«r. 149 Dienstag 30. Juni 1885 H. Jahrg. i Jl MerstckMI Organ für die Interessen der Arbetter. T' Das„Berliner Volksblatt" (Eingetragen in oer PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) JnsertionSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße S.— Expedition: Zimmerstraße 44. uns, Abolinements- Einladung Zum beoorstkhenden VirrteljahrSwechscl erlauben wir i alle Arbeiter Berlins zum Abonnement auf daS „Berliner Voltsblatt" mit der KratiS-Beilage „Illustrirtes Sonutagsblatt" einzuladen. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unter« nehmen befestigen, welches bestimmt ist, die berechtigten For« deruimen und Wünsche der Ardeiter zum Auidruck zu bringen. Suche ein jeder von unseren bisherigen Anhängern, in dem «reife feiner Freunde und Bekannten daß„Berliner Bolls« Malt" zu verbleiten und sehe darauf, daß jeder neu gefundene .�stnnungSgenoffe fein Versprechen, zu abonniren, auch wirk- itch hall. _ ilnsererseitS werden wir bemüht fein, den Inhalt unseres Blattes immer reichhaltiger zu gestallen. DaS „Berliner Bolksblatt" tostet für daS ganze Vierteljahr frei int Haut 4 Mark, für den Monat Juli 1 Mail 35 Pf., pro Woche 35 Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen Spedllemen, sowie o°n der Exoedllion, Zimmerstraße 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abor dal nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark �t»tdaktiou«rnd Expedition de»„Berliner Volksblatt' Arbeiterbewegung und das„Serllner Volksblatt" Ueberall in ganz Deutschland treten die Arbeiter für die Verbesserung ihrer Lage«in, und besonders sind«» die Arbeiter derReichShauptstadt, welche in dieser Bewegung daß Banner vorauttragen. Die Arbeiterbewegung ist nicht allein, wie einzeln« Gegner derselben ausposaunen, auf rein materiell« Vortheile, wie Lohnerhöhung gerichtet, nein, diese Be« »egung erstrebt auch ideale Ziele. Schon die For« derunge» auf Beschränkung der Frauenarbeit und Verbot der Kinderarbeit beweisen die». Durch solche Forderungen soll da« Familienleben im Arbeiterstande gehoben, e« soll eine gute Erziehung der Kinder ermöglicht werden. Aber auch die Forderung einer verkürzten Arbeitszeit zielt dahin. Wohl zetern die Gegner der Arbeiterbewegung, daß die Arbeiter durch«ine geringere Arbeitszeit verführt würden, längere Zeit im Wirthshaus zu verbringe»; da» mag bei einem oder dem andern wahr sein, doch die Masse de» arbeitenden Volke» wird die ihm gebotene Zeit benutzen, um gute lehrreiche Bücher oder«ine Zeitung, welche die Arbeiterinteressen vertritt, mit Ruhe und Aufmerksamkeit zu lesen. Sie wird bestrebt sei», höhere Bildung zu er« ringen. Daß solche Forderungen aber auch einen fortwährenden Kampf koste», da» tritt gegenwärtig ganz besonders zu Tage. Ueberall, wohin«an blickt— Arbeit»einst« llungen und ArbeitSausfchlüsse. Unsere Leser wissen, daß wir un» von de» Streik« s, keine dauernden Erfolge verspreche», aber deshalb stehen wir doch allen Streiks, die einmal nothgedrungen erfolgt find, sympathisch gegenüber und werden den- selben unsere Aufmerksamkeit zu. Wir glauben unseren Lesern au» der Arbeiterilasse gerade dadurch einen Nutzen zu erweisen, daß wir gewissenhaft alle Streik» im Inland« und Auslände registriren und unser Urtheil darüber ab« aeben, damit die Arbeiter wissen, nach welchen Gegenden sie sich, wenn sie Arbeit suchen, nicht wenden dürfen. Auch ist es unser Bestreben, unsere Leser fortwährend über die«irthschaftlichen Erscheinungen in unserer heutige« Gesellschaft auf de« Laufenden zu erhal« ten und wenn e»»öthig ist, Aufklärung zu geben. Unser Blatt ist kein politische» Blatt im gewöhnlichen Sinne de» Worte», e» ist ei» s o z i a l« p o l i t i s ch e»; «s trägt am Kopfe die Bemerkung:„Organ für die Interessen der Arbeiter". Diesem Titel ist da»„Verl. Volksblatt" bisher immer treu geblieben und wird sich bemühen, in Zukunft denselben «ehr und mehr zu verdienen. Aber hierbei ist die Mithilfe der Arbeiter selbst er« forderlich. Sin Arbeiterorgan muß auch von der Masse der Arbeiter gelesen werden, wenn e» voll und ganz seine Nicht allein wird durch ein erzielt, daß immer mehr in Thätigkeit gesetzt werden ,.........—,— an dem Blatte schon thätigeu Kräfte fühlen sich gehoben, wenn sie wissen, daß sie für die iroße Masse de» Volke» arbeiten— dann geht die rbeit noch viel leichter und dann wird die Arbeit auch «och besser. Die Arbeiter und ihr Organ müssen immer in enger Fühlung bleiben. Wohl wissen wir, daß e» unmöglich ist, alle Wünsche eine» Einzelnen zu erfülle», weil dadurch vre Interessen der Gesa«mth«it geschädigt würden; aber dennoch»erde» wir unser Möglichste» thun, auch de« Einzelnen gerecht zu werde», sofern eben die Gesammtheit nicht darunter leidet. Doch, wie gesagt, werden wir auch ferner unser Haupt« augenmerk aufbi« gesammte Arbeiterbewegung, speziell aber auf die deutsche und diejenige in Berlin richten— und dabei müssen wir allerding» der Mithilfe, der Mitarbeit und der Zustimmung der Arbeiter selbst sicher sein. Wir werden mit aller Umsicht und Energie die Jnter- essen der Arbeiter weiter vertreten und so mögen denn auch die Arbeiter, besonder» die BerlinerArbeiter ihr Blatt, daS„Berk. Volksblatt" mit emporheben, da«it e» seiner Aufgabe immer mehr gewachsen»erde. In dieser Gewißheit werden wir kräftig weiter ar- beiten. Schuldigkeit thun soll. zahlreiche» Abonnement tüchtige Redaktiontkräfte können, sondern auch alle «Struck»ertoten.] gfCUtffCf OH« 70: 3 m Eckfenster. Roman von Friedrich»erftäcker. (Fortsetzung.) „Ich will sie nicht lange belästigen," sagt« Mnx, der lasch an de« Augen der Frau sah, daß sie hier alte schmerz' «che Erinnerungen berührt, bei denen ein Fremder,«er e» auch sei, nicht angenehm oder willkommen sein konnte; „'ch wollte nur den jungen Herrn Handorf bitten, jetzt gleich, aber ohne weitere« Säume«, zu« Herrn Notar Vüster hinüber zu gehe«, de, ihm etwa» Wichtige»«itzu« iheilen hat." „Mir?" sagte Karl erstaunt. „Ja, gewiß; aber bitte, gehen Sie gleich, Sie thun "och dazu ein gute« Werk. Aber ich kann Ihne« jetzt nicht wehr sagen, da« Weitere erfahren Sie dann Alle« drüben "ei meinem Prinzipal." „So geh doch, Karl," bat die Mutter, die mit äußerste, Spannung den Worten de» kleine« Manne» ge« lauscht hatte, den« an Alle« knüpfte ja da» Mutterherz "*( Hoffnung an—„Du weißt ja doch nicht, was der Herr Notar von Dir will, und er hat e» immer gut mit Uv» gemeint." „Gewiß geh' ich, Mutter, gewiß," sagte Karl, indem «r schon nach seinem Hut griff—„und wenn e« auch nichts ltir mich ist, wen« ich nur dem Herrn Notar damit gefällig sein kann. Ist e, in seine« Hause?" „In seiner Schreibstube oben," sagt« Mux,„wo er sich '«wer aufhält. Ich selber habe nur noch einen Weg zu besorgen und komme dann«benfall»"— und seinen Auf« "«8 autgerichtet, eilte er fort in da» nur wenige Häuser von da entfernte Hotel zu«„Römischen Hause". Xarl aber ging ohne weitere» Säumen zu« Notar •»«über; er zeigte sich sonst so wenig all möglich am hellen 5*8* der Straße draußen, aber dem Rufe mußte er l«d«nfall» folgen, und e» war ihm auch dabei so eigen zu «tu«, ha» Herz schlug ihm so laut in der Brust, al» ob etwa» Besondere» vorgehe» müsse, und doch konnte er sich in aller Welt nicht denken,»al. Notar Püster»ar allein in seinem Zimmer, und al» Karl zu ihm hineintrat, ging er ihm freundlich entgegen und reichte ihm die Hand, wa» er bis jetzt noch nicht ge- than hatte. „Herr Notar," sagte Karl,„Sie haben gewünscht, daß ich zu Ihnen herüberkommen möchte— ist e« etwa«, da» Sie von mir wünschen?" „Eigentlich wollte ich Ihnen vor der Hand nur etwa» & H aTa*...2.. t � �—-.•*« Herr Eduard von Hartman«, der Philosoph hat biSwe len politische Anwandlungen. Schriftsteller wie er ist, setzt er stch zur Befriedigung seine» Bedürfnisse» nieder und zieht vom Leder. Seine neueste Leistung ist zu großartig, um übersehen zu werden. Er hat in der Berliner Wochenschrist, der„Gegenwart". Nr. 25 vom 20. Juni 1885, einen Aufsatz: „Die Lage der Partein" veröffentlicht, der folgende bemerkens- werthe ktelle enthält. & 5� s° de- ______ tajuuiuqc Ktn, n)tU die so lange unterdrückten, aber noch nicht ausgestorbenen revo- lutionären Tendenzen dann mit verdoppelter Energie hervor- brechen würden. Die unmittelbaren Folgen würde vor allem die beutfAfteiftn"'"" SN-"«-«... ________________—»..„»..»«uren irorgen würde vor allem die deutschfieifinnige Partei zu spüren Wen, die ibre bi» dahin etwa behaupteten Sitze an Sozialdemokraten verlieren würde, demnächst alle Arbeitgeber, ——-, wmmimu,!»