1 müller,* ttmltt«« 'a*t Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. eder del det Sonn' eils Bi-t Die französische Steuerreform. �- Man wird sich erinnern, daß zur Zeit der großen sordnuliftranzösischen Revolution, im Jahre 1794, eine großer Pro» " Aeß gegen alle sogenannten Generalpächter eingeleitet 'de»urde, der damit endete, daß man alle Generalpächter, »eren»an habhaft werden konnte, zum Tode verurtheilte ung d« md hinrichtete. So verhaßt hatten sich die Generalpächter April(Seemacht, daß nicht einmal der berühmte L a v o i s i e r, der sämmti'�emale Chemiker, der sich unter ihnen befand, diesem Schick- ischetn.enjal entging. Ob die Vergehen dieser Männer zu hart be- oft wurden oder nicht, da» hier zu untersuchen ist nicht t Generalpächter pachteten die Steuern, h. sie bezahlten dem Staate eine bestimmte Summe und leben dann die Steuern ein; der Ueberschuß über die achtsumme blieb in den Händen der Generalpächter, die ch auf diese Weise bereicherten und die Steuerbeitreibung urch ihre Unterbeamten möglichst schonungslos ausfüh.en «ßen. Der Gewinn der Generalpächter soll unter Hein- ch IV. etwa 24 Millionen Thaler, 1789 nur noch 6 Mil- »en Thaler betragen haben. Die letztere Angabe ist Offenbar zu niedrig. 5�. Man begreift, daß die ganze Abneigung de« damals >>§ mit Abgabe» so schwer belasteten Volke« sich gegen die iassenberi»Ieneralpächtlr und ihr Treiben richten mußte. Aber ist )ieS Unwesen abgeschafft worden? Giebt e« heute keine räbnißk»�"�pächter in Frankerich«ehr? v erwa> Nun, die heute in Frankreich im Besitze der Staat«- !ngst kmp.ulwalt befindliche Bourgeoisie, die so gerne betont, daß sie % ,iri(n®e$e de« Bürgerthum« von 1789 regiere, hat sich noch \\fr mit aufraffen können, da« Generalpächterthum abzu- id tniile" lÄofftn; dasselbe besteht, in etwas veränder- .(MK laffenb, ten. Lerschtei mmlugl hr, im hat Herr� mtet: ,, Vereiniz usfion. odler, ig desoi cvschaft 20. fto am [ehalt; sie erheben die Steuern in den ihnen unterstehen- # Departements und bekommen einen grwiffen Prozentsatz -nd den l�" den Steuern überwiesen, der je nach der Größe de« mm'ar.dai� ipartementS sich bis auf 100 000, ja 180 000 Franc» pro Herr 3%jiht steigern kann. Und für diese enormen Summen haben nmv. Hnren Generaleinnehmer fast nicht« zu thun, da ja die iß üb««�Hebung der Steuern durch Unterbeamte besorgt wird. »er« Mit solch fetten Stellen haben die Minister der regie- 'l a5lben Bourgeoisie Frankreichs ihre Freunde belohnt. Herr miiiW*» ard, der frühere Finanzminister, sprach als Kandidat �>on. diese Stellen abzuschaffen; al» Minister belohnte er . �e Parteigenossen damit. Der neue Finan.minister, Herr AlliCß™ amag eran(inzwischen ist Herr Clamageran bereit« iiHllfl�-®un�m des Herrn Carnot zurückgetreten), will die Ge- m W-Vd� »rua.«boten.] �tCUtlTCfOU. mg: 3tn Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) »Darin magst Du Recht haben," erwiderte der Freund, tl t8 üute, liebe Menschen, denen ich selber schon großem Dank verpflichtet bin. Ein wenig exzentrisch ste«reiuch immer sein, aber lieber Gott, welcher ... Mw tzst nicht seine kleinen Schwachheiten und Stecken« . de, und so lange er niemanden Ander« damit schädigt, c,« man sie ihm ruhig hinsehen!" n v s 8 u,, Wie gefällt Dir, Kathinka?" fuhr er nach einer kleinen "nt'mt sich»»ch-m-m s-?ach,i,!» B-Iuch-,» sag« wiutoinwAs,„allerdings wohl noch kern genaue» Urtheil füllen. D«�.--4 im Ganzen hat sie einen recht günstig«» Eindruck auf —r gemacht, besonder« vielleicht im Gegensatz zu den KffMilvn Klingenbruch'schen Damen." er. J ll„6« ist ein sehr liebe« und sehr tüchtige« junge« malt sehr hübsch und ist eine vortreffliche Klavier« der Veri-� gekästen- genomwk� Der� »as �«Natürlich musikalisch in dem Hausei" lachte Ha»«. —-T lche« Instrument spielt denn der alte Herr?" »»r ltkM»Du spotlest darüber, Du solltest ihn aber einmal �»em Violonzello hören I" .»Und die Mama?" la9te Rauten mit einem kaum unterdrückten HWjLf' ist aber nur eine von ihren Schwachheiten S'..ch.... w UfiV iftu? gehört, erwiderte Hans, al« sie wieder«ine lV» e nebeneinander hrngeschritten waren,„daß eigentlich mdzoanzig Prozent der menschlichen Bevölkerung einen lififl!° f kleineren Sparren hätte und durch irgend Ür.®e.ta"lalun?«»«ich verrückt werden tu Es klingt da« ein wirklich wenig gewagt, aber manchmal neraleinnehmer abschaffen und durch Zahlmeister mit dem gewiß anständigen Geholt von 10—15,000 Francs ersetzen. Aber da stößt er auf allseitigen Widerstand; die„ange- sehensten" republikanischen Blätter, wie der„TempS", geben ihm zu verstehen, daß sie erwarten, man werde die Sache beim Alten lassen. Di« Finanzen Frankreich« stehen un- günstig; neue Schulden müssen gemacht werden für den Krieg in Tonkin, aber von der Steuerreform de« Herrn Clamageran, die eine Erfparniß von 15 bi« 20 Millionen Francs pro Jahr bringen würde, will die regierende Bourgeoisie nicht« wiffen. Diese Bourgeoisie wird, wenn sie noch länger so fort« wirthschaftet, den guten Namen der Republik noch in dau- ernden Verruf bringen, und e« find Anzeichen genug vor- Händen, daß die Reaktionäre in Frankreich bei ihrer Maul- «urfsarbeit sehr gut zu benutzen wiffen, um die Republik zu diskreditiren. Herr Clamageran wird allem Anschein nach mit seiner Steuerreform scheitern und jene politischen Spekulanten und Geschäftsleute, die sich heute alle gerade so Republikaner nennen, wie sie de« verwerflichen Regiment Napoleon« III. zugejubelt haben, als es noch im Zenith seiner Macht stand, werden ihre Sinekuren nicht aufgeben wolle». So bleibt ein Mißbrauch weiter bestehin, der seit mehr al« hundert Jahren von den ehrlichen Männern aller Parteien ver- urtheilt ist. Aber wa« frägt die regierende Bourgeoisie nach de« Urtheil der Geschichte. Für sie ist der Staat nur ein Mittel, ihre Geschäfte zu fördern und die öffentlichen Kon« junkturen diesen günstig zu gestalten. Dazu muß man die Staatsgewalt in die Hand bekommen, und darin besteht auch der RepublikaniSmu« dieser vom größten Materialismus ganz erfüllten Klasse. Dolitiseke Nebersiekt. „Ohne den Antrag Huene keine E-höhnng der Zölle l" Eo hat vie kleine Exz-Uenz, Herr Wmvthorst, im Reichstage sowohl alS auch im Abgeordnetenhaus« mit großem Pathos verkündet. In der Hand des Zentrums liegt es, die Kornzoll- eihöhungen in dritter Lesung zu Fall zu bringen und gestützt auf diese Thatsache, weiß der gewiegte Zentrumsiedner sehr wohl, daß seine Worte nickt uvgehöit verhallen werden. Will die Regierung den Kornzoll— und den will sie freilich— so muß sie dem Wunsche Wmdlhdift's Rechnung tragen und für den Antrag Huene eintict-n. Wir haben den Antrag bereits mehrfach erwähnt, er geht dahin, daß die auS den erhöhten Koin> und Viehzöllen auf Peeußen fallende Mebretnnahme, abzüglich 15 Millionen Mai!, zur Eatlaitung der Gemeinden Velwendung finden soll. Die Mehrheit ver Zentiumspartei, welche bekanntlich unter sich«ine große Anzahl Großgrund- kommt e« mir wahrhaftig so vor, al« ob der Mann am Ende doch nicht so ganz Unrecht gehabt hätte." „Schaller« find nichts weniger al« da»," sagte Rauten. „Ich will noch nicht urtheilen," meinte Han«,„aber in Verdacht habe ich sie trotzdem, nnd dann der Theater- direktor, der ihnen gegenüber wohnt— Leopold, den hättest Du neulich sehen sollen, der war kostbar." »Ich gehe sehr gern manchmal in'« Theater, um mir einen Abend zu vertreiben," sagte Rauten,„aber ich bin sehr vorsichtig, den aktiven Mitgliedern nicht außer dem- selben zu nah« zu kommen." „Du bist darin zu streng." „Es kann fein, aber ich habe mich bi« jetzt immer wohl dabei befunden." Da» Gespräch war damit abgebrochen, denn sie näherten sich dem Solberg'schen Hause und Franziska stand schon am yenster und winkte ihnen freundlich zu. Tante Mäusebrod. Al» die beiden jungen Fräulein von Klingenbruch in ihr« Wohnung hinauf kamen, fanden sie einen Zettel von der Tante vor, worin diese sie bat, einen Augenblick zu ihr hinüber zu kommen, da sie etwa» für sie habe, da« sie ihnen geben möchte. Die Tante ein Geschenk? Da» kam sehr selten vor, und die jungen Damen, so wenig sie sich sonst au» einem Besuche bei ihr machten, waren doch neugierig geworden, außerdem ja auch geradezu angezogen, und beschlossen des- halb, der Aufforderung ohne Weiteres Folg« zu leisten. Da« Hau« der Tante lag an der Promenade, nicht sehr weit entfernt und dicht an dem sogenannten Park, einer aber nur wenig besuchten, wenn auch sehr hübschen Anlage. Eine Seite desselben blieb nämlich verschlossen, um den geschäftlichen Verkehr darau» fem zu halten, und dadurch konnte er natürlich nur von den Leuten benutzt werden, die sein« schattigen Spaziergänge direkt auf» sucht«*». Hau» selber war ein sehr alte» Gebäude, und wenn auch im Jnnem wohl freundlich eingerichtet, zeigte besttzer zählt, hat in erster und zweiter Lesung für die Erhöhung der Korn- und Biehzölle gestimmt, obwohl sie fich bewußt war, daß die große Mehrzabt ihrer Wähler durchaus gegen die ge« geplanten Zölle ist. Ein Pflaster auf diese Wunde soll der Antrag tzuenc nun sein; er soll die enlstandene Kluft zwischen den Wählern und ihren Vertretern überbrücken. Da der An« trag nach Lage der Sache oorausfichtlich Gesetz werden wird. so verlohnt eS fich gewiß der Mühe, denselben hier noch etwa« genauer zu betrachten.— Die über 15 Millionen betragenden Einnahmen sollen also den Kommunen zur Entlastung über- wiesen werden Nun ist aber daS Sonderbare dabei, daß unter Kommunen nickt vie Gemeinden, sondern die Kreise gemeint find und daß demnach die Kreistage also über die Ver» wendung der ihnen zugehenden Summen zu bestimmen haben. Di« Kreistage rtpräfeniuen parlamentarische Kürperschaflen im Kleinen, ihre Existenz dürfte der Masse deS Volke« nur vom Hörensagen bekannt sein. In diesen Kreistagen domi- niren aber die Herren Grundbefitzer und Freunde des Herrn Landralh's, diese hoben also in Zukunft— freilich vorbehält lich der Genehmigung der vorgesetzten Behörde— über die Entlastungssummen Beschluß zu fassen. Nun ist ja allbekannt daß die Kreistage fich möglichst bemühen, gute Straßen, Ka- näle, Brücken u. s. w. im Kreise herzustellen, zu solchen Zwecken werden oft große Summen verausgabt und wenn das Geld mangelt, was in manchen Kreiskaffen permanent der Fall ist, so nimmt man Anleihen auf. Es läßt fich also voraussehen, daß die Kreistage in Zukunft einen Theil der Entlastung«- summen, mitunter auch wohl die ganze, zu genannten Zwecken verwenden weiden.— W-m kommt aber das Geld zu Gute? Nun, der Hauptsache nach den Grundb-fitzern, denn diese be- nutzen doch fast ausschließlich Brücken und Wege zu ihren Zwicken; denNutzen den die übrigenKreiSeinwohner davon haben, ist nur sehr gering anzuschlagen. Es ließen fich solche Argu« mente für die Geringwerthigieit deS Huene'schen Antrage« noch vielfach anführen; für. heute möge daS Angefühlte aenügen. ES steht unzweifelhaft fest, daß die aui den geplanten Zoll« erhödungen resultirenden Summen aus den Taschen der breiten Masse deS Volkes fließen und ebenso unzweifelhaft ist eS That- fache, daß den Grundbesttzem der Zoll zu Gute kommt. Der Antrag Huene aber führt dahin, daß den Grundbesttzern nun noch eine Extra Vergütung zu Theil wird, indem fie die au« den Taschen der Gesammtheit fließenden Gelder noch einmal zu ihren Zwecken ausnützen können-— Unter solchen Umständen nimmt fich die Drohung deS Herrn Windthorst recht komisch auS, und eS darf mit Recht bezweifelt werden, ob die Zentrumsrcähler blöde genug find, fich von den Herren Wlndt- Horst und Huene Sand in die Augen werfen zu lassen. Das Lehmpenstonsgesetz ist nun endgiltig vom Abgeordnete! hause durchbeiatnen worden. Trotz des abermaligen Widerspruchs der Regierung verblieb es dabei, daß bis zum Betrage von 750 Mark die Staatskasse die Penston zu tragen hat. Herr Windthorst erblickte in der Vorlage eine Ver« fassungsverletzung, da Artikel 25 der preußischen Verfassung vorschreibe:„Die Mittel zur Erhaltung und Erweite- rung der öffentlichen Volksschulen werden von den.Gemeinden e» nach außen düflire, verwitterte Mauern, die sehnsüchtig darauf zu warten schienen, wieder einmal abgeputzt und frisch gemalt zu werden. Davon wollte die Eigenthümerin aber nicht»- hören. Sie meinte, und darin hatte sie zum Theil Recht, daß sie seltrn genug hinaus käme, um ihr Haus von außen anzusehen, und wenn e« den Leuten auf der Promenade nicht gefiele und einen unangenehmen Tin« druck für diese gegen die Nachbarhäuser mache, so sollten die e« eben anmalen lassen, sie hätte nicht« dagegen. Da- bei blieb e» denn auch, da sich die Stadt nickt veranlaßt sah, der freundlichen Aufforderung Folge zu leisten. Die Tante saß oben in ihrem Zimmer und strickte an einem wollenen Unterrocke für die Heidenmisfion; e« war da» fast ihre einzig« Beschäftigung, der sie sich den Tag über hin- gab. Abend» la» fie dann, aber auch nur meist religiöse Schriften, und ehe sie zu Bette ging, noch ei» Kapitel au« der Bibel. Daß sie die warmen wollenen Sachen, die sie da» Jahr über wegschenkte, um damit die Kaufläden der Missionäre in fremden Welttheilen zu füllen, viel besser und nützlicher hätte hier mancher unglücklichen Familie schenken