w oofa W bunW tannW fiimi ifanwt .3�! aartf1 bron* Ur. IV7. Dienstag, den 21. Inli 1883. II. Jahrg. imlunj- stanM en- sl» Tagck to».' Ildem" äug f, Z!S UnW Organ für die Interessen der Arbeiter. rf#'' ■onnttj fnfli'" bttf. Das„Berliner Volksblatt" Mchentt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS für JJ**"» frei in S HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Poftabonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in oer PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnsertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 U Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. im Redaktion: Kenthstraste 2.— Expedition: Zimmerstraste 44. s# >da»� idntfjl' i 9� Scntn'1' ng mntWj itusdn» SÄ KS! chluß- Der Niedergaag des Llderalismus. Vor den Wahlen pflegte Herr Eugen Richter sonst �uen gewaltigen Spektakel zu machen. Er schlug die Heer- pauke immer so laut als möglich, um den Feind über die �ahl der von ihm befestigten Truppen zu täuschen. Das 5, Ä oo" abgestandenen„FreiheitS"-Phrasen, das den Geraten, refp. Freisinnigen zu Gebote steht, wurde jolchen Gelegenheiten immer gänzlich erschöpft. Das ist diesmal ganz anders geworden. Die Wahlen .Of P re ußis ch en Landtage sind nicht mehr fern OK Zeh, da sonst der Schlachtruf des Führers für die »erale Opposition zu erschallen pflegte, ist schon vorüber. ii" den Reihen dieser liberalen Opposition bemerkt man «ßmuth, Verzagtheit und Pessimismus. Ein„frei- sinniges" Blatt in Berlin, daß sich immer, wir Msen nicht, mit welchem Recht, so geberdet, als ob W Eugen Richter ganz besonders nahe stände, r./;•© e r l i n e r Zeitung" meinte jüngst, die frei- llnnige Partei könne„bei rechtzeitiger und richtiger Thätigkeit Besitzstand im Abgeordnetenhause behaupten oder ein paar Mandate gewinnen. Zm Uebrigen wird die„Müdig- �it und Verdrießlichkeit" auf liberaler Seite Odn dem genannten Blatte selbst konstatirt. Der Richter'sche Liberalismus giebt also die Versuche ?uf, die Volksmasien über seine Aussichtslosigkeit und feine >nnere Zerfahrenheit zu täuschm. Herr von Bennigsen, o*. Führer des rechten Flügels, hat dies schon vor längerer W 5e�an und seine von ihm verlassenen Anhänger sind �.Konservativen so nahe gerückt, daß sie kaum mehr von % 3U trennen sind. Die„Nationalliberalen" sind in vativ jkioe jiberale Partei mehr, sondern eine konser- Fliw f Herr Richter, der Führer des linken oppositionellen 1 j(i suchte mit der„Fusion" eine neue„große su���ole Partei" zu bilden, allein der Ver- snÄ'st kläglich mißglückt. Wohl fanden sich die MZ?�Snügten a la Bamberger, die «Mten »i j6" Ministeraspiranten bei Richter la verun- Forckenbeck und die liberale Opposition ; c r t bei Richter ein, allein die uverale �ppopnon H ote keine innere Kraft mehr gewinnen. Die Forckenbeck, ben Rickert nehmen sich auch nicht mehr gut aus in e Rethen einen Opposition gegen dieselbe Regierung, der '° lange die unbedingteste Heerfolge geleistet haben. da« m liberale Opposition besitzt zu wenig Macht über Bolksaemüth— so lautet die Klage des oben W,""ten liberalen refp.„freisinnigen" Blattes. Nun, r">ber wnllen w i r nicht klagen, sondern uns herzlich $ daß es so gekommen. Was hatte denn auch das it».. A omüth zu thun mit diesem heuchlerischen Liberalis- _' Anter dessen schillernden und gleißenden, auf das arg- -"twm.] Ieuilteton. Das Mormonenmiidchen. Amerikanische Erzählung von ch HI Damen' tenfl6lO; Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.) fein- i;m erschrak und ein derber Fluch rollte über bcr° �ppen, denn er glaubte nunmehr am verfrühten Ende 'hm gestellten Aufgabe zu sein. Mit einem Sprunge stein» Mischen den Fußgängern auf dem Bürger- beke'e'ne Ellenbogen arbeiteten rücksichtslos und un- te(j)1,nmert um die ihm zugeschleuderten Schmäbreden nach Vb•.......... weit von derselben entfernt waren. SD 11675 9 a. tPft,«m vir iijm jutyclu/ituutiicu uuu� 3),[ und links, und er erreichte glücklich die Ecke der �Mgasse, atz seine Piraten in der That schon dreißig q'e weit von derselben entfernt waren. Jeuat f-ch �'ese Gaste war nur wenig belebt, und Rast über- � er hier mit Behutsamkeit vorzugehen habe, w. ,er auf alle Fälle mit seiner hervorragenden und leicht hex?ouoen Figur unentdeckt bleiben wolle. Hinter ihnen sällir, che» erschien ihm gefährlich, weil bei einem zu- t� Zurückschauen ihre Blicke gerade auf ihn fallen h,�"'?r besann sich daher nicht lange, sondern eilte, die �stalten immer fest im Auge behaltend, mit langen cxN schräg nach dem andern Bürgersteige hinüber. olltnaf>omem Eifer und in der Aufregung, in welche er ijg"9 hineingerathen war, achtete er aber nicht auf den ettoL001;.�' und als er eben über die Gosse nach dein ittit»i"Holsten Trottoir hinaufsprang, prallte er so heftig ttev,; M"1 Fußgänger zusammen, daß er beinahe das Gleich- ra �loren hätte. »nit v' �oddam!" grunzte er zähneknirschend, und immer noch Wib /inen Auge nach den sich entfernenden Gestalten ge-iet. ichielend, hob cr seine Faust, um durch einen wohl- treten/" �lag das so höchst unzeitia in seinen Weg ge- WM"ud nur aus einem einzigen Manne bestehende Hin- -.gus dem Wege zu räumen. �ser dagegen mochte die Gefahr, in welcher sein, Ge- lose und vertrauensvolle Volksgemüth berechneten Phrasen sich die herzlose Manchester-Theorie verbarg, die Lehre vom Recht des Stärkeren in modern-volkswirthschastlicher Form! Es gab eine Zeit, da die Liberalen im Rohr saßen und sich Pfeifen schnitten. Wir wollen nicht leugnen, daß die liberale Gesetzgebung ein gut Stück alten Schuttes hinweg- geräumt hat; was sie indesten an positiven Neuerungen fchuf, hat sich im Allgemeinen nichts weniger denn bewährt. Wir übergehen hier anerkennenswerthe Ausnahmen, wie die Gesetze über die Zivilehe, die Beurkundung des Personen- stands u. a. m.; wir wenden uns gegen den G e i st der liberalen Gesetzgebung überhaupt. Man brach alle Festeln, um angeblich dem„ a leich en Wettbewerb Aller" im wirthschaftlichen Leben freie Bahn zu schaffen; allein dieser Wettbewerb war ein sehr ungleicher. Es standen sich von vornhereinStarke undSchwache, Bewaffnete und Unbewaff- nete gegenüber. Der„Wettbewerb" bewirkte nur, daß die Schwäche der Schwächsten offenbar wurde; sie wurde Gewißheit, wo sie nur geahnt wurde. Die moderne wirth- schaftliche Anarchie, der Kampf Aller gegen Alle, trat ein. Man suchte in dem allgemeinen Wirrwarr nach einem festen Punkt, nach irgend einem rettenden Anhalt und man sah Solches im Staat. Allein da kam die liberale Theo- rie, die behauptet, den Staat gingen die wirthschaftlichen Verhältniste gar nichts an; sie regelten sich von selbst. Dabei wurde der Wirrwarr immer größer; die Hauptver- treter des Liberalismus, die Industriellen und die Börsen- männer, suchten für sich noch zu retten, was zu retten war. Egoismus und Mangel an Verständniß für die Zeit- fragen haben den Liberalismus geleitet und das Volk wendet sich von ihm ab, nachdem es dies ein- gesehen. Die Schwäche des Liberalismus hat den Konser- vativen freiere Bahn gemacht. Ein großer Theil des Volkes nimmt die reaktionären Bestrebungen der Konservativen mit in den Kauf, nur weil es von denselben wirthschaftliche Er- leichterungen erwartet. Die Erkenntniß, wie sehr man sich in den Konservativen getäuscht hat, wird auch nicht lange aus- bleiben. Der konservative Staatsgedanke erscheint dem auf- geklärten Theil unseres Volkes nicht sympathisch. Der Libe- ralismus weist dem Staat eine ganz untergeordnete Rolle *u, die Konservativen wollen Alles vom Staate bevormun- den lassen. Das Eine ist so unzeitgemäß wie das Andere. Das beim Liberalismus auch starke Hoffnungen vorhanden sind, es werde wieder eine„liberale Epoche" kommen, ist nur natürlich. Allein ebenso natürlich ist, daß diese Hoffnungen sich nicht verwirklichen werden. Die starke Strömung, die heute in Deutschland auf die Lösung wirthschaftspolitischer Probleme hindrängt, beweist, von welchem Geiste die Zukunft erfüllt sein wird. Der manchesterliche Liberalismus gehört im ficht schwebte, nicht unterschätzen und wohl einsehen, daß es zu einem Ausweichen zu spät sei, denn ehe noch die furcht- bare Faust ihr Ziel mit unwiderstehlicher Gewalt traf, hatte er sich auf den Bootsmann geworfen und ihn so fest und gewandt umklammert, daß derselbe, um seinen Gegner zu treffen, zuerst sein eigenes Gesicht hätte zerschmettern müssen. I m Konzertsaal. Fast zu derselben Zeit, zu welcher Jim Rast sich mit den seiner Wachsamkeit anempfohlenen Pastagieren nach der Matrosenschänke begab, standen im oberen Broadway, dem fast ein Häuserviereck einehmenden New-Pork-Hotel schräg gegenüber, zwei junge Männer vor einer breiten offenen Doppelthür, über welcher, trotz der noch herrschenden TageS- helle, in Transparentschrist die Worte:„Theater, Konzert und Erfrischungen" zu lesen waren. Sie hatten ihre Aufmerksamkeit einem großen Zettel zu- gewendet, welcher die an diesem Abend im Innern des Hauses stattfindenden Vorstellungen verkündete. Es waren zwei kräftige junge Männer mit vollen krausen Bärten, die, obgleich ihre Tracht in mancher Beziehung Aus- länder bekundete, in Haltung und Benehmen jene Sicherheit zeigten, welche darauf hindeutete, daß sie nicht mehr so ganz fremd auf dem amerikanischen Kontinent seien. Welche Art von Geschäften sie trieben, denn nur reiche Leute und Vagabonden, welche über das Mein und Dein keinen recht klaren Begriff besitzen, vermögen in New-Aork ohne jede Beschästtgung zu leben, ging aus ihrem Aeußern nicht her- vor; daß sie aber, um sich den Lebensunterhalt zu ver- schaffen, noch nicht zu schweren Handarbeiten ihre Zuflucht genommen, das bewiesen die weißen, wohlgepflegten Hände, die große Sauberkeit ihrer feinen Wäsche und der modische Schnitt ihrer ganzen Kleidung.— „Was meinen Sie, lieber Werner, wollen wir eintreten und hier ein paar Stunden verbringen?" fragte der kleinere der beiden Männer, nachdem er den Zettel zu Ende �„Warum nicht?" fragte der andere lebhaft lachend zurück.„Ein amerikanischer Schilling Eintrittsgeld, dafür eine Marke auf ein Glas Bier oder was uns sonst beliebt, Gegensatz zu der neuen Ideenwelt, die unsere Zeit charakte risirt, bereits der Geschichte an. Ob die Richter, Bamberger und Genossen auf eine Zeit lang politischen Einfluß besitzen oder nicht, das ändert an der Sache gar nichts. politische Ueverstcht. Ueber die Belobigung der Kieler Polizei durch Herrn von Putttamer wegen ihres nach der Erklärung des Reicks- tages verfassungswidrigen Vorgehens gegen die sozialvemokra« tischen Abgeordneten Frohme und Vollmar, schreibt man der „Voss. Ztg.":„Die Aeußerung des Herrn von Puttkamer ist nicht für die Oeffentlichkeit berechnet gewesen, auch existtren über den Wortlaut verschiedene Lesarten. Sie wurde gemacht in einer nicht öffentlichen Sitzung der städtischen Kollegten bei der Vorstellung der Mitglieder des Magistrats und des Stadt- verordneten-Kollegiums. Herr v. Puttkamer soll bei dieser Ge- legenheit besonders mittheilsam gewesen sei, ohne jedes Wort auf die Goldwage zu legen, er sprach nicht nur über städtische Sachen, sondern u. A. auch über den Berliner Streik, Nord- Ostsee- Kanal und Eisenbahnen. Die an den Chef der Kieler Polizei, Herrn Stadttath Lorenzen, gerichteten Worte wurden mit leiser Stimme gesprochen und nur von den Allernächststehenden verstanden. Der streng vertrauliche Charakter der Auslassungen des Ministers ist von keinem Mitgliede der Kieler Stadtkollegien in Zweifel gezogen worden. Mag man deshalb über die Belobigung der Kieler Polizei denken wie man will, eine öffentliche Demonsttation gegen die Rechtsauffassung des Reichstages kann nicht damit beabsichtigt gewesen sein."— Zunächst ist hiernach zu konstatiren, daß der Herr Minister that- sächlich die Polizei gelobt, resp. ihr unstatthaftes Verhalten ge- billigt hat. Daß dtes nur„vertraulich" geschehen ist, ändert nichts an der Sache. Herr Eugen Richter veröffentlicht in der„PosenerZtg.", n Organ, welches thm stets willig seine Spalten zur Ver» sUgung stellt, über die neue„Demokratische Partei" folgendes: „Seit Monaten ist in der Presse unb_ in politischen Kreisen viel von einer neuen Partei die Rede. Sic nennt sich„Demo- lratische Partei" und ist von dem Abg. Lenzmann und dem früheren Abg. Phillips gegründet worden, als die Fusion zwischen der Fortschrittspartet und der Liberalen Vereinigung eingetreten war. Es hat zwischen Herm Lenzmann und Herm E. Richter scharfe Polentiken gegeben, und andererseits sind innerhalb der„Süddeutschen Volkspartei" beinahe Spaltungen vorgekommen, weil man zu keinem Ucbereinkommen über die Stellung der süddeutschen zur norddeuschen Demokratie kommen konnte. Wenn man nun fragt, um was der ganze Lärm getobt hat, so erfährt man, daß die„Demokratische Partei" überhaupt keine Partei ist, sondan ein Häuflein sehr ehrcnwerther, über- zeugungstreuer Männer, die keinen Anhang haben, eine Armee ohne Soldaten, die zu Versammlungen in der Millionenstadt Berlin etwa 80 Mann heranziehen kann, unter denen sich überdies wohl noch einige zur„Partei" nicht gehörige Gäste befunden haben. Gerade soviel Mormonen giebt es in Berlin, wie man kürzlich erfahren hat. Wenn die freisinnige und obenein noch Theater und Konzert? So etwas wird mir nicht alle Tage geboten." Die jungen Leute drängten sich an die Kaste, und bald darauf waren sie im Besitz von Marken, mit welchen sie fünf oder sechs Stufen nach dem Innern des Hauses zu hinaufstiegen, wo ein grüner wollener Vorhang und ein sauber gekleideter Kastendiener ihnen den Weg versperrten. Sobald sie ihre Marken vorgezeigt, wurde der Vorhang vor ihnen gehoben, und sie befanden sich an dem Ort, an welchem sie alle auf den Zetteln versprochene» Dinge ken- nen lernen sollten. Der Musentempel bestand hiet in einem hell erleuch- teten, sehr geräumigen, länglich viereckigen Saale, auf dessen einem Ende eine kleine Bühne errichtet worden war, wäh- rend dieser gegenüber eine quer durch die Breite der Halle reichende Gallerie die Stelle der Logen vertrat, welche ebenfalls für Jeden, der seine Marke gelöst hatte, zugäng- lich war. Vor der Bühne stand, als Orchester, ein großer, auf- geschlagener Flügel, und vor diesem saß ein schmächtiger junger Mann, besten ganzes Aeußere sehr eindringlich er- zählte, daß seine Kunstfertigkeit und seine Stellung als Kapellmeister ihn nicht über alle Sorgen einer undankbaren Welt erhoben. Den übrigen Flächenraum des Saales bedeckten kleine Tische und Stühle, die so geordnet waren, wie es eben der Laune der zeitweiligen Besitzer gefiel, oder wie die Rück- sichtnahme auf Raumersparniß es hatte wünschenswerth er- scheinen lasten. Nicht weniger dicht, wie der Flächenraum des Saales, war auch sein Kubikinhalt angefüllt, und zwar mit Dampf von so vielen und so verschiedenartigen Zigarren, daß man hätte meinen mögen, es seien hier alle Sorten eines sehr reichhaltigen Zigarren lagers, von der feinsten Havannah bis zum geringsten Virginia- Kanaster nicht nur vertreten ge- wesen, sondern auch durchgeprobt worden. Als die beiden Deutschen unter dem Vorhange durchge- treten waren, standen sie still, und prüfend sendeten sie ihre Blicke über die nur aus Herren bestehende Gesellschuft, Partei nicht anders bedroht ist, dann kann sie ruhig schlafen. Letzthin haben die„norddeutschen Demokraten" wieder eine Versammlung abgehalten. In die Agitation zu den bevorstehenven Landtagswahlen einzutreten, verbietet ihnen die Scheu vor einer Blamage, weil sie aber politische Männer sind, die nicht willens sind, eins ihrer vornehmsten staats- bürgerlichen Rechte preiszugeben, so haben sie sich dahin ge- einigt, die ihnen nächststehende Partei bei den Landtagswahien zu unterstützen. Welcher Partei der Vorzug zu Theil werden wird, kann man nicht vorher wissen. Da aber die Sozial� demokraten voraussichtlich„um nicht Berussparlamentarier zu züchten", sich an den Landtagswahlen nicht betheiligen werden, so kann nur noch die freisinnige Partei in Betracht kommen. Dann aber wird es zum ersten Mal eintreten, daß eine Partei eine andere, die sie grimmig haßt und befehdet, in der freund- schaftlichsten Weise unterstützt."— Merkwürdig ist, daß hier von einem Häuflein sehr ehrenwerther, überzeugungstreuer Männer die Rede ist, während der„Reichsfreund", das Leibor�an des Herrn Richter, noch bis vor Kurzem reckt unglimpflich mrt diesen Männern umging. Daß die neue Partei ein todtgeborenes Kind ist, haben wir zu wiederholten Malen behauplet, es kann heute nach Lage der Sache außer der sozialdemokratischen keine demokratische Partei mehr geben, aber dem deutsch freifinnigen Mischmasch könnte dieses Häuflein bei geschickter Leitung doch recht unangenehm werden. Das Krankenkassengesetz hat die freien Hilfskassen schon so sehr beschränkt, daß man glauben mußte, sie würden nicht in ihrem alten Umfange weiter bestehen können, zumal die Be- Hörden mit der Bestätigung der revidirten Statuten so lange zögerten, daß durch eine Novelle erst noch die Möglichkeit ge- schaffen werden mußte, die Umwandlung der Kassen nach den neuen Vorschriften zu beenden. Aber trotzdem ist der„Reichs- böte", das Organ des Herrn Stöcker, damit noch nicht zu- frieden; er möchte die freien Kassen ganz beseitigen und nur Zwangskaffen zulassen. Die„Zwiespältigkeit" der Versicherung gefällt ihm nicht, das Vorhandensein der freien Kassen erweise sich als ein Hinderniß für das Einleben der neuen Einrichtung. Der„Reichsbote" vergißt, daß es ohne das Vorhandensein der freien Kassen nicht möglich gewesen wäre, das Gesetz überhaupt so schnell auszuführen. Denn die Bildung der Ortskranken- lassen rc. vollzog sich nicht überall so leicht wie in Berlin, wo schon eine feste Grundlage vorhanden war; die Schwierigkeiten waren auch in Berlin noch groß genug. Wenn etwas der schnellen Einbürgerung des Gesetzes hinderlich gewesen, so war es die Antipathie der Arbeitgeber. Der„Reichsbote" beruft sich allerdings auf den Bericht der Dresdener Handelskammer, welcher konstatirt, daß die Arbeitgeber der ihnen auferlegten Beitragspflicht bereitwillig genügen. Gerade aus Dresden aber und anderen Städten des Königreichs Sachsen kamen die Klagen, daß die Meister nur solche Gesellen annehmen wollten, welche ven Nachweis lieferten, daß sie einer freien Hilfskasse angehörten. Auch in Preußen wurden ähnliche Fälle konstatirt: sie geben sogar dem Handclsminister Gelegenheck,_ eine keineswegs schmeichelhafte Kundgebung gegen die betreffenden Meister zu erlassen. Die große Bereitwilligkeit der Arbeitgeber, von der der„Reich-bote spricht, ist also vielfach vermißt worden. Wenn der„Rechsbote" bann meint, die Steigerung der Simulationen, von welcher mehrfach berichtet wird, rühre nicht von der mangel- haften Kontrole bei den Zwangekassen her, sondern davon, daß die Arbeiter neben der Zwangstasse auch noch einer freien Kasse angehören und sich so beim geringsten Anlaß krank melden, um doppeltes Krankengeld zu beziehen, so ist darauf hinzuweisen, daß die Vorschrift des Gesetzes, wonach bei solcher doppelten Mitgliedschaft das Krankengeld den Betrag des durchschnitt- lichen Tagelohnes nicht übersteigen darf, in vielen Statuten der Ortskrankenkaffen bereits aufgenommen worden ist. Uebrigens wird bei solcher Doppelmitaliedschaft die Kontrole s-itcns der freien Kasse eine um so schärfere sein, denn sie hat ja den vollen Betrag des Krankengeldes zu ent- richten, während die Zwangskasse die Kürzung eintreten lassen kann. Die deutsche Reichsregierung führt zur Zeit Verhand- lungcn mit den Vereinigten Staaten wegen Berechnung der Tonnen gebühren für Schiffe, die in amerikanische Häfen ein- laufen. Der bisherige Tonnensatz von 15 Cents ist vor Kurzem dort für Schiffe derjenigen Länder, die mit Nordamerika auf dem Fuße der Meistbegünstigung stehen, auf 3 Cents herab- gesetzt worden' darüber hinaus rst aber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten das Recht eingeräumt worden, noch niedrigere Tonnensätze oder Gebührenfreiheit für die Schiffe derjenigen Länder einzuräumen, in deren Häfen die Schiffe der Vereinigten Staaten niedrigere oder gar keine Tonnen- gebühr zu zahlen haben. Da diese Voraussetzung für Bremen und.Hamburg zutrifft, so ist zu erwarten, daß schon in nächster Zeit die deutschen Schiffe im Verkehr mit den Vereinigten Staaten sich einer beträchtlichen Begünstigung zu erfreuen haben werden— wenn die Regierung der Vereinigten Staaten nicht, in Anbetracht der erhöhten Komzölle, von dieser Vergünsti- gung Deutschland gegenüber Abstand nimmt. Also ab- warten! Für die Lachsfischerei im Rhein stellt der vom schwei-' offenbar, um einen noch leeren und ihren Wünschen am meisten entsprechenden Tisch zu entdecken. Es wurde gerade ein Gesangstück vorgetragen; sie ver- mieden daher, durch das Rücken von Stühlen Geräusch zu erzeugen, obgleich es in anderer Beziehung ziemlich frei dort herging und die wenigsten der Leute sich durch die Musik in ihrer Unterhaltung stören ließen, wenn sie dieselbe auch nur iir flüsterndem Tone führten. „Wie gefällt es Ihnen hier?" fragte der Mentor, oder vielmehr Falk, wie er hieß, seinen Gefährten, nach- dem er sich eine Weile an der Ueberraschung desselben ge- weidet hatte. „Prächtig!" entgegnete Werner lebhaft,„dergleichen haben wir in Kalifornien noch nicht, trotzdem wir auch dort schon ziemlich weit in der Kultur vorgeschritten sind. Man findet hier ja alle Nationen und Stände vertreten. Dort drüben Franzosen, hier wieder Stockamerikaner, nicht weit davon die brutalen irländischen Gesichter, und die Gesell- schaft an jenem Tisch, die sich etwas abgeschloffen hält, kann doch nur aus Deutschen bestehen." „Sie haben recht," versetzte Falk, mit den Augen der angedeuteten Richtung folgend.