Nr. 170, Freitag, den 24. Juli 1883. II. Jahrg. eislbö' " meldet' 3.» ocrlegunk kommiff« orDcrunj nt hieb« indel. er ist wej welcher S3 Arbeit»- Londesg» IS1®! ein' 6trlinrr)olbblnll Organ für die Interessen der Arbeiter. 4 �. Da«„Berliner Volksblatt" ?>VMt täglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSprei« für *5)" fwt tn« Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. �Mbonnemntt 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSlist« für 1885 unter Nr. 746.) Jusertioasgedühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf, Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Uhr Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bursaux, ohne Erhöhung de« Preises, angenommen. Redaktion: Kenthstraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. sogen auute SchutzMbeVtguug w Ellaland, jetzt in unseren Zeitungen viel die Rede ist, darf Cr. genommen werden. Ersten« handelt es sich te»«?� um Schutzzoll im deutschen Sinne, zwei- bi- o � keine Bewegung, und dritten« legen H��chen, welche da« Ding betreiben, ihm selber keine sogenannte Schutzzollbewegung erstrebt den söge- ? fair trade, im Gegensatze zum free trade. hfü. heißt gerechter, ehrlicher Handel, free trade fi, Handel, Freihandel. Der fair trade soll darin be- <n' daß solchen Ländern, die auf englische Maaren Qjfptöotl legen, mit gleicher Münze gedient werde. An sU- auf Korn wird dabei aber nicht gedacht, und diese bn« welche für das Gros unserer deutschen Schutzzöllner Alpha und Omega bilden. . Die Idee de« fair trade, welche seit 3 oder 4 Iahren wenigen vereinzelten Köpfen spukt, ist neuerdings von Jssm Projektenmacher zu dem abenteuerlichen Projekt er- worden, das gesammte britische Kolonialreich mit dem �Unland zu einer riesigen Zollunion zu vereinigen, .ssche sich gegen die Maaren schutzzöllnerischer Länder durch N« Schutzzölle„schützt." « SBcnn man die ungeheure Ausdehnung de« britischen �. �wJreich« bedenkt und sich vergegenwärtigt, wie groß ioni sche Ausfuhr nach England und den englischen Ko- ist, dann kann man sich allerdings über den nicht wundern, den die englische sogenannte Schutz- Tli�iung unseren deutschen Herren Schutzzöllnern in die fa. � Qpirtrtf t\A4 VtrtS r40r77itrfrtf1h4 Virttin 8iiQ,v®i dagegen würden englische Schutzzölle in der Eifor�aten Form unserer deutschen Industrie schwere le versetzen. tych«■ln'vdge sich indeß beruhigen. Au« dem fair trade "iita*13 werden. Es ist ein phantastischer Traum— T(jL.?"tter. Seit der genialste Führer der englische» und TorieS, DiSraeli, vor 30 Jahren den SßuJJ0," für tobt und begraben erklärt hat, ist an eine nielW"'Ührung des Schutzzollsystems in England nicht bstivL � denken. Nationalökonomische Kenntnisse sind in Hl»? hochentwickelten Kulturland zu allgemein verbreitet, � ra«tgc Albernheiten aufkommen zu lassen. Sonder- JeuilTeton. Das Mormonenmadchen. lg] Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) Äitt.'s de e« ruchbar, daß wir uns mit so bedeutenden Htn? Brüdern am Salzsee zuzugesellen beabsich- sär tt'® könnten uns noch von den Gentile« wer weiß wa« VMdernisse in den Weg gelegt werden." Und ist das Geld nicht Eigenthum Eurer Nichte, fr,»,.% Ihr Beide nicht die gesetzlichen Vormünder?" �Abraham. Heven"«?? wohl," entgegnete NynoldS mit einem unzufrie- stiner � auf Jansen, dessen offene Trauer um den Tod »Uber°?hern Nichte ihm sehr ungelegen zu kommen schien; ren."würbe den Gentile« eine besondere Freude gewäh- iurück«?'?� Schutzbefohlene bis zu ihrer Großjährigkeit �Unni und sie während dieser Zeit in eine Ab- umzuwandeln. Glaubt mir, so vorbedacht und be- bei k-, chw, uuch immer zu Werke gegangen sein mögen, n-jx. � lstzigen feindlichen Stimmung gegen unser Volk bej"'hnen ein Leichtes, Fäden zu entdecken, die ihnen hüten'' gerichtlichen Verfahren den gewünschten Halt benkx?h"°ih'i Worte mußten die drei Mormonen zum Nach- Muster„Zulaßt haben, denn sie schwiegen und schauten UiQÜg � nieder. Falk's Spannung dagegen hatte all- fetzuna � hohen Grad erreicht, daß er kaum die Fort- Gesprächs erwarten konnte und, wie um seine bie � ZU bekämpfen, la« er die Worte noch einmal durch, �innen w. wechanisch, als um einen wirklichen Anhalt zu �verüa��Seschrieben hatte. War ihm auch Einzelnes v$ geblieben, so hatte er den Sinn der Unter- daß% M hmlänglich erfaßt, um nicht mehr zu bezweifeln, 'n w-l». � stnstern Komplot auf die Spur gekommen sei, man, theils aus gefährlichem religiösen Fana- linge aiebt's natürlich überall. Wir brauchen blos die eng- lische konservative Presse zu betrachten, und wir erkennen so- fort, daß die Konservativen dem ganzen fair trode-Humbug keine Bedeutung beilegen. Es ist das sehr begreiflich; die einzigen Schutzzölle, welche den englischen LandlordS(au« deren Reihen die konservative Partei sich rekrutirt) wirklichen, nennenSwerthen Gewinn brächten: die K o rn z ö l le, sind in England einfach unmöglich— das sieht auch der vernageltste englische Landjunker ein. Und wa« kümmern die Herren Großgrundbesitzer sich um die übrigen Zölle? Die Cornlawa(Kornzollgesetz) wurden in England vor 40 Jahren abgeschafft, weil die englische Industrie die durch die Kornzölle erzeugte Vertheuerung der Lebensmittel und Produktionskosten nicht länger ertragen konnte. Bestanden die Korn- zölle fort, so verlor England den Weltmarkt Du r ch A b s ch a ffun g der Kornzölle rettete eSsich vom w ir t h s ch af t li ch en und po- litischen Untergang. Und ein gebrannte« Kind scheut sprichwörtlich das Feuer. An seinem eigenen Leib hat England die verderblichen Wirkungen der Kornzölle erfahren— führte es jetzt die Kornzölle wieder ein, so wäre das ein bewußter Selbstmord. Der durch Abschaffung der Kornzölle aufgehaltenen Ruin würde mit verzehn- sachter Elementargewalt hereinbrechen. Und da« weiß jeder Engländer; wie gesagt, auch der dümmste Landjunker. Nationalökonomische Ammenmärchen, wie sie in Deutschland noch Kours haben, wiez. B. daßdaSAuSlandden Zoll trage, darf man in England im abgelegensten Dorf nicht mehr vortragen ohne ausgelacht zu werden. Und staunend blicken auch die beschränktesten Conntry Squlres(Landjunker) nach unserem Deutschland hinüber, wo daS„Volk der Denker" mit der einen Hand sich den Weltmarkt öffnen will, und mit der anderen sich ihn verschließt, in- dem es durch die Kornzölle den Preis der Lebensmittel und damit der Arbeit und der Produktion künstlich erhöht!— ein Verfahren, da«, beiläufig gesagt, lebhaft an die Arbeit der NarrenhäuSler erinnert, von denen ein Theil ein Loch gräbt, während der andere e« gleichzeittg wieder zufüllt. Wer in England eine solche Handelspolitik vorschlüge, gälte reif für das NarrenhauS. UolMsche Ueverstcht. Die in Aussicht gestellte Enquete über die Frage der Sonntagsruhe soll nun, wie der„Hamb. Korresp." mit« theilt, vom preußischen Minister des Innern angeordnet sein. Es soll, so behauptet das Blatt, Vorsorge gettoffen werden, daß hierbei die Stimme der Arbeiter selbst mit zur Geltung tismuS, theils mit der strafbarsten Gewissenlosigkeit, Harm- lose Menschen zu den Opfern verbrecherischer Pläne gewählt hatte. Er saß so, daß er den Mormonen den Rücken zukehrte, und regungslos und mit angehaltenem Athem blickte er in fein Notizbuch. Da veranlaßt« ihn plötzlich ein leise« Ge- räusch zwischen den Blättern der ihm gegenüberliegenden Laubwand, aufzuschauen, und heftig schrak er zusammen, al« er von dort her zwei wildglühende Äugen auf sich gerichtet sah. Ein zweiter Blick überzeugte ihn indessen, daß e« das vernarbte, auSgewetterte Gesicht des alten Seemanns sei, welche« sich durch das Blätterwerk hindurchdrängte und, ob- gleich zur Hälfte beschattet und zur Hälfte von der unstät flackernoen Gasflamme beleuchtet, einen unverkennbaren ko- misch ftagenden Ausdruck zeigte. Er bebte, denn er glaubte von RaftS Eifer und unbe- holfenenen Bewegungen Alles befürchten zu müssen. Allein geräuschloser hätte kem Marder entschlüpfen können., al« der Bootsmann, sobald er die abwehrende Geberde Falk's bemerkte, sich zurückzog und sich im Hintergrunde seiner Laube gleichsam in Sie Dunkelheit vergrub. Die wachsende Ungeduld hatte ihm nämlich die Räumlichkeiten im Hause zu enge erscheinen lassen, und mit vieler Mühe war es ihm gelungen, von dem Gewirr der sich entfernenden Gesell- schaften au«, die drei Mormonen und den Wache haltenden Künstler zu entdecken und sich demnächst in sichern Hinterhalt zu legen.— Jansen brach endlich wieder daS Schweigen. „Welche Hilfsmitteln stehen den Unsrigen zu Gebote?" fragte er, sich an Abraham wendend;„haben dieselben in letzter Zeit zugenommen?"* „Gewachsen sind sie allerdings," antwortete der Be- fragte,„ob sie aber genügend sein werden, den Vereinigten Staaten auf lange Jahre Widerstand zu leisten, ist mehr als zweifelhaft." „Haben die Sendungen denn schon eingestellt werden müssen?" fragte Jansen weiter., „Auf dem Wege durch die Prairien, ja, weil die Ver- einigten Staaten-Train« dieselben förmlich überschwemmen; doch ist uns die bequemere Verbindung über Kalifornien kommt; namentlich dürften solche Arbeitervereinigungen befragt werden, von denen ein ruhiges, unbeeinflußtes Urtheil zu erwarten ist.— Die letzten Verhandlungen des Reichstages über diese Angelegenheit find noch in frischem Gedächtniß. Aus der Kommisfion, welche fich mit den zahlreichen Anträgen, betr. Arbeiterschutz, zu befassen hatte, war nur ein Gesetz- entwurf über die Sonntagsruhe an's Plenum gelangt. Von nationalliberaler Seite wurde, um die Sache vis in das Unendliche zu versdileppen, eine Enquete in Vorschlag gebracht In d r Sitzung vom 9. Mai erklärte fich der Reichskanzler gegen eine zwangsweise Einführung der Sonntagsruhe und äußerte fich bezüglich der Enquete, daß so- wohl der Arbeiter als oer Arbeitgeber gehört werden müsse, da ihm die Stimme der Arbeiter bisweilen am wichtigsten sei.— Daß eine Enquete über die Nothwendigkeit der Sonntagsruhe eigentlich vollständig überflüssig ist, hat sogar die Majorität des Reichstages, die doch nichts weniger als arbeiterfreundlich ist, zugegeben' es wurde ausdrücklich konstatirt, daß diese Frage spruchreif sei. Allein nachdem der Reichskanzler fich gegen den be- züalichen Antrag ausgesprochen, unterließ man es, einen Beschlußzu fassen. Angesichts des immer stälker werdenden Verlangens nach der gesetzlichen Sonntagsruhe wurde bald darauf in den offiziösen Organen angekündigt, daß die Regierung entschloffen )ei, aus eigener Initiative eine Enquete zu veranstalten. Dies scheint jetzt durchgeführt werden zu sollen. Derartige Unter- suchungen und Erhebungen dürften fich aber nicht blos auf den preußischen Staat beschränken, sondern müßten frischweg auf das ganze Reich ausgedehnt werden, wenn überhaupt etwas Ganzes geschaffen werden soll. Die vorliegenden Nachrichten machen aber den Eindruck, als ob man eine heilige Scheu empfindet, der Angelegenheit gründlich näher zu treten. Bis jetzt ist noch nicht die leiseste Spur vorhanden, daß man von Seiten der übrigen Bundes- staaten auch nur den kleinsten Schritt zur Förderung der Enquete aethan hätte, und nach obigen Andeutungen zu urtheilen, wird dieselbe— vorausaesetzt, daß sie überhaupt stattfindet— auch kein werthvolles Resultat ergeben. Man will Vorsorge wessen, daß auch die Stimme der Arbeiter mit zur Geltung kommt, das klingt geradeso, als ob es fich um eine Angelegenheit handelt, bei welcher die Interessen der Arbeiter nur nebensächlich m Frage kommen� Und doch ist es gerade umgekehrt der Fall. Die Unternehmer haben keine Ursache, fich um die Sonntags- ruhe zu bemühen, für fie ist dieselbe schon immer vorhanden gewesen; fie sind auch nicht mit solchen Forderungen aufgetreten. Da eS fich also im Wesentlichen um Sonntags- ruhe für die Arbeiter handelt, so müssen doch diese auch zu- nächst gehört werden. Es genügt aber keineswegs, daß hier und da ein sogenannter„unbeeinflußter" Arbeiter gefragt wird, oder daß eine eigens dazu präparirte Arbeiterveremiaung ihre Anficht kundgiebt, sondern es ist unbedingt erforderlich, daß dem Arbeiter allerorts Gelegenheit gegeben wird, fich zu äußern. Letzteres darf auch nicht in der Fabrik oder in Gegenwart eines Vorgesetzten geschehen, sondern außerhalb derselben, denn sonst kann von unbeeinflußten Acußerungen nicht die Rede sein. Wir wissen freilich nicht, welche Stimme der Arbeiter dem Herrn Reichskanzler am wichtigsten ist, glauben aber, daß die ganze offen geblieben, und ganz andere Mittel müßten aufgeboten werden, wollte man uns auch dort noch hindernd entgegen- treten. Erst mit dem letzten Dampfboot ging eine bettächt- liche Anzahl Kisten und Ballen, welche Pulver, auseinander genommene Büchsen, Revolver und Decken enthielten, unter harmlosen und sichern Signawren nach San Franziska; noch bedeutendere Sendungen aber werden mit dem nächsten und den folgenden Dampfbooten expedirt werden." „Waffen und Munition sind oft weniger werth, als gute handfeste Männer," bemerkte Jansen finster. „Auch daS Geschäft des Rekrutiren« hat seinen guten Fortgang," antwortete Abraham;„es würde noch besser gehen, wären wir nicht gezwungen. Alles so heimlich zu be- treiben. Indessen verläßt kein Panama-Dampfer den hiesigen Hafen, der nicht einige Dutzend frisch angeworbener Leute an Bord hätte. Sogar der Mangel an mehr theoretisch au«- gebildeten Offizieren wird allmälig gedeckt werden; erst gestern glückte es mir wieder, mit zwei deutschen ehemaligen Offizieren ein bindendes Uebereinkommen zu treffen. „Die besten Offiziere sind diejenigen, die ihrem Feinde aus hundert Ellen das Auge aus dem Kopf zu schießen ver- mögen," warf Jansen mit geringschätziger Miene ein,„und dergleichen Offiziere brauchen wir am Salzsee nicht weit zu suchen." „Und dennoch gebrauchen wir Leute, die mit den strategischen Bewegungen geschlossener Truppenmassen ver- traut sind und unsere Artilleristen einschulen," entgegnete Abraham. „Was sind strategische Bewegungen?" fragte Jansen ungebuldig.