können, die im Winter gegen die grimme Kälte rang und sich und die Kinder nicht erwärmen konnte, gi-ig sie nicht« an. Sie strickte sich hierdurch einen ihr im Himmel ver- sprochenen Sitz; für die Unglücklichen in der Hiimath gab e« Armenhäuser, und wer zu stolz war, da hinein zu gehen, ei, der mochte eben selber sehen, wie er durchkam. Sie saß bei ihrer Arbeit wie gewöhnlich in ihrem alten, lederbezogenen Lehnstuhl, von dem sie nicht lassen wollt«, obgleich ihr die Nichten schon mehrmals angeboten hatten, einen neuen Ueberzug zu sticken. Der alte Stuhl sah gar zu schäbig au» und paßte nicht einmal in die sonst von Stickereien, Teppichen, Rückenkissen, Fußbänken:c. fast überladene Stube. Die Tante wollte aber nicht davon lassen. E« war eine robuste, stattliche Frau mit einem ernsten, strengen Geficht, braunen, nicht unschönen Augen, aber einer finsteren Entschlossenheit um die Lippen, auf denen sich noch außerdem die ziemlich deutlichen Spuren eine« kleine» Schnurrbart» zeigten. Auch ihre oft zusammengezogene« buschigen Brauen dienten nicht dazu, die Züge zu mildern. und im Falle deS nachgewiesenen Unvermögens ergänzunai- weise vom Etaate aufgebracht". Herr v. Meyer- ArnS walde ist derselben Anficht, er hält alle Argumente, die dagegen vor- (ebracht weiden, für„Advokatenkniffe", während Herr G n e i st edauptet, daß das Gesetz fich auf dem Boden der Verfaffung befinde, da nachweislich die Mehrzahl der Gemeinden nicht im Stande sei, ihren Verpflichtungen bezüglich der Schulen nachzukommen. Der Abg. R i n t e l e n ist ebenfalls der An- ficht, daß daS Gesetz verfaffungSwidria ist. Er beruft fich auf Artikel 112 der Verfassung; dieser bestimme ausdrücklich, daß rS bis zum Erlaß eineS allgemeinen UnterrichtsgesetzeS, wie eS Artikel 26 in Ausficht stellt(schon seit 1849), bei den jetzt geltenden gesetzlichen Bestimmungen sein Bewenden haben müffe. Der Artikel 25 spreche ausdrücklich von einzelnen Gemeinden; wenn einzelne Gemeinden nicht im Stande seien, die nothwendtgen Mitteln für die Schulen aufzubringen, so habe der Staat die Pflicht, Zuschüffe zu gewähren.— Der konservative Herr v. Rauchhaupt versuchte im Bunde mit seinen FrakiionSgenoffen einen Unterantrag durchzudrücken, der dahin ging, den N a ch f o l g e rn der penfionirten Lehrer einen Theil der Penfionen aufzuerlegen. Der Antrag wurde mit 131 gegen 129 Stimmen abgelehnt.— Annahme fand noch der Antrag des Abg. Spahn:„Die auf besonderen Rechlstiteln beruhenden Verpflichtungen Dritter bleiben bestehen." Bei der Schlußabstimmung wird daS ganze Gesetz mit großer Majorität angenommen. Das Zustandekommen dei Gesetzes ist nach wie vor zweifelhaft, da der Herr Minister auch bei der dritten Lesung ausdrücklich erklärte, daß die Regierung nicht gewillt sei, deS staatliche Maxtmumüber 600 M- auszudehnen. Auch in Hamburg und Breme« richten die Interessenten bereits begehrliche Blicke auf die in Ausficht stehende Verwirk- lichung des DampfersubventionS-Gesetzcs. Die Hamburger be» fürchten, daß die projektirte ofiafiatische nnd australische Linie ihren Ausgangspunkt in Bremen erhalten werden. DaS würde für die Hamburger Interessenten ein harter Schlag sein, weil die von Hamburg nach genannten Ländern bereits eingerichteten Linien der Konkurrenz ficher erliegen müßten.— Der Bremer „Norddeutsche Lloyd" rüstet fich bereits darauf, die Linie nach Ostaficn zu erlangen; auf der demnächst stattfindenden General« Versammlung der Aktionäre des Lloyd steht der Antrag auf Bewilligung der röthigen Mittel für den Fall der Erlanaung der subventionirten Linien. In Hamburg find die Jnteresfirten auch nicht müßig; eS werden Anstrengungen gemacht, eine Ge« fellschaft mit einem Aktienkapital von 10 Millionen Mark zu begiünden, welche die Offerte wegen Uebernahme der ostafiati- schen Linie an die Regierung richten soll. Die Begründer haben fich an den Senat gewandt und an denselben daS Er- suchen gestellt, die oälfte des AktienlapitalS, also 5 Millionen, zu übernehmen; fie erwarten, daß der Senat dem Antrage ent« sprechen wird. In der letzten BuudeSrathsfitzung wurde auch der im März eingebrachte Gesetzentwurf angenommen, wonach die Be- stimmung im Artikel 5, Ziffer 1, des ZollvereinsoertrageS von 1867, daß von allen bei d«r Einfuhr mit mebr als 15 Groschen vom Zentner belegten ausländischen Erieugniffen keine weitere Abgabe irgend einer Art, sei es für Rechnung des Stau es oder von Kommunen und Korporationen erhoben werden darf, auf M hl, Mühlenfadrikate, Backwaaren, Fleisch, Fleischwaaren, Fett, wwie insoweit es fich um Besteuerung für Rechnung von Kommunen und Korporationen handelt, auf Bier und Branntwein keine Anwendung finden soll. Die Worte„und Brannt- wein" find neu hinzugekommen. Di( Vorlage bat bekanntlich den Zweck, die Mabl- und Scklachtsteuer den Kommunen, die fie bis jetzt erhoben haben, auch nach der Erhöhung der Zölle auf Brot und Fleisch zu erhalten. Afrikanisches. Die Nachricht von der Aufhissung der deutschen Flagge an der Eomalrküste bestätigt fich nicht. Die Korvette„Gneiienou" ist bereits auf der Fahrt nach Australien� Einem vom 10. März datirten Privat bat fe eines auf der Korvette dienenden Mannes entnimmt die„Saale-Ztg." fol« gendes über einen angeblich an der Küste von Zanzibar voll- zogenen Justizakt:„Wir find hier jetzt in schlimmer(?) Lage, denn die Mubamedaner find ein zu fremdes Volk. Ein Negerloch, Tuma(?) an der Ostküste von Afrika, haben wir in Brand geschossen; dort hatten die Schwarzen nämlich einen deutschen P�ssagierdampfer überfallen, waS zur Kenntnis un- seres Kap'iäns gelangte. Wir gingen darauf sogleich Anker auf nach Tuma. Dort angekommen, fubr ein Boot von uns an Land und holte bei dem deutschen Konsul Auskunft ein; auf den erhaltenen Bescheid wurde einer der Häuptlinge wegen seiner Handlungsweise zur Rechenschaft gezogen. Der schwarze Bursche lachte unseren Lieutenant einfach aus. Darauf kehrten wir mit unterem Boot an Bord zurück und nun wurde dem Kapitän Meldung gemacht. Derselbe ließ Generalmarsch schlagen und in einer Viertelstunde standen die alten Neger- hüiten in hellen Flammen(!). Da hättet Ihr die Schwarzen sehen sollen, wie fie anfingen zu tanzen und ein Geschrei er- hoben. Hier in Zanzibar wird es aber auch sonst wohl bald etwas geben; wir warten täglich, ob der Sultan gegen den Generalkonsul etwas Böses sagen wird."(?) Sie hatte freilich auch ein herbe« Leben durchgemacht. AuS einer armen adeligen Familie aufgewachsen, in der, wie in so vielen ähnlichen, nur der äußere Anstgnd gewahrt «erden mußte, während es daheim oft am Nothwendigsten fehlte, verlebte sie eine trübe Jugend und sah sich wohl eine Zeit lang, in der Blüthe ihrer Jahre, von der jungen Männerwelt umflattert, bekam auch genug von ihren faden Schmeicheleien zu hören— aber dabei blieb eS. Sie liebte «inen jungen Mann aus dem Bürgerstande, der geschworen hatte, nicht ohne sie leben zu können; aber die Eltern ver» weigerten ihre Einwilligung, und wenige Monate später verheirathete sich ihr Geliebter mit einer reichen Bäcker«- tochter. Die Roth in der Familie nahm aber mit jedem Jahre zu, ihr Bruder brauchte da» Wenige, da» er besaß, für seine eigene Familie, und von dieser wie von den Eltern gedrängt, die ihre» Adelstolz nicht mehr länger aufrecht erhalten konnten, nahm sie endlich die Hand eineS ebenfalls bürgerlichen und sehr alten, aber auch sehr reichen Kaufmanne« an, allerdigS nicht au» Liebe, sondern nur einer Versorgung wegen. Der alte Mann aber behandelte fie schlecht; er warf ihr fortwährend ihre Armuth vor und daß er fie daran» befreit habe, und spottete dazu über den„adeligen Bettel"; e» war eine rohe Natur—«in Mensch, der sich selber nur mit Fleiß und Ausdauer von einem Markthelfer oder Hausknecht zu einem Kaufherrn emporgeschwungen� hatte. Der Frau Charakter war aber durch daS herbe Schicksal auch nicht milder geworden; fie duldete zuletzt nicht mehr schweifend seine Vorwürfe, und eheliche Zwistigkelte» ge- hörten von dem Augenblicke an zur Tagesordnung. Da fiarb der Mann, und zwar so plötzlich, oaß das Gerücht die Stadt durchlief, er habe Gift bekommen. Es wurden auch genaue Untersuchungen angestellt, aber man fand dabei, daß er wirklich an einem Herzschlage gestorben sei. Seine Wrttwe trat da» sehr bedeutende Vermögen an und war jetzt alt dabei geworden, ohne der menschlichen Gesellschaft, da sie fast gar nicht mehr damit verkehrte, bessere Seiten ab« gewonnen zu haben. Sie haßte besonder» die Männer und nahm davon nur die Geistlichen au», mit denen fie auch fast allein, aber selbst mit diesen nicht freundschaft» Frankreich. Das neue ftanzöstsche Ministerium hat bereits durch den Rücktritt des Finanzministers Clamageran eine Umgestaltung erfahren, an seine Stelle ist Carnot getreten. Herr Clamageran hat nicht vermocht, seine verhältntßmäßig geringen Wünsche (stehe Leitartikel) durchzusetzen. Die Monarchisten erheben jetzt vor den Wahlen mehr wie zuvor wieder das Haupt, fie find fich wohl bewußt, daß das französtsche Volk auf den leeren Namen Republik nichts mehr giebt, solange dieselbe von dem ösesten Manchester standpunkie ars die wirthschafllichen Verhält- niffe zu regeln sucht. DaS Ministerium Lrisson droht bereits in sehr verständlicher Weise mit der Ausweisung der Prätendenten. Das Organ Brisson'S,„SiScle", erklärt, man müffe Spczialvorkehrungen und geeignete gesetzliche Be- stimmungen noch vor den Wablm schassen, wenn„die Ad- kömmlinge der Dynastien, welche um Gewährung des Gast- rechts der Republik gebeten und denen dasselbe nur gegen das Versprechen einer peinlichen Achtung vor den Institutionen des Landes bewilligt ist", Miene machen sollten, diese gesetzt lichen Institutionen und den Nationalwillen zu unter- miniren. Die drohende diplomatische Verwickelung mit drr egyptischen Regierung w gen der gewaltsamen Schließung der Druckeret des Journals„BoSphore" steht noch in dem Vordergrund. Die Regierung soll entschloffen sein, falls die egyvtische Regie- rung nicht ihren Reklamationen bezüglich der Angelegenheit der Unterdrückung teu„BoSphore Egyptien" vollständig genügt, an dieselbe ein förmliches Ultimatum zu lichten, dessen Unter- stützung durch die in der nächsten Zeit den Suezkanal passtrenden franzöfischen Truppen schwerlich nothwendig sein wird. Koksles. t. Nur zehn Pfennige. Die? ist die verhängnißvolle Zauderformel, durch welche den Leuten daS Geld aus der Tasche gelockt wird, daS Mäntelchen, unter dem die schnöde Spekulation ihre Fallstricke verbirgt, aber auch das Präservativ, wodurch die warnende Stimme der Vernunft zum Schweigen gebracht wird- Zehn Pfennige! Gewiß eine kleine, unschein- are Summe, und doch spielt fie eine große Rolle im Leben. Sie ist die Axe, um die fich eine Well im Kleinen dreht, eine Wertheinheit, auf welcher ein nicht unbeträchtlicher Thell von Handel und Gewerbe, des gesellschaftlichen Verkehrs bastrt. Wer gewöhnt ist, mit großen und größeren Summen zu rechnen, der wird eS vielleicht komisch finden, wie Jemand auf 10 Pf. überhaupt einen Werth zu legen vermag. Wem aber die Quelle seines Einkommens nur spärlich fließt, wer mll Wenigem hauszuhalten gezwungen ist und sozusagen jeden Groschen erst zehnmal umdrehen muß, ehe er ihn ausgiedt, für den find unter Umständen 10 Pf. sogar ein Kapital und weiß er daher diese unscheinbare Summe in richtiger Weise zu würdigen und zu schätzen. In dieser allerdings nicht sehr beneidenswerthen Lage definden fich nun aber verhältnißmäßtg die meisten Menschen. Wo nun aber das Geld groschenwcise einkommt, kann es naturgemß auch nur groschenweise wieder ausgegeben werden. Diesem Verhältnisse ist daher in ausgedehntestem Maße Rechnung getragen worden und überall finden wir die 10 Pf.-Toxt. 10 Pf. kostet der Brief, der Omnibus, die Stadt- und Pferdeeisenbahn, 10 Pf. das Glas Bier, die Tasse Kaffee, Milch oder Thee, 10 Pfennige erlegt der Ardeiter in den Versammlungen„zur Deckung der Unkosten", 10 Pf. erhält der Nachtwächter für den vergessenen Hau«- jchlüffel und 10 Pfennige kostet's auf der Vogelwiese in der Hasenhaide. 