Nr. 159. Sonnabend, den 11. Juli 1885. II. Jahrg. Jl erlimMM» ♦ Krgan für dir Intrressrn der Arbeiter. .. �_..._ Das..Berliner Bolksblatt" «schemt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für 5�? Net ms Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen w der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertionsgebühr bettägt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uh« Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße S.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. Der heutige« Nummer liegt für«ufere auswärtigen »o«n«e«te« die Nummer 32 des„Jllustrirtes Sonn-- tagsbtatt" bei. Verbrechen und Strafe. Das Volk des schweizerischen Kantons Zürich hat in direkter Abstimmung die beantragte Einführung der Todesstrafe abgelehnt. Das Stimmenverhältniß weist nur eine geringe Majorität gegen die Todesstrafe auf, ein Beweis, daß auch in jenem Kanton, der die fteiesten po- litischen Institutionen in ganz Europa hat, die Zahl derer, welche schärfere Bestrafung der Verbrechen verlangen, keine geringe ist. Daß die Vergehen und Verbrechen allgemein zugenom- -uap me«ergeben und Zvervrecyen augemem zugenommen haben, ist bekannt; nicht minder bekannt ist auch, daß einzelne Verbrechen von besonders grausigen oder abscheu- lichen Umständen begleitet find. Unserer Meinung nach dürfen wir indessen diesen Zustand nicht mit dem früherer Zeiten vergleichen. Die Vermehrung der Vergehen und Verbrechen kommt nicht etwa daher, daß eine allgemeine Verrohung eingetreten ist; Bildung und Ge- fittung ist im Verhältniß zu früheren Epochen i m Allgemeinen immer in der Zunahme begriffen gewesen. Die Bevölkerung hat sich in geometrischer Pro- gression vermehrt und da ist nichts selbstverständlicher, als daß sich auch die Vergehen und Verbrechen vermehren. Man kann mit Fug annehmen, daß früher eine sehr große An- zahl von Verbrechen unentdeckt und unbestraft gebneben sind. Früher hatte man nicht die Mittel wie heute, Verbrechen zu entdecken und die Thäter zu verfolgen; weder der umfassende Polizeiapparat noch die Verkehrsmittel von heute waren vor- Händen. Früher war ein Verbrecher, wenn er über die Grenze kam, so ziemlich in Sicherheit; heute verfolgt ihn der Telegraph durch alle nur einigermaßen kultivirten Länder der Erde. Das ist ein Unterschied. Wenn einerseits heute eine Anzahl Vergehen bestraft werden, die man früher kaum beachtete, so ist andererseits nicht zu verkennen, daß unsere wirthschastliche Misere viel dazu beiträgt, durch Mangel und Roth verzweifelte Existenzen zu schaf- fen, denen es nicht allzu schwer wird, sich zur msng eines Verbrechens zu entschließen. Wenn sonach die Summe der verübten Verletzungen und Uebertretungen der Gesetze eine größere geworden ist, — soll nun das Heilmittel gegen diese Kalamität in einer Verschärfung der Strafmittel gesunden sein? Eine solche Verschärfung kann nur den Zweck haben, a b- z u s ch r e ck e n. Uns erscheint diese Theorie von der Ab- schreckung von Verbrechen durch strenge Strafen für unsere Zeitumstünde sehr unpassend, mindestens veraltet. Ja, wenn A l l e in leidlich guten Verhältnissen lebten, wenn Zeder- mann, wie man sagt, seine auskömmliche Existenz hätte, u-fttew!«rtoun.] gteuiffefon. Im Eckfenster. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Schluß.) „Nun, dann weiß ich auch," lachte Hans,„weshalb mich Henriette von Klinaenbruch heute so beleidigt über die Achsel behandelt hat, als ich dort war, denn ich habe kein Wort von ihrer Verlobung erwähnt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich kein Wort davon wußte. Also hat sie die Erbschaft im Stich und der Mission ge- lassen?" „Man sagt, daß die Herren von der Mission bei der Heirath selber die Hand mit im Spiel gehabt haben," nickte der Vater,„und wahrscheinlich werden sie auch der jüngeren Tochter einen reichen Mann verschaffen." „Glück auf 1" lachte HanS—„aber die Musik beginnt wteder, Papa; diesen Tanz habe ich wieder mit Käthchen." Und fort flog er seinem Glück entgegen. Rhodenburg kam in dieser Zeit gar nicht aus der Auf- regung. heraus, denn immer wieder gab es Neues und Znter- ; d" effanteS zu besprechen, das aber in den meisten Fällen noch immer mit dem ftüheren Wirken des falschen Grafen Rauten im Zusammenhang stand, der sich jedenfalls, was er auch sonst gethan, um die Unterhaltung der Stadt ein großes Verdie"�—— Zerdienst erworben. Rauten war jetzt allerdings todt und begraben und konnte zu keiner Strafe mehr gezogen werden, aber der k Thatbestand der verschiedenen Anklagen mußte trotzdem, soweit als möglich, ermittelt werden, um zu erfahren, inwieweit vielleicht noch andere Personen mit dabei kom- iromittirt sein konnten. Dadurch stellte sich dann aller- »ings heraus, daß jener Herr von Tröben mit dem späte- ren Grafen Rauten augenscheinlich eine und dieselbe Person gewesen. Auch der Mord und Raub an dem Müller, den der Sterbende angegeben, hatte stattgefunden, und der Thäter war damals me ermittelt worden. Ebenso dann könnte die Beschaffenheit der Strafe und das Straf- mittel ihn abschrecken, seinen Leidenschaften nachzugeben und dadurch die ganze Behaglichkeit seines Daseins auf's Spiel zu setzen. Das wäre wenigstens bis zu einem ge- wissen Grade denkbar. Allein heute liegt Sie Sache ganz anders. Das Dasein bietet eben für Hun- derti ausende, für Millionen keine Behaglichkeit und sie ver- lieren nicht allzuviel, wenn sie einer Strafe verfallen. Das ist es, was die Abschreckungstheorie wirkungslos macht. Verbrechen wird es unserer Meinung nach immergeben, so lange es Leidenschaften giebt. Allein die Summe der Verbrechen wäre um ein Bedeutendes zu vermindern, wenn eine gewisse Sicherheit und Behaglichkeit der Existenz eines jeden Gesellschaftsgliedes verbürgt wäre. Hier liegt offen- bar ein Heilmittel und nicht in der Verschärfung der Straf- arten. Dazu kommt, daß die Förderung allgemeiner Bildung sicherlich ein besseres Mittel gegen Verrohung ist, als das Beil des Scharfrichters. Der mit einem gewissen Grade von Bildung versehene Mensch wird sich erst seiner Pflich- ten gegen die Gesammtheit bewußt und es wird ihm viel schwerer werden, diese Pflichten zu verletzen, als dem Ungebildeten, der sie kaum oder gar nicht kennt. Auf diesem Wege eine Verminderung der Vergehen und Verbrechen herbeizuführen, müßte eine der Hauptauf- gaben unserer Zeit sein. Dann könnte man auch jenem Gedanken der Abschaffung des Strafmaßes näher treten, der unter den gegenwärtigen Umständen un- ausführbar erscheint, der aber auf alle Fälle eine Zukun' hat. Dieser Gedanke geht von dem Direktor� einer Stra anstalt aus. Sicherlich hat diese Idee zur Voraussetzung, daß erst wirthschastliche Einrichtungen geschaffen sein müssen, die geeignet sind, das Massenelend zu beseitige gewisse i Sicherheit der Existenz zu gewähren die dann nicht aus Roth unS Mangel oder aus krasser Roh .en und eine ie Verbrechen, heit entspringen, wären nach dem Gedanken des Straf- anstaltsdirektors anders zu behandeln als bisher; als ihre Ursache wäre die geistige Gestörtheit des Thäters zu be- trachten und dieser einer entsprechenden Behandlung zu unter- ziehen. Dieser Gedanke ist sicherlich noch nicht ausgedacht und muß erst noch entwickelt werden; auch müssen erst die Voraussetzungen, unter denen er überhaupt realisirbar er- scheint, vorhanden sein. Aber gerade dieser neue Gedanke liefert uns den Beweis, daß mit der mittelalterlichen An- schauung, bei Vermehrung der Vergehen und Verbrechen könne nur eine Verschärfung der Strafmittel helfen, die Weisheit unserer Zeit denn doch noch nicht erfchöpst ist. Und das ist ein Glück. Gegenüber neuen Zuständen kann man mit den alten Mitteln nicht auskommen. Es ist keine Schwäche, dem Verbrechen gegenüber den Gedanken der Humanität walten zu lassen; man schaffe nur die richtigen Voraussetzungen dazu. ließ sich das Gericht in Rhodenburg die Akten über den da- mals verurtheilten Karl Handorf aus Rhodenburg einschicken, um dadurch wo möglich zu einem Resultate zu kommen. Wie viele Monate, oder möglicher Weise auch Jahre aber darüber hingehen würden, war schwer abzusehen, und die Volksstimme nahm dafür die Sache selber in die Hand. Daß Karl Handorf, der Sohn des wackern Tischler- meisters und stets ein ruhiger, rechtlicher Mensch, seine Strafe ungerecht erlitten habe, daran zweifelte jetzt, und nach dem Geständniß des wirklichen Mörders, das sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Stadt verbreitete, kein Mensch mehr; aber die Frage blieb nur: wie konnte man dem Unglücklichen die Ehre so wiedergeben, daß kein Zweifel mehr darüber bestand? Eine Erklärung der Gerichte, wenn diese selbst jetzt schon zu erlangen gewesen wäre, hätte nur wenig genützt, und wäre vielleicht gelesen und kür kurze Zeit besprochen, dann aber auch wieder vergessen worden. Da nahm Hofapotheker Semmlein die Sache in die Hand, schon aus Freundschaft für den alten Handorf selber, der sich ja abgrämte, daß sein einziger Sohn nach Amerika wollte, und doch auch wieder die Gründe billigen mußte, die ihn dahin trieben. Er lud die sämmtlichen Handorf- schon Gesellen mit den beiden Lehrjungen zu sich in die Hofapotheke und hatte dort eine lange und geheime Unter- redung mit ihnen, die aber zu allseitiger Zufriedenheit zu enden schien. Semmlein holte wenigstens nach Beendigung derselben eine Flasche von seinem besten Doppelkümmel, den er selber fabrizirte, und einen Teller voll gebrannter Mandeln und regalirte die Leute mit diesen außergewöhn- lichen Genüssen. An dem Tage saß der alte Tischlermeister wieder recht traurig und niedergeschlagen bei seiner Familie am Tisch allein— nur Hummel war da— und der Alte hatte dem Sohne noch einmal abgeredet, ihn zu verlassen, aber ohne Erfolg. „Du siehst, Vater," sagte Karl ruhig,„daß trotz der ,r____■ rr:x__ cm- Aussage des wirklichen Mörders die Leute sich noch immer -*■---~-"*"1 fr..... scheu von mir zurückhalten. Das Gericht fällt vielleicht später eine Entscheidung, die mich fteispricht; aber Du weißt Politische Ueverstcht. Gegen die deutsche Gewerbe-Ansstelluna in Berlitt regen sich in eifersüchtigster Weise die partikulanstischen Ele- mente in fast ganz Deutschland. Die in Dresden erschei- nendc„Gewerbeschau" entblödet sich nicht zu sagen,„daß ei« wirkliches Bedürfniß für die sächsische Industrie mcht vor« ng Bedürfniß für un Sachsen, nicht vorliegt. Und gerade sind es die Herren in Sachsen, die vorzugsweise— auch im deutsche« Reichstage— den Mund voll nationaler Phrasen nehmen. Wenn es dann in der„Gewerbeschau" weiter heißt, daß wir ......----■ it, Ausstell den Franzosen die thörichte Eitel k ei lusstellunaen z« arrangrren, überlassen möchten, so ist das eine thörichte An« maßuiig. Auch find es nicht die Franzosen gewesen, welche die Weltausstellungen in's Leben riefen, sondcm die Engländer. Und die Engländer, diese nüchternen Geschäftsleute, beherrsche« trotz mancher deutsch-patriotischcr Phrase noch immer den Handel und die Industrie— sie exportiren, importiren und fabriziren doch immer mehr wie Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Jta- lien und Belgien zusammengenommen. Weltausstellungen oder auch nationale Ausstellungen als Ausfluß thörichter Eitelkeit zu bezeichnen, ist also, wie gesagt, eine thörichte Anmaßung. Die Berliner aber und die wirklich deutsch gesinnten Männer werden sich nicht abhalten lassen durch neidischen Partikularis« mus, eine glänzende Ausstellung im Fahre 1888 herzustellen, Berlin und Deutschland zur Ehre. Wir find nur deshalb nicht völlig zufrieden, weil der Gedanke an eine Weltausstellung in Berlin aufgegeben ist. Abfertigung, Wer unsere kurze Polemik mit dem Ge« werkverem des Herrn Hirsch gelesen hat, der hat auch sofort herausgefunden, daß das genannte Blatt gar nicht auf den Kern der Sache einging. Es gestand somit zu, daß es sich i« der Frage des Imports russischer Arbeiter auf die Seite der oberschlesischen Kapitalisten gegen die Interessen der deutsche« Arbeiter gestellt hatte. Nach den geradezu blöden und stumpfsrnnigen Schimpfereien, die das Blatt uns gegen- wärtig noch widmet und dabei von„Abfertigung" spricht, glau» ben wir, daß die Redaktion des„Gewerkverem", als sie den schen Blattes auch um die Sache herum, wie die Katze um den heißen Brei. Unangenehm aber ist es auf alle Fälle, sich mit solchen Ignoranten herumschlagen zu müssen. Das Lehrerpenstonsgesetz hat jetzt die königliche Sanktion erhalten. Da die Publikation auf sich warten ließ, waren schon Besorgnisse wegen angeblicher Differenzen zwischen den zumeist betheiligten Mmisterialressorts entstanden. Ueber den Werth WmMor Dr.-aschToch'�%%&«% jchrift für die gesammte Strafrechtswissenschaft einen längere« ufsatz veröffentlicht. Der Verfasser kommt zu der Schluß- ,„daß. bei------• folgerung,„daß. bei uns die Kriminalstatisti'k noch sehr im Argen üege und unterzieht sich der Aufgabe, festzustellen, waS auf diesem Gebrete theoretisch gefordert und praktisch geleistet selber, daß darüber vielleicht noch Jahre hingehen können, und soll ich das hier ruhig und mit Nichtsthun abwarten§ Aber wir haben das Alles ja schon wieder und wieder be« sprochen; es soll nun einmal so sein, Vater, denn gegen ein einmal gefaßtes Vorurtheil anzukämpfen, ist entsetzlich schwer." Draußen an die Thür klopfte es herzhast an, und Meister Handorf hob erstaunt den Kopf. „Walk in 1" rief Hummel, und da öffnete sich die Thür, und herein, aber in seiner Werkeltagskleidung, die blaue Schürze vor, die Aermel aufgestreift, wie er aus der Werk« stätte kam, trat der Altgesell und hinter ihm die fünf anderen Gesellen, während die beiden Lehrjungen den Schluß bildeten und der eine in Ermangelung eines Taschentuches immer mit dem bloßen Arme die Nase strich— aus blanker Verlegenheit. „Hallo, Ihr Leute!" sagte der alte Handorf erstaunt und richtete sich aus seinem Stuhl empor. Ein unbehag- liches Gefühl zuckte ihm dabei durchs Herz, denn er fühlte, etwas Außergewöhnliches mußte im Werke sein, und er hatte in der letzten Zeit daran gezweifelt, je wieder etwas Gutes zu hören. Da trat der Altgesell, sein Käppchen, das er gewöhn- lich trug, in der harten, schwieligen Hand haltend, vor und sagte:„Nichts für ungut, Meister und Frau Meisterin, aber wir Gesellen sind in etwas übereingekommen, das ich Euch vortragen möchte." „Und was ist das, Wolters?" sagte der alte Mann und sah dem Sprecher fest in'S Auge. Wolters aber begegnete ruhig dem Blick und fuhr fort: „Wir wissen, wie es hier im Hause steht. Der Meister ist alt geworden und möchte sich gern zur Ruhe setzen, und der Sohn, der Karl, will nach Amerika, weil sie ihn hier schlecht behandelt und ihm seinen ehrlichen Ramm genom« men haben..." „TLottera!" rief der alte Mann, aber der Gesell ließ sich nicht unterbrechen.. „Der Karl will aber nur nach Amerika, weil ihn die Stadt bis jetzt für einen schlechten Menschen gehalten hat, = werden könne.- Die außerordentliche Wichtigkeit, ja die Unentbehrlichkeit zuverlässiger Erhebungen leuchtet von selbst ein, nicht blos für die Justizpflege, Justizverwaltung und den Richter, sondern auch für die Kulturgeschichte und ganz besonders als Grundlage für die Sozialpolitik und Sozialgeset gebung. Eine umfassende und zuverlässige Kriminalftatiftit würde die unreifen und einseitigen Urtheile über vermeintlichen Rückgang der Moralität, wie sie nur zu oft in den gesetzgebenden Körperschaften in den legten Jahren gehört worden find, würde namentlich auch das Gerede der Zentrumspartei, als ob die kirchenpolitische Gesesgebung die Ursache einer zunehmenden Verwilderung, einer Vermehrung der Vers brechen und des Vagabundenthums gewesen sei, gar bald zum Schweigen bringen. Im Reichseisenbahnamte ist eine Reihe von Abänderungsvorschlägen zur Signalordnung für die Eisenbahnen Deutschlands aufgestellt worden, welche größtentheils durch den dem Bundesrath schon unterbreiteten Entwurf zur Abänderung und Ergänzung des Bahnpolizei Reglements hervorgerufen find. Die Vorschläge, welche außerdem einige im Intereffe der Sicher heit des Betriebes für nothwendig erachtete Zusatzbestimmungen enthalten, find dem Bundesrathe zur Beschlußfaffung zugegangen. Die Signale sind vorgeschrieben auf der freien Bahn sowie auf und vor den Halte- Stationen. Die diesjährige Bersammlung katholischer Sozialpolitiker, welche fürzlich auf dem Schloffe des Fürsten Löwenftein zu Klein- erbach stattgefunden hat, hat zwar die gesetzliche Regelung der Sonn- und Feiertagsruhe in ihr Programm aufgenommen, aber im Gegensatz zu dem Vorgehen des Bentrums im Reichstage die Anbahnung einer Arbeiterschußgefeßgebung und auf dem Wege einer internationalen Verständigung für möglich erachtet, und zwar in der Erwägung, daß die Ordnung der Arbeits- und Wirthschaftsverhältniffe, welche als naturrechtlich und wirthschaftlich begründete Aufgabe des Staates fich darstellt, überhaupt, ganz besonders aber unter den gegenwärtigen Verkehrsverhältnissen durch die Gesetzgebung der einzelnen Staaten für sich allein nicht genügend bewirkt werden fann. Nur unter dieser Voraussetzung hat die Verbetr. Sonntagsruhe, Noch fammlung gesetzliche Bestimmungen, Marimalarbeitstag, Frauen-, Kinder- und Nachtarbeit, Arbeiter versicherung u. f. w. befürwortet. Ein Antrag auf Zwangsversicherung zur Ent schädigung für Verluste auf Milzbrandfälle ist vom Zentralfollegium der verbündeten landwirthschaftlichen Vereine dem Minister für Landwirthschaft zc. überreicht worden. Der Bescheid des Ministers lautet dahin, daß der Antrag zur weiteren Verfolgung nicht für geeignet erachtet werde. Der Milzbrand sei eine durch örtliche Schädlichkeiten entstehende Krankheit der Hausthiere, welche Rindvieh, Schweine, Schafe und Pferde ergreife und meist in wenigen Stunden nach dem Krankheits- Ausbruche zum Tode führe. Deshalb könne in der Regel eine amtliche Feststellung der Krankheit und eine polizeiliche Anordnung der Tödtung des erkrankten Thieres so wenig, wie eine Abschäßung des Werthes des Thieres im lebenden Bustande durch amtliche Sachverständige erfolgen. Eine Aufbewahrung der Kadaver sei unzulässig, weil dies nothwendig zur Verschleppung der Seuche beitragen müßte. Diesen wider eine Zwangsversicherung sprechenden Gründen trete die Erwägung hinzu, daß der Milzbrand nur in verhältnißmäßig wenigen Orten erscheine, in diesen aber fast alljährlich. Es würde daher der Billigkeit nicht entspeechen, die Gesammtheit der Befizer von Rindvieh, Schweinen, Schafen und Pferden zu Zwangsbeiträgen heranzuziehen, damit in vergleichsweise wenigen Orten die Befiger von Hausthieren für Milzbrandfälle entschädigt werden. Außerdem stehe der Begriff des Milzbrands nicht fest, da es Thierkrankheiten gebe, welche bisher wissenschaftlich noch nicht mit Sicherheit vom Milzbrande unterschieden werden könnten. Gegenwärtig sind, wie das B. T." wissen will, amtliche Erhebungen über Ortsarmenhäuser eingeleitet worden, wobei festgestellt werden soll: ob alle Gattungen von Armen darin Aufnahme finden, insbesondere obdachs- oder arbeitslose Personen oder Familien, Arbeitsscheue, Landstreicher, l arbeitsunfähige, gebrechliche und geistig beschränkte Personen, zeitig Krante, Sieche( unheilbare Krante), elternloſe, verlassene, verwahrlofte Kinder; ob die arbeitsfähigen, in den Ortsarmenhäusern untergebrachten und auf welche Weise beschäftigt werden; mit welchen gefeßlichen Mitteln ein Arbeitszwang durchgeführt wird; ob die Geschlechter, die Kinder und Ers wachsenen von einander getrennt sind; was für die Erziehung der Kinder in den Ortsarmenhäusern geschieht; wer die Aufrechterhaltung einer Hausordnung in den Ortsarmenhäusern besorgt und wer über dieselben die Aufsicht führt. 