Kr. 151. Doimerstag, den 2. Juli 1885. II. Jahrg. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das«Berliner Volksblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. ZlbonnementSpreiS Berlin frei ins Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in ver PostzeitungSpreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerftraße 44. Das Schwinden des Äolonialfiebers. Die großartigen Hymnen, die man noch vor wenigen Monaten auf die neuen Erwerbungendes Deutschen Reiches in Afrika anstimmte, sind nun verstummt, und der davon erwartete„Gesundungsprozeß" in unserem wirthschaftlichen Leben ist völlig ausgeblieben. Trotz Kamerun und Angra Pequena und Bimbia befinden wir uns noch in derselben wirthschaftlichen Kalamität wie bisher. Die großen Handels- Herren, die an der afrikanischen Küste Handelsstationen und Faktoreien gegründet haben, mögen Grunde haben, sich zu freuen; ihre Niederlassungen stehen nun unter dem bewaff- neten Schutz des Reichs und wir daheim haben die Kosten für diesen Schutz zu bestreiten. Aber welchen Vortheil haben wir daheim von der ganzen Sache? Bis dato keinen. Man hatte behauptet, es würde sich anden Erwerb der neuenKolonien eine großeVolksbewegung knüpfen; Tausende, so sagten sich kurz- fichtige Kolonialschwärmer, würden nun auswandern und sich in den neuen Kolonien niederlasien, um dort eine behagliche Existenz zu finden, die ihnen das Vaterland leider nicht gewähren: kann. Man hoffte auf einen lebhafteren Absatz unserer Zndustriewaaren im Austausch gegen billige und nützliche Rohprodukte Afrikas und was dergleichen Wünsche »nd Hoffnungen mehr waren. Wie wenig Lust im Allge- meinen vorhanden ist, nach den afrikanischen Kolonien zu gehen, zeigt sich an dem Erfolge, den die Aufforderung an die Unteroffiziere des Reichsheeres, sich zum Dienst in Kamerun zu melden, gehabt hat. Trotzdem man einen jährlichen Sold von 3000 Mark aussetzte, haben sich doch nur sehr wenige Unteroffiziere gemeldet und man muß in Kamerun sich an die Eingeborenen halten, um eine Polizei- und Militärmacht zu konstituiren. Das ist lehrreich; allein wer den Stand der Dinge «ur einigermaßen übersah, der konnte solche Erscheinungen voraussehen. Daß das Klima in den afrikanischen Kolonien für deutsche Ansiedler nicht zuträglich ist, steht nun fest und das ist für die Zukunft dieser Kolonien entscheidend. Es hat eben Niemand Lust, sich dem ungewohnten und ungesunden Klima auszu- setzen; hat man die Wahl, in Afrika der Ma- laria zu verfallen oder daheim in Noth und Mangel sich durchzuschlagen, so zieht man naturgemäß das Letztere vor. Da laffen sich selbstverständlich Unteroffiziere, die sich daheim leidlich wohl fühlen, nicht bewegen, die Kasernen mit den Palmendächern von Kamerun zu vertauschen. Sie wollen selbst nicht für tausend Thaler unter Palmen wandeln mit der Aussicht, das Sumpffieber zu bekommen. Es gab auch Leute, die naiv genug waren, auf den „Patriotismus" der in Afrika angesiedelten Kaufleute zu bauen. Wenn über Kamerun und Angra Pequena einmal Hachtaul MtMtn.] 72] JeuMeton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) „Zch konnte damals wohl nicht ahnen," fuhr die Frau fort,„daß er nichts als ein gemeiner Schurke sei, der, wie nur mit Gold und Schmucksachen begnügt— er stahl au< die Ehre, das Glück unseres Hauses, und deshalb bin ich ihm gefolgt, dem meineidigen Verräther, deshalb habe ich keine Rast noch Ruhe gehabt und der Roth und dem Mangel ge- trotzt, nur um ihn wieder zu ereilen und der strafenden Hand der Gerechtigkeit zu übergeben!" „Kennst Du die Dame, Rauten?" fragte Hans mit leiser, fast lächelnder Stimme, aber ebenfalls in englischer Sprache. „Nein," erwiderte Rauten finster;„meiner Meinung nach ist es eine aus einem Zrrenhause ausgebrochene Wahn- sinnige. Ich war nie in Ncw-Zork oder überhaupt in Nord- «merika." „Er lügt, wie er da steht!" rief die Frau, wieder den Arm gegen thn ausstreckend und den Kopf zurückwerfend. „Feiger, erbärmlicher Lügner und Schuft!" „Hans," sagte Rauten mit finster zusammengezogenen Brauen,„das geht über menschliche Geduld. Ich bin über- �eugt, die Frau ist eins jener unglücklichen Wesen, die mit irgend einer fixen Idee im Leben herumlaufen, und sie kann mich deshalb nicht beleidigen. Daß Ihr Alle aber wie ge- strenge Richter da herum sitzt und gerade so thut, als ob ich vor Euch in einem Verhör stände,' das ertrag' ich nicht länger vnd brauche es nicht zu dulden. Was soll das Alles? Hat bie wahnsinnige Aussage oder Anschuldigung eines solchen Weibes genügt, daß Ihr Euch überzeugt hieltet, ich sei wirk- uch ihr Gatte? Hat sie Euch die geringsten Beweise, Papiere oder sonst etwas gebracht?" die Flagge des Reiches weht, sagten sie sich, so werden die dortigen Kaufleute auch deutsche Arbeiter en masse sich kommen laffen und die Zahl der Arbeitslosen im Mutter- land wird sich verringern. Weit gefehlt! Einmal hält das Klima die deutschen Arbeiter fern; wenn dies aber auch nicht der Fall wäre, so würden die Herren Besitzer der deutsch-afrikanischen Faktoreien doch auf deutsche Arbeiter verzichten. Sie haben ja bei den Eingeborenen die Arbeits- kräfte so billig, wie sie dieselben aus Deutschland niemals bekommen können und ohnehin sind die Eingeborenen an das Klima gewöhnt. Wer unsere Kaufleute kennt, der weiß, daß für sie wohl die Billigkeit der Waaren und der Arbeitskräfte, niemals aber der„Patriotismus" ein ent- scheidendes Moment ist. Diese Handelsherren freuen sich natürlich ungemein, daß das Reich ihnen seinen besonderen Schutz angedeihen läßt, daß sie nun ihren Schnaps, ihre bunten Tücher und ihre Glasperlen und derlei Tand leichter an die Wilden verkaufen können, und daß es nun auch eine Polizei aiebt, welche bewirkt, daß die Neger gehorsam und dienstwillig sind.„Ordnung muß sein!" und deshalb werden ja auch für 120 000 Mark Gefängnisse gebaut. Man sieht, die Handelsherren haben sich über die Er- ge der Kolonialpolitik nicht zu beklagen und es ist nur erklärlich, wenn der deutsche Kolonialverein, der meistens aus Handelsherren oder diesen verwandten Interessenten besteht, auf seinen Generalversammlungen seine Genugthuung gegenüber der Kolonialpolitik ausspricht. Allein es giebt im Deutschen Reiche auch noch andere Leute als Kauf- und Handelsherren und die haben keinen Grund, sonderlich entzückt zu sein. Bei alledem hört man immer noch nicht, wie man die neuen Kolonien zu organisiren gedenkt. Von staatlichen Ein- richtunqen kennen wir bis jetzt nur den Gouverneur mit seiner Dampfbarkasse, die Polizei und die Gefängnisse. Soll das Alles sein? Wie soll es denn mit der Justizpflege, mit der Besteuerung, mit Rechten und Pflichten der neuen Unter- thanen überhaupt gehalten werden? Der gegenwärtige Zu- stand in den Kolonien kann doch offenbar nur als ein Pro- visorium betrachtet werden. Gerade dies Provisorium dürfte der Entwickelung der Kolonien auch nicht wenig Eintrag thun, denn es gibt unter den Leuten, die sonst auswanderungs- lustig sind, nicht wenige, die keine Lust haben, sich in einer Kolonie niederzulassen, so lange ihnen daselbst nicht gewisse staatsbürgerliche Rechte garantirt sind. Man hätte also seitens einer großen Zahl von Kolo- nialschwärmern gut gethan, wenn man es den Kauf- lcuten allein überlassen hätte, zu jubeln. Allein die Presse hat in Wort und Bild ihr Möglichstes gethan, um die Kolonialerwerbungen zu einer Wichtigkeit aufzu- Hans schwieg einen Moment und sah dabei still vor sich nieder. Endlich sagte er, und wieder in deutscher Sprache: „Wir wollen den Fall einen Moment außer Acht lassen, Rauten; ich selber habe aber hier eine Kleinigkeit, wegen der ich Dich um Aufschluß bitte. Erinnerst Du Dich noch, daß wir an dem nämlichen Tage, an welchem sich Dürrbeck erschoß, Mittags mit einigen jungen Damen im Garten spielten?" „Ja— was soll das?" „Du kamst gerade aus dem hier unter uns befindlichen Lokal, wo Du mit meinem Freunde Dürrbeck eine Flasche Champagner und— sein Leben ausgewürfelt hattest." .„Und wer sagt Dir das?" fragte Rauten mit finster zusammengezogenen Brauen zurück. „Gleichviel, wer es mir sagte," fuhr Hans kalt fort; aber unmittelbar danach fiel Dir im Spiel und als Du stolpertest, diese Spielerei aus der Tasche— kennst Du den Würfel, Rauten?" „Und was Hab' ich mit dem Würfel zu thun?" fragte Rauten kalt. „Ich erzählte Dir ja soeben, daß ich gesehen habe, wie er aus Deiner eigenen Tasche fiel," fuhr Hans fort.„An- fangs achtete ich nicht weiter darauf und steckte ihn nur zu mir, um ihn Dir bei passender Gelegenheit zurück zu geben; ich fand aber zufällig aus, daß es ein ganz besonderer Wür- fel sei. Sieh einmal, wie komisch: unter der Eins liegt eine dicke Bleiplatte,— wie zufällig sich das gemacht hat! Mit diesem Würfel kann man nur sechs Augen werfen." „Ich erinnere mich jetzt," sagte Rauten kalt;„ich fand ihn vor dem Hause liegen, als ich eintreten wollte. Irgend Jemand muß ihn verloren haben, und ich selber dachte natürlich gar nicht wieder daran." „Gegen solche Würfel," fuhr Hans immer noch mit der nämlichen eisigen Kälte, aber doch jetzt mit zitternder Stimme fort,„konnte mein armer Dürrbeck natürlich nicht an- kämpfen." „Hans!" rief Rauten emporfahrend, und sein Auge sprühte Feuer, seine ganze Gestalt bebte, und es war äugen- bauschen, die sie keineswegs besitzen und die Presse findet in solchen Fällen viele Gläubige, wie man weiß. Wir denken ruhig und nüchtern über Kolonialpolitik überhaupt; wir sind nicht Gegner einer jeden Kolonial- Politik, aber für die gegenwärtige haben wir keine Sym- pathien, weil wir ihren Nutzen nicht einsehen können. In Afrika find Schätze zu heben, aber mehr imjBinnenland als an den Küsten, und das Binnenland aufzuschließen, dazu fehlen uns Kräfte und Mittel. Das könnte nur geschehen durch eine gemeinsame Aktion aller Kulturstaaten, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen wohl kaum zu Stande zu bringen ist, abgesehen davon, daß man sich wahrscheinlich um die Beute zanken würde. Die Heilung unserer wirthschaftlichen Schäden kann nicht in den Kolonien gesucht werden; selbst im allergün- stigsten Fall könnten sie nur ein Geringes dazu beitragen. Der Reichthum der englischen Kolonien kommt wahrlich nicht dem englischen Volke zu Gute. Wenn der kranke Wirth- schaftskörper nicht aus sich selbst heraus gesunden kann, ist er dem Zerfall anheimgegeben, denn er kann nicht mit Kolo- nien künstlich aufgepäppelt werden. Die deutschen Arbeiter, die unter der Roth der Zeit am meisten leiden, brauchen tiefgehende soziale Reformen, in denen ihre Interessen gewahrt sind. Solche Reformen liegen dem deutschen Arbeiter näher, als ferne Kolonien, genau so wie das Hemd dem Leibe näher ist als der Rock. f otUiseKe Mebersirkt. chraube ohne Ende bilden den manchesterlichcn Blättern zufolge die sich fortdauernd steigernden Forderungen der Arbeiter. Die offiziös-nianchesterlichen Zeitungen quaken diese Phrase im groben Baßton vor und ringsum beeilen sich die übrigen Freunde des„kleinen Mannes" mit ihren Tenor- stimmen einzufallen, um das Konzert zu einem großartigen zu gestalten. So führt denn der Chor thatsächlich einen Höllen- pektakel aus und dem guten Spießbürger stehen gewiß schon lange die Haare zu Berge. Was ist denn aber die Veran- lassung, daß diese guten Leute so sehr in Extase gcrathen sind? Nun, nichts anderes als däß hier und da einige tausend Ar- bester von dem ihnen gesetzlich zustehenden Recht, zu streiken, Gebrauch gemacht haben. Deshalb das Geschrei. Als vor einigen Wochen die Berliner Bauunternehmer die Drohung laut werden ließen, daß sie, wenn die partiellen Streiks nicht beendet würden, einen allgemeinen Arbeitsausschluß eintreten lassen würden, da herrschte tiefe Ruhe über dem Wasser. Doch kaum hatten die Gehilfen den Spieß umgedreht, so begann der Sturm, der eine wahre Fluth von Anschuldi- $ als.........____________ an ihre Spalten mit Drohungen gegen die„frivolen" Arbeiter, scheinlich, daß er sich nur mit der furchtbarsten Gewalt zurückhielt. Hans rührte sich allerdings nicht, aber er behielt dm Feind auch fest und sorgsam im Auge, um jedem möglichm Angriff rasch und geschickt begegnen zu können, und jetzt hielt es Schaller für gerathen, sich ins Mittel zu legen. Die Geschichte hier war faul, so viel hatte er schon herausgefühlt, und daß Rauten von SolbergS heute Morgen keine füufzigtaufend Thaler bekam, lag auf der Hand; aber die Geschichte konnte noch fauler werden, wenn gewisse andere Dinge auch gegen ihn zur Sprache kämm, und je eher er sich deshalb aus der Affaire zog, desto besser. Er hatte jetzt zu Hause gerade selber genug zu thun und ver- langte nach keinen weiteren Erörterungen. „Mein lieber Solberg," sagte er, indem er von seinem Stuhle, auf dem er die letzte Viertelstunde wie auf Stecknadeln gesessen, in die Höhe fuhr,„Sie deuten da Sachen an, die Einem die Haare zu Berge sträuben könnten, wenn sie eben begründet wären; aber Sie werden mir zugestehen, daß dieses Gespräch für einen Dritten, Unbetheiligten, peinlich sein muß. Zch begreife überhaupt nicht, weshalb ich— und wahrscheinlich nur durch Zufall— zu einem„Familien- rath" geladen wurde, dessen Angelegenheiten weit besser unter vier Augen als vor Zeugen verhandelt werden sollten. Wenn Sie mir gestatten, werde ich mich gehorsamst empfehlen." „Zch bitte Sie, Schaller, bleiben Sie," unterbrach ihn Rauten;„es scheint hier ein Komplot gegen mich im Werke zu sein, bei dem ich doch gern einen unparteiischm Zeugm haben möchte." „Ich ersuche Sie ebenfalls, Herr von Schaller," sagte auch Hans,„nur noch kurze Zeit hier zu verweilen; wir haben außerdem einen höchst pikanten Fall, der Sie auf das Aeußerste interessiren möchte. Dann wünsche ich auch Ihre Auskunft noch später in einer kleinen Angelegmheit zu haben." „Mein lieber Solberg," sagte Schaller, mit einem aber total verunglückenden Versuch zu seinem alten Humor,„Sie werden mich mtschuldigen, wenn ich das Interesse entschiedm bezweifle! aber da es beide Theile zu wünschm scheinen, welche ihre Kollegen derartig ,, terrorisiren", daß diese es nicht wagen, zu arbeiten. Während jeder unparteiische Mensch das taktvolle Auftreten der nach Tausenden zählenden Streifenden bewundern muß, mühen sich diese Geistesärmsten ab, Gesetzesparagraphen hervorzusuchen, welche gegen etwaige„ Ausschrei tungen" in Anwendung gebracht werde fönnen. Da bis jetzt nirgends nennenswerthe Ungefeßlichkeiten vorgekommen sind, so gewinnt es fast den Anschein, als ob man gar zu gerne einen fleinen Krawall haben möchte, den man als corpus delicti gegen die Streifenden sowie gegen die gesammte, schon längst verhaßte Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung benüßen könnte. Die indirekten Drohungen offiziöser Blätter find zum Mindesten ebenso gut geeignet, einen Einfluß auf die Streikenden zu Gunsten der Meister auszuüben, als wie etwaige Drohungen der Streifenden gegen die Arbeitenden dieses zu Gunsten der Streifenden zu thun vermögen. Es wird ja Niemand etwas dagegen einzuwenden haben, wenn die offiziöse und nichtoffiziöse Manchesterpresse sich mit ungelegten Eiern beschäftigt, allein eins kann man wohl mit Recht verlangen, und das ist, daß sich die als freiwillige" Regierungsorgane gerirenden Blätter möglichst unparteiisch verhalten. Einem offiziösen Blatte, welches fortwährend von Sozialreformen zu Gunsten der wirthschaftlich Schwachen spricht, steht es schlecht an, in auffälliger Weise auf die Seite der Unternehmer zu treten. Erst gestern brachte die bekannte ,, Nordd. Allg. Zeit." ein ihr angeblich aus juristischen Kreisen zugegangenes Schrei ben zum Abdruck, welches unverblümt strengere Maßregeln gegen solche Streifenden fordert, welche irgend einen ungeseslichen Einfluß auf ihre arbeitenden Kollegen auszuüben suchen. In diesem Schreiben wird sogar für sofortige Verhaftung und schleunige Bestrafung plädirt, ganz so, wie es seiner Zeit der todte Lasker gefordert hat. Motivirt wird diese Laskeriade damit, daß ein besonderer Muth" dazu gehöre, angesichts der streitenden Kollegen die Arbeit wieder aufzunehmen, und daß man Der Herr Judaher diesen Muth" gehörig schüßen müsse. rift mag ein sehr praktischer" Mann sein, aber die Verhältnisse der Arbeiter sind ihm vollständig fremd, denn sonst würde er sich nicht so sehr mit seinen praktischen" Vorschlägen hervorwagen. Die Arbeiter sind eben keine Juristen und feine offiziöfen Zeitungsschreiber, man beschäftigt sie nicht, weil sie einen recht frummen Buckel machen und auf Kommando ihre Anficht ändern können, sondern weil sie etwas zu leisten im Stande find. Jeder aufgeklärte Arbeiter weiß, daß es nicht ,, Muth" ist, was oftmals viele Arbeiter veranlaßt, weiter zu arbeiten, wenn die Mehrzahl ihrer Kollegen die Arbeit niedergelegt hat, sondern Unkenntniß und fehlende Organisation. Ungesetzlichfeiten sind gewiß nicht zu billigen, die bestehenden Geseze bieten aber Handhabe genug gegen Ausschreitungen, eine weitere Verschärfung oder strengere Anwendung derselben würde nur Erbitterung unter den Arbeitern hervorrufen. Uebrigens sollte man doch vor Allem zunächst prüfen, ob die gestellten Forderungen gerechtfertigt find, und nicht, wie das jest geschieht, die Streits auf die Erregung durch Agitatoren" und Hezer" zurückzuführen suchen. Wer nur die Grundzüge der Nationalökonomie kennt, der weiß schon, daß durch Streits die Lage der Arbeiter auf die Dauer nicht gebessert werden kann, es wird nach Lage der Sache immer nur ein momentaner Vortheil zu erringen sein. Man kann es den Arbeitern aber doch nicht verdenken, wenn sie die Gelegenheit wahrnehmen; die Unternehmer machen es ja ebenso. Deshalb von einer Schraube ohne Ende zu reden, ist einfach Unsinn, denn für das Ende sorgt das eherne Lohngefeß. Solange man sich der Einführung eines wirksamen Arbeiterschutzgesetzes durch die Gesetzgebung verschließt, hat man am allerwenigsten ein Recht, die einzige Waffe der Arbeiter gegen den Druck der Unternehmer, die Koalitionsfreiheit, anzutaften. Es ist durchaus nothwendig, daß sich die Arbeiter gegen eine weitere Herabdrückung ihres Lebensstandpunktes wehren und für eine Erhöhung desselben nach Kräften eintreten. Von der Lage der Arbeiter hängt Handel und Industrie, das Wohlergehen der gesammten Gesellschaft ab. Wer daher gegen die Verbesserung der Lage der Arbeiter ist, der sündigt gegen die gesammte Gesellschaft und ist somit ein Kulturfeind. Die wirthschaftliche Lage im Regierungsbezirk Münster wird, wie aus den von dort erstatteten Berichten zu entnehmen, im Allgemeinen als befriedigend bezeichnet. An Arbeit war in den ersten Monaten des Jahres kein Mangel, die Tagelohnfäße blieben unvermindert und bei den Sparkassen haben sich die Abhebungen vermindert. Die Landwirthe flagen auch hier über die niedrigen Getreidepreise. Die Viehpreise dagegen sind nicht schlecht Die landwirthschaftlichen Gewerbe, Brennereien, Biegeleien, Steinbrüche hielten sich im Allgemeinen auf ihrem bisherigen Betriebe. Die Zementfabritation war in flottem Betriebe. Die mechanischen Webereien und Spinnereien, sowie die Strumpfwaarenfabrikation waren in schwunghaftem Betriebe, die Handweberei in Leinen erhielt sich im bisherigen Umfange. Dagegen sind Seidenwebereien nicht im Stande, die seitherige Arbeitszahl zu beschäftigen, auch die Plüschweberei geht zurück. Ebenso die Eisenindustrie und Drahtseilfabrikation. Die Löhne in den darniederliegenden Industrien find mehr oder weniger herabgesezt, über unzuhalt ich noch aus, muß Ihnen jedoch bemerken, daß ich einer wichtigen Geschäftssache wegen nothgedrungen um halb zwei Uhr drüben in meiner Wohnung sein muß." 11 Wir werden Ihre Geduld nicht lange auf die Probe stellen, Herr von Schaller," sagte Hans kalt. ,, Vor allen Dingen erlauben Sie mir nur die Frage an Sie zu richten, woher Sie Ihre Referenzen über den Grafen Rauten und dessen Güter in Galizien gezogen haben? Vielleicht interessirt es Sie doch, diesen Brief einmal durchzulesen, der genau aus jener Gegend stammt, wo allerdings Rauten'sche Güter in Besitz einer Grafenfamilie von Rauten sind, bei benen es aber feinen Leopold giebt. Herr Notar, dürfte ich Sie wohl einmal um den betreffenden Brief ersuchen?" " Oh verflucht," sagte Herr von Schaller, indem er in feine Tasche griff, jest habe