Nr. 88 Donnerstag 16. April 1885. n. Jahrg. SerlimrVMW Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 , Das„Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für «erlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreislist« für 1885 unter Nr. 746.) Jasertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße Ä.— Grpedition: Zimmerstraße 44. Iutercjsenpolitik. Als einmal ein Konservativ« die Lizenzsteuer auf Schankstätte» mit aller Wärme empfahl, weil die Annahme derselben eine Erhöbung d« Branntweinsteuer überflüssig mache, rief ein Liberal« entrüstet aus: Das ist ein Motiv für Branntwein brenn er, nicht für Politiker! Was hatte nun eigentlich d« arme Kons«vative ge- than, daß« in solcher Weise angefahren wurde? Er vertheidigte doch nur seine Interessen, die I» teressen seines Standes. Als wenn sie das »icht alle thäten! Die Getreidezölle wurden seiner Zeit gegen die Eisenzöll« eingehandelt, die Schutzzölle wurden angestrebt von den Fabrikanten, welche dafür die Finanz- lölle bewilligten, wohingegen die Börse und die Kaufmann- schast in ihrem Jnteteffe, wenn auch fruchtlos, für un- bedingte Handelsfreiheit in den Kampf zogen. Alles für das eigene Interesse! Und wie damals bei Einführung der Zölle, so geht« jetzt bei Erhöhung derselben im Reichstage her. Die„freie »irthfchaftliche Bereinigung", die au« v«schiedenen Jäter- «ssengruppen besteht, hat sich gegenseitig zu Nutz und From- «en d« einzelnen Gruppen versichert. Die Grund- und Waldbesitzer stimmen für die Erhöhung der Jndustriezölle, weil die V«tr«t« der Industrie für die Erhöhung der Getreide- und Holzzölle gestimmt habe«. Dieses Schauspiel werden wir«un noch öfter im Reichstage«leben. Ab« giebt«S nicht auch unter den Liberalen, ganz abgesehen von d« bei ihnen schon angedeuteten Ten- denz zu« Freihandel, die auch nicht immer au» idealen und prinzipiellen Gründen entspringt, eine große Anzahl von Poluikern, welche auS persönlichen resp. Klassenint«- essen bei der Zolltarif-Vorlage ihre Stimmen in die Wag- schale»«fen? Die Vertret« der Seestädte stimmen wahr- lich nicht de« armen Manne» wegen gegen die Erhöhung der Getreide- und Holzzölle, sondern in der Hauptsache im Interesse de» Handel« ihrer Städte und ihre« Stande». Die Jnnungömeister haben e» durchgesetzt, daß «in Nichtinnungimeist« keine Lehrlinge halten darf, und Arbeitsbücher wünschen die Fabrikanten, auch viel« liberale, damit die Arbeit« noch mehr in Abhängigkeit von ihnen g«athen sollen. Jnteressenpolitik, nichts als Jnteressen- polrtik! Arbeitnschutzgesetze, Alterversorgung von Staatswesen U. f. w. werden von den Liberalen bekämpft,»eil sie wohl wissen, daß die Stellung eine»„geschützten" Arbeit«» de« Arbeitgeber gegenüb« eine unabhängig«? und viel sicherere ist, al» die eine» Arbeit«», d« lediglich dem An- .«'.wrl Ieuilleton. 18] 3ra Eckfenster. Roman von Friedrich««stärker. (Fortsetzung.) .Ich glaube fast," bemerkte d« Graf,„wir wären Mi» in das Eckfenster am Brink gegangen." „Ei wird Ihnen schon hier gefallen," lachte Dürrbeck, *'***"»cht entging, daß sich d« Graf hier unbehaglich fühlte;„da drüben ist unsere Thür," und sich zwischen den versch, ebenen Tischen durchwindend, erreichten sie auch bald da» wohl etwa« klein««, ab« sehr hübsch ein- aerichrete Lokal, rn dem sich, ohne eine geschlossene Gesell« schast zu bilden, ab« wie nach stillschweigendem Ueberein» kommen, die Dssiziere der dortigen Garnison, wie ihre Freunde,«eist junge Adelige, die einmal ein Gla» vier trinken wollte«, ftstgesetzt hatten und die Stube behaupteten. Et kam allerdings manchmal vor, daß sich «in Fremder da hinein vnirrte; da ab« kein« der übrige« Gäste die geringste Notiz von ihm nahm, so mußte « sich dort natürlich bald unbehaglich fühlen und hielt sich selten lange auf. Dürrbeck traf dort eine Meng« Bekannte und stellte die Herren vor, denen rasch und bereitwillig an dem großen runden Tische Raum gemacht wurde. Da» durch den Ein- tritt d« neuen Gäste etwa» gestörte Gespräch nahm auch bald wird« lebhaft seine« Fortgang. Man hatte ja so ziemlich gleiche Jntnessen, gleiche Neigungen, gleiche An« n?« � und«» fehlt da»ahrlich nie an Stoff zu«in« wnlerWiimg. *.'bnen bald gebrachte baierische Bier— Graf «aulen nah» ein Gla» Sherry— war übrigen« vortreff- %% kaf Gespräch drehte sich bald um eine« pracht- vollen Hengst, den einer der höheren Offiziere zu einem av* Deutenden Preise gekaust und hierher gebracht hatte. Die Meinungen über da» Pferd, während da« Interesse da» nämliche blieb, schiene» übrigen» getheilt. Einige nannten den Prel«,«»ar 300 Louitdor, fpottbillig,»äh> »end Andere Mängel an de« Pf«d« selber entdeckt habe« gebot und d« Nachfrage von und nach Händen unt«liegt und in Roth und Alt« keine Stätte hat, wo« sei» müde» Haupt hinlegen kann. Die Liberalen sagen zwar, sie wollte» die Arbeit« gegen die Bevormundung de» Staate» schützen. Das ist aber eitel Humbug, denn der durch«ine wirkliche ökonomische Sicherstellung gekräftigte Arbest« braucht eine« solchen Schutze« nicht;« bewahrt sich feine Unabhängigkeit vom Staate dann viel leichter, al« er sie jetzt bei sein« vollständigen ökonomischen Un- sicherheit vom Arbeitgeb« bewahren kann. Der ftühere fortschrittliche, jetzt verstorbene Reichstag»- abgeordnete O. au« Sachsen hat vor einigen Jahre» in einer landwirthschaftlichen Versammlung für eine vier- fache Erhöhung der Getreidezölle gestimmt — er ist also noch über die jetzt von den reaktionären Parteien in Szene gesetzte Erhöhung hinausgegangen— und weshalb stimmte d« Herr dafür, trotzdem seine Partei im Allgemeinen Gegnerin d« Getreidezölle ist? Nun— « war Rittergutsbesitzer. Also Jnteressenpolitik hüben wie drüben! Und wie sieht'S mit d« Börsensteuer au»? Wie die Konservativen ihr LieblingSkind, die SpirituSfabrikation, vertheidigen, ebenso kämpfen die Lib«alen für da» ihrige, die Börse und die Börsenspekulation. Doch wahrlich nicht au» idealer Liebe, nein au» Interesse für die Freiheit und Beweglichkeit und für die Rentabilität de» mobilen Kapital». E» ist zwar häßlich, da« Treiben der Jnteressenpolitik, aber es ist da, ivn«halb und außerhalb der Parla- mente. Auch ist da» Treiben gar nicht unberechtigt in dies« korrupten Zeit winkelzügig« und verfahren« Bestre- bungen. Die Jnteressenpolitik drückt der heutige» Zeit den Stempel auf; sie wird in allen Schichten der Bevöl- kerung, wo sie betrieben werde» kann, mit Eifer betrieben. Nur die Masse de» Volke» geht bei solche« Treiben leer au». Dolitiscke Uebersickt. Herr v. Echo» lem«. Alst hat sein Reichst ag»- m a n o a t angeblich auS Gesundheitsrücksichten niederge« legt. Dieser Alt deS bekannten ulttamonianen Kämpen er- regt, begreiflicherweise einiges Aufsehen, well man allgemein der Anficht ist, daß der sonst so stamme Mann seine ManvatS« niednlegung mit einem unrichtigen Grund zn motiviren sucht. Heu d. Schorlemer übte im Berein mit der kleinen Exzellenz aas Meppen, Dr. Windthoist, die Führerschaft üb« die Zen- stumSportci aus, und bi« vor Kurzem war von ein« Uneinig« leit zwischen beiden nirgend« die Rede. Im Gegencheil, bei jeder Rede deS Herrn Schorlemer sowohl als de» Heun Windt- wollten und nun ihre Anficht dahin autsprachen, daß der Käufer geprellt sei und e» bald zu seine« Schade» entdecke« würde. Die Fenster de» Lokale» waren mit eine« blaue» Drahtgitter versetzt, so daß man wohl Alle« erkenne» konnte, wa» auf der Straße vorüber passirte, aber selber ungesehen blieb. Ein paar der jungen Offiziere sprangen auf und schauten hinau«. Schräg an der Restauration vorüber gingen ein paar junge, sehr hübsche Dame», die aber genau zu wisse» schienen, daß sie von da innen beobachtet wurden, denn sie lachtm und kicherten mit einander und warfen die Blicke, wenn auch nur scheu und flüchtig, doch ein paar Mal nach dem blauen Draht hinüber. „Ein paar famose Mädchen," sagte der eine Lieutenant, „ganz famo», auf Ehre, und der Wuchs..." „Wer war e«?" fragte ein anderer und sucht«,«en« auch zu spät, noch eine» Blick hinau« zu gewinnen. „Die beiden Klingenbruch«— dieser Korpu» der Aeltesten, Mädel," bestätigte de, letztere,„aber fabel- �„DaS wüßte ich nicht," bemerkte Lieutenant von Wöh« fen mit seiner etwa» schnarrender Stimme. „Hahaha," lacht« ein anderer,„Wöhfen läuft sich bei- «ah« die Beine danach ab; der schwärmt I" „Unsinn," sagte Herr von Wöhfen,„schwärmen. Ihr an«einer Stelle würdet es ebenso machen. „An Deiner Stelle? Wie so.. „Hm," lachte von Wöhfen, m't einem Anflug vo» Verlegenheit,„ich bin zu diskret, um Such mehr zu sagen, al» Ihr zu wissen braucht.",.'. „Münchhausen," rief ein anderer,„nur keine Jagdge- schichten� � � nicht« erzählt," sagte vo« Wöhfen zu- geknöpft. „Wenn Sie die Erbschaft machen," fi-l hier ei« junger Hauptmann«in,„lohnte e» sich vielleicht der Mühe, aber—" er schwieg plötzlich, denn ,» der geöffneten Thür Horst war der Schlußrestain immer gleichlautend:„Der Kirch die vollständige Freiheit, denn nur diese ist im Stande,' all« Menschen glücklich zu machen.— Eine DostS von diesem Untversalmittel wußten beide Kämpen geschickt in jede Rede zu mischen, gleichviel ob über Milstäretat, Bagadondenplage, Nor- malarbeitStag oder Berhällniff« der Strumpfwedereim vebattirt wurde. Unv nun auf einmal wollen fich die bisher innig von der großen Untoersalmittel-Jvee durchdrungenen Kampfgenossen Kennen; fast scheint es, als ob Herr v. Schorlemer den Glauben an die eigene Jvee verloren hat. Emen Anhalt zu dieser An- ficht giebt sein Verhalten im Reichstage in der letzten Zeit; denn während der Brave sonst alle Hilfe von der Kirche er- wartet, demühte er fich recht geflissentlich auf die Gesetzgebung einzuwirken, damit diese der nothleidenden Landwirthschast helfe. Heu v. Schorlemer ist selbst Landwirtb. er kennt also die Nothlage au« eigener An- schauung, kein Wund« also, daß er stch berufen fllhlie, als Apostel für Erhöhung der Getreidezölle einzutreten. Heu v. Schorlemer trat sogar an die Spitze dieser Bewegung, mußte aber die Erfahrung machen, daß die sonst so folgsame Zentrums- Heerde fich in Bezug auf die heikle Kornzollstagc nickt durchweg folgsam zeigte. Sogar Kollege Windthorst hatte Wandlungen gegen die Erhöhungen; und nach unv nach zrigle stch unter den Zentrums Wählern eine große Unzufriedenheit mit dem Ber« halten ihrer Führer. Um die Unzufriedenen zu beruhigen, entstand der oft genannte Anstag Hume, der dahin geht, einen Thetl du aus den erhöhten Zöllen resultirenden Einnahmen zur Entlastung der Kommunen zu vuwenden. Doch so viel läßt stch jetzt schon übersehen, die Unrufriedenheit untu den Anhängern der Zentrumspartei kann der Antrag Huene nicht bannen; die Wähler find fich über den Zweck dessetven sowohl, al» auch darüber klar, daß daS» waS du Antrag bietet, in keinem BerhäUniß steht zu dem, waS ihnen durch die Erhöhung du Kornzölle an Lasten auferlegt wird. In Folge diesu stch gellend machenden Erkenntntß heuscht Uneinigkeit in der ZmtrumSfraktton; ein Tbeil derselben will nicht zu Gunsten du Agrartu für den geplanten Zoll stimmen, und versagt dem eifrigen Agrariu Schorlemer den Gehorsam. Da« ist'S, waS Herrn v. Schorlemer beunruhigt und ihn veranlaßt, vom Schau« platz abzutreten. Die Denkschrift über die Verhäugung de» velagerung»- «»stände» in Bielefeld ist nunmehr dem Landtage zugegangen. Es heißt darin nach der Darstellung der dekannten thatsäch- lichen Borgänge:„Der bei den Bielefelder Vorgängen den Bemühungen des polizeilichen Exekutiv. Personals und der de- waffneten Macht, die öffentliche Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten beziehentlich wieder herzustellen, von den uregten BolkSmassen entgegengesetzte Widerstand trug unzweifehaft nach seiner Jntenfität und Hartnäckigkeit den Charakter de« Auf- rühr» an fich. Das Einschreiten du Polizei erwteS stch al» völlig fruchtlos, die Exekutivbeamten wurden zurückgedrängt, vuhöhnt, mit Thätlichketlen bedroht und sogar gemißhandelt. Als darauf daS requirirte Militär erschien, wurde auch diesem, selbst bei wteduholtem Einschreiten, thätlicher Widerstand ge- leistet, so daß mit der blanken Waffe vorgegangen werden mußte. Die Besorgniß, daß e« zu weiteren und bedrohlichuen stand der kleine Oberstlieutenant von Klingenbruch und schaut« sich vergnügt in dem enge» Raum« um. „Morgen, meine Heuen! Schon so zahlreich vusam« melt?" „Morgen, Morgen I Hur Oberstlieutenant," schallte e» von verschiedenen Seiten, und die Huren rückten noch mehr zusammen, denn an den anderen Tische hatte» stch ausnahmsweise ein paar Zivilisten eingefunden, der eine von ihnen ein Fremdu, und man mußte den Oberst- lieutenant, den übrigen« auch Alle gun leiden mochten, bei fich aufnehmen. Der kleine Mann war in der That untu seine« Kamerade« außerordentlich beliebt, und wenn er seine gute Laune hatte, die ihm außerdem selten fehlte, so dröhnte die Stube oft von de« schallende« Gelächiu der kleine» Gesellschaft. Ob die Frau Oberstlieutenant ebenso davon erbaut gewesen wäre, wenn sie die oft sehr derben Sväße ihre» Gatten hätte belausche» können, ist freilich eine andue Frage. Hanl war bald mit dem Obustlieutenant, de» ihm Düubeck vorstellte und»eben den u zu sitzen kam, be- kannt geworden. Klingenbruch hatte ihn selber noch al« Kind gekannt und fteute fich aufrichtig, ihm wiedu zu be- 0eÖRExzeffen und Widersetzlichkeiten erfolgen mußten, so haben doch Rubestörungen in größerem Umfange nicht mehr stattgefunden. Nachdem in- zwischen ein Ausgleich zwischen der Firma Koch u- Ko. und den feiernden Arbeitern zu Stande gekomm n ist und die letzteren die Wiederaufnahme der Arbeit mit dem 9. April zu- gesagt haben, ist der Belagerungszustand für den Stadtkreis Bielefeld die Amtsgemeirde Gadderbaum Sandhagen mit dem Ablauf des 8. April 1885 aufgehoben worden." Aus Anlaß des deutsch-russischen AuSlieferungS» Vertrages erinnert die„Germ." an den am 31. März 1881 vom Abg. W i n d t h o r st im Reichstage eingebrachten Antrag, welcher lautete:„Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, auf eine Vereinbarung mit den Re- tierungen anderer Staaten hinzuwirken, wodurch jeder solcher Vereinbarung beitretende Staat fich verpflichtet a. den Mord oder den Versuch deS Mordes, welcher an dem Oberhaupt eines der Vertragsstaaten verübt worden ist, b. die zwischen mehre- ren getroffene Verabredung des unter a. bezeichneten Ver- brechens, auch wenn es zum Beginn dieses Verbrechens nicht gekommen ist. c. die öffentliche Aufforderung zu dem unter a. bezeichneten Verbrechen, sowohl gegen s-ine eigenen Angehörigen, als auch gegen die in seinem Gebiett fich aushaltenden Fremden mit Strafe zu bedrohen, d. einen in seinem Gebiet fich auf- haltenden Ausländer, welcher das unter a. bezeichnete Ver- brechen begangen bat, auf Ansuchen der Regiernng des Staates, in welchem das Verbrechen vciüat worden, an letzteren aus- zuliefern."— Dann wird der Unterschied zwischen diesem An- trage und dem dem Bundesrath vorgelegten Vertrage er- örtert und betont, daß das Zentrum keinen Anlaß habe, um Rußland gefällig zu sein, über den Antrag von 1881 hinauszugehen. Zu der» Landesverraths-Affaire«. Die Haftentlassung sämmtlicher deutscher Militärs, welche in der vielbesprochenen Landesverraths-Affaire verwickelt waren, hat fich bestätigt. Da- gegen scheint die Haftentlassung des dänischen Kapitains S a r a u w noch nicht erfolgt zu sein. Die Nachricht der dänischen Zeitung„Naiionaltidende", daß Sarauw bereits ent« laffen und mit seiner Frau aus Preußen ausgewiesen sei, wird vom Kopenhagener„Morgenbladrt" dcmentilt. Wie letzteres Blatt wissen will, befindet fich Kapitän Sarauw noch in Unter- suchungshuft im Kriminalgebäude zu Moabit. Die Freilaffung deS Verhafteten gegen Kaution wurde abgelehnt. Aus Angrn Pequeva. Zu dem auch von unS mitge- tbcilten B-r>cht einer- Bergingenieurs Pohle, der in Angra P quena große und i eichhaltige Minen entdeckt haben wollte, wird säckfischen Blättern aus Fre-berg geschrieben:„Durch eine Sendung des Bergingenieurs Pohle von Mineralien aus Angra Pequena, welche von Seiten des Herrn Lüdrritz an die königlich. Bergakademie zu Freiberg gelangte, ist Ver Fund auf seinen wahren Weith erkannt worden. Dies« Probestücke find nämlich zum Theil ganz werthlose, erzfreie Ge- steinsstücke, zum Tdeil enthalten fie Erze, die nur in sehr großen Quantitäten, und wenn zugleich sehr günstige Abluhrwege da find, beziehentlich bei Vorhandensein von Kohlenlagern und Hüttenweiken, zu einem einigermaßen hoffnungS'eichen Unter- nehmen ermuntein können. Das eine S-ück ist Quarz mit Schwefclkiee, darin sö.nnte möglicherwrise eine Spur Gold entHallen sein, w>nn schon nicht mit den Augen fichtdar, so doch möglicherweise durch hüttenmännische Proziffe noch zu ge- Winnen. Die übrigen Erzstufcn find Brauneisenerz, Rotheisen- erz und Eisenglanz. Letzteres hat Bergirgenicur Pohle in einem unglücklichen Augenblicke(!) für Roth- gültigeiz l-inro der werthvollstcn Slldercrz«) bestimmt."