150 dei war, ju« unJ i! M' mkß Jon Nr. 174. Mittwoch, de« SS. I«li 1885. II. Jahrg. : Oer dchea -setzt! sdjuti i aus OrrlinrcDolbbloll Lrgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Da»„Berliner Volksblatt" «i unsererseits werden nicht nachlassen, jedem berechtigten hasche unserer Abonnenten nachzukommen. ��edaktion und Expedition de»„Berliner Vollsblatt. p|pzkeik«ettiil� toJ�'betall entstehen derartige Vereine, die besonders das Volk zur Mäßigkeit anhalten wollen, wie die Pilze � Erde. «tbeiw� drängt sich allerdings die Frage auf: ist das fl'aub-n Volk, sind die Proletarier denn unmäßig? Wir Korten" � Frage mit einem entschiedenen„Nein" beant- %tft vftt müssen und zwar schon aus dem Grunde, weil zieh,. Mittel fehlen, unmäßig fein zu k ö n n e n. Es wen,'" M der Arbeiterklasse einzelne Personen, aber als in den begüterten Klassen, welche der Van,-?, sucht stöhnen und diese könnte man wohl der ö'gkeit zeihen. c>• W I| V»I/ UVV**1)' klagen die Arbeiter im Essen der Unmäßigkeit an- Denen gegenüber aber stehen Tausende und Aber- aus den anderen Gesellschaftsklassen, die UN- - Mengen von Wildpret-Pasteten und feine Fische ***-] Jeuitteton. Das Mormo«enmadchen. Amerikanische Erzählung von »"N U] Balduin Möllhauseu. <>,(Fortsetzung.) Prrtlck,,?!" steundliche Bitte: nicht mehr auf einen Gegenstand "üben??,. men, der ihr peinlich zu werden schien, ließ er nicht AarW obgleich es ihn drängte, ihr mit den grellsten stäadj. m Bild ihrer Zukunft zu entwerfen, wie diese be- rsten lu. Geiste vorschwebte. Er sah daher nur noch �uew /"i'gen Weg vor sich offen, sie möglicher Weise Äen'�ngen Geschick zu entreiße«, nämlich, sie nach ihrer sdeitx. cß mcht au» den Äugen zu verlieren und selbst in ihr wenn auch nur eine» brieflichen Verkehr mit _ n»? JU«halten. wenn wir un» nicht wiedersehen sollten," ftagte �h-ilnat.�' �bald Hertha geendigt,„und Eure freundliche �gaisse ben Leoparden würde im Drange der Er- Ätücksck»?«stickt, würdet Zhr dann vor dem Gedanken w sehr benjenigen, die Zhr durch Eure Gegenwart .„DAroutet, Nachricht von Euch zu geben?" schreck� stllte ich vor einem solchen Gedanken zurück� il1«halten� v5"1'. Nachricht über den getreuen Leoparden t! �r mein Leben verdanke. Einen anderen P steh-» wage ich nicht darum zu bitten; "'Send �ile zu fremd gegenüber," fügte sie entschul- �stenhÄ�, süße Geständniß, gegeben mit der natürlichen {■fMe,,_ omeS Kindes und der edlen Einfachheit eines v die 30'*"' machten Weatherton erbeben. Es fehlten oog f?«e, irgend etwas darauf zu entgegnen, ohne zu "Mal aus �«anken zu verrathen, er kam deshalb noch «l aus 5U ucriuiycn, r»' "Di« Senve'ren Vorschlag zurück. die hinter uns lieaen. ken hinter uns liegen, kennen wir genau," . verschlingen können und verschlingen. Jede größere Tafel legt dafür Zeugniß ab. Wenn wir vies nun bedenken, so versteht man gar nicht, daß Mäßigkeitsvereine für die Ärbeiterklasse errichtet werden; naturgemäßer wäre e S sicherlich, wenn die Arbeiter zusammenträten und den anderen Gesellschaftsklassen Mäßig- keit predigen würden. So lasen wir jüngst von einem Pastor, der in einem Mäßigkeitsvereine gegen die Herbergen für Gesellen, die Schankstätten der Arbeiter und die Restaurationen für Handwerker und Bürger in geradezu lästerlicher Weise loS- zog. Diese doch zu Recht bestehenden Lokale wurden mit ver Hölle verglichen, in denen allen Lastern geftöhnt würde — neben dem Gift, welches in geistigen Getränken enthalten ist, und den Körper verderbe, werde auch dort noch das moralische Gift eingesogen, welches die Seele bedrohe. Wir haben nun nichts gegen die Behauptung, daß in den oben bezeichneten Lokalen manchmal über den Durst getrunken wird, auch wissen wir wohl, daß dort mancher Unsinn ausgeheckt und manches Blech geschwäzt wird, aber, aber! Wo bleiben die Ressourcen, die Kassinos und GesellschastS- Häuser der besser situirten Gesellschaft? Der trunkene Arbeiter wankt allerdings über die Straße und fällt zum Gaudium der Straßenjugend und zum Ekel der vorübergehenden Arbeiter in die Gosse und mancher ruft ihm nach:„Seht da den Schw.......!" Der trunkene Kommerzienrath läßt sich von seinem Bedienten in die Equipage„führen", er läßt sich lallend zu Bett� bringen; Niemand weiter war Zeuge und am andem Tage heißt es:„Was war der Herr Kommerzienrath gestern Abend ge- müthlich!" Das Gift aber, welches in den spirituösen Getränken sich befindet, wirkt bei beiden Trunkenen nach. Aber das Gift, welches die Seele bedroht? Glaubt man denn etwa in den Kasinos und Gesellschaftshäusern oder in den Privat- Gesellschaften, welche sich die höhere Gesellschaft erlauben kann, würden immer sittliche Gespräche geführt? Den Haupt- gesprächsstoff biloen bekanntlich Balletteusen und Kunst- reiterinnen, oder auch oft genug Damen der Demimonde, dann Zagd, Hunde, Pferde, Wettrennen n. s. w. Ob dabei die„Seele" gut wegkommt, bezweifeln wir, und auch der Verstand dürfte dabei nicht besonders geschärft werden. Oder sehen wir uns die geradezu ans Fabelhafte grenzende Unmäßigkeit der studirenden Zugend in Deutsch- land an. Weshalb wettern die Mäßigkeitsvereine nicht da- gegen loS? Und auch mancher Pastor, der salbungsvolle Reden gegen die Unmäßigkeit und Trunksucht, die bei den sagte er ernst, fast feierlich;„dagegen bleibt uns verborgen, ob nicht Ereignisse auf uns einstürmen, die es vielleicht als ein Glück erscheinen lassen, selbst in der Ferne einen Freund zu wissen, dem wir uns vertrauensvoll nähern dürfen. Möget Zhr nie in die Lage kommen. Miß Hertha, Euch von Fremden Rath einholen zu müssen; sollten indessen Verhältnisse widriger Natur, oder, nennen wir eS beim rechten Namen, Unglück Euch mit Mißtrauen gegen Eure Umgebung erfüllen und das Gefühl des Alleinstehens, der Verlassenheit in Euch zum Durchbruch kommen, dann, ja dann vor Allem erinnert Euch Eurer Freunde auf dem Leoparden und deS Versprechens, welches Zhr ihnen aus freiem Willen gegeben habt." „Zch verspreche es, ich verspreche es noch einmal," versetzte Hertha tief ergriffen, indem sie sich erhob und Weatherton zum Abschied die Hand reichte.„Eure Güte und Eure Theilnahme sollen unvergessen bleiben, und nicht auf traurige Tage will ich harren, um zu beweisen, wie getreulich ich das Andenken an— an den Leoparden be- wahre. Wollte Gott, ich wäre vor unserer Abreise noch im Stande, Euch durch neue Briefe von meiner Schwester die- jenige Beruhigung zu geben, die Zhr so aufrichtig zu wün- schen scheint." Weatherton war gleichzeitig mit Hertha aufgestanden. Die Hand, welche sie ihm in ihrer lieben, treuherzigen Weise ruhig ließ, führte er an seine Lippen. Zu sprechen ver- mochte er nicht, aber er fühlte, daß sie ganz leise und vor- übergehend zitterte, als wenn plötzlich ein nie gekanntes, nie geahntes Gefühl ihr Herz erbeben gemacht und ihre hohe schlanke Gestalt erschüttert habe. „Gott segne Euch für diese Worte," sagte er endlich, indem er mit ihr der Kajütentreppe zuschritt,„denn aus dem tiefsten Grunde meiner Seele wünsche ich mir eine Beruhigung, welche Eure glückliche Zukunft gewissermaßen gewährleistet. Zch darf daher hoffen, Euch noch wiederzu- sehen eh' Zhr die Reise nach dem fernen Westen antretet, und Zhr gestattet mir, nachdem Ihr von dem Leoparden geschieden, Euch in der Stadt aufzusuchen?" Zch hoffe, Euch wiederzusehen, wo eS auch immer sei, antwortete Hertha, als sie sich am Fuß der Treppe von Arbeitern herrschen sollen, in solchen Vereinen hält, sollte an seine Zugend zurückdenken, wenn er e» nicht für gut hält, dabei auch einen Blick auf sein gegenwärtiges Leben in pnnkto der Mäßigkeitsfrage zu werfen. Lägen dann alle Verhältnisse so klipp und klar und offen da, so würde das Sprüchwort vom Splitter und Balken noch mehr zu Ehren kommen.--- Doch im Allgemeinen liegen die Verhältnisse in Deutsch- land gar nicht so arg, als daß überall Mäßigkeitsvereine und Vereine gegen Trunksucht entstehen müßten. Auch haben die bestehenden Vereine bis jetzt noch keinen Erfolg zu ver- zeichnen, woran man ihre segensreiche Wirksamkeit erkennen könnte. Zn früheren Zeiten und besonders wo das Priester- thum und das Ritterthum, unter denen wir jetzt die meisten MäßigkeitSapostel finden, im höchsten Flor standen, herrschten Trunksucht und Völlerei in viel bedeutend höherm Maße, denn jetzt. Mit der fortschreitenden Zivilisation werden auch die Sitten gemildert; Äufklärung und wahrer Fort- schritt, sie allein sind im Stande, Ziele zu erringen, welche die Mäßigkeitsvereine angeblich zu erringen streben. Wir sagen„angeblich", denn gerade in den Mäßigkeit»- vereinen giebt es eine ganze Anzahl von Personen, welche echt pharisäerhaft nur in die Vereine eintreten, um aus- rufen zu können:„Herr, ich danke Dir, daß ich nicht bin u. s. w."— Böse Zungen wollen sogar behaupten, daß auch eine erkleckliche Anzahl sehr unmäßiger Herren in jenen Vereinen sich befänden, lediglich deshalb, um die Augen der Welt von ihrem sonstigen Treiben abzulenken. Aber noch einmal: Aufklärung und Kulturfort s ch� i t t sind die besten, ja die einzigen Kämpf« runksul'' gegen T, sucht und Völlerei. Politische Ueberftcht. Die früheren Submisstonsbedingungen find nunmehr durch einen Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten auf- gehoben worden. Die neuen Bedingungen sollen demnächst im „Cisenbahnverordnungsblatt" publizirt werden. Die„Franks. Ztg." ist in der Luge, diesen Erlaß jetzt schon zu veröffentlichen. crselbe besteht aus folgenden Abschnitten: i. Arten der Ver- ebung. II. Verfahren bei Ausschreibungen. Hl. Form und assung der Verträge. Der Paragraph über die Zuschlagsertheilung lautet: Die niedrigste Gelvforderung als solche ist bei der Zuschlags«. theilung keineswegs zu berücksichtigen. Der Zuschlag darf nur auf ein in jeder Beziehung annehmbares, die tüchtige und rechtzeitige Ausführung der betreffenden Arbeit oder Lieferung gewährleistendes Gebot ertheilt werden. Ausgeschlossen von der Berücksichtigung sind solche Angebote: a) welche den der Ausschreibung zu Grunde gelegten Bedingungen oder Proben nicht entsprechen; b) welche nach den von den Bewerbern ein- gereichten Proben für den vorliegenden Zweck nicht geeignet Weatherton verabschiedete.„Gute Nacht," rief sie ihm noch eiumal hu, und im nächsten Augenblicke war sie hinter der Kajütenthür verschwunden. Weatherton begab sich wieder nach dem Quarterdeck hinauf. Ein Midshipman hatte daselbst während seiner kurzen Abwesenheit die Wache bezogen. Unter dem Vonvande, selbst noch einige Stunden die milde Abcndluft genießen zu wollen, sendete er ihn hinab zu seinen Gefährten, deren fröhliche Stimmen nock imm«, je nachdem die Thüren geöffnet wurden, in leiseren od« geräuschvoll«?» Pausen aus dem Znner» des Schiffes hervordrangen. D« junge Mann leistete dem Befehl militärisch grüßend Folge, und Weatherton war wieder allein. Langsam, ge- senkten Hauptes und die Hände auf dem Rücken verschlungen, schritt er auf den festen Planken auf und ab. Während manchen Sturmes hatte er von denselben Planken aus die Bewegungen des Leoparden und die Handhabung der Segel geleitet; gegen die Stürme aber, die jetzt in sein« Seele tobten, kämpfte er vergeblich an;« war zu wenig vorbe- reitet auf dieselben, nachdem sein ganzes früheres Leben in jugendlichem Frohsinn und ungetrübter Ruhe verflossen. Die Schiffsglocke meldete das Entrinnen der Zeit, die klingenden Doppelschläae wuchsen von halber Stunde zu halb« Stunde an Zahl, bis sie, nachdem sie viermal ertönt und Mittemacht bezeichnet hatten, wieder mit einem einzelnen Schlage begannen; doch Weatherton achtete nicht darauf. Die Wachen wurden abgelöst, der Gesang und das Gelächt« der nächtlichen Schwärmer verstummte; Weatherton da- gegen setzte noch immer seinen einsamen Spaziergang fort. Nur gelegentlich stand er still, um seine Blicke spähend auf dm Punkt zu richten, wo, wie« wußte, Rast mit dm Mormonm gelandet war, od« um irgend ein Boot, welches in dem unbestimmten Mondlicht eine mtf«nte Aehn- lichkeit mit d« Zolle des Leopardm trug, aufmerksam zu betrachten. Sein Forschm blieb vergeblich, und je länger die Rück- kehr des abwesendm Bootsmanns sich verzögerte, um so häufiger und ungeduldig« schaute er nach ihm aus. Die Glocke meldete ein Uhr, halb zwei, da weckte ihn find; c) welche eine in offenbarem Mißverhältniß zu der be- treffenden Leistung oder Lieferung stehenve Prcisfordcrung ent- halten, so daß nach dem geforderten Preise an und für sich eine tüchtige Ausführung nicht erwartet werden kann. Nur ausnahmsweise darf in dem letzten Falle(zu e) der Zuschlag ertheilt werden, sofern der Bewerber als zuverlässig und lei- stungsfähig bekannt ist, und ausreichende Gründe für die Ab- gäbe des ausnahmsweise niedrigen Gebotes beigebracht find oder auf Befragen beigebracht werden. Im Uebrigen ist bei öffent- lichen Ausschreibungen der Zuschlag demjenigen der drei Mindest- zu ertheilen, deffen Angebot unter Berücksichtigung fordernden. P_______ aller in Berracht kommenden Umstände als das annehmbarste zu erachten ist. Bei engeren Ausschreibungen hat unter sonst fleichwerthigen Angeboten die Vergebung an den Mindest- ordernden zu erfolgen. Sind ausnahmsweise den Bewerbem die näheren Vorschlage in Betreff der im Einzelnen zu wählen- den Konstruktionen und Einrichtungen überlassen worden, so ist der Zuschlag auf dasjenige Angebot zu ertheilen, welches für den gegebenen Fall als das geeignetste und zugleich in Ab- wägung aller in Betracht kommenden Umstände als das preis- würdigste erscheint. Ist keines der hiemach in Betracht kom> Menden Mindestgebote für annehmbar zu erachten, so find sämmtliche Gebote abzulehnen. Bei der Vergebung von Bau- arbeiten find im Falle gleicher Prcisstellung die am Orte der Ausführung oder in der Nähe desselben wohnenden Gewerbe- treibenden vorzugsweise zu berücksichtigen.— Den permanenten Streit unter den Konkurrenten werden diese Bestimmungen nicht verstummen machen, die Submittenten werden sich sicher nach wie vor in den Haaren liegen. Andererseits vermissen wir darin auch jegliche Bestimmungen über einen an die Arbeiter zu zahlenden Minimallohn; solche halten wir aber für viel wichtiger als alle anderen zusammengenommen. Von einigem Interesse für die Berliner Landtags» Wahlen dürste folgende Mittheilung der„deutschfteifinnigen" „Königsberger Hartungschen Ztg." sein:„Trotz der wenig freundlichen Bemerkungen— so schreibt das Blatt— welche die neue demokratische Partei jetzt schon bei verschiedenen Gc- legenheiten den LandtagSabgeordncten der Stadt Berlin hat zu Thcil werden lassen, wird für diesen gerbst doch wahrschem- Ed) die Parole; Wiederwahl der bisherigen„freifinnigen" Ad- geordneten ausgegeben werden. Diese Wiederwahl wird auch aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgen, wenn nicht einer oder der andere von den bisherigen Vertretem, z. B. Hugo Hermes oder Dr. Langerhans sich in der Provinz einen Wahlkreis erkämpfen. Bei den meisten Anderen bringt eS Alter, Stellung w. so mit fich, daß sie sich nicht auswärts den Chanzen eines Wahlkampfcs aussetzen können." Herr Stöcker ist bekanntlich mit Hilfe der Nationallibe- ralen des Kreises Siegen in den Reichstag gewählt worden, er scheint jedoch jetzt auch bei dieser zahmen Partei keine Ge- genlicbe mehr zu finden. Die hier m Berlin erscheinende „Neue Ztg.", welche von den Nationallibcralen herausgegeben wird, ruft dem Leiboraan des Herrn Etöcker, dem„Reichs- boten" anlaßlich einer Polemik zu:„Wir wollen dem Blatte auf Grund einer uns heute vorgelegten Korrespondenz mit- theilen, daß unsere Parteigenossen m Siegen alle Anstrengun- gen machen werden, damit Herr Stöcker aus dem Parlament verschwindet."— Allzu tragisch darf man freilich die Sache nicht nehmen, denn bis zu den ReichstagSwahlen fließt noch viel Wasser bergab und die feindlichen Brüder werden fich bis dahin sicherlich wieder gefunden haben. Die bevorstehende Enquete über die Sonntagsruhe soll sich, wie jetzt verlautet, über das ganze Reich erstrecken, die Ausführung der Untersuchung aber den Einzelstaaten über- lassen werden. Diejenigen Parteien, welche die Anstellung einer solchen Untersuchung für überflüssig erklärt haben, werden fich— so meint die„Voss. Ztg."— in ihrer Auffassung auch nicht durch die jetzt veranstaltete staatliche Enquete deirren lassen. Die konservativen Organe beschränlen fich zwar bis jetzt darauf, einfach die Tbatsache zu verzeichnen, daß eine Enquete stattfinden wird. Anders dagegen die beiden anderen Parteien.„Die Sozialdemokraten— so schreibt genanntes Blatt weiter— machen kein Hehl daraus, daß für sie diese Untersuchung keine Beweiskraft habe. Sie haben deshalb be- rcits eine Gegenenquete in Angriff genommen, für welche die Fachvereine aller Orten das Material zusammen stellen müssen und deren Resultat in dem bekannten Rohleder'schen Bureau in München aufgestellt weiden wird. Nicht viel anders liegt die Sache für das Zentrum. Auch in den Blättern dieser Partei hat man genugsam zu hören bekommen, daß die Enquete nur in Vorschlag gebracht sei, um die unbequeme Entscheidung in der vollständig spruchreifen Frage der Sonntagsruhe noch hinauszuschieben. Und jetzt, wo die Untersuchung wirklich ins Werk gesetzt ist, wird von Berlin auS in der katholischen Provinzialpresse an die katholische Arbeiterbevölkerung die Parole ausgegeben, auf der Hut zu fein.„Die Enquete", so heißt es,„steht unter dem Zeichen einer der Sonntagsruhe feindlichen Tendenz: Grund genug für alle Freunde des Sonntags, Sorge zu treffen, daß sie nicht übergangen werden. Mögen namentlich die katholischen Arbeiter auf dem Posten sein. Das find die Aussichten, welche fich der staatlichen plötzlich das bekannte„Boot ahoi!" auf dem Vorderkastell aus dem Brüten, in welches er versunken war. „Leute vom Leoparden!" lautete die tiefe fast knurrende Antwort, welche als die Raft'S gar nicht zu verkennen war. Die Jolle schoß heran, die zur Seite gelegten Riemen klapperten und gleich darauf schwangen sich die vier Ruderer, wie flüchtige Schatten, einer hinter dem anderen über die Schanzverkleidung. Rast war der letzte, der erschien, er gab den Matrosen, die ihn begleitet hatten, noch einige Befehle, namentlich mit Rücksicht auf den versprochenen Grog, worauf er sich nach dem Quarterdeck hinbegab, auf welchem er schon längst Weatherton'« Gestalt entdeckt hatte. „Von der Stadt zurück, Herr!" meldete er, die Hand grüßend an seinen Hut legend, sobald er fich seinem Vor» gesetzten gegenüber befand. „Es ist gut," antwortete Weatherton in strengem dienst» lichen Tone.