•rlin... : Wirk «r Arbcili e versuch«» -ch Str«! nde zu koi :er eini„ Der§ H Arbeiter, tgescyt>« vielfach' der ab« igen Dur Alst« fetzentwu� iindenw' icktbcfolg� Einlühnch a und» n. bewB- ngenomü* Krohm Zagaba Es spu t, Schi lerfami Nr. 162. Mittwoch» de« 15. Juli 1885. IL Jahrg. MI trlmerlollisbloll Organ für die Jnteresfen der Arbeiter. $ Da«„Berliner Volksdlatt" lehmen, : öälfte t- Nach e# Jnsertiousgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf Bei größereu Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce»' Bureaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. Kedaktilm: Keathstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. entlich« 1 lung:.Z it war« dt war iil es Er 10 Ko itig mm Vorfiv ge folge! einige zu läng« nten V«> EimKUugL amier— Hrdeiterkammera. 3n der gesummten liberalen und konservativen Presie bespricht man gegenwärtig anläßlich des Berliner M a u r e r st r e i k S die Frage, ob derartige Streiks nicht vermieden werden könnten und ob die Gesetzgebung hier nicht einzugreifen berufen sei. Unsere Stellung zu den Streiks ist bekannt und wir würden dieselben gern vermieden sehen, wenn im Z n t eresse der Arbeiter ein anderer Ausweg gefunden werden � könnte. Dieser Ausweg ist aber nicht zu finden in den eine' Rcst privaten„Einigungsämtern", wie fie Dr. Max Hirsch ie Versal empfiehlt, da bekanntlich derartige Aemtcr lediglich geeignet nnd es l find, die Angelegenheit zu Ungunsten der Arbeiter zu ver- xs schleppen. Außerdem weigern sich ja die sogenannten Arbeitgeber, mit den Gesellenausschüfien zu Einigungsämtern zusammen- zutreten, so daß es sich kaum der Mühe verlohnt, näher auf solche private Einigungsämter«inzugehen, die ja, wie der „Streikvater" Dr. Max Hirsch aus Erfahrung weiß, meist immer doch zur Arbeitseinstellung führen. etallaibd n Verl antmlui srdnu ?at-D die mung irößeZ i über lkittheii Im ch en ageso g c nd e Mitgl :r eint in der Hören wir eine dieser Stimmen aus dem konservativen #. Si su MW- Lager: „Ein Streik hat sehr selten erzieherische, er hat fast immer verwüstende Folgen, er schädigt beide Theile und zieht in seine Nachtheile auch die außerhalb des Streiks Stehenden. Es giebt ein besseres Mittel als die brutale �Kraftprobe, wer stärker sei, das Kapital oder die Arbeit! Das ist die Errichtung sozialer Organe zur Schlichtung von Lohndifferenzen, nicht solche ad h w gebildete Lohnkommissionen, sondern kraft einer gesetzlichen Ein- r i ch t u n g gebildete Ausfchüffe von Vertrauensmännern der Unternehmer und Gehilfen unter Vorsitz eines unparteiischen staatlichen Gewerberaths. Den Arbeitern muß das Recht unverkümmert bleiben, eine Verbefferung ihrer Lebens- iedinaungen zu erreichen. Die Unternehmer sollen, wenn sie ihren Gehilfen den ihnen gebührenden Antheil am Arbeitserlöse im Widerspruch mit der Lage des Markts vorenthalten, dazu aufgerüttelt und gesetzlich ange- halten werden. Aber dazu ist es nicht nöthig, daß an Stelle der richtig und ruhig erwogenen Abgrenzung zwischen Lohn und Unternehmergewinn die geballie Macht des Streiks fritt, der angefangen wird, weil die Umstände dazu„im Augenblick günstig" liegen. Eine friedliche Regelung, welche den Unternehmern das Gewissen schärft und gleichzeitig die Arbe,ter von einseitigem, rücksichtslosem Vorgehen abhält, ist nur mittel st der Gesetzgebung zu ermög- *4� Aeuill'eton. Das Mormonenmiidchen. Amerikanische Erzählung 8] von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) Es geht daraus hervor, daß vielfach nach einem geeig- neten Wege durch die wasserarme muldenförmige Sandsteppe ge- forscht wurde, daß die Bemühungen sich größtentheils als fruchtlos erwiesen, und daß man endlich zu der Ansicht gelangte, schwere und langsam reisende Trains lieber auf einem Um- wege auf der Nordseite des Salzsees herumziehen zu lassen, als deren Existenz in einer näheren, aber gefährlicheren Richtung auf das Spiel zu setzen. - UfES war in den Frühstunden eines klaren sonnigen Herbsttages, als eine einsame Wanderin aus der letzten Biegung des eben bezeichneten Passes trat und den Punkt erretchte, von welchem auS sie die erste Aussicht auf die ge- fürchtete Wüste gewann. Der trostlose, vielleicht kaum geahnte Anblick mußte überaus niederdrückend auf sie einwirken, denn in dem Grade, tn welchem das traurige Panorama sich immer weiter und weiter vor ihr ausdehnte, wurde der"....... ähnlichen Stille und Regungslosigkeit vor ihr lag, ihre zagenden Blicke ungehindert auf der Linie des Horizonts hcrumirrten und auf weiter nichts trafen, als auf Wüsten- fand und auf ferne, duftig schimmernde Felsgruppen, die wie verloren aus der gelben Ebene emportauchten, da schien ein unüberwindliches Grauen sich ihrer zu bemächtigen und die Kraft ihrer Füße zu lähmen. Sie stand still, und indem sie nach der nordwestlichen Richtung über Meilen und Meilen hinwegschaute, füllten »hie Augen sich mit Thränen. Die Aufgabe, welche sie sich gestellt hatte, erweckte jetzt offenbar Furcht und Entsetzen in lichen. Am nächsten Reichstage wird sich die konservative Partei der Aufgabe nicht entziehen können, bei Gelegenheit des Arbeiterschutzes auch solche soziale Behörden zu schaffen, die von beiden Theilen beschickt, unter Vorsitz eines Gewerberaths tagend, schon durch ihre Existenz eine fried- liche Austragung der Lohndifferenzen verbürgen und alle Theile vor den Schädigungen schützen, die jeder Streik be- wirkt: die Meister, die Gesellen und das Publikum." Dies klingt nun allerdings schon viel besser als das Harmoniegedudel des Dr. Max Hirsch mit seinem ständigen Einigungsamt. Doch wissen wir gar nicht, was denn eigentlich die konservative Partei im deutschen Reichstage in dieser Rich- tung hin beantragen soll, da die Vertreter der Arbeiterpartei in ihrem in voriger Session eingebrachten Arbeiterschatzgesetz- entwurf schon Vorsorge getroffen haben, indem sie derartige „soziale Behörden" in ven vorgeschlagenen Arbeitsämtern, Ärbeiterkammern u. s. w. feststellten. Zn Bezug darauf schreibt das„Recht auf Arbeit": „Eine der Hauptforderungen des Arbeiterschutzgesetzes bestand bekanntlich in der Errichtung von Arbeiter- kammern. Demgegenüber machte sich bisher eine ent- schieden ungünstige Stimmung geltend. Der Herr Minister von Puttkamer erklärte die Ärbeiterkammern in der Sitzung des deutschen Reichstags vom 31. Januar d. I. für„eine solche Utopie, daß die Diskussion darüber nicht ernsthaft werde gemeint sein können." Daran knüpfte die von den kapitalistischen Interessenten beherrschte öffentliche Meinung zunächst an, und einige Monate lang waren es nächst Nor- malarbeitstag und Minimallohn grade die Ärbeiterkammern, an denen die Zeitungsschreiber ihren Witz übten und von ihrem welterhabenen Standpunkte aus Spott und Hohn auf die„Utopisten" herabträufeln ließen. Seit einiger Zeit haben sich die Dinge aber merklich verändert. Die massenhaft mit elementarer Gewalt ausgekrochenen Streiks haben plötzlich die Ärbeiterkammern in ein ganz anderes Licht gerückt. So schrieb man der„Allg. Ztg.", noch dazu von einer Seite, welche die Arbeiter für„meist schlecht berathen und geführt" erklärte, aus Brünn:„Die Unruhen in Brünn hätten vielleicht gar nicht begonnen, wenn wir Ärbeiterkammern hätten, deren Vertretung die Begehren der Arbeiter an richtiger Stelle zu richtiger Zeit hätte vorbringen können." Auch die Zentrumspresse erinnert daran, daß einer der Ihrigen, der Abg. Hitze, schon 1880 ich für Ärbeiterkammern ausgesprochen habe. Dieselben ollten amtliche Erhebungen über die Lage der arbeitenden Nassen machen, sie sollen auch dem letzten Arbeiter Ge- egenheit geben, seine Klagen vertrauensvoll vorzubringen, ohne befürchlen zu müssen, daß er seine Offenheit mit Ent- lassung oder sonstiger Maßregelung büßen müsse, sie sollten ihr, denn zagend und schüchtern blickte sie rückwärts in den Paß hinein, von woher sie eben erst gekommen war. Sie mochte ihrer Heimath in der Mormonenstadt ge- denken, die sie vor wenigen Tagen erst verlassen hatte, denn bange Zweifel bewegten gar seltsam ihre bleichen, abge- härmten Züge, während ein bitterer Seelenschmerz ihre Brust krampfhaft hob und senkte. Doch nur wenige Minuten dauerte dieser Kampf; wie ein drohendes Gespenst schien eS in ihrer Erinnerung auf- zutauchen, und indem ein Schauder ihre schlanke Gestalt er- schütterte, wendete sie sich hastig der Richtung zu, in welcher ihr Ziel lag. „Ich werde es nicht ausführen können," flüsterten ihre noch jugendfrischen Lippen, und in dem leisen Ton ihrer Stimme ossenbarte sich eine ganze Welt voll Zweifel und Schmerz.„Meine Kräfte reichen nicht aus— und denn- noch müssen sie ausreichen!" fuhr sie lauter fort, und ihre Worte zitterten vor inniger, wehmüthiger Bewegung, als die Bürde, welche sie in einer Decke gehüllt vor sich trug, Leben verrieth.„O, sie müssen ausreichen, für mein armes Kind— und sie werden«, denn die Mutterliebe ist stark. Und wäre die Wüste noch zehnmal so breit, ich würde meinen Engel sicher hinüber- tragen. Wer aber würde es wohl wagen, ihm Leid zuzn- fügen? Weder die Wölfe, noch die grausamen Indianer. O. die Indianer, auch fie haben Kinder, und wenn sie meinen süßen Knaben sehen, so werden ihre Herzen sich beim An- blick der lieblichen Erscheinung erweichen; sie werden ihn beschützen und ihn mir tragen helfen, mein liebes, liebes einziges Kind!"_ Indem die junge Frau so sprach, hatte sie die Bürde, welche von einer andern, auf ihrem Rücken hängenden im Gleichgewicht gehalten wurde, behutsam vor sich auf die Erde gelegt. Dann bei derselben niederknieend, öffnete sie die leichte Hülle vollständig, worauf sie ihre Blicke mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Liebe und Seligkeit an den großen blauen Augen eines etwa ein Jahr alten Knaben haften ließ, der neugierig und zufrieden zu ihr emporschaute.,_.. Es war ein rührendes, Wehmuth erzeugendes Bild, die endlich die einzige Znstanz sein, die über Lohnsratzen ent scheiden und die doppelschneidige Waffe des Stnkes ent- behrlich machen würde. Diese uothwendige soziale Funktion beweist die Unentbehrlichkeit der Ärbeiterkammern."— Diese Abfertigung verdient die herrschende Presse, die niemals aus eigenem Antriebe und in die Zukunft blickend, an die soziale Frage herantritt, sondern immer nur der „brutalen Macht" gehorchend— hier den großen Streiks, die das ganze wirthschaftliche Leben schädigen— Vorschläge zur Besserung und dann auch meist nur halbe, wirkungslose macht. Wenn die Konservativen und Liberalen es ehrlich mit der Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen meinen, so brauchen sie nur den Arbeiterschutzgesetz-Entwurf, welcher in der nächsten Reichstagssession von der Arbeiterpartei wieder eingebracht werden wird, zu unterstützen. Wird derselbe Gesetz, so ist ein dauerndes, wirksames Einigungsamt, dem sich Arbeiter sowohl wie Unternehmer fügen müssen, vorhanden und die Streiks werden im Großen und Ganzen vermieden. Aber mehr noch: durch die Regelung der Produktions- weise, die durch das Arbeiterschutzgesetz bis zu einem ge- wissen Grade erzielt wird, wird eine Situation geschaffen, die selbst das Eingreifen der Ärbeiterkammern bezüglich ob- waltender Differenzen zwischen Arbeitern und Unternehmern zu den Seltenheiten macht; mit einem Worte, es wird ein geregelterer, geordneterer wirthschaftlicher Zustand eintreten, unter welchem sich alle Theile wohler fühlen. Der wirthschaftliche Kampf wird viel von seinen Schreck- nissen verlieren. So sollten Alle, denen es wirklich ernst ist mit dem sozialen Frieden, eintreten für das von den Vertretern der Arbeiterpartei im Reichstage eingebrachte Arbeit xrschutzgesetz. PoUtifche Ueberftcht. « Der Verein der Millionäre läßt wieder einmal etwas von sich hören. Diesmal ist es freilich nur ein vertiauliches Schreiben, welches ohne seine Absicht an die Oeffmtkichkeit ge- langte. Das Schreiben ist an die Großindustncllen gerichtet. zu dem Zwecke, sie zu freiwilligen Beiträgen zur Begründung einer Zeitungs-Konespondenz zu veranlassen. Die Herren haben nämlich die Entdeckung gemacht, daß sich die„noth- leidende Industrie" am besten bemerkbar machen kann, wenn fie sich auf die Fabrikation der öffentlichen Meinung verlegt. Doch hören wir das vertrauliche Schreiben: Vertraulich! Verlin, im Juni 1885, vv., Lützowstraße 72. Zirkular Schreiben. Mittelst Zirkular-Schreiben vom Juni vori'- ii«•...™.......... zur igen Jahres haben wir auf die Nothwendigkeit hingewiesen, Förderung der wirthschaftlichcn Ziele, welche sich der Zen- tralverband deutscher Industrieller gestellt hat, eine ange- messene Vertretung in den Parlamenten und in der junge Mutter, die nur noch Blicke und Gedanken für ihr Kind hatte und in ihrer Sorge um dasselbe die ganze übrige Welt, selbst ihren tiefen, unheilbaren Kummer ver- gaß. Ihr feines, regelmäßig schönes Antlitz war wohl ab- gehärmt, und ein eigenthümlicher Zug um den Mund ver- lieh demselben das Gepräge lange erduldeter Leiden; allein indem sie mit Stolz ihren Liebling betrachtete, hatten ihre etwas eingefallenen Wangen sich vor innerer Aufregung wieder hoch geröthet, und selbst als glückliches, harmlos tändelndes junges Mädchen konnte sie kaum anziehender und bezaubernder gewesen sein, als jetzt, da Mutterwürde ihre ganze Erscheinung verschönte und veredelte. Ihre starken gelbblonden Haare waren nachlässig in einen Knoten am Hinterkopf zusammengeschürzt; einzelne Strähnen aber hatten sich während der Wanderung aus dem Knoten losgestohlen und hingen, indem sie sich Über das Kind hinneigte, als lange seidenweiche Locken zu demselben nieder, welches dann lallend und schäkernd nach den beweglichen Ringen haschte. Die großen hellblauen Augen, beschattet von blonden Brauen und Wimpern, hatten einen schwer-. müthigcn Ausdruck, jedoch mehr in Folge der gegenwärtigen trostlosen Lage, als weil ihnen derselbe vielleicht angeboren gewesen wäre, und nur so lange, wie sie auf dem vollen Antlitz des kleinen Knaben ruhten, strahlten sie im innigsten Entzücken, um gleich darauf wieder um so trauriger in die Ferne zu spähen. In ihrer übrigen Erscheinung, in den schmalen Händen und Füßen, wie in der ganzen Haltung verrieth die junge Frau, daß sie den höheren Ständen entstamme. Ihre Ge- stall war groß und kräftig gebaut, und dabei trug sie die- selbe mit einer gewissen Änmuth, die auf eine sehr sorg- fältige Erziehung deutete und weder durch Beschwerden und Entbehrungen, noch durch Erschöpfung hätte gänzlich ver- wischt werden können. In ihrer Bekleidung war, wenn man die große Ent- fernung von der verfeinerten Zivilisation berücksichtigte, Wohlhabenheit unverkennbar, denn Alles bestand aus so kostbaren Stoffen, wie sie in der Salzseestadt wohl nur unter bedeutenden Geldopfern zu erschwingen gewesen; da- gegen hatte der Staub die Farben des Zeuges schon sehr Presse zu schaffen. Es kam uns vor allem darauf an, ge- sunde und den Bedürfnissen des praktischen Lebens ent- sprechende volkswirthschastliche Grundsätze in die weiteren Schichten unseres Voltes hineinzutragen, dadurch einen Aus- gleich der leider immer noch vorhandenen wirthschaftlichen Gegensätze anzubahnen, die industriellen und gewerblichen Krerse vor unaufhörlichen Beunruhigungen zu schützen und die Stabilität und Dauer unserer neuen wirthschaftlichen Gesetze zu sichern. Zu diesem Zwecke haben wir neben den von Herrn Schwcinburg herausgegebenen„Berliner Politi« schen Nachrichten", mit welchen wir unsere bisherigen Bezrchun- gen erneuert haben, das Jnslebentreten einer zwertcn, vorzuas- weise für die gesammte Provinzialpresse berechneten Zeitungs- Korrespondenz unter dem Titel„Neue Reichs- Korrespondenz nach Kräften gefördert. Dieselbe wird in etwa 400 Exemplaren zumeist unentgeltlich an Zeitungen, Korporationen u. drgl. durch den Eigenthümcr und Hcraus- 8eber, Herrn Sch Wernburg, regelmäßig wöchentlich zweimal ver- hickt. Wer den Preßverhältniffen eine nähere Aufmerksamkeit geschenkt hat nnd dieselben unbefangen bcurthcilt, wird mit uns die Ueberzeugung theilen, daß diese Arrangements sich durch- aus bewährt und den von uns vorausgesetzten Erwartungen entsprochen haben. Die von uns veranlaßten oder vom Herrn Herausgeber anderweitig beschafften Aufsätze oder Artikel find sowohl von der hauptstädtischen, als auch von der Provinzialpresse fast regelmäßig abgedruckt worden und haben dadurch eine Verbreitung erlangt, wie wir sie nicht hätten er- reichen können, selbst wenn wir mit schweren Kosten eine eigene Zeitung hergestellt kälten. Die Mittel, die wir zu dieser Wirk- samkeit in der Presse durch freiwillige Beittäge vor Jahresfrist gesammelt haben, find aber nahezu er- schöpft, und wenn wir die von uns getroffenen Ver- einbarungen aufrecht erhalten wollen, was wir in dem Interesse unseres Verbandes für geboten erachten, so müssen wir aufs Neue an alle unsere Vereine und Einzelmitglieder das ergebenste Ansuchen richten, durch erneute freiwillige Beittäge uns in den Stand zu setzen, für ein weiteres Jahr die bis- herigen Arrangements fortsetzen zu können. Wir ersuchen Sie demzufolge, dem unterzeichneten Direktorium, z. H. des Ge- schäftsführers, Rcgierungsrachs a. D-, Beutner, baldigst mittheilen zu wollen, welchen