Mr. 158. Freitag, de« 10. Juli 1885. II. Jahrg. Jl triinfrlMtelilnll. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Bolksblatt" WonnementSpreiS für Mark, wöchentlich 35 --.9—.....- Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSlifle für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf, Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Znferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce». Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Lcnzcq 490 RebaKtian: Keuthstraße S.— Grpedition: Zimmerstraße 44. KonkmrtU)spiel. Schon zu Anfang der siebenziger Zahre, zur Zeit, als die tolle Gründerei und Plünderet sich zu entwickeln anfing, warnten einzelne Stimmen die deutsche Nation vor den We- gen. die sie in wirthschaftlicher Beziehung wandelte. Wir nennen nur den verstorbenen Rodbertus, der die auf die Gründerei folgende Krisis mehrere Zahre voraussagte. Und er stand mit dieser Voraussicht keineswegs allein da. Aber diese Stimmen verhalten sämmtlich, wie die des Predigers in der Wüste. Und das ist allzunatürlich. Bei dem gegenwärtigen Er- werbsleben überhaupt blickt der in den Konkurrenzkampf ge- stellte Mensch immer nur auf seine nächsten Konkurrenten. Mit diesen ringt er, mit ihnen rennt er dem Ziele entge- gen, Vermögen und Reichthum oder doch wenigstens ein gesichertes Dasein zu erlangen. Und dieser Konkurrenzkampf wird von den meisten Menschen mit einer Leidenschaftlich- keit geführt, die ihre Quelle in den häßlichsten Eigenschaften, als da sind: Habsucht, Geiz, Neid u.s.w. hat. Diese Leidenschaftlich- keit aber verhindert auch, daß irgend welche Warnungen gehört und beachtet werden. Vernimmt sie der Einzelne, so kann er entweder nicht ordentlich prüfen, oder wenn er sie für berechtigt anerkennt, dann kann er sie faktisch doch nicht beachten, weil seine Mitkonkurrenten schon voranstürmen und er allein nicht zurückbleiben darf, wenn ihm nicht jeglicher Northeil entgehen soll. Wie viele Existenzen sind nicht schon durch dieses blindwüthende, rastlose Konkurrenzspiel, durch die aus dem- selben resultirende planlose Produktionsweise und die aus dieser hervorgehende Ueberproduktion, der die grauenhaften Krisen folgen, vernichtet worden! Wie viel Roth ist nicht dadurch in unzählige Arbeiterfamilien, wie viel Unzu- fricdenheit und Freudlosigkeit nicht in viele früher gut situirte Unternehmerfamilien getragen worden! Aber nicht blos in der großen Gründerperiode er- blickte man das Konkurrenzspiel, erblickte man die plan- lose Produktionsweise; nein, fortwährend und allüberall da, wo aus irgend welchen Gründen für irgend einen Geschäfts- zweig sich günstige Erwerbsaussichten eröffnen, entbrennt das Spiel planlos und mit Leidenschaft. Zeder will der Erste sein, jeder will das Meiste verdienen. Dieser Trieb muß sehr tief in der einzelnen Menschennawr einge- impft sein, sodaß der Mensch nicht davon laffen kann; da nun die einzelnen Menschen sich nicht von dieser für die Gesammtheit verderblichen Eigenschaft befteien kbnnen, deshalb muß die Gesammtheit, welche klüger und mächtiger ist, als der Einzelne, die Befreiung vom Uebcl unternehmen. Der Weg zu solcher Befreiung geht selbstverständlich durch die Gesetzgebung. Mxhdruck t)«rtoten.] 791 i. e Solr«f Tängs --w-- j Zi «ta'e n dÄul«S Jeuilleton. 3m Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Fortsetzung.) Wenn sie aber erwartet hatten, Herrn und Frau von Solberg anders als je zu finden, so sahen sie sich darin ge- täuscht, denn sie gehörten zu sehr der Welt an, um sich vor dieser anders zu zeigen, als sie es verlangte: freudig und würdevoll. Was auch in ihrem Znnern vorgehen mochte, die Außenwelt hatte keine Berechtigung daran; vor der Gesellschaft durfte es nicht zur Schau getragen werden, und nur für das stille, wieder geräumte Haus gehörte der Schmerz. Einige der Gäste waren allerdings taktlos genug, bei ihrer ersten Begrüßung dem alten Herrn ihr Beileid über das Geschehene bezeigen zu wollen; das aber wies er Alles rasch zurück.„Sieht dies aus wie ein Haus der Trauer?" sagte er lächelnd.„Eher könnte ich es ein Dankfest nennen, daß uns der Herr an dem heutigen Tage, zu unserem alten Hochzeitsfeste, vor einem so schweren Unglücke bewahrt, und als solches möchte ich es auch auf- gefaßt sehen." Nur Franziska sah bleicher aus als gewöhnlich; es aber auch viel verlangt von dem armen Mädchen, sich heute schon, und kaum vierundzwanzig Stunden nach jener furchtbaren Entdeckung, wieder im vollen Staat und vor einer Gesellschaft von meist gleichgiltigen Menschen zu zeigen. Dennoch hatte sie volle Gewalt über sich, und nur manch- mal, wenn ihr rastlos umhersuchender Blick auf Augen traf, die sie mit stillem Mitleid betrachteten, dann blitzten die eigenen höher auf, und für kurze Zeit färbten sich ihre Wangen. HanS hatte die Gäste mit empfangen, und zwar ganz in seiner gewöhnlichen offenen und heiteren Weise. Mit Recht betrachtete er sich auch als den Schöpfer dieses Festes, denn ohne ihn hätten heute diese Räume öde und leer ge- legen', und Thränen wären geflossen, wo jetzt Diamanten Zu vorstehender Betrachtung sind wir heute gekom- men durch den Hinblick auf die traurige Lage der Maschinenstickerei im Königreich Sachsen, welche vor ungefähr 3 Zahren einen so ungemeinen Aufschwung nahm. Auch damals erhoben sich Stimmen, die vor der Ueberproduktion in diesem speziellen Geschäftszweige warnten, aber auch diese Warnungen wurden in den Wind geschlagen. Und jetzt liegt diese Industrie tief darnieder. Ein tüchtiger Geschäftsmann aus jenen Zndustriegegen- den schrieb vor nicht langer Zeit einen Brief über die Ursache des Niedergangs in der Maschinenstickerei und kam zu dem Resultate, daß lediglich das Hasten, das Zuviel- Arbeiten, die Ueberproduktion schuld an der Krisis seien. Zedermann habe vor drei Jahren mit eigenem oder erborgtem Gelde eine Stickmaschine aufgestellt, hunderte, ja tausende von Stickmaschinen seien plötzlich entstanden und das Voigtland und Erzgebirge hätten wie in einem Freuden- meer geschwommen. Schon damals seien Warner ausge- treten, aber vergebens— und aus dem Freudenmcer sei ein wahres Jammerthal geworden. So wie in dieser einzelnen Branche findet man, wie oben schon gesagt, das verderbliche Konkurrenzspiel an allen Ecken und Enden; und nicht nur Krisen werden dadurch er- zeugt, sondern auch ArbeitSausschlüsse und Streiks. Da aber bei dem gegenwärtigen Standpunkte der gesammten ökonomischen Verhältnisse nicht an ein Aufgeben dieses Spiels zu denken ist, so würde eine gesetzliche Beschränkung desselben schon eine große Wohlthat für das gesammte Volk sein. Hazardspiele sind gesetzlich verboten, man rückt dem Börsenspiel zu Leibe und will es durch eine besondere Steuer beschränken. Aber dem viel verderblicheren Konkurrenzspiel in der Produktion, welches die ganze Arbeiterklasse in Mit- leidenschaft zieht und den Spieler beim unglücklichen Spiel nicht allein trifft, läßt man ruhig seinen Lauf. Die paar Ver- suche, dieses Spiel zu beschränken, sind von der Majorität des Reichstags und von der Reichsregierung zurückgewiesen wor- den, selbst der winzige Bruchtheil einer Arbeiterschutzgesetz- gebung, die Sonntagsruhe.— Man meint immer, daß eine Arbeiterschutzgesetzgebung, wie die von der Arbeiterpartei im Reichstage eingebrachte, lediglich der Lohnarbeiterklasse zu Gute kommen würde; das ist aber weit gefehlt, da dieselbe in hohem Grade der G e- s a m m t h e i t dienen und regelnd in das gesammte wirthschaftliche Getriebe eingreifen würde. Die Milderung des wirthschaftlichen Konkurrenzkampfes, die Vermeidung von Ueberproduktion und Krisen, die ruhige Entwickelung und Regelung der Produktion, das sind Ziele und Aufgaben eines Kulturstaates würdig— möge sich Deutschland an die Spitze solcher Zivilisation stellen! blitzten und noch schönere Augen in Lust und jugendlicher Freude funkelten. Aber mit größter Ungeduld erwartete er den Zeit- punkt, wo es ihm angemessen schien, sich entfernen zu dürfen; vorher instruirte er noch die engagirte kleine Kapelle, nicht eher mit ihrer Musik zu beginnen, bis er selber ihnen dazu das Zeichen gäbe. Draußen hielt schon seines Vaters Equipage, und fort rollte der leichte Wagen in die Stadt hinein. „Mein Käthchen!" rief'er aber in Jubel aus, als er in des Mädchens kleines Zimmer trat und sie ihn mitten darin in ihrem vollen Ballstaat erwartete. Sie war so einfach gekleidet, vollkommen weiß, keinen Kopfschmuck als eine rothe Kamelie im Haar und die Korallenschnur, welche ihr Hans heute gebracht, um den Hals— aber wie lieb und hold sah sie aus, wie mädchenhaft und scheu, als sie ihm da so gegen- über stand!„Mein liebes, liebes Käthchen! Oh, daß ich Dich jetzt mein nennen darf— wie glücklich, wie namenlos glücklich hast Du mich gemacht!" „Ich— Zch?" sagte Käthchen leise und tief er- röthend.„Mein guter, guter Hans, mein ganzes Leben gehört ja jetzt Dir, und was in meinen Kräften steht, will ich ja gewiß thun, daß Du den Schritt nie, nie bereuen sollst!" „Und nun komm, Schatz," rief der junge Mann, einen fast schüchternen Kuß auf ihre Lippen drückend—„komm, und heute Nacht schläfst Du zum letzten Mal in dieser ärmlichen Kammer, denn mit Herrn Semmlein unten habe ich heute schon ausgemacht, daß er Dich morgen in seine eigene Woh- nung nimmt..." „Aber, Hans..." „Du darfst nicht mehr allem wohnen, Herz, und nicht in einer Dachkammer," rief der junge Mann.„Du bist jetzt mein Bräutchen, das ich die Zeit, bis wir uns ganz angehören können, auch noch jeden Tag besuchen und mit dem ich Stunden lang plaudern will, und das ginge nicht, wenn Du hier allein Dein Quartier hättest, schon den liebenswürdigen Damen Klingenbruch gegenüber. Ueberlaß nur das Alles mir, Schatz, ich sorge schon für Dich, daß Nolitischr Urberstcht. Die Mitglieder des Vundesrathes, welche nicht hier ansässig find, haben nun sämmtlich Berlin verlassen; mit dem Anfang der nächsten Woche werden auch die Chefs der Reichs- ämter rc. ihre Urlaubsreifen antreten. Die Arbeiten, welche der Bundesraty im September zu erledigen hat, bilden eine Art von Nachsesston; das Material für den künftigen Reichstag wird den Bundesrath erst im Spätherbst beschäftigen. Es gilt immer noch nicht als ausgemacht, ob ein Arbeiter-Altcrs- versorgungs-Gesetz bereits den nächsten Reichstag beschäftigen wird, dagegen gilt als zweifellos, daß die Novelle zur Strafjustizgcsetzgeoung an den nächsten Reichstag gelangen wird. Das Lehrer-Penflonsgesetz ist noch immer nicht publizirt worden. Wie jetzt bekannt wird, liegt dies lediglich an Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Finanzminister und dem Untcrrichtsminister. Diese Bedenken weiden jedoch, wie man annimmt, in kürzester Zeit beseitigt werden und demgemäß der Veröffentlichung des Gesetzes dann keine weiteren Haider- nisse im Wege stehen. In Bundesrathskretsen wird, wie die„Weser � Ztg." wissen will, ein Gesetzentwurf wegen Ergänzung der Reicbsver- fassung erwartet, wonach nichtdeu ische Prinzen im Reichsgebiet nicht sukzesfionsfähig sein sollen.— Eine solche Maßnahme würde sich nicht nur gegen etwaige Ansprüche des Herzogs von Cambridge auf Braunschweig richten. sondem direkt gegen die Erbfolge des.Herzogs von Eoinburg in Koburg, dessen Herzog ohne direkte Erben ift. In Betreff der Retour-Billctausgabe wird der„Voss. Zeitung" zufolge eine bedeutsame Neuerung geplant. Der lediglich nach den Entfernungen richten, und zwar soll dieselbe bemessen werden für Entfernungen bis 100 Kilometer auf 2 Tage, 100 bis 200 Kilometer aus 3 Tage, von 200 bis 300 Kilometer auf 4 Tage u. s. w. für jede hundert Kilometer einen Tag mehr. Bei den Billets nach Berlin soll der Giltigkcits- dauer, welche fich nach dieser Entfernungsskala ergiebt, aus Ent- fernungen von mehr als 50 Kilometern noch ein voller Tag hinzugezählt werden. Die Preise für Retourbillets sollen sich hinfort nach den Zügen richten, welche auf den einzelnen Strecken verkehren, und demnach für Strecken mit Erpreß-, Schnell- und Kourierzügen um 50 pCt. erhöhte Schnellzug- taxen, für Strecken, die nur von Personenzügen befahren werden, uin 50 pCt. erhöhte Personenzugtaren eingchoben werden. Hamburg. Die Hamburger Blätter drucken jetzt den Wortlaut der von Hamburg«Deutsche Dampfschiffs- Rhcderei, A. Wörmann u. Gen., R. M. Sloman u. Co.« ausgegangenen Angebote auf die P o st d a m p f s ch i f f s- S u b v e n t i o n ab und bemerken mißgestinunt dazu:„Auf diese Offerten ist von Berlin keinerlei Antwort erfolg t." In Bremerhaven dagegen hat man vorgestern beschloffen, den Fürsten Bismarck und die Staatssekretäre von Bötticher und von Stephan eben es Dir an nichts fehlt, und nun, mein süßes Käthchen, komm, um die Eltern zu begrüßen." „Ach, ich habe rechte Angst, Hans!" „Hast Du?" lächelte der junge Mann.„Dann vor- wärts, mit einem Sprung in den Wagen! Oder fürchtest Du Dich, wenn ich bei Dir bin?" „Nein, Hans," sagte sie treuherzig.„Dir habe ich mein ganzes Leben anvertraut und darf Dir auch getrost die Führung dieser, vielleicht schweren Stunde überlassen. Mit Gott! Ich kann den Deinen treu und ehrlich in die Augen sehen, und ganz vergessen werden sie mich doch wohl nicht haben." HanS hatte sein Bräutchen selig am Arm und stieg mit ihr die ziemlich steile und oben vollkommen dunkle Treppe nieder. Nur in der ersten Etage brannte an der Treppe eine Gasflamme, und eben als sie dort vorüberschritten, öffnete sich die Thür und Oberstlieutenant von Klingenbruch, der sich etwas verspätet hatte, trat heraus. Flora, die ihm die Thür geöffnet, bemerkte aber auf der Treppe den Glanz des weißen Kleides und blieb natürlich stehen, um zu sehen, wer da in solchem Staat von oben herunter käme, denn aus der zweiten Etage konnte es doch Niemand sein. „Holla, Oberstlieutenant," rief ihm Hans schon entgegen, wie er ihn nur erkannte.„Sie können mit uns fahren, ich habe meinen Wagen unten vor der Thür!" „Mein lieber Herr von Solberg," sagte der kleine Mann, aber doch selber etwas ftappirt, als er den Baron in Be- gleitung einer ballfähigen Dame entdeckte, die aus der oberen Etage zu ihm herunter stieg,„Sie sind unendlich liebens- würdig!" „Und Sie," rief Hans,„sollen denn auch der Erste sein, dem ich hier mein kleines Bräutchen vorstelle.— Ah, mein gnädiges Fräulein, auch Sie, ja, jetzt kann es und soll es auch kein Geheimniß mehr bleiben— mein lieber Oberstlieutenant, Fräulein Katharina Peters, meine Braut. Die Herrschaften kennst Du ja doch, Schatz— Herr Oberstlieutenant von Klingenbruch und Fräulein Tochter."| � „Sehr angenehm!" rief Flora und schlug die Thür zu, daß die Vorsaalfenster klirrten. wegen der Dampfersubvention zu Ehrenbürgern zu ernennen. Der Nordd. Lloyd" läßt erklären, daß er noch keinen der sechs neuen Dampfer in Auftrag gegeben habe. Der Reichstagsabgeordnete Woermann hatte kürzlich in einer Rede vor seinen hamburger Wählern behauptet, ein hervorragendes Mitglied der deutsch freisinnigen Partei im Reichstage habe ihm gesagt, da das Börsensteuergeset doch angenommen werde, fönne man sich den Lurus schon erlauben, einfach mit Nein zu stimmen. Der Richter'sche Reichs: freund" verlangt jest von Herrn Woermann, daß er den Namen nenne und fügt dieser Forderung hinzu:„ Sollte er dies nicht thun, so würde es jedem seiner deutsch freisinnigen Kollegen das Recht geben, ihn für das Gegentheil eines muthvollen Vertreters der Wahrheit zu erachten." Den Mannen des Herrn Richter ist eine derartige Logik schon zuzutrauen, Denn sie haben mehr als einmal nach derartigen Grundsäßen gehandelt. Hoffentlich läßt Herr Woermann mit der Antwort nicht lange auf sich warten. Die Lotterien, seien sie nun staatlich oder vom Staate fonzessionirt, find, um mit dem frommen Profeffor Dethingen zu reden, Korruptionsanstalten, welche namentlich die Armen zur Spielwuth verlocken," sie sind geseßlich erlaubte periodisch abgehaltene Massenhazardspiele, deren Verbot sicherlich eine bringende Forderung der Staatsmoral ist. Freilich schlägt in solchen Fällen der Gottesfurcht und frommen Sitte die finanzielle Erwägung stets ein Schnippchen, und die große Maffe des Volkes zahlt. um den Ausdruck eines österreichischen Abgeordneten zu gebrauchen, diese Blödsinnssteuer ruhig weiter. Aus Desterreich liegen sehr bedeutsame Angaben über die entfittlichenden Wirkungen und Fortschritte des Lottogefälls" vor. Es betrug die Zahl der die Summe der Auf 100 Einwohner Jahre Spieleinlagen Einl.( in Mill. kamen also Spiel( Mill.): Mark): einlagen: 1870 74.01 13.72 363 1871 80.69 15.21 392 1872 84.49 16.00 408 1873 96.74 19.30 461 1874 100.14 20.20 473 1875 104.86 20.74 495 1876 114.58 22.65 536 1877 115.72 21.70 537 1878 107.58 19.90 594 1879 112.32 20.91 511 Zunahme in 10 Jahren: 51.8 pCt. 52.4 pCt. 40.8 pŒt. Diese Zahlen bedürfen keiner weitläufigen Erklärung, fie sprechen in ihrer Nüchternheit beredt genug für Aufhebung aller Einrichtungen dieser Art. Derjenige Staat, der da, wo er interveniren soll, das„ freie Spiel der walten und Kräfte" blind der da, schalten läßt, wo er Ellbogenraum geben soll, bevormundet, handelt sicher nicht im Interesse einer gesunden Entwickelung. Das Lotto, das Lotteriespiel, in seiner großartigen Ausdehnung unter den Unbemittelten, ist ein Beweis für die Unsicherheit im wirthschaftlichen Leben, für den Mangel einer gesicherten Eriſtenz. Der Kampf um's Dasein bietet oft nicht einmal das Nöthigste, deshalb greift gar Mancher in die Tasche, um seine sauer verdienten Groschen im staatlich privilegirten Glücksspiel zu verlieren, in der eiflen Hoffnung, daß er nicht an den Tausenden von Nieten, sondern an den wenigen Treffern partizipiren werde. Man mag mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung den Menschen noch so klar machen, wie aussichtslos derartiges Hazardiren ist, man wird sie nicht davon abhalten. Ein Mittel giebt es: Verbot des Lottospiels einerseits, und das ist das Wichtigste, Schaffung sozialer Reformen, die dem werkthätigen Volfe eine fulturgemäße Eristenz ermöglichen. Dann wird es besser werden. Nur nebenbei sei noch ange führt, daß in den Mitteilungen des statist. Jahrbuches für das Deutsche Reich( 1881, II. p. 52 ff.) zwar über Armenversorung fein Wort gesagt wird, wohl aber über den Verbrauch von Spielfarten! Es wurden in ganz Deutschland Spielkarten versteuert und gingen in den freien Verkehr über: 1879 80: 3 405 911 Spiele 1880/81: 3509 523 Alljährlich wird also Säuglinge und Grese eingerechnet Säuglinge und Grefe eingerechnet von je 12 Personen, der Gesammtbevölkerung ein Spiel Karten verbraucht. porliegenden Falle wird zum ersten Male die Regulirung eines deutschen Stromes unter dauernde Aufsicht des Reiches gestellt. Die Generalpläne find auf Grund der von Reichs wegen unter Vorsitz eines Reichskommissars nach Anhörung der interesfirten Grundbefizer, Schifffahrttreibenden an Ort und Stelle abgehaltenen Enquete aufgestellt und dem Vertrag beigefügt worden. Die Spezialpläne muß der Reichskanzler prüfen und genehmigen, sowie die vertragsmäßige Ausführung derselben überwachen. Für die Inangriffnahme der Arbeiten seitens Preußens find die Mittel im Betrage von 600 000 M. bereits etatmäßig vorhanden. In Preußen ist die allgemeine Schulpflicht zwar bereits in allen Landestheilen der Monarchie, den älteren sowohl wie den neu erworbenen, in dem Sinne gleichmäßig geltendes Recht, daß jedes Kind während gewisser Jahre die öffentliche Volksschule besuchen muß, wenn nicht auf andere Weise für seinen Unterricht gesorgt ist; hinsichtlich des Anfangs- und Endtermins der Schulpflicht besteht jedoch nicht nur eine große Verschiedenheit unter den einzelnen in Betracht kommenden Gesetzgebungen, sondern auch namentlich hinsichtlich des Endtermins eine nachtheilige Unsicherheit, infolge deren die Auffichtsbehörden vielfach und oft ohne Erfolg gegen willkürliche frühzeitige Entlassung der Schüler anzufämpfen haben. So z. B. wurden in einer jüngst ergangenen Entscheidung des Kammergerichts in seiner Eigenschaft als Revisionsinstanz in LandesStraffachen die seitens der Bezirksregierung in Danzig durch Verordnung vom 11. Januar 1875 erlassenen AusführungsBestimmungen zu dem für die Provinz Preußen ergangenen Gesetz vom 11. Dezember 1845, soweit sie den Endtermin der Schulpflicht betreffen, für unzulässig erklärt. Das Allg. Landrecht( Th. 11, Tit. 12,§ 43 ff.) und die Kabinetsordre vom 14. Mai 1825 laffen die Schulpflichtigkeit der Kinder schon mit dem vollendeten 5. Jahre beginnen, wogegen die Schulordnung für die Provinz Preußen vom 11. Dezember 1845 und mit Genehmigung des Unterrichtsministers ergangene Verfügungen der Bezirksregierungen für mehre Landestheile den Beginn der Schulpflichtigkeit auf das vollendete 6. Lebensjahr hinausrücken. Das Ende der Schulpflichtigkeit seßt das Allgemeine Landrecht auf den Zeitpunkt fest, wo das Kind nach dem Befunde seines Seelsorgers die einem jeden vernünftigen Menschen seines Standes nothwendigen Kenntnisse gefaßt hat. Die betreffende Prüfung ist durch das Gesetz vom 11. März 1872, betreffend die Beaufsichtigung des Unterrichts- und Erziehungswesens, dem