— Zu bemerken ist NM, daß dieser„unglückliche Augenblick" gerade in der Zeit fiel, wo zur Gründung einer„A, gra-Peguena-Geiell- sckast" große Anstrengungen gemacht wurden. Ob der Herr Lüteritz seine Befitzungen mit den großen Erzlagern schon an den Mann gebracht hat, ist uns nicht bekannt. F r a n c D e i ch. Auch Frankreich hat seinen R-ptilienfond. Wie jetzt de- kann', wird, hat daö vergangene Ministerium die Kaffen dieses Fonts derartig geplündert, daß für das nächste Vierteljahr k-in Heller mehr aus denselben zu entnehmen ist. Die Ex- Minister haben, als ste ihren Sturz vorhersahen, noch schnell die ihnen ergebenen Organe für das nächste Vierteljahr ver. sorgt, um stch ihren Beistand noch auf geraume Zeit zu fichern. Dafür wnd ihr Ruhm natüilich noch eine Ze t lang veikündet herübergekommen, wenigstens noch keine acht Tage in Rho- denburg, um hier seine Verwandten aufzusuchen. Er hatte auch ollein den Weg in die Olsiuerstube gefunden und da Platz genommen, da rL im anveren Zimmer an Stühlen fehlte, die beiden Beamten würden fich fovst nie hier her« eingewagt haben. Mr. Hummel war aber ein freier amc» rikanischer Bürger und scherte sich den Henker, wie er seinem Onkel zu drssen Entsetzen beth.uerte, um Barone oder Grafen. Mr. Hummel führt« auch an jenem Tische allein das Wort, und HanS, der ihm an dem andern Tische zunächst saß und derlei Burschen schon zur Genüge non Nordamerika her kannte, amüsir e sich vortrefflich damit, dem ver» dorbenen Deutsch des Deutsch-AmerikanerS zu lauschen, der aber dadurch seine Verwandten nur noch mehr in Erstaunen setzte. ES war eine kleine, gedrungene, aber kräftige Gestalt, mit Fäusten, denen man eS ansah, daß sie seiner Zeit derb und unverdrossen zugegriffen hatten. Da» Gesicht trug er glatt rasirt, selbst einen Backenbart verschmähend, und nur unt-r den Kinnbacken, nach vorn wie eme Bürste vorstehend, stcnd ihm ein schwarzer, kurz gehaltener Bart, der seinem Gesichte bei vorstehender Unterlippe eiwaS Trotz'gct gab. Er hatte dabei eine eigenthümliche Unruhe in semem ganzen Wesen, die auffallend genug gegen da» ruhige Selbstbewußtsein des Kalkulators wie gegen die schweigende, aber entzückende Bewunderung seines Onkels, des KassimS, womit ihn dieser fortwährend betrachtete, abstach. Ter Kassirer war auch uicht wenig stolz auf seinen Neffen, einen richtigen Amerikaner, frisch über S-.e, daß er ordentlich noch nach Salzwaffer roch. Und wie konnte der erzählen, was für merkwürdige Abenteuer hatte er erlebt, und in Kalifornien war er auch gewesen und trug sogar wirklich echtes kalifornisches Gold in Stücken wie eine Bohne groß bei fich in der Westentasche herum I Den beiden alten Herren, denen Amerika immer noch wie eine Art von phantastischem Jugendmärchen vor der Seele lag, imponirte ebenso die sonderbare, mit fremden Wörtetn gemischte Sprachweis« de» Verwandten. Er war werden. Wenn das Geld von den Reptilien verzehrt sein wird, werden ste jedenfalls eine andere Sprache führen. — Die Antwort der egyptischen Regierung auf den Protest seitens Frankreichs gegen das eigenmächtige Vorgehen, dem der„Boaphore sgyptien" zum Opfer fiel, bat die sranzöstsche Regierung nicht befriedigt. Der Geschäftsträger Fiankreichs in Kairo hat den Auftrag erhalten, darauf zu dringen, d-ß die egyptischen Beamten, welch« aus freiem Antriebe oder auf Befehl entgegen den Bestimmungen der Kapitulationen das Hau« eines franzöfischen Staatsangehörigen verletzt haben, strenge bestraft werden sollen. — Der mit China geschlossene Frieden, wird von den An- hängern des gewesenen Ministeriums als eine große Errungen- schuft gepriesen. Thatsächlich gesteht Cdina aber nicht mehr zu, als e» schon in dem vielgenannten Tientfien-Vertrage zuge- stehen wollte. Die ckinefischen Truppen räumen Tonkin, die tonkinefisch-chinefische Grenze wird dem Handel geöffnet, für die Angehörigen der bei Bak-Le zu Schaven gekommenen Soldaten werden 500 000 Taels bezahlt. Dafür hat Frankreich stch von Formosa und den Fischninseln zurückzuziehen. Das find genau dieselben Bedingungen, die China nach dem Zwischenfalle von Bäk Le wiederholt angeboten, Herr Feny j-aoch mit größter Verstocktbeit zurückgewiesen hat.— Und dieses Resultat kostet dem Lande 6000 seiner Söhne und biS setzt über 300 Millionen. — Mit dieser ungeheuren Summe hätte ArbiilSlofigk-it und Elend durch Inangriffnahme von entsprechenden Sozialreformen auf lange Zeit hinaus beseitigt werden können. — Der„Temps" meldet, eine Depesche Patenütres(des franzöfischen Gesandten) theile mit, daß die„P- kinger Zeitung" das kaiserlich; Dekret, betreffs der Ausführung der Friedens- Präliminarien veröffentlicht habe. Ein Dekret weise den Vize- könig an, einen Duanelommiffar und«inen Manduinrn nach Hanoi zu senden, um mit dem General Briere de l'Jsle den Modus für die Räumung zu vereinbaren. Dem Fühier der schwarzen Flaggen ist der Titel Baron verliehen worden und würde die chmefische Regierung ihm, wie es heißt, eine be- deutende Summe zahlen, damit er seine Truppen entlassen könne, außerdem würde ihm die Verwaltung einer Provinz übertragen werden. — Eine zweite Ausgabe der gestrigen„Times" enthält ein Telegramm aus Hongkong, nach welchem in den Ver- Handlungen zwischen Frankreich und China Schwierigkeiten ein- getreten sein sollen. Rußland. Ter Petersburger„Herolo" behauptet kühn, daß, wenn der englisch-ruffische Kiicg ausbrechen sollte, die englische Flott« in der Ostsee Rußland keinen anderen Schaden zufügen könne, als die Häfen blockirm und den Handel lahm legen. Da aber die russt-chen Warnen viel mehr in deut'chen, fchwevischen und dänischen Schiffen als in rusfischen verladen werden, so würden diese drei Staaten ebenso vom Kriege zu leiden haben. Des- halb räth der„Herold", daß Deutschland, Schweden und Däne- ma.l fich vereinigen, um die Ostsee für alle fremden Kriegs- schiffe zu schließen. Das wäre Rußland gewiß ganz recht, wenn diese drei Mächte die Ostsee und die Türkei das Schwarze M- er der englischen Flotle verschließen würde. Die eine Hoff- nung wird aber ebenso wenig in Erfüllung gehen wie die andere. Die offiziös«„Nationaltivenve" in Kopenhagen lehnt schon den Rath dankend ab, da Dänemarks Handelsintereffen in Rußland viel zu unbedeutend seien, um fich ihretwegen der Feindschaft Englands auszusetzen. — Wie der„Franlf. Z'g" über Wien auS Lemberg gemeldet wird, bneifm russische Bezirkskommiffäre sämmt- tiche Befitzungen in Polen, Podolien und Ukraine, um dort befindliche Waffen zu konfisziren Diejenigen, welche«in Waffenpatent haben, müffcn eine schriftliche Erklärung über die Galtung und die Menge ihrer Waffen abgeben. Diese Maß. regeln seien eine Folge der Furcht vor Agitationen englischer Emissäre und vor dem Ausbruch eines Ausstandes. Unter den polnischen Gutsbefitzern bensche große Aufregung. — Nach einer in Petersburg eingetroffenen Nachricht ist in H e r a t ein Aufstand ausgebrochen. S chw eben und Norwegen. Schweden beginnt Vorbereitungen, seine Neutralität im Falle eines Krieges zwischen England und Rußland zu wahren. Die Regierung hat angeordnet, einen Thell der Kriegsflotte in Kriegsbereitschaft zu setzen. Vorläufig find dazu folgende Schiffe bestimmt: Monitor„Tiifing"(Tburmschiff mit zwei Hinterladungskanonen von 8,08 Der.. Zoll Kaliber), Kanonenboote„Eoda",„Rata",„Skuld",„Astrid",„Sigrid" und„Alf- hild", sowie als Kommandofadrzeug der Toi pedodampfer„Trott" (ausgerüstet mit 4 Aniitoipedokanonen und 3 Torpzdoschieß- apparaten). Sämmtliche Kanonenboote find ungepanzeit und stnd die kleinsten, welche Schweden befitzt. Tie Regierung de- mentirt gleichzeitig das Gerücht, daß fie England die Genehm!» gung ertheilt habe, auf der Insel Gothland eine Kohlenstation anzulegm. Dänemark. In Tänenaik erfaßt die Lppvfition immer weitere Kreise und es gewinnt ganz den Anschein, als ob stch dieselbe nicht nur sechs Jahre in Amerika gewesen, hatte aber das Deutsche schon fast total vergessen. Ja oder nein, sagte er gar nicht mehr, immer nur yea und no, wa» gar zu hübsch klang, denn man verstand es ja auch, und nur manchmal kamen Sätze heraus, aus denen weder der Kassirer noch der Kalkulator klug werden konnte! „Well," sagte Mr. Hummel, auf eine Frage des Kai« kulators, ob denn eigentlich die Indianer bö» wär-n, und nach denen, die er auf hiesigen Missen und Märkten, natür- lich immer nur vereinzelt und schon halb gezähmt, gesehen, konnte das kaum anders sein.„Well, Mister, das ist nun according zu, wo Sie hinkommen," meinte Mr. Hummel, „manchmal finden Sie die Rothhäute ganz treatable, manchmal ketschen Sie's aber euch." „WaSs' rief der Kalkulator im äußersten Erstaunen, und Hans, der sein Gesicht dort halb hinüber gewandt hatte, mußte sich abdrehen, um sein heimliche» Lachen nicht zu verrathen. „Nun, ich mtin' halt," sagte der Amerikaner,„daß e» Gute nnd Böse dazwischen giebt, just adout, wie bei un» eben auch." „Es ist merkwürdig, rein merkwürdig," versicherte der Kassirer, der indessen in einem fort mit dem Kopf geschüttelt hatte,„so'was ist noch gar nicht dagewesen. Aber wa» ich Dich ncch fraßen wollte, Philipp, seid Ihr denn über da» Meer so in einem Strich hierher ge- fahren 1" „Nu of course, gewiß. Wie den» sonst?" „Und Nach» auch immer?" forschte der Kassirer weiter. der sich wohl eine unklare Vorstellung machte, daß da draußen keine Straßenbeleuchtung sein könne. Der Amerikaner aber lach;«.„Aber ünele Tobias", sagte er,—„wir hätten da» Schiff wohl Nacht» an«inen poat anteien sollen, wie?" „Und der Kapitän fährt also immer geradezu?" „Yes, to be sure." „Und kochen thun sie auch unterwegs, Obrichter," sagte der Kassirer belehrend zu seinem Verwandten,„e» ist wirklich merkwürdig." „Und Gold haben Sie auch in Kalifornien gesucht?" aeg Du W «nd Fer prir nte rusf ung K KS' ud fCbei Poi 6u, unv laus völli nid) Sit SffiS ihre Elä »ufd «n, und wert mit einem platoniscken Protest gegen da» verfaffungswidrl« Vorgehen des Ministerium Estrup begnügen wird. Auch Im sonst sehr konservative LandeShauptstavt hat stch der Bewegung anoeschloffen. Am Sonnabend fand daselbst— wie bei„Voss. Ztg." mitgetheilt wird— ein großes Protestmeeting statt. Hauptredner war der Kopenhagen«: Abgeordnete C. Hage, d« ausdrücklich konstatirle, daß er nicht die Anschauungen Bei Linken theile, aber der Ansicht sei, daß, wo es gelte, das Steuer- dewtlligungsrecht deS Volkes zu vertheidigen, alle Parieie» einig sein müßten. Auch die beiden sozialdemokratischen Abge- ordneten der Hauptstadt wohnten, ohne daS Wort zu nehmen, der Versammlung bei, um ihre Zustimmung zum Vorgeben der Oppofi'.ion zu bezeugen. Einmülhig wurde dann auch zum Schluß folgende Resolution angenommen:„Indem die Ver- sammlung ihren vollen Anschluß an das Foikelhing zu er- kennen gubt, verspricht dieselbe dem Foikelhing ihre un- bedingte Unterstützung zur Aufiechterbaltung der Versaffung und zur Verthridigung des grundgesetzlichen VolksrechiS DI« V riammlung rechnet darauf, daß das Folkething wissen wird,: seine eigene unv die Würde des Landes gegen eine R'gierung! zu behaupten, w.'lche durch ihren Versuch, das Bewilligungsrecht zu oernichien, für immer jeder Anwartschaft auf ein«ni« ges Zusammenarbeiten mit der gesetzlichen Beitretung des Volkes verlustig gegangen ist."— Auch auf Seeland, Fühnen und in Jüilanv fanden ähnliche Ansammlungen statt. In Aaldorg (Jütland) sprach der Advokat Luisen zwar auch für Vnweige- rung der ungesetzlich ausgeschriebenen Steuern, aber da die Regierung die effektive Gewalt in Händen habe, so müsse vor der Hand von dn wirklichen Steunoerweigerung abgesehen werden. Er rieth jedoch, einige Versuche mit der Sleucr« Verweigerung zu machen, um die Entscheidung der Gericht« j heibeizufühien. Er hege die Hoffnung, daß das Höchstengeiicht die Nichtzahlung Ver Steuern billigen werde, und dann sei das Ministerium todt, selbst wenn der König fich desselben nicht entledigen würde. G r o st b r i t a» n i e«« In London(and v rgeftern wiederum ein Ministerrath statt, dem eine längere Konserenz zwischen den Ministein des Krieges und der Macine folgte. Nach Telegrammen aus Bombay hält man dort den Krieg für ficher. Die Rhede ist durch Torpedos geschützt und eS stnd vier Millionen Kanouchen ausgeschifft worden.— In maritimen Kreisen Englands herrscht starte Erregung. In Folge des vermehrten R'.stkos, welche? die Maaren angefichts der kriegerischen Eventualiiäien zur See erleiden könnten, find die Prämienlätze auf Sckiffe, welche auS den Häfen VeS Schwarzen und Aiowschen Meeres kommen, verdoppelt.— Die Admiralität hat im Lauf- des Nachmittags beschloffen, noch vier Schaffe der Handelsmarine als Kreu,« auszurüsten Zwei derselben sollen für die australische Staiio« verwendet werden. Die Zahl der KriegSsch ffe, welche für den aktiven Dienst in Dienst gestellt werden, ist so groß, daß, um alle Offizieisstellen zu besetzen, die Reserveoffiziere der Marine herangezogen weiden müssen. — Dem„Siandard" wird überTrheran gemeldet, daß der Kampf zwischen Russen und Afghanen bei Pendschd h eine Stunde gedauert und den Afghanen 200 Mann geko'tet habe. — Von dem Gefolge des engltjchen Grenzkommiffars Lams? n find jüngst in einem Schneesturm 17 Mann, 50 Tragihier« und ein Theil der Bagage verloren gegangen. Die Eng- länder unv die offiziellen Berichte des Kommrffärs find in Sicherheit. — Wie ein Korrespondent der„Times" au» Odessa oer« ficheit, stehen an der afghanischen Grenze, in dem streitigen Gebiete, bere tS 20000 Russen, ebenso viele stehen in Sa nar» kanv, welche von dort in zwei bis drei Wochen bis vor Herat gelangen lönnen. 5uOOO Mann stehen, demselben G'währs- mann zufolge, für alle Fälle marschbereit im Kaukasus und können dori rasch Übet den KaSpischen See nach Krasnowodzk gebracht werden, so daß, während die Engländer vom End« punkt der indischen Eisenbahnen an etwa drei Monate lang zu marschiren haben, um nach Herat zu kommen, in wenigen. Wochen 40000 Russin und jedenfalls in 9— lOWoch-n gegen 100000 vor dieser Stadt st-hen könnten.— Einer Korreipon« f Venz der„Times" aus Kalkutta zufolge wäre die Haltung W' Eingeborenen-Presse in Indien eine den Engländern seh«„; günstige. Die indischen Blätter stellen Vergleichungen zwischen™' der rusfischen und der englischen Verwaltu-g an, welche fast ausnahmelos zu Gunsten Englands ausfallen. — Im englischen Unteihause erwiderte G adstone auf ein« Anfrage Northcote's, die Reginung habe von Lumsden kein« Bestätigung der Nachricht von einem weiteren Vormarsche Ott Russin erhalten. Von Petersburg sei heute eine Mitheiluna eingegangen, in welcher beiläufig die Vnficherun» erneuert wiro, daß em solcher Vormarsch nach den Intentionen und Befehlen der ru; fischen Regierung nicht stillfinven wnde. - Di« Reisen Öes Panzen und der Prinzessin von Wales in Inland schnn-n nicht übnall glatt verlaufen zu wollen. In Cork und in Mallow, namentlich in letzte: em Orte kam es zu Rudestörungen. Em Haufen NaiionaiKten(irische Nattonalpa ter) halt: stb unter Führung meh:«er Parlamen's- diputiiten aus dem Bahnhofe in Mallow versammel'. um ö ras ut >chi ne ni % t ni ei rr fragte der Kalkulator, der wohl nur einen sehr unbestimm« ten Begriff haben mochte, wie das gemacht wurde, etwa so wie hier vielleicht, wenn Jemand ein Fünfgroschenstück oer- loren hatte. „Yes," bestätigte Mr. Hummel,„und ist noch dazu schwere Arbeit, das Gold-Puddeln." „Ja. ergänzt« der Kassirer,„Gold ist da» schwerst« Metall, da» wir haben." „Oh, adout tdat," lachte Hummel,„da hätten wir nicht viel troudie damit gehabt, denn was wir an wuklichem Gold fanden, war leicht genug, aber die schweren Rock» zu manätschen und da« ewige Hacken mit der pickaxt und' das ErdauSwerfen mit dem spade, der Henker soll'S holen, ich hatt'S bald satt und setzte einen störe auf." „Eioen wa»? Mr. Hummel," sagte der Kalkulator, „was setzten Sie auf?" „Einen störe, einen Laden, wo ich groceries und dergleichen verkaufte." Der Kalkulator schüttelte mit dem Kops, jetzt wußte er wieder nicht, wa« große Rie« waren, und schämte fich doch, ewig seine Unwissenheit einzugestehen. Er konnte doch nicht gut Rosinen meinen. �„Hat er Ihnen schon die Stücke Gold gezeigt, Herr Rentamt«.Kassirer,„zeig' fie einmal, Philipp, da» rst wirkliches Gold, wi« ei dort in und auf der Erde herumliegt; ach, wenn man hier auch so ei« Plätzchen wüßte und hingehen und suchen dürfte! E» ist doch merkwürdig, daß der liebe Gott da» nur da aus- geschüttet hat, wo wilde Menschen und Bestien wohnen. Es � ist ordentlich so. al» ob er diese zu Hütern bestellt Mr. Hummel nahm indessen au» seiner linken Westen- lasche«ine Anzahl kormger Goldstücke, und während e, damit beschäftigt war. spuckte er neben sich auf die Erde arrÄ M%% äs -""rwiy bS-ÄÄ i Kl tw eint bze» run, va 'UM ßtt» tu uiv ung m ztrv, ung Ä olkci v in 'org etg«» r v» DO* I -hm eurt* j ctcöll nicht ; vat nicht i ver« ti�N u nar* vcrat mhrs« 5 unv OOÜjl Tnv« : lang migeit gegen. eipon*,j ig txr i sehr »ischen e fast f eine keine ie oe* eUunfl neue« a und Üialei -ollen. , tarn [Wiche ntnH» i, um hmm» n»a so f ver« baju werste hätten was >enug, baS »eisen I bald ilatot, b bet» ßte et i boch, h nicht Herr in mal, iS auf l oul» ihnen. destellt Zesten» nb et Erbe ite et Wichen ßippen Utöig« egen den Prinzen und die Piinzesfin von Wales bei deren Durchreise nach Coik eine feindselige Kundgebung zu veranlassen. Von der Polizei auS dem Bahnhofe vertrieben, rotteten sich die Nationalisten darauf in der Nahe deffeiben zusammen nnd empfingen daS prinzliche Paar mit Zischen und Geschiei. — In Cork wurden gestern Abend von den Nattonalisten die Fenner der Häuser eingeschlagen, auf welchen zu Ehren des prinzlichen Besuchs Fahnen aufgesteckt waren. Die Polizei nteivenirte uud machte dem Unfug ein Ende. Egypten. Im Euezkanal bewegen sich in auffälliger Weise die beiden tusfislven Kreuzer„Kostioma" und„Peteisburg". Englischer- ieits befürchtet man, daß die beiden Schiffe die Bestimmung laben, im Fall eines englisch- rusfischen Krieges durch Set- enkung den Kanal zu sperren, was für England von ungeheurem Nachtheil wäre. In Folge deffen werden die Be- megungen der beiden Schiffe überwacht. Der„Kostroma", beffer bekannt als der„Mikado", unter welchem Namen er segelte, als er ein britischer Kauffahrer war, hat russtsche Zachthaueler an Bord. Einer Cairenser Depesche bis Reuter- schen Bureaus zufolge ist der russtsche Dampfschiffsagent in Port Said angewiesen worden, den rusfischen Transportschiffen �Kostroma" und„Peteriburg", die nach dem Einlaufcn im Suezkanal in Po« Said zurückkehrten, den Befehl zu ertheilen, unverzüglich nach Wladivostok in See zu stechen und das An- laufen britischer Häfen zu vermeiden. — In der Umgegend von S u a k i m ist daS Kampfgetöse völlig eingeschlafen. Von dem Feinde ist nichts zu sehen und nichts zu hören, die englischen Offiziere gehen fleißig auf die Birlhuhnjagd, und inzwischen arbeiten die indischen Mann- schafien an der Eisenbahn, welche schon bis auf eine deutsche M-ile an Hanbub herangerückt ist. Wie den„Times" von ihrem Korrespondenten in Suakün versichert wirb, wären viele Stämme der Umgegend gerne bereit, stch den Englärdern an- zuschließen,(wird wohl nicht stimmen!) wenn fie nicht fürchte« ien, eines TageS von diesen plötzlich der Rache der Hadendowas und anderer dem Mahdi ergebenen Stämme preisgegeben zu «erden. Aste«. Ein in Peking publiztrtes Dekret der chinesischen § Regierung kündigt die Beendigung des Krieges zwischen rankreich und China an. Die Form, in welcher dies ge- lieljt, ist freilich eine für die französische Regierung wenig 1 verbindliche. Der Kaiser von China benachrichtigt sein Volk, 1 5?� ,Me Franzosen„bemüthlg" den Frieden erbeten und I Se. Majestät ihrer Bitte in„gnädiger" Weise entsprochen hat. «Die Bestimmungen für die Räumung Tongling« durch die I chinefischen Truppen werden in dem Dekrete festgesetzt, und es | wird hervorgehoben, daß die Franzosen zu derselben Zeit die I Blokade Formosas einstellen werden. Andererseits werden die j Vizelönige und Gouverneure aufgefordert, die größte Wach« 1 samkeit anzuwenden,„um vor der Abschließung Des end giltigen Vertrages jedem Akte des Betruges vorzu- beugen." Amerika. Nach dem Bericht des Ackerbaudepartements in Washington hat fich daS mit Winterweizen bebaute Land um 3 Millionen Slkrts vermindert. Der gegenwärtige Stand des Weizens ist 7 gegen 79 im letzten Jahre, doch dürfte nach den vorliegenden Anzeichen die Ernte sich in Wirklichkeit im nächsten Monat rffer stellen. Die Abnahme der Produltion wird etwa W Millionen BushelS betragen. Das mit Roggen bestellte errain weist eine Abnahme im gleichen Verhällniß wie das eizentenain auf, doch ist der Stand ein weit besserer. Der Anwalt der teS Mordanfall-s auf O'Donovan o s s a angeklagten Frau Dudley hatte den Antrag auf rnennung einer Kommisfion gestellt, die in England Erhe- ngen über den Geisteszustand der Angeklagte» anstellen soll. lese m Antrag ist nun stattgegeben und inzwischen das iminalverfahren gegen Frau Dudley fistirt worden. Kokales. Für die Hinterbliebenen der im Camphausenschacht Verunglückten Bergleute find uns ferner zugegangen: Möbelfabrik von Ferd. Kurzner, Reichenberger- raße 57. 