„Es sind Deutsche, und zufällig kenne ich dieselben. Der alte, ehr- würdige Herr, der wie ein Patriarch unter den drei jungen Leuten sitzt, ist einer der geachtetsten Männer New- Aorks, der während seines langjährigen Aufenthalts hier, wenn auch nicht in seinem Herzen, so doch in seinem Aeußern und Wesen ganz amerikanisirt ist. Die beiden jungen Leute an seiner Seite, ich meine den schmächtigen mit dem noch jugendlichen schwarzen Bart, und den wohlbeleibten mit dem dünnen Haar und dem starken, gelben Schnurrbart, sind zwei deutsche Edelleute, die ihrem (Stande und ihrem Herkommen die größte Ehre machen. Sie sind sehr beliebt unter den Amerikanern und tragen viel da- zu bei, die Vorurthcile, welche man hier im Allgemeinen gegen die höheren Stände in Deutschland hegt, immer mehr schwinden zn machen..Ihr dritter Gefährte, der mit dem behaglichen Ausdruck und dem langen, dichten, blonden Bart, derselbe, der den alten Herrn zetzt mit einem gutmüthig ver- schmitzten Lächeln von der Seite betrachtet, ist ein Mann, zerischen Bundesrath genehmigte Vertrag zwischen den deutschen Rheinuferstaaten, Holland und der Schweiz eine gemeinschaftliche Schonzeit fest. Zunächst ist bestimmt, daß in jeder Wcche der Fang 24 Stunden unterbleiben muß, nämlich jeden Sonn- tag im Jahre, unv dann findet eine Herbstschonzeit von zwei Monaten statt, welche am 16. August beginnen und am 15. Oktober endigen soll. Zu dem jetzt erschienene» Pensionsgesetz für Volks- schullehrer und Volksschullehrerinnen macht die„Preußische Schulztg." darauf aufmersam, daß nach der Regierungs-Auf- faffung die Lehrer, welche vor dem 1. April 1886 behufs Pen sioniiung kündigen, letztere noch nach der alten Weise zu gewärtigen haben und warnt die Betreffenden, die etwa der Meinung sind, daß, wenn sie mit dem 1. Januar 1886 die Kündigung zum 1. April einreichen, sie schon nach dem neuen Gesetz in Ruhestand versetzt werden. Die Auffassung der „Schul-Zcitung" scheint doch wohl nicht zutreffend, wenngleich möglich. Zum Empfang des Telegraphen-Kongresses werden die Jnnenräume des hiesigen Zentral Telegraphcnamts bereits hergerichtet. Auf dem Kongreß find sämmtliche Telegraphen- Staaten der Welt, theils durch Regierungs-, theils durch Ge- sellschafts-Kommiffarien vertreten; ebenso versendet zu den Ver- Handlungen die physikalische Wissenschaft ihre ersten und besten Repräsentanten, denn es handelt sich darum, nicht blos Verein- barungen administrativer Natur zu erzielen, sondern auch die neuesten Resultate auf dem Gebiete der Elektrizitätslehre auf ihre Verwendbarkeit hin zu prüfen. Zu dem BeHufe wird der Kongreß ebenso interessante wie wichtige Experimente anstellen, zu deren Ausführung das hiesige Zentral Telegravhenamt vor- zügliches Material darbietet. Hiernach dürften die Wissenschaft lichen Ergebnisse des Kongresses nicht minder wichtig werden, als die etwaigen Verabredungen zur Erzielung neuer Tarife und einheitlicherer Ausgestaltung der verschiedenen Telegraphen- Verwaltungen. Das ideale Vorbild für den Welt-Telegraphen- verband bleibt der Well Postverein mit seinen minimalen gleichen Portosätzen. Und wenn auch nicht zu erwarten ist, daß der bevorstehende Kongreß in dem gewünschten Umfange Tarif- reformen durchsetzen wird, so glaubt man doch, daß nach dieser Richtung hin nicht Unwesentliches geschaffen werden kann. Der Gesetzentwurf, betreffend den Bau und die Er- Weiterung mehrerer Kanäle in Preußen ist. wie man den „Hamb. Nachr." von hier mittheilt, soeben im Verkehrsministe- rium fertiggestellt worden. Der Nord-Ostscekanal gehört nicht ' ierzu, da derselbe als Reichsangelegenheit behandelt wird und ei dem fraglichen Kanalgesev-Entwurfe nur preußische Jnter essen in Betracht koinmen. Der Gesetzentwurf, betreffend den Bau des Nord-Ostseekanals ist allerdings ebenfalls im Mini- stcrium für öffentliche Arbeiten ausgearbeitet worden. Der- selbe wird übrigens auch den preußischen Landtag be- schäftigen müssen, da die Zahlung von 50 Millionen Mark Präzipualbeitrag Preußens der Zustimmung des Landtages bedarf. Offenbach. Dem im Frühjahr zum Beigeordneten derbe- nachbarten Gemeinde Mühlhcim gewählten Sozialdemokraten Schuhmacher Wolf daselbst ist nach dem„Offenb. Tagebl." laut Beschluß des Kreisausschusses vom 27. Juni die Bestätigung nicht cttheilt worden, weil aus den durch die betreffenden Be- Hörden mitgetheilten Bestrafungen des p. Wolf hervorgehe und allgemein bekannt sei, daß derselbe bei seiner agitatorischen Thätigkeit eine Richtung zu erkennen gegeben habe, die mit der Verwaltung eines öffentlichen Amtes, dem vor Allem die Auf- rcchterhaltung der staatlichen Ordnung obliegt, unvereinbar sei und nicht angenommen werden könne, daß p. Wolf als Beige- ordneter seinen ausgeprägten Standpunkt aufgeben werde. Diese Entscheidung stützt sich namentlich auch auf eine Ver- urtheilung des Wolf durch das königlich sächsische Gerichtsamt Treuen wegen Verbreitung staatsgefährlicher Lehren. Herr Wolf beabsichtigt, gegen diese Enlscherdung bei dem Provinzial- ausschuß Rekurs zu verfolgen. Posen. Die Zweifel in Betreff der Autentizität des an- geblichen Vcrhattsbefchls gegen Rogozinski veranlassen den „Dz. P." die Namen des Ortes und des Landraths zu ver- öffentlichen. Der in Frage stehende Steckbrief kommt aus dem Kreise Stuhm und ist unterzeichnet von dem Landrath Nespel oder Neffel. Der„Dz. P. fügt die Bemerkung hinzu, daß gewiß auch andere Landräthe einen derartigen Steckbrief erlassen haben. Frankreich. Zwischen dem Erzbischof von Toulouse und dem Pfarrer des Dorfes Bragayrac(Haute Garonne) ist ein Streck ent- brannt, auf dessen Ausgang man gespannt sein kann. Dieser Pfarrer, der Abbs Philbert, ein ehemaliger päpstlicher Zuave, der zur Republik übergetreten ist, soll sich voriges Jahr bei einem Wahlkampfe durch seine Leidenschaftlichkeit ausgezeichnet haben und wird von der Reaktion beschuldigt, damals der An- stifter einer Schlägerei gewesen zu sein, welche mit dem Tode eines Mannes endigte. Die Wittwe des Ermorvcten. unzu- frieden mit dem Mißerfolg der gerichtlichen Nachforschungen, beschloß, sich selbst Gcnugthuung zu verschaffen, und suchte vor etwa zehn Tagen den Pfarrer Philbert in einem Felde auf, der den größten Theil der letzten zehn Zahre in den un« wirthlichen Regionen zwischen dem Missouri und den Küsten der Südsee zugebracht hat. Sie sehen es seinem, von der tropischen Sonne gebräunten Gesicht an, daß er eben erst von einer solchen Wüstenreise zurückgekehrt ist, und sich doppelt glücklich im Kreise seiner Freunde fühlt. Ha ha ha! ich wette darauf, die drei heiteren Gesellen haben den alten Herrn unter irgend einem Vorwande, hierhergelockt, und freuen sich hinterher darüber, daß er, der von Musik sehr wenig versteht, sich augenscheinlich so gut unterhält. DaS seiner Frau, einer sehr feinen und liebenswürdigen Amerikanerin, darf er nicht sagen, wo er gewesen ist." Ein mächtiger Akkord auf dem Klavier, dem noch einige Läufer nachfolgten, und eine tiefe Verbeugung des als irlän- discher Kärner verkleideten Sängers auf der Bühne sagten, daß wiederum eine kleine Pause beginne, und fast augenblick- lich setzten sich die Aufwärter in Bewegung, um sich nach den Wünschen der neu hinzugekommenen Gäste zu erkundigen und ihnen, gegen Einhändigung der Eintrittskarte, ein ge- füllteS Glas zu verabreichen. Falk und Werner benutzten die Pause und nahmen an einem Tischchen, nicht weit von der Gruppe der Deutschen, Platz, wo sie also ziemlich ungestört ihre Unterhaltung weiterführen und zugleich den ganzen Saal der gemischten Gesellschaft übersehen konnten. Nachdem sie fodann Erfrischungen für sich bestellt, und, um das Unbequeme einer durch Tabaksdampf verdichteten Atmosphäre weniger zu empfinden, ihre Zigarren ange- zündet hatten, setzten sie ihr unterbrochenes Gespräch wie- der fort, welches vorzugsweise das Zunächstliegende, ihre Umgebung betraf. „Es ist eigenthümlich," begann Werner,„daß, wohin man sich auch immer wenden mag, die verschiedenen Nationalitäten, und haben sie noch so länge die amerikanische Luft eingeathmet. sich stets so auszeichnen, daß sie gar nicht zu verkennen sind. Blicken Sie nur dort auf die Ameri- kaner, die mit ihren blitzenden Busennadeln und Uhrketten nicht wenig an wandernde Iuwelierladen erinneni, wie höchst ungraziös, ja unanständig sie auf ihren Stühlen hängen; ' und dann schauen Sie auf jene Zrländer, die, um selbst für um ihn zu erschießen. Sie kündigte diese Absicht aber so laut an, daß das Gewehr ihr noch rechtzeitig entwunden und ß> selbst in sicheren Gewahrsam gebracht werden konnte. Hiera«! richtete der Erzbischof von Toulouse, der schon zu verschiedene» Malen an den Pfarrer die Aufforderung gerichtet hatte, sei» Amt niederzulegen, an die Geistlichkeit und an die Gläubize» des Sprengels ein offenes Schreiben, welches dem Atlt Philbett dre Ausübung jeder gottesdienstlichen Handlung strengstens untersagte und die Frommen, die zu ihm ihre Zu flucht nehmen sollten, mit Exkommunikation bedrohte Die Antwott darauf gab der Gem inderath von Bragayrac in sehr schroffer und drastischer Forn» Die Behörden nahmen den Abbö Philbert gegen den Erzbischof in Schutz, indem sie u. A. sagten:„Eminenz! Sie geben sich unnütze Mühe. Sie wollen uns der' Oele zum Nachthcile der Sterbenden berauben; aber darifo werden wir uns trösten, denn Sie verkauften uns sehr theuel Ihr geweihtes Oelfläschchen, etwas wie fünf Franks jährlich was ein schmählicher, von den Päpsten und den Konzilen verbotener Handel ist. Ja, wir werden uns trösten, denn für* Zentimes jährlich werden uns Ihre Lustre in Toulouse mehr Oel liefern. Eminenz! Wir: Ciaria, Präside t des Kirche» raths von Bragayrac, Vertreter meiner Kollegen: Maytib Maiie der Gemeinde, Bevollmächtigter des Gcmcinderathh wir exkommuniziren Sie und verbieten Ihnen, so viel an uifl ist, den Eintritt unserer Kirche, welche zum Theil mit de»> Gclde des Vaters MaytiS gebaut worden ist. Wir schliefe» unsern Brief als Bauer, wie Sie den Ihrigen schließen, ob»r irgendwelche Höflichkeitsformel. Gehen sie, wohin Sie wolle»? aber kommen Sie nicht zu uns. Der rothe Mann, der)»*' mal aus jämmerlichen Gründen unsere Gemeinde in blutig Aufregung versetzt hat, soll wissen, daß man ihm den arme»- kleinen Landpfarrer vorzieht, der mit Lebensgefahr die tfird* und sein Land vertheidigt hat."— Der Pfarrer Philbert fei»*' seits weigert sich in einem öffentlichen Schreiben seiner*»! setzung. Er kündigt öffentliche Vorträge an und schließt»»' den Rufen:„ES lebe Gott! Es lebe die Kirche! Ä lebe die Freiheit! Es lebe die Demokratie!" Sckwede» und Norwegen. In den Tagen vom 17. bis 19. August d. I. gedenkt b* schwedische Fricdensverein in Gothenburg eine„nordiso Fried msversammlung" abzuhalten. Der schwedische„Friede»*' und Schiedssvruchverein" zählt jetzt 6500 Mitglieder, auf* dem 2000 Mitglieder zählenden besonderen Verein für SW manland. Wie man den„Hamb Nachr." mittheilt, gede»» das Mitglied des dänischen Folkethings Fr. Bajer in d* Friedens Versammlung den Beschluß über die Neuttalistru»S der nordischen Reiche, dessen Annahme er auf dem Ber»* Kongreß durchsetzte, und einen neuen Vorschlag zum Besckl»« zu begründen, welcher nach dem neuen Monatsblatte des diichen Vereins„Fredsvännen"(„Der Friedensfreund") folgende» maßen lautet:„lieber einen fortdauernde.i Schiedsspruchtral«» zwischen den nordischen Reichen. Da die drei nordischen Reil? unter sich so viele blutige Kriege geführt haben, Kttege, die»»; ihren mächtigen Nachbarn Vortheil gebracht haben, von de»? sie aber selbst nur den gkößten Schaden gehabt haben; da d» Unmöglichkeit eines Krieges zwischen den drei nordischen Reicbs? nicht am geschlossen ist, solange sie nicht gleichzeitig neutral'!� oder in anderer Weise darauf angewiesen sind, eine gerne'»' schaftliche auswärtige Politik zu führen, und da das jct.'? freundschaftliche Verhältniß den Augenblick als besonders gü»!»! für eine noch mehr sichernde und andauernde Befestigung d* Friedens unter sich erscheinen läßt— beschließt die Versammlu»� sich dahin zu äufern, daß sie die Abschließung eines dauer»»* Sckiedsspruchstraktats zwischen den drei nordischen Reiche» wünschcnswetth betrachtet. Die Versammlung wünscht cbenf»� daß dieser Traktat auf ähnlichen Grundsätzen zu ruhen möge, als auf denen von der„Ligue internationale del»'> et de la libertfe" und des�„In titnt de droit inte—"" genehr' unter bereits ziottuttu �iuuuu gc»ri>oc» peritluuenten«aueosi»"�� bcstimmungcn zur Richtschnur bei Abfassung des Tra� dienen können: und daß die Regierungen der drei nordu«' Reiche sich baldmöglichst über die Durchführung dieser wv' Sache einigen mögen." genehmigten, jedoch den Verhältnissen der nordischen.,�,. unter sich und zu anderen Staaten angepaßt, gleichwie aurnr, bereits zwischen Staaten geltenden permanenten Schiedssp*!� :ÖC»l; Großbri t a n n i e u. Von der intemationalen Schiedsgettchls- und Friede»� gesellschaft wurde in Betreff der Räumung des Sudan nachstehende Schreiben an Lord Salisbury gerichtet:„My%, Da diese Gesellschaft seit der ersten Bewegung britiW, Truppen nach dem Sudan gegen feindselige Oeratione» jener Provinz Einspruch erhoben hat, dürfte uns gestattet mit Bezug auf die gegenwärtige Lage der Angelegenheiten� Dongola und in den davon südlich gelegenen Provinzen»r Eurer Lordschaft zu nähern. Es ivar mit der größten friedigung, daß unser Ausschuß die Entscheidung der lelr Regierung, alle britischen Truppen aus den sudanesischen d', vinzen des oberen Nil zurückzuziehen, begrüßte, und wir% mit einiger Besorgniß den von General Wolseley ausgedri Amettkaner gehalten zu werden, diesen nachäffen. Aber die vornehm sein sollenden Manieren der Amerika» s unästhettsch, so sind die der Zrländer gemein, brutal ekelhaft, und fast zu vergleichen dem Behagen, mit wellr gewisse Thiere sich im Morast wälzen." J „Zch pflichte Ihnen vollkommen bei," versetzte tM „Wie ganz anders benehmen sich dagegen die Franzor) zum Beispiel die dort drüben auf jener Seite. Es kö»»', nur Arbeiter sein, nach ihren schwieligen Hände» uttheilen, vielleicht Maschinenbauer. Trotzdem bewege»" sich mit einem Anstände, der sie weit über jenen»»";; konischen Nabob stellt, der vrelleicht ihr Arbeitgeber'j Uebrigens haben auch vereinzelte Deutsche ein besorg* Talent, den Ameriknnern nachzuäffen, wobei sie sich nebe», außerordentlich lächerlich machen. Doch diese sind>»,<- meisten Fällen harmlos und schon zuftteden, wenn sie m J und nur sie selbst vergessen haben, daß sie auf jener®' des Ozeans geboren wurden." J „Dergleichen charakterlose Individuen findet m»» j Kalifornien fast noch mehr, als hier," unterbrach �.2 seinen Freund, und ein behagliches Lachen spielte auf Pj derben, aber nicht unschönen Zügen, indem er nachlässig der Hand seinen langen braunen Bart mit der Hand»'g wätts strich.„Denken Sie nur, in San Franzisko,'g Deutschland doch ein nicht unbedeutendes Kontingent jg Kinder gesendet hat, stoßen Sie bald auf einen Rheinläg der sich für einen vollblütigen Spanier hält, bald auf g zum Aankee gewordenen Hannoveraner, bald auf g Märker, der darauf schwött, in Mexiko, Peru oder wer y wo das Licht der Welt erblickt zu haben. Sogar die nesen und Indianer finden nicht selten unter den De»» ihre Nachahmer." ,, „Wie jener junge Mann mit der indianischen im Munde und den Mokassins an seinen Füßen," ber» Falk, auf einen schmächtigen Mann mit schmalem, mattialisch gedrehtem Schnurrbart, hindeutend, der sich„i vor die Bühne, so recht in den Hauptreflex einer@»gw gesetzt hatte.„Der Mensch ist einmal in einem Damg den Missouri bis nach St. Joseph hinaufgefahren, ei». Mal besuchte er die Stadt Little Rock in Arkansas, u» sieb, heiliac»: darüber !« e mehr Kirche«' vtayti», DeralW' an uib it der» � k wollen� ■er# blutig- arme»' ; Kind- Z» cw»1; �"nsch bemerkt, im Herbst einen neuen Feldzug im Sudan zu umernchmcn. Dürfen wir daher unseren ernsten Wunsch aus- zudrücken wagen, das Eurer Lordschaft Regierung fest darauf beharren möge der ausgesprochenen Politik des letzten Mini- itermms so weit Wirkung zu geben, als sie die gänzliche Räu- mung der Nilprovinzen südlich von Wady Haifa und die Zu- «razrehung sämmtlicher britischen Truppen innerhalb der Grenzen des eigentlichen Egypten in sich schließt? Ferner ist ?sb.Aus>chuß zuversichtlich, daß im Hinblicke auf dre wahr- Ichemlrche Wiederausnahme von Feindseligkeiten seitens ber sudanesischen Stämme Eure Lordschaft eine bolle und unabhängige Untersuchung veranlassen wird über die Thunlichkeit einer Eröffnung direkter Unter- Handlungen mit Mahomed Achmet,„dem Mahdi", sowie v m.man Digma, so daß zu einem endgiltigen Plane über ulc Pazisizirung des Sudan gelangt werden könnte. Wir nehmen uns dre Freiheit, Abschristen gewisser Auszüge aus den Per- h�blungen unseres Ausschusses beizufügen, die auf die Frage ??b1onlrcher Unterhandlungen Bezug haben und vielleicht auf ��Möglichkeit eines solchen Verfahrens einiges Licht werfen ,, T. Der Antrag Pamell's, eine Untersuchung anzustellen 4 oe£ vre Verwaltung und die Handhabung der Ausnahmegesetze o! �r'"nb seitens des früheren Vizekönigs Spencer, wurde nach «ner Erklärung des Kanzlers der Schatzkammer, Hicks-Beach, i?» der jetzige Vizekönig von Irland, Carnarvon, bereit sei, lesen Fall bezüglich der Anwendung der Ausnahmegesetze, welcher ihm schriftlich unterbreitet werde, persönlich sorgfältig iu untersuchen, vom Unterhause abgelehnt.— Die Bill, be- «effend die Aufhebung der Wahlrechtsentziehung !