795 955. 380 406 132(150) - 68866 369 745. >09(150) III 311 118 2! I. 721 319(1; 825 H 1980 151 513 4' 855(151 546 A. 37 620 I 713 9fl 410 371 173(1501 l. 79006 939 15 Nr. 157. Donnerstag, den 9. Juli 1885. II. Jahrg. erlimMM» Brgsn für dir Interessen der Arbeiter. 4 1 833 1«_ rij; m Das..Berliner Bolksblatt" 722,150 Ach�nt Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS ' m Ä®"11? fr« m S Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 sS Hostabonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf �__(Eingetragen in der PostzeitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) 61 404 32 Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf.. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce». Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. 3 349 436 895( 475 HD 95(500 75(150 150) 711 550 97 Redaktion: Kenthstraße S.— Expedition: Zimmerstraße 44. . 8850 293(306 14. Wieder riu Kurpfuscher. Da kommt schon wieder Einer, der die Grundursache « Übeln Lage der Arbeiter entdeckt hat und auch gleich liRm al Doifchlögt, wie Alles besser gemacht werden kann. Er (150» 20 n,a�t � ie'ne �beit leicht, aber sie ist auch darnach. 385 80 3u Lindau am Bodensee hat ein Herr Schindler einen 8 107 39 Preis von 4000 Franks für Pläne von zweckmäßigen 3 174 ÄArbeitcrwohnungen ausgesetzt und sein Bruder, 126(156 der österreichische Konsul in Zürich, hat dem Preisausschrei- >1. 96W den eine Begründung beigegeben. ~ oofi unterschätzen die Frage der Arbeiterwohnungen qo%S% nicht;Unb glauben auch, daß Herr Schindler es ganz gut ; /cA gemeint hat. Die einfachste Lösung der Wohnungsfrage !7 597 Ä>ür die Arbeiter wäre freilich gefunden, wenn die Arbeiter eine ausreichende Einnahme hätten, dann könn- ten sie sich fteundliche Wohnungen miethen und dieselben i auch behaglich einrichten. Menschenfreunde haben immer gute Absichten, allein sie sind zuweilen recht naiv und unpraktisch. So glauben Viele, dem Arbeiter sei die größte Wohlthat er- wiesen, wenn man ihm kleine Häuschen baut, die er durch Abzahlungen allmälig zu seinem Eigenthum machen kann. An sich ist das schon richtig. Allein man vergißt, daß der Arbeiter dm Fluktuationen des wirthschaftlichen Lebens ausgesetzt ist. Wie nun, wenn er nach jahrelangem Mühen die 3—4000 Mark, die solche Häuschen mindestens abbezahlt hat nnd in Folge schlechten Geschäfts- anges oder aus einer der tausend anderm Ursachen an ... �.einem Wohnorte keine Arbeit mehr findet? Dann sitzt er rat�oä da mit seinem Häuschen und ist übler' daran als ■' die Schnecke, die ihr Haus auf dem Rücken mit sich fortnehmen kann. r ercig« on N. Brünnl st roerW • f0 istj nner£x Gang> irik, i, um_. rdel orte kosten, tickte(ottid Gefä Dr. dankte 1 blieb w : un auf__ n Rem? etnrctd m Der österreichische Konsul in Zürich scheint von diesen Dingen keine Ahnung zu haben und wir sagen offen, daß wir Jedem das Recht absprechen, in diesen Dingen zu ur- theilen, der über die praktischen Erfahrungen der Arbeiter in solchen Angelegenheiten mcht hinreichend unterrichtet ist. Das ist der österreichische Konsul in Zürich offenbar nicht. Er ' 00,1 �stiebt aber noch einen weiteren Beweis seiner völligen Unkenntniß «.."liXS l ciefen Dingen. Er meint, die Arbeiter sollten, anstatt sfe nervt r" hübten, wo die Miethe und alle Lebensbedürfnisse ckräalicb c �euerstm sind, auf demLande wohnen und Morgens > die PI fe. re r* die Fabrik fahren, Abends wieder heimkehrm. Dte Etsenbahn", sagt er,„vermittelt solche Fahrten um rlligen Preis. Die Abonnementskosten zahlen sich, wenn ftau und Kmder draußen auf einem Stück Land einen Theil er Nahrungsmittel bauen helfen und die billige Fahrgelegen- . �eit könne m gewiffem Sinne dazu dienen, die Vortheile der AHausindustrie mit denen der Fabrikarbeit zu verbinden." üben'and h 'nkaste W � ollen. )och Dili anaeho nicht fli darf"-i tmnj'*, !en Sie � Sie in 4 druck verboten.� Jeuitteton. 8i 3m Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) „„...„Vorher habe ich noch hier ein Geschäft zu ordnen, das > olglicki �Dich vielleicht sogar beruhigt, Papa, indem ich von da an brigcns 1 ndung. erufii lein so wildes Leben mehr führen werde." „Und was ist das?" sagte sein Vater und sah erwar- ngsvoll zu ihm auf. „Ich will Heirathen, Vater." „Dich vermählen?" rief der Baron erstaunt aus. 44 rt»Wenn Dir das bester klingt— ja." M||„Und mit wem? Ich habe gar keine Ahnung, welcher Familie Du Dich zugewandt!" „Keiner, Papa," sagte Hans ruhig;„ich heirathe ein tenstr. 770dlleinstehendes, armes, aber braves Mädchen." „Hans!" rief der Baron erschreckt. Reftck*„Wolltest Du lieber, daß ich mich um eine adelige Dame beworben hätte," sagte Hans bitter—„zum Beispiel Ka- chinka von Schaller, so brav und ehrenwerth sie sonst sein ag, aber mit ihr einen Betrüger und Schwindler zum chwiegervater bekäme?" »1441« Der alte Baron seufzte tief auf. Illjl»Oder eine der leichtfertigen jungen Damen Klin- enbruch, die mir die Heimath zu einer Hölle machen wür- en..." „Aber, Hans, es giebt auch noch Andere!" rief Herr on Solberg. „Ja," lachte Hans,„von den„Anderen" habe ich mir iben eine ausgesucht, und ich glaube, Du wirst mit ihr zu- eden sein." „Und darf ich ihren Namen nicht wissen? Schämst Du ich ihrer?" Vater," rief HanS bewegt aus. . R>°>Aver Mutter hat ihr Herz daran gesetzt, daß die Berbin- .S- �ung ihrer Kinder auch an ihrem eigenen Hochzeitstage ge- ?4, schloffen werde, und wenn das nun auch morgen mit un- I bstr��rer Trauung nicht möglich ist, so wollen wir"doch wenig- :S 60 Zereins x habe" Daß das Familienleben schon halb zerstört ist, wenn der Vater nicht zu Tische nach Hause kommen kann, daran denkt der biedere Herr Konsul offenbar nicht. Und daß ge- rade die Hausindustrie, die dem Gesetz unerreichbare, es ist, welche die Löhne auf das niedrigste Niveau drückt, woher sollte der Herr Konsul das wissen? Er bemüht sich, dem Arbeiter den Aufenthalt auf dem Lande mit den glänzendsten Farben auszumalen, ohne dem Arbeiter zunächst zu sagen, woher er die Mittel nehmen soll, um sich ein Grundstück zu erwerben, von dessen Bewirthschaftung durch Frau und Kinder des in der Stadt beschäftigten Arbeiters sich der Herr Konsul so viel verspricht. Damt fährt er fort: „Ein braver und sparsamer Arbeiter ist auf demLande ein geachtetes Gemeindeglied, während sich die vielen Arbeiter in der Stadt gegenseitig kaum kennen. Auf dem Lande können sich Frau und Kinder mit Feldbau befassen, ein paar Ziegen und Hühner halten, ein Schwein mäste» und allerlei für den Haushalt erwerben. In der Stadt dagegen soll der Mann Alles, Nahrung, Kleider, Arzt, Miethe, Steuer und oft noch unnöthige Dinge für Frau und Kinder oben- drein herschaffen. Das drückt und verstimmt ihn, während gemeinsames Erwerben erfreut und bindet. Auf dem Lande sei�die Arbeiterfamilie gesünder, weil sie sich vom Eigenen bester ernähre und weniger Epidemien ausgesetzt sei, dazu weniger Anlaß für Ausgaben bei Anläffen und Festen aller Art. Frau und Kinder sind auf dem Lande geachtet auch ohne theure Modehüte." Der Herr Konsul beruft sich auf deutsche Verhältniffe und da muß man sagen, daß seine Unkenntniß eine geradezu verblüffende ist. Es gehört viel Kühnheit dazu, mit solchem Mangel an Sachkenntniß ein Preisausschreiben motiviren zu wollen. Der Herr Konsul weiß also gar nicht, daß vielleicht der größere Theil der deutschen industriellen Arbeiter, sicherlich aber etwa die Hälfte derselben nicht in den großen Städten, sondern in den halb oder ganz ländlichen Vororten oder in der wei- teren Umgebung derselben wohnt, sich Morgens in die Stadt zur Arbeit und Abends wieder aufs Lano nach Hause be- giebt. Hat der Herr Konsul diese Erscheinung nicht auch an seinem Wohnorte Zürich beobachten können? Die Erfahrun- gen, die der Herr Konsul erst machen will, haben wir längst schon hinter uns und in Deutschland kann ihm jeder aufge- klärte Arbeiter auseinandersetzen, wie sehr er, nämlich der Herr Konsul, sich auf dem Holzwege befindet. Die üble Lage der sächsischen und thüringischen Weber ist männiglich bekannt. Von diesen Leuten wohnen unend- lich viele auf dem Lande und arbeiten in der Stadt; ihre Familien können sich„mit Feldbau befassen, Ziegen und Hühner halten, ein Schwein mästen und Allerlei für den stens morgen Abend im Freundeskreise unsere Verlobung feiern." „Und darf ich nicht wissen, wen Du mir als Tochter zuführen willst?" Hans schüttelte lächelnd den Kopf.„Heute noch nicht, Papa," sagte er,„es verdürbe mir ja sonst die ganze Ueberraschung; aber sei versichert, daß ich eine gute Wahl getroffen, und nach den Erfahrungen, die wir in der letzten Zeit gemacht, glaube ich, daß ich Dir auch ein braves Bür- germädchen als Schwiegertochter zuführen darf." „Hans!" rief der alte Baron bestürzt. „Ueberdies," setzte Hans hinzu,„möchte ich keine unserer stolzen, hochadeligen Damen da hinüber in jene fremde Welt führen, denn welchen Umgang könnte ich ihr dort bieten— die Mischlingsrace von CholuS und Creolen höchstens, und meist dazu rohes, ungebildetes Volk. Nein, Papa, ich glaube, ich habe mit ihr mein Glück begründet, und möglicherweise hast Du selber Freude daran." Der alte Baron seufzte recht aus tiefer Brust auf, aber die letzten Ereignisse hatten doch seinen alten Stolz ge- krochen; er wagte keine Erwiderung dem überhaupt voll- kommen selbstständigen Sohne gegenüber, und als sich Hans bald darauf in sein eigenes Zimmer zurückzog, saß er wohl noch eine Stunde allein am Tische und grübelte über den Verfall der alten Adelsvorrechte nach, die jetzt sogar von den Söhnen und Enkeln selber unterwühlt würden. So kam der nächste Tag, und im Solberg'schen Hause wurden die Festesvorbereitungen erneut; aber es war doch dazu nicht das rechte Leben, denn selbst die Dienerschaft fühlte, es sei nur eine erzwungene, gewaltsam fast hervor- gerufene Feier, um eben das Alles zu betäuben, was noch auf dem Herzen der Familie lag. Es schien wenigstens zu unnatürlich, daß Franziska, das gnädige Fräulein, sich so leicht über den Verlust eines Mannes hätte hinwegsetzen können, den sie sich doch bis dahin als den Führer durch ihr ganzes übriges Leben gedacht. HanS vielleicht war der Einzige, der dieses drückende und unbehagliche Gefühl nicht theitte, denn in dem Bewußt- sein, die Schwester vor einem furchtbaren Unheil bewahrt zu Haushalt erwerben." Sie sind auch sparsam und ihre Frauen tragen keine Modehüte. Und doch sind sie in der traurigsten Lage von der Welt, denn ihr Verdienst ist oft 6 Mark pro Woche, oft noch weniger. Wohin man heute kommt, ist unter den städtischen Ar- beitern eine Art Bestürzung darüber vorhanden, daß jetzt so viele Arbeiter vom Lande, die draußen etwas Ackerbau treiben können, weil sie ein kleines Grundstück und eine Hütte daraus haben, in die städtischen Fabriken kommen oder auch als Maurer und dergl. in den Städten arbeiten. Diese Leute, denen ihr bischen Landwirthschaft die Hälfte ibrer Existenz deckt, arbeiten für Löhne, mit denen oie nur auf ihre Hände angewiesenen Arbeiter absolut nicht auskommen können. So bringen die Arbeiter vom Lande die anderen ins Unglück, denn sie drücken die Löhne auf ein Minimum hinab. Schreiber dieses befand sich jüngst in einer mitteldeut- scheu Stadt. Ein Arbeiter, mit dem er sich unterhielt, zeigte aus ein etwa eine Stunde entferntes großes Dorf und sagte: „Das ist unser Ruin?"—„Warum'?"—„Nun, von dort kommen sie herein, arbeiten fast für nichts, leben deu Tag über von einem Stück Brot und Wurst, gehen Abends hinaus und wir sind zu Grunde gerichtet, denn es entgeht uns Arbeit und Verdienst. Sie' können's machen, denn sie haben Grund stücke, und Häuschen draußen!" Daß dem so ist, wird jeder wissen, der die Verhält- niste bei uns einigermaßen kennt. Den Fabrikanten, In- dustriellen und Unternehmern ist es so erwünscht, denn das verringert die Produktionskosten. Der österreichische Konsul in Zürich mag künftig seine ökonomische Weisheit für sich behalten. Dolitiseke Nekersitkt. Die Nationalliberalen haben wieder einntal einen Partei- tag in Görlitz abgehalten. Derselbe schließt sich würdig den Tagen in Heidelberg, Neustadt und Berlin an, nur daß er»och mehr wie diese konftatirt, daß die Lebenstage der Partei gezählt sind. Freilich machen Die Leutchen krampfhafte Anstrengungen, um wieder znr. Geltung zu gelangen, namentlich haben sie in Berlin keine Mittel gescheut, um die vor allen Dingen noth- wendige Reklame für sich zu machen. Unter den tiblichen Tam> Tam-Klängen begann die Gründung des nationallibcralen Vereins, von dem man behauptete, daß er nur einem längst gefühlten Bedürfnisse abhelfen solle. Wie sehr man in Berlin ein solches Bedürfniß hakte, zeigt die Thatsache, daß außer den Gründern des Vereins so gut wie keine TXitglieder vorhanden sind. Die Herren Offiziere sind da, aber die Mannschaft fehlt und auf diese werden die Herren vergeblich warten muffen. Sehr lehrreiche Zahlen weist die Kriminalstatistik auf, welche sich in dem vor Kurzem erschienenen„Statistischen Jahr- haben, wie in dem seines eigenen Glückes, kümmerte es ihn verwünscht wenig, was sich die Stadt darüber denken könne. Er ging seinen Weg, und Rhodenburg mochte dann sehen, wie es hinterher kam. Uebrigens durchlief schon in aller Frühe das Gerücht die Stadt, daß„Graf Rauten", wie er natürlich noch allge- mein genannt wurde, mit Tagesanbruch heute verschieden sei. Er hatte gestern Abend und die Nacht hindurch noch die furchtbarsten Oualen ausgestanden, in freien Momenten aber dann so schreckliche Enthüllungen über seine verbrecherische Laufbahn gemacht, daß selbst die Wärter scheu von ihm zurückwichen. Es war das Ende eines Verzweifelten ge- wesen, der sich im Geiste fortwährend von seinen Opfern umgeben und gepeinigt sah. Seine Seele war nicht ge- schieden, sondern wie gewaltsam aus seinem Körper gerissen worden, und wenn ein Mensch schon auf Erden Höllen- quälen erdulden mußte, so hatte sie Rauten, der gewissen- lose Verbrecher, erdulden müssen. Als Hans Kunde davon bekam, ging er hinaus in das Spital; aber der Todeskampf des Verbrechers war schon vorüber. Der Körper lag starr und kalt im Todtensaale auf seinem Stroh, und Alles, was mit ihm noch geschehen konnte, war, ihm seine Stelle an der Kirchhofsmauer an- zuweisen. Auch die Solberg'sche Familie erhielt die Nachricht, denn wo hätte je eine Unglücksbotschaft geheim gehalten werden können! Aber auf Franziska selber übte es weit eher einen ermuthigendcn als niederdrückenden Einfluß aus. Jetzt war sie frei— dem Verbrecher selber konnte sie keine Thräne nachweinen, und mit dem Todten war die Schuld begraben. Und der Nachmittag rückte vor. Hans hatte Käthchen den ganzen Tag noch nicht gesehen, aber es ließ ihm endlich keine Ruhe mehr. Konnte er denn wissen, ob sie nicht noch etwas brauchte, und es wäre ja selbst unfreundlich gewesen, sich nicht danach zu erkundigen! Mit klopfendem Herzen betrat er das Haus, hatte aber noch nicht ganz die erste Etage erreicht, als ihm oben der alte Oberstlieutenant begegnete und, ihm beide Hände ent- gegenstreckend, herzlich ausrief: buch für das Deutsche Reich" befindet. Am lehrreichsten ist die Tabelle, welche angiebt, wieviel wegen Verbrechen und Ver- gehen gegen Reichsgesetze Verurtheilte(die vonMilitärgerichten er- ledigten Strafsachen, sowie die Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Ge- fälle find hier ausgeschlossen) auf je 10 000 über 12 Jahre alte Einwohner kommen. Da erqiebt stch denn, daß unter allen deutschen Landesthcilen die Provinz Posen in der Zahl der Vcrurtheilten obenan steht, nämlich mit 192,7 auf 10000 über 12 Jahre alte Einwohner, während auf Preußen im Ganzen nur 104,2 kommen. Die einzelnen Staaten weisen folgende Ziffern auf: Schwarzburg- Rudolstadt 163,9, Schwarzburg- Sondershausen 153,8, Bremen 133,8, Baiern 118,1, Sachsen 105,1, Preußen 104,2, Anhalt 101,5, Hamburg 100,4, Sachsen-Koburg-Gotha 100,1, Braunschweig 97,8, Württemberg 95,7, Sächsen-Meiningen 95,3, Rcuß ä. L. 92,6, Sachsen-Altcnburg 88,3, Reuß j. L. 87,9, Elsaß-Lothringen 87,0, Baden 84,4, Lübeck 83,2, Sachsen-Weimar 82,3, Hessen 75,3, Oldenburg 65,5, Mecklenburg-Strelitz 61,9, Mecklenburg- Schwerin 61,2, Waldeck 55,7, Lippe 54.8, Schaumburg-Lippe 44,0. In der Provinz Posen also giebt es fast 4'/, Mal soviel Verbrecher, wie im Fürstenthum Schaumburg-Lippe. Das Auffallendste in der vorstehenden Zusammenstellung aber find die hohen Verbrecherziffern der beiden Schwarzburg. Sie unter- scheiden sich nicht nur aufs Unvortheilhaftcste von den übrigen Kleinstaaten, sondern auch von den Mittelstaaten und den angrenzenden preußischen Provinzen. Die einzelnen preu- ßischen Provinzen präsenttren sich in folgender Weise: Posen 192,7, Westpreußen 168,8, Ostpreußen 150,9, Stadt Berlin 137,5, Schlesien 121,2, Pommern 102,8, Brandenburg 89,4, Hessen-Nassau 89,2, Sachsen 85,2, Hannover 79,7, Rheinland 68,3, Westfalen 66,4, Hohcnzollern 64,0, Schleswig-Holstein 61,5. Sehr interessant ist auch, daß das vielverschriene Berlin unter den preußischen Provinzen bei Weitem nicht die höchste, in einigen Kategorien sogar eine auf- fallend niedrige Verbrecherziffer aufweist. So hat es bei Meineid nur 0,10, bei Mord und Todtschlag 0,04, bei gefährlicher Körperverletzung 5,3, während die enssvrechenden Durch- schnittsziffern sür ganz Preußen 0,27, 0,10 und 12,1 sind; selbst, in der Rubrik des Diebstahls steht Berlin mit 39,1 gegen Posen mit 72,3.— Unter den Mittelstaaten hat Baiem weitaus die meisten Verbrecher. Sehr auffallend aber ist, daß von den drei Gruppen Franken, das übrige rechts- rheinische Baiem und Rheinpfalz die letztere gar sehr die schlechteste Stelle einnimmt, nämlrch mit 145,0 gegen 107,0 in Franken und 119,2 im übrigen Baiern.— Es wird durch diese Statistik aufs Neue dokumenttrt, daß die Religion nicht im Stande ist, Vergehen und Verbrechen zu mindem. In Posen sowohl als in Baiem ist die Religiosität sehr groß und den- noch weisen gerade diese Länder die größte Zahl der Ver- urtheilten auf. Je unaufgeklärter ein Volk ist, desto mehr ist es zu Verbrechen geneigt. Es verdient ganz besonders hervor- gehoben zu werden, daß Berlin und Hamburg, obwohl sie Großstädte sind, weit hinter der ländlichen Bevölkerung Posens in Bezug der Verbrechen zurückstehen. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir dieses günstige Verhältniß auf die Arbeiter- bewegung zurückführen. Der„Reichs- und Staats-Anzeiger" schreibt: In der letzten Zeit haben sich bei dem Auswärtigen Amt die Gesuche um amtliche Vermittelung zur Geltendmachung von Ansprüchen auf Erbschaften, welche in den Niederlanden be- ruhen sollen, in erheblicher Weise vermehrt. Hierbei ist es öfters zu Tage getreten, daß von den vermeintlichen Erbberech- tigten zur Begründung ihrer Ansprüche nicht unbedeutende Kosten aufgewendet wurden. Auch sind nicht selten dergleichen Ansprüche zur Verübung von Betrügereien benutzt worden, welche vielfach eine bedeutende Vermögensschädigung der Ge- täuschten zur Folge hatten. Die noch in allemeuester Zeit ver- anlaßten amtlichen Ermittelungen lassen jene Ansprüche als aussichtslos erscheinen. Sowohl in dem Königreich der Nieder- lande selbst wie in den indischen Kolonien verjähren die Ansprüche auf Erbschaften in dreißig Jahren von dem Tage der Eröffnung der Nachfolge, und diese tritt sowohl bei der gesetzlichen wie bei der testa- mentarischen Bemfung mit dem Augenblick des Todes des Erblassers ein. Bezüglich des Königreichs der Niederlande selbst und aller bis zum Jahre 1811 in die Verwaltung der ehemaligen Waisen- und Vormundschaftskammem gelangten Vcrmögensmaffen und Erbschaften ist aber seit dem Jahre 1880 überhaupt jeder Anspruch ausgeschlossen. Durch Gesetz vom 5. März 1852 wurde nämlick eine Kommission eingesetzt, welche diese Massen und Erbschaften zu liquidiren halte. Dieselbe hat zufolge A tikel 8 des erwähnten Gesetzes die vorgeschrie- denen Aufgebote im niederländischen Staatsanzeiger ergehen lassen. Denen, welche sich rechtzeitig auf Grund dieser Aufgebote gemeldet hatten und ihre Berechtigung nachweisen konnten, wurde der ihnen gebührende Erbtheil ausgeantwortet. