Rt, 147. Sonnabend. 27. Jnni 1885 n Jahrg. I (riiterM Jl Organ für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS für Vetlin frei in"s H-uS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich� SS Pf. Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit llluftr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden btS 4 Uh» Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce». Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. 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Wenn vnrFeny der Repiäsentant der»outinirten Mittelmäßigkeit ***, so scheint un« Herr Brisson der Repräsentant der dornirte« Mittelmäßigkeit zu sein. E» giebt eine starke Partei im Lande, die auf Herrn w— wrbotm.] Ieuill'eton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich»erstäcker. r!rnrts«auna.1 en hob.„Hab' trogen 3/iu»v,,........—, Verbrecher zu entlarve«, dann darf auch Fränzche» einmal um ihn weine», denn sie muß Gott nur t*/M daß er sie vor der Verbindung mit diesem Menschen „Und»a» wird die Stadt, der Hof sagen?" „Sie»erden Dir gratuliren, daß Du einer solche» Gc« noch rechtzeitig entgangen bist.— Und jetzt an die it. Nicht wahr. Du riegelst wieder zu?— Schön I • Andere überlasse jetzt mir—" und mit leichten n» sprang er hinau«, denn der Moment zum Handel» gekommen, und so fröhlich»ar er in dem Augenblick, er hätte laut aufjubeln mögen. Nur erst als er vor FrSnzchen» Zimmer kam, nahm ch zusammen, holt« sein Taschentuch herau», wickelte es »» den rechten Zngefingcr und betrat dann der 'ester kleines Boudoir, die er emsig beschäftigt fand, Toilette für den heutigen Abend zurecht zu legen. «Ach, FrSnzchen," sagte er,„hast Du einen Brief- i bei der Hand?" „Gewiß, Han». die Menge; wa» willst Du? Meine 5 Reisemoppe liegt ja hier schon bereit" „Willst Du mir einen Gefallen thun?" «Gern; aber wa» hast Du mit Deinem Finger ge- t?" „Ungeschickt war ich, geschnitten Hab' ich«ich eben, und bat mrch Pepa, ich möchte ei» paar Zeilen an Raute« den. Er selber ist gerade eifrig beschäftigt, bestimmte chpa piere ,u ordnrn, und läßt Such auch bitten, ihn vicht zu stören." „Mit Vergnüge», Hau»; aber ich weiß ja gar nicht, — in de« Vater« Namen?" Clemenceau und seine Freunde blickt und von dieser Seite ein Verhalten erwartet, da» Sum Heil de» Lande» ausschlagen könnte. Herr Clemeeceau iat vergangen« Woche da« Wahlprogramm seiner Partei entwickelt und seine Freunde haben ihm zugestimmt. Man findet darin die Forderung, alle Wahlkörperschaften— also auch den Senat— durch allgemeine» Stimmrecht zu ernennen— ganz gut! Dan» wird Trennnng der Kirche vom Staat und direkte progressive Einkommensteuer v«r> langt— auch ganz gut l Dann sollen keine Expeditionen nach überseeischen Ländern mehr unternommen werden— auch ganz gut!— Dan» wird für all« Franzosen drei- jährige Dienstzeit verlangt, was zwar«ine Verminderung der gegenwärtig in Frankreich eingeführten Dienstzeit de« deutet, aber doch im Munde de» Führers der radikalen Linken sich seltsam ausnimmt; zum Schlüsse wird die ganze sozial- und wirthschaftSpolitsch« Welt abgespeist mit der Phrase:„Schutz der Arbeit I" Hoffentlich soll diese Phrase keine Erhöhung der Schutzzölle bedeuten, und wir nehmen an, daß Herr Clemenceau damit seinen Willen >at kundgeben wollen, eine Gesetzgebung zu Gunsten der Irbeiter zu fördern. Aber wie entsetzlich wahr ist dieses„radikale" Program« gegenüber den ungeheuren Kalamitäten, welch« Frankreich bedrängen. Die direkte progressive Einkommen« steuer ist eine vortreffliche wirthschastlich« Reform; allein »ir erfahren nicht einmal, ob sie all einzige Steuer verlangt wird, denn wenn noch andere Steuern nebenher bestehen, verliert sie ihre Bedeutung. Ei« kann auch nur d nn zu Gunsten der Masse wirke», wenn die niedrigsten Einkommen ganz nnbelastet bleiben, die höheren Einkommen aber progressiv immer stärker herangezogen»erden. Wie sich Herr Clemenceau die» Verhältniß denkt, darüber er» fahren wir auch Nichts. Mit de« bloßen Wort„pro- gresstve Einkommensteuer" ist aber an und für fich noch nicht viel gesagt. Und nun zum„Schutz der Arbeits!" Darunter kann man fich alle» Mögliche denken. Diese Phrase wurde im Jahre 1848 viel gebraucht, und namentlich von Demo« traten, welche die Wichtigkeit der wirthschaftlichen Fragen »ohl ahnten, aber noch nrcht zu irgend einer klaren An« schauung durchgedrungen waren. Diese Phrase siadet man». A. in dem große« Antrage, den Gustav Struoe de« Frankfmter Vorparlament unterbreitete. Allein,«as sollen»ir heute mit solchen unbestimmten Phrasen? Selbst wenn man fich auldrLckte:„Schutz den Arbeitern I" so »äre damit»och keine Klarheit vorhanden. Di» Phrase tritt heute zurück;«an will wissen,»orin der Schutz besteht und auf wen und wieweit er fich er« strecken soll. Leider ist in Frankreich gerade in diesem „Da« kommt gar nicht darauf an; Du kannst«» auch in dem Deine» thun. Papa will ihm Deine Mitgift schon heute aulzahlen, und da die Sache in aller Form Rechten» geschehen muß, so sollst Du ihn nur bitten, punkt halb ein Uhr bei Notar Püper zu sein, wohin Pap, ebeafall« kommen wird." „Abcr wie schreibt ich da»?" „Setze Dich nur hin, Närrchen, ich diktire e« Dir; also:„Mein lieb« Herr Graf..." „Aber ich werde doch an Leopold nicht„mein lieber Herr Graf" schreiben sollen?" lachte Franzilka. „Also machen«ir e» ganz kurz," nickte Hanl— „Lieber Leopold I Vater hat fich entschlossen, Dir«eine Mitgift schon heute Morgen aulzuzahlen, damit Du»och Deine Verfügung darüber trrffen kannst und morgen nicht gezwungen bist, an Geschäfte zu denken. Sei punkt halb lein Uhr bei Notar Püster, in der ersten Etage d,s Eck« fenster«. Papa und Hanl»erde« Dich um die nämliche Zeit dort treffe«.„Hochachtunglvoll.. „Ja wohl, hochach:ung»voll!" lachte Fränzche».„Laß Du mich jetzt nur mache«, den Schluß schreibe ich selber, und sieh mir nicht auf die Hand. Du brauchst gar nicht zu wissen, wie Brautleute an einander schreibe»; da« magst Du selber versuchen— ich habe e« ebenfall» lerne« müssen." Mit flüchtigen Zügen warf sie noch ein paar Zeilen auf da« Blatt, faltete e» dann zusammen, fiegelt« und adressirt« es und sagt« jetzt:„So, Hab' ich da» so recht gemacht?" „Du bist ei» herziger Schatz," rief Hau», in diese« Lugenblick abcr wirklich kaum im Stand«, seine Bewegung zu verbergen—„Du hast keine Ahnung,»eichen wichtigen Dienst Du Dir selber dabei geleistet r „Ich. Han?— mir? Da« blieb fich doch mit de« Geld, gleich.. „Nicht so ganz, wie Du glaubst; doch j tzt will ich de» Brief rasch an seine Adnss« befördern, damit er Rauten noch zu Hause trifft, denn sonst verfehle»»ir un» am Ende in der Stadt." „Nein." sagt« Franzilka;„er hat mir bestimmt«klärt, Augenblicke der Mangel an Klarheit größer denn je, und statt einer große» geschlossenen Arbeiterbewegung hat man dort eine Nlenge von Sekten, die sich über die entferntesten Problem« der Zukunft streiten und sich mit Aulnahm« von wenigen um die praktischen Forderungen der Gegenwart gar nicht kümmern. Herr Clemcnceau kümmert sich um diese praktischen Forderungen noch weniger; sonst würde er endlich einmal daran denken. den Normalardeitltag. der seit 1848 in Frankreich auf dem Papier besteht, zu ein« Wahrheit z« machen. Damal« dekretirte man den zwölsstündigen Nor« malarbeitltag, der so gut»i« keiner ist, und an di« Ausführung de« Dekret» dacht« Niemand. Aber sollte man glauben, daß unter den sSmmtlichen im französische» Parlament vertretenen Parteien e« kein« giebt, die sich de» Ruhm erwerben möchte, durch Einführung eine» z»eck« entsprechenden Normalarbeit« tage» de» nothleidenden Ar« beitermassen Hilfe zu bringen? Und doch ist e» so, wen» wir nicht da« merkwürdige, aber nicht neue Scbausptel er« leben sollten, daß die Reaktionäre, um di« Republikaner unpopulär zu machen, den Arbeitern mit großem Phrasen« aufwand einige unbedeutende Konzessionen machen! Buch an Beschränkung der Frauen- und Beseitigung der Kinderarbeit denkt man nicht; im Gegentheil beschäftigt di« Regierung in der Monopolist rten Tabakindustrie vrr» bältnißmähig wenige Männer und desto mehr Frauen und Kinder. So finde» wir bei de» große» und einflußreichen par» lamentarischen Parteien in Frankreich keinen fruchtbaren Gedanken zur Bekämpfung der große««irthschaftlichm Misere. Denn wenn Herr Clemenceau schon wenig weiß, wa» will«an dann von den Republikanern ä In Grevy, orn... fT_._ �"— nY__ �— o � � � � t. c.*. Brisson, F-rr, oder Spuller erwarten? Und doch find die »inh'chafilichcn Kalamitäten, namentlich IN de, äußerlich so läazendeu, innerlich aber von Elend starrenden Stadt an« so groß, daß man meinen sollte, st« müßt«» den französischen Staatlmännnn endlich näher gehe» al» Tonkin, Madagaskar oder Tun»». Und so groß da» Elend, so groß auch die Flachheit der Auf« fassung. Man denke noch an Herr» Feny, al» die Arbeitslosigkeit in Paris so groß wurde, daß man endlich in der Kammer darüber sprechen mußte; er wollte damal» Pari» und da» Land damit trösten, daß die Anzahl der Pfänder in den Leihhäusern sich nicht verringert hätte. Man fand die» mehr al» trivial, aber e» wußte Niemand unter de« Re« publikanern in der Kammer etwas Bessere» zu sagen. Da» wird schlimm, wenn«an nicht bald zu anderen Anschauungen kommt. Di« in Frankreich herrschenden Par« teien machen e» sich zu bequem und nehmen die ganz« Situation zu leicht. Glauben denn die Herren Grevy, daß er bis gegen zwölf Uhr zu Hause bleibe» würde, wenn ich ihm vielleicht noch etwa« zu sagen hätte— also e» erwartet den Brief." „Desto besser; und nun, mein Schatz, auf Wieder« sehen!"— Damit nahm er sie in di« Arme, wa» er sonst nur selten that, und drückte einen herzlichen Kuß auf di« ihm gebotenen rosigen Lippen. „Du bist ja heute so zärtlich, Hau« l" lächelte FrSnzchen. „Ach, weißt Du, Schatz, e« gehen mir doch jetzt ein« Menge von Dingen durch den Kopf, aber wa« sich nicht ändern läßt, muß eben ertragen werden"— und ihr noch einmal freundlich zunickend, verließ er rasch ihr Zimmer und versäumt« jetzt auch keinen Moment«ehr, den Brief durch«inen der Diener direkt zu befördern. „Der Brief ist von meiner Schwester," sagte«r de« Manne;„(I liegt ihr daran, zu wissen, ob Sie den Herrn Grafen noch zu Hause getroffen haben. Bitte, bringen Sie recht bald Antwort." „Zu Befehl, Herr Baron!"— und durch die freund« liche« Worte, welche nur selten an die Solbergsche Diener« schaft verschwendet wurden, angefeuert, lief der Mann mehr al» er ging, u« den erhaltenen Auftrag aulzuführe«. Für de» jungen Henn wären überhaupt sämmtlich« Dienst« boten mit Vergnügen durch» Feuer gesprungen. Han» verbrachte indessen eine pnnliche Viertelstunde in quälender Ungeduld, bi» er nämlich erfuhr, ob der Brief wirklich in Rauten'« Hände gelangt sei. Et»»äre zu fatal gewesen, wenn ihn der Bote nicht mehr zr& lause getroffen hätte. Er ging in seinem Zimmer mit uAter« geschlagenen Armen rasch auf und ab. und sprang jedesmal nach der Tr-ppe, wenn unten die Thür klinkt«. Endlich kehrt« der Bote zurück; er hatte den Auftrag in unglaub« lich kurzer Zeit ausgeführt, und trotzdem erschien«» Han» wie eine Ewigkeit. „Nun, haben Sie ihn gefunden?" „Ja, Herr Baron; e, war gerade im Begriff, au»« zugehen." „Hat er den Brief gelesen?" „Zu Befehl, Herr Baron; aber«r meint«,«in» Stiftott u. f. daß Frankreich nur eine Belohnung für ihre republikanischen Anschauungen sei? Regierungen, die heute die»irthschaftlichen Fragen ignoriren«ollen, »erden bald sehen, daß sie antiquirt find. Ach,«» gab so viele Leute, auch außerhalb Frankreichs, die glaubten, die Regierung der französischen Republik werde an der Spitze derjenigen Regierungen einherziehen, die sich wenigsten« mit de» sozialpolitischen Fragen und der Ab« siellung unserer wirtschaftlichen Mißstände beschäftige»; man erwartete von der dritten Republik einschneidende sozial« Reformen. Aber da hat man sich getäuscht; die französischen Regierungen haben sich auch jeder Diskussion über sozialpolitische Fragen, so viel sie nur immer konnten, entzogen. Die Situation in Frankreich war in den Jahren 1850-51 eine ähnliche; nur fehlt jetzt der Mann des Staatsstreiches. Käme er auch«och, dann läge die Gefahr, daß die Analogie vollständig werden könnte, nahe genug. DolUtBcke Uebersirltt. Nicht ohne Interesse I Wir lesen in der offiziösen„Nordd. Allg. g g.":„Im fcinbl cf auf die zur Zeit stattfindenden zahlreichen und auf die al« bevorstehend angekündigten noch zahlreicheren Streik« ist nicht ohne Interesse, daß, wir die„M. A. Z." berichtet, neuerdings tn München gegen mehrere bei einem dortigen Streik detheiltgte Steinmetzgehilfen strafrechtlich auf Grund de?§153 der Gewerbeordnung vorgegan« gen und einer derselben berett« wegen Verächtlich machung der Fortarbeitenden oder die Arbeit wieder Aufnehmenden zu 1t Tagen Gefängniß verurthellt wurde. Da« Obertribunal hat durch Erkenntniffe vom 19. September und 9. Oktober 1873 entichieden, daß Röthiaung zum Streik durch Ehrverletzung vorliege, weil die Verurtheilten die Fortsetzung der Arbeit als Verrath an der gerechten Sache und als Schurkenstreich de» zeichnet hätten,"— Die„Nords." bringt diese Notiz an hervor» ragender Stelle, ein Zeichen, daß dieselbe nicht übersehen werden soll. Die alte Bäte würde beffer thun, weniger den Erkenntnissen der Tribunale, aber mehr den Ursachen nach. zuspüren, welche Anlaß zu den Streiks werden. Die Suche der manchesterlichen Presse nach reaktionären Maßregeln, um da« Koalitionirecht, die einzige Waffe der Arbeiter, zu ver« Nichten, macht einen geradezu widerwärtigen Eindruck, der dadurch noch gesteigert wird, daß allen voran die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." marschirt. Entscheidung übe» die Tampfersubvention. In der Angelegenheit der Entscheidung über die Sudmisfion auf die subventionirten Dampferlinien wird berichtet, daß soeben daS gesammt« Material den Ausschüssen deS Bun» deiraths für Handel und Verkehr, Post und Trlearaphie und Seewesen zur P-Üfung bezw. zur Feststellung von Vorschlägen unterbreitet worden ist. Da» Reich? VerfichernugSamt hat in einem gegebenen Fall« darauf aufmerksam gemacht, daß die beiden von der Genossenschaft oder, sofern die Genoffenschast in Sektionen getheilt ist, von der betheiltgten Sektion zu wählenden Beifitzer zum Schiedsgericht sowie deren erste und zweite Siellvertreter weder dem Vorstande der Ge» nossenschaft, noch dem Vorstande der Sektion, noch den Ver» trauenSmännern angehören dürfen. Es ist mithin erforderlich, nur solche Personen zu Beisitzern zum Schiedsgericht und zu deren Vertretern zu wählen, welche nicht dazu auSersehen find, in den Vorstand der Sektton oder der Genoffenschaft einzu» treten oder als Vertrauensmänner zu fungiren- Für die AuS» wähl der betreffenden Persönlichkeiten zu dem einen oder zu dem anderen Amte kommt in Betracht, daß die Beisitzer deS Schiedsgerichts voiauifichtlich selten in Thätigkeit treten wer- den» während die Mitglieder der Vorstände und die Ver- trauenSmänner eine umfassendere Thätigkeit zu entwickeln g haben werden- Um Mißverständnissen vorzubeugen, dürste eS sich«rpfehlen, die Ziffer 4 der Einladungen zur SektionSver» sammlung wie folgt zu fassen: 4. Die Wahl von zwei Bei» lern zum Schiedsgericht, sowie eine« ersten und eines zweiten tellvertreters für jeden Beifitzer auf die Dauer von vier Jahren(vergl. ss§ 47 de« UnfallvnstcherungSzesetzeS, wonach wählbar find: die stimmberechtigten GmossenschastSmitglieder, sowie die von denselben bevollmächtigten Leiter ihrer Betriebe, sofern ste weder dem Vorstande der Genoffenschast, noch dem volstanve der Sektion, noch den Vertrauensmännern ange» hören und nicht durch richterliche Anordnung in der Ver« fügung über ibr Vermögen beschränkt find.). Wege« Unterstütz!'...... zwischen Deutschland in Kraft tretende« Abkommen geschloffen worden, in welchem u. A. solgmd-S festgesetzt ist: Wenn ein Seemann eineS der vertragschlteßenden Staaten, nachdem er auf einem Schiffe de« anderen Staates gedient hat, in einem dritten Staate, beziehent- lich d-ffen Kolonien oder in den Kolonie« desjenigen Staate«, dessen Flagge da« Schiff führt, in Folge von Schiffbruch oder »eitere Antwort wäre nicht nöthig, er würde sich ein» finden." Hav» hätte de« Mann gern in aller Freude einen Thaler gegeben, aber er fürchtete vielleicht Verdacht zu er« rege», wenn er zu viel Interesse gerade an diese« Briefe zeigte; er mißtraute jetzt allen Menschen.„ES ist gut, ich danke Ihnen," sagte er de«halb nur und nah« jetzt selber seine» Hut, um vorher noch einmal ba« Nähere mit Püster zu besprechen._ Vor der Entscheidung. Im Hause de» Herrn von Schaller, trotzdem daß e« ja glänzend und selbst luxuriös eingerichtet war, herrschte eute ein« höchst unglückselig« Stimmung. Schallet lag, die langen Beine weit hinau« über den Teppich gestreckt, beide Hände in den Taschen, den Kopf hinten angelegt, in einem Lehnstuhl seines Salon«, starrte an die Decke und pfiff, und ihm schräg gegenüber am Fenster saß seine Frau, noch in ihrer etwa« derangirten Morgentoilette, die schon grauenden Haare unordentlich unter einer nicht übermäßig reine» Mütze hervorquellend, noch in Pantoffeln und eben- fall« in einer Laune, die ihre« überdies schon alten Geficht etwa» wirklich Abfloßende» verlieh. „So höre endlich mit Deine« verwünschten Pfeifen auf," rief st«.„Du bringst Einen ja noch zur V erzweif« lung; mir st so schon der Kopf, al» ob er mir abfliegen müßte." t „Hm," brummt« Schaller und sah sie mit«ine« rncht» weniger al» zärtlichen Blick an.„Da» wäre in der That schade drum; aber, mein süße» Herz, vermuthest Du, daß ich etwa in besserer Laune bin?