ich meine Brille vergessen!" Dazu möchte ich mir noch eine Bemerkung erlauben," fiel jetzt der Notar ein. Ich glaube, der Irrthum liegt allein in Galizien, das Graf Rauten vielleicht noch gar nicht gesehen hat, desto bekannter scheint er aber in Schlesien zu sein. Erinnern Sie sich noch vielleicht, Herr Graf, eines gewissen Kuno von Tröben, der einst einen Mann im Walde erschlug und beraubte und nachher die Flucht ergriff kennen Sie den Mann, der die Ihnen gebührende Strafe die langen Jahre im Buchthause verbüßte?" Der Notar hatte seine kurze Rede vollkommen ruhig und faltblütig begonnen, aber mit dem frechen Verbrecher vor sich, der wohl todtenbleich, jedoch kalt und verächtlich lächelnd dort stand und auf ihn herabsah, stieg ihm auch zuletzt die Galle in's Blut. Bei den letzten Worten hatte sich seine Stimme in die höchsten Töne hinein verstiegen. Er war außer sich gerathen, riß die Thür anf und zerrte den jungen Karl Handorf bei einem Arm heraus. Sol' mich der Teufel, wieder eine Ueberraschung!" brummte Schaller halblaut vor sich hin, erkannte aber auch in dem nämlichen Moment denselben bleichen Menschen, der ihm und Rauten damals auf der Promenade begegnet war, und hob sich jetzt selber überrascht empor. Was war da nun wieder im Wind? reichenden Lohn und Beschäftigungslosigkeit wird indeffen troßdem nicht geklagt. Dieser Bericht ist ein Unikum deffen, was im Berichterstatten geleistet werden kann. Trogdem nirgends ein Aufschwung in der Industrie zu verzeichnen ist, vielmehr nur ein erhebliches Darniederliegen, wird die Lage dennoch als im Allgemeinen befriedigend" bezeichnet. Das originellste ist aber, daß trop Lohnherabsetzungen und Arbeitslosigkeit nirgends über unzureichenden Lohn und Beschäftigungslosigkeit geklagt wird. Die Sache ist sehr einfach, man hat eben Niemanden gefragt! Aus Leipzig wird hiesigen Blättern geschrieben: Vor Jahren, als es hier noch ein sozialdemokratisches Lokalblatt gab, welches auch die Kommunalangelegenheiten eifrig besprach, beschloffen fast sämmtliche Gemeindevertretungen der Vororte den Ausschluß der Oeffentlichkeit in ihren Sigungen. Jezt sieht man aber ein, daß die Deffentlichkeit der Gemeinderathsfizungen ein unabweisbares Bedürf niß ist, und so haben verschiedene dieser Landgemeinden bei der Amtshauptmannschaft um Gestattung der öffentlichen Sigungen wieder nachgesucht. Bemerkenswerth ist, daß die Amtshauptmannschaft dem Gesuche von Plagwis nachgekommen ist, während die Gesuche von Connewis, Klein- 3schocher und Volkmarsdorf, in deren Gemeinderäthen sozialdemokratische Arbeiter siten, abschläglich beschieden worden find. Ferner ist merkwürdig, daß der Antrag auf Deffentlichkeit der Sigungen in der Gemeinde Neudniß von demselben Herrn Sparig gestellt worden ist, auf dessen Betreiben seiner Zeit die Deffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Der genannte nationalliberale Herr sieht fich gern gedruckt- deshalb wohl sein neuer Antrag. Die Amtshauptmannschaft hat über Reudniß noch nicht entschieden, doch wird sie wohl dem großen Agitator der Ordnungspartei" den Gefallen thun. die Friedenspräsenzstärke mit Ausschluß der Einjährig- Frei willigen für einen Zeitraum von sieben Jahren auf 1 pct. der ortsanwesenden Bevölkerung der legten Volkszählung zu erhöhen, wiederholen. Der Zustimmung der Deutschkonserva tiven, welche das ganze Heerwesen des Reiches in einem solchen Grade mit einem gewissen mystischen Nimbus der Unnahbarkeit und Unantastbarkeit umkleiden möchten, daß hier überhaupt jede Mitwirkung der Volksvertretung aufhören müßte, würde die Reichsregierung nach den Auslassungen der konservativen Preffe vor den legten Reichstagswahlen schon im Voraus ficher sein können. Aus Westfalen wird der Volkszeitung" geschrieben: Herr von Puttkamer hat in wenigen Tagen einen Theil von Westfalen bereist, um Land und Leute kennen zu lernen und die wirthschaftlichen und sozialen Zustände, wir wollen nicht fagen, zu studiren, denn dazu hatte er eingeftandenermaßen keine Zeit, aber doch zu sehen. Er hat mehrfach mit Bedauern betont, daß er nur wenige Tage zur Verfügung habe und daher sich nirgends lange aufhalten könne, aber dennoch hat er bereits in Dortmund, wo er von Münster aus erschien, gesagt, daß die Reise sein Wissen in politischer und sozialer Beziehung wesentlich bereichert habe". In Bochum äußerte Herr von Puttkamer bei einem Effen, welches ihm zu Ehren veranstaltet wurde, nach der Rh.- Westf. 3tg." sich sehr befriedigt über eine Wahrnehmung, welche er gemacht habe, nämlich, daß in Westfalen und besonders auch in Bochum gar Vieles geschehe, was geeignet sei, den sozialen Frieden zu fördern. Er habe, sagte er, die Ueberzeugung gewonnen, daß die maßgebenden Persönlichkeiten der dortigen Gegend nicht allein ihr eigenes Interesse zu fördern suchten, sondern daß dieselben eben so sehr das Wohl der arbeitenden Klassen im Auge behielten. Gewiß würden die betreffenden Kreise, unbeirrt von allen Anfeindungen, die von gewiffen Seiten versucht würden, auch fernerhin ihrem edlen Streben, die soziale Kluft zu überbrücken, getreu bleiben. Wir haben noch nie etwas davon vernommen, daß in unserer Provinz Jemand Anfechtungen erfahren habe, der zur Milderung der Klaffengegensäße beizutragen versucht habe; es ist daher ganz unverständlich, worauf sich diese Aeußerung beziehen soll. Leider hat der Herr Minister feine Zeit gehabt, um alles das, was ihn an dieser eigenartigen Proving intereffiren könnte, mit der gebührenden Aufmerksamkeit in Augenschein zu nehmen," und doch wäre es sehr wünschenswerth gewesen, wenn er fich nach der Lage der Entlassungen und Kündigungen, welche in der letzten Zeit stattArbeiter etwas eingehender erkundigt haben würde. Durch die gefunden haben, ist diese Lage sehr schlecht geworden, und fie wird aller Voraussicht nach in der nächsten Zeit noch viel schlechter werden. Wenn Herr v. Puttkamer noch einmal unsere Provinz als Minister besuchen sollte, so würden wir ihm den Vorschlag machen, seine ganze verfügbare Beit in einem Kreise, etwa in Dortmund oder Bochum, zuzubringen und es fich angelegen sein laffen, auch mit den arbeitenden Klassen persönlich in Verkehr zu treten. Dann würde er in wirthschaftlicher und sozialer Beziehung weit mehr lernen, als wenn er die Provinz mit einem glänzenden Gefolge in raschem Fluge durcheilt. Frankreich. Ueber den Tod Olivier Bain's läßt sich Rochefort in seinem ,, Intransigeant" folgendermaßen aus: ,, Einer unserer Freunde, der gestern Abend aus Egypten hier eingetroffen ist, bringt uns eine Nachricht, so entseßlich, daß wir nicht davon sprechen würden, wenn die fie begleitenden Einzelheiten uns den geringsten Zweiiel über ihre Richtigkeit gestatteten. Olivier Bain ist nicht den Fiebern im Sudan erlegen, wie General Wolseley telegraphirt hat, nein, er ist gemordet worden. Ueber das Militär- Septennat schreibt die„ Voss. 3tg.": In der Verfassung des Norddeutschen Bundes war die Bestimmung getroffen, daß die Friedenspräsenzstärke des Heeres bis zum 31. Dezember 1871 auf ein Prozent der Bevölkerung von 1867 normirt und für jeden Kopf der Armee jährlich 225 Thaler zur Verfügung gestellt werden sollten, was 300 000 Mann und 67% Millionen Thaler ergab. Dieselbe Bestimmung ging in die deutsche Reichsverfassung über, so daß fich für das Reich eine Friedenspräsenzstärke von 401 000 Mann und eine Ausgabe von 90% Millionen Thalern herausstellte. Da diese Summe sich als ungenügend erwies in Folge der gesteigerten Preise der Lebensmittel 2c., half man sich durch maffenhafte Beurlaubungen nach zweijähriger Dienstzeit. Schon vorzeitig forderte die Reichsregierung die Verlängerung des Pauschquantums auf ein Jahr, und der Reichstag entschied sich sogar mit einer knappen Mehrheit für die Verlängerung des Pauschquantums bis Ende 1874, was natürlich der Reichsregierung genehm war. Bereits im Jahre 1873 legte die Reichsregierung dem Reichstage den Entwurf zu dem Reichsmilitärgefeße vor, wonach die Präsenzstärke des Heeres ein für allemal auf 401 659 Mann festgestellt werden sollte. Der Entwurf kam erst im Frühjahr 1874 zur Berathung, und die Majorität des Reichstages stimmte schließlich für das Amendement v. Bennigsen, d. h. für das Septennat. Es wurde also durch das Reichsmilitärgesez vom 2. Mai 1874 die Friedenspräsenzstärke des Heeres für die Zeit vom 1. Januar 1875 bis zum 31. Dezember 1881 auf 401 659 Mann festgestellt, formirt in 469 Bataillonen Infanterie, 465 Eskadrons Kavallerie, 300 Batterien Feldartillerie, 29 Bataillonen Fußartillerie, je 18 Bataillonen Pioniere und Train. Schon im Februar 1880, also fast zwei Jahre vor Ablauf des Septennats, legte die Reichsregierung dem Reichstage einen Gefeßentwurf zur Ergänzung und Abänderung des Militärgejeges vom 2. Mai 1874 vor. Derselbe zielte dahin, die Frie- In dem Augenblicke, da das Ministerium Gladstone erklärte, denzpräsenzstärke mit Ausschluß der Einjährig- Freiwilligen für 1. April 1881 bis zum 31. März 1888 auf 1 Prozent der ortsanwesenden Bevölkerung der legten Volkszählung zu erhöhen, die Infanterie in 503 Bataillone, die Feldartillerie in 340 Batterien, die Fußartillerie in 31 und die Pioniere in 19 Bataillone zu formiren und die Erfagreservisten erster Klaffe unter gewissen Bedingungen im Frieden zu Uebungen einzuberufen, um sie für den ersten Bedarf im Falle einer Mobilmachung auszubilden. Dieser Gesezentwurf wurde von der Majorität des Reichstags, zusammengesezt aus Den Konservativen und Nationalliberalen, in allen wesentlichen wesentlichen Bestimmungen angenommen, jedoch unter Festsetzung des Prozentsatzes der Bevölkerung auf 427 274 Mann, damit es nicht den Anschein haben möchte, als ob bei steigender Bevölkerung auch die Präsenzziffer des Heeres erhöht werden müsse. Wenn also die Reichsregierung, wie es jüngst hieß, die Absicht hätte, schon vorzeitig, d. h. in der nächsten Session, dem Reichstage eine Vorlage wegen Erneuerung des bis zum 31. März 1888 laufenden Militär- Septennats zu machen, so würde sie damit an ihrer bisherigen Braris festhalten. Wahrscheinlich wird die Vorlage erst nach Feststellung der Ergebnisse der am 1. Dezember dieses Jahres stattfindenden allgemeinen Volkszählung an die geseggebenden Faktoren gelangen und die Reichsregierung ihren im Jahre 1880 gemachten Vorschlag, die Zeit vom Karl trat in das Komptoir; er hielt den Blick nur allein auf Rauten geheftet, er sah in der That gar keinen andern Menschen, und langsam auf ihn zuschreitend, blieb er endlich vor ihm stehen und hielt ihm den Stock entgegen. Rauten hatte ihn verwundert betrachtet. Er erkannte ihn natürlich nicht wieder. Was sollte das jetzt sein? Aber der Name Kuno von Tröben, mit dem ihn der Notar angeredet, zuckte ihm durch's Hirn. War denn die ganze Hölle gegen ihn losgelassen? Der junge bleiche Mann sah ihm starr in's Gesicht. ,, Kennst Du diesen Stock, Mörder?" sagte er mit leiser Stimme; aber trotzdem flangen die Worte wie die Pofaune des Weltgerichts in Rauten's Ohren. Bis jetzt hatte er so viel Macht über sich behalten, um wenigstens ruhig zu viel Macht über sich behalten, um wenigstens ruhig zu scheinen, aber diese Hand über Hand geführten Schläge trafen ihn doch zuletzt in's Herz. " 1 ,, Fort!" schrie er. Was wollt Ihr von mir? Was weiß ich von dem alten Juden?"( Keine Lippe hatte den Ermordeten genannt.) Ha, Ihr glaubt, Ihr habt Gewalt über mich! Dem den Tod, der mir in den Weg tritt!" Und ein verborgenes Messer unter der Weste vorreißend, warf er sich gegen die Thür, von der Hans aber schon zurückgetreten war, um die Wirkung zu beobachten, die das Erscheinen des jungen Mannes auf Rauten machen würde. Ehe er zurückspringen und die Thür halten konnte, hatte sie Rauten aufgerissen und die Thür halten konnte, hatte sie Rauten aufgerissen nnd sich hindurch geworfen. Aber er kam nicht weit. Mux war dem ihm gegebenen Auftrage vollständig nachgekommen und die von ihm requirirte Polizeiwache auch eben so pünktlich um ein Uhr, und zwar mit dem Schlage, auf der Treppe des Notars eingetroffen, an der sie sich oben mit dem strengen Befehl, Niemanden weder aus- noch einzulassen, ehe sie die spezielle Weisung vom Notar Püster selber erhielten, postirten. Rauten wollte die Treppe hinab, als er die vier kräftigen Burschen dort auf ihrem Posten entdeckte und jetzt recht gut wußte, daß er selbst mit seinem Messer nicht durchdringen konnte, denn sie versperrten vollständig den engen Raum. Ohne sich aber auch nur einen Moment zu besinnen, stieß es habe Befehl ertheilt, daß das Versprechen, den Kopf unseres Freundes mit 50 Lstrl. einzulösen, als null und nichtig anzusehen sei, fiel Dieser unter den Dolchen der Mörder, an den Pforten Egyptens, wohin er zurückkehren wollte, nachdem er allen Siegen des Mahdi und namentlich der Einnahme von Khartum, das er vor etwa 1 Monaten im besten Wohlsein verlassen hat, beigewohnt hatte. Der Franzose, der uns hierüber berichtet und den wir im geeigneten Augenblick nennen werden, versichert uns: erstlich, daß Pain auf seiner Rückkehr in Debbeh gesehen worden war, von wo aus Kairo zu Kameel auf einer schönen Straße längs des Nils in fünfzehn Tagereisen erreicht wird. Er hatte sich da verborgen, als auf seinen Kopf ein Preis ausgesezt worden war und seine Reise erst wieder angetreten, als er von dem angeblichen Gegenbefehl erfuhr. Unser Gewährsmann belehrt uns über dieses, daß der Oberst Schmidt Olivier Pain erst dann für vogelfrei erklärte, als er die Gewißheit erlangte, daß unser Freund fürchterlich kompromittirende Dokumente gegen England bei sich trug. Die Engländer haben keine Ehre und fein Erbarmen im Leib, aber sie find praktische Leute. Ein höherer Offizier wird nicht den Einfall haben, für das Leben eines Gegners 50 Lstrl. zu verheißen, wenn nicht ein ernſtes Interesse vorliegt, ihn aus der Welt zu schaffen. Das Intereffe liegt hier auf der Hand: Die Einnahme von Khartum war nicht so erfolgt, wie die Telegramme uns gern glauben laffen möchten. Die britischen Truppen wußten, daß die Stadt schon er die nächste Thür auf hinein. Jesus, Maria und Joseph!" rief die alte Magd, als sie den todtbleichen Mann mit dem langen Messer in der Hand hereinstürmen sah. es war die Küche, und sprang Sie selber aber hatte nichts von ihm zu fürchten, denn Rauten bemerkte sie kaum. Fort! war sein einziger Ges danke. Was er Alles noch verbrochen und dafür jetzt Entdeckung fürchtete, wer konnte es sagen? Aber schon das, was er da drin gehört, verrieth ihm deutlich genug, er fei entdeckt, seine Larve gefallen und seine Rolle hier in Rhodenburg ausgespielt. So gab es denn jetzt für ihn nur eine eigene Wohnung zu erreichen. Gewann er dort die kleine Rettung, und die war, so rasch als irgend möglich seine Tasche, die seine wichtigsten Papiere enthielt, und dann den dicht bei Rhodenburg beginnenden Wald, so war er gerettet, und so und so die Zähne zusammengebissen sah er sich nach einem Ausweg zur Flucht um. Aber die Küche war abgeschlossen, nur ein einziges, jetzt offen stehendes Fenster führte auf den niedern Hof hinaus. Blieb ihm eine Wahl? Ehe die Verfolger nur ahnen konnten, welchen Weg zur Flucht er gewählt, war er unten im Freien. Mit einem Sage sprang er auf den Küchentisch Küchentisch die ganze Etage mochte faum achtzehn Fuß hoch sein. Im nächsten Moment saß er auf der Brüstung, um seinen Körper so niedrig als möglich zu bringen, und das Messer voranwerfend, ließ er sich niedergleiten, als aber auch gleich darauf ein gellender Schrei vom Hofe aus gehört wurde. Ihm nach stürmte die Polizei. Aus dem Fenster ist er," schrie die alte Magd, gerade hinunter gesprungen!" 3wei der jüngsten Beamten preßten zurück und stürzten mehr die Treppe hinab, als daß sie sprangen. Aber feine Spur mehr von dem Verbrecher! Einer flog nach der Hausthür; sie war von innen verschlossen, also dort hinaus konnte er noch nicht sein. Ein Anderer warf den Blick in den Hof, dort lag das Messer, aber von dem Flüchtlinge keine Spur. " Oh Du mein Heiland!" schrie die alte Köchin von Iange auf d Kano überz auf d Den e trat e Gehei denen gezoge ihn 31 Herre und selen' der f Don Leiche die C laffen wenn daß e morde und S Mar 22. ift in und Paris stattfi verlay Berid baren Zweck höchst und n eine Nachd verlei offen und muß, Schu folgen Gesar Skla rechtz ist da die G zue die S Diese Rum Erzeu word enthal in we allein erbrec wird und Nach Ufas Sibir werde an C verthe zeitig geb stimm weger büßer Land artige Tribi lution Jeffe stimm schäft Ober schlim fich d Son Engl oben zu be Sprun denn ihnen Fliek Mag nicht ja hi er i hatte ein f war aller die S häng aus hier wir schle und Fens Körp an d oben das anwe Seil Frei der зи rva= Ichen rfeit aupt ürde tiven ficher ben: inen I zu wir tan= rfach Jung aber aus und hum n zit fehr jabe, gar 81 daß nicht daß im eirrt mürs ft zit twas fech fäße blich, Herr iefer nden re es der die itattDifte viel njere Den reise, an= Hön icher die Tuge efort ferer ift, avon uns ivier neral Den. ärte, ſeres nzus an rachhme Bohl über den, ges onen vird. aus - als hrsivier ngte, egen fein Gerer ines nter liegt nicht töch chon wang als der Denn GeEnts das, fet Den eine eine eine den ettet, mach jetzt aus. onen er den Fuß ung, gen, als aus rade sten eine า น g= inte ben eine von lange in den Händen des Mahdi war, als der Oberst Wilson auf die Einladung von Mohamed Ahmed selbst sich in einem Kanonenboote dahin begab, um sich von dem Siege Deffen zu überzeugen, den er den falschen Propheten nannte. Ein Blick auf die Ufer des Fluffes, wo Kanone um Kanone stand, belehrte den englischen Oberst über das Schicksal der Garnison und er trat eiligst die Rücktehr nach Egypten wieder an. Alle diese Geheimnisse hätte Olivier Pain enthüllt, wie er alle Lügen, mit denen die englische Regierung Europa einlullte, ans Tageslicht gezogen hätte. Vergeblich war auf seiner Hinreise der Versuch, ihn zu tödten, gemacht worden. Man schwor, daß er auf der Herreise nicht davonkommen würde, und heute ist Pain todt und die Enthüllungen find todt mit ihm. Die Depesche Wolseley's ist nur ein Betrug mehr. Wie alle Mörder, wird der feige und niederträchtige Oberst Schmidt das Verbrechen von sich abwälzen wollen. Wir werden ihm aber erst vor der Leiche antworten. Er muß fie uns zurückgeben; denn wenn die Spuren des Fiebers fich daran nicht werden nachweisen lassen, so werden die des Meffers wohl sichtbar sein. Und wenn es sich dann unwiderleglich herausgestellt haben wird, daß ein französischer Journalist von furchtsamen Banditen er mordet wurde, dann werden die alte Viktoria, ihre Generäle und Minister erfahren, wie wir an Mördern Rache nehmen." Heber die Beziehungen zwischen Frankreich und Marokko wird Londoner Blättern aus Gibraltar unterm " Bahnhofe war durch Truppen und Polizei besest, ein Zeichen, daß der Scheidende bei den Irländern sehr beliebt" war. Aiten. Aus Mesched wird den Times" unterm 23. d. gemeldet: Die englische Grenz- Kommission hat jeßt ein Lager wenige Meilen nordwestlich von erat bezogen. Die Behörden und die Bevölkerung zeigen sich sehr freundlich gesinnt. Eine prächtige alte Moschee beherrscht die nördliche Mauer der Stadt. Die englischen Ingenieure empfahlen, dieselbe zu unterminiren, damit sie beim Beginn einer Belagerung in die Luft gesprengt werden könne. Die Priester und die heiligen Männer traten fofort zu einer Berathung zusammen und beschlossen, ihren Tempel lieber sofort zu opfern, als nur das entfernteste Risiko zu laufen, daß er einem Feinde irgend einen Vortheil gewähren könnte." Es läßt sich kaum annehmen, daß sich die Afghanen noch so sehr für die Engländer begeistern, nachdem diese vor den Rufsen muthig zurückgewichen sind. Derartige Meldungen find nur berechnet, dem Großkrämerthum als Rüstungsausgaben in den Geldbeutel gerissen haben. Pflaster auf die Wunden zu dienen, welche die Kriegs- resp. Gerichts- Zeitung. vor dem Schwurgericht. Frankfurt a. M., 30. Juni 1885. Zweiter Tag der Verhandlung. 