z ich wli eiter unk ch dki»! iie oisent Tumma eaoric J iroen 1» Frauen n Lag«! iß WM] SrtennOT :n Ernst! nn die ßt Eck« j ilew re Wab>! endes#- das?°st 1er uno» eine vi iterscha'l und di!> Ur. 161. Dienstag» den 14. Juli 1883. II. Jahrg. Jl trlintrDollistilnll Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 >'V v..._,..._ Das..Berliner Volksblatt" setzen'«schernt� täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. MonnementSpreiS für Oer fild! gmm free mS HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. den wruf Postabonnement 4 M. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Etngetragen in der PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) enfünfW ine oera» ie Frau« n Zusa« möchten der Sick genannt nsender oird de bezügliche lind di» De Mens» . die RH v die le> oeise. l vermag D geht 1 schaffen, n Man« >ird der e es jev er wir? r such« hört int ,cht vei» wir? ngen zu ermnaM rge tr«U Vorträge» leschränbß che durcd' >er Weg t dtma»� cV-1 C/6. Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Znsergte werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen, Redaktion: Kcnthstraße S.— Gexeditio«: Zimmcrkraßc 44. Arbeitnschutzgefetzgebuua in der»ord- g i amerikanischen Union. Herr W. C a v e t a i t, Doktor der Staatswissenschaften zu Tübingen, hat eine Schrift erscheinen lassen, in welcher in objektiver Weise die auf den Schutz der gewerblichen und industriellen Arbeiter bezüglichen Einnchwngen, soweit solche in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bestehen, ge- schildert sind. Aus dieser Darstellung geht zunächst hervor, daß die so ausgeprägt föderative Gestaltung der Union ein großes Hinderniß für eine durchgreifende Gesetzgebung bildet. Zeder der Einzelstaaten ist berechttgt, in solchen An- zclegenheiten selbflständig vorzugehen und wir sehen, daß in Folge dessen die Zustände in den verschiedenen Staaten auch sehr verschieden sind. Ein einziger Staat, Nebraska, hat die zehnstündige Arbeitszeit gesetzlich für alle Ar- besser eingeführt; leider kennen wir nicht die dort bestehen- den Maßregeln zur Durchführung eines solchen Ge- setzeS, auf welche unserer Ansicht nach das Meiste ankommt. In den übrigen Staaten ist man nicht so weit gegangen; in einigen Staaten besteht der zehn- stündige Maximalarbeitstag nur für bestimmte Fabriken. In sechs Staaten, darunter New-Aork, gilt der acht- st ü n d i g e Normalarbeitstag als der„legale", da- gegen ist die vertragsmäßige Verabredung einer längeren Arbeitszeit gestattet, so daß diese Bestimmung fast gänzlich unwirksam ist. Die Unionsgesetzgebung— für alle Staaten zugleich — konnte sich unter diesen Umständen nur auf diejenigen Arbeiter erstrecken, die in den eigenen Werkstätten der Union beschäftigt waren. Für diese führte der Unionspräsident von Buren schon im Zahre 1840 die zehnstündige Arbeitszeit ein. Im Zahre 1368 wurde in allen Werkstätten der Union, nach mächtigen agitatorischen Anstrengungen der Arbeiter der achtstündige Arbeitstag eingeführt, der auch noch besteht. Die Bundesbeamten, denen ein stark bureaukrattscher Zug anhaftete, sahen diese zu Gunsten der Arbeiter ge- troffene Maßregel nicht gern; sie setzten die Löhne herab, weil sie den Arbessern die neu er- rungene fteie Zeit nicht gönnten. Man hat in diesem Umstand ein schlagendes Argument gegen den Normal- arbertStag überhaupt und speziell gegen den achtstündigen jüchen wollen. DaS liegt aber keineswegs darin. Der Normalarbettstag muß im Ganzen immer unwirksam bleiben, m'1.* ,nur auf einzelne Kategorien von Arbeitern erstreckt. Diejenigen, die nicht unter einem solchen Gefetze stehen, stellen dann immer wieder die..R e s e r v e a r m e e", die durch überreichliches Angebot von Arbeitskräften den Lohn IlMKniioertoton.] Jeuilleton. Das Mormonenmadchen. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhausen. Einleitung. Zum bessern Verständniß nachfolgender Blätter, nament- ich aber, um nicht gezwungen zu sein, den Faden der Er- stung durch Erläuterungen zu unterbrechen, und zwar läuterungen, die an manchen Stellen ungeeignet erscheinen rften und sich daher nur auf bloße Andeutungen be- ränken müßten, ist es vielleicht angemessen, einige Worte >er das Mormonenthum und dessen Geschichte vorauszu- icken.— Die Mormonen, die in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit i leer«# n sich iavrilatt k uch. geführt. neine« inschei illigsten ssaße clssf. 2«. cr reibung verdienen. Zhre Hauptstadt und Hauptansiedelungen befinden sich Thale des großen Salzsees. Dieser liegt in der Mitte ischen den Ländern des Mississippi und Kalifornien. Die Thaler an und um den großen Salzfee sind ganz gesondert von bewohnbaren Landstrichen. Gegen Norden •d©üben erstrecken sich unabsehbare wüste Regionen; gen Osten dehnt sich, wie eine lange Scheidewand, die ette der Felsengebirge aus, während im Westen Sand- pen mit starren Gebirgszügen abwechseln und einen schwer gänglichen Damm bilden. Man kann nicht behaupten, daß die Mormonen in hren jetzigen Territorien sehr von der Natur begünstigt wen, indem verhältnißmäßig nur spärlich gutes'Wasser l'™ vorhanden ist, das Holz, wenigstens in der pausten Nachbarschaft, fast ganz mangelt, und gute seiden nur an den Gebirgsabhängen und in den Riede- "Sen zu finden sind. Dagegen erweisen sich die kultur- �Mhigen T Haler an den Flüssen sehr fruchtbar, und es ist drückt. Hätte damals für sämmtliche Arbeiter im ganzen Gebiet der Union der achtstündige NormalarbeitStaa be- standen, so hätten die Beamten jene erwähnte Lohnherab- fetzung nicht durchführen können. Denn sicherlich hätten ihnen keine„überschüssigen" Arbeitskräfte zur Verfügung ge- standen. Uebrigens wurden die Lohnherabsetzungen von 1869 an wieder aufgehoben und Präsident Grant erklärte dieselben für ungesetzlich. Ein im Zahre 1872 erschienenes Gesetz ordnete fogar an, daß die Lohnverluste aus der Staatskasse ersetzt würden. Es ist nicht zu vergessen, daß die große Einwanderung nach Amerika, die aus fast allen zivilisirten Ländern der Erde billige Arbeitskräfte dahin strömen läßt, die Wirkungen der den Arbeitern günstigen Bestimmungen manchmal auf- hebt. Auch sind diese Bestimmungen im Ganzen sehr unvoll- kommen, wenn auch der achtstündige MaximalarbeitStag im Prinzip anerkannt und in den Unionswerkstätten völlig durchgeführt ist. Tie Nankee'S sind im Allgemeinen keine großmüthigen Leute und sie empfinden es sehr unangenehm, bei ihrer tollen Jagd nach Gewinn durch eine Arbeiter- schutzgesetzgebung oder durch gesetzliche Bestimmungen über- Haupt gehindert zu sein. Sie wissen auch ganz genau, daß die Bestimmungen über tägliche Arbeitszeit nicht viel zu be- deuten haben, so lange man den erwachsenen männlichen Arbeitern, die die meisten Ansprüche erheben, durch Be- schäftigung von Frauen und Kindern Konkurrenz machen und die Löhne drücken kann. Darna sehen die bezüglichen Gesetzesbestimmungen denn auch aus. Den Kindern wird eine Zeit zum Schulbesuch gesichert, aber in New-Aork z. B. ist gar keme Maximalarbeitszeit für die Kinder festgesetzt. Das Minimalalter, unter welchem Kinder nicht beschäftigt werden dürfen, differirt in den einzelnen Staaten zwischen 10 und 13 Zähren, wo überhaupt solche solche Bestimmungen bestehen. In 14 Staaten besteht eine Maximalarbeitszeit für Kinder; sie differirt zwischen 8 und 11 Stunden. Man bedenke nun: Zehn- bis zwölfjährige Kinder müssen zwischen 8 und 11 Stunden täglich in der Fabrik arbeiten und dann noch die Schule besuchen! Was soll dabei heraus- kommen? Da muß man denn doch annehmen, daß die oft so sehr gerühmten Wirkungen des nordamerikanischen Volks- Unterrichts zum großen Theil eitel Aufschneiderei und Hum- bug sind. Denn wie können in der Fabrik müde gearbeitete Kinder noch etwas vom Unterricht profitiren? Aber was kümmert das den Bankee von echtem Schrot und Korn?„Verschleiß von Menfchenmaterial" sieht er einmal für„nothwendig" an und damit basta! Für die Frauen sind nur in vier Staaten besttmmungen vorhanden; in Wiskonsin sind für sie a Stunden, in drei anderen Staaten zehn Stunden als ge- kaum anzunehmen, daß für's Erste das Land mit so vielen Bewohnern bevölkert werden wird, wie es zu ernähren vermag. Der Glaube dieser Sekte nun, die mit so unaeheuern Anstrengungen und Opfern darauf hinarbeitet, ihre Religion über den ganzen Erdball zu verbreiten, ist begründet auf der unerschütterlichen Ueberzeuguna, daß alle chrlstlichen Sekten oder Gentiles*), wie sie dieselben nennen, auf Wegen wan- dein, die nicht zum Himmelreich führen, und daß die ewige Seligkeit nur den Anhängern der„Melchisedek-Priesterschaft" zu Theil werden könne. Diese wurde, gemäß der Versicherung der Mormonen, vor achtzehnhundert Jahren von der Erde entfernt, seit wel- cher Zeit keine wirklich wahre Religion existirt hat, bis im Tahre 1826 Joseph Smith, dem Gründer des Mormonen- thums, ein Engel erschien, und ihn in der Wahrheit unter- richtete. Derselbe führte ihn an eine Stelle, wo eine steinerne Kiste vergraben lag. Zn dieser befanden sich goldene Tafeln, auf welchen, in der von ihm so benannten reformirten egyptischen Sprache, Gesetze geschrieben standen. Der Engel nahm eine Anzahl der religiösen Anweisungen aus der Kiste und übergab sie Joseph Smith, erlheilte ihm aber auch zu- gleich die Kraft, das, was auf den Tafeln eingegraben war, zu lesen und zu verstehen. Joseph Smith übersetzte nun die wunderbare Schrift und veröffentlichte sie unter dem Namen:„Das Buch Mormon". Er wurde dann auf gött- lichem Wege der Melchisedek-Priesterschaft einverleibt, und erhielt die Fähigkeit, alle Sprachen zu verstehen. Er und seine Gefährten wurden ebenso als Apostel eingesetzt, um das Evangelium zu predigen und die„Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage"(tho latter- day samt») unter den Völkern zu gründen. Im Jahre 1830 wurde diese Kirche zuerst organisirt, indem sechs Mitglieder zusammen- traten, deren Schüler und Nachfolger in kurzer Zeit zu einer Gesellschaft von vielen Tausenden anwuchsen. Die Mormonen erklären, daß die Bibel der Protestanten göttlichen Ursprungs sei, doch versichern sie zugleich, es sei *) Qentiles, der englischen Bibel entnommen, zu übersetzen mit:„Heiden". setzliche Arbeitszeit festgesetzt. Seit Jahren nimmt die Be- fchästigung von Frauen und Kindern, resp. jugendlichen Arbeitern in ungeheurem Maße zu; seit 1870 die der Frauen um 64 pCt. Die Beschäftigung von Kindern und jugend- lichen Arbeitern hat in dem nämlichen Zeitraum um 58 pCt. zugenommen. Haftpflicht für Unfälle besteht in der Union nur in wenigen Fällen' die Schutzbestimmungen für Leben und Gesundheit der Aroeiter sind sehr gering und mangel- Haft; Fabriken- Inspektoren giebt es nur in zwei(!) Staaten. Dagegen wollen die 10 amtlichen Büreaux für Arbeiterstatistik, die in der Union bestehen, nicht viel be- sagen. Man sieht, die Arbeitergesetzgebung ist im„Land der Freiheit", praktisch genommen, noch sehr zurück. Was will die politische Freiheit unter solchen Umständen besagen? Wir wollen sie nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig schätzen. Sie mag aber den amerikanischen Arbeitern die Mittel gewähren, die große Bewegung für den allge- meinen achtstündigen Maximalarbeitstag, die sogenannte Achtstundenbewegung, in Fluß zu erhalten und diese Forderung endlich einmal durchzusetzen. PoUtische Ueberstcht. Je mehr das Krankentassengesetz zur Durchführung gelangt, um so deutlicher treten die Schwierigkeiten hervor, welche sich viel größer erweisen, als man angenommen hat. Den Behörden— so lesen wir in verschiedenen Blassem— verursacht die Aufsicht der Kaffen viel größere Arbeit und viel mehr Kosten, als vorgesehen wurde. In Hamburg hatte man z. B. dafür dem Senat eine Pauschalsumme von 25000 Mark zur Verfügung gestellt. Soeben hat der Senat bei der Bürger« schaft einen dringenden Antrag gestellt, diese Summe um nicht weniger als 23600 M. zu erhöhen. Nach dem Bericht des Vorfitzenden der betreffenden Behörde hat man außer den fest- angestellten Beamten für die wachsende Arbeit jetzt schon 27 Diätare einstellen müssen, welche monatlich 8 120 M. an Gehalt beziehen, und die Zahl der Hilfsarbeiter wird im Laufe des Jahres höchst wahrscheinlich noch vergrößert werden müssen. Aehnliche Nachrichten verlauten, wenn auch nicht ziffermäßig belegt, aus mehreren größeren preußischen Städten. Innerhalb der Krankenkassen treten in größeren Städten und Industrie- orten bedenkliche Erscheinungen hervor. Es zeigt sich nämlich eine sehr große Vermehrung der angemeldeten Krankheits- fälle, besonders wenn man damit die betr. Prozentsätze der freien Kassen vergleicht. Namentlich tritt eine beunruhigende Vermehrung der Zahl der Kranken immer bei den Arbeiter- zweigen hervor, deren Mitglieder augenblicklich b e s ch ä f- tiaungsloS sind. Die Vergleichszahlen sind so auffallend, daß keine andere Erklärung möglich ist, als dafi bei den nach iergleichszahlen sind so auffallend, ....„ möglich ist, als daß bei den nach dem Krankenversicherungsgesetz eingerichteten Kassen weit mehr Simulationen vorkommen, als bei den freien Kassen. Und m Fällen, wo beim Eintritt der Krankheit Simulation ausge- so viel in derselben verändert und verdorben worden, daß eine neue Uebersetzung nöthig gewesen, welche ihr Prophet ausführte. Von dem Buch Mormon glauben sie ebenfalls, es komme von Gott und sei ebenso, wie die heilige Schrift, maßgebend für das Bekenntniß. Sie glauben streng an Wunder, und daß die Aeltesten der Kirche Kranke durch Auflegen der Hände zu heilen im Stande seien. Die Art ihres Gottesdienstes ist ähnlich dem der Protestanten, indem gepredigt und gesungen wird. Musik begleitet die Lieder der Sänger und spielt zu Anfang und zum Schluß des Gottesdienstes. Die häuslichen Einrichtungen der Mormonen sind un- endlich weit verschieden von denen jeder andern christlichen Sekte, was vorzugsweise in dem System der„geistigen Ehe" (»piritaal wife systern) seine Erklärung findet. Als man die Mormonen aus Illinois vertrieb, wurde Vielweiberei als eine der Hauptklagen gegen sie ausge- bei ihnen gebräuchlich.') Selbst die Prediger erklären öffentlich von der Kanzel, daß es ihnen frei stehe, tausend Weiber zu nehmen, wenn es ihnen beliebe, und sie fordern Jeden auf, aus der Bibel das Gegentheil zu beweisen. Joseph Smith's Ansichten über die Vielweiberei sind wahrscheinlich me veröffentlicht worden, doch machte er seinen Anhängern bekannt, er habe, so wie Diejenigen, die er für würdig halte, ähnlich den alten Heiligen, Jakob, David und tr-alomon, den Vorzug, so viele Weiber zu nehmen, wie er zu ernähren im Stande sei, um ein heiliges Haus für den Dienst des Herrn zu gründen. Sie geben zn, daß in dem ) Am oberenMissouri erlebte ich es noch vor wenig Jahren, daß unter den dort versammelten Mormonen nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer die Vielweiberei ableugneten. Offenbar geschah dieses, um pie verheiratheten Frauen zu täuschen, von denen manche vielleicht Anstand genommen hätten, ihren Gatten nach dem Salzsee, von wo ihnen die Rückkehr abgeschnitten, zu folgen, um sich dort noch anderen Lebens- gefährtinnen zur Seite stellen zu lassen. schloffen ist, hat man eine durchschnittliche Verlängerung der Krankheitsdauer bemerkt. Die freien Kaffen wurden von den Arbeitern als ihr eigenstes Werk betrachtet, dessen Interesse sie selbst zu hüten oerpflichtet seien. Sie hielten es für ihre Pflicht, der Kasse nicht mehr als nöthig zur Last zu fallen und den als krank angemeldeten Genossen zu kontroliren. Bei den Kassen dagegen, zu denen sie durch den Zwang geführt wur- den, ist das Gefühl der Selbstverantwortlichkeit und Selbst- kontrole nicht vorhanden, sondern vielmehr das Bestreben, von den gezahlten Beiträgen soviel Vortheil wie möglich herauszu- schlagen. Bei den freien Kassen wird die Kontrolirung der kraul gemeldeten Genossen als Pflicht betrachtet, der den Zwangstassen als verwerfliche Angeberei, der man sich nicht schuldig machen mag. Ferner wird von dem Bestreben be- richtet, die Krankenversicherung von dem flachen Lande auf die Siädte abzuwälzen; kränkliche und alte Zerrte werden als Bedienstete bei Verwandten und Bekannten in der Stadt ange- meldet, um das Krankengeld aus den städtischen Zwangskran- kenkassen zu beziehen, was diese Kassen zum De- sizit treibt.— Wie in großen, ganze Kreise umfassen- den Krankenkassen auf dem Lande eine gute Kontrole ermöglicht werden soll, ist eine noch nicht gelöste Frage.— In Arbeitrrki eisen hat man vorausgesehen, daß sich der Durchführung dieses Gesetzes große Schwierigkeiten entgegen- stellen würden. Doch diese Stimmen find nicht bebachtel war- den. Man hat in diesem Gesetz ein voluminöses Aktenstück geschaffen, welches stellenweise recht unklare Bestimmungen ent- hält, so daß es den Arbeitern sowohl wie den Behörden außer- ordentlich schwer fällt, sich mit den Bestimmungen desselben zu recht zu finden. Drei Paragraphen hätten vollständig für das Gesetzt genügt, ivenn man den Vorschlägen aus Arbeiterlreisen gefolgt wäre. Wenn das Gesetz bestimmt hätte: 1. Vom l. Dcrember 1884 ab muß jede Hilfsperson einer Krankenkasse angehören; 2. die Kasse muß so und so viel leisten; 3. die Kassen unterliegen der Kontrole der Behörden, soweit es sich um die Sichcrhe t der Gelder handelt,— so hätten sich die Versicherungspflichtigen und die Behörden nicht mit dem vielen Ballast zu befassen brauchen. Unter den genannten drei Be- stimmnngen hätte sich Alles rubriziren lassen, was zur Erhal- tting und zum Gedeihen der Kassen nothwendig ist. Der innere Ausbau und die Venvaltung wären Sache der Mit- gliedcr gewesen. Daß die Zahl der Kranken sich mehrt, fühlen auch die freien Kassen. Die Äeschäftigungslosigkcit schafft nicht nur Simulanten, sondem auch Kranke; wer sich längere Zeit hindrirch das Nöthigste abdarben muß, der wird ernstlich krank. Von Seiten der aufgeklärten Arbeiter ist auf diesen Punkt genugsam hingewiesen, es wurde immer betont, daß vor Allem den Krankheits Ursachen gesteuert werden und daß Gesetze geschaffen werden müssen, welche Arbeits- losigkeit und übermäßige Ausnu�ung einschränken. So lange dies nicht geschieht, werden die Schwierigkeiten für die Kran- kenkassen nicht aufhören. Was soll nun geschehen? Will man etwa ven Aerztcn der Orts- und Gcmeindekrankenkaffen größere Strenge anempfehlen? Mag sein, daß hier und da em Arzt nicht gehörig seine Pflicht thut, aber durch Anwendung extremer Mittel wird man den wirklichen Simulanten schwerlich tregen. man wird Uebergriffe heraufbeschwören und unschuldige, arme Kranke werden darunter leiden müssen. Mit Bezug auf die Nottz in Nr. 156 unseres Blattes betr. die Beschlußfassung in Sachen der bekannten Kieler Verhaftungen wiro uns mitgctheilt, daß der Beschluß des Reichstags„die prinzipielle Frage, ob Artikel 31 der Reichs- Verfassung während der Vertagung ailtig ist", allerdings ent- schieden hat und zwar im bejahenden Sinne. Der sog. Chemnitzer Hochverrathsprozeh, der aber gar kein Hochverrathsprozeß ist und sich nur auf dem Boden der§§ 128 und 129(geheime Vereine und geheime Obere) be- wegt, ist in ein neues Stadium getreten. Die An- irage auf Eröffnung eines umfangreichen Beweisverfahrens zur Entlastung der Angeklagten find vom Landgerich|Chemnitz ab- gelehnst, die Voruntersuchung für geschlossen erklärt und das Hauptverfahren eröffnet worden. Die Verhandlung dürfte nun ziemlich bald nach Schluß der Gerichtsfericn— also wohl Ende September oder Anfang Oktober— stattfinden. Dieselbe wird mehrere Tage in Anspruch nehmen, da die Angeklagten eine Anzahl von de- kannteren Führern anderer Parteien als Zeugen vernehmen lassen werden, um den Beweis zu liefern, daß— von den Verschiedenheiten des Ziels abgesehen— die politische Thätig- keit der Sozialdemokraten keine andere ist als die der übrigen tarteicn— nur mit dem Unterschied, daß sie, in Folge des ozialistcngesctzes, vielfach vom öffentlichen Wirken ausge- schloffen sind. Auf den Ausgang des Prozesses, der für unser ganzes politisches Leben von Wichtigtcit ist, kann man füglich gespannt sein. Bekanntmachung betreffend die Anmeldung Unfall- versicherungspflichtiger Betriebe. In Gemäßheit des§ 11 des Gesetzes über die Ausdebnung der Unfall und Kranken- Versicherung vom 28. Mai d. F., rn Verbindung mit§ 11 des Unfallvcrsicherungsgcsetzes vom 28. Juni d. I. hat jeder Unter- nehmer eines unter den§ 1 des erstgenannten Gesetzes fallen- Buche Mormon vorgeschrieben sei: jeder Mann solle ein Weib, und jede Frau nur einen Mann haben; da nur das Wort„nur" bei