Staate, bezw. den von diesem ernannten Schulinspektoren zugefallen. Ueber die sehr häufig zwischen Eltern und Schulaufsichtsbehörden inbetreff der Schulpflichtigkeit der Kinder vorgekommenen Streitigkeiten fällen die Gerichte, weil es eben an zweifellosen Bestimmungen über den Anfangs- und Endtermin der Schulpflicht fehlt nicht selten Entscheidungen, die sich widersprechen. Selbst die Praris der höheren Schulaufsichtsbehörden ist nicht ohne Anfechtung geblieben. So z. B. wurde zufolge Anordnung des Unterrichtsministers eine Birkularverfügung des Konfistoriums zu Osnabrück vom 3. Juli 1876, betreffend den Endtermin der Schulpflicht, aufgehoben. Dems nach ist eine allgemein giltige, zweifellose Bestimmung des Anfangs und Endtermins der Schulpflicht ein wirkliches Be dürfniß. Eine solche Bestimmung zu treffen, soll denn auch jezt in der Absicht der Unterrichtsverwaltung liegen. Das Gerücht, daß die Kreise Dortmund und Hagen wegen ihrer übergroßen Bevölkerung getheilt werden sollen, scheint sich zu bestätigen. Der Kreuz- 8tg." wird geschrieben, daß eine solche Absicht bei der Regierung bestehe,' doch sei es nicht zutreffend, daß diese Theilung zugleich mit der Einführung der Provinzialordnung für die Westprovinzen erfolgen werde; fie wird wahrscheinlich schon vorher vollzogen werden. Ueber die Zahl der am 1. Januar cr. in Deutschland vorhandenen Rechtsanwälte giebt das fürzlich erschienene Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich" die ersten offiziellen Daten. Danach waren zur genannten Zeit in den Listen der deutschen Gerichte 4556 Rechtsanwälte eingetragen gegen 4342 im September 1883, und 4150 im März 1880. Es hat also eine Vermehrung in 44 Jahren von 406 oder 8,9 pet. stattgefunden. Von 20 Rechtsanwälten, die beim Reichsgericht bezw. baierischen Obersten Landesgericht eingetragen find, abegesehen, zählt die meisten Anwälte der Oberlansgerichtsbezirt Dresden( 515), demnächst folgen Berlin ( Kammergerichtsbezirk) mit 415, Breslau mit 303, Köln mit 298 u. s. w. Im Verhältniß der Anwaltszahl zur Einwohnerzahl zeigten sich zwischen den einzelnen Oberlandesgerichts- Bezirfen außerordentliche Verschiedenheiten. Während im ganzen Reich auf je 100 000 Einwohnern 10,1 Rechtsanwälte kommen, haben die Bezirke Rostock auf 100 000 Einwohner 29,5, HamDer ,, Verein der Fortschrittspartei zu Elberfeld" hat mit allen gegen drei Stimmen beschlossen, sich in einen demoIratischen Verein umzuwandeln, und traten auf diesen Beschluß die Mitglieder des bisherigen demokratischen Vereins ( Lenzmann Phillips) dem umgewandelten Verein bei. Durchburg 26,4 und Dresden 17,3 Anwälte. Dann folgen München die vollzogene Fusion ist der Verein der Fortschrittspartei also in das Lager der neuen norddeutschen Demokraten übergegangen. Zum Reichskommissar für die Regulirung des Rheins auf der Strecke zwischen Mainz und Bingen auf Grund des zwischen Preußen und dem Großherzogthum Hessen abgeschloffenen Staatsvertrages ist seitens des Reichskanzlers der badische Oberbaudirektor Honsell ernannt worden. Im Klingenbruch warf einen verlegenen Blick zurück, denn die Ungezogenheit seiner Tochter gab ihm einen ordentlichen Stich durch's Herz, aber seine eigene Gutmüthigkeit gewann rasch die Oberhand. Mein lieber Solberg," sagte er herzlich, wenn ich wirklich der Erste bin, dem Sie Ihr liebes Bräutchen vorstellen, so kann ich nur für Sie hoffen, daß alle Glückwünsche, die Ihnen heute noch gebracht werden, auch so ehrlich und treu gemeint sein mögen, wie der ist, den ich Ihnen als ersten Gruß entgegenbringe. Gott segne Sie und Ihr Liebes Bräutchen, und wo Sie auch sein mögen, glauben Sie, daß der alte Klingenbruch herzlichen Antheil an Ihnen nimmt." „ Ich weiß es, mein lieber Oberstlieutenant," sagte Hans, wirklich ergriffen von den einfachen Worten, indem er dem kleinen Manne herzlich die Hand schüttelte; aber nun auch fort! Wir haben hier schon zu viel Zeit versäumt, und drüben bei uns werden sie gar nicht wissen, wo ich geblieben bin.- Vamonos, und Sie, mein alter, lieber Freund, sollen der Brautführer sein!" Wenige Minuten später raffelte die Equipage wieder über das Pflaster der Stadt. Oben bei Klingenbruch's lagen drei Damen in den geöffneten Fenstern und sahen dem Wagen nach, so lange sie ihm mit den Augen folgen konnten. Aber die Glücklichen darinnen achteten nicht darauf, und als der leichte Wagen bald nachher vor dem hell erleuchteten Solberg'schen Hause wieder hielt und die Diener vorsprangen, um den Schlag öffnen nnd die Herrschaften zu empfangen, half Hans seinem jungen Bräutchen heraus, und Käthchen am Arm, von dem Oberstlieutenant esfortirt, betraten sie gleich darauf den menschengefüllten Saal. zu Räthchen zitterte freilich an allen Gliedern. Es waren die nämlichen Räume, die sie als Kind bewohnt, und dann hatte meiden müssen, ohne Hoffnung sie je wieder zu betreten, und jetzt, als Tochter vom Hause, sollte sie da hinein zurückkehren. Das helle Lichtmeer blendete sie dabei; fie fühlte, wie sie ihre Kräfte verließen, und klammerte sich fest an des Geliebten Arm. H Muth, mein Herz," flüsterte dieser ,,, Du brauchst den mit 14,7, Braunschweig mit 14,3, Frankfurt am a. M. mit 13,4, Darmstadt mit 13,1, Jena mit 12,3, Berlin mit 12,2, Kaffel mit 10,3, Celle mit 9,9, Hamm mit 8,8, Köln mit 8,5, Augsburg mit 8,4, Karlsruhe mit 8,3, Stuttgart mit 8,2, Naumburg mit 8,1, Posen mit 7,9, Kiel mit 7,8, Breslau mit 7,6 Rechtsanwälten auf 100 000 Einwohner. Die absolut stärkste Bunahme seit 1880 haben Berlin mit 177, Breslau mit 84, Posen mit 51, Naumburg mit 47, Köln und Königsberg mit Blick vor Niemandem zu Boden zu schlagen. Muth da steht der Vater! Komm, ich führe Dich zu ihm." Die Gäste achteten kaum auf das Paar. Sie sahen wohl, daß Hans von Solberg eine Dame in den Saal führte, aber das konnte auch eben so gut eine Fremde sein, die er nur geleitete. Viele von diesen hatten allerdings Käthchen hier schon früher im Hause gesehen, aber wer von Allen dachte jetzt an das das arme Mädchen, das die Familie wie man recht gut wußte, aber sich nicht weiter darum kümmerte, fortgeschickt hatte? Die jetzige Erscheinung glich fümmerte, fortgeschickt hatte? Die jeßige Erscheinung glich auch dem Räthchen von früher nicht mehr. Es war eine schlanke, bleiche, ätherische Gestalt, und wie sie jetzt an des schlanke, bleiche, ätherische Gestalt, und wie sie jetzt an des jungen Solberg Arm durch den Saal schwebte, schien fie den Boden kaum zu berühren. Der alte Baron entdeckte sie zuerst. Wie nur Hans den Saal verlassen, ahnte er, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, in dem sich das Räthsel lösen müsse, und in peinlicher Unruhe verbrachte er die Viertelstunde, die es bauerte, bis der Sohn zurückkehrte. Jetzt trat er in den Saal, die junge Dame, die er am Arm führte, war seine Braut, von jetzt an seine eigene Tochter, und mit zitternden Schritten ging er ihm entgegen. Schwamm es ihm doch so vor den Augen, daß er nicht einmal gleich die Züge der Fremden erkennen konnte. " 1 Bater," rief Hans, indem er auf ihn zuflog und ihn umschlang. Deinen Segen, Vater!" Rennst Du Dein fleines Räthchen nicht mehr?" " Käthchen?" rief der alte Herr, und stand, beide Arme halb erhoben, dem schüchtern zu ihm aufschauenden jungen Mädchen gegenüber, Käthchen, bist Du das, Kind? Bist Du das?" " Mein lieber, lieber Vater!" rief Käthchen, auch nicht mehr im Stande, sich länger zu halten. Was fümmerten fie die fremden geputzten Menschen, die sie rings umgaben; Sie sah, sie hörte nichts weiter, als die alte, liebe, so lange nicht gehörte Stimme, die ihren Namen rief, und laut nicht gehörte Stimme, die ihren Namen rief, und laut schluchzend warf sie sich an des Vaters Brust, der sie aber schluchzend warf sie sich an des Vaters Bruft, der sie aber jest fest umschlang und wieder und wieder ihre Stirne tüßte. Hans aber hatte die Mutter erspäht. Mutter," rief H 37 und Stettin mit 28 Anwälten. In Prozenten beträgt die wird d Zunahme in Berlin( Kammergerichtsbezirk) 77, Bosen 57, Weise Zweibrüden 46, Marienwerder 45, Königsberg 39, Breslau 38, tigere Stettin 32, Neuenburg 29, Colmar 28 pet. u. f. w. niffen eine un r. ( Der Rückgang in der überseeischen Auswanderung derung aus Deutschland hat auch im Monat Mai angedauert. Es entbehn wanderten in diesem Monat im Ganzen 18,835 über deutsche aufsicht liches! Häfen und Antwerpen aus, während die Gesammtzahl im Mai vorigen Jahres 21.931 betragen hatte. In den fünf ersten ordnun Monaten dieses Jahres waren im Ganzen nur 56,182 Personen Sitte ausgewandert gegen 80,104 im gleichen Zeitraume des Vor jahres. Von den Auswanderern des Monats Mai kamen auf Breußen 12,926, auf Bayern 1742, auf Sachsen 416, auf Württemberg 1068, auf Baden 781 c. Von den preußischen Provinzen haben die größten Kontingente gestellt: Westpreußen genen ( 1911), Pommern( 2245, Posen( 1989), Schleswig- Holstein ( 1303) und Hannover( 1800. Wenn Fürst Bismarck recht zur E hätte mit seiner paradoren Behauptung, daß die Höhe der and de Auswanderung einen hohen Nationalwohlstand kennzeichne, wettete dann wäre also dieser Wohlstand stark im Sinfen. Großbritannien. am M zu Die nomme schwere Den be anit fid seiner geword Englands Macht befundete sich durch die Höhe seiner bringer Justobj Einfuhrziffern. Das meerumflossene Inselreich war der Gläubiger aller Bonen, seine Kapitalien waren in den Staats- fich de papieren, in den Industrien, Eisenbahnen, in dem Handel aller wurder Länder angelegt, und als Zinsen wurden die Produkte des dieser durch die Weltkrisis, die bereits in einer Reihe von hervor Auslandes in gewaltigem Umfange importirt. England ist ragendsten Erwerbszweigen chronisch geworden ist, ferner durch den reißend gestiegenen Wettbewerb anderer Industriestaaten von dem Gipfel seiner monopolistischen Stellung verdrängt worden, und die Herrschaft Großbritanniens auf dem Geld und Waarenmarkte beginnt zu wanten. Betrachten wird die Ein- und Ausfuhr im Britischen Reiche 1856-1884. haide volle zum S Wige, Tage f tafie de Wirkur Sterl. Bfd. Sh. Pce. Enfelin schwach Im Jahre 1856-60182 937 131 1861-65 1866-70 1871-75 247 602 467 292 730 266 360 203 751 1876-80 382 513 313 1881 397 022 489 Import Export von Waaren Pfd. Sterl.*) 149 078 352 190 830 846 234 716 459 297 686 217 257 960 862 297 082 775 1000 Pfb. Ueber Import Schuß des Imports pro Kopf der in Bevölkerung Nachmi hanna gelegen Straße mit de um fich 1882 412 002 000 1883 1884 425 604 000 389 774 000 241 477 000 239 830 000 232 928 000 Durchschnitt 8 9 12 6 Meinu 11 256144520 382467306 33 859 6 13 56 772 58 014 62518 124 552 99.939 170 525 185 774 156 846 11 11 11 13 11 19 10 16 und ha 4 fontroli gemacht 5 wollte nuten I zu verli rend d Frau fe ihr von was sel Folge Leiche beamter Wie man sieht, ist die Glanzperiode Englands bereits vor über. Die Importziffer ist 1884 gesunken, 1881 bei einer Be völkerung von 31 628 338 Röpfen entfielen auf den Kopf 11 Bfd. 4 Sh. 6 Pf.( ca. 225 Mt.), 1884 bei einer Bevölkerung von 36 Millionen nur 10 Pfd. 16 Sh. 10 Pf. ca. 217 Mt.). Es ist also absolut und relativ ein Rückgang eingetreten, den am des Ba schwersten und nachhaltigsten die breiten Schichten des werk laffen t thätigen Volkes empfinden. Thatsächlich hat sich ein großer mit der Theil der nothwendigen Lebensmittel vertheuert und ihr Konsum damit verringert. Dadurch ist der standard of life, die wirthschaft entsegli liche Lebenshaltung des Proletariats verschlechtert worden. Wis gefährli haben es hier mit einer fortschreitenden Verschärfung des Gegen Bug a fazes zwischen Reich und Arm, mit der Pauperifirung bermahnen großen Masse und der Vereinigung der Produktionsmittel in immer weniger Händen zu thun Ein Zeichen der Zeit, das zu sozialen Reformen mahnt. Denn Deutschland kann man zurufen: Tna res agitur, deine eigene Geschichte spielt sich ab. Was für England, gilt und wird gelten für die deutschen Ver hältnisse. Lokales. M P. zahlt. Eigenth Str. 7 einem niger, i Lehnige Woher r zu einer wahren Kalamität in unserem Straßen verkehr werden gegenwärtig die standalösen Hunde Szenen, wäre, g denen man auf Schritt und Tritt begegnet und deren äußers es liebt liche Widerwärtigkeit dadurch nicht geringer wird, daß man am liebsten stillschweigend und schnell vorübergeht. Es ist ja peingehende Folge lich über folche Dinge zu schreiben, ja auch nur zu sprechen, Schuld aber den unerträglichen Vorkommnissen in unseren Straßen Gläubi gegenüber kann nicht länger geschwiegen werden. Die Gefahr der Uebertragung der Hundswuth ist wahrlich nicht größer, als Lehnig die demoralisirende Wirkung jener Vorkommnisse, bei denen skrupel Kinder beiderlei Geschlechts in großen Haufen fich ansammeln. Die Fra Bum Zwecke der Einziehung der Hundesteuer find die peinlichsten haft, is Vorschriften gegeben, der vielfach ganz nuglose Maulforbzwang anderer Frauke *) 1 Pfund Sterl.= 20 Mt. 1 Bfd. hat 20 Schilling in argl 1 Schilling 12 Pence; 1 Schilling 1 Mt., 1 Benny 81% Pfennig. = => Allem, er, fie umfassend und zum Vater hinüber führend, ich vorgefa bringe Dir Deine Tochter wieder, meine liebe Braut. Sei verschli gut mit ihr, Mutter, denn sie hat Deines Sohnes Glück be nnd Er gründet." glüdlid Hans," rief die Mutter halb erschreckt und hielt mitten den Au in ihrem Gang inne, aber Franziska tam ihr zuvor. Das hatte d Unglück, das sie selber betroffen, hatte sie weich gestimmt, und Kind, gerade das, was sie der früheren Pflegeschwester entfremdet, Guten hatte ja jezt nur zu rasch seine furchtbare Bestätigung er es war halten. Mit flüchtigen Schritten eilte sie auf Räthchen zu das Ge und schlang ihren Arm um sie, und als sich jetzt auch, 911 Thränen in den Augen, die Mutter näherte, da warf Hans Käthche in ausbrechendem Jubel seinen Arm empordas Zeichen und ab für die schon lange dessen harrenden Musici und ein einen schmetternder Tusch füllte in dem nämlichen Moment den Bräutch weiten Saal. Hans aber, sein Bräutchen jetzt selbst der Mutter ent wiederg ziehend, hob sie fast mehr, als daß er sie führte, mitten in Bruft, ben Saal hinein, und wie nur die rauschenden Fanfaren geendet, rief er mit lauter, jubelnder Stimme:„ Meine Herr noch?" schaften und lieben Gäste und Freunde! Nicht die Trauer hat in diesen Räumen ihren Wohnsitz aufgeschlagen, wo fie der alt gestern freilich einzog, heute muß sie dem Glück den Kampf des Ge platz überlassen. Was jener Bube, der sich mit falschem Namen und Rang in unsere Herzen eine Beit lang ein nistete, getrennt, das führe ich heute den Eltern wieder zu: mein Pflegefchwesterchen, meine Braut!" es an dem .. 11 9 mur zu in's G Ranges Und jetzt setzte die Musik ohne sein Zeichen zu einem neuen Hans, Tusche ein, bei dem das liebliche Mädchen wie mit Purpur fratische übergossen stand. Aber lange wurde ihr keine Beit gelaffen, in unse denn Alles drängte herzu, um sie zu beglückwünschen, und wenn das auch manchen der jungen Damen vielleicht nicht so recht von Herzen ging, an freundlichen Worten fehlte feiner. Aber alles das schwamm auch nur für die Glüd lichen in einen Moment von Seligkeit zusammen, und wie jetzt die kleine Kapelle zu einem luftigen Galopp einfeste da umschlang Hans sein Bräutchen und flog mit ihr jubelnb durch den Saal dahin. Damit war auch die Bahn gebrochen und zugleich noch eine Art von drückendem Gefühl gehoben, das bis jetzt, tro Tächelte O 1~ a eine funten, mehr a dem A eträgt die wird von den Hundefängern oft genug in geradezu chikanöser Bosen 57, Weise aufrecht erhalten und hier, wo es fich um die viel wichreslau 38, tigere Frage der Moral handelt, soll man an solchen Aergernissen achselzuckend vorübergehen? Es ist keine unbillige Foranderung derung, daß den Hundebefizern, vielleicht an Stelle der vielen uert. Es entbehrlichen Pflichten, zunächst die aufgelegt werde, die Be r deutsche aufsichtigung der Thiere soweit auszudehnen, daß solch öffentI im Mai liches Aergerniß vermieden wird. Auch ohne behördliche Aninf ersten ordnung sollte jeder Besitzer eines Hundes diese Pflicht als Personen eine unabweisliche Forderung des Anstandes und der guten Sitte anerkennen und danach handeln. des Vor amen auf r. Ein eigenartiges Familien- Kaffeekochen fand 416, auf am Mittwoch Nachmittag in einem Lotale der Hasenhaide statt. Die zu diesem Zwecke vereinigte Gesellschaft hatte am verganreußischen genen Sonnabend eine Partie durch den Grunewald unterestpreußen nommen und ein wohlbeleibtes Mitglied derselben bediente fich -Holstein ard recht zur Erleichterung des beschwerlichen Weges eines ziemlich schweren Stückes Knüppelholz, das er zufällig am Boden fand Höhe der und das er als grotesken Spazierstock benußte. Ein Anderer nnzeichne wettete nun mit dem Dicken, daß dieser nicht im Stande sei, Den besagten Knüppel als Spazierstock den ganzen Tag über anit sich herum zu führen und am Abend mit nach Berlin zu seiner bringen. Der Dicke ging auf diese Wette ein, als deren Verwar der austobjekt eine halbe Tonne Bier stipulirt wurde. Man kann Staats- fich denken, wie viele Versuche im Laufe des Tages gemacht ndel aller wurden, den Knüppel von seinem Besizer zu trennen, aber dieser brachte das Stück Holz nebst mehreren Harzflecken in feiner Garderobe richtig mit nach Hause und die dadurch fällig gewordene halbe Tonne wurde nun am Mittwoch in der Hasenhaide geleistet. Bei dem Kaffeekochen aber verschwand der ruhmvolle Knüppel unter dem großen Kaffeekeffel, dessen Wasser er ige, welche der siegreiche Knüppel bei dieser Gelegenheit zu zum Sieden bringen half. Die Toaste, Scherze und geistreichen Tage förderte, fich zu vergegenwärtigen, müssen wir der Bhantafie des Lesers überlassen; unsere Feder ist diesen großartigen Wirkungen des besagten Knüppels gegenüber wirklich zu schwach. outte des gland ist n hervor mer durch Criestaaten werdrängt Geld wird die 884. mport Ropf der Blferung Sh. Pce. 382467316 19 256144520 Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich vorgestern Nachmittag auf dem Bahnhofe in Köpenid. Die Wittwe Johanna Punke, eine Handelsfrau aus dem hinter Frankfurt a. D. gelegenen Orte Laskow, fuhr in Begleitung ihrer 6 Jahre alten Enfelin, Helene Müller, die hier bei ihren Eltern in der Annenstraße wohnt, vorgestern Nachmittag um 1 Uhr 30 Minuten mit dem Personenzuge vom hiesigen Schlesischen Bahnhofe ab, um sich in die Heimath zu begeben. Die alte Frau war der 6 Meinung, daß sie für das Kind ein Fahrbillet nicht brauche und hatte daher ein solches hier nur für sich gelöst. Von dem fontrolirenden Schaffner während der Fahrt darauf aufmerksam. 