117 Das Portokonto der Berufsgenossenschaften wird so schreiben die offiziösen B. P. N." leider ein beträcht liches sein. Da z. B. in den Einladungen schon die Zahl der Stimmen angegeben werden muß, welche jedes einzelne Mitglied zu führen berechtigt ist, so wird jede Einladung mit 10 Pfennigen frantirt werden müffen, was bei einer Genossenschaft, deren Betriebe sich auf mehrere Tausende belaufen, eine erhebliche Summe ausmacht. Wir hören, daß schon vielseitig der Wunsch laut wird, für den amtlichen Verkehr der Berufsgenossenschaften, wenn irgend möglich, die Portofreiheit zu erder einen Andern, Geldes wegen, todtgeschlagen. Wir wissen aber jetzt, daß das nicht wahr ist, wenn er auch dafür im Buchthause gesessen und die Gerichte jetzt nicht gern einge stehen mögen, daß sie sich an einem Unschuldigen vergriffen. Meister, wir Gesellen hier sind Alle ehrenwerthe, brave Leute, wenn auch nur arme Arbeiter, aber das Handwerk fennt uns. Wir kommen jeßt Alle zusammen hierher, um den Karl zu bitten, daß er nicht nach Amerika geht, sondern hier bleibt und die Werkstätte übernimmt. Wir Alle wollen treu und rechtſchaffen bei ihm aushalten und ihn für unsern guten nnd braven Meister ansehen, und Gott verdamm' mich, wenn Einer noch ein unrechtes Wort über ihn sagt, dem schlagen wir alle Knochen im Leibe entzwei!" ,, Wolters," rief der alte Handorf, und die Thränen ftürzten ihm aus den Augen, während er die in der Drohung geballte Faust des Altgesellen ergriff und mit beiden zitternden Händen schüttelte ,, Wolters, ist das Euer Ernft?" ,, Unser Ernst ist's nicht wahr, Ihr Leute?" " Ja, so ist's recht, so soll's sein!" riefen die sämmtlichen Gesellen und Lehrjungen, und der Eine, der schon wohl über ein Jahr bei Handorf arbeitete, seßte hinzu: ,, wenn uns der Karl feinen Groll nachträgt, daß wir bisher nichts mit ihm wollten zu thun haben. Aber Ihr wißt's selber, Meister, ein ehrlicher Handwerker hält auch auf ehrliche Gesellschaft, und wir konnten ja doch nicht wissen, daß er unschuldig war." Karl stand erschüttert vor den Leuten und hatte sein Gesicht in den Händen geborgen, daß ihm die großen Thränen dazwischen herausliefen, jetzt aber richtete er sich empor, und mit vor Rührung fast erstidter Stimme rief er aus: Groll sollte ich gegen Euch haben? Hätte ich denn nicht an Eurer Stelle ebenso gehandelt? Nein bei Gott, feinen Groll, und wenn ich wieder mit ehrlichen, braven Menschen zus sammen arbeiten darf und nicht mehr wie ein Aussäßiger allein stehe, dann brauch' ich ja auch die Heimath nicht zu verlassen, nicht den Vater in seinem Alter! Dant, Dant, wirken, und daß sehr bald ein diesbezüglicher Antrag an die betreffenden Instanzen gelangen dürfte. Ueber die Auswanderung nach Brafilien äußert sich der Landtagsabgeordnete Spielberg in der Deutschen Kolonialztg." folgendermaßen:„ Einigermaßen sichere Aussicht auf gutes Fortlommen haben zunächst nur zwei Klaffen von Landwirthen: 1. Kleinbauern und ländliche Tagelöhner mit Familie, sofern sie nach Bestreitung der Ausrüstung und Ueberfahrt im Befit von 1000 bis 2000 m. bleiben; oder sofern ihnen nicht bei bereits dort befindlichen Verwandten Unterkommen gesichert ist; 2. junge gebildete fräftige Landwirthe mit einem Vermögen von 10 000 bis 15.000 m., einer Summe also, die in Deutschland nicht hinreicht, eine ihrer Bildung und sozialen Stellung entsprechende Selbstständigkeit durch Kauf oder Pacht zu erlangen. Ich habe dabei besonders die jungen Leute im Auge, welche in der Heimath verurtheilt find, zeitlebens Verwalter zu bleiben, niemals eine Familie gründen zu können oder wenn beständig in Dürftigkeit zu leben und unversorgtem Alter entgegenzugehen. Beiden Klaffen gewährt Südbrasilien besondere Unglück: fälle ausgeschloffen Südbrasilien Eristenz ohne drückende Nahrungsforgen, unter Voraussetzung der unerläglichen persönlichen Eigenschaften: Fleiß, Ausdauer, Beide Klaffen haben sich in Sparsamkeit, Nüchternheit. den ersten Jahren harter förperlicher Arbeit und der Entbehrung alles dessen, was daheim zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehört hat, hat, zu unterwerfen; ihr einziger einziger Genuß wird zunächst in der sichtbaren Frucht ihrer Arbeit bestehen. Um aber auch dem Auskunftsbureau unnöthige Mühe stehen. zu ersparen, bemerke ich, daß Auswanderern, welche Südbrasilien, also speziell die Provinzen Rio Grande do Sul und St. Katha rina im Auge haben, nur unter ganz bestimmten Voraussegungen dieses Reiseziel empfohlen werden wird und daß es erwünscht ist, wenn Auswanderungsluftige, bei welchen diese Voraussetzungen nicht vorhanden sind, diesbezügliche Anfragen Voraussetzungen nicht vorhanden sind, diesbezügliche Anfragen gänzlich unterlassen. Als solche bezeichne ich Kaufleute, Lehrer, Techniker, Handwerker, die nicht an schwere Körperliche Arbeit gewöhnt find, gänzlich mittellose Tagelöhner. Andere, namentlich Bauhandwerker, können Erwerb finden mit der Maßgabe, daß fie fich event. auch anderer Arbeit unterziehen oder ganz zum Ackerbau übergehen müssen." Soweit der Herr Spielberg. Derselbe ist Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des deutschen Kolonialvereins und hat die dortigen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen gelernt. Wir glauben faum, daß Diejenigen, welche noch über derartige Summen nach ihrer Ankunft in Brafilien verfügen können, sehr auswanderungsluftig find. Wer aber über feine oder doch nur geringe Mittel verfügt, der hat nicht nur in Brafilien, sondern in allen überseeischen Ländern denselben harten Kampf ums Dasein zu führen, wie in der alten Heimath. In Bremerhaven haben sich vorgestern Stadtrath und Stadtverordnete über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an den Fürsten Bismarck und die Herren v. Bötticher und v. Stephan nicht einigen können. Die Stadtverordneten verlangten, daß gleichzeitig Herr Meier vom Nordd. Lloyd" Ehrenbürger werden solle. Das wollte der Stadtrath nicht zugeben und nun verließen die Stadtverordneten die Sigung.Hoffentlich wird sich der Stadtrath noch befinnen und auch den Herrn Meier zum Ehrenbürger" zulassen. Der brave Herr hat es sicherlich verdient. Der Weltreisende der Kölnischen Zeitung", Herr Dr. Hngo Boeller, hat in der Generalversammlung des Westdeutschen Vereins für Kolonisation und Export, die am 10. Juni zu Köln stattfand, einige Mittheilungen über das Klima im Kamerun Gebiete gemacht, welche für unsere WestafrikaSchwärmer etwas abkühlend wirken dürften. Nachdem er betont, daß beim Aufenthalt in Afrika die Aussicht zu sterben für den Europäer im Allgemeinen 25-30 pCt. größer ist, als in Europa, äußerte er, nach dem Spezialbericht des Ausland" ( Nr. 26 vom 29. Juni): Vor allem hat man Anfangs darauf gefußt, daß Westafrika für die Auswanderung überhaupt in Frage tommen könnte. Für solche, welche seit Dr. Fabri's ( des durchgefallenen Elberfelder Reichstagskandidaten, Missionars 2c.) Broschüre: Bedarf Deutschland der Kolonien?" die Veröffentlichungen über Rolonialpolitik verfolgt haben, fann es eigentlich außer 3 weifel sein, daß man nach Westafrita nicht auswandern soll. Ein solches Land, und selbst das Kamerungebiet mit einge= und selbst das Kamerungebiet mit einges schlossen, tommt nur in Betracht für die Kaufleute und die wenigen Beamten." Wir glauben, daß dies Urtheil aus dem Munde eines Mannes, dem Feindschaft gegen die neudeutsche Kolonialpolitit ficher nicht vor geworfen werden kann, geradezu vernichtend ist gegenüber den verzückten Phantasien und dem groben Humbug derjenigen Preffe, welche Kleinpopo, Großpopo und Kamerun dem Volke als das gelobte Land vorschwindelt, in dem Milch und Honig fließt und wo der Aufenthalt erfrischender ist, als am Genfer See oder in Kissingen. Daß freilich die Dummen nicht alle werden, beweist die vor kurzem durch die Blätter gegangene Notiz von den Schwindeleien des Hamburger Gauners, der den westafrikanischen Pseudo Stellenvermittler für Kaufleute und Handwerker im großen Styl gespielt hat. Sache der unabhängigen Zeitungen ist es, die oben mitgetheilten Thatsachen in den weitesten Kreisen verbreiten zu helfen. Sonst V tausend, tausend Dank, Ihr guten Menschen, für die freundlichen Worte, und daß ich Euch ein treuer Kamerad sein werde, darauf dürft Ihr Euch verlassen!" Jett ging es an ein Händeschütteln rings herum, und auch die Lehrjungen mußten daran; aber glücklichere Men schen als in der Wohnung des Tischlermeisters Handorf heute gab es wohl kaum in der ganzen Stadt, selbst Hans und Räthchen nicht einmal ausgenommen. Der Ausgelassenste von Allen war aber Hummel, denn in dem gemeinsamen Auftreten der Gesellen lag etwas Republikanisches, das ihm ungemein imponirte. Er schwur, fie verdienten Alle miteinander, Amerikaner zu sein. Wenn sie ihm aber auch Einen abtrünnig gemacht hätten, so müßten sie doch heute Abend Alle seine Gäfte sein, und der Meister und die Meisterin und das Gretchen und der Karl und die Lehrjungen, und daß der Karl ein braver, ehrlicher Kerl sei, dafür wolle er seine Haut zum Pfande ehrlicher Kerl sei, dafür wolle er seine Haut zum Pfande feßen. Und mitten in den Lärm und Jubel hinein trat der Hofapotheker Semmlein.„ Na," sagte er, als er ungehört von den Uebrigen die Thür öffnete, hier geht's ja meinswegen ganz fidel her!" ,, Und der Hofapotheker kommt auch mit," schrie Hummel, und der Hofapotheker soll leben, hip, hip, hip Hurrah!" ,, und der Hofapotheker soll leben, hip, hip, hip Hurrah!" und die Gesellen, die den Ruf darauf bezogen, daß eigentlich der kleine Mann sie zu dem Schritte gebracht, der ihnen schon selber zwischen Fell und Fleisch" gelegen, ftimmten auf einmal so fräftig in den Ruf ein, daß das ganze Zimmer dröhnte und die Leute verwundert draußen auf der Straße stehen blieben. Jemine, was für eine vergnügte Gesellschaft!" lachte Semmlein ,, und das ist Alles vor der Reise nach Amerika?" " 1 Der Karl bleibt hier, Herr Hofapotheker," rief in überströmendem Glück die Mutter, er übernimmt die Werkstatt des Vaters, und es ist ja jegt Alles, Alles gut!" ,, Na, meinswegen soll da der Deubel die Traurigkeit wird gar Mancher erst durch Schaden flug werden, went zu spät ist. Ueber die Resultate der letzten Gewerbezählung Deutschland, welche bekanntlich in Verbindung mit der gemeinen Berufszählung am 5. Juni 1882 stattfand, ent bas soeben erschienene Maiheft zur Statistit des Deut Reiches vorläufige Mittheilungen. Mit der Aufarbeitung gewerbeftatistischen Erhebung ist die unmittelbar aus der rufszählung sich ergebende Arbeit der statistischen Zentral beendet; übrigens wird das detaillirte Resultat der Gem zählung erst in einiger Zeit in zwei Bänden( dem 6. un der neuen Folge der Statistik des Deutschen Reiches pu werden. Den legt vorliegenden summarischen Mittheil entnehmen wir, daß in Deutschland 3 609 801 Gewerbebet in 20 Gewerbegruppen vorhanden waren. Die mehrften triebe entfallen auf die Gruppe Bekleidung und Reinig 949 704), dann folgen das Handelsgewerbe mit 616 836 Textilindustrie mit 406 574, die Industrie der Nahrungs Genußmittel mit 288 771, der Holz- und Schnitzstoff 284 502, und der Beherbergung und Erquickung 257 645 Betrieben. Unter den 3609 801 Gewerbebet die insgesammt in Deutschland gezählt wurden, befinden 3 005 457 Hauptbetriebe und 604 344 Rebenbetriebe. J Hauptbetrieben waren 7459 226 Personen( Da 1508 378 weibliche) beschäftigt, und zwar nächst dem Kleidungs- und Reinigungsgewerbe( 1 273 631) die m der Textilindustrie( 913 204). Von den Bet wurden 386 416 zu Haus für fremde Rechnung aus darunter 352 079 als Hauptbetriebe, in denen 479 534 Ben beschäftigt wurden. Eine weitere Eintheilung der Ge betriebe ist die in Allein- oder in Gehilfenbetriebe, wobei jenen die von einem einzigen Geschäftsleiter ohne Verwe eines durch Elementarkraft bewegten Triebwerks oder Dampfteffels ohne Kraftübertragung, unter den Ge betrieben die von mehreren Personen oder auch nur mi nugung von Motoren der vorbezeichneten Art geführte werbebetriebe zu verstehen find. Die Zahl der Alleinh ohne Motoren beläuft sich auf 2 423 049, und zwar 18 Haupt- und 545 177 Nebenbetriebe. In den Hauptbe wären 124 678 männliche und 643 194 weibliche Person schäftigt. Mitinhaber, Gehilfen- und Motorenbetriebe nach der Zählung 1 186 752, nämlich 1127 585 Hauv 59 137 Nebenbetriebe. In den Hauptbetrieben in bie δρα Br inte ode bei ged die que Se Bra urth den Str mie zen und wie Ren abg Sin aus Blu unse Tod herr form Ant reich unse beim Anm die S mehr Beta schon polit daß versd den der Besti durch rechte das 5 581 354 Personen beschäftigt, und zwar 1031 777 d schäftsleiter, 206 709 als Verwaltungspersonal und 43 als sonstige Hilfspersonen. In 43 237 Betrieben wu bis 10, in 43 952 11-50, in 8095 51-200, in 1752 2 1000 und in 127 mehr als 1000 Gehilfen beschäftig wurden also im Ganzen 97 163 Betriebe oder 3,23 p Gesammtzahl mit mehr als 5 Gehilfen ausgeübt. V 1969 Großbetrieben mit über 200 Gehilfen fommen 50 Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen, 466 auf die industrie, 224 auf die Industrie der Maschinen, Inst Nied und Apparate, 171 auf die Industrie der Nahrung Genußmittel, und 120 auf die Industrie der Stein Erden. Oesterreich- Ungarn. Eine Beamtenmaßregelung wegen Betheiligung Wahlagitation wird aus Wien gemeldet. Der dortige anwalt Substitut Dr. v. Stourzh wurde aus der Reside der kleinen Provinzstadt Seyer in Oberösterreich Dr. v. Stourzh, ein Deutschliberaler, hat bei den legten rathswahlen für die Deutschliberalen lebhaft agitirt Versetzung soll nun der Lohn dafür sein. Die öfter liberale Presse befleißigt sich bei der Besprechung gierungsmaßregeln belanntlich schon der größten Trozdem wurde am Dienstag das Morgenblatt der Breffe" wegen einer Stelle des Leitartikels konfiszirt, in die ,, aus Dienstesrücksichten" erfolgte Versetzung des anwalts- Substituten Dr. v. Stourzh besprochen wurde. Schweiz. Das Abstimmungsergebnis, betreffend die Wiederein der Todesstrafe, haben wir bereits gemeldet. Was gebniß der Volfsabstimmung anbelangt, so bedeutet vollständigen Umschwung in den Anschauungen des denn während noch vor zwei Jahren 28,642 für und gegen die Todesstrafe sich ausgesprochen hatten, brach Tag 27,577 Gegner und nur 21,377 Befürworter der Strafe auf den Blay. Man nimmt allgemein an, daß die Frage der Wiedereinführung der Todesstrafe für ton Zürich ein für alle mal entschieden ist. Es ist a daß diese Abstimmung auf die gesammte Schweiz ih wirkung haben wird. D Jm Kanton Zürich will man der Heilsarmee Haufirgesetz zu Leibe geben. Unter dem Vorsige de rungsraths Dr. Stößel fand am 6. Juli in Zürich rathung sämmtlicher Polizeivorstände dieses Kanton welche beschloß, die Führer der Heilsarmee dafür, da Hottingen ohne obrigkeitliche Bewilligung öffentli stellungen gegeben, womit sie dem Haufirgesetz zu handelt haben, mit einer Geldbuße zu bestrafen; Heilsarmee um eine solche Bewilligung einkommen, so holen!" rief Herr Semmlein und schlug in die Hä es wie ein Pistolenschuß durch den Raum schallte. was hab' ich immer gesagt-die Ehrlichkeit fo zuletzt immer obenauf und die Lumperei in ben Vater Handorf, hier ist meine Hand, und Glüd un zu dem neuen Leben!" all ba Es bleibt nicht mehr viel zu erzählen. Räth von der Familie Solberg, die wohl fühlte, daß sie recht an ihr gut zn machen hatte, wieder mit der a aufgenommen worden, und der Glücklichste fast darüber war der alte Claus. Vierzehn Tage fp und unmittelbar danach, als das junge Paar, worden, reiste Hans mit seiner jungen Gattin Monate nach Italien, mehr Käthchen's wegen, mal gründlich in ein neues Leben einzuführen und alten Verhältnissen heraus zu reißen. Vorher aber jede Anstalt getroffen und dem Notar Püster reichlichsten Mittel gelassen, damit sein Halbbru in aller Ruhe seinen Studien obliegen konnte, später wieder, auf einige Jahre noch, nach und dann für immer mit Räthchen und eind Familie in die Heimath zurückkehrte, fand einen tüchtigen Advokaten wieder, der sich assoziirt und schon einen wadern Ruf in der Stadt! hatte. ih De Frau von Schaller war damals, bald nach Flucht und da sie Kathinka nicht bewegen konnte, gleiten, allein abgereist. Wohin? wußte Niemand; nach einem schon früher mit ihrem Gatten Rendezvous, von dem aus das würdige Che Operationen von Neuem beginnen fonnte. aber Unglück er griff zulegt in aller Ver einem sehr gefährlichen Mittel, fich Geld zu er fälschte Wechsel, wurde aber dabei erwischt Buchthaus. Was aus seiner Gattin wurde, erfahren. Ende. begin vom eine Sum natio Gebi aussi die J tage Herre In d wiffer Dor, Diszi bewa lich 5 wird Die Instr in C 2102 Roche famm Don Hand Die der a bezeid da m feien. welch welch ni ma Anzal haftet halter und tongr will 1 stattfi affozi fich Die Nur fahre Fibre archif Kong Der e samm lich werde die G Impi schnit die anhäl zufeh Die Herre bis i nicht S Pole mehr Legen Lagt land. fich I holen dem bie( dem Kran hat schon werd enige müßt d�ese verweigert werden, gestützt auf die Bestimmung des Haufirgesetzes, daß von ihm ausgeschloffen sein sollen:„die iSroduttion von Schaustellungen und Leistungen, welche an sich mteresse- und werthlos find oder das sittliche Gefühl verletzen oder nur dein Bettel zum Vorwande dienen," welches letztere der der Heilsarmee unzweifelhaft der Fall sei. Auf die sittlichen Qualitäten der Pariser Bour- geoifie wirft die Thatsache ein eigcnthümliches Streiflicht, daß die Miethspreise der Wohnungen an der PLce de la Ku- ouette in letzter Zeit bedeutend gesteigert worden sind. Warum? Weil dort die Hinrichtungen vollzogen werden, und der Präsident der Republik augenblicklich über etwa achtzehn Todes- urtheile zu entscheiden hat. Die Hausbesitzer machen aber an den Tagen, an welchen ein Verbrecher gemäß der modemen Straftheorie durch Guillotiniren gebessert wird, durch Ver- miethm der Fenster zu hohen Preisen an Schaulustige glän- zende Geschäfte. Die Modehelden und die Heroinen der ganzen und halben Welt unterhalten sich bei solchen Gelegenheiten, wie bei einer Prämiere im Thsätre franeais oder auf den Rennen von Longchamps. Die durch zügellosen Lebensgenuß abgestumpften Sinne der blastrten Wüstlinge bedürfen als Sinnenkitzel— Blut. So wird im kapitalistischen Zeitalter aus der Hinrichtung von Verbrechern eine außerordentliche Blutsteuer gewonnen, was beweist, auf welch sittlicher Höhe unsere bürgerliche Gesellschaft steht. Wie lange wird noch die Todesstrafe uns an die Zeiten erinnern, in denen die Blutrache herrschte, wann endlich wird die Gesetzgebung durch soziale Re- formen das Verbrechen bekämpfen! cir.'"m �neralrath des Seine-Departements ist der folgende Antrag zur Annahme gelangt:„In Erwägung, daß in Frank- rnch, namenttich im Seine-Departement, eine große Anzahl unserer Mitbürger wegen Verfälschungen oder Betrügereien berm Verkauf von Waaren verurtheilt wurden, und daß in Anwendung des Gesetzes vom Februar 1852 sie nicht mehr in dre Wahllisten eingetragen werden können; in Erwägung, daß mehrere Tausende von Leuten, obgleich sie durch die öffentliche Bekanntmachung der Namen, durch Geldbußen und Gefängniß schon genug gestraft sind, von jeder Betheiliguna an den politischen Angelegenheiten ausgeschlossen find; m Erwägung, daß diese drakonische Bestimmung aus unseren Gesetzbüchern verschwinden muß, drückt der Rath den Wunsch aus, daß vor den allgemeinen Wahlen von 1885 alle diejenigen, welche von der Anwendung des Gesetzes vom März 1851 und von den Bestimmungen des Dekrets vom Februar 1852 getroffen wurden, durch eine Amnestiemaßregel wieder in den Besitz ihrer Wahl- rechte eingesetzt werden." — Paris, 9. Juli. Die Deputirtenkammer votirte heute das Ausgabebudget, die Berathung über das Einnahmebudget beginnt morgen.