— da» Pfeifen macht mir Luft." „Und»a« nun?" ftagte die Frau. „Ja, Geliebteste," sagte Schalle», indem er sich wo Möglich noch länger ausstreckte und«st den Füßen schon unten gegen da» Mahagoni-Teschbei» kam,„da» ist gerade die große Frag«:„Wa»«uns" und da» Niederträchtig« dabei, daß e» sich hier nur um einen einzigen lumpigen Tag, um elend« vierundz»anzig Stunden handelt." ützung hilfsbedürftiger Seeleute ist > n d und Dänemark ein am 1. k. M. au» anderen Giünden in HUfSdedürstigem Zustande zurück- bleibt, so soll die Regierung desjenigen Staate«, dessen Flagge d-S Schiff führt, zur Unterstützung dieses Seemannes ver« pflichtet sein, bis derselbe wieder einen Schiffsdienst oder ander« weite Beschäftigung findet, oder bis er nach seinem HeimathS- staate zurückkehrt oder mit dem Tode abgeht. Der detheiligte Seemann hat fich über seine HilfSbedülftiakeit und deren Ur- fachen auszuweisen, sowie daß die Hilfsbidürftigkeit fich al» die naturgemäße Folge der Beendigung de« DienstverhällniffeS an Bo:d des Schiffes ergiebt, widrigenfalls die UnterstützungS- pflicht wegfällt. Ausgeschlossen ist diese letztere auch dann, wenn der Seemann Auireißcr oder Ueberläufer oder wegen eines von ihm verübten Verbrechen» oder Vergehens vom Schiffe entfemt worden ist, od:r wenn er dasselbe wegen Dienftuntauzlichkeit in Folge selbstverschuldeter Krankheit oder Verwundung verlassen hat. Die Unterstützung umfaßt den Unterhalt, die Bekleidung, ärztliche Pflege. Arznei und Reise- kosten, für den Todesfall auch die Begräbnißkosten. Marienburg, 25. Juni. Amtliches Ergebniß der beuti- gen Ersatzwahl zum Abgeordnetenhaus« im 1. Danziger Wahlkreise Elbirg-Mrrienburg. Gewählt LandaerichtSrath Bischof in Elbing(Oeutsch-steistnnig) mit 193 Stimmen gegen Land- rath Döhring in Marienburg(konservativ), der 173 Stimmen erhielt. Betreffs der Brünner Arbeiter» xzesse äußert die „M agvedurger Zeitung":„Für unS war die That- fache von Interesse, daß in Brünn mit der Einführung de« NormalarbettStagcS die Forderung nach höherem Lohne Hand tn Hand gegangen ist. Diese Thatsache sollten fich be- sondcrS die sozialdemokratischen Agitatoren vorhalten, die jetzt bei uns tn Deutschland die Arbeitrrmassen in Bewegung setzen, um dem Fürsten Bismarck zu zeigen, daß die Ardeiter gern und bereitwillig die Folgen zu tragen dereit find, welche die Einführung de» Verbots der SonntagSarbeit und des Nor- malardeitttage» für den Arbeiter selbst haben könnten. ES ist ja möglich, daß in Versammlungen von Seiten der Arbeiter eine derartige Zastcherung«rtheilt wird. Aber wenn ihre For- derungen zum Gesetz erhoben und, worauf Fürst Bismarck mit Recht mit besonderem Nachdruck hinwies, auch mit deutscher Gewissenhaftigkeit durchgeführt werden sollten, so würden die« selben Ardester, die jetzt nach den Vttficherungen von Agitatoren gern bereit find, die Folgen einer Verkürzung der Ar« beitSgelegenheit auf fich zu nehmen, die Ersten sein, welche vom Staate, der ihnen die Arbeitszeit verkürzt, auch eine Er- höhung ihrer Löhne verlangen würden."— Ob diese Feder- fuchser denn wirtlich naiv genug find, zu glauben, daß durch eine kürzere Arbeitszeit auch der Lohn geringer wird? O heilige Einfalt! lieber die Fabrikgesetzgebung in der Schweiz wird der„Germania" aus Bern geschrieben: Von den verschiedenen Geschäften, welche die Bundesversammlung in ihrem vier« wöchigen Beisammensein behandelt, haben wenige eine auch wettere Kreise tnteresfirende Bedeutung. Eine Ausnahme macht vielleicht die bei der Prüfung der Geschäftsführung deS Bun- deSratheS erörterte Frage derAuSführung deSFabrik« gesetzeS und zwar speziell de: Durchfühmngs-Bestimmungen über den Normarbeitstag. Es hatte hier allgemein peinlich berührt, als Fürst Bismarck im letzten Winter zur Be> kämpfung de» aul der Mitte der Zentrumsfraktton gestellten Antrage«, fich auf die in der Schweiz gemachten Erfahrungen berufend, den Satz aufstellte, daß die Schweizer selber den NormalarbeitStag verurtheilten und die lästige Bestimmung gerne wieder lot wären. Mit den Verhältnissen bekannte Männer schüttelten ungläubig den Kopf, alS man aber in Er- fahrung brachte, daß der Gewährsmann dieser Nachricht einer der größten S ticker e tfa brikant en der O st s ch w e i z sei, dessen Fabriken im Kanton Appenzell, im Kanton Aargau und in Deutschland gelegen fi.id, da schwand nun allerdings das Erstaunen, aber man wußte auch, welche Bedeutung die Auslassungen des Fürsten Bismarck für fich beanspruchen dürfen.—— Em ganz andere» Bild von der Tragweite und den günstigen Wirkungen de» schweizerischen Fabrik- Gesetzes entwarf in der NalionalrachSsttzung vom 19. Juni Herr Nationalrath Dr. DecurttuS, einer der thätigsten Mitglieder der ka- tholischin Fraktion, welcher seit einigen Jahren der Fadrikge- s-tzgedung der Schweiz, England» und Deutschland» ein ein- grhenoeS Studium gewidmet hat. Aus Grund der Berichte der Fabrikinspettoren und der diesjährigen Vernehmlassungen der KantonSreaierungen— die Berichte der letzteren werden nächsten» veröffentlicht werden— wie» er nach, daß der Nor« malarbeitStag so ziemlich überall durchge- führt sei und daß die UeberarbeitSzeit wirklich zu den AuS- nahmen gehöre. Von den 2969 dem Fabrikgesetz unterstellten Etablissements gingen bloß von 7 Firmen Gesuche beim Bun« deSrath ein um dauemde Bewilligung von Uederarbeit, wel- chen theilweise entsprochen wurde. Auch die Lokaldehörden nehmen ei mit Oer zeitweiligen Bewilligung ziemlich genau. Um die Kontrole nun ganz genau führen zu können, hat der Nationalrath deschloffen, daß eine solche Erlaubniß nur schrift- lich ertheilt und sofort dem Fabrikinspektor mitgethetlt werden „Aber weshalb hast Du den Wechsel auch ausgestellt und nachher anerkannt?" „Unschuldsvolle Seele," sagte Schaller, aber mit einer Miene und Betonung der Worte, al» ob er das boshafteste Schimpfwort gegen sie gebraucht hätte,„wovon hätten wir denn leben wolle» und s o leben, wie e» Deinen Neigungen, meine Taube, entspricht! Da» Feuer brannte mir ebenso auf den Nägel» wie in diesem Augenblick, und wenn ich heute einen eben solchen Esel fände, der mir löschen Hilfe, so würde ich ihm bereitwilligst auch heute die Arme öffnen. — Aber so dumm da« Volk im Allgemeinen ist, und so leicht man ihm in einer Meng« von Dingen Sand in die Augen streuen kann, in Sachen de» Geldbeutels find sie bildungsfähig und befitzen gewöhnlich eine instinkt- artige und fast krampfhafte Neigung, ihn geschloffen zu halten." „Aber ich begreife gar nicht," sagte die Frau,„daß e» bei einer solche» Sache auf«ine» Tag ankommen kann. Du erklärst einfach, daß Du heute gerade zufällig kein baare» Geld liegen hättist— da» kann jedem Menschen paisiren— und daß Du morgen oder übermorgen zahlen würdest." Schaller hatte ihr mit dem fteundlichsten Lächeln von der Welt zugehört, ohne sein« Stellung aber im Geringsten zu verändern: er war nur womöglich«och ein wenig«ehr an dem Stuhl hin und gewissermaßen in seine Tasche« hinein gerutscht. Al» seine Frau geendet hatte, nickte er ihr aber liebevoll zu und sagte: „Du bist«in gar zu kluge» Täubchen,«eine geliebte Gatttn, sonderbar, daß Du Dich nur so lang« gehalten hast, denn zu klug« Kinder sollen eigentlich nicht lange leben." „Ich verbitte mir Deine alberne» Bemerkungen, Theodor," rief die Frau, die ihren Gatte» schon kannte, gereizt..Hab' ich etwa nicht Recht?" „Gewiß hast Du Recht, mein holder Seraph!" sagte Theodor mit seine« gewinnendsten Lächeln.„Du wirst Dich vielleicht erinnern, daß Du immer Recht hast; e» ist nur der einzige, so schwer gut zu machende Fehler, daß Du nicht», gar nicht« auf der Gotte» Welt verstehst und solle.— Wie wenig die Volksvertretung daran denkt, die Be« stimmungen zum Schutze deS Ardetter« zu tobten Paragraphen herabdrücken zu lassen, deweist der auf Antrag von Dr. De« cuttiuS ohne Widerspruch gefaßte Beschluß, der LundeSrath wolle auf genaue Führung der Listen der Wöchnerinnen drin« gen. Diese Listen sollen das Datum de» Austritts auS der Fabrik, dasjenige der Niederkunft und dasjenige der Wieder« aufnähme der Aibeit mthatten." Oesterreich-Unaar«. Die Lage der Brünner Arbeiter spiegelt sich recht treffend wieder in dem Rechenschaftsbericht der Kommisfioil der Ardetter. Kranken- und Penfionskaffe ver Schaafwollwaaren» Fabriken und LohnetadliffementS Brünn'» für da» Bev waltungSjahr 1884. Dem„Wiener Vaterland" entnehmen wir darüber folgendes:„Die Zahlen diese« Berichte» find leinet« weg» erfreuliche, sondern Im Gegenlheile geeignet, da« Herz de» Menschenfreunde» mtt tiefer Betrübniß zu erfüllen, und sie tragen nicht wenig dazu bei, die jüngsten Brünner Ereignisit zu erklären. Fürwahr, wenn man die ErkrankungSfälle, welche der Bericht aufweist, in Betracht zieht, so kann man sich an« nähernd einen Begriff von dem namenlosen Elend machen, da» Srün™ ähbtiterbcDÖItecung herrschen muß. Die Zahl 77 der zur Brünner Krankenkasse gehörigen Etablissement» lÄÄTÄ der KrankhertSfalle hat gegen 1883 nicht zugenommen. Dagegen ist 1884 die Zahl der Erkrankungsfälle im Vergleicht zu j-ner im Jahre 1883 um 6.6 pCi. gestiegen. Folgende Z» sammenstellungen werden am besten die Krankenbeweaung i» den verflossenen 4 Jahren darthun. ES gehörten der Krankenkaff« an: Jm Jahre Arbeiter Davon erkrankten In Prozent 1881 10025 4638 46 1882 10770 5573 51 7 1883 10950 4797 43.9 1884 11078 5599 50.6. " IS ii: Ii:- ei: Zieht man dre Ziffern in Betracht, so steht MIN, da« die fcaa ä'-wS'.K"S Zahl der ErkrankungSfälle binnen 4 Jahre« um 9,2 Proz. zugenommen hat, und die» unter gleichzeitiger Stetgerung der Intensität de» Krankheitsfälle um 33 Prozent! Während i« Jahre 1881 bei einem Stande von 10,025 Mitgliedern der Krankenkasse im Durchschnttte auf den Arbeiter 2 fi. 33 kr. für Krankenpflege entfielen, find die Krar.kenkoste» im Jahre 1884 auf 3.st, per Kopf, also um 33 Proz. gestiegen. - Di« in Brünn bestehende Penfionikasse weist nicht minder Rurige Z-blen auf.- Nicht» kann wohl treffender für dt Nothwendigkett einer kürzeren ArdeitSzeU und der Sonntag? ruhe sprechen,»IS diese stummen Zahlen. - Die sämmtl'chm 33 österreichischen Bischöfe haben des »Voss. Ztg." zufolge einen gemeinschaftlichen Hirtenbrief erlassen, in welchem jene Forderungen enthalten find, die bereit» in einem Memorandum an die Regierung gestellt wurde» Hiemach fordert der Episkopat die Unterstützung der Regierung bei der Bekämpfung der GlaudenSlostgkett, de» JndifferentiS- muS, de» MaterialiimuS. de» FreimaurefthumS, verlangt ferner die christliche Sonntagsruhe, selbst mit Einschränkung de» Eisenbahnverkehrs, eine christliche Schule und christlich gehalten« Schulbücher, die Zügelung der von Ungläubigen geschrieben«« Presse, und verdammt schließlich die Nattonalilätenheve al» uw würdig der katholischen Christen. Schweiz. Ein Korrespondent der„Neuen Zürcher Zettung" hat an» läßlich der Zürcher SchützmhauSversammlung, in welcher gegen die Ausweisungen derjenigen Anarchisten, welche keine Ungt» setzlichkeiten begangen hatten, protestirt wurde, den Einfall g» havt, zu behaupten, daß man tn Bern«in« ÄeneralauS» Weisung für daS allein richtige halte und daß jeden« fall» die Ausweisung der in Zürich aufgettetenen ausländischen zwischen den Farbe» herumtappst, wie eine Kuh in eine« Atelier. Wenn ich heute nicht bezahlen kann, und zwar einen Wechsel, der mir schon vor vierzeh» Tagen präsentirt wurde und den ich akzeptirt habe und akzeptiren mußte, wenn wir nicht das nämliche Vergnügen schon z» jener Zeit haben wollten, so wissen die Herren, daß ich nicht zahlen kann, in wenigen Stunden spricht sich da» in der Stadt au», und wen» e« Dir dann Vergnügen«achte, könntest Du halb Rhadenburg eW pfangen: Schuster, Schneider, Tischler, Delikatessen-Hand« lungen, Bäcker, Fleischer und Gott weiß wen fönst noch — Herrn Hofapotheker Semmlein„meinSwegen" an der Spitze." „Da» begreife ich nicht," sagte Frau von Schallet. „Du bist vollkomme» entschuldigt," versicherte ibr Gatte. „Klug ka«n jeder Mensch durch fleißige» Studiren werden, aber Dummheit ist eine Gabe Gotte» und muß respektirt werden." „Du bist unausstehlich, Schaller,— ich halte e» auch «icht länger mit Dir au»." „Schade, daß Du da»»icht früher gefunden hast, ich habe Deine Ausdauer schon viele Jahrzehnte bewundert; aber wa» ich Dich fragen wollt«: hast Du zu Rauten hin« übergeschickt?" „Schon vor einer halben Stunde, Kathink» hat e» be« sorgt. Da» Kind weiß auch mehr, al« e» wissen sollte. Sie hatte vorhin ganz rothgeweinte Augen." „Mein süße« Herz," sagte Herr von Schaller, geht da«, wenn wir von den rothzeweinten Augen absehen, vielen Menschen in Rhodenburg so, und da» Schlimmste ist, sie werden mit jedem Jahre klüger,— aber kom«t da nicht Jemand?" E» zog draußen allerdings an der Klingel, und Schaller richtete fich empor und nah« die Hände au» den Taschen- Da» Mädchen hatte geöffnet.—» 'err von SchtÄer zu Hause?"_ ..'in* ist Rauten!" rief Schaller, von sei»«« Stuhl emvorspriugend;„aber er wird die alte Geschichte singen: „Morgen, morgen,»ur»icht heute?"— Wenn«*«• nur so ein verdammte« Opiat wüßte, mit dem man de« Hmipir«dn«r durchaus geboten erscheine.— Hierzu bemertt die «Zllr. Post": Wohl Jevermann im Land« ist der gleichm Mei« nung, daß diese Ausländer Philosophen geblieben wären, wenn ste taktvoll geschwiegen hätten, aber der„Neuen Zürcher Ztg." und vielen andern Blältem stände eS gleichwohl hundertmal bester an, einen Generalpardon für ihre thurmhohen Tendenz- vchaurriügen zu erbitten, mit denen fie Monate lang da» »chweizervolk ängstigten und narrten, statt zu den vorläufig ttcht fragwürdigen 21 EpezialauSweisungen noch eine General» «WSweisung zu verlangen. i Frankreich. PariS, Donnerstag, 25. Juni, Nachmittags. Die Dem»' nrtenkammer genehmigte einstimmig ohne Debatte 10000 Fr. IUI Leichenfeier des verstorbenen AdmiralS Coardet im In« validendom. Der Leichnam wird alSdann nach Adbeoille über« führt werden. — Der Friedensvertrag zwischen Frankreich und China scheint den franzöfischen Blättern wenig einer näheren E-örterung werth. Nur die«R�p. Fr." widmet demselben einen Artikel. Sie findet ihn höchst vorthcllhaft und bedauert nur, daß unter demselben der Name F.eycinet'S und nicht Feny't siebt, dem doch das Hauptoerdienst an dem Zustandekommen deffelden zufalle. WaS F ankreich in der That durch den gegenwärtigen Vertrag gewinnt, ist nickt allzuviel. Und eine besonders schwache Seite desselben ist, daß eine ganze Reihe von Punktm weiteren Verhandlungen vorbehalten ist. So soll die Grenze zwischen Tonkin und China binnen sechs Monaten durch betdersettige Kommissare abgesteckt werden. Die Punkte, über die der Handel zu Lande zwischen Tonkin und China erfolgen soll, werden später bestimmt. Ein binnen drei Monatin auszuarbeitender Vertrag regelt die Bedingungen für den Betrieb de? LandhardelS. Ebenso ibleibt der Eeehandel »wischen China und Ar am besonderer Vereinbarung vorbebalten. Da bei diplomatischen Aktenstücken die Kammer keine Amen» dementS anbringen kann, so bleibt ihr nicht» andere» übrig, als den Vertrag schließlich zu genehmigen. An derben AuS< einand-rsttzunam zwiichrn der Regie, ung und der Oppofition wird«L j-venfall» nicht fehlen. Einen Vorgeschmack gab schon der erste VerhandlungStag. AlS das Mitglied der Rechten, Amagat, daS KricgSbudget scharf kritifirte, rief der Krieg»- minister Campenon demsrlben zu:„Vous arez nn rude aplornb"«Ihr Austreten ist grob). Amagat erwiderte:„Vous etes nn insolent!"(Sie find ein Flegel.) Der Zwischmfall wird j doch nicht zu dem üblichen politischen Duell führen, da Campenon und Amagat ihre Aeußerungen zurückzogen und du S.tzungkbericht strichen. Rußland. Am verzangenm Sonnabend ist die Wahl eineS neuen Stadtoberhauptei erfolgt. Die neuen Stadlverord» neten hatten fich, wie die„Peterb. Gaseta" berichtet, fast voll- dandig eingefunden, von 252, welche der Etat aufweist, waren 2*0 Mann erschienen. Ali Lord Mayor von Petersburg ging yttt W. S. Lichatschew aus der Wahl hervor.— Die Ni» J o I ajewsche Kommerzbank hat ihr kurzes Dasein de» jwloss-n, nachdem st« daS Grund- und Reservekapttal an dm wtmrn gebracht hat. Die Bankdirektoren hatten die„destm Abficdikn", fie wollten die Aktionäre reich machen, und obschon Statut ver Gesellschaft jede? Börsenspiel untersagte, spiel- fie in russischen Fonds an der Berliner Börse; fie bezahl- ist» ihre Menschenfreundlichkeit mit einer Kursdifferenz von cv\k o—-------------„____ »i.» 2 Rubel 50 Kopeken bei der Deutschen und Dresdener Rhtl' allerdings mit dem Gelde der Aktionäre. Letztere be- die Schlechtigkeit, ihre Direktoren, die von so guten In» geleitet waren, der oesetzwtdrigm Verschleuderung jZl" Eigenihum» anzuklagen. Undank ist auch der„geplag« ruifischen Bankdirektoren Lohn. Großbritawnie». Da« neue Ministerium ist endlich fix und fertig geworden Im Oberhause machte Lord Granville die Mitteilung, daß Lord SaliSbury die Regierung angenommen und fich zur KS- Nigin nach Windsor begeben habe. Lord Kimberley stellte hier- auf dm Antrag, die Gründe in Erwägung zu ziehen, welche da« Unterhaus bewogm, einige der Amendemmts dei Oder- Hauses zur Vorlage für die N«u ein th eilung der Wahlbezirke zu beanstanden. Lord Deman beantragte die Erwägung um sechS Monate zu verschiedm. Der Antrag wird ohne Abstimmung abgelehnt. Auf Antrag Lord Kimberley'» wurde auf den verschiedenen vom Unterbaust beanstandetm Amendements nicht bestanden, worauf die Vorlage zur endgil- «gen Annahme gelangt und vorbehaltlich der landeSherrlichm Genehmigung Gesetzeskraft erhält. Im Unter Hause er» öffnet Gladstone dem Hause, Lord SaliSbury habe die Regie- lung definitiv angenommm, und die Bildung seine» KabinetS fti so weit vorgeschritten, daß morgen lNittwoch) die Neuwahlen für solche Mitglieder de« HauseS, welche Posten im Kabinet �genommen habm, ausgeschrieben werdm könntm. Gladstone deantragt die Vertagung de» HauseS bis morgen, welchem An- wage stattgegedm wird. Vorher erbittet fich Labouchere vom Premierminister Auskunft über die mit der Oppofition liberaler» leits gepflogenen Unterhandlungen. Er bemertt, er und seine Kauze Stadt auf vierundzwanzig Stunden einschläfern wnatel" Dabei war er mit zwei Schritten an der �hür und öffnete fie, um den sehnlichst Erwarteten zu be« Krüße«. „Hallo I" lachte aber dieser, al» er den Salon betrat, ** ihm die hier herrschende Stimmung natürlich nicht ent- Wen konnte, ,»a« ist da vorgefallen? Di« gnädige Frau wßt die Flügel hänge», und Schaller sieht au», al» ob er "n Stück Rhabarber koute l" „Die Situation auf den Kopf getroffen," bestätigte Schaller;„ich kaue in der That Rhabarber mit«twaS foetida dazwischen, und meine geliebte Gattin, die -e-aube, könnte man auch eher mit eine« begossenen Pudel J�glüchen. Rauten, S geht mir an dm Krage», und ich ***# nicht mehr bis morgen warten." ..„Ich bringe gute Nachrichten," rief der junge Mann, *?dem er seinen Hut aus dm Tisch stellte und fich selber in "NM Stuhl warf,„famose Nachrichten l" ..„Dm Tmfel bringen Sie l" rief Schaller, ihn ungläubig Ansehend.„Nachrichten, die mir ebenfall« helfm?" .„Da, lesen Sie de» Brief,' sagte Rauten, indem er "n kleine» Kouvert au» der Tasche nah« und Schaller hin« Suchte,„da» hat mir Fränzchm ebm im Auftrag ihre» �ater» geschrieben." .