Sir. 105 Donnerstag, 7. Mai 1385. II. Jahrg. i etliiurVolMoll Krgsn für die Interessen der Arbeiter. 4 DaS..Berliner Volksblatt" Jochttni täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. MonnementspreiS für Berlin frei in'S Haus vierteliährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustt. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Znsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Die Pariser Polizei. � Der ehemalige Polizeipräfekt von Paris, Herr An- »v'iux, hat«in Buch herausgegeben, in de« er«ine von geheimen Polizeibericbten publizirt und das Wbkum einen Blick hinter die Koulissen der Polizeiprä» 'Mar thun läßt. Man beschäftigt sich überall mit dieser ten Lektüre", die ein gewaltiges Aufsehen enegt hat. � französische Regierung hat einen Prozeß gegen Herrn anstrengen lassen,»eil er amtliche Aktenstücke Mffentlicht und eine Anzahl derselben sogar nach seinem Mtritt noch behalten hat Die sensationslüsterne Welt sich darum freilich nicht viel; das Buch ent- ix c wterefsante Neuigkeitrn und damit ist ei vor- gut ... Uni geben die Dinge, die Herr Andrieux, der repu- "lanisch, Polizeipräfekt, erzählt, denn doch zu anderen �.Pachtungen Anlaß. Enthüllungen über die Thätigkeit « Pariser Polizei find schon öfter gemacht worden, theil- ij fe in starken Bänden, und immer waren die Thatsachen, **.««« Vorschein kamen, höchst kompromittireod für die Morde, der man die Ueberwachung der öffentlichen icherheit in Paris anvertraut hat. Die republikanische hat seiner Zeit bei ihrem Kampfe gegen daS Juli- StWHum un� gegen den BonapartiSmuS mit Recht die Mhschaft der P.riser Geheimpolizei aufs Schärfste ver- aet ne ihr die Hauptschuld an der im politischen und Pu. r seichen Leben eingerissenen Korruption beigemeflen. ein.»"'S°n Enthüllungen vor un» über eine Amtsperiode c,».„�'p.abl>kanischta Polizeipräfekten und derselbe ist naiv in i>ie Beweise zu liefern, daß die Polizciwirthschaft kej? L"uter der Präsidentschaft de« Herrn GrSvy um R/i«.�°ar besser ist, al» unter Louis Philipp oder �poleon III. . Ueberrafche« konnte un» daS allerding» nicht. Wir wen schon des Oefteren darauf hingewiesen, wie die ge» N�ärtig in Frankreich regierende Bourgeoisklaffe den Jttat und seine Aufgaben auffaßt. Hier macht sich der Zaurialismus breit; der Staat erscheint de» Geldwännern, s�Uingrößen und Juristen, die in Frankreich zur Herr- Cr'i««langt sind, nur al» ein Apparat, der die vorhan« i»!!1 der Nation flüssig macht, damit sie in de« z�lationen der herrschenden Klaffe angelegt werden kön» 1%/ Da« Volk hat nach wie vor die Zech« zu zahlen; dij..°ttse Spekulationen gelingen, so fallt für daS Voll *2 �umal«twas ab. Jede höher« und edlere Auffassung Beruf des Staate» ist für die regierende ftanzöfische »»j �?isit verloren gegangen und so darf man sich denn %"'cht wundern, daß die Polizeipraktiken genau die geblieben sind. Man kann sich freuen, daß die Ent- JeuMeton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) tri schall« zuckte die Achseln.„Da» ist der Kunstsinn, tri"»serer Zeit regiert. Wenn sich die Leute nicht "'cht.? Kunstgenüsse langweilen, war e« nicht klassisch, bei.""ständig. So machen sie'« in den Konzerten, wo sie tttW0R,e'I'0£n Symphonien nur manchmal durch einen »Trompetenstoß aufgeweckt werden und innerlich ""d wenn e» vorüber ist, äußerlich aber entzückt in h,"�"siaimirt sind. So machen sie'» bei Vorlesungen, wL*"!'« sich zu Tode langweilen, sie aber anhören zu ftesta, Jst"uben, wenn sie nicht für ungebildete Menschen «n fct x' Der Hofrath ist eine wahre Strafruthe in istftu!"°t. aber et wird überall eingeladen, und meine t&tnh?• stch ihre Locken ausgerauft, wenn er gestern "lein, v* un» gefehlt hätte.— Keine Rose ohne Dornen, ?>tS,,..H?r«n." setzte er lachend hinzu,„und Hofrath "oinin," deshalb überall al« Dorn engagirt. Aber da *»n Damen," sagte er, während die jungen Leute h«t ibr». sthlkn emporsprangen—„meine lieb- Frau G, Doiletle wirklich schon beendet." Kran Mit einerunnachahmlichen Grazie schwebte Öt« schallet herein, die langen Lecken umflatterten Avrgen»?.?� Wangen, im Haar oben trug sie schon �eau»» � e'neB kleinen Vergißmeinnichtkranz, und zede ß.0 Ww dabei überschwänglich und affektirt. I'sth."'st ja sehr liebenswürdig, daß Sie un» so Ittrfi.w Momtt» w— am.*«. f. 7' lck 1 i** I«VV VWp W»V««•»» r** ,?te tagen mit der Morgendämmerung auf« gesAlft« P*(«» hatte, beiläufig gesagt, schon halb Wittag) und der Handwerker rechnl' lieber Graf Rauten, mein liek 2 Nach.»�hitte, behalten Sie Platz- �"ht �gestrigen Anstrengung kaum gei andwerker rechnete et Nach- outen, mein lieber Herr von Sie werden genügend au»- Pt Frau," sagte Graf Rauten,„ich fühle mich hülluagen des Herrn Andrieux vorliegen; man wird diesem Herrn selbst aber keine besondere Anerkennung zollen kön- nen, wenn man weiß, daß er selbst in der Zeit seiner Amtsführung e» genau so gemacht hat, wie sein« Vor- gänger, und wenn man bedenkt, daß er selbst gesteht, er habe das Amt nur au« Neugier übernommen, um die Akten der Polizeipräfektur studiren zu können. Ein Mann, der e» mit dem öffentlichen Interesse auftichtig gemeint hätte, würde sicherlich zunächst bemüht gewesen sein, in dem ihm anvertrauten R-ffort zeitgemäße Reformen einzu- führen. Wir erfahren auS den„Memoiren" de» Herren An- drieux. daß Herr Gambetta seine besondere Polizei hatte, durch die er seine politischen Freunde aushorchen ließ, während die Polizei des Herrn Andrieux die Umgebung Gambetta'S auSspionirte, unter dem Vorwand, den„Dilta- tor hinter de» Koulissen" vor anarchistischen Komplotten zu beschützen. Ganz wie unter den Ludwige» und Napoleon». Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Koch de« Herren Gambetta ausgehorcht und verrieth, daß die Küche seine» Herrn jährlich die Summe von 60000 Fr verschlinge. Ein anderer Spion beschuldigt« einen in Pari» lebenden Engländer, Gemälde gestohlen zu haben und diese Beschul- digung, die sich al» gänzlich grundlos erwie«, führte sogar eine diplomatische Intervention von Seiten England» her- bei. Herr Andrieux behauptet, auch der au» Neu-Kaledo- donien zurückgekehrte Kommunard Trinquet sei, nachdem er zum Gemeinderath gewählt, von der Polizei bestochen ge- wesen. Deßgleichen wird erzählt, daß man, al« Louise Michel ein Blatt gründen wollte, einen Polizeiagenten zu ihr schickie, der sich al» einen Rentier vorstellte und sich er- bot, erne bedeutend« Summe Geld zu dem neuen Unter- nehmen vorzuschießen. Da» Anerbi-ten sei angenommen worden und to habe man einen Polizisten in der Redaktion de» von der Michel geleiteten anarchistischen Blatte» gehabt. Wir wissen nicht, wieweit diese Dinge der Wahrheit entsprechen; wenn die Geschichte mit Louise Michel wahr ist, so zeigt sie, daß die Vertrauensseligkeit dieser Frau manchmal bi» zu einer Grenze geht, wo sie einen anderen Namen verdient; anderntbeils aber zeigt die Affaire auch, daß die republikanische Polizeipräfektur sich nicht scheute, ganz dasselbe Spionirsystem anzuwenden, wegen dessen die Regierung des zweiten Kaiserreich» so oft und mit so vie- lem Recht getadelt und aus'» Schärfste verurtheilt worden ist. Auch daß agents provocateura angewendet wurden, erzählt Herr Andrieux ganz offen; e« wurde ein Attentat auf die ThierS-Statue in Saint-Germain veranstaltet, da» be- sonder» zu dem Zwecke veranlaßt worden war, um der Po- lizei Gelegenheit zu geben,«inen„Fang" zu machen. In- dessen mißglückte da» Attentat, die Statue blieb unverletzt glücklich, Sie so wohl anzutreffen— Sie blühen wie erne Rose..." „Oh Sie Schmeichler!" sagte die alte Schachtel ver- schämt, indem sie den Kopf wie ein junge» Mädchen von vierzehn Jahren auf die Seite neigte. „Mem gnädige» Fräulein," hatte Han» indessen Kathinka begrüßt,„wir wollten un« persönlich überzeugen, wie Ihnen der gestrige Abend bekommen ist." „Sie find sehr freundlich, Herr Baron," lächelte da« junge Mädchen—„Sie sehen, vollkommen gut." Sie sah ihn mit ihren großen, dunkeln Augen treu» herzig an, und wie sie da vor ihm stand, die schlanke edle Gestalt in einem schlichten Hauskleide, da» volle kastanien- braune Haar hinten zu einfachen Zöpfen zusammen ge- wunden, mußte sich HanS«irklich gestehen, lange kein so wahrhaft schöne» Mädchen gesehen zu haben. Er hielt auch ihre Hand länger al« er eigentlich gesollt in der seinen, und erst als er fühlte, daß sie such« sich von ihm frei zu machen, ließ er sie erschreckt lo«. Die kleine Gesellschaft setzte sich jetzt. Hau» nicht ohne einen mißtrauischen Blick auf den ihm nächsten Stuhl, und Schaller, al» er e» bemerkte, lachte laut auf. „Nein", rief er,„Sie haben nichts zu fürchten, Sol- berg! Dort drüben in der Ecke steht der M-ssethäter I" „Und wenn er mein wäre, hätte ich ihn lange in'» Feuer gesteckt," sagte Frau von Schallet;„aber lauter solche verrückte Ideen hat der schrecklich« Mann im Kopfe!" „Da» war eine der besten, die ich in«einem ganzen Leben gehabt habe," rief von Schaller lachend,„denn ich gebe Ihnen mein Wort, in die steifste Gesellschaft kommt Bewegung, sowie der Stuhl seinen Marsch beginnt— und hat un« nicht gestern erst die Fußbank erlöst?" „Du bist unausstehlich," sagte seine Gattin;„«» war so taktlo» al« möglich von dem guten Oberstlieutenant." Schaller warf einen verschmitzten Blick nach Han» hinüber, verrieth ihn aber nicht, und dieser achtete kaum auf da« Gesagte, denn er befand sich schon mit Kathinka in �p�te Morgen schon viel Besuch gehabt.?" und und unterließ Herr Andrieux auch die Verfolgung der „geschobenen" Attentäter. Diese Enthüllungen lasse« die anarchistischen, oft so provokatorischen Kundgebungen dieser Partei und ihre Atten- tat« in einem eigenthümlichen Licht« erscheinen; aber in welche« Lichte erscheint auch eine Polizei, die, statt die öffentliche Sicherheit in Wirklichkeit zu überwachen, vielmehr mit derfelben ein frevle», manchmal auch kindische» Spiel treibt! Herr Andrieux hätte sicherlich keine schärfere Kritik seiner Verwaltung liefern können, al» er in seinen Ent- hüllugen gethan hat. Diese französische Bourgeoisie, die ihrer Herrschaften Namen„Republik" beilegt, regiert innen und außen, wie wir schon vielfach gezeigt, mit den Mitteln de» alten Re- gerne». Kein Wunder, wenn dabei die die Hoffnungen der im Hinterhaft lauernden Reaktionäre sich täglich steigern! Dolitisrke Nebersickt. Der Bandesrath hat den Wünschen de» Reichskanzler» auf Beschränkung der Schwurgerichte nachgegeben und die Zahl der Geschworenen von 12 auf 7 herabgesetzt. Der Beschluß wurde nicht wie angekündigt war, bei Stimmen« gletchheit durch die Stimme Preußens, sondern mit Majorität, allerdings von nur wentgen Stimmen, gefaßt. Im Uebrigen wurden die vom Justizausschuß beantragten Abänderungen der Bestimmungen der Zivilprozeßordnung und deS GerichtSver- fassungSgesetzeS in den wesentlichen Punkten angenommen. In der zweiten Lesung der Vorlage wegen Einführung der Be- rufung im Strafprozeß wurden die Beschlüsse der ersten Lesung bestätigt; die Einfügung der Berufung ist demnach ad- -lehnt. Beide Vorlagen sollen nunmehr nach den Be« . lüssen des BundetrathS zu einer einzigen verschmolzen und als Gesetzentwurf betreffend Abänderung des GerichtSver- fassunglgesetzei der Zivil- und Slrafprozeßordnuna sobald al» möglich dem Reichst» ae vorgelegt werden, obgleich auf die Eilevigung derselben im Laufe dieser Sesston nicht gerecdnet wird.— Der Nachtragsetat zum ReichshaushaltSetat pro 1885/86 wurde den Ausschüssen über- wiesen. Der NachtragSetat wirft für einmalige Äuigaben 394920 Mk. aus. Davon entfallen 150000 Mk. auf da» Auswärtige Amt, welche alS erste Rate zu einem Ecweitemngs« bau deS Dienstgebäudes deS Auswärtigen Amtes, sowie zu einem damit in Zusammenhang stehenden Anbau an da» Dienst« gebäade deS ReichSamtS de» Innern dienen sollen. Die gegenwärtigen am WilhelmSplatz 1 und 2 befindlichen Bureaus de» Auswärtigen Amtes sollen mit den in der Wilhelmstraße 75/76 untergebrachten Bureau» vereinigt werden, was stch alS ein dringendes Bedürfniß herausgestellt hat. E» soll zu diesem Zweck auf dem nach hinten hinaus belegenen 2h eile deS letz- gcnannten Grundstückes in der Wilhelmstraße ein Flügel an« gebaut werden. Die leer weidenden Räume am Wilhelms« platz 1 werden alsdann für das Reichsschatzamt und Nr. 2 für das Reichsverficherungsamt zu oerwerthen sein. Die Ge» „Ich sehe da die Karten von verschiedenen Herren; da wir aber so viel zu thun hatten, um da» Hau» wieder in Ordnung zu bringen, hat sie Vater empfangen." „Wir begegneten gerade dem Doktor Potter, al» wir da» Hau» betraten," sagte Han», und sein Blick beobachtete dabei scharf die Züge de» jungen Mädchen»; aber Kathinka blieb so ruhig al» vorher. „E» ist möglich," sagte sie,„ich habe noch Niemanden gesehen— die Herren sollten bedenken, daß man nach einem solchen Wirrwarr, wie eine derartige Gesellschaft doch stet» verursacht, immer einiger Zeit bedarf, um Alle» wieder an seinen Platz zu bringen." „Wir sind deshalb auch zu Ihnen zuletzt gekommen," sagte Han«, der sich jetzt fest davon überzeugt fühlte, daß ein in ihm aufgestiegener leiser Verdacht vollkommen unbe- gründet sei. Für Kathinka war Doktor Potter ein gleich» giltiger Mensch. „E« war recht freundlich von Ihnen," sagte da» jung« Mädchen lächelnd;„aber weshalb verließen Sie un» gestern so früh?" „F>üh war e» allerding«," lacht« Han»,„denn e» ging gegen Morgen; aber meine Mutter kann da» spät« Auf« sitzen nicht vertragen, und Fränzchen fühlte sich auch etwa» angegriffen." „Sie hat viel getanzt." „Ihr alter Fehler— aber ich hoffe, daß wir da» Ver« säumte in nächster Zeit in unserem Hause nachholen sollen. Vater sprach heute Morgen davon, und da da» Wetter wieder so winterlich geworden ist, so können wir un» noch immer ein wenig in den Winter hineinttäumen." E« war, al» ob Kathinka etwa» darauf erwidern wolle— aber sie schwieg, und da Graf Rauten jetzt da» Zeichen zu« Aufbruch gab— denn solche Besuche dürfen nicht zu lange ausgedehnt«erde«—, erhob sich auch Han». „Apropos, Solberg," rief Herr von Schaller,„sind Sie Jäger?" „Allerding« sehr au» der Hebung gekommen/' sagte dieser,„denn in Peru giebt e» nicht» zu schießen, wemg» sten» nicht um Lima herum." amtnitofien dtS BaucS find auf 210000 Mk. vrrankchlazt. — 200000 Mk. cnlfallen auf das Reichs amt deS Innern, 10000 Ml. auf die Post- und Telexiraphenverwaltung und 84 920 Ml. auf den ordentlichen Etat der Eisend rhnverwal- tung. Die 200 OVO Mk. find als erste Rate*u einem Erweite> rungsbau des Dienstgebäudes des kaiserl. statistischen Amtes bestimmt. Die 10000 Mark sollen zur Herstellung einer zwei- tcn Ein- und Ausfahrt des ReichspostamtSgebäudes und zwar nach der Mauerstraße hin dienen, da die Paffage durch die in der fr-quenten Leipziger Straße gelegene bisher einzige Ein-, bez. Ausfahrt mit Uniuträzlichkesten und Gefahren verbunden ist. Die 34920 Marl werden zu Vorarbeiten behufs Her- stellung einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen dem süd- lichen Elsaß und den übrigen südwestlichen Theilen des Reiches ocfordect.— Die zur Deckung der im NachtragSetat aufgestell- ren Forderungen nöthige Gesammtsumme von 394920 Mark soll durch eine entsprechende Erhöhung der Matrikularbeiträge aufgebracht werden. De« Tod des deutschen Generalkonsuls Dr. Nachtigall erfolgte am 20. April an Bord des deutschen Kanonenbootes „Äöve" auf hoher See. Das mörderische Klima deS Kamerun- gebiites hat auch diesen verdienstvollen Forscher htnweggerafft. Dr. Nachtigall hat stch während seines dortigen Aufenthalts ein schweres Wechselfieber zugezogen, welches die Ursache zu seinem Tode wurde. Am 21. April fand die Beerdigung auf Kap Palmas an der Westküste Afrikas statt. Dr. Nachtigall ist zu Eichstädt bei E t e n d a l im Jahr« 1834 geboren; Ge« sundheitSrückstchten veranlaßten ihn, seine Stellung als Militär- arzt aufzugeben und nach Algier zu überfiedeln. Von Algier wandte er fich nach Tunis, wo er den verdienstvollen Forscher R o h l f' s kennen lernte. Von diesem wurde er mit einer Misston an den Scheich von Bornu beaustragt; diese Reise führte ihn in noch fast unbekinnte Länder und Gegenden, die zu erforschen er nunmehr als seine Aufgabe betrachtete. In dem von ihm verfaßten Werke„Sahara und Sudan" find die Ergebnisse seiner Forschungen eingehend geschildert. Die Pariser„Geographische Gesellschaft" erkannte die werthvollen wissenschaftlichen Resultate seiner fünfjährigen Reise durch Ver- leihung der goldenen Medaille an. Von ver deutsch- astika- Nischen Gesellschaft wurde er zum Piästdenlen ernannt. 