HCl uu»> ;bt, koii» im# ©efonfl 43 586, i aus hat ns .3 SBerfn dinien w ren der? ösunz g verarl Kr. 164. Fr-tt«g. den 17. Juli 1885. II. Jahrg. «»V Ä 1 ji ..... W itä MerVMlM Brgan für die Inleresfen Der Ardkitrr. ♦ täglick Morgens Da« außer .Berliner Volksblatt" nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis rrschemt Berlin frei.... Postabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr (Eingetragen in der PostzeitungSpreiöliste für 1885 unter Nr. 746.) in'S HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. —-'-—-"----- Beilage 10 Pf. Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. ArbeitSmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Keuthstraße 2.— Expedition: Zimmerstratze 44. Palliativmittel. Gewiß ist es anerkennenswerth, daß in der Gesellschaft sich Elemente befinden, welche Mitiel und Wege suchen, die sozialen Schäden zu lindern resp. zu heilen. Doch sind fast alle diese Bestrebungen durchweg viel zu kleinlich, als daß man von ihnen Hilfe erwarten könnte, und durch diese kleinlichen Bestrebungen werden viele Menschen abgehalten, höheren Zielen sich zuzuwenden. Doch hören wir zunächst einmal ein konservatives Blatt über derartige Bestrebungen. Die„Dresdener Nachrichten" schreiben: Die sozialen Reformen mannigfachster Natur, deren Leistungen eine ständige Rubrik der Tageszeitungen bilden» sind erfreulicberweise nicht das Eigcnthum einiger weniger Menschenfreunde, sondern das Gemeingut der gebildeten Volks- klaffen überhaupt. Man svottet so oft und oft mit Recht über das Vereinswefen. Gewiß hat die Vereinsmeierei eine Masse üppiger Auswüchse hervorgetricben. Man kann aber die ganz allgemeine Behauptung ausstellen, daß ohne Ueber- treibungen überhaupt eine gesunde Bewegung unmöglich ist; daß man vielmehr aus der Vielseitigkeit ihrer Vcrzemingen einen Rückschluß auf die Stärke, Zähigkeit und Berechtigung der Bewegung an fich ziehen kann. So ist das Vereins wesen der ganz natürliche, gesunde und richtige Ausdruck weitverbrei- teter und tiefgehender Strömungen im Volksleben. In groß- artiger Weise hat fich nun das Vereinswesen inven Dienst der Sozialreform-Jdee gestellt. Die gebildeten und begüterten Kreise find der Ueberzeugung, daß die Verbesserung der Lage der arbeitenden und nothlcidenden Volksschichten nur durch Zusammenfassen glcichgestnntcr Kräfte zu erzielen ist. Die Vereine zur Bekämpfung der Trunksucht, zur Entwickelung der Hausindustrie, zur Ausbildung des Hand- lertigkeitsunterrichts der Jugend, zur Gründung von Arbeiterlolonien, zur Versorgung entlassener Straf- gefangener, zur Verhütung der Hausbcttelci, für die Ferien- kolonien, für Nähmaschinenanschassung, zur Heranziehung des weiblichen Geschlechts für Kranken-, Armen- und Waisenpfleae, für Krippen und Aehnliches(um nur einige wenige dieser Humanitären Veranstaltungen zu nennen) entspringen dem Triebe, den Bcvölkerungsllassen theils neue Arbeitszweige zu eröffnen, Heils ihrem Verfinkcn in Armuth bei Zeiten zu wehren. Man will soziale Schäden heilen oder mildern, Ur- fachen der Verarmung beseitigen, Quellen von Verbrechen stopfen und den vom Schicksal Vernachlässigten ein freund- licheres Dasein ermöglichen. Es ist nicht das Gefühl der Barmherzigkeit, das allein diese Vereinsthatlgkert bestimmt und regelt; ebenso stark beeinflußt sie die Erkennt- niß einer Pflicht, welche den Begüterten gegenüber den großen Massen der Unbemittelten obliegt. Der Staat mit seiner Gesetzgebung, seinen Fabrikinspektoren, Kranken- und Unfallkassen, seinenFabrikordnungcn, seinen sozialen Reformen k. läßt der freiwilligen Thätigkett immer noch ein weit ausge- dchntes Feld. Eine unvergleichlich reichhaltige Vereinsthätrg- kert hat sich dessen bemächtigt, um neben den staatlichen Ver- anstaltungen die unvermeidlichen Mängel und Schroffhei- Ieuitl'eton. Das Mormonenmiidchen. Amerikanische Erzählung 4] von Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.) Sein gewiß nicht schönes Gesicht erhielt durch die ver- unstaltende Narbe einen merkwürdigen Ausdruck grimmiger Wildheit. Derselbe wurde indessen bedeutend gemildert durch die kleinen, etwas zusammengekniffenen Augen, die, verschlagen unter dichten, buschigen Brauen hervorlugend, bei allem Ernst doch einen hohen Grad von Gutmüthigkeit vcrriethen. Die unzähligen Ruder- und Segelboote, die, bald ge- führt von kundigen Händen, bald bemannt mit unbeholfenen Landratten und lustfahrenden Müßiggängern, nach allen Achtungen hin das Fahrwasser der eben beschriebenen -Soll? kreuzten, derselben begegneten oder von ihr eingeholt wurden, schien der alte Bootsmann gar nicht zu bemerken. Er überließ es gleichsam dem Instinkt seiner Hände, den Weg zwischen den vielen Hindernissen, ohne anzustoßen, hin- durch zu steuern; denn seine Blicke waren beständig nach oben auf die Takelagen der doppelten und dreifachen Reihe von Kauffahrern gerichtet, die ihm die Aussicht auf die Stadt selbst verbargen. Er sprach kein Wort, allein der Kapitän eines jeden Fahrzeugs, an welchem er vorüberschoß, hätte aus seinem Mienenspiel das Urtheil über das herauszulesen vermocht, was er eben einer flüchtigen Prüfung unterworfen hatte, und zwar ein Urtheil, so richtig und treffend, daß es eine ganze Marinekommission nicht richtiger und treffender hätte Fällen können. Er mußte indessen mehr zu tadeln als zu loben finden, denn sein Mund kam aus dem verächtlichen Zucken kaum her- aus, welches bald einem von Schmutz klebenden französischen Dreimaster, bald der schnatternden Bemannung eines Spaniers, oder auch der schief gestauten Ladung irgend eines andern ten der gesellschaftlichen Zu st ände auszugleichen. Diese Vereine mit ihren Humanitären Zwecken und sozialen Aufgaben sind natürlich den grundstürzenden Parteien ein Dorn im Äuge; sie spotten über das Geringfügige ihrer Lei- stunaen. Während aber die Anarchisten auf emen gewaltsamen Umsturz des Bestehenden hinarbeiten, ohne fich auch nur über diese Revolution hinaus einen neuen festgeordneten Zustand der menschlichen Gesellschaft vorstellen zu können, bereiten jene unscheinbaren Reformen der freiwillig sich in den Dienst des praktischen Christenthums begebenden Humanitären Vereine in aller Stille eine große Umgestaltung der Mensch- h e i t durch langsame Aenderung der Sitten und Anschauun- gen und allmälige Erstarkung und Ausdehnung des Pflicht- gefühls vor. Jeder, der die Geschichte auch nur oberfläch- lich kennt, weiß, daß alle wahrhaft entscheidenden Umwälzungen, so plötzlich sie eintraten und so großartig sie fich darstellen, einzig durch langsames Wachsen kleiner Organismen vorbereitet wurden. Stärker als der einzelne Löwe, der mit seiner Pranke den Stier tödtet, ist die Legion der unscheinbaren Würmer, die durch ihre Kau- und Verdau- thätigkeit binnen Jahresfrist eine unausgesetzte und totale Er- Neuerung der Erdkrume bewirken. So das konservative Blatt. Scheiden wir zunächst aus vorstehender Schilderung den Passus über die Anarchisten aus, die man gar nicht in einen wissenschaftlichen Gegensatz mit den Bestrebungen der Bour- geoisie zu bringen vermag und die ja bekanntlich, ganz ab- gesehen von ihren brutalen Gewaltthaten, sich lercht mit allen individuellen Bestrebungen und Palliativmittelchen be- freunden, da sie ähnlich wie die Wohlthätigkeitsvereinler vom Kern der sozialen Frage nichts verstehen— scheiden wir also die der Bourgeoisie in wirthschaftlichen Fragen eng verwandten Anarchisten aus und setzen an deren Stelle die deutsche Arbeiterpartei, welche zu geordneten staatlichen und gesellschaftlichen Zuständen hinstrebt, dann lassen sich leicht die Gegensätze feststellen, welche die oben aufgezählten Palliativmittelchen von einer gründlichen und ernsthaften Sozial-Reform unterscheiden. Wir wenden uns zunächst init folgender Frage an das konservative Blatt: Hat es nicht immer seit Jahrtausenden ähnliche Wohlthätigkeitsvereine gegeben,„um die Schroff- heiten der gesellschaftlichen Zustände auszugleichen?" Haben nun aber, da diese Frage unbedingt bejaht werden muß, alle diese Anstalten, Orden und Vereine irgend nennenswerthe Erfolge erzielt? Uns ist davon nichts bekanntgeworden, das Elend aber in der menschlichen Gesellschaft ist nach wie vor vorhanden. Schon aus diesem historischen Vergleich geht hervor, daß auch die heutigen Vereinchen und palliativen Bestre- bungen, als da sind: Verein„zur Bekämpfung der Trunk- sucht",„zur Entwickelung der Hausindustrie(!!!)",„zur Verhütung der Hausbettelei",„zur Versorgung entlassener Schiffes galt. Wenn er aber an einem Engländer vorüber- fuhr, dann zuckte seine mit Tabak ausgestopfte Wange krampfhaft, und gleichzeitig sendete er einen braunen Strahl zwischen seine Zähne hindurch nach demselben hin, als ob es des armen Schisses Schuld gewesen, daß es einer, den Amerikanern, vielleicht auch vielen anderen Völkern, ver- haßten Nation angehört habe. Gewahrte er dagegen irgendwo den lustigen Bratrost*), so zwinkerten seine Äugen vergnügt, und der Eindruck, den der Anblick des geliebten Sternenbanners auf ihn ausübte, mußte ein ziemlich nachhaltiger fem, denn er war dann in der nächsten Minute nicht abgeneigt, irgend einen ihm zu- gerufenen Gruß durch ein leises Kopfnicken zu beantworten, vorausgesetzt, der Gruß ging von richtigen TheerS aus, und nicht von paddelnden behandschuhten Landratten, die kaum einen Ostindienfahrer von einem Heuschober zu unterscheiden vermochten, oder gar die Breitseite eines Kriegsschiffes für ein neumodisches Musikinstrument ansahen. Während also der Bootsmann hierher und dorthin schaute, schielte er auch zuweilen nach zwei Männern hin, die auf der vordersten Bank seiner Zolle saßen und sich in eine eifrige Unterhaltung vertieft hatten. WaS dieselben erörterten, blieb ihm allerdings fremd, denn sie tauschten ihre Ansichten in einer Sprache aus, von welcher er kein Sterbenswort verstand, doch hielt ihn das nicht ab, mit der größten Aufmerksamkeit ihren Stimmen zu lauschen, obgleich es den Anschein hatte, als seien gerade sie die Letzten auf der ganzen Welt, um die er sich hätte kümmern mögen. Die beiden Männer, nur wenig jünger als der Boots- mann, waren einfach, jedoch vornehm gekleidet, und verriethen den Ausländer in ihrer äußern Erscheinung nicht weniger, als durch ihre Sprache. Jhrr länglichen Gesichter, mit den scharf ausgeprägten Zügen und den hellen graublauen Augen, trugen eine gewisse Aehnlichkeit mit einander, doch lag die- selbe mehr in den hervortretenden Eigenthümlichkciten der Nationalität, welcher sie angehörten, als daß sie aus einem verwandtschaftlichen Verhältniß entsprungen wäre. Zhre Haare waren hellblond und schlicht, und wichen *) Scherzhafte Bezeichnung für die rothgestreifte Flagge. Strafgefangener" u. s. w. sehr wenig dazu beitragen können und werden,„um die Schroffheiten der gesellschastlrchen Zu- stände auszugleichen. Vorstehend genannte Mittelchen sind wirkungslos und das eine,„die Entwickelung der Haus- industrie", geradezu verderblich. Das Eine aber steht fest. All' diejenigen Leute, die mit besonderer Vorliebe solchen palliativen Vereinsbestre- bungen nachgehen, sind für eine gesunde Sozialreform ver- loren. Sie glauben übergenug gethan zu haben, wenn durch ihre Vermittelung ein entlassener Sträfling gekleidet worden ist oder wenn sie 50 Pf. zum Ankauf einer Näh- Maschine beigetragen haben. Wir wollen aber ausdrücklich hier noch erklären, daß wir solche humanen Bestrebungen an sich nicht bekämpfen, sondern nur insoweit, als sie von höheren Bestrebungen abhalten oder gar sich breit machen und sich gebärden, als ob sie diese ersetzten. Zm Uebrigen enthält der oben abgedruckte Artikel des konservativen Blattes einige recht beherzigenswerthe Stellen. Ueberaus erfreulich ist der Ausspruch, daß es nicht das Ge- fühl der Barmherzigkeit, sondern die Erkenntniß der Pflicht sei, aus welcher die soziale Vereinsthätiq- keit entspringe. Ja, wenn dieser Ausspruch auf Wahrheit beruhte! Es steht ja ausdrücklich in den Statuten der Ar- beiterkolonien, die doch von allen angeführten Humanitären Institutionen die weitaus beachtenswerthesten sind, daß die Kolonisten kein Recht auf Arbeit und Unter- stützung, sondern daß sie Beides, Arbeit und Unterstützung, nur der Barmherzigkeit zu verdanken hätten. Wenn aber die Erkenntniß der Pflicht zur Unter st ützung der Unbemittelten das leitende Prinzip der VereinSthätigkeit ist, so steht dieser Pflicht der Begüterten das Recht der Unter- stützuntzSbedürftigen unmittelbar gegenüber. Aber so weit sind wir leider noch nicht! Daß das konservative Blatt die Schroffheiten der gesellschaftlichen Zustände anerkennt, ist anerkennenswerth, ebenso wie der Ausspruch von einer großen Umge- staltung der Menschheit in Sitten und An- schauungen. Kreisen Bahn bricht, dann werden auch die Mittel bald ge- funden werden zu einer gründlichen Aenderung. Diese Mittel aber sind nicht zu suchen in einer Art von humanitärer Vereinsspielerei, sondern in einer ernst- haften sozialen Gesetzgebung. Auch die soziale Gesetzgebung arbeitet langsam, da ihr ein gründliches Erkennen der in der Farbe nur durch eine schwache Schattirung von einander ab. Die beiden Männer bei einer oberflächlichen Bekanntschaft mit einander zu verwechseln, wäre aber trotzdem nicht möglich gewesen, indem eineStheils ein zu bedeutender Größenunterschied zwischen ihnen herrschte, anderntheilS, weil ihre Physiognomien durch den Ausdruck streng von einander geschieden waren. Der größere, der von seinem Gefährten mit dem Namen Jansen angeredet wurde, hatte in seinem Gesicht etwas Finsteres und Verbissenes, und wenn er sprach, so lag im Ton seiner Stimme ein unverkennbarer SarkaSmuS, der sich wohl heraushören, aber weniger leicht beschreiben läßt. Seine Augen waren unstät, erhaschte man aber einen Blick aus denselben, dann neigte man unwillkürlich zu der Annahme hin, daß dennoch freundliche wohlwollende Ge- fühle hinter denselben schlummern dürften.. Seine Nei- gungen waren aus seinem ernsten und überlegenden Wesen nicht zu errathen, wohl aber hinterließ er den Eindruck, daß er, was für Leidenschaften ihn auch immer beseelen mochten, denselben Alles, sogar sein Leben zum Opfer bringen würde. Sein Gefährte, der einige Jahre mehr zählte, die Fünfzig also schon erreicht hatte, sah nicht minder finster aus, allein es hielt nicht fchwer, zu ent- decken, daß dieser Ausdruck erkünstelt war und als Maske diente; denn hinter dem ernsten nachdenkenden Wesen lugte ganz verstohlen die Verschlagenheit und Ge- schmeidigkeit eines Fuchses hervor, die keine Treue und keinen Glauben kennt, und nur darnach trachtet, auf Kosten An- derer an das sich selbst gesteckte Ziel zu gelangen. Seinen Gefährten schien er an Verstand, oder vielmehr an List, weit zu überragen und in seiner Handlungsweise, ohne daß dieser eS ahnte, ganz nach Gefallen wie ein Kind zu lenken und zu leiten. Er zeigte überhaupt das Bild eines durchtriebe- nen Jesuiten, der genau jedes der eigenen Worte abzumessen versteht, um die Wirkung desselben unfehlbarer und nach- haltiger zu machen.„ rm,., Die Umgebung, in welcher sich die beiden Manner be- fanden, war ihnen entweder nicht mehr neu, oder sie ver- handelten so wichtige Gegenstände, daß sie darüber alles Zustände vorausgehen Und da ferner die Erkenntnis in die weitesten Kreise getragen werden muß. Auch sie ist zu vergleichen mit dem langsamen Wachsen kleiner Organismen; aber hier sind die Organismen gleichartig, sie fügen sich organisch an einander und erstarken deshalb zu einem großen mächtigen Ganzen, welches eine große Umgestaltung fest und ruhig vollziehen kann, während die vielen kleinen verschiedenen Vereins- bestrebungen sich niemals zu einer organischen Masse zu- sammenfinden können. Deshalb hinkt das Beispiel deS konservativen Blattes zum Schlüsse des abgedruckten Artikels, da die Legion der unscheinbaren Würmer die gleiche Thätigkeit entwickelt und dadurch Großes erzielt. Es bleibt also dabei, daß unsere unleidlichen gesellschaft- lichen Zustände nur durch die Gesetzgebung und eine volkS- thümliche energische Sozial-Reform gebessert werden können. Volitische Heberst rfjt. In Sachen der Unfallversicherung veröffentlicht der „Reichsanzciger" folgende Verordnung:„Unter Bezugnahme auf die Vorschiift unter Nr. 2 der zur Ausführung des Unfall- versicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 erlassenen Verordnung vom 30. desselben Monats wird im Einvernehmen mit den Herren Ministein für Handel und Gewerbe und des Innern Folgendes bestimmt: 1) Bei den vom Staate für Privatrcchnung verwalteten Eisenbahnen werden die nach dem erwähnten Gesetze bezw. dem Gesetze über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenverstcherring vom 28. Mai 1885 den höheren Verwal- waltungsbehörden zugewiesenen Verrichtungen von den betreffen- den königl.chcn Eisenbahn� Direktionen wal.rgenommen. AlS untere Verwaltungsbehörden gelten die betreffenden königlichen Eisenbahn- Betriebsämter bezw. Hauptwerkstätten- Vorstände, welche auch die den Orts-Polizeibehörden überwiesenen Funk- tionen au zuübcn haben. 2) Bei den nicht vom Staate ver- walteten, der Aussicht des königlichen Eiscnbahn-Kommissariats zu Berlin unterstellten Eisenbahnen werden die Verrichtungen der liöheren Verwaltungsbehörden im Sinne der erwähnten Gesetze von dem genannten königlichen Eisenbahn Kommiffariat wahrgenommen, während die Verrichtungen der unteren Ver- waltungsbehörden und die Funktionen der Ortsvolizeibehörden von den in der allgemeinen Verordnung von» 30. Juli 1884 bezeichneten Behörden und Beamten auszuüben sind. 3) Die näheren Vorschriften bezüglich der vom Staate für eigene Rechnung verwalteten, unter§ 2 des Gesetzes vom 28. Mai 1885 entfallenden Eisenbahnen bleiben vorbehalten. Berlin, den 9. Juli 1885. Der Minister der öffentlichen Arbeiten. Im Aufttage: Brefeld. lieber die Krantenversicherung nur zeitweise gegen Lohn Beschäftigter spricht sich eine anweisende amtliche Kund« gcbnng also aus: Der Umstand, daß ein Arbeiter nur einen Thcil der Woche gegen Lohn beschäftigt ist, ist sowohl für die Versicherungspflicht als auch für die Höhe der Beiträge und Unterstützungen gleichgiltig, die Beiträge und Unterstützungen find ebenso zu zahlen, wie wenn der Arveiter die ganze Woche gegen Lohn beschäftigt wäre. Alle derartigen Arbeiter unter- liegen also dem Versichcrungszwange. Ausgenommen sind nur die, deren Beschäftigung entweder rhrer Natur nach eine vor- übergehende oder durch den Arbeitsvertrag im Voraus auf den Zeitraum von weniger als einer Woche beschränkt ist. Als eine ihrer Natur nach vorübergehende Beschäftigung im Sinne der eben genannten Ausnahme ist nur diejenige anzusehen, bei welcher die Arbeitsleistung ihrem Gegenstande nach von vor- übergehend kurzer(in der Regel nicht eine Woche übersteigender) und sich nicht regelmäßig wiederholender Dauer ist, wie z. B. Schneeschauiekn, Abladung von yolz, Kohlen u. s. w. Als eine durch den Arbeitsvertrag im Voraus aus den Zeit- räum von noch nicht einer Woche beschränkte Beschäftigung ist nur die anzusehen, bei welcher v n vornherein eine spätere Fortsktzung über die Dauer einer Woche hinaus nicht in Aus- ficht genommen ist Im Uebrigen kommt darauf, auf welche Dauer der Arbeitsvertrag abgeschlossen ist, nichts an, und es unterliegen daher der Versicherungspflicht auch diejenigen Per- sonen, welche mit jederzcitigcr Entlassung angestellt oder be- schäftigt find. Ueber das Kommunal-Nothsteuergesetz, welches jetzt dem Kaiser von dem Staatsministerium zur Sanktion unter- breitet ist, schreiben die offiziösen„Verl. Pol. Nachr." folgen- des:„Das Recht, das Einkommen der juristischen Personen und des Fiskus zu besteuern, war bisher ein durchaus un- gleiches; das Gesetz gewährt allen Gemeinden das umfassende Besteuerungsrecht, welches die Provinzen Rheinland und West- falcn und die Stadtgemeinden der östlichen Provinzen und Schleswig Holstein allem besaßen und beseitigt damit eine von dem Minverberechtigtcn schwer empfundene Rechtsungleichheit innerhalb des Staates. Die Besteuerung des Einkommens aus den Staalsbahnen war seit der Verstaatlichung aus zwei Gründen einer durchgreifenden Reform dringend bedürstig. Uebrige vergaßen; denn sie beachteten weder die imposanten Reihen der Kauffahrer, noch das rege Treiben auf dem leicht gekräuselten Wasserspiegel, der sich auf der entgegengesetzten Seite weithin ausdehnte, und überrascht fuhren sie empor, als kurz vor der Landungsbrücke der Bootsmann die Zolle in eine enge Gasse zwischen den Kauffahrern hineinlenkte und gleich darauf die Matrosen, wegen Mangels an Raum, die Riemen einzogen. Das leichte Fahrzeug folgte noch eine Weile dem Druck der eigenen Schwere, die Matrosen halfen mit den Händen an den Wanten eines mauerähnlich aus dem Wasser emporragenden Dreimasters nach, und einige Minuten später legte die Zolle vor einer hölzernen Treppe an, die von dem aus mächtigen Balken gezimmerten Werft bis tief in das der Fluth und Ebbe unterworfene Wasser nieder- reichte. „Ist dies die bezeichnete Landungsstelle?" fragte Zausen, indem er gleich seinem Gefährten aufstand. „Aie, Aie, Herr," antwortete der Bootsmann, sich ebenfalls erhebend und über die Bänke hinweg dem Vordertheil der Zolle zuschreitend. Die beiden Passagiere sahen nach der Uhr, wechselten einige Worte mit einander und wendeten sich dann mit un- entschlossener Miene zu dem alten Seemanne, der nunmehr schon hinter ihnen stand und ihnen den Vortritt auf der Treppe lassen wollte. Dieser mochte ihr Zaudern für Zweifel an seinen Worten halten, denn nachdem er sich geräuspert und einen tiefen grunzenden Ton ausgestoßen, der fast wie„Goddam" klang, versicherte er höchst lakonisch, daß dieses der Punkt sei, wo sie abgesetzt zu sein gewünscht hätten, und daß er ihnen sehr verbunden sei, wenn sie ihm sein Fahrwasser etwas klar machen, mit anderen Worten, ihn vorbeilassen wollte,.