10 Pfg. nur 10 Pfg.! Ueberau tritt und tönt es uns entgegen und gerade durch die scheinbare Gering- fügigkeit der Summe werden Vrele verleitet, leichter und öfter 10 Pfg. auszugeben, als die finanziellen Verhältnisse eigentlich vertragen und noch dam oftmals für Dinge, welche dem geringen Werthe von 10 Pfg. noch nicht einmal zu entsprechen vermögen und daher mit Recht eine Verschwendung genannt werden müssen. Der Geist ist willig, oder daS Fleisch ist schwach und diesen Umstand wissen unternehmende Spekulanten nur zu gut auszubeuten, von dem Grundsatz ausgehend: Wenn auch am Einzelnen nicht viel zu verdienen ist,— die Menge muß es bringen! Wenn man auch uereitwilligst ein Auge zu- drücken will über die öfter als zuläsfige, den häuslichen Etat überschreitende Verausgabung von 10 Pfg. für leibliche Genüsse, denn was dem Körper zugeführt wird, das kommt ihm wenigstens zu Gute, so muß man aber doch entschieden verurtheilen die Ver- auegadung von 10 Pf. für Dinge, die absolut werthlos find und in vielen Fällen sogar einen nicht zu unterschätzenden schädlichen Einfluß ausüben. Wir erinnern nur an den Unfug, der in dieser Beziehung auf literarischem Gebiete getrieben wird, an die Schundliteratur, welche in 10-Pfennig Heften vertrieben, in den weitesten Schichten der unteren BeoolkerungSklassen fich einnistet und den Geschmack deS lesenden Publikums durch so- genannte S nsatronsromane vergiftet. Während viele Anstand nehmen, für eine Zellung, welche daS Lcsebedürfniß im Allge- meinen voll und ganz und in bester Weise zu befriedigen im lich, verkehrte. Ei war, al» ob sie selbst die Religion wie eine Sache betrachtete, die geschäftlich abgemacht wer» den könnte. Ihre beiden steten Gesellschafter blieben nur ein alter, fetter Pinscher, schon so unbehilflich in seinen Be- rregungen, daß er sich kaum rühren mochte und nur alle Menschen anknurrte— selbst die Geistlichen—, und ein großer, grauer Kater, der ihr bei ihrer Arbeit fast immer aus dem Schooße lag und halbe Tage'ang wohlgefällig schnurren konnte. So saß sie auch klopfte und auf ihr jetzt wieder, al» e» an die Thür laute« Herein! und ein ärgerliche« Knurren des HundeS die beiden jungen Fräulein von Klin- gcnbruch mit einem fröhlichen„Guten Abend, Tante I" in da« Zimmer drangen, so daß Joli, der fette Hund, mit einem wahren Wuthqeheul auS seinem warmen Korbe emporfuhr und hart und heftig gegen die Eindringlinge anbellte. „Aber, Kinder," sagte Frau Mäusebrod, indem sie ihr Strickzeug auf den Kater falle» ließ und mit der linken Hand die Brille abnahm,„Ihr stürmt mir ja auch herein wie die wilde Jagd und habt da« arme Thier erstreckt! Schickt fich denn da« für junge Mädchen in Eurem Alter? Ihr solltet doch wahrhaftig vernünftiger sein I" „Ach, Tantchen, sei nicht böse!" bat Flora, indem fie auf fie zusprang und fie küßte; dicht hinterher folgte un« aber so ein kleiner buckliger Mensch, und wie wir rasch in das Hau» traten, kam er un» nach, und da find wir in allem Schreck nur so die Treppe heraufgehetzt." „Er ist hier im Hause, Tante, gewiß," bestätigte auch Henriette, indem sie ebenfalls die Tante begrüßte; er kommt hinter un» die Treppe herauf— wenn er nur nicht stehlen will I" „Bah, Unsinn," sagte Frau Mäusebrod mit einem un- willigen Kopsschütteln,„was Ihr nur immer für verrückte Ideen im Kopfe habt I Da« ist der kleine Schreiber von meinem Advokaten, der mir Papiere bringt— da ist er schon." In diesem Augenblicke klopfte e» leise an die Thür, und die Tante, indem fie Herein I rief, legte ihr Strickzeug Stande ist, 5 Pf. auszugeben, tragen fie keinen Augeeblit denken, 10 Pf. für einen Schauderroman zu verausgab� cher besser ungeschrieben und in dem Dintenfaffe de« 3* oedlieben wäre. Doch ein Uebel kommt selten allein u»i Publikum wird oftmals in doppelter Weise betrogen. daS Prämienunwesen, welches ftüher mit der RolpoiW' Kunden war, und den Zweck hatte, dem Publikum aii: mittel zu dienen, um sein Geld wegzuwerfen für Erzeugnisse, aufgehört hat und auch nur zwangsweise, t» die Spekulation, nach dem bewährten Satze:„Wen« i dasselbe thun, ist es noch lange nicht dasselbe" einen** Weg zu erschließen gewußt, um ihren unlauteren Zwtttf reichen. Während sonst die„Stadtreisenden" geräusdjöj' Opfer überfielen und durch die Macht ihrer Beredliaml« Abnahme eines„WerkeS" zu gewinnen suchten, erscheb«' die Sendlinge und preisen anstandslos und unbeanfM! markischreierischster Weise ihre Schundwaare an; die Wfdl* irgend einer„schrecklichen Begebenheit", einer Raub-, Blutthat, die in irgendeinem obskurenOrte der Welt pasfi:tsZ Wer diese„Beschreibung" kaust, erhält irgend eine i die auf andere Weise keinen Käufer zu finden vermag, l dazu,„und Alles dieses für nur 10 Pf." Und stehe da!' „nur 10 Pf." übt auch hier seine Zauberkraft. ES öffn» Fenster und Thüren, der Ep. kulant verkauft en rn«* zieht fröhlich von bannen, die betrogenen Käufer ihrem 4 Gewissen überlassend. Denn betrogen find fie, doppelt be« Und nicht allein, daß die„Gratiszugabe" fich sehr W „Mumpitz" erweist, nein, waS noch viel schlimmer ist,% schreidung" wird sorgfältig studtrt und auf diese W» Gift dem gesunden Körper des Volkes künstlich eing» Und wo erscheinen diese B edermänner? Natürlich nur' armen Bevölkerung, bei den Arbeitern und kleinen t welche ihre Groschen mit Kummer und Sorge eintheilea» damit fie überall hinlangen. Ihnen wird daS Geld«> Tasche gelockt, auf alle mögliche Art und Weise unt und allein durch die Zauberformel:„Nur 10 Pf." Draußen im Südwesten Berlin», am Hasenhaide, trägt eine weite, öde Sandfläcoe den „Schwedische Eisbahn". Ein Zaun umgrenzt fie, zw stangen mit zerzausten Fahnen bezeichnen, rohe Brett bilden den Eingang. Diese„Schwedische Eisbahn", einiger Zeit eine Art Wurstelprater ins Noigtländische< Ihren Namen enllehnt fie der mehrere Jahre hin! liegenden Zeit, in welcher yagenbecks Eskimos auf# gossenen künstlichen Eisbahn Vorstellungen mit ihren thiercn gaben. Seitdem vegetirt fie und führt ein afl Leben. Australische Buschmänner, französische Schnf deutsche Luftschiffer mühten fich nacheinander vergw dem Volksvergnügen hier eine neue S'.ätte zu Nur wenn der Nord im Winter über die Stadt W hier eine Eisbahn entstehen läßt, steht die SchwedW daS gute Berliner Publikum zu Tausenden versammelt nun vor Ostern waren eine Anzahl Persoss die Idee gekommen, hier eine Art permanent«; wiese zu etaoliren. Der Lockruf erging in alle vier) Die zerstreut waren auf Schützenfesten und Freia' sollten fich hier zusammenfinden aus All- Deutschlast die dicken Frauen und Athletm, die elektrischen 5 die Mädchen ohne Unterleib, die Herkulesse und die. mechanische Theater, die WachSfiguren-Kabinette ust fischen Echauk-ln, die- Wü felbuden und die Schi hellen Hausen antworteten fie— wie die„Nat-Z'»'� der Aufforderung. Jene bekannten langen grünen gleichzeitig die Wohnstätten der herumziehenden Ki% die Speicherräumt für ihre Habseligkesten sind, dega«"' vor Ostern ihren Einzug in Berlin zu halten. Und>? fich da draußen eine seltsame Stadt auf. Rings best? al«„Museen". Die neuesten Weltereignisse waren tnj haftet Schnelligkeit festgehalten: die Kaisermsammst? Skierniewice,„der Vormarsch der Russen auf Herat", auch die Schrecken des Bagno. Von den 40—50"i es befindet fich auch ein Zirkus mit 30 Pferden und 705 darunter, Entree 30 Pf.— haben mindestens J&H,; Orgeln, die unaufhörlich»aix Warzen oregen, urw dem Zirkus und einem Hippodrom, in welchem t Herren auf lahmen Gäulen„drei mal � dürfen, ein halbe« Dutzend Dorfmustkantest,' volle Weisen hinaustuten— In der 3% Platzes aber konzertirt eine Berliner Kapelle. Un# K, kannten, die Berliner Kollegen und Drehorgeln trat#", gleichzeitig nur die neuesten Walzer von Millöcker,&, Strauß. Nerven so stark wie Schrssstaue, so soll e an«' würden hier nicht Stand halten. Ader das Pudlit� gegen ein Entree von 10 Pfennig an den Ofietfeiest«? Budenstadt überfluthete und daS fich auf etwa 30 000? belief, amüfirte fich vortrefflich. Nun plötzlich ist es wie ausgestorben. Die Kon, esston der Pächter für/5 auSschant muß nicht recht in Ordnung gewesen sein,% Tagen ist der Verkauf von Erfrischungen verboten- 3 liegt der Platz wie verödet. Wenngleich der gutefl nicht Trauer anzulegen braucht darüber, daß ein U#� L----"T auf den Nähtisch vor fich, schüttelte den Kater schritt nach der Thür, die sich jetzt langsam öst? erschien auch in der That Äux darin, der ei» v piere in der Hand hielt. 1 „Eine Empfehlung vom Herrn Notar Püst� er dabei, „Es ist gut— meinen besten Dank I".m Die Frau nahm die Papiere, die Thür r wieder, und Mux war verschwunden. „Ich hatte mich so erschreckt!" sagte Flora- „Ach, Ihr seid albern!" versicherte die sie die Papiere in ihr Pult schloß und dann alten Platz einnahm.„Vor so einem kleine». braucht Ihr Euch doch wahrhaftig nicht zu nur den große» so au» dem Wege, dann a'Oj sagen. Aber da schreit keine von Euch, ich wetten," »Aber, Tante!" sagte Henriette,«t „Na, setzt Euch dahin, Kinder," fuhr die indem fie einen prüfenden Blick über ihre RwJJJ »Ich hatte Euch zu mir rufen lassen— ab�t, Güte!" unterbrach sie sich selber,„wie seht der au»: aufgedonnert, als ob Ihr zu eine»< laden wäret I Ich begreife nicht, daß Ihr Euch n so über die Straße zu gehen I". »Aber, Tante," sagte Flora bestürzt, mehrere Besuche gemacht und fanden erst. öl*(j 1 kamen. Deinen Zettel. Wir müssen un« daß wir nicht in der Straße auffallen.", b? „Und nennt Ihr da« etwa so, wie Jh*% rief die alte Frau.„Haarwülste hinten, daß e« aussieht, als ob fie Euch den Kopf%!*!*1/ sollen, und mit bunten Farben, daß Einem#># gehen, wenn man Euch nur ansieht I".„ tJ, „Die jungen Mädchen schwiegen. 9% � ding« ein« Antwort auf der Zunge, aber F y trotzdem hinunter, und die alte Frau fuhr noe Füllung beginnt um 1 Uhr und soll die Auffahrt, zu der fich Theilnehmer in der Neuen Welt melden können, präzise 6 Uhr vor fich gehen. Von 4 Uhr ab wird die Selchow'iche Kapelle konzertiren, während Volksbelustigungen aller Art und der auf das großartigste dekorirte Bai cbampetre dem Publikum eine Fülle von Vergnügungen bieten werden. K I« Betreff des der schwundenen Kouftktionär Schier, der einem Gerüchte zufolge in Amerika angekommen sein soll, wird uns von der hier in Berlin wohnenden Ehefrau mitge- theill, daß ihr von der Ankunft ihres Manne» nichts bekannt ' bekanntlich vor 3 Monaten verschwunden, war iuerft in Paris gewesen und sodann hier auf einen Tag zurück- gekehrt. Nach einem kleinen ehelichen Zwist an diesem Tage war Schier ohne Rock und in Hemdsärmel fortgegangen und sodann weder zurückgekehrt, noch hat er irgend ein Lebens- zeichen von fich gegeben. Vor zirka 3 Wochen war in PotS- dam ein Erhängter gefunden worden, der anscheinend mit Echter identisch sein sollte. Der Bruder der Frau konnte je- ' doch die Leiche nicht als diejenige seines Schwagers rekognoS. ziren. Ebenso wenig wie F.au Sck. die hier bei ihren Eltern wohnt, der Aufenthaltsort ihres ManneS bekannt ist, ebenso wenig weiß fie etwas davon, daß fie dahin nachkommen soll. N. Eine Zerschmetterung der Kniescheibe zog fich vorgestern Abend eine Dame zu, als fie im Begriff war, am Moritzplatz eine Droschke zu besteigen. In dem Augenblick, alS ste daS Trittbrett bestieg, zog daS Gespann an und die Dame fiel so unglücklich zu Boden, daß fie schwere Verletzungen an der linken Kniescheibe davontrug. Die Dame mußte per Droschke nach einem Krankenbause befördert werden, woselbst fie als eine Ballettänzerin Namens Echönfeld rekognoSzirt wurde. g. Ein Exzeß, welcher daS Einschreiten zweier Schutzleute rrforverlrch machte, spielte fich gestern Abend in der fiebcnten Abendstunde vor dem Hause Zimmerstr. 61 ab. Ein Miether deffelben hatte sein widerspenstiges Dienstmädchen geprügelt und dieses machte solchen Lärm, daß mehrere Paffanten auf den Vorgang aufmerksam wurden, für daffelbe Partei ergriffen und dem�Miether zu Leibe gingen. ES entwickelte fich hierdurch ein arger Krawall, der sehr bald einen großen Menschen- auflauf verursackte. Erst zwei Schutzleute, welche die Haupt- thäter nach der Polizei-Revterwache fistirten, machten der wider- lichen Szene ein Ende.— Ein ähnlicher Vorfall ereignete fich 140 Gesucht und gefuudeu. Roman von Dr. Dur. (Forsetzung.t Der Wind hatte sich glücklicherweise gelegt. Da» Wetter war klar, nur vereinzelte Schneeflocken fielen noch herab. Auf der Straße lag der Schnee fußhoch, und war an k'nzelnen Stellen, namentlich an den Straßenecken, zu • t Birgen angehäuft; überall waren die Bewohner elfltg beschäftigt, durch diese Gebirge mit der Schaufeleinen schmalen Paß hindurch zu arbeiten, gerade nur breit ge- nug, um einen Fußgänger durchzulassen. So sah eS in der Stadt aus..... Wie mußte e» erst draußen feinl DaS hielt Strahlenau nicht ab, fein Pferd zu be- steigen. Der Bader war früher auf, als er, und er hatte sich nicht nur persönlich eingefunden, sondern auch noch eine ganze Menge seiner Kunden mitgebracht, die Alle vor der Thür de» WirthShause» standen und die Köpfe schüttelten, als Strahlenau fein Pferd bestieg. Dieser hatte sich von dem Wirth Alle», wa» Mr. O'Brian gesprochen hatte, wiederholen lassen, und au» diesen Änderungen hatte er entnommen, daß e» da» Gerat hev sie sei, nicht auf» Gerathewohl den Weg nach der Schlucht von Gtenmore zu nehmen, sonderck den Wald von M'Donui! zu erreichen und da» ForsthauS zu suchen, in welchem der Untersörster wohnte, der dem Bader die Mittheilung von dem Erscheinen der Bettlerin gemacht hatte. kick,®ann' so kalkulirte Strahlenau, konnte ihm ',T™ch Andeutungen geben, wohin er sich zu wenden sro* U? iie 3lItf sinden. Vielleicht ließ sich auch der Mann herbe,, ihm al» Führer zu dienen. n, oLbit so dachte Strahlenau,„dann soll „ ,4 2 fe d-m � ih. Er mußte diesen entmuthigenden Schluß sich al» Re- frain iedesmal ,n Gedanken wiederholen:„Wenn er noch am«eben ist. am Morgen desselben TageS«uf dem Nachbargrundstück Zim« merstr. 