14,55 Ml. Von einem armen Buch- Inder 75 Pfg. In vumma bis jetzt 134,90 Mk. Die große nationale deutsche Gewerbe- nnd Industrie- nsstellung schreitet ihrer Verwirklichung mit außerordentlicher ichnelligleit entgegen Es scheint, daß der„Verein der 79el", i er am Sonnabend vor Ostern seinen Beschluß faßte, nur ner in der Luft schwebenden Idee greifbaren Ausdruck gab nn von all den betheiligten Faktoren steht jetzt nur noch die nlscheidimg der Regierungen aus. Wenn man die Jndu- nellen Berlins als die getreuen Exponenten der Ansichten l Industriellen Deutschlands betrachten darf, so haben die «ächst Betheiligten ihr Votum abgegeben. Der Verein der er blsteht eben fast ausschließlich aus Industriellen. Daß m seitens des Magistrats und der städtischen Behörden mit Mr. Hummel hielt jetzt einige der größten Stücke so der Hand, daß man sie am nächsten Tische auch hätte hen müssen, wenn die Herren Offiziere nur darauf achten rllten; er erklärte auch den Werth mit ziemlich lauter tmme, aber ohne Erfolg. Es nahm Niemand dort Notiz in rh«, und wie der Kalkulatur und der Kassirer daS Cc. �«wundert hatten, mußte er eS wieder die Tasche stecken. | Jndeffen war ei halb ein Uhr geworden, und beiden Beamten mußten ihre Effen-stunde ein- ten. Der Kalku.ator griff auch schon mit einer t von verzweiflungsvoller Entschlossenheit in die ite Westentasche, al» ob er die kühne Absieht te, die ganze Zeche zu bezahlen, wenigstens dachte . Hummel so, wenn eS auch dem Kalkulator nie zefallen wäre, je mehr als sein eigenes Gla» zu berich- EgStop 1" sagte der Amerikaner und hielt ihm den Arm, sich der Kalkulator unter solchen Umständen sehr gern en ließ,„that's my business, Kellner, waS sind wir ldig, und er warf dem verblüffien Jungen— an de« ziertisch bediente ein junges, hübsches Mädchen— einen pel»Eagle oder ein Zwanzig-Dollar-Goldsiück auf den lachte dieser verlegen, denn nicht einmal,„da» Geld nehmen et kannte wir hier �Ht nicht? So?" lächelte Herr Hummel, der Bauer nicht kennt, frißt er nicht— ol' course tetra®1 3K""" v6o? Und how muck is the damage?" fe ä'Vfü 8»,w''"«N. »Wollen Sie Alle» bezahlen?" IVÄSV"1 3rt"""" ,6tnb fech« Gla« Bier, macht zwölf Silbergroschen." Da« ,st ergentlrch gar nicht«," sagte Mr. Hummel, er ewen preußischen Thaler auf den Tisch warf. Mt großer Bestimmtheft der weitgehendsten moralischen Unter- stützung, der Bewilligung des Ausstellunaiterraini und einer beträchtlichen Subvention gewärtig sein kann, ist an dieser Stelle bereits ausgeführt worden. Auch die Äelteften der Berliner Kaufmannschaft machten fich in dem Sinne schlütfig, vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzkommisfion, 100000 Mark bewilligen und bei den Staatsregterungen um deren Zustimmung vorstellig werden zu wollen. Es ist nicht nur dies allseitige Eingehen der Faktoren, ohne welche die Aus- stellung unmöglich wäre, bemerkentwerth, sondern auch die Schnelligkeit der Entschließungen und die Abwesenheit jedes prinzipiell diffentirenden Votums- Die Einmüthigkeit, mit welcher der Plan in die Wege geleitet wird, ist außerordentlich erfreulich und berechtigt zu der Hoffnung, daß auch die Handels» kammern Deutschlands und als bedeutendster und den Aus- schlag gebender Faklor die vereinigten Regierungen dem Plane ihre Zustimmung nicht versagen werden. Die Beglaubigung von Unterschriften in privaten Angelegenheiten begegnet trotz der seit einiger Zeit den polizei- liehen Reviervorstehern ertheilten Ermächtigung, dieselben zu altestiren, noch immer mancherlei Schwierigkeiten und Weit- läufigkeiten we»en der noch vielfach herrschenden Unficherheit über die bezüglichen stempeifiSkalrichen Brstrmmungen. Die« selben find, wie die„StaatSb. Ztg." nochmals heroorh bt, ver- hältnißmäßig einfach, indem alle Unterschriftsbeglaubigungen bei Schriftstücken, in denen es fich um Objekte unter 150 M. handelt, stempelfrei find, während bei denjenigen Schriftstücken, in welchen es fich um W«rthe über 150 M. hardelt oder bei denen die Höhe des WertheS, um welchen es sich handelt, nicht zu taxiren ist, die Unterschriftebeglaubigungen mit dem tarif- mäßigen Stempel von 1 M 50 Pf. zu versehen find. Es ist nicht zu leugnen, daß gewisse Zweifel hinficktlich der Stempel- pfl'chtigkeit auch hierbei nicht ausgeschloffen find und es ist den für etwaige Verstöße gegen die Stempelgesetzgebung regreßpflichtigen Beamten nickt zu verdenken, wenn sie äußerst peinlich verfahren und da, wo die Stewpelpflichkeit irgend zweifelhaft erscheint, die Kasstrung eines Stempels verlangen. DaS Publikum wird gutthun, fich, bevor e« die inredestehenden Beglaubigungen auf dem Polizeibureau nachsucht, zu der nächst- tiegenden Stempeldistribution zu begeben und fich dort Über die Stempelpfl chligkeit zu onentiren. ES bietet dies Verfahren den Vortheil der Zeitersparniß, da alsdann eventuell die Unter- schrift im Polizeibureau ohne weitere« beglaubigt und der Stempel kasfirt werden kann. Ein fernerer Zettverlust entsteht häufig dadurch, daß die zu beglaubigenden Unterschriften bereits vollzogen durch dritte Personen Überbracht werden. Der Beamte ist, fall« ihm elftere nicht zufällig bekannt find, in solchen Fällen nicht in der Lage, die eigenhändige Unterschrift zu attestiren, es ist deshalb nolhwendig, daß die Unterschriften entweder erst im Polivibunau vollzogen oder die Schriftstücke mindesten von deren Urheber persönlich überbracht werden, da« wi> der Beamte fich die Ueberzeugung verschaffen kann, daß die Unterschrift thatsächlich eigenhändig geleistet worden ist. Wie wir noch herrocheben, find alle Unterschriftsbegsaubigungen unter Penfionsquitlungen und für da« StandeSamt bestimmten Schriftstücken stempelfrei. Eine mehr al« peinliche Verwechselung störte in der empfindlichsten Weise eine TrauungSzeremonie, welche am so- genannten dritten Oster feiertage in der Zionskirche vor sich ging. Ein Augen- und Ohrenzeuge berichtet der„Staatsb. Z." da, über: Am dritten Feiertage find in der Zionskirche die Trauung des Metalld ehers P. statt, und zwar in Gegenwart zahlreicher Trauzeugen, Verwandten und Bekannten der Braut- leuie. Prediger Kraft begann seine Rede damit, daß er seiner Freude Ausdruck gab, daß die Brautleute fich nach langer Trennung wiedergefunden; nur vermisse er schmerzlich den 0'/, jährigen Knaben, best Zeugen ihre« früheren Umganges. Je, der Prediger hätte eS gern gesehen, wenn am Trautage bte,em Kinde de: ehrliche Name seines Vaters gegeben worden wäre, wenn dieses Kind heute zwischen Beiden am Traualtare stände:c. Starres Entsetzen ergriff die Anwesenden bei diesen AassÜhiungen; die Braut, 21 Jahre alt, war einer Ohnmacht nahe; ihr Vater war im Begriff, aufzuspringen und den Prediger am Altar zur Rede zu stellen, wurde jedoch hiervon zmückgekaiten, alle Anderen waren zu sehr vom Schrecken ge- lahmt, keines Wortes fähig. Als der Akt vorbei war, eilte der Brautvater sofort in die Sakristei und fragte den Geist- lrchen, noch des Todes erschrocken, wie er sein Kind, daß stch keines Fehltritts bewußt, vor dem Allar so beschuldigen könne? Da erklärte Prediger Kraft, daß ein Jrrthum vorliege, und entschuldigte fich damit, daß kurz vorher eine Trauung abhestellt worden sei, bei deren Vollziehung der Braut jene Leftioi, gegolten habe. Der Prediger Kraft erklärte stch auch bereft, der Braut eine Ehrenei klarung zu Theil werden zu lassen, aber man kann fich wohl denken, daß damit die Störung nicht beseitigt werden konnte, durch welche namentlich dem Braut- paare die Andacht bei der heiligen Handlung vollständig ver- dorben worden war. g. In der Thierarzneischule spielen sich bekanntlich oft Vorgänge ab, denen man eine gewisse Tragikomik nicht ab- sprechen kann. So auch vorgestern Vormittag. Zwei alte „Vetter, es ist doch hier in Deutschland schmählich billig. In Kalifornien hätte ich dafür noch nicht einmal einen Schnaps bekommen. Behalt das Andere," rief er dann dem sehr überrascht» Marqueur zu, als dieser ihm auf den Thaler herausgeben wollte, und der Kalkulator, dem ein solche« Trinkgeld noch nicht vorgekommen sein mochte, sagte entsetzt: „Aber, mein lieber Herr Hummel, Sie kriegen achtzehn Groschen wieder heraus." „Der Kellner soll e» behalten," sagte dieser gleich- giltig, und auch der Kassirer rieb sich verlegen die Hände, denn eine solche Verschwendung schien ihm un- faßbar, wenn et auch hier nicht gern etwas darüber äußern wollte. Mr. Hummel war anfgestanden, und während er sich feinen Uebmock zuknöpfte— es ärgerte ihn eigentlich, daß die Herren Osfizrere so gar keine Notiz von ihm genommen, und er hätte e« doch gar zu gern von ihnen anerkannt ge- sehen, daß er eben frisch von Amerika komme—, flog sein Blick über die Gäste am runden Tisch, von denen fich aber auch schon einige zu« Aufbruch rüsteten. Für den Oberst- lieutenant besonder« war es die höchste Zeit geworden, an d-n Heimweg zu denken. Da fiel sein Blick auf ein Gesicht, da» ihm bekannt vorkam— Aehnlichk itcn trifft man ja überall, und unter anderen Umständen wäre er auch vielleicht ruhig daran vorübergegangen. Hier bot sich aber wirklich eine Gelegen» heit, um ein Gespräch mit gerade diesen stuck up folks, nie tt sie bei sich nannte, anzuknüpfen, und ohne Weitere« auf den Betreffenden zugehend, denn, alle Wetter! er war ja doch amerikanischer Bürger und immer wenigsten« da«, wa« die sich dachten, redete et ihn auch ohne Weitete» an und sagte:„How do you do, Sir? Kennen wit Beide un« nicht?" Det Angeredete war Graf Rauten, der, allerding« etwa« erstaunt, aber doch mit größter Ruhe zu ihm aufsah. „Reden Sie mit mir?" „Yes— beg your pardon," sagte Mr. Hummel, doch etwa» durch die vornehme Art und Weise verblüfft,„Ihr Damen kommen mit der Droschke vorgefabren und tragen einen a terigrauen Pudel, sorgfältig in einen Teppich gehüllt. Da« arme Thier kann weder gehen noch stehen, weder effen noch trinken. ES soll mit Blausäure vergiftet werden, eine Prozedur» welche schmerzlos ist und nur wenige Minuten dauert. Die alten Damen— der Pudel war ihr einziger, longjähriget treund— schwimmen in Tbränen. Bevor fie den Hund dem rzt übergeben, erkundigen fie fich genau, ob daS Vergiften Molly auch nicht weh thut. Kurze Zeit darauf verlaffen fie» daS Taschentuch vor den rothgeweinten Augen haltend, da« Thierarzneischulgebäude. Molly hatte seine Hundeseele mft einem Starrkrampf ausgehaucht. Eine andere, sehr sein gekleidete Dame von ziemlich bedeutendem Körperumfange betritt mit einem allerliebsten Schooßhündchen die Thierarzneischule. Das Thierchen ist bereits wegen eines Krebses operirt worden, b« findet fich aber nichtsdestoweniger„recht tndisvonirt." Die Befitzerin kann es fich gar nicht erklären, daß ihr Hund, welcher ehemals im Besitz einer Prinzesstn fich befunden haben soll, fortwährend„kränkelt". Der Arzt empfiehlt schließlich zur Ob« servation einen längeren Aufenthalt deS„piinzlichen Hunde«" tn der Hundestation, wa« akzeptirt wird. a. Ein Einbruchsdiedstahl, welcher in der Nacht vom 31. März zum 1. April er. in der Wohnung de« Baron« von Sch., An den Zelten Nr. 9-, verübt worden war, be» schäftigt seither die Kriminalpolizei, ohne daß dieser die Er« Mittelung des oder der Diebe gelungen ist. In der angegebe» nen Nacht war der Dieb in den in der ersten Etage bestadltchen Salon gedrungen, hatte da eine Schublade des Schreibtische« mit einem Nachschlüssel geöffnet und mehrere Portemonnaie« mit einem Inhalt von 4000 M. an fich genommen. Der Salon grenzt an einen langen Korridor, welcher an der Entree- thür endet. Diese Thür wird allabendlich, bevor Herrschaft und Dienerschaft fich zur Ruhe begeben, mittelst zweier Riegel von Innen verschloffen und ist auch am Abend deS 31. März ct. so verschloffen worden. folgenden Morgen wurden von der Dienerschaft die beiden Riegel zurückgeschoben und die Entreethür nur eingekiingi vorgefunden. Man vermuthet nun, da gegen daS Dienstpersonal ein gegründeter Verdacht der Thäterschaft nicht besteht, daß der Dieb fich am Abend in irgend einer noch nicht ermittelten Weise in die Wohnung ein« geschlichen und in dem Salon stch versteckt gehalten bat, bi« die Hausbewohner zur Ruhe gegangen waren, und sodann mit seiner reichen Beute fich entfernt hat. Der Bestohlene hat eine Belohnung von 300 M. aus die Ergreifung de« Diebe« ausgesetzt. Unter den gestohlenen Portemonnaies befanden fich mehrere rothe Plüschportemonnaies und ein schwarzes Porte- monnaie mit dem Namen„Altde". Das Geld bestand au« einem Tausendmarlschein, einem 500 Markschetn, 8—9 neuen Hundertmarkscheinen, einem HunderlfrankSschein, Gold- und Sribermünzen. Eine turbulente Szene spielte fich gestern Abend auf dem Moritzplatz ab. Eine Gesellschaft von Damen und Herren wurde von mehreren Raufbolden angehalten; hierbei erlitt eine der Damen besonders dadurch, daß fie in Folge etneS Stoßes auf das Straßen pflaster fiel, starke Verletzungen, so daß fie ohnmächtig und stark blutend in ein Caf« gebracht werden mußte, wo ihr die erste Hilfe zu Theil wurde. Als die Ex- Zedenten zur Wache fistirt werden sollten, flüchteten dieselben nach der Retchenbergerftraße und entkamen bis auf einen, welcher dem nächsten Voiizeireoier übergeben wurde. Im Deutschen Theater werden auf vielfachen Wunsch aus dem Publikum die drei Heyse'schen Einakter, welche während des Urlaubes des Herrn Kadelburg ruhten, nunmehr am nächste Sonnlag, den 19. d. M, wieder aufgenommen. Die nächsten Aufführung von„Hamlet" findet am Mittwoch, den 22. d. M., statt. Gerirkts Rettung. P. Bei der Entwendung von Wurst und Fleisch- waaren ertappte die perehet. Schlächtermeister Zynieß. zu Spandau wohnhaft, die 12jährtge Anna Marschalleck in ihrem Laven, als die kleine Diebin mit der Beute im Weiche von 1,50 Mark fich auf und davon machen wollte. Frau Zynieß vermuthete nun in der Ertappten diejenige Person, deren diebische Thätigkeit schon seit geraumer Zeit in ihrem Geschäfts» lokal fich fühlbar gemacht hatte und deren Habhastwerdung trotz der regsten Wachsamkeit bisher nicht gelungen war; im Einverständniß mit ihrem Ehemann forderte Frau Z., indem fie den ihr in Folge der fortgesetzten Diebereien entstandenen Schaden auf 15 Mark veranschlagte. Entschädigung in Höhe dieses Betrages von den Angehörigen der kleinen Diebin. Die Summe wurde bezahlt und die Bestohlene», ihrer Zusage gemäß, unterließen die weitere Verfolgung der Angelegenheit, indem fie die Sache damtt für abgethan erachteten. Dem war aber nicht so; denn die Angehörigen des Mädchens kehrten nunmehr den Spieß um und was ihnen vorher als eine Wohlthat von Seiten der Z-'schen Eheleute erschienen, machten fie nachdem zum Gegenstand einer Anzeige wegen Er» preffung und zwar unier der Angabe, daß die Zynieß'schen Gesicht kommt mir so bekannt vor. Ware« Sie nicht in Amerika?' „Ich bebaute," sagte Graf Rauten ruhig,„ich«pg» nicht so glücklich; waren Sie in Indien?■' „No," sagte Mr. Hummel Überrascht,„dahin bin ich noch nicht gekommen. Aber Sie sehen Jemandem so merk- würdig ähnlich." „Und wer sollte das sein?" erwiderte der Graf, ohne «» aber weiter der Mühe werth zu halten, den Fremden anzusehen. Er nahm nur sein Gla« Sherry und sog langsam daran, während das Gespräch am ganzen Tische stockte und die Offiziere einander lächelnd ansahen. „Yes danrn it," sagte Mr. Hummel verlegen,„auf den Namen kann ich mich jetzt nicht gleich besinnen." „Mein Name ist Graf Rauten. Bin ich Ihnen bekannt?" „Graf Rauten? No— bloss rny soul, da Hab' ich doch unter dem falschen Baum gebellt, oxcuso me, Sir. Mein Name ist.. „Ich bin gar nicht neugierig," sagte der junge Graf mit einem so trockenen Abwehren, daß Han« fast gerade- heran» gelacht hätte. Mr Hummel selber war dadurch aber so vollständig außer Fassung gebracht, daß er eine verlegene Verbeugung macht« und, ärgerlich über sich selber und die ganze Welt, denn da« vergnügte Lächeln auf den Gesichtern der Uedrigen konnte ihm nicht entgehen, den Hut aussetzte und ohne Weitere« da« Lokal verließ. Seine beiden Verwandten konnten ihn kaum bi» zur Thür wieder emholen. „Da«Zwar famos," lachte Han», al« dre Herren den Raum verlassen hatten,„den hast Du prächtig ablaufen lassen, Rauten. Ich kenne diese Art Deutsche, die fich eine Weile in den Staaten herumgetrieben und ein paar Thaler Geld verdient haben. Nachher wollen sie die Amerikaner spielen; e« giebt kaum etwa« Unangenehmere«." „Widerlicher Patron," sagte der Graf gleichgiltig, „kaut Tabak wie ein Matrose. Pfui, mir war seine At« mosphäre schon zuwider!" „Vor dem bist Du sicher," lachte Han»,„so bald redet Dich der nicht wieder an. Also gehen wir, meine Herren?"