«in tnroerrgeder, welche mit sozialdemokratischen Arbeitern zu thun hätten; dagegen würde da» Staatsleben unmittelbar darunter leiden, weil eS für dessen Gang ziemlich gleichglltig ist, auS welchen Motiven die Opposition Nein sagt, od aui liberalen Doktrinarismen oder au« sozialdemokratischem Fanatismus. Ich halle e» für den Grundfehler de» Ausnahmegesetze» und für den Hauptgrund seiner vnhältnißmäßig geringen Wirkung, daßeSnichtgleich für30 Jahre gegeben wor- den ist, und statt dessen seine Fortdauer all« paar Jahre von N uem zur Ditkusfion gestellt werden muß. Hätte nicht die revolutionäre Richtung der Sozialdemokratie die Hoffnung, den Ausnahmezustand von Jahr zu Jahr erlöschen zu sehen, so würde die gemäßigte Richtung ihr längst den Rang ab« gelaufen haben, während jetzt noch beide in unentschiedenem Kampfe liegen. Deshalb halte ich es für die Aufgabe aller Parteien, bei der nächsten Gelegenheit daß Gesetz nicht auf 2, sondern auf 22 Jahre zu verlängern, da e« ja doch diesen Stock?" Er deutete dabei auf die nächste Ecke, in der ein tüchtiger, geschnitzter und eigenthümlich gestalteter Knoten» stock lehnte, und Karl dreht« sich erstaunt»ach der Stelle um,— kau« aber hatte er nur eine« Blick auf den Stock geworfen, al« er auch mit einem Satze auf ihn zusprang, ihn in beide Hände nahm, betrachttte und. dann mit vor Ausregung fast erstickter Stimme ausrief:„Da» ist mein Stock, da« ist da» unselige Stück Holz, mit dem jener Fremde de» armen Juden erschlagen l Oh«ei» Gott, wo- her haben Sie diesen Stock?" Püster antwortet« nicht gleich; er nickt« nur eine Weile langsam vor sich hin, al» od er die Bestätigung er- wartet habe, und sagte dann lächelnd:„Bon dem Gerichte, das Sie damal« verurtheilt hat. Ich schrieb den Herren allerding» nicht, daß ich den Stock dazu benutzen wolle, um vielleicht den wahre» Mörder heran« zu finde», denn et ist sehr fraglich, ob ich ihn dann bekommen hätte. We, gesteht gern«in, daß er ein« große Dummheit gemacht oder »ine Nebereilung begangen! Aber ich bat die Herren um den Stock, da wir, wie ich ihnen andeutet«, mit Hilfe desselbrn noch auf di, Spur eine» andern Verbrechen» zu aelanaen dächten, und dagegen fühlten fie»Mrlich kein Bedenken. Der Stock, al» corpus delicti, befand sich noch bei de« Akten, aber die Sache«ar ja außerdem er- ledigt und der Verbrecher hatte feine Straf« verbüßt. Man schickte deshalb den Stock an die verlangte Adresse, erbat ihn sich aber, nach davon gemachtem Gebrauch, wieder zurück, da der Gegenstand eben— zu den Akten gehöre und von diesen eigentlich nicht getrennt«erden dürfe. Also e» ist der nämliche Stock?" „Oh, wie genau kenn« ich ihn," rief Karl,„und jeden Augenblick wollte ich daraufschwören! Daist noch die Schlange, di« sich ein Stück daran herunterringelt, und da da« bös« Ge« ficht, welche» die Zunge herausstreckt, und da» mir damal» besonder» Spaß machte, weil e» eine« von unseren früherm Geselle«, de« Brei'.kopf, so ähnlich sah!" „Gut, Herr Handorf," bemerkt« der Notar, der«ine» Blick auf feine Wanduhr warf—„so erfahren Sie denn jetzt mit kurzen Worten, daß alle Vorbereitungen getroffen find, um den Mann, den Sie für den wirklichen Thäter halten, zu einem Geständniß zu bringen." „Herr Notar!" rief Karl, während ihm der Athem stockte. „Ich kann Ihne« noch kein« Hoffnung machen," fuhr Püster fort,„ob er auch Ihren Fall eingesteht, denn e» ist in der That nicht recht gut denkbar. E» liegen aber so mannigfache andere Dinge mit sehr starke« Beweise» geae» ihn vor, daß eine Entscheidung vollkommen außer unserer Berechnung liegt. Meine Bitte an Sie geht nun dahin, diesen Stock zu nehmen und damit m diese» kleine Nebenzimmer zu treten, bi» Sie gebraucht werde«. ich oder Mux«erden Sie rufen, und dann treten >ie de« Manne gegenüber und fragen ihn, ob[et Sie noch kenne. Wa» Sie dann sagen werden, wie Sie die Frag« stelle» wollen, muß ich Ihnen oder de« Augenblick vollkommen überlassen, denn wenn ich Ihnen auch jetzt darin rathen wollte, hätten Sie da» doch nachher zehnmal vergessen. Der eigentliche Moment wird und muß da» geben, und nachher wollen wir sehen, wie er sich dabei benimmt. Halen Sie mich genau verstanden, wie ich e» meine?" „3a, blitzten. Aber «TO Rod,,.. Äatl, unk>«., jederzeit aufgehoben werden kann, falls es vorher seinen 3wed vollständig erfüllt haben sollte." Das ist unverhüllt gesprochen, das ist die Reaktion ohne Manto. Wie aart ist dieser Wint an die faule Deutschfreifinnigkeit, an die Unternehmer! Der Mangel an gefchicht licher Auffaffung leuchtet Jedem ein, der da weiß, welche Folgen bas Niederhalten der natürlichen Entwidelung bat. Wir find überzeugt, Eduard von Hartmann hat der ganzen Bourgeoifte aus ihrer Seele herausgesprochen, er hat ihre innere Angstmeierei in flares Deutsch veräußerlicht, um zugleich damit zu zeigen, wie ein deutscher Denker, den seine Verehrer für den be beutendsten unserer Zeit halten, trop Ethik und Metaphyfik moralisch finten tann. | der ,, Gegenwart" zu verweisen. ber ,, Gegenwart" zu verweisen. Alle Hofprediger, Landrathe und verwandte Berufsgenossen werden über ihren Mitstreiter fich freuen. Und wir? Wir sind chriftlicher, als Hartmann, wir ver zeiben ihm. Er wußte nicht, was er schrieb. Immer mehr charakterifirt fich sein Mittheilen über die Arbeiterbewegung charakterifirt fich sein Mittheilen über die Arbeiterbewegung als traffe, bodenlose Ignoranz. Hartmann ist gelähmt, und tommt aus seinem stillen Philosophenwinkel nicht heraus in Das Leben, bat teine Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse, er schreibt über Dinge, die er nicht versteht. Das er dabei zur politischen Ortbobogle gekommen, ist ihm nicht zu verübeln. Der Lieutenant- Philosoph wurde wieder Philosoph Lieutenant. Der Junter tam zum Durchbruch. Ignorant und Reaktionär, das ist nunmehr Herr Eduard von Hartmann, der Philosoph. Politische Uebersicht. Das ist derfelbe Mann, den beim Erscheinen seiner Philofophie des Unbewußten" die privilegirten und freiwilligen Pfaffen, Obsturanten und andere schöne Seelen als Antichrift bezeichneten, das ist derselbe Mann, der nachweislich in seinen Schriften zu sozialistischen Folgerungen gekommen ist, der auch mit seinem Syftem die Welt aus den Angeln beben wollte. Aber die erziehliche Wirkung der bürgerlichen Gesell schaft" ist bei ihm nicht ausgeblieben. Je tiefer er sich in seine transzendentalen Hirnwebereien verrannte, desto festere Bande umschlangen ihn mit der- Theologie, und von seinem kühnen Ritt ins realistische Land tam er zurück ale atheistisch- mythischerlichen 3 vist. Während aber alle anderen Blätter fich einer Betbruder. Man tann deutlich den Entwickelungsgang seiner Philo sophie beobachten, wie er nach und nach von der hohen Seift lichleit" ollupirt wird. Zuerst wildes Kampfgeſchrei, Ruf nach dem Index, Scheiterhaufen, Galgen und Rad für den Gottes leugner und Beffimisten in den Kirchenzeitschriften, dann all mählich gedämpftes Murren, unterdrückter Beifall, und endlich bie Versöhnung der feindlichen Brüder: wohlwollende, anertennende Besprechung in den theologischen Journalen. Für den Leser der Hartmann'schen Erzeugniffe, subjektiv genommen, bedeutete diese Umwandlung aus dem Heidnischen fns Urchriftlich Germanische, diese Uebersetzung aus dem Tibetanischen ins Deutsche, diese Entfaltung eines schwarzweiß- hofsozialistischen Schmetterlings aus röthlicher Chrysalide nichts als Langeweile statt Genus, Flachheit statt Tiefe, überirdisch apokalyptische Tändeleien statt derb zufassender, scharf gerlegender Riitit, tura gesagt: Grüneberger für Johannis, berger. Objektiv genommer, für Eduard von Hartmann be sagt diese phänomenale Umwandlung seines feines filtlichen Bewußtseins" Daß er, müde De Erils Durch ein Hinterthürchen in das Paradies Der allein glüdielig machenden Kirche zurückgekehrt ist. Und damit unter Die Fürsorge der junkerlichen Sozialreform, des Korporalstocks und der Ausnahmegeseze. Nicht mehr Philosoph, sondern wie früher simpler Lieutenant! Vaihinger hat vor Jahren in seinem geistreichen Essay als die drei hervorragendsten modernen Denker Deutschlands Hartmann, Dühring und Lange geschildert. Damals hat er bereits die Palme bem Manne geweiht, der, ein Genie und ein Charakter, ehrlich in der Praxis das verwirklichlichte, was er theoretisch für richtig erkannte, bem edlen, leider so früb geftorbenen Friedrich Albert Lange. Eugen Dübring ift aus einem radikalen Sozialisten Antisemit geworden, und Herr von Hartmann treibt reaktionäre Sozialreform. Bur Kennzeichnung des Letteren diene folgende Anekdote, die wir durchaus zu verbürgen im Stande find. Es war vor den Reichstagswahlen des Jahres 1881, als v. Hartmann in dem Garten feiner Wohnung in der Schönhauser Allee über feine sozialpolitische Haltung interpellirt wurde. Es geschah bies so, daß man ihm zurief: Also, so wählen Sie doch den Sozialdemokraten," worauf er antwortete: Sch wähle teinen Arbeiter, feinen Mann, der an Bildung unter mir steht. Ueberhaupt gehe ich nicht wählen." Wir glauben, das genügt. " Hartmann hat seine bakunistische Theorie, deren Inhalt ins Jos. Vitt. Scheffel'sche überfest lautet: Alles muß verrungeniret sein, die Weltvernichtung muß man bei fich an fangen. Er hat seinen schriftstellerischen Ruf, feine frühere Anschauung, und somit sich selbst vernichtet. Nichtsdestoweniger ift Hartmann ,, ein ehrenwerther Mann," der zwar die Freuden der Liebe und Ehe als Stadien der Illufton nachgewiesen hat, aber mit geradezu antimalthufianischem Fanatismus frisch, fromm, fröhlich, fret Kinder zeugt, der für fich amerikanische Reklame machen läßt, und periodisch das Bedürfniß empfindet, fich als politischer Effayift zu blamiren. Shm dilettirt's, den Vorhang der politischen Schaubühne aufzuziehen. Was zeigte er dereinst? Elftatisches Entzücken über die Milliardenära. Dann wurde er Schutzöllner, und heuer will er die Verlängerung des Sosia liftengefeges auf weitere zweiundzwanzig Jahre. Db er Auftrag dazu hat? Db er aus der Schule ge schwägt hat? Sicher aber ist das Eine: Nichts ist so verwerf lich, nichts so verkehrt, nichts so absurd, daß nicht ein deutscher Philofopb einen zureichenden Grund findet, es zu rechtfertigen und zu loben. Sicher wird die Tonservative und nationalliberale Preffe nicht verfehlen, auf das gewichtige Beugniß des Denkers" in ber Ge anke plötzlich aufdrängte. Bedenken Sie, daß wir vor der Hand gar keine Beweise gegen den Herrn haben als nur die Aehnlichkeit, bie Sie mit ihm und jenem bie Sie mit ihm und jenem Buben gefunden, und nach den langen Jahren können Sie fich da boch getäuscht haben. Ich will den Stod lieber borthin stellen, wo er nicht gleich in die Augen fällt." Rarl lächelte wehmüthig. Fürchten Sie feine thörichte Uebereilung von mir, und noch dazu in Ihrem eigenen Romptoir. Ich werde so ruhig bleiben, wie ich jetzt bin; aber den Stock laffen Sie mir er muß mich und