1882 wurde Dr. Nachtigall von der deutschen Regierung als offi- zieller Vertreter nach Tunis gesandt. Im Mai 1834 begab er fich an Bord der„Möve", um eine Reise nach den Ländern der westafrikanischen Küste anzutreten. Ergriffen von dem tückischen Wechselfieder schiffte er fich an Bord der„Möse" ein, um der Heimath zuzueilen. Doch diese wiederzusehen war ihm nicht vergönnt; der Tod ereilte ihn auf der Rückreise und sein Körper ruht jetzt in jenem Lande, welches zu erforschen er fich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Ein«eueS Weißbuch wird in dielen Tagen ausgegeben werden. Dasselbe führt den Titel:„Aktenstücke b e t r e f- fend Egypten. Dem Bundesrath und dem Reichstag vorgelegt im Monat Mai 1885." Das Weißbuch enthält 21 diesbezügliche Aktenstücke. Zwischen dem Deutsche« Reich und Belgien ist am 29. v. M. ein Vertrag geschloffen worden, dessen erster Artikel laut-t:„Deutsche, welche in Belgien, und Belgier, welche in Deutschland fich eines Forst-, Feld-, Fischerei- oder Jagdfrevels schuldig gemacht haben, werden in dem Ge- biete desjenigen Theils, welchem fie angehören, nach den dort geltenden Gesetzen und unter der darin bestimmten Voraussetzung bestraft." Der Vertrag kann von jeder Seite gekündigt werden, bleibt jedoch nach erfolgter Kündigung noch sechs Mo- nate in Kraft. Das LehrerpenfionSgesetz ist— wie vorauszusehen war — vom Herrenhause wesentlich abgeändert worden. Erstens ist der Maximalbeilrag deS Staates auf 600 Mark herabgesetzt und zweitens daS Prinzip der Heranziehung deS Stellen- einkommenS wieder in daS Gesetz hineingebracht worden. Der Entwurf wird also noch einmal das Abgeordnetenhaus be- schäftigen. DaS Zustandekommen deS Gesetzes wird somit immer fraglicher, da dasselbe in der dem Herrenhaus vorgelegten Form eine große Mehrheit im Abgeordnetmhause gefunden hat. Ob fich auf Einwirkung der Offiziösen bei der noch- maligen Berathung ein anderes Resultat ergeben wird, muß abgewartet werden. Der vom Abgeordneteuhanse angenommene Antrag Hneue liegt nunmehr dem Herrenhause vor. DaS Haus hat den Antrag vorläufig an eine Kommiffion verwiesen, dieselbe wird morgen ihre erste Sitzung abhalten. Man nimmt an, daß der Entwurf noch verschiedene Aenderungen erleiden wird. Fürst Bismarck war seit langer Zeit zum ersten Mal in der AdtheUung des Herrenhauses, der er angehört, erschienen, um fich an der K o m m i s s t o n s w a h l für den Antrag Huene zu betheiligen In Bezug aus die BePflanzung der im fiskalische« Besitze befindlichen Sichert) ettsstreifen längs der Eisenbahnen haben im Mrnisterium der Landwirthschast Berathun- Sen stattgefunden. Es ist die Frage angeregt worden, ob die > eilweise ganz brach liegenden Streifen nicht durch An- Pflanzung von Obstbäumen rentabel gemacht werden können. „Wollen Sie morgen mit auf dm Entenfall? Ich habe heute Nachricht bekommen— die Strich-Entm finden fich schon in Masse ein." „Ich qabe nicht einmal ei« Gewehr." „Ich borge Ihnen eine famose Zündnadel— kommen Sie mit. Wir bleiben aber über Nacht weg und setzen uns Abend» und Morgen« an, wenn mir nicht gemeldet wird, daß sie Auerhähne verhört habm." „Da» wäre allerdings famos!" „Also topp— morgen Nachmittag um vier Uhr holen Sie mich ab. Wir fahren in einer Stunde hinaus, und all' Ihr Jagdzeug sollen Sie bei mir bereit finden." „Angmommen I" rief Hans.„Auf eine«cht deutsche Jagd habe ich mich schon lange gefreut!" „Wie ist es mit Jhnm, Rautm? Habm Sie Lust, mitzufahren?" „Ich danke sehr," lächelte dieser; ich bin ein sehr leidenschaftlicher Jäger, wenn ich es bequem haben kann, aber von Ihrer Auerhahnbalz bitte ich Sie doch, mich zu diöpmsiren. Morgens um halb zwei Uhr aufstehm und im Dunkeln einen hohen, nassen Berg hinaufklettem, nur de, Möglichkeit««gen, einm dieser plumpm Vögel von seine« Aste herunter zu schießm, ist nicht meine Sache. Wm« ich auf meiner Jagd Auerhähne hätte, würde ich diesm«muß meinem Jäger überlassen." „Dann sind Sre auch kein ordentlicher Jäger, nef Schaller,„oder Sie machtm fich wahrhaftig au« dm Sttapazen nicht»! Dan» gehen wir allein, Solberg, und ich gebe Jhnm mein Wort, daß Sie zu« Schuß kommen 1" „Und bei dem Wetter l" sagt« Frau von Schaller. .„der Win! „Bah," rief ihr Gatte,„der Wind hat fich seit etwa einer Stunde gedreht, und wir haben morgen klaren Himmel!" Als fich Hans wieder rasch Kathinken zuwandte, sah er, wie ihr Blick fest, aber auch ernst auf ihn gerichtet war, aber fie wandte das Antlitz ruhig von ihm ab, und nur erst, als er sich bei ihr verabschiedete, grüßte fie ihn wieder freundlich-i- � Der Minister für Landwirthschast hat die Regierungen zc. unterm 14. v. M. angewiesen, diesen Gegenstand einer ein- gehenden Erwägung zu unterziehen und dabei zu berückfich- tigen, daß bei der zu treffenden Entscheidung nicht lediglich Steigerung der Forsteinnahmen in Betracht komme, sondern besonderes Gewicht auch auf die Anregung zu legen sei, welche ........"" eh- die ländliche Bevölkerung zur Ausdehnung rationeller Obst- kultur erhalten würde. Zu dem Feldzug gegen die Fachveretue ist folgendes zu melden: München. Der hiefige Fachverein der Metallarbeiter hat, nachdem ihm die kgl. Polizei-Direk- tion für einen politischen Verein erklärt, fich in der am 3. d. M. abgehaltenen Generalversammlung aufgelöst. Zu gleicher Zeit ist auf Grund der abgeänderten Statu- t en deS früherm Vereins ein neuer Fachverein gegründet wor- dm, der den Vorstand des olt-n Vereins wieder zum Vorhand des neuen gewählt hat.— Frankfurt a. M. Der hiefige Fachverein der T i s ch l e r ist auf Verlangm der königl. Re- gierung aus dem deutschm Zentralverband der Tischler(deffm Vorstand seinen Sitz in Stuttgart hal) geschieden und hat stch alS selbstständtger Fachverein konstituitt.(Wir meldeten vor Kurzem irtthümlich, daß der Fachverein der Tischler in Frank- furt polizeilich geschloffen sei. Wie auS Vorstehendem erficht- lich, ist derselbe aufgefordett wordm, auS der Zentralisation Herr Stöcker hat am vorigen Freitag in der von ihm einberufenen Arbeiterinnen-Versammlung erklärt, er billige die Petition der Näherinnen gegen den Zoll auf Nähgarn: er sei selbst bei der Abstimmung nicht zugegen gewesm, sonst hätte er aegm die Zollerhöhung gestimmt. Ein Kollege des Herrn Siöcker im Reichstage, der Verfasser der ParlamentSb riefe in der„BreSl. Ztg.", hat schon am Tage der Abstimmung als interessante Thatsache mitge- theilt, daß Herr Etöcker in der Sitzung selbst anwesend ge- wesm sei, fich aber vor der Abstimmung entfernt habe. Wie verhält fich das, Herr Stöcker? fragt die„Volks Ztg." WeS- halb gingen Sie vor einer so wichtigen Abstimmung nach Hause, obwohl Sie annehmen mußten, daß die Erhöhung deS Zolles auf Nähfäven, die Sie nicht wünschtm, nur mit sehr geringer Majorität beschloffen werden würde? Glücklicherweise bietet fich Herrn Stöcker noch Gelegenheit, seinem Mitgefühl fr die Näherinnen Ausdruck geben zu können. Bei der ritten Lesung wird Herr Etöcker Hoffmtlich nicht vor der Abstimmung fortgehen. Dänemark. DaS Ministerium Estmp fährt fort, Gesetze ohne die Zu- stimmung der Gesetzgeber zu erlassen. Wie ein Telegramm auS Kopenhagen meldet, erließ die Regierung gestem ein provisorisches Gesetz, welches die Einfuhr und Anschaffung von Waffen und die Einübung in denselben verbietet, da, wie eS in dem Gesetze heißt, befürchtet wird, daß eine unbeschränkte Erlaudntß zur Anschaffung von Waffen mißbraucht werden könne.— ES scheint etwas faul zu sein im Staate Dänemark. Großbritannien. AuS London meldet ein Privattelegramm, daß Gladstone gestern im Unterhause die Zurückberusung Lumsden'S und S t u a r t' s(die Kommissare, welche von England seiner Zell nach Afghanistan gesandt wurdm, um im Vereine mit dm rusfischen eine destimmte G:enze zu vereinbaren) angefichtS der veränderten Lage ankündigte. Der dritte Kommissar an der afghanischen Grmze, Eimens, ist bereits zurückberufen. Ob eine DeSaoouirung Lumsden'S mit dieser Zurückberufung verdundm ist, wird der weitere Verlauf der Sache zeigen. Die „Pall Mall Gazette" schreibt: England habe von Port Hamilton nicht Befitz ergriffen und werde davon auch nicht Befitz er« greifen, da der Friede jetzt gefichett sei.— Erst gestem schrtebm die„TimeS", daß Port Hamilton desetzt worden sei und heute kommt die„Pall Mall Gazette" und demmtitt dieseS wieder. AuS diesem Wirrsal von Wtdersprüchm wird schließlich Niemand mehr daS Richtige herauSfindm könnm. — Im Unterhause wurde der von der Oppofition einge- brachte, von der Regierung bekämpfte Antrag, die kosten für die Aufstellung der neuen Wählerlifien, anstatt auS den lokalm Steuern. auS den StaatSsteuern zu bestreiten, mit 240 gegen 237 Stimmen abgelehnt. — Nach den neuesten Nachrichten soll LumSden seine De- misfion gegeben haben. Die KriegSpattei in Jndim soll über das Verhaltm der Regierung lehr verstimmt sein, die Demission de» indischen VizelönigS, Lord Dufferin, wird ermattet. Frankreich. Die Deputirtenkammer wähtte dm Kandidaten der Sußerstm Linkm D e l a f o r g e mit 146 gegm 129 Stimmen, welche Develle, Kandidat der Opportunisten erhielt, zum Vizeprästdenten.— In dem Reglement für die Anwendung des Gesetzes, betreffend die rückfälligen Verbrecher ist als Verbannungsott Guyana festgesetzt wordm.— AuS Hanoi wird gemeldet: Der vollständige Abmarsch der Chi- nesen in der Richtung von Langsong bestätigt stch. An dem rothen Flusse macht fich die RückzugSbewegung der schwarzen 152 Gesucht uud gefunden. Roman von Dr. Duz. (Fottetzung.) «Frost, Hunger und Mühseligkeiten aller Att— ich habe fie mit Geduld ertragen, mehr als acht Tage lang; nur zwei oder drei Mal habe ich Obdach ge- sucht, um mir und meinem Pferde einige Ruhe zu gönnen und die Kräfte für neue Anstrmgungen zu stärkm. „Schon fürchtete ich, daß dies« Opfer vergebens ge- bracht seim; weder in der Nähe von M'Donuil, noch in weiteren Umkreisen gelang es mir, fie zu finden, wiewohl ich«ehrfach ihre Spur auffand; schon hatte ich es aufge- geben, schon schickte ich mich an zur Rückkehr nach Black- field— da— es war gestern Nacht— nöthigte mich die hereinbrechmde Finsterniß, in dieser Höhle ein Obdach zu suchen. „Ich hatte Feuer angezündet und saß nebe» demselben, als plötzlich am Eingang der Höhl«, wie ein Schatten, wie ein Nachtgespmst, die unheimliche Gestalt jmer Frau austauchte, in der ich meine Mutter zu finden über- zeugt war. „Sie gewahrte mich nicht sogleich, sondern trat schweigend hier ein; auf diesem Stein, auf welchem ich jetzt fitze, nahm sie Platz und wärmte fich am Feuer, während ich, um fie ungesehen zu beobachten, mich in den Hintergrund der Höhle zurückzog. „Die Züge verzerrt zu einer thierischm Wildheit, da» Auge unheimlich rollmd, die Zähne flttschend, wild vor fich hinstarrend, saß sie da. Ich schaudett« vor dem Ge- danken zurück, daß diese Frau meine Mutter sein sollte." „Erlauben Sie," bemerkte Fritz hier,„woher wußten Sie, daß diese Frau Ihre Mutter sein müsse?" „Der Mann,»elcher diese Frau hier gesehen hatte, kannte meine Mutter genau, und hat in dieser Bettlettn, trotz ihrer entstellten Züge, dieselbe wiedererkannt. Was namentlich für die Identität derselbe» sprach, war der gol- den« Pfeil im Haar und da» goldene Kreuz auf der Brust. Mr. Parr, eben derjenige,»elcher mir die Mittheilung Flaggen in v- Richtung auf Laokai fett fünf Tagen stark g*# merkbar. �°,und a — In Betreff des„Bosphore egyptien" scheint noch imw�Woffer keine definitive Regelung erfolgt zu sein, wie auS folgendes Telegramm aus Kairo hervorgeht. Dasselbe lautet: L 7' eines Protestes des englischen diplomatischen Agenten gegen daS gestern angekündigte Wieder erscheinen deS �rau _.. wwo Missti-ii uuytiuiivi�ic tisujcintn uc»,.7 phore egyptien" bei dem französtichen Generalkonsul Tallandkl? ktzü versprach dieser, daß daS Journal nicht eher erscheinen werte'�o)ast wnifttuiv wuß vu» ouuimu uvu�i cyci tisUJtuiti»' alS bis er Instruktiv ren seiner Regierung über diese Angele�'W un genheit erhalten haben werde"_ l�tck ar — Der in Paris tagende engere Suezkanal Bau, s ch u ß hat vorgestern beschloffen, daß im Falle deS 5,�° mögens Egyptens, den Euezkanal zu vettheidigen, auischlieW�«ai, die Türkei hierzu berufen, die Uebettragung diese? ReW� Unser« auf eine andere Macht ihr jedoch absolut verboten sei. y** heiz u Arbeiten der Konferenz werden nach ihrer Beendigung eins�, wenn von Frankreich einzuberufenden Konferenz vorgelegt, in welMWicküch i Freycmet den Vorsitz führen wird. menso — In Folge des Protestes von Louise Michel hat l*M» man\ Regierung von ihrer Begnadigung Abstand genommen. Äede Amerika. j&T In Panama ist eine Einigung zwischen den Aufst&'r dischen und dm RegierungStruppen zu Stande gekomuiM General Atzoura hat die Stadt übergeben und seine Trupps» zmückgezogm. Äeumwättig ist Panama von den Etiras krästen Kolumbia's besetzt. Sämmtliche politischen Uebe sollen amnestirt werden, mit Ausnahme derjenigen, die an I Niederbrennung und Plünderung von Kolon btthelligt 5 Man ermattet keine weiteren Verlegenheiten.— Einer neu Nachttcht zufolge scheint die Einigung doch nicht glatt verla zu sein. Es wird darüber telegraphitt:„Der Befehlshaber I ,■ Einste i z�bste im J"«in tra •nen M« K", Truppen von Kolumbia hat den General Aizpura und die � dern Anführer der Aufständischen verhaften lassen, weil pJW fo,%' selben nicht die in Bezug auf die Ablieferung der Waffen J. '"''----" ICllinoi»* ,.vu gesetzten Bedingungen erfüllten." — Nach in Ottawa eingetroffenen Nachrichten letzten Sonntag ein Zusammenstoß zwischen 300 Mann mundet wurden, während mundete verloren. — Rio de Janeiro. KM scher Truppen und 600 Indianern und An'hängem des lingS Poundmaker statt, wobei 7 Soldatm gelüstet und 12 ock ie oft«.l. ta'- und die Indianer 50 Todte___ Wl — Rio de Janeiro. DaS Ministettum hat, da* Unb'juA Majotttät der neuen Kammer der Vorlage der Regierung totfi ittinnt» Aufhebung der Sklaverei feindlich gegenüber steht, seine# Nn, h,na, laffung eingereicht.' K" iwtonwttteröwfc«. K — Die sozialdemokratische Fraktion hat i» nut Reichstage einen �Antrag eingebracht, dm Reichskanzler zu � Renschen, iU(P Reichstages enflprechend der �Bevölkerungszahl"v e r m e'h r t-� Nreidw suchen, noch im Laufe dieser Legislaturperiode ein Gesetz vorzulegen, welches die Mitgliederzahl zter SV" Dem Reichstag �vorragen — Der Abgeordnet' Struckmann beabstchtigt, natrt Reichstage folgende Resolution einzubringen:? Md), da Herrn Reichskanzler zu ersuchm, dem nächsten Reichstage ein» � Gesetzentwurf vorzulegen wegm Abänderung VeS Artikels S"""nt und §7 deS Z ollvereinig ungi oertragS vom 8. Juli 1867 nach# �schule« Richtung hin, daß auch denjenigen Kommunen und Korp<' Wid Lust', rationen, welchen bislang daS Recht der Auferlegung ei im Snvöhnt Abgabe auf den Branntwein nicht zusteht, solch»> und S Recht verliehen werde" auf leibst ych(eil %e Leu sse ir I o K» l e s. g. Sine« erfreuttche« Beweis dafür, daß die Berlins SanitätSwachen von anderen Städten vielfach----" n�chu» Sl ....___. als Muster»» gesehen und nach ihnen SanitätSwachen eingerichtet werM,™.. � liefert der soeben fertiggestellte erste Bericht de« SamariW Milch„ Vereins zu Leipzig von 1882-1884. Wir entnehmen dea»"che Früh selben folgende Stellen, welche die für Leipzig geplant gewes»"We Hz, nen Einrichtungen von Eanitätswachm betreffen und zu welches es gut m Zwecke der zweite Vorfitzmde deS gedachten Vereins Reifen* H�Nothw, andere Städte unternommen hatte.„Namentlich," so führt* tsMn ju Bericht u. A. an,„waren es die damals bestehenden acht 8/ z Mchlen liner SanitätSwachen, deren eingehendem, bis aufs Geri» q..wehr p fügigste ausgedehntem Studium stch der Delegitte unter,»/ mr hatte._6: lonferitte mit einer Anzahl von Vorstandsmitglied» IJ". g dieser Wachen, welche ihm mit der größten Bereitwilligkeit gewünschte Auskunft ertheilten ic. zur und Satzungen, Fo rrnu# b du» Bückereinrichtung ic. zur Verfügung stellten. Auch mn-k«. brieflichen Verkehr, welcher mtt einigm Wachen bis heute Ä ist jJ' t ff»ins FT)#«*«*#__ I-tm____ � i. r.* unterhalten wird, ist eine Menge dankbaren Materials ataont*% worden."£ Ur.f," Der erste blühende Flieder ist auf den Markt gekoma��' viel zeitiger, als in früheren Jahren- Die ungewöhnlich w-l? Witterung deS Monat» April hat AlleS zu schnellster Blü gebracht, und noch in keinem Jahr war die Vegetation�- dieser Zeit so weit vorgeschritten, alS gegenwärtig. FreP* wird mit dem zu Markt gebrachten Flieder auch ein > 5 &V »>!'jnoettj ist 'Ä «nb, »nd «achte, behauptete, daß meine Mutter diese Schmuckg. stände schon vor zwanzig Jahren gettagen habe." S..»Ich � „Ich bitte, erzählen Sie weiter, mein Freund." Irt,, „Ich trat nun plötzlich au» de« Hinter gründe ds O? heu,�� töhle hervor und stand ihr zwei Schritte gegenüber.% �«nh. euer beleuchtete nun«ein Antlitz ebenso hell wie ihrige. Sie schien so zerstreut, so geistesabwesend, daß /' mich Anfang» auch hier nicht bemerkte, wenigsten»««% b.»lei« fie keine Notiz von mir, nur ein paar Mal ließ fie%* J*«« wild umherrollenden Augen über mich gleiten, dann 1 mich ihr Blick zu fixire«. Starr sah fie mich an; da� l»�'" fuhr fie empor, stieß einen fürchterlichen Schrei au», �» eines«ildrn Thier«» gleich." „Ich habe diese» Geschrei gehört," sagte Fritz, i»die da« Geh ml i[K widerwärtigen Thiere«. Sie wollte fliehen; ich j ab« h" fi* ftfi- cJt „Du darfst mir nicht entfliehen I" rief ich.„Du w meine Mutter I" ni „Mit einer unnatürlichen Gewalt hatte fie sich anfänS"? au»«einen Händen zu befreien gesucht. Diesen aber gab fie bei«einen Worten plötzlich auf. »ar ihr Auge starr auf mich gerichtet; dann stieß fie mal» ein Geheul au», so klagend, so her�erreißend, es mir in die Seele schnitt und san' hinauf entkräftet! meinen Füßen nieder. ------pbip # 'ttne», 'JbWi, % Ich legte fie auf«einen Reisepelz. Aerkwürt Wnse fand ich ,n dieser Höhle verschiedene Gegen?*", «f«tVk tnf«*>m# Of##%*#«.---*-__ r Jt__• jt PT. rtt* n* Pelzwerk und warme Kleider, mit welchen ich fie vor ö1 zu schützen vermochte.™-j „So lag fie bewußtlos an mein« oeite, bis�'t fanden. MVZrMD Beweise.... Der goldene Pfeil und da« golden« 1 ..... Ich kenne eine Frau, können Zufälligkeiten sein. igen stark it noch im uä folgenl -t:»JnF enten Bm i des ul Talll �«uch getrieben, da meistens die Blütbe noch nicht voll und auch noch ohne Duft rst. Im Wasserglase geht Skjchloffene FlieVerbiütht überhaupt nicht auf, und dennoch > nnige Gärtnereien aus der Umgegend Berlins jetzt M Z0-Sg Mark täglich an Flieder nach hier, ganz ad- "on den nicht geringen Quantitäten, die gleich als gr- , viräusse an Ort und«Stelle gekauft werden. Der ...________, letzten Tage kommt den Gärtnereien ussd auch der deinen wndClhjdwr sehr zu statten I namentlich fehlte es dem diese AngelrrWbst und den Getreide- und Kaitoffelfeldern an Waffer. i ÄS auf die alte Bauernregel:„Mai kühl und naß, nal-AuK«» Bauer Scheun' und Faß", darf man vom landwirth. le deS Standpunkt aus mit den ersten Tagen des dies- auSschlteßlit�n Mai wohl zufrieden sein. KeseS Rechm� Unsere Kinder. Der Erde köstlichster Gewinn ist >ten sei. heiz und reiner Vinn l Wo wäre beides vereint zu tdigung wenn nicht bei den Kindern? Die Kinder find so gt, in wel«d<>''Mcktlch zu machen. Ein Kind braucht nichts, als Liebe, -.»kl Üi menschliche herz ist so reich an Liebe. Es ist Alles stichel hat 1»' m man dem Kinde Milch oder Waffer reicht, wenn eS armen. Liebe gereicht wird; es ist Alles einS, ob man deutsch -ffbe andere Sp'.ache mit ihm redet, wenn nur die Zunge den Auf»!» fo.