(Fortsetzung folgt.) Theltute unter der Drohung mit gerichtlicher Verfolgung sie, die Marschallecks, zur Zahlung der qu. Summe genöthigt. ES »mde auf Grund dieser Angaben Anklage gegen die Z.'schen Eheleute erhoben und die Bestohlenen erschienen daher an Stelle der zwölfjährigen Diebin vor den Schranken. Die erste Strafkammer deS Landgerichts II., der die Sache im Termin «n 14. d. M. zur Entscheidung unterlag, erachtete indeffen die Angeklagten deS Vergehens der Erpressung für nichtschuldig, der Gerichtshof nahm eine Drohung nicht für erwiesen an und «rblickie in der geforderten Entschädigung einen rechtswidrigen Vermögensvoitheil nicht, da die Angeklagten mit Rücksicht auf die vielfachen Diebstähle zuvor wohl zu dem Glauben gelangen konnten, daß die in flagranti Ertappte die früheren Diebstähle ebenfalls ausgeführt habe. Das Urtheil lautete auf Frei» fprechung. Die Kosten, einschließlich der den Angeklagten er» «achsenen nothwendigen Auslagen wurden außerdem der Staats» kaffe auferlegt._ Der Raubmord in Neulerchenfeld. Ein« jener Mörder stand in Wi-nvor Gericht, n eiche fich selbst, von einem unwidersteh- lichen Drange erfaßt, den Schauplatz ihrer blutigen That wiedn zu detreten, der strafenden Gerechtigkeit in die Hände liefern. Mit «lln Arglist, deren das Gehirn eines so verkommenen Menschen fähig, halte der Schustergeselle Bednarzi! den Mord vorbereitet und ausgeführt, doch an dem scheinbar listigen Umstände wurde « zu Schanden, an dem Zettel„Bis 1 Uhr geschloffen", das bewirken sollte, daß« unbehelligt seinemMordhanvwerke obliegen könne. Die zur Verlesung gelangte Anklageschrift lautet: Die k. k. Staats» anwaltschaft in Wien«hebt gegen Mathias Bednarzik, 21 Jahre alt, in Hullein geboren und zuständig, katholisch, ledig, Schuh» »achngehilfe in Neul«chenfeld, Burggasse 24 wohnhaft, ge» richtiich noch nicht bestrast, die Antlage wegen vollbrachten meuchlerischen Raubmordes. D« Sachverhalt wird folgender» maßen dargestellt: Josefa Wanlo lebte fest Oktob« 1884 im aemeinschastlichen Haushalte mst Franz Jedlitzka, welch« in sein« im Hause Nr. 14 in d« Burggaffe zu Neulnchenfeid befindlichen, auS Zimmer, Kabinet und Küche desteherden Woh» uung ein Winkelvnsatzgeschäft betrieb. Als am 27. März gegen 10 Uhr Vormittags daS Dienstmädchen Maria Morawetz zur Wohnung deS Jedlitzka kam, um ein Darlehen ad« S holen, traf sie in d« Küche den Lehrling oludik, welcher schon eine Welle gewartet hatte, und als sie die Kabinetthür öffnete, sah sie die Josefa Wanlo in leblosem Zustande, blutüberströmt, auf dem Boden. D« Körper der Ermordeten lag unter einem Tische ausgestreckt und war am Kopfe und am Halse mit Wunden bedeckt; in d« Küche wurde ein scharf geschliffenes Meff«, welches an bei» den Seiten mit Blut befleckt war, vorgefunden, und da sowohl uuS ein« im Zimmer befindlichen Schublade als auS mehreren im Kabinette aufbewahrten Schachteln Pretiosen und einige Gulden Baargeld abgängig waren, so konnte kein Zweifel sein, daß an Josefa Wanlo ein Raubmord verübt wurde. Die Entdeckung deS Thät«S wurde in nachstehender Weise herbeigeführt: Bei dem in dnselbm Gaffe wobnhaften Sckuhmach«» gehilfen Josef Reinoha und Josef Picha befand sich seit 9. Februar d. I. der Schuhmachergehilfe Mathias Bednarzik in Unterstand. Derselbe hatte fich am 27. März d. I. gegen 9 Uhr Vormittags entfernt und kam gegen 12 Uhr Mittags nach Hause; seine Genossen bemerkten, daß« die Hände vn» brüht babe und gab« vor, es sei ihm dieS bei seinem Arbett» geb« Ruck geschehen. Nachmittags bezahlte n einige Schulden und als er am nächsten Tage wegen ein« Auskunft üb« eine versetzte Uhr von Reinoha zu Jedlitzra geschickt wurde, jedoch seine gewöhnliche Kleidung nicht anzog, so öffneten seine Ge- noffen, welchen sein scheues Wesen und sein Gebahrm V«dacht einflößte, in sein« Abwesenheit seinen Koff«. in welchem fie seine am vorigen Tage benutzte blutbefleckte Hose und in ein Sacktuch eingewickelt die bei Jedlitzka gnaudten Wnthsachen vorfanden. Als Bednarzik zurückkam, wurde« arretirt und legte sofort ein offenes Gcstänvntß sein« Schuld ab. Er wollte schon am 24. Mär, d. I. seinen Plan ausführen, nahm seinen zum Mordwerkzeuge ausersehenen Hamm« mit fich und begab fich zur Wanlo. Als fie ihm die zur Auslösung begehrte Wäsche auSfolgte, scheute er vor der Ausführung der That zurück und entfernte fich wied«. Am 26. Mär, Abends entschloß« fich neunlich, seinen Plan am nächsten Tage zu vollführen, b«ei» tete fich am nächsten Morgen einen mit den Worten„Bis 1 Uhr geschloffen" deschrieoenen Zettel, welcher an die Woh« nungsthüre d« Wanlo geklebt werden sollte, vor und um die neunte Morgenstunde schritt« mit seinem Hammer, dem Zettel und Kledeftoff»«sehen, zur Ausführung d« That. Da fich nun diese von MathiaS Bednarzik zugestandene That mit Rück- ficht auf dm unversehms erfolgten Angriff, gegen welchm fich Josefa Wanlo nicht vertheidigm konnte und welchen fie dah« auch nicht adzuwehrm vermochte, alS in tückisch« Weise voll» führt darstellt und daher sowohl der Thatbestand deS Ver» brechenS de« Meuchelmordes, als auch mit Rücksicht auf obige Ausführungen der deS vollbrachten Raubmordes gegeben ist, so erscheint die erhobme Anklage gerechtfertigt.— D« Ange» klagte beantwortet die Frage deS Präfiventen, ob« fich schul- dig bekenne, mit einem annehmlichen„Ja". Er giebt hierauf an, daß er seit 1873 in Wien sei, seit 1882 fich als Schuh. machngehilfe 7—10 fl. wöchentlich verdiente und in letzt«« Zell ein LiebeSonhättniß mit Magdalena Freibauer hatte, d«« da« Versprechen gab, fie in zwei Jahren zu Heiratben. Zu Jedlitzka sei« öfters gekommen und habe n alle Vnhäliniffe dort gmau gekannt.„Ich habe"— sagt d« Angeklagte—«ge. wüßt, daß Jedlitzka alle Wochentage Vormittags, mit AuS» nähme von Montag, nicht zu Hause ist; bezüglich d« Kinder wußte ich, daß fie in d« Schule find; dann war die Wirth- schast«in allein." Präs. Wußtm Sie auch, wie die Wirthschasterin hieß?— Angekl. DaS wußte ich nicht.— Präs. Wie ist eS gekommen, daß Sie den Plan zur V«übung der That faßten?— An» KI. ES war acht Tage früher, ich bin Nachmittags, nein, mdS im Bett gelegm, da ist mir plötzlich d« Gedanke ge» kommm, die zu«morden.— Präs. Was haben Hie denn mit d«n geraubten Gelde zu thun gedacht? Haben Sie Schulden gehabt?— Angekl. Ja, zehn Gulden, vielleicht etwa« darüb«. Präs. WaS wollten Sie mll dem übrigen Geld thun?— Angekl. Aufgehoben hätte ich es mir.— Präs. In d« Unter- suchung haben Sie da» kla er gesagt.— Angekl. Ich wollte mir daS Geld aufheben, daß ich Geld in der Hand habe, wenn ich einmal heirathe.— Präs. Wie habm Sie fich die AuS» ' hrung der That gedacht?— Angekl. So, wie ich eS gethan be; nur an den Zettel babe ich nicht sofort gedacht.— Präs. „atten Sie fich auch den Tag bestimmt?— Angekl. Ich glaube den Dienstag, den 24. März.— Präs. Haben Sie Schritte zur Ausführung d« That an diesem Tage gemacht?— Angekl. Ja; ich bin zu Jedlitzka hingegangen, daS Instrument habe ich mitgehabt. Die Wirthschasterin traf ich in der Küche; ich ver« langte die versetzte Wäfche. Wie fie in» Kabinet ging, Hab' ich e» nicht thun können; ich war's nicht im Stand, eS hat mich d« Muth v«laffm. Ich habe dann den Plan aufgegeben. Donnerstag, den 26. März, ist« mir wieder gekommen.— Präs. Waren Sie nicht am 26. Nachmittags dort?— Angekl. Ja, ich habe die Hose h«auShaben wollen.— Präs. War eS mit der Hose so dringend? Wahrscheinlich wollten Sie n» spähen, ob nicht ein Hinderniß obwaltet?— Angekl. Daran habe ich nicht gedachf.— Präs. Dielen Abend haben Sie ab« beschloffen, die Tdat am nächsten Morgen zu vollführen. Wann find Sie am 27. aufgestanden? Habm Sie noch am Morgen gearbeitet?— Angekl. Ja— Präs. Wie haben Sie fich voibneitet zur That?— Angekl. Ich habe einen Zettel geichrieben.— P äs. WaS ist auf diesem gestanden?— Angekl. „Dieses Lokal ist bis 1 Uhr M.ttagS geschloffen."- Präs. Diesen Zettel wollten Sie an die Thür ankleben, um ungehindert arbeiten zu können. Sind Sie immer fest bei Ihrem Entschlüsse gebliebm?— Angekl. Nein. Ich habe dm Zettel zusammmgeknittnt und in den Spucknapf geworfen.— Präs. Und was haben Sie dann gethan?— Angekl. Ich habe dm Zettel wied« ausgeglättet.— Präs. Da» war um 9 Uhr. WaS haben Sie dann zu fich gesteckt?— Angekl. Dm i amm« und Schusterpapp.— Präs. So ausg«üstet find Sie fort» aegangm. Sind Sie gleich inS Haus yinein?— Angekl. Ich bin vor dem Hause zweimal auf- und abgegangen— Präs. Sind Sie wied« schwankend geworden?— Angekl. Ja.— Präs. Aber endlich find Sie doch hinaufgegangen. Wrs haben Sie an der WohnungSthür gethan?— Angell Ich habe dm Zettel angeklebt— Präs. War die Küchenthüre offen?— Angekl. Nur eingellinft.— Präs. Die Wanlo stand am Hnde. WaS haben Sie mtt derselben gesprochen?— Angekl. Ich habe meine Wäiche vnlangt.— Präs. Und waS hat die Warko gethan?— Angekl. Sie ist ins Kabinet geganoen.— Präs. Was thaten dann Sie?— Angekl. Ich habe die Küchenthür zuzeiperrt.— Präs. Wie die Wanlo die KabinetSthür wieder geöffnet, wo haben Sie gestanden?— Angekl. Bei d« Thür.— Präs. Haben Sie den Hamm« in d« Hand gehabt?— Angekl. Nein, in d« inwendigm Brusttasche.— Präs. Was habm Ei« dann gethan?— Angekl. Ich habe d« Wanlo Schläge gegeben.— Präs. Wie viele?— Angekl. Vier Schläge.— Präs. Auf welche Sette habm Sie geschlagm?— Angekl. Auf die linke.— Präs. Mtt welcher Sette des HammnS baden Sie geschlagm?— Angekl. Mit der breitm Seite.— Präs. WaS hat die Wanlo gethan, als fie die Schläge empfing?— Angekl. Sie hat mehr«* Schreie ausgestoßen, ist einige Schritte inS Kadinet getaumelt und dann niedergefallen.— Präs Hat fie fich an etwaS gestoßen?— Angekl. An die Tiichecke mtt dem Kopf, dann ist fie unt« den Tisck gefallm.— Präs. Hat fie fich noch gerührt, als fie auf dem Boden lag?— Angekl. Ja.— Präs. Und waS habm Sie gethan?— Angekl. Ich habe ihr noch einige Hiebe auf dm Kopf gegeben.— Präs. Mtt welch« Sette d«S HammnS?— Angell. Mtt der schar« fm Seite.— Präs. Hat fie fich dann noch g«ührt?— Angekl. Nein.— Präs. Wa» haben nun Sie gethan?— Angekl. Ich habe die Schublade geöffnet.— Präs. Habm Sie gewußt, wo die Pretiosen find?— Angekl. Nein, ab« ich habe mir» gedacht.— Präs. WaS haben Sie genommen?— Angekl. Fünf Zweiguldenstücke, Ringe, Kettm, eine goldene Damen» uhr, waS ich schnell fand.— Präs.: Wie Sie so manipulirten, was habm Sie da gehört?— Angekl.: Die Wanlo stöhnen. — Präs.: Also damals hat die Wanlo noch gelebt. WaS thatm Sie nun?— Angekl.: Wie ich auS dem Zimmer hin« ausging, sah ich auf dem Herde ein Meff« liegm.— Präs.: WaS war das für eines?— Angekl.: In schwarz« Schale. — Präs.: Dann find Sie in« Kabinet gegangen, haben ge» sehen, daß die Wanlo Athem schöpft und noch röchelt. Was habm Sie gethan?— Angekl.: Ich habe ihr mit dem Meff« zwei Schnitte in dm Halt gemacht.(Bewegung.)— Präs.: Wo haben Sie die Wanlo gehalten?— Angekl.: Bei d« Schulter.— Präs.: Habm Sie die Frau nicht gewürgt und getreten?— Angekl.: Nein.— Präs.: Nachdem Sie der Wanlo den HalS durchschnitten, gingm fie fort?— Angekl.: Ich ging in die Küche hinaus.— Präs.: Wo haben Sie das Messer hingethan?— Angekl.: Das weiß ich nicht.— Präs.: Und dm Hamm«?— Angekl.: Den habe ich mit- Senommm.— Präs.: Dann haben Sie ein Schaff Waff« ehen gesehm, daS war ab« heiß und Sie haben fich die Hände verbrüht. Dann gingm Sie fort. WaS haben Sie mtt dem Zrt'l an d« Thür gethan?— Angekl.: Ich habe ihn herab- geriffen.— Präs.: Wie lange dauerte Jdr Aufenthalt in d« Wohnung?— Angekl.: Zwanzig Minuten.— Präs.: Wohin gingen Sie nun?— Angekl.: In die Kaiserslraße. Der Angeklagte giebt weiter an, daß er fich direkt von d« Mordstätte in die V«satzamtsfiltale am Neubau be- geben und dort einen Tb eil deS geraubim Gutes für 26 fl. verpfändet habe.— Vors. ES befanden fich ja damals Blut- spuren an Ihren Kleidern.— Angekl. DaS habe ich nicht ge» sehen.— Vors. Hat man Ihnen keine Anstände gemacht?— Angell. Nein. Bednarzik bestätigt weit« die Thatsache, daß « auf dem Heimwege vor dem Hause vorbeiging, wo er den Mord verübt hatte, und daselbst zehn Minuten mtt einem Bekannten darüber sprach. Er ging dann nach Hause, und da « erst hi« bem«tte, daß seine Kleid« blutig seien, zog« die» selben au« und legte fie in seinen Koff«. AlS seine Quartier» Seb« ihn wegen der verbrühten Hände fragten, antwortet««, aS habe n fich bei Rack gethan. Von dem Gelde, welches « geraubt hatte, nämlich zehn Gulden, und von jenen 26 Gulden, die n in der VnkehrSbank erhalten hatte, bezahlte er i einem Schneid« auf einm bestelltm Anzug 20 st., 5 st. gab « einem Gläubig« und 5 fl. sein« Geliebten. D« Rest von 6 fl. wurde noch bei ihm gefunden; auß«dem fand man noch 2 fl. bei ihm. welche« schon vor dem Moide beseffen zu haben. an giebt. Der Vorsitzende zeigt nun dm Hamm« vor, mtt welchem d« Mörd« die Fraugetödtetund fragt: Wem gehört da«? Angekl. (leise) Mtt. D« Vorsitzende nimmt fern« aus einem Packet ein große? blutbeflecktes Messer hervor. Ist da» das Meff«?— Angekl.(nach einigem Zögem). Ja.— Präs.(ein Bügeleisen vorzeigend) Was ist'S mtt diesem hi«? Haben Sie daS auch benützi?— Angekl. DaS weiß ich nicht.— Präs. Es ist ab« ganz blutig. Habm Sie vielleicht mit dem Bügeleisen auch zugeschlagm?— Angekl. Nein.— Staatsanwalt. Sie haben die That schon am 24. März verüben wollen und find davor zurückgescheut?— Angell. Ja, ich Hab' mir gedacht, daS darfst du deinen Verwandten nicht anthun, ein Mörd« wirst du nicht!— Ter Präsident»«liest auS dem VerhörSprotokolle jene Stelle, welche fich auf dm 24. März bezieht, an welchem Tage fich Bednarzik bei dn Wanlo in d« Absicht eingefunden halte, fie zu ermorden:„Bevor fie zurückkam, v«lor ich je. och den Muth. Ich hatte den Hamm« bereits am Stiel«faßt, um ihn aus dem Rock zu ziehen, dachte mtt ab«:„ein Mörd« wirft du nicht", ließ dm Hamm« im Rocke, übernahm die Wäsche und ging fort." Damit ist daS V«hör beendet und eS kommt als«st« Zeuge Fran» Jedlitzka, 60 Jahre alt, Pfandleib«, zur Ver» nehmung. D« Zeuge gibt an, daß Sonnabmd Früh Bed» narzik zu ihm kam und fragte, ob dtt Uhr Reinoha's auch ge» raubt worden sei. Dem Zeugen fielen die vnbundmm Hände auf und« richtete an Bednarzik die Frage, ob« gestern hier gewesen sei; dies« antwortete ganz ruhig: Nein. Dem Zeugen werdm hi«auf die auf dem Genchtitrsche liegenden gnaubtm Pretiosen vorgezeigt. Es fehlen nur zwei stlberne Doppelguldm und dtt in der VerkehrSbank um 26 fl versetzten Pretwfm- Al» thellweise Entschädigung«hielt Jedlitzka dm von Bednarzik b«eitS bezahltm Anzug. Nach einigen weiteren Zeugenvernehmungen und den PlaidoyerS, in welchen der Staatsanwalt die mangelnde re» ligtöse Erziehung de» Angeklagten betonte, vnurtheilte der Ge» richtshof Mathia« Bednarzik zum Tode durch den Strang. Völlig bewußtlos vernahm der Angellagte das Urtheil. etwas das und ohne _,_______ au» oern cooie. Nach d« Verhandlung trat der Gerichtshof zur Be» rothung de» Begnadigungsantrages zusammen. An d«. selben nahm d« StaatSanwatt Theil. Wie»«lautet, wird von Seilen de» Gerichtshofes ein BegnadigungSantraq nicht gestellt.__ Iosiales mifl Arbeiterbnveguug. Afrikaforfchung. Auf dem fünften deutschen Geographen» tage, d« in Hamburg stattgefundm hat, sprach Dr. G. A. Fr scher au» Sanstsar üb« dtt llimatischm Vnhältniffe Afrika» in Bezug auf die Verwmdung übnschüsstg« deutsch« Arbeitskräfte. In dem Vortrage hieß es Der Deutsche kann fich dort niemals akklimatifirm; e» tritt dort bei den W Blutarmuth ein; selbst wenn n das Klima aushalten solltr,' würde doch nach einigen Gennatronm daS G e schilt entarten, wie eS mit den Portugiesen längst der Fall* Was höher gelegene Terrains anbetrifft, so kann bis zu(i* Höhe von 2000 Met« keine besordne Beffnung d« Ledck bedingungen eintreten. Zwischen TageS» und Nachttempaet herrüüm große empfindliche Schwankungen. Jndeß darf« die Temperaturverhältniffc ZentralafnkaS nicht zu sehr genat firm; es finden fich in den verschiedmen Gebieten sehr liche Abweichungen. Für den deutschen Arbeit« ist groß« Unterschied, ob« wie in unserem Klima bei einer s leren Temperatur von 11 Grad R. lebt od« wie in denn.« deutschen Erwerbungen bei 24 Grad R. Deutsche PflB verlrock, im dort und»«kommen, auch europäische Tdiert' Jagdhunde auS Deutschland z. B werden rm Klima Zen» aftrkaS stumpfsinnig. An die Herzthätigkeit werda jenem heißen Klima zu große Anforderungm gestellt,� »«größerungen find dah« unter dm Weißen Seltenes Selbst manche hochgelegenen Gebiete im Ja» find ebenso ungesund und fiebnhast wie die KüstenläS „Die ungesunden Gebiete sind die srui baren, die unfruchtbaren sind gesund"—# Satz gilt für ganz Zentral> Aftika. Lüde, itz- Land ist giU hi« wächst ab« auch kein Gras. Dürre Hochländer sin» gesund. Sanftbar hat seit zwanzig Jahrm wenig« Regen' ist daher gesunder als früher; man könnte Sansibar duti' zugs- Kanäle gesund machen, ab« eS wäre dann mit d«* Kultur vorbei. Die Miasmen find eben mit der Feu« unzertrennbar verbunden. Die Beamten der Kongo, GesB v«pfl>chten fich auch nur auf drei Jahre, dann werden* Kosten d« Gesellschaft zur Erholung nach Eui geschickt. Von solch« Erholung könnte aber bei de? Auiwanderem nicht die Rede sein. W« nur eine Nr» Jnnnn von Sansibar schläft, wird unfehlbar von eine« artigen Fieber«griffen. Wenn dtt Karawanen durti BambuSwäld« einige Grad südlich vom Aequator ziehe» v«linen sie in kurz« Zeit viele ihr« Träger an F'eW heften. Dr. Fischer hat auf seinen Reisen, mtt in Aus? seineS ärztlichen Berufs praktische Erfahrungen in biete: f mehr als genug zu sammeln vermocht. Die Malaria(j fich sogar von dem Boden bis in die Schiffe, dtt im# von Sanftbat liegen, epidemisch fort. Mit d«Zett mag? Bodenkuttur die klimatische Lage fich beffem, inveß ur.» es keinem Zweifel, daß die Malaria stets dm Wrißl»; dttdlick sein wird, die fich dort ansiedeln folltm.— Mr»! also nicht genug vor d« Auswanderung nach dm beulst Kolonien die d e u t s ch e n Arbeiter warnen. Die deutschen Spiritu»fabritanten, welche so re steue.frei dastehen und alle Vortheile genieß-n, dtt bei*' und das Reich ein« Industrie gewähren können, finV sättlich. Sie haben kürzlich eine Denkschrrst an den- kanzler gnichtet, in welcher fie darthun, daß daS noch eine Exportprämie zu entrichten habe. ab« müsse bei Steunvcrändnungm die deutsche industrie recht zart angefaßt werden, da fie kemerlei' Puffe vertragen könne. Da« ist immer so. Wo die t-, sevaft in Deutschlaud in« Spiel kommt, da soll fie vor« nur empfangen und nicht an denselben geben, da» überläßt fie gern den Arbeit«» und Meinen Leuten f' und Land. Auf noch Kamerun! Unt« diesem scherzhaft Auftuf brachten wir vor einigen Tagen die Mitlheilu»! ein gewiff« Will«! in Hamburg Handwerk«, junge M und Arbeiter nach Kamerun suchte. Wir warnten unse'i natürlich vor solch« Offerte. Nun«fahren wir, daß% alle lämmrlich an den bekannten Maller E Wittert." d« betreffenden Annonze gar nicht« wußte. Wittert nicht defugt zur Stellenvermittelung nach Kamerun, so I dtt Polizei mit der Angelegenheit beschäftigte, also wiederholt und eindringlich vor solchen Lockungen» w«den. Daß die Kohleubttgwerke von Chemnilk s chappel-DreSden und Zwickau, die geg Millionen Zentner Kohlen p« Jahr liefern, höchsten. Jahre in dieser Weise weit« produzirm tönnem d�. z �ayre tn Dieter Werte wert« produzirm können, ziemlich«schöpf! sein werden, daß sogar einzelne Gru%| nach 10 Jahren dm Betrieb werden einstellen müsse", Z lich ein sächsischer B«glechniker festgestellt. Die AufhörmS V« sächsischen Kohlmproduklion find leicht A s-hen- Einmal wird d« inländischm Industrie, so weil' Kohlen bedarf, die Existm,«schwert, wenn fie die mal au» dem Auslande beziehen muß. ES wird das* «.r r"0»�" Uiug. y# wrro W J sachfischm Kohlmbergwnkm angelegte Kapital zinSloS großen Therle ganz werthlos. Endlich wird die Virev'Z direkt vom Betrieb und von dn Ausbeutung d«'r TTlV—■ ft iw nn*** �uöoeuiun« ycv Koh enwerke lebende Bevölkerung nach dies« Zeit arb�. verdrenstloS, sofnn eS nicht gelingt, dieselbe andnweiti»' schaftigm. ES steht demnach zum T hell schon der nammtlich ab« d« nächsten Gennation d« BevölkertZ W irgend ein« Beziehung zu d« Ausbeutung der M Kohlenwerle steht, eine schwne Kalamität bevor. G-nt.' steht e» auch mit anderen, namentlich mtt den kleinere� JfÄnL"®utopa' wdem ihnen in absehbar« ZeitL liche Erschöpfung und damit die Betrttb»einstellung< «. Die Dresdener Tisqier.Jnnuug«meister � Polztn Beschluß gefaßt, in allen LohnstreitigkeiteiVÜ angelegmheitm, nur mit ein« solchm Gesellm» wrnm »«Hände n, deren Mitglieder bei JnnungSmeist«njH stnd. Dtt Dresden« JnnungSmeister find aber 8% nicht hingezogen fühlen. Besonders empört find die 3" merster üb« dm F achverein d« Ti chlergesettrt- Beweis dafür, daß der letztere seine Schuldigkeit Ifü». äx ar Äraw Mbycn jaaen. j i w"®,0®'«:* a? Wen dtt Zimmergesellen � amnika große ArbeitSlosigleit. Vor dn AaSwanv� dem westlichm Südamnika muß somit gewarnt 0%( ttitungm und Pumpmaschinen von den Gcwttmung Westen nach hrnn__ fralWZ.