den da wieder zusammen sehen, und dann wird sich zeigen, ob ich ihm Unrecht gethan oder nicht." " Ich höre Jemanden kommen," sagte Büfter; bitte treten Sie hier hinein und werben Sie mir nicht un geduldig, wenn es auch ein wenig lange dauern sollte; wir dürfen es nicht übereilen." Baton von Solberg war indessen mit seinem Sohne von Hause weggegangen und befand sich dabei fein Wunder in fast fieberhafter Aufregung. In seiner Wohnung sah er Alles emsig beschäftigt, die Vorrichtungen für den heutigen festlichen Abend herzurichten. Fränzchen felber war ihm noch mit dem glücklichsten Geficht von der Welt an der Treppe begegnet und ihm in lauter Seligkeit und bas Alles sollte in Luft um bin Hals gefallen gerfließen und nur einen Sag voll Thränen und ge täuschten Hoffnungen zurüdlassen? Es war zu furcht bar, wenn er es überdachte, und noch immer flammerte er fich an den einen Gedanken an, daß fich Hans geirrt, daß ber Mann, bem er das Glüd seines Kindes in die Hand gegeben, tein Bube sein könne, der sich in solch teufTischer Abficht in sein Haus geschlichen. Vater und Sohn schritten auch schweigend, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, den Weg entlang, bis fie Püster's Haus erreichten und Hans seinem Vater die Thür öffnete. Hans," fagte hier der alte Herr, indem er fast wie unschlüssig stehen blieb, ich kann mir nicht denken, daß Du Recht mit Deiner furchtbaren Anschuldigung haft. Ich hätte das Kapital lieber mitnehmen sollen; es liegt bei mir im Schrank bereit, denn wie stehen wir da, wenn sich Vorne demokratisch, hinten polizeilich. Jedenfalls ift es Folge der Saure Gurtenzeit, daß sich die Beitungen der verschiedensten Parteien die Köpfe der Sozial Demokraten zerbrechen über den in dem Lager derselben ausgebrochenen häus gewiffen Objektivität befleißigen und nur neugierig find, wie fich dieser Streit entwickelt, nimmt das hiesige pseudo- demokratische Blatt in der sogenannten Streitfrage ent schieden Partei. Wir sagten schon einmal, daß der Abg. Herr Bebel gewiß ausrufen würde, wenn er die bandwurmartigen Artikel: Die Lage der Sozialdemokratie" in der ,, Berliner Beitung" läse: Herr schüße mich vor meinen Freunden!" - Aber die Mehrheit der sosialdemokratischen Fraktion, gegen welche fich genanntes Blatt mit einer geradezu furiösen Heftig. feit wendet, würde, wenn fie das Blatt läse, gewiß schmunzeln und fich freuen, daß fie gerade von einem so notorisch arbei terfeindlichem Blatte, wie die Berliner Zeitung" es ist, angegriffen würde. Was mag aber dies pseudo- demokratische Blatt eigentlich mit seinen Ausführungen wollen? Nichts weiter, als die Berliner Arbeiter zu verwirren und Abon, nentenfang in der Arbeitertlasse au treiben. Diese Abficht merkt nämlich jeder halbwegs unterrichtete Ars beiter und wird fich sicherlich nicht fangen laffen von einem Blatte, welches von Anfang an nicht anders auftrat, als ,, vorne demokratisch und hinten polizeilich." " Sargschiffe. Die fönigliche Regierung zu Schle 3wig hat fürzlich in einem Restript folgende Anordnungen getroffen: In einer Seeunfallsfache ist es zur Sprache gedaß für deren Seetüchtigleit irgend welche Garantie fommen, daß viele alte Schiffe dem Berkehr dienen, ohne daß für deren Seetüchtigteit irgend welche Garantie gegeben sei. Nur diejenigen Schiffe, welche behufs der Ver ficherung gegen Seegefahr flassifizirt find, böten für ihre See tüchtigkeit einige Garantie, weil sie zur Erhaltung der ihnen gegebenen Klaffe von Beit zu Beit von Experten des betreffenben Klaffifitations Bureaus nachgesehen würden, während die jenigen Fabrzeuge, welche wegen ihres hohen Alters oder Sonstiger Mängel nicht mehr flasfifiirt werden könnten oder überhaupt nicht verfichert würden, hinsichtlich ihrer Seetüchtig feit lediglich auf die Gewissenhaftigkeit der Rheder angewiesen feit lediglich auf die Gewissenhaftigkeit der Rheder angewiesen feien. Um diesem Uebelftande abzuhelfen, ist die Einführung ständiger Revisionen der Seeschiffe auf ihre See lüchtigteit in Anregung gebracht. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß die Seeschifffahrt fich gegenwärtig in einer wenig günftigen Lage befindet, wird Werth darauf gelegt, daß auch den Inter effenten Gelegenheit gegeben wird, zu der angeregten Maßregel Stellung zu nehmen. Unserer Ansicht nach darf auf die ungünstige Lage der Seeschifffahrt in diesem Falle teine Nückficht genommen werden. Ganz abgesehen davon, daß fich die felbe im Laufe der nächsten Jahre schwerlich günstiger gestalten wird, handelt es sich hier um viele Menschenleben. Als vor einigen Jahren im britischen Parlament von einem Abgeord neten ein Gefeßentwurf eingebracht wurde, der eine ft a at liche Reviston eines jeden Schiffes verlangte, bevor es in See gehe, da erhoben die Schifferheder und Schifffahrtsgesellschaften ein großes Geschrei über angebliche Eingriffe in ihre Rechte. Nachbem aber der Antragsteller nachgewiesen hatte, daß allfährlich tausende von Menschenleben zu Grunde gingen, weil Die oft halb vefaulten Schiffe den Elementen nicht den geringsten Widerstand leisten fonnten, regte fich der Unwillen unter dem britischen Wolle derartig, daß das Parlament trop aller Oppofition der mächtigen Schifffahrtsgesellschaften nicht umbin lonnte, diesem Gefeße seine Buftimmung zu geben. Aus dem Restript der Königlichen Regierung zu Schleswig ist ersichtlich, daß auch von Deutschlands Häfen aus eine nicht geringe Anzahl feeuntüchtiger Schiffe noch im Verkehr ist. Hier ist also Abhilfe dringend nothwendig, und zwar schnell und gründlich. Ueber den Gesundheitszustand des deutschen Kaisers bringen die tonservativen Dresdener Nachrichten" in ihrer legten Sonntagsnummer an hervorragender Stelle folgende Notis:„ Die Blide der politischen Welt find mit begreiflicher Spannung nach Ems gerichtet. Die Reiseftrapazen haben auf Spannung nach Ems gerichtet. Die Reiseftrapazen haben auf den Kaiser Wilhelm in höherem Grade eingewirkt als ange Rauten von den furchtbaren Antlagen reinigt? Es ist ja nicht denkbar, daß irgend ein Mensch, und viel weniger dann der Mann, dem ich das ganze Leben meines Kindes anvertrauen wollte, ein solcher Verbrecher sein könne. Dente nur, daß Schaller selber mir genaue und befriedigende Auskunft über ihn gegeben, und was müßten wir von ihm benken, wenn sich das Alles als falsch und betrügerisch erwiese!" Mein lieber Bater," sagte Hans bewegt, glaube mir, daß ich nie gewagt haben wüde, eine derartige Beschuldigung gegen irgend einen Menschen auszusprechen, viel weniger benn gegen den Mann, den ich schon als meinen fünftigen Schwager betrachtete, wenn ich nicht die fast thatsächlichen Beweise dafür in Händen hielte. Nur damit Du Dich felber überzeugen sollt, habe ich Dich aufgefordert, mit hierher zu lommen. War dann Alles Täuschung und Irrthum, bann sollst Du sehen, wie ich der Erfte bin, der Rauten bie Hand reicht, ihm Alles gesteht und ihn um seine Verzeihung bittet. Und ist dann Rauten ein Ehrenmann, so muß er selber fühlen, wie er nur dadurch ges wonnen, daß Alles, was gegen ihn vorlag, zur Sprache gebracht und ihm so Gelegenheit geboten wurde, sich vollfommen zu reinigen und auch den geringsten Verdacht, der fommen zu reinigen und auch den geringsten Verdacht, der ja nicht auf ihm haften durfte, von sich zu wälzen." Der alte Baron sah still und sinnend vor sich nieder, aber die Worte des Sohnes beruhigten ihn wenigstens in fofern, als sie noch die Möglichkeit eines Jrrthums ober Mißverständnisses zuließen. Er schaute zu ihm empor, aber ſein Blid wurde durch sich bewegende Gestalten abgelenkt. Es war Schaller und Rauten, die quer über die Straße auf fie gutamen. " Da find fie!" sagte er leise. Ich fühle mich in diesem Augenblice noch nicht start genug, ihnen zu begeg diesem Augenblide noch nicht start genug, ihnen zu begeg nen und gleichgiltig oder gar herzlich mit ihnen zu ver tehren. Halte fie einen Augenblid auf, Hans, ich will hinauf zu dem Notar gehen und mich erst furz mit ihm verständigen, mich sammeln. Ich sehe, es muß sein und Du sollst finden, daß ich mich ba oben nicht schwach zeige." Er drückte dem Sohne die Hand und trat rasch in nommen wurde. Man erzählt sich( so weit hierüber etwas ins Bublifum bringen darf), daß das Leiden, von dem der Kaiser in Berlin befallen worden war, auf oder vielleicht in Folge der reise in verstärktem Maße fich geltend gemacht habe. Grund genug, für das Leben des greisen Monarchen lebhafte Sorge zu empfinden! Demzufolge hat die Lekiure der sich im Berliner Hofberichte stereotyp findenden Depeschen über bas tägliche Thun und Befinden des Kaisers ein erhöhtes Interesse gewonnen.' 11 Die Einnahmen der Post und Telegraphen- Verwaltung haben vom Beginn des Etatsjabres bis zum Schluß des Monats Mai 1885, 27 380 265 t., 293 616 M. mehr als im Etatsjahre 1884/85), die der Reichs EisenbahnVerwaltung 7712 200.