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist von fünf Jahren wurde sodann der verbleibende Rest dieser Massen dem niederländischen Staate überwiesen. Im Jahre 1880 hat die Kommission ihre Aufgabe erledigt, und seit dieser Zeit ist in Bezug auf die envähnten „Das ist freundlich von Ihnen, lieber Solberg, daß Sie uns auch einmal wieder aufsuchen— treten Sie näher! Wir haben so viel von Zhnen gesprochen und so innigen Antheil an dem Unglück genommen..." Hans gerieth gewissermaßen in Verlegenheit; er hatte an nichts weniger als einen Besuch bei Klingenbruchs ge- dacht, und mochte es doch jetzt dem kleinen, gutmüthigen Manne nicht zu Leide thun, umzukehren. Zhn selber hatte er ja wirklich lieb gewonnen, aber in der Gesellschaft seiner Damen fühlte er sich nicht wohl und heimisch und vermied sie deshalb lieber, wo das anging. Hier ging es freilich nicht mehr an, und wohl oder übel mußte er mit in die Etage treten, wobei er nur zu gut wußte, daß er jetzt den Tagesklatsch auf's Neue mit durchzukneten hatte. „Herr von Solberg," rief ihm, wie er nur das Zimmer detrat, die Frau Oberstlieutenant entgegen,„das ist ja in der That eine sehr seltene Ehre, die uns da zu Theil wird! Wir glaubten schon, Sie wären wieder nach Peru hinübergefahren, wenn wir Sie nicht manchmal da gegenüber hätten aus- und eingehen sehen!" „Gnädige Frau, ich habe in der letzten Zeit ein sehr bewegtes Leben geführt— meine Damen, ich freue mich, Sie so wohl zu sehen." „Ach Gott, ja," fuhr die Frau Oberstlieutenant fort, „wir haben es ja erfahren! Aber sollte man es denn für möglich halten, daß ein Mann, wie dieser Graf Rauten..." „Lassen wir das," unterbrach sie Hans,„das Unglück ist einmal geschehen und der Verbrecher hat seine Strafe er- halten." „Geschieht ihm recht," nickte der Oberstlieutenant,„der Kanaille! Aber was sagen Sie denn zu unserem Herrn Nachbar, zu Schaller? Sehen Sie einmal da hinüber, die Gläubiger haben schon Besitz ergriffen." „Das arme Fräulein Kathinka!" sagte Hans. „Fräulein Kathinka," bemerkte Flora, den Kopf etwa» zurückgeworfen,„hat es vorgezogen, Frau Doktor Potter zu der That?" rief Hans rasch,„das freut mich wirklich von Herzen." Massen und Erbschaften jeder Anspruch endgiltig und unwider- ruflich ausgeschlossen. Seit dem Jahre 1311 sind in dem König- reich der Niederlande überhaupt keine Nachlassenschaftcn mehr bei den Waisenkammern eingebracht. Zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn sind in der That schon Verhandlungen behufs Regelung ihrer Zoll- Verhältnisse im Gange. Der„Voss. Ztg." wird darüber aus Wien gemeldet:„Die gegenwärtig in Wien tagenden Kon- ferenzen, an denen österreichische und ungarische Minister theil- nehmen, find nicht in der Lage, Beschlüsse bezüglich des Handels- politischen Verhältnisses zu Deutschland zufassen, weil inzwischen Graf Kalnocky diplomatische Schritte in Berlin in der Ange- legenhcit gethan hat, um im Vertragswege die Zollverhältmsse im Sinne eines engeren wirthschaftlichen Anschlusses anein- ander zu regeln. Von dem Resultate dieses Ven'uches wird es abhängen, welche Entschlüsse Oesterreich-Ungam saßt. Sollte Deutschland das Entgegenkommen ablehnen, so werden die österreichischen und die ungarischen Minister augenblicklich zu- sainmentreten, um alle Konsequenzen der Lage rn protektioni- stischer Richtung zu ziehen und eine neue Zollnovelle zur Vor- legung für beide Parlamente zu verfassen." Die Stadt Altona hat unter Hinweis auf die ungünstige Lage ihrer Finanzen bei der Regierung den Anttag gestellt, es möge ihr gestattet sein, von geistigen Getränken, Bier, Wein, Branntwein, eine Abgabe zu erheben. Wie es heißt, wird dieser Anttag die Genehmigung erhalten, jedoch mit der Maß- gäbe, daß die Erhebung dieser Abgabe mit dem Jahre 1888, o. i. dem Eintritt in den Zollverein, aufhört. Aus Mainz wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Das Eigenthum— Manuskripte, Schriften, Bücher, optische Jnsttu- mente-c.— des vor nahezu 6 Monaten in Haft genommenen Schriftstellers Rudolf Röttger, das seither, wie auch die Wohnung des Jnhaftirten, genchtlich versiegelt war, ist am Donnerstag freigegeben und dem Anwalt des Herrn Röttger behändigt worden, lieber den Stand der gegen Röttger er- hobenen Anklage, die bekanntlich auf Landesverrath geht, verlautet hier nicht das Geringste; ebenso herrscht auch tiefes Schweigen darüber, ob der Jnhafttrte in Berlin oder Leipzig in Hast sei. Aus dem sozialdemokratischen Lager. Unter dieser Ueberschrift bringt der„Hamb. Eorresp." einen längeren Ar- tikel, dem wir folgendes entnehmen: „Unlängst hatte das Parteiorgan tZürichcr„Sozialdemo- krat") einer Zuschrift aus Deut>chland Raum gegeben, in welcher bezüglich der Dampfersubventionsvorlage behauptet war, daß dieselbe nichts weiter gewesen sei, als ein Schwindel, nur bestimmt, dem Norddeutschen Lloyd auf die Beine zu helfen. Das Verdienst des Abgeordneten D i e tz sei es, den Schwindel aufgedeckt zu haben. Hiergegen nchmen nun die Abgeordneten I. Auer, Wilhelm B l o s, Bruno Geiser und C. Grillenberger in einer Zuschrift aus Stuttgart, 20. Juni, in der am 2. Ö. M. ausgegebenen Nummer des �Sozialdemokrat" das Wort zu einem geharnischten Protest. Wenn die oben erwähnte Behauptung wahr wäre, so erklären die genannten Abgeordneten in der Hauptsache, dann ließe sie keinen anderen Schluß zu als den, daß die Majorität der sozialdemokratischen Fraktion mit vollem und klarem Bewußt- sein einen oyenlundigen Schwindel zu unterstützen bereit gewesen wäre. Ja, was Most in der„Freiheit" be- hauptet habe, nämlicb daß die Fraktion von den Schiffs- rhedern stch habe bestechen lassen, sei ungefähr dasselbe. In Wirklichkeit aber sei der Bremer Lloyd nach dem Wissen der genannten Abgeordneten eine der kapitalkräftigsten Unter- nchmungen in Deutschland, und falle daher die auf die Lüge von deni Lloyd aufgebaute Schauergeschichte in sich selbst zusammen. Noch deutlicher spricht in einer zweiten Erklärung in derselben Nummer des Blattes der Abgeordnete I. H. W. D i e tz sich aus. Er nennt die in Rede stehende Zuschrift einen Wink init dem Zaunpfahl an die Fravion und sagt dann:„Halten die Genossen in Deutschland die Framonsmehrheit aus Schwindlern zusammengesetzt, halten sie es für möglich, daß die Redlichkeit der Arbeitervettreter im Reichstage zweifelhaft ist, dann ist es auch ihre Pflicht, die Betreffenden aufzufordern, ihre Mandate niederzulegen. Schwindler gehören nicht in den Reichstag. Sind die Genossen jedoch von der Ehrlichkeit und Prinzipientteue ihrer Vertreter überzeugt, dann muß ihnen die Schamröthe heiß in's Gesicht steigen ob der Schmach, die man uns, die man der ganzen sozialdemokratischen Partei zu- " � �Der Einsender jener Notiz, welchem die Redaktion diese beiden Erklärungen vor deren Publikation zugesandt hatte, ver- wahrt sich nur dagegen, daß er damit der Fraktion, welche ja schließlich einstimmig gegen die Subvention gestimmt habe, einen Vorwurf habe machen wollen. Im Uebrigen bleibt er bei seiner Behauptung. Die Redaktion des Parteiorgans läßt die Sache selbst unberührt und wendet sich lediglich gegen den von Diey wegen der Veröffentlichung der Most'schen Behaup- tung von der Bestechung der sozialdemokratischen Abgeordneten durch die Schiffsrhcdcr ihr gemachten Vorwurf, daß sie hinter den Anarchisten sich versteckt habe, um die Fraktionsmajorität „Es blieb ihr nichts Anderes übrig," bemerkte die junge Dame. „Wenn ich mich nicht sehr irre," sagte Hans,„so hat sie schon lange eine stille Neigung zu dem Doktor gehabt. Ich glaube wenigstens so etwas bemerkt zu haben." „Wohl schwerlich," meinte Henriette, die sich aber heute merkwürdig zurückhaltend zeigte und besonders sich gegen Hans so benahm, als ob sie sich wegen irgend etwas beleidigt fühle, wovon Hans natürlich keine Ahnung hatte.„Es ist eine reine„Vernunft- Heirath", und Ka- thinka hat, meiner Meinung nach, in der That ganz recht gehandelt." „Schaller ist fort," sagte der Oberstlieutenant, der genau wußte, was Henriette mit der Bemerkung meinte,„und Frau v. Schaller hat anfangs einige Ohnmächten bekommen, zankt sich aber jetzt wacker mit dem unverschämten Volk herum, das Besitz von der Etage ergriffen." „Zst Kathinka noch drüben?" „Nein; zu einer Freundin gezogen, bis ihre Verbindung mit Potter geschloffen werden kann, worüber immer noch ein paar Wochen hingehen möchten." Hans nickte leise und langsam vor sich hin mit dem Kopfe, aber der Gegenstand war ihm peinlich, und er sprang zu etwas Anderem über. „Sie kommen doch gewiß heute Abend, meine Damen, nicht wahr? Die Einladungen sind etwas spät ergangen, werden aber gewiß durch die eingetretenen Verhältnisse entschuldigt, und Ihre Toiletten hatten Sie doch wohl schon für gestern in den Stand gesetzt?" „Sie werden uns trotzdem entschuldigen müssen, Herr von Solberg," sagte die Frau Oberstlieutenant mit Würde, „da es ein ausgesprochener Tanz ist und wir noch um meine selige Schwägerin trauern." „Aber die jungen Damen brauchen ja nicht zu tanzen!" „Die schwarze Kleidung würde unter oen geputzten Gästen zu sehr auffallen," bemerkte die Mutter,„und Hen- riette ist ja schon an und für sich entschuldigt." Hans begriff nicht recht, weshalb, machte aber eine stumme Verbeugung gegen die junge Dame, was diese als eine neue Beleidigung zu nehmen schien, denn sie als bestochen zu verdächtigen. Eine ehrenkränkendere Behal» tung als diese gebe es nicht, sagt die Redaktton, und sie wütfc sich eigentlich für berechtigt halten, gegen diese Unterstellu« in der schärfsten Weise sich zu verwahren; doch sie will diese eigenartige„Auslegung" auf Rechnung der übergroßen Em- pfindlichleit setzen, welche ein Theil der Abgeordneten in Sei cianzm�Dampfenubventions- Angelegenheit an den Tag g# lieber die in der gegnerischen Presse geführte Polemik eis- zelner Abgeordneter ist Ver Redastion eine Reihe von Zu- f Christen zugekommen, in welcher die Genossen„mehr o6rt minder energisch" hierüber sich beschweren und ausführen, dej die Erörterung von Differenzen vor den Partei-Kongreß ge- höre. Namentlich die Genoffen von Hanau verwahrten wt entschieden gegen jene Polemik; deren Erklärung soll in va nächsten Nummer veröffentlicht werden. Die Redaktion schlieft sich den Protesten an und fügt hinzn, daß überhaupt die G» sammtpartei ebenso denke. Zum Glück seien es nur sehr wenig« Personen, welche es mit der Partei-Angehörigkeit vereinbar« zu können glaubten, die eigenen Genossen in der gegneri« s ch e n Presse zu verdächtigen und zu beschimpfen. Neu«- dings seien in dieser Beziehung Dinge vorgekommen, welch« die bisherige Entschuldigung, daß es sich nur um den Ausflui einer momentanen Erregung handle, nicht mehr zuließen. Je? sei es die Pflicht der Redaktton, zu reden und Diejenigen vo« der Partei zur Verantwortung zu ziehen,„welche mit volle« Bewußtsein unseren Gegnern in die Hände arbeiten." Schweiz. Die schon erwähnte Volksabstimmung im Kanton Zü bat ein nicht unerwartetes Resultat geliefert. Die Todessb ist abgewiesen worden und zwar mit einer noch respettabl Mehrheit, als man im Hinblick auf den früheren Volksentsc! anzunehmen wagte.„Nach den Resultaten der Bezirke urtheilen, gehört— wie die„Zür. Post" bemerkt— die C des Sieges hauptsächlich den Demokraten. Mehrere lib Bezirke nahmen sogar an und es zeigte sich auch hier wie! daß die liberalen Offiziere meist Truppen befehligen, we! rechts schwenken, wenn links kommandirt wird. Wie sie Trägenn der sozialen Ideen ist, so wird die Demokratie t« Kanton Zürich auch bald die einzige Trägerin der Fortschritt idee sein, unter deren Fahne die sortichrittlichen Liberal« rieten müssen. Doch wie man's nehme, die große Frage d« Todesstrafe ist für Zürich entschieden und wir athmen erleichtel auf, seitdem wir bestimmt wissen, daß dieser Kanton nicht vo ihm zugedachten Fall gethan hat." Belgien. Bei der belgischen Kammer sind eine Reihe von Petittones besonders aus Antwerpen, eingelaufen, welche einen tiefen Bl» in die öffentliche Armenverwaltung des Liberalismus thun lasse» Diese liberalen Gemeindebehörden machten die Zuwendung vt Wohlthaten aus den öffentlichen Fonds davon abhängig, o« der Bedürftige sich dazu verstehen wollte, seine katholische 0# finnung zu verleugnen oder nicht. Wenn ein Kruzifix in Vä ärmlichen Sttibe sich befindet, da giebt's Unterstützung n«1 dann, wenn vorher das„Zeichen des Aberglaubens" beseite ist; sind Kinder in der elenden Behausung, fo wird nacfjgf forscht, ob dieselben in die liberale oder in die katholische Schm gehen. Freimaurerische Humanität des neunzehnten Jal Hunderts!— Die ultramontane„Germania", der wir B stehendes entnehmen, wird gut thun, auch in den Orten ein Umschau zu halten, in welchen klerikale Gemeindebehö existtren. Sie würde dann finden, daß dort kaum bessere L Hältnisse obwalten. Liberale und Klerikale sind gleich unduls sam, wo sie zur Macht gelangt find und sie haben sich dahs diesbezüglich kaum etwas vorzuwerfen. Franresich. Von dem französischen General Couren ist in Paris ei> weitere Depesche aus Hue von Montag Abend 10'/, Uhr ein gegangen, welche meldet, es herrsche Ruhe, die anamilischsi Truppen seien vollständig deroutirt, der Palast des Königs st nicht niedergebrannt, sondern von den Truppen respettirt word« in demselben seien Schätze von großem künstlerischen Weril enthalten. Der Regent Thuhong befinde sich in der GelW» der französischen Truppen, welche 10 Mann an Todten uff 52 Mann an Verwundeten verloren hätten; unter letzteren sei« 20 schwer Verwundete. An das anamitische Volk sei eine v« ihm(Courey) und dem Regenten Thuhona unterzeichnete M Ilamation erlassen worden, welche den hinterlistigen Anqss- der anamitischen Truppen gebührend brandmarke und der KoNH und die Königin Viutter auffordere, in den Palast zurüA zukehren. Die Zitadelle, welche einen Flächenraum von 4* Hektaren einnehnie und leicht 15000 Mann Truppen aufnehl könne, sei vom 3. Zuavenregiment besetzt. Aus Tonkin ser dort befindliche Marine-Jnfantcrie herbeibeordert worden. — Die Deputirtenkammer nahm den Vertrag von Tie mit großettiMajorität an. Im Laufe der Debatte erklärte? einet, der Vertrag enthalte keine Zweideutigkeit. Wenn. selbe auch nicht Alles enthalte, was man hätte wünschen könne* so könne man ihn doch ohne Nachtheil für die Ehre und JJ Interessen Frankreichs ratifiziren. Der Verttag habe e«« warf den Kopf wieder, wie gekränkt, in die Höhe und W bei einen Blick auf ihre Mutter, als ob sie hätte sag« wollen:„Ist Dir in Deinem ganzen Leben schon f etwas vorgekommen?•' Hans aber hatte andere DW im Kopfe, als darauf zu achten, der Boden brannte hier unter den Füßen, denn er wollte hinauf zu seil«' Käthchen. „Aber Sie kommen doch gewiß, lieber Oberstlieutenaist-, wandte er sich an den alten Herrn,„Papa hat ganz � Sie gerechnet, und Sie wissen ja, Sie finden bestimmt 39« Partie."„ „Ich weiß nicht, mein lieber Solberg," sagte der Herr mit einem verlegenen Blick nach seiner Gattin H'J über, deren Züge aber in diesem Augenblick gar kein« Ausdruck hatten,„wenn ich es irgend möglich machen kanff „Und was sollte Sie hindern?" sagte Hans und bemesi* dabei nicht das spöttische Lächeln, das sich in diesem MoM«' um die Lippen der Frau Oberstlieutenant legte.„Komug Sie nur, Sie werden uns eine große Freude machen, � können sich denken, wie öde es seit gestern in unserem 0«* geworden. Aber von heute ab soll das wieder anders#« den," setzte er mit leuchtenden Äugen hinzu,„und um da« ein wenig mitzuhelfen, muß ich mich jetzt Ihnen empfehl? Auch ich habe mein Geheimniß, meine Damen, und 3- Herr Papa wird Ihnen heute Nacht die Lösung deff«� mit nach Hause bringen." „Ein Geheimniß?" sagte die Frau Oberstlieutenant» spannt.. „Bis auf später," lächelte HanS, mit einer Verbeug'!. ringsum, und dem Oberstlieutenant dann noch herzlich? Hand drückend, verbat er sich jede Begleitung und eilte t"', der Vorsaalthüre zu, die er wieder hinter sich inS drückte; aber das half ihm nichts. Flora war eben so'f., hinter ihm her, und durch das kleine Schiebsensterchen sebs/ bemerkte sie eben noch zeittg genug, daß Herr vo« Sos� nicht— genau so, wie sie vermuthet— die Treppe"A, hinab-, sondern im Gegentheil noch hinaufstieg. Und � anders konnte dort sein Besuch gelten, als der jungen rin, der Mamsell Peters? j „Das find' ich doch ein bißchen stark," sagte sie- Ue» vi "i Söfung herbeigeführt, aus der Frankreich sowohl, als auch die Hwilisirte Welt überhaupt Nutzen ziehen könnten. Italien. Vom Florentiner Asfisenhofe find mittelst Urtheils vom 27. und 29. v. Mts. vierzehn Sozialisten der Verbrechen Ter Verletzung des Eiaenthumsrechtes, der Aufreizung zum Hafie zwischen den verschiedenen Gesellschaftsklassen und der mittelst bei Presse erfolgten Herausforderung zu Verbrechen und aufrührerischen Kundgebungen schuldig befunden worden. Sechs wurden zu 20 Monaten Gefängniß und 1400 Lire Geldstrafe, Tie übrigen zu 23 Monaten Gefängniß und 1400 Lire Geldstrafe verurtheilt. Großbritannien. Der Vertreter des englischen Fleckens Northampton, der «Atheist" Charles Bradlaugh, hat den Uebergang der Ztegierung an die Tones für den geeigneten Zeitpunkt gehalten, von Neuem seine Zulassung zum Unterhause zu erlangen; wie feit seiner Wahl im Jahre 1880 schon so oft, ist aber auch dies- mal der Versuch mißlungen. Ueber die betreffende Sitzung des Unterhauses liegt folgende Nachricht vor:„Bradlaugh hatte fich zur Eidesleistung gemeldet. Hicks-Beach protestitte und be- antragte Ausschließung Bradlaugh's von der Eidesleistung und aus dem Kammerbereich. Auf Verlangen des Sprechers zog fich Bradlaugh hinter die Barre zurück. Die Parnelliten(!) drangen auf gänzliche Entfemung Bradlaugh's, was der Sprecher ver- weigerte, vopwood, radikaler Vertreter von Stockport, bean- wagte e»n Amendement zu Gunsten der schleunigen Erledigung der Cidessormelfrage im Wege der Gesetzgebung, Gladstone unterstützte das Amendement. Er sagte, er halte an der Anficht fett, ddp das.yaus, indem es Bradlaugh ausgeschlossen, durch- Pe3 c$s1ttsroi ,n0 gehandelt habe. Es liege dem Hause ob, das der Wahlerfchast von Northampton zugefügte Unrecht wieder ,0% >pe to'v r- gut zu machen. Generalanwalt Webster bekämpft das Amende- -Sin eY- � aach zweistündiger erregter Debatte mit 253 gegen � �mmen verworfen wurde. Ter Antrag vicks-Beach wurde hierauf abstimmungslos angenommen. Bradlaugh er- «arte, er füge fich dem Kammerbeschlusse, werde jedoch an die Wählerschaft gegen das ihm zugefügte Unrecht appelliren. Asien. f Von den am Murghab stehenden rusfischen Vorposten find in etersburg Nachrichten eingegangen, welche einen abermaligen usammenstoß_ zwischen Russen und Afghanen an der afghanischen Grenze als wahrscheinlich nahe bevorstehend hin- stellen. Die afghanischen Truppen, so besagen, die Meldungen, würden von Neuem an der streitigen Grenze konzentrirt, und der Emir Abdurrahman sei entschlossen, bei der nächsten Ge- legenheit Rache für die Niederlage am Kuschk zu nehmen. Wurch die drohende Haltung der Afghanen seien die Sarek- Turkmenen in große Aufregung versetzt worden. Die Mel- düngen machen den Eindruck, als ob die russichen Truppen an der afghanischen Grenze schon bei Zeiten dafür sorgen wollen, daß nicht auf sie der Verdacht falle, den Streit angefangen zu haben._ Hd bai Berichtigung. Die von uns in Nr. 135 gebrachte Lokal- uotiz„Aus dem Norden Berlins geht uns folgender Nothschrei zu", war von uns der„Volkszertung" entnommen. Es ist leider übersehen worden, das genannte Blatt als Quelle -anzugeben. r. Rentier zu sein, ist keineswegs in Berlin so leicht, als Mancher fich vorstellt, und ein Subhastationstermin, der vor einigen �.agen beim hiesigen Amtsgericht II abgehalten wurde, führte einen Rentier vor das Forum, der trotz aller Vorsicht an den großstädtischen Verhältnissen Schiffbruch gelitten hatte. Vor drei Jahren war derselbe nach Berlin gekommen mit einem Baarvcrmögen von ca. 75 000 Mark, das er aus dem Verkaufe feines Gutes gelöst hatte. Ein Drittel dieser Summe legte er tn Slaatspapieren an, für das zweite Drittel erwarb er eine nach seiner Meinung immer noch sichere Hypothek auf einem ländlichen Grundstücke bei Wilmersdorf und das dritte Drittel hielt er sich für kleine Wechselgeschäfte und Börsenspekulationen frei. Aber schon im ersten Jahre war das letzte Drittel infolge verunglückter Spekulationen bis auf einen kleinen Rest zu- sammengeschmolzen, im zweiten Jahre machten die darangirten Vermögensverhältnisse des Herrn Schwiegersohn eine Verfilbe- n»rg der Staatspapiere nöthig, um dessen Schulden zu decken; er hatte in uneigennütziger Weise die einzige Tochter des Nsutiers ohne wesentliche Mitgift geheirathet, und jetzt im Dritten Jahre gerieth das Grundstück, auf dem die Hypothek laste«, unter Eubhastation. Auch hier kam der Hypotheken- gläubiger m eine bedrängte Lage, denn er war nicht im Stande, inf.w Kaution für die Berechtigung zum Mitbieten zu � konnte zum Bieten nur zugelassen werden, ? der voreingetragenen Gläubiger aus- Kautionsbestellung verzichtet hatten; ohne diese Cmwrlligung wäre auch hier die Hypothek ausgefallen. Nun XU ihm das Grundstück zugeschlagen und der ehemalige Rentier Sann nun mit seinen landwisthschaftlichen Erfahrungen in seinen ste in's Zimmer zurückkehrte und zu ihrer Schwester an's Fenster trat,„am hellen Tag entblödet sich Herr von Sol- Serg nicht, zu der Mamsell hinauf zu laufen und dann auch uns vorher noch einen Besuch zu machen! Wie gefällt Dir das, Henriette?" Die junge Dame zuckte mit den Achseln.