität eines Ewmmsckes englischer Truppen nach Afgbanistau wehr denn kübl gegenüber st ht. Abdurrahman klei ete feine Ab' e'gung diplomatischerweise in die Befürchtung ein, der Einmarsch der Engländer könnte die durch die früheren Kriege verm sachte Animostlä! wieder wachrufen. Lord Dufferin scheint diesen sehr handgreiflichen Wink denn auck oeiftanven zu haben, da er fich beeilte zu erwidern, eS sei nicht die Ad» ficht, die Grenze überschreiten zu lass-n, außer daß die Afghan'N solches verlangten. Da letzteres, nach den Audemungen Abdur obmans, sobald kaum erfolgen düifte, so modifizirt fich demgemäß auck die Tragweire der von Lord Dufferin hinzu» gefügten Vemnkunfl. daß die Regierung in jed-m Falle die Ve vflrcktung zur Aurechterhaltung der afghanischen Integrität erfüllen werde. — Der rusfische Minister v. Giers hat, noch voc dem Ein- treffen der engliscorn Anfrage, dem englischen Boischafter Thornton gegenüber die ernste Hoffnung ausgedrückt, daß der daß»an fie nährt und kleidet und in Schutz nimmt!" sagte Habicht. Fritz hatte m-hr als eine unbestimmte Ahnung, wer der Schuldige sei, hielt es aber nicht für gerathen, Habicht gegenüber seine Vermuthung auszusprechen. Die Person, welche er im Verdacht hatte, mit der Bettlerin im Einoer» ständniß zu stehen, schien ihm nicht so schuldig, wie fie Habicht erscheinen mochte. Er konnte es nicht über fich gewinne», den Zwerg Toby Habickt'ß Zorn überliefern. „Als Sie vor einem Jahre," wandte er fich an Segal,„die Spuren der Alten in der Nähe des Schlosse« beobachteten, da hatten Sie zugleich eine andere ge» funden..." „Die des Baronet O'Brian I" fiel Segal ein. „Haben Sie von dieser Spur diesmal nicht» ge- sehen?" „Nichts, Herr Doktor!" „Sehr erklärlich," sagte Habicht,„damals hielt fich der Herr Baronet hier zum Besuche auf. und verbrachte seine Zeit damit, um das Schloß herum zu spioniren. Man muß ihm wohl von irgend einer Seite eine Andeutung gegeben haben, daß man da» Spioniren nicht leide, sonst hätte er sich gewiß wieder eingefunden." „Wie Ichade, daß er nicht da>st," dachte Fritz. „Seinem Spionire» danken wir zweimal daS plötzliche Ver- schwi den der Her«, und wenn sie nicht diesmal aut eise ähnliche Weife verscheucht wird, dann ist e» mit dem Grafen vorbei." „Wir wisse»'» au« Erfahrung," setzte Habicht hinzu. „je näher die Hexe dem Schlosse ist, desto mehr hat sie Macht,»en Grafen mit ihr.« Zauber zu umstricken. Ich Reibst»erde sein Hüter sei», daß er sich nicht gar am Ende selbst ein Leide» unthut." „Da« geht nicht Habicht!" antwortete Fritz. ,,Der Graf wünscht nicht, daß Du beständig bei ihm seist; er freut sich in lichten Augeublrcken. Dich um sich zu haben, allein ich glaube, daß wahrend seiner Kr.sis Deine An- Wesenheit ihn ängstige« und noch mehr aufregen würde. Ww müssen aber Alle« thun, eine größere Aufregung zu ur glückliche Zwischenfall die Fortützung der Verbandlungen nicht verhindern werde, und dabei zugleich verfickert, daß Pendsch-deh von den russtschen Truppen nicht beirtzt sei-— Auf derartige Verfichcrungen ist natürlich kein großes Gewicht zu legen._ D o k» l e s. Das Polizei Peäfidium macht die Hauseigenthümer von Berlin darauf aufmerksam, daß die Räumung und Desinfek- tum der Abtritts- und Senkgruben, sofern diese nicht inner- halb der letzten sechs Wochen bereits vollständig geräumt wor- den find, bis zum 1. Mai d. I. erfolgen muß. a. Das königliche Eisenbahn- Brtriebsamt Berlin macht in einer vom geftrt.en Tage datirten und auf den verschiedenen Bahnhöfen angehesteten Bekanntmachung das reisende Publikum, welches Rciselörbe als Gepäckstücke auf- giebt, zur Vermeidung von Diebstählen darauf aufmerksam, diese Körbe neben dem Verschluß auf der Langseite durch An- bringung einer kreuzweise festen, an den Enden verfiegel'en Verschnürung derartig zu sichern, daß ein Aufheben des DrckelS an den Schmalseiten ur möglich gemacht wird. d. Die nene Bit der Kontrollvcrsammlunge«, welche in diesem Frühjahr-um ersten Male in Wirksamkeit getreten ist, bringt förmliche Massenaufgebote zu Wege. Die Abhaltung der Versammlungen gesckieht nach Jahrgängen, und der großen Massen wegen aus Kasernenhöfen. In der Pionierstraße z. B. wimmelt es jetzt jeden Norgen von Reservisten und Landwehr- teuren, welche nach der Karser Franr-Kaserne eilen. Mehrere tausend Mann füllen den wcrlen Platz. Große Plakate an den Mauern verkünden die Stellen, wo die einzelnen Feld- wedel- Adtheilunaen fich sammeln müssen Bald ist denn auch in das Ameisengewühl O'dnung gekommen und löKompaznien stehen in drei Glieder ausgerichtet da. Ohne eine Anzahl Anschnauzer: Maut halten— drei Tage in'n Kasten stecken u. s. w. geht eS nicht ab, und obwohl die Sache nur eine Stunde dauert, wird in Jedem durch solche Reoenrartrn die Erinnerung an seine Eolvatenzeit l-bendig. Durch vi- Beorderung nach Jahr- ?ängen ist ein ganz neue« Element in die Versammlungen ge- ommen, das der RegimenlS-Bekanntschasten„Nanu, Willem, wat hast denn Du sor«ene Montm an begrüßen Etliche einen Posthilfsbeamlen oder einen Pferdebahn- Kondukteur. „Alle Hagel, so stolz mit'n Jründerhut?" hört man auf der andern Seite. Di: Budiker ringsum machen schließlich daS beste Geschäft. Eine ganze Reihe von Answeisunge« auf Grund des Sozialistengesetz S sollte, wie der„Börs-Cour." gestern schrieb, cm Laufe v«S vorgestrigen Vormittags stattgeiunden haben. Ebenso wurde vorgesteri, dem schon früher ausgewie- jenen BerichterstaUer Alw. Böhme auf dem Polizeipräsidium, wohin er fistirt worden war, eröffnet, daß er Berlin sofort zu verlaffrn habe, nachdem auch seine Beschwerde beim Oberpräfid um als verspätet eingegangen zurückgewiesen sei. Der erste Theil dieser Noiiz deruht, wie Jedermann einleuchten wird, auf einer böswilligen E: findung, und es ist dedauer- lich, daß es den Verbreitern solcher beunruhigender Nachrichten immer noch gelingt, leichtgläubige Zeitungsrevaklioncn zu finden, die hinter das Licht geführt werden können. UnS schernen aber die beiden in jener Notiz angegebenen Nach- richten in einem ursächlichen Zusammenhange zu stehen, und eS fällt durchaus nickt schwer, in diesem Falle„den Löwen an der Klaue zu erkennen." Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß die Nachricht wieder einmal von dem Berichterstatter Böhme selbst herrührt; welche Gründe diesen Herrn jedoch dazu»er- anlassen, solche Aliarmnotizen, welche ganze BeoölkerungS- schichten in Aufregung zu versetzen geeignet find, zu verbreiten, daS allerding» ist geradezu unerfindlich. Außerdem wäre eS gewiß sehr lehrreich, einmal die Quelle ausfindig zu machen, auS welcher solche Nachrichten stammen, daS läge nicht nur im Interesse der Behörden, sondern auch im Interesse des großen Publikums. Sollten fich wider Erwa.len die Ausweisunger. auf Grund de« Sozialisten- gesetzes bestätigen, so wäre es doch sehr wunderbar, daß solche Maßnahmen der Behörden noch vor ihrer Verhängung den Wen in die O-ff-ntrichkeit finden. Jedenfalls ist die ganze Affaire Böhme ein recht dunkler Punkt in unserer Lokal- chronik. d Der Zucker und was mit ihm zusammenhängt, spielt jetzt eine traurige Rolle. Die Konkurrenz benutzt ihn als Lock- mittel und kaltulirt seinen Preis nach Pfennigen. Dreißig Pfennig nimmt der Eine für in Würfel geschnittenen Brot- zncker, flugS zeichnet tbn der Andere mit 23 Pfennig aus. Noch nie konnte man fich Magen und Zähne so dillig wie jetzt ver- derben. Eine wahre Bonbons Sündfluth ist hereii' gebrachen; selbst in den Schaufenstern der Materialwaarenhändler thürmen fie stly bergehoch, die schönsten Bonbon« zu 40 Pfennig, Melange zu 60 Pfennig daS Pfund. Und noch ifl kein Ende des glänzenden Elends abzusehen. Damit, was allein in Danzig an Zucker- Von äihcn lagert, könnte man die Ostsee in ein Zuckcrwaffer-Meer verwandeln. vermeiden. Aus diesem Grunde habe ich auch Komtesse Agathe in diesem wie im vorigen Jahre gebeten, fich der Pflege ihre* Vater« so gut»ie gänzlich zu enthalten... E« ist dem Grasen besser, er fleht nicht diejenigen Per- sonen, an deren Anblick fich für ihn eine ihn beunruhigende Vorstellung knüpft." „Du meinst, daß e« bei mir auch der Fall ist?" „Gasz gewiß!" „Wie ist'« möglich? Dann ist sein Zustand»irklich bedenklicher denn je; er hat sonst immer nach mir ver- langt." „Da» wird er auch jetzt, Pathe, wenn er lichte und ruhig? Stunden hat; aber in den fieberhaften Aufregungen eine« WahnauSbrvck-e« würde Dein Anblick ihm zum Nach« therl fern. Madame Duprö ist die geeignetste Persönlichkeit, um Nacht« bei ihm zu wachen; sorge dafür, Habicht, daß die Frau bei Tag? nicht zu sehr angestrengt ist und Zeit findet, zu ruhen, du mit sie Nacht« bei dem Grafen im Zimmer zubringen kann." „Ich werde alle« thun, wa« in«einen Kräften steht, um da« Schlimmste von dem Grafen abzuwenden Fritz." „E«'st leider schlimm, sehr schlimm," bestätigte auch Segal. Al« der Graf da« erste Mal die Jagd abbestellt?, da sagte ich mir: Es ist richtig— und e« war richtig." „Sie vermutheten die Anwesenheit der Alten?" „Ich vermuthete e«, und gestern in aller Frühe«achte ich mich auf den Weg. nach ihr zu suchen." „Ah richtig!" siel hier Habicht ein...Da» ist inter» «ssant; erzähle doch, Segal, wa» Du gestern bei Deinen Nachforschungen entdeckt hast." „Niemand weih ja eigentlich," versetzte Segal.„von wo die Aste kommt. Einmal wird sie zuerst in der Rich- tung nach Elgin, b. id nach Blackfield, bald nach Davi«to«n zu gesehen. Aus'« Gerathewohl schlug ich den Weg nach | der Rlchtung von DaviStown ein. Da, auf den Fel«- : abhängen hart an der Schlucht, an deren Ende die ' Echmugglerhütten liegen, da entdeckte ich Spuren im Schnee, | die schon ein od-r zwei Tage alt sein mußten, denn der Schnee war innerhalb der Spuren bereit« zu einer harten Kruste gefroren, sie mußten deihalb wenigstens eine» Tag b.„Zieh' die Strippe!" li.st man wöchentlich ein Ms in Kreideiwrifl auf einer Ichwarzen Tafel im Host eines be- kannten VeieinsdauseS in der Kommandavterstraße. Man steht im ersten Augerb'ick verdutzt, bis man fich darüber Ilc» wird, daß man eS mit einem Verein dieser absonderlichen Be- Zeichnung zu tbun hat. Solche geselligen Vereine mir böchS charaktcrischen Namen blühen in Berlin in ungemeiner Zahl. Leider trifft man nur durch Zufall auf fie, denn fi: stehen in keinem A reßduch. Für die Zeitgeschichte würde es gleich-vobl von Werth sein, die Namen dieier Vereine ur ter kurzer Be> zeichnung ihrer Tendenzen zu sammeln. a. Eine tu Berlin sehr bekannte Persönlichkeit, d« ehemalige Rittergulbb-fitz-r Hcnmaan. auch unter dem Namt» „Gewerl:> H-rrmann" bekannt, ist in voriger Woche wegen wiederholt-n BettugeS auf einen gerichilicherr Haf.b�fehl»ur Untersuchungshaft gebracht worden. Während und kurz näb der Gründerzeit erfreute fich Hermann des Rufes eines sehr reichen Mannen. Er besaß ein großes Rittergut, welches aller i Dings hoch verschuldet war. Herrmann mawte damals«ine» großen Aufwand und man emhite fich zur Caarakterifirung d- ff Iben, daß er seine vier Kutsckpstrde mit vergoldet-.n Hufeisen hatte be'chlagen lassen. Thatsächlich schienen aber die Vermögensverhältniffe des Herrmann wirklich solide nienalt gewesen zu sein. Während der 70?r Jahre machie er zahlreich« Grur-dstückserwerbungen in Benin gegen Anzahlung von waldlosen oder winde! enS zweifeihasten Hypotheken, welche ersteren er ausschlachtetet« und iodann den Hypothekengiäudigel« überließ. In den letzten Iah en setzte er diese Grundstücks- «Werbungen al« Generalbevollmächtigter einer G äste. Ma-S- bürg fort, weil er unter eigenem Namen dies Geschäft nicht weiter erfolgreich betreiben konnte, deren Name sodann auck stets bei den zahlreichen Sudhastatwnen der von Herrmann er- wordenen Grundstücken als der Name der Subhastutin öffent- lich figurirte. Die Gräfin Maleburg war eine völlig miitel- lose Dame, und fie bildete nur eine vorgeschobene Perkon sül Vi? Geschäftsoperationen deS Herrmann. Ihre ganz? Tbäiiz- keit harte ausschließlich in der Ausstellung einer Generalooll- macht für Herrmann bestanden, welcher sodann unter ihrem klangvollen Nrmen Grundstücke erwarb und schließlich zul Suddastalion brachte. In der letzten Zeit ging cs dem Her» mann recht schlecht und er hielt fich zuletzt in einem früh«! ibm gehörigen Hause der Wiihelmstraße auf, woselbst er eint Schlafstelle inne hatte.'ZDen Spitznamen„Gewerle Herr mann" führte er in Folge edemaliger on ihm vorgenommener Trani- aktionen von Bergwerken. a. Im Schlafe beraubt. Der Schriftsetzer St. in dst Mülleist aße ging gestern Nachmittag zwischen 1-3 Ubr mit seinen beiden klelr en Töchtern im Ali er von 8 und 10 Jahre« die Seeftraße entlang nach der Jungsernbaive spackeren, un« auf dem Rückwege begegneten ihm drei Männer, welche mit ihm ein Gespräch anknüpften und ihn aufforderten, mit ihnen gemeinschaftlich nochmals in den Wald hineinzugehen.