506 153 372 916 223 6 r. 156. ) 401 5 298( 15 75 436 5 56 415 7 50 867 15 809. 963 1766 400 129 246 16 D) 450 00) 662 ( 300) 8 878 8891 50) 456 5( 150) 72794( 2 23 718 28 632 31 929 684 111 50) 761 78665 2406 541 755 881 176 770 224 48( 150) 822 785 453 95 64( 150) 50) 827 703 48 20( 150) 222 961 980 713 866 740 30 41 254 59 5 47 68 50) 346 236 301 371 38 291 290 Mittwoch, den 8. Juli 1885. II. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Boftabonnement 4 Mr. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illuftr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Redaktion: Beuthstraße 2. Die Dynastie Rothschild. Daß die Millionen der Familie Rothschild längst in bie europäische Politik hineinspielen, ist männiglich bekannt; in einzelnen Staaten beherrscht diese Familie die ganze Finanzpolitik. Soeben haben die Herren von Rothschild einen neuen Triumph gefeiert; Nathaniel Rothschild ist zum Peer von England und zum Oberhausmitglied ernannt worden, während ein anderer Börsenfürst, Henri de Worms, ein Desterreicher, zum Ministerialsekretär und zum parlamentari 0) 759 fchen Vertreter des Handelsministeriums ausersehen worden 91946 ist. Daß die hochkonservative Regierung des Lord Salis0) 224 bury fich zu solchen Konzessionen an die Börsengrößen ge150) 559 nöthigt sieht, ist ein 3eichen der Zeit und zwar ein sehr 200) 477 bedeutsames. 574 369 2 16 171 33 29( 300) 388 265 62 332 37( 300) 270 58 0) 427 15( 200) 469. 428 49 335 337 22 747, It male des Ze worin ih heil mitg ntlich en ie erklär Für uns handelt es sich bei Beurtheilung dieser Erscheinung weder um die Konfession noch um die Abstammung der Familie derer von Rothschild; die Fragen, welche Andere daran knüpfen mögen, bestehen für uns nicht. Wir haben es einzig und allein mit der Geld macht Rothschild zu thun; ob ihr Repräsentant eines christlichen oder der jüdischen Konfession angehört, ist für uns ganz gleichgiltig. Wir sehen aber, daß die Geldherrschaft in ihren Answüchsen zu denselben Resultaten führt, wie einst die feudalen Privilegien des mittelalterlichen Grundbesizes; nur in moderner Form. In beiden Fällen sehen wir die Masse als Piedestal für die Herrschaft von Privilirgirten dienen, nur daß die mittelalterlichen Privile gien auf bestimmten Sagungen beruhten, die gewisse Schranken festsetten, während die moderne Geldherrschaft fich keine Schranken ziehen läßt. Es mögen jetzt hundert Jahre sein, seitdem der Stifter der Dynastie Rothschild, Mayer Amschel Rothschild, der ursprünglich zum Rabbiner bestimmt war, seine Thätigkeit des Geldaufhäufens in Frankfurt am Main begann. Er machte häufig Geschäfte mit dem damaligen Landgrafen von Hessen und die Summen, welche dieser Fürst für seine an die Engländer nach Nordamerika verkauften Unterthanen einnahm, wanderten zum größten Theil in die Hände des Frankfurter Bankiers, der sich dafür auch noch zum Hofagenten des Landgrafen ernennen ließ. Die armen Hessen, deren Gebeine auf den Schlachtfeldern der nordamerikanischen Revolution bleiben sollten, ahnten wohl schwerlich, zu welcher Art von„ Kulturdünger" sie bestimmt waren und daß sie die erhabene historische Aufgabe hatten, die finanzielle Basis des Hauses derer von Rothschild zu schaffen. Seitdem ist die Macht und der Reichthum derer von Rothschild täglich und stündlich gestiegen; das Märchen vom Heckthaler stellt sich in neuer Form dar. Die weitRadbrud verboten.] 77] Feuilleton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäder. ( Fortsetzung.) Noch an dem Nachmittag, als sich Niemand um ihn befümmerte, denn die Leute hatten heute wirklich andere Dinge im Kopf, sandte er durch einen Dienstmann eine Anzahl von Roffern und Risten auf die Bahn als Eilfracht an eine befreundete Adresse. Er selber schlenderte in seinem gewöhnlichen Anzug dann auf die Bahn hinaus und nahm ein Billet nach einer unfern davon gelegenen Stadt, wohin die Rhodenburger oft Vergnügungstouren machten. Was dort aus ihm wurde? Niemand achtete darauf; aber in Rhodenburg ließ er sich nicht wieder blicken, und seine Gläubiger mochten sich an die wenigen Ihr, find zurückgebliebenen Möbel halten, die nicht einmal ſein Eigen Hans hatte allerdings bei seinen Eltern einen etwas lung schweren Stand gehabt, um das Fest auf den nächsten Abend er Ben noch durchzusetzen; denn daß sich Beide dazu nicht in der 1 zur ng e am Svon Be 24 thum gewesen. Insertionsgebühr Part Bibliothe de beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 3immerstraße 44, sowie von allen Annoncens Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Expedition: Zimmerstraße 44. verzweigte Familie von Rothschild mit ihren Bankhäusern an allen bedeutenden Pläßen des Handels und des Vers fehrs, stellt mit ihren Millionen einen Wall von Gold und Silber dar, den die Fluthen der wirthschaftlichen Bewegungen umbrausen, aber nicht zu erschüttern vermögen. Die Rothschilds haben den 3auberstab in der Hand, der alles in Gold verwandelt, was sie berühren; die Papiere, die sie zur Börse bringen, kommen von dort in Goldstücke vers wandelt zurück oder sie werden zu Grundstücken, Häusern, Palästen. In einzelnen Städten haben die Rothschilds Palästen. In einzelnen Städten haben die Rothschilds ganze Viertel erworben. Daß eine so gewaltige soziale Macht auch bald politischen Einfluß gewinnen mußte, liegt auf der Hand. Man kann sich in dieser Beziehung nicht ganz frei aussprechen; bemerken wollen wir nur, daß in Frankreich der Finanzminister nur von dem guten Willen des Herrn von Rothschild abhängt, weit mehr als von der Volksvertretung. Die französische Republik mit ihrem stehenden Heere von 500 000 Mann fann keine Anleihe machen, wenn Herr von Rothschild ihr nicht das Zeugniß ausstellt, daß sie eines Rredits würdig sei. Er borgt ihr das Geld zu ihren famosen Eroberungszügen in Afrika und Asien. Sind diese Eroberungszüge vom Glück begünstigt, so müssen die eroberten Gebiete dem Herrn von Rothschild seine Darlehen mit Zinsen zurückzahlen; fallen die Unternehmungen ungünstig aus, so hat das französische Volk die angenehme Pflicht, den großen Staatsgläubiger zu befriedigen. Die französischen Soldaten aber vergießen ihr Blut, um die Macht und den Reichthum derer von Rothschild zu ver= mehren. Die Machtstellung dieser so ungeheure Schäße anhäufenden Familie ist eine so gewaltige geworden, daß sie bie Staatsgewalt, wie wir sehen, ganz in Schatten stellt, sich dienstbar macht oder ganz unterdrückt. Wo sich die moderne Geldmacht zu ihrer Höhe entfalten kann, fritt überall diese Erscheinung hervor. Merkwürdig, daß die Geldmacht in ihren Bielen ungefähr ebendahin gelangt, wohin der Anarchismus strebt. Der Anarchismus verlangt Abschaffung des Staates, den er in jeglicher Form nur für ein Mittel der Knechtung hält; eine Anschauung, die bekanntlich der sozialistischen direkt zuwider läuft. Die Geldmacht ist, wie wir sehen, im Begriff, den Staat thatsächlich abzuschaffen und an dessen Stelle den persönlichen Willen ihrer Repräsentanten zu setzen. Der Anarchismus will die Gesellschaft in Gruppen auflösen; die Geldmacht steuert dahin, die mächtigen Gruppen Roth: schild an Stelle der öffentlichen Organisation und Autorität zu setzen. Man sieht, die Geldmacht in ihrer vollen Entwickelung schreitet über den ohnmächtig gewordenen Staat auf eine den Arm nach ihm ausgestreckt, und die Aerzte, die sein Lager umstanden, schüttelten bedenklich mit dem Kopf. So furchtbar war die Wunde und so schwer verletzt hatte sie ihn im Innern, daß Rettung unmöglich schien, und um ihn nur noch in einzelnen der vorliegenden Fragen einem Verhör zu unterwerfen, so lange er noch fähig war zu sprechen, begab sich einer der Gerichts- Assessoren mit dem Aktuar in das Spital an sein Bett. das Spital an sein Bett. Aber er antwortete nicht. Mit finster zusammengezogenen Brauen, die Züge nur manchmal zuckend vor innerlichem furchtbaren Schmerz, lag er da, sah den Assessor höhnisch an und murmelte halb verbissene Flüche in den Bart. = Indessen war Karl Handorf nach Hause gekommen und in quälender Unruhe im Bimmer auf und ab gegangen. Daß diefer Bube damals die Mordthat verübt, wegen der er unschuldig gelitten, davon war er jetzt fest überzeugt; aber wie konnte er die Welt davon überzeugen, wenn man kein wirkdenn nicht ehrlos ſein ganzes Leben lang? Was half es ihm da, wenn den Mörder doch zuletzt seine Strafe erreichte? Es litt ihn nicht zu Hause, und von Angst und Unruhe ge= foltert, eilte er selber hinaus nach dem Spital, um den Elenden noch einmal zu sehen und zur Rede zu stellen. Daß man ihn wahrscheinlich gar nicht zu ihm lassen würde, daran Spitals erreichte und sein Anliegen vortrug, wurde er einfach abgewiesen. Es waren jetzt schon Herren vom Gericht oben, und wenn er etwas von diesem Kranken wolle, so müsse er sich an den Herrn Assessor wenden; es sei strenger Befehl, Niemanden zu dem Gefangenen zu lassen, und sie dürften davon nicht abweichen. Stimmung fühlten, ließe sich denken; aber gerade mit Fränzchen's Hilfe siegte er zuletzt. Fränzchen selber war allerdings, wie er nur die erste Aeußerung dahin gegen sie Vorfisen machte, außer sich über eine solche 3umuthung. Als er ihr dachte er nicht, und doch war es so. Als er die Thür des aber vorstellte, und dazu seine ganze Beredsamkeit aufbot, daß sie dann in der ganzen Stadt nur als trostlose, verlaffene Braut geschildert würde und eine Menge ihrer sogenannten Freundinnen darüber triumpfiren könnten, wie sie um solch einen Bräutigam trauere, da gewann der Stolz bei ihr die Oberhand, und mit blizenden Augen ging Sie darauf ein, sich der Gesellschaft wieder heiter wie immer zu zeigen. Sie hatte ja auch keinen Bräutigam verloren, fie war nur der Gefahr entgangen, von ihm, dem schon verheiratheten Manne, beraubt und verlassen zu werden, und wie fich der Bube jetzt in den Händen der Gerichte befand, 17 Jahr mußte sie zeigen, daß sie ihn verachte. ngt Wa Haus derstr. eschäft. 13 Und befand sich Rauten wirklich in den Händen der Gerichte? Unter polizeilicher Aufsicht allerdings, aber schon aus dem Bereich menschlicher Strafe, denn der Tod hatte Alle Bitten Karl's halfen ihm nichts, und er wollte schon gerade umkehren, um den alten Notar Püfter aufzusuchen und durch dessen Vermittelung vielleicht die Erlaubniß zu erhalten, als der Assessor mit seinem Begleiter unverrichteter Sache von oben herunter kam und aufs Gericht zu wollte. Der Assessor kannte natürlich den aus dem Zuchthaus entlassenen und nach Rhodenburg zurückgekehrten Karl Handorf. Die Polizei mußte solche Leute kennen, um sie, wenn Anarchie zu, aus der die Diktatur, die offene oder die verborgene, der Repräsentanten der Geldmacht hervorgeht. Dieser Zustand ist Jedermann bekannt, Jedermann hat ihn vor Augen, aber fast Alle schweigen, weil sie nicht wissen, wie sie dem Koloß begegnen sollen, der uns erdrückt. Gambetta unternahm nicht den kühnen Versuch, diesen Roloß auf seinem eigenen Gebiete anzugreifen, er gründete zu diesem Zwecke die Bontour- Bank. Er wollte Frankreich einen anderen Vermittler für seine Geldbedürfnisse schaffen. Aber die Dynastie Rothschild vernichtete den Feind; dem Konkurrenzunternehmen war bald der Kredit abgeschnitten, es ,, krachte" zusammen und Frankreich hatte seinen alten Gläubiger wieder. So wenig konnte Gambetta, dem damals die Staatsgewalt der Republik zu Diensten stand, gegen die Geldmacht ausrichten. Wohin diese Zustände führen werden, können wir era kennen; man sieht, daß die Anhänger des Staatsgedankens alle Ursache hätten, sich nach Mitteln und Wegen umzusehen, wie man sich der immer näher rückenden Gefahr der durch die Geldherrschaft herbeigeführten Anarchie erwehren kann. Sie thun es nicht und werden daher auch die Folgen tragen müssen. Politische Webersicht. Eine Aenderung des Gesetzes über die Aktiengesells schaften soll so wurde bereits vor längerer Zeit verbreitet von der Regierung geplant werden. Diese Angabe wird jezt mit dem Hinzufügen bestätigt, daß die Regierung allerdings bezüglich der tolonialen(!) Unternehmungen mancherlei Erleichterungen wünsche und in Folge dessen mit der Abficht umgehe, Aenderungen des Gesetzes über die Aktien- Gesellschaf ten herbeizuführen. Wie es heißt, sollen diese Aenderungen den Gegenstand einer dem Reichstag in der nächsten Session zu unterbreitenden Vorlage bilden. Die Kommission zur Ausarbeitung eines bürgerlichen Gesetzbuchs hat, nachdem sie noch in letter Beit bea sonders eifrig bei der Arbeit gewesen ist, auf 6 Wochen Ferien gemacht. Fürst Bismarck interessirt sich angeblich lebhaft für besonders ein von sehr hoher Stelle geäußerter Wunsch beigeden Fortgang der Arbeiten; zu deren Beschleunigung soll aber tragen haben. Der zwischen dem Deutschen Reiche und dem ,, Norddeutschen Lloyd" abgeschlossene Vertrag, betreffend die subventionirten Dampferlinien, ist, mit der Unterschrift des Reichskanzlers versehen, am Sonnabend dem Vorfizenden des Verwaltungsraths der genannten Gesellschaft, Herrn H. H deutsche Lloyd" in die beiden Hauptlinien, nach Ostasien und Meier in Bremen, übergeben worden. Es wird der Nordnach Australien, neun seiner älteren und sechs auf deutschen Werften neu zu erbauende Dampfer einstellen. Die Eröffnung der Linien wird am 1. April des nächsten Jahres erfolgen. Der Beschluß des Reichstags in Sachen des Abges sie auch nicht mehr ausgesprochen und offiziell unter polizeis licher Aufsicht standen, doch immer im polizeilichen Auge zu behalten. Außerdem kannte er von Püster selber den ganz bestimmten Verdacht, den der Verurtheilte gegen den jetzt Gefangenen geäußert und ausgesprochen hatte, und die Möglichkeit lag ja doch immer vor, daß er Wahrheit sprach, wenn es ihm auch nicht in den Kopf wollte, daß irgend ein deutsches Gericht einen Unschuldigen zu Buchthausstrafe verurtheilen könne. War denn aber nicht ein Fall denkbar, daß Beide zusammen in dieser Sache gewirkt haben konnten, während jetzt vielleicht der Anblick seines früheren Genossen, der gegen ihn ausgesagt, den Verbrecher reizen konnte, selber zu gestehen? Alle diese Gedanken zuckten ihm blitzschnell durch den Ropf, und sich gegen den jungen bleichen Mann wendend, Wohin wollen Sie?" " Ich wollte hinauf und den Verwundeten sprechen," sagte Karl mit bebender Stimme; er ist der Einzige in der Welt, der mir meinen ehrlichen Namen zurückgeben fann." 11 Der Assessor sah ihn eine Weile still und forschend an dann sagte er: Kommen Sie!" drehte sich um und schritt wieder die Treppe hinauf, dem Zimmer des Verwundeten zu. Aus diesem trat eben der Arzt. " Ich glaube," sagte dieser, es wäre besser, Sie ließen ihn jetzt lieber ungestört, er hat eben wieder einen feiner Strampfanfälle gehabt, und wenn sich die wiederholen, fann er nicht lange mehr machen. Zu heilen ist er keinenfalls." Der Assessor war nicht der Mann, sich durch Rücksichten abhalten zu lassen. " Ist er jetzt bei Besinnung?" Vollkommen." " H Gut. Dann werde ich ihm nur noch eine Frage vor legen; es wäre mir angenehm, Herr Doktor, wenn Sie uns begleiten wollten." " Ja," sagte der Arzt ,,, ich muß sogar darauf bestehen, daß ich zugegen bleibe, denn ich möchte den Kranken nicht unnöthiger Weise aufgeregt haben, und erkläre hiermit auf ordneten Frohme und v. Vollmar ist bekanntlich vom Bundesrath durch Kenntnißnahme erledigt worden. Während der Vertagung des Reichstags waren die genannten Abgeordneten Anfangs April 1883 bei ihrer Rückkehr von dem Sozialistenkongreß in Kopenhagen in Kiel verhaftet und durchsucht, und, da sich nichts Kompromittirendes vorfand, wieder entlassen worden. Auf Antrag der Geschäftsordnungskommission beschloß der Reichstag in der Sigung vom 8. Mlai, zu er flären, daß das am 2. April 1883 in Kiel gegen den Reichs tagsabgeordneten Frohme, und das am 3. April desselben Jahres gegen den Reichstagsabgeordneten v. Vollmar stattgehabte Verfahren dem Artikel 31 der Reichsverfassung, wonach Mitglieder des Reichstages während der Session nicht ohne Bustimmung deffelben in Untersuchung gezogen oder verhaftet werden dürfen, zuwiderläuft." Ob der Bundesrath sich im Gegensatz zu seiner Kommission dieser Auffassung angeschloffen hat, ist aus dem Beschluß, dieselbe zur Kenntniß zu nehmen, nicht ersichtlich, so daß wohl die Angelegenheit nach zweijähriger Verzögerung von der Tagesordnung des Reichstags weggeschafft, die prinzipielle Frage aber, ob der Art. 31 der Reichsverfassung während der Vertagung des Reichstags giltig ist oder nicht, unerledigt bleibt. hat, gleichviel ob dieselben unter englischem oder deutschem I Schuß stehen. Das Fieber und der Lod find ein paar internationale und vaterlandslose Gesellen, die sich in ihrer Arbeit durch das Aufhiffen dieser oder jener Flagge in feiner Weise stören laffen. Was ferner das harte Urtheil des englischen Blattes über den Import" der Kanaken in die kolonie Queensland betrifft, so erscheint uns dasselbe im englischen und australischen Sinne patriotischer und nachahmenswerther zu sein, als die sehr milde Auffassung des Arbeitergeschäfts" in der Publikation Deutsche Interessen in der Südsee", in der Dor einer sentimentalen Auffassung dieses Geschäfts in Menjchenfleisch gewarnt wird. Wir glauben einer journalistischen Pflicht zu genügen, indem wir der von der ,, Nordd. Allg. Beitung" gegebenen Anregung folgen und soweit es in unserer Macht steht, der Warnung vor leichtsinniger Auswanderung nach den Tropen Verbreitung verschaffen. Wie in Bezug auf Queensland, so ist die Warnung auch in Bezug auf andere Gegenden, z. B. Neu- Guinea und den größten Theil Afrikas, wohl berechtigt." Der schwäbische Bauernverein in Bayern scheint recht schlechte Erfahrungen mit den katholischen Pfarrern als Politiker gemacht zu haben. Er ist zu der Einsicht ge= langt, daß der Pfarrer in die Kirche und nicht in den Reichstag gehört und hat deshalb beschlossen, dahin zu wirken, daß die katholischen Geistlichen von der Wahl in den Reichstag wie in den Landtag ausgeschloffen werden. Jedenfalls ein ganz vernünftiges Beginnen. Ueber die Handhabung der Ausweisungen russischer Polen meldet die Nordd. Allg. 8tg." mit offiziösen Lettern: Als die Interpellation wegen Ausweisung der russisch- pols nischen Ueberläufer im Abgeordnetenhause zur Besprechung gelangte, stellte der Herr Minister des Innern bereits in Aus ficht, daß in den Grenzprovinzen von den Oberpräsidenten Konferenzen mit den betheiligten Beamten zu dem Zwecke abgehalten werden würden, um die Modalitäten der Ausführung fener Maßregel, insbesondere soweit es sich um die Zurüd weisung der mit staatlicher Genehmigung im Lande befindlichen Ueberläufer handelt, zu berathen. Diese Konferenzen haben, wie wir erfahren, unter Betheiligung von Ministerialfommiffarien kürzlich stattgefunden und zu dem Ergebniß geführt, daß sowohl über die Nothwendigkeit der in Rede stehenden Maßregel, als auch über die Art, wie sie unter Beachtung aller berücksichtigungsschließen; ingleichen sollten die Pensionsverhältnisse geregelt werthen Interessen in Wirksamkeit treten kann, unter den mit den Verhältnissen vertrauten Beamten im Wesentlichen übereinstimmende Auffassungen herrschen. Als Resultat werden nunmehr in nächster Zeit weitere Maßnahmen zu erwarten sein, um die Ausweisungsmaßregel energisch und konsequent zur Durchführung zu bringen." Dnß der Bundesrath sich nur bis zum 15. September vertagt hat, läßt feinen Schluß auf den Zeitpunkt des Beginns der nächsten Reichstagssession ziehen. Der Bundesrath muß im September zusammentreten, um über die Ausführungsbe stimmungen zum Börsensteuergeseß zu beschließen, welches am 1. Oftober in Kraft tritt. Man hält es indessen noch immer für wahrscheinlich, daß der Reichstag Ende Oktober oder Anfang November wieder berufen wird. Ein allgemeiner Telegraphen Kongreß soll am 10. August in Berlin stattfinden. Der Chef des internationalen Telegraphen- Bureaus in Bern, Herr Curchod, ist bereits hier eingetroffen, um mit dem Staatssekretair Dr. v. Stephan in Betreff der näheren Vorbereitungen zu berathen. Der Koburger Landtag hat die Regierungsvorlage we gen Erhöhung des Zuschusses für firchliche Zwecke von 8000 auf 12 000 M. mit 6 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Interessanter als dieser Beschluß selbst find die Motive, welche für denselben maßgebend waren. Die Regierung hatte den Buschuß verlangt, um die Gehalts- und Pensionsverhältnisse der Geistlichen aufzubessern. Die Besoldungen sollten von 1700, statt seither von 1500 M. an, nach je 5 Dienstjahren um 200 sich steigern und nach 25 Dienstjahren mit dem Marimum von 2500 M. abwerden. Im Landtag wurde zwar anerkannt, daß die Forderung an fich sehr bescheidener Natur sei, andererseits aber wurde bes tont, daß die Besoldung der Geistlichen Sache der Kirchengemeinden und nicht des Staates sei, daß ferner bei Feststellung der Synodalordnung dem Landtag das Recht der Mitwirkung auch für solche firchliche Angelegenheiten, welche weltlicher Natur seien, versagt worden sei. Schweiz. Bei der am 5. d. M. im Kanton Zürich stattgefundenen Volksabstimmung wurde die Wiedereinführung der Todesstrafe mit 27 577 gegen 21 377 Stimmen verworfen, die Einführung der obligatorischen Fortbildungsschulen wurde ebenfalls abgelehnt. Frankreich. Der Friedensvertrag mit China hat