60, da» von Personen dewohnt wird, welche wiederholt zu Aergerniffen Veranlassung geged n haben. Dort gerieth in der Wohnung der oberen Etage ein Mann mit einer FrauenS« person in Streit, der in brutale Thätlichkeiten ausartete, wobei ebenfalls die Hilfe der Polizei angerufen wurde. Wie wir >>ören, haben die anständigen Bewohner diese» Grundstücks an den Eigentümer deffelben eine Eingabe gerichtet, in welcher fie ihm mittheilen, daß ste sämmtlich ihre Wohnungen aufgeben würden, wenn nicht die unlauteren Elemente aus dem Hause entfernt werden..»,. Zentral-Theater. Die am Montag im Zentral-Theater zum 175. Maie zur Aufführung gelangende Vorstellung deS „Walzer-KönigS" ist von Herrn Direktor Ernst dem jugend- lichen Liebhiber Herrn Löber als Benefiz bewilligt worden. Im„Deutsche« Theater" tritt Frau Niemann nach ihrer Rückkcbr vom Urlaub am Dienstag, den 21. d. Mt», zum ersten Male wieder in„Der Hüttenbefitzer" auf. Außerdem bringt daS Repertoir dieser Woche Aufführungen von„Prinz Friedrich von Homburg",..Hamlet",„Die große Glocke", „Der Weg zum Herzen" und„Die Journalisten. deute, Sonntag, werden die drei Heyse'schen Einakter„Ehren- schulden,„Im Bunde der Dritte" und„Unter Brüdern" ge« ��*3« Belle-Allianee- Theater findet heute vor der Vor- stellung daS erste Promenaden> Konzert im Sommergarten unter Llltung des Königlichen Musik- Direktors Herrn Herold statt., m ,, a. Die Zentral-Kommisston der verewigten verlwer Tischler beadstchtigt in nächster Zeit einen Betrieb zu eröffnen, in welchem unter der Leitung tüchtiger Berliner Fachmänner von gut ausgebildeten Tischlern Erzeugnisse der Tischlerei her- gestellt werden sollen. DaS Unternehmen hat den Zweck, chlechte Arbeiten, welche heute von Unternehmern angefertigt und von Händlern verkauft werden, zu verdrängen. Der Be- trieb wird Arbeiten von kleinen Reparaturen bis zur Einrich- tung ganzer Zimmer und Wohnungen übernehmen. Bestellungen und Anfragen find an da» Bureau der Zentral-Kommisston, Kürassterstr. 19, zu richten. Genckts-Rettung. Der Rechtsanwalt Plautikow wurde im März v. I- von der dritten Strafkammer des Landgerichts l. wegen Bei- eiteschaffung einer gepfändeten resp. im amtlichen Gewahrsam befindlich gewesenen Urkunde zu einem Monat Gefängniß ver- urtheilt worden und zwar auf Grund folgenden Thatbestandes: Gegen der. Angeklagten schwebt seit dem Jahre 1873 ein ehren- gerichtliches Verfahren, in welchem der Landrichter Friedrich alS Untersuchungsrichter fungirt. Derselbe erschien am Vor- mittage deS 21. September 1883 in Begleitung des Referendars Eltester und des Kriminalkommissars Liß in dem Bureau deS Angeklagten, um nach verschiedenen Schriftstücken eine Durch- suchung vorzunehmen. Der Angeklagte p-otestirtr zwar gegen die Zuläsfigkeit einer solchen Maßregel, aab aber schließlich doch die Schlüssel zu seinem Pulte heraus. Der Untersuchungsrichter hatte einige Scknftstücke zur Beschlagnahme bei Seite gelegt, als der Angeklagte fich dieselben zur Durchficht erbat. Emen dieser Briefe nahm der Angeklagte darauf an fich, zerriß ihn in Stücke und warf diese ins Kloset, aus welchem der Kriminalkommissar fie wieder hervorholte und zusammensetzte. Der Verurtheilte legte gegen daS Erkenntniß die Reoiston ein und mit Erfolg, denn daS Reichsgericht hob daS erste Urtheil auf und verwies die Sache zur nochmal, gen Verhandlung an dieselbe Straf- kammer, welche fich gestern sechs Stunden lang mit diesem, in Juristenkceisen peinliches Aufsehen erregenden Prozeß zu be- schäftigen hatte. Trotz der Bemühungen des Angeklagten, sowie seines VertheidigerS Rechtsanwalt Munkel erzielten die- selben kein günstigeres Resultat, als in der ersten Verhandlung, der Gerichtshof erkannte wiederum auf ein Monat Gefängniß. Wie wir hören, will der Verurtheilte wiederum die Reviston einlegen. Wegen Bergehe« gegen da« Eoztaltsteugesetz standen gestern der Tftchl-r Quilitz und oer s. Z. von Berlin auSge« wresene Tischler G-oth« vor der 4. Strafkammer deS Königl. Landgerichts I. angeklagt. Die Vertheidigung führte der Rechts« anwalt Freudenthal. SeiterS des Königl. Polizei- Präsidiums ist dem letzt Angeklagten der Aufenthalt in Berlin sür 2 Tage gestattet worden. Nachdem die Königl. Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Grothe fallm ließ und gegen Quilitz eine Gefangnißstrafe von 3 Wochen beantragte, erfolgte gegen beide Angeklagte ein freisprechendes Urlheil. Wege« Beleidigung eine« Mitgliedes der Schul- deputatto«, sowie wegen Bedrohung mit einem Verbrechen stand gestern der Barbier Heinrich Lange vor der 91. Abtheilung deS Schöffengerichts. Der Angeklagte war bereUS im Sommer v. I. mit dem Packmeister Otto, welcher in seiner Eigenschaft alS Mitglied der Schuldeputation eine Recherche bei ihm vorzunehmen hatte, in Differenzen gerathen, und hatte fich bei dieser Gelegenheit beleidigender Aeußerungen bedient, die ihm eine dreitägige Gefängnißstrafe einbrachten. Seit jener Wahrlich! Da« war zweifelhaft genug, und wurde ih« immer zweifelhafter, al» er die Stadt hinter sich hatte und sich nun auf einer endlosen Schneefläche befand, auf welcher auch nicht die mindeste Spur eine» Wege» zu sehen war. War e« denn möglich, über diese Berge und Thäler hinwegzureiten, ohne de« Wege» kundig zu E» gehörte die ganze aufopfernde Freundschaft de» jungen Manne» dazu, um beim Anblick dieser Schneefläche, dieser schneebedeckten Felsen, dieser win- terlichen Bergeinöde nicht den Muth sinken zu lassen. Zweimal hatte er bereit» den Weg gemacht, so daß er wenigsten» ungefähr die Richtung wußte, die er einzu- schlagen hatte. Da« Glück war ihm günstig. Einundzwanzigstes Kapitel. Al« der Abend nahte, hatte Strahlenau die Lisiere de« Walde» erreicht und hatte auch da« Jagdhau» de» Grafen M'Donuil aufgefunden. Der Forstwart, der in diesem Jagdhause die Stelle eines Kastellan« bekleidete, war nicht wenig überrascht, spät am Abend einen Reiter vor dem Hause halten zu sehen. Er erkannte in demselben bald einen der Jagdgenossen de« Grafen M'Donuil, und dieser Umstand war ihm allein schon genügend, dem Rer- senden Obdach und Bewirthung angedeihen zu lassen, so gut wie er sie zu geben vermochte.. Natürlich hielt-«.dieser Mann fast für er» Wunder, daß Strahlenau den Weg von Blackfield br» hierher gefunden.,,_ Wiederholt wandte er den Blick«ach jener Gegend, in welcher Blackfield liegen mußte, ließ ihn über d,e weite Schneefläche schweifen und schüttelte den Kopf. „Daß Sie mit dem Leben davon gekommen find. Sir," sagte er,„da» ist ein Wunder, ein Jeder macht«» Ihnen nicht nach. Ich wüßte Keinen al« Hab, cht oder Segal, der e» wagen würde, den Weg, ohne daß sich e,n Pfad irgendwo markirt, aufzufinden."..„ „Ich würde e» auch wahrhaftig nicht gewagt haben," sagte Sttahlenau,„wenn ich nicht nothwendlg morge« da» Hau» de« Unterförster« erreiche» müßte.' Zeit verfolgte er den Otto mit blindem Haß und wenn er ihm auf der Straße begegnete, schleudette er ihm die gröbsten In- sulten ins Geficht. Als er fich aber eines Tages zu der Dro« hung hinreißen ließ, er werde ihm das Messer in den Leib jagen, da wurde eS dem so Bediohten zu arg, er erstattete Anzeige und der rachsüchtige Barbier wurde wiederum unter Anklage gestellt. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt der Anficht, daß der Angeklagte diesmal eine energische Strafe verdiene und daß ein Mann, der bei Ausübung eines Ehren- amteS so schweren Angriffen ausgesetzt sei, eine besondere In« schutznahme beanspruchen könne- Er erhob aus diesen Gründen den Antrag deS Staatsanwalts, der auf eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen lautete, zum Eikinntniffe. Wegen Beleidigung de« Hofprediger» Stöcker durch üble Nachrede sollte fich gistern der Redakteur der„Freien Zeitung", Gustav Baecker, vor der zweiten Strafkammer hie« figen Landgerichts l. zu verantworten. Nach Konsiatirung der Thatfache, daß erst vorgestern ein zehn Bogen langer umfassender Entlastungsantrag des VertheidigerS deS Angeklagten, deS Rechtsanwalts Sachs bei Gericht eingegangen ist, über welchen der Staatsanwalt fich noch nicht mangels genügender Jnfor« mation zu erklären vermochte, stellte StaatSnwalt Weichett anHeim, dem Angeklagten oder dessen Vertheidiger wegen verspäte» ter Anbringung der schon früher bekannt gewesenen Beweis- antläge in Gemäßheit des§ 499 Abs. 2 der Strafprozeßordnung die Kosten des vereitelten Termins aufzuerlegen. Hiergegen wandte fich der Rechtsanwalt Sachs unter Bezugnahme auf verschieden« neue Anführunzen in seiner Verteidigungsschrift. wr welche er erst in ganz jüngster Zeit die Beweise hat erlangen können. Dagegen legt der Veitheidiger dieZustellungSurkundcüber die erfolgte Ladung des HofpredigerS Stöcker und de« Schneider« meisterS Grünederg vor. welche trotz des Erbieten« zur Zahlung der Zeugengebühren zum Termin nicht erschienen find, und de» antragt« deren Bestrafung wegen unentschuldigten Ausbleiben». StaatSanwall Weichett theilte mit. daß er an dem Ausbleiben de» HofpredigerS Stöcker schuld sei. Er hatte beadstchtigt, den« selben zu laden, und ihn nach Eingang der umfangreichen VettheivrgungSschrist angezeigt, daß er auf sein Zeugniß ver- z chte, daß sonach sein Erscheinen nicht erforderlich sei. Der Ge« ttchtShof beschloß, 1) die Sache zu vertagen, 2) den Verteidiger in Bezug auf die Anbringung seines DefenfionSschriftsatze» mit Kosten zu verschonen, da die Sammlung deS Materials die Verspätung der Einreichung rechtfertigte, und 3) die ausgeblie- denen Zeugen Slöcker und Grüneberg als entschuldigt zu er« achten, erster«», mit Rückstcht auf die Erklärung de» Staat». anwaltS, letzteren, weil nur deffen Frau den Verzicht auf Zeugengebühren ausgesprochen hat. Vereine uuü Versammlungen. Im Veretti zur Wahrung der Interesse« der Taste- zirer findet Montag, den 20. d. M., Abends 3'/, Uhr, in Gratweil'S Bierhallen, eine Versammlung statt mit der Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Dr. Stahn über„Gegenwatt, Vergangenheit und Zukunft der Erde". 2. Interne Vereins- Angelegenheiten. Zu dieser Versammlung ist jeder Kollege hiermit freundlichst eingeladen und wird um pünktliches Er- scheinen gebeten, um Störungen während des Vortrage« zu vermeiden. Die Delegirten-Versammlung der Stellmacher findet am Montag den 20. April, Ab-nds 8 Uhr in SchefferS Salon, Jnsclftraße 10, statt. Die Kommisfion. Krauken-UnterstützungSbund der Schneider(Mitglied- schaft Berlin) Versammlung am Dienstag, den 21. April ct., Abends SV« Uhr, in Gratweil'« Bierhallen, Kommandanten« straße 77/79. Auf der Tagesordnung steht: 1) Abrechnung der Hauptkasse vom 4 Quartal 1884. 2) Der SanttätS- verein. 3) Wahl eines Vergnüaungs- Komitees. 4) Verschiedenes.— Es ist wünschenswert, daß alle Mitglieder er- scheinen. DaS Quittungsbuch ist vorzuzeigen. Gleichzeitig bemerken wir, daß daS Bureau der Kasse fich Krausen- straße Nr. 11 befindet. Daselbst ist auch der alleinige Arbeitsnachweis der Schneider, und haben die Meister eine Gebühr von 20 Pf. zu entrichten. Für Arbeitsuchende unent- geltltch. . Mitglieder.der ehemaligen Maschinenbau- und K 2?« SL%ÄÄi! flraße 71/72 stattfindende Mitgliederversammlung der Vereint- gung deutscher Metallarbeiter(Mitgliedschaft Berlin l) mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß die koster.fteie Uederführung derjenigen Mitglieder, die ihren Verpflichtungen bis ult. No° vember 1884 nachgekommen find, mit dem Ablauf dieses Mo- natS erlischt. Es ist daher Pflicht eines jeden Mitgliedes, daS neue Statutenbuch selbst einzufordern. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Michelson. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. De« Mitgliedern der zeutraltstrten Htlfskasse der Stuckateure u. s. w. zur Nachricht, daß am Montag, den 20. d. Mts., AbendS 8 Uhr, im Restaurant Nentwich, Neue Grün- straße Nr. 14, eine Mitgliederversammlung stattfindet. Neue Mitglieder werden aufgenommen. „Sie kommen doch nicht, um ihm eine« Besuch zu machen, da er krank ist." „Er ist krank? Ich glaubte, er«ütde mir al» Führer dienen können." „Möglich, daß er e« könnte, aber ich glaube eS nicht. Der arme Teufel hat Unglück gehabt— Begegnung mit Wild- hieben, wissen Sie— einen Schuß im Arm.... Nun, unmöglich wäre eS nicht, daß er, um einem Gast unsere» Herrn zu dienen, sich dazu verstände, Sie zu führen, Sir. Wohin wollen Sie denn?" „Nach der Schlucht von Glenmore." Der Mann war eben so erstaunt, wie der Witth von Blackfield�über diesen Bescheid. „Nach der Schlucht von Glenmore? Wa» in aller Welt wollen Sie denn da?" „Einen Freund aufsuchen, der, wie ich vermuthe, sich dort verint hat." „Ah, der Unglückliche!" rief der Kastellan.„Wenn er sich verirrt hat, bei dem Wetter, da» wir gestern hatte«, dann ist er verloren; da hinau» ist er nicht lebendig ge- kommen, daS sage ich Ihnen vorher." „Nun, so will ich seinen Leichnam aufsuchen." „Oder, Sie werden selbst al« Leichnam da hinau»« getragen, Sir.". „Mag sei«,«ein Freund! Gewähren Sie mit diese Nacht Herberge, und weisen Sie mir morgen früh den Weg zum Forsthause." Da» Pferd O'Brian», welche« Strahlenau ritt, war eine» jener kleinen zottigen Race, welche in diesen Gegenden heimisch und allein im Stande ist, Strapazen zu ertragen, wie sie hier den Pferden zugemuthtt werden. G« war ein vorzügliche» Thier, da» mehrere Mal durch die Vorsicht seine» Tritte» seinem Reiter das Leben ge- rettet hatte, da» recht gut wußte, wo der Boden uater dem Schnee so beschaffrn war, daß es frei auSgreifen konnte, und wo e« nöthig war, daß e» sich, gleichsam mit dem Hufe tastend, vorwätt» bewegte. (Jottsetzung folgt.) beute: Walküre Morgen: Norma. Theater. «ösigttche» Opernhau«. KSuigltche» Echausptelhau». beute: Viel Lärmen um Nicht». Morgen: Emtlia Galotti. Deutsche« Theater. beut«: Ehrenschulden. Im Bunde der Dritte. Unter Brüdern. Morgen: Prinz von Homburg._ Bellealliance-Thealer. Klein Gew. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Xeue« Kriedrich-Wtlhelmftädttsche« Theater. beute: Der Großmogul. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Alte Heut«: Der Wälzer- Morgen: Dieselbe Vorstellung Keutral» Theater: aße 30. Direktor: Ad. Ernst. R efi den,- Theater: ktion Anton Anno Der Kernpunkt. Hieraus: Die Dire Heute: Zum 16. Mal«: Vchulreitertn- Morgen: Dieselbe Vorstellung._ Walhalta-Operettea-Theater: Heut«- Der Fewpredtger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Loutseustädlisches Theater: beute: Hurrah Germania! Morgen: Dieselbe Vorstellung._ Ofteud-Theater- beute: Der fliegende Holländer. Morgen: Dieselbe Vorstellung._ Wallner-Theater. ; Sein Fehltritt. gen: Dieselbe Vorstellung._ «iktoria-Theater. Heute: Sulfurina. Morgen: Dieselbe Vorstellung._ «lhambra-Theater- beute: Gemea, die Kartenlegerin. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Allen Freunden und Bekannten empf-hl« meine Tabak- u. Cigarrm-Handlung Kcrrmann Laske, 783 Klein» AndreaSstrase 21, Ecke KrautSstraße. Woß-Hakak. PreiSwerthe Sumatra-Deckcn ä 175, 200, 225, 300, 375 Vf., wie billige Umdlatt« und Einlage-Tobale empfehlen Bergemann& Donisch, 834 C. 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Kolitiscke Netersicbt. Zur vesilileunigung der euaeren Wahle««ud Nach- Wahle« sür de« Reichstag veröffenUich das w ü r t t e m- bergt sche Miniuerium in seinem neuesten AmtS« b l a t t folgende Bekanntmachung:„Die bei den letzten Reichs- tags mahlen mehrfach vorgekommene Verlegung der Termine für die engeren Wahlen auf vir letzten Tage der regelmäßigen Krtst h« die wünschenswerih gewesene frühere Einberufung des Reichstages behindert. Um der Wiederholung dieser Ver- »ogming der Beendigung der ReichStagSwahlen entgegen zu wirken, werden die Wahikommissaie hiermit angewiesen, künftig vre erforderlich werdenden engeren Wehen regelmäßig, soweit nicht besondere Verhältnisse etncS Wrh kceises eine Ausnahme nothwindig machen, am st'bcnten Tage nach Ermittelung des Ergedmffei der erüen Wahl statifinven zu lassen. Sollte dies ausnahmsweise nicht möglich sein, so ist die engere Wohl wenigstens mit der nach den Verhältnisien möglichen Beschleu« niguna vorzunehmen, und find die Gründe der Verzögerung dem Ministerium anzu, eigen. WaS die Nachwahlen betrifft, welche zufolge einer Ablehnung erforderlich werden, so ist, um auch diese thunlichst beschleunigen zu können, stetS am gleichen Tage, an welchem der Wahlkommiffar die Ab- lebnung festgestellt hat, dem Ministerium hiervon Anzeige zu erstatten." Da« vorgehe» der baierischeu Regier««« gegea die Aachvereine scheint in Preußen Nachahmung zu finden. Wie nämlich aus Wiesbaden gemeldet wird, ist von der dortigen Regierung dem Fachvereine der Tischler und demjenigen der Echneiver eine Verfügung zugegangen, m welcher die Vereine aufgefordert werden, auS dem Ver- i �5 � �5? s11 t s ch e n Fach vereine, welche ihren Sitz in Stuttgart haben, zu scheiden, andernfalls die Vereine Auf- lösuitg oder auch strafrechtliche Verfolgung zu gewärtigen hatt-n. Fr aurreich. — Wie es heißt, laffen die jüngsten Nachrichten aus Ehina neue Zwischenfälle defürchten, und zwar in Folge der dem Admiral Courbet von dem vorigen Ministerium versvätet S gegangenen Weisung. Formosa nicht zu räumen. Mchr«re anzöfische Zeitungen sprechen fich dahin auS, Frankreich soll« als Komomjation für die Räumung FormosaS eins weilen die Kischerins-ln bekalten. — Das Pariser Zuchtpolizeigericht verurtheilte den Re« dalteur deS„Cri du Peuple", der seit einig«r Zeit Lebens- geschichten von Polizeideamten veröffentlicht, weShalb sieben derseiben klagend aufgetreten waren, im Ganzen zu drei ISS?0<»n Gefängmß, 2000 Fr. Geldstrafe und zu ungefähr KOOO Fr. Schadenersatz. Spanien. Privatdepcschen zufolge, die offiziell bisher noch nicht be- stät gt find, soll— wie daß„Berl. Tagebl." wissen will— m Spanien«ine aufständische Bewegung ausgebrochm sein. Daß gleiche Gerücht war in Paris und London gestern um die Mittagsstunde verbreitet. Rußland. Die Suche nach dem Karnikel, welches„angefangen" hat, beginnt bereits. Anknüpfend an die Rede des VizekömgS von Andien, LordS Dnfferin, in Lahore, welche darin gipfelt, daß England den Frieden wünsch«, Rußland aber den Krieg, de- merkt die„MoSk Ztg.", daS gerade Gegentheil sei wahr. Während England fich energisch kriegsbereit gemacht, habe Rußland nicht eine Kompagnie auf Kriegsfuß gefetzt, sogar mehrere Kriegsschiffe auSrangirt, die mindestens für die Küsten- Vertheidigung tauglich wären. WaS daS Gerücht von der Ausrüstung der Kronstädter Flotte anlange, so würden die Aronstädter Kriegsschiffe alljährlich vor dem Beginn der Schiff- fahtt in Fahrtbereitschaft gesetzt und überschritten die in diesem Jahre auszurüstenden Fahrzeuge»eines wegS die Zahl der im vorigen Jahre ausgerüsteten. Selbst die Aktion deS General Komarow an d-r afghanischen Grenze beweise die Friedensliebe Rußlands: Jemand, der einen Andern obne Heraus- forderung angreife und schlage, beeile fich, seinen Sieg auSzu- beuten und bleibe nicht stehen.— Natürlich ist Rußland und speziell der General Komarow gänzlich unschuldig. Der Zweck, Lerliuer Sonntagsplauderei. B. C. Wenn die milde FrühlingSsonn« vom blauen Hitnmel lacht und wir überall da« Werden und Wachse« in der Natur beobachte» können, wenn sich die Vögel paaren und Alle« nach den Zelten oder dem Fnedrichshain pilgert, dann sollte doch»igentlich der Geist der Liebe und der Versöhnung in da» Menschenherz einziehen, mit Mild« und Nachficht sollte der Mensch die Fehler seine« Nächsten be- trachten,— penn die FrühlingSsonne leuchtet über un» Allen, und wem sie nicht daS Herz bewegt, der muß einen füirllosen Stein im Busen tragen, Gift und Galle muß durch seine Adern strömen statt lebenSwarmen, frischen Blute«. Jawohl, ein solcher Mensch ist bemitleid enßwerth, er kann nicht reinen Herzen« Theil nehmen an den lauteren, unschuldsvollen Freuden,«it denen uns die allgütige Mutter Natur so überreichlich gesegnet hat, er steht außer- halb de« Bunde« lebensfroher Menschen, denn Neid»nd Mißgunst rauben ihm da« Verständniß für die frohe Zu« verficht in die Zukunft, welche andere Leute bewegt.— Mit de« bräutlichen Schleier und dem grünen Myr- thenkranze geschmückt, sehen wir ein junge» Mädchen zur Kirche fahren,»ofig erscheint ihr da« Leben, goldig die Zu- kunft, ihre Vergangenheit ist rein, nicht der Schatten eine« Makel« ruht auf ihrem Leben. Sie fitzt neben dem Manne ihrer Wahl, beide haben fich vereint, um gemeinschaftlich den Weg durch» Leben zurückzulegen, und heute wollen sie diesen für alle Zeiten geschlossenen Bund durch den Se- ä«n de« Priesters weihen, helligen lassen. Wer" wird sie deshalb tlldeln, die Sitte will e« so, mag diese Sitte, so lange st« Anhänger findet, ihr Recht behalten. ilnd die Ostersonne wirst ihre freundlichen Strahlen durch die hohen Kirchenfenster, in mächtigen Tönen durch- draust d,e Orgel den weiten Raum, gewiß werde» dre Herzen de« jungen Brautpaare« in dem wichtigsten Moment iihre» Velens durch diese Klänge andächtig, weihevoll ge- r i«scheint der Priester, gespannt hängt lle« an seinem Munde,«an glaubt bestimmt jetzt Worte der Liebe, der Versöhnung, der Milde zu vernehmen— statt dessen werde» der Braut Sachen vorgeworfen, die sie r» ihrem Leben nie begangen hat,«it Staunen und Eni- ein gut Stück von Afghanistan ,u annek-iren, ist ja zum Theil bereits erreicht und deshalb ist es ja billig, den Frirvlichen zu �— Einer Depesche zufolge hat der„Reichtrath" einem Kapitalrentensteuergesetz seine Zustimmung gegeben. Doch ist dieselbe vorläufig nur prinzipiell erfolgt, in eine Lerathung der detaillirten Bestimmungen ist man noch nicht eingetreten, die- selben sollen vielmehr erst weiterer AuSarbeiiung unteizogen werden. Großbritanuie«. Dem Prinzen von Wales wurden in Cork(Irland) wieder lebhafte Ovationen und Demonsttatwnen dargebracht. Derselbe e, öffnete daS;n der Stad- delegmc Institut für Kunst und Wlssenichaft. Während der Eröffnungsfeierlichkeit hatte fich außerhalb veS GebäudeS eine ungeheuere Volksmenge an- gesammelt, von der«in Theil zu heulen und zu zischen begann, während fich in die Klänge der von zahlreichen Kapellen ge- spielten englischen VolkSbymne die der revolutionären Hymne „Gott schütze Irland" mischten. ES heißtauch, daß ein Haufen, geführt von dem parnellistischen Abgeordneten John O Connor, dem Wagen des PrinzenpaareS durch die Straßen von Cork folgte, der unaufhörlich das �God fave Jreland" sang. Abendi fanden, wie schon einige Tage vor dem Besuch, abermals Ruhestörungen in den Straßen von Cork statt. Man versuchte die von den loyalen Einwohnern auSgesteckten Fahnen herab- zureißen. Die Polizei, welche fich dem Unfug wtoersetzte, wurde mit Steinen beworfen, worauf dieselbe die Unruhestifier mit dem Bayonett zurückwarf, wobei mehrere Personen gelödtet wurden. — Vom afghanischen Schauplatz ist nichts Wesentliches zu melden. Die„Times" schreibt, während der letzten drei oder vier Tage habe stch nicht» ereignet, was den Wechsel der öffentlichen Meinung rechtfertigen könnte. Selbst wenn die englische Regierung bereit wäre, nicht nur Pendjeh. sondern daS ganze von den Russen desetzte Territorium aufzugeben, würde keineswegs daraus folgen, daß alle Schwierigkeiten be- seitigt seien.— Danach ist also anzunehmen, daß die Russen mit einer kleinen Dosts nicht zufrieden zu stellen find. Der Appetit kommt bekanntlich mit dem Essen und da der Appettt nach„Landerwerb" nun einmal erwacht ist, so wird er so leicht nicht zu stillen sein. Egypten. Die überall austauchenden Verlegenheiten haben da? Mi- nlsterium Gladstone veranlaßt, mit der Türkei in Betreff Egyptens zu unterhandeln. Die Türkei sollte die Engländer im Sudan ablösen und zu diesem Zwecke ein Armeetorp» nach dotthin entsenden. Natürlich sollt« daS Armeekorps von e n g- tischen Offizieren kommandirt werden. Allein zu solcher Rolle wollte fich der kranke Mann in Konstantinopel nicht verstehen, er hat daS Anerbteten dankend abgelehnt. Die schlauen Engländer werden von den Türken vollständig durch- schaut. Ihnen ist natürlich viel daran gelegen, fich gerade jetzt mit den Türkm auf vertrauten Fuß zu stellen, denn erstens könnten fie die Truppen auS dem Sudan sehr gut zu anderen Zwecken oerwenden und dann würde ihnen vielleicht im Falle eine« Krieges mit Rußland die Dardanellenstraße für ihre Kriegsschiff offen stehen. Letzteres wäre natürlich ganz besonders wicklig. Den neuesten Nachrichten zufolge baden stch aber die Verhandlungen vollständig zerschlagen und Juhn Bull wird noch weiter an der Errettung der armen Egqpter arbeiten können. Amerika. Ueber den Aufstand in Manitoba theilen die heute vorliegenden Nachrichten mit, daß man unmittelbar eine Schlacht»wischen General Middleton und den aufständischen Streitkräften, die in verschanzter Stellung stehen, erwartet. AuS Otawa wird unter dem 15. d. gemeldet: Von Battlefood find ernste Nachrichten eingetroffen. Die Indianer tauchten gestern Abend in aroßir Anzahl in der Nachbarschaft dieses OtteS wieder auf und Signalfeuer wurden von dem Fort au« nach jeder Richtung hin gesehen. Personen, die mit der Krieg« führung der Indianer verbaut find, betrachten dteS als ein sehr bedenkliches Anzeichen. ES ist nicht bekannt, ob die In- dianer in Fort Pitt gewesen find. Zum Entsatz von Battle- ford find 500 Mann Truppen im Anmärsche begriffen. setzen vernimmt sie die Kunde von einem sechsjährigen Knaben, dem fie da» Leben gegeben haben soll, fie wird hier„abgekanzelt" in de« Worte« eigentlichster Bedeutung — und weShalb? Der Geistliche hat seine Reden ver- wechselt, man traut hier nach der Nummer, die salbung«- vollen Worte werden nach einem ganz gewöhnlichen Schema auSgetheilt.. Vielleicht kommen die Klagen über dre Abnahme der Gottesfurcht und der frommen Sitte, die man in allen Variationen mit vielem Augenverdrehen in allen Stadt- theilen Berlin« ausstößt, daher; e» kann in der That nicht« mehr entfremde» und erkälten, wie eine geschäftsmäßige Behandlung derjenigen Gefühle, welche vielen Menschen heilig und theuer sind. Solche Vorfälle find bitter, aber fie find lehrreich, fie beweisen, daß nicht nur auf»eltlichem Gebiete im mensch- lichen Leben allein der blinde Zufall herrscht. Die Welt wird bekanntlich mit jede« Tage schlechter, die Blumen de« Lenze», die farbigen Träume, die heißen Schauer de« Glück«, sie sollen eben nicht da sein zn frohem, schuldlose« Genießen, eine düstere, überlebte Welt- anschauung will un« immer noch lehren, daß wir nicht um unserer selbst willen geboren sind. Nun, jeder nach seiner Art, wem e» so ungeheuere« Vergnügen macht, an einem entscheidenden Punkte seine« Leben« mit feiner Berechnung noch einmal alle» da« vor- gehalten zu haben, wa« ihm unangenehm ist. der kann ja thun. wa« er nicht lassen kann; im Uebrrgen kann man dem sehr gut au« dem Wege gehe». Diese unliebsamen Sachen sollen unS nicht länger aufhalten als fie e« verdienen, denn un» kümmert d»e Sache ja weniger....... Sing, nicht draußen die Lerche em ganz andere« L,ed. al» der finstere Mann, der seinen Nebenmenschen du reinste Freude verbittert? Ist der zarte grüne Schimmer über den Sträuchern und Bäumen nicht em ganz anderer Beweis der Hoffnung und Lebensfreude al« du längste �Berlin hat sein Frühlings kleid angelegt. I» de« Parken und Kirchhöfen find die ersten Blätter hervor- gesproßt, fast über Nacht; die Schwalben sch.eßen an der Spree entlang, verschwunden find die dunklen Anzüge, ver- Deutscher Reichstag. 