Nr. 165. Svtmakend, den 18. Juli 1885. II. Jahrg. ichhandkiU der" ß in nder- über find, ni :r Iah In cnv ießen sbuch im Ar gl«' Jl leg. hte jc.- � iT Ä it Kreislck 6ri von L. irt).- J stration." Mit Jll» ner GeM ion von rationen.� i. Acht r. Mfi Im JensA Albert S on I.& ngcnmeil inbschü Nercy' über& onen._ ilder auf Freier;] Brgan für die Interessen der Arbeiter. .. r x cm Das„Berliner Volksblatt" (Erngetragen m der PostzertungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Znferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. »..Der heutigen Rummer liegt für«ufere auswärtigen �Meuten die Nummer 33 des„Jllustrirtes Sonn- tagsblatt" bei. klagen. ahme ei� r den' den stellt, rrt nden zu« •i in Ä bis zu Lan�t hrer& dieselbe r Spö erlau' Hasard , wen« icler ,n )er hüb t wird vernder� ionatcNf Jronfi rannten� abend«/ -tcllve Ilm!« r©piS'1 11k«' d Son� rhmach«� vas Volksvermögen. Wir bekommen einmal etwas Neues zu hören und das rst ganz angenehm in der hochsommerlichen sauren Gurken, Penode: Wir erfahren, daß wir seit Jahren uns getäuscht haben und daß die Erwerbs- und wirthschaftlichen Verhält- nisse in Deutschland eigentlich„gar nicht unbefrie- digend", sondern im Gegentheil höchst günstig sind und sich auch stetig zum Besseren entwickeln. Das wäre Musik für das Ohr so manchen armen Teufels— wenn es nur wahr wäre, und leider ist eS auch nur die„Kölnische Zeitung", die es sagt. Wir sagen ausdrücklich,„nur die Kölnische Zeitung", denn dieses Blatt ist in solchen Angelegenheiten sicherlich der schlechteste Gewährsmann. Indessen mag es für unsere Leser doch interessant sein, zu hören, wie das rheinische Blatt seine Behauptung, das Volksvermögen sei in der Zunahme begriffen, zu beweisen sucht. Die„Köln. Ztg." beruft sich zunächst auf die Berichte der Handelskammern, in denen sie häufig die Bemerkung finden will, daß die Produktion sich steigere, daß Arbeiterentlassungen nicht stattfänden und daß die Zahl der Arbeiter sich ver- mehre. Die Handelskammern haben eben denselben Grund, bei der Darstellung unserer wirthschaftlichen Zustände mög- lichst schönfärberisch zu verfahren, wie die„Kölnische Zei- tung." Warum studirt man bei der„Kölnischen Zeitung", wenn man amtliche Quellen über die Lage der arbeitenden Klassen haben will, nicht lieber die Berichte der Fabriken- Inspektoren, als die Berichte der Vertreter des Handels- standes? Wer wissen will, wie viel„überschüssige" Arbeits- kräfte vorhanden sind, der mag nur die Statistiken der Arbeitsnachweis e-Bureaux zur Hand nehmen und er wird finden, daß das Angebot von Arbeitskräften die Nachfrage überall übersteigt, schon in Folge der über- mäßig starken Heranziehung von Frauen, Madchen, fügend- lichen Arbeitern und Kindern. In diesem Moment, wo sogar in den Staatswerkstätten, auf den kaiserlichen Werften, die doch von den allgemeinen Konjunkturen wenig abhängig sind, zahlreiche Entlassungen von Arbeitern vorgenommen werden— in diesem Moment sich zu geberden, als kämen Entlassungen von Arbeitern überhaupt gar nicht vor, das ist nur der„Kölnischen Zeitung" möglich, denn sie ist das Hauptorgan der Nationalliberalen und da muß sie so ent- stellen. Man begreift nur nicht, wenn es uns in Deutsch- land so gut geht und wenn die Arbeiter sich in so glücklichen Verhältnrssen befinden, wie das rheinische Blatt es schildert, wozu dann noch eine„Sozialreform" nothwendig sein soll. »Och»™« Oltt.tCT.] 5] Aeuill'eton. Das Mormonenmadche». Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.) o,"®ne Breitseite Grog für alle Hände und Ladung obend'rein l" kommandirte der Bootsmann, f-r :il(( beiter u rciffonW iÄ S'Ä treck- LerfL »artet er# c. doppelte der sich eichelt „.... dX offenstehenden Thören in das Gemach zu bücken vermochte, üßC* in welches sich Jansen nnd Rynolds zurückgezogen hatten, zssmmföm Punsch, ein Bündel langer Thonpferfen und ein BeHalter ISÄ sich wieder in neue Gruppen zusammen, ewige altere See- Gehilfen übertragen um mit seinem Busenfreunde ungestört in der Halle geführt worden war, wollte indessen aar nicht wieder in den Gang kommen; eS hatte den Anschein, alS wenn Alle erwarteten, daß der noch seefeuchte Bootsmann das Wort ergreifen und mit der Erzählung serner stingsten Erlebnisse vortreten würde. ,,.., Dieser verharrte indessen längere Zeit schweigend und blinzelte nur zuweilen nach dem Gemach der Gentlemcn hinüber, bis ihn endlich ein neben ihm sitzender Lotse durch eine hingeworfene Bemerkung, zum größten Ergötzen allei �illf Anwesenden, zum Sprechen zwang. Wir leben ja Alle„wie Gott in Frankreich"; wozu denn sich noch mit sozialen Reform-Jdeen abquälen? Aber mit alledem ist es noch nicht genug. Wir Alle haben bisher noch keine Ahnung davon gehabt, wie glücklich wir sind; wir find eben kurzsichtige Deutsche geblieben. Die „Kölnische Zeitung" aber fühlt in sich den hohen Beruf, uns über unser Glück, das wir nicht kannten, aufzuklären und uns mit eigener Hand in das volkswirthschaftliche Paradies unseres Vaterlandes einzuführen. Zu diesem Zweck wird uns folgender Trost gegeben: „Während der Bestand an in- und ausländischen Werthpapieren erwiesenermaßen steigt, wächst die Fläche des unter Anbau stehenden Ackers und die Ent- Wickelung der Kultur desselben, vermehren und verbessern ich die S tr a ß e n a n l a g e n in allerlei Gestalt mit- ammt den Verkehrsmitteln, nehmen Zahl und Be- chaffenheit der Gebäude aller An in stätigem Gange >eträchtlich zu, erfahren die gewerblichen Anlagen, die wissenschaftlichen und künstlichen An- stalten fortwährend Erweiterungen und Verschönerungen. Allen diesen in die Augen fallenden Zeichen des Fort- schritts gegenüber kann man unmöglich im Ernste von einem„unbefriedigenden" Stande der Erwerbsverhältnisse sprechen, zumal auch, was gewiß sehr wichtig für die Beurtheilung der �rage ist, Ernährung und Kleidung der Bevölkerung, so wie vielfach auch die Steuerfähigkeit augenfällig sich ver- bessern und die Armenlasten im ganzen sich kaum erhöhen. Es kann sich vielmehr bei den m Geschäfts- und Land- wirthschaftskreisen üblichen Klagen über mangelhafte Er- werbsverhältnisse in der Hauptsache nur um eine an- dere Vertheilung der Gewinne oder Er- trägnisse handeln, als früher stattfand." Wie schön! Allein wir haben schon in den Apfel vom Baume des Erkenntnisses gebissen und da ist in diesem Paradiese für uns kein Platz mehr. Die Zahl der Werthpapiere steigt! Das heißt denn doch nur, daß die aus den Geschäften und aus dem Handel gezogenen Unternehmergewinne in Werth- papieren angelegt werden. Welch ein vortrefflicher Trost für die Arbeiter, daß die Gewinne der Unternehmer steigen, wofür die Arbeiter lange Arbeitszeit und niedrige Löhne haben. Das erinnert an den bekannten Bremer Droschkenkutscher des Herrn von Helldorff, der des Nachts frierend und wartend auf seinem Bock saß und sich damit tröstete, daß sein Herr währenddem glänzend bewirthet wurde. Die„Kölnische Zeitung" scheint zu glauben, das deutsche Volk bestände aus lauter solchen genügsamen Droschkenkutschern. Kein Mensch wird leugnen, daß sich bei den im Ge- „Es ist mir ganz neu," sagte derselbe in geringschätzigem Tone, halb zu Jim Rast, halb zu dem Stelzfuß gewendet,„in der That, ganz neu, daß Kriegsschiffe der Ver- einigten Staaten auch zum Transport von Emigranten ver- wendet werden." „Sehr originell, und auch mir ganz neu," antwortete Raft, aber das Blauwerden seiner Narbe verrieth, daß er sehr wohl fühlte, gegen wen der Angriff eigentlich gerichtet sei. „Ich habe den Leoparden einlaufen sehen," fuhr der Lotse in derselben Weise fort,„und Ihr mögt mich blind nennen wie eine gemalte Stückpsorte, wenn ich über seinen Schanzen nicht einige Köpfe mehr bemerkte, als er mit in See genommen hatte, und zwar Köpfe, zu denen eine Theer- kappe gepaßt haben würde, wie ein Feuereimer auf dem kahlen Schädel eines katholischen Heiligen." »Ich bestreite nicht, daß der Leopard beim Einlaufen einige Dutzend Köpfe mehr zählte, als beim Auslaufen," antwortete Raft, und der Barometer in seinem Gesicht deutete wieder auf ruhiges Wetter, denn er mochte wohl zu der Ueberzeugung gelangt sein, daß eine aus Neugier hin- geworfene Frage schließlich nicht immer eine Beleidigung enthalte.„Ja, einige Dutzend Köpfe mehr," wiederholte er sinnend, nachdem er einen tiefen Zug aus seinem Glase gc- than und eine der langen Tonpfeifen gefüllt und in Brand gesetzt hatte;„aber an den Beinen will ich mich aufhissen lassen, und zwar an der Raae des ersten besten, schmutzigen, kauderwelschen Franzosen, wenn zu dem meisten dieserKöpfe eine Theerkappe nicht eben so gut paßt, wie zu einem Lotsen- schädel!" Der Lotse zog einen schiefen Mund, kniff ungläubig sein rechtes Auge zu und schleuderte kurz hinter einander, wie eine Fumarole, ein halbes Dutzend dichter blauer Dampf- wölken mit Heftigkeit von sich. Raft bemerkte die Zeichen und deutete sie ganz nchtig. Er antwortete aber nicht sogleich, sondern ließ, um die Neu- gier seiner Zuhörer noch mehr auf die Folter zu spannen, ein eigenthümlich grimmiges Lächeln des Selbstbewußtseins um seine Lippen spielen. cm Nach einer Pause nahm er die Pfeife aus dem Munde sammtinteresse errichteten öffentlichen Anstalten und Anlagen — Verkehrsmittel, Gebäude u. s. w.— ein Fortschritt kundgiebt. Diese Dinge bezahlt fast ganz das Volt mit seinen Abgaben, die hoch genug sind und deren Aufbringung ihm schwer genug fällt. Aber sind denn die durch Abgaben aufgebrachten öffentlichen Mittel ein Zeichen günstiger Erwerbsverhält- n i s s e? Deshalb kann das Einkommen des Volkes doch ein sehr niedriges sein, wie es in der That bei uns der Fall ist. Die„Kölnische Zeitung" spricht von wissenschaftlichen und künstlerischen Anstalten. Jawohl, das Volk bezahlt diese An» stalten zum größien Theil ohne für sich davon Gebrauch machen zu können. Der Arbeiter trägt mit seinen Steuergroschen zur Ausbildung und Unterhaltung unserer höheren Lehranstalten bei, kann aber seine Kinder doch nicht ausbilden lassen, um nur ein Beispiel anzuführen. Die Steuerfähigkeit verbessert sich, die Armenlasten er- höhen sich kaum, sagt die„Kölnische Zeitung". Die Herren Geheimräthe, die über der„Steuerreform" brüten, was werden sie davon denken. Wenns nur wahr wäre, werden sie sagen in dieser Zeit, da sich schon Finanzminister auf den parlamentarischen Tribünen über die wachsenden frucht- losen Sieuerexekutionen.beklagt haben. Und die Armen- lasten! Man weiß, daß es eine stehende Klage großer und kleiner Gemeinden allerwärts ist, daß sie mit Armenlasten in einer geradezu unerträglichen Weise überbürdet werden. Da der Pauperismus wächst, müssen auch die Armenlasten wachsen. Die„Kölnische Ztg." giebt den Pauperismus allerdings nicht zu. Dieses Blatt scheint wirklich zu glauben, in der rosigen Beleuchtung seiner„zahlungsfähigen Moral" nehme sich unsere wirthschaftliche Kalamität wie ein Paradies aus. Einestheils ist es frivol, das Publikum so über seine Lage täuschen zu wollen; anderntheilS aber ist eS auch albern. Denn die Masse des arbeitenden Volkes, das feine Noth täglich und stündlich fühlen muß, läßt sich durch solche Gaukeleien über die Wirklichkeit nicht täuschen. Politische Ueberficht. f Der»ationalltberale Neichstagsabgeordnete Buhl hat bekanntlich ein„warmes" Herz für die Arbeiter, es treibt ihn, auf eigene Faust in Sozialreform zu machen. So hat er bei der pfälzischen Handels- und Gewerbekammer eine U n- tcrsuchung derFrauen-, Kinder- und Sonn« tagsarbeit in Fabriken ange: egt, welche große Beach« tung gefunden haben soll. Paiteigenoffen des genannten Herrn sollen willens sein, auch in Sachsen und Preußen an die Handelskammern mit solchen Anträgen heranzutreten. Die arbeiterfreundlichcn Herren wollen der Regierung an die Hand gehen, fie wollen vorarbeiten, damit eine sich über daS ganze und wies mit der Spitze derselben nach dem„Gemach der Gentlemen" hinüber.„Dort sitzen ein paar Passagiere des Leoparden," hob er endlich an, und indem er sich etwas über den Tisch lehnte, benutzte er den Augenblick, in welchem die Aufmerksamkeit Aller sich der angedeuteten Richtung zu- wendete, seinem Freunde Stelzfuß in'S Ohr zu flüstern: „Verdammte Landpiraten! ich muß signalisirt werden, wenn sie Anker lichten!" Der Sielzfuß nickte zustimmend und entfernte sich auf einige Minuten aus der Halle, und bald darauf hingen die Blicke aller Anwesenden wieder an dem Munde des Boots- mannes, von dem man nunmehr einer weiteren Erklärung seiner geheimnißvollen Worte entgegensah. „Ja, richtige Passagiere des Leoparden. Könnten Euch ein Garn spinnen, wie sie an Bord des Leoparden gekommen, ein Garn, länger als eine Lothlinie; ja, das ist originell." Wiederum griff er nach seinem Glase, und indem er dasselbe langsam an die Lippen führte, weidete er sich an der Spannung seiner Zuhörer, die allmälig, näher zu ihm herangerückt waren und ihn in dichten Gruppen umgaben. Endlich, nachdem er sich noch einmal heftig geräuspert und eine neue Pfeife angezündet hatte, begann er: „Kommt der Leopard aus den westindischen Gewässern, wo er so lange gekreuzt, um auf den Neufundlandbänken einen kurzen Ausguck zu halten. Eine steife Bö aus West, Süd- west bei West; Kours: Nordnordwest bei Nord; halbe Dampfkraft; dichtgereeftes Großmarssegel, Großsegel, Fock, Vorstengestagsegel und Besahi stagsegel. Alle übrige Leinwand eingeholt und zierlich zusammengefaltet, wie'n Sonntag- nachmittags-Hemde, oder das Taschentuch einer Brautjungfer. Ganz originell!— Weht also, daß die Haare vom Kopfe fliegen, und dazu macht der Himmel ein Gesicht, wie'n Midshipman vor einem versalzen en Reispudding; und haben die Seen weiße Perrücken, daß der gepuderte Leib- kutscher der Königin von England sie darum hätte beneiden mögen.", „Denke, Ihr müßt schon solchen Leibkutscher gesehen haben?" unterbrach der Lotse den redseligen Bootsmann. „Goddam, mehr wie einen!" antwortete Rast, indem er zwei Dampfwolken, eine durch die Nase und die andere �üeste» Reich erstreckende Enquete„zweckmüßiqer� ausfülle- Schade nur, daß dabei nicht gefaßt wird, in welcher Weise die Unter- suchungen stattfinden, ob die Handelskammern, Fabrikanten oder die Arbeiter gefragt werden und aus welchen Elemenien die Untersuchungskommisston zusammengesetzt werden soll. Dem Anschein nach will man mit der Untersuchung die Handels- kammern betrauen, die stch dann natürlich wieder an die Fa- brikanten wenden und von diesen nähere Aufschlüsse einziehen werden. Höchstens wird noch hier und da ein„verständiger" Arbeiter über seine Anficht befragt und die„gründliche" Un- tersuchung ist fertig. Die Stellung der Handelskammern sowie der Fabnkanten zu obigen Fragen ist längst bekannt, von ihnen haben die Arbeiter absolut nichts zu.rwarten. Soll eine gründliche Enquete vorgenommen werden, so kann das nur von Reichs wegen und in der Weise geschehen, daß zur Leitung derselben intelligente Arbeiter mit herangezogen werden. seine sächsische Gewerbe- und Jndustrie-Ausstellung soll im Fahre 1886 stattfinden. Wir haben nichts dagegen, obwohl hier eher ein Grund vorhanden wäre, gegen partiku� laristische Bestrebungen stch zu wenden, als Grund vorhanden ist, daß sächsische Partikularisten gegen die geplante nationale Industrieausstellung zu Berlin, die 1888 stattfinden soll, zetern. Wir haben in dieser Beziehung unsere Meinung schon gesagt, und wollten nur konstatircn, daß der„Bardikularist Bliemchen zu Dräsen" alle möglichen R ickstchten verlangt, stch aber gleich verletzt fühlt, wenn er glaubt, daß ihm irgendwie die nöthige Rücksicht versagt worden sei. Hoffentlich aber findet sich bei dieser Gelegenheit irgend eine sächsische Amtshauptmann- schaft, die erklärt, daß sie„kein Interesse an der sächsischen Industrieausstellung habe." So würde sich dann das Par- tikularistchen am Partikularisten rächen._________ Der oberschlefische�berg- und hüttenmännische Verciu hatte unter dem 16. v. M. an den Minister des Innern eine Petition gerichtet, in welcher um die Aufhebung oder mög- lichste Beschränkung der Ausweisungsmaßregel gegen rusfisch-polnische Arbeiter im Interesse der oberschlestschen In- dustrie unter Darlegung aller gegen die Maßregel sprechenden wirthschaftlichen Gründe gebeten ward. Auf diese Petition ist, wie die„Breslauer Zeitung" erfährt, folgender Bescheid er- gangen: Berlin, den 23. Juni 1885. Auf die Vorstellung vom 16. d. M., betreffend die Ausweisung russisch-polnischer Arbeiter aus dem oberschlestschen Grcnzbezirk, erwidere ich dem Vor- stände ergebenst, daß die darin gestellten Anträge einer näheren Prüfung werden unterzogen merden und dem Vorstand dem- nächst weiterer Bescheid von dem Herrn Ober-Präfldenten zu Breslau zugehen wird. Der Minister des Innern. I. A.: gez. v. Zastrow. Seitens des Herrn Obcrpräfidenten ist, wie man derselben Zeitung aus Oberschleflen schreibt, dem Vorstande des Vereins noch kern weiterer Bescheid zugegangen, doch deuten mannig- fache Anzeichen darauf hin, daß man regierungsseitig gewillt ist, bei Ausführung der Ausweisungsmaßrcgel den Interessen der oberschlefischen Industrie Rechnung zu tragen. So ist neuerdings einigen Arbeitern, welchen der Ausweisungsbefehl bereits zugegangen war, auf Verwendung des Werksvertreters hin gestattet worden, vorläufig auf weitere zwei Jahre zu blei- den.