Nr. 177. jubibd Zimw» eins" S% . D>at Knab» ichen»«!- selbst ti-k thränel� z gebeM rzensg-st Sonnabend, de« 1. Angnst 1883. II. Jahrg. MinerftMInll. Organ für die Jnteresfen der Arbeiter. M._ Das„Berliner Volksblatt« täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtage«. Abonnementspreis für � f*(i in'» Hau» vierteliährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. *#Moimemciö 4 Mf. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Jnfertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf, Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Anno««»» Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion: Kenthftraße 2.— Expedition: Zimmerstraße 44. Äöonnements�(Einfadung. �Für den Monat August eröffnen wir ein neues Abonne» »i- »Kertiner Uolksklatt" m der Gratisbeilage „Allustrirtes Sonntagsblatt." % ins Haus kostet dasselbe 1 Mark 35 Pf. pro Monat, «,>«„15- VW Woche. Bestellungen werden von sämmtlich-n �Spediteuren, sowie von der Expedition, Zimmerstr. 44, für ��ußerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements 2„wonate August und September gegen Zahlung von b7 Pf. entgegen. berliner Volksblatt" hat sich die Sympathien der L flln n Bevölkerung Berlins zu erringen gewußt. Trotz großen Anzahl von Tagesblättern der verschieden- v�enäen, die in Berlin existiren, hat bisher kein wirkliches ein»«, M werkthätigen Volkes bestunden. Es ist daher Pflicht kj-°«n Arbeiters, unser Blatt zu unterstützen. Wenn jeder lklhan� einen zweiten erwirbt, so hat er seine Pflicht SSsJtÜj1 unsererseits werden nicht nachlassen, jedem berechtigten Di 1 unserer Abonnenten nachzukommen. Redaktion und Expedition des„Berliner Volksblatt". ijÄMiel du wlibliihm feftniit"— rottet eine allgemeine Klage unter den Landwirthen. wü- nun diesen"Mangel auf seine wirklichen Ursachen �Anführen, wirft man den Mädchen Unlust an der � Hoffarth u. s. w. vor. »Hb ist es wahr, daß die Mägde bei den Bauern iej Gutsbesitzern durchweg ungemein schwere Arbeit i>ies/x langer Arbeitszeit verrichten müssen, doch würde f»»L c't allein sie nicht zur leichteren, aber unge- bo» Fabrikarbeit tteiben, wenn nicht der geringe Lohn, %,r%ch schlechte Essen und noch mehr die sklavische ikiebe« tt � u n 8 st* von der Landwirthschaft fort- „Magd" ist nämlich trotz des schönen deutschen Hmy BW, den dieses Wort hat, weiter nichts als eine F* Leibeigene. »UH»Herrschaft" hat das Recht, ihr die AuSgehcstunden nach Feierabend und des Sonntags vorzu- recht' die„Herrschaft" hat sogar das Züchtigungs- Dienn�uchsenen Mädchen gegenüber nach den meisten �8°rdnungen im Deutschen Reich und die„Herrschaft" Jeuitteton. Das Mormonenmäbcheu. 17] Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhausen« K"! Vi- (Fortsetzung.) }U./'Z�gesten hat er uns nicht," entgegnete Falk,„er ist ziI,.�Rsnhaft dazu; allein er kann in seinen eigenen An- "»ota/ aufgehalten worden sein, weil er sich auf dem sfiaS!-* absegelnden Dampfboot nach Panama und San »ach � 0 einzuschiffen gedenkt. Heute Vormittag, als er ÜÜ Bureau gegangen war, dauerte es ebenfalls Stunden, eh' er wieder zurückkehrte. Es hat seine »»r°. �ten, die Listen der eingeschriebenen Passagiere M zu erhalten." "Aber er hat sie doch gesehen!" versetzte Weatherton. |ü hat sie gesehen und durchgelesen vom Ansang bis "'cht die Namen von zwei Herren und zwei �iorv." 8efunden, die, als zusammenreisend, für unsere Herrengesellschaft gehalten werden könnte?" fragte ' l"dem er kurz stehen blieb,„denn nach ihren »0tfl(t7en Namen brauchen wir nicht zu forschen, sie werden stiated? �enua gewesen sein, dieselben zu verschweigen," %%%it Bitterkeit hinzu. sog. lächelte in seiner stillen Weise vor sich hin, denn schon J: Abermals eine Frage beantworten, die Weatherton wenigstens zehnmal an ihn gestellt hatte. JU efc.» heute Morgen hat er nichts entdeckt, was uns B erdacht berechtigte," erwiderte er endlich, sich seine �mnvärts bewegend.