• ihm spricht. Einem Kinde eine Freude machen, e aekomm» Freude deS Lebens, Kmdem Schmer, bereiten, tine TruttO I* A im Leben. Der traurigste, niederdrückendste An- den St-� t,. trauriges Kind. Tie Seele eine« traurigen er- n Uebellbä» R" Menschen hat zwei Flügel, die fit emporhebt: die li ucocuv*. niittiinft vi»______**1. si. 0*»*. „"n"® Bergangenheit und die Hoffnung auf die Zu- »Ä '5 Flügel aus und wi.st die Raupe in t, die an I etheiligt Einet neu att verlau ehlshaber I mmV»i. mm »pS"Ä t de« und tiefernste Eindrücke und blickt mit bangem Li": Selber mit Roth und Entbehrungen aller Art ■ �,?n, MW»? Fi der Erhaltungstrieb die natürlichen Hüter der % t'«Mauszuzithen in den täglichen Kampf ums Dasein >.Utm Broderwerbe nachzugehen; die Kinder bleiben ÄJSf schwer eine Umkehr möglich ist. DaS MÜgefühl welches wir so oft stch offenbaren sehen, welches siir Weise dm hilflosen Thierm fich zuwendet, Meiches'" u'e1 ä" wenig gethan, wenngleich schon o n hat i« »erzähl D* ffi chfiat1''in geschaffen worden ist."Die' vollste Anerlennung a-n-" Sleii? �'"ilich eine Fnstitutwn, welche, dem kleinen Verl- bStaae einck' Moftt v08 im Verborgenen blüht, im Stillen Gutes wirkt 5" svint vtctn Werth und Einfluß aber noch viel zu sehr SS WWMW lelJm i>en Siraßen vollständig verloren gehen und I ettri* i>ie spätere Schulzucht nur unvollkommen ster k, vermag; in schönste: Weise wird hier dm dl, swiit-W für* aIttttn Eltcm nach besten Kräften die bip S?. Meint mit feinen Kindctn und nicht in der Lage Nnkr,—~t,f w#(Xfte Erziehung derselben iMwelcb-U� s Reisen� L/ uolhmtnbige Sorgfalt auf die i._ so führN» iMen können, der schicke ste in die Sptelschule und an ■-von i» rönnen, oci imiu«|w ui v«. wv Ut. acht»'| lachten wild er deren Werth erkennen. Es sollte dieS ufS Gert:%,»itht geschehen, als die Kosten höchst unbedeutend find '■ unterzoD'Ut gänzlich Unbemittelte vollständig in Wegfall kommen. Neit i?'sbllt Stelle de» Direktors der städtischen Irren. fnrmuW*% ln Dulidolf wird demnächst öffentlich ausgeschriedm Auck diiit» Li �a SaniiätSrath Dr. Jdeler daS Direktoral niederge- I b�ite nö sl«n, iii Zahl der Irrenärzte und besonders der nam- lS aewon«� �%(,n �wtthln klein und deshalb die Auswahl deschränkt. lS gewonw- i�-'lle aber ist immerhin gut dottrt, mit 9000 Marl Ge- kt aekomin�.!j�."schiedenen Emolumenten. Immerhin ist eS ein & ä aas s- ä. a r ein rechi» der Umstand, daß der Staat dreser Anstatt bmuck«� �* ,i�che Schmuckgegmstände trug.— Sahen Sie »W Butter k" m,, J®« ein Kind von etwa sechs Jahren, al« ich Hein?!'" Male sah; trotz dessen aber schwebt«ir n Antlitz das mich mit den thränenfeuchten ad." � 'gründe� ab, daß sf �ie, Herten diese entstellten Züge Sie an Ihre �ch�ste� n' ach nein! Sie war weit dann s-h'1 Sen 2% be* wilden Leidenschaft "L"3� � ISr Grafen'M'Don'uil"eine pstzchische...... ®iel KrankheitS-Erscheinungm habm allein nicht ? �Nd��'chkeit, die Krankheit da« Einm wirkt auf £«tft?«.!!?- Ein solcher_ Fall Jet Fernwirkung eh ml st iab« an fen & -S «Sie � entfernt, auch _______________,. in ihren Zügen denn ein WolfSantlitz zu zeigen." .---* f t___* F~-- Korre- Uit'»*flaxlb,tt''.'i v-- o'..—------ ö jjrinfij'' und namentlich einer Gemüthskrankheit, itol Sianbe Vwi",Jelt bo- Die Sympathie der Seelen .j tnu ,lf«n' große Entfernungen auf den Körper Du � 3#üffuÄi"" Das war die Ursache, weshalb wir diese ,j,j i>Uil 7u�Lr Unsere Abficht war, fie vom Schlosse Ablernen: ein Leid ihr zuzufügen lag nicht �®Äu"b'st auch ausdrücklich durch den Be- *�1*11»il}1 ctn_____»»-" senn tzj� Donull verboten." k��':"ieW0lte� abe/ U1 zu A, �»p ä*''" w«* ? Dtean** tn bleibt, so nehme ich fie mit«ir brfürcht«,»®ie haben von ihrer Nähe nicht« haben von ihrer .Ich jetzt 'tov!""' doch schn�"�'' in � That' ihr Athem und näherte fich der Ohnmächtigm rnhj. dem war nicht«ehr schwer und keuchend, e... �ig L verjch� schreck. Der Ausdruck thierischer Wild- mTV Sä?" ts Ä iL den« au, ,44 Hoffnw fich an O' Brian»endend, ng nicht auf, fie am Lebm zu er« seine für geisteskrank erklärtm Verbrecher, oft der schlimmstm Art, aufhalste, weil er für ste kein Unterkommen hat. Die An- statt ist nicht al« Gefängniß gebaut; fie soll dm Kranken mög- tichst jede Beschränkung vergessen machen. Auch ist das Wärter- personal Verbrechern nicht gewachsen, da es mehr zu einer humanen, als gefängnißariigm Behandlung ausgebildet worden ist. Dem Raffinement von Verbrechern steht das Personal rathlos gegenüber. So entkamen einmal dretschwere Veibrecher durch einen Ventilationsschacht, zwei der verwegensten Einbrecher über- rumpelten den Zellenwärter und nahmen ihm unter Bedrohung seines Lebens die Schlüssel ab. Einmal versuchten sogar Kom- plizen von Verbrechern einen nächtlichen Befreiungsversuch. Pavillon V. erfordert deshalb eine beständige Bewachung von Außen durch Patrouillen und im Innern durch besondere Aufseher. Die ganze Harmonie der so schön angelegten Anstalt wird durch die inhaflirten Verbrecher gestört, und man kann nur dringend wünschen, daß ste von diesem Pfahl im Fleische endlich einmal befrett werde. tzeheimmtttel-SchWindel. Die amtlich veranlaßt«, fach- verständige Untersuchung der beiden Geheimmittel, welche der Kellner Max Falkenberg hierseldst, Rosenthalerstraße 62 wohnhaft, gegen Trunksucht in der TageSpresse empfiehlt und in zwei ungleich großen Blechbüchsen zum Preise von zusammen 10 Mark verkauft, hat ergeben, daß die größere Büchse 313 Gramm Enzianwurzelpulver, die kleinere Büchse 68 Gramm Kulmuswurzelpuloer enthält, und daß der Werth der Mittel nicht 10 M-, sondem nur 61 Pf.(52 Pf. Enzianwurzelpulver und 9 Pf. Kalmuswurzelpulver) beträgt. Da die beiden oben- dezeichneten Mittel keinerlei Heilkraft gegen Trunksucht befitzen, so wird solches zur Warnung deS Publikums zur öffentlichen Kenntniß gebracht. — K. In der Destillation von Schulz, Müllerstraße 181, war der Inhaber gestern Mtttag damit beschäftigt, Spiritus in ein Faß zu füllen. Derselbe lief über und tn demselben Augenblicke warf ein daneben stehender Herr, der fich gerade seine Zigarre anzündete, auS Unachtsamkeit daS brennende Streichhölzchen auf den überlaufenden Spiritus, so daß fich derselbe entzündete, und der p. Schulz im Augenblick bei lebendigem Leibe brannte. Derselbe rannte in seiner Angst auS dem Ladm auf einen nebenan liegenden Hof, wo eS durch schnelle HUfe möglich war, ihn seiner Kleider zu entledigen; jedoch war ihm der eine Arm nicht unerheblich verbrannt. Zur Feststellung deS ThatbestandeS wurde der Urheber zur Wache fistirt. N. LebenSrettung. Der zehnjährige Sohn des in der Brüderstraße wohnenden Portier Echultze stürzte, als er fich auf einer Hängekette schaukeln wollte, nahe der Jungfernbrücke kopfüber inS Waffer. Ein des WegeS kommender Arbetter sprang dem mit den Wellen ringenden Kinde nach und brachte eS nach Uebirwindung mehrfacher Schwierigkeiten an daS Land. Der Arbetter, welcher selbst in Lebensgefahr geschwebt hatte, entzog fich jeder DankeSbezeugung der Umstehenden. DaS gerettete Kind wmde nach der elterlichen Wohnung geschafft. a. lieber im Jahre 1884 i« Berlin vorgekommene Unglücksfälle, Ereignisse, Selbstmorde und plötzliche TodeS- fälle find bei dem hiefigen Polizeiprästdium 3753 Anzeigen eingegangen. Unter denselben befanden fich 1016 Falle (86 weniger als im Jahre 1883) mit tödlichem Ausgange. Darunter endeten 146 Personen durch Erhängen, 108 durch Ertrinken, 37 durch Schädelbruch, 47 durch Sturz auS dem Fenfier rc., 34 durch Ueberfahren, 75 durch Vergiftung. Gerickts-Rettung. Reichsgerichts- Entscheidung. Ein Geistlicher, welcher in Ausübung seines Berufs öffentlich eine Angelegenheit deS Staates in einer dm öffenllichen Frieden gefährdendm Weise erörtert, ist nach einem Urtheile des Reichsgericht«, I. Straff, vom 16. Febr. 1885, schon dann au«§ 130a deS Etr.-G.-B. zu bestrafen, wmn er fich bewußt gewesen ist, daß die von ihm gemachte Aeußerung geeignet sei, den öffenllichen Frieden zu stören, ohne daß er dieS deabfichttgt hat.— Der katholische Pfarrer R. in einem dayerischm Orre hatte am 26. Okt. 138 t, Vormittag«, nach Beendigung deS Hochamtes, im Talar die Kanzel der Stadtpfarrkftche bestiegm und vor der größtentheilS noch versammelten Pfangemeinde einm Vortrag über die be- vorstehende ReichstagSwahl gehalten. Hierbei yatte er auS- geführt, eS komme bei der Wahl außer der Zentrums- Partei nur noch die nationalliberale Partei in Betracht und bezüglich der letzteren bemerkt, fie bestehen au« Juden, Freimaurern, Ungläubigen und ab« gestandmen Christen; fie sei gegen die katholische Kirche feind- lich gefinnt; auch bezwecke fie daS Aufgehen Bayerns in Preußen und einm Einheitsstaat; kein Bayer dürfe demnach einen Nationalliberalen wählen,„sonst verletze er den Siaatsbürger« eid." R wurde auS§ 130 a St.«®. angeklagt unv verurtheilt, nachdem festgestellt worden, daß R. das Bewußtsein gehabt habe, seine Worte hättm die Eigenschaft, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Die von R. eingelegte Rcvifion wurde vom Reichsgericht verworfen, indem dieses begründmd auS- haltm, wiewohl die gehabte Nervenerschütterung ihren Or« gani»mu» auf'« Tiefste zerrüttet hat.— Wissen Sie, wer diese Frau ist?" „Ich kenne die unglückliche Geschichte meiner Mutter nicht; es muß eine Geschichte großer Leiden sein, welche sie dahin gebracht haben. Wohl kenne ich ihren Namen, fie nannte sich einst Frieda Arnold; ob fie sich später auch so «mannt hat, da» weiß ich nicht; fast glaube ich, daß ste sich vermählt und einm anderen Namm angenommen hat." „Diese Frau", sagte Fritz,„ist Lady Davi«, die Herrin von DaviStown." O'Brian sah ihn erbleichmd und erstaunt an. „Täuschm Sie fich nichts" „Ich täusche«ich nicht I ich habe diese Frau»wei Jahre lang ärztlich behandelt. Sie ist eine Unglückliche, welche da« tiefste Mitleid verdient. Ich kann jetzt Ihre Geschichte ergänzen... O, nun ist«ir Alle«, Alle» klar, jetzt habe ich da« Geheimniß der Krankheit er« gründet." „Sprechen Sie, mein Freund I Sie setzen«ich in da« höchste Erstaunen." „Von dem Namm, welchen Sie genannt habm, will ich noch nicht sprechen, obgleich auch dieser Name große» Interesse für mich hat, und die Geschichte dieser Frau viel» leicht zu einer noch»underbarerm macht." „Ihre Bermuthung trifft zu.". � „Diese Frau war vermählt mrt Lord Davr« und lebte un» glücklich«it ihm. Sie fanddm einzigen Trost und ihr einzige« Glück in ihrer Liebe für ein Kind, eine Tochter, die au« dieser Ehe hervorging. Graf Fergu» M'Donurl liebte fie, fie aber»ich von de« Pfade der Tugend nicht ab, und trotz der rohen Mißhandlungm, die fie von Seitm ihre» Gatten zu erdulden hatte, blieb fie ih« treu.®» blieb zwischen ihr und de« Grafen M'Donuil bei einer lediglich seelischen Zuneigung; e» scheint sogar, al« ob fie, u« fich selbst der Versuchung nicht au«,»setzen—— '•#»» Fi_ 1 JL X t��tt* VT} A•»----— und sich um ab» iirn um scivi* vv« 1■"-7—---(j— i w seiner Leidenschaft nicht neue Nahrung zu geben ZMKBlßw führte:„Von einer Anreizung zu Gewalttbätigkeitm ist wohl in §130, nicht aber in 130a deS Str.. G-B. die Rede. In der einen, wie rn der anderen Vorschrift wird nicht eine wirkliche Störung des öffentlichen Friedens vorausgesetzt, genügt vielmehr eine Gefährdung desselben. Auch verlangt das Gesetz nicht, daß eine auf diese Gefährdung gerichtete Abficht deS ThäterS nach- 8«wiesen sei, vielmehr nur, daß derselbe vorsätzlich gehandelt abe. Der im Wissin und Willen sämmtlicher Thatbistandi« Merkmale b-stehende Dolus ist daher in der hier in Frage ste- henden Richtung genügend dadurch festgestellt, daß die Straf- kammer eS als erwiesen erklärte, der Angekl. habe das Be« wußtsein gehabt, seine Amßerungm seien geeignet, den öffent» lichm Friedm zu gefährden." j. Die Vorsicht der Frauen, ihren Ehemännern da« Geld au« der Tasche zu nehmen, bevor diese zum WirthShauS gehen, kann unter Umständen zu recht unangenehmm Kon- sequenzm führen, wie eine Verhandlung lehrte, die gestern vor dem Schöffengericht am Amtsgericht u stattfand. Der Engroi« Schlächtermeister Scheel kam am 25. Januar vom Einkasfirm nach seine Wohnung in Franzöfisch- Buchholz heim und wollte darauf, weil gerade Sonntag war, im Kruge eine Erholung suchen. Vorsichtig zog ihm seine Frau vor dem Weggange einen Beutel mit 300 Mark in Gold aus der Tasche. Im Wirthshause traf Scheel eine fidele Berliner Gesellschaft, auS sieben bekannten und wohlhabenden Leuten bestehend. Nach eingeholter Erlaubniß setzte er fich mtt an den Tisch und be« theiligte stch an der gemüthlichen Kneiperei. AlS er des Guten nahezu genug hatte, vermißte er plötzlich seine Börse. Er sprang auf, bezüchtete seine Tischnachdaren des Diebstahls, schimpfte fie Bauernfänger, Schurken, Schufte, Lumpe und wa« sonst noch AlleS nicht in Albert'S Komplimentirduch steht. Die Berliner Herren nahmen die Sache erst für Scherz, als aber Scheel wie ein Wüthender auf fie einsprang und zuhieb, da nahm die Sache für Scheel eine bedenkliche Wendung. Er flog über mehrere Stühle und zog stch eine kleine Schramme zu. Auf diese Schramme pochte er nun al» auf eine schwere Körperverletzung, er ignorirte den angesetzten Sühnctermin unv als die Gegner nun wegen Beleidigung klagten, da strengte er die Widerklage an, und nahm stch einen Rechtsanwalt als Beistand. Aber in der Hauptverhand« lung stand keiner der zahlreichen Zeugen auf seiner Sette. Er wurde mit seiner Widerklage abgewiesen und tn 100 M. Geldstrafe oder 10 Tage Gefängniß und in sämmtliche Kosten ver» urt heilt. Joswles uuü Arbeiterbewegung. Aufruf! Arbeiter, Kollegen! Schon seit Jahren gährt ti unter den Arbeitern unserer Fabrik, schon seit Jahren find unsere Verhältnisse derartige, daß man dieselben„menschen- würdig" nicht mehr zu nenren vermag. Arbeiter! bedenkt, daß wir bei einer Arbeit, bei der man den größten Gefahren gegen die Gesundheit ausgesetzt ist, einen Lohn von 22'/, Pf. pro Stunde gezahlt erhalten, daß dieser Lohn durch Sttafen in Höhe von 1—3 Mk. zuweilen bedeutend gekürzt wird, daß bei einem JahreSverdienst von ungefähr 600 Mark man noch bei dem geringsten Versehen 8, 14 Tage ja 3—4 Wochen aus der Arbeit ges-aickt wird, um zu„feiern", daß die Direktion fich ganz entschicden weigert, etwaS zur Abhilfe zu thun. Wenn man dieS AlleS in Erwägung zieht, so wird man die von uns unternommene allgemeine ArdettSeinstellung in unserer Fabrik billigen. Arbeiter! Wir haben Alles versucht, um die Direktion zu bewegm, Abhilfe zu schaffen, aber alle unsere Verhandlungen mit der Direktion find gescheitert und nun appclliren wir an Euch, an Euer Solidaritätsgefühl: Unter- stützt uns in dem schweren Kampf, in dem wir uns de» finden. Im Ganzen haben ungefähr 400 Arbeiter die Arbeit eingestellt, bedenkt, wie schwer eS ist, nachdem wir schon so schwachen Verdienst gehabt. Wir find durchaus nicht im Stande gewesen, irgend welche Ersparniffe zu machen, ti ist uns daher ohne Eure nachhaltige Unterstützung fast unmöglich, jetzt auf längere Zeit auszuharren. Also nochmals die Bitte: Arbeiter laßt Eure Brüder nicht im Stich, sondern unterstützt unS! Wer schnell giebt, giebt doppett! Zahlstellen befinden fich- l. Alexanderstr. 10 u. 11 bei Schoch; Ii. im N. Elsaffer- straße, Ecke der Kl. Hamdurgerstraße bei Hannemann; Iii. im O. RüderSdorferstraße 2 bei A. Rothert; rv. im CD- Ritterstr. 123 bei Sottle: v. in der Köpnickerfir. 191 bei Foge; Vi. Rummels» dura, Tburrschmidtstr. bei Peter; vii. Zentralstelle; Wrangelstraße 136 bei Reimann. Mit kollegialischem Gruß die Kom« misfion. L. Ahlfeldt. A. Woldeck. A. Röpping. E. Greul. F. Mietzner. I. Hildebrandt. E. Bartsch. R. Neutag. Ist kein Fabrikinspektor da? Daß die Ordnung in dm Fabriken auch in Berlin vielfach eine für die Arbetter sehr unzuttägliche und zugleich demüthigende ist, geht auS den Forderungen hervor, welche die Arbeiter der Anilinfabrik vor dem schlestschen Thore(Aktiengesellschaft) an die Direktion gestellt haben: 1) Ein Stundenlohn von 25 resp. 30 Pf. ist zu zahlen. 2) Zu arbeitm ist von Morgens 6 bis 5 Minuten vor 8 Uhr, von 8'/, hiS 5 Minuten vor 12 Uhr, von 1 Uhr bis 5 Min. vor 4 Uhr und von 4'/, bis 5'/, Uhr. 3) I n daß diese» K'nd von ihm ermordet sei, da vermochte sie nicht länger da» so mühsam niedergehaltene Gefühl zu bän» digen, da brach ihr Zorn in wilder Leidenschaft sich Bahn. Ihr Schmerz machte sie rasend. Ich finde da« jetzt um so erklärlicher, al» fie ja nicht allein den Verlust diese« einm Kinde» betrauerte, sondem auch Jhrm Verlust; von diese« ersten Kinde wußte ich bi« dabin nicht«. Hier mag e« gewesm sein, al« sie ihre« Freund, den Grafen M'Donuil, zu ihrem Schutz, zu ihrer Hilfe herbeirief, und ihn zur Rache an ihrem unmmschlichen Gattm aufforderte." „Unglückliche Frau," seufzte O'Brian, ,.wa» hat sie gelitten! O ja, solche Ereignisse können auch einen Engel zur Megäre, können ein Lamm zur Hyäne machen... Erzählen Sie weiter, mein Freund ... Freilich, freilich, da» mußte den Geist zerrütten, e« war nicht ander« möglich." „Ihr Geist war von der Zeit an zonflttet," fuhr Fritz fort;„ihr Wahnsinn aber nahm die merkwürdige, wen» auch nicht ganz ungewöhnliche Form eine« periodischen Wahnsinns an und kam immer in der Jahreszeit zum Au«» bruch, wo die Katastrophe stattgefunden hatte, und hielt i» seiner Heftigkeit nur einige Wochen an. Da« ist die Zeit, in welcher sich diese Frau in diesen Gegendm aufhielt. War der Anfall vorüber, dann kehrte fie erschöpft und mt» kräftet in ihr Hau« zurück. „Hier kam fie zum Bewußtsein ihre« Wahnsinn», und da» ist vielleicht da« Schrecklichst»,»a« diese Frau er» duldet I „Sie fühlte, daß fie geisteskrank fei; fie fühlte da» Entsetzliche, da» Schreckenerregende, da» Grausige ihrer Krank» Heft, und suchte Heilung; dann kam fie nach BetheSda. Man hielt sie hier nicht für krank, die Krankheit war ja auch vorüber. Sie war ja auch in der That gesund, und Niemand konnte ihr helfen, oder auch nur einen Versuch einer Kur machen, da ja Allen da» Wesen ihrer Krankheit ganz unbekannt war Zu der Zeit aber, wo sie die Krank- hert herannahen fühlte, da wähnte fie fich merkwürdiger Werse hergepellt. (Fortsetzung folgt.) den Arbeitsraumen darf nicht gegessen wer- den, sondern nur in dem Spkisesiale. Den Arbeitern, die die Ruhezeiten durcharbeiten müssen, ist nachher auS- reichende Zeit zum Essen zu gewähren. 