— Vom Ministerpräsidenten Freycinet und vom Kriegsminister Campenon ist bei der Kammer nunmehr eine Kredrtforderung von 947 000 Frcs. für die französischen Niederlassungen im Golfe von Guinea eingebracht, von dieser Summe sind 300 000 Frcs. zur Entschädigung der inter- nationalen afrikanischen Gesellschaft für die Abtretung ihrer Gebietstheile am Kongo bestimmt.— Da die Kammern vor- ausfichtlich erst am 5. August auseinandergehen können, so hat die Regierung die allgemeinen Wahlen auf die letzten Sonn- tage des September festgesetzt. General Courcy meldet aus Hue: Wir sind unbeschränkte terren der Stadt, die anamitischen Truppen sind in Auflösung. n der Umgebung der französischen Restdentschaft und an ge- wissen Punkten der Zitadelle kamen vereinzelte Feuersbrünste vor, der königliche Palast ist aber Dank der musterhasten Disziplin des Zuavenbataillons, welches denselben eroberte und bewacht, unversehrt; derselbe enthält große Reichthümer, nament- lich 5 Millionen in Silberbarren. Die Ziffer dieses Betrages wird sich erheblich vermehren, wenn ich auch Goldbarren finde. Die Kunstschätze find von unermeßlichem Werthe. Ich erwarte Instruktionen. Bei der Stichwahl zum Pariser Gemeinderath in Charonne siegte Patenne, der Kandidat Clemenceau's, mit 2102 Stimmen über den Kommunarden Eudes, den Kandidaten Rochefort's, mit 1575 Stimmen. Belgien. In der gestrigen Sitzung der belgischen Abgeordneten- kammer bekämpfte der Finanzminister energisch die Einführung von Getreide- und Viehzöllen als fürs ganze Land verderblich. Handel und Industrie litten ebensoviel wie die Landwirthschaft. Die Zölle würden die Lebensmittel vertheuem und die Lage der arbeitenden Klaffen verschlimmern. Unter großem Aufsehen bezeichnete der Minister diese seine Erklärungen als persönliche, da mehrere seiner Kollegen nicht mit denselben einverstanden keren.— In Brüssel nahm die Polizei in einem Lokale, in welchem dre Anarchisten regelmäßig zusammenkamen und in welchem auch das von ihnen herausgegebene Journal„Ni dien m maitre gedruckt wurde, eine Haussuchung vor, belegte eine Anzahl dort vorgefundener Schriftstücke mit Beschlag und ver- haftete 14 Personen, von denen jedoch nur einige in Haft be- halten worden find. Unter den Verhafteten waren ein Ruffe und ein Deutscher, dre übngen waren Franzosen und Belgier. Sp au, en. In Barcelona soll vom 2«. bis 29. d. Mts. ein Welt- kongreß der Anarchisten stattfinden. Die„Neue Zürich. Ztg." will wissen, daß der Kongreß, wenn immer möglich, öffentlrch stattfinden soll. Alle Gnippen der„Internationalen Arbeiter- affoziation" find eingeladen, Delegatronen zu entfenden und sich mit dem Einberufungs- Komitee zuvor zu verständigen. Die Adresse dieses Komitees halten dre Anarchisten geheim. Nur Eingeweihtere können dieselbe mittelst Deckadressen erfahren, welche James Smith, Bovkfellershop, 38 Carlotte Str. Fitzroy Square W., London vermittelt. Die amerikanische An- archistcnföderatton, die Seele der Bewegung, wird an dem Kongresse nicht Theil nehmen, weil Herrn Most und Genossen der europäische Boden nicht sicher genug erscheint, die Ver- sammlung wird überhaupt vorwiegend, wenn nicht ausschließ- lich durch Anarchisten aus den romanischen Ländern gebildet werden.(Wenn's überhaupt wahr ist!) — Dr. Ferran macht mit seinen Schutzimpfungen gegen die Cholera ein sehr gutes Geschäft. Er läßt sich für jede Impfung 12 Frks. 50 Zt. zahlen. Seit Wochen werden durch- schnittlich 600 bezahlte Impfungen täglich vorgenommen; wenn die Panik noch, wie zu erwarten steht, bis gegen den Herbst anhält, so braucht Dr. Ferran nicht mehr nach Tortosa zurück- zukehren, wo er bis vor Kurzem kümmerlich sein Dasein fristete. Die Zusammensetzung des Impfstoffes hält er geheim, seine Herren Kollegen, sowie die hin zugeströmten fremden Aerzte find bs�ietzt zu dem Resultat gekommen, daß, wenn die Impfung nicht Hilst, sie doch auch mcht schadet. Rußland. Die Bewohner des Gouvernements Kalisch im Königreiche Polen haben die Verabredung getroffen, in Zukunft nichts mehr in Deutschland zu kaufen und keine in Deutschland ge- legenen Badeorte zu besuchen. Dieser Entschluß wurde veran- laßt durch die Ausweisung der russischen Polen aus Deutsch- land.— Als eine Kalamität, welche die größten Mißstände mit sich bringt, find die alljährlich um die Sommerzeit sich wieder» holenden Wallfahrten nach dem Mekka der Orthodoxen, nach dem heiligen Kiew, zu betrachten. Zu Zehntausenden pilgern die Gläubigen, meist mit infckttösen Krankheiten behaftet, nach dem Kiew'schen Höhlenkloster, und alles Volk, Gesunde und Kranke, küßt die Heiligthümer, die von medizinischen Autoritäten schon längst als die schlimmsten Krankheitsträger bezeichnet werden. Die Sanitätspolizei würde dieser Bewegung gern entgegentreten, wenn sie nicht mit den Vonirtheilen rechnen müßte, die nicht auszurotten sind.(?) Wirthschaftliches aus Nordamerika. In ihrer Nummer vom 16. Jum schreibt die„New-Uorker Handelszeitung wie folgt: Zum ersten Male nach langer Zeit können wir melden, daß sich Anzeichen einer vertrauensvolleren Stimmung in un- serer Geschäftswelt kundgeben. Wenn dies auch noch weit davon entfernt ist in einer Steigerung des Verkehrs oder einer Belebung der industriellen Thätigkeit zum Ausdruck zu ge- langen, so ist doch deutlich ersichtlich, daß Hoffnung und Ver- trauen an Stelle ver bisherigen Entmuthigung und Gedrückt- hcit einzutreten den Anfang gemacht haben. Diese Besserung der Tendenz ist auf eine Reihe von Thatsachen bastrt. Türkei. Wie man sich erinnem wird, hat die Pforte genau vor Jahresfrist den Versuch gemacht, die selbstständigen Posten der auswärtigen Mächte in der Türkei abzuschaffen und den ge- stimmten Postverkehr durch die angeblich reorganifirte türkische Post bewerkstelligen zu lassen; dieser Versuch, bei welchem die Pforte damals große Anstrengungen gemacht hat, ist jedoch voll- ständig gescheitert. Etwas Aehnliches will man in Konstan- tinopel wiederum unternehmen. Die türkische Regierung hat nämlich nach einer Mittheilung der„Kr-Z." die fremden Bot- schafter in einem Rundschreiben ersucht, sie mögen ihre Post- ämter anweisen, sämmtliche eintreffenden Drucksachen und Zeitungen der türkischen Zensur vorzulegen. Voraussichtlich wird dieses türkische Ansinnen von den Botschaftem rundweg abgelehnt werden. Schweden and Rotztwegea. Stockholm, 5. Juli. Gestern Abend ist hier eine sozial- demokratische Versammlung abgebalten worden, in welcher der Gegensatz der sozialistischen Politik zu der liberalen diskutirt wurde. Nach reichlich vierstündiger Debatte wurde von der Versammlung folgende Resolutton angenommen:„Die liberale Politik ist schädlich für Staat und Gesellschaft; in Er- wügung dessen beschließt die Versammlung, daß diese Politik kräftig bekämpft werden muß. Weiter verpflichtet sich die Ver- sammlung, die sozialdemokratische Politik zu unterstützen." Großbritannien. Der neue Vizekönig von Irland, Graf Camarvon, hielt gestern Abend seinen öffentlichen Einzug in Dublin und wurde von der Bevölkerung, die sich auf der Route vom Landungs- platze bis zur Burg massenhaft eingefunden hatte, angeblich überaus herzlich begrüßt. Er ritt ernen prächtigen Schimmel und war von einer aus Ulanen und-Husaren bestehenden starken Eskorte umgeben, während auf den Straßen Truppen und Polizisten ein ununterbrochenes Spalier bildeten. — Die„Pall Mall Gazette" bringt seit einigen Tagen grauenvolle Enthüllungen über die sittlichen Zustände in Lon- von. Mit wahrem Feuereifer, in glühenden Worten predigt das genannte Blatt der entsetzten Menschheit den Schutz des unmündigen Kindes weiblichen Geschlechtes. Das öffentliche Aergerniß, welches diese Publikationen in London erregen, ist, wie man dem„B. T." schreibt, ein ungeheures. Der Minister des Innern ersuchte den Redatteur am Dienstag Vormittag, den Druck der Fortsetzungen einzustellen, allein dieser glaubt, ein apostolisches Werk der Reform zu vollbringen, und lehnte den Wunsch des Ministers ab. Während dre Zeitungsläden von W. H. Smith, jetzigem Knegsminister und Eigenthümer aller Eisenbahn-Zettungsbuden, den Verkauf der„Pall Mall Gazette" ablehnten, wurden in den Straßen hunderttausende Exemplare verkauft. Die Leiter der Heilsarmee sind die eigent- lichen geistigen Urheber der Artikel. Gestern verhaftete die Polizei zahlreiche Straßenverkäufer der„Pall Mall Gazette". Die Verhafteten wurden vor den Polizeigerichtshof gebracht, welcher sie zwar gegen Bürgschaft frei ließ, aber deren noch- malige Vorführung anordnete. Eine Gerichts-Zeitung. das Vereinsleben betreffende Entscheidung wurde am Donnerstag in der Revifionsinstanz von dem Straf- senat des Kammergerichts gefällt. Der Thatbestand ist nach der richterlichen Feststellung folgender. Am 25. Oktober v. I. befand sich der ReichstagskandidarDder dcutsch-freisinnigen Partei für den 13. hannöverschen Wahlkreis, Dr. Max Rüge aus Steglitz bei Berlin in Nordhausen, von wo aus er einer Ein- ladung des dortigen Brauereibefitzers Weber folgend, mit letzterem zusammen eine Fahrt nach dem Dorfe Urbach unter- nahm und im Stcchardt'schen Gasthause abstieg. Ein Einwohner von Urbach, Namens Hennecke, den beide Herren unterwegs ge- troffen und mitgenommen hatten, machte mehreren anderen Einwohnern Mittheilung von deren Anwesenheit, wie denn auch Weber einen anderen Einwohner ersuchte, Gäste aus dem Dorfe herbeizuholen, weil beide Herren Unterhaltung haben wollten. Theils auf diese Weise, theils zufällig fanden sich nach und nach etwa 15—20 Personen im Wirthshause zusammen, welche an verschiedenen Tischen Platz nahmen und sich zwangs- los unterhielten, indem das Gespräch verschiedenartig je ,m Kreise eines Tisches, ab und zu auch allgemein geführt wurde, u. A. aber auch politische Tagesfragen, als die Komzölle, Steuern, Militärsachen sc. berührte. Dabei sprach Dr. Rüge mehrfach von seinem Sitz aus und zumeist in Form von Antworten auf gestellte Fragen, nie aber in längerer Rede. Auch wurde er von Weber mehreren Urbachern persönlich vorgestellt. Der Gastwirth Stechardt hatte sich währenddeffen nur mit der Bedienung der Gäste be- faßt. Ihm wie anderen Anwesenden war von Weber ausdrück- lich gesagt worden, daß es sich hier keinesfalls um eine Wahl- Versammlung, sondern um eine einfache Unterhaltung und ein gegenseitiges Sichkennenlemen handle. Auf Grund dieses That- bestandes wurden Dr. Rüge, Weber und Stechardt der Ueber- tretung der§§ 1 und 12 des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 angeklagt und die Beiden elfteren auch,„weil sie eine Versammlung unternommen, in welcher öffentliche Angelegen- heilen erörtert wurden, ohne daß von dieser Versammlung vor- her die Anzeige bei der Ortspolizeibehörde gemacht war", zu je 20 Mark Geldstrafe verurtheilt, Stechardt aber freigesprochen. Dr. Rüge und Weber legten Berufung ein, indem sie bestritten, daß damals überhaupt eine Versammlung im Sinne des Ge- setzes stattgefunden habe, und darauf erkannte auch die Straf- kammer zu Nordhausen auf Freisprechung, indem sie folgendes ausführte: Könne man die betreffende Personengesammtheit und deren Gebahren als eine Versammlung im kritischen Sinne ansehen, so würde man auch die Angeklagten als Unternehmer zu bettachten berechtigt sein. Jndeß sei letzteres zu verneinen. Die allgemeine Voraussetzung einer Versammlung im Sinne des Gesetzes fei, daß sie Zwecks Erörterung öffentlicher Angelegenheiten unternommen sei. Diese Voraussetzung werde aber nicht schon dadurch erkennbar, daß, wie hier, die Personen- Mehrheit zu dem beregten Zwecke sich auf irgend eine Weise organistrt, sich zu einer Versammlung zu dem Zwecke konsttwirt habe. Die Einheillichkeit des Ganzen zu dem erwähnten Zweck müsse feststehen und auf die Angeklagten als Verursacher zurück zu führen sein. Davon sei aber im vorliegenden Falle nichts ersichtlich. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Revision ein, die von der Ober-Staatsanwaltschaft für begründet erachtet wurde, indem sie im Äudicnztermin vor dem Kammergencht namentlich darauf hinwies, daß der thatsächlichen Feststellung nach doch eine Besprechung öffentlicher Angelegenheiten nach dem Willen der Angeklagten hatte stattfinden sollen. Rechts- anmalt Cassel plaidirte für die Verwerfung der Revision. Das Kammcrgericht hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zur anderweiten Entscheidung an die Strafkammer zu Erfurt. Der zweite Richter habe sich— so wurde in den kurzen Entscheidungsgründen ausgeführt- insofern in einem Rechtsirrthum befunden, als er es für erforderlich erachtet habe. daß eine Konstituirung der Versammlung stattfinden müsse, um eine Zusammenkunst von Personen als eine Versammlung im Sinne des Gesetzes erscheinen zu lassen- Hierauf käme es aber nicht an, sondern lediglich auf den bcabstchtigten Zweck, öffentliche Angelegenheiten zu erörtern. Eine Prüfung in dieser Beziehung habe aber der Vordenichter nicht ange- nommen. P. Mit billigem Geflügel betrieb seit Mai 1884 der Schuhmacher Hermann Emil Ferdinand Fließ, in der Elsasser- sttaße 76 Hierselbst wohnhaft, einen schwunghaften Handel und die von Fließ verkauften Braten-Vögcl wurden stets zu so geringen Preisen im Weqe des Hausirhandels sowie auf den Wochenmärktcn abgesetzt, daß die Kriminalpolizei zu Anfang dieses Jahres Veranlassung nahm, der Sache näher zu treten. Aus dem Kreise Niederbamim und dem angrenzenden Lebuser Kreise liefen fortgesetzt seit dem Sommer vorigen Jahres bei der hiesigen Kriminalpolizei Anzeigen über unzählige, mit großer Routine ausgeführte Hühnerdiebstähle ein; die Angaben der Bestohlenen über die Art der Ausführung der Diebstähle ließen darauf schließen, daß der Thäter immer derselbe sei. Aber erst im Februar d. I. gelang es, des unheimlichen Hühner- freundes in der Person des Gärtners Franz Friedrich Heinrich Liepner, sowie seines Hehlers, des obengenannten Fließ habhaft zu werden. Fließ war seit Wochen schon von dem Kriminal- schutzmann Hoffmann beobachtet worden. Herr Hoffmann be- merkte nun eines Tages im Februar, daß Fließ mit einem Sack auf dem Rücken in ein Restaurattons-Lokal an der Ecke der Kleinen August- und Linienstraße eintrat; der Kriminalbeamte folgte dem Fließ und befragte ihn über den Inhalt des Sackes, aus dessen Tiefe er, da Fließ Aus- fünft verweigerte, alsbald eine feiste Ente hervor holte, deren auffallend gezeichnetes Gefieder wohl zu der Annahme be- rechtigte, daß das Thier aus einem wenige Stunden zuvor mittelst Telegramm der Berliner Kriminal-Polizei angezeigten und in der Nähe Berlins verübten Federvieh-Diebstahle her- rühre. Fließ wurde, da er den rechtmäßigen Erwerb der zirka 10 Stück Enten, die er im Sacke mitführte, nicht ausweisen konnte und außerdem ein höchst verdächttges Benehmen an den Tag legte, in Haft genommen.— Gegen den inzwischen eben- falls inhaftirten Liepner ist nunmehr vor der Strafkammer des Landgerichts li Anklage erhoben und wird ihm zur Last gelegt, daß er in nahezu 40 ermittelten Fällen in den obengenannten Gegenden seit Mai den Hühner-, Enten- und Gänsebestand der Landbewohner reduzirt und das gestohlene Geflügel dem Fließ zum Verkauf übergeben habe, welcher dieserhalb wegen Hehlerei angeklagt wird. Beide, Fließ und Liepner» erschienen am 9. dieses Monats vor den Schranken; beide Angeklagten leugneten die ihnen znr Last gelegten Sttaf« thaten. In der Sache sind 3 Sitzungstage in Aussicht ge- nommen und zirka 70 Belastungszeugen vorgeladen, weshalb für die Verhandlungen der kleine Schwurgcrichtssaal benutzt wird. Bericht über den Ausfall der Sache folgt nach der ge- fchehenen Urtheilsfällung. Unter der Anklage der fahrlässtge» Brandstiftung standen gestern der Fabrikant Arndt und der Arbeiter Weiß- Haupt vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts l. Dem Ersteren wird außerdem zur Last gelegt, sich gegen die Polizei- Verordnung, welche das Aufbewahren von brennbaren, explosiven Stoffen in der Nähe der menschlichen Wohnungen verbietet, vergangen zu haben. Am Nachmittage des 25. Januar wurde die Feuerwehr nach dem Grundstücke des ersten Angeklagten, Fennstraße 21, gerufen. Bei ihrem Eintreffen war das Feuer aber bereits gelöscht, es hatte nur in einem Schuppen die Thüren und einen Theil der Wandbekleidung angesengt. Das Feuer, welches leicht größere Dimensionen hätte annehmen können, war durch die Unvorsichtigkeit der beiden Angeklagten ent- standen; der Kaufmann Arndt hatte unter Zuhilfenahme seines Arbeiters, des zweiten Angeklagten, aus einem größeren Gefäße mit Gasoline etwas von dem Inhalte in ein kleineres umgießen wollen, die Flüssigkeit war dabei zum Theil ver- schüttet worden und sie entzündeten ein Streichholz, um den Schaden zu besehen. In demselben Augenblicke erfolgte auch die Explosion der leicht entzündbaren Masse und die unmittcl- bar Danebcnstehenden können von Glück sagen, daß ein größeres Unglück nichl entstanden ist. Der Staatsanwalt beantragte gegen Arndt wegen des Vergehens 30 Mk., gegen Weißhaupt 2o TU., gegen Ersteren wegen der Uebertretung noch 20 Mk. Der Vertheidiger führte aus. daß von einer fahrlässigen Brand. stiftung mcht die RSde sein könne, da es in Wirklichkeit nicht gebrannt habe, und der Gerichtshof theilte diese Auffassung, als er die Angeklagten wegen des Vergehens freisprach, dm Angeklagten Arndt dagegen wegen der Uebertretung mit einer Geldstrafe von 20 Mk. belegte. Der Seefahrer Theodor August Arlt, welcher gestem der ersten Sttaskammer des Landgerichts i vorgeführt wurde, um sich wegen eines Diebstahls und Unterschlagung in zwei Fällen zu verantworten, hat bereits Gelegenheit gehabt, die Ge- fängnisse in verschiedenen deutschen und außerdeutschen Ländern kennen zu lernen. Nach seiner letzten Strafverbüßung trieb er sich arbeitslos in Breslau umher und hier fiel seinem Schwindel- talent einer seiner Landsleute zum Opfer, der das Unglück hatte, mit ihm zusammenuitteffen. Der Angeklagte log ihm vor, er sei soeben nach Breslau gekommen, um eine ihm zu- gefallene Erbschaft zu erheben, welche auf dem Stadtgericht de- ponirt sei. Um seinem etwas reduzirten Aeußcren abzuhelfen, wußte er den Landsmann zu bewegen, ihm leihweise seinen Ueberzieher und zwei goldene Ringe anzuvertrauen. Die Ringe versetzte er und reiste dann schleunigst nach seiner Hcimath Memel. Am 28. Dezexiber vorigen Jahres beging er aber einen noch viel perfideren Stteich. Er war wieder auf der Reise nach Berlin, als in Bromberg fünf arme Dienstmädchen in das von ihm benutzte Koupee einstiegen; sie wollten in der Gegend von Bielefeld einen Dienst antreten. Der zungengewandte Seemann schlängelte sich an sie heran und hier in Berlin aufdem Schle- fischen Bahnhof angekommen, überließen sie sich vertrauensvoll seiner Führung nach dem Lehrter Bahnhofe. Hier ließ er sich von den armen Mädchen, unter dem Vorgeben, ihnen die Billcts nach Bielefeld lösen zu wollen, deren Reisegeld aus- händigen und betrog die Bedauemswerthen, die dadurch in eine äußerst peinliche Lage kamen, auf's Schnödeste, indem er flch mit der Beute aus dem Staube machte und die Mädchen ihrem Schicksal überließ. Einige Zeit darauf wurde er ding- fest gemacht, als ein Schuhmacher ihn wegen Diebstahls ver- folgen ließ. Die Beiden hatten zusammen gezecht und der Schuhmacher war hierin dem Seemanne nicht gewachsen. Er mußte seiner Unmäßigkeit den verdienten Tribut zollen und während sein Kneipkollege ihm anscheinend Samariterdienste leistete, benutzte derselbe die Gelegenheit, ihm die Uhr aus der Tasche zu stehlen. Der Gerichtshof belegte den unverbesserlichen Sünder mit einer Gesammtstrafe von 2 Jahren Zuchthaus, 3 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Koziales und Arveiterbewegung. Der Tischlerstreik in Kaiserslantern befindet sich noch in demselben Stadium. Es wird uns von dort geschrieben, daß sich mehrere dorttge Nähmaschinen- und Möbel-Fabrikanten mit Berliner Fabrikanten in Verbindung setzen wollen, um dadurch einen Druck auf die Streikenden auszuüben, mit welchem Erfolge bleibt abzuwarten. Der Geist der Streikenden ist ein guter. Es wird dringend ersucht, den Zuzug nach Kaiserslautern abzuhalten. In Dresden stteikcn die Tischler(Zusammensetzer) der Pianofortefabrik„Apollo". Sie erklärten, nicht mehr mit dem Lohn auskommen zu können.