ß eg �uter Freund," entgegnete Rynolds, der kleinere der beiden Fremden, mit einschmeichelnder Höf- lichkeit,„rvir finden nur, daß eS noch etwas ftüh am Tage ist und wir wohl kaum jetzt schon den Freund, an welchen wir empfohlen sind, in seiner Behausung antreffen dürften. Wir möchten daher an einem beliebigen Ort ein Stündchen In den Verstaatlichungsaesetzen war zur Vermeidung von Be- nachtheiligung der an der Kommunalbcsteuerung betheiligten Gemeinden in dieser Hinficht zunächst der 8liuns quo aufrecht erhalten, während mit der fortschreitenden Durchführung der Organisation der Staatseisenbahnverwaltung die Voraus- sctzungcn für die Fortführung dieses Zustandes mehr und mehr hinfällig wurden. Sodann war der Vertheilungsmaßstab, nach welchem die einzelnen Gemeinden an dem Gesammteinkommen partizipiren, ein durchaus willkürlicher und der Aenderung dringend bedürftiger. Drittens gewährten namentlich auf dem platten Lande die bestehenden Beftimmungen nicht ausreichende Garantie gegen die Doppelbesteuerung des Einkommens aus Grundbesitz und des Einkommens derjenigen Personen, welche Doppelwohnsitze haben. Es find daher praktische Äeissuche nicht unerheblicher Art, welche das nunmehr bald in Kraft tretende Gesetz für die Gemeinden und Steuerträger zu einer werth- vollen Gabe macht." Der bekannte polnische Afrikareisende Rogozinski macht gegenwärtig wreder viel von sich reden. Vor Kurzem ging die Nachricht durch die Presse, daß derselbe im Begriff sei, Afrika zu verlassen und nach Europa, speziell Polen zurück- zukehren. Das polnische Blatt„Dziennik Poznanski" will nun Einficht erhalten haben in ein vertrauliches Anschreiben eines wcstpreußischen Landrathes. welches die V e r h a f t u n g des Nogozinski im Betretungsfalle verfügt und folgenden Wort- laut hat: ..., d. 10. Juli 85. Vertraulich. Abschrift. Nach einer mir zugegangenen Mittheilung befindet fich der in neuerer Zeit durch seine rolonialpolittschen Unternehmungen bekannt gewordene polnische Reisende Stephan Scholz- Rogo- zinski aus dem Heimwege nach Europa und wird in nächster Zeit in Warschau erwartet. Das Amt ersuche ich, auf den p. Scholz-Rogozinski zu vigiliren und denselben, falls er betroffen werden sollte, in vorläufige Verwahrung zu nehmen, mir aber von einer etwaigen Ergreifung behufs weiterer Verfügung un- verzüglich Anzeige zu erstatten. Der Landrach. Ort und Unterschrift markirt der„Dz." nur durch Punkte. Auf die Polen ist man augenblicklich nicht gut zu sprechen, das zeigen die Veröffentlichungen im„Reichsanzeiger" über angeblich von Polen angestiftete Hetzereien. So berichtet das Blatt wiederum zwei derartige Fälle:„In dem zu der katho- tischen Kirche zu Dcutsch-Piekar im Kreise Beuthen(O.-Schl.) gehörigen Orte Scharley wohnen viele deutsche Bergbcamte. Mit Rückficht auf diese hatte der Pfarrer Sobotta in Deutsch- Piekar vor einiger Zeit angeordnet, daß die sogenannten Mai- Andachten nicht wie bisher ausschließlich in polnischer Sprache, sondern abwechselnd auch in deutscher Sprache abgehalten wer- den sollten, und ließ in Folge dessen den mit der Ausführung beauftragten Kaplan Figiel bei den deutschen Andachten die Litanei durch einen dazu besonders geschulten, aus Damen und Lehrern der Umgegend gebildeten Chor von der Orgelbühne lateinisch absingen. Dies erregte das Mißfallen der polmsch redenden Bevölkerung. Dasselbe äußerte fich zuerst bei dem am 4. Mai d. I. stattfindenden Vortrage der Litanei, indem die im unteren Kirchenraume befindliche Menge gleichzeitig ein polnisches Lied anstimmte. Um eine Wiederholung dieser Störung zu verhindern, setzte sich am 6. Mai der Kaplan selbst an die Orgel, um die Begleitung zu besorgen, mußte aber er- fahren, daß sofort nach Beginn der lateinischen Litanei von mehreren Anwesenden ein nach derselben Melodie gehendes polnisches Kirchenlied angestimmt, und dadurch die Durchfüh- rung der Andacht in einer unangenehmen Weise gestört wurde. Dieses Verhalten wurde von dem Kaplan Figiel demnächst von der Kanzel herab scharf gerügt, und hat fich der Vorfall seitdem nicht wiederholt. Die stattgehabten polizeilichen Er- Mittelungen haben ergeben, daß die gedachten Störungen von einer Gesellschaft junger, dem Ärbeiterstande angehöriger Leute ausgeführt und verabredet worden find. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß dieselben nicht aus eigenem Antriebe ge- handelt, sondem in Folge einer mehr oder weniger mittelbaren Einwirkung von dritter Seite ju diesem Verhalten gekommen 5nd. Die Quelle dieser Einwirkung ist noch Gegenstand der fitersuchung." —„Die Angabe der„Schlefischen Zeitung" vom 26. vor. Mts., daß am 22. 23. vor. Mts. die Orgel in der katholischen Kirche zu Laurahütte in einer boshaften und schmutzigen Weise zerstört und verunreinigt worden, beruht auf Wahrheit. Als die Verüber dieses Frevels sind zwei Arbeiter, Käsprznk und Nowak zu Laurahütte, ermittelt und verhaftet. Wie der Erstere von Beiden eingestanden, find dieselben durch Zusicherung einer Belohnung von 30 Mark zu diesem Werke gedungen worden, um den für den ersten Pfingstfeiertag in Ausficht ge- nommenen deutschen Fcstgottesdienst unmöglich zu machen." Herr Dr. Guido Weiß hat nunmehr aus die Angriffe des Richtcr'schen„Reichsfreund" in den„Demokratischen Blättern" geantwortet. Es heißt da:„In der Nr. 28 des„Reichs- freund" ist mir eine Notiz gewidmet, deren Schluß lautet: „Die politische Thätigkeit des Dr. Weiß ist seit Jahren darauf verweilen, wissen aber bei unserer Unkenntniß der Stadt nicht, wohin wir uns wenden sollen. Vielleicht könnt Zhr uns eine Stelle bezeichnen, und wenn es eine Schänke wäre, wo wir uns in irgend einem Winkelchen so lange unbeachtet aufhalten können. Wir sind bescheiden in unseren An- sprüchen." Während Rynolds noch sprach, glitt kaum merklich ein Lächeln der Zufriedenheit über die vernarbten Züge des alten Seemannes. Das unvorhergesehene Ansinnen schien ihn zugleich zu überraschen und zu erfreuen, denn mit mehr, als ihm sonst geläufiger Höflichkeit theilte er den beiden Passagieren mit, daß gar nicht weit von der Landungs- stelle, in einem Nebengäßchen, eine vielbesuchte Matrosen- schänke liege, in der aber auch ein besonderes Gemach für solche Gentlemen eingerichtet sei, welche, wenn den Tag über angestrengt auf den Werften beschäftigt, dort hin und wieder Erholung und Erfrischung suchten.„Mit einem Wort. Gentlemen," sagte der Bootsmann, indem er mit behaglicher Gebehrde seine umfangreichen Fäuste in die Taschen seiner Beinkleider zwängte,„ein Nothhafen, wie Zhr ihn nicht sicherer wünschen könnt, und Ankergrund, bei Gott! in der ganzen Bai von New-Aork kein besserer. Wenn es Euch also beliebt, so mögt Zhr nur stetig in meinem Fahrwasser folgen, und eh' der Sand dreimal aus dem LogglaS läuft, sollt Zhr so sicher beigestaut sein, wie ein Anker im Binnenhafen." Die Fremden stimmten bereitwillig zu, der Bootsmann stieg ihnen voran die Treppe hinauf, und unverzüglich traten sie ihren Weg nach der nächsten Straße an. Kaum waren sie aber zehn Schritte weit von der Treppe entfernt, da bat der Bootsmann seine Begleiter, eine Mi- nute zu verziehen, indem er vergessen habe, den Matrosen die nöthigen Befehle zu ertheilen. Seinem Wunsche wurde gewillfahriet, und im nächsten Augenblick neigte er sich an der Treppe nieder, wobei er die Fremden aber" nicht aus den Augen verlor. „Ahoi, Zungens!" rasselte er, so leise es ihm nur mög- lich war;„haltet guten Ausguck!" „Aie, Aie, Herr!" entgegneten die vier Stimmen wie aus einer Kehle. unaen unl usbeutuni >rucklchrift on den I, spondenzen zu hämisch und verlogen gewesen."— Tarauf �beuten°iic� kläre ichj„Diese 6. Korrespondenzen stammen nicht aus mein« beschränkt gewesen, in der Zeitung seines Schwiegersohns mit ist die„Franks. Ztg." bezeichnet) feinen Groll über Berliner und die Berliner politischen Verhältnisse auszuli Mitunter find aber selbst Herrn Sonnemann diese S.-K> Feder, sie find ohne jegliches Zuthun von meiner Seite«l'iächelii tim standen, und ihr Verfasser ist mir als solcher persönlich � � kannt."— Was nun? Afrikanisches. Daß der deutsche Generallonsul für fibar, Gerhardt Rohlfs, welcher vor Kurzem von seinem P> abberufen wurde, nicht mehr nach dorthin zurückkehren i scheint beschlossene Sache zu sein. Es soll auch bereits Nachfolger für den Posten desianirt sein, nur darüber gel die Ansichten auseinander, ob ver bisherige Konsul in Ca (China), Herr Travels, oder der Afrikareisende Denhardt Auserwählte sei. Letzlerer soll auf ausdrücklichen Wunsch Fürsten Bismarck nach Deutschland zurückgekehrt sein. von demselben mitgebrachten Dokumente, vre zum Thcil etwa 700 Jahre zurückreichen sollen(?), weisen dem Vemch nach die völlige Unabhängigkeit Witu's(das streifige(T' von Sansibar mit Besttmmthcit nach.— Afrika, Afrika! fies bist Du gesunken. Schon vor 700 Jahren konnten Teil» Kinder Dokumente verfassen und heute find die Häuptliif Unter und Könige kaum noch im Stande, drei Kreuze aufs Pari» auch die ei zu bringen!— Ucbrigens wird offiziös bestätigt, daß He» französische, Travels zum Nachfolger Rohlfs ernannt ist. wmn Fely Ueber die Dampfersubventions-Angelegenheit lvi?von Gabun der„Franks. Ztg." von hier geschrieben:..Nun hat Herr ö den Schutz H. Meier für seinen Norddeutschen Lloyd die Dampfersubri» W? stmer( tion auf 15 Jahre. Ob diese Entscheidung wohl irgciä �cnsum Miebt fich. den ossentl vollständige Hebungen Kegalem 3 Vflichtung e Ztofees Kon ?kandal ij nicht aus d Gesetze üb Ein T emängelt iammlungsj Jemanden überrascht haben mag? Es wäre wunderbar; dei» Veient verl für den, der Augen hat zu sehen, war es schon während Berathung des Gesetzes klar, und im Reichstage hat auch Mensch daran gezweifelt, daß der Norddeutsche Lloyd die t vention bekommen werde. Auch die maßgebenden Faktoren . Aepontyom . kern schriftl Brauch. Reichsrcgierung sind sich wohl schon während der Beratbu des Gesetzes klar gewesen, wer aus der Konkurrenz als hervorgehen mußte; die Bedingung, daß ein Untern sämmtliche Linien übernehmen müßte, ließ vollends kl Zweifel mehr, daß die Sache auf den Norddeutschon L! berechnet war. Nun triumphiren H. H. Meier und Brem» Herr Woermann und Hamburg haben das Nachsehen. hiefigen politischen Kreisen gönnt man dem Lloyd den crr genen Erfolg. Bremen hat unter den Umwälzungen der leh Jahre schwerer gelitten als Hamburg, es hat die Hilfe nöthi (?>, dann aber, und das soll bei dieser Gelegenheit nicht schwiegen werden, hat sich H. H. Meier mit der peinlü Rolle, die er neben Herrn Woermann bei der Berathung Gesetzes im Reichstage spielte, nobler abgefunden als oic Der alte Gentleman hatte von vornherein erklärt: ich beabst?�,,� h fige, mich um�die Subvention zu bewerben, spreche also Krönung, Interessent. Bei Herrn Woermann aber wußte man Mietmnc," »uletzt nicht, ob er bei der lebhaften Einwirkung, die er» Prükuna I die Gestaltung des Gesetzes zu üben suchte, als Sachv� Lei, minne standiger, als Konkurrent und persönlicher Jntcress� fce �[ oder als spezieller Vertteter der Hamburgischen JnterW Lehrstellen betrachtet sein wolle. Em erquickliches Schauspiel war es u>«um Anstell was die beiden Konkurrenten und Interessenten namentlich welche zusa der Kommisston aufgeführt haben. Es stand gewissen N haben. Nc gängen bei Berathung des Zolltarifs ebenbürtig zur Seite, � man sich u, «'ch erhalt. ">che so w Zäz Dct: Andra w Paris wcrberinnei roßen An, Zrüfungskc als die H Lehrerinnen andern sink familien, r ene elben sind anstalten(i ' Die A mäßige Ve schaft, habe bis ins Pc das Blatt dcutungen Die Gegnc befinden, i beide Herren haben erst sehr spät eingesehen, daß es passei für fie sei, fich weniger akfiv an dem Zustandekommen D Gesetzes zu betheiligcn. Herr Woermann, dem man ja � Kolonialpolifiker mit gewissem Interesse entgegensah, hat, nach meinem Gefühl überhaupt dadurch in eme sehr sch parlamcntaiische Stellung gebracht, daß er fast nur Interessent aufgetreten ist. Wie bei der Dampfersubvcnl so war es auch bei den verschiedenen Debatten über Koloi Politik und den damit verbundenen Geldbewilligungen.\ lauschte mit Interesse den Ausführungen des Hamburger geordneten, der mit großer Sicherheit als Sachverständiger krat, man hatte aber schon nach wenigen Minuten das peiiu......... Gefühl, daß er nur vom Standpunkte des geschäftlich an* bethe Sache Jnteresstrten sprach. Daran waren wir bis jetzt Porloi Zollberathungen gewöhnt. Dazu kam, daß Jedermann der daß man in Hamburg noch vor wenigen Jahren anders Blattei Dampfersubvention gedacht hatte. Das Gutachten der 01 burger Kaufmannschaft, das fich prinzipiell gegen DaiNpI??,fr Londor subvcntion aussprach, trägt Woermann's Unterschrift. Nur t�chkeit und Aussicht, selbst an dem Geschäft theilzunehmen, hat den ll�lslen. Sir schwung der Stimmung in Hamburg bewirkt(?), und eine Fpfim allge wisse Begeisterung für Staatssubvention bei den stoWo'on und! Hanseaten wachgerufen. Ob wohl ein einziger Hamburger£ Wie da die Dampfersubvention gestimmt haben würde, wenn er voi?«on Wales sicher� gewußt hätte, daß Bremen fie erhält? Ich gW*.~ f 0 nicht." rst» ,. 0eM schw-.,. JS;-1 Im Kanton Zürich hat die Statthaltern die Versa�A lungen der Heilsarmee durch folgenden Erlaß verboten: Exerzitien der Heilsarmee sind keine gottesdienstlichen Ilugen em beiden Hanfperrücken km wo ich bin, wenn ich ein „Zch soll hinter den wittere Piraten; wißt also, Wachen versäume." „Aie, Aie, Herr!" lautete „Macht Eure Sache gut, nicht fehlen!" „Alles recht, Herr!" Der Bootsmann richtete sich empor, und langen Schritten holte er die beiden wieder die Antwort. und eine Ration Grog emden c ampfschis tte, unk achsamke oßen A ampfboo nieoerschric i. Nach ?|(jttiebcr for Passagi-A äusern un er em. Diese Obgleich er nun glaubte, dieselben nicht aus den Aü�jfondeien i ..... ren zu haben, so hatten sie doch Zeit gefunden, �tretenden' über ihn ihre Bemerkungen auszutauschen, die ihm allerdii�E-imwärts wen» er sie auch gehört hätte, unverftändlick, aebliei"(„— . unverständlich gevu�tn diesem wären, die sie aber in seiner Gegenwart, aus geheimer trachte un! vor dem grimmigen alten Seemanne, wohl' kaum auf*" nicht gerin sprechen gewagt hätten. � einer der „Zhr könnt mir glauben, der Kerl soll uns"f Ohne spüren," sagte Rynolds heimlich zu seinem Gefährten,%euu er ei bald er sich unbeachtet wähnte,„und nur um seine V�beiden Fr. samkeit einzuschläfern, forderte ich ihn auf, uns in irg�dhne sich eine Kneipe zu führen. Nach Einbruch der Dunkelheit k�der linken es uns nicht schwer werden, von dort aus unbemerkt"Häusern h entkommen." j Plötz! „Gewiß soll er uns nachspüren," antwortete ZanÄleineren t «denn vergebens hat der milchbärtige Lieutenant uns"''lenb, beut gerade durch diesen alten Spitzbuben ans Land setzen lasi�dunkeln Hole der Satan die ganze Nation!".iDas Ende „Zu Euren Diensten, Gentlemen!" meldete �werung der herantretende Bootsmann, und schweigend erhellt wu sich die Gruppe nach dem Znnern der Stadt zu in �Mgenüberl wegung.- Ficht dran Nach wenigen Schritten befanden sich die drei M� ifieruch in', mitten in dem Gewühl von Menschen, Karren und �itWes wenio wagen, die auf der Werftsttaße mit betäubendem Ger«''� schallte, b. auf und ab wogten, und nachdem sie sich durch dasselb- iL durchgearbeitet, bogen sie in die nächste der Hauptsst� ei», die fast in gerader Linie über die New-Norker- insel hinüberführen._ Vor dem linken Eckhause d> r Straße hielten die l11" jücnschlich, , Mammen« �rsohns ll übet auszulaj se S.-K Datauf t aus meii eite gen und nicht Selbstzweck, sondern Mstel zu gewerbsmäßiger usoeutung des Publikums, indem fie den Verschletß von 'ruckschristen veranlassen sollen. Sie unterscheiden stch also m den Jahrmarksvorstellungen nur, indem ste die chnstnche eligion zum Objekt haben. Sie blasphemiren dieselbe und euten ste für ökonomische Zwecke aus. Deshalb stoßen n® die ?eilsapostel nicht an der Wirkung ihrer Gassenhauer, sondern ächeln verguüjst über den Skandal. Sie korrumpwen ferner -....... � iu®€in verg, ugl Uder den Skandal. Sie lorrumpiren ferner önlich un«- dst Jugend. Da ste auch einzelne schwache Kö-fe verdrehen. .--�ergiebt sich, daß ihre Vorstellungen die öffentliche Moral und ul mr S°»den öffentlichen Wohlstand schädigen. Ihre Kollekten stnd nnemPosm vollständiger Settel. Tie besseren Elemente nehmen an den Behren Hebungen ein Aergerniß, die ungesttteteren suchen ste auf beteüs"J illegalem Wege zu verhindern, woraus der Polizei dre Ver- ruber geh» pflichtung erwächst, für eine so unwürdige Sache taalrch ern l in Cante» großes Kontingent auf den Beinen zu haben. Der öffentuche enhardt Skandal ist de» Salutisten erwünscht, weshalb fie rhm auch Wunsch h» nicht aus dem Wege gehen. Das ganze Treiben ist daher dem arkt- und tzaustrerverkehr zu unterstellen. konservativen und ultramontanen Presse i VemeW» bemängelt diesen Erlaß als gegen die Glaubens- und Ver- stge GeWh sammlungsfreiheit verstoßend. irsten'De» Frankreich. Häuptling Unter den der Kammer vorliegenden P e t r t r o n e n rst Pari»?uch die eines afrikanischen Königssohnes. Der Devutrrte des daß Hl» französischen Senegalaebietes, Gaseoni, befürwortet die Petstron, worin Felix Denis Repontyombo, Sohn des früheren Konrgs nheit ivil» von Gabun, stch über seine willkürliche Verhaftung beklagt und :»«WÄ. yohl irgciü Pension:„Was die Pension von 800 Fres. betrifft, welche der -ährend� N��"�'nn°es�?der Dmis at auch' yd die qvv». kumvvu«un�u. vu uiuti vujiu �vu jvuuiu> reirfip t'J Freilich, in Afrika sind Könige und König- fir l 1° R�Weii imo so häufig wie Brombeeren. Nur sind >ie auch JL.3 er»------. w..r'. ns j rrY... fte im Andr in Paris mit jedem Jähre. Diesmal find es' 15Ö0 Be- "•»)v ,u ivoyiseu,,.„...................... ste auch darnach. Ein ordentliches Bauemdorf in Deutschland ourfte im Durchschnitt ein afrikanisches Königreich aufwiegen.— Der Andrang zu der Lehrerinnenprüfung steigert stch in Yinfis-- tN~r o," werberinnen, welche sich derselben unterziehen. Wegen dieser großen Anzahl hat man drei Abtheilunaen und eben so viele Prüfungskommissionen bilden muffen. Doch dürften kaum mebr -.r» v t■»-■ ., M-..........................uffen. Doch Mten kaum mehr als die Hälfte der Bewerberinnen bie Absicht haben, Lehrerinnen oder Erzieherinnen ihr Brod zu Verdienern andern find Töchter wohlhabender, Familien, weli' — WCll anoren � Bericht. Gewiß, »etatWman sich um 800 i als 6#-:j1- UntenwÄ ends kA schon L» ad Bre». chsehen. den er# m der le? ilfe nöth» t nicht» r veinlut ich beobl :che also ie man die et ls Sa� Jnteresß > Jntere! war es us amentlo :wIen w Seite, es paff' lammen man j». 'Vi' ist nur irsubvenl et Kolo> igen. nburger tändiger das per ftlich an bemerkt die„Voss. Ztg." dazu, warum soll Frcs. lumpen lassen, da man dafür ein König- als ........ Die . oft sogar reicher Bürger- je aus Liebe zur Sache stch um das„Diplom" der Lehrbefühigung) bewerben. Dasselbe gilt als die trönung, das nothwenoige Schlußergebniß einer guten Er- Ziehung. Ebenso wie der junge Mann seine Bacealaureat- Prüfung bestanden haben muß, darf die junge Dame des Lehretinnendiploms nicht enttathen. Nichtsdestoweniger herrscht ein außerordentlicher Ueberfluß an Bewerberinnen um Lehrstellen. Am 22. Juni d. I. waren 4290 Bewerberinnen um Anstellung bei den Pariser Gemeindeschulen eingeschrieben, welche zusammen keine tausend weibliche Lehrstellen aufzuweisen haben. Nach den jetzigen Prüfungen dürfte die Zahl der ern- geschriebenen Bewerberinnen wohl 5000 erreichen. Viele der- elden sind freilich unterdessen in den zahlreichen Privatschul- anstalten(über 300) und in Familien angestellt. Großbritannien. ' ,. der„Pall Mall Gazette" über die gewerbs- maßige Verleitung zur Prostitution von der„besseren� Gesell- schaft, haben eine ungeheure Aufregung hervorgerufen, welche bis ins Parlament hinein verpflanzt worden ist. Wenn auch das Blatt bisher leine Namen genannt hat, so hat es doch An- Deutungen gegeben, welche leicht das Weitere errathen lassen. Die Gegner, unter denen stch natürlich zumeist alle Diejenigen befinden, welche direkt oder indirekt an dem unsittlichen Ge- ruch an 5 ftäftbelbeUigt find, wüthen gegen das Blatt und rufen Polizei jetzt nul?und Parlament an. allein vergeblich. Im Unterhause stellte n DanipMer Londoner Polizei erhobene Beschuldigungen der Bestech- st Nut l�Kchkeit und Begünstigung des unsauberen Treibens begründet at den Kleien. Sir R. Crsß erwiderte, daß die Beschuldigungen nur ind eine f!Pen allgemeinen Charakter trügen und Namen nicht genannt den 90% �len und daß daher eine Untersuchung nicht geeignet erscheine. Wie das Blatt in einem Leitartikel mittheilt, hat der Prmz on Wales das Abonnement abbestellt. — Vom Standpunkte der Gegner der„Pall Mall Gazette" geht der.�reuzzeitung" folgende Beurtheiluna ihrer usationellen Enthüllungen über das unsittliche Treiben in ondon zu:„Niemals, so weit ich denken kann, hat sich meinen 'ugen ein traurigerer Anblick geboten, als der öffentliche Ver- lmburger nn er v Ich gb ie Versal loten: Ilichen rd emden an Es war das Haus, in welchem die Kalifornia- ampsschifffahrts-Gesellschaft ihr Hauptbureau gegründet tte und der alte Bootsmann bemerkte, daß die semer achsamkeit anempfohlenen Passagiere aufmerksam die riefen- ÄÄÄ Ä Ä'%%% msmm mm kauf jener unsauberen und öbseönen Geschichte, welche jeden Rachmittag in der„Pall Mall Gazette" erzählt wurde von Männern und Frauen, Knaben und Mädchen in dem Westen Londons. Ich will nicht darüber entscheiden, ob es gut oder verwerflich war, diese Geschichte zu erzählen, allein ich kann mir kaum etwas denken, das zerstörender auf die Sittlichkeit der Jugend einwirkt oder den schlichten, krankhaft veranlagten Er- wachsenen mehr zum Verb' est cn antreibt, als die Enthüllungen von Prostitution, Verführung und geschlechtlichem Verbrecher- thum, welche Mr. Stead mit unverhohlener Genugthuung ver- öffentlichen läßt. Lord Shaftesbury, ein philanthropischer Peer der evangelischeu Schule, Mr I. Morley, ein vorgeschrittener Radikaler, Mitglied des Parlaments, und Kardinal Manning sollen diesen sogenannten Kreuzzug gegen das Laster unter- stutzen. Es wird femer öffentlich behauptet, der Grund, weshalb der Staaissekretär des Jnnem das Knminalver- fahren wegen Veröffentlichung obscöner Literatur gegen die„Pall Mall Gazette'" nicht einleitet, in der Drohung des Herausgebers zu finden ist, daß er, bei seiner Vertheioigung, die Namen von hochgestellten Würdenträgern— königlichen und anderen Würdenträgern— nennen wird, welche jene berüchtigten Häuser besucht haben, deren Inneres die„Pall Mall Gazette" allen Blicken gezeigt hat. Ich habe in dieser Beziehung sorgfältige Nachforschungen angestellt und das Resultat veranlaßt mich zu dem Glauben, daß diese Er- klämng der Unthätigkeit der Behörden Wahrheit enthält. Zugleich vernehme ich, daß das Aeußerste, was die„Pall Mall Gazette" gegen jene„hervorragenden Persönlichkeiten anführen kann, der Umstand ist, daß jene ein fashionables „bouss of assignation" besuchen, gegen welches keine Anklage wegen Verbrechen vorliegt; in gewissem Sinne nimmt sich die „Pall Mall Gazette" sogar des Verhaltens der Eigentbümerin, einer gewissen Mrs. Jefferies an. Heute bringt die„Pall Mall Gazette" einen boshaften Angriff auf ihre Kolleginnen in der Presse, weil dieselben ihre und seine Sache unbeachtet lassen. Ich habe mit der Direktion von zweien der führenden täglichen Zeitungen gesprochen und beide stimmen darin über« ein, daß die Angelegenheit zu besprechen nichts hieße, als„mit der„Pall Mall Gazetfe" in die Gosse zu steigen und ihr zu helfen, ihren Umlauf zu vermehren." — Die„Daily News" erklären, daß ein Vorschlag wegen Auslösung des Generals Gordon, wie von dem„Jnttanfigeant" erzählt wird, niemals der vorigen englischen Regierung unterbreitet worden ist. Amerika. Die Fabrikindustrie in den Südstaaten der Union hat— so schreibt die„New-Uorker Handelsztg".— in der letzten Zeit einen nie geahnten Aufschwung genommen und fängt dieselbe bereits an, dem Worden, namentlich den Neuengland-Staaten, emstliche Konkurrenz zu machen. Ein Hauptgrund zu diesem Emporblühen der Industrie ist das Faktum, daß die Kosten des Lebensunterhalts im Süden bedeutend geringer find, als in den übrigen Theilen der Union. Ein südlicher Fabrikant kann daher niedrigere Arbeitslöhne zahlen, als ein nördlicher und trotzdem steht sich der Arbeiter bei diesen Löhnen besser(?) als sein Kollege in den Nordstaaten. Obwohl somit die Lage des Arbeiters im Allgemeinen im Süden eine günstigere(?), zu nennen ist, als diejenige der Arbeiter in anderen Theilen des Landes, fehlt es dennoch daselbst an Arbeitskräften(?), und werden in den Südstaaten in letzter Zeit energische Anstten- gungen gemacht, um die Einwanderung aus Europa dorthin zu lenken.— Hoffentlich wird sich durch derartige Reklamen Niemand verleiten lassen, nach dem unkultivirten Süden Nord- Amerikas auszuwandern. Es ist dort kein Mangel an Arbeits- kräften vorhanden und ebenso wenig ist daselbst die Stellung des Arbeiters eine günstigere, wie im Norden. Wäre dieses der Fall, so würden die tausende von Arbeitslosen im Norden keinen Augenblick zögern, nach dem Süden zu gehen. Aber der Amerikaner weiß ganz genau, daß es den Herren in den Südstaaten nur dämm zu thun ist, ganz anspmchslose Ar- beitskräfte zu erhalten, welche sich mit der Lebensweise eines Negers begnügen, und deshalb läßt sich Niemand täuschen. — Ein Telegramm von Winipeg bekundet, daß Riel's Vertheidigung sich hauptsächlich auf die Rechtmäßigkeit seines Verfahrens stützen will. Es soll bewiesen werden, daß die Mischlinge begründete Klage hatten, über deren Abstellung sie die Regierung wiederholt, aber vergebens ersuchten, so daß sie schließlich sich zur Rebellion als letztem Auskunftsmittel ge- zwungen gesehen hätten. Im kanadischen Unterhause brachte der Leiter ver Opposition, Mr. Edward Blake, in vergangener Woche die Rede auf die letzten Unmhen und hob hervor, daß die Mischlinge schlecht behandelt worden seien. Die Rede hat in ganz Kanada Aufsehen erregt, und die Vertheidigung gedenkt stch ihrer für ihre Zwecke zu bedienen. Viele einflußreiche Blätter, z. B.„Toronto-Glove", vertheidigen die Mischlinge. Man glaubt allgemein, daß Riel nicht zum Tode vemrtheitt werden wird, und daß ihm die Regiemng Gelegenheit geben dürfte, nach den Vereinigten Staaten zu entkommen. Der Prozeß wird nächste Woche beginnen.» — Zufolge Nachrichten aus Lima, der Hauptstadt von teru, find die Friedensverhandlungen gescheitert, weil General iceres verlangt, daß die Regierung des Generals Jglefias zurückttete. die b- welchen die abbezahlten Seeleute innerhalb sehr kurzer Frist ihren sauer erworbenen Lohn vergeuden, wohin sich aber auch, wenn ihnen noch einige Hände an der Bemannung fehlen, die Kapitäne begeben, um unter den„trocken gelegten" Matrosen Leute anzuwerben, oder sie auch, wenn sie schon verschuldet sind, für ihre Dienste loszukaufen und ihnen dann später das ausgelegte Geld zu berechnen. Zu diesem Zweck befand sich denn auch auf der einen Seite des Ganges eine geräumige Halle nebst Schänke und Restauration für die Matrosen, während auf der andern Seite ein kleines Gemach für die Gentlemen, wie der Boots- mann sie nannte, eingerichtet war, die etwa kamen, um auf feiernde Hände Jagd zu machen. „Hier sind wir," sagte der Bootsmann, einen Schritt zurücktretend, um seinen Bealeitem den Vorttitt zu gestatten: „riecht für'ne städtische Nase wohl etwas zu sehr nach Salzwasser, aber im Sturm ist jeder Hafen willkommen. Haltet nur auf jene Thür nach Steuerbord zu; werdet dort jede Bequemlichkeit finden, und außerdem so wenig Gesell- schaft, wie an Wochentagen in einer Kirche. Ist jetzt nicht die rechte Zeit zum Pressen, so kurz vor Einbruch der Nacht; besser des Morgens in der Frühe, wenn der Teufel den letzten Cent geholt hat und die Burschen todt vor Top und Takel treiben." Jansen und Rynolds folgten der angedeuteten Richtung und begaben sich in das bezeichnete Gemach, wo sie sogleich von einem Kellner in Hemdärmeln und einem Mattosenhut auf dem Kopfe nach ihren Wünschen befragt wurden. Ihr bärbeißiger Mentor dagegen trat auf die Schwelle der gegen- überliegenden Thür und ließ von dort aus, um sich vorläufig in der mit Tabaksrauch angefüllten Halle zu orientiren, seine Blicke prüfend über das tolle Getreibe hingleiten. „Halloh! Jim Rast! alte Vogelscheuche! welcher Wind hat Dich bis hierher verschlagen?" rief plötzlich eine Stimme, die mehr dem Knarren einer durstigen Ankerwinde, als irgend einem anderen Tone glich, und es humpelte hinter dem Schänktisch der Kellner und Eigenthümer des Lokals, ein alter stelzfüßiger Seemann hervor, und gerade auf den Boots- mann zu, dem er sodann mit großer Herzlichkeit die Hand schüttelte. Kommunales. Zur nächsten Stadtverordnetenwahl, welche im November d. Js. stattfindet, ist es erforderlich, daß sich jeder Wähler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler« liste eingetragen ist; wer nicht eingetragen ist, geht des Wahlrechtes verluftig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der §§ 19 und 20 der Städteordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt und wird nunmehr in der Zeit vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. I. täglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags im Wahlbureau des Magistrats, Breitestt. 20a, 2 Tr� öffentlich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtge» meinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen erheben. Dieselben müssen in der gedachten Zeit schriftlich angebracht werden; später eingehende Einsprüche können nicht berücksichtigt werden. Wir machen hierbei auch noch besonders darauf aufmerk- sam, daß bei Benchtigung der Wählerlisten in Betreff des Wohnsitzes der stimmberechtigten Personen in Berlin die von denselben zu erstattenden An- und Abmeldungen berücksichtigt werden und daß demnach auch diejenigen Personen, welche nur vorübergehend verreist find, diesen Umstand auf ihre Abmel» dung aber nicht vermerkt, sondern stch einfach. als von Verlin verzogen abgemeldet haben, in der Wählerliste gestrichen wor- den find. An Vermächtnissen und Geschenken find bei der Haupt-Stiftungskaffe im Monat Juni d. I. eing« 2864 Mark 37 Pfg., an Kollekten-Geldern 553 Mk. ferner aus schiedsmännischen Vergleichen und Zessionen 740 S zusammen also 4157 Mk. 62 Pfg. Unentgeltliche Benutzung von Nähmaschinen und anderer Handwerksgeräthe. Der verstorbene Banquier Herr Adolph Paderstein hat eine Stiftung begründet, welche zum Zwecke hat, solchen hilfsbedürftigen Personen Berlins christlicher und jüdischer Religion, welche verarmten Familien angehören, Nähmaschinen und andere Handwerkszeuge zur unentgeltlichen Verfügung zu gewähren. Der Magistrat fordert daher auf, daß sich hilfsbedürftige Bewohnerinnen hiesiger Stadt der vorerwähnten Kategorie, welche stch um die unentgeltliche Heber« laffung von Nähmaschinen oder sonstiger Handwerkszeuge aus der Paderstein-Stiftung bewerben wollen, mit ihren Gesuchen unter Angabe ihrer Religion bis zum 8. August er. einschließlich an das„Gewerbe-Bureau der Armenverwattung im Rathhause Zimmer 67" schriftlich wenden mögen. Es wird hinzugefügt, daß Gesuche ohne Angabe der Religion, sowie verspätete Am- träge nicht berücksichtigt werden, auch ist eine nach gestelltem Antrage eintretende Wohnungsveränderung sofort an die oben genannte Adresse einzusenden. langen: Lokales. Vom Absender einer Postsendung kann, außer dem Porto für die Beförderung vom Aufgabe- nach dem Be- stimmungsorte, auch die Gebühr für das Abtragen der Sendung nach der Wohnung des Empfängers im Voraus entrichtet werden. In solchem Falle ist in der Aufschrift der Sendung von dem Absender der Vermerk„einschließlich Bestellgeld frei" niederzuschreiben. Es wird uns mitgetheilt, daß diese Be- stimmung nicht allgemein bekannt zu sein scheine; wir machen daher auf dieselbe aufmerksam. Bei Sendungen an Behörden, öffentliche Kassen ie. wird sich übrigens in der Regel eine Vor- ausbezahlung des Bestellgeldes empfehlen, weil zumeist die Behörden, Kassen»c„ wenn fie nicht selbst die eingehenden Sendungen von der Post abholen lassen, die Vorausbezahlung des Bestellgeldes beanspruchen und nicht bezahlte Bestell« gebühren von den Absendem nachttäglich unter Kosten einzu- zieheu pflegen. Auf einigen Pferdebahnwagen wird jetzt die plastische Brauchbarkeit zweier Neuerungen für eine bequemere Handhabe der Wamungsglocken erprobt. Die letzteren stnd hierbei auf der äußeren Perronwand angebracht und werden mittels eines Hebels angeschlagen, wozu in dem einen Falle ein Tnttapparat, in dem andern Falle die mit entsprechender Einnchtung ver- sehene Bremse benutzt wird. Ist Berlin leer? Auf die Gefahr hin, diejenigen zu versttmmen, welche im Augenblick unserer Stadt den Rücken Zim Raft'S Gesicht verzog sich zu einem so grimmigen Lächeln, daß eben nur ein genauer Bekannter von ihm im Stande war, aus demselben herauszulesen, daß er wirklich Wohlgefallen an dem Ehrentitel empfand, mit welchem ihn der Stelzfuß angeredet hatte; doch was seine vernarbten Züge nicht ausdrücken konnten, das lag doppelt in der Art und Weise, in welcher er die Hände seines Freundes ergriff und zusammenpreßte. „Goddam"! rief er aus, und der dicke Tabaksknoten von der rechten nach der linken Wange Doch nur eine gute Bö sein, die mich her- wanderte hinüber;_ geweht hat; wundere mich nur, Dich alten Haifisch noch immer flott zu finden; sehr originell, daß so'n gebrechliches Wrack nicht schon längst kanterte." „Wrack? kantern? so lange Kiel und Spanten noch gesund sind?" fragte der Wirth lachend zurück;„bei Gott, halte die See noch besser, als Mancher, der nicht, wie ich, mit einer Nothstenge fahren muß!" Bei diesen Worten stampfte er mit seinem Stelzfuß auf den Boden, als habe er ein Loch durch denselben bohren wollen. Gleich darauf wendete er sich aber an die übrige Gesellschaft, deren Aufmerksamkeit durch die geräuschvolle Begrüßung der beiden alten Seeleute auf diese hingelenkt worden war. „Ahoi, ZungenS!" rief er aus, und wiederum schmet- terte sein Stelzfuß auf die dröhnenden Bretter.„Ich sehe Euch Alle gern in meiner Kambüse, aber Keinen lieber als meinen alten Maat hier, den Hochbootsmann von der Ver- einigte Staaten-Korvette Leopard, den Master Jim Rast. Wo er also auch immer beizulegen wünscht, da werdet Ihr den Platz klar machen, oder Ihr sollt Alle kieloberst zur Hölle fahren!" Die Matrosen, größtentheils junge, lebenslustige Burschen nahmen die Rede mit einem donnernden Hurrah entgegen, und sei es nun, daß sie sich den Wirth zum Freunde zu halten wünschten, oder daß sie eine gewisse Achtung vor der würdigen Erscheinung Jim Rast's empfanden, genug, es war kein einziger in der Halle, der dem Einttetenden nicht seinen Platz und zugleich freie Zeche für den Abend angeboten hätte.(Fortsetzung folgt.) gewandt haben, müssen wir konstatiren, daß in den Zentral- punkten der Stadt in der Quantität des Verkehrs eine Abnahme nicht zu vermerken ist. Die Pferdebahnen und Omnibusse find wie immer gefüllt, die Trottoirs werden, wie die„Rat.- Ztg." schreibt, Tag und Nackt nicht leer. Die Droschken erster und zweiter Güte find in Bewegung. Im Zoologischen Garten, im Ausstellungspark drängen sich an den leitenden Konzertabenden Tausende. Die japanische Ausstellung ist von Besuchern fort- während dicht besetzt- Der Lastwagenvcrkehr ist in Folge des Maurerstreiks schon seit Wochen stark reduzirt, eine Art Ersatz bieten die Bierwagen, welche bei dem durch die Hitze riesig anwachsenden Konsum kaum ihren Aufgaben genügen können. Freilich im Thiergarten ist es jetzt ziemlich stille und die Mehr- zahl der Gefährte, die ihn durchziehen, sind von Fremden be- setzt, die erstaunen, wie die Berliner, die im Besitze eines so schönen, frischen Parkes find, denselben verlassen, um unter Unbequemlichkeiten aller Art Plätze aufzusuchen, die oft mit dem Thiergarten die Konkurrenz nicht bestehen können. Diese Fremden wissen nicht, daß es eines der schönsten Momente im Leben des Berliners ist, wenn er sich auf die Heimkehr nach Berlin freut und gar wenn er nach einiger Abwesenheit dahin zurückeilen darf. Die intensive Freude dieses Augenblicks ist durch eine kleine Verbannung nicht zu theuer erkauft. Leer und still ist es auch in den Quartieren nächst des Thiergartens, die Fensterläden»sind meistens geschlossen und die Portiers haben gute Tage. Aber durch die anderen Straßen fluthet das Leben der Millionenstadt wie immer, in das jeder Tag neue Ströme von Fremden leitet. Ob die Gcrichtsferien das Angesicht von Berlin wesentlich verändem werden, warten wir ab. Die Rasirschule. Wir lesen im„Pester Lloyd": So Mancher wird schon darüber nachgedacht haben, wie man das Rafiren lernt. In den Rafirstuben führen nur Meister und Gehilfen das Messer, während der Lehrjunge blos Seifen schäum schlägt, das Waschbecken bringt, um Bier über die Gasse geschickt wird oder Perrückcnhaare einfädelt. Das Bart- scheeren ist eben eine heikle Sache, denn die Messer find scharf und eine Menschenkehle ist bald abgeschnitten. Der Junge muß das Rasiren aber doch irgendwo erlernen, und zwar an lebenden, mit Bartstoppeln versehenen Geschöpfen, während er das Fristren auch an Puppcnköpfen üben kann. Wo also und wem gegenüber wird dem Lehrling das erste Mal das Messer in die Hand gegeben, damit er Fertigkeit erlange in der Kunst der Battabnahme? Dies geschieht in der Lehrlingsschule und unter einigermaßen heiteren Umständen. In der richtigen Er- wägung, oaß nur sehr verwegene Individuen fich dem Messer eines L.hrlings aussetzen, werden von der Schulvorstehung hun- derte von Freikarten zur Battabnahme an das Maffenquattier, Asyl für Obdachlose und dergleichen Institute verabfolgt. Die Besucher derselben erscheinen unerschrocken in dem Schullokale, , m fich von den Lehrlingen rafiren zu lassen, denn sie denken: lieber ein wenig geschunoen werden, als wie Waldteufel her- umgehen. Es ist ein blutiges Geschäft, das die Lehrjungen da verttchten. Nachdem jeder seinen Kunden tüchtig eingeseift hat, lehrt ihn der Meister das Messer führen. Dies hat seine dedeutenden Schwierigkeiten schon aus dem Grunde, weil die Knirpse meist nicht an ihr Objekt hinanreichen. Da fitzt ein ungeschlachter Mensch mit verwildetten Haaren und einem acht» tägrgen Barte. Der kleine David setzt dem Goliath das Messer an und beginnt auf Kommando des Meisters zu schaben, daß dem großen Kerl die Augen wässerig werden ob des unge- beuren Eckmerzes, den ihm der Kleine bereitet. Ein Schnitt in die Gefichtshaut ist rasch verübt, das Blut rieselt über die Seife, wie über frisch gefallenen Schnee.— Blüt' schon, sagt der Kleine erschreckt und hält inne.— Nur weiter balbiren, ruft der Verwundete, willst mi' zizerlweis' schind'n, klaner Willenbacher?— Der Rafirlehrcr nimmt nun das Messer zur Hand und läßt dasselbe geschickt über die gefährliche Stelle gleiten, wober der eingeseifte Goliath ein behagliches Ah! hören läßt, ohne fich dieser Wohlthat indeß lange zu erfreuen. denn balo muß der Schüler weiter sägen, und da er nun einmal Blut geleck hat, so erwachm alle grausamen Instinkte in ihm, welche ihn antteiben, ein furchtbares Blutbad in dem Antlitz des Mannes aus dem Maffenquattier oder dem Asyl für Ob- dachlose anzurichten. Nachdem derselbe durch Alaun und Feuerwamm vor der Verblutung gerettet worden ist, werden ihm zur Entschädigung für die ausgestandenen Schmerzen die Haare geschnitten, selbstverständlich wieder durch den Schüler, welcher bei dieser Gelegenheit versucht, ebenso mit der Sckeere zu klavvern, wie er es bei den Gehilfen gesehen. Auf diese Weise lernt der Junge endlich die ttchtige Handhabung des Messers kennen und seine Gefährlichkeit mindett fich wesentlich, so daß es nach etlichen Dutzend solcher Freikunden in der Regel kein Blutvergießen mehr giedt. Dann find beide Theile mit einander zufrieden: der Mann aus dem Massenquartter und der Barbrer-Lehrling. Am allerzufttedensten aber war vor einiger Zeit ein etwas ungepflegt aussehender Herr, welcher in den Laden des Vorstehers jener Schule trat und dott alle er- denklichen Verschönerungen an seiner Person vornehmen ließ: Rafiren, Haarschneiden, Kopfwaschen, Battputzcn K. Zum Schlüsse zog er mit einem zufriedenen Kopfnicken eine Rafir- schul-Freikarte hervor und gab sie als Zahlung. Er that auch die wohlwollende Bemerkung, daß er hier wert besser behandelt worden sei, als letztbin oben im Schullokale; er habe sich ja gleich gedacht, der Vorsteher selber werde die Sache ttesslicher machen, und er gedenke jetzt immer hierher zu kommen mit den Freikarten. Der Vorsteher hat seitdem gegen diesen prächtigen Kunden in seinem Pnvatlokal Verschanzungen angelegt.