„Wir besetzen die Engpässe und schießen Jeden nieder, der sich nähert— aber sagt, wie steht es mit den Eingeborenen?" „Nach den neuesten Nachrichten dürfen wir auf alle Stämme der Utahs rechnen, ferner auf die Bannaks, die Nez-perces, die Schlangen- und die Krähenindianer, und dann ist endlich noch Aussicht vorhanden, die kräftigen Stämme der im Kolorado-Thale lebenden Eingeborenen für unsere Sache zu gewinnen. Einige derselben haben sich wenigstens schon taufen lassen." Enquete unnütze Arbeit sein wird, wenn ihre Stimme nicht frei und ungehindert zum Ausdruck kommt. Von Spaltungen innerhalb der Sozialdemokratie wissen liberale und lonseroative Blätter fortwährend zu erzählen. Bald soll eine solche in der Fraktion, bald in der Partei vor- Händen sein, hinterher stellt sich aber jedesmal Heiaus, daß sich die angeblichen Spaltungen lediglich in den Köpfen unwisscn- der Federfuchser und in den Spalten der von ihnen„bearbei- teten Zeitungen herumtummelten. Zum Statthalter von Elsass-Lothringen ist der Fürst v- Hohenlohe ernannt worden. Derselbe war seit 1874 Botschafter bei der französtschen Republik. Zur ferneren Durchführung des sog. Dynamit- gtsetze«(Reichsgesetzes gegen den verbrecherischen und gemein« gefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen) find von den be- theiligten Ministerien weitere Zusätze zu der allgemeinen An- Weisung gemacht worden. Danach sollen Personen, welche Bestellungen auf Sprengstoffe im Austrage einer Sprengstoff« fabrik u. s. w. aufsuchen, den Voraussetzungen des§ 1 erwähnten Gesetzes entsprechen, sie bedürfen einer polizeilichen Genehmigung zum Vertriebe von Sprengstoffen und haben das im zweiten Absätze des§ 1 des Gesetzes vorgesehene Register zu-führen. Da jedoch zur Beaufsichtigung eines in dieser Form stattfindenden Betriebes das der Hauptanweisung bcigegcbene Verzeichnißmuster nicht zweckentsprechend eischeint, so werden die Bezirksregierungen ermächtigt, in derartigen Fällen die er- forderlichen Abänderungen, den jedesmaligen besonderen Um- ständen gemäß, festzusetzen. Da es insbesondere in der Umgebung größerer Städte vorkommt, daß die Herstellung beziehentlich Aufbewahrung von Sprengstoffen außerhalb des Wohnorts oder Kreises des zur Nachsuchung der Polizeigenehmigunq Verpflichteten stattfindet, so soll fortan die genehmigende Wohn- fitzbehörde der in Betracht kommenden nachbarlichen Orts� oder Kreisbehörde entsprechende Benachrichtigung zukommen lassen. — Es läßt fich nicht verkennen, daß die Behörden dieses Gesetz in weitgehendster Weise zur Ausführung zu bringen suchen. Jndeß haben aber die Thatsachen bereits den Beweis geliefert, daß selbst der großartigste und bureaukratischste Apparat, den dieses Gesetz erforderlich macht, nicht im Stande ist, verbreche- rische Attentate zu verhüten. Bis jetzt sind lediglich Personen bestraft worden, welche aus Unkenntniß oder Leichtsinn gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes sündigten. Die allmälige Einführung von Brodtatzen scheint, in Preußen wenigstens, durch die örtlichen Polizeibehörden de- absichtigt zu werden. Fn den westlichen Provinzen sind in der letzten Zeit die entsprechenden Anordnungen vielfach ergangen, was nach der gerichtlich konftatirten Gesetzwidrigkeit der Brod- taxen immerhin Wunder nehmen muß. Man erinnert sich wohl noch, daß vor einiger Zeit die Polizeiverwaltung von Bromberg gegen diejenigen Bäcker, welche ihrer Anordnung wegen Ein- führung der Brodtaxe nicht nachgekommen waren, Strafmandate erließ, gegen welche von den Bäckern mit Erfolg eine gericht- liche Entscheidung prooozirt wurde. Es wurde damals allge- mein angenommen, daß damit die ganze Affaire aus der Welt geschafft sei, zumal die Staatsanwaltschaft gegen das frei« sprechende Urtheil die Revision nicht eingelegt hatte. Aber man irrte fich damit; denn unbekümmert um die gerichtliche Beurtheilung der Angelegenheit hat die Bromberger Polizei- Verwaltung von Neuem gegen einzelne Bäcker Strafmandate erlassen. Hält man diese Thatsache mit der oben erwähnten, daß nun auch in anderen Provinzen Versuche mit Einführung der Brodtaxe gemacht werden, zusammen, so kommt man leicht zu dem Schluß, daß die Anregung dazu von den der Polizei- behörde vorgesetzten Instanzen, etwa vom Ministerium selbst ausgegangen ist. � Zu den Abschiebungen. Die von den deutschen Polizei- behörden angeordneten Schubtransporte österreichisch-ungarischer Unterthanen über die österreichische Grenze haben wiederholt Anlaß zu Weiterungen gegeben, weil nicht festgestellt war, ob die aus den Schub gebrachten Personen in Oesterreich oder in Ungarn staats- oder heimathsangehörig waren, und daher den Schubpäffen auch eine Aufnahmezusichemng der Heimaths- behörde oder ein noch giltiger Heimathsschein des Schüblings nicht beigefügt war. Es ist deshalb von dem sächsischen Mini- sterium des Innern die Anweisung ertheilt, künftighin Schub- transporte nach Oesterreich nicht eher in's Werk zu setzen, bevor nicht die Staats- und Heimathsangehörigkeit des Abzuschieben- den festgestellt worden ist und dem Schubpaffe die Aufnahme- Zusicherung der Heimathsbchörde oder ein noch giltiger Heimaths- schein des Schüblings beigefügt werden kann. Von Seiten des preußischen Ministeriums ist wohl eine ähnliche Anweisung zu erwarten. Die deutschen Polizeibehörden werden durch die An- Weisung, die Staats- und Heimathsangebörigkcit der Abzu« schiebenden festzustellen, häufig genug in Verlegenheit gebracht werben, da die Heimatsscheine unserer Nachbarn nur theilweise in deu.scher Sprache ausgestellt sind und die Polizeibeamten nicht alle Sprachen des vielsprachigen Nachbarlandes kennen. Daß in Bezug auf die Sonntagsruhe der Reichs- kanzlcr mit seinen Ansichten selbst bei den unter dem Einfluß der Konservativen und Klerikalen stehenden Arbeitern keine Sympathien findet, konnten wir schon vielfach registriren. Jetzt „Lauter Hilfstruppen, die nur an Rauben und Morden denken," bemerkte RynoldS zweifelnd. „DaS ist Alle», was wir von ihnen verlangen," ent- gegnete Jansen, und seine sonst so ernste Physiognomie er- hielt durch den erwachenden Fanatismus einen unheimlich wilden Ausdruck.„Laßt sie. morden und die Reihen der GentileS lichten, laßt sie rauben, so viel sie wollen, denn der Sold, welchen sie von uns beziehen, wird sich nicht sehr hoch belaufen. Hier gerieth die Unterhaltung wieder in'S Stocken. Jansen und Abraham schauten nachdenkend vor sich nieder, während RynoldS den Zeigefinger der rechten Hand mit dem verschütteten Wein befeuchtete und einige mathematische Figuren auf den Tisch zeichnete, dabei aber heimlich mit Schlangenblicken Jansen's Mienenspiel bewachte. Im Garten war es allmälig stiller geworden. Nur noch hin und wieder bemerkte man eine erleuchtete Laube, oder Gruppen von Männern, die mit lallender Zunge Ab- schied von einander nahmen, und dann zu zweien oder dreien, Arm in Arm, singend und lachend dem Ausgange zuschwankten.. Der Aufbruch der letzten Gäste mochte die Mormonen daran erinnern, daß eS schon spät sei, denn Jansen fuhr plötzlich, wie aus einem Traume erwachend, empor, und sich an Abraham wendend, fragte er, ob in der Nähe ein Gast- hauS sei, in welchem sie übernachten könnten. „Gasthäuser befinden sich allerdings in der Nähe," ant- wortcte dieser, allein ich habe darauf gerechnet, daß Ihr bei mir Wohnung nehmt. Schon seit drei Wochen sind die für Euch bestimmten Gemächer hergerichtet und die Betten auf- geschlagen.".. „Um so besser," sagte Jansen, indem er fich erhob, wir werden dort unsere Verhandlungen ungestört fortsetzen können. Auch möchte ich die Papiere, welche sich auf das Vermögen meiner Nichten beziehen, so wie die Wechsel bei Euch niederlegen. Aber wie ist eS?" fragte er im Aus- gange der Laube kurz stehen bleibend,„werden die Frauen ebenfalls bei Euch ein Unterkommen finden?" Die Frauen vor allen Dingen," antwortete Abraham;„sie finden in meinem Hause vielleicht nicht alle gewohnten Bequem- liegt wieder ein Bericht aus Straßburg vor, welcher dies aufs Neue bestätigt. Am letzten Sonnabend fand daselbst eine Katholiken-Versammlung statt, in der beschloffen wurde, eine Petition um Einführung der Sonntagsruhe in Umlauf zu bringen. Der Petition sollen folgende Motive zu Grunde gelegt werden: 1) Weil kein bleibender Segen auf einem Lande ruht, das ein so ausdrückliches Gebot Gottes übertritt.— 2) Weil der Arbeiter der SonntagSfeier bedarf, um religiös gehoben und körperlich gestärkt seiner anstrengenden Wochen« arbeit nachzugehen, da alte Erfahrung lehrt, daß sehr oft gerade Solche, die am Sonntag arbeiten, nicht nur sittlich, sondern sogar materiell am schlechtesten bestellt find.— 3) Weil schon so viel über Arbeitsmangel und Ueber Produktion geklagt wird, daß es vernunftwidrig wäre, die Zahl>r Hungerleidenden und Arbeitslosen um ein Siebentel zu vermehren; denn es ist klar, daß die Arbeit, mit welcher die Einen überbürdet wer- den, den Anderen entzogen wird.— 4) Weil das Beispiel Amerikas und Englands genügsam beweist, daß auch größere Industrie- und Handelsstaaten ganz gut bei der gesetzlichen Sonntagsruhe gedeihen und sogar viele Kaufleute eine wenig- stens theilweise gesetzliche Schließung der Verkaufslokale herbei- wünschen, um nicht durch die Konkurrenz gezwungen zu sein, der Sonntagsfeier verlustig zu gehen. In Bezug auf die Ausweisungen russischer Polen hat der Regiemngs-Präsident zu Breslau den Polizeibehörden des Bezirks nachstehende Verfügung zugehen lassen:„In der vor Kurzem hier in Betreff der Zurückvrängung russisch polni scher Untetthanen aus dem preußischen Staatsgebiete abge« haltcnen Konferenz ist konstatirt worden, daß die durch dies« seitige Verfügung vom 14. April d. I. angeordnete Ausweisung der ohne obrigkeitliche Erlaubniß im dieffeitigen Bezirke sich aufhaltenden Ueberläufer bisher nur in geringem Umfange zum Volliuge gelangt ist. Und zwar ist dieses Ereigniß zumeist dem Umstände beizumessen, weil vielfach von der Annahme ausgegangen wird, daß mit Rücksicht auf die Bestimmungen der prcußisch-russtschen Vereinbarung vom 19./31. August 1872 überall mit der thatsächlichen Ausweisung nicht anders als nach Kommunikation mit der russischen Grenzbehörde und nach Er- languna einer Annahmeerklärung vorgegangen werden könne. In dieser Beziehung wird darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Abkommen lediglich diejenigen russischen Unterth-mcn betrifft, welche aus den darin angeführten Gründen— d. i. wegen Mittellosigkeit, Vagabondirens oder Legitimationslofig- keit— ausgewiesen werden. Im Hinblick darauf, daß die Zu- rückdränguna der nissisch-polnischen Unterthanen weder auf vie oben angeführten Kategorien beschränkt, noch durch die indivi- duelle Lästigkeit der Auszuweisenden bedingt ist, wird aber zweifellos die Ausweisung zahlreicher Personen erforderlich, welche zu keiner dieser drei Klassen gehören, also der Vereinbarung nicht unterfallen. Solche Personen können ohne wei- teres aus dem diesseitigen Staatsgebiete entfernt werden. Femer hat die Erklärung des Begriffes„Legitimationslosigkeit" Schwierigkeiten bereitet. Zwar erscheint der im Eingange der Nr. 2 der Vereinbarung gebrauchte Ausdruck„giltige oder erst seit Jahresfrist abgelaufene Legitimationspapiere darauf hinzuweisen, daß ausichließlich Pässe und ähnliche auf Zeit ertheilte Ausweispapiere gemeint seien, jedoch giebt andererseits die im 2. Satze der Nr. 2 ent« haltene Erläuterung einen Anhalt für die Zulässtgkeit der Auf- fassung, wonach unter denjenigen Papieren, deren Vorhanden- sein bei einer Ausweisung ohne vorherige Korrespondenz mit der Behörde des Heimathsstaates vorausgesetzt wir!, überhaupt jedes im Besitze des Auszuweisenden befindliche Dokument ver- standen wird, welches das Geburts- und Heimathsverhältniß des Betreffenden in unzweifelhafter Weise bekundet. Es würde demnach auch ein russtfcherseits ausgestellter Geburtsschein als eine genügende Legitimation anzusehen sein.— An dieser letzten Auslegung wird um so mehr festwhalten sein, als das Erfordemiß einer vorgängigen Korrespondenz in jedem Falle die Wirkung der in's Werk gesetzten Maßregel erheblich abschwächen würde.— Sollte jedoch dieser Auslegung msstscher- seits in praxi widersprochen werden, so wird unter Dar- legung des Spezialfalles besonderer Bericht zu erstatten sein. Euer:c. wollen fortan nach Maßgabe vorstehender Gmnd- sätze verfahren. Königlicher Regierungs- Präsident. I. V.; von Senden." Warnung vor Auswanderung nach Argentinien. Die „Kieler Zeityna" ist amtlicherseits ersucht worden, der folgen- den, von der„Post" gebrachten Mittheilung weitere Verbreitung zu geben: „Neuerdings wurden über Hamburg mehrere Expeditionen schleswig-holsteinischer Auswanderer nach Argentinien befördert. Bor der Abfahrt nach Hamburg schloffen die Auswanderer auf dem argentinischen Konsulat mit dem hierzu besonders bevoll- mächtigten Konsulatskanzler Paffageverträge, in welchen ihnen Namens der argentinischen Regierung u. a. Beförderung nach jedem von ihnen gewünschten Orte in Argentinien zugesichert wurde. Die Absicht des größeren Theils der Auswanderer ging dahin, sich nach der Kolonie Reconquista zu ihnen be- kannten Landsleuten zu begeben, während ein anderer Theil in der Hauptstadt Buenos-Ayres zu bleiben gedachte. Als die lichkeiten, da Ihr aber selbst den Wunsch aussprecht, sie mit anderen Menschen nicht in Berührung kommen zu lassen, so denke ich—" „Gewiß, gewiß," versetzten Jansen und RynoldS gleich- zeitig,„wir erkennen Eure Vorsorge dankbar an," und in- dem sie noch sprachen, gingen sie an der Laube vorüber, in welcher Falk über sein Notizbuch geneigt saß. Alle Drei blickten zu ihm hinein, allein nicht der leiseste Argwohn beschlich sie, als sie den einfachen Deutschen so versunken in seine Berechnungen sahen. Falk fühlte gleichsam den Druck ihrer Blicke, und das Blut stieg ihm bis zu den Schläfen hinauf, indem er be- dachte, daß er eine so klare Einsicht in ihr feindseliges Ge- webe gewonnen. Er gerieth in Versuchung, zu ihnen empor- zuschauen, um ihre Physiognomien seinem Gedächtnih ein- zuprägen, stand aber davon ab, weil eS ihm war, als hätten sie feine Gefühle aus seinen Augen herauslesen müssen. Gleich daraus bewegten sie sich an der Laube vorüber, in welcher Rast sich verborgen hatte. Sie beachteten die- selbe nicht, es brannte ja kein Licht hinter den dicht berank- ten Gittern, und mit eifrigen Bewegungen, jedoch schwei- Send, begaben sie sich nach dem Durchgang des Hauses. !aum war indessen die Thür hinter ihnen zugefallen, da glitt Rast zu Falk hinein und legte seine Hand schwer auf dessen Schulter. „Mann!" rief er dringend aus, und die Narbe in sei- nem Gesicht glühte förmlich vor innerer Aufregung;„sie sind fort, und Ihr liegt hier so ruhig vor Anker, wie'n Leucht- schiff über'ner Untiefe? Fort, sage ich Euch, fort, ge« schwinde laßt uns folgen, so lange ihr Fahrwasser noch Schaum und Strudel zeigt, oder Ihr mögt sie ebenso gut zwischen den Bahama-Jnseln suchen!" Falk schautelächelndzudemeifrigen alten Seemann empor. „Vor allen Dingen setzt Euch und helft mir den Rest dieser Flasche austtinken," sagte er, etwas zur Seite rückend. „Goddam Euren Wein!" entgegnete Rast, und machte Miene, den Mormonen allein nachzusetzen.„Es sind jetzt ihrer Drei, also um so mehr Grund, sie nicht aus Sicht zu verlieren!" erste Expedition in Buenos-Ayres eintraf, und die � wanderer der dortigen Einwanverungsbehörde ibre 9#* zu erkennen gaben, war von Erfüllung jener kontraktmak? Zusage keine Rede. Der ganze Auswanderungsiransport trotz Protestes per Schub nach Patagonien dirigirt, um w am Zusammenfluß des Rio Nanguen und Rio Lima?,* Quellströme des Rio Negro. angefiedelt zu werden, das 0# in einem Gebiete, welches hierzu schon wegen der ungünM Beschaffenheit der Ländereien, des Mangels jeden und jeder Eisenbahnverbindung, sowie der Unfahrbark«!% genannten drei Flüffe für tiefer gehende Fahrzeuge völlig» Seeignet ist. Ob die in dem vorliegenden Falle durch(*! dnsulatsbeamten betriebene Auswanderungsoermittelung der amtlichen Stellung des letzteren vereinbar ist, mag T dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist es in hohem Grades denklich, wenn der offizielle Charatter der Mittelsperson führt, das Vertrauen der Auswanderer in Zusagen zu de welche demnächst nicht eingehalten werden." Was in Schleswig-Holstein geschehen ist, kann anderen Theilen des Reiches versucht werden; es erscheint vw rathsam, Auswandenmgslustige vor dem Abschluß derart� Kontratte dringend zu warnen. Die preußische Vormundschafts-Ordnung vom 5. Kj 1875 bestimmt im§ 39, daß der Vormund Gelder, welch« � laufenden oder anderen durch die Vermögensverwaltung� gründeten Ausgaben nicht erforderlich find, in den speziell% zeichneiten Schuldverschreibungen— des Deutschen Reiches, deutschen Bundesstaaten u. s. w.— oder auf sicheren W theken oder Grundschulden zinsbar anzulegen hat. Ferner � nach dem zweiten Absatz des iz 39 Gelder, welche in � Weise nach den obwaltenden Umständen nicht angelegt können, bei der Reichsbank oder bei öffenttichen, obrigkw>!