„ lieber die wtrthschaftlichen Verhältnrffe im sachfischen Voigtlande im Jahre 1884 berichtet die Handels- und Gewerbekammer in Plauen folgendermaßen:„Bei allen Industrie» zweigen ohne Unterschied wird lebhafter als im Vorzahre die Klage laut, daß die Verkaufspreise immer weiter und in viel stärkerem Verhältnisse als die in der Regel ebenfalls weichenden Preise der Rohmaterialien und Halbfabrikate zurückgegangen find und einen immer geringeren, in manchen Fällen gar keinen Geschäftsertrag und Unternehmergewinn übrig gelaffen haben. Von einer Aufbefferung der Arbeitslöhne wird zwar an vereinzelten Stellen berichtet, im Ganzen ist eine solche nicht möglich geworden. Eine Erweiterung der bestehenden Anlagen hat nur in wenigen Industriezweigen in einem einigermaßen bemerkenswerthen Umfange stattgefunden. Nur in vereinzelten Fällen wird von gestiegener Nachfrage nach besseren Qualitäten berichtet, dagegen machte sich bei wichtigen Industriezweigen leider auf Kosten der ästhetischen wie technischen Entwickelung die entgegengesette Tendenz breit. Wie im Vorjahre, wandte fich die Lage der meisten Geschäftszweige in der zweiten Hälfte des Jahres zum Schlimmeren. Wie aber schon die geschäftliche Stimmung des ganzen Jahres bei ziemlich gleichen wirthschaftlichen Ergebnissen im Durchschnitt eine gedrücktere war als die des Vorjahres, so schloß dasselbe entschieden mit geringe ren Aussichten und Erwartungen für die Zus Tunft." Man merkt es an der gewundenen Sprache dieses Berichts, daß die Geschäftslage eine noch drückendere ist, wie fie zugestanden wird. Neuerdings kommen auch aus fener Gegend Nachrichten von stetigem Sinken der Löhne. Hungerlöhne und fette Dividende. Ueberall hört man, daß die Löhne der Arbeiter ungemein gering und nur als ein Eristenzminimum zu betrachten find. Dagegen lefen wir, daß Die Werschen- Weißenfelser Braunkohlenaktiengesellschaft" eine Dividende von 25 pet. zahlt. Der Geschäftsabschluß der Marimilianshütte" in Oberbayern berichtet, daß hier 20 pet. Dividende den Aktionären für ,, süßes Nichtsthun" in den Schooß fallen. Welche Gegensäße! Der Streit der Weber in Erdmannsdorf hat sein Ende erreicht, ohne daß die Arbeiter irgend etwas errungen hätten. Die auswärtigen Unterstüßungen seien ausgeblieben dies wird als Grund der Niederlage der Arbeiter anges geben. Wir glauben das wohl, aber war der Streit auch demgemäß vorbereitet, daß er auf auswärtige Unterstützung rechnen fonnte? Das glauben wir nicht. Vollständig unorganisirt ist man dort in den Streit eingetreten, ohne Fachvereine oder Gewerkschaft, ohne vorherige Verbindung mit auswärtigen Fachgenoffen, so daß eine Niederlage ficher war trop der vielen Sympathien, die dem Streit noch entgegengetragen wurden. Eine eindringliche Warnung und Mahnung aber liegt für die Arbeiter überhaupt in diesem verunglückten Streif. Das Verhältniß der Dienstboten in den fünfzehn GroßStädten Deutschlands ist folgendes: Es kommt ein Dienstbote( weiblicher oder männlicher): in Straßburg.. auf 22,7 Einwohner Danzig Hamburg " 1 Dresden " " Berlin " Königsberg i. P.. " • H 21,4 20,8 " " 19,9 " " 7 18,3 Н " 18,2 11 " " Köln Nürnberg 18,0 H " 17,7 H " " Breslau 17,3 " " 1 H " Leipzig 16,6 11 H " 1 München Hannover 16,5 11 17 16,2 " " Bremen 15,9 H " " " Stuttgart 11,6 " H " 1 10,4 11 " Frankfurt a. M. Im Mittel auf 17,7 Einwohner. Das Mittel im ganzen Reiche( die Gesammtzahl der Dienenden beträgt 1 324 924) ift 34,1, also fast um die Hälfte geriner. Wir haben bereits früher im Berliner Volksblatt" Darauf hingewiesen, daß sich in Berlin die Zahl der Haushaltungen mit einem und zwei Dienstboten stetig verringert, die Ziffer der Lurushaushaltungen mit mehr als zwei Dienst boten dagegen ebenso regelmäßig fich vermehrt hat. Dies führte uns zu dem unbestreitbaren Schluß, daß die Auflösung des fog. Mittelstandes, Uebergang des Kleinbürgerthums in das Broletariat, wachsende Verschärfung der Gegensäße zwischen Arm und Reich fich immer deutlicher zeigt und fich immer rascher entwickelt. Es wäre von Intereffe, wenn auch in den übrigen Großstädten diese Verhältnißzahlen näher geprüft würden. Wir sind überzeugt, daß auch hier ein Rückgang der Haushalte mit 1 bez. 2 Dienstboten oder mindestens eine Stagnation festgestellt werden könnte. Der Sieg der Maschine über die Handarbeit, die Ersegung des Arbeiters durch die mechanische Kraft, das ist das bedeutsamste Merkmal unserer wirthschaftlichen Entwickelung. Dieselbe führt natürlich die Freiseßung von zahllosen ArbeitsTräften und die Vermehrung der industriellen Reservearmee herbei. Die Zehntausende von Arbeitslosen aber, die um jeden Preis zu schaffen bereit sind, drücken natürlich die Löhne und verschlechtern die Lebenshaltung des werkthätigen Volkes. Sie find die Soldaten des Proletariats, welche vor dem Kapital auf Gnade und Ungnade kapituliren und so lange tapituliren müffen, bis der Maximalarbeitstag und andere gründliche Arbeiterschußgefeße einigermaßen dem verheerenden Triumphzug des Kapitalismus Einhalt gebieten. Ein anziehender Beleg für die Verdrängung der Hände durch die Maschine bietet eine Uebersicht aus dem berühmten Reichenberger Weberbezirk in Nordböhmen, aus der man leicht zu erkennen vermag, wie die Handweberei allmählich durch den Regulatorstuhl und vor allem Den Power- loom*( Kraftstuhl) aus dem Felde geschlagen wird. Es gab in der Baumwollweberei im Jahre gewöhnliche Hand ftüble 1856: 1860: 1866: 1878: 56.874 55.656 55.568 41.704 Regulatorstühle 1238 8376 8506 4963 Kraftstühle 570 4737 5502 13.611 Der Handstuhl wird nach und nach außer Gebrauch gesezt werden, und auch der technisch hinter dem Power- loom weit zurückstehende Webstuhl mit Regulator**) verfällt bereits dem Geschick, dem alles technisch Unvollkommene geweiht ist. Er unterliegt im Kampfe mit dem vollendeteren Kraftstuhl. So ficher es ist, daß die Kleinmeister nur zum geringsten Theile im Stande gewesen find, fich Regulatorstühle zu halten, so ficher ist es auch, daß die mittleren Betriebe, die denselben anwendeten, aufgefogen werden von den über große Geldmittel verfügenden, mit der Maschine, hier dem Webstuhl, arbeitenden großen Unternehmungen. Erst kommt der Zwergbetrieb, dann bas Kleinkapital an die Reihe; darauf beginnt das Duell unter den Großkapitalisten, aus dem die Reichsten mit dem Lorbeer bes Siegers bekränzt hervorgehen. Bahlen beweisen. Der Streit des Chifagoer Straßenbahnpersonals dauert fort. Nach vielen Anstrengungen und unter Hilfe der Bolizei gelang es der Gesellschaft drei Tramwagen mit neuem Personal dreimal durch die Linie laufen zu laffen. Die Straßen waren gedrängt voll von Neugierigen, die sich zwar ordentlich betrugen, aber fich gelegentlich in spöttischen Burufen ergingen. Die Gesellschaft sah indeß, daß Niemand die Wagen benugen wollte, und die einzigen Passagiere die Polizisten waren. Gegen Sonnenuntergang wurden sämmtliche Wagen zurückgezogen, und es verlautete, daß der Verkehr erst Montag wieder aufgenommen werden würde. Alsdann trat vollständige Sprich Paner- lum. ** Um die Dichtigkeit des Gewebes zu erzielen, ist mit dem Webstuhl ein Apparat, der Regulator, verbunden, der ohne direktes Buthun des Webers bewirkt, daß auf gleichem Raume immer eine gleiche und genaue vorauszubestimmende Anzahl Einschußfäden zu liegen kommen. Ruhe ein. Gestern oder heute wurden keine Wagen in Betrieb gefeßt, da der Bürgermeister die Polizei anderwärts brauchte. Wegen der Nothwendigkeit, am unabhängigkeitserklärungstage und auch heute die Straßen patrouilliren zu lassen, konnte er den Tramwagen keinen ausreichenden Schuß gewähren. Die Streifenden erachteten diesen Zustand der Dinge für einen Sieg. Sie erfreuen sich der allgemeinen Sympathie des Publikums, und zur Befürwortung ihrer Sache sind große Maffenlikums, und zur Befürwortung ihrer Sache find große Massenmeetings abgehalten worden. Ein Mann ist seinen Verlegungen erlegen, die er fich während der Krawalle am Freitag zugezogen hatte. Zum Tischlerstreit in Dresden veröffentlicht die dortige Lohntommiffion das Nachstehende: Kollegen! Arbeiter! Die fiebente Woche ist vorüber, und noch immer ist keine Aenderung zum Besseren eingetreten. Viele unserer Kollegen haben sich andere Beschäftigung, so weit es ging, gesucht, viele find ab gereift, ja sogar Verheirathete find fortgemacht, um nur den Unterstüßungsfonds nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Da wir aber trotzdem noch immer 243 Kollegen zu unterſtüßen haben, so appelliren wir an Euch, sendet schnelle Hilfe, damit wir unsere so muthig ausharrendeu Kollegen auch fernerhin unterstüßen können. Kollegen! Von der Arbeitsniederlegung der Busammenseter in der Pianofortefabrik" Apollo" seid Shr unterrichtet. Da es dem dortigen Herrn Direktor nicht möglich war, neue Arbeiter zu gewinnen, so hat derselbe fich veranlaßt gefühlt, seine Fabrit zu sperren, mit dem Bemerken, daß er überhaupt auch später Fachvereinsmitglieder nie mehr be schäftige, selbige sollen einen Revers unterschreiben, daß fie mit den Tendenzen des Fachvereins zu Dresden nichts zu thun haben wollen. In Folge deffen find 80 Arbeiter brodlos ges Kollegen! Arbeiter! Der Herr Direktor dieser Fabrik hat gesagt, er wolle den Betreffenden, der an alle Städte Deutschlands über den Streit berichtet und die Kollegen vor Buzug gewarnt, gerichtlich belangen. Er hat eingesehen, was es heißt, einer Arbeiterorganisation gegenüber stehen, und will nun dieselbe durch die Gerichte zerstören lassen; eine heitere" Gefeßeskenntniß, nicht wahr? Darum Genossen! Die Zahl der zu Unterstüßenden hat sich um 80 vermehrt! unsere Organisation steht auf dem Spiele, thut Eure Pflicht! Mit Gruß, die Lohnkommission der Dresdener Tischler. Briefe sende man an G. Schidlowsky, Galerieſtr. 15, 5. Etage. Ale Geldsendungen an W. Weidner, in Selt's Gasthaus, Kleine Brüdergasse 9, 1. Etage. worden. Vereine und Versammlungen. Die Berliner Steinträger hielten am Donnerstag, den 9. Juli, eine öffentliche Generalversammlung im Salon zum deutschen Kaiser, Lothringerstr. 37, ab, welche so überaus zahlreich besucht war, daß man hierin schon allein den Beweis zur Hand hatte, daß der Indifferentismus, welcher bisher noch viele Arbeiter dieser Branche beherrscht hatte, der freieren Ers fenntniß Plag gemacht hat. Das Bureau wurde gebildet aus den Herren W. Haugt als ersten, C. Wallenthin als zweiten Vorfißenden und L. Steinberg als Schriftführer. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung: Bericht über die von den Meistern und Bauunternehmern gefaßten Beschlüsse, referirte zunächst Herr D. Rennthaler in flarer und scharfer Weise, und bewies derselbe, daß die Meister und Bauunternehmer durch ihre gefaßten Beschlüsse, die Arbeiter, welchen fie hierdurch gleichsam Spott und Hohn ins Geficht geschleudert haben, erst recht zum vollen Bewußtsein ihrer Lage gebracht haben. Dieses zeigten die so zahlreichen Einzeichnungen in den neu gegründeten Fachverein der Berliner Steinträger, denn jetzt sehe wohl Jeder ein, daß der Einzelne im Kampf gegen das Kapital nichts vermag, während die Gesammtmasse, welche organisirt und geschloffen vorgeht, nur allein gegen die Kapitalmacht im Stande ist anzufämpfen. Im gleichen Sinne und durch vielfache Beifallsbezeugungen unterbrochen, sprachen noch die Herren Haugt und Knaat und forderten Alle zum muthigen Herren Haugt und Knaak und forderten Alle zum muthigen Ausharren auf. In der hierauf folgenden Debatte über verschiedene Angelegenheiten fam wieder ein neuerdings eingegangenes Schreiben von den Hamburger Kollegen zur Kenntniß Aller, worin dieselben ihren hiesigen Kameraden Muth zusprechen und die feste Versicherung geben, die legteren in ihrer so sehr bedrängten Lage thatkräftig zur Seite stehen zu wollen. Dieses Schreiben wurde mit einem donnenden Hoch aufgenommen. Nachdem wurde noch über Bertheilung der Streiffarten debattirt, wozu namentlich die Frage Veranlassung gab, ob auch denjenigen Steinträgern oder ständigen Lohnarbeitern, welche nach dem 25. Juni irgend eine Beschäftigung auf dem Bau, auch nicht im Lohn, gehabt haben oder noch haben, eine Streiffarte ertheilt werden dürfe. Diese Frage wurde verneint und zum Schluß noch einige Vertrauensmänner bestimmt zur Ertheilnng der Karten und zur Empfangnahme der Sammellisten. Die Zahlstellen, woselbst freiwillige Beis träge zum Unterstützungsfonds der Steinträger entgegen genommen werden werden, befinden sich bei Donert, Stalizerftraße 163; Ebell, Staligerstr. 43; Reimann, Wrangelstr. 136; Blumbecker, Wrangelstr. 44; 3epernick, Schönhauser Allee 52; Rantwerk, Schulstr. 34; Leutemeier, Badstr. 13; Hiller, Zoffeners Straße 56; Kuhn, Steinmetstr. 30; Tefs, Berlinerstraße 38, Rirdorf; Huth, Arkonaplas 2; Doffe, Frankfurterstr. 1. Im Lokal Lichtenbergstr. 20 bei Hering; Frankfurter Allee Jungs tecke und Staßfurt. Waldstr. 31. Daselbst können auch Listen zum Einzeichnen von Beiträgen in Empfang genommen werden. hr. In der Versammlung des Fachvereins der Tischler, welche am Mittwoch, Bergstraße 68, stattfand, hielt Herr Meißner einen Vortrag über: Die Entwickelung der Industrie und die Stellung der Arbeiter zu derselben." Auf Grundlage der Statistik wies er nach, daß in der Entwicke lung der Industrie Englands auf die erste Periode, in welcher die fich steigernde Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen eine fich steigernde Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft im Gefolge hat, sehr bald die zweite Periode gefolgt ist, in welcher ( von 1804 bis 1850) fortwährend die Löhne gestiegen sind und die Arbeitszeit sich vermindert hat. Dann führt er die in einem Berichte der Chemnißer Handelskammer gegebene Statistik vor, welche zeigt, daß in der Zeit von 1870 bis 1880 der Maschinenbetrieb fich vermehrt, der Handbetrieb sich vermindert hat und die Arbeitslöhne fich verringert haben. Die sta tistischen Zahlen, die er dem Berichte der Fabrikinspektoren Berlins über das Jahr 1883 entnahm, bewiesen, daß die Zahl der Betriebe mit Dampffraft zugenommen hat, während die der Betriebe mit der Hand fast dieselbe geblieben ist. Der Vors tragende führte dann aus, daß das Streben der Innungsmeister, das Handwerk auf die frühere Stufe zurückzubringen, aussichtslos fei, und daß dem Standpunkt der Industrie, auf welchen dieselbe durch den Fortschritt des Maschinenwesens gekommen sei, nur die neue Drganisation der Fachvereine, wie Sie Gesellen in allen Gewerkschaften sie zu gründen angefangen haben, angemessen sei. Nur Fachvereinen mit fester Drganisation, haben, angemeffen sei. Nur Fachvereinen mit fester Organisation, nicht aber befoldeten Lohnkommissionen zu dem Zwecke, fort während Streits in Szene zu setzen, werde es gelingen, den Werth der Arbeit des Handwerkers zu erhöhen und zur Geltung zu bringen. Es wurde die folgende von Herrn Boy eingebrachte und eingehend begründete Resolution ein brachte angenommen: Die Versammlung erklärt sich stimmig Referenten mit den Ausführungen des einverstanden und glaubt, daß unter den heute bestehenden Industrieverhält nissen dem Arbeiter die Möglichkeit abgeschnitten wird, als Mensch unter Menschen zu stehen, verspricht aber auch, mit allen gesetzlichen Mitteln dahin zu streben, dies möglich zu machen." Herr Boy führte dann noch weiter aus, daß es Aufgabe der Arbeiter sei, die dem Zdeal des Volkswohls widersprechenden Extreme von Reichthum und Armuth, die dadurch hervorgebracht werden, daß bis jetzt von den neu erfundenen Maschinen nur die Kapitalisten den Nußen sich zuwenden, 11 Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in einander wieder näher zu bringen. In Bezug auf die i Berlin zur Zeit unter den Tischlern herrschende Zwietrad er fich dahin aus, fprach daß dieselbe auf beide Seiten nur durch die Personen verschuldet seis fönne. Daß Fachverein und Lohnkommission in ihm Prinzipien einander nicht widersprechen, habe ih die Erfahrung in Köln gelehrt, wo beide schon viele Jahre his durch in bestem Einvernehmen mit einander die Interessen alle Kollegen wahrnehmen. Hierauf erwiderte Herr Meißner, d Herr Boy, wenn derselbe die betreffenden Berliner Verhältni und Personen genauer fennen zu lernen Gelegenheit geha hätte, den Personen, welche, auf der Seite des Fachverein stehend, nur die Rödel'sche Lohnkommission bekämpfen, ei Schuld an der Bwietracht nicht beilegen würde. % Im Bezirksverein des werkthätigen Volkes de Schönhauser Vorstadt sprach Herr Mar Kreuz über die h vorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Redner erläuterte längerer Ausführung die Thätigkeit der von den Arbeitern wählten Stadtverordneten, kam dann auch auf die Angelegenhe des Herrn Rödel kontra Tubauer, Herold und Görcki zu sprech und ermahnte die Mitglieder, sich nicht durch einzelne sonen irre machen zu lassen, sondern mit ganzer Kraft in Agitation einzutreten und nur solche Leute zu wählen, die d Vertrauen der Arbeiter in vollem Maße befizen. An der D fuffion betheiligten sich verschiedene Redner und wurde au von diesen hauptsächsich das Verhalten des Herrn Rödel ein abfälligen Kritik unterzogen, desgleichen auch auf die Nügli keit des von den Arbeiter- Stadtverordneten eingebrachten trages betr. Gewerbeschiedsgerichte hingewiesen. Dies gab Referenten Veranlassung, in seinem Schlußworte die Anwei den zu ersuchen, dieser Institution ihre ganze Aufmerksam zuzuwenden und der in dieser Sache gewählten Kommi alles hierauf bezügliche Material zukommen zu laffen. Folge Resolution wurde einstimmig angenommen: Der Bezirfrsve des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt erklärt mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz ein standen, verpflichtet sich, mit aller Kraft für die Wahl von beiter Stadtverordnen einzutreten und die Spalt die von verschiedenen Seiten versucht wird, zu verhind Zu Verschiedenem macht der Vorigende bekannt, daß Listen zum Einzeichnen für die Petition an den Reichs betreffend das Arbeiterschutzgesetz, bei den Vorstandsmitglied abgeholt werden können und ersucht die Mitglieder, für s reiche Unterschriften Sorge tragen zu wollen. Listen kön in Empfang genommen werden an folgenden Stell E. Schmidt, Weißenburgerstraße 51 III., D. Schindler, Me straße 43 of II., W. Bensch, Weißenburgerstraße 74 e C. Münch, Schwedterstraße 35, A. Bremer( Bigarrenge von Ferdinand Ewald), Weinbergsweg 15 B, W. Rad Fürstenbergerstraße 11, F. Klinkauf, Trestowstraße 43 III. Herrn Kreuß wird noch auf eine von ihm vergelegte Befi an den Reichstag, betreffend Einführung der obligatori Feuerbestattung, hingewiesen und zum Einzeichnen aufgefor Ein Antrag, eine Herren Nachtpartie zu veranstalten, wird gelehnt, dagegen beschlossen, ein gemüthliches Beisammen mit Familie in Meister's Lokal, Schönhauser Allee 161, Sonntag, den 12. Juli, Nachmittags, zu veranstalten. Vorsitzende machte die Anwesenden darauf aufmerksam, streifenden Maurer nicht zu vergeffen und die Listen zum zeichnen freiwilliger Beiträge zu benußen. Nach Erledig des Fragekastens schloß der Vorsitzende die Versammlung der Bekanntmachung, daß die nächste Versammlung am d. M. in demselben Lokale stattfindet. Der Verein zur Wahrung der materiellen Intere der Drechsler und Berufsgenossen verhandelte in der Montag, den 6. Juli, abgehaltenen Versammlung über: Gründung einer Vereinigung sämmtlicher Drechsler und rufsgenossen Berlins. Nach längerer Diskussion wurde schloffen, durch die Vereinigung der beiden hier bestehen Vereine die große allgemeine Drganisation sämmtlicher Dred und verwandten Berufsgenossen Berlins zu schaffen und unter dem Namen: Fachverein sämmtlicher im Drechsle Alles weiter werk beschäftigten Brrufsgenossen Berlins". dieser Sache wurde auf Antrag einer in vierzehn Tagen ei berufenden außerordentlichen Generalversammlung überla Sodann machte der Schriftführer die Mittheilung, daß Franz Rohleders Bureau in München an den Verein das Material über suchen gerichtet ist, ſtatiſtiſches Sonntagsarbeit im Drechslergewerk zu Berlin zu meln und in kürzester Zeit an das genannte Bu zu übersenden. Nachdem Redner eine kurze Erläuterung dieser Angelegenheit gegeben, forderte derselbe die Anwefen auf, nun auch ihrerseits bei der Aufnahme dieser Sta thätig zu sein, um wenn möglich schon zur nächsten Versa lung ein großes, übersichtliches Material zusammen zu ha resp. zur Kenntniß bringen zu fönnen! Wir richten bien an alle Drechsler und verwandten Berufsgenoffen Berlins Anbetracht deffen, daß eine Statistik über die Sonntagsa in unserem Gewerbe den besten Beweis erbringen würde die Nothwendigkeit der Sonntagsruhe gerade bei den Drech Berlins und deren traurige Lohnverhältnisse, das bring Ersuchen, den Verein bei der Aufnahme dieser Statisti unterstüßen und zwar nach folgendem Schema: 1. Wird S tags gearbeitet? a) ausnahmsweise? b) regelmäßig? 