— Für Berlin wird diese launige Schildernng wohl auch zutreffen. r. Eine Kindergeschichte. Wie vorsichtig Eltern und Erzieher in ihren Aeußeningen sein müssen in Gegenwatt ihrer Pflegebefohlenen, dafür liesett folgender Vorfall einen ebenso beachtenswetthen, wie psychologisch interessanten Beleg. Ein hiesiger Regicrungsbeamter hat em etwa vicrjähttges Töchterchen, ein äußerst gewecktes und aufmettsames, aber stilles Kind, dessen anfänglich ganz hellblondes Haar allmählich dunkler ge- worden ist und gegenwättig jenes intensive Braunroth zeigt, über das leider so vielfach gespottet wird. Der Papa des Kindes hat schwarzes, die Mama hellblondes Haar, was nicht nur die Erscheinungen beim Kirde, sondern auch den Umstand erklätt, daß die Haarfarbe des Kindes in der Familie vielfach, vielleicht auch in Gegenwatt der Kleinen eröttett worden ist. Man kann sich das Erstaunen des Vaters denken, als dieser vor einigen Tagen beim Nachhausekommen das Töchterchen am Schreibtrsche überraschte, wo sie die Fingerchen in das Tinten- faß eintauchte und die Tinte sich ins Haar und auf den Kopf wischte. Auf die Frage des Vaters, warum sie das thue, ent- geanete die Kleine, sie habe geglaubt, Mama würde das gern haben, und auf eine ähnliche Frage der Mama meinte oas Kind, der Papa hätte es vielleicht gern gehabt.— Bei der unklaren kindlichen Vorstellung ist es schwer festzustellen, von welchen Motiven das Kind bei seiner Handlung geleitet wor- den ist; aber so viel ist klar, die Unterhaltungen über des Kindes Haarfarbe müssen einen tiefen Eindruck auf dasselbe trmacht haben. Aus solchen zufälligen und unbeabsichtigten Verletzungen aber können sich die folgenschwersten Dinge ent- wickeln und deshalb ist es nicht blos gut, sondern nöthrg, mit Scherz-Aeußerungen, die ein Kind verletzen können, vorsichtig zu sein. R Verübte Schwindeleien. Unter Vorzeigung einer Be- schein! auna, für eine Berliner Kutschettasse Geld crnziehen zu dürfen hat ein bis jetzt noch nicht ermitteltes Individuum, das sich den Namen Maucrhoff beilegte, größere Beträge in der Hermannsstraße enthoben. Beregte Kasse hat aber Auftrage dieser Att überhaupt nicht ettherlt und beruhen demgemäß vor- � i cm...____ ß1 Die Unsitte des Hernntergleitens von den Treppen- geländern, welches viele Kinder leider mit wahrer Passion betreiben, hat am Dienstag zu einem schweren Unfall gefühtt. Am Vormittag dieses Tages wurde die dreizehn Jahre alte Rosa Pramcr auf dem Hausflur Lindenstr. 79, besinnungslos liegend vorgefunden. Dem Anscheine nach war dieselbe oeim Herunterglcrten von dem Treppengeländer gestürzt. Sie wurde mittels Krankenwagens nach dem Elisabcth-Krankenhause ge- bracht, woselbst eine Gehirnerschütterung und ein Bruch des Schlüsselbeins festgestellt wurde. enanntc Manipulattoncn auf Schwindel. Gerichts Zeitung. a. Reichsgerichtsentscheidung. Hatte fich ein Vater damit einverstanden erklätt, daß sein Sohn sich einem Berufe oder einer sonstigen Thätigkeit widmete, in welcher er während der ersten Jahre fich selbst nicht ernähren kann und vom Vater standesgemäß unterhalten werden muß, so darf der Vater nach einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Zivilsenats, vom 30. Mai 1885 nicht einseitig und willkürlich seinen Willen ändern und gegen den Willen des Sohnes einen Wechsel in dcssem Beruf verlangen, welcher den Sohn in den Stand setzen würde, seinen Unterhalt sofort selbst zu verdienen. Der seltene Fall einer Wiederaufnahme des ge- schlossenen Verfahrens zu Ungunsten der Angeklagten in einer Pttvattlagesache gelangte vor dem hiesigen Schögengericht zur Verhandlung. Im Juni 1880 hatte fich auf die von dem Schankwitth Hattkopf erhobene Privatklage die Frau Maler Bertha Schubett wegen einer dem Kläger zugefügten sym- bolischen Beleidigung vor demselben Gencht zu verantworten und wurde auf das Zeugniß ihres früheren Dienstmädchens, Marie Meißner, welche bekundete, daß die Angeklagte nicht die ihr imputitte Körperbewegung gemacht, was fte unbe- dingt gesehen haben müßte, freigesprochen. Später gab die Meißner selbst an, daß sie bei dem qu. Vorfall garnicht zugegen gewesen sei. Infolge dessen wurde gegen diese eine An- klage wegen wissentlichen Meineids und gegen Frau Schubett wegen Anstiftung dazu erhoben- In den vor dem hiesigen Schwurgencht stattgehabten Verfahren wurde die Meißner auf Grund rhres Geständnisses zu einer einjährigen Zuchthausstrafe verurtheilt, die Schubert indeß freigesprochen, weil ihr der Beweis geglückt war, daß die Meißner fich ihr mit der Be- hauptung als Zeugin aufgedrängt habe, den fraglichen Vorfall mit angesehen zu haben. Auf Grund des somit festgestellten meineidigen Zeugvisses zu Gunsten des Angeklagtm brachte der Privatkläger die Wiederaufnahme des Verfahrens in Anttag, welchem nach Lage der Sache stattgegeben werden mußte. In der neuen Verhandlung bestätigte zwar ein 14jähnges Mädchen die Behauptung der Angeklagten: der Gerichtshof glaubte auf das Zeugniß dieses damals 10 Jahr alt gewesenen Kindes aber ein Gewicht nicht legen zu dürfen und verurtheilte nun- mehr die Angeklagte zu 5 M. und legte ihr sämmtliche Kosten des bisherigen uno jetzigen Verfahrens ob. Wien, 13. Juli. Die verheirathete Kindesmördenn. Die 24jähnge Elisabeth Höll, die von ihrem Gatten, dem Haus- diener des Ofssziers Töchter-Jnstituts in Hernals, seit anderthalb Jahren geschieden lebt, brachte am 25. April ein Kind zur Welt, welches sie zu tödten versuchte, indem sie es aus einer Höhe von 15 Fuß in den Kanal fallen ließ. Nur durch einen Zufall wurde die That noch rechtzeitig entdeckt, so daß das Kind vom Erstickungstode bewahtt werden konnte: es hatte wohl Ver- letzungen erlitten, die indeß wieder heilten. Die Thäterin fand sich durch Schamgefühl bewogen, zu erklären, daß dieses Kind ein eheliches sei, da sie mit ihrem Gatten auch nach der Scheidung Zusammenkünfte gehabt habe. Sie wußte nicht, daß sie durch Diese Erklärung sich selbst in verhängnißvoller Weise schädigen könne. Das Gesetz bestraft den Mord einer Mutter an ihrem neugeborenen ehelichen Kinde in ungleich schwererer Weise, als wenn das Kind unehelichen Ursprungs ist: es setzt darauf, mag das Verbrechen durch Handanlcgung oder durch absichtliche Unterlassung des nöthigen Beistandes geschehen sein, lebenslangen schweren Kerker. Die Staatsanwaltschaft war indessen gegen die Beschuldigte milder, als es ihrer un- verständigen Angabe entsprach. Sie kam auf Grund der Alten zu dem Schlüsse, daß Elisabeth Höll auf Grund außerehelicher Beziehungen Mutter geworden sei, und klagte fie in diesem Sinne nach einem günstigeren Sttafsatze an. Der Jury wurde auf Wunsch des Vertheioigers Dr. Winternitz nebst der Haupt- frage auf direkte Tödtung eine Eventualfrage auf absichtliche Unterlassung des nöthigen Beistandes gestellt. Es scheint nun, daß die Geschworenen von der Annahme ausgingen, das Kind könnte allerdings ehelich sein: sie verneinten die Hauptfrage einstimmig und bejahten die Eventualfrage mit elf Stimmen gegen eine, jedoch mit Ausschluß des Beisatzes„unehelich". Der Vettheidiger beantragte, daß dieses Verdikt zu annulliren sei; die Jury habe dem Kinde die Wohlthat der Ehelichkeit nicht absprechen wollen, fie sei jedoch hierdurch über die Anklage hinausgegangen. Der Gerichtshof fand aber, daß durch dre bloße Ausscheidung des Wottes„unehelich" noch nicht die Ehelichkeit ausgesprochen sei und vcruttheilte die Angeklagte zu der genngsten gesetzlichen Strafe, zu drei Jahren schweren Kerkers._ Soziales und Arbeiterbewegung. Zum Verbot der Sonntagsarbeit. In einem liberalen Blatte finden wir folgende Notrz:„Viele Anzeichen weisen darauf hin, daß man regierungsseitig, um das statte Verbot der Sonntagsarbeit zu umgehen, die Anweisung zu einer schärferen Handhabung der schon bestehenden Sonntagsgesetze gegeben hat. Aus verschiedenen Städten meldet man ein Ein- schreiten der Polizei in Fällen, wo man blos so lange ein Auge zudrückte, daß das Verbot eigentlich ganz vergessen worden war. Wir halten dieses Vorgehen durchaus für das Richtige. In den meisten Fällen dürfte, um den Wünschen nach Sonntagsruhe zu entsprechen, eine bessere Durch- führung der bestehenden Gesetze am Platze sein und vor Allem müßte eine verschiedene Anwendung der Gesetze in einem Lande durchaus ver- mieden werden."— Das liberale Blatt hält ein solches Vorgehen der Regierungen in Deutschland für nchtig—wir nicht. Den Beweis aber, daß unsere Ansicht die ttchtige ist, macht uns obige Notiz selbst sehr leicht..„Vor allem müßte eine verschiedene Anwendung der Gesetze in einem Lande durchaus vermieden werden"— ganz schön! Was aber für den Einzelstaat recht, dos ist für das Reich billig, lind deshalb schon müßte ein R e i ch s ae s e tz in Bezug auf die Sonntags- ruhe geschaffen werden. Wir cttnnern uns, daß der Oder- Präsident in Magdeburg seiner Zeit ein Verbot erließ, die Kaufläden an den Sonntagen zu schließen. Dagegen haben wir an sich nichts einzuwenden, jedoch hatten die Ladenbefitzer in den Grenzotten großen Schaden, weil die Sonntaaskäufer einfach die Grenze überschtttten und in den an die Provinz Sachsen grenzenden Bezirken und Fürstenthümern ihre Einkäufe machten. Daraus geht doch zur Genüge hervor, daß schon der Gleichheit der Reichebttrger vor dem Gesetze wegen, die Sonntags- ruhe reichsgesetzlich geregelt werden muß. Daß ein Antrag auf solche Regelung im Reichstage wieder eingebracht werden wird, ist natürlich selbstverständlich. Ter Bericht der Aeltesten der Kaufmannschaft zu Magdeburg tür das Jahr 1884 bezeichnet das Ergebniß für Handel und Gewerbe als wenig günstig. Die gettnge Renta- bilität der Geschäfte wird aus der Uebcrproduktion in Deutsch- land und aus der Geschäftsstockung in Amettka erklätt. Mit dem schlechten Geschäftsgang waren Lohnreduttionen und Ar- beiterentlassungen, wenn auch in nicht großem Maße, ver- bunden. Die Arbeitseinstellung auf der Hohenzollemr! in O b e r s ch l e s i e n ist beendet. Die Drreltion hat W beabsichtigten Lohnbeschränkung Abstand genommen und so» zu dem üblichen Gedingsatz weiter gearbeitet. Auch owi benachbarten Steinkohlenzeche Heinitzgrube ist ein«s ausgebrochen, doch ohne Erfolg, da der größere Theil da beiter gegen die Verabredung die Arbeit wieder aufnahm. kann also nicht oft und dringend genug davor gewarnt iw? einen Streik zu inszeniren, ohne der Mitarbeiter völlig 5 zu sein. Krach im Spartopf. Großes Aufsehen ruft Zahlungsein st ellung des im Jahre 1874 in@ gegründeten Vorschuß- und Spar-Vereins P» Bis 1879 war die Direktion desselben stets in der Lag!, i Genuglhuung konstaliren zu können, daß Verluste nichl aetteten seien. Von da an erschienen immer größere M so daß schon vor einigen Jahren, um eine genügende zu erzielen, nicht allem der ganze Reservefonds aufgcl® einigen allein_________________ wurde, sondern auch die Mitglieder fich eine Reduktion Stammantheile um 50 pCt. gefallen lassen mußten. Es eisni nun eine größere Anzahl Austttttsettlärungen, und dies* naturgemäß unter so schwiettgen Umständen den Znsm» bruch des Ganzen herbeiführen. Eine Spekulation, welch Statuten des Vereins zuwiderlaufen würde, over eine w schlaguny liegt nicht vor; der Zusammenbruch fei darauf P. zuführen, daß Darlehen und Vorschüsse in beveutendekk auf ungenügende Sicherheit gegeben worden sind.' Gläubiger worden wohl ihr Geld erhalten; für die soliX hastbaren Mitglieder aber ist die Situation eine. schlimme, die wohl zu weiteren Zahlungseinstellungen ß dürfte. Was sagen die Harmoniepropheten und S dazu? Die Nähnadelindustrie ist besonders in dem Rei bezirk Aachen vettreten. Dott wird schon seit Ja! Erfolg mit der englischen Nähnadelfabrikation konkurrit nun aber der Handekskammerbettcht für Aachen konstal die Nähnadelindustrie dott im fortwährenden Rückgl griffen. Maßlose Konkurrenz und Ueberproduktion, so.. in dem Bettcht, seien die Ursachen von dem Vesta ll ds so blühenden Industrie. So sieht man überall dieselbe scheinungen und Folgen' überall Rückgang in der?£ und überall Roth und Elend in den Arbeitestreisen.' Stecknadeln ist die Produttion größer, als der Bedast, zahlreiche Arbeiterinnen entlassen werden mußten. Uermischtes. Ein eigenthümlicher Fall von Tollwuth ist,>»» aus Bologna schreibt, dott vorgekommen. Ein Bauer( von einem Hunde angefallen, ohne jedoch, Dank dtf, seiner Hosen, gebissen zu werden, indem die Zähne des« bloß einen Riß im Tuche vcrustachten. Zu Haute ang«S ließ fich der Mann den Schaden von seiner Schwei bessern, und nachdem diese mit einigen Stichen die og Reparatur besorgt hatte, ttß fie, wie dies so viele Nä« zu thun gewohnt find, den Faden mit den Zähnen ab. J kam fie mit dem Munde dem Stoffe so nahe, daß sie dem Hunde beim Bisse in das Tuch eingedrungenes! absorbirtc, und da das Thier wuthkrank gewesen war,«fj Arme eine geraume Zeit später unter gräßlichen Schm auch bei ihr zum Ausbruche gekommenen fürchterlichen" Ein arabischer Brutus. Tic Beduinen, die Berge Sinai oder in dessen Nähe wohnen, pflegen Mufa«Propheten Moses) einmal im Jahre an dess« lichem Sterbetag ein Opfer, bestehend aus je er Kälber, Schafe und Ziegen, darzubttngen, und zwofl Höhle, in welcher der Tradition zufolge Moses vier» und vierzig Nächte, ohne Soeise und Trank zu sich zu' zugebracht haben soll. Diesmal wurden jedoch zwei v Opfetthieren gestohlen, und schwur der Scheikh des i daß der Dieb, wenn er gefunden werden sollte, die m verlieren oder so viel Silber erlegen müsse, als dil schwer ist. Zwei Tage nachher war der Dieb gefunl zwar war es ein Sohn des Scheikhs selbst. Da nun Mann zu arm war, um so viel Silber zu erlegen: Vater nichts für ihn hergeben wollte, so wurde er als vestauft und für das so gelöste Geld dann ein Teptt schafft, der nun als Vorhang zur genannten Höhle di« Eine„kemietliche" Parodie veröffentlicht das Stadl bl.", betitelt: Der Elbtaucher(nach einer ivop gebenheit». Wer wagt's von den Herrn, die am Ufer sein, In de Elbe ze dauchen zur Stund? Ae goldener Ring fiel mer eben hinein, Verschlungen schon hat ihn der gelbe Mund; Wer ihn wieder mir bttngt, dem kos' ick zum Lohn» Ae Deppchen Bier in der baittschen Krone. So schbricht Sie ä Herr au dem großen Brett Das ragt in de Elbe hinaus, Wohl ä Jeder gern so ä Debbchcn hätt', Doch ä Jeder firchtet der Fluten Gebraus. „Js Keener, ich frage Sie wieder, weeß Knebbchen, Der verdienen sich will so ä bairisches Debbchcn■ Doch Alles nach wie vor bleibet stumm, Nur ä Bademeester hervorttitt keck, (Er war Sie her dort bei Bärne nun) Schnell wirft er sei Budderbcmmchen weg Und alle die Badeabonnenten Dem kihnen Jingling das Debbchen gennten.-> Und es wallet und siedet und brauset und Denn ä Dampfschiff fuhr eben vorbei, Bis zum Schbrungbrett schbtttzet der gelbe Gisw* Und Mancher ruft ängstlich: ei, ei, ei, ei;„ Doch der Jüngling denkt:„es is ja nischt becses � Und schbringt in die Fluten, Herr Jeses, Herr 3»� Auf emal heett auf der Finthen Gedrehn Und den Leiden am Ufer klingt's, Als wirde weggehoben ä Stecn Und wie goldener Klang an de Ohren dttngt's � „Schon seh' ich en Kobb aus den Fluthen dott „Er is es, er is es!"„Ach nee, was Sie sagen Q. Und der Jingling steigt raus und giebt den Dem Herrn, der is feie sehr froh, Der steckt an den Finger das glänzende Ding, Und alle rufen:„Bravo, Bravo!" Dann nimmt er den Jingling getthrt beim Schu Und koft ihm ä Ganzes und ooch noch ä Scknw Stargard, 13. Juli. Einen glücklichen Fall' jüngst ein Dachdeckergeselle. Derselbe fiel vom Do�f mit Pappe gedeckten Kellerhals, schlug diese Deckes, fiel weiter in den Keller. Da er fich nach dem V« rühtte, hielt man ihn für todt. Doch kam er nach � zur Besinnung und hatte keinen Schaden genommen- In den Flitterwochen. Frau:„Wir sind Monate verheirathet, Adolf, und Du bist schon m>r die reine Prosa. Früher, als wir noch verlobt wog. Du Gedichte auf mich, suchtest mir heimlich � Bänder zu entwenden.— Ach, von alledem ist jetzt" — Du hast nur Sinn für Essen, Tttnken, Dein Q Deine Ruhe—— wann, Adolf, werden wir n>n bei Mondschein schwärmen?" Mann:„Wenn nN» ausgegangen find!" Zwerfelyafte» Lob.„Wie finden Sie ftagte ein Gastwitth seinen Gast, der Kenner war, das ist ein kostbares Weinchen?"—„Ein kostbatst möcht' ich gerade nicht sagen," erwidette korsschütttt'- fragte,„wohl aber ein Weinchen, das sich gewasck� meinH Veranttvottlicher Redakteur 9U Croup eim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Hierzu ein« Beilage zum Berliner Bollsblatt $ Nr. 164» Freitag, den 17. Juli 1883. II. Jahrg. 3* ■f* Der Deutsche Reichstag tud Herr von Puttkamer. („Franks. Ztg.") Gut zwei Jahre hat es gedauert, bis der Deutsche Reichstag seinen Spruch über eine Rechtsverletzung fällte, die mitilerweile fast schon in Vergessenheit gerathen war. Zu Anfang April 1883 waren die Reichstagsabgeordneten Frohme und Bollmar, als sie bei der Rückkehr von dem sozialistischen Kongreß in Kopenhagen zu Kiel landeten, dort von der Polizei verhaftet, beziehungsweise sistirt und untersucht worden. Der Reichstag war zu dieser Zeit zwar nicht versammelt, sondern vertagt, aber da die Maßregel in den Lauf einer Sitzungsperiode oder Sesfion fiel, so glaubten die von ihr betroffenen Abgeordneten, daß das ebnen gewährleistete verfassungsmäßige Recht verletzt worden sei. Der Art. 3l der Verfassung bestimmt nämlich:„Ohne Geneh- rmgung des Reichstages kann kein Mitglied desselben wegen einer mit Strafe ledrohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhastet werden, außer wenn es bei Ausübung der Tyat oder im Laufe des nächstfolgenden Tages ergriffen wird." Die in ihrem Rechte gekränkten Abgeordneten brachten die Lache an den Reichstag, oer in zwei Sessionen 1833 84 und 1884,85 darüber berathen hat. Die Vertreter der Staats- rcgierung boten Alles auf, zu bestreiten, daß das verfassungs- wäßige Recht verletzt worden sei; sie stellten zu diesem Zwecke den Satz auf, eine Vertagung unterbreche die Sitzungsperiode, suspendire demnach auch die Bestimmungen über die Immunität der Abgeordneten. Dieser Einwand— denn ein anderer, der dahin ging, die Abgeordneten seien auf frischer That ergriffen worden, erwies sich sofort als hinfällig— bildete den Mittelpunkt langer Auseinandersetzungen, deren wiederholtes Resultat cm der Regierung durchaus ungünstiges war. Aus den Kommentaren der Staatsrcchtslchrer, aus parla- mentarischen Verhandlungen und aus der Praxis konnte der Nachweis geführt werden, daß eine Sesfion oder Sitzungsperiode die Zeit von der Eröffnung des Parlaments bis zum Schlüsse seiner jeweiligen Verhandlungen umfaßt, daß weder eine still- schweigende noch eine formelle Vertagung die Sesfion unterbricht, da am Schlüsse derselben die Verhandlungen genau an dem Punkte aufgenommen werden, an dem fie verlassen worden waren, was bekanntlich, wenn der Schluß einer Session da- zwischen liegt, nicht geschehen darf. Eine Vertagung unter- bricht die öffentlichen Verhandlungen, nicht aber die Sitzungs- periove; was für letztere gilt, besieht auch während der Ver- tagung zu Recht und dazu gehört die Immunität. Das hat wreverholt auch die Reichsregierung anerkannt, so z. B. als während der großen Periode der Vertagung im Jahre 1332 die Freifahrtskarten der Abgeordneten ihre Giltigkeit behielten. Die verschiedenen Kommissionen des Reichstags waren darum m ihrer Mehrheit der Ansicht, daß eine Verhaftung von Abgeordneten auch während der Vertagung eine Verfassungs- Verletzung sei, und der weitere Streit konnte sich nur um die Form drehen, in der dieses anläßlich des Falles Frohme-Voll- mar onentlrch auszusprechen sei. Die Sozialdemokraten hatten zuerst beantragt, die Beamten, denen die Verhaftung zur Last Rechenschaft ziehen zu lassen, und zwar auf Grund verschiedener Paragraphen des Strafgesetzes. Die Mehrheit war darauf nicht eingegangen, offenbar, weil fie fürchte, die Annahme werde zur Folge haben, daß die Ohnmacht des Parlaments klar zu Tage treten werde, denn schwerlich glaubte Jemand, die Reichsrcaicmng werde einen derartigen Beschluß zur Ausführung zu brmgen suchen. Man stand also davon ab, die preußische Verwaltung bei dem Fürsten Reichs- kanzler zu verklagen, und einigte sich endlich im März dieses Jahres auf folgenden Antrag an das Plenum:„Der Reichstag wolle beschließen, zu erklären, daß das am 2. April 1883 zu Kiel gegen den Abg. Frohme und das am 3. April 1883 gegen den Abg. v. Vollmar stattgehabte Verfahren dem Art. 31 der Reichsverfassuna zuwiderläuft." Das Plenum trat dem Anttag mit großer Mehrheit bei, womit der eine Faktor der Reichsgewalt ausgesprochen hatte, daß die Verfassung verletzt worden sei. Dieser