„Sonst nichts zu rapportiren, Jim," stagte er gleich darauf eben so zutraulich, wie er kurz vorher ge. messen gewesen. Der Bootsmann verlor augenblicklich die straffe dienst» liche Haltung, und nachdem er sich überzeugt, daß keine un» berufenen Lauscher in der Nähe weilten, trat er dicht zu Weatherton heran. „Lieutenant Dickie!" sagte er halb flüsternd, halb grunzend, denn wenn er auch, wo e« immer die Umstände erlaubten, fich des Namen»„Dickie" bediente, so versäumte er doch nur in ganz besonderen Ausnahmefällen den Titel vor denselben zu setzen:„verdammt guten Ausguck gehalten, hinter den Piraten—" „Piraten?" fragte Weatherton überrascht. „Piraten, Lieutenant Dickie, daS ist originell!" ant« «ortete Rast, indem er Weatherton nach der nächste» Deck» karonade hin folgte, auf welche sie fich dann Beide nieder» setzten. Ja Piraten," wiederholte er noch einmal mit bestimmtem Ausdruck':„habe hinter ihnen gekreuzt, wie der Wallfisch hinter einem Zug Häringe; dabei angesegelt habe einen Maler gebratt,'S war aber ein Gentleman, der auch See» Untersuchung über die Frage der Sonntagsruhe bisher eröffnet haben." Aufhebung eines auf Grund deS Sozialistengesetzes erlassenen Verbots. Der„Reichs- Anzeiger" macht bekannt, daß das von der Regierung zu Potsdam unterm 12. Juni d. I. erlassene Verbot des am 10. Juni d. I. in Rathenow, Kreis Westhavelland, verbreiteten, von G. Kresse in Rathenow verlegten und in Form eines Plakats von I. H. W. Dietz in Hamburg gedruckten Flugblatts, welches die Ueberschrift:„An die Bürger Rathenow s!" führt, mit den Worten:„Bürger von Rathenow" beginnt und die Unterschrift:„Die streikenden Maurer und Zimmerer" trägt, durch Entscheidung der Reicht Kommission aufgehoben worden ist. Bezüglich des Dynamitgesetzes hat der Minister des Innern an die Bezirksregierungen u. s. w. einen Erlaß gerichtet, in welchem es heißt: Aus der dem Entwürfe des Gesetzes bei- gegeben Begründung geht hervor, daß von den Bestimmungen " 2. Absätze des§ 1 diejenigen Sprengstoffe, welche im 1. und.■....„ wie Echicßpulver u. s. w. vorzugsweise als Schießmittel be- nutzt werden, aus dem Grunde ausgenommen sein sollen, weil diese Stoffe zu erlaubten Zwecken allgemein in Verkehr find und eine wirksame Kontrole ihrer Verwendung kaum möglich, jedenfalls aber mit unzuträglichen Belästigungen für die Be- theiligten verbunden sein würde. Diese Gesichtspunkte find bei der militärischen Prüfung der Frage, welche Sprengstoffe zu den erwähnten, den polizeilichen Konttolvorschriften des Gesetzes nicht unterliegenden zu reckncn find, zu Grunde gelegt worden und haben zu dem Ergebnisse geführt, daß alle zum Schießen aus Jagd- und Scheibcngewehren oder zu Sprengungen in Bergwerken, Steinbrüchen u. f. w. dienenden, aus Salpeter, Schwefel und Kohle hergestellten Pulversorten von den Be- stimmungen der ersten beiden Absätze des§ 1 des Reichs» gesetzcs auszunehmen find, während für diejenigen Pulver, welche erweislich nur zum Schießen auS Geschützen verwandt werden können, bei der schwachen Verbreitung dieser Sorten unter der Zivilbevölkerung die Nothwendigkeit einer derartigen Ausnahmemaßregel nicht vorliegt. Ueber den Kongo-Staat veröffentlicht der„New-Uork- Herald" einen längeren Bericht, der großes Aufsehen erregt. Es wird in demselben nicht nur die Person Stanleys, der bekannt- lich von dem nämlichen Blatte zuerst nach Afrika geschickt wurde, sehr heftig angegriffen, sondem auch daS ganze Kongo- Unternehmen als ein zehr zweifelhaftes hinzustellen gesucht. DaS Blatt führt verschiedene Verhältnisse an, aus denen her- vorgehen soll, daß daS Unternehmen auf höchst unsicherer Grund- läge beruhe. Die Nachricht von der Verhängung des kleinen Be- lagerungszustandes über Frankfurt a. M. und Umgegend wird jetzt offiziös dementtrt. Nach der„Kreuzztg." has der Minister des Innern keinen Bericht über die Frankfurter Vor- gänge eingefordert, und„soll es überhaupt nicht in der Absicht liegen, den Belagerungszustand über die Etadt zu verhängen." „Obwohl die Frankfurter Zustände schon öfters zu Erwägungen Anlaß gegeben haben, so sah man doch, schreibt das genannte Blatt, von Ausnahmemaßregeln ab, zunächst, weil in nicht viel mehr als einem Jahre die Giltigkertsdaucr des Sozialisten- gesetzcs zu Ende geht. Dann aber hätte man den Belaaerungs« zustand gleichzeitig noch auf andere Städte z. B. Mainz und Darmstaot ausdehnen müssen, wenn er die rechte Wirkung haben sollte." — Die Staatsanwaltschaft beschäftigt fich, wie die„Franks. Zeitung" mittheilt, auf Antrag des Polizeipräsidiums bereits mit den Vorfällen auf dem Friedhof bei Gelegenheit der Be- erdigung des Sozialdemokraten Hiller. AuS Schleswig-Holstein wird der„Voss. Ztg." ge- schrieben: Bei den Offiziösen aller Orten ist große Freude üder die schleswig-holsteinischen Ergüsse im„Hamb. Korresp." (Wir haben den beregten Artikel deS„Hamb. Korresp." bereits in unserer Sonnabend-Nummer mitgetheilt. D. Red.) Es wird darin von den Wunderwirkungen deS Sozialisten» g e s e tz e S daS Erstaunlichste erzählt. Ueberall in der Provinz ist Mangel an Arbeit; glücklich Derjenige, welcher Beschäfti- gung findet, wenn auch nur zu ermäßigten Lohnsätzm. Es ist also die denkbar schlechteste Zeit, um einen Etteik ins Leben zu setzen und selbstverständlich denkt kein Arbeiter daran. Der Prophet des„Hamburger Korr." sieht in dem Nichtbefolgen deS Berliner Streikbeispieles und in dem passiven und ruhigen Verhalten der Arbeiter dagegen nur die Wirkung deS Sozialisten- aesetzes. ES wird keinem verständigen Menschen einfallen, solche Argumente ernst zu nehmen; sie find nicht berechnet aus die große Gemeinde der Trägen, welche das Leben bei einer energischen Handhabung des Sozialistengesetzes viel bequemer finden, als bei dem gleichen Recht Aller, für welches sie keinen Pfifferling geben, vorausgesetzt, daß sie selbst thun können, was sie wollen. Diese Leute, ihre Zahl ist nicht so klein, find glück» lich, wenn sie nicht die Bosheiten einer sozialdemokratischen Zeitung täglich vor Augen haben, denn sie wollen nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen, was sie in ihrer Behaglichkeit und Sicherheit stört. Und indem sie so tapfer die Augen ver- schließen, rufen sie laut:«Die Sozialdemokratie geht unter der Herrschaft deS Sozialistengesetzes zurück." Wie thöricht, schlachten malt— aber verdammt! ich habe das unrechte Ende des GarnS gefaßt!" „Laß Dir Zeit, Jim," unterbrach Weatherton seinen alten Freund, dessen Schwächen er genau kannte,„es giebt gar keinen Wind� der zugleich vorwärts und rückwärts zu blasen vermöchte." „DaS ist originell I" versetzte Rast, und nachdem er fich sodann noch einmal ordentlich geräuspert, begann er in der ihm eigenthümlichen umständlichen Weise Alle» mit der größten Genauigkeit zu erzählen, wa« er, seit er den Leo- paroen verlassen, gesehen und erlebt hatte. Weatherton hörte ihm aufmerksam zu; was er ver- nahm, schien ihn, zu Rast'S Mißvergnügen, immer tiefer in Gedanken zu versenken; und als der Bootsmann sein Garn schon längst abgesponnen, da saß er noch immer, das Haupt schwer auf die Hand gestützt, regungslos auf der Lafette._ Im Atelier. In vielen, ja in den meisten Fällen bietet da« Atelier eines Maler« das Bild einer gewissen genialen Unordnung, die indessen nicht unangenehm berührt, weil gewöhnlich d,e Aufmerksamkeit auf angefangene und fertig« Gemälde hingelenkt wird, hier, um mit reger Phantasie die noch nicht ausgeführten Gedanken de« Künstlers zu errathen, dort, um laut zu bewundern oder auch im Stillen zu tadeln. Wo nun in größeren amerikanischen Städten Künstler ihre Werkstätten aufgeschlagen haben, oa tritt diese Unordnung noch mehr in den Vordergrund, weil eben der Mangel an geeigneten Räumlichkeiten fie zwingt, jede» kleinste Fleckchen, mit sehr wenig Rücksicht auf Symmetrie, zu benutzen und die Gegenstände, die nicht neben einander Platz haben, über einander aufzustapeln. So war e« auch in Falk'« Häuslichkeit, die, obgleich er fich ganz nach dem äußersten Ende der Stadt zurückgezogen hatte, wo die Wohnungen noch verhältnißmäßig billig ver- miethet wurden, ihm kaum gestattete, eine größere Gesellschaft bei sich aufzunehmen. Seine Häuslichkeit bestand nämlich nur aus zwei Ge- mächern: einer Kammer, in welcher sein einfaches Bett stand, wenn man auf den Ausfall der letzten Rcichstagswahleii h® weisen, wenn man daran erinnern wollte, daß zwei HamdM und der Altonaer Kreis von Sozialdemokraten vcrttttcn# den; diejenigen, welche berufsmäßig oder freiwillig ii»"" Verlängerung des Sozialistengesetzes Stimmung mache« 1° find gezwungen, günstige Folgen seiner Wirkung zu«PsT wenn sie sonst nicht zu beschaffen sind. Und überdies,)« T surder eine Behauptung des Neusozialisn, us ist, desto#' wird fie bewundert; sie macht ihren Weg durch die(r, Presse, und selbst der„Reichsanz." nimmt fie in sein K>V schichtlichcs Album auf. Oesterreich Ungar«., In unserem schwarz-gelben Nachbarstaate find die w Sjiedenen Nationalitäten noch immer mit einander in Wf: m Sonntag kam es in Preßbaum, woselbst ein Kaiser-?!w Denkmal enthüllt wurde, wieder zu stürmischen Demonstration- Als nach der Erledigung des Festprogramms die beigezv Musikkapelle ein deutsches Lied intonirte und die Anwesen, dasselbe mitsangen, sah fich der Regierungsverttcter vewt# den Vortrag des Liedes zu inhibiren, mit der Moiivirung. dasselbe nicht dem Programme einverleibt sei. Dieser � füguna folgte eine stürmisch bewegte Szene. Die Menge W und lärmte. Aus dem Chaos von Stimmen vernahm n, nur die Worte:„Deutsches Lied!" Wer will uns deutsche Lied verbieten? Eine Stimme rief:„Für uns?' das deutsch« Lied im Programme; wir fingen e« ohne bcgleitung! Wer ein Deutscher ist, stimme an!" Mp% nun das„Deutsche Lied". Hierauf betrat der Regürup Vertreter selbst das Podium, um zu erklären, daß die Fe»'/ Ende sei, und falls die Menge nicht ruhig auseinander� er genöthigt wäre, Gewalt anzuwenden. Dieser energ'I� Aufforderung wurde Folge geleistet.— Wir haben schon schicdentlich varauf hingewiesen, daß es Leute in OesieNj. fc™ «ie die ftorbcn s heit auft Torykabi &.1 nehmen, unterwer letztere ei giebt, welche ein Wohlgefallen an der Schürung deS Natrop lätenhasses finden; leider erhalten dieselben durch einige deu?/ Zeitungen noch SuNurs. Durch diesen unnützen Kampf Sie» STT/r«(T an ff* aT die Massen geflissentlich von den viel wichtigeren Fragj?' gelenkt und die Dirigenten von solchem widerwärtigen S®?, VtzrtWir Vlrtfi ernrnnr«Itrl)» spiel sorgen dafür, Oesterreich daß es immer wieder erneuert wird- A, . find die sozialen Verhältnisse so tief traurige- Czechen und Deutsche alle Ursache hätten, sich die W". reichen und gemeinsam für Erringung gründlicher Reson einzutreten. — AuS Wien und Umgegend find wieder acht Ana „abgeschafft" worden. Andererseits hat die Wiener ST.(& Direftion sechs der früher ausgewiesenen radikalen Eozuu" probeweise die Rückkehr nach Wien gestattet. Grohbritanuie«. ,j In Betreff deS Gerüchts von dem Tode des Mahd!? die Regierung im Unterhause folgende Auskunft:„Im P wältigen Amt ging soeben ein Telegramm au« Kairo J welches erwähnte, daß Brigadegeneral Grenfell, der p* zwischen Affuan und Wady Haifa stationirt ist, auf% phischem Wege die Meldung übermittelte, daß da« Gerückt� dem Tod« des Mahdi allgemeine Bestätigung gefundBj haben scheine. Ein Scheich, der in Affuan ankam, erw»� daß er dem Begräbnisse Joes Mahdi beigewohnt habe.�, jjpfe« a; i? «m Klei. Ä Ms im tzjfffe vor ss»a 8? %% II ßK ?°Naen meisten der Agenten des Mahdi find von Dongola und Umgegend nach dem Süden zurückgezogen worden. � Grenfell fügt hinzu, daß der Nachricht von dem S# Mahdi in, Affuan allgemein Glauben geschenkt werde." �ksanlac gJ Fr Sfc ?ung der hnet Ü anayor in Anuan augemcin vgiauoen gc wenn weroe.. — Är. Bradlaugh hat von Mr. I. EhamttA dem vormaligen Präfidenten des Handelsamte«, den naalK 4 den Brief mit einem Check über 20 Guineen erhalten: Herr Bradlaugh! Bisher ist meine Sympathie mtt Jh Ihrem Kampfe zur Sicherung der vkrjassungSmäßige« der von Ihnen vertretenen Wählerschaft gewesen. Ich hatte gewisse Mitglied der Regierung war, aber diese Skrupel find jetzt nicht mehr am Platze,# Vergnügen sende ich Ihnen eine Beisteuer zur Deckung K; kosten, die Ihnen erwachsen müssen. Genehmigen Sie* 1 I Chamberlain. 1 inen vertretenen Wählerschaft auf"Worte" bcfffi-L?' tojotte gewisse Zweifel, ob ich. so lange � er Regierung war, weiter zu gehen berechtig'{ dsi W 9� « g y p t-«. l�u»I Aus dem Sudan kommt die Nachricht, daß der St/""b Pocken gestorben sei. Derartige Meldungen WU i&ra, habe. Da soll ein Kaufmann gewesen sein, der von(iiw& deren das Gerücht vernommen habe, daß ein anderer, n% ebenfalls höchst Glaubwürdiger, die Nachricht aus Quelle habe u. f. w. Eine neuerliche Meldung der„-� 5» Gazette" vom 25. Juni stellt jedoch die Nachricht als/5 fache hin. General Chermfide depeschirt den BertchjJl Spions, OSman Digma wäre denacl fei am 19. Juni erkrankt und am 2! Digma ließ beim Empfange dieser T�tenklag�bhaltevy�����hd�hatt�fich��e�� und einer großen Stube, die ihren Zweck zugleich als zimmer und Atelier erfüllte. Ein altes Sopha, ein Wiegenstuhl, vier gewbP> hölzerne Stühle, ein kleiner und ein großer Tisch% die ganze Stubeneinrichtung. Dieselbe verschwand y fast gegenüber den Staffeleien von verschiedener Größsi« Kisten und Kasten, de« Bilderrahmen, den flelrtäP L zu g hölzernen Modellen von Menschen und Thier««, den«al', er# Büsten und sonstigen Gegenständen, welche, auf dein � iP« W 0ot Kl «Upen uno loniiigen ezirgenpanoen, weia>e, aus vc«- � boden umherstehenv und liegend, kaum noch eine« Durt?« durch das Gemach frei ließen..g Auf Kisten und Kasten, auf Tischen und und selbst auf dem Sopha lagen und standen all«% gen Kleinigkeiten umher, die eigentlich den höhere« � verrathen. So sah e« also in Falk'« Atelier au«. � Doch wer in'..... diese seltsamen Zuji Unordnung und % halbverhangene Fenster %% gestellt und in die gÜRstigfie Beleuchtung gerückt»Ot Diese« Bild war ein Seestück und stellte ein«\Qj( Wt felsige Küste dar, an welcher fich das vom SturwA wühlte Meer schäumend und brandend brach. Möven umschwärmten die vom Sprühwasser übersau � We. thurmähnlichen Klippen, eben so den Rest eines Äast� vy» ,/ss' der au« dem Gischt einer fich überstürzende« Wog« ragte, während im Hintergrnnde fich neue wetterlcu?( st Wolken aufthürmten, und niederbrausende Strichrrgrt� fernen Horizont ein einsame« Segel fast bi« zur U» �'Jf1 lichkeit verschleierten. J P«*« An dem Nachmittage, an welchem Falk de« � Weatherton und Rast erwartete, herrschte«ine unaewa* � Ordnung in dem Atelier, indem auf dem Sopha y'J einem Stuhls durch Zusammenschieben und Ueberei� %* Jf. packen der Sachen, so viel Platz gewonnen war, w % 5-1 c apn ß damtvV '%r* (U t# . am yi »*» Wohnsitze der BaagarahS genShert, unter den die gewüthet Häven. Der Mahdi soll ebenfalls, ' 5 istratwnk» K«: verastlA SZ keng« W U M-n M Z i Ratu»� äi?? .SÄ ivird. mrig«. iffJ 5MÜ »er W äKOF1� M 'Äß W w, c " sin�F AorkZ»%- Znelvungen besaoten, an dieser«ranrynt gc- Wenn sich das Gerücht, daS mit solcher Sicher- / ols wahr herausstellen sollte, dann könnte das n>z»? c Glück sagen; einer seiner schlimmsten Gegner Ts,�.o«stitlgt. Ob aber nicht über kurz oder lang ein neuer »K» v Sudanesm auftauchen wird? Es ist kaum anzu- � dieselben willens find, sich den Engländern zu � und so kann unter Umständen die Situation für Wre ein« noch viel schlimmere werden, als sie bisher war. Lokale». Mm., tu tyjer Friedhofe. Man ist in Paris im Begriff, den ®?i!i längerer Zeit aufgestellten und von der öffentlichen o�siUNfl gröktentheils sehr günstig aufgenommenen Plan einer au?.!a F�holsanlage zur Ausführung zu bringen, die, weit kKo Sladt gelegen, mit der letzteren omch eine für mS* �oeck besonders zu erbauende Eisenbahnlinie verbunden werden soll. Paris folgt damit dem Beispiel WienS, und eS 'aum zweifelhaft, daß die anderen Großstädte Europas fich o�n alnchen Beispiel in nicht allzuferner Zeit ebenfalls werden �sichlikßen müssen. Für Berlin wurde die wiederholt ange- Frage besonders lebhaft in Verbindung mit dem Bau Wa-%Ph" erörtert und die Anlage eines Zentral- Fried« ftiit ,m Grunewald im nahen Anschluß an die Stadtbahn» ��vorgeschlagen. Eine Aufgabe zur Schinkelkonkurrenz vor 2?®? Sohren forderte von den jungen Architekten Pläne zu d,*.««chen Anlage auf den nördlichen der Spree zugewen- t..r"«ergabhängen von Westend, und die anziehenden Lö- wÄ-'�lche die dankbare Aufgabe fand, erweckten allge- xfm Bedauern darüber, daß eine Ausführung nach Lage Jj.» h®llmsse ausgeschlossen war. Es kann in der That nur au« der Zeit sein, so schreibt man der„Magd. Ztg." o.;.«irtin, wann die Bedenken gegen eine Beförderung der ükr? durch die Eisenbahn nach ver Begräbnißstätte gegen« Wh. firoßen, nicht bloS auf sanitärem und praktischem, Mern auch auf ästhetisch fittlichem Gebiet liegenden ».Ugen einer allgemeinen. vom Verkehr der Welt» H, kirnen und durch Kunst und Natur verschönten Fried- mnlage weichen werden. Wien war in der glücklichen ?- für seinen Zentralfriedhof einen geeigneten Platz in � zerer Nähe der Stadt zu finden, so daß die Anlage einer sienbahnverbindung nicht nöthig war- In Berlin ist das n.?%lich. So sehr man auch vemüht ist, die verschiedenen HCllMl ur. j__ it_____ t____ v— v____ t____ der �Stadt nur für eine beschränkte Zeit der Benutzung iltznet find, doch auf die Errichtung monumentaler Anlagen tu Hüffen. Wir dürfen uns nicht wundem, daß die «s Berlins so arm an schönen Grabmälem find, und ->,°.wtr Grabkapellen und andere größere dem Anvenken der jj�wpenen gewidmete Bauwerke fast gar nicht finden. Die �.«egräbmßplätze werden einer nach dem anderen beseitigt vsi*«baut oder im günstigsten Falle in Squares umgewan- Co vortheilhaft das Letztere auch für die künftige Ge- der Stadt sein mag, so wird doch jedes ErinnerungS- «J'kn an die großen Todten, die auf den verschieve- O. Friedhöfen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, wj" beseitigt. Di« bemerlenswerthcn Denkmale, die .besitzen, die von Lucä erbaute Grabkapelle bei Z°nsuls Wegner auf dem Petrikirchhof, die Grabkapelle fcnt�ofen Luckner, die Stier auf dem Gamisonkirchhof in der bt,, Mide erbaute, die Denkmäler Ravens's und Borfig's auf unfc'L�bhöfen vor dem Oranienburger Thor, die von Stüter erbaut wurden, werden sie in hundert Jahren noch hsi«n sein? Wer kann das verbürgen? Pans vereinigt vah Erzähl seiner berühmten Todten auf dem Pdre Lachaise blsib-h'sCtätte wird ihrem Andenken für immer geweiht tuSfLi Söie großartig schön gestalten die Italiener die Kul- ihrer Todten! Ueber oen Arkaden eines malerischen Derrlii»?