4) Das zum Baden der Arbeiter bestimmte Wasser mutz eine bestimmte Temperatur haben. 5) Fortfall aller Strafen, mit Ausnahme derjenigen für Zuspä kommen. Ueder die Verwen- dura der Strafgelder haben die Arbeiter zu bestimmen. 6) Vermehrung der Schutzvorrichtungen zur Verhütung von Unfällen. 7) Größere Sicherheit außerhalb der Fabrikräume während der Nacht gegen die Hunde der Wächter. 8) Anschaffung von Hilfsmitteln für plötzliche Unfälle. 9) Beschaffung gesunden, ge« nießbaren Trinkwassers. 10) Entlassung des Vorarbeiters Schlaffge aus seiner Stellung als Vorarbeiter.— Aus diesen Forderungen erfiebt man, daß die Ar bester in einer Fabrik, wo die Beschäftigung eine ungesunde ist, bisher keinen genügenden Lohn erhielten, keine genügende Arbestszest hatten, daß in den Arbeitsräumen gegessen wurde, daß man den Ar- heitern, die in den Ruhezesten durcharbeiteten, keine genügende Essenszeit gewährte, daß man für allerlei kleine Versehen Strafen auferlegte, daß über die Strafgelder einsestig die Ver- waltung bestimmte, daß die Schutzvorrichtungen in der Fabrik nicht genügen, daß die Arbeiter von den Fabrikhunven ange- fallen werden, daß kein genießbares Trinkwasser vorhanden ist!!! Ist denn kein Fabrikinspektor in Berlin???— Wir haben obigen Bericht nach der„Vosstschen Zeitung" gebracht. Die erwähnten Forderungen :n der Anilinfabrik in einer Versammlung find von dm Arbeitern>.> gestellt worden, dieselben find also zur Kenntniß der Polizeibehörde gedrungen, da wäre eS doch jedenfalls angezeigt, daß diese dem Herrn Fadrikinspektor Mittheilung gemacht hätte. Vielleicht aber gentium auch diese Z-ilm, daß der Herr Fabrik- Inspektor den an Gesundheit und Leben bedrohtm Arbeitern a Hilfe kommt, die Fabrik unangemeldet undgründlich pizirt und Wandlung schafft. Die Ofensetzer in Leipzig, meist Akko, dar bester, haben «ine Lohnerhöhung von ISProzmt und einheitlichen Lohntarif von den Meistern verlangt, was ihnen auch mündlich zugesagt worden ist. Sie fordern aber eine schriftliche Zusage, resp. schriftliche Unterzeichnung deS neuen Tarifs, andernfalls sie die Einstellung der Arbest in Ausficht stellen. Die Arbeiter müssm demnach in Leipzig wohl schon trübe Erfahrungm in Bezug auf daS gegebene Wort gemacht haben. Die Zimmergeselle« t« Tortmund haben die Arbeit eingestellt. Die Meister haben die von den Gescllm gestellten Forderungm einer 10V, stündigen Arbeitszeit und 35 Pf. Lohn pro Stunde nicht akzeptirt. Bisher stand der Tagelohn auf 2 M. 80 Pf. Die auswärtigen unyerheiratheten Gesellen find schon abgereist; vor Zuzug wird gewarnt. Die Autwauderuug«ach Nordamerika hat in den letzten Tagen wieder erheblich zugenommen. Wir meldeten vor Kurzrm, daß in Nordamerika die Krists und Ardeitilofiakeit dm Höhepunkt erreicht hätten, und sofort ist schon zu ton- statiren, daß die Auswanderung wieder zunimmt. Daraus geht nun unzweifelhaft hervor, daß die seit dem letztm Jahre ver« minderte Auswanderung kein Beweis des steigenden wirth» schaftlichm Wohlstandes in Deutschland gewesen ist, sondern nur ein Beweis deS schlechten Geschäftsganges in Nordamerika. In demselbrn Mommte, wo der Geschäftsgang fich drüben über dem Waffer wieder hebt, da strömen auch die Deutschen wieder schaarenweise dorthin. Die AuSwandererschiffe find in Hamburg schon auf Wochen hinaus vollständig desetzt. Auch die indirekten Linien find in einer Weise in Anspruch genommen, wie kaum jemals ftüher. Die Paffagepreise find sehr dillig, die Geschäfte steigen in der Union wieder und in Deutschland liegm ste nach wie vor damieder. Wenn die Auswanderung, wie in diesem Monat, fich ähnlich für das ganze Jahr gestaltet, so erhalten wir wieder einmal«in sogenanntes„großes AuSwan- derungSjah r", nach des Fürsten Bismarcks Meinung ein Zeichen des heimischen Wohlstands, nach unserer Meinung ein Zeichen heimischm ElendS. Anerkennung laugjähriger Arbeit. Vor einigen Tagen erzählten wir unfern Lesern, daß eine 67 jährige Fabrikarbeiterin zu Elberfeld bei ihrem 50 jährigen Arbestsjubiläum(fie hatte 50 Jahre in ein und derselben Fabrik gearbeitit) mit ein paar Geschenkchm seitens der ssabrikantcn abgespeist worden sei. Wir erwähnten bei der Gelegenhest, daß eine solche Person Anspruch auf Alterversorgung habe, die einzig würdige Anerkennung solcher langer und treuer Dienste. Zu unserer Frmd« können wtr nun hier einen Fall konstatirm, wo eine Firma nach dieser Richtung hin anständig gihandelt hat. Dem Arbeiter H. Wehfritz zu Neviges wurde als Anerkennung seiner 50 jährigen Thätigkeit von der Firma David PeterS u. Co. ein Geldgeschmk und«ine Penfi o n überreicht, um fich zur Ruhe setzen zu könnm. Schade, daß die Höhe der Penfion uns nicht bekannt gewordm ist, um zu ermessen, ob gedachte Firma voll und ganz ihre Schuldigkeit gethan hat. Immerhin aber liegt in diesem Vorfall etwas Versöhnendes da die Unternehmer, welch« lange Zeit die Arbeitskraft deS Arbeiters zum großen Theil für fich ausgenutzt, doch einge- sehm haben, daß fie nur eine m o r a li sch e Pfli ch t er- füllen, wenn fie einen Ersatz im Atter für die Ausnutzung Zur Regelung der Gefängniharbeit. Wie aus Wien geschrieben wird, hat der österreich sche Jufiizminister die Oder- staatSanwätte im Verordnungswege angewiesen, bei Vertragsabschlüssen mtt Industriellen, welche Sträflinge in Strafhäusern beschäftigen, ihr Auaenmert darauf zu richten, daß die Lohnsätze eine solche höhe haben, daß der Konkurrenz der„fteien Arbett" kein Nachtheil erwachse, hierüber bekunden zwar die bethei- ligten Pächter große Entrüstung. Allein die öffentliche Mei- nung wird allen Maßnabmen beistimmen, welche darauf hin« wirken, daß der„fteien Arbeit" keine schädigende Konkurrenz durch die Gefängnißarbeit herettet wird.— Diese Nachricht ist gewiß mtt Freuden zu begrüßen und zeugt von hoher Einficht des österreichischen JustizministerS. Doch glauben wir, daß diese Verordnung noch zu allgemein gehalten ist, da es den jeweiligen Oberstaatsanwälten überlaffen wird, die Lohnsätze festzustellen. Besser wäre eS, wenn die Behörden in der Gegend, wo ein Gefängniß, Zuchthaus u. s. w. liegt, den Durch- schnittSlohn in jedem Geschäft, welche« in der Strafanstalt betrieben wird, ermittelten, unter welchen in der Sftaf- anstatt nicht gearbeitet werden dürfte. Noch besser aber wäre «S, wenn fich dir östeneichisch« Regierung den Paragraphen de« von den Arbeiter. Abgemdneten im deutschen Reichstage einge- brachten Arbeiterschutzgesetzes, welcher von der Gefängnißarvett handelt, zu Nutze machte. Pereive uvS Pevssmmwugev. A« die Arbeiter Berlin» l Arbetter! Unser bisheriger niedriger Lohnsatz von 22'/, Pf. pro Stunde zwang unS, an die Direktion unserer Fabrik mit der Forderung heranzutreten. den Lohn aus 30 Pf. pro Stunde zu erhöhen Kollegen! Die Direttion gab uns die Antwort, fie sei nicht im Stande, mehr als 22V, Pf. pro Stunde zu zahlen. Infolgedessen sahen wir un« genöthigt, die Aibett niederzulegen. Nun treten wir an Euch mtt der Bttte heran, unterstützt unS in diesem Kampfe nach Kräften, damit wtr nicht genöthiat find, der Direktion wieder zu Füßen zu fallen und die Arbeit aufzunehmen. Um den bisherigen Veilauf der Verh ndlungen der Oeffentlichkeit zu übergeben, haben wir zum Donnerstag, den 7. d. M, Abends 8 Uhr, eine öffentliche Versammlung nach Keller'« Saal, AndregSstr. 21, einberufen und bitten wft um zahlreichen Besuch. Die Kommisfion der Arbetter der Anilinfabrik. bk. Ein großer Fabrikarbeiter-Streik ist heute lMitt- n>och) früh in den beiden Fabriken der Aktiengesell» schaft für Anilin fabrikation am Schlcfischen Thor und in Rummelsburg zum Ausbruch gekommen, nachdem eine am Dienstag Abend in der Urania, Wrangelstroße, stattgehabte, von 209 Arbeitern beider Fabriken besuchte Versammlung in geheimer Abstimmung mittelst Stimmzettel mit 194 Glimmen gegen 15 die Auftechterhaltung der gestellten Forderungen, de- sonders in Betreff der Lohnerhöhung von 22'/, auf 30 Pfg. pro Stunde, und die sofortige Aibeitsniederlegung bis zur Be- willigung der Forderungen beschloffen hrtte. Wie uns von der(am 1. Mai gewählten) Kommisfion der Arbeiter verstchert wurde, streiken zur Zeit von den insgesammt 425 Arbeiiern beider Fabriken im Ganzen 325. In der Rummelsburger Fa- drik, die für die Fabrik am Schlefifchen Thor daS Rohmaterial zu liefern hat und von deren Thätigkeit somit der Betrieb der letzterm abhängig sein soll, habe die Arbeit ganz eingestellt werden müssen, da die dort beschäftigten 150 Arbeiter heute früh nahezu ausnahmslos ver Fabrik fern geblieben seien, während von den 275 Arbeitern der Fabrik am Schlefifchen Thor heule noch 100 Mann die Arbeit fortgesetzt hätten. Die Direktion der Fabrik wies, wie in den betreffenden letzten Arbeitirversammlungen näher dar« gelegt wurde, wiederholt das Verlangen, mtt einer gewählten Kommisfion über die aufgestellten Forderungen zu verhandeln, aufs Entschiedenste ab, suchte aber in den letzten Tagen in di- rektem Verk-Hr mtt den im Speisesaal ver Fabrik versammelten Arbeitern, dieselben zum Aufgeben der Lohnerhöhungsforderung zu bewegen, mit de: Verfichcrung, soweit alS thunlich die an- deren Forderungen berückfichtigen zu wollen, wogegen fie die Löhne vorläufig nicht erhöhen könne, da man im vorigen Jahre nur 5 pCt. Dividend« erzielt habe. Die in Rede stehenden Forderungen der Artelter, beschlossen in einer zahlreich besuch- ten Versammlung der letzteren am 1. d M. in der„Urania", haben wir bereits früher mitgetheitt. Die am Moutag, de« 4. d. M., in Konrath's Salon, Wasserthorstraße 68, stattgefunvene Versammlung der freien Vereinigung der Former, beschäftigte fich hauptsächlich mit ge- schäftlichen F'agen, Kassenbericht u. s. w. Die Mittheilungen deS ersten Bevollmächtigten über die Ausführung der in den Statuten vorgesehenen Bestimmungen, gaben Veranlassung zu einer lebhaften Diskusfion, an welche, fich außer anderen Rednern auch der als Gast anwesende Herr Michelsen be- theiligte. In seiner längeren Ausführung deleuchteie derselbe in fteffender Weise, wie der Arbeiter in dem Kampfe der Lohn« bewezung namentlich den indifferenten Mitarbeiter als ersten Gegner vor fich habe und sprach fich im Weiteren dahin auS, daß der organifirte Arbetter der intelligenteste und für den Fabrikanten voriheilhofteste sei. Redner schloß, vom Beifall begleitet, mit einem Appell an die Anwesenden, zur Eczielung einer besseren Lebenslage mit allen Kräften für die Metall- arbeiter-Zentra'isation zu wirken. Nachdem der eiste Bevoll« mächtigte auf die ausgelegten Listen für die streikenden Tsschler aufmerksam gemacht und die Anwesenden aufgefordert hatte, in den Wer kfiSttm recht lebhaft fü: die Vereinigung zu agttiren, schloß derselbe die Versammlung. r. Von dem Verein der Tischmacher- Arbeitgeber Berlins ist im Anschlüsse an die von ihm aufgestellten Minimal- lohntarife auch folgende Werkstaitordnung für die Tifchmacher- Werkstätten Berlins ausgearbeitet und von den MUgliedcrn angenommen worden: Die ArbeitSzett währt pr. Woche festgesetzt: 57 Stunden und ist b. 2. 4. Am Montag beginnt die Arbeit um 7 Uhr Morgens und hört Abends um 6 Uhr auf; die übrigen Tage beginnt die Arbeit um 6'/, Uhr Morgens und Höft Abends um 7 Uhr mit Ausnahme von Sonnabend, wo dieselbe um 6 Uhr Abends auf» höit, auf; o. die Frühstückzeit ist von 8—8'/, Uhr, die Mittagszeit von 12—1'/, Uhr und die Vesperzeit von 4— 4'/, Uhr festgesetzt. Da« gemeinsame Trinken in der Werkstatt während der Arbeit ist verboten und dürfen unter keinen Umständen Trinkgelage, z. B. bei Geburtstagen, Montagen, Ein- keilen noch Austeilen stattfinden. Vor dem Verlaffm der Werkstatt hat jeder Geselle von und um seine Hobelbank die Spähne wegzuftgen und daS Werkzeug an seinen richtigen Oft zu bringen. DaS ArbeitSoerhältniß kann bei Lohnardett am Schlüsse jeder Woche, bei Akkordarbeit nur nach Fertigstellung gelöst werden. Unterzeichnet ist diese Werkstattordnung: Der Vorstand deS Vereins der Tischmacher-Arbettgeber Berlins. A. Heinrich«. G. Siymanzig. W. Schäle. W. Appelt. A. MeftiuS. O. Ringleb. M- Frettag. ES ist unS bisher nicht bekannt gewordm, wie fich die Arbeitnehmer dieser Branche zu dieser Werkstaitordnung ver- halten. Der Fachverein der Gürtler«nd BernfSgenossen hielt am 4. Mai in den Jndustrtehallen, Maftannenstr. 31/32, ein« Generalversammlung ab mit der Tagesordnung: Kassen« bericht, Beschluß über Auflösung de« Verein« und Verschiedenes. Nachdem der Kassenbericht, nach welchem«in Bestand von 191 M 75 Pf. konstatift wurde, genehmigt war, kam Punkt 2 zur Beralhung. Zu diesem Punkt nahmen die Herren Klein und Eucker daS Wort und befürworteten die Auflösung des Verein« und Anschluß der Mitglieder an die Metallardeitergewerkschaft Berlin(Osten). Ein diesbezüglicher Anttag deS Herrn Sucker lautet«:„Dre heutige Generalversammluva deS FachvereinS der Gürtler und BerufSgenoffen beschließt, sich aufzulösen und dm Mitgliedern an heim zu geben,„dem Metallarbetteroerein Berlin(Osten) bei» zutreten: sämmtlicheS VereinSvermögm fällt diesem Verein zu." Dieser Anttag wurde angenommm. Nachdem fich noch verschiedene Mitglieder an der Debatte über„VerschiedmeS" bethelligt und namentlich auf die nächstm Montag stattfindmde Versammlung der Metallarbeiter Berlin»(Osten) und darauf hingewiesen hattm, daß daselbst von den Mitgliedem die neuen Statutenbücher in Empfang genommen werdm können, schloß der Vor fitzende d« Versammlung, indem er den Fachverein für aufgelöst er! Sfte. ®et8«chöetein der Fraiser und BerufSgenoffen, welcher Montag Abmd seine Versammlung in der«öpenickerstraße Nr. 150 abhielt, beschäftigte fich zunächst mit inneren Verein«- anaelegenheiten. Zu dem von dm Prinzipalen eingerichteten Arbeitsnachweis— derselbe befindet fich bei Hmsel u. Sommer« latte, Lethanren-Ufer 6- wurde beschloffen, denselben vor- läufig anzunehmen, bis die Geschäftsführung desselben bekannt sei, jedoch auf keinen Fall auf die geplante Einführung von Arbeitszettel und Führungsatteste einzugehen. Auf Antrag eine» MUgliedeS wurden 10 Mk. für die Tischler Berlin» auS der VereinSkaff« bewilligt; außerdem wurde eine Tellersamm- lung zu demselben Zwecke veranstattft. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß in der nächsten V-rsammlung ein Vortrag ge« haltm wird und werden die Kollegen ersucht, recht zahlreich zu erscheinm. De« Mitgliedern der Zeutral-Kranken» und Sterbe» Mi'%%% SHttVÄÄÄ Ä* %»bie Ursachen von Cholera und Blattern" statt. Hieran schließt fich die ordentlich« General» Versammlung d-S Verein» für da, erste Semester 1885. Tagesordnung: Rechnungslegung.- Wahl de« zwettm Bor. fitzenden und ersten Kasfi-ers. Neuwahl der Revisoren-- t Heilung über den Stand der Jmpffrage rc. Zum Vati«* Damen wie Herren, auch wenn fie nich: Mitglieder sied, ö-f Versammlang der Droschkenkutscher und veiv«" BerufSgenoffen am Freitag, den 8. d. M., Abends 10 U- Lokale d-S Herrn Keller, AadreaSstraße 21 Tageeom 1. Besprechung über VereinSangilcgenhcitm. 2- L»? tung der Nationalm Kranken- und Eterbekaffe(einge«!« Hilfslaffe Nr. 75). 3. Aufnahme neuer M tziiever- 4 kästen. Sämmtliche Kutscher Berlins werden zu diu« sammlung eingeladen. Freie Diikuiston. Die Zentral Kranken- und Sterbe- Kasse der i' u. s. w., ö tliche Verwaltungsstelle Berlin B.(innere stadt), bält am Sonntag Vormit ag in Komaths B Wassefthorstr. 68, eine Mitglieder- Versammlung ad- T* Ordnung: 1) Rechen ichaflsbericht vom 1. Qaarlal Delegiften- Stich Dahl. 3) Berothung der Anträge zm?� Versammlung- 4) Verschiedenes.— Zahlreiches noth vendig. DaS Mitgliedsbuch muß vorgezeigt Mitglieder-Versammlung des Arbetterinnc««' am Donnerstag, den 7. v. Mis., Abb«. 8 Uhr, in®lt!� Bierballen, Kommandant-nftr. 77/79. Eine große öffentliche Versammlung ler BerlinS findet heute AbendS 8 Uhr, im «an«,«othringeistr. 37, statt. Da die TazeSordnM hochwichtige ist, und es fich um die Existenzfrage ist«S Pflicht eines jeden Bsuiiichkers� pü kiüch zu Der Gesaogverein Männer- C?or St. heute sowie j-dm Tonneistag im Bukower Gatten,. straße 10, Abends von 9-13 Uhr. Neue Mitglied® stets gern aufgenommen. VermiAcktes. Ei« amerikanischer Repoiterstreich. Von ew 3 „ Am "utcha .«INI Ä1 tkafb ditden «tttffei Pändei lrole Uniann in Boston in der Blüte seiner Jahre von einer -----~ ntlet st?? dahingerafften Reporter erzählen die dortigen Blätter Anekdote: M. Knickerdcx, so heißt der jugendliche Geschichte, hatte trotz seines anstrengenden t�erufeS(0*�4 Zeit genug, um mit großem Fleiß piattische Studien Geheimniß der Frauenseele anzustellen. Er war auv Ruf als Don Juan nicht wenig stolz und liebte ei*>% Lebemann zu spielen, selbst wenn ihm das nur w»« Eeschöpfung seines KrednS gelingen konnte. Als a*® Knickerbox eines Tages tief betrübt in seinem Buwh schien, zweifelte N emsnd, daß dieser Gemüthszufand er auf eine trostlose Geldverlegenheit oder auf einen eW Mißeifolg seines jüngsten EroderungSzugeS 1% führen sei. Allein nach wenigen Tagen man, daß der Reporter von einem wahrhast'ir Mißgeschick heimgesucht worden sei. Theilnehmende p hatten ihm durch ihre besorgten Fragen daS fürch'er� beimniß entlockt. Mr. Knickerbox antwortete ihnen. in hingeworfenen, kurzen, halb unverständlichen Satz« mit einiger Phantafic ließ steh auS den Bruchstücke» Monologe folgender Zusammenhang konstruiren: Dame, die Mc Knickerdcx kaum acht Tage kannte einem kleinen Souper in seine Wohnung geladen 9% dort plötzlich von einer Ohnmacht befallen worden% EukkurS herbeigeholt und während fich die Wohnung% gesellen mit den Hausbewohnern füllte, die neug»® SchmerzenS lager umstanden, eilte er, einen Arzt« Als er diesen endlich fand und mit ihm wieder die- betrat, kam ihm eine ältere würdige Dame entgegM triumphirend und rief ihm zu:„AlleS überstanden- ein Knabe!... Ich gratulire!"