„Unmöglich ist es nicht, daß Wstn mchnchten heute Abend anders lauten; auf alle Fälle »Her cJjiy es uns nicht verdrießen lassen, morgen schon in istlnp» t�he nach dem Werkt Irinabzugehen und jeden einmacht von diesem Züchtigungsrecht vielfach einen sehr aus- giebigen Gebrauch, wodurch eS selbstverständlich tüchtigen und ehrliebenden Mädchen schwer wird, in solchem Dienstverhält- nisse zu bleiben. Wir wissen ja wohl, daß eS ab und zu Bauern und Gutsbesitzer giebt, die auch in ihrem eigenen Interesse ein- sichtig genug sind, ihre Dienstboten human zu behandeln, aber bei einer großen Anzahl der Herren regiert die Reit- peitsche oder der Haselnußstock und dabei giebts als„Aequi- valent" nur geringen Lohn und geringe Kost. Wo da die Liebe zur Herrschaft, die Liebe zu land- wirthschaftlicher Beschäftigung herkommen soll, daS kann Niemand begreifen! Deshalb ist es auch so ungemein ungerecht, auf die armen Mädchen selbst fortwährend Steine des Vorwurfs zu werfen. Hört man denn, daß die Arbeiterinnen in Fabriken nicht ihrer Arbeit genügend vorständen? Und wenn diese Fabrikarbeit auch nicht so schwer ist, als die ländliche Arbeit, so ist sie doch, wie gesagt, un- gesunder und vor allem ist sie eintöniger und langweiliger. Aber die Fabrikmädchen sind in der That unabhängiger, als die Mägde der Landwirthschaft. Wenngleich an Fabrik- Ordnungen und manchmal an sehr strenge Beaufsichtigung während der Arbeitszeit gebunden, sind sie in ihrem Thun und Treiben doch nach der Arbeitszeit mehr oder weniger ftei. Das ist es ja gerade, wird mancher ausrufen, die Mädchen wollen ungebunden sein, und aus dem in strenger Zucht gehaltenen Landmädchen wird ein ungezügeltes, ja unmoralisches Fabrikmädchen! Dem ist aber nicht so. Wir haben kürzlich aus dem„Statistischen Zahrbuche" nach der „Volkszeitung" Angaben über die Zahl der außer der Ehe geborenen Kinder in den verschiedenen Gegenden und Pro- vinzen reproduzirt, wobei wir zu dem Resultat kamen, daß die Mädchen in den Fabrikgegenden und großen Städten mindestens ebenso„tugendhaft" sind, als diejenigen auf dem Lande. Und was die Verführung anbelangt— da könnten Flur und Wald, Stall und Scheune Wunderdinge erzählen. Der Hang zur Lüderlichkeit ist also auch kein Grund zu der Abneigung zahlreicher Mädchen, als„Mägde" in der Landwirthschaft Dienste zu thun. Neben den verhältniß- mäßig niederen Löhnen ist es die ungemein schwere, manch- mal vollständig u n w e i b l i ch e Arbeit, die diese modernen „Sklavinnen" verrichten müssen und wogegen sie natur- gemäß sich auflehnen. Aber in erster und letzter Instanz ist es die A b h ä n- gl gleit, in welche die Dienstmädchen durch unsere G e- sindeordnung von ihren„Herrschaften" gebracht wer- den. Zn den Städten existiren zwar auch dieselben Ord- decken wir sie nicht, so unterliegt eS kaum noch einem Zweifel, daß sie, anstatt noch vierzehn Tage auf den Abgang des nächsten Dampfers zu warten, den Landweg durch die Prairien wählen." «Jedenfalls kommt mir der Durchsuchungsbefehl zu Statten, welchen ich mir zu verschaffen gewußt habe." „Durchsuchungsbefehl?" fragte Falk überrascht. „Ja, ein Befehl von der entsprechenden Behörde, kurz vor Abgang des Dampfers an Bord zu erscheinen und nach Kriegskontrebande, die für die Mormonen am Salzsee bestimmt ist, zu suchen. Der Befehl ist mir erst heute Mittag zugestellt worden, ich konnte Euch also nicht früher davon in Kenntniß setzen. Falk sann eine Weile nach.