®nto erheben fich auf Hügeln oder ansteigendem leey„�.bie herrlichsten Parkanlagen, zwischen denen Mauso- Form-. Monumente, schlichte und prächtige, in mannigfaltigen *|>W« vtrstrrut liegen. Die Friedhöfe von San Lorenzo bei Genua, BreScia, Bologna und einigen anderen -® bieten klassische Vorbilder für Anlagen dieser Art. auch in Deutschland in früherer Zeit nickt an Ver- 1.für eine monumentale Behandlung der Begrädniß- rhlte, beweist vor Allem der alte Stadt-Gottesacker zu Wie kleinlich erscheinen im Vergleich mit diesen «L k Friedhöfe Berlins, auf denen schlichte Steine die Ayttw weltberühmter Männer bezeichnen. ®Aü>ichtig 1 Es ist alles Ernstes die wichtige Streit» lotUtt worden, ob auch in dem mündlichen Verkehr dem »>.. �atsanwalt die Anrede„Herr Erster Staatsanwalt" ,Herr Staatsanwall"«u- ........ dann auch für die Ehe» ,n strmger Gesellschaftsform die Anrede„Frau Erste S"' s° daß die kürzere Anrede„H sei. Folgerichtig� würde dl »ere- � **■; 0�ne �4 gegenseitig viel zu hindern, bequem sitzen Fqg��herton war wirklich eingetroffen und hatte, wie «r«„Ä�Aesehen, den alten Bootsmann mitgebracht. Aus Seilt, Hbenlenden Stellung, in welcher die beiden jungen «»,«. sich schnell mit einander vefreundet hatten, aus ju f. 9® foßen, ging hervor, daß Falk mit seinem Bericht er»«»... gekommen war, da» Erzählte ihren Geist aber noch fW beschäftigte. Fttöu SL.b« gespanntesten Aufmerksamkeit war Jim Rast . Mtttheilungen gefolgt. ihren,« � 8" bemerken glaubte, daß die beiden Herren in ffnen, t?�"en vorläufig nicht gestört sein wollten, ihm, als �iszivK» 0wrtmeten, nach seinen strengen Begriffen von allerwenigsten zustand, in einer so verglei� ;» dm? Sft 0 wordr� ein« turw AWUKMM % w d-° � «x Att erfüllte, so ergötzte Ihn vom nebenbei bin uf° Weise, in welcher jener seine Bewunderung an Äll �chweia»« nun dem alten Bootsmann da» anhaltende ild i.,. 8® drückend, oder vermochte er die durch das iu'"er Brust wach gerufenen Gefühle nicht länger genug, er sprang plötzlich geräuschvoll empor, gf i», d«p Staatsanwalt zu lauten habm. Die Sache hat übrigens vor ihrer wohl nicht dringenden Entscheidung anderweit ihre Erle- digung gefunden. Wie im Volk die Stellung deS„Ersten Staatsanwalts" aufgefaßt wird, beweist stch durch folgenden Fall: Ein Denunziant war mit dem Bescheide des Ersten Staatsanwalts nicht zufrieden und meinte, daß er fich nunmehr an den Zweiten Herrn Staatsanwalt«enden müsse. L Eine seltsam zusammengewürfelte Gesellschaft pflegt sich alltäglich in den Morgenstunden in der Detentions- zelle 8 der ll. Abtheilung der hiesigen Stadtvoatei zusammen- zufinden. Es find Männer, bei denen man eines Theils die Sorgen und dm gesunkenen Lebensmuth auf dem gramgefurchten Antlitz erkennen kann, meistens aber sind es Herren aus den besseren und bestm Gesellschaftskreis«, die in stiller Resignation den engen Zellenraum durchmessen, oder denen man anderer- seits die Gleichgiltigkeit und die sogenannte.LebcnSwurstigkeit" ansehen kann. Ein anderer TheU der Jnhaftirten besteht aus Personm, deren poiat d'honnenr in gewisser schäbiger Noncha- lance gegen moralische Eindrücke bereits abgestumpft ist, oder aus solchen Personen, die mit akademischer Ungmirtheit sich über die kleinen Misören des menschlichen Elends hinwegsetzen und das Leben stets von der allerheitersten Seite auffassen. ES ist ein modern kulturhistorisches Sittenbild, das sich all- morgenlich in dieser Zelle abspiegelt, und das dem Dichter wie dem Psychologen eine reiche Fülle Gedankenanregung bietet. In obengenannter Zelle werden nämlich alle diejenigen inhaf- tirt, die sich dem„OffenbarungSeide" bisher hartnäckig entzogen haben und in Folge dessen auf Antrag des Gläubigers vom Gerichtsvollzieher meistens in früher' Morgenstunde aus dem warmen Bette heraus verhaftet werden, um zwangsweise dem Richter zur Ableistung deS Eides vorgeführt zu werden. Viele haben sich in dem Bewußtsein, diesen Eid nicht leisten zu können, böswillig allen Nachforschungen des vom Gläubiger beauf- ttagten Gerichtsvollziehers entzogen, viele find jedoch auch durch ein erklärliches Schamgefühl uno in der Hoffnung, noch Rettung zu schaff«, von dem schweren Gange abgehalten worden; stellt man sich doch durch den vcrhängnißvollen Eid die gesellschaftlich bürgerliche Todeserklärung aus. Die Zelle in der Stadt- vogtei, in der die Jnhaftirten von der frühen Morgenstunde bis zu ihrer Vorführung vor dem Richter nach der Neuen Friedrichsttaße verbleiben, ist ein weiß getünchter Raum, in dem ein Tisch und mehrere Stühle fich befinden, und ist mit einem Leinen vergitterten Fenster versehen, welches nach dem Hof hinaus führt. Außer einer Wasserflasche steht auf dem Tisch Tintenfaß und Feder, auch Papier liegt auö zur Nieder- schreibung der einzelnen Vermöaensobjelte, die Jeder noch be- fitzt. Ist das Verzeichniß nicht richtig ausgefertigt, oder ist der Betreffende bereits am vorhergehenden Nachmittag ver- haftet, so muß er die Nacht in jenem Räume verbringen bis zur Vorführung am nächsten Vormittag, die unter Eskorte einiger Beamten nach dem Amtsgebäude nach der Neuen Friedrichsttaße stattfindet. Weigert fich ein Schuldner, den Eid zu leisttn, so wird er bis zu 6 Wochen auf Kosten des Gläu« bigcrS inhaftirt; letzterer hatte auch die nicht unerheblichen Kosten des Termins zu tragen. Ucbrigens ist es psychologisch merkwürdig, daß der größte Theil derjenigen, welche zur Ab- leistung deS OffenbarungSeides zwangsweise inhaftirt werden, den sogenannten besseren Ständen angehört. Einzelne Ge- dankensplitter, die auf dem Tische niedergeschrieben find, be« weisen dieS auch. Einer hat geschrieben:„Beati possidentei!" — ein Anderer, ein ehemaliger Opernsänger:„Mein ganzer Reichthum ist mein Lied!"— ferner:„Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Sterblichen zu Theil!"— Diese De- ientionszelle hat übrigens eine gewisse historisch-tragische Be- rühmtheit' bis noch vor einigen Jahren las man die an die Wand gekritzelten Worte in derselben:„Hier saß Hary Graf von Arnim, deutscher Botschafter Er. Majestät des Kaisers der der Republik Frankreich."— Welch' reicher Stoff bietet stch hier den Dichtem und Philosophen!— g, Ueber den kolossalen Betrieb auf dem städttschen Zmtralvichhof aeben folgende Zahlen ein ungefähres Bild: Gegen 600 selostständige Schlächter, Engros-, Detail- und Lohnschlächter, find mit ihren Gehilfen bei den immer mehr zunehmenden Schlachtungen zur Versorgung Berlins und Um- gegend mit Fleisch beschäftigt. Ausfuhr findet statt in rohem Schweinefleisch(Schinken) nach Mitteldeutschland, in geschlach- teten Hammeln nach Paris. Die Fleischbeschau wird unter Leitung eines Obcr-Thierarztes von 10 städtischen Thierärzten, 1 Buchführer, 4 Stemplcm für die mikroskopischen Unter- fuchungen, und von 1 Thierarzt— als Vorsteher eines beson- deren Fleischbeschauamtcs— 4 Abtheilungsvorstehem, 87 Fleischbeschauern und 30 Probenehmern für die mikroskopische Fleifchbefchau(Trichinenschau) ausgeführt. i. Ein Berliner Original ist ein am Echiffbauerdamm wohnender Kellerwirth, bei dem namentlich auch viel Schiffer von den Spreekähnen zu verkehren pflegm. Der Mann war ursprünglich Ausrufer in einer kleinen Provinzial-Stadt und zugleich an der Leinen Theaterschmiere, die fich im Sommer dort aufhielt, Requisiteur und Zettclträger. Er selbst erkennt mit jovialem Stolze an, daß er gewissermaßen auch der Bühnen- genossenschaft angehöre und Künstler sei. Seit mehreren Jahren und seine geballte rechte Faust in die linke geöffnete Hand schmetternd, wendete er sein leuchtendes Gesicht dem über- raschten Maler zu. „Herr!" rief er aus,„Ihr seid der erste Künstler der Welt, schade drum, daß Ihr keine Tbeerjacke geworden seid! Verdammt! hättet es zum Kommodore gebracht! Schaut her, Lieutenant Dickte!" fuhr er in seiner Erregung fort, „ist das nicht ein Himmel, um alle Mann an Deck zu pfeifen und den letzten Lappen Linnen einzuholen? Bei Gott! ein Wetter, zum Beilegen und vor Top und Takel- Treiben! Und dann die Seen, Dickte! Wie sie die weißen Perrücken so stolz tragen! Verdammt! ist ein Bild für'» Seemann und keinen Andern! Hängt's im Hause einer Landratte auf, und ich will mich gleich daneben hängen lassen, wenn die Gesellschaft in den ersten vier Wochen vor lauter Seekrankheit aus den Federbetten kriecht! Das ist originell! Zhr jseid ein Gentleman, Herr!" eiferte er weiter, indem er zuerst auf den tteibenden Mast und dann auf den fernen Punkt deutete, der ein Segel vorstellen sollte;„habe manches gemalte Fahrzeug gesehen in Schau- fenstern und bei Hausirern, aber dies sind die beiden ersten, die seegerecht gemalt find! Am besten ist hier das vordere, von dem nur noch das Wrack vom Mast flott ist I Originell! Bei Gott! sehe es anprallen und sich die Nase an daS Riff stoßen! Auch das Segel dort hinten ist nicht schlecht, kann's nicht recht ausmachen: scheint nur noch zu viel Leinwand zu ttagen für die Bö; und sogar noch etn Top- segel; werben'» aber einholen! Höre den Kapitän:„Alle Mann zum Bergen! Herunter mit dem Topsegel! Alle Hand ferttg zum Stengenstreichen!" Gebt mtt Euer Fern» glaS, Herr I" wendete Rast sich jetzt in seiner fieberhaften Auftegung an Falk; in demselben Augenblick schlug er sich aber auch schon mit der Faust vor den Kopf, worauf er Weatherton dienstlich grüßte... «Verzeihung, Lieutenant," sagte er mit komischer Ver- leaenheit,„ist mir doch die Nothleine ewaS durch die Hände ge nicht, schadet nicht, Jim," entgegnete Weather- betreibt er hier in Berlin Schiffbauerdamm ein flott gebendes Budikergeschäft. AuS seiner früheren Verganaenheit hat er noch verschiedene Theattrkostüme und sonstige Requistten ge- rettet und hat es verstanden, unter seinen Gästen einen kleinen Stamm von Kunstdilettanten fich heranzubilden, die unter seiner Direttion in dem kleinen Räume häufig die allerschwicrigstcn Kunstprobleme lösen. Ein besonderes Kasscnstück für das Büffet, da Entree ja nicht erhoben wird, ist die Äfrikanerin in abgc- kürzter Prosa. Der Manzanillenbaum wird durch einen Oleander ersetzt, an welchem die Leute riechen, an zu niesen fangen und schließlich sämmttiche Darsteller umfallen. Zur Schluß-Erklärung pflegt der Wirth und DireLor seinen Zu- schauern als besonders kunsterschwerend mitzutheilen, daß in der wirklichen Afrikanerin nur zwei sterben, bei ihm aber alle um- fallen. Ein steifer Grogk pflegt nachher Zuschauer und Künstler zu vereinigen. E. Vermißt wird seit einigen Tagen eine 85jährige geistesschwache Frau, die von einem Besuch des Kirchhofes an der Hermannstraße nicht wieder zu ihren in der Admiralsttaße Nr. 22 wohnenden Angehörigen zurückgekehrt ist. Dieselbe war mit einem grauen Kleide und ebensolcher Jacke dek.eidct und trug eine schwarzwollene Kappe. Die üble Gewohnheit vieler, auch Erwachsener, Ueber- reste von Obst, Kirschkerne ic. rücksichtslos auf die TrottoirS zu werfen, hat am Sonntag Nachmittag wiederum Unheil an- gerichtet. Eine ältere Dame glitt dadurch, daß fie auf einen Kirschkern trat, vor dem Hause HolzmarLsttaße 8 aus und verletzte stch bei dem Falle so stark am rechten Fuß, daß sie unfähig war, weiter zu gehen und von dem fie begleitenden Herm mittelst Droschke nach ihrer in der Gneisenausttaße ge- legenen Wohnung gebracht werden mußte. Ein raffinirter Schwindler treibt seit einiger Zeit in den besuchteren Restaurants der Friedrichstadt sein Unwesen, indem er fich daselbst an Speisen und Getränken gütlich thut, um im geeigneten Moment, ohne zu bezahlen, zu verschwinden. Am Sonntag Abend besuchte der saubere Gast das Weißbier» restaurant von St. in der Schützenstraße und zechte dort nach Herzenslust. Als er soeben, ohne seine Schuld dem Kellner beglichen zu haben, daslLokal verlassen hatte, wurde der Kellner durch einen anderen Bediensteten des Restaurants auf das schnelle Ausbrechen seines Gastes aufmerksam gemacht, so daß es dem Geprellten, der dem Gauner nacheilte, noch gelang, diesen in der Krausenstcaße zu ergreifen. Leider wurde durch die Gutmüthigkeit eines Stammgastes, welcher die Zeche für den Durchbrenner bezahlte, letzterer nicht der Polizei übergeben, sondern er konnte von dannen ziehen. Belle-Allianee-Theater. Mittwoch: Ertra-Vorstelluna zu halben Kaffenpreisen.(Parquet 1 Mark, Entree 50 Pf) Drittletztes Gastspiel des Herm Emil Thomas. Zum letzten Male: Defizit! Lustspiel in 4 Akten von Julius Rosen. Im prachtvollen Sommergartcn: Doppel« Konzert.(Äufikkorps Arnold und die bedeutend verstärkte Hauskapelle.) Auftreten des schwedischen Doppel- Quartetts, der Wiener Duettisten, Herren Schmutz und Katzer, des Tyroler Trios Suchard und deS Herrn H. Meitzer. Abends: brillante Illumination durch 20000 Gasflammen. Anfang des Konzerts 6, der Vorstellung 7 Uhr.— Donnerstag; Vorletztes Gastspiel des Herm Emil Thomas: Der Aktienbudiker. Das Kostüm-Schwimmfest, welches der SchwimmLub „Hecht" am Sonntag in der Berliner Echwimmschule vor dem Stralauer Thor Nr. 5 veranstaltete, lieferte einen schönen Be- weis dafür, welche Virtuosität auf dem Gebiete der Wasser- gymnastil erzielt werden kann. Etwa fünfzehn jugendlich elastische Gestalten in knappem Badekostüm und mit sportmäßig gezeichneten Kappen bethciligten sich an den verschiedenen Schwimmübungen, deren gleichmäßige und exakte Ausfühmna bei den zahlreich erschienenen Freunden der Schwimmkunst wiederholt lebhafte Anerkennung fand. Zur Anspomung des Wetteifers waren Ehrenpreise angesetzt, um deren Erringen ein reger Wettkampf stattfand. Nach einem Eröffnungsreigen mit verschiedenen Touren i la Quadrille im Waffer begann das Wettschwimmen auf eine Distanz von 150 Metern, aus welchem Herr Tischler Schmidt unter vier Konkurrenten als Sieger hemorging. Der zweite Ehrenpreis wurde dem bestm Dauer- taucher, Herm Schwarzbürger, zu Theil, welcher 2 Minuten 20 Sek. unter dem Waffer aushtelt. Dm dritten Preis errang Herr Gürtler Meyer im Wett-Kürspringcn. Beim Hechttauchen» bei welchem derjenige Sieger ist, ivelcher die längste Strecke unter dem Wasser zurücklegt, ficgte unter vier Konkurrenten Herr Bildhauer Bothe- derselbe schwamm 36 Meter unter Wasser. Den fünften Ehrenpreis errang im Rückmschwimmen auf eine Distanz von dreißig Metern Herr Knopfmacher Echöbel. Im Tauchen nach verschiedenm Gegenständen siegte Herr Buch- bindcr Lange und im Springen aus schwimmenden Ringen Herr Meyer. Dazwischen wurden verschiedene Schwimm- und Springübungen, sowie eine Anzahl„Variattonen im Waffer" ausgeführt und auch das humoristische Element kam in einem lllmer.ftscherstechen, einer sensationellen Fischotterjagd und einer onainellen„Anglerpartie einer penfionirten Rentiers» familie" bestens zur Geltung. Die bei diesem Kostüm-Schwimm- fest bekundeten Leistungen des seit etwa zwei Jahren erst be» ließ,„bin ja nicht Kommandant hier, mußt e» schon mit unserem Freunde ausmachen." „Und ich muß gestehen." nahm Falk das Wort,„daß mir nichts Schmeichelhafteres hätte gesagt werden können. Das Urtheil eines so alten erfahrenen Seemanne» über dieses Bild stelle ich höher, als das Gutachten mancher Kunst- freunde und Kunstkenner." „Hab' ich'S nicht gesaat, Dickie?" versetzte Rast mit rührender Vertraulichkeit, indem er auf den Maler deutete, „Hab ich'S nicht gesaat, er sei ein Gentleman vom Spiegel bi« zum Stern? Merkte es schon gestern Abend, als ich ihn ansegelte und er mir dafür kunstgerecht den Wind ab» 9 Nach dieser Erklärung ließ er sich auf seinen Stuhl nieder und balanzirte denselben dann mit seiner ganzen Last wieder an den Tisch. Rast'S letzte Bewegung schien gewissermaßen da» Signal zur Fortsetzung der unterbrochenen Berathung gegeben zw haben, denn er hatte fich kaum beruhigt, da wendete Weatherton sich sogleich an Falk. „Was Ihr durch einen so merkwürdigen Zufall er» führet," hob er an,„beweist nur, daß ich nicht irrte, indem ich muthmaßte, es sei nicht nur auf eine Täuschung de» jungen hilflosen Mädchens abgesehen, sondern auch auf eine Uebervortheilung oder Beraubung desselben." „Zhr sagtet doch wohl, es befände sich in ihrer Um- aebung eine Dame; haltet Ihr diese ebenfalls für treulos?" fragte der Künstler. »Eben so treulos, ja noch treuloser, als alle Uebrigen:" antwortete Weatherton schnell.„Dieselbe ist eine alte, eitle Person, die sich offenbar nur deshalb zum Mormonismu» bekehrte, um ihre Tage nicht unverheirathet beschließen z« müssen. Habe ich sie richttg durchschaut, so rechnet sie darauf, die zweite oder dritte Gattin Desjenigen zu werden, dem da« junge unschuldvolle Wesen geopfert werde« soll. Sie will heirathen und zugleich Vortheil von dem nicht uubedentendew Vermögen ihrer Schutzbefohlenen ziehen." (Fortsetzung folgt.) stehend«» SchwimmNubs„Hecht" zur Vervollkommnung turnerischer und gymnastischer Uebungen im Wasser verdienen alle Anerkennung. Polizei-Bericht. In der Nacht zum 27. d. M. wurden dem Otto Emil Franz Borchardt, Liebenwalderstr. 8 wohnhaft, bei einer Schlägerei in der Chausseestr. von dem Schiffer Six- darf aus Zerpenschleuse mit einem Messer die Muskeln am Oberarm durchstochen. Der Verletzte mußte nach der Ronig lichen Klinik gebracht werden.— Am 27. d. M. Morgens fiel die 4 Jahre alte Tochter des Schiffers Dahms im Humbolds- Hafen vom Kahn ins Wasser und ertrank— Am Vormittage desselben Tages wurde die 3 Jahre alte Tochter des Tischlers Vrllggemann, Manteuffelstr. 12 wohnhaft, an der Ecke der Muskauer- und Pücklerstr. von einem Fouraaewagen überfahren und derartig verletzt, daß fie*U Stunden später in Bethanien verstarb.— Um dieselbe Zeit stürzte der 10 jährige Sohn des Tischlers Reichau, Wienerstr. 36 wohnhaft, in Folge Loslösens «iner Geländersprosse aus dem fünften Stock in den Hansflur hinab und verstarb auf der Stelle.