° bestätigten Sparkassen zinsbar zu belegen. Auf Grund"Wf letzteren Bestimmung sind mehrfach, auch seitens der nr geeichte, Vormundschaftsgelder regelmäßig und beziehungsM. dauernd bei öffentlichen Sparkassen angelegt worden.% Verfahren ist jedoch neuerdings von den Oberlandesgeri� als unzuläsfig bezeichnet worden, da die Anlegung von geldern in den im Absatz 1 des§ 39 der VormundÄ� ordnung bezeichneten Schuldoerschreibungen oder auf Hypotheken die Regel, dagegen die Belegung bei öffent"®? Sparkassen eine Ausnahme zu bilden habe, deren Zulässig dadurch bedingt sei, daß die Vorschiift im 1. Absatz des nicht ausführbar erscheint. Auch werden noch häufig die tn r Vormundschaftsordnung enthaltenen Vorschriften betreffend� Sicherheit, gegen welche Vormünder Miindelgelder ans«"•J thek ausleihen dürfen, nickt innegehalten. Als Beleihungsgmv ist ausdrücklich das Fünffache des Gruiidsteuerreinerlrags � bei ländlichen Grundstücken', einer rittcrschattlicken,'1"', schaftlichen oder Steuertaxe, bei städtischen'/, der Taxe f®? öffentlichen Feueroersicherungsgesellschaft bestimmt. Da y J solchen Taxen oft fehlt, die durch die Grundsteuer bcsfin»': Grenze aber die Beleihung sehr einschränkt, so bleibt sifejj nur Aufnahme einer gerichtlichen Taxe übrig, welche die mundschastsoidnung gleichfalls zuläßt, und zwar so, da«[ ländlichen bis zu Vi, bei städtischen bis zu derselbe« M liehen werden darf. In Fällen der Nichtbeachtung die Vorschriften sind die Vormünder bisher seitens der GejS; stets für haftbar für den entstandenen Schauen � worden. Die Regierung von Sachsen-Weimar hat vor eiw� Zeit eine Vorlage, betreffend Vererbung der Landgüter. arbeiten und dem Landtage, sowie den landwirthschafw� Vereinen zur Begutachtung vorlegen lassen. Zur Besvre®7u dieser hochwichtigen Frage hatte ein Baucrnkomstee von V' zehn Landwitthen und Bürgermeistern aus den verschiedevq., Dörfern eine Versammlung auf den 19. Juli in das Haus zu Weimar einberufen, in welcher folgende Rer"� einstimmig angenommen wurde: J „Die heute im Stadthause zu Weimar versaW�j Bauern erklären sich hierdurch gegen die in der RwgZ des Anerbensystems angeregte Abänderung des Erbrechts-«V, Vererbung des ländlichen Grundbesitzes. Die Ausrechte tung der T h e i l u n g s f r e i h c i t des Grundbesitzes als die richtigste Grundlage für die gesunde Entwickelung bäuerlichen Verhältnisse betrachtet. Alle künstlichen Maßttll� welche dazu dienen, Theile des vaterländischen Grunds?, der Konkurrenz des Fleißes, der Sparsamkeit und der ligenz durch unnatürliche Befestigung an Personen und Milien zu entziehen, find wegen ihrer Gemeinschädlichkeu politischer, sozialer und wirlhschaftlicher Beziehung zu"L werfen. Die fortgesetzten, auf Abänderung der besteh««� bäuerlichen Erb-Ordnungen abzielenden Bestrebungen, dem Willen der Bauem entgegen sich rege machen, als eine schwere Beunruhigung und Schädigung der lichen Verhältnisse empfunden. Die Vereinigung aller deutl®' Bauern im„Allgemeinen Deutschen Bauernverein" wird gw, über den Gefahren, durch welche die Selbstständigkeit« Entwickelungsfreiheit derselben bedroht ist, als dringend i forderlich erachtet." „Beruhigt Euch und setzt Euch nieder," erwiderte„ in so überzeugender Weise, daß Rankt seiner Aufforden�. mechanisch Folge lefftete.„Ich weiß, wo sie ihr Du# aufgeschlagen haben, wohin sie aber gegangen sind, vermögen wir ihnen nicht nachzufolgen. Aber trinkt w und dann wollen wir weiter sprechen.. j Raft stieß einen verdrießlichen grunzenden To« 11 nahm das dargebotene volle Glas, und nachdem er es. einem Zuge geleert, schaute er fragend auf seinen j Freund. „Ihr seid von Jemand beauftragt, auszukundscha",.. wohin die beiden schwedischen Mormonen sich besF würden." „Aie, Aie, Herr." w „Gut, und zwar von Jemand, den bei seinen Na«! schungen weniger das allgemeine Interesse, als das interesse leitet." „Verdammt! wenn Ihr meint, daß ich mich aug�, blicklich nicht im Dienste des Leoparden befinde, so™ Ihr recht." � „Gut; jetzt bin ich aber im Zweifel, ob e« � jenigen, der Euch entsendete, ebenfalls recht sein �_ wenn ich das, was ich hier erlauschte, und ich ha�Jw WichttgeS vernommen, auch noch einer dritteu mittheile."# „Goddam! Habe Dickte auf meinen Arm«« L tragen, als er noch nicht lange vom Stapel war; ich streiche die Flagge vor Eurer SchulgeletEUc keit, aber hängen will ich mich lassen, wenn~$ Weatherton jemals ein Geheimniß vor mir hatte! D« originell!" � «Alle Achtung vor Eurer Person und vor k«. Charakter, aber wenn ich wirklich Euch zum Ucberbtt der betreffenden Nachrichten wählte, so würdet 3hV.tw wäret Ihr ein Professor, nicht Alles so wiedererza? können, wie ich es Euch vorsage und wie ich es" hört habe." „Professor?" rief der Bootsmann unangenehm aus, und zugleich zischte ein brauner Strahl zwischen Zähnen hindurch nach der andern Seite der Laub« 8» liste ein Sahir Di, §§ 19 r und wi. W- «einde Dieselbe «ngebra, «tcht b Wi sam, d denselbe werden vorüberx dung ab den sind sehen r te sr die Ent, S& alten Ol fe Schuld, fS" Z?«» 27. f- i »an W 1 1 sollt 1%� �lnnu L �■1 & Nk ich „N demsj 8 tmoa* vavon ül Kommunales. Sttt nächsten Stadtverordnetenwahl, welche im Rovem�x d. Js. stattfindet, ist es erforderlich, daß fich jeder Wahler davon überzeugt, ob sein Name in die Wähler« ist; wer nicht eingetragen ist. geht de» verlustig. Die Liste der stimmfähigen Bürger ist nach Vorschrift der 58 19 und 20 der Städteordnung vom 30. Mai 1853 berichtigt wch wird nunmehr in der Zeit vom 15. bis einschließlich den 30. Juli d. I. täglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags im Wahlbureau des Magistrats, Breitestr. 20a, 2 Tr� öffenttich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtge« wcinde gegen die Richttgkeit der Liste Einwendungen erheben. Dieselben müssen in der gedachten Zeit schriftlich »»gebracht werden später eingehende Einsprüche können »icht berückstchtigt werden. Wir machen hierbei auch noch besonders darauf aufmerk- m � � Berichtigung der Wählerlisten in Betreff des Wohnsttzcs der stimmberechtigten Personen in Berlin die von �»selben zu erstattenden An- und Abmeldungen berückstchtigt tverdcn und daß demnach auch diejenigen Personen, welche nur vorübergehend verreist find, diesen Umstand auf ihre Abmel- vung aber nicht vermerkt, sondern fich einfach als von Berlin flogen abgemeldet haben, in der Wählerliste gestrichen wor- vrn find. .. Die Anleiheschuld der Stadt Berlin. Gana abae- 'wen von dem Interesse, mit welchem der Steuerzahler die �Mellen Verhältnisse des Gemeinwesens verfolgt, das An- lpruche auf seinen Geldbeutel erhebt, ist eine Zusammenstellung »,?»eben Anleihen, welche gegenwärtig die Stadt Berlin be- •»gen, von historischem und kulturhistorischem Interesse, da selben entweder mit einem Ereigniß im Zusammenhange neht, dag in der Geschichte des preußischen Staaies von höchster S! re unß war, oder die Durchführung einer epochemachenden, '��niwickelung unserer Residenz bedingenden Neuerung er- Die älteste Anleiheschuld der Stadt Berlin ist ent- ndcn in den Kriegsjahren von 1806/9. Sie wurde aufge- zur Bezahlung der der Stadt auferlegten Kriegs- r"?)bution von 1 Million Thaler, sowie zur Deckung der ii-iaÜ" Kriegslasten. Sie war ursprünglich fünfprozentig; Schuldverschreibungen lauteten auf Gold beziehungswerse «ourant und waren theilweise auf Namen von Gläubigern, mllnl rvr-r____ C V.__ CV„t. C...___ �£\r r % m größten Theil aber auf den Inhaber ausgestellt. Auf .»«nb der Kabinetsordre vom 24. Juni 1829 wurden die »'kn Obligationen eingelöst resp. gegen viervrozentiae Obli- Klonen im Gesamnitbetrage von 3 689 000 Thlr.— 067 000 M., eingetauscht. Die Tilgung und Verzinsung der Schuld erfolgte bis I.Januar 1852 durch Verwendung der ein- t0>Nmcnden Komn,unalakzise. Durch Kabinetsordre vom Juli 1852 wurde der jetzt noch geltende Amortisationsplan L0m 27. August 1852 genehmigt, wonach alljährlich nur ein ytojmt des Kapitals und der ersparte Zinscnbetrag zu tilgen — Vom 1. Januar 1843 ab wurde der Zinsfuß auf V'jpGi reduzirt. Von 1836—1844 fanden 9 jährliche Ver- Mmgen statt. Von da ab erfolgte die Tilgung durch An- der Obligationen unter drm Parikurse. Bis zum 31. März wurden 8 545 275 M. getilgt, so daß noch ein Rest von M. verbleibe.— Die Anleihe 1866 im Betrage von af? M. wurde in Folge der Mobilmachung der Annce zc. seit«N°» vom 1. Juli 1866 ab zu 5 pCt., innerhalb 5 Jahren von gQ ,t Stadt nicht kündbar, kreirt und zum Emisfionskurse Z-nss. »b 4% JkArs.1» Dertpn_ »Ct. ausgegeben. Vom 1. April 1872 ab wurde der 4'/, pCt., vom I.Januar 1882 ab auf Grund des t> Erlasses vom 3. September 1881 auf 4 pCt. herab- „. Die Tilgung hat in 37 Jahren mit 1 pCt. des Kapi- und der durch die Tilgung ersparten Zinsen von 1870 �i0"folgen— und hat stattgefunden: pro 1870, 1871 'oofu« durch Ankauf, pro 1872, 1874 bis jetzt durch Ver- 7oJ%_ Von dem ult. Mär, 1885 vorhandenen Bestände mit kgeiiÄ gehen die in Folge der alljährlich stattfindenden Odlj��gen Amortisation zum 1. April 1885 ackündigten 8 87(?S!l?n Vertreter fich vermehrm. Ferner müsse dahin gestrebt werd« j die Verschiedenheit der Lehrbücher in den Schulen zu beseitig«, und bei Sudmisfionen nicht den Mindestfordernden anzunehn'«' i sondem das mittlere Gebot gelten zu lassen. Herr Bern st/' führte aus, daß die Stadtverordneten dahin wirken 0*0# daß die Freistellen an den höheren Schulm werden. Hierauf nahm Herr Laske noch ein«""C Wort und ging auf die verschiedenen Punkte, die in Ja Diskusston angeregt wurden, näher ein. Besonders hob er j Sanitätswesen unv Submisstonsunwesen hervor, welches N.? UI i i�P Punkte des Arbeiter-Programms find. Mir nothwendigh'., er femer die Abschaffung der geheimm Sitzungen der 6% verordncten-Versaniinlung, er sprach sodann noch über die•' ött W lehnung des Antrages Stem im preußischen AbgeordnO« kaufe, welcher auf Emfühmng des geheimen Wahlrechts lau'« Derselbe sei deshalb nicht annehmbar, weil ei»£j; Heimes Wahlrecht noch immer kein gleiches und sei.— Herr Weise warnte sodann auf Grund des 3%% vor der Betheiligung an dem Begräbnisse des Maurers 0% Ihm wurde aber sertms des Herrn Schulze entgegnet. man demselben doch eine würdige Theilnahme bezeugen w«, U man oem»cioen ooa» eine wuroiae xyeunatjmc bezeugen ohne dem Verbot entgegen zu handeln. Herr Boy spra«|L ebenfalls gegen eine demonsttative Betheiligung aus und uns auch die letzte EhrcnbczeuA >as Andenken an den Entschlaf«» r-ii.»_ u..— Ii"" fli tonte, daß, wenn erschwett würde, das doch in uns verbleibe.— Zum Schluß auf die Unterzeichnungen der Petition zum..... gefetz aufmerksam gemacht. Listen können in Empl genommen werden bei: Kunkel, Schulstraße 44, He n' 1 Hochstr. 32a, Sillier, Triftstr. 46a, A m a n n, Neuet... straße 16, 3 Tr. r., Zach au. Müllerstraße 24, Bis»"'! ~"...... 9 ftnf «!■ Äfe N Sellerstt. 4b, Raschle, Reinickendorferstraße 52, Hof P"» Bernstein, Bergstr. 67. Unterschriften werden femer». entgegengenommmen im Zigarren- Geschäft von W i I Jl tannkuch, Chauffeestr. 57/38.— Eine für die strci! Steinttäger veranstaltete Tellersammlung ergab 3 Mk. 20 welche an den Fachverein desselben abgeliefert wurde. N"1 Versammlung am 3. August. Uermischtes. J Ein jugendlicher Mörder. Aus Rökas(Ungarn)� i Gras zu sammeln. Während der Arbeit gcriethcn die Kinder in Zank und Adam schleuderte gegen Johann eiserne Gabel, welche diesen leicht verletzte. Johann Avi darüber in Wuth, nahm eine insgeheim mitgebrachte aus der Tasche und schlug damit viermal auf den K#.*; Adam los. Dieser taumelte blutüberströmt zur nahen Johann ging ihm nach und schlug mit der Hacke das mal auf seinen Kopf, worauf Adam zusammensank und—z der Brücke ins Waffer fiel, wo er spurlos verschwand- � königl. Bezirksgericht in Rskas hat die Untersuchung � eingeleitet.,, Der Sarg im Meere. Aus Ehioggia wird derusj Chioggiatische Fischer stießen auf der Fahrt von Trieft�. auf einen im offenen Meere schwimmenden n, K Nach Auffischung desselben fanden die Fischer darin einenjw stümmelten weiblichen Leichnam. Der unheimliche Fund« � nach Aufnahme desselben durch eine Gerichtskommisst"" dem Kiesigen Friedhofe begraben... B Was das Publikum Alles verlangt. PHotog""�' denke, Ihr Bild wird sehr ähnlich werden. Herr: wäre mir lieber, wenn es nicht zu ähnlich würde. D<. soll eine Ueberraschung für meine Frau werden, und möchte ich gem, daß sie mich nicht gleich erkennt!„�iP Der versilberte Studentenrock.„Guck', Malchen. der Studentenrock meines Bruders, ganz von echtem — ist er nicht wunderschön?"— Malchen:„Ach unser � Otto hat einen noch viel schöneren! Nicht wahr, A'' Der Papa hat Dir erst heute vorgelesen, daß Otto's»e Rock verfilbert ist!" Verantwortlicher Redakteur R. Erouheiw in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin 8W„ Beuchstraße 3. Hier,« eine Beil-� W w i äßoi 1 M!> Hechte« tt sie mm» er, sondern Troxde« sie es dct. Reftreet ehrung dn eng in dn idcnten bn , Tutzau-lt cht feinde wägunflS/' lande sci� S« Werbliche» enTM ebene Be>' »erfahr-� ichte untcr m seinn» lbewegu»? eigene» i einlasse» : von jeder Beilage mm Berliner BoMatt * Nr. 170. Freitag, den 24. Juli 1883. II. Jahrg. müsse» >s ver' 'S ein# nie 11 fSS ich d-- s �ie Polhei verwundet auf dem Friedhofe tfele Theilnehmer eines Leicheu)uges. (Aus der„Franks. Zeit") r..� unter sebr zahlreicher Vclheiliaung seiner Parteigenossen LS �le Mittwoch) Morgen die Beerdigung des lang- >?naen Mitgliedes der sozialdemokratischen Partei Hugo vom Sterbchause, dem Büigcrstifte, statt. Als der M« rteichenkondukt den Lederweg erreichte, begegnete er einer Kn? V" Schutzleuten, die ihm das Geleite bis zum Fried- Llf Kabrm Am Grabe angekommen trat Herr Füllgrabe vor '»Sie im Namen der Frankfurter Sozialisten einen Kranz die Stätte nieder, wo der Verblichene seine Ruhe finden Wt Kranze folgte einer der Hanauer Parleigenossen; >�. � �en,olralischcn Frauen Frankfurts widmeten dem ftiua tlne rolhe Schleife, dann folgten Kcänze von den und Mainzem rc. Als fich diese Vorgänge absvieltcn, St5te � überwachende Polizei-Kommissar Meyer die An- S"-' d'en Platz zu verlassen, und als dieser Aufforderung Ä sofort stattgegeben wurde, zogen die Schutzleute ZV? und trieben die Leidtragenden zum Kirchhofe hinaus. i.? Augenzeuge Herr Schubli sagt über die nun Ä" v Rhenen aus: Als der Kommissar die dreimalige «.Forderung, den Platz zu räumen, hatte ergchen lassen, b�ce sofort die Entblößung der Waffe und ungefähr 60 Schutz- k tm tanPn auf die Menge ein. Alles, was fich ihnen in stellte, wurde zurückgetrieben, wobei eine Reihe von m..v senden, unter Andern auch zwei Kinder, verletzt 3Dn„\ � Eingange zum Portale fand ich(Schubli) einen ? der in der linken Seite heftig blutete. Er wurde von sitin.iü'»'"er Freunde in die Anlage getragen, wo er die Be- beure � Natürlich hatte sich des Publikums eine unge- jeif£*!" Em anderer Augenzeuge Schaidt sagt aus, er habe «ijSa �oß ein Kirchhofwarter beim Herannahen der dem s�»onge zueilenden Menge die draußen wartenden berittenen «Obleute benachrichtigt habe, in Folge dessen diese sofort am Mo?» Posta faßten und in die Aktion mit eingriffen. Der seiner Lorenz Merz ist durch einen Slich in den ei?. Ann verwundet, der Arbeiter Friedrich Brüner hat zW Hieb über die linke Hand erhalten, der Arbeiter Lzwuths bekam einen Schlag mit der Waffe über den Herr Dippel aus Bockenheim wurde am Kopfe leicht eine Frau Kayser bekam in Folge des ausgestandenen McckenS die Krämpfe und noch eine Reihe von Personen, die m unfern Gewährsleuten noch nicht bekannt find, wurde «J* oder minder erheblich verletzt. Ein weiterer Zeuge, A Staiting mit Namen, hat den Ruf:„Blank!