den Frauen allein angewendet ist, so bleibt dem Manne natürlich die Vielweiberei gestattet, uud sie er- klären, daß die Prinzipien dieser Einrichtung durchaus sitt- lich und heilig seien. Sie behaupteten sogar, daß Christus drei Frauen gehabt habe, nämlich Maria, Martha und die andere Maria, die er liebte, und daß er alle auf der Hoch- zeit zu Kana geheirathet habe. Wenn ein verheiratheter Mann sich eine zweite Gehilfin zu nehmen wünscht, so muß er, nachdem er mit dem Mädchen und dessen Eltern einig geworden, auch noch die Erlaubniß des Oberherrn oder Präsidenten einholen. Die neue Frau wird ihm alsdann feierlich„angesiegelt(sealed)" und steht fortan in jeder Beziehung in gleichem Range mit der ersten Frau. Solche Ehen halten die Mormonen für durchaus tugendhafte und ehrenvolle, und alle nachfolgenden Gattinnen behaupten in der Gesellschaft dieselbe Stellung, als wenn sie die einzigen und zuerst erwählten wären. Ueberhaupt er- klären die Mormonen derartige Ehebündnisse für fester und bindender, als die aller anderen Religionen und Sekten, um so mehr, als nach ihrem Dafürhalten das künftige Leben, sowohl bei dem Manne, wie bei der Fran, in unmittelbarer Beziehung zu den ehelichen Verhältnissen in dieser Welt steht. Die Kirche lehrt, daß ein Weib ohne einen Gatten eben so wenig zu den himmlischen Freuden gelangen kann, als ein Mann, der nicht im Besitz von wenigstens einer Gattin ist, und der Grad der Seligkeit der Letzteren hängt mit von der Zahl der Frauen ab, die ihm auf Erden an- gehört haben. Jeder Gedanke an Sinnlichkeit, als Grund zu falschen Bündnissen, wird streng verworfen, indem das Hauptaugen- merk Aller ist, so schnell wie möglich eine heilige Generation zu gründen, welche das Königreich des Herrn auf Erden bauen soll. Da das Oberhaupt oder der Präsident der Kirche allein die Macht besitzt, solche Ehen zu gestatten oder auch wieder aufzulösen, so läßt es sich erklären, welchen großen Einfluß diese Macht dem geben muß, der sie in Händen hält, und welche Umsicht und Weisheit von Demjenigen erwartet wird, den Betriebes, mit Ausnahme des gekämmten Betriebes der Post- und Telegraphenverwaltungen, sowie der Betriebe der Marine- und Heeresverwaltungen, endlich der vom Reich oder von einem Bundesstaate für Reichs-, beziehungsweise �Staats- rcchnung verwalteten Eisenbahn-, Baggeret-, Binnenschifffahrts-, Flößerer-, Prahm- und Fährbetriebe— binnen einer vom Reichs-Versicherungsamt zu bestimmenden Frist den versicherungspflichtigen Betrieb unter Angabe des Gegenstandes desselben und der Zahl der durchschnittlich darin beschäftigten vcrfiche- rungspflichtigen Personen bei der unteren Verwaltungsbehörde anzumelden. In Ausführung dieser gesetzlichen Vorschrift hat das Reichs- Verficherungsamt eine Anmeldungsfrist bis zum 20. d. Mts. einschließlich festgesetzt. Dem- gemäß weiden die Unternehmer der unter den§ 1 des Gesetzes vom 28. Mai diesen Jahres fallenden, in die berufsgenoffen- schaftlichc Organisation aufzunehmenden, im Stadtkreise Berlin vorhandenen Betriebe ausgefordert, binnen obiger Frist die Anmeldung bei der mit den Obliegenheiten der unteren Ver- waltungsbehörde im Sinne des Gesetzes betrauten Abtheilung II des Polizeipräsidiums, und zwar durch Vermittelung desjenigen Polizeireviers, in welchem der Betrieb, beziehungsweise die Betriebsleitung stattfindet, zu bewirken. Ist ein Unternehmer zweifelhaft, ob er seinen Betrieb anzumelden habe oder nicht, so wird derselbe gut thun, die Anmeldungsfrist nicht unbenutzt verstreichen zu lassen, wenn er sicher sein will, den aus der Richtanmelduna eines versicherungspflichtigen Betriebes sich er- gebenden Nachtyeilen zu entgehen. Auch werden die betheiligten Betriebsunternehmcr noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn sie die vorgeschriebene Anmeldung nicht bis zum 20. d. M. bewirken, sie hierzu durch Geldstrafen im Betrage bis zu 100 Mark angehalten werden können. Im Uebrigen wird auf die„Anleitung, betreffend die Anmeldung der ver- sicherungspflichtiaen Betriebe" hingewiesen. Die auf Antrag der deutschen Reichsregierung soeben in Basel abgehaltene Berathung deutscher und schweize- rischer Abgeordneter über die beim Herannahen des Cholera unter ärztlicher Uebenvachung auf dem badischen Bahnhof in Basel zu treffenden Maßregeln ist ohne Erfolg auseinander- gegangen, weil, wie die„Köln. Ztg." erfährt, die deutschen Abgeordneten darauf beharrten, daß der beizuziehende Arzt deutscherseits zu bezeichnen sei, während die schweizerischen Ab- geordneten an ihrer Weisung festhalten, daß kraft des bezüg- lichcn Staatsvertrages mit dem Großhenoathum Baden d>» gesammte Bahnpolizei auf dem Bahnhof Basel und somit auch vie dortige gesundheitspolizeiliche Uebenvachung Sache der schweizenschen, also der Baseler Staatsbehörde sei. In einem von den Abgeordneten unterzeichneten Schlußprotokoll der Kon- ferenz wird den beiderseitigen Regierungen dieses Ergebniß zur Kenntniß gebracht. Muthmaßlich wird in einer zweiten Berathung die gewünschte Ucbcreinftimmung erzielt werden. Ueber Verheerungen der Feldmarken durch Wild wird von den Landwirtben fortgesetzt und mit Recht Klage ge- führt. Seitens der Staatsforstverwaltung wurde in den meisten Fällen bestritten, daß diese Schädigungen speziell von dem Wilde aus den Staatsforsten verursacht würden und dar- auf hingewiesen, daß von den Besitzern von Privatforsten ein noch viel intensiveres Schonsystem des Wildes geübt werde. Diese Angelegenheit hat wiederholt Veranlassung zu eingehen- den Debatten in den beiden Häusern des Landtages gegeben und ist ebenso in den größeren landwirthschaftlichen Vereins- Versammlungen eingeheno diskutirt worden. Die Jagdvcrwal- waltung hat sich nun in Verbindung mit der Forstverwaltung entschlossen, um diesen Klagen nach Möglichkeit abzuhelfen und namentlich in denjenigen Gegenden, wo es sich um an die Staatsforsten angrenzende, sich in sehr ärmlichen Verhältnissen befindende Gemeinden handelt, eine Abgrenzung der Forsten durch zu errichtende Wild zäune eintreten zu lassen. Der- artige Anlagen von Wildzäuncn sind neuerdings in den ver- schiedensten Provinzen des Staates in nicht unerheblicher Aus- dehnung errichtet worden, so u. A. in der Oberförsterei Reiers- dorf des Regierungsbezirks Potsdam, in der Oberförstevei Dricßen des Regierungsbezirks Frankfurt a. O., in den Ober- förstcreien Schelitz, Proskau, Murow, Budkowitz und Dom- browka des Regierungsbezirks Oppeln, im Harz und in den Sollings-Oberförstereien der Provinz Hannover, in den Ober- förstcreien Kempfeld, Morbach und Tronccken des Regierungs- bezirks Trier u. s. w- Die weitere Errichtung derartiger Wild- zäune ist auch femer in Ausficht genommen. Kommunales. Zur nächsten Stadtverordnetenwahl, welche im November d. Js. stattfindet, ist es erforderlich, daß sich jeder Wähler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler- liste eingetragen ist, wer nicht eingetragen ist, geht deS Wahlrechtes verlustig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der §§ 19 und 20 der Städtcordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt und wird nunmehr in der Zeit der als vertrauter Rathgeber der Familien, als kirchliches und politisches Oberhaupt der Gemeinde gegenübersteht. Jede unverheirathete Frau hat ferner ein Recht, im Falle sie vernachlässigt oder vergessen wird, zu ihrem Seelen- heil einen Gatten zu fordern. Der Präsident muß dann auf die eine oder die andere Art für sie zu sorgen, und besitzt sogar die Macht, jeden beliebigen Mann, den er für passend erächtet, zu der Heirath zu zwingen, so wie jeder Mann verpflichtet ist, die Seele eines Mädchens, welches ihm an- geboten wird, durch Herrath zu retten. Mancherlei sind noch die Eigenthümlichkeiten des Mor- monenthums, doch versuche ich hier nur solche Punkte be- sonders hervorzuheben, welche in nachfolgender Erzählung berührt worden sind, ohne daß ihnen zugleich eine Erklärung beigefügt worden wäre. Was die weltliche Stellung der Mormonen betrifft, so ließe sich erwarten, daß in einem Hausstande, in welchem sich bis zu dreißig Frauen befinden, fortwährend Hader und Zank herrschen müßte; doch, ganz im Gegentheil, waltet in den meisten Häusern Friede, Eintracht und schwesterliche Zu- neigung unter den Gefährtinnen. Manchem jungen Mädchen mag es indessen einige Ueberwindung kosten, vielleicht die zweiunddreißigste Frau eines Mannes zu werden, so wie es m mancher jungen Frau, welche so lange die einzige Lebensgefährtin ihres Gatten war, traurige Gefühle er- wecken muß, wenn sie von Zeit zu Zeit von einer neuen Verlobung und Hochzeit ihre« Gemahls in Kenntniß ge- fetzt wird.— Die Geschichte des Mormonenthums seit seinem Ent- stehen bis zur jetzigen Zeit ist mit wenigen Worten erzählt. In dem Jahre 1831 bis 1832 wurde im Staate Missouri, nicht weit von der Stadt Jndependence, von den Mormonen unter der Leitung des Joseph Smith die Stelle zum neuen Jerusalem auserwählt und die Stadt Zion ge- gründet. Hier nun, an den äußersten Grenzen der Zivilisation, glaubten sie ungestört wohnen und die in ihrer Nachbarschaft lebenden, damals noch sehr dünn ge- säeten Ansiedler leicht zu ihrem Glauben bekehren zu können. vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. I. von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags Ü Wahlbureau des Magistrats, Breitestr. 20a, 2 Tl. öffentlich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtz» meinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen crhä Dieselben müssen in der gedachten Zeit schrift angebracht werden; später eingehende Einsprüche köm nicht berücksichtigt werden. Die Gasproduktion der städtischen Gasanstalten hf sich im Etatsjahr 1884/85 auf mehr als 74 Millionen Jl# meter belaufen, d. h. um 1'/, Millionen mehr, als sie schlagt war. Daher fiel auch der Ueberschuß bedeutend gü aus, als er im Etat berechnet war. Er hat 196 000 betragen. Männern„c selben warer Das geistliö wurde nach ausgeführt. das der in ebildct ist. Hände, das in die Höhe. schwarzem i eine weiße werker, und das Gebet Baß mit dei desselben be< Hauptstücke ten Zettel aufgeführt einfach gekl heiß im Sa weißen Schi ließ sich wä mit Bier ve ßÄ-tt eine Person bekanntlich I schriften üb die Kindertc vor, ebenso Amt gelang Lehren der spruch mit viel Klarhei faßte die B fich übereins ÄÄ" hielt sich auf einen der Aposte führte, ein Als aber I hatte und d Neuen Evan der Versami test, als dei trophetenqr lias im j i„wenn", w Gott noch h erhöhen." i wattiger St Taufe und einandersctzr erregten 6H, Polrzeilieute vor dem int Einrichtung, sanges des und das d Physiognom nossenschaft weniger dur sehr rmpress schließen kor er seine öj werden Soi Abends in! Freunde dei Vorsteher". Kokales. Das Gebäude für die Berliner neue MorgueÜ nunmehr so weit fertiggestellt, daß es voraussichtlich mit W Beginn des nächsten Jahres seiner Bestimmung wird# geben werden können. Gegenwärtig find für die Zwecke* Morgue die Souterrainräume der Anatomie in der Thi' neischule� eingerichtet. � Währenddes hier jedoch an allen fül� solches Institut erforderlichen Einrichtungen fehlt, wird neue Gebäude an Zweckmäßigkeit und Vollständiakett der A stattung selbst die schon etwas veraltete Pariser Morgue 0 treffen. Dasselbe enthält in einem Mittelbau die Räume � Aufbewahrung der Leichen, in einem Flügelbau rechts die 9 boratorien und Obduktionssäle des Forensischen JnstituttM einem anderen Flügel links das Bureau, ein TelegraphenÄ mer, die Wohnungen der Angestellten und eine kleine kapelle. Vor den ganzen Mittelbau legen sich Arkaden,? denen man in den für das Publikum bestimmten Raum» Dieser Raum erstreckt sich korridorartig an der gesamt Vorderfront des Gebäudes. Glaswände zwischen eiseck Säulen scheiden ihn von den zur Rekognoszirung auSacstelö Leichen, die in sieben von Glaswänden rings umschloffck Zellen zu je zweien auf eisernen Platten ließen. Von g«! Wichtigkeit sind die Vorrichtungen zur Kühlung der Leich zellen. Mit Hilfe einer Dampfmaschine wird gewöhnliche mosphärische Luft zunächst soweit komprimirt, daß sie eine D peratur von weit über 100 Grad Celsius annimmt. Durch* spritzen kalten Wassers wird dieselbe alsdann bis zur gewöhnM Temperatur und darauf durch Expansion bis auf— 50 abgekühlt. In dieser Temperatur wird sie nach den Zell, leitet, wo sie, durch vielgewundene Röhren strömend, ihre an die Außenlust abgicbt. Die Zellen selbst find durch d, Wände isolirt. Auf dem alten Viehhofe lagern gegenwärtig kob Getreidevorräthe. Fast jeder der massiven, nicht zu an! Zwecken benutzten Räume des Etablissements ist mit a schüttetem Korn angefüllt; selbst die Stallungen, welche Pferdeausstellung dienten, find zu Speichern m Venvenl genommen. Neben den vor eiiuger Zeit erwähnten JnÄ zweigen, die auf dem Terrain sich etablirt haben, wird eine englische Bäckerei für Hundekuchen entstehen, zu der erforderlichen baulichen Anlagen und das Maschine nahezu vollendet find. Femer werden Einrichtungen gel zu dem Betrieb einer größeren Molkerei, die hier, wie hört, eine Milch-Trinkanstalt eröffnen wird. In den K des Gebäudes, in welchem die Post- und Telegraphenoel tung mehrere Gelasse zur Unterbringung von Utensilien' Apparaten gemiethet, hat sich ein ebenso eigenattiges wie in essantes Geschäft plazirt. Auf Mistbeeten werden hier in 1 fangreichem Maße die als Speiseschwämme beliebten Ä pignons gezogen. An der Brunnenstraße erhebt sich ein X der Gebäude für eine Eisengießerei, die gegenwärtig< Tiefbrunnen herstellen läßt, und weiter nach dem Innen Viehhofes zu ist man mit der Montirung der Eisengerust Errichtung sogenannter„Kamerunhäuser", deren Wände zementirten Vlatten gebildet werden, beschäftigt. Die i bedeckte Reitbahn ist zu einem Aufbewahrungsort für be tende Ouantitäten Spiritusfässer geworden. Ein Mormonengottesdienst in Berlin. Durch anschlag hatten„die Heiligen der letzten Tage" alle FC der Wahrheit auf Freitag Abend in vie Rieft'sche RestauN in der Kommandantenstraße eingeladen. Dem Aufruf" etwa hundertundfünfzig Personen gefolgt, die den kleinen beinahe vollständig füllten. Aus -----,----..------„....... emer kleinen Esttade best sich zwei Mormonenapostel, als dritter der überwachende N lieutenant. der sich eifrig Notizen machte. Die ersten* vor der Esttade waren durch Gläubige eingenommen undi� etwa die Hälfte der Anwesenden aus der Mormonensack gewandten Personen bestehen. Die Versammlung wurde einen geistlichen Gesang eröffnet, den etwa 12 Damen in gleitung einer einzigen männlichen Stimme eines schnarr« Baffes ausführten. Ob die Damen berettS mormow In B, merkenswert die Anhäng betreiben, j eine in der Erklärung, und Ehrenl seines Wirk sah ja, als nicht übel c denn die E so geschickt und die U, noch den 3) unterschreib' selbst zu de eine böse F und der„A als konserv konnten sie all' te' Zwei Jahre verbrachten sie dort in Frieden, als Bevölkerung der Provinz Jacson sich zusammenrottete� sie vertrieb. Sie suchten darauf ihre Zuflucht in derjj vinz Clast, doch nur, um abermals von dort nach Cal� im Staate Missouri, verdrängt zu werden. Ihre Zahl nahm indessen mit jedem Tage! so daß sie sich bald stark genug glaubten, ferneren drückungen Widerstand entgegensetzen zu dürfen, j sie abermals verjagt wurden, wobei eS schon zu ernM Kämpfen kam, zogen sie nach dem Staate 3% wo sie auf dem Ufer des Mississippi vorläufig � fanden. Sie gründeten daselbst die Stadt Nauvoo„ erbauten einen prachtvollen Tempel. Bei der Eigenthibfi i VOV- VMrtV off 4 Vi(In keit ihrer Religion war es indessen vorherzusehen, nicht lange mit ihren Nachbarn in Frieden leben n>ü? und im Jahre 1841 bis 1842 gab die Vielweiberei,? V'J welche damals die ersten Gerüchte in Umlauf gekock� waren, Grund zu Anfeindungen. Immer neue Verbrechen, vom Diebstahl bis zum»? (ob mit Recht oder Unrecht, ist nicht festgestellt) wurde«. Mormonen zur Last gelegt, bis endlich die Feindselig� wieder ausbrachen und damit endigten, daß der Joseph Smith und sein Bruder Hyrum erschossen Nauvoo niedergebrannt wurde. Brigham Boung wurde darauf zum Präsidenten, und unter seiner Führung zogen die Mormonen, oberen Missouri, zwanzig Meilen oberhalb der Mündij-j Platte, wo sie sich dann abermals ansiedelten, zugleich, ihre besten Jäger ausschickten, um das Land nach Richtungen hin durchforschen zu lassen. J Im Jahre 1847 begaben sich hundertunddreiund« � ihrer Männer vom Missouri aus auf den Weg«ach/ Westen. Ihnen folgte die ganze Gemeinde in kleia� thcilungen nach, und so erreichten sie denn endlich nach( langen und mühevollen Wanderung den großen Salss, sie ihr Reich zu gründen beschlossen. Das Land wurde eingesegnet, der Plan zu einer d entworfen, und bald entstanden unter ihren Händen,«Ä sie durch Hungersnoth und Krankheit vielfach zu.-k hatten, blühende Ansiedelungen. Dieselben hoben r so schneller, den ersten' halfen, üb' eines Gor herrscht.— Es ist durch die(5 briken jeder dehnung de unabhängig machen, oi nennen unt wie weit ih denn wie il die von B schon einmc Bruch mit dürfte die uoch einma treten. Was, zu tadeln i seine Art, Laie aber, ihrer weise verstößt. So vi' herantreten) Roman, eir zusammeng' das Eine n zu verbinde eine oft sch um so meh Wie d gleichzeitig Meinen Erz Nützliche n Charaktere, treten fint infiniten tonen StuW ils fie tend gü 196 000 Hm. h cx Männern„angefiegelt" find, konnten wir nicht konstatiren, die-- . selben waren durchgehende über die erste Jugend weit hinaus. achmitlazs i Das geistliche Lied, welches das Glück der Heiligen pries, 20a, 2 2ti wurde nach der Melodie von„Sah ein Knab ein Röslein stehn" ausgeführt. Sodann sprach einer der beiden Apostel ein Gebet, . das der in der protestantischen Kirche üblichen Fürbitte nach- .'3 gebildet ist. Der Apostel hielt bei dem Sprechen die ngcn erhem Hände, das Innere derselben dem Publikum zugewendet, t schriMin die Höhe. Der Herr, ein noch ziemlich junger Mann mit fönad schwarzem Schnurrbart, tmg weiße Weste und Hosen, � eine weiße Kravatte und einen schwarten Rock, er ist Hand- werker, und zwar, wie wir hören, Schneider. Er sprach das Gebet kurz und einfach hin. Darauf stimmte der Kiiiö Baß mit den zwölf Damen ein weiteres Lied an, nach Schluß desselben begann der Herr in Weiß eine längere Rede, deren Hauptstücke auf einem in der Versammlung vertheilten gedruck- ten Zettel unter Beifügung der Belagstellen aus der Bibel aufgeführt waren. Der andere Apostel, ein langer blonder, einfach gekleideter Mann, asfistirte schweigend. Da es sehr heiß im Saal war, sah man die beiden gleichmäßig fich mit weißen Schnupstüchem das Gesicht abwischen. Das Publikum Moraue l lteß fich während der etwa ändert halbstündigen Rede fortgesetzt tlich mit W SS*®lct versorgen. Der Mormonenapostel begann, der„Rat.- , wird# Aö- zufolge, mtt der Auseinandersetzung des Wesens der äe Zwecke* Gottheit und suchte namentlich nachzuweisen, daß Gottvater der Tbierq Person, und zwar eine männliche Person ist. Es ist das allen füll fi SSn c�,, Ae>gma, auf welches die Mormonen ihre Vor- lt wird q sanften über die Anficaeluna der Frauen gründen. Gegen ikeit der �e fttnbertaufe brachte der Redner die übuchen Argumente Morauc W �'°b°nso gegen die Art, wie die Pfarrer in das geistliche ie Räume t o? gelangen• noch eine Reihe anderer Einrichtungen und UZ K sä Anoden s ��•aetnfSrnme" muß und dessen Inhalt überall wörtlich n Rnnm'ti 1' a?e abschwächenden Auslegungen wies er zurück. " �?.�end des polemischen Theiles der Ausführungen htelt sich das Publikum im Allgemeinen ruhig, bis auf einen sehr aufgeregten Herrn, der jedesmal, als der Apostel gegen die studirten Theologen einen Hieb führte, ein donnemdes„Sehr richtig" in den Saal rief. Als aber der Apostel seinen apologetischen Theil begonnen hatte und die Berufung von Joe Smith als dem Bringer des neuen Evangeliums bewies, regte fich starker Widerspruch in der Versammlung. Ein katholischer Zuhörer erhob lauten Pro- lest, als der Apostel für Joe Smith und seine Nachfolger die Prophetenqualifikation in Anspruch nahm.„Wenn Gort den lras im feurigen Wagen zum Himmel hat fahren lassen Lmenn", wiederholte spöttisch ein freiaeistiger Herr), so sei doch Gott noch heute in der Kraft,_ Propheten zu erwecken und zu er gesamis chen eiietj I ausaesttw umschloffck Von gm ; der Leis -wohnliche fie eineD . Durch : gewöhn# f- 50 01. )en Zelle«!