— An demselben Tage Nachmittags fiel die 5 Jahre alte Tochter des Töpfers Lotzin, Frankfurter Allee 67 wohnhaft, aus einem 1'/, Treppen hoch velegmen Flurfenster auf den Hof hinab und erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Gerichts-Ieiwng. ReichSgerichtSentschetdung. Leipzig, 27. Juli. Wegen Verstoßes gegen die allgemein anerkannten Regeln der Bau- fünft im Zusammenhange mit unerlaubter Abweichung von dem polizellich genehmigten Bauplane war der Brauereibefitzer Kirchmann in Dessau vom dorttaen Landgerichte zu 4 Wochen Gcfängniß vcrurtheilt worden. Er wollte einen Umbau in seiner Brauerei vornehmen und erhielt seine der Polizei eingercrch en Pläne genehmigt. Den Bau leitete er selbst, da die Arbeiter nur seinen Anweisungen Folge leisten dursten. Bei dem Bau des Eiskellers wich er nun insofern von dem Bauplane ab, als er die Doppelwände, welche mit Kohlengrus ausgefüllt werden, bedeutend dünner herstellen ließ. Weiter wich er von der Zeich- nung ab, indem er eine Atitta um den Eiskeller herumführen ließ und zwar nicht zu dekorativen Zwecken» sondern in der Abstcht, em Basfin für den Regen herzustellen, damit eine größere Kühle des Kellers erzielr werde. Zu diesem BeHufe hatte er auch die Abflußlöcher, welche sonst bei einer Attila an- bracht werden, zumauem lassen. Allerdings war ein Venttl angebracht, durch welches das Wasser in den Keller laufen konnte. Die Folgen dieser eigenmächtigen Abweichung vom Bau- plane zeigten sich bald. Am 3. Dezember vorigen Jahres, als gerade Arbeiter im Eiskeller beschäftigt waren, löste fick von der zu dünn hergestellten und durch das darüber befindliche Wasser erweichten Umfassungsmauer ein Stück von der Größe eines Quadratmeters los und traf einen Arbeiter, welch er�m Folge dessen Monate hindurch Verurtheilung des Angeklagten wegen der oben angegebenen nicht aber wegen fahrlasfiger Strafverfahren.......... wurde aber bei arbeitsunfähig war. Die Kirchmann erfolgte nur Gesetzes- Ueberttctungen, Körperverletzung, da ein in dieser Richtung nicht eröffnet war. Es der Strafausmessung darauf Rückficht genommen, daß eine Körperverletzung die Folge von des Angeklagten Handlungsweise gewesen ist. Hauptsächlich gegen diesen Punkt richtete fich seine Revifion. Das Reichsgericht(lll. Strafsenat) verwarf jedoch dieselbe unter folgender Begründung. Der Thatbestand des§ 330(Verstoß gegen die Bauregeln) ist ein- wandsfrei festgestellt, denn es ist nicht nur festgestellt, daß der Angeklagte eigenmächtig Abweichungen von dem polizeilich ge- nehmigten Bauplane habe zur Ausführung bringen lassen, wo- durch oie Uebertretung aus§ 317, 15 begründet ist, sondern daß diese Abweichungen zugleich auch Verstöße gegen die aner- kannten Regeln der Baukunst enthalten haben, durch welche Gefahr für andere entstände» ist. Es wird in der Beziehung insbesondere hervorgehoben die ungenügende Art, wie die Um- fassungsmauern hergestellt find und der Umstand, daß der An- geklagte, um ein Wasserbassin auf dem Dache herzustellen, die Attila nicht blos auf einer Seite, wie es in der Bauzeichnung hervorgehoben war, sondern von allen Seiten hat herstellen lassen. CS wird dann noch gesagt, daß er Zement benutzt hat, wodurch die Gefahr, daß Risse entstehen, herbeigeführt sei. Wenn nun das Gericht femer, um zu begründen, daß hier- durch eine Gefahr für andere entstanden sei, darauf hinweist, daß sogar schon ein schädigender Erfolg eingetreten sei, indem ein Arbeiter Schaden am Körper durch einen Einsturz erlitten habe, und daß andere in Gefahr gesetzt seien, so ist das in keiner Weise als unstatthaft zu erachten. Soziales«nd Arbeiterbewegung. � Das Harmoniegedudel des Dr. Hirsch wird um so widerlicher, je mehr die letzten Stteiks und besonders der Maurerstreik zu Berlin bewiesen haben, daß gerade die söge- nannten Arbeitgeber es find, welche von einer freien Verem- bamng, die zur Verständigung führen soll, nichts wissen wollen. Desbalb ficht cS uns auch nicht an, wenn der„Gewerkverein" uns dadurch„graulich" machen will, wenn er uns des Einver- ständnisses mit einer„konservativen Stimme" zeiht, welche, wie wir, soziale Behörden zur Schlichtung von Differenzen zwischen Untemehmern und Arbeitem verlangen. Das Blatt greift nämlich den Leitarttkel an, der kürzlich in unserm Blatte gestanden hat mit der Ueberschrift: Einigungsämter und Arbeiterkammern". Wir nehmen natürlich von dem Artikel keine Silbe zurück, da wir nach wie vor und voll und ganz auf dem Boden des von den Arbeitervertretem im Reichstage einge- brachten Abeiterschutzgesetzes stehen. Daß dem Dr. Max Hir|ch und seinen Trabanten die in demselben hervorgehobenen Ar- beiterkammem nicht behagen wollen, liegt auf der Hand, da mit Einführung derselben das mühsam zusammengcpappte Kartenhaus der Gcwerkvereine mit einem Schlage zertrümmert und das armselige Harmoniegedudel des sozialen Quacksalbers für immer verstummen würde. Ueber die Frage eweS gesetzlich geregelten„Normal- arbeitstages" spricht sich ein t o n s e r v a t i v e s Blatt fol- aendermaßen aus:„Wie wert die Angelegenheit einer Enquete bezüglich des Normalarbeitstages gediehen ist, hüllt fich noch in tiefstes Dunkel, und der Normalarbeitstag scheint für einige Zeit von der Tagesordnung abgesetzt zu fem. Auch in dieser wirthschaftlich überaus wichtigen Frage, deren Erledigung zwar nicht drängt, die aber keinen Augenblick aus den Augen gelassen werden sollte, wird bei der zu veranstaltenden Enquete d,e An- ficht der A r b e i t n e h m e r in den einzelnen Fabrikations- zweigen zu hören sein, denn wollte man allein die Arbeit- g e b e r sprechen lassen, ließe sich ihre Entscheidung bereits jetzt voraussehen: sie würde verneinend lauten. Und doch gievt es zahlreiche Momente, die auch im Interesse der Arbeitgeber für Einführung einer gleichmäßigen Regelung bezüglich Einschränkung der Arbeitszeit sprechen. Man muß von dem Grundsatz ausgehen, daß der Verlust, der durch Einführung des Normalarbeitstages entstehen könnte— daß er eintreten muß, ist noch keineswegs erwiesen — getragen werden soll von den Konsumenten, von dem Fa- brilanten und vielleicht auch zu einem kleinen Theile von dem Arbeiter. Es ist keineswegs anzunehmen, daß auf jeden Fall der Verdienst der Arbeiter ein geringerer werden müßte, wenn der Fabrikant nicht die Kosten der neuen Einrichtung allein zu tragen haben sollte. Vielmehr wird es in zahlreichen Fällen möglich sein, daß der Arbeiter bei 11 stündiger Arbeit dasselbe leistet, was er sonst in 12 Stunden geschaffen haben würde, denn der Mann wird bei kürzerer Arbeitszeit frischer und ar- beitslustiger an's Werk gehen können, als wenn ihm eine seine Kräfte über das Maß ansttengende Arbeit täglich als eine Last erscheinen muß. Nicht die Quantität allein, sondem auch die Qualität wird hierdurch vorauSstchtltch eine bessere werden, und der Abnehmer wird fich nicht weigern, für die bessere Waare unter Umständen einen höheren Preis zu zahlen. Doch kommt bei dem Theile von Betrieben, durch deren Natur die Arbeiter öfters Unfällen ausgesetzt find, außerdem noch in Betracht, daß fich mit der Vernngerung der Arbeitszeit auch die Zahl der Unfälle vermindern wird. Ein Arbeiter, der bereits längere Zeit anstrengend gearbeitet hat und noch eine stunden- lange Arbeitszeit vor fich Hat, wird zweifelsohne seine Arbeit mechanisch verrichten, er wird infolge von Ermüdung weniger auf seine Umgebung aufpassen und Dadurch mehr iroend wel- chen Unglücksfällen ausgesetzt sein, als ein anderer, welcher fich weniger anzustrengen braucht. Wenn aber derartige Unfälle an Zahl abnehmen, wird fich auch die Summe der an die Verunglückten resp. an deren Familien zu zahlenden Entschä» digungen verringem, woraus dem Arbeitgeber, ganz abgesehen von der humanitären Seite der Sache, auch ein pekuniärer Vor- theil erwachsen würde. Vor Allem aber ist e i n GestchtSpuntt festzuhalten: die Gesundheit des Arbeiterstandes. Be- zeichnend ist es, daß bei den Aushebungen zumattivenMilitärdienst ein großer Bruchtheil verjüngen Fabrikarbeiter für dienstuntauglich erklart werden muß, während mehr und mehr die ländliche Bevölkerung zum Dienst herangezogen wird. Diese Erwägung sollte für die Entscheidung der Reichsregiemng, welche bisher — man kann nicht anders sagen— die Frage des Normal- Arbeitstages recht stiefmütterlich kühl behandelt hat, entscheidend sein; ihr muß vor Allem daran liegen, der Nation ihre alte Wehrkraft zu er- halten. Fürst Bismarck hatte bei der Berathung der Ange- legenheit im Reichstage allerhand Daten ins Feld zu führen Sewußt, welche diese wirthschaftliche Neuerung bedenklich er- heinen lassen konnten. So hatte er u. A. auch gesagt, daß der Normalarbeitstag in der Schweiz, wo er gesetzlich ein« geführt ist, nur auf dem Papier stehe. Durch den soeben er« schienenen Bericht der Kantonsregierungen über die Ausführung der bezüglichen Gesetzesbestimmungen wird jedoch bewiesen, daß der Herr Reichskanzler in dieser Sache nicht gut unterrichtet gewesen ist. Wenn das Gesetz nur auf dem Papiere stände, würde wohl auch nicht gegen die Ueberschreiter des Gesetzes seitens der Behörden ein- geschritten werden. Der Bericht führt aber zahlreiche Bestra« jungen von Gesetzesüberttetunaen an. Gleichzeitig sagt derselbe, und das ist die Hauptsache, daß fich der NormalarbeitS» tag, abgesehen von einzelnen Ausnahmefällen, recht gut einge- bürgert hat. Sicher wird die Reichsregiemng diesem Berichte unter dem durch die Enquete zu sammelnden Material ein f lätzchen einräumen."— Im Wesentlichen können wir den usfühmnaen des konsewativen Blattes zustimmen, umsomehr, als Jeder sofort merkt, daß die schlagendsten Gründe für einen gesetzlich geregelten Maximalarbeitstag der Arbeiterpresse ent- lehnt worden find. Daß es fich übrigens für uns bei der Ver- kürzung der Arbeitszeit vorläufig nicht um eine ll-stündige, sondem um eine 10.stündige tägliche Arbeitszeit handelt, daS wissen unsere Leser. Besteuerung der Dampfmaschinen und Kohlen. Dieser echt zünftlerische Gedanke, der den Herrn Ackermann und Kleist-Retzow sicherlich das Jnnungsherz in der Bmst vor Freuden erbeben läßt, soll in Form einer Petitton an den Reichstag und einer Eingabe an den preußischen Handels- ministerFleisch und Blut erhalten. Es soll nämlich eine dahin- gehende Petition auf dem bevorstehmden„Allgemeinen Weber- tag selbstständiger Webermeister der Seidmindusttie des Nrederrheins", der zu C r e f e l d abgehalten wird, beschlossen werden, um die tzausindusttie und die handwerksmäßig be- tnebene Weberei zu retten. Ganz abgesehen von der Erfolg« lofigkeit einer solchen Steuer in Hinficht auf die Hausweberei im Gegensatze zur Fabrik- resp. mechanischen Weberei, kommen noch ganz andere Bedenken in Betracht. Wenn wirklich eine solche Besteuerung einträte, so würden die Fabrikanten selbstverständlich diese Steuer auf das allgememe Bettiebskonto setzen und da dieses eine gewisse Höhe nicht überschreiten soll, damit das Gcwinnkonto intakt bleibe, so würde man im Betriebskonto einen andern Fattor ausfindig machen, an wel« chem gespart werden müsse. Und dieser Faktor würde der Arbeitslohn sein. So würden durch diesen genialen Zunftgedanken die Arbeiter in erster Linie leiden. Und den " nnunasmeistern würde nicht geholfen werden, denn durch die teduktron des Arbeitslohnes würden die Großfabrikanten trotz der Kohlen- und Maschinenbesteuemng genau in derselben nstigen Stellung den„selbstständigen Webermeistern" gegen- über bleiben, wie fie es jetzt stnd. Es bestehen andere Faktoren, welche die Großfabrikation leistungsfähiger machen, als den Kleinbetrieb— dazu gehört in erster Linie die Konzentration des Kapitals. Und diese kann bei den gegenwärtigen wirth- schaftlichen Zuständen nicht verhindert werden trotz aller zünftlenschen Bestrebungen. Solche Steuerreformvorschläge aber zeigen, wie wenig Verständnih unsere deutschen Hand- werksmeister den großen wirthschastl, chen Zuständen der Neuzeit gegenüber zeigen._ Uermischtes. Von Alexander Dnmas, dem Vater, erzähltBlaze de Bury neuerdings hübsche Anekdoten. Die„Musketiere" er- regten bei ihrem Erscheinen ein wahres Entzücken. Man wollte die drei Helden auch auf der Bühne sehen, und so brachte fie ihr Schöpfer auf die weltbedeutenden Bretter. Dumas(Sohn) erzählte Blaze de Bury das Folgende über die Generalprobe des Stückes: Während der ersten sechs Bilder sahen wir im Hintergrunde den Helm eines Feuerwehrmannes, welcher die Vorgänge auf der Bühne sehr aufmerksam verfolgte. n der Mitte des siebenten Bildes verschwannd der elm.„Siehst Du den Helm des Feuerwehrmannes?" fragte Dumas seinen Sohn.„Nein, er ist nicht mehr da. Nach dem Aktschluß suchte der Verfasser den Feuerwehrmann auf, der ihn nicht kannte.„Warum", fragte er,„haben Sie das letzte Bild im Stich gelassen?"„Weil es mich nicht ebenso unterhielt, wie die andern". Die Antwort genügte Dumas. Er begab sich sofort in das Arbeitskabinet des Direktors, legte Rock, Weste und Kravatte ab, knöpfte den Hemdkragen auf, wie er gewöhnlich that, wenn er arbeiten wollte; er verlangte das Manuskript des fiebenten Bildes und zerriß es sofort in Stücke.„Was machen Sie da?" rief der Direktor.„Es hat den Feuerwehrmann nicht amüfirt, ich ver- Nichte es. Ich sehe wohl, was dem Bilde fehlt." Er setzte sich sofort an den Schreibtisch und machte einen anderen, besseren Akt. Die berühmte Badewanne, in welcher Marat erdolcht wurde, befindet fich bekanntlich in dem Besitz eines Pnesters des Dekanats Sarzeau(Morbihan.) Der AbbS Le Cosse kündigt jetzt den Verkauf dieser Reliquie an zu Gunsten der Armen seiner Gemeinde und zur Stiftung eines wohlthätigen Werkes. In St. Louis kündigte ein spekulativer Theaterdirettor die Vorstellung von Schiller's„Tel!" an. Der Theaterzettel enthielt in fetter Schrift die Echlußbemerkung:„Der Land- vogt Gehler wird hoch zu Roß auf der Bühne erscheinen. Das Roß wird nach der Vorstellung verloost werden. Jeder In- Haber eines Sitzplatzes erhält ein Loos an der Kasse." Die Pferdelotterie verlieh, wie das zu erwarten stand, der Tell- Vorstellung eine bedeutende Zugkraft, und das kunstfinnige Publikum erwartete mit Spannung den Moment, wo das Roß des Landvogts zur Verloosung kam. Endlich wurde das Loos gezogen und der Regisseur lud den glücklichen Gewinner ein, auf die Bühne zu kommen und den Gewinn in Empfang zu nehmen. Mit dem Inhaber des Glückslooses erschien aber noch ein zweiter Mann auf der Szene und nun ergab folgendes: erstens war daS Roß GeßlerS ein— MaulA zweitens war dieser Maulesel gestohlenes Gut und wurde lw solches von dem Eigentümer reklamirt, drittens war der esel blind, was den Gewinner veranlaßte, das edle Reitw» GeßlerS ohne Zaudern dem rechtmäßigen Äesttzer wieder zuw»' zustellen. So endete diese interessante Tell-Vorftellung# jeden Mißklang. einmal Revolver und Messer in ihrer Wirkung gemessen. 3"® Ehre der betheiligten Bauernburschen muß erwähnt nKwssj daß ihre Knochen undurchdringlich find. Blut hat es n>w I in Folge der Sticke und Hiebe gegeben und nach einem g«? lichen Zuspruch hat man sich auch rm ersten Augenblick versw; aber der Revolverschuß prallte buchstäblich an der Hirnw®;; des Getroffenen trotz verhältnißmäßig geringer Entfernung w- Das Telephon als Lebensretter. Aus Air wird w® 22. d. M. von einem Raubanfalle berichtet, der mit dem ...............— wansaue vencyrer, oer mu w»- einiger Zeit in Wien von Julinek verübten einige Aehnlub'� befitzt. In der Wohnung des Kaufmanns B. erschienen a°> 21. 6. M., Nachmittags, zwei als Ladendiener gelleide e Manmr --. u' v—•———------ yCllClvt t- welche eine kleine Kiste überbrachten. Sie verlangten# Frau B., die allein zu Hause war, eine Empfangsdestäügn� Um diesem Verlangen nachzukommen, begab ssch Frau � in's Komptoir, bemerkte jedoch, daß die Männer die öffneten und aus derselben Stricke und Einbruchswtt'Zeu? entnahmen. Frau B. stürzte, Böses ahnend, zum E#": Apparate deS Telephons, und kaum hatte fie auf � Taster desselben gedrückt, als die Männer sie überfielen«Jj zu erdrosseln suchten. Der Beamte der Zentral eilte auf daS gegebene Signal zum Apparate und dT verworrene Hilferufe. Er verständigte hiervon seine hat d m putschen 3 Ut ungebr Mglatte! Turner oti welche sofort zum Hause des B. eilten. Sie stn die WohnungSthür verschlossen, klopften mehrere Male sahen plötzlich einen der Räuber vom zweiten StockwetWJ" den Hof springen, wo er besinnungslos liegen blieb a&ot U-rvativl Mnungs-r sksprochen� Uns k. wng des Vierung, Aus «tu vui lymigni, tuo er oennnungvios liegen ouco. � zweite Räuber öffnete plötzlich die Thür und wollte mss � walt durchbrechen, wurde jedoch festgenommen. Im fand man Frau B. mit Schnüren gedrosselt auf dem Boec liegen. Der Arzt, der sogleich zur Stelle war, konstatirte, M wenn fich nicht sofortige Hilfe eingefunden hätte, Frau»■ � wenigen Minuten gestorben wäre. Die achtjährige Elise:„Warum heißt denn � Schweizerhaus, wo wir Nachmittags gewöhnlich unfern g trinken, eigentlich Waldtempel, Gertruv?"— Die sechsjaW Gertrud:„Wahrscheinlich deshalb, weil man dort immer# Anbeter findet." Lvielnu «scheint di Ks wonie auf -.Frei roeli et. als �lem gro kliä ß, Kleine Mittheilungen. Köln, 26. Juli. Ein einfacher Trauerzug, ohne Schaugeprängc, geleitete heute Morgen um 9 Uhr vom Hw--� aus die Opfer der Katastrophe am Holzmarkt zu Grabe.\ sommerliche Hitze ließ die Leichen so rasch dem VerwesueSr prozeh verfallen, daß das Begräbniß stattfinden mußte, che �f der Bürgerschaft Nachttcht davon geben konnte. So st'K denn nur mehrere hundert Personen aller Stände den'»f Leichenwagen, in den Straßen aber, die der Zug passtrte, PjrJ fich eine nach vielen Tausenden zählende Menge; je mehr r der Zug dem Friedhofe näherte, desto größer wurde das gefolge, und auf dem Friedhofe vermochte die Polizei kaum�r Zugang zu den sieben in einer Reihe angelegten Gräbern nn zuhalten. Auf dem ersten Todtenwagen— einem ofstr Militärleichenwagen— standen die Särge der beiden SchwenQ WA&f■»meitfd sss A M y* Snv*«,*** SfftrtfL % jyfc «>Men He S % «i % Und Löhr, der zweite Wagen enthielt die Leiche der Frau Mo&.E im Hospital gestorbenen Witthin des Hauses Nr. 75, im Wagen befand fich die Leiche der Witthin Frau Lölgen)' deS fünfjährigen Knaben Heuter, und der vierte Wagen% ngen die Särge der Frau Fix, Gattin eines beim Kaiserin... Regiment dienenden Soldaten, und des Fräulein%% Nachdem die Särge in die Gruft gesenkt, nahm der Wu geistliche— die Tobten gehötten ausnahmslos der katholn� Religion an— die Einsegnung vor, sprach Wotte des zu den Hinterbliebenen und fordette die Anwesenden helfenden Fürsorge für die durch das Unglück in Roth rathenen auf. dn& V w & l�vlTvIl UUf* jiJ Zwischen Himmel und Erde. In dem im Schloß eise belegenen Dorfe Flötenstein spielte fich am vergang� pWntx rtiif hpm tWrrfiffrnrrit ptttp nft. �. 