(Jtiff boö tleittc, görti SJillct ziemllch rücfjtd�tllof Sil riß da» Kouvert ab«vd überflog den Inhalt mit de» Ducken. Aber er bedurfte keiner langen Zeit dazu. Schon Vff nächsten Moment schwang er da» klein« Blatt, sich auf "°em ferner lanam Bein« herumdrehend, in der Hand, dann fPJt, wie von emem bösm Geist besessen, warf er e« Plötz« *4 x» Boden, setzte fich auf den kleinen gestickten Dreh- Jtohl, fuhr wieder in die Höhe, trat auf die Fußbank, riß % einer Klingelschnur, öffnet« mit einem Ruck dm Agarrmkaflen und ließ in derselben Minute auch die Uhr Magen, wa« einen»ahrm Heidenlärm zur Folge hatte: Ml Dir im Siegerkranz, Oh, du mein holder Abendstem, Zii, windm dir den Jungfernkran, und dm Marsch au» �°unod'» Faust begann e» auf einmal von allen Seitm Sj zu lob«, und dazwischm führte Schaller,«och i* Morgmhofe» und einer kurzen wollmm, aber gestickte» Freunde möchten die Verficherung erhaltm, daß nicht» gethan worden sei» wa» die unadbängige Aktion liberaler Abgeord> neter in Bezug auf irgend welche legislative Maß regeln, die dem Hause unterbreitet werden dürften, beeinträch. tigen könnte. G lad stone stellt für morgen die Erthellung von Informationen über den mit den konservativen Führern ge> troffenen Ausgleich in AuSstcht, worauf die Sitzung zu Ende gelangt. Die Londoner Zeitungen veröffentlichen nachstehende» Tdegramm au» Sansibar, dattrt 23. d., da», wie hinzu- gefügt wird, einer höchst zuvirlässtgen Quelle entstammt: „General Matthew» berichtet am 8. d, daß der Sansibar» Mission ein herzlicher Willkommen von den Häuptlingen von Kilimanjaro, Chayga, Taveta, Teita und Arvsha zu Theil wurde, und daß, als sein Bote abging, 25 Häuptlinge einen die Oberhoheit deS Sultan» anerkennenden förmlichen Att unterzeichnet hatten. ES wurde darauf die sanfibarer Flagge aufgehißt und gegrüßt. Die Häuptlinge im Pangani-Thale find Sr. Höhest alle ergeben." ES handelt fich— wie die„Rat. ZtgD erläuternd hinzu» fügt— um die schon einmal erwähnte Misston deS Sultan» von Sansibar in VaS Innere, um Häuptlinge, welche bisher die Oberhoheit disselben nicht anerkannt hattm, hierzu zu veranlaffen — ohne Zweifel, um dort Besitzergreifungen europäischer Mächte, speziell Deutschland», zu verhindern. So weit wir die ge- nanntm Orte auf unseren Karten ermitteln können, find eS solche, welche erheblich nördlich von dem Gebiete der deutsch» ostafrikanischen Gesellschaft liegen. Egypten. Alexandrien, Tonnerstag, 25. Juni. DaS Komitee der hiestgm Entschädigungibeiechttgten hatte heut« eine Audienz bei dem Khedive, in welcher e» demselben eine Petition zu Gunsten der Ausgabt von verkäuflichen Schatzobligationen behufs Auszahlung der von der Kommisston zuerkannten Ent« schädigungen überreichte. Der Khedioe versprach, den Vorschlag in Erwägung zu zirhm. — Der S u e z k a n a l ist mit genauer Roth einer neuen ernsten Veriperrung entgangm. Der heimwätt» fahrmde Dampfer„Cian Sinclair" strandete auf dem gesunkenen Baggerschiffe, war aber im Stande, Kantara zu erreichen, wo er sank; mithin ist die Passage de» Kanals ftei. Australien. Sydney, 23. Juni. Die Rückkehr deS australischen Truppenkontingents vom Sudan ist zum Anlaß einer Kund- gebung gemacht worden. Sämmtliche Kolonien hatten ftei« willig außerordentliche Vertreter entsandt, um die Truppen zu beglückwünschen, sowie auch ihrer Befriedigung über die von denselben geleisteten Dienste Ausdruck zu geben. Die Regie- rung verfügte, daß der Tag al» öffentlicher Feiertag beobachtet werden soll und zog in der Metropole alle verfügbaren Streit» kräste, etwa 5000 Mann zählend, zusammen, während Admiral Tryon von den gegenwärtig hier weilenden brttischen Kriegs- schaffen ein« ReichSeSkorte lieferte. Da» Resultat war ein Schauspiel, welche» da» anläßlich der Abreise de» Kontingents übertraf, jedoch durch ungünstiges Wetter beeinftäcktigt wurde. — Die armrn Teufel! Erst schickt man ste nach Egypten, um dort in Ermangelung sonstiger Beschäftigung den glühenden Wüstensand zu messen und jetzt, nachdem fie halb gebraten, aber ohne den„Feind" gesehen zu haben, zurückgekehrt find, müssen fie fich auch noch für ihre„Dienste" brglückwünschm lassen! Verlängerung der Charlottenstraste. Die Stadtver» ordnkten. Versammlung wirv fich nach Ablauf der nunmehr eingetretenen zweimonatlichen Ferien mit einer Vorlage drt Magistrats zu beschäftigen haben, betreffend die Verlängerung der Charlottenstraße über die Georgenstraße hinaus bis zur Spree und zur Weidendammer Brücke. Muß die Charlotten» straße von der Doroth-enstraße nach der Georgenstraße durch daS städtische, früher Munk'sche G.undstück durchgelegt wer« den, wa« nicht mehr vermieden werden kann, so empfiehlt e» sich, die Weiterführung bis zur Weidendammer Brücke sogleich sicher zu stellen, wa» möglich ist, wenn die neue Straße neben dem MontirunaSmagazin scharf vorbeigeführt wird Dann kann auch ernstlich an den Anschluß der nördlichen Pferde» bahnen über die Wridendammer Brücke und durch die Char- lottenstraße an die südlichen Pferdebahnen in der Bebrenstraße straße und Franzöflschestraße gedacht werden, wa» fich immer mehr als ein dringende» Bedürfniß herausstellt. Die Anlage« auf dem Cchinkelplatze. DaS Komitee für da» Schinkel'Denkmal hatte fich, wie wir berett» mit- theiltm, an die städtischen Behörden gewandt, mit dem Er> suchen, die von ihm zu schaffendenfAnlagen auf dem genannten Platze zu übernehmen und dauernd auf Kosten der Stadt zu unterhalten.— Da» Abkommen zwischen dem Komttee und dem Magistrat ist, wie wir bören, perfekt geworden und der Auftrag zum Beginn der Arbeiten bereits gegeben worden. Mittel find dem Komitee so reichlich zur DiSpofition, daß auch Jacke, eine Art von italienische« Tanz auf, bei de« er mit«ingebogenen Knien und zurückgeworfene« Oberkörper die grote»kesten Stellungen und Sprünge erzeugte. „Aber— Theodor!" rief seine Frau, die Hände zu« sammenschlagend,„bist Du denn wahnsinnig geworden? E« zerreißt Einem ja die Ohren! Bitte, Herr Graf, fassen Sie den unglücklichen Menschen, er thut sich sonst«och«in Leid an." Rauten amüsirte fich vortrefflich über die»irklich komische Beweglichkeit seine» langen Freunde» und dachte gar nicht daran, ihn zu stören oder zu unterbrechen. Auch d,e Musik belästigte ihn nicht, da er nicht da« geringste musikalische Gehör hatte, und er gab sich deshalb ganz dem Genuß diese» Augenblicke» hin. Selbst Kathinka hatte draußen den Lärm gehört und öffnete erstaunt die Thür, um zu sehen, wa»«» da gäbe, schloß sie aber rasch wieder, al« fie den Grafen bemerkte, der auch noch nicht auf ste geachtet hatte. Sie fühlte fich »ahrlich nicht in der Stimmung, jetzt die leeren Formel» eine» Empfange« durchzumachen. Schaller kam aber endlich wieder zu fich, und zwar hauptsächlich durch da» Verlangen, den Brief noch einmal und aufmerksamer durchzulesen. „Welch«in prächtige», kleine» Frauenzimmer Ihre Braut eigentlich ist I" sagte er dann schmunzelnd,„ich habe gar nicht geglaubt, daß fie so vernünftig schreiben könnt«. — Also halb ein Uhr?— Aber Donnerwetter. Rauten, so viel muß es ja gleich sein I" „E» fehlen noch fünfzehn Minuten daran, und e« ist ja hier gegenüber. Ich bin nur herübergekommen, um Sie al« Zeuge mitzunehmen. Ist Ihnen da» recht?" „Bon! Dann muß ich nur gleich in«eine Kleider fahren," rief Schaller,„wa» aber keine fünf Minuten dauern soll.— Herrgott! Der holde Abendstern fängt noch einmal an." „Und Sie find jetzt zufrieden und nicht«ehr miß« rrauisch?" „Nicht die Spur, eigentlich auch nie gewesen?" „Schaller!" „Auf Ehre nicht!— Wie können Sie so etwa« noch der Rasenplatz hinter den drei Denkmälern, auf welchw. zwei Platanen nnd zwei Linden stehen, wird angemessen aul« geschmückt werdm können. Verbreiterung der Münz- und Alexauderftraße. Nach dem von den städtischen Behörven aufgestelltm Projekte für die Verbreiterung der Münz- und Alexanderstraße ist, die Be« settigung de» an der Al xanderstraße belegenen VordergebäudeS der Kaserne de» Kaiser Alexander- Garde Grenadier. Regiment» in AuSstcht genommen. Wie wir hörm, hat der KriegSminister auf eine bezügliche Anfrage fich dahin geäußert, daß die Milttär» Verwaltung nur dann in der Lage sein würde. daS Kasernen« Grundstück der Stadt Berlin käuflich zu überlassen, wenn in der Gegend de» jetzigen Grundstück» vollständiger Ersatz zur Unterbringung von zwei Bataillonen gewährt würde, in welchem Falle auch die Kaserne Königsgraben 17 aufgegeben werden könnte.— Da wird wohl das Projekt so schnell noch nicht zur Ausführung gelangen oder es wird eine Abänderung desselben nöthig werden. Neue Gartenanlage. Der wüste Platz an der Ecke der Birken- und Rathenowerstraße wird, obwohl er längst zu einer Gattenanlage bestimmt und mtt einem Holzgitter umfaßt ist, so verunreinigt, daß fich nunmehr die Polizei veranlaßt ge« sehm hat. die Bepflanzung drffelden bei der Parkocputation dringend zu fordern. Die letztere Behörde wird fich, trotz der Knappheit der ihr überwiesmen Mittel, wohl nicht der Auf» wendung der erforderlichen 500 Mark zum Herbst entziehen können. Im uenttt Asyl für Obdachlose sollen nunmehr auf Beschloß der Stadtoeiordneten> Versammlung statt der erst projeltirten hölzernen E tziänke mit Rückenlehne Lagerstättm für die dort übernachtenden Personen errichtet werden. Die ahl der dort aufzustellenden Badewannen soll, ebenfalls auf ieschluß der Stadtverordnete", auf 20 erhöht werden. Wieder soll et« Stück„Alt-Berltn" verschwinde«.— Nachdem die Verhandlungen über den Verkauf der städttschm Grundstücke, d«s Fürstenhauses, dir alten Münze und de» Zeitz'schen HauseS, Werderstraße 7, an eine große Baugesell» schaff zu dem erwünschten Ziel nicht geführt haben, hat die Grundeigenthums- Deputation am Dienstag bcschlossm, dm Verlauf in vier Parzellen einzuletten und zu diesem Zweck einen Parzelltrungiplan aufzustellen. Ueber denselben soll in der nächsten Sitzung am 2. Juli berests beschlossen werden. Die Eckparzelle der Werd-r- und Kur- Straße, also am Wer» derschen Markt soll so groß angelegt werden, daß ein Pracht» bau ersten Ranges entstehen kann. DoksSes. g Zur Gesetzsammlung für die Köuigl. preußische« Staaten ist im Verlage des hiestgen König!. Gesetzsammlung»« amtes ein neues Hauptregistcr erschienen, welche» die Jahrgänge von 1806 bis inklusive 1883 gemeinsam umfaßt. Dasselbe wird auf vorherige Bestellung zum Preise von 6.25 Mk. für da» Exemplar ohne jede Nebenkosten durch die ReichSpostanstallm geliefert. Die diesjährigen Gerichttferie« beginnen offiziell am 15. Juli. Während der Ferim werden nm Schrifistücke zu dm Akten genommen, welche ausdrücklich als„Feriensache" de« zeichnet find, und werden nur solche vor dm betreffenden Ferien» Deputationen verhandelt. Da» öffentliche Fuhrwesen in Berlin. Die Zeitschrift „Der Fuhrhatter" aicbt eine statistische Uebeificht über das ge« sammie öffentlich« Fuhrwesen in Berlin. Dasselbe wurde da« nach am 1. Januar d. I. von 2233 Konzesstonarm ltnkl. 4 Aktien-Gesellschaften) gestellt, hiervon waren 1955 Droschken» befitzer mit 4316 Droschken, 263 Thorwagen»(Kremser) Be» fiyer mtt 383 Thorwagen, 2 Omnibut- Besitzer mit 135 Omni» Hüffen, 3 Pf»rde Eiserbahn-Gesellschaftm mtt 691 Waggon», zusammen 2233 Unternehmer mtt 5555 Fuhrwerken. Der Bestand hat danach sett dem 1. Januar 1884 an Droschken erst« Klaffe zugenommen um 115, an Droschkm zweiter Klaffe abae« nommen um 62, wiederum zugenommen an Gepäckvroschken um 1, an Thorwagen(Einspänner) um 3, an Thorwagen (Zweispänner) um 30, an Pferdedahn-WaggonS um 66. Die Zahl der Omnibusse ist dies-lde geblieben. Zur Führung warm poltzeiltch am Schluß de» JahreS 1884 legitrmirt: Droschken», Thorwagen», OmnibuS-Kutscher 8008, davon im Dienst 4485, mitbin außer Dimst 3523, ein« Zahl, für die eS nur die Erklärung geben kann, daß die Aut Übung de» Fuhrgewerbe» nicht mehr so ist. um exlstirm zu können; die Zahlen ergeben aber auch den Beweis, daß die legitimirten Personen nur den genauen Bedarf für die 4481 Droschken ,c. Decken und somit erklärlich ist, daß oft ein Mangel an Kutschern vorhanden, also auch auf dies« Weise eine Schädigung der Unternehmer eintreten muß, zumal von den legitimirten Personen immer noch ein gewisser Prozmt Kranker ,c. in Abzug zu bringen bleibt. Anders stellt fich die Zahl der Pferdebahn» Kutscher» welche 981 zu 691 Waggon aufweist, somit«ine Reserve von 190 Personen ergiedt. Hieraus folgert die genannte Zeitschrift, daß die Vertreter der Berliner Jnieressenten die dringend« Pflicht habm, in der angegebenen Richtung Untersuchung andenken?"— Aber in fünf Minuten bin ich wieder da"— und vielleicht froh, da» Gespräch gerade jetzt abbrechen zu können, eilt« er hinüber in sein Zimmer, um dort rasch Toilette zu machen. Jetzt nahm Frau von Schalle» die Gelegenheit wahr — sie hatte in der Aufregung ihr gerade nicht reizendes Morgen- NegligS vergessen, an dem sogar vorn die Locken fehlten— und wollte sich eben auf Rauten stürzm, um au» ihm alle die Erazel» Herten heraus zu pressen. Rauten kannte ste aber gut genug und wußte und benutzte ein fast grausame» Mittel, fie lo» zu werden. „Gnädige Frau," sagte er,„daß ist eine so lang«, komplizirte Geschichte, daß ich wirklich«ehr Zeit, als mir augenblicklich zu Gebote steht, gebraucht«, um Sie gebührmd von Alle« in Kenntniß zu setzen; aber wie ist mir den»? Ich weiß nicht, ob ich mich täusch«. Sie kommen mir heut« Morgen so verändert vor, ich muß Jhnm gestehen, ich hätte Sie kaum wieder erkannt." Frau von Schaller, solcher Art aufmerksam gemacht, warf einm mtsitztm Blick in de» nächste« Spiegel; aber die Wirkung war zanberschnell.„Oh mein Gott l" stöhnt« fie, schoß aber dann auch mit Windeseile zur Thür hinaus. Wo in aller Welt hatte fie auch nur ihre Gedanken gen habt— e« war zu entsetzlich l Rauten lachte still vor sich hin; er wußte, daß fie jetzt gute drei Viettelstunden gebrauchte, ehe fie fich wieder konnte sehe» lasse», und dann war er wenigstm« vor ihr sicher. Schaller blieb aber in der That nicht lang«; er durste natürlich diesen wichtigen Akt nicht verzögern, und al» er in» Zimmer zurückkam und Rauten allein sah— die Uhren hattm indessen alle ausgespielt—, sagt« er rasch:„Rautm, die Idee de» alte» Solberg war Gold werth. Denken Sie, daß ich heute Abend noch einen Wechsel von zwölf» hundert Thalern zu zahlm Hab«, und ich wäre verloren gewesen, denn ich hatte keine Mittel, wegzukommen." „Da« nimmt Ihnen aber wieder einm schönen TheiT von Ihrem Kapital." (Fortsetzung folgt.) auftellen und Abhilfe zu ermöglichen, denn es sei doch ein eigenthümlich Ding, bak in allen Erwerbsbranden die Arbeits angebote größere find und nur das öffentliche Fuhrwesen hierin eine Ausnahme zu machen scheint, die der Ausübung des Gewerbes so überaus hindernd und hemmend in den Weg fich ftellt. R. Gin unfreiwilliges Wasserbad, welches gestern Abend um 7 Uhr ein Bootfahrer an der Spreeterraffe nabm, verursachte einen großen Menschenauflauf. Beregter Waffer fabrer, welcher fich durch Schwimmen rettete, war durch einen nicht aufgeklärten Umstand mit seinem Boote umgeschlagen. Jedenfalls spricht auch dieser Umstand auf das Evidentefte für Die schlechte Bauart unserer Spreeboote und es ist jedenfalls an der Beit gegen ein Vermiethen von Wasserfahrzeugen, die obne Riel gebaut find und demnach Unglüdsfälle nur be günftigen fönnen, energisch Front au machen. Zwei anscheinend recht gefährliche Subjekte wurden vorgestern in das Untersuchungs- Gefängniß am Landgericht II gefesselt eingeliefert. In Schönhausen wurden am Montag awei 16 und 17jährige Burschen beim Betteln ertappt und ins Gefängniß gestedt. Sie gaben an, daß fie zusammen vor 14 Tagen aus dem Kotrettionshause in Angermünde außge brochen seien, und nannten sich Adolf Eschert und Auguft Heise. Beide gestanden auch zu, fchon vielfach wegen Dieb ftabs bestraft zu sein. Der lettere ist angeblich auch in Berlin an verschiedenen Stellen Haut diener gewesen, aber überall wegen Diebstahls baoongejagt worden. Im Schönhauser Amts gefängniß haben beide wiederum einen Fluchtverfuch gemacht. Der Amtsdiener überraschte fte in der Nacht, als fte schon ver fchiedene Steine aus der Mauer gebrochen batten. Deshalb wurden fte fofort nach Berlin transportirt. Es wird nun feft zustellen sein, ob die Angaben über ihre Persönlichkeiten richtig find, und was fte während der Tage ihrer jüngsten Freiheit an Verbrechen ausgeführt haben. Ausweisung. Der Klempnergeselle Franz Rauch aus Graz( Desterreich) ist durch Verfügung des Königl. Polizei, Präfidiums aus dem gesammten preußischen Staatsgebiete aus gewiesen worden. Rauch war erst vor sitla 3 Wochen aus Defterreich fommend hier eingetroffen und stand bei dem HofKlempnermeister Herrn Thielemann in Arbeit. Ein spekulativer Gymnastast. Am schwarzen Breit der Universität prangte vorgestern folgender verlockender Anschlag: Ein guter Lateiner für täglich 1-2 Stunden gesucht. Ho norar monatlich 100 M.!! Als Probe ift furs, aber Alles umfaffend zu behandeln: Quae sint virtutes et vitia veterum Germanorum nach Tacitus Germania. Ein erfahrener Musen sohn hatte indeffen bald den Blan durchschaut und kommen. tite das xorbitante Preisangebot saleunigst mit der Blei fliftrandgloffe: ,, Ein schlauer Gymnaftaft will auf diese Weise feinen lateinischen Auffaz gemacht haben." Der ertannie Spiegelberg ließ gestern seinen durchsichtigen Anschlag her. unternehmen. r. Der unfreiwillige Humor flieht wohl noch nirgend in so üppiger Blüth, als in denjenigen Klaffen unserer Schul anstalten, wo die Schüler ihre geistigen Erflinge mit Feder und Tinie zur Welt bringen, mit denen oft die fünfte Bhantafte des geistreichsten Humoristen nicht immer Schritt halten tann. Ein Tertianer lieferte dieser Tage in einem deutschen Auffat, welcher eine Beschreibung des zwischen dem Luftgarten und dem Thiergarten gelegenen Staditheils von Berlin ent halten sollte, unter Anderen auch folgende svet Säße: Die Wefifront des Opernhausplages nimmt die fönigl. Blibliothek ein, welche im Munde des Voltes die Geftalt einer Kommode bat Jm Thiergarten erblidt man ein Denkmal, wo Goethe in stehender Stellung ausgehauen tft. a. Der bei dem Pächter der hiesigen fiskalischen Ab. deceret in Stellung befindliche Scharfrichtereigebilfe Otto Winter, welcher mit dem Schild Nr. 10 und 10 Quittungen über Hundeauslösungsbeträge versehen war, hat sich seit dem 20. b. M. an seiner Dienfistelle nicht wieder sehen lassen, об gleich er verpflichtet ist, dort täglich ameimal, Morgens und Mittags zu erscheinen. Man vermuthet, daß W. mit dem Schild und den Quittungen Wigbrauch treibt und das von ihm eingenommene Fanggeld unterschlägt. W. tft inzwischen aus seiner Stellung entlassen worden. a. Eine gefährliche Räuberin, welche Kindern ihre goldenen Dbringe und das ihnen anvertraute Geld( zum Ein holen von Waaren) stiehlt, ist in der unverehelichen Maria M. vorgeftern zur Haft gebracht worden. Die M, eine wegen Diebstahls mehrfach vorbestrafte Person, bat 12 derartige Straf fälle eingeräumt, vermuthlich aber hat sie noch bedeutend mehr berartige Diebfähle ausgeführt. R. Eine üble Angewohnheit ift die, den Kindern zu geftatten, Gegenstände zum Durchbeißen der Zähne zu geben, welche abbiödeln. In die Gefahr des Erstickers lam gestern auf diese Weise das 2jährige Kind der in der Weißenburger ftraße wohnenden Restaurateursfrau V. Nur mit äußerster Mühe gelang es, den fremden Körper aus dem Halse zu entfernen und so das Kind von einem schrecklichen Tode zu befreien. Gerichts- Zeitung. Entrüftet darüber, daß ein Mann in der Näbe feines Hauses badete, schlich fich ein dadurch in seinen Gefüblen Berlegter an das Waffer, in welchem fich der Badende luftig tummelte, nahm ihm seine Kleiter fort und rief ihm au, er Tönne fich dieselben bei ihm abholen. Damit begab er fich ganz gemüthlich in sein in der Nähe belegenes Haus. Der Badende war über diese Bergewaltigung nicht sehr erbaut. Er troch aus dem Waffer nach einer trodenen verfte den Stelle und rief von dort aus flehentlich nach seinen Kindern; jedoch erft nach geraumer Beit ließ fich der Feind des Badenden im Freien erbitten und brachte dem Unbefleideten sein Eigenthum zurüd. Dieser wollte sich durch einen Sirafantzag wegen Freiheitsberaubung rächen, erreichte aber feinen Bwed