2. viel Stunden Sonntagsarbeit sind bei regelmäßiger Sonnt arbeit üblich? 3. Wie viel Sonntagsarbeitsstunden erg fich im Ganzen für ein Jahr? Das gesammelte Mat bitten wir an unsere Arbeitsnachweise Büreaus zu senden; selben befinden sich bei den Mitgliedern: A. Gromoll, Mol martt 7 und R. Sündermann, Gitschinerstr. 61, I. V GH Ur. A Rinde jedes und That Schul lein a wirth Erwac fündig außers that theilho fo ver ftimmt fein ta श Neigu Geficht schlimm der Fe Eltern Arbeit verein oder e Herrn beschw fleinen vielfach bei der Bu Garan Schieder muß. Kinder D besche gefaßte Die W beantw tum ge mehr, achtet über G tritt do Guten noch ü tüchtig weisen. ließe fi die L deutsche erfolgre wenn a der S Die öffe Allein, fich gen Komitee tung an frische c mit an ihnen a Lebens nicht be faft fag Die jer rechtigte und de Armuth würde, sprächen 9331 Beziehu Bi tigsten institute Welche Di die Tar Die Vereinigung deutscher Metallarbeiter, Mita schaft Berlin I, hielt am Dienstag Abend im Wedding eine Mitglieder Versammlung ab, in welcher Herr Red walt Freudenthal einen lehrreichen, mit vielem Beifall nommenen Vortrag über Rechtsschutz in gewerblichen tigkeiten" hielt. Redner bedauerte, daß bei gewerblichen hatte e tigteiten zwischen Arbeitern und ÜUnternehmern jede Recht fehle; die verschiedenen Entscheidungen, namentlich auf Gewerbegericht, wären ein beredtes Beispiel davon. G zeichnete das Verfahren, durch welches Arbeiter mittelst pol lichen Zwanges zum Fertigstellen der Arbeit angehalten word find, als ungefeßlich, da die§§ 73 und 74 des allgeme Landrechts wohl bei solchen Arbeiten Anwendung finden ten, die nur durch eine bestimmte Person zu verrichten mög seien, und das treffe bei Arbeitern und Handwerkern nicht Der Vortragende ermahnte die Anwesenden, bei etwaigen laffungen nicht zu viel zu reden, da dadurch sehr oft Rechtsstreit zu Ungunsten des Arbeiters entschieden worden Gründe für sofortige Entlassung sind, wenn nichts An verabredet worden ist, Untreue, grobe Ehrverlegung und rechtigtes Verlassen der Arbeit." Die Zusammensetzung Gewerbegerichts sei durchaus nicht den Bedürfnissen sprechend, und empfahl Referent, die Gewerbeschiedsge wie solche in Süddeutschland beständen, auch bei uns c führen; dieselben müßten, nach seiner Ansicht, zur Hälfte Arbeitern und Unternehmern unter Vorsig eines Richters giren, dann würde den vielen Klagen der Arbeiter über schiedenartige Entscheidungen sehr bald abgeholfen sein. mentlich sei es nothwendig, eine gesegliche Kontrole be von Prinzipalen den Arbeitern abgezogenen Strafgelder führen. Die vielen eingelaufenen Fragen waren ein dafür, wie sehr diese Rechtsbelehrung den Mitglieder statten lam. ein Be Auf Grund des Sozialistengesetzes polizeilich ver wurde die Voltsversammlung für die Friedrichstadt, welche Abend des 9. d. M. in Gratweils Bierhallen stattfinden in der Buchbinder Michelsen über das Arbeiterschußgesc bie Sonntagsruhe der Arbeiter referiren sollte. Berlin SW., Beuthstraße 2, Hierzu eine Beila Lolo h Stube derselbe und da Es traurig die Bru Mufflu gegen. Umfonf beim B trug de Du mit bie Hän melte ut Ar Fieber, ches thu Lolo lie Dich ve an eine # Beilage zum Berliner Volksblatt. Kr. 159. Sonnabend, de« 11. Juli 1885. II. Jahrg. Ferien Kolonien. Wer würde die Idee nicht mit Freuden begrüßen, die Ainder der Armen in den Städten und Jndustricgcgendm jedes Jahr im Sommer in's Freie zu schicken und sie Land- und Berglust genießen zu lassen. Es ist gewiß eine schöne That, wenn die Privatwohlthätigkcit, die doch meist auf den Schultern der Bemittelten ruht und ruhen muß, an den Kind- lein auch nur ein wenig wieder gut macht, was die Privat- wirthschast, die Privatproduktion und Privatspekulation an den Erwachsenen, und damit indirest auch an eben diesen Kindern, sündigt. Aber wie gelangt diese Privatwohlthätigkeit zum Ausdruck? ,„ So unendlich primitiv, so winzig und klein, daß nur ein äußerst geringer Bruchtheil der ärmeren Schulkinder der Wohl- *hat, einige Wochen in Waldesfrische aufathmen zu können, theuhastig wird. Bei der Auswahl der Ferienkinder aber walten fo verschiedene und eigenthümliche Motive, daß von einem be- summten, auf Gerechtigkeit bafirten System gar nicht die Rede sem kann. Augenblickliche Stimmungen des auswählenden Komites, Neigungen der Lehrer zu den Kindern, ein blasses, hübsches hen. ein sogenanntes treuherziges Auge und, was viel schlimmer ist, daS„Betragen der Eltern" geben bei der Wahl der Ferienkmder vielfach den Ausschlag. Das„Betragen der Eltern" wird mancher fragend ausrufen? Gewiß! Irgend ein Arbeiter hat einmal mitgestrcikt oder er gehört gar einem Fach- verein an, hat am Ende wohl noch sozialdemokratisch gewählt, oder eine Arbeiterfrau ist nicht genügend höflich gegen den Herrn Lehrer gewesen, hat sich am Ende gar über denselben beschwert wegen einer ungerechten Züchtigung, die derselbe dem kleinen Töchierchen hat angedeihen lassen— das find dann vielfach Gründe, weshalb die Kinder solcher„bösartiger" Eltem bei der Auswahl nicht berücksichtigt werden. Zunächst also giebt uns die Privatwohlthätigkeit gar keine Garantien bei der Auswahl, dann aber auch ist es ein ent- schiedenes Unrecht, daß eine Auswahl überhaupt stattfinden muß. Eine solche Wohsthat müßte von Rechtswegen allen Kindern zu Gute kommen. Darüber äußert sich ein konservatives Blatt allerdings recht „bescheiden", doch im Allgemeinen wohl zutreffend: „Eine noch nicht öffentlich erörterte,?a, kaum ins Auge ßie, aber doch sehr wichtige Frage ist die, wie weit man Die Wohlthat der Ferienkolonie ausdehnen soll. Im Anfang beantwortet sie sich natürlich nach dem Maße der vom Publi- kum gewährten Mittel von selbst. Aber wenn, je länger desto mehr, die Unternehmer als öffentliche Vertrauensmänner ge- achtet und dadurch thatsächlich mehr oder minder schrankenlos über Geld zu verfügen in den Stand gesetzt werden, dann tritt doch ihre eigene Vorstellung von dem Nothwendigen und Guten in den Vordergrund. Heute hört man in ihren Kreisen noch überwiegend den Gedanken heraus: Lieber Wenigen tüchtig vorwärts helfen, als Vielen einen geringen Dienst er- weisen. Vom Stande der sozialen Gleichberechtigung indessen ließe sich auch allenfalls das Umgekehrte fordern. Es mag für die Leiter von Ferienkolonieen selbst, als gründliche deutsche Männer, die sie sind, befriedigender sein, recht erfolgreiche Leistungen aufweisen zu können an einer, wenn auch kleinen Schaar: und anfänglich mag dies auch der Sache nach schlechthin nothwendig gewesen sein, um die öffentliche Meinung erst für die ganze Sache zu erwärmen. Allein, wenn es daraus nickt mehr ankommt und das Publikum sich gewöhnt hat, gewisse Männer, ein bestimmtes ständiges Komitee als Träger dieser ihm an's Hei? gewachsenen Einrrch- tung anzusehen, ändert sich das Verhältniß. Alle der Sommer- frische auf fremde Kosten bedürftigen Schulkinder tteten nun mrt an sich gleichen Ansprüchen auf, und nach Möglichkeit muß ihnen allen diese Bürgschaft eines gesunden, guten, glücklichen Lebens verschafft werden, nicht einzelnen Lieblingen nur, auch nicht den rn der Schule bestbewährten, denn diese, möchte man fast sagen, können füglich noch eher sich selbst überlaffen bleiben. Die jeweils ttchttge Gleichung herzustellen zwischen dem be- rechtigten Streben nach wirklichem der Mühe werthen Erfolg und der Gerechtigkeit gegen alle glcichbcdürftigen Kinder der Armuth:st eme emste Aufgabe, deren Lösung gewiß gewinnen würde, wenn dre Erfahrenen sie einmal öffentlich eingehend be- sprächen.". r Wir sehen, das konservative Blatt ttifst hier in mancher Beziehung den Nagel aus den Kopf, doch geht es in dem wich- ttgsten Punkte einen völligen Irrweg. Bis jetzt sind nämlich sämmtliche Privatwohlthättgkeits- institute mehr oder weniger von der Mode abhängig gewesen. Welche großen Erfolge hatten z. B. im Anbeginn ihres Bestehens Mufft«. Nach dem Englischen. II. Die Geschwister schritten einsilbig nach der Gasse, wo die Tante wohnte. Die Frau war Spitzenwäscherin; sie hatte einen Gang vor das römische Thor zu machen und Lolo hatte inzwischen ihre Wohnung zu bewachen. Die Stube war dunkel und eng, man konnte nicht spielen in derselben und hörte nichts als das Gebimmel der Glocken und das Rufen der Limonadeverkäufer. Es war spät, als Lolo zu Hause eintraf. Er stampfte traurig die Treppe hinauf, eine dunkle Ahnung preßte ihm dre Brust zusammen. „Musslu! Mufflu!" Kein freudiges Gebell. Wo war Mufflu? Sonst flog ihm der Pudel beim ersten Ruf ent- gegen.„Mufflu! Mufflu! Mufflu!" schrie er immer lauter. umsonst. „Mutter, wo ist Mufflu?" fragte er fast wirren Blickes beim Betteten der Stube. Die Mutter stockte, ihr Gesicht trug den Stempel der Unruhe.„Mutter, was— was hast Du mit Mufflu gethan?" „Verkauft," lautete die kurze Antwort. „Für tausend Franks," rief die kleine Dina. „Verkauft!" stammelte Lolo. Er entfärbte sich, schlug die Hände über'm Kopfe zusammen, rang nach Athem, tau- melte und fiel ohnmächtig nieder. Als Carlo erschien, fand er den Bruder in völligem Fieber, laut jammernd.„O Mutter, wie konntest Du Sol- ches thun!" sagte er tiefbewegt.„Armer Mufflu... und Lolo liebte ihn so sehr!" „Er verhalf uns zu dem Gelde, das ich brauche, um Dich vom Milstärdienst loszukaufen. Was liegt auch soviel an einem Pudel, wir können einen andern kaufen." „Du hast im Grunde Recht," versetzte Carlo, den schließ- die„Vereine gegen Armuth und Bettelei", die jetzt so tief gesunken sind, daß man ihrer längst vergessen hätte, sähe man nicht die zahlreichen Hausschilder gegen Armuth und Bettelet, die aber jetzt lediglich gegen die Bettler genchtet find. So wird es auch der Piivatwohlthätigkeit in Bezug auf die Ferienkolonien ergehen. Dieselben sind jetzt Modesache ge- worden und sie werden wie die gegenwärtigen Kleidermoden wieder verschwinden. Die Hoffnung des konservativen Per- faffers, daß die Zett kommen müsse, wo den Leitern dieser Kolonien mehr oder minder unbeschränkte Geldmittel zur Ver- sügung ständen, wird deshalb immer eine Hoffnung bleiben. Wenn solchen Anstalten wenigstens ein großer Fonds zur Verfügung stünde, an den sich die Sammlungen anlehnen könnten! Wenn die gesammte Bismarckspende— 2 700 000 M. — als Grundfonds zur Errichtung von Ferienkolonien für arme Schulkinder besttmmt worden wäre!— doch,„es war' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein!" Ja, wenn die vielen„Wenns" nicht wären, denen natür- lich auch immer die unangenehmen„Abers" folgen.--- Diese„Abers" aber vei derben uns schier den ganzen Ge- schmack an der so ungemein schönen Idee der Ferienkolonien für arme Schullinder. Auch hier, wie bei vielen anderen Dingen, kann nur der Staat helfen, oder die durch den Staat wirksam unterstützte Gemeinde. Der Staat hat Geld zu vielen anderen, wenig nützlichen Zwecken, der Staat hat die Macht, gute Organisationen zu schaffen, der Staat aber hat auch schon um der„ausgleichenden Ge- rechtigkeit" willen die Pflicht, in solchem Falle seiner hohen Aufgabe sich bewußt zu fühlen und im Interesse der Gemein- samkeit einzugreifen. Auch hier, wie in vielen anderen Dingen, kommt es nur auf das Pflichtgefühl des Staates an, ob er gewillt ist, die so überaus mangelhafte Privatwohlthätigkeit abzulösen und eine schöne Idee zur Durchführung zu bringen. Lokales. er. Die jetzige Lohnkommission der Berliner Tischler hat vorläufig einen Bundesgenossen und Protektor gefunden. Vielleicht hat sie diese plötzliche Hilfe gar nicht einmal da ge- sucht, wo sie dieselbe überraschender Weise gefunden hat, wenn aber irgend etwas geeignet ist, in Arbeiterkreisen Miß- trauen zu erwecken, so ist es ver erbetene oder unerbetene Bei- stand einer Zeitung wie des„Berliner Tageblatt", welche an offener und versteckter Arbeiterseindlichkeit, an fanatischer De- nunziationssucht alle anderen Preßerzeugnisse tief in den Schatten stellt. In seiner gestrigen Abendausgabe bricht das Blatt ganz offen eine Lanze für oie Rödel'schen Tendenzen und Theorien, und die Unkenntniß der einschlägigen Verhältnisse» welche hierbei entwickelt wird, kommt höchstens noch der Auf- dringlichkeit gleich, mit der man hier eine im Grunde genommen unbedeutende Sache für eigene Zwecke auszubeuten versucht. Nachdem man in dem„Die schwankende Volksgunst" über- schriebenen Artikel einige Quartaner-Weisheit, die wahrschein- lich dem seligen Cornelius Nepas entnommen ist, vom Stapel gelassen hat, wärmt man die von Blättern aller Partei- schattirungen wirklich bis zum Ekel abgedroschene Materie wieder auf, daß einzelne Leute, die in der Arbeiterbewegung heworraaend thätig gewesen sind, sich durch die Macht der Verhältnisse schließlich nach anderen Stellungen und Beschäf- tigungen haben umsehen müssen, und es ist wahrhaftig kein Zeichen anständiger Gesinnung, daß man immer und immer wieder auf diesen erklärlichen und durch die Umstände geböte- nen Punkt hinweist. Vielleicht erinnert sich das„Berl.'Tage- blatt" der letzten Kommunal- Wahlen, wo die gesammte Ber- liner Presse in unermüdlicher Weise den Arbeitern einzureden bestrebt war, daß es thöricht wäre, einen Mann aus ihrer Mitte zu wählen, da derselbe doch niemals die Zeit haben würde, an den Stadtverordneten- Versammlungen Theil zu nehmen, sich an den übrigen Arbeiten zu betheiligen, um so die Interessen seiner Wähler in wirksamer Weise wahrzuneh- men. Man kann es ja nicht wissen, vielleicht ist aber heute die einigermaßen gesicherte Stellung dieser Männer manchen Fortschrittsheloen ein Dom im Auge, und in diesem Falle allerdings kann gamicht laut genug dattiber gezetert werden, daß in Berlin auch Leute geduldet werden und ihren Lebensunterhalt finden, die nicht zur Gefolg- schaft des„Berliner Tageblatt" gehören. Aus den ganzen einleitenden Ausfühmngen interesstrt eigentlich nur folgender Passus, der bei unseren Lesem gewiß Belustigung hervormfen wird.„Eine Anzahl Männer, so schreibt das„Berliner Tage- blatt", die von der Arbeiterbcvölkemng vor kaum Jahresfrist lich doch das Bewußtsein, freigekauft zu sein, mit so über- mächtiger Freude erfüllte, daß er wie trunken von seinem Glücke war und der Mutter nicht zu zümen vermochte. „Herr Gott, tausend Franks!" rief er einmal über's andere. „Wer hätte das gedacht, daß man so viel für einen Pudel kriegte! Dafür hätte der fremde Herr ja die Kirche sammt dem Tabemakel bekommen." „Narren und Geld," murmelte die Mutter verächtlich, „scheiden leicht von einander." Während Lolo und Mufflu im Garten lagen, wo Carlo arbeitete, war der Engländer gekommen, um den Hund zu erwerben, nach dem sein kranker Knabe ungestüm verlangte. Nun hätte die Frau daS Ansinnen zu jeder andem Zeit zurückgewiesen; jetzt aber dachte sie nur an die tausend Franks, mit welchen Carlo loszukaufen war. Bei den ersten Worten des reichen Fremden durchzuckte sie eine wilde Freude. Als listige Tochter des Volkes ließ sie nichts davon merken, im Gegentheil that sie, als hätte sie keine Lust, das ge- scheidte Thier zu verkaufen, für welches ihr, wie sie andeutete, von einem Zirkusdirektor bereits eine hohe Summe angeboten worden war� unter tausend Franks sei kein Handel möglich. Der Herr gmg so willig darauf ein, daß sie recht bedauerte, nicht mehr gefordert zu haben, und er wies sie alsdann an, ihm Nachmittags den Pudel zu schicken und das Geld in Em- pfang zu nehmen. So schickte sie denn unter verschiedenen Vorwänden ihre Kinder weg und ttug Mufflu nach dem Gasthofe. Sie traute ihren Augen nicht, als sie das Geld bekam; sie kritzelte hastig ihren Namen, Rosa Calabucci, auf den Empfangschein und eilte die Treppe hinunter. Sie hörte auf der untersten Stufe noch das Wehklagen Mufflu's. Ihr war nicht wohl zu Muthe.„Es ist mir, als hätte ich einen Christenmenschen verschachert," sagte sie zu sich selbst. Und doch, welch Glück, daß sie nun ihren Aeltesten, mit Begeiftemna auf den Schild erhoben wurden, find bei einem großen Theil eben dieser Arbeiterbevölkerung plötzlich m Ungnaoe gefallen, und aus ihren schier unabsehbaren Anhänger- schaaren find im Handumdrehen ebensoviele Gegner geworden." Woher diese Weisheit stammt, ist uns unerfindlich, auK praktischer Anschauung kann sie unmöglich entstanden sein, oder man müßte gerade die bekannte Vcrgrößerunas drille getragen haben, der man sich in der Jerusalemer Straße so häufig be- dient. Wir können dem gegenüber nur konstatiren, daß beispielsweise die„große öffentliche Tischler-Versammlung", die am vergangenen Montag von Herrn Rödel nach dem Lokal von Rothacker, Belle-Alliancesttaße 5, berufen war, einschließlich der Polizeibeamten von wohlgezählten 56 Personen bei Eröffnung der Verhandlungen besucht war.