Betrag Sie zu diesem Zwecke uns zur Verfügung zu stellen bereit find. Diese Schnorrerei für angemessene Vertretung im Parla- ment und in der Presse wird vorauschtlich den gewünschten materiellen Ertrag liefern, mit dem es dann auch sicher ge- lingen wird, die zugerichteten Korrespondenzen in die Zei- tungen hineinzubringen. Es ist dies um so leichter, als die Herren ja willens find, dieselben unentgeltlich abzugeben. Recht bcmcrkenswerth ist dabei, daß die offiziösen„Berl. Pol. Nachr." den Dünger mit auf den Acker fahren helfen und daß der Herausgeber derselben nunmehr auch die Provinzialpresse damit beglücken will. Voraussichtlich wird es ihn: leicht wer- den, die bis jetzt anderweitig„beschafften" Artikel auch in Zu- kunst für die Provinzialblätter zu beschassen, so daß dann eine allgemeine Generalabfütterung stattfinden kann. An einer ge- nügcnden Vertretung in der Presse wird es den Herren also nicht mehr fehlen, ob fie aber dadurch die gewünschte„an- gemcssenc" Verttetung im Reichstage erlangen werden, das bezweifeln wir sehr. Die branschweiger Thronfolgefraae ist noch immer Gegenstand einer lebhasten Zeitungspolemik. Vorläufig wird diese Katzbalgerei auch noch nicht aufhören, denn obgleich der Bundcsrath bereits dahin entschieden hat, den Herzog von Cumberlano nicht als Regenten zuzulassen, so bleibt doch die Frage, wer nunmehr die Srelle desselben einnehmen soll. Vielleicht kommt man auch schließlich noch zu der Ansicht, daß Braunschweig auch ohne einen Thronfolger regiert werden kann. Zur Zeit schweben— wie die„Magd. Ztg." wissen will— keinerlei Verhandlungen oder Erörterungen über die Person des künftigen Regenten in Braunschweig, denn es ist noch immer die Mög« lichieit nicht ausgeschlossen, daß man sich vorläufig ,u einer Verlängerung des Mandats des Regentschaftsrathcs entschließt. Am l. Dezember d. I. findet wiederum eine allge- meine Volkszählung im Deutschen Reiche statt. Sie wird in derselben Weile und nach derselben Methode zur Ausführung gelangen, wie die Volkszählungen der früheren Jahre; jedoch sollen mit Rückficht darauf, daß seit der letzten Volkszählung die Berusszählung stattgefunden hat, die zu bcanlwostenden Fragen auf das thunlichst geringe Maß beschränkt werden. Die erforderlichen Formulare find bereits im Ministerium des Innern aufgestellt und den Regierungen zur Weitersührung an Kreisbehörden übermittelt worden. Im Einzelnen die _ bemerkt der Minister noch folgendes: Um den Ortsbehördcn vor Voll- endung und Aufbereitung der Zahlergebnisse durch das könig- liehe statistische Bureau, wie dies schon 1880 geschehen ist, einige Kenntniß des Ergebnisses zu verschaffen, sollen doppelte Exemplare von Zählcr-Kontrollisten verabreicht werden, damit die eine von den Zahlen als Konzept benutzt und von der Ortsbchörde zurückbehalten werden, drc Reinschrift aber alsbald an das statistische Bureau gelangen kann. Auch wird von diesem wiederum Vorsorge getroffen werden, daß möglichst entstellt und die letzte Probe von Schwärze von den starken, feftbesohlten Schuhen mit fortgenommen. Die Ausrüstung der einsamen Wanderin bestand aus einem Bündel Kleidungsstücke, einer wollenen Decke, einem Säckchen mit einer Mischung von braunem Zucker und feingeriebenem Mais- und Weizenmehl, dem bekannten, sehr nahrhaften Pinole, und einem mäßig großen Lederschlauch mit Wasser. Wenn zu diesem aber noch der kräftige Knabe hinzugefügt wurde, so bildete das Ganze eine Last, die auf die Dauer auch für den stärksten Mann zu viel hätte werden müssen, zumal auf einem Boden, auf welchem die Füße bei jedem Schritt tief in das lose Erdreich einsanken, oder auch streckenweise gegen. scharfes Gestein und dornenreiches Gestrüpp zu kämpfen hatten. Doch was jeden andern ruhig überlegenden Menschen mit Besorgniß und Grauen erfüllt hätte, das beschäftigte nur zeitweise den Geist der jungen Mutter, und wenn das Bewußtsein ihrer hilflosen Lage wirklich zuweilen ihren letzten Äuth zu brechen drohte, dann brauchte sie nur rück- wärts zu schauen, um ihren wankenden Entschluß wieder zu befestigen und die sich ihr entgegenstellenden Hindernisse vor ihrer wild erregten Phantasie verschwinden zu machen. Hatte sie doch auf ihrer Flucht von der Mormonenstadt absichtlich, um einer Verfolgung zu entgehen und die ihr Nachsetzenden zu täuschen, die eigentliche Emigrantenstraße verlassen und den längst nicht mehr benutzten Weg durch die Wüste eingeschlagen. Was waren ihr drei, vrer Wochen der Ein- samkeit in der schrecklichen Wildniß, die sie nur dem Namen nach kannte? Sie wußte, welche Richtung sie beizu- behalten hatte, um weiter oberhalb wieder in die Emigranten- straße zu gelangen, die zur Zeit noch von Auswanderern belebt sein mußte, und das war ihr genug. Fort, weit fort vom Salzsee drängte es sie; fort von dem Lande, wo sie ein Paradies zu finden erwartete, und wo sie schmählich hintergangen worden war; fort, gleichviel, ob mit Gefahr ihres Lebens, wenn nur ihr Kind, ihr lieblicher Engel, ge- rettet wurde.— „Ja, ich trage Dich durch diese Wüste," wiederholte sie fest nnd muthig, indem sie die niederhängenden Locken auf bald nach der Zählung den Vorständen der Gemeinden mit 2000 und mehr Einwohnern handschriftliche Heber- stchien des cndgiltigen Hauptergebnisses zugestellt werden, ohne daß es eines weiteren Antrages bedarf. Gleiche Ueberfichtcn werden auch an die Verwaltungs- Behörden der Lrte mit weniger als 2000 Einwohnern, jedoch nur auf besonderen Antrag, verabfolgt, während den Kreisbehörden Handschnsten der endgiltigcn Zählungsergcbnisse nach einem anderen Muster zugeben sollen. Für jede Stadt, Landgemeinde und selbstständigen Gutsbezirk ist, abweichend von der Zählung des Jahres 1880, von der Ortsbehörde, bezw. von der Zähl- kommisfion auf Grund der Zähler-Kontrollisten eine Ortsliste zusammenzustellen und durch Unterschrist zu beglaubigen. Die- selbe soll dazu dienen, für eine neue Ausgabe des bekannten Werkes:„Die Gemeinden und Gutsbezirke des preußischen Staates", welche im Anschluß an die Volkszählung veranstaltet werden soll, die erforderlichen Unterlagen zu liefern. Zu gleichem Zwecke soll das bei der Absendunq der Kontrollisten an das statistische Bureau einzureichende Verzeichniß sämmtlicher zum Kreise gehörigen Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke ver- wandt werden, dessen sorgfältige Aufstellung daher den Kreis- behörden zur ganz besonderen Pflicht gemacht wird. Veran- staltuvgen, welche den Stand der ortsanwesenden Bevölkerung am Zählungstagc wesentlich verändern könnten, sollen nach Möglichkeit verhindert werden, und es ist wegen der Kram- und Viehmärtte bereits früher Vorsorge getronen. Endlich wünscht der Minister, daß nach Beendigung des Zählgeschäftes über die bei der Zählung gemachten Wahrnehmungen auf Grund einer bereits 1880 getroffenen Anordnung berichtet werde. Die Minister für Handels und Gewerbe und des Innern haben angeordnet, daß oie in Folge Rundschreibens vom 13. Juni d- I. bezüglich der Explosion von Pe- troleumlampen und-Koch.ern bewirkten Feststellungen in entsprechender Weise auch fernerhin bis auf Weiteres statt- finden sollen und daß über die Ergebnisse jedesmal zum 1. Januar unter Vorlegung der ausgefüllten Fragebogen seitens der Regierung Bericht erstattet wird. Die Verhältnisse in Eanfibar haben sich sehr zu Un- gunsten Deutschlands geändert, wie aus einem Briefe hervorgeht, den der erst kürzlich nach dorthin gereiste Dr. Fischer an seinen in Berlin lebenden Bruder geschrieben hat. Es heißt darin u. A.:„Die Verhältnisse hier in Sanfibar haben fich in polittscher Beziehung sehr geändest, seitdem ich es nicht wieder gesehen. Früher war Deutschland bei dem Sultan sehr beliebt, jetzt ist es ihm verhaßt. Bei seinem Eintreffen m Sanfibar wäre es Gerhard Rohlfs noch ein Leichtes gewesen, den Sultan zu bewegen, fich unter deutsches Protettorat zu stellen, denn damals war die Ussagra-Erwerbung noch ein Ge- heimniß, jetzt ist fie es natürlick nicht mehr, und hat fich der Sultan ganz den Engländem in die Arme geworfen. Die englische Marinestalion zur Ueberwachung des Sklavenhandels ist aufgehoben. Es werden in Folge dessen wieder mehr Sklaven eingeführt, obwohl es des Sultans Pflicht ist, es zu verhüten. Die Preise der Sklaven find in weiterer Folge sehr gesunken. Kirk, der englische Generalkonsul, der früher gehaßt und gefürchtet war, gilt jetzt alles. Die Herren der deutsch- ostafnkanischen Gesellschast gehen jetzt von allen Küstcnplätzen aus vor. Dr. Jühlke ist von Tangani zum Kilima-Ndjaro, zwei andere von Lemir zu dem Maffokomo gegangen. Der Sulla» hat überall seine Flagge gehißt und Mrlitärposlen ein- gerichtet, so auch an der Formosa- Bai. Ein Konflitt kann nicht ausbleiben, besonders wegen Witu, doch kann es ja nichts helfen, der Sultan muß nachgeben. In Ussagra ist noch gar nichts geschehen, nicht einmal ein Haus ist gebaut. Graf Pfeil's Hütte haben die Araber in Brand gesteckt." Aus Kiel schreibt man dem„Hamb. Korresp.", daß der Minister des Innern von Puttkam er gelegentlich seiner Anwesenheit, und zwar bei Vorstellung der Mitglieder des Magisttats und des Stadtverordneten-Kollegiums auf den: dortigen Rathhause am 10. d. M., dem Chef der Kieler Polizei seine ganz besondere Anerkennung über das energische Einschreiten gegen die sozialdemo- kratischen Führer Frohme und von Volkmar auszusprechen Gelegenheit nahm. Der Reichstag Hai bekanntlich einer durchaus entgegengesetzten Auffassung Ausdruck gegeben. Oesterreich-Ungarn. In der Herbstsesfion des ungarischen Reichstages wird, wie die„Budapester Korresp." vernimmt, seitens der liberalen Partei ein Antrag vorgelegt werden, nach welchem die Dauer eines jeden Reichstages von drei auf fünf Jahre ausgedehnt werden soll. Das Blatt glaubt, daß die Regierung einem sol- chen Anttag nicht opponiren werde, so daß für den nächsten Reichstag die Abgeordneten schon auf fünf Jahre zu wählen wären: auch die Führer der vereinigten Opvofitiou seien nicht gegen die Verlängerung der Zeitdauer des Mandates. Einige hervorragende Mitglieder des Abgeordnetenhauses, welche den kurzen dreijährigen Reichstags-Zyrlus als in jeder Hinficht nach- theilig für die Thätigkeit der Legislative halten, wollen die Dauer des Abgeordneten-Mandatcs auf vier Jahre verlängern. — Besser wäre es gewiß, wenn fich die Herren gleich auf dem Gesicht des kleinen Knaben tanzen ließ, daß dieser jubelnd und kreischend mit beiden Händen um sich schlug. „Du bist nicht schwer— doch, Du bist sehr schwer und wohlgenährt, aber nicht zu schwer für Deine Mutter, und auf der Emigrantensttaßc werden wir barm- herzige Menschen finden, die sich unserer annehmen und uns nach Kalifornien bringen. Dort aber will ich arbeiten und sparen, bis ich die Mittel zusammen habe, die Rückreise nach der lieben süßen Heimath jenseits des Ozeans antreten zu können.— O Heimath! Wäre ich ihm doch nie gefolgt! Er war gut, er war edel, bis die neue Lehre ihn verdarb. Annes, armes Kind, was wirst Du dereinst sagen, wenn Du erfährst, wie Dein Vater an mir, Deiner be- dauernswerthen Mutter, gehandelt? Im Vertrauen auf seine Liebe und durchdrungen von den scheinbar geläuterten christlichen Lehren gab ich meine glückliche Heimath auf, um ihm zu folgen. Ahnungslos und mit treuer Hingebung be- gleitete ich ihn auf der weiten Wanderung nach dem so ver- lockend geschilderten Ziel, um hier zum Bewußtsein einer schrecklichen Lage zu gelangen!" Hier schwieg die junge Frau, und bittere heiße Thränen rollten über ihre bleichen Wangen auf den lächelnden Knaben hinab. Die Worte, die sie Anfangs, als ob er sie verstanden hätte, an ihren Liebling richtete, waren allmählich in ein Selbstgespräch übergegangen, oder viel- mehr in laute Betrachtungen, die sie leiser und leiser vor sich hinmurmelte. Nach einer kurzen Pause fuhr sie, wie aus einem Traume erwachend, heftig empor; ihre Wangen rötheten sich schnell wieder, und in seltsamem Feuer leuchteten ihre sonst so milden Augen. „Ich, feine vor Gott und den Menschen rechtmäßig an- getraute Gattin, ich, die ich an weiter nichts dachte, als ihm das Leben zu versüßen, ich mußte es dulden, daß er, Heid- nischen Gebräuchen huldigend, noch eine zweite Frau durch die Banden der Kirche an sich fesselte!" rief sie glühend vor Schani und Zorn aus, indem sie ihre Hände über dem Kinde krampfhaft in einander ballte.„Getäuscht, bettogen, schändlich betrogen, wie so viele meines Geschlechts, die in blindem Vertrauen ihren Gatten hieher nachfolgten! B»- Lebenszeit„wählen" ließen, fie könnten dann ungenichO ohne fich unangenehmen Aufregungen unterziehen zu lrf> auf den„Wollsäcken" fitzen bleiben. Fraukreich. Der Handelsminister Legrand hat die Präfckten in 13 Rundschreiben angewiesen, ihm, so oft in ihrem ArrondifsS ein Streik ausbricht, sofort über Ort, Umfang, Ursach> Tauer veffclbcn, die Forderungen der Stteikenden, du- schlüge der Arbeitgeber, die Bedingungen, unter welch«»' Arberl wieder aufgenommen worden, dre Löhne vor und« dem Streik, die Mittel der Streikenden und die(W Ucberschreitungen des Koalitionsgesetzes von 1864, sowie% folgten Verurtheilungen zu berichten, besonders aber noch» den Einfluß, welchen die Arbeitseinstellung auf den W den Industriezweig ausgeübt hat, sei es durch Aendcruns' Lohnsatzes oder durch Aufhören der Bestellungen, die W ausländischen Mitbewcrbung zugeflossen find. Ter M wünscht namentlich über letzteren Punkt genaue Auskuip Der Herr Minister würde gut thun, wenn er fich der 9* fache nach über die Ursachen der Stteiks informiren und# dahin wirken wollte, daß diese besettigt werden. � Generalrath der Seine sprach gestern mtt odgegen 8 EtiS den Wunsch auS, daß das kreuz auf dem Pancheon bei» und durch eine allegorische Figur, den„Ruhm" oder die sterblichkeit", ersetzt werde. G r o tz b r i t«»« i e n. Je näher die Wahlen kommen, welche die Entscd«� bringen werden, ob ein konservatives oder liberales M die Regierung führen soll, desto eifriger wird von beide«? teien der Gimpelfang betrieben. Dre eine Partei übel> die andere förmlich rn Betteff der Arbeiterfreundlichkeit.; Freitag fragte im Unterhause der liberale Abg. Collings: Schatzranzler, ob er die Diskusfion der Bill, welche de- stimmung aufhebt, wonach Personen, die von Armenn>«j Medizin und ärzlliche Behandlung erhallen Habens Stimmrecht entzogen wrrd, zu beschleunigen gen« und ob er selbst für oie Bill eintreten werde. Srr I Hicks-Beach(konservattv! antwortete, die Regierung selber diesem Uebelstande abhelfen durch eine entsprechende B die der Präsident des Lokalregicrungs- Amtes bereits n Montag einbringen würde. Samuel Smith, liberal« tretcr für Liverpool, lentt die Aufmerksamkeit des Haus den enormen Nothstand unter den ärmeren Ar terklassen und die Uebervölkerung der großen( Englands, und stellt einen Anttag zu Gunsten eines oll rischen technischen Unterrichtsspstems für die im Aller> bis 16 Jahren stehenden Kinder der ärmeren Klaffen in! schulen, um ihnen eine Erziehung zu geben, die sie b« sich im Jnlande oder in den Kolonien eine Existenz zu den. Im Lause der Begründung seines Anttages Smith Zitate aus dem Bericht der königlichen Kommisst« Untersuchung der Armenwohnungen, wonach es in 0 allein nicht weniger als 60 000 Familien giebt, von den« nur ein einziges Zimmer bewohnt. Sein Antrag bei» die Kinder ju retten, deren Umgebung nicht allein moralischen Standpunkte, sondem auch vom physische« nachtheilige sei. Der Minister des Innern, Sir Richar» erbebt Bedenken gegen ein obligatorisches Unterricht Slaubt aber, daß durch Gründung von freiwilligen hulcn viel Gutes gestiftet werden würde. Was oie völkerungsftage betrifft, so beabstchtigeZdie Regierung, i den Bericht der königlichen Kommisston zur Prüfung ver wohnungen bafirte Bill einzubringen, die, wie er hoffe, der gegenwärtigen Session Gesetzeskraft erhalten werde- Anttag Smiths wird schließlich ohne Abstimmung abgel Die Ilebervölkcrungsfrage spukt, wie man sieht, auch' lischen Parlament, fie ist in Wirklichkeit gar nicht v.. Ein Blick auf das benachbarte Irland genügt, um ko: zu können, daß lediglich die heutigen wirthschaftlichen' nisse die traurigen Zustände hervorgebracht haben. — Einiges Aufsehen erregt der Brief eines Stabsi aus Egypten, welcher die Räumung Dongolas seh billigend bespricht. Ich möchte wissen— so äußert r Absender— ob die englische Nation überhaupt ein'S" hat. Ich bezweifle dies. So weit ich sehen kan» unsere Räumung nicht das mindeste Aufsehen irgend ei« in der Hcimath verursacht. Das Publikum hat es mit a! Glcichgiltigkeit hingenommen, daß 12 700 unglückliche lingc Dongola den Rücken gewendet haben, von Vene« niinirt ist und die Masse Hunger leiden wird, denn diese Leute von ihrem kleinen Flecken Landes am FM mit ihrem Sakelyah und ihrer Kuh wegführt, besitzen Jjy andere Existenzmittel. Als wir vorigen Herbst nach N gingen, befand fich die ganze Provinz in leidlichem Wohl» lluserc Okkupation hat zur Folge gehabt, daß fie jevt ruinirt ist. Der ganze Platz ist verödet, und die absolut leer. Nicht ein einziger Eingeborener befindet' derselben, ausgenommen einige wenige, die von unser« Hut beschäftigt werden. Wir haben lämmttiche Einwol" vorher in ziemlich günstigen Umständen waren, in a trogen und verhöhnt, und mir bleibt nur die Schand»- der Tod in der Wüste „Wasser!" stammelte der Knabe, und reckte d« zweifelnden Mutter die Aermchen entgegen. „Nein, nein, nicht den Tod begütigte die jung« e über ihre eigenen Worte erschreckt zusammenfahrend; rn lieber alle Schande, allen Hohn der Welt ertragen�! ja sonst Niemand mehr als Deine Mutter, Deine die über Dich wachen und für Dich sorgen wird," liebreich hinzu, indem sie den Schlauch entkorkte und klaren Quellwasser in eine blecherne Tasse laufen ließ- „Trinke, mein süßes Kind," sagte sie dann, den ausrichtend und die Tasse an seinen Mund haltend;'' nach Herzenslust, auch ich will ein Schlückchen nehw�i mit ich nicht entkräftet werde." a Der Knabe trank mit vollen Zügen: die � Frau dagegen bettachtete unterdessen mit einem � blick den noch vollen Schlauch. Sie ho#« erst in der Frühe an einer Gebirgsquelle � und mochte darüber nachsinnen, wo und wann sie die f? Gelegenheit finden würde, sich mit einem neuen rath zu versehen. j „Wenn ver Inhalt nicht ausreichte," flüsterte K, wüßt, und ein leises Beben ergriff fie;„aber er reichen, wenn ich enthaltsam bin und mir nur de« netze. Das Wild wird mir schon rechtzeitig eine„ Quelle zeigen. Drei Tagereisen von hier soll ein A": Rande der Wüste dahinrieseln; gebrauchte ich auch w*' Tage, so würde mein Knabe noch keine Roth leide«"l In diesem Augenblick gab das Kind zu versteh� es sich zur Genüge gelabt habe. Es waren noch � Tropfen in der Tasse zurückgeblieben. Die Mutt#� mit denselben, wie fie eben gesagt hatte, ihren". m und dann ihre geringen, aber unschätzbaren Habsri'rn wieder vorsichtig zusammenpackend, ttaf sie AnstW�J Wanderung fortzusetzen. Als sie aber ihren von der Erde aufheben wollte, da weigerte fich dw. Folge zu leisten. Ein leiser Wind war von Südiv� ausgesprungen und trieb spielend lange Dtteife« � loser Sandtheilche» über den trügerischen Erdbode« und Bettler verwandelt, und viele derselben werden Zweifels- ohne Hungers sterben, und Niemand in der Heimath, so wen ich beurtheilen kann, widmet alle dem einen©ebonkn. Ich glaube nicht, daß irgend eine Nation jemals eine kaltblutigere, feigere, gottlosere Handlung der Selbstsucht beging, als wir »urch unsere Räumung von Dongola begangen haben.