nicht, da das Gericht, wie folgt eilannte: Wer vorfäßlich und wider rechtlich einen Menschen einsperrt, oder auf andere Weise des Gebrauchs der persönlichen Freiheit beraubt, wird mit Ges fängniß bestraft. Daß die auf andere Weise bewhite Freiheits beraubung äußerlich der Einspeirung oder Gefangenhaltung nicht ähnlich zu sein braucht, tann angenommen werden; noth wendig erfordert der Begriff der Beraubung aber, daß eine, wenn auch vorübergebende, doch in ihrer Whlung vollständige Aufhebung der persönlichen Feiheit stattgefunden hat. Eine bloße Beschränkung in der Wahl des Aufenthalts nach dieser oder jener Richtung bin, eine bloße Erschwerung der freien Bewegung genügt nicht zur Bestrafung; deshalb tann eine Beraubung ber periönlichen Freiheit eines Menschen nicht schon barin erblickt werden, daß derselbe behindert war, fich anzu fleiden und angekleidet die Badeftelle zu verlassen. Nicht das Antleiden und der angefleidete Bustand steht in Frage, sondern die Aufhebung der persönlichen Freiheit. In dieser legteren war ber durch die Handlungsweise des Angeklagten Betroffene wohl beengt, feineswegs jedoch derart vergewaltigt, daß er als Gefangener oder abfolut Unfrcier angesehen werden fonnte. Ec blieb unbehindert, sich nach Wiafür im Waffer weiter aufzuhalten, das Waffer ohne die Kleider zu verleffen, fich feine Kleider aus dem wenige Minuten entfernten Hause, wo fie niedergelegt waren, wiederzuholen. Er hat thatsächlich fich aus dem Wasser fortbegeben und in einem trockenen Graben versteckt, wo er furze Zeit gewartet hat. bis ibm die Kleider zurückgebracht find. Dies alles find teine Umstände, die fich als Freiheitsberaubung rechtlich qualifiziren laffen. Es fann Daher dahingestellt bleiben, ob der Angeklagte vorfäßlich und wiberrechtlich gehandelt, oder ob er einer Verlegung der öffent, lichen Schambaftigteit bat entgegentreten und nur die Ber ön lichkeit bes Uebeltyäters hat feststellen wollen; denn der Frel verantwortlicher Hedaiteur R. heitsberaubung ist er nicht schuldig. Es fragt fich aber nun, ob der seiner Kleider beraub'e hätte bestraft werden können, wenn er in seinem adamitischen Roftüm fich einer öffentlichen Schamverlegung schuldig gemacht hätte. Ein eigenthümlicher Diebstahlsprozeß wurde vor dem Schöffengericht, Abtheilung 89, verhandelt. Auf der Antlage bant mußten awet Frauen Plas nehmen, die unverehelichte Rarft und eine Frau Becker. Erftere hatte in mehreren hie figen Geschäften als Verkäuferin gedient und war geständig, in dreien derselben Waaren und Geld, das Einemal sogar in dem Geschäft des Drechslers Heinemann 180 Wit. veruntreut zu haben. Dffen iäumte fte jeben Diebstahl ein und beklagte fowohl den Leichtfinn, der fie dazu veranlaßt, vornehmlich aber auch den Umstand, daß fie die Beder fennen gelernt, denn nur durch deren Bureben sei fie auf die Bahn des Verbrechens gerathen. Sie batte nämlich in einem Geschäft mit der Beder gemeinschaftlich Stellung gehabt. Diese war jedoch die Leiterin Dieses Bweiggeschäftes. Die Bider habe sie an fich gezogen und ihr Grundsäge beigebracht, wer den Vortheil, den er unter den Händen babe, nicht wahrnehme, der werde es nie zu etwas bringen. Als die Karst später in dem Heinemann'schen Laden Beschäftigung gefunden batte, sei die Bider zu ihr gelommen und habe fte um ein Elfenbeinkreuz für fich und eine Bigarren fpige für ihren Mann gebeten. Anfänglich habe die Karst fich geweigert, diefe Gegenstände hinzugeben, aber bei wiederholten Bitten und Befuchen der Becker habe fte fich bereden laffen. Nachdem die Diebstähle der Karst entdeckt waren und fte vers haftet war, wurde auf Grund der obigen Beschuldigungen bei ber Becker Haussuchung gehalten und man fand babet zwei Bigarrenetuis, die aus dem G: schäfte herrührten, in dem sie angestellt war. Sie ist die Frau eines faufmännischen Beamten, ber eine sehr auslömmliche Einnahme hat, man ließ fie baber auf freiem Fuß, aber es wurde gegen fie wegen Hehlerei und Diebstahls Antlage erhoben. Im Termin behauptete fte, die fte betreffende Aussage der Karst sei vollständig fte, die fte betreffende Aussage der Ratst sei vollständig aus der Luft gegriffen. Welches Motiv die Karst babe, fie in dieser Weise zu verdächtigen, sei thr nicht flar, aber an der ganzen Erzählung set tein Wort wahr. Die beiden Bigarren etuis habe fie ehrlich getauft, wie schon manches andere, wie Daß der Befizer des Geschäftes bezeugen müffe. Letzteres gab Dieser zu, ersteres vermochte er nicht zu bestätigen. Der Staats anwalt hält Beide für schuldig und beantragte gegen die Karst vier Monat, gegen die Becker vier Wochen Gefängniß. Der Bertheidiger der Karft, Rechtsanwalt Holz, bat für seine Klientin um mildere Strafe, Rechtsanwalt W: onter nahm sich der Becker in sehr warmer Weise an. Er schilderte das unbescholtene Leben der geachteten, älteren Frau, daß fie nicht nöthig habe, Stellung zu nehmen und dies nur thue, um eine Beschäftigung zu haben, fie werde nicht stehlen, um sich verhältnismäßig so geringwerthige Objekte anzueignen. Mit Spannung sah man dem Spruch des Gerichtshofs entgegen. Durch ihn wurde die Becker freigesprochen, da der Gerichtshof fich den Ausführungen des Vertheidigers anschloß, und die Karst zu brei Monaten Gefängniß verurtheilt. = Ein tiefes Mitleid ergriff die Anwesenden, als im Gerichtssaal vor dem Schöffengericht, Abtheilung 92, gegen Die 17 jährige Marie Schaue wegen Diebstahls verhandelt wurde. Der Vorsitzende hielt es für seine Pflicht aus den Aften die Schöffen von den Familienverhältniffen der Anges flagten in Kenntniß zu setzen. Des Mädchens Bater batte feine Familie plöglich verlaffen und diese dadurch in die fümmerlichfie Lage versest. Später war die Mutter der jugendlichen Angeklagten, mit dieser und einem Mann, ber an geblich ihr Bruder sein soll, den fte aus der Frrenanstalt in Dalldorf abgeholt nach der Schweiz gereift. Dort wurden fle fämmtlich unter dem Verdacht, einen Mord begangen zu haben, verhaftet und nach einiger Beit, da durch die eingeleitete Untersuchung ihre Schuld nicht nachgewiesen werden konnte, nach Deutschland zurüdtransportirt. Die 17 jährige Schaue wurde in ihrer Heimaty bier, von ihrer Mutter getrennt und zu ihrem Vormund in die Erziehung gegeben. Am Ende Mai hat fie diesem und seiner Frau gehörige Kleidungsücke, Schmudgegen stände und baares Geld en wendet und ist davon gelaufen, angeb lich weil fie von der Frau des Vormundes Schläge bekommen sollte. Im Termin geftand fte reumüthig unter Thränen den Diebftahl ein und so nahm denn auch der Staatsanwalt, indem er namentlich die traurigen Familien verhältnisse berücksichtigte, mildernde Umstände an und beantragte eine Woche Gefäng niß, welche durch die seit Ende vorigen Monats dauernde Untersuchungshaft für verbüßt zu erachten sei. Der Gerichts hof entschied demgemäß. Auf die Frage, wohin fich die Ange hof entschied demgemäß. Auf die Frage, wohin fich die Ange flagte, bie bald darauf aus der Haft entlassen ward, wenden würde, erklärte fie, fte werde fich beffern und eine Tante um Aufnahme bitten, die hier wohne. Soziales und Arbeiterbewegung. Shuk der nationalen Arbeit. Die Innungsmeister des Bau, Maurer und Bimmerergereits zu Berlin sollen beschlossen hater, italienische und polnische Maurer zu engegiren, um ben fireifenden deutschen Arbeitern die Spize zu bieten. Vielleicht ist es nur ein Schreckschuß, um die Gesellen mürbe zu machen. Wäre es aber wabr, so würden die Innungsmeister eine antinationale Gesinnung befunden, welche fte nimmermehr weguai chen im Stande wären, felbft menn fie tausend Hochs auf den Fürsten Bismarck und das Deutsche Reich ausbrächten. Die nationale Gesinnung Dieser Herren reicht bekanntlich nur bis an die Tasche, aber niemals bis in die Tasche. Ueber das von der Arbeiterpartei im Reichstage eingebrachte Arbeiterschutzgesek lamentizen und zetern besonders die liberalen Beitungen. Sie nebmen es den Arbeitern außerordentlich übel, daß dieselben in ihren Petitionen neben Der Forderung des Berbots der Sonntagsrube auch die Forderung eines Normalarbeitstages stellen. Hören wir die zwischen den Nationalliberalen und den DeutschFreifinnigen stehende Weserzeitung". Dieselbe schreibt:„ Der Normalarbeitstag bat zehnmal mehr Gegner als der Sonntags. zwang; viele, die den letteren bewilligen möchten, werden fich zurüdieben, wenn sie zugleich den Westeltagen ihre Freiheit absprechen sollen. Auch stehen beide Fragen auf wesentlich verschiebenem Boden. Die Sonntagsruhe ist schon jetzt ein Theil dessen, was man die gute Sitte" nennt, awar nicht ein Rechtsinstitut, aber doch eine Inftitution öffent lichen Charakters, und es läßt fic prinzipiell rechtfertigen, wenn das Gesetz der Sitte zu Hilfe tömmt, um fie gegen brutale und ärgerliche Berleugnung zu schüßen. Auf das Maß fommt es da vor Allem an, damit nicht der neue Schaden größer werde als das alte Uebel. Eine vernünftige Sonntageordnung ift zu vergleichen mit denjenigen Veranstaltungen, welche Die öffentlichen Gesundheitszustände, Den öffentlichen Anstand, die nächtliche Nube den firchlichen Sinn gegen ten Mißbrauch der ind viduellen Freizeit Freiheit sicherstellen. Der Normalarbeitstag ist dagegen eine rein so sialistische Forderung, nicht eine bloße Abwehr des Mißbrauchs der Freiheit, sondern eine Aufhebung der Freiheit selbst. Er nimmt erwachsenen selbstständigen Männern eines der vornehmsten Naturrechte, das Recht, über ihre Beit so zu verfügen, wie es ihnen am besten scheint. Er nimmt ihnen Das Recht auch da, wo es du: chaus nicht die Rechte Dritter beeinträchtigt, und wo die Beit nicht vom Staate selbst in An spruch genommen wird." Der Normalarbeitstag ist eine rein sosialistische Forderung, so sagt das liberale Blatt. Hätte es recht, so tönnte niemand froher sein, als die Sozialisten, ta fie dann Anhänger in fast allen Barteten hätten. Nicht nur Robbertus, sondern auch der alte Geheim taib Hermann Wagener( nicht zu verwechseln mit dem Anti femiten Adolf Wagner), ein Ronservativer, der die gegenwärs um tigen Parteihäupter weit überragt, find Anhänger des Normal arbeitstags. Und selbst der verstorbene Dr. Laster war fein prinzipieller Gegner deffelben. Wir wollen leine weiteren Namen nennen, die in dieser Richtung Bugeständnisse machen, aber eins steht fest, daß auch die W: fers Belitung" nicht weit um fich zu blicken braucht, prinzipielle Anhänger des Normalarbeitstags zu finden. Daß aber das ganze Arbeiterschußgefeß ein Meffer obne Klinge wäre, an dem das Heft fehlte, wie der Humo: ift Lichtenberg fich ausbrüdt, wenn die Forderung eines Normalarbeitstages ( Marimalarbeitstag ist richtiger) nicht darin enthalten wäre, das wiffen die Gegner der Arbeiter sehr gut, deshalb gerade bekämpfen fie so energisch die lettere Forderung. Der Streit der Weber in Schleften scheint größere Ausdehnung zu gewinnen. In Erdmannsdorf haben fich auch die Arbeiterinnen dem Streit angeschlossen, von denen Vertreterinnen in das Streiffomitee gewählt worden find. Neuer Streit in England. Die Arbeiter der Maschinens fabriken und Eisengießereien von Boldow, Vaughan u. Co haben in einer von 3000 Personen besuchten Versammlung be schloffen, die Arbeit niederzulegen. Der Grund des Streits ift Verweigerung einer geforderten Lohnerböhung von 4 Shilling per Woche, sowie die unbegründete Entlassung von 20 Arbeitern. Man hofft, den Streit durchzusehen, da Geldmittel jeg zur Genüge vorhanden sind und unter den Arbeitern große Einig teit herrscht. Vereine und Versammlungen. th. Die öffentliche Versammlung der Schmiedegefellen, welche am 25. b. M. bei Keller( Andreasplay) tagte, beschäf tigte fich mit der Streitbewegung der Schmiede. Trogdem die Forderung der Sonntagsruhe eine voll berechtigte, sollen, wie mitgetheilt wurde, dennoch 36 Meister die Forderung nicht bewilligt baben. Diese Verzögerung des allgemein durch schlagenden Erfolges der Streitbewegung führte Herr Müller in seinem Referate auf die beschlossene Unterstüßung der Arbeitslosen zurück. Dies sei ein Fehler. Die Gewerkschaft sei außer Stande, neben den Streifenden auch die Arbeitslosen zu unterstügen. Durch die gewährte Unterstützung würden aber viele arbeit lose Gesellen nach Berlin gezogen, die Herbergen, welche sonft um die Beit leer ständen, selen thatsächlich überfüllt, das Ans gebot von Arbeitskräften übertreffe die Nachfrage um ein Bes deutendes, so daß der Streit vollständig illusorisch gemacht werde. Es sei daher, um diese Gefahr abzuwenden und den Arbeitsmarkt, sowie den Unterstüßungsfonds zu entlasten, durchaus nothwendig, daß ble unverheiratheten Gesellen Berlin die auf etliche Wochen verlassen, wie es die Maurer gegenwärtig Thun. Das Herbergswesen berührend, e: achtete Referent eine Reform des Arbeitsnachweises, welcher jest ledig lich in den Händen der Herbergswirthe ruhe, für dringend erforderlich. Um aber etwas erreichen zu fönnen, müsse eine fefte Organisation die ganze Gewertschaft wie ein eisernes Band umschließen und dies set der Fachverein. Die Lohnkommission allein tönne nichts erreichen. Beide, Lohntommiffton und Fach verein, müßten hand in hand gehen, nicht getrennt, nur fo tönne eine Berbefferung der Lage herbeigeführt werden. Im Laufe der Diskussion, in welcher die Situation noch näher be sprochen wurde, wurde auch ein Antrag gestellt, daß die unvers beiratheten Gesellen bis zum 28. b. D. auf Roften der Kome mission Berlin zu verlassen hätten, doch blich die Beschlukfaffung hierüber der am Sonntag stattfindenden Generalvers fammlung vorbehalten. Eine Versammlung des Verbandes deutscher Zimmer leute( Lolalverband Berlin) fand am Mittwoch, den 24. Juli, in ben Arminhallen, Kommandantenstraße 20, ftatt. Die Tagesordnung war folgende: 1. Besprechung über einen Statutenentwurf für eine Sterbefaffe der Bimmerer Deutsch lands. 2. Der Streil der Berliner Maurer. Zum ersten Buntt verlas der Vorfigende mehrere Baragraphen aus den betreffer den Statuten. Eine Disfuffion lonnte bes zweiten Bunttes wegen nicht stattfinden. Bum zweiten Gegenstand der Tagesordnung fprach Herr Schöppe fich dahin aus, daß der Verband sich verpflichte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln materiell wie moralisch die Maurer in ihrem gerechten Lohntampfe zum Stege zu verhelfen. Redner reicht eine hierauf bezügliche Resolution ein, welche einstimmig von der sehr zahl reich besuchten Versammlung angenommen wurde. Nach diesem Borfigende noch mit, daß am Mittwoch, den 8. Juli, eine wurden gewerkschaftliche Sachen erledigt. Darauf theilte der Generalversammlung des Verbandes bebufs Neuwahl des Lokalvorstandes stattfindet. Fachverein der Tischler. Diejenigen Mitglieder, welche an dem Unterricht in der Handwerterschule theilnehmen, werden ersucht, die ihnen gewährte Beihilfe am Eonntag Vormittag von dem Vo figenten Herrn Tubauer, Morisstr. 22, abzuholen. Freiwillige Beiträge aur Unter filigung der streitenden Tischler in Königsberg und Dresden werben heute Sonnabend Abend in Restaurant, Alte Jakobftr. 38, angenommen. Die nächste Vereinsversammlung im Dften findet am Dienstag, den 7. Jult bet Saeger, Grüner Weg 29, statt. Bereinigung der Metallarbeiter Deutschlands( Mit gliedschaft Berlin Often). Montag, den 29., Abends 8 Uhr, in Reller's Restaurant, Andreasfir. 21, oberer Saal. Diffent liche Mitglieder Versammlung. T. D.: 1. Arbeits. Nachweis. 2. Gründung der Kaffe für Arbeitslose. 3. Verschiedenes und Fragetaften. Sämmtliche Fachgenoffen find freundlichst ein geladen. Große öffentliche Versammlung der Schmiede Ber lins am Sonntag, den 28. d. M., Vormittags 10 einhalb Uhr, im Königstädtischen Theater am Alexanderplatz. Vermischtes. Menschenfresser in Rußland. Die amtliche ,, Gouverne ments- 8tg" melber aus Jeniffeist, daß zu Anfang des Monats November v. Js. im Turudhanstischen ein Ditiate Namens Brotopji Kalin, durch den Hunger getrieben, feine 11jährige Schwefter Maria abschlachtete und solche in Semeinschaft mit seinem Bruder N tita verspeiste. Neite Erbfreunde" das! Aus der Schulpraxis. Man berichtet der Frif. 8tg." aus V. in Kh. folgenden Vorfall: Der Schulinspettor 6. hielt im Do fe V die jährliche Schulp: üfung ab. Diese fiel vor trefflich aus, denn faum batte der Lebrer eine Frage geftellt, fo hoben alle Schüler den Arm. Als die Prüfung zu Ende war, lobte der Herr Schulinspektor Lhrer und Schüler mit warmen Worten. Auf dem Heimweg ging der fleine Johannes neben seinem Vater her, der auch der P.üfung betgewohnt hatte. Johannes", fagte der Vater ,,, Du baft Alles gewußt warum hat der Lehrer Dich nicht gefragt? Sch habe nichts gewußt", entgegnete der Knabe. Aber Du bast bei jeder Frage den Arm gehoben." Den linken Arm, Vater." Was soll Das heißen fuhr der Mann fein Rind an. Dieses jab ere ftaunt au dem er ürnten Vater auf und erwiderte: Der Herr Lehrer bat gefaat, bei der Prüfung heben alle Schiller den Arm. Wer die Antwort weiß, den rechten, wer nicht weiß den linken. Ich habe es recht gemacht." Studenten- Albernheiten. In München ließen fich für lich eine Anzahl Studenten die Kopfbaare abraftren und zogen so durch die Straßen. Es entstand in förmlicher Auflauf Wlan fiht, wie unsere germanischen Jünglinge, die einft bie Träger der Just, der Verwaltung und des Lehramts sein werben, ibre Beit verullen. Uebrigens find das die ftrengsten Lehrer, Polizisten, Richter und Staatsanwälte, die es in der Jugend am tollften getrieben und am wenigften gelernt haben. Gronheim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2 Hierzu eine Betlage. Beilage zum Berliner Bolksblatt * Rr. 147 Sonnavend, den 27. Juni 1885. n. Jahrgaug. Lei Anlaß des Lrünner Streiks schreidt de„Zür. Post";„Seit Wochen lesen wir unauZgestvt von EtreilS, Die in der alten rri: in der neuen Welt inszeniit und mit wechselndem Erfolge durchgeführt werden. Die Arbeiterbewegung scheint wieder einmal in lebhasterei Tempo übergehen zu wollen, und um nicht hinter der Zeit»mückzu- bleiben, regt fich auch die Ordnung,— fie hat in Brünn ihre Sache dem Bajonnet übergeben, daS seine Aufgabe noch immer rasch zu erledigen wußte. Kommt es auch nicht immer dazu, daß die„Flinte schießt und der Säbel baut", so setzt es doch harte Worte, Weil ein« mal bei einem Fabrikanten, der als humaner Mann gilt und et ja auch wohl thatsächlich sein mag, ein Streik autdricht erhebt fich ein Konzert von Stimmen, die über schwarzen Undank klagen. Der Befitzende braucht nur bei etlichen Gelegenheiten einen stattlichen Betrag zu zeichnen oder sonst einen in die Aucen fallen» dm Wohlthätigkeitsakl>u verrichten, so beugt fich die Menge vor seinem guten Herzen und seinem Mitgefühl für die leidende Menschheit; zu untersuchen, ob etwa dieser Mildhetzigkest ein Sondetinteresse zu Grunde liegt und ob die Leistung im Per» bältniß zur Leistungskraft auch wirklich besonders nennenlwerth sei, würde als Taltlostgkelt, vielleicht als ein gemeines Begin» tun aufgefaßt. Und der Arbeiter? Er braucht nach jahrelangem, aus» fichtSlosem Mühen und Ringen nur einmal die Geduld zu verlieren und vom Grolle fich hinreißen zu lassen, gleich ver> wandelt fich die Entrüstung über seine schnöde RückfichtSlofig- keit in lange Leitartikel. Zu untersuchm, ob der Druck, unter dem«t foltwährerd leid?t, ob momentane Einflüsse sein Beginnen, wenn nicht rechtfertigen, so doch vollauf entschuldigen, VaS fällt Numanden ein. Die Verehrung für die Gewalt ist in unserm Geschlechte viel zu groß, um einer gerechten Auf- fossvng Raum zu lassen. Die Macht geht vor Recht nicht allein in der Politik, sondern auch auf sozialem Felde. Wer da meint, gleich von Mangel an fistlichem Bewußt- sein zu reden, wo ein„Undank" vorliegt, der nehme fich die Mühe, zu denken, daß der Arbeiter, dem man ja in der Schule, in der Kirche, in Ralhisälen und auf VolkSversammlungrn die Vvfitive Zustcherung gibt, daß vor dem Gesetze volle Gleichhest herrscht, die Dinge von seinem Standpunkt aus detrachtet und dieser ist ein wesentlich anderer. AlleS Gute, waS ihm von freunden seines Standes erwiesen wird— recht oft in einer Weise, die ihn schmerzen muß— ist eben doch stets nur ein leidlich erträgliches Dasein, aber niemals mehr und oft nicht einmal soviel. Das ist daS Höchste waS er bei anstrengmdster Thätigkeit, tagaus, tapein und jahraus, jahrein zu erreichen vermag. Wenn er dafür noch der Gnade eines Mitmenschen »«pflichtet fein soll, so ist dieS eine Zumuthung, die K«ade in ehrlichen, männlichen, gesunden Naturen Verbitterung hervorrufen wird. Man dränge doch die Schlagwörter zurück, '«stchte auf Wiederholung der üblichen Einwände und wäge M wirklichem Ernste ab. So hoch subjektiv daS humane �«fahren von Arbeitgebern gegenüber den Arbeitnehmern zu schätzen ist, so sehr muß objektiv vor dem Jrrthum gewarnt werden, daß JeneS die Lösung der Fragen fördere. Diese �Labrheit mag unangenehm sein, aber alle Wahrheit wirkt befreiend. Und hüte man fich ferner, auf den Unverstand der Prole- tarier in wirthschastlichen Dingen zu schelten. Die Leute lesen nicht nur ihre Fachblätter, fie schauen auch in unsere Zeitungen, lesen von der Ohnmacht der Parlamente, von der verfehlten Gesetzgebung, von wahnstnntgen Zollplackereien, vom Zu- sammendruch stolzer Unternehmungen, von dem FiaSko national- ökonomischer Systeme, von unhaltbar gewordenen Zuständen, von ruinirten Industrien, käuflichen Führern, über Bord ge- worfenen Größen, von rasfinlrtem Schwindel, Krach und Schelmenthum; werden fie da wirklich noch glauben, daß die Well auf» Beste eingerichtet und kein Konekturversuch wünsch- bar sei?"