4 gemacht, daß auch das Kind eine Fahrkarte haben müsse, wollte Frau Punte in Köpenick, wo der Zug nur wenige Minuten hält, das Versäumte nachholen und trat, um keine Zeit zu verlieren, auf die Stirnseite des Durchgangswagens, wäh rend der Train noch in Bewegung war. In der Haft trat die Frau fehl und stürzte so unglücklich zwischen die Wagen, daß ihr von den Puffern der Kopf buchstäblich zerquetscht wurde, was selbstverständlich den sofortigen Tod der Verunglückten zur f 11 Pfo. Folge hatte. Die von Blut überströmte, schauerlich aussehende Cung von Leiche wurde von den hinzueilenden Stations- und Fahrt.). Es beamten sofort hervorgeholt und einstweilen in einem Schuppen den am des Bahnhofes untergebracht, während die Enkelin zum Veres werk laffen des Zuges veranlaßt wurde. Das Kind wurde sodann n großer mit dem nächsten nach Berlin fahrenden Buge zurückgeschickt, Konsum damit es seinen Eltern die Trauerbotschaft überbringe. Dieser rthschaft entfeßliche Vorfall zeigt wieder einmal recht eindringlich, wie en. Wis gefährlich es ist, einen Eisenbahnwagen zu verlassen, ehe der Gegen Zug außer Bewegung ist, und er möge daher zur Vorsicht ung bermahnen. mittel in eit, das nn man reits vor einer Be t fich ab. hen Ver man am Gerichts- Zeitung. P. Wie die Frau Vize- Wirthin ihre Schulden bezahlt. Die Direktion der Diskonto- Gesellschaft in Berlin ist Eigenthümerin des vor Kurzem erbauten Hauses Knesebeckstraße Dr. 7 in Charlottenburg und war die Verwaltung desselben einem Beamten der genannten Gesellschaft, dem Sekretär LehStraßen niger, übertragen worden. Das ansehnliche Gehalt des Herrn Szenen, ehniger, welches für zwei Handwerker Familien ausreichend äußers wäre, genügte jedoch den Ansprüchen der Frau Vizewirthin, die es liebte, den Hausbewohnern durch einen weit über ihre Mittel ja pein gehenden Aufwand zu imponiren, nicht und die unausbleibliche sprechen, Folge war, daß die Frau hinter dem Rücken ihres Mannes Schulden kontrahirte, bis sie schließlich, als die ungeduldigen Straßen Gläubiger mahnten, sich zu der Frage gezwungen fühlte: Gefahr Woher nehmen und nicht stehlen? Aber Frau Pauline ößer, als Lehniger, geborne Dartsch, wußte fich über jeden Gewissens ei denen ſtrupel hinwegzusetzen und sie stahl. Ihr war bekannt, daß ammeln. Die Frau des Maurerpoliers Reinice, in demselben Hause wohninlichften haft, in ihrem Kleiderschrank mehrere Sparkassenbücher außer rbzwang anderen Werthpapieren aufbewahrte; diesen Umstand hatte die FrauReinide der ihr gegenüber Freundschaft heuchelnden Lehniger, Schilling in argloser Stimmung mitgetheilt und sie sollte ihre VertrauensSenny = Allem, auf der Gesellschaft gelegen. Man wußte ja, was d, ich vorgefallen war, und konnte sich dem Gedanken nicht ganz ut. Sei verschließen, daß hier die laute Fröhlichkeit doch nur Schmerz Blüd be und Enttäuschung übertäuben solle. Jetzt aber, mit dem glücklichen Brautpaar voraus, mit der Freudenthräne, die in It mitten den Augen des alten Barons von Solberg blinkte, denn er r. Das hatte das Käthchen ja immer lieb gehabt wie ein eigenes mt, und Kind, schien das Ganze doch eine Wendung zum entschiedenen fremdet, Guten erhalten zu haben. Es war kein gemachtes Fest mehr, gung er es war ein wirkliches geworden, und rasch genug theilte sich hchen zu das Gefühl der ganzen Gesellschaft mit. Bt auch, Während einer Pause, in der jetzt Franziska mit f Hans Räthchen, um die sie den Arm geschlungen, im Saale auf Seichen und ab ging, stand der alte Solberg mit Hans an dem and ein einen Fenster. Hans folgte mit den Blicken seinem holden tent den Bräutchen, und auch des Vaters Auge hing eine Beit lang an dem Schwesterpaar, das sich da durch des Sohnes Hilfe ter ent wiedergefunden. Aber er seufzte trotzdem recht aus tiefster mitten in Bruft, so daß Hans selber darauf aufmerksam wurde. Fanfaren Was hast Du, Vater? Welche Sorge drückt Dich me Herr noch?" muer hat Eine Sorge gerade nicht, mein lieber Sohn," sagte wo sie der alte Herr, aber doch ein recht trauriges, nieberbrückenRampf des Gefühl." falschem ng eins der zu: m neuen Purpur en, und ,, An dem heutigen Abend?" ,, Allerdings, weil es mir gerade der heutige Abend wieder nur zu sehr bestätigt und andere, schon frühere Beweise frisch in's Gedächtniß zurückruft. Es geht mit dem Adel bergab, Hans, die gute alte Zeit ist vorbei und geschwunden, demokratische Ideen breiten sich mehr und mehr, und leider selbst gelassen, in unseren Kreisen aus, und die Stelle des ehrwürdigen Ranges nimmt ein gemeines Metall ein das Gold." Es wird zu den edlen Metallen gezählt, Papa," " Ja," nickte der alte Herr, als das Wort edel noch eine andere Bedeutung hatte; aber auch darin ist es gejubelnb funken, denn ein Stück erbärmlichen Papiers zählt jetzt oft mehr als Haufen Goldes. Nein, das Gold ringt jetzt mit dem Adel um die Herrschaft, und leider läßt es sich nicht cht nicht Fehlte e Glüd lächelte Hans. nb wie einfeste cich nod Bt, trob feeligkeit bitter bereuen. Eines Tages im März d. I. begab fich Frau Reinicke nach Berlin und ließ ihre Wohnung ohne Aufsicht. Dies benutte die Lehninger, von den ihrem Manne bei Uebernahme der Vizewirthschaft übergebenen Schlüsseln suchte sie innen aus, der zur Reinicke'schen Wohnung paßte und nachdem sie mittelst desselben sich daselbst Eingang verschafft, entnahm sie von den in einem vorderen Zimmer im Schrank aufbewahrten Sparkassen- Büchern das über einen Betrag von mehreren hundert Mark lautende. Die diebische Vizewirthin hatte dabei Muße genug, die festzusammengeschnürten Bücher hatte dabei Muße genug, die festzusammengeschnürten Bücher aus der Verschnürung zu lösen und nachdem sie das Buch in aller Bequemlichkeit ausgesucht, die Verschnürung wiederzuschürzen, worauf sie sich unbemerkt entfernte. An demselben Tage erhob die Lehniger 200 M. unter Vorzeigung des ge= stohlenen Buches von der Berliner Sparkasse. Erst im Monat Mai d. J. als Frau Reinicke zu Einkäufen Geld gebrauchte sah sie nach den Sparkassenbüchern und entdeckte dabei, daß eines derselben ihr gestohlen worden war. Die Frau brach, als fte den Verlust gewahrte, in lautes Jammern aus, welches von der Lehniger vernommen ward und diese sette nun ihrer boshaften Raffinirtheit die Krone auf. Mit der mitleidigen Frage: Warum weinen Sie denn Frau Reinicke?" trat die L. zu der Bestohlenen und nachdem sie noch den Verdacht auf den in Hamburg weilenden Sohn der Bestohlenen zu wälzen sich bemühte, erbot die L. sich, nach dem Städtischen Sparkassen- Bureau in Berlin zu fahren, um die Auszahlung des Spargeldes zu inhibiren. Die L. fuhr auch alsbald nach Berlin, nicht aber zu dem legtangegebenen 3weck, sondern ste legte, dort angekommenen, das von ihr selbst gestohlene Buch vor, um den darauf noch eingetragenen Restbetrag von ca. 200 M. abzuheben. Bei Ausübung dieser Frechheit wurde die Diebin verhaftet und demnächst in das Untersuchungsgefängniß eingeliefert. Gestern stand die diebische Vizewirthin, die wegen Brandstiftung schon einmal in Untersuchung gewesen, vor der ersten Straffammer des Landderichts II, woselbst sie ein um fassendes Geständniß ablegte. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr Zuchthaus und Ehrverlust auf die Dauer von zwei Jahren. Der Gerichtshof ließ indeffen Milde walten und ertannte auf 6 Monate Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust. Eine jugendliche Verbrecherin. Die 21 jährige Eliza Salmons stand, wie aus London berichtet wird, vor den Assisen des Central Criminal Court unter der schweren Anklage, die Mörderin ihres dreijährigen Kindes Louise Emma zu sein. Ihr sanftes Aeußere ihre einnehmenden lieblichen Büge laffen sich mit dieser fürchterlichen Beschuldigung nicht vereinigen und ihr als seelengut geschilderter Charakter, ihr harmloses, findlich gutmüthiges Wesen scheinen von vornherein die Anklage zu entwaffnen. Und doch sprechen die Thatsachen in einer entfeßlich beredten Weise für ihre Schuld und weisen auf sie als ruchlose, herzlose Mörderin! Das Kind Louise Emma die Frucht eines Fehltrittes- wurde im Juni 1882 geboren, und da die Angeklagte zur Fristung ihrer Existenz zu fremden Leuten in Dienst trat, überließ sie das Kind zur Pflege ihrer Tante in Leytonstone gegen einen wöchentlichen Betrag von 4 Shilling. Büntlich zahlte sie aus ihrem mühsam erarbeiteten Lohn diese Summe bis zum März laufenden Jahres bann blieb sie das Verpflegungsgeld schuldig. Am 8. März holte sie ihr Kind ab, besuchte mit demselben ihre Mutter zu Romford und verließ lettere des Abends mit dem Kinde. Sie traf in ihrer Dienststelle ohne das Kind ein. In der Frühe des nächsten Morgens wurde deffen Leiche in dem New River gefunden. lich, nichts trübte anscheinend ihre Laune; ein sanftes, die Die Angeklagte verrichtete ihre häuslichen Arbeiten wie gewöhn vollste Gewissensruhe verrathendes Lächeln umspielte wie immer forschungen eingeleitet, welche die Identität der Leiche mit dem die Lippen des Mädchens. Die Polizei hatte unterdessen NachKinde der Salmons feststellten. Die Londoner Polizei telegraphirte an die zu Romford, wo die Angeklagte wieder zu Besuch bei ihrer Mutter verweilte, um ihre Verhaftung. Eliza Salmons, als sie vernahm, daß die Polizei fie suche, begab sich freiwillig auf die Polizei- Station und fragte lächelnd den diensthabenden Beamten, warum man sie suche. Scherzend fügte sie bei: ,, Man will mich wohl auf einen oder zwei Tage ins Loch Als man in das sich ein so fürchterliches Verbrechen mit ihrer so vorwurfsfreien Vergangenheit vereinigen? Wahrhaft rührend ist es zu hören, mit welcher Liebe und Hingebung die Angeklagte an ihrem Kinde gehangen hatte, wie zärtlich sie dasselbe pflegte und ihren ganzen fargen Lohn der Sorge für ihr Kind zuwendete. Wo wäre hiernach das Motiv für das Verbrechen? Der Vertheidiger sucht vielmehr die Erklärung darin zu finden, daß in der Dunkelheit jenes verhängnißvollen Abends die Angeflagte mit einer dritten Person verabredetermaßen zusammengetroffen sei, der sie das Kind zur Ueberbringung in das Armens haus übergeben habe, daß dieser Dritte in der Dunkelheit das Kind durch einen unglücklichen Bufall in das Waffer habe fallen lassen. Mr. Justice: Ich wollte die beredten Ausführungen des so warm für seine Klientin eingetretenen Vertheidigers nicht unterbrechen, allein ich muß den Herren Ge schworenen zu bedenken geben, daß keinerlei Beweis für den von dem Vertheidiger als möglich hingestellten Sachverhalt er bracht worden ist. Die Geschworenen dürfen jedoch ihrem Verdikte keine Thatsachen zu Grunde legen, für die nicht der Beweis angetreten worden ist. Uebrigens muß ich dem Herrn Vertheidiger bei aller Anerkennung seiner edlen Bemühungen bemerken, daß ich gewünscht hätte, es wäre von seiner Seite in einem früheren Stadium ein solcher Sachverhalt vorgelegt worden; dann hätte man wohl über den selben Nachforschungen einleiten können. Jezt kann ein solches unbewiesenes Vorbringen nicht berücksichtigt werden. Die Jury fällt ein Verdift auf Schuldig; die Angeklagte stürzt bei Anhörung dieses Verdiftes mit einem lauten Schrei bewußtlos zu Boden. Nun erhebt sich der Obmann der Ges schwornen: Mylord! Die Geschwornen sind, ihrer Pflicht getreu, jedoch mit schwerem Herzen, zu diesem Verdikte gelangt. Wir bitten, Mylord, um Gnade für die Angeklagte in Betracht ihrer Jugend und ihres bisherigen unbescholfenen Lebens wandels." Mr. Justize Hawkins( nach einer Pause, welche seine tiefe Erschütterung verrathen läßt) bedeckt sich mit der schwarzen Müße, zum Zeichen, daß er ein Todesurtheil zu vers tünden im Begriffe stehe: Eliza Salmons! Mit offenbarem Schmerze hat die Jury sich durch ihre Pflicht gebunden gesehen, Sie auf Grund des Beweisverfahrens des fürchter lichen Verbrechens des Mordes, begangen an Ihrem leiblichen dreijährigen hilflosen Kinde, schuldig zu erklären. Ich theile diesen Schmerz, der hier am Plage ist. Ihr Vertheidiger hat zu Ihren Gunsten Alles vorgebracht, was zu fagen war. Dank und hingebende Erfüllung seiner so schweren Aufgabe. Seinen herz warme Anerkennung des Gerichtes gebührt ihm für die edle bewegenden Worten haben Sie es gewiß zum wesentlichen Theile zu verdanken, daß die Jury Sie der Gnade empfohlen hat. Aber ich darf Sie nicht in die Hoffnung einwiegen, daß Sie darum auch die Gnade zu erwarten hätten. Es wäre das ein Unrecht meinerseits in diesem ernstesten Augenblicke Ihres Lebens. Ich werde sofort die Empfehlung der Geschworenen jener Stelle unterbreiten, welche allein darüber zu entscheiden hat. Mir selbst bleibt nur eine einzige und traurige Pflicht. In Er füllung dieser will ich Sie auch nicht länger in diesem Augenblicke Ihrer Verzweiflung und Seelenangst vor mir stehen lassen, als nothwendig ist. Unglückliches Mädchen! Ich will in diesem Augenblicke Ihre ohnedies schwer genug belastete Seele nicht weiter durch Vorwürfe quälen. Suchen Sie Gnade vor jenem Richter, vor dem Sie voraus fichtlich bald Rechenschaft über Ihre schwarze That abzulegen haben werden. Mir obliegt die Verkündigung jenes Urtheils, das ich keine Kraft habe zu mildern oder abzuändern." Mr. Justice verkündet hierauf das Todesurtheil in der hergebrachten Form. Die Angeklagte wurde in bewußtlofem Zustande aus dem Gerichtssaale gebracht. Tieferschütterndes Mitgefühl hatte alle Anwesenden erfaßt. Unglückliches Mädchen!" diese Worte des Richters scheinen noch lange im Gerichtssaale- dem Schauplage so vielen menschlichen Elends nachzuflingen. Das unglückliche Mädchen ist aus der Zahl der Lebenden gestrichen. Entweder muß ihr schönes Haupt dem Strange des Henkers zum Opfer fallen oder die finstere Nacht des Kerkers wird zum Grabe ihres Lebens. Doner Telegramm vorwies, erblaßte fie und vermochte faum auf- Soziales und Arbeiterbewegung. recht zu stehen. Ich habe mein Kind nicht getödtet," war schließlich ihre Antwort, an der sie auch bei ihrer Vernehmung im Vorverfahren festhielt. Zu einer weiteren Erklärung war sie nicht zu bestimmen. In der Verhandlung plaidirt fie auf Nichtschuldig". Eine weite Befragung derselben gestattet das englische Recht nicht, und sich freiwillig des Näheren über die Anklage zu verbreiten, ist ihr ohnedies verwehrt, da fie einen Vertheidiger zur Seite hat. Mit demselben sanften Aeußern, ein engelreines Lächeln ihre Lippen umspielend der Ausdruck der Unschuld, steht sie vor Gericht. Die An flage hält jedoch an ihrer Schuld feft. Eine Reihe zwingender Indizien weist darauf hin, daß die Angeklagte ihr Kind in den Fluß geworfen habe, um sich der Laft der weiteren Sorge für daffelbe zu entledigen. In warmer Weise tritt der Vertheidiger für sie ein. Allerdings erleichtert ihre Erscheinung seine Aufgabe; ihr Schweigen selbst ist Beredtsamkeit. Läßt leugnen, daß der letztere mit jedem Tage an Boden verliert." ,, Und hältst Du das für ein Unglück, Vater? Ist es nicht der praktische Geist der Zeit, der nicht mehr nach eingebildeten oder gedachten Verdiensten, sondern nach wirklichen Bahlen rechnen will?" Du hast kein Urtheil darin, Hans," sagte Herr von Solberg ruhig, denn Du gehörsi schon vollkommen der neuen Richtung an, was Du mir eben wieder durch Deine Mesalliance bewiesen hast." Mesalliance, Vater?" sagte Hans topfschüttelnd; ,, unter Mesalliance verstehe ich eine unglückliche Ehe, in der Mann und Frau nicht in Frieden bei einander wohnen können, weiter nichts." zu Ich verstehe aber etwas Anderes darunter und sehe eben zu meinem Leidwesen, daß sie aller Orten überhand nehmen." Und bist Du böse, daß ich mir Käthchen zu meinem lieben Weibe nehmen will?" Der Baron schwieg. Lieber wäre es mir," sagte er endlich, wenn Du Dich in einer uns ebenbürtigen Familie nach einer Gattin umgesehen; aber da es gerade das Räthchen ist, das Du Dir gewählt, so will ich Dir deshalb nicht zürnen. Hat es mir doch schon die ganze Zeit auf der Seele gebrannt, daß wir sie damals von uns stießen. Uebrigens ist Deine Mesalliance nicht die einzige, sondern die ganze Stadt scheint sich darin zu überbieten. Der arme Hauptmann von Dürrbed wollte die Sängerin heirathen, Fräulein von Schaller hat sich mit Doktor Potter verlobt, Abend ebenfalls ihre Verlobung mit dem reichen Banquier und Fräulein Henriette von Klingenbruch hat uns gestern Meyer angezeigt." Die Kosten der amtlichen Statistik in den verschiedenen europäischen Staaten find sehr verschieden. Sie betragen nach schrift", per 1000 Einwohner in einer Mittheilung in der österreichischen Statistischen Monats6 Gulden 60 Kreuzer Desterreich Italien " BARPAS28 7 30 " " Ungarn 9 20 " 1 " Schweiz 10 70 " 1 〃 Preußen 15 20 " " Baiern . 16 60 Großbritannien 19 Sachsen " 1 " 1 " 20 35 60 11 11 11 Wie man sieht, leistet Desterreich petuniär am wenigsten, liche Statistik zu schaffen, dazu bedarf es nicht blos viel reichSachsen am meisten für statistische Zwecke. Um eine gute sachlicherer Geldmittel als bisher, sondern auch einer größeren Unabhängigkeit der Statistiker von der Regierung. Die Statistik darf nicht die Thürschließerin des augenblicklichen Ministeriums, sondern sie soll eine unabhängige, freie Wissenschaft sein. Das ist sie heute, mit wenigen Ausnahmen, nicht; sie wird es hoffent lich werden zum Nuzen des Volkes, zur Förderung einer wahrhaften Sozialgesetzgebung. Der durch Feuer angerichtete Schaden, den die Vers einigten Staaten und Kanada im März 1885 erlitten haben, beläuft sich auf etwa 9 Millionen Dollars( ca. 36 Mill. Mark), eine, so lange es eine Feuerstatistik giebt, in dem gleichen Staate nie zuvor erreichte Summe und um 2 Millionen mehr, als der Durchschnittsbetrag für den Monat März in den letzten zehn Jahren. Fünfzehn Brände, welche Dayly Commercial Bulletin" anführt, stellen einen Gesammtschaden von über drei Millionen Dollars dar, ungefähr ein Drittel der gesammten in dem Monat zerstörten Werthe. Für das erste Viertel des Jahres beläuft sich die Verlustliste auf 27 500 000 Dollars ( ca. 110 000 000 mart). Der März 1. J. war also ein brandreicher Monat. Wieviel Tausende von Arbeitern mögen infolge dieser Brände brodlos geworden sein? Das Wachsthum der Massenarmuth in England, dem klassischen Lande der Bourgeois- Dekonomie, fann selbst nicht mehr von dem Organ der internationalen Finanzaristokratie, dem Londoner„ Economiſt", geleugnet werden. Derselbe weift wie die Bahl der unterstützten Armen fich vermehrt hat. Es betrug am letzten Tag jeder Woche am Monat Januar 1885 im Vergleich mit Januar 1884 nach, Januar 1885 1. Woche 12345 2. " 3. H 4. " 5. . Bahl der Wachsthum gegen 1884 unterstügten Armen an Zahl mehr in pCt. 726 103 729 601 737 195 740 836 744 245 11 144 1.6 12 245 1.7 16 556 2.3 17 558 2.4 17 987 2.5 Lage unserer arbeitenden Klaffen schlechter geworden ist."" Und Es ist klar, gesteht der„ Economist" offen ein, daß die fügt er hinzu, die Noth ist nicht mehr auf die Bergwerks und Schiffbaubetriebe beschränkt, sondern erstreckt sich bereits auf fast alle Bezirke." Dies weist er an einer genauen Uebersicht der verschiedenen Landestheile schlagend nach. Die Einnahme betrug in den nördlichen Bezirken gegen das Vorjahr nicht weniger als 27,8 pCt.! Man fann nun wohl in's Auge faffen, aus was für Elementen fich die untereinzufügten Armen, die offiziell Bauvers genannt werden, zu refrutiren pflegen. Es find die bis zum Elend getriebenen Arbeitslosen, die Arbeitsunfähigen, die Kinder und hilflosen " Fräulein von Klingenbruch?" rief Hans rasch und erftaunt. Wann hat sie die Karte geschickt?" ,, Gestern Abend. Aber am gestrigen Tage wie heute Morgen war natürlich Niemand von uns in der Stimmung, derartige Anzeigen zu beachten, nnd da wir uns außerdem nicht veranlaßt fühlten, ihren Bräutigam ebenfalls laden, sind die Damen wahrscheinlich ausgeblieben." ( Schluß folgt.) Verwandten der Paupers und die Verkommenen und Verlumpten. Daß thatsächlich neben diesen Paupers noch Millionen in höchfter Dürftigkeit leben und bei jeder neuen Krisis direkt dem Verhungern preisgegeben werden, falls fie nicht zur Elitetruppe der Trades- Unions gehören, das versteht sich von selbst. Aber es ist bezeichnend, daß selbst die wüthendsten Manchestrier Durch die Brutalität der wirthschaftlichen Thatsachen gezwungen werden, solch ein Bugeständniß zu machen, wie der sehr ehrbare und respektable Geldsackmoniteur, der Economist". Zum ökonomischen Rückgang Englands. Nicht ohne Intereffe dürfte es sein, aus dem 1884er Bericht einer der mächtigsten englischen Trades- Unions, der Gewerkschaft der Dampffeffelmacher und eisernen Schiffbauer von Großbritannien und Frland( mit ca. 29 000 Mitgliedern) einige wirthschaftsgeschichtliche Thatsachen mitzutheilen, die unsere Ansicht von dem stetigen ökonomischen Rückgang Albions mit detaillirten Belegen befestigen. Bekanntlich ist die Schiffbau industrie eine der wichtigsten; fie beschäftigt eine nach Behntausenden zählende Arbeiterarmee, und ihr Gedeihen bedingt das Prosperiren einer Reihe anderer Branchen, so vor allem des Maschinenbauwesens. Hören wir nun, wie Robert Knight, der Generalsekretär der Gewerkschaft, in großen Zügen die Sachlage zeichnet. Das Jahr 1884, das fünfzigste seit Bestehen des Vereins, wird lange in Erinnerung bleiben als das unheilvollste in der Geschichte des Vereins oder in den Annalen des eisernen Schiffbaues. Nie seit Eristenz dieser wichtigen Industrie hat ein Rückschlag solche Dimensionen angenommen und ist in seinen Wirkungen so schädlich gewesen wie dieser. Bauhöfe und Werkstätten, in welchen der fröhliche Klang des Hammers ertönte, find zu düsteren Einöden geworden. In vielen Etablissements, wo gewöhnlich 6 bis 12 Schiffe auf dem Stapel waren, find seit langer Zeit nur nackte Gerüste wahrzunehmen. Tausende von Arbeitern treiben fich müßig und in Verzweiflung auf den Straßen umher, die Weiber und Kinder dulden verborgen. Alle leiden Noth und Mangel ohne eigenes Verschulden. Der Schiffbau ist ebenso rasch gefallen, als er vorher gestiegen ist, der beste Beweis für das Derbyrennen nnserer Produktion, die zügellos im tollen Jagen nach dem Profit alle Hindernisse nimmt, bis fie fich an der Krisis das Genid bricht. Es wurden vom Stapel gelassen: 1880 1881 1882 1883 1884 Gesammt- Tonnengehalt: 739 221 1013 208 1 240 824 1 256 829 741 315 Die Folge dieser rapid wachsenden Geschäftsverflauung war die mit unheimlicher Geschwindigkeit fich steigernde Arbeitslofigkeit der in diesen Erwerbszweigen angewendeten Hände". Die Gewerkschaft hatte arbeitslose Mitglieder zu unterſtüßen: Juli.. 6909 Auguft.. 8617 September 9187 Oftober... 8071 November.. 8981 Januar Februar März April Mai Juni 3929 3561 .. 4811 5820 .6680 6727 Dezember.. 