# nahm diese Einladung an und folgte mit seinen Kindern del drei neuen Bekannten nach dem Walde. In der Nähe tO Scheibenstände lagerte fich die Gesellschaft aus der Eide, unt die drei Männer gaben dem St. ei:? Flasche mit Schna» zum Trink-n. St. sprach der Flasche reichlich zu, und nat kurzer Zeit fiel er in einen tiefen Schlvf. Die beiden TöchtN de« Et. mußten fich hierauf auf den Befehl der drei Manns entfernen, und diese zogen dem St. Ueberzieher und Rock au« nahmen ihm auck seinen Hut und seine Stiefel, und entfernte« fich, den Et. allein im Walde zu ückiassend. Di« Berr-» uung des St. war von mehreren im Walde spielende« Kindern von fern beobachtet woiden, und diese liefen eilig der Seestraß?, woselbst ste einem vatrouillirenden Schutzmati» über den gesehenen Raub Mittheilunq macht-n Als sich vet Beamte mit den Knaben nach dem Tdatone begab kamen ibm zwei Männer, von denen einer einen Ueberz-eher auf dem$"n trug und einen zweiten Rcck übergezogen hatte, entgegen, welck« von den Knaben als die Tiä?er bezeichnet wurden. Bei dck Annäherung deS Schutzmannes warf der T'äger des U-bei- zicher« diesen dem Beamt-n vor die Füße, und er ergriff ml seinen Begleitern die Flucht. Mit Hilfe eines zweiten hin» gekommenen Schutzmannes wurde aber derjenige ergriffe« welcher die Kleider getragen hatte, und zur Polizei nache geb acti woselbst in ihm d-r Echläcdtergrselle Nebrhoff ermittelt mutd*j Dt« dem N. abgenommenen gestohlenen Klewungtstücke wurd�i dem inzwischen aus der Jungfernhaide herbe-geholtm 6'- wieder zugestellt. Die beiden Komplizen deS N. find noch n# ermittelt. Da» kommt davon. Von einem schweren, aber nicb> unverschu deren Verlust ist ein fich vorübergehend hier aufb�' tender Mühlenbestver aus der Provinz detroffen worden. A«> Mittwoch Abend besuchte er de» Orpheum und war eben is Begriffe, fich niederzusetzen, al« er bemerkte, daß ihm die o«1 den Leib geschnallte Geldkatze mit 9000 M. fehlte. Er\tW vermag nicht anzugeben, ob er die Geld! iye noch bei fich hattt, als er daS Orpheum betrat, oder od ste ihm vorher abge schnitten worden ist. Auf die Wiedererlangung des Gel-et ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt- Meldungen fi"9 an die Kriminalpolizei zu lichten. stüher entstanden sein, da an diesem Tage dr« Mittag»' sonne einige Stunden den Schnee thaute, und erst � gestern Abend wieder anhaltende« Frostwetter«>»' getreten ist." „Und Sie erkannten dies« Spur?" „O, sehr genau. Mr. Rodenburg!" „Ich bemerke" schaltete hier Habicht ein,„daß# Ort. von dem Segal spricht, genau derselbe ist, an welch««' »ir bei unserer Ankunft die verdächtige Persönlicheit& blickten, die u»« hinter den Gebüschen de« Abhänge» aus dem Gesicht kam. Du erinnerst Dich, welche Vermuthu«« ich damal« autsprach, al» wir den Mann mit einem gewal- tigern Bündel dort auf der Höhe erblickten." „Ganz recht; Du meintest, e« sei Toby, der Zwerg! aber er leugnet, an jene« Tage da» Schloß verlassen i* haben." „Jo wohl, er leugnet. Natürlich wird er e« nicht ei«' gest-hen, w ttner Gegend gewesen zu sein, in welcher d>« Hexe am nächsten Tage ausgetaucht ist; wer weiß, ob sie nicht gar dort erwartet hat." „Du bist überzeugt, daß e« Toby war?" „Nun freilich! Ich habe durch Segal die stätigung." „El war Toby," sagte Segal mit großer � stimmthett. „M-rlwürdigB' versetzte Fritz nachdenkend.„Zoll" da auch kerne Täuschung obwalten können? «5°uch zugebe, daß der Zwerg von dem% htrmn.ß der Alten mehr werg. alt Ihr Beide, so kann"* mx nrcht vo stellen, wa, ihn veranlassen könni-, 4 s°. Stunden fich vom Schlosse"' zu"entfer««� und w nn er tS wagen würde, so häite er ja" nijtjiig, ferne«bwesenhert vom Schloff- zu verhei-lt»«-! i,6r; i« üSÄÄ'toÄ."»•"«!»•«»•>« L N. Herabstürzendes Mauerwerk versetzte gestern Vor- msttag die Bewohner des Hauses, Alte Jakobstraße 16. in nicht Seiinge Aufregung. Aus nicht ermittelter Veranlassung, allem Inschein nach aber wohl in Folge des anvaltenven Regen- Wetters, hatte fich ein Theil des üver dem Gieb-l heraus ge- mauerten Schornsteines gelockert, und war das Mauerw-rk, so mir Donnergepolter aus der vierten Elage auf den Hof ge- stürzt. Als ein besonders glücklicher Umstand ist eS zu bezeichnen, daß von den auf dem Hofe anwesenden Personen niemand verletzt worden ist. Polizei- Bericht. Am 8. d. MtS., Nachmittags, wurde «in Mann in seiner in der Teltowerstraß« belegenen Wohnung «hängt vorgefunden. Am 9. d. Mts.. Morgens. wurde im Thiergarten unweit des Kroll'schen Etablissements die Leiche «ines unbekannten, etwa 20— 25 Jahre alten, anscheinend dem Handw-ike-stande angehörenden Mannes mit einem Schuß durch die Ecbläfe aufgefunden und nach dem ObduktionSbause geschafft.— Am demselben Tage, Vormittags, stel ein Mann in der MuSkauerstraße zu: Erde und«litt dabei einm Bruch des rechten Beck,nknochcns. Er wurde nach Bethanien gebracht. ~ Um dieselbe Zeit spielten auf dem Reuba Weißendurger- straße Nr. 54/55 d.ei Knaben an einem Bauzaun, hinter welchem übermäßige Eandmaffen lagen. Plötzlich wurden die ®rcjto Z'-uneS in Höhe von 1'/- Metern durch Du Schwere der Erdmaffe losgedrückt und die Kinder vom S>ande verschüttet. Glücklicherweise waren Augenzeugen. zu- gegen, Mlche die Kinder sofort wieder hervorholten, so daß diese Mrt leichten Quetschungen und Hautabschürfungen davon kamen. — Am MrUaae deffelben Tages führ ein Bierfahrer der Ahrens'schen Brauerei in Moabit in der Brunr enstraße so staik gegen den ihm errtgegegenkommenden Geschäftswagen des Wildhändlers Fiebig an, daß dieser und seine ihn degleitende Ehefrau durch den Stoß vom Wagen herabgeschleudert wurden. Ersteier erlitt, außer einer Verletzung am rechten Bein, an« scheinend innere Verletzungen, wävrend seine Ehefrau unver- letzt blieb. Fiebig wurde nach seiner Wohnung gebracht.— An demselben Tage Nachmittags fiel ein Mann in der Prinzenstraß: in Folge AuSgleitens zur Erde und brach dabei das rechte Schienbein. Er wurde nach seiner Wohnung ge- bracht. GericKts-Leitung. y. Gestern wurde der Kolporteur Isidor Lehmann der zwcllen Strafkammer drS Landgerichts I vorgeführt, um fich wegen Urkundenfälschung in 24 Fällen zu verantworten. Der» ulbe war von de» Buchhändlern Budichun und Barthel zum Agniriren von Abonnenten auf Schorer's Familienblatt engagirt. Es war die alte Geschichte, die Aufträge gingen spärlich ein und da half fich denn der Angeklagte dadurch, daß er falsche Bestellzettel fabrizirte. Naiürlich konnte die Entdkckung nicht ausbleiben und der Fäl'cher wurde einge- zogen. Der Gerichtshof nahm auf die große Noth, in welcher der Angeklagte fich nachweislich befunden, gebührende Rückficht und verurtheille ihn nur zu vier Monaten Gefängniß, wovon er zwei Monate durch die erlittene Untersuchungshaft sür ver- büßt erachtete. — y. Zwei nette Brüder, Rowdies der ärgsten Sorte, der Former Max Joseph Ono und der Steinsetzer Wilhelm Franz O