_ D o k» t e s. r. Ungesunde Cailafraume für Dienstboten. In un- serer Stadt besteht bekanntlich die Einrichtung, daß Familien, «elcke Dienstboten halten, fich bei hiefizen Krankenhäusern Eine Vergnügungsreise. Nach dem amerikanischen Original von F. I., übersetzt von Viktor Schwarz. „Meine liebe Milly I Zwei Jahre find vergangen, seit ir Beide unser liebe» alte» Pensionat verlasse« haben und dieser Zeit hast Du mich beständig mit Versprechungen re» baldigen Besuch» hingehalten. Ich bin im Ganzen ne sehr geduldige Natur, aber einmal hat auch mein« ingmuth eine Grenze und somit erwart« ich Dich mit aller estimmtheit im Laufe der nächsten Woche. Zugleich theile i Dir mit, daß Du mindestens sechs Wochen be» mir au»- ilten mußt— unsere sämmtlichen Bekannten veranstalten alle, Liebhabertheater, Dilettantenkonzerte». und ich nke. Du wirst nicht abgeneigt sein, Dich an allen vor- mmenden Vergnügungen aktiv zu betheiligen. Theile ir umgehend mit, wann ich Dich erwarten darf und sage einer lieben Mutter, daß ich ihr schon im Voraus sehr inlbar für die leihweise Ueberlassung Deiner kleinen erson bin... Alles Weitere mündlich— wie immer eine Dich ungeduldig erwartende Ellen Rutherford." Milly Thorn, eine allerliebste Blondine mit lachenden aue» Augen, reichte den Brief, nachdem fie denselben ge« s»n, ihrer Mutter und sagte lebhast:„Diesmal soll Ellen it mir zufrieden sein— nicht wahr, Mama, ich darf ch Newyork reisen?"„Gegen den Besuch hätte ich nicht« «zuwende»," entgegnete Mr». Thorn bedenklich,„aber ! Reise—"„Aber Mama— heutzutage heißt»ine Reise r nicht» mehr," rief Mllly zuversichtlich,„alle mein« Kundinnen haben schon»est größere Reisen unter« mme», al« die in Frage stehende und ich bin doch auch n Kind«ehr— im September habe ich meinen acht- ,nt«n Geburtstag gefeiert."„Al« ich jung war," sagte ' Mutter kopfschüttelnd,„hielt man e« nicht für an« »big, ein junge» Mädchen ohne Begleitung reisen zu Ten."„Ja, da» war damals, aber heute ist man wert »iger ängstlich," sagte Milly lachend:„w««n ich den ühzug benutze, bin ich um zehn Uhr in Albany und um elf Uhr weiter nach Newyork, wo ich um 6 Uhr jtreffe. Ellen wohnt ganz nahe am Bahnhofe und Du »st also, daß«ir absolut Nicht« nustoßen kann." « Gotte» Namen," nickte die Mutter;„ich gönne davon und nachdem Milly eine» ihre Mitpassagiere geworfen, rostgen Zukunftsträumen, welche jugend find.„Obgleich Ellen ireibt," so ungefähr war ihr Gedankengang,„bin ich fest davon überzeugt, daß ihr Bruder zufällig zu Hause ist. O, fie denkt unendlich schlau zu sein— ich möchte zehn gegen ein« wetten, daß fie mir gleich bei«einer Ankunft«ittheilt, der Kapitän habe ganz unerwartet Urlaub erhalten und sie freue sich, un» endlich mit einander bekannt machen zu können! Schon in der Pension hatte fie fich'S in den Kopf gesetzt, ich müsse ihre Schwägerin«erden, und je ärgerlicher ich wurde, desto fester beharrte fie auf ihre« Plan! Al» ob ich eine Marionette wäre, die sich nach Belieben bin« und Herschieben ließe— o nein, ich danke dafür, einen Mann zu Heirathen, der kein andere» Verdienst hat, al« der Bruder«einer Freundin zu sein!... Ob er»»klich ei« solcher Au«bund von Geist und Schönheit ist, wie er«»«ach Ellen'« Schil- derungen sein soll? Nun, wenn ich ihn sehe,»erde ich geien einen bestimmten Jahresbeitrag abonniren, wofür der Dcnsibote dieser Familie in allen«rankheitsfällen ärztliche Bcpandlung und Aufnahme in der betreffendtn Anstalt erhält. Nun ist e» aufgefallen, daß von den jährlichen Typhu», Pockm. und ähnlichen Erkrankungen, die infolge andauernden Einathmen» ungesunder, verdorbener Luft zu entstehen pflegen, ein ganz auffällig großer Theil auf solche abonnitten Dienst- boten entfällt. Im weiteren Zusammenhange hiermit dürfte die oft gerügte Art und Weise stehen, in welcher bei vielen, auch bei wohlhabenden Familien, die Dienstboten untergebracht werden. Räume, welche der Frau deS Hause» zu schlecht er- scheinen, um Vorräthe darin aufzubewahren, weil dieses darin vrrderben könnten, werden immer noch al» gut genug zum Schlafraum für dai Dienstmädchen erachtet; od diese darin körperlich verdirbt, ist für manche Madam leider nur zu oft eine Frage von ganz untergeordneter Bedeutung. Wenn eine Wittwe, um die bei Lebzeiten ihre» Manne» gemietheten theuren Wohnräume auszunutzen, an Echlafleute vermiethm will, so muß sie nachweisen, daß diese Räume gesund, ge- nügend mit Lichtöffnungcn versehen und von genügendem räumlichen Umfange find, und es bestehen für alle diese Fälle zahlreiche Polizeivorschrifien. Darum, wie die Dienstboten bei reichen und vornehmen Herrschaften untergebracht werden, kümmert fich kein Mensch. Und e» muß in dieser Beziehung sehr traurig in Berlin aussehen, denn ein altkonserr ativer Landrath konnte im preußischen Abgeordnetenhause vor einiger Zell in der ihm eigrnlhümlichen Betonung behaupten: In demselben Maße, wie in Berlin die vorderen Räume der Wohnungen schmuckvoll und elegant werden, wird in dem hintersten Räume der Hängeboden für daS Dienstmädchen kleiner und ungesünder.— Man sollte allerseits energisch daran gehen, diesen menschenunwürdigen Zuständen ein Ende zu machen. b. Sehr interessante Verwandlungen lassen fich an den amerikanischen Rückwanderern auf dem Bahnhofe Friedrich- straße wahrnehmen, welche jetzt hier zahlreich eintreffen, weil die Geschäfte drüben ebenfall» schlecht gehen. Die Leute: pol- Nische Juden, galizische Arbeiter u. vgl., find vielleicht nur einige Monate drüben ge-vesen. Aber bei der Rückkehr sehen fie seltsam verwandelt au». Den Kaftan, die Schmachtlocken, die nationalen Trachten, in denen fie auszogen, find ver- schwunden. Sie waren durch den Gebrauch zerlumpt, und nothgedrungen mußte der Träger fich bei einem Trödler drüben für einige Schillinge neu kostümiren. Da kommen sie denn zurück in den Resten de» KostümS eines Dandy, in kurzem Jacquet, Pluderhosen und Stehkiagen, die in seltsamem Widerstreit zu Haltung und Phystognomie sieben. Eine ältere Frau lief dieser Tage im Bahnhofe in einem alten Morgenrock umher, in dem fie die ganze Seereise durchgemacht hatte. Ja, im Winter kam es vor, daß eine solche Rück- wanderin in Schnee und Ei» mit einem buntbeblümten Stroh- Hut einherstolzirte. Die Zahl der polnischen Passanten von und nach Amerika sei übrigen» so groß, daß mir Rücksicht aus fie im Bahnhof Fiiedrichfiraße ein polnisch sprechender Schutz- mann stationirt ist. g. Seitens de« hiesigen Polizeireviervorstände finden jetzt wiever genaue Revistonen in den Fabrikstätten dahin statt, od die Pausen in der TagcSarbeit von den jugendlichen Ar» beitern und Arbeiterinnen auch vorschriftsmäßig inne gehalten werden. HanSsnchnng. Bei dem Bettragsammler der Mttglied- schaft Berlin l der Vereinigung deutscher Metallarbeiter Herrn Paul Behrnv, Reinickendorferstr. 60, III, wurde in der Mit- tagSstunde am 24. d. M.»ine Haussuchung nach verbotenen Schriften vorgenommen. Ein Resultat hatte die Haussuchung nicht. I« der Volksversammlung, welche am Mittwoch in Sanssouci tagte, hat der Ueberjchuß der Tellersammlung die Summe von 95 M. 27 Pf. ergeben, welche ihrer Bestimmung gemäß an die streikenden Maurer abgeführt find. R Eiue aufregende Szene spielte fich vorgeßem Abend egen 7 Uhr aus dem Hippodrom hinter dem zoologischen 'arten ab. Ein durchgegangene» Reitpferd stürmte aus dem Thiergarten in gestreckter Karriere auf den erwähnten Reitplatz, drohend, die hier spielenden Knaben niederzurennen. Da» Pferd jagte so schnell heran, daß die Knaben die ihnen drohende Dir die Reise und die in Aussicht stehenden Ver- anügungen von Herzen und hoffentlich läuft ja die Reise glücklich ab. Wann gedenkst Du denn in Newyork einzutreffen, Milly?" „Wenn ich«it meinen Vorberertunge» fertig»erde, möchte ich zu Anfang der Woche, Montag oder Dienstag reisen," meinte Milly;„Donnerstag hat die Familie Ruther- ford ihren wöchentlichen Empfangabend und dann kann ich gleich die Bekanntschaft der nächsten Freunde de« Hause« machen." Mr». Thorn war einverstanden und die nächsten Tage vergingen in eifrigen Reisevorbereitungen. „So Milly— jetzt wüßte ich Nicht» weiter zu er- innern. Wenn Du Gelegenheit hast, in Albavy zu früh- stücken, thue e» jedenfalls— hüte Dich vor Zug und sei vorsichtig im Anknüpfen von Reisebekanntschaften. Horch — da läutet e» zur Abfahrt— leb« wohl mein Liebling und gieb mir bald Nachricht." „Sei unbesorgt Mama— ich»erde stets an Deine Ermahnungen denken. Adieu, ich schreibe sofort nach«einer Ankunft in Newyork." Der Zug brauste flüchtigen Blick auf überließ sie fich den ei« Privileg der kein Wort davon si Gefahr erst erkannten, als daS schnaubende Roß ibnm ganz nah war. Mit seltener Geistesgegenwart warf fich ein Knabe, der dem Pferde nicht mehr auSbiegea konnte, auf den. Boden, — ein Sprung— und der Rappe jagte, ohne Jemand verletzt zu haben, weiter, bis e» mehreren Offijieriburschen gelang, Dasselbe wiedereinzufangen- Zeutral-Theater. Das lebhafte Interesse deS Publikum» für das Hamburger plattdeutsche Ensemble bekundet fich tag» täglich trotz der tropischen Hitze durch einen immer noch regen Besuch. Lotte Mende, Ottllie Eckermann, Carl Schulde und Heinrich Kinder wirken aber auch durch ihre reizende Natür« lichkeit, durch ihren köstlichen, liebenswürdigen Humor, wie auch durch drastische Komik in solch packender Weise, daß die Be- sucher deS Zentral-Theater» au« dem herzlichen, meist gar stürmischen Beifall nicht herauskommen. In der nächstfolgen- den, zugleich letzten Woche ihres Hierseins, haben fich die un» so lieb gewordenen Gäste de» plattdeutschen Ensemble» ent- schloffen, den vielfach ausgesprochenen Wünschen de» Publikum« in der Art gerecht zu werden, daß fie daS jetzige Zugstück „Hamburg an der Alster" mit dem nicht minder wirksamen Lolalschwank„Hamburger Leiden" abwechseln lassen. Morgen, Sonntag, findet somit die letzte SonntagSaufführung von „Hamburg an der Alster" statt. Polizei-Vericht. In der Nacht zum 25. d. M. deabstch« tigte ein Mann in der Ltnienstraße fich das Leben zu nehmen, indem er fich zuerst zu erhängen versuchte, sodann, al» ihm dieS nicht gelang, fich mit einem Taschenmesser einen Schnitt in den Hals beibrachte und endlich auS dem Fenster seiner 3 Treppen hoch belegenen Wohnung springen wollte. Er wurde als geistesgestört nach der Charttee gebracht. Am 25. d. M. Morgen» wurde der bei dem Abbruch der Gebäude auf dem Grundstück Wilhelmsstraße 10 beschäftigte Arbeiter Schwirblat von einer plötzlich umfallenden, anscheinend nicht genügend ab« gesteift geraeienm Fundamentmauer verschüttet. Er wurde je« doch, ohne Schaden genommen zu haben, unter dem Schutt hervorgezogen und konnte seine Arbeit fortsetzen.— Am Vormittage dessesben TageS wurde der Maler Schmidt, als er wegen Unwohlsein» aus der Rouleaux-Fabril Freienwalder- straße 13 fich nach seiner Wohnung begeben wollte, vor der Thür der Fabrik plötzlich vom Herzschlage getroffen und ver« starb auf der Stelle.— Um dieselbe Zeit wurde eine Frau in ihrer in der Grenadierstraße belegenen Wohnung erhängt vor- gefunden. Die Leiche wurde nach dem Obduktion Shause ge- schafft.— Am Nachmittage gerieth in der KrystalleiS-Fabrik Pankstraße 18 der Schlosser Hinz bei Rcvifion einer Wasser- pumpe mit der rechten Hand in die Zahnräder, wobei ihm vier Finger zerquetscht wurden. Er wurde nach dem Augusta- Holpital gebracht.— An demselben Tage Abend» fiel der 9 Jahre atte Sohn der Gefindevermietherin Bernau, Büsching- straße 8, auf dem Fahrdamm vor dem Nachbarhause zur Erde und erlitt dabn am linken Unterarm durch Glasscherben so schwere Verletzungen, daß er nach Anlegung eine» Nothver- bandes nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht wer- den mußte. Ob die Glasscherben dort gelegen, oder od der Knabe ein GlaS oder eine Flasche getragen, tonnte nicht fest- gestellt werden._ GeriMs-Ueituvg- —y. Eine« Jux wollte« fie sich mache«. Am Abende deS 23. März d. I. befanden fich zwei Gäste eine» in der Pallisadenstraße 69 befindlichen Raustaurants, der Steinsetzer Paul Hauch und der Tischlergeselle Franz Ehrlich, auf dem Hofe de» genannten Grundstücks und wurden hier zufällig Ohrenzeugen einer Szene, die fich auf dem Hausflur abspielte. Der Vizewirih hatte dort nämlich ein Liebespaar, welche» nicht in» HauS gehörte, aufgestöbert und auf die Straße ver- wiesen. ES waren hierbei natürlich auf beiden Seiten erregte Motte gefallen. wodurch den beiden unfteiwtlligen Lauschern die Situation klar gemach l worden war. Die» selben beschloffen, sofott da» Gehörte zu einem, wie sie behaupteten, harmlosen Scher» auszubeuten und gingen auch sofott an die Ausführung. Sie folgten dem von ihrem Bräu- tigam bereit» verlassenen Mädchen und Hauch setzte so viel ihm möglich war, eine würdevolle Amtsmiene auf, als er demselben in barschem Tone die MUtheilung machte, er sei Kriminal- bald genug entdecken, ob seine Schwester zu viel oder zu wenig von ihm gesagt hat— der Photographie, welch« «ir Ellen noch in der Pension schenkte, wird er kau« mehr ähnlich sehen, den« seitdem sind etliche Jahr« verstrichen." Milly zog ihr elegante» Taschenbuch von rothem Saffian heraus und entnahm demselben die Photographie eine» jungen Manne» von etwa zwanzig Jahren. Da» Gesicht war noch bartlo» und hatte einen knabenhaften Au»druck, nur die dunkle« Augen waren auffallend schön und der Blick derselben deutete auf einen festen, entschlossenen Charakter, Milly be- trachtete da« Bild nachdenklich— in jedem Fall versprach ihr Aufenthalt in Newyork angenehm und interessant zu «erden und— Ihre weiteren Erwägunge» erlitten einen plötzlichen Stoß— der Zug hatte Albany erreicht und die Passagiere eilten dem Stationsgebäude zu, um Billets zur Weiterfahtt nach verschjedenen Richtungen zu lösen. Milly stand ein- gekeilt in ver Meng«— sie konnte sich weder vor- noch rückwärt« bewegen und wartete sehnlichst auf den Moment, in welchem sie an den Billetschalter gelange» werde. Sie hatte indei hinreichend Muße und Gelegenheit, praktische Studien über die Wahrhert der Behauptung, daß der Mensch der verkörpett« EgoiSmu» sei, zu mache»— de- ständig wurde fie zurückgedrängt, bei Gerte geschoben und von anderen Reisenden überholt, und al« sie endlich athemlo« am Schalter stand, war da« Taschmbuch, in welchem fich ihre Baarschaft befand, verschwunden— ver- «uthlich hatte ein Langfinger die Gelegenheit benutzt, sich auf anderer Leute Kosten zu bereichern. In Heller Verzweiflung blickte Milly umher— wa« sollte sie nun beginnen? Freundlo», allein, ohne einen Pfennig Geld, stand fie in der fremden Stadt— mit fataler Deutlichkeit entsann fie fich die Prophezeiungen ihrer Mutter, die fie verlacht hatte, und sich ihrer unbehaglichen Situation voll bewußt werdend, brach fie in Thränen au». In diesem Augenblick trat ein junger Mann, dessen Haltung, trotz der eleganten Zivillleidung, den Soldaten verritth, an da« schluchzende Mädchen heran und fragte höflich: „Gnädige« Fräulein— kann ich Ihnen in irgend Etwa» behilflich sei«? Sie scheinen hier fremd und in Bedräng- niß zu sein— erlauben Sie mir, mich Ihnen zur Ver- füzuug zu stellen I" Milly trocknete hastig ihre Thränen beamter und müffe fte zur Wache fiftiren, da fie fich foeben eines groben Verstoßes gegen die Sittlichkeit habe zu Schulden Tommen lassen. Die so Apostrophitte versuchte im Gefühle ihrer Unschuld, allerlei Einreden, doch da tam der zweite An getlagte hinzu und sprach die gewichtigen Worte: Hier hilft Alles nichts, der Herr ist ein Kriminalbeamter und Sie müssen ihm gehorchen." Nunmehr ergab fich das Mädchen weinend in thr Schicksal und folgte den Pseudobeamten zur Wache. Vor der Tbür zum Polizeibureau angekommen, hielten die beiden An getlagten es doch für gerathen, bes grausamen Spiels genug fein zu laffen und ließen das Mädchen laufen. Am nächsten Morgen erzählte es aber ihrem Bräutigam das Erlebnis und diesem gelang es, die beiden falschen Beamten ausfindig zu machen, denen dieser Spaß" theuer zu stehen fommen sollte, benn nach erstatteter Anzeige batte gestern die erfte Strafe Tammer des Landgerichts I in dieser Sache das Schlußwort zu sprechen. Die Angeklagten blieben dabei, daß fie fich nur einen Jur hatten machen wollen, während die Beugin Dinge er säbite, wonach die Ersteren unzweifelhaft Swede unlauterer Natur verfolgt hatten. Diesen Umstand zog der Gerichtshof gebührend in Baüdfichtigung, als er dem Angeklagten Hauch fechs Wochen, dem Ehrlich drei Wochen Gefängniß zu Diktirte. Vor dem Altar vergiftet. Vor dem Schwurgerichtshofe zu Innsbrid standen am 19. b. Die vierundzwanzig