— übfr v'» Schwefelbande!" gehört, und Alle, die wir öoüu Vorfall hörten, betheuertcn, es sei absolut nichts pro- voll," worden und man habe fich bei der Trauerfeierlichkeit vjften ruhig verhalten, selbst da noch, als die Beamten Waffe Gebrauch gemacht, obgleich es den Hunderten übe�Magenden ein Leichtes gewesen wäre, die Schutzleute zu z>Ä»n. gäm>,.anderer Seite erhalten wir über die betrübenden Vor- »us'S�de Mittheilungen: So lange die Sozialdemokraten �ien i�chiedcnen Orten ihre Kränze auf das Grab nieder- W\ fie unbehelligt, erst als cm Mainzer, Herr Leyen- dtt �." Kranzspende Bemerkungen beifügte- er sprach von - SÄM. für die der Verstorbene gestntten und gelitten habe lun. Me der Polizeikommissarius Herr Meyer die Versamm- fiCc aufgelöst und forderte die Anwesenden drcnnal nach- « n schnellstem Tempo auf, den Friedhof zu klw,L Unmittelbar darauf zogen die Schutzleute irhqu»N drangen auf die Menge ein. Von einer Seite wird '»ifsar„ die Ordre zum Einhaucn sei von dem Herrn Kom- derer«st. dem Worte:„Drauf!" gegeben worden, von an- ledens�L wird dies bestritten. Wie dem aber auch se>, As'ä nd& des Mb»? mtiW* a» aus uno SSfe m Ii Mk. 20 � Ha* fünf Jahren diente Strne bei der Probstin, die de- 5tReh.nn �°de ihres Manne« in. ihre Geburtsstadt über- jigev 5.��- Es war eine behäbige Dame in den Fünf- i»ich Lno{h vollem braunen Scheitel. Von Natur heiter Ehe»» Scherz geneigt, hatte sie in den zwanzig Zahren ihrer £®e der hervorragenden geistlichen Stellung ihres (in; j*' die ernste Würde hervorkehren müssen. Nun war sie auf den aü�e Wittwenpension angewiesen und zehrte nur noch von $auj Körungen an ihr früher so geselliges, wohlbestelltes .n~}( strickte meistens Strümpfe für arme Kinder und Shtf.mQnc/ welche die„Lesehalle" ihr zukommen ließ. �ehme Probstin-Miene legte sie nur noch als Gala- „So will ich fie habe»!� Aus dem Dänischen. II. W CN die 3L Üoh-nnL i ®t'/ wenn sie zu einer feinen MittagSgesellschaft rd be m ü rr: und ZO tto'S neu' S°rtn 1 Oen«'~v""!"• 8» Vonoratronen des Städtchens gebeten war. lernt tÜ �tte die Landbevölkerung kennen und lieben ge- ihr lange ihr Mann noch Landpfarrer war. Es fehlte ilehin-°st Humor und Herz, diese schlichten Leute zu ver- d» voL�std wenn auch die Gesellschaftspflicht sie hie und dies ihr.rM hatte, ein bischen gnädig zu thun, so that "Ui(IT Ruf,„eine ganz gemeine Frau" zu sein, durch- »>chi„ Eintrag. Die Bauern hatten'S im Grunde gar A dQ& ihre Probstin zu repräsentiren verstand. Laus? �Qtten die früheren Pfarrkinder ihres Mannes sie MtaoeL fjs 3ahre keineswegs vergessen. An den hohen Mnse. lchcckte ihr ein und der andere Bauerngutsbesitzer si- r len; sogar von ein paar bemittelten Pächtern gT"b und zu em Schock Eier. � übrigens an keinem Sonn- oder Feier- w alle p...e'n Knecht ihr einen großen, fetten Truthahn. astta W sn ainer so kleinen Staot einander kennen, so �askn°». �°dstin auf der Stelle, daß der Ueberbringer »0\„.W.r�t�ten Nielsens„Herberge für Reisende" chspiel?lsachlich die Bauern von des Probstes früherem letzten wird auf 50 angegeben; mehrere find an Kopf und Beinen nicht unerheblich verwundet(einige Leichtverwundete erschienen beute Mittag auf unserer Redaktion und wiesen die erlittenen Verletzungen nach). Tie Erbitterung in den Kreisen der Sozialdemokraten ist eine hochgradige; soll fie beschwichtigt werden, so ist die eingehendste Untersuchung und je nach dem Ergebniß derselben entschiedenes Vorgehen gegen etwaige Schuldige erforderlich. Im Interesse einer unparteiischen Darstellung haben wir auch an amtlicher Stelle Erkundigungen eingezogen und folgendes erfahren:„Als der Kondukt auf dem Friedhof ankam, gab Herr Kommissar Meyer den Leidtragenden einen Befehl des Polizei Präsidiums kund, wonach auf oem Friedhof 'weder geredet noch Demonstrationen veranstaltet werden oülftcn; damit war die Aufforderung verbunden, rothe Schleifen zu entfernen. Als der Zug an's Grab kam und Herr Füllgrabe begann:„Sehr geehrte Genoffen——", wiederholte der Kommissar die Aufforderung, das Reden zu unterlassen. Als hierauf verschiedene rothe Schleifen in die Gruft gesenkt wurden und gleichzeitig ein Mainzer, Herr Lcyendeckcr, in einer Rede den Dahingeschiedenen als einen Kämpfer der Freiheit darstellte und eine lange rothe Schleife in der Hand haltend, weiter sprechm wollte, forderte der Kommissar auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes die Anwesenden auf, auseinandergehen zu wollen. Er wiederholte diese Aufforderung drei Mal, und als deffenungcachtet Keiner fich vom Fleck gerührt hatte, als Alle stehen geblieben seien und der Mainzer Redner auch nach der dritten Aufforderung wörtlich fortgefahren habe: „Diese Schleife gebe ich Dir mir als Zeichen der Freiheit!" habe sich der Beamte mit den Worten an die Schutzmannschaft tewandt:„Treiben Sie die Anwesenden mitder Baffe auseinander!" Es gab hierauf ein Hin- und Hergclaufe und allerorts Konflikte mit den Schutzleuten. Der Kommissar will seinen Beamten bemerkt haben, fie möchten besonnen sein und nur da mit der Waffe einschreiten, wo fie Widerstand fänden.(Dann ist das Einhauen gradezu unbe- greiflich, denn Widerstand haben, wie allgemein versichert wird, die Schutzleute nirgends gefunden. Red. d. Franks. Ztg.) Politische Ueberstcht. Ueber die Vorgang? in Frankfurt a. M. entnehmen wir dem„Ber!. Tgbl." noch folgende Einzelheiten: Für die etwa 1000 Leidtragenden, die auf einmal den Kirchhof ver- laffen mußten, war nur die Seitenpforte geöffnet, so daß ein rasches Verlassen des Kirchhofes nicht möglich war. Am Portal empfingen die dort postirten berittenen Schutze leute die Menge mit Säbelhieben. Das Bild, das fich nun darbot, spottet aller Beschreibung. Hier schrien Frauen um Hilfe, Kinder jammerten nach»ihren Eltern und die Männer suchten, verwundet und geschlagen, aus dem Bereiche der Klingen zu kommen. Die Gesammtzahl der Verwundeten wird auf 50 angegeben; es befinden fich darunter Frauen und Kinder. Bei dem Handgemenge stürzten einige Per- sonen in das noch offen st eh ende Grad, und auch dort noch wurden fie von den Säbelhieben der Schutz- leute ereilt. Bemerkcnswerth ist, daß von Seiten des Telegraphen- amtes sämmtliche Depeschen an Zeitungen fistirt und erst nach Befichtigung durch das Polizeipräsidium befördert wurden." Die„Franks Ztg." meldet: Das Polizeipräsidium erklärt in einer Bekanntmachung bezüglich des gestrigen Vorfalls beim Begräbniß, daß amtlich sechs Personen als verletzt gemeldet, deren Verletzungen anscheinend nicht erheblich find. Mecklenburg für immer! Aus Mecklenburg-Schwerin schreibt man der„Voff. Ztg.":„Vor 21 Fahren brachte fich die großhcrzogliche Regierung durch ein auf dem Landtage mit der Ritterschaft allein, nicht mit beiden Ständen, vereinbartes Gesetz, betr. die Bestrafung der Dienstvergehen der Gutsleute in den rittcrschaftlichcn Gütern, und durch vre in diesem Gesetz eine große Rolle spielenden Röhrchenhiebe allgemein in einen so üblen Ruf, daß ihr bald nichts Anderes übrig blieb als die Wiederbeseitigung des Gesetzes. Bald darauf trat Mecklenburg in die neue Verfassungsgemeinschaft mit den übrigen deutschen Staaten, welche gegen die Wiederkehr so abnormer Zustände schützte. Es find aber inzwischen über den Umfang der Strafbarkeit der Dienstvergehen, wie solche für die einzelnen „Von Peer Larsen in Orlovslille," antwortete der HauS- Inecht. „So—?" sagte die Probstin gedehnt und gab dem Hausknecht ein Trinkgeld. „Gott weiß," murmelte sie, nachdem Jener gegangen, „was plötzlich in den Geizkragen Peer Larsen gefahren ist! Sonst setzte er keinen Fuß in die Kirche und gab nie ein Pfund Schmalz mehr als Vorschrift war." Sie erhob sich von ihrem Nachmittagskaffee und ging, den Truthahn beim Flügel haltend, in die Küche, um Stine ihre Bewunderung über diese Verehrung mitzutheilen. Stine stand am Küchentisch und verzehrte ihr Nachtrag« liches Mittagessen mit jener zerstreuten, scheinbar tiefsin- niaen Miene, mit welcher Dienstboten ihre einsame und un- geheuerliche Mahlzeit zu sich nehmen. Beim Eintreten ihrer Gebieterin drehte die sonst so Gemächliche sich ungewöhnlich flink auf die Seite und fuhr mit der Küchenschürze über's Gesicht. „Kannst Du begreifen, Stine, was Peer Larsen in Orlovslille einfällt?" „Nä— S," antwortete Stine, beständig mit abgewandtem Gesicht. „Solch einen prächtigen Truthahn schickt er mir! So sieh' doch nur, Stine! Nun können wir Apothekers und Stadtrichters zu Mittag bitten. Aber was ist denn mit Dir? Du weinst ja. Was fehlt Dir? Bist Du krank?" „Ja, eS sticht mich so im Nacken bis hinunter in die Zehe," mumpfte Stine mit einer Stimme, als hätte sie einen Knödel im Hals. „Sprich nicht mit vollem Munde!" sagte ihre Ge- bieterin mit einem Anstrich von Probstin-Würde. Ueber den Gesundheitszustand ihrer Magd war sie jetzt völlig beruhigt, da diese immer die genannten Symptome angabt wenn sie schlechter Laune war oder viel zu thun �atte" Wenn ich nur begreifen könnte, was mit Peer Larsen vorgeht!" sagte die Probstin im November, als Christen Nielsens Hausknecht ihr einen halben Schinken brachte und t einen schönen Gruß von Peer Larsen ausrichtete. i Gegen Weihnachten kam die Pächtenn, ber welcher Theile des Landes theils auf Grund landesgesetzlicher und statutarischer Bestimmungen, theils auf Grund gewohnheits- rechtlicher Ucbung bisher als bestehend anerkannt wurde, manche Zweifel aufgekommen, welche eine jetzt publizirte Ver« ordnung, betreffend die Bestrafung der Dienstvergehen, zu heben beabsichtigt. Nach dieser Verordnung sollen Drenstboten, welche ohne Rechtsgrund den Dienst verlassen oder die Arbeit und den Gehorsam verweigern oder fich einer„groben Un- gebühr" schuldig machen oder die„Hausordnung" gröblich ver- letzen, mit Haft bis zu 14 Tagen oder mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. bestraft werden. Diese Strafbestimmung findet auf dem platten Lande auch auf Hoftagelöhner und andere in ähnlichen Dienstverhältnissen stehende, zum Betriebe der Land- oder Forsttvirthschaft kontraktlich verpflichtete Personen An- wendung, ferner auf die Dienstboten(Hofgänger) dieser Per- sonen. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Strafe kann durch polizeiliche Verfügung festgesetzt werden. Die bis- herigen Strafbcstimmungen, betr. die Verletzung der Dienst- pflicht, treten zwar im Uebiigen außer Anwendung, doch ver- bleibt es auch in Zukunft bei der bisherigen Befugniß des Dicnstherrn, die polizeiliche Zwangszurückführung ernes entwichenen Dienstboten zu beantragen. Belgien. Die Londoner Skanvale, welche die„Pall-Mall- Gazette" mit lobenswerther Offenheit aufgedeckt hat, haben in Belgien ein um so größeres Aufsehen hervorgerufen, als diese Skandale ein würdiges Seitenstück in den Brüsseler Skandalen finden. Man hat, wie der„M. A. Ztg." aus Brüssel berichtet wird, selten die Gelegenheit, in politischen Korrespondenzen von dem sittlichen Zustande eines Staates oder einer Stavt zu sprechen. Da aber die Enthüllungen des radikalen Londoner Blattes die Wunde schonungslos aufge- rissen haben, so sei es mir gestattet, hier einige Worte über den sogenannten Belgian trafic, wie die Engländer sagen, zu sprechen. Es ist nämlich eine seit Jahren bekannte traurige Thatsache, daß die Stadt Brüssel zu den eifrigsten„Ab- nehmern" jener verrufenen Häuser gehört, welche gegenwärtig eine so nichtswürdige Rolle in der neuesten Londoner Sitten- geschichte spielen. Täglich bringen die englischen Dampfer, welche in Antwerpen landen, eine große Anzahl englischer Mädchen nach Brüssel. Dieselben find im besten Falle fünfzehn Jahre alt und rekrutiren fich insgcsammt aus den Bewohne- rinnen übelbeleumundeter englischer Häuser. Diese Unglück- lichen werden theils in Antwerpen, theils in Brüssel förmlich verkaust, und wie es scheint, hat sich aus diesem Verkehr ein blühender Handel entwickelt, den man in der englischen Kunst- spräche den Belgian trafic nennt. Obwohl diese Thatsache längst bekannt ist und das belgische Gesetz die kritische Alters- grenze der Mädchen höher dcmißt als das englische, wurden doch noch keine Maßregeln zur Verhinderung dieses schänd- lichen Handels getroffen. Die belgische Presse hat oft genug auf den Uebelstand hingewiesen und eine Zeit lang war sehr viel von einer politischen Intervention die Rede. Allein nach und nach schlief die Sache wieder ein. Als nun im April laufenden Jahres in London ein großer Skandalprozeß statt- fand, in welchem die berüchtigste Kupplerin Londons, eine ge- wisse Mrs. Jeffreys, offen erklärte, daß sie jährlich Hunderte von englischen und irischen Mädchen im Alter von 13—15 Jahren der belgischen Prostitution überliefere, ging ein Schrei der Entrüstung durch die öffentliche Meinung. Man erachtete es mit Recht für schändlich, daß ein zivilifirter Staat solche schmachvolle Vorgänge auf seinem Territorium dulde. Gegen- wärtig, wo Belgien in den Skandalen der„Pall Mall Gaz." abermals eine wenig bencidenswcrthe Rolle spielt, verlangt man endlich energische Maßregeln, und dieselben dürfen nicht mehr auf fich warten lassen, soll die öffentliche Meinung nicht noch mehr erbittert werden. Das beste Mittel dagegen wäre eine Revision des Code penal, welche strenge Arreststrafcn so- wohl gegen die Zuhälter, nnen, als gegen die Klienten dersel- ben statuiren müßte. Nur eine energische Strenge kann unser Zeitalter vor der Ucberhandnahme eines Lasters bewahren, welches uns inseine Linie mit den Römern des Verfalles stellen müßte. Frankreich. Nunmehr find auch die„gemäßigten" Republikaner mit einem Wahlmanifest hervorgetreten. Dasselbe will unter anderm Stine'S Kind in Pflege war. Nachdem sie in der Küche gewesen, bat sie die Probstin um eine Unterredung Diese trank gerade ihren Kaffee und fühlte sich verpflichtet, zu re- prasenttrm. „Na, Mette," sagte sie, die dampfende Messingmaschine näher rückend,„ich höre ja, daß sich die Kleine so gut in der Schule macht?" „O ja, sie lernt recht leicht." „Nun, mit GotteS Hilfe erlebt Stine vielleicht doch noch eine Freude an dem Kind. Es war ja traurig genug, daß es ihr damals so erging." „O, jetzt ist das ganz einerlei." „Wieso?" „Nun, Stine wird sich ja verändern. Am ersten Mai tritt sie aus dem Dienst. Ich bringe ihr just einen Antrag von Peer Larsen in Orlovslille." „Was sagen Sie, Mette?" Die Probstin fuhr auf, vergaß plötzlich, daß sie Probstin sei und begann zu weinen. Die Pachterin fing gleich- falls zu weinen an und sagte mit schluchzender Stimme: „Peer Larsen hält drunten auf der Straße. Ich bin mit ihm hergefahren und er will mich wieder heimbrinaen Ach du lieber Gott! Es ist Freud' und Leid auf dieser S'ä w" un- geduldig vorgebeugt, d,e Peitsche zwischen den Beinen. Als er da« Fenster offnen hörte, lüftete er die Mütze. Schwer- fallig sprang er hinunter, da die Probstin feinen Namen rief, band die Zugstränge fest und ging ins Haus, nachdem er etwas unter dem Sitzbrett hervorgezogen. Dieses Etwas erwies sich als ein Paar Gänse. Er präsentirte sich im Zimmer mit einer Gans in jeder Hand. „Ei sieh', Peer Larsen I" sagte die Probstin.„So lan Ihr alter Seelsorger, mein seliger Mann, noch lebte, sa man nie etwas von Ihnen." „Glaub's gern," versetzte der Bauer ruhig.