9046 Die Durchschnittszahl der arbeitslosen Mitglieder betrug 6681 oder 23 pCt. während des ganzen Jahres, im September und Oktober aber war bereits jedes dritte Mitglied arbeitslos und mußte unterſtüßt werden. Der Arbeiter zahlte, wie gewöhnlich, die Beche für die wahnfinnige Spekulationsluft des Kapitals, für die Plusmacher, die, angelockt durch 25-30 pet. Profit, die man seit 1879 in der Handelsmarine machte, die Gründerei im Schiffbau im großen Stil" betrieben. Der Krach mußte kommen, er fam und begrub unter seinen Trümmern die Existenzen von tausend und abertausend fleißigen Arbeitern. Der Verein zahlte im Jahre 1884 für arbeitslose Mitglieder 1 144 108 Mart gegen 61 124 Mart im Jahre 1883. Am 1. Januar 1884 betrug der Kaffenbestand mit 28 477 Mitgliedern 2170 812 Mart, am 1. Januar 1885 blos 1201 130 Mart. Während im früher schlimmsten Jahre, 1879, der Durchschnittsbetrag pro Mitglied für arbeitslose Mitglieder 12,12 Mart betrug, erhöhte sich derfelbe für 1884 auf 39,76 Mart. Die Kräfte der Gewerkschaft find auf's Aeußerste angespannt worden, und man braucht nicht Mathematiter einer Versicherungsgesellschaft zu sein, um auszurechnen, daß noch einige solche Jahre hinreichen, um das segensreiche Institut lahm zu legen, wenn nicht zu ruiniren. Vereine und Versammlungen. hr. Die Töpfer Berlins waren am Dienstag wieder versammelt. Der Vorsitzende Herr Borrmann theilte die Namen der Meister mit, welche sich durch Namensunterschrift auf den Minimal- Afford- Tarif verpflichtet haben. Zu den 17, die in der Freitags- Versammlung genannt waren, find 15 hinzugetommen, die ihre Zustimmung befundet haben. Einige dieser Erklärungen lauteten nicht unbedingt zustimmend. In Bezug hierauf sprach sich der Vorftzende dahin aus, daß nur folche Zustimmungs- Erklärungen, in welchen die Meister sich auf alle Pofitionen des Tarifs und auf die ganze Zeit bis zum 1. Juli 1886 verpflichten, anzuerkennen seien, und daß auch in den Fällen, wenn die Meister nicht allen Gesellen die im Tarif festgesetten Preise zahlen wollen, oder wenn fie etwa von ihren Gesellen diejenigen aussperren, welche mit der Forderung an fie herangetreten find, die Arbeit niederzulegen sei. Weiter theilte er mit, daß die Zahl der Gesellen, welche Durch Namensunterschrift sich zur Durchführung des Tarifs verpflichtet haben, von 300 auf 700 gestiegen sei. Denjenigen Gesellen, welche noch warten wollen, bis die Meisterschaft einen Beschluß gefaßt haben werde, gab er zu bedenken, daß die Gefellen die Verpflichtung haben, zur Durchführung des von ihnen ausgestellten und von vielen Meistern gut geheißenen Tarifs die Initiative zu ergreifen, und daß die allgemeine Durch führung eine nm so leichtere und schnellere sein werde, je größer die Einigkeit und die Energie sei, mit welcher die Gefellen für dieselbe eintreten. Am Schluß seines Referats rieth er, davon ab, jetzt schon den Generalstreik zu proklamiren. In der Distuffion, an welcher sich die Herren Krause, Chemniz, Holz, Thieme und viele Andere betheiligten, wurden die Ausführungen des Referenten vervollständigt und bestätigt. Der Wunsch, den mehrere Redner aussprachen, daß die unverheiratheten Gesellen fich entschließen mögen, im allgemeinen Intereffe Berlin für turze Zeit zu verlassen, rief Widerspruch hervor. Das Ergebnis der Verhandlungen war die einstimmige Annahme der folgenden Resolution: Da die heutige öffentliche Versammlung der Löpfer Berlins und Umgegend durch das Stillschweigen, welches die Meister auf die Aufforderung zur Bewilligung des Lohntarifs beobachten, zu der Einsicht gekommen ist, daß die Meister unsere gerechte Forderung nicht anerkennen wollen, so bleiben wir unentwegt bei unserer Forderung stehen und legen da die Arbeit nieder, wo der Tarif nicht in allen Pofitionen bewilligt wird. Ferner verpflichten fich die Kollegen, welche noch arbeiten, wo der Tarif bewilligt ist, die Streifenden mit allen Mitteln zu unterstüßen und wöchentlich 3 M. zum Streiffonds zu zahlen." Bum zweiten Punkt der Tagesordnung: Die Dr ganisationsfrage" führte Herr Borrmann aus, daß der Fachverein die unserer Zeit ensprechende zur Förderung der materiellen und der moralischen Interessen der Gesellen geeignete Organisation sei, und empfahl aufs Dringendste den Anschluß an den Fachverein. Nachträglich sei noch erwähnt, daß unter den Meistern, welche fich auf den Afford- Tarif ohne jeden Vorbehalt verpflichtet haben, auch der Hoftöpfermeister Herr D. Titel, der in Berlin die größte Anzahl von Gesellen beschäftigt, fich befindet. Fachverein der Tischler. Die Mitglieder, welche noch freiwillige Beiträge für die auswärtigen streifenden Tischler abliefern wollen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß der artige Beiträge von folgenden Vereinsmitgliedern entgegengenommen werden: 1. Straßburg, Münchebergerstraße 26 III. 2. Pfeiffer, Fürstenstraße 8 III. 3. Grünwaldt, Prinzenstraße 8 IV. Auch werden am Sonnabend Abend im Restaurant Alte Jakobstraße 38 Gelder angenommen. Der Verein feiert sein diesjähriges Sommerfest, bestehend aus Konzert und Ball, sowie Beluftigungen aller Art, am Montag, den 13. Juli, im Lokale Neue Welt"( B rgschloßbrauerei) Hasenhaide 36c. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Bei eintretender Dunkelheit FackelPolonaise für Kinder. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Freunde und Gönner des Vereins find freundlichst eingeladen. Billets sind vorher zu haben bei den Mitgliedern Böhm, Johanniterstr. 10, Lindemann, Zoffenerstr. 17, Apelt, BelleAllianceftr 61, Rieska, Wienerstr. 42, Heckmann, ManteuffelStraße 40, Straßburg, Münchebergerstr. 26, Thierbach, Neue Königstr. 72, Schicht, Gartenstr. 40a, Wolter, Lothringerstr. 24 und im Zentral- Arbeits- Nachweis des Fachvereins, Alte Jakobstraße 38. berg gehaltenen Vortrages von der Staatsanwaltschaft Anklag wegen Beleidigung des Reichskanzlers und des preußischen Be amtenstandes erhoben worden. Die Bromberger Straflamme sprach jedoch Dr. Möller frei. Die gegen dieses Urtheil von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision ist jetzt vom Reich gericht zurückgewiesen worden. Die Freisprechung hat dami Rechtskraft erlangt. Sprechsaal. Die Redaktion stellt die Benugung des Sprechfaals, soweit Raum daft abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeine Interesses zur Verfügung; fie verwahrt fich aber gleichzeitig dagegen, mit be Inhalt desselben identifizirt zu werden. Werthe Redaktion! Nr. 1 Die Ich bin von Anfang bis Ende den Verhandlungen a legten Sonntag in Keller's Salon gefolgt. Es war die erf Versammlung, die ich in der schwebenden Tischlerangelegenhei fobald es besuchte, um mich über den eigentlichen Kern der Streitfrag handelt. An die Schneider Berlins! Collegen und Berufsge- zu informiren. Mit Hilfe reicher Erfahrungen im Gewer reichen fich nossen! schaftswesen gelang es mir, aus dem Chaos der allerpersön Die Unterzeichneten veranstalten zum kommenden Frage fort Sonntag, den 12. Juli d. J., eine gemüthliche Abendunterhal lichsten oft widerlichen Reibereien den Streitapfel herausz blasen fle tung, bestehend aus Gesangs- und humoristischen Vorträgen fischen; er heißt: Zentralisation der Arbeiterinteressen!- Auf de wickelung mit Tanzkränzchen, in Gratweils Bierhallen, Kommandanten- einen Seite steht Herr Rödel mit dem Grundsaß, die Grenzen de Mauern ve ftr. 77/79( beide Säle und Gärten), zum Besten zweier kranker ehernen Lohngefeßes in einem bestimmten Gewerbe abzustechen, Um fo Kollegen, wovon der Eine, der frühere Altgeselle der Schneider- die Welt im Kleinen zu verstehen," auf der anderen Seite ste lichen Bre das soziale Gesammtinteresse der Arbeiter, wie es fich aus d Urtheil übe gesellen- Kranken- und Sterbekasse Wilh. Kleinede nahezu er gegenwärtigen wirthschaftlichen und politischen Situation blindet ist, und für einen Familien Vater, welcher bereits 28 Wochen frant ist, und außerdem Krankheitsfälle in der Familie giebt, ohne bestimmte persönliche Repräsentanten. hatte, wodurch dieselbe in bitterste Noth gerathen ist. Das Eintrittsgeld haben wir auf 20 Pfg. für Musik und Tanz festgefeßt, ohne der Wohlthätigkeit Schranken zu feßen. Kollegen, fommt alle! Anfang Abends 7 Uhr. Brodke. Weber. Reichert. Pape. Eckelt. L. Pfeiffer. Der Gauverein Berliner Bildhauer hält sein diesjähriges Sommerfest am Sonnabend, den 11. d. M. ab.( Siehe Inserat). Billets zu 30 Bf. find noch vorher zu haben im Restaurant Sahm, Annenstr. 16, und in den mit Plakaten be legten Geschäften. Offene Kaffe findet nicht statt. Für Unterhaltung ist bestens gesorgt und werden die Kollegen ersucht, fich an diesem Feste recht zahlreich zu betheiligen. Die Freie Organisation junger Kaufleute" veran staltet Mitte Juli ein großes Sommerfest zu Gunsten ihrer Vereinskaffe. Die Arrangements zu dieser Festlichkeit sollen in großartigem Maßstabe betrieben werden. In Wien fand vor einigen Tagen eine Versammlung von Handlungsgehilfen in Vogelsang's Elisabethsaal" statt, welche nach längerer Diskussion den Beschluß faßte, den Han delsminister in einer Petition darum_anzugehen, daß sämmt, liche Approvifionirungs- Gewerbe an Sonntagen nur bis 9 Uhr Vormittags zum Verkaufe ihrer Waaren berechtigt, alle übrigen Handelsgeschäfte aber den ganzen Tag hindurch geschlossen sein sollen. Die drei demokratischen" Reichsraths Abgeordneten, sowie der neugewählte Vertreter des sechsten Bezirkes wohnten der Versammlung bei und versprachen, die Wünsche der Handelsbefliffenen zu befürworten. Vermischtes. Verbrennung von Herenmeistern. In Kosesd- Oha im Hunyader Komitate gruben, wie Hunyad" erzählt, die Dorfbewohner unter Mitwirkung des Gemeinderichters am 25. v. M. die Leichen des Lazar Dumitru, des Lazar Jlonucz und der Lina Dobrean, die ein bis fünf Monate vorher gestorben waren, aus. Die Leichen der beiden Ersteren zerstückten sie auf dem Kirchhofe mit eisernen Gabeln und Hauen und verbrannten ste sodann, angeblich deshalb, weil die beiden Verstorbenen Herenmeister waren und das Rindvieh verhert hatten. Was die Lina Dobrean betrifft, so öffneten fie nur den Sarg und untersuchten und schlossen dasselbe. Seter- Wette. Die Amerikaner find bekanntlich sehr en= oder seinen Fehler zugeben. wird. " Die H X. Pa Beitung" Indem viele über diese Kernfrage nicht genügend klar fin den Lurus sehen sie überall nur den aufsteigenden Schaum und verzehr die Beiten ihren Eifer immer mehr in maßlosen Nörgeleien, in der Vo lische Verh mehrung dieses Schaums- ohne fich auch nur einen Auge ehrliche Pr blick Rechenschaft abzulegen, wem sie eigentlich damit in Aufsäße ut Hand arbeiten. Die Ist es wirklich wahr? Eine Berliner pflichtig ge beiter Versammlung in praktischen Gewerkschafts- Ang geschrieben legenheiten bietet einen Anblick, wie er nur nur in verfitätstat erregtesten Wahlversammlungen zu finden ist, in denen wir die Lorenz liche Gegner fich gegenüberstehen, von denen immer der Eithr volkswi Das überzeugt ist, daß der Andere sein schlimmster Feind sei. Nein! es ist pure Selbsttäuschung der Parteien" und diese Verschämt genährt worden durch Eifersucht, Personenfultus und Illusion wiffen in d Es fehlt die geistige Disziplin, fich im Allgemeinen immer Augen der In de streng an das zu halten, worauf es zur Lösung des Strei in letter Linie ankommt. Wie viel Dinge untergeordne unter der S Natur wurden da nicht in blindem Eifer den Zuhörern a tikel des getischt, als gelte es einem Raffceklatsch rabiater Weiber, we ber- K viel Retourkutschen karambolirten da durcheinander, wie halten, den Rumpellammern wurden durchwühlt um einiger verroste selbe enthäl Argumente willen!- Hier und da vorgekommene Fehler fachen des handele man eben als Fehler, fie aber als Haupttrumpf gezeichnet sich einen Gegner" auszuspielen, sich unter ihrem Eindrud uns zustimm ständig hinreißen zu lassen, um Effeft zu erzielen, ist flein haben: Ein Der K ist Spiegelfechterei und Schwäche. Diese Kampfmanieren fo man dem gedankenlosen Anhängsel anderer leuchtenden Grö der Gegenwart nicht ablernen. Daß der Leiter einer Beweg Seidenindu ungeheuer leicht verdächtigt werden kann, muß stets berücksich und Wirrer werden, die Verleumdung ist ein Lüftchen, faum vernehm neue Anzeic im Entsteh'n". Es ist in dieser Beziehung doppelt Ehrenpflid Beit schon werbebezirke vorsichtig zu sein. Der Angegriffene aber soll Alles da Tag den sezen, vor Allem die Unwahrheiten pofitiv nachzuweisen soweit das nicht möglich ist, in kurzen, bestimmten Erklärung thümlichsten ohne überflüssigen Pathos die Anschuldigungen zurückzuwe ſonſt für di Wer aber statt dessen im die Echtheit geschmackvo auf ein Nebengebiet flüchtet und dort angriffsweise vorg der untergräbt damit selbst seine Bofition und fann fich ni farbigen bu leichten und beflagen, wenn immer wieder dasselbe gegen ihn vorgebro Die Erklärung des Herrn Rödel in Bezug auf statteten Ar Bollsfreund" war unbedingt geeignet, diese Beschuldigung der Welt. die Leiche, sodann ſegten sie den Sarg in das Grab zurückseits ein entschiedener Mißgriff von R. war, bei dieser Tag plumper für alle Mal gegenstandlos zu machen, während es ander wärtige al ordnung die Personalakten seiner Gegner zu durchstöbern. ginellen M fonnte sich nur um die Kompetenz der Stadtverordneten in intern briten fühlt Gewerkschaftsangelegenheiten handeln, die persönlicwerbung un Qualifitation if bereits bei den kommune Zoner Sta wahlen vorläufig entschieden. Die bekannte Anno im Berliner Volksblatt betr. die Ehre der Berliner Arbe im Gegensatz zu Herrn R. war sehr wohl geeignet, unter fühlbar, fie wissen Umständen denselben aufs Höchste zu reizen und es großen Ma anzuerkennen, daß seine Anhänger nicht nur der Gene für Beitung stab" ihn in fritischen Momenten nicht ohne ben gesamm teres preisgeben. Sollte aber die Versammlung, Detailgeschä Beilegung des Streites beitragen, so hat das Referat mals bei A Sperrn Coffier nichts dazu beitragen können, da es auf Patriotism direkte Schädigung des einzigen Berliner Arbeiterorgans Ausschmüdu Spigt war ob zu einem bestimmten 3wed, w Stücken unt die Bukunft lehren!- Wenn es wahr ist, daß es der Pariser 1. um eine interne Gewerkschaftsangelegenheit handelt, 2. noch häufi fich Niemand als die direkt Betheiligten hinein zum is wieder zu K habe, wie Referent dem Sinne nach behauptete, so ist es Lyoner Sei höchst auffällig, daß der Buchdrucker Coffier ein Referat" in dieser interne In Chitago( Amerika) ist eine Arbeitseinstellung eigener Tischlerangelegenheit" übernimmt und ein so Art eingetreten: die an den im westlichen Theile der Stadt nichtendes" Urtheil fällt!- oder ist vielleicht Herr Co fahrenden Straßenbahnen Beschäftigten sperrten die Bahnen im Auftrage der Berliner Buchdrucker mit und hinderten die Wagen, zu laufen. Nun trat aber am Berliner Tischlern in einen Kartellvertrag getreten, wonad 3. Juli die Polizei ein und besette die Abfahrtsstelle und die bas Schiedsrichteramt auszuüben hat? Also von wem Muffl Madisanstraße, so daß unter ihrem Schuß die Wagen die Fahrt Herr C. sein Mandat? Diese Frage halte ich für höchst wid Leuten, die begannen. Die errichteten Barrikaden wurden mit großer zur Beurtheilung verschiedener Umstände. Bei dem offenba Bater war Mühe beseitigt, wobei es gelegentlich zu einem nicht unblutigen Widerspruch, der hier zwischen Wort und That vorwal Handgemenge fam; aber schließlich gelang es der Polizei, mögen die Beifallspender des Herrn C. des schönen Sprihr Erstgeb welche in der Stärke von 600 Wann auftrat, den Straßenbahn worts sich erinnern: Borsicht ist die Mutter der„ Borzelew zwanz verkehr einigermaßen wieder herzustellen. Der Mayor von manufaktur. Dieser Widerspruch wird durch den allgemeinisch liebten. Chitago, Mr. Harrison, leitete zu Pferde die Operationen der Charakter der Versammlung durchaus nicht gelöst. Der zehnjäh Polizei. Etwa 150 Aufsässige wurden verhaftet. minder auffällig ist der beabsichtigte Aufwand von 50 Mapes kleinen, für das Stenogramm einer Verhandlung, welche Beschlechtes. vorn herein nichts wesentlich Neues erwarten ließ. Derarti ist in einer Volksversammlung wohl noch nicht vorgekomm die Versammlung bezahlen sollte? Wat Wer sollte dasStenogramm erhalten, weld wirklich nur eine Schußmußregel gegen entstellte Berichterar dieser tung oder hatte es einen weitergehenden Zwed? Es ist bund die aud aus undemokratisch, einer öffentlichen Versammlung etwas debe aus oftropren zu wollen; wenn man andere Absichten hat, so handele man diese doch wenigstens als Privatsache und ihr wurde tifizire nicht das Interesse Einzelner oder eines großen hieß man i befannten" mit dem der Gesammtheit. ragirte Wetter und es klingt oft unglaublich, was fie Alles in den Bereich ihrer Wetten ziehen. So fand Ende Juni in der Offizin der Beitung Star" ein Wettsegen in Gegenwart vieler Schriftseger zwischen Mc Cann vom Herald" und Jra Sommers von der World" statt, bei dem natürlich viele und hohe Wetten abgeschlossen wurden. Mc Cann, ein Jrländer von Geburt, trug bei dem Wettkampf den in 2000 Mark bestehenden Preis davon. Es dauerte gegen 3 Stunden, bis der Wettkampf zu Ende war. Nach Ablauf dieser Zeit hatte Mc Cann 6350 m. Petit kompreß ohne Ausgänge, Sommers 6076 m. gefeßt. Mc Cann griff seine Buchstaben mit fefter Hand blisschnell und hatte seinen ersten Winkelhaken in 14 Minuten gefüllt. Sommers war nervös, hatte keinen festen Griff, warf die dritte Zeile um und brauchte zwei Minuteu länger als fein Gegner, um den ersten Winkelhafen zu füllen. Mc Cann fann sich nun als den" Champion"-Schriftseter betrachten; er hat den Seger G. Ahrensberg, der bei einem vor 10 Jahren in der Offizin der Times" stattgehabten Wettsezen den Sieg davon trug, um 300 m. geschlagen. Kleine Mittheilungen. Zum Lieste- Prozeß schreibt die Frf. 8tg.": Thatsache ist, daß Julius Lieste erklärt hat, er beabsichtige von dem Rechtsmittel der Revision keinen Gebrauch zu machen; dies können wir vollinhaltlich aufrecht erhalten. Lieske bemerkte dies, als er das Gefängniß in Frankfurt verlassen hatte, ohne einen Verzicht auf das Rechtsmittel der Revision unterschrieben zu haben. Indeß glaubte Herr Dr. jur. Fester, daß er als Vertheidiger verpflichtet sei, die Rechte seines Mandanten bis zum legten Augenblicke zu wahren und darum hat er aus eigener, ihm vom Geseze gestatteter Initiative die Revision für Lieste angemeldet. Die von vielen Beitungen gebrachte Nachricht, der zum Tode verurtheilte Julius Lieste habe in dem Zuchthause Wehlheiden nur eine Nacht verbracht und sei dann nach der Strafanstalt in Halle überführt worden, wird von der Kreuzztg." als vollständig unbegründet bezeichnet. Der Verurtheilte soll sich noch in Wehlheiden befinden. Gleiwiß, 6. Juli. Ein Mord ist am Sonnabend ans Tageslicht gekommen. Am genannten Tage fand man in Kornfeldern auf Petersdorfer Terrain den entstellten und mit Blut besudelten Leichnam eines seit Montag vermißten Lampenanzünders. Derselbe war verheirathet und stand im Rufe eines fleißigen und ordentlichen Mannes. Raubmord scheint nicht vorzuliegen. Der Mund des Ermordeten war mit Gras vers stopft, auf dem Kopfe zeigten fich mehrere klaffende Wunden, die wohl den Tod herbeigeführt haben. Freisprechung eines Reichstags- Abgeordneten. Gegen den Reichstagsabgeordneten Professor Dr. Möller aus Königsberg war wegen eines in einer Wählerversammlung in Brom " " 1 Auslande m Das h Konturrenz Warun Als ei montesischer Kons nenne. Das on Floren vielleicht noch manches zur Lüftung des Schleiers, der um Straßen fi angedeuteten Umstände lagerte, geschehen; leider aber wat Wäre die Versammlung natürlich zu Ende gegangen, fo w Rechnung ohne den Wirth gemacht und so muß man es getummela st der fühlen Ueberlegung und der feinen Nase" des Berlchönem Br flächlichen Schaum für nahrhaftes Getränk hinzunehmen. Arbeiters überlassen, auch in dieser Angelegenheit nicht sicht mehr Schließlich halte ich eine Lohntommiffion für die Aber das N Aussprechen wendige Ergänzung des heutigen Wirthschaftssystems auf Grun lage der Selbsthilfe"( Brentano, Arbeitergilden), die jedoch Räume geba die Fachvereine nur ein Regulator für den Verdauung Doch Ihr m apparat sein würde. Bezüglich der Kompetenz glaube daß nur ein aus unbetheiligten Arbeitern zuſammengefe Schiedsgericht, welches nach einem von beiden Theilen ob Stuben un Die Nunwo mir i fann, ein maßgebendes Urtheil zu fällen, niemals aber Ginzas den heil einbarenden Modus gewählt wird, fich für kompetent era Schmuckäfte ohne bestimmtes Mandat, mögen fie auch sonst noch so geuen von zm tete Personen sein. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. . Guttmann, Graveur, Dresdenerstr. 