ä Osten d« mwsmm ß ob« d« Eisenbahn möglich war. 138 Berantwortltch« Redatiem«. ttrautt« m Berlin. Druck und«erlog von ftox BodUu« Bertin SW, BemhUratze X- ftten»*»* Beilage M Berliner Bollsblatt. Nr. 88. Donnerstag den 16. April 1885. n. Jahrgang. '1 Die große Chinefensrage. n. DaS Problem, um welches es fich bandelt, ist in der That eines der wichtigsten und schwierigsten für die nächsten Jahr- zehnte. Der Strom der chnufischcn Auswanderung wird nicht so ohne Weiteres einzudämmen sein. Er beginnt schon Nord- Amerika und Australien zu itb ifluthen, er wird auch Europa erreichen, und unsrer sozialen Frage neue Verwicklungen hin- Uftigen. Die chinefischc Woaie kommt zugleich mit der chine- fischen Arbniskraft auf den Weltmarkt. Beide vereinen fich zu einem Konkurrenzkan pse gegen die eurepärsche und aweri- ramsche Waare und Arbertskrafl, bei welchem der Sieg vor- autflchilich dem. neuen Bewerber zufallen muh— wenigstens sola ge nicht Fallorcn in Betracht kommen, die bei der beute herrschenden Form des wirlhjchaftlichen Kampfes noch keine entscheidende Bedeutung haben. Die moderne G ohwirthschaft gleicht einem Riesenstrome, der auf seinem mächtigen Laufe alle Nachbarflüsse in fich auf- nimmt. Kein Flußgebiet kann fick seldstständtg abgrenzen; alle Genäffcr werden hineingezogen in die eine große Hauptrich- tun»— eine gemeinsame Mündung führt schließlich alle JDuellenergüfse demselben Meere zu. Ohne Bild zu reden: Kein Marktgebiet vermag stch heut »u Tage auf die Dauer abzugrenzen; jede Verschiedenheit deS Preises, des Angebotes, ja des GeschmackeS schwindet mehr und mehr, ein großes AlleS verschlingendes Einerlei erzeugt fich aus der entfesselten„wirthschaftlichen Fmhert aller Länder und Rationen, und macht stch selbst zum absoluten Beherrscher der Wtrchschaft aller Länder und Na- Uonen. Der regierende Genius dieses Einerlei aber ist das Chrnesenthum. Vom Urschleim ist das Leben ausgegangen durch Diffe- renziiung. Indem die D fferenzirung stch selbst aufhebt, kehrt «s zu einer Art milliardcnköpfigen Urschleim wieder zurück.— Leidet die Freiheit Schaben bei einer solchen Entwicklung? Formell nicht! Nicht im Namen eines gesetzlichen Zwanges vollzieht fich die große Nioellirung und Chinestrung der Menschheit. Jeder Einzelne folgt nur seinem„freien Willen", wenn er etwas tbut, was direkt oder indirekt den „Fortschritt" nach dieser Richtung hin begünstigt. Ist die chmefische Lebens- und Denkweise, die chinefischc Art zu fühlen und zu begehren, erst einmal überall her-schend geworoen, dann wird zwar unsere europäische Freiheit der indi- viduellen Entwicklung zu den Dingen gehören, von denen es heißt:„Mährchen sagt: es war einmal!" Aber Niemand wird dann diese allgemeine Sklaverei unter dem Joche deS rundschädeligen Rormalmenschen- thums als eine Sklaverei empfinden. Im Gegentheil, dle Leute werden viel weniger Schranken von Freiheit und Glück bemerken, als heute, weil die durch die allgemeine Sitte gegebene Regulirung deS ganzen Daseins ihnen dann schon so mit der Muttermilch, ja mit noch viel früheren Nährelementcn in's innerste Wesen eingedrungen ist, daß Keiner daS Bedüifviß empfindet, einen besonderen, eigenen und etgenthümltchen W.llen, individuelle Wünsche für fich zu baden. Die„Gleichheit und Biüderlichkeit"— natürlich mit Gänsefüßchen!— werden dann die höchsten Triumphe feiern— abgesehen von einer kleinen Schaar von Erdengötter n. Von dem Zustande dieser wenigen Bevorzugten vermögen wir uns noch kein Bild zmechtzuformen. Dazu haben fich die Kasten- Unterschiede in der europäischen Menschheit noch immer nicht scharf genug ausgeprägt. Der Zustand der ihnen unterthänigcn ordinären Menichheit aber läßt fich einigermaßen vorstellen. Da giebt eS nichts besonders Großes mehr und nichts besonders Kleines; keinen heitern Lebensgenuß und auch keinen diltern Mangel— Alter Sversor- gung, Krankenkassen u. s. w. find natürlich glänzend aus. gebildet; kein blendendes Glück und kerne erschütternde Trauer; rein romantisches Ahnen und keine erhabene Schönheit— nichts als staudtrockene, verständige, nüchterne Praxis— Alles pbpstologisch und mathematisch aus's Beste geregelt und motivirt. Der Schulunterricht ist natürlich vorzüglich, und erstickt Ieuitteton. 138 Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Du'. (Forsetzung.) „Ich kenne die Gefahren, denen ich mich aussetze, sehr genau," antwortete O'Brian. Ich darf aber Werne Nachforschungen nicht hinausschieben. Um sie anzustellen, habe ich den weiten Weg über da« Meer gemacht; ich werde noch diesen Nachmittag von hier 1 l"«»'.$a�en Sie die Güte, Mr. Knox, mir ein an» deres Pferd zu verschaffen, daS«einige ist bereits durch Strapazen allzu sehr mitgenommen." „Wenn Sre es haben wollen, Herr Baronet, so will ich Ihnen NN Pfrrd beschoffen.. Daß Sie gesund zurückkehren »erden, glaube ich nicht. In solchen Gegenden, in welche Sie sich begeben wollen, wissen nur Schmuggler und ähv» liche Leute Bescherd. Ich glaube nicht, daß Graf FerguS' eigene Leute dre Tour wagen würden." Nur eine Stunde Ruhe gönnte sich der Baronet, gerade so lange, als Mr. Knox Zeit bedurfte, ein andere« Pferd zu beschaffen. Wiederholtes Mahnen und wiederholte Vorstellungen, die Mr. Knox auch da noch machte, al« das Pferd vor der Thür bereit stand, fruchteten nicht«. Der Baronet stieg auf und ritt davon und überließ den Wrrth und den Bader ihrem Erstaunen. Die Beiden saßen noch lange beieinander, kopfschüt- telnd und fich in den kühnsten Vermuthungen ergehend darüber, wa« den jungen Mann bestimmen konnte, eine Reise über den Ozean zu machen, dann mitten im Winter durch djx Aijppx,, deü schottischen Hochlandes zu reiten, um e"l* umherirrende Bettlerin zu suchen. Sie kamen darüber natürlich � keinem Resultat. ., ir"? Bader erschien aber diese» Ereigniß wie eine der fruchtbarsten Neuigkeiten, mit denen er am nächsten Mor- gen semen Kunden aufwarten konnte. av 11.Zwanzigste« Kapitel. Die Ueberraschungen diese« Tage« waren für Mr. Knox und felnen Freund keineswegs erschöpft, eine größere, als die eben gehabt«, stand ihnen gegen Abend desselben Taget— sie saßen«och, sich den Kopf zerbrechend bei jedm etwaigen Keim frischen Lebens, so gründlich wie möglich. So glücklich ist viedann die Menschheit, daß selbst das eine U.bel, welches leider noch immer, und zwar überall, grenzenlos dominiit, die L a n g e w eil e, eigentlich gar nilüt als Uebel empfunden wird, weil den Leuten jede Vorstellung davon fehlt.z daß ein nichllangwelliger Zustand überhaupt denkbar sei. Dann wird die Menschheit stch Zur höchsten Höh' erheben! Du aber, freue Dich, Die Zeit nicht zu erleben. Aber waS wollen wir denn eigentlich mit diesen Bemer- lungen? Wir reden da ja, alS ob dieses große Chiresen- paravi.s der Zukunft etwas NichtwünschenswerlbeS wäre? AlS ob eS nicht nur vorstellbar, sondern sogar begehrcnswerth sei, daß unser Geschlecht stch eine andere Gestaltung seiner künftigen Lage erringe? Eich dieser Chinestrung mit aller Macht ent- gegen stemmen? Wie ist ein solcher Standpunkt zu verantworten, wenn doch zugegeben weroen muß, daß der Strom der modernen wirthichasuichen Entwicklung— von welcher die kulturelle Entwicklung natürlich vollständig abhängig ist— graden Laufes auf das tausendjährige Reich des hetltgcn Wen- Wang loitrerbt? Ist rs nicht sinnlos, fich— auch nur im Wunsche— gegen das Naturnothwendtge zu sträudm? Diesen Bedenken gegenüber erwidern wir: Wäre wiillich nachzuweisen und nachgewiesen, daß der Sieg deS Chinesenthums— zunächst de« industriellen und merkantilen, dann auch des ethischen, philosophischen, ästhetischen, polituchm und sozialen— unabwendbar ist, so würde Sir uns daraus nocd keineswegs die Nöihigung folgen, dieses nabwenddaie mit Ergebenheit hinzunehmen. Wir huldigen eben nicht dem Wahne, die natürliche Entwicklung sei ein un- bedingter Fo.tichrttt, und jede späteie Stute sei auch eine höhere, reifere. Wäre der Sieg deS Cvinesenthums unanwend- bar, so würbe es immer noch wackeier Männer Sache sein, diesen Sieg so lange wie möglich aufzuhalten, fich und den Nachwuchs so viel wie möglich ihm persöniich zu ent- ziehen. Der freudige Kampsektiotz auch bei der Ge- wißheu deS Uniertiegcns ist ein abendländisches Ideal, freilich lein chwefisches. Und warum wäre das so? Weil daS einzige zuverlässige Tribunal für Gut und Böse, die m mittilbare persöntiche Empfindung, uns Europäern mit Bewußts in sagt, daß der Untergang unserer Da- jetnksorm im Kampfe gegen die hinterafiatisaze einen Triumph des Niederen über Vus Höhere bedeuten wüide. Giebt es einen Beweis für die Richligteit des Urtheils? Für den, welcher auf Seite des Höh, rm st ht— Ja! Er rann hinabsteigen aus den niederen Standpunkt, kann Beides vergleichen, und hat den Beweis in diesem Veigletche. Wer aber auf dem niederen Standpunkte ficht, kann fich nicht zum höheren erheben, kann also auch nicht vergleichen. Ihm ist alleroings kein Beweis zu liefern. Wie stellt stch nun aber für die, welche in unlerm Falle den Vergleich anstellen können, die Frage nach der Unvermeid- barkeir dieses Sieges? Sehr einfach! Die jetzige Gestaltung der europäisch-amerikanischen Wirth- fchaft— mehr ober weniger konsequentes Manchesterthum— ist absolut unfähig, den Kampf mit dem Cainesenlhum« aufzunehmen. Diese wnthschaftiiche Gestaltung lufert mithin all die vielge» priesenen— in der PH. ose leider mtllionenmal mehr als tm Ernste hochgeschätzten—„beiltgen Eciungenschaften der abend- länd schen und vorverafiattschen Kultm" oem Chmesenthum zur Vernichtung aus. DaS würbe aber nicht gelchshen, wenn un- sere Wirthschast fich so umgestaltete, daß die Zauberwaffe ChinaS— daS Untei gebot durch Billigkeit der Herstellungskosten — ihie Macht verlöre, weil der Kampf der Konkunenz fammt der durch ihn bedingten PrciSbestrmmung überhaupt praktisch antiquirt würde. Was folgt daraus?. einander— bevor. Da» Schneegestöber war vielleicht noch ei» wenig heftiger al« am Mittage, ein Wetter, so recht geeignet am Kamin zu fitzen und fich Schauergeschichten zu erzählen, wie e« denn auch Mr. Knox und sein Freund thatev, die sich immer noch in den abenteuerlichsten Ver» muthungen ergingen und fich die schrecklichen Situationen, in denen fich Mr. O'Brian möglicherweise schon in diesem Augenblick befand, vorstellten. In daS Knistern de« Feuer« und da» Ticken der Wanduhr wischte sich, so oft eine Pause stummen Grauen« eintrat, da« Geheul des Sturme«, durch den» selben aber erscholl, al« Mr. Knox eine neue Flasche entkorkte, der laute Knall einer Pritsche, da« Fluchen eines Manne«, der mit dem Hausknecht de« Gasthofes eine leb- hafte Debatte anknüpfte, und ihn zur Eile antrieb, damit feine Pferde in den Stall kämen. „In dem Hundewetter müssen ja," fügt« er hinzu, „Menschen und Ps-rde erfrieren, und wenn e» die aus» dauerndsten find, die man im Hochlande finden kann." „Ich denke, mein Freund," redete eine helle Männer- stimme dazwischen,„daß Euch Niemand gezwungen hat, die Tour zu machen. Ich bezahle Euch dt« Strapazen, und »'cht au« Freundschaft für mich, sondern nur de« guten Verdienstes Willen habt Ihr'« unternommen, mich hierher zu bringen." „Weiß wohl; aber hätte ich gewußt, daß die Wege so vollständig verschneit wärm und der Wind so eifig weht, ich hätte e« nicht gethan." „Besorgt Eure Pferde, kommt dann hinein und trinkt mit mir ein Gla« Punsch. Mr. Knox wird vermuthltch auch ein behaglich warme« Zimmer für un« zur Nacht haben." Gleich darauf öffnete fich die Thür de« Gastzimmers. Ein junger Mann war's,«elcher eintrat. Er war in einen weite» Pelzmant l gehüllt, trug eine Pelzmütze auf dem Kopfe, und fein Gesicht war von der Kälte geröihet. D>r Schnee fiel in dicken Ballen von seinem � Mantel herab, während er denselben auezog. Man fühlte daS Wehen der Külte, die er mit hereinbrachte, b>S an den Kamin. „Ei, Mr. Strahlenaul" rief Mr. Knox überrascht, al« er de« Gaste» ansichtig wurde.„Sie sind e« wahr» haftig, Mr. Strahlenau, Sie sind eS I Zum Teufel, die Herren müsse» ganz andere Naturen wie Unsereiner haben, Zweierlei: Erstens: Der Sinn für die Güter, welche wir in diesem Kampfe zu vertreten haben— die in Wahrheit großen und herrlichen Errungenschaften der abendländischen und voider« asiatischen Kultur muß bei uns geweckt werden, damit wir diese Güter in Zukunft mehr in Wahrheit schätzen als in der Phrase. Wir müssen m il unserer eigenen Kultur end» lich einmal Ernst machen. Dann werden wir mehr als bisher eifrig sein, den Kampf aufzunehmen gegen die herandrohende Chinestrung der Menschheit. Zweitens: Ohne Säumen muß die Schmiedung unserer Waffe für diesen Kampf in Angriff genommen werden, die Ausbildung der schon vorhandenen zarten Keime einer neu-n besseren WtttbschastSocdnung, welche dem hinterastalischen Feinde nicht mehr Gelegenheit giebt, uns mit Millionen und aber Millionen von kleinen geschäftlichen Triumpben langsam bin- zumorden. In dem Augenbl ck, wo der Begriff„Profit" seine praktische Bedeutung verliert, ist der Kuli nicht mehr gefährlich. Diese beiden Forderungen drängen sich uns auf. Ihre Er- füllung ist eine nationale Aufgabe von höchster Wichtigkeit, eine unerläßliche Bedingung, wenn nicht das Pagodenwesen ganze Menschheit verschlingen soll. die ffarlameutsderirkte. Deutscher Reichstag. 77. Sitzung vom 15. April, Mittags 1 Uhr. Am Tische des BundeSrathS von Boetticher und von Ech ellin g. Die Bänke des Hauses find schwach besetzt. Abg. Pfafferott referirt über die Anträge Munckel und Retchensperger betreffend die Einführung einer Be» lufungsinstanz gegen die Entscheidungen der Strafkammern. Die Kommission empfiehlt dem Hause folgende mottotile Tages- ordnung zur Annahme: „Der Reichstag wolle beschließen: In Erwägung, daß die Ausschließung der Berufung in Etrafkammersachen durch die Reichs- Justizgesetzgebung in der Voraussetzung er- folgt ist, daß die durch eine zweite Instanz erstrebte Garantie für eine gute Rechtspflege stch als entbehrlich erweisen werde; daß aber diese Erwartung in dem abgelaufenen Zeiträume von fünf Jahren stch ntctt verwirklicht hat, und dementsprechend die Wiede: Herstellung jener Berufung in immer weiteren Kreisen dringend gefordert wird; daß die Reichsregierung nach den in der Sitzung vom 10. Dezember 1884 abgegebenen Erklärungen bereits Einleitungen zur Heibetfübruna einer dem Brdürfniß entsp-echenden Gesetzvorlage getroffen hat,— das Resultat der erforderlichen Arbeiten aber um so mehr abge- mattet werden muß, da ein aus der Initiative des Reichs- tages hervorgegangener Gesetzentwurf bei dieser Lage der Sache kaum AuSficht auf Erfalg hat; geht der Reichstag über die Anträge Munckel und ReichenSper» ger zur Tagesordnung über, spricht aber zugleich die Erwartung au«, daß die verbündeten Regierungen mit thunlichster Beschleunigung einen die betriffende Rechts- matette ordnenden Gesetzentwurf dem Reichstage voilegen werden." Staatssekretär v. S ch e l l i n g: Ich habe früher schon mitgetheilt, daß dem Reichskanzler in Bezug auf die Art, wie eine Reform de» StrafprozeßrechtS zu geschehen habe, zwei Hauptziele vorgeschwebt haben: nämlich erstens, unfern Mit» bürgern, welche die Lasten des Geschworenendienstes zu tragen haben, eine Erleichterung zu gewähren; und zweitens, bessere Garantien für eine richtige Entscheidung der Thatfrage zu schaffen. Der BundeSratd ist bereits mit einem Gesetzentwurf, welcher diese beiden Zwecke«reichen soll, befaßt, uno die Be- schlußiaffung darüber wird vorausstchtlich in nächster Woche zum Abschluß gelangen. Für den Gegenstand der heutigen Beiathung interesstrt nur daS erwähnte zweite Hauptziel. Der Reichskanzler hat die Einführung der Berufung gegen die Strafkammerutthetle vorgeschlagen. Ob der Bund-srath dem der doch hier im Lande geboren und erzogen ist. Ei« Bürger von Blackfi-ld verläßt bei solchem Wetter sein be- hagl'che« Nest nicht." Flüsternd beugte er sich zu dem Bader herab. „E« ist der Andere! Sie werden sehen, Freund, er erkundigt sich auch nach der Alten." „Merkwürdige Menschen!" sagte der Bader zurück. „Ei steckt etwa« dahinter." „Wir sind an Hitze und an Kälte gewöhnt," versetzte Sttahlenau in munterem Tone. Nachdem er fich seine« Pelze« entledigt hatte, sich die Hände gerieben und da» Haar au» der Stirn emporge- strichen, sah man e« ihm nicht an, daß«, vier Stunde» in Schnee und Kälte gefahren war. Sein Auge blickte so «unter und seine Bewegungen waren so elastisch, al« käme er eben au» einem behaglichen Stübchen. Auf Mr. Knox' Einladung setzte er sich an dem Kamin an denselben Platz, den einige Stunden früher Mr. O'Brian inne gehabt hatte. „Sie wunder« sich, Mr. Knox," fuhr Strahlenau fort, „daß ich in diesem Wetter komm«... Kann mir'« wohl denken, ich an Ihrer Stelle würde«ich wahrscheinlich auch wundern, und unter allen Umständen würde ich auch vor- ziehen, daheim zu bleiben und mir eine andere Jahreszeit aussuchen, wenn ich Lust hätte. Eure Berge zu durchstreifen. Nun, vorläufig fitze ich ja behaglich und trocken; ich weiß auch, daß St««in gute« Gla« Punsch haben, und wa« ein Abendessen betrifft, so sehe ich ja dort auf Ihrem Büffet die Auswahl. Lassen Sie für mich und meinen Fuhrmann, de« ich nothwendig in bessere Laune versetzen muß, eiu gute» Abendessen Herrichten." „Versteht sich von selbst, Mr. Strahlenau.