6# Kreise. MHIWWW,..... Freitag auf dem Kirchthurm eine schreckliche Szene ab- Zimmermann N. war auf das Dach des Kirchthurms gest um ersteres an einigen schadhaften Stellen auszubessern, jj er auf dem äußersten Rande des Daches stand, verlor er � Gleichgewicht, glitt vom Dache herunter und da er mit eA. Arm nach oben griff, glitt die Schlinge des Sicherheitsw. über die Schulter um den Hals. Seine Mitarbeiter gewadsL dieS erst, als er schon die Symptome eines Erhängten Der Briefträger Roggenbuck erklettette eiligst die Dhurmtr«�. stieß ein Brett von der Umkleidung des Thurmes los in Gemeinschaft mit dem Kirchenvorsteher Herrmann% eigener Lebensgefahr den Hängenden durch die so gewonn Oeffnung in den Thurm. Es wurden nun WiederbelebuZi ......."" ilg 0� m r-tt-t .�rths wert ?!an WS «der anbei Hah 8% versuche angestellt, die glücklicherweise auch von Erfolg waren. Rom, 24. Juli. Die Pellagra, eine durch den schlechte Ernährung, Wohnung rc. erzeugte Krankheit hat» Jahre 1881 die ungeheure Zahl von 104 067 Menschen � iriffcn, die sich auf 2453 Gemeinden vettheilcn. 6% ahre 1879 hat sich die Anzahl der Kranken um 621- p mehrt. In Benetien betrug die Zahl der Kranken im nannten Jahre 26 045, die Krankheit ist daselbst fottnw� im Zunehmen begrimn., ,,|( Rom. 25. Juli. Eine furchtbare Katastrophe ettVM sich am 24. Juli, Nachmittags, in der italienischen Anagni im Kreise Frosinone. Während eines heftig«» witterS flüchteten fim_ fünfzig Bauern und Bäuerinnen>» � Sere Z ssi Scheune, um dort Schutz vor dem Unwetter zu suchen hatten daselbst kaum einige Minuten verweilt, als der die Scheune einschlug und sämmtliche Personen, die befanden, zu Boden streckte. Dreizehn Personen blieben todt und fünfundzwanzig von den übrigen wurden so verletzt, daß von diesen bereits fiebenzehn Personen g« find. Die Einwohner der Stadt befinden sich in für«1 in s % fd% �ssa Mchn cb- Aufregung. Eine Mutter, welche bei der Katasttoph« Söhne verlor, wurde wahnsinnig, als sie die»n pls verlor, wurde wahnsinnig, als sie die schmetternde Kunde vernahm und zu den Leichen ihrer% w geführt wurde. Ein Mädchen, das in einem der ihren Bräuttgam erkannte, nur mtt Mühe von dem Schauplatze deS Unglücks weiden. verfiel in Weinkrampf R ä? Kriefkaste« der Redaktion- � � Zur Wahl. Ueberzeugen Sie fich durch Einfi«�, in Wählerliste, ob Sic eingetragen find. Fehlt Ihr der Liste, so müssen Sie spätestens bis Donnerstag s®f jK Ihre Aufnahme beantragen. Da Sie im September � 24. Lebensjahr vollenden, die Wahlen aber erst im Noo« 'tattfinden, so find Sie wahlberechtigt., G. 26. Besten Dank für Ihre launigen AusführUM Dieselben werden bei passender Gelegenheit noch««riv werden. Bertha E.. Große Frantfurterstraße. Bon«« treffenden Versammlung ist uns kein Bericht zugegangen- Ein Möbelpolirer, welcher seinen Beruf 5." leboch, � sehr 5« Sie müssen uns vor Aufnahme des Artikels Ihre Adresse� geben. Sir haben außerdem gar keinen Grund, Ihren zu verschweigen. Verantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW, Beuthstraße 2. Hierzu eine BeilasS» ses w �Senes b wo er m en h - MaulkÄ i wurde& kB«*# eder jutM' llung# Ä| Ä-t nt roetW. ut eS«w ;inem ß# i(f verfolg ' HirnM mung W- wird tw» nt dem-« Zlehnlilbkeii hienen"" e Männer, AtätigW efmu" Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr., 74. Mittwoch, de« SS. Mi 1885. II. Jahrg. h-t „Fm im Geist! stt d«r �«strednn bei der Eröffnung deS VI. deutschen 2imrf.ö 7- oenreoner d« oer vcronnung bafU h- Ä xt»roßt Versammlung, welche die große Fest, den �'Jrtnerngerufen.„Frei im Geist", sagte der Mann, bnitu»seidener Tumcr an ihre Spitze während des ________. die stellten, welcher noetische Ansprachen wählt, um Frau&«m«rll« ol1 ne Rede nicht anwenden zu dürfen, wo eS fich r die# j1,�'utt�uMmd)e der Ziele handelt, welche auch die deutschen zzwttkz-� oerfolnon mn««, auf"" -% S-S und e Kollegs >ie fand»« Male u� iockwerke� r.»: r»s atirte, Mj tau 110 denn � J'Pllt ---— II' v* 4 verfolgen müssen., Der Herr Geheime Hofrath Ackermann, der unersetzbare Y"'"*S»V«�VHI»V MVUstuiu ttutiniuui'f VVV MI.Vl'IVV VMVV lmit.n!eI-0 �en'®0�e�er der sächstschen Metropole, der frei- �nervative Reichstags- und Landtags, Abgeordnete, der Ober- aeister hat dieses große Wort gelassen aus- tun�v* foro? als wir dieses große Wort hörten, die Forde- itiml. Marquis Posa an den König Philipp in Er- »mtng, wo vom König„Gedankenfreiheit gefordert wird. WitliV� eine8 3J}anneä' Dicker bisher für die W- oielmcl immer> zvjs°�r Verzweiflung' an dem freiheitlichen Erfolge seiner hervorgegangener Schmcrzensschrei, sondern als eine «r°n.e auf die Freiheit überhaupt. s.r."�ei im Gxist i" Wir möchten den Zwiespalt der Natur bllk.» sicher im Kopfe dieses talentvollen Redners fich ge- hLfZ°is er fich nach vielem Grübeln und Suchen endlich zu x. �.großen Wort beigelaffen hat. Es ist kein Kleines, wenn T$ äu dem Resultat gekommen sein sollte, daß es doch «was bedeutet, wenn„frei der Geist" ist. smrf t.n" der Korrespondent einer süddeutschen Zeitung ge- be»!.. s- �aft die an Phrasen sehr reichhaltige Rede des Ge- „»N Herm Ackermann sehr geschickt gewesen sei, so hat er htigt gelassen, daß der Herr Ackermann Advokat ist solcher sehr wohl versteht, erfolgreich und mit ilaidiren, wobei ihn sein sonores Organ wesentlich a&w WWWWWW {ft({ Rede deS Herrn Rechtsanwalt Ackermann war dem Suchend konstruirt; fie war auf Applau' berechnet. Er sthr wohl, wo der Beifall, der stürmische Beifall, einzu- .-.-tte; denn er hielt an, wo er ihn erwartete. akzeptiren das Wort:„Frei ,m Geist!" Denn daS ÄS 1.1% e mehr l? as T« i launig 'äbcrnL mkE imdn�? mcntf » 'm 1.« .es Tll enden Roth nx?- hz XÄ sV lurmWS lcwonu? .Ig ßcl 1 > creis"1� gwbftt aller freiheitsbegeisterten Männer ist seit vielen, vielen iy,�>len� nichts Anderes als die„Freiheit des Geistes und SfoJ�d wenn der Oberälteste der deutschen Zopfzwangs« y u%n das erkannt und in seinen Konsequenzen verfolgt w wenn eS nicht eine Phrase in feiner wohlgesetzten Rede W» hat er am 18. Juli d. I., Abends 9'/, Uhr, mit yvergang'nheit gebrochen. bei Mge der mit Titeln und Orden ausgezeichnete Mann, Reichstags, Abgeordnete Ackermann dieses Wort zur Row.*« gegenüber den Leuten machen, welche im Bann des !'» flehen, möge er den von ihm geleiteten Handwerkern i.3e Wort von der„Freiheit des Geistes" ebenso ruhig J ß l»ls er es mit großartiger Emphase in der Festhalle Dqqist Mischen Turnerfestcs wohl derechnet ausgesprochen hat. Zeit f«, v! welche in dem Wahne leben, daß die gegenwärtige Noch n,. die den überwundenen Standpunkt vergessener Tage deq%%% biete und die für die Jetztzeit als utopisch gelten- der wi�Sauungen ehemaliger Zunftzopfgenossen die Rettung rettet �schaftlrchen Misöre des Handwerks sein könnten, ge- werden aus diesem verderblichen Jrrthum. % f,:an beweise und Herr Ackernrann obenan, daß es ihm ÄeisüAen Leuten thatsächlich Ernst ist mit der„Freiheit des W v,- dann könnte man vielleicht zu der Ansicht kommen, oder Zr Art„Freiheitstreder" auch wirklich die„materielle" l ctä gesagt die„wirthschaftliche Freiheit" des Volkes im "«»bei,. n und dann Schutzzölle, welche Brod und Fleisch zrvejs.�wr- Zwangsinnungen, welche Nichtliebhabem dieser von, haften Institutionen die Existenzberechtigung entziehen Äcgy und Mehrbesteuemng des konsumirenden Theiles deS webr-»' aÜ gemeinschädlich, mit Energie abschaffen, resp. ab- . Denn Herr Ackermann kennt als studirter Mann das �• 10 sano corpore eoaa mena! In einem gesunden Körper Ivl Zuchthause von Ualdheim. ZegZ'• 3m Eingange des ZsolirgebäudeS, dessen untere �n°er-% Verbüßung der Disziplinarstrafen dienten, hing fo» oer.•l,t einc große Tafel, auf welcher fämmtliche Stta- q�,,?°rrchnet waren. Man hatte deren nicht weniger als W k.? wfunben und in stetem Gebrauch. Die Liste begann ftigcn% �uk7"«runoen uno m peiem weuiHuu/. len in Üü Arrest'-"ostentziehung", und lautete dann weiter: einfacher chen- j„ kost w'. en8" Arrest, Dunkel-Arrest, hartes Lager, Kranken- A msmm gesto� Speise»"ITP,.......— furch Ieich,,s. �'ch em Pfund Brot mit Wasser erhielt: diese rophe L, beten«,?�e Zugleich die stete Begleiterin aäer an- ie niM Unter' �/.�uSnahme nur der„Krankenkost dritter Klasse", ittt W mi tänsi� welcher harmlosen Bezeichnung sechs Loth Semmel in warmem Wasser," auf dem einige Fettaugen rnd v.�,t verstanden wurden. Diese sechs Loth Semmel s entr der Bestrafte in drei Abtheilungen, Morg -..�gs und Abends,"'''~ � i We lebocb , jedesmal zwei Loth. Die Wirkung vierwöchentlichen Kur dieser Art war im günstigsten "n jahrelang währender Heißhunger, Vielen f.f, ward fie zur Todesstrafe. Einfacher Arrest entii-n l�lten— bestand nur in Isolierung nebst Kost- qnb�wug. Bei dem engen Arrest wurde der Bestrafte "ur?och in einen schmalen Käfig gesteckt, der ihm sein in stehen erlaubte; und der Dunkel-Arrest fügte, wie «S SsS>'ÄÄ' t,, richtet asLe�eä hat man eigene Zellen sehr kunstvoll hergc- fllit kl sowohl der Boden als die Wände derselben waren m der nur v..-,— yv»---------_____________ De» ,1,?nt!9 geformten Latten aus hartem Holze bedeckt indiirfl' dieser Strafe Verurtheilte mußte auch noch ein ',!/!»> �wä-d«»», L-d»s°ä-» ist ein gesunder Geist, was für unS gleichbedeutend ist mit freiem Geist! Er hat femer gesagt, daß die Tumerei dazu beitragen müsse, dem freien Geist die Herrschaft über den Leib zu erringen. Wir akzeptiren auch das in der Voraussetzung, daß Herr Ackermann mit dem freien Geist nicht den nach Schablonen ge- richteten Gedankengang deutscher Männer, sondern jenen Geist meint, welcher im freien Flügelschlage auch nach den geistigen Höhen fich emporschwingen und nicht zurückgehalten werden darf von eisernen Händen einiger Zeitgenossen. Wenn Herr Ackermann mit allen seinen Freunden sich der Anficht anschlic- ßen kann, daß die gesammte veutsche Jugend gleiche Berechti- gung hat, bineinzuvringen in das, was die Geistesheroen der Vergangenheit zur Befreiung deS Volksgeistes von Wahn, Irr- thum und Aberglaube gedacht und für die Nachwelt niedergeschrieben haben, wenn er mit Energie die emstcn Bestrebun- gen unterstützt, unsere Volksschulen so einzurichten, daß jedem Kind aus dem Volk die Bahn zu jenen unvergänglichen Gütern frei gemacht wird; wenn die Schranke, welche der Geldsack gerade bei der Erziehung unserer Söhne und Töchter zieht, fällt und die Ausbilduna der Jugend nicht mehr der Ausdruck unseres Klassensystems ist— wenn das die Meinung des Fest. redners Ackermann ist: dann würden wir gern bescheinigen, daß mit dem schwerwiegenden Wort:„Frei der Geist!" der Anbruch einer neuen Aera für das geistige Leben des gesamm- ten deutschen Volkes fignalistrt worden sei. Auffallenv ist es aber, daß die dem so überaus poetisch angeleatenManne nahestehende Tagespreffe der konservativen Feststaot Dresden sich nur wenig mit der feingegliederten Rede des Geheimen Raths abgegeben. Ob das Absicht oder Zufall gewesen? Wäre es Absicht, nun dann müßte die Verstimmung unmittelbar folgen; denn dann hat das Wort von dem freien Geist, den das Turnen erzeuge, keine andere Bedeutung, als die einer wegen des„frisch, fromm, fröhlich, frei" nothwendigen Redewendung; es wäre nicht im Geiste des Altoater Jahn gesprochen und würde nimmer er- leuchtet sein von dem erhabenen Bewußtsein, daß der freie Geist für die wirthschaftliche Freiheit unbedingtes Bedürfniß ist, wodurch allein ein Volk gedeihen, sich erhalten und groß werden kann. Der freie Geist kennt keine Schranken, wie sie gezogen werden zwischen den Völkem, um den Verkehr unter ihnen zu erschweren; der freie Geist findet und fand immer die Mittel, den Leid so zu beherrschcn, daß der friedliche Wettstreit auf dem Gebiete deS Weltmarktes zu neuem Streben und neuer Arbeit anregt; die Wohlfahrt der Gesammtheit verlangt als Hilfe, daß die Völker friedlich neben-inander arbeiten können und durch keine Erschwernisse davon abgehalten werden, ihre Er- Zeugnisse gegenseitig leicht auszutauschen. Das ist die Frucht des freien Geistes! Wer waren denn die Leute, zu denen der Festredner sprach? Sie waren gekommen aus weiter Ferne. Die Wellen des Ozeans hatten sie durchfurcht, der Verbin« dungsstraße, auf der fich die Fahrzeuge aller Nationen bewegen zum Zeichen, daß der Geist der Völker freie Bahn haben will und muß, um in brüderlichem Verkehr fich die Hand zudrücken und Schulter an Schuller, Arm in Arm zur Erreichung der großen Ziele der Menschheit zu wirken. Und wer ist der Mann, welcher in dem weiten Raum der Festhalle das große Wort vom„freien Geist" aussprach. Es ist derselbe Mann, welcher sau» phrase jede Zollerhöhung, jeden Schutzzoll als Vertreter des deutschen Volkes bewilligt, welcher mit fieberhaftem Eifer im Vaterland selbst Grenzsteine zwischen seinen Bürgern errichten will, welcher mit der Jnter- essenpolitik die Geister befangen macht. Dem Wort:„Frei im Geist!", von diesem Manne gesprochen, Glauben schenken, müssen wir solchen überlassen, welche von der Zollfreiheit der Gedanken leben._ Die„DeulschsreisiiMM" bei bw Mimmmzeii im Keichstliz, Die Organe des Herrn Eugen Richter befaßten fich in letzterer Zeit in der ihnen eigenthümlichen liebenswürdigen Form öfters mit den Abgeordneten der Arbeiterpartei und deren Theilnahme und Nichttheilnahme an angeblich wichttgen Ab- stimmungen im Reichstage. Äeistentheils find die edlen Preß- erzeugniffe sogleich gebührend abgefertigt worden; heute wollen Amtsantritt in seiner gewöhnlichen Kleidung einen kurzen Versuch gemacht, und versicherte mich dann, daß er eS nicht eine Viertelstunde auSgehalten haben würde. Es sind mir zehntägige Verurtheilungen zu dieser Strafe bekannt, die übrigens auch gegen weibliche Gefangene verhängt wurde. Noch erinnere ich mich lebhaft, wie eine solcher Art Be- strafte wieder in die Frauen abtheilung zurückgebracht wurde. Sie vermochte kaum zu gehen, und der furchtbare Schmerz machte sie auf den ganzen Weg über den Hos laut weinen. Zum Krummschließrn diente, im Gegensatz zum engen Arrest, ein niederer Käfig. Der Mann wurde erst derart gefesselt, daß seine rechte Hand an seinem linken Fuße lag, und dann, um jede BewMng zu verhindem, in den niederen Käfig gesperrt. Mehrere dieser Strafen, wie enger Arrest, Dunkel-Arrest, Latten-Arrest und Krummschließen, wurden jedoch nur zwölf Stunden des Tages fortgeführt und nach jedesmal zwei Tagen auf vier- und zwanzig Stunden unterbrochen. Das„Klotztragen" de- stand darin, daß der Bestrafte mittelst einer längeren Kette einen Holzklotz von verschiedener Schwere an den Fuß be- festigt erhielt, den er, sobald er gehen wollte, im Arme tragen mußte. Diese Strafe ward, namentlich unter dem späteren Direktor Heink, sehr häufig über die weiblichen Ge- fangenen verhängt. Der„Springer" endlich war eine Kette, die beide Füße verband und Dem, der sie tragen mußte, nur kurze Schritte oder Sprünge zu machen er- laubte. Einer meiner Freunde sollte die nähere Bekannt- schast dieses„Springers" in einer Weise machen, daß er noch heute die Spuren davon trägt. Ruten-, Stock- und Kantschuhiebe erklären sich von selbst. Die ersteren wurden namentlich häufig den Frauen zugesprochen; da jedoch stets ein Aufseher die Exekution vollstreckte, so war verordnet, daß die zu Bestrafende stets leichte Beinkleider dabei tragen solle, was jedoch, wie mir ein solcher Aufseher selbst sagte, keineswegs oft beachtet wurde, denn„was sollen Ruten- hiebe durch eine Hose ausrichten?" Welchen maß- losen Gebrauch man von den körperlichen Züchtigungen machte, möge daraus entnommen werden, daß— während z. B. im Jahre 1857 in sämmtlichen englischen Strafanstalten bei einem Bestand von 19 OCO Gefangenen nur 237 Männer wir nach einer Zusammenstellung der demokratischen ,Liheinisch- Westtälischen Blätter" einmal klarlegen, wie fich denn die Fraftionsgenoffen des Herrn Richter an den Abstimmungen bctheiligt haben. Es fehlten von dm Dmtschfreifinnigm bei den nachstehendm Abstimmungm: 1. Antrag Ansfeld auf Abänderung des§ 32 der Reichsverfassung(Sitzung vom 26. Nov. 1884): Krank 4, beurlaubt 2, ohne Entschuldigung 5, zusammen 11. 2. Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbe- fugten Ausübung von Kirchenämtem vom 4. Mai 1874 (Sitzung vom 3. Dez. 1884): Krank 2, beurlaubt 6, entschuldigt 1, ohne Entschuldi- digung 7, zusammen 16 3. Dritter Direktor(Sitzung vom 15. Dez. 1884): Krank 2, beurlaubt 7, entschuldigt 1, ohne Entschuldigung 10, zusammen 20. 4. Rcichshaushaltsetat. Wissenschaftliche Bestrebungen auf Erschließung Zenttalafrikas: Kap. 3. Zurückweisung an die Kommisston(9. Jan. 1885): Krank 2, beurlaubt 3, ohne Entschuldigung 9, zusammen 14. 5. Feststellung der Tagesordnung(13. Febr. 1885): Beurlaubt 2, entschuldigt 1, ohne Entschuldigung 18, zusammen 21. 6. Abänderung des Zolltarifs. Roggen 3 Marl. Weizen 3 Mark.(16. Febr. 1835): Krank 1, entschuldigt 2, ohne Entschuldigung 1, zusammen 4. 7. Abänderung des Zolltarifs. Gerste.(18. Februar 1885): Krank 1, beurlaubt 5, entschuldigt 2, ohne Enschuldi- gung 5, zusammen 13. 8. Abänderung des Zolltarifs. Mais und syrischer Darr (19 Febr. 1885): Krank 1, beurlaubt 7, ohne Entschuldigung 6, zu- sammen 14. 9. Dritter Direktor(4. Mär, 1885): Krank 1, beurlaubt 2, j' sammen 4. ohne Entschuldigung I, zu» 10. Fortsetzung der 2. Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Dampfersubvention(16. März 1885); a) Schluß der Diskussion: Krank 2, beurlaubt 3, ohne Entschuldigung 3, zusammen 8. b) Streichung der Worte„sowie Australien". Antrag Richter: Krank 2, beurlaubt 3, ohne Entschuldigung 2, zu- sammen 7. c) Streichung der Worte„und Afrika". Antrag Dietz und Genossen: Krank 2, beurlaubt 3, entschuldigt 1, ohne Entschuldigung 3, zusammen 9. ck) Antrag Rintelen: Krank 2, beurlaubt 2, entschuldigt 1, ohne Entschuldigung 3, zusammen 8. v 11. Holzzolle(19. März 1885): a) Kommisfions. Vorlage: Krank 1, beurlaubt 4, ohne Entschuldigung 3, zusam- men 8. b) Antrag Spahn: Krank 1, beurlaubt 4, ohne Entschuldigung 4, zusam- men 9. 12. Abänderungen des Zolltarifs. Antrag Stolberg: Dach- schiefer und rohe Schieferplatten 1000 Kilogr. 1,50 Mark (18. April 1885): Krank 1, beurlaubt 4, entschuldigt 3, ohne Entschuldi- gung 3, zusammen 11. 13. Abänderungen des Zolltarifs(20. April 1885): a) Schluß der Diskussion: Krank 1, beurlaub! 7, ohne Entschuldigung 2, zusam- men 10. d) Zoll auf Ochsen: 1 Stück 30 Mk.: Krank 1, beurlaubt 7, ohne Entschuldigung 1, zusammen 9. 14. Abänderungen des Zolltarifs: Schweine 6 Mk., Spanferkel 1 Mk.