90. Hierzu eine Beilage Markus mit Schwert gel Anklage schen Be aflamme theil von m Reichs Dat damil Naum daf allgemeine en, mit be ungen an die erf llerpersön Beilage zum Berliner Volksblatt. Mr. 158. Ein weißer Rabe. Die Heuchelei der Manchesterpresse ist offiziell geworden, elegenbe obalo es sich um die Kämpfe zwischen Kapital und Arbeit Streitfrag handelt. Die feindlichen Brüder auf der Rechten und Linken n Gewer reichen fich verständnißinnig die Hände, wenn es gilt die soziale Frage fortzuzaubern. Wenn auch sonst nicht, in diesem Falle heraus blasen fie ficher in ein Horn. Freilich hat die moderne EntAuf de wickelung bereits dafür gesorgt, daß ihre Harmoniemusik die Srenzen de Mauern von Jericho nicht umwirft. De Del uftechen, Um so angenehmer berührt es, wenn man in der bürgerSeite ste lichen Breffe von Zeit zu Zeit einem unbefangenen, sachlichen ch aus de Urtheil über die Arbeiterfrage begegnet. uation Die früher Augsburger, fest Münchener Allgemeine Beitung" ift noch eines der wenigen Blätter, die sich bisweilen o flar fin den Lurus solcher sozialpolitischer Reßerei" erlauben. Freilich, D verzehr die Beiten sind vorbei, als noch ein Liebknecht über eng à der Vlische Verhältnisse in der Allg. 3tg." berichtete, und als der en Auge ehrliche Profeffor Huber seine trefflichen sozialwirthschaftlichen mit in Auffäße und Schilderungen in ihr veröffentlichte. : " Die Allgemeine Beitung" ist derjenigen Bewegung steuerliner pflichtig geworden, welche die Sozialreform" auf ihre Fahne afts- Ang geschrieben hat, und die Kathedersozialisten mit oder ohne Uniin verfitätskatheder, mit und ohne den Titel eines Minister a. D., Denen wil die Lorenz von Stein, die Schäffle und Andere mehr treiben er der ihr volkswirthschaftliches Wesen in dem Weltblatte von ehemals. ind sei. Das Haupt blatt ist sozial reformerisch geworden. nd diese Verschämt flüchtete sich das sozial wissenschaftliche Ge Illusion wissen in den Handels theil, um dort als Aschenbrödel den immer Augen der meisten Leser zu entgehen. wes Strei In der Nr. 183 vom 4. Juli( 2. Beilage) aber findet sich ergeordne unter der Rubrik: Handelstheil ein solch ausgezeichneter Ar örern tikel des Pariser X- Korrespondenten über die SeidenBeiber, weber Krisis in Lyon, daß wir uns für verpflichtet r, wie halten, denselben im Wortlaut unsern Lesern mitzutheilen. Der verroste selbe enthält eine lichtvolle Auseinandersetzung über die UrFehler fachen des Konflikts zwischen Fabrikanten und Arbeitern und umpf geg zeichnet sich durch eine solche Unparteilichkeit aus, daß der Leser ndrud v uns zustimmen wird, wenn wir unseren Artikel überschrieben ist flein haben: Ein weißer Rabe. Der Korrespondent läßt sich folgendermaßen vernehmen: nieren fo X. Paris, 28. Juni. Wieder herrscht in der Lyoner den Größ Beweg Seideninduftrie eine große Aufregung. Kaum find die Wehen berücksicht und Wirren des vergangenen Jahres überstanden, so treten vernehm neue Anzeichen ernster Geschäftsstörungen in dem seit geraumer Ehrenpfli Beit schon periodisch, wenn nicht permanent heimgesuchten GeAlles da werbebezirke auf, der von jeher und noch bis auf den heutigen Tag den Siz einer der hervorragendsten und eigenweisen Lyon war Erklärung thümlichsten Induſtrien Frankreichs bildet. Cum ſonſt für die Seidenfabrikation der unerreichbare Broduzent: rückzume die Echtheit, Dauerhaftigkeit seiner einfachen Seidenstoffe, die effen im eise vorge geschmackvolle, überaus reiche Bildung jener damaszirten, vielnn fich ni farbigen buntgeschmückten Gewebe, die kunstvolle Mischung von leichten und fanft folorirten, mit schweren und üppig ausge vorgebro statteten Artikeln machten die Lyoner Seidenweberei zur ersten ldigung der Welt. Sie hatte feine Nebenbuhler zu fürchten. Auses anden wärtige Fabriken lieferten geringere Waare, fopirten, meist in ieser Tageplumper Weise und als Nachahmung leicht kenntlich, die oritöbern. ginellen Muſter der Lyoner Erfindung, aber die Lyoner Ha t in intern brifen fühlten kaum die Wirkung jener auffeimenden Mitrfönli werbung um den Welthandel. Nicht nur im Inlande, wo nur mm und Lyoner Stoffe Werth hatten und getragen wurden, auch im Auslande wurde ihnen ein unüberwindbarer Vorzug. nte Anno ner Arbei sug auf n und es 11 Das hat sich in der letzten Epoche merklich geändert. Die Konkurrenz macht sich nicht nur auf fernliegenden Märkten unter fühlbar, fie drängt sich sogar in die heimischen ein, und die großen Magazine, die vermöge ihres ungeheuren Aufwandes Gene für Beitungsannonzen und Reklamen von Tag zu Tag, faft ohne den gesammten Zwischenhandel absorbiren und das kleinere mlung, Detailgeschäft fast tödten, wenden sich häufig, trotz ihres oftReferat mals bei Anstellung ihres Personals zur Schau getragenen 3 auf Patriotismus", an auswärtige Fabriken, um mit französischer rgans Ausschmückung, mit Abzeichen in französischer Sprache auf den ed, Stüden untenntlicher Abfunft, deren billiger erworbene Stoffe daß es der Pariser Kundschaft anzubieten und zu verabreichen, mehr belt, 2. noch häufig lehren dergleichen Waaren über diefelbe Grenze wieder zu Konsumenten zurück, die fich von Paris aus echt umifd ist es Lyoner Seidenkleider zu verschreiben wähnten. der ge nterne ein fo Herr Coff win mit M wonad on wem n offenba t vorwall " Mufflu. Nach dem Englischen. I. A Mufflu gehörte sehr armen, aber auch sehr lustigen öchſt mid Leuten, die in einem alten, verfallenen Saufe woonten; ber Vater war seit Jahren todt, aber der braven Mutter stand inen Sprihr Erstgeborner wacker zur Seite, Carlo, ein Bursche von Borzelletwa zwanzig Jahren, den die jüngeren Geschwister abgöt= allgemeinisch liebten. Er war ein Gärtner; doch nicht er, sondern Loft der zehnjährige, leider verwachsene Lolo war der Gebieter löst. 1,50 Mapes kleinen, flugen, geschickten Hundes, einer Bierde seines welche Beschlechtes. Derarti orgefomm h, weld War Warum hieß er Mufflu?.. Als einst ein in seine Heimath zurückkehrender pie montesischer Soldat den Kindern den Hund schenkte, Berichterar dieser ein blendend weißes, wolliges Geschöpfchen hat, fo 1 Freitag, den 10. Juli 1885. Nur wenn sich eine Arbeiterkrisis, eine Handelsstörung von intensiver Art oder ein auch politisch gefährlicher Streit einstellt, beschäftigt sich die Preffe und auch die Oberbehörde mit der Untersuchung von Grund und Ursache, aber solche Enqueten bauern in der Regel weit länger als die Krisis selbst, und ist diese vorüber, so wird auf jene weiter kein großes Gewicht gelegt, die bezüglichen Nachforschungen werden ad acta eingeschachtelt, es träht kein Hahn mehr nach den dicken Bänden des theoretischen Frag- und Antwortspieles, bei dem die pompös fungirenden Redner und Sprecher vom Fach nicht mit Fachmännern zu verwechseln!- eine so wichtigthuende Rolle eine so wichtigthuende Rolle spielten. Was ist aus der berühmten 44er Kommission geworden, die so lange tagte und debattirte, bis das Arbeiter elend" wieder vorüber war oder wenigstens, in Folge der Erschlaffung der Geister, die dessen stetige Erwähnung mit obligater Mitleidsmufit erzeugt hatte, als überstanden galt? Die Herren Deputirten reiften hin und her, häuften Dokumente auf Dokumente, Fragezettel auf Fragezettel, ließen schließlich die langweiligen Informationen voller Wiederholungen und schalster Schulmeisterei in voluminösem Druck erscheinen und alles blieb beim Alten. Das Alpha und das Omega der Untersuchung war: Helft Euch selbst!" Dazu bedurfte es aber nicht des weitläufigen Apparates und der schwülstigen Selbste gefälligkeit.pole Helfen sich aber die Arbeiter selbst, d. i. auf ihre Weise, so wie sie es in ihrer naturwüchsigen Gedankeneinfachheit und Off nheit verstehen, da kommen Behörden, Polizei, Soldateu und schreiten gern ein, die Theoretiker framen ihren verzwickten Hokuspokus wieder aus und bieten den Hungernden Formeln, staatswirthschaftliche Regeln statt Arbeitslohn und Brod. Jest bietet die Lyoner Krisis wieder ein rechtes Beispiel von der Eitelkeit der Empiriker, welche mit leerem Wortschwall die Weltlage zu verbessern wähnen. = Was in Lyon wieder vorgeht, ist in wenigen Worten verständlich zu machen. Die reichen Fabrikherren beschäftigen eine Anzahl von Webern, die Seidenwaare wird aber in kleinen Métiers in den Wohnungen der Arbeiter angefertigt, denen die Fabrikanten das Material dazu liefern, das erheischt die Feinheit der Arbeit, die Sorgfalt, die derselben zu widmen ist und auch die Nothwendigkeit, die kostspieligen Stoffe zu isoliren, damit sie beim Zusammendrängen in größeren Räumen durch vielfältige Handhabung nicht beschmußt oder beschädigt werden. Es ist daher keineswegs die Gewohnheit, Bequemlichkeit oder ein höheres Gefühl von Un abhängigkeit, was den Lyoner Seidenweber zu Hause für sich beschäftigt, und er legt sich die ihm daraus entstehenden größeren Unfoften im Grunde zum Vortheil seines Arbeitgebers auf. Man hat bisher immer oberflächlicherweise auf die Selbstständigkeit des Webers hingewiesen, der sein Métier" eigens in seiner Wohnung besigt; die Sache verhält sich anders: außer der größeren Verantwortlichkeit, die den Arbeiter trifft, der die Arbeit zu Hause anfertigt, steht er dadurch auch dem allgemeinen Geschäftsgange fern und fann fich über das Verhältniß von Arbeitslohn zu Gewinn feinen richtigen, faum einen annähernden Begriff bilden. Was er indeß sehr leicht begreift, ist die trockene Thatsache, daß die Fabritinhaber und Kommissonshäuser i ch auch in sogenannten schlechten Zeiten be reichern, er aber in solchen Perioden darbt. Dieses starre unbiegsame Ding der Thatsache wird selten gründlich erörtert und, entsteht eine allgemeine Arbeitseinstellung, wie eben wieder eine in Lyon von den Seidenwebern beabſichtigt ist, falls die Brodherren nicht in einen ersprießlichen Minimaltarif willigen, so wird hin und her darüber gefabelt, welchen Gesetzen der Fatalität die Arbeiter anheimfallen, daß sie sich dazu bequemen müßten, die Lyoner Industrie, den Ruhm des französischen Gewerbfleißes," durch ihre Opferfreudig fei zu stüßen und zu heben, da sie heutzutage gegen eine schwierige Konkurrenz des Auslandes anzukämpfen habe. Was liegt aber dem armen Weber am Ruhme der Lyoner Fabrikation, wenn er mit Weib und Kindern dabei hungert? Fragt man wohl ernstlich, woher es denn kommt, daß die Lyoner Produkte nunmehr nur mühsam ihren Werth behaupten, daß Produkte nunmehr nur mühsam ihren Werth behaupten, daß fie, wie zugegeben wird, in Amerika und in Desterreich den Vergleich mit anderen nicht länger bestehen? In der Wirklichkeit Vergleich mit anderen nicht länger bestehen? In der Wirklichkeit bezieht sich das nicht blos auf diese beiden Märkte des Auslandes. Die wahre Ursache bleibt ungekannt oder unerwähnt lich Wache zu halten scheinen. Die Kirche ist unerschütterlich wie eine Festung; auch der wildeste Sturm vermag ihre erhabene Ruhe nicht zu stören. Mufflu's kleiner Gebieter wohnte im Schatten dieses Tempels. Lolo hegte eine tiefe Verehrung für das Gotteshaus; er bewunderte es am Morgen, wenn die erſten Sonnenstrahlen dasselbe verklärten, er bewunderte es am Abend, wenn die Lichter auf den Altären brannten und der Weihrauchduft bis Festschmuck, auf die Straße drang; er liebte es im glänzenden Feſtſchmud liebte es in den Winternächten, wenn der Lampenschein die Apostel umspielte; er nannte es nur meine Kirche. " Lolo war arm und kränklich; er konnte weder die Schule besuchen noch ein Handwerk erlernen; er flocht das heim Strohhüllen um Flaschen und Matten, zog es aber doch vor, durch die Gassen schlendern und dem plaudernden Marktvolf zuzusehen; manchmal humpelte er an seiner Krücke und begleitet von Mufflu über die Arnobrücke an's andere | II. Jahrg. und doch liegt fie flar vor Augen. Nicht der ArbeitsIohn vertheuert die Lyoner Waare gegen fremdländische: es ist der exorbitante Nugen, den die Fabrikanten auf den Koftenpreis zu schlagen belieben und den sie in demselben Verhältniß forterheben, wie zur Zeit, wo sie noch allein die unbeschränkten Beherrscher des Seidenwaarengeschäftes waren. Es ist ganz unglaublich, es würde, in Prozentsäzen ausgedrückt, ganz ungeheuerlich flingen, wie viel der Nußen auf Nouveautés" oder selbst auf solche flache Stoffe beträgt, die an ihrer Eigenart leicht zu erkennen sind und die von allbekannten Fabriken herrühren. Anstatt fich angesichts der immer wachsenden Konkurrenz mit einem geringeren Preiszuschlag zu begnügen, behaupten jene steinreichen, von den Kalamitäten des Augenblickes fich unabhängig fühlenden Großindustriellen ihre gewohnte Berechnung der Verkaufspreise und finden es viel natürlicher, an dem Arbeitslohne der Weber zu sparen. Auch haben sie diesen gegenüber noch ein anderes Argument ad hominem zur hand. Wenn sich die Lyoner Weber nicht zufrieden geben wollen, so sollen im Umkreis der Rhonestadt ein paar tausend Webstühle hergerichtet und wohlfeileren Arfieitern überlassen werden." " Bugegeben, daß nicht leicht ein radikales Mittel zu finden, um die Arbeitgeber zur Einsicht zu bringen, um fie ,, zum Ruhme und zur Ehre" des Lyoner berühmten Gewerbes in eine Herabsetzung ihres altgewohnten Verdienstes willigen zu machen, dürfte es ihnen doch wenigstens einmal in den Blättern vorgehalten werden, die es mit der höheren Bürgerklasse so gut meinen und den Werkleuten ohne Unterlaß den guten und wohlfeilen Rath ertheilen, jenen einfach nachzugeben und bessere Zeiten abzuwarten. An seinen Seidenstoffen, Modeartikeln. eigenthümlichen Farben, Dessins- und Stofffombinationen ist ein Reinverdienst von 50-100 pCt. nichts Ungewöhnliches. Warum lassen die HH. Großindustriellen nicht 10, 20, 25 pt. davon zum Besten der Lohn arbeiter schwinden, denen dadurch gleich ge= holfen wäre? Warum schweigt man darüber? Aus Ignoranz oder aus verkappter Mitwirkung zur wirklichen Ausbeutung der darbenden nothleidenden Weber? Hat die Enquete- Kommission die Angabe der Fabrikherren etwa kontrolirt, hat sie genau erfahren, wieviel an der Waare wirklich verdient wird, ob die ausländische Konkurrenz nicht hauptsächlich durch ihre bescheideneren Gewinnansprüche den französischen Exporthandel verdirbt? Haben sich die Fabrikanten nicht gescheut, aus Furcht vor der herankommenden Einkommensteuer darüber die Wahrheit anzugeben? Doch zur Sache des Arbeitslohnes und des Streifs. Beis spielsweise und ein der Fabrikation wohlgeneigtes, ange sehenes Blatt giebt das selbst zu erhielten die Stuhlweber für glatten, gerippten, unfaçonnirten Sammet seit etwa anderthalb Jahren 2½ Fr. per Meter( vorher wurde die Arbeit mit 3 Fr. bezahlt), der Tarif ist gegenwärtig dafür auf 13 Fr. herabgefeßt. Da täglich 1½ Meter davon angefertigt werden können, so verdient der Webermeister im Tage 2,62 Fr., wo von 25 pCt. für die unvermeidlichen Unkosten der Arbeit abzuziehen sind, also kaum 2 Fr. Reinerträgniß für die Tagesarbeit. Der gewöhnliche Arbeitsgehilfe, der den Webstuhl treibt, erhält nur 1,31 Fr. netto per Tag. Durchschnittlich stellt sich der Lohn in Lyon für den geschickten Seidenweber auf 1/-2 Fr., allerhöchstens auf 3 Fr. bei besonderen Artikeln, wie die Möbel- und neuesten Modestoffe. Mit Recht wird dem entgegengehalten, daß der Maurergeselle zur selben Zeit sich bis 6 Fr. Tageslohn verschafft. Etliche 10 000 Lyoner Seidenweber( in der Vorstadt Croix- Rousse) haben fich dagegen verbündet und drohen, falls ihre Löhne nicht erhöht werden( man nennt sie euphemistisch Webtarifsäße) die Gesammtthätigkeit einzustellen, die in Arbeit befindlichen Stücke abzuschneiden und die Stühle lieber leer stehen zu lassen, als sich dem ganz ungenügenden Erwerb zu fügen. Die Fabrikanten weisen die Forderung vorerst mit den bekannten Scheingründen: auswärtige Konkurrenz, Handelskrisis, schlechter Geschäftsgang ab und drohen ihrerseits damit, in der Umgegend von Lyon ihren widerspänstigen Arbeitern eine Konkurrenz zu schaffen, indem fie selbst die Mittel zur Beschaffung der Webstühle und Einrichtungen bieten würden. Wird der Streit aber allgemein und verstehen sich die Seidenwirker allerorten, wie zu erwarten ist, so dürfte diese gute Absicht nicht auszuführen sein. Die Fabrikherren geben ihrerseits wieder zu, daß die Regierung dazu beitragen könne, den Nothstand zu mildern und die flehen, die entscheidende Stunde nahte. Eines Morgens saß Lolo mit Mufflu vor der Kirche. Es war ein prachtvoller Septembermorgen; in den Gassen lärmten die Käufer und Verkäufer; sie feilschten, schrien und freischten, als handle es sich nicht um wenige Centesimi, sondern um Berge von Gold. Der Beiger wies auf elf Uhr; der Barbier an der Straßenecke rafirte gerade einen dicken Herrn, es läuteten die Glocken, einige Mönche trugen eine schwarze Bahre vorüber und durch das breite Kirchenportal wurden Bündel und der herrlichsten Blumen getragen. Lolo und Mufflu weideten sich an dem Anblick und sahen nicht, daß ein Fremder sie betrachtete. ,, Welch schönen Pudel Du hast, Männchen," sagte er mit fremden Afzent. " O, Mufflu ist wunderschön," versette Lolo mit Stolz. Sie sollten ihn sehen, wenn er frisch gewaschen ist, 11 Es ist bund die aus Rorfila stammende Mutter erklärte, das Thier Ufer, wo die Hügel sich erhoben. Wenn die Asphodillen wir können ihn nur Sonntags waschen, wenn Carlo das 3 etwas ache aus wie die Schafe, welche man dort MouffKons nenne. Weiß und wollig blieb der Hund auch später, und der wurde der reizendste Pudel der ganzen Stadt. Erst großen hieß man ihn Moufflon, dann Mufflu und dabei blieb's. Das Haus befand sich in einem sehr alten Stadttheil on Florenz, ganz nahe der Kirche von San Michele. Die Straßen sind daselbst mit Krämerbuden bedeckt, Haufirer gen, so der um aber war hmen. w Vielleicht an es getummela fich und aller Art Handel wird hier nach altem des Berchönem Brauch unter freiem Himmel betrieben. nicht richt mehr allzulange. Das Gesez will die Raufleute in die Stuben und Gewölbe drängen und freie Bahn schaffen. ir die Aber das Volk bedarf einer Stätte, wo es plaudern, sich aussprechen und feinem Herzen Luft machen kann; in dumpfe Räume gebannt, beginnt es zu murren und wird rebellisch.. Doch Ihr wollt ja von Mufflu hören. auf Gru e jedoch o Berdauung glaube nmengefe Nunwohl, Mufflu lebte gegenüber der großen Kirche, eilen zu mir immer vorkam wie ein aus Silber verfertigtes Wie alt ist der Hund?" " Drei Jahre." ,, Kann er Kunststücke?" blühten, verbrachte er hier mit seinem vierbeinigen Genossenheim iſt." manchen halben Tag, um Abends mit einem mächtigen Strauße goldgelber Blumen heimzukehren. Von der Mutter hörte er nie ein herbes Wort. Er war durch ihr Verschulden lahm geworden; sie hatte ihn, da er noch ein kleines Kind war, fallen gelassen und die Heilung war nicht gelungen. Sie schalt den lockigen Cecco, die hübsche, schwarzäugige Dina, den kecen Bice, den faulen Sandro und selbst den wadern, thätigen Carlo, nur Lolo kam bei ihr immer gut weg. Carlo arbeitete um geringen Lohn; was er aber verdiente, brachte er ge= treulich der Mutter und nur ihm hatte es die Familie zu verdanken, daß das Del im Krug und das Mehl in der Schüssel nie ausging. Ob er welche fann?" meinte Lolo beinahe verächtlich. Er kann das Gewehr präsentiren, laden, feuern, tanzen, bitten, sterben, die Thüre schließen... Es giebt gar nichts, was er nicht machen könnte, soll er Ihnen was zeigen?" ,, Das wäre sehr hübsch," bemerkte der Fremde. Und Mufflu produzirte sich mit angeborner Grazie. O, er mußte von geschickten Eltern abstammen, er hatte all sein Wissen wie spielend erlernt, es war nie nöthig, ihn zu schrecken oder gar zu schlagen. Er entledigte sich seiner Aufgabe mit Meisterschaft. Die Töpfer eilten herbei zu der Vorstellung, der Barbier ließ seinen eingeseiften Kunden sißen, der Safristan kam aus Aber die Zeit nahte, da Carlo das militärpflichtige Alter erreichte. Da mußte er seine Nummer ziehen und wenn die arme Mutter daran dachte, daß er ihr vielleicht tent erad Schmuckkästchen. Gewiß, ein ungeheures Schmuckkästchen, auf drei Jahre entrissen werde, wollte ihr das Herz der Kirche, um mitzulachen, denn all das ringsum wohnende aber Eingas den heiligen Geist einschließt, in dessen Nischen die Sta- brechen vor Weh. Dann schlich sie in der Dämmerung och so geuen von zwei Aposteln stehen: Petrus mit den Schlüsseln, nach der Kirche und fiel zum inbrünstigen Gebete auf die der Fremde war entzückt ob Mufflu's Talenten und mur Markus mit dem offenen Buche, daneben St. Georg auf's Rniee nieder. Schwert gelehnt und andere Gestalten, die ernst und feieraveur, melte vor sich hin: Wie würde dies den armen Viktor Sie mochte indessen noch so heiß zum Allerhöchsten| freuen!" " = LyonerJndustrie zu heben, wennfie die Baumwollgame, die bei ge- mischten Stoffen zur Kette verwendet werden, zollsrei zulassen, oder mindestens deren temporäre Einfuhr(admiaaion temporaire) f estatten würde. Als vor einem halben Jahre diese Steuer- raqe angeregt wurde, vermochten die Seidenfabrikanten mit ehren Anträgen nicht durchzudringen; in der Regierung waltete die Neigung zu Schutzzöllen für die inländische Spinnerei, und die Forderung der Serdenindustrie, die keines direkten Schutz- zolles für sich bedurfte, aber die Ingredienzien ihrer Erzeugnisse steuerfrei zu erhalten suchte, fand keine Berücksichtigung. Gegen- wärtig würden finanzielle Staatsbedürfnisse dagegen vorgebracht werden. Femer hofft man durch das Wiederergreifen der früheren Politik der gegenseitigen Handelsverträge mit anderen Staaten der Gesammtindustrie, namentlich der vorzüglichsten, der Seidenfabrikation, Vorschub zu leisten. Daß daraus Frank- reichs Handel ein großer Vortheil erblühen würde, unterliegt keinem Zweifel, man ließ sich aber vom sentimentalen„patriolr- schen" Standpunkt aus wegen des bekannten Meistbegünstigungs- Artikels in Rücksichten ein, die allerwärts eine ähnliche Zoll- kriegspolitik erweckten und deren Folgen man auch hier zu Lande verspürt. Eine Umlehr hat daher jetzt ihre Schwierig- IeitenCbent)retn find alle solche Maßregeln, die eine eingehende Diskussion erheischen und langwierige Verhandlungen mit fremden Staaten voraussetzen, nicht geeignet, einem äugen- blicklichen Nothstande abzuhelfen. Mit dergleichen Thesen und Problemen ist dem armen Lyoner Weber nicht gedient, der kein Brod hat, wenn er auch vom Morgen bis zum Abend an seinem Stuhl thätig schafft. Selbst die Bildung von Arbeiter-Asso- ziationen, deren gemeinschaftliches Wirken und Beschaffen der Lebensbedürfnisse Ersparnisse nach beiden Seiten hin erzielen könnte, ist durch die Roth und Armuth der Betreffenden er- schwcrt, denen es dazu an übriger Zeit fehlt. Es muß daher in ihrem Interesse, für ihre berechtigten Ansprüche sofort etwas geschehen, und die Erhöhung der fortwährend fast auf die Hälfte des früher üblichen Tarifs herabgesetzten Weberlöhne erscheint dringend geboten und wäre auch unter den bestehenden Verhältnissen ohne besonders empfindlichen Nachtheil für die Arbeitgeber ausführbar. Diesen ist dann Zeit gelassen, auf die Gesetzgebung des Landes derart einzuwirken, daß ihnen von anderer Seite dafür nach- träglich eine Entschädigung zu Thcil würde. Wahrlich, die pompösen Schlagwörter„ruhmvolles Gewerbe",„Stolz von Frankreichs Industrie" sollte man hübsch beiseite lassen; jede Industrie und jede Arbeit ist rühmlich, manche ausgezeichnet, aber dem dabei Darbenden gibt sie doch keine Freude und keine Genug- thuung, dem Lyoner Seidenweber heut zu Tage gerade so wenig wie dem schlesischen oder dem irischen Leinweber, wenn er bei der weltbekannten Industrie seines Landstrichs, die er schafft, am Hungertyphus darnieder- �as ist die ungeschminkte Wahrheit. Wer sie muß aus dem Zahlenwerk und den Kurszetteln des Handelstheils aus- gegraben werden. Das giebt zu denken..... Wir glauben, jetzt, da in Berlin 10 000 Arbeiter nn Lohnkampfe stehen, ist es wohl angebracht, das liberale und konser- vative Zeitungsgeschwisterpaar, das Organ Masse und die famose „Post", auf diesen Aufsatz der„Allgemeinen" recht derb mit der Nase zu stoßen. Derselbe ist ein treffliches Kampfmittel, herausgeholt aus dem Arsenal der bürgerlichen Presse gegen diese �stlbst.