22. b. gemeldet: Das französische Banzerschiff Arethusa" Die Ermordung des Polizeirath Dr. Rumpff ist in Tangier angekommen, um den französischen Gesandten und die mauriſche Gesandtschaft, die im Begriff find, sich nach Paris zu begeben, einzuschiffen. Ihre Abfahrt wird diese Woche stattfinden, aber der Tag dafür ist noch nicht anberaumt. Es verlautet, der unmittelbare Zweck der Gesandtschaft sei, eine Berichtigung der Grenze von Maroffo und Algier zu vereinbaren; es werden dieser demonstrativen Mission jedoch ernstere Zwecke untergeschoben. Die Ansprüche Frankreichs auf den höchsten Einfluß in Marotto tönnen nicht länger verhehlt werden und man erwartet, dies dürfte bald eine Frage werden, die eine ernste diplomatische Spannung verursachen wird. Nachdem fte Tunis thatsächlich mit Algerien einverleibt, behaupten die französischen Agenten iegt offen, dak Marokko mit Ausschluß Don England und Spanien innerhalb Frankreichs Aktionssphäre kommen muß, dem Tripolis mit dem Anschluß italienischer Ansprüche folgen werde. Die Franzosen geben vor, der Sultan habe den Schutz Frankreichs nachgesucht und sie werfen dem britischen Gesandten in Tangier vor, maurischen Barbarismus und Sklaverei gegen die Fortschritte französischer Zivilisation aufrechtzuhalten und zu schüßen." Der ,, Temps" bringt nachstehende Note:„ Die Regierung ist daran, einen Gefeßentwurf einzubringen, der ihr gestattet, die Einfuhrzölle auf Produkte solcher Länder um 50 pCt. zu erhöhen, welche nicht darein willigen sollten, Frankreich die Behandlung als meistbegünstigte Nation zu gewähren. Dieses Gesetz würde sofort zur Anwendung gelangen, falls Rumänien fortfahren sollte, vom 1. Juli ab die französischen Erzeugnisse höher zu besteuern." Rußland. In Umon, Gouvernement Kiew, ist der Versuch gemacht worden, die staatliche Kaffe, welche gerade eine Million Rubel enthalten haben soll, zu plündern. Die Mauer des Hauses, in welchem sich die Kasse befand, war bereits durchbrochen, allein ist es den Räubern nicht gelungen, den Geldschrank zu erbrechen. Die Wächter wollen nichts gehört haben. Natürlich wird der Raubversuch den Nihilisten in die Schuhe geschoben und es sind auch schon zwei Verdächtige verhaftet worden. Nach dem vom Regierungsboten" veröffentlichten kaiserlichen Ukas soll die Kopfsteuer im ganzen Reiche, mit Ausnahme Sibiriens, bis zum 1. Januar 1887 vollständig abgeschafft werden. An demselben Tage wird für die Domänenbauern an Stelle der jeßigen Abgabe( des Obrok) eine auf 44 Jahre vertheilte Amortisation treten. Auch das Paßwesen soll gleichzeitig verändert werden. Großbritannien. Im Hydepark wurde gestern eine Massenkund= gebung abgehalten, welche den Zweck hatte, gegen die Bestimmung zu protestiren, wonach Personen, die von Armenwegen ärztliche Hilfe und Arznei erhielten, ihr Stimmrecht einbüßen sollen. Diese Bestimmung dürfte namentlich die armen Landarbeiter hart treffen, da diese häufig genöthigt sind, der artige Hilfe zu beanspruchen. Im Part wurden von sechs Tribünen herab Reden gehalten und an sechs Stellen Resolutionen angenommen, welche die Regierung aufforderten, für Jeffe Colling's Bill, welche die Aufhebung der erwähnten Bestimmung bezweckt, Erleichterungen der parlamentarischen Ge schäftsordnung zu gewähren, und welche erklärten, daß das Oberhaus einer armen und hilflosen Klasse mit Vorbedacht ein schlimmes Unrecht zugefügt habe. Unter den Rednern befand sich der Irländer Michael Davitt. Lord Spencer, der Vizekönig von Irland, legte am Sonnabend sein Amt nieder und verließ Dublin, um nach England zurückzukehren. Der Weg von der Burg bis zum " 1 er!" oben herab, die an das Fenster geeilt war, um sich die Stelle zu betrachten, an welcher der tollkühne Mensch niedergesprungen. Da hängt er! Da hängt er!" Rasch hatten sich die Polizeidiener im Hof gesammelt, denn der ihnen als Verbrecher bezeichnete Flüchtige konnte ihnen jetzt nicht mehr entgehen, und Hans, der ebenfalls dem Fliehenden nachgeeilt war, trat jetzt an die Seite der alten Magd. ,, Hilfe!" stöhnte Rauten, nehmt mich ab, ich halte es nicht mehr aus! Hilfe! Hilfe!" ,, Bum Teufel auch," rief Hans verwundert, der klebt ja hier an der kahlen Wand! Was ist das?" Oh Du meine himmlische Güte!" schrie die alte Magd, ,, er ist an dem großen Fleischhaken hängen geblieben!" " Hilfe! Hilfe" schrie jetzt Rauten gellend auf. Er hatte den Versuch gemacht, sich selber empor zu richten, und ein furchtbarer Schmerz zuckte ihm durch die Glieder. Ist keine Leiter unten?" schrie Hans hinab, und Püster war jetzt ebenfalls an seine Seite getreten und erkannte die allerdings mißliche Lage des Verfolgten. Er kannte aber die Lokalität genauer und rief aus: ,, Eine Leiter hilft uns nichts! Wenn er ordentlich festhängt, ist ein Mann nicht im Stande, ihn von der Leiter aus empor zu heben und frei zu machen!" Dann ein Seil her;" schrie Hans. Ich kann es von hier aus um ihn her winden. Alle herauf da unten, daß wir zusammen anfassen!" " Ja, ein Waschseil hätte ich," sagte die Alte und schleppte es herbei, aber es ist zu lang." Hans riß es ihr aus der Hand, warf es auseinander und griff nun eine Bucht davon auf, die er, sich aus dem Fenster so weit als möglich hinausbiegend, um Rauten's Körper zu schlingen suchte. Püster hielt ihn indessen hinten dn den Beinen. Die Polizeidiener waren aber in der Zeit ebenfalls nach oben gekommen, und während sich Hans jetzt auf den Sims, das eine Bein nach außen, seßte, um dadurch mehr Kraft anwenden zu können, mußten die übrigen Leute das Ende des Seiles mit anfassen. ,, Wenn wir einen Flaschenzug hier hätten," rief Hans, Der Angeklagte sieht heute etwas niedergeschlagen aus. Gegen 94 Uhr Vormittags eröffnet der Präsident, LandgerichtsDirektor Dr. Leykauff, wiederum die Sigung und beginnt mit dem Aufruf der noch zu vernehmenden Zeugen. Es ist den Berichterstattern, denen die Zeugen den Rücken drehen, nur init großer Mühe möglich, der Zeugenvernehmung zu folgen, da die meisten Beugen sehr leise sprechen und die Akustik im Saale eine sehr mangelhafte ist. Es kommt hinzu, daß das Schwurgerichtsgebäude dicht am Dom und neben dem städtischen Schlachthause belegen und die Verhandlung deshalb oftmals durch Glockengeläut oder auch durch das Blöken der Thiere gestört wird. Heute erscheint zunächst als Beuge Dr. med. Schümann. Am Sonntage vor dem Morde, Abends gegen 61/2 Uhr, begegnete ich im Sachsenlager einem Manne, anscheinend dem Arbeiterstande angehörig, mit rothem Halstuch, schwarzem Haar und schwarzem Vollbart. Der Mann, der, als ich ihn ansah, etwas bestürzt schien, war größer und Hände. Der Mann fragte mich nach der Gutleutstraße. Da stärker als der Angeklagte und hatte auffallend große mir der Mann so plöglich entgegentrat, erschrat ich. Mit dem Angeklagten war der Mann nicht identisch. Der Vertheidiger konstatirt, daß der Angeklagte auch auffallend große Hände hat. Präs. Ich werde nun zur Verlesung der Baseler Zeugenaussagen übergehen. Der Verth. macht gegen diese Verlesung Bedenken geltend, da die betreffenden Beugen, der dortigen Prozeßordnung entsprechend, nur auf Handgelöbniß ihre Aussagen, also unbeeidigt abgaben. Der Staatsanwalt beantragt die Verlesung; der Gerichtshof be schließt demgemäß und wird zur Verlesung geschritten. Schuhmachermeister Theiß( Basel) hat befundet, daß Lieske bei ihm außer freier Koft und Wohnung, 6 Fr. wöchentlich verdient habe. Schuhmachermeister Saladin( Basel): Lieske habe eines Tages eine offene Postkarte von seinem Bruder aus Südfrankreich erhalten, in welcher ihm dieser mittheilt, daß sie wohl beide, wenn fie nach Deutschland zurückkehrten, bestraft werden würden. Eines Tages habe Lieske einen Brief nach Genf geschrieben. Als er( Beuge) sich mit Lieste einmal ge= zanft, habe dieser ihm gedroht, ihn vor das Forum zu fordern. Unter Forum" habe er( Saladin) ein sozialdemokratisches Gericht verstanden. In der Wohnung von Lieske habe er einmal eine Nummer der Most'schen Freiheit", die ihm von einem gewissen Hinterberg geschickt worden, aufgefunden. - Lieste bemerkt auf Befragen des Präsidenten: Die Bestrafung hatte er nebst seinem Bruder wegen Nichtstellung zum Militär zu erwarten. Der Brief, den er nach Genf geschrieben, sei ein Liebesbrief gewiesen. Mit dem Worte Forum" habe er ein aus Meistern und Gesellen zusammengesettes Schiedsgericht gemeint.- Pfandleiher Sonderegger: Lieske habe bei ihm kurz vor Weihnachten einen Koffer verseßt, den einige Zeit darauf ein gewisser Hinterberger auslöfte. Ueber den Verbleib des Koffers wiffe er nichts. Präs. Sie haben bis jetzt behauptet, nicht zu wissen, bei wem Sie den Koffer versezt haben? Angefl.: Der Name war mir entfallen. Präs.: Das ist doch sehr eigenthümlich, Sie hatten feinen Schein, dann hätten Sie sich doch wenigstens den Namen des betreffenden Pfandleihers merken müssen? Angell. schweigt. Bigarrenhändler Alber( Basel): Lieske habe bei ihm vielfach verkehrt und ihm auch einige Nummern der Freiheit" gegeben.- Spezereihändler Feiner: Lieske habe bei ihm oftmals verkehrt und ihm eines Tages gesagt: es werde an ihn ein Brief ankommen, den er an ihn( Beugen) ,, so könnte ihn ein Kind in die Höhe heben, jetzt aber wiegt er so schwer wie Bleier muß ohnmächtig geworden er muß ohnmächtig geworden sein!" Der Körper hing allerdings in diesem Augenblick schlaff nieder, aber das Seil hatte auch gefaßt. Wenn auch langs sam, so hoben ihn die fünf kräftigen Männer doch wenigstens sicher und Ruck bei Ruck empor. Hans konnte jetzt mit der rechten Hand einen guten Griff in seinem Rockfragen bekommen, und wenige Minuten später hatten sie den leblosen Körper auf dem Steinboden der Küche liegen. ,, Und wohin jetzt mit ihm?" sagte Hans. Am besten liefe einer der Herren nach einem Wundarzt, denn er scheint stark zu bluten." ,, Lieber nach einer Tragbahre," sagte ein Anderer; ,, die stehen da gleich an der Marktecke, und dann schaffen wir ihn ohne Weiteres ins Spital; dort kann er nicht fort und hat die beste Pflege." " Gut denn!" rief Hans.„ Aber rasch ich will indeß, so gut es geht, nach seiner Wunde sehen." Er warf seinen Rock ab, und Rautens Kleider öffnend, kam er bald zu der schon durch das Blut angezeigten Stelle. Es war eine hägliche Wunde, aber der Haken, der sie verursacht, auch wohl sieben 3oll lang und stark genug, das dreifache Gewich. zu halten. Was aber konnte er hier thun, als nur höchstens einen nothdürftigen Verband mit seinem Taschentuch umlegen. Aber es dauerte nicht lange, so kehrten die Männer mit der Bahre und zwei Trägern zurück. Zufällig hatten sie auch gleich einen Militärarzt auf der Straße getroffen, der sich erbot, den Verwundeten in das Spital zu geleiten. Er untersuchte die Wunde allerdings erst selber und betrachtete dann kopfschüttelnd den Haken; aber hier ließ sich jetzt doch nichts mit ihm machen, das Spital war außerdem nur eine kurze Strecke entfernt, und der Zug setzte sich gleich darauf und ohne Weiteres in Bewegung. ,, Was zum Henker ist denn da los," fragte der Arzt unterwegs den einen Polizeidiener, daß sie den Grafen Rauten in das Spital und nicht zu seinen Schwiegereltern schaffen? Und wie überhaupt ist er da hinaus auf den Haken gekommen? Der Doktor hatte sich an den Unrechten gewandt. Der habe adreffiren lassen. Auch habe er ihm einige Nummern der Freiheit" gegeben. Bräf.: Nun, Angeklagter, was war das für ein Brief, den Sie an Feiner senden ließen? Angell.: Von meinem Bruder.- Präs.: Was veranlaßte Sie, den Brief nicht an Ihre Adresse senden zu lassen, Sie hatten doch sonst Briefe von Ihrem Bruder bekommen? Angekl.: Ich wußte doch nicht, wie lange ich bei Saladin bleiben werde. Präs. Nun, es haben zwei Zeugen bekundet, daß sie ,, Freiheiten" verbreitet haben?- Angefl.: Das gebe ich zu. Präs. Bis jetzt haben Sie aber stets geleugnet, Anarchist zu fein oder anarchistische Schriften verbreitet zu haben?- Angeklagter: Anarchist bin ich nicht; aber die Freiheit" habe ich wohl gelesen und sie auch weiter gegeben. Feiner hat ferner befundet, daß der Angeklagte in Basel einen großen, weichen Schlapphut getragen und daß er niemals im katholischen Gefellenverein in Basel verkehrt habe. Da der Angeklagte legs tere Behauptung aufrecht hält, so beschließt der Gerichtshof, nach dieser Seite hin Erfundigungen einzuziehen. Schuhmachergeselle Klefels: Ich arbeitete mit Lieske bei Saladin zusammen. Lieste war ein sehr tüchtiger, fleißiger Arbeiter, er las. jedoch stets die Most'sche Freiheit" und erhielt mehrfach Briefe. Ein Brief war aus Lausanne und begann mit den Worten: ,, Lieber Genoffe." Angell.( zum Zeugen): Können Sie sich genau erinnern, daß der Brief aus Lausanne war? Beuge: Sieber Genoffe Beuge: Nawobi, Jawohl.- Präs. Und der begann mit den Worten: Jawohl. Angell. Sollte nicht gestanden haben: ,, Lieber Bruder?" Zeuge: Nein, lieber Genoffe" stand im Briefe, zwischen lieber Genosse" und lieber Bruder" ist doch wohl ein Unterschied. Der Zeuge befundet ferner: Lieske habe oftmals Briefe geschrieben, an wen diese gerichtet waren, wisse er( Beuge) nicht. Ein Brief sei nach Lausanne adresfirt gewesen. Als er ihn einmal im Besitz von mehreren Nummern der Freiheit" und des Sozialdemo frat" sah, habe er zu ihm gesagt: Sie sind wohl Anarchist? Der Angeklagte habe ihm geantwortet: So etwas Aehnliches. Er habe ihm bedeutet: Er solle sich vor der Polizei in Acht nehmen. Lieske habe geantwortet: Wo diese Zeitungen gedruckt werden, ist vollständige Preßfreiheit. Eines Tages habe Lieske aus Lausanne eine Kiste bekommen, in der die Beitungen enthalten waren, was das für Zeitungen waren, habe er( Beuge) nicht erfahren können. Präs.: Angeflagter, was war das für eine Kiste? Angefl.: Ich glaube, das war eine Kiste von meinem Bruder, in welcher er mir Tabak sandte. Präs.: Sie sind ja gar kein Raucher, das muß doch Ihrem Bruder bekannt sein. Angkl. schüttelt den Kopf. Präs.: Der Zeuge will doch Zeitungen in dent Kistchen gesehen haben? Angefl.: Das waren einige Exemplare des Berner Bund". Präs.: Das Kistchen kam aber aus Lausanne! Angefl.: Wie kann das der Zeuge so genau wissen? Präs.: Nun, wenn das Kistchen von Ihrem Bruder aus Südfrankreich gekommen wäre, dann wäre es bei der Zollrevision geöffnet worden. Zeuge, kennen Sie Keller? - Zeuge: Jawohl, aber ich kenne seinen jezigen Aufenthalt nicht. Präs. Zu Keller soll Lieske einmal gesagt haben: 30 Pfund Dynamit würden genügen, um das Baseler Münster in die Luft zu sprengen. Haben Sie das auch gehört? Beuge: Nein, das hat mir Keller erzählt. Als dieser Zeuge abtritt, unterhält sich der im Saale anwesende Oberstaatsanwalt von Frankfurt mit dem Präsidenten. Präfident, hier ist öffentliche Verhandlung, ich möchte doch Angefl.: Herr wissen, was der Herr Oberstaatsanwalt mit dem Herrn Präsidenten spricht.- Präs. Ja, das soll geschehen, es ist mir nämlich soeben die Mittheilung geworden, daß sich eine Zeugin gemeldet hat, die am Abend des 13. Januar im Sachsenlager, gegenüber der Rumpffschen Wohnung einen Mann gesehen haben will. Wir werden die Frau sofort vernehmen. Die Zeugin, eine Frau Camphausen, wird in den Saal gerufen: Am 13. Januar, des Abends gegen 74 Uhr, sah ich gegenüber dem Hause Sachsenlager 5 einen Man, anscheinend dem Arbeiterstande angehörig, stehen. Ich trug Gummischuhe, in Folge deffen konnte mich der Mann nicht tommen hören. Als ich an ihn herankam, erschraf er plislich. Ich fragte ihn, auf wen er warte, er antwortete mir: Das geht Sie nichts an. Der Mann trug, soweit ich mich erinnere, eine seidene Müße, war bartlos und hatte etwas stechende Augen. Ich möchte behaupten, daß dieser Mann der Anges flagte gewesen ist; er sah damals nur etwas schmäler aus, allein an seinem bartlosen Gesicht und seinen Augen erkenne ich ihn wieder. Angefl.: Sehen Sie mich nur einmal genau an, ich habe Sie im Sachsenlager nicht gesehen, folglich können Sie mich auch nicht gesehen haben. Beugin: Ich glaube doch, daß Sie der Mann gewesen sind. Kürschnermeister Ernst( Basel): Lieske hat bei mir vielfach verkehrt und mir oftmals die Freiheit" zum Lesen gegeben. Schreinermeister Rämp( Basel): Lieske hat in Basel bei einer Waschfrau Pfau vielfach verkehrt, mit dieser ein Liebesverhältniß unterhalten und durch dieselbe Freiheiten" vertreiben lassen.-räs.: Nun, Angeklagter, ist das richtig? Angell.: Ich lenne überhaupt eine Frau Pfau nicht. Gastwirth Rant: Der Angeklagte hat bei mir vom 31. Dezember 1884 bis zur 13. Januar 1885 logirt. Er wollte sich nicht anmelden, endlich Mann wußte, daß der Herr Assessor und der Herr Aftuar nie über Gerichtsfälle mit Leuten sprachen, die außer dem Gericht standen, zuckte deshalb nur die Achseln und sagte: Bedaure, darüber keine Wissenschaft zu besitzen, Herr Doktor. Bin nur beordert worden, Jemanden in Empfang zu nehmen. Herr Doktor können aber das Nähere jedenfalls bei Herrn Notar Püster erfahren." " Der Doktor biß sich auf die Lippe, versuchte aber feine weitere Frage, und bald waren sie an Ort und Stelle ans gelangt. In dem Komptoir des Notars saß indessen der alte Baron von Solberg wie ineinander gebrochen noch immer auf seinem Stuhle und rührte und regte sich nicht bei all' dem ihn umgebenden Wirwarr. Er hatte auch stets nur staunend zu gehört, wie sich Anklage auf Anklage gegen den Schuldigen häufte häufte und daß er schuldig sei? Nicht mit einer Faser feines Herzens zweifelte er mehr daran, denn zu deutlich prägte sich das in seinen 3ügen aus. Und Fränzchen, das arme Fränzchen! Aber war es nicht ein Glück, daß sie noch man fonnte sagen: im letzten Augenblicke der furchts baren Gefahr entgangen, in die Gewalt dieses gewissenlosen Menschen zu fallen? Muy beschäftigte sich inzwischen vollständig mit der jungen Amerikanerin, die er in jeder Hinsicht zu beruhigen suchte, aber auch bat, jetzt so rasch als möglich in ihr Hotel zurückzukehren. Er versprach ihr dabei, noch heut Abend genauere Nachricht zu bringen, was man in dem Besize ihres früheren Gatten gefunden, damit sie ihre Ansprüche darauf geltend machen fönnte. Es sollte ihr ja auch in dessen hier an nichts fehlen und sie möge ihre Zeit dort drüben, indeß Leute, die es gut mit ihr meinten, thätig waren, ruhig abwarten. Sie ließ sich endlich von Mur nach Hause geleiten; der wilde Lärm umher, das Heraus- und Hereinstürzen von Menschen, deren Sprache sie nicht einmal verstand, machte sie ängstlich, und es gelang auch dem kleinen Manne, fie aus dem Hause zu bringen, ehe man den Verwundeten nach vorn schaffen konnte. ( Fortsetzung folgt.) am 12. Januar that er das in Folge meiner Aufforderung. Bräs. Hat er sich über Arbeitsuchen geäußert? Beuge: Einmal sagte er, es giebt bei den Schreinern hier gar keine Arbeit. Präf.: Der Angeklagte ist doch Schuhmacher? Beuge: Er gab fich als Schreiner aus und meldete sich auch als solcher an. Präs.: Angeklagter, aus welchem Grunde thaten Sie das?- Angell.: Weil ich meine Papiere verloren hatte. Präs. Das stimmt nicht, Sie haben sich ja als Lieske" angemeldet.- Der Angeklagte schweigt. Auf weiteres Befragen des Präsidenten bekundet noch der Zeuge Ranfft: Der Angeklagte sei am 13. Januar des Morgens fortgegangen und nicht mehr wiedergekommen.- Präs.: Fiel Ihnen das auf? Beuge: Jarohl, ich habe in Folge deffen, da ich den Angeklagten erwartete, das Zimmer nicht vermiethet. Angefl.: Der Beuge muß sich doch erinnern, daß ich ihm am 13. Januar des Morgens bezahlt und ihm gesagt, daß ich vielleicht nicht mehr wiederkommen werde. Zeuge: Die Bezahlung erfolgte täglich, ich erinnere mich nicht, daß mir der Angeklagte gesagt, er werde nicht mehr wiederkommen. Frau Ranfft, das Dienstmädchen Wünsche und auch Ranfft jun.( der Bruder des Ersteren) bestätigen im Wesentlichen die Bekundungen des Gastwirths Raufft. Alle diese Zeugen deponiren übereinstimmend: Es sei ihnen aufgefallen, daß der Angeklagte am 13. Januar Abends nicht mehr zurückgekehrt sei. Auf Befragen des Präsidenten bemerkt die Zeugin Wünsche: Sie habe niemals einen Revolver bei dem Angeklagten gesehen.- Präs.: Angeklagter, trugen Sie denn den Revolver immer mit sich umber? Angefl.: Jawohl. Präs.: Wozu geschah das, hier in Frankfurt ist es doch nicht so unsicher?- Der Angeflagte schweigt.- Dina Camphausen( 13 Jahre alt), bekundet, gleich ihrer Mutter, einen dem Angeklagten sehr ähnlichen, bartlosen Menschen am 13. Januar, Abends gegen 7, Uhr, im Sachsenlager, gegenüber der Rumpff'schen Wohnung gesehen zu haben. Ob dieser Mann, der eine seidene Müße getragen, der Angeklagte gewesen, könne sie mit Bestimmtheit nicht sagen. Staatsanwalt: Frau Camphausen, die Ermordung des Herrn Polizeirath Rumpff hat doch hier ein ganz unendliches Aufsehen gemacht, weshalb melden Sie sich erst heute mit ihren Wahrnehmungen? Zeugin: Ich fürchtete mich.