— Unsere Ansicht, daß vie Ausweisungen zunächst aus politischen Motiven erfolgen und nicht um die eigenen Landes- linder von dem Druck der anspruchslosen Arbeitskräfte zu befreien. wird durch diesen Bericht wiederum bestätigt. Der Herr Minister scheint den Klagen der Gruben und Hüttenbesitzcr ein williges Ohr geliehen zu haben und die Schlußfolgerungen der„Bresl. Ztg.", daß man regierungsseitig der oberschlestschen „Industrie" Rechnung tragen werde, oürften zutreffende sein. Die„christliche Charitas" ist in Deutsch'land zwar ein viel gebrauchtes Wort, aber eine weniger oft geübte Handlung. Betrachte man nur bei verschiedenen europäischen Staaten die Ziffer, welche das Maaß der Verpflegung Irrsinniger angiebt. Es kamen auf 100 Geisteskranke Verpflegte: 73 68 61 57 51 43 42 37 26 25 24 22 21 20 20 Christenthum", und wie In Wales Belgien Holland England u. Schottland Irland Frankreich Königreich Sachsen Schweiz Italien Baden Oesterreich Dänemark. Preußen Bayern Württemberg Das„praktische 100,000 Einwohner Geisteskranke: 168 153 305 340 305 244 221 291 165 268 146 218 223 248 422 die anderen schönen Schlagwörter heißen, erscheint durch diese Ziffern recht zwischen den Lippen durchblies.„Sah sie eigenhändig in ■London auf einem Wagen, der so blank war, als sei er eben erst frisch getheert worden, daS ist originell. Saß einer vorn auf dem Gallion und hielt die Gäule, die davonlaufen wollten, und standen zwei hinten am Stern auf'ner schmalen Laufplanken und führten das Steuer. Ja, ein Fahrzeug, wie'ne Nußschale, und doch zwei Mann am Ruderhelm; mußte dem Steuer schlecht folgen und schlingerte dabei wie'ne Hängematte. Hätte nicht d'rin sitzen mögen; bei Gott! wurde beim Anblick schon ■seekrank." Hier pausirte Rast, um die Asche in seiner Pfeife niederzudrücken, und nachdem er sodann einen gewichtigen Blick auf seine Umgebung geworfen, fuhr er wieder fort: „Ja,'S ist originell; Perrücken hatten die Seen auf- gesetzt, so kraus und weiß, daß der Leibkutscher der Königin von England sie darum beneidet hätte, wenn sie nach London gekommen wären, um sie ihm zu zeigen. Und nahm die Bö die Perrücken und machte Regen d'raus. �Ver- ■dämmt! Tropfen, so fein und scharf wie'ne Patent-Segel- nadel. Sage Euch, Jungens, hielt der Leopard die See, als hätte er sich auf einem Tanzplatz befunden, und stampfte so leicht und zierlich, wie'n vierzehnjähriges Mädchen, das hoch aufgeschürzt auf den Zehenspitzen über eine naß- .geregnete Straße hüpft. Das ist originell! Und klatschten die Seen vergeblich gegen die Schanzverkleidung, um auf Deck zu gelangen; machte der Leopard einen Diener, und oben saß er auf der nächsten See, daß die Perrücken sich in seinem Kupfer spiegelten und sich vor Schreck schäumend überschlugen. Ja,'s war'ne Freude, solch'ne Bö und solch'n Fahrzeug!— „Hatte die letzte Morgenwache und hatte mich am Gangspill festgestaut. War schon heller Tag, kommt aber eine Squall nach der andern herangesaust und macht es so dunkel, daß man einen Geitaublock mit einem Zwieback hätte verwechseln können.— Blicke hinauf zum Topmast: Alles in Ordnung; blicke aufs Vorderschiff: Alles in Ordnung. Schlägt die Wache acht Glocken; höre die Ablösung sich klar machen, schreit der Mann am Gallion: Schiff in eigenartig beleuchtet. Belgien, Holland und England stehen{ in der Jrrenpflege obenan, Frankreich, Italien, Schweiz nchmcn die Mitte ein, und als die letzten, das heißt als die, welche am wenigsten für ihre Kranken, und zwar für die Hilflosesten der Hilflosen, sorgen, erscheinen die deutschen Staaten. Zahlen beweisen, und in diesem Fall, wie windig es aussteht, wenn man einmal die Thatsachen untersucht und Worte Worte sein läßt. Zu Marine- und Militärzwecken dürsten voraussichtlich von der Regierung im Laufe der nächsten Jahre bedeutende Krcditsorderungen erhoben werden. Die Kreditsorderung für den Bau eines großen Nordostsee-Kanals, dessen fest in Aus- ficht behaltene Äauaufnahme wohl schwerlich noch länger be- zweifelt werden kann und für den die Baukosten bereits mit 156 Millionen Marl beziffert worden sind, nimmt dabei die erste Stelle ein. Auch bei der Beschlußfassung über die Erneuerung des Militärseptennats wird es nach den Organisations- Aenderungen, die dabei in Frage treten werden, voraussichtlich ohne eine wahrscheinlich ebenfalls recht beträchtliche Erhöhung dcs Militäretats nicht abgehen. Ob vor Ablauf der nächsten drei Jahre, für welche der Bedarf der Marine auf Grund der letzten Denkschrift derselben bereits bestimmt worden ist, für neue Schiffsbauten k. schon vor Ablauf dieser Frist eine Neu- und Nachforderung erhoben werden wird, muß als zweifelhaft erachtet werden. Die durch das Eintreten in die deutschen Kolonisations- Bestrebungen seit jener früheren Bestimmung durchaus veränderten Bedarfsverhältnisse lassen jedoch auch diesen Fall als möglich erscheinen. Voraussichtlich wird bei der Einbringung oieser Kreditforderungen eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden, und deuten mehrfache Anzeichen dahin, daß die Forderung für den Kanalbau allen anderen etwaigen Ansprüchen vorausgehen dürfte. Eine voraufgehende Beschlußfassung über die Erneuerung des erst mit dem 31. März 1888 ablaufenden gegenwärtigen Militärseptennats, wie ßf neuerdings mehrfach als möglich und wahrscheinlich hinge- stellt worden ist, verbietet sich hingegen schon um deswillen, weil zur Feststellung der nächststebe ajährigen Armeestärke doch unbedingt erst das genaue Ergebniß der nächsten Volkszählung abgewanet werden muß. Die Statuten der Berufsgenossenschaften, welche von den im Laufe des Juni d. I. abgehaltenen Genossen- schasts-Vcrsammlungen beschlossen wurden, find nunmehr seitens des Reichs-Verfichcrungsamts auf Grund des§ 20 Absatz 1 des UnfallversicherungSgcsetzes sämmtlich genehmigt worden. Die betheiligtcn Betnebsuntemchmer haben sich demnach nach Bekanntmachung des Reich? Versicherungsamts fortan mit ihren Anträgen hinfichllich der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgenossenschaft, hinsichtlich der ihnen zustehenden Stim- menzahl jc. stets zunächst an die zuständigen provisorischen Genossenschaftsvorstände zu wenden, welche stch im Besitze des aesammten Listenmaterials befinden und die Verwaltung der Berufsgenosscnschaften nach Maßgabe der gesetzlichen und sta- tutarischen Bestimmungen führen. Eine Besichtigung der Austernbänke an der Nord- küste Schleswig-Holstcins hat auf Anweisung des Ministers für Landwirthschafi und Domänen im verflossenen Jahre durch Fachmänner der Universität Kiel und Verwaltungsbeamte der Regierung zu Schleswig stattgefunden. Das Resultat der Besichtigung hat ergeben, daß dre Austernbänke in den nächsten drei Jahren noch mcht in Benutzung genommen werden dürfen. Es habe sich zwar— so wird von den Kommissarien gemeldet — eine reiche Besamung der Bänke gezeigt, die Entwickelung der jungen Austern aber bedürfe nun auch einer mehrjährigen Ruhe, wenn man von der Austernzucbt irgend ein günstiges Resultat erzielen wolle. Für die Staatskasse erwächst aus dieser Schonzeit ein nicht geringer Ausfall, der sich alljährlich auf ca. 65000 M. beziffert. Das Gesetz, betreffend die Pensionirung der Volks- schullchrer, welches— wie schon gemeldet— nunmehr die Genehmigung des Königs erhalten, hat in den Verhältnissen einer besonderen Kategorie von Lehrern ein bedauerliches Miß- verhältniß hervorgerufen; es find dies die Lehrer an den so- genannten Mittelschulen. Diese Lehrer find nämlich in dem neuen Penfionsgesctz nicht mit einbegriffen, wiedemm aber auch auf der anderen Seite von den Wohlthaten des Pensionsae- fetzes für die höheren Lehranstalten ausgeschlossen, so daß für sie eigentlich nunmehr kein bestimmter Modus besteht, nach welchem sie zu pensioniren sind. Der Grund für dieses Miß- verhältniß ist darin zu suchen, daß diese Unterrichtsanstalten nach den für die sogenannten Volksschulen erlassenen gesetz- liehen Bestimmungen nicht in die Kategorie der letzteren mit einbegriffen sind, da sie, obschon sie nicht zu den eigentlichen höheren oder Gelehttcnschulen(Gymnasien k.) gehören, doch einerseits ihren Schülern eine Höhere Bildung zu geben ver- suchen, als dies in der Volksschule geschieht, anderer- seits aber auch die Bedürfnisse des gewerblichen Lebens und des sogenannten Mittelstandes in größerem Umfange berück- sichtigen, als dies in höheren Lehranstalten regelmäßig der Fall ist. Thatsache ist, daß die Mittelschulen in der allge- meinen Verfügung des Unten ichtsministers vom 15. Oktober 1872 nicht kategonfirt find, somit also der Begriff der Mittel- Sicht luvbord! Schiff in Sicht luvbord! schrei ich; Schiff in Sicht luvbord! antwortet Weatherton, der erste Lieutenant, der mit mir zugleich die Wache hatte." „Der kleine Dick?" unterbrach der Stelzfuß mit lauter Stimme den Erzähler, indem er vor Ueberraschung empor- sprang und seine Faust dröhnend auf den Tisch fallen ließ. „Ja, der kleine Dick Weatherton," entgegnete Rast, sich stolz in die Brust werfend.„Der kleine Dick eathert'on, der Sohn des großen Dick Weatherton, mit dem wir Beide als Schiffsjungen manche Wache zu- sammen bezogen haben. Armer Kapitän Weatherton- er ist schon lange hinüber, während wir Beide noch immer segelrecht oben schwimmen. Hm, nicht einmal ein ehrliches SeemannSgrab hat er gefunden; ist gestorben wie jeder andere gemeine Mensch: auf fernem Gute zwischen seinen vier Wänden. Haben ihn in den Sand gepackt, um ihn von den Würmern fteffen zu lassen, und statt einer Ehrensalve aus einigen Dutzend Zwölfpsündern haben sie an seinem Grabe gesungen und geheult. Sah ihn noch einige Tage vor seinem Ende, giebt mir die Hand der alte Wea- therton und sagt:„Jim, ich denke mein Kreuzen ist zu Ende, werde wohl nicht mehr die gescheuerten Planken betreten." Heul' ich wie'n kleines Kind und fluche über den Doktor. Lacht er und sagt:„Jim, fluchen ist eine verdammt schlechte Angewohnheit, hinterlasse emen Jungen, möchte nicht gerne, daß er zu viel fluchte. Er soll aber Seemann werden, auf demselben Schiff, auf dem Du dienst, und Du sollst über ihn wachen, Jim, Du verstehst mich, was ich meine."„Aie, Aie, Herr!" mehr konnte ich nicht sagen, war's mir, als hätte mir Jemand eine frische Zwiebel in die Augeu gedrückt; ja, und das waren die letzten Worte, die ich mit dem alten Weatherton wechselte, und das ist originell." Zn dem Maße Rast sich immer mehr in die Erinnerung an seinen geliebten Herrn und Kommandanten versenkte, war seine Stimme leiler und knurrender geworden, während die innere Auftegung seine Narbe fast korn- blumenblau färbte. Als er aber geendigt, da nahm er vor tiefer Rührung die Pfeife aus dem Munde, und sich etwas zur Seite wendend, fuhr er mit dem Rücken der geballten Faust über seine Augen. schule und somit auch das Verhältniß derselben zu der. und Elementarschule gesetzlich gar nicht feststeht. Und ist es Thatsache, daß vie Verwaltungsbehörde die Leh den Mittelschulen als Elcmcntarlehrer ansieht und Elementarlehrer Wittwen- und Waisenkasse zuweist, w» die Verwaltungsgerichte sie in Bezug auf die KommunaW pflickt aus der Klasse der Elementarlehrer aussondett wiü den Lehrern an höheren Lehranstalten zuweist. Diese Fr« auch in der letzten Session des Abgeordnetenhauses da' legenheit einer Petition(der Lehrer an den Mittelschule Spandau) in der Unterrichtskommisston zur Sprache gele� und hat der Kommissar des Unterrichtsministers, Geb.- Raffel, unter Anerkennung dieses mißlichen Verhältnissa! Erklärung abgegeben, daß für den Fall, daß das PenfioM für die Elementarlehrer zum Gesetz erhoben werde, die A rung die Frage in Erwägung ziehen werde, in welcher demnächst auch eine Neuordnung des Pcnfionswesem� Lehrer und Lehrerinnen in denjenigen Schulen herbeiM sein werde, welche weder zu den höheren Schulen im techw oder gesetzlichen Sinne noch zu den eigentlichen VockW gehören. Wie man hört, ist diese Angelegenheit alsbal« Berathung gezogen worden und dem nächsten Landtag> bereits ein hierauf bezügliches Gesetz unterbreitet werde». Oe st erreich Ungar»l. Der„Freien Presse", einem keineswegs zuverlässige» jJ entnehmen wir über die Vorgänge in Trebitsch folgende v» Herten:„Seit einiger Zeit schon wurden unter der Treb» Arbeiterschaft sozialistische Flugschriften kolportirt.@'4 den 12. d. M., gelang es der Gendarmerie, 60 mit der? eingelangte Exemplare beim Adressaten, einem GärberW Namens Chlumsky, alsbald nach Einlangen zu st» Chlumsky wurde sofort verhaftet, nebenbei aber nach? Horak, einem schon in Linz wegen anarchistischer IlmW 6 Monaten Kerkers verurtheiltcn kaum zwanzigjährig� Burschen gefahndet, welcher in einem bisher unbekannt f denen Schlupfwinkel der Sozialisten bei einer BeralhM anderen, beinahe ausschließlich sehr jugendlichen Arbeiter»' rascht und verhastet wurde. Weder in den Fabriken»» der Stadt wurde bis zum Abend irgend welche AM unter den Arbeitern bemerkt. Erst gegen 8 Uhr crM Gendarmerie-Wachtmeister einen Wink, daß etwas im fliach halb 9 Uhr zog ein Trupp jugendlicher Arbeiter Marktplatz; zahllose Signalpfiffe ertönten von allen und im Äugenblicke waren mehrere hundert Arbeiter des Platzes beisammen und verlangten unter Geschrei' johle die Herausgabe der saisirten Flugschriften, sowie j. fortige Freilassung ihrer Genossen Chlumsky und Z Gcmeinderath Kosranek, dann Bürgermeister Kubes vem die Tumultuanten zu beruhigen, doch beharrten diese daß ihren Forderungen sofort entsprochen werde. J weile hatte sich die Menge durch Zuzug von W und durch Neugierige bis auf ca. 2000 vermehrt, die ging nunmehr unter wüstem Lärm vor das Gendarmen besetzte Gemeindehaus, wo sie der Bezirksfo« Dr. Klettenhofer vergeblich zum Auseinandergehen zu& suchte. Wahrend er noch verhandelte, rissen die in de» Reihen Stehenden das Pflaster auf und begannen d darmen und das Gemeindehaus zu bewerfen. Dr.