( weniger 103 930 m.) be tragen. Der Vertragsentwurf zwischen dem Reiche und dem Norddeutschen Lloyd in Bremen, betreffend die Ertheilung der Subvention für Bofidampfer nach Australien und Oftaften ist von den Bundesrathsausschüssen genehmigt. In Bezug auf den Antrag Breußens, betreffend die Thronfolge in Brauns schweig, bestätigt es sich, daß der Juftizausschuß heute seine diesbezügliche Berathung fortseßen wird. Nach einem Beschluß des Bundesraths, welcher zu Anfang der fiebenziger Jahre gefaßt wurde, ist die Reichs regierung ermächtigt, mit fremden Staaten behufs gegenseitiger Anerkennung der Rechtsfähigkeit und Gerichtsstands fäbigkeit giltig errichteter Aktiengesellschaften und juristischer Personen Abkommen zu treffen, von denen jedoch die Bestime mungen der deutschen Gesetzgebung unberührt bleiben müssen, während jedes derartige Ablommen von der Buftimmung des Bundesrathes abhängig bleibt. Es sollen in dieser Hinsicht neuerdings zwischen Deutschland und Rußland Berhandlungen stattgefunden haben, auf Grund deren ein bezügliches Abloms men vereinbart worden ist. Der Bundesrath wird vor seiner Vertagung sich noch mit der nachgesuchten Zustimmung zu der Vereinbarung zu beschäftigen haben. Der Minister des Innern hat an die Regierungspräft denten u. s. w. folgenden Birkular- E: laß gerichtet: Nach einem, von dem Herrn Finanzminister mir mitgetheilten Schreiben des Herrn Staatssekretärs des Auswärtigen Amts vom 1. d. M. find die Kaiserlichen Konsuln angewiesen, Nach laßgelder, die aus hinterlassenschaften im Aus. Iande verstorbener Personen an deutsche Reichsans gehörige auszuzahlen find, dem Auswärtigen Amt zu übermit feln, worauf lepteres die Vertheilung, soweit Preußen in Bes tracht kommt, durch die Provinzial- Regierungen bewirten läßt. Behufs Sicherung des Fistus gegen Verluste ersuche ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenit, in solchen Fällen, sofern der Erblaffer ein preußischer Staatsangehöriger gewesen ist, den Kös niglichen Provinzial Steuerdirektor von dem Erbfalle und der höhe der an die einzelnen Erben oder Vermächtnißnehmer zur Auszahlung tommenden Beträge zu benachrichtigen, damit wegen Berechnung der Erbschaftssteuer das Ecforderliche vers anlaßt werde. Nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften ist die dieffettige Erbschaftssteuer von dem Nachlaffe aller preußischen Staatsangehörigen preußischen Staatsangehörigen mit Ausnahme von den etwa Dazu gehörigen, außerhalb Preußens belegenen Grund ftücken und Grundgerechtigkeiten- zu erheben, gleichviel, ob die Erblasser im Preußischen ihren Wohnfis haben oder nicht. Der Rhein Ems- Kanal scheint nun doch wieder bei der Regierung in den Vordergrund des Intereffes getreten zu sein. Das Amisblait der Regierung zu Münster enthält folgende Bekanntmachung: Mit Genehmigung des Herrn Minifters sollen gegenwärtig die einleitenden Arbeiten zu den Vorarbei ten für den Rhein- Ems- Kanal vorgenommen werden, und zwar Demnächst auf der Linie von Münster nach der Ems zu ab wärts bis Haneden in der Provinz Hannover. Mit diesen Vorarbeiten ist Herr Regierungsbaumeister Lauenroth hierselbst amtlich beauftragt. Unter Bezugnahme auf den§ 5 des Ge feges über die Enteignung von Grundeigenthum vom 11. Juni 1884( G.S. S. 221) wird solches hiermit aur allgemeinen Kenntniß gebracht mit dem gleichzeitigen Hinzufügen, daß dem 2c. Lauenroth bebufs Durchfluchtung der Linie in den Wall heden und Gefträuchen auch die Wegnahme einzelner Zweige und Aeste gegen Entschädigung gestattet ist." Der 3. Ostdeutsche Handwerter Bundestag findet augenblidlich in Brieg statt. Zur Verhandlung gelangen doriselbst durchweg dieselben Punkte, welche vor Kurzem den Innungstag beschäftigten: Submissionswesen, Gesellenfrage, Buchtbausarbeit, Hufbeschlag, Hauftrwesen zc. Zu den Ausweisungen russischer Polen. Ein Theil der im preußischen Staatsgebiete Domizilirenden russischen Unterthanen, welchen in legter Beit durch das Ratiowiger Landrathsamt Ausweisungsbefehle zugeftellt worden find, hat fich eilends in Desterreich naturalistren laffen. Es scheint also, daß die Ausgewiesenen von jest an nicht mehr als ruffische, sondern als österreichische Unterthanen im Kreise Rattowis wohnen und ihre Geschäfte weiter führen werden. Dieses Verfahren dürfte bei den übrigen Ausgewiesenen, welche fich einstweilen noch in der dortigen Gegend aufhalten, sowie das Haus, um wenigstens jegt einem Begegnen mit Rauten auszuweichen. Hans wäre allerdings am liebsten gleich mit ihm hin aufgegangen, denn es behagte ihm eben so wenig, sich in diesem Augenblid Gewalt anzuthun. Dachte er aber daran, mit wie teuflischer Bosheit sich der Verbrecher in das Haus feiner Familie gedrängt, während die Vermuthung nicht fern lag, daß eben dieser verschwenderische und gewissenlose Schuldenmacher von Schaller sein Helfershelfer gewesen, so schwand auch im Nu jebes Bedenken gegen eine Täu schung, die sonst seiner ehrlichen, offenen Natur vollkommen fremb fein mochte. Ei, zum Henter auch, die Herreu follten ihn wenigstens gewappnet finden! Holla, Hans," sagie Rauten, indem er über die Straße herüber kam und ihm die Hand bot- guten Morgen! Hast Du Deinen Vater begleitet?" Ja, Rauten. Guter Morgen Schaller, ein paar Beugen müssen wir doch haben, und Herr von Schaller tommt vielleicht einen Augenblid mit hinauf. Lange Zeit brauchen wir ja doch nicht zu der ganzen Ver handlung." " Mit Vergnügen, mein, lieber Solberg," sagte ber Baron, indem er dem jungen Mann die Hand derb und fräftig schüttelte. ,, Rauten hatte mich auch eigentlich schon dafür engagirt. Defto beffer. Wir haben aber noch einen Moment Beit, denn Bater ift eben vorausgegangen, um Alles so weit in Ordnung zu bringen, daß wir das Ganze rasch erlebigen tönnen.- Wie geht es Ihnen, Schaller? Jmmer der Alte?" Immer der Alte, mein lieber Solberg, und kreuzfibel, lachte der Baron. ,, Ein paar fleine Enttäuschungen abgerechnet, Bahlungen nicht pünktlich eingegangen and bers gleichen; aber der wäre ein Thor, der sich darüber Sorge machte, ich wahrhaftig nicht!" " Und Ihre Frau Gemahlin und Fräulein Tochter?" " Oh!" lachte Schaller, meine holde Gattin ist immer auf dem Beug! Eine merkwürdige Frau, die eigentlich den sonstigen Naturgefeßen entgegen, mit jedem Jahr jünger wird. Denten Sie nur, sie hat es sich in den Ropf gefekt bei btn sonst noch im obtrschlefischen Jndustriebezirk lebenden russtsch-polnischrn Unterth-nen bald Nachahmung finden. Eine nenerliche Nachricht au» Sansibar läßt da» Ge- schrei der Deutsch. Östafrikanischen Gesellschaft über Gebiet»« Verletzung durch den Sultan in einem recht eigenthümlichen Lichte erscheinen. Ein Herr Kurt Toeppm, welcher seiner Zeit von dem Hause Hanfing u. Ko. in Sanfibar mit Lebensmittel« und Waaren abgesandt worden war, um die in Roth befindliche Expedition unter Dr. Peter»(Geschäftsführer der oben genannten Gesellschaft) zu unterstützen, theilt in einem längeren Schreiben an die„Voss. Ztg." mit, daß die von Dr. Peter» annektirten Landstriche dem Sultan von Sanfibar gehörten. Das habe Dr. Peter» nicht gewußt. Der Sultan habe im Thale von Mokondogwa(wegen deffm Besetzung durch sanstbarstisch: Soldaten der Sultan bekanntlich gezüchtigt werden sollte), seinen Vertreter, einen Kadi(Richter), seine Soldaten und sogar einen Lehrer, dem die Erziehung der dortigen arabischen Kinder obliege. Kapitän Bloyet, welcher nun seit 6 Jahren die wissenschaftliche Station in Kondoa leite, sagte Herrn Toexpen, ehe er von den Plänen der Gesellschaft etwa» wußte, daß da» Land ohne Frage dem Sultan gehöre. Man habe ihm erzählt, daß der alte Muingi-Msagara, mit welchem Dr. Peter» einen Vertrag abschloß, seiner Zell zu einer mehr« jährigen Kerkerhaft verurtheill worden sei und er habe wirklich dieselben im Fort von Sansibar abgesessen. Der alte„ehr- würdige" Muingi« Msgara sei ein heilloser Säufer, der seiner Sinne fast gar nicht mehr und der Sprache nm noch wenig mächtig sei. Dr. Peter» sagte, er überrage all die anderen Sultane, mit welchen er Kontrakte geschlossen habe, allein in Wirklichkeit befitze Muingi-Msgara gar keine Macht. Undmit solchen Leuten seien die Verträge abgeschlossen worden.— Man wird gut thun, Nähere» abzuwarten. , Die Idee, daß der Tabak mehr bluten muß, ist noch immer nlwt ganz au» den Köpfen derer, welche da» Gluck «ine» Volke» nur in möglichst hohen Steuern zu finden wissen, verschwur ren, und nachdem da» Monopolprojekt Fiasko ge« macht hat, nachdem der Versuch, durch Schutzzoll. Petitionen die Tadaksteuerfrage wieder in Gang zu bringen, gescheitert ist, , kommt mcn wieder auf das amerikanische Besteuerungssystem zurück und sucht den Boden für dasselbe in Deutschland zu ebnen. Die ersten Schritte geschehen durch die Empfehlung de» amerikanischen System» der Tabakernte, dessen Einführung eine Um.estaltung der setzt giltige.r Kontiolbestimmungen noth- wendig machen würde. E» ist nun nicht zu leugnen, meint die„Volks. Zeitung", daß da» amerikanische System der Tabak- ernte mancherlei Vorzüge vor unserem hat, und schon vor zwanzig Jahren ist ein Pfarrer in Thüringen, Namens Holz- schuher, für dasselbe aufgetreten und hat es zur Einführung in Deutschland empfohlen; es ist aber zu berückfichtigen. daß diese 91 t der Ernte nicht für Tabakbau in kleinen Par. Zellen, w- er fich in Deutschland vielfach findet, an- wendbar ist. Würde also der BundcSrath dem Drängen nach Abänderung.« de» Regulativ» vom Jahre 1880 nachgeben und die Kcmholvorschristen für die Besteuerung de» inlandi- Sur Tabai» so einrichten, wie sie die Ernte nach amerikanischer Manier erfordert, so würde dadurch, wie jetzt dre Ernte nach amerikanischer Manier, so später die Ernte nach alter deutscher Art unmöglich sein, und der ganze Tabakbau in kleinen Par- Zillen müßte bei un» aufgegeben werden. Will der Bunde»« wth die Tabakernte nach amerikanischer Art ermöglichen, und wir können die» nur im Interesse d-r deutschen Tabakkultur wünschen, so soll er«in dafür bestimmtes Regulativ publiziren, «der ohne dos alte Regulativ aufzuheben, so daß beide neben- ilnander bestehen und es» jedem Tabakpflan, er gestattet ist, ?ach aller oder neuer Art zu ernten. Geschieht die» nicht, ?idt man bei Publikation de» neuen Regulativ» da» alte auf, [0 verficht« t man den gesammten Tabakbau im Kleinen und beseitigt so eins der wesentlichsten Hindernisse für die Ein« kührung de? in Amerika herrschenden System» der Fabrikat« steuer. � Die Moralstatistik ist zu dem Schlüsse gelangt, daß d e S e I d st m o r d f r e q u e n z in den einzelnen Monaten mit der Sonne fingt und finkt, d. h. daß nicht dre als spleenoS verschiirn en grauen Herbst« und Wintermonate, sondern die lichten Tage des Juni und Juli die meisten Oofer fordern. Diese Erscheinung ist für eine ganz« Reihe von Bezirken be- vbachte! worden. Wir stellen in Folgendem die Ergedniffe für Atalien(1375-1877) und für Wien(1359-1373) zu- sammln. Es verlheilten fich 10 000 Selbstmorde auf die ein- TsaBst**"' Italien(1375-77) Wien(1359-78) Januar— März 2214 2191 _ Apnl-Juni 3407 2926 �u!i-S ptember 2544 2504 Oktbr.