— Wer Schreiber wird in Betreff des Gewiffens nicht so ganz Unrecht haben, vorausgesetzt, daß er mit dem Ausdruck„Natron die- �enigen bezeichnen will, welche den Krieg überhauvt angezettelt Vgtzpte«. Gestern wurde der Mahdi todt gesagt und -:-v- lustig in der Wüste'' eute marschirt nach Oberegypten zu. die Stadt Eint zu beer bereits wieder Iäisü der schwarzen Bevölkerung des Sudan, der Nubier, erfüllen gegenwartig die Straßen Egyptens und cnnnern an die Zeiten des welchen die Aethiopicr aus dem innersten im+or Sa*- A-fjr unter der hatten. illehrzahl nach der Hauptstadt Alterthums, in Sudan mitten kgyptlschen Bevölkerung ihre Sitze aufgeschlagen NmeriVo« Ueber die Wirren in Zentral-Amerika verbreitet ein Bericht, welcher der„Nat.-Ztg." aus Guatemala zuging, etwas mehr Licht. Derselbe lautet: Die Zustände in Mittel-Amerika find noch immer in der größten Unordnung. Der Kongreß von Guatemala hat einen gewiffen BanllonS zum Präfidcnten er- nannt, und dieser bestrevt fich, die Härten und Ungerechtigkeiten fernes Vorgängers Äarrios in Vergessenheit zu dringen und wieder gut zu machen. Die bc üchtigte Penitenciaria(Ge- sängniß) in Guatemala, wo Barrios seine persönlichen und politischen Gegner eingesperrt hielt und prügeln ließ, ist jetzt geöffnet und wird von allen Bewohnern der Stadt besichtigt. Augenzeugen berichten wahre Greuel über diesen Ort. 60 Personen wurden in Freiheit gesetzt. Drei derselben waren durch die Länge der Haft und der Leiden zu Idioten geworden. In einem Loche unter einer Mauer wurde ein Mann gefunden, deffen Namen man noch nicht ermitteln konnte, da Barrios seine Kerkermeister öfter wechselte. Der Unglückliche, deffen »--- ,C, v,«w v I v«««•»» O'' WIJV»» Haut zu Pergament zusammengeschrumpft ist, wird mit Milch am Leben erhalten. Er hat die Sprache verloren. Man glaubt, e>& A4 Ci v 1C� V, m a** ys 1 1 u T �2 TTl u � u daß es ein Priester ist, der vor ca. 11 Jahren plötzlich ver- schwand. Barillos fitzt nicht fest auf seinem Präfidentenftuhle, er hat sein Ministenum bereits geändert. Man befürchtet den Ausbruch einer Revolution gegen alle Anhänger des Barrios. In San Salvador hat man den Dr. Zaldivar, der nach der Schlacht von Chalchwepa(bekanntlich fiel Barrios in dieser Schlacht) den Versuch machte, die zentralamerikanische Union herzustellen, welcher Versuch aber an der Eifersucht der ver- schiedenen Machthaber kläglich scheiterte, fortgejagt. Er hat aber noch den Anschein bewahren können, als yabe er abgedankt. Dcrjetzige Präsident ist Figueroa. Diesem macht der General Menend«, ein Feind der Regierung des galdivar und Barrios, ocn Präfidcntenfitz streitig. Menendez ltte sich Ende 1884 mit Barrios verbündet, um wenigstens zunächst den Zaldivar zu stürzen. Eine mächtige Partei hängt in San Salvador dem Menendez an. Nach dem Tode des Barrios erklärte er fich wieder unabhängig von Guatemala und proklamirte den Krieg o-rw««»~..t---- setzt denselben jetzt( aesammclt und hält____„_______....------------ Punkte besetzt. Nikaragua hat dem Figueroa 600 Mann zu Hilfe geschickt. Seit Anfang Juni schlagen fich die verschiedenen Banden herum. Am 13. Juni errangen die Truppen des Figueroa bei Guavabel einm kleinen Vortheil. Es ist aber anzunehmen, daß Menendez sein Ziel erreicht und Präfident wird und daß dann wieder neue Revolutionen folgen. Zaldivar wird seine„Ersparnisse" in Europa verzehren. , Honduras ist ruhig; in Nikaragua erwarten alle Parteien mit Spannung das Resultat der Berathungen_unb Vcrhand- --------„„.V|...... VW vvy w—v—.p—■---- lungen über den Nikaragua-Kanal, welche in Washington ge- führt werden. Costa-Rrca ist weiter bestrebt, sich aus seinen Schulden herauszuarbeiten. Auf dem Isthmus von Panama ist es ebenfalls ruhig; die Kanalarbeiter kehren in Echaarcn an ihre Arbeit zurück. Die verschiedenen Gruppen der Revolutionare, welche seit ca. 1'/- Jahr das unglückliche Kolumbien verwüsten, find zum größten Theile zersprengt. Aber ein Rest von 6—7000 Mann, gut bewaffnet und geführt, steht noch bei Baranquilla. Zur Ver- Die bewegliche» Sandtheilchen hatten des Kindes Aufmerk- samkeit erregt, und wie jüngst die Locken der Mutter, s» suchte es jetzt diese fich anzueigue». „Komm, mein Krnd," sagte die Mutter zärtlich, und ihr gramerfüllteS Antlitz erhellte fich zu einem flüchtigen Lächeln,„komm, die Frühstunden eignen sich am besten zur mühevollen Wanderung; nachher, wenn wir erst eine größere Strecke zurückgelegt habe«, dnn« wollen wir rasten und mit dem Sande spielen.". „Spielen, svielen!" rief da« Kind, fich eigenwillig auf die Seite werfend. Die Mutter lächelte wieder, hob den Kleinen trotz seines heftigen Sträubens empor, befestigte ihn so vor sich in die Decke, daß er um fich zu schauen vermochte, und nach- dem sie sodann ihren breitrandigen Strohhut etwas seitwärts gezogen, um dem Kinde Schutz gegen die hellen Strahlen der Sonne zu gewähren, ergriff sie ihren langen Wanderstab, und ohne Seufzer oder Klage, aber stets noch plaudernd mit dem Kinde, schritt sie gerade in die Wüste hinein.— Die Sonne war um diese Zeit vollständig hinter der östlichen nackten Bergreihe hervorgetteten, und indem sie ein blendendes falbes Licht über die Ebene und die dünen- artigen Sandanhäufungen«ahe der Felsenkette verbreitete, envärmte sie schnell die nahe dem Erdboden lagernden Luft- fch'chien, daß diese, sich langsam mit den oberen kühleren vermischend, sichtbar in wellenförmiger Bewegung flimmerten und bebten. Der Wind strich leise dahin, und immer weiter dehnten sich die tanzendeu Flugsandstteifen aus, auch in größerer Entfernung leicht erkennbar an der helleren Farbe. Außer der wandernde» Mutter mit ihrem Kinde war im weiteste» Umkreise kein lebendes Wesen zu entdecken. Kein Laut, kein Ton, ob nun drohend oder jammernd, deutete darauf hin, daß die Natur auch in diesem traurigen Erdwinkel vereinzelte ihrer Geschöpfe untergebracht habe. Es war, als habe ei» Fluch auf der ganzen Landschaft geruht, ein Fluch, der jedes organische Leben schon im Keime erstickte, und nur das kümmerliche Gedeihen der den Menschen Und Thiere» feindlichen Dor»e»gewächse gestattete. Doch blind für alle« dieses verfolgte die Wanden» mchtung dieser Schaar marschiren die Truppen der Zentral- regierung von allen Seiten auf Baranquilla. Colon(As pinwall) beginnt wieder aus seiner Asche zu erstehen. t Kommunales. im Zur nächsten Stadtverordnetenwahl, welche November d. Js. stattfindet, ist es erforderlich, daß sich jeder Wähler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler- liste eingetragen ist, wer nicht eingetragen ist, geht des Wahlrechtes verlustig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der §§ 19 und 20 der Städteordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt und wird nunmehr in der Zeit vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. I. täglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags im Wahlbureau des Magistrats, Brcitcstr. 20a, 2 Tr, öffentlich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtge» meinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen erheben. Dieselben müssen in der gedachten Zeit schriftlich angebracht werden; später eingehende Einsprüche könne« nicht berückfichttgt werden. Die städtische Schnldeputation fordert diejenigen Eltern, Vormünder%., welche Kinder in die hiesigen Gemeindeschulen zum 1. Oktober d. I. aufgenommen zu sehen wünschen, auf, sich sofort und spätestens bis zum 15. August cr. mit den Impfscheinen der Kinder behufs Einschulung derselben bei den Bezirks-Schulkommisfionen zu melden. Anttäge, welche erst nach dem 15. August cr. eingehen, können von den Schulkom- Missionen nur dann für die betreffenden Bezirksschulen berücksichtigt werden, wenn nach Unterbringung der früher ange- meldeten Kinder in den betreffenden Schulen noch Platz vor- Händen ist. Die Schul-Kommissionen find berechtigt, nach Be- finden der Umstände auch die Beibringung des Geburtsattestes (resp. Taufscheines) der Kinder zu verlangen, zu deren kosten- freien Erlangung im Falle der Bedürftigkeit für die in Berlin geborenen Kinder von den Bezirksvorstehern Formulare in Empfang genommen werden können. Diejenigen Eltern%., welche am 1. Oktober d. I. verziehen und denen die neue Wohnung bereits vor dem 15. August cr. bekannt ist, werden gut thun, die Anmeldungen ihrer Kinder bei derjenigen Schulkommisfion zu bewirken, in deren Bezirk die von ihnen zu beziehende neue Wohnung liegt. Die genannte Deputation weist dann auch darauf hin, daß oie Schulkommisfioncn von der Beibringung eines Taufscheines der aufzunehmenden Kinder im Allgemeinen Abstand nehmen können, daß es indcß dem Ermessen der Schulkommiffionen überlassen bleibt, ob sie bei der Aufnahme der Kinder in die evangelischen Schulen die Vorzeigung von Taufscheinen ver- langen oder fich sonst von der Zugehörigkeit der Kinder zu der evangelischen Kirchengemeinschast überzeugen wollen. In Be- ,ug auf die Einschulung der katholischen Kinder behält es bei den ,n der„Instruktion für dre Schulkommisfioncn, An- hang>." aufgeführten Bestimmungen auch fernerhin sein Be- TDGH w KfMänkung der Eonntaasarbeit. Das Kuratorium des stadtischen Zentral-Viehhofes bnngt zur öffentlichen Kennt- mß, daß vom Sonntag, den 19. Juli d. I. ab die Schlacht- bauscr auf dem städtischen Zentral-Schlachthofe an den Sonn- tagen und den allgemeinen Feiertagen nur noch bis 9 Uhr Vormittags geöffnet sein werden. An den genannten Tagen können daher fortan nach 9 Uhr Vormittags Schlachtungen nicht mehr stattfinden. Zokales. Die Einrichtung der städtischen KInßbadeanstalten ist äußerst primitiv und bedarf dringend einer Verbesserung. Vor Allem ist die geringe Größe der Basstns zu tadeln. Die- selben find im Durchschnitt nur 30 Fuß lang und 18 Fuß breit und bei diesen Dimensionen nicht im Stande, dem ge- waltigen Andränge der Badenden zu genügen. Der Boden dieser Bassins ist schief gelegt, so daß sich vom die Nichtschwimmer, hinten, wo es tiefer ist, die Schwimmer aufhalten müssen. Von Schwimmen kann bei einem so beschränkten und zudem überfüllten Räume kaum die Rede sein. Femer ist das Fehlen jeder Zellen zu tadeln, weiter auch die in hygienischer Beziehung zu verwerfende Einrichtung, daß die Garderobe der Badenden dicht neben einander an den Wänden aufgehängt und somit die Ucbertragbarkeit schleichender Krankheiten und des Ungeziefers leicht ermöglicht wird. Andere Uebelstände seien nicht einmal erwähnt. Kurz, die städtischen Flußbade- anstalten find unverändert so geblieben, wie sie am 20. Mai 1853 errichtet wurden. Für die damalige geringe Bevölkemng der Stadt, so wird der„Voss. Ztg." gefchneben, mochten die Einrichtungen genügen. Jetzt aber, nachdem dieselbe auf IV« ihren Weg. Sie hatte den nebelähnlichen Gipfel eines am nordwestlichen Horizont auftauchenden Berges zu ihrem Ziel gewählt, und unbekümmert um die tödtliche Ein- samkeit, lenkte sie ihre Schritte auf denselben hin. Die zunehmende Wärme und die schwere Last trieben den Schweiß i» Perlen von ihrer Stirn, allein sie achtete nicht darauf. Sie fühlte sich noch stark, so stark, als ob ihre Kräfte nie zu erschöpfen gewesen wären. Ihr Kind war eingeschlafen; vorsichtig vermied sie jede Bewegung, die dasselbe hätte wecken können, und mit innerer Zufriedenheit bemerkte sie, daß der Sand immer lustiger und höher vor dem wachsenden Winde dahinstäubte. Sie hoffte, ihren er- wachenden Kleinen mit dem sonderbaren Schauspiele zu er- fteuen- gewährte eS ihr doch selbst einige Unterhaltung, zu beobachten, wie die weißen Streifen sich bald verlängerten, bald verkürzten, oder fich auch zu großen regsamen Flächen vereinigten und dann wieder schnell in kleine Felder auS- einanderriffen. Plötzlich fuhr sie, indem sie zur Seite schaute, erschreckt zusammen. Ihre Blicke waren auf einen klaren See ge- fallen, der seine zitternden Fluthen mit reißender Schnellig» keit bis auf etwa hundert Schritte an sie heranwälzte und sich dann zu beiden Seiten vor ihr ausdehnte. Sie faßte sich indessen schnell wieder, und die Hand auf ihre Brust legend, wie um das heftige Pochen des Herzens zu beruhigen, blickte sie, ohne die Eile ihrer Schritte zu mäßigen, eine Zell lain� mit� besorgnißvoller Theilnahme auf den trüge- „O, wenn es doch Wasser wäre," sagte sie mit einem tiefen Seufzer,„süßes, klares Wasser; ich brauchte dann nicht zu sparen.- Aber es ist Täuschung, für den Durstigen bittere, martervolle Täuschung," fuhr sie fort, als sie be- merkte, daß der See mit seiner leicht gekräuselten Oberfläche gleichen Schritt mit ihr hielt und, wenn fie sich ihm zu nähern trachtete, neckisch vor ihr zurückwich. „Und dort die Inseln mit den schattigen Baumgruppen," nahm sie nach einer längeren Pause ihr Selbstgespräch wieder auf,„wie würde mein Knabe sanft schlummern unter dem schattigen Laubdach, oder spielen am Rande des seichten Ge- wässers! Aber es ist Täuschung; dort verschwindet eine Insel, Millionen angewachsen ist, find fie unzureichend. Unwillkürlich lenkt fich der Blick auf die m England, Frankreich und Belgien für die arbeitenden Klassen eingenchteten Badeanstalten. Sie vereinigen vorzügliche Einnchtungen mit billigen Preisen und haben zudem den Vortheil, daß fie im Winter benutzbar find. Ihre Ernchtung geschah aus städtischen Mitteln, da man fie als dem Gemeinwohl ungemein förderliche Institute betrachtete, die in jeder Beziehung unterstützt werden müßten. Man erhält dort warme, kalte und Douchebäder. London, Dundee, Glasgow, Man« chcster, Brüssel, Paris u. s. w. befitzen solche städtische Bade« anstalten, welche auch von den Wohlhabendsten benutzt werden. Wir bezahlten in einer derselben in London für ein warmes Bad zweiler Klasse inkl. Handtuch nur 2 Pence(ungefähr 20 Pfg.) und für ein kaltes Bad zweiter Klaffe inkl. Handtuch nur 1 Penny. In Paris zahlten wir für ein warmes Bad derselben Klaffe 20 und für em kaltes 10 Zcntimes(16 und 8 Pfg.) Bei solchen Preisen ist es auch dem ärmsten Theile der Bevölkerung möglich, wenigstens einmal in der Woche ein warmes Remigungsbad zu nehmen. Man muß in London ge« wesen sein, um den gewaltigen Andrang von Fabrik-, Werft- Lastarbcitcrn>c. zu sehen, welche baden wollen. Wesenllich er« leichtert wird die Möglichkeit noch dadurch, daß jeder Frau Sestattet ist, ein Kind unter 8 Jahren unentgeltlich mit in die leite zu nehmen, daß femer 3 bis 4 Kinder bis zum Atter von 8 Jahren in einer Zelle zusammen baden dürfen und nur den Preis für eine erwachsene Person zu zahlen brauchen. Von deutschen Städten erfreuen fich nur Hamburg, Hannover und Nümberg annähemd billiger Badetanfe. Berlin ist in dieser Beziehung die theuerste Stadt Europas. Der arbeitenden Klaffe der Bevölkerung wird im Winter das Baden in Folge der hohen Preise geradezu zur Unmöglichkeit gemacht. Unserer Anficht nach wäre es eine der hervorragendsten und zugleich segenvollsten Aufgaben unserer Eradtverwaltung, einmal diese ganze Matene schärfer ins Auge zu fassen und ähnliche Ein- nchtungen, wie die oben angeführten, zum Wohle der weniger bemittelten Bevölkemng zu treffen. D»r Gesundheitszustand der Bevölkernna Berlin» war in der Woche vom 38. Juni bis 4. Juli em ziemlich dolge der anhaltend hohen kommenden Darmkatarrhen Kinder absteht. Letztere denen 210 Kinder unter günsttger, wenn man von dem in Temperatur der Luft massenhaft vor und Brechdurchfällen der kleinen führten allein in 225 Fällen, von 1 Jahr betrafen, zum Tode. Wie immer, find es auch dies Jahr die dichtbevölkerten Stadtthelle lRosenthaler Vorstadt, das Stralauer Viertel, der Wedding), in denen diese Krank- heitsformen die meisten Opfer fordetten. Auch Erkrankungen an Ruhr zeigten sich häufiger, ohne jedoch epidemischen Charakter anzunehmen.