- Präs.: Vor wem fürchteten Sie sich?- Beugin: Ich fürchtete die Rache Der Anarchisten. Schuhmachergeselle Dafing: Ich traf einige Male bei Ranfft mit dem Angeklagten zusammen und Spielte mit ihm Karten. Eines Abends besuchte den Lieske ein mir unbekannter Mann, der sich mit Lieske duzte; was dieser Mann mit Lieske gesprochen, konnte ich nicht hören.- Präs.: Angeklagter, was war das für ein Mann? Angefl.: Mir ist kein Mann bekannt, mit dem ich mich in Frankfurt gedugt habe. Photograph Dinges: Ich kam mehrfach mit Lieste bei Ranfft zusammen. Am 12. Januar Abends habe ich unter dem Tische Legitimationspapiere, auf den Namen„ Lieste" lautend, gefunden. Ich hob die Papiere auf, vermochte fie aber dem Lieste nicht mehr auszuhändigen, da derselbe am 13. Ja nuar Abends nicht mehr wiederkam. In Folge dessen habe ich die Papiere später der Polizei ausgehändigt. Präs.: Nun, Lieske, Sie hören, was der Zeuge sagt? Angefl.: Ich habe meine Papiere bereits am 4. Januar verloren, ich habe noch dem Jakob Ranfft gesagt, daß ich meine Papiere verloren habe. Jakob Ranfft weiß sich einer solchen Aeußerung nicht zu er innern. Präs.: Frau Ranfft, ist es möglich, daß Legitimationspapiere, die am 4. Januar unter den Tisch fallen, erst am 12. Januar gefunden werden können? Beugin: Das ist nicht möglich, denn unsere Zimmer werden alltäglich gründlich ausgefegt. Schreiner Helle: Er habe am 12. Januar Abends mit dem Angeklagten bei Raufft Karten gespielt. Maschinenschlosser Schmidt: Ich habe mit dem Angeklagten mehrfach bei Ranfft verkehrt; derselbe besaß einen fleinen, schmalrandigen Hut und eine Tuchmüße.- Schuhmachermeister Meyer: Ich lernte den Angeklagten bei Ranfft kennen; er gab sich mir gegenüber als Schreiner aus. Aus diesem Grunde ersuchte ich ihn, mir beim Umziehen meiner Wohnung behilflich zu sein. Ich sah jedoch sehr bald ein, daß er mit der Hantirung von Möbeln nicht Bescheid weiß. Eines Tages schalt er, daß er in einem Loche wohnen müsse, während die reichen Müßiggänger in Palästen wohnen. Am 12. Januar, gegen 6 Uhr Abends, sagte er, er müsse in die Stadt gehen. Ich fragte ihn, ob er in der Stadt Bekanntschaft habe. Er verneinte das mit dem Bemerken, er habe Wichtiges in der Stadt zu thun. Präs. Was hatten Sie in der Stadt für Geschäfte zu besorgen?- Angefl.: Ich erinnere mich nicht, zu dem Zeugen die befundete Aeußerung gethan zu haben. Bräs.: Der Zeuge ist Schuhmacher, was hatten Sie für einen Grund, fich als Schreiner auszugeben. Sie behaupten, Sie wollten fich in Frankfurt Arbeit juchen, warum haben Sie den Beugen nicht gefragt, ob er Arbeit habe? Angefl.: Der Beuge hatte ja selbst keine Arbeit. Präs.: Das fonnten Sie doch gar nicht wissen? Angefl.: Das weiß ich schon, daß solch kleine Meister entweder überhaupt keine Arbeit haben oder höchstens geger einen Hungerlohn. Wenn ich nicht in einer großen Werkstatt Arbeit bekommen kann, dann arbeite ich überhaupt nicht, denn für einen Hungerlohn kann ich nicht arbeiten. Hausdiener Krap: Lieske und Nau haben in der Herberge zur Heimath oftmals mit zwei Männern verkehrt, die nach dem Morde wohl noch wiedergekommen, aber gleich, nachdem Nau verhaftet worden ist, verschwunden sind.- Präs.: Wie sahen diese Leute aus? Zeuge Der eine war ein älterer Mensch mit schwarzem Vollbart und kleinem Hut, der andere ein junger, bartloser Mensch mit seidener Müße. Präfident: Angeklagter, was waren das für Leute?- Angeklagter: Das weiß ich nicht; in der Herberge zur Heimath verkehrten so viele Leute, daß man unmöglich auf alle Leute fich erinnern fann. Krap bemerkt im Weiteren: Der Kellner Burkhardt habe ihm gesagt, er habe den Mann mit dem Bart am Tage des Mordes vor dem Polizei- Präsidium stehen sehen. Kellner Burkhardt bestätigt die lettere Bekundung; er habe den Mann gleich für einen Mitschuldigen gehalten, er habe ihn nur einmal am Tage vor dem Morde in der Herberge zur Heimath gesehen.- BartiTulier Christ: Er wohne Sachsenlager Nr. 1 und habe mehrere Tage vor dem Morde Abends gegen 7 Uhr vor seinem Hause einen Mann stehen sehen, der aber dem Angeklagten feineswegs ähnlich sah. Ihm( Beugen) sei der Mann verdächtig vorgekommen, da er immer in der dunkelsten Ecke gestanden habe Präs. Soll der Mann vielleicht eines Liebesverhältniffes wegen da gestanden haben?- Beuge: Das bezweifle ich, denn er sah stets unverwandt nach dem Gärtnerweg hinunter. Schußmann Biermann: Einige Tage nach dem Morde habe er den Nau mit einem Menschen, der einen Schwarzen Vollbart hatte und einen Ballonhut trug, in der Römergaffe in der Nähe des Polizei- Präfidiums gesehen. Vertheidiger: Ist dem Zeugen vielleicht bekannt, daß im Sachsenlager zur Sicherheit des Polizeirathes Rumpff Beamte poftirt waren? Beuge: So viel ich weiß, ist das niemals geschehen. Auf Befragen des Präsidenten befundet Partikulier Christ: Er habe den Mann anfänglich für einen Polizeibeamten, als aber der Mord paffirt war, für den Mörder gehalten; jedenfalls habe es auf ihn nicht den Eindruck gemacht, daß der Mann eines Liebes- Verhältnisses wegen da stehe. Konditor Schmidt: Am Abend des 13. Januar, etwa 10 Minuten gegen 8 Uhr, sah ich in der Zeil vor dem Café Göthe zwei Leute, der eine ein älterer, der andere ein jüngerer Mann ohne Bart. Der jüngere Mann fagte: Hier haben Leute Maulaffen feil, puze mich ein bischen ab, damit man mir nichts ansieht. Der ältere Mann, der den Frankfurter Dialekt sprach, putte den jüngeren ab. Präs.: War der jüngere Mann beblutet? Beuge: Das weiß ich nicht. Präs. Sah der jüngere Mann dem Lieske ähnlich? Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Hauptmann a. D. Verantwortlicher Redakteur R. UOSADO von Draberg: Am Abend des 12. Januar gegen 82 Uhr sahblicken mit Schrecken auf die große Zahl der Laternenpfähle ich auf dem Main- Nedar- Bahnhof zwei Personen in sehr auffallender Weise sich bewegen. Sie sahen wie gut gekleidete Arbeiter aus, gingen mehrfach die nach dem Perron führende Treppe hinauf und herunter und sprachen sehr leise. Plößlich rief der Eine einen Namen, den ich nicht verstehen konnte und ferner: ,, Etes vous la!" In demselben Moment tam ein junger Mann und sagte: Ce n'etait rien aujourd'hui, j'ai attendu jusqu'a neuf heure." Mir kamen die Leute sehr verdächtig vor, so daß, als ich von dem Morde des Polizei- Rath Rumpf hörte, der Behörde sofort davon Mittheilung machte. Präf.: Sah einer dieser Männer vielleicht dem Angeklagten ähnlich? Zeuge: Nein. Schüler Stolzenberg( 11 Jahre alt): Am Abende des 13. Januar gegen 734 Uhr habe er im Sachsenlager einen Mann über einen Baun steigen sehen, der Mann sei bedeutend kleiner als der Angeklagte gewesen.- Fräulein Mohr: Sie habe am 13. Januar Abends gegenüber der Rumpff= schen Wohnung zwei verdächtige Männer gesehen, die mit dem Angeklagten jedoch keine Aehnlichkeit haben.- Droschkenkutscher Schwerzel: Am 13. Januar Abends gegen 7 Uhr habe er einen Herrn nach dem Café Stein gefahren. Der Mann habe in dem Café mit noch zwei Leuten gesprochen, habe sich mit noch einem Mann in seine Droschke gesezt und sei nach dem Gärtnerweg gefahren. Dort seien beide Herren ausgestiegen, haben ihn längere Zeit warten lassen und alsdann wieder mit ihm nach dem Café Stein gefahren; mit diesen beiden Leuten habe der Angeklagte keine Aehnlichkeit.- Knecht Stiebing, der mit dem Angeklagten längere Zeit in Untersuchungshaft geseffen, bekundet: Der Angeklagte habe zu ihm geäußert, er fönne höchstens wegen des Schießens mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft werden. Hier tritt gegen 2 Uhr Mittags eine längere Pause ein. Als die Sigung gegen 4 Uhr Nachmittags wieder eröffnet wird, herrscht in dem niedrigen Saale eine geradezu unerträg liche Hize. Bu bemerken ist noch, daß schon seit gestern früh der Chef der politischen Polizei, Polizeidirektor Krüger( Berlin), den Verhandlungen beiwohnt. Der zunächst vernommene Oberamtsrichter Laut( Schweßingen), der den Angeklagten zuerst nach seiner am 19. Januar erfolgten Verhaftung vernommen, befundet: Ihm habe der Angeklagte die Verwundung an seiner Hand als eine Schnittwunde bezeichnet. Im Weiteren bestätigt der Zeuge vollinhaltlich die Bekundung des Gendarmen Göß. Es sei selbstverständlich, daß sich der Angeklagte, selbst wenn er nur blind geschoffen, sich einer bedeutend höheren Strafe ausgesetzt habe, als durch den Umstand, daß er falsche Legitimationspapiere beseffen. Dadurch, daß der Angeklagte hinter sich schoß, habe er an Vorsprung verloren. Es sei unmöglich, daß der Angeklagte in die Höhe geschossen. Ob der Angeklagte die Adresse Des Franz Kuttmann in Mannheim bei seiner Verhaftung besessen, wiffe er( Beuge) nicht mehr genau. Er habe gehört, daß der Kuttmann nicht ganz sauber sei. Präs. Soviel ich weiß, ist Kuttmann aus dem Großherzogthum Baden ausgewiesen. Kriminalfommissar v. Hake, unmittelbarer Nachfolger des Polizeiraths Dr. Rumpff: Vor etwa 7 Wochen war ich in der Schweiz, nicht direkt der Lieske'schen Sache wegen. Ich hatte jedoch Gelegenheit, aus dem Mitgliederverzeichniß des Arbeitervereins zu Lausanne zu ersehen, daß Julian Lieske aus Berlin" vom 14. Juli bis 5. September 1883 Mitglied des genannten Arbeitervereins gewesen ist. In der Sigung vom 14. August 1883 wurde Lieske zum Bibliothekar des Vereins gewählt. Präs.: Was für eine Tendenz hatte dieser Verein? Zeuge Der Verein war ein ausgesprochen anarchistischer. In dem Protokollbuch des Vereins heißt es an einer Stelle: Es ist nun endlich nothwendig, die Sache in die Hand zu nehmen; die Sache muß aber sehr geheim gehalten werden. Es sind zu diesem Zwecke bereits 150 Frts. gesammelt worden, eine Anzahl Genoffen wollen noch weitere Sammlungen vornehmen. Am 23. Oftober 1883 wurde in einer Versammlung, in welcher der bekannte Anarchist Heilmann präfidirte, zum Abonnement auf den Rebell" aufgefordert. Heilmann bemerkte, der ,, Rebell" ist unser einziges Vereinsorgan, die Mitglieder mögen sich mithin ein Motto wählen, mittelst dessen sie ihr Abonnement bewirken können. Der Rebell" ist ein Blatt vom Schlage der Most'schen Freiheit", legteres sogar noch bisweilen an Kraftausdrücken überbietend. 11 Präs. Wo wird der ,, Rebell" gedruckt? Beuge: Das weis man nicht; als Druckort wird ,, Nirgendsheim" angegeben. Vorsitzender dieses Arbeitervereins war der Schlosser Johann Veitel; ferner gehörten dem Vorstande an die bekannten Anarchisten Kuttmann und Heilmann. Letterer und Veitel haben sich ihrer Verhaftung durch die Flucht entzogen. Präs.: Können Sie mir vielleicht sagen, Herr Kommissar, was es mit der Brieffaftennotiz in der Freiheit" auf sich hat: Freund N. in 2. glücklich angekommen? Zeuge: Diese Notiz stammt von dem bekannten Anarchisten August Kauffmann, der jetzt in Paris mit der Wittwe des Mörders Stellmacher zusammenlebt. Die Notiz bedeutet: Neve glücklich in London angekommen." Neve ist der ehemalige Expedient der Freiheit", einer der bekanntesten Anarchisten, der sich viel in Desterreich und Deutschland umhergetrieben hat.- Präsident: Nun, Lieske, was sagen Sie dazu, ich will Ihnen bemerken, daß die Lausanner Polizei dieselben Mittheilungen gemacht hat? zu nun Lieste: Ich bin wohl einmal 3 Tage in Lausanne gewesen gearbeitet habe ich jedoch niemals dort.- Präs.: Bisher haben Sie geleugnet, überhaupt jemals in Lausanne gewesen zu sein? Angell.: Damit meinte ich blos, ich habe dort nicht gearbeitet, kann mich mithin an der dortigen anarchistischen Bewegung nicht betheiligt haben?- Präs.: Sie haben doch gehört, was der Herr Kommissar bekundet? Angell.: In Sem Protokollbuch steht doch Julian Lieske aus Berlin". Ich heiße Julius mit Vornamen und bin nicht aus Berlin, sondern aus 3offen. Präs.: 3offen, das ganz in der Nähe von Berlin liegt, wird man in Lausanne jedenfalls nicht gekannt haben, deshalb ist geschrieben worden: aus Berlin." Angeklagter: Ich bin nur einmal 3 Tage in Lausanne gewesen und mit jenem Liesle jedenfalls nicht identisch. Präs.: Herr Präs. Herr Kommissar, wissen Sie, wo Keller ist?- Zeuge: Ich hoffe, es wird uns gelingen, denselben noch bis morgen zur Haft bringen. Es wird die kommiffarische Vernehmung eines Arbeiters Shaker( Fürth) verlesen, der bekundet, daß er einige Tage nach dem Rumpff'schen Morde einen jungen Menschen, den er nicht genau beschreiben könne und der eine böse Hand hatte, in einer Herberge auf der Bergstraße gesehen. Auf Antrag des Staatsanwalts und Ver theidigers beschließt der Gerichtshof, den Zeugen Nau nicht zu vereidigen, da dieser verdächtig ist, den Angeklagten be günstigt zu haben. Alsdann gelangen mehrere Stellen aus Sem Rebell" und der Freiheit" zur Verlesung. In dem Rebell" heißt es:" Gestern Abend ist das Polizei- PräsidialGebäude in Frankfurt a. M. furz vor Schluß der Faullenzer Bude derartig unterminirt worden, daß die ganze Bude wackelte. Leider ist das Attentat nicht gelungen, Polizeirath Rumpff hat auch keinen Schaden genommen, vielleicht gelingt es ein anderes Mal." In der Freiheit" heißt es:" Der Polizeirath Rumpff ist gestern Abend auf Beschluß des" anarchistischen Exekutiv Komitees in Frankfurt hingerichtet worden. Der Thäter ist entwischt. Bravo, Bravissimo. Das nächste Mal mehr."- Präs.: Auffallend ist es, daß in der Nummer der Freiheit" vom 17. Jan. 1885 fich folgende Briefkastennotiz befindet: 2. in B. Wird es gelingen?" Angeklagter, es ist das um so auffallender, als Sie Lieske heißen und in Basel wohnten? Angell.( sehr erregt): Das kann doch aber ebenso gut Lehmann in Berlin," Lorenz in Brandenburg und wer weiß noch etwas heißen. Bräs. In einer weiteren Nummer der Freiheit" heißt es: Rumpff ist todt, hingerichtet von den Anarchisten. Wir erklären uns vollständig solidarisch mit unserem Bevollmächtigten. Die Polizeischurken aller Länder zittern, die Dividendengauner auf der Börse und alle Aussauger überläuft eine Gänsehaut, sie Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in " Die Arbeiter in den Fabriken, Bergwerken, kurz die Lohnsklaven der ganzen Welt jubeln. Genoffe Reinsdorf wird noch auf den Stufen des Schaffots laut aufjauchzen. Die Arbeiter sind in dem Rufe einig: Die Bestie hat es verdient." Ferner heißt es: Die Polizei bietet auf die Ergreifung des Mörders des Polizeirath Rumpff 10 000 Mart, fie zeigt damit, was er ihr werth war. Ohne Zweifel war Rumpff die wichtigste Stüße der heutigen Gesellschaft, der Herrn v. Madai, dem berechnenden Krüger, dem Streber Hülleffem und anderen weit über war. Nun, Rumpf ist noch nicht der lette, es stehen noch eine ganze Reihe auf der Brosfriptionsliste. Die Genoffen Stellmacher, Kammerer und Reinsdorf sind noch nicht gerächt. In einem weiteren Artikel heißt es u. a. Es ist nothwendig. daß solche Genoffen zu Thaten verwendet werden, die nicht bekannt sind. Man glaubt, der den Rumpff hingerichtet, sei aus dem Auslande gekommen. Mögen die Polizeischurken es sich gesagt sein laffen wir haben in Deutschland noch Leute genug, die auf Befehl des Erekutiv- Komitees sofort ber it sind die Beschlüsse mit aller Promptheit auszuführen. Ferner: Sonnabend, den.... im Berliner Rathsteller Newyork Versammlung. Tagesordnung:„ Die Hinrichtung des Polizei- Rath RumpffIn einer späteren Nummer der Freiheit" heißt es: Genoffe Most hielt in der sehr zahlreich besuchten Versammlung einen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Hinrichtung Rumpff's. Die Versammlung erklärte sich einstimmig mit dem Vollstrecker des Urtheils solidarisch und sprach demselben seine Anerkennung aus. Ferner heißt es: In Hockenheim soll ein Schuhmacher- Geselle Lieske, als des Mordes gegen Rumpff verdächtig, vorgeladen worden sein. Lieske's eigener Bruder soll ihn denunzirt haben, jedenfalls hat das dieser Lump gethan, um sich die Prämie zu verdienen. Die Sozialdemokraten, das muß hier noch einmal ausdrücklich betont werden, haben mit den Anarchisten durchaus feinerlei Ge meinschaft. Diese Menschen wollen nun der Welt glauben machen, daß die Ermordung Rumpff's mit Politik nichts zu thun habe. Die von Vahlteich, Walter und ähnlichen Lumpen redigirte ,, New- Yorker Volkszeitung" schreibt: Der Polizeirath Rumpff dürfte von ,, Louis" ermordet worden sein. Gesinnungsverwandte Blätter drucken das Geschreibsel nach. Wir erklären wiederholt: Die Hinrichtung Rumpff's ist vom Erekutiv Komitee nach reiflicher Erwägung beschlossen und von einem Anarchisten ausgeführt worden. Damit Punktum." Präs. Nun, Angeklagter, Sie haben die Artikel verlesen geAngefl. hört, was sagen Sie dazu? ,, Was soll ich dazu fagen? Bräs.: In der Freiheit" wird behauptet: Der Mord ist von einem Anarchisten auf Beschluß des anarchistischen Erekutiv Komitees ausgeführt worden, das ist doch ganz wunderbar? Angefl.: Mich wundert das garnicht. Präs. Sie wundern sich nicht?- Angell.: Ich kenne ja die Sprache der Freiheit", danach wundert es mich garnicht. Präs. Angeklagter, Ihr ganzes Verhalten ist aber sehr eigenthümlich? Geben Sie den Herren Geschworenen noch einmal eine genaue Erklärung, wie Sie nach Bickenbach gefommen find Angefl.: Ich bin am 12. oder 13. Januar Nachmittags nach Bickenbach gegangen.- Präs.: Geben Sie zu, dort zwei Briefe geschrieben zu haben? Angefl.: Nein, das bestreite ich. Präs.: Es haben dies doch aber mehrere Zeugen bekundet? Angell. Dann haben die Beugen das erfunden. Präs.: Geben Sie zu, in Lausanne Mitglied des dortigen Arbeitervereins gewesen zu sein? Angell.: Das bestreite ich ganz entschieden. Präf.: Sie haben auch bestritten, Anarchist zu sein? Angell.: Das bestreite ich noch. Dadurch, daß Jemand die Freiheit" lieft, ist er doch noch nicht Anarchist. Präs. Das ist richtig, Sie haben aber auch die Freiheit" verbreitet?- Angell.: Wenn ich einige Nummern weiter gebe, so ist das noch feine Verbreitung. Präs.: Wollen Sie uns wenigstens sagen, wo Ihr Koffer geblieben ist?- Angekl.: Dann wäre ich schön dumm, Herr Präsident, in dem Koffer habe ich Geld, das will ich nicht verlieren.- Präs.: Sie wissen also, wo der Koffer ist, wollen es uns aber nicht sagen, weil fie befürchten. das Geld könnte Ihnen fortkommen? Angell.: Ja.- Die Sigung wird hier gegen 6½ Uhr Abends auf Mittwoch, Vors mittags 9 Uhr, vertagt. V Soziales und Arbeiterbewegung. Der Streit zu Erdmannsdorf in Schlesien nimmt an Bedeutung zu. Von 1170 Arbeitern und Arbeiterinnen befinden sich nur noch 20 in Arbeit. Der Lohn einzelner Weber hat in der That bei äußerster Anstrengung nur 10 M. betragen, während die Mehrzahl sich mit 6 bis 6 M. 50 Bfgbegnügen mußte, so daß der Durchschnittslohn 7 M. 60 Pfgwöchentlich betrug. Daraus allein aber geht schon die Berech tigung des Streits hervor. Die Tischlergesellen in Chemnik haben eine Kom mission für Lohnbewegung" eingefest. Dieselben unterſtüßen die sireikenden Kollegen in Diesten und Königsberg eifrig und gedenken später selbst direkte Anforderungen an ihre Meister zu stellen. Tischlerstreit in Kaiserslautern. Die dortigen Tischler gesellen haben beschlossen, am 30. Juni die Arbeit einzustellen. Der Anlaß dazu war das Vorgehen der Meister gegen den von den Gefellen gebildeten Fachverin". Die Meister gründeten eine freie Vereinigung", und beschlossen, feinen dem Fachverein angehörenden Arbeiter zu beschäftigen, und da dies dadurch Be stätigung fand, daß faktisch solche Arbeiter entlassen wurden, so beschlossen die Gesellen ihrerseits, dem entgegenzutreten und das Recht der Koalitionsfreiheit zu wahren. Da auf zweimalige briefliche Aufforderung an die Meister, die betreffende Aus schließung zurückzunehmen, keine Antwort erfolgte, dieselben auch der Einladung zu der Versammlung behufs Erzielung einer gütlichen Beilegung der Angelegenheit keine Folge leisteten, so war der Streit unausbleiblich. Wird die gewiß berechtigte Forderung der Arbeiter nicht bewilligt, so wird die weitere Folge die Forderung eines erhöhten Lohnes und Verkürzung Der Arbeitszeit sein. Die Konzentration des Kapitals vollzieht sich immer mehr. Für Deutschland liefert neben der Familie Rothschild hierfür den besten Beweis der Kanonenkönig Krupp und seine Etablissements. Die Krupp'schen Werke hatten im Jahre 1860 nur 1764 Arbeiter, 1870 waren 7084 Arbeiter dort beschäftigt und jetzt beträgt die Zahl der Arbeiter über 20 000. 