> wurde am Arme, ein Gendarm auf die Brust gettoffe» Kopfe des Bürgermeisters sauste ein Stein vorbei, der in die Mauer drang. Die Gendarmerie fällte nunn» Bajonett. Der Wachtmeister richtete noch dreimal die derung an die Menge, auseinander zu gehen, dann> mit seiner Mannschaft vor. Trotzdem die Arbeiter fori» Steine warfen, trieb die Gendarmerie dieselben zurück noch im Rückzüge im Gemeindchause, in mehreren Häusern, im„Hotel Habsburg" und„Hotel Kreuz" die scheiden mit Pflastersteinen einwarfen. Um 11 Uhr Menge bereits vertrieben, und bis 4 Uhr Morgens die Trupps, welche stch wieder anzusammeln vcru" der Gendarmerie gesprengt. Um 5 Uhr trafen 105 litär aus Jglau ein. Um 6 Uhr begannen die Verh bis zur Stunde wurden elf Rädelsführer arretirt, m Haftungen stehen jedoch bevor. Chlumsky und Horak eben nach Jglau eskortirt. Die Straße zum Bah durch Militär- Patrouillen besetzt. Nach verläßlichen lungen wurden sechszehn Arbeiter verwundet, dal schwer. Heute find die Fabrikarbeiter sämmtlich zur A schienen. Die Revolte kam urplötzlich und überraschen» die Arbeiter haben bisher keinerlei Ansprüche, nicht Wünsche laut werden lassen. Aus anderen Brünn ten Orten wird von Arbeitseinstellungen in den? richtet, so aus Nemiest und Groß- Bittesch. Die# Streik bettoffenen Fabriken gehören Brünner Fabrik« Spanten. In Spanien rumort nickt nur die Cholera, soist� republikanische Erhebungen. Die Regierung will einh. verbreiteten Verschwörung auf die Spur gekommen!% Saragossa und anderen Orten soll die Polizei die Wn» nen bereits fertig zum Losschlagen angettoffen h»**% Obschon der alte Seemann seine wahren Gef� verbergen trachtete, so waren dieselben doch Kes, der Gesellschaft entgangen, und Alle theiste» j oder minder die Rührung, welche den Erzähler bein«? mannt hätte. J Mehrere Minuten herrschte lautlose Stille in der HA erhob sich plötzlich der Stelzfuß, und nach dem SchänkmJ schreitend, gab er Befehl, die ganze Gesellschaft, zu Kapitäns Weatherton, mit einer neuen Ladung Grog r sehen. J Als er dann wieder vor Jim Rast Platz 0#* der noch immer in sich gekehrt dasaß, schlug er o" auf die Schulter. m „Jim!" rief er aus,„Du hast von dem alten erzählt, nun erzähle aber auch, was aus dem klein" geworden ist." „Der kleine Dickte?" fragte Rast, und indem der geballten Faust auf den Tisch schlug, daß alle klirrten, wich die letzte Spur von Rührung auS fti"1 harten Zügen, und die Narbe nahm wieder ihre 0� Farbe an.„Der kleine Dickte? Der macht mir u»°Z Vater alle Ehre. Ist jetzt Lieutenant Weatherton, habt ein Schiff, als wenn seine Mutter'ne leibhast� jungfrau gewesen wäre. Ha, ha, ha! seine eine feine Lady, kann mir heute aber noch nicht daß ich ihrem Dickte so viele und schöne 1 gesponnen habe, und dieser die Zeit nicht abwart" bis er den Fuß auf ein Verdeck gesetzt haben wür� dämmt! möchte wissen, was aus dem armen 3� worden wäre, hätte ich ihm nicht berechnet, daß. nie etwas Anderes, als ein Kommodore werden � � das ist originell! Der Junge hörte mehr auf wick't( seine Mutter und alle seine Lehrer. Wäre sonst al*U �_____ c', f- f r r cw____ 1. I . daß dc nicht dam die Handle: Herren scho Mr.$ zu Nordhar Zusammens nur eine L Nachdem d seine Aussei gelangte in stimmigen' von Northc versichert ei und deren wieder und die Wählet für die der Sftia jede ihnen luvbo dem e wie e betraf Abspi. drei i Regen entfer schiff. mimet Mäste leine, auf€ deck d gewef wärtS sehen Ve pfeife da w flieget rohr in ä in'? Dec eine Anderes geworden, als ein spitzbübischer Advokat,� Pflasterschmierer, oder ein Professor oder was es W für Landrattengesindel auf der Welt geben mag. ist er Zweiter im Kommando auf dein Leopard,� fünfundzwanzig Jahre alt. Za, ein stattlicher S'j ein Lieutenant zur See Nr. 1. A.—.<$'■ „Also: Lieutenant Weatherton antwortet: hältmW 4 Saragossa wurden in einem Landhause 60 und in Mataro 8 Personen festgenommen, welche angeblich im Begriff waren, stch in die Berge zu einer allgemeinen Vereinigung zu begeben. ■ÜMe gewöhnlich, so sollen auch diesmal wichtige Dokumente und viele Waffen aufgefunden worden sein. Grotzbritannieu. Die afghanische Frage scheint wieder mehr in den Vorder- «rund zu treten. Wie verschiedene Londoner Blätter berichten, sind die Russen im Begriffe, sich weiter in Afghanistan einzu- nisten. Zu einer Kriegführung dürfte es trotzdem vor der Hand schwerlich kommen, weil das neue englische Kabinet zu- nächst die Wahlen abwarten muß, da es nicht unmöglich ist, daß die Liberalen wieder auf die Wollsäckc gelangen. —„Pall Mall Gazette" theilt heute mit, daß der Erz- vischof von Canterbury, der Kardinal Erzbischof von West- minster, der Bischof von London und Mr. Samuel Morletz «ingewilligt haben, sich als Komitee zn konstituiren, um auf Grund des Bewcieniaterials die Wahrheit der Enthüllungen des genannten Blattes über den schmachvollen Mädchenschacher in London zu prüfen. Der Lord Mayor von London ist eben- falls ersucht worden, im Untersuchungskomitee zugleich mit dem s�ittz Recorder Sir Thomas Chambers einen Sitz einzunehmen. Morgen wird das Komitee seine erste Sitzung halten. Die einzige Bedingring, welche„Pall Mall Gaz." gestellt hat, ist die, daß das Material, welches dem Komitee unterbreitet wird, nicht dazu benutzt wird, um daraufhin ein Strafverfahren gegen die Händler und Betheiligten einzuleiten.— Man will vir Herren schonen! Mr. B r a d l a u a h richtete dieser Tage in der Stadthalle su Nordhampton eine Ansprache an seine Wähler, in der er die Zusammensetzung der neuen Regierung kritisirte und der letzteren Zur eine Lebensdauer bis zum November in Aussicht stellte. Nachdem der Redner noch seinen persönlichen Beschwerden über leme Ausschließung aus dem Parlament Ausdruck gegeben hatte, gelangte in dem Meeting die nachstehende Resolution zur ein- stunimgen Annahme;„Nachdem dieses Meeting der Einwohner von Northampton die Darlegung Mr. Bradlaugh's vernommen, versichert es ihn des ungcschwächten Vertrauens seiner Wähler und deren Entschlusses, ihn. wenn es nö hig werden sollte, Mcder und wieder zu wählen. Auch dringt dreses Meeting in züe Wähler des Vereinigten Königsrcichs, jedem Kandidaten für die bevorstehende Wahl die gebieterische Pflicht ans Herz »u legen, auf das Recht Northamptons und jeder anderen Wählerschaft zu bestehen, behufs ihrer Vertretung im Unterhause jede rhnen beliebige Person wählen zu dürfen." Welchen Einfluß die wirthschaftliche Lage auf das gesell- ich aftliche Leben ausübt, beweist folgende kleine Tabelle. Es wurden inLondonarretirt wegenTrunken» hert: 1866... 18 383 Pcrs. oder 5412 auf 1 Mill. Einw. 1871... 24213„„ 6358„ 1„ 1873... 29755..„ 7535„ 1„ 1875... 30 976„„ 7578„ 1„ 1876... 32 328„„ 7676„ 1„ Die starke Steigerung in dem berüchtigten Jahre der Handelskrisen, der Theuerung, der Krachs und Bankbrüche 1873, | vcrnnzelt da; wer einmal Gelegenheit hatte, sich über die Per- Hältnisse der auf den Gütern beschäftigten Arbeiter zu infor- miren, der wird dieses bestätigen müssen. Kommunales. und in den zwei folgenden Jahren der wirhschaftlichen Stockung springen deutlich in die Augen. Was beweist, daß gerade die Noch, die Entbehrungen, die mangelhafte Er- nährung und verwandte Momente den Alkoholismus groß- ziehen. Die Lage der ländlichen Arbeiter wird von den Agra- ricrn stets als-ine recht günstiae bezeichnet, so. daß sie cmcr „sozralpolrtlschcn Fürsorge nicht bedürften. Folgender Brief, den em seit 33 bis 34 Jahren auf einem Gute im Kreise Stalluponen ,n Ostpreußen beschäftigter 70jähriger Arbeiter fernem rn Elberfeld in Arbeit stehenden Sohn geschrieben haben Ii' HU,®en wir so abdrucken, wie wir ihn in einem süddeut- �en Blatte finden, dürfte diese Annahme nicht bestätigen: {C'l � Juni 1885. Lieber Sohn! Ich ergreife die Feder an zu schreiben und Dich zu benachrichtigen, wie es mir geht. q itl b-n kleinen Kälbern, da muß rch des Morgens um o Uhr ausstehen, dabei muß ich den ganzen Tag so arbeiten, daß mrr der Rücken nicht trocken wird. Des Abends um 10 Uhr komme ich zu Bett, dann bin ich so müde, daß ich des Nachts nicht schlafen kann. Mein Lohn beträgt täglich zehn Pfennige und das Essen bekomme ich auch da. Schlafen thue ich der dem Stellmacher in der Kammer. Für die zehn Pfennig muß ich mich waschen und bekleiden. Lieber Sohn! Du kannst Dir denken, wie es mir in meinen alten Jahren geht. Ich hin doch da alt und grau geworden, und von der Mutter weiß ich nichts, denn die soll so schlecht krank sein, ich kann sie nicht einmal auf ihrem Sterbebett besuchen, denn sie ist in Pillopönen. Weiter weiß ich nichts zu schreiben, es grüßt Dich Dein Vater. Bitte um baldige Antwort. Für die Mutter habe ich gar nichts bekommen, denn der U.(der Guts- pächter) sagt, er braucht die alten Weiber nicht zu ernähren." •— Nun, was sagen dazu die Herren von der nothleidenden Landwirthschaft t Solche Thatsachen stehen aber keineswegs luvbord!" fuhr Rast in seiner unterbrochenen Erzählung fort, in- dem er seine eigenen letzten Worte wiederholte; denn pünktlich, «ie er in Allem war, was seinen Dienst und das Seewesen betraf, vergaß er auch nie die Stelle, an welcher er beim Abspinnen eines GarneS stehen geblieben.„Zch selbst in drei Sprüngen die Leiter hinauf, und bei Gott! durch den Regen hindurch, kaum eine Kanonenschußweite vom Leopard entfernt, erblicke ich, treibend vor Top und Takel, ein Brigg- schiff. Reibe mir das Salzwasser auS den Augen, sehe aber immer dasselbe, nämlich das Fahrzeug, nur Stumpfen von Masten, und zwischen diesen flatternd, wie auf einer Wasch- leine, das Nothsignal. Hatte die Bö es kahl rasirt, und See auf See stürzte em auf das Wrack, als wenn dessen Ver- deck der MusterungSplatz für alles Wasser der Christenheit gewesen wäre. „Denke bei mir: Der ist hart auf, und steige nieder- wärtS, um zu rapportiren. Hatten aber schon Alles ge- sehen vom Quarterdeck auS, und hierauf fuhr der alte Brat- vost am Topmast mit der Geschwindigkeit von sechzig Knoten Stunde. ,„Kam gerade zur rechten Zeit, um alle Hand an Deck zu pfeifen. Hättet aber Dickte Weatherton sehen sollen, stand s.? ttne}rX leibhaftige Neptun in Uniform. Seine Blicke l über die Takelage,'S ist originell! und das Sprach- Aar., an seinem Munde, als wäre er mit demselben zur gekommen. Die Bö singt aus tausend Kehlen nach tausendfältigen Noten, aber lauter noch hallt Dickie'S Summe;„Aste Hand zum Wenden über Stag!— Helm in Luv!— Los Halfen und Schoten!— Hol' das Groß- segel.— Laß gehen und hol' an!"— Goddam! wie die •""ssS!8 stiegen! Der Leopard taucht sein Gallion tief j aber nur eine einzige See rollt über sein .eck, dann richtet er sich auf, wie'ne Prinzessin, die an eme Blume gerochen; sein Kielholz zittert, die Masten veigen sich, mit hellerem Ton pfeift die Bö durch das zum üeqprmgen angespannte Tauwerk, aber auch nicht ein Stückchen Schiemannsgarn springt, und dahin schießt er vach Backbord auf da« Wrack loS, wie'ne Möve auf den «üchcnabfall. //Haben unterdessen den Kutter für alle Fälle klar ge- Zur nächsten Stadtverordnetenwahl, welche im November d. Js. stattfindet, ist es erforderlich, daß sich jeder Wähler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler- liste eingetragen ist; wer nicht eingetragen ist, geht des Wahlrechtes verlustig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der §§ 19 und 20 der Städteordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt und wird nunmehr in der Zeit vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. Z. täglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags im Wahlbureau des Magistrats, Breitestr. 20a, 2 Tr„ öffentlich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtge- meinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen erheben. Dieselben müssen in der gedachten Zeit schriftlich angebracht werden; später eingehende Einsprüche können nicht berücksichtigt werden. Wir machen hierbei auch noch besonders darauf aufmerk- sam, daß bei Berichtigung der Wählerlisten in Betreff des Wohnsitzes der stimmberechtigten Personen in Berlin die von denselben zu erstattende An- und Abmeldungen berücksichtigt werden und daß demnach auch diejenigen Personen, welche nur vorübergehend verreist sind, diesen Umstand auf ihre Abmel- dung aber nicht vermerkt, sondern sich einfach als von Berlin verzogen abgemeldet haben, in der Wählerliste gestrichen war- den find. Im Arbeitshause befanden sich am 31. März d. I. an Detinirten, Obdachlosen, Kranken, Polizeigefangenen ic. 1318 Personen. Der Zugang betrug in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 401 Person, der Abgang in demselben Zeiträume 562 Personen, so daß am 30. Juni ein Bestand von 1157 Personen verblieb. Im Lazareth der Anstalt wurden am 30. Juni 136 Personen verpflegt und in der Schule erhielten an demselben Tage 26 jugendliche Häuslinge Unterricht. Zur Be- schaffung von Kleidungsstücken und Bezahlung der ersten Miethe wurden bei ihrer Entlassung in der Zeit vom 1. Avril bis 30. Juni er. 173 Personen mit 932 M. 3 Pf. und 200 Familien, aus 706 Personen bestehend mit 2470 M. unterstützt. Im Hospital des Arbeitshauses befanden, sich am 30. Juni 399 Personen und im Asyl für obdachlose Familien 217 Per- sonen._ Lokales. In den 15 Berliner Volksküchen des Vereins von 1866 wurden im ersten Semester 1885 verspeist: 61 812 ganze(1 Liter) und 907 395 halbe(V» Liter) Portionen, im Winter« quartal Abends 44 150 Portionen Suppen und 8650 Portionen Thee mit Brödchen, in Summa 1 022 007 Portionen. r. Der großartige Gewittersturm am vergangenen Dienstag hat vielleicht nirgend so gewaltige Spuren hinterlaßen als an den Havelufern. Geradezu verheerend wirkte Sturm und Regen auf der Strecke zwischen Pichelsberge und Schild- Horn. Bon dem Höhenzuge, der stch hier längs der Havel hin- zieht und an desscm Fuße die neue Chausse angelegt ist, stürzte das angesammelte Regenwasser in Strömen hernieder. Große Massen Sand, ja selbst Steine mit sich fortreißend. Das niederströmende Wasser soll auf die Bewohner einen er- schreckenden Eindruck gemacht haben. Die Chaussee war an einzelnen Stellen vier Fuß hoch mit Schlamm und Sand be- dem, der auch in die vereinzelten Gebäude getrieben wurde, und einzelne Keine Gärten am Ufer zum großen Theil ver- schüttete. An den Bergabhängen zeigen sich klafter- breite Ausbuchtungen, an den Stellen, wo das Erdreich und Bäume vom Wasser fortgerissen find. Die hier ent« lang führenden Zäune und Einfriedigungen haben ebenfalls großen Schaden gelitten und das Gleiche dürfte in der Forst geschehen sein. Ein sicheres Zeichen dafür,_ daß ein Sturm Schaden in dem Baumbestände der Forst anrichtet, ist das Fliehen des Wildes bei dem Unwetter; das Wild hält sich ziemlich ruhig, wenn nicht die stürzenden Acste es verscheuchen. Die Bewohner von Schildhorn sahen aber während des Un- wetters Hirsche und Rehe in ganzen Rudeln in der Richtung nach Teufelssee zu wechseln, so daß man daraus auf größere Verheerungen auch in der Forst schließen kann. Wie hoch sich der Schaden an solchem Waldbruch beziffem wird, kann natür- lich erst nach einiger Zeit ermittelt werden. Die zerklüfteten Havelufer aher nut ihren niedergebeugten Bäumen und fand- macht und, indem der Leopard im Bogen um das Wrack herumfegt, Segel nach Segel eingeholt und nur den Klüver beigesetzt. Kommen nahe genug, um durch's Sprachrohr zu braien; sehen alle Mann an den Pumpen, hören ihr Rufen und sehen, wie Einzelne ihre Arme dem Leoparden entgegen- recken, als sei er ihre ungetreue Geliebte gewesen. Das ist originell!—. „Der Leopard legt hart bei den Wind, daß die Seen ihm beim Stampfen fast jedesmal die Augen auswaschen. Er gehorchte aber dem Steuer, und schnell ist die Hölle unter den Dampfkesseln verdoppelt. Nicht nach Backbord oder Steuerbord weicht er aus seinem Kours, und dennoch ver- ändert er nicht seine Stellung zu dem Wrack.