„Dafür war bei mir nicht Rath, außer dem Zehenten was zu geben, !ct«e Revision, keine kommunale Autonomie für Paris, Auf- rechtcrhaltuna des Konkordats, Beendigung des Kampfes gegen denKleruS, sowie Gesetze über Unfallversicherung, Kranken- und Unterstü tzun g s lassen der Ar- b e i t e r.(Der Köder ist ganz geschickt hingeworfen, es ist aber wohl kaum anzunehmen, daß oie Arbeiter darauf anbeißen werden.)_ Die lateinische Münzkonferenz trat am 20. d. M. in Paris zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Minister des Auswärtigen, Zrreyeinet. hieß die Mitglieder der Konferenz willkommen. Zn der Begrüßungsansprache hob der Minister hervor, es sei der lebhafte Wunsch der Regierung, die Münz- konvention vom Jahre 1878, welche Ende dieses Jahre' ablaufe, mit gewissen Zusatzbeüimmungen erneuert zu sehen. Der Ge- sandte der Schweiz gab in seiner Erwiderungsrede der Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg der Konferenz Ausdruck. Die Konferenz begann sodann die Prüfung der einzelnen Artikel der Konvention vom Jahre 1878. Bei Berathung des Artikels 3 wurde eine Subkommission von 4 Mitgliedern zur Berathung der Frage der Münzabnutzung ernannt. Mehrere andere ? fragen, namentlich diejenige wegen des gesetzlichen Münz- ou.ses, wurden späteren Erörterungen vorbehalten. — Ter Republik droht ein neuer Konflikt. Das Parka- ment von St. John in Neufundland ist im Begriffe, ein Gesetz anzunehmen, welches den Bewohnern jener englischen Kolonie verbietet, den Franzosen den Köder zu verkaufen, dessen fie beim Stockfischfang bedürfen. Erfolgt die Annahme dieses Gesetzes, so wird dadurch ein französisches Jnleresse schwer beeinträchtigt. Eine sehr zahlreiche Fischerslotte, die von mehr als 20000 Seeleuten bemannt ist, segelt alljährlich nach Neufundland und liegt dort monatelang oem Stockfischfange ob, dessen Ergebnisse einen Werth von mehr als 40 Millionen Franken darjtellen. Frankreich hat seit dem Frieden von Utrecht das ausschließliche Recht, einen großen Theil der Neu- fundländischen Küsten und Bänke entlang zu fischen. Das Land selbst war im vorigen Jahrhundert völlig unbewohnt und hatte bei seiner Unwirthlichkeit damals für Frankreich nicht den geringsten Werth. Blas der Besitz der See war wegen der Fischerei von Bedeutung; um die Insel kümmerte man sich nicht und unterließ es, von derselben förmlich Besitz zu ergreifen Bios St. Pierre und Miquelon bilden in dieser Hinficht eine Aus- nähme, insofern sie von Frankreich thalsächlich besetzt wurden. Seit dem Frieden von Utrecht haben sich aber die Dinge in jenem ewig vereisten und nebelumhülltcn Erdstrich wesentlich geändert. Englische Fischer, Robbenfänger und Händler haben sich auf den verachteten Gestaden niedergelassen, zuerst Hütten, dann Dörfer und zuletzt Städte gebaut, ohne daß sich die französischen Fischer um fie kümmerten, und jetzt treiben sie einen ziemlich blühenden Handel, bilden eine regelrecht konsti- tuirte englische Kolonie und möchten nun die Franzosen von der See verdrängen, deren Besitz ihnen der Utrechter Friede sicherte. Das französische Minixerium des Aeußern hat die feindselige Haltung der Neufundländer zum Gegenstande von Reklamationen an das Londoner Auswärtige Amt gemacht. Allein die Autorität der englischen Regierung ist in den Kalo- nien nicht sehr groß; diese erfreuen sich eines bedeutenden Maßes von Selbstständigkeit und wenn fie sich einbilden, daß ihr Interesse gewisse Maßregeln erfordere, so lassen sie sich von denselben durch Borstellungen des Kolonialamts in London nicht leicht abbringen. Es scheint übrigens nicht, als ob dieser neue Konflikt sich rasch entwickeln wolle, und so wird die franzö- fische Regierung wohl Zeit haben, demselben nach den Wahlen mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dänemark. Aus Kopenhagen berichtet der„Hamb. Korresp.":„Ein bemerkenswerther Berein, nämlich derselbe, welcher sich„die Berbreitung des Sozialismus in Norwegen" zum Ziele gesetzt hat, hielt vor Kurzem in Kopenhagen eine Versammlung ab. In deifelben wurde namentlich betont, daß die Macht des Kapitals über die Arbeit sowohl in Norwegen wie in Däne- mark gleich beklagenswerth sei, und daß die Spaltung zwischen Sozialdemokratie und Lintenpaitei bedauert werden müsse. Resolutionen find in der Versammlung, soweit bekannt geworden, nicht gefaßt. — lieber einen Sittlichkeitsskandal, in welchen über dreißig mehr oder minder bekannte konservalive Männer verwickelt find, wird aus Kopenhagen folgendes mitgetheilt. Man nennt offen einen sehr angesehenen Umuersttäts-Professor, Vorsitzenden einer unserer bedeutendsten wissenschaftlichen Gesellschaften, einen von den Konservativen hochgefeierten Poeten, der Mitarbeiter einer sehr religiös angehauchten Zeitung ist, ferner mehrere Groß- kaufleute, Theologen zc. Obwohl gegen alle Betheiligten das Untersuchung�- Verfahren seit längerer Zeit eingeleiter worden ist, so hat die Polizei die Sache doch bisher geheim zu halten verstanden. Erst nachdem ein demokratisches Blatt die Sache an die Ocffentlichkeit gebracht und einen scharfen Angiiff gegen den Justijininister Nellemann gerichtet hatte, weil mehrere der am meisten Beschuldigten noch auf freiem Fuße sich befänden, bringen jetzt auch„Berlingske Tid." und„Dagsavisen" Mit- so lang' noch die beiden Alten da hockten und ihren Alten- theil wollten." „Aber Sie kamen auch nie in die Kirche." „O ja, manchmal schon, wenn ich was dort zu thun hatte. So oft ein Begräbniß war oder wenn ich zu Gevatter gebeten war, ja, meiner Seel'! Aber... hm!... sehen Sie... eigentlich ist's wegen der Stine, warum ich her- gekommen bin, denn ich Hab geradeweg im Sinn, sie zu Heirathen." Diesen Satz sprach Peer mit ungewöhnlicher Energie, welche er dadurch bekräftigte, daß er die Gänse auf einen Lehnstuhl legte. „Halt, da« giebt Fettflecken!" rief die Probstin und legte sie auf den Tisch, nachdem sie eine Zeitung sorgfältig darauf gebreitet.„Aber Peer Larsen— Stine hat ja... hm! Nun, Mette weiß darüber am besten Bescheid." „Ja, da« weiß ich ebenso gut wie Mette," sagte der Bauer.„Aber sehen Sie... in der Jugend passirt ja so Mancherlei; und da können die Menschen nichts dafür, denn unser Herrgott hat es nun einmal so eingerichtet. Aber... nun ja... Mette sagt, sie will dafür gutstehen, daß Stine 500 Thaler auf der Sparkasse hat und einen ganzen Stoß Wäsche und Kleider in ihrem Koffer. Und sehen Sie, ihr Vater hat ja seiner Zeit ein Bauerngut gehabt; und es war doch nicht seine Schuld, daß er keinen Sohn hatte und daß das Gut darum an seinen Schwager gekommen ist, an den Trunkenbold, der es herunterkommen läßt." „Aber woher kennen Sie denn eigentlich Stine? Es scheint, Peer Larsen, Sie sollten sich die Sache etwas über- legen, besonders da Sie schon zum zweiten Male Wittwer sind— oder nicht?... Nun also! Und die Ehe ist doch eine ernsthafte Sache." „Ja, freilich," seufzte der Bauer.„Es wäre Sünde zu sagen, daß der Ehestand lauter Vergnügen und Lust ist." ,/Jio, Stine ist ja treu und fleißig, aber sie spricht ja fast niemals ein Wort." PeerS kleine Augen blinkten heller und seine Rede nahm ein rascheres Tempo an bei folgendem Herzenserguß: Das ist's ja gerade! Denn leider hat die Probstin Recht'/ daß ich zwemial verheirathet war. Ach, Gott steh' mir bei! Das eine Weib schnatterte so lang der Tag war theilungen, durch welche die Thatsache bestätigt wird. Nach letzterem Blatte ist der Skandal durch einen Gelderpreffungs- versuch zur Kenntniß der Polizei gekommen, es räumt em. daß„eine sehr große Anzahl" von Männern darin verwickelt, daß mehrere verhaftet und daß der Professor und der Dichter wiederholt verhört worden find. Wie von anderer Seite ver- lautet, befinden sich zehn Personen in Untersuchungshaft- eins der unglücklichen Opfer liegt im Hospital schwer erkrankt dar- nieder. Von den auf freiem Fuß gelassenen Angeschuldigten hat sich in den letzten Tagen einer erhängt und ein anderer sich erschossen. Grotzbrttaunien. Bekanntlich beschloß der Dublin er Stadtrath vor einiger Zeit die Veränderungen der englischen Straßennamen der Stadt, damit nichts mehr an die verhaßten Angelsachsen erinnere. So wurde Sackville Street in O'Eonell Street um- gewandelt IC. Nun ist aber Sackville Street die Haupthandels- straße Dublins, und den dortigen Geschäftsleuten erwuchs aus dieser Namensänderung ein solcher Schaden, daß dieselben die Väter der Stadt verklagten, mit dem Ergebniß. daß der Vize- kanzler sich zu Gunsten der Geschäftsleute erklärte und dem Stadtrath das Recht absprach, die Straßennamen ohne Be- willigung der Anwohner zu ändern, so daß die früheren Straßennamen jetzt sämmtlich wieder hergestellt werden müssen. — Im Oberhause wurde die Regierungsvorlage zur Er- leichterung des Ankaufs von Pachtgütern in Irland in zweiter Lesung angenommen und die Bill zur Beschaffung billiger Wohnungen für die Arbeiterklaffen ohne wesentliche Veränderung durch die Einzelberathung gefördert. Loro Mount- Temple richtete an die Regierung die Anfrage, ob fie gedenke, eine königliche Kommission niederzusetzen, welche die Zweck- Mäßigkeit für eine weitere Gesetzgebung zum Schutze junger unmündiger Mädchen prüfen wird. Der Vertreter des Mi- nisters des Innern antwortete, daß die Niedersetzung einer königlichen Kommission nicht in Ausficht genommen sei, da eine solche Untersuchungskommission dem erwäbnten Zwecke nicht dienlich sein würde. Die Regierung hoffe, daß die jetzt dem Unterhause vorliegende Zuiatz Bill zu dem Gesetz zum Schutze unmündiger Kinder und Mädchen zur Steuerung des vorHerr- schenden gräßlichen Uebels viel beitragen werde.— Im Unter- Hause theilte der Chef der Admiralität Kapitän Price mit, es seien in Woolwich sowie mit Privatfirmen Arrangements für die Lieferung einer sehr großen Anzahl von Torpedos während des laufenden Finanzjahres getroffen werden. Die von der vorigen Regierung bestellten To-pedoboote würden je zwischen 10 CvO Pfd. Sterling und 12000 Pfd. Sterl. kosten, und das erste derselben würde nicht vor dem 1. September fertig gestellt sein. Amerika. Aus New-Uork wird folgendes mitgetheilt: Das Jahr 1884 war für die amerikanische Eisenindustrie schlechter als die beiden vorhergehenden, namentlich de. halb, weil Farmer und Eisenbahnen ihre Anschaffungen auf das Nothwendigste be- schränkten. Im Lause des gedachten Jahres wurden viele der betreffenden Fabriken und Etablissements geschloffen; die Lohn- reduktion war allgemein und viele Arbeiter wurden brodlos. Von den am 1. Januar 1884 in Betrieb befindlichen 307 Hochöfen arbeiteten am I.Januar 1885 nur noch 236; am I.Januar 1883 waren 417 Hochöfen in Betrieb gewesen. Aus anderen Industrien, wie namentlich der Wollen- und Baumwollen- Industrie, laufen ähnliche Klagen ein. Es wird vielfach be> hauptet, daß die zur Zeit in den Vereinigten Staaten vor- Herr chende geschäftliche Stagnation nur den Kapitalisten und Arbeitgebern zum Nachtheile gereicht, und daß die Arbeiter unter derselben wenig zu leiden Habens,(Unsinn» da manche nothwendige Lebensbedürfnisse(Mehl, Zucker, Wolle) billiger geworden find. Allein der Mangel an Arbeitsgelegenheit und die allgemein eingetretene Lohnreduktion wird durch das Sinken der Preise einzelner nothwendiger Lebensbedürfnisse nicht ausgeglichen. Eine New- Uorker Fachzeitung(„Brad- streets') hat Ende vorigen Jahres eine Untersuchung über die Zahl der unbeschäftigten Arbeiter in 21 Staaten angestellt und ist zu dem Resultate gekommen, daß in diesen Saaten damals 316 000 Arbeiter oeschäftigungslos waren. Was die Hauptindustriestädte anlangt, so befanden sich Ende vorigen Jahres in New Park 53 550, in Philadelphia 40 000, in Chi« kago 10400, in Cleoeland und Umgegend 8500, in Troy und Umgegen» 8200, in Detroit 9950 und in Pittsburgh 6000 unbeschäftigte Arbeiter; in den übrigen Etävten betrug die Zahl zwischen je 2000 bis 4500. Die obengenannte Fachzeitung hat auch eine Bergleichung der zu Anfang des Jahres 1885 ge- zahlten Arbeitslöhne mit d-r Höhe derselben im Juli 1882 angestellt und ist zu dem Resultate gekommen, daß eine Lohn- reduktion eingetreten ist von 25—30 pCt. für Arbeiter in Wollen- und Baumwollenfabriken, von 15— 25pCt. für Arbeiter in Seidenfabrikcn von 15— 22pCt. für Arbeiter in Eisenwerken, von 20—30 pEt. für Arbeiter in Stahlwerken(Schienen), von 20—40 pCt. für Kohlengrubenarbeiter, von 10 pCt. für Sattler und das andere ließ die Zunge keinen Augenblick stille stehen. Es war, als wenn ein Mühlwerk beständig in der Stube klapperte, zehn Jahre lang. Und meine Mutter— sie lebt ja noch— schwatzte und tratschte auch mit Jeder, daß ich nicht einmal beim Essen meine Ruhe hatte. Aber jetzt sagt sie kein Sterbenswörtchen mehr, seit der Poplexieschlag sie getroffen hat; und ich denke, sie treibt's nicht mehr lange. Und nun....... sehen Sie ...... kurz nach der Ernte traf's sich, daß ich ein paar Meilen mit Stine fuhr und da antwortete sie nur ganz knapp, wenn ich was fragte; ja ja— und akkurat so taugt mir's! Dann bot sie mir was zu essen an; und da aßen wir alle Zwei, ganz gemüthlich und still. „Ja, wenn Einer so viel Weibergeschwätz in seinem Leben gehört hat, dann thut'S ihm wohl, Eine zu sinden, die den Schnabel halten kann. Und eine Frau haben muß man ja doch, besonders auf einem solchen Hof, sonst geht Alles zu Grunde." „Hat Stine denn schon ihr Jawort gegeben?" fragte die Probstin. „Nein, aber Stine kann doch nicht so dumm sein und was dagegen haben. Sie wird ja Hofbäuerin und hat keine Stiefkinder zu übernehmen und bei der Alten muß unser Hergott doch auch nächstens einkehren. Und sehen Sie, wenn ich mich nicht daran kehre, daß sie ihrerzeit..." „Nein, da steht wahrhaftig nichts im Wege," sagte Mette mit einer Sicherheit, welche bewies, daß sie genau eingeweiht war. „Die Probstin rief Stine herein. Keine Antwort. Plan sah in der Küche nach: Ssine war nicht da. Sie hatte für gut befunden, auf eigene Faust einen kleinen Aus- flug zu machen, denn es war doch gar zu„schenant", dabei zu sein, wenn solche Dinge verhandelt wurden. Als die Probstin ihr Mißfallen darüber äußerte, sagte Peer mit bei- fälligem Lächeln: „Ja, gerade so will ich sie haben! Nur kein Geschwätz, dann macht sich Alles ganz von selbst." Am zweiten Mai wurden Stine und Peer Larsen von OrlovSlille getraut. Die Probstin spendirte den Hochzeits- kaffee. und Schubmacher, von 10— ISpEt. für Böttcher und Mb«!' aibeiter. Bei dieser Aufstellung ist nur die Lobnrate berüi- fichtigt und nicht der Umstand, daß viele Fabriken vorüb»«- gehend den Betrieb einstellten und die Arbeitszeit und Arbeiti« stunden verkürzten. _ Uebe Abend g- «n-«. Ueber die Lage der Dinge in H e r a t schreibt die»St- Jamee's Gazette":„Bis vor wenigen Wochen war über d« wahren Stand der Angelegenheiten in Herat in England weniz bekannt; kein Europäer hatte den Platz seit vielen Jahren b» sucht, bis einige unserer Offiziere neuerdings dort ankameil. Jetzt weiß man, daß fich die Festung in einem besser zu»ff theidigenden Zustande befindet, als man bis dahin annahm. Die Hügel in ver Umrunde, obwohl sehr nahe, find doch entfernt, um von dort aus mit solcher Artillerie, wie fie bie i Russen dort hinschaffen können, den Platz beherrschen zu können- Die Laufgräben find in auter Verfassung und bilde« ein äußerst mächtiges Bertheidigungsmittel. Nach dem Pendjcb- Zwischenfalle wurden etwa 2000 Mail» mit der Verstärkung der Vertheidigungswerke de- schäftigt. Damals befanden fich 5000 afghanisch« Soldaten in dem Platze, und seitdem sollen bedeutend« Ver> stärkungen dort angekommen fein. Die Truppen schienen vo« feurigem Geiste des Widerstandes beseelt zu sein. Mit einig«« Wochen energischer Vorbereitungen, einigen TransportMe« militärischer Vorrätbe aus Kabul, könnte nach An«» kompetenter Offiziere der Platz 5 oder 6 Monate lang gege« Angriffe gehalten werfen. An Nahrungsmitteln ist in diesem Tbale, einem der reichsten Thäler in der Welt, unerschöpflich? Ueberfluß. Abgesehen von allen politischen Rückstchten. ist es d» Stärke der Position und der Ueberfluß an Vorräthen, was du Russen so erpicht auf den Besitz dieses Platzes macht; auhel- dcm würde er ihnen den Handel in jenen Regionen in d» Hände spielen." 