der französischen Res gierung zwar das Recht zugestanden, Anam unter ihr Protektorat zu stellen, allein es zeigt sich, daß die Anamiten keineswegs gewillt find, sich so gutwillig diesen Vereinbarungen zu fügen. Der franzöfifche General Courcy zog auf erfolgte Ordre in die Hauptstadt dieses Landes Hue ein, um die Zitadelle zu beseßen. In der Nacht nach seiner Ankunft griff aber die anamitische Garnison die Zitadelle an und fügte den französis schen Tuppen erhebliche Verluste zu. Am Montag wurden In Betreff der Zulassung ausländischer Apothekergehilfen hat der Minister der Medizinal- Angelegenheiten im Einvernehmen mit dem Reichskanzler entschieden, daß auf Grund der gegenwärtig geltenden Vorschriften für Bulaffung derselben nicht nur die Ablegung der Gehilfenprüfung vor einer deutschen Prüfungsbehörde, sondern auch die volle Erfüllung der Zulassungsbedingungen zu derselben gefordert werden müsse. Zu den lettern gehöre das Abgangszeugniß von der Obersekunda eines Gymnasiums oder Realgymnasiums. Danach ist im Allgemeinen die Beschäftigung eines ausländischen Gehilfen in deutschen Apotheken grundsäglich ausgeschlagen wurden, die franzöſiſchen Truppen, welche 60 Mann schloffen. Es erhellt dies auch aus dem Bundesrathsbeschlusse vom 13. Januar 1882, wonach als Apothekergehilfe nur bes schäftigt werden darf, wer den maßgebenden Vorschriften über die Prüfung der Apothekergehilfen durchweg genügt hat." Deutsche Auswanderungsluftige werden in einem Artikel der in London erscheinenden Zeitung ,, Weekly News from Australia" gewarnt, fich durch einen angeblich von der Regierung von Queensland ernannten Auswanderungsagenten R.. Piegler zur Auswanderung nach Queensland und zur Arbeit auf dortigen Zuckerplantagen anwerben zu laffen. Es heißt in diesem Artikel: Das heiße, feuchte, tropische Klima auf den Plantagen im Norden von Queensland bedeutet für den im Freien arbeitenden Europäer Tod. Selbst die von den Südsee- Inseln importirten oder richtiger geraubten Kanaken Sterben dort maffenhaft. Es ist ein Verbrechen, deutsche Arbeiter dahin zu verlocken." In der Nordd. Aug. 3tg." gelangte diese Warnung unter der Ueberschrift: Stimmen aus dem Publikum" zum Abdruck. ,, Unzweifelhaft verfolgt das Kanzlerblatt so bemerkt die Voff. Stg." dazu mit dieser Veröffentlichung die Absicht, den deutschen Zeitungen das englische Blatt Blatt als Muster für die baltung hinzustellen, welche die Presse gegenüber der Verleitung zur Auswanderung europäischer und speziell deutscher Arbeiter und fleiner Landwirthe nach den tropischen Kolonien einzunehmen das Bestimmteste, daß ich Ihnen nicht mehr als zehn Minuten gestatte. Für alles Weitere übernehmen Sie selber die Verantwortung." Der Assessor, der sich ärgerte, daß ihm ein gewöhnlicher Arzt hier Vorschriften machen wolle, nichte nur einfach mit dem Kopfe, und betrat dann, von Karl Handorf dicht gefolgt, das Gemach. Der Krante lag auf dem Rücken. Er hatte seine Augen geschlossen, mit einem schmerzlichen Ausdruck in den 3ügen. Als er das Geräusch der geöffneten Thür vernahm, sah er auf, und ein spöttisches Lächeln glitt über sein bleiches Antlig, als er den Assessor wieder erkannte aber weit öffneten sich seine Augen, als Handorf, hinter ihm eintrat, und finster zogen sich seine Brauen zusammen. Was will der da?" zischte er durch die zusammengebiffenen Zähne hindurch. Wollten sie Alle kommen, der Raum ihr reichte nicht hin, sie zu fassen! Fort, ich will feinen Menschen mehr sehen, es ist vorbei!" Und fennen Sie den Mann da?" fragte der Assessor und hielt die kleinen, halb zusammengefniffenen Augen fest auf den Kranken gerichtet. in der Deputirtenkammer vom Kriegsministerium die vom Ge neral Courcy aus Hue eingegangenen Depeschen verlesen. Dieselben datiren vom 5. d. Mt. Sie lauten dahin, daß die Anamiten mit einem Verlust von 1200 bis 1500 Mann zurückgeTodten und Verwundeten verloren hätten, seien im vollständigen Befiße der Zitadelle, in welcher sich gegen tausend Geschüße befänden. General Courcy sei ohne jede Besorgniß; um jeder Eventualität vorzubeugen, seien aber von Haiphong aus Verstärkungen beordert und bereits abgegangen. Weiter wurde noch bekannt, daß die Anamiten 30 000 Mann stark gewesen seien. Dieselben hatten die Strohhütten, welche den franzöfifchen Soldaten als Wohnung dienten, niedergebrannt. Der Kriegsminister Campenon fügte hinzu, die französische Res gierung habe in Tontin 35 000 Mann Truppen; das Parlament fönne also beruhigt sein, die Regierung werde es über die Ereignisse auf dem Laufenden erhalten. Freppel meinte, durch das letzte Ereigniß bei Que sei die Lage geändert worden, er beantrage daher Vertagung der Berathung des Vertrages von Tientsin. Freycinet bekämpfte diesen Antrag; derselbe wurde schließlich abgelehnt. Wie sich die Nat.- 8tg." aus Paris melden läßt, hat der dortige spanische Botschafter in lepter Zeit, aber anschei nend erfolglos, wegen der Toleranz der Behörden gegenüber dem Treiben der spanischen Republikaner in Frankreich rekla mirt, welche in Paris und an verschiedenen Grenzorten Komitee's gebildet und beinahe offen die Vorbereitungen zu einem Einfall in Spanien treffen sollen. Borilla soll ebenfalls sich in Frankreich aufhalten, obgleich die durch Ferry verfügte Ausweisung offiziell nicht zurückgenommen ist. Vor einigen Tagen " „ Oh Du mein Gott im Himmel! Oh Du mein Gott im Himmel! Oh Du mein Gott im Himmel!" Ich habe es gehört," sagte der Arzt freundlich ,,, und die beiden Herren hier ebenfalls. Aber jetzt gehen Sie; Sie können auch für den Augenblick nicht mehr erreichen. Sollte er sich heute Abend oder morgen früh wieder wohler befinden, werde ich es Sie selber wissen lassen, Herr Assessor." Der Assessor niďte. Der Verwundete lag allerdings mit geschlossenen Augen da, und es war vor der Hand nichts weiter anzufangen. Die letzte Aussage oder vielmehr Selbstanklage desselben mußte aber jedenfalls und noch frisch im Gedächtniß gleich zu Protokoll genommen werden, und Karl Handorf wurde in einem Seitenzimmer ebenfalls dazu gezogen, um noch weitere Ausfunft, und besonders genaue Ortsangabe jener Gegend in Schlesien zu liefern, damit sich das Gericht dorthin, auch des neuen Geständnisses wegen wenden konnte. fand im Rontinentalhotel ein Banket zu Ehren des republik nischen Flüchtlings Angulo statt, der als eigentlicher Mör Prim's gilt und aus Amerika gekommen ist, um bei der planten republikanischen Erhebung eine Führerrolle zu spiele Verschiedene namhafte französische Radikale, darunter die D putirten Heredi, Maret, Sigismund, Lacroix und Andere woh ten dem Banket bei. Eine Depesche des französischen Konsuls in Valend berichtet, daß Dr. Ferran sich geweigert habe, dem Chef französischen Sanitätskommission, Dr. Brouardel Muster sein Cholera- Impfstoffes zu geben und ihn zu seinen Versuchen zulaffen. Unter solchen Umständen erachtete Profeffor Brouar feine Mission beendet und reiste von Valencia ab; er tri bereits heute wieder in Paris ein. Großbritannien. Das neue englische Kabinet will, wie immer bestimm verlautet, den Versuch machen, Jrland ohne Ausnahmege zu regieren. Darauf deutet auch eine Mittheilung des ,, Da Telegraph" hin, welcher zufolge Lord Carnarvon und William Hart- Dyke mit dem Entwurf von Berichten über gegenwärtige Lage Jrlands beschäftigt sind, die einer der er Rabinetsberathungen unterbreitet werden sollen. Der n Vize- König findet, daß er sich in Dublin ohne Eskorte frei wegen kann, und man glaubt, daß sowohl er, wie sein Dh Sekretär in der Ansicht übereinstimmen, daß, so weit fie Stande gewesen find, die Thatsachen zu prüfen, Frland un dem gemeinen Recht regiert werden kann und sollte. dürfte hierbei wohl weniger auf die Ansicht des neuen V Königs ankommen; die Triebfeder zur Aufhebung der A nahmegeseze find die in Aussicht stehenden Neuwahlen, denen das neue Kabinet mit den Irländern zu rechnen hat Egypten. Der Mahdi hat ein Schreiben erlassen, in welchem se Zukunftspläne dargelegt werden. Das Schreiben ist in ein in arabischer Sprache in Kairo erscheinenden Blatte zum druck gelangt. Der Prophet verkündet u. A., daß ihm aus d Lande der Strohköpfe so nennt er Europa gute Na richten zugegangen seien, die ihn zu weiterem Vorgehen muntern. Er rechnet darauf, recht bald seinen Einzug in ,, Siegreiche"( Kairo) zu halten. Sobald dies geschehen wird, sollen folgende Bestimmungen Plaz greifen: 1) Alle 1 gläubigen, welche fich dann noch dort oder in Alexandrien finden, müssen entweder Muselmänner oder abgeschlachtet w den. 2) Alle Titel von Bey und Pascha, mit denen in legten Zeit ein so uunerhörter Mißbrauch getrieben worden werden abgeschafft. 3) Alle Anstellungen, welche aber ungem vermindert werden sollen, können in Bukunft nur jenen G bigen anvertraut werden, welche gut Arabisch lesen und schrei und sich mit einem mäßigen Gehalte begnügen wollen. 4) und jede Uniform wird abgeschafft und das adamitische Koff angenommen.( 5) Alle Beigungen, sowohl belebte als belebte, vernünftige als unvernünftige, bewegliche als unben liche, werden gemeinschaftlich. 6) Die Kapitulationen wer abgeschafft, die Konsuln zurüdgeschickt, die Reform- Tribun geschlossen, die Advokaten, Richter und Wucherer veri 7) Alle Zeitungen, sowohl gläubige wie ungläubige, wer abgeschafft, mit Ausnahme der Deinigen, welche von heute in arabischer Sprache und illustrirt erscheinen soll. 8) europäischen Schulen und besonders jene, welche der katholis oder protestantischen Propaganda angehören, werden abgesch 9) Die offizielle Sprache muß Arabisch oder Sudanesisch Es soll nur Ein Gefeß geben: Das heilige Buch. 10) liches europäisches Element, welches sich in die Armee ein schlichen haben könnte, wird verabschiedet. Jeder Sol muß entweder Egypter oder Sudanese sein. 11) Die Europ welche dennoch im Thale des Nils bleiben wollten, haben Tare zu zahlen, welche ihrem Körpergewichte entspricht. werden die Dicken schlecht wegkommen.) 10) Alle Kredite, we Europäern bewilligt wurden, werden dem Volfe zuerkannt y alle übel erworbenen Reichthümer zu Gunsten des Staates gezogen. Alexandrien, 4. Juli. Einige britische Staatsan hörige hatten heute ein Meeting in der Börse einberufen, deffen Schluß ein Telegramm an Lord Salisbury abgefa wurde, worin in dringenden Worten um die Zahlung Schabloshaltungssumme gebeten wurde. Auch beschloß den Entwurf einer Bittschrift, in welcher beantragt werden daß Arrangements für die unverzügliche Begleichung Indemnitätsansprüche wenigstens der britischen Untertha getroffen werden. Es ist geradezu unerhört, daß die hem welche Alexandrien unnöthiger Weise einäschern ließen, den schädigten bis jetzt noch nicht die geringste Entschädigung gez haben. Wo bleiben die anderen Staaten, welche doch f bei winzigen Angelegenheiten interveniren? Amerika. Das brasilianische Ministerium hat dem neuen lamente einen Geseßentwurf vorgelegt, wonach die Stlave in Brafilien binnen fieben Jahren völlig aufgehoben soll. Die Sklaven werden zunächst gezählt und geschäßt. Maximalpreis für einen Mann von weniger als 20 Jahren benn er konnte und durfte die Wohnung eines Man nicht wieder betreten, von dem es fast erwiesen war, daß bei Rauten's Betrug willig die Hand geboten. Und weld andern 3wed konnte er dabei verfolgt haben, als nur eigenes Interesse, also um Geld den Verrath einer Fami die ihm nur Freundliches erwiesen! Daß Schaller selber eine doch immer nicht unbeträchtliche Summe s bete, machte ihm keine Sorge. Er wußte doch, er bel das Geld nie im Leben wieder, und hatte es verschmerzt Nur Einen der Leute unten, als er vorüberging, fra er, was es da gäbe, und erhielt auch die Bestätigung des was er schon vermuthet. " Die Leute," sagte der Mann ,,, suchen den Herrn Schaller, aber er ist nirgends zu finden, und Gott der rechte, so ein vornehmer Herr..." 20 Arme Kathinka!" dachte Hans bei sich, und es drän ihn fast, hinauf zu gehen und zu sehen, ob er ihr eine i Er fon leisten fönne; aber er bezwang sich trotzdem. viel besser Jemanden beauftragen, fich nach den Verhältnis zu erkundigen, und war dann nicht der Gefahr ausgef ba oben der Frau von Schaller in den Wurf zu lau denn daß er der nicht ohne ein bedeutendes Opfer entgan wäre, wußte er vorher. Und da oben wohnte Räthchen, sein Räthchen, und wie gern wäre er die Treppen hinangesprungen und h fein liebes, liebes Bräutchen noch einmal in die Arme schlossen! Aber das ging nicht, das schickte sich nicht, und mochte ihr auch nicht weh thun, denn er wußte, wie ung tiges mit ihr zu bereden gehabt. An dem Tage gab es vielleicht keinen mehr beschäftigten " Das fade, alltägliche Gesicht sollte ich nach fieben oder Menschen in ganz Rhodenburg, als Hans es war, und zwar acht Jahren wieder erkennen?" lachte Rauten bitter. Das hatte die junge Amerikanerin daran einen nicht geringen Anwäre viel verlangt; aber den Stod fenn' ich, damit erschlug theil, denn er gab sich die größte Mühe, ihr alles durch ich ich den Juden und das nicht allein; ich erschlug Rauten Verlorene nur sobald als möglich wieder zuzustellen. auch acht Tage später in dem nämlichen Walde den Müller, Daß fie außerdem die rechtmäßige Eigenthümerin des prachtder mit einem vollen Geldgurt nach Hause zurückfehrte vollen Schmuckes sei, den Rauten seiner Braut geschenkt, und find Deine Kollegen, Du Aftenratte, je auf die richtige stellte sich ebenfalls bald als unzweifelhaft heraus, und FranSpur gekommen? Und bin ich nicht Wochen lang nachher ziska war nur zu froh, ihn zurückgeben zu können. Traf fte fie es gesehen, und doch hätte er noch so Vieles und Wi noch nnter ihrer eigenen Nase herumgegangen? Aber das Über das doch jede Erinnerung an den Elenden wie ein Stich in's nicht allein in Amerika liegen im Walde verscharrt drei Herz. Leichen oh, Teufel!" zuckte er zusammen- oh, Gift, Gift! Es brennt mir im Innern! Fort mit Guch, fort! Was will die bleiche Gestalt da drüben mit dem langen, weißen Kleide! Hilfe, fie kommt wieder näher und schiebt ihre falte Hand in meine Wunde- Hilfe!" Er fiel erschöpft auf sein Lager zurad. Meine Herren," sagte der Arzt, ich muß Sie jetzt bringend bitten, das Zimmer zu verlassen." " Aber Sie haben gehört, was er sagte?" rief Kart. Hans hatte aber auch nebenbei eine Menge von EinKäufen zu machen, that das aber ganz allein und mit einem außerordentlichen Geschick, und ließ auch die Sachen nicht etwa in seine Wohnung schaffen, sondern in Riften verpacken, um fie später einem Spediteur zu übergeben. Als er wieder durch den Brink kam, standen unten in dem Hause, in welchem Herr von Schaller wohnte, eine Anzahl von Leuten und sprachen sehr heftig mit einander. Hans zögerte an der Thür, aber nur für einen Moment, Die Straße herunter fam Oberstlieutenant von Kling bruch; aber der sonst so freundliche und eigentlich auch fidele alte Herr war heute in tiefen Gedanken. Hans sah erstaunt an; er ging unmittelbar an ihm vorüber und merkte ihn gar nicht. Er hob die Augen nicht einmal Boden, sondern schritt so in sein Haus hinein. Was fonnte da vorgefallen sein? Aber Hans den Kopf selber zu voll, um sich auch mit anderer Angelegenheiten zu beschäftigen. Es war ihm sogar a nehm, daß ihn Klingenbruch nicht angeredet, denn um auf 600 zu 50 a Stlaven getragen hinausg Jahren verpflich Kranthe verwend Alle jü gung fonds i zahlt. Träghe bestimm vom T habe, Vaga zu diese tolonien Künftig des Dr D Insurge mit sei Folge ergeben in das Schulfi Kleinen mit der Ader fo mäßig den Bo in unse geleisen feuchten derselbe mancher feit ged Zeit, w Acer sc Di agitiren Berufs Lehrlin auf die und P figender bruckte auschrei die Ver ein vor Anklage ist es furrenz unferer Die T Preishe würdig zu sold und de fcheuen einer ft ihnen endlich, haften S werden in der finden gelange 100e Folge Opposit Bugehö meiſter auf we hobene würden ihren fähigkei als au überhol r. Vor ein schrift Verkehr Andere glücksel D heißt n noch fe thren e Stunde ebenfal ben sei Die Sc Verfall eine w " 1 mit ih fich nie ftirbt a alles S und S nen G werden ihnen C 11 mir ni denn n sehen. befizer den e hattten Frohne Eigent nach d ben ab die Ja ftander Morte feinem fonnte zu ma Nimm uuf 6000 Marl, bis zu 30 auf 3600, bis zu 40 auf 2700, bis zu 50 auf 1700, bis zu 60 auf 900 Mark festgesetzt. Weibliche Sklaven find um 25 Prozent billiger anzusetzen. Es ist Sorge getragen, daß nicht die älteren Sklaven in Noch und Elend hinausgestoßen werden. Befreite Sklaven von mehr als sechszig Jahren werden fortfahren, bei ihren Herren zu wohnen, welche verpflichtet find, ihnen Speise, Trank, Obdach, Kleidung und im Krankheitsfalle Pflege zu geben, wofür fie zu Dienstleistungen verwendet werden rönnen, die ihren Kräften anaemcfien sind. Alle jüngeren Sklaven werden mittelst eines E n t s ch ä d i- fiungsgeldes befreit, welches der sogenannte Emanzipalions- onds ihren Herren in der Höhe des geschätzten Welches aus- zahlr. Um die befreiten Sklaven vor der dem Neger so lieben Trägheit und dem faulm Herumlungem im Lande zu bewahren, bestimmt das Gesetz, daß der Befreite während fünf Jahren, vom Tage seiner Auslösung an, in der Gemeinde zu wohnen habe, in welcher er befreit worden ist, widrigenfalls er als Bagabond(!) betrachtet und strafweise rn den eigens zu diesem Zwecke errichteten und militärisch verwalteten Acker- kolonien oder zu öffentlichen Arbeiten verwendet werden wird. Künftighin find alle Dienstkontrakte vor dem Friedensrichter des Ortes, den der Freigelassene bewohnt, abzuschließen. Ottawa, 6. Juli. Big Bear, einer der Führer der Insurgenten, welcher an dem Aufstande Riel's Theil nahm, ist mit seiner ganzen Schaar gefangen worden, als er in Folge Mangels an Lebensmitteln schon im Begriff war, fich zu ergeben. Ioksies« , r.„Der Säemann streut mit voller Hand den Samen A das weiche Land", so lernt der kleine Berliner aus seiner Schulfiebel, aber gesehen haben wohl nur die wenigsten unserer Kiemen diese interessante Thätigkeit des Landmannes, wenn er mst dem umgeknüpften großen Sacktuch über den bestellten Acker schreitend, die Saat auswirft. Wie gewandt und regel- mäßig dies geschieht und wie gleichmäßig dre gestreuten Körner den Boden bedecken, das kann man fich vorstellen, wenn man m unserer Stadt den„Sandmann" zwischen den Pferdebahn, geleisen dahinschreiten ficht, um hier das glatte Pflaster mit feuchtem Sande zu bestreuen. Diese Thätigkeit vollzieht sich in derselben rythmischen Weise wie das Säen des Korns und mancher ehemalige Landmann bleibt beim Anblick dieser Thätig- keit gedankenvoll auf der Straße stehen und erinnert fich der Zeit, wo er zu Hause in ähnlicher Weise über den heimischen Acker schritt. Die Barbier- und Friseur-Fnnungen in der Provinz agitiren jetzt eifrig, um die Berecht, gung zu erhalten, solchen Berufsgenossen, welche nicht zur Innung gehören, die Äefugniß, Lehrlinge zu halten, entziehen zu dürfen. Dieses Vorgehen ist auf die Anregung des Bundes der deutschen Barbier-, Friseur- und Perückenmacher- Innungen zurückzuführen, dessen Vor- fitzender, Herr Wollschläger, an die einzelnen Innungen ge- druckte Formulare mit der Aufforderung sendet, dieselben ab- zuschreiben und einzureichen. In diesen Schriftstücken werden die Verdienste des Bundes um die Lchrlinasausbildung sc. in ein vortheilhaftes Licht gerückt und dann folgende Klagen und Anklagen erhoben:„Trotz aller vorgenannten Institutionen ist es uns leüier nicht gelungen, die sogenannte Schmutz-Kon- kurrenz, welche keinerlei Standesehre kennt und hemmend in unserer weiteren Entwickelung wirkt, erfolgreich zu bekämpfen. Die Träger derselben suchen nicht allein durch ungerechtfertigte Preisherabdrückuna das Geschäft zu schädigen, sondern sie ent- würdigen unseren Beruf dadurch, daß sie ihre Lehrlinge meist zu solchen Arbeiten anhalten, die demselben gänzlich fern stehen, und den renitenten Gehilfen eine Zufluchtsstätte gewähren. Sie scheuen deshalb den Beitritt zu unserer Innung, weil fie fich einer strengen Kontrolc unterwerfen und die Ausbeutung der ihnen anvertrauten Lehrlinge unterlassen müßten. Dadurch endlich, daß sie ihren Lehrlingen nicht, wie es eines gewissen- haften Handwerkers Pflicht ist, die nöthigc Ausbildung zu Theil werden lassen, erziehen fie Stümper, welche als Gehilfen mcht in der Lage find, ihr täglich Brot in ihrem erlemten Beruf zu finden und infolgedessen häufig auf den Pfad der Untugend gelangen." Die Innung hat der Aufforderung, die Rechte des § lOOe der Gewerbe-Ordnung nachzusuchen, wohl nur deshalb Folge gegeben, weil fie die Besorgniß hegen mußte, durch pposinon machen der Vortheile verlustig zu gehen, welche die Zugehörigkeit zum Bunde bietet. Aber alle Nicht- Jnnungs- meister haben doch ein dringendes Interesse daran, zu erfahren, auf welche Thatsachen fich die schablonenmäßia gegen sie er- hobenen schweren Beschuldigungen stützen. Die Jnnungsmeister würden sich und ihrer Sache jedenfalls besser dienen, wenn fie sh"", Stolz darin fänden, durch immer steigende Leistungs- fahlgteit den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden, als auf dem Wege der Bevorrechtung ihre Konkurrenten zu überholen. r. Eine Berliner Kellnerin. Es ist Vormittaas 9 UKr. Anderes hätte sich das Gespräch drehen können, als den un- glückseligen Fall in seinem eigenen Hause? Den Abend brachte er m seiner eigenen Familie, das heißt nur in den Räumen derselben zu, denn weder Fränzchen noch seine Mutter ließen sich sehen, sondern blieben auf ihren eigenen Zimmern. Nur der Vater saß etwa eine Stunde bei ihm, aber auch still und einsilbig. Er hatte ebenfalls gehört, daß Herr von Schaller spurlos verschwun- den sei, und fühlte sich tief gekränkt, aber nicht etwa durch die Schlechtigkeit der Menschen, sondern vielmehr durch den Verfall des Adels, der dadurch uur dem bürgerlichen Stande eine willkommene Waffe gegen sich in die Hand gab. „Es ist vorbei, mein Sohn," sagte er zu Haus, als er mit ihm später allein am Theetische saß und eine Weile vor sich nieder gestarrt hatte,„der Glanz der alten Geschlechter stirbt aus, und ich sehe überhaupt die Zeit herannahen, wo alles Kapital, aller Grundbesitz in den Händen von Zuden und Spekulanten sein wird, während die heruntergekomme- neu Geschlechter unseres alten Adels in alle Winde zerstreut werden, wie jetzt der Stamm Israeli zerstreut und von ihnen verachtet ist." „Und wer trägt die Schuld daran, Vater?" „Ich weiß es nicht," seufzte der alte Herr,„ich kann es mir nicht denken, kann es nicht begreifen; aber es ist so, denn wer nicht blind sein will, mag ei mit eigenen Augen sehen. Nimm unsere alten und altadeligen Ritterguts- vesitzer, die ländlichen Grafen und Barone des Landes, den eigentlichen Kern desselben. In früheren Zeiten hattten sie die ganze Macht, die Gerichtsbarkeit, die Frohnen— es waren lauter kleine Fürsten auf ihrem Eigenthum, aber der neue Geist der Zeiten wirft Eins nach dem Andern über den Haufen. Die Frohnen wur- den abgelöst, die Gerichtsbarkeit nahm der Staat, selbst die Jagd wurde auf ihren paar Aeckern den Bauern zuge- standen, au» dem Patronatiherrn machte man mit einem Worte nicht» weiter al» eine» großen Bauer, und da dieser seinem Stande nach nicht mit dem kleineren konkurriren konnte— denn sein Rang verpflichtete ihn, ein großes Hau» zu machen—, so geht er nach und nach selbst da zu Grunde. Nimm zum Beispiel Hoheneckhau», da» au» zwei vollkommen Ser aus und ein, denen äußerlich die Spuren eines gewissen ichten Sinnes aufgedrückt find. In einem gewissen Gegensatz hierzu steht die Erscheinung einer jungen Frauensperson, deren sympathische GefichtszÜge eine fast unheimliche Entschlossenheit ausdrücken. Es ist hier ein Stellenvermittlungsbureau für Kellnerinnen und wir erfahren von der letzterwähnten Stelle suchenden, daß fie noch nicht in Stellung war. Sie bekömmt auch schnell cm Engagement und begiebt fich sofort in das be- treffende Restaurant un, die neue Funktion anzutreten.