... Den lcben9<% mentar zu dieser geheimnißoollen Ansprache bildete ei», dunkelrother Gegenstand, der, in den Bacem»»''� Mr. Knickerbox gewick.lt, heftig schreiend»uf? Schreibtische lag.— Dieses unverhoffte Famllienglück% 12. aus, & die man Ursache von Mr. Knickerdox'S unge löhnlicher»{ wird zugeben, daß kein Jungzeselle der 3#' ähnlichen Situation hämoristische Verse verfaßt 9� Redattion seiner Zeitung nahm keinen Anstand, eigniß zum Vergnügen der weitesten Kreise brkanw und mit boshaften Bemerkungen kolpoftirt worden Gesuch deS Mr. Knickerbox um Gewährung eineS*>' „in besonderer Würdigung der exzeptionellen UmstaN»*� willigen. Nachdem Mr. Knickerbox diesen Vorschuß,.v ansehnlicher Höhe war, in sein Portefeuille eingeschl»"�! nahm er seinersettS keinen Anstand, den Kollegen> blüffender Unbefangenheit davon Mittheilung zu fein nächtliches Adenteuer eine Erfindung sei, welche � Bewilligung des Vorschuffes, der ihm unter cineo>� Vorwande vermuthlich nie und nimmer zu Theu» wäre ihren Zweck erfüllt habe. In da» Kapitel von den„Letzten Worten' i'W schnurriger Beitrag die Aeußerung des sranzöstsche» j! Dorat. Dieser, zum Sterben bereit, ließ sich sorgfäluS J um den Tod würdig zu empfangen. Alle Umstehen»� f zu Thränen gerührt, u benden weinend an die________________ gethan", sagte er ihr lächelnd,„aber meine Frisu» DieS waren seine letzten Worte. wieder 5% au ru,p,ui>uri,.«uc.,al'wervei AT Ä"« UA.fnh n K.r rn.in» fttifUt«n. V Kleine Mittheilungen._, Gerechte Strafe für Rohhett. Vor der 6"� zu Greiz hatten fich vor einigen Tagen zwei ftüp# leute, NamenS Herold und Händel von dort, warten wegen mehrfach verübter Körperverletzuna in. ihres Amtes. Beide haben verhaftete Handwerisbutt( andere Arrestanten theilS mtt der Hand. theilS#/ Ochsenziemer durchgeprügett. Die Angeklagten,�? zu ihrer Entschuldigung, bei älteren Schutz�,. lese Handlungsweise ebenfalls fltzjL'V it und ?£>« a. c. Setzt. haben. Der Gerichtshof ging bei der wmw über die Anträge der Staatsanwaltschaft hinaus W urtheilte Herold zu 8 Monaten, Händel zu 1 Sahre� Ä Gefängniß, entzog ihnen auch die Erlaudniß. öffentu� bekleiden zu dürfen auf die Dauer von 4 Jah�en. �� dieser Nachricht scheint ja die Prügelei durch w--.-. Semein gewesen zu sein! Es wäre nur zu wüm«®' überall die Richter gegen solche Brutalitäten mtt Strenge deS Gesetzes vorgingen. ._,-................... Wenn irgendwo dann war« für solche Prügeler die Prügelstrafe� Ein fanberer Pastor. Ueder eine tbätliche die ein Gastlicher„ttn�Omate" gegm einen begangen, schreibt dai„Freiberger Tageblatt" Wh»»tl kommt uns die verbürgt« Nachricht über einen S 1 o/. der fich auf einem Friedhofe eine» von �relbftg c suchten Sommerkurofte« vor einigen Wochen eee'ß � s et\ fe« p g« war, thur» K SommerkurofteS vor einigen.. Kind eine» dortigen Mühler besttzn« Kl. wurde Tischlergesellen zu Grade getragen und letzterft-,�»� Weg erhitzt, gettaute fich nicht bei dem Geistlichen dm Hut abzunehmm. so erzürnt, daß er dem Ti' «o. u-SSTj o en aus dem Kirchhofe �»�t wurde seitms des" bft«ffenden� ää,™®'"i' s- % 6tü Die% Leidtra genden auf d avpliztrte. S* i». gegen S« .„.„............ mäm»»«•■«5! denken erregt, mtlaffen Ilm at hat K SSf «i» BerantwoftltchertzSiedatteur«. E»»«tzew« Berlin. Druck und Beriaa von w � Botthtagj,'j." eW itsorm.-■ i SBo'lrüJ* »ei find, M ind veiM" -,w 10 w (eingcM !5er. 4. tf zu dies« •e der B innen M maih's M Zmrn Beilage pm Berliner BolNlatt. N. 105. Douiierstag seit 7. Mai 1885. IL Jahrgang. i"" mA at v)v.m 'TO !sordnBS,.1 enthält. r. im M "5a iiA il w � äÄ mar aus) e-«4 Darlsmeutsberirkte. Deutscher Reichstag. 94. Sitzung vom 6, Mai, 12 Uhr. «.. 5«1 Tisch« hetz Bundesraihi von Boetticher, von « u r ch a r d. «„Zugängen ist eine Konvention mit Madagaskar und �Äeihbuch, da» diplomatische Aktenstücke Egypten betreffend age Handel Die Verhandlung über die Bölsensteuer wird mit i � 5).» Anträge Richter und Kay er fortgesetzt. Bera- P '* ij im,v, o dichter beantragt, dem"Gesetzintivulfe fol« »»den 8 32 hinzuzufügen: v ötm Inkrafttreten dieses Gesetzes wird das Gesetz. Mnd den Zolltarif u. s. w. vom 15. Juli 1879, dahin ab. ? �tt. daß für daS im Zolltarif Nr. 29 aufgeführte P e. °leum(Erdöl) und andere Mineralöle, anderweitig nicht % roh und gereinigt, der Zollsatz aufgehoben wird." iusüge?' ser beantragt, folgenden§ 32 hinzu. 12 r�.�m Inkrafttreten dieses Gesetzes ist dai Gesetz vom «uktk L 1807, betreffend die Erhebung der Salz st euer § Für den Fall der Ablehnung aber zu beschließen: der L �«s dem Ertrage dieser Steuer wird ein Fonds gebil« füb'tf �en Namen:„Arbeiter- Jnvalidenfonds" - und welcher bis zum Erlaß eines, die Versorgung er. VÜ-iTiiG rwl"�, weicher diS zum Erlag ernes, ore �er, orgung er. iin/�osahiger Arbeiter regelnden GesrtzeS anzusammeln und ! onzulegen ist. Die Verwaleung dieses Fonds wird TniSTt&i ��rsond-res G setz geregelt. inen cll'4 ein. � 5' dichter: Der Reichskanzler hat die Börsensteuer al» meS W In» �""9 moralischer Gerechtigkeit bezeichnet, wie überbaupt Caaert 4 Minister stets neue Steuern mit finanziellen Zwecken ,u bafi irM S?i, ,5tn rflegen. Unser Antrag will verhindern, daß im � der Gerechtigkeit die Steuerschraube fortwährend schärfer ihKKMS wird- gleichzeitig die Vertheuerung des Lichts, bi, a ,.für Familie und Werkstatt gleich unentbehrlich ist, für Zukunft beseitigen und den fiskalischen, fortwährend an 7 (®«ifoa U fg"9'" a"(cdt{tfn Bestrebungen entgegentreten- ds��Ü'�oüser: Ich verstehe nicht, wie Herr Richter, der ~v(D �-------'-—»«.*. ji____ tr A____ menM M chtch�I Ti$ fSj kannte � aden h< ide«-j "SÄ Arzt S 9 t die rtgegen, KÄ auf nglück $ -rden«s ine»'S"? mstänve, SÄw llegen � W cfriTV teu"«' SÄ «tß] Frisur »,7 grundsätzlich gegen die Börsensteuer ist, �-ndungSantrag stellen kawr Er gleichwohl einen __________.______...._ wollte wohl nur unserm . Wi JOße Konkurien, machen. Weshalb hat er stch sonst nicht ?»> uns für die Aufhebung der Salzsteuer verbunden? Wir u IT MtN in unserer Gegnerschaft gegen die Börse nicht etwa die .MK y wlzll T* f*"*•—■»# �• e---*—. fu-— deS Reichskanzlers wie dieser >m Gegenlheil die Regierung naher Verbindung gestanden! wir eS gestern anzunehmen hat oft mit der Börs« aber eine WUM deshalb keine neue Steuer auf wir dann fürchten müßten, ihre ;r etf«2l m ilsburs�( eilS w» S | K'Ä )»0 >W>. vertreten und treiben durchaus eigene Politik- W zu t95 houptfächitd) für Kolonialpoltttk und Marine verwendet %abrene. Die Herren von der Rechten haben seit ��„"Steuererleichterungen versprochen; solche oder haben der„ t stattgefunden. Wir schlagen nun die Aufhebung wi»??steuer vor, weil kaum eine indirekte Steuer so sehr S&n, K gerade den armen Mann trifft, für den die einzige wir, � �iner Speisen das Sal, ist. Unser Eoe?.tualantrag t r bewirken, daß endlich die inS Stocken aerathene Sozial. fn* wit der Alters- und Jnvaltdenversorgung der Arbeiter .. li'ftihrt wird. Früher war man am BundeSrathjtische noch iJJidel, wenn eS stch um den Willen des Kaisers handelte; Muß ich trotz der kaiserlichen Botschaft, worin die Sozial. versprochen ist, Herrn v. Boetticher zurufen: Arbeiten s,),. steißiger, damit die Sache endlich beginnen kann! Aber Kolonialpolitik und dergleichen andere Dinge haben die Hüning von ihren sozialen Projekten bereits völlig zurück- lyncht. Einer Regierung der Ausnahmegesetze, die erst kürz. N, Mieder gegenüber den Arbeitern an einem Orte den W�ungSzustand verhängt hat, können wir nicht da« Ver. »»in,'H'Nken, welches in der Bewilligung von Mehrein. �i.«°hne gleichzetttgeS VerwendungSgesey liegen würde. >!k..�uffen daher wenn, unsere VerwenvungSanträge abge- '�werden, gegen da» ganze Gesetz stimmen. �vtaatisekretatr v. B u r ch a r d: Die Tendenz der Anträge und Koyser steht in sch-eiendem Widerspruch mit den T>?ver Steuerreform. Die Anträge wollen die indirekten bei, j?« vermindern, während die Steuerreform gerade auS Grellen Steuern neue Einnahmen schaffen will, die zur Rejidenz-Theater. c-®» waren ein Paar recht seltsame Stücke, die �«ktin �bend im Residenz- Theater aufführte. Ein» Plauderei und ein dreiattiaer Schwank, die bet®�n,anl au8 dreiattiger Schwank, die de« Französischen #! M m t* e �iwltton hatte diesmal die Vorsicht gebraucht, *>»» bj iuerfi aufführen zu lassen; wahrscheinlich wollie S* alZr* k'n« sanfte Pression auf da» verehrte Publi- < namentlich wollte man wohl die N artzügler »?tte al zwingen, pünktlich zu erscheinen. Selbst diese» �achlz,n?�wittel zog nicht, die Rücksichtslosigkeit und dg» einjelnn Herrschaften ist immer noch stärker iedist,.. �s/ühl de, Echicklichkeit, welche» man doch bei a kür f.th" voraussetzen müßte. Vielleicht hält man Jf&enfo ft!L' ,u kpit zu kommen und andere Leute zu stören. � tbÄun9 e'n gute» Stück der Aufführung durch ." nur Hut einer Dame verloren, an welchem r�efffb.T'shmet, haften und unbequeme Kreu, Verdrehungen y da» a.."nnte. Vielleicht sorgt die Direktion dafür, ttztrd. Huiablegen der Damen für obligatorisch erklärt �nde��" guten Gmff hat da« Refidenz-Theater mit den ist.*X( llltnüv.1"*! n ni4t s«than. iL Arb�. �«Mein neue, Hut" von M. Bernstein 'ß, al« S, te,en Grundgedanke ein viel zu gewöhn» "Haupt a«fltÄ ein �bhaste« Interesse de« Publikum« sn®in ong.bJ»?"jeden könnte. 'tzonl.v" �bvokat, der mit seiner Kousine zu« GMSZSS Erleichterung des Druckes der indirekten Steuern verwendet werden sollen. ES ist eine durchaus unrichtige Unterstellung, daß solche Erleichterung nicht auch wirklich stattfinde. Finan- zielle Rückfichten weiden kein Hinnerniß für die finanzielle Durchführung der Sozialreform sein; und somit ist auch der Eventualantrag Kay er unnöthtg und unzweckmäßig. Staatssekretär v. B ö t t t ch e r: Ich höre, daß der Herr Vorredner stch auch mit mir beschäftigt und an die Behaup. tung, daß die Sozialreform vollständig inS Stocken gerathen sei, die Bemerkung geknüpft hat, daß, wenn ich hier anwesend gewesen, er mir den Rath erthellt haben würde, die Frage der Sozialreform ernster zu studiren, fleißiger zu arbeiten, da- mit die Sache endlich wieder in Fluß käme und die Ver- beißungen der Allerhöchsten Botschaft stch erfüllten. Nun, meine Herren, der Vorwurf, nicht fleißig genug gewesen zu sein und die Mahnung, mehr zu leisten, tritt heute zum ersten Male an mich heran und die Stelle, von der sie kommt, würde mich gerade nicht dazu nöthigen, ihre Berechtigung anzuerkennen. Aber ich kann mein Erstaunen nicht zurückhalten, daß fie in einem Augenblick ausgesprochen werden, wo die Vorlagen de« züglich der Sozialreform, die aus meinem Reffort gekommen find, so umfangreich find, daß der Reichstag selbst nicht in der Lage ist, fie in der gegenwättigen Sesfion zu bewältigen. Wenn der Herr Abgeordnete Kayser sich diesen Umstand ver- gegenwärtigt hätte, so würde er, glaube ich, seinen Vorwurf zurückgehalten haben. Meine Herren, mit Redenhallen ist wirklich die kranke Zeit noch niemals geheilt worden(sehr richtig! rechts), und fie wird auch jetzt nicht dadurch geheilt werden.(Sehr gut! recht«) Dazu gehört aber ernste und auftichtige Arbett, und wenn der Herr Abgeordnete Kayser und seine Freunde diese ernste und aufrichtige Arbeit so in- tenfio leisten wollen, wie ich e« mir bewußt bin, so werden wir dem Zi'le, das er auch als daS seinige hinstellt— ob mit Recht oder Unrecht lasse ich dabin gestellt— sehr viel näher kommen, als eS durch seine Erpek orationen gefördert wird- (Beifall rechts. Zuruf links: Oder auch nicht!) Abg. Richter: Herr Kayser behauptet, mein Antrag wolle nur dem seinigen Konkurrenz machen, aber ich habe schon 1881 die Aufhebung des Petroleumzolls als Aequivalent für die Einführung der neuen Stempelsteuern verlangt. Eh:r ist also umgekehrt Herr Koy'er durch meine damaligen Ausführungen zu seiner heutigen Stellungnahme veranlaßt worden. Wenn der Minister meinte, soviel neue Einnahmen, wie wir hier dem Reich bewilligen, soviel könnten die Einzel» staatm an direkten Steuern erlassen, so hört fich das ganz schön an; e« wird nur leider nichts erlassen. Preußen hat z. B. aus den höheren Zöllen über 60 Millionen vom Reich überwiesen erhalten und nur 20 Millionen erlaffm. Auch würde ein weiterer Erlaß direkter Steuern in den Einzelstaaten vor« zugsweise den beffer Situirten zu Gute kommen, während die indirekten Steuern, die wir im Reiche«lassen wollen, als Kopfsteuer wirken und auf dm Armen am stärksten drücken. Abg. Leus chner erklärt fich für die Börsensteuer im Nrmtn des Prinzip« der ausgleichenden Gerechtigkeit. Abg. Kayser: Wenn Herr Richter meine Freunde und mich so lange Zeit hindurch nickt mehr angegriffen hat, so geschah daS wohl dloS auS Rückficht auf die Wühlen. Aber er soll nur nicht wtever, wenn ein Deutsch.Freistnntger mit Konservativen oder Antisemiten zur Stichwahl steht, uns an- winseln um unsere Hilfe!(Große Heiterkeit.) Herrn von Boetticher persönlich habe ich Mangel an Arbeitslust nicht vorweifen, sondern dlot die M-thode kennzeichnen wollen, in der er neulich uns gegenüber verfahren ist. Daß die Weit«. führung der Sozialreform zur Zeit durch den Widerstand gewisser Interessen verhindert wird, halte ich durchaus aufrecht. Abg. v. Helldorff: Wir sollen eine fiskalische Steuer- Politik begünstigen; aber hat der FiskuS etwa ein Interesse daran, Mittel aufzuhäufen, für die er keine Verwendung hat? Daß die Beseitigung des Petroleumzolle« im Interesse der ärmeren Volkskiassen liege, da« ist eine Motivi'.ung, die stch gut hören läßt für alle die, welche der Sache nicht auf den Grund geben wollen. Ich halte den Petroleumzoll für eine gut angelegte Steuer, welche die armen Leite aar nicht in ver Weise trifft, wie das hier geschildert worden ist. Ich warne Sie vor ein« kleinlichen Politik im Jnt«effe de« Parlaments, vor einer Polirik, die, indem fie neue Steuern für bestimmte Zwecke verwendet, nur die Difizitwitthschaft begünstigen kann. Eigenschaften, die er im Leben diese» angehenden Ehe. manne« schon so oft bewiesen hat. Dadurch, daß er den neuen Hut nicht dem Regen aussetzen will, versäumt er die Zeit, sich zu sein« Braut zu begeben, die er überhaupt nicht liebt, und er kommt unwillkürlich zu d« Erkenntniß, daß seine Kousine ja alle diejenigen Ergenschaften befitze, die er bei sein« zukünfttgm Gattin voraussetzt— und in den Armen liegen sich Beide! Die Fabel der Plauderei hat, wie man sieht, durchaus nicht« Besondne», und die Art und We.s« der Ausführung ist in kein« Weise eine h«vo«agende. Da« ausgezeichnete, nonchalante Spiel de« Herrn Friedrich Mitterwurzer, d« de» etwa« abgestandenen Witzen einen neuen, eigenthüm- lichen Reiz zu geben wußte, rettete da» Stück einigermaßen. Leid« kann man dasselbe durchaus nicht von den beide« mitwirkenden Damen behaupten. Fräulein Bahr» in der Rolle de» Dienstmädchen« spielte recht unftttig und geziert, ohne irgend welche Natürlichkeit, und eine Debütantin, Frl. Etienne— Schwamm drüb«. Auch da« zweite Stück„Die Reise nach dem Kaukasus", welche« die eigentliche Novität bildete, krankte an manchen Mängeln. E» liegt diesem„Schwank in drei Akten" ein übermüthiger Studentenstreich zu Grunde, der durch drei Akte hiodurchgez«rt viel von seiner Originalität ein» Ein reichgeworden« Kaufmann läßt einen armen Teufel auspfänden und e« fällt ihm u. A hierbei auch ein Manu» skript in die Hände. Er läßt dasselbe schließlich im Druck erscheinen und giebt sich al« V«fasser de« Werke» au«. Da« Buch— e« ist eine Reisebeschreibung nach dem Kau» kasuS—«regt Aufsehen, Shapuzot, d« reiche Kaufmann, umgiebt sich in Folge dessen mit ungeheurem Dünkel. Seine Frau und Tochter bestärken ihn nach Kräften hierin. D« Neffe de» Ausgepfändeten, ein etwa» lüd«Iich« französischer Student, kommt hint« den Schwindel, er legt die Tracht feine Aufwartung, indem er dessen unbegrenzte Gastfreund» Mag auch jetzt Ihr(link«) Ürtheil ungünstig üb« unser Be» ginnen ausfallen, die Zukunft, welche ein gnechteres Urtheil über unsere Steuerpolttik abgeben wird, wirv anerkennen, daß fie dem Jnt«effe einer großen Nation entsprochen habe. Abg. Richter: In der Geschichte wird man von Ihnen (rechts) wenig oder gar nicht sprechen.(Große Heiterkeit.) E» derührt eigenthümlich, Herrn v. Helldorff vor dm Gefahren de« Parlamentarismus warnen zu hörm, welche aus Defifit« in der Anwendung von Geldern enlstehm sollen, in demselbm Augenb icke, wo die konservative Partei im Herrenhause be» schäftigt ist, dasselbe zu thun, was fie soeben im Abgeordneten» Hause fertig gebracht hat: Durch Uebnweisung an die Kreise steigmde Defizits hnoorzurusm und damit da» Parlament zu scharf« Opposition od« zur Bewilligung neu« Steuern zu zwingen. Herr Kays« wundert fich, daß ich jetzt nicht mehr so viel gegen die Sozialisten polemistre. Wmn man dm Sozialisten in d« Presse oder in ein« Ansammlung etwas er» widnt, so berufen sie fich darauf, daß das Sozialistengesetz sie wehrlos mache. Hi« ab« heißt es: Wir pfeifen auf daS So» zialistengesetz, der„Sozialdemokrat" in Zürich wird in so und so vielen Tausenden von Exemplaren»«breitet. Da« ist auch richtig, und so werden alle die Angriffe gegen die anderen Patteim in ganz Deutschland verbreitet, und was die sozialistische Presse nicht thut, daS besorgen die H«rm in dm Versammlungen. WaS die Stichwahlen betrifft, so könnte man Manches«zählm über Verhandlungen der Konservativen und Sozialisten üder die Wahlen, von Verhandlungen der Sozia- listen mit den Nationalliberalm in Köln, Münchm und Han- nover. Es ist eine dekannte Sache, daß in Stichwahlen Jed« fich dem zuwendet, dm« für das geringere Uebel hält. Die Sozialisten find ja selbst wesmtlich ein Produkt der and«m Parteien bei den Stichwahlm. Ich bin der Meinung, die Stärke d« Sozialistm ist wesentlich eine Folge des Sozia- listengesetzeS. Wäre dasselbe nicht vorhanden, so würde, wa» jetzt an Zwietracht unt« der Asche glimmt, hell auflodern zu Flammen, und die Herren würden fich unter einander in ein« Weise bekämpfm, von der wir hi« kaum eine Votstellung haben. Im Uedrigen ziehe ich aus d« Art, wie Herr Kays« fich bemüht, einen Zeitungsartikel hi« zur K.itik zu stellen, den Schluß, daß der Hieb, welchen derselbe gegen die sozialistische Partei führt, gründlich gesessm hat.