( ihre»( HHHHI..... durch dop« erhöhen." Ein methodistischer Herr erhob sich und rief mit ge- j walttger Stimme:„Auch bei Euch ist Alles äußerlich, Eure Zrtig kolrn Taufe und Eure Buße ist äußerlich." Die theologischen Aus- t zu anl� einandersetzungen unter den Zuhörern nahmen einen ziemlich erregten Charakter an, so daß der Apostel auf einen Wink des Poltzeilicutenants seine Rede schloß, und zwar brach er gerade vor dem interessantesten Theil der Rechtfertigung der sozialen Einrichtungen des Mormonenthums ab. Während des Ge- langes des Liedes Numero Sieben, das der Apostel anordnete und das die Damen exekutirten, zogen mir uns zurück. Die Phyfiognomien der Personen, die man als zur Mormoncnge- nossenschaft gehörig ansehen konnte, zeichneten sich nicht nur weniger durch Intelligenz, als durch Züge aus, aus denen man auf sehr impresfionable und nervöser Erregung bedürftige Naturen schließen konnte.� Wie der Apostel zum Schluß erklärte, gedenkt Versammlungen t mit a'-dj t, welche> Verwen» iten Jndßl it, wird I . zu der I Raschincirn igen ge«« ße) ler, tote luiiu«.-u»r orr-tpoziet zum cict)ii Än i er seine öffentlichen Vorträge fortzusetzen. Itcnfilien' igcs wie'« t hier in s iebten Ä fich ein- iwärti?' n Innern istngerüi« Wände t. Die L rt für W Durch Sel alle F« e Nestau« Aufruf t t kleinen1 trade bes« chen de Pe ersten ten und i« tnonensack' g wurde° Damen s schna mormol werden Sonntags von 2—4 Uhr Nachmittags und 7—9 Uhr Abends in der Pücklerstraße 9, Hof l links, abgehalten. Alle Freunde der Wahrheit find freundlichst eingeladen durch„die Vorsteher". In Bezug auf den Prozeß Stöcker liegen zwei be- merkenswerthe Aeußeruugen vor.„Zu den Mitteln, mit welchen die Anhänger des Hofpredigers Stöckcr seine Rehabilitirung betreiben, schreibt die„Frkftr. Ztg.", gehört bekanntlich auch eine in der„Kreuzzeitung" und im„Reichsboten" veröffentlichte Erklärung, deren Unterzeichner versichern,„daß die Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit seines Charakters, wie die Vcrdienstlichkeit seines Wirrens über allen Zweifeln erhaben find." Das Ding sah ja, als die erste Serie Unterschriften veröffentlicht wurde, nicht übel aus, und die Sache war auch schlau angefangen, denn die Erklärung ist so allgemein gehalten und vermeidet so geschickt jedes Eingehen auf die Einzelheiten des Prozesses und die Urtheilsmotivirung, daß Jeder, der jetzt überhaupt .tP*u*!? bat, fich zu Stöcker zu bekennen, sie allenfalls unterschreiben kann. Inzwischen aber dürften die Urheber wohl selbst zu der Ueberzeuguna gekommen sein, daß fie damit in eine bose Falle geraihen find. So lange die„Kreuzzeitung" und der„Retchsbote ,n Leitartikeln unv in ihrer Eigenschaft als konservative Organe für Stöcker's Unschuld plaidirten, konnten fie behaupten, fie sprechen im Namen der konservativen so schneller, als Tausende und aber Tausende von Bekehrten den ersten Ansiedlern nachfolgten und bald ein Reich bilden halfen, über welches Brtgham Aoung unter dem Namen eines Gouverneurs des Utah- Territoriums noch heute herrscht.— Es ist bekannt, daß die Mormonen darnach trachten, durch die Gründung von Schulen, Universitäten, durch Fa briken jeder Art und durch fortwährende Hebung und Aus- dehnung des Ackerbaues und der Viehzucht sich baldmöglichst unabhängig von dem Verkehr mit anderen Völkern zu machen, obgleich fie sich Bürger der Vereinigten Staaten nennen und die Regierung in Washington anerkennen. Zw wie weit ihnen dies gelingen wird, muß die Zukunft lehren; denn wie ihre Regierungsform und ihr Widerwille, sich in die von Washington ausgehenden Anordnungen zu fügen, schon einmal zu dem in nachfolgenden Blättern erwähnten Bruch mit den Vereinigten Staaten Veranlassung gab, so dürfte die Frage der Vielweiberei über kurz oder lang noch einmal, dann aber auch schärfer in den Vordergrund treten. „, Was an der Religion der Mormonen zu billigen oder i) wurWJ zu tadeln ist, werden die Theologen aller Sekten, Zeder auf ,a' cme Art. gewiß schon längst entschieden haben; der . der ein andächtiger Verehrer der Natur und ihrer weisen Gesetze, mißbilligt Alles, was gegen diese J verstößt. enten cm. So viel zur Einleitung. Die möglichen Falls an mich onen o«; herantretenden Fragen, ob„das Marmonenmädchen" ein eben, enrottete g in der* mch ßallf n Tag« rneren oürfen. Ä -läufig Nauvoo Sigcnth -hen, da« eben veiberei, j uf geko-"' is zum � feindselig� seine Art, der Laie aber, irschosse« c.dß' ZT-------. co'/p yS //vvav vut Münd««� Roman, etne Reisebeschreibung oder aus Naturschilderunaen Zugleich) d nach »dreiu«� u einer � nden, y/ zusammengesetzt sei, beantworte ich dahin, daß ich versuchte, das Eine mit dem Andern zu einem abgerundetem Ganzen zu verbinden. Eine durch solche Zwecke bedingte Arbeit ist eine oft schwer zu losende Aufgabe, darf deshalb aber wohl um so mehr freundliche Nachsicht beanspruchen. Wie der historische Roman das unterhaltende Element gleichzeitig mit dem belehrenden umfaßt, so leitet mich in weinen Erzählungen der Wunsch, in ähnlicher Weise das Nützliche mit dem Unterhaltenden zu vereinigen. Wenn Charaktere, in welchen sich alle unedlen Leidenschaften ver- treten finden, als Hauptfiguren in Romanen erscheinen Partei, namentlich der konservativen Fraktionen des Landtags und Reichstags. Sie hatten den Vortheil des Grundsatzes für fich: qui tacet, consentit. Nachdem fie aber diese Adresse mit Namensunterschriften inszenirt haben, find fie dieses Vor- theils verlustig gegangen. Wer diese Adresse, für die lebhaft agitirt wird, nicht unterschreibt, bezeugt damit ausdrücklich, daß er ihr nicht zustimmt und von der Lauterkeit und Ehren- haftigkeit des Charakters und der Vervienstlichkeit des Wirkens" des Herrn Hofpredigers eine andere Meinung hat. Unstreitig gilt dies von den Mitgliedern der konservativen Fraktionen im Reichstage und im Landtage. Wie gestaltet denn fich nun die Sache? Unter den ersten zwei- bis drei- hundert Unterschriften waren 47 konservative Mitglieder des Reichstages, des Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses: unter der zweiten Fortsetzung waren nur noch 5 oder 6 und unter den weite: en Fortsetzungen haben wir konservative Ab- geordnete überhaupt nicht mehr entdeckt, sondern nur unbekannte Namen, sehr viele Pastoren, Kandidaten und Studenten der Theologie, hin und wieder einmal einen Beamten, in der Hauptsache aber Leute, deren Ramen bei dieser Gelegenheit wahrscheinlich zum ersten Mal gedruckt wird. Es mögen jetzt im Ganzen vielleicht tausend Unterschriften sein. Daß dies eradezu beängstigend wenig ist, wird wohl den Ur« ebem der Adresse inzwischen klar geworden fem. Das Schlimmste für fie aber ist, die Zahl der konservativen Abgeordneten, die unterschrieben haben, beträgt noch nicht 60, und es müßten mindestens 160 fein. Wie denken nun diese sehlenden Hundert über die Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit des Charakters'und die Verdienstlichkeit des Wirkens von Stöcker V" Dazu kommt, daß man in diesem Falle die Namen nicht nur zählen, sondern wägen muß. Daß die Abgg. Cremer, v. Hammerstein, Strosser, Kropatscheck u. s. w. unterschrieben haben, ist selbstverständlich; fie hätten ja ihrem Freund das moralische Todesurtheil gesprochen, hätten sie es nicht gethan. Die Unterschrift keines einzigen, höchstens die des Herrn v. Rauchhaupt, hat uns überrascht. Weit interessanter aber ist, wer nicht unterschrieben hat. Warum mag wohl der alte Herr v. Mcyer-Amswalde fehlen? Wo find die Herren v. Koeller, der Präsident des Abgeordnetenhauses und sein Bruder im Reichstag, wo Graf Moltke, Herr v. Helldorf, Freiherr von Maltzahn, Freiherr v. Minnigerode, Herr v. Wedell-Malchow, der Präsident v. Wedell-Piesvorf? Dies dürsten doch unbe- stritten die angesehensten Namen der konservativen Partei sein. Selbst Herr Äckermann fehlt, ebenso Herr v. Colmar und Herr v. Massow. Wie gesagt, es fehlen mindestens Hundert, und so lange diese ihre Unterschriften nicht hergegeben haben, ist man zu der Annahme berechtigt, daß fie es ablehnen, ihrem Fraktionsgenosscn Stöcker eine offene Ehrenerklärung zu geben. Das ist em böses Ding, und diese Adresse wird sehr gegen den Willen ihrer Urheber einen genauen arithmetischen Maßstab für die Werthschätzung geben, deren sich Herr Stöcker nach dem Prozeß bei den eigenen Fraktionsgenossen erfreut. Die „Bresl. Ztg." schreibt in ihrer Wochenbettachtung: In den Debatten über den Stöcker-Prozcß ist vor der Hand eine Pause eingetreten; fie werden voraussichtlich dann wieder lebhaft werden, wenn die Beleidigungsklage des Herrn Reinhold Schmidt in Elberfeld gegen Herrn Stöcker verhandelt werden wird, was noch vor den Gerichtsferien stattfinden soll. Einstweilen hat fich Herr Stöcker schon von Seiten des Gerichts die Zensur zuge- zogen, daß er bestrebt gewesen sei, die Sache zu verschleppen. Für einen Hofprediger ist auch das kein schönes Zeugniß. Die konservative Partei hat fich seiner Zeit des Professors Waldeck und der in demselben aufgebotenen Zeugen Ohm und Godsche nicht geschämt; es war vorauszusehen, daß fie sich auch des frozesses Stöcker nicht schämen würde, und daß alle ihre oryphäen auf dem Platze sein würden, um Herrn Stöcker nach besten Kräften zu vertheidigen, war auch vorauszusehen. Sie haben, um die Vettheidiguug recht wirksam zu führen, einen neuen Moralgrundsatz formulirt, der etwa dahin lautet: „Man kann Niemandem einen Vorwurf daraus machen, daß er die Unwahrheit sagt, wenn er die Wahrheit nicht gewußt hat. Dieser Grundsatz besteht aber weder vor der Moral noch vor dem Recht. Nicht Alles, was keine bewußte Lüge, ist darum ein entschuldbarer Jrrthum. Zwischen beiden rn der Mitte steht vielmehr die leichtfertige Unwahrheit. Und diese macht man Herrn Stöcker zum Vorwurf. Jedem Menschen be- geanet es häufig, daß er eine irrige Behauptung aufstellt, ohne daß man ihm daraus einen Vorwurf machen kann. Wenn Jemand auf die Frage, an welchem Tage die Schlacht von Waterloo stattgefunden hat, wie viele Staubfäden die Lilie hat oder an welchem Flusse Lyon belegen ist, falsch antwortet, so wäre es thöncht, das eine Lüge zu nennen. Es knüpfen fich an eine solche Behauptung keine Konsequenzen, weder im Geiste dessen, der die Behauptung aufstellt, noch im Geiste dessen, der fie anhört. Wenn aber jemand eine Behauptung zu dem Zwecke aufstellt, daß Schluß- folgerungen daraus gezogen werden, so hatte man alle Ver- anlassung, fich zuvor um vie Wahrheit derselben zu kümmern. Und wenn jemand eine Behauptung aufstellt, um auf seinen Gegner ein übles Licht zu werfen, so ist ein leichtfinniges Ab- weichen von der Wahrheit kaum minder tadelnswerth als ein würden, sollte da die Natur, mit Allem, was sie belebt, nicht dasselbe Recht besitzen, mtt Vorliebe behandelt zu werden? Das Ehrfurcht Gebietende und Grausige der Natur aber empfinoen wir mit andächtigerer Verehrung und tieferem Schrecken, weil wir das menschliche Geschick wie ein schwaches Rohr davon erdrückt zu sehen fürchten; das Lächeln der Natur dagegen dringt inniger zum Herzen, weil es einen erhabenen Gegensatz bildet zu den empörten Leiden- schaften der Menschen._., Wenn es auch nicht Schuld der Mormonen ist, die nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten die Expedition, zu welcher ich zählte, im Thale des Colorado zu vernichten ge- dachten, daß ich noch unter den Lebenden weile, so bin ich bei nachfolgenden Schilderungen doch keineswegs von Haß gegen sie beseelt gewesen. Frei von Vorurtheilen gegen Sekten und Stände, habe ich meine Personen fast durch- gehends der Wirklichkeit entnommen, was mir um so leichter wurde, weil ich die meisten derselben, wenn auch nicht immer auf vertrautem Fuße mit ihnen stehend, personlich oder auch nur von Ansehen kannte, und in letzterem Falle, oft ohne mein Dazuthun, mit den nöthigen Aufschlüssen über sie versehen wurde. Wer kein warmes Herz hat für die Natur, wer das Fremdartige, ja das Unbekannte störrisch nach den heimath- lichen Verhältnissen abgemessen haben will, und die der Wirklichkeit entnommenen Bilder nicht zu scheiden vermag von solchen, welche die Phantasie gezwungen war zu er- gänzen, der lege diese Bücher ungelesen, unbeachtet zur Seite; deren Inhalt wird ihn nicht befriedigen. Doch wer es liebt, die Blicke über die nächsten Grenzen hinauszu- werfen, an sicherer Hand die endlosen Urwildnisse des „fernen Westens" im Geiste zu durchwandern; wer einen Genuß darin sucht, die einst an Ort und Stelle empfangenen überwältigenden Eindrücke, wenn auch aus zweiter Hand, in sich auszunehmen und das gewissermaßen mitzuempfinden, was noch jetzt in der Erinnerung zu warmem Enthusiasmus fortreißt, der entdeckt in nachfolgenden Blättem vielleicht Manches, was ihn mit der Erzählungsform aussöhnt und dazu bewegt, freundlich über einzelne schwer zu umgehende Mängel hinwegzusehen. bewußtes. Es sind in der Hitze des Parteikampfes auch gegen Stöcker übertriebene Anschuldigungen gerichtet worden. Das ist nicht zu leugnen, aber die Gegner Stöckers müssen dafür auch büßen, und diejenigen Anschuldigungen gegen Stöcker, die völlig erwiesen sind, die auch seine besten Freunde nicht ableugnen können, sondern nur als Unbesonnenheiten, als Aus» brüche eines leidenschaftlichen Geistes bemänteln, reichen voll« ständig aus, um ein sehr scharfes Urthcil über ihn zu begründen. Die Frage, ob Stöcker in seinem Amte als Hofprediger bleiben wird, kommt nicht zur Ruhe. Mir scheint es, als sei diese Frage zu bejahen. Wollte man gegen ihn etwas unternehmen, so konnte der Augenblick dafür nicht zu früh gewählt werden. Sollte der Ausspruch des Staatsanwalts, daß Stöcker lauter und intakt aus der ganzen Affaire hervorgehe, desavouirt wer- den, so mußte er sofort desavouirt werden. Daß dies nicht geschieht, gereicht der öffentlichen Sicherheit zum schweren Nach- theil. Kern Verthcidiger läßt fich die Gelegenheit entgehen, einen des Meineids Angeschuldigten mit den Worten zu ent- schuldigen, daß es ja unrichtige Eide gebe, die nicht strafbar find, und die Achtung vor dem geistlichen Amt wird sicher dadurch nicht gefordert, daß ein Hofprediger sich ungerügt maches gestatten darf, was einem anderen schwere Ahndung zuziehen würde." Einen Einblick in unsere ttaurigen wirthschaftlichen Ver- hältniffe erlangt man beim Studium der Rubrik„Verlangte Personen" in den Zeitungen; es ist geradezu erstaunlich, welche Hungerlöhne den Arbeitsuchenden hier oft geboten werden. Man verlangt Schreiber mit schöner Handschnft gegen 6 Mk. Wochenlohn, Komptoiristen, welche der doppelten Buchführung mächtig find, bietet man 40 Mk. pro Monat sogar für 30 Mk. Monatsgehalt wurde unlängst ein älterer Buchhalter gesucht, dem man, wie in der bett. Annonze gesagt war, großmüthia gestatten wollte, im Komptoir Zigarren zu rauchen; natürlich aber für sein Geld. Daß einem jungen Mann, von dem man verlangt, daß er neben deutsch auch französisch und englisch korrespondiren kann 50—60 Mk. geboten werden, gehört wahr« haftig nicht zu den Seltenheiten. Ein Kurzwaaren-Geschaft in der Leipziger Straße suchte kürzlich zwei Lehrlinge gegen 20 M. und zwei Volontairs gegen 30 M. Monatsgehalt. Die ersteren sollten die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst haben, die letzteren ausgelernre Kaufleute sein. Wir glauben, daß es an Bewerbern nicht gefehlt haben wird, die allen Anforderungen des Herrn Chefs genügten, der vier Leute in seinem Geschäft verwenden kann, die ihm zusammen monatlich 100 M. kosten. Neben diesen Stellen, welche mit einem völlig unauskömmlichen Gehalt ausgeschrieben find, finden wir ebensoviel und vielleicht noch mehr, wo in der Annonze nur gesagt wird, daß der Be- werber„bescheidene Ansprüche� stellen müßte, die Höhe derselben anzugeben wird ihm überlassen. Daß es hier nur auf eine Unterbietung abgesehen ist, liegt klar auf der Hand und in den zahlreich eingehenden Offerten sind die Ansprüche denn auch so bescheiden gestellt, daß der Herr Prinzipal die gesuchte Arbeitskraft fast umsonst erhält. Wie die so völlig un- zureichend besoldeten Leute ihren Lebensunterhalt bestteiten sollen, kümmert die Arbeitgeber nicht; sie sagen fich einfach, daß bei dem Massenangebot Arbeitskräfte für den denkbar nievrigsten Lohnsatz zu haben find und hierin haben sie ja nicht unrecht. Außer diesen so überaus schlecht bezahlten Stellen werden nun nicht wenige angeboten, für welche überhaupt kein Gehalt gezahlt wird, sondern wo die Enaagirten nur eine Pro» vifion beziehen. Von Vcrficherungsgesellschaften werden unauf» hörlich Agenten gegen„hohe" Provision gesucht; Zigarrenhandlungen, Destillationen, Papierfabriken, Holz- und Kohlenhand- lunaen und eine ganze Anzahl anderer Geschäfte suchen täglich Stadtreisendc gegen Provifion, und das Loos dieser Leute ist bei weitem noch trauriger als das derjenigen, welche das kleinste Fixum beziehen. Man ficht Agenten und Stadtreisende von früh bis spät die Straßen durcheilen, wo sie ihre Offerten machen, werden fie nicht selten recht unfreundlich abgewiesen und wenn der Tag zu Ende ist, haben fie oftmals trotz aller Mühe auch nicht einen Auftrag erhalten und somit auch nicht einen Pfennig verdient. Am leichtesten erhalten noch diejenigen Personen eine Stellung mit einigermaßen auskömmlichem Gehalt, welche die Mittel besitzen, eine Kaution zu hinterlegen, obgleich ihnen in sehr vielen Fällen weder Geld noch Werthsachen anverttaut werden und der Besitz eines kleinen Kapitals diese Leute doch auch wahrlich nicht leistungsfähiger macht. So verlangt seit dem 1. d. M. die Gr. Ben. Pferdebahngcscllschaft von jedem ihrer Schaffner 150 M. Kaution, während diese Angestellten bisher nur 75 M. zu hinterlegen hatten. Vielleicht glaubt die genannte Gesell« schaft, daß derjenige, welcher 75 M. mehr besitzt als ein an- derer, auch tüchtiger in seinen Leistungen ist als jener. Die Berliner Packetfahrtaesellschaft ist der Meinung, von ihren Bediensteten eine viel höhere Kaution fordern zu können, denn wie man uns mittheilt, haben die Schaffner 400 Mk. und die Kutscher 75 M. zu hinterlegen. Daß letztere, weil sie die ver- langte Summe aufzubringen im Stande find, nun auch eine größere Portion Pferdeverstand besitzen sollen und Leine und Peitsche besser zu führen verstehen als viele ihrer lautions« unfähigen Kollegen, wird doch im Ernste wohl Niemand glauben Der Sandsturm. Wo in dem Ungeheuern„Becken," begränzt durch die starren, nackten Joche des Wahsatch- Gebirges und der un- absehbarm Züge der theilweise in ewigem Schnee prangen- den Sierra Nevada, dürrer, vegetationsloser Sand auf um- fanareichm Strecken die Oberfläche des Bodens bildet, da ist es für den Menschen nicht rathsam, anders, als in größeren Gesellschaften die schrecklichm Wüstm jagend oder forschend zu durchkreuzm. Selbst den vereinigtm Kräftm tteu zu- sammenhaltender Gefährten gelingt es oft kaum, dem dro- hendm Untergange zu entrinnen, der den Wanderer jener Regionen in dm verschiedenartigsten und gräßlichsten Ge- staltm beständig angrinst. Bald sind es der Wassermangel und das Verschmachten und Dahinsterben der dem Reisenden unersetzlichen Lasttbiere, bald die durch Heißhunger zur Toll- wuth gereizten wilven Bestien, bald die in ihren Neigungen sich kaum noch von dm Thieren des Waldes unterscheivendm Eingeborenen, oder der von dem Sturmwind in dichten Wolken emporgewirbelte erstickende Flugsand, lauter Schreck- nisse, die auch dm kühnstm Geist zu bmgen, dm wildestm Muth zu brechen vermögen.— Wenn nun die Reise ganzer Karavanen durch die unwirthlichen Theile des„großen Beckens" mit einem steten Kampf um das nackte Lebm verglichen werden darf, um wie viel mehr ist der einzelne Wanderer, der dorthin verschlagen wurde, dem Verderben ausgesetzt! Und dennoch—•— Ungefähr drei Tagereisen weit westlich von der süd- lichen Spitze des„Großen Salzsees", also vielleicht doppelt so weit von der Mormonmstadt, scheiden die Pah- o- tom- oder Cederberge, eine von Südwestm nach Nordosten lau- sende Felsmkette, das„Quell-" oder„einsame Felsen-Thal" von der unabsehbarm, sich gegen Westen ausdehnenden san- digen Einöde. Eine alte, wenig befahrene Emigrantmstraße führt durch einen Paß dieses Gebirges und verliert sich schon nach kurzer Zeit in halb zugewehten Spuren von Wagen- rädern und Packthierpfadm, die sich wieder in verschiedme Richtungen von einander trennen und, je weiter nach der Wüste hinein, um so schwächer und undeutlicher werdm, bis sie endlich in dem losen Sande verschwinden.