— Zwei Tage nach diesem Vonalle sehen wir vor dem Haupt- pönale der Eharitee die übliche Ansammlung von Leuten, die dott beim Beginn der Besuchsstunden stets zu finden ist, und in derselben die Kellnerin, deren Gesicht heute womöglich noch finsterer dreinschaut, als vor zwei Tagen. Auf der Station für „Lungenleidende"(welch zarter Ausdruck!) besucht fie ihren schwindsüchtigen Mann, dem fie einige Erfrischungen bringt. „Woher hast Du das Geld zu diesen Dingen? fragt der Kranke und wirft der Frau einen forschenden Blick aus seinen hohlen Augen zu.„Ich— ich habe Etwas verdient", erwidert stotternd die Gefragte.„Verdient?—", fragt gedehnt der Mann und seine unheimlichen großen Augen scheinen fich noch mehr zu erweitern. „Ja, ich bin in— in Stellung in— einem Restaurant!" „Kellnerin?" schreit gellend der Mann und wirst Kuchen und Apfelsinen von sich und sintt auf das Lager zurück, mühsam nach Luft für die kranke Lunge ringend. Schluchzend entfernt fich die Frau, sie muß zur rechten Zeit wieder in ihrer„Stellung" sein und fröhlichen Gästen den Trunk kredenzen. Ach was hat fie nicht Alles gethan, um Beschäftigung zu erhalten und ehr- lieh den Unterhalt für fich und ihren kleinen Knaben zu ver- dienen; aber im Sommer ist in Berlin keine Gelegenheit für weibliche Handarbeit; Alles geht in die Bäder und auf Reisen und in den Geschäften sagt man, es ist jetzt keine Saison. Daß die menschliche und ganz besonders die weibliche Arbeits- kraft als Waare behandelt wird, ist leider nichts Neues und vielleicht drängt dies dahin, daß auch weibliche Schönheit näch- stens als Handelsartikel auf den Markt kommt und nach ge- wissen Grundsätzen gezählt, gemessen und gewogen wird. Wie alle Dramen aber, so wird auch hier abschließen das Drama einer Berliner Kellnerin. r. Hausfriedensbruch. Bei der in der Oppelner Straße wohnhaften Frau Sch. erschien am Montag Nachmittag ein arbeitsloser Bäckergeselle, der mit seiner der Frau Sch. be- kannten Ehefrau getrennt lebt. Letztere hat der Sch. mehrere Wirthschaftssachen in Verwahrung gegeben, da fie diese in ihrer eigenen Wohnung aus Furcht vor ihrem Manne nicht zu be- halten wagte, weil dieser bereits wiederholt die sauer erworbenen Sachen der Frau fortgenommen, verkaust und den Erlös ver- jubelt hatte. Am Montag verlangte er nun von der Frau Sch. die Herausgabe der seiner Frau gehörigen Sachen, und als ihm dies verweigert wurde, versuchte er mir noch einem Kumpan in die Wohnung der Sch. einzudringen. Die zur Hilfe gerufe- nen Nachbarn untersttitzten jedoch die Frau Sch. in der Aus- Übung ihres Hausrechts, wodurch ein gewaltiges Lamento in dem Hause entstand. Die beiden Störenfriede wurden zur Polizeiwache gebracht, von wo man fie nicht wieder hat heim- kehren sehen. Vermuthlich find fie ohne feste Wohnung und deshalb wegen des Hausfriedenbruches ,n Haft behalten worden. 4542 polizeiliche Milchrevistonen, bei denen in 29 einzelnen Fällen 138V« Liter Milch als zu leicht wiegend vorge- funden wurden und zur Vernichtung gelangten, find im Monat Juni in Berlin vorgenommen worden. Gegen die Uebertreter wurde das Strafverfahren eingeleitet. Wie die„Allgem. Fletscher-Zta." erfährt, hat die Polizei-Direktion den Magistrat ermächtigt, die Sonntaqsarbeit auf dem Zentral-Schlachthof einzustellen. Demnach wird der Magisttat und das Kuratorium in den nächsten Tagen eine diesbezügliche Bekanntmachung erlassen und steht zu erwarten, daß vom 18. d. M. an der Erlaß in Kraft tritt. r. Soldaten, die in's Bad gebracht werden, kann man jetzt häufig in unseren Straßen sehen. Um die Mannschaften nicht durch den Marsch zu Fuß zu erhitzen und sie dann der plötzlichen Wirkungdes kalten Wassers auszusetzen, werden sie rn den großen Militär- Fourage- Wagen zur Bade-Änstalt, wenn diese von der Kaseme weil entfernt ist, gefahren. Der Rückweg erfolgt zu Fuß. Ob die Sttapazen des Fußmarsches größer find, als die des Transpottes auf dem rumpelnden Leiterwagen über das holprige Straßenpflaster, wird jedenfalls durch genauere Erfahrungen erst festgestellt werden müssen. Eine originelle Episode ereignete fich am Sonnabend in den ersten Vonrnttagsstunden bei den Sudanesen. Zwei Schornsteinfeger wollten, nachdem fie ihre dienstlichen Verttch- tungen auf der schwedischen Eisbahn beendet, die Sudanesen, die eben mit der Bereitung ihres? Frühstücks beschäftigt waren, aus der Nähe in Augenschein nehmen. Sobald die Sudanesen die Schomsteinfeger erblickten, stießen fie ein Klagegeheul aus, die Weiber flüchteten sich in ihre Hütten, während die Männer zu den Waffen anffen. Als die Schornsteinfeger in Folge dessen ihre Vorwattsbewegunaen einstellten, ging ein besonders kouragitter Sudanese zum Angriff über, dem die Schwarzen durch schleunigste Flucht aus dem Wege gingen. Erst lange darnach beruhigten fich die Karawanenmitglieder und gaben gleichen Rittergütern besteht, die meinem alten Freunde, dem Grafen Nossy, gehören. Vor zehn Jahren etwa, bald nach- dem Du un» verließest, war er gezwungen, ein» derselben zu verkaufen, weil ihn seine beiden Söhne so in Schulden gestürzt, daß er sich nur dadurch retten konnte. Oberhohen- eckhaus behielt er selber und bewirthschaftete es in der alten Weise nnd in herrschaftlicher Att. Er mußte in seiner Stellung ein Haus machen und zeigte sich seines alten Namen» würdig. Unterhoheneckhaus kaufte ein Jude, Levy Rainer, nnd bewitthschaftete es ebenfall», aber in seiner Weise. Anstatt das große, herrschaftliche Gebäude zu bewohnen, machte er eine Fabrik daraus nnd setzte fich selber nebenan in die Verwalterwohnung. Er gab keine Gesellschaften und wurde natürlich in keine eingelaoe«, aber das Gut glich von da an keinem Rittersitze mehr, fondern einem Bienenschwarm, und was sind vie Folgen? Vor vier Wochen hat Levy Rainer auch den Kauf über Oberhoheneckhau» mit dem Grafen abgeschlossen, der sich nicht länger halten kann, während der Jude ein steinreicher Mann geworden ist. Und daS bleibt nur ein Beispiel au» taufenden; es geht berg» unter mit der Welt und langsam, aber sicher wieder dem Chaos entgegen." „Aber sage mir, Vater," erwiderte Hans,„sollte da nicht der Adel selber wieder Anstrengungen machen, dem zu be« gegnen? Er hat dieselben geisttgen Kräfte wie der Bürger- stand— warum ihm da nicht auf gleichem Gebiete be- gegnen?" Der alte Baron schüttelte mit dem Kopfe.„DaS geht nicht, mein Sohn," sagte er ruhig;„e» wäre ein Unding, denn der Adel selber müßte dann vollständig auf- hören." „Und wäre das ein Unglück, Vater?" lächelte Hans. „Sieh Dir das weite, mächtige Reich der nordamenkanischen Union an, dott giebt es gar keinen Adel..." „Ja, ja," erwidette der Baron, mtt der Hand wehrend, „ich weiß schon, was Du sagen willst; dort ist aber auch eine Republik, und ehe ich in«iner Republik leben möchte, follte man mich zu meinen Vätern in die fülle Gruft legen — Gott bewahre mich davor!" „Und doch, was für brave und tüchüge Menschen giebt als Ursache dieses auffallenden Benehmens die Erklärung ab. daß fie unsere harmlosen Berliner Schornsteinfeger für„böse Geister" gehalten haben. Eigenthümlich war der Umstand, daß der die Gebete leitende Sudanese fich mit den Frauen vollstän- dig unfichtbar gemacht hatte. g. Bon einem Brautwagen überfahren. Als am Sonnabend Nachmittag eine am Schloßplatz mit Obst handelnde Frau den Fahrdamm an der„Schloßfreiheit" überschreiten wollte, kam eine Äcautequipage in vollem Gallopp dahergefahren. Die Frau wollte noch schnell ansbiegen, wurde aber von den Pfer- den erfaßt, zu Boden geschleudett und von dem Wagen am Arm und Fuß überfahren. Mehrere hilfbereite Passanten brachten die Verunglü-te in halb ohnmächtigem Zustande auf das Trottoir, während der Kutscher der Equipage sofort anhiell und den Fahrpreis für eine Droschke zur Beförderung der Ver« unglückten nach dem Krankenhause anbot. Die Frau wies diese Anerbietung aber zurück. und so fuhr der Kutscher die Braut- leute zunächst nach nach dem in der Nähe befindlichen Festlokal. Alsdann kehtte er zu der immer noch auf dem Trottoir liegen« den Frau zurück, half diese in seinen Wagen und brachte fie nach ver Polizeiwache am Werderschen Markt, von wo aus ihre Ueberführung nach dem Krankenhause erfolgte. Der Vor- gang hatte begreiflicher Weise einen großen Auflauf hervor« gerufen. GerirKts. Rettung» P. Ein gefährliches Vereinsmitglied zählte der Gesang« Verein„Liederhain" zu Charlottenburg in seiner Mitte. Dieses Mitglied, der Zimmermann Friedrich Wilhelm Jenchow, eignete fich am 22. März d. I. eine das Baarvermögen des Vereins im Betrage von 18 Matt enthaltende Kassette an, welche in einem verschlossenen Spinde in dem am Schützenweg befind« lichen Vereinslokal aufbewahrt worden war. Um die Kassette fich aneignen zu können, war Jenchow mit großer Schlauheit zu Wette gegangen. Während die übrigen nach Schluß der Vereins- Sitzung noch anwesenden Mitglieder vorn im Lokal weilten, schlich fich Jerichow in das dunkle Vereinszimmer» trennte mit einem Messerschnitt die dünne Füllung des Spindchens los und nahm die Kassette heraus, welche er dann an das geöffnete Fenster setzte, um fie unbemettt von dott wegschaffen zu können. Sein Vorhaben glückte ihm und schwerlich hätte eins der Vereinsmitglieder gewagt, seinem Ver- dacht gegen Jenchow Ausdruck zu geben, wenn nicht mittler- weile eine anderweitige derartige Sirafthat bekannt geworden wäre. Jerichow hatte seiner Profession Valet gesagt und befand sich vor Begehung des obigen Diebstahls bei dem Liqueur- Fabnkanten Schdnwald in Charlottenburg im Dienst als Hausdiener. Eines Tages im Juli v. I. war Herr Schönwald verreist und hatte seinem Dienstmädchen und dem Jenchow die Aufsicht und Bewachung der Wohnungs- und Ge« schäftsräume anvettraut, ohne eine Ahnung davon zu haben» daß sein Hausdiener bereits mit einer Vorstrafe wegen Dieb« stahls behaftet war. Während der Abwesenheit des Herrn Schönwald schickte Jerichow das Dienstmädchen sott und benutzte das Alleinsein iin Hause dazu, den Geldschrank mittelst der zu denselben gehörigen, in einer unverschlossenen Kommode aufbewahrten Schlüssel zu öffnen und eine Rolle Goldstücke— 150 Mark— zu entwenden. Die Voraussetzung des schlauen Diebes, daß das Fehlen der Summe, da er die übttgen vor» handenen Baarbestände unberührt ließ, nicht bemettt werden würde, sollte daran scheitern, daß der Bestohlene gerade die gestohlene Summe zur Begleichung einer Rechnung abgezählt bereit gelegt hatte. Herr Schönwald erstattete Anzeige bei der Polizei und Jerichow erschien gestern vor der Strafkammer des Landgerichts Ii unter der Anklage eines schweren und eines einfachen Diebstahls, welche er begangen zu haben im Audienz« termin rückhaltlos einräumte. Der Diebstahl bei Schönwald wurde seitens des Gerichtshofes als ein einfacher, die Be- raubung der Kasse des Gesangvereins jedoch als schwerer Dieb» stahl angesehen. Trotzdem nahm der Gerichtshof von Ver- hängung einer Zuchthausstrafe Abstand und bewilligte mit Rückficht darauf, daß die bitterste Roth den Angeklagten zu Ausführung des schweren Diebstahls gettteben, dem Angeklagten mildernde Umstände. Das littheil lautete auf 1 Jahr Ge- fängniß und 2 Jahr Ehrverlust. P. Die Herren Spitzbuben unter sich. Auf dem Do- minium Reetzow bei Groß-Behlitz war am 11. Januar d. I. Nachts ein äußerst frecher Einbruch verübt, nachdem im November v. I. bereits der Versuch, einen Einbruch auszuführen, gemacht worden war. Die Einbrecher hatten, als ihnen beim zweiten Male der Versuch gelang, mittelst einer Leiter sich Eingang in eine offene Häckselrammer verschafft, waren von dort nach gewaltsamer Oeffnuug zweier Thüren in die söge« nannte Leutestube eingedrungen und hatten dott mitten unter den schlafenden Knechten die Spinden und Koffer aufgebrochen und ihres Inhalts beraubt. Alles, was ihnen des Mitnehmen» wetth schien, Kleidungsstücke, Stiefel, Strümpfe, Hemden)c„ selbst Brod und Schmalz nahmen die Diebe an fich, auch baares Geld in verschiedenen kleineren Bettägen von 2 bis 15 Mar! fanden die Diebe vor und nachdem fie die gestohlenen Sachen es im Bürgerstande, Vater!" sagte Hans.„Nimm zum Beispiel einmal die Frau von Schaller oder die Frau Oberstlieutenant Klingenbruch, und setze denen unser kleine» Käthchen gegenüber, daß zuerst diesen adeligen Herrn von Tröben, der sich Gras Rauten nannte, durchschaute— und trotzdem, ja gerade deshalb mußte sie unser Haus ver- lassen." „Da» war nicht meine Schuld, Hans," sagte der alte Herr rasch.„Ich gebe Dir mein Wott, mir hat es damals weh genug gethan, als das Kind unser Haus verließ- aber fie wollte es selber nicht anders, und wir konnten sie doch etwa nicht bitten, bei uns zu bleiben— da» wirst Du ei«, sehen." „Dir hat es leid gethan, Vater?" „Gewiß, mein Sohn; ich war gewohnt, das Käthchen al» mein eigenes Kind zu bettachten, und habe e» noch nicht vergessen; doch wer konnte ahnen, daß wir in unserem Hause einen Teufel beherbergten, wie ihn die höllischen Re- gionen nicht schlimmer senden konnten— oh, womit habe ich das verdient, womit habe ich das verdient!" „Vater," sagte Hans mit leiser, gedrückter Stimme, in- dem er dem alten Herrn aber fest ins Auge sah,„es giebt Fälle, die unser Verstand nicht ergründen kann; Du fragst. womit Du das verdient— andere Menschen können nicht in Dein Inneres sehen, das mußt Du selber thun— findest Du da nichts? Du sollst mir die Frage nicht beantwotten, Vater," setzte er rasch hinzu, als er bemerkte, daß ihn der alte Herr fast erschreckt ansah,„nur an Dich selber sollst Du sie Achten— ist da gar nichts, was sie Dir vielleicht be« antwortete?— Doch wir kommen da auf ein ganz andere» Kapitel," brach er kurz ab, denn es entging ihm nicht, daß sich der alte Herr entfärbte—„über ganz etwa» Andere» wollte ich mit Dir reden: es ist nämlich nicht allein möa- lieh, sondern sogar wahrscheinlich, daß ich noch im Lause diese» Jahres zurück nach Peru muß..." „Du willst wieder sott?" rief der Vater erschreckt. „Ich habe Bttefe bekommen, die e» wenigsten» in Aussicht stellen," sagte Hans,„wenn auch jetzt noch gar nicht» darüber besttmmt ist." (Fortsetzung folgt.) in Bündel geschnürt, entfernten sich die Einbrecher auf demselben Wege, den sie zuvor genommen, nicht aber ohne vorher noch an einer andern Stelle des Wirthschafts- Gebäudes den Versuch zu machen, die Wirthschaftskaffe zu plündern. Hiers bei fiel mit lautem Klirren eine eingedrückte Fensterscheibe zu Boden und dies hatte zur Folge, daß der Inspektor Harms, den das Geräusch aus dem Schlummer gestört, die Leute weckte und sofort einen Wagen in Bereitschaft segen ließ, um mittelst deffelben die Diebe wie Harms ganz richtig vermutheteauf dem Wege zum Bahnhofe einzuholen. Dies Lettere glückte nun zwar nicht, dagegen aber glückte es, einen der Spißbuben aus einem Koupee IV. Klaffe, in welches derselbe geflüchtet, herauszuholen. als der nach Berlin bestimmte Personenzug wieder zum Stillstand gebracht worden war, und bei dieser Gelegenheit entschlüpften auch die Komplizen des Festgenommes nen, nachdem fie die Bündel mit den gestohlenen Sachen auf bas Bahngeleise geworfen. Nach der Angabe des Bahnwärters Biegler hatte derselbe kurz bevor der Wagen des Inspektors heranstürmte, drei mit Stiefeln und Bündeln beladene Männer eiligen Laufs aus dem nahegelegenen Walde kommen gesehen, der Festgenommene, Arbeiter Johann August Schulz( aus der Provinz Posen gebürtig), verweigerte jedoch jegliche Auskunft über " seine Komplizen. Er wurde nach dem Unterfuchungs- Gefängniß zu Moabit transportirt und verweigerte auch hier anfänglich jedwede Auskunft über seine Genossen, bis er im Monat Februar d. J. einen mit dem Spiẞnamen der Uhrmacher" sowie den in der Adercast'schen RaubmordAffaire als" Schmiereſteher" genannten Arbeiter" Karl August Adolph Lehmann- gebürtig ans Wriezen a. D.als Theilnehmer an dem Einbruchs- Diebstahl in Reegow be zeichnete. Lehmann, der erst vor einigen Wochen, weil er Billard Bälle, die dem Restaurateur Welgien auf dem Spandauer Bod gestohlen waren, hatte verschärfen" wollen, wegen Hehlerei dieserhalb zu drei Jahren Buchthaus und Ehr verlust verurtheilt worden, erschien in Folge dieser Anzeige wegen des Diebstahls in Reezow wiederum angeklagt in Ges meinschaft mit p. Schulz vor den Schranken der Strafkammer des Landgerichts II. Im Audienz- Termine wiederholte Schulz die vor dem Untersuchungsrichter gegen Lehmann erhobene Beschuldigung und der Lettere nun vergalt dies damit, daß er den Schulz wiederum bezichtigte der Thäter ienes Einbruches auf dem Spandauer Bock zu sein und daß Schulz ihn, den Lehmann, nur deshalb aus Rache der Theilnahme an dem Reepower Diebstahl beschuldige, weil Schulz für die BillardBälle, die dem Bestohlenen zurückgegeben seien, kein Geld ers halten habe. Schulz bestritt nun seinerseits die Beschuldigung an dem Einbruch auf dem Spandauer Bod und erzählte, wie er mit dem Uhrmacher" und Lehmann, den er im Buchthause fennen gelernt, von Berlin weggegangen und dann nach vor heriger Verabredung in Reezom den Diebstahl ausgeführt. Den Schilderungen des Angeklagten Schulz schenkte Der Gerichtshof jedoch nur insoweit Glar ben, als burch dieselben die Behauptungen der der Anklage in Betreff des Angeklagten Schulz Bestätigung fanden. fanden. Dagegen erachtete der Gerichtshof die Betheiligung des Lehmann nicht für evident nachgewiesen, denn die zahlreichen Belastungszeugen erklärten durchweg, nachdem der Angeklagte Lehmann wiederholt aus den Schranken heraus und auf Anordnung des Bräfidenten Probe" gegangen, daß Lehmann einer der drei Einbrecher nicht sei. Infolgedessen wurde der Angeklagte Lehmann freigesprochen. Gegen p. Schulz lautete das Urtheil wegen schweren Diebstahls auf 3 Jahre Buchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Beide Angeflagte waren von mehreren Schußleuten und Gerichtsdienern bei der Abführung esfortirt. Leipzig, 5. Juli. Das hiesige Landgericht verurtheilte Türzlich eine hebeamme, die beim Baden eines ihr anver trauten Kindes nicht die nöthige Vorsicht beobachtet und durch Verbrühen den Tod deffelben herbeigeführt hatte, unter Bus billigung mildernder Umstände, da fie bereits 20 Jahre ihrem Berufe nachgegangen war, zu einer Gefängnißstrafe von fünf Monaten. In Aurich standen der Kämmerer Tiarks und der Stadt Sekretär Samuels vor Gericht. T. war beschuldigt, 51 000 M. Sparkassengelder und 3500 M. städtische Abgaben, S. 1100 m. Armenverpflegungsgelder unterschlagen zu haben. Beide waren geständig. Die veruntreuten Summen benutten sie zu Schwelgereien, unter anderm ließen sie, obwohl verheirathet, Nachts Tüderliche Dirnen in ihre Amtslokalitäten ein, welche für Jm provisation derartiger Orgien durch ebenso einfache als finnreiche Vorrichtungen geradezu eingerichtet waren. Die gewiffen Losen Verschwender wurden zu 10 resp. 4 Jahren Zuchthaus Derurtheilt. Soziales und Arbeiterbewegung. An die Schuhmacher Berlins. Kollegen! Bald ist die Beit da, wo die neue Reichstagssession wieder eröffnet wird, in welcher wir dem Reichstag unsere Petition vorlegen vorlegen wollen. Wir fordern hiermit nochmals alle Kollegen in Berlin auf, welche bis jetzt noch nicht ihre Unterschrift unter die Petis tion gesezt haben, dies so bald als möglich zu thun. Die Bogen zum Unterschreiben liegen in jeder Schuhmacher- Versammlung aus. Nur durch eine eminent große Anzahl von Unterschriften können wir hoffen, daß unsere Petition im Reichstage Berücksichtigung findet. Kollegen, welche Unterschriften sammeln wollen, fönnen das Material hierzu bei dem Unterzeichneten, sowie in jeder Versammlung in Empfang nehmen. Die Lohnkommission der Schuhmacher Berlins. Jm Auftrage: Alb. Wasenis, Fruchtstr. 