— Masern, Scharlach und Diphthene riefen weniger Erkrankungen hervor. Erstcre waren besonders in den beiden Louisenstädtischen Stadttheilen, letztere außer in diesen Stadttheilen im Stralauer Viertel am häufigsten. Typhöse Fieber kamen am häufigsten gleichfalls in den Heiden Louisen- städtischen Stadttheilen zur Anzeige. Mgenommen haben Er- Irankungen an Keuchhusten und an akuten entzündlichen Prozessen der Athmungsorgane. Eine Erkrankung an epidemischer Genick« starre gelangte zur Aufnahme ins Krankenhaus, weitere Pocken» erkrankungen sind nicht gemeldet worden. Rosenartige Ent« zündungen des Zellgewebes der Haut sowie Erkrankungen im Kindbett zeigten gleichwie rheumatische Beschwerden aller Art gegen die Vorwoche keine wesentliche Verändemng in ihrem Auftrete». Während des Monats Mai gelangten in Berlin 315 Proben von Nahrungs- und Genußmitteln zur Untersuchung, von denen 70 beanstandet werden mußten. Die Beanstan- düngen betrafen, wie die..N. Pr. Ztg." mittheilt, Butter, Mehl, Gries, Kakao, Chokoladen und Chokoladenpräparate, Blockzucker, Ingwer, Saffian, Cassta, Piment, Pfeffer, Milch, Wein, Himbeersaft, sowie Verpackungen von Erbsenmehl und Feigenkaffee. Keinen Grund zu Beanstandungen boten Brot, Eiernudcln, Zichonen, Muskatblüthe, Thee und Selterwasser. In drei Fällen war die als Kuhbutter verkaufte Waare(zwei Proben waren Faß- und eine Stückenbutter) reine Kunstbutter. Gries und Mehl waren in 5 Fällen verdorben, zum Theil widerlich mit Mehlmilben verunreinigt. Kakaopulver war in einem Falle übermäßig reich an kohlensauren Alkalien und ent- hielt etwa 4,5 pCt. Soda. Diese Zusätze werden nach dem sogenaunten holländischen Verfahren zur Aufschließung und Loslichmachung verwandt. Man befitzt jedoch zur Zeit andere Aufschlaasmethoden, welche eine Verunreini- gung des Kakaos nicht herbeiführen. Chokoladen und deren Surrogate waren wieder häufig falsch deklanrt, auch mit Sandelholz, Eisenocker oder armenischem Bolus behufs Färbung versetzt. Unter den Gewürzen wurde Pfeffer therls verfälscht, therls stark unrein befunden; Saffran erwies fichin zwei Fällen als völlig gefälscht; Ingwer als stark mit Mehl und Ocker versetzte ertrahirte Cassta, Piment stark unrein und unrichtjg deklanrt, indem Gewürznelken als Piment verabreicht waren. Blockzucker war in eurem Falle ganz dunkelroth gefärbt durch übermäßige Anwendung eines Anilinfarbstoffes, in einem Falle schon an sich unrein, mit Eisenocker versetzt und gefärbt. Vollmilch erschien in zwei die Bäume schrumpfen zu Artemisia-Büschen zusammen, hier steigt eine andere Insel aus den Fluthen empor— aber ich will nicht mehr darauf Hinblicken, es stimmt mich trübe. So sprechend, senkte sie die Augen vor fich auf die Erde, in welche ihre Füße stellenweise bis an die Knöchel einsanken. Der Wind hatte sich erst wenig verstärkt, doch fiel es ihr auf, daß die Schicht de« treibenden Flugsandes bedeutend höher geworden war, und die weißen Streifen nicht mehr, wie kurz vorher, auseindergerissen, sondern, so weit die Lufspiegelung nicht den Erdboden mit einem bläulichen Schleier verhüllte, eine einzige bewegliche Decke bildeten. Da fuhr ein heftigerer Windstoß über die Ebene, und indem die junge Frau ihre heiße Stirn demselben darbot, gewahrte sie, oaß eine dichte Staubwolke de» Spiegel des Sees trübte und zerriß. „Ich werde meinem Knaben das schöne Schauspiel nicht mehr zeigen können, wen» der Wind»och zunimmt," sagte sie, mit einer Anwandlung von Bedauern den zerstörte« See bettachtend. „Trinken!" rief das Kind mit noch geschlossenen Auge»; im nächsten Augenblick hob es aber den Kops empor, und mit dringenderem Ausdruck wiederholte»S seinen Wunsch nach Wasser. Die Mutter stand still und warf einen Blick rückwärts. Ueber der zurückgelegten Bahn lagerte ein dichter Schleier des trübenden Sandes; das Gebirge und der Paß waren aber noch sichtbar, und leicht berechnete sie, daß fie schon gegen sechs englische Meilen gewandert sei. „Es ist freilich noch früh, aber trinken sollst Du, mein Kind," sagte sie zärtlich, indem sie fich ihrer Bürde ent- ledigte.„Ja, trinken und auch etwas essen, damit mein Engel keine Roth leidet.", Mit diesen Worten öffnete sie das Säckchen mit feein Pinole, und nachdem sie von dem feinen, versüßten Mebl iethan, fügte sie so viel Wasser hinzu, bis >lrt von Suppe entstand. (Fortsetzung folgt.) in die Tasse dadurch eine f ällen abgerahmt. Rothwein zu relativ hohen Preisen bis ,5 M. bte Flasche, war theilweise stark gewässert und ge- spritet, theilweise durchaus ordinärer Rothwein, auch stark gegypst. Diese Weine waren aus Schanklokalen mit weiblicher Bedienung mtnommen. Auch Weihweine, als Rheinweine bester Marken, Johannisberger und Liebfrauenmilch bezeichnet, erwiesen sich als sehr zweifelhafte Produkte. Himbeersaft war in einem Falle völlig erkünstelt, ein anderes Mal, um reich- haltiger zu erscheinen, mit Anilin aufgefärbt. In einem von Seiten der streikenden Maurer er- lassenen Flugblatt, das wir im Auszüge mitgetheilt haben, ist im Großen und Ganzen auseinandergesetzt worden, was eine Maurerfamilie mit 4 Kindem in Berlin gebraucht, heute wird der„Rat. Ztg." von einem Streikenden ein spezialifirter Etat einer Maurerfamilie mit 4 Kindem übermittelt. Herr H. Gesell, heiligegeiststrahe 52, macht über die Ausgaben eines Maurers folgende Mittheilungen. Nach diesem Gewährsmann soll eine Maurerfamilie mit 4 Kindem wöchentlich gebrauchen für Brot 1,80 Mk., für Butter!/e Pfd. a Tag gleich 45 Vf., für Käse oder Wurst a Tag 15 Pf., für die Woche also 4 Mk. 20 Pf, cm; Kaffee pro Woche'/, Pfd. gleich 55 Pf., Zichorien 10 Pf., Zucker 1 Pfd. gleich 35 Pf., für Mehl 40 Pf., Kartoffeln und Gemüse 80 Pf. Der Fleischkonsum wird wie folgt berechnet: pro Tag V, Pfd. Fleisch gleich 30 Pf., Sonntag 1 Pfd., also wöchemliche Ausgabe 2 Ml. 40 Pf., für Sah und Gewürze werden die Woche vorausgabt 20 Pf., für Milch a Tag•/« Liter a 15 Pf., die Woche also 1 Mi. 5 Pf., für Bier a Tag 1 Flasche, Sonntags 2 Flaschen, also wöchentlich SO Pfennige; die Ausgaben für Licht und Feuerung werden die Woche mit 1 Mark 80 Pfennige angesetzt, für den Mann werden bei der Arbeit auf dem Bau pro Tag noch 40 Pfo. verlangt, also pro Woche— der Sonntag fällt fort,.— 2 Mk. 40 Pfg-, für Lebensmittel würde der Etat einer Maurerfamilie mit 4 Kindem pro Woche hiemach 17 Mk. 5 Pf. betragen, im Jahre also 880 Mk. 60 Pfg., hierzu kommen in der Aufstellung für Micthe 240 Mk., Kranken- und Sterbekasse 30 Mk. 20 Pst, Steuern 21 Mk. 60 Pfg., Kleidung 100 Mk., Wäsche 30 Mk., Schuhwerk 50 Mk., Doktor und Apotheke 30 Mk., Schulbücher 8 Mk.. in Summa also 1396 Mk. 40 Pf. Nach unserm Gewährsmann soll ein Maurer, wenn die Witte- rung günstig ist, im Jahr 2450 Stunden arbeiten können, das würde bei dem Stundenlohn von 50 Pfg., den die Maurer jetzt verlangen— bezahlt find meistens 40, stellenweise auch 45 Pfg. pro Stunde— eine Einnahme von 1225 Mk. ergeben, also noch ein Defizit von 172 Mark 40 Pfg. zu decken sein. Auf welche Weise dieses Defizit hier gedeckt wird, hat unser Gewährsmann nicht angegeben. In sehr vielen Familien helfen die Frauen die Einnahmen noch insofern vermehren, als fie die Wäsche für Bekannte besorgen, Mäntel nähen, hin und wieder auch„Aufwartstellen" versehen. Sehr viele Familien nehmen, wie nachgewiesen, Schlafburschen auf, wodurch die Ausgabe für die Miethe bedeutend reduzirt wird, die Woh- nungsräumc aber derartig belegt find, daß fie in sanitärer Be- ziehung viel zu wünschen Übrig lassen. g. Eine lehrreiche Paßgeschichte. Ein in der vergan- gemn Woche aus Mielec lGalmen) nach Berlin gekommener vandelsmann Namens G. kehrte am vergangenen Freitag Mittag von mehreren Geschäftsgängen nach seiner m der Klosterstraße belegenen Wohnung zurück, als kurz vor der Laus- thür an ihn ein Schutzmann herantrat, welcher von G- die Vorzeigung seines Passes verlangte. Unglücklicher Weise führte G.den ihm für das Ausland auf drei Jahre ausge- stellten Paß nicht bei fich, er erwartete dessen Eintreffen in Berlin erst am nächsten Täge Morgens(also am Sonnabend». denn G. hatte den Paß einzustecken vergessen, war ohne den- selben abgereist und hatte um Nachsendung ersucht. Inzwischen hatten fich, wie dies in Berlin bei der geringsten Auffälligkeit immer geschieht, zahlreiche Menschen um G. und den f Schutzmann gesammelt, welche die Beiden auch be- eiteten, als der Schutzmann den G- nach dem olizeirevierbureau fistirte. Hier legte G- eine große nzahl vott Briefschaften vor, desgleichen nannte er mehrere hiesige Firmen, wodurch er seine Persönlichkett nachweisen wollte. Auch erbot er fich behufs seiner Freilassung bis zum Eintreffen des Paffes Waaren von namhaften Werthe als Kaution zu stellen, sowie 50M. zu deponiren, damit man nach seiner Heimath telegraphiren sollte, um fich zu erkundigen, daß ihm ein Paß ertheilt worden sei— aber Alles half nichts, man verlangte eben diesen Paß und da G- ihn nicht aufweisen konnte, wurde er in Polizeigewahrsam genommen. Nachdem er fich bis gegen 4 Uhr Nachmittag auf der Wache des Poli- zeirevierbureaus befunden hatte, wurde er nach dem Molken- markt überführt, wo er dieselben vergeblichen Versuche machte, auf freien Fuß zu kommen. Erst nachdem G- 26 Stunden der Außenwelt entzogen war, kam seine Erlösung durch dm wirklich eingetroffenen Paß, welcher ordnungsmäßig ausgestellt war und auf dessen Grundlage G. sofort freigelassen wurde. Und die Moral von der Geschicht?— Vergeh' den Paß auf deinen Reisen nicht! Da« große Hinderniß-Wettlaufen der Sudanese« auf der schwedischen Eisbahn gestaltete fich am Sonntag für unsere Sportswelt zu einem Ereigniß. Trotz der beispiellosen Hitze war das weite Terrain mit einer ungeheuren und froh erregten Menschenmenge bedeckt, die dm Spielm, Kämpfen, Tänzen u. s. w. der Sudanesen mit Interesse folgten. Um 6'/, Uhr verkündete ein tzornfignal den Beginn oes ersten Lausens, zu dem fich die Sudanesen Sali Jsa, Jopp Jopv und Abdesam, sowie 6 Berliner Schnellläufer stellten. Die 550 Meter lange Bahn, mit ihren zahlreichen und originellen Hinder- nissen mußte drei Mal durchlaufen werden, eine Aufgabe, die die Vorgenannten mit Bravour unter der größtm Heiterkeit und Aufregung des Publikums lösten. Herr Gamolli, ein Berliner, ging als Erster in 5 Minuten 20 Sekunden unter Beifalls« salven des Publikums durchs Ziel, während sich Abdesam 4 Se- künden später mit dem zweiten Preise begnügen mußte- Herr Seiffert dritter. Um 7 Uhr folgte ein Flachrennen, bei dem sich 6 Läufer stellten. Herr Mils, ein Berliner, ging als Erster, Bahn 5 Mal tu durchlaufen, in 8 Minuten 3 Sekunden durchs Ziel Hassan, Sudanese, 2 Sekunden später. Gegen dm Sieger lief ein Protest ein, der als berechtigt anerkannt werden mußte. Im dritten und letzten Laufen, Bahn drei Mal mit Hindernissen, stellte fich Jop Jop und Abdesam, sowie 7 Berliner Kon« kurrenten. Aus diesem Laufen ging der Sudanese Abdesam in 4 Minuten 35 Sekunden als Sieger hervor, während Herr Mils in 5 Min. 8 Sekunden die rosa, Herr Kaptain Silbon 4 Sekunden später die hellblaue Schärpe durchs Ziel führte. Dies Hindemißlaufen soll am Donnerstag wiederholt werdm. In dieser Woche �Verden die Sudanesen neben ihren Vor r. In vielen unserer größeren Sommerlokale macht ich gegenwärtig eine Erscheinung bemerkbar, die für das Pu- .ilikum wenig erwünscht, ja sogar nachthellig und schädlich ist. In solchm Lokalen findet man nicht feiten eine ganze Schaar unger, wohl noch schulpflichtiger Bursche, die fich mit dem Ein- ammeln des leeren Geschirres und Verheeren Trinkgläser be- chäftigen, was ja an verkehrsreichen Tagen den üverhäusten Kellnern ihre Arbeit wesentlich erleichtert. Indessen mischen ich unter diese jugendlichen Hilfsarbeiter auch sehr häufig recht zweifelhafte Elemente; fie find äußerst aufmerksam und rührig und sammeln nicht blos die leeren Schankgeräthe, sondem gehm in ihrem Sinne für Ordnung sogar so weit, jedes am Boden liegende Stück Papier sofort aufzuheben, sobald eine Gesell- schast ihre Plätze verlassen hat. Daß bei dieser Beschäftigung in einem Lokale, wo Tausmde von Leuten verkehren, immer etwas für die Jungen herausschaut, ist begreiflich; das Gefährliche aber bei der Sache ist, daß von den kleinen Zufallm des Findens bis zu den zahlreichen Gelegenheiten zum Stehlm nur ein kleiner Schritt ist; ob die bei einbrechender Dunkelheit vor den Spiel- und Würfelbuden in solchen Lokalen Haupt- der Thätig- sächlich an Damen verübten Taschendiebstähle mit de keit dieser jungen Bursche in Verbindung stehen, ist zwar thatsächlich schwer festzustellen, hat aber tue Vermuthung der Wahrscheinlichkeit für sich. Jedenfalls thäten die Winhe gut, nur solchen Jungen die Beschäftigung im Lokale zu gestatten, die ihnen als ehrlich und zuverlässig bekannt sind, denn an sich ist wohl kaum etwas dagegen zu sagen, wenn Kinder sich in dieser Weise nützlich machen. Allein solche jungen Strolche schädigen nicht nur das Plubikum und den guten Ruf des Lokals, sondern sie verderben auch andere Knaben, die fie mit ihrer Beute anlocken und in ihre Netze ziehen. Die nachstehend„verliebte" Annonze hat das„Berl. Frdbl." entdeckt. Dieselbe ist gar zu— rührend, als daß fie nicht verdiente, auch von uns verbreitet zu werden:„Goldfischteich. Die junge Dame im schw. Kleid, mit d. feinen Zügen ü. d. bräünl.-dlond., sich kräuselnd. Haar, w. am Freitag vor- letzler Wocke(also 26. Juni» in d. 7. Nächm.-Stunde in Begl. eines etwa 14j. Mädch., mit röthl.-blond. Haar u. Zopf, wohl der Schwester, an d. großen Ausbuchtung des Goldfischteichs auf d. ersten Bank rechts saß, mit zierl. Häkelarb. besch. und, wie es schien, die Mutter erwartend,— wird von dem herm mit schw. Künstlerhut, der zus. mit e. 14j. Knaben e. Zeitlang auf ders. Bank ihr zur Linken rastete, e. hies. Hausbes. und muß er zunächst an einen schattigen Ort geschafft AlSdann richte man den Oberkörper in die Höhe, roasÄc i sichtig Kopf und Brust, hülle eventuell den Bcti offenen inj Tücher, unterstütze bei mangelnder Athmung dieselbe luM und flöße ilrni nach und nach Waffer ein. Starke Z�iejM werden empfohlen. Auch nehitie man möglichst die Hilfe Arztes in Anspruch. Vetle-Allinnce-Theatcr. Emil Thomas beschließ 1 Laufe der nächsten Woche sein erfolgreiches Gastspiel rnv#—" in der GesangSposse„Der Attienbudiker", in welcher cr» � � Knötschke von unwiderstehlicher Komik ist. Aus diesem# findet auch heute die letzte Auffübrung des Schivanks J" Raub der Sabinerinnen" statt. Für den Gartenbesuch* heute und morgen nur 50 Pf. Enträe angesetzt, im Tb» gelten heute„halbe Kassenpreise." Dr. pbil, Höst ab dringend gebeten, beh. ehrenh. Anäherung und Entgegennahme einer wichtigen Nachricht ihre Adresse oder die der Mutter resp. Eltern gütigst niederlegen zu wollen unter J. 241 in der Erp. der Voss. Ztg., Breitestr. 8." Auch die beiden folgenden Ännonzen, die fich ebenfalls in einer hiesigen Zeitung finden, find nicht ganz„ohne". Sie lauten:„Eine Freidenkerin", sechsundzwanzig Jahre, wünscht Briefw. zur Che; der Mann müßte gesund, groß und stark sein. Photographie erwünscht. Gef. Off. unter A. 4 Exped. dieser Zeitung."— „E. junge Dame, nicht reich, nicht schön, nicht liebenswürd., glaubt trotz dieser Mängel e. Gemahl glückl. m. zu könn. u. sucht e. solch. Adr. unter G. M. in der Exped, der„Voss. Ztg." erbeten." R. Kolleriges Pferd. Als vorgestern Nachmittag 2 Uhr ein Wagen der Bötzow'schen Brauerei einem im Hofe des Hauses Prenzlauer Allee 15 wohnenden Bicrverleger den jetzt so begehrten Stoff lieferte, wurde das eine der beiden Pferde plötzlich vom Koller befallen. Heftig um fich schlagend, riß der vollständig wüthend gewordene Gaul Stricke und Riemen, wie Bindfaden durch, und stürzte, bei seinem Toben eine Bretter- wand durchschlagend, in einen auf dem Hofe befindlichen Keller- räum. Die herbeigeholte Revier- Polizei ordnete an, da eine Requifition der Feuerwehr zur Befreiung des unbewcgbar ge- wordenen Thieres fich nicht lohnte, daß dasselbe getövtet und durch den Abdecker fortgeschafft werde. Ein seltenes Exemplar einer Wohl proportionirten Zwergin beherbergt augenblicklich das städtische Arbeitshaus in Rummeksburg. Das gegenwärtig in einem Alter von 17 Jahren befinvliche Mädchen ist enva TO Zentimeter groß und körperlich vollständig ausgebildet, breitschulterig, jedoch von erdfahler Gesichtsfarbe bei nicht unschönen Zügen. Hier von armen Eltern geboren, verlor die Kleine bereits vor Jahren den Vater, und wurde fie von ihrer Mutter geistig vernach- läsfigt, so daß die Armen-Direftion fich des KindeS annehmen mußte. In das Hospital des Arbeitshauses untergebracht, ist fie der speziellen Pflege der Lazarethaufseherin, Frau Kloß, übergeben, an der fie mit großer Liebe hängt, und von welcher sie mit weiblichen Handarbeiten beschäftigt wird. In ihren Freistunden spielt fie gern mit den Kindern der Hausbeamten, von denen das kleine Wesen srhr gehätschelt wird. Leider hat die Armen- Direktion ein passenderes Unterkommen für das niedliche Geschöpfchen bisher nicht ermitteln können. r. Die vollen Karben, die mit ihrem eigenartigen Duft die Athmosphäre auf dm Feldern unserer Umgegend et füllen, erfreuen nicht blos ihren Eigentümer, sondem auch noch, so lange fie in Mandeln-auf dem Felde'sstehen, was freilich nur kurze Zeit währt, das elende, öbdächlose Volk der Straße. Wohl zu keiner Zeil hat die Slovakm-Penne hinter der Hasen- Soziales«nd Arbeiterbewegu«> 3 Zum Tischlerstreik in Königsberg, lieber die �, Durch! welche die streikenden Tischler in KonWberg dürcki ihren?