0 Ol lertho '» N «ftl wenn es «aibe hat l&J" N. Ei {iflten, auf M!! taten B m der Lokales. b. Das Bollwerk der Kischerbrücke wird jetzt erneueck und die gesperrte Straße zeigt bei dieser Gelegenheit, daß ß- wirklich ernst nur eine Brücke war. Namentlich interessant>« in dieser Beziehung ein Haus zur linken Hand, welches, des schützenden Bollwerkes entkleidet, zeigt, daß es gar keinen Grund und Boden hat. Es steht vielmehr auf einem Pfahlrost mitte« rm Waffer. Die ursprüngliche Brücke wurde 1683 angelegt un» allmälig entstanden auf ihr Buden, die fich im Laufe der Ze» zu Wohnhäusem auswuchsen. Auch die Insel, aus welcher dck Jnselspeicher steht, ist schon längst keine Insel mehr; die«p sprünglichc Brücke, welche zu ihr hinü betführte, wurde'im Iahe« 1725 überflüssig, als die Gebrüder Wegely den Raum zivssche« Insel und Ufer zudämmten. »r. Das Belozitzedfahren, daS in Berlin immer mW Anhänger gewinnt, ist doch nicht so ganz harmloser Rad« wie man allgemein annimmt. Als dasselbe hier zuerst>« Schwung kam, prophezeite der damalige Leiter unserer Nischen Klinik, Professor Traube, sämmtlichen Velozipedist«« eine Vergrößerung ihrer Herzkammern. Wahrscheinlich wu# Traube zu dieser Anficht geführt durch die Beobachtung, 5" bei ähnlichen Körperbewegungen, wie beim dauernden Trete* von Nähmaschinen, diese tzerzaffektion nichts seltenes ip Jedenfalls ist das Urtheil eines der hervorragendsten Klinilss nicht so leicht von der Hand zu weisen, und es wäre intG essant, wenn hierüber weitere Beobachtungen angcstel» würden. K. Reben mehreren Geheimpolizisten hielten sich gestern fünf Gensdarmen auf dem Kirchhofe zu Friedriciu-fel« auf und beobachteten das Niederlegen der Kränz« auf Grabe des veistorbenen Maurer Faffel. Mit Einreichung Beschwerde über die Beerdigung Faffel's durch die Kommission beim Ministerium des Innern ist der Rccht�««�! Freudenthal beauftragt worden. Die Schleifen der für Grab des Maurer Faffel bestimmten Kränze werden zum denken im Vereinshause aufbewahrt. Die Kränz« selbst M auf das Grab niedergelegt und der besonderen Pflege d» Friedricksfelder Todtengräbers übergeben. R. Neues Brod. Seit aestern kommt das erste welches von dem Roggen diesjähriger Ernte gebacken ist, Verkauf. b. Die Stearinkerze, welche die Welt erobert hat, ist?* Berliner Kind, und jchre Geburtsstätte befindet fich in de» D m „(ä '5en. aber «ä Vf Gitschinerstraße, wo Motard vor rund 50 Jahren die erste VW artige Fabrik anlegte. Sic steht noch heut, vom€ leitet, da. Viele Konkurrenten find Rhein, aber noch immer haben am ... Sohne ihr erwachsen, namen">» ,— sie das Berliner Fabnj*; nicht erreicht, em seltener Fall im gewerblichen Leben. kommt es auf das Palmöl an, welches durchaus nicht gleich»1* auf den Salu— deutscher ist besser als australischer, und lich hat die Fabrik noch ihr letztes, sorgsam gehütetes Fabrik» tions Geheimniß. So kommt es, daß sie als die älteste, all» als die erste dasteht und jetzt sogar zu einer erheblicher größerung schreiten muß. d.„Sackmine" gehört zu den untergehenden Persönlichkeiten in Berlin Sie ist eine alte Frau mit eÄ» stets sauberen Haube auf dem Kopfe, aber von der Plode v» serer Großeltern. Ihren Namen hat Sackmine davon, daß f« so lange fie arbeiten konnte, bei den Berliner Bäckern urrstg, ging und die Mehlsäcke flickte. Jetzt kann sie nicht mehr ck? Kunst ausüben, aber ihre alten Arbeitgeber spenden ihr schichtig Freitisch und packen ihr beim Weggehen den voll Brod und Semmeln. So schlägt Sackmine sich(*!«%, und recht durch, überall zur Familie gerechnet, zu der fie ohv- Weiteres Zutritt hat. K Ein heftiger Zusammenstoß zwischen zwei Pstt�, bahnwagen, welcher für mehrere Paffagiere recht ernste ss-olge" nach fich zog, fand gestern Vormittag an dem sehr belebt» Kreuzungspunkte der Leipziger- und Charlottenstraße Hier waren anscheinend durch die Unachtsamkeit der Kuts«? ein die Charlottenstiaßc entlang fahrender Pferdebahnivag» mit einem denselben in der Leipzigerstraße kreuzenden gr Pfeidebahnwagen mit solcher Gewalt zusammengefahren,%% nicht nur die Scheiben der Wagen zum Theil vollständig jr, trümmerten und diese selbst stark beschädigt wurden, auch noch 3 oder 4 Passagiere mehr oder minder ernste V« lau D Ii •s»S KK »Ä* wurde im letzungen durch den Anprall erlitten. Eine Frau � Geficht so erheblich verletzt, daß sie per Droschke nack CharitS befördert werden mußte. Bei dem sich immer steigt» den Verkehr an dieser Stelle durch Vermehrung der LPt» muß es Wunder nehmen, daß hier nicht häufiger Unglücksl»� sich ereignen. Neben dem starken Pferdeeisenbahnverkehr WZ' auch die Leipzigerstraße eine starke Frequenz anderer Fuh"�Ä aller Art auf, so daß es für die Pferdebahnkuticher äuß«» schwer hält, durch den Wirrwarr von Fuhrwerken ohne Ka»"� bolage zu gelangen.. „, �. Bestrafter Uebermuth. In den Parkanlagen»? Friedrichshain tneb sich heute Vormittag ein obdachloser Kerum, welcher aus sträflichem Uebermuth eine Bank in setzte. Als vre Flammen größer wurden, wollte er sich entfernen; sein Treiben war aber von dem Parkwächter beme� worden, welcher den Brandstifter festnahm und zur Wa»«** 51. Poüzei-Reviers in der Friedcnstraße brachte. D« Kellner K. und der Gärtner M. wurden ht� zur Hast gebracht, weil sie gestern Nachmittag in dem bew. beten Tbeile der Hasenhaide einem unbekannt gebliebes. jungen Mann zwanzig Mark im Kümmelblättchen-Spie' genommen haben. Es wäre erwünscht, wenn fich der pe(*a 9%» Unbekannte, welcher bei Verfolgung der Thäter zu-��ieb». nicht wieder aufzufinden war, auf oem Kriminal. melden wollte. V°n Stt SZ *0*1*( Er äB s tb K6M' ate bertili- DOTßk» t, mw» irte„St ttberW mb wenig ahrcn b» ankameil. er zu«p : annahnl- bbcdp oi( iie du «j können. ö bilden fad) dem Man» rfe j» srs cncn vo» iit einige» geg«« bicse» es die as die S t crneuelt it. daß R ercssant>» -lches, des ien Grün» roft mittel ffä'sS welcher del :; die e im Iah« J�ne LebenSrettuna wirb berichtet: Gestern ibtTwi�1?in0 die Frau T. in Begleitung ihres von Se getrennt lebenden Ehemannes und ihres 3jähngen Kinbes �°uisen Ufer spazieren. Frau T. ließ ihr SEinb am aw®ctfen nahe ber Eisenbahnbrücke unbeauffichtigt. Nahe bes Wafferthor Beckens leynte sich bas ohne Auf- �7! ��affene Kinb mit bem Rücken an das eiserne Geländer, an«»- G eichgewicht und stürzte rückwärts in das Waffer, «S � sofort verschwand. Der vorübergedenbe Tischler sein»-! �tteben Vorfall wahrgenommen, entledigte sich schnell »Basser sprang dem Kinde nach und holte es aus dem obdachlose polnische Familie, bestehend aus d,. und vier Kindern, wurden gestern Vormittag bei �vkational-Gallerie, woselbst dieselben seit 3 Tagen näch- ' LlfAtgriffen und nach dem 41. Polizei Bureau in der »an»Jfrkdnchstraße gebracht. Daselbst gaben dieselben an, Üolx»?? Ju kommen und nach ihrer tzeimath in Russisch- .[,? teisen zu wollen. In ihrem Besitz wurde weiter nichts »"Paar Bündel mit alten Kleidungsstücken gefunden. gört,»« Am 21. Juli gegen 11 Uhr Vormittags, aus vL Bewohner des Hauses Miltenwalderstt. 51 Hilferufe 1- Stockwerk belegenen Wohnung der Wittwe . eei und fanden, als sie die Wohnung betraten, letztere auf der Hotzel erzählte, daß, als sie von einem Gange U, hörend die Wohnungsthüre habe öffnen wollen, ein un- iVft lr®?nn ihr entgegengetreten sei und sie, ob mit der b«n(L t 1 Instrument wisse sie nicht, derartig gegen i,, �'.geschlagen habe, daß sie bewußtlos zusammengebrochen £--------~" r Hotzel sind aus emem vcr- anscheinend mittels falschen sei 9) yuuc, oug gc uc.uuguuo SUIUI.UMU.HVU�WCU Itfiinff«»er femcren Angabe der Hotzel find aus einem ver- Zhlinderbureau, welches anscheinend mittels falschen ssünk.� �. geöffnet worden, 1950 M. in Einhundert- und in M-Aiarrscheinen gestohlen worden, welchen Betrag die �'""Verwaltung beauftragte Hotzel von den Micthern eil.. '"oer an den auswärts wohnenden Eißcnthümer noch mit einge. »ick« l r. ocn lolJ�eSicft hatte. Außerdem vermißte die Hotzel einen tihflT.'J Siegelring mit blauem Stein, emen goldenen Band- Vwm�weißem Stein und 5 kleinen Perlen, sowie den L lA cii,,?cn Karl Hotzel und ein auf den Betrag von 5 tauf,.' lautendes Sparkassenbuch Nr. 113 854. Die Be- U V an welkber Sniiren einer tzlerleNunn nirhf sichtbar find, iHa einet WZTO von>»» wurde, daß ihr Mann in einem näher am durch »»d ui Vergnügungslokale mit einer Dame sich au . k" sich mit ihr beim Karoufselfahren amüsire. ii% �gab sich auch sofort nach dem ihr mitgetheilten welche sie>/, Stunde rorher in ihre Wohnung geführt Und �wse Annahme richtig ist, scheint sehr zweifelhaft die mn'ur Aufklärung der Sache sehr erwünscht, daß Band,;. gelben Kleide und Strohhut mit gelbem Dam-""h grünen Federn bekleidete, etwa 35 Jahre alte mietb-n um IOVj Uhr in der Abficht, eine Wohnung zu Rrimimlr»as Haus Mitten waldcrstraße 51 betreten hat, im » İmmissariat fich meldete. tlmL. � Frau eines Grünkramhänblers erhielt nnn unbekannter Seite eine Rohrpostkarte, in einen aufhalte ______ W.__________________ re. Die , o— sich auch sofort nach dem ihr mitgetheilten Lokal «ras hier auch richtig ihren lockeren Ehegatten mit einer -inL?'' in der sie die Gattin eines wohlhabenden hiesigen kid»»'enueisters erkannte. Es gab eine Szene, welche den dy? Ertappten wohl noch lange in Erinnerung bleiben ein,'. Nun wußte auch die Hintergangene Ehefrau, woher � Schickte Zigarrentasche und andere schöne Sächelchen ßj wen, welche der..mehrseitige" Gatte in letzter Zeit sein %?.Uunnte. Diese Gegenstände packte die aufgeregte Frau Tch.Merlrch zusammen und schickte sie mit einem erläuternden V®??" den Ehemann der betteffenden verliebten Schlächter- wir mAulches Ende hier die pikante Affaire genommen, haben », in Erfahrung bringen können. '!?kgtn einen hiesigen jüngeren Rechtsanwalt "Niger Zeit Sei der Kgl. Staatsanwaltschaft eine Lweit wegen Beihilfe zum Betrüge; dieselbe ist bereits Dermin �'schritten, baß_ das Hauptverfahren eröffnet und | gcrieifl mündlichen Verhandlung auf den 28. Juli 1 ar, Mafkammer des Landgerichts I angesetzt wordei finbx, � fürsoraliche Warnung, Vilich im gestrigen Äfi '<1 i tyoilcb� mit"N? Äg i GH 1 I ,e K-ra»� 0 vor worden ist. einem— Diebe ß.T'(r— ätin?ation 'SR» gezeichnet„Wieck, Neuendorf 4 Brutto 68 Pfund"— entwendet; dieselbe sollte zur verwendet werden und nach Köln wird nun der Dieb oder Hehler vor dem Genuß der Butter gewarnt,— nur eine 3?ob ig c?" genossen, hat nach Verleuf von 9 Tagen sicher » Tie Iolge. dachte Füsilierstraste wohnende Wittwe Schmie- S Um K,n,ach den Anhalter Bahnhof, um von hier aus mit „ r».», ühr abfahrenden Zuge nach Ukrow bei Luckau zu ft* SeeÄh„ iuletzt genannten Orte sollte das Kind von einer SNebpi»?0 c b" Luckau wohnenden Schwester der Frau Gkbtn Abgeholt werden, um bei dieser die Schulferien zu l: klaff- Schmiedecke löste für das Kind ein Billet i?e»(&L» Ukrow und brachte es nach dem Perron. Durch "er erhielt das Mädchen einen Platz in der am 15. d. Mts. ihre 10 Jahre alte Tochter !ö. angewiesen und fuhr mit dem Zuge"ab. Von .1 abe-%% wüte es den Personenwagen nach Luckau benutzen, »um 21. d. M weder inLuckau.~- noch in Beesdow lse ei» n' weshalb vermuthet wird, daß dem Kinde auf der Die i/IÜ Zugestoßen ist. °in D?-Ä��iche Obduktion deö Fuhrherrn Schulz, .'/Wag Nachmittag im Obduktionshause durch Herrn ? Professor Simon stattfand, hat als Todesursache vaß Schulz ertrunken sei. Die an der Leiche wahr- »m, k�wenen r1 in0.l-a�eren Verletzungen scheinen durch Bootshaken ■ wie Rifflühan entstanden zu sein. Unter diesen Umstanden J»* weit--. �"Blättern mitgetheilt wird, von der Einleitung r? Schn,.'! Untersuchung Abstand genommen und die Leiche Vtion 2%" Angehörigen behufs der Beerdigung zur .Der l,.?rfwllt worden. Ägte sLfe* Abbruch des Hauses Alexanderstraste 9 "von eln-I.n" Wn ist vorgestern Vormittag gegen 11'/« "wcntm � Meter großen Stück einer untergrabenen % toort"""- welches sich losgelöst hat, erschlagen resp. der z,„„- Der Tod trat auf der Stelle ein. Nack Aus« m �ie K«l1,eÜ0en tnfft eine zweite Person keine Schuld. Hagenbeck'sche Somali- Expedition, die an„.,et erwartet worven, ist gestern per Steamer in Wt„„» gelangt und wird heute, Freitag, früh'/,6 Uhr, k Um auf dem hiesigen Lehrier Bahn tL tvcbitini? Zoologischen Garten überführt zu Äntrlov..nt, von Sonnabend früh ad in dem be« Üunos�baus und dem Raubthierhaus Hera« llim �owali bu sehen sein wird, besteht aus 9 afrikani borun'«® r?u.6en. 4 afrikanischen Dromedaren, 14 An» b.°te, 4 ter ernrge sehr seltene Exemplare, 5 Fellschwanz- C? Äilbes.?�? ryas-Affen, 4 Jagdleoparden, einen afrikanr- -Aung Begleitet wird dieser in wissenschaftlicher Ken, den-» effante Thiertransport von sieben Dar-Fur- �.'"gefanA-���ine besondere Fertigkeit im Zureiten der «o-)ion ein- Strauße nachrühmt. Außerdem führt die iC"stänbe K sehenswert lie Sammlung ethnographischer dez'S�bttophäen, Thierfelle, photographrsche Auf- lwÄlizet.Wr-Landes re. rc. mit fich. '.�fibtuA Am 22. b. Mts. Vormittags wurde Lache des 7*0; i Hamburg auf dem hiesigen Lehrier Bahnhof em- Zoologischen Garten überfü' on Sonnabend früh ad ir und dem Raubthierhaus hergerichteten werden. zwischen br,"oornck Sirv"1» Am zz. o. was. �ormirrngs wuroe Ub�Jirter gi!! Hauses Alexanderstraße 9 ein bis jetzt nicht �vvene tdlÄ" dadurch getödtet, daß eine von ihm »undamentmauer ernstürzte und ihn erdrückte. Die Schuld trifft den Getödteten selbst, da er der wiederholten Aufforderung des Poliers, die Grube zu verlassen, nicht Folge leistete.— Einige Stunden später verunglückte die 9 Jahre alte Tochter des Almosen-Empfängers Beyer, Friedenstraße 38 wohnhaft, dadurch, daß sie am LandSbergerplatz zur Erde fiel und dabei durch die Scherben einer zerbrochenen Flasche zwei etwa 5 Zentimeter lange Schnittwunden am linken Arm erlitt. Nach Anlegung eines Verbandes wurde sie ihren Eltern zu- geführt.