Beschluß gelangte in vorgeschriebener Art an den Bundesrath. Rief er dort etwa einen Protest hervor? Nicht doch, denn das amtliche Protokoll der betreffenden Sitzung sagte nur, er sei zur Kenntniß genommen worden. Nun wollen wir gerade nicht behaupten, daß damit der Standpuntt des Reichstags als berechtigt ausdrücklich anerkannt worden sei, aber in diesem Falle war auch die stillschweigende Anerkennung genügend und diese erscheint durch die Kenntnißnahme ohne leden Protest thatsächlich erfolgt zu sein. Damit war die Sache für den Reichstag erledigt und fie würde es auch für uns gewesen sein, wenn wir nicht gestern in dem„Hamb. Corresp." folgende Notiz aus Kiel gefunden hätten:„Gelegentlich seiner neulichen Anwesenheit in Kiel und zwar bei Vorstellung der Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordneten-KollMiums aus dem dortigen Rathhause am 10. d. M. nahm der Minister des Innern, Herrn v. Puttkamer, Gelegenheit, dem Chef der Kieler Polizei seme ganz besondere Anerkennung über das energische Emschrerten gegen die sozialdemokratischen Führer Frohme und Vollmar bei deren Rückkehr von Kopenhagen auszusprechen." Man halte zwei Thatsachcn zusammen: Der deutsche Reichstag erklart renes Einschreiten für eine Verletzung der Verfassung und der Bundesrath nimmt davon Kenntniß; ein Mitglied desselben aber, der preußische Minister des Innern, belobl die von dem Tadel der Verfaffungsverletzung betroffenen Beamten vor aller Oeffentlichkeit. Jeder Kommentar ist überflüssig, er rannte nur den Konttast, der hier zu Tage tritt, bedeutend abschwächen. Als der Reichstag im vorigen Winter seinen vom Bundes- ��abgele�nten Beschluß auf Beseitigung des ExpatriirungS- "wir Beschlüsse ges— hochachtet. Wer aus Wiedersprüchen Humor zu schöpfen vermag, dem ist hier eine reiche Quells davon geboten. Fokales. o,. Die Arbeiterinnen-Bewegung, welche seit Anfang dieses Jahres rm Gange ist und zur Giündung eines Vereins ge- führt hat, der über 200 Mitglieder zählt, wird in nächsten Zeit aus der rein theoretischen Erörterung ihrer Ziele heraustreten und praktisch versuchen müssen, in einem bestimmten Jndustri- zweige nicht eine Besserung der Löhne für weibliche Arbeit herbeizuführen, wohl aber einer beabsichtigten Lohnverkürzung entgestenzulreten. Es ist dies die Flanell- und Fancyhosen- Fabrikation. In dieser Branche zahlten die anständigen Ar- jtH'ßfb«, welche die Masscnlieferung für die Engros und Export- Geschäfte übernehmen, den Näherinnen für Anfertigung von nur zu nahenden Unter-Beinlleidern bisher pro Dutzend, je nach der Größe der Sorten 75 Pf., 1 M. und 1,25 Mk. Bei diesem Akkordsatze verdiente die Maschinen-Ztäherin, je nach ihrer Geschicklichkeit, 6— 12Mk. pro Woche bei einer 11— 12 stündigen täglichen Arbeitszeit. Für die Arbeit an der Languettir- und Kurbclmaschine, die im höchsten Grade anstrengeud und auf- reibend ist, wurde bei 10—11 stündiger täglicher Arbeitszeit ein fester Wochenlohn von 15—18 Mark gezahlt. Diese Löhne, die zum bescheidensten Leben kaum ausreichen, müssen ali musterhaft gelten, wenn fie mit den Preisen verglichen werden, die von„nicht so anständigen" Arbeitgebem gezahlt werden. So werden der Maschinennäherin für die kleinste Sorte pr.Dtz. 45 Pf., höchstens 60 Pf. für die größere 60-75 Pf. und für die größte 60—90 Pf. bezahlt- Um wöchentlich 6—10 M. zu verdienen, sind diese Näherinnen zu einer Arbeitszeit von 14 bis 16 Stunden täglich gezwungen. Es giebt unter diesen„nicht so anständigen Arbeitgebern vollkommene Skavenhalter im Kleinen. Die Mädchen, welche sie beschäftigen, arbeiten bei ihnen, wohnen und schlafen bei ihnen, essen bei ihnen und— haben Schulden bei ihnen, die sie wie mit Ketten festhalten und sie bedingungslos jeden Lohn annehmen lassen.— Ebenso giebt es kleinere Geschäfte, die sich direkt mit den Einzelnähe- rinnen in Verbindung setzen, trotzdem aber Preise zahlen, die durchweg unter den ron den„anständigen" Arbeitgebern fest« gehaltenen Lohnsätzen liegen.— Während nun bisher von allen Engros Geschäften für das Dutzend vollkommen fertigge- stellter, mit Languettir- und Kurbelarbcit versehener Unterbern- kleider je nach der Größe der Sorte: 1,75, 2, 2,25, 2,75 und 3 Mark an die Arbeitgeber gezahlt wurde, haben sich in diesem Jahie diekenigcn Arbeitgeber, welche die oben mitgetheilten auf das Äeußerste gedrückten Löhne zahlen, überall zu folgenden Sätzen angeboten: pro Dutzend zu je 1,25 M., 1,50 M, 1,75 M. und 2 Mark. Bei solchen Preisen kann nur dann noch verdient werden, wenn die Arbeitszeik der Näherinnen noch weiter ausgedehnt und ihr Lohn noch mehr verkürzt wird, so unmöglich Beides auch erscheinen mag. Die„anständigen" Aibeitgeber werden dadurch gezwungen, entweder keine Beschäftigung für ihre Näherinnen zu haben, oder den Lohn derselben um die Hälfte zu vermindem. Um dies zu verhüten und die„SchmutzkonkurrenL' aus dem Felde zu schlagen, haben die Arbeitgeber durch Kartellvertrag sich verpflichtet, unter den im vorigen Jahre noch gezahlten Wochen- und Akkordlöhne als Äinimallöhne zu garantircn. Von Erfolg kann dieses Vorgehen natürlich nur dann bc- gleitet sein, wenn alle Näherinnen dieser Branche— in der Saison'von Ende Juli bis Mitte Dezember) werden circa Tausend beschäftigt sein— nirgends unter den fest- gesetzten Minimal- Attordpreisen die Arbeit aufnehmen, resp. dort niederlegen, wo diese Löhne nicht bewilligt werden. Es geht also hier in einem gewissen Maße und vorläustg das das Interesse der Näherinnen mit dem der anständigen Arbeit- geber Hand in Hand. Beide Theile haben sich der Schmutz- konkurrenz zu erwehren, und das Kapital(die Geschäfte) zu zwingen, höhere Preise zu zahlen. Gelingt es, den Minimal- Akkordtarif in der oben angegebenen, recht bescheidenen Höhe festzusetzen, so ist für die Näherin nicht allzu viel erreicht, aber selbst das Wenige ist bedeutend für sie in ihrer gedrückten Lage. Der Anfang einer Fach- und Lohnorganisation ist ge- schaffen und auf diesem Boden wird sich werter bauen lassen. Die Versammlung, zu welcher am heutigen Tage alle Ar- beiterinnen der Flanell- und Fancyhosen Branche eingeladen find(s. Inserat), möge zu einem gedeihlichen Resultat führen. «K. Von den beiden Gewittern, welche sich am Diens- tag Nachmittag über Berlin und Umgegend entluden, scheinen die im Norden unserer Metropole belegenen Dörfer am schwersten heimgesucht worden zu sein. Bereits in Pankow war der Regen mit Hagel untermischt, doch ist ein nennenswerther Schaden hier noch nicht angerichtet worden; in Nieder-Schön- Hausen war der Hagelschlag schon wesentlich stärker und dem- zufolge haben auch hier die Obstbäume ganz bedeutend gelitten. Geradezu verheerend sollen dagegen Hagel und Sturm in den Dörfern Rosenthal, Schildow, Mühlenbeck, Blankenfelde und einigen anderen in nächster Nähe belegenen gewirkt haben. Der Hagel fiel überall in großen Schloßen dicht hernieder, zer« schlug nicht nur hunderte von Fensterscheiben, sondern vernichtete auch fast die ganze Ernte. Das Getreide auf dein Felde, das gemähte wie das ungemähte, soll wie ausgedroschcn sein und an den Obstbäumen soll man nur noch vereinzelt eine Frucht entdecken. Am Meisten soll das Dorf Mühlenbeck ge- litten haben; man versichert, daß die schweren Schloßen sämmt- liehe Fenster der dortigen Kirche eingeschlagen haben. Der orkanartige Sturm, mit welchem der Haaclschlaa begleitet war, entwurzelte starke Bäume, deckte verschiedene Dächer ab und richtete aller Orten einen Schaden an, der sich in seinem ganzen Umfange heute noch gar nicht übersehen läßt. Da sich ja viele Landleute gegen Hagelschaden nicht zu versichern pflegen, so kann man sich denken, daß sie jetzt in einer sehr üblen Lage sind. b. Eigenthümliche Erscheinungen hat das starke Ge- witter am Dienstag hervorgerufen. Im Schützenhause bei Potsdam saßen die Schützen gerade beim Mahle, als der Blitz in der Nähe der Küche einschlug. Man hatte gerade den Lachs servirt; als man ihn bei Tafel präscntirte, fand sich, daß er völlig ungenießbar geworden war. Den gleichen unangenehmen Beigeschmack zeigten die Butter und die Remouladensauce. Auffallende Beobachtungen anderer Art machte man an anderen Orten. Eine einzige Petroleumlampe in einem Zimmer ver- breitete einen unerttäglichen Petroleumaeruch, als ob man sich in einem Pcttoleumlager befände. Rohe Kartoffeln erfüllten eine Küche mit einem penetranten Kartoffclaeruch und ein einziges Stück Toilettcnscife parfümirte ein Schlafzimmer so stark, als ob dasselbe eine Parfümerie-Fabrik sei. Leider zeigte sich auf der Spree und dem Kanal auch wieder das Massen- sterben der Fische. Zu Tausenden, groß und klein, trieben fie den Fluß hinab. g. Immer noch laufen Nachrichten ein, welche über die durch das Unwetter am Dienstag verursachten Verheerungen in der nächsten Umgebung Berlins berichten, woselbst das Ge- witter ganz besonders stark aufgetreten ist. In einzelnen Waldtheilen liegen starke Aeste wie gesät am Boden umher, ja ganze Bäume hat der Sturm ausgerissen. Auf den Getreide« feldern, woselbst die geschnittenen Garben in Bündeln zu- sammengestellt waren, sieht es äußerst wüst aus; die Bündel sind theils über- und auseinandergeworfen oder in alle Winde zerstteut. In den Kartoffeläckern hat das Unwetter nicht minder stark gehaust. Die Stauden find herausgerissen und der stro- mende Regen hat die Erde aufgewühlt und die Knollen blos- gelegt. Großer Schaden ist auch in den Obstgärten ange- richtet worden. Hier sind einzelne Bäume zum nicht geringen Theil ihrer noch unreifen Früchte beraubt und so die Hoff- nungen vernichtet worden, welche die Besitzer von Obstgärten auf eine gute Ernte setzen durften- Auch an Gebäuden und sonstigen Baulichkeiten hat der Sturm Schaden verursacht. In große Aufregung wurden die Arbeiter in einer Scheune der Zink'schen neuen Ziegelei an der Berlin-Görlitzer Bahn bei Königs-Wusterhausen versetzt. Dieselben waren gerade mit landwirthschaftlichen Arbeiten beschäftigt, als der Sturm mit lautem Getöse das große Dach der Scheune abriß und dasselbe vollständig überklappte. Als ein Wunder ist es zu bezeichnen, daß keiner der Arbeiter durch die Katastrophe verunglückte. e. b. Todtschlag. Auf dem Exerzierplatz des Kaiser Alexander- Regiments vor dem Schönhauser Thore sind seit einigen Tagen mehrere Zimmerer damit beschäftigt, die früher bereits in Angriff genommene Einzäunung des Platzes zu vollenden. Am Mittwoch Nachmittag wurden diese Arbeiter von einer Anzahl roher Gesellen überfallen und gewaltsam daran gehindert, die Arbeit fortzusetzen. Die Angreifer gehören, wie man uns versichert, jener Klasse von Individuen an, welche die Beschützung prostituirter Mädchen zu ihrem Broderwerb gewählt und die dem Exerzierplatz den Ruf der Unsicherheit verschafft haben. Durch die Einzäunung sehen sie sich nun in ihrem vermeintlichen Recht, dort ihr Unwesen zu treiben, bc- schränkt und glauben nichts besseres thun zu können, als ihre Wuth hierüber an den Zimmerern auszulassen. Von diesen waren z. Z. nur zwei Mann auf dem Platze, während die An- greiser sechs Mann stark erschienen, sofort Latten ergriffen und auf die Arbeiter losschlugen. Hierbei hat nun einer der Zimmerer einen solchen Schlag auf den Kopf erhalten, daß er — wie die Einen behaupten— sofort todt niederstürzte, nach der Versicherung Anderer erst auf dem Transport nach dem Polizei-Bureau verstarb. Die Raufbolde ergriffen hierauf die Flucht, doch wurden zwei von ihnen, als sie einen Zaun über- stiegen und so in ein Grundstück einzudringen versuchten, von einigen handfesten Schmieden ergriffen und an ihrem Fort- kommen gehindert. Ein dritter, welcher in eine Restauration geflüchtet war und dort mit der unschuldigsten Miene von der Welt ein Glas Bier verlangte, wurde bald darauf von einem Polizeibeamten daselbst festgenommen. Ob es gelungen ist, auch noch die übrigen Mitglieder dieser sehr ehrenwerthen Gejellschaft zu ermitteln, haben wir nicht in Erfahrung bringen können. Der Verein der Berliner Zeitungs- Spediteure düiste mit seinem Sommerfest, das derselbe, wie bereits mitge- theilt, am nächsten Montag zum Besten der Unterstützunaskaffe für die Botenfrauen im Etablissement„Zum Sternccker, Schloß Weißensee" veranstaltet, entschieden den Vogel abschießen. Originell, wie schon die Beschenkung der Kinder, ist auch oas ganze Fest originell erdacht und arrangirt. Den Glanzpunkt Desselben bildet ein von einem hiesigen bekannten Humoristen arrangirter Festzug, der den zeitgemäßen und vielsagenden Titel„Zeitungs- Enten" führr und ver in 2 Abtheilunaen und 25 lebenden Tadleaux unter Zuhilfenahme von 100 Personen die Saison der„Sauren-Gurke" und ihren Einfluß auf das Zeitungswcsen in den Hundstaaen veranschaulichen soll. Ab- gesehen davon, daß sämmtliche Berliner Zeitungen ohne Rück- ficht auf Patteischattirungen allegorisch dargestellt werden sollen, werden an diesem Zuge sämmtliche Berliner Zeitungs« frauen theilnehmen und zum Schluß die verschiedenen Phantasiegebilde der Saigon morte, von Eingeweihten kurzweg „Enten" genannt, wie beispielsweise die Secschlange, der Hase mit fünf Läufen, die holländische Erbschaft, der Jubel- greis, die Wunderkinder jc. mimoplastisch veranschaulicht werben. Das es dabei an humoristischen Intermezzos nicht fehlen wird, ist einleuchtend und daher auch das Fest für das große sä" ä& wÄr». w sttflafen und sich so den größten Gefahren durch Hinunterfallen aussetzen. Gerade diese Art von Unglücksfällen haben in letzter Zeit derartig zugenommen, daß eine Aussicht über die Kutscher sich als drmaend nothwendia erwies. Wer auf der Straße bei der großen Hitze zu thun hat, wird wissen, von welchem #i)t)ati...... frühesten Stunden in Thätigkeit und so ist es sehr wohl verzeihlich, wenn ein Kutscher, von Müdigkeit über- 94 Äff ot ttf A» �..... WußNe We ouf die �Wichen fri'chcstert.Kutscher sind schon seit den «0hl v!...................... äxäää«"5, ÄÄ:: IfÄÄ'ftf.'SÄä«r(S" Fnednchsha.n wnen lebensgefährlichen Verletzungen Erlegene arnarnsBass ftl'afe vor einem Kellerrestaurant mit einem ihm seit Jahren personlich bekannten, trotz des Streiks fortarbcitenden Maurer P. zusammen, den er deshalb zur Rede stellte und ins Gewissen reden wollte, doch nicht ferner so pflichtvergessen zu handeln. Diese Mahnung soll, wie uns versichert wird, dem vurchaus milden und anstandlflen Charakter des Verstorbenen entsprechend, in keiner Weise aufreizend oder beleidigend gewesen sein. Trotzdem packte der Getadelte den Fasse! sofort ivüthend am Halse und schleuderte ,hn rückwärts die steinernen Stufen, die nach dem ,,?Ä?�aurant führten, herunter, wobei derselbe einen so un- glucklichen Fall auf's Hinterhaupt that, daß er in dem oben bezeichneten Krankenhause, nach welchem er sogleich gebracht worden war�an den Folgen der erlittenen Gehimerschütterung wurde gleich nach der That polizeilich in Haft genommen, soll ledoch, wie es h»eß. noch gestern um Mitternacht wieder auf freien Fuß gesetzt und zur Zeit bereits flüchtig geworden sein. „ü W°«-.°m 28.»Mi Am Oberbaum. Dammühle, Ober- kwasser...... DammühleUnter- waffer..... A a:#- 2,28 0,60 Gerichts Zeitung. _ m, ,w Prozeß Schmidt-Stöcker. Der Beleidigungs- Prozeß des Fabrikbesitzers Schmidt- Elberfeld gegen den Hofprediger Stöcker, welcher bereits zwei Vertagungen erlebt hat, gelangte heute Vonnittags 9 Uhr vor der 100. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts abermals zur Verhandlung. Welches Interesse dieser Prozeß in den weitesten Kreisen erregt, zeigte der kolossale Andrang zu dem kleinen Zimmer, in welchem die Verhandlung stattfand. Mehrere hundert Personen umstanden die Thür zu dem räumlich sehr eng be» grenzten Auditorium. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt wiederum Landrichter Dr Kronccker, als Schöffen fungircn Fabrikant Stümer und Töpfermeister Eckert. Als Ver- theidiger rcsp. Vertreter des Privatklägcrs sind Rechts- anmalt Wolff- Fürsienwalde und Munkel zur Stelle. Der Inhalt der Klage ist bekannt. Bei der letzten Reichstagswahl soll bekanntlich Hofprediger Stöcker am 7. November v. I. im evangelischen Vereinshause am Fohannestisch eine Rede gehalten und darin bezüglich seines Gegenkandidaten in Siegen, des jetzigen Privatklägers, sich da- hin geäußert haben:„Sie elenden Lügen, welche mein Gegen- kandidat Herr Schmidt sogar auf rothes Papier drucken laßt, werden nicht verfangen; gegen solche Infamien schützt mich der dortige gesunde konservative Sinn und das dortige gesunde und kräftig lebendige Christenthum. Sie wissen, was solche Buben von mir schreiben, ist nicht wahr, einfach, weil ich ein evangelischer Geistlicher, weil ich Hofprcdiger Er. Majestät des Kaisers bin." Die Klage richtete sich anfänglich noch gegen eine zweite beleidigende Aeußerung des Hofpredigers Stöcker, in diesem Punkte ist aber die Klage zurückgenommen worden, weil schon die früheren Zeugenvernehmungen eine bestimmte Feststellung über den Wortlaut jener Aeußerung nicht ermög- lichten.— Von Herrn Stöcker war in dem letzten Verhano- lungstermin die Widerklage erhoben worden, und zwar be- hauptete er, daß Herr Schmidt in einer in Siegen am 20. April gehaltenen Rede von ihm gesagt habe: Herr Stöcker säe den Geist des Hasses und der Zwietracht, er stehe in Ver- drehungcn und Versprechungen groß da, er sei ein gehorsamer Diener des Junkerthums, welches ihn bei gelegener Zeit an die Luft setzen wird jc. Femer soll der Privatklägcr in einer zu Laasphe gehaltenen Rede Herm Stöcker einen Lügner genannt und gesagt haben, er gehe nach dem Winde und habe alle paar Monate eine andere Ueberzcugung.— Da diese Widerklage in der letzten Verhandlung erst im allerletzten Momente erhoben wurde, so nabm der Gerichtshof an, daß Hofprediger Stöcker nur auf eine Verschleppung der Sache ausgehe, und ordnete für den heutigen Termin das persönliche Erscheinen der Parteien an. In Folge dessen find Hofpredigcr Stöcker und Fabiikant Schmidt zur Stelle. Unier den zahlreichen Zeugen befinden sich der von dem R.-A. Munckel geladene Schneider Grüneberg, ferner mehrere Zeitunasberichter statter, ein Stenograph und Zeitungsrrdakteur aus Elberfeld, und als Zeugen der Widerklage find der Pfarrer Schmidt und Fabrikant Schaefcr aus Siegen resp. Biedenkopf anwesend. Vor Eintrilt in die Verhandlung fragt der Vorsitzende seiner Pflicht gemäß die Parteien, ob eine Einigung vielleicht möglich ist. Rechtsanwalt Wolff erklärt, daß Hofprediger Stöcker zu einer solchen bereit sei- Rechtsanwalt Munckel giebt die Er- klämng ab, daß sein Klient eine solche zurückweise- Znr Sache selbst erklärt Rechtsanwalt Wolff, daß Hofprediger Stöcker bestreite, die beleidigenden Aeußerungen über den Privatkläger gethan zu haben. Der Privatklägcr seinerseits bestreitet eben- falls, den Hofprediger Stöckcr beleidigt zu haben. Er führt u. A. Folgendes aus:„Ich erkläre es für unmöglich, daß ich die inkriminirten Aeußerungen gethan habe. Der Vorsitzende der betreffenden Versammlung, Domänen- Inspektor Jonas wird bekunden, daß die behaupteten Worte nicht gefallen find, derselbe wird femer bekunden, daß mich Herr Stöcker 14 Tage darauf einen Vaterlandsverräther genannt hat. Ick habe während der Wahlperiode in dem Wahlkreise Siegen wohl an 20 Reden gehalten und kann mich der einzelnen Worte natürlich nid): erinnern. Ich bin aber gewohnt, sachlich und ruhig zu sprechen, das erkennen auch meine Gegner an, und wenn ich bei der wohl gerichtskundigen Art und Weise, wie Herr Stöcker spricht, im Wahlkreise Siegen überhaupt einen Effekt erzielen wollte, so konnte ich es nur, wenn ich ganz be- sonders mhig und sachlich sprach. Außerdem war die Situation in Siegen gar nicht darnach angethan, um mich aufzufordem, Herm Stöcker zu beleidigen. Meine Aufgabe war vielmehr die, in erster Reihe den nationalliberalen Kandidaten zu bekämpfen. Wenn ich Herm Stöcker einen Lügner u. dergl. am 20. April in Siegen genannt hätte, dann würde gewiß Herr Stöcker in der Antwortrede, die er 14 Tage darauf gehalten, sich dieses Moment nicht haben entgehen lassen; derselbe hat jene Antwort- rede des Hofprcdiaers Stöcker stenographirt und es geht daraus hervor, daß Herr Stöcker keineswegs auf jene angebliche Bcleidi- gung reagirt, wohl aber eine neue Fluth von Beleidigungen auf mich losgelassen hat. Er hat sogar Andeutungen gemacht, die darauf schließen ließen, daß er etwas Unehrenhaftes von mir wissen könnte. Herr Hofprediger Stöcker hat dann liebevoll hinzugesetzt: er wolle den persönlichen Schmutz und die Niederträchtigkeiten nicht aufrühren. Herr Stöcker ist schon damals veigeblich aufgefordert worden, zu sagen, was er von mir weiß. Ich fordere ihn hiermit nochmals auf. Der Schild meiner Ehre ist rein und blank. Er hat dann über mich gesagt:„Ich schwäche die Armee und verrathe mein Vater» fand!" Er hat mich femer verantwortlich gemacht für einzelne Kundgebungen der von ihm angegriffenen„schlechten Presse", namentlich der„Berliner Zeitung", die er ein„niederträchtiges Blatt" nannte. Das find denn doch Schmähungen der uner« hörtesten Art."