— „War ein Schwede, die Brigg; hatte gute Theerjacken an Bord, denn der Leopard brauchte seinen Böten die Füße nicht einmal naß zu machen; denn kaum lag der Leopard sttll, da glitt auch die Barkasse der Brigg abseit« der Brecher in die See. War eine Freude, die Zungen« zu be- obachten; im Nu war die Barkasse bemannt, und einzeln, wie die Proviantkisten in den Schiffsraum, wurden die Passagiere von dem letzten Raastumpfen zu ihr niedergelassen.'S waren deren nicht viel, aber Schürzen waren dabei, verdammt! Weiber, doch sie hielten sich besser, als manche Männer, die eine aus Muth, die andere aus Verzweiflung. Höre deutlich:„Alle an Bord?! Alle an Bord! Kappt!!" Eine Axt beschreibt einen Kreis durch die Luft, und dahin geht die Barkasse auf dem Kamm einer See mit rasender Geschwindigkeit auf den Leo- parken zu. „Der Leopard aber hatte seine Hauptraaen und Schanzen bemannt; überall standen die Burschen mit Lauf- schlingen und Tauen, fertig, dieselben im entscheidenden Augenblick zu werfen, und das war originell." Hier schwieg Rast, der sich allmälig in Feuer geredet hatte, und hob mit grimmigem Ausdruck, offenbar um Lust zu schöpfen, zugleich aber' auch, um seine Zuhörer noch etwas länger auf die Folter zu spannen, das volle Glas an seine Lippen. Nach einem tüchtigen Trunk, und nachdem er die im Eifer seines Vortrags vernachlässigte Pfeife wieder angezündet, fuhr er fort:„Stand ich selbst oben auf der überspülten Grasflächen bieten einen so romantischen Anblick, wie man ihn im bayrischen Hochlande kaum schöner, jedenfalls aber nicht so bequem genießen kann. r. Eine Zwangsvollstreckung im Pferdebahnwagen, die sich so geräuschlos vollzog, daß die meisten der Mit- fahrenden kaum etwas davon bemerkt haben mögen, trug sich am Donnerstag Mittag in einem Wagen der Linie Görlitzer Bahn— Bchrensttaßc zu. Am Moritzplatz wartete der Mann mit der bekannten blauen Uniform auf einen am Louisenufcr wohnhaften jungen Kaufmann, der in seiner Chambregami- Wohnung nie zu treffen war, und wo sich auch Pfandobjekte nicht vorfanden. Der so sehnlich Erwartete kam denn auch wirklich die Oranienstraße, seinen gewöhnlichen Weg, entlang. Vielleicht kam die blaue Uniform ihm nicht geheuer vor, denn plötzlich sprang er auf den gerade vorüberfahrenden Pferde- bahnwagen, der Gerichtsvollzieher kurze Zeit darauf aber auch, und nun entspann sich auf dem Vorderperron eine kurze Unter- Haltung zwischen den Beiden:„Ich habe mit Ihnen dienstlich zu sprechen, wollen Sie nicht so gut sein und einen Augenblick absteigen?"„,Was fällt Ihnen ein, was wollen Sie hier von mir?""„Nun die Angelegenheit läßt sich vielleicht auch hier erledigen," damit langte ver Mann des Gesetzes seine große schwarze Ledermappe hervor, so daß der Kutscher und die auf dem Perron anwesenden Fahrgäste auf den Vorgang auf- merksam wurden. Nunmehr entschließt sich der Exequendus zum Absteigen. Beide bezahlen schnell ein Zehnpfennig-Billet, steigen dann noch schneller auf der nächsten Haltestelle ab und verschwinden im nächsten Hausflur. Bald darauf tritt der eine Fahrgast wieder hervor mit einem grimmigen Lächeln und heftig gestikulirend, er geht zurück nach dem Louisenufcr; ihm folgt bald der Gerichtsvollzieher zufrieden schmunzelnd, mit dem ganzen Inhalt des Portemonnaies, und da dieser nicht ausreichte, auch mit der Uhr des Gepfändeten; er trifft mit einem andern Herrn zusammen, augenscheinlich der Gläubiger des Gepfändeten. Beide verschwinden rn einem dortigen Lokal, wo der Gläubiger sehr vergnügt wird und bei der Erzählung des Gerichtsvoll- ziehers wiederholt kräftig auf den Tisch schlägt. Dasselbe thut um dieselbe Zeit auch der Gepfändete in seiner Wohnung, aber in anderer Weise und aus ganz anderen Gründen. g. Am Görlitzer- bezw. Wiesen-Ufer nehmen die Ar- besten zur Einfassung des Kanals mit Sandsteinen einen er- fteulichen Fortschritt. Längs der beiden Ufer sind bereits die Bohlen eingerammt, um die Fundamentirung für die Sand- S-inmauerung herzustellen. Obgleich hier eine große Anzahl von rbeitern beschäftigt ist, so dürste doch noch ein großer Zeit- räum vergehen, ehe die Bordirungsarbeiten vollendet sind, da dieselben sehr sorgfältig ausgeführt werden und überhaupt der- artige Waflerbauarbeiten große Schwierigkeiten verursachen. Eine mysteriöse Assaire, deren Held ein etwa zwölf- jähriger Knabe ist, beschäftigt augenblicklich die hiesige Kriminal- polizei. In der Begleitung eines Kriminalbeamten wurde vor- gestern Abend der erwähnte Knabe, der sehr elend aussah und einen geradezu erbarmungswürdigen Anblick darbot, von Tem- pelhof nach Berlin transportirt. Die stieren Augen des blond- haarigen Knaben, der die saubere Kleidung der Arnrenhauskinder trug und ein kleines Bündel am Arm hatte, lagen, von blauen Ringen umgeben, tief in ihren Höhlen. Schon vor etwa vier Wochen war der kleine Vagabund in Berlin in einem Bäcker» laden bettelnd betroffen, und da er jede Auskunft über seine Herkunft verweigerte, zunächst im Armenhause untergebracht worden. Es fehlte aber der Nachweis, daß er hierorts hermaths- berechtigt, und daß Berlin der Unterstützungswohnsitz sei, und so überwies ihn die Direftion wieder an die Polizei zurück. Auf das nachdrückliche Drängen der letzteren hatte der übrigens geistig normale Knabe die Fragen nach seiner Heimath mit den verschiedenartigsten Angaben beantwortet und die Polizeibehörde irre geführt. Bald wollte er in Berlin, bald in dessen ver- schiedencn Vororten zu Hause sein. Die in Folge dessen überall angestellten sorgfältigen Recherchen führten zu keinem positiven Ergcbniß; denn nirgends kannte man den Knaben. Von Tempelhof, woselbst, ebenso wie in dem benachbarten Marien- dorf, viermal vergeblich die umfassendsten Nachforschungen vor- genommen worden waren, wurde der kleine Unbekannte gestern abgeholt, um nach Jüterbock gebracht zu werden. Man ver» muthet nämlich, daß er von dort fortgelaufen ist. Spitz marke: Die Vielseitigkeit eine« Fleischbeschauers bringt vre„Allgemeine Fleischerzeitung" folgende erbauliche Mittheilung:„Es ist natürlich, daß ern Beruf wie der eines Fleischbcschauers mit dem größten Ernst und der peinlichsten Sorgfalt ausgeübt werden muß. Wohl und Wehe vieler Menschen ist in seine Hand gegeben, und wenn er lässig und leichtfinnig verfährt, so kann er die Ur- fache großen Unglücks werden. Was soll man aber dazu sagen, wenn dem Fleischbeschauer in manchen Städten Pflichten auf- erlegt werden, die uns wenigstens mit unserm beschränkten Unterthanenverstande geradezu unvereinbar mit der Flcischschau zu sein scheinen? Da giebt es Orte im Kreise Nieder- Barnim, wo der Fleisvbcschauer die Funktion hat, bei Typhus, Diphtheritis, Flecktyphus, Mascrnkrankheiten zu desinfiziren, na- türlich auch, wenn Todesfälle durch diese ansteckenden Krank- heiten eintreten, die Desinfektion der Zimmer, der Kleidern, s.w. Schanze, die linke Hand an der Vormastleiter, in der rechten eine Harpune mit doppelten Leinen. Waren Alle sttll, wie beim Gebet in der Kirche; auf der Barkasse wie auf dem Leoparden;'s galt auf's sichere Deck, oder als Futter für Haifische auf den Meeresgrund. Schießt die Barkasse heran auf dem Kamm einer See, hält guten KourS, ohne Gefahr für den Leoparden.— „Die See der Barkasse hebt den Bug des Leoparden, als wäre er nur eine Signaltonne gewesen. Alle Mann fertig! Laßt gehn! Der Leopard steckt die Nase tief in's Wasser und Hurrah! ein paar Dntzend Taue liegen quer über der Barkasse. Die Harpune war über den Hinter- theil der Nußschale geflogen, die Leinen von dem Mann am Steuer mrt einem Schottstich an der Ruderbank befestigt worden, ich selbst stand mit dem andern Ende am Gang« spill, um bei der nächsten See, durch Ausgeben die Leinen vor dem Springen zu bewahren, und fest saß die Barkasse, wie ein wüthender Pottfisch, der aus seinem Mittags- schlaf geweckt wurde. Waren aber die anderen Hände nicht saul gewesen, hatten überall ihre Schuldigkeit gethan, auf der Barkasse und an Bord des Leoparden. Hatten jedem Passagier eine Schlinge unter den Armen durchgelegt und hielt jeder Matrose des Wracks eine Leine oder zwei um seinen Arm geschlungen. Alles schnell, wie'n Glocken- schlag; denn die See war noch nicht unter der Barkasse fortgerollt, da saß schon Alles fest; das ist originell!— Kommt aber'ne neue See; ruft Dickte:„Zim Rast, paß auf!" Rufe ich:„Aie, Aie, Herr!" Drängt die See die Barkasse auf das Ächterschiff des Leoparden zu; mußte ein Loch in seine Rippen schlagen und selbst zersplittern, wie'« chinesischer Porzellanteller. Merke es wohl und lasse etwas Leine schießen, nähert sich die Barkasse bis auf fünf Schritte dem Leoparden,— heiß— an! Hurrah! die Passagiere, sie mögen wollen oder nicht, fliegen an den Tauen und Leinen die Schiffswand hinauf, werden mit etwas geschun- denen Spieren über die Schanzbekleidung geholt,'Und eh' noch die Barkaffe dem Leopard den"Kuß einer wider- spänsttgen Zungfrau verabreicht, habe ich die Leine gekappt. (Fortsetzung folgt.) vorzunehmen. Denken wir uns nun, daß der Fleiscbbeschaucr auf e'nem Geschäftsgänge erst das Sterbezimmer eines dem Typhus Erlegencn desinfizirt und dann sogleich ein Schwein untersucht. Ist da nicht die Gefahr eine dringliche, daß die Krankheit übertragen wird, und selbst, wenn dies nicht ge schiebt, ist es gerade ein unangenehmes Bewußtsein für den Fleisch- Konsumenten, sich, wenn ansteckende Krankheiten im Orte herrschen, sagen zu müssen, daß dies Fleisch, das er jetzt verzehrt, durch die Hand eines Mannes gegangen ist, der von Berufswegcn an allen Krankheitsherden des Ortes den Tag über dauernd beschäftigt ist? Und das geschieht in der Nähe von Berlin, wo doch durch die unmittelbare Nähe der leitenden Behörden die ganze Verwaltung strammer und sorg fältiger ist. Wie mag die Fleischschau erst anderwärts gehand habt werden! In kleinen Städtcbcn sollen die Leichenwäscher zugleich Fleischbeschauer sein.„Was meinen Sie, wie gesund rst das?" sagt der Berliner. Eine sehr appetitliche Zusammen- stellung. Unfern Lesern ist der Fall aus Bamberg gewiß noch in frischer Erinnerung, wo die Schweine in absentia für trichinenfrei erklärt wurden von der biedem Schustertochter Kunigunde. Andererseits ist der Preis hier in Berlin für die Trichmenschau viel zu hoch. Hier, wo die großen Massen von Schweinen untersucht werden, bezahlt man pro Stück 90 Pf., in einer kleinen Stadt, wo der Fleischbeschauer in's Haus der Schlächter kommt und oft nur ein Schwein untersucht, ist die Taxe 50 Pf. Wer sieht nicht ein, daß alle diese Uebelstände, und wir könnten das Register noch erheblich vermehren, dringend Abhilfe fordern, und diese Abhilfe ist nur möglich— durch die obligatorische Fleischschau auf Staatskosten. g. Die so häufig vorkommenden Blutvergiftungen bei Aerzten, welche sich dieselben bei Operationen zuziehen, legen Zeugniß dafür ab, daß die Acrzte noch immer nicht vorsichtig genug bei den operativen Handlungen zu Werke gehen. Gegenwärtig bcsindet sich in der Charitec ein junger Assistenz- arzt, Dr. I., welcher sich eine Bluwergiftung an der Hand zu- gezogen hatte. Derselbe begab sich, als er die Geschwulst ander Hand wahrnahm, sofort in Behandlung der Charitee und dürfte mit der Amputation eines Fingers davonkommen. Wie oft kommt es aber vor, daß Aerzte durch eine derartige Blut- Vergiftung ihr Leben einbüßen. Gefahrliche Evielerei. Als am 13. d. M. der 5jShrige Knabe T. mit der ebenfalls 5 Jahre alten Rosalie E. auf dem Hofe eines Grundstücks in der Chausseestraße an einem Hau- klotz spielte, holte sich T-, ohne daß es bemerkt wurde, aus der im Hofe belegenen Waschküche ein Beil und hackte damit der kleinen S. das erste Glied des Mittel- und Ringfingers ab. Das verletzte Kind wurde sogleich auf der Sanitätswache in Pankstraße verbunden und befindet sich jetzt anscheinend auf dem Wege der Besserung. Die Schweinezüchter und Besitzer von Schweinen erleiden jetzt nicht geringe Verluste durch das Absterben von Schweinen am Rothlauf. Die Ursache dieser Krankheit, welche nur in den heißen Sommermonaten auftritt, ist tn der Un- saubettkeit der Futter- und Trinkgefäße zu suchen. In Betreff der stattgehabten Verhaftung der beiden Taratoren des Preußischen Leihhauses hört man, daß der eine von ihnen, Namens B., erst seit etwa Jahresfrist thätig war, während der andere, Namens K-, schon längere Zeit als zweiter Taxator fungirte. Die fünf verhafteten Handelsleute sollen sämmtlich der Klasse der sogenannten„Schieber" hier angehören und namentlich an die Mitglieder der niederen Demt-monde in hiesigen öffentlichen Cafs's und Restaurants tn Scheine versilbert haben. Die Handelsleute sollen höhere ummen auf Gold und Diamanten geliehen bekommen haben, als diese Waaren Werth hatten. Für diese Liebesdienste hatten die Taxatore ihr Honorar. Natürlich versilberten die Handels- leute die Pfandscheine so schnell wie möglich, damit die Waaren schnell eingelöst weiden und sie wiederum frische Scheine machen konnten. Es wird mitgctheilt, daß solche Scheine fast für ein Nichts fortgegeben worden find. Ein hiesiger angeblicher Uhrcnhändler und Agent für Diamanten soll die Hauvttneb- fever des Geschäftes gewesen sein. Derselbe hat solche Versatz. waare lediglich für diese Kompagnie besorgt, und sollen m einem Falle sogar sechstausend Mark auf solche Waare gestehen sein. Die Untersuchung dürfte in diesem Falle noch wert mehr Personen in den bevorstehenden Prozeß verwickeln. Herr Bauer, Pächter des Ausstellungspark», ersucht uns um Publikation folgender Mittheilung:„In Folge eines Röhrenbruckcs im Dampfkessel ist Dienstag ein Versagen des elektrischen Lichtes eingetreten. Leider konnte die Reparatur nicht so rasch fertig gestellt werden, um am Mittwoch Abend die Maschine wieder funktioniren zu lassen, was einen verfrühten Schluß der Ausstellung zur Folge hatte. Um ähnlichen Vor- kommnissen auS dem Wege zu gehen, wurde schon vor Wochen der Bau eines zweiten Dampfkessels in Angriff genommen. In Folge des Maurerstreiks war jedoch ein Fertigstellen desselben bisher nicht zu ermöglichen. Heute Abend werden sämmtliche Ausstellungsräume wieder elektrisch beleuchtet werden. Auch ist Vorsorge getroffen, um Störungen erwähnter Art fernerhin zu vermeiden.... Die Sudanesen bereiten für Sonntag auf der schwedischen Eisbahn ein zweites Hindernißrennen vor, das bezüglich seiner Arrangements sich noch vielseitiger gestalten wird, als das erste. Zu diesem Zwecke ist man schon jetzt mit den Voibereitungm beschäftigt, die Hindernisse werden vermehrt und so eingerichtet, daß die Bestegung derselben mehr Schwierigkeiten bieten wird. Am Montag ist oei den Sudanesen großes Familienfest, da Saida, die Tochter Ali Bettams, sich mit Jop Jop verheirathen wird. Aus diesem Grunde ist eine sudanesische öffentliche Hoch- zeit mit all' den Zuthaten, wie diese bei halbwilden Völker- schaften Gebrauch sind, geplant. Dieselbe wird nicht verfehlen, die Neugierde des Publikums zu reizen, da an diesem Tage verschiedene Volksbelustigungen sudanesischer Art, unter An- derem auch ein Kameelwetttennm, stattfinden werden. Verhaftung eines Berliner Ganners in Wien. Am 7. d. wurde der gewesene Handelsagent Paul Richard Miß- SÄS aus dessen Gewölbe eine goldene Brache entwendet hatte. Im Besitze Mißlings fand man damals eine große Anzahl Pre- tiosen, als Ohrgehänge, Ketten. Ringe, ferner die dem Herrn Zitier gestohlene Brochc. sowie mehrere auf verpfändete Pre- tiosen lautende Versatzscheine. Durch die Erhebungen des Sicherheits-Bureaus ist