(Bei» fall links.) Abg. v. Helldorff: Herr Richter hat stch auf angeb- liche Uebereinkommen bei den Stichwahlen bezogm. Wmn wir in der Lage wären, üb« daS Vethaltm der Kons«oativm mit d« Souv«änität zu wachen, wie fie He« Richter üb« seine Partei ausübt, so würden d«arlige Vorkommnisse fich nicht zugetragen habm. Daß die Waare immer um dm Zoll vntheuert wird, ist eine Anschauung von dem Gesetz der PreiS» bildung, die«ed« vor der Wissenschaft noch vor d« Praxi» Stich hält. Ob uns die Geschichte einmal nennen wird od« nicht, ist un» gleichgillig. Abg. v. Vollmar: Der Vorwurf, daß meine Partei besorgt sei für die Privilegien deS Kapitals, berührt mich eigen» thümlich von einer Seite, die ebenso gut wie die Linke für da« Kapital eingetreten ist; denn eS verschlägt doch nichts, daß Sie (rechts) für daS in Grund und Boden gelegt« Kapital ein« treten, während die Linke da« mobile Kapital vntheidigt. Auch die Spekulanten haben der rechten Seite nicht gefehlt und ihr Spiel auf nicht schöne Weise getrieben. Sachlich find nrtr dafür, daß die Börse besteuert wird, aber in die Dekla- mationenen gegm die Börse stimmen wir darum doch nicht ein. Ihre Operationen mögen nickt reinlich sein, aber sie Sad so gut wie unsere ganzen anderen Produktionsverhältnisse. nS kann eS nur komisch berühren, wenn hi« gegen die Börse vom Led« gezogen wird, während man die ProduktionSord« nung, au» welcher dieselbe hervorgegangen ist, aufrecht«hält. Eine Vertretung deS Kapitalismus liegt auch darin, daß Sie durch V«theu«ung der Lebensmittel daS arbeitende Volk in eine schlimme Lage bringen wollen. Sie habm also nicht da« Recht, andere als Vertre.« des Kapitalismus hinzustellm. Nachdem Sie(recht») viele Millionen nicht au» ihrer eigenen Tasche, sonder aui der deS armen Volke» dewilligt haben, da« vorläufig noch dumm genug ist, Ihnen zu folgen, können wir die Börfmsteuer nur annehmen, wenn zugleich die Aufhebung der Salzsteuer erfolgt. Herr Leuschnn hat bemerkt, daß uns«e Hintermänner fich mdlich von uns abwenden, seien Sie unbesorgt Sie w«den den Gewinn davon nicht haben. Man wirft unS unsere Theorie vor, allerdings Sie (rechts) find recht praktisch, aber ihre Praxis besteht darin, schaft in Anspruch nimmt, und e« sich in dem Hause seine» Gastfreunde««ach kaukasisch« Manier bequem macht. Die Sache löst sich schließlich in allgemeine« Wohlgefallen auf, Schamyl— d« kaukasische Gast— heirathet Leoni«, die Tochter Chapuzot'«. Da« ist im Großm und Ganzen der Gang d« Hand« lung. Sie leidet an ein« bedeutendm, inneren Unwahr- schemlichkeit, man würde bei einem Schwank indessen hierüber schon hinwegsehen können, wenn nicht einzelne P«sonen und Szenen mit eingeflochten wären, die denn doch be- rechtigte» Kopfschütreln hervorrufen. So ist z. B. die Rolle der Kadoudja, einer Grisette, welche ebenfalls al» Kaukafieri« auftritt, vollständig über» flüssig, sie ruft dem deutschen Publikum nur die Un« sitten de« paris« Quartier latin in« Gedächtniß. Bei der deutschen Bearbeitung hätte man, ohne dem Stück Abbruch zu thun, diese Rolle getrost wegfallen lasse» können. Da« Stück war, wie man da» bei Direktor Anno ge» wohnt ist, vorzüglich»instudirt, die Regie glänzend. Ebenso wurde im Allgemeine» gut gespielt. Mit«»»gezeichnetem Humor gab Herr Mitterwurzer den Schamyl, auch Herr Mügge war recht gut al« borvirter Philist«, der sich mit fremdem Ruhme schmückt. Wie gewöhnlich brillirte Herr Pansa al»„alt« Sünd«" von jen« Sorte, d« man seine Sympathien nicht ver- sagen kann. Auch in diesem Stück trat«ine Debütantin auf, nach jeder Richtung hin da« Gegentheil von d« Dame, welch« fich in dem Einakter präsentirte. Eine zarte Blondine mrt den besten Anlagen, die zu den schönsien Hoffnungen de- rechtigte. Fräulein Leuchtemann, dai ist der Name der jungen Dame, spielte ihre Rolle, die eigentlich nicht be- sonder« hervortrat, mit vielem Geschick und nicht ohne Humor, e« wäre zu wünschen, daß die Direktion dies« Kraft dem Berlin« Theat«-Publikum erhalten möchte. «cht viel den Arbeitern abzunehmen. IS weise dann noch einmal die Behauptung ,urück. daß zu Gunsten meiner Wahl�voc der Stichwahl in München Verhandlungen zwischen den Sozialdemofraten und Nationallrberalen stattgefunden haben. Im Uebrigen haben alle Parteien Ursache, stch wegen W V-rhaltevs ber den S.ichwahlen keinm Vorwurf zumachen. Ai ch viele Freifinnige find nur durch unsere Unterstützung hier in Ben Reichstag gekommen. Auch heute find wieder die Spal- tungen in unserer Partei erwähnt. Ich gönne Ihnen diesen Strohhalm, an den Sie fich klammern bei Ihren Hoffnungen auf den Verfall unserer Partei Sie werden mit derselben in mer wieder hineinfallen, denn wir find jedei Mal gestärkt aus jeder Krifis hervorgegangen. Wir sollen mit den Frei- finnigen eins sein in der Aufhetzung der Bevölkerung. Ich habe nicht für die Freistnnigen einzutreten. Was urs betrifft, so kann ich bemerken, daß wir nicht im Stande find, im Aufhetzen mit der nicht nachzu- ahmenden Virtuofität und dem großen Erfolg zu wetteifern, die Sie(rechts) in dieser Beziehung aufzuweisen haben. Wenn eine Partei gezwungener Maßen die soziale Reform auf ihr Programm schreibt, und wenn man dann nur dazu kommt, die Lebensmittel zu vertheuern. Ausnahmegesetze zu machen und Vorschläge von unserer Seite abzulehnen, selbst wenn fie die Zustimmung der Regierung gefunden haben, so erreichen Sie mit einer solchen Politik nur das, was Sie uns zum Vorwurf gemacht haben; denn Thatsachen Hetzen mehr als Worte. Die Debatte wird hierauf geschloffen, die Anttäge Kays« und Richter werden abgelehnt und der Rest der Vorlage so- dann genehmizt. Es folgt die zweite Berathung deS Gesetzes, betreffend die Steuervergütung fürZucker.zu welchem der v. Hackesche Antrag wegen Verlängerung der Struerlrcdilfrist von 6 auf 9 Monate vorliegt. Abg. v. Heydebrand und der Lasa: Die Materie ist längst erschöpft; auch Herr Richter hat nicht NeueS mehr gesagt. Der Antrag v. Hacke bringt der Staatskaffe nicht den ,ert! gsten Nachtheil; da sollte man es doch den Interessenten elbst überlassen, ob fie eine Schädigung oder einen Nutzen Ar fich in dem Antrage erblicken; u-d die Interessenten haben erst kürzlich wieder durch zahlreiche Petitionen fich im Sinne des Antrages ausgesprochen. Abg. Graf Hacke befürwortet nochmals seinen Antrag, der die Staatseinnahmen nicht schädigen, den Industriellen aber erheblichen Vortheil bringen werde. Abg. Richter erklärt eS gegenüber dem Abg. v. Hryde- brand nochmals für gefährlich, wenn der Staat irgendwie die Preisbildung durch Verhinderung einer angeblich künstlichm Baissespekulation beeinflussen wolle. Die Vorlage wird hierauf mit den Anträgen v. Hacke und Nobbe angenommmen. Desgleichen in dritter Berathung der Gesetzentwurf, betr. den Schutz deSPapierS fürRetchSkassenscheine gegen unbefugte Nachahmung. Es folgt die dritte Berathung deS Entwurfs, betreffend Ausdehnung der Unfall- und Krankenver- sicherung auf die Transport gewerbe- Abg. Schräder erklärt fich gegen die Vorlage, welche alle Nachtheile deS früheren Unfallgesetzes in stch vereinige, ohne dessen Vorzüge zu befitzen. Die Voilage wird unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt. Um 53/4 Uhr vertagt fich das HauS bis Donnerstag 12 Uhr.(Anträge v.«ardorff, betr. die Spiritus- respektive Branntweinsteuer, kleinere Vorlagen.) UdgeorvnerenyanS. KK. Sitzung vom K. Mai, 11 Uhr. Am Ministertische: von Puttkamer, v. Goßler und Kommissarien. Der Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Renten- dank für den Kreis Herzogthum Lauenburg in Ratzeburg wird ohne DiSiusfion in dritter Lesung definitiv genehmigt. Darauf gelangt die Interpellation der Adgg. Borowiki und Gen., betreffend die Ausweisung der in Ost- und West- preußen wohnenden, dem Preußischen StaatSverbande nicht angehörigen Polen zur Verlesung. Minister v. Puttkamer erklärt fich zu sofortiger Beantwortung bereit. Zur Begrün- dung der Interpellation erhält das Wort Abg. Spahn: Am 26. März d. I. hat der Minister des Innern die Oberpräfidenien von Ost- und Westpreußen, Posen und Schlefien angewiesen, den Uebergang rusfisch- polnischer Elemente zu veryinvern. namentlich deren Einwanderung, soweit fie nicht Legitimationen hätten, grundsätzlich zu verbieten, und die schon in Preußen wohnenden Russen zum Verlaffen deS preußischen StaatSverbandeS aufzufordern, deS Weiteren auch sie Gemeindevorsteher angewiesen, die fernere Die zerrissene Schleppe. Ein sehr elegant gekleidetes Ehepaar pasfirte die Haupt- straße einer südrusfischen Hiadt. Der Herr galt als einer der reichsten Kaufleute deS Ortes, und seine Frau trug dm Reichthum ihreS Gatten gebührend zur Schau. Die Schleppe ihres PrachtkleideS fegte den Fußsteig ent- lang Da lommt ein junger Lieutmant von den Kasaner- Dra- gonein eilig auS seiner Wohnung und schlägt die Richtung nach der Kaserne ein. AuS dem Fenster dei Hau es gegenüber grüßt ein hüb« scher Mädchenkopf: der Offizier saluiirt, entzückt nach oben blickend— und im selben Augenblicke, ratsch: zerreißt einer seiner Sporen das Kleid der KaufmannSfrau- „Ich bitte tausend Mal um Vergebung meine Gnädige!" ruft bestürzt der junge Mann.„Ich bin untröstlich über dm angerichteten Schaden; hoffentlich läßt er fich wieder gut ��.Micht dock, mein Herr!" schrett die KaufmannSfrau.„Die Schleppe ist vernichtet, das Kleid ist ruinitt." „Sie müssen dm Schaven ersetzen," setzte der Gemahl k�Da» werde ich," versicherte der Lieutenant,„hier meine Adresse," und er zog sein Kartmtäschchen hervor; indessen da» präparirte Biättchm ward von dem Kaufmanne zurückgewiesen, welcher sagte: „Erst bezahlen Sie, oder wir lassen Sie nicht fort." „Aber ich bitte Sie, der Dimst ruft mich. Wenn ich zu spät komme, trifft mich strenge Strafe. Wie viel beträgt denn der Schaden?" „Das Kleid ist neu", sprach die Dame ernst,„ich ttage eS »um ersten Male und muß daher seinen vollen Preis, 200 Rubel verlangen." „200 Rubel!" rief entsetzt der KriegSmann.„Mein JahreS- gehalt beträgt kaum soviel."., Schon hatte stch ein KreiS von Umstehenden gebildet, welche dem Gespräche zuhörten. „So muß ich verlangen, daß Sie fich mit uns zum Polt- zeirichter begeben", meinte die Dame. „Es findet gerade jetzt die Sitzung statt," fügte der Ehe- �'tlbrt Sie bringen mich in die peinlichste Verlegenheit," flehte der unglückliche Drsgoner. Man parlammtttte noch ein Weniges, aber daS Ehepaar blieb unerbittlich und droht« mit Arrestation durch einen der dereits hinzugekommenen Polizisten, der Lieutenant mußte endlich den Weg zum Gerichtssaal antteten. Niederlassung rusfischer Unterthanm in ihren Gemeinden zu verhindern. Die Gesuche Einzelner, ihnen noch längeren Aufenthalt zu gestatten, find abgewiesen worden. Die Maßregel hat tief einschneidend gewir't, in ein- »einen Fällen find sogar Personen davon detroffen worden, die schon an 40 Jahre im preußischen Staatsgebiete wohnen, und die fich gar nicht mehr als russische Unterihanen betrachten, die entweder selbst oder deren Söhne im Heere ge dient, und auch die Feldzüae mitgemacht haben. Merkwürdiger ist eS. daß einem Schlächtermeister der zur Bismarck'pende 100 M. beigetragen hat, trotzdem er auch auf Grund der Ver- fügung Preußen verlassen sollte, der weitere Aufenthalt ge- stattet wurde. Die Ausweisungen widersprechen dem Völker- rechte vollständig. Nach diesem sollten Massenausweisungen von Angrhörigen eineS Staate?, mit dem wir in Frieden leben, überhaupt nicht stattfinden, fie können vielmehr nur im einzelnen Falle stattfinden, wenn fie durch das Verhalten der einzelnen Person begründet werden. Selbst daS allgemeine Landrecht erkennt an, daß Ausländer, die stch einmal in Preußen nieder- gelassen haben, unter dem Schutze der Gesetze stehen.£ie Leute werden durch die erwähnten Maßregeln vollständig ruinirt. WaS haben denn diese Leute für ein Interesse an der polnischen Agitation, da fie doch nirgend» wahlberechtigt find! Die Ausweisung trifft besonders Katholiken, und eS ge- winnt den Anschein, als wollte man diese besonders treffen, aber mit solchen Maßregeln ist weder dem Katholizismus noch dem Polonismus beizukommen. Der Wohlstand der beiden preußischen Provinzen wird durch diese Maßregel schwer geschäsigt, vor Allem werden aetrrffen die ländlichen Arbeiter, die dei dem Äibeitermangel nothwendig find, und wenn den Frauen und Kindern der ausgewiesenen Familienväter der Eintritt in Rußland ver- sagt wird, so fallen dieselben der Armenpflege zur Last. Die Maßreg-l ist also eine tief einschneidende, verletzt die Humanität und schädigt den Wohlstand der Provinzen aufS Höchste.(Bei- fall bei den Polen und im Zentrum.) Vizepräfident des StaatSministeriums v. Puttkamer� Ich bin den Herren Interpellanten in hohem Maße dankbar dafür, daß fie mir die Gelegenheit gegeben haben, die so hart angegriffene Maßregel vor der Oeffentlichkeit hier zu vertheidigen. Ich hoffe, Sie zu überzeugen, daß die StaatSregierung davon entfernt gewesen ist, in die berechtigten Interessen der polnischen Landsleute und Katholiken einzugreifen. Wir verkennen unsere Pflicht der internationalen Gastfreundschaft nicht, aber diese muß dem wohlerwogenen eigenen nationalen Interesse doch un- bedingt nachstehen.(Sehr richtig! rechts.) Die Theorie des Herrn Vorredners, wonach völkerrechtlich Maffenausweisungen nicht mehr zulässtg sein sollen, würde geradezu jede staatliche Individualität vernichten. Hätten wir etwa die Dänen in Nordschleswig weiter agitiren lassen sollen oder sollten wir, falls fich plötzlich 20009 Vollblutpariser(Heiterkeit) in Elsaß- Lothringen niederlassen, daS ruhig mit ansehen? Das Preußische Landrecht bestimmt allerdings, daß ausländische hier Angesessene den Schutz des GesexeS genießen sollen, aber der Staat hat darüber zu bestim mm welchen Leuten«diesen Schutz gewähren will. Es ist gesagt, die Maßregel sei inhuman, denn fie treffe Leute, die schon an die 40 Jahre hier wohnten. Ja, ei war eben unser Fehler, daß wir solche Zustände so lange duldeten, und wir bemühen unS jetzt, das zu redresfirm. Unser Vorgehen war durchaus notbwmdig, mit Rückficht auf die politische Sicherheit, auf die deutsche Kultur, auf die Pflege deS deutschen Wesens.(Gelächter im Zentrum.) Es hat in den letztm anderthalb Jahrzehnten eine außerordentliche Verschiebung der natio- nalen Mischung zu Ungunsten deS deutschen Elementes und zu Gunsten der Polen stattgefunden. Nach den bisherigen Erfahrungen beträft der regelmäßige Bevölkerungszuwachs in einem zehnjährigen Zeiträume 10 pCt. Aber in dem Jahrzehnt von 1371—1830 ist die Zunahme der Deutschen hinter diesem Prozentsatz weit zurückgeblieben, während die Zunahme der Polen oft über diese Prozentziffer hinausging. Dadurch find auch der Unterrichtsverwaltung sehr große Schwierigkeiten er- wachsen in den utraquistischen Gegenden, wo früher gar kein Bedürfniß nach Unterricht in polnischer Sprache vorhanden war. Von Konfesfion ist hier gar nicht die Rede. Wenn Herr v. Schorlemer neulich gemeint hat, man sollte fich den Katholizismus der deutschen Katholiken in Westpreußen einmal genauer ansehen, so thut er ihnm damit ein schweres Unrecht. Auf den Vorwurf, daß durch diese Ausweisungen die wirthschastlichen Interessen der beiden Provinzen geschädigt würden, muß ich erwidern, daß es den Großgrundbesitzern an der Grenze vielleicht sehr angenehm sein kann, so billige Arbeiter zu haben, daß aber diese billigen pol- Nischen Arbeiter den dmtschm Arbeitern die Konkurrenz auf die Dauer unmöglich machen und die letzteren schließlich zur Auswanderung zwingen. Femer find die Leute durchaus nicht so harmlos, wie eS dargestellt wurde, denn seit 1346, bis zu welchem Jahre Deutsche und Polen friedlich nebeneinander Der Richter war unbeschäftigt, schon nach weniam Minuten hatte man ihm den Fall vorgetragen. Er entschied kurz und bündig: „Der Herr Lieutenant muß zahlen oder in Schuidhaft wandern." „Sofort zu zahlen ist mir unmöglich," verficherte der Herr Lieutmant,„und ist der Preis nicht ein sehr hoher?" „Jeder kann nach Belieben seinen Preis für sein Eigen- thum stellen," sprach der Richter;„übrigens würde ich selbst den Klägem rathen. menschlich zu handeln und dm Offizier nicht unglücklick zu machen" Ein BeifallSgemurmel ertönte von den Bänkm des zahl- reich versammelten Publikums. Der Kaufmann flüstette einige Zeit mit seiner Frau; er schien zur Milde geneigt zu sein, aber sein Zureden ward mit mgergischem Kopfsckütteln zurückgewiesen. „DaS Recht möge seinen Lauf nehmen." rief endlich ärger- lich die Frau.„Herr Richter, ich bitte, daS Weitere zu ver- anlassen." „Einen Augenblick," klang eine tiefe Baßstimme da. zwischen, und ein alter Herr mit vielen Ordensbändern g«schmückt, trat vor dm Richtertisch. „Ich bin der penfionitte General Miloradowisch; Herr Lieutenant, wollen Sie die 200 Rubel als Darlehn von mir annehmen? „Wie dürfte ich das, Exzellenz," seufzte der junge Mann „ich bin vielleicht in meinem ganzen Leben nicht im Stande, das Geld zu beschaffen." „Sie werden es mir bald wiedererstatten können", meinte der General und sagte dem Dragoner einige Worte in'S Ohr. Das Geficht deS Angeklagtm hellte stch schnell auf. «Ich nehme daS Darlehen an," sprach er, die ihm von dem alten Herrn dargereichten Kassenscheine an die Dame über- g'.bend. Dieselbe wollte, ihrem Gemahl dm Arm gebend, den Ge» richtssaal verlaffm. „Nur eine Kleinigkett noch", rief der Offizier.