— Am Nachmittage sprang ein früherer Buchhalter rn einem Anfall von Säuferwahnsinn unter der Anhalter Eisenbahnbrücke in den Landwehrkanal, und am 23. b. Mts. früh ein Kellner von der Gertraudtenbrücke in selbstmörderischer Abficht in die Spree. Beide wurden jedoch gerettet und ersterer seinen Verwandten zugeführt, letzterer mittelst Krankenwagens nach der Charitee gebracht. Gerichts- Ieiwng. Auf eine eine eigenthümliche Art ist ein zum Glück nur unbedeutendes Schadenfeuer entstanden, wodurch sich der Kolonialwaarenhändler Otto Dannenberg und dessen Lehrling Grunewald eine Anklage wegen fahrlässiger Brandstiftung zu- zogen, welche gestern vor ver 2. Strafkammer des Land- genchts I zur Verhandlung gelangte. Der erste Angeklagte be- fand fich eines Tages in feinem in der Vallisadenstrahe belegenen Vorrathskeller. Er beabsichtigte bald darauf, seinen im Laden befindlichen Lehrling herbeizurufen und zog zu diesem Zwecke an einer im Keller angebrachten Klingelschnur. Hierbei stieß er eine hinter ihm stehenoe Flasche mit Aether um, welche zu Boden fiel und zerbrach. Der Inhalt füllte den Keller mit feuergefährlichen Dünsten. Im nächsten Augenblick erschien auch der herbeigerufene Lehrling und bei dem durch das Oeffnen der Thür entstehenden Lustzug entzündete sich der Aether an einer brennenden Petroleumhängelampc, welche an einem Pfeiler im Keller angebracht war. Das Feuer war aber wieder gelöscht, bevor die alarmirte Feuerwehr zur Stelle war und das war ein großes Glück, denn in dem Keller lagerten noch an- sehnliche Quantitäten Petroleum und Spiritus. Der Gerichts- Hof war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß die Fahr- läsfigkeit darin zu finden sei, daß die Angeklagten eine Lampe im Keller benutzten, deren Flamme nicht einmal durch einen Zylinder geschützt wurde und verurtheilte den ersten Angeklagten zu 50, den zweiten zu 10 Mark. Eine Ouerulantin. Die Wittwe Julie Richter scheint es fich zur Aufgabe gemacht zu haben, den Beamten d s 63. Polizei Reviers, in welchem sie wohnt, den Dienst so schwer wie möglich zu machen. Schon zu wiederholten Malen hat sie einen umfangreichen Untersuchungs-Apparat veranlaßt, der aber jedesmal resultatlos verlaufen ist, worüber sie dann so erbost wurde, daß sie langathmige Beschwerdebriefe an den Polizei- Präfidenten richtete, in welchen sie fich als ein gehetztes und schuldloses Opferlamm hinstellte und die Beamten beschuldigte, daß dieselben mit den von ihr des Diebstahls Verdächligren unter einer Decke steckten. Dreimalige empfindliche Bestrafung — selbst mit Gefängniß— hat die augenscheinlich hysterische und nervöse Person nicht zu bessern vermocht, gestern stand sie wiederum vor dem Schöffengerichte, um fich wegen Beamten- beleidigung zu verantworten. Sie hatte eines Tages mit ihrem Hauswirth Streit bekommen und behauptete dann in einer Anzeige bei der Polizei, daß fie von ihrem Gegner über eine Stunde lang ihrer Freifeit beraubt worden sei. Die angestellten Recherchen ergaben nun allerdings, daß man sie hatte aus einer verschlossenen Stube befreim müssen, aber die Umstände sprachen dafür, daß sie fich selbst eingeschlossen und den Schlüsse! dann zum Fenster herausgeworfen oder ver- steckt hatte, um darauf den Hauswirth der Freiheitsberaubung beschuldigen zu können. Als ihr die Abweisung ihrer Denun- ziation mit dem erwähnten Verdachte mitgetheilt wurde, ge- rieth fie wieder außer fich und fie richtete von Neuem ein langes Beschwerbeschreiben an Herrn von Madai, welches von In- vektiven gegen die Schutzleute strotzte. Im gestrigen Termine hatte der Vorfitzende Mühe, die erregte Angeklagte innerhalb derjenigen Grenzen zu halten, welche ein ruhiges Verhandeln bedingen, als ihr aber das Urtheil: acht Tage Haft verkündet wurde, da war es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei und ihre verhaltene Wuth machte fich in einem Weimrampfe Luft, der erst durch energisches Bespritzen mit Waffer gestillt werden konnte. In der bekannten Droguen-Groß-Handlung I. D. Riedel waren der Kutscher Ferdinand Nagel und der Arbeiter Wilhelm Oehmke beschäftigt, welche gestern unter der Anklage des wiederholten Diebstahls vor der 4. Ferienstrafkammer des Landgerichts i standen. Neben ihnen hatte der Droguen Händler E. Kottke Platz zu nehmen, welcher der Anklage nach die Rolle des Hehlers gespielt hatte. Im Mai d. I. wurde der erste Angeklagte dabei betroffen, daß er beim Fortfahren vom Hofe ein Kollo auf seinem Wagen hatte, welches ihm von dem be- treffenden Lagerkommis zur Expedirung nicht übergeben war. Es stellte fich heraus, daß das Packet Parsapafilla enthielt, eine sehr werthvolle Drogue, welche auf demjenigen Theile des Waarenbodens lagerte, wo der zweite Angeklagte beschäftigt war. Die Verdäcktigen wurden ins Gebet genommen und gestanden nach längerem Leugnen auch ein, daß fie be- reits seit längerer Zeit stille Theilnehmer der Firma gewesen seien und in dem dritten Angeklagten einen willigen Abnehmer gefunden hätten. Die von ihnen gestohlenen Sachen find alles kourante Artikel als Chamillen, Lakritzcn, Rhabarber rc., welche der Angeklagte Kottke zu einem etwas billigeren Preise, als der Marktpreis betrug, erstanden hat. Der Letztere wollte von dem unrechtmäßigen Erwerb der Waaren keine Ahnung gehabt haben, vielmehr der Meinung gewesen sein, die Kolli seien von anderen Kunden, welche dieselben bestellt hatten, nicht abgenommen worden und der Kutscher habe im Interesse seines Chefs gehandelt, wenn er die Waaren anderweitig unterbringe. Der Geschädigte erklärte aber, daß diese Annahme bei dem Charakter der Waaren und den in Berlin bestehenden Ver- hältniffen, die dem Angeklagten Kottke bekannt sein mußten, geradezu ausgeschlossen sei. Der Genchtshof verurtheilte Nagel sechs, Oehmke zu drei Monaten, Kottke zu sechs Wochen Rnchsgerichtsentscheidung. Die Bedrohung mit einer an fich als Verbrechen oder Vergehen zu erachtenden Handlung (es handelte fich im vorliegenden Falle um einen Jagdp ächter, welcher zwei Handwerksgesellen, die er irrthümlich für Wild- diebe gehalten, mit Erschießen bedroht hatte» ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenat, vom 11. Mai d. I., nicht widerrechtlich und nicht strafbar, wenn der Thäter zu der an- gedrohten Gewalt auf Grund erlaubter Selbsthilfe, Nothwehr oder eines anderen gleichwerthigen Rechtes befugt war, oder aus Grund thatsächlichen oder zivilrechtlichen Jrrthums befugt zu sein glaubte. Köln, 21. Juli. Der verantwortliche Redakteur eines d. vor der Strafkammer, ....... Diese wurde gefunden in einem»uu« Begnadigung jener Offiziere, welche im vorigen Jahre in Hannover das bekannte Renkontte mit den Nachtwächtern gehabt hatten. Die Verhandlungen, die mit Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurden, endeten mit Ver- urtheilung des Angeklagten zu 2 Monaten Festungshaft. Vereine nni Versammlungen. th Der Streik der Töpfergesellen. Nach dem Be- sckaft hatte die Töpfer-Jnnung insofern Stellung genommen, als fie eine Lohnkommisfion erwählte, welche mit der Gesellen« Kommisfion event. über die Maximaltarife in Verhandlungen treten sollte. Da nun in der kombinirten Meisterversammlung vom 20. d. M. dieser Beschluß gefaßt wurde, trat die Lohnkommisfion der Innung am 21. d. M. mit der Lohn« kommisfion der Gesellenschast zur Berathung über die von der Gesellenschast aufgestellten Minimallohn- und Akkord- tarife zusammen. Die Meister-Kommisfion erklärte fich hiermit dem Minimal- Akkordtarif einverstanden und sprach nur den Wunsch aus, daß im Minimallohntarif der Minimallohnsatz auf 3,50 Mark bis 4,50 Mark festgesetzt werde, um der Meister« schast die Möglichkeit zu delassen, die weniger leistungfähigen Gesellen auch dementsprechend niedriger bezahlen ,u können. Auch wurde gewünscht, die bisherige zehnstündige Arbeitszeit bei Lohnarbeiten beizubehalten, da die Gesellen veabsichtigten, einen neunstündigen Arbeitstag einzuführen.(Da aber die Re- gelung der Arbeitszeit tarifmäßig nicht vorgesehen ist, sondern nur die Regelung der Lohnverhältnisse, so kommt diese Frage gegenwärtig nicht in Betracht und die zehnstündige Arbeitszeit bleibt ohne Frage für die Dauer des vorliegenden Tarifes bis 30. Juni 1886 offiziell bestehen.) Sollte von der Gesellen- schaft diese Konzesstongemackt werden, so erklärte fich die ganze Innung bereit, die Minimaltanfe zu bewilligen, sowie auch spätestens im Februar 1886 mit der Gesellenschaft einen neuen Tarif zu vereinbaren, welcher nach Ablauf des jetzigen in Kraft treten würde. Sollte dagegen die Gesellenschaft fich zu der ver« langten Konzesfion nicht bereit finden lassen, so, erklärte die Mersterkommisfion, wären die Jnnungsmeister, welche bereits die Tarife unterzeichnet haben, entschlossen, ihre gegebene Unter- schrift wieder zurückzuziehen. Die Gesellenkommrsfion, welche kein ungebundenes Mandat hatte, empfahl ihrerseits der Mcisterkommisflon dahin wirken zu wollen, daß der Minimal- lohntarif in seiner jetzigen Fassung von der Innung anerkannt werde und berief zum 22. dieses Monats eine Generalversammlung der Töpfergesellen, welcher fie die Wünsche der Innung unterbreitete. Diese Generalversammlung beschloß nun mit großer Majorität, den resp. Antrag der Innung abzulehnen und auf einem Minimal- lohnsatz von 45 Pfg. pro Stunde zu beharren. So ist gegen- wärtig die Sachlage. Da eine Aenderung des Gesellenbe- schlusses wohl kaum zu erwarten ist, wird es lediglich von den Entsckließungen der Innung abhängen, welchen Verlauf der Streik, der sich auch auf die Umgegend Berlins(Charlotten« bürg, Rixdorf, Weißensee, Schöneberg rc.) erstreckt, zu nehmen hat.— Bemerkt sei hier noch, daß die Streikkommisston der Gesellen in der Lage ist, ca. 50 Gesellen bei Meistern, die die Tarife bewilligt haben, Arbeit nachzuweisen. Im Bezirksverein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt hielt Herr Rechtsanwalt Freubenthal einen ebenso lerhrreichen als interessanten Vortrag über „Rechtsschutz" in besonderer Berücksichtigung der vielen Sttei- tigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Ver- sckiedenheit der Entscheidungen beim Gewerbegericht und bei der Berufungsinstanz in ein und derselben Sache, führte Red- ner aus, beweise, daß in Gewerbestteitigkeiten jede bestimmte Rechtsnorm fehle und deshalb hier unbedingt für eine Reform eingetreten werden müsse. So habe beispielsweise vor kurzem das Gewerbeaericht entschieden, daß Arbeiter auf Grund der §§ 773 und 774 der Zivilprozeßordnung durch Haststrafen an- zuhalten seien, bestimmte, von ihnen nicht vollendete, Arbeiten fertig zu stellen. Dies sei entschieden ungesetzlich.§ 774 besage z vor:„Kann eine Handlung durch einen Dritten nicht vorgenommen werden, so ist, wenn fie ausschließlich von dem Willen des Schuldners abhängt, auf Antrag von dem Prozeßgericht erster Instanz zu erkennen, daß der Schuldner zur Vornahme der Handlung durch Geldstrafen bis zum Gesammtbctrage von 1500 M. oder durch Hast anzu- halten sei" u. s. w. Jedoch könne dieser Paragraph auf Arbeiter und Handwerker keine Anwendung finden. Nach dem allge« meinen Landrecht tönne Niemand gezwungen werden,, eine Arbeit fertig zu machen gegen seinen Willen. Die beste Garantie für unparteiische Rechtstirechnng sei durch Einführung von Gewerbeschiedsgcrichtc, wie solche schon in Süddeutschland be- ständen, und auch schon zu wiederholten Malen von den Arbeiterabgcordneten befürwortet, zu erreichen. In d esen Schiedsgerichten müßte jede Branche vertreten sein. Mü den diese allgemein eingeführt, so würden manche Kl aen und berechtigte Beschwerden über verschiedenartige Ent» scheidungen verschwinden. Redner kam nunmehr auf die Kündigungsfrist der gewerblichen Arbeiter sowie auf das„Entlassen" wegen Zuspätkommens zur Arbeit und grober Ehrvcrleyung zu sprechen und zeigte, wie in sehr vielen Fallen die Arbeiter mit ihrer Klage wegen Nichttnne- halten der 14täaigen Kündigungsfrist abgewiesen werden, da in vielen Fabriken sogenannte„Fabrikordnungen" an dunklen Orten aufgehängt seien, die aber in den meisten Fällen so beschmutzt und bestaubt seien, daß ein Lesen derselben un- möglich sei. Ebensowenig sei es auch bekannt, daß bei den Entlassungen wegen grober Ehrverletzung vom Gewerbegerickt das sogenannte Billigkeitsgesetz in Anwendung gebracht weide, wonach der Arbeiter bei ehrverletzenden Redensarten der Mei? er resp. Werkführer, nicht mit gleicher Münze dienen dürte. Im beantwortete der Referent verschiedene an ihn gestellte Fragen. Zum 2. Punkt der Tagesordnung.„Verschiedenes", wurde ein Antrag,„für das Mitglied Franke eine Teller- sammlung vorzunehmen", einstimmig angenommen. Wetter wurde beschloffen, am 16. August eine Kremserpartie zu veran« stalten und wurde zur Ausführung ein Komitee gewählt. Das Komitee soll der nächsten Versammlung Bericht erstatten. Theil- nehmer zur Partie müssen fich bis spätestens in der nächsten Versammlung melden und den Betrag für den Kremser ent« richten. An Stelle des aus der Bidnothekkommisfion ausge- schiedenen Herrn Blaurock wurde Herr Bolze gewählt. Der Vorsitzende machte noch bekannt, daß diejenigen Mitglieder» die dem Verein Bücher belehrenden wie unterhaltenden Inhalts leihweise überlassen wollen, fich bei ihm melden möchten. Im Weiteren fordert derselbe zum Einzeichnen in die Listen zur Arbeiterschutzgesetz-Petition auf. Dieselben find an den ve- kannten St'llen zu haben Die nächste Versammlung findet am 4. Angust in demselben Lokale statt."' Freie Vereinigung der Vergolder und Fachgenossen In der letzten Mitglieber-Versammlung wurde als erster Gegen- stand der Tagesordnung der viertelsährliche Kassenbericht er- ledigt. Derselbe ergab einen Kaffenbestand von 152,30 M. MAWGM DMÄMAtS Deutschen Turnfeste in Dresden. Die österreichischen Turner hielten am Montag Abend in der Fest- Halle eine Versammlung ab, die man als eine rein politische betrachten muß. Anwesend waren der Reichsrathsabgeordnete Stracke und Prof. Kienmann, welche man auch als Vorsttzende gewählt hatte. Ein Dr. Riehl ergriss das Wort zu einem längeren Vortrage. Zunächst stellte er fich als neugewählter Vertreter des österreichischen Turnkreises vor und führte dann weiter aus:„Wer unsere(der Deutschen in Oesterreich) Laae kennt, wird unser Auftreten und Verhalten würdigen. Es handelt fich nicht um die mehr in die Oeffentlichkeit tretenden Thatsachen, daß wir auf unseren Ausflügen mit Steinwürsen empfangen werden oder daß wir manchmal gezwungen find, Gasthäuser, die von Tschechen besucht werden, zu verlassen, den» wir haben eS ja nur mit pöbelhafter Rohheit zu thuN; schmerzlicher und tiefer find die Wunden, die uns von oben herab geschlagen werden, wenn wir tag- täglich die Verkürzung unseres Stammes(?), die ungleiche Behandlung wahrnehmen, die uns bei Besevuna der Beamten- stellen, der Gründung von Schulen k. zu Theil wird. Wahr- lich, es wären Gründe genug, uns als Schmerzenskinder hin- zustellen, doch wollen wir uns nicht mißverstehen, wir find und wollen keine Schmerzenskinder sein, denn noch fühlen wir die Kraft in uns, Widerstand zu leisten einer Bewegung gegen- über, die wir nicht für eine taiserlich-östen eichische halten können, sondern für eine königlich-czechische, polnische, floveni- sche, überschallte, von der römischen Papst-Tiara"....... Schließlich endet Redner damit, daß das schwarz-roth-goldene Banner deshalb von den Oesterrcichern hochgehalten werde, um zu verfinnlichcn, daß fie in eben den frerheitslosen Zu- ständen lebten, wie s. Z. Jahn, als er die Turnvereine grün- detc. Reichstagsabgeordncter Stracke führte darauf folgendes aus: Zur Zeit der Gegenreformation hätten lieber viele Tau- sende Böhmen verlassen, als daß fie gegen ihre Ueberzeugung gehandelt hätten. So sei es auch jetzt:„Lieber deutsch sterben, als flavisch verderben!".... Der Vorfitzende des sächfischcn Bundesverbandes des deutschen Schul- Vereins, Architekt Gurlitt, wies nun darauf hin, daß seit 1863 kein so nationales Fest gefeiert worden sei, wie das jetzige Turnfest und schloß pathetisch:„Wir schwören, Euch(Deutsch- Oesterreichern) zu helfen; so lange noch die geringste Kraft in uns ist, werden wir an Euerer Seite stehen. Gut Heil, Deutsch-Oesterreich!" Nachdem fich mehrere Redner noch hören ließen(Dr. Funcke aus Leitmeritz, Schmidt aus Berlin, Brenert aus Reichcnderg) brachte Kindcrmann aus Wixdorf ein„Gut Hell" auf— den deutschen Schulverein aus.