(21. April 1885): Krank 1, beurlaubt 7, entschuldigt 3, ohne Entschuldi- gung 3, zusammen 19. mit Hieben bestraft wurden, es aber seit Menschengedenken Niemand beigekommen war, ein Weib schlagen zu lassen— in dieser einen Strafanstalt Sachsens, ber einem durchschnitt- lichen Bestand von 800 bis 1000 Gefangenen, die Zahl der jährlich ausgetheilten Ruten- und Stockhiebe zwischen 20 OOO bis 25 000 zu betragen pflegte, und von 100 bis 150 Frauen in der Regel 60 bis 70 diese Strafart theilten. Es gab Zeiten während meines DortseinS, wo der sog. Schimmel, auf dem die zu Hieben Verurtheilte» geschnallt wurden, den ganzen Tag über nicht leer stand unv die mit den Exeku» tionen beauftragten Aufseher, wozu man stets die kräftigsten nahm, des Abends klagten, daß sie sich wie gerädert fühlten. Ein guter Theil dieser Brutalität kam indessen auf Rechnung des unter König Johann noch verschärften Straf- gesetzeS, nach welchem jeder Rückfällige bei seiner Einlieferuna zum„Willkomm" 60 Stock- oder,— wenn es ein Weih war— Rutenhiebe erhielt. Ja es kam vor, daß ein Manu, der bereits mit 60 Hieben bewillkommnet worden war, einige Zeit später, als eine weitere über ihn noch schwebende Unter- suchung entschieden wurde, auch für diese zweite Verurtheilung weitere 60 Hiebe zu erdulden hatte. Zu so schweren Exekutionen wurden in der Regel drei der stärksten Aufseher beordert, und so er- schöpften denn der Reihe nach jedesmal drei Männer ihre Kraft in der Peinigung eines Einzelnen. Auf die Schwere der Hiebe hatte sehr oft die per- sönliche Ansicht der betteffenden Aufseher über die Schuld des Bestraften wesentlichen Einfluß. So erinnere ich mich des Falles eines ausgezeichneten Kalligraphen, der nach Ver- büßung seiner ersten Zuchthausstrafe wegen Banknoten- fälschung eine recht gute Stelle erhalten, in dieser aber ver- schiedene Betrügereien verübt hatte, die ihn zum zweiten Mal in diese Anstalt brachten. Als Rückfälligen erwarteten ihn 60 Stockhiebe, welchen jedoch die Empörung der Auf- seher über seinen grenzenlosen Leichtsinn das Gewicht von mehreren Hunderten zu geben verstand. Sie zerschlugen ihn mit solcher Wuth, daß er mit völlig schwarz unter- laufenem Körper lange Zeit hindurch in der Krankenstube liegen mußte. Der Direktor war alleiniger Richter und völlig unbe- 15. Dtsgl. ZiShfadenzoll von 120 Mk.(23. April 1885); Krank 2, beurlaubt 10, entschuldigt 1, ohne Enischuldi- 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. gung 13, zusammen 26. das Börsensteuergesetz(8. Mai entschuldigt 4, ohne Enischuldi- (Dritte Berathung, 11. Mai ohne Enischuldi« Gerste 1,50 M. zu- die vorgrschlaaene Tarifnummer 4 des Reichsstempcl- avgavengesetzes(5. Mal 1885); Krank 4, beurlaubt 3, entschuldigt 3, ohne Entschaldi- gung 24, zusammen 34. Echtußabstimmung über 1885): Krank 3, beurlaubt 3, Sing 27, zusammen 37. oll auf Roggen 3 M. 18851: Krank 2, beurlaubt 1, entschuldigt 1, aung 1, zusammen 5. Antrag Fregc und Genossen, Zoll auf (12. Mal 1885): Keank 2, beurlaubt 1, ohne Entschuldigung 1, sammcn 4. Cichorien 1 M.(13. Mai 1885): Krank 1, beurlaubt 1, ohne Entschuldigung 10, zusammen 12. � Gesammtabstimmung über die Zolltarifnovelle(13. Mai Krank 1, beurlaubt 1, entschuldigt 1, ohne Entschuldigung 8. zusammen 11. Dritte Berathung betr. Abänderung des spanischen Han« delsvertrages 15. Mal 1885): Krank 2, beurlaubt 1, entschuldigt 3, ohne Entschuldigung 26, zusammen 32. Das ergiebt im Ganzen 28 Abstimmungen. Unter den Fehlenden(wir lassen die Kranken außer Rech- nung gebührt die Krone Herrn Hamspohn, der nur 22 mal gefehlt hat. Dann folgen Schwarz(der volksparteiliche Frei» sinnige) mit 16 mal, Herrmann mit 13 mal, Thomsen mit 12 mal, Birckow und Lüden mit 11 mal, Hänel und Bunsen mit 10 mal u. s. w. Wir meinen, deß unter solchen Umstan- den Herr Richter alle Veranlassung hätte, vor seiner Fraktions- thüre zu kehren._ Kommunales. Die Wählerlisten zu den im November stattfindenden Stadtverordnctenwahlen liegen nur noch bis morgen Donners- tag, den 30. Juli, im Wahlbureau des Magistrats(Köllnisches Raihhaus) Breitestr. 20a, 2 Treppen, in der Zeit von 9 bis 1 Uhr, zu Jedermanns Einsicht aus. Versäume daher kein Arbeiter, der sein Wahlrecht ausüben will, sich davon zu über- zeugen, ob sein Name in die Liste eingetragen ist. Reklama- rionen gegen die Richtigkeit der Wählerliste werden ebenfalls nur bis zum 30. Juli entgegengenommen, dieselben müssen schriftlich bei dem Wahlbüreau eingereicht werden. Reklama- tionen. welche nach dem 30. Juli eingehen, werden nicht mehr berücksichtigt. Die Arbeiter Berlins fordern wir dringend auf, persönlich oder durch sichere Freunde sich von der richtigen Aufnahme ihrer Adressen zu überzeugen und Jrrthümer sofort zu berichti- gen. Mögen besonders dw Arbeiter-Bezirksvereine rn dieser Hinsicht ihre Schuldigkeit thun, dadurch, daß die Mitglieder derselben für alle ihnen bekannten Wähler, welche verhindert find, die Listen persönlich einzusehen, dies thun, da- mit nicht wieder, wie bei den letzten Wahlen, so viele Wähler am Tage der Wahl deshalb von der Wahlbetheiligung aus- geschlossen werden müssen, weil ihre Namen sich in der Wähler» liste nicht befanden. ßokotes. Das königliche Polizeipräsidium hat auf eine Eingabe des Vorstandes der Innung„Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister Berlins" wegen Verkürzung der sechsmonatlichen Putzfrist eines Neubaues nachstehende Antwort ertheilt:„Auf das gefällige Schreiben vom 17. Juli, betreffend den Abputz derjenigen Neubauten, deren Fertigstellung durch den gegen- wältigen Maurerstreik verzögert worden ist, erwidert dem Vor- stände das Polizeipräsidium ergebenst, daß eine allgemeine Be- stimmung in dieser Hinficht nicht getroffen werden kann. Das Polizeipräsidium behält sich jedoch vor, in jedem einzelnen Falle besonders zu prüfen, ob nach Lage der Umstände oder nach der Beschaffenheit des Neubaues eine Abkürzung der durch Polizei- Verordnung voin 4. Mal 1865 festgesetzten Putzfrist zulässig er- scheint. Königl. Polizei-Präsidium, Abtheilung in.' Die Staatsregicrung beabsichtigt, im nächsten Jahre eine Erweiterung des gynäkologischen Instituts in der Ziegel- sttaße vorzunehmen. Letztere ist eine Sackgaffe, so daß bei etwa eintretender Feuersgefahr in dem genannten Institut die Löschmannschaften und Spritzen nur von einer Seite vor- rücken können Da die Straße am Monbijougarten endet, so ist eine Weiterführung nach dieser Seite hin nicht zu erwartm. ES erscheint daher wünschenswerth, eine Verbindung des End« Punktes der Ziegelsttaße mit der Oranicnburgcrstraße herzu« schränkt in der Strafzumessung. Er konnte auf die unbe- deutendste Beschuldigung hin beliebig die schwerste Strafe verhängen. Eine Berufung gab es nicht. Erst später, als Direktor Hein! diese Befugniß gar zu sehr mißbrauchte, sollt« bestimmt worden sein, daß er, ohne weiter anzufragen, sechszig Stockhiebe auf einmal nicht übersteigen dürfe. Eine solche Bestimmung wurde jedoch leicht illusorisch gemacht dadurch, daß man denselben Mann desto öfter prügeln ließ, wie denn auch eines TageS ein Züchtling, der m einem Zwischenraum von einer Woche bereits zweimal sechszia Stock- hiebe erduldet hatte, zum Empfang der dritten sechszig, die ihm von Heink diktirt worden waren, von einem Wärter in die Strafkammer getragen werden mußte, da er nach den erlittenen Mariern gänzlich unfähig war zu gehen. Da» früher den Aufsehern zugestandene Recht, nach eigenem Ermessen drei Hiebe auszutheilen, war ihnen von 1848 an eine Zeit lang entzogen worden; später jedoch erschien der Kantschu wieder und ich selbst hörte manchmal seine dumpfen, schweren Schläge in Nachbarzellen erschallen. Zn den letzten Zahren meines Aufenthaltes ruhte er jedoch, ob infolge eines Befehls oder der höheren Bildung und Humanität unseres Visitationsaufsehers, ist mir un« bekannt. ...... Bald nach Entdeckung eines BefreiungSver- suche? fand Heink eine Gelegenheit, seinen Eifer im Dienste der deutschen Reaktion zu bewähren. Eines Morgens, am 27. Oktober 1851, ereignete sich der seltene, in dieftm Hause nie dagewesene Fall, daß ein höherer Offizier in glänzender Uniform als Korrektionär eingeliefert wurde. Es war dre» ein Pole, Major in der ungarischen Armee, der vor Monaten auf seiner Durchreise in Leipzig verhaftet worden war, weil man daselbst von Wien aus die Weisung erhalten hatte, auf Mieroslawski zu fahnden, und ihn hier gefunden zu haben glaubte In dem Koffer des reichlich mit Geld und auch mit einem regelrechten, auf den Namen Badiczky lautenden Paß aus Warschau versehenen Polen, fand sich zu seinem Unglück ein Brief der Mutter MieroslawSki's an ihren Sohn, was begreiflicherweise als Bestätigung des Verdachtes diente. Obwohl nun für Sachsen durchaus kerne VertragSpflrcht stellen. Zu letzterem Zwecke hat bereits ein Grundeigenthümer dem Magistrat sein zwischen beiden Straßen belegenes Grund« stück zum Kauf angeboten. Der Magistrat hat jetzt die speziellen Bedingungen für die Heistellung der Pferdebahnlinie vom Gesundbrunnen nach Moabit aufgestellt und die Genehmigung zur Ausführung dieser Linie der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn-Attien- Gesellschaft ertheilt. Die Linie soll in der Thurmstraße beginnen, geht durch die Strom-, Birken-, Perlebcrger-, Fenn-, Reinickendorfer- und Pankstraße und endet an der Ecke der Badstraße und der Prinzen-Allee. Hin recht scharfsinniger Beweis wurde, wie die„Börsen- Zeitung" miltheilt, vor einigen Tagen durch dm Vorsitzenden einer Zivilkammer des Landgerichts II geführt. Ein Hand- werker hatte wegen eines Bettages von mehreren hundert Mark für gelieferte Arbeiten Klage erhoben, lieber dre Höhe bestand zwischen dem Kläger und dem Verklagten insofern eine Differenz, als der Letzlere laut vorliegender Rechnung bezw. Quittung bereits 135 Mark bezahlt haben wollte, während der Kläger bekauptete, nur 35 Mark empfangen zu haben. Der Anwalt des Klägers erkannte nun zwar den Quittungsvermerk auf der Rechnung an, nicht aber dre 1, welche vor der 35 stand und aus dieser die Zahl 135 machte, und behauptete, diese 1 sei gefälscht. Der Verklagte versicherte hoch und und theuer, er habe 135 Mark gezahlt. Da nahm der Vorsitzende das Wort und sagte zum Verklagten:„Sie haben die Quittung gefälscht und mit diesem Dokument gleichzeitig den Beweis zu den Ästen geliefert. Gleich als ich die Quittung zum ersten Male sah, fiel mir auf, daß sich die Echriftzüge des Quittungs- Vermerks von der einen Seite auf der anderen abgedruckt hatten. Das Papier ist also zusammengefalttt worden, als die Dinte noch nicht getrocknet war. Ich hielt nun die Echriftscite vor den Spiegel und konnte jetzt den Abdruck genau— Buchstaben für Buchstaben— lesen. Die 35 war recht deutlich zu lesen, aber von der 1 fehlte jede Spur. Da nun dieselbe bedeutend fetter ist als die anderen Zahlen, so mußte sie schwerer trocknen und sich um so mehr abdrücken. Daß das nicht geschehen, be- weist, daß die 1 erst nachgetragen worden ist, als die Quittung sich längst in Ihren Händen befand." Nach dieser Beweis- sührung hielt es der Verklagte für gerathcn, seinen Einwand fallen zu lassen. Woher stammt der Name Molkenmarktj? Schon in in dem Berliner Stadtbuche von 1390 heißt es, wie die„Rat.- Ztg." schreibt:„By ckemo Mnlkenrnarkt eint vif wonnnge." Die Bürger von Berlin haben bis in das 17., ja bis in das 18. Jahrhundert hinein, soweit sie mit Ländereien ansässig waren, viel Viehzucht getrieben. Da war e§ selbstverständlich, daß die Großbürger Milch verkauften. Hier auf dem alten Markte, neben dem finsteren Schlächterschragen, wurden Milch und Molken feil gcbalten. Freilich vernichtet die soeben an- geführte Stelle des Stadtbuchcs ein schönes Stücklein von Alt-Berliner Sage. Man erzählt nämlich, daß die Kurfürstin Katharina, die Gemahlin Joachim Friedrichs und die Tochter der Käthe von Küstrin, jene Stiftenn der Schloßapothcke, die Milch aus ihrem Viehhofe in der Köllnischen Vorstadt hierher zum Verkaufe oder zur Äustheiluna an die Armen habe brin- gen lassen, und daß dadurch der Name„Molkenmarkt" ent- standen sei. Anläßlich des Hamburger Diebstahls in der Reichs- bankhauptstelle find, dem„Hamb. Corr." zu Folge, am Sonn- abend und zwar, wie es heißt, veranlaßt durch die Angaben des kürzlich festgenommenen Agenten, noch zwei weitere Ver- hastungen erfolgt. Die Verhafteten sollen dringend verdächtig erscheinen, nicht nur um den Diebstahl gewußt zu haben, son- dern auch den Dieben zur Flucht und zur Sicherung ihrer Beute behilflich gewesen zu fem. Außerdem sollte am Sonn- abend noch ein dritter Verdächtiger verhastct werden, der bis- lang in St. Pauli gewohnt. Derselbe war jedoch bereits ent« wichen und es konnte sein Verbleib nicht ermittelt werden. Endlich wird seit Sonnabend auch noch ein an der Börsen« brücke wohnhast gewesener Agmt vermißt. In einem Briefe an Angehörige, den derselbe zurückgelassen, giebt er an, er habe an den vor einiger Zeit schon als verdächtig verhafteten Agenten 27 000 Mark baares Geld verloren; seinen unabwendbaren Ruin wolle er nicht überleben. Ucber die in Montreal(Kanada) erfolgte Verhaf- tung eines deutschen Fälschers wird der„Am. Korr." über Newyork, den 15. d. M. berichtet:„Aus Montreal ist heute früh die telcgraphische Meldung hier eingelaufen, daß daselbst ein junger Deutscher, Namens G. de Wolf, auf die Anklage verhaftet worden ist, einer Berliner Bankiersfirma Formulare von Kreditbriefen gestohlen und auf Grund derselben erhebliche Summen erschwindelt zu haben. Der junge Mann war An- fang dieses Monats daselbst eingetroffen und hatte sich für einen deutschen Grafen ausgegeben, der nach Kanada gekommen sei, um für sich und seine Freunde Landkomplexe anzukaufen. Es stellte sich heraus, daß oe Wolf bis vor kurzem Prokurist des Berliner Bankhauses Friedland und Eomervtlle war und das Weite gesucht hatte, nachdem er die erwähnten Formulare gestohlen hatte. In Newyork angekommen, stellte er sich im Bureau der American Exchange, welche die Berliner Firma bestand, der österreichischen Regierung bei Verfolgung ihrer außerdeutschen Flüchtlinge behrlflich zu sein oder dieselben auszuliefern(ein dahingehender Verttag wurde erst von Herrn von Beust im Jahre 1856 und zwar ganz geheim abge- schloffen), so hatte doch die europäische Reaktion auch damals schon ihre Solidarität zu gut erkannt, um sich nicht gegen- fertig nach Kräften behilflich zu sein. Alles Leugnens un- geachtet galt der Verhaftete für Mieroslawski, zumal die polizeilichen Anftagen in Warschau ergaben, daß der in seinem Passe genannte Joseph Badiczky jene Stadt gar nicht verlassen hatte. Da alle Bemühungen der Leipziger Polizei- bedörden den Gefangenen nicht bewegen konnten, sich al» Mieroslawski zu bekennen, so lieferte sie ihn nach sechs Monaten als„Vagabond" in die Korrektionsanstalt zu Wald- heim ein, wo man wirksamere Zwangsmittel hatte, ihn zum Geständniß zu bringen. Heink war ganz der Mann, diese Mittel in Bewegung zu setzen. Badrczky— wie ich ihn nennen will, da mir fein wirklicher Name unbekannt blieb — wurde von dem Direktor zuerst mit größter Artigkeit empfangen. Er mußte sich zwar bequemen, die Klei- dung der Korrektionäre zu ttagen, doch wurde er isolirt und ihm der Gebrauch seiner Leibwäsche und seidenen Taschentücher gestattet. Al» er aber nach einiger Zeit, ttotz aller dieser Vergünstigungen und der steten Mahnungen un- geachtet doch nicht Mieroslawski sein wollte, wendete sich das Blatt: seine Wäsche wurde ihm entzogen und er selbst in die Wollschlägerei gebracht. Dort hatte er, ein sehr kleiner, an schwere Arbeit nicht gewöhnter Mann, den ganzen Tag, durch 13 bis 14 Stunden, mit zwei Stöcken den Staub aus der rohen Wolle zu klopfen. Dabei wurde ihm Sleich von vornherein aufgegeben, das ganze Pensum, wie ie tägliche Arbeitsaufgabe genannt wurde, zu liefern, wozu auch der stärkste und geübteste Mann alle seine Kräfte auf- bieten mußte. Selbstverständlich vermochte er das nicht zu leisten. Er wurde vorgeschriebener Maßen von dem Auf- seher angezeigt, und Direktor Heink dikttrte ihm zur Sttase fechSzig Stockhiebe, zugleich mtt seiner grinsenden Höflichkett ihm zuflüsternd:„Gestehen Sie doch, daß Sie Mieroslawski sind, und Sie haben keine Sttase zu erdulden und erfteuen sich sogleich aller früheren Bequemlichkeiten." Badiczky vertritt, vor. und ließ sich unter der Angade, er stehe irnt land und Somerville noch in Verbindung, auf Grund gefälschten Kreditbriefes einen solchen auf die Columbian« rn Philadelphia im Belauf von 1800 Doll. ausstellen. Geld erhob er und reiste dann nach Washington, wo a Bekanntschaft eines Frauenzimmers machte, mit dem ar- Äontreal reiste. Dort veranlaßte die Philadelphia Bank, der Geschäftsführer der American Exchange seine Verh" De Wolf hatte in Montreal herrlich und in Freuden kaufte Pfcrd und Wagen ic. Wenn die Regierung der � minion den Fälscher, wie zu erwarten steht, ausliefern so wird ihm voraussichtlich in Philadelphia der Prozeß werden." Ein Bankhaus Friedland und Somerville ss?'' hier nicht; es handelt sich offenbar um die Firma Frieder und Eomnicrfeld, die zugleich die Begründer und Lemr> hiesigen American Exchange find. Ein verhör de» Naubmörders Echuuicht M*f gestern früh an Ort und Stelle der Mordthat vor dem rf aerichtsrath Hollmann statt. Sch., welcher von zwei Knm» Beamten überwacht in einer Droschke ankam, trug J" Händen Fesseln und hatte ein fahles, aschgraues Auskff Als der Mörder, bevor er das Haus betrat, einen er frech verschiedene Leute an, als ob er in ihnen asi kannte begrüßen wollte. Menschen hatten sich sehr reichw� gesammelt, zumal das Gerücht verbreitet war, die Polue! m eine Gummipuppe mit. an welcher Sch. an Ort und Gr die Erdrosselung der Weber den Beamten zeigen solle- � Anblick des Mörders rief ein kleines Mädchen:„Mnttoj.' ist ja der Mann, der immer des Abends hier vor der gestanden hat." Als Sch. den Ort seiner Mordthat � erklärte er sofort, indem er auf eine bestimmte Stelle hindco� „Hier habe ich sie gewürgt." In allen übrigen Punkten f Sch. falsche Angaben. Auch gestern behauptete er, daß l Weber um 6 Uhr Abends umgebracht habe, währen»� f ortierfrau des Hauses die Weber noch zwischen 8 und o bends hat Bier und Abendbrod holen sehen. Sein ffs Austreten machte den Eindruck, als ob er in dem W müthlich einen Besuch abstatten und alte Bekannte und begrüßen wolle. Nach etwa einhalbstündigem