Än ärztlicher Verpflegung seitens der Armenkasse wurde in zweiter Lesung mit 279 gegen 20 Stimmen an- Mommen. Kommunales. Zur nächsten Stadtverordnetenwahl, welche im November d. Js. stattfindet, ist es erforderlich, daß sich jeder Wähler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler« De eingetragen ist; wer nicht eingetragen ist, geht des Wahlrechtes verlustig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der «s 19 und 20 der Städteordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt u"d wird nunmehr in der Zeit vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. I. täglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags im Wahlbureau des Magistrats, Breitestr. 20», 2 Tr., öffentlich ausliegen. , Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtge« weinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen erheben. Dieselben müssen in der gedachten Zeit schriftlich �gebracht werden; später eingehende Einsprüche kännen dicht berücksichtigt werden. Wir machen hierbei auch noch besonders darauf aufmerk- , daß bei Berichtigung der Wählerlisten in Betreff des Wohnsitzes der stimmberechtigten Personen in Berlin die von �nselben zu erstattenden An- und Abmeldungen berücksichtigt werden und daß demnach auch diejenigen Personen, welche nur vorübergehend verreist sind, diesen Umstand auf ihre Abmel- Dyg aber nicht vermerkt, sondern sich einfach als von Berlin �ogen abgemeldet haben, in der Wählerliste gestrichen wor- sind. ■»..Das geräuschlose Pflaster Verlins. Die Gesammt- sämmtlicher mit Asphaltpflaster versehenen Straßen Ber- sab»- �ug am 1. April 1884 264 750 Quadratmeter, sie um- inw??. 1- April 1885 322 300 Quadratmeter, hat sich mithin vergib des letzten Etatsjahres um 57 550 Quadratmeter �Mößert. An Holzpflaster waren am 1. April 1884 34570 fann vorhanden. Neupflasterungen in geringem Um ffifüt Rnd nur in sofern entstanden, als in einigen asphaltirten K*?/oahnstraßen die zwischen den Schicnengeleisen liegenden Am statt mit Asphalt, mit Holz ausgelegt worden sind. CmJ' �vril 1885 waren an Holzpflaster vorhanden 47 040 3l fetowkv- Im letzten Etatsjahre, 1. April 1884 bis od" wwj 1885, sind in Berlin im Ganzen 25 Straßen ganz iherlweise mit Asphaltpflaster belegt worden. Kokales. der t�e Hasenhaide. Im Süden der Reichshauptstadt liegt ».�vgenannte„Wurstelprater" Berlins, die tzasenhaide, welche deute das Eldorado des Berliner Kleinbürgers bildet. 20 Aver äußeren Physiognomie hat sich die Hasenhaide seit fahren kaum verändert, wenn auch hier und da eine denn die Indianer, die er hin und wieder am Ufer MMi' einen so tiefen Eindruck auf ihn ausgeübt, daß er W i'ut �lben Rothhaut geworden ist. Es schmeckt ihm Filk. nur noch aus einem steinernen Pfeifenkopf, seine Me werden wund, wenn etwas Anderes, als MokazsinS sirt• bedecken; dabei geht er so einwärts, wie eine «. Disihrige Pawnee-Squaw, und was das Auffallendste ist, ficb n wcht mehr„ja" sagen, sondern antwortet, wo es i uur immer anbringen läßt, mit einem sehr ernsten„Hau!" M"Ach möchte ihn wohl einmal erzählen hören," sagte "wer lachend. obm c Rottes willen!" entgegnete Falk mit einer komisch wehrenden Bewegung.„Der erzählt Ihnen Jagdgeschichten, ers-r. stlbst Cooper's Nathaniel Bumpo nicht merkwürdiger nick»' sss-vube, zehn Lokomotiven vermöchten daS Wild Zu schleppen, welches er schon in seinem Leben ge- M denn noch nie fehlte seine sichere Kugel ihr Ziel." zu i. beiden Freunde lachten und blickten dann mitleidig Sb»■ Klavierspieler hinüber, der auf ein Zeichen des ein»? rektorS begonnen hatte, mit großer Fingerfertigkeit kau»» ertüre vorzutrommeln. Spielen konnte es natürlich und.Scannt werden; denn die Musik war ausdruckslos klav' und aus jeder mechanisch angeschlagenen Note fö»; 9ett traurige, weit abschweifende Gedanken, eine gedrückte Mimrng hervor. �ptechend�°vme Mensch," sagte Werner, wie zu sich selbst . W"??.der That ein armer Mensch," bekräftigte Falk; 4".bescheidenes Aeußere und seine Schüchternheit sind die läuk! Ursache seines Unglücks. Spielte er weniger ge- scknm.V Unb besäße er dafür einen höhern Grad von Unver- der an Ä so daß er sich für einen der ersten Professoren DnN„ 1 ausgäbe, der keine Stunde billiger als für fünf wack?� vrtheilen könne, so würde er vielleicht sein Glück auck ü wissen, die Amerikaner sind praktische, aber Fällen geizige Leute; ihre Töchter lernen in den meisten Ebenso wenig bei einem guten, wie bei einem schlechten Ihnen i auch nur erträglich spielen, und da gewährt es be,abs° D gewisse Genugthuung, sagen zu können: ich 9 e st-r die Stunde fünf Dollars, während Jene nur | Brauerei sich vergrößert hat oder ein kleiner Terrainstreifen durch Verlegung der Schießstände für die Passage gewonnen ist, das Sonntagsleben ist immer dasselbe geblieben.� Von dem zunehmenden Komfort und der Eleganz der Weltstadt merkt man hier nichts. Trotz der Pferdebaynverbindung pilgert heute noch der Berliner zu Fuß zur„Haide"; mag die Sonne noch so brennen, der Staub noch so arg sein.„Vater im schwarzen Rock,„Mutter" im Sonntagsstaat, die Kinder an der Hand oder sorglich„per Arm" geführt, das jüngste wohl noch im Wagen vor sich schiebend, so sucht mau, Staub und Hitze un- geachtet, das Lokal auf, wo„Familien Kaffee kochen" und wo ungenirt Kinder und Kaffcekuchen ausgepackt werden können. Neben den Familien bildet die Köchin und der Grenadier den Haupt bestandtheil der Besucher, letzterer, weil er sich nicht, wie andere junge Leute, weit von seinem Quartier entfernen darf und weil es in der„Haide" billig ist, erstere des letzteren wegen. Besonders stark ist das Militär vertreten, wenn Reservisten oder Landwehrmänner eingezogen sind, die, an den schirmlosen Mützen und dem frerercn Benehmen kenntlich, nun als söge- nannte. alte Leute" die ihnen früher bekannt und beliebt ge- wordenen Lokale aufsuchen. Sie erscheinen in der„Haide im Gegensatz zum aktiven Grenadier meist„unbeweibt"; die meisten der Eingezogenen haben schon den eigenen Herd gegründet. Von den früheren Reibereien der Truppengattungen unter- einander, die sich nach„Kouleurs" unterscheiden, hört man jetzt nichts mehr, aber auch das„Zivil", welches fast immer, we- niastens aus den Tanzboden, in der Minderheit ist, verträgt sich mit dem Militär ganz gut und wenn auch die Herzen der „Mädchen sür Alles", deren yöchstes Vergnügen es ist, die heiße Luft der Küche mit der staubgefüllten, schweißdurchzogenen, dunstigen Atmosphäre eines engen, vollen Tanzsaales zu ver- tauschen, meist höher für zweierlei Tuch" schlagen, als für Zivil. Auch die Lokale in der Hasenhaide sind sich— mit Ausnahme der„Neuen Welt", die sich in den letzten Jahren zu einem der großartigsten und sehenswerthesten Sommer- Etablissements emporgeschwungen hat— fast gleich geblieben, die Brauereien mit ihren Karuffels, Schaukeln und Würfelbuden, die kleineren Lokale mit den Kegelbahnen, Blumenverloosungen und Wurst- duden und die dazwischen liegenden unbebauten Terrains mit ihrem jahrmarktartigen Gennsch von Riesendamen, Zwerg- Admirälcn, Athleten, Automatenkabinetten, Elektrisirmaschinen, Wundern der Welt ic. Eine Errungenschaft der Neuzeit find die Kabinette für Augenblicks- Photographien und die unseren Fortschritten entsprechenden See-Karouffels, sowie die an unsere Kolonien erinnernden„Kamerun-Zelte" und die Fabriken„in- bischer Zuckerstangen", wo vor den Augen der staunenden Kinderwelt aus dem heißen Zuckerbrei lange, buntgefärbte Zuckerfäden bereitet werden, die allmählich hart werden und dann für 5 oder 10 Pfg. in die Hände der Kleinen wandern. Zur Leibesnahrung der Erwachsenen aber dient noch jetzt wie früher die vom fliegenden Wursthändler bezogene, knoblauch- duftende„Warme" von zweifelhaftem Ursprünge trotz des hart- näckigen Kampfes der Rind- und Schweineschlächter gegen das Ueberhandnehmen der Pferdewurst- Fabrikation. Der Hintere Theil der Hasenhaide, die eigentliche Haide, ist durch die zurück- gerückten Schießstände etwas eingeengt, sie ist am besten zu- aänglich auf dem Wege hinter dem Turnplatz. Der Friesen- Hügel, den man hier passtrt, ist jetzt bedeutend besser gepflegt uno bietet mit Epheu umrankt in der etwas verwahrlosten Um- gebung einen anmuthigen Anblick. Weiterhin ist die„Haide" ganz verödet; nur selten noch findet man ein vereinsamtes Pärchen oder eine kleine Gesellschaft, die„findig" genug gewesen ist, dicht neben dem allgemeinen Gewühl eine Stelle zu ent- decken, wo sie sich ungenirt mit Gesang oder Gesellschaftsspielen belustigen kann. Wem ein Gang in die Hasenhaide nicht zu heiß ist, den möchten wir vor Allem auf die prächtigen Rosen- gärten hinweisen, welche wabre Oasen in der sandigen Gegend bilden und mit dem süßen Dufte, den die Blumenkönigin aus- haucht, eine wohlthucnde Abwechslung bieten. Uebrigens soll die Rosenernte schon seit langer Zeit nicht so ergiebig gewesen sein, wie in diesem Jahre. w. Die Grosse Berliner Pferde-Eisenbahn-Aktien- Gesellschaft hat neuerdings wieder ein Gesuch an das Kgl. Polizei-Prästdium wegen Ueberführung von Geleisen über die Straße„Unter den Linden" gerichtet. Dieselbe beabsichtigt, die ihr geneymigte Linie Neues Thor nach der Dorotheenstraße durch diese Straße bis zur Charlottcnstraße und durch letztere bis zur Äehrenstraße zu führen. Der Schwimm-Klub„Hecht", zum größten Theil aus Arbeitern bestehend, wurde im Oktober 1883 gegründet und hatten 3 Mitglieder beim vorigen intemationalcn Wett- schwimmen und Springen Preise geholt und zwar 2 erste u» d 1 zweiten.— Der Klub beabsichtigt zum Sonntag, den 26. Juli, ein Schwimmfest mit engerer Konrurrenz unter den Mitgliedern zu veranstalten zu dem Zwecke, durch das Urtheil des großen Publikums neuen Muth in die jungen Mitglieder zu bringen. r. Zu Erdarbeiten werden so und so viel hundert Mann verlangt! Ein Plakat dieses oder ähnlichen Inhaltes findet man wohl ab und zu einmal an den Säulen und wohl stets erreicht es seinen Zweck. Arbeitskräfte für jede Beschäftigungs- einen oder zwei Dollars an ihren Lehrer zu geben im Stande waren. Nein, der arme Mensch ist nicht für Amerika geschaffen." Der junge Mann vor dem Klavier beendete sein Spiel, Tische und Stühle wurden gerückt, einzelne Leute erhoben sich, um zu gehen; von dem Vorhang her dagegen bewegte sich eine ganze Gesellschaft, die sich dort während der Musik angesammelt hatte, in den Saal hinein. Schweigend und mit einem gewissen Interesse blickten die Freunde auf die ankommenden Leute hin, wie sie an ihnen vorüberschritten und nach leeren Tischen und Plätzen forschten. Es waren größtentheils heitere, junge Männer, einzelne dem Arbeiterstande, andere dem Kaufmannsstande angehörend, die nach Beendigung ihres Tagewerks hier bei einem Glase Wein oder Bier Erholung suchten. Plötzlich stieß Falk seinen Gefährten an.„Sehen Sie den Herrn mit der übermüthigen Haltung und dem weit abstehenden Schnurrbart?" fragte er leise, denn die be- treffende Persönlichkeit befand sich nur wenige Schritte von ihnen. „Ich sehe ihn." „Nun wohl, dieser Mensch ist nicht ohne Talent, in mancher Beziehung sogar sehr begabt, hat sich aber die Auf- gäbe gestellt, für dre südlichen Sklavenbarone in Europa Propaganda zu machen. Dergleichen Erscheinungen sind leider nicht selten. Gewöhnlich haben solche Leute auf ir- gend einer Plantage einst gastfreundliche Aufnahme gefun- den; man zeigte oder bereitete ihnen dort auf einige Tage ein üppiges, sinneberauschendes Leben, führte ihnen die pa- triarchalische Seite des Sklavenwesens so recht in die Augen fallend vor, und in Folge dessen verkünden sie in Schrift und Wort das Wohlthätige der Sklaverei in einer Weise, daß man in Versuchung gerathen könnte, selbst Sklave zu werden. Sie stellen Vergleiche an zwischen dem verachteten freien Farbigen und dem gemächlich dahinvegctirenden Skia- ven; sie sprechen über geistige Begabung und Schädelbil- dung, als hätten sie bei der Schöpfung selbst mitgeholfen, und gelangen endlich zu dem Schluß/ daß der Afrikaner weiter nichts sei, als ein mit einem Funken von Verstand versehenes gutes Hausthier. Wohl aber möchte ich wissen, art sind zahlreich zu haben.— Draußen vor der Stadt im heißen Sonnenbrande schwankt in langer Reihe die Arbeiter- Kolonne, jeder einzelne die gefüllte Karre mit Erde vor sich herichiebend, am ganzen Körper zitternd, denn jeder Muskel, jede Sehne ist zur höchsten Krattleistung angespannt. Sehr berechnend hat der Unternehmer drei der kräftigsten Arbeiter ausgewählt, den einen vorn, den andern in der Mitte und den dritten am Schlüsse der Zuges plazirt; so sind die Schwächeren gezwungen, mit diesen Schrittzu halten. Welch ein glückliches Wesen ist ein Droschkengaul gegenüber diesen Geschöpfen mit Menschenantlitz, die hier, mit dem breiten Hanfgurt über dem Rücken, in die Karre eingespannt sind! Nur mit Hemd und Hose be- kleidet, das Gesicht von Staub, Schweiß, Sonnenbrand und Aufregung entstellt, so arbeitet der Eroarbeiter zehn, zwölf Stunden des Tages, oft noch länger. Ist es da ern Wunder, wenn er zu Feierabend zu Tode ermüdet auf der Arbeitsstätte niedersinkt und wenn man dort um Mitternacht noch die regungslosen Gestalten liegen sieht, die sich an der Kühle er- frischen, die aus dem Erdboden dringt?— Und der Lohn dieser Arbeiter?— Je nun, die ttansportablen Eisen- bahnen leisten ganz Erkleckliches bei solchen Erb- arbeiten und wenn ein Unternehmer sie nicht an- wendet, dann thut er es doch wohl nur, weil menschliche Arbeitskräfte sich billiger stellen, als die Verwendung der Transportbahnen.— In jeder anderen Arbeitsbranche unter- scheidet man Maximal- und Minimal Leistungen des Arbeiters; bei den Erdarbeitern verwischt der Unternehmer diesen Unter- schied, die gleiche Kraftanstrengung wird vom Schwachen wie vom Starken gefordert, und das ist's, was dieser Arbeit einen so ungemein rohen Charakter giebt. Der Unternehmer kommt bei dieser Organisation der Arbeit sicherlich nicht zu kurz; die Arbeiter aber, und mehr noch die öffentliche Meinung, sollte zunächst darauf dringen, daß bei solchen Erdarbeiten durch Ein- führung von Akkordlöhnen die Leistung des Aibeiters bezahlt wird und daß man diesen nicht durch die Unterdrückung seiner Individualität und durch die höchste Anspannung seiner Kraft unter das Thier herabgewürdigt. r. Dass unter den Freunden des Wassersports sich Viele befinden, die nicht blos den Freuden Neptuns, sondern auch womöglich gleichzeitig den Freuden der Venus huldigen, ist eine Thatsache, die seit dem Unfall auf der Havel in un- erwarteter Weile ans Licht gekommen ist. In die Kategorie dieser Seglcr-Lergnügungen dürfte vielleicht ein Vorkommniß fallen, das gegenwärttg rn einem unserer südöstlichen Vororte viel besprochen wird. Ein ältlicher Rentier wohnt dort mit seiner noch jugendlichen Frau Sommer; die beiden fuhren oft in dem Boote eines befreundeten Seglers und während der alte eifrig dem Studium der Segclkunst oblag fand wohl der Be- sitzcr des Bootes Gelegenheit sich der jugendlichen Frau zu nähern. Die Kajüten-Geheimnisse dieser Angelegenheit zu er- gründen, ist schwer, nur darf als sicher gelten, daß der Segler in der Gunst der jungen Frau schnellere Fortschritte machte, als der kurzsichtige Rentier in der Kunst, mit Mast und Segel umzugehen. Die größte Leistung seiner Kunst aber führte der Segler neulich Avend dem Alten bei dessen zufällig etwas später Nachhausekunft vor; kaum hatte der Alte die Schwelle seiner Wohnung betreten, so segelte der Andere wild durch ein Seitenfenster der Wohnung m den Garten und verlor sich schleunigst in der Richtung nach dem Wasser; hier verschwand er bald mit seinem Boote, und Boot und Segler sah man nicht mehr wieder, wenigstens in der dortigen Gegend nicht. Dem alten Rentier ist dies plötzliche Verschwinden seines Freundes noch immer ein Räthsel, denn die wenigen Augen, welche die kühne Segelpartie durch das Fenster des Rentiers beobachteten, gehören Leuten an, die ein Interesse daran haben, daß die Sache nicht ruchbar werde; trotzdem hat sie weitere Mitwissende gefunden und zuverlässig werden früher oder später dem alten Rentier die kurzsichtigen Augen wohl geöffnet werden. rb. Der Streik der Vauschlosser, welcher am 29. v. M. behufs Ciusührung eines zehnstündigen Maximalarbeitstage'! proklamirt wurde, ist nach einer Dauer von 3 Wochen durch Generalversammlungs-Beschluß für beendet erklärt worden. Von ca. 5000 Bauschlossern streikten im Ganzen 29, von denen zur Zeit noch 19 zu unterstützen bleiben. Die zehnstündige Arbeitszeit ist zum größten Theile erreicht worden. Wasserstand der Spree in der Woche vom 5. bis 11. Juli.(Angabe in Metern.)____ ""57/7.1" Am Oberbaum Dammühle, Ober- masser.... DammühleUnter- wasser.... 2,25 2,23 0,62 6./7. 2,25 2,22 0,59 7./7. 2,23 2,20 0,59 8./7.| 9./7.( 10./7. 1 11./7. lieber den„Hödur 18. Juli gemeldet:„Der Prozeß" wird .iberale Verein aus Hagen unterm zu Vörde hatte den Beschluß gefaßt, einen Protest gegen den Vergleich zwischen den fortschnttlrchen Wählern und dem blinden Hödur, den Fürst Bismarck im Reichstag gezogen, abzufassen; der Beschluß war was sie entgegnen würden, wenn man sie fragte, ob sie lieber verachtet und frei, oder für ein paar Hundert Thaler verkauft fein wollten; denn viel würde selbst der freigebigste Sklavenhändler nicht für sie geben, wenn auch nur, weil sie lesen und schreiben können. Oder wenn sie wüßten, daß sie von den Sklavenbaronen, die sie einst mit offenen Armen aufnahmen, hinter dem Rücken verhöhnt und verlacht, und dumme deutsche Nigger genannt werden. Viele in Europa schwärmen für dergleichen überschwängliche Schilderungen und glauben daher gern an Zustände, welche sie in ihre eigene Umgebung wünschen. Namentlich ist der Deutsche hervorragend im Glauben der allerübertriebensten Gerüchte und Mittheilungen. Gehen Sie und versichern Sie ihm, daß in den westlichen Prairien kleine Eidechsen mit großen Hörnern auf den Köpfen leben, so wird er es nicht glauben, weil— es eine nackte Wahrheit ist. Erzählen Sie ihm da- gegen, daß Sie zehntausend Büffel an einem Tage erlegten, die Hirsche dutzendweise in Mausefallen fingen, oder daß Trappen und Pelztauschen, bekanntlich das beschwerlichste und undankbarste Handwerk der Welt, einen jungen, uner- fahrenen Anfänger innerhalb zweier Jahre zum vermögenden Manne mache, so wird er dieses Alles nicht bezweifeln, weil es eben lauter Unmöglichkeiten sind." „Eine sehr natürliche Folge der Leichtgläubigkeit ist, daß dieselbe auf schamlose Weise gemißbraucht wird," be- merkte Werner, der seinem Freunde so lange aufmerksam zugehört hatte.„Wenn sich Leute im Laufe ihrer Erzäh- lung auch zu Ausschmückungen verleiten lassen, ja sogar mit reger Phantasie neue Bilder schaffen, so sollten sie doch vor allen Dingen stets die objektive Wahrheit im Auge be- halten." ...''®an3 richtig," versetzte Falk,„aber Sie übersehen, daß dre Mehrzahl der Menschen die objektive Wahrheit nicht her- auszufühlen vermag und am liebsten Das glaubt, was sie gerade wünscht oder ihr am besten gefällt." „Dann machten die größten Betrüger ja die besten Geschäfte in der Welt!" rief Werner lachend aus. „Thun sie das denn nicht?" fragte Falk,„ich dächte, man brauchte nicht sehr weit zu gehen, um den eben von Ihnen aufgestellten Satz bewahrheitet zu finden."