(Forts, folgt.) wollen. Von den Schaffnern eine Sicherheit zu fordem, mag ja eher berechtigt sind, ob es aber gleich 400 Mk. sein muffen, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Von Bierabziehern, Kontroleurs und vielen andern Personen, die für ihre Arbeit- geber niemals einen Pfennig Gell) vereinnahmen und gar nicht in der Lage find, etwas zu veruntreuen, eine Kaution zu verlangen, erscheint uns ebenso überflüssig, wie solche von einem Kutscher zu fordem. Die Kaution spielt heute eine weit grössere Rolle als man gemeinhin annimmt; man sagt in erster Linie: hat der Bewerber Geld? und dann erst: ist er befähigt? Man ersieht hieraus, welche Rolle das Geld heutzutage überall spielt; ohne Geld ist der Mensch eben nichts, er wird, wenn es ihm fehlt, oft für zu dumm gehalten, den Posten eines Kutschers oder Bierabziehers auszufüllen. Giebt denn der Besitz von Geld aber wirklich auch Verstand oder macht er klüger und tüchtiger? Das„Berliner Tageblatt", welches so gern die Versehen anderer Zeitungen bewitzelt und erst in seiner Sonnabend- Abendnummer der„Strassburger Post" Unkenntniss in der Geographie vorwirft, verräth m seiner Sonntaasnummer eine ganz erstaunliche Unkenntniss in der Zoologie. Das„Berliner Tageblatt" erzählt nämlich seinen Lesem, daß im Royal Aquarium in London einige dresfirte Seehunde ihre seehün- dischen Kunststücke zu Besten geben und fährt dann fort•„auch diese gelehrten Amphibie n find uns für die nächste Saison beschieoen." Einen Seehund für eine Amphibie zu halten, ist ein wenig stark; bisher war alle Welt darüber einig, daß der Seehund zur Klaffe der Säugethiere und zur Ordnung der Robben gehört. Wessen Kenntnisse so gering in der Zoologie sind, daß er nicht einmal die Ordnungen der Säugethiere kennt, der hat doch wahrlich kein Recht, sich über einen Andern kustigzu machen, der schwach in der Geographie ist. K. Eine wider Erwarten freudig Aufnahme wurde gestern einem Kolporteur zu Theil. Kaum hatte derselbe be- scheiden die Klingel eines Hauses in der Chorinersttaße ge« zogen, als man ihn auf das Freudigste Willkommen hieß und bat, näher zu treten. Der an schroffe Abweisungen gewohnte Handelsmann ging auf diese Einladung um so lieber ein, als man ihn mtt Getränken und Süßigkeiten auf das Beste regalirte. Als derselbe nach einer arundlichen Magenvflege auf den Verkauf seiner Waare, in Gestalt zweier niedlicher Oeldruckbilder, zu sprechen kommen wollte, wurde er stets seitens der jungen Hausfrau mit den Worten:„Wir wissen schon und danken recht herzlich" unterbrochen". Zum allgemeinen Gau- dium löste sich der Jrrthum dahin auf, daß man in dem Kol- porteur einen Abgesandten eines Vereins, dem das junge Ehe- paar angehörte, erblickt hatte und die Bilder für Geschenke hielt. Doch auch hier fehlte nicht der versöhnende Abschluß; ein anwesender Gast kaufte die Bilder auf und überreichte die- selben den jungen Eheleuten als nachträgliches Hochzeitsgeschenk. An Anbetracht der Saurengurkenzeit keine üble Leistung des Reporters. Wie viel Berliner mögen in dieser Reisezeit ihre Hei- math verlassen und sich nach entfemteren Sommerfrischen, Bädern oder auf ziellose Kreuz- und Querzüge begeben? So fragt der„B. C." Wenn irgend einer darüber eine einiger- maßen erschöpfende Auskunft zu ertheilen vermag, so ist es ein höherer Eisenbahnbeamtcr. Ein solcher erklärte auf eine dies- bezügliche Anfrage, daß in der eigentlichen Reisezeit von Mitte Jum bis Mitte Juli in Berlin gegen 80 000 Saison- und Rundreise-Billets verkauft werden. Nimmt man nun an» daß etwa 20 000 Berliner außerdem noch mit gewöhnlichen Billets verreisen und berechnet man die Einwohnerzahl Berlins nach der letzten statisttschen Schätzung mit 1 300 öoO, so ergiebt sich die immerhin interessante Thatsache, daß von„ganz Berlin" in dieser Reisezeit nur etwa 8 Prozent verreist fino. Rechnet man noch 2 Prozent für Diejenigen hinzu, die in der Umgebung Berlins während der heißen Jahreszeit wohnen, dann kommt man auf 10 Prozent. Nach den letzten amtlichen Steucrer- Mittelungen haben 80 Prozent der Berliner Einwohnerschaft weniger oder gerade soviel Einkommen, als des Lebens Roth- dürft erfordert, und nur 20 Prozent darüber. Von diesen 20 Prozent beaicbt sich also nur die Hälfte auf Reisen, die andere Hälfte bleibt hier zurück aus Mangel an freier Zeit oder aus anderen zufälligen Gründen. Wie kommt es nun aber, daß nicht nur oberflächliche, sondern auch gewissenhaftere Beobachter trotz dieses, wie man meinen sollte, verschwindenden Prozent- satzes den Eindruck empfangen, daß„ganz Berlin" die Reichs- Hauptstadt verlassen habe? Eine Erklärung dafür kann man nur darin finden, daß gerade diese 10 Prozent, die augenblicklich nicht hier sind, durch ihre Equipagen, durch ihre prunk- vollen Toiletten und durch ihre eigenen mehr oder weniger in die Augen fallenden Erscheinungen ganz hervorragend zur Belebung, Hebung und Verschönerung oes Berliner Straßen- lebens beitragen. Der Wald zur Sommerzeit ist einer aufgeblühten weib- liehen Schönheit zu vergleichen; alle Reize find aus dem knospenden, verhüllenden Zustand zur vollsten Entfaltung ge- langt. Die bereits vorgebildete Knospe schwoll an, und allae- mach entfalteten sich die zarten Blättchen und Triebe. Wohin das Auge fällt, überall begegnet es zartem, jungen Grün. Auf der Bodendecke sproßt es üppig. Das zierliche Maiglöckchen hat das bescheidene Schneeglöckchen verdrängt, und hier und va im Moose blüht noch das kleine Veilchen. Wie ist die Vogelwelt, vornehmlich die kleinen Sänger, jetzt geschäftig! Die Nachtigall flötet ihre süßesten Weisen, die Drossel fällt klagend ein, während der Fink das Duett mit seinem lang- gedehnten„Friede— ri—cia!" unterbricht. Die Goldammer fingt ohne Unterlaß das„Hab' Dich von Herzen lieb— lie— icb." Sie fingt es mit einer solchen Innigkeit, daß der Wanderer im Font bis auf das Tiefste ergiffen, solchem Herzenserguß andächtig lauscht. Der werbende Minnesang wird bald nicht mehr ertönen. Der kleine Sänger hat sich ein Weibchen ge- nommen; die Frucht dieser Ehe find kleine, aller- liebste Sprößlinge. In die Sorge um ihre Erhaltung und Erziehung theilt sich das Elternpaar. Zum edlen Singsang ist keine rechte Neigung mehr vorhanden. Es heißt jetzt erwerben und immer wieder erwerben, um sich mit Weib und Kind durch des Lebens Drangsal hindurchzuringen. Wenden wir uns jetzt dem König der Wälder, dem stolzen Hirsch zu. Auch er ist Familienvater geworden. Das Altthier des Edel-(Roth-) Wildes schenkte im Maienmond einem Kälb- chen das Leben oder„setzte" es, in der Sprache des Waidwerks zu reden. Das Damwild„setzt" im Juni ein bis zwei Kälbchen. Die kleinen munteren Thierchen begleiten in„graziösen Fluch- ten" ihre Mutter, welche sie zur„Aesung" führt. Unablässig ist das sorgende Auge auf ihren Nachwuchs gerichtet. Wäh- rend dieser ruhig und vertrauensvoll„äset",„verhofft" das Altthier, indem es„äugt",„sichert"(mit Hilfe des Gehörs) und „windet"(mit Hilfe der Nase', um jede Gefahr von ihren Lieblingen abzuwenden. Wehe dem rothcn Räuber des WaldeS, dem Meister Rcinecke, wenn er es wagen sollte, seine schänd- lichen Absichten auf ein Kälbchen zu richten! ihm würde durch die„Schalen der Läufe" der rothe Balg so gründlich «ewaschen, daß er fürs Erste daran genug hätte. Ge- Hunden an Leib und Seele müßte er fich dann zu seiner Räuberhöhle, dem„Bau" schleppen, um dort seine spitzbübische Gattin, die gehe, und das nach„Fraß" schreiende junge Dicbesgesindel auf ein Hungermahl, Mäuse, Ratten und wirbellose Thiere des Waldes, zu vertrösten. Interessant ist es, jetzt einen Fuchsbau zu betrachten. Vor der„Röhre" la- gert Mutter„gehe" und sieht dem drolligen Spiel der kleinen Strauchräuber zu, wie sie Nagethieren den Garaus machen. Aber nicht immer ist die Beute eine so harmlose und bezw. der Land- und Forstkultur nützliche! Das an den Wald gren- ende Getreidefeld wird von der Familie derer von Rcmecke �nsickcr gemacht. Das Häslein und das Rebhühnchen, ebenso as Rehkitz" find dem Meister Schlauberger, wenn er sie in seine räuberischen„Fänge" bekommt, rettungslos verloren. Das Rehkälbchcn mit seinen großen, seelenvollen Augen fleht vergebens in klagenden Tönen um Schonung. Reinecke läßt grundsätzlich keine Milde und Erbarmen walten: ihn erfreut der Anblick des„Schweißes"(Blut). Dieser Blutgierigkeit wegen findet der Fuchs beim hegenden, pflegenden, fem Wild liebhabenden Waidmann keinen Pardon! Nicht nur mittels der Schußwaffe, der Fallen, sondern auch des Strychnins muß er unerbittlich ins Gras beißen. Die allgütige Natur hat, wie Hermann Hache in der„Voss. Ztg." schreibt, aber durch seine große Vermehrungsfähigkeit und seine überaus große List, sich Verfolgungen zu entziehen, dafür gesorgt, daß er nicht ausstirbt. — Die Gluthstrahlen der Sonne gewinnen immer mehr an Jntensivität. Das saftige Grün der Blätter, das Cholera- phyll, geht allmählich in Blattgelb, das Fanthophyll, über. Die Verfärbung des Laubes verleiht dem deutschm Wald einen zur Webmuth stimmenden Schmuck. In all' dem Grünen und Reifen der Pflanzenwelt die Vorahnung eines baldigen Todes! — Das Hochwild begattet sich, es„brunstet". Auf weite Ent- fernungen hört man das„Schreien, Röhren und Orgeln" des Hirsches. Nicht mehr lange währt es bis zum Beginn der Jagd.— Mit beginnendem Herbst spinnt im Wald die Som- merfadenspinne die Millionen ihrer Fäden. Diese streift der Wind zusammen und entführt sie als„fliegenden Sommer" in die Höhe. Die dicke, sommerschwüle Lust, welche über dem Walde lagert, macht allmählich einer reineren, durchsichtigeren Platz. Emen majestätischen Anblick gewährt um diese Zeit der dunkle„Gebirgstann". Seine düsteren Nadclholzbestände, die feierliche, ernste Fichte und die schlanke, kraftvoll zum Himmel strebende Edeltanne, werden von einzelnen vollsaftigen Laub- hölzern, wie Rothbuche und Eiche,„überwipfelt". An den Ab- hängen und Schluchten reift die Preißelbeere, die Brombeere, die Frucht der wilden Rose, die Hagebutte.— Der unmerklich fich vollziehende Uebergang vom Sommer zum Herbst in Dia- nens geweihten Hallen ist an großen Schönheiten überaus reich. Was erzählt sich der deutsche Wald nicht alles in dieser.'.est? B. Verwundet. Ms vorgestern Mittag der Arbeiter Krehahn zu Britz fich zu Tisch begeben wollte, siel die in der Ecke plazirte Sense so unglücklich um, daß p. p. K. eine er- hebliche Schnittwunde am Hinterkopf erhielt. Die Wunde wurde ärztticherseits zugenäht. Konales«nd Arlteitervemegung. Der Tischlerstreik tu Königsberg ist beendet. Die dortige Lohnkommisfion veröffentlicht das nachstehende, vom 9. Juli datirte Schreiben: Kollegen und Genossen! Der Kampf ist mit dem heutigen Tage zu Ende geführt. Wir find unserer zu Anfang ausgegebenen Parole treu geblieben und haben gekämpft bis der letzte Mann untergebracht wurde, aus- genommen einige Kollegen, die als Gemaßrcgelte zu bettachten find und leine Arbeit erhalten, wenigstens vorläufig nicht; doch für diese laßt uns selbst sorgen. Wir haben allgemein die 10 stündige Arbeitszeit und die Ertrabezahlung der Ueberstunden durchgeführt; femer ist der Alkordtarif durchgeführt, der in manchen Werkstätten eine Erhöhung der Stückpreise bis zu 40 pEt. aufweist.(Alles weitere ist aus der in 14 Tage erscheinenden Abrechnung zu ersehen.) Kollegen! Der Kampf ist ein harter gewesen, so mancher ist in demselben gestählt und gehärtet worden. Leider waren aber auch einige, oie rm letzten Äugenblicke, kurz vor der Entscheidung abfielen. Doch diese soll lein Vorwurf Kesten, nur die bitterste Roth hat sie dazu getrieben, der Sache untteu zu werden. Euch aber, Ihr braven Kollegen und Genossen Deutschlands und des Aus- landes, Euch danken wir ganz besonders für Eure thatträfttge Hilfe. Ihr haht gezeigt, daß die Solidarität doch tiefere Wurzel geschlagen hat, als unsere Gegner behaupten. Seid überzeugt, Laß, kommt Ihr in ähnliche Lage, wir wiffen werden, was wir Euch schuldig sind. Da uns noch ein kleiner Baaibestand zur Verfügung stand, haben wir am heutigen Tage 50 Mark nach Kaiserslautem und 80 Mark nach Dresden gesandt. Es ist Euer Geld und wir glauben nach Eurem Wunsche gehandelt zu haben. Mit kollegialischem Gruß die Kommission der Tischler Königsbergs. Aus dem Bericht der Handels- und Kewerbekammer zu Dresden, für das Jahr 1884, dessen wir schon Erwähnung gethan haben, ist folgendes noch mitzutheilen. Derselbe kon- statirt in Bezug auf die Großindustrie, daß dieselbe in der überwiegenden Mehrzahl der Branchen voll beschäftigt, eine wesentliche Produktionszunahme in vielen Branchen unverkenn- bar und Geld für dieselbe zu Neuanlagen und Bctriebscrweitc- rungen flüssig und billig war. Eine der gestiegenen Produktion entsprechende prozentuale Erhöhung der Untemehmergewinne ist dagegen nicht eingetreten, ebensowenig als das Lohnniveau der gewerblichen Hilfsarbeiter sich etwa erhöht hat: beides im Zusammenhang mit der Thatsache, daß die Führung der Geschäfte im Allgemeinen schwieriger, die Spesen und vas Risiko größer geworden find. — Betreffs der Lage des„Handwerks", so fährt der Be- richt fort, sei noch bemerkt, daß dasselbe gegenwärtig neben der älteren Gliederung nach Arbeitszwcigen sich scheidet in den .handwerksbettieb im engeren früheren Sinne, in die Klein- fabrikation, und in den Kleinhandel mit Gewcrbscrzeugnissen des Handwerks, der Kleinfabrikation und der Großindustrie. Ersterer, der Handwerksbetneb im engeren Sinne, ist an- dauernd gedrückt, vielleicht mit Ausnahme der tüchtigeren und lapitalkräfttgeren Fleischer und Bäcker. Die von dem Boden des Handwerks ausgehende, aus demselben fort und fort von Neuem und in zahlreichen Einzeleristenzen heraus- wachsende Kleinfabrikation hat namentlich in Dresden und den größeren Mittelstädten eine namhafte Anzahl tüchtigster Ver- tteter aufzuweisen, welche auch im Berichtsjahre eines guten Einkommens sich erfreut haben. Daß schließlich der schon er- wähnte Kleinhandel mit Handwerks- und Jndustrie-Erzeug- nissen, ebenso wie der Detailhandel mit Produkten und Kon- sumvtibllien einen besseren Gewinn als angedeutet nicht ab- wirft, ist zum Theil in dem häufigen Mangel ordnungsmäßiger Verlaufskalkulationen, anderen Thcils darin begründet, daß derselbe fast allenthalben stark überfüllt und deshalb der Umsatz der Einzelgeschäste ein zu geringer ist. Uereine und Uersammlungen. o. k. Eine Versammlung von Zimmerleuten fand im Saale der„Viktoria- Brauerei" am Sonntag Vormittag statt. Der Umstand, daß das Arbeiterschutzgesey und die Stellungnahme der Zimmerer zum Maurerstreik auf der Tages- Ordnung stand, hatte den großen Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Gegen 11 Uhr eröffnete Zimmerer Hantelmann, Lorsitzender der Lohnkommisfion, die Versammlung mit dem Bemerken: Es ist mir ein Zettel überreicht worden, wonach das Bureau der heutigen Versammlung aus den Mitgliedern der Lohnkommission zusammengesetzt werden möge: um Zeit zu �ersparen, könne er diesem Wunsche nur beitreten. Es erhält hierauf Zimmerer Klemm das Wort: Die Lohn- kommisfion habe fich in der vergangenen Woche nicht so be- tragen, wie wir es gewünscht- Die Lohnkommission habe nicht kollcgialisch gehandelt(Lärm und Beifall.) Er bitte die Kom- misstonsmitglieder nicht in's Bureau zu wählen.— Zimmerer S ch ö n st e r n: Als Mitglied der Lohnkommission müsse er gegen die Aeußerung des Vorredners einen entschiedenen Protest einlegen. Weshalb spreche Herr Klemm seine Verdächtigungen nicht in präziser Form aus.— Zimmerer Klemm: In der Mittwochs Versammlung bei Buggenhagen, die von mehreren Tausenden von Zimmerer-Gesellen besucht war, wurde be- schloffen: Eine Ertra-Sammlung zu Gunsten der streikenden Maurer zu veranstalten. Diese habe auch stattgefunden und im? müsse eine größere Summe ergeben haben, denn die m Versammelten haben 1 Mk. und darüber gegeben. Co irf in dem Beschluß über diese Sammlung ganz bestimmt gesaai: 9 Sammlung sei bestimmt um die streikenocn Maurer zu untcistW Der Vorfitzende der Lohnkommisfion und Kasfirer des&W habe aber nicht den ganzen Betrag an die Maurer abgcÄ und haben diese, obwohl dort über 1000 Pik. eingegangen«■ müssen, nur 2Ö0 Mk. erhalten.(Lärm.) Es sei daher ver 9 schluß nicht prompt ausgeführt worden. Man scheine in> Kreisen des Herrn Hantelmann immer noch nicht begreifen.! können, daß die Interessen der Maurer, auch die Jntereß der Zimmerer seien.(Bravo.) Herr S ch ö n st e i n: Die W Mittwochsversammlung habe nicht beschloffen, sämmtlichr für die streikenden Maurer zu reserviren, sondern„thunli» für dieselben zu verwenden. Unserer Kasfirer hatte dabei f Hauptabficht als er nur 200 Mark an die Mai Streike-Kasse abführte, auch für die im Winter oder den Streik der Maurer arbeitslos werdenden Kollegen Summe zu reserviren.(Lärm und Beifall.)— Zim Hantelmann: Er müsse vor allen Dingen konstatii en, nicht Tausende aus dieser Sammlung eingegangen sein. W nur einige hundert Mark. Von diesen habe er st)! 200 M. an die Maurer abgeliefert und den Rest für arl los werdende Zimmerer reservirt.(Lärm. Rufe: Das wider den Beschluß.) Von weiteren Rednern wurde not, merkt: Es sei nicht zu tadeln, daß der Kasfirer sich Amtes bewußt sei, zu tadeln sei es aber, wenn er in ß Ehrcnamte dittatorisch verfahre.(Beifall.) Bei der nui vorgenommenen Bureauwahl wurde Zimmerer Seitz zum und Zimmerer Dargc zum zweiten Vorsitzenden gewählt.. Zimmerer Klemm beantragt hierauf zu Punkt der Tages- Ordnung: Ergänzungswahl der Loh»!' misston, eine vollständige Neuwahl der Lohnkommiß Dieser Anttag giebt wiederum zu einer äuß erregten Debatte Anlaß. Der Antragsteller bemerkt: Die L kommisfion habe ihr Amt in einer durchaus unloyalen gehandhabt und sie sei deshalb nicht mehr würdig, das zu bekleiden.(Lärm und Pfuirufe.)— Zimmerer Elsh« Er müsse an den Kollegen Hantefmann die Frage lü weshalb er heute zwei Zimmergesellen-Versammlungcn den es sei dies doch ein Zersplittern der Kräfte.— Zimit Hantelmann: Er habe die zweite Versammlung, n in der Liniensttaße tage, lediglich auf Ersuchen der" PI deputirten einberufen; tm Uebrigen beschäftige ficfi Versammlung aber nur mtt Krankenkenkassen-Angelegenl« Hinsichtlich der Neuwahl der Lohnkommisfion müsse er merken, daß er nunmehr dringend eine solche Neuwahl wi (Beifall und Lärm.)— Zimmerer Lehmann: In Liniensttaße seien allerdings 60 Personen versammelt zwar beschäftigen fich diese mit Krankenkassen-Angeleneiibl er will aber, man könne hier auch ohne die 50 Personen befchü Zimmerer Elsholz: Die Behauptung des Vorrcdn« durchaus falsch; die in der Liniensttaße versammelten K seien Hauptpersonen und es sei ein Unrecht, daß diese in bettacht der Wichtigkeit der heutigen Tagesordnung fern halten seien.— Nach noch längerer Debatte deschließt die' sammlung mit großer Majontät: die Kommisfion ne» wählen.— Ein weiterer Anttag: die Stellunanahme 1 Streik der Maurer als ersten Punkt der Tagesordnung p) handeln, wird abgelehnt, und alsdann zum ersten Pili Tagesordnung, das Arbeiterschutzgesetz übergegangen. Referent Zimmerer Lehmann äußerte sich hierzu folgendermaßen: Am 7. Juni d. I. sei in Bades Sali Petition betreffs des Arbeiterschutzgesetzes beschlossen t» Im Reichstage sein nun ein Arbeiterschutz- Gesetzen� eingebracht und er(Redner) habe nun eine de« sprechende Petition an den Reichstag ausgearbeitet. Petition besagt u. A.: Fürst Bismarck habe einmal im Alf tage gesagt:„er werde einer gesetzlich geregelten Sonntag! nur dann seine Zustimmung geben, wenn die Arbeiter> dementsprechenden Wunsch äußern, denn die Arbeiter, nick! Führer, können nur allein maßgebende Faktoren sein."- meine Herren— so fuhr der Redner fort— hier finl Stimmen, die präzisen Wünsche der Arbeiter, hoffentlich t Fürst Bismarck jetzt unsere berechtigten Wünsche an. Weiteren fordert die Petitton die Sonntagsruhe und eine kürzte, staatlich geregelte Normalarbeitszeit; dadurch würd Angebot von Arbeitskräften geringer werden und die** löhne steigen. Daß eine Sonntagsruhe durchführbar f weist der englische und amerikanische Sonntag.(Lei Beifall.)— Zimmerer Langner: Er müsse von hiel konstatircn, daß nicht nur die sozialdemokratische Fn> ein Arbeiterschutzgesey befürwortet habe; auch die' vative Fraktion habe ein solches wiederholt für' befunden. Was nun die Berechtigung einer Sonntagsruhe. trifft, so weist er auf das immeimehr überhandnehmende Ar angebot und Sinken der Löhne hin. In ganz Teutschland! es; der Huvgerttiphus herrscht unter den Arbeitein. Er|A' rufe dem Fürsten Bismarck zu: Wir sind da, wir verlangen� geregelten Arbeitstag, wir verlangen einen Sonntag, Ruhetag. Lasse man des Sonntags die Mafchinen stehen, die Herren Arbeitgeber werden fich schon in""f Weise entschädigen, wenn sie Schaden dadurch cif Ebenso wie man einen starken Schutz der R�! verlangt, so verlangen wir einen gesetzlichen% Wir wollen auch einmal ruhen wie der Herr geber. Dieser befürchtet aber die gemiethete Tan"* geht verloren und sein Unternehmen würde in Folge weniger Untcrnchmergewinn bringen. Meine Herren!.. Sie oie königlichen, städtischen oder Pnvatbeamten. D>f scheinen um 9 Uhr auf ihrem Bureau und knapp hat F' 3 geschlagen, so sind sie fort. Diese Leute sind in ihrer)' lichleit noch weit dem Arbeiter voraus.