Nr. 160. So«tttag, de« 12. Juli 1883. IL Iichrg. iem mW nileinaÄ c Reise der! ill aus rfolyt. d,c n. St noch# :TcS empfth» eiten W des vert" ort ror* Jl crlinrrDolbblnll Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Morgen« außer nach Sonn- und Fes °.»«lm frei tn'« Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich Site S �ftbo,me*n"tt 4 Mk.©meine Nr. 5 Pf. Sonntags-Nr Da«„Berliner Volksblatt" außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSprei« ' 1,35 Mark, wöchentlich 35 zweite cht S* leider ri s Te� cen >nriu» To. Mnzetne Utr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 p|. (©«getragen in der PostzeiwngSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746. ) » Jnfertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 B Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. Redaktion; Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. iftl m3 Verrohung der Jugend. Man hört jetzt vielfach Klagen über die Verwilderung und Verrohung der Zugend. Diese Klagen, das wollen wir vorausschicken, find durchweg ungerecht, da in früheren Zeiten die Zugend doch noch wilder, doch noch roher war, wie jetzt. Aber zugeben wollen wir, daß die Jugend sich schwer entwildern läßt, daß es schwierig ist, sie gesitteter zu machen, daß bei allseitigem richtigen Erkennen und Bestreben die deutsche Zugend in Bezug auf Sittlichkeit nnd Humanität einen höheren Standpunkt einnehmen könnte. Aber wer trägt die Schuld daran? Die Erziehung im Hause, theilweise auch in der Schule und ganz besonder« im öffentlichen Leben. Daß die häus- liche Erziehung bei der großen Masse des Volkes keine gute fein kann, besonder« da, wo die Eltern durch die Arbeit räumlich und geistig von ihren Kindern getrennt leben, !haben wir schon oft nachgewiesen. Daß bei der Ueberfüllung tn den Volksschulen u. s. w. auch die meisten Schulen ihre Schuldigkeit nicht thun können, ist bekannt. So bleibt für un- sere heutige Besprechung nur die öffentliche Er- ziehung übrig, der wir hier einige Beachtung schenken wollen. Vor einigen Jahren gab das sächsische Ministerium des Innern an die Unterbehörden einen Erlaß, die Zugend, be- sonders die Schuljugend, vom Schweineschlachten fernzuhalten, weil durch den Anblick, besonders durch das strömende Blut, die Rohheit erweckt, das Menschlich- keitSgefühl abgestumpft und der Thierquälerei Vorschub ge- leistet nnd selbst da« Verbrechen gegen daS Leben der Mit- menschen angeregt werde. Bekanntlich rekruüren sich Todtschläger und Mörder be- sonders in den ländlichen Bezirken zu einem hohen Prozent- satze auS dem Fleischergewerbe. Dies ist lediglich aus der Abstumpfung der Gefühle durch den fortwährenden Todt- stumpfun schlag der fortwäb der Toveskampf bei iere zu erklären, da za einem Thiere und bei einem Menschen im Wesentlichen der- selbe ist. Somit hat in der That die frühere Verordnung des en Ministeriums, die aber wieder eingeschlafen zu nn scheint, den Nagel auf den Kopf getroffen. Doch giebt es noch zahlreiche andere Erscheinungen im öffentlichen Leben, welche zur Verhärtung des jugendlichen Eemüths beitragen. Wir wollen nur einige hervorragende o sollte die Jugend von den Manövern ferngehalten werden. Wenn man es hier auch mit friedlichen Spielen zu thun hat, so haben doch die W.■ zu th............. Bücher, aus dem in der Schule„Weltgeschichte" gelehrt wird und die fast nichts als Mord und Todtschlag enthalten, in 10 'A Ichtiffl JeuMeton. Giuseppa. Novellette von Eugön und Helsne Naville. (Aus der„Biblioth*qne universelle et Revue suiaee", übersetzt ä von I. Häberlin- Schaltegger.) I D i i L�rilf� Es war an einem Sonntag im Februar. Die Kirchen- 5 1 iß glocken läuteten den Gottesdienst ein und die von Nervi ArWnach St. Zlario führenden Pfade stiegen Gruppen von Landleuten hinan, vergnügt mit einander plaudernd. Ihre e» ift. Festkleider hoben sich in ihren lebhaflen Farben grell von �* dem Graugrün der Olivenbäume ab. Ein junges Mädchen aO an' von kaum achtzehn Jahren erkletterte lustig einen in den Felsen gehauenen Weg, welchen die letzten Gewitter- '<, e i J tage in einem reißenden Strom verwandelt hatten. P, Ihre unter einen Spitzenschleier zusammengedrehten beruft und mit einer langen Nadel aus ziselirtem Silber ge- -- haltenen Haare, ein schmachtender Blick ihrer großen, braunen Augen, vor Allem aber ihr geschmeidiger, graziöser Gang _ i.t..■,'�Mchgg und angenehmes Aussehen, arke, welche von den Wellen ge» K«, zufer Zb verliehen ihr ein so wie dasjenige emer schaukelt wird. Auf der Terrasse der Kirche, welche die Phantasie oder da« Genie eines unbekannten Künstlers an die Seite des Berges gebaut hat, stand das Mädchen einen Augenblick still, um die zu ihren Füßen liegende magische Landschaft " er Linken senkte sich das Gebirge von ins�Meer hinab und barg im Hinter- �MUU, um VIV QW %% zu betrachten. Zu i' �Portofino majestätisä nde eines Golf« das Städtchen Camoglio, dessen weiße . äuser sich malerisch über einem Hintergrund von Felsen und düsterem Laubwerk erhoben. Rechts zeigten die Berge der Esterelta ihre schneeigen Gipfel, welche sich in nebel- Haftet Ferne verloren. Ueberall, über ihrem Haupte und ju ihren Füßen, azurne Wellen, Lichtstrahlen und Funken, und angesichts dieser großartigen Natur erzitterte Giuseppa's Seele in tiefer Bewegung wie eine Aeolsharfe. Au« dieser Träumerei wmde da« Mädchen durch da« einer Weise die jugendlichen Gemüther vorbereitet, daß sie in den Manövern nur die genauen Abbildungeu all' der ge- lesenen und ihnen vorgetragenen Knegsgiäuel erblicken. So trägt auch der Anblick von Manövern und das Lesen solcher „Geschichtenbücher", in denen von der Kulturentwicklung der Menschheit kaum die Rede ist, sondern nur die KriegSfurie waltet, zur Rohheit der Jugend wesentlich bei. Dr. Windthorst, der bekannte Zentrumsführer, er- klärte in der letzten Session des Reichstags, daß er oftmals und gern Treiberdienste bei Treibjagden verrichtet habe und sich dessen jetzt noch fteue. Der gute Mann hat doch wohl die Tragweite seiner Worte nicht bedacht. Die bäuer- liche Jugend in fast ganz Deutschland wird zu Treiberdiensten bei Treibjagden benutzt; dort sieht sie, wie aus dem Hinter- halte nicht etwa nur Schaaren von unästhetischen Sauen, sondern hunderte der edelsten und herrlichsten Thiere der Schöpfung niedergeschossen werden und zwar von den Menschen, die sich rühmen, Ebenbild eines Gottes zu sein. Da stürzt der stolze, majestätische Hirsch, dort das sanfte, braunäugige Reh von der möderischen Kugel getroffen in jähem Sprunge darnieder, da flattern die federglänzenden Fasanen aus blauer Luft blutig und zerschossen herunter zur Erde, und die Treiber, bes onders die jugendlichen, begrüßen solchen Massentodsschlag mit großer Freude.— Wohl kann die Jagd ein edles Vergnügen sein, wenn sie ein Kampf ist, wenn der Erfolg in ihr von einer ernstlichm Anspannun der Kraft und der Ausdauer des Jägers abhängt. Aber i bei der Treibjagd auch nur die Spur davon vorhanden?! Wer aber mit Vergnügen die harmlosen Thiere des Waldes in Massen todeswund niedersinken sieht, der wird auch gleichgiltig dabei stehen, wenn ein Mensch in letzter Stunde mit dem Tode ringt. Wir halten es deshalb für Pflicht der Regierung, die Betheiligung und das Zuschauen jugend- licher Elemente bei Treibjagden zu verbieten, damit der Rohheit nicht Vorschub geleistet werde. Auch sollte dieJugend von denWettrennen fern gehalten werden. Der Anblick auch dieser Thierquälerei stumpft ab und macht roh. Fast bei jedem dieser Rennen bricht ein Roß mit seinem Reiter zusammen, aber kein Mitleid ergreift die Menge, wenn Pferd und Reiter todtwund vom Platze geschafft werden, denn schon fliegen andere Renner vorüber und während des Jubels der Zuschauer verendet das gestürzte Pferd hinter der Bretterwand und stirbt vielleicht auch der jugendliche Reiter in seinem„Berufe".— Eine sehr treffliche Karrikawr zu den Wettrennen liefert uns eine Mittheilung der„Elberf. Ztg." aus Barmen. Es heißt da: „Am Sonntag Nachmittag fand am Hottenstein ein von dem„Nächstebrecker Kriegerverein" zu Ehren seines diesjährigen Stiftungsfestes veranstaltete« Ese l- dem in der Luft verklingenden Gebimmel der Glocken nach- folgende Stillschweigen gerissen und es trat nun ernst und voll Andacht in die Kirche. Hier kniete sie nieder; nachdem sie jedoch ein heißes Gebet zur heiligen Jungftau gerichtet hatte, deren bleiches Bild das Dämmerlicht der Kapelle er- leuchtete, schweifte ihr Blick einige Minuten lang umher und heftete sich sodann auf einen schönen jungen Mann mit sonn- verbrannter Gesichtsfarbe, der seinen rothen Hut in der Hand und den Mantel über die Schulter geworfen, andächtig dem Priester lauschte. Das war Paolo, welchen sie schon lange bewunderte und liebte und in dieser Liebe glücklich war. Eine Waise, welche ihr Brod nur kümmerlich verdiente, verdankte Giuseppa ihm alle Freuden, welche ihr in ihrer bescheidenen Existenz zu Theil geworden waren. Als junge Kinder waren sie mit einander in der Schule gewesen und hatten daselbst, über das nämliche Buch geneigt, wobei ihre Locken dicht in einander fielen, lesen gelernt; später hatten sie zusammen längs der Felsen Muscheln gesucht, an den Festabenden beim Mondschein mit einander getanzt und sie hatte sich an ihn geheftet wie die Alge an das Felsenriff, gegen welches die Woge sie treibt. Wenn übrigens Paolo Giuseppa'« Liebe würdig war, so war dies zum guten Theile auch ihr eigenes Verdienst. Denn Paolo war im Grunde eine wilde und ungestüme Natur. Frühzeitig seiner Eltern beraubt, welche ihm kein sehr gutes Beispiel hinterlassen hatten, war er sich selbst überlassen gewesen und hatte nur zu oft in wenig empfehlenswerther Gesellschaft seine schlechten Instinkte an den Tag gelegt. Seine Vergangenheit war mit schlimmen, ja blutigen Händeln befleckt und oft genug war er mit Schmugglern und Wilddieben umgegangen. Jndeß waren ihm im Grunde seines Herzens Keime von Tapfer- keit und Hochherzigkeit geblieben, die unter bessern Verhält- nissen der Entwicklung fähig waren und ihn zu einem besseren Menschen machen konnten. Da eineAehnlichkeit ihrer ursprüng- liehen Anlagen Paolo und Giuseppa bald einander genähert hatte, so hatte das Mädchen einen sehr heilsamen Einfluß auf ihren Freund ausgeübt. Dank ihrer zarten Sorgfalt und dem beständigen Umgange mit ihr wurde au« dem an- Wettrennen statt, zu welchem ein großes Publikum er» schien. Wenn in unserer Zeit mit Recht über Ver» rohung der Jugend geklagt wird, so sind derartige Schaustellnngen geeignet, dieselbe zu nähren und zu förder». Hinter jedem der rennen sollenden Esel befanden sich mit Knütteln bewaffnete Kerle, welche unter fort» währendem Schlagen das Thier seinem Ziele, vor dem e« noch ein Hinderniß zu überwinden hatte, zutrieben." Was sagt zu diesem Treiben Herr Dr. Windt- Horst? Es ist nicht besser und nicht schlechter als das Treiben auf Edelwild. Möchte er auch hier mitmachen und mit Freuden Eselstreiber sein? Und was sagen die hohe» Herren zu diesem Eselswettrennen? Es waren doch Mitglieder eine« KriegervereinS, welche es veranstalteten 1 Meist also Kriegskameraden! Es war nicht besser und schlechter als ein Pferdewettrennen, nur daß bei ihm anstatt Sporen und Peitsche der Knüppel regierte. Und da hat man es nur mit dem h Heren oder niederen Bildungsgrad der Betheiligten zu thu— im Uebrigen kommt nur die Geschmackssache in Betra t.— Wäre es nun nicht Pflicht des Staates und der Gesell« schaft, angesichts solcher Vorkommnisse auf die Jugend- erziehung größere Aufmerksamkeit zu richten, die Jugend vor solchen verderblichen öffentlichen Einflüssen zu schützen? In jedem Menschen steckt ein tüchtig Stück Bestialität. Das ist an sich kein Unglück, aber es wird zum großen Un- Slück, wenn die Bestie im Menschen zur Herrschaft gelangt. lnstatt nun diese Gefahr zu bekämpfen, zu vernichten, wird sie vielfach noch durch Achtlosigkeit verschlimmert. So lange aber das geschieht, erwarte man keine Herrschaft der Moral, kein allgemeines vernunftgemäßes Streben; es wird viel- mehr immer dann der Kampf des Menschen gegen den Men- schen, der Kampf gegen Sitte und Sittlichkeit, der Kampf gegen Ordnung und Humanität in althergebrachter roher unv manchmal bestialischer Weise fortdauern, zur Beküm» merniß aller Derer, welche die Bestie im Menschen der Hu- manität unterthan machen wollen. Bei der Jugend aber setze man den Hebel an, damit es gelingt, die„Verrohung und Verwilderung" endgiltig zu besiegen._ Politische Ueberstcht. Die Handels- und Gewerbekammer zu Heidenheim beschäftigt fich in ihrem Jahresberichte u. A. mit dem V e r e 1 n S- wesen, dessen in Stadt und Land immer stärker werdende« Ueberhandnehmen, in Verbindung mit den damit zusammen- hängenden schädlichen Folgen der Trinkgelage, der Vereinsfefle, Tanz- und anderen Belustigungen der Kammer Bedenken vev- ussachen. Die Kammer sagt:„Der Durchschnitts- Deussche gehört nicht sich, nicht seiner Familie und seinem Beruf, sondern in erster Linie irgend einem oder mehreren„Vereinen" an. fänglichen Taugenichts allmälig ein rechtschaffener Bursche. Den immer guten Rüthen Giuseppa's folgend, trennte er sich von seinen alten Kameraden und wandte sich zu regel- mäßiger Arbeit, welche von jetzt an sammt seiner Freunvin alle seine Gedanken in Anspruch nahm. Drei ganze Jahre lang hatte er seinen bescheidenen Verdienst zusammengehalten, damit er ihr die Mantille und die Stecknadel schenken könne, auf welche sie nicht deshalb so stolz war, weil sie darin so schön aussah— sie hatte keinen Spiegel, welcher ihr das hätte sagen können— sondern weil die..... Paolo'S Hand kamen. Alle Welt kannte ihre unschuldige Leidenschaft und respektirte sie; man wußte, daß sie einander heirathen wür- den, sobald sie es könnten. Sie waren also vollkommen glücklich und es mußte ihnen eine glückliche Zukunft lächeln. Nachdem die Messe zu Ende war, näherte sich Giuseppa lebhaft Paolo, schlang ihren Arm um den seinen und zog ihn ein wenig auf die Seite, um ganz ungestört mit ihm plaudern zu können. Sie setzten sich in den angenehmen Schatten eines mit Früchten beladenen Olivenbaume« und jetzt erst bemerkte das Mädchen das traurige und bekümmerte Aussehen ihre« Freundes. »Was hast Du, mein Paolo?" fragte sie ihn voll Un» ruhe.„Hast.Du mit Jemandem Streit gehabt, oder hat Dich der Patron weithin mit einer Ladung Oliven ge» schickt?" „Schlimmer als das!" seufzte Paolo. „Dann hat er Dich fortgeschickt?" Der junge Mann schüttelte den Kopf. „Was ist's denn? O mein Gott!" rief Giuseppa, die Hände faltend und erbleichend. „Ich bin nun zwanzig Jahre alt und muß Soldat wer- den- ich muß nach Mailand reisen, wo ich den Dienst machen soll." Giuseppa ergriff Paolo'S Hände und in dieser Lage verharrten Beide eine Zeit lang, Auge in Auge, schweigend und mit gepreßtem Herzen. Plötzlich wendete Giuseppa den Kopf auf die Seite und diese Schätze aus Du enome Verschwendung an Zeit und Arbeitskraft, die durch das fragwürdige Trink- und Toastvergnügen nicht aufgehoben werden kann, repräsentirt, vom volkswirthschastlichen Stand- punkte betrachtet, ganz riesige Ziffern. Jeder steht solche Bei- fpiele in seinen Kreisen in Hülle und Fülle."— Dazu sagt die„Nordd. Allg. Ztg.":„Bemerkensiverth ist, daß die demo- kratischc„Frankfurter Zeitung" bei Mittheilung dieses Aus- spniches nicinl, derselbe verdiene Beachtung. Unseres Wissens rst nämlich das Ueberhandnchmcn des Vcremswesens wesentlich eine Folge der Bestrebungen gewesen, demokratischen Tendenzen mittels darmlofer Vereinigungen Verbreitung zu schaffen. Von den Linken haben die Rechten diese Praxis erst gelemt."— Wir sind nun zwar auch der Ansicht, daß Vereine welche nur dazu gegründet iverden, um der Schlemmerei und Völlerei zu fröhncn, ganz überflslssig sind. Etwas anderes ist es mit solchen, welche sich eine sittlich hohe Aufgabe gestellt haben, welche dahin streben, die Lage ihrer Mitglieder geistig und materiell zu verbessern. An solchen Vereinen ist aber kein Ueberstuß vorhanden. Wenn letztere vielleicht ab und zu ein Vereins- fest oder ein sonstiges Vergnügen abhalten, so geschieht es zu edlen Zwecken. Sehr unklar stnd die Bemerkungen der „Nordd." Die alte Base kann nicht umhin, jeder Vereinigung einen demokratischen Zweck anzudichten. Wenn dem so wäre, so würde das mit Freuden zu begrüßen sein, denn demokratische Zwecke äußern sich nicht in Saufgelagen und Rohheiten, mithin können sie auch keinen Anlaß zu diesbezüglichen Klagen geben. Die Handelskammer muß also andere Vereine gemeint haben, wenn sie von einem Uederhandnehmen spricht. Es geht dieses auch schon daraus hervor, daß die Herren ausdrücklich vom Trink und T o a st v e r g n ü g e n:c. sprechen, und daß sie am Schluß sich darauf berufen:„Jeder sieht solche Beispiele in seinen Kreisen in Hülle und Fülle." Die Ange- hörigen der Handelskammer sehen hiernach also auch in ihren Kreisen solche Trink- und Toastvergnügungen in Hülle und Fülle, es wird aber wohl Niemand behaupten wollen, daß in diesen Kreisen dem demokratischen Gedanken sonderlich gehuldigt wird. Wir ivissen nicht, ivas sich die �Franks. Ztg." dabei gedacht hat, als sie schrieb, dieser Hinweis der Handelskammer verdiene Beachtung. Jedenfalls hat sie auch in ihren Kreisen derartige Vereine genug zu verzeichnen- Denn der demokratische Gedanke, welcher von der„Franks. Ztg." vertreten wird, steht mit Trink- und Toast-Vereinen nicht im Widerspruch. Wenn die„Nordd." nun der Kollegin a. Main das Kompliment macht, daß Die Rechte, soll heißen die Konservativen von derLinken, soll heißen von den Dämnicrungs-Demokraten die Vereins- fpielerei erlernt haben, so mag das zutrcffeir, es läßt sich jeden- falls schwer entscheiden, wer es im Änhochen und Schweif- wedeln am weitesten gebracht hat. lieber die Verhältnisse der beim Bergbau in Ober- schleflen beschäftigten Arbeiter veröffentlichte der Reichs- anzeigcr vor Kurzem einen längeren Bericht. Danach bettägt der tägliche Durchschnittsverdienst eines Arbeiters beim Bergbau, also bei einem der gefahrvollsten und ungesundesten Betriebe noch nicht einnial eine Mark täglich: nämlich im ganzen Jahr 307 M£. 