„Unabsehbar" dürften daher wohl schwerlich die Änhängerschaaren des Herrn Rödel sein, und man kann hieraus auch einen Schluß auf die Anzahl der Gegner der Albeiter- Vertreter ziehen. Solche Flunkereien iniponiren keineswegs. Dann kommt das„BerlinerTageblatt" auf den wirklich neuen Einfall, daß der Fachverein der Tischler auf die Erfolge des Herrn Rödel neidisch geworden wäre, und nebenbei wird die Organisatton, welche Herr Rödel geschaffen hat, als ein wahres Muster von Klugheit und diplomatischer Voraussicht hingestellt. Diese unnatürlichen Schmeicheleien er» halten dadurch einen ganz eigenartigen Werth, daß das „Berliner Tageblatt" hier einen Mann gewissermaßen ver- hätschelt, der am liebsten den Stteik in Permanenz erklärte, während es auf der anderen Seite nicht müde wird, die strei- kendcn Maurer als verbrecherische Rebellen bei jeder Gelegenheit zu denunziren! Wenn man freilich im Trüben fischen kann, so kommt es auf ein so zweideutiges Verhalten garnicht an, unter Umständen ist der profesfionsmäßige Streikende sogar ein „gemäßigter Arbeiterparteiler"! Dem„Berliner Tageblatt" bleibt dieser„Kampf" in den Arbeiterkreisen interessant, unS ist die chamäleonartige Geschmeidigkeit einer Zeitung inter- essanter, die von sich selbst behauptet, die gelesenste Zeituna Deutschlands zu sein. Es will uns scheinen, als ob das„Berk. Tagebl." gamicht weiß, um was es sich eigentlich in dem vor- liegenden Fall handelt. Klassisch ist übrigens auch die Entdeckung welche das Blatt macht, indem es behauptet, an Herm Rödel sei von Leitern des Fachvereins das Ansinnen gestellt, die Werkstätten-Organisation aufzulösen. Das ist einfach unwahr, es ist überhaupt Niemandem eingefallen, gegen die Kommission als solche vorzugehen, man weist nur die Agitation der äugen- blicklichen Kommission gegen den Fachverein zurück. Wie die Sache eigentlich enden wird, möchte das„Verl. Tgbl." gern wissen. Wir fühlen kein Bedürfniß, hierüber jetzt schon unsere Meinung abzugeben, die Partei der notorischen Doppelzüngig- keit soll aber jedenfalls keinen Vortheil bei den demnächsti'gen Kommunalwahlen aus der Affaire ziehen. Viel interessanter als das Ende des Streites ist die Entstehungsgeschichte deffelben- Schon lange bevor die Ocffentlichkeit etwas von den schweben- den Differenzen erfuhr, erschienen in der gegnerischen Preffe gehässige Artikel, welche die Fachvereine als sozialdemokratische vinstellten und als deren intellektueller Urheber allgemein Herr Rödel bezeichnet wurde. Als die Herren Mitan und Herold den Herrn Rödel aufforderten, diese Artikel zu widerrufen, lehnte er dieses Ansinnen mit der Bemerkung ab:„Wie käme ich denn dazu!" Herr Rödel wurde darauf aufmerksam gemacht, daß, selbst wenn die bewußten Zeitungen die Aufnahme einer diesbezüglichen Erklärung ablehnen sollten, ihm jeder Zeit die Gelegenheit geboten sei, sich im„Berliner Volksblatt" von dem Verdacht zu reinigen; trotzdem hielt er es nicht für nöthig, irgendwie zu dieser wichtigen Frage Stellung zu nehmen. Wahrscheinlich trägt ihm dieses Verhalten die Gunst des „Berliner Tageblatt" und Genossen ein, bei der Berliner Ar- beiterschaft hat es ihn unmöglich gemacht. * ar. Mit der Mittheitung über einen Vorfall aus dem Physiologischen Institut ist einer unserer Berichterstatter in un- verantwortlicher Weise mystifizirt worden. Der unglaubwürdige Gewährsmann, welcher pro poeva genannt zu weroen verdient, ist der Btud. rnath. Emil Stephan, Alte Jakobstt. 13. Derselbe erklärte auf Verlangen, für die Wahrheit seiner Angaben ein- stehen zu wollen. Unser Berichterstatter bedauert, dem Studenten mehr Glauben geschenkt zu haben, als er verdient. Zu dem Artikel„Einen treffenden Blick in die Lohnfrage" m der vorgestrigen Nummer wird uns noch etwas Mltgethcilt, was einen noch treffenderen Blick in die Lohn- vertältniffe der Berliner Frauenarbeit wirft. Nicht nur 80 Pf. giebt es für einen Anzug, sondem 50 Pfg. werden gezahlt für große und kleine Knabenanzüge, wofür die Arbeiterin den An- m auch noch zu bügeln hat. Diesen Lohn bezahlt z. B. die >rma Moral, Jerusalemerstraße 48; femer zahlt Stern in der S ihren Carlo behielt; sie weinte und lachte auf dem Heim« wege so laut, daß die Vorübergehenden sie für eine Irr« sinnige hielten... Lolo aber hatte seinen Frohsinn gänzlich eingebüßt. Traurig lag er auf seinem Lager; manchmal erfaßte ihn eine wilde Phantasie und dann sprang er einmal über's an« dere auf und flehte, mit Mufflu gehen zu dürfen. Man hatte dann alle Mühe, ihn festzuhalten und zu beruhigen. „Mufflu! Mufflu!" stöhnte er unablässig. Schließlich brach ein heftiges Fieber aus, der Arzt schüttelte den Kopf und äußerte Besorgnisse. Mutter und Carlo durften dem Bette sich nicht nahen, ihr Anblick erbitterte den Patienten.„Deinetwegen wurde Mufflu verkauft," sagte er zu Carlo, ballte die Hände und knirschte mit den Zähnen. Carlo war das schmerzlich, un- erttäglich, und als sich diese Anfälle bei dem Bruder wiederholten, ging er nach dem Hotel, um den Mylord zu bitten, ihm Mufflu auf ein halbes Stündchen zu überlaffen, damit er ihn zu dem kranken Lolo bringe und diesen vielleicht be» ruhige. Allein im Hotel erfuhr er, der reiche Eng- länder sei abgereist, nach Rom, Neapel und Gott weiß wo» hin noch. „Und Mufflu mit?" „Der Pudel? Natürlich," erwiderte d« Portier.„DaS abscheuliche Vieh hat den ganzen Tag geheult und gewinselt und die Salonthüre gänzlich zerkratzt." Carlo war nun erst recht bettübt.„Ach was," suchte ihn daheim die Mutter zu ttösten,„ein Hund ist ein Hund. In wenigen Wochen hat er uns vergessen bei dem feinen Futter, das man ihm dort reicht." Aber Carlo wußte wohl, daß Mufflu den Lolo und Lolo seinen Mufflu nicht ver» gessen werde. Der Arzt kam täglich zweimal, verordnete EiSumschläge und Lolo lag jetzt zumeist ganz apathisch und regungSlo» Beuthstraße 60 Pfg., wofür die Arbeiterin außer Bügeln noch Hosenknöpfe zugeben muß. Solche Preise find gang und gäbe in dieser Branche und selten beträgt der Lohn mehr als wie oben angegeben; an vielen Stellen muß die Arbeiterin das Futter selber zuschneiden, dazu Garn, Nadeln, Nähmaschine abzahlen, Kohlen zum Bügeln, das Bügeleisen und Zwirn zum was bleibt da übrig?! Knöpfe annähen kaufen 11 denen Entsprechend der Klavierseuche hat sich auch eine Malseuche in Berlin entwickelt. Zur Zeit graffirt dieselbe in hochgradigster Weise. Hunderte von jungen Damen find von ihr befallen. Wo man hinkommt, in Museen, Ateliers und Familienkreisen, schwingen sie mit Wuth den Pinsel. Schade um die schönen Farben und die Leinewand! Denn was gemalt wird, ist gewöhnlich nicht gehauen und gestochen. Mit sechszehn Jahren gehts schon los und mit achtzehn Jahren ist Rosa eine vollendete Künstlerin, deren Werke in breiten Goldrahmen, die leider werthvoller als das Bild find, das Zimmer von Papa und Mama, schmücken"." Gott, was für Anlagen das Kind hat!" ruft die Mama fie wird noch eine zweite Angelita Kauffmann!" Und Gott ist das Mädchen ein Genie!" ruft der Papa. Rosa aber geht stolz von hinnen zum Atelier, Diese Ateliers, in um weiter zu fleren. junge Damen in die Geheimnisse der Kunst eingeführt geworden. werden, find eine Spezialität Berlins In Lester Zeit sind sie wie Pilze nach warmem Regen emporgeschoffen. Ihr Besizer ist irgend ein unternehmungsluftiger Mafer, der, wie die Magdeb. 3tg." bemerkt, seine Zeit begriffen hat. Wir könnten ein Dußend solcher Herren aufzählen, welche diesen Unterricht ganz gewerbsmäßig betreiben und von denen jeder mindestens zwanzig Schülerinnen befizt. Einer derselben, ein bekannter Professor von besonders realistischer Färbung, unterrichtet sogar 50 bis 60 und sein Atelier gleicht einem Bienenforbe, in dem aber die Bienen leider keinen Honig, sondern Kunstwerke produziren, von deren jedem man mit dem Dichter wünschen möchte: O, wärst du nie geboren!" Das Durch chnittshonorar beträgt monatlich 60 Met., außer der Vergütung für das Modell. Man betrachtet also diesen Unterricht unter sehr geschäftsmäßigem Gesichtspunkte und kalkulirt: 60 X 60 find 3600 Mt. im Monat, macht im Jahr 36 000 Mt. alio ein anständiges Sümmchen, von dem fich brillant leben läßt. Und warum sollte man nicht aufs Geld sehen? leidet darunter nicht Die Kunst Tizian trieb fogar Holzhandel und war dazu ein Filz und blieb doch der göttliche Tizian. Ja, wenn die Herren nur alle Tizians mit Sem göttlichen Funken wären. Das sind sie eben nicht, und während bei dem Venezianer die Großartigkeit und Schönheit seiner koloristischen Leistungen alle seine menschlichen Schwächen überstrahlte, sieht man bei diesen nur die lettere und merkt ihr Bestreben, die Kunst als melfende Kuh zu benußen. Was die jungen Damen in diesen Ateliers lernen, ist nicht viel, was ihnen aber gründlich beigebracht wird, ist ein freier genialer" Umgangston, ein bedauerliches Ueberschreiten gewiffer Schranken, die Studien nach dem um es zart anzudeuten lebenden Modell absolut zwingen, und endlich ein Selbstbewußtsein und eine Selbstständigkeit im Kunsturtheil, die geradezu verblüffend ist. Man spricht über Rafael und Michel Angelo, als hätte man mit Beiden auf Dußfuß gestanden. Und -im Vertrauen gesagt wird find doch weiter wie der Urbinate und Florentiner, fie werden furchtbar überschäßt Profeffor X. hat es jüngst beim Souper auch gesagt." Wir zitiren wörtlich und fügen zur Ergänzung hinzu, daß Profeffor X. ein vielgenannter Künstler ist, der besonders Hauptund Staatsaktionen malt und vor einiger Zeit der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß sein Name und seine Werke die Zeiten überdauern werden. Nur die Lumpen sind bescheiden. Der Niederschlag von solchem Gebahren der jungen Damen find Publikationen, wie solche von G. Ribbach eine mit der größten Unverfrorenheit verfaßte Kunstgeschichte auf ca. 1000 Seiten, die zur Genüge beweist, daß die Verfasserin kaum über die Grenzen von Moabit hinausgekommen ist. Kurz, ein Künstlerproletariat der unangenehmsten Art wird groß gezogen. Wenn die Töchter reicher Familien ihrer Passion zum Malen fröhnen, so haben wir nichts dagegen, besonders wenn sie mit ihren Leistungen im Kreise der Shrigen bleiben. Anders aber, wenn sie mit ihren mittelmäßigen Kunstprodukten vor die Oeffentlichkeit treten. In diesem Falle hat, unserer Ansicht nach, die Kritik die Pflicht, alle Galanterie bei Seite zu laffen und nach dem wirklichen Werthe der Leistung streng zu urtheilen. Anders auch, wenn gering bemittelte Damen die Malerei oder Plastik zum Lebensberufe wählen, in der Hoffnung, fich eine selbstständige Eristenz zu gründen. Das flingt so verlockend- Malerin! Und wie traurig ist nachher das Loos! Man hätte vielleicht im Musterzeichnen oder auf anderen Gebieten des ornamens talen Zeichnens etwas Ansprechendes geleistet, aber man will höher hinaus: Kunstgewerbeschule und Kunstschule genügen nicht mehr, man legt die letzten Mittel an, um das Atelier eines anerkannten Künstlers zu besuchen und meint nun, den Himmel der Glückseligkeit erreicht zu haben. Ach, wie bald schwinden die Illufionen! Da kommen drei oder vier Ausstellungen und jedes Bild wird zurüdgewiesen. Endlich ergreift die Kommission ein menschliches Rühren und zum fünften Male wird es halb aus Mitleid, halb aus Galanterie aufgenommen. Aber unbeachtet und höchstens mit spöttischen Bemerkungen bedacht hängt das Bild da. Deffentliche Anerkennung in Gestalt einer Medaille das wäre ein reines Wunder, denn noch nie hat, so weit wir zurückdenken, eine Künstlerin in Deutschland eine Medaille erhalten. Vielleicht wird das Bild zu dem da; seine Brust arbeitete schwer und manchmal hörte man ein stilles Weinen. Mutter," sagte endlich Carlo, es war doch nicht recht, dem Schicksal ins Handwerk zu pfuschen; ich zog meine Nummer und hätte gehen sollen. Der Himmel würde doch geholfen haben." " Die Madonna schickte mir jenen Fremden, um meine Dual zu lindern," sprach die Mutter erregt. Ein Hund, der nur immer Staub und Schmut hereinschleppt und der so viel aß wie Du und ich ist denn der Verlust so zu beklagen?" Aber Lolo?" murmelte der Aeltefte. ,, olo war stets ein kleiner Taugenichts, ich habe ihn verzogen H Schon blühten die Herbstzeitlosen und die Bäume zogen ihr buntes Kleid an. Carlo war immer derfelbe fleißige Junge, aber nur selten sah man ihn heiter, denn Lolo war noch immer frank. Niemand soll dem Herrgott vorgreifen," dachte er oftmals und erinnerte sich hiebei seines Großvaters, der im Irrenhause endete, weil er vor lauter Suchen nach guten Lotterienummern und Studiren der Traumbücher statt ein reicher Mann verrückt geworverrückt geworden war. Freilich, es war eine Wonne, frei zu sein und bei den Seinen zu bleiben. Vielleicht gab es mit der Zeir eine Lohnerhöhung und dann konnte er die hübsche, flachshaarige zu billigem Preise verkauft die Schöpfung zahlreicher Monate und ernsten Fleißes- und das ist noch ein mahrer Glüdsfall; in der Regel kehrt es zur Ausstellerin zurück und erinnert fie hinfort an das erste mißlungene Debüt. Nun erst tommt vielleicht die Erkenntniß, daß die soziale Stellung der Frau dei der ungehinderten Ausübung des Künstlerberufes ein wesentliches daß auch wesentliches Hindernis bildet, daß die weibliche Psyche in Bezug auf geniale Kombinationen und Großartigkeit der Schöpfungen nicht mit jener des Mannes rivalijiren kann, daß man zum liebevollen Ausführen des Kleinen und Unbedeutenden, wie die Phrase lautet, ewig verdonnert ist. Glücklich, wer zu dieser Selbsterkenntniß gelangt! Die Meisten sehen auch das nicht ein, sondern werden verbittert und verbiffen. Was in Zukunft gemalt wird, find 100 Markbilder oder Kopien, denn man will ja leben. Traurige Eriftenz! In einer Großstadt wie Berlin lernt man fie fennen: das ist im Innern ein stilles Tragen und Dulden ohne erheiternden Lichtblick und nach Außen eine Maske von Zufriedenheit und Selbstgefälligkeit. Der Kunst soll sich eben nur Derjenige zuwenden, der den echten, wahren Funken in fich erglühen fühlt, der sie als eine reine, hehre Göttin betrachtet, mit der man feinen Schacher treiben soll, nicht aber Derjenige, der sie in erster Linie als Mittel für eine gesicherte Existenz betrachtet. Aber wie sagt doch Geheimrath Schulze? Ich laffe meine Tochter malen lernen denn man weiß nicht, wozu fie es später im Leben noch mal nöthig hat." Nette Kunst das! r. Verträgt sich Obst und Bier? Das ist gegenwärtig die große Magenfrage der Saison. Während der Eine von solchem gemischten Genusse mindestens die Cholera bes fürchtet, weist ein Anderer darauf hin, daß die beiden Nahrungsmittel so vielfach homogene Bestandtheile enthalten, daß deren Vermischung für die Verdauung nicht schädlich sein können und ist zum Beweise für die Richtigkeit dieser Ansicht einen Liter Kirschen und trinkt dazu oder darnach so und so viele Gläser Bier. Diese Frage ist nun aber mehr eine praf tische Arztfrage, als eine sogenannte Doktorfrage. Dem befannten Grobschmiedegesellen half eine tüchtige Portion Erbsen, Sauerkraut und Bökelfleisch vom hißigen Fieber, der Schueidergeselle ging an dieser Arznei zu Grunde. Aehnlich gehts mit Obst und Bier. Ein kräftiger, robuster und ans Biertrinken gewöhnter Magen wird einen mäßigen Zusaß von Obst leicht vertragen, trop der vielen unverdaulichen Bestandtheile, die es enthält; Personen, die schon solche Nahrung nicht gewöhnt find oder öfter an Verdaungsstörungen leiden, mögen beim Genusse von Obst vorsichtig sein und falte Getränke, Milch, Wasser und Bier nach dem Genusse von Obst ganz vermeiden. b. Die großen Familien- Besuchstage der Hafenhaide find nach alter Ueberlieferung der Mittwoch und Sonnabend, an denen hier das Kaffeekochen blüht. An den Nachmittagen zieht hier hinaus, hauptsächlich die langen Querstraßen des Köpnicker Feldes entlang, ein ununterbrochener Zug festlich gefleideter Menschen mit Weib und Kind, Säuglinge auf dem Arm und in Kinderwagen, und mit großen Vorrathskörben und Kuchen- Badeten bewaffnet. Die bevorzugteste Einkaufsquelle für Kuchen ist ein Bäcker an der Ecke der Prinzen und Gitschinerstraße, welcher an den Kaffeekochtagen ganze Berge von Kuchen vorräthig hält. Am folgenden Tage tummeln sich die Kinder der ganzen Gegend mit Papiermügen, Stocklaternen und dergleichen Dingen auf der Straße; es find die Andenken an den jüngsten Besuch in der Hafenhaide. ar. Die Untersuchung gegen den Schneider Dolguar, welcher in raffinirter Weise aus dem Moabiter Gefängniß ent flohen und später in Antwerpen von den belgischen Behörden verhaftet und zurückgeliefert worden war, ist nunmehr abgeschloffen, und es hat die Staatsanwaltschaft den Antrag gestellt, die Hauptverhandlung vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I stattfinden zu lassen. Es handelt sich bekanntlich um gewaltige Diebstähle und Veruntreuungen, die vor nicht langer Beit im Geschäft des Herrn Kommerzienrath V. Manheimer verübt worden sind. Die Firma, welche bei der Inventur für 1884 ein Manto von ca. 75 000 M. ermittelte, ist wahrscheinum einen Summe beträchtlichen Theil dieser von Dolguar und dem Mitangeklagten Hermann Gerson Eingestanden freilich hat der Cohn geschädigt worden. Erstere bisher nur fünf Diebstähle von Umhängen Er und Mänteln im Werthe von etwa 3000 Mart. verübte dieselbe in der Weise, daß er in dem Konfektionsraume, wo den Schneidern die Stoffe zugemessen wurden, abgelieferte Mäntel ergriff und die gestohlenen Gegenstände in den ihm zugetheilten Stoffen verbarg. In der Regel wußte er dadurch den Kontroleur zu täuschen, bis er endlich am 26. Febr. d. J. auf frischer That abgefaßt wurde, als er in dem Schneider zimmer die Mäntel in seine Arbeitsdecke einschlagen wollte. Ferner werden ihm eine Reihe vou Unterschlagungen zur Last gelegt; es handelt sich um ca. 25 Mäntel im Werthe von 700 Mart. Diese soll Cohn, der ebenfalls für Manheimer arbeitete, nebenbei aber ein offenes Geschäft betrieb, als sogen. ,, Schmu waaren" angefauft und damit einen Handel getrieben haben. Interessant ist die Erklärung eines Profuristen, daß es den Schneidern leicht möglich sei, aus den Stoffen zu 100 Mänteln 5 Mäntel für sich zu erübrigen. 