(Beifall.) Die*? bekommen 6—8 Wochen Ferien und der Arbeitgeber diese„Erholungspause". Wir bekommen dagegen unfst� Ferien. Wenn die Maschine überproduzirt, dann sck'� uns mit einer nicht mißzuverstehenden Handbewegung . «. Der„ John Elde dampfet fi bauen. Di tausende vi hindert die freunde ar dem Säckel wird man in Bremerh Aus< für Handel bot des Ur schule w Antwort er in folgend Richtertheil rend der s tage ist nu geregt wor entschieden, Gewerbe r Beeinträcht schulen zu wärtige Ei Anstalt ver demselben f Modifikatio Unterrichts- finde ich do Der öj lichen Landl sten Wahlei gekommen, zu unterrick getriebe in ttsche Bork solches Her einen so m nähme an der Schule es mir aus sich in der' Rechtes ein so darf ich aorie in de Tafte Allee und das Vi NKn'» schulbehörvi Lehrpersono der Volkss werde.— mit dem Bi von Jntere stimmen de! schritten, r antisemitisck genau zu p _ Der„ Nationalrat verdächtig, bester zu be nannten S Müller) nii übergeben. muß die C Stämpfli s, bestürmen No (Aus der„! Fetten. Der Mohr kann gehen, er hat seine Schuldigkeit ü' Kommen wir je einmal in die Lage, die öffentliche Annß in Anspruch nehmen zu müssen, so dürfen wir nicht � Die Frauenarbeit in den Fabriken sei entsittlichen�.. werde die Frau oft der Prostttution überliefert. Eben!' halte es fich mit der Kinderarbeit. Er ersuche der Peli"� zustimmen und empfehle möglichst weiteste VerbrcitckA selben.(Beifall.)— Zimmerer v e i n tz e: Nicht nur duT Petition, sondern durch die Wahlen müsse es dem.!? Bismarck klar gemacht werden, daß wrr cineSonntagsmhe Die sogenannte Selbsthilfe habe fich so recht glänzend f bei dem jetzigen Berliner Maurerstreik. Die.Herren' gewerksmeister wollen nicht einmal mit den Gesellen z handeln. Es herrsche jetzt eine witthfchastliche% (Lebhafter Beifall.)— Nachdem noch mehrere Redner Paolo in ihrer Irr mit einand gebung; i es wegen 1 sie vor Km hätte. Pa Empörung das blaue Nebel, wel Schleier ei er des Abi fahren und an die Fels schaftlichen Mit welch« nach Mail« und seinem nie gesehen Küste, wo O, wenn Q eifrig wäre warum Hai hielt man gesprochen, gelangte die Petttion zur einstimmigen%i — Im Weiteren wurde beschloffen, die Petition W- A auf den Arbeitsplätzen zirkuliren zu lassen.— AlsdaM'� nach äußerst lebhafter Debatte die Neuwahl der Lohnko�', vorgenommen. Es wurden gewählt: Mentzcl Kasfirer,>,j Zimmerer Hintze, Klemme. Darge. Lehmann, Elsholttz fj als Kommissionsmitglieder; als Revisoren wurden die JV Teako und Langner gewählt.- Hierauf beschloß sammlung, nach wie vor und bis zum Austrage de« A die stteikenden Maurer moralisch und matettell zu un>° � Es wurde mitgetheilt. daß bis jetzt ca. 1000 Mark f�' Zimmerer an die stteikenden Maurer gciahlt sein.... Im Gauverein„Berliner Vrldhaucr" fiCf™, Abend 9 Uhr halbjährliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: Berichte der verschiedenen Kommisfia'Z wähl des Vorstandes und der Revisoren, Verschieden� % Eines werke sich dort so red ihr Sinner ihr Zeman einen lei auf und hatte er si war, verär so verzerrt, eine lebhas Herzen in Verantwortlicher Redakteur St. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthsttaße 2. Hierin eine dic mei i. Es nj'xi igefagi:» i unterstiip des BuiÄ rer legangen W aber Oer ictnc in Beilage zum Berliner "1. Dienstag, den 14. Inli 1883. II. Jahrg. ;( Hntev i; Die iZ itliche 0* ..LiuM :e dabei( e ÄiaÄ : oder W oücgcn - Zim ftatiren, fein, foi er(Dteij für r.vM : Das i rde noä' ' w 4 >er nun» b zum ci» mäb lt.& PuM Holm nförnmii'1 er nul : Di-V yalcn ä I. das Elsb» rage iif gen bcr. - Zim» lung, M )cr P! ige sieb lelegcn!;« lüfic er zahl wii» r. In jmmclt I ElenenM n bcfdilw inebnert ten diese in' ng fem icjjt die« Ron# jfnb de» iÄ tag! politische Ueverstcht. Der„Norddeutsche Lloyd" läßt sich von der Fimr «ohn Elder u. Co. in Gowan bei Glasgow drei große Schnell- vampfcr für den Post- und Paffagierdienst nach?iew-Nork bauen. Dabei stehen die deutschen Schiffswerften verödet und tausende von fleißigen Händen warten auf Beschäftigung. Das hindert diese Herren jedoch nicht, fich als echte Vaierlands- freunde aufzuspielen und ruhig die Damvfersubvention aus dem Säckel der Steuerzahler entgegen zu nehmen. Hoffentlich wird man dem Herrn Meyer nun bald das Ehrenbürgerrecht in Bremerhafen verleihen. Aus Görlitz trifft die Mittheilung ein, daß der Minister für Handel und Gewerbe auf eine Beschwerde über das Ver- bot des Unterrichts in der gewerblichen Fortbildungs- s ch u l e während des Morgengottesdienstes eine abschlägliche Antwort ertherlt hat. Das evangelische Kirchcnblatt theilt dies «Z. fügender Faffuna mit:„Die Angelegenheit wegen der Nrchtertherlung des Unterrichts in der Fortbildungsschule wäh- rend der Hauvtgottesdienststunden von 9—11 Uhr am Sonn- tage ist nun, nachdem sie im vorigen Winter noch einmal an- GR-W worden war, definitiv zu Gunsten der Ehre der Kirche entschieden, indem auch der Herr Minister für Handel und Gewerbe unter dem 10. Juni reskribirt hat: daß ich eine Beeinträchtigung der Wirksamkeit der gewerblichen Fortbildungs« schulen zu Görlitz für ausgeschloffen erachte, wenn die gegen- wartiae Einrichtung des sonntäglichen Unterrichts in dieser Anstalt vermöge dessen die Zeit des Hauptgottesdienstes von demselben frei bleibt, unverändert beibehalten wird. Zu einer Modifikation des Erlasses des Herrn Ministers der geistlichen Unterrichts- und Piedizinalangelegcnheiten vom 8. Januar d. I. finde ich daher keinen Anlaß." Oesterreich-Ungarn. .., österreichische Unterrichtsminister hat an die sämmt- lichen Landesbehörden folgenden Erlaß gerichtet: Bei den jüng- sten Wahlen von Abgeoroneten in den Reichsrath ist zu Tage gekommen, daß Lehrpersonen solcher Schulen, welche nicht blas zu unterrichten, sondem auch zu erziehen haben, an dem Partei- aetriebe in auffälliger Weise als Stimmwerber oder als poli- tische Vorkämpfer Theil genommen haben. Ich vermag ein solches Hervortreten aus einem Berufe, in welchem das Beispiel einen so mächtigen Einfluß auf die Jugend übt, und die Theil- nähme an einer Bewegung, durch welche die stille Thätigkeit der Schule nur gestört wird, keineswegs zu billigen. So sehr es mir auch fernliegt, irgend Jemandem zuzumuthen, daß er fich in der Ausübung eines ihm als Staatsbürger zukommenden Rechtes eine Beschränkung seiner gesetzlichen Freiheit auferlege, so darf ich doch erwarten, daß ein Lehrer der bezeichneten Kate- aorie in der Ausübung eines solchen Rechtes mit richtigem Takte Alles vermeide, was sein Ansehen, die Anhänglichkeit und das Verttauen auch nur eines Theiles der ihm anverttauten Jugend zu gefährden und einen Widerstteit mit seinen hohen Pflichten herbeizuführen geeignet ist. Ich ersuche die Landes- schulbehörven, zu veranlassen, daß diese meine Ermattung dem Lehrpersonale an den Mittelschulen und an den zum Bereiche der Volksschulen gehörenden Lehranstalten bekannt gegeben werde.— Die„Nordd. Allg. Ztg." druckt vorstehenden Erlaß mit dem Bemetten ab, daß derselbe auch außerhalb Oesterreichs von Interesse sein dürfte. Dazu bemerkt die„Volksztg.": Wir stimmen der verehrten Kollegin zu und rathen ihr, die Unter- schttften, welche fich auf oen Kundgebungen der konservativ-- antisemitischen Vereine und Wahlkomitee's in Berlin finden, genau zu prüfen. Tchweiz. Der„Züttcher Post" wird aus Bern geschrieben: Herr Nationalrath Stämpfli(Drucker des offiziellen Bundesblatt) ist verdächtig, in seiner Druckerei einen anarchistisch gesinnten Arbeiter zu beschäftigen. Daher hat man den Druck des söge- nannten Änarchistenberichts(Bericht vom Bundesanwalt Müller) nicht ihm, sondern dem gut konservativen Herrn Wyß übergeben. Um aber den Bericht dem Bundesblatt beizulegen, muß die Eidgenossenschaft diesen nachträglich doch noch bei Stämpfli setzen und drucken lassen.— Die fremden Gesandten bestürmen das Drucksachenbureau förmlich mit Gesuchen um B i u s e p p a. Novellette von Eugbne und Helene Naville. (Aus der„BibliotWqne nniyerselle et Revue suisse", übersetzt von I. Häberlin- Schaltegger.) II. Paolo und Giuseppa schtteben sich öfters und tauschten in ihrer kindlichen Einfalt Motte voller Liebe und Anmuth mit einander aus. Die Briefe Giuseppa's athmeten alle Er- gebung; das wackere Mädchen ließ nicht merken, wie sehr es wegen der Abwesenheit ihres Freundes litt; lieber wäre sie vor Kummer gestorben,«ls daß sie eine Klage ausgedrückt hätte. Paolo's Bttefe dagegen waren nur ein Schrei der Empörung: Der Dienst war so stteng: Giuseppa, die Sonne, das blaue Meer, aller Zauber des Lebens fehlte ihm; die Nebel, welche manchmal Mailand mit ihrem düstern, feuchten Schleier einhüllen, machten ihn beben. Melancholisch hörte er des Abends die Wagen durch die Straßen der Stadt fahren und verfiel in Träumereien, wenn die Wellen eintönig an die Felsen schlugen. Seine Seele schwang sich in leidenschaftlichen Klagen nach seinem heimathlichen Dorfe hin. Mit welchem Rechte hatte man ihn denn aus demselben nach Mailand entführt? Etwa damit er seinem Vaterlande und seinem Könige diene? Aber diesen König hatte er ja nie gesehen und von Italien kannte er nur jene lachende Küste, wo er gewohnt hatte und so glücklich gewesen war. O, wenn Genua von einer Flotte bedroht worden wäre, wie eifttg wäre er zu seiner Vertheidigung herbeigeeilt! Aber warum hatte man ihn nach Mailand geschleppt? Warum hielt man ihn hier wie einen Gefangenen? ©ineS Abends, als Giuseppa nach vollendetem Tage- werke sich an's Gestade des Meeres niedergelassen hatte, um dort so recht ungestört an den Freund zu denken, welcher all ihr Sinnen und Trachten ausfüllte, fühlte sie plötzlich, wie ihr Zemand die Hand auf die Schulter legte. Sie stand, einen leichten Schrei der Ueberraschung ausstoßend, auf und— fand sich Paolo gegenüber! O, wie sehr hatte er sich seit den etlichen Monaten, da er abmarschitt war, verändett! Seine Gesichtszüge waren so ermüdet und so verzerrt, seine Haltung war so schlaff, daß sie sich ohne «ine lebhafte Freude und mit einer unbestimmten Furcht im Herzen in seine Arme gleiten ließ. Er preßte sie stürmisch 1 diesen Bettcht, bis jetzt jedoch vergeblich, da es heißt, daß der- | selbe, um publikationsfähig zu weiden, noch einiger Aende- ' rungen bedarf. Belgien. Die Untersuchung gegen das angebliche Komplott nimmt, wie der„Voss. Ztg." geschlicben wird, große Dimcnfionen an. Alle Abonnenten des anarchistischen Journals„Di Dieu ni Maitre" find vorgeladen. Eine große Zahl von Revolvern und Patronen ist gefunden worden. Es wird als gewiß be- bezeichnet, daß es fich um ein Komplot gegen den rusfischen Kaiser handelte und die beschlagnahmten Papiere von sehr großer Bedeutung find. Dabei ist der Polizei ein Mißgeschick zugestoßen. Der von der russischen Regierung der belgischen Polizei behufs Festnahme stgnalisirte Nihilist Reiffen ist entkommen. Die drei übttgen, der russische Nihilist Jaffa und die Franzosen Montaut und Füret, werden in strengster Einzel- Haft gehalten. Die Anarchisten haben für Sonntag eine große Protestversammlung angekündigt, zu der alle polizeilichen und richterlichen Beamten, die in dieser Angelegenheit mitgewirkt haben, durch besondere Bttefe behufs Rechtfettigung vorgeladen worden sind. Gleichzeitig wird angesagt, daß andere polizeiliche . Beamte in diese Versammlung nur gegen Zahlung ttnes sehr ; hohen Eintrittsgeldes Zulassung finden. — Auf direkte Veranlassung des Königs, welcher den : Finanzminister zu sich berufen hatte, wird das gestern in der Kammer eingebrachte Wahlgesetz behufs Modisizirung um- gearbeitet. Das Ministerium hat die Verchellung des Gesetz- entwurfs fistttt. Italien. Ueber die armselige Lage der italienischen Landbauem schreibt der Brüsseler„Nord": Auf fast der ganzen Halbinsel ist der Gutsherr darauf aus, die Löhne der Arbeiter auf jede mögliche Weise herunterzudrücken. Man will, wie es in einem italienischen Sprichworte heißt, die Kuh melken, bevor sie hin- fällt, und verdirbt Kuh und Kalb. Der Eiaenthümer weiß allerdings auch nicht, wie er bestehen soll; von einem Nutzungs- wetthe m der Höhe von 1000 Millionen zahlt man 300 Mill. Steuern, ohne die hohen indirekten Steuem. In einigen Distrikten nimmt fich der Fiskus 70 pCt. von dem Einkommen der Bauem. Die ländliche Hypothekenschuld beträgt etwa 14000 Millionen, und da kein Wuchergesetz vorhanden ist, kann man für 5 pCt. nirgends Kapitalien haben. In Folge dessen geht der kleine Besitz immer mehr zurück, theils durch Wucherer, theils durch die Veikäufe durch den Staat. In Sizilien wurden von 1873—1878 6392 Anwesen wegen rückständiger Steuem durch den Fiskus verkauft, in Sardinien, wo die Armuth noch weit größer ist, 20 077. In einem der letzten Monate wurden in einer einzigen Gemeinde Sardiniens, in San Sperato, 137 Parzellen, die 74 Eigenthümem gehörten, wegen Steuerrückständen verkaust. Der Eigenthümer sucht sich nun an den Arbeitem schadlos zu halten, indem für die schwersten Arbeiten ein lächerlich kleiner Lohn gezahlt wird. Die Arbeiter können davon nicht leben und deßhalb suchen sie durch eine allgemeine Arbeitseinstellung, wie sie jetzt in der Provinz Kremona wieder im Gange ist, eine Aufbesserung der Löhne zu erzielen. Bisweilen gelingt's, aber meist nicht, erst kommt die Polizei hinter den Arbeitem her, dnnn das Militär und das Ende ist— Elend. Rußland. Die Rusfifikation der Deutschen Ostsee- Provinzen Ruß- lands nimmt ihren Fortgang. Den ersten, höchst bedeutsamen Schritt zu dem Ziel bildete die Einführung der Rusfischen Sprache als obligatottscher Schulgegenstand. Hiermit war das Signal zu weiteren belangreichen administrativen Reformen ge- geben, welche alle den Zweck haben, die Deutschen Provinzen ihres autonomen Charakters zu entkleiden. Mit den Mitteln hierzu ist man nicht sehr wählettsch. Selbst in Kurland, das bisher von Russischen Einflüssen frei war, beginnt der neuer- nannte Gouvemeur Manzog seine Herrschaft mit der Ordonnanz, daß die Magisttate und Bürgermeister ihre Korrespondenz mit den Gouvemcmentsbehördcn ausschließlich in Russischer Sprache zu führen haben. Die städtischen Be- Hörden, so schreibt man der„Pos. Ztg.", befinden sich deshalb an sich, ihre schwarzen Haare mit Küssen bedeckend. Endlich hob sie den Kops in die Höhe. „Wie bist Du hierher gekommen? fragte sie ihn. „Zu Fuß, indem ich mich verbarg." „Paolo sagte sie außer Athem, ohne daß sie weiter zu sprechen wagte und ihn forschend ansehend. „Ja, ich bin desertirt!" murmelte dieser so leise, daß sie die Worte mehr errieth als hörte. Sie riß sich schaudemd, fast mit einer Att Verachtung aus seiner Umarmung los. Er blieb gebeugt wie ein Uebelthäter vor seinem Richter vor ihr stehen. „Giuseppa," sagte er endlich nach langem Schweigen, „ich konnte nicht länger mehr so weit von Dir weg leben, ich wäre daran zu Grunde gegangen; ich mußte Dich wieder einmal sehen." W W / Sie streckte ihm die Hand entgegen: „Armer Freund! Was soll aus uns werden?" „Ich habe daran gedacht. Ich habe mir Einiges erspatt, Du vielleicht auch; wir wollen nach Amettka auswandern. Ich habe einige befreundete Matrosen in Genua, die uns vielleicht an Bord ihres Schiffes nehmen, ohne daß sie sich allzuviel daraus machen, wenn erst der Lärm über meine Flucht erloschen ist und man mich nicht mehr sucht; bis dahin aber muß ich mich verbergen. Erinnerst Du Dich, Giuseppa, an jenen großen Felsen, auf welchen wir schon so oft miteinander gegangen sind? Es ist dort eine kleine Grotte, welche vielleicht gar Niemand kennt. Ich werde mich dort verstecken und Du wirst mir allemal am Abend zn essen bringen, wenn Du kannst." „Dann wollen wir schnell hingehen, denn wenn uns Zemand begnete, dann wärest Du verloren. Gott weiß, wie lang man Dich einsperren würde!" „Man würde mich nicht einsperren, Giuseppa." „Was denn...?" „Zch würde von einem Kttegsgericht verurtheilt und erschossen werden." Die Furcht vor diesem schrecklichen Ausgang brachte das junge Mädchen zum Wanken; Paola schlang den Arm um ihren Leib, um sie zu stützen. „O, fürchte nichts, mein Vielgeliebter! Ich habe das Vorgefühl, daß uns kein Unglück widerfahren wird und wir einander auf immer gehören werden." „Gott beschütze uns Beide!" in nicht geringer Verlegenheit, von wo sie Knall und Fall Rusfisch schreibende Beamte hernehmen sollen, abgesehen da- von, daß sie ihre alten, im Dienste grau gewordenen Kanzlisten verabschieden müssen. Viele höhere Beamte rrfigniren freiwillig auf ihre Stellen, da sie, in Folge der U» kenntniß der Russischen Sprache in Konflikt mit den vorgesetzten Behörden zu kommen, Gefahr laufen, So kam Der Bürgermeister von Riga, Dr. Büchner, um Enthebung von seinem Amte als Vorfitzender der Rckrutimngs-Kommisfion ein, da der Gouverneur angeordnet hatte, daß die Kommission in Russischer Sprache zu verhandeln habe. Großbritannien. Das Votum des.Unterhauses in der Montagssitzung, durch welches bckannttich Gladstone's Anttag aus Zulassung Mr. Bradlaugh's zum Eide und zu seinem Sitze als Abaeord- neter abgelehnt wurde, kam dadurch zu Stande, daß 14 Liberale und 33 Parnelliten mit der Regierung stimmten, während eine Anzahl Liberaler fich der Abstimmung enthielt. In derselben Sitzung kündigte Mr. Cavendish Bentinck an, er werde das Saus befragen, ob nicht die Herausgeber der„Pall Mall azette" wegen ihrer„anstößigen" Veröffentlichungen über die Prostttusion und die gewerbsmäßige Verführung junger Mädchen in London kttminell belangt werden könnten.„Ausgezeichnet!" bemerkt das Blatt,„Mr. C. Bentinck erblickt die richtige Ettt- lichkeit darin, daß man die Verbrecher ruhig gewähren läßt und diejenigen, welche ihre Verbrechen an den Tag bringen, verfolgt!" Sehr auffällig erscheint auch solchen Blättern, welche nicht eigentliche liberale Parteizeitungen sind, die Att, wie regierungsseitig die Preisgabe der Ausnahmegesetze für Irland mottoirt wurde. Man berief sich nicht auf die durch die Libe- ralen geschaffene Nothwendigieit, sondern weil eine Zwanas- aesetzgebung an fich absolut ungerechtfertigt sei. Die radikalen Blätter werden dies sicherlich ausnutzen, um daraus den Beweis, daß ein Abkommen der Konservattven mit Pamell bestehe, von Neuem zu konsttunen. « g v p t e«. Ein Telegramm des englischen Generals Brackenbury aus Tatmeh vom 10. d. meldet, er habe den Brief eines Kaufmanns in Handak erhalten, welcher besagt, der M a h d i sei tobt, seine Anhänger lägen im Kampfe miteinander. Nach einem weiteren Telegramm Brackenbury's ist ein eayptischer Soldat auf der Flucht in Tatmeh eingetroffen,-welcher am 1. d. M. einen Araber aus Chattum in Dbudon getroffen haben will, der den Tod des Mahdi bestätigt habe.(?) — Der Pariser„Jntranfigeant" veröffentlicht folgende sensationelle Nachricht: Dem ehemaligen Diplomaten Billing habe der Mahdi vor der Einnahme von Chattum angeboten, den General Gordon gegen ein Lösegeld von 1 250 000 Frcs., welches Lord Lyons nach dem Eintreffen der offiziellen Be- stätigung von der Freilassung Gordons zahlen sollte, zu den englischen Vorposten zurückzuschicken. Billing habe diesen Vorschlag in Paris Lovd Lyons mitaetheilt, derselbe sei jedoch von dem englischen Ministettum aus Verlangen Lord Granvilles abgelehnt worden. Amerika. Am vorigen Montag wurde Louis Riel. der Führer de» kanadischen Rebellen, in Regina von den Militärbehörden den Zivilbeamten übergeben und alsdann dem Polizeittchter, Mr. Richardson, vorgefühtt. Hier wurde Riel die sechs Punkte ent- haltende Anklage auf Hochverrath vorgelesen und er alsdann einem am 20. Juli zusammentretenden Geschworenengerichte überwiesen. Der Angeklagte sah wohl aus und zeigte Selbst- beherrschung.