50 Pf.; er hatte sich trotz der Schutzzölle gegen das Vorjahr nur um 4 Mk. 27 Pfg. vermehrt. Dieser jämmerliche Verdienst genirt selbst den„Reichsboten", denn er bemerkt dazu: „Das ist bei Weitem nicht ausreichend, um die Erhöhung des Brodpreises, wie sie der Kornwuchcr(So!) mit Hinweis auf die Kornzölle gemacht hat, zu entdecken. Der„Reichsanzeiger" entschuldigt den Zustand, der sich in der von ihm gebrachten Lohnstatistik zeigt, damit, daß in den Bergwerken Oberschlestens 38 pCt. der gesammten Belegschaft aus Frauen besteht. Ist das aber eine Entschuldigung: ist es nicht vielmehr eine schwere Anklage gegen die Ergebnisse einer Wirhschastspolitik, für welche die„N. A. Zig." so beflissen ihre Lanzen einlegt, daß sie eines der schwersten Betriebe fast schon vorwiegend durch Frauen betreibt? Auch die Sozialpolitiker der„N. Allg. Ztg." sollten sich erinnern, daß der Kulturbegriff bei den Völkem, welche ihren Frauen die schwersten Arbeiten aufbürden, als ein sehr mangelhafter gilt— ganz abgesehen von einer exakten Nationalwirthschaft, welche ihre Aufgabe nicht in einer ein- seitigen Ausbeutung und Vergeudung der Kräfte, sondern in der ersprießlichen Verwerthung siebt." Herr Eugen Richter ist die Antwort auf die Anschuldi- gung des Dr. Guido Weiß, daß er Schuld daran trage, daß in Berlin unfähige Elemente gegen den Willen der eigent- lichen Parteigenossen in den Reichstag gewählt wurden, nicht schuldig geblieben. Er schreibt:„Denn Guido Weiß hat es niemals verstanden, ssch zum Berliner Volk in einer für das- selbe verständlichen Weise herabzulassen, weshalb denn auch alle seine Preß-Untemehmungen kläglich geendigt haben und die politische Thätigkcit des Dr. Weiß seit Jahren darauf be- schränkt gewesen ist, in der Zeitung seines Schwiegersohnes feinen Groll über die Berliner und die Berliner politschcn Ver- hällniffe auszulassen. Mitunter sind aber selbst Herrn Sonne- mann diese(-. Koirespondenzen zu hämisch und zu verlogen ge- wesen. Die' Frankfurter freilich sind Herrn Weiß etwas näher gekomnien. Sie haben ihn einmal in den Landtag gewählt, es dann aber auch niemals wieder gethan"— Jedenfalls wird Herr Dr. Guido Weiß diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Paolo sah, wie ihr wider ihren Willen heiße Thränen über die Wangen liefen. „Weine nicht, mein armes Kind, Du machst mir damit so viel Kummer," sagte er endlich mit gerührter Stimme. , Bei diesen Worten schlang sie beide Arme um seinen Hals und ließ ihren Kopf auf seine Brust sinken. „Warum, mein Paolo, hast Du mir nie gesagt. Du würdest mich eines Tages verlassen und müßtest Soldat werden?" „Weil ich gar nicht daran denken mochte. Die Jahre sind viel schneller vergangen,� als ich voraussah, und dann hast Du mich Alles vergessen machen, was nicht Du war. „Mußt Du lange in Mailand bleiben?" „Mehrere Jahre." Der Schmerz übermannte da? arme Kind; es stieß einen Schrei aus, während es die Hand auf's Herz legte. „O, das wird mein Tod sein!" „Nein, nein, Du wirst nicht sterben, mein Schatz, mein Leben, meine Giuseppa!" rief Paolo bebend.„Denke daran, daß ich zurückkehren werde und daß wir dann einander hei- rathen werden! Sollte ich bei meiner Heimkehr inS Dorf von Dir nur noch ein Kreuz auf dem Kirchhof finden, so wäre, das schwör' ich Dir, für mich Alles verloren! Du weißt, was ich ohne Dich wäre: ich würde wieder der alte Paolo und käme schließlich auf die Galeere!" „Paolo!" „Ich schwöre es!" „Nein, nein, nimm diesen Schwur zurück, der mir schreckliches Leid verursacht. Ich werde muthig Deine Zurück- kunft abwarten, ich werde stark sein; siehst Du, ich weine nicht mehr."' Und das arme Mädchen versuchte zu lächeln, aber dies Lächeln war so traurig, so herzzerreißend, daß es noch schmerzlicher anzusehen war als sogar ihre Thränen. „Du bist ein gutes und muthiges Mädchen!" rief Paolo, sie voll Bewunderung betrachtend.„Und ich bin allzu glück- lich, daß ich Deine Liebe befitze" lieber den zunehmenden Byzantinismus wird der „Franks. Ztg." aus Norvwest-Deutschland geschrieben:„Ist es in Altprcußen immer so gewesen, oder zeichnet sich die neu- preußische Provinz Hannover und vielleicht unsere Zeit durch einen besonveis hohen Grad von Byzantinismus aus? Hier wenigstens wird es in dieser Beziehung täglich ärger. Die Minister, die kürzlich hier in der Gegend reisten, sind aller Orten mit sonderbarer Feierlichkeit empfangen worden. An den Bahnhöfen stellen sich nicht blos die Beamten, der Magisttat u. s. w. auf, was wohl nicht weiter auffällig wäre, sondern auch Krieaervereine, Gesang-, Bürgervereine u. s. w., und selbst die Schulkinder bilden Spalier. Ja nicht blos dem Minister werden solche Ehren erwiesen, sondern auch dem Ober- Präsidenten, ja sogar dem Regierungspräsidenten in Begleitung von ein paar Landräthen. Die Lokalblätter bringen dann am andern Tage salbungsvolle Berichte über jeden Schritt und Tritt der„hohen Herren"— unter dem geht es selbst beim Landrath nicht ab. Wie haben solche Manieren in dem ker- nigen selbstbewußten Wesen unserer Marschbauern einreißen können? Ein Zug, gegen Höhere in Unterwürfigkeit zu ex- zelliren und innerhalb der näheren Volksschichten eine kleine Aristokratie zu errichten, sei es nun großbäuerliche oder innungsmeisterliche, und in Hoffahrt gegen die Kleineren einen Ersatz für die Demuth gegen die Größeren zu suchen, liegt wohl leider in der Zert. Ganz besonders häufigen Spuren dieses Byzantinismus begegnet man in Geestemünde, wenigstens sofem die dortigen Blätter die Gesinnung der Bürgerschaft tteu widerspiegeln. In Bremerhafen, das zwar als nichtpreußische Stadt nicht soviel Gelegenheit dazu hat, werden solche Gesinnungen von gewisser Seite auch ganz zwcckbewußt gefördert. Dabei ist dieser Tage eine amüsante Geschichte passtrt. Kaum war die Entscheidung über die Dampfcrftage zu Gunsten Bremens heraus, so beschloß der Stadtrath von Bremerhafen, in welchem der Stadtdirektor Geb- Hardt, nat.-Iib. Reichstagsabgeordneter, die leitende Rolle spielt, Bismarck, Bötticher und Stephan zu Ehrenbürgern zu ernennen. In der Bürgerschaft war man der Meinung, es sei lediglich das Verdienst des„Norddeutschen Lloyd", daß Bremerhafen und nicht Hamburg die neuen Dampfer erhalte. So wurde denn in der betreffenden Sitzung des Stadtraths und Stadtverord- neten bcanttagt, auch H. H. Meier in Bremen zum Ehrenbürger zu machen. Dagegen erhob sich Herr Gebhardt und wollte den Antrag— obwohl derselbe nur ein Amendement zu dem seinigen war— in dieser Sitzung nicht zulassen. Die Stadt- verordneten beschließen dennoch die Dringlichkeit, der Stadt- rath lehnt sie ab: die Stadtverordneten beschließen die Ver- tagung, der Stadttath lehnt sie ab und verlangt, daß sofort und nur über seinen Anttag abgestimmt werde, woraus die Stadtverordneten die Sitzung verlassen und die Versammlung beschlußunfähig machen. So ist der erste Att des kleinen höfischen Dramas denn zu allgemeiner Heiterkeit resultatlos verlaufen." Die AuSweisungsmaßregeln dürften nunmehr auch auf die Angehörigen der österreichisch-ungarischen Monarchie zur Anwendung kommen. In Oberschlesten und weiter längs der Grenze bis zum Königreich Sachsen hin lebt eine nicht unansehnliche Bevölkerung eingewanderter Czechen und Polen, die jetzt vielleicht auf die Ausweisungsliste gelangt. Die Gemeindebehörden in ber Grasschaft Glatz find bereits be- aufttagt, ein Verzeichniß dieser Personen einzureichen. Anderer- Mts revanchirt sich Oesterreich, indem es die Wittwen und aisen solcher preußischen Unterthanen ausweist, welche ihren Nachkommen nicht genügende Subssstenzmittel hinterlassen haben. Die Versuche zur Anbahnung engerer Beziehungen zwischen den befreundeten Reichen erhalten durch solche Vorkommnisse eine mindestens eigenthümliche Beleuchtung. Zum projektirten Nord-Ostseekanal. Die offiziösen „Berk. Pol. Nachr." behaupten zu wiederholten Malen, daß man„in den betheiligten preußischen Ressorts" eifrig dabei sei, für den Entwurf eines Reichsgesetzes, bett. die Anlage eines Nordossseekanals, dem die prinzipielle Zustimmung Preußens gesichert sei, die Details für die Bemessung und Begründung der als preußischer Borausbeitrag einzustellenden Summen festzustellen. Es kommen dabei einerseits die Kosten in Betracht, welche der preußische Staat durch die Entbehrlichkeit andernfalls nicht zu umgehender Verkehrsanlagen erspare, andererseits die Handels- und verkehrspolitischen Vottheile, welche die anliegenden preußischen Gebietstheile von der Anlage zu erwarten haben. Man befürchte auch keinen Widerstand bei den Bundes- regierungen; die süddeutschen Bundesstaaten, welche allerdings in geringerem Maße von dem Kanäle Nutzen zu gewärtigen haben, werden sich sagen müssen, daß sie in der vorzugsweise ihnen zu Gute gekommenen Reichssubvention für die Gotthard- bahn bereits ein Acquivalent für die auf den Nord-Ossseekanal aufzuwendenden Summen erhalten haben. Die badische Regierung hat bei dem Bundcsrath den Entwurf einer Verordnung, betr. den Ein- und Durchfuhr« verkehr mit Wein, Bier uiiv Branntwein nach dem Großherzog- thum Baden beantragt. Danach muß jede nicht unter Zoll- kontrole stattfindende Einfuhr von Wein, Bier oder Brannt« wein aus einem Staate des deutschen Zollgebiets in das Großherzogthum— gleichviel ob der Transport auf der Eisen- „Ach," seufzte sie,„wir werden unS trennen müssen. Wann gehst Du?" „In zwei Wochen." Bei diesen Worten fühlte Giuseppa, welche auf das glänzende, mit Barken durchfurchte Meer hinabschaute, ein schmerzliches Zittern. Sie sagte jedoch kein einziges Wort und nur das konvulsivische Zucken ihrer farblosen Lippen zeigte an, daß sie litt und mit sich kämpfte. Paolo sah sie bange an, ebenso trostlos als sie, wollte dies indessen nicht merken lassen. Hätten die Glocken, welche ihre harmonischen Töne in die reine Luft erschallen ließen, ihnen jetzt auch zum Ende geläutet, sie hätten nicht niedergeschlagener sein können. Paolo brach das Stillschweigen zuerst. „Nun, Giuseppa," sagte er und gab sich vergeblich alle Mühe, seiner Stimme Festigkeit zu geben,„wir baben ja noch vierzehn Tage des Glückes vor uns. Es wird immer noch früh genug zum Verzweifeln sein." Giuseppa schüttelte den Kopf, als sei es um ihre Glück- seligkeit geschehen. „Muth!" murmelte Paolo. „Much? Den Hab' ich gehabt, um gegen die Armuth zu kämpfen und die Mühen eines harten Lebens zu ertra- gen, weil Du bei mir warst und Deine Liebe mir Alles ersetzte, was mir fehlte. In Deiner Gesellschaft habe ich mich nie als Waise gefühlt und war herzhaft an der Arbeit. Aber jetz— wer wird mich mit einem freundlichem Blicke trösten, wenn ich Kummer habe? Wer wird mir in der Kirche zulächeln? Wer wird am Sonntag Nachmittag mit mir hier hinauf gehen? O, ich werde allein fem, ganz allein!" „Sieh' doch, wie Du mir weh thust!" sagte Paolo, ihr sein in Thränen gebadetes Gesicht Wehrend. „O, verzeihe mir, mein Paolo! Glaube nicht Alles, was ich gesagt habe! Ich werde stark sein, ich verspreche eS Dir und Du weißt, nie hat Giuseppa ihr Wort nicht ge- halten." Ihr tiefer Blick war voll Stolz und Entschlossenheit. Mit der den Völkern des Südens eigenen Lebendigkeit der Eindrücke schüttelte sie ihren Kummer ab, wie ein Vogel bahn oder auf andere Weise geschieht— von einer vorsö mäßigen steuerlichen Urkunde begleitet sein. Hiervon ist best ausgenommen der Transport von Wein in Mengen von mehr als 5 Liter, von Weinproben in Flaschen von nicht als l/4 Liter Gehalt und von Wein in Mengen unter 20 welchen Reisende zu ihrem eigenen Gebrauch mit sich f. Als Begleiturkunden dienen Ueberaangsscheine, soweit nicht deren Stelle auf Grund besonderer Vereinbarungen mit ei: Bundesstaaten andere Begleitpapiere zugelassen find. bei verzollten oder aus einer unter zollamtlicher A stehenden Niedellage für verzollte Waaren bezogene Send die steuerfreie Einfuhr oder Einlage verlangt wird, st dies auf der steuerlichen Begleiturkunde bemerkt und die amtliche Bestätigung über die vollzogene Verzollung der sowie über deren unmittelbaren Bezug aus dem Vereinsl beziehungsweise aus der Niederlage beigefügt sein. Auch in diesem Falle der Transport unter Zollverschluß zu geschc Diese Bestimmungen sollen auch gleichfalls auf die Durch! von Wein, Bier und Branntwein durch das Groß herzog angewendet werden. Falls der Transport die Post Eisenbahn im Großherzogtbum Baden nicht verläßt, soll steuerliche Behandlung fortfallen und eine steuerliche Bei Urkunde nicht verlangt werden. In Blätter" Kamerun dort von find, direkten Nochrichten der„Lübeä zufolge, die Verhältnisse noch immer 12 M im vergaw orden.: Eisenb :aler R Ittgenste ' durch tl die n uer zahl Lage e wenige nnm, so ranlassu echt zu g Regu sings nich: uch die S chtiat j iten der „schale nservatto emeine B ß der A lehnt wi recht befriedigend und die Geschäfte gehen nicht besonders, die Kamerunleute noch immer nicht ganz beruhigt find. Kül kam es wieder zu einem Kampfe zwischen den von Dr. P vant enaagirten Lagosleuten und Kamerunern. Siebenzij elfteren befanden sich auf der Faktorei Neu-Lübeck. Es enl außerhalb des Hofes zwischen einem von ihnen und i Lagosmanne ein Streit, der zuletzt in Thällichkeiten aus« Beide Kämpfer erhielten Hilfe von ihren Landsleuten, ii größer wurde die Zahl der von allen Seilen herbeisttöm Kameruner, die mit Speeren, langen Messern, Säbeln u. s.> bewaffnet waren, jedoch znm Glück nicht mit FeucrgewePl da sie dieselben nicht besitzen. Die Lagosmänner trieben Kameruner zweimal die Hügel hinauf, mußten jedoch schli' der Uebermacht weichen und zogen sich in die Faktorei zi Es wurde jetzt das Signal für das Kanonenboot„Hai aufgehißt. Die Lagosleute begannen, da gerade an der tore, gebaut wird, die Ziegelsteine zu zerschlagen und die Kamemner hinabzuschleudern. Bald mehrten sich die wundeten. Der Kommandant des Kanonenbootes, Scb mann, ließ alle Kutter und Boote zum Gefecht klar mal und kam in zehn Minuten mit demselben in Sicht. Die I merunleute zogen sich auf einige Entfemung zurück. Mit» weile eilten auch die Herren Loß, Dr. Buchner, Dr. Passa Dr. Pauli, Wölber und eine größere Zahl anderer Em herbei und trafm mit den Böten des„yabicht" und dem Mandanten desselben ein. Die andern Böte wurden zur schickt, da man sah, daß die Kamerunleute sich zurückzogen Lagosmänner hatten 14 theils schwer, theils leicht Verivuii die Kamerunleute jedenfalls eben so viele. Der Kommai» In d , ilt Jadi ortatton i ttheilun Route kamen 188 ebenfluß weiter ostn meine Rul u Zwi _ Nrurth 2. Verbanr lust von 3. Auf rii i K verbann a) durch gieru d) durch mein! 5. In l «Sachen Gefangc 6. Militari 7. Vagabo 8. Jnterni Ins � Schuhmann ließ eine Wache von 8 Mann in der FaH durch die' zurück, worauf die Ruhe nicht wieder gestört wurde. EM das Mißvi Tage später, am 14. Mai, hatten die Herren Zinck und GA» den Mann das Glück, einen der ärgsten Wühler, Manga Aqua,; Bruder von King Aqua, dingfest zu machen. Er war sch«>' den ersten Unruhen verhaftet und auf die„Olga" gebss worden. Es war beschlossen, ihn nach Angra Pequena Von l senden, aber es war ihm gelungen zu entstiehen. Da die„D lassen ist abgegangen war, hatte er geglaubt, ganz sicher zu sein.„Der Bär' Faktorei Neu- Lübeck der Köllne war plötzlich wieder� auf der Faktorei Neu schienen. Zinck und Gättens benachrichtigten aber schnell heimlich ihre Küper, Maurer, Zimmerleute und Mann an der Zahl, und umzingelten ihn plötzlich.%a aber gegen 50 Kameruner in der Faktorei befanden, crgi diese, als einer den Ruf Manga Aqua ausstieß, Part» diesen und es kam zu Thätlichkerten. Nach einem hitzigen Si die Wuth kämpfe wurde Manga Aqua gefesselt und das Signal gew � Trümmc (am Tage geschieht dies durch Flaggen, Nachts durch R« und Blaufeuer). Woermanns Herren erschienen sofort; Voß begab sich, als er erfahren hatte, was geschehen war, Kommandanten des.Habicht"; in wenigen Minuten war schon das erste Boot da und holte den Gefangenen ab, der wohl nach Deutschland geschickt werden wird.(?) Der Kon« dant verfehlte nicht, am folgenden Tage, als alle SchiffSoffi Lapidarstpl wie beispie gesunde M von Gottes wie es in und für noi über alle „Todtenop! Jeden best der Tobt, lebet Men ch bey Z« ur Feier von Dr. Paffavants Geburtstage an die Beacil Welt mögl laden waren, den Herren Gättens und Zinck seine Anerken»' Leib nach für ihre wackere That auszusprechen. begraben p Nach einer der„Neuen Preuß. Ztg." zugehenden DiittheA lebet, viele wurde Manga Aqua nach seiner Gefangennahme öffcntlick! daß derjer züchtigt(!) und soll in das Exil nach Angra Pequena gssj kurtzer Zeit werden. Dasselbe Blatt berichtet, daß Dr. Buchner noch(4 kümmerlich am Fieber leide und im Begriff stehe nach Europa zuviel hinter zukehrcns'werden mo Vom Niederrhein schreibt man der„Volksztg.": Stadtverordneten- Versammlung von Elberfeld wurde über einen von dem Stadtv. Evertz eingebrachten Anttag, handelt, welcher die Herabsetzung des für die Berechtigung!