3ählt man die Frauen und Kinder dazu, so ergiebt fich eine Arbeiterbevölkerung von 65 000 Köpfen. Davon leben zirka 29 000 in den sogenannten Arbeiterwohnungen des Herrn Krupp. Die gesammten Krupp'schen Unternehmungen umfassen die Werkstätten in Effen, drei Steinfohlengruben bei Effen und Bochum, 547 Eisengruben in Deutschland, Minen im nörd lichen Spanien in der Nähe von Bilbao, die Schmelzöfen, den Versuchsplay bei Meppen für Erprobung von Geschüßen nebi verschiedenen anderen Pläßen. Der Schmelzöfen find 11, der Puddel- und Heizöfen 1542, der Dampffeffel 439 und der Dampfmaschinen 450 mit 185 000 Pferdekräften. In Effen allein nehmen die Werke nebst dem Eisenbahnbetriebe 59 Kilo meter Eisenbahngeleise mit 88 Lokomotiven, 893 Wagen 69 Pferden, 191 Draisinen, ferner 65 Kilometer Telegraphen leitung, 35 Telegraphenstationen und 55 Morse'sche Apparate in Anspruch. Dividenden und Arbeitslöhne. Während die letteren durchweg am Sinken sind oder wenigstens gleich bleiben, zahlen verschiedene Gesellschaften troßdem, oder besser gesagt, gerade Deshalb sehr hohe Dividenden. So die Rheinischen Stahl werfe" 20 Prozent, die Sächsische Maschinenfabrit" in Chem nig 9 Prozent, die Braunschweigische Jute- und Flachsindustrie 15 Prozent und die Gummiwaarenfabriken Harburg- Wien" 20 Prozent! D, welche Lust- Aftionär zu sein!" Berlin SW., Beuthstraße 2, Hierzu eine Beilage. Nr. Dres auf d und geme traue effant Beim über wör bereit einer Besch Arbei Kissin Die m und Tanzle haupt nur d hat vi lichen Betri stattfi Arbei aber und Styln fübler zum S von d vorzie des K ist ei Son von s bring echter Laffen tagsh Deutsc öfterre Sonn Das jest a oder stehe. barrei gießer die ei blasen tönne Sonn gründ Geſet Towie der K Festta Bildu seen, dergl. Bruch dingu Sonn ferung Sonn den C verme jene als d aussp christl dämm Sie f jedwe und ödes Häuse Sonn Himm alles Dun Die gange hervo eigent Paris unde gefcha Aber Gaffe bring bemä ein d übrige Diefe motiv bei d Schien gesetzt beiden Aufm meint dürfen intere hatte wirfte gierde wegun in Berliner Bolksblaü. Kr. 131» Donnerstag, den 2. Inli 1883. II. Jahrg. Zum Kapitel der Sonutagsruhe. Ein konservatives, eminent bismarckfreundliches Blatt, die «Dresdener Nachrichten", können es nicht unterlassen, in Bezug «uf die Frage der Sonntagsruhe gegen den Reichskanzler selbst uno vor allem gegen das Lianzlerblatt, die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung", entschieden Front zu machen. Wir ver- trauen unfern Lesern, daß sie aus dem übrigens hochinter- effanten Artikel dasjenige herausschälen, was als frömmelndes Beiwerk zu betrachten ist und auch dasjenige, was ihnen gegen- Aber Personen allzu schmeichelhaft erscheint, da wir den Artikel «örtlich abdrucken. Also das konservative Blatt schreibt: „Derselbe scharf ablehnende Ton, den Fürst Bismarck bereits im Reichstage anschlug, als man über die Einführung einer allgemeinen Sonntagsruhe sprach, klingt auch aus dem Bescheide heraus, den der Kanzler auf eine Eingabe katholischer Arbester dahin hat ergehen lassen. Ter Bescheid ist aus Kissingen datirt. Der Gebrauch der Kisfinger Heilquellen und die mrt der Kur— soll sie erfolgreich sein— verbundene Ruhe Jini Enthaltung von Arbeiten haben also leider den Reichs- tanzler nicht freundlicher zu der Frage der Sonntagsruhe überhaupt zu stellen vermocht. Erfreulich ist an der Kanzler-Äntwo t nur das Eine: daß die Sache nicht eingeschlafen ist. Fürst Bism> i& hat vielmehr bei den Regierungen der Bundesstaaten die erford r-> lichen Anträge gestellt und zunächst um Ermittelung derjenigen Betriebe gebeten, in welchen gegenwärtig Sonntagsarbeit stattfindet; es sollen außerdem dre Ansichten der betheiligten Arbeiter und Untcrnchincr ermittelt werden. In welchem Sinne ober Fürst Bismarck wünscht, daß die Angelegenheit betrieben und wie die Antworten ausfallen sollen, ist aus einzelnen Stplwendungen seines Kissinger Bescheides greifbar hcrauszu- fühlen. Der Say:„den Arbeiter auch gegen seinen Willen zum Verzicht auf den Sonntagslohn zwingen," der Gegensatz von der„Sonntagsruhe, die der Arbeiter dem Lohnerwerbe vorziehe", bestätigen, was man schon äus der Reichstagsrede des Kanzlers über dieses Thema wußte: Für st Bismarck ist ein Gegner der gesetzlich einzuführenden Sonntagsruhe. Schon im Reichstage wurde erdafür von seinen sonstigen Gegnern, den Freihänolern, mit den auf- dringlichsten Komplimenten überschüttet; hatte er doch wie ein echter Manchestermann gesprochen. Um ja keinen Zweifel zu lassen, wie der Kanzler von der gesetzlich vorgeschriebenen Sonn- tagsheiligung nichts wissen will, übt sein Lcibblatt, die Nord- deutsche Allgemeine" fast täglich ihren Witz an dem neuen österreichischen Gesetze, das ein Verbot der gewerblichen Sonntagsarbcit vor Kurzem eingeführt hat. Natürlich verlangt das betreffende österreichische Gesetz keineswegs, daß von jetzt ab in keiner Fabrik oder Werkstatt überhaupt ein Schlag oder eine Handreichung mehr gethan werde, daß Alles still stehe. So unverständig waren die Gesetzgeber unseres Nach- varreichs nicht im niinoesten. Puddel- und Walzwerke, Eisen- gießereien, Schmelzöfen, Glasfabriken und ähnliche Betriebe, die eine ununterbrochene Besorgung erheischen, wo das An- blasen der Hochofen allein mehrere Tage in Anspruch nimmt, können selbstredend nicht Ruhepausen ertragen. Da muß auch Sonntags der Schornstein rauchen. Weitere ebenso wohlbe- gründete Ausnahmen macht das österreichische Sonntagsruhe- Gesetz bczügl. der Säuberungs- und Fnstandhaltungsarbciten, sowie bezüglich derjenigen Betriebe, die für die Bedürfnisse der Konsumenten und des öffentlichen Verkehrs an Sonn- und Festtagen unbedingt in Schuß sein müssen, also öffentliche Bildungs- und Vergnügungsanstaltcn, Kirchen, Theater, Mu- seen, Wirthshäuscr, Eisenbahnen, Fuhrwesen aller Art und dergl. Diese Durchbrechungen der Sonntagsruhe für einen Bruchtheil des Volkes find eben die unentbehrlichen Vorbe- dingungcn für die echte SonntagSheiligung und den wahren Sonntagsgenuß der übenviegenden Masse der Bevöl- «rung. Es zeigt aber kein gutes Herz für eine christliche Sonntagsfeier und verzweifelt wenig Verstandniß für den Segen der Sonntagsruhe, wenn wegen dieser nicht- vermeidbarcn Durchbrechungen des Prinzips ver Sonntagsruhe jene„Norddeutsche Allgemeine" das Prinzip s c l b st verwirft, als durchlöchert lächerlich machen will und ebenso Diejenigen ousspottet, die aus religiösen Gründen verlangen, daß der christliche Staat das dritte Gebot ehre, als Diejenigen, die Bidf, Vor dem Gewittersturm. Von Elise Eh..... Schwül und heiß war die Nacht, heiß und schwül dämmerte auch der Morgen dem heißen Junitag entgegen. Sie spendeten nicht die erfrischende Kühle, nach der sich jedwedes Herz sehnte.— Ich hatte mich frühzeitig erhoben und blickte hinaus auf die noch leere Gaffe. Es war ein ödes Bild. Vor mir die einförmigen grauen sechsstöckigen Häuser, zu beiden Seiten derselbe Anblick— Luft und Sonnenlicht, wo bleibst du? Mein Auge suchte den Himmel, wenigstens ein kleines blaues Stückchen davon, doch alles war bleigrau und schwer. Ein undurchdringlicher Dunstkreis hatte sich zwischen Himmel und Erde gelagert. Die vielen schwülen Tage, welche diesem schon voraus ge- ?angen waren, hatten diese stickende Atmosphäre in Paris ervorgerufen. Paris!— Bei dem Gedanken, wo ich mich eigentlich befand, wallte eine bittere Erregung in mir auf. Paris hat nämlich zwei Gesichter, ein verführerisch schönes und ein abschreckend häßliches. Wer nur das schöne Paris geschaut, geht hochbefriedigt aus der anziehenden Weltstadt. Aber—— wer gezwungen ist, in den engen dumpfen Gassen mtt den übelriechenden Höfen seine Tage zu ver- bringen, wird oft mißmuthig gestimint. Soeben wollte sich meiner auch eine bittere Stimmung bemächtigen, als sich mir gegenüber ein Fenster öffnete und ein dunkler Frauenkopf vorsichtig hinausschaute, während der übrige Theil der Gestalr sich hinter der Gardine verbarg. Diese Vorsicht ließ sich leicht durch ihr tiefes Negligö motiviren, denn sie war nur mit einem Hemd bekleidet, was bei b(r_ drückenden Schwüle nur zu erklärlich war. Sic I schien sich keiner verdächtigen, oder profanen Blicke aus-[ gesetzt, denn ungenirt öffnete sie jetzt groß und weit die j beiden Fensterflügel. Mir schenkte sie nicht die geringste; Aufmerksamkeit. Entweder sah sie mich nicht, oder sie ver-: meinte vor mir keinerlei Toilettengeheimniffe verbergen zu bürfen. Vielleicht nahm sie auch an, eine Geschlechtsgenossin mteressire sich nicht für dergleichen. Im letzteren Falle hatte sich jedoch mein Gegenüber arg getäuscht. Denn, be-! Wirkte dieses die Einförmigkeit oder war es wirkliche Neu-! gierde, ich schaute scharf hinüber, damit mir keine ihrer Be-| �kgungen entging. nach ihrer volkswirthschaftlichen Ueberzeugring die Sonntags- ruhe als unerläßlich zur Erhaltung und Schonung der Volks- krast fordern. J Verlaffe sich die Norddeutsche" darauf: lange wird es nicht mehr währen, dann wird auch Deutschland ein dem öfter- reichischen ähnliches Sonntagsheiligungsgesetz einzuführen durch die Wucht der Verhältnisse und die unerbittliche Logik der Thatsachen gezwungen sein. Der Antwotten der Arbeiter, ob sie eine Sonntagsruhe wünschen? find wir im Voraus gewiß. Die Fragestellung ist hier freilich von großer Bedeutung. Formulirte manFne Frage etwa so: Zieht Ihr einen 14prozentigen Lohnabzug einigen Arbeitsstunden am Sonntage vor? so könnte es schon vorkommen, daß hie und da die Arbeiter die ihnen schlau auf die Zunge gelegte Antwort ettheilten, zumal ein kurzsichtiger Egoismus auch m breiten Schichten den moralischen Untergrund stark erschüttert hat. Eine solche schiefe Fragestellung wäre aber der großen Sache unwürdig. Es ist grundsätzlich zu verwerfen, daß man die Sonntagsruhe mit dem Hunger, die Gottesverehrung mit menschlichem Elende in einen Gegensatz bringt. Die Sache steht vielmehr so, daß eine Be- schränkung der Arbeitszeit durch gesetzliche Einführung der Sonntagsyeiligung das allernächste und nothwendigste Stück der Sozialreform ist. Ohue solche greift die leibliche und sittliche Verkümmerung der Arbeiterbevölkerung so um fich, daß daraus für den Staat wie für die Gesellschaft die bedrohlichsten Folgen erwachsen. Einen Jeden schützt der Staat in seinem Eigenthum und in seiner Person. Das einzige Eigenthum, außer seiner Ehre und seinen Kindern, ist für den Arbeiter, wenigstens dem größten Theile nach, seine Ar- beitskraft und körperliche Gesundheit. Hierauf beruht seine Existenz. Wir schätzen die Unfall- und Kranken- Versicherung, die bei uns jetzt dem Arbeiter gewährt ist, sehr hoch. Wenn aber der Staat nicht für eine Schonung der Arbeitskraft selbst sorgt, dann wird das Krankcnkaffengesetz mit seinen regelmäßigen Beiträgen von der großen Mehrzahl der Arbeiter eher als eine Last, denn eine Wohlthat empfunden werden. Wir klagen über Ueberproduktion und Fürst Bismarck fürchtet, daß die Industrie bedroht sei, wenn man die Arbeitszeit verringere! Welcher Widerspruch! Auf den Landstraßen ziehen über 300 000 Menschen vagabondirend, bettelnd und zu üblen Thaten leicht geneigt, herum, deren Land- strcichcrei größtenthcils die unfreiwillige Folge nicht erhaltener Arbeit ist: undgleichwohl sollen die beschäftigten Arbeiter nach den endlosen Werkeltagen nicht einmal am Sonntage ruhen dürfen? Man hat sich gewöhnt, von der„guten" alten Zeit nur noch ironisch zu reden, weil sie in vielen Stücken in der That tief unter der heutigen steht und deren Verbesserungen nicht kannte; aber darin war sie wirklich die gute Zeit, da ß sie den Feiertag ehrte. Sie wies dabei auf allen Gc- bieten menschlicher Thätigkeit unübertroffene Leistungen auf, obwohl ihr die technischen Hilfsmittel der Gegenwart mangelten. Wir Modernen mit all unseren bewunderungswürdigen Ma- schinen und unseren erstaunlichen Hilfsmitteln, die mindestens drei Viertel der Arbeit an unserer Stelle thun, stellen uns so, als produzirten wir noch viel zu wenig! Das Wort „Export" wirkr auf unsere Industrie bald wie eine Peitsche, die sie zu der übermäßigsten Ansvannung tteibt, bald wie eine Straßenwalze, die jede vernünftige Vorstellung sitt- lichen oder volkswitthschaftlichen Inhalts niederdämmt. Eine wahre„Exportwuth" ist über uns gekommen. Man opfert Alles, uin den Konkurrenten auf dem sog. Weltmarkte zu schlagen. Der kaufmännische Grundsatz, eine Waare so theuer wie möglich zu verkaufen, ist dem Schlcudcrverfahren gewichen, so billig wie möglich toszuschlagen. Daher der Rückgang der Preise und der Druck auf die Löhne. Alles Heil sucht man in dem Export; an die Gewinnung des vaterländischen Absatz- Marktes denkt man nur nebenbei/» obwohl die erhöhte Kaufkraft der Arbeiter daheim der Industrie weit lohnendere Austräge zuwenden müßte, als die Versorgung ausländischer Plätze mit gedrückten deutschen Waare n. Diese Expottwuth führt dazu, daß dem Arbeiter eine immer größere Anspannung aller Kräfte, Ausdehnung der Arbeitszeit und Verzicht auf die Sonntagsruhe angcsonnen wird und daß ttotzdcm dem Fabri- kanten bei der größten Aufbietung der eignen Leistung als Ge- Sie war hinter den einen Fensterflügel zurück- getreten, um ihre Toilette vorzunehmen. Ihre Gestalt war zum Theil verborgen, aber ich sah einen wohl- geformten kleinen Fuß, über welchen sie die übliche Umhüllung streifte. Sie zog das leicht durchbrochene Gewebe hinauf, bis über das Knie, fuhr noch einmal, wie mit stillem Wohlgefallen, mit der Hand über den eng an- liegenden Strumpf und legte dann ein Strumpfband um, welches zierlich mit Schleife und Schnalle versehen, dem Fuße ein außerordentlich verführerisches Ansehen gab. Bei dieser Arbeit bemerkte ich, daß das Mädchen überaus an- muthize Körperformen besaß. Die weißen vollen Arme, der schöngebogene Nacken waren wie gemeißelt. Der kleine Kopf mit den überreichen langen Haaren, die bei der ge- neigten Stellung bis zur Erde reichten, verlieh dem Mäd- chen etwas ganz ungewöhnlich interessantes. Dabei war jede Bewegung an ihr so einfach natürlich und dennoch wunder- sam schön und graziös. Endlich kam sie zum Vorschein. Ueber die weiße Morgenjacke fiel das glänzend schwarze Haar. Das Gesicht war von keiner regelmäßigen Schönheit, wie ich jetzt wahrnehmen konnte; der Mund ein wenig zu breit, aber eine Reihe perlengleicher weißer Zähne glänzte daraus hervor, die Nase war zu hervorragend, um schön ge- nannt zu werden. Trotzdem fühlte ich mich ungemein von dieser Erscheinung angezogen. Meine bittere Stimmung war schon längst gewichen' und hatte einer stillen Aussöhnung mit dem Geschick Platz gemacht. Die Unbekannte da drüben, die diesen Stimmungs- Wechsel zweifelsohne bewirkt, ordnete jetzt die Kissen ihres Bettes und legte die wollene Decke glatt ohne Falten dar- über. Dann nahm sie einen Besen und kehrte das kleine Zimmer. Ich schämte mich meiner Unthätigkeit und stand trotzdem festgebannt und schaute durch das zensier in den kleinen Raum. Die Bewohnerin desselben war nun vor den Spiegel getreten und steckte das lange dunkle Haar kunstgerecht hoch auf. Auf die etwas niedrige Stirn legte sie kleine künstlich gedrehte Löckchen. Ich empfand etwas wie Neid sich in meinem Herzen regen, in Anbetracht meines kargen, farblosen Kopfschmuckes und der Ungeschicktheit, welche ich'beim Ordnen desselben stets bekundete. Jetzt tauchte das Mädchen einen Zipfel des Handtuches m das Wasch- schäftsgewinn immer weniger übrig bleibt. Die Exporwuth ist die Folge der Herrschaft des Leihkapitals. Man setzt irrig voraus, daß das Kapital als solches Produktivität be- fitzt, obwohl es ebenso wie die Zeit an fich unfruchtbar ist. Der Kapitalzins läuft Tag und Nacht, Werkel- und Sonntag; die dem Leihkapital zinsbare Produktton empfindet daher das Bedürfniß, Tag und Nacht-, Sonn- und Feiettags zu arbeiten, um den Tribut an das Leihkapital zu erschwingen. Wie das Geldkavital allstündlich seinen Zins ge- biert, soll das auch das in Fabriken angelegte Leihkapital thun, gleichgiltig, was darüber aus den Menschen wird; das ist eine unchristliche Weltanschauung. Anders dachte darüber König Heinnch der IV. von Frankreich. Auch dieser gehörte unzweifelhaft zu den bedeutendsten Staatsmännern aller Zeiten, aber seine größten politischen Aktionen haften nicht so im Gedächtniß des Volkes, wie ein schönes Wort, daß er wolle, daß„jeder Lauer am Sonntag sein Huhn im Topfe habe." Ein tiefer Gedanke in diesem schönen Königsworte ist unverkennbar, der König wußte, was dem Volke der Sonn- tag ist und er begriff, was er ihm sein sollte: d e r T a g des Wohlergehens und der Freude. Aus der ge- meinsamen Sonntagsruhe erwächst jedem Menschen das Gefühl des moralischen Zusammenhanges und der geistigen Hebung innerhalb der Gemeinschaft und damit das nothwendige Gegen- gewicht gegen den materiellen Druck des Alltags. Warum zögert der große Kanzler Deutschlands, ähnlich jenem großen Könige Frankreichs, das Seine zu thun, daß der deutsche Ar- beiter wenigstens seine Ruhe am Sonntage habe?" So der Attikel. Wir sagten schon oben, daß wir keinen Kommentar zu den Ausführungen des konservativen Blattes machen wollten. Nur eine Frage wollen wir stellen: Weshalb greifen die„Dresdener Nachrichteii" nicht auch das Zentrum und die Konsewativen im Reichstage, vorzüglich den Abgcord- ncten Ackerniann an, die doch in der Frage der Sonntagsruhe vor einem Stimrunzeln des Kanzlers sich beugten und die ganze Angelegenheit im Sande verlaufen ließen? Wahrscheinlich werden die„Dresdener Nachrichten" antworten:„Ja. Bauer, das ist'was anderes!" Dokstes« r. Kartenspiel ist Teufelsspiel! sagt ein altes Sprüch- wort, das auch mit Vorliebe fromme Herren zu zitiren pflegen. Man braucht dasselbe indessen nicht im vollen Umfange für zu- treffend zu halten, um den Unwillen einzelner geistlicher Herren zu verstehen, der sich gegen die neueste Erscheinung unserer evangelisch-theologischen Literatur Achtet, die nichts Geringeres ist, als cm frommes Kartenspiel. In einem kleinen Karton von der ,vorm eines Buches steckt eine Anzahl Kotten— ob es auch 32 sind, wissen wir nicht— auf deren jeder ein Bibel- spruch abgedruckt ist. Wie dies fromme Kartenspiel zur geistigen Erholung benutzt wird, können wir ebenfalls nicht verrathen und wagen auch nicht, unserer Phantasie in dieser Richtung Raum zu geben, um nicht die Empfindungen Einzelner zu verletzen, aber von der Thatsache müssen wrr Notiz nehmen, daß selbst in den Kreisen der Geistlichen diese merkwürdige Erscheinung auf den entschiedensten Widerspruch stößt. Man erblickt in solchen Spielereien mit religiösen Dingen eine vom protestantischen Standpunkte aus durchaus verwerfliche Einrichtung, die einen Rückfall in die Aeußerlichkeiten oes katholischen Kultus dar- stellt und beispielsweise über die in den protestantischen Kultus nicht übernommene Formalität des Rosenkranzes hinausgeht. Plan will in dieser neuen Erscheinung einen charakteristischen Zug der orthodox- protestantischen Richtung ettennen, der in einzelnen Dingen sich mindestens den katholischen Einttchtungen stark nähere, wenn nicht über dieselben hinausgehe. Solche Erscheinungen fördern nicht die Religiosität, sondern den Aberglauben!— So die Meinungen über das fromme Kartenspiel! Wir wollen die geistlichen Herren ruhig einander überlassen. Für die niodem-kirchliche Bewegung ist die Erscheinung immer- hm bcachtenswetth und deshalb verdient sie, daß von ihr Notiz genommen werde. e- Die Gertraudtenbrücke, welche erst vor Kurzem mit neuen Bohlen belegt worden ist, wird gegenwärtig wieder einer vollständigen Renovation unierzogen. Mit dieser Renovirung becken und rieb sich tapfer Gesicht und Hals, alsdann kam xouckro de riz darüber. Sie sah schön aus, trotz der Unregelmäßigkeit ihrer Züge. Der Typus einer echten Südländerin war deutlich auf ihrem Antlitz ausgeprägt. Sie griff nach einem dunklen Korset und legte es um die schlänge Taille, dann zog sie die Brüste hochhinauf. Welch herrlicher Busen, welch edle Formen, Weib, dich hat die > Natur in einer seligen Stunde geschaffen.— Ein schwarzes enganschließendes Gewand entzog jetzt meinen Blicken den tadellosen Körperwuchs. Mit dem der Französin eigenen chic, schlang sie ein dunkelrothes Band um den Hals und knüpfte es vorne zu einer graziösen Schleife. Dann nahm sie ein Stück ttocken Brod, lehnte sich zum Fenster hinaus und—-- frühstückte.