nun festgestellt worden, daß der Gauner am 4. d. hier eingetroffen und unter dem Namen Wellendorf, Kaufmann aus Hannover, in einem Hotel der Leopoldstadt Absteigequartier genommen hat. Mißlrng ist be- reits wiederholt wegen Diebstahls, darunter mit drei und fünf Jahren Zuchthaus, abgestraft worden. Am 8. v. M. hatte er seine letzte Strafe in der Festung Spandau(?) abgebüßt, und nachdem er sich kurze Zeit in Berlin, woselbst er unter Polrzer- Aufsicht stand, aufgehalten, reiste er über Dresden und Prag hierher. In Dresden dürfte er bereits einen Diebstahl aus- geführt haben, denn dort verpfändete er eine Remontoir-Uhr. Auch in Prag gab er eine schwere goldene Kette in Versatz. Kaum hier angelangt, begab er sich, wie erhoben worden ist, in das Gewölbe des Goldardeiters Johann Brunner, Him- hergerstraße 26, verlangte verschiedene Schmuckgegenstände zur Auswahl, kaufte jedoch nichts, sondern benutzte einen günstigen Augenblick, um zehn Brillantrinae und vrer Paar goldene Obraehänge zu entwenden. Der Verhaftete, welcher seit seiner wieder erlangten Freiheit mehrere Diebstähle bei Goldarbeitcrn und Juwelieren ,n Berlin. Dresden. Prag und Wien aus- aefübrt hatte, konnte bisher zu einem Geständnisse nicht gebracht werden. Mißling ist dem Landesgenchte erngelrcfert �°�Die Anti-Stöckerianer. Unter diesem Namen hat sich in Wien ein Verein gebildet, welcher üheraus zeitgemäße und diese Zustände vorhanden, so daß die Berechtigung der Maurer, auf einem Taaelohn von 5 Mark zu bestehen, fast nurnoch oei den Bauunter- nehmcrn selb st Anfechtung findet." Wir wollten nur, daß die„Demokrattschen Blätter" recht hätten in Bezug auf den letzten Satz. Wir befürchten aber, daß es doch in den Unternehmerkreisen und wahrscheinlich auch in den söge- nannten„höheren Kreisen" noch zahlreiche Elemente giebt, welche den Bauuntcrnehmem zustimmen und dieselben zum Widerstand aufmuntern. Sehr bezeichnend ist übrigens die Drohung von Bauunternehmem, daß sie s r ch im Winter an den Maurergesel.en rächen wollen. Man sieht daraus, daß dieser soziale Kampf von den Unter- nehmern nicht im Entferntesten so loyal geführt wird, als von den Arbeitern. Tiefe Rachcdrodung kennzeichnet in der Tbat die rohe Gesinnung derjenigen, die sie ausgestoßen haben- Die Handelskammer für Arnsberg in Westfalen konstatirt in ihrem Jahresberichte für 1884 ernen besorgniß- erregenden Niedergang der gewerblichen Zweige, welche bisher vorzugsweise eine Arbeits- und Verdienstquelle ür die Bevölkerung jener Kreise bildeten, namentlich in dem Bau auf Eisenstein, Blei- und Zinkerz und Schiefer, in der Eisen-, Blei- und Kupferindusirie, der Fabrikation von Destillationspräparaten aus Holz, von Holzkohlenbiiquettes, von Strobdeckeln(von denen 1000000 Kilo im Werth e von 150000 Mk. in 8 Fabriken hergestellt wuroen) und in der Papierindustrie, die 3350000 Kilo Schreib-, Druck-, Karton», Leder- und Seidenpapier fabrizirte. Der Jahresbericht der Borsteher der Stettiner Kauf- Mannschaft stellt fest, daß die Ausfuhr Stettins sich im Jahre 18&4 vermindert hat, und das die stärkste Abnahme auf den Getreideexport entfiel, der von 41 607 Tonnen im Jahre 1883 auf 14025 Tonnen im Jahre 1884 gesunken ist. lieber diesen Rückgang des Stettiner Gctteidchandcls bemerkt der Bericht: „Das allmähliche Erlöschen unserer Getreideausfuhr ist durch >ie Einführung der Getreidezälle jedenfalls be- chleunigt worden; nach Erhöhung der letzteren wird Stettin überhaupt aufhören, ein Exporthafen für Getreide zu sein, wenn' ihm nicht etwa eine ausgiebige Ermäßigung der Eismbahntarife i vom Südosten Europas oder eine wesentliche Erhöhung der Seefrachten vom Schwarzen Meer die Beziehung von fremdem Getreide zur Durchfuhr nach dem Ausland ermöglicht." Ein nteressantes Zugestänoniß! Die Harkort'schen Bergwerke und chemischen Fabriken auf der sogenannten Ennogerstraße im Kreise Hagen i. W. haben 50 Arbeiter wegen mangelnden Absatzes von Eisenstein entlassen. Also überall Ueberproduftion und Arbeiterelcnd. Der Verein für katholische Sozialpolitik hat kürzlich auf Schloß Kleinheubach bei dem Fürsten von Löwenstein ge- tagt. Es wurden eine Reche von Resolutionen über Sonn- und Feiertagsheilig ung, über die Versich eru n g s- rage, über die Arberter'ckutzgesetzgebung ange- nommen. Bezüglich des ersten Punktes sprachen sich vie Re- olutionm blas im Allgemeinen für gesetzliche Regelung der Sonn- und Feiertagsruhe aus. Die Resolutionen bezüglich der Versicherungsfrage behandeln in sehr theoretischer Weise die Versicherung gegen gänzliche oder theilweise Arbeitsunfähigkeit und erkennen dem Staat das Recht des Versickerungszwanges bezüglich derjenigen Gruppen von Staatsangehörigen zu. bei welchen die Gefahr einer erwerbslosen Zukunft in dem Maße vorliegt, daß daraus eine ernste Bedrohung für Bestand und Gedeihen der Gesellschaft erwächst. Die Arbeitgeber fallen ver- pflichtet sein, zu den Versicherungen der Arbeiter Beiträge zu leisten. In Bezug auf Arbeiterfchutzgesctzgcbung erachten es die Resolutionen für wünschenswnth, daß dre Angehörigen der verschiedenen Gcsrllschaftsgruppen, namentlich die berufenen Vertreter ihrer Interessen, für internationale Verständigung über Arbeits- und Wirthschaftsgesetzgebung— wenn möglich auf Kongressen— mit allen erlaubten Mitteln eintreten, fowie segensreiche Tendenzen verfolgt, wie aus dem folgenden Pro- speklus ersehen werden kann. In Anbetracht des Um- slandes, daß viele Personen häufig, und oft ohne äußere Ver- anlassung. Spazierstöcke oder Regenschirme wagrecht unter dem Arme tragen und dadurch alle Hinlermänner, je nach deren Statur, in der Magcrrgegend, an Mund oder Augen verletzen; in fernerem Anbetracht des Ilmstandes, daß sich oerartige Un- fälle trotz bchördlicker Verwarnungen und aller Bemühungen der Presse wiederholen, ist eine Anzahl humaner, aber energi- scher Männer zusammengetreten, um den Verein der„Anti- Stöckerianer" ins Leben zu rufen, welcher die beregten Hebel- stände, vorläufig in Wien, beseitigen soll. Und zwar sowohl durch Staats- als durch Selbsthilfe. Zu elfterem Zwecke wird der Verein um ein Rechtsgestv vetitioniren, welches Jedermann zwingt, an Schirmen und Stöcken Hängeketten anbringen zu lassen, so daß im Gcbrauchsfalle beider Hände die erwähnten Requisiten nicht mehr wie eingelegte Lanzen, sondnn wie Ein- kaufskörbe getragen werden können. Da jcboch bis zum In« i krafttreten dieses Gesetzes ein unübersehbarer Zeitraum ver- i streichen könnte, ist im Verein selbst eine Rcmedur geplant. I Jedes Mitglied fahndet nämlich nach Siöckerianern uud hat im Betretunasfalle das erste Mal auf das untere Ende des Schirmes(Stockes) einen so kräftigen Druck zu üben, daß der! Griff in dre Achselhöhle des Trägers fchlägt, wodurch derselbe eine Vorstellung der Qualen gewinnt, die er Anderen bereitet und vielleicht den Entschluß faßt, sein lasterhaftes Betragen für alle Zeit aufzugeben. Wenn dies aber nicht zutreffen sollte, wird das Mitglied bei nächster Veranlassung den gefährlichen Schirm(oder Stock) rasch und gewandt hervorziehen und bei der nächsten Wachtftube drponiren. Bleibt auch diese Maß- regel für die Folge ohne Wirkung, dann hat das Mitglied dre Verpflichtung, nichts auf der Wachtftube zu deponiren, sondern den Unverbefferlichen mit dem jeweiligen Gegenstande durchzu- walken. Ter Verein verspricht sich, insbesondere von dem letzten Mittel, schöne Erfolge und wünscht deshalb, daß nur Herren von persönlichem Muthe und kräftiger Konstitutton dem Vereine beitreten.— Bis auf den letzten Passus des„Durch- walkens" kann man mit den Bestrebungen dieses Vereins nur einverstanden sein, und wäre es garnicht so Übel, wenn sich hier in Berlin ein ähnlicher Verein bilden würde. Soziales m* Arveiterbewegung. lieber den Berliner Maurerstreik machen die„Demo- kratiscken Blätter" folgende zutrefiende Bemerkungen:„Von allen Gewerken sind keine mehr den Schwankungen von An- gebot und Nachfrage ausgesetzt, als die mit dem Baugewerbe rn Verbindung stehenden. Diese Schwankungen machen sich nicht nur geltend von Jahr zu Jahr, je nachdem ein Auf- schwung oder Niedergang des allgemeinen Geschäfts stattfindet, sie machen sich noch empfindlicher bemerkbar rm Laufe eines jeden einzelnen Jahres, denn gerade das Baugewerbe hat seine besondere„Saison", die allen Theilnehmem weidlich zu thun gibt, während im Winter, wenn schon infolge der rauhen Witterung das Bauen unmöglich ist. die Maurer, Zimmerleute und andere Bauhandwerker zur Müßi�keit ver- dämmt find. Daraus ergibt sich zweierlei: erstens daß die Löhne erheblich fluttuiren und daß die Saisonlöhne durch reichlicheren Betrag den Ausfall in der Wintereinnahme dem Arbeiter ersetzen müssen; zweitens aber, daß die Arbeiter selbst häusiger als in jedem anderen Gcwerk genöthigt sind, durch Streiks die Berücksichtigung ihrer gerechtfertigten Ansprüche auf Lohnerhöhung im Sommer zu erzwingen. Diese allgemeinen Verhältnisse haben auch die gegenwäilig in Berlin staltfindende Arbeitsernstellung der Maurer verur acht. Glücklicherweise ist auch in weiteren Kreisen des Publikums bereits genügendes Verständniß für auch daß die Staatsregierungen durch internationale die der Natur der„christlichen Gesellschaft" entsprech Grundsätze feststellen, nach welchen sie in ihren Staaten* Arbeits- und Wirlhschaftsverhältnisse gesetzlich zu ordnen'- verpflichten. Arbeitseinstellung ausländischer Arbeiter. I Kolbermoor bei Rosenheim.baierisches Oberland) die italienischen Arbeiter in der Ziegelei� Bemvieder zur Erkämpfung höherer Löhne die Arbeit ei: g e st e l l t. Bereits mehrfach hat sich das„Berliner Volksblck mit der erbärmlichen Lage der von den deutschen, w daierischen Untemebmern massenhaft importirtcn italieni� Kulis beschäftigt. Gerade die Ziegeleien bieten, wie ja& der letzte Bericht der daierischen Fabrikinspektoren für* Jahr 1884 beweist, durch ihre enorm lange Arbeitszeit, die überaus anstrengende Art ihrer Thätigkcit, durch ihtt� beutung des zarten Kindesalters ein trauriges Bild von* Höhe des„praktischen Christentdums" dar, auf der sich unic Unternehmer bewegen. Sie schützen die„nationale vor Arbeit, indem sie ausländische Arbeitskräfte einfübren,& denselben das Solidaritätsgefühl, die Erkenntniß ihrer I* durchgängig abgeht, und weil diese Italiener an einer? dürfnrßlosigkeit leiden, die den jämmerlichsten Lohnsatz tragen vermag. In Kolbermoore ist es aber selbst den Italic* zu arg geworden, so daß sie sich zu einem Streik crm� haben. Dies Erwachen des Klassenbewußtseins kann nur fr«* begrüßt werden; hoffentlich führen die Arbeiter ihren# kämpf siegreich durch. Nicht gegen die ausländischen Ard«° an sich, wie wir so oft betont haben, sondem gegen du* die erbärmlichen Hungerlöhne sich abrackrtt den unsolidarischen ausländischen Ardeiter richtet* der Groll der organifirten Arbeiter. Aus New-Uork wird von einem Streik der Ar� in den Holzhöfen in Bay City, Michigan, berichtet. Die i'J* verlangen eine zehnstündige Tagesarbeit ohne verringerten und man ermattet, daß die Brodherrcn nachgeben rv«� 300 Mann der streikenden Arbeiter marfchitten nach der n» liegenden Stadt Saginaw, organifittcn dott gleichfalls«' Streik und zwangen sämmtliche Sägemühlen zum Schließt städtisch auf diei ifleste sen( in die; tGesamr ihr] elS währen! Klasse r Sonnab e" f Pl fa sind Sparkas wcher; Wideys Maus oabtitln erfolgen ganz , ß. bruch q[ «et alte, der Pereme und NersammlungB Schöuebeck bei Magdeburg. Am 11. Juli fand( selbst eine große öffentliche Arbeitewettammlung statt. J �■- Tages Ordnung lautete:„Tie Arbeiter Fachvereinigungt«? ,alt« Gegenwart, die Bestrebungen derselben zur Einführung.� Gesammtheit dienenden Sozial- Reform." Als 9%? _. Mrsch, gen: ,zu b «./prens «tandpe begrüßen erhoben r S leroatioci �end. e, am er war Herr Robert Sündermann, Drechsler aus Berlin,\ anwesend. Der Referent gab zunächst in kurzen Zügen.' Bild über die Veranlassung der Entstehung der Fachoer� im Weiteren erläutette derselbe die Thätigkeit der Fach»«? auf dem Gebiete des llnterstützungswesens und zwar:' Arbeitslosigkeit, Reise- Unterstützung, Rechtsschutz, sowü' Arbeitsnachweis. Wenn auch dies Arbeitsfeld für die � vereine ein ziemlich großes ist, so genügt es doch noch nicht; die Interessen der Arberter voll und ganz zu vertreten, s# indem die Fachvereinc eintreten für die Regelung der Arbeits für die Abschaffung der Sonntagsarbeit u. s. w. werden* selben die Interessen des Arbeiters zum Wohle des Ein!'" wie der Gesammtheit wahren uud vertreten. Dies letzten,„ n- auch bei der Entstehung der Arbeiterfach vereinsbewegiNiL# 1 Mh Jahre 1880 erkannt worden und in dem Programm dies«? wegung zum Ausdruck gelangt. Wenn nun auch die% Ii*,,," in rml&cr Oict Sor JK* fallen find und dieselben zu verdächtigen usdruck gelangt. Wenn nun auch die% über die Bestrebungen der Fachvcreine n n? V versucht haben, wie es heute noch gesA rdächtigen, so sollte dies keinen Arbeiter% fe-rr e-,» «m_______ e__ s.__ UX. r-UCl abhalten, sich dem Fachoereine anzuschließen, sondern hi«>« es gilt,„das Recht auf Arbeit" für jeden Einzelnen zn erst% da müßten die deutschen Arbeiter durch Masscnbeitrii Fachvereinen den Gegnern derselben beweisen, daß die erkannt haben, daß nicht auf dem Wege der„Manchcst die Interessen der Arbeiter gewahrt werden können, nur durch die Einführung einer gesunden„Sozial-. indem die Bestrebungen der Fachvcreine auf,, Wege der Gesetzgebung zur Durchführung grl?% Die Losung eines jeden Arbeiters müßte sein: Hinein. Fachvereine! Die Forderungen der Arbeiter haben im Reichstage eingebrachten„Arbeiter schutzgesetz" den*5 Ausdruck gefunden; Pflicht der Arbeiter ist es, dies dura. sendung von Petitionen an den Reichstag zu unteN«� Der Referent erläutette hierauf die einzelnen Forderung�; Arbeiterschutzgesetzes in sachlicher Werse und schloß mit s> Mahnruf an die Anwesenden, stets und ständig für die essen des Arbeiterstandes einzutreten!— Allseitiger%% lohnte den Referenten. An der hierauf stattfindenden% fion bctheiligten sich die Herren Habermann- MfllrjS Wille- Schönebeck, und riefen die Ausführungen des erl, Redners einen oftmaligen brausenden Beifallssturm, In seinem Schlußwott betonte der Referent wieder!#. Nothwenvigkeit des zehnstündigen MaximalarbeitSlage-u � führte nochmals den Wetth der Fachvereine für die an. Er schloß mit der Auff«rderung an die zirka 400 W«'? zählende Versammlung, frei und offen für die WahrU»«! Interessen des Arbeiters einzutreten, zum Wohle des C'� wie der Gesammtheit! Das Bureau der Versammlung?� beauftragt, eine Petitton im Sinne des Arbeiterschutz%! auszuarbeiten und dieselbe in den hiesigen Fabriken und ,-y stätten zum Unterzeichnen auszulegen! Im ferneren „ Hei govelfccr 1 % i bemerkt, daß die in der Versammlung anwesenden% lOrtsvereinleri nicht den Much hatten, ihre Meinung' (Ottsvereinler) äußern. Sprechfaal. Di« R«d»kti»n stellt d>«'Denutz>mg d«4 Eprechiaals abzugedkN ist, dem Pudlikum>ur Besprechung von Sngel« Interesse»>ur Bersllgung, st« verwahrt sich aber Inhalt drst«rb«U iden«ist,irt|U werden. Wie sich die Schlofferinnuna soweit SWji Iiiideite» Nack ?nnigtei iE Boot« dr J°.urch tiei %%% gleich,-i«g dag-g-n>"", � lrbeitSzeit und wie hoch sich der" Durchschnittsoerdien?� her Woche belaufe. Die Jnnungsvorstände haben geann»�% D'e Arbertszert beträgt pro Tag 10 Stunden und der � M Rud schnrttsverdrenst pro Woche(wenn ich nickt irre) 20# �%/ ist schon früher nachgewiesen, daß der Durchschüttelst viel mednaer sei, trotz Sonntag- und NachfeierabenV'-zf wd.