«%***"»elch beendeten Streik errungen haben, wird uns von dort geschrien Der Streik der hiesigen Tischler ist nunmehr nach 10'- m kicher Dauer beendet. Wohl haben die Streikenden� wlgander P Fordemngen nicht ganz, d. h. in allen Puntten durch können, jedoch ist es gelungen, die Arbeitszeit um täglu, Stunde zu verkürzen, sie beträgr jetzt 10 Slundm. ff? wurde von den Meistem nicht nur die Bezahlung der stundenarbeit überhaupt bewilligt, sondem fie zahlen jetzt für die Ueberstundenarbeit einen höheren Lohn als für' der regelmäßigen Arbeitszeit gelieferten Arbeiten, daffe! in Bezug auf die in dringenden Fällen nothivmdig Ivel Sonntage arbett. Der von den Meistem nun anerkjj Akkordtarif hat den Preis für die Arbeiten in einzelnen M stellen um 40 pCt.'erhöht Die Erhöhung der Akkords bettägt im Durchschnitt 15 pCt.— Ein ausführlicher 3# über den Streik wird in etwa 14 Tagen als BroschÄ scheinm und an alle diejenigen, welche Unterstützungszk nach Königsberg geschickt haben, versandt werden. Ueber die Korttndustrie in Thüringen berichtet bekannte Dr. Tax, daß die Lage der Arbeiter überaus ttaurige sei. Das Handwerkszeug eines Korkschne besteht aus einem gutm Messer, einem Wetzstein, und' Schärfleder. Die Korkbretter werden in ivürselfömiige( von der erforderlichen Lange geschnitten, wozu es bei zähm Stoff großer Kraftanstrengung bedarf; s» stemmt der Arbeiter daS Schnitzmeffer mit seiner Brust i den Arbeitstisch und führt einen Korkwürfel nach dem an in schneller Umdrehung hemm, ihn so zum Stöpsel ruiü Die Bmst wird hierbei durch einen Schild, gewöhnlick Stück Korkbrett, das an Schnüren um den Hals gehälv großen sozio geschützt; aber der stete Druck gegen den Brustkorb>1 können über größtem?! achtheil für die Gesundheit det sicherte wir betters, der beretts als halbivüchsiger Knachc zu arbeitt» Reiche. Un fängt.— Die Entlohnung rrfoigt nach der Stü» nur blutwer Für 1000 Medizinstöpsel erhält man 25 bis 40 Und d für 1000 Bierkorke je nach der Größe 60 Pfennig über die He 1 M. 30 Pf. Extrasorten z Spunde) werden höher be Gewiß ist's das 1000 bisweilen mit 3 M- Bon den MedizinsÜ die Großint werdm täglich 2000, von den größeren Korken nur IG Schooß gesc schnitten. Erstere find die Arbeit der Kinder»nd nss einmal dem meistens von Abfällen der größeren Stöpsel geschnitten. Wochenverdienst einer Korkschneiverfai» bewegt sich zwischen fünf bis acht Marl. Beschäftigung ist keineswegs gleichmäßig; die Hauptsaiso« in den Sommer, im Winier tritt Geschaftsflaue ein, es auf Lager zu emiedrigten Lohnsätzen gearbettet. Wie die der Arbeiter bei Jolchem Einkomme>? ist, leuchtet ein. «Wir e einer u n p l einer frei Bürger zur wir erfreue» einer ges durch eines nen auf all des deutsch« machen g r noch nicht z obwaltende» und finden Stolen Gege berücksichtig. lerem Vate, können wir Lust zu Lust, an t können." Herr vi liberalen sin eine Lust zu diesen Ruf Lösung" de Korkschneider im Eismacher Oberland lebt und stirbj Elend; dieses Lovs theilt er mit denn Haide so wenig Gäste beherbergt, wie gegenwärtig, obwohl die unsere Stt' Angehörigen des braunen Voltes, die unsere Straßen durch- ziehen, durchaus nicht seltener find, als sonst. Die ganzm Rudel, die dort ihr Unterkommen suchten, zerstreuen fich ,n dm milden Nächten über die Kornfelder und die aufgestellten Mandelngewährm ihNm einen prächtigen Unterschlupf für die ?tacht. Wer gegenwärtig früh Morgens einen Spaziergang über die Felder untemimmt, der wirv nicht seltm überrascht, wenn eines von den bekannten braunm und langhaarigm Gefichternzwischm den Garben hervorluat und der allezeit ge- schäftige Mausefallmmann schnell seine klappernde Waare her« vorHoll, um fie mit unverwüstlicher Ausdauer dem harmlosen Spaziergänger anzupreisen. Wehe diesem, wenn er etwas zu kaufen Miene macht, vielleicht um den zudringlichen Geschäfts- mann los zu werdm; die Konkurrenz entwickelt sich hier in ungebundenster Freiheit. Noch schlimmer, wenn er dem edlen Slowaken ein Almosen zuwirft; die ganze Schaar seiner Lands- leute und GeschäftS-Konkurrenten heftet sich an die Person des Wohlchäters und verschwindet nicht eher, bis die Helmspitze des Gensdarmm fie wieder verscheucht hinter die vollm Garben. Seitens de« nach ungezählten Tausenden zu berech- nmden Publikums, das am Sonntag den Ausstellungspark besuchte, erfreute sich der russische Hofvirtuose'Herr Ziebarth des ungetheilten, einmüthigsten Beifalls. Das Instrument hat ergreifend schönen Bergton-Timbre und beherrscht der Genannte damtt 2Vs Oktaven. Zunächst ist derselbe für drei wettere Konzerte verpflichtet wordm. Der Rngaelsee hat abermals ein Opfer gefordert. Der viemndzwanzigjähnge Schriftsetzer Schwarz hatte fich am Sonnavmd einer Landpartie nach dem Müggelschlößchen angeschlossen. Als nun die übrige Gesellschaft auf einem Dampfer eine Spazierfahrt unternommen hatte, war Sch. mit zwei Freunden zurückgeblieben, um zu baden. Vorher jedoch tanzten sie eine Zeit lang. Hierdurch stark erhitzt, ging Sch. trotz der Abmahnungen seiner Braut ins Waffer. Hier bekam er den Krampf in dem einen Fuß und schwamm nach dem Ufer zurück, begab fich jedoch bald aufs Neue ins Wasser. Bald darauf ertöntm laute Hilferufe. Schwarz, wohl in Folge eines Schlaganfalls, versank. Einer der Freunde suchte ihm beizu- springen, jedoch vergeblich. Nach einiger Zeit fanden ausge- sandte Schiffer die Leiche. Ein lustige« Völkchen von Studenten hatte fich Sonn- tag Nachmittag in W.'s Volksgarten vor dem Schönhauser Thor auf Verabredung eingefunoen, um daselbst an langer Tafel— nicht Bier zu trinken, sondem— Kaffee zu kochen! Die bei„Muttem" Wohnenden, insbesondere aber die Füchse, mußten mit dem schon gemahlenen Kaffee„anschwirren", der dann unter der Anordnung eines sachverständigen Burschen von dm behenden Füchsen schmackhaft zubereitet und servirt wurde. Wer jemals einen Rausch gehabt— und welcher Bruder Studio gehörte nicht zu dieser Kategorie— der weiß die restaurirenden Wirkungen des würzigen Mokka zu würdigen, und so saßen fie denn zum großen Ergötzen der übrigen, meist dem schöneren Geschlechte angehörigcn Gäste und tranken immer noch eins. Der hereinplatzende Gewitterregen vermochte die Kaffee-Tafel nur kurze Zeit zu unterbrechen. Später freilich trat natürlich wieder der vemachlässigte Gambrinus in seine Rechte. g. Gegen Hitzschlag und Sonnenstich ist der häufige Genuß von Wasser in kleinen Mengen, am besten mit einem kseinen Zusatz von Esfig, kaltem Thce oder Kaffee zu empfehlen. Man darf indessm keineswegs zu viel trinken, um sich etwa auf einmal satt zu machen' es müssen stets einige Minuten vergehen. Wird dennoch Jemand vom Hitzschlag betroffen, so >>.■..,, den meisten Rhönbcw». mögen fie gleich ihnen einen Zweig der Hausindustti» treiben und Weberwaaren. Peitschenstöcke, Bürstm u.' herstellen, oder als Parzellenbauem lediglich dem laut» schaftlichen Erwerbe dienen. Ueber Streiks läßt fich die„Elderfelder Zeitung",-« Arbetterangelegenheitm vielfach fich ein ungetrübteres W als ihre nationalliberalcn Kolleginnen bewahrt hat, aus Ws V™ folgendes sckreiben: Die vielfach herrschende Ansicht, W Streiks mehrfach von sozialdemokratischen Agitatoren ins icrufen würden, ist im Allgemeinen n i ch t zutreffend. zier erscheinende Arbeiterblatt(„Berliner Volksblatt") hat Stellung den Streiks gegenüber zu wiederholten Malen gekennzeichuet, daß die Arbeiterpartei den Streiks, die fid meinen aber an der Anficht feschalte, �daß Arbeitseinsteff s» nur mit großer Vorsicht� in Szene gesetzj, werden � Ochsen wel Auch st gesammten Z tragen som sozialen Ge Herr m wohl wenig Handlung v hat auch wl unschuldig s uneingeschrä Reiche gespi Uno i»i Dem ehrenr die vielen 3 vollständig und Ungilt eiß wo traten zähle zu den zahn es, wenn e natürlich si waltung! „freisinnige' Namenttich an dem großen Streik der Maurer dürft« Sozialdemokratie vollkommen unschuldig sein. Diese" Staatsbiie», legt mehr Gewicht auf die Organisation der Fachvertti« worden'% auf die Jnszentrung von Stteiks. Einen redenden Bewea für kann man in dem Zerwürfnisse sehen, ivelcbes zwisehc»». Vorfitzenden der Lohnlommtsfion der Tischler und den ff-l der Arbeiterpartei eingetreten ist. Die letzteren machen jene»« Vorwurf, beständig auf Streiks auszugehen, und plaidirenf gegen das Bestehen einer permanenten besoldeten Lohnkoinn� Allerdings scheint Herr Rödel, der Vorsitzende dieser � mrssion, der als solcher 30 M. pro Woche verdient, fi», mancher Ketzereien gegen die sozialdemokratischen Lehret Bruch �.Sie Tendenzen'schuldig'gemacht zu haben.— Die Gewerbes tatton des Berliner Magistrats hat in mehreren Fälle»» uorige Zeit Arbeitse nstellungen gegen die streikenden Arbeiter Hsw eure Dame, fügt, falls sie nicht der Pflicht zur Fortsetzung der Arbeit.' angenehm i kommen. Aas Recht dazu leitet die Deputation aus& Stelle an> 'wie es scheint, mit, eintreffen n der Zivilprozeßordnung her, jedoch wie.......... recht. Es wird dort bestimmt, daß, wenn ein Drittes■ Sßorhei Handlung nicht pomehmen lonne, deren Vollendung �nd brachte Schuldner.in diesem Falle der streikende Geselle) veriv? Ausbessernr der Schuldner durch Geldstrafe bis zu 50 M. und Haft' über die Dauer von sechs Ifionaten hinaus zur Valley■ou der Arbett anzuhalten sei. Dieser Fall kann nur da vA weinen Bri wo es fich um eine künstlerische Arbeit handelt. Ande� zu bereiten, kann der Gläubiger nach§ 773 der Zivilprozeßordnu»»?> hatte. We verlangen, daß die Arbeit durch einen Dritten auf Kos'�j der Qualen Schuldners vollendet werde. Die Gerichte haben in de» 3 waten erbul die Verfügungen der Gewerbedeputation für falsch fü Den 5 n eine Verfügung der Verwaltungs°'z nicht mebr- leibt daher mcht« übrig, als t( traut, wem "; würde Kar können aber nichts thun. Es schwerdeweg zu betreten, was nunmehr schehen soll. Ueber Wohnungsverhältnisse der Arbeiter»w reich Sachsen berichten sammtliche Fabrikinspektoren mäßig, daß das ungemein enge Zusammensein die G« schädige und auch, da es sehr häufig vorkomme, daß- beider Geschlechter zusammenwohnten, die Moral schäDiflH Inspektoren bestätigen dabei, daß die Arbeiter fick oBH gäben, ordentliche Wohnungen zu erlangen, doch die? vielfach an dem Mangel geeigneter Arbeiterwohn unge� Erbauung von speziellen Arbeiterwohnungen wird in" zwar auch betrieben, doch werden die Arbeiter durch die lasernenartigen Häuser eher abgestoßen als angezogen.. Die Pianoforte-Fabrik„Apollo" in Dresve nunmehr, nachdem die Zusammensetzer die Arbeit nie haben, nun auch sämmtlichen anderen Arbeitern 0«] wenn ich il milie Zenk, daß ich die entschloffen seinem spar kommen oe: . Zch s-i als ob ich vernantenth bisher nie i -Und d nissen zurül [» Und was i Diese Albeiter fassen dies als einen ungerechten Akt auf Empör«; ng gar keine Veranlassung zum Streik gegeben haben. x hat in den �DieMaurerinBurg habennungleichMs deU.� ein Abscheu Verantwortlicher Redakteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin sw, Beuthstraße 2. erklärt; dieselben verlangen bei einer täglichen Los 2 Marl 60 Pf. die Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 Stunden. Gewiß keine unbillige Forderung. 1 habe. Hie»,« eine 9* i Ifft mal., cncn W lbe:üh : fUfe«« Beilage zum Berliner BolNlatt # m Mittwoch, den 13. Auli 1883. II. Jahrg. die W y£? dur tägl'Z icn. der, it jeetj . für Oaffel® 5 me: ancr :lnen 1 Akkord bericht« eiter itorkschnck i und inntfle( es bei %' dem a '»fei ml iwöhnli s geiä« istkorb i ) ei t d i arbei der© is 40 Mn Zoher cedizin' nur l «nd hnitten. erfa« Mark. uptsaiso« em „Es ist eHe Lust)u leb tu!" Die„Burgerzeitung"(Hamburg) enthält folgenden Ar- ttlel: Durch die nationallibcrale Presse läuft gegenwarirg eine Notiz, welche sich über eine„treffliche" Rede des Abgeordneten »um preußischen LandtagHerrn von Eynern äußert, Vre der- selbe kürzlich vor seinen Wählern gehalten hat. Besonders wird folgender Pasius aus seiner Rede hervorgehoben: „Wir erfreuen uns eines gesunden Rechtsweges, einer unparteiischen Verwaltung; wir erfreuen uns einer freisinnigen Verfassung, die jeden einzelnen Bürger zur Theilnahme an den Geschäften des Landes beruft; wir erfreuen uns nach den großen Erfolgen von 1870—71 einer gesicherten Armeeorganisation, und da- durch emes festen und sicheren Schutzes nach außen; wir kön- nen auf allen Gebieten eine außerordentliche Regsamkeit des deutschen Volkes und des deutschen Reiches finden. Wir machen große Fortschritte, an welche andere Nationen noch nicht zu denken wagen wegen der Schwierigkeit der dort obwaltenden Verhältnisie. Wir haben Fragen aufgegriffen, die »u den allerschwierigsten gehören, aber umer der Führung des Fürsten Bismarck ihre gute Lösung gefunden haben und finden werden, ich meine die Versöhnung der großen so- zralcn Gegensätze in unserem Lande, und ich meine, wenn wir berücksichtigen, unter welchen Existenzbedingungen wir in un- serem Vaterlande gegenüber allen anderen Ländern leben, so können wir mit Ulrich von Hutten sagen:„Es i st eine zu leben", und ich'ann See verflchern, es ist eine den hohen Aufgaben des Staates mitarbeiten zu ein.! stirb nbewojl ndustt? l u.' laut» insk i N im Lust Lust, an können." Herr von Eynern ist ein reicher Mann und alle National- liberalen find dies mehr oder weniger auch. Für fie„ist es eine Lust zu leben". Dahingegen dürften die Arbeiter nicht in diesen Ruf mit einstimmen, da fie überhaupt von einer„guten Lösung" der allerschwierigsten Fragen, der Versöhnung der großen sozialen Gegensätze nichts verspüren. Diese Gegensätze können überhaupt nur versöhnt werden durch eine besiere, ge- sicherte wirthschaftliche Stellung der Arbeiter im deutschen Reiche. Und dafür hat die Gesetzgebung überhaupt bis jetzt nur blutwenig aethan. Und die Nationalliberalen gar nichts!.Haben doch über die Hälfte derselben für Getreide- und Viehzölle gestimmt. Gewiß ist's eine Lust zu leben für die Großgrundbesitzer und die Großindustriellen, denen das Reich golvene Aepfel in den Schooß geschüttet hat. Dagegen hat der Reichstag noch nicht einmal dem Arbeiter die Sonntagsruhe zugesichert. Arich stellen sich die Organe des Herrn von Eynern der gesammten Arbeiterschutzgesetzgebung feindlich gegenüber und tragen somit sicherlich nichts zur Versöhnung der großen sozralen Gegensätze bei. Herr von Eynern hat vermöge seiner Lebensstellung auch wohl wenig mit den Gerichten schaffen, er kennt die Be- Handlung vielfach Unschuldiger rm Polizeigewahrsam nicht, er hat auch wohl noch nichts von unrechtmäßiger Verhaftung und unschuldig Verurtheilten gehört, sonst würde er wohl nicht so uneingeschränkt von einem gesunden Rechtsweg im deutschen Reiche gesprochen haben. Und nun gar die unparteiische Verwaltung? Dem ehrenwcrthen nationalliberalen Abgeordneten sind wohl die vielen Wahlbeinflussungen seitens der Verwaltungsbeamten vollständig unbekannt geblieben, die sogar zu Beanstandungen und Ungiltigkeitserklärungen von Mandaten geführt haben? Er weiß wohl nicht, daß ein Beamter sich nicht zu den Demo- kraten zählen darf, wenn er Karriere machen will?.Höchstens zu den zahmen Nationalliberalen darf er gehen, doch besser ist es, wenn er konservativ ist und wirkt. Dabei haben nur natürlich für Herrn von Eynern eine unparteiische Ver- waltung! Nun gar die freisinnige Verfassung! In Preußen zu den Landtagcwahlen em Klasienwahlgesetz, bei dem mcht die Staatsbürger, sondern die Markstücke oder die Ochsen, welche sie besitzen, den Ausschlag geben. Der reiche �rr von Eynern ist gar nicht von emer Mehrzahl von Staatsbürgern, sondern von dem Geldbeutel Weniger gewählt worden. Natürlich ist es dabei eine Lust zu leben und die „fre, finnige Verfaffung leben zu lassen. iter im rsf irch di« löge' res,, it me ern 0e!li Akt am- ItSfy it von Die achte Stelle. Bruchstück aus dem Tagebuche einer Gouvernante. Von Hermann Heiberg. „Sie haben nur ein kleines, etwas im Lernen zurück- gebliebenes Kind täglich einige Stunden zu unterrichten, die übrige Zeit bleibt ganz zu ihrer Verfügung!" schrieb mir eine Dame, Frau v. Dollrott auf Trockhausen, und ich nahm, angenehm überrascht und ohne Bedenken, die angebotene Stelle an und theilte mit, daß ich bereits in wenigen Tagen eintreffen werde. Vorher ordnete ich noch einige Herzensangelegenheiten und brachte auch meine Garderobe m Ordnung, welche einer Ausbesserung dringend bedürftig war. Zu den elfteren gehörte ein ausführlicher Bericht an meinen Bruder, dem ich, um ihm keine Unruhe und Sorge zu bereiten, von Breslau nicht ein einziges Mal geschrieben hatte. Weshalb ihn auch noch durch eine Beschreibung aller der Qualen beunruhigen, welche ich in den letzten acht Mo- naten erduldet hatte?! Den Menschen, die immer klagm, glaubt man am Ende nicht mehr; es geht wie mit den Lügnern, denen man miß- traut, wenn sie wirklich einmal die Wahrheit reden. Und würde Karl nickt Zweifel in meine Worte gesetzt haben, wenn ,ch ihm mitgetheilt hätte, was man mir bei der Fa- milre Zenker bot? Er würde, wie früher, gefordert haben, daß ich die Stellung sofort aufgeben solle, während ich doch entschlossen bin, dem braven Menschen, der kaum selbst mit seinem spärlichen Gehalt für sich und die Seinigen auszu- kommen vermag, niemals mehr zur Last zu fallen. Zch schreibe diese traurigen Erinnerungen hier nieder, als ob ich nun erreicht hätte, was seit Beginn meiner Gou- vernantenthätigkeit mein heißer Wunsch gewesen und mir bisher nie geworden ist. !