— Hier ist der Punsch, erwärmen Sie sich zunächst daran; e« soll keine Viertelstund« währen, so steht Ihr Abendessen bereit, und da« Zimmer ist bereit» geheizt." „Freut mich, freut«ich I" „Sie bleiben doch hoffentlich hier?" „Nun freilich, und wenn ich einen Schatz hätte, der eine Meile von hier wohnt, und wäre der ungeduldigste Lieb- haber. ich würde heute Abend nicht mehr dahin gelangen können, also muß ich wohl hier bleibe». Uebrigen« denke ich nicht nur diese Nacht, sondern auf längere Zeit bei Ihnen zu wohnen; ich erwarte Jemand, wissen Sie." (Fortsetzung folgt.) beitreten wird, kann ich noch nicht sagen; indessen möchte daS kaum für den weiteren Fortgang der Frage entscheidend sein, denn in der Vorlage find n�ch andere Verdeffrrungen deS Etrasprozeffrechts proponirt, welche in der Hauptsache auf die Zustimmung deS Bundesraths rechnen können, ja sogar auS dem Sckoße des Bundesraths heraus noch durch beachtenswerthe weitere Vorschläge ergänzt worden find. Der Entwurf wird also jedenfalls, sei es mit oder ohne die Berufung, an den Reichstag gelangm. Adg. Reichensperger(Olpe) beantragt mit Rückstcht darauf, daß die Regierung dem im Kommijfionsrnirage geäußerten Wunsche nach der Erklärung des Staatssekretärs bereits nachgekommen sei, Uebergang zur einfachen Tages. ordnuna- Der Antrag Porsch auf Abänderung deS§ 370 der Strafprozeßordnung wird im Hinblick auf die Erklärung deS Staatssekretärs zurückgezogen.. �... Hierauf bericht-t Adg. v. Go ldfuS über eine bereits vom BunveSrath abgelehnte und jetzt an den Reichstag ge- richtete Petition eines Kaufmanns G aepel in Emden, der ein großes Quantum Rindertalg mit 8(Dl. statt mit 2 M. für 100 Kilogr. bat verzollen muffen, weil der Talg bei 14—15 Gr. R�aumur schrnalzartige Konst'tenz zeigte. Mit Rückficht auf die Subtilität dieser P-üfung. bei der es fich um die Identität der Probe mit der zu verzollenden Waare handelt, und auf die Thatsache, daS auch die Steuerbehörde bei der Tarifimna nicht gegen jeden Jrrthum geschützt ist, wird die Petition dem Reichs« kanzler zur nochmaligen Erwägung überwiesen. Es folgt die zweite Berathung deS vom Abg. Lenzmann «ingedrachien, von ihm zurückgezogenen und vom Adg. K a y s e r in veränderter Faffung wieder aufgenommenen Entwurfs, betr. die Entschädigung für verurtheilte und im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochene Personen. Nach dem Vorschlag deS Abg. Kayser sollen diese Personen auch für die durch Untersuchungshaft, Geschäfts- störung, Vertheivigungskosten ic. erlittenen Uedel gebührend entschädigt werden. Abg. Kayser: Ich brauche nicht von Neuem im Einzel« nen darauf zu verweisen, welche ungeheuere Menge von El-nd durch die Verurtheilung Unschuldiger geschaffen wird. Daß aber solche Verurtheilungen bäufig vorkommen, steht fest und ist erst eben durck Herrn v Schilling selbst zugegeben worden, der deffere Garantien für die richtige Enticherdung der That- frage für rölhig erkannt hat. Wir müffen durchaus darauf dringen, daß die Frage der Entschädigung unschuldig Verur- theilter, eine Frage, die schon seit dem Ende des vorigen Jahr« Hunderts zur Erörterung steht, endlich befriedigend gelöst werve. Ich mache auch darauf aufmerksam, daß man die unschuldig Verurtheilten, wenn man ste nicht entschädigt, zu erbitterten Feinden der Staats- und Gesellschaftsordnung macht und fie geradezu auf den Weg des Verbrechens drängt. Viele Kantone der Schweiz haben bereits ein meinem Antrage entsprechendes Gesrtz, und was die kleine Schweiz kann, muß daS große Deutsche Reick auck können; namentlich darf die Finanzfrage hier, wo es fich um Erfüllung einer beiltgen Pflicht der Ge- rech'.iftkeit handelt, nicht ins Gewicht fallen. Ich bitte Sie da- her. stemmen Sie meinem Antrage zu! Abg. Klemm hält es nicht für förderlich, im Plenum in die Details dieser Materie einzutreten, und bittet, den Antrag der Kommisfion, welche mit dem Gerichtsverfaffungsgesev be- faßt ist. zu überweisen. Abg. K a y s e r: Ich konstatire vor dem Lande, daß seiner Zeit bei der ersten Berathung des Antrage» eine Kommisstors- derathrmg abgel.hnt worden ist. Bei der Lage der G-schäfte ist es kaum möglich, daß derselbe, wenn er heute an die Kom« misfion geht, überhaupt zur Erledigung kommt. Ich bitte Sie deshalb, heute in der Sacke zu entscheiden. Die Schwierigkert der Materie ist lein ausreichender Grund dagegen. Denn wenn der Entwurf noch so vollkommen aus der Kommisfion hervor- gebt, so wird doch der Bunvesrath auch in dieser Form ihn nicht akzeptiren, sondern die Reichsrcgierung wird auck dann einen eigenen Entwmf vorlegen. Verweisung des Antrages an die Kommisfion heißt Ablehnung. Abg. Klemm verwahrt fich gegen die Unterstellung, als ob er kern Jntereffe an dem Zustandekommen deS Gesetzes habe; «z fei nur nicht möglich, rm Plenum auf das Einzelne des Entwu'fs einzugehen. Adg. v. B u o l: Meine politischen Freunde und ich stehen dem Antrag Katzser durchaus nicht unsympathisch gegenüber; aber aus dem von dem Abg. Klemm angesüdrten Grunde holten auch wir eine Verweisung an die Kommisfion für voll- kommen gerechtfertigt._ Abg. Pfafferott: Ich bin der Meinung, daß, wenn wir j'yl in der Berathung des Entwurfs fortfahren, derselbe zu Falle kommen würde. D�nn läge die Sache ungünstiger, als wenn eine KommisstonSb-ralhung stattfindet. Dieselbe liegt also auch im Jntereffe der Freunde der Vor age. Abg Kayser: Ich glaube allerdings gleichfalls, daß, wie die Dinge liegm, der Antrag nicht Annahme finden würde. Ich würde mich mit einer KommisfianSberathung einoerstanden erklären, wenn eine neue Kommisfion von 21 Mitgliedern damit betraut würde. Abg. Hoff mann: Wir(die Deutschfreifinnigen) haben seiner Zett für dic Kommi'ston gestemmt und find der Meinung, daß wir auch heute die Kommufion akzeptiien müffen. Es ist bedauerlich, daß damals leine Komme stonsberathung deliebt worden ist, aber eine Erledigung im Plenum ist nicht möglich. Daß wir materiell für den Antrag find, das kann keinem Zweifel unterliegen. Die Diskusfion wird geschlossen und der Antrag einer Kommisfion vor 21 Mitgliedern überwiesen. Der Bericht der Pe!rtioiukommi>ston über eine Petition wegen Vermch ung der Zahl der RcichstagSabgeordneten wird aut Wunsch deS Abg Viereck von der TagcSoronung abze« se t, ebenso der KommijfionSbericht über den Antrag Liebknecht, betr. die strafrechtliche Veifolgung von Polizei« beamten. Dm Gemeinde Klein-Gandau bittet darum, daß der Reick Sfi las angehalten werde, seinen kontraktlich übernommenen Verpflichtungen nachzukommen, zu den Gemeinveabgaben nach M.�gabe seines GrundbefiyeS in der Gemeinde beizutragen. Die Komme fion beantragt den Ui Hergang zur Tagesordnung. Abg. von Heydebrand und der Lasa trägt noch einmal den Eackverbalt vor. Eine kleine Gemeinde erklärt fich berert ein G undstück an den Mllttärfiskus zu verkaufen, aber unier der Bedingung, daß derselbe die Kommunollasten mft übernimmt, wrlcke antheilsweise auf dieses Grundstück fallen. Dre Forderung ist derecktigt. w-il die Gemeinde sonst nicht pränatwnsfähig geblieben wäre. Auch der Militä.fisku« er- kennt die Berechtigung der Forderung an und trägt rudig diS 1880 die Lasten, die auf dem Grundstück ruhen. Ein Versuch, den er im Fahre 1874 bei Einsührung der Kreisordnung in Scklefien machte, eine anderweitige Regelung dieser Angelegen- hift herberzulühren, wird von der Verwaltungsbehörde abge. wiesen. Im Jrhre 1881 eher entdrckl der Oberiechnungshof, daß der von dem Miiitäifiskus mit der Gemeinde abgeschlossene Vertrag rm Wideilpruck steht mit der KrbinetSordre, die bc- stimmt, daß der Fiskuk für alle nickt bkbawen Grundstück- von Ge- merntc-vsten bifteit ist. Der Mil'tärfiskuS wird hierauf befreit von der Zahlung der Kommunal lasten. Er giebt trdrssen fich nickt damit allein zufrieden, sondern fordert auch noch, daß die 15 Jahre lang von ihm getragenen Steuern wieder heraus gezahlt werden von der G-meinve. Dieselbe detrilt zwar den Rechisweg, indeffen ohne Erfolg; ste wird von den Ge- richten und den Verwallungeb Hörden in allen Instanzen ab- ae oiesen. Ick enihalte mich ieldfivnständlich jeder Kritik dieser E tsckeidungen. Ich will auch nicht daran erinnern, daß der Vertragabschließer regreßpflichtig gemacht werden könnte. Ich stelle mich einfach auf den Standpunkt, daß die Gemeinde pro factnro die Abgaben zu tragen haben wird. Ich möchte nicht daß auS dem Lispofit-onS« oder Gnadenfonds ein« Summe bewilligt werde, um die Forderung, die der Miiitärfiskus für die bereits gezahlten Steuern erhebt, zu bestreiten. Abg. Struckmann: Auch die Petitionskommisfion war der Anficht, daß hier ein Vorfall vorliege, der eine Aende rung der bestehenden Gesetzgebung nahe lege. Aber der be- stehenden Geseggebung gegenüber konnte nicht andcts beschlossen werden, als das gesckehen ist. Es liegt hier nicht ein Vertrag des FiSkus mit der Gemeinde, sondern mit einzelnen Gemeinde- Mitgliedern vor, die bei dem Verkauf ihrer Grundstücke an den FiSkus demselben auferlegten, daß er die auf den Grundstück- n stehenden Lasten tragen solle. Daraus kann die Gemeinde Ii ch unmöglich Rechte für fich herleiten, und fie konnte fich auch nicht berufen auf die mit den einzelnen Gemeinde- Mitgliedern ubgeschloffenen Verträge. Ich gebe zu, daß es eine Härte ist, wenn der Fiskus Steuern, die er jahrelang ruhig gezahlt hat, nunmehr wieder herausfordert. Aber die Pctitions« kommisfion hat immer den Grundsatz befolgt, daß ste nicht berufen sei, Gnadengesuche in Anregung zu bringen, wenn ein rechtlicher Anspruch nicht vorhanden war und auch eine Rechts- Verweigerung nicht vorlag Bei dem Ungewöhnlichen des Vor- falls hat die Kommisfion indeffen erachtet, die Petition nicht einfach als ungeeignet zurückzuweisen, sondern st« hat dieselbe Ihnen mit allen Nebenumständen hier vorgetragen, damit Sie sehen, in welchem Geiste die Angelegenheit in der Kommisfion behandelt ist. Auch die Regierung kann so am besten absehen, waS fie aus eigener Initiative im Sinne des Reichstags thun kann. Ich glaub-, daß die ganz? Frage einer neuen gesrtzlichen Regelung bedürftig ist. Abg. L i p k e weift darauf hin, daß rechtskräftige Erkennt- niffe vorliegen, welche die Gemeinde abweisen. Abg. o. Heydebrand u. d. Lasa betont, daß der FiskuS gleichwohl seinen kontraktlichen Verpflichtungen nach« kommen müsse, und deantragt Ueberweisung der P-tition an den Reichskanzler zur nochmaligen Erwägung. Der Antrag v. Heyve brand wird angenommen. Schluß 3V, Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 U h r.(Novellen zum Reichsdeamtengesetz und zum Zolltarif.)_ »vgeoronerevaau?. 52. Sitzung vom 15. April, 10 11 h r. Am Ministertisch: von Puttkamer, von Goßler, von Sckolz und Kommiffarien. Zu Ehren des am 29. März verstorbenen Abgeordneten Dalwigk(Lichtenfels) erheben fich die Mitglieder von ihren Plätzen. Die zweite Berathung des von den Ab gg. von Zedlitz und Schmidt(Sagan) beantragten Lchrerpensions- gesetzes wird fortgefttzt mit Z 2, in welchem bestimmt ist, daß nach vollendetem zehnten Dicnstjahre dir Penfion'A des GehaltS beträgt und mit jedem weiteren zurückgelegten Dienst- jähre um V«o steigt. Hierzu liegt ein Zusatz intrag des Abg. B e i s e r t u Gen. vor, welcher ein Per staue nunimum von 450 M. für diejenigen Lehrer, die noch nicht eine zehvjährigc Dienstzeit hinter fich haben, festsetzen will. Abg. v. Heydebrand und der Lasa: Nachdem gestern vom Regierungst sche die Erklärung abgegeben ist, daß der Antrag Beistrt nicht annehmbar sei, und es feststeht, daß die Majorrtät diesem Umstände Rechnung tragen und für den Z 2 in der Faffung der Kommr fion eintreten wird, um daS Zustandekommen deS Gesetz!» nicht zu gefährden, ist es eigent- iich nicht mehr nothwenvig, fich auf eine große Erörterung des pro und contra des Antrags Bersert einzulassen. Wenn der § 2 nack den Beschlüssen der Kommisfion angenommen wird, so bleibt allerdings die Thatsache bestehen, daß unter Um- ständen in einzelnen Fällen und beschränkt auf junge L-drer die Minimalpenston 225 Mk betragen kann. ES be- darf keines weiteren Nachweise?, daß das nicht allein zum Leben zu wenig, sondern sogar zum Verhungern zu wenig ist. (Sehr wahr!) Nun tröstet uns der Kommrifionsbericht mit dem Hinweise auf den Unterstützung- fonvS, der dem Minister im Elat jährlich bewilligt wird; es seien bisher in solchen Fällen Aushilfen auS diesem Fonds geleistet worden, und das würde auch in der Folge geschehen. Es ist klar, daß, w-nu auch jetzt, nachdem der Staat einen sehr erheblich höheren Tbeil der Per fion übernimmt, in drirg-nden Fällen B cid' Ifen, die die Existenz des Lehrers ficker stellen, aus diesem FondS geleistet werden, dadurch für v'ele die Bedenken über die unterlaffenc Fixirung des Minimums d-seitigt werden, und ich würde für eine Erklärung drr Staattregierung in diesem Sinne schrdank- bar sein. Durch die Heranziehung der Aiterszulage und des Küstereinkommens zur B-rechnung der Penfton-quote hat übrigens die Kommtlfion bereiis derartige geringe P-nstonen auf ein Minimum von Fällen beschiänkt. Es ist ferner zu er- wägen, daß die Tendenz des Gesetz-s im Allgemeinen doch da- hin geht, lang gedienten und im Amte grau gewoidcnen Lehrern eine ausreichende Versorgung zu schaffen und ges tzlich zu fickern. Ader auch die Fälle, wo junge Lehrer ohne ihr Verschulden penfionirt werden müffen, verdienen Beiückstchtigung. Zum Schlüsse gebe ich noch meiner Befrievigurg AuSvruck, daß die Tiskusston fich bisher sachlich und frei von jeder Parteipolemik gehatten hat. Es zeigt dies, daß auf allen Seiten des HauseS der ernste Wille vorhanden ist, das Gesetz zu Stande zu minaen. Wenn dies gelingt, so werden wir nickt nur lange gehegten und gerechten Wünschen des Lehrerstanics entsprechen, sintern auch, worauf ich eire. rbcnso großen Werth lege, zahlreichen Gemeinden die unbedingt nothwendige Erleichterung von drückenden Schu!- lasten bringen.(Beifall rechts.) Geh. Rath Raffel: Die Siaatsregicrung wird, wie fie seither dafür gesorgt bat, den Lehrern, deren Penston unzu- mchend gewesen ist, Zuich# zu ge währen, dies auck in Zu- kunft thun, soweit ein Belürfniß vorliegt. Was die Fiage der P-nfioiiskafiev, die durck freiwillige Beit-äge der Lehrer gedildei find, detnfft, so ist mir nur ein« solch« Kasse, die Pcnstonszusckußkaffe der Prootv» Schleflen. bekannt, Sie«inen P-nstonSruschuß von 120 Mark ihren Mitgliedern gewählt. Diese Krffe wird als solche bestehen bleiben und die Mit» glieder werden die Zuschüffe bezieh-n, ohne daß ei- e Anrechnung dieser Bezüge auf die nach den Vorschriften de� gegenwärtigen Gesetzes zu gewährenden Pensionen statt- Abg. Fi Hr. V.Zedlitz: DaS von den Abgg. Beisert und Genoffm beantragte Pension s Minimum würde nur in zwei Fällen in Betracht kommen. Entweder ist der betreffende Lehrer durch»in Leiden zwar verhindert, den Schuldienst weiter fort- zusetzen, aber sonst noch verbällnißmäßig gesund und zu anderer Arbeit sähig; in diesem Füll« ist ein Per fionsmimmum kein Bedürtniß. Oder unheilbare sch-verc körpeil che Leiden dehin- dein ihn, dann würde auch das Penftw sminimum für ihn nicht ausreichen, er würde immer nock auf die Straisiinter- stützung angewiesen sein. Es liegt also auch im Inte risse der L-brer, die hiir in Belracht kommen, daß ein Minimum nickt fistgejeyt, sondern der Regierung völlig freie Hand gcloffcn wird, die Zaschüff« zu bim ff-n- Pf äff(Osterdruck): ES war ursprüngli» meme Abfichi, für!en Antrag Beisert zu stimmen. Ich würde das ab-r nicht mihr verantworten können, nachdem ich>.ebört, daß durch die Annahme dieses Antrages das Gesey gefähraet sei. Abg. Knörck«: Ich habe bis jetzt noch keine» Grund g-ho-t, der duichichlagend wäre für die ablihnendc Stellung- nähme. Finanziell ist dieser Minimalsctz nicht von eihcblicher B-dcutung._ Warum die Siaalsregierung gerade von dieser verhältmßmäßig weniger bedeutsamen Angelegenheit das Scheitern oder Gelingen des Gesetzes abhäitgil machen will, habe ich bi« jetzt noch nicht veistm:-» Die Regierung argumentirt so: wenn wir dieses Minicw gehalt flxi en, dann schaffen wir für die Lehrer einen ausnahiri' wftsen Rechtsstand and bevorzugen fie vor anderen Beavil» kategorten. Diese Argumentation wäre aber nur zutreffe«* wenn alle anderen Voraussetzungen für die L-Hrer und 5« Beamten in gle-ch-r Weise zuträfen, wenn namentlich in Bestf auf die Dotaironsaerhältniffe die Lehrer den anderen Beam« gleichstünden. Indessen, wenn von diesem Antrage daS sta-dikommen des Gesetz, s abhängig gemacht wird, so ziehe» densrlbcn im Namen der Unterzeichner zurück; ich thue W aber mit dem Bedauern daß, die Regierung diese SielM eingenommen Hai. Vor Allem kommt es uns darauf an, dck das Gr sitz überhaupt zu Stande komme, wenn es auch Iii» alle unsere Wünsche befriedigt. Abg. W i n d t h o r st: Die Tendenz, ein Minimum 0 zusetz-n, ist ohne Zweifel eine berechiigte gegenüber dem B Zeit noch beftihenven geringen GeHalle der Lehrer. Bei W bestimmten E kläiung der Regierung muß ich aber davon«* stehen. Diese Lage der Dinge wird dahin führen, daß rn* die Regelung der Dotation überhaupt in Angiiff nimmt; Ii bestehende Anomalie kann keine dauernde bleiben. Abg. Rickert Nachdem der Antrag Bciiert von* Regierung für unannehmbar erk ärt ist, wäre eS vergedl« Mühe, denselben weiter vntheidigen zu wollen; und um I Diskussion nicht in die Länge zu dehnen, ziehen wir uns«» Antrag zurück. Abg. Enneccerus vrrzichtet im Namen seiner p« tischen Freunde aus dem gleichen Grunde auf die Festsetzi» eines PeafionSmirimums. Die D�kkussioir wird geschloffen und der§ 2 angenoma Abg W i n d t h o r st giebt hierauf die EikiScung ab, d der soeben zu§ 2 gefaßte Beschluß dem Wortlaut des Art. der Vers.ffung widerspreche, der Gesetzentwurf also eine B: faffungSänverung ir.volvire, seiner Anficht nach eine wiederho! B ralhung und Abstimmung nach Verlauf von 21 Tagen M zufiaden bade. Die§§ 2a bis 9a werden ohne erhebliche Debatte unerheblicken Aenderungen nach den KommisfionsoorfchläS angenommen Nach§ 90 der Kommissionsvocschläge soll die Penß bis zu einem. Hockst betrage von 900 M. aus* Staatskasse, varüber hinaus von den bisher Verpflichtet gezahlt weiden.' j Von den Abga. Clairon d'Haussonville und G-nossen w- beantragt den Höchftdetrag auf 750 M. zu fixiren, währ« Abg. v. Schckleme: Alst ihn auf 600 M. herabsetzen will. Dagegen soll nach einem Antrag Bnsert die Pension zmei Dritttheilen vom Staate, zu einem Drilti von den Gemeinden gezahlt weiden; endlich schlägt Abge> v. Eckenckendorff vor, daß die Perfion zu drei Vi«! 