35. // 1 Die streifenden Töpfer in Mustau erließen in Nr. 146 unserer Zeitung einen Aufruf, worin sie angaben, daß fie bei normaler Arbeit nur einen Lohn von höchstens 10 M. pro Woche zu erschwingen im Stande wären. Ferner wurde mitgetheilt, daß die dortigen Fabrikanten F. Dienstbach und A. Kypte auf die an fie am 18. Juni schriftlich gestellte Anfrage wegen Erhöhung des Lohnes ihrer Arbeiter bis zum Darauf erließen 23. Juni feine Antwort gegeben hätten. nun die genannten Fabrikanten im Muskauer Anzeiger" vom 4. Juli folgende Aufforderung": hiermit fordern wir die streifenden Gesellen auf, unverzüglich wieder die Arbeit in Ruhe und Ordnung aufzunehmen, andernfalls wir uns Ges sellen von auswärts herbeiholen werden. Der in Nr. 146 Des Berliner Volksblatt" befindliche Aufruf der streikenden Mustauer Töpfergesellen ist in einer so wahrheitswidrigen Weise abgefaßt, daß wir uns hiermit veranlaßt sehen, eine Richtigstellung der Thatsache folgen zu lassen, und zwar auf Grund unserer Lohnlisten, die wir fich Dafür Intereffirenden gern zur Einsicht vorlegen werden. Der Verdienst der Gesellen ist sehr verschieden und selbstverständlich abhängig von der Geschicklichkeit und dem Fleiße jedes einzelnen. So haben z. B. pro Woche durchschnittlich verdient: Krupper M. 22.20, Tiete M. 22.9, Richter I M. 19.21, Sänger I M. 18.78, Fehmann M. 18.46, Frenzel . 18.41; acht Gesellen zwischen 15 und 18 M.; vierzehn Gesellen zwischen 12 und 15 M.; acht Gesellen zwischen 10 und 12 M.; vierzehn Gesellen, theils eben ausgelernte, 8 bis Der Durchschnittsverdienst beziffert sich pro Mann M. 12.50 pro Woche. Wenn sich die Gesellen über zu geringes Lohn beklagen, so find fie selbst daran schuld; ebenso gut wie mehrere ausreichenden und noch mehr Verdienst haben, Lönnten ihn die anderen ebensogut erreichen, wenn sie ihre Zeit und Fleiß immer der Arbeit widmen möchten, was häufig nicht Wir haben nur an Gesellenlöhnen pro ber Fall gewesen ist. Jahr ca. 30,000 M. ausgezahlt, die verlangte Lohnerhöhung Don 25 bis 40 Prozent und mehr erheischt eine Mehrausgabe Don M. 8000 bis M. 10 000, eine Summe, die wir bei den gedrückten Preisen der Waaren, ohne uns vollständig zu ruiniren, Verantwortlicher Redakteur N. Beharren die Gesellen bei ihren nicht herbeifchaffen können. unüberlegten Forderungen, so haben sie fich die Folgen selbst zuzuschreiben. Mustau, 1. Juli 1885. Muskauer Thonwaaren Industrie: F. Dienstbach. Industrie: F. Dienstbach. Vorstehendem schließe ich mich in allen Theilen an. Thonwaaren- Fabrik: A. Kypke. Hierzu wird uns von den streikenden Gesellen geschrieben: Wir geben zu, daß die von den Fabrikanten angeführten Lohnfäße von mehreren Arbeitern erzielt wurden, dies war aber nur möglich bei einer von früh 4 bis Abends 8 Uhr währenden Arbeitszeit, von Innehaltung einer richtigen Frühstücks-, Mits tags- und Vesperpause konnte dabei nicht die Rede sein, auch vergessen die Fabrikanten anzugeben, daß der halbe Sonntag ebenfalls mit zur Arbeit benußt worden ist. Daß der von uns verlangte Lohn keine, wie die Fabrikanten behaupten, unüberlegte Forderung ist, geht daraus hervor, daß derselbe schon lange von verschiedenen kleinen Meistern, die nur 5 bis 6 Gefellen beschäftigen, gezahlt wird, ohne daß fich dieselben dadurch ruinirt hätten, wie die Fabrikanten ihrer seits befürchten. Auch in anderer Hinsicht stehen wir schlechter da, als die bei den Kleinmeistern beschäftigten Gesellen. Während diese wöchentlich mit ihren Meistern abrechnen, geschieht dies bei den in den Fabriken arbeitenden nur alle 4 Wochen, auch wird uns ständig der Lohn einer ganzen Woche von den Fabrikanten einbehalten. Die bei den Meistern in Arbeit stehenden Gesellen können sich in jeder Hinsicht frei bewegen, während wir wie in einem Gefängniß figen und deswegen von den außerhalb der Fabrik beschäftigten Kollegen noch vielfach verspottet werden. Die in vorstehendem Inserat Die in vorstehendem Inserat der Fabrikanten enthaltene Behauptung: Die Gesellen find selbst schuld, wenn sie nicht mehr verdienen, und der Hinweis auf ihren mangelnden Fleiß, ferner die Aufforderung, wir sollten unsere Zeit mehr der Arbeit widmen, erscheint uns geradezu lächerlich, wenn wir bedenken, wie sehr es der Herr Direktor versteht, die Arbeiter zur Arbeit anzutreiben. Ja, Herr Direktor, wir fennen einen Mann, der einen Gesellen Herr Direktor, wir kennen einen Mann, der einen Gesellen ( Affordarbeiter), welcher sich eine Erkältung zugezogen hatte und fich deshalb am Feuer des Brennofens ein wenig wärmen wollte, höchst unsanft am Kragen packen wollte. Der betreffende Arbeiter wurde ob seiner Frevelthat sofort entlassen, ebenso erging es aus demselben Grunde einige Tage später einem Brenner. Auch dürfte es dem Herrn Direktor nicht unbekannt sein, daß Auch dürfte es dem Herrn Direktor nicht unbekannt sein, daß sich ein Herr in der Fabrik befindet, welcher sich einem Arbeiter gegenüber die Drohung erlaubte: Ich breche Ihnen das Genick!" Aus dem Angeführten, meinen wir, wird jeder Arbeiter und Arbeiterfreund wohl zur Genüge ersehen, daß die Lage der in den hiesigen Fabrifen beschäftigten Töpfers gesellen feineswegs eine beneidenswerthe, daß ihre Forderung feine unbillige ist. Darum Kollegen allerorts, unterstüßt uns in jeder Hinsicht, so viel Ihr könnt, wir sind entschlossen, unsere Forderung durchzuseßen und werden ausharren, bis der Sieg errungen. Steht uns in dem Kampfe treu zur Seite, helft uns schnell, vor allen Dingen aber: Haltet den Zuzug fern!" Mit follegialischem Gruße die Töpfergesellen der Muskauer Thonwaaren- Industrie"( F. Dienstbach und der ThonwaarenFabrik A. Kypke.) Briefe und etwaige Geldsendnngen bitten wir an den Kollegen W. Nickel in Muskau zu senden. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Vereine und Versammlungen. Berichtigung. In dem Berichte über die Versammlung der Kürschner in Nr. 150 d. 3tg. ist anstatt 1 bis 1,50 Mart wöchentlich" zu lesen: 1 bis 1,50 Mart pro Dußend." hr. In der öffentlichen Versammlung der Kürschner, welche am Sonnabend Lothringerstraße 37 unter Vorsitz des Herrn Jahnus stattfand, war zunächst die Neuwahl der Lohnkommission zu vollziehen, da die bisherige Lohntommiffion in corpore abgedankt hatte.- Dem Wahlaft ging eine lange Diskussion vorher, in welcher von mehreren Rednern die Wiederwahl des größeren Theils der bisherigen Mitglieder befürwortet wurde und die Herren, welche erklärt hat ten, eine Wiederwahl nicht annehmen zu können, fast alle veranlaßt wurden, diese Erklärung zurückzunehmen. Das Er gebniß des Wahlaktes war, daß die Herren Stein, Rauch, Kiehl, Jahnus, Schönfeld, Jahraus, Rahnert Reimenthal und Birke einstimmig wiedergewählt und die Herren Rother, Grünwald, Drews, Koch II., Simon und Neßler als neue Mitglieder gewählt wurden. Nach kurzer Diskussion wurde dann bes schloffen, daß die Kaffenverwaltung fünftig durch zwei Herren besorgt werden solle, durch einen Kassirer nnd einen Rendanten, und daß diese beiden, wie auch der Vorsitzende der Lohn kommission, von der Versammlung und nicht, wie bisher, von den Mitgliedern der Kommission gewählt werden sollen. Es wurden gewählt: Herr Jahnus zum Vorsitzenden, Herr Schönfeld zum Kaffirer, Herr Jahraus zum Rendanten. Darauf gab Herr Koch II. durch die Beschwerde darüber, daß in vielen Werkstätten der Bestimmung des Minimallohntarifs, welcher zufolge der Geselle auch für Waare zweiter Qualtität die Hälfte des für erste Qualität festgesezten Preises erhalten soll, nicht Folge gegeben werde, Veranlassung zu lebhaften Debatten. Es wurde allgemein zugegeben, daß die Aufnahme der zweiten Qualität in den Tarif ein Mißgriff gewesen sei, und daß die neue Lohnkommission die Aufgabe habe, baldigst aus dem Tarif die Pofitionen für zweite Qualität wieder zu beseitigen. Der Arbeiterverein Hoffnung" tagte am Sonnabend, den 4. Juli, im Lokale des Herrn Neumann in Friedrichsberg, Gürtelstraße 41. Die Tagesordnung war: Vortrag, Diskussion und Verschiedenes. Da der Referent Herr Dr. Gerlach nicht erscheinen fonnte, ging die Versammlung zum 3. Punkt der Tagesordnung über. Der Vorsißende, Herr Elias, erläuterte einige Paragraphen des preußischen Vereins- und Versammlungsgefeßes. Darauf hielt Herr Laste einen Vortrag über das Arbeiterschußgefet, erläuterte die Stellung der verschiedenen Parteien zu demselben und fritiftrte besonders die Meinung des Abgeordneten Herrn Eugen Richter, daß es den Kindern nicht Referent schade, wenn fie in die Fabrit arbeiten gehen." meinte: Wenn die Kinderarbeit obligatorisch eingeführt wäre, so würden jene Herren die ersten sein, welche die Abschaffung derselben verlangten. Ebenso beleuchtete Redner die Frauenarbeit außer dem Hause. Wenn die Kinder sich selbst oder einer ungenügenden Aufsicht überlassen bleiben, würden dadurch die meisten sog. Vagabunden erzogen, denn die Verbrecher und Vagabunden würden nicht geboren, sondern erzogen. Weiter unterzog Redner die Konkurrenz der Zuchthausarbeit einer Kritik und forderte Einschränkung derselben, ebenso die gesetz liche Einführung des Normalarbeitstages und Abschaffung der Sonntagsarbeit und betonte, daß gerade hierdurch die Joge nannten Vagabunden von der Landstraße entfernt würden. Reicher Beifall lohnte dem Redner. Nachdem ein Antrag, zu Gunsten der streifenden Berliner Maurer eine Tellersammlung zu veranstalten, angenommen, und der Vorsißende zum Beitritt in den Verein aufgefordert hatte, verlas Herr Espenhahn den Artikel im Berliner Voltsblatt vom 4. Juli: Bur Frage der Kinderarbeit". Herr Kuß empfahl das Berliner Volksblatt" als bestes die Interessen der Arbeiter vertretendes Blatt und erbot fich, Abonnements entgegen zu nehmen. Der Vorfißende verlas hierauf den Bericht der Erdmannsdorfer Weber, worauf ein Antrag, auch zu Gunsten der streifenden Erdmannsdorfer Weber eine Tellersammlung zu veranstalten, angenommen wurde. Dann wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heute tagende Versammlung des Arbeitervereins ,, Hoffnung" erklärt sich mit den Anschauungen des Referenten einverstanden dieselben zu wirken." Herr Laste sprach zum Schluß über Es müther der aus schrift d eine Te Thatsack nicht ver privaten der Wo guten T die Arm und das war die suchung der 1884 Antrag Prinz v theile L Gunsten geäußert De an: Si Lord B die Ar lings I Namen Edinbur Don Be Torrens Der zug Der erf in Engl die gan städtisch eingehen man gl ständen haben und V schwach, neuernd Schutd einem V Frankfurt a. M., 3. Juli.( Frlf. Btg.) In den Saal des Schüßenhofes zu Bornheim war auf gestern Abend eine allgemeine Wähler- Versammlung einberufen, um über die Differenzen zwischen dem Abg. Frohme und den Frankfurter Wählern zu verhandeln. Dieselbe war zahlreich besucht und nahm unter dem Präfidium Füllgrabe's einen sehr ruhigen Verlauf. Zunächst erhielt der Abg. Sabor das Wort, um eine bereits in der Versammlung im Meriansaale vorgelegte, aber nicht zur Abstimmung gelangte Resolution zu motiviren. Die felbe lautet:„ Die Betheiligung der sozialdemokratischen Fraktion Nr. an der parlamentarischen Thätigkeit ist zu billigen. An erkennenswerth ist auch, daß dieselbe, wie jüngst durch den Arbeiterschuß- Geseßentwurf, unmittelbare Verbesserungen der Lage der arbeitenden Klassen herbeizuführen versucht. Aber gerade die Erfahrungen in dieser Richtung, die für die Großs grundbefizer sehr vortheilhaften, für die weiteren Volls freise sehr nachtheiligen Ergebnisse der letzten Reichstagssession müssen die Hoffnung auf sofortige praktische Erfolge durch die Gesetzgebung bedeutend herabmindern und demnach den Wunsch nach einer vorzugsweise agitatorischen Wirksamkeit de Arbeiter- Vertreter verstärken." Die Resolution, von Sabot ausführlich befürwortet, wurde einstimmig angenommen. Hier auf berichtet Herr Wilh. Schmidt über die Stellung der Frank furter Wähler zu Herrn Frohme. Die hervorgetretenen persön lichen Feindseligkeiten, so führt er aus, seien um so mißlicher da es sich um einen Mann von der Bedeutung und dem Wissen Frohme's handle. Er( Redner) habe ihn stets hochge schäßt nnd sei gerade darum mit dieser Darlegung betraut worden, um damit auszudrücken, daß man nicht zusammenge kommen sei, um die Gegensäße zu verschärfen, sondern um wo möglich Versöhnung herbeizuführen. Redner legt dann den aus den von uns veröffentlichten Erklärungen und Gegenerklärungen bekannten Sachverhalt dar und sucht namentlich nachzuweisen daß Frohme seine Person in den Vordergrund zu dränge suche. So erlaube er sich, von Männern zu sprechen, die ,, alleis würdig und fähig" seien, die Frankfurter demokratischen Ele mente nach außen zu vertreten, und wolle diese bestimmen Das sei lächerliche Anmaßung gegen die 8000 Wähler, welche Weite im ersten Wahlgange für Sabor eintraten.( Bravo!) erklärte Frohme die Urheber Urheber des Aufrufs für sein persönlichen persönlichen Feinde, deren Anmaßung und Niedertrad er selbst an fich als Dank für fünfzehnjähriges Wirke erfahren habe. Für wen habe Frohme eigentlich fünfzehn Jahr gewirkt, für die niederträchtigen Kerle, für die Sache oder fü den Dant, das heißt für fich?( Buruf: für sich.) Wenn Frohm entrüstet werde, sei er unerschöpflich in seinen Kraftausdrücken Verleumdung und Niedertracht, von der Frohme spreche, be stehen meist in fleinen Vorhalten, die ihm gemacht wurde und die in lester Zeit naturgemäß sehr start werden mußten Wenn er Person und Sache nicht auseinander zu halten ver möge, müsse er fich derartige Folgen selbst zuschreiben. All Mr. Ge Sabor als Kandidat aufgestellt wurde, habe Frohme diel öffentlich gebilligt und als selbstverständlich bezeichnet; ihm ( dem Redner) und auch anderen Personen gegenüber habe es aber als einen Fehler hingestellt. Zwei Tage vor der Wah habe er es noch einem scharfen Tadel unterzogen in einer de mokratischen Versammlung, wo er erklärte, daß er erschiene sei auf die Gefahr hin, seinen eigenen Wahlkreis zu vernach läffigen. Seine damaligen Ausführungen wurden von den De mofraten als Wahlflugblatt benußt. Der Erfolg war, da Sabor die meisten Stimmen erhielt und Frohme alle Arbeite gegen fich erbitterte; eine Woche später war Frankfurt erober Hanau verloren. Hedner beantragt schließlich folgende Reso lution: Die heutige Wählerversammlung erklärt, daß es de dringende Wunsch aller Gesinnungsgenossen ist, daß die Streitig feiten mit Herrn Frohme beigelegt werden, in der Erwartung daß Herr Frohme von dem gleichen Wunsche durchdrungen sei Herr Hermann Geh möge, im Interesse unserer Sache." tritt für Frohme ein, der in der allerschlimmsten Weise persön lich angegriffen worden sei und sich vertheidige( Rufe: Herunter hinaus!). Von einem gewissen Schiedsgericht habe der Unter suchungsrichter in einer Sache, welche er nicht näher bezeichne wolle, ein Urtheil in Händen; auch seien eine Masse Briefe be schlagnahmt worden. Frohme sei infolge dessen vom Unter suchungsrichter als Beuge vorgeladen worden und habe seit Beugniß verweigert.( Redner ist im Zusammenhang nicht ve ständlich; er scheint andeuten zu wollen, daß bei der Hanaud Reichstagswahl Gelder unterschlagen worden seien.) Nicht zwi schen den Frankfurter Wählern und Frohme bestehe ein Zwist, fon dern zwischen diesem und der organisirten Partei.( Buruf: hinaus Eine Hamburger Zeitung sage, die Frankfurter stehen nicht au dem Boden ihrer Erklärung, sonst hätten sie Sabor nicht ge wählt. Der Arbeiterschußgefeßentwurf sei ein Beweis, daß Dil Fraktion positiv thätig ist und für das Wohl der Massen with Dafür im Parteiorgan öffentlich Tadel auszusprechen ( Der Lärm, welcher diese Rede bisher stellenweise unterbrad hat sich nunmehr so gesteigert, daß der Vorsitzende fich ve anlaßt sicht, die Versammlung zu fragen, ob fie den Redn weiter hören wolle; die Antwort lautet: Nein.) Opifizius, meint, die eben gehörten Aeußerungen verdienen so würdiger Versammlung keine Erwiderung. Herr Prin hebt hervor, daß die Bornheimer Versammlung erfolgt sei zu Zwecke der Versöhnung, die Einladung nach Bockenheim abe provozire schon nach ihrem Wortlaut den Streit im sozia demokratischen Lager. Die Frankfurter Arbeiter wollen feind Streit, sondern Einigkeit. Durch die Einigkeit sei der les Wahlfieg in Frankfurt erfochten worden. Wer habe Frohm das Recht gegeben, bei der legten Wahl in diesem Saale geg Wah seine Parteigenossen zu arbeiten, während er seinen ab freis Hanau im Stich ließ? Man habe es mit ihm bi zum legten Augenblicke versucht, das, was er im Schild führt, zurückzunehmen, er habe erflärt: nein! Die heutige zab reiche Versammlung beweise, daß die Wahrheit auf Seiten Frankfurter Wählerschaft steht. Der Vorsitzende, Herr grabe, betont seinerseits auch, daß es sich nicht um prinzipiel Differenzen, sondern persönliche Zwiftigkeiten, Schimpferei und Eifersüchteleien handle. Man breche den Streit, in de für die Sache nichts gewonnen werden könne, ab und sage, für allemal: Friede!( Bravo!)- Herr Opificius vertraut Frohme, geſtüßt auf dessen langjährige Thätigkeit, daß er m den Streitigkeiten aufhören werde. Wenn er es für nöt halte, so möge er sein Recht vor dem Forum suchen, wo alle folche Differenzen geregelt werden fönnen. Würde er trogde bei dem Streite verharren, so müßten wir uns über furz od lang über die Stellung zu ihm flar werden, und wahrscheinli würden wir dann erklären, wir erkennen ihn nicht mehr f berechtigt an, in unserem Namen zu sprechen. Die Frankfurt Arbeiter sind entschloffen, den Frankfurter Wahlfreis der Sed bd Fül Ap die Gef von En riat in In ihrer ba geänder schlimme sie jema Fördere wurde in den schauung " D Londons widmete Beugen, Euston nicht füllung getragen zimmers Geistlich Distrikt A stadt a nehmen auffalle Mange Wenn fuhr, n felbst und in der Tal haute Unterho frivolen Salong von ein Ueber Anmut ersten s Augen gefünft erhöhte zarte& rerische Haar. beiterschaft zu erhalten. Diesem Biele iſt die Fortführung bedoch ni Streites verderblich.( Bravo!)