(F. folgt.) ausgeführt, der Protest vom Vorstande unterschrieben und am 1. April, gerade dem 70. Geburtstage des Reichskanzlers, mit einem Begleitschreiben an den Fürsten Bismarck abgeschickt worden, während die Hagener Zeitung denselben veröffentlichte. Unter anderem fand sich in diesem Schriftstücke der Passus, daß der Vergleich eine„bedauerliche Anmaßung" sei, und dieser Passus war auch inkriminirt. Sämmtliche Angeklagten erklärten, die Abficht der Beleidigung nicht gehabt zu haben. Auf den Antrag des Staatsanwalts wird die betreffende Rede des Fürsten Bismarck verlesen rind der Staatsanwalt weist daraus nach, daß der Vergleich mit fcödur eine Beleidigung der Wähler durchaus nicht involvire. Nach Simrock war Höver blind und verführt, und das seien die Wähler Eugen Richters nach der Anficht des Kanzlers auch. Dagegen enthalte die Adresse eine öffentliche schriftliche Beleidigung des Reichskanzlers mit Bezug auf seinen Beruf. Berechtigte Interessen seien von den Angeklagten auch nicht wahrgenommen worden, da ja der Reichskanzler bestimmte Personen gar nicht bezeichnet, sondern nur im Allgemeinen gesprochen habe. Als strafschärfend aber müsse angesehen werden, daß diese Adresse gerade am 1. April, dem Jubcltaae des Reichskanzlers, abgeschickt worden sei. Er beantrage daher gegen den Redakteur drei, gegen die fünf Vorstandsmitglieder je acht Monate Gefängniß. Der Verthci- diger, Rechtsanwalt Schmitz, suchte nachzuweisen, daß mit der Adresse nur eine erlaubte Kritik geübt worden sei, der jede Absicht der Beleidigung gefehlt habe. Der zweite Vertheidigcr, Justizrath Windthorst, führte aus, daß die Hagener Wähler- schaft tief beleidigt worden sei und nur einen milden, wür- digen Protest erlassen habe. Der Gerichtshof sprach die An- geklagten der öffentlichen Beleidigung schuldig und rerurthcilte die fünf Vorstandsmitglieder zu je 500 Mark und den Re- dakteur der„Hagener Ztg." zu 200 Mark Geldstrafe und in die Kosten, sprach dem Beleidigten auch die Publikations- Befugniß des Urtheils zu. Konales und Afveiterbewegung. Der Berliner Maurerstreik findet in einem streng nationalliberalen Blatt, dem Moniteur der rheinisch-westfälischen Eabrikanten, folgende Bcurtheilung:„Noch ist das Ende dieser zhnbewcgung nicht abzusehen, obwohl die Meister, die bisher gegenüber der Forderung der Gesellen einen schroff ablehnenden Standpunkt einnahmen, nicht mehr grundsätzlich einer Einigung abgeneigt find. Die Meister haben sich jedenfalls stark ver- rechnet, als sie annahmen, daß es nur einer entschiedenen Ab- lehnung der Forderung der Gesellen bedürfe, um der Bewegung ein jähes Ende zu bereiten. Jetzt würden sie offenbar mit Ver- gnügen das ursprüngliche Verlangen derselben bewilligen — 4.50 Mk. für den zehnstündigen Arbeitstag— wenn die Sache damit beizulegen wäre. Inzwischen sind aber die An- sprüche der Gesellen auf 5 Marl gestiegen und damit ist die Verständigung wieder sehr viel schwieriger gemacht, da die gen Meister entschieden verflchem, daß sie solche Löhne zahlen können, ohne selbst Schaden zu erleiden. Bei den bisherigen Kontrakten, Venen ein täglicher Arbeitslohn von 4M. zu gründe gelegt war, wird dies wohl auch richtig sein. Für die Zukunft könnten sie sich aber gewiß leicht auf den höheren Satz, der in Hamburg z. Ä. schon seit 12 Jahren gilt, einrichten. '"' wückfichtigen, daß die Maurer im Winter während Es ist zu berücks,„, der kurzen und kalten Tage mitunter kaum die Hälfte verdienen können, im Sommer also für den Winter sparen müssen. Unter diesen Umständen erscheint die Forderung von 5 Mk. für eine zehnstündige Tagesarbeit nicht gerade unbescheiden und wird wohl schließlich auch bewilligt werden." Das läßt fich hören. Wenn nur die Herren auch ihren Arbeitern gegenüber so fach- lich urtheilten; ja. Bauer, das ist ganz etwas anderes! Ueber den Tischlerstreik in Königsberg i. Pr. wird uns von dort noch folgendes geschrieben: Endlich, nach elf- wöchentlicher Dauer ist der Streik zu Gunsten der Arbester entschieden. Es war ein harter Kampf, schwere Opfer und Energie hat derselbe erfordert, jedoch find dieselben nicht ver- gebens gebracht. Dieser Kampf hat gezeigt, welche Kraft dem Arbeiter innewohnt, er hat gezeigt, daß der Arbeiter, wenn er weiß seine Kraft an richtiger Stelle anzusetzen, er der Macht des Kapitals bedeutende Erfolge abringen kann. Mit bewun- derungswürdigem Muthe und Ausdauer wurde auf Seiten der Arbeiter gekämpft, und so die Erfolge Schritt für Schritt er- zwungen. Schon der Anfang des Streiks sprach für einen günstigen Verlauf desselben. Nicht nur daß wir in monatelanger Vmaroeit unermüdlich bestrebt waren, Bewußtsein und Ver- ständniß unter die Arbeiter zu bringen und eine kräftige Lr- ganisation zu schaffen, sondern wir haben auch durch Zahlung eines bestimmten Beitrags für die nöthigen Mittel, für„Geld" gesorgt. Nichts wurde gescheut, um den Kollegen hier am Orte verständlich zu machen, daß nur dann etwas errungen werden kann, wenn vie Betheiligung eine allgemeine, wenn die Einig- - v Ä.....9 IW>„ohne Dich geht es nicht". Unsere Arbeit war denn auch nicht ohne Erfolg, am keit soweit gediehen, daß sich Jeder sagt: trotz der großartigsten Versprechungen der hiesigen Innung; wie auch der einzelnen Arbeitgeber ein sehr geringer, in den allermeisten Fällen gelang es uns sofort die Neuangekomincnen in Empfang zu nehmen, und mit dem nächsten Zuge weiter zu schicken. Wrr danken den deutschen und nichtdeutschenArbeitcrn für ihre Lpferwilligkeit, und versichern, daß wir das für uns Aufgebrachte vergelten werden, soweit es in unserer Macht steht, daher wird es unsere erste Aufgabe sein, wieder eine ständige stramme Organisation zu schaffen und einander in Freud und Leid beizustehen. Die in den nächsten Tagen er- scheinende Abrechnung wird zeigen, mit welcher Gewissenhaftig- keit die uns übergebenen Gelder verwaltet wurden, sie wird zeigen, daß die deutschen Arbeiter von den sauer verdienten Groschen doch noch im Stande waren über 13 000 M. als Kampfmittel für uns aufzubringen, erfreulich und erhebend zu- gleich ist es aber, daß diese enorme Summe nicht vergebens verschwendet wurde, sondem daß durch sie ein Erfolg erzielt ist, der als bedeutend bezeichnet werden kann. Die Lohn- kommission der Tischler in Königsberg. Der diesjährige Jahresbericht des Dortmunder Vereins gegen Verarmung und Bettelei enthält eine Notiz, die geeignet ist, diese Art von Instituten recht eigenartig zu beleuchten.„Auf dem seit ca. einem Jahre errichteten Holz- platze," heißt es nämlich,..wurden außer den durchreisenden Handwerksourschen pro Tag durchschnittlich sieben ortsangehörige, vorübergehend erwerbslose oder nur theil- weise arbeitsfähige Männer mit Holzzerklcinern beschäftigt, wofür im Ganzen 1330,40 Mark Arbeitslöhne bei achtstündiger Arbeitszeit verausgabt worden sind. Es macht dies pro Stunde 10 Pf., welcher Satz deshalb so niedrig gestellt ist, um die Arbeiter zum Aufsuchen einer lohnenden Thätigkeit, also zur Selbsthilfe, anzuspornen."— Also ein abge- rackerler, todmüder, hungemder und dürstender Handwerks- bursche muß erst eine Stunde Holz zerkleinern, ehe er— zehn Pfennige erhält. Wie christlich! Und damit nicht genug, geht die Humanität so weit, arbeitslose Ortsangehörige aufs Ün- verfrorenste auszunützen, mit der geradezu köstlichen Motivimng, man wolle sie dadurch zur Selbsthilfe anspornen. Wenn Je- mand andere Arbeit findet, greift er wahrhaftig nicht zu dieser Beschäftigung, die einen Lohn zahlt, wie er in Gefängnissen üblich ist. Zum Schaden kommt auch der nackte Hohn. Es acht doch nichts über„satte Tugend und zahlungsfähige Moral". Auch die Handelskammer zu Kassel erklärt, daß im Jahre 1884 ein Stillstand in der Produktion eingetreten und der Verdienst ein sehr geringer gewesen sei. Außerdem biete die Zukunft keine Honnung ans einen nennenswerthen Auf- schwung. Also überall dieselbe Signatur. Die französische Regierung hat den Arbeitersyndikats- kammern die Summe von 10,000 Franks überwiesen, damit dieselben Arbeiter zur Antwerpcner Ausstellung senden können. Die Teppichfabrikation im sächsischen Voigtlande Arbeitern noch leidliche Löhne; deshalb aber ist Montag, den 27. April, als die Arbeit niedergelegt wurde, waren von über 600 hier beschäftigten Kollegen nur 30, die weiter arbeiteten. Diese Zahl verringerte fich jedoch im Laufe des nächsten Tages bis auf 7 Mann, welche fich am Streik überhaupt nicht betheiligtcn. Berührte schon diese Nachricht, daß nur 30 Indifferente waren, die Kollegen freudig, so that es die Nachricht, diese Zahl habe sich bis auf 7 verringert, noch viel mehr. In allen Versammlungen, die fast täglich statt- fanden, gelobten fich die Streikenden, muthvoll auszuharren, jbis der Kampf für beendet erklärt sei, und sie sind ihrem Ver- sprechen niit ganz geringen Ausnahmen treu geblieben. Nicht früher wurde die Arbeit aufgenommen, als bis die Forderungen durchgeführt waren. Die Erfolge, die wir erzielt haben, find folgende: Tie Arbeits- zeit beträgt jetzt allgemein 10 Stunden, für Ueberstunden rcsp. Sonntagsarbeit tritt außer dem darauf entfallenden Lohnsatze «ine Ertrabczahlung von 10 Pf. pro Stunde ein, ferner ist der Akkordtarif durchgeführt, der in einzelnen Werkstätten eine Preissteigerung einzelner Produkte bis zu 40 xCt. aufweist, im Durchschnitt sind 15 pCt. Aufschlag errungen worden. Nicht gelungen ist es uns, den„Ntinimallohnsatz" durchzuführen; mit oller Entschiedenheit weigerten sich die Arbeitgeber, hierauf ein- zugchen. Wir hätten denselben wohl durchgeführt, wenn wrr noch eine kurze Zeit ausgeharrt hätten; wir konnten jedoch den Lpfermuth der deutschen Arbeiter nicht zuviel ausnutzen, und dann hätte angesichts der Streiks in Dresden und Kaiserslautern möglicherweise Alles auf dem Spiele gestanden. Doch darüber murren wir nicht, wir tröste» uns mit dem Gedanken, daß wir den Mininiallohn durch eine jetzt zu schaffende stramme Organi- fotion doch einst durchführen werden. Wir haben durch diesen Streik irr den hiesigen Arbeitsverhältnissen ein Gleichgewicht hergestellt, das wohlthuend auf Allewirken wird; es wird derZuzug nach den besseren Werkstätten nicht so groß sein, wie es vordem war, und ferner kann es keinem Kollegen mehr passircn, daß er in einer Werkstatt 18 Marl verdient, in einer andern Wettstätte aber kaum die Hälfte. Es ist dieses ein bedeutender Erfolg. Tie Arbeitszeit, die vordem durchschnittlich 12 Stunden betrug, ist jetzl um 2 Stunden täglich verlürzt worden. Die Zahl der Arbeitslosen wird dadurch um ein gut Theil ver- rinaert. Ueberstunden wurden in Jahresfrist vor dem Streik -irkä 129 000 gemacht, von denen die Hälfte nur mit dem darauf entfallenden Lohn, die zweite Hälfte gar- nickst bezahlt wurden; jetzt werden dieselben nicht nur bezahlt Sern«0*(WramMöMgung,. dafür gewährt. EsFJte rrr«. Verantwortlicher Redaltem R. bietet den Ardeitern noch leidliche Löhne; deshalb aber ist das Angebot von Händen auch aus Böhmen und Ungarn ein un- gemein großes, so daß jetzt die Löhne wieder am Fallen find. So hat auch die verhältnißmäßig gute Lage der Arbeiter in dieser einen Branche ihr schnelles Ende erreicht. Konventionen. Nicht nur die Wcißblechfabnkantcn zu Swanpa haben, wie wir in Nr. 163 mittheilten, eine Konvention zur Regelung ihrer Produktion geschloffen, denselben Bettuch machen auch die deutschen Spiritusbrenner. So haben sich 36 große Brennereien verpflichtet, die Produttion auf ein Fünftel zu beschränken. Viel wird dadurch nicht de- zweckt, weil bei günstiger Konjunktur die Produktion dann wieder verdoppelt wird, bis die Ueberproduttion dem tollen Treiben zu Ungunsten aller Betheiligten ein jähes Ende bereitet. — In Breslau hat kürzlich auch eine Versammlung der deutschen R o h zi nkfabrikanten stattgefunden, welche einen Antrag, einen Minimalpreis festzusetzen, ablehnte, dagegen be- schloß, die Produttion in den nächsten 3—5 Jahren nicht zu erhöhen. Doch war einer der größten Interessenten nicht an- wesend, der auch seine Zustimmung zu dem Beschlüsse nach- ttäglich versagt hat, wodurch die Versammlung als ergcbnißlos bezeichnet werden muß. Hieraus aber geht wiederum deutlich hervor, daß nur die Gesetzgebung die Macht hat, die Produktisn zu regeln. Eine düstere Illustration unserer heutigen sozialen Zustände liefert die folgende, im Voraus gemachte Todes- anzeige. Die Hamburger„Bürger-Ztg." erhielt eine Postkarte nachstehenden Inhalts: „Hamburg, 15. Juli 1885. Geehrte Redaktion! Da meine Wohlhabenheit mich zwingt, vom Leben Ab- schied zu nehmen, sage ich allen Freunden und Bekannten ein herzliches Lebewohl. F. Härder, In der Alster, vordem Rostockerstraße 7/1." Poststempel das Aufgabeorts: Pöscldorf, 16/7. 85. 8— 9 V. Dazu bemerkt das genannte Blatt:„Unsere sofort angestellten Ermittelungen ergaben, daß der Unterzeichnete ein Tischler und in Arbeitcrrreisen sehr wohl bekannt ist; er hat vor Jahren in der Tischlcrgcwcrkschaft wie auch in anderen Arbeitcrvereini- gungen wichtige Vertrauensposten inne gehabt und wohl nur aus dem Gnmde, weil er allseitig als ein durchaus streng reeller und ehrlicher Eharakter bekannt war. Dies crgiebt sich auch aus den Mitthcilungen der Logiswirthin des Unglück- liehen, der Frau Marschall in der oben angegebenen Wohnung, sowie aus der dieser Frau zu fast derselben Zeit zugekommenen Postkarte, worin der nun wohl bereits Verstorbene mittheilt, daß er Niemandem etwas schulde außer ihnen, den Logis- wirtlien, selbst und zwar nur„Das Logisgeld für die letzte Woche, wofür Sie Deckung in den von mir zurückgelassenen Sachen finden werden." Jedenfalls ist der Mann, nachdem er längere Zeit ohne Arbeit gewesen, verzweifelt und hat so einen schnellen Entschluß gesaßi. Bcinctten wollen wir noch, daß der Mann in seinem.Handwerk durchaus tüchtig war, was wohl dadurch am besten zu beweisen ist, daß er auf einer Stelle über 8 Jahre gearbeitet hat. Doch es gehl daraus her- vor, daß, wer auch noch so tüchtig ist in seinem Fach, er dennoch dem sogenannten„Vagabondenthnm" anHeini fallen muß, wenn er nicht, wie dieser Unglückliche, einen schnellen Entschluß faßt und allem Elend, allen Sorgen und Leiden auf einmal ein Ende macht und sein Jammerleben quittirt. Das� ist die grausame, brutale Konsequenz der heutigen Pro- duktionsweise"— Wir haben nichts hinzuzufügen. Vermischtes. Eine schreckt, che Geschichte von Leiden im Eise wurde von vier Matrosen erzählt, die in Liverpool angekommen find. Sic bildeten einen Theil der Mannschaft der Barke „Bayard", die sich auf der R-ise nach Oucbeck befand und in ungeheure Eisfelder gericth, von denen sie ganz eingeschlossen und zermalmt wurde, bis sie sank. Vier Tage und Nächte lang irtte die Mannschaft, ein Boot mit fich schleppend, auf dem Eise umber, und dann wurde sie endlich an Bord des Dampfers„May Louise" aufgenommen, welches Fahrzeug gleichfalls im Eise feststeckte und später verlassen werden mußte. Glücklicherweise wurden sämmtliche Personen, gerade als siege- zwungen waren, den zerdrückten und sinkenden Dampfer zu verlassen, von der Barke„Brilliant" aufgenommen, welche vre beiden Bemannungen in Oucbeck landete. Der deutsche Bäckergeselle Henry Alt, welcher wegen der Ermordung seines Nebenbuhlers Charles Howard zum Tode verurtheilt worden war, wurde vorgestem früh um 8 Uhr Nr. in London innerhalb der Mauern des Newgatc Gefänqit® durch den Strang hingerichtet. Ter Gefängniß- Geistliche weilte beinahe den ganzen Tag zuvor bei Alt und eitheilleik schließlich das Abendmahl. Nachdem Ali am Morgen der M richtung durch den Schattrichter gefesselt worden, fragte rnß ihn, ob er irgend etwas zu sagen wünsche, was er jedoch k' verneinte. Dann begab er sich festen Schrittes unter W Galgen, und erst als ihm der Strick um den Hals gelegt# rief er aus:. Dies kommt alles durch das gottlose, tM Frauenzimmer!" Die Klappe fiel, und Alt war sofort tB Auf besonderes Ersuchen wohnte ein Beamter der deutsrf« Botschaft der Hinrichtung an. Polirte Damen. Wenn die fashionable Damenrr« Newyorks große Toilette macht, um auf einem Balle oder k ähnlichem Anlaß zu paradiren, iverden vorher Arme und 0# „volirt". Der Modus operandi des Polirens ist folgender� Zuerst werden Arme und Büste mit Rosenwasscr gewaW und nachdem dies recht gründlich geschehen, mit Gold Crc� eingerieben, das etwa fünfzehn Minuten darauf liegen blB Nach dieser Zeit wird letzteres mit einem ganz seinen Flam* läppen wieder abgerieben, und Arme wie Büste mit Bad».! Puder bestreut, der wieder gründlichst eingerieben wird, e- dies geschehen, so sieht die Haut polirtem Marmor ähnlich � scheint von wunderbar feiner Struktur. Lebendig begraben. In einem türkischen Orte war' wie„Satan" berichtet— ein Rekrut gestorben, und# mobamedanischen Ritus gemäß noch vor Sonnenuntergang k graben worden. Bald nach der Zeremonie hötten Leute � dem Grabe herauf ein herzzerreißendes Jammergeschrei# Hilferufe, weshalb sie zum Jmam eilten und ihn um die ß laubniß baten, nachsehen zu dürfen, was es da unten 0$ Dieser verweigerte die Oeffnung des Grabes unter Hinweis's die Satzungen des Korans, und damit war die Sache vorläu'l erledigt. Erst des anderen Tages am Morgen machten# einige Türken daran, trotz des Jmams, den Tags vorher? grabenen zu exhumiren, und schon nach kurzer Arbeit bot W ihnen ein entsetzlicher Anblick dar. Der Unglückliche war lebeiül begraben worden und in seinem Grabe erstickt. Der ZuB? des Leichnams, sowie die verschiedenen vorgefundenen Merkfl� legten in der denkbar gräßlichsten Weise Zeugniß ab von ff furchtbaren Todeskampfe, den dieses bedauemswetthe DA eines fanatischen Jmams ausgekämpft hatte. Ueber die verheerenden Wirkungen der Lawinö wurden in diesem Jahre in vettchiedenen Gegenden Italien der Schweiz und Tirols recht interessante Auszeichnungen � macht. Das Gebiet von Val di Susa in der itdienislb' Provinz Turin war der Schauplatz der mächtigsten La# Die eine bei Devies, zwischen Salbertand und Exilles, buw tobte am 18. Januar d. I. in einer Breite von 60 M#' 6 Meter hoch, eine Strecke von einem Kilometer. Nach# fährer Schätzung betrug ihr Volumen 360,000 Kubik# Schnee im Gewrchte von 45,000 Tonnen. Sie zerstörte' Häuser und tödtete 43 Menschen. Die zweite bei Ve# 150 Meter lang, enthielt etwa 3 Millionen Kubikmeter 6# und durchlief ebenfalls am 18. Januar eine Strecke von 4 8� metern bis Riva; 24 Häuser wurden durch sie zerstört 6 Personen getödtet. Eine dritte Lawine bei Mafiotto% eine Schnecmasse von 18,700 Kubikmetern mit sich, 18 Häuser und forderte 17 Menschenleben. Wie die Nachtigallen! Pastor:„Guten Tag, Niko# wie lebt denn das junge Ehepaar bei Euch?"— Viko#: „Wie eickPaar Nachtigallen, nur gerade umgekehrt."— P#. „Wieso?"— Nikolaus:„Ja. sehen Sie, Herr Pastor, bei ff Nachtigallen, da schlägt das Männchen, aber bei den I# da drunten, da schlägt das Weibchen." Der„Nieuwe Rotterdamsche Eourant" enthält �«, Korrespondenz aus Delhi, in welcher ein neues Mittel j.&. die Cholera, das vom Dr. Godefroy erfunden und# lung> Feikema mit Erfolg angewendet worden ist, empföhle« Von 14 auf diese Weise behandelten Cholerakranken(ßj W@0 p. a von einei 2* Fassi s«tens d «zeipräsif den Ansc da uorm ooi 0„2ub jich scheu «st des i Saliner Mntestei vem der! ü* an d lcheinbare Mwlchti Schindler mrnt ma jung alle beim Wü S uft Mittheich verinuthli fet HwR.d Mwendi stehen. und Taus ß 11 sianzei b. e Lewerbe ii 2'>lchi Ochmann N ein S W g nur zwei! Man giebt keine Medizin, sondern läßt toie/ra allein handeln und sorgt für eine gute Zirkulation des Sobald die Pulsschläge des Patienten schwächer werden, man eine subkutane Einspritzung von einem Liter man eine luouuane vimiprieung von einem znrer i""' u Wasser, dem Salz zugefügt wird. Eine Viertelstunde na«. Einspritzung belebt sich der Puls und die Eholeracrscheinuw. treten wieder auf. So oft der Puls nachläßt, wiedeiho» dieselbe Einspritzung. Bei einzelnen Patienten ist dies 4 St fahren bis zu vier Mal angewendet worden. Sobald.. Kranke wieder zur Besinnung kommt, ist das Gift zerlsO man giebt ihm dann zur Kräftigung ein Glas Pon# Folgenden Tages kann der Patient schon Nahrungsmittel' tragen._ Kleine Wittheilungen. Aus Elauothal wird der„Hall. Ztg." über ein Unglück folgendes berichtet: Am Freitag Nachmittag, wad> ein heftiges Gewitter sich entlud, stürzte der am Burgsto�, litche bie i i der Unter Zuge gelegene Schacht„Elisabeth" plötzlich zusammen. � eine Hälfte des Giebels ist mit in die Tiefe gerissen-$ Schacht, mehr als 600 Meter tief, wurde nur als Förder- � Wctterschacht benutzt und gerade einer nöthigen R#'� unterzogen. Leider find drei junge Bergleute, ivelche,.y ersten Male angefahren und 80 Mtr. unter Tage mit dieser � r«!lfhen bcsserung beschäfttgt waren, bis jetzt nicht wieder zu fileunb ut kommen und werden wohl von den GcbirgSmassen veri«' titefet. sein. Verschiedene Strecken der nahe dabei belegenen' ttiolux „Dorothee" stehen seit mehreren Wochen in Brand, ohne.. i J? man desselben hat Herr werden können. Die Hierdur» � bmZf bildenden schlechten Wetter sollen immer mehr»m"-3%."3 hei greifen und bereits in andere Strecken eindringen u»"�* L.