——— Die unerträgliche Hitze hatte mit jeder Stunde des Tages zugenommen. Es war gegen zwölf Uhr. Ich war in die üble Dünste ausströmende Gasse gestiegen, um die täglichen Einkäufe zu besorgen. Im Schatten der Häuser schlichen die Menschen langsam entlang. Die tropische Schwüle lastete erdrückend auf die Bewohner der Weltstadt und lähmte jedwede schnelle Bewegung. Vor mir erhebt sich ein massives graues Gebäude. Der breite Durchgang zum Hofe ist durch eine kolossale, mit starken Eisenbeschlägen versehene Thüre abgesperrt. Einen beängstigenden Eindruck machen die festen eisernen Spitzen, die auf der Thüre gleich Bayonetten aufgepflanzt sind, da diese nur zu Treiviettheilen des Durchganges hinaufgereicht. Gefängnißartig starren mich die sinstern Mauern und schweren Thüren an, obgleich in großen Buchstaben, deutlich für Jedermann zu lesen, Fabrique de Bontons(Knopffabrik) der Mauer entlang angebracht ist. Ein schrilles Geläute entreißt mich plötzlich dem unheimlichen Eindruck, welcher mich beim Anblick dieses Gebäudes beschlichen hatte. Knarrend gehen die schweren Thüren auseinander, und eine ungeheure Menschenmasse strömt auf die enge Gasse, die jetzt von diesen Arbeitsbienen männlichen wie weiblichen Geschlechts überfluthet wird. Ungeachtet der fürchterlilhen Schwüle eilen Alle schnell ihrer Wohnung zu; denn es ist. nur eine Stunde Mittag. Pünktlich fünf Minuten vor ein Uhr öffnen sich die dunklen Thüren und schließen sich zwei Minuten später, damit Punkt ein Uhr Jeder an seinem. aae. — die Brücke erhält wieder einen durchweg neuen Bohlenbelag — wird sogleich die Gertraudtenstraße aus beiden Seiten der Brücke mit Wiener Pflaster neu gepflastert. Ganz abgesehen von den bedeutenden Kosten, welche die starke Abnutzung durch den hier bedeutenden Wagenvcrkehr verursacht, wird der Ver- kehr durch die fast ununterbrochenen Revaraturen nicht un- wesentlich zerstört, so daß es Wunder nimmt, warum man nicht schon längst den Bau einer massiv konstruirten Brücke in's Auge gefaßt Hai.— Auch die Schleusenbrücke beim Rothen Schloß wird gegenwärtig wieder reparirt. Hier werden zum Theil neue Balken, zum Theil neue Bohlen eingelegt.— Als dritter im Bunde der in der Renovirung begriffenen Brücken ist die Kottbuser Brücke zu nennen, welche ebenfalls durch einen starken Wagenverkehr vielfacher Ausbesserungen im Jahre unterworfen werden muß. d. So billige Butter wie jetzt haben wir seit langer Zert nicht gegessen; Butter für 1,20 M. macht schon den Anspruch auf das Prädikat hochsein. Der Grund ist Ucbcrproduktion. In Folge des Schutzes der„nationalen" Butter haben sich überall Molkerei-Genossenschaften von Gutsbesiüern gebildet, welche alle hochfeine Butter produzircn und die Butterhändler mit Angeboten überschwemmen. Der Bauer buttert fast gar nicht mehr, sondern verkauft seine Milch an die Molkereien, so daß die Mittelbutter zu verschwinden beginnt. Es geht mit der nationalen Butter wie mit dein nationalen Schwein. Alles hat sich auf die Schwcineproduktion geworfen und die Folge ist, daß Schweinefleisch billiger ist, als je zuvor, trotz der Ab- sperning gegen Amerika. Auf dem Berliner Vichmartt gilt Schweinefleisch 35 Pf. Das Ende muß ein allgemeiner Krach sein, wie wir ihn am Zucker schon erlebt haben. Die hiesigen Fischer und Fischhändler hat ein harter Schlag getroffen. In der Nacht zum Dienstag sind, wie die „Staatsb.-Ztg." niittheilt, die sämmtlichen Fische in den Fisch- kästen in dem Sprectheile von den Dammmühlen stromab- wärts erstickt. Der Schaden wird, ganz mäßig geschätzt, auf 60 000 Mark angegeben. Der Grund für das Sterben der Fische soll sein, daß von den Schützen an den Dammmühlen nur eine einzige gezogen war, die andern aber herabgelassen waren. Dadurch war die Strömung in jenem Sprectheile eine zu geringe, das Wasser stagnirte und wurde durch den masscn- haften Zufluß des schmutzigen Regenwassers noch mehr ver- darben, so daß dann die Fffche dann ums Leben kamen. Falschmünzer. In letzterer Zeit haben hier und in der Umgegend falsche Einmarkstücke kursirt, welche am hiesigen Orte verfertigt und verausgabt worden sind. Dieselben sind von Bntanniametall, auffallend leichter als die eckten und tragen verschiedene Jahreszahlen und Ätünzzeichen. Uni ihnen einen besseren Klang zu geben, haben die Verfertiger etwas Gold- staub der Masse hinzugefügt. Die hiesige Kriminalpolizei hat gestern zwei Personen verhaftet, von denen die eine der An- fertigung, die andere der Verausgabung und Verbreitung ver- dächtigt ist. Bei Durchsuchung der betreffenden Wohnung fand man einen Schmelztiegel mit Resten von flüssig gewesenem Metall, einen Theil Gips und einige Falsifikate. g Mne Anzahl von Barbrergeschäften schließt jetzt während der Sommermonate nicht, wie dies vielseitig geschieht, an Sonn- und Festtagen um 6 Uhr Nachmittags, sondern Montag Nachmittags von 2 Uhr ab, weil dann weniger zu thun ist, als an Sonntagen. K Der Brand in dem Etablissement von Anton und Alfred Lehmann zu Niedcr-Schönweidc hat leider zur Folge gehabt, daß die Fabrik bis auf Weiteres geschlossen werden mußte und so nielirere hundert Arbeiter verdrenstlos geworden find. Ein Weiterarbeiten ist vor der Hand nicht möglich, da die Webstühle zum Theil zerstört sind, auch die �.rans- Missionen bei dem Feuer nicht unerhebliche Beschädigungen er- litten haben. g. Der 19 Fahre alte Sohn eines Schneidermeiiters in der Charlottenstraße, welcher schon seit Jahren an der Schwindsucht leidet, war vor mehreren Monaten nach einer 8 Meilen von Berlin entfernten Heilanstalt gebracht worden, um dort Linderung seiner Krankheit zu suchen. Da diese jedoch trotz der sorgsamsten Pflege nicht antrat, so beschlossen die Eltern des jungen Mannes, ihren Sohn wieder nach Berlin zu bringen. Auf der vorgestern Vormittag erfolgten Herfahrt wurde der kranke Patient im Eisenbahnkoupce plötzlich unwohl und ehe wenige Minuten verflogen waren, war der Bedauerns- werthe eine Leiche. Da die Mitreisenden gegen einen weiteren Aufenthalt in dem Koupee protestirten, so mußte die Leiche auf einer Station kurz vor Berlin herausgeschafft werden. Später wurde ein Sarg geholt, in diesen die Leiche gelegt und so erfolgte denn deren Transport mit einem Güterzuge nach Berlin. Eine äußerst heftige Erploston, die mit der lebensge- fährlichen Verletzung eines Menschen verbunden war, fand Dienstag Abend, gegen 0 Uhr, in dem benachbarten Weißcnsee statt. In den Souterrain- Räumlichlichkeiten des Hauses El- sasierftr. 1, Ecke der Königs- Chaussee ,. befindet sich dort die Zündwaarenfabrik einer Wttlwe Lange, die sich fast ausschließ- Platze sitzt. Wer diese zwei Minuten versäumt, bleibt ein- fach draußen. Stechend senken sich die Strahlen der bleich und bleiern aussehenden Sonne auf den Scheitel, der eilig vorwärtshastenden Menschenmenge. Plötzlich fesselt eine graziöse Gestalt unter der Menge meinen Blick. Wirklich, sie ist es! nämlich das Mädchen, das ich heute Morgen bei Verrichtung ihrer Toilette beobachtet, und mit welchem ich mich den ganzen Vormittag im Geiste beschäftigt hatte. Ich sehe, wie sie sich ein Stückchen Käse und einige Früchte kauft, dann sucht auch sie den Sonnensttahlen so schnell wie möglich zu entfliehen. „Also für einen Franken und 50 Centimes arbeitet sie den ganzen Tag in der Fabrik," seufzte ich schwer. Als kundige Hausfrau machte ich schnell ein kleines Rechenexempel und stand vor einem Räthsel. Unmöglich konnte dieser Verdienst ausreichen oder gar noch den Luxus von Käse und Früchten gestatten. Wo bleibt außerdem Garderobe und Miethe?? Räthsel über Räthsel.— Das Mädchen hat augenblicklich mein ganzes Denken für sich in Anspruch genommen. Ich habe auch den ganzen Nachmittag an sie denken müssen, und habe dabei immer gerechnet. Je emsiger ich aber zählte und rechnete, desto unent- wirrbarer erschien mir das Räthsel, mit einem Franken fünfzig Centimes hier in Paris zu existiren.—-- Endlich war die Sonne an dem farblosen Horizont hinabgesunken. Die Hitze hatte sich trotzdem nicht ver- mindert; dieselbe schwüle Atmosphäre wie am Tage lagerte erdrückend auf der gewaltigen Hauptstadt. Die Menschen flüchteten aus den engen Stuben hinaus auf die Straße. Auch ich begab mich hinunter. Ich sah kleine Gruppen von Leuten beisammen stehen und prüfend empor blicken. Mein Auge folgte ihren Blicken, jedoch gewahrte ich nichts außer- gewöhnliches, obgleich etwas Unheilvolles, Unfaßbares die schwüle Lust geschwängert zu haben schien. Der Himmel war grau und aschfahl wie am Tage, kein leuchtendes Ge- stirn funkelte beruhigend, friedeverheißend auf die dorrende Erde. Die Dahinwandelnden bewegten sich automatenhaft. Ich selbst kam mir wie eine wandelnde Statue vor. Eine wohltönende Stimme ließ mich plötzlich umblicken; in meiner unmittelbaren Nähe stand eine schlanke, dunkle Mädchen- lich mit der Herstellung sogenannter Amorces beschäftigt. Einer der Arbeiter, mit Namen Otto Preuß, der schon mehre Jahre in der genannten Fabrik beschäftigt ist, hatte sich um die an- gegebene Zeit in einen Keller, in dem sich die Zündwaaren befanden, begeben, angeblich, um Kleister zu holen. Hier fand derselbe einen größeren Behälter, in dem, wie sich später her- ausstellte, Zünomasse, eine Mischung von KaJi chloricnm und getrocknetem Phosphor befand, und den er durch Umrühren auf seinen Inhalt zu untersuchen sich bemühte. Hierbei erfolgte plötzlich eine mit einem lauten Knall verbundene, äußerst hef- tige Explosion. Preuß wurde durch den Luftdruck zu Boden geschleudert und erlitt durch die umherfliegenden Theile des Behälters anscheinend schwere Verletzungen im Gesicht und am Kopf, während am linken Fuß das Fleisch bis auf den Knochen auseinandergerissen wurde; andererseits wurden auch an dem Mauenverk in dem Raum nicht unerhebliche Beschädigungen angerichtet. Halb ohnmächtig vor Schmerz und Blutverlust wurde Preuß von Herbeieilenden Hausbewohnern aus dem Raum herausgetragen und von dem schnell hinzugerufenen Arzte verbunden. Der Verunglückte wurde noch am Abend mittels eines telegraphisch requintten Krankenwagens in ein Berliner Krankenhaus geschafft.� Der wegen Raubmordes vom Landgericht zu Altona steckbrieflich verfolgte Klempnergeselle Karl Ostrowski ist nach den Ermittelungen der hiesigen Kriminalpolizei am jüngsten Sonaabend hier gesehen worden. Er ist mit einem seiner Be- kannten in einem Kellerlokale der Belle-Allianeesttaße, an der Ecke der Bergmannstraße, zusammengetroffen, hatte einen Paß auf den Namen Linke bei sich und soll geäußert haben, nach Halle reisen zu wollen, auch war er im Besitz zweier sechs- läufiger Revolver. Das auffallendste Kennzeichen des Ostrowski ist fein fischhäutiges Aussehen, welches von trockenen am ganzen Körper verbreiteten Flechten herrührt. Gester» wurde eine Frau verhaftet, welche unter ver- schiedenen Namen Hotelschwmdeleien venibt hat. In einem Hotel gab sie sich als eine Aerztin Klara Meyer aus Drambura in Pommern, in einem zweiten als eine Hauptmannswittwe Siebcrt aus Magdeburg aus. An beiden Stellen gab sie vor, die An- kunft ihrer Tochter zu erwarten und entfernte sich heimlich, ohne ihre Hotelrechnung zu bezahlen. Gestern ttaf ein Dienstmädchen des einen Hotels, in welchem die Frau logirt hatte, dieselbe zufällig auf der Sttaße und veranlaßtc ihre Festnahme. B. Ertrunken. Eine trauervolle Ueberraschung wurde gestern dem Arbeiter B. zu Theil, als er von Berlin nach Wannscc wandernd, seinen daselbst in Kost gegebenen kleinen 8 jährigen Sohn besuchen wollte. Derselbe hatte sich in einem in der Nähe des Bahnhofs befindlichen Teich baden wollen und war hierbei umgekommen. Obgleich der Verkehr hier ein sehr reger, so hatte doch Niemand das Kind bemerkt. Tod während der Ehloroform-Nartose. Die junge, blühende Frau eines hiesigen Bäckermeisters hatte sich einer Operation zu unterziehen. Der opcrirende Arzt chloroformirte die Frau, doch hatte er, che er zur Operation schreiten konnte, nunmehr eine Leiche vor sich. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Polizei-Bericht. Am 29. v. M. Nachmittags fiel von dem Gesims an der Vorderfront des dreistöckigen Hauses Gartenstraße 67 ein in Folge des vorangegangenen Regens lose gewordenes Konsol herab und ttaf den in diesem Hause wohnhaften Handelsmann Kitschke so unglücklich, daß er außer einer Verletzung der linken Schulter eine bedeutende Verletzung am Kopfe erlitt.— Am 30. v. M. Nachmittags stürzte der auf dem Neubau Brunnenstt. 86 beschäftigte Zimmermann echner beim Umlegen eines Rüstbockcü von einer etwa fünf ieter hohen Mauer herab und erlitt dabei einen Bruch des rechten Oberarmes. Er wurde mittelst Droschke nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht.— An demselben Tage Abends entstand Neue Grünstraße 52 a in der Waschküche dadurch Feuer, daß ein mit Hobelspähnen angefüllter Sack sich durch die Hitze der Maschine entzündete. Das Feuer wurde noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht. GerieKts-AettuvA Ein durch das Zusaminentreffe» verschiedener un- günstiger Verhältnisse herbeigeführter schwerer Unglücksfall, dem ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist, beschäftigte gestern die erste Strafkammer hiesigen Landgerichts l. Als Be- schuldigter nimmt auf der Anklagebank der Bierfabrer Karl Gutsche Platz, dem vorgeworfen wird, durch seine mit Uebcr- tretung der Gewerbspflicht begangene Fahrlässigkeit den Tod des Kutschers Sebastian Gebhardt verursacht zu haben. Nach der Anklage soll Gutsche mit seinem Wagen auf der linken Seite der Ritterstraßc gefahren sein, dadurch den Verstorbenen gestteift und zu Falle gebracht haben. Aus dem Beweisergebniß wurde aber der nachfolgende Sachverhalt ermittelt. TerAnge- klagte kam am Vormittag des 25. April er. im langsamen Trabe von der Alexandrinen- nach der Alten Jakobstraße die Ritterstraßc entlang gefahren, als plötzlich auS dem Hause Nr. 44 ein mit Schutt gestalt und bot ihren Körper einem jungen Mann mit fahlen Zügen, in blauer Blouse, an. Ich hielt meinen Schritt an, entsetzt starrte ich auf das Mädchen. Zum dritten Male sah ich s r e heute wieder. Der Mann war stehen geblieben und fragte nach dem Preise für das in Aussicht gestellte Vergnügen.„Einen Frank Er lachte spöttisch:„Für fünfzig Centimes habe ich Vergnügen so viel ich will," Mit einer unnachahmlich stolzen Bewegung warf das Mädchen ihr Haupt in den Nacken und wandte sich. Ich sah in ihr Antlitz. Es war unschön verzerrt. Hunger grinste aus den tiefschwarzen mit dunklen Ringen umgebenen Augen, um den halbgeöffneten Mund zuckte ein herbes, abschreckendes Lächeln, gemischt mit beleidigtem Stolz und sich selbstver- achtender Verzweiflung. Eine eisige Kälte durchschauerte mich bei ihrem Anblick. Aber schon kehrte sie sich wieder um. Kurz entschlossen legte sie ihre Hand auf den Arm des langsam weiterschreitenden Mannes. Noch wenige Worte, welche ich nicht verstand, und sie schlug in seiner Begleitung den Weg nach ihrer Wohnung ein. Ein unsäglich bitteres Gefühl hatte sich meiner bemäch- tigt; es schnürte mir das Herz zusammen und erschwerte das Athmen. Ich haßte und verabscheute die Menschheit in diesem Augenblick und flüchtete, mich gleichsam vor ihr ver- bergend, nach meinem Stübchen. Keuchend war ich die fünf Treppen empor gestiegen. Ich zog die Fenstervorhänge dicht zu, um von drüben nichts zu sehen und zu hören. Fieberheiß jagte mein Blut vom Kopf nach dem Herzen und vom Herzen nach dem Kopf, meine Gedanken mit entsetzlichen Bildern marternd. Erschöpft, fieberkrank warf ich mich auf das Bett, den Kopf in die Kissen verbergend. Krank— krank die Gesellschaft— die Erde— und ich, krank und matt zum Sterben. Ein wilder, schrecklicher Traum umfing meine Sinne, nach dieser unnatürlichen Aufregung. Ich befand mich über einem unermeßlich weiten Raum. Tief unter mir wogte und gährte es mit gigantischer Kraft. I Dunkle Rauchmassen wir- belten empor, sie zerrissen und gewährten mir den Anblick eines entsetzlichen, mir unvergeßlichen Bildes. Endlose Völker- schaaren wogten im wild entfesselten Kampf durcheinander. Auf der einen Seite ein unabsehbares Truppenheer, auf der anderen bleiche, rauchgeschwärzte Gestalten im Arbeitskittel, schwer beladenen Arbeitswagen von dem Kutscher Gebhardt an der Deichsel herausgezogen wurde, während einige Arbeiter den Wagen von hinten nachschoben. Der Angeklagte rückte seine fferde nach links herum und brachte sein Fuhrwerk zum Stehen. n diesem Augenblick wurde der Wagen vom Trottoir herunter- geschoben, wobei durch den plötzlichen Ruck Gebhardt einen heftigen Stoß von seiner eigenen Deichselstange erhielt und nach der anderen Straßenseite vor das Haus Nr. 79 geschleudert ward. Diese Stelle pasfirte gerade ein von dem Kutscher Schwarz geführter Arbeitswagen, dessen Räder über den Aennsten hinweggingen und ihn derartig verletzten, daß der Tod kurze Zeit darauf einttat. Bei dieser Sachlage waren alle Faktoren der Ansicht, daß dem Angeklagten nicht die geringste Schuld an dem Unglücksfall treffe, und wurde derselbe daher frei- gesprochen. B. Auf dem Bahnhof zu Friedrichshagen fand am 18. Januar d. I., Abends 10'/, Uhr eine tumultuarische Szene statt, welche einen Beweis dafür liefert, wie schwer den Eisen- bahn-Beamten die Erfüllung ihrer eisernen Pflichten mitunter gemacht wird. Ucberwiegend sind es zumeist die„guten Leute aus der Provinz", die mit ihrer ängstlichen Ungeduld, den An- schluß zu erreichen, das Bahn-Personal fast zur Verzweiflung treiben; es bedarf nur eines Hinweises auf die Ursachen der traurigen Steglitzer Katastrophe. Daß aber die auf Schutz des Publikums geachteten Bemühungen der Betticbs-Beamten mit regelrechter„Keile" vergolten werden, ist wohl etwas Neues nach dieser Richtung hin. Eine Anzahl Köpnicker Einwohner fand am obengenannten Tage, von einem vergnügten Picknick zurückkehrend' am Ende der Dorfstraße in Fnednchshagcn den Uebergang über das Bahn-Planum nach dem jenseits belegenen Stations-Gebäude durch die Barrieren verschloffen. In dem bei der herrschenden Winterkälte gerechtfertigten Verlangen, die heimischen Gestade der spreeumgürteten Jnselstadt zu er- reichen, ließen die guten Köpnicker nun ihrem Un- willen über das unerwartete Hinderniß freien Lauf. Die Trostesworte des Bahn-Wärters Lipowsky, daß die Barriere sofort nach dem Pasfiren des ermatteten Güterzuges geöffnet würde, verfingen nicht. Einer der Köpnicker, der Maurer Otto Hargesheim, versuchte die Barttere zu öffnen und als er hician von Lipowsky verhindett wurde, überhäufte er den Letzteren mit Schimpfreden und Drohungen, denen er alsbald die That folgen ließ indem er den Bahnwärter vor dem Stations- Bureau thätlich angnff. Die Intervention des Statious-'tckr- stebers hatte zur Folge, daß nunmehr 15 Mann gegen diesen und zwei andere Beamte Front machten und zum thätlichen Angriff übergingen, als sie aufgefordert worden waren, den Perron zu verlassen. Dem Stations-Vorsteycr wurde bei der stattgefundenen Prügelei der Dienst-Rock zerissen und die assistirendcn Beamten mehr oder weniger verletzt. Erst das Erscheinen eines Gendarmette- Wachtmeisters ver- mochte weitere Exzesse zu verhiudcnr. Wegen Beamten- beleidigung, Körperverletzung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt war daraufhin ver obengenannte Maurer Harges- heim zu 5 Wochen Gefängniß vom Köpnicker Schöffengericht verurtheclt worden; zwei andere bei der Affairc mindcrbclastete Theilnehmer waren mit nur gettngen Geldstrafen davonge- kommen. Während die Letzteren sich bei der erkannten Strafe beruhigten, legte dagegen der Hargesheim das Rechtsmittel der Berufung ein. Der 2. Strafkammer des Landgerichts Ii unterlag die Sache zur nochmaligen Entscheidung. Auf Grund der wiederholten Beweisaufnahme erachtete der Staatsanwalt, der Tantellung des Angeklagten entgegen, daß die Beamten bei dem Vorfall sich äußerst maßvoll verhalten; in einem derartigen Falle wie der vorliegende, sei es nur zu bedauern, daß nicht über das in erster Instanz festgesetzte Strafmaß Hinausgegangen und auf eine höhere Strafe erkannt werden könne. Das tlr- theil lautete unter Verwerfung der Berufung auf Bestätigung des ersten Utthcils. Einen eigenthiimlichen Fall von grobem Unfug hatte gestern die 95. Abtheilung hiesigen Schöffengerichts zu verhan- oeln. In der Nacht zum 1. Mai er. wachte der im Hause Louisenstr. 