- Hiermit endet die Disfuffion im Ge Die Resolution wird einstimmig angenommen und die Ver ſammlung hierauf geschlossen. Literarisches. Von der Neuen Zeit", Stuttgart, Verlag von J. H. Diet, ist soeben das fiebente Heft des 3. Jahrgangs schienen. II- IV. ungetrü unlaute entitan einen b ein Red terie zu nur um Inhalt: Abhandlungen; Das amerikanische Getreid in die seine Produktion und sein Handel. Von Paul Lafargu Dr. Koch und der Cholerabacillus. Henrik Ibsen Die Volkswirthschaftliches von der Elektrotechnik. haltung des Kleinbauerstandes. Eine neue Mystifikation. Literarische Rundschau: P. K. Rosegger, Bergpredigten. produktion der Vereinigten Staaten. Der Untergang I fie? 1 nnverm denn fi Stilleren riös mi und verspricht mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für Büchner, Aus Natur und Wissenschaft. Notizen: Die Mild die Arbeiterkolonien, und beleuchtete die Behandlung der sog. Segelschifffahrt. Die Ueberproduktion an Intelligenz in Deut Vagabunden in denselben. land. Die Verschuldung des Grundbesiges in Desterreich Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilag einen S Beilage zum Berliner Volksblatt. Mr. 156. Mittwoch, den 8. Inli 1885. II. Jahrg. Das englische Slaubuch über die ArdeUerwohuuugssrage. Max Schippel. I. Es ist bekannt, welch' eine allgemeine Erregung der Ge- milther vor einigen Jahren das Erscheinen des„Schmer, ensschrei der ausgcstoßenen Londons" in England hervorrief. Die Flug- schrift der Congregational Union war eine Tendenzarbeit, aber eine Tendenzarbeit im besten Sinne des rrvrr.es: mit einer reichen Unterlage genau unters'-chtcr und wohlbeglaubigter Thatsachm, und sie konnte daher einer nachhaltigen Wirkung nicht verfehlen. Philanthropen und Politiker, alle Kreise des privaten und öffentlichen Lebens wandten ihre Aufmerksamkeit der Wohnungsfrage zu— gehörte es doch eine Zeit lang zum guten Ton, daß die aristokratischen Damen des Westendes in die Slrmenviertel wie zu einer großen Schaustellung gingen— und das Ergebniß der rasch m Fluß kommenden Bewegung war die Einsetzung einer königlichen„Kommission zur Unter- suchung der Wohnungen der arbeitenden Klassen". Zu Anfang der 1884er Session stellte Lord Salisbury einen dahinzielenden Antrag im Oberhause, der einstimmige Annahme fand' der Prinz von Wales,„der kurz vorher einige der ärmsten Stadt- thcile Londons besucht hatte," sprach vor den Lords selber zu Gunsten des Antrages, und die Regierung beeilte sich, dem geäußerten Wunsche zu entsprechen. Der Kommission gehörten außer denr Prinzen von Wales an: Sir Charles Dilkc als Präsident, ferner Kardinal Manning, Lord Browlow, Lord Carrington, Sir Richard Croß, nach dem die„Arbeitenvohnungsverbesserungs-Gesetze"(Aniz&nH D Wellings Improverr.enr. Acts) von 1875, 1879 und 1882 ihren Namen führen, Sir George tzarriffon, Lord Provost von Edinburgh, Lord Salisbury, Dr. Walsbam How, Unterbischof von Bedford, Mr. Lyulph Stanlep, Mr. Dwyer Gray, Mr. Torrens, Mr. Broadhurst, der bekannte Gewerkvereinsfübrer, der zugleich dem Unterhäuse angehört, Mr. Jcsse Collings, Mr. George Godwin, Mr. Goschen und Mr. Samuel Morley. Der erste Bericht dieser Kommission, welcher die Berhältniffe in England und Wales behandelt, ist nunmehr erschienen, und die ganze Leidensgeschichte der Entwickelung der industrw städtischen Wohnungszustände findet hierin wieder einmal eine eingehende und düstere Darstellung. Wieder einmal, denn man glaube nicht, daß England bisher von ähnlichen Zu- ständen nichts gewußt habe; frühere Untersuchungen haben ähnliche Schäden aufgedeckt, aber Gesetzgebung und Verwaltung und private Bemühungen waren zu schwach, um sie zu beseitigen. Der sich immer er- neuernde Strom des Elends ist über alle fmher errichteten Schutzdämme hinwcggcfloffen, und England steht heute wie vor einem Mcnschenalter vor dem gleichen Problem, das noch oft die Gestalt wechseln mag, aber das, wie ein Schatten, nicht von Englands Seite verschwinden wird, als bis das Prolcta- riat in i einer heutigen Gestalt überhaupt verschwunden ist. In der äußerltchen Beschaffenheit der Ärbeiterhäuser, in ihrer baulichen Anlage, ihrer Wasserversorgung, ihrer Schleusen- und Abtrittseinrichtungen mag sich seit dreißig Jahren Vieles geändert und verbessert haben, aber dafür hat sich eine um so schlimmere Ueberfüllung der Zimmer eingestellt,„schlimmer als ft jemals gewesen war," wie Lord ShasieSbury, der bekannte örderer der Arbeitcrfchutzgesetzgebung urtheilte. Diese Meinung wurde von anderen Zeugen bestätigt, welche die Verhältnisse in den verschiedensten Theilen Londons aus langjähriger An- schauung genau kannten. m „Dre Thatsachen, welche uns über die zentralen Viertel Londons, denen wir unsere Aufmerksamkeit ganz besonders widmeten, berichtet wurden, unterstützen die Aeußerung eines Zeugen, daß in dem Theil von St. Pankras, der südlich von Euston Road liegt, die Ueberfüllung einfach deshalb ntcht zugenommen habe, weil eine größere Ucber- füllung überhaupt nicht denkbar sei. Die zusammen- getragenen Thatsachen zeigen unwiderleglich, wie weit das Ein- Zimmersystem in den Familien verbreitet ist, und wenn ein Gerstucher aus dem Zentrum Londons bemerkte, daß in seinem Distrikt rm Durchschnitt fünf Familien auf fechs Zimmer kämen, l'ßiw £} Cll P Äus den Mysterien des Uchilismus. Sie war vor einigen Jahren in der russischen Haupt- stadt aufgetaucht und hatte bald die Aufmerksamkeit der vor- nehmen Lebewelt auf sich gelenkt. In einer Stadt, die an auffallenden, an originellen, an blendenden Schönheiten keinen Mangel hat, erregte sie dennoch nicht geringes Aufsehen. Wenn sie in offenem Schlitten über den Newski Prospekt fuhr, wenn sie im Theater erschien, richteten sich die Blicke selbst der verwöhntesten und blasirtesten Kavaliere auf sie, und in der Plauderecke der aristokratischen Klubs, wie an der Table d'hote der Offizierkasinos und auf den Bällen der haute volöe bildete sie den Gegenstand von zahlreichen Unterhaltungen, die in jenem oberflächlichen, immer stark frivolen Tone geführt wurden, der den St. Petersburger Salongesprächen eigen ist. Ihre Schönheit war allerdings von einer Art, daß sie Jeden, der sie sah, bezaubern mußte. Ueber dieses zart und edel geschnittene Gesicht war eine Anmuth, eine Lieblichkeit verbreitet, die einen Jeden bei dem ersten Anblick bestechen mußte; große, dunkelblaue, sanfte Augen sahen den Beschauer mit einem Ausdruck voll ungekünstelter Güte und Natürlichkeit an und gewannen eine erhöhte Wirkung durch die selten weiße und merkwürdig zarte Haut, sowie durch das in üppiger Fülle das verfüh- rerische Gesicht umrahmende, goldig schimmernde blonde Haar. Verführerisch, so war wohl die ganze Erscheinung, doch nicht in der Bedeutung, daß sie sinnlich erregt hätte; im Gegentheil, der Hauch von halber Kindlichkeit, von ungetrübter Ursprünglichkeit, der über ihr lag, ließ keine» unlauteren Gedanken aufkommen, und wenn ein solcher entstand, so mußte er weichen. Vera Pawlowna brachte einen durchaus keinen Eindruck hervor, und wenn je einmal ein Kecker sich mehr erlaubte, als die gewöhnliche Galan- terie zuläßt, so wies ihn die junge Dame, welche die Zwanzig nur um wenig überschritten haben mochte, sehr entschieden in die gebührenden Schranken zurück. Wer war Vera Pawlowna und welches Leben führte sie? Ueber Beides wußte man nicht viel. Sie war noch nnvermählt und mußte über bedeutende Geldmittel verfügen, denn sie hatte in einem eleganten kleinen Hotel in einer der stilleren, feinen Straßen in der Nähe des Newski eine luxu- riös möblirte Wohnung inne, hielt eine Kammerjungfer und einen Diener, entfaltete einen beträchtlichen Toilettenluxus so wird diese Schätzung für gewisse Viertel eher zu günstig als übertrieben genannt werden müssen."— In Clerkenwell, am St. Helenenplatz, enthielt ein HauS sechs Zimmer und zugleich sechs Familien, acht Personen kamen auf ein Zimmer. Am Wilmtngtonplatz Nr. 1 waren eilf Familien in elf Zimmem, fieben Personen in jedem Raum. In Northampton Court wohnten zwölf Personen in einem zweizimmerigen Haus, acht Personen in dem einen Zimmer; in Northampton Street wohnten in einem Falle gar neun Personen m dem gleichen einen Raum. In Bowling Green Lane fand man sechs Per- fönen in einem Kellerloch. In Tilney Court in St. Lucas wohnten in einem Zimmer, 10 Fuß lang und 8 Fuß breit, neun Angehörige einer Familie, fünf davon waren erwachsen. In Lion Row schliefen tn einem Zimmer von nur 7 Fuß Höhe fieben Personen. Ein Haus in Half Moon Court hatte drei Räume, darin hausten 19 Personen, 3 Erwachsene und 11 Kinder und ein Zeuge, der in derUmgebung genau bekannt war, meinte, das Haus sei kaum überfüllt zu nennen; in Robin Hood Uard, Holborn, wohnten in einem Zimmer zwölf Personen. In Derry Street fand man ein Zimmer von einer Familie von neun Personen besetzt, dieselben hatten ein einziges Bett.— Aehnlich in anderen Bezirken Londons. In Spitalfields besaß ein Haus neun Zimmer, auf jedes Zimmer kamen fieben Ein- wohner, aber nur ein Bett! Die Verhältnisse in den Provinzstädten waren sehr ver- schieden und im Ganzen weniger ungünstig als in den ärmeren Vierteln Londons, aber daß das Uebel der Wohnungsüber- füllung nicht auf London beschränkt ist, zeigen folgende Bei- spiele. In Bristol fand man öfter in einem Zimmer acht f ersonen, darunter Vater und Mutter und erwachsene Kinder. n Rewcastle-on-Tyne wohnten in Blenheim Street 140 Fa- Milien in 34 Häusern, deren jedes vier Zimmer über der Erde und zwei Keller hatte. In Alnwick bewohnten in einem Falle 32 Personen, darunter 17 Erwachsene, fünf Zimmer, in einem Falle schliefen fünf Erwachsene und mehrere Kinder in einem Raum. In Camborne in Cornwall, wo hauptsächtlich Berg- leute wohnen, kommt es vor, daß sieben, acht, neun, ja sogar zehn und elf Personen in demselben Zimmer essen und schlafen. „Diese Beispiele beweisen, daß bisweilen die schlimmsten Formen des Hebels in den kleineren Zentren der Bevölkerung auftreten." Die Wirkungen des Einzimmcrsystems schildert Lord Shaftesbury als die allernachtheiligsten in physischer und moralischer Beziehung.„Einmal führt das Einzimmersystem, soviel ich gesehen habe, immer auch zu dem Einbettsystem. Wenn man die einzelnen Räume besucht, so findet man zwar bisweilen zwei Betten, aber im Allgemeinen liegt in einem Bette gewöhnlich die ganze Familie, die aus Vater, Mutter und Sohn, oder aus Vater und Töchtem, oder aus Brüdern und Schwestern besteht. Man kann sich die Folgen nicht schlimm genug denken; alle Wohlthatcn der Erziehung werden hiedurch zu ntchtc. Es ist noch ein wahrer Segen, daß die Kinder des TagS über in der Schule und nicht zu Hause sind." Mr. Marchant Williams sagte folgendes aus:„Ich besuchte ein Haus und fragte die Frau, wie viel Zimmer ihr gehörten; sie antwortete: zwei. Dann fragte ich nach der Familien- zahl. Sie erwiderte: wir sind zehn oder elf.„Wie viele Betten?" Zwei Betten.„Sie schlafen doch mit Ihrem Manne in dem einen?" Ja, mit noch zwei oder drei von den jüngeren Kindern.— Nun waren aber noch ein Sohn und eine Tochter da, etwa im Alter von achtzehn bis zwanzig Jahren. Zucke ich dann mit den Achseln, so heißt es wohl: Ja, meine Tochter, oder meine Töchter, kommen Nachts öfter nicht nach Hause, sie schlafen nicht immer Hier.— Sie sind Prostituirte und werden von ihren Eltern zur Prostitution angehalten." In vielen Fällen, wo erwachsene Söhne und Töchter rn demselben Räume schlafen, werden oft noch fremde Schlaf- burschcn und Schlafmädchen aufgenommen.— Man mag sich hiernach eine Vorstellung der Szenen machen, welche sich in solchen Wohnungen abspielen und abspielen müssen, und welche Verwilderung bei einer derartigen täglichen Umgebung zu er- warten steht.' Trotzdem versichert uns der Bericht, daß„der Stand der Sittlichkeit unter den Bewohnem dieser übervölkerten Quartiere ein höherer ist als man annehmen sollte." Viele der heute überfüllten Gebäude waren ursprünglich und hatte eine Miethsequipage engagirt, in der sie beinahe täglich Ausfahrten unternahm. Gesprächsweise hatte sie ver- lauten lassen, daß sie die Tochter eines reichen Grundbesitzers in dem südlichen Rußland, und nach dem Tode ihres Vaters — die Mutter hatte sie in frühester Jugend verloren,— und nach erlangter Volljährigkeit nach der Residenz gekommen sei, um, völlig allein dastehend und unabhängig, nach Gefallen zu leben. Solche Angaben wären anderswo vielleicht mit ungläubigem Lächeln aufgenommen, in St. Petersburg fand man nichts Außerordentliches daran. Mehr als in irgend einer andern Hauptstadt Euro- i pa's— Paris ausgenommen— giebt es dort weib- liche Abenteurer und Industrie- Ritter, große Damen der Halbwelt, kurz zweideutige Existenzen von dunkler Her- kunft und nicht ganz klaren Erwerbsquellen. Daneben aber begegnet man auch Damen, und zwar jungen und schönen Damen, von unanfechtbarer Haltung, die aus einer bizarren Laune, oder durch die Verhältnisse einfach darauf hingeführt und von den freieren Sitten der Gesellschaft unterstützt, eine Einzelstellung einnehmen, sich frei in der Gesellschaft bewegen und mitunter sogar ein Haus machen, von der Gesellschaft nicht allein geduldet, sondern in aller Form zugelassen und akkreditirt. Dieser Kategorie nun wurde Vera Pawlowna zugezählt, und sie beschäftigte bald um so weniger die Jetmesse doröe, als sie der Skandalchronik auch nicht den mindesten Stoff darbot. Abgesehen von ihren Ausfahrten, bei denen man sie stets ohne Begleitung sah, von ihrem Erscheinen in Theatern und Konzerten, führte das schöne und sympathische Mädchen ein durchaus einge- zogenes Leben. Niemals sah man sie auf Soireen und Bällen, weder öffentlichen noch privaten: Annäherungen, die von unternehmenden Vertretern der lebelustigen Herren- weit gemacht worden waren, hatte sie in einer Weise zu- rückgewiesen, daß eine Wiederholung nicht versucht wurde; Einladungen, die sie von unbekannten Verehrern erhielt, hatte sie unbeachtet gelassen, und das Gerücht, welches den Ruf alleinstehender junger Damen nicht zu schonen pflegt, mußte an ihr vorübergehen. Ihr Ruf blieb unversehrt, und da sie der geschwätzigen Fama keinen Anhalt bot und jeder näheren Berührung, wie es schien, absichtlich auswich, so konnte es am Ende nicht ausbleiben, daß man ste immer weniger beachtete und immer seltener von ihr sprach. Aber die Welt täuschte sich. Vera Pawlowna war mit nur für eine vielleicht besser sttuirte Familie bestimmt und find erst später in Abtheilungen vermiether worden, womöglich erst dann, wenn ihr baulicher Zustand beits anfing, bedenklich zu werden. Die Verhältnisse in solchen Häusern sind gewöhnlich keine günstigen, weil alle Einrichtungen nicht für mehrere Familien berechnet waren, z. B. sehr oft nur ein Äasserausfluß und ein Abtritt für die ganze Bewohnerschaft vorhanden ist. Aber auch andere Arbeiterhäuser zeigen die schwersten Mängel in ihrer Anlage und Einrichtung. In Clerkenwell kommt es vor, daß nicht mehr als ein Kloset für sechszehn Häuser ausreichen muß. In einer Straße in Westminster war überhaupt ein einziger Abtritt zu finden, während in jedem Hause 30 bis 40 Personen wohnen* der eine Abtritt stand noch dazu immer offen und wurde auch von den Vorübergehenden benützt. Aus anderen Theilen Londons kamen ähnliche Berichte, so daß ein Äbtritt für ein mehrfach bewohntes Haus noch gar nicht ungünstig erscheint. In St. Lukas kommen Klosets im Keller vor, schmutzig und stinkend und dicht neben der Wasserleitung; in derselben Ge- meinde findet man Klosets oft während ganzer Monate verstopft und überfließend. In manchen Theilen der Weltstadt werden die Abtritte von Obdachlosen gar als Schlafstätten benützt. Dasselbe gilt bekanntlich auch von den Treppengängen. „Die Thüren nach der Straße zu, wenn überhaupt Thüren da sind, werden kaum jemals in manchen Häusern der ärmsten Viertel geschlossen. Die Folge ist, daß Stiegen und Fluren vielfach von Leuten belegt sind, die keine Unterkunft haben, wo sie schlafen." Dieser Gebrauch ist so verbreitet, daß in den schlechtesten Theilen Londons ein eigener Spitzname('»PP? dossers) für diese Pennbrüder existirt. Verbaute, finstere und ungesunde Höfe find ebenfalls in London und der Provinz keine Seltenheit, und auch Keller- Wohnungen der schlimmsten Art sind trotz alles scharfen gesetzlichen Vorgehens noch lange nicht verschwunden. In St. Pankras wurde ein Keller beschrieben, dessen Decke noch unter dem Niveau der Straße lag, der nur 6'/- Fuß hoch und doch von neun Personen bewohnt war. In Whitechapcl wurde konstatirt, daß, wenn ein Gesundheitsinspektor die Leute aus einem Keller vertrieb, sie gewöhnlich in einen anderen Keller gingen, während ihre alte Wohnung ebenfalls nicht leer blieb. In der Nähe von Grosvenor Square befinden sich feuchte und ganz finstere und ventilationslose Kellerwohnungen, in denen die Bewohner beständig kränkeln. In Rewkastle-on-Tyne find bewohnte Keller sehr zahlreich; in einer ausgedehnten Gemeinde, meist aus Arbeitem bestehend, waren sämmtliche Kcllerräum- lichkeitcn ohne Ausnahme als Wohnungen vermiethet,„und ihr Zustand ist der Gesundheit höchst schädlich". Viele Hausbesitzer nehmen keinerlei Reparatur oder Ver- bessemng an ihren Häusern vor.„In Southwark verfallen die Häuser förmlich, einige hatten Sprünge und Löcher in den Mauern, daß ein Mann hindurchschlüpfen konnte.' In Liverpool, wo große Reformen durchgeführt worden sind, wo aber trotzdem die Sterblichkeit noch immer eine sehr hohe ist, waren manche Häuser im letzten Stadium des Zerfalles. In den Fenstem waren keine Scheiben mehr, wenige Dächer waren regendicht, an den Wänden wimmelte es von Insekten. Bisweilen zerbröckelten die Wände und schwitzten einen grünen Schleim aus." Leider sind auch die Neubauten oft von An- fang an nichts nütze.„Die alten Häuser sind hinfällig von der Zeit und durch Nachlässigkeit, die neuen Häuser sangen gleich so an, wie die alten aufhören, sie sind baufällig vom ersten Tage an." In all' den Arbeitervierteln ist die Sterblichkeit eine be- dauernswerth hohe. In einem Distrikt von St. Pankras er- reichte im Jahre 1882 die Sterblichkeitsrate die unglaubliche Höhe von 70,1 pro Mille, in Wellington Square 53,7, in Derry Street 44,4 pro Mille, in den besten Theilen Londons kommt sie über 10 pro Mille nicht hinaus. In Liverpool sollen in einen. Fünftel der schmutzigen Häuser der überfüllte- sten Viertel die ansteckenden Krankheiten niemals auslöschen. Welche Gefahren birgtein solcher Zustand, und wie sehr müssen sich diese Gefahren noch steigern, wenn es, wie in London, an Leichenhäusern fehlt und die Leichen, vielleicht acht oder zehn Tage, in demselben einen Zimmer liegen, in dem die ganze Familie locht, ißt und schläft! nichten der weibliche Sonderling mit einsiedlerischen und männerfeindlichen Neigungen, für die man sie hielt. Sie brachte auch keineswegs ihre Tage mit süßem Nichtsthun, mit Lektüre und Toilettemachen zu. Sie führte eine ausge- dehnte Korrespondenz, die seltsamerweise nicht durch die Post vermittelt wurde. Boten, die sehr eilfertig und geräuschlos die Treppen auf- und abhuschten, brachten ihr häusig volu- minöse Briefschaften, während die junge Dame ihre eigenen Episteln durch den Diener austragen ließ oder gar selbst mitnahm. Hätte man sie auf ihren Ausfahrten verfolgt, so hätte man oft die Wahrnehmung machen können, daß sie in einer entlegenen Straße ausstieg und den Kutscher nach Hause fahren hieß, worauf sie dann tiefverschleiert sich zu Fuß entfernte und nach mancherlei Kreuz- und Ouerzügen und mehrmaligem Umsichblicken bald hier bald dort in einem Gebäude verschwand. Hätte man sie jedoch des Abends ver- folgt, so würde man oft noch größeren Grund zur Verwun- derung gehabt haben. Tief in den Mantel gehüllt, das Haupt mit der Kapuze bedeckt, das Gesicht unter dem Schleier ver« borgen, so eilte Vera Pawlowna beflügelten Fußes durch die Straßen. Dann trat sie in ein Haus, bald im Zentrum der Stadt, bald an der äußersten Peripherie derselben, durchschritt düstere Höfe und enge Gänge, erstieg hohe Treppen und klopfte in geheimnißvoller Weise, wie nach einem verabredeten Modus, an die Thür, worauf ihr geöffnet wurde und die junge Dame sich in einem Kreise von jungen Männern mit kühnen, trotzigen Gesichtern sah, von denen sie mit freudigem Zuruf begrüßt wurde. Was das zu bedeuten hatte? Eine sehr einfache Sache: Vera Pawlowna, das liebreizende junge Mädchen mit den dunkelblauen Kinderauqen war— Nihilistin. Ja, sie war Nihilistin. Und mehr, sie war eine leiden- schaftliche, unermüdlich thätige, vor nichts zurückschreckende Vorkämpserin der revolutionären Armee. Kein Plan war ihr zu kühn, kein Unternehmen zu schwierig, es gab kein Opfer, das zu bringen sie nicht unverzüglich bereit war. Und wie wußte sie zu reden, zu entflammen, hinzureißen und zu begeistern! Wenn sie inmitten ihrer Genossen und Genossinnen das Wort ergriff, um mit merkwürdiger Klar- heit und Präzision einen neuen Plan zu entwickeln, oder die Gefährten anzufeuern, so schien sie wie umgewandelt. Ihr sonst so sanftes Gesicht nahm einen düstern, herben Aus- druck an, die unschuldsvollen Veilchenaugen schoflen Blitze, Lokales. cr. Wehrlos ehrlos heißt ein alter Spruch, und derjenige, welcher sich gegen Angriffe nicht vertheidigen fann, muß dieselben wahrscheinlich verdient haben. Wir hatten geſtern versprochen, auf die maßlosen Beschuldigungen, mit denen man uns in der letten Sonntags- Radauversammlung beehrte, die Antwort nicht schuldig zu bleiben, einzelne Redner, namentlich Herr Zubeil hatten bereits die einzig richtigen Erwiderungen gegeben, indeffen bedürfen einige Punkte doch noch der Aufflärung. Gleich im Beginn der Versammlung erklärte zunächst Herr Miethe: Im redaktionellen Theile des Berliner Volfsblatt" sei die Versammlungsanzeige unter Beifügung einer Bemerkung seitens der betr. Redaktion erschienen, welche ihn in einem zweifelhaften Lichte erscheinen laffe. Bur Richtigstellung betreffenden Zeitungsnotiz beauftragt hatte und diese autorifirt war, seinen Namen zu gebrauchen. Als er dieserhalb von der Redaktion befragt wurde, sei er Anfangs der Meinung gewesen, es handele sich um irgend eine andere Angelegenheit. Das Berliner Voltsblatt" sei hierbei nicht unparteiisch verfahren." Diese Erklärung ist von Anfang bis zu Ende unwahr, und es thut uns sehr leid, dies hier öffentlich konstatiren zu müffen. Herr Miethe muß entschieden an einer bedauerlichen Gedächtnißschwäche leiden oder er muß mit seinen Ausdrücken leichtfertiger umgehen, als man es bisher von Leuten, die in Der Arbeiterbewegung irgend eine Rolle spielten, gewohnt war. Herr Miethe, das sei hier ausdrücklich betont, hat vor den Mitgliedern unserer Redaktion kurz und bündig die Erklärung abgegeben, daß er feinen Auftrag dazu ertheilt habe, die Versammlung auf seinen Namen einzuberufen, er erklärte fich jedoch, nachdem er Kenntniß von der Anzeige genommen hatte, mit derselben einverstanden, und wir waren daher sehr wohl berechtigt, die Bemerkung, die Herrn Miethe nicht gefallen zu haben scheint, der Anzeige beizufügen. Es ist des Leiters einer Lohnkommission durchaus unwürdig, sich durch Redensarten wie die obigen an einer wahren und durch einwandsfreie Beugen beweisbaren Thatsache vorbeizudrücken. Wenn Herr Miethe so unüberlegt mit der Hingabe seines Namens umgeht, so muß er auch die Folgen einer solchen Handlungsweise tragen, durch einfaches Ableugnen fann man einmal Ge schehenes nicht aus der Welt schaffen. Wenn irgend etwas geeignet ist, Sympathien abzuschwächen, so ist es Lügenhaftigkeit. Herr Miethe scheint überhaupt von manchen Dingen recht sonderbare Anschauungen zu haben. So übersandte er uns gestern Mittag folgende Erklärung:„ Da in dem Bericht in der Dienstag- Nummer Thres werthen Blattes über die am letzten Sonntag bei Keller, Andreasstr. 