#ar betriebsunfähig machen. Der seit mehreren Tagen beb#..�rrage fichtigiing der Werke des hiesigen Oberbergamtsbczuk- � SJbilbet hx wesende Ober-Berghauptmann Dr. Huyßen findet Geleeft;«tabe sofort von dem Tha fichtigung der � w.wmnnuviinaun �r. qouytzen ynoei-'«oe D0r Ühatbestande persönlich Einficht zu nebm�T Landsberg a. W.. 14. Juli.(Sterbekasse.) JJte be« dem Verlangen der königlichen Sterbckasse in Zukunft regelmäßige Beiträge erheben so?' � Tt in einer Generalversammlung der Lesdiu� -W 0% w,e-b Regierung, daß W j/#|et abgehaltenen Generalversammlung der Beschs � faßt worden, daß die Beiträge, wie bisher, nach jedem® JjjjF v• falle, erhoben werden sollen, da nach diesem Modus die- 7 betsor glieder geringere Lasten zu tragen haben._. �{L,anitär( Neust, 14. Juli. Eine höchst unheimliche Entdeckung.� Arbe gestern Nachmittag beim Umbau eines Hauses auf der-'l„t®Uert»„b straße gemacht. Beim Ausschachten deS Kellers stieß'rnitfatiir "' SteW Irch einen halben Fuß unter dem Flurbelag auf eine nach deren Wegnahme man in ein trichterförmig ausaewaft',� Loch hineinsah, aus welchem ein penetranter Geruch«-<-■4)te liquidi NK\ '■ cJ 9 wi C aus welcher Zeit eS stammt\ Sahre wovon dasselbe herrührt, es gänzlich. Vom Niederrhein, 13. Juli.(Neun Menschen erschlagen.! Bei den gestrigen schweren Gewittern, von Düsseldorf abwärts bis über das südwestliche erstreckten und die von heftigen, theils wolkenbru# Regcnaüssen� begleitet waren,' wurden, soweit bis M'fl vJ* -..«tv*. ivwitu f unuuvu r(uivviv v'frffL bekamst, nicht weniger als neun Menschen m- erschlagen. D---------- i' ihren beiden Broich ein 5.............. W........ I.... WW I.. Görde(Westfalen) erschlug der Blitz ein neunjährig�. chen, in Wattenscheid einen Bergmann und in Älteuen Dienstmagd. 1 Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2, Hierzu eine Keil� KfW- w ifanglB tlicke theiltei!. i der agte ntß edoch M unter W s» ofort 13'- deutslbcl Damenn� ;e oder k und folgend«: gewaslb« old ÜitJi aen blei» :n ßW t Sattf' wird.? hnlich � e war? und de« ergang> Leute schrei«g im die � nten 0!* inweiS � e vorlog achten p vorber � it bot Jj ior lebetidj ;r ZBZ i Mcrlnri» b von.dK rthe Ä a ti Lann» les. dui» 30 Metels ÄiÄ fg ;tcr% von 4 iÄl h, ■SS Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 167. Dienstag, de« 21. Juli 1885. II. Jahrg. Lokale». P. Die Beerdigung des mittelst hinterlistigen Ueberfalls von einem streilbrüchigen Kollegen erschlagenen Maurers Hei"- dich Aaffel wird vorausfichtlich zu einer Massen-Kundgebi rem- lung bei de» or, SAg die. fttitns der betheiligten Kreise führen. Das Königliche Po «ieipräsidium hat nun gestem im Laufe des Nachmittags an den Anschlagssäulen Plakate anbringen lassen, in welchen mit Bezug auf§§ 9 und 17 des Aeichsgesetzes vom 28. Oktober 1878 gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- Demokratie das Publikum vor einer Maffen-Bctheiligung in vorm von Aufzügen gewarnt wird. n Jubiläumsfeier. Mittwoch, den 22. Juli, findet in dem Ley schen Lokal, Schönhauser Allee 162, die Jubiläumsfestlich« «it des Herrn Julius Bartel statt. m b. Das Rendcz-vous der Kassenboten gegenüber dem Berliner Raffen Perein in der Oberwallsttafie ist eins der inter- efsantesten Lokale Berlins. Es ist ein bescheidener Keller, an dem der Uneingeweihte achtlos vorbeigeht, aber er birgt, nament- uch an den Regulirungstagen, Millionen, welche in den un- lcheinbaren Ledertaschen der Gäste stecken. Diese führen die �wichtigsten Namen: Bleich: öder, Warschauer, Mendelssohn, Schindler u. s. w., denn nur unter dem Namen der Firmen man sich. Hier tauscht man zur gegenseitigen Erlcichte- Mg allerlei Besorgungen mit einander aus und rcgulirt fie ds'm Wiedertteffen zur bestimmten Stunden. Der Wirth macht r vielversprechenden Schatzgräberei mit den ausreichenden Mtteln betheiligen werden. Die Zeit wird ja lehren, was an % ganzen Sache Wahres ist.. b. Da« Stehlen nimmt bei der Halbwelt als Neben« vwerbe in auffallender Weise zu. Die Schöffengerichte haben M solchen Fällen fortwährend zu thun. In einem reichen �ufmannshause herrschte am Sonnabend große Aufregung, B�il ein Dutzend silberner Löffel fehlte. Das Personal hatte gegenseitig in Verdacht. Schließlich gestand der Sohn des Mffes, daß er in Abwesenheit der Eltern eine Halbweltdame " vre Wohnung hineingelassen hatte. ihm natürlich unbekannt. Wohnung und Name t4 ü nnen. � iffen. j irver-"A fc. Die Rechnung ohne de» Wirth gemacht. Der ei«.vgsgehilfe B, welcher bei dem Schneidermeister Sch- zu ÄMckes Zimmer bewohnt hatte, beschloß diese Wohnung .oÄen und da er dem Wirth die schuldige Micthe nicht s«ä i streuen Landsmannes, machte fich B. in vergangener kirek,(!9e Zeiten verschwanden. Was mit diesen Zungfrauen (SesekUa9. Ten wirklich geschehen sei, wisse Niemand. Die tbelZ.'onstatirt nur die tiefe und schmerzliche Trauer, Griechenland jedes Mal bei Absendung dieses V'Bt„'Aen Tributs ergriffen habe. Zn London aber, so sahres,.�"'.dem Artikel weiter, werden jede Nacht jahraus '�en mür r nut stoben Zungfrauen, sondern mindestens �ordellm i'�en Zungfrauen in das Labyrinth deS Londoner PfT«. CtCtlDDrfpn Vbts*fs>m Prtütifintfi ttlrttlheln oIctA wird daran erinnert, wie Griechenland nach Kriege sich verpflichten mußte, alle neun „. auen und 7 Jünglinge nach Kreta zu senden, dem von dem Minotaurus bewachten Labyrinth des Neides von Seite der in dieser Beziehung Nichtbevor- mundeten wurden. Der frische Luftzug hatte aber nicht nur die Straßen unserer Residenz, sondern auch die Bahn der Sonne aufs beste durchgefegt, so daß Helios, nachdem auch die letzten leichten Wölkchen, dre Morgen« das Firmament be Deckten, gegen die Mittagsstunde fich verloren hatten, sein licht- und warme- strahlendes Antlitz der Erde in vollster Heiterkeit zuwenden konnte. Heiterkeit wirkt ansteckend. Und so setzte denn auch unsere Residenz ihre hesterste Miene auf, überall und allent- wegen traf man lachende Gesichter, die sich des köstlichen Sonnen- scheins freuten, dessen verklärende Strahlen uns wiederum so recht zu Gemüthe führten, welch' herrliches Stück heiteren Griechenthums in unserem Lustgatten wir unser Eigen nennen; ein solcher Himmel wie gestem muß fich über dem Museum wölben, um uns die Schönheit desselben voll und ganz erfassen zu lassen. Doch der richtige Berliner, welchem während der sechs Wetteltage der Worte nichts über seine Vaterstadt geht, verliett am Sonntage gänzlich seinen Lokalpattiotismus, am Sonntag Nachmittage gelten ihm all' die Schönheiten Berlins nichts— er will, er muß hinaus. Und so setzte fich denn auch gestem alles Bewegungssähige in Bewegung, um den Grenzmatten unseres Weichbildes zu entfliehen; was nicht gehen und laufen wollte oder konnte, das wurde getragen, geschoben und gefahren; es gab Stunden, in denen kaum ein einziges Pferd Berlins außer Bewegung war. Wenn je, so konnte man vorgestern sagen:„Niemand ist in Berlin",— und doch pulsitte trotz alledem in den Straßen fortwährend das regste Leben, uner- schöpflich; was bedeuten für die Million Tausende? Die Ausflugsotte boten ihr Möglichstes dem ersehnten Strom der Ausflügler, sogar Unmögliches, unter letzteres rechnen wir das in manchen Ltten bereits gestern gefeierte„Erntefest", dessen volksthümliche Ursprünglichkeit dadurch starke Einbuße erlitt, daß das muntere Volk der Schnitter zum größten Theile durch Arbeit auf dem Felde an der Theilnahme an dem Feste ver» Hinbett war. N. tein lö jähriger Lebensretter. Ein 5 jähriger Knabe, der Sohn eines an der Fischerbrücke 17 wohnenden Grünkram- Händlers Kellert, hatte vorgestcm Nachmittag beim Spielen vor dem elterlichen Hause das Unglück, in die Spree zu stürzen, unter deren Wasserspiegel er sofort verschwand. Ein ISjähnger, zufällig anwesender Knabe, dessen Name leider nicht ermittelt werden konnte, sprang dem mit dem Wellentode Kämpfenden nach und gelang es ihm glücklch, das Kind beim Empottauchen zu erfassen und in einen kleinen Handkahn zu schaffen. Noch lebend, aber beivußtlos, wurde darauf das Kind seinen Eltem zugebracht. Das Verbot der Marktpolizei, wonach die auf den Wochenm rkten handelnden Bäcker keine Kuchenwaaren ver- kaufen sollten, weil dieselben nicht als Backwaare zu betrachten seien, zu deren Verkauf allein die Bäcker die polizei- liche Erlaubniß erhalten hätten, ist wieder zurückgenommen worden. R. Zu Fall gekommene Eitelkeit. Die gestem Nach- mittag zahlreich der Kalbo, im Berliner Prater, versammelten Gäste erlebten ein eigenthümliches Schauspiel. Gegen vier Uhr kam eine nach allerneuster Rtode mit allen Chikanen angekleidete und in Spitzen förmlich eingehüllte Dame in einer Droschke I. Klaffe vorgefahrcn. Alle Blicke des Publikums richteten fich aus den ankommenden Gast' aber o weh! beim Aussteigen bleibt die Krinoline am Kutschenschlag hängen und halb rutschend, halb fallend gelangt die Dame selbst wohl auf den Erdboden, während ihre Kleider fast sämmtlich am Kutschen- schlage zurückbleiben und so einen sehr indiskreten Blick auf die Reize der Schönen gestatten. Der jedenfalls gut bezahlte Kutscher beeilte sich zwar seinen Fahrgast wieder aufzurichten und auch beim Ordnen der Toilette hilfreiche Hand zu leisten, jedoch zog die Dame, unter dem schallenden Gelächter des Pub- likunrs vor, eiligst wieder ihren Wagen zu besteigen und fich dem Spotte der Menge zu entziehen. Ueber einen entsetzlichen Vorgang, der noch der näheren Feststellung bedarf, werden der„Nat.-Ztg." folgende Mittheilungen gemacht: Der in der Dalldorferfttaße wohnende Fnhrwerksbesrtzer Schultz, welcher seit etwa 3 Jahren ein Müll- � geworfen. Zn diesem Labyrinth wandeln gleich i�ej>snr,e,".ieien die Prostituirten Londons, deren Ziffer| 3 mcht unter 50 000 beträgt. Der Rachen des j i Londoner Minotaurus ist unersättlich und Keine, welche in sein Gehege sich verirrt, kehrt aus demselben zurück. Viele der Laster, die hier verübt werden, seien wohl unvermeidlich, aber es sollten in diesen übel berüchtigten Häusern nur solche Persynen verführt werden, welche reif sind, die Inschrift zu lesen:„Lasset alle Hoffnungen, Zhr, die Ihr hier eintretet." Die öffentliche Meinung müsse darauf bestehen, daß Niemand unfreiwillig geopfert werde und Niemand gegen seinen Willen durch Gewalt und Betrug hier eingeschleppt werde. Das sei wahrlich nicht zu viel verlangt von dem lüderlichen Reichthum. Es sollte dies schon aus Rücksichten der Selbsterhaltung geschehen, denn die Stunde der Demo- kratie habe geschlagen. Das römische KönigSthum sei ge- stürzt worden, wegen des Raubes der Lucretia- Lucretia war freilich vornehmer Herkunft. Ein ähnliches Verbrechen habe Spanien unter die Herrschaft der Mauren gebracht, nachdem ein spanischer König die Tochter eines Grafen mißbraucht hatte. Auch die Väter und Brüder derjenigen Mädchen, welche jetzt gleich Sklavinnen in London verkauft werden, um den Gelüsten der Reichen zu dienen, gehören jener Klasse an, welcher man eine große Macht im Staate nicht ab- sprechen kann. Viele der französischen Revolutionäre seien ausschweifend genug gewesen, aber nichts habe der Guillo- ttne soviel Opfer zugefühtt, als das Andenken an die Vor- gange im Versailler„Hirschpark". Auch in London sei der Giftstoff für die soziale Revolution bereits reichlich vorhan- den und dieser Giftstoff köune, wenn der Verbreitung des- selben kein Einhalt geboren werde, den Sturz der Thrones herbeiführen. Nach dieser scharfen Philippika geht nun das Blatt auf die Minheilung der einzelnen Fakten über, welche die Kom- Mission festgestellt hat. Es wird in diesen Enthüllungen systematisch behandelt. 1 Der Verkauf, Ankauf und Schändung von Kindern; 2. Die Beschaffung von Zunafrauen; 3 Die Verlockung und Verführung von Frauen durch ' falsche Vorstellungen; 4 Der internationale Sklavenhandel in Mädchen; 5 Niederträchtigkeiten, Brutalitäten und unnatürliche Ver- Ebe� ttner der untersuchenden Herren seine Studien beaann so schreibt das„Kleine Journal" hatte er, wie er berichtet eine vettrauliche Unterredung mit ernem der er- abfuhrgeschäft betreibt, pflegt in den ersten Tagen eines jeden Quattals bei den Hauswinhen die Rechnungen für die erfolgte vierteljährliche Müllabfuhr einzuziehen. Am vergangenen Montag verließ Schultz zu diesem Zweck seine Wohnung, kehrte jedoch bis Donnerstag weder in dieselbe zurück, noch konnte er sonst irgendwo bei seinen Verwandten oder Bekannten ermittelt werden. Die Angehörigen wurden durch das Ver- schwinden des Sch. in größte Aufregung versetzt. Vorgestem Nachmittag erhielt der Bruder des Sch. die Nachttcht, daß man am Nordhafen die Leiche eines Mannes aus dem Wasser ge- zogen habe, welche mit dem Verschwundenen identisch zu sein scheine. Der Bruder begab sich sofort nach der bezeichneten Leichenfundstelle und erkannte in dem Todten wirklich seinen Bruder. Das Geficht der Leiche war vollständig entstellt und mit geronnenem Blut überdeckt. Bei der zunächst vorgenommenen Untersuchung fand man bei dem Todten drei Quittungen und ein leeres Portemonnaie; Uhr und Kette, welche Sch. bei fich hatte, fehlten. Sch. lebte in sehr geordneten Verhältnissen, so daß ein Selbstmord ausgeschlossen erscheint. Die Vermuthungen über die eigentliche Ursache des Todes gehen auseinander. Sch. hatte sehr rohe Leute in seinen Diensten, bei denen Sch. oft auf das Strengste vorgehen mußte, um sie zu Erfüllung ihrer Pflichten anzutreiben. Möglich ist nun, daß einer der ent- lassenen Arbeiter, um an Sch. Rache zu üben, diesen überfallen und alsdann ins Wasser geworfen hat. Den Sachverhalt wird die amtliche Untersuchung feststellen. Sch. hinterläßt eine Frau und drei Kinder. Ueber einen Mord- und Selbstmordversuch wegen verschmähter Liebe wird folgendes gemeldet: Gestern Abend gegen 9 Uhr suchte der Buchbinder Rowatzki die in der Groß- beerenstraße 5 im Dienst stehende unverehelichte.Hannaske, mit welcher er ein Liebesvcrhältniß hatte, auf, um mit ihr über das von ihr aufgelöste Verhältniß Rücksprache zu nehmen. Da eine Einigung nicht zu Stande kam, so machte der Nowatzky der Hannaske die Eröffnung, daß er fie erschießen und dann sich das Leben nehmen werde, zog einen Revolver hervor und feuerte drei Schuß auf die im Hauflur stehende Hannaske ab, wodurch letztere nicht unbedeutend verletzt wurde. Dann brachte er sich einen Schuß in die Brust bei und ergriff die Flucht, wurde aber in der Königgrätzersti aße ergriffen, zur Wache gebracht und wegen seiner Verwundung der Charitee überwiesen. Die Hannaste war inzwischen von ihrer Dienstherrschaft in eine Krankenanstalt untergebracht. Einem Diplomaten ist am 10. d. M. aus unverschlossener Wohnung aus einem ebenfalls unverschlossenen Zylinderbüreau der Kaiser Franz Joscf Ordcn, der Johanniter-Orden, sowie mehrere Etuis, enthaltend eine goldene Nadel, deren runder Kopf mit weißen Perlen besetzt ist, eine Nadel aus oxydirtcm Golde und zwei goldene glatte Manschettenknöpfe, entwendet worden. Der oder die Diebe, welche noch nicht ermittelt sind, haben die Korridorthür mittelst Nachschlüssels geöffnet und fich dadurch Eingang in die sonst offen stehende Wohnung verschafft. Den Tod eines Menschen hat eine Schlägerei zur Folge gehabt, welche am 4. d. M. Abends nach 10 Uhr in der Mehnerftraße zwischen dem Handelsmann Paschke und dem Arbeiter Kobow stattfand. Paschke hatte bei derselben dem Kobow mittels eines scharfen Instruments— anscheinend einer Feile— einen Stich in den linken Oberschenkel versetzt. Kobow ist in Folge dieser Verwundung am 14. im städtischen Kranken- hause an Blutvergiftung vcrftorven. Paschke ist heute verhaftet. s. Unter dem falschen Verdacht, seinen Prinzipal 46 Mark unterschlagen und sich damit heimlich entfernt zu haben, stand während mehrerer Tage der Laufbursche Gehricke. Vor einigen Tagen fand ein Rollkutscher vom Berliner Spediteur- verein auf seinem Wagen in ein Papier eingewickelt den obigen Betrag, den er der Polizei abliefette. Nun stellte es fich her- aus, daß der Laufbursche G. auf ihm nicht erklärliche Weise das Ge d verloren hatte und sich aus Furcht vor seinem Prin« zipal verbarg. Erst später ergab sich, daß G. sich auf den Roll- wagen„aufgehackt" und hierbei das Päckchen unbemerkt liegen gelassen hatte. Durch das Auffinden des Geldes war Niemand froher als der Laufbursche. fahrensten Polizeisergeanten, der vermittelst seiner Stellung in Scotlaad Aard, dem Bureau der Geheimpolizei Londons, mit allen Schlupfwinkeln der Londoner Verbrecherwelt, mit allen Höhlen des Londoner Lasters, sowohl denen des Westends, die mit fürstlicher Pracht ausgestattet, und wo die Elite der Upper ten rhousand verkehrt, wie denen des Ost- endes, in St. Giles und bei den Docks, wo der be- trunken gemachte Seemann seiner ganzen Habe beraubt wird, genau bekannt war. Zch fragte den Polizeiser- geanten, so berichtet er, ob es wirklich wahr wäre, daß mir, wenn ich, mit dem nöthigen Gelde und der erforderlichen Einführung versehen, in einem der mir bezeichneten verrufenen Häuser anfragte, sofort gegen entsprechende Bezahlung ein unschuldiges Mädchen von dem Wirthe oder der Wirthin zur Verfügung gestellt würde, d. h. eine wirkliche Unschuld und keine Insassin des HauseS, die bei der betreffenden Ge- legenheit die Rolle derselben spielte. Der Sergeant ant- wortete mir, ohne auch nur eine Sekunde zu zaudern: „Ganz ohne Zweifel!!"„Und welchen Preis würde ich dafür zu zahlen haben?" fuhr ich fort.„Das ist eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Ich erinnere mich eines Falles, von dem ich in Scotland Bard Kenntniß er- hielt, bei dem der ausbedungene Preis 20 Pfund Sterling (400 M.) war. Leute in Lambeth hatten sich verpflichtet, ein unschuldiges Mädchen für diesen Preis an ein verrufenes Haus in Lambeth zu liefern, und ich hege nicht den mindesten Zweifel, daß AehnlicheS allüberall in London geschieht" „Aber," fragte ich weiter,„gehen diese Mädchen freiwillig oder werden sie gezwungen, sind sie wirklich Zunafrauen, nicht nur rn des Wortes physischer Bedeutung, ffondern wirklich unerfahrene Mädchen, die unwissend ihrer Ver- sührung entgegen gehen? Der Polizist sah mich erstaunt an und erwidette mit einem gewiffen Nachdruck:„Natür- lich gehen sie selten, sehr selten freiwillig, sie wissen überhaupt meist nicht, was ihnen bevorsteht!"„Aber," fragte ich, fast sprachlos vor Erstaunen, weiter,„ist eS möglich, daß Sie zu behaupten wagen, daß hier in der guten Stadt London Schändungen in der legalen Bedeutung des Wottes täglich an Mädchen, die dazu gezwungen wer- den, von reichen Leuten verübt werden, die den Witthen oder Wirthinnen der verrnfenen Häuser so viel pro Kopf bezahlen?"„Ohne Zweifel" war wiederum die kurze und ohne Zögern ertheilte Antwort.