„Er legt es darauf an, unartig zu fein," sagte sie,„denn nicht ein Wort hatte er für mich, weil es ihm vielleicht nicht in seinen hoch- adeligen Kram paßt; aber die Sippschaft sollte ich wohl erst um ihre Zustimmung fragen, weiter fehlte mir michtS!" „Aber zu der bürgerlichen Mamsell kann er laufen!" bemerkte Flora. „Kinder," sagte der Oberstlieutenant gutmüthig,„müßt �hr denn immer gleich das Schlimmste denken? Kann er dort nicht eben so gut, wie Ihr früher, Bestellungen für heut Abend haben?" „So, und dann schickt es sich wohl, daß er da selber geht?" fuhr Flora auf den Vater ein.„Da kann er nicht etwa die Kammerfrau schicken, wie?" «-i n�l/' sagte die Frau Oberstlieutenant, bedeutsam dem Kopfe nickend,„bei solchen Dingen lassen die Männer einander nicht im Stich." «Aber, liebes Herz!" „Sei Du nur ruhig, Du bist genau so schlimm, wie Einer von den Anderen, wenn Du Dich auch immer weiß brennen willst.—- Aber was das für ein Geheimniß ist, von oem er sprach, mocht' rch wissen." „Jedenfalls seine Verlobung," rief Flora rasch.„Sprach «r nicht von einem freudigen Ereigniß?" „Wenn er glaubt, daß w i r davon Notiz nehmen sollen," bemerkte Henriette scharf,„so irrt er fich." „Und wie passend, das j e tz t gerade zu betreiben," setzte stlora hinzu,„wo sein künftiger Schwager eben durch die Polizei abgeführt wurde!" „Ich finde überhaupt die ganze Gesellschaft an dem heutigen Tage sehr unpassend," bemerkte die Mutter,„un- Passend und taktlos, und möchte es schon deshalb nicht haben, daß sich meine Töchter dabei betheiligten." alten Tagen den märkischen Sand hinter Wilmersdorf kultimren. Mögen sich alle armen Teufel damit trösten, daß sie durch ihre Finanzlage vor ähnlichen Schicksalsschlägen ge- sichert find. Zur Beleuchtung der famosen Geschäftspraxis des Herrn Liermann(„Erstes Engagements-Bureau für das In- und Ausland, Jägerstr. 72 I. und Französtschestr. 50 I.") kann die„Stsbgr. Ztg." wiederum einen neuen Fall zu Nutz und Frommen Aller, welche mit jenem Geschäfte in Beziehung treten sollten, mittheilen. Eine junge Dame, welche eine Stelle als Erzieherin suchte, wandte fich an Herm Liermann. Natürlich war das erste, daß fie aufgefordert wurde, 10 Mark Einschreibe- jc. Gebühren zu zahlen und einen Revers in der be- kannten Fassung, die wir schon veröffentlicht haben, zu unter- schreiben. In diesem Falle erhielt die Dame, ohne gar zu lange warten zu müssen, eine Stelle als Erzieherin bei Kindem. Nun stellte Herr Liermann seine Rechnung auf' er verlangte 5 pCt. des Gehalts einschließlich Verpflegung und Equipining, und zwar für ein ganzes Jahr. Das machte die nette Summe von 32 Mark aus. Auf Zureden ihres Prinzipals zahlte das Fräulein diesen Betrag nicht und Herr Liermann trieb die An- gelegenheit bis zum Offenbarungseid. In Gegenwart Lier- mann'S legte die Dame nun den Eid ab. Als fie dann auf der Treppe war, kam ihr Herr Liermann nach und drohte ihr, er werde fie wegen Meineides belangen, weil sie den Besitz ihrer Ohrringe verschwiegen habe und weil sie angegeben habe, daß fie„Schuhe" befitze, während es doch„Knöpfstiefeln" seien. Muthig gemacht durch das Wohlwollen des Richters, der der Dame ven Offenbarungseid abgenommen hatte, ging dieselbe, trotzdem ihr Herr Liermann vorredete, es nütze jetzt nichts mehr, zurück in das Terminzimmer und machte hier ihre diesbezüg- lichen Angaben. Sie erhielt in freundlichster Weise von dem Richter den Bescheid, daß fie nachträgliche Angaben über ver- gessene Sachen noch innerhalb vierzehn Tagen machen könne; Herm Liermann aber wurde von dem Richter in sehr strenger Weise der gute Rath ertheilt, fich vor solchen Drohungen, wie Belangen wegen Meineides ic. in Zukunft zu hüten, wenn er nicht mit dem Gesetze Bekanntschaft machen wolle.— Dies neue Beispiel zeigt, daß Herr Liermann in der That kein Mittel und keinen Weg scheut, um seinen Zweck zu erreichen; da er meist mit unerfahrenen und äugstlichen Mädchen- zu thun hat, so mögen ihm seine Einschüchterungsversuche oft genug gelingen. Eine unerquickliche Leichengeschichte. In der Invaliden« straße Nr. 123, Hof links im Keller, so schreibt das„B. T.", bewohnt der Maurer Wolter eine Stube, Kammer und Küche für 150 Mf. Jahre smiethe. Der Verdienst ist nicht groß, und um weitere Einnahmen zu erzielen. ist die Frau bei einem Zeitungsspediteur aushilfsweise thätig, außerdem wurde in die ohnehin schon beengte Kellerwohnung ein Schlafbursche und zwar seit einem halben Jahre der städtische Almosenempfänger Peter Jorczyk in Pflege genommen. Letzterer war in seiner Jugend bei hohen Herrschaften und Fürstlichkeiten als Kutscher beschäftigt gewesen, dann im Anfang der 60er Jahre in die Hoppe'sche Maschinenfabrik in der Gartenstraße als Maschinen- arbeiter eingetreten und dort ununterbrochen 18 Jahre thätig, bis ihn Rheumatismus und Fußgelenkvereiterung vor etwa drei fahren zwangen, ein Krankenhaus aufzusuchen. Volle zwei ahre brachte er dort zu und wurde schließlich als unheilbar und erwerbsunfähig der städtischen Siechenanstalt in der Stralauersttaße überwiesen. Gegen eine monatliche Unter- stützung der Stadt von Anfangs 15, später 18 Mark wurde der erst 54jährige Mann vor einem halben Jahre von den Wolter schen Eheleuten in Pflege genommen. Durch sein freundliches Wesen gewann er bald die Liebe der Haus- genossen und machte fich nach seinen schwachen Kräften im paushalt, bei den Kindern tc. nützlich, so daß Alle den ge- brechlrchen Mann gern hatten. Oft klagte er der Frau Wolter seine Furcht, dereinst ein Armenbegräbniß zu erhalten, worauf Frau Wolter ihm erwiderte, fie sei zwar nicht bemittelt, aber wenn er sich gut führe und bei ihr das Zeitliche segne, werde fie auch für seine anständige Beerdigung sorgen. Am letzten Sonnabend hatte Jorzyk mit der Walterschen Familie noch zur üblichen Zeit Kaffee gerrunken, und war dabei ganz munter ge- wesen; allein schon gegen fünf Uhr klagte er plötzlich über Un- Wohlsein, wurde zu Bett gebracht und erhielt von der Frau die üblichen Hausmittel. Als sich sein Zustand nicht besserte, wurde der im Nachbarhause wohnende Dr. Paalzow herbei- gemfen, welcher zwar ein Medikament verschrieb, aber den be- denklichen Zustand des Kranken erkennend, seine Ueberführung nach einem Krankenhause empfahl. Eine Stunde später, gegen SV, Uhr Abends, trat indeß bereits der Tod ein, und zwar— wie die am Sonntag früh ausgestellte �odtenbescheinigung besagte— in Folge eines Gehirnschlages. Die Nacht zum Sonntag blieb die Leiche in der engen Wohnung. Am Sonntag früh wurden die üblichen Gänge zum Arzt, zur Polizei, zum Standesamt und Sargfabrikanten angetreten. Die brave Frau Wolter bezahlte, ihrem Versprechen gemäß, für einen Sarg und den Leichenwagen 31 Mark, dem Arzte 5 Mark, und zwar aus ihrer Tasche. Herr Wolter ging ferner zum Annenkommisfions- „Ich bin nur neugierig, wie lange er noch oben bleiben wird," sagte Flora und verließ das Zimmer wieder. Der Oberstlieutenant hätte seiner Frau gern etwas er- widert; er hielt es aber doch für nützlicher, das zu unter- lassen. Er war ja auch eben im Begriff gewesen, auszu- gehen, nahm deshalb seine Mütze wieder und verließ das Haus._ Schluß. Käthchen erschrak allerdings, als Hans ihr Zimmer so plötzlich betrat, und wäre auch am liebsten böse darüber ge- worden, aber— eS ging eben nicht. Hatte sie sich doch gerade nach ihm gesehnt, wie er nach ihr, und wie glück- "ch war sie m dem Gefühl, ihn jetzt ganz den Ihren zu nennen! Aber sie hatte noch so viel zu thun— Hans durfte nur ganz kurze Zeit bleiben— und dann, wie ängstigte sie sich vor dem heutigen Abend, wie fürchtete sie den Empfang seiner Eltern, wenn er ihnen so unvorbereitet die Verstoßene als Tochter in das Haus zurückbrachte! Hans kannte aber seine Eltern sowohl als seine Schwester. Der„gute Ton" hatte allerdings eine Art von Rinde um alle ihre Handlungen gezogen, aber ihre Herzen waren deshalb doch gut und weich geblieben, und er setzte gerade auf diese sein festes Vertrauen. Er beredete daher jetzt nur noch die genaue Zeit, wo er sein Bräutchen abholen würde, und bat sie, bis dahin auch bestimmt fertig zu sein, und als er ging, ließ er in ihren Händen noch das erste Geschenk zurück, das er ihr je gebracht— einen Schmuck für den heutigen Abend, aber so einfach, wie er überhaupt wollte, daß sie seinen Eltern gegenübertreten sollte, nichts als eine Schnur von aller- dingS prachwollen Korallen, die er für sie ausgesucht, und eine größere Freude, wie gerade durch die Wahl seines Ge- schenkeS, hätte er seinem Käthchen gar nicht machen können. Die Stimmung in Solverg'S Hause war allerdings, wie gesagt, keine recht festliche und die ganze Einladung eigentlich mehr eine Demonstration gegen die öffentliche Mei- nung, daß sich die Familie durch jenen, jetzt dem Tode ver- fallenen Buben niedergedrückt und beschämt fühle, als aus freiem Willen hervorgerufen. Si« Alle, Hans vielleicht Vorsteher und wurde von diesem zum Küster des alten Armen» kirchhofs, der Sammelstelle für alle Armenleichen, in der Friedenstraße 84 geschickt. Dieser lehnte die Aufnahme der Leiche ab und schickte Wolter zum Küsteramt nach der Lands» bergerstraßc 60. Von dort wurde derselbe, da Jorczyk Katholik war, nach der Hedwigskirche am Opemplatz, von hier nach dem Küsteramt in der Scharnhotststraße und dort abermals nach der Küsterei der Golgatha-Gemeinde in der Borfigstraße gewiesen. Nachdem alle diese Gänge vergeblich aethan waren, war die auf 5 Uhr Nachmittags angesetzte Zeit zurEmsaraung derLeiche heran- terückt und Herr Wolter begab fich deshalb, von den vielen Itärschen recht sehr ermüdet, nach semer Wohnung. Dort traf der bestellte Sarg pünktlich ein und wurde, da er die schmale Keller- treppe nicht hinuntergeschafft werden konnte, auf dem Treppen- absatz des Parterregeschoffes aufgestellt. Unter Beihilfe des Schlafburschen und ves Tischlers wurde die Leiche in der Woh- nung angekleidet, die Kellertreppe hinaufgettagen und dann im Hausflur eingesargt. Um 6 Uhr fuhr oer Leichenwagen vor und holte den Sarg nach der Leichenhalle in der Friedenstraße ab. Dort wurde aber wider Erwarten die Aufnahme der Leiche in die Leichenhalle verweigert, weil angeblich der„Leichen» hallenschein" fehlte. Der Kutscher mußte mit der Leiche nach der Jnvalidensttaße zurückfahren, traf zufällig an der Ecke der Eichendorffsttaße Frau Wolter und sagte ihr:„Ich bringe Ihnen die Leiche wieder". Frau Wolter protestirte dagegen und rief einen Schutzmann herbei, welcher dem Kutscher befahl» nach dem Polizeibüreau in der Tieckstraße zu fahren, was dieser jedoch nicht that, sondern ruhig mit seinem Gefährt an der Straßenecke stehen blieb. Herr Wolter war inzwischen nach dem Polizei-Büreau geeilt, wo ihm eine>Be- scheinigung ausgestellt wurde, daß die Leiche sofort nach der Leichenhalle zurückgeführt und dort abgenommen werden müsse. Mit diesem Schein fuhr der Leichenkutscher endlich gegen 8'/, Uhr wieder ab, nachdem sein auffällig langes Halten auf der Straße eine Menschenansammlung hervorgerufen hatte. Der Küster in der Friedenstraße verweigerte abermals die Abnahme der Leiche trotz des neuerlich beigebrachten polizeilichen Attestes, der Kutscher mußte mit seiner traurigen Last nach dem Polizeibüreau in der Großen Frankfurterstraße fahren, kam von dort unver- richteter Dinge zurück und fuhr zu seinem Dienstherrn, fich bei dem in dieser schwierigen Situation Rath erholend. In der Nacht gegen 11 Uhr hielt der Leichenwagen zum Entsetzen der Hausbewohner zum dritten Male vor dem Hause Invaliden- straße 123, der Kutscher und der mitgekommene Sohn des Fuhr« Herrn sprangen vom Wagen und schoben den Sarg, trotz des Protestes der Frau Wolter, die dabei gewaltsam der Seite ge- stoßen wurde, in den Hausflur hinein— und fuhren ab. Natürlich ging diese unerhörte Szene nicht ohne Lärm ab, die Hausbewohner würben alarmirt und auf der Straße entstand ein gewaltiger Auflauf. Es ist als ein wahres Wunder zu bettachten, daß die erregte Volksmenge nicht zu Exzessen schritt. Polizei war alsbald zur Stelle— aber was thun? In die Wohnung konnte der Sarg wegen der schmalen Kellertteppe nicht zurückgebracht werden; im Vorderhause befindet fich ein Bierlokal, dessen Gäste einen Todcsschreck bekommen würden, wenn fie Nachts im Hausflur unvermuthet über einen Sarg stolpern würden. Brevi mann packte ein Schutzmann den Sarg an, und schob ihn unter Asfistenz Anderer vom Hausflur auf den Hof, erst auf die linke Seite und, da er dort im Wege stand, sodann auf die rechte Seite, dicht vor die Küchenfenster des im Souterrain wohnenden Milchhändlers Scherf. Die Hausthür wurde sodann geschlossen und die Menschenmenge verlief fich. Daß die Hausbewohner selbst nicht so bald zur Ruhe kamen, ist nach alledem wohl begreiflich. Eine im Hause wohnende Frau, deren Mann des Nachts von einer Reise zurück- kommen sollte, begab fich nach dem Stetttner Bahnhof, um ihren Gatten zu empfangen und auf den unerhörten Vorfall vorzubereiten. Am Montag früh begab sich Herr Wolter wiedemm zur Polizei und in Begleitung des Herrn Polizei- lieutenants, des Wachmeisters uno eines Kriminalbeamten zum Armenkommisfionsvorsteher. Der Kriminalbeamte nahm dann die Sache selbst in die Hand, gegen 11 Uhr fuhr ein anderer Leichenwagen vor und holte den bis dahin auf dem Hoke stehenden Sarg ab, welcher inzwischen von den Hausbewohnern mit einigen Kränzen geschmückt worden war. Nun bedurfte es mit einem Male auf der Sammelstelle in der Fricdenstraße keinen „Leichenhallenscheins", keinerPapiere undAttefte— derSarg wurde aufgenommen und am Montag Abend nach dem Zentralfriebhof in Friedrichsfelde überführt, wo Dienstag Abend 9 Uhr die Beerdigung stattfinden sollte— Das Gerücht von dieser unge- beuerlichen Leichen-Affaire hatte fich am Montag wie ein Lauf- feuer in dcraanzen Gegend verbreitet. Als es auch in der Hopp'schen Maschinenfabrik bekannt wurde, beschlossen die Ar- beiter dieses Etablissements, ihrem langjährigen Kollegen ein anständiges Begräbniß mit Musikbegleitung zu bereiten und sich in corpore an demselben zu betheiligen. Hoffentlich ist nun endlich die Leiche des armen Jorczyk wirklich zu ihrer letzten Ruhe gekommen. Wir beschränken uns auf die einfache Mit- theilung der Thatsachen und überlassen den zuständigen Be- Hörden die Feststellung darüber, wen die Schuld an diesen unerquicklichen Vorgängen trifft. ausgenommen, hätten den Hochzeitstag des Solberg'- schen Ehepaares viel lieber heute in der Stille gefeiert oder, besser noch, verbrütet, denn welche Ge- danken, welche zertrümmerte Hoffnungen knüpften sich nicht an ihn! Aber Hans hatte eben den richtigen Hebel ge- troffen, um die Eltern zu zwingen, sich solcher Schwer- muth zu entreißen; man durfte vor der Welt nicht schei- nen, was man war, und der alte Baron, einmal erst in dem Geleise, gab sich der Sache auch mit vollem Eifer hin — Hans felber behielt sich ja seine Ueberraschung noch außerdem vor. Und doch lag gerade dem alten Baron noch ein lastendes Gewicht auf der Seele: die Andeutung, welche ihm Hans von seiner Verlobung gemacht. Vergebens zerbrach er sich den Kopf darüber, wen sein Sohn unter allen Mädchen, die er kannte, oder Hans kennen konnte, gewählt haben möchte, wo ihm doch eigentlich nur so kurze Zeit geblieben, eine Bekanntschaft zumachen, der er sein ganzes Leben weihen wollte. Ein paar Mal drängte es ihn auch, mit seiner Frau darüber zu verhandeln und ihre Meinung zu hören, aber dann fürchtete er sich auch wieder davor, sie nur noch mehr aufzuregen. Hans hatte sich die Sache nun einmal einge- brockt und mochte sehen, wie er selber damit zu Stande kam. Welche Macht hatten sie auch über ihn? Er war selbstständig in seinem Vennögen wie in seinem Willen, und daß ihm an dem Urtheil der Gesellschaft nichts lag, hatte er leider nur zu oft schon bewiesen, um darüber«och einem Zweifel Raum zu geben. So rückte die Stunde des Empfanges heran. Das ganze Solberg'sche HauS war brillant erleuchtet, Equipage nach Equipage fuhr vor, und lichtgekleidete Frauengestalten m bauschigen Gewändern und blumengeschmückten Locken, huschten hinein. Es hatten fast alle Gäste die Einladung angenommen, denn gerade heute war man außerordentlich gespannt darauf, wie sich ihre freundlichen Wirthe unmittelbar nach einem sa furchtbaren Familienereignisse benehmen würden. (Fortsetzung folgt.) Ein Musterwirth. Dem„B B.-C." geht folgende Mü- theilung zu: Am Sonntag Nachmittag hatte in dem Ley schcn Restaurant„Zelten Nr. 4" ein Herr mit seiner Familie unter der offenen Halle Platz genommen, welcher bei der letzten Reichs- taaswahl als Kandidat für den Reichstag anfgestellt war. Die Wand der Halle ist mit einer Landschaft bemalt, unter der letzteren aber zieht fich in Kopfeshöhe eine getünchte Borte an der Wand entlang, die insofern schon vielen Aerger bereitet hat, als die Farbe der Borte darauf präparirt zu fem scheint, sehr locker an der Wand, um so fester aber an den Kleidern der Gäste zu haften, welche unvorsichtiger Weise mit der Wand in Berührung kommen. Auch jener Herr hatte sich nichts ahnend mit dem Rücken über die Stuhllehne hinaus an die Verhängnis}- volle Wand gelehnt und dabei einen fußhohen Streifen von weißer Farbe in ganzer Rückenbreite auf seinen schwarzen Rock bekommen. Von anderen Herren aufmerksam gemacht, ging der so plötzlich einem preußischen Schilderhause ähnlich Gewordene zum Wirth, um über die schlechte Beschaffenheit des Anstrichs Klage zu führen. Gänzlich unmotivirt rief der Wirth in brüskem Tone:„Na, dann werden Sie wohl geschlafen haben!"—„Das würde an fich gleichgiltig sein"— erwiderte der Gast—„aber jedenfalls ist es nicht hübsch von Ihnen, daß Sie Ihre Gäste in solche Verlegenheit gerathen laffen!" Jetzt rief der Wirth dem Kellner zu:„Haben die Leute hier noch etwas zu bezahlen?"—„Nein!"