1 heilen, jedoch nicht über den Betrag von 900 Mk. hii aus der StaaiSlass-, bezüglech des Restes von den bish Beipflichteten zu zahlen sein soll. Adg. Windt Horst deantragt sowohl für den Frllf Annahme des KommisstonSvorschlages als für denjenigen� Antrag» Beisert folgenden Vorbehalt einzufügen:„soweit 1 guiSherrliche oder paironatsrechiliche Verpflichtung zur Zahlt derselben nicht besteht." Adg. v. Zedlitz bekämpft die Anträge Beisert � Schenck ndorff- trotz aller Vorzüge der Quottssruna entlpr» «s dem Interesse der ausgleichenden Gerechiigkeil ungleich»«ft ein vom Staate zu zohlendcs F�xum festzustellen. Wenn Finamminister die Höhe dcS festen EtaatszuschusseS nur r 600 Mk. bemessen will, so gehe er dabei von unrichtigen® auSsetzungen au?, indem er die. AlterSzulagen nicht in Petra «rehe Mit 740 Mk. würden die Gemeinoen immer nock'F 800 000 Mk.. der Siaa, 3600000 Ml. zu zahlen daben, rend bei 600 Mk der Siaat 3 Millionen, vi« Gemeinden 1' Millionen aufbüngen müßten, was allerdings dem An Beistri entspreche. Der Antrag Wind Horst würde eine vö! Ungleichheit-wisch n den Gutsbesitzern der östlichen und licken Hälfte der Monarchie herbeiführen. Die westlichen G bcfiyer würden an der Etaalsleistung partizipsren, die! Osten nickt. W Abg. Windthorst: Die zahlreichen Anträge, übe«/: wir jetzt zu beraihen haben, rechtfertigen meine schon ausgesprochene Arstcht, daß nach den Erklärungen des FtisW rnin-sters eine nochmalige Kommijslonsberathung angereigt wesen wäre. M in Anrrag hat zunächst den Zweck, fekff s cllen, wie dieses Gesetz fich zu den Verpflichtungen ver G>� Herren und Pat-one verhält. Die Mitih?i>ung«n des H«� c. Zedlitz in niesec Richtung befriedigen mich nickt; die F vo, gehobene Ungleichheit kann doch nicht in Betracht komiWs wenn es fich um ein p-.ooisorisches Nothgesetz handelt— 0� aber sollten wir nicht um eines provisorischen, eines NotöS? setzes willen bestehende Verpflichtung«,' einfach aufheben sogar eine VerfafflingSänderung leichthin beschließen. Ick i*" also vor Allem auch da? aus besteb-n. zu« fahren, wie die™ gierung über m iren Antra,, denkt. Kuliusminister von Goßler: Ich muß naw? der Regierung er klären, daß die ihrerseits gestern\ gegebenen E- klärungen feste, auck heute nicht zuiii« zuzrehrnde find. Der Antrag Windthorst ist unaus füh'bar, weil mit den Ausdrücken„gulsherrlich" unv F tconatsiechtlich" ieii der Emanation der KreiSordnung in' Praxi« wenig anzufangen, auf diesem Gebiete vielmehr einest immer steigernde N-rfich iherl eingetreten ist. Der anscheinen so einfache§ 33 T-iel 12 Tbeil II A. L.-R., der die substdiS Untrihaliungkxflrckl der Gulsherrschast statuiit, ist s-rldeai» ? ner Quelle dauernder Stteiiigkerten und Unzuträglichke' für die Schulverwaltung gcwordm- Die Annahme oes*3 i ages wü oe zudem die Schulverwoltung dem Vorwmfe � st Yen, als griffe fie auf die Verpfl-chtung der KutSd«� nur dann zurück, wenn eS gelte, dm fiskalischen Säckel zu lasten.. Abg. Richter: Die Belaffung der Verpflichtung� Gutsherrn und Patrone deh rndell einen Gedanken für fick, � ich jedenfalls auch gesondert zur Abstimmung gekrackt will« will. D-e Frage verdient eine sehr eingehende Eröiterum man hat doch mit diesem Gesetz die Lehrer und kl inen munen, nicht die Guisbefiyer mtlasten wollen. Der GutSbefitzer scheint mrr doch kein genügendes Argument seine bisherigen"""'M di. lerijtn Verpflichiungen.(Unruhe rechts.) Ja, das weiß' ja, daß d:e konservalive Partei in dieser Beriehuna«an, anvs Anschauungen hat.(Abg. v. Uech lriyi Galt sei D-n« Der liebe Gott hat doch gewiß mit diesen Sondelintel«n, des Großgrundbesitzes recht wenig unmittelbaren Zusaw«".-, ha-g(Sehr gut! NvkS.) Jedenfalls ist die Sacke J daß eine überstürzte Abstimmung namcnllich bei " Anträge sehr vom Ucdel sein könnte. Oer wichiig, Fülle der 750 Mark im Osten Höchstbetrag schlechteste Antrag ist der,— zusetzen; daS heißt einfach, im Osten de.adli der S'--' L Pensionen.(Ruf rechts: Ist nicht wahr!) Ich beg-eife«ßL Th.t emmcr weniger, warum man fich nicht einfach viel ob reiche oder arme, en! lastet werden sollen, würde daS Gesetz für die Regierung absolut unannehmbar machm. Für die Quotenverthetlung bin ich prinzipiell, halte aber sür diese Epezialgesetzgebung die Festsetzung eineS Fixums für daS Bortheilhaftere, damit die Regierung nicht durch die Fest- setzung eines destimmten QuotenverhällniffeS, sei es zwei Drittel «der Vrei Viertel, in irgenv einer Richtung prajudizirt werde. Abg Enneccerus ploidirt ebenfalls für die Verwer« fung deS Antrages Windthorst; der Entwurf schaffe auch für die Gutsbesitzer eine neue Belastung, der gegenüber der Fort- fall der event. Entlastung eine ganz eklatante Ungerechtigkeit wäre. Man könne übrigens die Vortheile der Quotifirung und deS Fixums derart vereinigen, daß man für die niedrige- ren Penstonssätze elftere in Anwendung bringt, wie eS der Antrag Schenckendoiff vorschlage. Der Antrag auf Zurück- Verweisung an die Kommission sei blos«ine Klippe, um daS Gesetz zum Scheitern zu deiner.. ig?! n hierauf wird die Diskussion geschlossen und zunächst der Antrag v. Schorlemer auf Zurückoerweisung des§9 cm die Kommission abgelehnt, desgleichen ein Antrag Richter, vor der Abstimmung die Sitzung zu vertagen, durch Aus- zählung mit 121 gegen 120 Stimmen. An die Verkündigung deS Resultats durch den Prä- stdenten k-.üpft fich eine längere GeschäftsordnungSSebatte. Abgeordneter Windthorst bringt nämlich zur Sprache, daß während der Zählung vor seinen Augen und Obren verschiedene Versuche gemacht worden seien, einzelne Ab- geordnete umzustimmen(Heiterkeit). Od dle Versuche Er« folg gehabt hätten, könne er nicht konstatiren; jedenfalls bandle es fich um eine wichtige Frage, da event. dadurch die Ermittel na des AdstimmungsresultatS den Charakter einer bloßen Zählung verliere. Abg. v. Epnern empfiehlt dem Vorredner unter der Heiterkeit der Rechten, diese wichtige Frage der Geschäftsord- nungskommisfion zur Prüfung zu überweisen. Der Präsident tonstatirt seinerseits, daß die Abstim- mung vom Bureau richtig geleitet, die Vertagung abgelehnt und nunmehr zur Abstimmung überzugehen sei. Nachdem noch dt« Abgg. v-Eynern, v. Schorlemer- A l st, Richter und EnnecceruS fich zu der vom Abg. Windthorst angeregten Frage geäußert haben, beantragt Abg. Richter mit Rückficht auf die gleichzeitige Sitzung des ReichSiagS abermals dir Vertagung. Dieser Antrag wird vom Präsidenten als geschäftsordnungsmäßig unzuläifig, vom Abg. v. Rauchhaupt unter großer Unruhe der Linken alS der Würde deS Hauses nicht entsprechend bezeichnet, während Abg. Windthorst dafürhält, daß der Abg. Richter unbestreitbar das Recht habe, eine Abstimmung über seinen Antrag zu verlangen. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte verbleibt es oei der Auffassung des PrSsiventen. Es wird demgemäß nunmehr zur Abstimmung über den 8 9b übergegangen und derselbe unter Ablehnung aller übrigen Amendements in der vom Abg. Clairon d'hauffonville beanlraaten Fassung, also mit dem Fixum von 750 M mit großer Mehrheit genehmigt, ebenso nach unerheblicher Diskusston der Rest des Gesetzes. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 3V« Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr. lAnträge und Pelilionen-l Wahlresultate. Mariendorf, 15. April. Bei der heute hier stattgefun- denen Ersatzwahl zum Reichstage im Teltow-Beeskow-Ltorkow- Charlottenduiger Kreise wurden im Ganzen 207 Stimmen abgegeben. Es erhielten davon der Medailleur Oskar Krohm ?3, Dr. Theodor Barth 25, Prinz Handjery l09 Stimmen. Echöneberg. Krohm 239, Handjery 558, Barth 184 Stimmen. Friedenau. Handjery 121, Barth 37, Krohm 21 St. Steglitz Krohm 200, Barth 204, handjerp 440 St. Nixdorf Krohm 969, Barth 260, Handjery 497 St. Rteder-Schönweide„ 50, Buckau„ 5, «ritz„ 161, Wilmersdorf„ 139, Schmargendorf„ 36, Tempelyof„ 156, Lankwitz„ 41, Nowawch„ 341, Sehlen dorf„ 53, öpenick„ 779, Aoyanntsthal„ 54, Charlotteadurg„ 728, Gesammt-Resultat bis jetzt: Handjery 4913 Stimmen. 40, «: 31, 1 355, 77, 322, 6, 1821, 26 55 143 140 58 140 58 581 219 499 25 1264 Krohm 4045, Barth 3838, D o k» l e s. Die öffentlichen Spielplätze für Kinder werden in Z? kunft auch während der Wmtermonate off n gehalten werden. Sn dem Etat für die stävtijche Partdepuiarion find für die Reinigung der Wege der Plätze von Schnee und Eis rc. Mittel zur Disvostlion gestellt worden. Das Vallon-Departement, dte jüngste Truppe der Armee, hat vorgestern Abend vom Garten deS„Schwarzen Ablers" in Schöneberg aus zum ersten Male größere Versuche o L-�J�'�bung des elektrischen Lichtes im Dienste der «ustwdzffsahrt unternommen. Bereits um 4 Uhr früh waren dre Mannichasten des Detackements auf dem Ostbahnhofe, in *11 eJy' k* kasernirt sind, angetreten und von dort auS nach Smonebeig marschirt. In einem gedeckten Möbelwagen ™ t"* t selbst gefertigten Ballon „Barbara mtt fich führt, welcher bei 1200 Kubikmeter Inhalt P"f0n10 Uhr erlosch das Licht und senkte stch der Ballon wieder zur Erde herab I« den Gewässern bei Berlin haben fich in letzter Zeit zahlreiche Fischottern gezeigt, die dem Fischbestand derselben er- hedlichen Schaden zufügen. Namentlich klagen die Pachter der Treptower Gewässer darüber. Dteselben find bereits beim Magistrat dahin vorstellig geworden, die detreffenden Teiche durch desondere Wächter beaufstchtigen zu lassen, deren Aufgabe es besonders wäre, die Teiche möglichst oft zu befahren, da fortwährende Beunruhigung die Tbierr schließlich verscheucht, wenn es nicht vorgezogen wird, die Fischottern mit Otterhunden '' Zur journalistischen Praxis. DaS„B. Tgbl." ge- nießt den Ruhm und beansprucht denselben zu genießen, seine Leser stets mit dem Allerneuesten zu versorgen. In seiner heutigen Morgen-Nummer schreibt dasselbe:„Am gest igen Dienstag hat im Wahlkreise Teltow- Beeskow- Storkov- Cbarlottendurg die Ersatzwahl zum Reichstage stattgefunden. Die bis gegen Abend eingelaufenen Nachrichten aus dm ver- schiedenen Orten de? KreifeS lauten nicht ungünstig für die liberale Sache." In der That findet dte Wahl in Teltow- Beeskow Storkow Charlottenburg überhaupt erst beute, MM- woch, statt; die dem„B. Tgbl." im Laufe deS gestrigen TageS übe mittelten Korrespondenzen dürsten von dem be> kannten Bernauer KriegS-Korrespondenten herrühren. N. Des Kinde« Engel. Ein ungemein ausregender Vor- fall trug fich am gestrigen Tage Schönhauser Allee 187 zu. Eine allein stehende, dort in der 1. Etage wohnende Dame hatte gestem Nachmittag den Besuch ihrer 4jährigen Nibte empfangen und das Kinv einige Minuten in dem Zimmer allein gelassen. Als dieselbe kurz darauf daS Zimmer wieder betrat, fand fie das Fenster offen stebend, daS Kind oagegen nicht mehr im Zimmer. Von entsetzlicher Angst gelrieden, eilte fie an die Fensterbrüstung und fand nun richtig ihre kleine Nichte auf dem gepflasterren Hofe— spiel« nd. DaS Kind hatte beim Heraussehen auS dem Fenster das Gleichgewicht verloren und war so aus den Hof gestürzt, glücklicherweise aber auf dort zum Sonnen ausgelegte Betten gefallen; ohne irgenv welchen Schaven erlitten zu haben, war daS kleine Mädchen aufgesprungen und halte mtt anderen Kindern, als od überhaupt weiter nichts geschehen wäre, gespielt. a. Verhängnißvoller Jrrthnm. In einer Droguen- Handlung der Friedrichstraße forderie und erhielt vor Kurzem eine junge Dame chlorsaureS Kali zum Gurgeln und fie empfing auf Befragen den Rath, auch öfter einen Löffel voll ein- zunebmen. Jedenfalls meinte damit der Rathgeber einen Löffel des GurgelwafferS; statt dessen nahm die Dame das Salz, ungelöst, zu fich und fie ist nach fünftägigem Kranken. lager an Erbrechen und Abnahme der Herzthätigkert ge- storben. N. Eine«fttf Mode. Hunde sind nicht mehr die ein- zigen Thiere, die den Vorzug genießen, von ihren Herren spa- zieren geführt zu werden. Gestern promenirte ein Herr in ver Echwedterstraße, dem ein schwarzer— Hammel folgte. Durch den»tß eine« Droschtenpferde« wurde gestern Abend in der Nähe des HausvoigteiplatzeS«ine junge Dame im Geficht stark verletzt, so daß ste in dte Behandlung eines Arztes gegeben werden mußte. g. Betrug. Auf dem städtischen Zentralviehhofe ist von dem daselbst bei einem EngroS- Schlächtermeister beschäftigten Gesellen B. folgender Betrug ausgeführt worden. Ein Budiker kam vorgestern nach dem Viehhofe, um ein halbes Schwein zu kaufen. B. übervortheilte nun dadurch den Budiker, daß er ein halbes Schwein im Gewicht von 77 Pfund erstand und dieses halbe Schwein dem Budiker mit 97 Pfund schwer ver- kaufte. Dim Budiker schien das leichte Gewicht aufgefallen zu sein, denn er wog, zu Hause angelangt, das halbe Schwein nach und bemerkte nun den Betrug. Auf seine Anzeige wurde B- festgenommen, dann aber, weil er einen festmWohrfitz bat, wieder entlassen. B. war früher selbst Eng os-Lchlächtcr und ist durch mißliche SchickialSschläge gezwungen worden, alS Ge- felle fein Leben zu fristen. Er wird sich in Kurzem wegen des verübten Betruges vor dem Stiastichter zu verantworten haben. a. Ermittelter Dieb. Aus der Wohnstube eines Schank- wirthS in der Garlenstraße, welche an das Schanklokal angrenzt, waren am 20. März, Abends, die E.sparnisse des Schank- wirthS. im Betrage von 1000 M., gestohlen worden. Der Dieb hatte einen Schrank mittelst Nachschlüssels g-öffnet, daraus die zum größten Theil auS Goldstücken destehende Summe entnommen und damit fich entfernt, ohne von irgend Einem b-merlt zu werden. Nur einen ShlipS hatte Ver Dieb an dem Thatort zurückgelassen, welchen er wah> scheinlich während seiner„Arbeit" verloren batte. An einem der folgenden Tage erregte der vielfach vordestraste Schlosser Fucks in einem Schanklokal der Breslauerstraße durch den Besitz zahlreicher Goldstücke die Aufmerksamkeit des Schankwirths und der Gäste, wobei er erzählte, daß er vor wrnigen Tagen eine Erdschaft von nahe an 1000 M. erhoben Härte. Dieser sonderbare Vor- gang gelangte zur Kenntniß der Kriminalpolizei, welche gestem den Fuchs ermittelte und festnahm. FuchS vermochte über den Ursprung der von ihm besessenen Goldstücke leine glaubwürdige Angabe zu macken, auch wurde der am Diedstahlsorle vom Diebe zurückgelassene ShlipS von Bekannten des FuchS als dessen Eigenlhum rekognoSzirt. FuchS wurde demzufolge unter dem dringenden Verdacht, den Diebstahl bei dem Schankwirth in der Gartenstraße verübt zu haben, heut zur UnterfuchungS- Haft gebracht. Polizei-Bertcht. Am 14. d. M. Morgens erschoß fich ein hiesiger junger Mann mittelst etneS Revolvers, anscheinend, weil er ein Examen nicht bestanden hat.— Am Vormittage defftlbm Tages wurde ein Mann beim Ueberschreiten des Fahr dammeS in der Königstraße durch ein Fuhrwerl überfahren und dabei am linken Fußgelenk so erheblich gequetscht, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde ein Dtenstmävchm in der Linienstraße von einem Pferde, welches hart am Bürgeisteige vorbeigeführt wurde, delartig gegen den Kopf geschlagen, daß eS eine etwa 5 Zentimeter lange Wunde erhielt und bewußtlos zusammenbrach. Nach An- legung eine» NothverbandeS wurde eS nach der Wohnung seiner Herrschaft gebracht.— An demselben Tage Mittags fiel eine Frau in der Frievrichsstraße über das Bein eines ihr quer über den Weg laufenden Dienstmädchens und erlitt dadti eine stark blutende Fleischwunde am rechten Auge. Sie mußte fich dehufs Anlegung eines Verbandes nach der Königl. Klinik begeben.— Am N-chmiltaqe wurde im Landwehr-Kanal, in der Nähe der Brücke der Görlitzer Eisendahn, die Leiche einer unbkkannten, etwa 35-40 Jahre alten Frauensperson aufge- funven und nach dem Odvuktronshause geschafft. GMrKts-Uettimg- F. Beim Rücktransport nach der DetentionSzelle entspiang am Mittwoch auf dem Korridor des Am'sgerichtS- Gebäudes zu Charlottenbma der in einer soeben statisinoenden Schöffen- Sitzung wegen Körperverletzung zu einem Jahr Ge- fängntß verurtheilte, srbon häufig vorbestrafte„Arbeiter" Wilhem Schubert. Der Eniflohene benutzte den ihm günstigen Umstand, da., der ihn abführende Gerichtsdiener einem Kol» legen eine an ihn gerichtete dienstliche Frage beantwortete und zu diesem Zweck stch umwenden mußte, um an demselben vorbei zum Tempel hinaus, uscklüpfen. Es gelang dem Flüchtling, in einer der Querstraßen glücklich zu entkommen; lange jedoch dürfte dte Freude an der goldigenen Freiheit nicht dauern, d-nn eS wurden sofort alle tzevel in Bewegung gesetzt, um des Entflohmen habhaft zu werden.— ic. Schubert ist am 23. Januar 1851 zu Charlottenburg geboren und schon vielfach wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Dteb- stahls rc. vorbestraft. Er ist von kurzer untersetzter G-stalt, hat braune Augen, schwarzes dünne» Haar und dito Schnurr- hart und war bekleidet mit einem sogenannten„englischen" Anzug. Die Nichtbeleuchtung der Treppenflure führte dm Stadtralh, Holzdändler Krause vor dte Schranken der 89. Ab« theiiung des hiesigen Scköffenaerichts. Der Angeklagte ist Etgenthümer des Grundstück» Retchenbergerstr. 24. Laut den mit den Micthern desselben abgeschlossenen Kontrakten war die Treppen, und Flurbeleuchtung während der Sommermonate ausgeschlossen. NichlSoestoweniger ordnete der Angeklagte, als ihm Anfangs Mai v. I. sein Vizewirth Graf von vem Wunsch des Polizeilieuienant», Doch auch im Sommer die Flure zu de- leuchten, in Kenntniß setzte, an, daß fortan daS Ga« angezündet werden solle. Anfang Mai machte der Vizewirth dem Ange« klagten die Mitiheilung, daß bei der nunmehrigen langen TageS- helle die Nachbarn nicht mehr beleuchteten und schlug vor, daS Flurbeleuchten als kaum lohnend für einige Zeit auS- zusetzen. Der Angeklagte akzeptirte diesen Vorschlaq, ordnete jedoch an, daß dann wenigstens der Vorverflur beleuchtet werden solle. Am Abend d-S 12. Juni gleich nach 9 Uhr betrat der WSschefabrikant Angreß den Flur zum Seitengebäude dieses Hauses und stürzte, als er ein schwedisches Zündholz anzustreichen im Begriff stand, die Keller- treppe hinunter. Er wollte nämlich einen in diesem Hause wohnenden Arbeiter von fich besuchen unv zu diesem Behuf« die zu pusstrende Treppe beleuchten. Angreß zog fich bei diesem Sturz einen schweren Bruch Des rechten Armes unD verschiedene Kontusionen im G-stcht zu Die Heilung nahm-twa 2 Mo- nate in Anspruch und ist nach dem Gutachten des Arztes in dem verletzten Arm eine dauernde Schwäche zurückgeblieben. Der Verletzte trat dem Verfahren als Nebenkläger bei und beantragte durch seinen Vertreter RechlSanwalt Dr. Flatau eine Buße von lOoO M. Der Staatsanwalt plaiDtrte auf SckulDig unv brachte eine G fängnißstrafe von 4 Wochen in Vorschlag, während Juftizrath Gerth dle Rechtspflicht de» HauSeigenthümers zur Beleuchtung der Tr«ppen rc. in Abrede stellte. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu vier- zehn Tagen Getängmß, lehnte aber den Antrag auf Zuerken- nung einer Buße als nicht substantitrt ab. Wreiue und Versammlungen. Im Verein zur Wahrung der materiellen Interesse» der Drechsler uud Verufsgenosse« sprach am Montag, den 13. d. M., her, M. K 1 e t n über Das Tyema:„Die vegetarische Lebensweise". Referent betonte im Verlaufe seines Vortrages, daß zur Lö ung der sozialen Frage der Vegetarismus von weittragender Bedeutung fei; indem die vegetarische LebcnS- weife einen heilsamen Einfluß auf den einzelnen Menschen ausübe, beseitige dieselbe zugleich die Maffenarmuth?? und ge» stalte„den Kampf umS Dasein" in einer für ben M nschen erträglichen Weise!(Da müßte man ja recht rasch Vegetarier werden! D. R) Anden mit Beifall aufgenommenen Vor» wandernde Kollegen tritt mit dem 1. Mai d. I. ins Leben' unterstüyungsberechtigt find alle diejenigen Kollegen, welche den Fach- resp. Jnteressen-Vereinen unseres G wnks in D.ulschland angehören, und auf der WanSerschaft Bnlm be. rühren. Die Unterstützung wird ausgezahlt in dem vom Verein errichteten ArbettSnachweise.Bureaux, bei R. Sünder» mann, Gitschinerstr. 