~ Theilnahme an den Stadtverordnetenwahlen festgesetzten 3� �bann F .zu sein, ur und I möchte, tru nach einem Gewitterregen seine Flügel abschüttelt,_____,... als sei die bevorstehende Abreise Paolo's nur ein � ich erwog, Traum, welchen sie beim Erwachen vergessen hatte, wird. In' Freund durch die Oliven- und Zitronenwälder. J Ju, g Während der folgenden vierzehn Tage ließ sie'5 Geliebten ihre Niedergeschlagenheit nicht ein einziges' f, J merken. Und doch litt sie so unendlich! Es schien ihk- Kapital od sei die Sonne am Himmel verschwunden und als zsth< nur einen das Leben allmälig vor ihr zurück. i vorkommen Als die Stunde der Trennung kam, da begleite� welche es ihre Lippen fest zusammengepreßt, um ja keinen Klagst Willen v auszustoßen, ihren Verlobten, welcher sich in seiner timfl schen Kleidung etwas linkisch und schüchtern geberdete,. dem Bahnhose. Sie sah ihn in den Wagen steigen-. � st � grelle Pfiff der Lokomotive widerhallte in ihrem HssJ wierigc Kr etzt setzte sich der Zug in Bewegung und dann versch� tingeat ni Alles vor ihren Augen. Einige Augenblicke drehte sich Alles uw. herum, der Boden bewegte sich unter y Füßen, nie hatte sie etwas der Art en*| Sie mußte sich an die Mauer stützen, um nicht urnzuns sah trotz ihres von der Sonne gebräunten Gesichtes aus und brach in Thränen aus. Diese t Haien ihr sie erinnerte sich, daß sie nicht frei war und ihre Arbeit bei ihrer Herrschaft wieder aufnehmen mutzte, sie machte sich langsam auf den Hennweg, den Kopf 3' ohne daß sie die ihr auf der Sttaße Begegnenden an! wagte und zitterte im Schatten so sehr,' als liege einem heftigen Fieberanfall. Niemand hatte eine Vorstellung von der sch> Herzensbeklemmung des armen Mädchens, Niemand„ an wie manchem Abend sie unter Thränen endlich ei� Um sie zu begreifen und zu trösten, Hätte man müssen, wie sie liebte. Man bemerkte nur, daß sie blaß geworden und ihr von ihrer früheren tollen M«? nichts geblieben war als ein herzzerreißendes, w" Lächeln, welches schmerzlich anzusehen war. sraa genor Kasse verb bey Ausza werden, ui Haltung g zwei Lerst glieder der glieder bei Kranke u Kinder w mußte scci Todesfall über einen Auszahlun Nach gesch fitzer und und die würckliches (lautet Ar mordet, zu oder wegl weshalb e: würde, so auSgeschlos 12 M. auf 6 Ml. verlangie. Sin gleicher Antrag war vergangenen Jahre mit 9 gegen 6 Stimmen abgelehnt «den. Der Stadtv. Ullrich. Regierungsrath und Mitglied Eisenbahn- Direktion, sowie im vergangenen Jahre national- raler ReichstagS-Abgeordneter für den Wahlkreis Siegen- ittgenstein, sprach gegm den Antrag und machte u. a. geltend, durch eine Annahme desselben nicht viel erreicht werde, die noch zahlreichere Klasse derer, die unter 6 Mk. K lassender zahlen, das Wahlrecht doch nicht bekommen werde. Da Lage der Gesetzgebung die Städte denjenigen Mitgliedern, e weniger als 6 Mk. zahlen, das Wahlrecht nicht verleihen nnen, so haben sie nach Herrn Ullrich auch nicht die geringste ranlassung, denen, die zwischen 6 und 12 Mk. zahlen, das echt zu gewähren, obwohl es die Gesetzgebung gestattet. Der err Regierungsrath, der von der dritten Abtheilung aller- nngs nicht zum Stadtverordneten gewählt worden wäre, wenn uch die Bürger, die 6 und 9 Mk. Klasscnsteuer zahlen, wähl» '"echtigt gewesen wären, weil dann die große Zahl der Be- ten der staatlichen Eismbahndirektion nicht so sehr in die .agschale gefallen wäre, matte seinen nationalliberalen und inservativen Kollegen als Konseauenz des Antrages„das all- gemeine Wahlrecht an die Wand und erreichte es glücklich, «ß der Antrag diesmal mit 16 gegen 3 Stimmen abgelehnt wurde. ' Lüb? Rußland. I In der russischen Zeitschrist„Wostotschonyen Obosrenue" ? aÄDHeilt Jadrinzew einige Zahlen aus der Statistik über die De- rrL nach Sibirien mit. Er nimmt dabei die offiziellen c>°Mittheilungen zur Grundlage, welche er von dem Jnchcktor cis�iLder Route Tiumen-Atschink empfangen hat. Nach demselben . entit9|Qmcn 1884 tn Tjumen(in Westflbirien, am Tobolsk, einem und �-Arebenfluß des Ob) 21 014 Verbannte an, von welchen 20819 i ausar® weiter ostwärts zogen. Dieselben lassen sich in folgende allge- ten. n»?memc Rubriken vertheilen: vorsi stbes , von i nicht er 20 ich fül itei rd. :r Sendu> d, so id die der gescl ström«- llN U M DtgerocWl. Zu Zwangsarbeit tncbcnj Verurt heilte.... E) schlief 2. Verbannt mitVer- orei zu» lust von Rechten. Auf richterlichem Wege verbannt.. Auf amtl. Wege verbannt: &) durch die «ierung b) durch die meinden.... kriminellen Verbannte. Freiwillig Folgende.' Männer Frauen Männer Frauen Kinder t„HabijS. n der z > und'4. ch die 3 s. S» llar ma� ,% Paffa« 1708 135 2452 130 198§ - 236 - 406 30 416 739 51 zmmai-i Re- Ge- 90 14 5. 4565 301 Qtuta* Sachen expedirte ) dem fij Gefangenene ir jutfifj 6. Militärs.. [zogen.' 7. Vagabonden äcnnunf 8. Jntemirte. 1220 2 1467 203 164- 72- 8 10 9 1061 2208 - 189 10 Ins Auge springt bei dieser Tabelle die große Anzahl der L.• /Tf--.'.. W___ L /a... S. am m s* s* /* 1\ M\|-S. ty Sollte kein„Membrum" die volle Summe, sondem nur die kosten einer beschränsten Beerdigung erhalten. Kreditoren deS Verstorbenen hatten kein Recht, das„Todtenopfer" mtt Arrest zu belegen. Wer 40 Thlr. zur Kasse beigetragen,„pasfirte freu", d. h. er war von fernerer Zahlung befreit. Für ihre Mühe- waltung erhielten—„weil ein jeder Arbeiter seines Lohnes werth"— von jedem Sterbefall: der Vorsteher 14 Groschen, die beiden Beisitzer» 10 Gr., der Schreiber 12 Gr., die vier Kollektanten a 23 Gr., die zwölf Deputirte zusammen 1 Thlr., für die Armen wurde 6 Gr. gespendet. Außerdem waren die Vorgenannten Mitglieder der Kasse, ohne Beitrag zu zahlen. „Und weil"— so yeißt es schließlich—„zu diesem Werke der beste Grund die Liebe und Eintracht ist, worinnen die gute Sache bestehen kann, unter so Vielen aber oft Einer die größte Zerrüttung anzurichten vermag, so soll— um diesem vorzubeugen und wo möglich immer wahren Frieden zu erhallen, die Eommun, wenn sie solch unruhig Mitglied finden sollte, selbiges zur Liebe und Eintracht ernstlich ermahnen; wo aber Nichts verfangen wollte, mit Consens der Aeltcsten und Beisitzer aus der Eocietät ausschließen, damit der Friede allzeit erhalten werde." Bei ihren gegenwärtig nicht seltenen Versamm- lungsverboten beobachtet die Polizei gegenüber den betreffen- den Versammlungsplakaten an den Anschlagsäulen ein zwar sehr abgekürztes, aber auch sehr unzweckmäßiges Verfahren, in« dem fie diese Plakate einfach von den Säulen entfernt. Wer nun am Tage ein solches Plakat an den Säulen gelesen hat, und dasselbe am Abend nicht mehr vorfindet, sondem höchstens noch einige Ueberbleibsel desselben, der wundert sich darüber kaum, denn viele Anschlagsäulen, die an zugigen Straßenecken stehen, haben am Abend zahlreiche zerfetzte Plakate aufzuweisen. In der Zeit, welche nöthig ist, um d e Plakate zu entfemen, kann auch sehr bequem ein polizeilicher Verbotsvermerk auf die- selben geklebt werden, so daß man rechtzeitig und zuverläsfla über das Schicksal einer solchen Versammlung unterrichtet ist, den weiten Weg nach dem Lokal spart und unnütze Ansamm- lungen vor demselben vermieden werden. Die Intendantur der königlichen Schauspiele hat ihre rothen Zettel für plötzlich ausfallende Vorstellungen. Eine ähnliche Einrichwng empfiehlt sich auch für die Polizei, denn wenn eine Volksversammlung verboten wird, in der man über die Sonntagsmhe berathen will, so ist das mindestens ebenso wichtig, wie wenn eine Primadonna unwohl wird. r. Eine Verlobung, die durch einen Unfall sehr be- günstigt wurde, macht gegenwärtig im Osten der Stadt viel von sich reden. Der Sohn eines in den meisten Weißbier lokalen des genannten Stadttheils wohlbekannten Bauunter- nehmers verlor sein Herz an ein hübsches aber armes Mädchen, deren Eltern in dem Hause des Alten wohnten. Dieser ist ein menschenfreundlicher Herr, der fich in dem Maße der anerkennenswerthesten Fürsorge für seine Arbeiter nur über- treffen läßt durch eine bedenkliche Liebhaberei sür Fremdwörter und fremdwortartige Endungen bei deutschen Wörtern, mit denen er seine Zuhörer amüsirt. Von der Verlobung der beiden jungen Leute wollte er lange Zeit nichts wissen:„Was hast Du für eine Fernspektive bei das Mädchen" pflegte er den Sohn zu fragen, und auf dessen Entgegnung� daß Ktärchen De. Eilt das Mißverhältniß zwischen den Zahlen der freiwillig folgen- nd Gä-den Männer und Frauen. Aqua, zokale». .equeM Von Interesse für die Geschichte der Berliner Sterbe- die„LS fassen ist ein Aufsatz in Nr. 41 der Berliner Wochenschrift: sein,#„Der Bär". Dieser Aufsatz behandelt die Bcgräbnißkasse in Lübeck| der Köllner„Todtcnovferkasse" von 1754. Das Statut ist im chnell! Lapidarstql der ältesten Berliner Gewerksurkunden abgefaßt, uneger,'wie beispielsweise diejenige der Bäckergilde, beginnt:„Da der i. Da. gesunde Mensch nicht lange ohne Brot sein kann, es käme denn % crw von Gottes Gnaden, darum haben wir Rathmann sc." Oder Part« wie es in dem Gfldebrief der Schneider heißt:„Da der Tod die Wuth seiner Gewalt nicht stillen wird, bevor er nicht Alles in Trümmer gestürzt hat, ist es durch nützliche Fürsorge bestimmt und für nothwendig befunden worden, daß glaubwürdrc Schriften über alle Verhandlungen aufgenommen werden. Unser „Todtenopfer-Statut" lautet im Eingange'„Es wird wohl einem Jeden bekanndt sein, daß in der Welt nichts gewissers ist als der Todt, die Stunde desselben aber ungewiß. Dabero hat ein r Koir» jeder Mensch wohl Ursach, stets an sein Ende zu gedenken und ziffsM fich bey Zeiten dazu zu schicken, daß sein Abschied aus dieser i Bcafl. Welt möge selig sein; auch dabey davor zu sorgen, daß sein ncrken»' Leib nach seinem Tode, christlichem Gebrauch nach, könne ehrlich 9 J begraben werden. eil» lebet, vielen Gefährlichkeiten Der Mensch ist, so lange er in der Welt ...�rlichkeiten und Unglücksfällen unterworffen, ffentliäÜ daß derjenige, welcher heute im guten Wohlstande lebet, in cna gcfl kurtzer Zeit m solche Armuth gcrathen kann, daß er sich kaum noch sa- kümmerlich zu erhalten vermag und nach seinem Tode nicht so 020 uß viel hinterlasset, daß er mit Ehren unter die Erde gebracht werden möge. Dahero in vielen Städten, als auch im hiesigen ... in' Restdentzien, die löbliche Gewohnheit eingeführt worden, Sterbe- ': FLl Cossen zu errichten, bey welcher fich eine gewisse Anzahl zusammen .�Zfdegiebt, die etwas gewisses bevtragen. damit ein solches Mit- -"w-i�d ehrlich zur Erden bestattet werden könne. Und da ich, �ttn Z� Johann Friedrich Hamsch.�von unterschiedlichen Interessenten man heute nicht weit."— Vor einigen Tagen verunglückte in dem Hause des Bauunternehmers einer serner Arbener beim Abladen von Baumaterialien, und Klärchen eilte mit Wasser und Leinewandbinden herbei, um dem blutüberströmten Manne behilflich zu sein, vor dessen Anblick die anderen Frauen entsetzt bei Seite gewichen waren. Bis ein Arzt zur Stelle war wusch und badete das junge Mädchen die Wunde des Verletzten, wobei fie von dem Mten aufmerksam beobachtet wurde.— Am Abende dieses Tages aber sagte der Alte zu seinem Sohne: „Weißt Du, die Sache mit die Klara habe ich nochmal über- legt,— es schwebt so ein gewisser Nimbums um das Mächen." Einige Tage später standen die Namen der Betheiligtcn unter der Rubrik„Familicnnachrichten" in den Zeitungen. Der Alte aber ist durch diese Verlobung seines Sohnes noch populärer geworden, als er es bisher schon war. Genen die Unsitte des wagerechten Tragens von Spazierstöcken liegt jetzt auch von Seiten des Regicrungs- Präsidenten zu Stettin eine unterm 23. v. M. an die Polizei- Verwaltungen des Regierungsbezirks erlassene Verfügung vor, die fast gleichlautend ist mit der seiner Zeit von der Düffel- dorfer Staatsanwaltschaft erlassenen Bekanntmachung und da- her ebenso energisch gegen die gerügte Unfitte einschreitet. Es heißt darin, nachdem auf die Düsseldorfer Verordnung hinge- wiesen: bezugnehmend auf die vorstehende Verfügung und im Hinblick auf die Verbreitung derselben Unfitte im dies- seitigen Bezirk empfehle ich den Polizeiverwaltunaen, die Exekutivbeamten dahin anzuweisen, daß sie ein die Passanten gefährdendes Tragen der Spazierstöckc und Regenschirme bei jeder bietenden Gelegenheit durch persönliches Emschreiten in- hibiren, wirklich vorgekommene Verletzungen aber behufs weiterer Mittheilung an die Staatsanwaltschaft dienstlich zur Anzeige bringen." Von einem sonderbaren religiösen Wahn müssen zwei Frauen befallen sein, die vorgestem von der Polizei in Spandau angehalten wurden. Dieselben waren am Mittwoch nach Span- dau gepilgert und erregten durch ihr rächselhaftes Gebahren die Aufmerksamkeit der Leute. Es wurde mehrfach beobachtet, daß fie im Freien in der Nähe der Stadt an der Erde kauerten •—-• W nm I 1 gmss mm am en s ziehe "-S er wi cdete, % versi ich erwog, wie öfters ein guter Wille mit Undanck belohnet wird. Indessen entschloß ich mich doch, meinem Nächsten aus Liebe zu dienen; zumalen, da es zum Besten derer nicht zum voraus sehenden Unglücksfällen das Absehen hat, dieses löbliche Wenk zu unterwerffen und unter andern löblichen Exempeln zu folgen. Die Abficht soll im geringsten nicht sein, ein großes Kapital oder eigenen Nutzen und Vortheil zu fichem, sondern nur einen Vorrath, der zu dreyen Leichen hinreichend scy, und vorkommenden Sterbefällen bereit sey daß diejenige Person, welche es mit der Societät gehalten und nach Gottes Willen von dieser Welt abgefordert wird, christlichem Gebrauch nach zur Erden bestattet werden möge. Damit es auch zum Besten der Armuth gereichen möge, ist beschlossen worden, von jeglichem Sterbefall etwas zu sammeln, und zwar zu dem Ende, wann etwa ein Mitglied in lang- wierige Krankheit gerathcn sollte und wegen Armuth sein Con- tingeat nicht zutragen könnte, soll von solchem Gelde der Bey- :-rag genommen werden, um damit solches Glied doch bey der „ KQne verbleiben, so lange er lebet; nach seinem Tode aber, bey Auszahlung der 40 Rthlr., soll der Vorschuß abgezogen werden, um solches wieder zur Kasse zu legen w." Zur„Er- htutung guter Ordnung" wurdem dem„Aeltcsten" tzanisch zwei Beifttzer, ein Schreiber, vier Kollektanten und 12 Mit« glteder der Kasse beigegeben. Die Anzahl der versicherten Mit- alieder belief fich nach einem späteren Verzeichniß auf 602; Kranke und über fünfzig Jahre alte Personen sowie Kinder wurden nicht aufgenommen. Jeder Neueinttetende mußte sechs Groschen„Einkaufsgeld" entrichten; für jeden Todesfall wurden 2 Groschen eingezogen. Verfügte die Kasse über einen Bestand von 47 Rthlrn., dann erfolgte die„freie Auszahlung einer Leiche", ohne Kollektirung des.Todtenpfcrs". Nach geschehener Meldung eines Todesfalles hatten ein Bei- fitzer und ein Kollettant fich in das Sterbehaus zu verfügen und die Leiche in Augenschein zn nehmen, ob„selbige ein streik. Von sämmtlichen Rednern würde der Streik als ein gerechter und der Geist der streikenden Maurer als ein guter aner- cn—----„„„iXU WeNerftl fich in einiger Entfernung... des Wallgrabens auf die Kniec geworfen, die Hände gefaltet und schienen Gebete zu verrichten. Sie wurden darauf zum Polizeibureau geführt, wo fie fich als die Wittwc Jahn und die unverehelichte Weniger aus Berlin bezeichneten. Erstere steht etwa im 48. Lebensjahre und gab auf Befragen in allem Emst die Auskunft, daß fie mit ihrer Gefährttn nach Spandau ge- wallfahrtet sei, um einen Bittgang für den Kaiser, das deutsche Volk und die deutsche Armee zu thun. Die Begleiterin be- stätigte diese Angaben. In ihrem Besitze befanden fich zwei umfangreiche Gebetbücher und eme Lateme mit einem zum Theil niedergebrannten Licht; ferner hatten fie noch ein paar unver- kehrte Lichter bei fich. Die wunderlichen Heiligen wurden nach Berlin gewiesen. Belle-Allianee-Theater. Emil Thomas erzielt trotz der heißen Juli-Tage mit seinem„Mtienbudiker" volle Häuser und werden die Aufführungen dieser Poffe nur für Mittwoch noch einmal unterbrochen, da der Direktion zahlreiche Gesuche ein- gegangen find, während der Schulferien noch eine Aufführung des Schönthan'schen Schwankes„Der Raub der Sabinerinnen" anzusetzen. Dieselbe findet nun am Mittwoch zu halben Kaffen- preisen statt. Für heute ist der Eintrittspreis in den Garten auf 50 Pfg. wieder ermäßigt. Soziale»#*» Arbeiterbewegung. An die Maler und Anstreicher Berlins. Kollegen! —-" 1...—•* L_£\Y\ r—--— S» weshalb er öffentlich am Leibe oder wohl am Leben gestraffet würde, so ist solcher gantz und gar als ein unwürdiges Glied ausgeschloffen und als verlustig., c. Bei grasfirenden Krankheiten Kommission wurden gewählt die Herren Retzerau, �Lockamp, Harms, Mission Nikolai, Willkommen, Hahn und Knoll. Die Kom- ist in Thätigkeit getreten. Listen werden von der Kommission verthellt und find zu haben jeden WochentaS Abends von 7V, bis 9V» Uhr Alte Jakobstr. 83(Kaffee Reiher), Sonntag Vormittags von 10 bis 12 Uhr ebendaselbst. Kollegen! Bemfsgenoffen! Jetzt liegt eS an Euch, zu zeigen, daß Ihr Alle entschloffen seid, für die gerechte Sache der Maurer einzutreten, zeigt den Maurermeistern, daß fie auf dem Holzwege find, wenn sie denken, die Maurer aushungern zu können, zeigt, daß Ihr zu der Ueberzeugung gekommen seid, daß wir Alle Arbeiter find und es für unsere heiligste Pflicht halten, jeden Arbeiter, der im Kampfe um'S Dasein steht, soviel wie möglich zu unterstützen. Nochmals, behandelt die Sache ernst, gebt reichlich und schnell. Die Listen find abzugeben jeden Sonntag Vormittag, damit wir Nach« mittags das Geld der Kommission der Maurer übergeben kön« neu. Die Kommisfion der Maler und Anftteicher. I. A.: Retzerau, Markgrafenstr. 9. Ueber den Stand des Tisch lerstreiks in Kaiserslauter» giebt folgendes, von den Leitern der Bewegung versandte Zir» kulair Aufschluß: Arbeiter, Kollegen! Wie gegnerische Blätter berichten, so soll die Arbeit hier wieder aufgenommen sein, was jeder Wahrheit entbehrt. Die Kollegen, welche seither Noch ge« arbeitet haben, haben ebenfalls die Arbeit eingestellt und be« trägt die Zahl der sdeikenden Schreiner über 200, welche fest entschlossen find, bis auf den letzten Mann auszuhalten. D« Streik hat erst recht begonnen, indem die Meister alles ab- lehnen, sogar der gütliche Versuch, welchen Herr Karl Meist aus Köln bei seiner Anwesenheit hier anbahnte, ist resultatlos verlaufen. Deshalb, Kollegen, laßt Euch von den gegnerischen Zeitungen nicht beeinflussen, und untersttitzt uns, denn Hilfe thut noch, damit wir in unserem Kampfe um die Ehre nicht unterliegen. Nochmals, Kollegen, unterstützt uns schnell, denn schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe. Kaiserslautem, den 7. Juli 1885. Für die Streikkommisfion: Joh. Schwender. Für den Fachverein: Peter Kaller. Briefe sind an P. Käller, Elisen» sttaße 21, und andere Sendungen an Karl Eberhard, Mozart« sttaße 17, zu richten. Hungertyphus? Man erfährt, daß unter den„fremden" (polnischen, italienischen) Arbeitern des Rittergutes Beesen in der Provinz Sachsen der Typhus ausgebrochen ist. Einige Arbeiter find bereits verstorben und eine größere An« ahl liegt schwer darnieder. Wer da weiß, wie schlecht diese Leute emährt werden, wie gering ihre Bedürfnisse find, wie zusammengepfercht fie wohnen und wie knapp ihr Lohn ist, der wird fich nicht wundem, daß der Typhus, hier wohl der Fleck« typhus, auch Hungertyphus genannt, der einer allgemeinen schlechten Lebenshaltung entspringt, ausgebrochen ist.— DaS ist denn noch e in Segen, den die Habsucht unserer pattiotischen Großgrundbesitzer in unser Vaterland bringt, die fremde Ar« beiter importtren, weil die heimischen Arbeiter für solche Hunger- löhne nicht zu bekommen find. Ja, ja! Den Patriotismus führt man immer im Munde, aber sobald man ihn durch die That beweisen soll, indem man deutschen, fleißigen Arbeitern auskömmlichen Lohn zahlt, dann kennt man das schöne Wort nicht mehr. Dann wird man kapitalistisch-international und importtrt mit den ausländischen„Lohndrückern" die Hunger« löhne und mit diesen den Hungertyphus. Aus L.....