„Aber Mensch!" rief ich ihm zu,„der Gedanke allein macht mein Blut kochen und Gerichts-Zeiwng. P. Wegen Majcstätsbcleidigung, sowie Beleidigung von Milgliedein des Königlichen Hauses und des Fürsten Reichskanzlers erschien gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts II der Arbeiter Gustav Wittig aus Schöneberg. Die Berhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. In einem früheren Audienz-Termin, der auf Antrag des Ver- theidigers des Angeklagten, Rechtsanwalt Freudenthal, vertagt worden war, hatte der Denunziant und Hauptbelastungszeuge, Maurer Kunack, der übrigens bereits mit Zuchthaus vorbestraft ist— eine Aussage abgegeben, welche zu seiner eigenen Aus- sage im Vorverfahren sowohl, als auch zu der der übrigen Zeugen im Widerspruche stand. Dies Letztere war auch im gestrigen Audienz-Termin der Fall, weshalb der Staatsanwalt das Ergcbniß der Beweisaufnahme wegen Unglaubwürdigkeit der Zeugen nicht ausreichend erachtctete, um auf Grund des- selben eine Verurtheilung auszusprechen und daher Freisprechung beantragte. Der Gerichtshof erkannte Mangels Beweises dem- gemäß. Zwei Jünger Merkurs, der 22jährige Kommis Felix Koeppel und sein um einige Jahre älterer Berufsgenosse Hugo Eduard Gronski haben einige recht raffinirte Gaunerstückchen ausgeführt, wegen derer sie gestern der zweiten Ferienstraf- kammer des Landgerichts I vorgeführt wurden. Beide haben sich schon mehrfach Vergehen gegen das Eigenthum zu Schulden kommen lassen und da ist es nicht zu verwundern, daß sie stellenlos wurden und blieben. Gronski hatte wenigstens das Glück gehabt, von dem bekannten Portraitmaler Freyberg als Modellsteher cngagirt zu werden, wodurch er vor der bittersten Roth geschützt wurde, Koeppel versuchte dagegen sich als Kol- porteur, hatte aber so gut wie gar leinen Erfolg. Eines Sonntag Abends trafen sich die beiden Leidensgefährten in einem Schanklokal und machten Pläne, wie sie ihre Lage zu verbessern im Stande seien. Gronski heckte nun folgendes Projekt aus, welches die vollste Bcistimmung seines Kollegen fand. Der Erstere wußte, daß Herr Frciberg mit dem Hof- glasermeister Fröhlich seit Jahren in geschäftlichem Verkehr stand. Es sollte nun am folgenden Tage ein Brief der Frau Freyberg an Herrn Fröhlich verfaßt und dem Adressaten darin vorgespiegelt werden, die angebliche Brie'schreiberin sei auf einem Geschäftsgänge mit ihrer Kasse zu kurz gekommen und lasse ihn um sofortige Zusendung von 30 Mark bitten. Der Koup wurde programmmäßig ausgefüht und gelang; Herr Fröhlich schenkte dem Briefe, der ihm vom Angeklagten Koeppel, welcher sich für einen Kellner aus dem Kaf- Bauer ausgab, überbracht wurde, Glauben und händigte die gewünschten 30 Mk. aus. Die Beute wurde getheilt und an demselben Tage ver- praßt. Natürlich wurde nun ein zweiter Schwindel in Szene gesetzt, man fand es aber für gerathen, gleich auf eine größere Summe zu spckuliren. Dem in der Königin-Augusta- Straße wohnhasten Kaufmann Fuchs wurde am folgenden Tage von einem jungen Manne ein Brief überbracht, der die Unterschrift der Frau Frcdberg trug und in welchem Herr Fuchs gebeten wurde, dem Ucberbrinqer, einem Bediensteten des Hof-Uhr- machers Fclsing, die Summe von 105 Mark auszuhändigen; sie habe wider Erwarten einen größeren Einkauf gemacht, ihr Mann sei verreist u. s. w. Herrn Fuchs kam die Sache verdäch- tig vor, er wußte den Angeklagten Koeppel, der in diesem Falle wiederum die Botenrolle übernommen, so lange in seiner Wohnung festzuhalten, bis er bei der in der Nähe wohnenden Frau Freyberg Erkundigungen eingezogen hatte, wodurch sein Verdacht Bestätigung fand. Beide Schwindler wurden in Haft genommen und gegen sie Anklage wegen gemeinschaftlicher Urkundenfälschung, sowie eines vollendeten und eines ver- suchten Betruges erhoben. Im Verhandlungstermine legten beide Angeklagte ein offenes Geständniß ab und führten zu ihrer Entschuldigung an, daß sie sich in der drückendsten Roth- läge befunden Hätten. Der Gerichtshof billigte ihnen noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte gegen sie auf eine Gefängnißstrafe von je sechs Monaten und ein Jahr Ehrverlust. Ein Akt der Selbsthilfe zog dem Bauunternehmer Karl Rudolf Mücke und dessen Arbeiter Karl Tietze eine Anklage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu, welche gestern vor der fünften Bcrufungsstrafkammer verhandelt wurde, da die Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Erkenntniß des Schöffengerichts die Berufung eingelegt hatte. Am Abende des 12. Dezember vorigen Jahres gerieth der erste Angeklagte mit den beiden Maurem Redlich und Becker in Differenzen und verlangte schließlich von denselben, daß sie seinen Bauplatz ver- ließen. Da seine Aufforderung erfolglos blieb, drohte er, den Keitenhund losmachen und auf sie Hetzen zu wollen und führte den ersten Thcil der Drohung auch aus, hielt aber den Hunli an der Leine fest. Trotzdem wurden die Maurer immer widerspenstiger und Redlich ergriff schließlich eine Latte und drang damit auf den ersten Ange« regt Alles in mir auf."„Es ist wahr," sagte der Sergeant,„es sollte eigentlich Alles aufregen, in Wirklich- keit aber regt es kaum die nächsten Nachbarn auf."„Aber schreien denn die Mädchen nicht? rufen sie nicht um Hilfe?" „Natürlich, aber was nützt ihnen all' ihr Schreien in einem entlegenen Hinterzimmer! Und dann bedenken Sie, die längste Zeit, die Jemand überhaupt aushält, mit aller Gewalt zu schreien oder um Hilfe zu rufen, sind zwei Minuten, länger als fünf Minuten kann über- Haupt Niemand ununterbrochen schreien. Nehmen wir also an, daß ein Mädchen in einem Zimmer neben Ihrem eigenen Hause um Hilfe ruft, und daß Sie ihren Hilfe- ruf vernehmen, gerade wenn Sie beginnen einzuschlafen, würden Sie etwa aufstehen und sich anziehen? Würden Sie die Treppen hinuntereilen und Einlaß in das Haus verlangen? Schwerlich. Aber nehmen wir an, das Ge- schrei, das Gejammer hört nicht auf, Sie würden unruhig, Sie erwägen, ob Sie doch nicht besser daran thälen, hinzu- gehen, lange ehe sie sich entschieden haben, ehe sie sich end- lich angekleidet haben— ist das Geschrei vorüber, und sie selbst halten sich für einen Narren, der es sicherlich nicht zum zweiten Male thut."„Aber der wachthabende Polizist, eilt er nicht auf das Geschrei herbei?"„Er hat überhaupt kein Recht, sich in die Sache zu mischen, selbst wenn er das Geschrei hört. Gestehen Sie ihm dies Recht aber, in jedes HauS einzudringen, aus dem er Nachts das Geschrei und das Gewimmer einer Frau vernimmt, zu, dann würden hier in London mehr Polizisten als Doktoren an den Betten der Wöchnerinnen stehen. Wenn ein Mädchen die Schwelle eines jener Häuser übertreten hat, so ist sie hilflos und das beabsichtigte Verbrechen wird an ihr verübt werden, und das ohne irgend welche Gefahr für die, die es vollführen.„Aber ist Schändung denn kein Verbrechen, das mit Zuchthaus be- straft wird, kann Sie, das Opfer, keine Klage einreichen?" Wen soll Sie anklagen? Den, der das Verbrechen voll- führt hat? Sie kennt seinen Namen nicht, ja, Sie würde ihn kaum wieder erkennen, wenn sie ihm außerhalb des Hauses begegnete. Thäte sie es aber, wer würde dem Mädchen glauben? Ein gefallenes Mädchen»st immer eine Anklägerin, eine Zeugm. deren Glaubwürdigkeit stark be- MZMAW klagten ein. Nun ließ dieser den Hund los und gleichzeitig entriß er dem Redlich die Latte und hieb damit auf beide Maurer ein, der zweite Angeklagte trat auch in Aktion und durch Schläge und Bisse übel zugerichtet, wuiden die Gegner endlich vor die Thür geworfen. Das Schöffengericht sprach beide Ang» klagte frei, indeni es annahm, daß dieselben sich im Zustande der Nothwehr befunden, die Staatsanwalt- schaft war aber anderer Ansicht und führte in zweiter Instanz aus, daß das Recht der Abwehr in erheblicher Weise überschritten sei. Der Gerichtshof fand die Handlungsweise der Angeklagten ebenfalls stiafbar, erkannte daher gegen Mücke auf eine Geld- sträfe von 150 Mk., gegen Tietze auf 30 Mark. Der Bankier Friedrich Wilhelm August Zeckely stand gestern vor den Schranken der dritten Fe ien-Straf- kammer hiesigen Landgerichts l, um sich auf eine Anklage wegen wiederholter Unteischlaguna resp. Untreue, sowie wegen ein- fachen Bankerutts zu verantworten. Das Bankgeschäft des An- geklagten ist am I.April 1872 von dem am 2. September v. I. verstorbenen Bruder desselben und dem Bankier Otto Zeitz er- richtet worden. Später trat letzterer aus dem Geschäft aus, welches alsdann der Vorstorbeve bis zum 2. Juli v.J., dem Tage des Eintritts des jetzigen Angeklagten, allein betrieb. Nach den Angaben des Letzteren, welcher vordem als Angestellter bei seinem Bruder beschäftigt war, sei das Bankgeschäft desselben in den Jahren 1881 und 1882 erheblich zurückgegangen, so daß bereits im letzteren Jahre eine Unterbilanz von über 300000 Mark vorhanden war. Anfangs v. I. erkrankte der ältere Bruder an Lungentuberkulose. Da nach dem Ausspruch der Aerzte dessen Zustand zwar bedenklich, aber nicht rettungslos war, wurde der Kranke nach dem Süden in einen klimatischen Kurort acbiacht, wo er indeß schon am 2. September mit Tode abging. Vor der Reise hatte sich der Angeklagte schweren Herzens dazu verstanden, in das Geschäft seines Bruders als Mitinhaber einzutreten. Er hatte damals Ausficht, einen größeren Geldbetrag zu er- langen, mit dem er hoffen durfte, die von seinem Bruder verübten Eingriffe in die Effcktendepots durch Deckung der fehlenden Beträge wieder gut zu machen und das Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Die Beschaffung der Geldmittel zerschlug sich aber, während sein kranker Bruder von seinem Kurort aus von ihm verlangte, er solle an der Börse spckuliren und ihm sogar die ä la han-se zu kaufenden Papiere vorschrieb. Diese direkten Dispositionen glaubte der Angeklagte ausführen zu müssen, und als Anfang Juli durch ein Engagement ein Gewinn von 17 000 Mk. erzielt wurde, hielt er sich um so mehr für verpflichtet, seinem Bruder zu folgen und große Spekrilationen zu unternehmen. Diese fielen indeß ungünstig aus, so daß dadurch der Untergang des Geschäfts beschleunigt würde. Nach dem Gutachten der Sachverständigen, des Bücherrevisors Hcnniger und des Konkursverwalter Conradi, beliefcn fich die Schulden für die eingegangenen Differcnzgeschäfte über 50 000 Mark, während die bisherige Untcrbilanz von 300 000 Mark auf demselben Niveau geblieben ist. Bei dieser Geschäftslage sah sich der Angeklagte in die Nothwendigkcit versetzt, um dre von seinem Bruder schon begangenen Unterschlagungen zu verdecken, noch weitere Depots anzugreifen. Schließlich gewann er aber die Uebeizengung, daß fich so nicht weiter fortwrrthschaften ließe, und er entschloß sich daher, fich das Leben zu nehmen, vorher aber die in der Kasse befindlichen 35 000 M. zu entsprechenden Antheilen an seine Gläubiger zur Vertheilung zu dringen. Seine Mutter, die von demSelbstmordentschlusse durch einen Zufall Kennt- niß erhielt, brachte den Angeklagten von diesem Plane und ver- mochte ihn vielmehr, sich selbst zur Anzeige zu bringen und sich zu diesem BeHufe derKriminalpolizei aufdcmMolkenmarkt zu gestellen. Die anklage führt 17 Einzelfälle auf, in denen der Ange- klagte theilg Depots seiner Kunden angegriffen, theils von diesen empfangene Geldbeträge für sich verbraucht hat. Die Gc- sammtsumme wird auf ca. 100 000 Mark geschätzt. Die Auf- führung der einzelnen Aktionen ist für das größere Publikum 'ohne sonderliches Interesse; ein solches hat sie nur für Staats- anwaltschaft, Vertheidigung und Gerichtshof insofern, als daraus die eventuelle Strafbarkeit konstruirt werden soll. Staats- anwalt Stephan beantragte, den Angeklagten zu einer Gesammt- strafe von 3 Jahren Gefängniß und öiährigem Ehrverlust zu verur- theilen. Demgegenüber vlaidirte R.-A. Dr. F. Friedmann aus all- gemein menschlichen Gründen aus eine erheblich niedrigere Freiheitsstrafe und namentlich auf Belassung der Ehrenrechte; denn die That des Angeklagten, man mag dieselbe auch noch so sehr verdammen, sei doch sicherlich nicht ehrlosen Motiven entsprungen. Der Gerichtshof erkannte auf drei Jahre Ge- fängniß, wovon 3 Monate durch die Untersuchungshaft für ver- hüßt erachtet wurden und auf 3 Jahre Ehrverlust. In dem Prozeh Lieste ist, wie wir aus Leipzig er- fahren, Termin zur Verhandlung der von dem Angeklagten eingelegten Revision bereits zum 25. d. Mts. vor dem Ferren Straf Senat des Reichsgerichts anberaumt worden. Hauses, sie würden alle wie ein Mann beschwören, daß sie freiwillig, ohne in irgend einer Weise gezwungen oder be- einflußt zu werden, das Haus betreten, und die Folge der Klage würde sein, daß man das Mädchen als Hochstaplerin verurtheilen würde wegen beabsichtigter Erpressungen." „Nach alle dem, was Sie mir gesagt haben, Herr Ser- gcant, ist es also Ihre Ansicht, daß diese Verbrechen hier täglich verübt werden?"„Meine feste Ansicht, sie werden verübt und weiter verübt werden, und Niemand, verstehen Sie mich wohl, Niemand, kann, so lange Männer Geld haben, so lange geschickte und gewissenlose Zuführerinnen in ihrem Dienste thätig sind, und so lange Mädchen schwach und unerfahren sind, diese Verbrechen verhüten." Diese fest und bestimmt ausgesprochene Ueberzeugung eines Mannes, der durch seine Stellung mit der Sache ge- nau bekannt war, veranlaßte mich also, weitere Nachfor- schungen anzustellen. Ich sprach über die Angelegenheit mit einem sehr bekannten Abgeordneten des Unterhauses, der- selbe lachte und sagte:„Ich, mein Freund, bezweifle den Widerstand dieser unschuldigen jungen Damen. Daß es möglich ist, unschuldige Mädchen für so und so viel das Stück zu kaufen, das bestreite ich nicht, ich selbst, der ich doch kein Zuführer bin, mache mich anheischig, Ihnen 100 solche Mädchen für 25 Lstr. das Stück zu verschaffen, aber alle diese sogenannten unschuldigen Mädchen wissen ganz genau, was ihnen bevorsteht, sie wissen, was sie thun. Es grebt in unserer Gesellschaft eine große Anzahl von Leuten, die in Betreff der Moralität durchaus gewissenlos sind, die darauf achten, daß ihre Töchter bis zum Alter von 16 bis 17 Jahr tugend- Haft bleiben, nicht aus Achtung vor der Tugend, nicht aus Liebe zu ihren Kindern, nein, einzig und allein deswegen, weil die Tugend derselben eine Waare ist, die sie zum mög- lichst höchsten Preise verwerthen wollen, und die sie nur gegen baar Geld preisgeben. Das sind diejenigen Mädchen, die man kaufen kann, und zwar für so und so viel, je nach der Uebereinkunft. Unsinn aber ist es, bei ihnen das Roth- zucht zu nennen, was weiter nichts ist als die Aushän- digung der gekauften Waare gegen erfolgte Bezahlung. Ich bestteite nicht, daß hin und wieder ein Fall vorkommt, in dem das Mädchen gezwungen wird, aber die größte Mehr- zahl sind Diejenigen, die die Sache, wie schon gesagt, rein geschäftsmäßig auffassen." Wir schließen für heute diese merkwürdigen Enthül- lungen mit folgenden„Bekenntnissen eines Bordellwirthes". Soziales und Ardeiterdewegung. Zum Dresdener Tischlerstreik veröffentlicht die dortige Gesellen- Kommission unterm 17. Juli folgendes Zirkular: Kollegen! Arbeiter! Wir treten in die neunte Woche unseres Lohnkampfes mit dem Bewußtsein, in allen Dingen unsere Pflicht gethan zu haben; wenn auch Ueberläufer sich gefunden haben, die auf die Versprechungen der Meister hineingefallen sind, so ist der Kern unserer Kollegen treu geblieben, trotz alle� Versprechungen. Kollegen! Die Aussperrung der Kollegen im „Apollo" hat Anlaß zu größeren Auseinandersetzungen gegeben, denn es haben fich wirklich einige Leute gefunden, die den vom Herrn Direktor vorgelegten Revers unterschrieben haben. Kaum glaublich und dennoch wahr.— Einen Revers zu unterzeich- nen, der vorschreibt, fich an keiner Organisation betheiligen zu dürfen! Sind das aufgeklärte Arbeiter des neunzehnten Jahr- Hunderts? Aber Einige wollen es so haben,— arbeite», schlafen und wieder arbeiten— 0 sancta aimplicitas. Kollegen, Genossen! Ueberall zeigt fich das Kapital, um Loh»' abzüge zu machen, darum wollen und müssen wir auf der Hut sein, denn jeden Tag kann Euch, Kollegen, dasselbe pasfire»! darum rüstig vorwärts! Alle hinein in die bestehenden Or- aanisationen! Da wir mit den Ausgesperrten zusammen 200 Mann zu unterstützen haben, werden Mittel gebraucht, um die so lange uns treu gebliebenen Kollegen auch unterstützen zu können. Die Dresdener werden abzutragen wissen, was an ihnen gethan worden ist. Mit kollegialischem Gruß. Di« Kommission der Dresdener Tischler. Briese sende man a» G. Schidlowsky, Galeriestr. 15, v. Alle Geldsendungen a» W. Weidner in Selk's Gasthaus, Kl. Brüdergasse 9, I. Vereine nnfc Versammlungen. Die streikenden Maurer»nd Putzer hielten am Sonn- tag im großen Saale der Tivoli Brauerei eine von ca. 1000 Theilnchmcrn besuchte Versammlung ab, um über die Fott- führung des Streiks Beschluß zu fassen. Der Maurer Behrend präsidirte der Versammlung wieder und theitte mit, daß über die Beerdigung des Kommisstonsmitgliedcs Fasse! in der Mo»' tags-Kontrolvcrsammlung der streikenden Maurer nähere Mit- thcilungen erfolgen werden, sowie daß zur Zeit die Vertreter sämmtlrcher Maurer Deutschlands als Delegirte _ zur General« Versammlung der Zentral-Krankenkasse der Maurer und Stein- Hauer Deutschands(eingeschriebene Hilfskassc) in Berlin an- wesend sind. Redner bezeichnete dann in seinem Referate es als eine Illusion, wenn die Meister glauben, daß die Maurer am Montag insgesammt die Arbeit aufnehmen werden. Die Wiederaufnahme der Arbeit zu den Bedingungen der Meister würde nur ein kurzer Waffenstillstand, kein Friede sein. Weiter charakterifirte Redner das Verhalten einzelner Meister und Po» liere, die sich jetzt förmlich auf den Gesellenfang legen. So sollen auch jetzt wieder 50 Mann aus Schlesien hier einest' troffen und, wie er gehört, in den Baracken des neuen Reichs« tagsgebäudes einquartirt worden sein. Die besten Gesellen, meint Redner, sind es jedoch nicht, welche die Arbeit wieder aufgenommen haben. Diese denken nicht daran, die Arbeit eher wieder auszunehmen, als bis eine Einigung zwischen de» Meistern und der Streikkommission vereinbart worden ist- lLcbhaster Beifall.) In der Diskussion soiderte auch der Maler Nikolai zum Ausharren auf, da jetzt von allen G«' werkschaften Unterstützungen einlaufen und der Sieg der Maurer entscheidend für alle am Bauwesen betheuigte» Branchen sei. Maurer Scheel wendete sich gegen den in der SonntagSnummer der„National-Zeitung" enthaltene» Bericht Eine Streitversammlung auf Tivoli". Den Unwille» des Herrn Scheel hat es erregt, daß der Verfasser die AnM verschiedener Gesellen, daß es bei Festhaltung der ursprüngM" Forderung von 45 Pf. pro Stunde nur einer kurzen Arbste- einstellung bedurft hätte, wiedergegeben hat. Redner forderst zum strengen Aushalten in den Forderungen auf. Als Antwort darauf ging vom Maurer Michaelis der Antrag ein:„Die Per» sammlung möge eine Deputation wählen, welche mit de» Meistern unterhandeln soll." Dieser Antrag wurde von Herr» Behrend lebhaft bekämpft, der ausführte, daß die Meister eint neue Deputation doch nur für eine von der Streikkommisfio» abhängige und inspirirte halten würden. Tie weitere Diskussion und Aostimmung über diesen Antrag wurde durch eine einlaufend« Depesche der Hamburger Maurer unterbrochen, worin diese mittheilen, daß sie zur Beerdigung des Maurers Fasse! ei"« Deputation senden werden, die am Dienstag früh eintreffe» wird.(Bravo.) Darnach lief ein anderer Antrag ein: Da« auf denjenigen Bauten, wo 5 Mark gezahlt werden, die Arbeit ausgenommen werden kann.«Rufe: Nein! Nein!) Vorfitzender mit der Glocke sich Ruhe verschaffend): Diese Frage habe» wir heute gerade zu verhandeln, wünscht jemand dazu das Wort?— Maurer Hagendorf: Wenn ein solcher Anttag aus der Mitte der Versammlung kommt, muß er von hier oben herab des begrüßen. Maurer< �ersitherv eil est aber> wögen S lassen.° ÖK NN jhmmetni N Ante &" S"! ju r eteii welch pS %mm Sfe S?R fes te Mgv wesend? !?°ge hier.» m wallen?