�rchten Jntereffenjäger werden sich nicht belehren lassen, und der Korrespondent der„Allgemeinen Leitung" wird bleiben Ein weißer Rabe. Lokales. Zum Maurer-Streik. Im Verlauf dieses Streiks, dessen Konsequenzen auch für unsere Kommune von großer Bedeutung sein werden, hat der Magistrat einige Beschlüsse gefaßt, die angeblich die„vollste Neutralität" proklamiren sollen. Die Meister hatten sich an den Magistrat mit dein Ersuchen, ihnen die Baufristen für die Streikdauer zu verlängern, gewendet und find abschlägig beschieden worden. Es wird abzuwarten sein, ob der Magisttat dielen Bescheid auch in Wirksamkeit treten läßt, wenn die kontraktlich eingegangenen Verpflichtungen von den Meistern nicht erfüllt werden, oder ob der Magisttat formell zwar die verlangte Unterstützung der Meister ab- gelehnt hat, t h a t s ä ch l i ch aber dieselbe eintreten läßt, indem er über die Nichterfüllung der Verträge bezüglich der Bauzeit stillschweigend Hinweggeht. Der zweite Beschluß, den der Magisttat um„ganz neutral" zu bleiben, gefaßt hat, und über den bisher nicht viel in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, giebt uns zu verschiedensten Bedenken Veranlassung. Die Lohnkommisfion der Maurer hatte an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, eine Zusamnienkunft von Dclegirtcn der „Möchtest Du wohl Deinen Hund zu einem kranken Kinde bringen, das ich zu Hause habe?" fragte er Lolo. Dieser bejahte und fragte, wo das Kind zu Hause sei. „Im„Hotel von England", nicht weit von hier; stelle Dich heut' Nachmittag ein und gieb dies hier ab." Dabei reichte er Lolo eine Karte, sowie zwei Franks und setzte seinen Weg fort. Lolo flog mehr als er hinkte, um seiner Mutter das Erlebniß zu erzählen. Er machte, die Treppen hinaufeilend, einen furchtbaren Lärm mit seiner Krücke. „Mütterchen, Mütterchen, sieh' was ich für Mufflu's Kunststücke kriegte! Nun kannst Du Dir Schuhe kaufen und Kaffee und Tuch zu einer Jacke für Carlo und Hemden für Sandro." Für Lolo waren zwei Franks zwei Millionen,— ein riesiger Schatz! Am Nachmittag marschirten Lolo und Mufflu unter den Arkaden der Uffizien und den Arno entlang nach dem ihnen bezeichneten Hotel. Dort wies er die Karte vor, die er nicht lesen konnte, und wurde sofort in ein luxuriös ein- gerichteS Zimmer geführt. Doch Lolo als echter kleiner Florentiner war nicht so bald verlegen, Sophas und Teppiche schüchterten ihn nicht ein; ganz gelassen schaute er sich um und Mufflu that dasselbe, denn wenn er nicht hüpfte und sprang, war er die Gravität in Person. Der fremde Herr erschien endlich und führte Lolo ins Nächste Zimmer, wo ein etwa siebenjähriger, bleicher, abge- zehrter und doch schöner Knabe auf einem Polster lag— ein Kind des höchsten Reichsthums und doch ein armes, hilfloses Wesen. Em Lächeln erhellte sein Gesichtchen, als Lolo und Mufflu sich zeigten- doch plötzlich flog ein Schat- ten über seine Züge.„Er ist lahm wie ich," sagte er in einer Lolo unverständlichen Sprache........ „Gewiß, aber er tummelt sich doch fröhlich herum und jch hoffe, daß Du unter der warmen Sonne dieses Landes auch kräftiger wirst," sagte der Herr.„Erbrachte, um Dich .u zerstteuen, seinen Pudel mit; nicht wahr, ein hubscher ""�Der arme Kleine stteckte seine Hand aus, um Mufflo zu streicheln und dieser ließ sich das gefallen. Dann begann streikenden Parteien zu veranlassen, um in Verhandlungen über die Beseitigung des Stteiks einzutreten. Man hatte keine direkte Einmischung des Magistrats verlangt, man muthett dem Magisttat auch nicht eine Uebernahme von irgend welchen Ver- bindlichkeiten zu, verlangte auch nicht, daß der Magisttat seinen Einfluß nach einer Seite hin geltend machen sollte, sondern wünschte nur, daß der Magistrat die Meister auffordern möge, in die bisher schroff abgelehnten Verhandlungen mit der Lohn- kommission einzutreten. Die Kommission der Stteikenden gab in ihrem Schreiben der Hoffnung Raum, daß bei der Gering- fügigkeit der eigentlichen Streitpunkte sich eine Einigung leicht erzielen lassen werde. Der Magistrat hat in einer uns unde- greiflichen Verblendung es abgelehnt, diesem Ersuchen nachzu- kommen. Nach unserer Ucberzeugung hatte der Magisttat die Pflicht, jeden Versuch, der eine Einigung zwischen den Parteien möglich erscheinen ließ, zu machen; er hatte diese Pflicht doppelt im Hinblick darauf, daß so weite Kreise der Bürgerfchaft in ihrer Erwerbsthätigkeit lahm gelegt find und er hätte schon von seinem Standpunst als Ortsbehörde aus mit Fieude jede Gelegenheit ergreifen müssen, um zu zeigen, daß er nach Kräften bereit sei, zur Wiederherstellung des Friedens beizutragen. Aber auch finanzielle Fragen weit- gehendster Bedeutung für die Stadt find mit diesem Streik verknüpft; wir erinnem nur daran, daß die„Markthallen'- über deren„Nichffertigwerden" neulich gelegentlich der Jnhibi- rung durch die Polizei so lebhaft geklagt wurde, zurückbleiben, wir machen ferner darauf aufmerksam, daß die„städtischen Schulbauten" unter dem Streik leiden und so könnten wir noch eine große Anzahl von Beispielen anführen. Denn die unausbleibliche Atehrbelastung des städt Armenbudgets durch die Noch, welche über viele Familien hereinbrechen wird, auch sie mußte vom Magistrat eine Mahnung sein, die Bitte der Arbeiter zu erfüllen. Und wenn alle diese Gründe nicht ge- nügcnd waren, so hätte der Magisttat, stolz auf das ihm ent- gegengetragene Vertrauen eines großen Theils unserer Mit- bürger, dasselbe nicht zu Schanden werden lassen müssen, sondern, das Entgegenkommen derselben fördernd, seinen ganzen Einfluß aufbieten sollen, um die Beilegung des die ganze Stadl schädigenden Streiks herbeizuführen. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß, wenn der Magisttat den Wünschen der Arbeiter nachgekommen wäre und den stteikenden Parteien seine Dienste zur Beseitigung des Streiks angeboten hätte, in wenigen Stunden das erreicht worden wäre, was jetzt wochenlanger Kämpfe und bitterer Entbehrung be- darf. Nach unserer Meinung war es eine schöne Aufgabe für die Vertretung der Stadt, hier auf Wunsch helfend und rathend einzugreifen, namentlich auch im Hinblick darauf, daß dem Magistrat als dem„größten Bauherrn" der Stadt Berlin es wohl angestanden hatte, seine Interessen zu wahren und gleichzeitig als„Stadthaupt" dafür zu sorgen, daß, wenn mög- lich, ein so großer Theil der Mitbürger nicht vergebens seine tilfe anruft. Die stteikenden Maurer können sich sagen, daß sie lles versucht haben, um in gütlicher Weise den Streik bcizu- legen, die Meister haben die Folgen ihres Hoch- muths, mit den Arbeitern nicht verhandeln zu wollen, selbst zu tragen, der Magistrat aber, das fühlen wir uns verpflichtet hier öffentlich auszusprechen, war sehr schlecht berathen, als er diesen einen sehr großen Theil der Bürgerschaft höchst peinlich berührenden Beschluß faßte und wir bedauem, daß er nicht besser erkannt hat, was in die- fem Falle das Interesse unserer Stadt gebieterisch verlangt. Durch die inzwischen eingettetenen Ferien ist es der Stadt- verordneten- Versammlung nicht möglich, ihrerseits in dieser Frage Stellung zu nehmen; wir sind jedoch der Anficht, daß gleich nach Wiederaufnahme der Sitzungen die Stadtverord- neten der Arbeiterpartei dafür sorgen müyen, daß die Stadt- verordneten- Versammlung in die Berathung des Magistrats- beschlusses eintritt und wir hoffen, daß dem Magistrat klar gemacht werden wird, daß sein Beschluß oer Bürgerschaft nicht zum Vortheil gereichen kann. w. Der Berliner Magistrat gegen den Berliner Magistrat. Das Eckgebäude der Spandauer- und Brauhaus- sttaße bildet das Lietzmann'sche Lagerhaus, über welches der Magisttat als Kurator der Lietzmann'schen Stiftung die Ober- aufficht führt. Dieses Haus fällt in seinem ganzen Umfange in die Kaiser Wilhclmstraße und muß daher zum Abbruch erworben werden. Da dasselbe aber nach der Stiftungs-Urkunde nicht veräußert werden darf, so bleibt nichts weiter übrig, als dasselbe zu enteignen. Der Magistrat wird ajso als Verwaltungsbehörde der Stadt Berlin gegen den Magisttat als Kurator der Lietzmann'schen Stiftung die Enteignung einleiten. ed. Die Große Berliner Pferdebahngesellschaft hat sich dem Publikum gegenüber noch niemals koulant gezeigt, am deutlichsten tritt diese Thatsache bei der Abmessung der Theil- sttecken zu Tage, denn hier hat die Gesellschaft immer nur ihr eigenes Interesse im Auge, auf das Publikum wird dagegen nicht die mindeste Rücksicht genommen. Wie man uns mtt- theilt, ist die genannte Gesellschaft wiederholt ersucht worden, auf der Linie.Hackescher Martt— Pankow eine Theilstreckc vom ehmaligen Schönhauser Thor bis zur Verbindungsbahn zu Lolo die Vorstellung und sein Zögling hielt sich so brav, daß der Kranke lachte und jubelte, was seine kranke Brust erlaubte. Er überschüttete Mufflu und seinen Herrn mit Leckereien und die Beiden thaten den Süßigkeiten alle Ehre an. Als sie aber zum Fortgehen sich anschickten, brach der Kranke in lautes Weinen aus. „Laßt mir den Hund, Papa, ich muß den Hund haben," rief er unaufhörlich. „Morgen sollst Du ihn haben," versetzte der Vater, ihn beruhigend und gab draußen dem abziehenden Künstlerpaar ein Fünffranksstück. „O, Mufflu," rief Lolo entzückt, als sie draußen standen, „wenn wir alle Tage solch einen Fremden fänden, das wäre ein Herrenleben!" Er humpelte in beschleunigtem Tempo nach Hause und Mufflu folgte ihm offenbar in gehobener Sttmmung. Doch ach, als sie daheim ankamen, fanden sie Alle in tiefe Traurigkeit versunken. Carlo hatte eine böse Nummer gezogen, er mußte Soldat werden. Der brave Bursche stand mitten unter den Geschwistern, der Mutter Kopf ruhte an seiner Brust und über die braunen Wangen rieselten ihm heiße Thränen. Er mußte fort, er verlor seine angenehme Stelle, ließ die Seinen in Hunger und Roth zurück, um drei volle Zahre in einer bunten Jacke unter fremden Menschen zu weilen, die mit ihm fluchten,— freudlos, fern der Heimat, verlassen. Und was sollte aus der Mutter werden? Carlo war so zufrieden mit seinem Loose gewesen. Er brauchte nichts weiter, als was ihm zu Theil wurde, und nun nahm man ihm das. Sie rissen ihn weg, um ihm eine Flinte in die Hand zu geben, ihn mit einem Tor- nister zu beladen und in eine lebendige Schießscheibe zu ver- wandeln. Man beachtete Lolo und seine fünf Francs gar nicht, und Mufflu, welcher sofort begriffen hatte, daß schmerzliches Leid an dieser Stätte eingettoffen sei, zog sich trübselig in eine Ecke unb heulte. Carlo mußte fort!— das begriff Lolo sofort. Erfaßte Mufflu, drückte ihn an'S Herz, setzte sich nieder und weinte bitterlich. „Wa» nützt uns Dein Geld?" sagte die Mutter, als ihr schaffen, aber diesem durchaus berechtigten Verlangen ist bishe nicht Folge gegeben worden, trotzdem unserer Ueberzeugung nach der Gesellschaft nicht der geringste pekuniäre Nachtheil daraus erwachsen würde. Von den im oberen Thell der Schönhauser Allee sowie in der Querstraße wohnenden Personen können sehr viele die Pferdebahn nur bis zum ehemaligen Schönhauser Thor benutzen, weil sie, ihren Berufsgeschäften nachgehend, sich dort rechts oder links abwenden, alle diese Leute find nun aber gezwungen, die Tour bis zum Hackeschen Markt mit 15 Pf. zu bezahlen, oder wenn ihnen diese Ausgabe zu hoch ist, zu Fuß zu gehen. Die Strecke: Verbindungsbahn— Schönhauser Thor ist kaum so groß wie die Hackescher Markt— Pappel-Allee und wenn für die letztere ein Fahrgeld von 10 Pf. ausreichend er» scheint, so ist doch nicht einzusehen, daß der Einführung der erst erwähnten Strecke für den nämlichen Betrag fich Schwierigkeiten in den Weg stellten. Die jetzige Einlheilung der Strecken ist für das Publikum durchaus nachtheilig, den« nur die wenigsten kommen dazu, das Fahrgeld voll abzufahren. die große Mehrzahl muß hier stets mehr zahlen als recht und billig, und dabei ist die Bahn nach Pankow eine eingeleifige, auf der Wagen nur in Zwischenpausen von zwölf Minute« gehen. ob. Des Einen Brod des Andern Tod. Die Berlin« Packetfahrt-Gesellschaft wird gewiß von sehr vielen Leuten für eine höchst zweckmäßige Einrichtung gehalten, denn unstreitig ist es für das Publikum eine große Annehmlichkeit, für 15 Pfl ein umfangreiches Packet in verhältnißmäßig kurzer Zeit und ohne Rücksicht auf die Entfernung befördern lassen zu könne«. Allein wie fast jedes andere Ding, so hat auch dieses neue Unternehmen seine Feinde. In erster Linie find es unsere Dienstmänner, die sich durch dasselbe in ihrem Erwerbe beeiw» trächtigt sehen, sodann aber auch ein nicht geringer Theil d« Berliner Hausdiener. Während man fich früher zum Trans- port der verschiedenartigsten Gegenstände vornehmlich der Dienst» männer bedienst, werden diese in den meisten Fällen jetzt der Packeffahrt' Gesellschaft zur Beförderung übergeben, well diese es billiger macht, und daß die Dienstmänner in ihren schon ohnehin geringen Einnahmen eine Einbuße erleiden, wird fich sonach nicht bestteistn lassen. Ebenso glaublich ist die Mit» theilung, daß eine nicht geringe Anzahl Hausdiener ihre Etcl- lungen verloren hat, weil die.Herren Chefs die großen, schweren Packest durch die Gesellschaft expediren lassen, zm» Austragen der kleineren, sowie zur Besorgung der Botengänge aber Lehrlinge und Laufburschen benutzen. Man kann es ja den Geschäftsinhabern einerseits nicht verdenken, wenn ste ih« Ausgaben möglichst beschränken, andererseits hat eine solche Sparsamkeit aber auch ihre bedenklichen Folgen, denn die Zahl der arbeits- und erwerbslosen Menschen wird dadurch nur noch vermehrt. Das Recht auf Aibeit wird täglich einer imm« größeren Zahl Menschen streitig gemacht. Der Herausgeber der nun selig entschlafene» „Deutschen Volkszeitung", Herr Liebermann von Sonnen» berg, soll seine Mitredakteure in sehr prekärer Lage verlassen Saben. Sie waren von ihm am Schluß des Quartals, wen« e vielleicht auch die herannahende Katasttophe ahnten, mit keiner Silbe von dem bevorstehenden Eingehen des Blatttes in Kenntniß gesetzt worden. Alle Artikel wurden zur Herstellung der Zeitung für die nächste Nummer geschrieben und zusammen» gestellt. Herr Liebermann erschien dann am Abend, als die Redakteure schon fort waren, brachte einen Theil der bereit? gesetzten Artikel um die Ecke und schob die bewußte Erklärung ein, in welcher er am Kopfe der Zeitung den wenigen Lesern ein elegisches Lebewohl zuseufzte. Den Redakteuren fandst Herr Liebermann von Sonnenbera auf einer Rohrpostkarte, die im» genügend frankirt war, die Hiobspost in's Haus. w. Die außerordentliche Revision der Hauptsttftungs- lasse des Magistrats, welche in Folge des nach dem plöplich eingetretenen Tode des Rendanten Gabriel aufgedeckten De- fizits angeordnet worden war, ist vor einiger Zeit beendet worden und hat als definitives Resultat des Defekts die Summe von 120 700 und etlichen Mark ergeben. Der Ma» gisttat hat beschlossen, Maßnahmen zu treffen, welche in Zu» runft solche Defekte möglichst verhindern sollen. So soll eine allgemeine Instruktion siir die Kassenbeamten erlassen und ins« besondere aber neben dem Rendanten ein Kasfirer angestellt werden und soll nicht mehr, wie bisher, der Rendant auch daS Amt eines Kassirers bekleiden. Das Fest der goldenen Hochzeit feiern Sonntag, den 12. Juli, Nachmittags 4 Uhr, in der Sophien-Kirche die Zimmermann Jflem'schen Eheleute(Bergstt. 40); der Mann ist 76 und die Frau 70 Jahre; beide fühlen fich schwach und leben in sehr dürftigen Verhältnissen. Hinrichtung in Landsberg. Der Vastrmörder Frädrich ist, wie die„Franks. Oder Ztg." mittbeilt, am Mittwoch früh 6 Uhr auf dem Hofe des Gerichtsgebäudes zu Landsberg durch den Scharfrichter Krauts aus Berlin hingerichstt worden. Seit dem Jahre 1844, als der Raubmörder Dumdey auf dem söge» nannten Galgenberge vom Leben zum Tode gebracht wurde. ist ein Aktus dieser Art in Landsberg a. W. nicht vollzogen. R Durch die jetzt herrschende afrikanische Hitze hätte gestern leicht ein großes Unheil entstehen können. Eine in einer Lolo das Silberstück zeigte.„Wir können Carlo damit nicht loskaufen." Lolo antwortete nichts, ihn kränkte daS harte Wort; er schlich nach der Kammer und Mufflu folgte ihm. Am nächsten Morgen stand Lolo mit der Sonne auf, um Carlo nach dem Arbeitsplatze zu begleiten; er wollte jede Minute ausnützen, um noch mit ihm zusammen zu sei». „Muß es denn wirklich sein?" sagte er, als sie durch die Gewölbe schrilten und des Arno's Finthen immer goldiger erglänzten. Carlo seufzte.„Zch kann nur bleiben, wenn mir der Herr Jesus tausend Franc? schenkt, damit fich ei» Ersatzmann kaufen läßt." In den Gärten angekommen, machte sich Carlo ans Werk; Lolo legte sich betrübt ins hohe Gras und Mufflu legte sich neben ihn. Bei seiner Heimkehr am Mittag (Carlo aß im Garten sein bescheidenes Mittagsbrod) fand er die Mutter höchst aufgeregt; sie lachte, weinte, war bald ärgerlich, bald zärtlich; es lag in ihrem Benehmen etwa? Ungewöhnliches, was die Kinder fühlten und doch nicht fich zu erklären wußten. Sie hatte ein Geheimniß, da? sie nicht recht zu bewahren wußte. Nach dem Essen sagte sie stocken zu Lolo:„Heust Nachmittag hast Du Dich zu Tante Mita zu begeben; sie will ausgehen und Du sollst bei den Kindern bleibe». Spute Dich!" Lolo erhob sich soaleich, griff nach der Mütze und rief Mufflu, der unterm Tische schlief. „Lasse den Hund," bemerkte die Mutter streng,„er de- schmutzt die säubern Zimmer der Tante und das ärgert sie." „Mufflu daheim laffen?" rief Lolo, die Mutter mit offenem Munde und großen Augen anstarrend. „Lasse ihn hier," wiederholte sie,„oder muß ich meine» eigenen Kindern zweimal etwa« gebieten? Geh, Mufflu bleibt zurück!" Sie faßte Mufflu an seiner seidenen Mähne, zog ih» an sich und drängte mtt der andern Hand die Kinder hin' ai« 1°. führte mtt seiner Krücke einen Schlag a» vie Thüre, die hinter ihm geschloffen wurde; doch das Schwester- chen beschwor ihn, artig zu fein, denn die Mutter wäre voll Kummer wegen Carlo. tifljfajnmot am Schlestschen Thor wohnhafte alte Frau hatte M ihrem Fensterbrett eine größere Büchse Phosphorstreichhölzer igten stehen lasten und war dieselbe durch die brennende oonnengluth plötzlich in Abwesenheit der Zimmerinhaberin in �rand gcrathen. Das Feuer erfaßte die Tüllgardinen und zatte sich auch der Dachverschaalung mitgetheilt, wenn nicht Kachbam, auf das Feuer aufmerksam geworden, mit ein paar ximer Wasser dem Brande ein rasches Ende gemacht hätten. Zu den Dieben der mannigfaltigsten Art gesellen sich Mjährlich im Sommer die Rosenmarder. Ihre Saison ist clbstoerstandlich die Zeit der Rosenblüthe, ihr Raubgebiet aber luher den öffentlichen Gärten leider hauptsächlich der Kirchhof, ws dem viese diebischen Blumenfreunde unter der Maske von Zeidlragenden die im herrlichsten Blüthenschmuck prangenden Lräber heimsuchen und plündern. Dies schändliche Gewerbe dird auchjetzt wieder in einer erschreckenden Ausdehnung be- rieben. Männer und Frauen betheiligen sich in gleicher Weise m dieser Entweihung pietätvoll gepflegter Ruhestätten. Glück- icher Weise werden sie durch eine verschärfte Wachsamkeit der hirchhofsaufseher vielfach auf der That ertappt, oder die bei T.dächlicun Personen vorgenommene Untersuchung fördert die mtwendeten Blumen an's Licht. In diesem Falle pflegen die aufsehcr, falls kein Schutzmann in der Nähe ist, die Diebe Auszupfänden, indem sie denselben Sonnenschirm, Taschen, «örbchen, Hüte und dergleichen, worin die gestohlenen Rosen Heist verborgen werden, abnehmen und zur Wiederabholung rufbewahren. Natürlich lasten sich die also Gepfändeten nie oieder blicken. So wurden in den letzten Wochen auf dem Veolgeirkirchhof gegen fünfzig Personen, an einem Sonntag mein emundzwanzig festgenommen, welche Blumen von den Srabhügeln entwendet hatten. Ein Theil dieser Blumendiebe vurdc gepfändet— infolgedessen lagert eine bunte Kollektion Km Pfand Objekten bei dem Kirchhofsporlier— ein Theil zur S' r'w Polizeiwache sistirt. Bei solcher Sistirung geht es latürl ich ohne zahlreiches Geleite und gelegentlich ohne einen tut der Volksjustiz nicht ab. Wie manche Rosen, die auf den Vra{un oder in Lokalen feilgeboten werden, mögen wohl von olchcn Kirchhofsdicbstählcn herstammen, da die meisten Rosen- »arder ihr gestohlenes Gut an Händler absetzen. lieber ein Familiendramil, welches in voriger Woche n emm Hause der Landsbergerstraße sich abspielte, und das eicht einen traurigen Ausgang hätte nehmen können, geht der »Ger. Ztg." nachträglich folgende Mitthcilung zu: Die Frau ines dort wohnenden Sattlers machte am 2!). vor. Mts. Vor- nittags den Versuch, sich mit ihrem 4jährigen Sohne das Leben u nehmen, indem sie sich in die Küche ihrer Wohnung ein- chloß, ein starkes Kohlenfeuer in der Kochmaschine anlegte und sie Rauchabzugsöffnung der letzteren mittels des Schiebers ver- chloß. Der Mittags von der Arbeit heimkehrende Bruder der flau brach in Gemeinschaft mit dem gleichfalls zum Essen er- chiencnen Manne, als sie den Kohlengeruch wahrgenommen allen und die Thür verschlossen fanden, letztere gewaltsam auf nd sahen die Frau mit dem Sohne anscheinend leblos auf ein Sopha liegen. Durch die von einem sofort herbeigerufenen lrzt angestellten Wiedelbelebungsversuche wurden glücklicher Leise beide wieder in's Leben zurückgerufen. Das Motiv zur Fiat ist auf einen Zwist zwischen beiden Ehegatten zuriickzu- ihren, welcher wegen des von der Frau in die Ehe mit- �brachten Sohnes entstanden war. Dieserhalb wollte die stau nickst mehr länger leben, auch ihren Sohn nicht lebend rrücklaffen. Der, wie mitgetheilt, bei der Amorceerplosion in Weißen- je vor einigen Tagen verunglückte Arbeiter Otto Preuß ist estcrn Vormittag im städtischen Allgemeinen Krankenhause den chaltencn schweren Verletzungen erlegen. In größter Lebensgefahr gcricth gestem Abend in er 9. Stunde die 4jährige Tochter eines in der Fischerstr. 