Jahre alte hübsche Bäuerin Amalie Stockmair, geborene Nesfina, aus Wenns und ihre zweiundzwanzig Jahre alte, ledige Dienste mago Marie Wille aus Kaunsesberg im Ober- Innthal, Beibe unter der Anklage des Giftmordes, verübt an dem Ehegatten der Erstgenannten. Joseph Stockmair, Bauer zu Larchach bei Wenns, fiebenunddreißig Jahre alt, gutmüthig, aber etwas geistesschwach, batte fich schon vor einigen Jahren in die dralle Dirne malie Neffing verliebt und brachte es nach mehrfachen Schwierigkeiten am 11. November vorigen Jahres zur Heirath. Diese Ehe war aber teine glückliche. Das junge, felbfifüchtige Weib gefiel fich zwar als wohlhabende, an gesehene Bäuerin, fühlte jedoch nie ein Herz für ihren Mann, der ihr zu wenig schön und zu dumm" war, sondern empfand nur Abneigung, ja Haß gegen ihn. Seine An näherungen nach der Hochzeit wies fie oft so berb zurück, daß er gezwungen war, auf der Ofenban fein Nachtlager zu nehmen. Alsbald ging fte felbft zum Pfarrer, um wegen Scheidung von Tisch und Bett zu sprechen, erhielt aber die Antwort, so jung verheirathete Leute trenne man nicht. Joseph Stocmair wollte die Liebe seines Weibes gewinnen, indem er thren öfter geäußerten Wunsch erfüllte und sie testamentarisch zur Erbin seines Vermögens einsette. Er theilte ihr eines Tages bies mit, fügte jedoch die Bedingung bei, daß fie nur ihm angehören und auch keine zweite Ehe eingeben dürfe. Amalie Stocmair, darob erbittert, faßte nun den Gedanken, fich ihres Gatten zu entlebigen, und zog ihre Dienst mago Marie Wille hierbei ins Vertrauen, der fte für thre Hilfeleistung 100 fl. als Geschenk versprach. Marie Wille Taufte in der Apotheke zu Imst sogenannten Fliegensand ( 97,4 pct. Arfenit und 2,6 pCt. Eisen) und es wurde be fchloffen, den Bauer mit diesem Fliegenmittel, wenn es auch etwas langsam wirke, au vergiften. Im März dieses Jahres lub Josep Stocmair seine Gaitin ein, mit ihm eine Wallfahrt zurwunderthätigen Muttergottes" nach Strengen zu unters nehmen, um eine glückliche Ehe zu erbitten. Dies schien nun ber Bäuerin die richtige Gelegenheit, obigen Plan auszuführen. Sie bestärkte den Gatten in seinem Wallfahrtsvorhaben, erklärte jedoch, thn nicht begleiten zu können, dafür aber die Magd Marie Wille mit ihm zu schicken. Auf seinen Wunsch wurde ein halber Liter schwarzer Raffee zur Reise hergerichtet. In diesen Kaffee that nun Marie Wille einen Löffel voll Fliegensand" und Amalie Stocmair noch einen Löffel voll, weil es sonst au wenig wirle." Am 10. März trat Stodair die fromme Wallfahrt an; feine Begleiterin trug in der Tasche den vergifteten Kaffee und noch ein Pädchen Fliegensand. Vor der Abreise ertheilte die Bäuerin der Magd den Auftrag, den Mann im Wallfahrtsorte Strengen ja gewiß vorher beichten und fommunisiren zu laffen, che fte ihm den vergifteten Kaffee gebe. In Strengen empfing am 11. März nicht nur Johann Stedmair die Safra mente, fondern auch Marie Wille beichtete und trat, mit der Giftflasche im Sacke, neben dem Bauer vor die Rommunionbant. Dann begaben sich Beide in ein nahes Haus, wo nun Marie Wille ihrem Dienstgeber ben vergifteten Raffee nebft vergiftetem Brodgeröftel" als Frühſtüd bereitete. Arglos af und trant Stocmair, mußte fich aber bald erbrechen. Wegen Unwohlfeins ging die Heimteise nur langsam von flatten. Zu Hause lag er dann frank im Bette, und während er über heftige Schmerzen tlagte, reichte ihm durch mehrere Tage bald seine Frau, bald die Magd noch vergiftete Speisen und Getränke, bis erstere meinte: Sest tönnt es ihn boch nehmen," und bis am 24. März auch wirklich der Tod eintrat. Alsbald verbreitete fich der Verdacht eines Verbrechens, und blidte ben Fremden an- wohl entfann sie sich der Mahnung der Mutter, mit keinem Fremden zu sprechen, indeß unter so ungewöhnlichen Verhältnissen durfte sie wohl eine Ausnahme machen und so sagte sie bedrückt:„ Mein Herr, Sie find sehr gütig, sich eines rathlosen Mäbchens anzunehmen- ich bin vorhin mit dem Schnellzug ange Tommen und wollte ein Billet nach Newyork lösen, aber im Gedränge ist mir mein Taschenbuch, welches mein Reise gelb enthält, abbanden gekommen und in Folge dessen tann ich weder nach Newyork noch zurück nach Hause, denn hier in Albany bin ich völlig fremb." De: Fremde blickte bas schöne junge Mädchen theilnehmend an und sagte bann haftig: Hoffentlich ist diesem Unglüd noch abzuhelfen darf ich Sie bitten, gnädiges Fräulein, über meine Reisetasche zu verfügen?" und damit hielt er der jungen Dame mit bittender Miene ein wohlgefülltes PorteMonnaie entgegen. Milly meinte vor Scham in die Erde finten zu müssen und boch, wenn sie nicht rath- und hilflos in der fremben Stadt bleiben wollte, hatte sie keine Wahl fie mußte bas Anerbieten annehmen. Der Fremde bemerkte ihr Bögern und sagte fanft:„ Ich hoffe, mein Vorschlag hat fie nicht beleidigt, gnädiges Fräulein? Glauben Sie meiner Versicherung, daß ich sehnlichst wünsche, Ihnen aus der Verlegenheit zu helfen und bedienen Sie sich ungenirt meiner Raffe." Während Milly immer noch zögerte, erklang bas Ab fahrtszeichen mit bebender Hand griff fie in die wohl gefüllte Börse ihres Retters, entnahm derselben zwei Bantnoten und eilte an den Billetschalter, der jett völlig leer war. Sobald sie ihr Billet gelöst hatte, trat fie auf ben Fremben zu und sagte mit niedergeschlagenen Augen: Ih werbe Ihre große Güte nie vergeffen bitte, fagen Sie mir, an wen ich das Geld zurückzahlen darf? Ic Einsteigen, meine Herrschaften einsteigen," ließ sich Hier bie Stimme des Schaffners vernehmen; ber Frembe half Milly in's Rupee, welches schon sehr besetzt war, und fagte haftig: Hoffentlich haben Sie teine weiteren Fährlichkeiten zu bestehen- ich wollte, ich könnte Sie begleiten, aber das ist mir leiber unmöglich, da ich foeben erft von Newyork hierher gereift bin, um ein drin gendes Geschäft zu erlebigen." ( Fortsegung folgt.) und der Obduktions Befund und die chemische Untersuchung tonftatirten zweifellos Arsenit- Vergiftung. Amalie Stodmair und Marie Wille find dieser That geständig, und legtere er zählt heute umständlich ihre Wallfahrtsreise, wie sie den Weg zählt heute umständlich ihre Wallfahrtsreise, wie fte den Weg zur Gnadenmutter im Wechselgebet mit Stocmair zurücklegte, mit der Giftflasche in der Tasche zur Kommunion ging, nach her dem Bauer das Gift reichte und wieder betend den Heim weg antrat. Beide Angeklagte wurden auf Grund des ein stimmigen Geschworenen Berdiktes zum Tode durch den Strang verurtheilt. Soziales und Arbeiterbewegung. Anfeuf an die Schloffer und Berufsgenossen Berlins! Kollegen! Es dürfte Euch jest nicht mehr unbekannt sein, daß wir in allernächster Belt die Einführung der 10stündigen Arbeitszeit zur Wirklichkeit machen wollen. Die Kommission hat schon vor längerer Beit den 29. Juni als den geeignetsten Tag zur Proklamirung des 10ftündigen Arbeitstages angesehen; es haben seitdem eine Generalversammlung und zwei Delegieten Versammlungen stattgefunden. Die legte Delegirtenversammlung war eine außerordentliche und war gut besucht; wir haben die Gründe für und wider genau geprüft, und war es namentlich der Streit der Maurer, welcher und zu bedenken gab, wodurch unsere Arbeit, welche vorhanden ist, vielleicht etwas Aufschub erleiben tönnte. Es wurden aber die Bedenken, welche ein Kollege äußerte, daß die Meister, welche die betreffende Arbeit übernommen haben, nach Pro' lamirung ber 10stündigen Arbeitszeit durch den Streit der Maurer in der Lage wären, diese Arbeit einige Wochen aufzuschieben, dadurch widerlegt, daß ein anderer anführte, daß die Meister eben so gut während des Maurerftreils die Arbeit fertig machen laffen lönnten, und wenn wir dann nachher mit der Einführung der zehnftündigen Arbeitszeit beranträten, so würden die Meister die Arbeit schon fertig haben, und fie ebenfalls in der Lage sein, es einige Wochen mitanzu feben. Kollegen, obwohl wir der festen Ueberzeugung find, daß unser geringes Verlangen nicht auf große Schwierigkeiten stoßen wird, so dürfen wir uns doch nicht der Hoffnung hin geben, daß es ganz glatt abgehen wird. Darum eifuchen wir Euch, in der Opferfreudigkeit nicht nachzulaffen, damit wir auch in der Lage find, diejenigen, welche gezwungen werden sollten, in ihrer Werkstatt die 10ftündige Arbeitszeit mittelst Arbeits nieberlegung einzuführen, auch unterstüßen zu können, wie es fich gehört. Darum, Kollegen, legen wir Euch nochmals an's Hers, tommt am Sonntag, den 28. D. M., alle in die Generalvers fammlung, welche endgiltig bierüber beschließen soll, und zeigt, daß auch wir Schloffer im Stande find, das durchzuführen, was andere Gewerte schon längst burchgeführt haben. Mit kollegialischem Gruß die Lohnfommission der Schlosser und Berufsgenossen. " bie eigene Person abstimmen zu lassen, aber Herr Rödel weiß es entschieden beffer, wie man sich in einer Vers sammlung zu verhalten hat, denn die Lohnkommission und die Delegirten Bersammlung beugt fich demüthig vor ihm. Läßt es nicht tief blicken, wenn Herr Rödel auftreten darf und sagen: Wenn ich mir 500 Mart zur persönlichen Verfügung stellen laffen will, so bewilligt mir die Delegirten- Versammlung die felben ohne Weiteres?" Begen eine solche Ueberhebung giebt es nur einen Proteft, einen Protest, der Herrn Rödel von der Bildfläche verschwinden läßt. In jener Versammlung nun mußte fich Herr Rödel von der Polizei fagen laffe, was er ge sprochen habe, sei unwahr. Die Polizei hat bekanntlich nur das Recht aufzulösen, aber nicht das Recht zu bestimmen, ob ein Redner zur Tagesordnung spricht oder nicht. Dann kam der Antrag, einen Vorfigenden an Stelle des Herrn Röbel zu wählen, der das Korreferat halten wollte. Hier ist Geltgenbeit, denen ins Gewissen zu reden, welche noch zu Herrn Rödel halten. Herr Rödel widersetzt sich dem Antrage, aber in welcher Weise: Herr Bubeil, ich werde mich durch Sie nicht zu ungefeßlichen Handlungen hinreißen laffen!" Beigt sich hier in diesen Worten nicht deutlich ein verstedter Charakter? Bunächst ist der Antrag durchaus nicht ungefeßlich. Solange das Bureau fich zum bemokratischen Brinzip bekennt, hat die Allgemeinheit zu entscheiden. Es giebt viele Anlässe, den Vorfizenden zu wechseln. Und nun die Form, in der die Abweisung des Antrages durch Herrn Rödel gefchab! Seht her," wollte er mit seinen Worten sagen, ,, das find jene Leute, die zu ungeseslichen Handlungen auf reizen, aber ich bin geseglich." Er brauchte wahrhaftig seine Gefeßlichkeit nicht so zu betonen, von der find wir genügend überzeugt!( Stürmische Heiterkeit und Bravo!)- Dann tam Der Antrag auf Auslieferung des Ueberschusses der Tellers fammlung an die streitenden Maurer. Bisher war es Usus, daß alle Anträge, welche einlaufen, der Versammlung zur Distuffton und Abstimmung gestellt werden. Herr Rödel aber sagt: Ich, ich habe allein das Recht, au verfügen und zu bestimmen! Schließlich gerieth die Versammlung über alle diese Vorfälle so in Aufregung, daß fie aufgelöst wurde. Was bringt die beeinflußte Presse: Goerdi hat die Versammlung gesprengt." Sch frage Sie alle, habe ich den Anlaß gegeben ( Nein, nein) Am Montag hielt Herr Rödel eine Tischler Bersammlung bei Reller" ab. Da sagte er: Was haben Möbelhändler, Bigarrenhändler und Budiler bei den Arbeitern zu thun?" Nun, ich meine: D5 Millionär oder Handwerker, ob Beamter oder Ingenieur, ob Reffelflicker oder Lehrer, ob Profeffor oder Biegelstreicher; ein Jeder, der gewillt ist, sich au uns zu schaaren, ist berufen, das Banner der Arbeiter zu tragen, allerdings nicht in der Weise, wie Herr Rödel es auf faßt.( Bravo). Und diese Anschuldigungen hat Herr Rödel nicht einmal aus fich selber. Er wandelt hier nur auf dem Pfade, den die Gegner eingeschlagen und die Worte hat er Der Voff. 3.", dem ,, Berl. Tgbl." der Staatsb. 3." abgelesen. Jest wählen Sie, m. Q., so schloß Redner, und sprechen Sie Thr Verdikt. Milde ist hier nicht mehr am Blaze. Derjenige, welcher in schwierigen Verhältnissen in gefährlicher Belt die Arbeiterbewegung auseinander zu sprengen sucht, hat sein Ur Wie aber Ihre Ent theil verdient und wird es erhalten. " Die Kommission der Tischler Dresdens veröffentlicht folgenden Aufruf: Kollegen! Arbeiter! Genossen! Wir liegen die fünfte Woche im Rampf und noch immer ist teine Aende rung zum Befferen eingetreten. Die Jnnung will sich zu nichts berbellaffen, trotzdem dieselbe erklärt bat, wohl einige Gefellen in ihren Werkstätten zu haben, diesen aber feine größeren Arbeiten geben tann, weil dieselben nicht leistungs fähig genug find. Kollegen! Der Kern, die intelligenteren Ar beiter, 500 an der Bahl, stehen hinter uns und diese werden Die Werkstatt, ebe fie nichts errungen, nicht wieder betreten, fte erklären einfach, eher hungern zu wollen, als in das alte Joch zurückzukehren. Kollegen! Nachdem wir nun einmal in den Kampf eingetreten, ist es Eure Pflicht, uns auch nach Kräften zu unterstüßen; glaubt wohl, es fällt und schwer, fortgesezt von Euch zu verlangen, bebenti aber auch, daß, wenn die Jnnung einen Sieg über die Arbeiter- Organisation zu verzeichnen hat, wir unsere Kollegen nicht unterstüßen können. Das ist der Kern ber ganzen Sache, fallen wir, so find die Kollegen, welche wir erst zur Organisation herangezogen haben, fofort zurückgeschredt, und für uns verloren, fe werben nach unglüdlichem Ausfall der Schlacht der Organisation den Rücken tehren und unsere schwere Arbeit beginnt von Neuem. Darum, Kollegen, bedenkt, daß Ihr im Stande seid, dieses zu verhüten und glaubt, daß Ihr alle im ähnlichen Falle auf Dresden rechnen tönnt, da wir stets große Dpfer gebracht haben, wenn unsere auswärtigen Kollegen im Kampfe lagen. Darum sorgt, daß die Innung feinen Sieg erringt fendet Hilfe in materieller Beziehung und haltet Buzug fern! Mit follegialischem Gruß und Hand- legenheit war die Tischlerversammlung, die bier am Dienstag schlag die Kommission der Tischer Dresdens. Sendungen, Anfragen u. f. w. an G. Schiblowsty, Galerie straße 15, 5 Tr. Alle Geldsendungen aber an W. Weidner, Self's Gasthaus, Kleine Brüdergasse 9, I. Briefe und Vereine und Versammlungen. Zu einer imposanten Demonstration gegen den Vor figenden der Lohnkommission der Berliner Tischler, Hern Rödel, gestaltete fich die Volksversammlung, welche der Herr Stadtverordnete August Herold zu Mittwoch Abend nach Sanssouci einberufen hatte. Bu Tausenden waren die Ver fammelten erschienen, um faft einstimmig zu protestiren gegen eine sich im Tischlergewerbe immer mehr breitmachende Dikta tur, es war ein vernichtendes Urtheil, welches hier über einen Mann ausgesprochen wurde, der es gewagt hatte, an den Grundprinzipien der überzeugungstreuen, bemokratischen Arbeiterschaft zu rütteln. Wir hatten gestern bereits einen furzen Bericht über die Vorgänge in der Versammlung gebracht, die Sache ist jedoch wichtig genug, hier noch einmal auf dieselbe zurückzutommen. Der Erfolg des Abends gebührte entschieden bem Stadtorrordneten Gördi. Aus den Trümmern der Jahre 1878 und 79, so begann Redner, wurde unter den äußersten Anstrengungen, mit vielen Mühen und Entbehrungen von un der jetzt ausferem gemeinschaftlichen Freunde Ewald gewiesen ist, ein Fachverein gegründet, aus welchem später Die ganze gewerkschaftliche Bewegnng hervorging. Damals fannte man Herrn Rödel nicht, es waren vielmehr ganz andere Männer, die in der Zeit der Gefahr den Muth fanden, fich au exponiren. Jegt allerdings, nachdem die Beiten ruhiger geworden find, nachdem das Gefühl der Zusammen gehörigkeit und Solidarität unter den Arbeitern wieder erstrebt ist, jest möchte Herr Rödel ernten, wo er nie gefät hat. Allerdings wiffen wir, daß eine Lohnbewegung auf den Augenblick und durch den Augenblid nothwendig gemacht wird, fie aber als das legte Biel der Arbeiterbewegung hinstellen, heißt die Gegenwart der Zukunft opfern. Redner geht nun etwas näber auf die Person des Herrn Rödel ein und tritiftet sein Ver halten in der gewerkschaftlichen Bewegung der Tischler mit vernichtender Schärfe. Als der Streit auszubrechen drohte, versuchte man von allen Seiten, denselben gütlich beizulegen. Wie verhielt sich Herr Nödel dem gegenüber? Er berief eine Bersammlung gegen unseren Kollegen Herold, er vers und griff zu leinen, boshaften bächtigte denselben, Mitteln. Das war die Antwort des Diktators der Tischler Lohntommiffton. Er vermochte weiter nichts zu thun, als einen Mann zu verunglimpfen, der seit Jahren das Bertrauen der Arbeiter befigt. Unter allgemeiner Entrüftung der Versamm lung ftellte Redner dann das Verhältniß des Herrn Nödel zur gegnerischen Bresse, speziell zu dem verflossenen Bollsfreund" flar. Herr Rödel versteht es ausgezeichnet, fich aller beiden arbeiterfeindlichen Richtungen in der Breffe, der realtionären und manchesterlichen, au bedienen und in einer Rede beide augleich zu gewinnen: Schulze- Delisich hat etwas fcheidung auch ausfallen möge, glauben Sie an die Unbefteg barkeit unseres Prinzips und glauben Sie, daß Jeber, der es ehrlich mit unserer Sache meint, andere Wege wandeln muß, als Herr Roedel.( Stürmischer, wiederholter Beifall.) - Es folgte nun eine ausgedehnte Disluffton. Bunächst unternahm es Herr Klose, berrn Möbel zu vertheidigen: Meine Herren! Ich bin der Ueberzugung, daß die Beschuldi gungen gegen Herrn Nödel nicht gerebifertigt find. Warum bringt man einer Person wegen solche Uneinigkeit in die ganze Bewegung. Hätte die Person fich wirklich so vergangen, wäre schon längst über fie zur Tagesordnung übergegangen worden. Begen die Tischlerlohnbewegung wollte man schon im vorigen Herbst losgeben. Damals unterblieb es, nun tommt es fest und das geschieht in einem Augenblick, wo die Gewerkschafts bewegung fich in einem Stadium befindet, daß nicht nur die Arbeiter Berlins, sondern ganz Deutschlands bineingeriffen find. Durch diesen Streit ist Berlin labmgelegt und ganz Deutsch land wird die Folgen spüren. Man wird nicht mehr das Bus trauen zu der Bewegung haben, wie man es früher gehabt hat.( Gelächter.) Die erste Versammlung in dieser Ange vor vierzehn Tagen stattgefunden hat. Bugleich mit ihr fand eine Delegirten- Versammlung ftatt und deshalb war Herr Röbel verhindert, sich zu vertheidigen. In Betreff der Tellersammlung gehe ich von der Anficht aus, Daß dieselbe nur zur Deckung der Unkosten zu dienen hat, und baß über den Ueberschuß der Einberufer wohl berechtigt ist, au verfügen.( Nein! Nein!) Sie können es übrigens einem Manne, der so heftig angegriffen wird, nicht verdenken, went er fich hinreißen läßt und in der te des Gefechts Dinge fagt, die er später bedauert gesagt zu haben.( hört! hört!) Der Angeschuldigte wird fich beffer vertheidigen, als ich es lann. Herr Tischlermeister Mitan welst jede Gemeinschaft mit derrn Rödel von fich. Herr Rödel habe gesagt, er sein ( des Redners) Lehrling; mit einem Dittator aber, der sämmt lichen Tischlergesellen Berlins ein geistiges Armuthszeugniß ausstellt, wolle er( Redner) nichts mehr zu thun haben. Welcher Tischlergeselle habe einen Delegirten mit dem Auftrage gewählt, dem Leiter der Bewegung Hrn. Hövel 500 M. zur freien Verfügung au ftellen, wenn dieser es verlange? In den Orten außerhalb Berlins set für die Berliner Bewegung zu arbeiten und 14 M. 20 Bf. babe man nach Rönigsberg gesendet und nichts nach Dresden.