— In Quebec wurde am Abende des 8. ein großes Meeting, an welchem sich erwa 5000 Personen be- fheiligten, zu Gunsten Riel's gehalten. Es wurde eine Sub- tkttptton für seine Vertheidigung eröffnet, und verschiedene französische Kanadier, sowie Jrländer beantragten Adressen, in denen er als ein unschuldig Verfolgter hingestellt wird. — Der Kttcgsminister der Vereinigten Staaten hat ange- ordnet, daß 3000 Mann Soldaten sofort nach dem Fott Reno, in dem Jndianer-Gebiet, abgehen sollen. Einem aus Eolorado- City in dem Staate Texas kommenden Gerüchte zufolge, hätte rn Neu-Mexiko ein Zusammenstoß zwischen Hirten und Jn- Von Klippe zu Klippe steigend, gelangten sie zu dem Felsen, welcher dem Flüchtling ein Asyl gewähren sollte. Paola drückte seine Verlobte an seine Brust und erkletterte mit der Behendigkeit einer Gemse eine Art Treppe, welche die Meereswoaen phantastisch in den Felsen gehauen hatten. Aus dem Gipfel des Abhangs angekommen, stieß er einen Ruf des Lebewohl aus und verschwand in einer Felsspalte. Giuseppa zog sich langsam nach Hause zurück; in dieser Nacht schlief sie nicht viel. Eine Weile lang hatte sie sich durch Paolo's Desertiren in ihren zattesten Herzensgefühlen verletzt gefühlt, aber dieser Eindruck war nicht von langer Dauer gewesen; sie gehörte zu Denjenigen, welche trotz Allem und Allem lieben; sie hätte Paolo auch geliebt, wenn er ein Verbrecher oder ihr untreu gewesen wäre; ihre Liebe war ihr Leben und von dieser Liebe mußte sie leben oder sterben. Am folgenden Tage wußte sie sich so gut zu beherrschen, daß Niemand von Denjenigen, mit welchen sie in Berührung kam, eine Ahnung von der großen Freude und der großen Unruhe hatte, welche sie in ihrem Herzen barg. Ruhig ver- richtete sie ihre Geschäfte und wußte geschickt Nahrung für Paolo auf die Seite zu schaffen, ohne daß es Jemand be- obachtete. Als dann die Nacht hereingebrochen war, ver- barg sie die gesammelten Vorräthe' in ihrer Schürze, verließ ihr Kämmerchen— wobei sie, um keinen Lärm zu machen, die nackten Füße auf die kalten Steinplatten setzte — und schlich in den Gatten hinaus. Von hier ans Ufer des Meeres und vom Meere zur Grotte hinauf zu gelangen, das war für Guiseppe nur ein Kinderspiel. Paolo wartete mit steigender Ungeduld auf sie. Den ganzen Tag überhatte er nur von einigen Schüsselmuscheln gelebt, welche er auf die Gefahr hin, von Zemand gesehen zu werden, von den Felsklippen gesammelt hatte, und bereits war er einer Ohn- macht nahe. Nachdem er seinen Appetit befriedigt hatte, setzten sie sich unterm Mondschein nieder und plauderten zusammen. Sie hatten sich so viel zu sagen und es war ihnen so süß, sich immer das Nämliche zu wiederholen, daß sie einander anbeten. Die Kirchenglocke schlug in der Ferne die Stunden, aber Giuseppa hörte es nicht, sie war so glück- (ich! Plötzlich wurde wurde der Himmel am Horizonte blaß; es war die beginnende Morgendämmerung, für Giuseppa das Zeichen, daß sie fich trennen müssen. Sie kehrte. Über die Zukunft ihres Geliebten beruhigt, zu ihrer Herrschaft WWW WD» dienern stattgefunden, wobei 60 Indianer und 16 Hirten gc- tödtet wurden.— Im Staate Illinois ist ein Gesetz gegen die Verfälschung von Lebensmitteln zur Annahme gelangt. Das Gesetz führt eine strenge Kontrolle der Milchwirthschasten, des Fleisch-, Fische und Gcflügelhandels ein. Zur Ueberwachung dieses Handels werden vereidete Fleischbeschauer angc- stellt.— Tic Regierung der Vereinigten Staaten geht überall energisch vor, wo man Ungerechtigkeiten gegen einen ihrer Bürger verübt. Wie in dem Falle des in Hayti eingekerkert gewesenen Newyorker Bürgers Van Bokkelen dessen Freilassung die Regierung durchgesetzt, hat die Admini- stration jetzt beschlossen, sich zu Gunsten der Freilassung des im Dezember 1884 in Ecuador auf die Anklage des Hochver- raths verhafteten amerikanischen Bürgers Santos zu verwenden. Zu diesem Zwecke ist das zum Pacrftc-Geschwader gehörende Kriegsschiff„Jroquois" von Panama nach Guaqaquil beordert und oer Kommandeur desselben angewiesen worden, im Namen der Vereinigten Staaten- Regierung die sofortige Entlassung des Santos aus dem Gefängniß zu fordern und demselben alle mögliche Unterstützung zu gewähren. — Die amerikanische Regierung setzt in modizifirtem Grade das Standrecht in Kraft und hat verschiedene Studenten und Redakteure verhaften lassen, well sie die Regelung der englischen Schuld einer feindseligen Kritik unterzogen. Es herrscht viel unterdrückte Aufregung m der Hauptstadt. Truppen patrouilliren allnächtlich ind den Straßen, und einige Kavallerie-Regimenter sind unter Waffen. Die geheime Polizei nimmt zahlreiche Ver- haftringcn vor. -- Eine Depesche aus Lima(Peru) welche in Newyork eintraf, meldet die Emeuerung der Feindseligkeiten in Peru. Die ganze Streitkraft des Generals Caceres habe die Regierungs- tnivpen bei Janja angegriffen. Der Kampf habe 5 Stunden gedauert, beide Theile hätten beträchtliche Verluste erlitten, der Waffenstillstand sei in Folge dessen erneuert worden. Danach hat also Caceres nicht, wie es vor Kurzem hieß, die Waffen niedergelegt._ Kommunales. Die Anvaliden- und Veteranen-Unterftützungs-Depu- tation erstattet in der letzten Nummer des Kommunalblattes über ihre Thätigkcit während des Etatsjahres 1884 85 Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Unterstützungsbedürftige In- validen aus den Kriegsjahren 1813/15 sind nicht mehr vor- Händen, daher ist nichts gezahlt, dagegen verblieben am 1. April 1884 noch acht Veteranen aus den Kriegen jener Jahre und wurde bei dreien die monatliche Unterstützung auf 90 Mark erhöht. Neue Unterstützungs-Empfänger sind nicht hinzugetreten, wogegen im Lause des Jahres vier Veteranen verstorben find. Die Unterstützten erhielten zusammen eine monatliche Unter- stützung von 45 Mk. bis 90 MI. An Extra- Unterstützungen find gezahlt: für 6 Personen Weihnachtsgeschenke& 90 Mk.— 540 Mk., für 2 Personen Beerdigungszuschüsse 4 30 MI.--» 60 Mk. zusammen 600 MI. Ueberhaupt sind 4,974 MI. verausgabt. In Betreff der Unterstützungen an Invaliden resp. an die Hinterbliebenen der Gefallenen im Kriege gegen Däne- mar! 1864, so waren noch Ende März 1884 zwei Unterstützungs- Empfänger am Leben und erhalten dieselben monatlich je 75 M. Ais Weihnachtsgeschenk ist Beiden eine Extra-Unterstützung von 60 resv. 75 M., zusammen 135 M. gezahlt worden. Die Gesammt-Ausgabe betrug 684 Mark. Tie Verwaltung ves städtischen Gutsbezirls Rummels- burg-Boxhagen legt der Stadtgemeinde Berlin Lasten auf, die in Folge der steten Vermehrung der Bevölleruna von Jahr zu Jahr sich steigern. Namentlich haben die Armenlasten, welche die Stadtgemeinde zu tragen hat, in den letzten Jahren fortdauernd zugenommen. Sie betrugen pro 1883-84 3953 M-, pro 1884/85 4326 M. und find pro 1385/86 im Etat auf 4500 M. veranschlagt. Außerdem werden an allgemeinen Ver» waltungskosten für den Gutsbezirt jährlich ca. 3600 M. aufgewendet, außer dem Gehalt für zwei Nachtwächter a 45 M. monatlich von zusammen 1080 M. Der Stadtgemeinde erwachsen demnach durch ihre gutshcrrlichc Beziehung zu der Kolonie Rummclsburg-Boxhagen etwa 9180 M. jährliche Un- losten._ Lokales. Das sich immer fühlbarer machende Bedürfttiß nach Erbauung einer zwellen städtischen Irrenanstalt lenkt den Blick unwillkürlich auf die großartige Entwickelung, welche die Irren- pflege in dem letzten Jahrhundert genommen hat. In Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden in Berlin rrre, wahnfinnige und melancholische Personen überhaupt nicht als Gegenstand eines Hellversuchs, sondem nur um sie unschädlich zu machen im Friedrichs- Hospital mit Waisen, Invaliden, Bettlern und Kranken aufgenommen. Dort blieben diese Unglücklichen zurück und sang den ganzen Tag, während sie ihren Ge- schäften nachging. So verging eine volle Woche, ohne daß das geringste unangenehme Ereigniß die Ruhe der Verlobten gestört hätte. Unterdessen hatte sich aber die Nachricht von der Flucht Paolo's im ganzen Lande umher verbreitet. Die Einen be- danerten den Schuldigen, die Anderen tadelten ihn ernstlich, Alle aber vermieden sorgfältig, etwa mit Guiseppa darüber zu sprechen, da diese sich bei Jedermann beliebt zu machen gewußt Halle und daher Niemand sie betrüben wollte. Plötzlich erhob sich eines Abends ein sehr heftiger Wind, so daß das Meer sehr ungestüm wurde. Als Giu seppa mit ihrem täglichen Speisevorrath ankam, rasten die Meereswellen fürchterlich. Auf die Gefahr hin, von einer derselben weggespült zu werden, versuchte das junge Mädchen. sich einen Weg durch die Schaumwirbel zu bahnen. Leider aber mußte sie darauf verzichten und, vom Kopf bis zu den Füßen benetzt, ohne ihren Paolo gesehen zu haben, nach Hause zurückkehren und befürchten, die Wogen könnten viel- leicht auch ihn ihn in seinem Verstecke nicht verschonen. Der Sturm hielt drei ganze Tage an, und Giuseppa meinte, sie müsse den Verstand darüber verlieren: Paolo war allein, er fror und hungerte, und sie konnte nichts für ihn thun! Die Unruhe ist der grausamste Kummer von allen, und diesen empfand sie in seiner ganzen Heftigkeit. Zwanzig Mal war sie in ihrer Sehnsucht nach einem guten Rath, einer Aufmunterung oder einem Tröste auf dem Punkte gestanden, ihr Geheimniß zu verrathen; doch widerstand sie jedesmal der Versuchung und erwiderte auf die Fragen, warum sie so blaß aussehe, sie fühle sich etwas unpäßlich, es habe aber nicht viel zu be- deuten. Auf einmal wurde nun das Meer ebenso ruhig, als es vorher stürmisch gewesen war, sie konnte wieder zu Paolo hinausfliegen. Sie fand ihn so sehr von dem langen Fasten und der Kälte mitgenommen, daß sie bei seinem Anblicke sich eines SchmerzensauSruss nicht erwehren konnte. Bald jedoch wurde sie ihres Schmerzes wieder Meister und widmete ihm die zärtlichste Sorgfalt, hatte auch das Glück, zu sehen, wie die Farbe wieder auf sein Gesicht und das Lächeln auf seine Lippen zurückkehrte. Sie brachte die ganze Nacht damit zu, daß sie ihm Trost zusprach und sie machten mit einander aus, Giuseppa solle sich schon am Morgen darauf nach Segelschiffen erkundigen, welche nach Amerika gingen. Die Hoffnung auf diese möglich, vielleicht> bis 1711, wurden daun nach dem bei Dorotheen-Hospital vor dem Königsthor befindlichen Armen- und Krankenhaus verlegt und aus der Armenkasse unterhalten. Im Jahre 1719 wurde die Hinterlassenschaft des in dieser Anstalt verstorbenen geistes- kranken Kaufmanns Taber und mit dieser ein Haus in der Krausenstraße— die jetzigen Häuser Nr. 9 und 10— dem Armendircktorium zugesprochen. Im Jahre 1726 wurde das Haus umgebaut und 1728 seinem Zwe6e als Irren- anstalt übergeben. Bis 1754 wurden auch Gefangene dort untergebracht. Die Tobsüchtigen hausten daselbst in sogenann- ten Tollkästen ohne Fenster und Oefen; fie waren, wie wilde Thiere, mit eisernen Ketten gefesselt. Im Jahre 1798 brannte dies Irrenhaus nieder, die Kranken wurden zunächst dem Armenhause, bald darauf der Charitee überwiesen. Damit be- gann die erste Periode der„Jrrenpflege", die freilich nach dem, was die Chroniken darüber aufgezeichnet haben, Nichts war, als eine entsetzliche Tortur und Dressur. Da brachte man den Kranken Brechmittel bei und suchte durch Hunger, Aderlässe Bildung künstlicher Geschwüre, Sturzbäder, bei welchen den Kranken 100—200 Eimer kalten Wassers über den Koos ge- gössen wurden, eine„wohlthätige Erschütterung des Nerven- systems" hervorzubringen. Sehr beliebt waren auch die Dreh- Maschinen, auf denen der Kranke mit den Füßen nach dem Mittelpunkt, mit dem Kopf nach Außen in schnellere Schwin- aunqen horzontial um die Axe gedreht wurde. Auch der Zwangsstuhl, die Zwangsjacke, Entziehuug der Nahrung und des Lichts zc. jc. bildeten die Hauptbestandtheile der„Heilmethode". Wie naiv damals die Anschauungen über eine rattonelle Behandlung der Geistes- kranken noch waren, geht auch daraus bervor, daß die Weiber mit Tornistern und hölzelnen Gewehren unter Kommando eines Unteroffiziers in Uniform exerzieren mußten. Diese schöne Behandlung wurde lange Zeit auch in der Charitee festgehalten und verschwand daselbst in ihren letzten Spuren erst im Jahre 1865 nachdem sich mittlerweile allmählich bereits immer huma- nere Auffassungen im Jrrenhause Bahn gebrochen hatten. Ver- gleicht man mit jenen stark antediluvianrsch angehauchten Ver- hältniffen die sorgsame und auf Grund der eingehendsten Be- obachtungen festgestellte Behandlung, welche den heilbaren Irren in der Charitee und den unheilbaren in der städtischen Irren- anstalt zu Dalldorf zu Theil wird, dann erhält man erst den richtigen Begriff von den Fortschritten, welche die Humanität auf diesem trüben Gebiete gemacht hat. Flaschenpost. Das Archiv für Post und Telearaphie schreibt: Von dem Kriegsschiff„Leipzig" Kommandant Kapitän zur See Herbig, wurde auf der Reise von Valparaiso nach Hono- lulu am 22. März 1883 um 2'/, Uhr Nachmittags unterm 10. südlichen Breiten- und 119 westlichen Längengrade eine Flasche über Bord geworfen, welche einen, wie bei Flaschenposten üblichen Zettel enthielt. Diese Flasche ist am 8. Juli 1884 um 7'/: Uhr Vormittags von einem Eingeborenen der Insel Rairora oder Deans am Strande gefunden und durch einen daselbst ansässigen Franzosen Namens Gournac an das kaiserlich deutsche Konsulnt zu Papeete, Gescllschaftsinsel, abgegeben worden. Der Fundott«st angegeben zu 15 Grad südlicher Breite und 147 Grad westlicher Lange. Damach hat diese Flasche in ungefähr 15'/, Monaten, wenn sie nicht schon längere Zeit am Strande gelegen hat, einen Weg von ungefähr 1682 Seemeilen zurückgelegt, mithin ungefähr 3,6 Seemeilen pro Tag. I» diesem Jahre werden es 10 Jahre, seitdem ein großer Zweig der städtischen Toilette, die Straßcnreinigungs- Verwaltung vom Magistrat übemommen wurde. Die Straßen- reinigung ging am 1. Oktober 1875 an den Magisttat über; die Fläche oer zu reinigenden Straßen hat sich seitdem unge- mein vergrößett, ttotzdem find die Kosten der Sttaßenreinigung wesentlich gcnngcre geworden. Im Jahre 1875 wurde auch die nächtliche Srraßenrcinigung versuchsweise eingefühtt. Sie fand bekanntlich anfänglich vielen Widerspruch; auch in dieser Beziehung haben die Anschauungen in den nun verflossenen zehn Jahren eine vollständige Wandlung erfahren, demnächst der Einführung der Kehrma>chincn ist es gerade die nächtliche Straßcnreinigung, welcher Berlin den Ruf verdankt, gegen- wättig eine der saubersten Städte zu sein. Auch bei der Rei- nigung der Senkgruben und Kanäle hat sich die nächtliche Ar- bert als sehr vortheilhaft erwiesen. Die Ettnnerung an die Thatsache, wie sehr gerade die Geinigung der Rinnsteine am Tage und die Abfuhr der übelttechendcn Stoffe, besonders in verkehrsreichen und engen Sttaßen, lästig war, ist wohl noch in Jedermanns Gedächtniß. Die Sttaßensprengung wurde erst im Jahre 1876 mit der Straßenreinigung verbunden. g. Die Marktpolizei hat neuerdings den auf den Wochen- Märkten handelnden Bäckem verboten, für die Folge keine Kuchenwaaren zu führen, da dieselben nicht zu den Backwaaren gehören, sondern zur Konditorei zu zählen seien. Die der Bäckerei ettheilten Erlaubnißscheine lauten auf Brod und Back- waaren. Einige Bäcker wollen jedoch diesem Verbot nicht nach« kommen, sondern es bei einer etwaigen Denunziation auf rich- schon ganz nahe Befreiung brachte das junge Mädchen in eine so ftöhliche Stimmung, daß sie eines Abends, während sie ihre gewohnte Wanderung antrat, sich so weit vergaß, daß fie kaut zu singen anfing. Dadurch erregte sie die Auf» merksamkeit des Zollbeamten, welcher überrascht, zu dieser vorgerückten Stunde ein Frauenzimmer am Gestade des Meeres zu erblicken, ihr nachging und sie ausspähte. Er war ein Fremder, welcher Giuseppa nicht kannte und nichts von ihrer Geschichte wußte. Zeder Andere als er hätte den Beweggrund zu diesem nächtlichen Gange errathen und dazu geschwiegen; er hielt es aber für seine Pflicht, Anzeige da- von zu machen und schon am folgenden Tage wurde der arme Desetteur arretirt und nach Mailand zurück- geführt. Das war zu viel für das arme Mädchen: Sie wurde krank und kam dem Tode nahe. Als sie wieder langsam zu sich kam, hatte der Prozeß gegen Paolo begonnen, aber aus Mitleiden mit ihr hielt man es ihr verborgen. Allmälig erlangte sie ihre Kräfte wieder und sie machte sich wieder au ihre Arbeit. Ader sie war fast nicht mehr zu erkennen: Von dem schönen, zungen Mädchen war nichts mehr übrig; die Tage waren ihr so langsam dahingeschlichen wie ebenso viele Zahre und der Kummer hatte die Würze ihrer Schönheit ausgetrocknet. Zhre Freunde hatten sich bemüht, ihr den Glauben beizu- bttngen, Paolo könne möglicherweise begnadigt werden und sie selbst unterhielt im Grunde ihres Herzens eine unbestimmte Hoffnung, welche sie am Leben erhielt. Eines Morgens, als sie auf dem engen, in dem Fels gehauenen Spazierwege am Gestade des Meeres umherirtte, welchen die in Nervi verweilenden Fremden zu besuchen pflegten, begegnete sie einem Greise von militärischem Aus- sehen, welcher ein kleines Mädchen von ungefähr vier Jahren an der Hand führte. Das reizende Geschöpfchen hatte ein herrliches blondes Lockenköpfchen und lachte aus- gelassen, als es die Wogen zu seinen Füßen betrachtete, welche mit den Felsen zu spielen. Giuseppa«ragte sich, ob sie es wagen solle, diesen Mann anzureden und ihn nach Paolo zu fragen, um vielleicht von ihm zu erfahren, ob sie etwaS für ihn thun könne, als ein von den andern Spazier- gängern ausgestoßener Schreckensschrei sie veranlaßte, den Kopf umzuwenden. Mit einem einzigen Blicke wurde ihr Alles klar: Von einem über das Meer hängenden Felsen herabgefallen, war das holde Kind von den Wogen ver- terliche Entscheidung ankommen lassen, da ihrer Meinu»! zu den Backwaaren alles gehört, was gebacken wird, st auch Kuchen. I Ein Pankower Eigenthümer(Maurer) lud am v tag 20 streikende Maurer aus Berlin per Postkarte Landpatthie ein. Der Kremser stand um 1 Uhr bereit, D liche Eingeladene waren erschienen, und fott ging es, M wußte jedoch wohin. In Pankow wurden die Anköffl? gespeist, der Durst mit Bier gelöscht, auch ein Schn» fehlte nicht. Nachdem die Umgegend von Pankow de» war, ging es im Kremser nach Berlin zurück, keiner da' theilnehmer hat bis heute erfahren, wer eigentlich der- thäter ist. Kulturfortschritt. Die Militärschießschule in 6# verwendet jetzt auf ihren Schießständen Pferde als W objekte. Die zu diesem Zweck bestimmten Thiere werden- fie die Kugel trifft, chloroformitt und die Schußwun' fie alsdann erhalten, sofott untersucht. Man prüft Weise die verschiedenattigsten Gekchoffe auf ihre Durck kraft«c. Der dorttge Scharfttchtereipächter kauft die 1 die zur Arbeit nicht mehr tauglich find, für die SM auf und holt nach beendetem Schießen die Kadaver ab> dieselben, soweit möglich, anderweitig zu verwerthen. s Zwei Taxatoren des hiesigen Prenhischen Lech# fünf Handelsleute find von der KnminalpolizeiH und Bettuges festgenommen worden. Wie die noch nicht geschlossenen Ermittelungen erkennen lassen, ist von zeichneten Personen, und zwar anscheinend schon seit Zeit, folgender Schwindel betticben worden. Die Haff kauften auf Auktionen und bei Trödlern Goldsack namentlich Brillanten ein und verpfändeten die G im Preußischen Leihhause, woselbst durch die beiden... der Werth der Pfandobjette so hoch abgeschätzt wurde,* Bcleihunassumme den wirklichen Werth erheblich üb Demnächst wurden in einem bekannten hiefigen Lokale,' chem ein lebhafter Vettehr von Pfandscheinschiebcrn sff die Pfandscheine für einige Matt an unbetheiligte" verhandelt. Die Käufer haben in der berechtigten 1 daß der Werth der verpfändeten Gegenstände die Verl« summe und den Kaufpreis der Pfandscheine überstei Pfandobjekte eingelöst und dadurch nicht unerheblichen k erlitten. Dagegen ist das Preußische Leihhaus nicht gess worden und würde, auch wenn einzelne zu hoch Pfänder nicht eingelöst werden sollten, für den Ausfall die von den beiden ungetreuen Taxatoren gestellte betrÄ Kaution gedeckt sein. ?. Daß trotz der zahlreichen Unglücksfälle auf Wasser immer noch schwer gesündigt wird, wenn unlij Personen ein Boot besteigen, um mit demselben umherzufl beweist folgender Fall: Am letzten Sonnabend vergnüga drei Damen und ein Herr hinter Saatwinkel beim Boolf Eine der Damen wollte hierbei den Play wechseln,«ck eine Rudettn abzulösen, wobei das Boot stch auf die| legte und die Dame, das Gleichgewicht verlierend, nick iffs Waffer stürzte, sondern auch die drei anderen Insul dieselbe Gefahr brachte. Es gelang unter Beistand ein seinem Kahn herbeigeeilten Schiffers, die mit den ttngende Dame zu retten, ohne daß sie einen weiteren' genommen hatte.