10 lohnenden Destillateurs Strätz. Das Kind befand sich um die ngegebene Zeit ohne besondere Beaufsichtigung spielend am ieländcr der Fischerbrücke, als es dort plötzlich das Gleichgewicht erlor und kopfüber ins Wasser stürzte. Ein in der Rache mit Handkahn befindlicher Schiffer, der Augenzeuge des nein orfalls gewesen, eilte herbei und gelang es ihm auch glücklich, iL bereits unter dem Wasserspiegel verschwundene Kind zu er- eisen und noch lebend in seinen Kahn zu schaffen, um es den cht wenig erschreckten Eltern zuzuführen. U e- Ei» etwa 10 Jahre alter Knabe verlor vorgestern im Baden in der Badeanstalt in der Burgstraße sein— •(asauge, ohne daß es ihm gelang, dasselbe wieder aus dem Zaster zu fischen. Untröstlich über den Verlust, theilte er chen mehreren erwachsenen Personen mit, denen es nach ehrfachem Untertauchen auch endlich gelang, das Glasauge > der tiefsten Stelle zu finden, worauf der hocherfreute Knabe isselbe sich wieder eindrückte. B e- Der Maler Krümmel, Landsbergerstr. 32 wohnhaft, elcher bekanntlich wegen Mordverdachts der Wittwe Weber rhaftct werden sollte, durch eine geschickt ausgeführte Flucht ittelst Hcruutzrlassens aus feiner Wohnung an einem Seil er entkam(seine Schuldlosigkeit an dem Morde stellte sich Her heraus), ist bis jetzt weder zu seiner Frau zurückgekehrt, ch hat man sonst einen Anhalt über seinen Aufenthalt. Tie me Frau befindet sich daher in einer nicht geringen Auf- 5 Belle-Alliance-Theater. Zu dem Inorgenden Sommer- acksts Fest, welches in dem prächtigen Sommergarten daselbst sttfindet, sind außer den bereits 4 bekannten Sänger� Gesell- asten noch 3 Herren und 3 Damen(Karnthner Lieder-Sextett allmatser) engagirt worden, denen von Wien, Prag, Breslau s. w. die günstigsten Kritiken zur Empfehlung dienen. N. Lebendig begraben. Ein ganz entsevlicher Unglücks- ll, der abermals auf ungenügende Kinderbeaufsichtigung zurück- führen sein dürfte, trug sich, wie uns von einem Auaenzeugen wird, vorgestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr im richtet....„—........ f. ordosten der Stadt, auf dem sogenannten Danziger Feld zu. af diesem in der Nähe der Pappel-Allce belegenen»zelde be- det sich seit etwa 4 Wochen eine ca. 6—7 Fuß tiefe Scmd- ibe, die, obwohl sie auf einer Seite stark untergraben ist, ch vielfach von Kindern in dortiger Gegend zum Spielen nutzt wird. In dieselbe hatten sich um die angegebene Zeit | beiden 12 resp. 10 jährigen Knaben eines in dem Hause nwelallee 2 wohnenden Arbeiters Günther begeben, um dort tz vorher an sie ergangener Warnung in der Grube zu spielen. erbet stürzte plötzlich der untergrabene Theil der Grube zu- amen, beide Kinder derart verschüttend, daß der ältere ilibe vollständig begraben, der jüngere soweit ver- üttet wurde, daß nur der Kopf frei blieb. Auf die Angst- e des Letzteren eilten mehrere Personen herbei, denen lerst nach unsäglicher Mühe gelang den kleinen Otto, der »ch die erdrückenden Sandmassen, anscheinend schwere innere letschungen erlitten, noch lebend aus seiner gefährlichen Po- on zu befreien, während der ältere erst nach einiger Zeit als che unter dem Erdreich hervorgezogen werden konnte. Ein .ort hinzugerufener Arzt stellte an der Leiche sogleich und mit er Energie Belebungsversuche an, die jedoch resultatlos ver- fem So blieb weiter nichts übrig, als alle Sorgfalt dem igeren Knaben, dessen Verletzungen so emsterNatur sind, daß an aem Aufkommen gezweifelt wird, zuzuwenden. Die Leiche ? Berthold G. wurde sofort in die elterliche Wohnung gc- Ksst und der vor Schmerz halb wahnsinnigen Mutter über- )en. Auf Anordnung der Behörde wurde die Leiche in der aschküche des Hauses niedergelegt, wo fie während der Nacht chlieb. Gerichts-Zeiwttg. Die viel besprochene Privattlagesache der Redakteur �Kobuttschen Eheleute gegen den Redakteur der„Wahrheit" Nor de Grou silier beschäftigt« gestem auf die von dm Privatklägern gegen das milde Strafmaß eingelegte Berufung die sechste Strafkammer hiesigen Landgerichts I. In Nr. 39 des genannten Blattes vom 27. Dezember vr. find vier ver- schiedene Artikel enthalten, welche Dr.Kohut resp. beidePrivat- kläger auf sich beziehen. Der erste ist überschrieben:„Jüdische Geographie", in welchem ein Wortspiel über die ungarische Staatsangehörigkeit Kohuts mit dessen Zukunftsaufenthalt in Palästina zum Besten gegeben ist.— In diesem Fall erachtete das Schöffengericht eine Beleidigung nicht für vorliegend.— Der zweite inkriminirte Artikel betrifft eine Briefkastennotiz aus Düsseldorf. In derselben wird das Privatleben bei- der Privatklager während ihres Aufenthalts in Düsseldorf während der Jahre 1873—1878 geschildert und behauptet, daß der Ehemann Redasteur bei der konservativen„Düsseldorfer Ztg." gewesen und bei dem Besuch des Kaisers eine patriotische Broschüre verfaßt hat, während er wegen seiner deutschfeindlichen Korrespondenzen für ungarische Blätter ausgewiesen worden fei. Femer wurde von Kohut behauptet, daß er ein zudring- sicher Mensch gewesen, sich unbefugt den Doktortitel beigelegt, den er wahrscheinlich aus Philadelphia bezogen hat. Der Ehefrau, die am Düsseldorfer Theater als Primadonna engagirt war, sind mit Bezug auf ihre moralische Qualität die un- geheuerlichsten Dinge nachgesagt worden; auch ist mit Bezug auf ihren wirklichen Namen„Steinmann", auf ihre jüdische Abkunft profilirt worden. Betreffs dieses Artikels hat auf Veranlassung des Angeklagten � eine umfassende Beweisaufnahme stattgefunden, welche die völlige Grundlosigkeit sämmtlicher gegen die Privatkläger erhobenen Verdächtigungen ergab. U. a. wurde konstatirt, daß der Pri- vatkläger sich in Düsseldorf nickt den Doktortitel beigelegt, den- selben dagegen im Jahre 1868 auf der Universität zu Jena erworben Hai, daß die Privatklägerin als evangelische Christin in Dresden geboren und getauft worden ist. In diesem Fall nahm das Schöffengericht üble Nachrede als konsumirt an.— Der dritte inkriminirte Artikel ist überschrieben:„Monolog eines Preßjuden." In demselben ist auf die bekannte Differenz zwischen der Opernsängerin Fräul. Lilli Lehmann und Herrn Robert Davidsohn angespielt und damit Herr Oskar Blumen- thal und der Privatkläger in Verbindung gebracht. — In diesem Artikel vermißt das Schöffenge- richt beleidigende Beziehungen auf den Privatktäger. — Der vierte Artikel ist betitelt:„Die Jüdin und ihr Kindlein." In demselben wird dem Privatkläger eine Tugend angedichtet, aus der auf sein verächtliches Wesen ein sicherer Schluß gezogen werden soll. Es ist behauptet, daß der kleine Kohut mit seiner Mutter auf das Land gezogen und die Bauern um ihr Federvieh erleichtert habe und daß seine Mutter, um ihn vom österreichischen Militär zu befreien, ihn außer Landes geschickt habe. Auch betreffs dieses Artikels nahm das Schöffengericht an, daß der Privatkläger durch üble Nachrede beleidigt worden sei. Es wurde namentlich als unwahr kon- statirt, daß der Kläger auf den Handel gegangen sei, indem er vielmehr bereits im 18. Lebensjahre sein Maturitätszeugniß erlangt und jüdische Theologie studirt habe.— Das Schöffengericht nahm nur eine selbstständige Handlung an und verur- tbeilte den Angeklagten trotz der Schwere der Beleidigungen mit Rücksicht daraaf, daß er als Antisemit es sich zur Aufgabe gestellt habe, die Answüchse des Judenthums zu geißeln und vonvieaend im guten Glauben und über das Ziel hinausgeschossen habe, nur mit 75 Mark event. 15 Tagen Gefängniß. Dieses Straf- maß schien dem Privatkläger zu niedrig, er machte von seinem Rechte der Berufungseinlegung Gebrauch. Zum gestrigen Ter- mine war Dr. Kohut selbst nebst seinem Vertreter, dem Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedmann erschienen, das Polizei-Präsidium hatte dem Ersteren hierzu die Erlaubniß ertheilt. Den An- geklagten vertrat Rechtsanwalt Dr. Stein. Auf Antrag des Klägers wurden dessen Führnngsattcste verlesen, welche ihm die Düsseldorfer Polizeibehörde und das Berliner Polizei- Präsidium ausgestellt haben, es wird seine Führung als eine gute bezeichnet, und nur erwähnt, daß er zwei aerinae Geldstrafen wegen Preßvcrgehcns erlitten hat. R.-A. Dr. Friedmann geißelte die Angriffe der„Wahrheit" gegen seinen Mandanten und behauptete, daß derselbe nach 18jährigcm Aufenthalt in Deutschland, lediglich seiner Äusländer-Qualität wegen aus Berlin ausgewiesen sei. Er kam zu dem Resultat, daß die erkannte Geldstrafe für die �Beleidigungen keine ent- sprechende Sühne sei. Der Vertreter des Beklagten, Dr. Stein, führte dagegen aus, daß zu einer Abänderung des ersten Ur- theils keine Veranlassung vorliege.— Der Gerichthof war der Ansicht, daß durch eine Zeitungsnummer die der Redakteur nur einmal zeichne, auch nur eine Sttafthat begangen werden könne, mögen in der Nummer auch noch so viele straf- bare Artikel enthalten sein. Dagegen sei das Strafmaß seitens des ersten Richters allerdings zu niedrig gegriffen- Es mag die Tendenz der„Wahrheit" sein, die Auswüchse des Judenthums zu geißeln. Man mag nun über die Berechtigung einer solchen Tendenz denken, wie man wolle, durch die in- kriminirten Artikel sind die Auswüchse des Judenthums nicht gegeißelt worden, sondern nur bestimmte Persönlichkeiten, nicht das Judenthum. Es sind auch gar keine Auswüchse desselben angezogen worden.'Bei der Gröblichkeit der einzelnen Be- leivigungen mußte die erkannte Sttafe erheblich erhöht werden, und ist dieselbe auf 300 Mark eventuell 30 Tagen Gefängniß bemessen worden. Die Kosten der Be- rufung find jedem Theile zur Hälfte aufzuerlegen gewesen. — Vor derselben Strafkammer sollte die Belerdigungs- klage der Generalagenten der Niederländischen Dampf- schrfffahrt-Gesellschaft Prinz und Swanenbera zu Amsterdam gegen den Redakteur des„Verl. Tageblatts" Dr. Schedlrch m der Berufungsinstanz verhandelt werden. Der Angeklagte war vom Schöffengericht freigesprochen worden, und hatten hiergegen die Privatkläger Berufung eingelegt. Im Termine beantragte der Vertreter des Angeklagten Rechtsanwalt Michaelis Sicher- stellung seitens der Privatkläger für seine Gebühren, und be- schloß der Gerichtshof, den Privatklägem aufzugeben, einen weiteren Vorschuß für die Gerichtskosten von 30 Mk. und für die Anwaltskosten einen solchen von 100 Mk. binnen 4 Wochen bei Vermeidung der Einstellung des Verfahrens zu hinterlegen. Soziales und Arveiterbemegung. im Die Streik-Kommisston der Berliner Manrer erläßt , Bauhandwerker" folgenden Aufruf: An sämmtliche Arbeiter Deutschlands. Freunde! Brüder! »jimiiut;-uumer! Dadurch, daß unsere„ehrbaren" Jnnungsmcistcr unsere gerechten Forderungen schnöde abwiesen, nnd sich überhaupt weigerten, über dieselben mit uns in Frie- den zu verhandeln, befinden sich einige Tausend unserer bravsten Kollegen bereits 5 Wochen, und die gesummten Maurer Berlins 3 Wochen im Ausstande. Den erlogenen Nachrichten einzelner Zeitungen, welche wider besseres Wissen die wahren Thatsachen des allgemeinen Streiks entstellten, sich sogar zum Denunzianten- thum emiedrigt haben, ein Wort der Widerlegung zu gönnen, halten wir unter unserer Würde. Wir warnen jeden Bau- Handwerker und Bauarbeiter, sich nicht nach Berlin locken zu lassen, sondern jeden Zuzug sttengstens fernzuhalten, denn der Streik der Maurer, Putzer und Stcinttäger dauert unverändert fort und wir werden nicht eher die Arbeit aufnehmen, bis unsere bekannten Forderungen bewilligt find. Daß ein solcher Kampf ungeheure Opfer kostet, haben wohl die meisten unserer Arbeitsbrüder selbst erfahren. Darum, Kameraden und Freunde, zeigt aufs Neue Euren oft erprobten Opfermuth, denn an ihm und unserer unerschütterlichen Einigkeit werden dre rilckfichts- losen Hcrausfordelungen seitens unserer„liebenswürdigen Jnnungsmeister zerschellen müssen. Schnelle Hilfe, st doppelte Hilfe. Alle für die stteikenden Berliner Maurer bestimmten Geldsendungen find zu richten an den Kasfirer der Lohnkom- misfion der Berliner Maurer. Herrn H. Schulz. Lothringer- straße 37, alle Briefe an Herrn Behrend ebendaselbst. Ueber erhaltene Sendungen wird im„Bauhandwerker" quittirt. Die Streik-Kommission der Berliner Maurer. F. Wilke. H. Schulz. Peter. Behrend.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck des Vorstehenden gebeten. Zum Töpferstreik. Die Streik-Kommission der Töpfer macht bekannt, daß nachstehend verzeichnete Töpfermeister Äer- lins den neuen, von den Gesellen aufgestellten Tarif( giltig vom 1. Juli 1885 bis dahin 1886) durch ihre Unterschrift an- erkannt, demnach die Forderung der Gesellen bewilligt haben. Es sind folgende Herren: Schuppmann, Schenk, H. Große» Fuchs, Henkel, Unkrott, Häßeler, Eisenbeiß u. Hausleiter, Böhm- Hammel, Schöll, Holpert, O. Klamann, Haak, Schöneberg, Muskulös, Dusedann, A. Zink, E. Bruks, O.Titel, Uhlemaun» Linke, Bratz, Schmidt, Boye, A. Schumann, Pikenhagen, Blumenfeld, Stahlkopf, Aktien-Gesellschaft vormals Danlbury, faul Weihenwüller, E. Hoch, A. Brums.— Weiter theilt die ommission mit, daß alle den Streik betreffenden Briefe und Anfragen zu richten sind an Herrn Herrmann Bormann, Gre- nadiersttaße 33 bei Seefeld. + Höhscheid b. Solingen, 7. Juli. Zwei der Arbeiter- partci angehörende Männer, die Herren E r n st Moll und Wilhelm Fuß, welche trotz dem 12 Mark-Zensus und trotz allem Angstgezeter unserer Hochwohlweisen Dorf- resp. Rath- ältesten ins Stadtverordneten-Kollegium gewählt wurden, haben in der letzten Stadtraths-Sitzung den Antrag gestellt: Das Kommunal-Wahlrecht auf Grund der Rheini- schen S täd te- O rd nun g bis auf die zweite Klassen st euer st ufe, also bis auf sechs Mark, herunterzusetzen. Der Antrag wurde noch von fünf anderen Mitgliedern des Kollegiums, von den Herren Römer, Ern, F. Schaaf, R. Schoos und Weyersberg schriftlich unterstützt. Darob große Erregung unter den Obersten, Edelsten und Besten unserer weit ausgedehnten Stadtgemeinde, deren Einwohner auf nicht weniger als 106 Ortschaften und Höfe vertheilt wohnen. Die Sitzung war so interessant, daß wir nicht umhin können, weiteren Kreisen davon Mittheilung zu machen. Der Originalität halber geben wir den Bericht wörtlich nach dem amtlichen Kreisblatte:„An- trag der Stadtverordneten Moll und Ge- nossen auf Erweiterung des Bürgerrecht s." Herr M o I l In der Februar-Sitzung habe man sich von verschiedener Seite im Prinzip gegen die progressiven Kommunal- steuersätze ausgesprochen. Würden diese beseitigt, ._. dann hätten alle Gemeindemsassen gleiche Pflichten, und es sei nicht mehr wie recht und billig, ihnen auch gleiche Rechte zu geben. Das spreche aber nicht allein für die Herabsetzung des Zensus. Von den 3 unteren Stufen würden große Steuerbeträge aufgebracht, es sei viel Intelligenz in ihnen verrieten, und gerne würden auch diese Kategorien sich an der Verwaltung der Gemeinde resp. an der Arbeit für dieselbe betheiligen. Herr Ern giebt, zugleich Namens des Herrn Rod. Schaaf, eine Erklärung des Inhalts ab, daß er es für richtig befunden habe, den Antrag zu unter- schreiben, damit derselbe zur Diskussion gelangen könne, daß er aber jetzt, nachdem er erfahren, daß mit dem Antrag lediglich sozialdemokratische Zwecke verfolgt würden, seine Zustimmung zurückziehe, weil er es ablehnen müsse, sozialdemokratischen Be- strebungen Vorschub zu leisten. Eine ähnliche Erklärung geben die Herren Römer und Weyersberg ab. Herr Fuß bestreitet, daß andere als kommunale Rücksichten fie bei diesem Antrag geleitet hätten; von einem Beschlüsse der sozialdemokratischen Zentral-Leitung, sich fürderhin bei den kommunalen und Land- tagswahlen zu betheiligen, sei ihm nicht das Mindeste be- kannt. Herr Moll: Er wisse wohl, daß man ihn nicht zur Vertretung politischer Ansichten, sondern zur Wahrung der kommunalen Interessen gewählt habe. Herr Vorsitzender: Thatsächlich laufe durch die Zeitungen eine wohl glaub- hafte Notiz, nach welcher die sozialdemokratische Parteileitung für ihre Gesinnungsgenossen die Parole ausgegeben habe, sich in den Jndustriebezirken an Landtags- und kommunalen Wah- len zu betheiligen. Er hätte nicht geglaubt, daß man gerade Höhscheid zum Probefeld auSersehen, und daß man hier sozia- listischen Einflüssen so willig nachgegeben habe. Die Sozial- demokraten hätten aus früheren Kollegialbeschlüssen wohl die Meinung herleiten können, man erfreue sich der Protektion manches Stadtverordneten. Die Gemeinde habe sich finanziell seit den letzten Jahren bedeutend gehoben, trotzdem werde Un- zufricdcnheit systematisch erzeugt. Der Antrag Moll habe früher Antrag Fuß geheißen. Früher habe derselbe keine Unter- stützung gefunden jetzt sei die Zahl seiner Freunde bereits auf sieben gestiegen. Die Bestrebungen der Sozialdemokraten rich- teten sich gegen die heutige Gesellschaftsordnung. Die Zentral- lcitung wisse wobl, wo sie die Hebel ansetzen müsse, deshalb auch ihre Aufforderung zur Bctheiligung an den Gemeinde- wählen. Das kommunale Wahlrecht sei früher an ungleich höhere Bedingungen geknüpft gewesen. Die Schwindelperiode von 1873, jene Zeit der Fundalherrschaft der Börsenbarone, habe erst die alten Grundsätze über den Haufen geworfen. Als man indeß aus seinem Glückseligkeitsdusel erwacht sei, habe sich herausgestellt, wie wenig die politische Reife des Volks mit der Besserung seiner Verhältnisse gleichen Schritt gehalten habe. Nur wenige Gemeinden hätten von dem ihnen 1874 gegebenen Recht der Herabsetzung des Zensus auf Ä. 6 Ge- vrauch gemacht. Die nicht Seßhaften hätten wenig Interesse an den Gemeindeangclegenheiten. Die unteren Klassen brächten längst nicht auf, was sie die Gemeinde kosteten.