- K°ll mi M 5-Ä i h"in, werden. �4 ünfere 5 Munt etNcn S wurde i Hung. V fe Dieser Bordellwirth, so heißt es in dem Artikel, unterhielt früher ein bekanntes„Haus" in der Mile-encl-road, aber er bemüht sich jetzt, ein anständiger Mann zu werden. Er sowie seine Frau, seit ihrem 14. Jahre eine notorische Pro- stituirte, machten ungefähr folgende Aussagen: Jungfrauen, wie Sie sie nennen, sind in fortwährender Nachfrage u»d ein Unterstandsgeber, der sein Geschäft versteht, hat seine Augen nach allen Richtungen offen. Sein Vorrath an Mäd' chen ist in fortwährender Abnutzung begriffen und bedarf der Kompletirung, wenn er auf das Renommee seines „Hauses" bedacht sein will. Ich habe mich Zeit meines Lebens viel mit diesen Dingen abgegeben. Das Ver-' schassen frischer Mädchen bedarf Zeit, aber es ist einfach und leicht genug, wenn man sich darum bemüht- Ich habe Mädchen geworben unter allerlei Vorwäuden, gewöhnlich, indem ich die Miene eines Biedermannes heraussteckte und sie glauben machte, daß ich sie verheirathe» könne und so kamen sie in meine Gewalt. Ich schlug nächst vor, daß sie nach London kommen mögen, um sich vi« Verhältnisse ein wenig anzusehen. Ich führte sie umher, ließ sie opulent essen und trinken— namentlich aber trinken- — Ich führte sie nach dem Theater und wußte es so einzu» richten, daß sie den letzten Zug versäumten. Um diese Zeu ist das Mädchen gewöhnlich müde und ich schlage vor, ü« Lebensgeister durch ein kleines Souper aufzuftischen. D» sie keine Bekannten in der Stadt hat, offerire ich ihr ei» Unterkommen für die Nacht. Sie geht in meinem Haust zu Bett und— das Geschäft ist gemacht. Mein Kunde er» hält seine Jungfrau, ich bekomme meine 10 oder 20 Lstr- und am Morgen, nachdem die Jungfrau ihren Charakter verloren, wagt sie nicht mehr nach Hause zu gehen und i»» der größten Wahrscheinlichkeit thut sie in Zukunft dach was alle Anderen thun. Der Bordellwirth hat nun erstens de» Vortheil, eine anständige Provision für das erste Geschäft erhalten und zweitens den, durch den Zuwachs einer Reu- verführten eine Zugkraft für sein Etablissement gewönne" zu haben. Das ist eines der Beispiele für die Art unserer Iungfrauenwerbung. Eine andere Methode der Anschaffu»S von Jungfrauen ist die, daß man dieselben groß Viele Frauenspersonen, welche auf der Straße liegen, habe" kstme Mädchen, deren„Erziehung" sich lohnt. Werde" dieselben 12 oder 13 Jahr alt, sind sie ein viel gesucht«" Handelsartikel. Für eine leidliche„Marke" dieses Alters kann man in aller Seelenruhe 20 oder 40 Pfund anlege» ff % pe «Ol N L I "in b Tie A A p % \ ige % lMg. : dortige Zirkular: unseies unsere lefundca igefallcn otz aller- legen>m gegeben. den vom n. Kaum nterzeich- iligen zu in Jahr- arbeiten, ,s. Kol- m Lohn- der Hul pasfiren: iden Or« men 209 , um die tlltzen zu was an rß. Di- man an ngm an gern u Sonn« ca. 1000 >ie Fort- Behrend -aß über >er MoN' ere Mit- Vertreter General« d Stein« rlin an« serate es Maurer n. Die Meister i. Weiter und Po« n. sa cr einae« i Reichs« Gesellen, it wieder ie Arbeit schen den orden lst- auch der ilten Ge« öiea der iherligten n den lN herab besonders behandelt werden. Mit Freuden würde ich es Muhen, wenn der Antrag nicht angenommen würde, gebe ich Ihnen die Abstimmung anHeim. Sie Men, was Sie über diesen Antrag zu denken haben. q�urer Peter: Ich füge mich der Majosilät, obwohl ich die (■wucheruiig abgeben kann, daß, so lange einer aushalten ift\ e,n �etcr aushalten wird«Bravo!). Besonnenheit er nothwcndig; sollten Sie den Antrag annehmen, so i ogen Sie der Kommission die Ausführung desselben über- Inzwischen ist eine neue Resolution eingelaufen, die Die Resolution daß sie von einem Sie lautet:„In Erwägung, Bund der Bau-, Maurer- und jähen ~ joiijtviiwen r)t eine neue me)oiuuo lmt». �'dende sofort zur Terlesung bringt. »um-"JE Unterschrift und vermuthct man, i , Mlssionsmitgliede gestellt ist~'' Himmte Innung, der T �mmermerster. geleitet und beeinflußt von Personen wird, die ■ an" Interesse an der Beendigung des Ausstandes der hiesigen ! �.I�gefellen haben, sich weigert, mit den Maurergesellen ! über die Arbeitsbedingungen zu verhandeln, in Er- ; s.�una, daß andererseits ein großer Theil der Meister Bereitwilligkeit gezeigt hat, mit den Gesellen sich wir genügen, aber thatsächlich keine Organisation besitzt, „wer solche Verhandlungen zu führen wären, auch solche Kamsation zu schaffen augenblicklich nicht fähig ist; in Er- /u.Ms> daß bei dieser Sachlage ein Verhandeln mit der juuunthest der Meister sich als unausführbar erwiesen hat, mj. 1° leicht nicht zu erreichen sein wird, beschließt die heutige ,j?lMmlung: 1. Es ist die Lohnkommisfion ermächtigt, mit u, Men Meistern und Bauunternehmern zu verhandeln. 2. Bei w n �ei'tern, welche der Lohnkommisfion in einer der letzteren U erscheinenden Form mündlich oder schriftlich erklären, imb« n Vkaurergesellen mit 50 Pf. Stundenlohn beza len t>„�ahnabends um 4'/, Uhr Feierabend geben wollen, so daß in A.iwi � 50 Stunden gearbeitet, aber 30 bezahlt werden, wird die aufgenommen. 3. Der Ausstand der Berliner Maurer &«t.-- k.,tl'chen Versammlung der sämmtlichen Berliner M Sfri; n f' erklärt wird. Bis dahin wild der Zuzug feer re"' allen gesetzlichen Mitteln fern gehalten und wird die iJE" Erwartung ausgesprochen, daß auch die von Berlin aus- «wÜÜi ten Gesellen nicht zurückkehren vor der ausgesprochenen ®eferip 8 hes Ausstandes." Maurer Fritze fragt an, ob die ErL;+ gearbeitet haben und anwesend sind, morgen die Wesens?'s �legen wollen.— Vors.: Sir d solche Personen an- Heiterf-u x gen Sie es ruhig... Niemand antwortet.(Große Fr»«.:/ Maurer Peter: Ich muß bedauern, daß solche Bier, gestellt wird...(Oho! Einige Hundert find iB0ir".Vorsitzender:„Ich frage dieselben, ob sie weiter arbeiten vion lz Ruf:„Nein!"-„Auf Ehre und Gewissen?-„Ja." iist„fr"� freuen!"— Es entspinnt sich hierauf eine lebhafte Ächn» c? über die qu. Resolution, in welche sich mehrere für, andere dagegen aussprechen. Maurer Scheel be- Anten'm>i.e Abstimmung Über die Resolution, sowie Über den Michaelis bis zum Dienstag auszusetzen, um zuvor die jv,?* der hier anwesenden Vertreter der Maurer von ganz �tschland zu hören.(Stürmischer Bestall.) Der Antrag "ut allen gegen 1 Stimme angenommen, nachdem der 'Mde erklärt hatte, daß unter den anwesenden Vertretem die Kontrolkommission zu Hamburg befindet. Maurer «rn a"« wünscht, daß die Meister, welche Gesellen zu 50 Pf. y,- stunde haben wollen, sich bei der Kommission melden damit man bis zum Dienstag wisse, wie viel es sind. WlÜ � Vorsitzender Behrend fordert die Gesellen, welche gearbeitet haben, auf, am Montag die Arbeit wieder Vn SV ba der Streik nur noch einige Tage dauern bis er auf Antrag der Lohnkommission von der Maurer von wird den xrrN ein« ine tttti,"% Nothleidenden werden nach Kräften unterstützt »Retten Sie," so schließt der Redner,„unsere Ehre u.u�ste sämmtlicher Arbeiter Deutschlands. Dieser Unsere Ak �uzig in der zivilisirten Welt da, und wenn wir erstaunt k- �uung machen werden die Arbeiter Deutschlands einen daß es möglich war, mit so geringen Mitteln :%uche>,:eir von 12 000 Maurern aufzunehmen." Einstimmig !>»-. oarai.c fügende Resolution Angenommen:„In S?-« darauf Er- >?Mna Ms,....... die Di&.daß wir"zu diesem ernsten Streik hauptsächlich durch der(irMfrljsse, andemthcils durch das schnöde Verhalten der Innung der Baugcwerksmeister gezwungen .:llirt die heutige Versammlung der Maurer und uUe noch arbeitenden Kollegen, durch Arbeitseinstellung VÄen Forderungen der Gesellen und die Ehre der nüev Autschlands, sowie sämmtlicher Gewerkschaften zu W vanQ(fr wurde die Versammlung mit einem dreifachen en der Korb- (B* 9etrn KIT""«Ugre am«uiiiuuh, utii-c,. Juli, im Lokale kMnanns, Adalbertsttaße 21, mit der Tagesordnung: 1. Neute> Wss vom letzten Quartal und Bericht der Kon- Ol I �vhl eines zweiten Vorfitzenden. 3. Bericht Über � der Hamburger Kollegen und Besprechung Über die unterhielt , aber er den. sche Pro« ngfrauen, rage und hat seine an Mäd- rd bedarf :e seines t meines )as Ver/ st einfach bemüht- «rwäuden, ermannes .-heirathen ie umher, w trinken- so einzu« diese Zeit vor, die hen. Da ch ihr ein em Haus« Kunde er« . 20 Lfir- Charakter und wlt das, was «„ 9W aewonnen et unserer aschaffung Ä f Werden .Jtss anlegen tl�oie u®" hat gewöhnlich derartige Ankäufe meine « frder r�ier besorgt. Trunksüchtige Eltern verkaufen ihre % m' 9C oft aus eigenem Antriebe. In dem Eastend Oen{,"""Wer so viel ft ische Mädchen aufkaufen, als man jutzenk"AI- In Dalston stehen täglich mindestens ein chirann Verkaufe. Ost übersteigt das Angebot die �Uä Dort praktizirt ein Mann Namens 3—, dessen °lt. cv"e Berühmtheit in der Verführung junger Mädchen .�cken �""sre mich eines merkwürdigen Falles. Ein ftte ü. 0°n gutem Aeußern befand sich in Horsham. Ich toi, ja A* und begab mich dahin, um zu sehen, was zu Achäst»», h�e Altern glaubten, ich sei ein gewöhnlicher � iDijA, ann aus London, als ich ihnen den Antrag stellte, jfr tnttdbi/ r äu vngaairen. Ich brachte sie nach der Stadt fr behn.,J',e Zunächst zum Dienstmädchen in meinem Hause. fr Wank ste sehr gut und bereiteten sie allmälig für frfrlewn» frot- Dann verkaufte ich sie an einen jungen l stuiae 5inW 15 Bßr., d. h. ich bekam das Geld und Lechen i,, ftnn"hielt die Erlaubniß, mit dem jungen chste n. ä,,hfr"' was er wolle. Er nahm sie mit sich und ver- � Mah* enn nun ihre Eltern gefragt hätten was ich mit ? schlecht?» �Sh°" habe, so hätte ich geantwortet, es sei fr" bur* Mädchen gewesen und wäre mit einem jungen L Dieser > Betvanbter ö TO'rth' bemerkt der Znterwiever, war «��Unas>.-ik v � fvwarr fellow), er war in seiner Jugend frfr"eu. aber durch Trinken war er herunter ge- 5fr ich Richtigkeit seiner Angaben zu bestätigen, ..chen nlrT er wir innerhalb drei Tagen zwei junge fr beftätin* könne, deren Virginität durch einen i&W die»pr)raer�.e; 3n der That erhielt ich innerhalb zwei » frsgebii?» Nachricht, daß mir gegen eine Kom- Wb Jfr uon 10 Lstrl. am nächstfolgenden Tage zwei frfr Zeua?ii ,ut Verfügung ständen, jede mit dem ärzt- flache... fr einer virgo intacta. Die Richtigkeit dieser n Mall fr" Kommission festgestellt worden! Die .lfrr van..aZ�tte" veröffentlicht eine ganze Reihe der- »��fellose Merzten ausgestellter Zeugnisse über it f,fr iwinei. 9"0wfrät verkaufter Mädchen. Diese Atteste U�fren Käufern bei Erlegung des Kaufpreises �frße". 08 nur b et kleinste Theil der gebrachten Ent- bevorstebende Lohnbewegung der hiesigen Korbmacher. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der erste Punkt der Tagesordnung fand damit seine Erledigung, daß Bücher und Rechnungen vom Kassirer vorgelegt und dem Kassirer Decharge ertheilt wurde. Her Feckmer als Kontroleur theilte mit, daß Bücher und Kasse bei der Revision sich in bester Ordnung befunden haben. Darauf wurde Herr Fechner als zweiter Vorsitzender des Vereins gewählt und an dessen Stelle Herr Emil Kanniga als Kontroleur. Zu Punkt 3 erstattete H. Karl Bericht über den Streik der Hamburger Kollegen, woselbst gegenwärtig 80 Mann die Arbeit eingestellt haben. Denselben sind vom Vor- stand 30 M. aus der Kasse des Vereins übermittelt worden, womit sich die Versammlung einverstanden erklärte. Hierauf erhielt H. Fechner das Wort und sprach derselbe über die be- vorstehende Lohnbewegung der hiesigen Kollegen. Er führte etwa folgendermaßen aus: Wie gedrückt gegen- wärtig die Lage der hiesigen Korbmacher ist, gehe daraus hervor, daß ein ihm(Redner) bekannter Korbmacher 9 Mark ein anderer sogar nur 5 Mark wöchentlichen Verdienst gehabt habe, auch gehöre es nicht zu den Seltenheiten, wenn tüchtige Arbeiter mit 13 und 14 Mark wöchentlichen Verdienst sich begnügen müssen. Im übrige».sei es ja auch durch die amtliche Lohnstatistik bewiesen, daß sich der Durchschnittsverdienst der Korbmacher auf wöchentlich 12 Mark deläuft. Bei den heutigen Verhältnissen werde ein Jeder zu- geben müssen, daß man mit einem solchen Verdienst nicht existiren kann, denn von Quartal zu Quartal werden die Miethen und mit diesen die Miethssteuem erhöht. Auch die Lebensmittel werden immer theurer und die Löhne sinken von Woche zu Woche herab. Während bei anderen Korporationen doch wenigstens etwas erreicht worden ist, sehen die Korbmacher ruhig zu, wie man eine Arbeit nach der andern im Lohn herabsetzt. Ein Verdienst von 12 Mark könne für eine Familie nicht ausreichend sein, er wird kaum hinreichen, die nöthigsten Lebensbedürfnisse zu bestreiten. Wo bleibt nun die Miethe, Steuem und was sonst noch an den Arbeiter herantritt. Die Folge davon sei, daß die Frauen das Defizit decken müßten. indem sie bis in die Nacht hinein bei ihrer Näharbeit fitzen oder von früh Moroens bis in die sinkende Nacht hinein am Waschfaß stehen. Wie könne es da den Eltern möglich sein, ihren Kindern eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. Kollegen! Angesichts oieser Zustände wird es Niemand den Korbmachern verargen, wenn sie die letzte ihnen zu Gebote stehende Kraft zusammenraffen und sich zu einer Lohnbewegung organifiren. Zeigen wir, ruft Redner, daß auch auch wir nicht zurückbleiben, den Kampf aufzunehmen, wenn es sein muß. Bettachte man alle übrigen Korporationen, so sehe man, wie die- selben vorgehen und ihr Vorgehen meistens mit Erfolg gekrönt sei. Redner meint, er sei zwar kein Freund von Streiks, versuche man es daher mit den Henen Arbeitgebern auf gütlichem Wege zu unterhandeln, denn die Korbmacher verlangen ja eigentlich keine Lohnerhöhung sondern nur eine Lohnregulirung, um in allen Werkstätten denselben Lohn zu erzielen. Wei.en nun die Arbeitgeber das Anerbieten der Arbeiter zurück, so bliebe immer noch Zeit geeignete Maßregel zu ergreifen. Die Arbeiter haben es sich angelegen sein lassen, in dieser Weise etwas vorzuarbeiten, es habe sich eine provisorische Lohn- kommission gebildet, welche einen Lohntarif ausgearbeitet hat und bliebe es der Versammlung überlassen, diese Kommission anzuerkennen event. eine andere zu wählen, zu gleicher Zeit auch den Lohntarif anzuerkennen. Nachdem sprachen sich noch die Herren Henze, Krieger und Franke in ähnlichem Sinne aus. Sodann wurde die Kommission definitiv gewählt. Die- selbe besteht aus den Herren Fechner, Kulike, Randolf, Arndt und Krieger. De, selben wurde anheim gegeben, nach ihrem Er- messen die bevorstehende Lohnbewegung zu regeln. Ebenso wurde der von der Kommission ausgearbeitete Lohntarif als gerecht- fertigt anerkannt. Dann wurden der Kommisston vorläufig 50 M. zur Disposition gestellt, zur Deckung der ersten Aus- gaben. Im 4. Punkt der Tagesordnung wurden noch einige weniger wichtige Angelegenheiten erledigt. Unter Änderen, wurde noch ein Schreiben aus Hamburg verlesen, worin die Hamburger Kollegen auffordern, eine Kommission zu wählen, behufs Sammlung von Unterschriften zu der Petition an den Reichstag, betteffs des von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten„Arbeiterschatzgcsetzes" was ebenfalls von der Versammlung angenommen wurde. Darauf wurde, nachdem der Vorsitzenoe die anwesenden Kollegen zum Festhalten an ihrem Versprechen ermahnt hatte die Versammlung ge schlössen. � Fachverein der Steinträger. Die erste Mitglieder- Versammlung des Vereins, welche in RenLs Lokal, Naunyn- strafst 27, stattfand, war von ca. 250 Mitgliedern besucht. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war: Welche Auf- gäbe hat der Fachverein? Das Referat hatte Herr Michelsen üb rnommen. Redner führte aus, daß die Steinträger Berlins bis jetzt nicht organifirt waren und erst durch die jetzige Lohn- bewegung, hauptsächlich durch den Generalstreik der Berliner Maurer zu der Einsicht gelangt sind, einen Verein zu gründen. Der Verein soll dazu dienen, den Steinträgcrn eine bessere Lage zu schaffen und eine bessere Existenz zu gründen. Refe- rent führte weiter aus, daß auch alle übrigen Arbeiter den Steinträgem sympathisch gegenüberstehen, auch sie wissen genau, wie schwer der Beruf der Steinttäger sei, welche nur im Sommer bei der größten Hitze Arbeit finden, in den Wintermonaten jedoch arbeitslos umherirren müßten. Es sei statistisch festgestellt, daß ein Steinträger höchstens 15 Jahre feinen schweren Beruf ausüben kann. Nur durch eine feste Organisation könne eine Besserstellung erreicht werden. Nur vereinigt könnten die Arbeiter mit ihren gerechien Forderungen den Arbeitgebem gegenüber durchdringen. Die Einigkeit sei das beste Mittel, um Erfolge zu erzielen. An der Diskussion betheiligte sich Herr Hauk und einige andere Redner, welche sich in Demselben Sinne wie der Referent aus- sprachen. Zweiter Punkt der Tagesordnung war: Wahl des Vorstandes. Es wurden gewählt folgende Herren: Als erster Vorsitzender Otto Rennthaler, als zweiter Karl Valenthien. Als erster Schriftführer Heinrich Engel, als zweiter Emst Gutsch. Als erster Kafstrer Louis Sternberg, als zweiter Karl Vogelländer. Als Revisoren die drei Herren Voswtnkel, Fietz und Deich. Zu Verschiedenes und Vereinsangelegenheit sprach zunächst der Vorsitzende Rennthaler und therlte derselbe den Mitglicdem mit, daß es notbwendig sei, ein Bureau für Arbeitsnachweis zu schaffen. Die Mitglieder möchten diese Angelegenheit dem Vorstande überlassen, welcher sie aufs Beste regeln würde. Femer wurde über den neuen Lohntarif de- battirt, ob derselbe festgehalten werden soll. Herr Hauck und Warohn sprachen sich rn dem Sinne aus, die Arbeit nicht früher auszunehmen, bis der betreffende Arbeitgeber den Tarif bewilligt hat. Herr Rennthaler dagegen äußerte sich dahin, wenn es vorläufig nicht möglich wäre, den Tarif durchs- bringen, die Arbeit vorläufig aufzunehmen. Das Uebrrge würde sich i" kürzester Zeit finden. Mit einem dreimaligen Hoch auf den neu gegründeten Fachvercin der Steinträger mV.?»S"nmr& S«»-. nfiVjt her Fabrik» und Bauarbeiter hielt am Sonnabend, WW Sonntagsruhe und forderte alle Er sprach Anwesenden über auf, die diesbezügliche Petition zu unterzeichnen, da ja Fürst Bismarck die Stimmen der Arbeiter hören wolle. Schließlich gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Die heutige Mitglieder-Versammluna des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Fabrik- und Bauarbeiter schließt sich voll und ganz den Ausfühmngen des Referenten an und erblickt nur in der Durchführung der gesetzlichen Sonntagsmhe und der Annahme, des von den Arbettervertretern im Reichs- tage eingebrachten Arbeiterschutzgesetzentwurfs eine Verbesserung der heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse. Den Mitgliedem zur Nachricht, daß die nächste Mitgliederversammlung des Ver- eins am Dienstag, den 28. Juli, Abends 8>/, Uhr, im Ver- einshause„Süd-Ost", Waldemarstr. 75 stattfindet. In der Versammlung des Fachvereins der Töpfer, die am Sonntag Grenadierfttaße 33 stattfand, wurde die Frage diskutirt, ob die vor Kurzem aufgestellte Forderung einer neun« stündigen Arbeitszeit(von 7 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends inkl. der zwei Pausen» IV» und v» Stunde) bei den in Aus- ficht stehenden Verhandlungen mit der Lohnkommisston der Meister aufrecht erhalten werden solle. Der Vorsitzende Herr Borrmann und Herr Brüske wiesen darauf hin, daß man bei Lohnarbeit 45 Pfg. pro Stunde gefordert habe, bei Aufstellung des Minimal- Akkordlohntarifs aber angenommen habe, daß bei 9 stündiger Tagesarbeit ein Minimallohn von 27 Mk. wöchent- lich, d. r. 4,50 Mk. täglich erzielt werden müsse. Wolle man bei Lohnarbeit, pro Stunde mit 45 Pfg. bezahlt, diesen Lohn erzielen, so habe man täglich 10 Stunden zu arbeiten. Die Herren Thieme, Greier, Peitsch, Krause und Holtze traten mit aller Entschiedenheit für die 9 stündige Arbeitszeit ein und er- klärten die Aufrechterhaltung der 9 stündigen Arbeitszeit für so wichtig, daß man den Meistern gegenüber, welche darauf be- stehen. 