„Ich weiß nickt, ob dieses nicht übereilt gehandelt war," wendete er sich dann wieder an Weatherton,„der Abgang des Dampfers wird dadurch bedeutend verzögert werden, und Ihr erbittert nicht nur die in New-Aork anwesenden Mormonen gegen Euch, sondern auch die Mitglieder der DampfschifffahrtS- Gesellschaft, vor Allem aber die Passagiere." „Mag man mir zürnen oder nicht," versetzte Weatherton achselzuckend,„ich werde handeln, wie mir die Pflicht ge- bietet, obgleich ich Euch gegenüber einräume, daß ich mich nur überzeugen will, ob das junge Mädchen an Bord ist. Vor meiner Vollmacht müssen sich alle Thüren öffnen. „Und wenn Ihr sie findet?" fragte Falk zweifelnd, „in welcher Weise wollt Ihr aldann auftreten?" Weatherton legte einen Augenblick seineHand an die Stirn. „Ich habe darüber noch nickt nachgedacht," antwortete er endlich zögernd, vorläufig war ich nur von dem einzigen Wunsch be- seelt, zu erfahren, ob sie wirklich mit dieser Gelegenheit nach Kalifornien reist. Ich will wissen, wo sie geblieben ist, und sollte ich Werner's Anblick, der eben von der Straße in die Halle trat, ließ ihn den Nachsatz nicht beendigen. Er eilte auf ihn zu, und ihm die Hand entgegen- streckend, blicke er ihm ftagend in die Augen. Werner gab ein verneinendes Zeichen.„Es ist nichts," sagte er,„ich blieb, bis das Bureau geschlossen wurde' ich las die Namen aller Eingeschriebenen noch einmal durch nungen, aber fast keine sogenannte Herrschast wendet sie mehr an, weil die städtischen Dienstmädchen eine förmliche Koalition geschlossen haben gegen die unterdrückenden Be- stimmungen der Gesindeordnung. Dagegen können die „Herrschaften" nicht ankämpfen und so steht das vielfach in der That antidiluvianische Gesindegesetz in den Städten nur auf dem Papiere. Auf dem Lande aber wird dieses Gesetz von brutale« „Herrschaften" noch oft dem Wortlaute nach angewandt und besonders wird auch das in den Gesindeordnungen auSge- sprochene Züchtigungsrecht mcistentheils ganz unnöthiger Weise in Anspruch genommen. Das ist es, waS die Mädchen vom Lande in die Fa- briken treibt und zwar mit Recht. Diese mittelalterlichen Gesindeord- nungen müssen im Interesse der Dienst- boten und im Interesse der„Herrschaften" selb st aufgehoben werden. Wir haben die Zeitalter der Sklaverei und der Leib- eigenschaft überwunden und doch ist hier noch ein unwürdiger Rest derselben zurückgeblieben. Wollen die Grundbesitzer tüchtige Dienstboten haben, so müssen sie zunächst einen Lohn zahlen, der im Verhältniß zu dem in den Städten und Fabrikgegenden üblichen steht; ferner müssen sie den weiblichen Dienstboten auch eine für ihr Geschlecht schickliche und demselben nicht nachtheilige Arbeit überweisen und zuletzt müssen sie ihre Mägde nicht wie Leibeigene oder Sklaven behandeln, sondern als freie Arbeiter. Sie müssen mit einem Worte auf Beseitigung der Gesindeordnung hinarbeiten, damit auch die Dienstboten unter die allgemeine Gewerbeordnung gestellt werden. Thun die Landbesitzer das nicht, so