— Sie Beweisaufnahme erstreckt fick zunächst auf die Feststellung der betreffenden Aeußerung des Hof- Predigers Stöcker. Die Zeugen Nixdorf, weicher seiner Zeit für die„Vossische Zeitung" reserirt hat, und Lange(„Post") geben nach ihren Notizen den Wortlaut ungefähr in der obigen Fassung wieder, namentlich konstatiren sie die Worte „elende Lügen des Herrn Schmidt",„Buben" tc. Auf Befragen des Rechtsanwalts Wolff, ob nicht Herr Stöcker gerade Herm Schmidt iu Gegensatz zu den Agitatoren in Siegen ge- bracht hat, erklären beide Zeugen übereinstimmend, daß nach ihrer Ansicht Herr Stöcker erst in einer späteren Versammlung sich dahin ausgelassen habe, daß sich Herr Schmidt noch einmal an die Stim schlagen werde, weil er sich mit solchen Leuten eingelassen.— Schriftsteller Kraus, Referent des„Rcichsboten" bekennt auf direktes Befragen des Vorfitzenden, daß er vor sechs Jahren wegen Bctmges zu sechs Monaten Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust verurtheilt worden ist. Er erklärt, obgleich er sich auf den genauen Wortlaut der Aeußemng des Hofprcdigers Stöcker nicht mehr erinnert, auf's bestimmteste, daß derselbe Herrn Schmidt direkt in einen Gegensatz zu den Agitatoren in Siegen gebracht hat. Bestimmte Momente, welche ihn zu dieser Anficht bringen, kann Zeuge jedoch nicht angeben. Dieselbe Ansicht mit derselben Bestimmtheit vertritt Zeuge Äschenbrenner, welcher auf Befragen des Vorsitzenden angiebt, daß er früher Portier im Dom-Pfarrhause, später der Redakteur des christlich-sozialen Parteiblattes war. Zeuge Licdich(Rcfe- rent der„Kreuz-Zkg.") kann sich bestimmter Momente nicht er- innem.— Hofprediger Stöcker: Ich erkläre mit vollster Be- stimmtheit, daß ich meine Aeußemngcn auf die Leute bezogen habe, welche in dem Bewußtsein, daß sie Falsches über mich reden, solche Flugblätter in die Welt setzen. Ich habe jedes- mal und zwar mit voller Absicht Herrn Schmidt von den wüsten Agitationen beständig ausgenommen. Ich habe dies stets ge- than, da ich glaubte, daß Herr Schmidt sich der Tragweite jener unwürdigen Agitation nicht bewußt war. Die Beweisaufnahme erstreckt sich sodann auf die Verlesung des Sicgener Wahlflug- blattes, auf welches sich die Aeußerungen des.Hofpredigers Stöcker bezogen. Der Privatklüger Schmidt erklärt, daß er dieses Wahlflugblatt weder„drucken" noch habe verbreiten lassen. Es sei damals gerade in Clarfeld das Attentat aus sein Leben vor sich gegangen und er habe sich acht Tage lang vor der zweiten Wahl gar nicht um die Agitation kümmern können. Er habe gegen eine Verbreitung des betreffenden Wahlflugblattes nichts gethan, habe dazu aber auch gar keine Veranlassung gehabt, denn für die Verbreitung der Wahlflugblätter hätten seine Freunde gesorgt. Gegen eine Verbreitung des bekannten Blttes der„Freien Zeitung" habe er sich aber direkt ausgesprochen und den Redakteur Vom- mert gebeten, das Flugblatt nickt zu verbreiten.— Zeuge Bommert erklärt, daß wegen des Wahlflugblattcs gegen"ihn ein Verfahren eingeleitet, ein Termin aber nock nicht anberaumt worden ist.£b Herr Schmidt irgendwie bei der Abfassung des Wahlflugblattes betheiligt gewesen, wisse er nickt, dagegen wisse er, daß das bekannte Extrablatt der„Freien Zeitung" direkt aus Berlin geschickt worden ist und daß Herr Schmidt gebeten hat, dieses Extrablatt nicht zu verbreiten.— Ilm zu prüfen, inwieweit dies Extrablatt die Wahrheit behaupte, wendet sich die Beweisaufnahme zunächst der Frage zu, ob Herr Stöcker in einer Rede den Protestantenvercin ein„Mist- beet" genannt habe. In dieser Beziehung erklären die Bericht- erstatter Kraus und Liebich die betr. Aeußerung dahin:„Ter Protestantenverein schaffe Zustände der Glaubens und Lieb- losigkeit, aus denen wie aus einem Mistbeete die Sozialdcmo- kratie hervorwachse." Der augenblicklich krank im Bade besind- liche Kandidat Friese hatte schon im vorigen Termjne die Aeußerung dahin wiedergegeben: Das, was der Protestanten- verein wolle, sei keine Kirche, sondern ein Kasino und aus sol- chcm Mist wachse die Sozialdemokratie hei vor.— Sodann wird eruirt, in wie weit das Flugblatt Recht hatte, wenn es be- hauptete, daß Hödel und Nobiling Mitglieder der christlich- sozialen Partei gewesen.— Heber dirsen Punkt niebt zunächst der Zeuge Aschenbrenner unter Vorlegung der Mitgliederlisten dieselben Aussagen, wie in dem Prozeß Stöckcr-Bäcker. Da- nach soll Hödel unter dem Namen Lehmann allerdings der Partei angehört haben, dagegen sei das Mitglied Nobiling keineswegs der Verbrecher.— Es folgt als Zeuge der Schnei- dermeister Grünebcrg: Am Tage vor dem Attentat des Hödel auf den Kaiser fand in der Großen Frankfurterstraße eine der christlich-sozialen Partei statt. In derselben Versammlung. W> war Hödel in sehr schlechter Kleidung erschienen, so daß ihn die Ordner nicht in den Sitzungssaal hineinlassen wollten. Einer der Konttoleure meldete mir das Erscheinen des Lehmann (Hödel) und ich ordnete an, ihn nicht zurückzuweisen, sondern auf den Tribünen einen Platz einzuräumen. Da es Hödel fchlecht ging, ließ ich ihm aus Mitleid noch ein Glas Bier geben. Ob in jener Versammlung der Hofprediaer Stöcker oder rch den Vortrag hielten, weiß ich nicht mehr. Am Nachmitlag des Nobiling'schen Attentats war ich im Begriff, mit meiner Familie uno einigen Freunden eine Landpartie zu unter- nehmen. Kurz vor der Abfahrt langte die Nachricht von dem Attentat ein, und ich schlug sogleich die Parteiliste nach, ob Nobiling sich unter den Mitgliedem befände. Als ich die Photographie des Attentäters erblickte, erkannte ich in dem- selben sofort einen Mann, den ich öfter in unserem Bureau gesehen habe. Auf den Vorhalt Aschenbrenners, daß in der Liste ein Parzellanmaler Pobiling, Albrcchtstr. 12, der noch heute Mitglied der Partei ist, eingetragen sei, erklärt Grüneberg: Es sind mehrere Nobilings in der Liste gewesen. Die Leute, die sich auf dem Bureau zur Mitgliedschaft meldeten, wurden von mir ohne Weiteres aufgenommen, und es ist nicht vorgekommen, daß jemand abgewiesen worden wäre. Alsdann beginnt die Beweisaufnahme in Bezug auf die Wider- klage und zwar sollen zunächst die Aeußerungen des Privat- klägcrs in seiner Rede vom 20. April festgestellt werden. Reoakteur Bommert, der Herausgeber des„Sicgener Volks- blattes", welcher Vorfitzender jener Versammlung war, bestreitet, daß Herr Schmidt die inkriminirten Aeußerungen gethan, namentlich habe derselbe Herrn Hofprediger Stöcker keineswegs einen„Lügner" genannt.— Rechtsanwalt Wolff legt dem Zeugen ein Referat in dem„Sicgener Volksblatt" vor, in welchem alle jene inkriminirten Aeußerungen des Privatklägers Schmidt enthalten find. Der Zeuge giebt zu, daß das betr. Referat in seinem Eingänge und Ausgange von ihm herrühre- Die Aeußerungen, wie sie jenes Reserat enthalte, seien von Herrn Schmidt nicht i» dieser Wörtlichkcit gebraucht worden, das Referat gebe vielfach nur den Sinn wieder und sei nicht ganz absichtslos etwas zugespitzt worden, da es gleichzeiiig eine Antwort auf die vielen Angriffe Stöckers sein sollte. Er müsse erklären, daß Herr Schmidt ihm wegen dieses Referats einen groben Brief geschrieben und ihm bedeutet habe, daß in dieser Weise die Referate nicht abgefaßt werden dürfen. Ter Zimmerhäuer Schorzer, ein Mann von sehr unentwickeltem Intellekt, mit deffcm Vernehmung der Vorsitzende einige Mühe hat, erkärt sich als Mitglied der„christlich-sozialen" Partei. Er behauptet mit ziemlicher Bestimmtheit alle die inkriminirten Aeußerungen, welche Schmidt in der betr. Versammlung gebraucht haben soll, dagegen weiß er absolut nicht zu entwickeln, in welchem Zusammenhange diese Aeußemngcn gethan worden sind.— Schuhmacher Heyder giebt auf Befragen zunächst an, daß er zur Partei des Kaisers gehöre und er- läutert dies dahin, daß er konservativ sei. Er kann nur im Allgemeinen angeben, daß er das Gefühl gehabt habe, der Privatkläger Schmidt richte ganz unbegründete Angriffe gegen Herrn Stöcker. Ganz bestimmte beleidigende Aeußerungen kann er jedoch nicht wiedergeben.— Der Kläger Schmidt behauptet, daß, als in Clarfeld der bekannte Landfriedensbmch stattfand, welche mit einer Stürmung und Demolimng eines Hotels und einem Steinbombardement auf einen Eiscnbahnzug endete, dieser Zeuge ein Haupt Steinwerfer gewesen ist. Zeuge be- streitet dies und behauptet, keinen Stein angefaßt zu haben. Er habe einem Feueralarm Folge geleistet und habe nur kurze Zeit dem Steinwerfen zugesehen.— Auf Befragen des Vor- sitzenden erklärt Herr Schmidt, daß eine Anklage wegen Land- sriedcnsbmches nicht erhoben worden ist, daß aber einige der Theilnehmer an der Ruhestörung Polizeistrafen erhalten haben. Er konnte zahlreiche Zeugen bringen, welche bekunden würden, daß sich der Zeuge hervorragend an den Steinwürfen bcthelligt habe. Bauuntemehmer Nehm weiß im Allgemeinen über die Ausdrücke nicht mehr viel, erkläri jedoch bestimmt, daß der Ausdruck„Lügner" nicht gefallen sei— Hofpredigcr Stöcker macht seinerseits auch bei Dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß Alles, was gegen Herm Schmidt in seinen Reden vor- gebracht, nicht Angriffe, fondem Abwehr gewesen sei. Es folgt sodann die Zeugenocmehmung bezüglich der von Herm Schmidt gehaltenen Rede in Laasphe. Der Zeuge Pastor Schmidt grebt an, daß er von einem Freunde zur Beiwohnung der Versammlung in Laarpse ersuchi worden ist. mit dem speziellen Austrage, über die Schmidt'sche Rede Notizen zu machen, die dann dem Herm Hofprediger Stöckcr behufs seiner Entgegnung eingesendet weiden sollten. Der Vollziehungsbeamte Friedrich Hackler hat, wie er angiebt, aus eigenem Anttiebe jene Versammlung besucht, um einmal die Rede des Kandidaten der Gegenpartei zu hören. Beide Zeugen bekunden in Uebereinstimmung fast wörtlich, daß Schmidt zu- nächst über die Steuer- und Zollpolitik der Regiemng ge- sprochen. Als im Jahre 1879 das Tabaksmonopol die Parole der konsemativen Partei war, erklärte sich Stöcker für dasselbe, bei der Abstimmung im Reichetage fehlte er. Wenn die Vor- läge wiederkommen sollte, wird er wahrscheinlich dagewesen sein. Stöckers Stellung zu dem Unfall-Verficherungsgesctz war eine eigenthümliche und schwankende. Als im Jahre 1831 der Reichskanzler den ersten Entwurf einbrachte, ttat Stöcker für denselben ein; im Jahre 1882, in welchem der Reichskanzler die Grundzüge dieses Entwurfs für undurchführbar erklärte, änderte auch Stöcker seine Ucbcrzeugung. Einem solchen Manne, der alle zwei Wochen seine Ueberzcugung ändere, der sich mit dem Winde dreht, werden Sie schwerlich Ihre Stimme geben dürfen.— Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Zeuge Hackler sich über diese Rede Notizen gemacht habe, erklärte der- selbe: Ick habe mir weder Notizen gemacht, noch mit irgend Jemand über die hier abzugebende Aussage gesprochen. Ich habe aber oft über diese Redewendungen nachgedacht und mich darüber gewundert, daß solche Reden in die Oeffentlickkeit dringen düüfcn, um einen Mann der Wahrheit zu stürzen. Deshalb habe ich mir d.e gebrauchten Ausdrücke so genau gemerkt. Domänenpächter Jonas rn Laasphe: Ich gehöre der deutsch- freisinnigen Partei an und habe in dieser Eigenschaft Wählcrversammlung in Laasphe einberufen und in Verse! den Vorsitz geführt. In dieser Versammlung hat der Pros kläaer Schmidt über Stöcker aar nichts aea'ukert. Die• klüger Schmidt über Stöcker gar nichts geäußert. Die kriminirten Aeußerungen habe ich nicht gehört, glaube«wf daß sie nicht gefallen find. Schon 14 Tage später fand> Laasphe eine Versammlung der Gegenpartei statt, in we« Herr Stöcker auf die Reoe des Schmidt erwiderte. In* selben hat Herr Stöcker dem Schmidt die inkrüiiirni» Aeußerungen nicht imputirt. Der Redner griff die Fortset nS parte! scharf an und machte deren Mstgliedcrn den Vorw* Landesverräther zu sein. Auf meinenen Zuruf:„Das ist wahr!" erwiderte Stöckcr: Das ginge aus der sortschrittli» und Judenpresse hervor. Hierbei zitirte der Kandidat Parodie aus dem„Reichsfreund" und warf der Fortschn» partei vor, daß sie die zweijährige Dienstzeit einführen n- wodurch die Schlagfertigkeit der Aimee geschmälett u>e» Die, welche solche Ziele verfolgen, seien Landesverrüther.«j Schmidt, der früher in diesem Ort gesprochen hat, wird 3% ebenfalls die Einführung der zweijährigen Dienstzeit cmpW haben.— Angeklagter Stöcker: Der Bericht über Schmidt'schen Reden hat mir bereite damals vorgelegen,� hatte aber gar kein Interesse daran, meinen Gegenkaiic anzugreifen. Aus diesem Grunde ließ ich die mir gcma Vorwürfe des Schmidt unberührt.— Redakteur Mann, erkltärte, Stöckcr's Partei anzugehören, dcponirt, daß er! die am 29. Sept. d. I. in Siegen stattgehabte Versammlung, nmn lich über die dort gehaltene Rede Stöcker's ein Stenopr� aufgenommen habe. Demnach hat Stöcker der fortschritM und Junkerpresse vorgeworfen, daß sie den schlimmsten? ausgestreut habe. Auf einen Pfuiruf aus der Versaminl? äußerte Stöcker:„Die Presse des Herm Schmidt verdiene W Pfuirufe in überreichen Maße- Die Mitglieder der w schrittspartei seien gar nicht ,m Stande, die Beherrschung� solch schlaue Presse von sich abzuwälzen. Herr Schmidt& zwar davon nichts; aber demnach habe er auch kein Recht,- Kandidaten der Gegenpartei anzuschwärzen. Zum Schluß' noch Herr Stöcker hervor, daß er über Herrn Schmidt W Nachthciliges wisse, er vermeide es aber, den Boden* Schmutzes und der Nichtswürdigkeit zu betreten. Die ÜM wiedcrgcgebenen Aeußemngcn aus der Stöcker'schen Rede? für diesen Prozeß ganz belanglos. Damit ist die Bewe» nähme beendet und es beginnen die Plaidouers. RechtSa« Munckel hält die Kriterien des§ 186 und K 135 für vorli» Es stehe fest, daß Herr Stöcker gesagt habe:„Sein Gl lasse jetzt elende Lügen auf rothes Papier dmcken und in' schluß daran:„was solche Buben von mir schreiben, ist gleichgültig." Er best achte die ganze Sache alsein Delikts böse Vorsatz habe fortgewirkt und habe in den„bösen B?. seinen Aus klang gefunden. Was den Wahrheitsbeweis' trifft, so behaupte er, daß Herr Stöcker das vielbI Wahlflugblatt ganz willkürlich und ganz zu Unrecht Q Schmidt an die Rockschöße hänge. Anderseits eis? dies Wahlflugblatt im Allgemeinen doch nur die Waß Nach den Zeugenaussagen erscheine es unzweifelhaft, daß Stöcker den Protcstantenverein ein„Mistbeet" genannt Dieser blumige Vergleich passe auch ganz in den Krei duftigen Redensarten, weld,e dem Angeklagten cigenihi seien- Und was die Herren Hödel und Nobiling anbc so sei erwiesen, daß der eine entschieden Mitglied der chr> «ewiffen handele, seien de weise, d dafür, siren, jc Herrn§ maß übe Duplik j es absol norwirst aber nid widem, sönlichen hätte ja läumdur mit Her, sonlich k hervor,> Zugestär gar nid); im Gcg, fein, er haß ich der E trage i stehen,) baß Lü Vorhand« haupten, vrinz üb »w diese Di wußtsein Pßen ei hat drud in Sieg« rothes P Klagebea sammlnn werden? Herm S Werth, rLüge" t dein an nur ein Z sozialen Partei gewesen und bei dem andem erscheine es dieganz Mich, ab, schcinlich. Die Thatsache sei für Herrn Stöcker wahrsch« sehr unangenehm, aber eine Beleidigung für denselben sei nicht zu finden. Wenn Herr Stöcker zu den von iyw wandten Beleidigungen die Erläuterung bringt, daß er Schmidt immer»n Gegensatz zu den Agitatoren gcbrat so verlange dieser Einwand keine emste Widerlegung. zu schimpsen und nachher zu sagen, den betr. Herm Mi aber gar nicht— das sei eine Ausrede, die gemacht ß sich die eine Pforte zu öffnen, durch welche man den" machen kann, nach erhobener Anklage wieder heraus� In dieser Ausrede würde man nur eine Erschwcm Thatbestandes erblicken müssen, denn sie würde beweise; der Angeklagte in kühler Erwägung schon damals sich ein pförtchen aufgebaut habe. Was Herr Stöcker gesprochen, st nicht in der Hitze gesprochen, sondem nur in der demselben f" Redeweise, die wie.Hitze aussieht, aber keine ist. DieWiderklq es abzulehnen. Zunächst sei in keiner Weise erwiesen, Herr Schmidt die inkriminirten Aeußemngcn gethan und. sie gefallen sein sollten— der Ausdmck„Lügner"% schieden nicht gebraucht worden— so stehe demselben der? des§ 193 zur Seite. Der denkenden Menschen gebe es" christlid,- sozialen Partei nicht viele, vielmehr sei Herr- selbst die Partei und wenn Herr Schmidt gegen letztere misiren wollte, dann konnte er nicht anders, als pess werden. Er mache aber ganz besonders darauf aufmck daß Herr Stöcker auch nachträglich noch Schmähungen! Herrn Schmidt gesdstcudert hat, welche evcnt. zur KompcM sich eignen. Er verweise zum Schluß darauf, daß Stöckcr in seinen Beleidigungen sich einer Ausdruckswew steißigt habe, welche der anständigen Sprachweisc nich' bezahlt e schehen!' vlatt ges, nicht das baß der legung z: halten, auch für Schmidt, hat, eine kreise voi zu führe, tane Em formal b belastet,> er mich f macht, so kann mm den Berf Schreiber ohne Am tation sp; schiede, e; der Bew« Dm Aue schieden z sttzcn zu nciBim yuve, uci u»,»iiivigcii e?praa>wei)c N'U,', cnn s. sprechend und nicht schicklich ist. Er bringe eine empN?�™ loll o khum dar «s wächst rufe mich ob' sehen: Ii in den Hi gesagt." verbleitet. Kö; zwe, Strafe in Antrag, weil er glaube, daß der Gegncr'ffi' � Maße gemessen werde müsse, mit welchem er gemessen � will. Herr Stöcker trat aus als Apostel der W' rn nation Hilfsarbei diesen die strebung. eß zuviel, habe zuge braucht I und als Apostel der Reinheit der Presse. Wer diese sprüche erhebt, der fange zunächst bei sich selbst an und n*1 dagegen sündigt, dann muß man ihm das Gefühl vo» Strafbarkeit der Sünde recht nahe legen. Herr Stöcker auch nicht in der verzweifelten Lage eines mühsam KänrvF. welcbe tzi, beleidigt: er sonnte sich bereits in einem antizipirten Tns, � um eine billige Verunglimpfung des Gegners vom 6% allzuschwe lassen. Um des Grundsatzes des Hofpredigers willen, daß- war, dies für Reinheit der Sprache in Presse und Parlament stj mich schüi müsse, beantrage er nicht die mildere Geldstrafe, wcl«c( Vorwürfe nicht effektvoll sein würde, sondem eine GefängnißstraM, Stellung gerade bei demjenigen, der jene Grundsätze vroklam>rr. � Beispiel zu statuiren. Wenn er nun darauf aufmerksam% gar nicht daß Herr Stöcker sich hingestellt und den Wählern gestS' s Gesprächs „Ich kannte noch Manche« saaen„k«. m;n«Gut w«1 fenm» i;. Ii« .. PB könnte noch Manches sagen, aber ich will nicht y daran persönlichen Schmutz hinabsteigen" so müsse er doch iage»� es nicht n diese Art denn doch der Gegensatz zu jedweder edlen Gest',)'ch sei mi ist. Und da diese nicht edle Gesinnung hervorleulbu j denkende Jemand, dcr sich selbst� des Edcstnuthes rühmt, so beantrag mü�Entttl Hofpredlger Stöcker zu 3 Wochen Gefängniß Abficht ist urtherlen, eine Strafe, die in einem anderen Prozesse als � kann ich befunden wurde.— R. A. Wolff: Herr Schmidt schein* sprachen l abnorme und merkwürdige Rechtsanschauungen zu badc?� des konse, denen heraus er glaubt, daß er seinem Gegner allerlei 1* Beleidigungen anhangen kann und sofort den Ettal un stellt, wenn dieser Gegner auch einmal zu einen,% lenken-, di Wort greift. Ganz unbegreiflich erscheine es aber, wie alch habe Munkel bei der hur entrollten Beweisführung einen st J Sie den c dürstigen Strafanttag stellen konnte. Die weist st ist J ae sprochen tönend auftretende Piivatklage sei sehr zusammenges«� keinMittel Er behaupte, daß Herr Schmidt, welcher persönlich*"■,/ Mm Pr ..,„______|______| WWWWWW» K'f Wahlagitation in Siegen geleitet und Geldmittel gesprochen ktK opfert habe, auch für das Wahlflugblatt mit veiantworst'Ä und wenn Dre ganze Klage sei nur ein weiterer Schritt in dem sucht, so« politische Geaner durch Strafurtheile unmöglich zu I Initiative und es sei bedauerlich, daß die Befolgung dieses Stzst�Ä �Magita der Partei, welcher Herr Schmidt angehört, immer nrebst-M oabe.„is zu werden cr>-.—*— f— cm.mclual� scheint. Die Behauptungen des Wahlfluß-A seien durchaus falsch, die angeblichen beleidigenden-leUkM Uoch Man gen des Hofpredigcrs Stöckcr seien in keiner Weise eU./f über seine dagegen sei es erw'.esen, daß die Beleidigungen des�f persö Schmidt ein ganz anderes Kaliber zeigen, daß er Herrn � Wankelmuth, Lügenhaftigkeit und Unklarheit vorwarf «be, als tenogran , Hornig s I gewissermaßen als Hausdiener der konservativen Partei be- handele, dem man beliebig den Laufpaß geben kann. Das seien denn doch sehr schwere Beleidigungen und eine Kampfes- weise, die im politischen Leben nicht vorkomitlen sollte. Er halte dafür, daß sich die Beleidigungen zum Mindesten kompcn- firen, ja, daß das größere Maß von Schuld auf Seiten des Herrn Schmidt ist, wofür derselbe zu bestrafen sei. Das Straf- maß überlasse er dem Gerichtshöfe. Nach einer Replik und Duplik führt Herr St' tter ungefähr Folgendes aus:„Qch m'.