— Diese Phrasen, welche bei derartigen Festen stets gebräulich find, klingen zu komisch, wenn man bedenkt, daß der bekannte Herr Ackermann seine Hand bei diesem Feste im Spiele hat. Immerhin kann man aber daraus sehen, wie diese Turnerfestc politisch aus- gebeutet werden. Was wird Herr Ackermann dazu sagen? München, 21. Juli. Die gestern dahier stattgehabte Arbeiterversammlung war sehr zahlreich— von zirka 1500 Personen— besucht und bildete die Stellungnahme zur Arberter- schutzgesetzgcbuna Gegenstand der Besprechung. Es wurde be- schlössen, eine Pctitton an den Reichstag zu richten, daß das von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage eingebrachte Arbeiterschutzgesetz in nächster Sesfion berathen und ange- nommen werde. Für die Sontaasnrhe trat die Versammlung energisch ein und werden die Beschlüsse dem Reichskanzler direkt zugeschiat werden. Die Petition zählte gestern Abend schon nahezu 800 Unterschriften. Die beiden Fachvereine der Möbelpolirer Verlins veranstalten am Sonntag, den 26. Juli, eine Herrcn-Partie nach den Müggelbergen. Sammelpunkt früh 7 Uhr auf dem Schlefischen Bahnhofe. Der Ttschlerverein veranstaltet am 27. d. M. im Konzert- hause„Sanssouci" zu Ehren seines langbewährten Mitgliedes Herrn Wilhelm Diesner und aus Anlaß dessen 50jährigen Gesellen-Jubiläums ein Konzert, ausgeführt von den Leipziger Quartett- und Konzert-Sängern unter Mitwirkung der Kapelle des Hauses. Nach dem Konzert findet ein Tanzkränzchen statt, zu welchem daran thcilnehmende Herren 50 Pf. nachzahlen. Der Reinertrag wird dem Jubilar vom Verein als Festaeschenk überwiesen. Den Damen steht die Kaffeeküche von 4 Uhr an zur Verfügung. Billets zu 30 Pf. find in den mit Plakaten versehenen Geschäften, als auch bei allen Vorstandsmitgliedern zu haben. Freunde und Bekannte find des guten Zweckes wegen eingeladen...._. Der Verein sämmtlicher Verufskrassen Berlin n. (Eingeschr. Hilfskasse) hält am Sonnabend, den 25. d. Mts., Abends 8Vi Uhr, im Restaurant Löskow, Prinzenstr. 79, eine Mitglieder- Versammlung ab. Die Versammlungen finden jeden Sonnabend vor dem 1. eines jeden Monats statt. In der freireligiösen Gemeinde spricht am nächsten Sonntag Vorm. 10 Uhr Rosenthalerstt. 38 Herr Limper über den Umgang mit fich selbst. Zuttitt steht Jedem frei.— Am Sonntag, den 2. August, fällt der Vortrag aus. Allgemeine Kranken- und Sterbekaste der Metall- arbeiter(E. H., Hamburgs Filiale l, Berlin, Sonnabend, den Abends 8'/, Uhr, im Restaurant der Gebrüder 25. Juli, v i.•v-*' Topp, Bellealliancestraße 87, fammlung. Arbeiter-Bezirksverein Die Familienpartie findet am außerordentliche Mitgliedcrver- der Rosenthaler Vorstadt. .... �.......... Sonntag, den 26. Juli, nach Finkenkrug mit Mufik statt. Zahlreiche Bctheiligung erwünscht. Freunde und Bekannte sind hiermit eingeladen.(Näheres Inserat am Sonnabends) Kranken- und Begräbnistkaste der Gürtler und Bronzeure.(E. H.) Sonntag, den 26. Juli, Vormittags -.- T»------- f. A»»» Prinzenstraßen-Ecke früher Föllncr, des Sonntags von 10'/, bis 12'/: Uhr Vormittags, des Sonnabends und Montags von 7 bis 9 Uhr Abends, sowie beim Rcndanten Miesterseld, Oranienstr. 2», vom 3 Tr., Sprechstunden Sonntags von 8 bis 9 Uhr Vormittags, Wochentags von 7— 10 Uhr Vor- mittags und von 12 bis 3 Uhr Nachmittags; außerdem nehmen Beiträge entgegen Reflaurateur Ballwitz, Prinzen- und Moritz- straßen-Ecke.Restauratcur Kreutz, Kottbuser Platz; Restaurateur Fahrholz, Weberstr. 13; Zigarrengeschäst von Röhl, Berg- mannstr. 106 die Zahlstelle für den Norden bei Ballmüller ist aufgehoben und dafür eine solche bei Berckholz, Ackerstt. 69 im Restaurant Knappe, Sonnabends Abends von 7 btS 11 Uhr, eingerichtet. Uermischtes. Leiden auf See. Die„Bombay Gazette" giebt einige schreckliche Einzelnheiten über den Verlust der Barke„Copcland Jsle" auf der Höhe der Westküste von Indien im Juni sowie über die Leiden der Bemannung, die aus Kapitän Ferguffon, zwei Steuermännem und einer Anzahl von Laskaren bestand. Es scheint, daß die„Eopeland Jsle" bereits am 1. April mit einer Ladung von Reis und Bauholz von Rangung nachBom- bay absegeile. Beinahe gleich nach der Abreise trat widerwärtiges Wetter ein, und die Barke hatte abwechselnd gegen kon- träre Winde und befttge Stürme zu kämpfen. Am 6. Juni hatte die Barke erst die Laccadive-Jnseln erreicht, und wiedemm hatte fie bei dreitägigem ununterbrochenen Regen gegen Wind- stöße zu kämpfen, die schließlich in einen fürchterlichen Wirbel« wind ausarteten. Hier erhrclt daS Schiff ein Leck und drohte jeden Augenblick in Stücke zu gehen. Kapitän Ferguffon mußte Drohungen anwenden, um die erschreckten Laskaren an den Pumpen zu halten, damit das Schiff nicht sinke. Dieser Zustand dauerte bis zum 10. Juni, als— mit den Segeln in Fetzen zerrissen und 7 bis 8 Fuß Wasser im Rumpf— der Kapitän seinen Leuten sagte, daß er beschlossen habe, das Schiff zu verlassen. Von den 4 Booten des Fahrzeugs waren bis zu dieser Zeit zwei von den Wellen vemichtet worden und ein drittes wurde bei dem Herablassen an der Schiffswand zerschmettert. Um bei dem vierten Boote ein ähnliches Unglück zu verhüten, wurden die tobenden Wellen an der Schiffsseite erfolgreich mit Oel be- ruhigt, und sämmtlichen Personen gelang es, in dem zer- brechlichen Boote auS der Nähe ves finkenden Schiffes zu enttommen. Um aber alle Personen tragen zu können, mußte eine Kiste mit Lebensmitteln über Bord geworfen werden, so daß den Unglücklichen nur ein wenig frisches Wasser, einige nautische Instrumente und eine Karte von der Küste verblieb. In diesem Zustande traten fie am 10. Juni Abends die Reise nach der ungefähr 100 Meilen entfernten Karwar- Küste an. Nur durch ununterbrochenes Ausschöpfen des Wassers war es möglich, das Boot vor dem Sinken zu bewahren. In diesem Zustande wurden die Schiff- brüchigen drei Tage und drei Nächte von den Wellen hin- und hergelneben, jeden Augenblick erwartend, in den nassen Schlund gezogen zu werden, und mit nichts zum Unterhalt, als einigen Zigarren und Tabak, die fich zufällig auf dem Boden des Bootes vorfanden, und ein wenig Wasser, welches in einer als Segel benutzten Decke aufgefangen wurde. Ihre physischen Leiden während dieser drei Tage waren ungeheuer. Der beständigen Seelust und dem schlechten Wetter ausgesetzt, begannen ihre Beine zu schwellen, die Augen wurden entzündet und der Köiper war mit Geschwüren bedeckt. In- zwischen versolgte Kapitän Ferguffon entschlossen seinen Weg nach der Karwar-Küste, die er endlich in der Nacht am 30. Juni in Sicht bekam und wo am folgenden Tage die ganze Mann- schaft sicher gelandet wurde. Des Vaters Rache. In den Gemeinde Bihar-Udvari brannte am 17. d. das Haus eines Bauern nieder, der eben auf dem Felde arbeitete. Auf dem Dachboden fand man die verkohlte Leiche des Vaters des Bauern. Der Alte hatte, um fich für die schlechte Behandlung, die ihm seitens seiner Kinder zu Theil wurde, zu rächen, einer öfter wiederholten Drohung gemäß, das Haus in Brand gesteckt und selbst dabei den Tod gesunden. Ein erboster Schütze» der vermuthlich schon öfter„links blau" getroffen, hat türzlich bei dem Schießen zu Tölz in Ober- baiern folgende klassische Bemerkung gemacht:„Woaßt Freund, was mi gift', wenn i feblg'schoß'n han, daß i am Zieler ko a Lhrfeig'n geb'n kann!" Ein Trost für Kahlköpfe. Professor Fournier äußerte fich in einer Vorlesung über Hautkrankheiten in Beziehung auf die Kahlköpfigkeit folgendermaßen:„Es liegt in der partiellen oder totalen Kahlkörfigkcit nichts Lächerliches oder Entstellendes, und fie giebt der Physiognomie einen Ausdruck von Weisheit, Erfahrung und Ehrwürdigkcit. Sie paßt vorttefflich zu gewissen Köpfen, welche durch eine Perrücke entstellt werden würden. Sie ist die ernste Schönheit, wie fie in dem Marmorbilde des klassischen Kopfes des Dichters Aeschylos dar- gestellt wird. Abschreckungsmittel. I bitt' um ein Almosen und wir werden Jhna mit unserer Mufik verschonen.— Im Gegen- theil, spielen's nur. DaS wird die Kleinen unterhalten.— Ja wissen's, offen gestanden, wir können gar net spielen.— So! Was haben's denn nachher die Instrumente?— Um die Leut' abz'schrecken. Vertröstung. Student(zu einem Gläubiger, der eine Rechnung präsmtirt):„Ach, lieber Levi. bitte kommen Sie heut' über vier Wochen zu mir, dann werde ich Ihnen sagen, wann Sie wiederkommen dürfen." Ein Probe-Vorschlag. Frau:„Wer von den beiden Cholera-Gclehrten hat nun eigentlich Recht, Pasteur oder Koch Y" Mann:„Ich will Dir was sagen, machen wir im Interesse der Wissenschaft ein Experiment. Du, mein liebes Kind, bleibst zu Haus und hältst Dich trocken. Ich aber gehe in's Wirthshaus und versuche es mit der Nässe." Kleine MtttheUnngen. Der sozialdemokrattsche Abgeordnete Heine in Halb«' stadt verbüßt augenblicklich eme sechsmonattiche GefängnißMft wegen Beleidigung. Er hatte fich, so schreibt man der„Bw. Ztg.", von der Reichstagsdibliothet eine Kollektion von Bücher« erdeten, die auch an ihn abgesandt wurde. Diese Sendung w uneröynet zurückgekommen, da der Staatsanwalt die Au> händigung an Heine untersagt hat. Bernburg. 21. Juli. Ein seltsames, dem ersten rwd oberflächlichen Anscheine nach kriegerisches Schauspiel spielte t!« gestern Vormittag gegen 10 Uhr am Pfaffenbusche ab. W ganze Kompagnie Soldaten, welche vom Schießen in der W* gekommen war, schien gegen einen im Pfaffenbusch verborgene« Feind zum Angriff vorzugehen. Bald war derselbe auch cw deckt. Er entpuppte fich aber als ein Soldat ohne Wehr un» Waffen, ja sogar ohne alles das, was ein Soldat sonst n«°> auf de/r Leibe trägt. Derselbe hatte fich an der für Wide» strebende in Anwendung kommenden Kreuzleine in dtt Braunftedter'schen Bade-Anstalt freischwimmen sollen, da}P das aber nicht behagte, hatte er die Leine auf der eine« Seite zerrissen, den Soldaten, welcher die ande« Leine hielt, in's Wasser gezogen und hatte fich dann(ch>ß Adam im Gebüsch verborgen, aus dem er dann an's Licht ß» zogen wurde. Madrid, 19. Juli. Eine entschiedene Abnahme de Cholera ist noch immer nicht zu bemerken. Heute find die u» krankungen und Todesfälle zahlreicher als gestern, nämlich IN# Erkrankungen und 718 Todesfälle gegen 1328 und 621& 18. Juli, In Madrid find die Fälle immer nur noch»e» einzelt und meistens eingeschleppt Jetzt ist die Kranlheit osP in der Provinz Andalusten aufgetreten, und find dort 22 L» krankungs- und 8 Todesfälle vorgekommen. Im Ministerrat» theilte der Minister des Innern mit, daß seit dem Auftrete« der Seuche etwa 60 000 Erkrankungen und 17 000 TodesM stattgefunden haben. Wreschen(Provinz Posen), 21. Juli.(Drei Arbeit«| verunglückt.) Durch eine Knallgasexploston in der hiesig� Zuckerfabrik verunglückten vergangenen Sonnabend drei das«««, beschäftigte Arbeiter. Der eine Arbeiter Namens Kuba Pend»?' blieb sofort auf der Stelle todt und die beiden anderen zog«>| fich nicht unerhebliche Verletzungen zu. Wie es heißt, das Unglück bei der Reinigung eines Gasmotors ew' standen fein. Paris, 19. Juli. Die erste Frau, welche von dem Eh» scheidungsgesetz Gebrauch machte, um die bereits ausgesprcw« gewesene Trennung von ihrem Gatten in Scheidung verwa«' deln zu lassen, war Adelina Patti. Am 16. d. M. hat,% Beschluß des Gerichtshofs entsprechend, die„Zeremonie"&« Scheidung auf der Bürgermeisterei des 8. Arrondissemen« stattgefunden. Posen, 22. Juli. Ein Berliner Agent wollte, wie b« „Wielkopolanin" berichtet, vergangene Woche 150 Maurer««* Posen nach Berlin nehmen, indem er ihnen 4,50 M. TM. lohn und freies Nachtquartier zusagte. Die Maurer baten# am Abend zu einer Versammlung nach derHcrberge zu komme«' jedoch ließ er fich dort nicht sehen, sondern machte rhnen Tal» darauf den Vorschlag, fich zahleich auf einem bestimmten B««; platze zu versammeln. Aber auch dort erschien er nicht- � Wahrscheinlich war der biedere Herr zu der Ueberzeugung ö? kommen, daß die Posencr Maurer denn doch nicht wrllem waren, ihren Berliner Kameraden im Interesse der MamP entgegen zu arbeiten, um für die Jnnungsmeister in Be»«' die Kastanien aus dem Feuer zu holen. In Neustrelitz ist auf dem hinter der Kaserne belegen«' Kirchhofe das Erbbegräbniß der Familie v. Moltke durch Fr«"« erbrochen und beraubt worden. Die in der Grabstätte liehen Särge sind theilweise gewaltsam erbrochen und Werthgegenstände gestohlen. New-Aork, 20. Juli. Im verflossenen Fiskaljahre% beten in den Vereinigten Staaten 387 721 Einwanderer 122013 weniger als im vorhergehende Jahre. -5- I Sriefkaste« der Redaktion. Budiker. Die Erlaubniß zum Betriebe einer Gastwitf schaft. Schankwirthschaft oder zum Kleinhandel mitBranntw«« �.-w y«i* vw«*«* o»* vvvfwyvltz. Nachsuchenden Thatsachen vorliegen, welche die Annahme fertigen, daß er das Gewerbe zur Völlerei, des verbot««� Spiels, der Hehlerei oder der Unfittlichkeit mißbrauchen m««; 2. Wenn das zum Betriebe des Gewerbes bestimmte Lo«« wegen seiner Beschaffenheit oder Lage den polizeum� Anforderungen nicht genügt. Es könn-n jedoch% Landesregierungen die Erlaubniß zum Ausschänken Branntwein und den Kleinhandel mit Branntv� und Spiritus allgemein, und in Ottschaften mit weniger°. 15 000 Einwohnern sowie in solchen Ortschaften mit, größeren Einwohnerzahl, für welche dies durch„OttSst�, u-------------- O—'V«—.«v.v�v vsvw vutu;& festgesetzt wird, auch die Erlaubniß zum Betttebe der wirthschaft oder zum Ausschänken von Wein, Bier oder anders nicht unter„Branntwein und Spiritus" fallenden GetraM. von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses a.a hängig machen. Im Falle der Versagung der Erlaudwß. binnen 14 Tagen der Antrag auf mündliche Verhandlung� im Verwaltunpsstreitverfahren zulässig. Das, was Sie L, geben, dürfte demnach kein Grund zur Versagung der laubniß sein. Miesel. Die Wirthsleute find nicht zum Ersatz pflichtet. Theater. Belle-Alltanee-Theater. Haute: Der Akttenbudiker. Neues Friedrich-Wilhelmstädttsches Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Die Brautschau Friedttchs des Großen. Die Beleidigung gegen den Maler Herrn Lilien tal nehme ich hiermit zurück.[1690 ___ Paul Oberender. Arbettsumrkt. Ein iunger Mann, im 15. Jahre, von außerhalb. wünscht in ein Biergeschaft einzutreten. Adressen er- beten an S ch r ö t e r, Fürstenstr. 6, bei Kirske.[1688 Wickelmacher verlangt auf halbe Tage 11689 _ Eisenbahnstraße 12. im Keller. Ein JnBffer Kaufmann(gelernter Droauist), einige ÄÜÄÄ"te s? irc �0mBric'fe erbeten durch die Expedition.dieses Blattes unter Cbiffre H Y. 188.__[1663 Ein Varbiergehilfe wird gesucht Bergmannstraße 94.[1669 Zoologischer Qarten._ __ Nur auf kurze Zeit."TKI Carl Hagenbeck's Somali- Expedition. EröDTnnnsr am«onnabend, den 25. Juli 1885.[1700 Fachverein der Rohrleger und Berussgenossen. Versammluiiir Sonntag, 26. Juli. Vorm. 10 Uhr, bei Wolf«. Krüger. Skalttzerstraße 126. Tagesordnung: 1. Vottrag. Referent Herr G u t t z e i t. 2. Kassenbencht und Aufnahme neuer Mitglieder. Freie Dis- kusfion.[16931 Der V o r st a n d. treitag. den 24. Juli. Abends 8 Uhr,[1685 >rittz's Salon. Brunnenstraße 140: Versammlung der Näherinnen in der Flanell- undFancy-Hosenbranche. Ref. Frau Fortong:„Erörterung der Lohnfrage". Mehl- und Vortost-Geschäft mit Obstlu. Grünkram billig zu verkaufen Melchiorstraße 26.[1692 freundlich möb litte Stube ist zu vermiethen_, 1691 J Waldemarstraße 28, Hof Qucrgeb. 3 Tr-„ I Selbstunterricli' einfachen»nd doppelten kaufmännisch� Buchführung � und Darstellung eines neuen abgekürzten Systcw« doppelten Buchmethobe C. Schmidt,£e(vcei ll lkakillelswissest� Preis Mk. 1,60. � Zu beziehen durch die Ervediiion des„Berliner Volks»- Zimmerstraße 44. Verantwortlicher Redakteur K. Kronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin SW., Beuthftraße 2.