4,50 Mk. Tagelohn nur bei 10 stündiger Arbeitszeit zu bezahlen, sür's Erste lieber auf die 45 Pfg. für die zehnte Stunde verzichten müsse. Aufgabe der Lohnkommisston der Gesellen werde es sein, bei den Verhandlungen mit der Lohn- kommission der Meister diese womöglich zu der Ansicht zu bringen, daß, weil bei kürzerer Arbeitszeit die Leistungsfähigkeit des Arbeiters eine größere sei, in 9 Stunden ebensoviel geleistet werden könne, wie in 10 Stunden.— Der Kassenbericht, der dann erstattet wurde, ergab: Einnahmen 497,33 Mark(inkl. des Bestandes von 31,65); Ausgaben 452,89 Mark. Der„demokratische Verein" hielt vor einigen Tagen im Louisenstädtischen Klubhause eine Versammlung ab, in welcher Dr. Guido Weiß über„das Verhältniß der nord» deutschen Demokratie zur süddeutschen Volkspartei" referirte. Redner gab zunächst ein Bild der Entwicklung der deutschen Demokratie seit 1849. Die norddeutschen Demokraten traten damals wegen der oltroyrrten, das allgemeine Wahlrecht aus- schließenden Verfassung vom politischen Schauplatz freiwillig ab, während dies bei den süddeutschen aus dem Grunde ge- schah, weil die meisten Fuhrer wegen ihrer Betheiligung an den Aufständen in Baden und in der Pfalz hatten fluchten oder ins Gefängniß wandem müssen. Der Gedanke an ein in Freiheit geeinigtes Deut chland ging aber deshalb nicht zu Grunde; er flüchtete sich zunächst m die Turner-, Sänger- und Schützenvereine und fand von hier aus feine erste Grundlage im„Nationalverein", in dem aller- dings ein blasser Liberalismus prävalirte und der deshalb auch eine gewisse Sympathie bei der preußischen Re- gierung fand. Nach und nach traten demselben auch viele Demokraten bei, zogen sich aber, als es ihnen in Koburg nicht gelang, einen der Ihrigen in den Vorstand zu bringen, und als sie sahen, daß der„Nationalverein" nicht mehr weiter nach links gehen wollte, zurück. Die Süddeutschen singen nun an, die„Triasidee" zu poussiren und suchten zunächst mit Oester- reich Fühlung zu gewinnen, wo sie aber, obwohl man sich dort ihre Huldigungen gefallen ließ, auch keine Erfolge errangen. Dieser mißglückte Versuch nach Außen hin hatte auch eine Ab- schwächung der Partei nach Innen zur Folge, da die Sym« pathien Vieler weit mehr Preußen als Oesterreich zugewandt waren.— In Norddeutschland entschloß sich die Demokratie. nachdem der jetzige Kaiser Wilhelm an die Regierung in Preußen gelangt war, wieder in die politische Bewegung ein- zutteten. Durch Abfall von der Fraktion Vincke bildete sich die Fraktton„Jung-Litthauen", aus der wieder die Fort- schrittspartei hervorging. Damit trat aber auch in Nord- deutschland wieder eine Abschwächung der Demokratie ein. Waldeck, Ziegler und andere hervorragende Mitglieder der Linken unterzeichneten das vorgelegte Programm, welches das allgemeine Wahlrecht ausschloß, nicht. Nickst nur nach links— eine liberale„wirthschaftliche Partei", welche sich unter Faucher. Michaelis u. Ä. gebildet, hatte gleichfalls nicht unterzeichnet—, sondern auch nach rechts fanden Seklenbildungen statt. Sonach bedeutete die Fortschrittspartei auch schon damals nicht mehr eine Einheit. Dennoch aber kam es, namentlich auch weil der Krieg von 1866 dazwischen trat, noch nicht zu einer näheren Verbindung zwischen der norddeutschen und der stid- deutschen Demokratie. Letztere hatte im Jahre 1868 zu Frankfurt durch Delegirte ein Programm aufgestellt, welches im Wesentlichen das der„Volkspartei" wurde, auch dem der nord- deutschen Demokratie zu Grunde liegt und auf demokratische Gleich- berechtigung, sowie Durchführung der Volksregierung im Staate gerichtet ist. Es war außerdem ein Bundesstaat mit Oesterreich vorgesehen; in nutionaler wie internationaler Beziehung sollte der Anspruch auf Selbstbestimmung gelten; die staatlichen und wirthschaftlichen Fragen sollten untrennbar sein. Daraufhin begann in Süddeutschland die Organisation der einzelnen Ver- eine. Was inzwischen in Preußen gesehah, konnte jene Männer allerdings nicht crmuthigen. Dort oewilligte man die Indem- nität trotz des offen hingestellten Satzes:„Wenn es wieder so kommt, so werden wir ebenso wieder handeln!" Man anncktirte in einem nicht sehr anständigen Tempo und spottete über die beseitigten Verfassungen, obwohl zum Beispiel die kurhesstsche besser war als irgendwie in Deutschland. Man war beute- gierig und vergaß die„dürren Prinzipien". Trotzdem tauchten 1869 neue Versuche zur Einigung zwischen den norddeutschen und süddeutschen Demokraten auf und gewannen auch in Braunschweig eine festere Gestaltung, worauf dann die Ereignisse von 1870 alle MißHelligkeiten zwischen der nord« und süddeutschen Demokratie beseitigten. Doch der Rausch von da- mals dauerte nicht lange. 1873 organisirte man in Frankfurt die deutsche Volksparter, die ganz Deutschland umfassen sollte aber in Norddeutschland keinen Erfolg fand. Die Süddeutschen i" den Reichstag kamen, hatten sie so ungeheuerliche Begriffe von dem, was ihnen in Verl, n pasfiren könnte, daß sie sich Alle zusammen ,n ernem Hotel einquartierten. Der erste Ott nohem Zu wollen, wandte sich aber bald wieder mit der Mo- timrung ab, daß wir zu schwach und den von süddeutscher Seite für ganz besonders wichtig erachteten föderalen Bestrebungen" abgeneigt seien. Mit einer näheren Präzisirung seiner„sode- ratrven Forderungen" ist Herr Karl Maper aber nie hervor« getreten. Will er etwa Oestencich mit hinein haben? Nun für diesen„Kuddelmuddel" aller möglichen sich anfeindenden Nationalitäten danken wir allerdings, das wäre eine schlechte Morgengabe. Oder will er die Reservatrechte einzelner Staaten beseitigen? Auch da könnten wir ihm nicht folgen und würden z. B. gewiß Alle für Baiern eintreten, wenn diesem sein schönes Reservatrechtöffentlicher Militärgerichtsverhandlungen enommen werden sollte. Der ganzen Sachlage nach und >a fich auch die Frankfurter Gruppe sympathisch für uns aus- gesprochen hat, kann ich Herrn Karl Mayer's Verhalten nur als Nörgelei bezeichnen. Die Sache wird fich ja nun weiter auf dem im September stattfindenden Parteitag der süddeutschen Volkspartei in Hanau entwickeln. Das Schlimmste, was da pasfiren könnte, wäre, daß die Schwaben für sich allein blieben. Hoffentlich werden fle aber gestatten, daß fich die gefammten deutschen Demokraten an ihrer Bewegung betheiligen. Sollten fie das nicht, sollten fie ferner ihre Pfeile gegen uns richten und die Sonne damit verfinstern, nun, desto besser, dann wollen wir— um mit Leonidas zu reden— im Schatten fechten. all.) An den Vortrag knüpfte fich )ebatte, welche fich hauptsächlich gegen Mayer richtete. Herr Ledebur ist der die Herren Mayer und Payer mit ihrer Phrase von den„föderalen Bestrebungen" "'eben wollen. eine animirte Herrn Karl Anficht, daß nebelhaften nur ihrem Dr. Graetzer Partikularismus hätten Ausdruck gc, greift den fortschrittlichen„Reichsfreund" wegen der dem Dr. Guido Weiß gemachten Insinuationen an. Ein Herr Görlitzer erklärt die Deutschfreisinnigen für die ärgsten und am energischsten zu bekämpfenden Feinde der Demokraten, worauf ein Herr Richter fragt, ob die Zugehörigkeit zum Verein die Wahlthätig- keit für die freisinnige Partei ausschließe. Der Vorfitzende er- klärt, daß man fich, so lange man noch keinen eigenen Kandi- daten habe, der nächststehenden Partei anschließen müfle. In diesem Sinne sprach fich auch die Mehrzahl der Redner aus. Nachdem noch Dr. Guido Weiß eifrige Klärung aller Streit- fragen in der Zeit bis zum Parteitag anempfohlen, schloß die Versammlung um 11', Uhr Abends. th. Der Maurerstreik beschäftigte am letzten Sonntag auch die Maler in den Gratweil'schen Bierhallen, woselbst Herr Regierungs-Baumeister Keßler die Frage erörterte, welche Lehren aus dem Maurerstreik zu ziehen seien. Derselbe gab zunächst eine Erklärung der dem Streik zu Grunde liegenden Ursachen, verbreitete sich sodann eingehend über Meister- und Arbeiterorganisationen und kam zu der Schlußfolgerung, daß, obgleich sie der möglichsten gesetzlichen Förderung fich zu er- freuen hätten, die Meisterorganisationen(Innungen) wunder- barerweise in schwachen Ansängen verblieben wären gegenüber den Organisationen der Arbeiter, welche sich trotz aller Hemm- niffe bedeutend mehr entwickelt hätten. Trotzdem seien dieselben noch immer zu schwach und müßten noch weiter ausgebildet werden, um in Zukunft Streiks ent- weder gänzlich unnöthia zu machen, oder aber die Arbeiter siegreich aus denselben hervorgehen zu lassen. Ein Streu ser als Viele glaubten. Die Arbeiter könnten deshalb getrost in die Zukunft blicken, dieselbe gehöre doch ihnen!— Im An« schluß an diesen Vortrag wurden die Maler zum Beitritt zum Gauverein dringend ermahnt. Stuttgart, 14. Juli. Gestern Abend fanden sich im Schützcnhof 1000 Arbeiter zusammen, um zur Frage der Sonn- tagsarbeit und Sonntagsruhe Stellung zu nehmen. Der Vor- fitzende begrüßte die Versammlung und ertheilte mit einem Hinweis auf die Worte des Reichskanzlers, daß in dieser so hochwichtigen Frage in erster Linie die Arbeiter zu hören seien, dem Referenten Herrn Meist aus Deutz das Wort. Derselbe tritt zunächst der oft gehörten Acußenmg entgegen:„Die Industrie als solche ist nicht konkurrenzfähig, wenn wir nicht Sonntags arbeiten." Werde Sonntagsarbeit verboten und Maximalarbeitstag eingeführt, wie dies m England schon längst geschehen, so müsse stck folgerichtig der Lohn steigern, die Nachfrage reger werden. Die Arbeiter wollten keinen puritanischen Sonntag, sondern einen Tag der Ruhe und Erholung. Da, wo der Geschäftsbetrieb die Feier des Sonntags nicht gestatte, solle man dem Arbeiter einen anderen Tag freigeben, denn nach sechs Arbeitstagen sei der stebente Tag zur Erholung un- bedingt nothwcndig. Die Arbeiter sollten fest zusammenstehen und dem Reichstage ihren Willen zu erkennen geben, um die Arbeit mit der Zeil vom Drucke des Kapitals freizumachen. Diesen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte die Verlesung der Resolution, welche dahin geht, eine Petition an den Reichstag zu richten, die Sonntagsarbeit für gewerbliche Arbeiten gesetzlich zu verbieten. Die Versammlung ging von der Erwägung aus. daß von dem Unternehmer leicht Mißbrauch mit der Sonntagsarbeit getrieben und die Gesund- heit des Arbeiters geschädigt wird trotz des scheinbaren Mehr- Verdienstes. Die Resolution wurde von den Anwesenden— nachdem mehrere Redner dieselbe warm befürwortet— einstimmig angenommen. Der Bezirksverein des werkthätigen Voltes der Schön- hauser Vorstadt hält heute, Dienstag, Abends 8V, Uhr, in Meisters Lokal, Schönhauser Allee 161, eine Vereinsversammlung ab. Neue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. Gäste find willkommen. Der Verein will vas Wohl seiner lieder auf wirthschaftlichem Gebiete, sowie in fittlicher und Mitgl Stellmacher Berlins! Ani Dienstag, den 21. Abends 8 Uhr, findet in Mohrmann's Salon(Königsbm' Gr. Frankfurterstt. 117, eine Generalversammlung sämmll» Ar. Stellmacher statt. T.-O: Zweck der Organisation und haben wir ohne dieselbe zu erwaretn? Referent wird W* bekannt gemacht. Wahl von Kommissions-Äitgliedern aus da Cll It— s. Kastenbranche behufs Aufstellung eines Akkord- resp. L#' tarifs. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Stellmacher in derselben zu erscheinen. � Die Delegirten- Versammlung der Tischler% heute, Dienstag, Abends 8 /, Uhr, Alte Jakobstraße 37, flj» Auf der Tagesordnung steht: 1. Die Verurtheilung einer# zahl Kollegen zu Freiheitssttafen auf Gruud deS§ 153 M Reichsgewerbeordnung. 2. Das„Berliner Volke blatt" M unsere Bewegung. 3. Mittheilung betreffend die AbrechnuT """' W>~»lkarten 4. Verschiedenes. Die Zahl! zeigen find am Eingang oorf Große öffentliche Volksversammlung Dienstag, � 21. Juli, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Keller, Andrea» straße 21. Tagesordnung und Referent werden in der sammlung bekannt gemacht.. Große Arbeiter-Versammlung, heute Abend 3'/-"f im Lokale Sanssouci, Kottbusei straße 4a. Tagesordnung: f richt.rstattung der 21. Kommission- Referent Herr Heny Mitglied der städtischen Gcwerbe-Deputation. Alle Artest ohne Rückficht auf Titel Vit der Gewerbe-Ordnung, sind n» geladen. Im Gauverein Berliner Bildhauer, findet DienM den 21. Juli, Annenstt. 16 bei Sahm, die Generaloersai»� lung der Krankenkasse des Unterstützungsvereins statt u wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. e Generalversammlung der Zimmerle>>f' ~-■ den 21. Juli. Abends SM Berlins und Umgegend Dienstag, den 21. Juli, Abends v u«- Tagesordnung: 1. Abrechnung; 2. Der Streik d e r liner Maurer; 3. Verschredenes. Das Nähere betreffs geistiger Beziehung zu fördern suchen. Durch gegenseitige Be- lehrung, wissenschaftliche Vorträge über politische, kommui oftmals mit den größten Entbehrungen verknüpft und es gehöre eme große Charakterfestigkeit dazu, dieselben freiwillig zu er- tragen. die erste Aufgabe iese Energie den Arbeitern zu eigen zu machen, müsse sein und die beste Vorschule sei das "'Tn**«,. UM die Grund großer und fester Organisationen und ein Haupterfordcrniß, so« wie oer erste Schritt hierzu seien die Wanderunterstützungskassen. Ein Streik, wie der jetzige Maurerstreik, müsse schließlich immer den Arbeitern zu Gute kommen. Wenn es gelänge, mit Hilfe der Wanderunterstützungskassen die überschüssigen Arbeitskräfte »u entfernen und dadurch Angebot und Nachfrage zu regeln, so sei der durch den Streik verloren gegangen« Arbeitsverdienst als ein Anlagekapital zu betrachten, das fich durch die er- rungene Lohnerhöhung sehr gut verinteressire und mit der Zeit amortifirt werde. Werde aber ein Streik niedergehungert, so stehe sehr bald ein zweiter in Ausficht, und um diesem aus dem Wege zu gehen, würden dann die Forderungen der Ar- bester bewilligt werden. Die Arbeitersache, schloß der Redner, sei daher noch lange nicht zum verzweifeln. Sie stehe besser, ........_... kommunale, sanitäre und gewerbliche Angelegenheiten, sowie durch Pflege der Geselligkest und Wohlthatigkeit unter den Mitgliedern und ihren Familien. Der niedrige Beitrag von 20 Pfg. monatlich ermöglicht es jedem Einwohner der Schönhauser Vorstadt, dem Verein beizutreten. In der vorletzten Versammlung des Ver- eins wurde beschlossen, eine Lereinsbibliothek zu gründen, und werden diejenigen Mitglieder, welche dem Verein zu diesem Zwecke Bücher belehrenden sowie unterhaltenden Inhalts über- weisen wollen, ersucht, diese zur Versammlung mitzubringen. Das Eigenthumsrecht bleibt den Mitgliedern vor behalten. Listen zum Unterschreiben der Petition über das Arbeiterschutzgesetz liegen in der Versammlung aus. Die Mitglieder werden auf § 5 des Statuts aufmerksam gemacht. Den Mitgliedern des Beztrksvereins der arbeiten- den Bevölkerung des Südwestens Berlins zur Nachricht, daß die zum 21. Juli bei Rautenberg anberaumte Ber- sammlung nicht stattfinden kann, weil am Tage zuvor der Wirth das von ihm erst bestimmt zugesagte Lokal verweigert hat. Berichtigung. In Nr. 165 des„Berl. Volksblatt" be- findet fich ein Bericht der Volksversammlung in Reinickendorf vom 12. d. M., in welchem es heißt, 80—, nehmer lassen im Zuchthause arbeiten. I' daß dieselben 80—90 Pf. Arbeitslohn pro die Gefängniß Verwaltung zahlen. H. Laske, pCt. der Unter- abe aber gesagt: ann und Tag an Lokals siehe Dienstag an den Anschlagsäulen.— Der KaW des Berliner Generalfonds, Menzel, wohnt Zionskirchsfr'" vorn 4 Tr., und sind alle Gelder dort abzuliefern. Der Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler stadt hält heute Abend 8 Uhr, in.Knebel's Zentral-Gartee.' Badstr. 58(Gesundbrunnens eine große Versammlung T.-O.: 1, Vortrag.(Referent wird in der Versammlung gemacht.) 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Zahlreiches 6r scheinen ist geboten. Gäste find willkommen. Zentral- Kranken- und Sterbekaffe der Tischler.� anderer gewerblicher Arbeiter. Oettliche Verwaltungsw� Berlin C. Hallesches Thor. Die zu Mittwoch, den 22.# bereits angekündigte Mitglieder- Versammlung kann eingetreten� Umständehalber erst am Mittwoch den 5. August stattfinde' Töpferversammlung. Die Streikkommisfion der T>>� macht bekannt, daß am Mittwoch, den 22. Juli, Abends 6' Uhr, eine öffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und# -zegend stattfindet im Lokal des Herrn Mündt, Köpnien traßc 100. Der wichtigen Angelegenheiten wegen ist es PN nnes ieden Töofers. in der Versammlung»u crfrficlnen.-- 3n Jtteins K h y Sie bmendei Wie«. h Sehen. beii"� -itz % wollen c paj "Un9«loi . Unterstützung so lang«% zahlt, bis der Streik beendet ist. Die Zahl der Meister,% Fmhi»« RßfrÄmf 79. f ntnif ift" her � oewilligt haben, beträgt 72, somit ist der Sieg auf Seite., � Gesellen, denn im Ädreßkalender find im Ganzen 123 M"' verzeichnet. Gauverein Berliner Maler. Die nächste Vereins� sammlung, welche am Dienstag, den 21. Juli, tagen sollte, aus und findet dafür 8 Tage später, am 28. Juli, eine � einsversammlung statt. Wen! e'n«cht �reffl % 0Kbar1 »t 9% Theater. Belle-Alltanee-Theater. Heute: Der Aktienbudiker. Kroße Arbeiter-Versammlung °°n den Neues Kriedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Geschiedene Frauen. Ich nehme die unüberlegte Beleidigun C. W a r t e n b e r g zurück.[1652] gegen Herrn Strerath. ArbcitAMArkt. 20 geübte Stuhlflechterinnen werden dauernd und lohnend beschäftigt bei Ferkau, Naunynstt. 86, Hof 4 Tr.[1672 Dienftag, 2h Juli 1885, Abends% Uhr, Im Saale Sanssouci, Kottbuserstrasse 4 a. Tagesordnung: Berichterstattung der 21. Kommission. Referev� Herr Julius Henke, Mitglied der ftävtischen Gewerbedeputation. Alle Arbeiter ohne Rücksicht auf Titel VII der Gewerbeordnung eingeladen. ver Eiuberufer. i Zur gefälligen Beachtung! Empfehle einem geehrten Publikum meine neu eingerichtete Ban- und Möbel-Tischlerei. Gleichzeitig bitte ich die Herren Maurer- und Zimmermeister, mich in meinem jur imm... jungen Unternehmen bestens unterstützen zu wollen, indem ich für gute und dauerhaste Arbeit stets sorgen werde. �. L1673 Ernst Riedel, Tischlermeister. Wienerstraße 29, 2. Hof, 1 Tr. Ard.-örf.-vtt. irt Mech. Porp. Große Versammlung Dienstag, den 21. Juli d.J., Abends 8 Uhr, am_ in Knebel AsCentral-Garten, Badstr. 58(Gesundbrunnen). Tagesordnung: 1. Vorttag.(Referent wird in der Versammlung bekannt ÄÄfowÄto™„Wm. Delegirten Versammlung der Tischler Volksversammlung Dienstag, den 21. Juli, Abends 8 Uhr,[1662 im Sali« m Stntscheu Kaiser, iolhriugttstr. 87. Hr. öffmtl. Keuerakverjammtung der Metallarbeiter Berlins Mittwoch, den 22. Juli, Abends 8 Uhr, in Sanssouci, Kottbuserftrave 4a. als Bezirks-Verein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt. Dienstag, den 21. d. Mts., Abends 8'/, Uhr: Versammlung in Meister'S Lokal, Schönhanftr Allee Nr. 161. 1. Vortrag über„Rechtsschutz". 2. Verschiedenes. 3. Frage- kästen. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufge- nommen. Der Vorstand. Fachvereiii der Tischler. Mittwoch, den 22. Juli, Abends 8'/, Uhr: W e r s a m m l ii n 5 in Kurzmann's Salon, Bergstraße 68. Tagesordnung: Vorttag des Herrn Boy, Verschiedenes und Fragekasten. Gäste find willkommen. 11660 gooWööi. öeMsi.„Normrts. Mittwoch, den 22. Juli. Abends 8'/, Uhr, in Konrath's Salon, Wass.rthorstraße# General-Verfammluttg Riefen Öffl' Tagesordnung: 1. Vortrag über Arbeiter und h� Unternchtswesen. Referent: Herr Dr. L ü t g e n a u. � kusfion. 3. Kaffenbericht über das letzte Ouartal. 4. Verslf,�! denes und zahlreiches Erj ßeutrat-Kranken-«. Sterbe- der deutschen Zimmerleute I Verantwottlicher Redakteur«. Kronheim w Berlin. Druck und Verlag von Max»ading in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Die Zahlstelle des I. Bezirks befindet sich in der straße Nr. 25 3 Treppen bei P. Kirschke.