_-Und doch könnte ich mich sogar nach jenen Verhält- Nissen zurücksehnen, wenn ich vergleiche, was ich aufgegeben und was nun mein Theil geworden ist. Zch vermag die Empörung nicht zu unterdrücken, die sich meiner bemächtigt hat m den ersten Tagen, und der sich nun ein Ekel und km Abscheu hinzugesellt hat, für den ich keinen Namen habe. Und im Reiche? Ausnahmegesetze gegen die Katholiken, Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter! Das ist wiederum einer„freisinnigen"� Verfaffung zu danken, welche es zuläßt, daß ein Theil der Reichsbürger«setz- mäßic; eine andere staatsrcchtliche Stellung erhält, als der ubnge � Wir wissen nicht, ob Herr von Eynern selbst Soldat war. Wenn er es gewesen ist, so war er es jedenfalls in einer be- vorrechteten Stellung. Aber er braucht nur auf die Landwehr leute zu blicken, die in verschiedenen Theilen Deutschlands ihre Uebungen abhalten, er braucht nur zu sehen, welchen Strapazen dieselben im Sonnenbrand ausgesetzt werden, um seinen Jubel über die„gesicherte Armecorganisation" zu mildern. Und wäre Herr von Eynern ein Proletarier, fühlte er den Druck der indirekten Steuern, der Salzsteuer, des Kaffee-, Petroleum-, Getreidczolls, welche des Militarismus wegen dem Volke auferlegt werden, so würde sein Jubel ganz r erstummen._ Wäre Herr von Eynern ein Proletaner, ern Fabnkarberter, der bei dem schlechten Geschäftsgänge arbeitslos geworden, kein Brod für seine Familie finden könnte, rathlos umherirrte und schließlich in einer„Arbeiterkolonie" sich wiederfände, würde er dann auch von einer„Versöhnung der großen sozialen Gegensätze" reden und ausrufen:„Es ist eine Lust zu leben?" Herr von Eynern aber braucht nicht einmal selbst ein Proletarier zu sein, um die sozialen Verhältniffe richtig zu er- kennen. Er wohnt ja im industriereichen Wupperthal, wo die sozialen Gegensätze durchaus nicht versöhnt, sondem in scharfer Schroffheit noch vorhanden sind. Er braucht nur aus seinen teppichbelegten, spicgelglänzenden Wohnräumen in ein Pro- letarierheim zu gehen, um die Roth und das Elend vor Augen zu haben. Würde er Angesichts all dieses Jammers auch dann wohl den traurigen Muth haben, auszurufen:„Es ist eine Lust zu leben!? Wir glauben es nicht. Wir halten auch den nationallibc- ralen Herrn nicht für boshaft, ebenso wenig wie seine Kollegen. Doch übertreiben sie in schwindelhafter Weise, wenn sie von den Errungenschaften des deutschen Reiches reden, da sie selbst an denselben in erster Linie betheiligt sein wollen. Sie sind deshalb in politischen Dingen Prahler und A u f s ch n e i- der, in wirthschaftlichen Sachen aber sind sie, wie Herr von Eynern zeigt, krasse Ignoranten. Wenn die nationalliberale Partei gar nicht existirt und mcht die vielen Attentate auf die Freiheit.'und das Volkswohl verübt hätte, dann könnte man vielleicht in den Ausruf Hutten s mit Recht jetzt einstimmen. Da die Partei aber leider nicht rückgängig gemacht werden kann, so müssen wir die Zeit erwarten, wo sie völlig verschwunden sein wird, und dieses Verschwinden werden wir dann feiern mit dem Rufe: „Es ist eine Lust zu leben!" Lokales. � Gerichtsferien. Heute, am 15. Juli, beginnen im Deutschen Reiche die Gerichtsferien und wie mit einem Zauber- schlage zieht auch in die Stätten der Gerechtigkeit, in denen sonst„Heulen und Zähnellappen" zu herrschen pflegt, eine ge- wisse behagliche Ruhe ein. Die Rechtspflege ist eine Institution, die so tief eingreift in alle unsere bürgerlichen Verhältnisse, daß nicht nur die nach Tausenden zählenden studirten Herren, welche im Namen des Reichs, des Königs oder der einzelnen Bundes« fürsten Recht sprechen, nicht nur die unzähligen Subaltern- beamten, sondern das ganze Volk an dem Boginn und der Dauer der Gerichtsfcricn interessirt ist. Man bedenke nur, daß es zur Zeit im Deutschen Reiche 1 Reichsgericht, 28 Oberlandesgerichte, 173 Landgerichte, 1911 Amtsgerichte und 76 Kammern für Handelssachen giebt, man berechire sich das Per« sonal, welches dazu gehört, um diese Riesenmaschinerie in Gang zu erhalten und man wird daraus leicht das Fazit ziehen können, daß es bis in die tiefsten Schichten des Volkes fühlbar ist, wenn diese Maschine, deren ununterbrochene Thätigkeit für das Wohl und Wehe von Millionen Menschen verhängnißvoll werden kann, Mötzlich gewissermaßen auf Halbtagsarbeit gesetzt wird. Berlin macht, wie in vielen Dingen, so auch hier, eine Ausnahme, denn die behäbige Ferienstimmung, die in den Pro- Ich befinde mich auf dem Schlosse oder dem Herren- hause Trockhausen, welches dem Herrn v. Dollrott gehört, und das dieser mit seiner Gemahlin und seinen drei Töchiern bewohnt. Frau v. Dollrott hat Gott in seiner Gerechtigkeit und zur Warnung für die Mitwelt deutlich gezeichnet. Sie hat das Wesen einer Katze, das Lächeln eines Teufels und das Aussehen einer schlecht gerathenen Theaterfigur. Die beiden erstgeborenen Töchter, die fast ausschließlich nur in Gedanken für ihre Toilette leben, sind in dem Alter, wo ein Freier etwa mit derselben Ungeduld herbeigesehnt wird, wie vom Landmann nach langer Dürre der Regen. Alles steht auf dem Spiel! Elise, die älteste, hat wasserblaue Augen und ein großes, unschönes Unterkinn, das trotz aller Betrachtungen im Spiegel nicht kleiner wird. Wenn dieses nicht abschreckt, so ist es doch neben den auffallend ungraziösen Händen und Füßen die schmale ungesund aussehende Brust, welche jeden Bewerber fernhalten muß. Sie spricht stets ohne Ueberlegung, und was sie redet, klingt plump und ungeschickt. Keine der Grazien hat sich dazu verstanden, etwas" von den diesen Damen nachgerühmten Atttibuten auf sie zu vererben, und sie versteht es durchaus nicht, ihre Mängel durch eine kluge Bescheidenheit zu mildern oder aar zu verdecken. Klara ist klein, geschmeidig und zierlich, aber fie hat ein spitzes, imperttnentes Gesicht, dessen immer schärfere Linien in der Zukunft man um so deutlicher vor Augen hat, als man an der Mutter Bild zu prognostiziren vermag, wie Clair— so wird ste genannt— dermaleinst aussehen wird. Clair ist zudem von einem Hochmuth, daß sie wegen dieser Eigenschaft in die Register des Patentamtes eingetragen werden müßte, und wo anderen Menschen das Herz sitzt, hat sie einen vollen Sack von Eigenliebe, Gemüthlosigkeit, schlechter Laune und Bosheit. Herr v. Dollrott ist ein ruhiger, geiziger, ahnenstolzer Mann, der sich lediglich mit der Vermehrung seines Ver- möqenS beschäftigt, und der zudem einige Züge in seinem Gesicht besitzt, die keineswegs an das Bild emeS Heiligen erinnern. Dabei ist er von einer so sonderbaren Häßlichkeit, vinzen mit dem 15. Juli in die Gerichtssäle einzuziehen pflegt, ist ,m Berliner Kriminalgerichtsgebüude nicht zu finden. Ein städtischer Koloß wie Berlin verträgt eben eine vollkommene Ruhe nicht. Das Leben arbeitet auch während der Hundstags- gluth in den alten Geleisen weiter und da bei einem Zusammen» fluß von 1'/« Million Menschen sich die Rechtsstreitig- leiten Tag für Tag jagen, so ist es begreiflich, daß nicht irgend ein Zauberer kommen und diese gewaltige Fluth zum Stillstand bringen kann, daß vielmehr von dem großen Heer der Gerichtsherren und Gerichtsbcamten, die mit dem 15. Juli in die Bäder und die Gebirge eilen, ein recht stattliches Reservekorps in Berlin zurückbleiben muß, um die massenhaft sich aufthürmenden Geschäfte zu bewältigen. Die Mitglieder dieses Reservekorps sind die Arbeitsbienen, welche so lange die Arbeit der Uebrigen mit- machen, bis auch an sie die Reihe kommt, um in Misdroy und Heringsdorf, in Luzern und Jnterlaken den Aktenstaub von der Lunge zu wedeln. Und den Herren ist diese Erholung von Herzen zu gönnen. Wer Jahr aus Jahr ein von früh bis oft in den spaten Nachmittag hinein in dmnpfen Gcrichlssälen seines Amtes walten und ganze Lebensalter an Zuchthaus- und Gesängnißstrascn zusammen kalkulircn und ellenlange Er- kenntnisse schreiben, wer täglich von der Verthcidigerbank dem Gerichtskollegio nachweisen muß, daß der Herr Spitzbube, der schon eine zentnerschwere Zuchthauslast auf dem Buckel hat, eigentlich ein„Kind, kein Engel ist so rein" war und von Rechtswegen die silberne Medaille verdient— wer in dieser Weise täglich sein Gehirn martern und juristische Finessen pro- duziren muß, der hat sich seine Sommerruhe ehrlich verdient. Der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig! Wünschen wir, daß alle die Herren, welche dazu berufen sind, die irdische Gerechtigkeit zu repräsentiren, aus den Fluthen der Ost- und Nordsee, den Laubwäldern Thüringens und Schlesiens oder dem Kamme des Hochgebirges eine Stärkung jenes Geistes mit heim- bringen, der allem im Stande ist, dem todten Buchstaben des Gesetzes die richtige Gestalt zu geben. In Berlin allein wer- den täglich etwa 10 Jahre Zuchthaus und 20 Jahre Gesängniß von den Strafrichtern ausgethcilt; das Amtsgericht hat jährlich ca. 100 000 mündliche Verhandlungen, ferner ca. 60 000 Vormundschaftssachen, 20 000 Grundbuchaktcn, 16 000 Akte der freien Gerichtsbarkeit, ca. 56 000 Hauptverhan dlungen in Straf- fachen und 10000 einzelne richterliche Handlungen zu beiväl- tigen; dazu kommen seitens der Landgerichte ca. 5300 Haupt- verhandlungen in Strafsachen, etwa 8400 Sachen des bürgerlichen Streits, ca. 8000 Handelssachen und zahlreiche Be- schwerdcn in Zivilsachen. Es läßt sich nach Adam Riese hieraus sehr leicht berechnen, welches Quantum an Arbeit auf jeden einzelnen der ca. 900 bei de» Berliner Gerichten be- schäftigten Richter und Bureaubeamten entfällt. Mit ihnen jubeln die Hoteliers in den Badeorten und Sommerfrischen, denn für sie bedeuten die Gerichtsfericn den Beginn der i m mann Schulze, auserkoren. Der Umstand, des einsam belegene Grundstück des Letzteren,' in früher Morgenstunde verlassen wurde, weil dessen Bewohner zeitig mit ihrem Kram sich nrn. Wochenmärkten begaben und in der Zwischenzeit# nungen ohne Aufsicht belassen mußten, bot dem würdiges eine günstige Gelegmheit, einen Einbruch bei Schuhe' führen. Der mit den Lokal' Verhältnissen von früher# traute Wanders machte den Führer und am 20. In»! um 3 Uhr Morgens machten Wanders und Hoffmann, f sie in einem nahebelegenen Gesträuch versteckt die Abfals Schulze'schen Ehepaares abgewartet, sich ans Werk. über eine Mauer hinweg, drückten eine Fensterscheibe os nachdem sie auf diese Weise sich Eingang in die Wohnung verschafft, erbrachen sie mit einem daselbst»A denen Küchenbeil eine Kommode, in welcher, wie% wohl wußw, die Schulze'schen Eheleute Goldsachen im- von ca. 600 Mark, sowie baares Geld aufbewahrtem Letztere in Höhe von 84 Mark, sowie eine mit Diamael setzte Damenuhr nebst langer Kette und einem©f eigneten sich die Diebe an und entfernten sich da»»' unbemerkt wie sie gekommen. Den Raub gaben' Frau des Schanknurths Diemers, Klosterstraße selbst, in Verwahrung; aber schon am Za3ll dem Diebstahl erfolgte in dem obengenannten: ehe die Diebe auch nur einen Pfennig von dem geft» Gelde ausgegeben hatten, ihre Verhaftung. Nach minal-Kommrssariat transportirt, räumten beide, Waiü» Honmann, die Ausführung des Diebstahls ein und bcz« auch die verehelichte Schankwirth Diemers als diejenige� sie die gestohlenen Goldsachen und Jeder seinen An» dem gestohlenen Gelde zur Ausbewahrung übergeben. des Leugnens der D., welche sich hinter dem Rücke« Ehemannes mit den Spitzbuben eingelassen hatte, wuck Recherchen nach dem gestohlenen Gute mit Erfolg( man fand die Goldsachen in der Senkgrube eines. unter dem D.'schen Lokale versteckt vor, ebenso die gel 34 Mark. Der Bestohlene gelangte zwar wieder in de seines Eigenthums, indessen hatte sich die Diemers d» Annahme des Depots in leichtfinniger Weise der Begtl schuldig gemacht. Dieses Vergehens angeklagt, erschi« D. in Gemeinschaft mit den wegen schweren Dicbst« geklagten Wanders und Hoffmann vor den Schranke» Letztgenannten waren rückhaltlos geständig, dagegen die D-, sich einer strafbaren Handlung»chuldig ge» haben. Dem Antrage des Staatsanwalts gemäß wur? 50 Mark evcnt. 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Deck Segen die beiden Einbrecher lautete auf 1 Jahr 6 luchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Halle a. S., 13. Juli. Ein eigenartiger Proz« gegenwärtig beim hiesigen Landgericht. In einer r Auktion des Nachlasses eines Ende 1883 in Schkeuditz v« Privatiers kaufte der Schuhmachermeister Th. dort Pult für 2,65 M. Es fiel auf, daß der Veistor l einigen kleineren Bettägen kein Baarvermögen Ist hatte, obwohl man ihn stets für reich gehalten. Dur kam es dann an den Tag, daß sich in jenem ab Werthpapiere(Preuß. Koniols und Altien der Th bahn! im Betrage von 50 000 M. befunden hasten un Besitz des Pultkäufers übergegangen waren. Dieser ha« davon verlauten lassen, sich aber dadurch verrathen, da Versehen erst später fällige Koupons abschnitt und ne Dies lenkte auf die Spur von dem vermißten Baarnl verstorbenen Rentiers. Käufer Th. gab die Papiere will aber von dem Vertreter der Erben, Justizrath die Zusicherung erhalten haben, daß� 10 pCt. des ca. 5000 M., ihm sollten ausgehändigt werden. Hiev auf Rückgabe der gesammten Papiere klagt nun Th. Erben, da dieselben jenes angebliche Versprechen n! haben. Er behauptet, die Sachen seien damals au� durch den Gerichtsvollzieher verkauft worden, wie st, und liegen, und nimmt nun die Papiere als sein ß# in Anspruch. Die Erden hingegen beantragen nicht 4 Weisung der Klage, sondern gleichzeitig strafrechtticb«, suchung gegen Th., da derselbe durch Verausgab»» Koupons einen Theil des Betrages unterschlagen habe-, Gericht ordnete in dem dieser Tage staltgefundenen 4 Beweiserhebung an. Bochum, 11. Juli- Heber eine heute Morgen JJ Strafkammer des hiesigen Landgerichts gegen den ver»J liehen Redakteur der„Westfäl. Volksztg/', Herrn il? wegen mehrerer Preßvergehen geführte Verhandlung� < die„Köln.„Volksztg.": Jnkriminirt war zunächst attikel, in welchem die Ernennung des Prof. Schn*' — welche Rolle könnte ich wohl spielen?— sond� ich ElairS sichtlichen Aerger über den Entschluß de* spürte, und ich nicht so madonnenhaft geartet bin, ü* auch einmal boshaft sein zu können! Wahrscheinlich wurde ich geladen, weil ein*5 besonders eine Franqaise geplant war. Eine der' Damen hatte abgesagt, und eine Lücke war dadurck treten. Zch bot mich an, den Thee zu serviren,»>» wurde allergo ädigst gewährt. Unter den vierundzwanzig Personen war('» Grützkopf, der zwar fast so häßlich war, Name, indessen als einer der reichsten Grundbesitzer � gegend gilt. i Dieser fand mich bei Ankunft und Eintritt 1 kleinen grünen Kabinett beim Theeinschenken und tlC, nicht mir selbst vor, sondern knüpfte, bevor er zu sellschaft eilte, ein Gespräch mit mtt an. Ich«w' nicht, wie's sich so machte. i Und aus dieser fast zufälligen Berührung e#, eine freundliche Rücksicht von seiner Seste währ� ganzen übrigen Abends. j Als ich durch ein unvorhergesehenes Arrangeme»'. Platz bei Tische neben ihm fand— Elair saß atj deren Seite— unterhielt er sich besonders lebhast jj und forderte mich nach Aufhebung der Tafel wieder� Tanie auf. Alle Reaenboaenfarken fiaht» i* ttifölfl ivuy&wiv VV9 vcuuuu/ic« lülincil. in Aergergrau und ihre Augen blitzten katzensffi Sprößling mit dem Unterkinn zeigte erregte roth» � und blaue Lippen, und Elair wechselte m Blaßst� EifersuchtSrosa auf den Backenknochen, während ih�. grün funkelten. Herr Grützkopf ist gepachtet von der Famil'sjj — Herr Grützkopf ist die letzte Hoffnung der aufg»" Saat— Wenn die Schloßbewohner in die geheime» fächer dieser Mannesseele einen Einblick geworfe» würden sie allerdings erkannt haben, daß eher etnst Feldmarschall Blücher aus dem Grabe ausstehen 3 nedl V. ,;ß:. zum Professor an der Berliner Universität einer Besprechung unterzogen worden war, und in welchem Fürst Bismarck, Kul- tusminrster von Goßler und das preußische Staatsministerium beleidigt worden sein sollten. Die unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit(es kamen u. a. die aus München eingeforderten Akten des Schwenninger-Prozesses vollständig zur Verlesung� geführte Verhandlung mußte ausgesetzt werden, da der Gerichtshof dem Antrage des Beschuldigten, den Kultusminister v. Goßler und den Grafen Wilhelm v. Bismarck als Zeugen zu vernehmen, sowie die Berliner Anstellungsakten des Dr. Schwenninger einzufordem, stattgab. In einem weiteren Falle wurde Redak- teur Fusangel von der Anklage, die evangelische Religion öffentlich beschimpft zu haben, freigesprochen, dagegen wegen Beleidigung des Gustav-Adolphe Vereins in eine Geldstrafe von 20 Mt. genommen. Letztere Beleidigung wurde in der Be- Zeichnung des Schwedenkönigs Gustav Adolph als eines Blut- Hundes gefunden, indem der Gerichtshof ausführte, daß der Gustav Adolph-Verein dieselben Bestrehungen verfolge, für welche der Schwedcnkönig im dreißigjährigen Krieg sein Leben gelassen habe., w Nürnberg. 