( 3wischentuf: In voriger Woche 300 M.) Berlin bat so gut wie alles verbraucht. Der Arbeiter aber hat höhere Biele, als eine Lobnkommission zu besolden, das ist der End groeck des Herrn Rödel. Welcher Berliner Arbeiter giebt nicht bas Legte, wenn es gilt, ben fireitenden Maurern zu helfen und da fommt dieser Ditiator! Absetzung des Vorsitzenden habe ich nicht ein Mal, sondern fünfzig tal erlebt. Stödel fteht auf abfolutifiischem Boden und den lennt die Arbeiter partel Deutschlands nicht.( Stürmischer Betfall.) Maurer Beter lehnt die Vermuthung ab, daß die Maurer auf das Geld, welches durch die Tellersammlung in der„ Tonhalle" eingefommen sei, spekulirt haben. Das Geld sei bei diesem Streit der Maurer die Nebensache. Wenn nicht der Geift der felbe set, wie er 1869 und 1871 unter den Berliner Maurern war, wenn der Unverstand der Maffen nicht zu beftegen fei, werde der Streil, ob mit ob obne Geld, verloren gehen. Die Kommission der Maurer Berlins verurtheile aber Herrn Roebel deshalb, well er durch die Betonung und Hervorhebung feines eigenen Schs das Volksrecht auf das schwerste verlegt und den demokratischen Standpunkt verlaffen habe.( Stürmischer Beifall.) Persönlich erwähnte Herr Beter noch, daß jedes Mitgited der Maurertommission pro Tag 30 Bf. erhalte und nicht pro Woche 30 M. wie Herr Noebel. Herr Tischler Tusauer hob hervor, daß es ihm so scheinen wolle, als babe Röbel den Streit nur provo zirt, weil er zu der Erkenntniß gekommen, daß die Lohnbewe gung ihr Biel nicht erreichen werde. Da follten Andere nun Die Schuld tragen. Ein Armuthszeugniß für die gewefenen visoren tönnten Unterschleife nicht verhindern. Das tönne jeder Revisor. In dem Fachverein, dem er( Redner) felt fünf zu unterschlagen. Es sei unerhört, daß in Arbeiterversamm Gutes geleistet!" sagt Herr Rödel und die Berl. 8tg." lungen, wie es in der Versammlung im Alexanderplat- Hotel " 1 bruckt diesen Saß gesperrt; Jüdische Geschäfts. geschab, Leute als Rausschmeißer" angestellt würden. Grade pragis", das gefällt der Staatsbürger Btg." und fie sperrt Diefe Worte. Repner nun auf bas des Rödel in der Tischler Versammlung ein. Gang gewiß ents legte in dieser Hinsicht sein. Wir greifen nicht die Kommiffion, herbeigeführt. Auf alle Fälle werde diese Versammlung die spricht es dem parlamentarischen Anstande nicht, zuerst über sondern Herrn Rödel an: die anderen Lohnkommissionsmil ant flgende bie vereinzelt anwesenden Meister vergebens auf, bas Wort au nehmen und die Ausführungen Rebner aus bem Gesellenkreise au widerlegen. Ein Rebner machte die interessante Mittheilung, daß ein in der Mittwochsversammlung der ftreitenden Maurer anwesender Berliner Maurermeister, welcher nicht Jnnungs resp. Bundes Mitglied ift, gegen Redner im Privatgespräch sich dahin aus gelaffen habe, baß, wie allgemein bekannt sei, burchaus nicht alle, oder auch nur annähernd die Mehrzahl der biefigen alle, oder auch nur annähernd die Mehrzahl der hiesigen Maurermeister mit der von der Jnnung ihnen aufgedrungenen Terroriftrung einverstanden sei und daß es ihm ganz unbegreiflich erscheine, weshalb fich nicht schon längst bie nicht zur Innung gehörende, die große Majorität bildende freie Meisterschaft der Jnnung gegenüber selbstständig organifirt habe, um das Joch der zünftlerischen Bauinnung abzuschütteln und damit zu verhindern, daß auch fernerhin selbst wohlberechtigte Gefellenforderungen, fo schroff, wie es jüngst geschehen, zurückgewiesen und dadurch die bösartigsten Massenstreits beraufbeschworen werden. Was er( der erwähnte Meister) dazu beitragen lönne, etwa durch demnächstige Veranstaltung einer geschloffenen Versammlung der nicht zum Innungsbunde gehörenden Meisterschaft die Bildung einer solchen Freien Vereinigung" herbeizuführen, Das werde er gewiß nicht unterlassen. Ein anderer Redner berichtete über die jüngste Versammlung der Maurer in Charlottenburg, welche einstimmig den Anschluß an den Berliner Streit zum Beschluß erhoben und auch bereits mit wenigen Ausnahmen am 20. b. M. Die Arbeit eingestellt hätten. Darauf Ausnahmen am 20. b. M. die Arbeit eingestellt hätten. Darauf schloß der Vorsitzende die wieder musterhaft verlaufene Ver sammlung mit einem Hoch auf den ,, Sieg der Berliner Maurer", auf den ftegreichen Generalftreit, den ihnen die Meister auf gezwungen. glieber find mit wenigen Ausnahmen uns lieb und werth, und wir bedauern nur, daß fte so lange Herrn Rödel gefolgt find. ( Stürmischer Beifall.) Der Nachdem noch die Herren Behrend, Meißner, Nöste und Jul. Kreus in gleichem Sinne wie der Referent gesprochen, wurde der Schluß der De batte beantragt und gegen wenige Stimmen angenommen. Es folgte die Abstimmung über die eingelaufenen Anträge. Gegen eine Stimme wurde den streikenden Berliner Maurern der Ueberschuß der ersten Tellersammlung zugewiesen und eine neue für dieselben vorgenommen. Hierauf wurde folgender Antrag der Versammlung zur Entscheidung vorgelegt: In Erwägung, baß Herr Rödel in den vorhergehenden Versammlungen in einer derartigen Weise sich gegen die Berliner Arbeiter ver gangen bat, daß man mit Recht denselben als Verräther an der Arbeiterfache bezeichnen tann, erklären unterzeichnete Genoffen, nichts mehr mit demselben gemein zu haben und er fuchen die Versammlung, denselben nicht mehr für würdig zu halten, der Spige einer Arbeiter Bewegung zu stehen. J. Benke. J. Henke. Friz Gö: di Mar Kreuz. Mitan. Herold. Tupauer. Michelsen. Julius Kreuz. Dieser Antrag, das formelle Urtheil für Herrn Rödel, wurde mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Stürmischer Bets fall folgte der Verkündigung dieses Resultates. Als die Rube wieder eingetreten war, verlas der Vorfigende folgenden An trag, der aus der Mitte der Versammlung eingelaufen war: Mehrere Anwesende geben dem gewiß allseitig unterstügten Wunsche Ausdrud, daß die am 24. Juni in Sanssouci" überaus zahlreich Versammelten zum Beichen des Beileibs und ehrenden Angebentens an einen edlen, uneigennügigen Mann, ben am 21. Juni b. J. in Frankfurt a. M. verftorbenen, Treuen und begeisterten Anhänger der deutschen Arbeiterpartei Herrn Karl Höchberg von ihren Bläßen sich zu erheben. ( Die Anwesenden erheben fich.) Karl Höchberg, welcher gleich nach Erlaß des Sozialistengefeßes aus Berlin ausgewiesen wurde, hat stets treu zur Sache des Volles gestanden und ist immer für das Gesammtinteresse und das Solidaritätsgefühl der Arbeiter auf das wärmste eingetreten, wie er auch be fonders durch wissenschaftliche Arbeiten und Studien viel Gutes für die Arbeiter geleistet hat. Ehre sei deshalb dem Verstorbenen auch dadurch daraebracht, daß die heutige Versammlung durch Beschluß das Bureau beauftragen möge, an die Hinter bliebenen und Genoffen desselben brieflich das tief empfundene Beileid Namens der heutigen Versammelten abzu statten. Ehre dem Andenten Karl Höchberg's!- Stebend und mit entblößtem Haupte hörten die Tausende von Arbei tern der Verlesung dieses Nachrufes zu und ehrten durch feierliches Schweigen den zu früh verstorbenen waderen Mann. Dies war der würdige Schluß der Versammlung. h's. Die Generalversammlung der streitenden Berliner barmonie" stattfand, um Streitangelegenheiten zu befprechen, war von ca. 6000 Theilnehmern besucht. Bu der etwas geringeren Bethelligung an diesem Maffen- Meeting mag bei getragen haben, daß bereits nahezu 4000 Maurer bie Stadt verloffen haben, well in vielen größeren Städten lebhafte Nach frage nach Maurer Arbeitskräften vorhanden sein foll. Bum ersten Boifigenden der Versammlung wurde Herr Beter gewählt. An den lebhaften Debatten betheiligten fich die Herten Reg. Baum. Reßler, Maurer Peter, deel, ille und Andere. Der: Refler berührte die von der Boifischen Beliung" sowie anderen Blättern mitgetheilte, von ben betreffenden Baubehörden( Regierung und Berliner Magiftrar) angeordnete Einstellung der Bauarbeit auf den fista lichen und fommunalen Bauten, angeblich auf die Dauer von 8 Wochen. Bunächst bezweifelte der Redner, auf Grund einer angeblich vom Stadtbaurath Blantenste in privatim abge gebenen Gillärung, die Richtigkeit jener Angabe in Bezgiebung auf Die Dauer der in Rede stehenden Suspendirung der fiskalischen und magistratischen Bauthätigkeit. Budem set es auch nicht Unmöglich, baß bei diesen Beitungsberichten wieder einmal eine jener betannten Inspirationen von gewiffer, in erster Linie interefferter Seite im Spiele sei. Jedenfalls aber handle es fich hier mindestens um blinde Schreckschüffe einer dem Kapital intereffe dienstbaren Tagespreffe. Ferner erwähnte der Redner eines in der Stadt umlaufenden Gerüchts, wonach 45 blefige Maurermeister ins Ausland gereist seien, um von dorther Ar beite Träfte zu holen. Auch dies sei wohl, bemerkte der Redner, eine den gleichen Zweck verfolgende Erfindung, die um so weniger Glauben verdiene, als man doch vorausseßen möchte, Die Berliner Meister würden sich die schlimmen Erfahrungen, welche die Leipziger im vorigen Jahre gemacht hätten, be herzigen. Der Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher ( Filiale Berlin) bielt am 23. d. M. im Wedding Part, Maller ftraße 178, eine Vereinsversammlung, zu der auch Gäste Bus fritt hatten ab. Diefelbe war gut besucht. Auf der Tages ordnung ftand: Die Nothwendigkeit einer gewerkschaftlichen Drganisation. Das Referat batte Herr Michelsen übernommen, welcher ungetheilten Beifall erzielte. Derselbe schilderte die Nothlage der Arbeiter in eingebendster Weise, er erklärte, daß mit den chriftlichen Herbergen ชิน verbinden unb wenn als möglich Stationsvorsteher dieser Rolonien einen Amtsvorsteher oder Schulzen zu wählen. Da natürlich in diesen Kolonien und Verpflegungsstationen im Sinne christlicher Nächstenliebe gehandelt worden, sei wohl übrig, hinzuzufügen; die Kolonie und Berpflegungsstation müsse als Etappe auf dem Rettungswege gelten. Er Redner) appellire nun ganz besonders an die chriftliche Nächstenliebe aller kommunalen Verbände' denn so schloß der Redner unsere Pflicht ist es, fich Derjenigen anzunehmen, die nach hilfe verlangen.( Beifall.) Der Syn.- Paftor Bette( Niederschönhausen): Er sehe nicht recht ein, daß fich nach Ansicht des Konstftoriums gerade die Paftoren der wandernden Bevölkerung annehmen sollen. Wohl ist es selbstverständlich, daß wir uns des chr lichen Handwerksburschen annehmen und ihn unterstüßen. Wie aber gerade die Pastoren sich mit Der wandern den Bevölkerung", die zumeist aus ftrolchartigen, tommenen Leuten besteht, herumschlagen sollen, ist zum Min beften unbegreiflich. Thatsache ist doch, daß faft ohne wenig Ausnahmen diese wandernde Bevölkerung" nur auf den Augenblick wartet, wo man den Rücken dreht, um dann etwas Mitgeben zu heißen. Er( Redner) sei der Anficht, daß man analog dem Verfahren in Frankreich, mit rückfälligen Bagas bonden und Sträflingen wenig Umstände machen dürfe und diese nach den neuen afrikanischen Kolonien schicken solle. Dort ist Gelegenheit genua diese übrigen Arbeitskräfte nugbar au machen. Er erkläre sich durchaus nicht gegen Ausbreitung ber Arbeiter Kolonien und Verpflegungs stationen, meine aber, daß man mit notorisch arbeitsscheuen Menschen wenig Umstände machen dürfe. Er bitte, einer seinen Ausführungen entsprechenden Erklärung an das Konfiftorium zuzustimmen. Amisvorsteher Baron v. Velt heim: Die Ausführungen des Vorredners find vielleicht sehr probat, jedoch dürfe man solche drastischen Mittel nicht gleich anwenden. Man tönne nicht gleich Afrika mit Handwerks burschen Kolonifiren, es liege auch die Befürchtung vor, daß die Kamerun Neger fich für solche Landsleute bedanken. Hiergegen ist es wohl angezeigter, die möglichste Ausbreitung der Arbeiter Rolonien zu fördern. Die Kommunen haben ja bewiesen, daß fte gern bereit find, große Dpfer zu bringen. Es empfehle fich daher vorerst, burchgreifende Versuche mit den Arbeiterkolonien anzuftenen. Die Von anderer Seite wurde geltend gemacht, baß es einer Synode durchaus unwürdig ist, für rüdfällige Verbrecher Dea portationstolonien zu fordern. Man solle doch einfach das der Staatsregierung überlassen uud diese werbe wohl am besten bemeffen tönnen, wann der Beitpunti gelommen ist, wo sie au solchen Mitteln greifen muß. jeder Arbeiter von dem Koalitionsrecht Gebrauch machen kann, und deutete darauf hin, daß die Notblage der Arbeiter nur zu beseitigen wäre durch Vereinigung. Jeder Arbeiter solle die Organisation zu würdigen wiffen. Redner empfahl am Schluffe seines Vortrages den Anwesenden, ob Meifter, ob Gefelle, dem Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher" beizutreten; denn beide Theile fühlen fich vom Großkapital bedrückt. An der Diskussion betheiligten fich mehrere Mitglieder, welche sich im Sinne des Referenten aussprachen und empfahlen zugleich die Vortheile, welche den Berein den Mitgliedern bietet. Gleich macher" zu abonniren, welches die gewerkschaftlichen Interessen der Schuhmacher vertritt. Darum auf, Kollegen, hier und allerorts, tretet dem Unterstüßungsverein deutscher Schuh Es wird alsdann zu der beabsichtigten Ecllärung des macher" bei, gründet Filialen wo noch feine find; Denn es ist Pastor Bette zur Tagesordnung übergegangen. Hierauf ge nöthig, das Ihr Euch aller Diten zusammenschließt, Bleibelangen die gestellten Thefen des Referenten zur einstimmigen daß Reiner zurück, sondern tretet Alle heran, denn der Wahlspruch Annahme. Dieselben lauten: muß beißen: Einer für Alle und Alle für Einen. Darum auf, Kollegen von Nord und Süd, von Dft und Weft, wo nur Schuhmacher find, frisch and Wert zur Gründung von Filialen genannten Bereins; denn unser Lofungswort beißt: Schuhmacher Deutschlands vereint Euch." Etwa gewünschte Alustunft wird vom Kollegen Siebert, Nürnberg, Malengaffe Austunft wird vom Kollegen Siebert, Nürnberg, Maiengaffe Nr. 16 ertheilt und Material zur Verfügung gestellt. Mit follegialischem Gruß: Der Vorstand ber Filiale Berlin des Unterstügungsverein deutscher Schuhmacher." Alle arbeiter freundlichen Blätter werden um Abbrud Vorstehendes gebeten. Der Fachberein der Fraiser und Berufsgenoffen bielt am Montag, den 22. Junt, in der Köpenickerstr. 150, bei Tilg, seine Mitgliederversammtung ab. Die Tagesordnung war: Geschäftliches, Verschiedenes und Fragelaften. Unter anderem wurde über den Unglücksfall, welcher dem Fraiserlehrling J. Bölling in der Ballifabenstraße am 13. d. M. paffitte, sehr lebhaft diskutirt. Der Genannte brach fich beim Wellenüber schreiten brei Mal ben rechten Fuß. Darauf wurde vom Vorfigenden bekannt gemacht, daß am 29. Auguft in der Basen haide in Kellers Hoffäger ein Sommernachtsball des Vereins ftattfindet, wozu alle Mitglieder und Freunde eingeladen werden. Billets find in der nächsten Versammlung zu haben. Herren Billets 50 Pf., Damen Billets 25 Pf. Much lam Rebner auf die hier verbreitete, völlig unbegründete Klatschnachricht zu sprechen, der zufolge schon viele Hauswirthe den Maurern eine Miethssteigerung ange fündigt baben, und die Mehrzahl der streilerden Maurer nur den nächsten Miethätermin abwarte, um, je nachdem fie Streif Unterstügung erhielten oder nicht, bie Arbeit sofort wieder aufaunehmen. Es sei richtig, führte der Redner aus, daß viele Miether fleiner sogenannter Arbeiterwohnungen und somit auch viele Maurer gesteigert worden feien, aber nicht wegen des Maurerftreils, sondern weil. wie statistisch feststehe, Die Bahl der leerftebenden Kleinen Wohnungen seit dem Jahre 1881 fich um 8 pet. verringert habe. Die angebliche Abficht Der Mehrzahl der Berliner Maurer", gleich nach dem 1. t. mts. ohne für die Gesammtheit oder auch um für sich etwas erreicht zu haben, treulos die Fahne zu verlassen und die Arbeit wieder aufzunehmen, exiftiren nur in den Köpfen der Meister und einzelner dienfiwilliger Poliere. Die wenigen Maurer, bie im hinterften Winkel von Häusern rings um fchloffener Höfe, dem Anblick ihrer Kameraden ängstlich fich entstehend, noch an einigen Hintergebäuden weiter arbeiten, tönnten sich auch getroft noch im schlimmsten Falle noch um ein paar Dußend vermehren, daran würde die Sache der ge einigt und organifirt daftehenden Berliner Maurer lange nicht Schiffbruch leiden. Und wegen der Monatsmiethe uno fonftiger unumgänglicher Anforderungen des täglichen Lebens zu vere weifeln. Die Berliner Hauswirthe würden, wenn nöthig, brauche Maurer Berlins an dem Gelingen der guten Sache in Anbetracht der außergewöhnlichen Umstände für dies eine Mal schon ein Bischen Nachficht üben und Kredit gewähren. Auch seien die Maurer Berlins, wohl der großen Mebrzabl nach, mit den Schreden der Arbeits oder Erwerbslosigkeit, mit der Noth der Beit" nicht so unbekannt, daß fie fich nicht einmal anläglich eines solchen Streits auf ein paar Wochen zu helfen wüßten. Andererseits aber werde so bald als nur mber Auszahlung der röthigften irgend möglich mit und dürfe Streitunterfügungsgelder begonnen werden Unterstüßungsfonds man hinsichtlich der Stärdung des Unterstüßungsfonds auf den brüderlichen Geist und das Solidaritätsgefühl der Arbeiterwelt ein unbedingtes Vertrauen feßen. Jest gerade gelte es, nicht zu wanten und nicht zu zweifeln, sondern muthig und mit feftem Bertrauen zur alten Fahne der gerechten Sache Der Arbeit zu stehen, die stegen müffe, fiegen werbe!( Stür mischer Beifall.) Vor allem hüte man fich, einzeln mit Dieſem oder Jenem zu verhandeln, im Intereffe der Gesammtheit dürfe bies nur von Korporation au Rorporation geschehen, nur awischen der Lohntommission einerseits und ber der Gesammtheit Der Meister Vertretung der Meisterschaft andererseits. diesem Beichen sei der Sieg gewiß.( Stürmischer Beifall.) Herr Peter ermahnte gleichfalls mit warmen Worten zur Ginigteit. Die Sympathien der Mehrzahl des Publikums seien für die Arbeiter und nicht, wie die Baugewerts- Beitung be hauptet, für die Meister.