to, standen gestern vor der 89. Abtheilung des Schöffengerichts. Sie hatten eines TageS einen ihnen völlig unbekannten Menschen, den Architekten B., muthwilliger Weise angerempelt und als derselbe fie hierüber zur R-de stellte, waren fie über ihn hergefallm und hatten ihn fürchterlich zu- gerichtet. Der erste Angeklagte erhielt ein Jahr, der zweite vier Monate Gefängniß, und wurde der erst-, ver fich während der Verhandlung höchst r-nitent benahm, sofort in Hast ge- nommen. Bei seiner Abführung entspann fich eine äußerst turbulente Szene, er widersetzte fich nämlich nach Kräften und waren sechs Gerichtsdiener nöthig, den Rasenden zu bändigen. —7- Ein DtebstahlSmaoöver, welches, wie der in der Sache beschäftigte Knminalbeamt« bekundete, sehr häufig von den Führern der Getreidewagen ausgeführt wird, gelangte gestern zur Kognition der 91. Abihellmig des Schöffengerichts. Die drei Angeklagten, die Kutscher JuliuS Riten, Friedrich Beitzlies und August Fleck waren in Diensten des Fahrunter- nehmers Buchholz und am 27. Januar d. I. damit beschäftigt, 287 Seck Gerste vom Dresdener Bahnhofe nach der König- städtischen Brauerei zu fahren. Als am Adcnde die letzten Fuhren abgeladen waren, konstatirte der kontrolirende Buch- Halter ein Manko von drei Sack und gelang es noch, die Kutscher, welche bereits im Begriffe waren, das Grundstück zu veriaffen, anzuhalten. Bei einer Reoiston des Wagen« fand man denn auch in der That auf jedem einen Sock Gerste unter dem Plane verborgen und wollte jeder der Führer diesen auffälligen Umstand dem Zufalle oder ihrer Vergeßlichkeit in die Schuhe schieben. Diesen unglaubwürdigen Einwand fühlten die Angeklagten auch rm Termine zu chrer Entschuldigung an, hatten naiürlich damit aber kein Glück, denn der Gerichtshof zweifelie nicht daran, daß fie die Säcke hatten hinter fich brtn gen Armen zucken, als müßte man ihn steinigen,«enn man be» stimmt wüßte, daß er mit der Hexe in Verbindung steht." „Es ist aber«ine Fußspur immerhin nur ein unsichere« Merkmal; oder hatten die Spuren ebenfalls eine so charakte» Misch« Gestalt, wie d»e, von welcher Sie auf den Baronet O' Brian schloffen?" ..Charakteristische Gestalt", erwiderte Segal,„das will rch eben nicht sagen. Ich war sogar Anfangs im Zweifel und war der Meinung, e» sei am Ende doch ein Schmuggler Stwesen, der sich nach dieser Gegend hin verirrt hatte, denn ie Spur führt« Anfang, auf die Höhe de« Felsen« un- mittelbar an dre Schlucht. Hier hat er offenbar stillge« standen, fich umzuschauen und die Absicht gehabt demnächst den Weg zu den Echmuggl«rhütten aufzusuchen; er war ab« plötzlich umgekehrt, an einer Stelle hint« dem Gebüsch den Abhang hinuntergeklettttt und ist an den Bach ge» gangen; von derseiben. Stelle au«, von welch« die Spur verschwand, führte fie wieder rückwärt« dem Schlosse zu. Unmöglich ist e« nicht, daß der Zwerg eine Strecke durch den seichten Bach gegange» ist, daß« jenseits deffelben irgend ein Ziel gehabt hat, daß« dann durch den Bach zurückgekehrt ist und W Weg rückwärts an getreten hat, so daß« jedem Verfolger da« Aufsuchen seiner Spur ab- schnitt." „Eine Vorficht, die ich dem Z««ge gar nicht zutraue," «einte Fritz. „Sie können sich darauf verlassen," meinte Segal, «daß«» kein Anderer al« der Zwerg war. Sein Stiefel «ar e« nicht, Sie haben ja gesehen, welch' unförmlich große und derbe Fußbekleidung« trägt. Der Stiefel war d« Fol« nach d« de« Grafen. Ich kenne den Schnitt genau und auch die herzförmig ausgeschnittene Sohle, aber wenn ich auch nicht wüßte, sdaß d« Kranke au dem Tage das Schloß nicht verlassen hat, ich hätte doch gewußt, daß et der Zw«g war. Seinen Gang kann er nicht verleugnen .... Sehen Sie ihn nur an, wie er den rechten Fuß etwa« mehr aufwärt« setzt, al« den linken, wie« mit der Ferse früh« auftritt, al««it dem Ballen.... So war die Spur. Die Ferse sehr tief, der Ballen weniger tief eingedrückt, die Spur de« rechte» Fuße« mehr au«- wollen und dillirte jedem eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen zu. Ein sehr interessanter Wiederaufnahmefall aelante gestern vor ver zweiten Strafkammer hiesigen Lanogerichts II gegen den Ack lbürger und Hanteismann Emst Karl August Hannemann aus MitUnwald« zur Verhandlung. Der Ange- klagte ist am b. Juli 1882 von dem Schöffengericht zu Char, lottenburg wegen BetmgeS zu drei Monaten Gefängniß und 100 M. ev. noch 20 Tagen Gefängniß veruriheilt und dieses Urtbeil in der Berufungs-, sowie in der RevistonSinstanz be- stätigt worden. D« Angeklagte war für schuldig befunden, auf dem am 4. Avril 1882 stattgehabten Charlottenburger Pserdemarkt an den Milchhändln Kübler unter Verschweigung der Thatsache, daß das Pferd dümpfig war und unter Bei- legung eines falschen Namens, ein dümpfiges Pferd verkaust und dadurch das Vermögen de» Käufers beschädigt zu baden. Der Verkauf«, in dem Kübler und dessen Sohn den Ange- klagten wiedererkannten, hatte fich verpflichtet, daS Vfei'O zurückzunehmen, wenn fich Fehler bei demselhen herausstellen sollien, und sich auf einem Zettel als„Heinrich Küster in Babrdorf" bezeichnet. Er hatte auch hinzugefügt, daß er bald mit dem Zuge nach Stendal abfahren müsse. Der Ort Bardorf war so undeutlich geschrieben, daß« als„Baßdorf" gelesen wurde. Da nun festgestellt wurde, daß es ein Baßdorf bei Stendal nicht giebt, auch ein Heinrich Küster nicht bekannt war, so nahmen die Jnstanzgerichte an, daß der Angeklagte sich einen nicht existirenden Namen beigelegt habe, um fich sein« Pflicht, daS Pferd wird« zurücknebmen zu müssen oder den Schaden zu tragen, zu entziehen. Sein« wiederholten Betheueruna, an dem fraglichen Pferdemarsttage überhaupt kein solches Pferd verkauft zu baden, auch den Kübler gar nicht zu können, wurde ein Werth nicht beigemessen und das Zeugniß ein« Person, die stets mit dem Angeklagten zu- sammengewejen war und welche dessen Angaben be- stätigt hatte, als unglaubwürdig betrachtet, weil der Zeuge an dem begangenen Betrug« offenbar bethelligt wäre Als dieses Urtheil die Rechtskraft beschritten, blieb dem Angeklagten nichts übrig, als die üb« ihn oerhängte schwere Strafe abzubüßen. Im vorigen Jahre nun traf der Angeklagte mit einem Pferde- matter zusammen, der stets die Charlottenburger Pferdemärkte besucht, und erfuhr von demselben, daß er nicht nur einen Baue- Heinrich Küst« in Bahrdorf bei Oebisfelde, wohin man über Stendal fahren muß, kenne, sondern daß n und noch vi« andere Personen zugegen waren, als Küster an Kübler an jenem Pferdemarlr am 4. April 1882 ein Pferd für 150 bis 160 Mark verkaust habe. Herr Küst« gav auch sofort die Thatsache des Verkaufs eines Wallachs an Kübler zu und rekognoSzirte den bei den Alten befindlichen Zettel olS von ihm herrührend. Auf Grund dieser ermittelten neuen Tdat- fache beantragt« nun Rechtsanwalt Steinschneider für den Vn- urthetlten die Wiederaufnahme des geschlossenen Verfahrens, und eS gelang ihm auch, diesem Anl age Erfolg zu verschaffen und die Anberaumung einer neuen Hauptverhandlung herbei- zuführen, welche gestern stattfand. Nach stattgehabter Beweis- aufnahmt hob d»m Antrage des Vertheidigers gemäß der Ge- richtshof sein früheres Urtheil auf und erkannte auf Frei- sprechung de? Angeklagten unter Auferlegung sämmtlrcher Kosten und der nothmenoigen Auslagen inkl. der des stüheren Verfahrens auf die Staatskasse. Da« OberverwaltnngSgericht verhandelte, nach der „Rat.