80. Sitzung vom 18. April, 11 Uhr. Am Tische des Bundesraths von Burckard. Eingegangen ist ein Gesetzentwurf, betteffend Adändenmg de« Zollveremiguiigs.Vertrages vom 8. Juli 1867. Da« HauS setzt die zweite Berathung der Zolltarif« Novelle fort. Zunächst wird ein Antrag R a ck e auf Er« Mäßigung deS K a f f e e z o l l e S von 40 auf 35 M für rohen, und von 50 auf 42 M für gebrannten Kaffee ohne Debatte abgelehnt. /Für iahen Kakao will die Vorlage den alt-n Zoll von 35 M. beibehalten, für gebrannten von 35 auf 45 M und für Kakaomaffe, Chokolave»c. von 60 auf 80 M. erhöhen. Abg. v. Francken st ein beantragt Eiizschaliung folgender Bestimmung;„Der BundeSrath ist befugt, bei der Ausfuhr von Konfitüren, Zuckerweik und Kakaopiäparaten einen Anthell von höchsten« 80 pCt. desjenigen Zoll- und SteuerbetraqeS, weicher auf dem zu diesen Waarenanikeln verwendeten Roh« kakao und Zucker ruht zmückzuvergüten.__ Abg. Lip ke berichtet über Petitionen von Chokoladen« fablikanten, welche eine Ermäßigung deS Kakao zoll«, event. aber beim Export VSN Chokolade die Rückoergülung de« von ihnen für Kakao und Zucker gezahlten Zolls verlangen. Die PetttionS» kommiffion beantragt Verweisung der Tanfposttion sowie der Petitionen an die Zollrarifkommisston. Abg. Robbe spricht fich weienilich im Sinne der Petenten au« und verlangt zur Hebung de« deutschen Chokolade-Export« vre Einführung eine« Rückvergütungssystems, wie es in anveren Staaten bereits mit Erfolg besteht. Kommissar Geh. Rath Kraut: Die Petionen find auch an den BundeSrath gelangt, welcher st« an den Reichikanzer zur Untersuchung der Frag« abgegeben hat, od und wie ein solches RückvergütungSfystem eingeführt werden könne. Die Ermittelungen darüber sind aber noch nich! abgeschloffen, so daß ich heute noch keine weitere Erklärung wegen der Stellung der Regierung abgeben kann. Abg. Meyer(Halle) unterstützt den Antrag der Petition«- kommisslon. ES wird demgemäß beschlossen und auch der Antrag Francken« stein der Zollkommijston überwiesen. ES folgen Anträge der freien Vereinigung auf Erhöhung des EingangSzolleS für Delikatessen von 100 auf 150 M( pro 100 Kilogramm Kaviar, von 24 auf 100 Ml. pro 100 Kilogramm Austern, Hummern und Schildkröten. Abg. v. S ch a l s ch a befürwortet beide Zollerhöhungen. Kaviar könne eine Versteuerung um 7 pCt. vom Werth sehr wohl vertragen, und daS HauS tritt dieser Meinung bei. In Bezug auf Austern und Hummern geht eS aber nicht so weit wie der Antrag der freien Vereinigung, sondern begnügt fich mtt einer Zollerhöhung von 24 auf 50 Ml., wie der Abgeordnete Kalle vorschlägl, nachdem Richter und Rickert vor der Schädigung der Reichtetnnahmen durch Verminderung de« Imports in Folge zu hoch gegriffener Zollsätze gewarnt und der Kommissar Geh. Rath Schraut stcb, wie folgt, ge« äußert hat:„ES handett stch hier in der Hauptsache um rein« Ftnanzzölle, und ei ist wohl zuzugeben, daß bei Kaviar die Zollerhöhuna den Einnahmeberrag recht beträchlich erhöhen und«inen Rückgang des Konsums räum herbeiführen wird, da der jetzt vorgeschlagene Zoll nur 16 pCt. deS W-ribes diese« Luxusartikels betragt. Für Austern aber ist er so hoch, daß da» bisherige Zollerträgntß kaum zu erhalten sein, in keinem Falle beträchllich steigen wird. Er beträgt nämlich 66 pCt. vom Werth, trifft also, wenn meine Berechnung nicht täuscht, daS Dutzend Austern mit 1 M. Zoll; ei ist daS nach meiner Empfindung ein sehr hoher Betrag. Eine Erhöhung verttägt der bisherige Aufternzoll von 24 M. unbedingt, aber eine Er- böhung bis auf 100 Ä., über deren Wirkung es noch an jeder Erfahrung fehlt, möchte doch etwas bedenklich sein. Dieser Anregung kommt der Antrag Kalle(50 M) entgegen und daS Haus lritt ,hm bei. ES folgt die Posttton 33: Steine und Eteinwaa« r e n. In der Beraidung wird der Zoll für Schiefer zunächst auSgejchieden. bannt ist Mantel und Pelz, hell und freundlich prangen die FlüHlingtlostüm», und der leuchtende, zieuiche Sonnenschirm ist mehr zur Frühlingihuldigung al« wie zu« Schutz« da. Milde und lau werden nun auch die Abende, und wenn der Sonnenball im Westen sinkt, dann pilgern tau» sende und abertausend« von ArbeitSbeladenrn zu den Thoren hinaus und ihre Augen leuchten auf, wenn sie all- überall den Spuren de« Frühlings begegnen, und von den Herzen thaut da« drückende Gefühl der Stubenluft hinweg, fröhlichere Gedanken treten unwillkürlich an die Stelle der sorgenschweren, leichter wird der Gang— ei gst eben wirkluh Frühling. Und Jedermann freut stch dessen. Der Jüngling, der noch die erste Liebe als Zahnweh im Herzen spürt, der Gm», über dessen kahlen Scheitel so mancher Sturm dahin« brauste, der Handwerksbursche, der nun wieder mit einem Brief von seinem Schatz in der Tasche und mit etwa« de» feiten Stiefeln fröhlich die Lande durchstreift, der Bank» direktor, der bei dem letzten Fallen der Rassen kaum da« nackte Gehalt rettete, der Böse wie der Gute, sie alle freuen sich und Jedem gefällt der Frühling. Wie lange wird e« dauern, und die Zeit der Laad» parthien mit und ohne Kremser ist da, für viel« Leute eine Zeit der Lust, für manchen armen Teufel eine Zeit bitterer Entsagung. Ja, der Mensch kann«och so dürftig sein, wenn er nur immer zehn Mark in der Tasche hätte, so ließe fich da« harte Loo« jedenfall« noch mit etwa» mehr Geduld ertragen. Projektirtev Repertoire der Königlichen Schauspiele vom 19. biö 26. April 1885. JmOpernhaufr. Sonntag, den 19.: Die Walküre(H-rr Niemann); Montaa, den 20.: Normo; Donnerstag, de» 23.: Mtgnon(Fr. Winnie Hau! a. G.): Freitag, den 24.: Flick und Flock: Sonnabend, den 25.: Der Trompeter von Säktingen; Sonntag, den 26.: Euryanthe.— Im Sckavsptelhaufe. Sonntag,.den 19.: Viel Lärmen um Nichts; Montag, den 20.: Emilia Galotti; Dimstag, dm 21., auf Begehren: Durchs Ohr, Drei Frauen und keine; Mittwoch, den 22.: Christoph Marlow; Donnerstag, dm 23: Die Grille; Freitag, den 24.: Ein Lust» spiel; Sonntag, den 26.: Die Geier-Wally. Nach der Vorlage sollen a) rohe oder dloS bebauen« Steine »ollfrei sein, b) Mühlsteine ic. 0,25 M., gesägte Blöcke, c) grobe Stetnmetzar betten mit Ausnahme deren aus Alabaster oder Marmor 1 M. Zoll bezahlen. Ja einer Anmerkung ist gesagt, daß grobe Steinmetzarbesten rc- seewärts eingehend zollftei sein sollen. Abg. Trimborn will auch die aus Belgim eingehenden groben Stetnmetzwaarm vom Zoll befreien und den sogenann« ten belgischen Granit(Scowmes, petit granit) nicht zum Marmor nach Pofitton c rechnen. Die Adag. Münch und Eysoldt wollen all« unter a— c aufgeführten Gegenstände zollfrei laffm. Die Anträge Münch und Eysoldt werden abgelehnt. Für D a ch s ch i e f e r, rohe Schieferplatten und rohe Tafelschiefer enthält die Regierun gvorlage einen Zoll von 1 M. Der Abg. v. G a g e r n beantragt für rohen Tafelschiefer 0,50 M-, für Dachschiefer und rohe Schieferplatten 2 M. Zoll. Diesen letzteren Zoll will Abg. Graf Etolberg auf 1,50 M. herabsetzen. Abg. B a u m b a ch deantragt für rohen Tafelschitfer einen Zoll von 0,25 und für Dachschiefer seewärts eingehend einen Zoll von 0,50 M. Aog. Gebhard will nicht bloS den seewärts, sondern auch den von den ZollauSschlußgebieten an der Elbe und Weser eingehenden Schiefer mit 0,50 M. verzollen. Abg. Münch will folgende Zusätze einführen: für Dachschiefer und Schiefer platten 0,50 M-, für rohen Tafelschitfer 0,25 M für gespaltme und geschnittene Platten(für welche der Zoll nach der Regierungsvorlage 3 M. beträgt) 1 M- Abg. Frhr. v. G a g e r n bittet für den Dachschiefer um einen Zoll von 2 M. Abg. Baumbach: ES ist richtig, den Tafelschiefer de- sonders zu behandeln, denn die Tafelschieferindustrie ist in der traurigsten Lage, weil fie als Hausindustrie betrieben wird. ES ist uurichtig, daß Tafelschiefer in Deutschland nicht vor- kommt. Bis vor kurzem wurde in Thüringen sehr viel pro- duzirt. allerdings ist jetzt die Produktion zurückgegangen, fie hat fich nach Lberfranten hingezogen, weil die Thüringer eS vorziehen, ihren Schiefer nach englischem Muster als Doch« schiefer zu schabloniren. Beachtenswerth ist, daß in den Mo- tiven nur preußische Verhältniffe berücksichtigt werden, während doch Meiningen allein mehr olS Preußen produzirt. Der Fachmann, der Reisen gemacht hat, um fich über die Schiefer- industtie zu instruiren, ist wobl nicht nach Thüringen gelangt, sonst würde er den Schutz der Industrie nicht empfohlen haben. Wozu soll übrigen» der Zoll, der englische Schiefer ist ja jetzt schon theurer, a!S der beste deutsche Schiefer. Der Absatz desselben ist auch ein so guter, daß die Schieferproduzenten nicht alle Austrage ausführen können. ES wird fich ja bei der Abstimmung zeigen, auf welcher Seite die Interessen des Groß- kapttals, die Interessen einiger Schieferbefitzer wahrgenommeu werden; auf unserer Seite gewiß nicht. StaatSsekreiär v. Burchard: Es kann nicht bestritten werden, daß in Deutschland«in großes Material in d n Schiefergruden vorhanden ist, daß eine sehr wesentliche Steige- rung des SchieferbmcheS erreicht werden kann, wenn eS gelingt, die überlegene Konkurrenz des Auslandes etwas einzudämmen. Diese Erwägungen fühlten 1879 dazu, den Zoll von 50 Pf. anzunehmen, und die Hoffnung, dadurch den fremden Schiefer zurückzuhalten und den deutschen Schieferbruch zu stärken, sch en zuerst fich auch wirklich anbahnen zu wollen. Die Einfuhr sank von 1879 auf 1830 um die Hälfte; fie hat fich inveß fest 1881 wieder wesentlich gesteigert, und der Zoll von 50 Pf. hat demnach seiner Aufgabe nicht genügt. Um nun den zahlreichen Petitionen namentlich auS der Rhein- und Moselgegend zu entspiechen, hat die Regierung eine Erhöhung deS Zolles in Vorschlag gebracht,»war nicht auf 3 Mk. oder gar noch mehr, sondern nur auf 1 Mk. Nach der Anschauung der verbündeten Regierungen bandelt eS fich hier um einen Zoll, der in erstcr Linie unsern Arbeitern zu Gute kommt; und es ist ja überhaupt eine der ersten Aufgaben guter Finanzpolitik, dafür zu sorgen, die ArbeitSeltläge dem Inland« zuzuführen. Die Einwendungen deS Vorredners gegenden vorgeschlagenenZoll kann ich, namenttrch waS die Möglichkeit der Spekulatwn angeht, als begründet nicht anerkennen. Der Antrag von Gagern setzt eine Unterscheidung voraus, die praktisch nicht durchführbar sein wird: besonders aber bitte ich, den Antrag Gebhard abzulehnen. Eher wäre eS möglich, auf den von dem Abg. Grasen Etolberg beantragten Zoll ron 1,50 M. einzugehen, wenn die beantragte differenzrelle Behandlung fallen gelassen würde. Abg. E a b o r(Soz.): Die Schieferinteressenten haben ganz verschiedenartige Forderungen erhoben' der Verband deutscher Schiefergewerb« verlangt 3 M., die Grubenbesitzer der Erfel und die in Nassau find schon etwas weniger bescheiden und verlangen über 3—6 M, sagen aber gleichzeitig vorher, daß auch damit der Roth nicht abgeholfen sein werde. Die Jnter« effenten wissen also selber gar nicht, wie weit fie gehen sollen, um den Zollschutz zu erhalten, dessen fie nach ihrer Meinung bedürfen. Sie heben ferner hervor, daß der Schiefeibedarf für Deutschland vollauf im Jmlande zu decken sei. Dem gegenüber verweise ich auf daS ausführliche Gutachten der sächfischen Dachdecker, welche» genau nachweist, daß wir nicht ge- nüpenv deu'schen Dachschiefer haben; ingleichen fübren die Dach- decke meisler von Elberfeld. Barmen den Beweis, daßlvie deutschen Schiesergiuden nicht in der Lage find, den Brdarf b:i einer auch nur annähernd guten Bausatson zu decken. Dem rheini- schen Schiefer hat fich jetzt lediglich auS EpekulationSintereffe das Großkapital zugewendet, so Baron Erlanget ur.d mehrere kapitalkräftige Banken. Di« rheinischen Gruben renttren fich einfach deshalb nicht, weil nicht genug gutes Material vor« hanven ist; waS man an gutem Material gewinnt, wird auch leicht vertäust. Sicherlich wird fich nach der Zollerhöhung für dm Augenblick das Geschäft h-ben, weil derselben zahlreiche Gründerunternehmungen auf dem Fuße folgen werden. In den Petitionen für den höheren Schieferzoll finden fich zohl- reiche unrichtige Behauptungen; auch habe ich unter den Unter- zeichnern einen Herrn Ortendach entdeckt, der nach meinen In- formattonen weder Echiefergrubendefitzer noch Schieferdeckcr- Meister, sondern Agent ist. Gewiß wollen auch wir das Wohl deS Landes, wie in anderen Fragen so auch hier, entscheiden lassen, aber ein Recht aus Rente für die Echiefergrubendefitzer könn'N wir nicht anerkennen. Und wenn Sie daS Recht auf Arbeit in diese Frage hineinziehen, so werden Sie mich da- durch nicht verlocken, Ihnen jetzt noch«ine Vorlesung über dieses Kapitel zu halten.