— Nun, dann machen Sie, daß Sie rauskommen, aber lassen Sie keine L.... hier!" Im höchsten Grade indianirt verließ der Gast, der fich ohnehin schon auf dem Wege befand, das Lokal und schlug mit seiner Familie den Weg zu Kroll ein. Der Wirth aber ging nach, überholte die Familie, verbarg fich ein Stück weiter hinter einem Busch, und als die Famile herankam, sprang er plötzlich vor, überhäufte dieselbe mit den gemeinsten Schimpfworten und erhob mrt den Worten:„Ich haue Sie gleich, daß Sie in die Ecke fliegen!" seine mit einem blinkenden Gegenstande bewaffnete Hand, um nach dem Herrn zu schlagen. Er kam aber nicht dazu. Einige Herren hatten den Vorgang im Lokale mit angesehen, fie hatten bemerkt, wie der Wirth der beleidigten Familre nachging und, die schlimme Abficht des Wirthes errathend, waren sie gefolgt und packten ihn gerade in dem Augenblicke mit kräftiacii Hän- den, als er zuschlagen wollte. In wenig Augenblicken hatte fich eine große Menschenmenge angesammelt, und unzweifelhaft wäre der Wrrth gehörig gelyncht worden, wäre er nicht mit überraschender Schnelligkeit verduftet. Sein unerhörtes Be- tragen wird indessen noch an Gerichtsstelle zur Erörterung kommen, denn der Beleidigte will die Sache keinesfalls auf fich beruhen lassen. Einem Beamten der Kriminalpolizei gelang es in der verflossenen Nacht innerhalb einer Stunde, zwei Leichen- fledderer festzunehmen, indem er fich im Mariannenpark auf eine Bank setzte und schlafend stellte. Bald darauf erschien der erste Dieb, ein Schlosser K. setzte fich neben den Beamten und ver- suchte erst durch verschiedene Manipulationen, u. A. dadurch, daß er dem anscheinend Schlafenden eine brennende Pfeife unter die Nase hielt, festzustellen, ob sein Opfer auch wrrklich schlafe. Als er glaubte, fich davon genügend überzeugt zu haben, griff er nach der Westentasche und versuchte die Uhr des Be- amten herauszuziehen. Letzterer hielt den Dieb jedoch fest und brachte ihn zur nächsten Wache. Dasselbe Manöver gelang ihm eine Stunde später mit dem Tischler R., der die Uhr ebenfalls zu stehlen versucht hatte. i. Auf den Pferdemärkten unserer Nachbarstädte Spandau und Charlottenburg findet fich neben den guten brauchbaren Thieren auch stets eine Anzahl solcher Exemplare, mit denen der neue Eigenthümer Noth hat, nach Hause zu kommen und die für jeden Preis käuflich find. Ein solches zum Auftrieb auf den Charlottenburger Markt bestimmtes armes Thier machte am Dienstag früh die Oranienstraße an der Ecke der Kommandantensttaße unsicher- Zu schwach, fich auf den Beinen zu halten, stürzte es bei einem Fehltritt auf das Pferdebahnceleise zu Boden. Der Kondukteur des nächst- ankommenden Pferdebahnwagens, der dem Thier beim Auf- stehen behilflich sein wollte, wurde von demselben so heftig gegen die Bordschwelle des Trottoirs geschleudert, daß er fich nur mit fremder Hilfe erheben konnte. Einige handfeste Droschkenkutscher brachten mit großer Mühe das Thier wieder auf die Beine, das, obwohl ohne Gefährt und Gepäck, doch nur mühsam am Zügel des Führers seinen Weg nach dem Pferdemarkt fortsetzte. Peinliches Aufsehen erregte vorgestem auf dem Bahn- Hofe Friedrichstraße eine Irrsinnige, ein junges kräfttges Mädchen, welches bisher bei einer hiesigen Familie in Dienst gestanden hatte, plötzlich aber von religiösem Wahnsinn befallen worden war und deshalb in ihre Heimath zurückgebracht werden sollte. Eine Schwester holte die Unglückliche von hier nach Küstrin ab. Während die Begleiterin weinenden Auges neben der Irren stand, warf fich die Beklagenswerthe auf die Knie und hielt in salbungsvollem, weinerlichem Tone irrfinnige Reden. Recht bedauerlich ist es, daß sich angesichts eines so ttaurigen Vorganges noch Leute fanden, welche der peinlichen Szene eine spaßhafte Seite abgewannen und darüber spotteten. Sosiales unü Arbeiterbewegung. An die Arbeiter Verlins. Zur Aufklärung! Wir wenden uns nochmals an die Arbeiter Berlins und Deutsch- lands mit der Bitte, auch unsere traurige Lage nicht zu ver- geffen, denn bis heute hat man für uns noch nicht einen ein- zigen Pfennig gezeichnet, um die Nothzu lindern, die auch in unseren Reihen Platz gegriffen hat. Wir glauben wohl an- nehmen zu dürfen, daß wir uns bis heuttgen Tages noch nie- mals ausgeschloffen Häven, um unsere Mitmenschen im Kampfe um's Dasein zu unterstützen.— Es wird vielfach angenommen, daß die Gelder, welche für die Maurer bis heute gegeben wur- den, auch für unsere nothleidenden Kollegen verwendet werden; das ist aber nicht der Fall, darum bitten wir alle Arbeiter Berlins noch einmal, uns zu berückfichttgen. Berlin, den 8. Juli 1885. Die Lohnkommisfion der Berliner Steinträger. I. A.: Otto Rennthaler. Freiwillige Beittäge werden angenommen, und Listen zum Einzeichnen derselben find zu haben bei R. Donert, Skalitzerstt. 133, part.; F. Ebel, Skalitzerstt. 42, im Keller; Reimann, Wrangelstr. 136, part.; Blumbäcker, Wrangel- und Lübbenerstraßen-Ecke; I. Feldhahn, Fruchtstt. 40, Keller; G. Zebemick, Schönhauser Allee Nr. 52, im Keller. An die Dachdecker Deutschlands! Kollegen! Ueberall in Deutschland haben sich die Fachvereine der einzelnen Ge- werke zu einem festen Verbände vereinigt, um durch solchen eine materielle Besserstellung aller Bctheiligten zu erzielen. Angefichts dieser Thatsache, wie der so schlechten Erwerbs- Verhältnisse der Dachdecker, muß es bei uns ein gewisses Scham oefühl hervorrufen, daß unsere Organisation noch so sehr im Argen liegt. Vor Kurzem nun haben die Kollegen Hamburgs einen Aufruf erlassen, welcher die Schäden in unserem Geweroe beleuchtet und zeigt, auf welchem Wege wir Abhilfe schaffen können. Versäume daher Niemand, diesem Aufruf die nöthige Beachtung und Würdigung zu schenken und möge jeder Ein- zelne dazu beitragen helfen, eine Organisation zu schaffen, welche durch Massenbetheiligung unseren gerechten Forderungen zum Siege verhelfen wird. In der letzten Nummer unseres Zünftler-Organs„Der deutsche Dachdecker" ließ ein Hochweiser Jnnungsmeister folgenden Schmerzensschrei ertönen:„Die Schieferdecker in Flensburg haben es für gut befunden, zu streiken; fie wollm anstatt wie bisher W �Stunden nur 10 Stunden täglich für denselben Lohn arbeiten, oder mit anderen Worten: durch kürzere Arbeitsze t und höheren Lohn dem Schwindel Thürcn und Fenster öffnen." Kollegen, wir sehen also, daß überall und immer, wo die Gesellen mit wohl- berechtigten Forderungen an die Meister herantreten, die ersteren nur Hohn und Widerstand finden, ttotzdem die Lage der Ge- sellen so traurig ist, wie fie nie war. Deshalb ist es eine dringende Nothwendigkeit und eine Ehrenpflicht aller Kollegen, fich von der zünftlerijchen Beeinflussung frei zu machen und mit Mannesmuth und Energie für die Gründung eines„Ver- bandes deutscher Dachdecker" einzutteten. Nur dadurch wird es uns gelingen, der Bevormundung einen Damm entgegen zu setzen und der Willkür die Spitze zu bieten. Wir werden außerdem in der Lage sein, unseren braven Kameraden, welche ohne eigene Schuld in Noth und Elend gerathen, vor dem Untergange zu bewahren. Hier also ist das Feld, um wahrhaft Großes für die Interessen des Gewerks zu schaffen und Ge- legenheit für die Kollegen, mitzuarbeiten an einem Werke, welches der Gesammtheit zum Nutzen und ihnen selbst zur Freude gereichen wird. Mögen daher alle Kollegen, durch- drungen von dem Gefühle der Solidarität, sich der Organisation anschließen, um einen Wall zu bilden gegen die Stürme der reaktionären Zünftler und deren Bestrebungen für alle Zeit. Aus diesem Grunde sei hier noch einmal auf die Adresse des Herrn„Julius Neumann, Hamburg, Mittelstr. 33, St. Georg," 'ingewiesen, an welchen alle Zuschriften, welche auf den Ver- and Bezug haben, zu richten find. Mit kollegialischem Gruß Karl Matz, Vorsitzender der Zenttal-Kranken- und Sterbelaffe der Dachdecker Deutschlands. tb. Die auf Baute« beschäftigten Töpfergesellen Berlins und Umgegend find nunmehr in die Aktion zur Durchführung des am 29. v. M. festgesetzten Minimal-Akkord- Lohntarifs eingetreten und haben zunächst partielle Streiks er- öffnet, nachdem vergeblich versucht worden ist, die Meisterschaft, namentlich die Innung, zu einer Meinungsäußerung resp- Be- schlußfassung über den Tarif zu veranlassen und auch keine Aussicht vorhanden ist, daß in kürzerer Zeit ein derartiger Be- schluß gefaßt werde. Der Tarif bezweckt vor Allem, einen ein- heitlichen Lohnsatz zu schaffen, nach dem durchweg gearbeitet wird, und ist die Giltigkeitsdauer des Tarifs vorläufig auf ein Jahr und zwar vom 1. Juli d. I. bis 30. Juni 1886 festgesetzt worden. 700 Gesellen haben fich bereits schriftlich auf den Tarif verpflichtet und wird auch von den Meistern eine schriftliche Anerkennung des Tarifes verlangt, einer- seits der Sicherheit andererseits der Kontrole wegen. Trotz- dem die Meisterschaft zum großen Theile dem Tarife nicht abgeneigt sein soll, haben bisher doch nur ca. 30 Meister ihre schriftliche Anerkennung resp. Bewilligung des von der Gesellen- schaft aufgestellten Minimal- Akkord- Lohntarifes der Sttcik- kommisfion übermittelt und diese theilweis noch unter ein- schränkenden Bedingungen, indem entweder die festgesetzte Gilttgkeitsdauer des Tarifes verkürzt worden ist oder aber einzelne Positionen des Tarifes in Wegfall gebracht worden find, Bedingungen, auf welche die Gesellen in keinem Falle einzugehen entschlossen sind. Sollte die Meisterschaft noch fernerhin den Forderungen der Gesellenschaft so wenig Entgegenkommen zeigen, wie bisher, so wird den ictzigen partiellen Streiks der Generalstreik folgen, bezüg- lich dessen schon mehrfach Anttäge gestellt worden find. Es würde dies der zweite allgemeine Streik der Töpfergcsellen sein. Der erste fand im Jahre 1841 statt. Im Anschluß an den Minimaltarif für Bauarbeiter soll auch ein Minimallohn- tarif für Werkstuben-Arbeiter aufgestellt werden. Benthe«, 6. Juli. Am Sonnabend, den 4. d. brach auf der„Hohcnzollerngrube" ein Streik aus. Zweihundert Bergleute legten die Arbeit nieder. Tie„Beuthencr Zeitung" be- richtet darüber, was folgt:„Bis auf die jüngste Zeit mußten die Bergleute 24 Kasten Kohle die Schicht fördern, wofür fie für den Kasten 28 Pf. Arbeitslohn erhielten; jetzt sollen ihnen 4 Pf. weniger Lohn gezahlt werden, und wenn fie auf den alten Lohnsatz kommen wollen, hätten fie vier Kasten die Schicht mehr zu fördern. Mit diesem Angebote waren die Arbeiter nicht zufrieden und legten in aller Ruhe die Arbeit nieder. Auf ihre Vorstellung wurde ihnen von Seiten des Bergin- spektors der Rath ertheilt, die Arbeit nur wieder aufzunehmen, das klebrige würde fich schon finden. Bevor ihnen jedoch nicht ein anderer Lohnsatz in Ausficht gestellt wird, wollen die Ar- bester ihrer Thätigkeit nicht wieder aufnehmen.— Die Zahl der Streikenden soll fich auf etwa fünfhundert belaufen, und außer der oben erwähnten Herabsetzung des Lohnsatzes soll auch eine Herabsetznng bei der Zutheilung des Sprengpulvers vorgenommen worden sein. Die Arveiter haben sich be- schwerdeführend erst an den Generaldirektor Erbs wenden wollen, denselben aber nicht zu Hause angetroffen. Sie find demnächst an den Bergrath Köhler herangettcten, der fie an den Berginspektor Liß verwres. Von letzterem wurde der oben erwähnte Rath ertheilt, den aber die Arbeiter nicht be- folgt haben._ Vereiue unä Persammlungeu. Die Berliner Steinträger hielten am Dienstag, den 7. Juli, eine öffentliche Generalversammlung in Keller's Salon, Andreasstr. 21, ab, welche sehr zahlreich besucht war. Das Bureau wurde gebildet aus den Herren W. Hauak als ersten, C. Wallenthin als zweiten Vorsitzenden, und L. Stein- berg als Schriftführer, lieber den ersten Punkt der Tages- ordnung: Berichterstattung über die ebenfalls zu Dienstag einberufene Versammlung' der Bauunternehmer und die Resul- täte derselben", sprach zunächst Herr Maurer H. Bock und be- dauerte derselbe, daß es nicht möglich wäre, über die gefaßten Beschlüsse der heute versammelten Bauunternehmer einen günsttgen Bericht erstatten zu können, indem diese Herren der Lohnkommisfion der Maurer und Putzer das Beiwohnen der von ihnen einberufenen Versammlung nicht gestattet haben. In einer beleidigenden Art und Weise wurde ein von Herrn O. Rennthaler an dm Einderuser jener Meister- Versammlung, Herrn Brettschneider, gesandtes sehr höfliches Schreiben, worin die Bitte ausgesprochen war, es zwei Delegiften der Lohnkommisfion der Berliner Stein- träger gestatten zu wollen, mit den Meistern in jener Versammlung berathen zu dürfen, in folgender Weise per Postkarte beantwortet:„Herrn O. Rennthaler, hier. Theile Ihnen ergebenst mit, daß Sie falsch unterrichtet find, wenn Sie meinen, daß in diese Versammlung andere Elemente als Arbeitgeber resp. Bauunternehmer Zutrrtt habm. Im Uebngen bitte ich Sie höflichst, zu unterlassen, meine Handlung zu krittfiren, oder mir Ihren Rath zu ertheilen. Ich brauche Niemandes Rath, am allerwenigsten von Ihnen, den ich nicht kenne. Brett- schneider." Dieses schnöde Zurückweisen der Arbeiter seitens der Arbeitgeber wurde nun einer längeren und scharfen Kritik unterworfen. Es wurde im Allgemeinen darauf hingewiesen, diesem Terrorismus jetzt erst recht mit allm uns zu Gebote stehenden Mitteln gegenüber zu tretm. Hierauf kam em Bnef aus Hamburg zur Verlesung, worin unsere Ham- burger Kollegen uns die feste Versicherung geben, uns in diesem Kampfe prinzipiell und materiell zur Seite zu stehen, denn unser Sieg wird ein Sieg aller deutschen Arbeitsbrüder ftin. Em Hoch erscholl hierauf auf die Hamburger Kollegen. Es gelangte dann folgende Resolutton zur einstimmigen Annahme:«Die heutige Versammlung der Berliner Stcinträger beschließt: Sollten die Meister auf ihrem hartnäckigen Stand- puntt stehen bleiben, so verpflichten wir uns, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmm, als bis unsere Forderungen be- willigt find." Zum Schluß wurde noch über zweckmäßigste und nchttgste Verthciluna der StteiNarten debattirt und befchlossen. m der Folge die Vertheilung derselben mehrerm hierzu gewählten Vertrauensmännern zu überweisen. »ÄfÄÄrÄÄ TT©• Abends 8 Uhr, Münzstr. 5, eine Versammlung ab. Diese Kasse bietet Arbeitern icden Berufes Gelcaenhett, einer gut fundirten Kasse beizutreten, welche ihren Reservefonds doppelt aufzuweisen hat. Mitglieder werden in jeder Versammlung sowie zu jeder Tageszeit beim Kasfirer Schilling, Kovvenstr. 48, aufgenommen. Auch steht den Mitgliedern eine reichhaltig Bibliothek zur Verfügung und wird für geeignete Vortlage und Vergnügungen Sorge getragen, so daß der Verein" aut den Frauen und Kindern der Mitglieder in jeder Be- ziehung Vortheile bietet. Gäste find m den Versammlungen stets gern gesehen. Der Fachverein der Rohrleger hält am Sonntag, den 12. Juli, in seinem Vereinslokal, Restaurant von Wolff unt Krüger Skalitzerstr. 126, eine außerordentliche General- Ver- sammlung des Vereins ab. Tages- Ordnung: Vorlage der neuen Statuten, bett. Unterstützung der Mitglieder. Diskusston.. Verschiedenes. Auch die hiesigen Steinsetter wollen fich organifiren. Am nächsten Sonntag, Vormittags 10% Uhr, findet im Saale des Schützenhauses, Linienstt. 3—5, eine öffentliche Versamm- lung der Berliner Steinsetzer statt mit Tagesordnung: Grün- dung eines Fachvereins der Steinsetzer. Wir wünschen dieswi Unternehmen den besten Erfolg, mögen fich die Steinsetzer recht zahlreich an der Versammlung betheiligen. Permisclttrs Eine Geisteskranke. Auf der Bank im Korridor det Bezirksgerichts„Alsergrund" in Wien saß am 4. Juli lang! vor Beginn der Verhandlungen ein junges, nett gekleidet« Mädchen, welches wiederholt an den Justizwachmann die Fraß richtete, ob sie denn noch nicht„darankomme". Nach und nai fanden fich die Parteien ein, die mannichfachsten Namen rauf den aufgerufen, allein das Mädchen wurde nicht in den P« Handlungssaal zitirt. Da mit Einemmale sprang es auf, nj hastig die Thür, die in-den Verhandlungssaal des Richters Dc v.Neuhaucr führt, auf und wendete fich, sichtlich erregt, an v« Richter mit folgender Ansprache:„Herr Richter, heute müssen Se mich anhören! Sie wissen, ich bin die Tochter eines Grafen, Zigev ner haben mich gestohlen, man hat mich einsperren wollen, un> warum hat man dies thun wollen? Weil ich kein Herz haß auf dieser Welt, das mich liebt, denn ich habe nur Stiefelte» ich habe nicht einmal einen Verehrer, und Sie wissen ja, iil bin eine Venus."— Dem Richter, sowie dem anwesenden Ve» treter der Staatsbehörde, Kommissär Wessely. war dieies Mab chen nicht ganz unbekannt. Es war vor einiger Zeit der lieber tretung des Betruges angeklagt gewesen, weil es in eine« Kaffeehause eine kleine Zeche kontrahirt hatte, und als es zu» Zahlen kam, trocken erklärte:„Ich zahle nicht, weil ich keil Geld bei mir habe." Schon bei der hierüber durchgeführte! Verhandlung waren dem Richter gewichtige Bedenken aufß stiegen, daß Hermine Barchelcs, ein zwanzigjähriges Mädche» nicht ganz zurechnungsfähig sei; die gleiche Uebcrzeugung hat: auch ein ander Mal der Richter Dr. Bürger gewönne» vor welchem sie unter der Anklage der Wachebeleidigu»! erschienen war. Hermine Barcheles wurde in beidsl Fällen freigesprochen. Heute fand fich der Richttz Dr. von Neubauer, durch die Ansprache, mit welcher dai Mädchen an ihn herangetreten war, in seiner Ueberzeugung, 8 habe es mit einer Wahnsinnigen zu chun, bestärkt, weshalb» dem Justtzwachmanne ein Zeichen gab, die Kranke aus de» Saale zu entfernen. In dem Momente jedoch, als fich dies» anschickte, der Weisung des Richters nachzukommen, schrie ib» das Mädchen zu:„Rühren Sie mich nicht an! Wissen S» wer ich bin? Mein Bruder König David hat dies nicht th>» können, und deshalb hat er sterben müssen. Rühren Sie tni» nicht an, denn wissen Sie, wer ich bin? Ich bin ein Chriß kindl." Damit verbeugte fich Hermine Barcheles und entfernt sich aus dem Verhandlungssaale. Der Richter ließ das iW«' missariat Josephstadt verständigen, damit es Vorsorge trefft daß in Zukunft das bedauernswerthe Geschöpf durch sein scheinen die Verhandlung nicht mehr störe. Aus Avignon, der schönen Residenz der Päpste. n$ gemeldet: Aus einem gcheimnißvollen Hause der unteren SM wurden seit längerer Zeit fortwährend thierische Klagetöne, � Keuchen und Pusten untermischt, gehört, und da der klär immer unangenehmer für die Nachbarn wurde, so drang»» Veranlassung der letzteren die Polizei in das Haus. Man f# eine Hunde- und Katzen-Mästanstalt, die ihre„Produkte" � die billigen Restaurationen als Lamm- resp. Kaninchenfleis» verkaufte. Auf Lager waren augenblicklich zwanzig HuA und einundzwanzig Katzen von ernem solchen EmoonpoN» daß sie sich kaum zu bewegen vermochten und ihr Loos» allen Tonarten verwünschten. Avignon ist berühmt weg» seiner zarten Pasteten. Sollte etwa...? Doch schweig» muß mein Mund! Paris» 5. Juli. Die Blätter, welche fich mit dem Treib» der vornehmen oder vornehm sein wollenden Welt beschäftig� haben jetzt eine eigene Rubrik:».Ehescheidungen", die inartjj mal recht pikant ist. Von einer Geschichte, die heute erzasi wird, läßt fich dies weniger sagen; denn fie ist im Gegenth» von erschütternder Tragik: Ein Ehepaar hatte schon seit ei«» Reihe von Jahren so getrennt gelebt, daß die Kinder ihr» Vater für todt hielten. Ihre Mutter war seit dem Tage,.* der Gatte, Herr v. G...., fich und die Seinigen durch ein» entsetzlichen Skandal entehrt hatte, nur in Wittwengewänd� erschienen und von ihrem Schmerz nicht zu zerstteuen gewes» Als das Ehescheidungsgesetz veröffentticht wuroe, theilte sie il"» Verwandten die Abficht mit, davon Gebrauch machen zu ivoll»! und was diese auch in ihrer Scheu vor neuem Aufsehen»» in ihrer katholischen Frömmigkeit dagegen einwenden mach»? Frau von G...... bestand darauf, das Gesetz zwischen ihr und ihren Kindem und dem Ungcheü? das ihnen seinen Namen gegeben, einen unübersteiglichen � grund graben. Sie verfolgte ihren Gedanken unablässig tn Art-» vor Kurzem wurde fie von der Mairie des siebenten...... dissements aufgefordert, fich an dem und dem Tage zur% böruna des Scheidungsurtheils einzufinden. Die Frau fühs fich aber schon so krank, daß fie nicht mehr die Kraft in r verspürte, den Weg anzutreten, und den Maire bitten lichjj bezeichneten Stunde zu einer Scheidung in extremis in'bs? Hause zu erscheinen. Vergeblich boten nochmals die Verwand� ihre ganze Beredttamkeit auf, fie angefichts des Todes oerW licher zu stimmen: vergeblich kniete der Gatte vor dem der Sterbenden nieder und flehte händeringend um VcrzeihuL le gab bem Aktuar, der mit dem Dtaire gekommen war, Sink, daß er ............ geti ™ cxjt Urt�eiI. v�lese. und als fie> Worte hotte, blitzte es wild auf ihrem fahlen Antlitz. kreuzte die Hände über der Brust, richtete fich in einem Athemzuge auf, ihre Augen öffneten sich weit und die gesch'ed»' die löscn� Frau war todt. Trieft, 1. Juli. Ein interessanter I rvurde etwa»ehn Minuten von den zwischen Trieft vola m Santa Sabba gelegenen Pettoleumfabnken, un bar neben dem Ablagemnasotte'---- archäologischer K . des ftabtifffum(�traiien uuim vvrncmig nachzugraben und legte endlich ein aus r, NWer« beWfnW Häuschen bloß, dem jedoch das W& großen Theile fehlte. Im Innern fand man einige Krvf; Fragmente einer Sonnenuhr. sowie mehrere Medaillen fcenen eine das Bild der Madonna und die Jahreszal tragt, roabrend eme andere aus der Zeit Kaiser Claudius bis 54 nach Chnsti, stammt. Am westlichen Theil des H» ftch ein scheinbar einer späteren Pettode angcho» kleiner Anbau, dessen hohlklingender Boden weitere Ää»!»