12. Juli. Am Mittwoch, den 3. Julr, stand der Volksschullehrer Albrecht Prechtclsbauer vor den Schranken des k. Landgerichts, angeklagt des Vergehens der Körper- Verletzung im Amte. Der Genannte hat am 15. April l. I. den schwächlichen, 14>»jährigen Fortbildungsschüler Schleicher mittels einer sogen. Weinruthe mit ca. 10— 15 Hieben auf den Rücken und die Arme dermaßen blutrünstig geschlagen, daß der Junge heftige Schmerzen hatte und 4 Tage arbeitsun- Mss war. Ter k. Bczirksarzt, Med.- Rath Dr. Reuter, kon- staune Mißhandlung uud Körperverletzungund veranlaßte die Eltern zur Klagestellung. Grund der Mißhandlung: der -Omnge war gegen das Verbot auf den nahen sog.„Plerrer" wahrend der Freiviertelstunde mit mehreren Mistchülern ge- wufen und gab P. zweimal zur Antwort:„Andere waren auch dort!" Etwa 8—10 Tage später schlug Lehrer Prcchtcls- Hauer den mißhandelten Schüler mit der Hand mehrmals stark 'us Gesicht, svrechend:„So, Du dummer Kerl, Deine Mutter Ut mich verklagt, die ist noch dummer als Du; jetzt weißt Du, warum Du geschlagen wirst rc." Staatsanwalt Kolb hatte, der ärztlichen Konstatirung entsprechend, Strafantrag ge- stellt, der Senat in geheimer Sitzung sich der staatsanwalt- schaktlichen Anschauung angeschlossen und auf Verhandlung er- kannt. 10 Zeugen wurden verhört; sie bestätigten im Allge- meinen die Behauptrrngen der Anklage. Entkräftet wurde dieselbe durch Lehrer Knab, den Inspektor der Fortbildungs- Jchule, der die Schwierigkeit des Wirkens der Lehrer an den Fortbildungsschulen bei den heterogenen Elementen hervorhob, dabei aber nicht erklärte, warum er dem Auftrage der Schul- kommission, wider Prechtelsbauer wegen des kntischen Falles und dreier weiterer Fälle Disziplinaruntersuchung einzuleiten, nicht nachgekommen. Der Staatsanwalt blich bei seiner An- schauung, die darin gipfelte, daß einem Lehrer kein größeres aüchtigungsrecht eingeräumt werden könne und dürfe, als den ltern. Er ließ MilderungSgründe walten, namentlich die hochgradige Erregung des cholerischen Prechtelsbauer und be- antragte ein Schuldig mit 40 M. Geldstrafe. Der Verthei- diger, Konzipicnt Methsieder, plaidirte auf Freisprechung, die wider alles Erwarten des Publikums auch wirklich erfolgte. In den Entscheidungsgründen wurde u. A. gesagt, daß der mißhandelte Schüler ern schwächlicher, zartgebauter Junge sei, was der Lehrer nicht wissen konnte und daß sich derselbe un- gezogen und frech benommen, also auch eine empsindliche Strafe verdrent habe. Sozialesund ArbeiterveWegang. Ueber die Wirkungen der Lohnhöhe auf den Schnaps- genuß schreibt ein Arberter einen beherzigenswerthen Brief an das„Schwäbische Wochenblatt." Denselben empfehlen wir Behörden und Mäßigt eitsvereinen zur besonderen Beachtung, da in ihm die Quelle des Uebels aufgedeckt und ein unfehlbares Mittel gegen die Verbreitung des Schnapsgenuffes angegeben wird. Der Brief lautet: Ich arbeitete in den Jahren 1873-1877 in einer größeren Fabrik Leipzigs. Inden Jahren 1873—1875, als der Lohn nach den herrschenden Be« griffen ein etwas hoher war, kam so gut wie gar lein Schnaps rn die Fabrik, es wurde nur Bier getrunken. Als aber der Lohn 1875 allmählich sank und 1876 bis zur Hälfte des ,m Jahre 1873 verdienten Lohnes fiel, wurde in einem M on at meh r S ch n ap s konsumirt, als vordem im ganzen Jahre. Eine von mir damals aufgestellte Lohnstatistik der betr. Fabrik ergab einen Vergleich von den Jahren 1873 und 1876 wie folgt: Der höchste Lohnsatz für die bestbezahlte Akkordarbeit betrug im Jahre 1873 30 Mark wöchentlich, der niedrigste Lohnsatz 12-15 Mark- im Jahre 1876, dagegen der höchste Lohnsatz 12-15 Mark und der niedrigste 6—8 Mark. Wie schon angedeutet, hielt mit dem niedrigsten Lohne der Schnaps seinen Einzug in die Fabrik. Aber nicht allern, daß nur während der Frühstücks- und Vesperzert Schnaps getrunken wurde, wie ehedem Bier, jetzt wanderte des Tages über öfter die gefüllte Schnaps- sich nachträglich von ihnen ein Jawort zu holen, als daß Herr Grützkopf an eine Verbindung mit einer derer von Dollrott denken könnte. Aber unsere Hoffnungen machen uns blind, und so gehts auch hier. Mit einer überraschenden Offenheit äußerte sich der einfache und verständige Mann über die Familie und ließ in seinen Gesprächen nur zu deutlich durchblicken, daß wir uns in unseren Ansichten über diese begegneten.,„ Schließlich nahmen alle Abschied und Herr Grützkovf auch.„Empfehle mich Ihnen, gnädiges Fräulein!"—„Ergebene Dienerin!" Damit war die Sache vorbei.— „Fräulein, bitte!" sagte Frau v. Dollrott, die eben mit ihrem Schnupftuch oie heruntergebrannten Wachs- lichter ausgeschlagen und sich nun in dem grauseidenen Sopha des Salons niedergelassen hatte.„Einen Augenblick!"— „Gnädige Frau?", � „Nehmen Sie doch Platz. Ich möchte einige Worte wit Ihnen sprechen."— Zch setzte mich etwas überrascht. „Offenheit ist meine Art, sie liegt einmal in meinem Eharakter. Gestatten Sie, daß ich mich über den heutigen Abend ausspreche. Es war bisher nicht Sitte, daß die jungen Damen, denen ich die Erziehung meiner Ernestine anvertraut, in unseren Gesellschaftskreis eintraten. Es liegt dies nicht in irgendwelchen Vorurtheilen, sondern gibt die Gewähr, daß gewisse, immerhin mögliche MißHelligkeiten sicher vermieden werden.— Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen?"— „Nein, gnädige Frau."— Die Frau sah mich an mit einem Blick, den ich nie vergessen werde. „Nun, Sie werden schon begreifen!" fuhr sie hoch- müthig fort.„Ich habe heute eine" Ausnahme gemacht, weil ich mit dem Ergebnisse Ihres Unterrichts, mit den Fort- schritten meiner jüngsten Tochter nicht übel zufrieden bin. Ich wollte Ihnen meine Anerkennung ausdrücken, indem ich Sie aufforderte, an dem heutigen Gesellschaftsabend theil- zunehmen." flasche durch ein Mädchen oder einen Lehrbuben unter dem Schurz zur Fabrik herein, und wenn ein Arbeiter der Arbeit oder des Lohnes wegen einen Auftritt mit dem Prinzipal gehabt hatte, hieß es gewöhnlich:„Wir lassen Einen holen!" um in der Schnapsflasche Vergessenheit seiner traurigen abhängigen Lage zu suchen. Der niedrige Lohn hatte weiter zur Folge, daß die Frauen angestrengt mitarbeiten mußten, um das traute Heim über Wasser zu halten. Kann man sich aber ein„trautes Heim" vorstellen, wo die Frau von Morgens früh bis Abends spät in oder außer dem Hause thätig sein muß, und wer sehnt sich nach solch einem Heim, wo sich hungernde, schreiende Kinder vorfinden? Nein, der des Tages über geplagte Arbeiter wandert, um dem Elend zu entgehen, statt zu Hause ins andere Elend, in die Schnapsbude. Da hilft es auch nichts, daß man die Schnapslokale in der Nähe der Fabriken aufhebt, wie etliche Fabrikanten vorschlugen, was thuts, wenn man auch einen Umweg macht, irgendwo findet sich doch noch eine. So war es bei der von mir erwähnten Fabrik der Fall, in deren Nähe sich kein derartiges Lokal be- fand. Die Arbeiter zogen nach Beendigung der Arbeit großen- theils nach einer entlegenen Gegend, um dort den Abend zu verbringen und wenn oie Nacht hereingebrochen war, ging es heim. Dann waren wenigstens die Kinder zur Ruhe und das Weib selbst müde und abgespannt. Mehreren meiner Fach- genossen, die in anderen Fabriken beschäftigt waren, theilte ich meine Beobachtung über das Einschleppen von Schnaps in die Fabrik mit. Alle bestätigten mir, daß es bei ihnen desgleichen der Fall sei, seitdem derLohn so gesun- ken, und daßLeute zurSchnapsflaschea rissen, von denen es kaum zu erwarten war. Man ersieht daraus, wohin wir kommen, wenn fortgesetzt das Einkommen der großen Masse zurückgeht und wenn nach dem Rezept ver- fahren wird, was seiner Zeit der Minister Camphausen den Industriellen gab, nämlich durch möglichst niedrige Arbeitslöhne die deutsche Industrie konkurrenzfähig zu machen: zur geistigen, und körperlichen Verkümmerung der Arbeiter, dem Fundament der heutigen Gesellschaft. Die Bäckergesellen in Leipzig haben in einer großen Versammlung eine Petition beschlossen, den Maximal- a r b e i t s t a g<„eine bestimmte Arbeitszeit, die nicht über- schntten werden darf"! in ihrem Gewerbe einzuführen. Die Höhe der Arbeitszeit soll derart bemessen sein, daß die phy- fischen wie die geistigen Kräfte der Bäckergesellen nicht unter- graben werden. Sodann wurde die Frage der Sonntags- ruhe erörtert und folgende Resolution angenommen: Es ist nicht genug, daß der Bäckergeselle für den Konsumenten die Woche hindurch die Nachtruhe opfert und eine 16—18 stündige Arbeitszeit täglich absolvirt, nein, auch die Sonntagsruhe wird ihm bei gleicher Arbeitszeit ebenso verkümmert, und darum müssen wir vor Allem es als unser Recht fordern, daß andere Zustände durch Gesetz Herbeigeführt werden."— Wir glauben, daß gerade die Bäckergesellen allerorts die größte Veranlassung hätten, diesem sehr verständigen Vorgehen der Leipziger Bäcker- gesellen sich anzuschließen. Der Export nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika belief sich aus dem Konsularbezirk Berlin in den Monaten April, Mai und Juni auf 1 051 692 Dollars. Jor gleichen Quartal 1884 aber betrug derselbe 1 361 133 Doli.; also fanv eine Abnahme von 309 440 Dollars statt. Auf das Jahr übertragen wäre das eine Summe von 1 237 760, also ca. 5 Millionen Mark. Ist das am Ende auch ein segensreicher Einfluß unserer neuen Zoll- und Wirthschaftspolitik? Und wenn sammtliche Konsulärbezirke Deutschlands in diesem Jahre einen ähnlichen Ausfall haben werden, was nicht zu bezweifeln G- so werden die nächstjährigen Berichte der verschiedenen Handels« und Gewerbckammern dasjenige konstatiren, was die meisten derselben für das Jahr vorausgesagt haben: einen sehr schleckten Geschäftsgang für das Jahr 188o. Der Massenkonsum wird durch Zölle und indirekte Steuern, so erklärt die schutzzöllnerische„Deutsche Volkswirth- schaftliche llorrespondenz", gering oder gar nicht besteuert. Salz, Schmalz, Fleisch, Korn, Mehl, Petroleum, Kaffee, Reis, Oel, Holz und Eisen— alle diese Artikel gehören dem- gemäß nicht zum Masscnkonsum. O diese schlauen Schutz- Zöllner! Vereine und Versammlungen. th. Eine„große", von ca. 80 Personen besuchte Versammlung der vereinigten Töpfer- und Ofen- baumeister Verlins fand am Montag, den 13. d. Mts., zur Besprechung über den Streik der Töpfergesellen Neue Friedrichstr. 44 statt. Die Lohnkommisston der Gesellen, welche Zutritt begehrte, wurde auf Beschluß der„Versammlung" von der Theilnahme an den Verhandlungen ausgeschlossen. Herr Rau, Vorsitzender des„Vereins- der Töpfer- und Ofen- baumeister" gab zunächst seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß von der Innung, obgleich ihr die Bewegung unter den Gesellen bekannt sein mußte, bisher nichts geschehen sei, um die Wünsche der Gesellen zu befriedigen. Er erkannte die Be- rechtigung einer Regelung der Lohnfrage an, hielt es aber für Kein Zug in meinem Gesicht rührte sich. Diese un- verschämte Anwendung auf eine selbstverständliche Rück- ficht, diese schamlose Heuchelei brachten mir das Blut in Wallung. „Allein, allein— ich durfte erwarten, daß Sie sich der Stellung, die Sie hier im Hause einnehmen, bewußt bleiben würden, daß Sie, daß Sie--" Sie stockte, und ich sah sie so kalt an, daß selbst ein Eisbär ein Frösteln hätte empfinden müssen. „Also daß Sie", fuhr sie in ihrer maßlosen Insolenz fort,„gewisse Vorschriften des Taktes und der Delika- tesse—" In diesem Augenblick guckten die beiden ausgezeichneten Sprößlinge dieser vornehmen Frau mit einem:„Mama? Bist du da, Mama?" in die Thür und zogen sich mit einem Ausdruck zurück, in dem deutlich geschrieben stand:„Ah, sie hat ihre Lektion noch nicht ganz!— Ze eindringlicher, je besser!" Und ich richtete von neuem einen kalten Blick auf die Frau, welche nicht zögerte, mich in solcher Weise zur Rede zu stellen. Einen Augenblick senkte sie in Folge dessen ihr Auge, dann aber nahm sie einen raschen Anlauf, der ihr bei ihrem eingefleischten Hochmuth nicht schwer ward, und fuhr fort: „Die Delikatesse nicht außer Acht lassen würden. Ja, noch mehr! Sie bewegten sich an dem heutigen Gesell- schaftsabend in einer Weife, welche man bei uns nicht kennt und deshalb auch nicht wünscht, und da Sie, Liebe, wohl mit den Sitten und Gewohnheiten der vornehmen Kreise nicht vertraut sind, so spreche ich in Ihrem Interesse so gut, wie in dem unsrigen, wenn ich Sie auf- merksam mache, daß der Verkehr mit den Herren der Gesellschaft Zunickhaltung erfordert, und daß ein so freies Wesen, wie Sie es an den Tag legten, zu Mißdeutungen Veranlassung geben kann, die unliebsam auf uns zurrick- fallen möchten.— In der guten Gesellschaft, meine Liebe--" „Gnädige Frau!" unterbrach ich ihren Redefluß, denn nun quoll mein Herzblut über. In erster Linie gestatten Sie mir, zu bemerken, daß ich die Vorschriften, die Sitten angemessener, daß die Meister diese Regelung in die Hand nehmen und nicht die Gesellen, und forderte zu energischem gemeinsamen Handeln aller Meister gegen- über den Gesellen auf. Herr Obermeister Grott- hausen entgegnete, daß ihm nur bekannt geworden fei, daß sich eine„G esellsch a ft zusammengerottet" habe, um höhere Löhne zu erzielen. Er wundere sich, daß sich diese„Gesellschaft" nicht zunächst an den Vorstand der Innung gewandt habe. Die Behauptung, daß dies geschehen, sei falsch. Es wäre Pflicht gewesen, sich zuerst an den Vorstand der In- nung zu wenden. Die Innung habe für diesen Fall eine Kam- Mission gewählt, um mit den Gesellen zu unterhandeln. Sofern diese nicht darum ersuchen, werde von der Innung nichts ge- schehen. Einige Meister hätten zwar, durch die augenblicklichen Verhältnisse gezwungen, die Tarife unterzeichnet, doch wären die Unterzeichnungen von den Gesellen vielfach gefälscht worden und suchten sich diese damit auszureden, daß die Betreffenden die Tarife schon längst bezahlten. Herr Steffen war der Mei- nung, daß auf ein Entgegenkommen der Gesellen gar nicht zu rechnen sei. Dieselben gingen so schroff vor, daß sie nicht einmal die„Poliere" vom Streik entbänden. Auch seine auf drei Monate giltige Bewilligung der Tarife hätten sie nicht einmal anerkannt. Er befürwortete ein „brüderliches" Zusammengehen mit den Jnnungsmeistern, um gegen die Gesellen Front zu machen. Ebenso Herr Janson. Der Streik wäre völlig vom Zaune gebrochen. Die Gesellen wollten gar nur von 7 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends arbeiten. Wenn jetzt bewilligt würde, ginge es bald wieder von vorne los. Eine Schraube ohne Ende. Herr Haase war so glücklich, wichtige Entdeckungen"gemacht zu haben, nämlich, daß der„Fach verein" nur„Strolche" erziehe und daß währendldes Streiks, wie er als Rendant der Ortskasse wissen müsse, auffallend viel Gesellen krank seien, und zwar nur „äußerlich", indem sie sich an„Bierpullen" rc. verletzt hätten. Herrn Zick lag das Wohl des„guten" Arbeiters sehr am Herzen. Dieser müsse bezahlt werden, jedoch nur nach seiner Leistungsfähigkeit. Jndeß nur zwei Drittel der Gesellen wären „gute", ein Drittel dagegen„Strolch e". Auch waren ihm einige Namen der Lohnkommission nicht sympathisch. Diese „Verführer und Aufwiegler des Volks" müßten gestrichen werden. Der jetzige Gesellentarif sei nur der von der Innung im Jahre 1883 aufgestellte,„im erhöhten Maßstabe abgeschrieben." Da- gegen müßten sämmtliche Meister Front machen, die Gesellen seien nicht die maßgebenden Personen, welche die Meister fchuhriegeln könnten. Je mehr bezahlt würde, desto mehr würde „gebummelt". Die Meister seien viel zu nachsichtig, das sei ihr Verderben.