(Heiterkeit) Ich werde mich mit meinen Freunden gegen jede Zollerhöhung aussprechen. Abg. Lieber: Der Herr Vorredner hat geglaubt, die Begründung der Z olle- dohurrg mit der Fürsorge für die in der Echieferindustlie veschästtgten Arbeiter damit entkräften zu tönnen, daß er den 5000 Schteferdauarbeitern die 15000 Dach. decket entgegenstellte, die durch die Zollerhöhung geschädigt würven. Ständen in der That die Interessen dieser beiden Ardeitergruppen einander so diametral gegenüber, wie der Herr behauptet hat, so wäre sein Argument schlagend gewesen. Aber das rft nicht der Fall. Der Echieierkonsum wird nicht ver- mindert, und somit auch dem Dachdeckergewerbe k-in Abbruch gethan werden. Wenn hierüber noch ein Zwe fel bestehen kann, so ist derselbe behoben, nachdem im Interesse Nord Deutschlands bestimmt ist. daß für den seewärts eingehenden Schiefer der bisherig« Zollsatz nicht veräntmt werden soll. Em anderer Einwand, der gegen die Zollerhöhung von den Herren Sabor und Baumbach geltend gemacht ist, ist der, daß die Erhöbung nicht den Ardeitern, sondern lediglich dem Großkapital zu Gate kommen werde. Es ist gesagt, daß durch dieselbe illegitime Gründungen wü'.den begünst'gt werden. Herr Baum- dach hat es für angezeigt gehalten, auf die Vorgänge hinzu- weilen, welche 1882 von dem damaligen Abg. Barth mit einem Aufwand fittlicher Entrüstung vorgetragen find. Ich habe dieselben auch verurtheilt, und der Mann, aus den fich dieselben bezogen, hat seine Strafe gefunden: er fitzt seit fünf Wochen in Untersuchungshaft. Aber wohin sollen wir kommen, wenn derartige Schwindeleien gegen legitime Bestrebungen geltend gemacht werden? Soll ich Ihnen(links) etwa auS den schlimmen Gründerjahren Männer nennen, die zu Ihren politischen Freunden zählten?(Große Unruhe linkS: Abg. Richter: Nennen Sie doch Namen!) Ich meine Männer außerhalb dieses Hauses, die Ihrer politischen Richtung ange- hö-en. Das wäre«in verwerfliches Verfahren. Diese Männer können wir ihrer Schande überlassen, aber wir dürfen aus solchen Vorgängen nichts für oder wider eine Sache folgern. Wenn aber auch ganz abgesehm von illegitimen Gründungen gesagt ist, daß die Erhöhung deS Schieferzolls ein inkorrektes Geschäftsgebahren begünstigen werde, so muß ich sagen: die Möglichkeit einer Ausnutzung dieser Zollerhöhung ist bei keinem Zoll weniger vorhanden als beim Schieferzoll. Eine Spekulation in Schiefer ist das denkbar Unmöglichste. Herr von Gazern hat bereits hervorgehoben, daß für un» wie für die verbündten Regierungen es fich bei dem Schieferzoll ausschließlich handelt um die Fürsorge für diese Industrie und für die Arbeiter in der« selben.(Lachen links.) Wir find der Meinung, daß mtt dem Schutz deS rheinisch-westlälischm Schiesergewerbes Hand in Hand gehen muß ein Schutz deS norddeutschen Schieferkon- sumS. Wir stimmen deshalb dem Antrage zu, daß der Zoll für den seewärts eingehenden Schiefer nicht erhöht wird. Die Konsequenz dieser Bestimmung muß dann aber auch sein, daß der Zoll für den anderen Schiefer auf 1,50 M- festgesetzt wird. Auch Herr v. Burchard hat das als selbst oerständltch bezeichnet. Ich bitte Sie nochmals, diesen Zollsatz im Interesse der Schieferbauarbeiter anzunehmen. Besondere Verwunderung hat eS bei mir erregt, daß Arm in Arm mit Herrn Baumbach ein Mitglied jener Partei, die für fich die Fürsorge für die Arbetter gewissermaßen alS ein Privileg geltend macht, gegangen ist.(Beifall im Zentrum.) Abg. Graf Udo Etolberg: Beim Schieferzoll kom- mm sehr verschiedme Interessen in Betracht; deshalb empfiehlt fich die differenzielle Behandlung der Frage, so wie unsere Anträge dieS vorschlagen, um die Gegensätze, die zwischen dm Interessen der einzelnen Landestheile bestehen, auszusöhnm. Abg. Gebhard: ZollauSschlußgebiete find nicht bloß Bremen und Hamburg, sondern auch Altona, Geestemünde und Varel, die hauptsächlich für die Einfuhr von Schiefer in Be- tracht kommen. Wollte man fie nicht heiückfichtigen, so würde ihre Schifffahrt erheblich geschädigt werden. Es handelt fich aarnicht um spezielle Interessen deS Hinterlandes, welches die Waat« möglichst billig erhalten will. SwatSsekcetär v. Burchard: DaS Hinterland hat aller- ding» kein Interesse daran, od es seinen Schiefer über Ham- bürg und Bremm oder über andere Häsen bezieht. Insofern aber Hamburg und Bremm bestrebt find, möglichst viel Waare in ihr Zollanschlußgeb-et zu ziehen, liegt dennoch ein besonderes Interesse der Hans städte vor. Damit schließt die Diskusston. Abg. B a u m b a ch(persönlich): Durch den Schluß der Debatte bin ich verhindert, auf die Rede deS Abg. Lieber zu antworten. Wenn er angedeutet hat, daß er au» meiner Partei eine Reihe von Leuten kenne, die fich an den schwindelbaften Gründungen betheiligt hättm, so muß ich solche allgemeine, unbegründete Anschuldigungen entschieden zurückweism. Abg. Lieber erklärt fich bereit, dem Abg. Baumbach bis zur dritten Lesung die bezüglichen Gründungsprospekte zur Ver- fügung zu stellen. In der Abstimmung werden folgende Zollsätze beschloffen: für Dachschiefer und rohe Schieferplatten dem Antrage des Grafen Stolberg gemäß 1,50 M.; die Annahme dieses Zolles erfolgt in namentlicher Abstimmung mit 128 gegen 95 Stimmen; mit der Mehrheit der Deutschtonservativen, der Reichspartei und deS Zentrums stimmen die nationallibe- ralen Adgg. BudnuS, v. Cuny Pfähler; für Dachschiefer und rohe Echte ferplatten, seewärts einehend, 0,50; die Ausdehnung dieser Vergünstigung auf die Zollaus- schlußgediete wird abgelehnt. Für rohe Tafelschiefer bleibt eS bei dem bisherigen Zollsatz von 0,50 M. Es folgt nunmehr die Pofition ck.„Geschnittene Plattm auS Steinen aller Art 3 M., Plattm von mehr alS 16 Ztm. Stärke werden als Blöcke behandelt". Abg. Münch will den Zoll auf 1 M. herabsetzen. Abg. Oetker erst die Platten von mehr alS 25 Ztm. Stä ke als Blöcke bebandelt wissen. Die Regierungsvorlage gelangt nach kurzer Debatte zur Annahme. Ohne Debatte wird die Pofition e,„Edelsteine, auch nachgeahmte rc., Perlen und Waaren daraus, 60 M." angenommen. Die Pofition k,„Andere Waaren auS Steinen mit Aus- nahm« der Statuen und der Waaren aui Edelstein und Lava", wird ebenfalls nach der Regierungsvorlage ange- nommen. Um 4V« Uhr wird die weitne Berathung auf Montag 12 Uhr vertagt. b. Die Leipzigers nS. Selbst o k» l e s. . atze ist jetzt die bevorzugteste Geschäftsstraße Berlin«. Selbst der Besitzer deS vornehmm Privat- hauseS Nr. 1 hat fich enlschlossm, Läden auSzubrechm. Und noch ist daS alte Haus an der Ecke der Wilhelmistraße nicht abgerissen, so find auch schon sämmtliche Läden in dem lünfti- gen Neubau vermieth't. b. Der Ansturm der Zünftler wird selbst der Regierung zu viel. Eine Versammlung der Berliner Jnnungi-Vorstände hatte jüngst beschlossen, auf eine gesetzliche Einführung der Be- fähigungS-NachweiseS zum Betriebe eines Gewerbes zu dringen. Die Reichsregierung bezeigt aber keine Lust, auf diesen Rück- schritt einzugehen. Mit dem Vorrecht deS Haltens von Lehr« lingen für die Mitglieds bewährter Innungen sei billigen Anforderungen völlig Genüge geschehen. Cchweuinger's Pläne. AuS Wiesbaden, 15. April schreibt man der Münchener„Allg. Ztg.": Prof. Schweninger hat fich gestern zum Besuch mehrerer Patienten hier aufgehalten und unter Bezugnahme auf die nmerdingS in die Orfientlich- keit gedrungenen Nachrichten über einen sei lerseitS beabstchtig- ten Äufenthaltswechsel einem ihm befreundeten hiestgen Arzt« erklärt, daß rr nicht daran denke, die Reichthauplstadt zu ver- laffm, und hoffe, noch recht lange seine Dienste dem Fürstm Bismarck in d-ffen nächster Nähe widmen zu können. Richtig sei frellich, daß ihm von verichiedenen Seiten Offerten gemacht worden seim, welche ihn zu bewegen suchten, seinen Wohnfiy von Berlin zu verlegen und die L-ttung einer größerm Privat- Heilanstalt nach seinem System zn üdemehmm. Hierzu gehöre auch das bereits erwähnte braunfelser Projekt, dessen bekannte Emzelheitm er bestätigte. Da eS für ihn zeitraubend sei, seine in Deutschland vielfach zerstreut lebenden Patientm zu besuchen beabsichtige er in der That, an mehreren Punttm derartige Sanatorien zu errichten, sanitäre Zmtralstellen, die unter seiner Oderleitung die von ihm angewandte Methode zur Ausübung bringen sollm Zur Enichtung derartiger Sanato« rien seien unter anderen Wiesbaden, Homburg vor der Höhe und BraunfelS in Aussicht genommen.— Der Leibarzt des Fürsten Bismarck hat stch von hier nach Frankfurt a. M. begeben, gedenkt jedoch End« dieses MonatS zu mehrtägigem Aufenthalte wieder hierher zurückzukehren und dem erwähn- ten Vorhaben dann näher zu treten. Die„N- Pr.-Zta." schreibt, sie habe fich nach dem Vor- gang, der fich in der Zionikirche bei einer durch den Prediger Kraft vollzogenen Trauung zugetragm hat, erkundigt und foU gende Auskunst erhallen:„Für den drittm Ostertq* mittag um 5 Uhr waren schon sell mehreren Wochen l Trauungm destellt, deren Vollziehung durch Pfaner P anstatt durch einen seiner AmtSbrüder ausdrücklich ge# worden war. Am Tage der Trauung erschien de« VonB eine Verwandte der einen der beiden Bräute mit der M daß die Trauung wegm eingetretener Erkrankung der B* nicht stattfinden könne. Dabei nannte die Bestellerin Z dem Ramm der anderm, in derselbm Stunde zu trw» Braut sehr ähnlichen Namen und Pfarrer Kraft verstaub' fie damit die erkrankte Braut dezeichnete. DieS ist sei«* sehen gewesen. Er glaubte also, die in Wirklichkeit abBraut bei der Trauung vor fich zu haben, während Trauung der anderen Braut vollzog. ES ist richtig, dq> groß« Versammlung von Leuten in der Kirche zugegen»«-' seit 3 Uhr Nachm. von einem der AmtSbrüder eine Ar#' Trauungen vollzogen worden war, glaubte Pfarrer JW die Anwesenden, die nicht zu den nächsten Trauzeugen gV schon den vorangegangenen Trauungen beizewohnt hätte» erkrankte Braut, die er vor stch zu haben glaubte, ha" 6jährigeS Kind, daS am Altar zu segnen und dem$«£ gleich dem Bräutigam) besonders anS Herz zu legen,\ Pfarrer ausdrücklich gebeten hatte. DreS geschah. I«' tracht des Umstandet, da., der Pfarrer zahlreiche Lei" wesend sah, sprach er, um keinen Anlaß zu Gerede z» k so leise, alS er eS sonst nicht zu thun pflegt, so daß d» im Altarraume fitzenden Leute die Traurede nicht p stehen vermochten. Als der Jrrthum aufgeklätt m* er sofort am Altar erklärt, daß eine Verwechselung in« mehrerer Aeußerungen in der Traurede obgewaltet habe,? anwesenden Verwandten und Bekannten des getrauten' paares auch gehört haben. Unwahr ist 1) daS der Pfaw gesagt hätte, daß er schmerzlich den 6VZährigcn Knabs Zeugen des früheren Umgangs, der Brautleute verrnifl Er hat, dem Wunsch d-r Braut gemäß, dm Knaben? besonderen Liebe und Fürsorge deS VaterS empföhle«.� er bemerkt«, daß er geglaubt hätte, der Knabe anwesend sein. 2) Unwahr ist, daß Pfarrer Kraft „ehrlichen Namen" des KindeS irgend etwas gesazt 3) daß die Braut einer Ohnmacht nahe, der Vater d« im Begriff gewesen sei, aufzuspringen, daß alle von gelähmt, keines Wortes fähig gewesm seien. Die' selbst drückten dem Pfarrei nach der Trauung die ebenso zeigte fich der Vater der Braut durchaus 4) Unwahr ist, daß Pfarrer Kraft von einer„erbau! tton" gesprochen hätte." Hierzu bemerkt die„Voss.. dieser labyrinthtichen Darstellung zur Erklärung deS dessen Herr Prediger Kraft fich schuldig gemacht hat, wir unS schwer zurecht zu finden. Wenn die eint wegen Erkrankung der Braut nicht stattfinden ko stehen wir nicht, wie eS dann möglich war, daß Her* Kraft gleichwohl die erkrankte Braut vor fich zu habt« konnte. Aber gleichviel! Die Verwechselung wird# Zwei Punkte dedürfen noch der Aufklärung un« gung. Die erkrankte Braut, die Herr fich zu haben glaubte, hatte ein 6jährigeS Pfarrer ausdrücklich gebeten haben, das Kind am segnm und dem Vater(zugleich dem Bräutigam) an« Herz zu legen. Sollte die Braut wirklich aus triebe dem Prediger Kraft die Bitte auSgesprochm l Kirch: vor dm versammelten Kirchenbesuchern diese in seine Traurede mit hineinzuziehen? Sollte der dem Vater daS AlleS nicht privatim und vielleicht � ans Her» haben legen können? Weiter wird. „N. Pr. Ztg." behauptet, die verwechsellen Brautl� nach der Trauung dem Pfarrer die Hand gedrückt hätte fich der Vater ver Braut durchaus frerw� zeigt. DaS der ,.N. Pr. Ztg." ,u glauben. wirdunS,/ laud, schwer. Aber wir wollen von der Bei" des FalleS absehen; er fordert ,u ein« alN Betrachtung herauS. Der zelottsche Eifer unlS"� doxen Geistlichkeit hält fich für berufen und, tet, bei Gelegenheit von Taufen und Trauungen w Fehltritte öffentlich in der Kirche mit den betreffent in daS Gericht zu gehen. Der Geistliche hat, wenn viel Gelegenheit auf Herz und Gemüth seiner G«"-» hörigen einzuwirken; er hat z. B. bei Trauungen n. Gelegenheit, schon vorher dem Brautpaare inS H? und die Traurede den harmonischm Abschluß tischen Werkes bilden zu lassen. Unsere orthodoS,� braucht so gern das Bild vom Finger GotteS. dieser Verwechselung, die zum öffmtlichen Aergerni»?, ist. nicht auch den Finger Gottes erkennm können, Gott wohlgefälliges Werk ist, vor dem Altar mehr' und eifernde Priester alS der Priester der Versöhn der Liebe zu sein?" � N. Ein schwerer Unglücksfall trug stch gM? mittag in dem Eisenwaarengeschäft von Raven«!, straße 16, zu. Ein dort beschäftigter Arbeiter, N�i hatte in einem Lagerraum« das Unglück, von ein� zweiten Etage befindlichen Gerüst herabzustürzen un° artige Verletzungen zuzuziehen, daß eS ihm unM», stch selbst zu erheben. Der Verunglückte, der. eine« hinzu««rufen en ArzteS neben einem Armbruİ Bruch der Wirbelsäule davongetragen, mußte mittet!' wagenS nach der königl. Charttee geschafft werden- j g. Ei« Akt empörender Rohhett spielte früh in der Königgrätzerstraße ab. Ein großer hardiner sprang spielend auf einen gleichstarken frem warf ihn nach einigem Kampf zu Boden und' fiegesbewußt hinter da« in einm Laden gefr mädchm her. Als daS Mädchen nach geraum» Laden verließ, trat ein fein gekleideter Herr auf zu und bedeutete ihr. falls fie ihren Hund nicht nähme, daß er daS Thier todtstechen würde. Diel» p kein Gewicht beilegend, ging daS Mädchen we«»'� folgte ihr aber auf dem Fuße und neckte den Stöße und Schläge mit dem Stock. Der Hund,> f Zorn gesetzt, erhob stch auf die Hinterbeine, um abzuwehren. Diesen Augenblick balte der Herr» bohrte dem Hund ein dererlgehaltmeS Messer m Mtt lautem Aufschrei brach da« schwer gettoff/"' sammen. Der herbeigerufene Dirigent Ott S? Thierarzt Heinrich, Fttedrichstcaße 232. fand eine>' Itche Verletzung vor. welche sehr wohl den To- zur Folge haben kann. Der Thäter hatte in de Aufregung daS Weite gesucht, soll aber in,-ml' sein. a. Eine gefährliche Ladendiebtu ist mm Person der Frau H., die bereits mehrfach vor genommen worden. Die H. hatte schon sett* Erbuhreparaturen bei dem Schuhmachermetster validensttaße anfertigen lassen, und als B- o?