(S "nd die Arbeitszeit eine längere ist. Da nun dre W z t'�rigade eben dabei find, die lOstündiae Arbeitszeit in Wird#',,! steht, bei mehr wie recht und billig, fahrt, da Wlt% fQth dem l.n der SE ol Md die m Komi fSr® schwierigj Benannte] �-m 3, »SC jv I_______„_________ Jnnungsvorstand sich der Sacke annehmen würde Angabe, welche dem hiesigen Magisttat gemacht n zur Wal» hert zu machen: aber dre Herren Ober- merster sind cs gerade, welche auf die von der Gesellen Mission versandten Zirkulare nicht geantwottet handeln sogar stritte dagegen. Der Altmeister. WjS' Dresdenerstraße 84, hat nämlich einen ArbeitsnackwÄ Schlosser, wo Jeder. der dott Wommf. 2? m zahlen hat; nun hat' aber Herr Passem den Arbeit# gegenüber ettlatt: Es sei ihm vom Jnnungsvoist„ Auftrag zu Therl geworden, nur solchen Gesellen Arbe � zuweisen, welche 11 Stunden arbeiten wollen,©er Stunden arbeiten will, der brauche gamicht M • s v vrelleicht der Segen der neuen Innung- wird das Geschäft des Arbeitsnachweises wohl am I S""ä fttaße 118 a. Verantwortlicher Redakteur«. erorrtzet« in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW„ Beuthsttaße 2.- Hierzu eine zum Berliner BolNlaÜ. Kr. 165 Sonnabend, den 18. Juli 1885. II. Jahrg. .A Kommunales. .7; Aus der Magistratssttzung am Freitag. Vom staatlichen Wahlbürcau sind die Gemeindewähle! listen neu aufgestellt, in dieselbe find 193 656 Wähler cino> tragen. Von «'esen gehören 174 395 in die dritte Abtyeilung, 16 It)l Wähl-w in die zweite und 3160 Wähler in die eiste Abtheilung. Der Gcsammtsteuerertrag der Gemeindeeinkommensteuer ist für das Jahr 1885 auf 32 752925 M. angenommen.?iach diesem «teuerertrage gehört für das Wahlrecht der eisten Klasse eine «teuer von 1530,80 M. und für d e zweite»lasse 331,80 M., fahrend eine geringere Steuer nur das Wahlrecht für die dritte «lasse verleiht. w. Der Verkehr in den städtischen Sparkassen an den «onn abend Abenden nimmt nach einem Berichie des Kuratoriums «er Sparkasse an den Magisttat immer mehr und mehr zu. Ja find z. B. am Sonnabend, den 11. d. M. auf 277 neue «varkasscnbücher 17 605 M. eingezahlt und auf 104 Sparkassen- Sucher 5406 M. zurückgezahlt worden. zokules. Freie Hilfskassen. Wir machen alle Arbeiter, welche wrder Willen Mitglieder von Zwangskasscn geworden sind, Jwauf aufmerksam, daß der Austritt aus der Orts- und stubrikkrankenkasse durch Kündigung vor Ablauf des September ttfolgen kann. Wer bis 1. Onober nicht gekündigt hat, bleibt "U ganzes Jahr länger an seine Zwangskasse gebunden. . ß. Eine nachahmenswerthe Einrichtung bei dem Ab- vruch alter Gebäude dürfte die fein, welche augenblicklich bei ver alten Kriegsakademie angewandt wird. Eine Handspritze U hrer fortwährend in Thütigkeit, um die aufwirbelnden «laubmassen niederzuhalten. Eingehende mikroskopische und wemische Unteisuchunaen haben ergeben, daß in der Lunge der- nVigen Menschen, welche gezwungen find, anhaltend im Staube M zu bewegen, 45 pCl. Kieselerde gesimden worden ist. Tas Wengen ves Schuttes mit Wasser ist daher vom hygienischen «landpunkt aus geboten, und wäre es nur mit m enden zu �grüßen, wenn obige Maßregel zur gesetzlichen Bestimniung Phöben würde. d. Selbst der Gesang wird jetzt Parteisache. Die Kon- lervattaen des dritten Wahlkreises kündigen für heute, Sonn- Uend, ein Fest auf dem Bock an. Bei demselben wird laut Programm der„Partei- Gesangverein mitwirken. Vielleicht fingt er auch noch Partei- Musik! .». Die Beerdigung des Maurers Heinrich Fassei, ®rr durch den Maurer Porst so sckwer verletzt wurde, daß er Wi den erlittenen Verletzungen im Städtischen Allgemeinen Krankenhause verstorben, ist, wie wir hören, seitens der könig- ilchcn Staatsanwaltschaft beanstandet und zunächst die gerichi- ruhe Obduktion angeordnet worden. . u. Der Herbergswirth der Schornstcinfegcr-Jnnung, ?«r Heise, der während des fürchterlichen Unwetters auf den Kavelscen verunglückt sein sollte, hat sich wieder angefunden. hatte sich an dem fraglichen Tage, ehe noch das il> weiter In es. gegen 3 Uhr Nachmittags von der übrigen Gesellschaft VaWi�inkel, ohne seiner Umgebung etwas zu sagen, nach> da»,,. Swerder begeben, war von hier nach Spandau und Berlin gefahren, wo er am Abend in der Böttcher- st, Sa, geschäftlich zu thun hatte. Inzwischen hatt� man ihn de« ii �nkel vermißt und in der Annahme, daß er sich während Ni- Unwetters auf dem See befunden, das Wasser bis 11 Uhr toor s abgesucht. Durch rückkchrende Theilnehmcr der Partie den c!nn w sehr erklärlicher Weise das Gerücht verbreitet wor- '& s« verschollen. i Ä «z«Ä Ä F f)0r,®lK verheerendes Feuer hat gestern das Gmndüuck rx.�"""!. 35 heimgesucht. Auf dem Hof des umfang- 12�' Grundstückes steht ein sechsstöckiges Fabrikgebäude von dw ssfi/iern Front. Im Erdgeschoß des Gebäudes befindet sich schrnin- i�erei von Salinger, im ersten Stock die Metall- Mün»/ Sabril von Bartels, nn zweiten und dritten Stock die °"nifabnk von Kulper und in den Obergeschossen vre Tele- 3m Zndiaverkrieae rn Canada. D i e Voyageurs. Von Ernst v. Hesse-Wartegg. („Voss. Ztg.") der Mahlzeit geht eS wieder in derselben Ein« Innigkeit weiter, die großen Ströme entlang, über weite, lulle noch mit Eisschollen bedeckte Seen. Aber bald heißt m!.°en nächsten Weg nach dem oft mehrere hundert entfernten Fort einzuschlagen, und dann müssen die ÄÄ*»-nge Kanäle, über Katarakte, Stromschnellen, ieW Ie 00te von eigenthümlicher, leichter Konstruktion trnt* tntt neun Voyageurs bemannt und von einer irag- 3'/. Tausend Kilogramm. Die Form ist die der Ä'°h"lichen Wallfischsänger, der Stern(Hmtertheil) des dw. e � vilt einem kleinen Deck überkleidet, auf welchem Steuermann, zugleich Kapitän des Bootes, thront. Die a$t Ruderer sitzen vor ihm auf Bänken. In der Mitte des ragt gewöhnlich ein kleiner Mast empor, auf welchen tfahrten über größeren Seen ein Segel aufgezogen m.' Eine Anzahl solcher Boote bildet eine sogenannte n..�9ade", welche unter dem Kommando eines„Guide" Wj«er in einem leichten Boote seiner Brigade voraus- ihlir! Fahrwasser untersucht, die nöthigen Befehle er- n. u- s. w. Wie man sieht, sind diese Boot-Konvois m v«evsselben System organisirt, wie die Karawanen, die bn,.« �vste— beispielsweise zwischen Morocco und Tim- �-.aher zwischen Uargla und Znsallah verkehren. Dort W o �ameele die Schiffe der Wüste, der„Chrebier" ist Kommandant oder Guide, die„Schnafs" sind die r.,,°fi°ssours".— Stößt die Bootbrigade auf einen Wasser- i- oder ist man auf der Stromfahrt auf einer Stelle an« jl Qnö*' von wo aus man quer landein wandern muß, um irW �S Stromsystem zu erreichen, so beginnt die J/'etigfte Arbeit der Voyageurs: denn hier müssen die so- {L°"n*en„Vortages" unternommen, die Böte mitsammt weit � auf dem Rücken der Voyageurs mitunter messen- zu.,8�*0 gen werden. Diese Portagcn. welche so manchem areisenden arge Verlegenheiten bereiteten, und an denen graphen Bauanstalt von Horn, die Aietalldruckwaarenfabrik von Lchrödel und die Bronzewaaren Fabrik von Urban. Allem Anschein nach ist das Feuer schon gestern Abend in der Eisen- aießerei eutstonden und hat während der Nacht Zeit gehabt, sich allmälig weiter zu verbreiten und das ganze Gebäude in Mitleidenschaft zu ziehen. Um 4 Uhr soll das Feuer zuerst bemerkt worden sein, erst um 5 Uhr 17 Min. wurde die Feuer- wehr durch die Meldung„Plitt>lfeucr" von der Gefahr in Kenntniß geletzt. Als die Mannschaften aus der Lindenüraße auf der nahe gelegenen Brandstelle erschienen, schlugen schon aus allen Etage« die bellen Flammen hervor. Daß unter diesen Umständen an eine Rettung des Gebäudes nicht mehr gedacht weiden konnte, lag auf der Hand; es yandclte sich daher auch für die Feuerwehr nur darum, einer weiteren Ausbreitung des Feuers cntgegenzuarbeiien und namentlich die starkgefähr dete Fabnk von Ludwig Loewe u. Comp, zu schützen. Dies Eingreifen der Feuern ehr wurde duich lokale Verhältnisse wesentlich crichwert. Ein großer Thcil der Thüren war mit Waaienvorräthen verstellt, so daß ein schnelles Vordringen abiolut unmöglich war. Die erschwerte Kommunikation und die Ausdehnung, welche das Feuer bereits gewonnen, brachte die 5. Kompagnie in die größte Gefahr, abgeschnitten zu werden. Nur dem schnellen Einschreiten des 5. Zuges ist es zu danken gewesen, daß die gefährdeten Mannschaflcn den Rückweg offen fanden. Das Treppenhaus, das thurmartig das ganze Gebäude in zwei Theile trennt, war von Beginn an deraittg mit Rauch erfüllt, daß es unpassirbar war. Um dem Feuer cne gisch ent- gegentreten zu können, wurde daher die große Maschinenleiter vorgenommen, und mit Hilfe derselben die vierte Etage er- klommen. Währenddessen hatten sich die Flammen aber durch die Transniilsionsöffnungen immer weiter verbleitet, so daß auch hier nichts mehr zu retten war. Durch die in'cnsive Gluth kam das Zinkdach des Gebäudes zum Schmelzen. Die herabtröpfclnde siedende Flüssigkeit brachte die Mann- schatten in stete Gefahr und nur einem besonderen Glücksum- stände ist es zu danken, daß erhebliche Veiletzungen mckst zu konstatiren sind. In noch größere Gefahr geriethen einige Mannschaften, als plötzlich mit lautem Krach das Gesims des DacheS herabstürzte. Einer der Feuerwehrleute, der geradeaus einer Leiter strnd, rettete fich durch einen schnellen Sprung in eine Fensternische, ein anderer wurde von den herabstürzenden Massen noch gestreift. Um 6 Uhr 29 Minuien wurde„Groß- feuer" nachgemeldet und trat nunmehr die gesammte Feuerwehr mit Ausnahme der ettten Kompagnie, welche zu einem kleinen Feuer nach de Chrifttnenftt. 36 gerufen war, in Akrion. Tie Gefahr vcrgrößerre frch, als plötzlich das Dach der Loewe'schcn Fabrik gleichfalls Feuer fing, das aber schon nach kurzer Zeit, zurückgeschlagen werden konnte. Im brennenden Fabrikgebäude waren währenddessen die Decken eingestürzt und mit ihnen die Maschinen in die Tiefe gesunken. Nach 7 Uhr war endlich das Gebäude soweit ausgebrannt, daß mit dem Ablöschen der Trümmer begonnen werden konnte. Erst um 8 Uhr war man des Feuers völlig Herr;„Feuer aus" wurde dagegen erst in der Mittagsstunde gemeldet. Die Aufräuiirungearbeiten waren vor Abend nicht zu beenden. Einen eigenartigen Anblick bot während der Mittagsstunde die Hollmannstraße selbst dar. Die Pferde mußten auf offener Straße gefüttert werden und überall waren zu dier'em Behufe Haufen Heu aufgeschichtet. Der Schaden, den das Feuer angerichtet, ist ein ganz kolossaler, läßt sich jetzt aber noch gar nicht abschätzen. Eimge hundert Arbeiter sind brodlos geworden. v. Der verschüttet gewesene Knabe Otto Günther. der, wie seiner Zeit gemeldet, am Abend deS 8. Juä mit seinem Brüser Berlhold in eine Sandgrube aufdem Danziger- felde verunglückte, ist soweit wieder hergestellt, daß eine Gefahr für sein Leben ausgeschlossen erscheint. Der Knabe konnte sogar der Beerdigung seines Bruders, die anfangs dieser Woche unter überaus großer Betheiligung stattfand, bereits bei« wohnen. R. Ein Verschwundener wird gesucht. Der auf der hiesigen Linoleumfabrik bereits feit zwei Jahren beschäftigte Arbeiter May, Treptowerstraße 5 wohnhaft, ist seit Sonntag so manche Expedition im Sudan und Südafrika scheiterte, werden von den kanadischen Voyageurs täglich, oft sogar mehrmals an einem Tage unternommen, und deshalb besitzen die Halfbrceds auch jene Geschicklichkeit, jene bewunderns- werthe Ruhe und Kaltblüticzkeit, welche nur Erfahrung mit sich bringt, und welche sie in so hohem Grade auch gelegent- lich des letzten Feldzuges auf dem Nil bewährten. Mit Rücksicht auf die„Portapes" werden auch die Maaren schon in den großen Proviantzentten in eigener Weise gepackt. Jedes Packet, das von Winnipeg oder an- deren Stationen nach den Einöden des Nordens abgesandt wird, hat ein durchschnittliches Gewicht von 50 Kilogramm, und jedes Boot wird mit 75 solcher Gepäckstücke beladen. Die Verpackung ist, den schwierigen Verhältnissen entsprechend, auch eine sehr sorgfältige. Die Kisten sind mit Stahlbändern umgeben, mit Handhaben versehen und bei gewissen Waaren vollkommen wasserdicht.— Kommt die Brigade auf ihrer einsamen, langweiligen Reise zu einer solchen„Portage"- Stelle, so werden die Boote an die Ufer gefahren. Binnen fünf Minuten sind die Gepäckstücke ausgeladen und auf trockenem Grund aufgestapelt, und die Portage beginnt. Eigenthümlicher Weise ist bei den kanadischen„Voyageurs" dasselbe System des Lasttragens eingeführt, wie bei den aztekischen Wasserträgern in Mexiko oder bei manchen asia- tischen Völkern: Ein breiter Lederstreifen, der„Portage Strap" wird um die Stirne gelegt und an die beiden, über die Schultern fallenden Enden werden je ein Gepäckstück der- art befestigt, daß sie übereinander auf dem Rücken des Voya- geurs aufliegen. Mit einer solchen, 100 Kilo schweren Last beladen, steht der Voyogeur etwas vorgeneigt, so daß sich die Last etwa gleichmäßig auf Stirne und Rücken vertheilt. Mit den beiden Händen die Gepäckstücke in ihrer Lage er- haltend, trabt er nun raschen Schrittes die Anhöhen hinauf und hinab, über schlüpfrige Stellen, über Felsblöcke und durch dichtes Gestrüpp bis zum nächsten Strome, oder zu der Embarquirungsstelle unterhalb des Wasserfalls.— Diesen mitunter meilenweiten Weg muß er, da für die 75 Packete jedes Bootes nur acht Träger vorhanden sind, fünf Mal gleich schwer beladen zurücklegen, und man kann sick aus diesem Detail allein schon eine Vorstellung der un- endlicken Schwierigkeiten und der Langsamkeit des Reifens j,«.,_ Der Steuermann hat keine Portagearbeit zu ver- rickten dafür aber obliegt ihm die noch schwerere Arbeit, die fünf und siebenzig je 50 Kilo schweren Packete vom t Boden aufzuheben und auf den Rücken der Voyageurs zu Nachmittag um 5 Uhr aus seiner Wohnung unter Mitnahme eines über 90 Mark lautenden Sparkassenbuches verschwunden und hat seine Frau und seine drei Kinder im Alter von 9, 2>, und 10, Jah-cn hilflos und brotlos verlassen. Die ge- ängstigte Frau bittet alle Diejenigen, welche etwa den Aufent- halt ihres Mannes wissen oder sonst von seinem Verbleib ir- gend welche Kenntt.iß haben, um freundliche Benachrichtigung. b. Auch Herr von Czepanski, früher Redakteur des des Dcuischcn Tageblattes, kehtt dem undankbaren Vaterlande, wie Herr Liebermann von Sonnenberg, den Rücken. Während letzterer sich Südamerika als Ziel gewählt hat, geht ersterer nach Afrika, nach Kanrerun. «. b. Etwas über unsere Kleidung. Wenn das Ther« mometer 34 Gr. Rsaumur zeigt, wie dies in den letzten Tagen mehrfach der Fall war, so ist das vielleicht noch keine tropische, aber immerhin doch eine recht anständige Hitze zu nennen. Alle Welt klagt, jammert und seufzt ob der entsetzlichen Gluth; man findet die Hitze geradezu unerträglich und meint, daß es in Kamerun nicht schrecklicher sein könne. Betrachten wir uns nun an einem solchen Gluthtage die Kleidung unserer Mit- menschen und unsere eigene, so müssen wir uns, wenn wir ehrlich sein wollen, eingestehen, daß diese die denkbar unprak» tischste ist. Sehen wir uns zunächst einmal die Männerwelt an. Seit Jahren ist für die Herrcnmodc England tonange- bend: man trägt den Rock bis oben an den Hals zugeknöpft, darunter eine ebenso hohe Weste einen möglichst hohen Steh- kragen und einen Schlips, der so eingerichtet ist, daß er jedes durch den Rock noch n cht verdeckte Stückchen vom Hemdencin- satz sorgfältig verhüllt. Ein so xmleinu» like gekleideter Herr ist sicherlich gegen die Kälte leidlich geschützt; will er sich nun aber auch gegen Hitze schützen, dann zieht er über seinen Anzug noch einen Sommerüberzieher, knöpft diesen eben- falls bis an den Hals zu und kann es dann aarn cht begreifen, daß er immer noch aus allen Poren schwitzt. Daß Anrug und Ueberzieher aus schwerem Wollenstoff gefertigt find, verst. yt