— Tags vorher, Abends gegen 7 Uhr! ebenfalls bei Saatwinkel, eine Familie aus Berlin die Aufsicht über ihre Kinder außer Acht gelassen, so daß unbemerkt am Wasser spielten. Plötzlich vernahm tn® Steg her einen lauten Schrei und als mehrere Personen« eilten, sahen fie ein etwa lOjähriges Mädchen im 9 liegen, das bereits mehrere Male untergetaucht sein# weil es bewußtlos schien. Einem Kellner des Lokals jf die Rettung. Die Stelle, an der das Kind ins% gefallen, war ca. 3 Meter tief. Das Kind erholt« später. Die Wohnung der Wwe. O. in der Steinmetz wurde vorgestem Nachmittag zwischen 5 und 8 Uhr a nend mittels Nachschlüssels geöffnet und find daraus und Silbersachen und baares Geld im Gesammtwerthe 2200 M. entwendet worden. Unter d-n gestohlenen ständen befanden fich: 1 goldenes Armband, 1 Paar Ohrringe, dito Collier und 2 desgs. Medaillons, säm Gegenstände mit Brillanten besetzt, 1 schmaler und 1 Trauring, gez. B. Oe. und Oe. H., verschiedene Eß- und> löffel, Suppenkelle uad Gemüselöffel, sämmtlich gez. B- ferner 1720 M. baares Geld in Zwanzigmarkstücken. T«« cherchcn nach den noch nicht ermittelten Dieben find W eingeleitet. Al» vorgestern Vormittag der Lederarbeiter G- Arbeiten bei dem Fabrikanten S. in der Melchionttaßt liefette, wurde ihm der Lohn dafür einbehallen, weil nu& ficht des Fabrikanten die Arbeiten so mangelhaft angest waren, daß sie nicht zu verwetthen sind. Nachmittags elf schlangen worden und der alte Mann vor Schreck lebW Boden gefallen. Ohne sich nur einen Augenblick K Fenster au! sinnen, stürzte sich das junge Mädchen insttnktmäßig J!«Aten lln Wasser, taucht dann, auch auf die Gefahr hin, sich dcnj' an einem Felsenriffe zu zerschellen, unter und kam er?. die Oberfläche, als sie Athem schöpfen mußte. Dann AT sie noch einmal unter und diefes Mal schwamm sie, da! rettete Kind mit sich führend, an's Ufer. Ein Schiff welches sich schnell ein Fischer geworfen hatte, nahm auf; das kleine Mädchen hatte nicht einmal das Bewü verloren. Giuseppa konnte es ihrem Großvater zurückf als er zu ihr zurückkehrte. Der Alte zog Giuseppa in-, � Arme und sagte, nachdem er sie in überströmendem stäMilA-n gefühle umarmt hatte:* Adalbettsst „Zch bin der General Vittadini; ich habe Veom folgenden und Einfluß; verlange von mir, was Du willst." J deutende i Giuseppa erzählte ganz einfach ihre Geschichte und" gelöscht wu langte dann die Begnadigung Paolo's. „Die sollst Du bekommen; ich werde sie, sein muß, vom König selbst verlangen. Besuche mich". morgen." j bereits oeft Zwei Tage nachher begab sich das junge Mädchen), Strafkamm General. Dieser empfing sie mit ernster Miene und lie? J und die Fe: neben sich setzen., anberaumt „Mein armes Kind, sagte er mit gerühtter Snml�l und beute thr,„Nehmt allen Euern Muth zusammen I" „Zst die Begnadigung abgeschlagen worden?" „Nein, sie ist bewilligt worden, aber..." „Was denn, du mein Gott! Sprecht, seht Zhr daß ich vor Ungeduld sterbe?" „Zu spät!" Einige Minuten lang begriff Giuseppa nicht, bald. wurde es ihr klar. Zwar ihr Leben widerstand d» schrecklichen Anfalle, nicht aber ihre Vzfmmft. Nichi"j einzige Thräne benetzte ihre Augen; sie stand, ohn« j Wort zu sagen, auf und ging, gerade vor sich ausscha" i tlagesacke nach Hause. Einige Tage später bemerkte man, bW Jbtgen dessi wahnsinnig war. Der General Vittadini ließ ih* I w Hambur reichliche Pension zukommen und sie blieh in Nervi."I j Vergleich 1 von da an ein ruhiges, wenn auch nicht glückliches hat st führte. Sie hatte das Gedächtniß verloren; die irr"'" v« und Leiden der Vergangenheit waren für sie unter' � l,ecnl) nämlichen Schleier begraben! die Strafko während fr! strafkamme, A Kammem | Führung d ;! Sitzungsaa! „ derartig ot Sitzungen ®. in Begleitung eines fremden Mannes in dem Geschäfts- lokal des S. Letzterer gab fich für einen polizeilichen Sach- verständigen aus und erllärte, er wollte die in Rede stehenden Arbeiten brfichtigen und taxiren. Als S. hierauf eine Legitimation verlangte, wurde der Fremde grob und sagte, die Legitimation vorzuzeigen habe er nicht nöthig. Nun forderte €>. die beiden Personen wiederholt auf, sein Geschäftslokal zu verlaffen. Diese gingen jedoch nicht, sondern der Fremde, m welchem später der Polizei-Obscrvat Grafsow festgestellt wurde, trat vor S. hin und schlug denselben, sowie die beiden hinzu- gekommenen Söhne des S. wiederholt mit der Fällst in das Geficht, daß sie stark bluteten. Mit Hilfe eines Schutzmanns wurde Grafsow dann festgenommen und wegen Hausfriedens- bruchs und vorsätzlicher Körperverletzung zur Haft gebracht. Der hiestgen Arimtnalvolizei ist die Mitthcilima zugegangen, daß eine russische Diebesbande, bestehend aus Weibem, jetzt russisch Polen bereist, um größere Diebstähle auszuführen. D»e Werber vermiethen Dienstmädchen, welche zur Bande ge- hören, in vornehme Häuser, mit deren Hilfe sie dann bei nächster Gelegenheit Diebstähle ausführen. So miethete vor 3 Wochen em Juwelier in Lodzdurch eine Agentin dieser Gesellschaft ein Dienstmädchen aus Lrttauen, welche sich Rozia Erew nannte und chre Herrschaft vorzüglich bediente. Am 4. d. jedoch, als c?e ösrnchcht von einem Ausgange zurückkehrte, fand sie, daß dre Wohnung erbrochen, das Mädchen verschwunden war und m■ bestehend in goldenen Herren- und Damenuhren, Korallen, filbernen Löffeln jc. im Werthe von Rubel fehlten. Es wird vermuthet, daß diese Drebesbande ihren Weg auch nach Deutschland resp. Berlin nehmen wird. , 2wd durch Ueberfahren. Gestern Bo. mittag in der l rr"n�c suhr der 33 jährige Kühne, Kutscher des in �ttelstraße 4 wohnenden Fouragehändlers Chartow, einen mit Getreide beladenen Wagen durch die Roßstraße. Kühne Halle am Sonntag seinen Geburtstag gefeiert und mit seiner itzamrlle eine Landpartie gemacht. Da er gestem schon sehr früh auf dem Posten sein mußte, war er sehr schläfrig gewor- den und bereits wegen mehrmaliger Karambolage mit anderen Fuhrwerken von einem Schutzmann notirt worden. In der Nähe der Roßstraßenbrücke schlief Kühne in Folge der großen Hrtze abermals ein und fiel beim Pasfiren der Brücke vom Wagen, und zwar so unglücklich, daß Vorder- und Hinterrad des schwerbeladenen Gefährts ihm über die Bmst und beide Oberschenkel fortgingen. Von zwei Schutzleuten wurde der Verunglückte in oas Haus Roßstraße 12 hineingetragen, wo em schleunigst herbeigerufener Arzt die erste Hilfe leistete und den Transport desselben zur Cyaritee anordnete. Während des Transports ist jedoch Kühne bereits seinen schweren Ver- letzungen erlegen. Wegen Urkundenfälschung und wiederholten Be- truges wurde gestem die unverehelichte Smolackiewick zur Hast gebracht. Dieselbe entnahm aus verschiedenen Abzahlungs- geschaften Waaren, wie Uhren, Wäsche, Kleiderstoffe-c. auf Leihkontrast unter dem Vorgeben, sie sei die Ehefrau eines Uhrmachers Krüger. Die geliehenen Sachen wurden dann sogleich andenveitig zum Verkauf oder Versatz gebracht. Die Smolackiewick ist in 13 Fällen des Betruges überführt, es ist jedoch anzunehmen daß ste noch mehr derartige Betrügereien verübt hat, und es wäre erwünscht, wenn fich wertere Geschädigte auf dem Kriminal-Kommiffariat meldeten. Ein ungefähr 3-4 Jahre alter Knabe, der sich Otto Kruger oder Rreger nennt— genau kann man den Knaben nicht verstehen— wurde am 8. d. M., Abends gegen 7'/- Uhr. Unter den Linden auf der Promenade durch einen Schutzmann allein umherirrend und weinend angetroffen und zur Wache gebracht. Die sogleich veranlaßten Recherchen zur Auffindung der Eltern oder Angehöngen find bis jetzt ohne Erfolg geblie- den. Der Knabe, welcher der Sprache nach zu urtheilen von außerhalb ist, wurde dem Waisenhause übergeben. Er war be- kleidet mit graumelirtem Sommeranzug und weiß und schwarzem Strohhut, die Fußbekleidung fehlte. g- Eine Frau aus Berlin soll vorgcstem auf der Station Wannsee von der Eisenbahn überfahren und getödtet worden sein. Wir haben über diesen schrecklichen Vorfall nicht sofort Näheres ermitteln können. Polizei-Bericht. In der Nacht zum 11. d. M. wurde der Arbeiter Schier, Sorauerstr. 25 wohnhast, vor dem Grund- stück Köpnickerstr. 9 bewußtlos und aus zwei schweren Kopf- wunden blutend, aufgesunden und nach Anlegung eines Ver- bandes nach Bethanien gebracht. Heber die Ursache seiner Verwundung vermochte Schier keine Angaben zu machen.— » i1'™ M. Morgens fiel ein etwa 35 Jahre alter unbe- lannter Mann iu der Wrangelstraße in Folge eines Schlag- anl? I,£"■.@%de und blieb besinnungslos liegen. Er wurde nach Bethanien gebracht.— An demselben Tage Nachmittags fiel der Arbeiter Heinrich auf dem Neubau Köpnickerstraße 147 ccl Leiter und erlitt dabei einen Schädelbruch, an dessen Folgen �.�„der Nacht zum 13. d. M. in Bethanien verstarb. — Um dieselbe Zeit fiel der Putzer Piettch auf dem Neubau Memelerstr. 34 berm Verputzen des Flurfensters zwischen dem ersten und zweiten Stock aus eigener Unvorfichttgkeit aus dem Fenster auf den Hof hrnab und erlitt dabei einen Bruch des rechten Unterschenkels und schwere innere Verletzungen, so daß er nach dem St, Hedwigs-K ankenhause gebracht werden mußte. — Zu derselben Zeit erhängte sich ern Mann in der Wohnung seiner von ihm geschiedenen Ehefrau mittelst einer Drahtschlinge am Bettpfostcn.— Am 12. d. M. Vormittags wurde der tandelsmann Marx vor dem Hause Eisenbahnstraße 33 von rämpfcn befallen und er.itt im Fallen so schwere Verletzungen, daß er nach seiner iu derselben Straße Nr. 16 belegenen Wohnung gebracht werden mußte.— Am Nachmittage desselben Tages versuchte der Färber Deckest im Park vor dem Frank« fuster Thor sich mittelst Revolvers za erschießen, indem er drei Schüsse auf die Stirn abgab. Er wurde noch lebend nach dem städtischen Keankenhause gebracht.— Um dieselbe Zett fanden Adalbcstssttaße 82 in ernem Pferdestall und in der darauf folgenden Nacht Amalienstraße 17 auf dem Hausboden unde- deutende Feuer statt, welche von der Feuerwehr sehr bald gelöscht wurden._ Gerichts-Zeitung. . Tie Gerichtsferien auf dem«riminalgericht haben gestern ihren Anfang genommen, indem die regulären v ti?« j EÄW gestern und heute ihre alten Geschäfte abwickeln md' 3 und die Fenengerichtshöfe erst zum Mittwoch die ersten Termine . anberaumt hrtFum 5V)t.v__ t.:„u______ Ä leblot 1 t.l.s(.%" v.. r„ vhuiivhc ,rciienurariammcrn geouoer • SS«» L? u vctuiuu utituuuir , bald Sitzungen abhalten md dWj zwei Sitzungen uti Nicht'j lolgende Woche di »bat? entrollen. Aus und'die ändere stne' Sitzung" und für die dre Sitzungen ,n der umgekehrten Richtung r fich Jahre lang hingezogenen Privat- Auswanderungs- Agenten Ernst Johanning !', Uarstrt 6 l) IN C T durch einen nbitf j �uiyauen. „zscha/, ,, Aus einer fich Jahre lang hingezogenen S Srtß k llagesache des Auswanderungs- Agenten Ernst Joha i, vap � gegen dessen früheren Sozius den Generalagenten B 1 f qJ Hamburg, welche schließlich, im September v. I. dun tu ,a•oeröleifh bfr ftrptfnnYip« »."r. p(ff vuuiuuig, weupe rwilegucy, im«cpremoer v.>z. vurch einen cvi. � J-»ergleich der streitenden Parteien zu Ende geführt worden ich es Jj SQt,' hat sich eine neue Pstvattlagesache mit dem umgekehrten sie noAk" verausgebildet. Der jetzige Pnvatkläger soll nämlich nicht die als erwiesen an- PnvattlägerS vorgelegen zesses ausgesprochenen Glückwunsch die Aeußerung gethan haben:„Es ist schlimm, wenn man Wahrheiten zurücknehmen muß!" Hierdurch gerieth Herr Johanning in eine derastige Aufregung, daß er in den„Amerikanischen Nachstchten" einen Bericht über den erstgedachten Pstvat-Klageprozeß veröffentlichte, in welchem er seinen Prozeßgegner als den allein Schuldigen hinstellte, der, um die Chruuik acandalevse zu bereichern, das mknminirte Zirkular habe drucken lassen und der den Prozeß auf eine ganz unverantwortliche Weise zu verschleppen gewußt habe. Der Angeklagte räumte seine Verant- wortlichkeit für diese Publikattonen unumwunden ein, behauptete aber, da sein Redner durch seine Aeußerung an den Tag gelegt habe, daß er den abgeschlossenen Vergleich nicht resvektire, hierzu berechttat gewesen zu sein. Der Pnvatkläger stellte in Abrede, die ihm imputtste Aeußerung gethan zu haben; sie wurde aber von Frau Johanning bekundet. Rechts- avwalt Theten für Herrn Behmer plaidiste auf Verhängung einer ganz exemplanschen Bestrafung des Angeklagten, der nach Abschluß eines gestchtlichen Vergleichs unter Verhöhnung der darin festgestellten Thatsachcn seinen Gegner aufs Neue be- leidige. Rechtsanwalt Dr. Händlh bittet, auf die schwere Reizung seines Mandanten durch den jetzigen Pstvanläger Rückficht zu nehmen und auf eine genüge Geldsttafe zu er- kennen. Der Genchtshof- Vorfitzender Amtsrichter Dr. Dickel— verustheilte den Angestagten wegen Beleidigung in zwei Fällen zu einer Strafe von 100 M. event. 20 Tagen Gefängniß mit der Mottvirung, daß die Aufwärmung der Sache nach geschlossenem Vergleich fich zu einer sehr hasten Strafe geeignet Häven wüde, wenn genommene Neigung settens des hätte. Vorficht beim Einkauf von Zitronenöl I Der Dro« guenhändler Adolf Braun, Brückenstraße 3, stand gestern vor der 87. Abtheilung des Schöffengestchts unter der Anklage der Fälschung von Genußmitteln, sowie des wissentlichen Venaufs derselben. Im Frühjahre dieses Jahres hatte der, in der Wils- nackcrslraße wohnhafte Konditor Musolf von dem Angeklagten eine Quantität Zittonöl gekauft und davon seinem Ostergcbäck zugesetzt. Es liefen von seinen Kunden eine Menge Beschwer- den darüber ein, daß der Kuchen einen üblen Beigeschmack be- fitze und da Herrn Musolf das Zitronenöl verdächttg vorkam, ließ er den noch übriggebliebenen Vorrath bei einem Apotheker untersuchen, welcher konstattste, daß das Oel stark mit Spintus versetzt und außerdem ranzig war. Herr Musolf verlangte nunmehr von semem Lieferanten, daß derselbe das Oel gegen tadelloses umtausche oder den da- für gezahlen Betrag zurückgebe, er wolle sodann die Sache auf sich venihen lassen. Der Angeklagte bestritt aber nicht nur, daß seine Waare zu bemängeln sei, sondern behauptete sogar, Musolf habe die Verfälschung vorgenommen. Dies war dem letzteren doch zu arg, er erstattete nunmehr Anzeige und der Gerichtschemiker Dr. Bischof erhielt das beschlagnahmte Oel zur Untersuchung. Die von demselben vorgenommene Analyse ergab ein überraschendes Resuttat, das angeblich„reine Crtronenöl" bestand aus einer Mischung von 30 Thcilen Oel und 70 Theilen Spisttus. Herr Dr. Bischof fühste dem Gerichtshofe im Verhandlungs- Termine eine ebenso einfache als sichere Methode vor Augen, wie jeder Konsument von Zitronöl fich leicht davon vergewissem kann, ob dasselbe mit Spiritus versetzt ist oder nicht. Reines Zitronöl löst Fuchfin— eine in jeder Drogenhandlung erhältliche Anilinfarbe, nicht auf, bleibt also beim Zusatz desselben unver- ändert, ist es dagegen mit Spiritus versetzt, so nimmt das Gemisch sofost eine rothe Färbung an, da die Spisttustheile das Fuchsin auflösen. Der Angeklagte besttitt zwar, irgend welche bettügestsche Manipulationen mit dem Oele vorgenommen zu haben, der Gerichtshof hielt ihn aber durch die Beweis- aufnähme für überführt und verunheilte ihn zu 50 M. event. 5 Tagen Gefängniß, deshalb so milde, weil diese Ast von Verfälschung nach dem Gutachten des Dr. Bischof zu den alltäglichen Vorkommnissen gehöre. Der Staatsanwalt hatte 300 M. beanttagt._ Uerewe und Uersammwngen. o. k. Maurer-Versammlung. Der nunmehr fast vier Wochen andauemde Maurer- Streik nimmt einen immer heftigeren Charakter an und ein Ende desselben ist noch kaum abzusehen. Es streiken augenblicklich in Berlin 8000 Maurer- Gesellen, außerdem eine sehr große Anzahl in der Umgegend und etwa 5500 Berliner Maurer-Gesellen find abgereist. Am Sonntag Vormittag waren die streikenden Maurer- und Faeaden-Putzer wiederum im großen Saale des Tivoli- Etablissement(am Kreuzberg) versammelt. Trotz der drücken- den Hitze war der mächtrge Saal dicht gefüllt. Maurer Behrend, der der Vestammlung präfidirte, bemertte einleitend: Unsere Gegner bezichtigen uns anarchisttscher Tendenzen. Ich erkläre hiermit, daß wrr mit den Anarchisten absolut nichts zu thun haben und daß unsere Lohnbewegung überhaupt auf vollständig polittsch neutralem Boden steht. Wenn einzelne Kollegen Gewaltthätigkeiten begangen haben, so ist das sehr zu bedauem und zu rügen. Heilige Pflicht jedes Kollegen rst es, den gesetzlichen Boden nicht zu verlaffen; nur so wird es uns möglich sein, unseren gerechten Kampf zu einem glücklichen Siege zu führen. Als wir in den Streik eintraten, da sagten die Arbeitgeber: in 14 Tagen find wir ausgehungest. Nun, wir streiken schon fast vier Wochen und wir find noch lange nicht ausgehungest.(Lebhafter Bei- fall.) Hinter uns steht nicht blas die Arbeiterwelt Berlins, sondern ganz Deutschlands. Die deusschen Arbeiter wissen, daß unsere Forderung eine gerechte und daß unser Sieg der ge- sammten Arbeiterwelt zu Gute kommt.(Lebhafter Beifall.) Anders steht es in den Reihen der Arbeitgeber aus. Eine ganze Reihe von Bauunternehmern steht bereits am Vorabende ver„Pleite". Wir dagegen haben bereits einen Estolg zu ver- zeichnen, denn auf mehreren Bauten wurden Männer gegen einen Lohn von 45 Pfg. pro Stunde verlangt. Man nennt den Streik einen frivolen und macht uns den Vorwurf, daß wir alle anderen Bauhandwcster in Mitleidenschaft gezogen haben. Letzteres gebe ich zu. allein wir haben uns von An- fang an bereit erklart, mit unseren Arbeitaebem zu unterhan- dem, sind aber von diesen schnöde zurückgewiesen worden. Wir find auch heute noch zu jeder Zeit zu einer Unterhandlung bereit, wir können uns jedoch den jüngst gefaßten Beschlüssen der Meistervestammlung nicht unterwerfen.(Beifall.) Wir lassm die freie Vereinbarung gelten. Wir verlangen blas einen Minimallohn von 50 Pf. pro Stunde und überlassen es der freien Vereinbarung, dem besseren Arbeiter einen höheren Lohn zu geben. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die wenigen noch arbeitenden Kollrgcn sich ebenfalls uns sehr bald an- schließen werden und daß es uns alsdann gelingen wird, den Streu siegreich zu Ende zu führen.(Stürmischer Beifall'.— Regierungs-Baumeister a. D. Keßler: In der letzten Arbeit- geber-Vestammlung wurde die Festsetzung eines Minimallohnes als etwas Unerhöstes dezeichnet. Im Jahre 1881 wurde jedoch in einer Vestammlung des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermeister sowohl ein Minimallohn 30 Pf. pro Stunde und ein Normalarbeitstag für Berlin akzeptist. Selbst- verständlich kann dieser damals vereinbaste Minimallohn nicht für alle Zeiten gelten, ebenso wie es ein Unding wäre, wenn, was bereits angeregt worden, ein Mimmallohn von 50 Pf. pro Stunde für die nächsten 5 Jahre ge- fordert werden würde. In 2 Jahren können du Ver- hälltnisse in Berlin fich schon derastig geändest haben, daß ein Minimallohn von 50 Pf. noch viel zu genug ist. Man nennt den Mauresttrcik einen fstvolen; fstvol ist der Streik allerdings, die Frivolität liegt aber lediglich auf Seiten der Arbeitgeber. Eine Unterhandlung mit der Gesellen-Kom- misfion haben die Arbeitgeber schnöde zurückgewiesen. Eine derastige Kommission ist bereits in der Gewcrbe-Ordnung vor- gesehen, die Ostsbehörde kann die Bildung einer solchen ver« anlassen. Pflicht des Berliner Magisttats wäre es gewesen, diese Gesetzesbestimmung in Anwendung zu bringen. Es ist der eigenlliche Brauch der Behörde: dem Schwachen im Kampf mit dem Stästeren Schutz zu gewähren. Die Behörde zieht es jedoch vor, dem gegenwärtigen Kampfe mit gekreuzten Armen zuzusehen. Man beklagt die großen Verluste, die der Streik verursacht. Nun angenommen, Sie erreichen nur einen Minimallohn von 45 Pf. pro Stunde, so ist Ihr Verlust wieder gedeckt. Aber selbst wenn Sic gar nichts erreichen, so haben Sie immer gewonnen, denn einmal trägt jeder Streik mehr oder weniger zur Lohnverbesserung bei und anderer- seits werden die Arbeitgeber, wenn der Stteik noch einige Wochen andauern sollte, das nächste Jahr es nicht wieder zu einem Stteik kommen lassen. Die Maurer in Leipzig find bekanntlich im vergangenen Jahre unterlegen, allein in viesem Jahre wurde ihnen die 10 stündige Arbeitszeit ohne Weiteres zugestanden, die Arbeitgeber wollten es auf einen nochmaligen Streik nicht ankommen lassen. Ich freue mich, daß Sie unentwegt und muthig an Ihrer Forderung festhalten. Bleiben Sic einig und harren Sie aus, dann wirb Ihnen der Estolg nicht fehlen.(Stürmischer Beifalls)— In ähnlicher Weise süßesten fich noch eine Reihe von Rednern, diese bemerkten u. A.; Die Gegner scheinen lediglich den Ver« lust desjenigen Kapitals zu beklagen, der in Folge des Streikes den Arbeitgebem zugefügt werde.— Von den Maurergesellen Lange und Mann wurde hierauf folgender Anttag gestellt: Bei denjenigen Meistern, die fich zur Zahlung eines Lohnes von 50 Pfg. pro Stunde bereit erklären,„ist die Arbeit auf- zunehmen". Maurer Lubig:„Ich ersuche Sie, diesen Antrag anzunehmen.(Rufe: Nein! Nein! Heftiger Lärm.) Meine Herren! Wenn fie den Antrag ablehnen, dann vermag ich nicht einzusehen, wie wir zum Ziele gelangen sollen.(Große Unruhe.' Bedenken Sie doch, daß es sehr schwer halten wird, sämmtliche Arbeitgeber auf einmal zur Bewilligung unserer Forderung zu bewegen.