( Lebhafter Beifall.) In ähnlichem Sinne äußerte fich auch Herr Scheel, der besonders noch den Hath ertheilte, die wenigen indifferenten Gewerksgenoffen, welche, fich selbst schädigend, weiter arbeiten, mit einfacher Nichtbeachtung zu behandeln. Mehrfach forderte der VorDon อน wählenden Nur unter o. k. Streiflichter zur sozialen Lage der Arbeiter lieferte bie vorgestern bier tagende reissynode Berlin. Land. Die Synode ſezt ſich hauptsächlichst aus den Berliner Vorortsparochien zusammen, welche jenseits der Spree liegen. Aus den Verhandlungen ist zu entnehmen: Die Synode trat in die Berathung des amtlichen Proponendums, bereffend Die Fürsorge für die wandernde Bevölkerung mit besonderer Berüdsichtigung des Here bergswesens ein. Der diesbezügliche Referent, Bastor Buby( Schwanebed) äußerte fich hierzu etwa folgendermaßen: Es ist eine bekannte von allen zugegebene Thatsache, daß der Wandertrieb der Deutschen ein großer ist und ebenso ist es natürlch, daß gerade die Handwerker razu das größte Kontin gent liefern. Die neue Gewerbeordnung babe nun an in Siesem Wandertrieb einen vollständigen Umschwung gebracht. Mit der Freizügigkeit und der damit in Berbindung stehenden kapitalistischen Produktionsweise traten andere Bustände ein, aus jener harmlosen Schaar wandernder Handwerksburschen wur ben zumeist gefährliche Stromer. Bedauerlich ist es, daß sich erwerbsfähige Menschen zu gewerbsmäßigen Bettlern degra biren. Die hereinbrechenden wirthschaftlichen Krisen ließen die Bahl der das Land durchziehenden Bettler zu einem immer größer werdenden Strome anschwellen. Im vorigen Jahr zählte man die auf der Landstraße plan und ziellos herumtebenden Bettler auf weit über 200 000. Als man fich nun bemühte, in Folge der chriftlich humanitären Weltanschauung ein sogenanntes Ortsgeschent einzuführen, ba betrachteten bie zumeist dem Stromerthum verfallenen Handwerks. dies V Paftor Bette bemerkt noch, daß er nicht von Deportas tionstolonien, sondern nur davon gesprochen hätte, die ArbeitsTräfte der Wanderer nugbar" zu machen. I. In der Erkenntniß, daß die in den letzten Jahrzehnten aus mancherlei natürlichen, gesellschaftlichen und wirthschaft lichen Ursachen in Deutschland ins Ungeheuere gewachsene Wanderbettelet zu einer ernsten Gefahr für das religiöse und fittliche Volksleben geworden ist, welcher mit chriftlicher Weiß beit und Energie entgegengetreten werden muß, begrüßt die Synode mit dankbarer Freude bie Einrichtung der Arbeiter tolonien in Verbindung mit den Natural Verpflegungsstationen als wobigeeignete Mittel, der Ausbreitung des Betfelns wirk sam zu fleuern, die gefährdeten arbeitsu benden Wanderer au bewahren und die Verwahrloften wieder herzustellen. II. Die Synode konstatirt, daß seit etwa Sabres Die Wanderbettelei auch frist die im hieftgen Bezirke bedeutend abgenommen bat, was als eine Folge obiger Einrichtungen betrachtet werden muß und empfiehlt deshalb unbedenklich die Unterstügung des Branden burgischen Provinzial Vereins zur Unterftügung des Baga bondenthums, welcher die Brandenburgische Arbeiter, Rolonie begründet und die Errichtung der Naturalverpflegungsstationen angeregt hat. III. Die Synode ernennt eine Rommiffion, welche file mit Der weiteren Erwägung dieser Angelegenheit beauftragt, mit ungefäumter thatkräftiger Snitiative besonders in Bezug auf Die zwedentsprechende Einrichtung der Naturalverpflegung und eines Herbergsverbandes im Synodalbezirk betraut und verpflichtet, auf der nächsten Kreisfynode darüber zu berichten, was bisher in dieser Sache geschehen ist, beziehungsweise zu geschehen hat." Als Mitglieder in diese Kommission wurden gewählt: Dr. Trommer, Baron v. Veltheim, Superintendent Pastor Hosemann, Pastor Kunke, Pastor Budy und Pastor Bette. Alsdann referirte Dr. Tromm über: Welche durch führbaren Vorschläge lassen sich machen, um bie in dem Synodal Bezirk vorhandenen äußeren Hemmnisse der Sonntagsbeiligung zu beseitigen. Der Referent beantragt folgende Thesen: 1) Die Provinzial- Synode wird ersucht, fich dafür zu verwenden, daß der öffentliche Gewerbebetrieb auf dem Lande nach denselben Grundsäßen wie die ländlichen Arbeiten bes süglich der Feiertage geregelt und beschränkt werde. 1) Die Kreis Synode wolle: a) an die löblichen Arbeit geber die Bitte richten, im Intereffe der Arbeiter zu erwägen, ob thnen nicht in anderer Weise als in Land- resp. Natural nugungen ihr Deputat( Kartoffeln, Sola) gegeben werden könne; b) die landwirthschaftlichen Vereine zu Landsberg, Bernau, Oranienburg, besgl. den Zeltow'er Verein ersuchen, bei ihren Berhandlungen ad a genannte Bitte sur Benantwortung au stellen refp. derselben Geltung zu verschaffen. 2. Die Kreis- Synode ersucht die Gemeinde- Kirchen- Räthe refp. Geflichen, bafür Sorge zu tragen, daß für die Barochten Gemeinden geeignete Sonntags- Lektüre durch Einrichtung von Bibliotheken und durch Abonnement burch periodisch er Scheinende Beitschriften beschafft werde. 5. Für diejenigen Gemeinden, in denen von Einzelnen mit Vorliebe die Erntearbeiten am Sonntage begonnen wer ben, spricht die Kreis- Synode die Bitte an Gemeinde- KirchenRäthe und Geistliche aus, durch Belehrungen diese Sitte mög lichft abzuschaffen. butschen bien als eine wintommene Gelegenheit; fut jest war leicht geworden, auch Arbelt Durch die Welt zu schlagen. Diese Ortsgeschente haben zur Folge gebabt, daß die Bahl der Beitler eine stabile blieb und unabläffig ergießt sich ber Bug der wandernden Hand 4. Kreis Synode ersucht die Schulvorstände und Lehrer, zu verbieten und nicht zu dulden, daß Schulkinder bet öffentlichen werksgesellen von Oft nach Weft, von Nord nach Süd. Daß Zanzvergnügungen fich auf dem Plage vor dem Tanzlofal bier Einhalt geboten werden mußte, war tlar und nachdem man lange versucht, fand man denn auch das Richtige. Sie aufhalten dürfen, event. Die Hilfe der Polizei in Anspruch zu wissen alle, meine Herren, daß die Errichtung der Arbeiternehmen, desgleichen bittet fte die Lehrer, ein besonders wachRolonien eine greifbare Handhabe wurde, um dem Strome der fames Auge auf diejenigen Schulkinder zu richten, welche an Wandernden ein Halt zu gebieten. Mit großen Opfern hat öffentlich benutten Regelbahnen als Kegeljungen beschäftigt man eine Anzahl Arbeiter Kolonien und Verpflegungsstationen werben. gegründet. Im vergangenen Jahre wurden diese ArbeiterKolonien von über 8000 Personen aufgesucht. Dier zeigte es fich Denn auch, daß die meinen dieser wandernden Leute das Arbeiten längst verlernt haben. Viele mußten, da nach unserem bekannten Prinzip nur Unter der zu Unterstüßende ftügung gewährt wird, wenn ein bestimmtes Arbeitsquantum liefert, zurüdgewiesen werden. Selbstverständlich ist in allen Arbeiter- Kolonien und Ver pflegungsstationen der Schnapsgenuß streng verboten und ebenso das Betteln in den Ortschaften der Kolonien. Bis jetzt habe Deutschland 1200 Verpflegungsstationen auf zuweisen, barunter allein in der Proving Brandenburg 145. Der fritischste Punkt für diese Arbeiterkolonien und Verpflegungsstationen ist das Herbeischaffen nugbringender Arbeit und gleichzeitig barauf zu achten, daß dem heimischen Gewerbe u. f. w. durch die Kolonisten lein Abbruch geschieht. Es ist nun die Beobachtung gemacht worden, daß die Wanderer fich zu einer irgendwie schweren Arbeit schwer verstehen wollen. Als nusbringend babe es fich erwiesen, die Kolonien ac. Diese Thesen gelangen nach furger Debatte einftim. mig zur Annahme. Dach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schließt alsdann Superintendent Hosemann die Synode mit Gebet und Segen. Unsere Leser tennen unsere Anschauungen über Arbeiter Kolonien zur Genüge, wir glauben jedoch, ihnen auch die Ansichten gewiffer geistlicher und anderer Herren nicht vorenthalten zu dürfen. Im Uebrigen werben wir nicht ver feblen, in den nächsten Tagen auf den intereffanten Stoff zurüdjukommen. Zentral- Kranten und Begräbnißlaffe der Sattler ac Wegen des am Sonnabend stattfindenden großen Sommer nachtsfestes zum Besten der Kaffe in Keller's Hofiäger bleiben bie Bablftellen derselben an dem Tage geschloffen. Billets find nur noch beim Vorftande zu haben. Der Fachverein für Schloffer hält am Sonnabend, den 28. Juni( beute), Abends 8% Ubr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenfir. 77/79, eine Mitglieder Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. A. ein Vortrag des Schrift stellers Herrn Hans Land über: Heinrich Heine. Gäste haben Butritt. Allgemeine Metallarbeiter- Vereinigung." Montag, Den 29. Juni, Abends 8 Uhr, Generalversammlung bei Hilde brandt, Weberstraße 17. Tagesordnung: 1. Der Weber. streit in Erdmannsdorf( Schleften). 2. Die Ron ferenz am 5. Juli in Berlin. 3. Verschiedenes.- Billets su Dem am 8. August im Berliner Prater stattfindenden Stiftungsfefte find in der Versammlung zu haben.- Gäfte haben Butritt. Eine öffentliche Versammlung der Maler Berlins findet am Sonntag, den 28. Juni, Vormittags 10 Ubr, in Bratwell's Bierballen, Rommandanter ftr. 77-79, ftatt. Tages ordnung: 1. Die Ursachen des Streits und seine Folgen. Referent: Herr Tischlermeister Mitan. 2. Verschiedenes. Der Wichtigkeit halber werden sämmtliche Maler Berlins et fucht, pünktlich zu erscheinen. Bur Dedung der Unkosten ein fleines Entree nach Belieben. Der Verein sämmtlicher Berufstlaffen Berlins II ( Eingeschrieb. Krantentafe) bält am Sonnabend, Abends 8% Uhr, im Restaurant Löstow, Prinzenstraße 79, eine Mitglieder Versammlung ab. Tagesordnung: Protokoll, Kaffenbericht, Verschiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. Auch werden beim Kafftrer Schumacher, Lauftgerstr. 1 III, täglich Mittags Don 12 bis 11 Uhr neue Mitglieder aufgenommen. Eine öffentliche Versammlung der Schneider findet am Montag, den 29. Juni, Abends 9 Uhr, in Nieft's Salon, Rommandantenstraße 71 und 72, statt. Tagesordnung: Be sprechung über die Verhältnisse der Lohnkommission. Alle Schneider Berlins find eingeladen. Heute: Don Carlos. Beate Defizit. Theater. Deutsches Theater. Bellealliance Theater. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Dente: Der Großmogul. Walhalla Operetten- Theater: Deute: Mascotte. Oftend- Theater: Heute: Das Spielzeug der Kaiserin. Deute: Bapageno. Wallner Theater. Central- Theater: Alte Jakobftrage 30. Direktor: Ad. Ernst. Deute: Hamburg an der Alfter. Todes- Anzeige. Dem Verein zur Wahrung der Interessen der Klavier- Arbeiter. Am 24. d. Mts., Abends 7 Uhr, verstarb unser Kollege Adolf Ackermann. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. Mts., Vorm. 10 Uhr, vom Trauerhause, Wrangelstr. 9, aus statt. Um recht zahlreiche Betheiligung bittet 1373] Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten empfehle meine Cigarren, Rauch- u. Schnupf- Tabake. 1073] Lotterie- Loose und Antheile. M. Meyer, Fruchtstraße 36a. Bekanntmachung Ortskrankenkasse der Maschinenbauarbeiter und verwandten Berufsgenossen. Am Sonntag, den 5. Juli d. J. finden im Berlinischen Rathhause folgende Versammlungen ftatt: 1. um 9% Uhr Vormittags im Bürgersaal, Eingang von der Königstraße: Der Verein der Berliner Kisten und Koffermacher hält am Montag, den 29. Juni, Abends 8% Ubr, im Lokale Armin Hallen", Rommandantenstraße 21, eine öffentliche Mit glieder- Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Megner über den Arbeiterschaßgefeß Entwurf. 2. Wie ftellen wir uns zu der Tischlerkommission und Herrn Rödel? 3. Wahl eines Mitgliedes in die Schiedsgerichtt= Kommission. 4. Besprechung über die Landpartie des Vereins. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser wichtigen Ver sammlung zu erscheinen. Eine große öffentliche Versammlung der Former und Berufsgenossen findet am Montag, den 29. Junt, Abends 8 Uhr, im Salon zum deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37, ftatt. Tagesordnung: Die Beendio ung des Streits in der Hartung'ichen Gießerei, durch Vermittelung der Vereinigung deutscher Metallarbeiter. deutscher Metallarbeiter. Former, Kollegen, Berufsgenossen! Durch Euren Dpfermuth und zahlreiches Erscheinen hat uniete Sache einen für und günstigen Verlauf genommen. Erscheint auch zu dieser Versammlung ebenso zahlreich, denn: ,, Ense gut alles gut." Der Einberufer. Vereinigung deutscher Metallarbeiter( Mitgliedschaft Berlin, Süden). Durch eingetretene Verhältnisse sab sich der Ausschuß genöthigt, in legterer Beit teine Versammlung einzu berufen und erwartet deshalb iegt, daß die Mitglieder zu ber Versammlung am Montag, den 29. Juni 1885, in Konrath's Salon, Wafferthorstr. 68, Mann für Mann erscheinen. Auch werden die Mitglieder sämmtlicher Mitgliedschaften in Berlin gebeten, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadto. Her old über Gewerbeschiedsgerichte, mit Brzugnahme auf das in Mannheim genehmigte Orte Statut. 2. Kaffen bericht. 3. Verschiedenes. Die Zentral- Kranten und Sterbetasse der Töpfer und verwandten Berufsgenossen hält am Sonntag, Vormittags 10 Uhr, in Seefeld's Lokal, Grenadierstr. 33, eine Mitglieber versammlung ab mit der Tagesordnung: Vorstandswahl, Ver schiedenes. Bahlreicher Besuch erwünscht. Briefkasten der Redaktion. Drewig. Nach dem statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin starben hierselbst im Jahre 1882 zusammen 30 465 Per sonen und awar 16 040 männlichen und 14 425 weiblichen Ge schlechts. Im ersten Lebensjahre starben 12 067, im ameiten 2709 Kinder. Unter den Verstorbenen befanden fich ferner 2490 im Alter von 2-5, 1227 von 5-10, 759 von 10-20, 1803 von 20-30, 2396 von 30-40, 1949 von 40-50, 1627 von 50-60, 1681 von 60-70, 1209 von 70-80 Jahren und 548 Personen, welche ein Alter von über 80 Jahren er reicht hatten. A. B. 12. Wenden Sie sich schriftlich an das Kuratorium der Stiftung der Berliner Gewerbe Ausstellung im Jahre 1879. ( Köllnisches Rathhaus, Breitestr. 20 a 3immer 1). Gesuche um Bewährung einer Beihilfe behufs Aneigrung einer gewerbe technischen oder kunstgewerblichen Ausbildung find dort in der Beit vom 1. Januar bis 1. Februar und vom 1. Juli bis 10. August jeden Jahres einzureichen. Alter Abonnent. Das Reichsgesetz über die Beurkun bung des Perionenstandes und die Eheschließung datirt vom 6. Februar 1875. Ein Unbelesener, Adalbertstraße. Das Zitat: Man merkt die Abficht und man wird verstimmt", tommt in Goethes Laffo" in der Form vo:: So fühlt man Absicht und man wird verstimmt." J. V. Wenn Sie das 29. Lebensjahr vollendet baben, find Sie 30 Jahre alt, Eie feiern daber dann Jhren 31. Ge burtstag. 3. Wienerstr. Die betr. Bestimmung finden Sie in§ 56a der Gewerbeordnung unter 3. Daselbst heißt es: Ausgeschloffen vom Gewerbebetriebe im Umberziehen ist das Aufluchen von Bestellungen auf Branntwein und Spiritus Lei Personen, in deren Gewerbebetriebe dieselben teine Ver wendung finden. Kraiser.Fasverein. Manuskript baif nur auf einer Seite des Papiers geschrieben sein. Henkel's Bleich Soda an Wasch- und Bleichkraft unerreicht in Pfundpacketen zu 15' Pfg. al m = et n b 1258 R b S It Zu haben in allen Droguen-, Seifen- und Colonialwaarengeschäften. General- Depot Joh. Schmalor, NW. Schiffbauerdamm 25. beziehen durch die Expedition des ,, Berliner Volksblatt", Zimmerstraße 44. ng Groke ene Welt- Kalender Soeben ist erschienen: Der für 1886. Aus dem reichen Inhalt heben wir hervor: Vergleichende statistische Uebersicht der deutschen Reichstagswahlen von 1881-1884.- Moorland. Erzählung von Robert Schweichel. Matrosen- Philosophie. Von Reinh. Wers ner. Fixsterne, Kometen und SternSchnuppen. Von Dsw. Köhler.- Droben im Wald. Erzählung von W. Jensen.- Der Schlangenmeister. Erzählung von Ciampoli. Mls Gratisbeilagen: 2. Der alte Freier. 3. Prise gefällig? 4. Aber Herr Nachbar! 1 Wandkalender. Preis 50 Pfennig. Stuttgart. J. D. W. Diek. 1. Der erste Zwist. G Mitglieder Versammlung Berfamilang der Vertreter der Kaffen- Volksversammlung d. Fachvereins d. Schloffer u. Berufss mitglieder. Tagesordnung: Wahl von 6 Vorstands. mitgliedern. 2. um 10 Uhr Vormittags im Zimmer 55, 1 Tr., Ein gang von der Spandauerstraße: Bersammlung der Vertreter der Arbeit. geber. Tagesordnung: Wahl von 3 Vorstands mitgliedern. 3. um 11 Uhr Vormittags im Bürgerfaale: am Sonntag, den 28. Junt, Vormittags 11 Uhr. im Wedding Part, Müllerstraße Nr. 178. Tagesordnung: 1. Das Arbeiterschußgeses und die Stellungnahme der Arbeiter zu demselben. Der Referent wind in der Versamm lung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 1369 Der Einberufer. Sonntag, den 28. Juni 1885: am Sonnabend, den 27. Junt, Abends 8% Uhr, in Gratwett's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79 Tages Ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn Hans Land. 2. Auf nabme neuer Mitglieder. 3. Disiuffton. 4 Berschiedenes un Fragetaften. Der hochwichtigen Tageko conung wegen ift ba Tagekoconung Erscheinen jeden Mitgliedes Ehrenfache. Der Borstand. ArbeiterGeneral Bersammlung der Vertreter der Große öffentliche Versammlung Bezirks- Verein ,, Süd- Ost" Kaffenmitglieder und der Vertreter der Arbeitgeber. Tagesordnung: Befchlußfaffung über Er höhung der Beiträge durch Abänderung des§ 24 des Statuts. Gemäß§§. 45, 32, Abí. 7, und 47, Abs. 1, des Statuts werden die vorbezeichneten Vertreter zu diesen Versammlungen eingeladen. Berlin, den 26. Juni 1885. der Schmiede Berlins im Königstädtischen Theater am Alexanderplat, Alexanderftr. 40. Es wird jedem Schmied zur Pflicht geuacht, in dieser Versammlung zu erscheinen. [ 1365 Die Lobnkommission. Mitglieder Versammlung Des Landpartie mit Familie nach Schmöckwi am Sonntag, ben 28. Juni, Morgens. Abfahrt vom Görli Bahnhof 9 Uhr Vorm. Die regste Betheiligung ist erwünf und ist für Amüsement in binteichendster Weise Sorge g trager. Programms a 15 Pf. find zu haben bei C. Sol Büdlerstr. 36, of 2 Tr.; R. Lehmann, Staligerftr. 27, C. Schulz, Admiralftr. 36, of part.; P. Weife Laufigerstr. 19, I bei Michael, und im Restaurant Stramm Stalizerstr. 18. NB. Kinder werden von der Station mit Wage unentgeltlich befördert. bi g 8 bi to tr a 129 fd b 8 69 fi € a b b b [ 1364 b n 10 G Per Magistrats. Kommissarius. Fachvereins der Drechsler, Knopfarbeiter Ortskrankenkasse der Klempnet. Dr. Freund. [ 1368 Wir ersuchen alle diejenigen Kollegen und Berufsgenossen, welche für die Rönigsberger Kollegen gesammelt und die Gelder an die hiesige Bentral Lohntom. mission abgegeben haben, dem unterzeichneten Vorstand die Summe und das Datum der Sammlung anzugeben. Wuch ersuten wir noch einmal fämmtliche Rollegen, am Sonnabeno ode: Montag in Len betreffenden Fabriken recht rege zu sommein und die gesammelten Gelder am Sonnabend oder Montag Abend an unseren Raffirer respektive Vorstand, Stalizerstraße 18 bet Stramm, abzuliefern. Der Vorstand d. Vereins zur Wahrung der Interessen d. Klavierarbeiter. J. A: Fr. 8ubeil. 1374] Eine Schlafft., sep. Eing., bei Ring, Landsbergerstr. 36.[ 1372 und verwandten Berufsgenossen am Montag, den 29. Juni d. J., Abends 8½ Uhr: im Lotale Rönigebant, Gr. Frankfurterstr. 117. Tagesordnung: 1. Die Gründung einer gemeinsamen Vereinigung sämmt licher in der Drechslerbrande beschäftigten Bewerksgenossen, a) Anträge des Fachvereins, b) Anträge des Vereins zur Wah rung der materiellen Intereffen der Drechsler und Berufs genoffen. 2. Verschiedenes und Fragetaften. Das Erscheinen eines jeden Mitgliedes ist wegen ber Wichtigkeit der Tagesordnung dringend nothwendig Gäste baben Butritt. Die Mitglieder des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenossen sind 1370 hierzu ganz besonders eingeladen. Der Vorstand. Das Kaffenlokal befindet sich vom 1. Juli ab: Neu Friedrichstr. 7, v. L., geöffnet an den Wochentagen von 8 b 1 Uhr und Sonntags von 8 bis 10 Uhr Vorm. Berechtigte Mitglieder haben laut§ 33 b. St. Die fälligen Beiträge felb an die Kaffe ein uzablen.[ 1371] L. Steuer, Rendant. Die Uhrenfabrik Don Max Busse, Uhrmadier Nr. 157 Invalidenstrasse Nr. 157 zwischen Brunnen- und Aderstraße empfiehlt sein reichhaltiges Lager, sowie feine Reparatur- Werkstatt. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin SW. Beutoftrage 2 bi P La et 84 806 b K