61 I und A. G r o m o l l, Molken» ma tt 7 vi. Dott wird gleichfalls den hier in Berlin bleiben- den Kollegen entsprechende Arbeit nachgewiesen. Durch die Errichtung dieser Kasse ist der Verein seinem Ziele wieDmim einen Schritt näher g.rückr. Es ist hiermit der Beweis er- bracht, Daß Durch festes Zusammenhatten einer immerhin nur kleinen Anzahl der G-werkskallegen Erfolge erzielt werden. welche der Gesammtheit dienen. Größere Erfolge werden nicht ausbleiben, sobald die große Masse der Drechsler und Berufs. genossen Berlins erkannt bat. daß Vereinigung zum Ziele führt. Die Losung aller Drechsler und Berufsg-noffen muß sein, Anschluß an den Verein zur Wahrung der materiellen Jnteresscn der Drechsler und Berufs gen offen. Der Arbeiter» Bezirksveretu der Rosenthaler Bor» stadt tagte Montag, den 13. April, Abends 8 Uhr, in der Coibergerstraße 23. Das Referat für diesen Abend, welche» in dem von der Arbeiterpartei im Reichstage eingebrachten Arbeiterschutzg setz- Eaiwnrf bestand, hatte der Reichsiagsabae» ordmte Herr Paul Singer übernommen. Derselbe bewies in ausführlicher Weise die Nolhwendigkeit der Regelung der Zuchtdausarbeit, des VerboiS der Kinderarbeit unv die Be» errichtenden Arbeitikammern. Der Vortrag wurde von der Versammlung mit großem B-ifall aufgenommen. In der hierauf folgenden Diskussion ermahnte H,rr Kunk-l die An» we enden, stet« nur für dte Wahl solcher Männer einzutreten, welche/ dem obengenannten Giseyenlwuif ihre Zustimmung geben. Der hierauf verlesene KasilNbericht des Vrrems ergab einen Kaffcndesland von 123 M. 25 Pf. inkl. Panoptikum- BilletS. Nach Erledigung zahlreicher Fragen schloß der Vor« fitzende die Versammlung mit Der AufforDeiung, für eine recht rege Bctheiligung der kommenden Versammlung Sorge zu tragen. be. Ueber die neue vaupoltzetordnung sprach der Stadtverordnete Herr G o e r ck i in der stai l desuchten Ver» sammlung des Arbeiter-BezirkS- Vereins für den Osten, welche unter Vorsitz des Herrn Tabbert am Dienstag, den 14. D. M. Abends in Keller'« Lokal, An» dr-aSftraße, stuttsanD. D r Vortragende wies Eingangs seiner Ausführungen auf die ungeheure Tragweite des Entwurfes hin, welcher bestimmt fei, die bisherige Raumausnutzung de< Grund und Bodens zu beschränken. In Paris und London wohnten auf dem Quadratmeter eine dedeulead kleinere Anzahl Menschen, als in Berlin, dessen fünf- und sechsstöckige MiethS» kasernen eine auffallende Eigentbümlickleit geworden wären. Du« Zulammenferchen so vieler Menschen auf einen kleinen Raum könne nicht ohne sanitäre Nachlheilc bleiben uns wenn Berlin auck gegenwärtig nickt dir größte SlerblichkeirSziffer unter den Großsiädten aufweise, so müsse man doch sagen, wenn wir gesundere Bauverhältniffe hälten, würde sich dte Sterblichkeitsziffer noch günstiger gestalten. Die vorgeschlagene Neuordnung der Dinge, die er(Redner) und seine Fraktionege- «offen inder Stadroerordneienversammlung mit F.euven begrüßt hätten und deren Forderungen er jämmtlich für gerecht und «othw«ndig halte, habe auf starken W berstand bei der Majorität der Stadtverordneten gestoßnr. DaS Interesse mancher Stadt» verordneten komme freilich in Fiafte. Der Aib-iter habe aber «in eben so großes Jntereffe an feiner Gesundheit und an der seiner Familie. Der Einwand, daß dem Aideiter die Woh« mmgen vertheuert würden, treffe nicht ,u und sei daher wir- kungiloS bei dem geistig gewtckten Arbeiterstande Berlins, der Anlagen an der Peripherie der Stadt, wo billigere Wohnungen herzustellen seien, nutzbar zu machen und selbst wenn hierdurch die Miethipreise i n rer Stadt fallen würden, so sei die Ren» tabilität der Grundstücke doch eine so große, daß die wirklich berechtigtenJntereffen VerGrundbefitzer nickt beeinträchtigt würden. DaS Verbot der sog. Gestndestuben sei äußerst gerechtfertigt. denn diese Hängeböden, in denen kein Mensch aufreckt stehen könne, seien moderne Folterkammern für die Dienst-nadcken.— Merkwürdiger Weise habe die Polizeib Hörde dem Wrver stände der Majorität der Stadtverordneten» Versammlung gegenüber ein große» Entgegenkommen gezeigt. Enlschtoffenheit und Festig- keit seien durchaus am Platze und man könne dann überzeugt sein, daß die pbilrsterherzige Majorität ohne Weiteres nach- geben werde. Redner bemerkte noch besonders, daß nickt nur die deutsch'freistnnigen, sondern auch die konservativen Stadt- verordneten(Bürgervereinler) trotz auer gerühmten»Arbeiter« freundlickleit sich gegm die Baupolizeiordnung erklärt hätten. Zum Schluß gelangte folgende von Fl ata« ein« gebrachte Resolution zur einstimmigen Annahme, die an die Stadtverordneten» Versammlung und die Polizei« dehörde abgeschickt werden soll:„Der Arbeiter-Bezirks Verein für den Osten begrüßt mit Freuden die Vorlage der Bau- polizeiordnung und wünscht, daß dieselbe vollständig von der Stadtverordnetenversammlung angenommen wird. Der Verein erblickt in der Annahme derselben einen ersten Schritt im In» tereffe der Gesammtbevölkerung vom sanitären Standpunkte. aus."— Als erster Punkt der Tagesordnung war der Kasten» bericht der Revisorm erledigt und dem Kasfirer Decharge er» theilt worden. Die Einnahme im I. Quartal betrug 346,45 Mark, die Ausgabe 295,40 Mk., bleibt»in Besta-d van 51,05 Marl. Im WeihnachlsfondS befinden fich 15,98 Mark. Die Zahl der Mitglieder beträgt 844.— Die nächste Versammlung findet am 28. April statt. Im vezirkSverei« de# werkthätigev Volks im 29. 80.«nd 31. Wahlbezirk gab am Dirnstag der erste Vor« fitzende Herr Schulz eine Ueberstckt über die Thätigkeit deS Vereins im verflaffmen Quartal. Redner ermahnt die Mit- glieder, in der Agitation für den Verein nicht zu erlahmen und bedauerte die Lässtgkett in den VereinSbezirken.— Nach Berichterstattung seitens deS KaificerS oerin Franke Über den Stand der Kaffe(selbige weist ein Defizit von 8 M. 25 Pf. auf) und nachdem derselbe noch lobend h rvorgehoben, daß nur der Opferwilligkeit einzelner Mitglieder(duich freiwillige Gaben an die VereinSkafie) es zu danken, daß die Höhe des Defizits nickt größer ist, wird demselben auf Antrag der Revisoren Decharge ertheilt-— Bei der nun folgenden Revisorenwahl wurde Herr Ramlow alS solcher gewählt.— Mit der Mir- theilung, daß in 14 Tagen die nächste Versammlung und zwar mit wiffen schaftlichem Vortrage stattfindet, schloß der Vorfiycnd« die Versammlung. br. In der Delegirtenverfammlung der Tischler— am Dienstag, Jakobstr. 37— berichtete Herr G. Röoel in Bezug auf die Unter ftützungskaffe, daß die BeiuSge zu der» felben in den letzten 6 Wochen gegen ftüb»i auf das Dreifache gestiegen und daß bei dem Kafienbeschluß am 5. d. M>«. fich ein bedeutend größerer Kaffenabstand ergeben habe, alS im April vorigen JahreS. Einer der Revisoren konstalirte, daß bei der Revifion Alles in bester Ordnung vorgefund-n worden sei. AuS der dann vollzogenen Neuwahl der K ssenrevisoren gingen die Herren Glocke, Winter. Menthe, Hilsenbeck (wiedergewählt) und M i l a r ch und Rehn(neugewählt) her- vor. AuS dem Berichte, dm Herr G. Röbel über ben momen» Ionen Stand der Lohnbewegung erstattete, ergab fick, daß in Betreff der M i n i m a l t a r i f e fast in allen Branchen eine befriedigende Vereinbarung zwischen der Subkommisfion der Gefellen und der Meister zu Stande gekommen ist. In der Bau» brauche ist nur in Bezug auf die Pi eise für Fenster eine Einigung nicht erzielt worden. In der K a st e n m b b e l b r a n ch e hat es zu einer Einigung Nicht kommm können, weil die Subkommisfion der Meister, welche der Obermeister Herr Castorf einsetzen sollte, trotzdem daß schon 12 Wichen oerfloffen find, noch nickt ein» gesetzt ist. Herr Stellmann wieS darauf hin, daß man die jetzt günstige Zeit zur Durchsetzung der Minimalta ife benutzen müffe, und stellte den Antrag, von weiteren Verhandlungen mit ben Meistern der Kaftmmübclbranche Abstand zu nehmen und den von der Lohnkommisston aufgestellten Mmimaliarif für maßgebend zu erklärm. Der Antrag wurde nach kurzer Diskusfion einstimmig angmommen. Herr G. Roebel wieS noch darauf hin, baß etwaigen Versuchen der Meister, welche schon höhere Preise, alS die in dm Minimal tarifen auf- gestellten, bezahlen, von diesen höheren Preisen Abzüge zu machen, entgegen gewirkt werden müffe. Zu diesem Zwecke solle jeder Delegirte auf dem ihm übergebenen, mit dem Stem< pel der Lohnkommisston versehenen Bogm die zur Zeit in seiner Werkstatt gezahlten Löhne resp. Akkordpreise genau ausschreiben und dann den Bogm in der am nächsten Sonntag stattfinden- den Delegirten- Versammlung abliefern. De« Schneider«, Kürschner«, Posamentierer«, Schirm-«nd Handschuhmacher« zur Nachricht, daß am Sonntag, den 26. April er-, im KvnzerthauS„SanS- souc i, Kottbuserstr. Nr. 4 a, eine große humoristische Soiree der Leipziger Konzert« undKouplet» Sänger stallfinZet. Dieselbe ist arrangirt vom Vorstande der octlichm Verwaltungsstelle.Kranken« Unter» stützungSbund der Schneider", und glaubt derselbe, den Mllgliedmr und Kollegen und derm Familien einm ge« nußreichen Abmd versprechen zu können, da der herrliche Sommerparten und die Kaffceküche geöffnet find. Nack dem Konzert findet ein großes Tanzkränzchen statt. DaS Entree bei Sgl 25 Pf. pro Person; Herrm, welche am Tanz Theil nehmen, haben 50 Pf. nachzuzahlen. BilletS find zu habm im Bureau der Kaffe, Kraufenstr. Nr. 11( Lchneiderherderge); Restaurant Seefeldt, Grenadier str. 33, Restaurant Baum, Annenstr. 9; bei dm Herren Boche, Annmstr. 11, IV.; Lubas, Sebastianstr 41 XI.; Eckelt, Jannowitzbrücke 1, III., und in dm mit Plakaten belegtm Handlungen. In der öffentliche« Versammlung der Stellmacher Berlins, die am 13. d. M., Abends 9 Uhr, in MohrmannS Salon, Große Frankfurterstr-ße 117, abgehalten wurde, hielt Herr Stellmann einen sehr beifällig aufgmommcnen Vortrag über die Frage:„Zweck und Ziel unlerer Organisation und welchen Nutzen bringt unS dieselbe?" Referent erläuterte, wie schwer eS anfänglich auch den Tischlern Berlins wurde, eine feste Organisation ins Leben»u rufen. Jetzt jedoch könntm die Tischler schon mit Genugthuung zurücksckauen, denn die bestehende Lohnkommisston habe bereits manchen Mißständm abgeholfen. Auf Grund der gemachten Erfahrungen fordert Redner die Stellmacher auf,«S ebenso zu machen, vor Allem aber erst eine Lohnkommisston zu wählen, und dieselbe mtt allen Kräften zu unterstützen. E« wurde hierauf folgende Re« solution einstimmig angenommen:„Die heute, am 13. d. M., in Mohrmanns Salon tagmde öffentliche Versammlung der Stellmacher Berlins erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten einveriranden und verpflichtet fich, mit allen ihr gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, daß eine f, sie Organisation unter den Stellmachern geschaffen wird." Es erfolgte hierauf die Wahl einer Lohnkommisston von elf Mitgliedern, und wurden folgende Herren gewählt: Emil Menzel zum Hauptkasstrer und Leiter der Lohnbewegung. Glaubst;, Böhm, Brüst, Paulick, Hllbner, Freund, Eingert, Krä'.ke, Lemke, Robewald. Zum Schluß machte Herr Menzel noch b-kannt, daß am Montag, den 20. d M, Abend» 8'/, Uhr, in Eckäffer'« Salon, Jnfelstraße 10, eine Werlstellen-Dele« girten-Verfammlung stallfindet. In der Versammlung der Freie« Vereinigung der Former Berlins und Umgegend, welche am Montag in der Waficrihoiftraße 68 stattfand, hielt Herr Michclsen einen län- geren Vortrag. Derselbe legte in Überzeugmdcr Weise klar, daß die durch die heutige Produktionsweise bedingte ungünstige Lage deS Arbeiters nur durch eine große Organisation gebessert werden könne und begründete die» mit mehreren sehr beifällig aufgenommenen Beispielen. Redner forderte zum Schluß die Anwesenden auf, recht kräftig für die Jntereffen der Metall« arbeiter. Vereinigung einzutreten. Die an der Diskusfion fich betheiligenden Redner sprachen fich alle im Sinne des Vor« tragenden auS. Nachdem ein Antrag, alle Gießeretarbeiter in die Mitgliedschaft aufzunehmen, einstimmig angenommen, machte zum Sckluß der 1 Bevollmächtigte Herr Knappe bekannt, daß die nächste Versammlung Montag, den 27. d. M., in Rondels Salon. Jnvalibenstraße 129, stattfindet. Mitglieder• Versammlung deS Vereins Berliner Droschkenkutscher am Freilag, den 17. d. M., Abends 10 Uhr, im Saale des Handwerkervereins, Sophienftraße 15. Tagesordnung: 1. VrreinSangelegen Helten, 2. Aufnahme neuer Mit« glieder und Entgegennabme von BeittSgen. Um pünktlichen und zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Im Fachverei« der GaS«, Wasser«nd Heizung»- Rohrleger hielt am Sonntag Herr Krodm einen Vortrag über die Gewinnung des KupierS und dessen Bedeutung in der Bronze-Fabrikation. Nachdem Redner seinen Vortrag be« endet hatte, wurden von den Versammelten verschiedene Fragen gestellt, welche derselbe zur Zufriedenheit beantwortete. Hierauf machte der Vorfitzende die nächste�Versammlung bekannt B 97 1 schloß dann die Sitzung.;. Eine interessante Versammlung fand vor einigen Tag« inNowaweS statt. Einberufen war dieselbe von eil«» Deutsch-Freifinnigen als Wählerversammlung, das R-ssS sollte der deutsch-freistnnige ReichStagSabgeordnete Schneid» halten. Einberufer:„Ich eröffne hiermit die Versammlung tiul ertheile dem Herrn Schneider das Wort". Ueberwachender Gendarm;„Ich muß darum ersuchen, des ein Bureau gewählt wird!" Referent:„ES ist der Kürze wegen zu empfehlen, daß M Einberufer die Versammlung leitet. UebrizenS enthS.t dS Vereinsgesetz keine derartige Bestimmung und daher liegt kciß Ursache vor, dem Verlangen des Herrn Beamten nachj» kommen". Ueberwachender Gendarm:„Ich ersuche Sie noch citirf um Bureauwahl". Reichstagsabgeordneter Heine:„Um WeitlSufigkeitc» I vermeiden, schlage ich vor, auS den Reihen der einberufeiG Partei ein Bureau, bestehend auS 3 Personen, zu wählen. I gehöre der Partei deS Herrn Einberufer nickt an, aber ick heb die Bureauwahl für einen Akt der Anständigkeit und bitte' weil ich keine Namen kenne— die Herren, geeignete Vorschlh zu machen". Ein Deutsch-Freistnniger:„Um kein Präjudiz zu s-basst beantrage ich, daß wir uns dem Verlangen des Überwachend Beamten nicht fügen". Ueberwachender Gendarm;„Ich erkläre hiermit die# sammlung für aufgelöst". De« Tischler« verlinS zur Nachricht, daß von W ab das Bureau der Kommission der Berlik Tischler von der Oranimstr. 8 nach der Kürassier straß«> verlegt worden ist, und ist daffelbe von früh 9 Uhr bis Nei mittags 4 Uhr geöffnet. SSmmtliche Angelegenheiten in BelS der Lohnbewegung werden in dieser Zeit erledigt. Vmuiscktes. Ei« derhunaerter Eremit k DaS„Ulmer Tagbst schreibt vom 28. März: Vor einiger Zeit wurde in Sckliei' bei Heidelberg in einem einsam stehenden FeldbSuScrea 1 Leichnam eines bis zum Skelett abgemagerten Unbekaitfl aufgefunden. Einzelne Notizen in einem Schreibbuch, dai> Aufgebundene bei fich getragen hatte, wiesen nach U1 Den eifrigen polizeilichen Nachforschungen ist eS denn auch t lungen, zu ermitteln, daß Mutter und Bruder des VerleA hier wohnen. Räthselhaft blieb aber noch die Ursache# Tode»; denn keine Spur von fremder Gewaltthat oder Se» mord war aufzufinden; nur so viel konnte aus Briefen, W»' an seine Mutter schrieb, festgestellt werden, daß der DabW schiedene im Leben einer religiösen Sekte angehörte, und b sein Geist von einer schwärmerischen Ueberreizung getrübt* Demgemäß wird nun von den Seinigen angenommen, J Bedauerns werthe habe fich von der Welt zurückziehen, Klausner werden wollen, und sei in seiner Einsamkeit verhuf/ Vor der Schlacht. Unteroffizier: Memme, warum M Du?— Soldat Schulze:„Mir schaudr t vor dem Blu'N daS ich anrichten werde." vedenklich« Zustimmung.„Sie glauben nicht, eS A Hunde, die klüger find, als ihre Herren."—„Ich weiß' Hab' selbst so einen." Zweierlei Wirkung. A.: Du, weißt Du, ich sebne«J nach Ruhe, ich will mich verheirathen. B.: ich auch, ich � mich— scheiden lassen. j ..DaS Gewickt der Fliegen. Ein Amerikaner hat st** bochst nützlichen Arbeit unterzogen, daS Gewicht der@'"*5 fliegen festzustellen»=«■- ein Pfund gehen. Lärm, wenn fie auf einer Kotelette nur' vier mitged Fliegen finden._ Und da machen schon° so"viele ÄenlA M' xaP Er hat gefunden, daß 48 000 Slflcf Briefkasten äer JWa&tion. Zwei Wettende, Raochklub Deutsche vrüde können Müyen tragen, wie Sie wollen, daS kann Ihn mand verbieten. E. Fr. Rudolf. Wir bedauern, Ihnen in diesew u keinen Rath ertheilen zu können. ji —®. Ihre Ausführungen find vollkommen unverstä� Sie bezeichnen fich als Schriftsetzer, da sollten Sie dock? wiffen, daß man Manuskripte nur auf einer Seite befd»fil* S.(*. Wasserthorstr. • L. 1. hundertundfünf jährig sein. n wcanuslrtple nur aus einer Seite beftbu"' »sserthorstr. Die AnspiÜche find verjährt� 1. Emhundertvierundachtzig Billionen, n Millionen. 2. Ihr Bruder muß Theater. Köuigltche» Over« hau». Heute: Der Trompeter von Säkkingen._ Königliche» Schauspielhaus. Heute: Magnetische Kuren._ Deutsche« Theater. Heute: Romeo und Julia._ veUealliance.Zchealer. Heute: Amerikanisch._ Neue» Friedrich-Wilhelmstädtische» Theater. Heute: GaSparone. Alle. Heute: Der Walzer- ifenrral-Theater: e 30. Direktor-. Ad. Ernst. Heute: Zum 14. Male: Schulreiterin. «efide«».Theater: Direvion Anton Anno. Der Kernpunkt. Hierauf: Die Walhalla-Operetten-Theater: Heute- Der Feldprediger._ Loutseustadiische» Theater: Heute: Hurrah Germania!_ Ostend-Theater: Heute: Der fliegende Holländer. Wallner-Theater. Heute: Sin weißer Rabe. Heut«: Sulfurina. Viktoria-Theater. Aihambra-Zheater. Heute: Die Gauner von Berlin. Bei meiner Abreise nach AugSburg sage ich meinen Freunden und Genoffen ein herzlich Lebewobl. 808 Wilhelm«aeclt. Um allseitige Unterstützung de»»«reauS für«rbett«- Angelegen heite««nd Stattsttk wird dringend ersucht. 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Abrechnung pro 1 Quartal 1885. 3. Nruroabl der Kommission, Kasfirer und der Revisoren. 4. Bidliotbek-Angclegenheit. 5. Verschiedene«. Der hochwichtigen Tagesordnung wegen ist S Pflicht eines jeden Zimmermanns zahlreich und pÜ-ktlich 810 ________ zu erscheinen. Die Kommisfion. I. A.: A. Rudolph, Bernauerstr. 100. Freitag, de» 17. d. M.. Abend» 8 Uhr: Oeffentltche. s Arbeitermnen.DersammlttvS. in Keller's Lokal, Andreasstraße Ablehnung der Zölle auf Nähgarn. Referent: Herr � Männer haben Zutritt. Enttee nach Beliebe«. __ Frau G�GuillauU-'� Möbel u. Uolstenvaares � von A. Fr«nke, Wafferthorstraße 46. Empsehl« sß, ttt-W Arbeit. Solide Preise. Auch'Thnlzadlun� W. Iwanhky,-' 676 13] Veranrwortt icher Redatteur». Trondei» in Berlin. Druck und Verlag von Matz»adtug in Berlin SW. Beulhstraße.2.