— Dezember 1835 2379 Der Einfluß des klu Pöltschen Faktor» auf die Ge« hirnorganrsation und folglich die Willenkbestättgung kann nicht Arleugnet werden. Die heiße Zeit fördert bei den zum Selbst. word Disponiiten fichtlich die Tendenz zur Ausführung, die kalte Jahreszeit wirkt beruhigend, zurückhaltend. Wie wachhg aber da» soziale Motiv wirkt, zeigt die inter« � ,R allernächster Zeit auch»reder eine Gesellschaft geben sollen, damit sie fich vor Schluß der Saison noch «inmal ordentlich austanzen kann." »Aber dazu wird ihr ja wohl heut Abend Gelegenheit gegeben." sagt« Hau», der die Herren absichtlich noch eine lurze Zeit hier unten zu halten wünschte. »Den älteren Damen?" fragte Schaller zweifelhaft. »Möchte fich doch nicht so gut mache». Al» Frau vom Hause dagegen hat sie sämmtliche Tänzer als Frohnarbeiter »ur Verfügung, und ich gebe Ihnen mein Wort, daß sie «st grausamen Gebrauch davon macht." In diesem Augenblick bog Mux, mit einer Dame im Eeleit, um die Ecke, stieß aber rasch die Thür auf, al» « die Herren hier bemerkte, und ließ die Dame eintreten. E» war eine schlanke, edle Gestalt in einem klein ge« wüster ten, sehr eleganten Kleid«, vor dem Gesicht aber einen schwarzen, kurzen Schleier, eben lang genug, um ihre Züge Zu verdecke». Schaller hatte sie gar nicht beachtet und Hans fich oienfall« halb abgedreht, Rauten sah ihr aber ganz erstaunt fluch, und wie sie kaum im Hause verschwunden war, rief ? au»:»Hans, hast Du die Dame nicht bemerkt, die da »den eintrat?" „Eine Dam«? Ach ja! E» ist mir so; aber ich habe flicht auf sie geachtet." »Da» ist merkwürdig," sagte Rauten,»welche Aehn« «chkeit sie mit Fränzchen hatte— und genau dieselbe Kleidung, außerdem da» nämliche Tuch, nur im Gang Mtn sie mir etwa« schwerfälliger. Wo mag sie hinge« Sangen sein?" »Trat sie nicht hier in's Hau»?" »Gewiß I" ..»Nun, dann wird sie auch wahrscheinlich hier wohnen, Dame?""" Stock; aber aa» kümmert un» die »Ich hätte sie auch gar«icht beachtet," erwiderte ich nicht im ersten Augenblick«irklich ge- ÄKSW- b°4"" »Aber, Rauten," lachte Hans,„glaubst Du etwa, daß effante Thatsach«, daß die von un» oben konstatirte durch den Sonnenlauf bedingte Regelmäßigkeit in der Weltstadt Berlin gekreuzt und gehemmt wird. Es nahmen fich z. B. im Jahre In Berlin da« Leben: 1880 1881 Prozent: Prozent: Januar..... 8.1 7,5 Febiuar.... 6,8 9,8 März..... 12,4 10,4 April..... 11,5 10,7 Mai...... 10,1 9,2 Juni..... 10,3 11,9 Juli...... 7,2 4.7 August..... 5,5 5 8 Sepiember... 6,8 7,2 Oktober..... 8,4 8,6 November.... 5,8 7,3 Dezember.... 7,1 6,4 Die heißen Monate Juli und August zeigen die aller« niedrigste relative Frequenz(5—6 pCt.). der Mär, und De« zember steigen oerhältnißmaßta hoch(di» zu 12 pCt.!) Da» Snd aber diejenigen Monate, m denen die Arbeittlofigkeit am äufigsten eintritt. Die industrielle Reservearmee schwillt an, und zugleich steigert fich die Zahl der Selbstmordkandidaten, die darauf verzichten, einen vergeblichen Kampf um» Dasein zu führen. Die wirthschaftlichrn Motive be- stimmen überall vorwiegend da» Leben de» Einzelnen und der Gesellschaft. Die moderne Produktionsweise bat den Selbst- mord al» Klassenerscheinung thatsächfich gezüchtet, und die Großstädte find da» beste Barometer für die soziale Wetier- künde. Da» Studium der Polizeiberichte ist allen denen zu empfehlen, welche di« Welt noch durch die rosenrothe Brille eines kindlich satten Optimismus betrachten. Wer freilich al» Vertreter der zahlungsfähigen Moral über Selbstmord, Ver- brechen und andere Phänomen urtheilt, ist rasch fertig mit einem verdammenden Spruch. Aufgabe eine» ehrlich Streben- den, eine» aufrichtigen Menschenfreundes ist«8 aber, nicht blo» zu urtheilen und zu vermtheilen, sondern auch zu begreifen. Dazu bedarf man aber sozialwissenschaftlicher Elementarkenntnisse. Wrnn wird der Voikkunlerricht da» ABC der Volk»« wirthschaft in sein Programm aufnehmen? m% aa- sa J Zu de« diekjährigen Stadtverordnetenwahlen. Die Vorlage drs Magistrats, betreffend die Wahlen zur regel- mäßigen Ergänzung der Stadtverordneten- Versammlung, lag der am Donnerstag, den 25. Juni, stattgehabten letzten Sitzung der Stadtverordneten Versammlung vor den Ferien zur Kennt- nißnahme vor. Da stch ein großer Theil unserer Leser für die kommunalen Angelegenheiten sehr interesfirt, so wollm wir die wichtigsten Punkie dieser Vorlage hiermit veröffentlichen: „Die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung der Stadt« verordneten-Versammluna an Stelle de» nach Aolauf von zwei Jahren ausscheidenden Dritttheil» der Mitglieder haben nach § 21 der Etädteordnung vom 30. Mai 1853 im November d. I. stattzufinden. Da in Folge der durch Allerhöchste Ver« ordnung vom 23. April 1883 veifügten Auflösung zum 1. Januar 1884 eine vollständige Neuwahl der Mitglieder auf sech» Jahre erfolgt ist, so müssen nach§ 18 die nach zwei, de- ziehentlich vier Jahren Ausscheidenden für jede Adthcilung durch da» Loa» bestimmt werden. Diese Verloosung stellt fich al» ein Theil der die Neuwahlen vorbereitenden Maßregeln dar, und weil diese Maßregeln gesetzlich vom Magistrat zu treffen find, auch die nach§ 22 vorzunehmende Be« sttmmung derjenigen Wahlbezirke, in denen nur Hau?- defitzer wählbar find, vom Magistrat durch da» LooS erfolgen soll, so werden wir diejetzterforder« li ch e V erlo o sun g ni ch t mehr, wie eSinfrühe- ren Fällen von un» geschehen, der Stadtver« ordneten-Versammlung anheimgeben, son- dern sie durch die Hand unsere» Vorsitzenden selbst bewirken. Indem wir die» der Stadtvirordneten-Versammlung mit- theilen, bemerken wir zugleich, daß'wir es auf Grund der im Jahre 1883 stattgefundenen neuen Eintheilung der Kommunal« Wahlbezirke für zweckentsprechend halten, in der l. und il. Ad- theilung. welche in j: 14 Wahlbezirken drei Stadtverordnete zu wählen haben, au» jed:m Wahlbezirk in diesem Jahre einen, und nach zwei Jahren unter den noch v-rbliebenen zwei Stadt- veroidneten abermal» einen durch das Loos zum Ausscheiden zu bestimmen, damit in allen Bezirken ein gleichmäßiger Tur- nuS für die Ergänzungswahlen hergestellt wird. Hiermit im Einklang werden wir bei der HI. Abtheilung, welch« in 42 Wahlbezirken je einen Stadtverordneten wählt, 14 Gruppen von je 3 ancinanderzrenzendcn und mit den Wahlbezirken der i. und n. Abtheilung möglichst übereinstimmenden Wahlbezirken bilden, bei denen dann in derselben Weise die AuSloosung deS für da» nächste Jahr, beziehentlich nach Ablauf der folgenden zwei Jahre ausscheidenden Stadtocrordnet-n vorzunehmen ist. ES würde durch diesen Modus der Verloosung, den wir Fränzchen ganz besondere Kleider trägt, die nur auf der Fabnk allein für sie gemacht werden?" »Wenn sie aber jetzt zum Notar gegangen ist," sagt« Schaller,»so stört sie unsere Verhandlung, und überdie» sind fremde Zeugen bei etwas Derartigem nicht aage» nehm." »Notar Püsier wird jetzt, bi» er unsere Geschäfte er« ledigt hat. wohl schwerlich Jemanden annehmen," sagte Han»;»übrigen» glaube ich, daß e» Zeit ist, hinauf zu gehen. Es muß schon halb vorbei sein." »E« hat eben halb Ein» geschlagen." „Gut, also en avant, meine Herren l E» wird viel« leicht eine etwas trockene Sitzung werden, aber desto rascher können wir sie dann ja auch beenden." Ohne»eüere Umstände schob er die Thür auf und trat hinein, und Schallcr und Rauten folgten ihm. Beide sehr damit zufrieden, daß jetzt da» bewußte Geschäft ge« regelt«erden sollte. Im Eckfenster oben. Al» de, Notar den junge» Handorf in das Kabinet gelassen hatte, betrat Baron Solberg da» Zimmer, und Püster erschrak darüber etwa«. Er halte die fremde Dame erwartet, di« noch immer«icht kam, und jetzt traten schon die Herren ein. Was wurde dann au« seinem ganzen Plane I Der alt« Baroa Solberg ließ ihm aber keine Zeit, darüber zu grübeln, denn auf ihn zugehend, sagt« er, und stand so steif aufgerichtet wie auf Parade: »Herr Notar, Sie wissen, welcher unglückselige Ver« dacht mich heute in Ihr Hau« führt?" „Ich weiß Alle», Herr Baron," nickt« der kleine Mann —„ich muß Alle» wissen, oder ich würde gewiß nicht ge- wagt haben, so auf einen bloßen Verdacht hin zu Handel». Ja, ich weiß sogar noch«ehr, al» Sie jetzt nur vermuthen, und zwar die ganz bestimmte Thatsache, daß Herr von Schaller, der intim« Freund des Grafen Rauten, der ihn auch, wen» ich nicht irre, in Ihrem Hause eingeführt hat, «in ganz gemeiner Betrüger und Schwindler ist." »Schaller? Es ist nicht denkbar I" stöhnte der Baron. »Nicht denkbar?" meinte achselzuckend der Notar.»Wir nicht al» dem Gesetz widersprechend ansehen können, au* für die Uederganglzeit der ersten vier Jahre der Thätigkeit der neu gewählten Stadtverordneten-Versammlung der wichtige Vortheil erreicht sein, den wir nach Inhalt unserer Vor« läge vom 24. November 1881 bei dem Vorschlage, die Wahlabtheilungen nicht wie früher, sondern durch die ganze Stadt einzurichten, in» Auge gefaßt hatten, daß nämlich alle zwei Jahre in jedem Wahlbezirk jeder Ad.heilung neu gewählt und so das Wahliniereffe durch dir Berufung der ganzen wahlberechtigten Bevölkerung zu den städtischen Wählen stels erhalten und vorauifichtlich erhöht werde."