sich von selbst, denn wer möchte heute noch Baum» wolle oder Leinen tragen! Waschanzüge sind geradezu verpönt und wer sich h.ute mit einer weißen Unausjprechlichen sehen läßt, der muß so viel gute und schlechte Witze über sich ergehen lassen, daß er schließlich froh ist, wenn er endlich sein Heim erreicht hat und seine Marschierstanaen der weißen Umhüllung entkleiden kann. Wie die weißen Beinkleider, so scheinen auch die weißen Hemdeneinsätze überall in Ungnade gefallen zu sein, denn diese wie jene vermeiden cs ängstlich, an's Tageslicht zu kommen. Man wird es ja durchaus vernünftig finden, wenn die Herren im Winter Rock und Weste bis an den Hals zugeknöprt tragen, aber auch während der Hundstagc so zu gehen, muß der Gesundheit entschieden nachtheilig sein. Unsere Damenwelt macht es nun keineswegs besser. Auch hier sehen wir, daß fast ausschließlich schwere wollene Stoffe von dui'kler Farbe getragen werden, die für die heiße Jahreszeit so unvortheilhaft wie nur irgend möglich ge- macht sind. Die Kleider sind ebenfalls bis an den Hals zu- geknöpft, haben mit wenigen Ausnahmen einen Stehkragen, wie wir ihn auf Uniformsröcken finden, eng anschließende Acrmel, welche das An- und Ausziehen nach Möglichkeit er- schweren und sind durch die Anbringung von Toppclröcken, Ueberrvllrfen oder sonstigen Garnirunge» so beschwert, daß die Trägerinnen wirklich unter ihrer Last mitunter seufzen können. Das helle, luftige Kattunkleid, welches sich i» den heißen Sommermonaten nicht nur als ein äußerst zweckmäßiges Klei- dunasstück erwiesen hat, sondern auch ganz unstrertig recht hübsch aussah, ist ebenso verpönt, wie die leinene Hose. Wir sehen zwar in den Fenstern derModcwaarenhandlungen genug helle Stoffe ausgelegt; getragen aber werden doch recht wenige, man findet sie, wie der Ausdruck lautet,„zu grell", auch zu auffallend und wählt daher immer nur die sogenannten„lodten Farben', das heißt Stoffe, die keine destinimte Farbe haben, möglichst dunkel gehalten sind und daher recht solide erscheinen. Andererseits wird cs dagegen mit der Solidität garnicht so sttcng genommen; man braucht fich nur die.Hüte und die Tounruren anzusehen, die beide sehr oft mehr als auffallend sind. An legen ein Beweis der außergewöhnlichen Muskelkraft dieser Männer. Bei anbrechender Dunkelheit ist das Tagewerk verrichtet, die Boote werden an einer für die Nachtruhe der„Waffer- Karawane" geeigneten Stelle ans Land geschoben, die Segel werden zur Herstellung von Zelten oder doch Flugdächern gebraucht, und das überall maffen hafte Treibholz liefert das Material zu einem lustig prasselnden Feuer, über welchem bald der unvermeidliche Theekeffel brodelt. Während die Abendmahlzeit zubereitet wird, wickeln die Voyageurs ihre „blanke!»"(Decken) aus der Wachsleinwandumhüllung, breiten diese zuerst auf dem Boden aus, die Decken darüber und das Nachtlager� ist fertig. Mittlerweile sind vielleicht ein paar Fische gefangen und ein paar Vögel geschossen worden, die im Verein mit dem unvermeidlichen Pemmikan und Thee den gar nicht schlechten Imbiß dieses sonderbaren Völkchens bilden. Dann sitzen die stets munteren, wilden Gesellen noch, die Pfeife im Munde, ein Stündchen um die Lagerfeuer und würben mit ihrem Loose im Allgemeinen noch viel zufriedener sein, wenn sich nicht der unangenehmste Gesellschafter, den es bei solchen Ruhestündchen überhaupt geben kann, zu ihnen gesellen würde. Ich meine die schreck- liche kanadische Landplage während des Sommers, die MoSquitos. Man kann sich bei uns schwer eine Vorstellung von der furchtbaren nervösen Aufregung machen, in welcher diese kleinen, gleich wolkenweise herbeikommenden Bestien den einsamen Wanderer durch die kanadischen Einöden er- halten. Die Indianer und Metiz sind von Geburt auf an sie gewöhnt und leiden unter ihren Stichen nicht so sehr, zumal sie diese geflügelten Marterwesen durch eine dicke, auf die bloßen Korpertheile geschmierte Fettschicht vom Leibe halten. Aber wehe dem fremden Reisenden! Ich wurde an einem einzigen Abende derart gebissen, daß am nächsten Morgen mein Gesicht über und über mit rothgeschwollenen Beulen bedeckt war. Selbst meine Beine, Arme und Brust sstsulich übel zugerichtet, obwohl ich vorsorglich die Bemklerder und Aermel fest zusammengebunden hatte. Wie sie darunter durchkriechen konnten, ist mir heute noch ein Rärhsel. Selbst auch die in den Vereinigten Staaten all- gemein eingeführten Mosquito-Mützen, mit denen sich die Schlafenden bedecken, nutzen nicht viel, denn diese winzigen blutdürstigen Barbaren spüren auch die kleinste Oeffnung auf, um den barmlos Schlafenden das Blut aus dem Leibe zu saugen. Um dieser Landplage zu entgehen, bereiten sich die Voyageurs ihr Nachtlager häufig wohl auf ihren Booten. i diese Auswüchse der Mode haben sich aber die meisten Men- schen bereits so sehr gewöimt, daß sie das Geschmacklose, wel- ches neben dem Unpraktischen und oftmals Vernunftwrdrigcn in der heutigen �ekleidunq liegt, gmnichi mehr erkennen.'Auch die Fußbekleidung läßt viel zu wünschen übiig. Nur weniqe Menschen sind so gescheut, im Sommer einen Schuh zu wäh- len, der die geringsten Beschwerden verursacht. Frauen und Kinder pflegen jevt selbst in der größten Gluthhitze nur noch hohe lederne Schaftstiesel zu tragen; die seichten Zugstiefel und noch niehr der ausgeschnittene Schuh sind verbannt, wenn man auch in ibncn viel bequemer gehen konnte. Es scheint fast, daß der Nkilitärrock und der Kürassierstiefel den Damen als Vorbilder zu ihren Modethorheiten gedient haben, ausgeschlossen ist diese Annahme wahrhastig nicht. Gmchts-Zeitmtg. P. Wegen Veranstaltung von Geldsammlungen zu Uebertretung sozialdemokratischen Partei Zwecken sowie wegen 1 oes preußischen Vereinsaesehes vom Jahre 1850 waren un August v. I. einige Vorstandsmitglieder des Charlottenburg— Teltow— Beeskow—Storlower Arbeitervereins zu Geldstrafen durch Erkennlniß des Schöffengerichts zu Charlottenburg vcr- urthcilt worden. Als Leiter eines politischen Vereins sollen die Angeklagten die Bestimmungen des Vcreinsgesctzes übertreten haben und zwar durch Schriftwechsel mit anderen gleichgcsinntcn Vereinen durch Ausgabe von Sammelbons, mit Sinnsprüchen bedruckt, zum Zwecke des Einsammelns von Geldern zum Wahl- fonds und endlich dadurch, daß vom Eingehen des Vereins bezw. von Veränderungen der Mitaliederzahl der Polizei- Behörde zu Charlottenburg seitens der Vorstandsmitglieder keine Anzeige erstattet worden war. In der Berufungs Instanz hatte am 22. Januar d. I. die erste Strafkammer des Land- gerichts II unter Aushebung des schöffengerichtlichen Urtheils einige der Angetlaglen von der Anklage wegen beider Vergehen freigesprochen, dagegen waren der Schlosser Otto Scheuer- brandt, der Tuchler Wilhelm Nieder, der Diener August Brcssel, der Arbeiter Knauf und der Tischler August Schacht zu ermäßigten Geldstrafen wegen Uebertretung des Vereinsgesetzcs, Schacht dagegen außerdem noch wegen Vertriebs von Sammelbons bei Gelegen- heit einer Wanderversammlung am 25. Mai v. I. in Manen- dorf auf Gl und der§§ 16 und 20 des Sozialistengesetzes von 1878 vcrurthcilt. Durch ihren Vertheidiger, Rechtsanwalt Frcudenthal, legten die Genannten gegen das zweitinstanzliche Urthcil wegen Verletzung materieller Rechtsnoimen die Revision beim Kammergericht ein. Der Strafsenat des Kammcrgerichts erkannte daraufbin auf Freisprechung des Schlossers Scheuen- brandt, bezüglich der Uebrigen aber, mit Ausnahme des Schacht, auf Zurückweisung der Revision und Bestätigung der ergangenen Entscheidung. Bezüglich des Schacht erkannte der Strafsenat des Kammergerichts auf Zurückverweisung an die Vor- Instanz behufs anderweitiger Entscheidung. In dem Urthcil des Kammergerichts wirb über die Freisprechung deS Scheuen brandt rechtfertigend ausgeführt, daß Sch. noch vor Ablauf der gcsctz- lichen dreitägigen Anzeigcpflicht selbst aus dem Verein aus- geschieden und daß deshalb die strafbare Handlung durch ihn nicht zur Vollendung kommen konnte, weshalb er mangels eines wesentlichen Erfordernisses des anzuwenden Strafgesetzes freizusprechen sei. Betreffend das in der Vor- Instanz als erwiesen angenommene Vergehen gegen das Sozialistengesetz dessen Schacht sich schuldig gemacht habensoll, geht das Knmmergericht unter Beruiung auf eine Entscheidung des Reichsgerichts davon aus:„daß, da die Veranstaltung einer Sammlung sozialdemokratischen Charakters nur strafbar sei, wenn dieselbe speziell von einem ortspolizeilichen Verbot betroffen worden ist. Der Vorderrichter hätte, so führt das Urtheil weiter aus, feststellen müssen, daß jene Sammelbons, die der Anklage zu Grunde lagen und deren Vertrieb durch Schacht der Vorderrichter für strafbar erachtet, auch„mit dem Parteistcmpel der Berliner Sozialdemokratie" bedruckt waren. Tie Ansicht, daß es nur darauf ankomme ob„die cinzu- sammelnden Beiträge die Unterstützung der sozialdemokratischen Partei überhaupt bezwecken" sei rcchtsirrthümlich, sofern nicht der beregte Nachweis geführt sei.— Die Sache, soweit sie Schacht betrisst, gelangte gestern zur nochmaligen Entscheidung vor das Forum der Strafkammer des Landgerichts II. In, AudienzTermin über den Ur- sprung jener Sammelbons befragt, erklärte der Ange- klagte, dem als Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal zur Seite stand, daß ihm dieselben anonym von Rixdorf durch die Post zugesandt wären. Rechtsanwalt Freudenlhal bean- tragt mit dem Hinweis auf die Beschaffenheit jener obskuren Sammelbonds Freisprechung seines Klienten. Den Nachweis, daß diefelben von der Berliner Sozialdemokratie herrühren, erklärt der Staatsanwalt nicht erbringen zu können und be- Sicher sind sie indessen vor den Mosquitos nur, wenn ein kalter Wind von der Hudsonbay oder dem großen Sklaven- See her weht. Am frühen Morgen, noch bevor der Nebel sich gelüftet hat, wird das schweigsame Lager auch schon durch das „Levez".„Levez" des Guide zum frischen Tagewerk geweckt. In wenigen Minuten ist die recht spärliche Toilette beendigt, der Bug der Boote wird gegen den See oder Fluß ge- stoßen, die Voyageurs greifen zu den Rudern und vorwärts geht es wieder über große, mit bewaldeten Znseln bedeckte Seen, durch enge, klare, reißende Flüsse, durch dichte, jung- fräuliche Wälder und über weite öde Prämien, auf welchen sich höchstens Buffalos oder Antilopen zeigen, bis ein fernes Rauschen und Donnern die Nähe eines Kataraktes verkündet. Die kanadischen Flüsse sind ungemein reich an Fällen und Stromschnellen. Das Land fällt hier nicht wie die Prairien des Arkansas allmälig, sondern in Stufen oder Terrassen gegen das Meer zu ab und so bilden die Flüsse bei jeder der letzteren einen mehr oder minder hohen Fall. Bei diesen erst zeigt sich die ganz beispielslose Geschicklichkeit und Geistes- gegenwart der„VoyageurS". Stromabwärts, dem rasenden Sturz der Katarakte folgend, gehen diese„Passagen" noch leichter, denn es ist mehr Auge und Geistesgegenwart, weniger Kraftanstrenguna nöthig, welche die Bote sicher über die tosenden Fälle, durch die Wirbel an ihrem Fuße und die schaumzekrönten Wellen im weiteren Laufe führt, bis das ruhige Fahrwasser erreicht ist. Sehen wir uns aber an, wie die Voyageurs die Katarakte und Fälle hinaufkommen. Glücklicherweise sind dieselben hier gerade so wie am Oberlause des Nil gewöhn- lich durch Felsen und Znseln unterbrochen, und diese bilden dem kühnen Reisenden so zu, sagen die Stufen, über welche sie die Wasserstürze emporsteigen. Kraftvoll rudern sie gegen den Fall an, während die Wellen mit den schweren Booten wie mit Korkpfropfen spielen. Bis zu einem ge- wissen Punkte unterhalb des Falles können die Ruderer wohl bei der äußersten Kraftanstrengung vorwärts kommen, aber dann scheinen die flüchtigen, schäumenden Wellen die Oberhand über ihre Kraft zu bekommen. Zedes weitere Abmühen wäre vergeblich.„Bis hierher und nicht weiter" scheint ihnen die großartige, sie umgebende Natur zuzurufen; denn dort zu Füßen des Falls schäumt und spritzt es hoch auf, drehen sich die wilden Massen in tollen, alles mit in die Tiefen hinabziehcnden Wirbeln. Aber Wellen und Wirbel werden von den Voyageurs ein- antragte er deshalb Freisprechung des Schacht wegen' gebcns gegen tz 16 und 20 des Reichsgesetzes betreffend Vcr- die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom Jahre 1878. Das Urthcil der Strafkammer� lautete dem- gemäß insoweit auf Aufhebung des schöffengerichtlichen Urtheils. Auf eine Anklage wegen Ginsammelns von Bei- trägen zur Wahl sozialdemokratischer Abgeordneten hatte sich gestern der Tischlergeselle Johannes Karl Robert Orth vor der fünften Ferienstrafkammer hiesigen Landgerichts I bereits zn wiederholtem Male zu verantworten. Im März vor. Js. legte der Angeklagte in den verschiedenen Werkstattsräumen einer Pianofoi tefabrik Sammellisten für einen Fonds zur Wahl streng freisinniger Abgeordneter aus, und aus der Aussage eines der Mitarbeiter geht hervor, daß für einen Abgeordneten 20 Pfg. beigesteuert worden sind. Das Berliner Polizei- Präsidium hat auf Grund des§ 16 des Sozialistengesetzes unter'm 24. Mai 1881 eine Bekanntmachung erlassen, nach welcher das Einsammeln von Beiträgen zur Wahl sozial- demokratischer Abgeordneter resp. die öffentliche Aufforderung stierzu verboten worden ist. Wegen obigen Vergehens unter tnklage gestellt, wurde der Angeklagte vom hiesigen Schöffen- gencht freigesprochen, weil in dem Auslege' der Listen weder ein Einsammeln von Beiträgen noch eine öffentliche Aufforde- rung zur Hergäbe solcher zu finden sei. Gegen diese Entschei- dung legte die Staatsanwaltschaft mit dem Antrage, den An- geklagten zu 30 M. cvent. 6 Tagen Gefängniß zu verurtheilen und die gezahlten 20 Pf. der Staatskasse für verfallen zu er- klären, Bemfung ein. Die fünfte Strafkammer erklärte damals das Schöffengericht für unzuständig, weil§ 20 des Sozialistengesetzes ein Verfallen der gesammelten Beiträge an die Staats- kasse zulasse und die Zuständigkeit des Schöffengerichts sich nur aus die Einziehung erstrecke, und erkannte als Gericht erster Instanz aus den von dem Schöffengericht entwickelten Gründen auf Freisprechung des Angeklagten. Auf die hiergegen seitens der Königlichen Staatsanwaltschaft eingelegte Revision hob das Reichsgericht das gedachte Urthcil auf, wert die fünfte Strafkammer zu Unrecht die Unzuständigkeit des Schöffen- gerichts angenommen; denn zwischen Einziehung und Verfall- erklärung sei ein Unterschied im Sinne des Gerichtsverfassungs- Gesetzes nicht gerechtfertigt. Die Sache wurde in Folge dessen zur anderweitigen Vcrhandlun, in die Vorinstanz, welche jetzt als Berufungsgerichtshof zu erkennen hat, zurückverwiesen. Der Staatsanwalt beantragte entgegen seinem früheren Antrage auf eine bloße Geldstrafe zu erkennen, den Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß bei diesen Einsammlungen zu unlauteren Mitteln gegriffen werde, 14 Tage Gefängniß. 3W(. Freudenthal plaidirte für die Auffassung der früheren Gerichtshöfe, eventuell bestritt er die Recktsgiltigkeit der Polizeiverordnung, da das Sozialistengesetz nicht das Sammeln für sozialdemokratische Zwecke, sondern nur für dergleichen auf den Umsturz der be- stehenden Zustände tc. berechnete verbietet. Der Gerichtshof erachtetete das Auflegen von Listen mit Einsamineln von Bei- trägen für gleichbedeutend und erkannte auch die qu. Polizei- Verordnung für rechtsgiltig an. Demgemäß wurde das erste Urtheil aufgehoben und der Angeklagte wegen Uebertretung des 2 des Sozialistengesetzes zu einer Woche Haft verurtheilt. ine Freiheitsstrafe wurde mit Rückficht auf den bekannten Umstand gewählt, daß die Geldstrafe von anderen Personen aufgebracht wird.