� ketten vcrmuthen läßt, und den Prof. Puschi. der Direktor.� Tnester städtischen Altetthümer- Museums, für eine z». Badeanstalt gehörige Terrasse hält. Ter Magistrat hat die vorlaufige Sistirung der Nachgrabungen. die einer misfion übergeben werden sollen, verfügt. V.ranlworllicher->.(£,.«.1« w SWln. SJm, un» ffleriöfl SU« d, Salin SW, S.**.-«i-„»-in, B.tl Beilage zum Berliner BoMblatt. Kr. 157. Donnerstag, den 9. Inli 1885. IL Jahrg. vas englische Llaubuch über die Arbeitemohuungssrage. Max Schippel. n. Will man eine Vorstellung von der allmäligen Entwick- lung der geschilderten Wohnunaszustände gewinnen, so wird man am besten London, den„Wasierkopf" Englands, zum Be- obachwngsfeld wählen. Andere Städte machen zwar denselben Krankhcitsprozeß durch, aber in London nimmt er eine fieber- haste Raschhcrt an, treten alle seine Symptome in unverhlillte- ster und widerlichster Form auf. Alle modernen Großstädte befitzen einen Kern, in dem fich vorzugsweise das geschäftliche Leben konzcntrirt. In London ist es die City, in welcher der für Wohnungen verfügbare Raum immer mehr zusammenschrumpft in Folge der sich stetig er- wertemden Ansprüche der Läden, der Komptoirs und Waaren- Inger. In dem Londoner Geschäftsviertel sind natürlich des Tags über eine Unmenge Menschen thätig, und ein großer Theil derselben ist gezwungen, ganz in der Nähe zu wohnen. Der Bericht der königlichen Kommission macht hierüber äußerst intereffante Angaben. Viele Tagelöhner können nur dann auf Beschäftigung rechnen, wenn fie früh vor sechs Uhr an der Stelle sind, wo Arbeit angekündigt wurde; fie halten sich daher stets in möglichster Nachbarschaft des Verkehrszentrums auf. Die Dock- arbeiter müssen beständig auf dem Platze sein, weil jeden Augenblick irgend eine Arbeitsgelegenheit fich bieten kann- wenn Schiffe ankommen oder abgehen, so lauem die Arbeiter schon zu Hunderten in den Häfen; wer zuerst fich herandrängt, der wird verwendet; alle diese Leute wohnen der Themse möglichst nahe. Dann find die hemmziehenden Grünkram-, Obst-, Fischhändler, welche vom frühesten Morgen ab die Verkehrsgcgenden durch- streifen und Abends in die umliegenden Distrikte einsstömen. Die Schneiderinnen, Putzmacherinnen müssen ganz in der Nähe der Magazine sein, um jeden Morgen fich erkundigen zu können, ob etwas für sie zu thun ist. Andere Arbeiter hocken wieder zusammen, weil, wre bei den Uhrmachem von Clerken- well, selten jeder einzelne alle Werkzeuge besitzt, welche er braucht; mancher läuft des Tages drei-, viermal zu seinen Genossen, um fich irgend ein Arbeitsinstmment zu borgen. Im innersten Theile Londons staut fich also die Be- völkemng immer mehr auf, während der bewohnbare Raum nicht zunimmt, in der City sogar abnimmt, da Läden und Komptoirs an seine Stelle treten. Man kann fich denken, welch' ein Kampf um die Wohnungen sich innerhalb des Um- kreises entwickelt, über welchen hinaus Zehn- und Hundert» taufende von Arbeitern sich nicht wagen dürsen, und zu welcher Miethssteigemng und Ueberfüllung der Räumlichkeiten dieser Kamps führen muß.„Die Miethpreise in den dichten Vierteln Londons steigen beständig." In St. Pankras wurden vier Schillinge wöchentlich für ein kleines Zimmer gezahlt; in einigen Straßen zahlte inan sogar fünf Schillinge für ein ganz und gar baufälliges Zimmer. Was auf der einen Seite— den Hausherren gegenüber— sich als Konkurrenz um die Wohnungen darstellt unddie Mieth- preise aufwärts treibt, das wird auf der anderen Seite— gegenüber den Arbeitsherrcn— zum Kampf um die Stellung und drückt die Löhne herab. So entwickelt sich ein immer schlimmeres, schon längst unerträgliches Verhältniß zwischen Einkommen und erzwungenem Miethaufwand der untersten Klassen. Die herumziehenden Höcker verdienen im Durchschnitt 10 bis 12 Schilling die Woche, wenn das Geschäft gut geht. Die Dockarbeiter bringen es im Durchschnitt kaum über 8 oder 9 Schilling wöchentlich. Sie bekommen zwar für die Stunde 5 d.(40 Pfennige, 25 Kreuzer), aber das Uebcrangcbot von Arbeitskraft ist so groß,„daß diese Leute im Durchschnitt nicht mehr als zwei ÄMge in der Woche beschäftigt sind". In Elerkenwell schätzt man das durchschnittliche Einkommen eines Arbeiters auf 16 Schilling, das heiftV also eine große Zahl verdient bedeutend weniger. Mr. Marchant Willianis, ein Londoner Schulinspestor, untersuchte einige Armcnviertel Lon- dons genauer und fand, daß nur 12 Perzcnt weniger als ein Fünftel ihres Lohnes auf die Miethe verwenden, fast neun Zehntel zahlten also den Lohn für ziemlich 2'/- Monate an den Miethsherrn. 42 Perzent zahlen ein Viertel bis ein Fünftel ihres Einkommens als Miethe und sechsundvierzig Perzent ein Viertel, bisweilen die Hälfte. Diese Untersuchung erstreckte sich auf zirka 1000 Wohnungen. Es ist eine betrübende Erscheinung, daß das, was man sonst als einen Fortschritt begrüßen muß, vielfach die Woh- Von Santos bis Rio de Janeiro. Von W. L. Ter Tag neigte sich seinem Ende zu, als wir mit dem schönen Hamburger Dampfer„Argentina" den Hafen von Santos in Süd-Brasilien verließen. Langsam dampften wir durch die Krümmungen der Hafeneinfahrt dem offenen Meere zu. Bald war dieses erreicht und das Schiff nahm seinen Kurs nach Rio de Janeiro, der Hauptstadt Brasiliens., Noch stand die Sonne in voller Größe am Horizont, doch matter und matter wurden ihre Strahlen, einer rothen Scheibe gleichend, schien sie allmälig in den Ozean zu ver- sinken. Wie die Wellen glitzern in dem Golde der sinkenden Sonne! Das herrliche Roth verblaßt ins Gelbliche und dieses ins Weißliche. Noch einen Moment und ein matt schimmernder Stteifen bezeichnet die Stelle, wo die Sonne unterging. In der tropischen Gegend ist die Dämmerung sehr kurz, kaum ist die Sonne verschwunden, so beginnt die Nacht. Ein leichter Nebel breitete sich über den Ozean und wurde von einer sanften Brise in kleine Wölkchen zer- theilt, welche in den seltsamsten Gebilden über dem Wasier dahin schwebten. Bald jedoch deckte die Nacht Alles mit ihrem schwarzen Schatten, ringsum herrschte voll- ständige Finstemiß und eine fast unheimliche Stille, welche nur unterbrochen wurde von dem leichten Rauschen der Wogen und dem monotonen Geräusch der Schiffsmaschine. Die Nähe der Küste und die unklare Luft erheischten besondere Vorsichtsmaßregel. Auf dem Ausguck war die Wache verdoppelt worden und auf der Kommandobrücke be- fanden sich fortwährend zwei Offiziere. Die Paffagiere hatten es vorgezogen auf Deck zu bleiben, sie standen an der Schanzkleidung des Schiffes und blickten über Bord in das Meer, um die elekttischen Erscheinungen zu betrachten, welche sich bald in größerem, bald in kleinerem Umfange neben dem Schiffe im Wasser zeigten. Zuweilen schien es, nungsnoth nur steigert und deren sanitäre und moralische Schaden verschlimmert. Man hat in London die Straßen ver- breitert, Passagen und freie Plätze geschaffen, aber man Haiden Arbeitem damit einen Theil ihrer Wohnhäuser entzogen. Die Eisenbahnen Londons haben viel Raum beanspruchr und ihn auf Kosten der verfügbaren Wohnungen erhalten. Man hat Gcmeindeschulen gebaut und zu dem Zwecke wiederum eme Anzahl Häuser beseitigt. Noch mehr, man hat zu Gesundheits- zwecken Häuser angekauft und entfernt, man hat alte sloms niedergerissen, aber was an Neubauten entstand, faßte der gänzlich veränderten Sttaßen- und Häuseranlage wegen ge- wöhnlich lange nicht so viel Miether wie die alten Gcoäude; vielfach wurden die Häuser auch für ganz andere Miether her- gerichtet. Das Alles hat die Bevölkerung dichter in den übrig gebliebenen alten Wohnungen zusammengedrängt, die Miethcn gesteigert, die Ueberfüllung vermehrt und viele der Erfolge wieder vernichtet, weiche man durch die erwähnten Maßregeln erreichen wollte.„Es wurde gezeigt, wie groß für die Armen der Zwang ist, nahe ihrer Arbeitsstätte zu wohnen; wenn daher Häuser niedergerissen werden, welche von Armen besetzt waren, so ist die Wirkung nicht die, daß die Leute weit wegziehen; fie füllen vielmehr die Nach- bargegend an. Wenn die Mbrüche so ausgedehnt find, daß die Leute weiter ziehen müssen, so entstehen gewöhnlich neue »tum« in Distrikten, die bisher davon verschont waren, wie man das in Liffon Grove und dem nördlichen Theile von Notting Hill beobachtet hat. Wenn fich die deplazirten Schaaren in die Distrikte ergießen, wo die Ärbcitsnachfrage nicht groß ist, so entwickeln sich wahre Hungerlöhne für die alten Ein- wohner und für die neuen Ankömmlinge.... Obwohl der Gesundheitszustand und der äußere Anstrich Londons wesentlich durch verschiedene Dcmolirungen verbessert worden ist, und ob- wohl andere auch von großem Nutzen für die Bessergestellten unter den Arbeitem sich erwiesen haben, so sind fie doch von schlimmem Einfluß auf die Allerärmstcn gewesen, indem sie die Ueberfüllung und die Schwierigkeit der Unterkunft vermehrt und demgemäß die Miethen in die Höhe getrieben haben.' Als das hauptstädtische Arbeitsamt(Metroprlitan Board of Works) die Gray's Inn Road berbesserre, wandte sich die obdachlos gewordene Bevölkerung in die bereits überfüllten Theile von Clerkcnwell und in die schlechten Gassen der angrenzenden Ge- meindcn. Aehnlich bei der Rcgulimng der Toolcy-Sttaße, die Bevölkerung nistete fich in Äermondsey ein. Immerhin steht hier der Verschlimmerung auf der einen Seite irgend ein allge- meiner Vortheil aus der anderen Seite gegenüber. Es ist aber auch, und zwar gar nicht selten vorgekommen, daß die Arbeiter aus ganz gliten.Häusern verttieben worden sind, weil man letztere zu Straßenanlagen brauchte, und daß den Betroffenen nichts übrig blieb, als sich in die verfallenen und verrufenen Staßen der Umgegend zu verkriechen.„In solchen Fällen ist der Nachthcil wahrscheinlich größer als in anderen, weil die Armen hier oft in unwürdige Lebensgewohnheiten versinken, während fie früher an Anstand und Reinlichkeit gewöhnt waren." Die Midland- Eisenbahn allein hat für ihre Zwecke 500 Häuser beseitigt und so zirka 6000 Personen in schon überfüllte Disttikte hinein- gedrängt. Die Eisenbahnen führen sogar mit Vorliebe ihre Linien durch die ärmsten Viertel, wo jeder Niederbruch das größte Elend erzeugt— weil sie so vielfach am billigsten bauen konnten. Auch die Gcmeindeschulen sind natürlich, seitdem mehr für das Schulwesen gethan wird, am zahlreichsten in den dichtbevölkerten Vierteln errichtet worden, fie haben also da am meisten den Raum geschmälert, wo es am meisten an Raum nmngelte. Um mit ungesunden Häusern und Vierteln aufzu- räumen, find seiner Zeit die Torrens- und Croß- Akte angenommen worden. Die Häuser, welche auf Grund dieser Gesetze beseitigt worden sind, sind gewöhnlich in ganz hoffnungslosem Zustand, und beide Gesetze sind nur wcnig in Anwendung ackonunen, aber trotzdem ist ein gut Theil Schaden durch tzäuscrabbrüche dieser Art entstanden. Der überfüllte Zustand von Spitalfields wird zum großen Theil solchen clearances zugeschrieben, und das Steigen der Miethe in der Gegend der sogenannten Münze ist wesentlich durch Demolirungen ähnlicher Art hervorgerufen. Die Peabody- stiftung bezweckt bekanntlich, für die ärmsten Klassen Wohnungen zu mäßigem Preise zu beschaffen; sie hat zunächst, wie viele andere Unternehmen ähnlicher Art,„gesäubert", d. h. die Zahl der Wohnungen verwindest.„In Sr. Lucas hat man sich in dem betreffenden Distrikte noch nicht wieder von dem Drucke erholt, der durch die Nicderrcißungcn entstand, deren man zum Aufbau der sogenannten Peabodystadt bedustte."„Die Ein- wohner der Großen Wildstraße scheinen mehr als gewöhnlich als ob das Schiff durch ein metallenes Meer fahre und mit seinem Kiel die leuchtende Masse theile, welche nach allen Seiten hin in Funken zerstob. Die dunkle Nacht macht dieses Naturschauspiel zu einem ganz besonders sehenswerthen; je stärker die Dunkelheit, um so intensiver ist das Leuchten, während dasselbe bei zunehmender Helligkeit allmählich ver- schwindet. Obgleich es inzwischen fast Mitternacht geworden war, zeigte dennoch Niemand Lust sich zur Ruhe zu begeben. Man zog es vor, auf Deck zu bleiben, weil die schwüle Luft den Aufenthalt im Schiffe zu einem fast unerträglichen machte. Ueberall hatten sich Gruppen gelagert, hier mehrere Familien Deutsch-Brasilianer, dort ein Dutzend Portugiesen, an anderer Stelle wieder einige Söhne Italiens und auf dem äußersten Vorderdeck ein Theil der Schiffsmannschaft. Es wurde geraucht, geplaudert und gelacht, vielleicht anch, wenn auch heimlich'— geweint. Viele hatten erst vor einigen Stunden Abschied genommen von ihren Lieben, um auf Monate oder gar für immer in fernen Ländern zu weilen. Warum sieht jener einsam an der Schanzkleidung des Schiffes stehende junge Deutsche so melancholffch auf das rauschende Meer? Warum blickt der Portugiese, welcher sich dort an den Mast lehnt, so finster und starr vor sich hin? Ist es Liebe oder Haß, was ihre Gedanken beherrscht, was sie veranlaßt, die Einfamkcit aufzusuchen? Wer mag's errathen? Jedenfalls bilden sie einen auffallenden Kontrast zu der Gruppe von Matrosen, welche soeben die Klänge einer Ziehharmonika mit ihrem Gesang zu begleiten be- ginnen. Gesang und Musik üben auf der See immer einen ganz besonderen Reiz aus, kein Wunder also, daß sich Alles um die Matrosen grupvirte, um so den musikalischen Lei- stungen in nächster Nähe lauschen zu können. Nun trat auch der Mond hinter den Bergen Brasiliens hervor und beleuchtete die Szenerie. Der Mond ist be- kanntlich der beste Freund der Seefahrer, sein Erscheinen durch Bemühungen gelitten zu haben, welche der Verbesserung ihrer Lage galten; emmal vermehste die Errichtung einer Gemeindeschule die Ueberfüllung, und dazu kam der Abbruchvieler Häuser für die Drury Lane Peabodyaebäude, so daß die Miethe bei allen Räumlichkeiten der Nachbarschaft von V» Schilling auf 1 Schilling stieg." Die Untersuchungen der Kommisfion galten haupffächlich den Verhältnissen Londons, die anderen Städte Englands find darüber entschieden zu kurz gekommen. Die Verhältnisse der ländlichen Arbeiter werden nur flüchtig gestreift, aber doch genügend, um auch hier alle etwacgen opttmistischen Illusionen zu beseitigen. Die Arbeiterhäuser auf dem Lande sind zwar gewöhnlich nicht derastig überfüllt, wie in den Städten, aber fie find schmutzig und verfallen, die Zimmer niedrig und elend. In Whiltshire fielen sie förmlich in Stücke, weil sich Niemand um fie kümmeste; in einigen Fällen hing das Stroh zum Dach herein und der Regen troff hindurch. Viele Schlafräume waren nicht so hoch, um aufrecht dann stehen zu können. In einem Schlafzimmer befand sich eine Wittwe mit sechs Kindem, das älteste 25 Jahre alt. In Dostet hatten einige Häuser keine Treppen, man mußte sich mit einer Leiter behelfen. In einigen Gegenden leben die Arbeiter in bestän» diger Furcht vor Kündigung; die freie Wohnung beträgt näm» lich einen Theil ihres Wochenlohnes; wird ihnen die Arbeit für die nächste Woche aufgesagt, so schließt das ein, daß fie auch ihr Bündel schnüren und anderswo Wohnung suchen müssen. Wenn dem Bestchte der königlichen Kommission ein Vor- wust gemacht werden kann, so ist es der, daß er die Wohnungs» frage zu sehr als etwas Sclbstständiges behandelt, während sie doch nur eines der Symptome, alleroings der augenfälligsten Symptome des kapitalistischZn Entwicklungsprozesses ist und nur aus diesem heraus ausreichend verstanden werden kann. Die Wohnungsnotb ist einmal eine Folge der übermäßigen östlichen Zentralisarion, wie sie nothwendig im Interesse der Pstvatwisthschaft ist: insofeme wird sie zeitweise auch für den Klein» bürger, für den Handwerker, Beamten und kleinen Rentier auf das Unangenehmste fühlbar. So weit die Wohnungsnoty die Albeiter mit besonderem Drucke belastet, ist sie aber nur eine direkte Folge des allgemeinen Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit. Der Arbeiter tritt einmal dem Kapitalisten im Lohn- kämpfe entgegen; hier muß er fich wegen seiner Hilflosigkeit die niedrigsten Löhne diktiren lassen, mit denen ein menschen- würdiges Dasein auch unter den günstigsten Verhältnissen kaum denkbar ist. Der Arbeiter tsttt dann als Konsument abermals tagtäglich dem Kapitalisten gegenüber, und hier bewirkt seine schwache Stellung, daß er von den verschiedensten Seiten aus- gebeutet wird, von dem Krämer, Speise- und Schankwirth, durch den Waaren- und Kreditwuchcr, vom Hausherrn und seine« Vertretern durch den Wohnungswucher.*) In den Groß- städt-n wird der Arbeiter auf das Schlimmste zwischen den beiden Mühlsteinen zugestchtet. Das Ucberangebot von Arbeitskräften in den Städten dstickt den Geldlohn, der Wohnungswucher, durch den gleichen Ueberandrang von Menschen großgezogen, beschneidet dem Arbeiter auch noch sein Realeinkommen ganz gewaltig; er hat von seinem Lohn so gut wie nichts, dagegen giebt er noch ein gut Theil davon an das Kapital bei der Ver- ausgabung seines Lohnes ab, so daß er auch hierbei noch das Renteneinkommen vermehrt, wesentlich über die Quote hinaus, welche ursprünglich sich einzustellen schien. . Der Zusammenhang der Wohnungsfrage mit der ganzen sozialen Entwickelung ist auch die letzte Ursache, warum die englische Gesetzgebung bisher nicht viel zu bessern vermochr HP. An rigorosen Bestimmungen gegen Wohnungsschäden fehlt es ihr ja nicht- im Gegentheil, unsere„staatssozialisti- schen' Sozialpolittker dürfen vor so einschneidenden Maßregeln zurückschrecken, wie sie die„manchcsterlichen" Gesetzgeber Englands nicht gescheut haben— aber diese Bestimmungen sind ein todter Buchstabe geblieben, weil der festgcschlossene riuk der Kapitalisten- treffe nicht zu durchbrechen war, z. B. die Gemeindebehörden, zum Theil aus Hausbesitzern bestehend, zum Theil dem Einfluß der letzteren fich beugend, nicht Hand und Fuß rtthsten, um *) Es giebt in London eine ganz eigene Spezies von Leuten, welche Häuser miethcn, um sie an Arbeiter mit Wucher- aujschlag weiter zu vermiethen, und welche von diesem Geschäft sehr einträglich leben. Ein Agent in der Clerkenwcllgemeinde Uhltt für ein Haus, das dem Lord Northampton gehörte, 20 Pfund Sterling Miethe; er wußte aus seinen Miethcrn etwa 100 Pfund herauszupressen, so daß er ohne Mühe eine Steuer von 1600 Mark von seinen Arbeitern beitrieb. wird von ihnen stets freudig begrüßt; er erleichtert den Kampf mit den Elementeu, weil er den Nebel vertreibt und den Horizont erhellt. Das Gefühl größerer Sicherheit hob ersichtlich auch die Stimmung der Passagiere, ein Vorschlag, das„Orchester" zu verstärken und dann ein„Kränzchen" zu entriren, fand großen Beifall. Das verstärkte„Orchester" war bald zur Stelle: eine große Blechschüssel diente als„Pauke", ein Besenstiel auf dem Deck hin und her gerieben, erzeugte den Ton des„Brummbasses" und als„Flöte" benutzte ein vor- züglicher Musikus seine Finger. Dazu die Harmonika als Hauptinstrument— so konnte es losgehen. Bald brummte der Baß, schallte die Pauke, tönte die Flöte und klang die Harmonika. Die Paare drehten sich— manche mit Holzpantinen angethan— im Kreise, just so, wie bei einem Ernte- fest auf dem„platten Lande". Der Ozean-Dampser übt im gewissen Sinne einen ni- vellirenden Einfluß aus. Wohl ist ein schroffer Unterschied zwischen Kajüten- und Zwischendecks Paffagieren, wohl ist ein noch schrofferer zwischen Schiffsoffizieren und Mann- schaften vorhanden, aber es giebt auf der See gar oft Mo- mente, welche daran mahnen, daß das tobende Meer keinen Unterschied unter den Menschen kennt. Dieses Bewußtsein trägt wesentlich dazu bei, die gezogenen Grenzen etwas zu verwischen und das Verhältniß zu einem freundlicheren zu gestalten. Das zeigte sich auch bei diesem urwüchsigen Vergnügen, an dem sich in fast gleichem Maße Kajüten» und Zwischendecks-Passaglere, sowie