- .1 nach Charlottendurg verzogen war und sein ttl 1, der Brsmarcksttaße etablirt hatte, kam Frau»"* als treue Kundin auch dahin, weil fie ang ,{ vot anderen Schuhmacher so gut bedient wurde,- H erhandelte ein Paar Schuhe und ersuchr ��e»L< in den Schuhen � Paar Damenstiefel unV'zwes Unke. eignen und diese Schuh waaren theil« in h t unter ihren Klerdern zu verbergen. desck�r�- einem vor dem Eingang« de« Ladens..flod malet beobachtet, und alS fie fich mtt d« � pe" entfernte, wurde sie auf sein« Veranlassung Wahlen Beleidigv Kandidat Reichenbc Volkszettl dakteur 3 bestand der„Sä ein Leite Schlesien' Kreise R< der Kons, unterzog« lautet wo Ende. 3 intakt au Zahl nod vierzehn! der Mast anderen' ten Mi kann b< Die„Kr müthigun nicht imi Prinz 6 Kühn fid dieS Bit unstttlich' Bündniß EgotSmui demokrat Gegner erzähtt ut Geld if sozialdemi Patteien Herr Prii im Reich unterstütze Meister j, DZ beweisen, aber auf meister K Artikel be Sozialden so mag d wir findet sozialdemr mit dem I Sozialden verfolgt, welchem sie die Schuhwaaren wieder zurückgeben mußte. Lon ihrer Festnahme nahm in Folge ihrer dringenden Bitten der Bestohlene Abstand. Er machte aber der Polizeibehörde von dem Vorgange Anzeige, weil er den begründeten Verdacht hatte, daß die H., welche sich ihm gegenüber stets als die Frau Gerlach bezeichnet hatte, bei chren Besuchen in seinem ehemaligen GeschästSlokal in der Jnvalidenftraße gleiche Diebstähle in ähnlicher Weise mit Erfolg verübt hat. Vorgestern wurde die Diebin von der hiefigen Kriminalpolizei in einem Hause der Echwedterstraße ermittelt und gestern wurde ste zur Unter« suchungshaft gebracht. Gerichts-Rettung» Ei« Unglücksfall, der fich in der Nacht zum 25. Novbr. v. Ii. in der Wred« ichen Epritfahrik in der Neanderfttaße er« eignete, zog dem Inspektor dieseS Etablissements, C. Buvnick, eine Anklage wegen fahilässtgec Körperverletzung zu, welche testern vor der zweiten Strafkammer dei Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Der Arbeiter Wilhelm Krüger war in jener Nacht damit beschäftigt, Kohlen aus einem mehrere Meter hoch belegenen Trockenraum in die unteren Räume zu schaffen und hatte hierbei einen von Dämpfen angefüllten Gang zu passtren, welcher nicht mit einer Bariere versehen war, trotz« b«ur die eine Längsseite ein Hinabstürzen auf den darunter befindlichen gepflasterten Hof zuließ. Krüger irrte sich in der einzuschlagenden Richtung und stürzte hinab, wobei er fich eine Verletzung der linken Beinsckeibe zuzog, die ihn 9 Wochen lang ans Krankenlager fesselte. Für diesen Unglücksfall wurde der Angeklagte, als der technische Leiter der Fabrik verantwortlich gemacht. Derselbe führte zu seiner Entschuldigung an, daß der betreffende Gang seit 30 Jahren fich in dem unbeschützten Zustande befunden, ohne daß ein Unglücksfall passtrt sei. UebrigenS sei sofort einer Wiederholung solcher Unfälle durch Anbringung einer Barriere vorgebeugt worden. Der Gerichts« Hof war mrt dem Staatsanwalt der Anficht, daß der Ange» klagte diese Vorfichtsmaßrcgel eher hätte zur Anwendung brin» gen müssen, faßte die Sachelaber äußerst mild« auf, indem er nur «uf eine Geldstrafe in Höhe von 20 M. erkannte. P. Daß Gummiräder gefährliche Dinge find, haben Sit Erfindung derselben wohl lausende gefallener Größen inS> esondere in der Zett des finanziellen Katzenjammer«, der den Gründerjahren gefolgt, erfahren- von diesem Grfichtsvunkie ausgehend, könnte man diese Erfindung als eine dem Volks« w,?r"fSf.bi'nlüt immerhin bezeichnen, wenn nicht die noto« rifche �iückfichtslofigkeit der Führer derartig eingerichteter Wagen den Verkehr auf öffentlichen Straßen und Wegen für solche Sterbliche, deren wirthschastliche Lage ste zwingt. ihre sterbliche Hülle per pedes apoetolorem von der Stelle zu bringen,— zu einem leoensgefährlichen machen würde. Insbesondere iene sogenannten zweirädrigen amerika« Nischen Grggs, die mit feurigen Harttradern bespannt, in rasender Fahrgeschwindigkeit in den belebten Straßen des kindergesegnelen Nordens von Berlin dahersausen, find, settdem der Rennplatz deS Berliner Traber-Klubs eingegangen, zum Schrecken der Mütter kleiner Kinder geworden. Aber nicht nur in den Straßen der Stadt— wie man dies täglich z. B. in der Lothringerstraße beobachten kann— sondern auch im meilenweiten Umkreise von Berlin betteiben die Mitglieder deS „ehemaligen Traber-Klubs ihr gefährliche« Unwesen. Eine wegen fahrläsfiger Körperverletzung gestern vor der ersten Straf« kammer deS Landgerichts II. gegen den Führer eine« Gigg, den Reitknecht Friedrich Keseler, verhandelte Anklaaesache lieferte den Beweis hierfür. Am 22. Oktober v. I. befand fich der 60jährige Arbeiter Friedrich DüberS, neben einem mit Steinkohlen beladcnen Wagen einherschreitend, auf der Neuen« Hagener Chaussee, als der Angeklagte Keseler im schnellen Trade mit dem von ihm geführten Gigg ohne den Lauf deS davor« gespannten HarttraderS zu mäßigen daherraste; DüberS, der wegen der Gummiräder daS Nahen deS Gigg nicht hören konnte, wurde, ede er zur Seite zu springen vermochte, von der Scheere deS Gigg erfaßt, zu Boden gewmfen und über beide Beine gefahren, so daß der alt« Mann erheblich verletzt wurde. Die Verletzungen hatten ein mehrwöchentliches Kranken« lager zur Folge, und der Dienstherr deS Keseler beeilte fich, dem Verletzten eine Entschädigung für Versäumniß, Kurkosten rc. anzubieten, die deiselbe jedoch auS Grundsatz ausschlug, da er dem leichtfinnigen Sportsman einen Denkzettel für die Zukunft gönnte. Im Audienztermin versuchte der Angeklagte sein Ver« gehen mit der Wildheit seines Harttrabers zu entschuldigen. Der Gerichtshof verwarf jedoch diese Einrede und erkannte gegen den Angeklagten wegen fahrläsfiger Körperverletzung auf nur 1 Woche Gefänaniß. Et« iuterefla«»« Prozefi— ein Nachspiel zu den letzten Wahlen— wurde gestern in Breslau verhandelt, nämlich ein Beleidigungsprozeß des Schneidermeisters Kühn in Langenbielau, Kandidat der sozialdemokratischen Partei im Wahlkreise Rcichenbach- Neurott, gegen die ultramontane„Schlefilche Volkszeitung", bezw. deren damaligen verantwortlichen Re- dakteur Dr. Finke. Der der Klage zu Grunde liegende That« bestand ist(ver„Bresl. Ztg." zufolge) kurz folgender: In der„Echtes. Volksztg." vom 16. November v. I. erschien ein Leitartikel mit der Ueberschrist:„Der Wahlkampf in Schlefien", in dem daS Ergedniß der Reichstagsstichwahl im Kreise Reichevbach-Neurode besprochen und daS Wahlbündniß der Konservativen und Sozialdemokraten einer abfälligen Kritik unterzogen wurde. Der Eingang des inkriminirten Artikels lautet wörtlich wie folgt:„Der Wahlkampf in Schlefien ist zu Ende. Die Zentrumspartei kann von fich rühmen, daß ste intakt au« demselben hervorgegangen ist und weder an ihrer Zahl noch an ihrer Ehre Abbruch gelitten hat. Eämmtliche find, zum größten Theil mit überwältigen« oer Uicajorttat, behauptet morden, ohne daß wir unS vor einer smjlrr ol)ft unS selbst erniedrigt und zu unehrenbaf« ten Mitteln unsere Zuflucht genommen hätten. DaS av llleüü!$ ,?i gaben mindestens ins fünfte od« sechste Jahrhund' Christus m ück. Auch eine Ausfahrt. Emma: Dein Mannßl so grämlich vor,— er sollte fich mehr zerstreuen denn nie auS?— Bertha: Ja, ad« nm auS der H u Ein tüch ArbettsmarKt. ztign Maschinenmeister, welch« mtt Doppelmaschine und Gasmotor gut Bescheid weiß, findet sofort Stellung bei Max»adtng, Beuthstraße 2. WgWeu-«. SMuShttimllll '°' M/Mhrmann,'■ 853 Harmonikasp, bill. F. Winkel, Pallisadenstr. 83, 4 Tr.[855 Grosse öffentliche Wersaminliing: Buchbinder und verwandte» Berufsgenoffcn am Montag, 20. April. Abend« 8 Uhr. iv Fenerstetn'» Lolal. Alte Jatobstraß- Nr. 7». T..O.: Die Maßregelung und ArdeMeinstellung von Coste�en der Buchbinderei Morgen». llm zahlreiches Erscheinen bittet 337 D« Ein beruf«. Hentral-KranKm- undSt«kekasse der Schuhmach«. (E. H. 32. O«lttche Vnwattungsstelle Berlin) Mitglieder-Versammlung Sonntag, d. IS. April 1885. Nachm. S Uhr, WNieft'SSalon, Kommandantenstraße 71—72. TogeSordnunz: 1. Kassenbericht. 2. Vorschläge zur Generitt-Versammlung und eineS Delegirten. 3. Verschiedene«.— DaS Erscheinen -.......- ist-------- all« Mttglied« ist nothwendig. ÖutttungSbuch legitimirt. Der Bevollmächtigte. 848_ W Pople, Naunynstraße 36. VtttimWg der MetMdciter Deutschland S. (Mitgliedschaft B-rlin I.) Dienstag, den 21. April, AbendS 8V» Uhr. in Nteft'S Salon, Kommandantenstraße 71—72. Mitglieder- Versammlung 1. Vortrag des Herrn Michelsen. 2. Verschiedenes. 8. jjrtflgekasten. Der Bevollmächtigte. Wer�ammluiig? der Berliner Mitglieder des Krauken- Unterstützuugsbuudes d. Schneider(E.H.) am Dienstag den 21. April er., Abends 8 einhalb Uhr, in Gratweil's Bierhalleu, Kommandantenftr. 77/7S. TageS'Ordnung: 1 Abrechnung vom 4. Quartal 1884. 2. Der Sc.nitätS- Verein. 3. Wahl eines VergnügungskomtteeS. 4. Anschieben eS. DaS Quittungibuch ist vorzuzeigen. Um zahlreichen Besuch bittet 838_ Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Montag, den 20. April, AbendS SVi Uhr, in I o r d a n'S Salon, Neue Grünstraße 28, Ordentliche 821 General-verlämmlung T.'O.: 1. VinteljahrSbericht vei Vorstandes, der ..... W. Bevoll' mächtigten und der ArdeitSoermtttl«. 2. Ersatzwahl deS Vor» Sndes, der Kontroleure und d« Arbeits vermittln 3. SB«. iedene Vereineangelegenheiten. QuiltungSbuch legitimitt. D« Vorstand. Oeffentliche Gr. Volksversammlung am Dienstag, den 21. April, AbendS 8'/, Uhr, in Äeller's Lok<ü, Ändreasstraße Nr. 21. TageS-Ordnung: Das Arbeiter Schutzgesetz. Referent: He« Stadtv. Friy G o e r ck i. Um«cht zahlreiches Erscheinen ersucht 832 Der Einberuf«. Hasenhaide. Mue West Bergschlossbranerei. Heute, Sountag, den 19. April 1885: Erste diesjährige Lustschisssahrt deS deutsch. Lustschiff«« Henn Richard Opitz mit dem neu erbauten Riesenballon VictOi Füllung 1 Uhr. Auffahrt 6 Uhr. Großes Militär Coneert ■>ngt die 'ammer 17 Hasenhaide.» htm r� NN er der be jein Wort bi » Preußen ttiv gut o 4 drücken) leich anstellt Doch zp die„ben gedruckt w«t Die St. jmf 5 428 90 • �.tfc teführt von dem Musik-Corp« deS�Garde-Kürassier-Regiment», unter Leitung des Königl. �»fordern eii dttettor« Henn Selchow. Volksbelustigungen, Marionetten Theater, elektrische Beleuchtung. o«i einrelve Aufang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Nähere» die Säulen.' Die Direction. w Diesen ——_______...._ Iich b« Ein w*aaBÄismHaee�*w»«wiaBW»H*me��**meKiai53e*n*!�rT«Esss*SK52i3C2aHaÄ'«ii Bru.to-S (Sroße öffentl Generalversammlung der Schlosser u. Berufsgenoffen am Sonntag, den 19. d. M., Vormittag« 10 Uhr, im Lokale Sanssouci, Kottbusnstraße 4». Die Tagesordnung ist am Sonnabend an den Säulen bekannt gemacht._ 819 BezirkSverein d. arbeitenden Bevölkerung des SW. Berlins. Montag, den 20. April- Abends 8 Uhr, Versammlung bei Niest, Kommandan�nstraße 71—72. T.-O.: 1. Vortrag deS Stadt». Friy G o e r ck i gber:„Der b'öde Hövur und die fortschrittlichen Urwäbl«. 2, Ergänzungswahl deS Vorstandes. 3. VnschttdeneS.— Gäste willkoaimen 836 Der alleiniAe Arbeitsnachweis für Schneider befindet fich wie bisb« Krausenstraße 11 (SchnerdN'Hnberge). Die Meister hrben für die Vermittlung eine Gebühr von 20 Pf. zu unentgeltlich. entuchlen. Für Arbeitsuchende 839 Kleine und große Vereinsziwmer auch Sonntags zu haben. Mauerstraße 8K.>1304) Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiß-«. Bairisch-Bier-Lokal. Für gute Getränke wnd bester S gesorgt 845_ W. Hchilk, Adalbertstr. 23. 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