- Ztg.", am Donnerstag die dekannte VerwaltungSstreit- fache des Fabrikbesitzers Herrn Richter in Mühlrädlitz wid«) den Kreistag des Kreises Lüben. Herr R war wegen Ma- j jestätsbeleidigung zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt und! seines Mandats als Kreistagiadgeordnet« für verlustig erklärt! worden. Seine Strafe hatte er feit Juni vorigen Jahres in Piötzensee verbüßt. In Folge dessen fand am 5. Jult e:. in Groß- Reichen eine Ersotzwahl statt, bei welch« aber Herr R- gegen den Gemeindevorsteher Röhrich in Petschkendorf wieder gewählt wurde. Letztner erhob gegen die Wahl wegen angeblich vorgekommener Formfehler Einspruch, worauf der Kreistag in Lüben außer wegen vorgekommener Formfehler die Wahl schon namenilich deswegen für ungttttg erklärte, weil Richter, da er fich in genchrlich« Haft befunden, überhaupt nicht wählbar gewesen sei. D« Bezirksausschuß hob indeß auf die Klage d-S Herrn R. den Beschluß des Kreistages wieder auf, indem« wev« Formst ht« für vorliegend, noch den anderen Einwand für zu- treffend« achtete, da nämlich das in der Kreisordnung un>« gewissen Umständen und namentlich während einer Haft vorgesehene und vom Kreistag in Bezug genommene Ruhen des Wahlrechts während einer Hast nicht auf den Fall, in welchem eine gerichtliche Untnsuchung bereits beendet, fondern nur auf den Fall der gerichtlichen Untersuchungshaft bezogen werden könne. Hiergegen legte der Kreistag Berufung bei dem Ober- verwaltungsgericht em, indem er die von ihm für maßgebend «achteten Argumente wiederholte. Außndem stellte der Land- rath des Kreiirs Lüben den Antrag, die höchste Instanz möge die Wahl des Röbrich, deS Gegners von Richter, ohne Wet- ter-s für gtltig erklären. Der Rechtsanwalt de» Herrn Richter beantragte Zurückweisung Ver Berufung, indem er bezüglich de» Antrages deS Landraths ausführte, daß fich darin wärt«, al« die des linken:« kann eine Fußbekleidung tragen, welche« will, ich kenne seine Spur do p." Fritz kam wieder auf den Gedanken, welchen er schon einmal gefaßt, daß d« Zwerg die einzige Persönlichkeit ser, von welcher er möglich« Weise einen Aufschluß über das Geheimniß«halten könne. D« erste Vttsuch, ihn auszuforschen, war mißlungen. „Ich»ill dennoch einen zweiten Versuch wagen," dachte er,„und gelingt e« mir bei ihm nicht, dann ist Alle« vergebens, dann kann ich eben nicht« thun, als ab- w rten, wa» geschieht. Ich bin so übttflüsfig hier wie irgend ein And««." Der Abend diese« Tage« schien den Zustand de« Grafen nheblich zu vnschlimmern. Fritz fand, al« er ihm nach dem Mittagessen wieder Besuch abstattete, den Grafen in eine« unruhigen Schluwm«, au« welchem« von Zeit zu Zeit emporgescheucht wurde. Sein Pul« ging heftig und unregelmäßig, und wenn er da« Auge öffnete, so sah man den Blick de» Geistesabwesenden, wen« d«selbe jedoch fich zufällig auf einen d« Anwesenden richtete— da durchzuckte e« ihn, da schien er sich seiner Wahnvorstellung bewußt zu sei» und sich gewaltsam aufzuraffen, um sich an die Per- sönlichkeit zu«innern. Er schloß dann die Augen und sank in dieKlssen zurück, um nach kurz« Zeit med« empor zu fahren, fich m« starr blicken- den, weit geöffneten Augen, unheimlich verzerrten Zügen zur Seite zu neigen, als lausche«. Ja, zuweilen schien er sich anzuschicken, au« dem Bett« zu springen. Fritz blieb an seinem Lager. � t Mit vorrückendem Tage hatte fich d« Zustand unauf- hörlich v«schl»mmert, und mit dem Einbruch d« Nacht hatten fich die bed«>klichsten Symptome gezeigt. Selbst die nttvenberuhigenden Mittel, welche Fritz ihm verabreichen ließ, blieben wirkungslos. Immer selten« wurden die lich- ten Augenblicke und immer kürzer. Nochmal«»«suchte Fiitz, mit ,hm zu sprechen, ihn an reale Dinge zu«rmnern. Er sprach von seiner Tochter, doch da» war kein geeignete« Thema. Der Graf fuhr heftig empor und rief: „Ich habe keive Tochter! Sie hat mich gelödtet... Ich will fie nicht sehen!" die Absicht äußere, die Wahl deS p. Nicht« nunmehr in dies« Instanz zu verhind«n, da nämlich mit höchst« Wahrscheinlichkeit zu erwarten sei, daß Richter im Kreise wiedergewählt wird. Die Bevölkerung habe nach wie vor zu Herrn Richter großes Vertrauen, nicht wegen, sondern trotz seiner Verultheiluna, indem er nämlich in den weitesten Kreisen für unschuldig gehalten werde. D« Gerichtshof«kannte hieraus nach länger« B«athung dabin: Der Lmdrath de» Kreises Lüben hat in Bezug auf die formelle Seile der Frage in einem Punkte zwei ganz vnschiedene Angaben gemacht, indem« nämlich in der einen Instanz behauptet, daß et, in der anderen, daß der Kreistag das Wohllokal bestimmt habe. Nach der einen dies« beiden Alternativen bekennt er fich also selbst zu einer ungesetzmäxig-n Handlung. Es ist daher zunächst, ehe weiter erkannt wird, amtlich Auskunft vom Kreis! ag einzuholen, welche d« beiden landräihlichm Angaben richtig ist. Joswles ttttd Arbeiterbewegung. Nnsrns an die Posamentiere, Setdenkuopfmacher und verwandten BernfSgenossen Berlin«. Kollegen, welche Auf- gaben hat fich d« Fachverein v« Posamentierer gestellt? 1. Die materielle Bester- und Sicherstelluna sein« Miiglied«, sowie Pflege aller Posamentenardeiter. 2. Der immer mehr überhandnehmenden Stuhl» und Handarbeit der Frauen und Mädchen mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln entgegenzutreten. 3. Die Gründung eines ArbeitS-Nackweisebureaus. lJst bereit« geschehen, dasselbe befindet bei Herrn A. Hilgn«, im Restaurant, Oberwassrstr. 12) 4. Durch fach wissen schaftliche und andere Vorträge zur Ausbildung und Belehrung seiner Mitglied« beizutragen. 