(???) Von 15 Gemeinden, bei denen er aiigefragt habe, beginne das Wahlrecht in 14 erst bei der 4. Stufe. Wer mehr bezahle, müsse auch mehr mitzusprechen haben. Die vorgeschlagene Er- Weiterung des Bürgerrechts verdoppele fast die Zahl der Wähler. Von 739 bringe fie dieselbe auf 1409. D i e sozialistische Parte: wisse, was ihr hiervon zufalle. Alle ihre Bestrebungen richteten sich nur auf den Ruin der Gemeinde als Basis des Vaterlandes. Man st ehe vor einer großen Gefahr, wenn man dem Antrage startgebe. Man leiste dem Wiederaufleben der Aera von 1792 mit allen ihren Greuelthaten Vorschub. Herr Moll führe den Willen der sozialdemo- kratischen Parteileitung aus. Möge man im Kollegium die Gemeinschaft mit ihr und mit ihrem Anhang zurückweisen, indem man den Antrag ablehne. Herr Fuß: Er wiederhole, von einem Beschluß seiner Parteileitung wie dem erwähnten wisse er nichts. Wenn die Unzufriedenheit in der Gemeinde größer weide, so habe das andere Ursachen wie die vom Herrn Vor- sitzenden erwähnten. Auch in der Einkommensteuer seien Bürger ohne Grundbesitz; wolle man ihnen deshalb ihr Wahl- recht vorenthalten? Daß er die Gemeinde zu Grunde richten wolle oder daß er das thue, werde man nicht nachweisen können. Herr Neef bezweifelt auch seinerseits, daß die politischen Motive bei der Einbringung des Antrages keine Rolle gespielt haben. Die Progression sei schon in den Staatssteuersätzen selbst enthalten. Wenn ein Bürger 500 Thlr.. der andere nur 12 Thlr. bezahlen müsse, so könne man wahrlich nicht von gleichen Pflichten sprechen. Früher seien die Bestrebungen, den Zensus herab- zusetzen, von ultramontaner Seite ausgegangen. Man habe dort damals dieselbe Takttk verfolgt wie heute die Sozialdemokra- ten. Beide wüßten, daß sie dadurch bedeutend an Einfluß ge- wannen. Die fortwährend ihren Wohnort wechselnden Ärdei- ter hätten thatsächlich wenig Interesse an den Gemeindeeinrich- tungen. Hier sei die Bewegung der Bevölkerung außerordent- lich stark. Was deshalb anderwärts ganz ungefährlich sei, die Herabsetzung des Zensus, hier sei es ein großer Fehler. Dazu sei das Wahlrecht für die unteren Klassen ein Geschenk von sehr zweifelhafter Güte. Möge man im Kollegium aus dem Vorgefallenen die Lehre ziehen, wie strenge Wacht man zu halten habe um der Gemeindeverwaltung ihre Stetigkeit zu Achern. Herr Fuß: Er sei für Abschaffung der Brogreffion, wenn die Besteuerung statt mit 120 M. erst mit 900 M. beginne. Herr Kronenberg: Die Herren Moll und Fuß seien auch bei ihm gewesen. Er habe fich geweigert, den Antrag zu unterſtüßen, froßdem solle erklärt worden sein, daß auch er unterzeichnet habe. Ein Antrag auf Echluß der Debatte findet sodann Annahme, und endlich wird mit allen gegen die Stimmen Der Herren Moll und Fuß der Antrag abgelehnt." Soweit der Bericht des amtlichen Blättchens, woraus man erfieht, daß vier Stadtverordnete( Herr F. Schaaf, ein Mitunterzeichneter, fehlte) fich durch die nichtssagenden und durch nichts erwiesenen Behauptungen des Vorfizenden, Herrn Bürgermeister Glößner, berart ins Bodshorn fagen ließen, daß fie gegen den von ihnen bereitwilligst unterzeichneten Antrag eben so bereitwillig stimmten, wodurch fie weder in der Gemeinde, noch bei den Gegnern des Der Herr Antrages Moll an Ansehen gewonnen haben. Bürgermeister, welcher selbst aus den Reihen der 6 Mark- Leute hervorgegangen ist, hat es leider unterlassen, den Beweis der Wahrheit dafür anzutreten, daß die Arbeiterpartei den Ruin der Gemeinde anstrebt. Wenn legteres der Fall wäre, so hätte der Herr Vorsitzendende leichtes Spiel gehabt, da seit einem Jahrzehnt die Arbeiterpartei in der Stadtgemeinde Höhscheid die große Majorität bei den Reichstagswahlen aufzuweisen hat. Solingen hatte den 6 Mark Bensus mehr als ein Dugend Jahre, ohne daß dadurch die Seßhaften" in ihrer Ruhe geftört oder irgend etwas aus dem Leime gegangen ist. Erst nach der vorvorigen Stadtverordnetenwahl, als die Sozialdemokraten auf 11 Stimmen auch einen der Thrigen durchbrachten, hat das hohe Kollegium in Solingen auf Antrag des Herrn Bürgermeisters den Zensus auf 9 M. erhöht. Vereine und Versammlungen. hfs. Die streitenden Maurer und die Beschlüsse der jüngsten Baugeschäftsinhaber Versammlung.( Spezialbericht des Berliner Volfsblatt.) Die Generalversammlung der streifenden Maurer, welche am Mittwoch Nachmittag unter dem Vorfiße des Herrn Behrend im großen Saale der Tivoli Brauerei" tagte, um zu den bekannten Beschlüssen der Baugeschäftsinhaber- Versammlung vom 7. d. M. Stellung zu nehmen, war von ca. 5000 bis 6000 Theilnehmern besucht. Der Vorsigende Herr Behrend leitete als Referent der Ver sammlung die Verhandlungen mit längeren fritischen Ausführungen über die neuesten Meisterbeschlüsse ein. Wir heben daraus folgendes hervor. Die Meisterbeschlüsse, bemerkte der Redner, seien kaum Jemandem unerwartet gekommen und so stehe man denselben gleichmüthig und gefaßt gegenüber. Natürlich befänden sich die Herren, welcher in jener Versammlung meinten, der Streit sei damit als beendet zu betrachten, fehr im Frrthum. Eine solche Ansicht sei einfach lächerlich. Der Streit, den die Gesellenschaft proklamirt hat, werde erft beendet sein, wenn ihn die Gesellen für beendigt er flären, und vorläufig hätten fie dazu noch keine Veranlassung. Im Gegentheile, durch den Meisterbeschluß sei es dahin ge tommen, daß der Streik jest erst recht beginnen werde. Die Meister, welche, hinter verfchloffenen Thüren verbarrikadirt, mit Ausschluß der Gesellenschaft verhandelten, hätten durch diese Verhandlungen, über welche die Gesellen trozdem genau orientirt seien, nur bewiesen, wie schlecht die Meister über die wirkliche Lage orientirt sind. Noch seien die Berliner Maurer nicht ausgehungert und ihre Brüder, die Arbeiter Deutschlands, würden dafür zu sorgen wissen, daß sie nicht nöthig haben, zu kapituliren! Beifall.) Der Meisterbeschluß habe den Maurern nur in noch höherem Grade, als es bisher schon der Fall gewesen, die öffentliche Meinung, die Sympathien aller Billigdenkenden gewonnen. Die Forderung von 50 Pf. sei für Berlin durchaus nöthig und davon könne daher, nicht abegegangen werden. Selbst auswärtige Innungsmeister hätten die Forderung als eine gerechtfertigte anerkannt, so die Meister der Altonaer ,, Bauhütte". Redner geht darauf mit dem neuesten Streit- Artikel der Baugewerks- Big." scharf ins Gericht und gloffirt namentlich die Bemerkung des Blattes, es sei zu hoffen, daß nun endlich die Berliner Maurer die Nothwendig feit begreifen würden, das zu thun, was sie nie hätten unterlaffen sollen: zu arbeiten." Ja, gewiß, sagte der Redner, wir wollen und werden arbeiten, aber nur für einen menschenwürdigen Lohn, und den hat man uns bis jetzt noch verweigert. Humbug nannte es der Redner, wenn die Baugewerks- 3tg." verfichern zu können glaubt, daß es in Berlin nie zu einem Minimallohnsate tommen könne. Die Herren scheinen eben gar nicht zu wiffen, was Minimallohn ist und daß fie ein Minimallohn durchaus nicht zwinge, dem Minderleistungsfähigen und Minderfleißigen denselben Lohn zu geben, wie dem Tüchtigeren und Fleißigeren. Der MinimalLohnfat folle nur die schwächeren Arbeiter gegen die Hungerlöhne schüßen, die man ihnen zu bieten wage. Die Meister- Resolution erklärte Redner für einen Wisch, stroßend von Verrath und Lüge." Deshalb müsse man die Kelle auch ferner bis auf Weiteres ruhen lassen und nicht früher wieder zur Hand nehmen, als bis die Gesellenforderungen bewilligt find.( Algemeiner stürmischer Beifall.) -Reg.- Baumeister a. D. Keßler beginnt mit den Worten: ,, So ist es denn zu Ende, wie fie's gewollt, gebracht, So ist es denn gekommen, wie wir es uns gedacht", durch die Echiebung" der Innung nämlich, die man schon in jener Freitags- Versammlung voraussehen konnte, in der uns die anwesenden 10 Meister das Versprechen gegeben, eine VersammJung von Meistern einzuberufen, zu der auch die Gesellen H Theater. Belle- Alliance- Theater. Heute: Der Attienbudiker. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Oftend- Theater. Heute: Die Frau mit den Karfunkelsteinen. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mits theilung, daß unser Bruder, der Klempner Emil Flemming, am 8. d. Mts., Vorm. 9 Uhr, seinen schweren Leiden erlegen ist. [ 1585 Die Beerdigung findet am Sonntag, Vorm. 11 Uhr, auf dem Thomaskirchhofe statt. Die trauernden hinterbliebenen. Arbeitsmarkt. Zum Verpacken von Maschinen zc. sucht einen gewiffenhaften umfichtigen Mann, möglichst Holzarbeiter.[ 1581 G. Kärger, Blumenstr. 67 a. Zimmerleute! kommiffion Zutritt haben sollte. Das durfte und konnte nicht geschehen, mußte die Innung um jeden Preis hintertreiben. Es ist ihr gelungen, aber einen Erfolg im eigentlichen Sinne des Wortes hat sie damit nicht zu verzeichnen. Ihr Sieg ift einer von denen, die einer Niederlage gleichkommen, die Troßdem hält bösen Folgen werden nicht ausbleiben. Troßdem hält die Gesammtheit der Maurer auch der Maurer auch heute noch fest an einer mit Verhandlung denjenigen Meistern, welche Billigkeitsgefühl genug befizen, um einzusehen, daß die Gesellen dabei auch ein Wort mitzureden haben, wenn es zu einer Verständigung kommen soll. Die Herren Zünftler dagegen fennen nur ihre Intereffen und keine anderen, fie defretiren ihre Geseße und glauben, die Anderen wären nur dazu da, diese Geseze zu befolgen. Das können und dürften dazu da, diese Gefeße zu befolgen. Das können und dürften Sie nicht!( Stürmischer Beifall.) Redner führt dann zur Widerlegung der Baugewerks- 3tg." bezüglich der Löhne in ihrem Verhältniß zu den Lebensmittelpreisen noch verschiedenes statistisches Material vor und schließt mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß die heutige Versammlung das ganze Manöver, um das es fich bei dem Meisterbeschlusse handele, durchschauen und sich nicht beirren lassen, sondern den seither von den Berliner Maurern befolgten Grundsäßen treu bleiben werde. Jeder brave Maurer werde fawissen, was er zu thun habe.( Stürmischer Beifall. In demselben Sinne sprach über die Meisterbeschlüsse Herr Peter. Auch drückte er sein Bedauern darüber aus, daß die durch die Lohnerhöhung entstehenden Mehrkosten von den Meistern allein nur auf das bauende Publikum abgewälzt werden sollen, während es doch recht gut möglich wäre, daß einen Theil daran auch die Herren aus ihrem Unternehmergewinn deckten. Aber das sei ja gerade des Pudels Kern. Davon wollten die Herren nichts wissen. Die jüngste Meister versammlung verglich Redner mit einer Versammlung von Börsenjobbern und es sei nicht zu viel gesagt, wenn man die Mehrzahl der Versammelten als eine Gesellschaft von Geldpiraten bezeichne. Eine neue Resolution brauche heute nicht gefaßt zu werden, es bedürfe nur der Wiedererneuerung und alten Aufrechthaltung der in der Philhar monie" beschlossenen.( Zustimmung und Beifall.) Hierauf wurde folgende, von Herrn Wille eingebrachte Reso lution verlesen:„ Die heutige Generalversammlung der Maurer Berlins und Umgegend beschließt: in Erwägung, daß die Beschlüsse der gestrigen Meisterversammlung einestheils lächerlich find, anderntheils eine zweite Herausforderung der Gesellen enthalten, die am 17. Juli in der Philharmonie angenommene Resolution in allen Theilen aufrecht zu erhalten und dieselben bis zum letzten Mann zu verfechten." Im Sinne derselben sprachen dann noch die perren Wilke, Krüger, Krieg und Behrend, worauf dieselbe, nachdem fie vom Vorfigenden in den verschiedenen Theilen des bekanntlich besonders länglichen Saales wiederholt nach allen Richtungen der Versammelten hin verlesen worden war, zur einstimmigen Annahme gelangte und die Versammlung in lange, stürmische Beifallsfalven ausbrach. Schließlich theilte Herr Peter noch mit, daß ein schamloser Agent( Derr M.) aus Tilfit, Maurer unter der Versprechung höherer Löhne von dort hierher gelockt hat. Redner ersucht die Polizeibehörde, hierauf ihr Augenmerk richten zu wollen. Bald darauf, nach Erledigung noch einiger Fragen aus der Versammlung, schloß der Vorsitzende die durchaus würdig verlaufenen Verhandlungen mit einem dreifachen Hochruf auf den Sieg der Mauer, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. hfs. Die neueſte Versammlung der streitenden Maurer, welche gestern, am Donnerstag- Nachmittag, im Konzerthaus Sanssouci" stattfand, war wieder äußerst zahlreich besucht. Es wurde über das bekannte Flugblatt diskutirt, welches in der Baugeschäftsinhaber- Versammlung am 7. d. M. zur Bertheilung gelangte. Mit vernichtendem Spotte wurde das Machwerk Saß für Sat von den Rednern widerlegt, wobei hervorzuheben ist, daß sich an dieser Diskussion durchweg nur Redner betheiligten, welche seit 1869, feit Emanation der Reichs- Gewerbe Ordnung, in der Lohnbewegung gestanden haben und denen alle einzelnen Phasen der betreffenden Bewegung noch vollständig gegenwärtig find. Herr Peter beendete als Referent ſein Schlußwort mit der Bemerkung, daß, wie man Anno 1869 mit der Beleidigung fertig geworden sei, welche damals Meister Junghahn den Gesellen zugefügt, indem man auf ihn in der Linde" das Liedchen gesungen: Als junger Hahn fam ich hierher, so werde man dies mal auch mit Herrn Brettschneider abzurechnen wissen, um ihn zu belehren, daß das famose Meister- Flugblatt allerdings seine Wirkung fchon thun" werde, jedoch nur nach der entgegengesetzten Richtung, als es dem Verfasser des Flug blattes erwünscht ist. Das Thema vom Bauunternehmer, der fich aus dem Budifer entpuppte, böte Stoff zu heitern Liedchen mehr als genug. In der öffentlichen Versammlung der Maler und Berufsgenossen, welche am Sonntag stattfand, sprach als Referent Herr Krohm über das Arbeiterschutzgesez. Referent wies auf die sozialen Zustände im alten Rom hin und erwähnte, daß das Handwerk im Mittelalter noch einen goldenen Boden gehabt, was heute nicht mehr der Fall sei und betonte ferner, baß die Lehrlinge nach dem Schußgeses nicht länger als 2 bis 3 Jahre in der Lehre behalten werden dürften. Gegen das Reichs Arbeitsamt würde von den Gegnern ohne triftigen Grund Front gemacht. In der Diskussion sprachen alle Redner im Sinne des Referenten. Hiernach wurde eine dem Referat entsprechende Resolution angenommen. Eine Kommission wurde gewählt, um wöchentliche Beiträge aus den Malerwerkstätten Fachverein der Metallarbeiter einzuziehen behufs der Unterstützung des Maurerstreifs. Dur Tellersammlung wurden 40.85 Dark zur Unterſtüßung des Maurerstreits eingenommen. V = Der Arbeiter Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt hielt am Dienstag, den 7. d. in Knebels Salon auf dem Gesundbrunnen eine Versammlung ab. Der Kassirer ers stattete den Bericht über den Stand der Unterstützungskaffe. Die Einnahme betrug: Mart 56,50, die Ausgabe Dart 31. Darauf hielt Herr Dr. med. Gerlach einen Vortrag einen Vor trag über: das„ Ernährungssystem", welcher von den An wesenden mit dem größten Interesse verfolgt wurde. Darauf hinweisend, daß schon vor 150 Jahren die Frage nach richtiger Ernährung aufgeworfen sei, ohne genügend beantwortet zu werden, bezeichnete der Herr Vortragende besonders die Bleis Phosphor Quecksilbervergiftung als eigentliche Arbeiterkrank heiten und betonte, daß sowohl in den Arbeits- wie auch Wohnräumen für möglichst gute Ventilation gesorgt werden müsse. Ueber die Strophulose bei Kindern bemerkte der Herr Referent, daß fie besonders bei den Arbeiterkindern auftrete, weil diese wegen der schlechten sozialen Stellung der Eltern nicht genügend gewartet und gepflegt werden können. Sid gegen den Vegetarismus wendend, hob der Redner hervor, daß Der Kieferbau sowie das ganze Verdaungssystem des Menschen auf gemischte Kost hinwiese. Zum Schluß hielt Redner die Forderung der Arbeiter auf Normalarbeitstag und Sonntagsruhe nicht nur für gerechtfertigt, sondern vom hygienischen Stand punkte sogar für geboten; damit der durch die harte Tages arbeit angestrengte Körper fich genügend erholen fann, um Kräfte zu neuem Schaffen zu sammeln. Nach diesem beifällig aufgenommenen Vortrage wurde ein Antrag, eine Tellersamm lung für die streifenden Maurer zu veranstalten, sowie ein anderer, am Sonntag, 26. d. M., eine Landpartie mit Familie zu veranstalten, angenommen. Nach einer Aufforderung des Herrn Kunkel an die Anwesenden, dafür zu sorgen, daß die Petition betreffs des Arbeiterschußgesezes, welche in nächster Zeit an den Reichstag gelangen soll, mit möglichst zahlreichen Unterschriften bedeckt werde, wurde bekannt gemacht, daß die Auslegestellen der Listen in den nächsten Tagen durch das Berliner Volksblatt" veröffentlicht werden, und können solche schon jetzt bei dem ersten Vorsitzenden Herrn Ballmüller, Veteranenstr. 28, sowie beim Kassirer Herrn Kasper, Swine münderstraße 19, abgeholt werden. Nach Erledigung der eingelaufenen Fragen erfolgte der Schluß der Versammlung. III. Fragekasten. Den Kisten- und Koffermachern zur Nachricht, daß die nächste Mitglieder- Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Kisten- und Koffermacher Berlins, in den Arminhallen, Kommandantenstr. Nr. 20, am Montag, den 13. Juli, Abends 8% Uhr, stattfindet. Tagesordnung: 1. Kaffen abrechnung. II. Vereinsangelegenheiten. Gleichzeitig wird auf die Vereins Landpartie aufmerksam ges macht, dieselbe findet Sonntag, den 19. Juli, nach Grünau vom Görlizer Bahnhof aus statt. Listen hierzu, mit humo ristischem Programm, find in alle Werkstätten geschickt worden. Diese Landpartie wird viel Amusement bieten, der Vorstand läßt eigens hierzu eine Vereins- Fahne aufertigen und bittet um recht rege Betheiligung. Sollten nicht in allen Werk stätten die Listen hingelangen, so wird gebeten, dieselben in der Versammlung vom Vorstand zu fordern, selbige sind auch zu haben Holzmarktgasse Nr. 3 bei Defer. Eine öffentliche Versammlung der Steinträger Ber lins und Umgend findet am Sonnabend, den 11. Juli, Bor mittags 10 Uhr, in Köhler's Salon, Teltower- und Mödernstr Ede statt. Tagesordnung: Die heutige allgemeine und hoch gehende Lohnbewegung und die Nothwendigkeit einer festen Fachorganisation. 2. Der allgemeine Streit. Der Arbeiterinnen- Verein hält heute Abend im Kon zerthause Sanssouci, Kottbuserstraße 4, eine öffentliche Vers fammlung ab. Tagesordnung: Die Bestrebungen des Deut fchen Kulturbundes in Beziehung zur Lage der Arbeiterinnen. Bahlreicher Besuch ist erwünscht. In der freireligiösen Gemeinde spricht am nächsten Sonntag Vormittags 10 Uhr Rosenthalerstr. 38 Herr Bursché über ein freireligiöses Erziehungsideal. Butritt steht Jedem frei. Am Sonntag, den 18. Juli fällt, der Vortrag aus. Zentral- Kranten- und Sterbefaffe der Fabrit- und Handarbeiter beidrrlei Geschlechts( Sig: Dresden). Die Zahl stellen befinden sich in folgenden Lokalen: Prinzenstr. 93 bel beilgens; Andreasstr. 3 bei Stange; Adalbertstr. 74 bei Sauna; Aderstr. 25 bei Herzog; Rügenwalderstr. 14, Moabit, bei Obst; Weißenburgerstr. 7 bei Mar; Chauffeeftr. 78 bei Müller; Weinstr. 23 bei Hebel; Laufigerstr. 52 bei Riesche; Marien dorferstr. 11 bei Buffe und Magdeburgerstr. 16 bei Hildebrandt. Beiträge werden daselbst jeden Sonnabend Abend entgegen genommen, ebenfalls geschieht dort die Aufnahme neuer Mitglieder. Briefkasten der Redaktion. 6. St. 99. Sie können Beide in die Bentral- Kranken und Sterbelaffe der Fabriks und Handarbeiter beiderlei Ge schlechts" eintreten. Die Bebistellen dieser Kasse finden Sie in unferer heutigen Nummer unter Vereine und Versammlungen". In einer beliebigen dieser Bahlstellen können Sie sich auch behufs Ihrer Aufnahme melden. Maler. Wenn Sie uns das Manuskript in einem solchen Bustande senden, können wir für Aufnahme in unser Blatt nicht garantiren. Auch haben wir schon zu wiederholten Malen ersucht, das Papier nur auf einer Seite zu beschreiben. Sommer- Fest in Gas-, Waffer- u. Dampf- Armaturen. des Gauvereins Berliner Bildhauer" Sonnabend, den Sonnabend, den 11. Juli, Abends 8 Uhr, General- Versammlung bei Gratweil, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Wahl eines ersten Vorsitzenden. 2. Abrechnung vom Streit in der B. Joseph'schen Fabrik. 3. Abrechnung der Vergnügungs- Kommission. 4. Wahl der Fach- Kommission. 5. Statutenänderung. 6. Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest am 1. Auguft bei Calbo. 7. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 1584 Der Vorstand. Arb.- Bez.- Verein f. d. Often Berlins. Große Landpartie nach Grünau am Sonntag, den 19. Juli 1885. Abfahrt vom Görliger Bahnhof Morgens 7% Uhr. Billets a 85 Pf. find bei den Komité- Mitgliedern M. Meyer, Fruchtstr. 36a, Börner, Markusstr. 35a, 3 Tr., und Höhne, Pallisadenstr. 9, sowie am Dienstag, den 14. b. Mts., in der Bezirksversammlung zu haben.[ 1585 Da für Amüsements und Ueberraschungen bestens gesorgt ist, so wäre eine rege Betheiligung erwünscht. Auch können Die öffentliche Zimmerer Versammlung am nächsten Gäste durch Mitglieder eingeführt werden. Sonntag findet nicht auf Tivoli, sondern in der ftatt. 3 Victoria- Brauerei, Lüzowstraße 112, Das Vergnügungs- Romité. Die Nr. 18 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" fft erschienen und in der Exped. des ,, Berl. Volksbl." zu haben. 11. d. Mts., Hafenhaide, Keller's Hofiäger.( Siehe Inseraten Theil.) Entrée 30 Bf.- Offene Kaffe findet nicht statt.[ 1586 Freitag, den 10. d. Mts., Abends 8% Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstraße 4: Deffentliche Versamm des N erjd Ber Bof Abo tags biret Tod nur Bew Litifd weld gerin men einze liche dürf Beit und allge fittu gewe greff daß fann zabl Frü entd Poli hand Gren der der eine bead wirt Mar fen, Beg und Ve Eine สู้ น ๆ Schre Beit Ar man Radb 80] mich Achi Mo einfo Alfo Laffe Heir ung be Toch wied Und Arbeiterinnen- Vereins. Referentin: Frau Guillaume- Sch a d. Thema: Die Bestrebungen des Deutschen Kulturbundes in Beziehung der Lage der Arbeiterinnen. Der Vorstand. Außerordentliche General- Versammlung regu efjan imm im 3 Sonst des fadivereins der Rohrleger n. Berufsgen. Bert Sonntag. d. 12. Juli, bei Wolf u. Krüger, Stalizerftr 126. Tagesordnung: 1. Vorlage der Statuten, betreffs der Unterstügungs- Kaffe 2. Freie Diskussion und Aufnahme neuer Mitglieder.[ 1383 Es ist Pflicht jeden Rohrlegers, zu dieser Versammlung zu Der Vorstand. fonn That Some inmi prom bing 1289 ren Pers Mül und erscheinen. Allen Freunden, Bekannten und werther Nachbarschaft empfehle mein Weiß- und Bairisch- Bierlokal 1289 Herm. Liewald, Frankfurter Allee 148. Der Einberufer. Verantwortlicher Redakteur N. Gronheim in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.