„Ich bitte den H«m dichter, m,r zu meinem Eigenthum zu verhelfen." „Wie so?" fragte der Polizeirichter. „DaS Kleid gehört jetzt mir, ich habe eS bezahlt." „ES soll heute noch an Ihre Adresse abgesandt werdm," bemerkte wegwerfend die Frau,„da Ihnen an dem Fetzen zu liegen scheint." „Nicht doch, meine Gnädige, auch ich bin zu dem Ver- langen berechtigt, daß die Sache sofort abgemacht werde. Wollen Sie mir gefälligst mein Eigenthum übergeben. Ich habe Elle. lebten, mach, fich die polnische Agitation mehr und mehr be- merkbar, und es ist wohl noch bekannt, daß fie mit dem Star- garder Putsch ihren Anfang nahm. Bis dahin herrschte daS friedliche Einvernehmen, weil die Polm noch dankbar dafür waren, daß fie auS einer bodenlosen Barbarei herausgerrffen waren, und weil eine erleuchtete Diözesanoerwaltung vorhanden war, die noch nicht katholisch und polnisch für identisch hielt. Die Maßregel ist nicht ad irato vorgenommen worden, nicht gegen die katholische Kirche gerichtet, sondern einfach eine wohl- erwogene Rückficht auf die Sicherheit des Staates, auf den Fottschritt deutscher Kultur in jenen Gegenden, die desselben dringend bedürfen. Von dem Herrn Vorredner ist in keiner Weise die prinzipielle Seite der Fiage de- rührt wordm. Im einzelnen Falle kann man ja wohl namentlich solchen gegenüber, die in der Arme« gedient oder gar Feldzüge mitgemacht haben. Nachstcht üben, wozu den Oberprästdrnten volle Freiheit gelassen ist. Nun h« man uns gesagt, ei hätte auch so oerfahren werden können, daß man nur den Zuzug verhinderte und dann eine Amortt- sation diese» ausländischen Elements abwartete. Aber wenn schon die Russen mit ihrem dreifachen Grenzkordon die Aui« Wanderung nicht verhindern können, wieviel weniger könnten wir das mit unseren Mitteln, die so gering find, daß Sie im nächsten Etat wohl eine ganz bedeutende Liquidation für Ver« stärkung der polizeilichen Kräfte in den Grenzdistrikten vorfinden werden. Die Gesammtzahl der stch hier aufhaltenden Ueberläufer beläuft fich auf 30 000; von diesen haben unge- fähr 22000 stch um die AufenthaltSerlaubniß beworben. ES fällt unS gar nicht ein, gegen diese inhuman zu verfahren, aber gegen diejenigen, welche fich gewissermaßen inS Land hin« eingestohlen haben, mit Rückficht vorzugehm, haben wir gar keine Veranlassung. Wenn man mir vorwirft, darin, daß man die Leute jetzt ausweist, liege eine besondere Hätte, so bestrette ich das entschieden. Hätte man die Leute im Winter au»« gewiesen, so wäre unS doch der Vorwurf gemacht worden: nun stoßt ihr diese Unglücklichen in den Winter hinaus. Gerade deshalb haben wir den jetzigen Zeitpunkt gewählt, um den Ausgewiesenen die Gelegenheit zu geben, sich drüben durch Gewinnung von Arbeitsgelegenheit ihr Brov zu erwerben. Ich will zugeben, daß auch unsere Grundbesttzer hart davon detroffen werden, so find z. B. auf einem Gute im Thomer Kreise von 31 Arbeiterfamilien 28 ausgewiesen worden, aber auch hier ist der relativ beste Zeitpunkt gewählt. Die Früh- jahrsbestellung ist vorüber, eS folgt eine arbeitsfreie Zeit, wo die Herren fich nach inländischen Arbeitskräften umsehen können. Die Maßregel ist also nothwendig und ersprießlich, fie wird ohne Inhumanität durchgefühtt und trotz aller Einwendungen werden wir fie nicht aufgeben.(Ledhafter Beifall rechts. Zischen im Zentrum und bei den Polen.) Auf Antrag deS Abg. Windthorst wird ,n erne B? svrechung der Interpellation eingetreten. Abg. W i n d t h 0 r st ist'überrascht darüber, daß der Mp nister so gar keine Rückficht auf die von dem Abg. Spahn vorgetragenen Momente nehmen zu wollen erklätt habe; man müsse solche Erklärungen festnageln, fie zeigen so recht, wie man das Parlament als Nebensache zu behandeln fich in der Regierung mehr und mehr gewöhne. Aber eS gäbe noch ein höheres Tribunal als die Meinungen der jeweiligen Minister, das sei die öffentliche Moral, die Zivili- sation, die durch die Welt gehe. Habe man denn gar nicht bedacht, daß Rußland an den vielen tausend Deutschen, die dort ihr Brot verdienten, Repressalien üben könne? Und wo bleibe Venn da» freundnachbarliche Verhältntß zu Rußland auf welches man mit Recht allerseits den größten Werth lege f Auch nach seiner Ueberzeugung sei eine solche MassenauSwei« sung völkerrechtlich ganz unzuläsfig; höchstens die alte absolute StaatSidee könne fie noch als Machtmittel in Anspruch nehmen. Und wie habe man denn im letzten stanzöfischen Ktteae die Ausweisung der Deutschen auS Frankreich beurlheilt und habe denn nicht Frankreich für die unS dadurch zugefügten Schävi« gungen Entschädigung zahlen müssen und gezahlt� Der Mi- nister möge stch doch vorlesen lassen, waS Bluntschli und Heffter über diese völkenechtliche Frage niedergeschrieben haben. Von einer Maffeneinwanderung stt gar nicht die Rede, sondern von einer allmäligen, die fich über 50 Jahre erstrecke. Warum weise man denn nicht auch die 2000 Pattser aui. die hier in Berlin ansässta seien und deren Einfluß auf deutsche» Leben und deutsche Sitte sich doch auch in nachtheiligem Sinne geltend machen könne; warum nehme man hier offenbar auf die vielen Deutschen Rückficht, die in Paris leben? Gegen solche Anschauungen, wie fie der Minister namens der Regieruug bekundet lege er im Namen der Humanttät und Moral öffentlich Verwahrung ein; die Ausweisung, wie fie vorgenommen werde, charaktettfire fich als eine brutale Ataßregel.(Große Unruhe rechts.) Si« werde auch gegen die 20 000 durchgeführt, die ihre Aufenthalts- erlaubntß befitzen, ja auch gegen solche, welche ihrer MUttak» Pflicht genügt haben, und es stt gar nicht zu verstehen, wie Nur mit Mühe ward daS im Zuhörerraum entstehende «ichern unterdrückt. „Aber ich kann doch hier im GerichtSsaal mttn Kleid nicht ausziehen!" r,ef purpurroth vor Scham die Kaufmannt frau. „O, eS ist jetzt mttn Kind," entgegnete kaltblütig der Der Mann verficherte nochmal verlegen, daß da» Klttd so- fmt zugesandt werden solle, denn eS könne doch nur ttn kleiner m 2.L/T' M lerne Frau zur Entkleidung hier im Gerichtssaal aufgefordert werde. und Sir3"�8"1 Ia4ten Iaut' �ter gebot energisch Ruh«' „Tausend Rubel- daS ist unverschämt!" schrie die D-M« (nD. � MMWM MWLWSSS naiS nTÄS«WÄÄS?""'* »,?e?wst�en; diese würden jetzt einfach len sehr schweren Mngen preisgegeben, die ihrer in Russland dafür harren. benn der Mmtster gar nichts von dem Zuge von Osten festen? ES sei doch sehr zu wünschen, dass dieser mne i-tzige Ztatur beibehalte, als daß steh der Einwände» f.,°us Osten lawinenartig über unS ergieße. Diese , Ie> einfach grausam, sie werve von anderen Nationen unS ihre Scharfe erst zum Bewußtsein �lBessall bei Zentrum und Polen). i v. tzeeremann erklärt, daß er den AuS» bÄ. Maßregel", auf daS Verfahren der Regierung M i cht � p°klamentalisch zuläsfig nicht erachten könne. waS die Regierung"praktisch durchgeführt hat. vrn Minister verliest den bezüglichen PassuS.) Im iff�er v. Pu ttkamer: Der von dem Vorredner i� üh�hrer Heffter stimmt ganz mit demjenigen � in RV."..... tn ®.fül)l,(onötm muß stc mit tum falten if tuiftrÄmTm � Rede stehenden Polen find ohne Er I Arff.Regierung ausgewandert; die Analogie i> ausgewiesenen Deutschen entfällt � habe ich gar nicht von den Parisern in Berlin ge» >m0LVm auf Elsaß-Lothringen verwiesen, wo ganz be» Äältniffe obwalten. W-.h r: Man. darf diese Angelegenheit nicht sondern muß ste mit dem kalten Verstände Erlaub niß mil den an«, v—->—------- Deutschen entfällt damit. UlJ'Mneten Windthorst ist die Ausweisung ein -°a»nener Anlaß, um sein Bündniß mit dem tili w,x viniOB, um lern ajunumg mu ucwi ch di-'twaS fester zu kitten.(Lachen im Zenttum) Daß iige N�n?5?enhaften Einwanderungen eine unverhältniß- «i�d n. rkurg des PolenihumS stattgefunden hat, wird NZNen. Die deutsche, ohnehin in den Grmzbezirken ..�,."°-lttung ist zurückgedrängt oder zur Auswanderung Scu»., worden. Dagegen mußte die Regierung«intreten, »ick,., s-haffen war ihre Pflicht. Es handelt fich ja »iiii, die Kreme der rusfijchen Gesellschaft: die besten il- Jv"en nicht über. Die meisten haben irgend etwaS namentlich jüdische Handelsleute, gedenken bei %' zu machen. Richtiger wäre es allerdings, xf.f�en, die Ausweisungen im Herbst erfolgen zu tzu, und völkerrechtlich ist aber die Maßregel nicht iairn\ volitisch war ste nothwendig; daS Abgeordneten» % ig, n Regierung dafür nur dankbar sein. Nur sollte «. nue Zukunft eine Generalinstiuktion bezüglich aller k;|| � n nn die Behörden erlassen, damit der plötzliche * Behörden, Regierung weniger hart auf die Bethetligten bldihh' �äkowSkt- ES wäre doch die Sache des #5°� der Provinz Westpreußen, des Herrn Dr. Wehr ''"voit.i �ser Angelegenhett der Angehörigen der von irfc ,, n, Provinz anzunehmen; sein heutiges Austreten „[If ,Wn« Pflicht gar nicht versteht.(Zustimmung Die Provinz Westpreußen hatte eine ruhige, %»«% ungebildete Bevölkerung und zwar sowohl in '»isckli.imf vorwiegend deutsch, als auf dem Lande, daS Isii gl» � polnisch bevölkeit ist; erst sett dem Kultur- h.» m?!"8 und schlechter geworden und die neueste �treiben. W'nisteriums werde die Erdtttemng auf dm ihtutm»'In �* 1 vertheidigt die Maßregel, deren humane ng dtrseia, selbstverständlich häll; Sie nachtbeilige Ein» »llzu«>f die Verhältnisse deS GrundbefitzeS könne Iba. gn, �tend nicht veranschlagen. San, �"dthorst: DaS Zitat auS Heffter widerlegt M gar nicht; ei spricht bloS von Zurückzuweism» anweise nochmals auf Bluntschli, undlbalte meine �SzMung vollständiglaustecht, wie ich auch nochmals !"»in>- von Repressalien betone. Auf meine An- *i betreff deS für die Ausweisung gewählten Zeit- : ij»,. wir der Minister gar nicht geantwortet: ich wieder- liti Me Ausweisung ver Schub ist grausam und eines »ii».AaateS nicht würdig! Die Ausweisung trifft überall Wfflenb« Welt, und die Klagm deS GrunddefitzerS � � Dichaus begründet; wenn Herr v. Köder fich M xZ Magdeburg veschricden hat, so hängt daS jedm- f bi«?n�?�krifiS zusammen. Wogegen ich plaidire, ■'Wh.�wirkende Kraft, die man diesm AuSweisungs» »"eil h.» 8!" ES war recht bezeichnmd, wenn der Kollege V rviff" Beurtheilung dieser Frage das Gefühl auSge- s f wollte. Jtdjow: ES handelt fich bei den AuSweisungm fito.il08 um die arbeitende Welt; seit Jahr�und Tag irwachung und AuSn zuletzt lli N vermochte �Ug��eberwachung und Ausweisung ru fischer Studenten t�tn zuletzt auch meine persönliche Bügschaft nichts zu Inzwischen ist der AuSliiferungs- und ich kann an eine zusällrae jetzt nicht mehr glaubm. ES ist .___________ Präsumtion, jeden Russen einfach verdächtig an,usehm. bloS weil er ein Russe ist; K'S'Ärri, Ii"»«!«-.8af J horridle ih '�nzverkehr muß auf's Aeußerste beengt und be« noch ?" drüben Gleichmäßigkeit herrschen; wir können Äz �"austreiben, ohne darauf gefaßt zu sein, daß tii Für? bie Deutschen auS Rußland hinausgeworfen - � nick«" Augenblick find ja vielleicht solche Re- wr»u k.r«...-..r... tzxm Wachithum der „Su desorgm; aber... u>rl>ii,t,�w«gung und dem steiamden Deutschmhaß Etwas sanfter hätte also auf unserer «�"ur bitt müssen, und auch ich kann den %r Mos."?vd ihm empfehlen, von einer so schroffen >t zurückzutreten. 8�stand verlaffm; eS folgt eine Reihe k» Pstitio» über Petitionen. de« soM Nicolas Rath in Trier bezüglich der ük' über � Rheinischen Städteordnung vom 15. *%%%& bis Donnerstag Otiten o k s! e s. ttnj1«Male ist gestern einige Minuten vor 3 dem hiswK' im kaiserlichen Palais, und zwar lsethurmi, der altm hofft man mit End« %#### "malten, wird wohl der Rest de« au« I Holzfachwerk konstruirtm PavillenS zusammenstürzm. Schwierig wird auch die Beseitigung der Pfähle, auf welchen der Pavillon ruht, sein, da fich daS Holz im Laufe der Jahre im Erdboden sehr festsaugt. Der Pavillon mit der Laufdrücke wurde im Jahre 1875 erbaut, hat also ein zehnjähriges Bistehen hinter fich. Die Einbrecher, welche die Rathcnower Regiment lasse entführt, erbrochen und geplündert haben, find schon am Man tag von der hiefigen Kriminalpolizei ermittell und hier dingfest gemacht worden. Es find die beiden Fahnenflüchtigen NamenS Schütz: und Och«, auf welche fich von vornherein der Verdacht gelenkt hatte. Die gistohlene Summe— genau waren eS 12057 Mark 29 Pfennige— ist nahezu noch vollzählig bei den Spitzbuben vorgefunden, so daß die Kasse nur ganz gelingen Schaden erleidet, da die Langfinger die vorgefundenen Werthpapiere gleich zurückgelassen haben. Die Deserteure, welche mit der Oertlichkeil völlig ver« traut waren, find in daS Haus des Regiment« Kommandeur«, vor welchem ein Fahnenposten steht, von der rückwärtigen, der Gartenseile aui durch ein Fenster eingedrungen, nachdem ste eine Scheide desselben mtt einem Klebepflaster eingedrückt und die Entriegelung bewirkt hatten. Die zum Oeffnen der Kasse angewendeten Werkzeuge, die fie am Thatotte zurückließen, halten fich die Diebe in derselben Nacht durch eine Einbruchs« vifiti bei einem Raihenower Schloffermeister verschafft. Der RückiranSport der beiden Verbrecher nach Rathenow ist, wie die„StaatSb.'Ztg." erfährt, im Laufe deS gestrigen Tages de« wirkt worden. a. Gegen 560 Kinder find im Jahre 1884 bei der Berliner Allg« meinen Sicherheitspolizei(IV. Abtheilung) Anzeigen über strafbare Handlungen zur etwaigen Einleitung deS ZwangSerziehungiverfahrenS eingegangen, und zwar wegen Diebstahls gegen 267 Kinder, wegen Betruges gegen 6 Kinder, wegen Unterschlagung gegen 12, wegen Hehlerei gegen 4, wegen Brandstiflung gegen 1, wegen SittlichkeitSoergehen gegen 4, wegen Köiperverletzung gegen 6, wegen Sachbeschädigung gegen 21, wegen Betteln« gegen 147, wegen fortgesetzten VagabundirenS gegen 35, wegen groben Unfugs gegen 6, wegen Blumenhandel ic. gegen 46, wegen Darbieten von Schaustellungen gegen 5 Kinder. Diese Kinder befanden fich — mtt Ausnahme von 64 Kindern— im Alter von 6 bis 12 Jahren. Hierzu kamen noch 86 Kinder, welchen von den Eltern der nöthige Unterhalt versagt ist, welche in grausamer Weise gemißhandeit und deren Erziehung vernachlässigt worden; bei 42 dieser bejummernSwerthen Kinder ist gerichtlich den Eltern das Erziehungsrecht entzogen worden. Von den Kindern, gegen welche wegen strafbarer Handlungen Anzeipen gemacht worden find, ist bei 103 Kindern gerichtlich auf Zwangserziehung und bei 33 Kindern auf Entziehung des elterlichen Er- ziehungsrechtS erkannt worden. Polizei Bericht. Am 4. d. M. Abends fiel der Portier Schittmar, Leipsigei str. 57 wohnhaft, als er fich nach dem Aus- löschen der Gasflammen auf dm Treppen von dem richtigm Verschluß der Gailettung überzeugen wollte, in der Dunkelheit die Treppen hinab und erlitt dabei einen Schädelbruch, in Folge dessen er noch in derselben Nacht verstarb.— Um dieselbe Zeit wurde ein Tischler auf dem Küstrinerplatz bei einem mit mehreren unbekannt gebliebenen Personen stattgefundenen Streit derart zu Boden geworfen, daß er dm linken Unter- schenke! brach und mtttelst Droschke nach dem Krankmhause im Friedrichshain gebracht werden mußte.— Am 5. d. M. Vorm. fiel eine Frau an der Oranienbrücke über eine Weiche der Pferde« bahn und erlitt dabei eine bedmtende Verletzung an der Stim. Nach Anlegung eine« Verbandes begab fie fich mittels Droschke nach ihrer Wohnung.— An demselben Tage, NachmiltagS, wurde ein 12 Jahre alter Knabe beim Ueberfchreiten deS Fahr- dammes an der Friedrichs- und Dorothemstraßen- Ecke von einer Droschke überfahren und erlttt dabei einen Rippenbruch und eine starke Quetschung deS linken Handgelenk«. Er wurde leinen Eltern in der Äauhoffttaße zugeführt.— Am Nachmit- tage desselben Tage« stürzte ein berittmer Schutzmann auf dem Akphaltpflaster an der Schloßfreiheit mit seinem Pferde, wobei er am rechten Kniegelenk und am rechten Unterarm de» deutend verletzt wurde.— Um dieselbe Zeit wurde ein 10 Jahre alter Knabe vor dem Hause Laufitzerstr. 50 von einem Schlächterfuhrwerk überfahren und so schwer verletzt, daß er nach Bethanien gebracht werden mußte. Gerichts'Rettung, Wege« vorsätzlicher Körperverletzung seines eigenen 14jäh,igen Sohnes hatte fich gestern der Gelbgießer Spreetz vor der fünften Strafkammer hiesigen Landgerichts I zu ver- antworten. Ter Angeklagte, der seinem Sohne Oikar den Besuch seiner von ihm getrennt lebenden Mutter untersagte, erfuhr, daß derselbe dieses Verbot überschritten und war darüber so erbittert, daß er den letztern nicht nur mehrmals mit der Faust inS Geficht schlug, sondern ihm noch mit einem mtt einer Schnalle versehenen Riemen htst ge Schläge über die Schulter versetzte. Der dem Knaben gestellte Pfleger stellte den erfoiderlichen Strafantrag und der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu vierzehn Tagen Gefängniß, weil seine Absicht über da« ihm zustehende Züchtigungsrecht weit hinaus« gegangen ist. P. Ter funkelnagelneue Ueberzteher eine« auf dem Spindauer Bock anwesenden GasteS bot dem Pfeffermünz- kuchenhändler Rundzick, als er am Charfreitag dortselbst seine Waare stundenlang dem Publikum odne Erfolg feilgeboten, eine günstige Gelegenheit, der durch Mangel an Käufern ent» standenen Ebbe in seiner GeschästSkaffe abzuhelfen. Er be« nutzte einen ihm günstigen Moment des allgemeinen Trubel« und verschwand mtt dem Ueberzieher, den er noch an dem- selben Tage wett unter dem wirtlichen Werth für 4 M. ver» kaufte. Dem Bestohlenen, einem Berliner Kaufmann, ward in Folge seiner Anzeige die Genugthuung, den gefährlichen Pfeffermünzkuchenhändler gestern vor der Strafkammer deS Landgericht«, wegen Diebstahls angeklagt, auf der An- klagebank zu sehen, aber die Wiedererlangung de« gestohlenen Kleidungsstückes machte der Angeklagte dadurch illusorisch, daß er konsequent im Audienz- Termin bei der bereit« früher ge- machten Erklärung verblieb, da« Diebstahls.Objekt einem Un- bekannten verkauft zu haben. Der Staatsanwalt beanttagte gegen dm bisher unbescholtenen Angeklagtm 4 Wochen Gefängniß. Der Gerichtshof jedoch ging noch über die» Straf- maaß hinaus und erkannte mit Rücksicht auf den erschwerendm Umstand, daß der Diebstahl in einem öffenttichen Lokale mit großer Frechheit ausgeübt war. gegen den Angeklagten auf 3 Monate Gefängniß. Daß e« nicht immer rathsam ist. gegen eine milde Vermtheilung Berufung etnzulege« und dies vorerlig au«- »usprengen, bewies eine gestern vor der fünstm Strafkammer hiistgen Landgerichts l wegm vorsätzlicher Körperverletzung mittels eines Messers stattgehabte Verhandlung. Der noch nicht 14 Jahr alte Angeklagte hatte fich auf dem Nachhause» wege auS der Schule am Mittag deS 11. Dezember so von einem Schulkameraden aufhetzm lassen, einem Gymnasiasten zu verfolgen und demseldm einen Schlag gegm den Hinter- köpf zu versetzm. Unmittelbar darauf bemerkten einige Mit« fcfcület deS Angegriffenen, wie Blut aus einer auseinander. auf acht Tage Gefängniß nur ein Verweis zudiktirt werde. wobei er die Erwartung aussprach, daß die in dem Termin anwesende Mutter ihrem Sohne die wohl- verdiente Züchtigung zu Theil werden lassen würde. Hiermit kam er aber schön an, die Mutter verwahrte fich dagegen und trat derartig heftig auf, daß der Vorfitzende ste wiederholt zur Ruhe verweisen mußte- Der Gerichtshof verurtheilte alidann mit Rücksicht auf das Abstreiten deS An» geklagten und das Austreten der Mutter einerseits und andererseits auf die Fürsprache de« als Nebenkläger zugelassenen VaterS deS Verletzten den jugendlichen Bösewicht zu 10 Mark eventuell 2 Tagen Gefängniß. Hiergegen legre die Mutter deS Angeklagten Bemfung ein und nahm zu« Vertretung derselben den Rechtsanwalt Müller an. Der ver» urtheilte Knabe begnügte fich damit nicht, er posaunte diese Thatsache auch dem Verletzten gegenüber aus und drohte dem« selben, daß er nunmehr den Spieß gegen ihn wenden würde. Dieser Umstand war für den Nebenkläger bestimmend, auch seinerseits Berufung einzulegen, wozu auch noch der Empfang eines beleidigenden Briefes seitens ver BerufungSklägerin bei- trug. Auf Veranlassung der Letzteren waren zum gestrigen Termin noch 3 Entlastungszeugen geladen, die aber zur Sache absolut nichts auszusagen wußten. Der Nebenkläger plaidirte auf Auftechterhattung der ersten Feststellung und eine mäßige Erhöhung der veihängten Strafe, um dem Angeklagten da» Unrecht seines Exzesses eindringlich vor Augen zu führen.