— Der Angeklagte hat hiergegen die Revision angemeldet._ 1 Mereme mtfc Versammlungen. Lf'. Zum Maurerstreit fanden auch am Mittwoch und Donnerstag Vormittag in„Nerr-Walhalla", Schönhauser Allee 156, und rn den Keller'schen GcsellschaftSsälen, Andreasstt. 21, zwei zahlreich besuchte Maurer- Versammlungen statt. In der ersterwähnten Versammlung kritisirte der Vorsitzende B e h- rend in seinem die Diskussion einleitenden Referate die den Streik betreffenden neuesten Auslassungen der„zünftlerischen" „Baugewelks Zta." in Nr. 36 derselben vom 15. d. Mts. Da in jenem Artikel des genannten Blattes eigentlich neue Gedanken durchaus nicht enthalten waren, so konnte auch in der Entgegnung des Versammlungsreferenten nur von schon oft Gehörtem und der Oeffcntlichkcit bereits Bekanntem die Rede sein. Wir bemerken nur noch, daß der Referent am Schlüsse seiner Ausführungen die Streikenden zu standhaftem Ausharren ermahnte, gleichviel, was die Meister, von denen wirkliche Konzessionen schwerlich zu erwarten zeien, auch beschließen möchten.(Lebhafter Bestall.) An der lebhaften �Diskussion betheiligten sich �besonders die Herren Scheel, Schilling, Plage und Wille. Alle Redner betonten übereinstimmend, daß nichts, ___________________________,..__________ oder so gut wie nichts von den Meisterbescklüssen, Alles aber von der Einigkeit der Berliner Maurer zu erwarten sei.— In der Versammlung am Donnerstag(bei Keller, Andreassttaße) referitte fach überlistet. Wer einen Wasserfall je beobachtet hat, der weiß, daß der mächtige Sturz in der Mitte auch an den Seiten Gegensttöme erzeugt, daß das herabgestürzte Wasser, nachdem es eine Strecke weit in der Tiefe geschwommen, wieder an die Oberfläche kommt, und zu beiden Seiten des Stroms nach den Fällen zurückfließt, um dort wieder in den Strudel gerissen zu werden. Nach diesen Gegenströmen lenken die flinken Bootsleute ihre Fahrzeuge in unmittel- barer Nachbarschaft der rasend an ihnen vorbeischäumenden Sturzfluthen. Von dem Gegensttom wird das Boot bis nahe dem großen Wirbel am Fuße des Falles getragen, in welchen einzudringen sicheres Verderben wäre; denn im Handumdrehen werden alle Gegenstände dort hinab in die Tiefe gerissen. Nach dem Hauptstrom lenken, daß hieße so viel, als mit rasender Schnelle hinabgetrieben werden, von wo das Boot gekommen. Schon ist es im Bereich des Falles, schon über- stäuben die im Sturz zersprühten Wasser das Boot und seine Znsassen— schon ist der Bug des Bootes mit dem kühnen Mann an der Spitze in den äußeren Kreis des Wirbels eingetreten. Was nun? Im Boote herrscht die tiefste Ruhe. Die Bootsleute sitzen regungslos, die Ruder erhoben, in der äußersten Spannung den Blick auf den adleräugigen Steuermann gehestet, denn der Moment ist gekommen, wo sie mit aller ihnen innewohnenden Kraft vom Tode zum Leben rudern müssen. Eben als der Bug die hellgrünen, im wahnsinnigen Kreis umhereilenden Schaumfluthen des Wirbeltrichters berührt, stößt der Boots- mann einen kurzen heiseren Schrei aus. Wie Flinten- kugeln tauchen die Ruder in die Fluthen, und geführt durch die Riesenkraft dieser Männer schießt das Boot quer über den Hauptsttom, der sie dennoch wie ein welkes Blatt ab- wärts, dem in der Mitte des Bettes emporsteigenden kahlen Felsen zutreibt, an dem sie zu zerschellen drohen. Aber noch ein Schrei, noch ein Ruderfchlag mit aller Kraft, und die That ist geschehen, das Boot sitzt in dem stillen Wasser hinter dem Felsen, zu dessen Seiten die Fluthen vorbei- schäumen. In diesen Felsen sind von früheren Reisenden Stufen eingehauen, oder es führt ein schwindelnder Pfad über Vorsprünge und durch Spalten aufwärts bis auf die Höhe des Falles. Hier ist der Platz für die„Portage". Das Boot wird mit Seilen am Felsen verankert, die Gepäckstücke werden emporgeschlpept oder emporgewgcn. Zhnen folgt das Boot, und man ist auf der Höhe des Falles, in ruhigem Wasser. Manchmal werden die Fälle nicht in der Mitte, sondern auf den Felsen zu ihren Seiten umgangen; gleichfalls Herr Behrend über die jüngste Baugeschäftsinb� Versammlung vom vorhergehenden Tage, über deren VerM lungert und Beschlüsse wir unseren Lesern bereits berichtet h* Der genannte Referent trat in seinen Ausführungen bcsoir»» denen des Herrn Baumeisters Fetisch Satz für Satz® mit den aus unseren früheren Berichten bekannten Argum» entgegen, wobei er hervorhob, daß die leitenden Häupter� Meister-„Bundes"(der Bau-Jnnung), dem es gelungen, � Führung eines Theiles der hiesigen Unternehmer an fiäk reißen, durchaus nicht maßgebend seien, da sie, wie besoM die Herren Felis* und Arans, welche seit Jahren lc>' Arbeiter mehr beschäftigen, gar nicht zu den eigentlichen W nehmem oder Meistern gezählt werden könnten- Ihm(Red� scheine es, als suche der Erstgenannte aus dem Widerstreit» Interessen von Unternehmern und Arbeitern, im Dienste& zu Gunsten der Zünfiler, des„Bundes" oder der Inn»»! Kapital zu schlagen und auf dem fetten Posten, den er beM sein Schäfchen zu scheeren. zBeifall.) Trotz aller Renom� und allen Geschimpfes habe die jüngste Versammlung dü' Herren, die nur noch von kaum 300 Theilnehmern besucht f wcsen sei, den Charakter der Niedergeschlagenheit nicht zu � leugnen vermocht. Auch sei die Angabe, daß über Maurer, seien es Berliner oder Auswärtige, die ArbeU Berlin wieder aufgenommen haben, absolut un richt'i um nicht ein„härteres Wort" zu gebrauchen. Weder W 2000 oder noch mehr Maurer, noch überhaupt so viele iA' Jungens und alte Männer mit einbegriffen, thätig. M®' genau informirt und wisse, daß kaum über 1400 Leute M aelootst worden sind und die Arbeit scheinbar fortsetzen.» Friede mit solchen Leuten, wie die, welche in der ersten � zweiten Baugeschäftsinhaber- Versammlung das große Worl c führt und jeden Billigdenkenden, wie z. B. den Bauinge� Scharrath, niedergeschrien hätten, sei undenkbar. Nim)' Führer der Gesellen, sondern die der Meister seien die# und Terroristen. Sehr dankbar müsse man E Arans und seiner Versammlung für die An»».; des Vorschlages in Betreff der„Äntr"-Strcikkarten sein.* überhebe die Gesellen zum großen Theile der Mühe, die/ sichem Kantonisten" von den wackem Kameraden untestm� zu können.(Beifall.) Man möge sich also durch die K haften Demonstrationen der Herren vorn„Bunde" und Freunde nickt beirren lassen. Der Streik sei nichts als für die Maurer verloren, im Gegentheil sei ihnen e% diger Sieg gewiß. In der darauf folgenden sj kussion kvrachen alle Redner! in dickem Sinne. Res�s kussion sprachen alle Redner! in diesem Sinne. Bestf legten die Herren Peter und Wilke enlschicden M gegen die Argumentation des Herrn Felisch in der'* Meisterversammlung ein, daß. wie jener Redner meinte, Erschütterung der Autorität der Meister zur Erschültcning. Autorität des Staates und jeder anderen Autorität% müsse. Die Autorität und das Wohl des Staates würdef mehr von Venen nnieenenlien nnv oriAiüiieri Jjjg pnrch mehr von denen untergraben und erschüttert, un en thaltun g ausreichenden Lohnes die Arbeiter der Vereng preisgäben.(Stürmischer Bestall.) Alle Redner hoben ülA stimmend hervor, daß kein Heil in Zukunft von' Meistern und ihren jetzigen Führern, sondern von der f Organisation und Einigkeit der Maurer zu erwarten K1! daß diese sich nimmermehr von ihren bewährten Führern lassen würde. Unter stürmischen Hochrufen auf den pjjj Sieg der Maurer schloß die von keinem Mißton getrübte- sammlung. Im 5. Berliner Rcichstagswahttreise ist der verein des werkthätigen Volkes im 20., 30. und 31. KowW Wahlbezirk eifrig benrüht, unter der werkthätigen Äevo� die Erkenntniß wachzurufen, daß der Arbeiter und HüßfL die Pflicht hat, sich am öffentlichen Leben, an kommunal�,,, politischen Einrichtungen zu betheiligcn und er seine aussprechen muß, denn nur der Arbeiter weiß aus in Erfahrung, wodurch der Handwerker- und Arbeit»� % fache der Krankheit und muß das Heilmittel immer und �> wieder den Gegnern nennen. Der Verein hat zwar Erfüllung seines Zieles eine schwere Aufgabe, doch wir dem am Mittwoch in der Generalversammlung abgeö', Bericht des Vorstandes, daß die Zahl der Mitgttedcr u»,. lich im letzten Vierteljahr wesentlich zugenommen hat, Interesse für den Verein ein recht lebhaftes ist und die 5 reich fließenden freiwilligen Beiträge es ermöglichten, � einer eifrigen Agitation, welche Geld gekostet, das alte% zu decken, so daß also trotz des kleinen Bestandes, mit der Kasfirer seinen Bericht abschloß, die Kassenverhälinisse über früheren Abschlüssen äußerst günstige sind. Elf theils politischen, thcils wissenschaftlichen Inhalts, trüge"> bei, den Besuch der Vereinssitzungen zu heben. fernerhin der Verein wachsen und gedeihen, mögen es"u Bewohner des 5. Wahlkreises angelegen sein lassen, zur™ »i oder falls diese senkrecht oder überhängend den Katar"' engen und sich kein anderer Ausweg zeigt, schießt � von Fels zu Fels aufwärts, immer in dem stillen% den„Eddys" hinter diesen, einen Moment ruhend.' Fall zu stark, so muß das Boot die Schnellen eiÄ zogen werden. Die Hälfte der Bootsleute steigt""L einen Felsen, legt eine Mast- oder Segelstange zum"J schiebt sich mit den Händen bis zum nächsten% vor und zieht dann das Boot in die Eddy unter dem' So geht die aufreibende und aufregende Arbeit wtW'J den ganzen Tag über, und sucht man am Abend es" T Plätzchen für die Nachtruhe, so gewahrt man vielle'Ä| zu seinem Schrecken kaum einige hundert Schritte rück die Stellen des vorigen Nachtlagers. Eine Tasr hat die Reisenden nur um eine so kurze Strecke"" gebracht. So geht es Tag für Tag, Wochen, ja Mo""!« durch die menschenleeren Einöden, auf Flüssen, die" noch ihres Namens harren, über Seen, die noch aUl. Landkarte eingezeichnet sind. Endlich nähert man r a entlegenen Handelsposten, dem Reiseziele, und aus dck hoch über den dunkeln Tannen flattert die eigenl? Flagge der Hudsonbay Kompagnie mit der Devis"'� pelle cutern'',„Haut für Haut". Nun wird ein i Reinigunasprozeß vorgenommen: Das lange � wieder mit bunten Bändern geschmückt, die und die beste Schärpe angelegt, die perlengestickten A' t, werden angezogen und unter lautem Sang fahre" geputzten Mischlingvoyageurs an die Landungsstelle 1 j torei, das Ziel ihrer Expedition. Ein palissadenui"� Blatthaus, ein paar Zndianertepeksi und die Hütte".� Zäger und Trapper, das ist alles. Eine Woche* und Ruhe, und dann drängt die Zett wieder zum- f, Die Sommer sind kurz, und eilen sie nicht raw& den Weg, den sie gekommen, zurück, so Überfall'� Winter und friert irgendwo ein. Kommt die aber noch vor der strengen Zahreszeit nach ihrem- Posten zurück, so werden den„Voyageurs" ihre, d". reiche kleine Vorschüsse allerdings schon stark"ct. j, Löhne ausgezahlt, und dann beginnt ein süßes N', das um Weihnachten in arges Hungerleiden übeA Vk Werbungen für den nächsten Sommer eine Stelle und damit auch Geldvorschüsse versm""l Das ist das tolle Völkchen der kanadischen„Voh"h L Desselben beizutragen; ein jedes Mitglied sei Agitator, ein jeder luche die Fernstehenden heranzuziehen.— Bei der Wahl des -voistandes wurden wiedergewählt: Robert Schultz, August Steindorff, Vorsitzende', Frauke, Kassirer; Tubbecke. Schestel, neuqewähll wurde Armerding als zweiter Kassirer und Gutsche als Beisitzer. Von den Revisoren schied Herr J�eise aus seinem Amte, und wurde derselbe durch Herm ysocooed ersetzt. Der Verein beschloß, am Sonntag, den Juli, eine Herrenpartie zu veranstalten; das Nähere wird noch bekannt gemacht. In der Versammlung des Fachvereins der Töpfer, welche am Mittwoch, Köpenickerstr. 100 stattfand, ver- «ls der Vorsitzende, Herr Bormann, zunächst das Statut des Vereins, um zu beweisen, daß der Verein auf gesetzlichem Boden die materielle und moralische Lage der Töpfer zu heben oestrebt ist und berechtigt sei, an die Meister die Forderung zu stellen, daß sie das Streben des Vereins unterstützen. Der Verein habe sich mit dem Gesuche an die Meister gewendet, dce Lage der Gesellen zu prüfen und eine Regelung der Lohn- Verhältnisse herbeiführen zu helfen. Da die Master diesem Gesuche in keiner Weise Folge gegeben, habe der Verein allein vorgehen müssen. Der Minimalakkord-Lohntarii, den die vom Verein eingesetzte Lohnkommission ausgearbeitet hat, sei in öffentlichen Versammlungen gut geheißen und dann allen Meistern zugeschickt worden mit der Aufforderung, durch Namcnsunterschrift sich auf denselben zu ver- Pflichten. Von den gerecht das Vorgehen der Gesellen Von vielen Meistern sei der gesinnten Meistern werde gebilligt und unterstützt. Tarif bereits unterschiieben worden. Tie sehr lebhafte Diskusston, an welcher sich auch zwei Meister, die Herren Haase und Tick, betheiligten, bezog sich vor- Zugsweise auf die feindselige Haltung, welche von den am Montag, Neue Friedrichstraße 44, versammelt gewesenen ca. 30 Meistern dem Fachverein und den Gesellen gegenüber cmgenmnmen worden ist. Nach dem im„Berliner Volksblatt" erschienen Berichte, welcher in seinem Wortlaut mitpetheilt wurde, wurde die Lohnkommisfion der Gesellen von der Theil- Nähme an dieser Versammlung ausgeschlossen. Den Gesellen wurde die Berechtigung dazu, die Regelung der Loanfrage in vre Hand zu nehmen abgesprochen. Vom Obermeister und Stadtverordneten Grothausen wurde der Fachverein als eine «Gesellschaft" bezeichnet,„die sich zusammen- ß er ott et habe, um höhere Löhne zu erzielen". Sich zuerst kannten. Petition an den Reichstag, Arbert-ttchutzgesetz betr., ...■' sa. Bernstein,»ergstroße 07, liegt zur Unterschrift aus. an der Jnvalidenstraße. ßigarreu eigener Kaörik. sowie alle So t-n Rao�-. kau- u. Schnupfiadate en pfiehst JL. Kunze, Fmst-'Nrafe 2. 1124 Henkel's B l e i ch- S o d � an Wasch- und Bleichkrast unerreicht in Pfuuvpacketen zu 15 Pfq. Zu haben in allen Droguen-, Seifen- und Coionialwaarengeschästen. General-Depot Job. Schmalor, NW. Schiffbanerdammfl* NMIi W QO m.-i m NKu Vtttwig. d. Uelalllirbritkr DkutslhI. Die zu morgen Abend angezeigte Versammlung dei, der Interessen der Favrtt-& (Mitgliedschaft Berlin Osten.) ' �ult, Abends 8V. Uhr, im ReMontag. den 20 staurant Wohlhaupt, anteuffelstr. 9: Mitglieder-Vkrsammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. med. Zadeck: „Ueber Darwinismus". 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen.|1644 Der Vorstand. I Vereins zur Bau-Arbeiter �, | ohne Lokal findet Andreasstr. 2t bei Hrn. Kell� im oberen Saale statt. Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Montag, den 20. Juli, Abends 8 Uhr. Berfammluug Im Wedding-Park, Müllerstraße 178, Tagesordnung: 1. Vorttag. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten.— Eingeführte Gäste willkommen.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht[1643] Der Vorstand. Für die streikenden Steinträger find dei uns abgeliefert worden: Vom Arbeittr-Bezirks-Verein im Osten(Tellersammlung l 20 Mk. 95 Pf. Die Streik-Kommisston. I. A.: Noedig. zrli.-bej.-vercill f. d.#n Kttlii» Grosse Familien-Landpartie nach Grünau straße 35a, III., und Schulz, Friedensttaße 72, zu haben. für Vergnügen und Ueberraschungen aller Art bestens(ffj j ist, so Bittet um recht rege Betheiligung der Mitglied«*� auch Gäste 1* Das Vergnügungs-Ko m i� Für die Familien der streikenden Maurer j md bei uns eingelaufen: Durch Frau StägemahN � /r Misfiluder�Vcrsammlung des Arbeiterinnen- Verer'�.,»' 2. Juli 6 Mk. 23 Pf.— Von der öffentlichen Arbeiterin, Versammlung am 10. Juli ebenfalls durch Frau@1'": mann 25 Mk. 84 Pf. Für die Kommission der Maurer; H. Schulz. Verantwortlicher Redatteur R. Crouheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthsttaße 2. «t Zuerst' See, 1