17 wohnhafte Kaufmann Joseph Goldschmidt in Folge einer aus dem Schornstein des Hofgrundstücks hcrvor- lodernden hellen Flamme mit nachfolgendem starken Oualm aus dem Schlafe auf und wurde von seiner krank im Bette liegen- den Ehefrau aufgefordett, sich schleunigst anzukleiden und auf dem Polizcibureau Feuer zu melden. Unten an der Hausflur begegnete Goldschmidt dem HauswittHe, dem er seine Absicht mittheilte und welcher erklätte, es sei gut, dann brauche er ja nicht Meldung zu machen. Als er auf die Wache kam, wurde ihm erzählt, daß bereits ein anderer Mann kurz vorher das Feuer gemeldet habe. Die Feuerwehr wurde alarinirt, erschien und fand, daß nur eine einfache Bäckeriohe vorhanden gewesen wäre. Auf Veranlassung des Chefs ver grundlos alarmittcn Feuenvehr Brandinspeklor Mallicke und auf eine Aussage des Nachtwächters hin wurde Goldschmidt wegen groben Unfugs durch unbefugte Feuermeldung denun- zirt und unter Anklage gestellt. An den Nachtwächter waren nämlich in jener Nacht mehrere Männer mit der Mittheilung in der blauen Blouse. Und da sah ich das junge Mädchen »um vierten Male. In blutbespritzten Fetzen hing die»oth- dürftige Kleidung um den schönen Leib.' Feffellos wallte das glänzende Haar. Aus dem bleichen Gesicht glühten un- heimlich die tiefschwarzen Augen. Um den halbgeöffneten Mund lagette derselbe Zug, den ich am Abend gesehen: verletzter Stolz, todesverachtende Verzweiflung. In jeoer ihrer Bewegungen eine Alles hintansetzende Entschlossenheit. Krampfhaft umspannten ihre kleinen Hände das Gewehr. Sie lud und feuerte unverdrossen. Ihr zur Seite sah ich den jungen Mann mit den fahlen Zügen, in der blauen Blouse. Sie kämpften nebeneinander, ihre Herzen durch- glüht von dem gemeinsamen Verlangen: siegen oder sterben, Untergang oder eine menschenwürdige Existenz. Doch trotz verzweifelter, todesmuthiger Anstrengung sah ich die nach Freiheit ringenden Kämpfer unterliegen. Es wurden ihrer immer weniger, die Leichen thttrmten sich erschreckend. Schon sah ich die todesbringenden Waffen auf das Mädchen ge- richtet. Wahnsinniger Schmerz durchzuckte mein Herz. Dieser heilige Augenblick hatte das um ihre menschlichen Rechte kämpfende Mädchen mit mir eng verbunden. Ich mußte sie retten, retten— oder mit ihr untergehen. Der endlos weite Raum war vergessen. In meiner Todesangst um sie machte ich eine verzweifelte Anstrengung. Ein Schrei, ein dumpfer Fall, und mein entsetzensstarrer Blick bohrte sich in das Dunkel meines Stäbchens. Ich lag am Fußboden. Angst- schweiß perlte von meiner Stirn. Ich raffte mich auf und stürzte zum Fenster. Hastig, als gälte es Jemand vom Tode zu retten, riß ich die Vorhänge auseinander und schaute hin- über. Ein matter Lichtsttahl drang von drüben durch die geschlossenen Fenster. Laut und vernehmlich kündete eine Uhr mit ehernem Schlag die erste Stunde. Die Nacht sah rabenschwarz aus. Ich neigte mein Haupt weit hinaus; ein kühler Windstoß nmfing meine pochenden Schläfe. Gleich darauf durchzuckte ein greller Blitz das tiefdunkle Firma- ment, ein rollender Donnerschlag machte mein Herz erbeben- Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag folgte jetzt;[ein dumpfes Rauschen, gleich einem wogenden Kampfe. ging durch die aufgeregte Natur.' Ich athmcte auf. Mit wilder Lust bot ich meine heiße Stirne dem hcransttirmenden Winde dar.— Ah wie that es so wohl— das reinigende, erlösende Gewitter/--" ein 1 von dem Brande und der Frage, wo das nächste Meldebureau ist, herangetreten und erhielten den Bescheid, daß sie die Sache gehen lassen sollten, da es fich höchst wahrscheinlich nur um eine öfter vorkommende Bäckerlohe handle. Einer dieser Herren rannte aber weiter. Die Behörde nahm nun an, daß der An- geklagte zu denjenigen Personen gehörte, welche von dem Wächter von der wahren Sachlage' benachrichtigt worden sei. Der Gerichtshof folgte den Ausführungen des Amtsanwalts und des Dr. F. Friedmann, daß der Angeklagte selbst dann, was aber unerwiesen ist, wenn er vom Wächter anders infor- mirt ist, berechtigt gewesen sei, Feuer zu melden, weil er von der Gefahr überzeugt war. In dem Privatklage-Prozeß des Fabrikbesitzers Schmidt zu Elberfeld gegen den Hofprediger Stöcker ist die Nachricht beim Gericht emgegangen, daß der Besckuldigte und Wieder- kläger den ihm zur Zahlung aufgebenen Vorschuß von 300 M. bei der Gerichtskasse eingezahlt hat. Es wird nunmehr der neue Termin anberaumt werden, der noch vor Beginn der Ferien stattfinden soll. Die Ermordung des Polizeirath Rumpff vor dem Schwurgericht. (Fortsetzung.) Frankfurt a. M-, 1. Juli. Dritter Tag der Verhandlung. Die heutige Sitzung beginnt mit der Vernehmung des Schneiders Drausch. Derselbe war im vergangenen Winter zu Mannheim in Arbeit und will dort einen gewissen Voll kennen gelernt haben, der ihm bekannt habe, der Mörder Rumpffs zu sein. Er habe ihm auch das Mordmesser und einen Revolver gezeigt. Präs.: Was war dieser Mensch? Zeuge: Er war wohl ein Louis, denn er trieb fich stets mit Frauenziinmem herum.— Präs.: Wie lautete das Geständniß, welches er Ihnen machte?— Zeuge: Er sagte mir, er hätte den Rumpff erstochen, und hat mir auch ein Messer und den geladenen Revolver gezeigt.— Präs.: Warum haben Sie das nicht schon längst angezeigt?— Zeuge: Ich habe zuerst gedacht, er uzt mich, und dann habe ich ihm auch einen Schwur leisten müssen. — Präs.; Wie lautet derselbe?— Zeuge:„Ich mach' Dir einen heiligen Schwur, ich werde Niemanden: nichts sagen."— Präs.; Na, wenn Sie in dieser Form geschworen habe», können Sie Alles sagen.— Zeuge erzählt nun, daß ihm Voll das betreffende Geständniß auf einem Spaziergange gemacht habe; Zeuge erkennt einen ihm vorgelegten kleinen Taschenrevolver und em Messer als das, welches ihm Voll gezeigt. Nun wird Voll, den Drausch eben in dieser Weise beschuldigt, aufgerufen. Der- selbe behauptet, Optiker zu sein und bis zum 7. Februar in Boggenhein: in Arbeit gestanden zu haben.— Präs.: Haben Sie mit Drausch über den Rumpff'schen Mord gesprochen?— Zeuge: Jawohl, als ich mit ihm spazieren ging.— Präs.: Nun, legten Sie ihm nicht ein Bekenntniß ab?— Zeuge: Ja,.Herr Präsident. Sehen Sie, der Drausch ist ein zu dummer Kerl! Da Hab' ich mir'n Jux mit ihm gemacht und gefragt: Du, möchtest Du uüch verrathen, wenn ich der Mörder wäre? Da sagte er: Nein, das thue ich nicht. Darauf sagte ich: Schau, ich bin's gewesen, ich gebe Dir 3000 M., wenn Du schwörst, Niemandem nichts zu sagen. Da schwor er. Als ich ilm aber fragte:„Du. wenn Du mit der Anzeige aber 10 000 M. verdienen kannst, wirst Du doch auch Nichts sagen?" da schwieg er und blieb dann ganz stille.— Der Vertheidiger protestirt gegen die Vereidigung des Voll. Beide Zeugen wer- den aber vereidigt.— Es folgen nun die Aussagen der kom- missarisch vernommenen Zeugen in der Schweiz, zunächst der beiden Schuhmachenneister in Basel, bei denen Lieste gearbeitet hatte. Beide bekunden, daß Lieste keine Ersparnisse gemacht, sondern seinen Lohn stets aufgebraucht habe. Andere Zeugen- aussagen konstatiren, daß Lieske dort seine anarchisttsche Ge- sinnung offen zur Schau getragen habe.(Es muß bei dieser Gegenheit bemerkt werden, daß die Zeugenaussagen, die meist mit ganz leiser Stimme gemacht werden, im Auditorium und an den Tischen der Berichterstatter sehr schwer, oft gar nicht verständlich sind.) Es gelangen nun noch einige Stellen aus Nummern der„Freiheit" zur Verlesung, worin Lieske immer als„Genosse" be- zeichnet wird. Hiermit ist die Beweisaufnahme geschlossen.— Es ergreift das Wort der Staatsanwalt Frehsee: Ein hochge- achteter braver Beamter ist unter dem Dolche eines Anarchisten gefallen. Er fiel einer Verschwörung zun: Opfer, deren Theil- nehmer leider für uns nicht erreichbar sind, da sie unter dem Asylrecht eines anderen Staates leben. Aber unterdrücken wir hier die Gefühle des Abscheues gegen diese organisirte Mörder- bände mit Bezug auf den hier Angeklagten. Es kann hier nicht der Gesichtspunkt Geltung erlangen, ein Beispiel zu sta- «uren, sondern der Gerechtigkeit Genüge zu leisten; darum prüfen wir ohne alle Voreingenommenheit, mit ganz kühlem Blut, ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit des Angeklagten zu einer hier gekennzeichneten, auf Umsturz alles Bestehenden sin- nenden Gesellschaft. Was nun die Schuldfrage betrifft, so ist die Schuld des Angeklagten, den Polizeiräth Dr. Rumpff mit Vorsatz getddtet zu haben, wenn auch nicht direkt, so doch indirekt völhg erwiesen. Lieske hat sich von vornherein auf das Leugnen von Thatsachen verlegt, die er, wenn er unschuldig wäre, gar nicht zu leugnen oder zu ver- schweigen nöthig hatte. Schon darin dorumentirt sich sein Schuldbewußtsem. Er ging aber auch von vornherein mit der Absicht um, die Behörde bei ihren Nachforschungen irre zu führen, indem er nämlich die Paprere des Nau erwarb. Er ging nach vollführten: Mord sofort aus Frankfurt, er scheute sich, in das bisher von ihm benutzte Gasthaus zurückzukehren, da er dachte, die Polizei könne ihm auf den Fersen sein. In finsterer Nacht, bei einem Wetter, wo Niemand ohne die zwin- gendsten Gründe das Haus verläßt, lief er aus Frankfurt hinaus und ließ sich nicht einmal die Zeit, die Wunde, welche er sich selbst mit dem Mordmesser zugefügt hatte, zu verbinden. Es ist erwiesen, daß er mit noch ganz frischer Schmttwunde in Zwingenberg ankam und sich dort erst verbinden lieh. Er handelte als' Werkzeug einer Mörderbande, welche die Ermordung des pflichtgetreuen Beamten beschlossen hatte, einen Mord, den sie recht bezeichnend mit dem Worte„Hinrichtung" bezeichnet hat. Schon von Basel aus dokumentirt fich die Absicht des Lieske, den Mord auszuführen. Er ging von dort nicht fori, um Arbeit zu suchen, er ging nach Frankfurt, um seinem Opfer aufzulauern. Nirgends hat er hier Arbeit gesucht. Sein ganzes Sinnen war auf die Ausführung des Mordplans gerichtet, und zu diesem Zweck nahm er seine letzten Mittel in Anspruch, verfetzte auch seine Uhr. Er wußte allerdings, daß er Hintermänner habe, die ihn auf alle Fälle unterstützen würden. Diese Genossen traten denn auch in der Weise ein, daß sie den Koffer, den Lieske in Basel versetzt hatte, einlösten und diesen, nachdem er Frankfurt verlassen hatte, mit Geld versorgten. Als Lieske von hier fortging, hatte er kein Geld, er mußte sich sogar einige Tage durchbetteln. Da, nach- dem er unterwegs zwe: Briefe abgeschickt hatte, änderten sich seine Umstände, denn man fand bei seiner Verhaftung noch über 13 Mark vor. Er hatte ein neues Portemonnaie, welches er früher nie besessen, auch einen neuen Hut. Lieske erscheint auch aus vielen anderen Rücksichten schuldig des vorsätzlichen Mordes. Zahlreiche Zeugen bekunden, daß Lieske den Ge- pflogenheiten des Dr. Runipff eifrig nachgespürt und ihn: auf- gelauert habe. Nau und Hüber bekunden, vaß Lieske ihnen sogar direkte Andeutungen vom geplanten Morde gemacht hat. Wenn der Zeuge Nau auch den Eindruck macht, daß er vielleicht noch u>ehr von dem Verbrechen weiß, als er hier ausgesagt hat w ist doch durck nichts der Beweis erbracht, daß er:n den hscr gemachten Aussagen Unwahrheiten vorgebracht hat. Der Mord ist mit einem Instrument vollführt, Lessen Spuren auf em Schusternresser hinweisen; Lieste aber ist Schuhmacher. Er ist wiederholt in der Straße„Sachsenlager" gesehen worden, und zwar unter den verdächtigsten Umständen und auch am Abend des Mordes? Er lauerte dem Dr. Rumpff auf, stieß mit der rechten Hand und griff mit der linken Hand nach seinem Opfer. Dies ist die natürlichste Erklärung für die Situation, für die Schnittwunde an der Hand, dieses Kains- zeichen des Mörders. Bettachten wir nun die von der Ver- theidigung angeführten oder in Vorschlag gebrachten Entlastungs- beweise. Der Zeuge Privatier Ernst kann, wie dies bei andern Entlastungszeugen Oer Fall ist, seine Aufmerksamkeit nur auf harmlose Spaziergänger gerichtet haben. Die Aussagen aller anderen Entlastungszeugen beziehen sich nur auf Lorgänge, die mit dem Verbrechen in gar keinem Konnex zu stehen brauchen. Wenn Lieske wirklich unschuldig wäre, so wäre er wohl am besten im Stande gewesen, Entlastungsbeweise für sich herbeizubringen; ist er das aber im Stande gewesen? In keiner Beziehung hat er sich zu entlasten vermochte, er konnte nirgends einen positiven Beweis für seine Unschuld beibringen. Sem Leugnen der an sich harmlosesten Thatsachen verräth die Angst, daß durch irgend ein Zugestängniß seinerseits die Wahr- heit an den Tag kommen würde. Dieses Schuldbewußtsein ist auch hier mehrfach direkt und drastisch zun: Vorschein gekommen. Sein Satz ist:„Beweist mir den Mord, ich brauche nichts für meine Unschuld anzuführen!" Nun, auch dieser Beweis ist eklatant geführt worden. Es ist erwiesen, daß er den Mord geplant, vollführt und versucht hatte, dessen Spur zu verwischen und fich der Rache des irdischen Richters zu entziehen. Die Motive zu dem Morde sind in der Zugehörigkeit des Angeklagten zu oen Anarchisten zu suchen. Er war das Werkzeug einer im Finstern schleichenden Mörderbande, die ihn schon längst zu den Ihrigen zählte, an deren den Mord predigenden Grund- sätzen er mit Fanatismus hing. Er war der Mörder, es bleibt eine andere Annahme nicht übrig. Wir ständen andemfalls vor einen: unlösbaren Räthsel. Ich kann der Lage der Sache nach nur das Schuldig gegen den Angeklagten be- antragen. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Fester: Meine Herren Ge- schworenen. Ich bitte Sie, sich nicht vom Gesichtspunkte der Wahrscheinlichkeit beeinflussen zu lassen und auch nicht auf die vom Herrn Staatsanwalt gestellte Be- hauptung, daß man, wenn man die Schuld Lieske's nicht anerkenne, vor einem unlöslichen Räthsel stände. Ich bitte Sie auch, die Frage der Parteistelluna nicht in Betracht zu nehmen. Man kann von der politischen Parteistellung durchaus noch nicht sichere Schlüsse auf den Charakter eines Menschen ziehen. Viele Menschen sind in politischer Be- ziehung vielleicht Fanatiker und können den absurdesten Ideen huldigen, dabei aber sonst doch noch die harmlosesten und friedlichsten Menschen sein. Es gilt hier nur die Pflicht, die objektiven Thatsachen kühl und ernst zu prüfen und daraufhin ein Urtheil zu fällen. In dieser Beziehung muß ich nun zu- nächst auf die einzige Persönlichkeit hinweisen, welche den Mörder gesehen hat. Es ist dies der Tapezirerlehrling Schmidt, der sich die Person des Verbrechers genau gemerkt und davon eine sehr genaue Beschreibung gegeben hat. Schmidt hat aus- drücklich die Identität des Lieste mit dem von ihm gesehenen Verbrecher in Abrede gestellt. Wcreine untl Versammluagen. be. lieber die sog. Spaltung in der sozialdemokrati- scheu Partei, sprach der Reichstagsabgeordnete Herr$. Singer in der Versammlung des Arbeiter-Be- zirks-Vereins für den Osten am Dienstag, den 30. Juni, in Keller's Salon. Seine Ausführungen lauteten ungefähr fol- gendermaßen: Meine Herren! Ich habe nicht geglaubt, daß ich heute in Ihrer Mitte sprechen würde, da ich nach„Sanssouei" eine Versammlung meiner Wähler hatte einberufen lassen, um vor ihnen einen Rechenschaftsbericht über meine Thätigkeit im Reichstage zu erstatten. Zu meinem Bedauern ist diese Ver- sammlung in letzter Stunde verboten worden. Darum bin ich hierher gekommen und zwar beabsichtige ich, ein Thema zu be- sprechen, das von der gegnerischen Presse fortwährend erörtert und entstellt gebracht worden ist. Es ist dies die sogenannte Spaltung:n der sozialdemokratischen Fraktion. Dem gegenüber will ich vor allen Dingen betonen und ich glaube,:m Namen aller meiner Kollegen zu sprechen, daß i n unserer Fraktion von einer Uneinigkeit in prinzipieller und thatsächlicher Beziehung nicht die Rede ist. Wenn derartige Behaupttingen ausgestteur werden, so geschieht es nur, die imposante Entwicklung unserer fürtet zu hemmen, von der die letzten Wahlen so überraschend eugniß abgelegt haben. In Wirklichkeit handelt es sich um folgendes: Als in der vergangenen Session die Regierung einen Entwurf einbrachte, welcher die Subventionirung gewisser Dampferlinien verlangte, wurde die Frage auch in unserer Fraktion berathen und man kam zu folgendem Resultate. Ein Theil der Fraktion meinte, die Vorlage sei pure abzulehnen, weil der Vortheil, den die arbeitende Bevölkerung dadurch haben würde, zu geringfügig sei. Die Dampfervorlage sei von der Kolonialpolitik des Reichskanzlers nicht zu trennen, die prin- zipiell bekämpft werden müsse. Daraus folge, daß die Dampfer- subventionsvorlage ohne weiteres abzulehnen sei. Die übrigen Fraktionsmitglieder, die Majorität, der auch ich angehörte, wenn ich auch bei der entscheidenden Frattionssitzung im De- zember v. I. nicht zugegen sein konnte, waren anderer Ansicht. Sie meinten, die Dampfersubventions-Lorlage sei doch von der Frage der Kolonialpolitik getrennt zu behandeln. In der Ver- werfung der letzteren war man einig. Die Gründe, welche für die Enverbung von Kolonien angeführt werden, erwiesen sich als nicht stichhaltig. Von einer Uebervölkerung kann in Deutsch- lang so lange nicht die Rede sein, als noch große und weite Stocken Landes in Folge der Latifundienwirthschaft brach lie- gen; und die Behauptung, überschüssige Arbeitskräfte seien in den Kolonien zu verwerihen, erhält eine eigenthümliche Beleuch- tung, wenn man an die großen Schaaren fremder Arbeiter denkt, die alljährlich nach Deutschland von Unternehmern hin- eingezogen werden. Und dann handelt es sich um die Kolo- nistrung von Ländern, deren Klima, wie erwiesen, absolut todt- bringenv ist. Wenn selbst wissenschaftliche Forscher, die sich mit allen Vorsichtsmaßregeln- umgeben können, der tropischen Sonne und dem Fieber keinen Widerstand leisten können, wie werden dann die Auswanderer, die im schlechten Gesundheitszustande anlangen, dem Tode zum Opfer fallen!(Sehr richtig!) Auch die Auffassung trifft nicht zu, daß durch Gründung von Kolonien Handel und Industrie gefördert werden. Die Bewohner jener Länderstrecken sind nicht lonsumtionsfähig; entweder kennen sie die Anwen- dung europäischer Produkte nicht, oder sie haben nicht genug, um sich dieselben zu verschaffen. Aus allen diesen Gründen ge- langte die Fraktion einstimmig zu der Ueberzeugung, daß an eine Unterstützung der kolonialen Projekte nicht zu denken sei. Anders lag für die Majorität der Fraktion die Frage der Dampfersubvention. Zwar war auch sie der Ansicht, daß der Löwenantheil der Subvention den Kapitalisten zufallen würde, aber sie meinte, daß bei Erfüllung gewisser Bedingungen die Verwendung von Reichsmitteln auch im Interesse der Arbeiter läge. Diese Bedingungen waren: erstens nur neue Schiffe zu subventioniren, zweitens, nur bestimmen, daß diese Schiffe auf deutschen Werften zu erbauen s seien, und drittens alliabruch dem deutschen Reichstage Rechenschaft über die Verwendung der Subvention zu erstatten. Unter diesen Bedingungen glaubten wir. daß durch die Bewilligung bei verlangten 1400000 M., die Roth des daniederliegenden Schiffbaugewerks zu heben und fleißigen Menschen Beschaftt- gung zu verschaffen. Wir bettachteten es als unsere Aufgabe, jede Gelegenheit zu benutzen, bei der es möglich sei, die wirth- schafttiche Lage der arbeitenden Bevölkerung, wenn auch nur in etwas, zu verbessern. Wir erklärten aber zugleich, daß wir für den Fall der Ablehnung unserer Bedingungen geschlossen gegen die Vorlage stimmen würden. Dieser Fall trat ein, man machte uns nicht die verlangten Zugeständnisse, und die ganze Fraktion stimmte geschlossen gegen die Dampfersubventtons- vorläge. Hieran knüpften sich nun Erörterungen in der Partei- presse und es folgte die bekannte Fraktionserklärung. Nun ist es einem Mitgliede der Fraktion in den Sinn gekommen, die freie Meinungsäußerung zu beschränken. Die Partei gesteht den Wählem aller Richtungen das Recht zu, frei und offen zu sagen, was sie denken, um wie viel mehr den eigenen. Der Vorwurf, daß durch die bekannte Bekanntmachung der Fraktion die freie Meinungsäußerung beeinträchtigt werde, ist absolut haltlos. Ein Theil unserer Genossen im südwestlichen Deutschland aber war anderer Meinung und unterzog das Verhalten der Fraktion in einem Proteste einer scharfen Kritik. Ich habe keine Ver- anlaffung, den Frankfurter Aufruf hier zu besprechen, aber ich meine, jeder Genosse hat das Recht, einschnei- dende Kritik an dem Verhalten seiner Ver- treter im Reichstage zu üben. Wir sind im innigsten Zusammenhange mit unseren Wählem; gerade hierin liegt unsere Kraft. Die ganze Fraktion habe nichts gegen das volle Recht, Kritik auszuüben, einzuwenden. Und ich meine, wäre der Frankfurter Aufruf in etwas ruhigerer Stimmung geschrieben worden, er wäre anders ausgefallen.