-•-- Lackirerz. Meister heran, eine Arbeitszeit von früh 7 Uhr bis" AbendS 6 Uhr unter Gewährung einer halbstündigen Frühstücks- und einer einstündigen Mittagspause einzuführen, wobei zugleich die volle Berechnung von 10 Stunden für die Lohnberechnung zu Gmnde gelegt werden solle. Bisher galt als Norm eine Arbeitszeit von 7 bis 7 Uhr(mit halbstündiger Frühstücks-. einstündiger Mittaas- und halbstündiger Vespcrpause), wobei volle 10 Stunden Arbeitszeit erzielt wurden. Nach dem jetzigen Verlangen der Gehilfen ergiebt sich ein Ausfall von 3 Stunden pro Woche. Selbst die auswärtigen Arbeiter fangen an zu stteiken. Im Steinbruche zu Plötzky bei Schönebeck haben 45 polnische Arbeiter die Arbeit niedergelegt, da ihnen die ge- forderte Lohnechöhung abgeschlagen worden ist. Wenn auf diese Weise die ausländischen Arbeiter auftreten und in die Lohnbewegung mit eingreifen, so werden fie den deutsche» Arbeitem willkommen sein. Die ausländischen �Lohndrücker" aber werden niemals unsere Sympathie erwerben. Wir wünschen den stteikenden polnischen Arbeitern einen baldigen Sieg. Aus der Hohenzolleru-Grube in Oderschlesien. die dem Grafen von Schaffgotsch gehört, legten gegen 400 Bergleute die Arbeit nieder. Die Bergleute erklären, mit den gezahlten Löhnen fich und ihre Familie nicht ernähren zu können. In Cleveland(Ohio) haben sich jetzt endlich auch die polnischen und böhmischen Eisenarbeiter, 1000 an der Zahl, den Stteikenden angeschlossen, wodurch die Aussicht auf einen endgilttgen Sieg der Arbeiter größer geworden ist. Vereine nnd Versammlungen. be. Die öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung, welche am Freitag, den 10. d. M., unter dem Vorfitz der Frau Dr. Hofmann im Konzerthause„Sanssouci", Kottbufer« strahe 4 a., stattfand, war von etwa 1500 Personen, zu zwei Dritteln aus Frauen und zu einem Drittel aus Männern be« stehend, besucht. Frau G. Guillaume- Schack sprach über„die Bestrebungen des deutschen Kulturbundes und die Lage der Arbeiterinnen". Nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, die befitzenden Klaffen für diese Frage zu interesfirm, wende fie fich— so führte die Rednerin aus— jetzt an die Arbeiterinnen und Arbeiter und fie sei ficher, in den Herzen der Armen eher einen Widerhall für ihre Bestrebungen zu finden, da gerade die Schwachen und Enterbten am meisten von dieser Frage berührt würden. Der deutsche Kulturbund verlange die Ab- schaffung der Sittenpolizei. Man könne meinen, vie Sitten« polizei(ei da zur Äufrechterhaltung der Sitte, in Wirklichkeit aber sei es die Unsittlichkeit, die aufrecht erhalten und mit amtlichem Stempel versehen werde. Ein gefallenes Mädchen, das fich den Polizeivorschriften fügt, habe die polizeiliche Genehmigung ihr Gewerbe auszuüben, so gut wie jeder an« dere Gewerbetreibende dieselbe erhalte. Wenn die Behörde die Unstttlichkeit somit anerkenne, genehmige und dulde, so er« halte die Prostttution den Schein, als bestehe fie zu Recht, und ihre Ausbreitung werde direkt gefördert.— Während das Mädchen aus vornehmen Kreisen beständig behütet und bewacht werde, sei das Kind des Arbeiters frühzeitig fich selbst über» laffen, frühzeitig müsse es selbst sein Lrod verdienen, das alleS weniger als reichlich sei. Gerade die Noch, mit welcher die Arbeiterin täglich zu kämpfen habe, treibe fie zu einem schlim- men Lebenswandel. Sittenrem bleiben, heiße für fie hungern und frieren! Von allen Seiten dränge die Verführung auf ein armes Mädchen ein. Mitten in die Verlockungen einer großen Stadt, jung und lebensdurstig, sei es schwer für ein Kind des Volkes der Versuchung zu widerstehen, aber wenn es falle, würden die Arbeiter es zuerst entschuldigen, weil fie wüßten, was es heiße, brav zu bleiben. Von einem Federstrich der Polizei hänge Glück und Ehre der Mädchen ab, einmal in den Listen der„Sitte" sei es schwer wieder los- zukommen. Dem Mädchen, das unter„Sitte" stehe, sei jede Thür verschlossen; über 36 000 Mädchen, soviel Prostituitte gebe es ungefähr in Deutschland, sei der Stab gebrochen nicht auf Grund eines richterlichen Erkenntnisses, nach Zeugenverhör und ordnungsmäßiger Verhandlung, sondern auf Grund un- kontrolirbarer polizeilicher Verfügungen. Hauptsächlich die Armen seien dieser Gefahr ausgesetzt, wohlhabende Frauen würden nicht„eingeschrieben" und doch gebe es wohllmbende Frauen genug, die so lüderlich seien, daß e,n gefallenes Madchen Mühe haben würde nachzukommen. Keine Arbeiterin, die arm M, sei nicht sicher, unter Polizei-Aufficht gestellt zu werden. Die Anzahl der von der Sittenpolizei unschuldig Verhafteten erschreckend groß und nur weil die meisten jfölle. im Jntereffe der Betroffmen verschwiegen würden, höre man nicht so oft davon. Die Sitten- Polizei sei zu Gunstm der Männer geschaffen, man «olle die Straße rein und die Männer gesund halten. Im Theater seien die eleganten Plätze den Prostituirten verboten, gewisse Straßen dürsten sie nicht betreten, welche die vornehme Gesellschaft bewohne und doch besuchten die vornehmen Männer diese Mädchen, um sie dann wie den Auswurf der Menschheit zu behandeln. Zum Besten der wohlhabenden Klaffen bestehe die Sittenpolizei und es sei nur schlimm, daß die gesundheit- liche ärztliche Garantie, welche gegeben werden solle, durchaus nicht zureichend, sondern scheinbar sei. Die Männer würden hinters Licht geführt r nd in Sicherheit gewiegt und das gerade Gegentheil von dem, was erreicht werden solle, werde erreicht. Statt die Prostttutton einzuschränken, fördere jede gesetzliche Regelung nur ihre Ausbreitung.„Die Bewegung der Ar» in allen Ländern der Erde ist eine mächtige, so schloß die Rednerin;„zur Lösung vieler Fragen, welche die Welt er- schüttern, find Sie berufen, auch die Lösung dieser Frage, die mit großer Schwere auf ihren eignen Schultem ruht, lege ich Hhnen an's Herz.(Stürmischer und wiederholter Beifall.)— Es folgte eine ausgedehnte Diskussion, an der sich die Frauen Canzius, Ferkau, Dr. Hofmann, Fortong, Stägemann, Frl. W a b n i tz, und zu verschiedenen�Malen die Re f e r e n t i n" betheiligten, sowie die Herren Fr. Görcki, Spaar und Schulz. Hervorgehoben seien zunächst die Worte, welche Frau Canzius sprach: Es ist trostlos, daß die weibliche Ehre eine Waare geworden ist, aber noch trost- loser, daß sich Käufer finden. Wir müssen dahin wirken, daß die Mädchen nicht mehr ihren Leib feilbieten und daß dem Arbeitslohne das Gold zugelegt werde, das für Unschuld und ~.........-*"''im wird. Der reiche der Schein des Slan- ________________ ebenbürtige Gattin, welche er heimführt, verzeiht ihm seine„Schwäche" und das verführte Mädchen allein hat Schande und Noth zu tragen. Sie hat seinen Eiden getraut, sie hat geglaubt, aber der Glaube ist ein Unglück für die Menschen, das klare Wissen muß an seine Stelle treten.< Bravo!) In jedem jungen Manne sollte das Gefühl geweckt werden: Sei zu stolz ein armes Kind in den Schmutz zu ziehen.(Beifall.)— Frau Guillaume-Schack Hellte mit, daß ihr schriftlich der Einwand gemacht worden sei, die Aufhebung der Sittenvolizei sei nur ein Palliattvmittel gegen die Prostitution, welche durch die wirthschaftlichm Ver> yältniffe hervorgerufen würde. Sie habe es bereits ausge- vrochen, daß auch nach ihrer Ueberzeuaung die wirthschaflliche ite eigentliche Ursache sei. In Nothlage der Arbeiterinnen die llin c sittlichkeit lebten. Aus dieser Zahl 4000 etwa herausgegriffen, in chrejBllchcr eingetragen und ge Berlin gebe es nachweislich 80— ü) 000 Frauen, die von der Unfittlichreit lebten........... Aus dieser habe die Sittenpolizei wissenVon'chriften unterworfm.DieAufhebungdieserErnrichtungen würde natürlich nicht die Roth und deshalb auch nicht vie Prostitution aus der Welt geschaffen, aber die rechtlose Stel- lung einer Anzahl Frauen, die Privilegirung ihrer Schande, die amtliche Genehmigung ihres Treibens, die Unmöglichkeit, zum sittlichen Lebenswandel zurückzukehren, würden oeseitigt sein, hierin liege der Schwcrpunft der Frage.— Herr Görcki lenkte hierauf die Diskussion auf ein anderes Gebiet, indem er die Behauptung aufstellte, daß die Frauenarbeit inneihalb der beutigen Produkttonsverhältnisse keine Berechtigung habe. Die Frau habe einen ganz anderen Beruf zu erfüllen, als in der Industrie thättg zu sein, wo sie die Männerarbeit verdränge; sie habe für die Familie zu leben. Allerdings liege an dm Männern die Schuld; warum hätten sie nicht durch ihre Or- ganisation der Ansbeutung der Frauenarbeit einen Riegel vorgeschoben. Man solle die wirthschafttichrn Existenzbedingungen des Mannes heben, damit derselbe Heirathen und seine Fa- milte reichlich ernähren könne. Der Redner verweist sodann auf die„natürlichen Verhältnisse des Mittelalters", wo das Handwerk ausschließlich von Männern betrieben wurde und die Frau ihrem„heiligen und schweren Berufe, der Sorge für die Fannlie" treu bleiben konnte.— Dem widersprach eine Anzahl Redncrinnen. Man solle das Weib nicht an den Küchenherd verweisen, wie es bisher geschehen sei, wo sie immer nur die sklavische Dienerin des Mannes, aber nicht ein freies und gletches Gesellschastsmitglied sein würde. Lohngleichheit für männliche und weibliche Arbeit müsse verlangt werden, das sei der einzige Weg, um aus den Schwierigkeiten der Lösung der Frage der Frauenarbeit herauszukommen. Hierzu sei aber Ver- einigung und Organifirung der Arbeiterinnen nothwendig und der Anschluß an den„Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen" erforderlich. Verschiedene Fälle von unglaublich schlechter Bezahlung weiblicher Arbeit wurden angeführt. Fr. Fortong theilte noch mit, daß sie in der nächsten Woche eine Versammlung der Arbeiterinnen in der Hosenfabrikatton einberufen werde, zu der die betreffend Fabrikanten eingeladen werden sollen, um die Mittel, in dilla Branche eine Lohnerhöhung herbeizuführen, zu berathen. A> Gunsten der Frauen und Kinder vnheiratheter, streikend Maurer wurde zum Schluß eine Tellersammlung veranstattt. Während der Verhandlungen mußte der Berichterstatter Finic wegen ungebührlichrn Betragens gewaltsam aus dem Sack entfernt werden. Der Kachverein der Tischler hält heute, Sonntag, Äi- mittags 10 Uhr, in Rothackers Lokal, Bellealliancestr. o, ttiK Versammlung ab, mit folgender Tagesordnung: 1) Voritoj des Herrn Meißner über:„Die Entwickdung der Jnduftvl und die Stellungnahme der Arbeiter zu derselben." 2) Verschiedenes. Billets zur Sommerfeste des Vereins, welches«r Montag in der Neuen Welt(Hasenbaide' stattsindet. sind in der Versammlung zu haben. Neue Mitglieder werden aufgp nommen. Gäste willkommen.— Der Verein feiert sein dies- jähriges Sommerfest am Montag, den 13. Juli, in der Neu» Welt Hasenhaide. Bei eintretender Dunkelheit Fackelpolonaist für Kinder- Anfang des Konzerts 4 Uhr Nachmittags. Freuntt und Gönner des Vereins find freundlichst eingeladen." Billets find vorher zu haben bei den Herren Böhm, Johannitco straße 10, Lindemann, Zossenerstr. 17, Apelt, Belle-Allranr» straße 61, Riska, Wienerstt. 42, Hockmann, Manteuffelstr.$ Straßburg, Münchcbergerstr. 23, Thierbach, Neue Königstr.% Schicht, Gartenstr. 40», Wolter, Lothringerstr. 24, im Zentt«!- Arbeits-Nachweis des Fachvereins, Alte Jakobstt. 38, und i» den mit Plakaten belegten Handlungen. gj___ Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Schuhmachn und verwandten Berufsgenoffen Deutschlands.(E. H. 32. liche Verwaltungsstelle Berlin.) Montag, den 13. Juli, Abend) 8Vi Uhr, in Niefts Lokal, Kommandantenstiaße 71—72, 3.# glieder-Versammlung. Tagesordnung: 1 Vorstandes. 2. Bericht des Delegirten ll Wahl des Gesamns' über die Beschlüsse W 3. Innere Kassen-Angelegei» General-Versammlung in Kassel. heften. Protokolle und auch die neuen Statuten werden an* gegeben. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist ä nothwendig, daß sämmtliche Mitglieder erscheinrn. Der UnterstüfiungSverein der Buchbinder hält a» Montag, den 13. Juli, seine 2. ordentliche Generalversami» lung im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstt. 175, ad. Es wä> ersucht, dieselbe der äußerst wichttgen Tagesordnung weg« zahlreich zu besuchen. Wegen Landparthie bleibt das Geschäft am 12. Juli geschlossen.] Die von Mitgliedern des FachveretnS der Schneider gegründete Produktiv- u. Rohstoff- Genossenschaft der Schneidet ZU Her litt(Eingetragene Genosseuschast) No. 30 ZIMMER- STRASSE No. 30 empfiehlt ihr Lager fettiger Herrer.-Gatderobe, sowie ihr reichhaltiges Lager in- und ausländischer Stoffe, ebenfalls Bortt und Knöpfe. Art werden nach Maa angefertigt Reelle Ärbeit. Dauerhafte Stoffe. Icße preise. Theater. Belle-Allianee-Theater. Beute: Der Mtirnbudiker. Morgen dieselbe Vorstellung. Neues Kriedrich-Wilyelmstädtisches Theater. Beute: Der Großmogul. Morgen dieselbe Vorstellung. Ostend-Theater. Beute: Geschiedene Frauen. Morgen dieselbe Vorstellung. Am 10. d. Mts. starb unser wcrther Kollege und Freund, der Bildhauer Robert Streit. Die Beerdigung findet statt Sonntag, Nachm. 7 Uhr, auf dem neuen Jakobi- Kirchhof (Britz L 1 1594| I. A.: E. Flick schu. Bezirks-Verein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt. Sonntag, d. 12. d. Mts., Nachm.: Gemüthltches Bei- sammensein mit Familie bei Meister, Schönhauser- Allee 161. Die Kaffeeküche ist geöffnet._ Alle Schneider nebst Familie heute, Sonntag, Abends 7 Uhr, Sratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. Nr. 77/79, M llkMÜiflllkbkN Abttill-lluterbültung, bestehend in Vorttägen und Tanz, bei 20 Pf. Enttse zu einem wohlthätigen Zweck._ 11610 Ark-KeMrelll f. d. Gslen Knlins. Dienstag, den 14. Juli, Abends 8'/. Uhr, WerrnarnrnlUHg W Äeller's Lokal, Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1. Kassenbericht.— 2. Vortrag des Herrn Privat-Dozentrn Dr. Döring über:„Die Thatsachen, welche die natur- Wissenschaftliche Welt- und Lebensanschauung be- gründen."(Mit Experimenten in größerem ; a ß st a b e.)— 3. Diskusston.— 4. Verschiedenes.«Petition 4 1_ v. i r r•.-> n-n..*■- betreffs des ArbeiterschutzAesetzes; Mittheilung über unsere ~" statten;-T Im Hinweis auf den ganz besonders lehr- ~ �---- 1 auf die wichtrge itton in Betreff der'Fluß-Bädeansti die nächste Familien-Partie.)— 5.' Mtttheilungen sten.[1605 reichen Vortrag, überhaupt. Tages- Ordung, werden dre Mrtglreder dringend ersucht, zahlreich»u ersch e.n en.- Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Gaste, durch Mtt- glieder eingeführt, haben Zutritt. � Borstand. UnterstUtzungsv. d. Buchbinder und verwandten Berufsgenoffen. General- Versammlung Montag, den 18. Juli. Abends 8V, Uhr, im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobsttabe 75. 16081 Tagesordnung: 1. Abrechnung pro 2. Quartal. 2. Bericht der Kommissionen. 3. Ergänzungswahl. 4. Anttäge des Vorstandes und mehrerer Mitglieder. 5. Verschiedenes. kflUimitt. Fachverem der Stellmacher. Mtgkieder-Versammtung Montag, den 13. Juli, Abends 8 Uhr. im Vereins, Lokal, Jnselstraße 10. Tagesordnung: 1. Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern. 2. Kassenbericht. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. 1 1607 DerVorstand. rn-i* Sflt 723 nute genau auf Strasse und Kammer zu achten. Der Verstand und Verwaltnugsrath. August Herold Berlin SO., 113 Shalitzerstrasse 113. Mööet-, Spiegel' and pofjkroaatea ilagajin Eigene Fabrik. Solide Preise. Prompte Bedienung_ Versammlung des Fachvereins der Schneider am Montag, den 13. Juli, Abends 8V: Uhr, in Nieft's Salon, Kommandautenstr.7 1 72, Tagesordnung: 1. Vorttag des Herrn Laske über die Bedeutung der Fachvereine nnd der Lohn Kommissionen. 2. Erledigung wichttger Anträge. 3. Verschiedenes.[1593 Gäste find willkommen. Um zahlreiche Beiheiligung ersucht Der Vor stand. Central-Kranken- n. Begräbuißkasse für Frauen und Mädcken Deutschlands (Eingeschr. Hilfsk. 26, Offendach a. M.). Haupt- Versammlung Montag, den 13. Juli, Abends 8 Uhr, Kommandantenstr. 72 bei Buldermanns. Tages-Ordnung: Abrechnung des 2. Quartals 1885. Wahl von Beisitzerinnen. Bericht über die General-Versammlung. Vortrag über den Sanitäts verein. Verschiedenes.[1609 ___________________ Der Ortsvorstand. Gknerat-Versammiung der produktiv- und Nohstoff-Genoffeuschast der Schneider zu Lerlin. (Eingetragene Genoffenschaft.) Donnerstag, den IG. Juli, Abends 8'/, Uhr, Lcipzigerstt. 33 bei W a ß m a n n. Tagesordnung: 1. Geschästs-Bericht. 2. Ersatzwahl eines Mitgliedes im Verwaltungsrath. 3. GeschäMches. _ Der Verwaltungs [; r ath. 1603 Bitte p beachten sämmtliche Artikel znr Krankenpflege (Birden, Biuckdänder, chirurgische Gummi-vaaren und Jnst� mmte, VtrbandSfi>.ffe ic) billigst in der Fabrik von _ R. Voigt, Berlin N, Oraniendurgentraße 74. MF* Mitgliedern von Krankentaffen, sowie derm FaZ lien gewähre hohen Rabalt, tn#_____ l2j Schönhauser Alleei$9 Am(cSArtttriAtiCoe« Omnibus-Haltestelle am Schönhauser Thor. 8G00 elegante Jaquet- und Rock-Anzüge, Mode 1 (neu und wenig getragen) von 10, 12, 15—30 Mark. � Sommer-Paletots m allen Farben, jetzt für 8, 10, 15—25 3% (Pracht-Exempl.) Tuch- und Kammgarn-, Salon- und G? Röcke für den 4. Theft des Werthes. Hosen von 4 Mk-.� Röcke 4,50 an, Leinen- u. Drell-Anzüge auch f. Knab. Lüf# Jaquets, weiße Westen, Alles spottbillig. Für korpulente sonrn jeder Figur paffende Sachen. Hochelegante Daw� Sommer-Manrelets u. Mäntel, sowie gold. u. filb. 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Druck und Verlag von Max Babing m Berlin 8W, Beuth straße Hierzu eine BeiKs* Beilage zum Berliner Bolksblatt. Kr. 160. Sonntag» den 13. Inli 1888. IL Jahrg. 