21, stattgefundene GewerkschaftsVersammlung fich verschiedene Irrthümer befinden, sehr viel Gesprochenes gar nicht darin enthalten ist, so erkläre ich hiermit, daß ich von etwaigen Berichtigungen Abstand nehme und mich nur an den demnächst erscheinenden stenographischen Bericht( als den maßgebenden) halten werde." Zunächst wurde, wie jeder vernünftige und billig denkende Mensch einsehen wird, einer solchen ,, Erklärung" die Aufnahme verweigert, wir geben derselben aber dennoch Raum, damit uns Herr Miethe später nicht wieder der Parteilichkeit" zeiht und damit Jeder sieht, wie diese Herren in gewissen, ihnen unbequemen Fällen zu verfahren belieben. Wenn Herr Miethe auf Berich tigungen verzichtet, so ist das sehr gnädig von ihm, es hat ihn aber bisher auch Niemand dazu aufgefordert und höchst wahrscheinlich wird er an unserem Bericht auch nicht viel zu berichtigen finden. Ein Zeitungsbericht ist eben kein Stenogramm und soll es auch garnicht sein. Woran sich Herr Miethe übrigens zu halten gedenkt, ist uns ganz egal, wir halten uns an das, was er gesprochen hat und sind durchaus nicht gesonnen, uns von Herrn Miethe und Genossen unwahre Dinge nachsagen zu lassen. Jedenfalls geht Herr Miethe recht großspurig mit den Arbeitergroschen um, wenn er ohne Weiteres fünfzig Mark für einen stenographischen Bericht sich anzulegen getraut. Ueber die Nothwendigkeit eines solchen läßt sich min destens streiten, wenn Herr Miethe jedoch in seinem privaten Intereffe die stenographische Aufnahme der Verhandlungen gewünscht hat, so wäre es nicht mehr wie recht und billig gewesen, wenn er mit seinen privaten Mitteln hierfür eingetreten wäre. Dann wäre wenigstens die peinliche und unerquickliche Debatte über die Bezahlung der Stenographen überflüssig gewesen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen fam Herr Miethe auch auf die Vertreter der Arbeiter zu sprechen, und da war es namentlich Herr Görcki, der ihm besonders mißfiel. ,, Am Sylvesterabend besuchte ich Görcki", so äußerte fich Herr Miethe nach den Berichten anderer Zeitungen, in seiner Wohnung, trant mit ihm Wein und sah an der Wand ein großes Jagdgewehr hängen.( Lärm: Schluß! Schluß! Weitersprechen!) Als ich ihn fragte, wozu er des Gewehrs bedürfe, antwortete er: er werde bisweilen nach Schlesien zur Jagd geladen." Die Sache mit dem Jagdgewehr ist wirklich etwas belustigend; wenn Herr Görcki in der That ein Gewehr " die ganze zarte Gestalt schien wie von einem inneren Sturm bewegt, und ihre sonst so seine schmeichelnd flingende Stimme scholl laut, durchdringend, beinahe schneidend durch den Raum. Die Führer der Gruppe, in der sie wirkte, zollten ihr die höchste Achtung und Bewunderung, folgten häufig ihren Vorschlägen und setzten ein unbedingtes Vertrauen in sie. Die schwersten Aufgaben wurden ihr überwiesen und von ihr meist zur Zufriedenheit gelöst. Sie gehörte zu den auserlesenen Personen, welche die Fäden in den Händen hatten, welche die im Reiche zerstreuten Häupter der Bewegung kannten, die Verbindung zwischen den einzelnen Gruppen aufrecht hielten, mit einem Worte Alles diris girten. Einer von diesen verzweifelten Gesellen fühlte sich zu ihr vor allen Anderen hingezogen und faßte eine Neigung zu ihr, die zuerst rein freundschaftlich war, aber bald in Liebe überging. Fedor Sergejewitsch war ein hochgewachsener junger Mann von achtundzwanzig Jahren. Man hätte ihn schön nennen können mit dem energisch- männlichen Gesicht, den dunkelblauen Augen und dem in vollen Locken in die breite, weiße Stirn herabfallenden Haár, wenn nicht ein finsterer, grimmiger 3ug den angenehmen Eindruck oft getrübt und der Blick seiner Augen nicht mitunter etwas unheimlich- Starres angenommen hätte. Fedor Sergejewitsch war ein Desperado in der wahrsten Bedeutung des Wortes. Von Hause aus nicht unedel angelegt, hatten verschuldetes Mißgeschick ihn zum Welt- und Menschenfeinde gemacht; mit seinen Angehörigen längst zerfallen, hatte er seinen bürgerlichen Beruf( er war Mediziner) immer mehr vernachlässigt und sich dafür der nihilistischen Agitation in die Arme geworfen, von dem Umsturz, von einer nebelhaften Bukunft Alles erhoffend, was die Gegenwart ihm versagte. Von heftigem Temperament und zu Gewaltthätigkeiten nei gend, stimmte er immer zu den extremsten Maßregeln. Er hätte, so sagten selbst seine Freunde, kaltblütig seinen Vater aus dem Wege geräumt, wenn der bei irgend einem bedeus tenden Unternehmen nur einen Augenblick im Wege geftanden hätte. Das war der Mann, welcher Vera Pawlowna liebte und auch deren Gegenliebe gewann. War das psychoLogisch merkwürdig? Doch wohl nicht sehr. Bei aller äußeren Verschiedenheit mußten diese beiden Menschen sich ja weit mehr anziehen, als abstoßen. War nicht allein die Gemeinsamkeit ihrer revolutionären Bestrebungen ein mächtiges besist, was in dem vorliegenden Falle gewiß von unendlicher Gleichgiltigkeit ist, so ist das jedenfalls seine Sache, und Herr Miethe hat keinenfalls das Recht, vollständig private Sachen in die öffentliche Diskussion zu bringen. Die Andeutung von dem Besitz des Jagdgewehres beweist weiter nichts, als daß man bestrebt ist, die Ver treter der Arbeiter persönlich zu insultiren. Soweit wir übrigens Herrn Gördi fennen, ist derselbe durchaus nicht mordlustiger Natur. Aehnlich liegt die Sache mit dem Weintrinken. Wenn Jemand am Sylvesterabend eine Flasche Wein trinkt, und er ist in der Lage bezahlen zu können, so wird ihm Niemand hierüber einen Vorwurf machen können. Wenn Herr Miethe aber hierin etwas so unerhörtes steht, weshalb hat er dann mitgetrunken? Weshalb wies er nicht sofort die Einladung zu einer Flasche Wein als ein Anfinnen zurück, dem ein Arbeiter nicht nachgeben darf? Die Frage bleibt jedenfalls offen. Das wäre so ziemlich das, was Herrn Miethe auf seine Anschuldigungen zu erwidern wäre. Was der Buchdrucker Herr Coffier Abfälliges über unser Blatt äußerte, gereicht uns nur zur Ehre, wir würden es sehr schmerzlich empfinden, wenn wir den Beifall eines solchen Herrn fänden. Der Besuch des botanischen Gartens, der in Folge des Gewittersturmes vom 29. v. M. geschlossen werden mußte, ist jetzt dem Publikum wieder gestattet. 1. Frauen- Elend. Wenn man, wie neuerdings des Defteren geschehen, sich mit der Noth der weiblichen Arbeiter beschäftigt und dieselbe zum Gegenstand aufbeffernder Bestrebun gen macht, sollte man auch einer Klasse von Frauen nicht vergeffen, die mehr als alle anderen unter der Noth des Lebens zu leiden haben. Wir meinen die Aufwärterinnen, meist Wittwer, die, ihres Ernährers beraubt, um sich und ihre Kinder zu er halten, gezwungen sind, auf Stunden oder Tage häusliche Arbeiten bei Herrschaften zu übernehmen. Es ist geradezu himmelschreiend, wie man solch' arme Personen bezahlt, wie an einzelnen Fällen, die uns als verbürgt mitgetheilt werden, zu ersehen ist. So offerirte u. a. ein Herr Benjamin Schr.( Leipzigerstr. 85 1) für täglich fünf Stunden Aufwartung resp. Arbeit 8 M., sage und schreibe acht Mark Lohn pro Monat. In einem anderen Falle wurden für täglich zwei Stunden Arbeit 1 M, 50 Pf. bis 2 M. pro Monat geboten. Solch geradezu unverschämte Angebote find allerdings nur in einer Jahreszeit, wie der jezigen möglich, weil viele Herrschaften sich jetzt im Bade oder auf Reisen befinden, und während der Dauer ihres Sommeraufenthaltes ihre Aufwärterinnen entlassen haben. Diesen Umstand suchen gewissenlose Leute auszubeuten. aber auch zu befferen Zeiten ist die Löhnung der Aufwärterinnen nicht viel beffer. Man zahlt im Allgemeinen für täglich zwei Stunden Aufwartung nicht mehr als 3 M. pro Monat. 1. 300 Mart Belohnung. Die bisherigen Ermittelungen über die Ursache des im vorigen Monat stattgehabten Brandes der Bergschloßbrauerei haben die Vermuthung nahegelegt, daß böswillige Brandstiftung vorliegt. Der Amtsvorstand zu Rir dorf schreibt demgemäß in den amtlichen Organen des Kreises Teltow eine Belohnung von 300 M. für die Ermittelung des Thäters aus. Ein seltsames Bild bot am Sonntag Morgen in der fiebenten Stunde derjenige Theil der Leipzigerstraße, welcher sich zwischen dem Potsdamer Platz und der Wilhelmsstraße be findet. Dort sah man nämlich auf dem Asphalt thatsächlich eine ganze Reihe von Droschkenpferden liegen und die Kutscher waren lebhaft beschäftigt, ihre Thiere wieder auf die Beine ศู น bringen. Da nahte von der Wilhelmstraße ein Zug von zirka 5-6 Kremsern, deren Insassen sich in Aussicht auf die zu er wartenden Genüsse der Landpartie einer lebhaften Fröhlichkeit hingaben. Plößlich wurde die Freude auf jähe Weise unter brochen. Denn kaum hatten die Wagen die Stelle passirt, wo die Miethsgäule gefallen waren, als auch die Pferde der Kremser zum großen Theil ausglitten und stürzten. Erst nach langem Bemühen gelang es, die Thiere wieder aufzurichten und das durch der beispiellosen Verwirrung ein Ende zu machen. Der Grund für diese auffallende Erscheinung lag in dem Umstande, daß die Sprengwagen, welche sonst schon sehr zeitig an's Wert gehen, am Sonntag erst um 8 Uhr erschienen, um den Asphalt anzufeuchten. Somit mußten die Pferde auf dem durch das Sprengen spiegelglatt gewordenen Wege laufen und es war kein Wunder, daß viele von ihnen dieser equilibristischen Leistung nicht gewachsen waren. Ein Sohn des freien Albion bereist zur Ausführung eines faisongemäßen" Schwindelmanövers gegenwärtig die deutschen Lande. Der wackere Engländer nennt sich Charles Marks, ist laut Visitenkarte in London und in Newyork domizilirt und hat in vergangener Woche die deutsche Reichshauptstadt heimgesucht. Seine Spezialität ist, dem„ B. T." zufolge, Mottenwatte, d. h. eine angeblich mit mottenvertreibenden InMottenwatte, d. h. eine angeblich mit mottenvertreibenden In gredienzien imprägnirte Watte, die nach der Versicherung des Engländers alles Mottengethier unfehlbar tödtet und ihre werthvolle Eigenschaft ein volles halbes Jahr hindurch in unverminderter Wirksamkeit behält. Diese kostbare Watte ist natür" Bindeglied? Vera gab sich dem Geliebten völlig hin, und der Letztere berauschte sich in dieser Liebe. War er glück lich? Das Wort Glück" war aus dem Lexikon des Nihilisten längst gestrichen. Und war seine Liebe für Vera ein wirklich tiefbegründetes, elementares, alles beherrschendes Gefühl? Das verneinte er selbst. Höher als seine Liebe, höher als die Geliebte stand ihm sein politisches Ideal. Könntest Du jemals unserer Sache untreu werden," so fagte er eines Tages mit finsterem Blid, so würde ich Dich tödten." Vera war schrecklich bleich geworden und ihm dann um den Hals gefallen. Und es tamen böse Beiten für die nihilistischen Verschwörer. Ihre Anschläge scheiterten, von ihren Führern fiel einer nach dem andern in die Hände der Polizei. Die Einen schmachteten in den unterirdischen Verließen von Schlüsselburg, die Anderen waren auf dem Wege nach Sibirien. Die Behörden entfalteten eine rastlose Thätigkeit, ihr Scharfsinn verdoppelte sich, sie hatten ein ganz unerhörtes Glück. Das Häuflemn der Petersburger Agitatoren schmolz immer mehr zusammen, und Fedor Sergejewitsch war es zu Muth, als wenn eine nnsichtbare gespenstische Macht, vor der es kein Entrinnen gab, die Faust nach ihm streckte. In düsteres Brüten versunken, schritt er eines Abends seiner Behausung zu sie lag im obersten Stockwerk eines fasernenartigen Gebäudes als eine dicht vermummie weibliche Gestalt auf ihn zutrat und mit leiser Stimme seinen Namen nannte. Fedor Sergejewitsch erkannte die Frauensperson, es war die frühere Kammerjungfer Vera Pawlowna's, welche von letterer wegen wiederholter Unredlichkeiten entlassen worden war. Unwirsch fragte er nach ihrem Begehr. Ein Geheimniß!" antwortete fie. Das, was ich Ihnen mitzutheilen habe, ist von der größten Wichtigkeit für Sie." Das Frauenzimmer murmelte noch einige Worte, welche bewirkten, daß Fedor Sergejewitsch wie vom Blize getroffen zusammenfuhr. Er packte sie am Armgelenk und preßte sie so ungestüm, daß die Kammerjungfer laut aufschrie. Dann aber faßte er sich und forderte das Weib auf, ihn nach seiner Wohnung zu begleiten. Lange blieb die Kammerjungfer bei ihm. Was sie dem jungen Manne eröffnete, zusammen mit den Papieren, die sie ihm zu lesen gab, versezte Feodor Sergejewitsch in einen Zustand halber Raserei. Unaufhörlich stürmte er im 3immer auf und ab, seine Brust arbeitete lich auch entsprechend hoch im Preise; drei Tafeln im Gemein werthe von etwa 1 Mart kosten 25 Mark. Troß dieses ansehn lichen Preises hat es dem englischen Wattespezialisten nicht an Abnehmern gefehlt, da er angeblich im Befiße diverser behörd licher Zeugnisse über die Wirksamkeit seines Artikels sich befindet. Er führte auf seinen auf seinen Berliner Geschäftsgängen Atteste der Admiralität und von Garnison- Verwaltungen bei sich, über deren Echtheil nunmehr begründete Zweifel bes stehen. Jedenfalls gelang es ihm aber auf Grund dieser Atteste und in Folge seines sicheren Auftretens, die Hauptvers waltung einer hiesigen hohen Reichsbehörde zur Abnahme eines größeren Quantums seiner Watte zu bestimmen. Der Hauss inspektor dieser Verwaltung nahm die theure Watte in forgfame, Verwahrung das Stückchen Probewatte hatte über alle Be und verfuhr for bens meant des genders. Un penuhr damit genau nach dem Rezept Engländers. Er handgroße Stücke und stopfte diese in die Seffelfüllungen, Teppiche und Portieren, deren mottenfreie Haltung seinen amt lichen Obliegenheiten gehört. Als er nach einigen Tagen von der Wirkung des neuen Mittels fich überzeugen wollte, machte er die überraschende Entdeckung, daß er in der That im Befis einer famosen Mottenwolle sei, denn die gefräßigen Möbelthierchen saßen zu Hunderten in der molligen Watte und ließen sichs in dem weichen Neste so recht von Herzen wohl sein. Jede Spur von Anti- Mottengeruch war aus der Watte verschwunden und fie präsentirte fich als reiner, echter, zu jedem Rockfutter trefflich verwendbarer Wattirs stoff. Ueber eine an einen Chemiker zur Untersuchung über gebene Probe des wollenen ,, Mottentod" konnte der Fachgelehrte nach oberflächlicher Prüfung zunächst nur die Versicherung ab geben, daß sich das Präparat anscheinend und höchst wahrs scheinlich von gewöhnlicher Watte überhaupt nicht unterscheide; das Resultat der genauen chemischen Untersuchung steht noch aus. Der industrielle Engländer versuchte indessen noch bei anderen Behörden sein Heil. Der vorerwähnte Hausinspektor der hineingefallenen" Verwaltung aber hatte bereits freundnachbarliche Warnung ergehen lassen, und so mußte der imprägnirte Mottentödter in dieſem eine Falle wenigstens unvers richteter Sache abziehen. Ob ihm der Verschleiß seiner Schwindelwaare in Privatkreisen gelungen, wissen wir nicht. Jedenfalls seien hiesige und auswärtige Reflektanten auf dieses ebenso theure wie wirkungslose Spezialmittel der menschenfreundliche Herr wollte sich seinen Angaben zufolge nach Osten wens den und über Breslau nach Wien gehen- eindringlichst gewarnt. Der Krawall in der Hasenhaide resp. vor der Kaserne des Kaiser Franz Garde- Grenadier- Regiments Nr. 1 zwischen Militär und Zivilpersonen scheint doch ernſtere Dimensionen gehabt zu haben als dies aus den bisherigen Berichten ere fichtlich. Abgesehen von einzelnen durch Kolbenstöße und Bas jonetstiche Verwundeten, die direkt in Sanitätswachen Hilfe suchten, sollen sich, wie eine Lokalforrespondenz berichtet, allein zehn Personen in der königlichen Charitee in ärztlicher Be handlung befinden. Die Sudanesen haben sich schnell in Berlin heimisch gemacht, und bringen täglich durch neue Darstellungen ihrer Lebensgewohnheiten und Kriegsgebräuche Abwechselung in ihre Vorstellungen. Das Publikum strömt in großen Schaaren der schwedischen Eisbahn zu. Für Sonntag bereiten die Sudanesen ein neues Unternehmen vor, fie beabsichtigen fich als Schnell läufer und zwar auf einer Hindernisbahn zu präsentiren. Die selben werden hierbei durch Fässer und leinene Pläne fort friechen, über Barrièren und Gräben springen und andere Hindernisse nehmen. Sollten sich furragirte Turner, Schnell läufer finden, diesen Wettlauf mitzumachen, so können sie sich schon heute melden. Plötzlicher Tod, Eine traurige Szene spielte fich vor gestern Abend auf dem Lehrter Bahnhof ab. In demselben Augenblick, als der Bug hielt und die Passagiere fich anschickten, die Koupees zu verlassen, stürzte plößlich eine ältere Dame beim Verlassen des Koupees ohnmächtig zusammen und verstarb, ehe noch seitens der zu ihrem Empfange auf dem Perron anwesenden Verwandten ein Arzt herbeigerufen werden konnte. Die Dame, die Wittwe eines hiesigen Kaufmanns, war wohl in Folge der Freude über das Wiedersehen ihrer beiden Söhne von einem Herzschlage ge troffen worden. In der königlichen Charitee, wohin man den regungslosen Körper behufs Anstellung von Belebungsver suchen schaffte, konnte nur der bereits eingetretene Tod ton statirt werden. dabei so mach de Am V Müllers Unterich Pferd, Stürzte Nothver dem Au mittags wohnha fahren gebracht auf dem Versuch Gegenm hause g gewesen Gi britte C Gärtner Gustav Mestere Blum". Tiefen b Kellerw worden Bewohn den Ab pflegten, Schloß Dieben gelang fie eine Der Kö nach Ha nete ihn Hen mol thr Heil Der Ang Arbeiter furzer al feinem 2 und füh Gegners zu Bode aber zur gelang e Man fa teter Die bie früh zu haben Stähle au eisen des haarscha Spinden leisten bei eine theiligt Verhand die Bew in drei überführ macht, d Buchthau ab," auß führt wu Ein wird in Landgeri verzweigt hatte un Personen bis in di auf Mär zuführen. Diebesba Der vor Polizei Bericht. Am 6. d. M. früh wurde auf dem Felde zwischen der Prenzlauer Allee und der Tresckowstraße Hochzeitse ein unbekannter, etwa 50 Jahre alter Mann todt aufgefunden. Verbreche Einige Zeit später wurde der Droschkenkutscher Blaßmann, auf dem Anhalter_Bahnhofe neben seinem Gefährt stehend, vom Schlage betroffen und verstarb auf der Stelle. Beide Leichen wurden nach dem Obduktionshause geschafft. Um dieselbe Zeit stürzte der Malergehilfe Müller im Hause Genthinerstraße Nr. 8 durch ein berlichtfenster auf die Treppe hinab und erlitt leitende Frau M dem vore Angeklag Beweisen ihm wog heiligsten hörbar, seine Augen blickten wie irr umher, und ein heiseres tige Kre dämonisches Gelächter entrang sich seiner Brust. Endlich ein uner sant er erschöpft in einen Sessel und winkte dem Weibe, freiung sich zu entfernen. Mit einem boshaften Lächeln ging das selbe. Die Papiere hatte er behalten. Wohl eine halbe Stunde brachte er dann in einem 3nstande der Apathie, der geistigen und körperlichen Lähmung zu; dann raffte er sich gewaltsam auf. Eine wilde Entschlossenheit sprach sich in seinen Mienen aus, als er auf einen Schrank zuschritt und daraus einen Revolver entnahm und zu sich steckte. Dann entfernte er sich. Polizei andern f es leugn sichts die merjungi Du leu worin unseren Ha, mei doch nich treibt, s man dar Vera Pawlowna lag in ihrem Boudoir auf einem Divan ausgestreckt, sie befand sich in einem reizenden Negligee, ihre geldig schimmernden Haare fielen auf gelöst über die Schultern, ein angenehmes Lächeln um spielte ihren hübschen Mund und träumerisch sah sie zur Decke empor. Woran mochte sie denken? Wir wissen Schreibti es nicht, aber offenbar waren es nicht unfreundliche Bilder, entwende die ihre Seele umgaufelten. Plößlich erscholl vom Kor Sie ridor der der scharfe Ton der Glode, und die junge Dame Tehen hörte, wie Jemand eintrat und eine andere Person, die mur ihr Bedienter sein konnte, fortging. " I G Da Schnell näherten sich nun kräftige Schritte, und in der geöffneten Thür des Boudoirs erschien Fedor Sergejewitsch. Vera Ba Die junge Dame erhob sich rasch und eilte auf den Ge eine schä liebten zu, um ihn zu umarmen. Aber befremdet wich fie Aber di zurück, so furchtbar bleich und finster hatte sie den jungen ber Nihil Mann noch nie gesehen. beig, aud So spät noch, mein Theurer," sagte sie beklommen. Amaßlich " Ich hatte Dich nicht mehr erwartet." " Ich komme auch nicht ohne einen besonderen Grund," erwiderte der Nihilist, und seine Stimme flang eifig talt. Wir haben etwas zu besprechen, was keinen Aufschub Ich verreise und Du mit mir." duldet „ Ni Es 11 ich, um bin ich e Gebet, w Wie soll ich das verstehen," stammelte fie, reisen, sich jetzt wohin?" In Er brach in ein kurzes, häßliches Gelächter aus: die Ewigkeit, mein Liebchen, dorthin, wo es keine Verräther nnd Polizeispione giebt." " Er Todesang ich ließ " Fedor Sergejewitsch" die Worte rangen nen, will fich faum hörbar Don ihren Lippen. Hat's Du wills gesessen, meine Taube?" zischte der Nihilift. " Schlange!" graben. Sonnerte er dann plöglich, nicht mehr fähig, die stürmisch in eins Sehn Ian örd fich äfts ngen bes Dieser tvers eines auss fame Be enau el in gen, amts von achte Befits öbel und wohl Batte einer, attirs über ehrte abs wahrs eide; noch bei ettor und im nvers einer nicht. Diefes chen wens arnt. ferne schen Eonen an er Bas Hilfe allein Be misch ihrer ihre nder nesen nell Die fort ndere hnell Le fich vors elben an ältere und dabei