ß es absolut zurückweisen, wenn Herr Rechtsanwalt Munckel mir vorwirft, ich hätte gesagt, ich könnte manches sagen, wollte es aber nicht, um Persönliches nicht aufzuwühlen, so muß ich er- widern, das habe ich nicht gesagt, sondern, ich will den per- sönlichen Schmutz der Verleumdung nicht vorbringen. Ich hätte ja anderen Falles, das, was ich selbst sagen könnte, Ver- läumdungcn genannt. Ich habe die persönliche Gegnerschaft mit Herrn Schmidt nicht gesucht, weil ich ihn gar nicht per- sönlich kenne. Auch aus den vorliegenden Dingen geht es klar hervor, und auch in der Klagebcantwortung habe ich mit allem Zugeständniß dessen, was ich weiß, ausgeführt, daß es mir gar nicht eingefallen ist, Herrn Schmidt anzugreifen. Ich habe «n Gcgcntheil ihn unterschieden nnd gesagt, es wird ihm leid sein, er durchschaut es nicht. Liegt darin nicht der Beweis, oaß ich ihn persönlich nicht habe angreifen wollen? Wenn mir in i'er Schnelligkeit der Rede das Wort entfallen, so trage ich die Konsequenzen, aber dabei bleibe ich stehen, daß in dem Flugblatte Lügen enthalten find und uaß Lügen an dem Zcntralpunkie, wo es entstanden ist, vorhanden find. Dabei bleibe ich stehen. Wie kann man be- hauptcn, daß das Wort, welches Se. Königl. Hoheit der Krön- Prinz über die Bewegung ausgesprochen hat, fich aus mich be- 'ogen. Nie in der Oeffentlichreit hat �cs verlautet, daß das 'IJ um rsj O ER m (OV Wort in Bezug auf mich gesagt ist. Mir hat es daran gelegen, p'ese Dinge als Lüge zu charaktcrifiren, welche mir mit Be- wußtsein von gewissen Ecken aus stets entgegengehalten, welche ausgeschrieben und gedruckt werden bei jeder Gelegenheit, diese als Lüge zu bezeichnen. Das ist eine einfache Thatsache, und A glaube, daß der Beweis dafür nicht schwer zu führen ist. Zfs ist mir nicht eingefallen, zu meinen, daß Herr Schmidt diese j-U9en erfunden hat, und im Bewußtsein, daß es Lügen find, hat drucken lassen, sondern ich habe ihn als Leiter der Agitation m Siegen beschuldigt, er lasse die elenden Lügen, welche im Bmtralhcerde der lügenhaften Agitation gemacht werden, auf rothes Papier drucken. Ich kann es verfichern, daß, als die Klagebeantwortung an mich kam, ich Leute, welche der Ver- samrr.lirvg beigewohnt haben, gefragt habe;„Was kann das werden V" Uno einstimmig hat man mir gesagt:„Sie haben Herrn Schmidt gar nicht beleidigt." Ich lege darauf ja keinen Werth, aber ich kann versichern, ich habe bei dem Ausdruck „Lüge" weniger im Speziellen an das Flugblatt gedacht, son- oein an die ganze Agitation, die große, von der vas Flugblatt nur ein Theil ist. Ich habe von vornhereinserklärt: Ja, ich nehme die ganze Schwere der Worte,„er läßt Lügen drucken", auf mich, aber ick frage, heißt es hier:„er schreibt es, bestellt es, dezahlt es, läßt es drucken", heißt es nicht:„er läßt es ge- schehen!" Ist dies nicht hier der Fall V Hat er nicht das Flug- blast gesehen? Und hat er nicht eine Summe gezahlt, hat er nicht das Flugblatt unrefufirt gelassen. Ich will nur sagen, daß der Ausdruck„hat drucken lassen", auch mancherlei Aus- legung zuläßt, und, wenn man ihn für besonders schwer ge- halten, so nehme ich die besonderen Umstände als mildernd auch für mich m Beschlag und sage, wenn ein Mann, wie Herr Schmidt, schon Monate lang persönlich die Agitation geleitet hat, eine Agitation, wie sie vielleicht in keinem anderen Wahl- kreise vorgekommen ist, wenn er Mittel dargereicht hat, um sie zu führen, wenn man die Hitze des Wahlkampfes, die momen- tane Empörung berücksichtigt, man jenen Ausdruck wohl für formal beleidigend halten wird, aber in der Schwere mich nicht belastet, wu es Herr Rechtsanwalt Munckel gethan hat. Wenn er mich für den Ausdruck„Buben" hierbei wiederholt verhaftet macht, so weise ich dies mit ehrlichem Gewissen zurück. Wie rann man klarer unterscheiden zwischen Schreibern emes Blattes, oen Verfassern desselben uud dem Kandidaten, wenn man die Schreiber im Gegensatz bringt zu ihm. Ich habe, glaube ich, vWe Ausnahme jedes Mal, wo ich von der unwürdigen Agi- tation sprach, beständig gesagt:„ich mache persönliche Unter- schrede, es wird dem Kandidaten leid sein". Liegt darin nicht der Beweis, daß ich ihn persönlich nicht habe angreifen wollen? Dm Ausdruck und Vergleich mit dem Mtstbect weise ich ent- schieden zurück und den Versuch, mich auf der ersten Silbe fitzen zu lassen, mit Entrüstung. Es ist ein in der Schrift- wache häufig vorkommendes Wort, z. B. habe ich es rn Treitzschke's Geschichte gefunden: man will ein starkes Wachs- thum damit bezeichnen, und ich habe nur gleichnißweise gesagt, «s wächst hervor all' Dieses, wie aus einem Mistbeet. Ich be- rufe mich aus die literarisch kundigen Menschen hier unter uns, ob dagegen etwas einzuwenden ist. Aber interessant ist es zu sehen; ,\ch kann thun, was ich will, neun Zehntel der Presse find in den Händen meiner Gegner und diese behaupten:„er hat es gesagt." Ich kann machen, was ich will, die Sachen werden weiter verbleitet. Wa« kann man femer Schlimmeres sagen, als daß zwei Königsmörder zu unserer Partei gehört haben und ich soll solidarisch haftbar gemacht werden. Nobiling war ja auch Mitglied der akademischen Lesehalle, Lehmann-Hödel hat in nationalliberalen Komitees mitgearbeitet, Nobiling hat als Hilfsarbeiter einer Beamtcngcmeinschaft angehört. Hat man diesen die beiden Leute angeheftet? Immer allein meiner Be- strebung. Ist dies nicht im höchsten Maaße unwahr? Ist es zuviel, wenn ich solche Dinge als„Lügen" bezeichne? Ich habe zugegeben, daß ich den scharfen Ausdruck„Buben" ge- braucht haben kann, ich habe ihn gebraucht von Leuten, welche die Lüge mit Bewußtsein verbrerten. Für das System, welches ich gekennzeichnet habe, ist der Ausdruck doch nicht allzuschwer. Ich stehe hier mit dem Bedauern, daß es nöthig war. dies zu sagen. Glauben Sie, daß es mrr Freude macht, mich schützen zu müssen gegen die schwersten, ehrenrührigsten Vorwürfe? aber ich halte es für meine Pflicht gegenüber der Stellung, welche ich einnehme und für das öffenifiche Leben 1-lbst. Ueber die Persönlichkeit des Herrn Schmrdt habe rch aar nicht reden wollen: ich habe es gethan m der H'tze des Gesprächs, aber ich glaube, es ist nachgewiesen, daß mrr mchls daran liegt, persönliche Dinge zur Sprache zu bringen, wenn nicht nöthig ist. Wenn dann Herr Munckel geltend macht. 'w sei mit meiner Partei völlig zu identifiziren. denn viel °°"kende Mitglieder gebe es nicht bei uns. so wcife ich dies M.HIntrüstung zurück als eine unwürdige Jnfinuation. Du tonn die Masse zum Denken anzuregen. Ebenso wenig 'ch. du Angüsse auf die Antisemiten-Partei unwider- MGlSpP ��'.derHerr Redakteur des„Sicgener Volksblattes" sagt: habe die Worte des Herrn Schmidt verschärft". Hier haben Sie den augenscheinlichen Beweis von dem System, von dem ich S/.'prochen, daß es wahr ist. was ich sagte: man scheut gegen m,ch kemMittel.— FabrikantSchmidt: Herr Hofprediger Stöcker hat von diesem Prozeß gleichsam als Signatur eines gewissen Systems gesprochen. Mu ist von einem solchen System nichts bekannt und wenn er diese Klage in ein solches hineinzubringen ver- nicht, so erkläre ich, daß ich den Strafantrag aus ureigenster Vnitiattve gestellt habe. Ich erkläre ferner, daß ich für die Wahlagitation in Siegen nichts weiter an Geld geopfert Me, als meine persönlichen Auslagen. Das vorliegende Stenogramm beweist, daß Herr Stöcker gesagt hat: Ich könnte noch Manches, dem Herrn Schmidt sicher nicht Angenehmes Uder seine Person sagen, ich will es aber lieber nicht thun, um Nicht persönlichen Schmutz aufzurühren. Ich habe den Herrn Hofpredigcr heute wieder aufgefordert, zu sagen, od er etwas Unehrenhaftes von mir weiß und er ist mir auch heute du Antwort schuldig geblieben.— Hofprediger Stöcker: Ich kann versichern, wenn ich gesagt habe, ich könnte etwas dem Gegner persönlich nicht Angenehmes sagen, so bezog sich das wirklich nur auf die Thatsache, daß er m seinem heimischen Wahlkreise nicht wieder aufgestellt worden.— Kläger Schmidt: Ich kann auch hier sofort wieder nachweisen, daß der Herr Hofvrediger wieder einmal einen seiner bekannten Jrrthümer begeht. Ich überreiche eine mir s. Z. zugestellte Resolution einer großen Wählervcrsammlung von Elberfeld- Barmen, in welcher die Versammelten einstimmig erklärten, an meiner Kandidatur festzuhalten.— R.- Ä. Munckel: Es steht also fest, daß Herr Stöckcr gesagt hat: er wisse persönlich nicht Angenehmes von dem Kandidaten, aber er wolle persönlichen Schmutz nicht auf- rühren. Er erweckt also den Anschein, ob er eine persön- lich recht schmutzige Sache wisse. Das ist so seine Art, wie er mit der Wahrheit mrd mit der Ehre anderer Menschen um- geht. Hofprediger Stöcker versichert nochmals, daß er bei der Redewendung von dem Schmutz nicht an die persönlichen Ver- Hältnisse seines Gegners gedacht habe.— Der Gerichtshof zieht fich hierauf zur Berathung zurück. Das Erkenntniß geht da- hin, daß Hofpredigcr Stöcker der Beleidigung schuldig und deshalb zu 150 M. Geldbuße event. 15 Tage Gefängniß zu verurtheilen, dem Beleidigten auch die Publikationsbefugniß für den„Reichsboten" unv das„Siegener Volksblatt" zuae- sprachen, daß ferner der Widerbeklagte Schmidt der Beleidi- gung in einem Falle schuldig, deshalb zu 50 M. Geldbuße event. 5 Tage Gefängniß zu verurtheilen und dem Wider- klüger die Publikationsbefugniß für das„Sicgener Volksblatt" zuzusprechen sei. Die Kosten wurden zu•/« dem Hofprediger Stöcker, zu'/« dem Widerbeklagten Schmidt auferlegt. Aus der sehr eingehenden Urtheilsbegründung Heden wir folgende Hauptstellen hervor. Dersinkrimirte Satz der Klage ist auf Grund des Zeugnisses dcs Dr. Nixdorf für erwiesen erachtet worden. Es konnte fich nur flagen, ob der Ange- klagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt halte. Diese Frage mußte nun deshalb verneint werden, weil Herr Stöcker in jener Veisammlung als Kandidat aufgetreten war, noch hatte er sich den Berlinern gegenüber wegen des Siegener Flugblattes der Gegenpartei, das dieselben gar nicht einmal kannten, zn rechtfertigen. Bezüglich des Vorwurfs, daß der Privatkläger Lügen über ihn auf dem rothen Flugblatte gedruckt habe, konnte sich der Gerichtshof der von dem Angeklagten Slöcker beliebten Auslegiing nicht anschließen, sondem er habe angenommen, daß dem Privatkläger damit der Vorwurf ge- macht werden sollte, er habe die lügenhaften Behauptungen selbei veranlaßt. Es kömmt jetzt in Frage, ob den Angeklagien der Beweis der Wahrheit, daß in dem Flugblatt Lügen, v. h. bewußte Unwahrheiten über ihn verbreitet worden sind, ge- lungen ist. Zunächst ist in dem Flugblatt auf die Kundgebung des Kronprinzen über die Antisemitcnbewegung Bezug ge- nommcn, alsdann der Ausspruch der theologischen Fakultät über Herrn Stöcker wiedergegeben, ferner die Behauptung auf- gestellt, Stöcker habe den Protcstantenverein mit einem Mistbeet verglichen, und endlich die Königsmör- der Hödel und Nobiling seien Mitglieder der christ- lich-sozialen Partei gewesen. Betreffs der Behauptung bezüglich des Protestantcnvereins fchenke der Gerichtshof den Entlastungszeugen Krauß und Licbich vollen Glauben. Dar- Pnach habe Stöckers Aeußerung wesentlich anders und für den rotestantenverein nicht beleidigend gelautet. Die in dem lugblatt aufgestellte Behauptung habe sich daher nicht bewahr- Die Kundgebung der theologischen Fakultät in Jena hcitet. fei aber notoriw'a bka�llk Ve�iung also er, nncfen.— Was die Mitgliedschaft des Hödel und Nobiling in der christlich- sozialen Partei anlange, so sei die des Hödel erwiesen, die des Nobiling aber auf Grund der unklaren Aus- sage des Grüncberg nicht als erwiesen zu erachten. Die Aeußerung des Kror.piinzen über die Antisemitenbewegung konnte natürlich nicht zum Gegenstand einer Beweisaufnahme gemacht werden; aber sie wird allgemein geglaubt. Hiernach ,st dargethan, daß in jenem Flugblatt wohl eine Unwahrheit, in keiner Weise aber Lügen, d. h, bewußte Unwahrheiten über Stöcker verbreitet worden sind, und würde, da dies dem An- geklagten bekannt sein mußte, fich derselbe mit dieser Behaup- tung einer Verleumdung schuldig gemacht haben. Im Sprach- gebrauch der niederen Volksklasscn wird aber schon schlechtweg icde leichtfertige Unwahrheit als Lüge bezeichnet und nimmt der Gerichtshof an, daß Herr Stöcker sich bei seinem Vorttage diesem Sprachgebrauch anbequemt haben wird. Deshalb konnte nicht§ 187, sondern nur die§§ 186 und 185 Str.- G.> B. angewendet werden. Bei der Strafabmcssuna war zunächst die Frage nach dem sittlichen Werth des Belei- oigten zu prüfen, der vollständig makellos dastehe. Weiter kam strafschärfend in Betrachr der besonders schwere Vorwurf und die Leichtfertigkeit des Angeklagten, gegen den Vrivattläger ohne jeglichen Anhaltspunkt so gröbliche und ge- hässige Vorwürfe mit den beleidigendsten Zusätzen zu erheben. Strafmindernd war zu berücksichtigen, daß es dem Angeklagten weniger darauf angekommen fein mag, die Person dcs Privat- klägers, als den Vertreter einer gegen ihn agirenden Partei zu treffen; daß er durch das Siegener Flugblatt gereizt worden; daß in demselben ein Hinweis auf du Kundgebung des Kronprinzen enhalten war, durch die er in Gegensatz mit einem Mitgliede des Herrscherhauses gebracht ward, und endlich, daß er seit vielen Jahren Beleidigungen von ähnlicher Schärfe gegen Mitglieder der freieren religiösen Richtung und der Gegen- Parteien geschleudert, ohne daß diese es für angemessen erachtet, ihn dafür verantwortlich zu machen. Dadurch habe sein Be- wußtsein von der Rechtswidrigkeit seines Handelns bedeutend abgeschwächt werden müssen.— Betreffs der Widerklage habe der Gerichtshof dem Widerbeklagten die Wahrnehmung be- rechtigter Interessen zubilligen müssen. Nach den Aussagen der Zeugen Schorger und Heider, die allerdings einen eigen- artigen Eindruck machten und deutlich an den Tag legten, daß sie sich von ihren Parteianschauungen haben leiten lassen, habe Schmidt dem Stöcker vorgeworfen: er stehe im Verdrehen groß da, und es wohne ihm Doppelzüngigkeit bei. Diese Aussage mußte, insoweit sie durch die eigenen Auslassungen des Wider- beklagten und der Entlastungszeugen unterstützt wurden, ein Gewicht beigelegt werden. In den gebrauchten Ausdrücken fand nun der Gerichtshof eine bewußte Ueberschreitung der Grenzen der Wahmehmung berechtigter Interessen, was bei allen übrigen Wendungen weder in der Sicgener Versamm- lung, noch in der zu Laaspe stattgehabten der Fall war. Der Widerbeklagte war sonach der Beleidigung des Angeklagten in einem Falle für schuldig zu erklären. Bei der Sttafabmeffung war auch hier zunächst zu prüfen, welches Maß von Ehre dem Beleidigten innewohnt. Da ist nun alleidings in dem be- kannten Vorprozeß festgestellt, daß der Angeklagte häufig in sehr leichtfertiger Weise von der Wahrheit abgewiesen ist. Aus diesem Grunde war der Vorwurf der Doppelzüngigkeit, der sonst sehr schwer ins Gewicht fällt, nicht allzu schroff zu ahnden. Perewe und Nersammlungen. Berichtigung. Von Herrn Oskar Hantelmann, Dorothccn- straße 32, erhalten wir folgendes Schreiben mit der Bitte um Veröffentlichung desselben.— In dem in Nummer 161 des „Berliner Volksblatt" enthaltenen Bericht über die Versamm- lung der Zimmerleute in der Viktoria-Brauerei am letzten Sonntag find verschiedene Unrichtigkeiten enthalten, du ich hiermit zu berichtigen bitte. Für's erste gleich sind vre Worte, die mir bei der Eröffnung der Versammlung in den Mund find, unrichtig. Ich habe eben die beiden eingegangenen —- �* y# ort— f.>»»»» i»»»» � � j. r_ r r.— Cltai JUIV, V, ywv vvv.»----- r"'C* y IC. Ir träge verlesen und angefragt, ob die Versammlung dieselben akzeptiren oder weitere Vorschläge machen wolle. Dann waren die Vorschläge auch alle beide so, daß nickt alle vier Herren Kommissionsmitglieder waren, folglich konnte so eine Aeußerung von meiner Seite nicht fallen. Alsdann hat die Versammlung es ja selbst anerkannt, daß bei Buggenhagen beschlossen wurde, eventuell auch durch den Maurerstreik in Mitleiden- schaft gezogene Zimmerer zu unterstützen. Die Angriffe, die in der Versammlung gegen meine Person gerichtet waren, gingen eben nur von drei Herren aus, fanden aber in der Vcsammluag keinen Anklang, da außer diesen Dreien kein Redner aus der Versammlung auftrat, um gegen mich das Wort zu nehmen, sondern alle für mich sprachen, und hätte ich eine Neuwahl an- nehmen wollen, wäre ich auch mit großer Majorität wieder- gewählt worden. Dann ist noch dorm ein Jrrthum begangen, daß geschrieben steht, ich hätte die zweite Versammlung in der Linienstraße einberufen. Dieses ist Sache des Krankenkassen- Vorstandes und nicht die meine; ich habe folgendes geantwortet: Mit schwerem Herzen und nur auf Drängen verschiedener Platzdeputirter habe ich die heutige Versammlung einberufen, da ich ebensogern als Delegirter der Kasse auch in der Linien- flraße zur Berathung mit anwesend gewesen wäre. Der Fachverein der Drechsler, Knopfarbeiter und verw. Bcrufsgenossen hielt am Dienstag, den 14. d. Mts., im Lokale Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117, eine sehr schwach besuchte Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Kassenbericht. 2. Beschlußfassung über die Vereinigung der beiden im Drechslcrfach bestehenden Vereine. 3. Verschiedenes und Fragckasten. Nach der Erledigung des ersten Punktes er- griff der Voisitzende Schräder das Wort. Derselbe wies zu- nächst auf die Vortheile der Vereinigung hin, erinnerte an den letzien Vereinsbeschluß, welcher in der vergangenen Mitglieder- Versammlung gefaßt wurde und forderte die anwes.nden Mit- glieder auf, diesem Beschlüsse, Antrag Btoench(Veränderung des Vereinstitels) beizustimmen. Im Weiteren wies der Redner auf das Ziel der Fachvereine, die Zentralisation derselben hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Vereinigung beiden Theilen zum Vortheil gereichen. Ein Antrag Hoffmann, diesen Punkt des schwachen Besuches wegen von der Tages- ordnung abzusetzen, wurde abgelehnt. Der nächstfolgende Red- ner, Herr Oskar Thun, trat für die Beibehaltung des jetzt be- stehenden Titels ein und erklärte unter Andern, daß, wenn er früher so„schlau" gewesen wäre wie heute, nur ein Fach- verein der Knopfarbeiter, mit Ausschluß der Drechsler, gegrün- det worden wäre; in demselben Sinne, nur noch etwas drastt- scher, sprach fich Herr Anders aus, der sogar den Wunsch äußerte, da die Knopfarbeiter die große Majorität des Vereins bilden, die Knopfarbeiter„im Titel vor die Drechsler zu setzen". Nachdem mehrere Vorstandsmitglieder, besonders die Herren Schräder und Moench, den Ausführungen des letzten Herrn Redners entgegen getreten waren, wurde der Antrag Moench abgelehnt. Darauf wurden den streikenden Maurern 20 Marl bewilligt. Der Kasfirer forderte auf, sämmt- liche„Streiklisten" fremder Gewerkschaften an ihn sofort ab- liefern zu wollen. Nach Beantwortung einiger Fragen drückte der Vorsitzende sein Bedauern über das Zerschlagen des Vereinigungsprojcktcs aus und erklärte, daß sowohl er wie auch verschiedene andere Vorstandsmitglieder gezwungen find, in der nächsten Versammlung ihr Amt niederzulegen. An die Vergolder Berlins. Kollegen! Seit unserem letzten Streik ist unsere Organisation zerfallen, machtlos mttffen wir fortwährende Lohnrcduzirungen über uns ergehen lassen; ist dagegen eine Aufbesserung der Löhne nicht dringend noth- wendig? Blickt Euch um! Wie stehen wir da? Soll es so weiter gehen, daß jeder Einzelne der Willkür seines jeweiligen Arbeitgebers wehrlos preisgegeben ist? Kollegen! Jede andere Gewerkschaft macht gewaltige Anstrengungen, ihre Lage zu ver- bessem, nur bei uns find die Anstrengungen nicht zu verspüren. Laßt das endlich anders werden! Oraanifirt Euch! Schließt Euch dem Unterstützungsverein der Vergolder und Berufsae» nassen an. Kollegen, dieser Verein fichen den Mitgliedern die weitgehendsten Rechte, nach§ 1 des Statuts erhalten die Mit« glieder freien Rechtsschutz, Unterstützung bei Streiks, bei Unglücksfällen ohne Selbstverschulden, bei nothwendiger Auswan- derung im Unvermögensfall und bei Arbeitslosigkeit und zwar letzteres 13 Wochen lang. Die so oft vorgenommenen Lohn» reduzirungen lassen fich nur durch die Angst, arbeitslos zu wer» den, erklären; dies soll und muß anders werden. Wir können nicht glauben, daß Ihr Euch zu chinesischen Kulis wollt herab- drücken lassen. Um dieses zu hindern, giebt es nur ein Mittel. treter Mann für Mann ein in den Unterstützungsverein der Ver- golder und Bcrufsgenossen, der Beitrag beträgt zur Zeit nicht mehr als 20 Pfennige pro Woche. Kollegen! Laßt uns nicht stehen wie der Prediger in der Wüste und unsern Ruf ungehört verhallen, tretet Alle, die Ihr zum Vergolder-Gewerk gehört, in den Verein ein und Ihr werdet bald die segensreiche Wirkung verspüren. Der entsetzliche Alp, machtlos den Arbeit« gebern preisgegeben zu sein, muß verschwinden, aber nur eine starke Organisation kann ihn bannen' deshalb, Kollegen, wer gewillt ist, seine Lage und die seiner Familie zu verbessern, wer gewillt ist, die immer mehr umfichgreifende Versumpfung durch Reduzirung der Löhne zu bekämpfen, wer gewillt ist, daß die Sorge von ihm genommen sei, arbeitslos zu werden, wer ge- willt ist, mitzuwirken, die schamlose Schmutzkonkurrenz mit ihren widernatürlichen Auswüchsen auszurotten, der trete in den Unterstützungs- Verein der Vergolder und Berufsgenossen und das recht schnell, da am 29. Juli er. die definitiven Wahlen der gestimmten Verwaltung stattfinden. Wählt in den Welk- stellen Vertrauensmänner, welche die Anmeldung und das Beittagsammeln übernehmen. Anmeldungen nimmt der Kasfirer Montags Abends von 3—10 Uhr im Lokale des Herrn Köpnick, Magazin- und Schillingstt.