135 Ver panamakaual. Dieser im Bau begriffene Kanal hat eine gesammte Länge xm 75 Kilometer gleich 10 deutschen Meilen, seine Breite de« trägt im flachen Lande 56 Meter, während er sich in dem ge- birgiaen Lande auf 22 Meter verengt Um ein Ausweichen ver Schiffe im Kanal zu ermöglichen, erhält derselbe an 5 Stellen eine dopoelte Breite. Das Kanalbett geht zunächst durch einen 4 Kilometer langen Grund von Alluvialboden und Madreporenkalk, macht hierauf eine Krümmung durch die Sümpfe von Mindi, um die Panamabahn nicht zu stören, durchschneidet hierauf die Hügel an der Südseite des Chagre, geht dann im Flußbett deffelben bis zu den Hochebenen ven FrijoleS und Tarbouilla, weiter südlich schneidet der Kanal zum dritten Mal den Chagre und hierauf die Eisenbahn und das Hügelland von Cervo Taylor, geht dann abermals im Flußbett des Chagre fort. Bis merher waren dem Bau noch keine nennenswerthen Schwierigkeiten entgegentreten, dieselben beginnen bei Gorgona und Malachin, hervorgerufen durch die vulkanischen Cervos. Hier mußten Einschnitte hergestellt werden bis zu 80 Meter Hohe und 4100 Meter Länge. Weiter waren Einschnitte zu machen von 70 Meter Höhe und 2000 Meter Länge und oO Meter Höhe und 7000 Meter Länge. Im Ganzen betrug der auszuhebende Grund etwa 120 Mill. Kubikmeter, davon find 40 Millionen Kubikmeter weicher Boden, während 80 Millionen Kubikmeter auf hartes Gestein kommen. Von Rio Grande bis zum Stillen Lzean wurden die Schwierigkeiten wieder vermindert, weil fich der Boden be- trächlich senkt. Hierauf geht der Kanal theilweise durch das Bett des Rio Grande und mündet mit diesem im Stillen Ozean ein. Der Bau wird von 34 Hauptbauplätzen geleitet, welche sich zur Zeit über den ganzen Kanal erstrecken. Jeder Bauplatz hat seine bestimmte Thätigkeit, so heben auf den Plätzen 3, 4 und 5 drei 180 pferdekr. Bagger bei einer Leistung von 5000 Kubikmeter mit schwimmenden Abfuhr- röhren den eigentlichen Kanalgrabcn aus. Die Bauplätze 12 und 13 haben durch sehr weichen Boden ein leichtes Arbeiten. Auf dem Platz 13 kreuzt die Eisenbahn den Kanal zum ersten Mal und wird die Kreuzung durch eine Drehbrücke vermittelt. Auf dem Bauplatz 14 stno die größten Ausheber thätig, welche mit einer Leistung von je 3000 Kubikmeter täglich arbeiten. Auf dem Bauplatz 20 gelang es am 8. Oktober vorigen Jahres 30 000 Kubikmeter Felsen mit einem Schuß loszu- sprengen. Winter etwa 600 Kubikmeter pro Sekunde: um diese Wasser- schwankungen nicht auf den Kanal zu übertragen, mußten ge- eignete Avleitungskanate angebracht werden, welche jedoch kerne größeren Schwierigkeiten für den Bau bereiteten. Die Seitenwände des Kanals werden wesentlich befestigt durch den üppigen Pflanzenwuchs, welcher sich sehr schnell an den Böschungen verbreitet hat, die mit Stauden, Schling- pflanzen und hohen Gräsem reich bedeckt find. Die Bauplätze 21 und 22 liegen auf dem Bergrücken Corrostta. Roch find die Bauplätze 26, 27 und 28 beachtenswerth, bei welchen die Erdverschachwngen, welche hier etwa 18 000 000 Kubikmeter betragen an Unternehmer vergeben worden find, welche die Arbeiten bis zum Schlüsse des Jahres 1886 beendet haben müssen. Die Panamabahn wird nicht nicht weit von Culeben zum zweiten Mal durchkreuzt und wird die Kreuzung auch hier mittelst Drehbrücke hergestellt. Für die Einfahrt vom Stillen Ozean wird bei Konosal ein Hafen eingerichtet. m der Ebbe und Fluth beträgt bei Colon 0.58 Reeter, bei Panama dagegen wenigstens 2 Meter, bei mittleren Fluthen 4 Meter und bei Hochfluth 6 Meter. Ebbe und Fluth treten ber Colon 9 Stunden später ein als bei Panama, durch diese Unterschiede wird unbedingt an beiden Enden des Kanals eme Strömung erzeugt, welche für die Schifffahrt von Nachtheil ist. Um dies zu umgehen und eine freie Durch- fahrt jederzeit zu gestatten, sollen an den östlichen Enden, an der Seite des Stillen Ozeans drei enge Durch- fahrten hergestellt werden, jede soll mit doppellen Ebbe- und Fluththoren versehen werden. Von diesen drei Durch- fahrten dient eine um die einfahrenden, die andere um die ausfahrenden Schiffe aufzunehmen, während die dritte Durch- fahrt als Ersatz dient. Bauplatz 34 befindet fich beim Dorfe [&* Kerlmer Konntagsplaickerei. E. C. Die sommerliche Schwüle lastet mit ihrer ganzen erdrückenden Schwere auf Berlin, das heiße Asphaltpflaster gleicht einer gewaltigen Fläche von Gutta- percha, und auf derselben ächzen gleichmäßig Menschen und Thiere, alles trieft von Schweiß. Was nützt angesichts der Thatsache das Stöhnen über die Hitze, kälter wird es doch nicht davon, die einzig er- frischende Aussicht, die uns heute bleibt, sind die anmuthigen Erzählungen derjenigen, die später aus ihren Sommerfrischen zurückkehren. Manches auf der Welt ist vom Uebel: eine böse Schwiegermutter, ein Haar in der Suppe; aber den nach- ttäglichen Berichten eines eingeborenen Berliners, der sich zu einem Ausfluge nach Heringsdorf verstiegen hat, mit rnteressirtem Gesicht lauschen zu müssen, das ist eine Sache, die nicht Jedermann ertragen kann. „Ganz Berlin ist abgereist," so liest und hört man heute überall, es würde übrigens auch einer Großstadt, die nur ein Wenig auf ihr Renommee hält, schlecht anstehen, in der„todten Jahreszeit" zu Hause ertappt zu werden. Wenn man sich jedych nur einigermaßen umsieht, so kommt man bald auf den Gedanken, daß es doch nicht ganz leicht ist, eine Großstadt so ohne Weiteres zu emballiren uno nach allen Richtungen der Windrose abzuschicken. Eine traurige Rolle spielen allerdings diejenigen Leute, die aus irgend einem Grunde nicht zu verreisen gedenken. Wohin man kommt, ob zu Männlein oder Fräulein überall hört man schwärmen von den Reizen Thüringens, der Schweiz, Jta- liens, und heute ist grade die Zeit, in welcher der gewiegte Reiseonkel und der, der es werden will, voll und ganz zur Geltung gelangt. Für denjenigen, der seine vier Pfähle während der Sommermonate nicht verläßt, ist e» ein wahrer Hochgenuß, allen diesen Schilderungen mit gebührender Aufmerksamkeit la Bora an der Mündung des Rio Grande. Dieser Platz steht mit der Stadt Panama durch eine feste Sttaße und eine Eisenbahn in Verbindung. Die Hauptschwierigkeiten beim Bau waren auf der 27 Kilometer langen Strecke, welche auf der Strecke zwischen den 35 und 62 Kilometern liegen, denn die Ausheber waren hier nicht zu verwenden und mußte Dy- namit zum Sprengen der Gesteine verwendet werden. Die maschinellen Einrichtungen zum Bau des Kanals find so vorzüglich, daß man mit Hilfe derselben im Stande sein könnte, den ganzen Kanal bis zum Jahre 1890 zweimal ausheben zu können. Die bis jetzt geleistete Arbeit beträgt bis November 1884 9,700,000 Kubikmeter. Die Bauunternehmer haben fich aber verpflichtet, bis Ende Oktober 1886 fernere 66,000,000 Kubikmeter Erdreich auszuheben und zu transportiren. Im Ganzen find jetzt 20,000 Arbeiter beschäftigt und er- halten dieselben einen Tagelohn von 7—10 Franks. Der Kanal soll im Jahre 1888, nach Leffep's Versprechen, vollendet sein. Die Verkürzung des Seeweges durch den Kanal bettägt: Von Liverpool beträgt der Seeweg nach St. Francisco jetzt um Cap Horn 22000 Kilometer künftig durch den Panamakanal 12 300„ Valparaiso jetzt um Kap Horn. 16300„ künftig durch den Panamakanal 11 800„ Neuseeland durch den Suezkanal. 20 600„ künftig durch den Panamakanal 18 700„ Aucklano jetzt um Kap Horn.. 12300„ künftig durch den Panamakanal 11 000„ Kommunales. Zur nächsten Stadtverordnetenwahl, welche bekannt- lich im November d. I. stattfindet, ist es erforderlich, daß fich jeder Wähler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler- liste eingetragen ist, wer nicht eingetragen ist, geht des Wahlrechtes verlustig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der §§ 19 und 20 der Städtcordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt und wird nunmehr in der Zeit vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. I. täglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags im Wahlburcau des Magistrats, Breitestt. 20a, 2 Tr., öffentlich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtge- meinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen erheben. Dieselben müssen in der gedachten Zeit schriftlich angebracht werden; später eingehende Einsprüche können nicht berücksichtigt werden. Die I. Abtheilung besteht aus denjenigen Wählern, welche» mindestens einen Steuerbettag von 1530,80 M. zahlen; die ll. Abtheilung beginnt mit dem Stcuerbetrage von 1530,70 M. und endigt mit 331,80 M. und den Namen mit der Anfangs- fllbe„Par", während die III. Abtheilung mit dem letzteren Steuerbetrage und den Namen mit der Anfangsfilbe„Pas" anfängt. Wir machen hierbei auch noch besonders darauf aufmerk- sam, daß bei Berichtigung der Wählerlisten in Betteff des Wohnfitzes der stimmberechtigten Personen in Berlin die von denselben zu erstattenden An- und Abmeldungen berückfichttgt werden und daß demnach auch diejenigen Personen, welche nur vorübergehend verreist find, diesen Umstand auf ihre Abmel- dung aber nicht vermerkt, sondern fich einfach als von Berlin verzogen abgemeldet haben, in der Wählerliste gestrichen wor- den find._ Zoltales. bks. Die Ursache» des Berliner Maurerstreiks zu entdecken, die man bisher fälschlich in ganz anderen Dingen gefunden zu haben glaubte, ist endlich einem genialen Kopf im Obotritenlande geglückt! Die„Rostocker Abendzeitung" und ihr„findiger" Redakteur sind es, die fich damit zweifelsohne unsterblich-- gemacht haben! Bis jetzt war man beschränkt lauschen zu dürfen, und entschieden tfl das ein ganz ver- stockter Mensch, der sich die Freiheit nimmt, solche Erzäh- lungen langweilig zu finden. Uns ist das selbstredend noch niemals eingefallen, wir möchten alles Andere lieber, als uns leichtsinnig in den Ruf der Verstocktheit bringen. „Weshalb auch in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah," und Allen, selbst denjenigen, gegen welche die Sperlinge auf den Dächern die remen Rentiers sind, wird auch noch das Glück blühen, allsommerlich eine Bade- reise machen zu dürfen. Ganz in der Nähe des großen Häuserklumpens, den man Berlin nennt, hat die gütige Mutter Natur allen heil- bedürftigen Menschenkindern die Möglichkeit der Genesung ver- schafft. Spandau heißt der bevorzugte Ort, die gebenedeite unter den Städten der Mark, wohin sich der Strom der Touristen lenken wird, und der wohlverdiente Ruf, den das Städtchen durch den Juliusthurm, das schlechteste Straßen- Pflaster, und seine Zimmtbrezeln jetzt schon genießt, wird durch das neuentdeckte Solbad eine bemerkenswerthe Be- reicherung erfahren. Wer hätte gedacht, daß man in Spandau eine gute „Sohle" finden würde? Leider scheint aber bis jetzt noch ein richtiger„Absatz" dafür zu zahlen. Bitter wäre die Salzquelle für Spandau entschieden nicht, hoffentlich ist es aber deswegen noch kein Bittersalz, sonst könnten die zu- künstigen Badegäste vielleicht allzu schnell abgeführt werden. Dem Anscheine nach dürste von der ganzen Sache in diesem Jahrhundert noch nicht viel zu Stande kommen, m- dessen schadet das nicht viel, wenn man auch selbst nichts von den Wohlthaten eines solchen Naturgeschenkes spürt, so genießt man doch eine stille, innige Freude m dem Ge- danken, daß es unseren Nachkommen wahrschemltch ebenso ergehen wirb. und thöricht_ lichkeit niedriger , gewesen, jene Ursachen in der Unzuläng- rbeitslöhne einerseits und in der bekannten Anttpathie der Unternehmer und Meister gegen Lohnerhöhungen andererseits gefunden haben zu wollen. Nach der erleuchteten Mostocker Abendzeitung" aber ist diese Annahme grundfalsch. Wie der„Bauhandwcrker", das bekannte Fachorgan der deutschen Maurer und verwandten BauhandwerkSgenossen, mittheilt, schreibt sie nämlich hierüber, was folgt:„Daß bei dem Maurerstreik ganz andere Interessen spielen, als eine etwaige ungenügende Bezahlung der Maurer, geht aus dem Umstände hervor, daß der bekannte sozialdemokratische Agitator, Regierungsbaumeister a. D. Keßler, jetzt Bauuntemchmer(!?> wiever auftaucht. Derselbe erklärte in einer Versammlung, daß man für den Streik gerade die jetzige Zeit heraus- gesucht habe, weil diese die günstigste sei. Man beabsichtige mit dem Streik nichts weiter, als durch die Unternehmer, welche zu ihren Bauten das Geld von dem Großkapital ent- nehmen, auf die Geldmänner zu wirken. Es ist hier also klar und deutlich ausgesprochen, was man will: Kampf gegen den Besitz; zu geringer Arbeitslohn ist nur V o r w a n d." Also der Streik ist von„s o z i a l d e m o k r a- tischen Bauunternehmern" angestiftet, um durch die geldbedürftigen Unternehmer das Großkapital zu schädigen i Diese wahrhaft klasfische Erfindung auf dem Gebiete des höheren Blödsinns mag fich die gute Rostockerin nur ja gleich patentirm lassen. Gewiß würde ihr Herr Kommisfionsrath Pindter und seine„Norddeutsche Allgemeine" mit Vergnügen hierzu behilflich sein. g. Das Grand Caf6 Fatinitza in der Friedrichstraße 60 ist vorgestern Abend auf polizeiliche Veranlassung geschlossen worden. An der Eingangsthür zu dem in der ersten Etage belegenen„Restaurant mit Damenbcdicnung" prangt ein mit zwei Siegeln des Kgl. Polizeipräfidiums versehener langer schmaler Zettel, auf welchem die Worte stehen:„Polizeilich ge- schloffen!" Ueber die Veranlassung zu diesem auffallenden Vorgange erfahren wir folgendes: Der Inhaber des Grand Cafö Fatinitza, Herr Androck, war bekanntlich vor etwa'/. Jahren zu einer mehrwöchigen Gefängnißsttafe verurtheilt worden, weil auf seine Veranlassung mehrere während der Nacht sein Lokal rccher- chirende Schutzleute in dem Hause eingeschlossen wurden, nachdem man zuvor in allen Räumen das Gas ausgedreht hatte. Würde nicht ein in der oberen Etage wohnender Offizier die Thür bei seiner Heimkehr geöffnet haben, so hätten« die eingesperrten Schutzleute wohl bis zum Aufschließen der Hausthür von dem Wächter um 6 Uhr Morgens auf dem Flur oder den Treppen kampiren müssen. Die Strafe hatte nun A. in Rummclsburn anzutreten, nachdem es ihm durch die Beschreitung des In« stanzenweges gelungen war, die Abbüßung der Strafe, deren Höhe von dem Bcrufungsrichter beibehalten worden, bis jetzt zu verschieben. Thatsächlich meldete fich auch in der Strafanstalt zu Rummelsburg ein Mann, der fich für den Restaurateur Androck ausgab und wurde intemirt. In dem Cafö Fatinitza hatte fich, wie noch erinnerlich sein dürfte, ein junger Mann, irren wir nicht, aus Breslau, vor Kurzem erschossen, nachdem er eine bedeutende Zeche gemacht. Wegen dieses Vorganges fanden vor einigen Tagen in dem gedachten Restaurant polizeiliche Erhebungen statt, und hierbei bemerkte der Polizeibeamte den Restaurateur Androck, den er in der Sttafanstalt vermuthete. Er theilte dies dem Polizeilieutenant mit und Tags darauf soll fich A. be« retts freiwillig bei dem Strafanstaltsdirektor gemeldet haben. Die praktische Ehefrau war bereits dabei, den Namen des Cafös Fatmrtza in CafS Marocco umzuwandeln, als die Polizei da- zwischen kam und die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs inhibirte. weil die Konzession nur auf den Namen des Androck lautet. Wie wir erfahren, soll jene Person, welche die Strafe für A. abzubüßen im Begriff stand, der Bmder des cigenllichen Ver- urthettten fem. Ob noch andere Gründe vorliegen, welche die polizeiliche Schließung des Lokals veranlaßt haben, konnten wir bis zur Stunde nicht in Erfahmng bringen. Für die Fremden, welche nach den in den oberen Etagen belegenen Pcnfionaten wollen, bildet der an der Thür heftende polizeiliche Verschluß den Gegenstand der ungeheuerlichsten Vermuthungen. Bon der schwedischen Eisbahn wird uns gemeldet. daß fich an dem für heute, Sonntag, projektirten Hmdcrniß- Wettlaufen der Siidanesen eine große Anzahl Berliner Kon- kurrenten betheil.gen wollen. Daß fich auch bei diesen wilden Völkern derartige Sportsvergnügungen ausgebildet haben. hatten wir bereits erwähnt, dieselben werden zu allerlei Ver- gleichungen Anlaß geben, und wie wir voraussagen können, großes Aufsehen erregen. Die Preislaufen find um 6, 7 und 8 Uhr angesetzt. Die Sudanesen bereiten für die nächste Woche Kameelwettrennen vor, aus diesem Grunde werden die Vor« Die Verhandlungen in dieser Angelegenheit werden in Spandau mit der dem Gegenstande angemessenen Kühle be- handelt, denn wer wollte es vorsichtigen Stadtvätern ver- argen, wenn sie sich nicht erhitzt an die Erledigung einer Badfrage machen! Eile mit Weile, das ist die Hauptsache, vielleicht wartet man so lange, bis die Salzquelle sauer oder süß geworden ist. Uns kann es übrigens recht sein, denn durch die all- zugroße Nähe eines Badeortes würden andererseits auch wieder manche andere Leute geschädigt. Wem würde es z. B. einfallen, seinen Hund in Pension zu geben, wenn er nach Spandau ins Bad reist! Wie komisch sich das übrigens anhört, man denkt unwillkürlich hierbei an Plötzensee.— Aber Scherz bei Seite, salzige Thränen würden geweint werden, vielleicht salziger als das Solbad in Spandau, von allen denen, welche heute während der Sommermonate ihr Leben dadurch fristen, daß sie feiste, wohlerzogene Möpse einer unfreiwilligen Schweningerkur aussetzen. Auch kein Kater, der von einer alten Jungfer gepflegt und gemästet ist, würde entfliehen können, wenn seine Besitzerin nur nach Spandau reiste, sie würde ihn einfach zu Hause einschließen. Wo bliebe in diesem Falle die jetzt so blühende Katzenfell- Industrie, ganz abgesehen von den fleischlichen Ueberresten eines solchen Miesekaters? Nein, Berlin soll froh sein, wenn das drohende Un- glück abgewendet wird, die edle Familie der Strohwittwer würde gänzlich aussterben, denn Mutter wäre wahrscheinlich alle Tage hier oder Vater müßte raus, nicht einmal die wenigen Leute, die sich heute noch eine kleine Erleichterung gönnen können, würden mehr ihres Lebens sicher sein! Nein, Spandau, behalte deinen Juliusthurm, deine Zimmet- brezeln, dein schlechtes Pflaster und dein Solbad, in deren Besitz du dich so wohl fühlst, uns ist ohne das be- deutend wohler! mittagsvorstcllungen derselben ausfallen und letztere erst Nach- mitiags 1 Uhr, wo dieselben ihre Mittagsspeisen bereiten, ihien Anfang nehmen. Zwei Mitglieder der Karavane, die sich bis- her Krankheitshalber nicht bei den Vorstellungen betheiligen konnten, sind genesen und werden dazu beitragen, die Kriegs- und Ringkämpfe noch intcreffanter, wie bisher zu gestalten. Im Ucdrigen verweisen wir auf den Jnseratentheil, der über die heutigen Arrangements die näheren Details bringt. Die„Freie Vereinigung junger Kaufleute" arrangrrt für Montag, den 13. Juli, rm Etablissement Stcmecker zu Weißcnsee ein vielversprechcnves Sommertest zum Besten der„Nationalen kaufmännischen Kranken- und Stcrbckass e". Zu dem Feste find Billets zum Preise von 25 Pfg. im Bureau, Gr. Frankfurterstr. 61, und in den mit Plakaten versehenen Geschäften zu haben. Mit der„Neuen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft" ist das Abkommen getroffen, daß gegen Vorzeigung der gestemcelten Entrecbillets Retour- Fahrscheine zum ermäßigten Preise von 30 Pfg. verabfolgt werden. Herren und Damen sind als Gäste willkommen. Der gemeinnützige Zweck und das vorzügliche Anangement lassen eine rege Betheiligung erwarten. Nach Mittheilung des statistischen Amtes der Stadt Berlin find bei den hiesigen Standesämtem in der Woche vom 28. Juni bis inkl. 4. Juli er. zur Anmeldung gekommen: 243 Eheschließungen, 872 Lebendgeborene, 34 Tovtgeborene, 870 Sterbefälle. Polizei-Bericht. Am 10. d. M. Vormittags fiel der 6 Jahre alte Sobn des Steindruckers Hegemann. Annenstr. 