auch einige von den Offizieren betheiligten. Die ganze Gesellschaft war gerade in bester Laune, als plötzlich der erste Schiffsosfizier hinzutrat und die Bstte aus- sprach, für heute mit dem Trubel aufzuhören. Eine der an Bord befindlichen Frauen hatte soeben einem neuen Welt- bürger das Leben geschenkt und der Schiffsarzt, welcher hilf- reiche Hand geleistet hatte, hielt es für seine Pflicht, die Ruhe der Patientin zu schützen. Natürlich wurde der Bitte bereitwilligst entsprochen, Musiker und Instrumente ver- irgend ctwaD Wesentliches im Sinne der erlaffenen Geseye zu thun. Ferner waren die Gesetzgeber viel zu sehr in dem Wahne befangen, daß man die Wohnungsfrage isolirl behandeln und beseitigen könne- Auch die neuesten Vorschläge der Kom- Mission bewegen sich nur auf der Oberfläche der Frage, und da sie spezifisch englische Verhältniffe der Gesetzgebung, der Ver- waltungsorganisation, des Erbrechtes und der Gestaltung des Grund- und Häuserbesitzes betreffen*), so verzichten wir hier aus ein näheres Eingehen. Erwähnen wir nur der symptomatischen Bedeutung wegen zum Schlüsse kurz, daß einige Mitglieder der Kommission, wie die zerren Gray und Collings, den Uebergang des städtischen Bodens in Gemeinbesitz empfehlen, weil nach ihrer Ansicht anders dem Uebel nicht beizukommen sei. (Aus der Wiener„Deutschen Wochenschrift".) g o k a t g Ä W. Zn Bezug auf den Nothschrei, welcher aus der Milte des Nordens unserer Stadt in den Zeitungen wegen der Verzögerung des Markthallenbaues daselbst verlautbar wurde, können wir aus kompetenter Quelle zur Beruhigung des dortigen Stadttheils mittheilen, daß es keineswegs in der Absicht der städtischen Behörden liegt, die Angelegenheit mög- lidist weit hinzuschleppen, vielmehr ist es beschloffene Sache, daß mit der Niederlegung der Gebäude von der Acker- und Inva lidenstraßen-Ecke am 1. April 1886 begonnen und alsdann nach dem Abbruch derselben mit dem Aufbau der Markthallen daselbst begonnen werden wird. Angesichts des jetzigen Maure, streiks und des bevorstehenden Winters konnte der'Bau nicht früh genug in Angriff genommen werden. ax. Im Physiologischen Institut ist, wie wir nachträglich erfahren, am Montag, bei der Vorlesung des Herrn Profeffor von Helmholtz, ein Student nur mit knapper Noth dem Tode entgangen. Als derselbe im Laboratorium eine Zusammenstellung von geladenen Lcydencr Flaschen entleeren wollte, beging er die Unvorsichtig- kcit, anstalt des Glastheiles die Metallkugel zu berühren, und bevor ihn noch Jemand zurückhalten konnte, brach er, wie vom Blitze getroffen, zusammen. Nur dem Bemühen des Herrn Geheimraths von Helmholtz war es zu danken, daß der Ver- unglückte nach etwa halbstündiger Bewußtlosigkeit wieder ins Leben zurückgenifen wurde. Da nämlich die Batterie positiv geladen war, so wußte der Professor durch ein energisches Elek- trisircn mit negativer Elektrizität eine Neutralifirung herbeizu- führen. Der Vorfall hat keine nachtheiligen Folgen zurückge- lassen.. � Benennung von Bier-Lokalen mit bezeichnen- den Namen:„Prälat".„Franziskaner",„Augustiner" w. findet jetzt auch mehr und mehr bei den Destillationen Nachahmung. Sehr geschmackvoll nennt sich eine solche in der Jnselstraße „Zum Insel- Kater", eine andere„Zum alten Schweden", eine dritte am Mühlendamm nach der Giebelseite der Fischerbrücke belegen„Zur alten Börse", weil sich hier über dem jetzigen Durchbruch die erste Börse befand. Auch„Zur schlanken Fünf" ist ein etwas aparter Name. »r. Die Agitation der Fach- und Tagespresse gegen die Wurstfabrikanten, welche Pferdefleisch verarbeiten, hat zur Folge gehabt, daß dieser Tage dem Redakteur der„Deutschen Flld scher- Zeitung" mehrere Briefe zugingen, von denen der eine das freundliche Anerbieten enthält: Der Besitzer eines großen Postens sehr harter Pserde-Cervelatwurst, für dre kein Ab- nehmer zu finden sei, wolle dieselbe dem Redakteur auf dem Hirnschädel weichklopien, wegen des von ihm in den Zertungen verursachten Skandals.- Der Gemüthsmensch! Unsere Baterstadt Spandau hat dem Anschein nach ge- gründete Ausficht, in nicht allzuferner Zeit em stark besuchter Badeort zu werden. Vor einigen Jahren wurde nämlich bei Bohrversuchen auf dem Hofe der Zitadelle salzhaltraer Unter- grund gefunden. Die Vorgeschichte und dre möglichen Aus- sichten für das zukünftige Solbad find dre folgenden:„Als man 1881 82 auf der Zitadelle nach Trinkwasser bohrte, stieß man in einer Tiefe von 338 Metern auf eine Solquelle, aus welcher mit bedeutendem Auftrieb in der Minute schließlich 20 Liter artesisch zu Tage flössen. Die Sole wurde vom Chemiker Bischof und von der königl. Berginspektion zu Staßfurt emer Analyse unterzogen, nach welcher fie sich zwar nrcht den star- ken Kochsalzwässern, aber doch etwa den Quenen von Kösen in Thüringen und Nauheim in Hessen zur Seite stellen kann. Die Gefetze der Geologie machen es wahrscheinlich, daß auch in weiterer Umgebung der Zitadelle, so unter dem Stadt- wald, Sole vorhanden ist. Auch das Vorkommen von Salz- pflanzen in unserer Gegend spricht dafür. Es sind das solche Pflanzen, welche zu ihrer Erhaltung mehr Salz als andere gebrauchen, also nur in besonders salzigem Boden gedeihen. Bei Spandau kommen von den spezifischen Salzpflanzen die Binsenart äuv.us Geranlvdie Bunge 8awo- lu, Val i-Audi, der Dreizack TiWocLIn rnaiitiiua, die Zinncn- saat Tüdncia hirta, der Grauflee Lotus tenrnfolius und der Erdbeerklee Trifolium frugifeium. Diese Pflanzen beweisen den Saligchalt des Bodens; da die Salze sich nun im Regen- wasscr lösen, so muß der Boden auch Sole enthalten. Ob die Sole von ausreichendem Umfang und Kochsalzgehalt ist, kann, wie der Landesgeologe Prof. Behrendt in semcm Gutaäiten schwanden, man begnügte sich damit, eifrig das soeben verkündete Ereigniß zu besprechen. Es stellte sich heraus, daß sich die Frau in einer recht bedürftigen Lage befand, daß sie eine jener Unglücklichen war, welche von der Noth getrieben, wieder der alten Heimath zu eilen müssen. Einige mitleidige Frauen verstanden die Situation am besten, sie appellirten an die Herzen der Mitreisenden und schon nach wenigen Minuten waren sie in der Lage, der Betroffenen eine ansehnliche Unterstützung überreichen zu können. Nach und nach wurde eS stiller auf dem Schiffe, die Gruppen waren verschwunden, ein Theilnehmer nach dem anderen hatte sich fortgeschlichen, um den Rest der Nacht in Morpheus Armen zu verbringen. Nur Einzelne standen noch auf Deck und schauten schweigend in die stille Nacht hinaus. Wir dampften in nicht allzu weiter Entfernung an der Küste entlang, die wie eine dunkle Wolke auf dem Wasser zu lagern schien. Das Silberlicht des Mondes ver- lieh dem grotesken Bild, welches sich dem Auge zeigte, einen besonderen Reiz. Im Hintergrunde sah man eine Reihe von Bergriesen, deren Profile sich deutlich vom blauen Ho- rizont abhoben, während zur Rechten wie zur Linken des Schiffes bald kleinere, bald größere Felsenriffe aus dem Meere empor ragten, an deren scharfen Kanten sich zischend die Wellen brachen, daß Schaum und Gischt Hoch in die Luft geschleudert wurden. Die Aussicht auf die Küste des ewig grünen Brasiliens und die Gewißheit, hinnen einigen Stunden die Hauptstadt dieses Landes zu sehen, lockte die Reisenden schon frühzeitig wieder aufs Deck. Mit voller Kraft steuerte das Schiff seinem Ziele zu; Wälder und Wiesen, Berge und Thäler, schlanke Palmen und niedrige Bananensttäucher tauchten auf und verschwanden. Bald wurde auch die Einfahrt zum Hafen sichtbar. Immer näher kamen wir demselben, nach einigen Stunden rasselten die Ankerketten und die„Ar- gentrna" lag in der herrlichen Bucht von Rio de Janeiro.— betont, natürlich nur der Bohrversuch selbst entscheiden. Die Möglichkeit liegt sogar vor, daß sich die mächtigen Staßfurter Sternsalz- und Kalrsalz-Ablagerungen bis hierher erstrecken und nicht unerreichbar tief liegen. Die Militärverwaltung ließ das Abteufen im Mai 1882 schließen, nachdem man bis zu ca. 437 Meter in die Erdrinde eingedrungen war und das Bohrloch bei einer Dynamitsprcngung verschüttet hatte. Einige Herren aus der Bürgerschaft faßten indeß den Gedanken der Errichtung eines Solbades und nahmen die Sache auf. Um zunächst über die Frage der Bergbaugerechtigkeit Gewißhett zu erlangen, wandte man sich an das Oberbergamt zu Halle, welches sich das Solen- bergwerk in das Grundbuch von Spandau eingetragen hatte, und erfuhr daselbst, daß die Stadt Schwierigkeiten nicht be- gegnen würde, wenn innerhalb des fiskalischen Solfeldes ge- bohrt werden sollte. Einer medizmischen Ausnutzung der Solquelle stehen die klimatischen Verhältnisse Spandaus nicht entgegen. Nach einem Guiachten der Herren Oberstabsarzt a. D. Dr. Buchholz ist die früher vorhanden gewesene Wcchsclfieber- cpidemie in Folge der Beseitigung von Sümpfen und der Ver- besserung der Wasserläufe erloschen und sind sonstige Krankheiten, welche Leidende vom Besuch des Bades abhalten könnten, nicht vorhanden. Der Stadtwald mit seinem mehrhundcrtjährigm, herrlichen Eichenbestande ist ferner wie geschaffen zu einem klimatischen Kurort. Wie erquickend, für Körper und Geist erfrischend ist es, unter den rauschenden Laubkronen zu lustwandeln und den würzigen Waldesduft in vollen Zügen einzuathmen! In nächster Nähe flutet die Hasel dahin, dre mit ihren waldumkränzten Ufern und mit den Inseln, die von Erlen und Schilf umrahmt find, das anmuthigste Landschaftsbild bietet. Tegel mit dem Hum- boldt-Schloß, Saatwinkel, Schlößchen Haselborst, der idyllische Valentinswerder verlocken durch den Reiz ihrer Lage zum Be- such und lohnen ihn reichlich. Heilkräftig und schön gelegen, würde ein Solbad vor den Thoren Berlins, welches überdies das einzige in der Provinz ist, sicherlich guten Zuspruch finden. Reiche Leute werden allerdings nach wie vor entfemtere Orte zur Erholung aufsuchen, aber der Mittelstand Berlins würde doch ein starkes Kontingent solcher stellen, die nicht in die Feme schweifen können, wohl aber von ihren Emähmngs- störungcn, Katarrhen, chronischen Ersudeten und ähnlichen Uebeln hier Heilung suchen. Ferner würden besorgte Eltem ihre an Skrofulöse leidenden Kinder gern hierher schicken, wo sie die Kur überwachen und ihre Lieblinge ab und zu bei den günstigen Verkehrsverhältnissen ohne großen Zeit- und Geldverlust auf- suchen können. Mancher Berliner, der sich der Atmosphäre der Millionenstadt nur auf kurze Zeit entziehen kann, würde in Spandau eine ebenso bequeme wie angenehme Sommerfrische finden. Auswärtige würden sich andererseits gern in die Nähe Berlins begeben, um sich mit der Anregung der Verdauung und der Beschleunigung des Stoffwechsels, welche das Koch- salzwasser gewährt, hm und wieder auch die Annehm- lichkeiten einer Tour in die Residenz zu verschaffen. Sprechen schon allgemeine Erwägungen dafür, daß eine hin- reichende Kurfrequcnz sich finden würde, so wird diese— übrigens auch von Prof. Ewald in Berlin getheiltc— Annahme noch durch die besonderen Erfahrungen bestätigt, die man mit Bädern in der Nähe großer Städte gemacht hat. Baden in Nieder österreich, das von Wien in einer halben Stunde zu erreichen ist, ist ein besuchter Kurort und eine be- liebte Sommerfrische der Wiener; es sieht jährlich insgesammt etwa 10000 Sommergäste bei sich, Passanten ungerechnet. Auch Budcpcst hat auf seiner reizenden Äargaretheninsel ein S roßartiges Bad geschaffen, was von Einheimischen, wie von fremden stark besucht wird und per Dampfer in ca. 15 Minuten von Pest aus erreicht werden kann. Heber die Rentabilität vorhandener Solbäder hat man von 27 derselben Erkundigungen eingezogen, die im allgemeinen günstig lauten. Um ein besonders bezeichnendes Beispiel zu wählen, sei auf Hamm in Westfalen hingewiesen. Als man dort bei Gelegenheit auf Sole gestoßen war, wurde die Solbad- frage ebenfalls des breiteren ventilirt, schließlich ließ man aber die Sache fallen. Das benachbarte Unna, weniger ängsttich, ließ sich die Sole von Hamm zuführen und errichtete 15 Minuten vor der Stadt das Bad Königsborn, welches sich alljährlich mehr vergrößert und stark frcquentirt wird. Alsbald entbrannte der Ncrd bei den Hammern unb_vor ca. 3 Jahren hat man auch bei Hamm ein Solbad eröffnet, das nun an dcm bereits in Blüthe stehenden Königsborn eine nicht ungefährliche Konkurrenz hat. Tritt man auch m Spandau der Sache näher, so würde zunächst die Summe von 30 000 M. herzugeben sein, welche die Unternehmer Strohbach zu Köthen und Karl Schubarth aus Dortmund beanspruchen, wenn fie 400 Meter tief bohren sollen; das Meter stellt sich danach auf 75 Mark. Weitere Ausgaben erwachsen im günstigen Falle durch Erbauung eines Kurhauses, durch Umwandlung des Eichenhains in einen Park— eine Aufgabe, der sich Garten- direktor Jühlke in Potsdam gern unterziehen würde— durch Anlage von Fontänen, Hallen, Gradierwerken_ jc. In der Bewilligung der letzteren Ausgaben liegt sdlwcrlich eine ernste Gefahr. Ist nämlich das Unternehmen erst soweit gefördert, Jmß die Anstalten zur Herrichtung des Bades definitiv gettopen werden können, so erscheint die Ren- tabilität gesichert. Die unmittelbaren Einnahmen werden Deckung schaffen, und mittelbar wird mit dcm wirtbschaftlichen Aufschwung, welchen Spandau alsdann durch den Frcmdenzu- zug nähme, eine Hebung der Steucrkraft erzielt, welche der Kommune eben zu gute kommt. Mit der Aufwendung der ersten 30 000 Mark ist allerdings ein Risiko verbunden. Denn mag auch die Wahrscheinlichkeit noch so groß sein, daßeine gute Solquelle erschlossen wird, so ist doch immerhin dieMög- lichkeit vorhanden, daß das Gegentheil stattfindet. Aber soll es die Stadt darum unterlassen, den ersten Schritt zu thun? Ein Geschäftsmann, der über die ausreichenden Mittel verfügt, würde gewiß nicht leichtfertig handeln, wenn er angesichts sol- cher Chanzcn das Risiko auf sich nähme." N. Doppelter Selbstmord. Noch ein doppelter Selbst- mord, der sich ebenfalls vorgestern Abend gegen 9 Uhr im Norden der Stadt und zwar in dem Hause Pappelallee 31/32 zugetragen hat, wird uns gemeldet. Die Dachwohnung dieses Hauses'wird von einem Lumpensammler K. bewohnt, bei dcm noch ein Berufsgenossc eine Schlafstelle abgcmicthet hat. Als gestern Abend dre Frau des K. um die oben angegebene Zeit nach Hause kam, fand sie beide, ihren Mann auf dem Bett und seinen Freund auf der Erde als Leichen liegen. Der so- fort hinzugerufcne Arzt, Dr. Stcinbach, konnte nur den bereits eingetretenen Tod der Beiden und als Todesursache allem Anzcheine nach eine Vergiftung konstatiren. Die Leichen find noch gestern Abend auf Anordnung der Behörde in das Ob- duktionshaus geschafft worden. n. Vor dem Amtsgericht in der Jüdenstraße spielte sich gestern Vormittag eine höchst unerquickliche Szene ab, die vor- aussichtlich wieder ein Nachspiel vor dem Strafrichter finden wird. Ein etwa 5vjähriger, anscheinend halbblinder Mann, der, nach seinen aufgeregten Reden zu urtheilen, kurz vorher in einem Tennin verunheilt sein mußte, befand sich, gestützt von zwei anderen Perjonen, vor dem einen Portal, augenscheinlich die Gegenpartei erwartend. In demselben Augenblick,' als die- selbe, zwei Frauenspersonen, die Straße betrat, ergriff der Mann einen dicken Knotenstock und schlug damit der Aelteren der beiden Frauen derart in das Geficht, daß die Gettoffene mit anscheinend zersckimettcrtcm Nasenbdm blutüberströmt zusammenbrach. In dem sofort entstehenden Auflauf wußte der rohe Patron spurlos zu verschwinden, während der Verletzten bei einem Barbier ein Rothverband angelegt und sodann per Droschke in ihrer Wohnung geschafft werden mußte. v. Selbstmord durch Gift. In selbstmörderischer Ab- ficht nahm vorgestern Abend eine in dem Hause Brandenburg- sttaße 13 wohnende Nätherin mit Namen Martha St. eine Quantität eines äußerst schnell wirkenden, seinem Namen nod aber noch nicht festgestellten Giftes, zu sich. Die Wirkung fci Giftes, allem Anschein nach Cyankali, war eine so hefttge, daf die St. trotz aller angewandten Gegengifte, bereits nach rof nigen Minuten eine Leiche war. Auf Wunsch der Wirthsleute ist die Leiche nicht nach dem Obduktionshaus geschafft, sonder» in der Wohnung belassen worden. Als Motto der unselige» Taht wird ein unglückliches Liebesverhältniß angegeben. b. Der Ramsch ist ein blühendes Geschäft; er hat et sogar zu zwei speziellen Annonzcnblättern gebracht, von den« eins in Hannover erscheint. In euphemistischer Weise nennt fich der Ramsch Partie-Waaren-Handcl. Derselbe beschäftigt sogar eigene Arbeiter. Es find dies Leute, welche bei eine« Fabrikanten gearbeitet und sich etwas von der Sache abgegurlt haben. Sie stehlen demselben die theuren Muster, der Ramschet liefert ihnen das Rohmaterial, und nun pfuschen fie daraiii los. Auch allerhand sogenannte Schmusachen finden hier ist Unterkommen. Der Ramscher drückt die Arbeiter bis aufl Blut und macht dann dem reellen Fabrikanten mit seine» eigenen Mustern Konkurrenz. Der Hauptfitz der Ramsch Geschäfte ist im Osten Berlins. v. Einen sehr unglücklichen Sturz machte am voc gestrigen Tage ein vor dem Königstädtischen Kasino in d« Holzmarktsttaße beschäftigter Schlosser Theodor Sch. Derfelst war dort auf einer ca. 22 Fuß hohen Leiter stehend mit de« Montiren eines hohen Kandelabers beschäftigt. Hierbei genett die Leiter in's Schwanken und stürzte Sch. aus der zremlitt beträchtlichen Höhe mit derselben auf den Bürgersteig. D« Verunglückte erlitt bei dem Fall anscheinend fo schwere innev Verletzungen, daß er nach Anlegung eines Nothverbandes sofoit per Droschke in seine in der Seydelsttaße belegene Wohnunl geschafft werden mußte. g. Die vor einigen Tagen erfolgte Verhaftung dck früheren Restaurateurs Karl E. aus Treptow macht viel vo» fich reden. Die vielen Berlinern bekannte Wittwe E. geb.