so schwere innere Verlegungen, daß er mittelst Droschke mach dem Elisabeth Krankenhause gebracht werden mußte. Am Vormittage desselben Tages erlitt der Kutscher Ebert, Müllerstraße Nr. 53 A. wohnhaft, dadurch einen Bruch des Unterichenfels, daß ein in der Belle Alliancestraße gestürztes Pferd, bei dessen Aufhelfen er behilflich war, von Neuem hinstürzte und ihm gegen das Bein fiel. Nach Anlegung eines Nothverbandes in der Garde- Dragoner- Kaserne wurde er nach dem Augusta Hospital gebracht. An demselben Tage Nachmittags wurde der Steinfeger Bühlke, Bernauerstraße Nr. 114c. wohnhaft, in der Gerichtsstraße von einem Geschäftswagen überfahren und am Fuße derartig verlegt, daß er nach der Charité gebracht werden mußte. Zu derselben Zeit machte ein Mann auf dem Hofe des Grundstücks Schönhauser Alle Nr. 183 den Versuch, fich mittelst Zuckersäure zu vergiften. Nachdem ihm Gegenmittel verabreicht, wurde er nach dem städtischen KrankenHause gebracht. Liebesgram soll die Veranlassung zu der That gewesen sein. Gerichts- Zeitung. in Ein gefährliches Verbrecherpaar beschäftigte gestern die britte Straffammer des Landgerichts I. Es waren dies der Gärtnergehilfe Karl Ludwig Liede und der Kellner Richard Gustav Dürne, bereits vielfach vorbestrafte Subjekte. Der Testere führt in der Verbrecherwelt den Spiznamen„ Robert Blum". In der Zeit vom 15. Februar bis zum 15. April cr. Tiefen bei der Polizei nicht weniger als elf Anzeigen ein, wonach Rellerwohnungen mittels Einbruchs von Dieben heimgesucht worden waren. Sie hatten solche Keller ausbaldomert", deren Bewohner in den meisten Fällen kinderlose Eheleute den Abendstunden ihre Wohnung für einige Zeit zu verlassen pflegten, um die nothwendigen Einkäufe zu besorgen und fein Schloß war funstvoll und kein Riegel start genug, um den Dieben den Zutritt zu wehren. Am Abende des 15. April d. J. gelang es endlich, die Diebe in flagranti zu ertappen, als fie einen Einbruch bei dem Schuhmacher Baumgart in Der Köpniderstraße ausführten. Der Bewohner kam früher nach Hause, als die Diebe wohl vermuthet hatten und begegnete ihnen, als dieselben sich mit der gestohlenen Beute entfer nen wollten. Die Diebe warfen Alles von sich nnd versuchten thr Heil in der Flucht. Einer von ihnen entkam, der andere, Der Angeklagte Tiede, wurde aber von dem ihm begegnenden Arbeiter Ries aufgehalten. Es entbrannte zwischen Beiden ein Turzer aber äußerst erbitterter Kampf, der Dieb machte von seinem Brecheisen Gebrauch, welches er in der Rechten schwang und führte damit einen wuchtigen Hieb gegen den Kopf seines Gegners, der aus einer tiefen Kopfwunde blutend, bewußtlos zu Boden sank. In diesem kritischen Moment kam Baumgart aber zur Stelle und mit Hilfe noch einiger herbeieilender Nachbarn gelang es, den Verbrecher zu entwaffnen und dingfest zu machen. Man fand außer dem Brecheisen eine Anzahl vorzüglich gearbei teter Diebswerkzeuge bei ihm vor. Allerdings leugnete Tiede, auch die früheren Einbrüche in den Kellerwohnungen ausgeführt zu haben, aber mit seiner Verhaftung hörte diese Art der Diebstäble auf, auch wurde konstatirt, daß in zwei Fällen das Brech eisen des Angeklagten benutzt worden war, denn dasselbe paßte haarscharf zu den Eindrücken, welche sich an den eröffneten Spinden und Kommoden befanden. Sein Komplize bei dem legten Diebstahl wurde leicht ergriffen und dieser bestritt, sich bei einem andern, als bei dem einen verfehlten Koup betheiligt zu haben. Die beiden Spizbuben verharrten auch im Verhandlungstermine bei ihrem Leugnen und wenn es durch die Beweisaufnahme auch nur gelang, den Angeklagten Tiede in drei Fällen und den Angeklagten Dürre in einem Falle zu überführen, so wurden fie doch für längere Zeit unschädlich ges amacht, denn Tiede wurde zu sechs, Dürre zu drei Jahren Buchthaus verurtheilt. Die paar Dage brummen wir leichte ab," äußerte der Lestere gleichmüthig, als er aus dem Saal geführt wurde. 11 Ein ebenso interessanter als umfangreicher Prozeß dem wird in den lezten Tagen dieses Monats die Straffammer des rufen Landgerichts 11 beschäftigen. Es handelt sich um jene weitefigen verzweigte Diebesbande, welche ihren Wohnfis in Friedrichsberg Das hatte und von hier aus, sich in Gruppen von drei oder vier ege Personen theilend, Raubzüge nach allen Himmelsrichtungen und den bis in die entferntesten Gegenden Deutschlands unternahm, um Sver auf Märkten, bei Volksfesten u. s. w. Taschendiebstähle ausfon zuführen. Der Prozeß wird ein Seitenstück zu jenem bilden, der vor fast zwei Jahren gegen die sogenannte Rigdorfer dem Diebesbande", deren Hauptmitglieder bekanntlich während einer straße Sochzeitfestlichkeit festgenommen wurden, stattfand; wie in jener nden. Verbrecherfippe eine alte Jüdin, die Frau Pusmentirer die auf leitende Kraft war, spielt in der Friedrichsberger Bande eine vom Frau Mankowska diese Rolle. Eine Frau Sowade, welche in eichen dem vorerwähnten Prozeß nebst ihrem Ehemanne unter den efelbe Angeklagten Plaz zu nehmen hatte, aber wegen Mangel an straße Beweisen als einzige Freigesprochene aus dem Prozesse hervor erlitt ihm wogenden Gefühle zu unterdrücken, feile, niederträch iferes tige Kreatur, Teufelin mit dem Gesicht eines Engels, die Du ndlich ein unerhörtes Spiel mit uns triebest, mit uns für die BeBeibe, freiung unseres armen Volkes zu wirken schienst und die das heiligsten Gefühle heucheltest, während Du im Solde der halbe Polizei standest und uns überwachtest und einen nach dem athie, andern für schimpflichen Sündenlohn verriethest. Kannst Du raffte es leugnen, die frechste Doppelrolle gefpielt zu haben, angeenheit sichts dieser erdrückenden Beweise( er zog die von der Kamhrank merjungfer ihm übergebenen Briefschaften hervor) ,, fannst fich Du leugnen, angesichts dieser Briefe von Deiner Hand, worin die genauesten Angaben über alle unsere Schritte, einem unseren Aufenthalt, unsere Vertheidigungsmittel gemacht sind. enden Ha, meine Taube, wir sind ja furchtbar klug gewesen, aber auf doch nicht flug genug. Wenn man so höllisches Spiel um treibt, so darf man sich nicht in die Karten sehen lassen, zur man darf so kostbare Papierchen, wie diese hier, nicht im vissen Schreibtisch lassen, woraus sie eine rachsüchtige Kammerzofe ilder, entwenden kann." Rors Dame e nur n der t Ge ehen Sie war in die Knie gesunken und wagte nicht aufzu " Ist es wahr?" donnerte er nochmals. ,, Gnade!" wimmerte sie, Gnade!" " vitfch. Vera Pawlowna mit den unschuldsvollen Veilchenaugen war Das war das Eingeständniß ihrer Schuld, die lie bliche eine schändliche Verrätherin, eine gemeine besolvete Spi onin. ich fie Aber die Krönung des Gebäudes hat noch gefe hlt," fuhr ungen der Nihilist mit unbarmherzigem Hohne fort, noch blieb beig, auch den Geliebten den Schergen auszul iefern. Muthnmen. amaßlich wäre es in den nächsten Tagen geschehen." Niemals!" flüsterte sie. und," talt. " 1 Es ist das auch gleichgiltig," erwiderte er;„ nicht um ffchub mich, um meine Partei, um unsere heilige Sache zu rächen, bin ich erschienen. Bereite Dich zum Tode vor, sprich ein reifen, Gebet, wenn Dein entschwundener Glaube an die Gottheit sich jetzt einstellen sollte..." In räther ,, Erbarmen," rief die Unselige mit allen Zeichen der Todesangst, es ist wahr, ich bin schuldig, ich bin fluchwürdig, ich ließ mich verblenden, aber ich will bereuen, ich will fühangen nen, will das Sündengeld herausgeben an die Armen, wie Hat's Du willst, will außer Landes gehen, mich in ein Klofter be= nge!" graben ich in ging, hat sich darauf unter die Aegide der Mankowska begeben und wird diesmal wohl kaum fich aus der Schlinge zu ziehen wissen. Eine eigenartige Anklage wegen wissentlichen Meineides gelangte gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zur Verhandlung. Die Kochfrau Wilhelmine Helene Wolter erließ im September v. J. im Berl. Tagebl." eine Heirathsannonze. Da sie eines kleinen disponiblen Vermögens erwähnt hatte, fehlte es nicht an Reflektanten, jedoch traf die heirathslustige Frau die für sie denkbar ungünstigste Wahl. Der Schuhmacher und Agent Julius Unrath, welcher die Annonze gelesen, baute darauf einen Betrugsplan, den er mit großer Geschicklichkeit auszuführen verstand. Er sah sich zunächst nach einigen Helfershelfern um und fand solche in den Personen des Buchbinders Rudolf Wiese und des Kaufmanns Nathan Milkuschüß. Der Erstere wurde als Bote benutzt und überbrachte der Frau Wolter die Briefe, welche der federgewandte Milkuschüß im Namen des Unrath verfaßte. Der Leßfere, obgleich verheirathet und Familienvater, gab sich für einen ledigen Werkführer Namens Julius Wiese aus, welcher ein Gehalt von 800 Thalern bezog. Die Frau Wolter hielt ihn für einen passenden Lebensgefährten; schon bei der ersten Busammenkunft mit Unrath, bei welcher deffen gleichfalls anwesende Komplizen dessen Angaben über seine persönlichen Verhältnisse bestätigten dieselben wurden übrigens der Wolter als die Herren Müller und Schulze vorgestellt- kam es zur Verlobung, und wenige Tage darauf begann das Kleeblatt, das reife Obst vom Baume zu schütteln. Unrath mußte Möbel kaufen, um das zu gründende Heim zu vervollständigen, seine Braut fand es ganz in der Ordnung, daß sie einen Theil ihres Vermögens zu diesem Zwecke opferte und händigte ihm auf seine Bitte bereitwilligst zweihundert Mark ein. Bald darauf erhielt die Wolter einen von Vereine und Versammlungen. Der Unterstütungsverein deutscher Schuhmacher ( Filiale Berlin) hielt am Montag, den 6. d. M., im Lokal des Herrn Nieft, Kommandantenstraße 71-72, seine Vereinsvers ſammlung ab. Den Vortrag für diesen Abend übernahm Herr Schlüter über den Werth der theoretischen Fachausbildung in unserem Gewerbe", und schilderte in seinem Vortrage die Nothwendigkeit und Wichtigkeit derselben, indem er verschiedene Beispiele anführte, wie sehr es nußbringend für jeden Schuhmacher sei, sich mit theoretischer Fachausbildung zu beschäftigen. In demselben Sinne sprachen sich mehrere Mitglieder aus und es wurde bezugnehmend darauf ein Antrag eingebracht und angenommen, eine Fachschule zu errichten. Alsdann machte der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Vereinsversammlung wegen des am 20. d. Mts. in Kliem's Volksgarten, Hasenhaide, statt findenden Sommerfestes, welches vom Verein arrangirt ist, auss fällt. Es wurde von Seiten des Vorstandes angeregt, ein Vers gnügungskomitee zu wählen und wurden hierzu 8 Personen gewählt. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich an diesem Feſte Theil zu nehmen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die nächste Vereinsversammlung am Montag, den 3. August im obenbenannten Lokal stattfindet. be. In der Versammlung, welche am Montag, den 6. b. M., im Deutschen Kaiser", Lothringerstraße, unter Vorsitz des Herrn Rob. Schulze stattfand, sprach Herr Schuhmacher Engler über das Arbeiterschußgeset. Seine eingehenden Ausführungen fanden lebhaften Beifall. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Gutsche, Kund, Franke, Steindorff und Andere. Alle Redner waren darin einig, daß die baldige Annahme des von der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstages eingebrachten Gesezentwurfes im Interesse des Arbeiters dringend nothwendig wäre. Eine Petition an den Reichstag, welche von den Mitgliedern des 29. bis 31. Kom munalwahl- Bezirks ausgeht und in diesem Sinne abgefaßt ist, gelangte zur Verlesung und fand zahlreiche Unterschriften. Zum Schluß wurde eine Tellersammlung für die streikenden Maurer veranstaltet. Milkuschüß verfaßten Brief, in welchem ihr die Mittheilung wurde, daß ihr Bräutigam plöglich schwer erkrankt sei und fich in der Klinik befinde. Das Schreiben lief wieder auf die Bitte um Geld hinaus und ihm folgten noch mehrere; stets mußte die Wittwe Wolter ihre Ersparnisse angreifen und das ges nannte Kleeblatt lebte davon einen vergnügten Tag, denn in furzer Zeit hatte es gegen 600 M. erbeutet. Der Polizei kam die opulente Lebensweise der ihr bekannten anrüchigen Personen verdächtig vor, fie forschte nach der Einnahmequelle und kam bald hinter die Schliche der Industrieritter. Anfangs Dezember v. J. wurde die Frau Wolter nach dem Molkenmarkt beschieden und wurden ihr die Augen darüber geöffnet, in welcher Schlingewerblichen Schiedsgerichts. Herr Tußauer erläuterte dieselbe fie fich befand. Unrath und seine Helfershelfer hatten aber von der Zitation der Wolter Wind bekommen und der glattzüngige Milkuschüß übernahm es, das gefährdete Schiff an Der Klippe vorbeizulenken. Schon die Wolter vom Kriminal- Kommissariat zurückkehrte, schloß er sich ihr an und erfuhr von ihr, welcher Art ihre Aussagen gewesen. Sodann log er ihr vor, daß Unrath zwar noch verheirathet sei, aber die Scheidungsklage bereits eingeleitet habe. Sofort nach der Trennung seiner Ehe würde er die Wolter ficher heirathen. Milkuschüß überredete die lettere nun, daß fie demnächst bei ihrer eidlichen Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter ihre vor der Polizei abgegebenen Aussagen widerrufen und behaupten solle, Unrath habe ihr von vorn herein mitgetheilt, daß er noch verheirathet sei, auch habe derselbe zur Erlangung der Geldsummen keine falschen Thatsachen vorgespiegelt, sondern fie habe ihn aus freien Stücken unterstüßt. In der That gab die Wölter ihre eidliche Aussage in diesem Sinne und zog fich dadurch eine Anklage wegen wissentlichen Meineids und dem Milkuschütz eine solche wegen Anstiftung dazu zu. Auch in dem gegen Ünrath und seine beiden Komplizen anhängig gemachten Betrugsprozeß erzielte sie durch die falsche Ausfage für den Angeklagten keinerlei Vortheil, denn sie wurden alle drei zu erheblichen Freiheitsstrafen Unrath zu drei Jahren Gefängniß verurtheilt. Die Angeklagte Wolter räumte im gestrigen Verhandlungstermine offen Alles ein und be dauerte gewiß iene unſelige Heirathsannonze, welche für sie so verhängnißvolle Folgen nach sich gezogen. Sie wollte ledigich der Ueberredungskunst des mitangeklagten Milkuschüß erlegen sein, dieser versuchte aber durch striktes Ableugnen fich aus der Schlinge zu ziehen. Die Beweisaufnahme mußte zu Ungunsten der Angeklagten ausfallen und plaidirte darauf Der Staatsanwalt für Schuldig im Sinne der Anklage. Die Vertheidiger, Rechtsanwälte Thelen und Tischauer plaidirten, der Erstere für eine mildere Auffassung betreffs seiner Klientin, der Angeklagten Wolter, der Leptere für Freisprechung des Milkuschüß, der nur durch die Aussage der Wolter, einer geständlich meineidigen also unglaubwürdigen Person belastet werde. Die Geschworenen erklärten nur die Angeklagte Wolter werde. Die Geschworenen erklärten nur die Angeklagte Wolter für schuldig, Milkuschüß für nichtschuldig, worauf der Staatsanwalt gegen erstere ein Jahr Buchthaus, gegen letteren Freisprechung beantragte. Der Gerichtshof erkannte dem Anfrage gemäß, rechnete der Angeklagten Wolter aber drei Monafe durch erlittene Untersuchungshaft ab. Unnüge Worte," kam es zermalmend von den Lippen des Rächers. Mach Dich bereit!" Fedor Sergejewitsch," flehte die am Boden sich Windende ,,, denk an Dein Seelenheil, denk an Deine Mutter, schone mich..." druck auf den Furchtbaren, er wurde schwankend, eine ReDer Appell an seine Mutter blieb nicht ganz ohne Eingung von Mitleid zuckte durch sein Herz, aber die verschwand rasch, und der Dämon in ihm trat in seine volle Herrschaft zurück. Es ist Alles vergebens, Du wirst gerichtet, wie Du es verdient hast." Fedor Sergejewitsch, bei meiner Liebe zu Dir beschwöre ich Dich Er lachte höhnisch auf. Und ich liebe Dich wahr und innig, soll ich von hinnen, so will ich nicht mit einer Lüge von der bestiegen. Mein Treiben widerte mich schon heute an, ich Welt. Ich Dich verrathen. eher hätte ich selbst das Schaffot der schmählichen Dienstbarkeit entsagen, mich mit Dir ins habe bittere Stunden der Neue durchlebt, balb wollte ich Ausland zurückziehen .". Er machte ungestüm abwei " sende Bewegungen. 3u spät, zu spät," murmelte er durch die Zähne. Sie lag noch immer zu seinen Füßen, verzweiflungsvoll die blauen Augen zu ihm aufgeschlagen Bu spät, zu spät!" wiederholte er. Wir sterben vereint." Er zog den Revolver. So sei Gott mir und Dir gnädig!" seufzte sie, erschüttert, aber schon gefaßt. Er ging mit langen Schritten auf dem dicken Teppich auf und ab, betrachtete einen Augenblick im Spiegel sein verstörtes Gesicht und dann die mörderische Waffe. Fedor!" flang es noch einmal zu ihm auf. Er schüttelte nur den Ropf Wenige Augenblicke später fiel ein Schuß und unmittelbar darauf ein zweiter... " 1 Das gab eine halbe Stunde später, als der von Fedor Sergejewitsch vorhin fortgeschickte Diener zurückkam und die beiden Leichen fand, einen gewaltigen Lärm in dem sonst so stillen Hause. Man benachrichtigte die Polizei, und diese stellte eine kurze Untersuchung an, aus der nicht viel heraustam. Ein unglückliches Liebespaar, so hieß es, das sich aus unaufgeklärter Ursache den Tod gegeben hat. Die Leute beruhigten sich damit. Aber die Polizei wußte es beffer. Gl. Der Fachverein der Tischler hielt am Sonnabend, den 4. Juli, Neue Grünstraße 28, seine außerordentliche Ges neralversammlung ab. Dieselbe beschäftigte sich mit der auf Beschluß der leßten Versammlung vom Vorstand ausgearbeiteten Petition an den Magistrat wegen Errichtung eines ge in ihren einzelnen Punkten und begründete die Errichtung eines Schiedsgerichtes in Berlin damit, indem er ausführte, daß gewerbliche Streitfälle jest von der Gewerbedeputation ohne Hinzuziehung von Fachmännern entschieden würden. Viele von den Mitgliedern unseres Vereins geführte Klagen bei der Gewerbedeputation wären zu Ungunsten der Arbeiter ausges fallen und erst beim königl. Amtsgericht seien diese zu ihrem Rechte gelangt. Die für die Arbeitnehmer ungünstige Ent scheidung habe aber ihren Grund darin, daß, wenn die Schiedsrichter der Gewerbedeputation auch den besten Willen zur un parteiischen Schlichtung des Streitfalles hätten, dieselben bei der Unkenntniß in den verschiedenartigen Fächern des Handwerks nicht immer das Recht vom Unrecht unterscheiden können. Anders würde sich dies gestalten, wenn das zu errichtende Ges werbegericht zu gleichen Theilen aus Arbeitgebern und Arbeits nehmern bestehe, welche in geheimer Wahl die Arbeiter von den Arbeitern, die Arbeitgeber von den Arbeitgebern gewählt wür den. Es könnte dann jeder Arbeiter den Kollegen gegenüber fich in befferer Weise verständlich machen und würden dadurch für beide Theile günstigere Resultate erzielt werden. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kam der Referent auf die schon bestehenden Schiedsgerichte in den Städten Dresden, Erfurt, Hamburg, Leipzig und Nürnberg zu sprechen, von welchen Nürnberg das am besten eingerichtete Schiedss gericht befäße, besonders deshalb, da dort die geheime und Direkte Wahl der Schiedsrichter durch die Interessenten selbst vollzogen werde. Am Schluß sprach Redner die Hoffnung aus die Errichtung gewerblicher Schiedsgerichte bald verwirklicht zu sehen, die um so berechtigter sei, da bei Einbringung des Antrags durch die Arbeitervertreter in der Stadtverordnetenver sammlung feine Opposition dagegen entfaltet worden sei und auch der Stadtfyndikus Eberty die Errichtung dieser Gerichte als zweckentsprechend anerkannte. Eine rege Betheiligung an der Diskussion bewies, daß die Versammlung den Ausfüh rungen des Redners mit Interesse gefolgt war. Nach Erledi gung einiger innerer Angelegenheiten wurden den streifenden Mauern 100 Mark aus der Vereinskaffe bewilligt. hr. In der öffentlichen Versammlung der Schlosser, welche am Montag Andreasstr. 21 tagte, referirte Herr Krause ( Bauanschläger) über die von den Bauanschlägern am 28. Juni angenommene Resolution, in welcher dieselben sich mit den behufs Durchführung der zehnstündigen Arbeitszeit streifenden Schlossern solidarisch erklärt und sich verpflichtet haben, die Schloffer nach Möglichkeit zu unterstüßen. Er sprach am Schluß die Erwartung aus, daß die Schloffer ihrerseits Dieser Erwartung entsprach die Versammlung, indem sie nach auch ihre Solidarität mit den Bauanschlägern aussprechen werden. furzer Diskussion, an welcher die Herren Königsberg, Göbel, Marr und Pirch sich betheiligten, die folgende Resolution einstimmig annahm Die Versammlung erklärt fich mit den Bauanschlägern im Sinne der Don Den selben gefaßten Resolution einverstanden; ste erklärt ferner, soviel in ihren Kräften steht, die Bauanschläger, wenn dieselben in die Lage versezt werden sollten, behufs Verbesserung ihrer Lohnverhältnisse die Arbeit einstellen zu müssen, moralisch und materiell unterſtüßen zu wollen." In Bezug auf den Stand des Streits theilte Herr Miethe mit, daß in 6 Werkstätten 21 Kollegen neuerdings die Arbeit niedergelegt haben. Darauf folgten lebhafte Debatten über die follen. Ein Antrag dahingehend, daß im Interesse der AllFrage, ob auch arbeitslose Kollegen unterstützt werden gemeinheit arbeitslosen Kollegen eine einmalige Unters stüßung nach dem Ermessen der Lohnkommission gewährt werden solle, wenn sie sich verpflichten, Berlin zu verlassen, wurde ab gelehnt und der Antrag, alle Streifenden, auch solche, Sie noch nicht zum Streiffonds beigesteuert haben, zu unters fügen, andere Arbeitslose aber nicht, wurde angenommen. Der Antrag, drei Revisoren für den Unterstüßungsfonds bes hufs öffentlicher Berichterstattung zu wählen, wurde in Rücksicht darauf, daß die 3 vorhandenen Revisoren der Lohns fommission monatlich Bericht erstatten, und daß es unzweds mäßig sein würde, den Bestand der Streiftaſſe zu veröffent lichen, fast einstimmig abgelehnt. hfs. Zum Maurerstreit fand Dienstag Vormittag_im Buggenhagen'schen Saale eine von der Meister Kommission fammlung statt. zur Üleberwachung der Streifbewegung einberufene Meisterver Als Tagesordnung war der Streit der Maurer von Berlin" angegeben. Die Versammlung war von 400 Meistern und Baugeschäftsinhabern besucht, welche zu sammen( vor dem Streit) 7000 Maurer und 600 Pußer bes schäftigt haben. Am Eingang des Saales erhielt jeder Verfammlungstheilnehmer ein Flugblatt mit der fettges bruckten Ueberschrift: Warum unterhandeln die Meister nicht mehr mit den streikenden Maurergesellen?" Die Ausführungen dieses Flugblattes entsprechen genau dem unsern Lesern bekannten Standpunkte der Bau- Innung Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister von Berlin". Für dies jenigen unserer Leser, welche damit nicht genügend vertraut sein sollten, brauchen wir nur den auf den jeßigen Streit bezüglichen Gelegenheit, einen neuen Streit in Szene zu sehen, erschien bei Beginn der diesjährigen Sommerbauzeit den Gesellen günstig. = Ein neues Komitee war schnell bereit, 42% Pf., dann 45 f pro Stunde zu fordern. Die Meister hatten schon zum Theil 1491 r. 1 Biehung vom Dienstag, den 7. Juli 1885. ( Ohne Gewähr.) 