— Die Stadtverordnetenversammlung hat nach längerer De« batte von dieser Vorlage Kenntniß genommen und den, in der betreffenden Sitzung gestellten Antrag,„den stenograrhischen Bericht der Diskusston über diese Vorlage durch das Kommu- naldlatt zu veröffentlichen," abgelehnt. Wie wir bereit» mit- theilten, liegen die Wählerlisten für die Stadtverordnetenwahl, wie alljährlich, so auch diesmal in der Zeit vom 15. bis 30. Juli im Wahlbureau de? Magistrats, Breitestraße 20a (Köllntschcs Rathbaus), zur Emficht aus. Etwaige Einsprachen gegen die Richtigkeit der Wählerliste find daselbst zu erheben. — Zur Vorprüfung der etwa eingehenden Einsprachen ist durch die Abtheilungm der Stadtverordnetenversammlung ein au» 15 Mitgliedern bestehender Ausschuß gewählt worden. Der Ausschuß besteht au» den Stadtverordneten: Loewel, Schmidt, Teichert, Diersch, Frtedericl, Spinola, NamSlau, Bernhard, Röseler, Büchtemann, Hütt, N kolai. Beelitz, Gericke und Pitz« mann.— Sämmtliche AuSschußmitgliedw gehören zu den, die Majorität bildenden Frallionen der Siadtoerordnetenversamm- lung. Von den zur Arbeiterpartei gehörenden Stadtverord« neten wurde keiner in den Ausschuß gewählt, auch die Bürger« partei ist in demselben nicht vertreten. Z« botanische« UnterrichtSzwecke» kommrn in sämmt« lichen städtischen UnterrichtSanstalten, sowie in einigen biefizen Prwatschulen folgende blühende Pflanzen vorauSfichtiich zur Verthetlung: 1. Futter Haf-.r, 2. Gewöhnliche Gerste, 3. Dreifarbig« Winde, 4. Lein, FlachS, 5 Feld-Rittersporn, 6. Saat- Erbse. Außerdem gelangen nur in den höheren Schulen zur Verthetlung: 1. Bittersüß, 2. Schwarze Königskerze, 3. Roth- braune Taglilie, 4. Flaumh aar ige Lilie, 5. Nachtkerze, 6. Groß« blumige Brunelle. D o k*u e& r. Welche bedenkliche» Mißverhältnisse die PcaxlS unserer Sittenpolizei bei der Kontrole der ihrer Aufficht unter« stellten Personen im Publikum hervorrufen kann, dafür liefert folgendes Vorkammniß einen Beleg. Bei einer in der Ritter« stratze wohnenden Wittwe und ihren beiden Töchtern trat Mitte Mai«in junge» Mädchen in Dienst. Bald darauf wurde in deren Abwesenheit wiederholt von einem Manne nach dem Mädchen gefragt und der in diesem Punkte durch ein reiferes Alter besonders geschärfte Bl'ck der beiden Töchter vom Hause wollte in dem betreff:nden Manne eirnn Beamten der Sitterpolizei erkannt haben. DaS nicht» ahnende junge Mädchen wurde bei ihrer Nachhausekunft einem peinlichen Verhör unterzogen und die Art ihre» Verhalten» hie: bei rief bei ihren Jr.quirenttnnen die Ueberzeugung hervor, daß ihre Vermuthung richtig sei, und ste kündigten dem Mädchen deshalb an, daß fie nicht länger im Dienste bleiben könne. In ihrer Ledrängniß lief da» Mädchen zu einem hier in Berlin wohnenden Verwandten und erzählte der Frau desselben ihr Mißgeschick; dabei stellte stch nun heraus, daß der vermeintliche Liitenpolizist kein Anderer, als der Verwandte des jungen Mädchens gewesen war, der diese besuchen wollte und die argwöhnischen Töchter mußten die» auch bei einem nochmaligen Besuche, den ihnen dieser Mann machte, zugeben. Trotzdem ist das Dienst» erhält. niß im Cinverständniß beider Theile gelöst worden. Nun muß ja anerkannt werden, daß an diesem Vorfalle der Sittenpolizei kein Vorwurf zu machen ist, aber e« bleibt immerhin bedauer« lich, daß die polizeiliche Praxi» solche Vorstellungen im Publi« kum hervorrufen kann. Diese Art der Kontrole erschwert den kontrolirten Personen ein ehrbare» Fortkommen bi» zu? Un- Möglichkeit, und da» Fortfallen jeder Kontrole kann nicht nach« theiliger wirken, als diese Art der Kontrole. Ein Mädchen, da» den Beginn einer ehrbaren Beschäftigung nachgewies-n hat, sollte von polizeilicher Beauffichtizung frei bleiben. Größere Uebelstände, dre fich au» solchem Verfahren angeben würden, könnten leicht durch andere geeignet« Maßregeln beseitigt wer« den. Die straftechtlichm Bestimmungen wegen Kuppelei ge« währen in allen derart'gen Fällen der Bchörde eine bessere Handhabe al» alle Kontrolmaßregeln. g. Wenn man an Spätabende«, von der Hasenhaide kommend, die Grimmstraße herunterkommt, so bemerkt man schon von Weitem im Dunkel der Nacht auf dem Rasen der dortigen gärtnerischen Anlagen Lat-rnenlichter fast gespensterhaft fich bin« und h-rdewegen. ES sind die» Analer, welche hier mit Genehmigung de» Gärtner» der schwierigen Suche nach Thauwürmem(großen Regenwürmern) obliegen. Das Suchen erfolgt ganz geräuschlos, da der aus der Erde gekrochene Wurm bei der geringsten lautern Bewegung verschwindet. Wer bei werben nicht«ehr viel darüber zu denke» brauchen, denn in einer halben Stunde etwa platzt die Bombe, und ich müßte«ich sehr irren, wenn da» nicht die beiden würdigen Herren zu gleicher Zeit auf da» Trockene setzte." »Sie glauben doch nicht, daß sie gemeinschaftliche Sache gegen«ich gemacht haben können?" „Ich glaube da» nicht allein,"� sagte Püster,„sondern ich bin ziemlich fest davon überzeugt; aber wir können un» recht gut eine Auseinandersetzung ersparen, denn die Be« fiätigung wird nicht lange auf sich«arten lassen. Jh, Herr Sohn kommt doch auch?" »Er steht schon unten mit Graf Rauten an der Thür." „Alle Teufel," fuhr Püster auf,„da» ist«ine verfluchte Geschrcht«— und die Dame noch nicht da— jetzt muß fie dicht bei den Herren vorüber!" „Welche Dame?" sagte der Baron. Auch«ine Ueberraschung, verehrter Herr I" rief Püster, sich in aller Verzweiflurg die Hände reibend.»Ich sage Ihnen, c» geht heute bei mir zu wie bei anderen Leuten zu Weihnachte», lauter Ueberraschunzen, nur daß zu Weih« nachten Einer Vielen bescheert, während wir Viele da« heute nur Alle« für den Einzigen vorbereitet haben! Wenn nur die unglückselige Dame käme— aber da» weiß der liebe Gott, Frauen werden doch nie mit ihrer Toilette fertig; ich bin nur neugierig, wie da» werde« wird, wen» sie erst einmal in den Staatsdienst treten, wohinter st« jetzt ja au» allen Kräften her find!" Draußen auf dem Vorsaal tönte ein leichter Schritt. »Da« ist Mux," stöhnte der Notar,„und wenn fie nicht mitkommt, sind wir Alle miteinander gründlich blamirt!" E« war in der Thai Mux; aber schon ,« nächste« Momevt öffnet« er die Thür, und Püster stieß ein au» voller Brust kommende»„Gott sei Dank l" hervor, al» er die Frauengestalt bemerkte, welche, von Mux geleitet, da« Zimmer bettat. Mux schrak zurück, al« er den alten Baron«kannte, aber er faßte fach rasch, und ihn nur ehrerbietig grüßend. «a» aber d« alte Herr in der Aufregung gar nicht be« merkte oder beachtete, sagte er lerse und dringend:„Sie »«de» gleich oben sein, Herr Notar!"(Forts, folgt.) der Suche nicht gefchickt zu Werte geht, erhascht auch nicht einen Thauwurm. Die Zellerfammlung in der Volksversammlung am Sonn tag, den 28. b. M., im Webbingpart hat ergeben: Für die Maurer Rt. 6.50; für die Königsberger Tischler Mt. 5. Außerdem find für die Letteren noch Mt. 3.05 aus der Fabrik von G. S. eingegangen. r. Als eine permanente Verkehrs. Störung bezeichneten wir vor einiger Zeit die Anbringung der Ringbahn- Weiche auf dem Morigplag. Wir fönnen heute mit Genugthuung melden, daß die Verlegung derfelben ganz nach unserem Vorschlage weiter füblich nach der Ritterstraße hin stattgefunden hat und awar schleunigft und in aller Stille während der Nacht. Möchten unsere städtischen Behörden sich an diesem Verfahren für ihre Brücken und Straßen bau Reparaturen ein Beispiel nehmen. a. Eine gefährliche Marktdiebin ist am Sonnabend auf bem Wochenmarkt am Dönhofsplay festgenommen worden. Dieselbe wurde von einem Schlächtergesellen in flagranti ge faßt, als fie von einem Schlächterstande 2 Pfund Rückenfett gestohlen hatte, und einem Schugmann übergeben. In ihrem Handtorbe befanden sich Butter und Kalbfleisch, welche Gegen ftände fte zweifellos gleichfalls auf dem Markte gestohlen hatte. Die Diebin ist am Sonnabend zur Untersuchungshaft gebracht worden. Belle Alliance- Theater. Im Laufe dieser Woche finden bafelbft ausnahmsweise zwei Extra- Vorstellungen zu halben Raffenpreisen statt, und zwar am Mittwoch, an welchem Tage der Schwant ,, Großstädtisch", und am Donnerstag, an welchem auf allgemeines Verlangen noch einmal der Schwant, Der Raub der Sabinerinnen" in Szene geht. Das Entree für den prächtigen Sommergarten ist an beiden Abenden auf 50 Bf. feftgefest. Gerichts- Zeitung. Frankfurt am Main aufgehalten habe. Um hier seinen Lebens unterbalt zu bestreiten, batte er seine Uhr verfest. Er wohnte in der Alien Mainzergaffe bei dem Wirthe Burda. Tagsüber bielt er fich vielfach in der chriftlichen Herberge aur Heimath auf, da bort in ziemlich großer Bahl die Arbeiterwelt vers tehrt. Dort lernte er einen Schriftseger, Namens Hüber kennen und erkundigte sich bei diesem sowohl als auch noch bet einigen anderen Personen nach den Gepflogenheiten bes Polizeiraths Rumpff. Anch im Sachfenlager ist der Ber Am Tage vor dem Morde, haftete häufig gesehen worden. also nachdem er schon 14 Tage in Frankfurt war, meldete er fich bei der Polizei als Tischlergeselle Lieske" an, während feine Legitimationspapiere auf den ,, Tischlergesellen C. S. Nau" lauteten. Da der Verhaftete in der That Lieste heißt, allerdings Submacher und nicht Tischler von Profession ist, so muß er die Legitimationspapiere dem Tischlergesellen Nav, der im Uebrigen auch als Beuge geladen, wohl entwendet haben. Jedenfalls hat legterer befundet, daß Lieske ihm vorher von Der beabsichtigten Morbthat Andeutungen gemacht habe. Lieste eines Abends in der in der alten Mainzergaffe belegenen Wirthschaft von Leßmann mit mehreren Arbeitern Karten spielte, sagte ein Arbeiter: Trumpf". Ach was thue ich mit dem Trumpf. versezte Lieste, bringe mir lieber Am 14. Januar ist Lieste von Frankfurt den Rumpff." verschwunden und ließ fich in Biltenbach von einem Arzte seine verlegte Hand verbinden. verlegte Hand verbinden. Frgend welche sozialistische oder anarchistische Schriften wurden bei Liesle wohl nicht vorge funden, allein er soll einen Aufruf, in dem die Arbeiter auf gefordert werden, die wegen der bekannten Wiener Vorgänge im vergangenen Jahre in Wien erfolgte Hinrichtung des Anarchisten Stellmacher zu rächen, in Frankfurt verbreitet haben. Außerdem bat die Polizei ermittelt, daß fich Lieske, ber längeret Beit in der Schweiz gelebt, fich dort an der anarchistischen Bewegung betheiligt und in Lausanne sogar die Stellung eines Bibliothekars im dortigen anarchistischen Arbeiter Verein bekleidet habe. Am 31. Dezember 1884 soll er Direkt von der Schweiz nach Frankfurt gekommen sein. Lieske " 110 Gesellen waren erschienen, -Gesellenausschuß zu wählen. 