& betrieb seit dem Tode ihres Mannes bis zum 1. Apnl 188 unter Hilfeleistung ihres Sohnes Karl das Restaurationsgeschäf zu Treptow selbstständig. Vom 1. April ab trat aber der Söst Karl als alleiniger Inhaber auf, da ihm die ganzen Utenfili» von seiner Mutter, der Wittwe E., übergeben waren. Da t als solcher auch das Gartenbuffet für den Sommer zu vergebe hatte, meldete sich bei ihm der frühere Restaurateur Gustav 2S vehufs Uebernahme dieses Büffets. W., welchem der Karl i völlig fremd war, schloß mit letzterem einen Vertrag rückfilst lich des Gartenbüffets ab und stellte, da die Wittwe E. de Karl E. als ihren Sohn und Geschäftsinhaber bezeichnete, ei» Kautton von 1700 Mark. Der Sommer verlief in Ruh und Frieden. Doch eines Tages, es war Mitte Se» tember, war Karl E. angeblrch auf Reisen gegang und kehrte erst am 2. Oktober auf einige Stund nach Treptow zurück, um fich dann wieder zu entfernen, s dessen Vertrag mit Karl E. am I.Oktober 1883 seine Endsck erreicht hatte, verlangte von der Wittwe E. vergeblich Zuri zahlung der Kaution, die er ihrem Sohne gestellt hatte. M gen W., wurden die Utensilien des E.'schen Restaurants gepfän welche jedoch die Wittwe E. und deren Töchter als iyr Eig thum in Anspruch nahmen. Der diesbezüglich gegen W. angf strengte Prozeß ist auch zu seinen Ungunsten ausgefallen. nach ca. 2 Jahren ist der Restaurateur Karl K., vnlgo Karl» festgenommen und in Untersuchungshaft genommen worden,* sich wegen der Unterschlagung der von W. gestellten Kautis und Führung eines falschen Namens zu verantworten. Gegd die Wittwe E., welche bei den Vorgängen die Hand im SpW gehabt, soll ebenfalls strafrechtlich vorgegangen werden. Genedts-�eüuug, Eine durch eine eigenthümliche Verkettung v»' Umständen hervorgerufene schwere Beleidigung eines Beaint« beschäftigte gestern die fünfte Strafkammer hiesigen LaitJ gerichts i. Angeklagter war der Justizaktuar a. D. Langb» welcher bereits 4mal wegen Beleidigung vorbestraft und« Juli v. I. nach Verbüßung einer mehrmonattichen Untck suchungshast von der Anklage der schweren Urkundenfälschtv» freigesprochen worden ist. Während er fich im vorigen Som# im hiefigen Untersuchungsgcfängniß befand, mar in eil» Privatklagesache wider ihn, rn welcher er vom Schöffengerw zu Köpenick zu 30 Mark ev. 6 Tagen Haft verurthcilt worden? rn der Berufungsinstanz vor dem hiesigen Landgericht Ii Terrn« zum 19. Juni anberaumt. Um seine Vorführung zu diesem Tcrm« zu erlangen, stellte er 4 Tage zuvor bei seinem Untersuchung� richter Landgerichtsrath Herzvruch den bezüglichen Antrag, m chen derselbe zu Protokoll nahm und der StaatsanwaltsdW zur weiteren Erledigung überwies. Durch ein Versehen% Gerichtsdieners gelangte aber der Antrag anstatt an die Stau? anwaltschaft des Landgerichts II an die des Landgerichts» und diesem Umstände war es zuzuschreiben, daß die Vorfüst rung des Angeklagten zu dem gedachten Termin unterblieb ist und in Konsequenz davon bei dessen Nichterscheinen die rufung oci würfen wurde. Aus Unkenntniß mit den ci» schlägigen Gesetzesbestimmungen unterließ es nun auch b Angellagte, einen Antrag aus Wiedereinsetzung in den vorijP Stand rechtzeitig einzubringen, und so gelangte de? das rechtskräftig gewordene Uriheil zur Vollstteckung. Da n? das in Antrag gebrachte Wiederaufnahme- Verfahren mantfj der gesetzlichen Voraussetzungen abgelehnt wurde, gerieth � Angeklagte in große Erregung und verfaßte in dieser Stimmufl bei der Staatsanwaltschaft eine gehamischte Beschwerdesch? gegen denjenigen Beamten, durch dessen Schuld seiner AnM nach sein Vorführungsantrag zum Termin nicht berücksichsse worden war. Als den Schuldigen bezeichnete er den Iaht»? Protokollführer des Untersuchungsriäiters„Herzbrecher" u? nannte ihn in seinem Schreiben„den boshaften Sünder". A* dem Rath Herzbruch ist der Kriminalprotokollführer HerW der in der That ein lahmes Bein hat, beschäftigt. Derscl»» welcher mit der ganzen Angelegenheit nicht das Mindeste r thun gehabt hat, fühlte sich durch den wider ihn erhöbet Vorwurf beleidigt und stellte gegen den Verfasser � Beschwerdeschrift einen Strafantrag. Das hiesige Schöff? gericht verurtheilte denselben zu drei Monaten Gefäng»? w«»iv*vv, zur Verhandlung. In der Mittagsstunde des 15. Februd' I. besuchte ein Fremder das Ganz'sche Schanklokal i» Annenstraße trank zwei GlaS Bier und gab einen Thal?. Zahluua. Der Kellnerin kam das Geldstück verdächtig sie zeigte es dcm Wirthe und dieser bemerkte nicht nur, die Konturen des Gepräges weniger hervortraten, sondern dg daß der Tbaler um ein erhebliches leichter und dünner war 1� andere Thaler. Der Wirth fragte zunächst den Fremden,"w »ein anderes Geld habe und als dieser verneinte, machte?"j k vot batouf oufntetffQm, daß der betreffende Thaler ein Falfifikat sei. Der Fremde versicherte dagegen, die Münze sei ttvfcdem zweifellos echt und nach längerem Hin- und Her- debattiren schickte der Wirth zum benachbarten Polizeibureau und bat um Zusendung eines Beamten, der sich des Perdäch- tigen vergewiffere. Jetzt erbot sich der Letztere plötzlich, den beanstandeten Thaler durch einen anderen zu ersetzen, es war aber zu spät, denn schon war ein Kriminalbeamter zur Stelle, um ihn zu verhaften. Auf der Wache gab der Sistirte an, daß er der Mechaniker Otto Ernst Knauer sei. Sein Be- nehmen war ein im höchsten Grade befangenes, auch verwickelte er sich in Widersprüche, als er angeben sollte, wie er in den Besitz des verdächtigen Thalers gelangt sei. Eine bei ihm vorgenommene Körpcrvifitation und Haussuchung führte außer ein, gen eckten Thalerstücken noch ein ebensolches Exemplar als das beschlagnahmte zu Tage und die königliche Münz- Direktion begutachtete, daß d,e beiden Thalerstücke durch Behandlung mit Säure um einen nicht unbedeutenden Theil ihres Gewichts verringert worden seien und konstatirte bei dem einen Thaler sogar em Manko von fünf Gramm. Nun bequemte �.5 genommene Knauer sich zu einem offenen Ge- standniß. Er se, em großer Freund von chemischen Experi- menten und gehe mit der Absicht um.„Glühlicht" zu fabriziren. Hierzu benothige er Chlorfilber und um dieses herzustellen, habe er Salpetersaure eine bestimmte Zeit lang auf die Münzen ein- unrken laffen. Durch ein Versehen sei ein in dieser Weise dezi- nurter Thaler m sein Portemonnaie gelangt und auch lediglich blieb der Angefl" jDerauMa� worden. �JÖei dieser Behauptung v* y; f—-7 im gestrigen Termin stehen, indessen wurde dieselbe durch die Beweisaufnahme keineswegs unterstützt. Der Staatsanwalt gelangte zu der Ansicht, daß der Angeklagte die entwertheten Thaler als vollgiltige habe in Kours setzen wollen und beantragte eine Gefängnißstrafe von vier Wochen. Der Gerichtshof theilte die Ansicht des Staatsanwalts, hielt mier eine dreiwöchige Gefängnißstrafe für eine ausreichende Sühne. �= Wegen welcher Bagatellen Anzeigen erstattet und anständige, unbescholtene Leute in den Verdacht der Un- ehrlichkeit gerathen können, das beweist ein Prozeß wegen Dieb- stahls, der vor dem Schöffengericht, Abthcilung 90, anhängig war. Der Metallarbeiter Mazewski war von seinem Arbeit- geber Zychlinski der Entwendung beschuldigt, indem er sich ein Spritzen-Mundstück widerrechtlich angeeignet haben sollte. Ma- jewski, ein Mann anfangs der Dreißig, reinlich und mit pein- licher Ordnung gekleidet und bis dahin ganz unbescholten, nahm von vornherein durch sein bescheidenes und dabei offen- herziges Auftreten für sich ein. Er erklärte sich nichtschuldig und gab an, er habe ein kleines Spritzenmundstück von Messing bei der Arbeit verdorben und es deshalb anfänglich in den Kasten für altes Messing geworfen, dann aber sei ihm der Gedanke gekommen, sich davon einen Ring für seine Pfeife zu drehen, womit er auch angefangen. Er habe denselben aber nicht vollenden können, weil er das Maß der Pfeife nicht gehabt, deshalb habe er das Mundstück vorläufig in seinen offenen in der Werlstatt befindlichen Arbeitskasten ge- legt. Ties sah ein ihm mißgünstig gesinnter Kollege, der ihn bei dem Meister verklatschte. Auf die Frage, was denn das Mundstück im Ganzen werth sei, stellte er den Werth auf höchstens 30 Pf. fest. Das Gericht schenkte seinen Angaben vollständig Glauben und sprach ihn, dem Antrag des Staats- anwalts gemäß, von Schuld und Strafe frei. --» Eine« treffenden Blick in die Lohnfrage gewährte ein Prozeß wegen Unterschlaguna, der gegen die Frau Arbeiter Kunst vor dem Schöffengericht, Abtheilung 90, anstand. Sie und ihr Mann arbeiteten für das Garderobengeschäft von Markus und so erhielt sie denn auch eines Tages den Auf- trag, zwei Kinderanzüge zu nähen. Im Termin erklärte Frau Kunst, sie habe bei Abnahme der zugeschnittenen Stoffe nicht daran gedacht, sich die erforderlichen Zuthaten mitgeben zu lassen und sie selbst angeschafft, um durch die vielen Laufereien sich die Zeit nicht zu kürzen, während Herr Markus behauptet, die Zuthaten, Kattun und dergleichen, hätten bei den Stoffen gelegen, mag dem sein wie ihm wolle, als Frau Kunst die gewählten Anzüge abliefern wollte, fand sie Herr Markus so schlecht gearbeitet, daß er die Annahme verweigerte. Selbstverständlich entschied im Gerichtssaal eine Sachverständigen-Kommisfion nicht, wer in dieser Angelegenheit Recht hätte, nur so viel ward festgestellt, daß Frau Kunst die Kleider wieder mitnehmen mußte, um sie auf- zutrennen und dann besser herzustellen und daß ihr nicht allein der für diese Arbeit zu beanspruchende, sondern auch der von der vergangenen Woche noch restircnde Lohn verweigert wurde. Am andern Tag traf sie Frau Markus und bat diese, als Für- sprechenn ihrem Mann gegenüber aufzutreten, erhielt aber auch hier emen ablehnenden Bescheid. Nun blieb ihr nichts weiter übrig, als die zurückgewiesenen Anzüge zu Gelde zu machen, da ihr Kind vor Hunger wimmerte und auch sie sechst dessen Lluaken suhlte. S,e versetzte jene also und erlangte dadurch 8 Mark in ihre Hände. Damit hatte sie aber auch gegen das Gesetz gefehlt, denn dieses würde ihr nur oie Wahl gelassen haben, trotz des quälenden Hungers den Herrn Markus auf Abnahme der angefertigten Kinder- Kleider zu verklagen und die nach einigen Wochen zu fällende Entscheidung abzuwerten, oder mit demjiind weiter zu hungem und auf's Neue die Kleider zu nahen. Sie hatte gegen den§ 246 des Reichsstrafgesetzbuchs verstoßen und mußte auf die Anklage- bank. Hier gab sie zu ihrer Entschuldigung an, sie habe noch eine Forderung an Herrn Markus gehabt m Höhe von 7,75 M. Das war aber nicht richtig, denn sie hatte nur 3,30 M. mit der zurückerhaltenen Arbeit zu fordern, das Uebrige beanspruchte ihr Mann und dieser Anspruch hatte mit der vorliegenden Sache nichts zu thun. Ihre Forderung setzte sich zusammen aus zwei Arbeiten, die sie in zwei Wochen im Betrage von je 1,60 M. für das Nähen von Kinderanzügen zu erkalten, also für den ganzen Anzug ganze— 80 Pf.! Und bei solchemzLohn, wobei die Näherin noch Naoeln, Garn, Beleuchtung liefern muß, kann man sich wundern, wenn die Prostitution überhand nimmt? Der Gerichtshof mag das wohl auch gefühlt haben, denn er setzte die gelinde Strafe von einem Tag Gefängniß fest. Aber die Arbeit ist doch auch verloren! Wegen unbefugter Führung des Doktortitels stand gestern der Zahntechniker Fricdr. Wich. Hintze vor der 91. Ab- theiluna des Schöffengerichts. Der Angeklagte betreibt sein Gewerbe in einem Hause an der Stralauer Brücke und hat sich nicht nur auf den Geschäftsschildem unberechtigter Weise den Titel„Doktor" beigelegt, sondem auch im Adreßbuche figurirt er als„Doktor". Zur Verantwortung gezogen, be- hauptete er im ersten Termine, daß der unbefugte Zusatz im Adreßbuche nicht auf seine, sondern auf Veranlassung des Ver- legers oder des Vizewirths geschehen sein müsse. Der Staats- anwalt ließ aber recherchircn und wurde dabei ein vom An- geklagten eigenhändig geschriebener Zettel, auf Grund dessen seine Aufnahme im Adreßbuche erfolgt war, zu Tage gefördert, welcher ebenfalls den inkriminirten Zusatz trug. Nunmehr konnte ein Leugnen in Betreff dieses Punktes auch nichts mehr nützen. Herr Hintze räumte ein und wurde zu einer Geldstrafe von 50 Mark ev. 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Unter der Anklage des wiederholten Betruges stand gestern der Kaufmann Richard Wilhelm Oskar Semmel vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hat trotz seiner Jugend— er ist erst 22 Jahre alt— bereits eine bewegte und befleckte Vergangenheit hinter sich. Er ist nach beendeter Lehrzeit längere Zeit in der renommirtcn Handlung von Ravens Söhne thätig gewesen und will dann einen Gönner gefunden haben, der ihn bewog, dem Kaufmannsstande Valet .u sagen und sich den Brettern zu widmen, welche die Welt bedeuten. Er wurde Schauspieler. Bald zog der Kunstmäcen ihm ab und der Angeklagte schloß sich j>eoe �ber seine Hand einer wandernden Schauspielertruppe an und zog mit derselben im Lande umher. Nach VerÜbung mehrerer Betrügereien ver- büßte er die erste Freiheitsstrafe und lenkte dann seine Schritte nach Wien. Hier trat er als„Schriftsteller unter dem falschen Namen v. Naworsky auf, suchte sich m literarischen Kreisen Eingang zu verschaffen und schwindelte weiter. Das Wiener Gericht belegte den Hochstapler mit acht Monaten Kerker und verwies ihn sodann des Landes. Wieder wandte sich der Angeklagte seiner Heimath Berlin zu und im Anfange dieses Jahres tauchte er hier plötzlich als„Erfinder und Unternehmer" auf. Er stellte sich den bedeutenderen Geschäftsleuten, welche viel zu inseriren pflegen, als Inhaber des neu gegründeten Annoncen-Jnstttuts „Merkur" vor, unterbreitete ihnen ein hübsch ausgestattetes Programm und suchte sie als Kunden für sein Unternehmen zu gewinnen. Er habe eine Erfindung gemacht, welche auf dem Gebiete des Annoncenwesens Evoche machen werde; er habe eine Anschlagsäule konsttuirt, welche in eleganter und praktischer Ausstattung unerreicht dastände; dieselbe würde außer Normaluhr, Thermometer, Barometer u. s. w. Annoncen enthalten, welche auf Glas angebracht, des Abends illuminirt und von großer Wirkung sein würden. Die Säulen würden eine wahre Zierde für öffentliche Gärten und Hotels bilden, es errege eine solche, von ihm auf dem Place de Concorde in Paris ausgestellte, nicht geringes Aufsehen. Bereits hätten die Inhaber mehrerer der größeren hiesigen Ctabliffements, Hotel de Rome, Zentral- Hotel, Kroll, die Direktion des Zoologischen Gartens, Rudolf Hertzog u. s.w. tm kontraktlich die Zusage gegeben, derartige Säulen in ihren tabliffements aufstellen laffen, resp. annonziren zu wollen u. s. w. Durch diese falschen Vorspiegelungen bewogen, schloß sich auch der Prokurist der bekannten Weinhandlung Bodeaa als Inserent an und wurde dafür ein fester Preis von 200 M. verabredet. Nach einigen Tagen erschien der Angeklagte wie- der bei dem Prokuristen und bat und erhielt einen Vorschuß von 60 M. Seit dieser Zeit wurde von ihm nichts gesehen oder gehört. Bei der Firma Westphal bestellte der Angeklagte farbige und bemalte Glasschilder zum Betrage von mehreren hundert Mark, ebenso bei Koch und Bein; er hat die zum Theil fertig gestellten Gegenstände aber nicht in Empfang genommen und die Bemühungen ihn aufzu- suchen blieben ohne Erfolg, weil er ein Geschäftslokal nicht besaß. Einem Uhrmacher Hermann hat er endlich eine goldene Uhr zum Werthe von 200 M. abgeschwindelt, bevor er durch seine Verhaftung unschädlich gemacht wurde. Der Angellagte war geständig und führte zu'seiner Entschuldigung an, er habe ihm geplante Jvi stcher�geglaubt, er würde die von ihm geplante Idee rcalisiren können. Der Staatsanwalt hielt dafür, daß es in allen Fällen lediglich auf Betrug abgesehen gewesen, er beantragte 2'/, Jahre Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und 600 M. Geldbuße. Der Gerichtshof billigte dem reuigen Angeklagten aber noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte auf 1'/» Jahre Gefängniß und 2 Jahre Ehrverlust. Hirschberg(Schlesien), 5. Juli. In der vorgestrigen Strafkammersitzung wurde der Schuhmacher Schüttrich von hier wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung des Kronprinzen zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Derselbe hatte vom Kaiser, vom Kronprinzen und vom Fürsten Bismarck behauptet, sie seien Sozialdemokraten. Der Reichskanzler hatte auf einen Strafanttag verzichtet. Der Angeklagte wendete, wie die „Germania" mittheilt, zwar ein, er sei an dem hetteffenden Abende vollständig betrunken gewesen, und er habe außerdem mit jenen Motten keine Beleidigung aussprechen wollen, da nach seiner Meinung Alle, die es mit dem Volke gut meinten, Sozialisten seien; allein, da er seine strafbare Aeußerung ttotz aller Warnung dreimal wiederholt, ohne jene Interpretation hinzuzufügen, so erfolgte seine Veruttheilung. Vereim u«A In dem Bericht öffentliche in Nr. 155 dieser Zeitung über die öffentliche Versammlung der Metallarbeiter, welche am Sonntag im Wintergatten des Zentralhotels tagte, hat sich ein sinnentstellender Druck- oder Schreibfehler cinge- stellt. Es heißt dort auf Zeile 16:— daß der Meister Löwe und der Former Baar vorschlug,— während es heißen muß: — daß der Meister Löwe den Former Baar auf- forderte, unter dem vereinbatten Tanf zu arbeiten. Arbeiter-Bezirke-Berein der Oranienburger Bor- stadt und des Weddtng. In der am Montag, 6. Juli, im Weddingpatt, Müllerstr. 178, abgehaltenen ersten Generalversammlung nach Einführung des neuen Statuts erstattete zunächst der Kasfircr Sillier den Kassenbericht, worauf der Revi- sor Höfncr die Kassenführung als von den Revisoren für richtig befunden erklätte und für den Kasstrer die Decha Decharge erbat. welche auch ettheilt wurde. Hierauf fand die Wahl des ge- sammten Vorstandes statt. Gewählt wurden die Herren: Kunkel(1. Vors.), Hensel(2. Vors.), Sillier(1. Kasfircr), Amann(2. Kasfirerl, Zachau ll. Schriftf.), Damerow<2. Schttft- führer, Löwccke(Beisitzer), Jakobey und Höfner(Revisoren). Sodann hielt Herr Rechtsanwalt Wreschner einen sehr aufgenommenen Vottrag. Er leitete denselben mit dem Hinweis darauf, daß heute die jseit ein von vorüber sei, wo nur der gelehtte Junst das Recht sprach. Um in Sttafsachen zu urtheilen, könne man nicht allein nach dem starren Gesetzesparagraphen gehen, sondem es kommt hierbei daranf an, den seelischen Zustand des Angeklagten in Bettacht zu ziehen. Deshalb habe der Gesetzgeber vei der Ein- fühning der Geschworenengerichte darauf Bedacht genommen, daß nicht allein der Jurist Recht zu sprechen habe, sondem auch das Laienelement. Ersterer uttheilt stteng nach dem Buchstaben des Gesetzes, während die Geschworenen ihr Uttheil als Laien fällen. Die Geschworenengerichte sollen ein Probirstcin sein, ob das Gesetz dem Rechtsbewußtsein des Volkes ent- spricht. Referent geht noch auf die Gerichte ver- schiedener Staaten näher ein, wobei er betont, daß sie nicht alle die Geschworenengerichte eingeführt haben. Man mache zwar den Geschworenen manchmal Vorwürfe, daß sie da verurtheilt haben, wo der Juttst auf Nichtfchuldig erkannt hätte. Ein Jrrthum ist aber menschlich und deshalb ist die Wiederaufnahme des Verfahrens zum Zweck der Uttheils- ändemng nothwendig. Referent kommt sodann auf einen Fall in Köln zu sprechen, wo die Geschworenen den Kauf- mann Rogge, der seinen Gegner, den Hauptmann Hirsch, im Zweikampf erschossen hatte, freigesprochen haben. Durch die Schwurgenchte habe man einen bedeutenden Vor- spmng in der Rechtsprechung erhalten und Referent wünscht, daß der von Preußen im Bundesrath eingebrachte Anttag auf Verminderung der Geschworenen von 12 auf 6 nicht zur Annahme gelangen möge, in welchem Sinne sich auch zwei Oberlandesgerichtsräthe in ihrer Eröffnungsrede einer Schwur- gcttchtspettooe ausgesprochen haben. Die Garantie sei eine größere bei mehr und eine kleinere bei weniger Geschworenen. Wenn man eine Reformimng sür nothwendig erachte, so müsse nach Anficht des Referenten die Einstimmigkeit in der Ab- uttheiluna eintreten, eine Vernngcrnng der Geschworenen sei aber entschieden zu verwetten. Beim Schöffengericht, welches aus einem Richter und zwei Schöffen besteht, ist zur Ab- uttheilung die Maiotttät ettorderlich. beim Sttafkammer- kollegium sogar*/«. Wenn nun bei solchen leichten Sachen eine so große Majotttäl ersorderlich ist, so ist folgerichtig, daß bei schweren Sachen erst recht'. oder 10 Geschworene zur Aburt Heilung nothwendig find. Wenn diese 10 nicht im Stande find, die übrigen 2 Kollegen zu überzeugen, so ist entschieden eine einsttmmige Rechtsprechung zu verlangen. Referent geht sodann noch aus die Bildung der Schöffen- und Schwurgenchte des Näheren ein und kommt schließlich auf die seit dem Jahre 1880 auf Grund eines Ottsstatut in vettchiedenen Städten er- richteten gewerblichen Schiedsgenchte zu sprechen. Er beton* hierbei, daß das Vertrauen der Interessenten größer ist, wenn die Vertreter dazu aus ihren Kreisen gewählt werden. Zum Schluß wendet sich Referent nochmals gegen die Benachtheili- gung durch die Einschränkung der Zahl der Geschworenen. Der Vorsitzende sprach dem Vortragenden Namens der Versammlung seinen Dank aus und machte femer auf die Petition, das Ar- beiterschutzgesetz betreffend, aufmettsam. Nach Erledigung detz Fragekastens wurde noch eine Tellettammlung für die streiken- den Maurer vorgenommen, welche 7 Mark ergab. Die nächste Versammlung findet am Montag, den 20. Julr, statt.— Listen zur Einzeichnuna für die Petition zum Arbeiterschutzgesetz liegen außer in den bekannten Stellen noch aus in den Zigarren- Geschäften von Pfannkuch, Chausseesttaße, und Bern- st e i n, Bergstraße 38. Eine Versammlung der Delegirten htestger Schuh» macherwerkstätten tagte am Dienstag Abend in Keller's oberen Saal, Andreasstr. 