44 wohnhaft, beim Sviclen in der Nähe des Engelbeckens in den Louisenstädtischen Kanal, wurde jedoch durch den Pionier Kutsch vom Garde Pionier-Battaillon noch lebend herausgezogen und seinem hinzugcrufenen Vater übergeben.— An demselben Tage Mittags fiel der in der Kesselstr. 9 wohnhafte Gärtner Wendisch in der Tieckstraße in Folge eines Hitzschlages zur Erde und erlitt dabei eine bedeutende Verletzung am Kopf, so daß er nach Anlegung eines Nothverbondes mrttelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— Einige Stunden später verunglückte auf dem neuen Packhof der Zimmer- Lehrling Stein beim Aufziehen von Bohlen dadurch, daß ihm eine derselben aus einer Höhe von etwa 8 Metern auf den linken Fuß fiel und ihn derartig verletzte, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte. Gerichts-Zeitung. Ueber das Zustandekommen der an den Fürsten Bis- marck aus Anlaß der Ablehnung des dritten Direktors im Aus- wältigen Amt gerichteten Adressen liefert die Verhandlung eines Preßprozesses gegen den Redakteur der„Eberswalder Zeitung", Adolph Lemme, welche vor einigen Tagen vor der Strafkammer des Amtsgerichts zu Ederswalde stattfand, beachtenswcrthes Material. Jnkriminirt find vier Artikel in den Nummern 2 und 5 des genannten Blattes, in welchen die Behauptung aufgestellt wuroe, daß die Bismarck Adresse Ende Dezember v. I. in der Hufnaaelfabrik des Kommerzienraths Schreiber während der Arbeitszeit von Mann zu Mann kol- portirt und von Allen mit der Uederzeugung unter- schrieben worden sei, daß sie im Falle der Weigerung sich bald nach einer anderen Arbeitsstelle würden umsehen müssen. — Ferner wurde Herr Schreiber für einen Ueberfall gegen den jetzigen Angeklagten seitens eines seiner Angestellten verant- wörtlich gemacht und an eine berichtigende Entgegnung des Schreiber folgende Bemerkung geknüpft:„Als ,n Neuftettin den Juden dre Fenster eingeworfen wurden, wollte Herr Stöcker auch nicht der Anstifter gewesen sein. Durch diese Artikel fühlt sich Herr Schreiber beleidigt, auf dessen Strafantrag hin die obige Anklage gegen Lemme erhoben worden ist. Bemerkens« werth ist das Resultat der Beweisaufnahme. Als erster Zeuge wurde der Kommerzienrath Schreiber unter Aussetzung der Beeidigung vernommen. Er erklärte: Es ist nicht wahr, daß die Bismarckadresse während der Arbeitszeit in meiner Fabrik herumgetragen worden ist. Ich war Mitglied des betreffenden Komitee's und habe in dieser Eigenschaft in meiner Fabrik einen Anschlag anheften lassen, welcher besagte, daß zur Bequemlichkeit der Arbeiter die Adresse bei dem Vorarbeiter Fischer ausgelegt sei, wie jeder, der dies wünsche, sie unterschreiben könne. Ich weiß, daß die Leute in der Mittagszeit fich zur Unterschrift förmlich gedrängt haben. Es ist nicht wahr, daß ich den Arbeitern mit Entlassung ge- droht habe, wenn sie politisch anderer Meinung wären und an- ders wählten, als ich. Allerdings habe ich vor drei Jahren bei der letzten Landtagswahl zum Stadttath Schubert geäußert, daß ich Jeden, oer nicht konservativ wähle, entlassen würde. Das war aber nur Scherz. Richtig ist nur, daß ich vor der Reichstagswabl ein Plakat etwa folgenden Inhalts habe anheften lassen:„Es liegen jetzt viele Gesetze zum Schutze und Nutzen der Arbeiter vor; ich gebe des- halb den Arbeitern den guten Rath und wünsche es sehr, daß sie sämmtlich für den Regierungskandidaten ihre Stimme abgeben. Bezüglich der Billigung des Attentats auf den Redakteur Lemme äußert sich der Zeuge:„Ich habe mich über die That des bei mir beschäftigten Buchhalters Schänker nur insofern anerkennend ausgesprochen, als ich dem jungen Mann Charakter nachgerühmt; aber ausdrücklich gebilligt habe ich seinen Angriff nicht. Schon früher habe ich einmal gemgt: Wenn ich das beabsichtigt hätte, so wären in meiner Fabrik wohl bessere Fäuste zu meiner Verfügung, die es Herrn Lemme noch gründlicher besorgt hätten."— Schmiedemeister Finke aus Klosterfelde, Arbeiter Richard Burdt aus Geoger« mühte, Kupferschmied Stein und Schulz ebendaher und Drechsler Richard Bautenberg vgl. bekunden übereinstimmend, daß der Vor- arbeiter Fischer mir der Adresse von Mann zu Mann gegangen und überall sagte, es käme nur darauf an, daß recht vrcle Namen auf dem Blatte ständen. Gelesen habe die Adresse wohl Niemand, und nur Wenige hätten die Unterschrift verweigert, denn man glaubte allgemein, daß man im Weigerungsfälle seiner Stelle nicht mehr sicher sei. Bei der letzten Wahl sei es ja ebenso gewesen. Da habe der Ober- meister sie bei der Rückkehr von der Wahl empfangen und ausgehorcht, wie Jeder gewählt habe. Da haben Alle geant- wartet„Bcthmann-Hollweg", weil sie die Wahrheit nicht sagen buriten. Von crncm Anschlag, wonach die Arbeiter beim Vor- arbetter Frscher d,e Adresse unterschreiben sollten, hat keiner der Zeugen etwas bewerft.- Die weitere Beweisaufnahme dreht sich um das Benehmen des Schreiber anläßlich des Ueber. falls. Maurermerster Julrus Holz bekundet eine Aeußerung des Schrerber dahm, daß er dem Attentäter den Ueberfall gegen Lemme hoch anrechnen werde. Kommerzienrath Schreiber stellt nehmen, da er noch zahlreiche Zeugen dafür stellen könne. Nun- mehr gab Schreiber zu. daß er d»e qu. Aeußerung vergessen haben tonne. Vor seiner Beeidigung erklärt der Zeuge Schreiber noch:„Zur Ergänzung meiner Aussage möchte ich noch hinzu- fügen, daß mir die Vorgänge bei der Sammlung von Unter- schriften zur Bismarck- Adresse mcht aus eigener Anschauung sondern hauptsächlich aus den Mittheilungen des Vorarbeiters Fischer bekannt sind. dem ich in dieser Beziehung Glauben schenken durfte.— Staatsanwalt Gerichtsaffcffor Schulte er- achtet den Beweis der Wahrheit nicht für erbracht, eventuell sei aber die gebrauchte Form beleidigend. Er beantrage für alle 4 Artikel 300 Mk. ev. 30 Tage Gefängniß.— Rechtsanwalt Dr. Flatau aus Berlin weist ,n seinem längeren Plaidoycr auf eine Bemerkung des Herrn Vorsitzenden des Gelichtsho's hin, wonach ein gewisser autoritativer Einfluß des Arbeitgebers auf seine Arbeiter in der Natur der Sache liege, und hebt hervor, daß vorliegend außer diesem stillschweigenden Einflüsse sich auch ein ganz direkter recht vernehmbarer eingeschlichen habe. Er erachte hiemach den Beweis der Wahrheit rn Heiden Punkt-n für erbracht und könne auch in der Form nichts Be- leidigendes finden. Sein Antrag richte sich daher auf die Frei- sprechung seines Klienten. Der Gerichtshof vemrtheilte den Angeklagten wegen Beleidigung in drei Fällen zu einer Ge- sammtstrafe von 200 Mark ev. 20 Tagen Gefängniß und sorach dem Beleidigten die Publikationsbefugniß rn beiden in Eberswalde erscheinenden Tagesblättern zu. In dem Fall mit der Entrüstungs Adresse nimmt der Gerichtshof den Beweis der Wahrheit als nicht geführt an und findet in beiden Artikeln außerdem Beleidigungen in der Form, dagegen erachtet er in dem Fall mit dem Buchhalter Schänker oie behauptete Thatsache für erwiesen und den Artikel in der Form nicht beleidigend. Anders sei es im vierten Artikel, dessen Schlußsatz eine Beleidigung für Schreiber enthalte. Zweifellos sei durch denselben Kommerzienrath Schreiber mit dem Hof- Prediger Stöcker auf eine Stufe gestellt. Der Angeklagte habe in jenem Satze sagen wollen, daß, wie der Hofprediger Stöcker der intellektuelle Urheber der Judeirhetze in Neu- Stettin gewesen sei, wenn auch eine sttafrechtliche Verantwortung ausgeschloffen bleibe, so trage der Kommerzienrath Schreiber durch ein ähn- lichcs nicht zu billigendes Hetzen gegen die„Eberewalder Zeitung" und deren Redafteur die Schuld daran, daß ein un- reifer Kopf zur Peitsche gegriffen habe.— Der Vemrtheilte beabfichtigt, die Revision gegen das Erkenntniß einzulegen. Unter der Anklage, gefälschte Nahrungsmittel wissent- lich verkauft zu haben, stand gestern der Kolonialwaarenhändler B. M. Kühn vor der 91 Abtheilung des Schöffengerichts. Im Monate März war ihm, nach einer von der Sanitäts- Polizei bei ihm stattgehabten Revision, ein Schreiben vom Polizei-Präfidium zugegangen, in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß der von ihm geführte„Himbeer- Fruchtzucker" diese Bezeichnung nicht verdiene, dcnn dies Fabrikat enthalte weder Rohr- noch Rübenzucker, sondern lediglich Käftoffelstärkezucker mit etwas Himbeersaft und es wurde dem Adressaten aufge- geben, den Verkauf dieser Zusammensetzung unter obigem Namen einzustellen. Da der Angeklagte dies Verbot nicht respcktirte, so zog er fich obige Anklage zu. Im Termine behauptete der Angeklagte, Zucker sei Zucker, er möge nun aus Rohr, Rüben oder Kartoffelstärke gewonnen werden, der Gerichtshof war aber anderer Meinung und nahm ihn in eine Geldstrafe von 10 Mark, event. von 1 Tag Gefängniß. P. In dem monströsen Hühner- Diebstahls- Prozeß gegen den Gärtner Liepner und den Schuhmacher Fließ fällte gestern die Strafkammer des Landgerichts II das Urtheil. Liepner wurde mit Rücksicht auf seine anrüchigen Antezedentien zu 12 Jahren Zuchthaus, Ehmerlust und Polizeiaufsicht ver- urtheilt. Gegen den bisher unbescholtenen Fließ(nicht Fliers, wie andere hrefige Zeitungen berichteten) lautete das Uftheil auf 1 Jahr Gefängniß. — Ein Streit, der an einem Tage Ende März m der Werkstatt der Deutschen Edison-Gesellschaft unter zwei Arbeitern ausgebrochen war, konnte für beide leicht sehr verhängnißvoll werden. Die Schlosser Robert Löwenhagen und Schröter waren in Wortwechsel gerathen und kamen rn solchem ziemlich Haft aneinander. Versuche der in ihrer Nähe befindlichen Kollegen, dcnfelden beizulegen, hatten keinen Erfolg und so ließ man fie vor der Hand gewähren, in dem Bewußtsein, jeden Augen- blick eintreten zu können, falls der Woftstreit in Thätlichkeit ausaften sollte. Der Eifer der Zankenden ward immer hitziger, in der Wuth trat Löwenhagen dem Schröter einen Schritt näher und nun schob letzterer jenen mit der Hand bei Seite und äußerte dabei:„Glaubst Du etwa, ich sei auch ein solcher Lump oder so ein erbärmlicher Kerl?" Kaum war dies Woft seinen Lippen entflohen, da erhob Löwenhagen den Arm und blitzschnell ließ er ihn auf Schröter niedeftallen, der fich röchelnd zurücklehnte. Nun erst bemerften die Mit- arbeiter, daß Löwenhogen einen Stahl in der Hand hatte, den er nun von Blut reinigte. Nun erst, prang man dazwischen und erkannte das Eisen in Löwenhagens Hand als eine Feile, die er dem Schröter durch den Hals gestoßen. Der Erstere wurde festgenommen und der Zweite in ärztliche Behandlung gegeben, in der er sechs. Wochen lang verblieb. Nur wie durch ein Wunder ist er am Leben erhalten worden und wird auch vorausstchtlich durch die Verletzung keinen bleibenden Nachtheil davon tragen. Gegen Löwcnhagen ward das straftechtliche Verfahren eingeleitet, in welchem er gleichwie in der gesttigen Verhandlung vor der vierten Ettafkammer des Landgeftchts l durchaus geständig war, auch schien er seine übereilte That zu bereuen. Dies berücksichtigte Staatsanwalt Simon von Zasttow in feinen Plaidovcr, dagegen sei auch wieder in Bettacht zu ziehen, daß die Verwunoung deraft war, daß der Angeklagte um ein Haar wegen Körperverletzung mit tödtlichem Ausgang vor das Schwurgericht zu verweisen gewesen, er auch schon wegen Körperverletzung mehrfach vorbesttaft sei, weshalb der Staatsanwalt ein Jahr Gefängniß beanttagte. Der Genchts- Hof erkannte auf diese Strafe. -- Eine Episode aus dem Tischlerstreik wurde gestern vor der vierten Strafkammer des Landgeftchts l verhandelt. Die gegen die Tischlergesellen Franz Otto und Heinrich Gustav Wutzke erhobene Anklage lautete dahin, daß fie beide gegen § 240 des Reichsstrafgesetzbuches und§ 153 der Gewerbe- »rdnung verstoßen hätten. Der Erstere bedroht:„Bedrohung mit einem Verbrechen" mit Sttafe, der Andere:„Die Verleitung zur Thcilnahmc an einem Streik durch Gewalt, Bedrohung oder Ehrverletzuna", und zwar wurde ihnen zur Last gelegt, daß fie bei dem Tischlermeister Gust die Arbeit nieder gelegt, ohne ihren kontraktlichen Verpflichtungen, Vollendung von Akkordarbeiten, nachgekommen wären und den Gesellen Holbert bedroht hätten, weil er soft arbeitttc. Der Thatbestand ist kurz folgender: Am 20 April d. I. befragten Ltto und Wutzke ihren Meister, ob er in eine Lohnerhöhung von zehn Prozent, wie fie jetzt allgemein gefordert werde, ein- willigen wolle, widftgenfalls fie dre Arbeit niederlegten. Gust schlug die Forderung ab, weil die Geschäfte so darnieder lägen, daß er so viel nicht bewilligen könne. Otto und Wutzke verließen darauf die Werkstatt. Efttcrer kehfte aber andern Tags in dieselbe zurück, da er gehört hatte, Holbeft habe seine unvollendet gelassene Arbeit fertig gestellt. Er traf diesen und machte ihm rn ruhiger Weise Vorstellungen, daß er durch sein Verhalten das allgemeine Interesse schädrge und schloß, weil dieselben fruchtlos blieben, mit dem Bemerken, Holbert werde ja sehen, wie fich dasselbe sttafen werde. Dieser traute stch nun nicht mehr in der Werkstatt weiter zu arbeiten, nahm aber die von Wutzke zurückgelassene Arbeit in seine Wohnung. Letzterer vernahm dies auch und begab sich dorthin und sagte ihm, wie er so handeln könne. Er selbst habe Frau und sechs Kinder und ordne fich der Allgemeinheit unter und er, Holbeft, der doch schon bei Jahren ser, thue nichts um eine bessere Lage und günstigere Verhältnisse zu schaffen, das werde fich rächen. Holbeft wies ihm und den mit ihm gekommenen, aber ruhig zuhörenden Gesellen die Thür, weil sie gelärmt haben sollen. Auch behauptete er, sowohl Otto wie Wutzke hätten ihm ge- droht, fie werden ihm die Knochen im Leihe entzwei schlagen. Erwiesen wurde dies nicht, denn es stand Aussage der Aus- sage unbestrafter, unbescholtener Männer gegenüber. Staats- anmalt Simon v. Zastrow hielt die beiden im Sinne der An- klage für schuldig, vlaidifte jedoch für mildernde Umstände und beantragte gegen Jeden 3 Wocken Gefängniß. Der Verthei- diger.Rechtsanw.Ladewig, vlaidifte pftnzipaliterfürFreisprechung, denn von der Bedrohung mit einem Verbrechen könne hier absolut keine Rede sein. Außerdem müsse aber auch der Ver- stoß gegen die Gewerbeordnung als ein sehr gelinder ange- sehen werden, denn trotz desselben sei Otto, der schon früher dort zur größten Zufriedenheit gearbeitet, wieder in der Werk- statt des Herrn Gust thätig.— Letzteres wurde durch den an- wesenden Meister bestätigt.— Sollte der Gerichtshof aber ein' Bestrafung für geboten erachten, so haltt er, der Veftheidig» eine Gefängnißsttafe von einem Tag für eine ausreichend« Sühne. Der Gerichtshof schloß stch den Ausführungen bei Staatsanwalts an, erachtete aber die That der Angeklagten in etwas milderem Lichte und veruftheilte Beide zu einer fängnißstrafe von je vierzehn Tagen. Graz, 6. Juli. Phantafie einer Braut. Eine in all» ihren Details so drollige und vielfach die größte Heittrkeä hervorrufende Schwurgerichtsverhandlung, rote die in Nachfolgendem geschildefte, kommt an der sonst so ernsten Stätt der Themis gewiß nicht oft vor— allein, wie hätte man% ernst bleiben sollen, man höre! Aloifia Ledinegg, eine neun- zehnjährige, hübsche, feurige Brünette, lernt einen jungen, t« dienenden Klaffe angehörenden Mann kennen, in den sie slä sterblich verliebt. Josef Tatzer— so des Auseftorenen RarX — ist zwar kein biblischer Josef, allein, vom Flecke weg Heirathen, scheint ihm zu gewagt; dazu, meint er, sei zum Kriegführen Geld nöthrg. Geld? fragt das Mädchen wundeft, das sei die letzte Sorge! 6000 Gulden Puvillaw sammt 700 Gulden fälligen Zmsen erlägen in der Spa/ für fie und am 15. Januar könne ihr Liebster das beheben. Dessen Liebesgluth sttigt fichllich, erreicht aber Höhepunft, als die Angebetete kurz darauf mit der Melduni kommt, ihr Bruder, etn reicher Fleischer, habe fich anläßl» eines häuslichen Zerwürfnisses in seiner Fleischbank erhcntl jedoch nicht ohne fie zuvor im Testamente mit 2000 fl. zu k denken. Auch werde nun das väterliche Gut ihr zrrfalltt ein Wohnhaus mit 20 Zimmern, Weinbergen, Meierhöfen, viel? Hundeften Joch Aeckern zc. Die Nachncht verbreitete stch m* Blitzesschnelle in ganz Arnfels, dem Schauplatze dieser Begebe» heit, und Jung und Alt sprach von nichts Anderem als de« „unbändigen Glücke" des Josef Tatzer; daß die Hochzeit glc» nach dem 15. Januar, an welchem Tage das Geld' Marbu� zu beheben war, stattfinden sollte, ist selbstverstänl lich. Mit sonderbarem Gefühle sah die schöne diesem verhängnißvollen Medio entgegen; ehe dieser A heranrückte, überraschte fie aber den Brämigam unter o* Augen mit einer sehr intimen Mittheilung. Unter solchen II# ständen war an ein Abwaften des 15. Januar nicht zu denk? die Braut beschwor den jungen Mann, die Verehelichung a? Energischste zu betteiben. Dres hatte auch gar keine Schwieg leiten. Die Schwiegermutter in«pe verkaufte ihre letzte H# und machte Alles zu Gelde, eine junge Dame lieh 100* her, der Kaufmann bestellte Brautkleider, Eheringe, Sch« u.dgl., wofür er einstweilen das Geld vorstreckte, und Wifth machte es fich zur Ehre, eine solenne Hochzeitstafel I Kredit henustellen.„Aber nur nobel, nur großaftig!" rief 1 glückliche Braut ihm ein um das andere mal zu.„Ich" ordentlich Heirathen; mein Bruder hat daheim vier Tage zeit gehalten, der ganze Oft soll geladen werden." AI.