(Heftiger Widerspruch.) Wenn wir bei denjenigen Meistern wieder arbeiten, die uns unsere For« derung bewilligen, dann können wir doch die anderen um so leichter zum Nachgeben zwingen.(Hefttger Widestpruch.)— Maurer Scheel u. A. bemerkten: Die Annahme dieses An» ttages würde ein Nachgeben bedeuten, dies düste jedoch unter keinen Umständen geschehen, haben die Maurergesellen vier Wochen ausgehalten, dann können fie es auch noch ferner thun. Durch Annahme des An» ttages würde der allgemeine Stteik zum pastiellen werden; daß aber partielle Streiks nichts nützen, habe die Er» fahrung hinlänglich gelehrt.— Mit allen gegen etwa 4 Stimmen wurde schließlich der Antrag abgelehnt und dieser Beschluß seitens der Versammlung mit stürmischem Beifall begrüßt.— Vorsitzender Maurer Behrend: Durch Ihre Absttmmung haben Sic bekundet, daß Sie an dem Beschlüsse vom 17. Juni unverbrüchlich festhalten wollen.(Stürmischer Beifall.) Ich schließe nunmehr dre Vestammlung mit einem dreifachen Hoch auf die gerechte Sache.— Alsdann gingen die Massen in aller Ruhe auseinander. Ks. In der öffentlichen Versammlung der Klavier- arbeiter, welche am Sonntag im Konzerthause„Sanssouci" unter Vorfitz des Herrn Zuberl stattfand, sprach Herr Stelzer aus Dresden über den Streik der Klavierarbeiter der Piano- foste-Fabrik„Apollo" tAtt.-Gesellfch.) in Dresden. Seit 7 Wochen befinden sich einige 80 Mann im Ausstand, um den fast- dauernden Lohnreduktionen entgegenzutreten. Um 33'/, bis 40 pCt. find die Löhne von dem Tage an heruntergedrückt worden, wo die Fabstk aus den Händen des Herrn Ascherberg in den Besitz einer Aktien-Gesellschaft überging. Die Gesell« schaft arbeitete im vostgen Jahr mit einem Defizit von ca. 16000 Mk., ein Resultat, das hauptsächlich wohl durch di« sehr hohen Verwaltungskosten herbeigeführt worden ist. Der Direktor hat ein jähstrches Gehalt von 13 000 M.; um eine Arbeiterschaft von 86—90 Mann zu leiten und die sonfttgen Geschäfte ,n besorgen, find ihm 1 Reisender, 1 Korrespondent, 1 Buchhalter, 3 Schreiber; 2 technische Westführer, 4 Saal- meister und 1 Postier untesttellt; rechnet man nun noch die hohen Tantiemen hinzu, welche die Mitglieder des Ver- waltungsrathes und des Ausschusses beziehen, so wird der Ausfall sehr vesttändlich, und das Bemühen, den Verlust durch Lohnabzüge auf die Schultern der Arbeiter abzuwälzen. Wenn die Arbeiter hierauf geschloffen mit einer Arbeitsniederlegung antwosteten, so nennt der Herr Direktor das eine „Böswilligkeit", hervorgerufen durch Agitatoren, die, wie er in einem Briefe nach berühmtem Muster behauptet, den Stteik hervorgerufen haben, um von den Unter- stützungsgeldem bequem leben zu können. Bis jetzt ist es dem Direktor gelungen, 3„Zusammcnsctzer" von außerhalb zu be- kommen und emzustellen, denen er Löhne zahlen muß. die um ein Dstttel höher als die früher gezahlten find. Wenn es ge» lingt, Zuzug auch fernerhin fern zu halten und die Kollegen m Deutschlnnd m cher Opfestreudigkeit nicht nachlassen, kann der Swg nicht ausblechen. Der Herr Direktor wird fich dazu vesttehen müssen, höhere Sichere zu bewilligen und das Verbot zurückzunehmen, das er über die Mitglieder des Dresdener Tischler-Fachvereins verhängt hat. Der Sieg der Streikenden ,-.- �..... müssen die übrigen Fabrikanten Deutschlands durch die Konkurrenz gezwungen nachfolgen. Darum Untesttützung bis zum schließlichen Siege!- Reicher Beifall folgte dm Ausführungen des Referenten; in der Dls- kusfion sprachen fich sämmlliche Redner in demselben Sinne aus und folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die heut tagende General- Versammlung sämmtlicher Klavier- arbeiter Berlins estläst fich voll und ganz mit den Ausführungen des Herrn Referenten einverstanden giebt zu gleicher Zeit ihre Zustimmung zu dem Vorgehen der Dresdener Kollegen, verpflichtet sich, dieselben mit allen Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, zu unterstützen und ermuntert dieselben, auszuharren bis zum Siege!"— An den Refe» renten wurde noch die Frage gestellt, ob die Dresdener Lohn- kommisfion mit der Abficht umgebe, fich in Pernranenz zu er» klären. Der Referent erwiderte, daß die aus dem Fachverein hervorgegangene Lohnkommission selbstverständlich mit dem Äugenolick ihr Amt niederlegen würde, wo der Streik beendet sei.— Zu Gunsten der stteikendcn Dresdener Klavierarbcitcr wurde eine Tcllersammlung vorgenommen. hr. Der Fachverein der Schloffer hielt am Sonnabend die Generalversammlung ab. Nach Erstattung des Kassen» berichts estolgten d,e Ersatzwahlen des Vorstandes. Gewählt wurden Herr Alter als zweiter Vorfitzender, Herr Capell als estter Schriftführer, Herr Kube als erster Bibliothekar. Herr Köckeritz als zweiter Kasstrer, zu Revisoren die Herren Paetzold, Gude und Faber. In Betreff der mit den Beiträgen länger als drei Monate rückständigen Mitglieder wurde der Vosttand beauftragt, mittels der betreffenden drei Zeitungen eine möglichst kurze Mahnung ergehen zu lassen. Darauf sprach Herr M»ethc über das Thema:„Die Presse, wie fie sein soll und wie ste ist". Es kam ihm dabei darauf an, zu lonstatiren, daß in dem Kampfe, der innerhalb der Arbeiterpastei in Berlin zur Zeit zwischen Vcrttetern der Fachvereine und Verttetem der Lohnkommissionen gefühst werde, das„ B c r- liner Volksblatt" fich auf die Seite jener gestellt habe und Estlärungcn und Äestchtigungen von Herrn Aödel und Genossen nicht mehr aufnehme, und dann weiter auch das von ihm in der zu Gunsten Rödels einberufenen Vestammlung Gejagte aufrecht zu erhalten und fich den Vonvüsten gegen- über, die auch ihm gemacht worden find, zu vestheidmen. Der Vorsitzende Herr Kluge sprach sich dahin aus, daß es nrcht Eacke des Vereins sei, sich mit den zur Sprache gebrachten persönlichen Differenzen zu bcfaffen. Herr Klink wies darauf hin, daß es ein Mißgriff von Herrn Miethe gewesen sei, zur Entscheidung darüber, ob Rödel Recht habe oder Görcki und Genossen eine Volksversammlung einzuberufen. d'». Der Kachverein der Putzer, dem gegenwärtig 680 Mitglieder angehören, hielt am 10. d. M. Vormittags in Echeffer's Salon, Jnselstraße 10, unter dem Vorsitze des Herrn Dietrich eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ab. um gegenüber dem Putzer- und Maurerstreik Stellung zu neh- tnen. Herr Dietrich beantragte, sich mit dem Streik einver- ftonden und mit den Streikenden solidarisch zu erklären. Die Versammlung nahm diesen Antrag einstimmig an; ebenso einen Antrag des Herrn Buchholz.Zdenjenigen Vereinsmitgliedern, welche anläßlich des Streiks m Rcchtsstreitigkeiten mit den Arbeitgebern gerochen und sich veranlaßt sehen, Len Klageweg mit demsechen solidarisch erklärt hat, diejenigen Vereinsmit- glieder, welche sich an demselben nicht detheiligen, aus den Vereinslisten zu streichen. Dagegen wurde ein Antrag auf eines Mitgliedes des Vereins,� welches »usstoßung emes itmgucocs oes Vereins, weuprs nach Proklamirung des Streiks noch fortgearbeitet hat, abae- lehnt und zwar mit der ausdrücklichm Motivirung, weil Be- schlüsse der öffentlichen Generalversammlungen der Putzer an sich für den Verein nicht obligatorisch sind, sondern es erst von dem Augenblicke an werden, in welchem sie der Verein zu den seinigen gemacht hat. Schließlich wurden einige Kranken- unterstützungsgesuche von Mitgliedern erledigt und je 15 M. bewilligt. hf«. Eine Versammlung der streikenden Putzer, welche am 8. d. M., Vormittags, in„Altermann's Salon", Dennewitz- straße, unter dem Vorfitze des Herrn Dietrich stattfand und von ca. 800 Theilnehmern besucht war, nahm den von den Bau- aeschäftsinhabern am 7. d. Ms. bei Bugaenhagen gefaßten Beschluß— nicht figürlich, sondern buchstäblich gesprochen— mit Hohngelächter auf. Von einer„Stellungnahme"»u solchem könne gar nicht die Rede sein,. darüber sei einfach Beschluß könne gar nicht zur Tagesordnung überzugehen. Selbstverständlich werde man beii wied« auch nicht früher dre Ar!.. resp. Arbeitgeber in der Weise, wie es von 10 oerzewen in der öffentlichen Lohnkommisfions Sitzung der Maurer und Putzer in den„Armin Hallen" versprochen wurde, eine Ver« sammlung zum Auttrag der Lohn- und Streikfrage einberufen haben, zu welcher auch die Gesellen- Kommission eingeladen wird, um an den Verhandlungen Theil zu nehmen. Man werde die 10 Herren Meister sc. ihres Versprechens nicht ent- binden, sondem sie noch nachttäglich beim Worte nehmen. hfs. Eine von ca. 600 Theilnehmern besuchte Versammlung der streikenden Putzer tagte am Sonnabend, den 11. d. M., Vormittags, im„Palmensaal", Neue Schönhauser- straße 20, unter dem Vorfitze des Putzers Herrn Dähne. Dieselbe beschäftigte sich hauptsächlich mit dem, wie der Referent der Versammlung sagte,„alle früheren Krastleistungcn der zünftlerischen„Baugcwcrks-Zeitung" an blühendem Widersinn und blindem Denunziationscifer wenn möglich noch übertteffcn- den Streik- Artikel der neuesten Nummer(55) des genannten Blattes d. d. 11. d. M.), welchen der Putzer Herr Dietrich unter der Zustimmung und dem Beifall der Versammlung Punkt für Punkt schlagend widerlegte. Im Uebrigen beschloß die Versammlung, für die erste(verflossene Streik Woche, sowie bis auf Weiteres überhaupt jedem stteikenden Putzer wöchent- lich 6 Mk. Unterstützung aus dem Generalunterstützungsfonds � � Die Generalversammlung der streikenden Maurer. welche gestern(Montag) in Sanssouci tagte, war außerordentlich stark besucht. Herr Peter leitete die Verhandlung mit dem an allen anderen städtischen Gebänden vollzogen werden. Um dies zu ermöglichen, ließe man die Arbeiten vielfach von Dach- dcckermeistern machen, oder aber die Institute nehmen die Ar- beittr selbst an. Gut wäre es für die Arbeiter, wenn ihnen diese Arbeiten immer selbst übergeben würden, aus Erfahrung wissen die Maurer Berlins aber, daß solche Arbeiten nur hervorragende Meister erhalten und darum lassen sie sich durch das jetzt vorübergehend zur Anwendung kom- mende Mittel nicht oupiren.(Beifall.) Ein originelles Manöver habe der Meister Valentin angewandt, welcher einen streiken- mit Worten den Maurer, welcher seine arbeitenden Kollegen der Nichtachtung strafte, aufforderte, mit nach dem Polizei- Bureau zu kommen. Nach Aufnahme des Protokolls aber sagte er zum stteikenden Gesellen: Wenn Sie um 1 1 Uhr die Arbeit aufnehmen, so soll das Protokoll nichts gelten. Redner nennt dies ein wunderbares Zeichen unter den Augen der Behörde, welches tief zu bedauern sei. Redner fährt fort: Ich hätte nie gedacht, daß sich Kollegen finden, die unter Polizei- aufficht auf den Bau geführt und Abends geholt würden. Er könne kein passendes Wort zur Bezeichnung für ein solches Vorgehen finden. Redner schließt mit der Mahnung fest zu halten, denn die Stunde der Entscheidung köune nicht mehr ferne sein. In der darauf folgenden Diskussion stimmte man mit dem Referenten überein und wurde von allen Rednern hauptsächlich von den Herren Grund und Scheel unter Heiter- reit der Versammlung das Verhalten der Meister kritisirt, be- treffs ihres Beschlusses von 7. d. M. Eine erregte Debatte rief der Antrag des Herrn Lubig hervor, welcher besagte: Die Arbeit solle be« demenigen Arbeitgebern wieder aufgenommen werden, welche die 5 M. Lohn täglich zahlen wollen. Dieser Antrag war schon in der letzten Tivoli-Versammlung abgelehnt und auch diesmal wurde er nach sachlicher Motivirung durch den Antragsteller wieder abgelehnt. Nachdem kritifirtcn noch einige Redner die arbeitenden Kollegen in betreff dieser augenblick- lichen soliden Behandlung durch die Arbeitgeber und sprachen die Hoffnung aus, daß sich auch die jetzt arbeitenden Maurer, wenn auch erst ,n letzter Stunde ihren Brüdern noch »u die anschließen würdm. Darauf forderte Heir Peter zum Schluß ----"-'--'.bi'~ .emerken ein, daß die Arbeitgeber heute zu allerlei Manövern ihre Zuflucht nehmen, um die Gesellen wankclmüthig zu machen, dies sei das Zeichen, daß man die Gesellen nöthiä brauche, weil die Arbeiten sehr nothwendige seien. Während der Ferien sollen alle Reparaturen in den Ministerial-, Schul- und noch alle Maurer Berlinds auf, stets ein Musterbild der Ar- beiterbewegung zu bleiben anderen Korporationen gegenüber, und wies darauf hin, daß abermals Tausende sich in 4— 5 Wochen mit 8547 Mk. Unterstützung begnügt hätten, dieses sei ein Zeichen großen Ovfermuthes, vor welchem Viele dieAugen niederschlagen müssen. Nach Erledigung einzelner untergeordneter Fragen vie Stteikkarten betreffend wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die gerechte Sache geschloffcn-— Zu bemerken ist noch, daß Telegramme eingelaufen waren aus Breslau und Hamburg mit Ankündigung hoher Summen zur Unterstützung der Streikenden. mann einen Vortrag über den„Verein für ärztliche Hilfeleistung". Er legte die Vortheile, welche der Verein seinen Mitgliedern für die sehr geringen Beiträge bietet, in klarer und überzeugen- der Weise dar. Der Vorfitzende forderte die Anwesenden auf, der neugegründcten freien.Hilfskasse(E. H.) der in der Hut- fabrikatton beschäftigten Arbeiter" und dann auch dem„Verein für ärzlliche Hilfeleistung" beizutreten. Darauf berichtete der Berufsgenosse Herr Sckrcmpel aus Dresden über den vor Kurzem in den dorttgen fünf großen Hu tsabrikcn ausgekrochenen Streik. Er konstatirte, daß dre dortigen Kollegen, von denen ein großer Thell im vorigen Jahre zu einem Fachverein zu- sammengetreten ist, es ihrem einmülhigcn und festen Zusammen- halten zu danken haben, daß die Lohnreduttion, die zu dem Streik Veranlassung gegeben hat, zuerst von drei und dann aueb von den übrigen zwei Fabrikanten zurückgenommen worden find. Charlottenbnrg tagte liche Ärbeiterversammlung mit Ärbeiter-Echutzgesetz-Entwurf und die beiter. Zur Leitung der Versammlung wurden Herren Schultz, Schacht, Nieder und Bressel. öffcnt am Sonntag Vormittag eine der Tagesordnung: Der ie Sonntagsruhe ver Ar- ewählt die Res cferat hatte der Tischlermeister Herr Mitan aus Berlin Äd» nommen. Der Referent führte etwa folgendes aus: Wir finden uns in einer Zeit, wo die Lohnbewegung der Arbeite in hoher Blüthc steht. Die Arbeiter vieler Gewerbe versuch� eine Verbesserung ihrer materiellen Lage durch Strem erzielen, fre werden nicht im Stande sei» errungenen Lortheile auf die Dauer behaupten zu könne hier muß vielmehr die Gesetzgebung für die Arbeiter eintret und ihr(der Arbeiter) Recht zu schützen suchen. Der§ 1" des Gesetzentwurfes sei der entscheidenste für die Arbeiter, betrifft den Normalarbeitstag, welcher gesetzlich festgesetzt n« den soll, zwar hätten die Berliner Arberter schon vielfach 10» resp. 9einhalbstündigen Arbeitstag errungen, der aber vielen Fällen, weil kein gesetzlicher Zwang zur strengen Tun führung desselben bestehe, nicht berechnet werde. Alsd« betrachtete Redner den§ 122 des Arbeiterschutzgesc�....... betr. das Verbot der Nachtarbeit und der Kindcrarbc» auch berührte er die Strafen die den NichlbrfolgS drohen. Sodann sprach Referent über die EinfüW des Reichsarbeitsamts und der Arbeiterkammern und* zeichnete dieselben als unbedingt nochwendig. Hier« wurde eine dem Referenten zusttmmende Resolutton, betresfo°>— den Gesetzentwurf eingebracht und einstimmig angenoliM» In der Diskussion sprach zunächst Herr Oskar Krohm Berlin und berührte die Zuchthausarbeit und die Vagcbcm» frage, d. h. die Reservearmee der Arbeitslosen. Es spracht serer noch die Herren Schacht, Scheibe, Schultz«, Schill» and Nieder. Beschloffen wurde hierauf, eine TellersammbÄ für die stteikenden Maurer und Steinträger vorzunehmen, r» eine Summe von 11,50 Mark ergab, wovon je die Hälfte 5» Maurern und Steinttägern überwiesen wurde. Nach etfd Schlußworte des Referenten Mitan schloß der Vorsitz� Schultz die Versammlung. * Burg, 11. Juli. Heute fand hier eine öffentliche 9 tallarbeitcr- Versammlung statt mit der Tagesordnung: Nothwendigkeit einer Organisation." Als Referent ivar Liefländer aus Berlin anwesend. Für unsere Stadt war" Versammlung im gewissen Sinne ein bedeutsames Ereil da Hierselbst bis jetzt außer zur Zeit der Wahl, wo Kons ttoe und Deutsch- Freifinnige fich den Platz stteitig mal nur Versammlungen von Krankcnkassen-Mitglievern staltgel den haben. Die Versammlung tagte unter dem Vorsitz Formers Herrn Jacubowsky.�Jn der dem Vorttage folgciff erscheint Berlin fi Postabom laffung wurde. Schließlich gelangte tion zur Annahme, welche dahin lung mit dem Referenten ihre Pflicht erachte, verein beizutreten. einstimmig eine Rcfi grng, daß fich die Versa« einverstanden erkläre nnd es einem zu begründenden Metallarbe Arbeiter- Bezirks» Verein für den Osten Berlt Dienstag,� den 14. Juli, Abends 8'/, Uhr, Versammlung Keller's Lokal, Andreassttaße Nr. 21. TagcSordnu» 1. Kassenbericht.— 2. Vortrag des Herrn Privat-DozO Dr. Dörrng über:„Die Thatsachen, welche die nat wissenschaftliche Welt- und Lebensanschauung gründen."(Mit Experimenten in größer Maßstabe.) 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. lPa betreffs des Arbeiterschutzgesetzes; Mittheilung über>ut Petition in Betreff der Fluß-Badeanstalten; Mittheilu« über die nächste Familien-Partie.) 5. Fragckasten. Im" weis auf den ganz besonders lehrreichen trag, überhaupt auf die wichtige Tageso> erden nung, »cht, w i die Mitglieder dringend zahlreich zu erscheinen.— Neue Mitgli Eiuiß Zn d bespricht Maure; vermieden nicht einzr Unser würden du der Arb könnte. 5 privaten empfiehlt, find, die! schleppen. Auße mit den L zutteten, so" solche prir „Streikvai immer do« So k fich mit d, Höre, Lager: „Ein immer ve m Zieht werden aufgenommen."— Gäste, durch Mitglieder cingefß r Familienparthie sind in der% Kraftprob, haben Zutritt.— Billets zur sammlung zu haben. Das Kriefkasten der RedMio». Johannes. Ist uns nicht bekannt. Weater. Belle-Alltanee-Theater. Heute: Der Mienbudiker. Neues Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Geschiedene Frauen._ I f | bei gute 5 1596] La» Es finden sofort Beschäftigung: Tüchtige Kesselschmiede, Tüchtige Schlosser auf Blecharbeit bei gutem Verdienst. 15961 Emil Rad Dnmclce, ICcharlottenburg, Salzufer 21. I J Da ich mich heute eben muh, so sage ich iches Lebewol auf 4'/, Monate nach Plötzcnsee be- allen Freunden und Bekannten ein L1641]_ A. Kranke. Die geg. Fr. Ww. Krause, Nosttzstr. 63, geth. Beleidh nehme hierm. zur. u. erkl. dies, als e. achtb. Frau. Hein In Folge meiner Ausweisung aus Berlin, die darauf- in erfolgte, daß mein verstorbener Mann russischer Unter- 'an war, bin ich gezwungen, das Rebiliar, welches mir nach dem Tode meines Mannes geblieben ist, so schnell als möglich zu verkaufen. Ich bitte Freunde und Bekannte, welche hierauf reflettiren, mir durch Abnahme meiner Sachen eine kleine Unterstützung zukommen zu lassen. 1.1640 Frau Therese Schmiedeberg, Oramensttaße 202 Hof I. Arbeiter- PeMs-Verein„Süd- Ost". General Versammlung am Donnerstag, den 16. d. Mts.. Abends 8V, Uhr, in der„Urania" WranAetstraße 9 u. 10. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl des ersten Vorsitzenden. 3. Eta» tuten Veränderung, Verschiedenes und Um zahlreiches und pünktliches 1618] Tagesordnung "im{___ > Fragekast.... Erscheinen ersucht sten. Der Vorstand. Vta Uhrenfabrik von Max Busse, Uftcmadiro Hr. 157 InraiidenstrasNe Hr. 157 zwischen Brunnen- und Acker straße empfiehlt sein reicdbairiges Lage?, sowie seine Reparatur-Werkstan. 800 ist bi Lohrrdiffer 1 kommissior ! richtun Unter nehn staatlichm unverkümr Graßt Wliche AMa-KchmlW Dienstag, den 14. In«. Abends« Uhr. in Sanssouci, Kottbaserstrasse Hr. 4». Tagesordnung: Der Maurerstreik und die öffentliche Meinung. Referent: Heinrich Nöske. Sämmtliche gewerkschaftlichen Arbeiter werden zu dieser Versamm- lung der hochwichtigen Tagesordnung wegen eingeladen. D iGiD] Dir Cmberufer: R. Fcrkan. bedinaung sie ihren Arbeitserli vorenthalt halten we der richti Lohn und tritt, der Augenblic den Unter Arbeiter ist nur lUchdruck b« Bon der Kommission der Maler 51 Mk. 30 Pf. er halten durch Herrn Karl Scholz. Die Kommission der streikenden Maurer. I. A.: Herrn. Schulz. Die dem Tischler Herrn Heinrich Krötrebauch am � d- I. zugefügten Beleidigungen nehme ich zurück unv Herrn Grötzebauch für einen Ehrenmann. Daniel Marq"�. Es, netenWej forscht wi fruchtlos i schwere u wege auf als derei Richtung Herbsttag Biegung erreichte, fürchtete Der überaus in welche weiter vi chem fie aber end ähnlichm ragenden herumirr fand und wie verli ein unüb die Krafi Sie Richtung rhre Augestellt l Verantwortlicher Redakteur». Lronhetm in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW„ Bcuth straße 2. I