21. Die Versammlung stellte den Feldzugsplan auf, nach welchem sie eine Besserung der Lohn- verhältniffe im Schuhmachergewerbe zu erzielen hofft. Herr Baginski führte aus, daß nur dann auf Erfolg zu rechnen sei, wenn die Schuhmacher schon jetzt darauf hinarbeiten, zum Frühjahr eine Lohnerhöhung in den Bazaren und Engros- geschäften zu fordem, die kleineren Werkstätten könnten vorerst noch nicht in Bettacht gezogen werden, der äußettt schwierigen Verhältnisse wegen, in denen sich unsere Gewerbe, im Vergleich zu anderen, befindet. Femer wird versucht werden müssen, die Innung, sowie die selbstständigen Schuhmachervereinigungen für uns zu gewinnen, da die Handwerksmeister wohl Ursache haben, ihre größten Konkurrenten, die Großindustttellen, zu schwächen, was ja geschehe, wenn dieselben höhere Löhne zahlen müssen. Redner meint, daß es versucht werden könne, mit der Innung zu verhandeln, und sollte man sich geirrt haben, dann könnte wenigstens konstatitt werden, daß die angebliche Feind- schaft der Innung gegen das Kapital nur Phrase sei. In ähnlichem Sinne sprachen sich die Herren Herrling, Pladek und Strandt aus, während Herr Klätte für die Errichtung von Zenttalwettstätten plaidirte und sich nur von der Ausfühmng dieses Projektes Hilfe für die Schuhmacher versprach. Alsdann wurde beschlossen, für nächste Woche eine Generalversammlung einzuberufen, in welcher endgiltig entschieden werden soll, ob für nächste Zeit in eine vorbereitete Aktion zu einer Lohnbe» wegung eingetreten werden soll. h+s. Zum Maurerstreik resp. zur allgemeinen Bau- geschäftsinhaber-Versammlung vom 7. d. M., tragen wir noch Einiges nach. Aus dem Referate des Vorsitzenden, Herrn Brettschneider, möge hervorgehoben sein, daß der Redner an- führte, er habe die 45 Pf. pro Stunde bewilligt und nun hätten auch„seine" Maurer gestteikt. Auf solche Art werde man, wenn man gutmüthig auch alles Geforderte bezahle, für diejenigen bestraft, welche das Geforderte nicht bezahlen, denn wenn alle Meister 4,50 M. gewährt hätten, dann wäre es zur Mehttorderung von 5 M. pro Tag niemals gekommen. Ader obschon er weder Jnnungsmeister noch em wohl- habender Mann sei, müsse er doch erklären, daß er weder in der !age, noch geneigt sei. die jetzigen Gesellenförderungen zu be- willigen.— Herr Maurermeister Arans meint, die Ver- sammlung werde beweisen, daß auch die der Bauinnung nicht angehörenden Arbeitgeber der Maurer und Putzer mit den Beschlüssen des Bundes einverstanden find. Ganz allgemein seien die Meister rc. mit den gestellten Forderungen der Strei- lenden nicht einverstanden. Auch sei es ihnen nicht darum zu thun, den Lohn herabzudrücken, wohl aber darum, die tüch- tigen und willigen Elemente unter den Gesellen vor dem „Tenottsmus der Agitatoren' zu schützen.— Maurermeister Bi eben dt polemifirt besonders scharf gegen das falsche Spiel der Führer und Komiteemitglieder, die den bethörten Gesellen nur mittheilen, was ihnen, den„Hetzern", gerade paßt. Dieselben seien nicht auf das wahre Wohl der Ge- sellenschaft, auf den wittlichen Vottheil der Arbeiter bedacht, sondern allein darauf, diese zu tyrannistren.(!) Kein Geselle sei von den Meistern entlassen worden, wohl aber hätten Alle ihre Meister im Stich gelassen. weil ihre(der Arbeiter) Führer sie«die Arbeiter» zu terronstren wußten. Unter keinen Umstanden könne man sich in einen Minimallohnsatz einlassender sei eine unfinniae Forderung Jeder dürfe und solle nur nach seiner Leistungsfähigkeit abgelohnt werden.— Andere Redner betheuetten, die vorgeschlagene Resolution werde geeignet sein. die vcttührte Masse der trotzig Fordernden und Ungenügsamen «mürbe zu machen"(!!) Der frühere Beschluß der Bauge- schaftsmhaber in Betreff der jetzt nur noch zu gewährenden Lohnsatze von„nicht" über 40 Pf." dürfe unter keinen Umstanden desavomrt werden, wenn man sich nicht eine Blöße geben wolle. Daher sei ein Amendement zu Punkt 2 der Re- solution, welches gesetzt wissen wolle:„Lohnsatz von nicht u n t e r 40 Pf." unannehmbar, auch schon deshalb, weil man damit einen Mmimallohnsatz anerkennen würde. Dennoch wurde unter Hinweis auf die nnberechenbare witthschaftliche Schädigung beider Theile durch längere Fortdauer des Stteiks das Zustandekommen einer„Verständigung"(natürlich einer sol- chen nach dem bekannten mssischen Diktum:„„Der.Bien" muß"". D'e RedR eine Beendigung des Streiks„für dringend wün- schenswerth" und„nothrg" erklärt.- Hr. Biebendt. der mehrmals zum Motte kam, empfahl noch, unter allen Umständen künftig be, der Lohnregulrmng allgemein nur das Pnnzip der indi- viduellen Lelstunggfahigkert zu Grunde zu legen, gleichviel we ches auch der Ausgang des jetzigen Streiks sein und zu welchen Lohnsätzen er zunächst führen möge. Herr Leppihn ist nur bedingungsweise resp. unter der Voraussetzung allgemeiner Anerkennung eines Lohnsatzes von 4 M. für einen solchen, sonst halte er einen höheren Lohn für wohl möglich. Völlig mißbilligen müsse er aber das frühzeitige Herabdrücken des Lohnes im Spätherbst und Winter auf 37 oder gar 35 Pf. Auch war es Herr Leppihn, der seineAStimme, die einzige, gegen die Resolution abgab. bk». Die Generalversammlung der streikenden Putzer. welche am Montag Nachmittag im„Salon zum deutschen Kaiser" unter dem Vorfitze des PutzcrsDietnch tagte, war von ca. 600 Theilnehmem besucht. Der Vorsitzende konnte der Versammlung die angenehme Mittheilung machen, daß die wenigen Kolonnender Putzer, welche nach Vettündiaung des Generalstreik-Beschlusses m vonger Woche noch die Arbeit fortgesetzt, um nicht den ganzen Wochenlohn einzubüßen, vom Montag, den 6. d. M., °b dem allgemeinen Streik sich nun gleichfalls anae- Ulossen hatten und die Zahl der Indifferenten resp. KS Mit einer abfällig utthcilenden Besprechung der neuesten Leistungen der„Baugewetts-Zeitung", welche sich sowohl mit ik, als au' auch mit dem angeblichen, dem Maurer- und P'ützerstteik.............. »dank den schamlosen Lehren ihrer Verführer", ebenso exorbitanten wie perfiden und wortbrüchigen, unaufhörlichen Akkord- Die Ähnmehrforderungen der Putzer im Besonderen befassen.___ betreffenden Artikel wurden als„der Baugewerks-Zeitung voll- kommen würdig" und als größtentheils erlogen bezeichnet. Zum Beweise der Unwahrheit der in der Baugewerks-Zeitung über die angeblichen permanenten Akkordlohnmehrforderungen der Putzer enthaltenen Angaben, wies man auf den bereits seit Februar 1884 den Meistern vorgelegten und von allen zuletzt akzeptttten, aber leider nicht eingehaltenen„Tattf der Putz- preise" hin, welchen die Putzer, wie fast alljährlich, so auch für das Baujahr 1885 ausgearbeitet haben und durch dessen Be- folgung und Einhaltung jeder Meister und BaugeschäftS- Jnhaber von vornherein gegen jede Eventualität unaufhör- licher„unverschämter" Mehrforderungen der Putzer sich sichern könne. In der Werkstätten-Deleairtenversammlung der Tischler, welche am Dienstag Abend im Lomsenstadtischen Konzerthause stattfand, gelangte eine Resolution zur Annahme, die sich gegen die Herren Gorcki, Herold und Tutzauer richtete. In der Trskusston erklärte der Delegirte Richter, daß der Stadtverordnete Görcki ihm auf Befragen gesagt, man habe den Streit gegen Rödel und die Lohnkomm, sfion angefangen, «eil man die Tischler in den Fachverein haben will, um sie zur Politik verwenden zu können- Er habe darauf geant- wartet: Lassen Sie das schon, die Tischler wissen schon, was fe zu thun haben, die brauchen dazu weder Sie noch den Fach- verein. Von mehreren Rednem wurde darauf angefühlt, daß, wenn die Herren eine Ahnung von einer praktischen Arbeiter- bewegung und Organisation hätten, sie sich selbst sagen müßten, daß die Arbeiter unter den heutigen Verhältnissen erst daran gehen müssen, ihre Lage etwas durch Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit zu beffem, sonst bleibt ihnen gar keine Zeit, sich um Politik zu kümmern. Durch Zukunftsphrasen dekömmt kein Arbeiter einen Pfennig mehr in die Tasche. Die Gegenwart erfordert praktische Organisationen der Arbeiter, nicht abgestandene Redensarten.— Wir hängen hiermit diese Denunziation gegen den Fachverein etwas tiefer und halten jeden weiteren Kommentar hierzu für überflüssig. Die zum Dienstag Nachmittag in Konraths Lokal in Moabit einberufene Versammlung der streikenden Maurer war dermaßen besucht, daß sich das Lokal als absolut zu klein er- wies und die Versammelten wegen der im Saale herrschenden unerträglichen Hitze beschlossen, vie Verhandlungen überhaupt nicht stattfinden zu lassen.„.. � Magdeburg, 7. Juli. Gestern Abend sollte ,m Lokale des Echloßgartens der Redakteur Schneidt in einer Volksversamm- lung über:„Das Recht auf Bildung" rcferiren. Die Vcrsamm- konnte jedoch nicht stattfinden, werl sie noch in letzter Stunde aus Grund des Sozialistengesetzes von der Polizei verboten wurde. Herr Schneidt hatte m letzter Zeit bereits in mehreren Volksversammlungen gesprochen, ohne daß ein Verbot oder eine Auflösung derselben erfolgt wäre. In Breslau fand vor einigen Tagen eine Verfamm- lung der dortigen Maurergesellen statt, welche sehr zahlreich besucht war. Nach der Wahl des Bureaus ertheilte der Vor- fitzende dem aus Berlin ausgewiesenen Maurer Herrn Conrad, welcher sein Domizil jetzt in Breslau genommen hat, das Wort »u einem Vortrage:„Heber den Streik der Maurer in Berlin". Nachdem der Referent ein Flugblatt, welches auf d,e ungünstige '" ist, verlesen hatte, forderte er zur regsten "'usgc' Lage der Maurer hinweist Beteiligung an dem Fachverein auf, der es fich zur Ausgabe ..... der Handwerksgenossen zu verbessern, eme gestellt habe, die Lage...„.. angemessene Arbeitszeit auf allen Baustellen einzuführen, eine ausreichende Bezahlung der Arbeit zu erreichen und ihnen eine anständige und menschenwürdige Behandlung auf den Bau- jfellm zu sichern. Redner weist nun seinerseits darauf hin, schon in der kaiserlichen Botschaft vom Fahre 1381 aus- i estrochen worden sei, den Arbeitem müsse geholfen werden. von 27 bis 23 Pf. pro Stunde, n ________ in der zweiten Residenzstadt, gezahlt ungerlohn, bei dem man nicht leben könne. Wer wie er hier rn ghlt werde, sei ein ...... BBB______ Ler könne bei diesem annne'rlohn'seim Familie erhalten? Sei es nicht schändlich, daß man hier bei diesem Jammerlohn noch hin und her renne, um dem Anderen für 30 bis 40 M. die Arbeit abzukaufen?(Bei- fall.) Ein weiteres Uebel sei die lange Arbeitszeit. Welche Erziehung könne ein Arbeiter, welcher von früh Morgens bis Abends 8 einhalb Uhr arbeite, seinen Kindern angederhen lassen? Andere Arbeiter Hütten nun diese trostlose Lage ern- esehen und Fachvcrcine gegründet, um zu Helsen. So auch rn "erlin. Trotz aller Verleumdungen der fortschrittlichen oder vielmehr der kapitalisttschen Presse sei es jedoch gelungen, den Behörden zu beweisen, daß die Arbeiter nichts ansttedten, als die Hebung ihrer materiellen Interessen. Alle Parteipolitik, religiösen Unterschiede müßten aus diesen Vereinen ferngehalten weroen. Wir find eben Maurer, wir freuen uns auch, daß die Behörde uns in unseren Versammlungen überwacht, damit sie unsere Roth höre und davon Kunde gebe. Es ist eine Freude, daß das Polizei-Präfidium in Berlin fich in die ge- werkschastliche Bewegung nicht einmische. Auf fried- lichem Wege müssen wir unsere Lage verbessern. Aber immer werden wir von den Meistern abgewiesen. Redner weist nun auf Berlin hin, wo tausende von Kollegen zur Zeit auswandern oder hungern und darben müßten. Er erklärt fich im weiteren gegen jeden planlosen Streik, weil er großen Schaden mit fich bringe. Bleibe aber der Versuch eines friedlichen Ausgleichs nutzlos, so bleibe nichts übrig, als der Streik. Die Fordcmngen der Berliner Maurer seien berech- tigt. Redner giebt nun ein Bild von der Entstehung des Berliner Streiks, zu dem die„Baugewcrks-Zeitung" das ihrim beigetragen habe. Man beschuldige immer die Führer. Dies aber seien viel zu schwach gewesen, dem allgemeinen Streik- dränge entgegenzuttetcn. Er hoffe, daß die Berliner Kollegen siegreich aus dem Streik hervorgehen würden. Wenn aber nicht von allen Seiten Geld nach Berlin geschickt werde, dann freilich sei das Resultat zweifelhaft. Der große Zuzug aus allen Provinzen nach Berlin mache die dortigen Verhältnisse schwierig. Diesen zugewanderten Leuten sei keine Vernunft zu -»•> rjg##•• O«•» l im» predigen. Ein Streik sei wie ein Krieg im Frieden. Wie dieser Geld verlange, so müsse auch für die Knegsbereitschaft der Arbeiter in erster Reihe Geld angesammelt werden. Die Verbesserung der Verhältnisse der Arbeiter komme aber auch dem Staate zu Hilfe. Deshalb könne der Staat nicht die Arbeiter sein, sobald sie in den gesetzlichen Bahnen reven. Redner will soeben einen Brief aus Berlin erhalten r ben, aus dem hervorgehe, daß eine Versammlung von Ge- ellen und Meistern, aber nicht von Jnnungsmeistem, statt- finden soll, um eine Einigung zu erzielen. Jeder der 3000 Maurer Breslaus müßte 50 Pf. zum Besten des Stteiks zahlen. Wenn es hier so fortgehe, so werde man in ein paar Jahren auf einen Lohn von 1,6v M. täglich gelangen, denn durch das Submissionswesen sinke der Lohn immer mehr- Redner fordert zum Schluß wiederholt zur Unterstützung der Berliner Maurer auf.(Lebhafter Beifall.) Es gelangte hierauf ein Antrag zur Annahme: zur Deckung der Unkosten an den Ausgängen eine Tellersammlung zu veranstalten und den Ueberschuß den streikenden Maurern in Berlin zufließen zu lassen. Die folgende Diskussion bot nichts Bemerkenswerthes. — Wie wir erfahren, hatte sich bei der Diskussion auch der Stadw. Görcki aus Berlin zum Wort gemeldet. Demselben wurde das Wort nicht ertheilt, weil der überwachende Kommissar in diesem Falle mit Auflösung der Versammlung gedroht hatte. Zentral-Kranken- und Tterbc-Kassc der Drechsler und Berufsgenoffen(E. H. 48). Den Mitgliedern im Norden und Nordost zur Nachricht, das am Freitag, den 10. Juli, Abends 8 Uhr, eine Versammlung im Vorstädtischen Kasino, Ackcrstr. 144 stattfindet, behufs Vorftandswahl und Be- zirkscinthcilung. Es gehören zu diesem Bezirk alle Mitglieder, welche im Norden, Nordost, Nordwest— also Moabit, Wed- ding, Gesundbrunnen, Prenzlauer-, Königs- und Landsberger- Thorbezirt und im daran grenzenden Theil des Zentrums: Hamburgerstiaße, Spandauerstraße, Neue Friedrichstraße, Burg- straßc, Breitcstraße u. s. w. wohnen, und werden die Vitt- glieder ersucht, der wichtigen Tagesordnung halber recht j« reich zn erscheinen.(Siehe Inserat.) d'fs. Die Freie Organisation junger Kaufleute i m-' m Berlin hat aus dem Bureau des Reichstages ein Scho erhalten, wonach die von genanntem Verein an den Reid gerichteten Petitionen in Sachen der Sonntagsruhe durch Sessionsschluß als„erledigt" zu bettachten seien. Der Voi' beschloß, weitere Schritte in der Angelegenheit zu thun. zwar soll für den Herbst eine umfassenoe Agitation sürj Herbeiführung der kaufmännischen Sonntagsruhe auf dem• der Gesetzgebung eingeleitet und beim Beginn der nä Session dem Reichstage eine neue Petition vorgelegt w> Eine öffentliche Versammlung der Korbmacher lins tagte am Sonntag, den 5. Juli. Herr Michelsen rcfw über das Arbeiterschutzgesetz. Darauf wurde eine Rcsolub angenommen, dahin lautend, daß sich die Versammlung« dem von der sozialdemokrattschen Frattion eingebrachten Arbeit fchutzgesetz einverstanden erklärte. üne öffentliche Versammlung der Steiutr«! auunternehmern gefaßten Beschs den Meistern und 2. Verschiedenes� Die Töpferaesellen hatten am 1885, Abends 6 Uhr, Köpnickerstraße 1�,... eine öffentliche Versammlung ab. Die Tagesordnung luv Tlebersicht über den Verlauf dcäjStreiks der Töpftrgcsll n Freitag, den 10.) 100, in Mundt's Zl» laiii «fchetv Berlin Postabi Berlins und Umgegend." Es fft Pflicht eines jeden Koilq der es ernstlich meinl mit der Durchführung des neuen und Akkord-Tarifs, in der Versammlung zu erscheinen. Aleiue Mittheilunge«. Da» Städtchen Lenzen an der Elbe hatte seinen BÄ meister wegen schwerer Krankheit pcnfioniren müffen. I kommissarischer Bürgermeister wurde vor einigen Woche» Major a. D. v. Gerschow nach Lenzen geschickt; als ab« Bürgermeisterwahl stattfand, erhielt er nur 7 Stimmen, i rend 14 auf den Kämmergerichts-Referendarius Heffe üi Schon bald darauf hieß es, die Regierung zu Po» würde die Wahl von Gerschow's lieber gesehen h» und ist denn auch nunmehr der Bescheid eingetr —.........—.—......... eingetrs daß dem Referendar Hesse die Bestätigung nicht ertheilt ws sei. Die Stadtverordneten haben beschlossen, dagegen P« ' wv..v«v.. v 1 1 1 vi wvyvyv.i � zu erheben. Den Erfolg kann man fich denken. Lenze» 3000 Einwohner und eine Feldmark von 18 000 Magd. Mo es besitzt ein reichliches Kommunalvermögen und erhebt 1 VA/ VV|*V* ♦v»v4#*»v*fVA.*'»****** VHV*» Wisv vujvvi I Kommunalsteuern. Die Mißstimmung in der Einwolmerß über die Nichtbcstätigung eines tüchtigen Mannes, den# gern zum Bürgermeister gehabt hätte, ist nicht gering. Äriel�asteu der JWa&Hon Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Fabrik-> Handarbeiter beiderlei Geschlechts.(Sitz Dresden.!> ersuchen, uns die hiesigen Zahlstellen bekannt zu geben, W uns danach gefragt wurde. A. L. 100. Ihre Frage können wir nicht beanlw» da uns leider bis heute kein Bericht von dort zugegange» In einigen Tagen denken wir'Nachricht zu haben und ivä Sic dann Antwort auf Ihre Frage erhalten. die tolle warnten gen, di« nennen Gründer er stand Abl Prediger Ün! werbslek ellte N it die gen, Vi gesichert« wird vc kett gekü! da sind: keit aber und bea er entwl berechtig beachten, er allem Vortheil Wi Theater. Velle-Alltance-Theater. Heute: Der Aktienbudiker. Neues Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Die Frau mit den Karfunkelsteinen._ Dem Repräsentanten von innen und außen Otto Ballmüller ein dreifach donnerndes Hoch zu seinem heutigen Wiegenfeste. 15731 Der Vorstand des Arbeiter-Bezirks-Vereins der Rosenthalcr Vorstadt. Zum heutigen Wiegenfeste unserem Freunde Otto Ball müller die beste Gratulation._ Kk Ptz. Die Beleidigung gegen Herrn tt u tz k e nehme ich hiermit zurück.(1530) H. K l e r n. Gl.#11. NechMlmg der Zimmerleute Berlins u. Umgegend am Sonntag, den 12. Juli, Vorm. 9'/, Uhr, auf Tivoli. Tagesordnung: 1. Petition der Berliner Zimmcrleute. 2. Ergünzungswahl. 3. Stritt der Maurer. 4. Verschiedenes. 1574] Die Lohnkommission. I. A.: Hantelmann. vermig. d. Uelllllardtitcr DeiiMl. C(Mitgliedschaft Berlin l.) Zu unscrm am 11. Juli a. c. stattfindenden[4575 Sommer-Fest im Eiskeller-Etablissement, Cbausscestraße Nr. 83, werden alle Mitglieder und deren Verwandte, sowie alle Freunde und Gönner der Vereinigung freundlichst eingeladen.- Brllets sind haben bei A. Eibs, Chausseefttaße Nr. 16, Iii., und ber I. Ähren dt, Gartenstraßc Nr. 161, Iii., sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen. � Das Somit 6. Ceutral-Äraukeu- u. Sterbekajse d. Drechsler und verw. Berufsgenossen(E- H. 48). Versammlung am Freitag, den 10. Juli, Abends 8 Uhr, im Vor städtischen Kasino, Ackersttaße 144. Tagesordnung; Vorstandswahl sür den Bezirk D., Norden, Nord-Ost, Nord-West. Zahlreiches Erscheinen dringend nothwendig.[1579 _ M. Schmädicke, Veteranenstr. 11. Für Gaftwirthe. Der Fachverein der Tischler sucht zur Errichtung einer zerberae mit Verkehr ein hierzu passendes Lokal. Gest. Offerten yv_____... L Sur.**** O irr„ U t vn»»WQv* 1 1 vitw*--v-vivv*. «liebe man an T h. Glocke, Wendcnstraße 2, III. v., ein- rsenden.'[1576 Die Nr. 18 der humorifttschen Blätter „Der wahre Jacob" erschienen und in der Exped. des„Berl. Volksbl." zu haben. blindwü! selben r« dieser he Krisen f dadurch frieden hl situirte 1 Abl blickte ir lose Pr< wo aus Zweig|i das Spi Erste sei muß seh impft se nun die für die kbnnen, und mal Uebel r selbstverl August Herold Berlin SO., IIS Skalitzerstrasse IIS. Möbel-, Spiegel- lliul Volstemaaren Magllzi« Eigene Fabrik. Solide Preise. Prompte Bedienung. We Solberg täuscht, dieser a würdevc die Auh die Auh Gesellsch und nui Schmerz ü ihrer e> über da er Allee Trauer? Geübte Schönlcinstr. 15, Arbewmnrkt. erin auf Singer verl. cke der Dieffenbachstt. A. Reichard, [1578 _ Ein tücht. Steindr. w. verl. Alcxandrinenstr. 71, H. I.[1577 Gute und passende Dienstboten werden ins Haus geschickt. 1564]__ Frau Frischer, Ackerstt. 133, I. ßoncert-Kaus Sanssouci, Ö'gjy Heute Donnerstag; llomorlmlscbe Solr«' gefaßt s der alten rcnommirten Nu Ans. 8 Uhr. Entr. 30 Pf. Bei ungünst. Wetter im fi Nächste Soiree: Sonntag.___ y war ab« erste sc mmmimt hei fe'Ä en gros. Cigarren- n. Tabak-Handlung«. Fritz Goercki Berlin 80., Admiralstraße 40(frühere„Linde.") einer®« Dennoö mal, i traf, di die«ige Import echter Havanna, Lager aller Sorten Rauch- und Schnupf tabake, Stich assorttrte» Lager echt türkischer, rnsstscher und amertkautscher Etgarretten und Tabake. Echt Norddäuser Kautabare. !.> � Ä « denn ol � legen', Verantwortlicher Redatteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthsttaße 2.