� der zukünftige Ehemann gegen solchen Luxus leise» denken erlaubte, wurde sie ernstlich böse und mein# „Ich zahl's mit meinem Gelde und mit meinem Gelde kS ich thun, was ich will." Während nun die Vorbereitunj# zum Schmause gettoffen wurden, schlug die Braut vor, eil# kleinen Abstecher zu machen, um in dem nicht allzuweit«# kernten Dorfe Pulsgau das väterliche Gut zu besichtig Tatzer war einverstanden und nachdem die Ledinegg das nöM Geld zur Reise ausgeliehen hatte, fuhr das Pärchen nach W flau, wo fie ihm ein in der That stattliches Haus zeigte f«"* vielen Feldern, ja sogar die Stelle in der Fleischbank, an* sich der Bruder entlerbt hatte. Sie rief auch einige Person? des Ortes als Zeugen der Wahrheit an, worauf diese in f wenischer Sprache— der deutschen war doft kein AM mächtig— Antwoft gaben, welche, wie die Braut wenigst' verdolmetschte, sehr günstig waren. Nach der Rückkehr rvn in Arnfels die Hochzeit gefeiert und noch heute et? man im ganzen Ofte, wie„toll und voll" es dabei her» Aloifia Ledinegg. nunmehr verehelichte Tatzer, hatte also' Ziel ihrer Wünsche erreicht, doch der junge Gatte nicht# seiner Wünsche; da kam der 15. Jänner heran. Wie f## als die junge Frau plötzlich erkrankt! Man rief den Arzt,! zwar feine Untersuchung anstellte, aber ein bedenkliches(W machte und— Ruhe empfahl. Damit war aber dem r* seinen Reichthümern begierigen Gatten nicht geholfen und rief einen Notar, damit er eine von der Patientin gefem Vollmacht niedersetzte, mittelst welcher Josef Tatzer nach 3% bürg reisen wollte. Zugleich aber fühlte fich die junge Frä# elend, daß sie den Notar zugleich bestimmte, ihr Testament! konzipiren. In demselben vererbt fie die Hälfte des Vermögens künftigen Kinde, in dessen Todesfälle aber sollte der Gatte statt# zweittn Hälfte das gesammte Vermögen erben. Da man Zern brauchte, schickte fie um den Wifth, dem fie noch 235 ff! die Hochzeitstafel schuldete, und um den Kaufmann, der' Ausstattung auf Kredit beigestellt hatte. Nun reiste Tatzer, die Vollmacht in der Tasche, nach Marburg. Man-, sich seine Ueberraschung, als er doft erfuhr, daß das g? Erbe seiner Frau 39 fl. betragen habe, doch schon behöbe»# Nicht minder überrascht war rnzwischen daheim die Schnn«## mutter, denn— die junge Frau war nicht zu finden, sie>7 wie sich herausstellte, durchgebrannt! So sab! Tatzer um seinen Junggesellenstand, die Mg aber um ihre letzte Habe bettogen. Von einem mögen keine Spur, das große Befitzthum in PulU Eigenthum wildfremder Leute; die Geschichte vom Bruders fich erhenft, total erlogen; die geheime bedeutungsvolle theilung eine schlaue, durch Toilettekunst plaustbel gern## Erfindung; nichts Wahrheit, als der Ehestand und die gewachsene Schuldenlast! Als die geprellten Geschäftslenn. Arnfels die Anzeige erstatteten, fand man die entstohene teurerin in Graz als— Kellnerin in einem Gasthause., war vollkommen geständig und wurde wegen Betruges vo' Geschworenen gestellt. Während der Verhandlung, der La>? gerichtsrath Wellspacher v'äfidirte, gab fie fich sehr? „Warum hat man mir auch Alles geglaubt"— ruft sie,, wurfsvoll aus—„man hätte sich erst erkundigen folle»?, „Da find also eigentlich die Betrogenen dre Schuld'K erwiderte der Präsident. Da konstatift wird, in#3 itl fepnt ffniffTrtmznriifrfiP.l*5 'i Weise fie ihren Mann in dem stockflowenische.r*ji dupifte. lacht fie seelenvergnügt, als würde es fie ders freuen, daß ihr dieser Koup so gelang. Der best«! Gatte entschlägt fich der Rechtswohtthat und erzählt tftg daß er zu lange an sein Glück geglaubt habe; was die g-kostet habe, sei die Angeklagte schuldig;„mir"-% pathetrsch—„hätte in ganz Arnfels kein Mensch fünf E"» geliehen!"(Große Heitefteit.) Weiter giebt er an. daß(f,, her von seiner Frau gettennt lebe, nur einmal habe er t' J troffen, doch habe fie selbst da noch allen Ernstes bei« Vermögen zu besitzen; der Herr Adjunkt in Marburg nicht auskennen. Auch habe sie ihm aufdisputiren wolle»-, sie bereit eines Söhnleins entbunden sei, daß den Taslf} Jofef erhielt. Die Angeklagte giebt unter Lachen zu, daß, sowre Alles erlogen gewesen sei. Die Verhandlung et'%« dem Schuldspruche der jetzt 20 Jahre alten Angeklagtes Veruftherlung zu dreizehn Monaten Kerkerhaft. Dst*31 therlte schren gar nicht zu begreifen, warum sie verurthem den ser. Soziales und ArbeiterveWeg, Kalt bei Köln. Ter Streik bei der Vt Breuer, Schuhmacher u. Comp, daueft«"Sl 37 Mann sind zur Zeit noch zu unterstützen. Diese'v Schlosser, Dreher, Schreiner, Hobler, Stoßer— etWj bereit, auch auswärts Arbeit anzunehmen, und wolle r» geböte an Peter Inger, Mühlheimefttraßc 27 B in � langen lassen. 20 30 40 50 20 30 40 50 J- 20 30 40 50 E. 407 in alle« HeiterW in Nach' n Ställe man t« ine neu«' 'gen, W n sie fit len NaB Z'Z ochen oillargell Spamst das Gel aber de« Melduq anläß« ! erheull ß--ub» sen°i-l- te sich«>> : Beg�ell i als de« An die Tischler und Bernfsßensffen richtet die Lohn- tommtsfion der Berliner Tischler die Bitte, angesichts der traurigen Lage, in welcher sich die in Königsberg(noch 170) und Dresden(ca. 400*) streikenden Tischler, sowie die hiesigen Maurer befinden, die Zahlungen zum Unterstützungsfonds recht rege fließen zu lasten, damit diese Kollegen recht erfolgreich unterstützt werden können. Zwar konnten wir trotz unseres eben er st beendeten Streiks bereits 635 Mark an die streikenden Gcnoffen abgeben, aber was ist das für die Berliner Tischler! Die Kommission hofft, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die Berliner Tischler an ihre Pflicht zu erinnem. Die Zahlstellen zum Unterstützungs- fonde der Berliner Tischler befinden sich: Oranien- straße 4, bei Franke' Grüner Weg 83, bei Blumberg; Lichtcn- bergstraße 17, bei Weck; Belle- Allianceplatz 6, bei Hilscher; Blumenthalstr. 5, bei Schmaar- Fehrbellinerstr.51, hei Rügen; Müllerstr. 184, bei Hering; Ritteistr. 34, bei Ammer, und Eoldinerstr. 33, hei Pönue. Die Zahlstellen find Montags und Sonnabends von 7—9 Uhr Abends geöffnet. Auch find auf allen diesen Zahlstellen Listen für die streikenden Maurer zu haben. Der Einfluß des Berufes auf die Gesundheitsver- hältnifse läßt sich recht deutlich bei den Solinger Schleifern erkennen. Dieselhen find durch ihre gewerb- liche Thätigkerten die berufensten Schwinhsuchtskandidatcn. Wer sie bei der Arbeit gesehen hat, der weiß, unter welchen Mißständen gerade diese Arbcitergruvve zu leiden hat. Beim nassen Schleifen werden sie üherspritzt und ziehen sich Erkäl- tungen u. s. w. zu. Beim trockenen Schleifen athmen fie, in chren schlecht oder gar nicht ventilirten Werkstätten, die feinen Stahl-ßund Eisenstücke ein. Dadurch ziehen sie sich das Leiden zu, welches die Engländer Grinder's Asthma, das Schleifer- »sthma nennen. Daffelhe beginnt mit Affektionen des Kehl« kopfes und der Luftröhre, führt etliche Jahre Husten, Emphysem u. s. w. herbei. Häusig etwickelt es sich auch schnell in der �u."ge selbst und erzeugt binnen kurzem völlige Entkräftung. Mu Recht hat der englische Forscher Porter hervorgehoben, daß dieses Leiden mit verursacht wurde durch die— allzugroße Theilung der Arbeit. Erst im Anfang des vorigen Jahr- hunders ward es Brauch, daß Jeder seine bestimmte Theil- arbeit hatte, während die Arbeiter bis dahin wechselweise feilten, schliffen und schmiedeten. Die- Körperstellung beim Schleifen, um noch ein Moment anzuführen, ist sehr schädlich, da der Arbeiter vornübergebeugt mit gehobenen Schultern fitzt und den Ellenbogen auf die Knie stützt. Die Lungenschwind- sucht räumt unter den Schleifern auch in grauenhafter Weise auf. Dr. Oldendorfs hat in seiner Schrift: Der Einfluß der Beschäftigung auf die Lehensdauer des Menschen. 2. Hefi. Berlin 1878 die Eisen- und Stahlindustrie in Solingen be- handelt. Er weist nach, daß die anderen Eisenarbciter(Schmiede, Feilhauer, Eisenfeiler, Griffmacher, Heftcrmacher) zwar eine größere Sterblichkeitsziffcr aufweisen, als die übrige Bevölkerung, daß aber die Schleifer fie in der Mortalität weit überflügeln. Man betrachte nur folgende Zusammenstellung. Kreis Solingen 1875.**) man die Sterblichkeitsprozente, so sieht man bereits bei Gruppe II. und noch mehr bei"den Schleifern, wie arg die proletarischen Schichten mitgenommen werden. Ist doch die Sterblichkeit bei der gewöhnlichen Bevölkerung im Alter vonJO Jahren nicht halb so groß, wie bei den Schleifem! Betrachtet man aber die Ursachen der Mortalität, so findet man. welch entsetzlich großes Kontingent zur Schwindsucht die Schleifer stellen. Ist doch diese Todesursache bei ihnen die vorwiegende. Bei der Gruppe I, den befitzenden Klassen, beträgt der Prozent- satz der an Schwindsucht ,m sog besten Alter. 30 bis 40 Jahren, Gestorbenen 0,57 bez. 0,91, bei Gruppe Ii 0,95 bez. 2,15, bei den Schleifern dagegen 3,19 bej. 5j2l Diese Zahlen find beredter, als die trefflichste Agllationsrede zu Gunsten eines Arheiterschutzgesetzes. Die meisten Schleifer sterben in der Blüthe ihrer Jahre. Waren doch von den ,n den Jahren 1870 bis 1874 Gestorbenen über 50 Jahre; Schleifer nur..... 1,3 pCt. Eisenbahnarbeiter... 9,2„ Die übrige Bevölkerung. 21,9 ,, Solchen Thatsachen einen Kommentar hinzufügen, hieße Waffer in'S Meer tragen. i;' vereine und Versammlungen. Der Fachverein der Fraiser und Berufsgenoffen, welcher seine regelmäßige Bereinsvcrsammlung am Montag, den 6. d. M. hei Tiltz in der Köpenickerstaße abhielt, beschäftigte sich zunächst mit dem Arbeitsnachweis in Händen der Prinzipale. Als Re« ferent hierzu war Herr Max Kreutz erschienen. Redner sprach in längeren Ausführungen gegen den genannten Arbeitsnachweis und für einen von den Arbeitem zu enichtenden Redner legte auch die Gründe klar, warum ein Arbeits: Nachweis in Händen der Prinzipale auf die Dauer nicht halt bar ser und stets ungünstig für den Arbeiter ist, denn wenn sich em Arbeiter mit seinem Prinzipal veruneinigt, bekommt er oft den bekannten Arbeitsschein auf dem vielleicht ein geheimes Zeichen, ein Punkt oder Strich vorhanden ist, nun geht her Arbeiter zu demPrinzipal, der den Arbeitsnachweis in Händen hat und ist bei demselben als verdächtig bezeichnet; er bekommt dann womöglich zur Antwort:„Kommen Sie wieder, ich habe äugen- blicklich keine Stelle für Sie". Daß wiederholt sich mehrere Mal, bis dem Arbeiter die Lust vergeht und er gezwungen ist, sich anderswo Beschäftigung zu suchen. Anders verhält es sich, wenn der Arbeitsnachweis in Händen der Arbeiter fich befindet, denn dann wird jeder tüchtige Arbeiter danach streben, in eine *) Was die Zahl der in Dresden streikenden Tischler betrifft, so verweisen wir auf den in unserer gestrigen Nummer enthaltenen Bericht der Dresdener Lohnkommisfion. Danach betrug die Zahl der dort noch Streikenden zur Zeit noch 243 ... m Die Red. _) Nach Weftergaard, Mortalität und Morbilität, V. 407, 8. Werkstatt hineinzukommen, wo gute Arbeiten geliefert werden und wird der Ruf eines Geschäfts durch die Lieferung guter Arbeit fich entschieden heben und auch der Arbeiter, der den Arbeitsnachweis in Händen hat, wird stets gewiffenhaft die Kollegen nach den Weilstättcn schicken, wo ihnen ihren Lei- tungen entsprechende Beschäftigung gewährt wird. Zahlreicher Beifall lohnte den Redner für seine Ausführungen. In Betreff der Unfallstatistik wurde der Unfall besprochen, der den Arbeiter Fenkort in der Fabrik von Frister u. Roßmann infolge mangelnder Schutzvorrichtungen getroffen hat, und werden die Kollegen ersucht, bei vorkommenden Unfällen sofort bei dem nächsten Polizeibureau Meldung zumachen, denn gewohnlich er fährt die Polizei die Unfälle garnicht oder doch ziemlich spat und sind dann bereits immer schon Schutzvorkebmngen, getroffen. Der Vorstand wurde darauf beauftragt, die nothigen Schritte zur Errichtung eines Arbeitsnachweises zu thun. Der Verband der deutschen Tischer-(Schreiner-) Vereine hiell am 29. Juni und die folgenden Tage m Offenbach a. M. seinen ersten Verbandstag ob. Aus den Ver- Handlungen theilen wir folgendes mit: Der Vorfitzende des Verbanhes, Herr Kloß, erstattete Bericht, betteffend die Thatigkett des Verbandes seit Bestehen deffelben. In nahezu einstündigem Berichte legte er klar, daß die Hoffnungen, welche er bei Grün- dung des Verbandes aehegt, nicht in Erfüllung gegangen seien, weil theils der Jndifferentismus unter den Arbeitern selbst keinen guten Keim zur Fortentwickelung des Verbandes auf- kommen laffe, theils hätten auch die vielen planlosen Streiks dazu beigetragen, indem durch die vielen Appellationen an die Opferwilligreit der Kollegen die Kraft derselben lahm ge- legt sei. Wo noch ein reges Jntereffe für den Verband und seine Besttebungen vorhanden war, sei das Gesetz mit seiner "nzen Schärfe eingetreten, und hätte ein„Halt" geboten. glicht der anwesenden Delegirten sei es nun, Mittel und Wege zu schaffen, welche es ermöglichen würden, den traurigen Verhältniffen der Tischler Deutschlands Rechnung zu tragen, eventuell eine Verbindina herzustellen, welche das Bestehen der Fachvereine sowie das Beitreten zum Verbände gesetzlich nicht in Frage stellt. Nach dem Kaffenbericht und dem Bericht des Beschwerdcausschusses berichteten die Delegirten über den Stand der einzelnen Organisationen. Aus sämmtlichen Berichten ist zu entnehmen, daß aus den oben von Herrn Kloß angeführten Gründen kein Fortschritt der Organisation zu verzeichnen sei und sprechen alle Delegirten den Wunsch aus, der Verbands- tag wolle Normen schaffen, welche den Ausbau der Organisation Der Louisenstädtische Bezirks-Verein„Vorwärts" hielt am 8. Juli eine Vereins-Versammlung ab, in welcher Herr Laske einen Vorttag über das Arbeiterschutzgesetz hielt. Referent gab zunächst einen Ueberblick über die gegenwärtigen sozialen Nothzustände und unterzog dann den von der sozial- demokratischen Fraktion im Reichstag eingebrachten Ar- beiterschutzgesetz-Entwurf einer längeren Betrachtung. So- dann wurde eine bereits vor längerer Zeit an- geregte Petition an den deutschen Reichstag, das Arbeiterschutz- gesetz betteffend, verlesen und zur Unterschnft ausgelegt. Hier- auf folgte eine sehr animirte Diskusfion. In seinem Schlußantrag zog Referent, angeregt durch die Diskusfion, einige Parallelen zwischen der Sklaverei im Altcrthum und dem System der heutigen Lohnsklaverei. Bei diesen Ausführungen löste der überwachende Polizcibcamte die Versammlung auf Grund des § 9 des Sozialistengesetzes auf. Duisburg. Die hiefige Mitgliedschaft der Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands ist nach§ 8 des preußischen Vereinsgesetzes polizeilich geschloffen worden. Der Arbeiter-Bezirksverein für de« Westen Berlins hält seine ordentliche Mitgliedelversammlung am Montag, den 13. Juli, Abends 8V» Uhr, in Grüicker's Salon, Schwerin- sttaße 26 ab. Tagesordnung: 1. Vorttag deS Herrn Max Kreutz. 2. Revistvnsbericht. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Gäste sind willkommen, neue Mit: glieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. Der Fachverein der Stellmacher hält seine regelmäßige Mitgliederversammlung am Montag Abend 8 Uhr im Vereins lokale, Jnselstt. 10, ab. Tages-Ordnung: 1. Wahl von zwei Vorstandsmitgliedem. 2. Kassenbericht. 3. Verschiedenes und Fraaekasten. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Zentral- Kranken- und Begräbnißkasse für Frauen und Mädchen. Montag Abend 8 Uhr, Kommandanten: straße 82 bei Lammers; Haupt- Versammlung: Tages- Ord: nung: I.Abrechnung. 2. Wahl. 3. Bericht über die General: Versammlung. 4. Vortrag über den Sanitätsverein. Ver: schiedenes. Die Protokolle der Generalversammlung find an- gekommen und werden zum Preise von 25 Pf. ausgegeben. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Berti« ner Tapezirer hält am Montag, den 13. d. M., Abends, in Gratwcil's Bierhallen eine Generalversammlung der Mitglieder ab, mit der Tagesordnung: 1. Kassenbericht des Vereinskasfirers und Zeitungs- Redakteurs. 2. Wahl zweier Vorstandsmit- glieder. 3. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen wird vom Vorstand ersucht. Fachverein Berliner Kürschner. Montag, den 13. Juli, Abends 8 Uhr: Generalversammlung im Lokale des Herm Seefcld, Grenadierstr. 33. Mitgliedskarte legitimirt. Eine große Generalversammlung der Zimmerleute findet heute Vormittag 10'/, Uhr, in der Viktona-Brauere,. Lützowstr. 112, statt. Tagesordnung: 1. Petition der Ber liner Zimmerleute. 2. Ergänzungswahl. 3. Der Streik der Berliner Maurer. 4. Verschiedenes. Es ist dringend noth wendig, daß alle Zimmerer Berlins und Umgegend erscheinen. Oeffentliche General- Versammlung ver Schlosser und Berufsgenoffen Dienstag, den 14. d. Mts., Abends 8 /, Uhr, in der Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 112. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über den Stteik. 2. Wahl zweier Kom- misstonsmitglieder. 3. Verschiedenes.- Um recht zahlreiche Betheiligung wird gebeten. Die regelmäßige Delegirten- Ver- sammlung am Montag fällt aus., m Verein der Modelltischler, Ackerstr. 63, Montag 8 Uhr, Vortrag und Vierteljahrsbericht. m_„r m„ Freireligiöse Gemeinde. Heute Vorm. 10 Uhr, Rosen thalerstt. 38, Vorttag des Herr Burschs. Vermischtes. Recht gemüthirche Kollegen. In Neustadt a. d. Haardt hatten fich die Redakteure der deutsch-freisinniaen„Neuen Büraerzeituna" und der national-liberalen„Neustädter Ztg., welche sich seit langer Zeit in nichts weniger als kollegial, scher Weise gegenüberstanden, so daß sogar Stockprügel zwischen ihnen ausgetauscht wurden, gegenseitig wegen Beleidigung durch Artikel in ihren Zeitungen oelangt. Die Ver- Handlung vor dem dottiaen Schöffengerichte nahm drei Tage in Anspruch. Dr. Schmidt- Olinda, Re- dakteur des erstgenannten Blattes, wurde wegen 25 Beleidigungen und Verleumdung zu einer Gesammt- gefängnißstrafe von 2 Monaten und zu% der Kosten ver- urtheUt. Peter Schwuchow, Redakteur der«Neust. Ztg., wurde wegen 10 Beleidigungen zu einer Gefängnißstrafe von 14 Tagen und'/, der Kosten veruttheilt.„.. Ueberschwänalichkeiten. In der„Kreuz-Zeitung fanden wir vor einigen Tagen folgendes Inserat:—„Hell leuchtet das Beispiel unsers Stöcker, womit er uns vorangeht, das Bild eines echten Nachfolgers dessen, der uns allen zur Nachfolge voranging! Aus untergeordneten schlichten Volkskreisen einen Stamm wählend und um fich sammelnd,— der Lüge entgegentretend,— das Licht der Wahrheit anzündend, verbreitend, Damit veredelnd!— Aus Sozialdemokraten werden Christlich- Soziale, aus Anarchisten werden treue Staatsbürger, aus Atheisten Christen!— In treuer Arbeit und Gebet, unter Nachtwachen und Mühen, sich selbst verleugnend, seine Misfion fest im Äuge behaltend!— Was kümmert ihn des Pöhels Geschrei, Undank und Verdächtigung!— Durch Schimpf und Schande, durch Hohn und Soott unbeirrt seinen Weg verfolgend— zum Heile derer, die ihn hassen und verfolgen!— Ein Hoch dem edlen Nachfolger und heldenmüthigen Stteiter Christi, unserm verehrten Stöcker!