91 Stimmzettel waren abgegeben, von denen aber nur einer beschrieben war. So konnte natürlich keine Wahl zu Stande tommen. Die Maler und Lacirer haben übrigens ihre For Derungen etwas ermäßigt und dürften fie auch erfüllt ſehen, ebenso wie die Schlosser. Die Glaser verlangen einen wöchentlichen Minimallohn von 20 Mart. Die Graveure find auch in die Lohnbewegung eingetreten, während die Buchbinder und Barbiere mit ihrer Agitation aufge hört haben. Wie man bött, wird auch für die Bigarrenarbeiter, Tischler, Schmiede und Steinfeger in rächster Belt die Lohnbewegung beginnen. Zur Beachtung für Klavierarbeiter. Aus Dresden wird gemeldet, daß in der dortigen Pianoforte Fabrik der Aktiengesellschaft ,, Apollo" 20 Busammenfeger die Arbeit nieder gelegt haben, weil ihnen ein Abzug von 22 bis 33 pСt. ge macht wurde, trogdem bei den bisherigen Preisen ein tüchtiger Arbeiter nur bis 22 wöchentlich verdienen konnte. Es ift möglich, daß demnächst die ganze Fabrik gesperrt wird. Die Arbeiter ersuchen deshalb die Berliner Klavierarbeiter, den Buzug nach Dresden abzuhalten und nicht auf etwaige Annonzen hineinzufallen, denn jebenfalls werden die Arbeit geber demnächst durch Inferate in den Zeitungen Zusammen feger für ihre Fabrit fuchen. Daß ein Arbeiterschußgesez dringend nöthig ist, Darüber läßt sich die Fränkische Tagespoft" aus Bamberg schreiben. Namentlich aber sei die strengste behördliche Regelung der sogenannten Fabritordnungen mit ihren will fürlichen Strafen erforderlich; das beweise ein Fall in einer Schafifabrit, wo ein Streit ausgebrochen sei. Der Vorfall ift folgender: Es ist hier längst das Tagesgespräch, daß Ar beiterinnen genannter Fabrit oft mit Schlägen trattirt werden, worauf aber gewöhnlich auch noch Sonnabends ein Strafabzug folgt. Diese Strafen belaufen fich sehr hoch und kein Mensch weiß, wohin fte tommen. Am genannten Freitag ereignete fich der gleiche Fall, da wurde vom Geschäftsführer A. Wagner Die Ermordung des Polizeirath Dr. Rumpff bat fich beshalb heute wegen Morbes und versuchten anderen Arbeiterin) berart gemigbandit refp gep: iigelt, daß ibr vor dem Schwurgericht. ( Unbefugter Nachdruck verboten.) Frankfurt a. M., 29. Juni, 1885. Erster Tag der Verhandlung. o. k. Eine Frevelthat, die weit über die Grenzen Deutsch. lands hinaus Aufsehen und Entsezen erregte und noch bis auf ben heutigen Tag die Gemüther in vollster Spannung hält, gelangt heute zur Kognition des hiesigen fönigl. Land Schwurgerichts. Obwohl zur Beit sehr viel über die Einzelheiten des Verbrechens berichtet worden, so dürfte es doch ge boten erscheinen, den Thatbestand in Kürze zu refapituliren: Am Abende des 13. Januar 1885, etwa gegen 8 Uhr, machte Das Dienstmädchen des Polizeirath Dr. Rumpff in einem an der Ede des Sachsenlagers und des Grüneburgwegs belegenen Spezereiladen einige Einkäufe. Als fte nach der, Sachfenlager Nr. 5 belegenen Rumpff'schen Wohnung urüdlehrte und durch bie Gartenpforte trat, fab fie dicht an der Wand des Hauses, in der Nähe der Hausthür, einen Mann liegen. Sie hielt denselben für einen Betrunkenen und da fie fich vor ihm fütchtete, so lief ste elligft in den Spezereiladen zurück und bat dort ein Mädchen, fie zu begleiten, da der Betrunkene den Eingang zum Hause versperre. Als fie fich nun der liegenden Gestalt näherte, ent beckle fte in derselben ihren Herrn. Er schlug die Augen auf und erkannte fte wohl, vermochte jedoch nicht zu sprechen. Das Mädchen bemühte fich, threm Herrn zu helfen, allein in demfelben Moment hauchte ter in der beragegend aus einer Wunde blutende Bolizeirath in den Armen seines Dienstmädchens, auf den Steinfließen hingestreckt, sein Leben aus. Das Dienft mädchen allarmirte die Hausbewohner, welch lettere elligst die Polizei und den Kreisphyfilus Dr. Wilbrand herbeiriefen. Letterer tonftatirte, Daß ein mit furchtbarer Wucht geführter Dolch stoß, der den Ueberzieher, Rod, Wefte, Leinen und Fla nellhemb durchbrungen und das Herz getroffen hatte, den Tod herbeigeführt habe. Nach der Beschaffenheit der Wunde zu schließen, muß der tödtliche Stoß mit einem langen brei tantigen Stilet geführt worden sein. Weitere Ermittelungen ergaben, daß der am 22 Februar 1822 geborene, aber immerhin noch sehr rüftige Polizeirath eiwa gegen 7% Uhr fein Bureau im Polizeipräsidium verlassen und fich, gegen seine sonstige Ge wohnheit, sofort nach Hause begeben. hatte. Die Straße Sachfenlager", liegt im sogenannten Millionärviertel Frant furts, woselbst die äuser fämmtlich mit Vorgärten versehen find und zu denen der Eingang zumeist seit wärts durch eine eiserne Gartenpforte führt. In dieser, fern von dem geräusch vollen Leben und Treiben der inneren Stadt belegenen stillen, wenig bewohnten Straße Nr. 5 roohnte der Ermordete, der feit längerer Beit verwittwet, mit seinen beiden Rindern, einem 17 jährigen, zur Beit die Unteprima des Frankfurter Gymnaftums besuchenden Sohne und einer 16 jährigen Tochter. Allein zwischen 7 unb 8 Uhr Abends ist die bes zeichnete Gegend gerade am belebteften. Wie überall, so machen auch hier die Brief- und Beitungsträger in dieser Beit ibre legten Bestellungen. Die Fleischerburschen gehen gewöhn lich um diese Beit oon Haus zu Haus, um die Hausfrauen nach thren Wünschen für den folgenden Tag zu fragen. Die Dienstmädchen bolen aus den Spezereiläden, was noch für das Nachteffen und den nächsten Morgen gebraucht wird. Die Be amten und Geschäftsleute kommen nach Hause, Herren und Damen ellen in die Versammlungen, Vereine, Kränzchen 2c., turz gerabe um diese Beit sind zumeist mehr Leute auf der Straße, als sonst während des ganzen Tages. Es tommt hin zu, daß das Sachsenlager in awet, um die fragliche Beit min bestens ebenso belebte Straßen( Gärtnerweg und Grüneburg weg) mündet, und daß das Haus Sachsenlager Nr. 5 etwa 200 Schritt von dem Gärtnerweg entfernt liegt. Und trogdem fonnte der Mord so ungehindert auf offener Straße geschehen. An der Stelle, wo der Ermordete seinen Geist aufgegeben, be fand sich eine große Blutlache; außerdem waren die Stäbe der Gartenpforte start beblutet, so daß anzunehmen ist, der Mörder bat in der Dunkelheit und Eile umbergetaftet, ehe er den Aus gang gefunden. Den Umständen nach zu schließen, tonnte ber Mord nur aus persönlicher Rache oder aus politischen Motiven geschehen sein. Obwohl die Polizei fofort eine förmlich fieberhafte Thätigkeit entfaltete, so vermochte fte zunächst nicht eine Spur von dem Verbrecher zu entdecken. Allein schon am 19. Januar be gegnete ein Gendarm in dem dicht bei Mannheim belegenen Bodenbeim einem Handwerksburschen. Der Gendarm hielt den Wanderer an und fragte ihn nach seinen Legitimationspapieren. Lettere tamen dem Beamten nicht richtig vor, und als er dies bem Angehaltenen vorhielt, lief derselbe eiligft davon. Bwei in der Nähe stehende Bauern verfolgten ihn. Der Fliehende wandte fich um und schoß zweimal mit einem Revolver auf feine Berfolger. Inzwischen war auch der Gendarm näher ge tommen; der Flüchtling schoß auch auf diesen, alle brei Schüffe gingen jedoch fehl. Nach beftigen Kämpfen gelang es dem Gendarm endlich, den Flüchtling zu überwältigen, ihm den Revolver ju entreißen und ihn in haft zu nehmen. Der Ver haftete, der fich die verschiedensten Namen gab und bald Tisch. ler, bald Schuhmacher sein wollte, trug außer dem erwähnten Revolver ein großes, scharfgeschliffenes sogenanntes Schufter meffer und etwa 12 Mari baares Geld bei fitch. An der in neren Sandfläche batte der Verhaftete eine etwa acht Tage alte, große Schnittwunde: außerdem fanden sich in seinen Kleidungsstüden eine große Anzahl Bluffleden vor. Sowohl hierüber, als auch über seinen legten Aufenthalt machte der Berhaftete die widersprechendften Angaben. Den Bemühungen Der Polizei gelang es jedoch sehr bald festzustellen, daß sich der Verhaftete vom 31. Dezember 1884 bis zum 14. Januar 1885 planlos; das heißt ohne fich irgendwie Arbeit zu suchen, in Serantwortlicher tedarteur R. Todtschlags, lepteres Verbrechen begangen gegen Den Gendarmen 20. in Bockenheim vor Eingangs bezeich netem Gerichtshofe zu verantworten. Er heißt mit Vornamen: Julius Adolf, ift ift am 1. Februar 1863 zu Boffen, Kreis Teltow, bei Berlin, geboren, evangelischer Kon feffton und außer einmal wegen Bettelns noch nicht bestraft. Sein Vater, mit Vornamen Johann Friedrich Chriftian, lebt noch heute als Tagelöhner in Boffen, währeno seine Mutter, eine geborene Grüneberg, seit längerer Zeit verstorben ist. Er bat sechs Brüder und eine bereits verheirathete Schwester. Er besuchte in Boffen die Voltsschule uno tam nach vollendetem vierzehnten Lebensjahre zu dem dortigen Schuhmachermeister vierzehnten Lebensjahre zu dem dortigen Schuhmachermeister Peter Steinide in die Lehre. 