5 Mäntel für sich zu erübrigen. Die Anflage gegen Cohn lautet auf gewerbs- und gewohnheitsmäßige Hehlerei. w. Neun unterirdische Röhrennene? Bereits seit längerer Beit gelangen von verschiedenen Unternehmern Anträge an den Magistrat, welche die Genehmigung anstreben zur Verlegung von unterirdischen Röhrennegen in den Straßen zum Zwecke Mutter ab. Sie ging zum Schranke, betrachtete die zehn Hundertfrancs- Noten, die ihr einst wie Engelsgesichter erschienen waren, und sagte:„ D, ihr Satanskinder, warum führtet ihr mich in Versuchung? Ich verkaufte das arme, treue, unschuldige Thier, um euch zu erhalten, und nun stirbt mir mein Lolo..." Und wirklich ging's schlimm mit dem Kleinen. Seine Augen waren unnatürlich weit geöffnet, doch ohne AusAugen waren unnatürlich weit geöffnet, doch ohne Ausbruck; er nahm nur wenig Nahrung zu sich und sprach fast nichts: öffnete er einmal die Lippen, so geschah es nur, um zu fragen, wo Mufflu sei und von dem, was die guten Nachbarn an seinem Bette schwaßten, verstand er nichts. Tagelang erwachte er nicht mehr aus seinem schweren Schlummer. Und jetzt endlich sagte der Arzt der Mutter, daß ihr Kind sterben werde. Sterben? Und die Kirche war doch so nahe! Nein, das vermochte sie nicht zu glauben. Konnten denn Sanft Markus und Sankt Georg nichts thun? der Bertheilung von Wasser unter hohem Drude, von tom mirter Luft und von Elektrizität behufs Verwerthung für Erzeugung von Kraft zum Betrieb von Uhren, kleinen schinen u. dergl., sowie zur Ventilation, Verstärkung der Leud fraft des Gases u. s. w. Der Magistrat hat beschlossen, vor weitern Beschlußfaffung darüber, ob auf die Anträge der Unt nehmer näher einzugehen sei, noch weitere Ermittelungen ü die in Betracht kommenden Verhältnisse anzustellen. Nach einem bei der hiesigen Kriminal- Polizei eing gangenen Telegramm ist der Kaufmann Selender mit stohlenen Pfandbriefen im Werthe von 8000 Rubel Warschau flüchtig geworden. Derselbe ist mit Reisepaß sehen, und wird vermuthet, daß er sich nach Berlin bege hat und die Pfandbriefe Nr. 203499 bis 203503 zu 1000 u 213473 bis 213476, 213479 und 213430 zu 500 Rubel um ſetzen versuchen wird. Die in der Mödernstraße 92 wohnhafte Arbeit frau Renne ist in der vergangenen Nacht plöglich verstorb Da an dem Körper Blutspuren wahrnehmbar waren und Mitbewohnern des Hauses bekundet wurde, daß die Verftor von ihrem Ehemann häufig, insbesondere auch in den le Tagen, gemißhandelt worden sei, erschien die Annahme e gewaltsamen Todes nicht ausgeschlossen. Bei einer nähe Besichtigung der Leiche wurde indeß keine Verlegung vo funden und festgestellt, daß der Bluterguß aus dem Munde folgt ist. Die Verstorbene war dem Branntweingenuß mäßig ergeben und litt an Krämpfen. Die Leiche ist nach Obduktionshause geschafft worden. D Die Wittwe v. Pafinsti aus Königsberg fam vor gen Tagen nach Berlin, um ihren in der Frrenanstalt zu dorf sich befindenden Sohn Alexander v. Pafinsti abzuha Als sie am 8. d. M. Abends gegen 8 Uhr mit ihrem nach dem Schlesischen Bahnhof fich begeben hatte, um nach Heimath zurückzufeh en, verlor fich der Geistestranke im dränge, und ist es bisher nicht gelungen, den Verbleib selben zu ermitteln. Alerander v. Basinski ist 40 Jahre von großer Figur, hat dunkelblonde Haare und Vollbart, b Augen, Falten im Gesicht und sieht sehr abgemagert aus. kle det war derselbe mit schwarzem Kammgarnrod, Hosen Weste von Tuch und Kalabreserhut. Landm Febru feldwel berufu Adreff fchreib gehen der U Borto einen werder Befted dings hatte I zeit w wegen flagte Einleg haben, einen des P einen größer Schul Don 60 Gulde nicht A mann Verleg außer ihm Er freund mit al Bitten Kleidu dingun zurückg Festgo als er Sprechli Schöße Dobra zurückg über, aus, di Vorlä hin, de Entsch Woche fich, fei aber in hatte Kleidu stand theilun feld in fungirt Eindru fagen Abficht Dobra sehr vo Angefl Demge Umstän Miene als de Schnu Rühru G vergoß. Ve In Nixdorf waren mehrere Nächte hindurch dem Blu gärtner Wildensee am Kottbuser Damm Rosen aus se Garten entwendet worden, die Diebe hatten es namentlich die Strauchrosen abgeseh n. In einer der legten Nächte ge es einem Gendarmen, zwei Personen am Maybach- Ufe treffen, welche ein ganzes Quantum solcher Strauchrosen fich führten. Der eine der so unverhofft Ertappten ergrif Flucht, während der andere nach heftigem Widerstand den Gendarmen überwältigt und zum Amtsgefängniß geb wurde. Hier entpuppte er sich als der der Polizei bekannte vorbestrafte Heinrich Weigel mit dem Spißnamen ,, Schlä Heinrich". Der 18 Jahr alte Schiffsjunge Wilhelm Gru aus Güstebiefe, welcher bei dem Schiffseigner Bommert Zeit hier Köpnickerstraße 3/5, auf der Oberspree mit fe Kahn vor Anker liegend, in Arbeit stand, war seit 8. d. früh 5 Uhr, von dem Fahrzeuge verschwunden. Da die des G. in der Nähe des Kahns auf dem Waffer schwamm wurde vermuthet, daß er früh aufgestanden, sich auf den des Kahns gesetzt, dort eingeschlafen, ins Wbffer gefallen ertrunten ist. Diese Vermuthung hat sich als richtig erw denn die Leiche des Grunow wurde gestern Abend 8 der betreffenden Stelle ohne jede weitere Verlegung aufgefu und nach dem Obduktionshause geschafft. Polizei- Bericht. Am 9. d. Mts., Vormittags, der Maurer Lehrling Miethe, als er auf dem Hofe des Gr stücks Oranienstraße Nr. 189, 3 Tr. hoch, an einem Je Pfeiler arbeitete, auf den Hof hinab und war auf der todt. An demselben Tage, Nachmittags, wurde auf Hausboden in der Stralsunderstraße ein Mann erhängt gefunden. Eheliche Zwiftigkeiten werden als Anlaß zum morde angegeben. Um dieselbe Zeit wurde auf dem hinter der Pappel- Allee die Leiche eines neugeborenen S männlichen Geschlechts aufgefunden und nach dem Obdul hause geschafft. Einige Zeit später wurde der obda Arbeiter Preuß wegen Trunkenheit zur Wache des 42. B Reviers gebracht und dort wiederholt von Krämpfen bef durch welche schließlich eine starke Lungenblutung eintrat welcher Preuß, noch ehe ärzt iche Hilfe eintraf, verstarb. Abend desselben Tages wurde der Arbeiter Beckmann a Ecke der Jüden und Königstraße von einem in Kan herankommenden Fuhrwert überfahren und dabei so schwer legt, daß er mittelst Krantenwagens nach der Charitee geb werden mußte. Um dieselbe Beit wurde in der Spree, dem Grundstücke Röpniderstraße Nr. 3-5, die Seiche be dem 8. d. Mts., Morgens, vermißten Schiffsjungen Wil Grunow aus Güftebiese aufgefunden und nach dem Obduli hause geschafft. Gerichts- Zeitung. b Unter der Anklage der versuchten Beftechung gestern der Klempnergeselle Karl Wilhelm Leber Steffen vor der vierten Straffammer des Landgerich Der Angeklagte befand sich seit einiger Zeit in Budape er eine ausfömmliche Stellung bekleidete und deshalb ihm höchst störend, daß er in diesem Frühjahre als preus Schluchzen der Mutter und der Kinder. Da, da hörte ein eigenthümliches Geräusch... wie ein Trippeln Eine Staubwolfe wirbelte über leise Fußtritte Köpfen der Knieenden auf Mufflu war auf Lolo's gesprungen und füßte und leckte dessen abgezehrtes An Mufflu war wieder da! St Und nun blieb auch Lolo, scheu zog fich der Tod zu Die Lebenskraft fehrte wieder; Mufflu, der selbst zum abgemagerte Pudel, wurde sein Arzt; er wich nicht seiner Seite und schaute ihn mit seinen glänzenden, bra Augen fortwährend an. Lolo war glücklich. Er fragte nichts, heischte er hatte Mufflu und das war ihm genug. Ach, das mußte weit hergekommen sein und viel erduldet haben, bestand nur noch aus Haut und Knochen, sein Körper nid S die Spuren von Schlägen und Fußtritten, sein vo seidenweiches Haar war struppig und farblos. Wenn Mutter und Carlo Tritte auf der ,, Nein", versezte der Arzt trocken. ,, Einer allein brächte hörten, zitterten sie; war doch mit ziemlicher Gewi Genesung und das ist Mufflu." Gott, und ich hab' ihn verschachert!" rief das uns glückliche Weib in Thränen ausbrechend. So kam das Ende näher und näher. Eines Abends, als die Schatten der Dämmerung niederwallten, trat der Priester mit hoch erhobener Monftranz aus dem Portale hervor, einem Ministranten folgend, der das Glöcklein läutete; vorauszusehen, daß eines Tages der Fremde sein Eigent den gekauften Pudel, zurückfordern werde. Und was tann aus Lolo werden? Carlo's erste Frage war jeden Abend: Hat Je nach Mufflu gefragt?" Das dauerte nun bereits Tage. Niemand kam und die Angst der Leute legte Aber am elften Tage, an einem Feiertage, ba Biondina, des Barbiers Tochter, heirathen. Eine prächtige fie überschritten den kleinen Play, stiegen die enge Treppe daheim war, erschien ein Mann, der sich als der Bebi Aussicht! Hätte er nur deshalb nicht Lolo und Mufflu um zu der Wohnung der Wittwe empor und traten an Lolo's Mylords auswies nnd Mufflu reklamirte, der in Ro ihr Lebensglück gebracht. the f Rönnte Lolo nur seinen Pudel wiedersehen," meinte der Arzt dann wäre eine Wendung zum Bessern ficher." Aber wo steckte Mufflu? Er fonnte schon in England, Rußland, Amerika, am Ende gar schon todt sein. Als der Arzt diese Worte gesprochen, wandte sich die Bett. Der Priester kannte Lolo und liebte ihn. Jetzt empfahl er die unschuldige Seele dem Allmächtigen. Das war der vorlegte Liebesbienst; der letzte wäre gewesen, ihn zu den Millionen namenloser Todten auf dem Friedhof von Trebbiano zu betten. entwischen gewußt habe. Der Mann zog eine Rette Tasche und erklärte, er habe gemessenen Befehl, Mufflu zubringen. ล geftern mals& daß di zuhalte legten brüchig allen 50 ẞfg nur 4 mit gr der M dungen ftein f Auftre theuert Redner demokr denn e die J müss Redner Mufflu Ich ha feine Seinen wollte Frants Rom S nahm feine S nerbur Echte Er sd länder Sein Endlic Herr Dame H Bursch stehen. Rom ฐ Herr wunde H feine au Sie u Numm vertau Carlo war wie niedergeschmettert. Der Hund guten Thiere den Weg gezeigt haben.. winner Muffl nabig H Als der Priester verstummte, hörte man nur noch das welche Reise!... Erlauben Sie wohl, daß ich, bevor J « m Landwehrmann och eine Uebuna mitzumachen hatte. Im Februar d. I. schrieb er an den hierselbst domizilirten Bezirts- feldwebel Adams und bat denselben, die ihn betreffende Ein- berufungsordre zu jener Uebung an eine naher bezeichnete Adreffe in Beilin zu senden, noch lieber wäre es dem Brief- schreiber, wenn der Feldwebel ihm die Ordre direkt zu- gehen lieh und am allerliebsten, wenn er ganz und gar mit der Uebung verschont werden könnte. Als Vergütung für Porto und Achslagcu legte der Angeklagte seinem Schreiben einen Guldenschein bei und dies sollte für ihn verhängnihvoll werden, denn der Feldwebel erblickte hierin die Kriterien der Bestechung und erstatteie Anzeige. Der Angeklagte erhielt aller- Vings seine Einberufungsordre zur Uebuna direkt zugestellt und hatte letztere in Kottbus zu absolviren. Nach beendeter Dienst- zeit wurde er aber in Untersuchungshaft genommen und ihm wegen des obigen Vergehens der Prozeh gemacht. Der Ange- klagte wies im Verhandlungstermine die Beschuldigung, bei der Einlegung des Guldenzettels unlautere Absichten verfolgt zu haben, weit von sich, der Guldenschein repräsentire einen Werth von 1 M. 65 Pf., welche zur Deckung des Portos, Paprer je. gerade ausreichen dürften, wenn er einen Bestechungsversuch uätte ausführen wollen, so würde er größere Opfer gebracht haben. Der Staatsanwalt hielt seine Schuld dennoch für erwiesen und beantragte eine Geldstrafe von 60 Mark event. 12 Tagen Gefängnih und Einziehung des Guldenschems, der Gerichtshof konnte sich dieser Anficht aber nicht anschnehen, sondem sprach den Angeklagten frei. Die Hosen des Herrn Dobranschef. Der H.ndels- mann Damdsohn befand sich im September v. I. in arger Verlegenheit. Das Laubhüttenfest war vor der Thür und er außer Stande, dasselbe würdig zu begehen, denn chm fehlte ein schwarzes Beinkleid und dito Weste. Er wandte sich an seinen langjährigen Geschäfts- freund Dobranschek, welcher einen schwungvollen Handel mit alten Kleidern betreibt und dieser ließ sich auf seine Bitten auch herbei, ihm aus seinen Vorräthen die gewünschten Kleidungsstücke leihweise zu überlassen, machte aber zur Be- dingung, daß Davidsohn dieselben nach dem Feste sofort wieder zurückgab. Nun wurde der arme Davidsohn aber während des Festgottesdienstes von einem tragikomischen Geschick betroffen; als er zum Beten niederkniete, erhielten die„geliehenen Unaus- sprechlichen" einen bösen Riß und es war nur gut, daß die Rock- schöße den Schaden bedeckten. Es leuchtete ihm ein, daß er dem Dobranschek sein Eigenthum in diesem defektenZustande nicht zurückgeben konnte und dem Kommis desselben, Löwenfeld, gegen- über, dem er sein Mißgeschick mittheilte, sprach er seine Absicht aus, die Kleidungsstücke käuflich an sich bringen zu wollen. Vorläufig getraute er sich allerdings nicht zum Dobranschek hin, denn er fürchtete dessen Vorwürfe und konnte ihm erne Entschädigung noch nicht�bieten. als er aber nach etwa vier Wochen in den Besitz einiger Geldmittel gerieth, da beeilte er fich, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dobranschek hatte aber in rigoroser Weise bereits andere Maßregeln ergriffen, er hatte den Davidsohn wegen Unterschlagung der erwähnten Kleidungsstücke beim Staatsanwalt denunzirt und gestern stand Davidsohn als Angeklagter vor der 87. Ab- theilung des Schöffengerichts, während Dobranschek und Löwen- feld in dieser„geliehenen Hosen-Angelegeuheii" als Zeugen fungirten. Der Angeklagte machte bei seinen Auslassungen den Eindruck der vollsten Glaubwürdigkeit und da durch die Aus- sagen der Zeugen bestätigt wurde, daß ihm jede rechtswidrige Absicht gefehlt hatte, so machte der Staatsanwalt dem Zeugen Dobranschek begreiflich, daß derselbe mit seiner Denunziation sehr voreilig gewesen sei, er beantragte die Freisprechung des Angeklagten, dem Zeugen dagegen die Kosten aufzuerlegen. Demgemäß erkannte der Gerichtshof. War es unter diesen Umständen erklärlich, daß Dobranschek eine höchst ärgerliche Miene machte, so gewährte es einen geradezu komischen Anblick, als der Freigesprochene, ein großer Mann mit martialischem Schnurrbart, während der Uitheilsverkündigung dermaßen von Rührung ergriffen wurde, daß er wahre Ströme von Thräncn vergoß.__ Vereine und Versammlungen. Die Versammlung der streikenden Maurer, welche gestern in Keller's Salon, Andreasstraße 21, tagte, war abermals zahlreich besucht. Die Haltung der Versammlung bewies, daß d,e Maurer gewillt find, bis auf den letzten Mann aus- zuhalten, allgemein war man der Anficht, daß nach dem letzten Beschlüsse der Meister- Versammlung die Wort- brüchigkeit gerade auf Seiten der Meister liegt, da auf allen Bauplätzen der Bundesmeister Maurer für 4 Mark B�'�ugestellt werden, trotzdem auf Beschluß der Meister nur 4 Mark gezahlt werden sollten. Diese Mittheilung wurde mit großer Heiterkeit und Beifall aufgenommen. Die Redner der Maurergesellen stellten sich sehr gleichgiltig den Verleum- düngen ihrer Arbeitgeber gegenüber, nur der Zimmerer Schön- stem fühlte sich beleidigt darüber, daß er auf Grund seines Auftretens für die Arbeiter gemaßregelt worden ist, er be- theuerte, daß er memalS in einer Volksversammlung fich als Redner betheiligt hatte, dennoch habe man ihn einen sozial- demokratischen Agitator genannt. Redner mahnte zur Einigkeit, denn es handele fich um die Maurer nicht allein, sondern um die Interessen aller Handwerker Berlins, und die Maurer müssen gewinne n.(Großer Beifall.) Nachdem noch einige Redner unter großem Beifall m demselben Sinne gesprochen, Mufflu wegführen, mit Ihrem Herrn Rücksprache nehme? Ich habe ein todtkrankes Brüderchen..." Er vermochte nicht weiter zu sprechen, Thränen erstickten seine Stimme. Der Bote willigte ein, daß Carlo zuerst seinen wieder in Florenz weilenden Herrn besuche; er selbst wollte inzwischen warten, denn für den Hund seien tausend Franks bezahlt worden und ein Hund, der den Weg von Rom zurück gefunden, sei ein Juwel. Carlo war froh, daß die Mutter abwesend war. Er nahm die zehn Banknoten aus dem Schranke, steckte sie in seine Brusttasche und ging. Er war nur ein armer Gärt- nerbursche, jetzt aber zu einer Heldenthat entschlossen. Echte Selbstausopferung ist immer eine heldische That! Er schritt geradenwegs nach dem Hotel, wo der Eng- länder wohnte. Er hatte eine halbe Stunde zu warten. Sein Herz schlug ungestüm an die Tasche mit den Noten. Endlich wurde er hmaufgerufen. Im Zimmer war ein Herr mit freundlichen, milden Zügen, eine liebliche junge Dame und auf dem Sopha lag ein zartes, blasses Kind. „Mufflu? Wo ist Mufflu?" rief dieses, als der Bursche eintrat. Carlo nahm den Hut ab und blieb stehen. „Gnädiger Herr," stammelte er,„der Pudel ist auS Rom zu uns zurückgekehrt." Das Kind schrie laut auf vor Entzücken. Der Herr u«d die Dame zeigten sich gleichfalls höchlich ver- wundert. „Ja, so ist's, gnädiger Herr," fuhr Carlo fort, der seine Fassung wieder gewonnen hatte.„Nun möchte ich Sie um etwas bitten. Wir find arme Leute. Ich zog eine Nummer, die mich zum Soldaten machte und die Mutter verkaufte Mufflu, um für mich einen Ersatzmann zu ge° Winnen. Das wär�'auch möglich gewesen, allein jetzt ist Mufflu wieder chf Mein kleiner Bruder Lolo, den der »ädige Herr damals mit dem Hund« spielen sah, wurde nahm Herr Peters zu den Ausführungen des Zimmerers Schönstein das Wort. Redner erklärte folgendes; Es sei erne alte bekannte Thatsache, daß unter dem Donner der Lohnde- wegung die Berufsgenossen vielfach die Nothwendigkeit erken- nen, m ein politisches Lager zu marschiren, und sollte sich je- wand darüber ärgern, so wäre dies den streikenden Maurern gleichgiltig. Frn Allgemeinen sei die Behauptung� die Streiks würden von sogaldemokratischen Agitatoren in Szene gesetzt, abgedroschenes Stroh. Die Polizei wisse es besser, wodurch die Streiks hervorgerufen werden, als die ganzen Bundes- meister.(Stürmischer Beifall.) Nach Erledigung einiger den Streik betreffender Fragen wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die gute Sache geschlossen.— Zu bemerken ist noch, daß anständiae verheirathete Maurer nach Ham- können, wo für sie Arbeit besorgt wird. Ehre bürg kommen den Hamburger Maurern! Die Schmiedegesellen Berlins versammelten sich am letzten Sonntag Vormittag in der Viktoria-Brauerei, um den Bericht der Lohnkommisflon über den Stand des Streiks ent- gegen zu nehmen. In das Büreau wurden gewählt die Herren Drewitz zum ersten, Schartow zum zweiten Vorsitzenden und H. Junge zum Schriftführer. Herr Schartow erstattete Bericht über die jetzige Lage und führte ungefähr folgendes aus: Die Zahl der Streitenden hat sich in letzter Woche von 54 bis auf 20 vermindert, an welche 179 M. auszuzahlen find, die Zahl der Werkstellen, welche noch nicht bewilligt haben, hat sich von 32 auf 19 vermindert, in welchen ungefähr 28 Mann beschäftigt werden und kämen dieselben so gut wie aarnicht m Betracht und beantrage er deshalb, den Streik als beendigt zu erklären. Nicht weniger denn 20 Redner betheiligten sich an der hierauf folgenden Diskussion, wovon mehrere mittheilten, die Meister gingen mit der Absicht um, in späterer Zeit, wenn die Arbeit nicht mehr so pressant, des Sonntags von 6—9 Uhr arbeiten zu lassen, was allgemeine Enttüstung hervorrief. Es wurde alsdann beschlossen, den Streik vorläufig für be- endigt zu erklären, aber fortgesetzt regelmäßig zum Unter- stützungsfonds zu steuern, um Kräfte zu sammeln, um ein- tretenden Falls mit allgemeiner Arbeitsniederlegung zu antworten. Bei Besprechung des Arbeitsnachweises wurde be- schloffen, das Büreau zu beauftragen, eine große Massenver- sammlung einzuberufen und die Regelung dieser Frage auf die Tagesordnung zu setzen, was auch angenommen wurde. Ebenso wurde auf Vorschlag des Vorfitzenden beschloffen, Berlin in 6 Bezirke einzutheilen und Bezirksversammlungen abzuhalten, um so eine straffere Organisation herbeizuführen. Am 6. Juli wurden noch an streikende Schmiede gezahlt: 13 Verheirathete a 10 M.= 130 M., 5 Unverheiralhete» 8 M-— 40 M., 1 Unoerheiratheter a 7 M.= 7 M., 2 Unverheirathetete a 6 M. — 12 M. zusammen also 189 M. Die Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts(E.H., Sitz Dresden), örtliche Berwaltnngsstelle Berlin, hielt am Dienstag Abend Brunnenstraße 140 eine Mitglieder-Versammlung ab. In der- selben wurde folgender Kassenbericht erstattet: Die Zahl der Mitglieder betrug nach Abschluß des ersten halben Jahres 13 732, die Einnahme 67 523 M. 73 Pf., die Ausgabe 42123 M. 68 Pf., mithin blieb ein Ueberschuß von 25 404 M. 5 Pf., von welchem 15 850 M. 62 Pf. zinsbringend angelegt sind. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung sprach der Vorsitzende Herr Denzig über den neugegründeten Sanitätsverein und verlas das Statut desselben, das auch allseitig Anerken- nung fand' er forderte die Mitglieder auf, fich recht zahlreich an dem Verein zu betheiligen, damit er ein leistungs- fähiges und bodenfestes Institut werde und gab dann auf Befragen die Adresse des Vorsitzenden dieses Vereins Herrn Otto Schulz, 8W., Bergmannstraße 97, Hof 2 Treppen, kund. Sprechstunden find nur Sonntags Vormittags von 11 bis 1 Uhr.— Nachdem noch einige innere Angelegenheiten er- örtert waren, wies der Vorsitzende auf das am 18. Juli in „Keller's Hofjäger" stattfindende Sommerfeft der Mitglieder der Kasse, welches zum Besten der hilfsbedürftigen Mitglieder unserer Kasse arrangirt ist, hin, und ersuchte die Anwesenden, in ihren Bekanntenkreisen dahin zu wirken, daß eine recht rege Betheiligung stattfindet. Villets zum Sommerfeste find in den in der gestrigen Nummer des„Berliner Volksblatt" veröffent- lichten Zahlstellen zu haben. Allg. Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter 25 Pf. für Herr und Dame sind in sämmt- lichen Zahlstellen zu haben. Kinder frei. Fachverein der Schlosser und Berufsgenossen, Sonns abend, den 11. d. M., 8'/. Uhr Abends, Kommandanten« straße 77 79: Generalversammlung. T.-0: 1. Kassen- und Revisoren-Bericht. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Aufnahme neuer Mitglieder, Verschiedenes und Fragekasten. Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Fachverein der Tischler hält am Sonntag, Vor- mittags 10 Uhr, in Rothackers Lokal, Bellealliancestr. 5, eine Versammlung ab, mit folgender Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Meißner über:„Die Entwickelung der Industrie und die Stellungnahme der Arbeiter zu derselben." 2) Ver- schicdenes. Billets zum Sommerfeste des Vereins, welches am Montag in der Neuen Welt(Hasenhaide) stattfindet, sind in der Versammlung zu haben. Neue Mitglieder werden aus- genommen. Gäste willkommen. Oeffentliche Versammlung der Klavierarbeiter und Berufsgenossen, sowie anderer gewerblicher Arbeiter am Sonn- tag Vormittag 10 Uhr in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Tagesordnung; Die Aussperrung sämmtlicher Klavierarbeiter in der Fabrik„Apollo" zu Dresden. Referent: Klavierarbeiter Stelzer aus Dresden.(Näheres siehe Inserat.) Oeffentliche Arbeiterversammlung in Charlottenburg am Sonntag, den 12. Juli, Vormittags 11'/- Uhr, in Konrad's Salon, Berlinerstraße 89. T.-O.:„Das Arbeiterfchutzgesey und die Sonntagsruhe der Arbeiter." Eine Versammlung der Tischler findet am Sonntag Vormittag 10 Uhr Ändreassttaße 21 statt. Tagesordnung: 1. Wie sichern und befestigen wir die durch die Lohnbewegung errungenen Vortheile. 2. Der Streik der Tischler in Königs- berg, Dresden und Kaiserslautern.— Die Lohnkommission ersucht um rege Betheiligung der Kollegen. Vermischtes. Die Polarforschungen und die zukünftige Eiszeit. Die Polarsorschunaen haben erwiesen, daß im hohen Norden allenthalben sich Versteinerungen von Pflanzen vorfinden, deren Verwandte hegte nur noch in tropische» Gebieten existiren. ...._ Die nächstliegende Erklärung war natürlich die, daß in früheren geologischen Perioden das glühende Erdinnere durch die dünne Erdkruste hindurch genug Wanne geliefert habe, um diesen Pflanzen die Existenz zu ermöglichen. Man glaubte also in ihnen den ficheren Beweis füi die fortschreitende Abkühlung unseres Planeten zu haben, und seitdem ist es ein Lieblings- gegenständ populärer Bücher und Vorträge geworden, dem Publikum gruselig zu machen mit einer genauen Ausrechnung des Zeitraumes, nach ivelchem Deutschland bis zu den Alpen eine starre Eiswüste sein weide, wie das heutige Labrador. Die letzten Jahre brachten eine Reaktion gegen diese Theorie; man suchte nachzuweisen, daß durch eine andere Vertheilung von Land und Meer fich dieselben Erscheinungen genügend er- klären ließen; wenn dem erwärmten Wasser der Tropen-Mcere der freie Zutritt zu den Polar-Nieercn möglich und gleichzeitig den Eisbergen der Zugang zu dem atlantischen Ozean gespern war, müßte es auch im hohen Norden erheblich wärmer sein. Aber man übersah dabei, daß eine höhere Temperatur fich nicht nur für die Polargegenden nachweisen läßt, sondern auch für die mittleren Breiten: auch in Deutsch- kand findet man in den Tertiärschichten die Blätter von Palmen und Cycadeen, und hier kann fich doch eine Erwärmung durch Meeresströmungen kaum fühlbar gemacht haben. Nun haben aber die neuesten schwedischen Forschungsreisen nach Spitzbergen noch bis über den 80. Breite» grad hinaus Reste einer üppigen Vegetation nachgewiesen, und es tritt ein neuer, bisher übersehener Umstand in den Vorder- grund, welcher auch den ersten Erklärungsversuch durchaus un- genügend erscheinen läßt. In diesen Breiten dauert die Winter- nacht bereits mehrere Monate: wie konnten immergrüne Tropenpflanzen, auch bei der Annahme genügender Wärme» diese überstehen? Seitdem wagte sich, vorläufig freilich noch ganz schüchtem und ängstlich, eine dritte Ansicht hervor, welche wenn bewiesen, alle Erscheinungen genügend erklären würde» nämlich die, daß die Erdachse früher eine andere Lage gehabt, der Pol sich somit an einer anderen Stelle befunden habe. Das wideJ�richt sosehr unseren gewohnten Ideen von der Un- der Erdstelluna, daß bis jetzt kein Naturforscher gewagt hat, diese Theorie ernstlich zu vertreten. Jetzt hat auf einmal die Frage eine ganz andere Gestatt gewonnen; ein Mann» dem Niemand die Kompetenz, in solchen Dingen mitzureden, absprechen wird, der berühmte Astronom Schiaparclli, dem wir die Entdeckung des Zusammenhanges zwischen Kometen, Meteoren und Stemschnuppen verdanken, beweist auf der Vers des italienischen Alpenklubs im Biella, daß eine Verschiebung der Erdachse nicht nur nicht unmöglich, sondern sogar nichr einmal unwahrscheinlich sei, ja daß sie durch Veränderungen an der Erdoberfläche, wie sie nachweisbar stattgefunden haben» mit zwingender Notwendigkeit herbeigeführt worden sein miiffe. Würden heute die gewaltigen Gebirgsmassen und Hochebenen Jnner-Afiens von der Wüste Gobi his zum Himalaya das Geschick ihun. Mein Großvater starb im Jrrenhause, weil er reich werden wollte... Nur Eines bitte ich, neh- men Sie uns Mufflu nicht. Bedenken Sie doch, was er geleistet hat,— es ist großartig, unerhört..." Seine Beredtsamkeit versiegte; er fuhr sich mit der Hand über die nassen Augen. Auch der Engländer war nicht un- gerührt geblieben. „Armer, treuer Hund," seufzte er.„Wir meinten es aut mit ihm und waren doch grausam. Nein, nein, wir sprechen ihn nicht mehr an und Du, mein braver Junge, sollst auch nicht Soldat werden, die Mutter bedarf Deiner. Behalte das Geld, es soll der Lohn sein für den neuen Pudel, den Du mir bringst. Ich werde Euch morgen be» suchen... Ach, es ist zu merkwürdig— den ganzen Weg von Rom bis hierher— welch ein Verstand— welch unvergleichliche Anhänglichkeit!" Das war eine Freude, als Carlo wieder bei den Seinen anlangte! Unverzüglich wurde ein Ersatzmann für ihn gesucht und Lolo erholte sich zusehends. Mufflu konnte natürlich seine Wanderungen und die ausgestandenen Sira- pazen, Dualen und Gefahren nicht erzählen, nicht schildern, wie er von den Thoren der ewigen Stadt bis nach Florenz sich durchgeholfen, aber er wurde wieder rund, voll und lustig... Im Herbst fiedelte die gesammte Familie auf eine Be- fitzung über, die der englische Herr bei Spezzia erworbea hatte. Der kleine englische Knabe kam leidlich zu Kräfte« m der milden Luft. Er und Lolo wurden gute Freunde, die den ganzen Tag mit Mufflu und dessen Kollegen unter den Orangenbäumen spielten. Carlo wurde unter dis Gärtner aufgenommen. Lolo zeigt Lust, ein Blumenzüchter zu werden; bereits hat er auch lesen gelernt. Doch e« ver« geht kein Tag, da er nicht mindestens einmal fragt;„O Mufflu, HerzenS-Mufflu, wie konntest Du nur de« Weg. finden?" plöglich aufgerichtet, so würde das eine so erhebliche Verände rung im Schwerpunkt der Erde bedingen, daß der Nordpol feine Lage ändern nnd einen großen Kreis um die Erde beschreiben müßte; er würde nach und nach durch den Stillen Ozean öftlich von Japan nach den Molukken und in den Indischen Ozean gelangen und dann über Sanfibar, Tripolis und durch Deutschland nach seiner alten Stelle zurückkehren. Diese Bewegung würde fich, wenn nicht andere Maffenverschiebungen ihr Halt geböten, in fehr langen Beiträumen wiederholen, und mit ihr müßten fich natürlich die Klimate so ändern, daß nach und nach alle Theile der Erde am tropischen Klima theilnehmen. Da die Verände rungen der Erdoberfläche nicht plößlich, sondern ganz allmählich erfolgt find, und da fie wahrscheinlich an sehr verschiedenen Buntten annähernd gleichzeitig stattfanden, mögen die Schwans Erdachse fungen der in Wirklichkeit weniger start gewesen sein; stattgefunden haben ste aber sehr wahr cheinlich. Ist es ja doch fast unzweifelhaft auf den meisten Sternwarten beobachtet worden, daß die geographische Breite fich, wenn auch nur ganz langsam, nach Süden verschiebt. Es ist nun Sache der Geologen, die sich seither von dieser Frage ferngehalten haben, weil sie eine Veränderung der Erdachse für astronomisch unmöglich hielten, zu prüfen, ob die von ihnen beobachteten Thatsachen sich durch diese Theorie befrie bigend erklären lassen. Aengstlichen Gemüthern aber mag es einstweilen zur Beruhigung dienen, daß die Rechnung, welche die fünftige Vereisung Deutschlands als eine unabänderliche Thatsache hinstellte, durch den Mailänder Astronomen ein arges Loch bekommen hat. ( Frkf. 8tg.) Eine interessante Augenoperation ist jüngst von Prof. Dr. Pflüger in Bern vorgenommen worden. Bisher war man ber Meinung, daß es ein Ding der Unmöglichkeit sei, einem Blindgeborenen durch Operation das Augenlicht wiederzugeben. Theater. Belle- Alliance- Theater. Deute: Der Aftienbudiler. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Oftend- Theater. Heute: Geschiedene Frauen. Zum Fürsten Wolfgang ( genannt Der hungrige Wolf), Lichtenberg, Landsberger Chauffee. Empfehle mein am See gelegenes Lokal dem geehrten Publikum. Schattiger Garten, Tanzsaal, Kegelbahn, KaffeeTüche, Würfel- u. Kuchenbude, Schaufel. Für gutes Bier und Speisen ist gesorgt. Um recht zahlreichen Zuspruch bittet 15301 Carl Sander. Aufforderung! Die seinerzeit zur Prüfung der Angelegenheit des Herrn Jul. Müller fontra Sch mädicke gewählte Kommission ersucht alle Diejenigen, welche Entlastungs- sowie Belastungsmaterial iu Händen haben, ebenso die ehemaligen Mitglieder der Lohnkommission der Drechsler und der Streifkommission der Knopfmacher etwaiges Material der unterzeichneten Kommission so schnell wie möglich schriftlich zur Verfügung zu [ 1600 stellen. V Julius Kreuz, Staligerstraße 28, Werner, Manteuffelstraße 71, Tabert, Koppenstraße 22a., 6. Schulz, Wienerstraße 11, Kragmann, Bergstraße 13. Allen Freunden und Bekannten, sowie sämmtlichen Metallarbeitern Berlins, namentlich den Mitgliedern des Arbeiter Bezirts Vereins Süd- Ost diene hiermit zur Nach richt, daß die Beerdigung unseres Freundes und Kollegen E. Flemming am Sonntag, den 12. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomaskirchhofes stattfindet. Alle Diejenigen, welche es als ihre Pflicht erachten, diesem braven dahingeschiedenen Mitkämpfer die letzte Ehre zu erweisen, werden gebeten, fich am Sonntag Vormittag 9, Uhr im Restaurant M. Kreuz, Kottbuserplag, resp. 11 Uhr auf dem Thomaskirchhofe einzufinden. [ 1598 Im Auftrage Vieler: A. Netband. Tischler SO.! Unsere Bahlstelle I. ist von Staligerstraße 18 nach Oranienstraße 4, Destination, verlegt. [ 1588 Central Lohntommission der Tischler. Große Versammlung für Reinickendorf und Umgegend Sonntag, den 12. Juli, Vormittags 11 Uhr, im Saale des Herrn Bude wit, Hausotterstraße. Tagesordnung: Das Arbeiterschußgeses. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Einberufer. G. Destreich. 1592 5. Wahlkreis. Bezirksverein der wertthätigen Bevölkerung im 29., 30. und 31. Kommunal- Wahlbezirk. Sonntag, den 12. Juli 1885, im Restaurant Sie mund, Linienstraße 8: Gesellige Zusammenkunft. Eine [ 1599 Versammlung der Tischler findet am Sonntag Vormittag 10 Uhr Andreasstraße Nr. 21 statt. Tagesordnung: 1. Wie sichern und befestigen wir die durch die Lohnbewegung errungenen Vortheile? 2. Der Streit der Tischler in Königsberg, Dresden und Kaiserslautern. Die Lohnkommission ersucht um rege Betheiligung der Kollegen. Fachver.f.Schlosser u. Berufsg. Sonnabend, den 11. d. Mts., Abends 8% Uhr, Kommandantenstraße 77/79. General- Versammlung. Tages Drdnung:. 1. Kaffen- und Revisoren- Bericht. [ 1590 2. Wahl des Borstandes nach§ 5 des Statuts und Re viforen- Wahl. Man stellte Nun wurde zu Dr. Pflüger ein 15jähriger blindgeborener Rnabe zur Untersuchung gebracht und legtere ergab, daß der Sehnerv selbst nicht gelähmt, sondern das Sehen durch ein anderes Hinderniß unmöglich gemacht worden sei. Es war alle Hoffnung vorhanden, daß, wenn das Hinderniß entfernt werden könnte, auch die Sehkraft sich einstellen würde. Die Operation wurde darum vorgenommen, und als man die Binde wieder abnehmen durfte, da fieht der Blindgeborene. Aber er hat schlechterdings keinen Begriff von dem Wesen, den Vers und Entfernungen der Dinge, die fich hältniffen ihm zeigen. So z. B. wies ihm Dr. Pflüger seine Hand, welche der Blinde oft betaftet und gedrückt hatte; allein dieser wußte nicht, was es ſei. ihm die pflegende Schwester und einen Herrn gegenüber und fragte ihn, welches die Frau und welches der Mann sei. Er traf das Richtige. Als man aber der Diafonissin das weiße Häuptchen, das er früher befühlt haben mochte, wegnahm und um den Kopf des Herrn ein weißes Tuch legte, da mußte der, Herr auf einmal die Frau ſein. Kurz, trotz der sorgsamsten Pflege machen ihn alle diese neuen Eindrücke ganz konfus und müde. Er ist jest in der Stille bei seinen Eltern, die in einem Dorfe des Kantons Freiburg wohnen, soll aber bald wieder dem Herrn Profeffor, der an der völligen Herstellung seines Gefichtes nicht zweifelt, fich vorstellen. Ohne Zweifel werden fich da noch eine Fülle der merkwürdigften und interessantesten psychologischen Beobachtungen anstellen lassen. Man kann sich die Freude und Wonne des armen Menschen ausmalen, der fich auf einmal im Befiße des Augenlichts befand. Kiel, 7. Juli. Die Polizeibehörde in Apenrade hat die fernere Vorstellung des Ballets vom Königl. Theater in Kopen hagen verboten, weil bei der kürzlich stattgehabten Aufführung den Künstlern weiße Rosen mit rothen Bändern( die dänischen Farben) auf die Bühne geworfen wurden. Geistliche auf dem Bicycle. Wir lesen in einem am Tanischen Blatte, daß fünfzig Geistliche ihre Ferien miteinan zu verbringen beschloffen haben, und zwar auf einer Reise Velocipéde( Bicycle) 600 Meilen in das Innere der einigten Staaten, vom Rendezvous beim Niagarafall aus ginnend. Briefkasten der Redaktion. 3. 300. Die Kündigung ist nicht rechtzeitig erfolgt. Sch. Ritterstr. Der Wirth ist nicht berechtigt, die G fernung des Mädchens zu verlangen. 6. 2. Die Kündigung ist rechtzeitig geschehen. Sof der Wirth verlangt, daß Sie nach dem 1. Oktober noch we wohnen, so können Sie jest schon gegen denselben auf A fennung flagen, daß das Miethsverhältniß mit dem 1. Oft sein Ende erreicht. Die Klage ist deswegen zu empfeh damit Ihnen am 1. Ottober feine Unannehmlichkeiten d Burückbehalten von Sachen entstehen. E. N. 32. Sie können mindestens die Hälfte des ver barten Fuhrgeldes zurückverlangen. Die Klage gehört vorb Königliche Amtsgericht 1 hier. H. Schn. Es liegt feine strafbare Handlung vor. F. 999. Sofern Sie nicht der Vater des erstgebou Kindes find, find Sie nicht verpflichtet, für das zweite Alimente zu zahlen. J. K. 100. Der betreffende Herr ist nicht St verordneter. Klempner A. S. Derartige Vereine eristiren leider D. B., Grenadierstraße. Das war nur bis Deze vorigen Jahres der Fall. In den jeßigen Annoncen ist Preis richtig angegeben. Henkel's = Bleich. Bleich Soda an Wasch- und Bleichkraft unerreicht in Pfundpacketen zu 15 Pfg. Zu haben in allen Droguen-, Seifen- und Colonialwaarengeschäften. General- Depot Joh. Schmalor, NW. Schiffbauerdamm Zu beziehen durch die Expedition des ,, Berliner Volksblatt", Zimmerstraße 44. Sseben ist erschienen: Der eue Welt- Kalender für 1886. 8. Brise gefällig? Als Gratisbeilagen: Aus bem reichen Inhalt heben wir hervor: Bergleichende statistische Uebersicht ber beutschen Reichstagswahlen von 1881-1884.- Moorland. Erzählung von Robert Schweichel.Matrosen- Philosophis. Bon Reinh. Wer ner.- Fisterne, Someten und SternSchnuppen. Bon Dsw. Köhler.- Droben Im Wald. Erzählung von B. Jensen.- Der Schlangenmeister. Erzählung von Ciampoli. 1. Der erste Swift. 2. Der alte Freier. 4. Aber Herr Radbar! 1 Wandkalender. Preis 50 Pfennig. Stuttgart. 3. S. W. Disk. Aufforderung an fämmtliche Klavierarbeiter und Berufsgenossen. Kollegen! Sammelt am Sonnabend und Montag kräftig für unsere Dresdener Brüder; versäume es keine Fabrit, groß ist die Noth, schnelle Hilfe erforderlich. Alle Gelder find an den Kaffirer des Vereins der Klavierarbeiter am Sonnabend und Montag Abend bei Stramm, Staligerſtr. 18, abzu liefern. Auch versäume Keiner die Versammlung am Sonntag. Der Vorstand. Mitglieder- Berlammlung des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Bauarbeiter in Berlin Sonntag, den 12. Juli, Vormittags 10% Uhr, in Keller's Lotal, Andreasstraße 21, im oberen Saale. Tagesordnung: 1. Jährlicher Kaffen- Bericht. 2. Borstandswahlen. [ 1589 3. Vortrag über Sonntagsruhe. Referent: Michelsen. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäfte find willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. General- Versammlung Des Fachvereins der Drechsler, Knopfarbeiter und verwandten Berufsgenossen am Dienstag, den 14. Juli cr., Abends 8%, Uhr, in Königsbant, Große Frankfurterstr. 117. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. [ 1591 2. Beschlußfaffung über die Vereinigung der beiden im Drechslerfach bestehenden Vereine. 3. Verschiedenes und Fragekasten. erscheint Berlin f Bostabon Man und Verr Vorausschi Seiten die wie jetzt. Aber entwildern baß bei beutsche einen höh Aber im Hau besonders liche Erzi fein tann räumlich haben wir in den V Schuldigk Jere heut ziehun wollen. Vor Innern a Sonders d fernzu bas strön teitsgefüh Leiftet nn menschen Beta fonders i faße aus Abstumpf Schlag de einem Th felbe ist. Som sächsischen sein schein Doc öffentliche Gemüths herausgre So fernge Fachverein der Tischler. mit fib Bersammlung am Sonntag, den 12. Juli, Vormittags 10 1 in Rothader's Lokal, Belle- Alliancestr. Nr. 5. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Meißner zu derselben. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitgli Die Entwickelung der Industrie und die Stellung der Arb Gäste willkommen. Der Bevollmächtig Großke Versamm Bücher, a und die f Radbrud ve sämmtl. Klavierarbeiter u. Beruf genoffen, sowie anderer gewerbl. Arbeits Sonntag, Vormittags 10 Uhr, ( Aus der Es gloden I nach St. Landleute in Sanssouci, Kottbuserstraße 4a. eftleide Tagesordnung: dem Gra Die Ausschließung sämmtlicher Klavier- Arbeiter, 80 abon faum Bahl, in der Fabrit Apollo"( Aktien- Gesellschaft Felsen g Dresden. Referent: Klavierarbeiter Stelzer tage in Dresden. Alle Mann am Play. Ihre u Der Einberuf und mit Arbeitsmarkt. Es finden sofort Beschäftigung: 1) Tüchtige Kesselschmiede, 2) Tüchtige Schlosser auf Blecharbeit bei gutem Verdienst. 1596] Emit Rud Damcke Charlottenburg, Salzufer Korbmachergesellen auf Rohrliepen verlangt ( Briz). haltenen& Augen, verliehen wie dasje Schaufelt Auf bas Geni 21. Berges g Holze, Mautenffelft. still, um 150 u betrac 6 Portofino grunde ei Häuser si Am 10. d. Mts. starb unser werther Kollege und F der Bildhauer Robert Streit. Die Beerdignng findet Sonntag, Nachm. 7 Uhr, auf dem neuen Jatobi Ri und düste [ 1594] J. A.: E. Flidier Efter Ein armes Mädchen will ihr 10 Monate Alexandrinenftr. Nr. 27 bei Tilfch. hafter Fe Mädchen an anständige Leute verfchenten. Rau ihren gigarren eigener Fabrik, 3. Aufnahme neuer Mitglieder, Verschiederes, Fragetaften. Quittungsbuch legitimirt: Neue Mitglieder werden vorher auf sowie alle Sorten Rauch, Kau- u. Schnupftabate emp genommen, Der Vorstand. Jedes Mitglied muß in dieser Versammlung erscheinen. 1532] Carl Bösenberg, Friedenstraße Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. und ange Seele in Aus