— Untergang der Lügenbrut! Alexander von Katte-Zollchow." v Ein asiatischer Hofstaat. Nach den neuesten Aus« weisen besteht jetzt die Palastdienerschaft zu Hue, der Residenz des Königs von Anam, aus 7458 Mann, die folgendermaßen beschäftigt find: 500 Speerttäger, 500 Mann Wache, 500 Standartenträger, 150 Gefängnißwächter, Sttafvollzieher und Scharfrichter, MO Mann zum Tragen des königlichen Siegels, 150 Schildträger, 180 Baldachinträger, 150 Palankinttäger für die Haremsdamen, 150 Sonnenschirmttäger, 50 Tambours, 400 Fächerträger, 100 Ausrufer(wenn der König spazieren fährt), 500 Jäger, 50 Theediener, 50 Falkner, 100 Köche, 2500 Hüter der königlichen Familiengruft, 50 Waffenhüter, 150 Musikanten, 250 Tempeldiener, 50 Einsammler und Zubereiter der Schwalbennester, 50 Fischer, 50 Gärtner und 500 Schwimmer, Taucher und Wasserkünstler. Dabei ist die weibliche Diener« schaft, die gleichfalls einige hundert Köpfe stark und unter dem Kommando einer emeritirtcn Haremsdame steht, nicht mit- gerechnet. Barbarische Rohheit. Aus St. Veit an der Triesting wird dem„Pester Lloyd" unterm 7. d. geschrieben: Gestern hat fich in dem Nachbarorte Pottenstein em furchtbares Ereig- niß zugettagen. Drei Kinder waren im Walde mit dem Sammeln von„Bockeln"(Föhrenzapfen) beschäftigt. Schon hatte ein jedes derselben seinen„Buckelkorb" mit Nockerln ge- füllt, da kam der Förster Leier dazu und hetzte seinen Jagd« Hund auf die Kinder. Zwei liefen vavon, das dritte, ein Sohn des dortigen Jnsaffen Rehhorn, stürzte unglücklicherweise mit dem Korbe, wurde vom Hunde ereilt und schrecklich zugerichtet. Der Hund biß dem Knaben das Schlüsselbein entzwei und versetzte demselben noch mehrere Bißwunden. Der Bauer Krietsch, der Eigcnthümer dieses Waldtheiles, kam auf das Jammern des Kindes herbei und befreite endlich das arme Opfer aus den Zähnen der wüthenden Bestie. Der Knabe wurde nach Hause getragen und liegt schwer darnieder. Na- türlich wurde gegen den schuldttagenven Förster die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Der Fall macht in der ganzen Gegend ungewöhnliches Aufsehen. Kleine Mittheilnnge«. 75jährtaes Meisterjubiläum. Sein 75jähriges Meister- jubiläum ocglna am Donnerstag voriger Woche, körperlich noch sehr rüstig, im Alter von 100 Jahren stehend, der Tischlermeister Warnte in Elmshorn. Wilhelmshaven, 9. Juli. Der Fall Tiarfs-Samuel's (Unterschlagung städtischer Gelder) hat bereits zu zwei weiteren Verhaftungen städtischer Beamten geführt. Dieselben treffen den Magistratsexekutor B. und den Btagistratsregistrator H. Der Erstere wird beschuldigt, 1100 M. unterschlagen zu haben und ist bereits geständig. H. ist beklagt, Mitwisser des ge- wissenlosen Kleeblattes gewesen zu sein und zu Gunsten des Tiark einen Meineid geleistet zu haben. München, 9. Juli. Der Sergeant Karl Sauer wurde vom Münchener Militärbezirksgericht wegen acht fortgesetzter Verbrechen der Mißhandlung von Untergebenen und eines Vergehens der vorschriftswidrigen Behandlung zu fünf Monaten Gefängniß verurtheilt. In Kassel ist die Nachricht eingettoffen, daß der frühere Vertteter des Wahlkreises Kassel-Melsungen im Reichstag Dr. Philipp Schwarzenberg am 26. Juni zu Florenz in Folge eines Lungenleidens gestorben ist. Der Verstorbene war ein Sohn des alten hessischen Verfassungskämpfers, Obergerichts- anwalts Schwarzenberg und gehörte gleich diesem zu den 11 Ab» geordneten, welche den Kurstaat 1848 in der deutschen National- Versammlung in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. vertraten. Hier hatte er auf der Linken Platz genommen und fiedelte am 30. Mai 1849 mit dem sogenannten Rumpfparlament nach Stuttgart über. Die ttaurige Reaktion veranlaßte Schwarzen« berg, Deutschland den Rücken zu kehren. Seine ersten Wohn« fitze waren Straßburg und Zürich, das er später mit Italien vertauschte. Auf Grund eines gegen ihn und zwei andere Kurhessen wegen ihrer Theilnahme am Stuttgarter Rumpf« Parlament vom Ministerium Hassenpflug angestrengten Hoch« verrathsprozesses wurde Schwarzenberg, ebenso wie seine beiden Mitanaeklagttn vom Schwurgericht zu Fulda am 16. Juni 1854 unter Aberkennung des Rechtes, die Nattonalkokarde zu ttagen, in contmnaciam zu zwei Jahren Festung verurtheilt. Die Anstrengungen Schwarzenbergs beim Gesammtstaatsministerium. das gegen ihn ergangene, jeder rechtlichen Äafis entbehrende Erkenntniß rückgängig zu machen, hatten keinerlei Erfolg. Die Heimath blieb ihm bis zum Jahre 1866 verschlossen. Philipp Schwarzenberg, war ganz besonders thätig auf dem Gebiete der Sozialwissenschaft, der er sich gemeinsam mit seinem Freunde Winkelblech, seiner Zeit Professor an der polytechnischen Schule dahier, als Schriftsteller unter dem Namen Karl Marls bekannt, mit Eifer hingab. Arbetter-Unglück. In Uzwil(Schweiz) verunglückte ein Arbeiter auf gräßliche Weise. Er war an einer Schmirgel« scheide beschäftigt, die per Minute zirka 700 Umdrehungen macht; dieselbe zersprang und riß dem Unglücklichen den Unter» kiefer total vom Kopfe. Auch anverweitige Verletzungen wurden ihm beigebracht. Unter gräßlichen Schmerzen wurde der Ver« unglückte in's Krankenhaus gebracht, wo der Tod sofort eintrat. Ueber die Verwilderung der Schuljugend wird der „Züricher Post" geschrieben:„Wo die Aussicht, der gute Wille der Eltern oder Vormünder zu besserer Erziehung fehlt, ge- bietet es ihre Pflicht, energisch da einzuschreiten, wo die Ge« fahr fich steigernder Unbändigkeit nahe liegt. Es darf hier der Verordnung lobend Erwähnung gethan werden, welche die Stadtschulpflege Zürich in einer ihrer nächsten Sitzungen zur Behandlung bringt. In zirka fünfzehn Paragraphen wird dem Schüler sowohl als denen, unter deren Obhut er steht, an« ständiges, sittliches Betragen in und außer dem Schulhaus alS erstes Gebot ans Herz gelegt. Wir zweifeln nicht, daß die Aufstellung der Verordnung ihren guten Zweck erreichen wird und dürfte fie auch anderswo zur Anwendung gebracht werden." Darmstadt. Professor Dr. L. Büchner, der bekannte Verfasser des matcrialistisch-atheifttschen Buches„Kraft und Stoff", hat, nach der„Neuen Zeitung", vor dem hiesigen Amtsgericht seinen Austtitt aus der evangelischen Landeskirche erklärt. Auf der Kanzel verunglückt. Am Sonntag, den 5. Juli» trug fich in der Kirche zu Bomsdorf im Kreise Guben ein eigenartiger Unglücksfall zu. Der Prediger Krögel hatte soeben die Kanzel betteten und war zum Gebet niedergekniet, als fich plötzlich oic Kanzel ablöste und niederstürzte. Die Gemeinde wurde von keinem geringen Schrecken ergriffen. Der Geistllche kam jedoch ohne erhebliche Verletzungen davon; außer einigen Hautabschürfungen im Gesicht wurde ihm durch einen GlaS« schcrben der zertrümmerten Brille eine nicht unbedeutende Wunde zugefügt, die der schnell aus Neuzelle herbeigerufene Arzt zunähte. Schon vor einigen Wochen hatte der Prediger beim Betreten der Kanzel ein verdächtiges Knistem bemerkt, demselben aber keine Beachtung geschenkt. Lübbenau.(Nutzlose Klagen.) An den NujjnserN tantt man gegenwärtig recht deutlich beobachten, wie viele mächtige Eichen und Erlen aus der Urwaldzeit her den Boden des Epreewaldes, über sich eine Humusschicht tragend, bedecken. Hätte der geschwundene Urwald gegen die jetzige Sonnenhitze uns doch nur seinen Schatten zurückgelassen, wre froh wollten wir sein! In zehn bis zwanzig Jahren fahren wir hoffentlich wieder im Schatten. So schreibt der„Kottb. Anz." Ein recht naiver Trost, nachdem kein Gesetz angewendet wurde, um dem Vandalismus der Vernichtung des Sprcewaldes Einhalt zu gebieten! Also noch zwanzig Jahre warten, falls es nicht einem Berechtigten vorher einfällt, den Wald wieder abzuholzen und zu versilbern. Strasiburg. In Folge der EMffe, welche am 28. Juni bei dem Turnfest in Rappoltsweiler stattgefunden, find der Verein„Alsatia" in Rappoltsweiler und in Mülhausen der Verein„Olympia", von welchem drei Mitglieder während der Nacht eine deutsche Fahne aus einem Privatgartcn vom Baum herabgeholt, mitgenommen und später verbrannt haben, durch Verfügung des Ministeriums aufgelöst worden. Augsburg, 9. Juli.(Krankenversicherung.) Der Stadt- Magistrat München hat ein Schreiben an den hiesigen Magistrat Senchtet, um dessen Anficht darüber zu hören, ov derselbe es ir opportun erachte, daß der§ 11 des Reichskranken- verficherungs-Geseyes in die Einführungsbcstimmungen für Bayern aufgenommen werde. Es wurde nämlich Klage dar- über geführt, daß jetzt die Versicherten, wenn sie außer Arbeit kommen, im Krankheitsfälle das Recht auf Unterstützung ver- lieren. Damit fallen solche dann der Heimathsgemeinde zur Last. Es wurde beschlossen, dem Magistrat München mitzutheilen, daß man eine Nothwendigkeit für diesen§ 11 nicht empfinde. Die Aufnahme dieser Bestimmung würde für größere Städte sehr weittragende Folgen haben und dieselben zu Gunsten der kleineren Gemeinden ganz wesentlich belasten. Hier sei übrigens in dieser Beziehung bis jetzt eine ganz milde Praxis geübt worden, indem Versicherten, auch wenn sie außer Arbelt ge- kommen find, für die Zeit, während welcher sie durch Bezah- hing des vierteljährlichen Beitrages das Unterstützungsrecht er- warben haben, diese Unterstützung auch nicht vorenthalten wor- den sei. Noch weiter zu gehen und Beschäftigungslose fort- während als Mitglieder der Gcmeindekrankenverficherung bei- Zubehalten, wäre sehr bedenklich. Leipzig, 9. Juli. Der Reichstagsabgeordncte Liebknecht ist wegen mehrfacher Beleidigung(gegen den Kaufmann Bruno Sparig, den Schriftsteller Emil Leonhardt und den Buch- Händler Nebel) in der Bcrufsinstanz vor der 5. Strafkammer ocs hiesigen königlichen Landgerichts auf Grund der§§ 185, 186 und 74 des R.- Str.-G.-B. zu einer Gesammtstrafe von 4 Wochen Gefängniß und in die Kosten verurtheilt worden. Altona. 8. Juli. Durch einen von hier gebürtigen Agenten wurden dieser Tage 160 Auswanderer, meistentheils aus Echleswig-tzolstcin, nach Vandiemensland befördert. Diese Leute werden für Rechnung der Kolonie befördert und folgten fast durchweg vorausgegangenen Verwandten. Gießen, 10. Juli. In dem Beleidigungsprozeß des Reichstagsabgeordneten Major a. D. Hinze wider den Rechts- anmalt Joeckcl zu Friedberg hat die Strafkammer in Gießen den Beklagten zu 320 M. Geldstrafe und in die Kostm ver- urtheilt und dem Kläger die Befugniß zur Publikation des Erkenntnisses zugesprochen. Der Verurtheilte meldete die Revision an. Ein seltsamer Fall. Der hessische Landgerichtsaffcffor Amend in Langen lebte mit seiner jungen, von ihm zärllich geliebten Gatttn in der glücklichsten Ehe. In den 70er Jahren erkrankte die Frau an einer unheilbaren Krankheit; nach Wochen schien das Ende herangenaht, die Aerzte setzten dem jugendlichen Leben bloß noch wenige Stunden Frist. Die Kranke litt fichtlich die größten Schmerzen. Da nahm der ttostlose Gatte, der absolut keine Hoffnung mehr hatte, das theure Leben zu retten, ein ge- ladenes Gewehr von der Wand und ein wohlgezielter Schuß tödtete die Frau im Bette. Ohne Zweifel wollte der Gatte die heftigen Schmerzen seiner der Auflösung nahen Gattin abkürzen. Die That war aber bei dem zärtlichen Verhältniß, in dem die beiden Ehegatten zu einander standen, immerhin so ungeheuer- sich, daß die Frage nach einer Erforschung der geistigen Ge- sundheit des in Anklagezustand Versetzten nahe genug lag. A. wurde in der Tbat für geisteskrank erklärt und außer Verfol- gung gesetzt. Diese Entscheidung fand nicht die allgemeine Billigung, da A. bis zur unseligen That aktiv im Dienste war und man bisher in keiner anderen Beziehung eine Störung seiner geistigen Gesundheit zu beobachten Gelegenheit hatte. Nach seiner Penfionirung wirkte er eine Zeit lang als Rechts- anmalt am Amtsgericht inL.und fiedelte später nach Karlsruhe über, wo er in der Versscherungsbranche thätig war. Schließlich mußte er in eine Irrenanstalt aufgenommen werden, bis dieser Tage seine Auflösung erfolgte. Die vorgenommene Sektion ergab eine zweifellos auf Jahre zurückreichende Degeneration des Gehirns. Die gerichtliche Entscheidung hatte somit s. Z. das Richtige gettoffen. Aus Philadelphia wird der„Times" telegraphirt: Die streikenden Cisenbahnarbeiter in Cleveland lLhio) haben voll- ständig von der Stadt Besitz ergriffen. Die Leiter verschiedener Eisenwerke wurden gezwungen, dieselben zu schließen. Ein Fabrikant wurde angegriffen und arg geschlagen. Tie Miliz hat sich in verschiedenen Zeughäusern versammelt und ist de- reit, im Nothfalle die Polizei zu unterstützen. Wiesbaden, 9. Juli. Eine Typhusepidemie begann in den letzten Tagen des Juni, zirka vom 27. Juni ab und hat ziemlich gleichmäßig mit einer durchschnittlichen Erkrankungs- ziffer von täglich 40(im Maximum 70) zugenommen. Sie erstreckt sich über alle Theile der Stadt, hoch und niedrig ge- legene, in fast gleicher Ausdehnung. Ein eigentlicher Typhus- Herd oder mehrere isolirte find durchaus nicht nachweisbar. Die Krankheit charaktcrisirt sich Typhv« abdominalis mit Ueberwiegen von Darmsymptomm. Sie tritt im Ganzen leicht auf, indeß find auch recht schwere Fälle vorhanden. Da im Typhus erst die dritte Woche die an Mortalität reichste ist, so wird erst später über den mehr oder minder heftigen Charakter der Epidemie ein Schluß gestattet sein. Die Krankheit hat vorzugsweise die dienende Klaffe der Bevölkerung und unter dieser weitaus über- wiegend Dienstmädchen bettoffen. Aber auch andere Stände zahlen ihren Tribut. Die Garnison hat 11 Typhöse im Lazareth. Bei stärkerem Anwachsen der Epidemie find Baracken in Aussicht genommen. Sprechlttnl. He RedaNum stellt bi« Berufung bei EprechZaali, soweit Raum bosllr abjug eben ist, bem Publilum jur Besprechung von Ang-legenbeiten allgemeinen Enterest«« zur Bersügungi sie verwahrt fich aber gleichzeitig bagegen, mit bem Inhalt besselben ibentifizirt zu werben. Einige Streiflichter auf die letzte Arbeiterinnen- Sanssouci- Versammlung vom Freitag Ihrem Leserkreise zu unterbreiten. Ich glaube betonen zu müssen, daß ich irsi Sinne aller es mit den Bestrebungen der Arbeiter nid beiterinnen aufrichtig Meinenden spreche, wenn ich dem» Bedauern darüber Ausdruck gebe, daß erstens die öffen» Versammlungen des jungen Vereins als eine Art Tumw» ausgelaffenen Vcranügtseins einer gewissen Kategone I terinnen" und„Arbeiter" gemißbraucht zu werden» und zweitens, daß das Verständniß der Frauen! Mädchen für ernste Aufbefferung ihrer sozialen Lage! ein leider so verschwindend kleines ist. Wer völlig voruw los die Sache bettachtete, mußte leider zu der Erkennung langen, daß die Versammlung nicht den erhabenen Ernst die Würde zeigte, welche durchaus nöthig ist, wenn die. terinnen den Gegnern imponircn und überhaupt Erfoli zielen wollen. Ist es nicht auf das Lebhofteste zu beb wenn eine Frau aus dem Volke, wenn Fräulein r* welche doch in der Diskussion gewiß nur bittere Way anführte, fortwährend durch kaum zu unterdrückendes W und Gelächter unterbrochen wird? Wo bleibt das foß tätsgefühl, Ihr Arbeiterinnen, an welches immer um'» wieder zu appelliren ist, wenn in dieser Weise eine v* Verfechttrin der Interessen der weiblichen Arbeitcrscho� herhalten muß, die Spottsucht zu befriedigen und dm muskeln ihrer Mitgenosfinnen in Bewegnng zu setzen-: einmal gelacht werden— und ich bin der Letzte, der fitd 1 ein gesundes, herzliches Arbeitewergnügtsein wenden nni» so geschehe es am rechten Ort und dazu bietet fich ja � nüge Gelegenheit, z. B. bei geselligen Zusammenkünsle« Ausflügen, welche seitens der Arbeiter- Bezirksvereine vera« werden, und es wäre nur zu wünschen, daß die Frau» Jungftauen solchen den Gemeinfinn pflegenden Zuia* tünften stets recht reges Interesse entgcgenttagen möchten komme nun noch auf eine Aeußerung der Frau Canzius,' lautend, daß in vielen, sehr vielen Fällen der Arbo# allein schuld an der traurigen moralischen Lage der Am sei, eine Aeußerung, welche gcthan zu haben genannte übrigens in einem Privatgespräche dem Einsender! Schreibens gegenüber lebhaft bedauerte. Sie wird de» Gelegenheit nehmen, öffentlich ihre diesbezüglich« gäbe zurückzunehmen, resp. richttg zu stellen. Und d» vollem Rechte, wie ein jeder vernünftig denkende Menst gestehen muß. Die witthschastliche Abhängigkeit, die No« Sorge über schlechte Gestaltung der Zukunft find die In Motive jeder schlechten menschlichen Handlungsweise. A einst der Arbeiter wirthschaftlich unabhängig, vermag! und die Seinen menschenwürdig zu ernähren und geht W eine wirklich gute Schule, so find Zustände geschassen,> es auch dem liebenden Weibe ermöglichen, dem Man» angenehme Häuslichkeit zu verschaffen. Dann wird der» gentere Arbeiter in den meisten Fällen nicht, wie es jetzt oft geschieht, seine Jugendgeliebte verlassen, er wird Glück und Freude im Kreise seiner Lieben such», auch gewiß finden. Ich meine, die Frau gehört in'»' und darf zu schwerer Arbeit entschieden nicht vc» werden. Um das schöne Ziel, welchem wir ß, «scheint Berlin f Postabon Ärbei zustreben, m, Glück und Frieden baldmöglichst erringen zuj möchte ich dem verehrten Vorstande des Arbeitcnnnen>R es recht dringend ans Herz legen, dafür Sorge tri« wollen, daß die Mitglieder durch zu haltende Vorttäg«? mehr zu der Einficht gelangen, wie nur durch Beschränk� Arbeitszeit und Einführung höherer Löhne, welche dura zu stipuliren sein werden, einer besseren Zeit der Weg» zu werden vermag. A. Heidtma»' Herr ?u Tübing in objektiv industrielle in den V schildert st daß die so ein große! bildet.% zelegenheii Folge best auch sehr hat die z e bester eing den Maßpl setzeS, ar ankommt. so weit g stündige! Zn sechs stündig gegen ist Arbeitszeit unwirksam Die �S����d�����kännte�i�räurig�achrich? daß meine liebe Frau und unsere gute Mutter Clara Heyne Donnerstag, den 9. Juli, in der Königl. Klinik verstorben ist. Um stilles Beileid bitten die Hinterblibenen[1602 Aug. Heyne. Anna Moritz. Helene Seeaer. Die Beerdigung findet am 12. d. Mts., Nachm. 6 Uhr, auf dem St. Georgenkirchhof in Wcißensee statt. McklM Hiermit werden diejenigen Herren, und zwar Michelsen, Buchbinder; Herold. Tftchler- Laste> Zigarrenarbeiler Berendt, Maurer- Kohlhar, Buchbinder; Papte, Schuh- macher; Kreutz, Gürtler; Kirchner, Tapezirer; Tutzauer, Tischler; Mietye, Schlosser- Wilhelm, Böttcher; G. Schulz. Metallarbeiter; Lehmann, Zimmerer; Henke, Klavieraibeiter; Buchholz, Maler; Müller, Drechsler; Pfeiffer, Schneider: Werner, Buchdrucker: Rennthaler, Feilenhauer; Höhne, Buchbinder, die in der Versammlung am 22. vorigen Monats als Komitee-Mitglieder gewählt wuroen, ersucht, sich am Mittwoch, den 15. Juli, Abends 8'/, Uhr. im Restaurant Kreutz, Ädmiralstt. 40, zu einer Komitee-Sitzung einzufinden. Im Auftrage: Fritz Goercti. N Zum Hutenberg!! Restaurant, Weiß- und Bairisch- Bier-Lokal, Allen Freunden, Bekannten und werther Nachbarschaft «mpfehle mein 1289 Weiß- und Nairisch-Werlokal. Herm. 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