Austrug wurde der Mörder wieder per Droschke in daS Untersu�j gcfängniß zurückttansporttrt. Unmittelbar nachdem p®■, Wagen in Bewegung gesetzt, gewahrte Sch. einen ihm be'a»' Tischler. Er versuchte sich aus dem Wagen hinauszud�'. um mit frecher Freundlichkeit zu grüßen; hierbei machte VQ den Versuch, die Kopfbedeckung mit seinen gefesselten T zu lüften. Bei dem Ernst der Situation machte das Ge«4� des Mörders einen geradezu unheimlichen Eindruck. o. Geschleift. Eine aufregende Szene spielte sicM*; Mittag aus dem Droschken-Haltevlatz in der Köthenerstv. Der Führer der Droschke Ii. Klasse Nr. 5221 wollte ouLj genannten Play sein Pferd füttern als dasselbe plötzlich Js.) und durchging. Der chon ziemlich bejahrte Kutscher Pferd bei den Zügeln, hatte aber nicht die Kraft, WwjL bändigen. Er wurde von dem rasenden Tbier eint 7% Strem fortgeschleift und erlitt rasenden Thier eine ._, dabei außer einer P°> Kontusion der linken Wange, welche heftig blutete, anscheinend innere Verletzungen durch Huftritte. Das% lose Gespann jagte die Dessaucrsttaße entlang bis zum Bahnhos, wo es von mehreren Paffanten festgehalten Der verletzte Kutscher wurde mrttetst seines eigenen W«« nach seiner Wohnung geschafft. Wegen Thierqualerei wurde jetzt wiederum der eines Hundefuhrwerts auf die Denunzration eines' des Neuen Berliner ThierschutzvereinS statt zu einer zu einer Haft von 5 Tagen und Tragung der P. vcrurtheilt, und zwar, wie im Erkenntniß besonder» wurde, um den Rohheiten und jetzt massenhaft überhan4 Menden Thierquälereien zu steuern. Wegen""" Rüdesheim bat geständlich auch tn Berlin Schwindeleien auW'yn U. a. begab er sich im November vorigen JahreS JV Schneider L. in der Kulmstraße und entnaym unter dei». geben, daß er der Schauspieler von Hoxar und am Theater cngagirt sei, einen llebmieher auf Kredit, stellt Jjl L- auch einen Schuldschein auf den Namen Hoxar qP*5 wies den L. an, am 1. Dezember an der Kasse des IrTü dm Bettag zu erheben. Im Juni d. I. logirie einem hiesigen Hotel unter dem Namen„Schauspieler sW und verschwand nach 2 Tagen, ohne die Hotelrechnung � zu haben. N. Selbstmord im Irrenhaus«. Eine in der E.'schen Privat-Jrrenanstalt in Charlottenburg befindlich4 kranke Dame ist am gestrigen Tage plötzlich in ihrem erhängt gefunden. Die sofort angestellten Wiederbe. versuche hatten kein Resultat. Wie es möglich, daß finnige die unselige That ausführen konnte, soll durch** zuleitende Untersuchung noch ermittelt werden. � Begreiflicherweise war er nun noch weniger im der absichtlich übertriebenen Aufgabe zu genügen- Mi acht Tagen stand er wieder unter gleicher** I vor dem Direktor. Ganz dieselbe Szene"wiederholt � sechszeg Stockhiebe, wenn er sich nicht als MieroSlaw�.U kennen wollte. Doch diesmal rettete ihn der Arzt, der zu körperlicher Züchtigung Verurtheilten zu untersuche»'jji ob er die Strafe ohne Gefahr würde ertragen können- � Wunden Badiczky's von seiner ersten Mißhandlung®(( noch offen, und der Arzt legte Einsprache ein gegen*,(» schnelle Wiederholung derselben. Die Lage peSjf�i besserte sich dadurch nicht: die Sttase wurde nur ab«4« � und er erhielt statt der Hiebe Krankenkost dritter KM� vier Wochen. Diese Sttase, welche bereits geschildert� entkräftigte dm Unalücklichm derart, daß nach e.$ Wochen der Arzt zu ihm gerufm wurde. Dieser fa»$'■ ausgestreckt auf fernem Lager, unfähig sich zu erheb4» 0 vor Schwäche zitternd. Er schlug die Hände zusammen diesm Anblick, erklärte aber auf die Bitte de« Gemans,� ihm zu helfm, daß er leider nichts vermöge; der* � habe unumschränkte Macht, und erst, wmn ein in nachweisbarer Folge der Sttase das Leben ems � habe, könne der Arzt sich mit einer Vorstellung° � Ministerium wmden. Es besagte dies mtt anderen Verhungere doch nur, dann will ich für die nachsm» Leidensgenossen etwas thun.— Badiczky vrtyu.„> nicht, und vielleicht trugm die Butterbrode, welch4 � i» allen Theilen meiner dürftigm Kleidung versteckt,'? jt« die katholische Unterrichtsstunde mitbrachte, dazu* Hinzufristen. Von dieser Qual erlöst, doch neuen tern entgegensehend, kam er unter dem Druck de»- w auf den traurigen Einfall, sich durch Aneignung kw ggp schen Namens vor weiteren Verfolgungen zu schütz4»- � ihn verhinderte sich zu nennen, blieb mir unbekannt, � jener ungeschickt ausgeführte Versuch brachte ihm neu Hiebe, und zwar diesmal als„Lügner" ei«. Erbaulich war die Entrüstung und Verachtung Gerichts-Zeitung. ». Die mehrfach besprochene Anklagesache gegen den T�ttrmelstcr Gustav Ferdinand Naumann und den Rechts- «Malt Grabower wegen wiederholten Betrugs resp. wegen 'K"uwuw" rotgen micocTguucn«jcuugo lucycu 'er�a,u' gelangte gestern vor der vierten Ferienstraf- i???er hiesigen"Landgerichts I zur Verhandlung. Der Gerichs- W desteht aus dem Ändnckter Denso, Vorfitzender, den Amts- »mm ��".Niaurermeister Christian August Naumann und hinterließ J9 Rmbet den Angeklagten und dessen Schwester � � r...c co-:xj__ Ofi„. .. Frau . r...... Lehmicke auf Britten in Ostpreußen. Das nterlasiene Vermögen bezifferte fich auf über 900000 Mark. ;a Ott Angeklagte fich dem Trunk ergeben und in diesem lUstande ungewöhnlich hohe Schulden gemacht, hat der Ver- orbene häufig vor seinem Tode die Abficht ausgesprochen, xnenEohn zu enterben und ihm nur den Nießbrauch seines Shells zukommen zu lassen. Nach dem Tode des Naumann 7? Frau Dehntiefe mit deren Gatten zur Beerdigung desselben «Hammen, Beide haben in Gemeinschaft mit dem Angeklagten � dem Vorhandensein einer Bescheinigung über eine Testa- TO'�interlcgung gesucht, solche aber nicht gefunden, wohl ji�r einen Entwurf zu einem Testament. Am 4. August fand K Beerdigung des Erblassers statt, am Tage vorher erkundigte % Frau Oehmicke beim Sekretär Zimmermann, der der xmmentsabtheilung des hiefigen Amtsgerichts l vor- Md, ob ihr Vater ein Testament hinterlegt hätte. -tochdnn ihr anfangs geantwortet, daß jede Auskunft ver- r!8ttt werden müsse, ließ Sekretär Z. auf ihren Einwand, rveroen mupe, neg«rtrrtar o- auf toten viinroano, i» Ue von Außerhalb gekommen sei, einen Beamten nach dem Molen Testament suchen, fand aber die Assewation eines nicht--- t;--- rh---- o W__ ir>. �...u,» und verständigte hiervon Frau D. mit dem Be- Men, daß der Bescheid lern endgiltiger sei und daß fie fich Erlangung eines solchen an einen Rechtsanwalt wenden 1883 erschien der Angeklagte Naumann M. Am s. Äügust >Hner Schwester und seinem Schwager bei dem Justizrath und .Notar Dr. Goltz, um behufs Beschaffung des Erbes- llm�ions-Attestes die erforderlichen Erklärungen abzugeben. tu H Sind»««, erklärten die beiden Geschwister, daß fie eine Äq? Anderem erklärten die beiden Geschwister� filn�Kung über die Hinterlegung des Testaments'nicht ge- htuJukn- Frau D.habe die Absicht geäußert, daß ihr Bruder •utnSL11 asten Umstünden eme Regulimng seiner Verhältnisse tonQAft ,n sollte. Zu diesem BeHufe begaben fich alle Drei jßetftnaW dem Bankhaus Gebrüder Feig, dem Bankier des «ugen h11" und zugleich dem des Rittergutsbefitzers Oehmicke, pille gj/? Inhabern ihr Anliegen vor und ficherten fich dessen Z!** 8°«. daß. eine RegtllirunL�mit�den�Naumann- fith, dg Aubrgern zu Stande komme. Gebrüder Feig erklärten t,U-?hmicke ein bedeutendes Depot bei ihnen hatte, gegen *«116� vti» vivtwivuvvw««k/vtz/v* w» buhlen«.age das benöthigte Darlehn zu gewähren und em- ?uivalt Außerdem zur Regulirung der Angelegenheit den Re chts- oetti, a�ower. Am Nachmittag des 7. August erschienen Uv. bemwk' drei Personen bei dem Rechtsanwalt Grabower, d ugen die Echuldenregulirung des Naumann zu über« g\*"r�,vi— o------------ 0...... Mttt o JSf1 Letztere ist in Folge der Schwächung seiner g« Kpi sprechen nicht bewandert, in Folge dessen selbe„ri- Grabower seine Schwester das Wort führte. Der« s. schließlich nach Widerlegung seiner Ein- ol das rhm übertragene Mandat an und stc.jU k�?.Hn Honorar von 1L00 Mark. Als dasselbe derbej desunden wurde, ließ fich Rechtsanwalt Grabower ÄTt'Ä'" ms Naumann wurden als größtentheils durch wuche- �»�derbeamten und des Direktor» selbst, als sie den fast «tre* Gequälten in seiner Verzweiflung und halben Un- v.»IWMllWAaf&tr?».. L** rrr\___...i.....> rr.» fjt:... Mitja���föhtgleü auf falschem Wege ertappt.' ES schien lich„.�'*ls habe ihn diese Nothlüge m ihren Augen ganz- ooßelft P, rtl J r__ w y ÖOöPrft-n' V vivjv-e»*"•••--f--------- D'" n""n lein Mitr t' gemacht. Er fand von dieser Stunde an sogar Fni tr n,.1.'7 oernahm, an Rußland ausgeliefert zu werden. 1 VIO-., cn-r r.rv.o Alte* Auf v» �vvv,lw9Tn/ an ausgrnrnklt zu Ivrivrn. o»n Ä dahin, in Breslau, soll es ihm mtt Me iheil,.» on gelungen sein, zu entkommen. Ob dte Mtt. 1? ffi hab° inb Andere gelangen ließ, etwas hierzu beigetragen von v'? ntir unbekannt geblieben. Tch habe nicht» werter AittssÄ?,. Dpfer der königlich sächsischen Politik und '«». &z. doch diesen nur auf Er war aus Warschau zu einem Ver- Qnf0 nach Dresden gekommen, dort von der Polizei er bnn N worden und, weil ebenfalls legitimationSloS— 'Las,. oorsäumt, sich von der russischen Regierung einen duttW'S"8 Flucht mitgeben zu lassen— zu den Vaga« Amerif. gesperrt worden, bis ihm gestattet wurde, nach can politischen Gefangenen verübten lQNvii. finb burm btp ftttirotrfiottV» Ko* "«nbi 1«. � w#* Viev|uuyvutis uciuülCU Nnt o'emnrl �"d durch die TageSpresse hinreichend be- odigkeit wegen gedenke ihrer hier nur der Voll» Freund Moritz Kirbach, damals noch Rechts- rische Manipulationen entstanden geschildert. Die Höhe seiner Schulden vermochte Naumann ebensowenig anzugeben, als die Zahl der Namen seiner Gläubiger. Die einzigen, die er zu nennen vermochte, waren der sogenannte„Torf-Krüger" und der„Jude Peretz". Rechtsanwalt Grabower beauftragte am andern Tage seinen Registtator Topp mit der Aufnahme der Naumannschen Schulden. Derselbe ermittelte im Ganzen 20 Gläubiger, die er in drei Abschnitte klasfifizirte; Wechselforderungen, Waarenforderungen, persönliche Forderungen. Auf Wunsch des Naumann hatte Topp bei einzelnen Namen Vermerke anwalt Grabower lud die einzelnen Gläubiger durch Zirkular zu fich ein und gab fich in demselben als Beauftragter der Schwester des Naumann aus, welche im Interesse das Bruders dessen Schulden reguliren wolle. Den Gläu« bigern wurde durchweg mitgethmt, daß diese beabsichtigte Regulirung in ihrem Interesse läge. Die einzelnen Gläubiger find mit Ausnahme des„Torf-Krüger" bei dem Rechtsanwatt Grabower erschienen, und soll derselbe ihn»n über die Erbver- Hältnisse des Naumann falsche Angaben gemacht haben, um fie zum Abschluß des angebahnten Vergleichs zu bestimmen. Der Rentier Krüger mußte Rechtsanwalt Grabower in dessen Wohnung aufsuchen, voch verstand fich derselbe nur dazu, die Zinsen won 60000 Mark nachzulassen. Im Ganzen brauchte Rechtsanwalt Grabower rund 90 000 Mark zur Bezahlung der Naumannschen Schulden, welchen Bettag Naumann am 31. August 1883 seinem Bevollmächtigten eingehändigt hatte. Gebr. Feig haben an diesem Tage dem Naumann mit Zustimmung der Frau Oehmicke die Snmme von 10000 Mark ausgezahlt. Die Anklage nimmt nun an, daß dm Naumann'schen Gläu- bigern vorgespiegelt worden, Naumann sei enterbt und seine Schwester habe mit ihrem Vermögen dessen Schuldm reguliren wollen. Dadurch seien fie zum Abschluß des fie schädigenden Vergleichs bestimmt worden. Die Denunziation in dieser Sache ist von dem Reaierunasaeometer Lindemann gegen seinm in- zwischen verstorbenen Schiviegersohn Zimmermeister Feibel und gegen den Angeklagten Naumann, dm Gatten seiner Schwä- gerin, ergangen, und zwar, wie derselbe angiebt, weil diese Verwandten seiner Frau arg zuaesetzthaben, so daß er fich ihrer nur durch den Sttafrichter erwehren konnte.— Die beiden Angeklagten bekannten fich nichtschuldig, und RechtSan- malt Grabower versicherte, daß er sich nach Lage der Sache lediglich als Mandatar der Frau Oehmicke ansehen konnte. Es gehe dies auch auS seinem Vermerk auf der ihm vom Banquier Feig überbrachten Karte hervor. Auf derselben hatte er sofort den Namen derselben als seine Äufttaggeberin vermerkt. Anfänglich habe er das Mandat abgelehnt gehabt und dasselbe erst angenommen, als er autonfirt worden, die in Wirklichkeit erhaltenen Beträge voll zur Auszahlung zu bringen. Auch aus einem Schreiben, welches er noch am 7. August seinem Registrator Topp in die Feder dittirte und welches an den Rentier Krüger gehen sollte, von ihm aber zurückgehalten worden ist, geht hervor, daß er fich als Beauftragter der Frau Oehmicke erachtet habe.— lieber das Resultat der Beweisaufnahme berichten wir morgen im Zusammenhange. DaS Christliche Erkenntnih in dem Prozeß des Hof- Predigers Stöcker gegen den Redakteur Bäcker ist gestern dem Verurthellten zugestellt worden. Wie wir erfahren, hat die Staatsanwaltschaft ihre Reviston gegen das Erkenntniß der t Strafkammer bisher noch nicht begründet. Bei dieser Ge» legenheit wollen wir gleich erwähnen, daß die Untersuchung gegen den im Stöcker-Prozeß vielgenannten und etwas myste- riosen Jacobsohn, welchen der Zeuge Masche der Verleitung zum Meineid beschuldigt hatte, in vollem Gange ist. Gestern wurden fast sämmtliche Zeitungsreferenten, welche über den Prozeß Stöcker-Bäcker berichtet hatten, zu dem Untersuchungs» lichter, Landgerichtsrath Hollmann, entboten, um darüber ver- nommen zu werden, welche Personalbeschreibung der Zeuge Masche von dem«. Jacobsohn gegeben hatte. Ein internationaler Gauner wurde gestern der 87. Abtheilung des Schöffengerichts in der Person des„Künstlers" Barthold Glaser vorgeführt. Der Angeklagte, ein österreichi- scher Untcrthaner, hat bereits in Neisse eine einjährige Ge- fängnißstrafe wegen Diebstahls verbüßt. Er tritt meistens als „Schnellmaler" auf, kann aber, seiner Angabe nach, auch einige neue Taschenspielerstückchen. In Spandau ließ sich ein Lokal- inhaber von ihm dethören, ihm zu einer in seinem Saale statt- findenden Vorstellung 10 Mark für die dazu nöthigen Aus- lagen an Farben tc. vorzuschießen, aber unmittelbar nach der Vorstellung war der Farbenkünstler verschwunden und der Wirth hatte das Nachsehen, denn die ganze Abendkasse hatte der Zauberer mitgenommen. Für diesen Geniestreich traf ihn eine Gcfängnißsttafe von zehn Tagen. Er wandte sich nach Berlin, hier wollte aber keiner von seiner Schnellmalerei etwas wissen und nunmehr brachte er seine anderen Künste in Anwendung. Im Kafs Schäfer in der Neuen Friedrichstraße schlängelte er sich an eine Prostituirte heran und im nächsten Augenblick hatte der Künstler das Portemonnaie seiner Nach- bann aus deren Tasche in die seine hinüberaezaubert. Das Kunststück war ihm sehr gut gelungen, der Angeklagte hatte kandidat, der längere Zeit nach dem Maikampfe auf freiem Fuße geblieben und später erst verhaftet wurde, kam im Zahre 1852, auf Lebenszeit verurtheilt, nach Waldkeim. (Sogar im Jahre 1857 wurden noch dreizehn Mai- Gefangene ins Zuchthaus eingeliefert!) Er mußte spinnen. Um ab und zu etwas freie Zeit zum Lesen zu erübrigen, lieferte er, mit Bewilligung eines Aufsehers, täglich nur das vorgeschriebene Quantum Gespinnste ab und hob das Uebrige, was er zu Stande gebracht, auf, bis ihm die Erspar- nisse vielleicht einen halben Tag Arbeit decken mochten, den er mit seinen wenigen Büchern besser verwerthen konnte. Ein anderer Aufseher entdeckte diesen kleinen Vorrath Garn und zeigte die Sache dem Direktor an. Dieser erkannte darin einen ausgesprochenen Fluchtversuch— obwohl Niemand im Stande gewesen wäre, zu sagen, wiesern diese Fäden dabei dienlich hätten sein können, zumal unsere Zensier auf den mit Wachen besetzten innern Hof gingen. Ohne die wahrheitsgemäße Erklärung des Vorfalls irgend einer Beachtung zu würdigen, ließ Hein! dem nach Geistes- nabrung Lechzenden zur Strafe de« sogenannten Springer anlegen, welches Instrument aus zwei schweren, durch eme Kette mtt einander verbundenen eisernen Fußringen bestand und das Gehen sehr erschwerte, indem eS nur ganz kurze Schritte zu machen erlaubte. Kirbach mußte diesen Springer tragen, bis die Eisen ihm die Haut abgeschunden und eine bis auf die Knochen reichende Eiterung erzeugt hatten, so vaß der Arzt, den Eintritt des Brandes befürchtend, auf ihre Abnehmung drang. Kirbach trägt heute noch die Narben dieser ebenso unberechtigten als zwecklosen So schildert Röckel die Zustände in Waldheim, und es ist ihm nicht widersprochen worden. Die Erinnerung an jene Zeit der Leiden ist heute in dem Sumpf des Chauvinismus untergegangen. Die Namen der Männer, die für Deutschlands Einheit uad Freiheit ge- blutet und gelitten haben, sind fast verschollen. Man beugt sich dem Erfolge und setzt einen gewissen Stolz darein, dte einstigen Ideale des Volkes mit Füßen zu treten, ihre Vor- kämpfer als„unpraktische„Thoren" zu bespötteln. Das ist der Lauf der Welt. aber die Frechheit, in einer Nebenstube dm Kellner auS dem entwendeten Portemonnaie die Zeche zu entrechten. Em Zufall führte die Bestohlene in diesem Augenblicke herbei, fie erkannte ihr Eigenthum und überzeugte fich sofort, daß fie bestohlen worden war. Natürlich ließ man den Taschenspteler ver- haften. Im Verhandlungstermin ttat der Angeklagte äußert* -.e.— v t-t—" r � erlaubt —,— ------,—--- 11-— II■— o— u— t � eine Rede, als spräche er vom Podrum herunter zu emem hochzuverehren« den Publikum und wollte besonders dadurch seine Unschuld be- weisen, daß er ausführte, wie leicht es ihm gewesen wäre, mit dem erbeuteten Portemonnaie zu verduften. Außerdem wollte er im Rausche die That begangen haben. Als er aber im Laufe seiner Rede die Aeußeruna gebrauchte:„auch der Herr Hofprediger Etöcker habe gefehlt", donnerte ihn der Präfident mit den Worten an,„Unverschämter, jetzt schweigen Sie!" Der Gerichtshof ging lediglich wegen der gemeinen Verthei- digungsweise des Angellaaten über das beanttagte Strafmaß hinaus und erkannte auf�ö Monate Gefängniß. Im sogenannten Hödurprozeß ist seitens der Verthei tevifion gegen das verurtheilende Erkenntniß l*»&m M--.. U Ii � � � � I_ � � u � t JL X__-_..W. vom Uereine mh Versammlungen. o.k. Versammlung der Inhaber von Baugeschäften. Im Buggenhaacn'schen Etablrflement fand Dienstag Vor« mittag eine Versammlung von Inhabern von Baugeschästen statt, um über den Maurerstreik zu berathen. Am Eingänge des Saales wurde folgender Aufruf vertheilt:„Aufruf an die Maurergesellen in der Provinz! Der Maurerstreik in Berlin, der ca. 6 Wochen gedauert hat, darf als beendet an- gesehen werden, da thatsächlich ca. fünf Sechstel der sämmt- lichen Maurer die Arbeit wieder aufgenommen haben. Nur die Führer des Streiks, welche heute denselben noch nicht als beendet gelten lassen wollen oder können, versuchen denselben fortzusetzen. Die Bauplätze find von den Meisten wieder ge- öffnet und werden Gesellen angestellt! Da durch die Dauer des Streiks die Arbeiten fich angehäuft haben, auch die Meister nicht gewillt find, die Führer, die in so unverantwortlicher Weise den Streik provozirten, wieder in Arbeit zu nehmen, so ergeht an die Maurer-Gesellen in den Pro- vinzen der Aufruf, nach Berlin zu kommen. Der Lohnsatz ist gegenwärtig 40 Pf. pro Stunde, oder bei 10 stündiger Arbeitszeit pro Tag 4 M., die tüchtigen Maurer erhalten auch noch darüber hinaus. Arbeit ist bis in den Winter hinein. Wer noch nicht in Berlin bekannt und keinen bestimmten Meister hat, wo er Arbeit bekommen kann, der wende fich an das Geschäftsamt des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermcister, Wilhelmstraße 92; daselbst hängt eine Liste von denjenigen Meistern aus, die noch Maurer an- stellen. Berlin, den I.August 1885. Die Meister-Kommisston zur Ueberwachung der Stteilbeweguna."