5. Die Erhebung ein« Bnufsttatisttk. Kollegen, um diese Aufgaben auszuführen, müssen wir einig fein und fest zusammen halten. Noch arbeiten in verschiedenen Fabriken Frauen und Mädchen auf dem Hanvstuhl. Giebt es nicht andere Beschäftigung für eine weibliche Person als wie diese für daS weibliche Ge- schiecht durchaus unpassende? Sein« Zeit haben die Fadri» kanten die Knopfm acher lbts auf einzelne) durch die Frauen« und Mävchenardelt verdrängt, und so wird eS auch uns Pofa- mentieren ergehn, wenn wir nicht alle Mann gegen die Kon- kurrenr der Frauenarbeit ankämpfm. Unsere Aufgabe ist e», alle Arbeilgeb«, die ihren Arbeitern einen guten Wochen« lohn, sowie gute Alkordpreise zahlen, soweit wie möglich zu unterstü-en, damit eine ungerechtfertigte Konkur- renz nicht die Oberhand dekommt. Wie ist eS möglich, daß so billig produztrt wird? Die Antwort lautet: 1. Durch zu longe Arbeitszeit. 2. Durch zu billige Arbeitskraft. Wir müssen danach streben, daß in allen Fabriken eine be« stimmte nicht zu lange Arbeitszeit eingehalten wird. daß die Ueberstunden- und Sonntagsardeit fortfällt und die Fixirung eines MtnimallohneS festgesetzt wird. Kollegen, die« find Forderungen, denen fich kein reell« Arbeitgeber widersetzen wird und denen fich jeder Arbeitnehmer anschließen muß. Darum fort mit allen Eonderintereffm, bei Seite allen EgotSmuZ, seid nicht indifferent sondnn schließt Euch allesammt den hundnt Kollegen an, die bereits Mitglied« des Fachoerein» find, dann können auch uns«e gerechten Forderungen zur wahren Gettung kommen. Die Lohnkommisston. I. A.: C. Rodden. Zur Wahl de« Berns«««läßt d« Vorstand de« Verein» zur Wahrung der Jntnessen d« Tapezir« an die Eltern und Vormünder der aus d« Schule entlassenen Jugend folgendes Schreiben:„ES ist eine heilige Pflicht vn Eltnn und Vor- mündn, für rhre Kind« und Pflegebefohlenen, wenn dieselben die gewerbliche Laufbahn einzuswlagen gewillt find, dahin Sorge zu tragen, daß fie für dieselben ein Gewerde wählen. von dem man fich sagen kann, daß e« den neu Eintretenden für hie Zukunft eine leidliche und wa« die Hauptsache ist, eine möglichst fichne Existenz vnbürgt. ES ist freilich schwer, hierin eine Wahl zu treffen, da nach den heutigen ProduktionS- Verhältnissen alle Branchen mehr oder wenig« überfüllt find. Es kommt außerdem in Betracht, daß man dem angehenden Staatsbürg« nicht ein Handwerk aufvrängen soll, für daS« absolut keine Neigung hat. Ein derartiger Zwang wird stet» seine Wirkung vnfehlen, indem d« Betreffende in seinen Leistungen fich niemal« üb« die Mittelmäßigkeit erheben wird. in der Regel aber, noch hint« dieser zurückbleibt. Wirerachten �deshalb für unsere Pflicht, auf die Mängel und Schaden deS Tapeztrergewerbes aufmerksam zu machen und übcrlassrn es alsdann jedem Einzelnen, zu thun, was ihm beliebt. So ist es B. sprichwörtlich geworden, daß die Lehrzeit eines TapczirnS«st anfängt, wenn er Gehilfe ist. Od derselbe nun bei einem JnnungSmeist« od« in ein« Möbelfabrik seine Lehrzeit adsolotrt, ist ganz gleichgiltig. Jeder dieser beiden Ardertg-ber verwendet ihn so, daß er ihm die größtmöglichsten Vorthelle dringt. In der Tapezirerdlanche ko-rmt außerdem noch hinzu. daß daS Angebot von Arbeitern schon seit Jahren ein so ge- waltiges ist, daß es absolut unmöglich ist, alle gelernten Tape» zirer, selbst in d« Saison, in den Monaten April und Sep- tember, trotzdem fie ein naturgemäßes Recht auf Arbell haben, Da Fritz sah, daß ihm diese Andeutungen Schm«» verursachten, so brach er davon ab und sprach von de» winterlichen Reizen de» Schlosse« M'Donuil, von den pittoresken Felsen an den Grenzen von DaviStown, an welchen« bei sein« Ankunft vorüb« gekommen war „Sie kommen von DaviStown? I" rief der Gcaf und sah Fritz mit eine« Blicke an, daß dies« vor demselben beinahe zurückwich.„Von DaviStown?" wiederholte d« Graf.„Durch die Schluchten? Ha! Sie komme« von dort?" Fritz antwortete in ruhigem Tone: „Freilich von dort.... Sie wissen. H«r Graf. daß ich von BetheSda komme, und der nächste Weg führt durch einen Theil de» Gebiet« von Davittown." „Wa» haben Sie gesehen, mein H«r? Reden Sie! Wen haben Sie dort gesehen?" rief d« Graf und wild rollten seine Augen. Er hatte sich emporgerichtet and nähert« sein Angestcht dem de« Doktor« immer mehr, al« ob er ihm bis in« in» nerste Herz biicken, od« al« ob er die Antwort von seinen Lippen reißen wollte. „Wen sahen Sie dort in d« Schlucht von Glen- moristan?" Fritz antwortet« so ruhig, wie« e« in dies« eigenthümlichen Situation vermochte, und indem er sich den Anschein eine« ganz unbefangenen Erzähl«« gab, ohne indessen sein beobachtendes Auge oo» dem Krunken zu wenden: „In jenen Gegenden? Seit die Schmuggler nicht mehr dort Hausen zur Wint«szeit— wie sollte eine« Menschen Fuß fie betreten? Ich habe auch in d« That Niemanden dort gesehen, al« einen M-nn, welch« auf dem Abhang eine« Felsen«, nahe der Schlucht stand, al« wir auf der Straße vorbeifuhren; jener Mann war d« Zwerg Tobv, der Bibliotvekar de« Schlosse»." „Toby! Ha I Sie sahen Toby I" wiederholte der Graf. D« wilde Blick seine« AugeS milderte sich. Eine sanftere Regung schien in seinem aufgeregten Geiste Platz zu greifen. (Fortsetzung folgt.) 8 zu btschaftigen. Und so wie hier in Berlin liegt die Sacke im ganzen übitgen Teutschland. Höchstens der vierte Tbeil lämmllicher Tapezirer wird das ganze Jahr beschäftigt. Die Hälfte kenn aber nur auf höchstens 8 Monate Beschäfiigung rechnen und daS letzte Viertel muß froh sein, höchstens 4 Mo- nate pro Jahr arbeilen zu können. Zudem ist der A'beitSIohn durchschniulich ein so geringer, trotz der hohen Anforderungen, die an jeden Einzelnen gestellt werden, daß er noch weit hinter vielen anderen Gewerben zurtlckbleibt. Wir können deshalb nur ralhen, unsere Warnung, in der unsere tieftnnerste Uebcr» zeugung und Erfahrungen ausgedrückt find, ernstlich zu er« wägen und demgemäß zu handeln. I. Ä. d. Voist. C. Wild- berger. Aus Sachsen. 9. April wird der„Volksztg." geschrieben: Vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß in unseren industriellen Gebirgsgegenden für die Strickerei sogenannte Echiffchenma- schinen«ingeführt würden, wodurch hoffentlich die Industrie wieder erneuten Aufschwung erhalte. Nunmehr kommt auS dem Vogtlande die Nachricht, daß allein in Plauen und Um- gegend nicht weniger als 100 Schiffchenmaschinen in Thätig. keit seien. Dadurch aber ist der Verdienst auf den Handstick- Maschinen so ungemein gesunk-n, daß manchem Stickmaschinen« befitzer kaum die Lokalmrethe für die Maschine übrig bleibt. Da Sachsen doch daS Land der Vereine ist und auch im sächsi- schen Vogtland« ein großer Verein der Stickereifobrikanten existirt, io sollte derselbe fich doch das Vorgehender Fabrikanten in der Schweiz zum Vorbild nehmen, wo genau dieselben Ver- hältniffe in der St'ckerei-Judustrie obwalten. Dort ist man nämlich im Fabrikantenverein übereingekommen, einen Minimaltarif für je tausend Stiche festzu- setzen, um der Schleuderkonkurrenz vorzubeugen und um den Arbeitern und den kleinen Maschinenbefitzern wenigstens einen eben auslömmlichen Lohn zu belassen. In der Stickereibranche im Vogtlande gehen übrigens die Ordres gegenwärtig so spär- lich ein, daß die Fabrikanten dort wohl Zeit und Muße hätten, über derartige Organisationen nachzudenken und fich eventuell zu einigen.