1881 ging Lieste in die Fremde und durchwanderte einen großen Theil Deutschlands, ferner Ungarn und die Schweiz. Er for zuletzt in Basel gearbeitet baben. Den Gerichtshof bilden Landgerichtsdirektor Dr. Leykauff ( Präsident) und die Landrichter Dr. Goeschen und Dr. Hasnier ( Beiftzer). Das öffentliche Minifterium vertritt der erste Staats. anwalt am hiesigen Landgericht Frebsee, die Vertheidigung führt und zwar als Offizial Bertheidiger Rechtsanwalt Dr. Fefter; als Protokollführer fungir: Referendar Dr. Blau. ( Fortseßung folgt.) Das Blut vom Gefitch: floß. 11 wo briterin erlaubte sich, den Herrn Geschäftsführer darüber zur Rede zu stellen, was höchst wahrscheinlich ein großes Vers brechen ist, denn die Antwort war: Sie find gestraft um 1. M.; auf Wiederantwort erfolgte der Wahrspruch 2 M.; da er noch nicht damit zufrieden, erkannte der Herr auf 3 M. Strafe und als endlich die Geduld des Arbeiters ausging und er sich auch einige ernfte Worte erlaubte, wurden ihm 5 Mar! Strafe zubittirt! hat nun ein Arbeiter das Recht, nach Willkür des Andern zu verfügen, und über den Lohn bleibt da Die Gerechtigkeit? Diese Strafe wurde im Saal der Arbeiterinnen verfügt und als sich genannter Herr zum Eintragen der Strafe zum Wertführer begab, eröff nete Sieber den Verlauf der Sache seinen Rollgen. Der schon längst glimmende Funken schlug nun helle Flammen, die Einigkeit, welche sonst immer feblt, war im Augenblick herges stellt, die Arbeiter gingen geschloffen vor und Wagner tann von Slüd sagen, daß er die Haut heil davongetragen hat. Am anderen Morgen eröffnete aber der Fabrikant Herr Müller seinen Arbeitern, denen er am Abend vorher Abhilfe ver sprochen batte, baß fich jeder den Befehlen" feiner Vorgesezten fügen müße, beim Militär wäre es das gleiche, da dürfte es teinen Widerspruch geben. Man erlaubt sich diesem Ver Straffahren gegenüber die Fragen: Ift denn der Arbeiter Soldat oder gar Buchthäusler Ferner: wo fommen die Strafgelber bin? Es sei noch beigefügt, daß die Arbeiter schon gestraft werden wegen 1 Minute Buspättommen, wegen Sprechen unter Der Arbeitszeit, wegen Antleiden vor Ausschlagen der Fabriks glocke, auch wenn eine Lampe raucht. Befindet sich ein Fehler in der Arbeit von 5 bis 6 Dußend Schäften, wird die Arbei terin um den ganzen Arbeitslohn gestraft. Die Arbeit aber trotzdem für gut verwendet! So die Buschrift auf Bamberg, der die Redaktion der Fränkischen Tagespoft" fol gendes hinzugefügt: Wenn diese letteren Angaben sämmtlic auf voller Wahrheit beruhen, so ist es uns ganz unbegreiflich, daß die Arbeiter fich derartige Eigenthumsent tehung und Erwerbsschädigung rubig gefallen laffen. Durch solche Strafbestimmungen tann fich's fa der Herr Fabrikant einrichten, daß der Arbeiter nicht blos umsonst arbeiten, fon dern noch an ihn herauszahlen muß! Da muß einmal gerichtliche Klage durchgeführt werden. Außerdem wäre es an der Beit, wenn die Arbeiter fich zu ihrem Schuse einem Fachverein anschlössen. Reichsgerichtsentscheidung. Ift ein in einem verfahren Verurtheilter vor eingetretener Rechtskraft bes Urtheils verstorben, so find nach einem Beschluß des Reichsgerichts, II. Straffenat, vom 10. März 1885 weder der Wertheidiger, noch die Erben zur Einlegung der Revision gegen das gegen standslos gewordene Urtheil berechtigt. Soziales und Arbeiterbewegung. Ueber den Maurerstreit in Berlin schreibt die national liberale, manchmal aber recht vernünftige ,, Elberfelder Beitung": Ein Buzug polnischer, böhmischer oder gar italie, ntscher Arbeiter hat noch nicht stattgefunden; er ist auch nischer Arbeiter hat noch nicht stattgefunden; er ist auch entschieben nicht zu wünschen, da er die feiernden Arbeiter auf's Höchfte erbittern würde." Nach den Anschauungen bes, arbeiterfreundlichen" Dr. Mar Hirsch und seines Gewerk verein" aber wäre es wünschenswerth, daß die polnischen, böhmischen und italienischen ,, Lohnbrücker" unsere Reichshaupt stadt überschwemmten, weil ja auch deutsche Arbeiter in guten Arbeitsstellen im Auslande find. Eine nette Internatio nalität" das! " Der Fach An die Tischler und Drechsler Berlins. Der Fachverein der Tischler und Inftrumentenbauer in Liegnis macht bekannt, daß der Werffübrer einer Galanteriewaaren Fabrik in Liegnis demnächst nach Berlin lommen wird, um Tischler und Drechsler für genannte Fabril zu engagiren. Der höchste Lohn, der bis jest in der Fabrik gezahlt wurde, soll 12 Mt., 12,50 mt, in seltenen Fällen 13 Mt, betragen haben. Der niedrigfle Lohn vartirt zwischen 5 und 8 Mt. Ferner ist in Liegnis das Angebot der Arbeitsträfte größer als die Nach frage. Den Galanterien aaren- Fabrikanten soll es nur darum zu thun sein, durch gefteigerten Buzug von Arbeitern die so schon niedrigen Löhne noch mehr herabzudrücken. Es wird ersucht, den Werbungen des Werfführes nicht Folge zu leisten. Der Vorstand des genannten Bereins bittet, dies in weitesten Kreisen bekannt zu machen. Für Treue in der Arbeit" wurden am 27. Juni dre ,, treue Arbeiter der Firma Anton Schönburg zu Leipzigt von der Kreishauptmannschaft mit Medaillen resp. Belobigungs Dekreten beglückt. Der Chef der Firma war zugegen und freute fich über die angemessene feierliche Ansprache" an seine drei Arbeiter. Man hat aber gar nichts davon gehört, daß der ver ebrie Chef die treuen" Arbeiter B. in eine Alterversorgungs, Anstalt eingetauft hätte, das wäre denselben gewiß viel lieber gewesen, als die Belobigungs- Dekrete", für die fte gewiß fein Pfund Rindfleisch erhalten werden, wenn fte in Roth Berathen. Die Stroh und Filzhutarbeiter in Dresden haben in mehreren Fabriken die Arbeit niedergelegt, ba ihnen der Lohn getürat wurde. Für 40 Bfg. sollte ein Dugend Hüte fertig geftellt werden. Aushilfsarbeiter waren eingetroffen, doch haben Dieselben die Arbeit gleichfalls rasch verlassen, da dieselbe zu anftrengend und nicht lohnend war. Die Maschinenftiderei zu Adorf( Sachsen) bat so ge. ringe Aufträge gegenwärtig, daß verschiedene Geschäfte schon zahlreiche Arbeiter entlassen haben; andere laffen mit entspre chender Lohnreduktion nur bis Nachmittags 4 Uhr arbeiten. In Folge von Lohndifferenzen haben in Stadtilm ( Thüringen) die sämmtlichen Arbeiter( 51) der Müller'schen utfabrik die Arbeit niedergelegt. Der Fabrikant beab fichtigt Arbeiter aus Defterreich lommen au laffen, deshalb ist es dringlich, den Buzug fern zu halten. In Sagan( Schlesien) haben 50 Maurer am Baue det neuen Artillerietaserne die Arbeit niedergelegt, weil einige aus Berlin eingetroffene Gesellen für einen sehr niedrigen Lohn zehnftündige Arbeitszeits 2 Mart, in Arbeit treten wollten! Ueber die Lage der Brünner Textilarbeiter ist in Folge des Streils viel Material zusammengetragen worden. Bezeichnend ist folgende Bemerkung des Brünner Gewerbe inspektors Czermeny im Bericht der I. t. Gewerbeinspektoren über ihre Amtsthätigkeit im Jahre 1884". Derfelbe fagt ( a. a. 5. 229): Die Klagen der Textilarbeiter über ihre schlechte wirthschaftliche Lage haben nicht allein im kleinen Lohn thren Grund, sondern auch darin, daß es dem entlassenen Arbeiter oft sehr schwer ist, eine Arbeit zu finden, wodurch in Schulden geräth, aus denen er lange nicht wieder heraus Das heißt, die Brünner Fabrikanten führen Aechtungslisten, um den mißliebigen, rebellifchen Elementen unter den Arbeitern die Existenz unmöglich machen. Wir glauben, das zeigt uns die Herren im richtigen Lichte. fömmt." In Kopenhagen haben die Maurer auf der Gas fabril den Streit erflärt. Die Meister sollen in Deutsch I and Maurergesellen anzuwerben beabsichtigen. Die deutschen Arbeiter aber werden soviel Solidaritätsgefühl haben, solchen Lockungen nicht zu folgen. Kleine Mittheilungen. und der Fall besprochen, daß die Bäcker und Konditor Brodtage in Apolda. Vor einigen Wochen wurde von Innung in Apolda gewiffe fefte Brodpreise vereinbart und au deren Innehaltung die Mitglieder verpflichtet hatte. Der Innung nicht für gerechtfertigt gehalten und daffelbe mit Bezirksdirektor in Apolda die Auffaffung des Gemeinde Verbot belegt. Auf dagegen eingewendete Berufung bat ber In dem benachbarten aan fteht es sehr traurig aus. In vorstandes nicht für gefeßlich erkannt und das Verbot wieder Die Bandwirker in der Fabril von Vorwerk u. Sohn zu Bremen baben die Arbeit eingestellt, weil ihnen die vers langte Lohnerhöhung abgeschlagen wurde. Im Gegentheil be abfichtigt die Firma, die Lohnsäge noch niedriger zu stellen. diesem Weberorte stehen schon seit Wochen eine große Anzahl von Webstühlen still, so daß in des Wortes eigenfier Bedeutung Gewerbe ergriffen. aufgehoben. böhung der Brobpreise nicht lange fäumen. Die Bäder in Apolda werden nun mit der Er Die Lohnbewegung hat in Leipzig faft sämmtliche eines Schlaganfalles die verwittmete Frau Spiegelmacher, ge Die Baugewette haben einen gehn borene Barth. Nach Ausweis des Familienregisters war die stündigen Arbeitstag erzielt, nun wollen die Gesellen Lohner Frau im Jahre 1777 geboren, hatte baber das hohe Alter von 108 Jahren erreicht. Die Verstorbene befand sich noch bis vor böbung. Die Meister, welche die Lohnerhöhung im Prinzip zugestehen, wollen fie aber nur gewähren unter der Bedingung, baß die Gesellen nach dem Jnnungsstatut einen Ge fellen Ausschuß wählen. Das aber wollen die Gesellen nicht Arbeiter Gegner der Innungen. So waren furger Beit im Bollbeftz ihrer geistigen Kräfte. wird der Fr. 8tg." gemeldet: B Pfändung beim Fistus. Aus Darmstadt, 23. b. Mts, " Seftern erschien in, ber und die Differenzen bleiben. Ueberhaupt find die Leipziger Haupt Staatskaffe der Gerichtsvollzieher W., um den Fislus Die Maler und Ladirergehilfen von den Jnnungs ben aus Eberstadt zu pfänden. Es wurden vier Geldschränte fürzlich wegen einer bedeutenden Schuldfordernng der Jllig'ichen Gr verftegelt." meistern eingeladen worden, den im Innungsftatut vorgesehenen Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin SW., Bruthstraße 2. Hierzu eine Betlage.