— Gegen 10'/- Uhr Vormittags eröffnet Maurermeister Brettschneiver die Ver- sammlung. Zunächst verliest derselbe ein Schreiben ves Königl. Polizei- Prästdiums. Der Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister hat fich an das Polizeipräfidium mit der Bitte gewendet: die Äbputzarbeit bei Neubauten, welche durch den Streik in Rückstand gerathen find, früher als nach Ablauf der gesetzlichen Frist beginnen zu dürfen. Das Polizei- Prästdium hat jedoch darauf erwidert, daß eS nach Lage ver Sache eine bestimmte Erklärung nicht geben könne, vielmehr jeder einzelne fertiggestellte Neubau vorher auf seinen Trocken- gehalt untersucht und alsdann die Abputz-Erlaubniß ertheilt werden könne." Alsdann äußerte sich der Redner:»Als er- sreulich sei zu konstatiren, daß der allgemeine Streik als beendet zu betrachten sei. Leider sei erwiesen, daß so manche Arbeiter, die jahrelang bei uns gearbeitet und als durchaus tüchtig und brav galten, durch„Verführung der Agitatoren"(?) die Arbeit niederlegten.— Man glaubte augenscheinlich in den Reihen der Maurergesellen, dieser Streik werde mit sechs Tagen und nicht mit sechs Wochen abgemacht sein(?). Der Arbeiter hat durch diesen vom Zaun gebrochenen Streik fich und seiner Familie Eni- behrungen auferlegt; ob dies auch die Agitatoren gechan, sei schwerlich zu glauben(!!) Haben denn die streikenden Ar- bester irgend eine Kontrole über die eingehenden Gelder? Jedenfalls sei für uns der größte Sieg der, daß wir unS nicht mit der Gesellen-Lohnkommission in Unterhandlungen eingelassen haben. Der Streik habe so recht gezeigt, wie nötyig eine Organisation der Meister, der Arbeitgeber sei. Mag die Organisation Innung, Bund, oder Vereinigung heißen, klar sei jetzt jedenfalls: eine solche müsse müsse geschaffen werden. Maurermeister A r a u s: Von seinem Standpunkte aus könne er den Streik nicht als vollständig beendet, jedoch aber als Anfang vom Ende betrachten. Der Redner empfiehlt eben» falls eine feste Organisation der Meisterschaft. Alsdann wurde von mehreren Rednern darüber Klage geführt, daß einzelne Meister den geforderten Lohnsatz von 5 M. an die Gesellen zahlen; so sei dies bei dem in der Wilhelmstraßc 10 zur Aufführung gelangenden Panorama der Fall!!— Baumeister Reimarsas, der dm Panorama-Bau in der Wilhelmftraße führt, erwiderte hierzu, daß nickt er, sondern der dort angestellte Architekt die Arbeiter mit 5 Mark ernaestellt habe. Dre hohe Konventionalstrafe und ferner die Bestimmung, daß der Auftraggeber auf Kosten dcö Beauftragten den Bau fertig stellen dürfe, habe leider ven Architekten veranlassm müssen, Arbester mit 5 Mark pro Tag Lohn anzustellen. Alsdann beschloß die Versammlung mtt Stimmeneinheit:«ES ist Pflicht der Arbeitgeber, an den visher gefaßten Resolutionen festzuhalten und ein jedes Unterhandeln mit der Gesellen-Lohn-Kommisston zurückzuweisen." Ferner wurde beschlossen, aus den arbeitenden Gesellen eine Lohn« kommisfion zu wählen, welche beauftragt werden soll, die Lohn- forderungen mit prüfen zu helfen.— Auch wurde mitgetheilt, daß von 192 in der Versammlung anwesenden Meistern 3617 Gesellen beschäftigt werden. 0. k Schuhmachergesellen-versammlnng. Eine äußerst zahlreich besuchte Schuhmachergescllm-Versammluna, welche am 27. Juli Roscnthalerstr. 11 u. 12 tagte und die oftmals einen sehr stürmischen Verlauf nahm, endete schließlich in Folge eines von im Saale anwesenden Gästen hervorgerufmen Tumults mit polizesticher Auflösung. Die an einer Seite des Saales fitzenden Gäste(wie allgemein versschert wurde, größere Schuh« waarenfabrikanten), suchten die Redner wicderholcntlichst durch unangebrachte Bravoruse und Tumult zu stören. Plötzlich nahm der Tumult an diesen Tischen jedoch einen so lauten Charakter an, daß fich mehrere Versammlungstheilnehmer wider dieses Gebahren ganz entschieden wandten. Das war das Signal zu einem allgemeinen Tumult und wäre nicht der überwachende Lieutenant eilgst an diese Tische geeist, um durch energische Intervention die Anstürmenden zurückzuhalten, so hatten die Herren Störenfriede eine ganz artige Tracht Prügel bekommen. Da der nunmehr fich immer wiederholende Tumult nicht legen wollte- es war bereits 11'/« Uhr'Nachts ge- worden und die Versammlung wollte soeben zu Abstimmung schreiten— so schloß der überwachende Polizeiofsizier die Ver- sammlung und forderte die Anwesenden im Namen des Ge- setzes aus, fich aus dem Saale zu entfernen. Mit größtem Un« willen und nicht ohne drohende Blicke auf die mhia an den „Stammtischen" sitzenbleibenden Gäste, verließen die Ver- sammelten den Saal.— Die Versammlung beschäftigte fich mtt dem Arbeiterschutzgesetz, der Sonntagsruhe und dem Normalarbeitstag. Der Referent Schubmacher- geselle B u n g e äußerte fich in ungefähr folgender Weise: Es müsse rmmer und immer betont werden, daß dre Schuhmacher es als Hauptaufgabe in ihrem Gewerbe betrachten müssen, fich wirth- schastlich zu oraanifiren. Die laugst zu Grab« getragenen alten Zünfte hatten vaS eine Gute, daß der Geselle nach Absolvirung einer bestimmten Wanderzeit, die Ausficht hatte Meister zu werden. Heute in der Zeit der Dampfkraft und Elektrizität nützt ihm daS Wandem nichts; feine Kenntnisse werden jetzt dadurch nicht bereichert, er sinkt immer mehr in das Proletariat Jiinab, sein Wandern ist ein gezwungenes.— Kommt er zurück, o gähnt ihm der Abgrund der Großproduktion entgegen. Heute werden die Schuhwaaren zu erstaunlich billigen Preisen her- geholfen werden. Wie solle heute der Kleinmeister mit dem Großkapitalisten, mit dem„Pächter der Gefänanißarbeit" kon- kurriren können. Wenn die Konsumenten heute noch auf So- lidität der Arbeit geben würden, so müßten doch bald die Bazare verschwinden. Der arbeitende Sträfling, ausgerüstet mit Maschinen neuester Konstruktion, sei der Ruin der Haus- industrie und vorzüglich des Schuhmacher-HandwerkS.(Beifall.) ffenter sei die Arbertsthcilung im Großbetriebe vorhanden und diese mache eS dem Kleingewerebe unmöglich, mit dem Kapital zu konkurrircn. Auch sei das immer mehr überhandnehmende JBorgsystem" der Ruin vieler kleiner Meister. Ebenso könne für die Gesellen nur eine stramme Organisation, Schaffung eines Unterstützungifonds, Kürzuug der Arbeitszeit jc. ein Gegengewicht gegen die Auswüchse des Großkapitals sein, ferner müsse die so übermäßig ausgedehnte Sonntagsarbeit ganz ab- geschafft werden. Kürze man die Arbeitszeit, so werden bald die Wanderburschen von den Landsttaßen verschwinden, denn allzu natürlich sei es doch, daß bei gekürzter Arbeitszeit mehr Arbeitskräfte herangezogen werden müssen.„Wir Gesellen müssen aber nicht nur allein, sondern geschlossen mit den Klein- meistem vorgehen, denn die Kleinmeister find ebenso gut "Proletarier wie wrr" Das Großkapital verbindet sich immer mehr zu Aktien-Gesellschaften und so sei erst kürzlich in Wien wieder eine jener berüchttgten Wiener Stiefelfabriken entstanden. Gleicher Weise sei die immer mehr im Schuhmacherhand- werk überhandnehmende Frauen- und Mädchen-Arbeit zu be- kämpfen. Schon fungiren heute eine Anzahl junger Mädchen als Stepperinnen und Zuschneiderinnen und werde die männ- liche Arbeit in Folge der billigeren Arbeitskraft immer mehr von der weiblichen rerdrängt. Solle ein kollegialisches Zu- sammengehen von Meistem und Gesellen erzielt werden, so müsse ersteren vor allen Dingen klar gemacht werden, daß sie ebenfalls unter dem Drucke des Großkapitals leiden.(Beifall.) Der Bund der Schuhmacher müsse eine immer engere Organi- sation erwirken und ganz besonders das Ansammeln eines großen Nnterstützungsfonds betreiben.(Lebhafter Beifall).— Ein andererRedner empfahl unter großer Unruhe der Versammlung das weitere Ausbauen des wieder zur Geltung gelangten Jnnungs- Die Innung nur allein sei der sicherste Chronometer, um die Produktion zu regeln, um wieder Ordnung in das Handwerl zu schaffen. Femer verlangte der Redner die Ab- schaffung der Gewerbefrerheit. So lange es dem„Kauf- mann"!! gestattet sei, die Sträflinge in den Gefängnissen als Schuhmacher jc. zu beschäftigen, so lange könne weder der Meister noch Geselle eine Bessemng seiner sozialen Lage er- warten. Um schneller zum Ziele zu gelangen, empfehle er (Redner) dem Kleinmeister, sich der Innung anzuschließm. (Widerspmch und Beifall.)— Von anderer Seite wurde die staatliche Hilfe gefordert und die freie Vereinbamng als keinen Erfolg versprechend getadelt. Mit der freien Verembarung sei man gerade so weit gekommen, daß die Frau in die Fabrik gehen müsse, um das Einkommen der Familie zu erhöhen.— Mehrere Redner empfahlen alsdann eine Petition an den "deutschen Reichstag und verlangten, den von der sozialdemokra- tischen Fraktion eingebrachten Arbeiterschutzgesetz� Entwurf ber dieser Petition als Unterlage zu nehmen.— Zu einem bestimmten Beschluß über die Verhandlungsgegenstände kam dre Versammlung durch den polizeilicherseits erfolgten Schluß der- selben�nich� M�urerstreik.(Orig.-Ber.) Die jüngste Ver- sammlung der streikenden Maurer, welche rm Konzettlokal „Sanssouci" am M o n t a g Vormittag stattfand, war zremüch zahlreich besucht. Der Vorfitzende, Herr B ehrend, theilte. tn Einleitung der Diskussion das bis jetzt erzielte Resultat des in der Sonntagsvcrsammlung auf„Tivoli" beschlossenen Vor- gehens mit der Forderung von 5 MI. auf denjenigen Bauten mit. auf denen dieselbe bis jetzt nicht bewilligt, aber theilweise die Arbeit unter diesem Preise fortgesetzt wurde. Dem Refe- reuten zufolge ist am Montag Vormittag auf ca. zwei Dritteln der sämmtlichen betreffenden Bauten(ge- nauer: auf 43 Bauten), woselbst die Forderung abermals nicht bewilligt worden, die Arbeit wieder niedergelegt. Dagegen werde der geforderte Lohn von 5 Mark pro Tag bis jetzt von 50 Meistern, wenn auch von allen noch nicht öffentlich zugestanden, bezahlt. Auch sei begrün- dete Aussicht vorhanden, daß nach dem kommenden Mieths- Termine auch das übrige Drittel der betreffenden Kameraden, die noch nicht 5 Ml. bekommen und augeublicklich die Arbeit noch fortsetzen, gleichfalls dieselbe einstellen werden. Von Seiten der Meister und Arbeitgeber werde Alles ausge- boten, die Gesellen zu„nasführen"; so verspreche man ihnen z. B. 50 Pf. pro Stunde nur, um sie am Schlüsse der Woche mit 45 oder gar 42'/, Pfg. abzuspeisen. Massenhaft würden bezahlte Agenten nach den Provinzialstädten dirigirt, um Maurer hierher zu lootsen: doch kehrten erstcre fast unverrichte- ter Sache wieder hierher zurück. In der Diskussion sprachen sodann in demselben Sinne zunächst die Herren Gadcgast und Deumchen. Ändere Redner theilten ausführlicher mit, daß man aus einzelnen Bauten mit den Arbeitgebern noch in Unterhandlung stehn und An- geböte zu 4 M. 75 Pf. erhalten habe, mit dem Versprechen, daß die fehlenden 25 Pf. in Bälde noch zugelegt werden sollten. (Rufe:„Aha!"„Also doch!") Herr W r lk e erzählte auf Grund einer Zuschrift von Görlitzer Kameraden ein ergötzliches Ge- schichtchen, wie man dort seitens der Maurer einem werbenden Berliner Agenten„heimgeleuchtet" habe, der Maurer zum Reichstagsbau hierherködern wollte und annonziren ließ: „Tüchti geMaurer finden sofort beimReichstagsbau lohnende und dauemde Beschäftigung."— Steinträger Hauff berichtete über ein charakteristisches Gespräch, das zwischen einem Arbeit- geber und ihm in den letzten Tagen stattgefunden. Ersterer meinte, die Steinttäger möchten doch nur ruhig die Arbeit fortsetzen; ihnen wolle man ja gern zahlen, was sie fordern. Daß sie aber„rein nur zum Vergnügen der Maurer streikten, sei unbegreiflich und eine Thorheit." Schließlich sorderte dieser Redner die Anwesenden eindringlich zu unverzagtem Ausharren auf.(Stürmischer Beifall.) Femer wurde für den Fall andauernden Widerstandes einer größeren Anzahl von Untemehmem der von verschiedenen Rednem gebilligte Vor- schlag gemacht, Bau-Produktionsgesellschaften zu bilden und sich an das bauende Publikum um Aufträge zur Vollendung wegen des Etteiks liegen gebliebener Bauten zu wenden. Mit Hinweis auf die Ehre der Arbeiter und dre Pflichten, welche die Jnteressensolidarität aller Arbeiter dem Einzelnen auferlegen, forderte der Vorfitzende und andere Redner, die von außerhalb eingettoffenen Maurer, von denen ein Theil der Versammlung beiwohnte, zur baldigsten Wiederabreise auf, da von ihnen, als rechtschaffenen, braven Arbeitem nicht zu er- warten sei, daß sie den vielen noihleidenden Familienvätern unter den streikenden Maurem das Brod vom Munde nehmen würden.(Stürmischer Beifall.) Aufs Höchste aber steigerte fich der Beifall, als mehrere der anwesenden auswärtigen Maurer theils die Erklämna abgaben, Berlin sofort wieder verlassen zu wollen, tyeils fich bereit erklärten, an der Streikbewegung fich aktiv zu betheiligen. Em Redner theilte mit, daß am Sonntag auf dem Echlefischen Bahnhof em paar hundert Maurer hier angekommen seien, aber bald darauf wieder die Heimreise antreten zu wollen bereit waren, als fie von Berliner Kameraden durch Rtittheilung des neuesten Flugblattes Kunde über den Stand der Streiksache erlangt hatten. Schließlich empfahl der Vorfitzende die größtmögliche Verbreitung dieser Flugblätter an alle Maurer und die Ar- beiter sämmtlicher Gewerke. Nach Erledigung einiger Fragen schloß der Vorfitzende die vom besten Gerste erfüllte Ver- sammlung. Ueber die Bangeschästsinhaber-Versammlung ent- nehmen wir einem uns später zugegangenen Berichte unseres bü.-Berichterstatterg noch folgende, oen Schluß der Versamm- lung darstellende Mittheilungen. Nach erfolgter Annahme der schon im ersten Berichte erwähnten Resolution, verlas ein Herr Friedrich einen Bericht über eine stattgefundene Gesellen- Versammlung, in welcher erklärt oder beschlossen worden sei, über alle Arbeitgeber, die künftig resp. jetzt noch nicht 50 Pf. pro Stunde geben wollen, die„Sperre" zu verhängen. Dies veranlaßt« Herrn Brettschneider zu der Beschwerde, daß er ei sei, den man mit diesem Schicksal zu bedenken beabsichtige uw daß er auf Schutz der Meisterschaft, sowie seitens der Behörde hoste- (Was soll die Behörde schützen?» Solche Fnachterkläi' falle wohl unter den Begriff der ungesetzlichen Aufreizung ganzer Klassen der Gesellschaft gegen andere Klaffen oder fönen oder der Erregung von Haß und Verachtung, der: ächtlichmachung u. s. w. Er schlage vor, die Anficht von Rech!-' gelehrten darüber einzuholen, ob sich auf Grund solche Trerbens(!) in einer polizeilich überwachten ArbeiterversaaM lung nicht eine Anklage herbeiführen lasse. Auch sei er(Redner) d« Meinung, daß der betreffende Beamte die betreffende M- sammlung aufzulösen Grund und Veranlassung gehabt h«£ (Ein sehr frommer Wunsch.) Hieran schloß sich. J*! Mittheilung der an anderer Stelle mitgetheilten Stasistik � Arbeitslöhne jc. und dann der. Schluß der etwa zweistündige» Versammlung durch den Vorfitzende». Aufforderung. Die zur Prüfung der Angelegenheit Drechslers Julius Müller gewählte Kommisfion ersucht# Diejenigen, welche Entlastungs- oder Belastungsmaterial>» Händen haben, ebenso die ehemaligen Mitglieder der kommisfion der Drechsler und der Streikkommisfion der!&% macher, um das betteffende Material. Auch Quittungen ud» Beiträge zum Generalfonds der Berliner Drechsler- und KnlVl' arbeiter-Gewerkschaft mit der Unterschrist Jul. Müller find dü unterzeichneten Kommisfion so schnell als möglich zuzusende»- Auch werden Diejenigen, welche seiner Zeit Zahlstellen>»� hatten und noch Quittungen, auf welchen keine Beiträge ort' zeichnet find, in Händen haben, um Einsendung dieser Dj# tungen ersucht. Desgleichen werden alle Drechsler, welche an der Lohnbewegung der Drechsler im Jahre 1883 bethei ten, und aus dieser Zeit herrührende Quittungsbücher besitze»' gebeten, diese Quittungsbücher der Kommission schnellstens F senden zu wollen. Die Kommisfion: Julius Kreutz, SkalM staaße 28, Werner, Manteuffelstr. 71, Tabert, Koppenstr. 2* G. Schulz, Wienerstr. 11, Kratzmann, Bergstt. 13. Eine große Landpartie deS Fachvereins der#ßrfer Schuhmacher und Berussgenossen Berlins�. H.) Mittwoch, den 5. August, Abends 8 Uhr, rm Lokal am des Herrn Feuerstein,"Alte Jakobstt. 75 "'";8 genehm' Tagesordnung: Vorlage deS Qutttungsbuch legitimrrt. !migten Nachttages. [1730 D e r Vor stand. Verein zur Vertretung der Zntereffeu der Arbeiterinnen. Außerordentliche General- Versammlung Donnerstag, den 30. d. MtS., Abends 8 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Vorstands- Ergänzungswahl. 2. Bericht über vie Thätigkeit deS Vereins im verflossenen Vietteljahr. noerrcht. 3. Kassenb..... 4. Verjchiedenes. Mitgliedskarte legitim, rt. 1731] Gäste haben keinen Zutritt. Der Vorstand E. ftdl. Schläfst,(sep. Eing.) Solmsstt. 38, Hof Hl. r.[1729 Zoologischer Garten. Nur auf kurze Zeit.— Heute und täglich; Carl Hagenbeck's Somali- Expedition » begleitet von 7 Dar-F«r-Knabe« und bestehend auS 9 afrikanischen Somali-Straußen, 4 Dromedaren, ___ 14 Antilopen, Jagdleoparden jc. WM- Ethn.rraphiselie A n s s t e 1 1 n n s:.-MW Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: Grosse« miltar-Doppel-Coneert. Besichtigungszeit 10 bis 1 und 3 bis 8 Uhr. Nachmittags 3, 4, 5, 6, 7 Uhr Straußretten. Entree zum Zoologischen Garten bleibt unverändert.[1%�, Schöneberg. 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