— Daß im Königreiche überall das Angebot von „Händen," größer ist, als die Nachfrage nach denselben, geht auch schon daraus hervor, daß fich in Pirna bei Ausschreibung von fünf neuen Polizistensteven nicht weniger als hundcrtund- vier Personen im kräftigsten ManneSalter gemeldet haben, um daS doch gar nicht so sehr angenehme Brod eines Polizeidiene: s zu essen. Auch ist daffelbe nicht so reichlich, daß irgend Jemand ganz besonderes Verlangen danach zu tragen brauchte. Aber Roth und Ardeitilofigkeit find in solchen Fällen vielfach die Treiber und nicht die Liebe zur Sache. Brüssel, 7. April. An den Osterfeiertagen fand hier ein Arbeitertag statt, der die Einrichtung einer einigen Arbeiter- partei bezweckte. ES waren 51 belgische Vereine vertreten' es ging zwar lebhaft, aber nicht stürmisch zu. Als aber die Pro- grammfrage aufgeworfen wurde, fanden fich die Gegner eines sozialistischen Anstrichs für die zu gründende Vereinigung in so großer Anzahl daß ein Einverständniß nicht zu Stand« kam und ein Ausschuß mit der Aufstellung eines einer später zu berufenden Versammlung zu unterbreitenden Programms be- austragt werden mußte._ Pereme uuä Pnsammluvgev. De« Mitglieder« der Zentral- Krauke«- nnd Begrab- vihkasse der Buchbinder lVerwaltungsstelle Berlin) diene zur Nachricht, daß die Hauptversammlung am Sonnabend, den 11. April, in Sahm's Lokal, Annenstr. 16, stattfindet. Auf der Tagesordnung steht: 1. Abrechnung pro L Quartal. 2. Bericht des Kontroleurs. 3. Verschiedenes Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, sich mit ihrem QuitrungS- buche zu versehen, da ohne daffelbe Jedem der Zutritt ver- weigert wird, Gleichzeftig sei hier nochmals auf die erricht-ten Zahlstellen aufmerksam gemacht: 1. Weinmeisterstr. 19, Ecke der Rosenthalerstraß« bei Schröder. 2. Grüner Weg 13(Eichkatzkn- kell Cholera, zusammenlaufen Seine Jahreiberichte, in welchen durchweg daS Thatsächliche von den Meinungen und rheoretischen Anfichten der verschiedenen einzel- NlnBenchterstatter streng geschieden und nur auf die konstatirbaren Thatsachcn Gewicht gelegt wird, haben schon immer höchst wrrth- volle Beiträge zur Geschichte der Cholera in Indien geliefert, aber noch nie hat Cuningham fich so destimmt und umfassend über die ganze Frage geäußert. Petlenkofer widmet dem Cuninghamlchen Buche in der„Allgem, Ztg." eine eivg-hende Besprechung, in welcher er bemerkt: Cinmgham spricht jetzt unumwunden aus und liefert auch Beweise dafür, daß Qua- ran tönen, Jnsvlkltonen, Kordon e, Jsolirung der Cholerakranken, Desinfektion ihrer Ausleerungen u. s. w. fich in Indien ebenso wirkungslos erwiesen haben,„als ob man eine Reihe von Echildwacken gegen die Monsun«(die Regenwinde) ausgestellt hätte". Wenn ver antrkontagior iftische Standpunkt Cuningbams zu Rest öest-ht, so müssen vre Regierungen die meisten ihrer jetzt üblichen Maßregeln etr stellen, weil fie nur enorme Summen Grld verschlingen, wofür die Steuerzahler aufkommen müssen, obne daß d'ise aber auch nur den geringsten Nutzen davon hätten. Alles wäre für eine bloße Theorie, die falsch ist. ver- schwenvit. Ein Vatermörder aus Mutterliebe. In dem Wall- fahrtSort Wranau nächst Biünn lebte der 48 jährige Kaufmann Franz Schcdet schon seit vielen Jahren mit feiner Galtin in Unfrieden und mißhandelte sie auch häufig. Vor einigen Jahren wollte Schede! mit seinem Sohne Eduard jenseits des Weltmeeres das Glück versuchen. Er schiffte fich mit ihm in Hamburg ein, krhrle aber mit srnem Sohne wieder in die Heimath zurück, da er die amerikanischen Verhältnisse anders fand, alt fie ihm geschildert worden waren. Gerade am Weihnachtsabend war eS, als Vater und Sohn wohl- behalten in das Zimmer eintraten. Im Laufe der Zeit hattr fich das Verhältniß zwischen Vater und Soyn seht getrübt und war der Letzlere insbesondere darüber aufgebracht, daß ver Vater seine Mutter so roh behandelte. Er könnt» dieser Bedandlung nicht mehr zusehen und beschloß, bei sein« i» Wranau wohnenden Großmutter Wohnung zu nehmen. Am Ostersonntag, Abends um 3 Uhr, kam die Letztere gafl athemlos in ibrc Wohnung und erzählte ihrem Enkel, de» Eduard Schebek, daß der Vater wieder die Mutter schlag«. Zornentbrannt ergriff dieser eine Pistole, lief in das Vaterharil und schoß durch eine Glastbür auf den Vater, worauf diei« sofort rödtlich getroffen zusammenstürzte. DaS Projektil dranj ihm mitten durchs Herz. Hierauf nahm der Tbäler 100 ß. eine Goldkette und einen Rcvoloer mit und enifloh. Di» Brünner Polizeibehörde wurde von dem fürchterlrcden Vw brechen osfiffell in Kenntniß geletzt, weil alle AnzeichN dafür sprachen, daß der Mörder fich nach Blüi» geflüchtet hatte. Am 8. April erschien der Vatermörder Evual» Echedek, von einem jungen Manne begleitet, in der Auinahrr.l kanzlei des Brünner Landesgerichies und verlangte untn Nennung seines Namens, vor den Untersuchungsrichter gefühtl zu werden. Er sah furchtbar verstört auS. Todtenbläffe d» deckte sein Gesicht. Doch hielt er fich mit aller Kraft aufrech und bewahrte in Haltung und Rede scheinbar größte Rud» In strammer Haltung schritt er. von Justizwackmän eSkortirt, durch die Korridore zum Bureau des Untersuchu, richters, der beieitS von der Seldststellung des Vatermör ao.firt worden war.! Als Schebek das Bureau betrat, machte er vor dem Unt« suchungsrichter eine ehrerbietige Verbeugung und stellte st mit den Motten vor, er habe seinen Vater erschossen, und ste> fich selbst dem Gericht. Ohne weitere Verzögerung begann m das Verhör, in welchem Schebek ein umfassendes Geständi» seiner schrecklichen That und der Motive derselben ablegte, j Eingesandt. Nachdem in letzter Zeil die Arbeiter, Bezirks-Vereine schloffen haben, mit aller Energie für Errichtung von städlih SaniiätSwachen, welche in anderen Großstädten so segensn gewirkt haben und noch wirken, einzutret- n, dürft« eS zeitge> sein, auf einen andern Uebelftand hinzuweisen, welcher L_ seiner Dringlichkeit von Seiten des Staate» sowohl