— Rechtsanwalt Müller beantragte Freisprechung de« Angeklagten, da keiner der Zeugen daS Messer in dessen Hand gesehen hat» Der GetichtShof trug dem Antrage deS Nebenklägers Rechnung, erhöhte die Strafe auf 15 M. ev. 3 Tage Gesängniß und legt« der Berufungsklägerin die Kosten der Berufungsinstanz auf. Josisles uu« Arbeiterbewegung. An die Schuhmacher Berlin«! Kollegen, schon wieder bietet fich uns Gelegenhett, zu zeigen, daß die Arbeiter unter einander solidarisch verbunden find. Unsere Kollegen in Dre«- den find durch schlechte Löhne und übermäßig lange ArbettSzeit gezwungen, ihre Arbeit niederzulegen. Der Kampf ist ein harter, da die Innung ihnen harten Widerstand entgegensetzt. Darum auf. Kollegen! Zeigt, daß Ihr gewillt seid, unsere Dresdener Kollegen zum Siege zu verhelfen, traget so schnell alS möglich Euer Scherflein dazu bei, denn ihr Sieg ist auch unser Sieg. Beiträge zur Unterstützung der streikenden Kol« legen in Dresden nehmen zu jeder Zeit entgegen: A. Wasewitz. Fruchtstr. 35. H. i. Keller, und I Cge, Dragonerstr. 48, H. l. Ii. Die Lohnkommisfion der Schuhmacher Berlin?. I. V.: A. Wasewitz. Mädchenhandel. In der letzten Zett liest man wieder viel von dem Handel mir Mädchen. So erfährt man, daß in Budapest eine organifirte Bande, eine förmliche Aktienge« sellschaft besteht, welche den Mädchenhandel nach der Türkei und Egypten betreibt. Durch Geld und gute Worte, ja durch allerlei LtebeS Händel werden hübsche, junge Mädchen besonder» auS den wenioer bemittelten Ständen zur Auswanderung ver- führt. Dieselben werden dann in die Harem« nach dem Orimt gebracht. Man sagt, daß die ungarischen Mädchen fich besser an da« südliche Klima gewöhnen und auch sorgloser seien, wie die westeuropäischen, so daß fie chr Loos leichter ertrügen. Zum Ersatz aber werden schweizerische Mädchen nach der ungarizchen Hauptstadt gebracht; dieser Handel wird unter dem Deckmantel der Stellenvermittelung gettieben. Einm lehrreichen Beitrag zu diesem traurigen Kapitel, so schreibt die „Neue Züricher Zeitung", liefert ein jüngst veröffentlicher Brief von Mme. Rolle, der Vorsteherin des Echwcizerheims in Bu« dapest. Ei wird da erzählt, daß neulich eine Mävchenhänd« lertn eine ganze Schiffsladung minderjähriger Mädchen erhalten habe, welche auS allen Theilen der Schweiz nack der ungariscken Hauptstadt versandt worden find. Die meisten dieser Mädchen hatten fich wohl gutgläubig als Gou- vernanten, Erzieherinnen u. dergl bei den Agenten sogenannter Plazirungibureaus gemeldet.— Es ist sonderbar, überall ist die Polizei am Platze, besonders wenn eS fich um polttische Vergehen handett. Da findet man einm Kräfteaufwand, der inS Kolossal« geht, aber bei solchen Schwindeleien, die doch an Verbrechen grenzm, scheint die Polizei ohnmächtig zu sein. Pom Recht auf Arbeit. An der Anhatt schm Bahn find Streckenarbeiter deschäfltgt; da ist z. B. ein Arbetter de- schäftigt und bekommt pro Arbeitstag 2 Mark. An Sonn« und Festtagen wird nicht gearbeitet, da giebt«I also auch nichts zu verdienen, sodann gehen 3 pCt. für die Krankenkasse ab, macht pro Monat M. 180. Es gehen also im Monat, ohne die Festtage gerechnet, dem Arbeiter 4 Sonntage ver- lorm, macht M. 8, also verdient derselbe pro Monat zu 30 Tagen gerechnet, die kolossale Summe von M. 50,20. Dieses Geld wurde bis zum März ziemlich„pünktttch" alle 14 Tage ausbezahlt, nämlich am 16. Januar und sodann am 6. Februar, die Fälligkeitstermine waren am 15. Januar und 1. Februar. Bei der letzten Lohnzahlung hieß eS: Vom 1. März d. I. ab giebt eS nur monatlich Geld und es geschah so; nach vielem Drängen von uns beim Lohnmeister am 16 Marz erhielten wir M. 10 Vorschuß, ebenso war eS im April diesmal, nur mit der recht trösilichm Bemerkung, daß e» von jetzt ad keinen Vorschuß mehr gebe.„Vorschuß" nennt man also sein wohlverdientes Geld; nach allem Abzug arbeiten die Arbeiter pro Tag von Morgens 6 Uhr ab für M. 1,68, davon ernährt z. B. ein Arbetter Frau und mehrere kleine Kinder. E« soll Miethe gezahlt werden, kleiden müssen fich die Leute auch, Schulden sollen nicht gemacht werden, sonst ist bei etwaiger Anzeiae die sofortige Entlassung angedroht. Da muß man wirklich sagen: der Lohn ist zum Verhungern ein klein wenig zu viel und zum Sattessen viel zu wenig!! tart«, 2. Mai.(Zum Streik der Schneidergesellen.) itreik der hiefigen Schneidergesellen nimmt einm er- regtm Charakter an. Am Frettag htettm die Streikmden wie- der eine Versammlung ad. in welcher mehrere Bevollmächtigte darüber Klage führten, daß eine Anzahl von Arbettgebern. die ste zum Beitritt zum neuen Lohnsatz aufgefordert hattm, ihnm mtt R-volverschüssm und Degen gedroht bitten, der Vorstymd« der Versammlung lud dieselben infolgedessen ein, fich gleich- fall« zu bewaffnen und Jmen Kugeln durch dm Kopf zu jagen. Alle deutschen Ardeitgeber haben den nmen Lohnsatz angmom« men, aber die franzöfischm und englischen mit Ausnahme von fünfzehn weigern fich biS jetzt, darauf einzugehm. Die großm Magazine, in welchen die Abgeordneten der Arbeiter keinm Zutritt erhalten, werden von Stadtsergeantm bewacht, wett be» fürchtet wird, daß die Arbetter, welche zu arbeiten fortfahren, von dm Aufsäsfigen mißhandelt würden. Tagesliste der König!, sächfischeu Laudeslotterie. Ziehung vom Mittwoch, dm 6. Mai. (Ohne Gewähr!) 264 61 75 390 699(300) 964 434 961 482 673(1000) 441 550 997(300) 660 738 791 878 84 289 511 781 297 699 980 834. 1563(300) 764 75 695 510 275 73 973 261 843 692(500) III 429 657 740 556 597 714 81 878 (300). 2261 364(300) 4 289(3000) 440 21 206 195 748 994(300) 14 425 638 623 536 798 926 944. 3952 135 112 521 520 652 325 874 859 468 188 560 471 642 421 323 938 55 690 333 796 877 562(300) 513 439 317 4Ä» 976 Ä)757478 78 M80%&7 töoof �5575 mfimmm 199 358 945 559 530 976 462 139 785 630 465 8347(300) 27 252 958 661 996 682(300) 297(3000) 754 509 284 657 916 346 108 906(500) 306 970 206 6 559 760 529(1000) 534 887 474 183. 9628 654 567 538 836 526 574 467 995(2000) 657 366 869 578 144 79 793 333 104 879 402 202(300) 738 331 811 274 718 255 10180(3000) 957 136 601 443 354 904(500) 737 203 265 750 834 941 277 651 747 842 728 851(3000). 11187 743 201 508(500) 232 854 476 564 760 664 900 166 520 309 9a6 710 300 738 973 398 209 881 627. 12443 574 800 251 89 858(1000) 147 768 379 661 440 58 701 656 302 429 671 526 665 13747 68 5 923 714 345 654 629 354(1000) 349 680 249 704 848 321 469 22, 14132((500) 812(300) 753 896 7(300) 774 117(1000) 877 542 647 629 936 84 646 679 513 742 528 897 368 715 138 342 406 235 941 15568 (300) 223(1000) 465 782(1000) 595 510 101(300) 851 915 929 25 381 815 48 386 415 64 151 662 500 512(300) 443 857 260. 16950 986 114 112 470 958 764 772 397 441 5 474 39 794 245 101 887(300). 17615 536(500) 555 517 610 267(300) 476 223 813 455 151(300) 647 702 240 318 385 662 976 47(300) 425. 18430 457 356 417 258(1000) 781 178 251(300) 95 359 483 322 759 186(500) 751 812 525 749 888. 19156 758 142 77 402 85 236 493 364 313 477 778 849 969(500) 868 391 50. 20060(300) 788 809 547 289 820 631(500) 880 271 223 132 748(3000) 133 984 44 744 899 138 21000 204 42 193(3000) 599 248 137 812 836 421 863 176 821 370 598 58(3000) 937 689 556 665 90. 22702(500) 998 998 580 215 738(3000) 329 255 921 341 761 668 299(3000) 775 (500) 694 154 514 491 989 659 172 79 543 253. 28360 762 811 961 981 385 619 567 832 709 900 551 873 349 219 63 783 70 191(500) 451 102, 24418 289 651 214 715 998 26 (1000) 703 633 778 624 614 243 426 505 979 982 867 417 (300) 449. 25161 992 175(150000) 321(1000) 461 662(3000) 538 759 94 260(300) 106 82 888(3000) 907(1000) 880 7. 26000(300) 822 586 218 748(300) 678 481 214 68 944 356 83 915 894(300). 27993 467 597 163 268 726 689(1000) 944 333 661 824 768 676(300) 690 375 278 39(500) 361 222. 28124 428 688 864 180(300) 883 361 34 619 809 464 170 934 471 463 50 558 179 114 240. 29265 3 185 541 242 601 321 934 552 87 174(300) 488 377(300) 973 528 685 946 254 972 629. 80742 548 480 609 165 987 259 241 831 94 515 452 81412(300) 117 530 34 909 741 831 284 173 201 821 639 862 551 230 664 910(1000) 442 757(300) 695 614 715 816 (300). 82949 817(300) 616 200 400 709 100 441(500) 373 18 781. 83133 349 465"26 821 193(500) 430 556 449 247 187(3000) 142(500) 308 915 709 512(500) 500. 84809 261 531 419 169 366 418 6 821 202 473 675 483 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120. 80176 355(1000) 759 755 188 999 19 86 523 72 897 454 353 316 468 627 99 841 840 258. 81579 386 346 50 529(300) 39 554(500) 516 228 382 695 363 563 62 82932 423 382 725 774 294 827 402 210 86 872 634(300) 716 939 915 884 224 732 856 416 771 553. 83086 1(500) 332 934 454 286 987 107 7 821 919(500) 254(5000) 609 4 401 785 9C0(300) 375 344 15 742, 84724 449 560 443(500) 977 880 713 764 28(300) 305 234 732 149(500) 984(500) 411 864 4-0 238 420 570 886 431 447 581 120 128 563. 85355 870 354 471 295 423 339 597 718 867 651 654 930 454 289 851 6 162(300) 755 961. 86090 810 69 343 221 59 57 354 193 738 167 961 9 227 491 661 596 888 807 329 713 493 534 630 841 562. 87910 100 522 662 904 693 961 926 145 806 706 561 87 470 115 697 472 960(300) 784 448 537. 88991 233 82 647 898 315(300) 470 254 998 777 398 949 143 SOI 583(300) 887 106 473 810 740(500) 939 528 117 (500) 878 393 920. 89328 564 2 454 718 512(500) 18 625 231 399 914 39> 955 91ö 818. 90583(1000) 696 832 963 77 381(3000) 699 981 199 432 525 613 442 865(500) 662(500) 212(500) 413 242 (3000) 733 730 841 499 422 359. 91167 709 8 841 222 940 108(1000) 958 571 542 166 353 509 782 747 857 881(300) 299 951 792 308 615 280 647 593 922. 92590 17 630(300) 586 516 243 853(3000) 269(500) 594 931 173 283 709 563 469 806 440 217. 93374 716(500) 779 342(300) 915 474 360 897 427 287 74 654 190 775(300) 121 639 741 764 369 165 178. 94525 994 825(3000) 151 103 660 24 553 36 816 57 555 125 16 280 566 785 240 544 392 651 346 95165 624 53 54 843 986 497 853 739 975(300) 801 542 530. 96116 691 255 343 110 475 524 449 779 812 468 591 714 768 985 354. 97225 471 662 852 300 24 222 359(3000) 541 660 520 892 969 176(1000) 596 794. 98884 770 931 (1000) 13 893 29 60 595 882 520 332 587 32 914 596 451 756 267 545 172, 99429 570 891 899 414 801 910 8ö0 917 262 225 779 115 334 324 884 671 536 40 292 447 189 802. PermisMes. Marschall v. Biberstein. Wir meldeten vor Kmzrm den in Zürich erfolgten Tod dieses Achtundoierzigert. Der„Frkf. Ztg." werben heute die näheren Umstände miUetheilt, wie Marschall o. Bielstein nach fein« Flucht auS Dresden vor der Verhaftung gerettet wurde, v. B. war Advokat in DreSden, eifriges Oiftglied des Vate,lands> Verein», des Sammelpunktes der Dresdener Demck atie, und hatte stck in hkrvorragender Weise an dem Barrikadenkampf betheiligt. Nach Niederwerfung des Ausstandes suchte er Über � WHDW MW WWZHvnnitz, Krimmitschau, Wcrdau nach Thüringen und von da weit« nach Frankfurt a./M. und Bavrn zu entlommen. Fn einer kleinen sachfischrn Stadt aber wurve er nkannt, Cie„Leipziger Zeitung" enthielt schon seinen Steckbrief. Polizei- und Kommunal- gardisten wollten ihn oerhaften. Er flüchtete nach einem Platz, wo Maurer und Zimmer!rute arbeiteten und suchte dirse zu überreden, damit fit ihm beiständen. Jndrffen die Leute waren zu eingeschüchirrt, um ihm die Flucht nr ermöglichen undMarW v. Biberst in sollte eben von srinen Verfolgern ergriffen und M Gefängniß abgeiübrl werden, als eine am Tage vorher vonGm oufgibrochene 180 Mann starke Freischaar, die Dieeden zuM ziehen wollte und noch nichts von der schon erfolgten Nied«' werfung des Ausstandes ttufcle, erschien und B. aus den händr« de? Po>i, ei und Bürgergardisten befreite. Der Befedlehrbe' M Geraer Freisckaar war der Eckrifrste&r Hermann Stcmgradn B. wurde unter stcherer Bedeckung von einigen gurbewaff««� Freischärlern nach Gera gebracht, wo er vom Vorstand W dortigen Vaterlands»« eins ein paar sichere Leute und ein« Paff erhielt, der ihm durch die Virmittelung des schreiberS Klcederg, der«in Freund der Demokratie war, � schafft wurde. Dadurch gelang eS ihm, über Baicrn# Baden zu entkommen. Die Geraer Freischaar marschiite M Biberfleirs Befreiung weiter, biS sie in Krimmitschne Fall Dresdens erfuhr. Sic bewerkstelligte ihren RmB über Greiz unbehelligt und traf nach fünf Tagen wieder» Gera mit klingendem Spiel, d. h. unter Trommelwirbel w* Hornffgnal ein. Eine gerichtliche Verfolgung hatte die W legenheit nicht. Piraterie in der Nordsee. Am Donnerstag Hai � den Äififfcn für Norfolk und Suffork in Josvich die Handlung gegen die englischen F/scd« stattgefunden, w#" vorigen Sommer die beiden deutschen Kutier„Dievrich'? „Anna" in d:r Nordsee beraubt heben. Wir Heden b«]® früher über die Voruntersuchung!eri gtet; Neues haben«J- dir Schwurgrrichts Verhandlungen nickt zu Tage gesörbe«� die Angeklagten von vornherein geständig waren. D»? haben fich schwerlich bei Begehung der Thai, die sie stände der Trunkenheit ausgeführt hatten, vergegenwärtigt� das, was fic als einen übermüthigen Streich betrachtet � ihnen später als Seeräuberei ausgelegt werden würde, Gedanke scheint ihnen erst gekommen zu sein, als die Ergenth»? der deutschenKutterAnzeize von derBcraudung gemacht haite»� ein deuscheS Kanonenboot ausgcfckickt wurve, um die Uebe# zu suchen, die jedoch schon nach Narmoulh zurückgelegt**5 Angeklagt waren insgesammt acht Personen, von&«*(% Smack Besitzer Alfted Chalk, William Robert Ruft und W-wA Prcston als die Rädeleführer betrachtet wurden. Nrch Dw Verhandlung, bei welcher es stch um die Frage handelt« die Fischer wirklich Seeiaub, wie der vtaarsanwalt bchw oder nur Di.bstahl begangen hätten, wie die VertheivigM Sache aufgefaßt wiffen wollte, zog die Jury fich zur Veicd> faffung zurück, die bezüglich der drei Rävelssührer auf bezüglich der übrigen Angeklagten jedoch nur aus Die«« lautere. DaS Urtheil ist hinsichtlich ber drei genannten befitzer milder ausgefallen, als dieselben erwartet haben n**? Dieselben sind nämlich nur zu je 12 Monaten Zwangs� verurtheilt worden, während ver Spruch für die übrige« Z Aus auf 9 Monate Zwanzia beit lautete- Im Wiederholung wurde allen vom Richter Zuchthausstrase angedroht. Ei» gutherziger Trunkenbold, Namens Joftpb � hatte stch leyicr Tag« vor einer Abtheiluna des Pariser gerichtS wegen eines eigenthümlichen Vergehens zu vn. worten. Der reichlich oenoffene Wein flößte dem% die Jsee ein, die große Juli- Säule auf dem Bastillen zu erklettern. Dort oben angelangt, konnte es seine Herzigkeit nicht leiden, den derühmten Freiheitsengel� jede schützende Umhüllung in der kalten Morgenluft st? mitleidig. seiner oberen� zu sehen.„Armer Engel", brummte er dir will ich helfen." Er begann, fich erst dann seiner unteren Kleidungsstücke zu entledigen, zum geringen Entsetzen ein« Engländerin, welche von Hirt a daS Paris« Panorama bctrachiete und die beim ihres dem adamttischen Zustande nahen Nachbarn ei«'' schendes„Sbocking" ausstieß und die Treppe hinurlt«? um den Wächtn zu alarmiren. Von diesem zur N'Kj stellt, antwortete Leset, er wolle den armen F-eiheM� i®ir S jton bi Varlam, **0«! S«Üta So »«Übt, Ü: b Der *«ttt Als den . 9ol vor Erkältung bewahren und lieber seine eigene 5� opfern.„Sit hätten ihm längst schon." fügte er hinzu, Wäruflasche unter die nackten Beine schieben sollen, wen«« ein H«z im Busen haben." Vor G richt entschuldig«� Lesel einfach mit dem Hinweis auf seinan Zustand klage wegen V«lttzung der Sitte wurde in Anbei „humanen Ab ficht" fallen gelassen, Lesel aber wegen holt« Trunkenheit zu achtundvi«zig Stunden Gefänj urtheilt. P »'ttnol, foHen &K diese», h«üt,. d°von Kleine Mittheilungen. Antisemitische». Ein„Poet von Gölte» Gnade«' fick im Briefkasten der„DreSdn« Nachrichten" loSgel«� Nasen;— nicht» von Frieden und Angleichen,— K, on die deutschen Eichen 1" x. ic.— Dies« Erguß ist selbst der Redaktion d« antisemitischen„Nachrichten" 9« die davon spricht, daß eine an und für stch gute Sa«» unchristliche Ausdrücke verpfuscht würde. fcoi*;1 r? %- är S,. Theater. RSttigliche» Overuhau«. Heuie: Martha, oder: D« Marli zu Richmond. «Svtgltche» Schauspielhaus. $ tute: Der Damer. kr: f g._ Deut »tsches Theater. chatte: Prinz von Homburg._ Bellealliance-Theater Beute: Die Anti-Tantippe, od