— An die Veröffentlichung des Aufrufes knüpft sich nun die eigentliche un- angenehme Seite der Angelegenheit. Ein Abgeordneter glaubte, den Aufruf beantworten zu müssen, und er that es in einer Weise, die meine Billigung durchaus nicht findet. Derartige Auslassungen sollten allein schon durch das Gefühl der Solidarität unmöglich gemacht sein. Eine Er- klärung findet das Verhalten dieses Abgeordneten in der That- fache, daß schon seit längerer Zeit Differenzen zwischen ihm und den Parteigenossen in Frankfurt a, Main bestanden, aber damit wird auf keine Weise sein Auftreten gerechtfertigt. Hier- auf nahm nun ein anderer Kollege für oie Frankfurter und gegen Frohme das Wort, der hierzu der Sache nach vollkommen berechtigt war, den Äugenblick jedenfalls aber schlecht gewählt harte. Es folgten nun wechselseitige Erklärungen und persönliche Differenzpunkte, welche zu Tage traten, benutzte die gegnerische Presse, um unsere Wähler„graulich zu machen", und den demnächstigen Verfall der Partei zu verkünden. Dem gegenüber ist zu konstatiren, daß von einer Spal- tung nicht im Geringsten die Rede sein kann. Was unsere Gegner behaupten, kann uns gleich sein; wir können uns den Luxus gönnen, unsere Wäsche vor den Äugen der ganzen Welt zu waschen; im Winde der Meinungen wird sie am vesten trocknen. Wir sind auf keinem Gebiete für Heim- lichthuerei: sachliche Meinungsverschiedenheiten werden nicht vertuscht, sondem vor das Forum gebracht, vor welches sie gehören, vor das Forum der Wählerschaft.(Bravo.) Um fach- liche Meinungsverschiedenheiten handelt es sich hier nicht. Nie und nimmer wird die Einheit der Partei gestört werden.(Bravo.) Wir stehen in dem Bewußtsein da, unser Programm nie verletzt zu haben. In der Diätenfrage, bei der Zolliarifvorlage, bei der Debatte über den Belagerungszustand, bei der Einbringung des Arbeiterschutzgesetzentwurfes, überall haben wir voll und ganz. auf dem Boden desselben gestanden. Fest und geeint stehen wir nach wie vor, gestützt auf das Vertrauen unserer Wähler. (Bravo.) Der Jubel der Gegner über den Zusammenbruch der Partei, und ihre Hoffnung, daß aus den Trümmem fiir sie einige Wahlkreise zu gewinnen seien, ist ganz und gar nicht am Platze. Ihr Wunsch, Skandal hervorzurufen, wird nicht in Erfüllung gehen. Wenn wirklich die Verhältnisse so wären, daß eine Spaltung nicht zu vermeiden ist, würden wir wahr- haftig nicht warten, bis die Gegner kommen und sagen:„Seht, das ist die Einigkeit Eurer Führer", sondern wir würden selbst zu der Quelle unseres Daseins zurückgehen und unsere Wähler entscheiden lassen.(Bravo!) I» Sachen der Dampfersubvention hat sich dies nicht nur nicht für nothwendig, sondern für überflüssig erwiesen. Von jeher haben wir unsere Aufgabe darin gefunden, stets zu ver uchen, alles was zur Verbesserung der Lage der Arbeiter dient, im Reichstage durchzusetzen. Wenn nun ein Theil der Fraktion gemeint hat, der Dampfersubventionsvorlage m der Hoffnung zustimmen zu müssen, daß dadurch Tausenden von vlitcitem lohnende Arbeit verschafft werden könne, so ist das kein Ver- lassen des Programms, noch dazu wenn Bedingungen an die Bewilligung der Summe geknüpft werden, die eine Konttole über die richtige Verwendung des Geldes ermöglichen. Seien Sie, m. H., jedenfalls davon überzeugt, daß nichts die Einig- keit unserer Fraktion auseinander bringen wird. Der allgemeine Unwille würde jeden hinwegfegen, der aus persönlicher Eitelkeit es wagen würde, an dem festen Gefüge zu rütteln. Wir, als Ihre Vertreter, werden stets die Fahne hochhalten. Wir werden ringen, Freiheit, Recht und B: d für den Arbeiter, soweit es möglich ist, auf dem Wege der parla- mentarischen Thätigkeit im Rahmen des Gesetzes zu erlnn»« und auf dem Wege der Agitation dafür zu sorgen, daß immer mehr Abgeordnete in den Reichstag gewählt werden, um diese Ziele durchzusetzen.(Stürniischer Beifall.)- Hierauf wurde folgende Resolution einstünmig angenommen: Die zahlreich be- suchte Versammlung des Arbeiter-Bezirks-VeremS für den Osten Berlins, welche heute, Dienstag, den 30. Juni d. I., in Kellers's Salon, Andreasstt. 21, tagt, spricht dem Reichstags- abgeordneten Herrn Singer für seine Besprechung des so- genannten„Konflikts innerhalb der sozialdemokratischen Partei" ihren Dank und ihre volle Uebereinstimmung aus, sie erkennt, daß eine Spaltung innerhalb der Partei nicht besteht, und ist überzeugt, daß die Fraktion nach wie vor geeint, fest und unentwegt auf dem Boden des Programms der Arbeiter für deren Rechte eintritt!"' — Hierauf hielt Herr Robert F l a t o w einen Vorttag über Sanitätsvereme und Sanitätswachen und sprach fich für die Uebernahme der Sanitätswachen durch die Stadt aus. Er hob hervor, daß einer der Gründer der ersten Sanitätswache in der Neanderstraße selbst ihm(Redner) gegenüber den sehn- liehen Wunsch geäußert hätte, die Stadt möge die Sani- tütswachen in die Hand nehmen, sonst würden und könnten dieselben sich nicht länger halten.— Außerdem empfahl der Redner warm den Beitritt zum neu gegründeten Sanitätsverein. In der Diskussion sprach sich auch Herr P. S i n a e r im Sinne des Referenten aus, kritisirte die Mängel der bestehenden Sanitätswachen, die trotz marktschreierischer Annonzen, trotz Volksbelustigungen und Wohlthätigkeitskonzerten, die sie zu ihren Gunsten veranstal- teten, an chronischem Geldmangel litten und deshalb nicht einmal über genügende ärztliche Kräfte verfügten und wünschte die Uebernahme der Sanitätswachen durch' die Kominunal- verivaltung. Er schloß mit der Aufforderung an die An- wesenden, bei den Ergänzungswahlen für die ausgeloosten Stadtverordneten im Herbst auf dem Platze zu sein, und nur solche Männer zu wählen, die energisch für die Forderungen der Arbeiter auch auf diesen: Gebiete einzutreten bereit waren. (Lebhafter Beifall.)— Es wurde noch einstimmig befchlossen, eine Tellersammlung zu Gunsten der stoikenden Maurer zu veranstalten, welche 38 Mark 10 Pf- ergab, dann schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Mittheilung, daß der geplante Ausflug am 19. d. M. und die nächste Versammlung am 14. d. M. stattfinden werde. hib. Die neueste Massenversammlung der Berliner Maurer, welche gestern(Mittwoch) Vormittags im Keller'schen Saale tagte und über den Streik diskutirte, war wieder von mehreren taufenden streikender Maurer besucht. An der animirten Diskussion betheiliqten sich abermals zahlreiche Redner. Den Hauptstoff zur Debatte lieferte, wie schon häufig, die neueste Nummer der„Baugewerks-Zeitung", welche es in Sachen des Maurerstoiks an Non plus ullra-Leistungen wieder nicht fehlen Täßt. Bunächst liefert sie in Gestalt einer fiktiven DurchschnittsLohn- Statistik über den angeblichen Jahresverdienst eines Berliner Maurers, welche die Versammlung nur zur Heiterkeit zu stimmen vermochte. Von allen Rednern wurde dieselbe übereinstimmend als ein der Wirklichkeit nicht entsprechendes Machwerk bezeichnet und schonungslos kritisch vernichtet. Nicht minder scharf wurde über ein anderes Geistesprodukt des genannten Blattes Gericht gehalten. Die Baugewerkszeitung" noch nicht zufrieden mit bem frommen Wunsche, die Richter möchten bei ihren ProzeßStreitigkeiten mit Bauherren den Streif als höhere Gewalt gelten lassen und beurtheilen, verlangt fie jest die Bestrafung aller Vereins- Vorstände und LohnkommissionsMitglieder, da nur sie und sonst Niemand die Streitanstifter seien. Dhne Anstiftereien und Anstifter meinte wißig einer der Redner, thut es die Baugew.- 3tg." einmal nicht und kann sie sich einen Streif gar nicht vorstellen. Im Grunde genommen habe sie ja auch nicht so Unrecht, nur sehe sie den Wald vor lauter Bäumen nicht und schweife unnöthig in die Ferne, während das Gute ihr doch so nahe liege und sie sich nur ihre Innungs- Bundesmeister anzusehen brauche, um über die Anstiftung und die Anstifter des Streits bemerkte treffend im Reinen zu sein. Die Bau- Innung bemerkte treffend ein anderer Redner ist ja polizeilicher als das Polizeipräsidium! Db er nicht Recht hatte? Sehr richtig wiesen in dieser Beziehung die Redner auf die durchweg ungestört und ohne Miston verlaufenen Versammlungen der Maurer vor dem Streit und während deffelben hin, von denen noch nicht eine einzige auch nur überhaupt, geschweige denn unter Hinweis auf sogenannte gemeingefährliche Bestrebungen" vom Schicksal polizeilicher Auflösung habe ereilt werden müssen, was, wenn die Baugew.- 3tg." Recht hatte, sonst sicher nicht der Fall gewesen wäre. Von den Mitthei lungen des Vorsitzenden heben wir hervor, daß soeben ein den Streit betreffendes Flugblatt der Lohnkommission erschienen sei, worin fich dieselbe an die Berliner Bürger und das hiesige bauende Publikum, sowie an die hohen staatlichen und Städtischen Behörden" wendet, um die zahlreichen, von interesfirter gegnerischer Seite gegen den Streit und die Streifenden ausgesprengten Unwahrheiten aufzudecken und zu widerlegen, fowie überhaupt über den wahren Charakter, die Entstehung und den Verlauf dieses Streits das nöthige Licht zu ver breiten. h's. Zwei große öffentliche Versammlungen der Streitenden Maurer fanden am Montag und Dienstag in der Philharmonie" und in der Urania" statt. Die Diskussion betraf hier wie dort den Maurerstreit. Der Be " schluß der Pußerversammlung vom Sonntag wurde allseitig verurtheilt und als„ engherzig" und" kurzsichtig" bezeichnet. Ein in der Philharmonie- Versammlung" anwesender Pußer, Herr Grendorf versicherte, im Namen vieler Hunderte seiner Gewerksgenossen zu sprechen, wenn er seinem Bedauern über denselben und der Hoffnung Ausdruck gebe, daß er nicht das letzte Wort der Berliner Pußer in Sachen des Maurer Streits sein möge. Es sei das in der Pußerversammlung am Sonntag abgegebene Votum der strengsten Prüfung durch eine neue Generalversammlung bedürftig, die auch am Mittwoch stattfinden werde. Die Gerüchte und Zeitungsnachrichten über bereits hier eingetroffene auswärtige Maurer wurden als ,, pure Erfindungen" bezeichnet. Ebenso erfunden sei die Behauptung, daß Magistrat und Fiskus die nachgesuchte Sistirung ihrer Bauarbeiten verfügt hätten; der Magistrat würde das gar nicht ohne Vorwissen der Stadtverordneten- Versammlung gekonnt haben und dieser sei keine darauf bezügliche Vorlage gemacht worden. Schließlich heben wir noch hervor, daß von Dienstag ab mit der Auszahlung von Unterstügungen aus dem General fonds an die Allerbedürftigsten begonnen wurde. Eine Versammlung des Fachvereins der Rohrleger fand am Sonntag, den 28. Juni, im Lokal von Wolf und Krüger, Staligerstraße 126, statt. Nachdem der Kassenbericht erstattet und anerkannt war, hielt Herr Dr. Bohn einen VorTheater. Belle- Alliance- Theater. Heute: Der Raub der Sabinerinnen. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Heute: Nanon. Walhalla- Operetten- Theater. Heute: Die Frau mit den Karfunkelsteinen. Oftend- Theater. Central- Theater. Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Heute: Hamburg an der Alster. Unserm Kollegen H. G. Witzel zu seinem heutigen Geburtstage ein donnerndes hoch, daß die Trulle acht 1518 Tage lang winselt. Die Kollegen der Böhmer'schen Anstalt. [ 1519 Ein dreifach donnerndes Hoch unserm Mitgliede Witzel zu seinem heutigen Wiegenfeste. Der Vorstand des Arb.- Bez.- Vereins d. Rosenth. Vorst. Gr. Volksversammlung am Donnerstag, den 2. Juli, Abends 8 Uhr, in Keller's Lotal, Andreasstraße Nr. 21. Tagesordnung: Berichterstattung des Stadtverordneten Herrn Herold über die Thätigkeit der Stadtverordnetenversammlung. Ganz besonders find die Wähler des 24. Kommunalwahlbezirks zu dieser Versammlung eingeladen. 11520 Der Einberufer. Roh- Tabak!! Preiswerthe Sumatra- Decken, vorzüglicher Brand, von 160-540 Bf., billiger Brafil, ferngesund, von 75-175 Pf., Domingo, Carmen, Seedleaf-, Java, Nebût- und Eli- Einlagen, à 58 Pf., empfehlen [ 1522 Bergemann& Donisch, C., Alexanderstraße 38. Schönhauser Allee 182. Omnibus- Haltestelle am Schönhauser Thor. elegante Jaquet- und Rock8600 Anzüge, Anzüge, mode 1885,( neu und wenig getragen) von 10, 12, 15-30 Mart. 5000 Sommer- Paletots in allen Farben, jetzt für 8, 10, 15-25 Mr. ( Bracht Exempl.) Tuch- und Kammgarn, Salon- und Geh Röcke für den 4. Theil des Werthes. 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Juni in Gratweil's Bierhallen tagte, beschäftigte sich mit der Forderung, welche die Schlossergesellen an ihre Arbeitgeber ge= stellt haben und nahm folgende Resolution an: In Erwägung, daß die als gerechtfertigt anerkannte Durchführung der zehn stündigen Arbeitszeit der Schlossergesellen Berlins, nur durch Einstellung der Arbeit zu erzielen ist, erklärt sich die Versammlung der Bauanschläger Berlins und Umgegend mit ihnen solidarisch. Die heute versammelten Bauhandweker, welche aus dem Schlofferhandwerk hervorgegangen sind, verpflichten fich, aller derjenigen Arbeiten fich zu enthalten, die eine Beeinträchtigung der guten Sache zur Folge haben könnten. Sie beschließen ferner, für die Bestrebungen der Schloffer mit allen gesetzlich ihnen zu Gebote stehenden Mitteln einzutreten und sie zu unterſtüßen. Verbotene Volksversammlung. Die zum Dienstag Abend nach dem Konzerthause Sanssouci einberufene Volts: versammlung, in welcher der Reichstagsabgeordnete Singer über seine Thätigkeit im Reichstage Bericht erstatten wollte, ist polizeilich verboten worden. = Kleine Mittheilungen. Posen, 27. Juni. In Folge der ungewöhnlichen Hige ist gestern Vormittag ein Gemeiner der 3. Kompagnie des 46. Regiments auf dem Ererzierplage in Dembsen erkrankt; doch lebte er gestern Abend noch. Auch zwei Offiziere wurden auf dem Ererzierplaze in Folge der Hize so matt, daß fie mittelst eines Fuhrwerks nach Hause gebracht werden mußten.- Im Militärs arrestlokale hat sich am 26. d. Mts. Morgens ein Sergeant des 46. Regiments, welcher wegen Insubordination bestraft war, erhängt. Dresden, 29. Juni. In Folge der fortgesetzten sozialistischen Agitation unter den hiesigen czechischen Arbeitern hat die Polizei Direktion eine größere Anzahl derselben von hier ausgewiesen und den böhmischen Verein„ Czesky Klub" aufgelöst. V Frankfurt a. M., 29. Juni. Als der Angeklagte Julius Lieske heute Abend 64 Uhr aus dem Leinwandhaus in einer Dreschke abgefahren wurde, schaute derselbe nach der linken Seite, als suche er Jemanden. Kaum hatte sich die Droschke in Bewegung gefeßt, als ein Mann den Hut hoch hob und Hoch! hoch!" schrie. Noch hatte der Schreier den Hut nicht aufgesett, als ihn ein Schußmann schon im Genicke hatte und in den Hof des Leinwandhauses führte, von wo er in das Untersuchungsgefängniß abgeführt wurde. München, 27. Juni. In der L. Viereck'schen Verlagsanstalt hier ist fürzlich von Dr. Max Vogler ein Roman erschienen, betitelt ,, Der Herr Kommerzienrath". Dieser Roman hat den Kommerzienrath Vogel in Chemnitz so schwer getroffen, daß er Strafantrag wegen Beleidigung gegen Verfasser und Verleger gestellt hat. Dem Strafantrag ist stattgegeben wor den und fand nach noch vorhandenen Exemplaren des RomanⓇ eine Haussuchung bei Herrn Viereck statt, die der Polizei 2 Exemplare einbrachte. Viereck hat protestirt und wird Wider Außerordentliche Delegirten- Versammlung Delegirten- Versammlung der Schloffer und Berufsgenossen am Donnerstag, den 2. Juli, Abends 8 Uhr, Annenstraße 16. Tages- Ordnung: 1. Die Arbeitsniederlegung in einzelnen Werkstätten wegen Einführung des zehnstündigen Marimal- Arbeitstages. 2. Verschiedenes. Sämmtliche Delegirten werden ersucht, zu erscheinen. Karten- flage auf Schadenersatz erheben. Einladung findet nicht statt. Im Arbeiterinnen- Verein, Kommandantenstr. 77-79 ( Gratweil's Bierhallen), hält Herr Guttzeit heute Abend einen Vortrag über ,, Kindererziehung". Gäste haben Zutritt. Den Schneidern zur Nachricht, daß am Donnerstag, 2. Juli, Abends 82 Uhr, Wilhelmstr. 118, eine große außer ordentliche Generalversammlung sämmtlicher Schneider stattfindet. T.- D.: Wie bezahlt Herr Hugo Wernaer die Arbeit für den Offizier- Verein? Die Behandlung der Arbeiter durch den ersten Buschneider Herrn Lemke. Probearbeit wird vorgelegt, und sowohl Herr Wernaer als auch Herr Lemke brieflich eingeladen. Pflicht aller Arbeiter, speziell der für die Firma arbeitenden, ist es, zu erscheinen. Die Metallschrauben-, Facon- Dreher und Berufsgenoffen halten am Donnerstag, den 2. Juli, Abends 8 Uhr, in dem Lokale Manteuffelstr. 9 eine außerordentliche Generalversammlung ab. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Ein recht zahlreicher Besuch ist erwünscht. Eine große öffentliche Metallarbeiterversammlung findet am Sonntag, den 5. Juli, Vorm. 10 Uhr, im Wintergarten des Zentral- Hotels" statt. Tagesordnung: Der Formerstreit in der Hartung'schen Gießerei und das Verhalten des Herrn Hugo Hartung, Prenzlauer Allee 41. Referent Herr Korreferent Herr Gustav Tobler. Frit Gördi. Sämmtliche Schloffer, Schmiede, Former, Eisen- und Metalldreher, Stoßer, Hobler, Bohrer, Hilfsarbeiter, Klempner, Gürtler, Drücker, Schleifer, Gußpußer sowie alle im Maschinenbau- und Metallfach beschäftigten Arbeiter werden freundlichst ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Eine öffentliche Versammlung der Töpfer findet am Freitag, Abends 6 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Romman dantenstraße 77-79, statt. folgende Serien Mainz, 29. Juni. Den Soldaten der hiesigen Garnison ist verboten worden, ohne Erlaubniß sich an Waldpartien, welche von hiesigen Vereinen arrangirt werden, zu betheiligen. An einer jüngst stattgehabten Waldpartie, welche von einem hiesigen Fachvereine veranlaßt worden war, soll sich eine kleine Anzahl Mannschaften hiesiger Regimenter betheiligt haben; es fand deshalb eine Untersuchung statt, die indessen resultatlos verlief. Darmstadt, 29. Juni. Vorgestern erschien ein start an geheiterter Friseur auf der hiesigen Polizei und machte, wie es fich später herausstellte, in der Hoffnung, als Zeuge in dem Prozeß Lieste vernommen zu werden und so Zutritt zu er halten, die Angabe, daß er bei der Ermordung des Polizei raths Rumpff betheiligt gewesen und richtige Auskunft geben könne. Im städtischen Hospital, wohin der Neugierige einst weilen gebracht wurde, soll indeß eine fräftige falte Douche von ganz überraschender Wirkung gewesen sein und den Mann auf ganz andere Gedanken gebrachi haben. Valentin+. Am 28. Juni starb der frühere Rechtsanwalt und Notar, Justizrath Hermann Valentin, geboren 17. August 1812 zu Berlin. Er war von 1871-73 Reichss tagsabgeordneter für Meiningen, von 1874-78 für Sonders hausen und gehörte der nationalliberalen Fraktion an. Am bekanntesten war er durch seine parlamentarische Thätigkeit als ,, Schlußmacher". Abgesehen von seinen vielen Anträgen auf Schluß der Debatte", die er im Reichstage stellte, machte er fich dort wenig bemerklich. Aus Kamerun trifft die Nachricht ein, daß ein weiteres Opfer dem mörderischen Klima erlegen ist. Der Sohn des freireligiösen Predigers in Nürnberg, Karl Scholl jun., der fich vorigen Dezember in Hamburg eingeschifft und seit Januar im Hause C. Woermann in Kamerun beschäftigt war, ist, nachdem er wenige Tage vorher noch seinen Eltern geschrieben und sie über seine Gesundheit vollständig beruhigt hatte, am 29. April am Fieber gestorben. Kleiderstoffe bedeutend billiger Be 883 To n To b fich b. b und vern richti jede Kor als wel blat Wid fönn Noti daß Str brud meh beite фо Schü Ficht arbe ha dr den Nid Neben einer reichen Auswahl hochfeiner moderner Kleiderstoffe zu bekannt billigen Preisen find Sett rei For Schli Re น. 1 ord noch Obe nu die Mi mit [ 1530 ein es Stell zum gänzlichen Ausverkauf gestellt. Waschechte Cafune in großer Auswahl jest 30 Pf. 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