wie V Stadtvertretung vollständig igvoritt wird. Wir meinen« sogenanntes FindelhauS. Wer die fich regelmäßig miedst holenden Gerichtsverhandlungen über Krndermoidc zu lesd Gelegenheit hat, könnte fich fragen, od eS möglich fei, daß- Personen geben kann, die so entmenscht gegen ihr TbeuerU bandeln können. Allein durch die Verhandlungen selbst Jedem mitgetheilt, daß leider in den meisten Fällen die bittst? Roth und Sorge jene Mütter zu d-m entsetzlichen Sttw getrieben haben, daß unsere sozialen Zustände die bedauerst werthen verführten Mädchen förmlich zu diesem Schritte k ttteben Haben. Und wie in Wien daS dottige FindellH — oder wie man es sonst nennen möge— segensreich w>» so dürfte eS auch am hiestgen Orte jene Kindesmorde beveu» vermindern, und jene armen, kleinen Wesen, die daffelbe zum Leben hoben, wie die Nachkömmlinge der mtt(T Gesegneten, fie werden durch ein solches Institut einiger Schutz gegen das Elend und die Noth unserer Zeit Hai Sache aller edeldenkenden Menschen ist eS jedoch, der Magff, und Stadtverordneten für Errichtung«inrs Findelhauieff petitioniren, und auf die Dauer dürfte ein Widerstand vren Behörden unmöglich fein. P. St Briefkasten äer.tteäaktioa.. Alter Abonnent Naunynstrahe. Der Ollermontag � im Jahre 1835 auf den 19. April. Heute: Coppelia, Theater. Königliches Opernhaus. Königliches Schauspielhaus. Heute: Maria Stuart.___ Deutsches Theater. Heute: Die Welt, in der man fich langweill.__ Bellealltanee-Theater Amerikanisch._____________________________ Neue» Frtedrich-Withetmitadlisches Theater. Heute: GaSvarone. Herr!« Central-Theater: Alte Jakvbsttaße 30. Direktor- Ad. Ernst. : Der Walzer-König._ Residenz- Theater: Direktion Anton Anno. H ute: Zum 9 Male: Der Kernpunkt. Hierauf: Die Schulreitertn._ Walhalla-Operetten-Theater: Heute: Der Feldpreviger. Loursensrädttsche» Theater: Heute: Hurrah Germania!___ Ostend-Tlieater! Heute: Der fliegende Holländer._ Kalluer-Theater Heute: Ein weißer Rabe.__ Hrute: Sulfuttna. Viktoria- Theater. Alhambra» Theater. Heute: Die Gauner von- Berlin. Aezirksverein des werkt?. WolKes der Schönhauser Dorstadt. Den Miigludern zur Nachricht, daß am Donnerstag unser Kaffirer Albert Joseph gestorben ist. Die Beerdiaung findlt am Sonntag. Nachmittags 4 Uhr. von der Leichentalle des ZiontkirchhofS m Werfensee aus statt. Die Mitglieder versammeln fich Punk*» Ihr bei Meister, Sckönbauser Allee 161. Um zahlreiche Theilnahme ersucht 759 Der Vorstand. Am Donnerstag, den 9. April verstarb Herr 760 Albert Joseph. Die Beerdigung findet am Sonnlag, Nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zionskirchhots in Weißensee auS statt. Die Mitglieder veriaunnrln stür Nachmittags 1 einhalb Ubr im Wedding.Park. Müllerstraße 178' 760 Arbeirer-LezirkS-Venin der Oranienburger Vorstadt und deS Wedding. Todcs-Anzeige. Am 9. d. M., früh 6 Uhr, verschied nach schwerem Krankenlager der Werkführer der Pianofabttk des Herrn Neumeier, Heinrich Schnell. Tic Beeidigung findet Sonntag, den 12. d. M., Nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Briyetstiaße Nr. 34, aus statt. 753 Kollegen der Neumeterschen Ptanofabrik. Freie Vereinigung der Former U. s. w. Montag, den 13., Abends 8 Uhr, findet in Konrath'S Salon, Wafferthorsttaße 67, eine' 754 össenttiche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vottrag. 2. Geschäftliches.— Auf- nähme neuer Mitglieder.__ Der Fachverein d. Gas-, Waffer- u. Heizuugs-Rohrleaer tagt am Sonntag, den 12. d. M, Vormittags 10 Uhr, Eka- litzerstraße 126. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. Zu gleicher Zeit werden die- jenigen Mitgliever. welche im Rückstände find, aufgefordett, die restirend-n Beiträge bis zum 11. Mai zu regeln. 755_ Der Vorstand. dWuemn ller Marmor- und Granit Arbeiter. Sonntag, 12. April, Morgens IO1/. Uhr, in Deigmüller'S Salon, Alre Jakobstaße 48a: Mitglieder-Versammlung. Alle Mitglieder und Kollegen werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Vietteljahrsbericht. Neue Mitglieder werden auf« genommen_[750]_ Der Vorstand. General- Versammlung sämmtlicher Maurer Berlins und Umgegend am Sonntag, d. 12 Avril, Vorm. 10 Uhr, in Kell er" 8 neu erbautem Sale, Andreasstraße 21. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 749___ Der Einberufer. Eentral-Krantm- u. Degravnißkaße der Buchbinder. Sonnabend, d. 11. Avril, Abends 9 Uhr, Annenstr. 16, bei Sahm: Haupt-Versammlung. \ rr L-tx-----...w. T O.: Kassenbericht pro 1. Quartal. Bericht des Eon- ttoleurS. Verschiedenes. Quittungsruch legitimitt 748 Die Ottsverwallung. Fachverein der Tischler. ' Montag, den 13. März. Abend« 8V, Uhr. in See Salon. Grüner Weg 23: Versamniluiig: Tagesordnung: j 1. Vortrag des Herrn Dr.Stahn über Vergangenheit � Zukunft der Erde. 2. Vorschläge zum Kasstrer für den 3. Verschreden eS und Fraaekasten.. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenoir>°� Um zahlreiches Erscheinen bittet 747_ Der BevollmachirG Hentral-Kranken-«. Sterbekaß der deutschen Wagenbauer. (E. H. Nr. 8 zu Hamburg) 3 Sonntag, den 12. April, Nrch mittags 5 Uhr, in Gratis Bierhallrn, Kommandantenst. 77—79: Mitglieder Versammlung' Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung des Miigliedsi� gestattet._ Der Bevollmächtig Zur geneigten Beachtung. Mein Deftrllationi. und Bierlokal befind« fich jetzt � Invalidenstrabe Ar. 153(Ecke Ackers 739 Max Schlayer; u.'Rolsterwaaren tn. rt" t«— von&. Frank.«, Waffetthorittaßc 46. Empfehle nur Arbeit. Solide Preise. Auch Theilzahlung. Allen Freunden und Bekannten znge ich ergedenN an,. ich WeinbergSweg 15c eint Destillation übernommen und bitte ich meine werthe Nachbarschaft mich zu Weiß- und B a iris ch b i er von bekannter Güte..z, 716_ Friedrich Knlilmey. WeinberqsweZ� Arbettsmarkt.. Der unentgeltliche ArbeitsnachnÄ für Schloffermeister und Gesellen befindet fich Alte JoW gU Nr. 66 im Lokale de« Herrn O v a tz, Wochentag? von fl Uhr Abends u. Sonntags von 10— 12 Ubr Vormittogg�� 743 ,_____--w- � Ich suche für meine Böttcherei einen Lehrling., ,i F. Trautm ann, Böttchermstr., Manw-W .____........... Ein tüchtiger Arbeiter auf Cord-Lederpantoffeln ue� 735_ Carl Jesuiter, Adalbettstr. 74, Ein ordevtl. Dicnstmädlh� wird verlangt Blumenstraße 77. H. G oeb el. Ein junges Mädcken von Außnbald sucht SttU erfragen Ävaibettstcaße 73 bei Stolzenow._____-- Unseim Freunde Gustav Adolph Kehr. Brück Nr. 16, ein dreifach donnerndes Hoch zu fernem tage. Ob er fich nischt merken läßt? Verantwortlicher Redakteur«. Cronheim m fcrrlm. Druck und Lertaa von Utas Badw« te Berlin SW. Beutf-a-'e