460 155 205 753 760 617( 200) 245 27 386( 150) 918 829 438( 150) 628( 150) 352( 300) 522 13 474( 1000) 137 ( 150) 848. 1713 729 926 389 367 172( 500) 477 799 557. 2835 529 862 879( 150) 345 8( 150) 257( 200) 616 154( 150) 430 583 840 738. 3448 381 146( 300) 537 149 356 643 462 234 97. 4525 484 851( 150) 775 951 438 438 434 356( 200) 29 596 776 956( 200) 867 967 214 285. 5018( 150) 833 933( 150) 923 918( 200) 415 863 694( 200) 12 240( 200) 662 67 589 438 997. 6564( 150) 854 575 384 86 301 58 708( 150) 558 477( 200) 275. 7820 811 921 231 362 133 14 528 968( 300) 658 790 984 878 827 67 548 537 835. 8079 644 530 657( 300) 31 192 896( 200) 220( 200) 832 728 250 ( 150) 809 601 364. 9792 961 171 451 174 147( 200) 155 334 353 912 52 884 978 946( 200) 915 827 759 94 693 412. 66147 801 180 294 432( 300) 853 526 466 536 408 380 406 987 860 586( 200) 429 644 579( 300) 107. 67005 432( 150) 201 969 416 54 235( 200) 209 164 895 476 337 31. 68866 340 679 429 911 641 536 11 852 763 581 577 369 745. 69685 271 644( 200) 981( 200( 593 956( 200) 389 709( 150) 890 88 871. nachgegeben. Das Komitee der Gesellen fühlte sich viel zu groß Tageslife der Kal. Sächs. Landeslotterie. 491( 300) 289 993 290( 200) 27( 150) 564 807 887 795 955 in seiner Machtstellung, um so ohne Weiteres bei Seite zu treten. Fordern wir 50 Bf. pro Stunde und seitens der Meister die schriftliche Erklärung, diesen Lohnfaz als Minimallohn dauernd(?) zahlen zu wollen, arrangiren wir gleichzeitig einen allgemeinen Streit, um unsere Macht zu zeigen, und treten wir, wie früher, mit dem Bunde in Verhandlung." Der Bund und eine große Anzahl vom Bunde zusammenberufener Inhaber von Baugeschäften, welche außerhalb des Bundes stehen, erklärten, durch die früheren Verhandlungen belehrt, in der Resolution vom 20. Juni cr. und vom 2. Juli:„ Es würde mit feinem Gesellen- Komitee mehr verhandelt." Mit dem Bunde also ging es nicht mehr: Versuchen wir es mit den außerhalb der Bundes stehenden Meistern." Die Antwort auf diesen Versuch soll die heutige Versammlung geben. Wir hoffen, daß dieselbe einstimmig erklärt: Wir Meister unterhandeln mit feinem Gesellen Komitee, frühere Erfahrungen haben uns belehrt, daß wir weder auf seine Macht noch auf sein Ansehen, weder auf seinen guten Willen, noch auf seinen Bestand rechnen dürfen." So das Flugblatt. Und die Hoffnung, die es an seinem Schluffe ausspricht, ließ das Votum der Versammlung in Erfüllung gehen, denn sie erhob, wie wir gleich hier im voraus bemerken, mit allen Stimmen gegen eine die nachstehende Resolution abgesehen von einer fleinen Abänderung im Sinne einer schwachen Milderung bezüglich des zu gewährenden Lohnsaßes denn zum Beschluß. Dieselbe lautet: Die heutige Versammlung beschließt, in Anbetracht, daß wir aus früheren Vereinbarnngen mit den Gesellen zur Evidenz erfahren haben, daß die GesellenKomitee's nicht in der Lage find, ihre Versprechungen aufrecht zu erhalten, den von den Maurergesellen gestellten Antrag, mit thnen in Unterhandlung zu treten, abzulehnen, die Arbeitsstellen aber zu öffnen und die leistungsfähigen Gesellen zu einem Lohnfaße von 40 Bf. einzustellen." In der ursprünglichen In der ursprünglichen Faffung hatte der Schlußpassus gelautet: zu einem Lohnsage von nicht über 40 Pf. einzustellen." Herr Hoffmann hatte be antragt, anstatt ,, von nicht über 40 Pf." zu setzen: von nicht unter 40 Bf."; doch wurde dies Amendement mit großer Majorität abgelehnt. Von Herrn Biebendt war der Antrag gestellt worden, Punkt I der Resolution der UeberwachungsKommission abzulehnen und zu beschließen: ,, Wir zahlen jedem Gesellen beim Antritt 40 Pfg., später je nach Befund seiner Leistungen, entweder mehr oder weniger." Nach einer furzen Diskussion hierüber zog dieser Antragsteller sein Amendement zurüd. Die oben erwähnte einzige Stimme", welche gegen die angenommene Resolution abgegeben worden ist, wurde von dem bes treffenden Votanten dahin motivirt, daß er nur deshalb mit der Resolution nicht einverstanden sein könne, weil er zu den zehn Arbeitgebern gehört, die am vorigen Freitag an der öffentlichen ( Gesellen-) Lohnkommissionsfißung fich betheiligten und das Versprechen abgegeben haben, für das Zustandekommen einer Meisterversammlung wirken zu wollen, zu der die Kommission der Gesellen einzuladen ist. jedoch Polizeilich verboten wurde auf Grund des bekannten Paragraphen des Sozialistengesetzes die zu gestern Abend nach dem Konzerthause Sanssouci einberufene Volksversammlung, welche sich mit der Frage der Sonntagsruhe beschäftigen sollte. hfs. Polizeilich aufgelöst wurde eine( Sonntag Vormittags) in Scheffer's Salon tagende Mitgliederversammlung des Fach vereins der Puzer, deren Tagesordnung nur Vereinsangelegenheiten" bildeten. Bald nach Eröffnung der Diskussion über das indifferente und wenig fameradschaftliche Verhalten einzelner Mitglieder des Vereins, in Sachen des Streifebeschlusses, ergingen sich einige Redner in persönlich werdenden tadelnden Bemerkungen über Pußer, welche troß des Beschluffes der letzten Generalversammlung die Arbeit fortgesezt hatten. Daraufhin erklärte der überwachende Polizeis lieutenant wegen Uebertretung des Vereinsgefeßes" die Verfammlung für aufgelöst. Der Verein für ärztliche Hilfeleistung( Sanitätsverein) ladet hiermit alle diejenigen, welche sich für das Bus standekommen des Vereins interesfiren, sowie die Vorstände sämmtlicher eingeschriebener Hilfskaffen, und diejenigen, welche fich bereits in den Listen eingezeichnet haben, zu der am Frei tag, den 10. Juli, Abends 8 Uhr, in beiden Sälen der Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79 stattfinden Generalversammlung ein, um über das von der Kommission neu aufgestellte Statut zu berathen und endgiltigen Beschluß zu faffen. Ferner erfolgt Bekanntgabe des der Kommission zugegangenen Bescheides der Aufsichtsbehörde. Der Louisenstädtische Bezirks- Verein Vorwärts" hält heute, Mittwoch, den 8. Juli, Abends 8% Uhr, in Kon rad's Salon, Wafferthorstr. 68, eine Vereinsversammlung ab, in welcher Herr Laste einen Vortrag über das Arbeiterschutzgefet halten wird. Ebenfalls wird die vor längerer Zeit an geregte Petition, das Arbeiterschußgeset betreffend, vorgelegt werden. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste willkommen. Fachberein der Tischler( Nordbezirk). Versammlung am Mittwoch, den 8. Juli, Abends 8% Uhr, Bergstraße 68, in Kurzmann's Salon. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Meißner über: Die Entwickelung der Industrie und die Stellungnahme der Arbeiter zu derselben". 2. Vorschlag eines Beitragsammlers. 3. Verschiedenes und Fragetasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Billets zu dem am Montag, den 13. Juli, in der ,, Neuen Welt"( Hasenhaide) stattfindenden Sommerfeste des Vereins find in der Berfammlung zu haben. Heute: Deficit! Theater. Belle- Alliance- Theater. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Oftend- Theater. Heute: Die Frau mit den Karfunkelsteinen. Unserem Freunde Hebold( genannt Edspinde) zu feinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß die [ 1570] ganzen Gletscher wackeln! Arbeitsmarkt. N. L. Sch. Ein, Sohn achtb. Eltern, der Luft hat, die Uhrmacherei zu erlernen, sucht[ 1568 H. Faller, Niederwallstr. 32. Gute und paffende Dienstboten werden ins Haus geschickt. Frau Früscher, Aderstr. 133, I. Kottbuser 1564] Concert Sans Sanssouci, Rottbuserftraße 4a. Morgen Donnerstag: Humoristische Soiree der alten renommirten Leipziger Sänger. Anf. 8 Uhr. Entr. 30 Pf. Bei ungünſt. Wetter im Saal 10292 804 56 707 92 583 152 822( 300) 502( 200). 11872( 200) 69( 150) 913( 150( 153( 150) 113 786 939 211 411( 150) 549 509 169 365 961 376( 150) 879( 200) 301 ( 150) 467 150( 300) 938 12571 334 68 920 951 362( 150) 577 595 70. 165. 13843 727 800 552 506 512 231 783. 14983 76 150 847 602 310 950 740 326( 200) 180 386 200 743 567 459 142 425. 15408 284 313 489 727 791 464 522 194 868 486 4 304( 200) 607. 16060 221 328 919 784 616 863 360 773 53( 150) 359 376 662. 17701 231 346 260 964 311 733 650 485 648 613 560 839 143 673 879 968 968 71. 18170 291 604 982( 150) 711 492( 150) 364 334 925( 150) 734 954( 200) 362 415 737( 1000) 522 758( 150) 220 35 666 157. 19570 915( 200) 271 246( 200) 260( 150) 814 728 353 373 499 896( 150) 611 49. 20871 877 325 101 861 229 124 987( 200) 561( 500) 54 361. 21370 97 655( 200) 737 400 812 273 874( 150) 502 204 337( 150) 991. 22645( 500) 87 139( 200) 894 278 599 324( 150) 411( 200) 610( 150) 930( 200) 699 600 766 467. 23330 506 375 162 319( 200) 439 890 866 975 480 25( 150) 905 254( 150) 735( 150) 248 389 544 969( 150) 432 325( 150) 289. 24367 23 483( 300) 432( 500) 158 894 84 961 431 737 991 600 265 151. 25866 645 930 ( 150) 228 351 462 422 134 391( 300) 552 50 439 135 258. 26575 424 94 237 9 442 70 818 338 55 701 865( 200) 248 780 850 686. 27597 511 960 189( 150) 768 866 270( 500) 28102 874 944 12 487( 150) 574 332( 500) 122 974 316. 199 582 880 122 907( 150) 210 439( 500) 786 144 639. 29611 245 300 442 491 869 969 173 44 302 707 523 950 457 53 307 136 473 295 97 371 231 815 962 784 337. 30876 349 166 783 257 346 686 754( 150) 777 222( 150) 396 404 897 273 788 107( 500) 33 389 506. 31870 616 ( 1000) 331 418 420( 150) 520 934( 150) 883 621 12 191 642 ( 300) 863 517( 150) 235 775. 32470 982 56 348( 150) 847 49( 150) 862 404 846 767 651 462( 150) 66 665 82 869( 150) 814 760. 33304 254( 150) 396 976 78( 150) 308 764( 2001 190 646( 300) 224( 150) 411. 34660( 150) 858 971 165 287 ( 150) 384( 200) 313 717 741 546 342 561 51. 35367( 200) 894( 150) 190( 500) 10 290 127 195( 300) 186 287 368 769 583. 36242( 150) 43 394 266 284 754( 500) 847 508 277 805 992( 200) 833 937 617 35 54 885( 200) 995 42 998 504 94( 200) 436 321 614 59( 200). 37467( 150) 438 114 877 320( 150) 213. 38276 927 18 595 421 127 233 617 339 264 64 501 999( 150) 259 1300) 568 975 668 229. 39972 846 971( 150) 221 280 352 998 852 214( 150) 930 37( 150) 236 462. 40818( 200) 715 468 510 790 59( 150) 836 666 227 299 472( 500) 760 622 115 368 471. 41572 658 633( 150) 330 587 942 327 672 666 910 7 75 693( 150) 99 58 295 741 563 778. 42697 91 864( 150) 578 529 207( 150) 200( 150) 372 ( 1000) 515( 150) 902 767( 200) 312 104 724. 43454( 200) 166 570 947( 200) 768 93 719 609 917 701 321( 150) 638 547 561. 44619 523 332 395 397 808 925 472 246( 150) 807( 300) 581 390 538( 200) 653 936 226 180 585. 45125 641 134 435( 1000) 45 932( 300) 301 113 244 957 151( 200) 324 74 558( 150) 42( 200) 588. 46750 269 934 103( 150) 364 278 890( 200) 660( 200) 403( 150) 154 708 442 783 546 47876 10 195 17 457 391 447 862 907 390 916( 1000) 33. 380 47 26 588( 200) 962 396. 48112 21( 150) 989 179 973 ( 300) 665 282 489 712 771 190 479. 49657 253( 150) 1 ( 300) 184 199 236( 150) 378( 200) 163 630 874( 150) 397 805 485( 150) 694 830 290 64 176 333 551 299( 5000). 50501( 150) 734 262 750 66 910 453 803 514 362 843 356 523. 51074 503 276 390 832 367 87 849 944 274. 52733( 150) 855( 500) 215 431 623 411 217 699 291 148 474 154 707( 300) 290 522 496( 200) 385 313. 53522 437 156 787 48( 300) 699 823 51 387 540 153( 150) 284( 150) 267( 300) 718. 673 74 600 524 923 987 50( 200) 165 559 338 664 667 220 118 968 475 776( 150). 54673 74 600 524 923 987 50( 200) 165 559 338 664 667 220 118 968 475 776( 150). 55484 500 57 453 613 278 514( 150) 463 423 150 966 757 664( 200) 97 149. 56909 996( 200) 819( 150) 337( 300) 194( 200) 151 142( 1000) 346 619 67 617 125 246( 500) 843 109 201. 57532 166 568 838( 3000) 920 ( 200) 93 547( 200) 233 452 586 589( 150) 288 474 46 250 ( 150). 58967 674 822 692 644 397 105 558 612 19( 150) 700. 59836 870( 200) 616 65( 300) 91 214 397 723 13 311 ( 150) 854 914 524 437( 300) 299( 150) 845. 60338 258 41 722 689 617 737 447 878 243.184( 150). 61019 363 976 497 484 696( 150) 148 703 314 375( 300) 414 868 951 356 894. 62659 75 21 137 591( 150) 353 346 604 193 70 199( 200) 268. 63747( 200) 695 672( 200) 193 669 325( 150) 986( 200) 819 505( 200) 17( 150) 410 709 465 176. 64687 154 653( 150) 28 516 150 329( 200) 110( 5000) 901 419 52 709 465 176. 652249 911 195( 300) 896 119 855 Anzeige. Allen Freunden und Bekannten, sowie einer geehrten Nachbarschaft zeige hierdurch ganz ergebenst an, daß ich das Restaurant mit Garten des Herrn Ehrlich seit dem 1. d. Mts. übernommen habe, und soll es mein eifrigstes Bestreben sein, durch gute Speisen und Getränke die Zufriedenheit meiner werthen Gäste mir zu erwerben. Bugleich empfehle meine Vereinszimmer zur gefälligen Benußung. Achtungsvoll [ 1550 C. Krone, Restaurateur, Naunynstraße Nr. 78, früher Ehrlich. Zum Unterstützungsfonds der streitenden Maurer wurden vom Stadtverordneten Herrn Gördi abgeliefert: Aus einer Druckerei in der Lindenstraße burch Herrn Möß M. 5,50, Unbekannt M. 3,00, Summa M. 8,50. Ferner gingen ein: Von einer öffentlichen Versammlung der Maler und Anstreicher in Gratweil's Bierhallen 40 M. 85 Pf. Im Auftrage der Kommission: W. Rehdanz. Wer liefert 10000 gepreßte Eichenblätter sofort? Adr. 70560 930 145 561 525 578 546 315 85 704 111 311 ( 300) 839 39 28. 71359 238 598 115 372 431 800 118 224 823 469 591( 300 686 749 987 198( 200) 548 605. 72173 770( 150) 250 191 402 620( 200) 9 582 290 544 919( 150) 90. 73624( 300) 830( 200) 596 289 150( 300) 519 825 197 869 880 195 237 1300) 350 199 689( 150) 159. 74980 151 264 122 635 925 257 999 899 350 500 192 16 32 513 471 200 585 852 780( 500) 565. 75039( 150) 827 855( 150) 286 28 927( 300) 198 824( 150) 404 374 877 48 546 248 788( 200). 76843 886 819 647( 200) 199 903 952 67 620 545 84 121 325 826 872 673. 77741( 300) 514 181 713 97 317( 200) 569( 150) 948 672( 150) 135 40 436 953 410 371 581( 150) 16 5. 78292 709 554 483 555 513 780 873( 150) 595( 150) 832( 209) 179 528( 300) 679( 200) 303 22. 79000 352 135 847 780 620 389( 150) 822 162 376 467 939 181 317 183. 80531( 150) 456 682 50 234 370 759 35 674 833 106 250 758. 81596 996 228 266( 200) 45 585( 150) 722( 150 748 77( 150) 771 977 200) 961 915 683 21 902 470 44 343 835 760. 82134 972 341 541 577( 150) 61 83 281 363( 150) 78 99( 150). 83279( 150) 906 404 53 ( 150) 21 664 44 996 439 406 378 32 38 84724 897 195 329 288 725 309( 150) 386( 300) 99 349 49 ( 1000) 683. 85353 820 167 523 264( 300) 66 53 7 895( 500 703 506 466 594 625 964 823 379( 150) 483 439 475( 150 86023 732 589( 150) 587 147 36 361 73( 150) 71 478( 150) 960 564( 300) 521 43( 20000) 298 754 550 91 87406( 300) 424 702 284 256 899 724( 300) 650. 8857 490 663 402 669( 200) 74 20 114 14 539 887 185 293( 300 424 453. 89145 779 73( 200) 977 945 375( 200) 314. cheint Berlin Boftabon Da 90852( 150) 660 395( 150) 976 589 783 988 326 48 der übeln 893 544( 150) 733 844. 91879 843 487 679 852 729 8556 vorschlägt 694 832 435 650( 200) 268. 92000 850 922 426( 150) 50 macht sich 85 892 315 242 785 551( 150). 93461 721 820( 150) 20 836 341 46 628 108( 150) 618 139 568 229( 200) 885 89 Bu 521 394 307 63 122( 150) 878( 150). 94101 519 38 107 39 Preis von 687( 200) 790( 200) 54 99( 200) 486 98 284 726 83 174 30 Arbeit ( 150) 575 883. 95194( 150) 5 660 256 992 201 126( 15 der österre 772( 300) 95 932 152 60 206 868( 150) 255 422 461. 9611 ben eine 119 756 937 550 211 332 835 5 676 93( 300) 884 439 88 Wir ( 300) 268 572( 150) 194( 300). 97182( 150) 667 996 31 nicht und 990 477( 200) 682( 200) 835 604 805 211( 500). 98242 76 ( 500) 330 376 246 558 36 63 773 582 659 465 606 986( 20 gemeint 963 80( 500) 706 654 858 531. 99623 690 887 597 2 für die A 421 832 190 652 658 230 455 368( 150) 463( 200). Kleine Mittheilungen. eine au ten fie fid auch beha Men Hahnau. Ein gräßliches Unglück hat sich hier ereign fie find In dem Maschinenraum der Handschuhfabrik von N. glauben S Wirbel u. Co. befindet sich ein ca. 50 Fuß tiefer Brunne wiesen, we aus welchem die Kessel des Etablissements gespeist werd Abzahlung Da sich derselbe direkt unter der Maschine befindet, so ist nich Seitenraum angebracht, von welchem aus man zu einer D der Arbeit nung des Brunnens gelangt, um von hier aus den Gang Bulfometers zu beobachten. Der Chef der Fabrik, ausgesetzt he Wirbel sen., begab sich mit dem Feuermann dorthin, um De bie 3-40 sungen vorzunehmen. Dabei wurde er vom Schwindel erfal kosten, abl und stürzte in die Brunnentiefe hinab. Der Verunglückte konn ganges od lebend nicht mehr ans Tageslicht befördert werden. seinem W Briefkasten der Redaktion. Frankfurt a. M., 4. Juli. Lieske, der zuerst in d Buchthaus zu Wehlheiden bei Raffel und heute nach Dalle überathlos ba die Schne geführt wurde, hatte eine längere Unterredung mit dem Gefängnehmen la inspektor, den er bat, seinen Vertheidiger zu rufen. Dr. Jef Der fand Lieske sehr ruhig und gefaßt, der Verurtheilte dankte i nochmals für seine Bemühungen und seinen Eifer, blieb a Dingen kei beharrlich dabei, daß er an dem Rumpff'schen Morde unschuld wir Jedem sei. Dr. Fester sagte ihm nun, daß er( Lieste) auf Gr theilen, de der nicht beeidigten Aussagen der schweizer Beugen Revi in solchen gegen das Urtheil einlegen und ein Gnadengesuch einreich Das ist de fönne. Lieste hat seinem Vertheidiger aber erklärt, von giebt aber Rechtsmittel der Revision keinen Gebrauch machen zu woll in diesen s -Donnerstag Abend wurde der Tischler Nau, welcher bekam in den St lich seine Legitimationspapiere an den Attentäter Lieske verka hatte, verhaftet, da man aus verschiedenen erst nachträglich am theuerft fannt gewordenen Thatsachen schließt, daß er um die Blazur Stadt Lieste's gewußt habe. Die Eifer billigen Pr Frau und der Nahru D. K. 19. Nach den Bestimmungen des uns überſand heit könne Statuts dürfen Sie allerdings einer anderen Strankenkasse n beitreten, wenn Sie Mitglied der Krankenkasse des Dtsvere Pausindust der Schuhmacher" in der höchsten Stufe bleiben wollen. § 6 bes Statuts genannter Kaffe befagt ja: Jedoch di fich Mitglieder in der höchsten Stufe( der Sie" ja angehöradbrud verb nur dann versichern, wenn sie einer anderen Kaffe nicht an 781 hören. Der§ 8 bestimmt ferner: Kein Mitglied darf m als einer Krankenkasse neben dieser Kasse angehören, es denn, daß es bereits bei seinem Eintritt in die letzteren, glied mehrerer anderer Krankenkassen war. Wollen Sie a noch einer anderen Kaffe beitreten, so müssen Sie in Vork niedere Stufe der Ortsvereins- Kaffe eintreten, folglich Dich vielle der höchsten Stufe ausscheiden. Seben Sie sich übrigens tein so wil Herrn Papke, Naunynstr. 36, Hof 2 Tr., in Verbindung. Große Volksversammlun Donnerstag, den 9. Juli er., Abends 8 Uhr, " 11 ,, Und tungsvoll z „ Ich Dich 11 Wen Und Familie D Reine in Bratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/ alleinstehend Tagesordnung: Das Arbeiterschutzgesetz und die Sonntagsruhe. Refere Herr Fr. Michelsen. Bu zahlreichem Besuch ladet ein 1571] Der Han " Woll beworben h thinka von Der Einberufe mag, aber Schwiegerv Der a Fachverein der Tischler Oder veranstaltet sein diesjähriges Sommer- Fest genbruch, d Den. 11 Aber, am Montag, den 13. Juli, in der Neuen Woon Solber „ Ja," Concert und Ball, eben eine a " sowie Belustigungen aller Art. Anfang des Confrieden sein. 4 Uhr Nachmittags. Freunde und Gönner des Vereins Und freundlichst eingeladen.- Billets find vorher zu haben Dich ihrer? den Herrren: Böhm, Johanniterftr. 10, Lindema Boffenerstr. 17, Apeit, Belle- Allianceftr. 61, Ris " Bei Aber Mut Wienerstr. 42, Hodmann, Manteuffelstr. 40, Stra bung ihrer burg, Münchebergerstr. 26, Thierbach, Neue König schlossen we Schicht, Gartenjtr. 40a, Wolter, Lothringerstr. 24 Central- Arbeits- Nachweis des Fachvereins, Alte Jatobit 33 erer Trauu Nächste Soiree: Sonntag. [ 1572 mit Broben an Schulze, Louisenufer 22. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.