- Ecke, entgegen. Sämmt- liche Publikationen, den Unterstützungs- Verein betreffend. werden im„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht. Der pro- visorische Vorstand. I. A.: Böhl, Ackcr-Straße 133. An die Fabrikarbeiter Berlin« und Umgegend. Collcgen! Wohl noch niemals find uns unsere Unterlassungs- sünden so deutlich ins Gewissen gerufen worden, als durch den unglücklichen Verlauf des Stteiks der Arbeiter der Anilin- Fabriken bei Treptow und in Rummelsburg. Ein Blick auf die Verhältnisse in diesen Fabriken muß Jeden, in dessen Brust noch ein menschliches Herz schlägt, überzeugen, daß der Noth- schrei der Arbeiter ein gerechtferrigter und daß Adhillfe unter allen Umständen nöthig war. Bedenkt man, daß im Jahre 1863, wo die Lebensmittel- und Miethspreise bedeutend ge« ringer waren, der Lohnsatz im Allgemeinen 22 Pfennige pro Stunde betrug, daß aber dieser Lohnsatz noch heute, asto nach 20 Jahren, gezahlt wird, und daß andererseits die Gesellschaft seit Jahren ein gutes Geschält macht, daß den Herren Direk- ioren durch Tantiemen ein Uberreichliches Einkommen zufließt, so muß man fich unwillkürlich fragen: wo nimmt man den Muth her, den gerechten Forderungen der Arbeiter entgegen zu treten? Kollegen! Wir haben hier nur die Anilinfavrik angeführt, find aber die Verhältnisse in anderen Fabriken besser? Frage fich ein Jeder selbst, ob in der Fabiik, wo er arbeitet. bessere Zustände vorhanden find, und die Antwort wird eine verneinende sein. Im Gegentheil, würden die traurigen Zustände, wie fie auch in anderen Fabriken vorhanden sind, ein- mal unter die Lupe der öffenttichen Meinung gebracht, es würden vielleicht noch ganz andere Dinge der Besprechung unterzogen werden müssen. Nun müssen wir uns aber fragen, haben wir irgend etwas gethan, um zur Verbesserung unserer Lage beizutragen? Nichts ist bis jetzt geschehen! Die Wenigen, die sich bisher zusammengefunden«m Kampfe für unsere gemeinsamen Interessen, auch sie werden erlahmen und un« muthig das Wirken einstellen, das keinen Segen verivricht. wenn Ihr Euch nicht aufrafft und Mann für Mann, Schulter an Schulter mit ihnen für Aufbesserung der Lage der ge- sammten Fabrikarbeiter eintreten werdet. Darum, Kollegen. »Ar. lo; laßt diesen Mahnruf nicht ungehört verhallen, sondem kommt zur Versammlung, um zu berathen, welche Wege betreten wer- den sollen, damrt unser Ziel, die Verbesserung unserer materiellen und geistigen Lage, erreicht werden kann- Nur vereint find wir eine Macht, inet der man rechnen muß, einzeln find wir nichts, nur vereint werden wir etwas zu erreichen im Stande sein! Darum erscheint Mann für Mann in der am Sonntag, d. 19. d. M., Nachmittags 4 Uhr, bei Keller, Andreas- straße 21, stattfindenden Versammlung. Tagesordnung: 1. Der verlorene Streik der Anilinarbeiter und unsere Organisation. 2. Abrechnung über den Streikfonds, eventuell Wahl einer Revifions-Kommisfion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Laßt Euch durch Nichts am Erscheinen abhalten, sondern seid am Platze. Mit kollegialischem Gruß Mietzner, Sorauerstraße 29. Hilde- brandt, Bntzerstraße 44. th. Die Generalversammlung der Schlosser, welche am 14. d. Mts. in der Viktoria-Brauerei stattfand, war nur schwach besucht. Auf der Tagesordnung stand: Bericht über den Stand des Streiks. Wie Herr Miethe mittheilte, streikten in der ersten Woche 8 verheirathete und 10 unverheirathete, in der zweiten Woche 11 verheirathete und 18 unverheirathete Gesellen. Von diesen find bereits wieder etliche in Arbeit ge- treten. Das Gesammtresultat des Streiks gestalte flch so, daß V» der Gesellen den zehnstündiger Maximalarbeitstaa inne hielten, während V» indifferent wäre. In Anbetracht des Umstandes, daß ein anderes Resultat schwerlich zu erzielen sein würde und die Zahl der Streikenden in stetem Abnehmen be- --------''"rage auszuwerfen, endet zu erklären dieselben Arbeit gefunden haben. Die Versammlung vertagte die Beschluß- fassuna darüber bis zur nächsten Generalversammlung. � Auch fassung darüber bis zur nächsten Generalversammlung. Auch die Wahl von 2 Kommisfionsmitgliedem, wurde vertagt. Darauf kam die Angelegenheit der Eisert'schen Werkstätte zur Sprache, welche von Herrn Äeier beschuldigt worden war, gegen den zehnstündigen Maximalarbeitstag zu sündigen. Herr Kurz, welcher schon 15 Jahre dort arbeitet, bezeugte indeß, daß die Werkftätte reell und gut in jeder Beziehung und die zehn- stündige Arbeitszeit schon seit dem Jahre 1873 dort emge- führt sei. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler rc. Der Vorstand der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin G. macht den Mitgliedern Folgendes bekannt: Auf Beschluß der letzten Mitgliederversammlung wurden zwei Zahlstellen kasfirt und zwar die bisher in der Gr. Franlfurterstr- 116 und Schillingstraße 30a belegenen. Dafür wurde eine neue Zablstelle errichtet. Die' Zahlstellen sür die Verwaltungsstelle G. befinden sich nun in folgenden Lokalen:_ 1) Fruchtstraße 69 bei Dommrich; 2) Gubenerstraße 2 bei Schabrodt; 3) Langestraße 90 beiPolz; 4) Gr. Frankfurterstraße 40 bei Jehnich; 5) Lichtenberger- straße 17 bei Weck; 6) Friedrichsbergerstraße 25 bei Lisse. Daselbst werden jeden Sonnabend Abend von 8 Uhr ab die Bei- träge der Mitglieder in Empfang Mm itguever m Empfang genommen und auch neue tglieder aufgenommen. Nach dem neuen Statut, welches seit 1. Juli d. I. in Kraft getreten ist, werden jedoch Personen, die das 40. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr aufge- nommen. Die neuen Statuten können von den Mitgliedern in oben genannten Zahlstellen in Empfang genommen werden. Besonders wird auf die im neuen Statut wichtigen§§ 6, 7, 10, 20 und 21 aufmerksam gemacht! Im Wesentlichen ist zu beachten: Wer länger als 6 Wochen seine Beitröge restirt, ohne daß ihm dieselben gestundet find, erhält im Erkrantungsfalle nur die gesetzliche Mindestlei- st u n g. Weil es nun so vielfach vorkommt, daß seitens der Arbeitgeber die Krankenbücher garnicht oder nur sehr mangel- Haft köntrolirt werden, so ist es jedes Mitgliedes Pflicht, da- », daß seine Beiträge nicht postnumerando, für Sorge zu tragen,„,_„,.. sondern pränumerando bezahlt werden, damit solche Verluste nicht vorkommen können. Auch ist zu beachten, daß diejenigen Mitglieder, welche vor dem 1. Oktober 1884 das 40. Lebensjahr überschritten hatten, bis dahin der 4. Klasse angehötten und beim Inkrafttreten des Statuts vom 1. Oktober 1884 in die 3. Klasse zurückversetzt wurden, unter Beibringung eines ärztlichen Gelundheitsattestes mit 6 Wochen Karenzzeit ohne Beschränkung der Altersgrenze bis zum 1. September d. I. wieder in dre 4. Klasse eintreten können. Aus Dresden erhalten wir folgendes Schreiben von Herrn Stelzer, welcher in der letzten hier abgehaltenen Ver- " i6 Referat übernommen hatte: sammlung der Klavierarbeiter das Bei meiner Anwesenheit in Berlin �sprach ich in der am ver» gangenen Sonntag stattgefundenen Versammlung der Klavier- niachcr in Sanssouci. Nach dem Bericht, welchen das„Berl. Volksblatt" über diese Versammlung brachte, soll ich gesagt haben:„die Kollegen in der Fabnk„Apollo" seien seit acht Wochen ausgesperrt worden"; dieses beruht jedoch auf Jrrthum. Der Streik' der„Tischler" dauert jetzt acht Wochen, die Aus- sperrung jedoch in benannter Fabrik erst 1'/, Woche: ich ersuche Sie noch hinzuzufügen, daß die„Zusammcnsetzer" wegen des kollossalen Abzuges von 22-33'/, pCt. schon 3 Wochen streiken und in Folge dessen die andern Arbeiter ausgesperrt wurden, jedoch nicht, wie berichtet, seit 8 Wochen, sondem erst seit IV, Wochen. Weiter ist, was das Gehalt des Direktors anbetrifft, zu berichtigen, daß ich nur gesagt habe:„der 13000 wegen," daß dieses jedoch nur ein Gerücht sei, worüber ich nichts Be- stimmtes erfahren konnte. Oeffentliche Generalversammlung der Schlosser und Verufsgenossen, Sonnabend, den 18. d. Mts., Abends 8'/, Uhr, in Feuersteins Lokal, Alte Jakobstt. 75. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung über den Stteik. 2. Wahl zweier Kommisfionsmitglieder. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung find alle Schlosser und Berufsgenossen einge- laden. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeiter.(E. H. 29, Hamburg) Filiale Berlin vi. Versamm- lung am Sonntag, den 19. Juli, Vormittags 10 Uhr, Elisabeth- kirchstr. 6, bei Kilian. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro Mai-Juni. 2. Wahl eines Beitragsammlers. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Quittungsbuch legittmirt. Krankenkasse für deutsche Gärtner. Am 23. bis 25- Juli findet die erste große Delegirtenversammlung dieser Zenttal- lasse in Eharlottenburg im„Türkischen Zelt" statt. Es find von den ca. 6000 Mitaliedem 20 Abgeordnete gewählt, wovon 3 aus Berlin, 3 aus Charlottenburg, die übrigen aus verschie« denen Städten Deutschlands, fich mit den Angelegenheiten der Kasse beschäftigen werden. Zu Ehren der Delegirten wird am Sonnabend ein„Sommernachtsfest" veranstaltet. Der Ueber- schuß fällt der Krankenkasse zu. Enttee 75 Pfg. Freunde und Kollegen find freundlichst eingeladen. Kranken- und Begräbnistkasse des Vereins sämmt- licher Berufe.(E. H.) 4. Zahlstelle. Sonnabend, den 18. Juli, Abends 8'/, Uhr, Versammlung, Flottwellstraßen- und Karlsbad-Ecke bei Kuß. Neue Mitglieder werden daselbst auf- genommen oder beim Kassirer O. Zopff, Steglitzersttaße 92, Abends von 8-9'/, Uhr und Sonntags von 1—3 Uhr. Die Versammlung der Mitglieder der Zentral- Kranken- nnd Begräbnistkasse der Sattler und Berufs- ponntag nis genossen findet am Sonntag nicht statt. Den Klaviermachern zur Nachricht, daß die Quittungen Tischler über gezahlte Unterstützungen fich der Könil_ Herrn Zubeil, Waldemarsttaße 73, befinden, und bittet man, dieselben dort zu erheben. Arbeiter- Bezirksverein für den Osten Verlins. Große Familien-Landpartie nach Grünau am Sonntag, den 19. Juli. Abfahtt vom Görlitzer Bahnhof Morgens präzise 7 Uhr 30 Minuten. Billets A 85 Pf. find bei Meper, Fruchtfttaße 36», Börner, Markus- sttatze 35» III., und Schulz, Friedenstraße 72, zu haben. Da für Vergnügen und Ueberraschungen aller Art bestens gesorgt ist, so bittet das Vera nügungs-Komitee um recht rege Betheiligung der Mitglieder. Gäste können ebenfalls Tyeil nehmen. Der Verein der Hinsetzer Berlins hält Sonntag, den 19. Juli, Vormitt. 10 Uhr, im Vereinslokal, Neue Fnedrich- sttaße 44, seine regelmäßige Vereins-Versammlung ab. Tages- ordnung: 1. Antrag des Vorstands in Betteff eines Rechts« schutzes. 2. Verschiedenes und Fragekasten.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. Billets zum Som» mervergnügen am Montag, den 20. d. Mts., find in der Ver- sammlung zu haben. Aufforderung! Die zur Prüfung der Angelegenheit des SRüllcr kontra Schmädicke gewählte Kom- Drechslers Julius„ W misfion ersucht alle Diejenigen, welche Entlastungs- oder Be- lastungsmatcnal in Händen haben, ebenso die ehemaligen Vtit- glieder der Lohnkommission der Drechsler und der Stteik- Kommission der Knopfmacher, das betreffende Material der unterzeichneten Kommission so schnell als möglich schriftlich zuzusenden. Julius Kreutz, Skalitzerstt. 28, Werner, Manteunel- straße 71, Tabert, Koppenstt. 22», G. Schulz, Wienerstraße II, Kratzmann, Bergstt. 13. Jl Literarisches. Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlung beziehen: Der illustrirte„Neue Welt- Kalender" Jahr 1886. Verlag von I. H. W. D i e tz in Preis 50 Pf. Unter den verschiedenen Kalender- A> welche über ganz Deutschland, oder richtiger über Erde, wo deutsche Zungen reden, verbreitet find, n> „Neue Welt-Kalender", dessen neuester Iah'. vorliegt, eine achtungswerthe Stellung ein. In ern würdiger Weise, ohne den Humor auszuschließen, „Neue Welt-Kalender" seinen Zweck, ein Volksbuch im Sinne des Wortes zu sein, zu entsprechen. Wir glaube»� halb auch, daß das Büchlein es verdient, in jedem Haus!" Platz zu finden. Inhalt: Münzen, Maß und Gewichte zc.-■■ darium.— Post- und Telegravhenwesen.— MW Märkte.— Vergleichende statistische Ueberficht der Mf Reichstagswahlen von 1881—1884.— Im Kreis« Jahres. Vignette mit Gedicht.— Moorland. Erzähl Rodert Schweichel.— Der Vater kann Alles. Jll mit Gedicht.— Die Rache. Illustrationen von L. V dorfer.— Die Irrfahrt. Humoreske(illustrirt).-% buraer Französisch.— Ulrich von Hutten. Mit Jllufl — Mattoscnphilosophie. Von Reinhold Werner. Mit 3» tton.— Ein vergnügtes Stündchen. Illustration. Mädchen von Colberg. Von Rudolf Lavant. Mit Jl> — Fixsteme, Kometen und Sternschnuppen. Von Köhler. Mit Jllusttationm.— Ueber Blitzröhren, l-. sttationen.— Vergleichende Tabelle verschiedener GesiW reiten.— Ländliche Kinderquadrille. Illustration von schcl.— Die Festrede. Humoreske mit Illustrationen. andem eine Gmbe gräbt, fällt selbst hinein. Acht tionen von O. E. Lau.— Madame Rscamir. Mit — Droben im Wald. Erzählung von Wilhelm JensK Illustration.— Letzter Trost. Gedicht von Albert Ä Die Näthenn. Gedicht mit Jllusttation. Von I.% Obdachlos. Mit Jllusttation.— Der Schlangen meifal Zählung von Domenico Ciampoli.— Der Raubschütz.' Wrr von Nrc. Lenau.— Der Herr Bonjour un Mercy ist ganz IM Penode: «scheint täg Berlin frei Postabonnerr (l Der heu Abonnenten tagsblatt" b Wir bek Illustration.— Aus den Erlebnissen des Bruder St> anae auf der Wanderschaft. Mit 6 Illustrationen."} Räthsel, Charade 2c.— Wandkalender.— 4 Bilder auf druckpapier: 1. Ter erste Zwist; 2. der alte Freier:- gefällig: 4. Aber, Herr Nachbar! Kriefkaste« der Redaktion. N. N. Spremberg..Herrn W. Weidner, haus in Dresden, Kleine Brüdergasse 9, I. K. G. Sie müssen Ihre Forderung einklagen.. schlaanahme des Lohnes ist unzulässig. Markgraf, Andreasstrasse. Die Aufnahme eii» länders in den Unterthanenverband eines der deutW desstaaten kann rcchllich nicht erzwungen werden. vollkommen in das Ermessen der Behörden gestellt, Naturalisationsgesuch ohne Angabe von Gründen K kann. I. M. Darlehnsforderungen verjähren in 30, Die Klage gehört bei einem Darlehnsbettage bis z» vor das Amtsgericht, über 300 Mark vor das Lant H. W. Für den Fall, daß Sachen Ihrer Ihrer Kostenschulden gepfändet werden, ist dieselbe die Freigabe derselben zu verlangen. Oskar 99. 1) In die Geheimnisse der Sp wir nicht dermaßen eingeweiht, daß wir uns erlau. zu entscheiden, ob das Vierblattspiel zu den Hasardfr hört. Das Hasardiren ist nur dann strafbar, wen» demselben ein Gewerbe macht. 2) Der Smeler in kann, ohne gereizt zu sein, passen; er wäre aber hübl wenn er dieses thäte. Pattke, Dennewitzstraste. 1) Bigamie wird i Haus bis zu 5 Jahren bestraft. Im Falle mildernder 1 ist Gcfängnißsttafe, jedoch nicht unter 6 Monaten. 2) Wissen wir nicht. C. H. Zu der damaligen Zeit war in Frankr zug auf die Rekmttiungsgeschäfte, das sogenannten� tionswesen gebräuchlich, nach welchem wohlhabende eine schlechte Nummer gezogen hatten, einen Stcllver konnten. Theater. Belle-Alltance-Theater. Heute: Der Aktienbudiker. Neues Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Geschiedene Frauen. Eensial-Kraukm- und Kierbckasse der Fabrik- and Landarbeiter b. G.(§&) (Filiale Berlin). Zu unserem am Sonnabend, den 18. Juli 1885, stattfindenden Sommer-Fest in KeUer's Holjäger, Hasenhaide, erlauben wir uns hierdurch die Mitglieder, sowie deren Ver- wandte und Bekannte, Freunde und Gönner der Kasse noch- mals steundlich einzuladen. Billets find zum Preise von 25 Pf. an allen Zahlstellen der Kasse, sonne berm Bevollmäch- tigten E. Denzig, Zossenersttaße 33, Hof Iii., beim Kassirer O. Völkel, Wrangelfttaße 98, vorn in., und m den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Enttee an der Abendkasse 30 Pf. Um rege Bethciligung bittet Der Vorstan" gez. R. D e n z i g. Sonntag, den 19. Juli, findet die nerren-lian dpartie ttf jachvttüus fir Schlosser oud Kerifsgeoossell statt. Abmarsch um'/,? Uhr vom Brandenburger Thor. Zur zahlreichen Theilnahme werden die Kollegen ersucht. 11635 Aufforderung! Wir ersuchen alle Diejenigen, welche noch im Besitz von unseren Quittungslisten sind(Sammellisten zum Tischlerstreik), solche bis spätestens Sonntag, den 19. Juli, zurückzuliefern; fpüter einlaufende Listen werden tn der Abrechnung nicht' auf- geführt. Central-Lohukomnrisfion der Tischler!� I. V.: R o e d e l. General-Versammlung des Vereins)nr Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter am Sonnabend, den 18. Juli. Abends 8'/, Uhr. Kommandantenstrasse 77—79. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal. Schiedsgerichte. Referent: Kollege Hauke. 3 und Fragekasten. Gäste willkommen. Um rege Betheiligung bittet 1642] Der V o r st a n d 2. Die gewerblichen Verschiedenes Am Sonnabend, den 18. Juli, Abends 8 Uhr, findet im Schützenhause zu Köpenick eine große Versammlung des Fachvereins der Bau- uud Fabrik- arbeiter statt. Tagesordnug: Vorttag des Doktors Herrn Lütgen ou über Volksschulen und höhere Schulen. Auf- nähme neuer Mitglieder.[1639 Fachverein der Tischler. Sonnabend, den 18. Juli d. I., Abends 8'/, Uhr, in Jordan's Salon. Neue Grünstrahe 28: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljahrsbericht des Vorstandes, der Bevollmächtigten und der Arbeitsvermittler. 2. Rechnungslegung über einge- angene freiwillige Beiträge für auswärtige streikende Tischte . Ersatzwahl der Arbeitsvermittelungs-Kommijsion und d< Vergnügungs-Komitees. Verschieoenes. er. des rmiltelunge Antrag Bog und Anttag Vogt. [1637 Der Vorstand. reitaa. den 17. Juli. Abends 8 Uhr. bei Herrn Fey, Brunncnsttaße 140: Vetlilimlniig der Aibeiterimen in der Flanell» und Fancy-Hosen-Branche.[1625 General-Versammlung des Vereins der Aattter uud Fachgeuoffeu Sonnabend, den 18. Juli, Abends 8V» Uhr. in Gratwetl's Bierhallen. Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1 Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Revisorenwahl. 4. Verschredenes. ngio Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. QuittungS- buch legitimus." DerVorstand. Große öffentliche Volksversammlss für Fnedrichsberg, Lilülenberg u IW findet im Saale de6 Herrn Restaurateur Sp'� Frankfurter Allee 193(früher Wulff, am Sonntag, den 19. Juli, Vormittags Ii1/» Tagesordnung: über Arbeiterschutzzesetz err Friedrich Arndt, Schuhmm Vottrai Referent: Bernau. Zur Deckung der Unkosten ein Entree nach Der Einb-r' Große öffentlicheVersamiild 1. Der Organisation. 2. Abrechnung über den Sircikfon� Wahl einer Revifions-Kommisfion. 3. Verschieden� Hin anhfr(»trfir>rt cr\.„ /p* D( Um zahlreichen Besuch bittet Der Einb�. II#'' im»»vrras-Garien,«nvreasirravr' ÄußcrordeiM. offmU. SmnUwkl»-. aller Berliner Möbelp-l'' Zu einem freundl. mübl. Zimmer(Eing---- Verantwortlicher Redakteur«. Sronhei« in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW, Beuthstraße 2." haben und d, nisse in Deu d i g e n d", sich auch steti für daS Ohr wahr wäre, Z e i t u n g", die Kölnische legenheiten fi Indessen zu hören, n Volksvermög sucht. Die„K° Handelskamn will, daß die nicht stattfän mehre. Die bei der Darf lichst schönfä tung." Wa wenn man o Klassen habe Inspektoren, standes? W kräfte vorhai Arbeitsn und er wird die Nachfrag mäßig starkei lichen Arbei sogar in den die doch von sind, zahlre werden— i Entlassungen ist nur der Hauptorgan stellen. Ma land so gut Verhältnisse! wozu dann Itaichdnu!«rb-U und *(0" 51 iitr MilmM am Sonntag, den 19. d. M.. Nachmittags in Äkller's Lokal. Andreasstrape � i636|_ Taaes ordnung:. � ,*/ w h v» W l V II U II U.„ckj verlorene Streik der Anilin- Arbeiter � l. 2. Abrechnung über den Streikfon� Sonnabend, den 18. d. M.. Abends 9,%: m Andreas-Garten, Andreasstrahe v..-- o«c vil' anuon. o � gewerblicher Schiedsgerichte.. Abrechnung über den Dresdener Polirsttefl. Daß alle Polner erscheinen und diese Vetta�I her unter allen Kollegen bekannt machen, erwartet, l«t Wahrung der Interessen'?» Berliner 9�' __ J�A.: Robert Weber��M