— In dieser liebenswürdigen Weise wurden die Debatten bis 12 Uhr Nachts fortgesetzt, nachdem man sich noch wacker über den Unterschied zwischen„Töpfermeister" und „Ofenbaumeister" herumgestritten. Mit vieler Mühe einigte man sich endlich dahin, in den nächsten Tagen eine Veriamm- lung sämmtlicher Meister einzuberufen, um den„Feldzugsplan" gegen die Gesellen zu entwerfen. Eine öffentliche Versamnrlnng der Töpfer von Char« lottenburg tagte daselbst am Sonntag, den 12. Juli, Vormittags, rm Saale des Herrn Wodrich, Spreestraße 8, unter Vorsitz des Herrn C. Thiem. Die Tagesordnung lautete: JDte Ausgleichung zur Einführung des neuen Lohntarifes von Berlin und Umgegend." Referent war Herr Bormann. Der- selbe wies nach, auf welcher Grundlage die Töpfer einen ein- hcitlichen Lohntarif zur Geltung bringen könnten. In erster Linie sei nöthig, daß alle Kollegen Berlins und Umgegend zur richtigen Erkenntniß ihrer Lage kommen, nur dann könne eine richtige Grundlage geschaffen �werden; ein einheitlicher Lohntarif sei auf alle Fälle dringend noihwendig. Redner wies darauf hin, wie die Versuche, mit den Jnnungsmeistern zu unterhandeln, gescheitert wären; deshalb sei es Pflicht der ganzen Gesellenschaft Berlins und Umgegend, die Sache energisch rn die Hand zu nehmen. Zum Schluß seiner Ausführungen hob er noch besonders hervor, daß eine Organisation der Ge- sellen zur Nothwendigkeit geworden wäre, um ihre gerechte Forderung durchzuführen und empfahl zur Förderung und Wahrung der Interessen der Töpfer den Anschluß an die Organisation, den Fachverein der Töpfer. Hierauf wurde die Diskussion eröffnet. Töpfer Jahn fragt, wie die Ausgleichung stattfinden soll, und wie der nerie Lohn- tarif zum Durchbruch zu bringen sei, da die Gesellen vielfach selbst schuld daran seien, daß so niedrige Löhne gezahlt werden, rndem sie selbst die Arbeit billiger annehmen als die Meister und somit den Meistern Konkurrenz machen; die letzteren müssen Gewerbesteuer zahlen, während dieses bei den konkurrirenden Gesellen nicht der Fall ist. Töpfer Thieme erwidert, daß durch Einführung des neuen Lohntarifs diese Konkurrenz aus dem Wege geschafft werden soll, daß, wenn die Untemehmer den neuen Lohntarif unterschrieben haben, sie auch gezwungen sind, sich mit den Preisen bei Uebemahme von Arbeiten darnach zu richten, damit die Gesellen, die bei ihnen in Arbeit treten, ihre Pflichten der Familie, dem Staate und der Kommune gegen- über erfüllen können. Töpfer Stein schlägt vor. den neuen Lohntarif baldmöglichst zum Durchbruch zu bringen und sich nicht an die Ausreden der Meister zu kehren, welche behaupten, und Gewohnheiten der guten Gesellschaft so gut kenne, wie Sie, da ich in einem Hause erzogen bin, in dem Bildung und Ehrbarkeit zu Hause waren, wie irgendwo. Ferner bin ich, gnädige Frau, nicht Ihre Liebe, sondern Fräulein Anna Henriett, endlich aber wünsche ich mich aus einem Hause möglichst rasch zu entfernen, in welchem die ersten Ansatz- Begriffe alles desjenigen fehlen, was Sie als Bildung, gute Sitte und gesellschaftliche Form bezeichnen und mir bereits abgesprochen haben durch die Art der Begegnung seit meinem Eintritt rn das Haus, und nun jetzt sich er- laubten, mir abzusprechen ohne den geringsten begründeten Anlaß. Zum Schluß noch eins: Wenn Sie Puppen ver- schenken wollen, kaufen Sie diese auf dem Jahrmarkt oder in einem Spielzeugladen, und rechnen Sie es lediglich meinem Mitleid für das arme Kind an, daß ich mich zu dieser un- würdigen Komödie so lange hergegeben habe. Ich will nicht einmal des Näheren berühren, welcher Fälschung Sie sich schuldig machten, indem Sie mich zur Erziehung eines kleinen, etwas im Lernen zurückgebliebenen Kindes engagirten. So, meine gnädige Frau! „Ich habe die Ehre, Ihnen eine gute Nacht zu wünschen und sehe Ihrer weiteren schriftlichen Mittheilung entgegen!"—_ Heute kam ich in Berlin an. Nach entsetzlichen letzten Tagen verließ ich Trockenhausen. Ja, nach entsetzlichen, denn die Demüthigungen, denen ich ausgesetzt gewesen bin nach meiner offenen Erklärung, spotten jeder Beschreibung. Wind und Kälte schlagen gegen daS Fenster meines kleinen Chambregarni-Zimmers. So öde wie draußen ist S in meinem Innern. Was soll nun werden? Wohin? Mrr graut,— graut vor der Zukunft! Eine neue Stellung annehmen, die neunte? Ich zittere schon bei dem Gedanken. Und wenn nicht, wovon soll ich leben?— Lieber Gott, sei barmherzig, nimm dich meiner an und hilf, daß ich nicht verzweifle- ja, verzweifle!- sie zahlten die Mehrfordervna aus ihrer Tasche. Es sei Pflicht eines jeden Kollegen, seine Interessen zu wahren und da die Berliner Kollegen" ernstlich eingetreten sind, ihre Sache zu regeln, sei es somit Pflicht auch der Kollegen in Charlottcnburg. wo- selbst die Perhältnisse dieselben wären, wie die in Berlin, die Berliner Kollegen zu untenstützen und ihre Sache zu der unserigen zu machen zu machen, somit Hand in Hand mit ihnen zu gehen. Alle nachfolgenden Redner, die Herren Chemnitz, Köbeler, Gede, Stein und 5)oltze sprachen sich für die Betheili- aung an der Durchführung des neuen Lohntarifs, sowie an der Organisation der Töpfer aus, welche eine gesunde Grundlage hat und die Interessen der Gesellcnschaft voll und ganz wahrt und fördert und erklärten sich voll und ganz einverstanden mit dem Beschlutz und der Resolution der Töpferversammlung vom 6. Juli 1885 in den Gratweil'schen Bierhallen. Resolution: „Da die heutige öffentliche Versammlung der Töpfer durch das Stillschweigen, welches die Meister in Bezug auf die Bcwilli- gung des Lohntarifs beobachten, zu der Einficht gekommen ist, die Meister unsere gerechte Forderung nicht anerkennen wollen, so bleiben wir unentwegt bei unserer Forderung stehen, und legen da die Arbeit nieder, wo der angegebene Preis nicht in allen Positionen bewilligt wird. Ferner verpflichten sich die Kollegen, welche in solchen Geschäften arbeiten, wo der Tarif bewilligt worden ist, die Streikenden mit allen Mitteln*u unterstützen und dem Beschlutz der letzten Versammlung gemätz wöchentlich 3 Mark zum Streikfonds zu zahlen." Die Orts- vereine, der Hirsch-Duncker'schen Richtung wurden hierauf einer scharfen Kritik unterworfen. Herr Thieme behauptete, datz die Wahrung der materiellen Interessen der Arbeiter durch die Ortsvcreinc nur auf dem Papier stehe; diese Vereine thun nichts zur Erringung besserer Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder, sie erheben nur viel Geschrei von ihren großen Mitteln, welche aber gar nicht aufzuweisen wären. Redner meint, die Orts- vereine haben ihre Pflicht nicht gethan und nicht achalten, was sie verspvochen. Herr Holtze erklärte, datz es einerlei sei,»b der Name des Vereins Fachverein oder Ortsverein laute, es könne nur darauf ankommen, ob die Grundprinzipien des Vereins die richtigen seien. Die Lrtsvereine wahren hauptsächlich die Interessen der..deutschfreisinniaen Prinzipien', aber um die Interessen der Mitglieder als Arbeiter kümmem sich dieselben nicht. Es wurde ferner durch Herrn Stein aufmerksam ae- macht, daß die Organisation der Charlottenburger Töpfer- Ge> sellen beabsichtige, der Versammlung des Ortsvereins zu Char- lottenburg, welche am Montag, den 13. Juli 1885, stattfindet, den Beschlutz der Kollegen mitzutheilen. Nachdem die Reso- lution zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen war, schloß der Vorsitzende die Versammlung um 3 Uhr Nach- mittaas. An alle Buchdrucker Verlins! Die am Sonntag, den 12. Juli er., bei Buggenhagen stattgefundene allgemeine Buch- drucker-Vcrsammlugg beschloß, den Streik der Berliner Maurer als gerecht anzuerkennen und dieselben nach Kräften durch frei- willige Beiträge zu unterstützen. Ferner beschloß dieselbe, da schnelle Hilfe dringend geboten, darlehnsweise Ml. 1000 aus der hierorts bestehenden Tarifkasse zu entnehmen, dieselben so- fort an die Lohn-Kommisfion der Maurer abzuliefern und das Darlehn in erster Linie aus den freiwilligen Beiträgen zu decken. Indem wir nun die geehrten Kollegen ersuchen, that- kräftig für die Interessen der streikenden Maurer einzutreten, bitten wir, alle Gelder umgehend an den Kasflrer der Tarif- Kommission, Herrn B l e n z, Zossenerstr. 45, Hof Ii, abzuliefern. Mit kollegialischem Gruß: Die Tarif-Uebcrwachungs- Kommisston. Eine aroste Versammlung der Schneidermeister und Gesellen Berlms, einberufen von der Ärbeitsnachweis-Kom- Mission der Berliner Schneider, findet am Donnerstag, den 16. Juni, Abends 8V. Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grün- stratze 28, statt. Auf der Tagesordnung steht: Das Her- bergswesen und der Arbeitsnachweis, sowie Mrt- theilungen über die letzte Quartalsversammlung der Meister- i n n n u n g. Sämmlliche Schneidermeister und Gesellen find der wichtigen Tagesordnung halber eingeladen. Alle Schneider, welche nicht im Stande waren, am Sonntag in Gratweil's Bierhallen zu erscheinen und geneigt find, noch etwas für den früheren Altgesellen W. Klcinecke zu opfern, werden ersucht, etwaige Geloer ungesäumt im Bureau, Krausenstratze 11, oder an Herrn Brodtke, Friedrichsgracht 52(Ortskasse), abzuliefern. Demokratischer Verein zu Berlin. Große Versamm- lung am Mittwoch, den 15. Juli, Abends S'/i Uhr, im , Louisenstädtischen Klubhaus", Annenstr. 16. Tagesordnung: 1. Das Verhältniß der norddeutschen Demokratie zur süo- deutschen Volkspartei. Referent Herr Dr. Guido Weiß. 2. Vereinsangelegenheiten. Freie Diskussion. Gäste will- kommen. Den Schuhmachern Berlins zur Nachricht, datz die zum Donneistag, den 16. Juli, in Aussicht genommene öffentliche Schuhmacherversammlung eingetretener Verhältnisse wegen nicht stattfindet, dafür aber in der nächsten Woche eine Versamm- lung stattfinden soll. Näheres wird durch Inserat in der Sonntagsnummer des„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht. Der Aachverein der Töpfer hält heute Abend 6 Uhr in Mundt's Lokal, Küpenickersttatze 100, eine Vereinsversammlung ab, in welcher wichttge innere Vereinsangeleaenheiten er- örtert werden sollen. Zahlreicher Besuch der Mitglieder ist nothwendig, neue Mitglieder werden aufgenommen. „May'S Sängerbund", Gesangverein für gemischten Chor, jeden Mittwoch, 8—10 Uhr, Abends Münzstr. 5. Arbeiter- Bezirksverein„Süd- Ost". General- Ver- sammlung am Donnerstag, den 16. d.M., Abends 8'/, Uhr, in der„Urania", Wrangelstt. 9 u. 10. Tages-Ordnung. 1. Vortrag. 2. Wahl des ersten Vorsitzenden. 3. Statutenänderung, Verschiedenes und Fragekastcn. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. Der Unterstützungsverein der Vergolder und Berufs- genossen hält eine Versammlung heute Abend 8% Uhr bei Seefeld, Grcnadierstratze 33, ab und steht auf der Tages- ordnuvg: 1. Vortrag des Herrn Liefländcr. 2. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Die Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Fabrik- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts? Polizei Direktion innerhalb ihres Bezirks auf Grund des 9 zialistengesetzes verboten worden. Magdeburg, 12. Juli. Von den aus Anlaß der Un in Benneckenbeck in Groß- uttersleben verhafteten Arb find vorgestern 11 Mann entlassen worden, darunter 9! glieder des„Fachvereins verschiedener Berufsgenossen.", sollen sich nun noch 22 Personen in Untersuchungshaft finden. Neue Verhaftungen sind in letzter Zeit mcht vs ....... A nommen worden.— Der in Berlin wohlbekannte Schrift Hermann, welcher von hier aus nach der Schweiz flüchtig worden war, weil er befürchtete, verhaftet zu werden, iß einigen Tagen hier gefänglich eingeliefert worden. Kaiserslautern, 12. Juli. Die Schreinermeister 3s gegen die streikenden Schreiner energisch vor. Eine Firntfj bereits am Freitag zehn der Stteikenden vor das Gen*] gericht laden lassen, welches dieselben zu je 30 Mk. Geldß venntheilte, da fie durch die Arbeitseinstellung ohne votw Kündigung das Geschäft geschädigt. Im Laufe dieser Ä find die übrigen Stteikenden in einzelnen Serien cbenff geladen. Mannheim, 12. Juli. In einer überaus zahlrcittl suchten Versammlungen sprach gestem Abend Herr Dr-I Die< reifen r b e i t« tenden Kl W nicht( veitern wi Hirsch aus Berlin über„Arbeiterschutz- Gesetzgebung". I schließlich der hiesige sozialistische Führer und Reichstags�? bat Herr Drcesbach das Wort ergrirr und die Ausführungen Redners scharf kristrte, worauf der Vorsitzende Herrn DreeA das Wort entziehen wollte, entstand ein großer Tumult.� Pforzheim, 13. Juli. Die hier von dem ReichiU Abgeordneten Grillenbcrger berufene Volksvcrsamin? schien trotz der gefaßten Resolution ohne weitere Folgen bll' zu sollen. Jetzt aber zeigt sich, datz dem nicht so ist. zirkulirt nämlich eine„Petition der Arbeiter Pforzheim Einführung eines wirksamen Arbeiterschuygesetzes", in w namentlich ein Normalarbeitstag und Einschränkung der i tagsarbeit verlangt wird. Passau. Nachdem auf den Kuraten der militäi Strafanstalt Oberhaus erst vor wenigen Monaten währe» Predigt ein Attentat mit einem Ziegelstein gemacht n> fti. Behauptui Man muß die im St Leider lie im Argen leuchten m Es rt V o r st a i Tischle, Erhebung Hebung i große Zal von der Z thetl de? sultate de 26 488 A mit einbeg Was war, erfolgte am letzten Sonntag ein neuer Angriff, inde« erst vor einigen Jahren eingelieferter Strafgefangene Vredigt mit dem Ruf:..Herunter, Du v-' .....o_..-■ A---(„...»„Wf.' Beendigung der VV-V IIIU, will l/lM|. f/Ky VtWIlIVLf, 4 Du lügst!" ein Stück Eisen nach der Kanzel schleuderte, s mit er den sich umwendenden Prediger am Nacken ttaf. Kriefk asten der Redaktion. variirt dti und 84 C noch bis z und daß< es sei scho geführt. Q Lehrli, stündige 3 »igen Orts beiten. 2 Packen, S beitszeit d Ort meldi als die P Furchtbar. 1. Beginnt die Versammlung nicht spc eine Stunde nach der in der Anzeige angegebenen Zeit, die später beginnende Versammlung als vorschnftsmätzig zeigt nicht anzusehen; ebenso darf eine solche Versann nicht länger als eine Stunde vertagt werden. 2. Aüf sammlungen, in denen„öffentliche Angelegenheiten" 1 werden sollen, sind bei der Ottspolizei-Behörde anznz die Anzeige mutz spätestens 24 Stunden vor ErössnM Versammlung erfolgen. Als„Ottspolizei-Behörde ist% tungsbereich der Krcisordnung vom 13. Dezember l67f Gemeinde-, Guts- und Amtsvorsteher anzusehen. kommt ganz auf den Inhalt der Einsendung an. A. L. 100. Die Antwort auf Ihre Frage findeii S» unserer heutigen Nummer unter„Soziales und beweaung". um «tuckateurverein. Berichte, welche gedruckt n*� sollen, dürfen nur auf einer Seite des Papiers ges werden. Die i a r b ei ts %% müßten. Was die Statist ergeben ui Rochdruck»er! -I Theater. Belle-Alltance-Theater. Heute: Der Raub der Sabinerinnen. Neues Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Oftend-Theater. Heute: Geschiedene Frauen.___ Dauksaguilg. Für die herzliche Theilnahme und rege Betheiligung bei der Beerdigung unseres lieben Bruders und Bräutigams E. Flemmina sagen wir dem Arbeiter-Bezirksverein Süd-Ost, dem Metallarbeiterverein und den Herren Kollegen der Fabttk Hirschhom, sowie allen Bekannten, welche ihm die letzte Ehre erwiesen, unsern herzlichsten Dank.[1618 Geschwister Flemming. m Auguste Holschumacher, als Braut. In Rechtssacheii .ütliche Schulden- Rcgulirung, Uebernahme von Prozessen, „.aufvetträge, Gesuche aller Art, Militär-, Steuer- und Äe« wcrbesachen) bin ich nur zu sprechen 11620 Abends 6 bis 8 Uhr, Sonntags 11 bis 1 Uhr. B. Sparr, Fürstenstraße 2, 3 Tr. l. Allen Freunden, Bekannten ui v werther Nachbarschaft «mpfehle mein.... �289 Weiß, und Karrlsch-Krerkokak. 1289 Her«. Ltewald, Frankfurter Allee 143. � Die von Mitgliedern des Fachverttn« der Schneider gegründete# �, Produktiv- u. Rohstoff- Genossenschaft der Schneid ZU Berlin(Eingetragene Geuoffeuschast) No. 30 ZIMMER-STRASSE No. 30 empfiehlt ihr Lager fertiger Herren-Garderobe. sowie ihr reichhaltiges Lager in- und ausländischer Stoffe, ebenfalls Borte und Knöpfe. Hemn- Garderoben jeder Art werden nach � angefertigt Reelle Arbeit. Dauerhafte Stoffe. Feste preise. 723 BIM* rensn muf Strasse and Sammer za sehten. ___ Per Verstand and Verwsl*ansmrss*> Den Metallarbeitern Berlins hlermlt zur Nachncht, datz sich der zentralisirte Arbeits- Nachweis der Vereinigung deutscher Metallarbeiter, begründet von den Mttgliedschasten Berlin I., Süden, Osten und der Freim Vereinigung der Former, nur allein Ritterstraste Nr. 128 bei dem Restaurateur Sodtte befindet. Daselbst find stets die tüchtigsten Kräfte der verschiedensten Branchen der Metallindustrie zu vergeben und ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, hiervon den umfaffendsten Gebrauch machen zu wollen; ferner sei noch erwähnt, datz nur daselbst die Resse- Unterstützung für die der Vereinigung angehörenden Mitglieder ausgezahlt wird. jl617 Die Vorstäude sämmtlicher Mitgliedschaften Berlins. Zu einem freundl. möbllZimmer(Eing. v.Flur) wird ein Theilnehm. ges. 2'/, Thlr. Mrethe. 1690] G. Stange. Fürstenstt. 17. Bei 1 Sturm in sie bis da Mühe ver jede kleine dem Mass aber imm nicht, als die Wand schon bis Der Ardeiterinnen-Verein. Donnerstag, den 16. Juli. Abends 8 Uhr- in Gratweil's Bierhallen, Kommanvantenstr-� Vereins-Berfammlung» Bortrag des üem� Dr°Ied"©" t l a ch über: � hettsgematzc Ernährung bei fitzender Lebensweise�.�„1 Der Vo> Bon den Berliner Buchdruckern haben wir iiinA npr ttrptfßnSaw i Snr ftützung der stteikenden Maure r" 1 000 Mari aus 1 r Tellersammlung von 80 M'-' \ flje__ si# Ufl sowie den Ertrag einer-teuenommiung von ow zusammen 1080 Mk. 30 Pf., erhalten, worüber die nete Kommijfion dankend quittirt. Die Streikkommissto« der Berliner Maurer- I. A.: F. Wille. Verantwortlicher Redaktem«. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin SW., Beuthsttatze 2. ständig vi Aufmerkso Wellen sc währte de stieg, ihn die Mutte Sandtheil ihnen von „2Bei jetzt chon der in sei Jubeln de Doch Wind nal oder auf' wühlten\ reich, höh, Schien es einem gell sehen, fü