wird immer die Klage über den„Mangel an weiblichem Gesinde" ertönen. Und über diese Klagen kann sich dann ein anständiger, rechtlich denkender Mensch nur freuen, denn sie beweisen, daß selbst die unterdrücktesten aller Geschöpfe in unserem deutschen Vaterlande sich auftaffen, eine bessere, menschen- würdigere Stellung zu erlangen. Politische Urberstcht. Zu in der Aussicht genommenen Enquete über die Sonntagsruhe haben wir uns bereits an dieser Stelle in der Rümmer 170 unseres Blattes ausgesprochen. Unsere in dem bezüglichen Artikel enthaltene Anficht hat, wie zu erwarten war, nicht den Beifall der gegnerischen Zeitunasorgane ge- funden. So äußerte sich dazu u. Ä. der„hannoversche Kourier", das Organ des Herrn v. Bennigsen, folgendermaßen: „Das Berliner Organ der Arbeiterpartei ist mit der Ein- setzung einer Enquete über die Nothwendigkeit der Sonntags- ruhe nicht zufneden, sondern hält die Angelegenheit für und überzeugte mich, daß schon seit heute Nachmittag um vier Uhr alle Plätze bis auf den letzten verkauft sind, und sogar in den Kajüten und Rauchzimmern des Abends Betten aufgeschlagen werden müssen, um alle Passagiere unter- zubringen." „Andere Nachricht erwartete ich nicht," versetzte Falk, als er eine bittere Enttäuschung aus Weatherton'S Zügen gewahrte.„Haben sie sich einschreiben lassen, so geschah eS unter anderen Namen; jedenfalls mutz es sich morgen früh aufklären." „Wenn eS zu spät, ist," sagte Weatherton ernst,„wenn eS zu spät ist und das arme unschuldige Opfer seinen Weg in's Elend schon angetreten hat. Denn finde ich sie wirklich, so besitze ick, da ich nur nach Kriegskontrebande forschen soll, nicht das Recht, in die Familienangelegenheiten mir fern und fremd stehender Personen einzugreifen; selbst auch dann nicht, wenn es Mormonen, also erklärte Feinde der Ver- einigten Staaten wären." „Ihr könnt kaum aufrichtigere Theilnahme für die junge Dame hegen, als ich," nahm Falk das Wort, indem er die Freunde nach einer Bank hinführte, die eben leer geworden war.„Es besteht blos der Unterschied, daß Ihr sie von Angesicht zu Angesicht kennt und sich in Folge dessen ihr Bild tiefer in Eure Seele eingegraben hat, während bei mir nur die Phantasie die Erscheinung zu schaffen vermag, die gewiß weit hinter der Wirklichkeit zurückbleibt." „O, Ihr solltet sie kennen," fiel Weatherton mit Wärme ein,„und ihr würdet meine Theilnahme natürlich finden—" „Ich kenne sie aber nicht, und dennoch finde ich Eure Theilnahme sowohl, wie die meinige natürlich," unterbrach ihn Falk mit einem gutmüthigen Lachen,„wie weit meine Theilnahme aber reicht, mögt Ihr daraus er- messen, daß ich viel weiter, als Ihr, in die Zukunft ge- dacht habe." Weatherton schaute überrascht und fragend zu dem Maler auf. „Ja in die Zukunft," wiederholte dieser freundlich. „entgeht sie nämlich morgen unserer Aufmerksamkeit, weil man sie irgendwo auf dem Dampfboot verborgen hält, fptudjretf. Was die vorzunebmenden Erhebungen anlangt, so geht es von der Voraussetzung aus, daß die Anflelegenheit nicht in wünschenswerther Weise erledigt werden wrrd, wobei für das Blatt weder die Versicherung, daß auch Arbeiter be- fragt weiden sollen, ins Gewicht fällt, noch auch die Ertlärung de« Reichskanzlers vom 9. Mai, daß die Anficht der Arbeiter über die Sonntagsruhe ihm am bedeutungsvollsten bei der Regelung derselben erscheint. Alles in Allem wird durch die Reden der Sozialdemokraten im Lande und durch die Haltung ihrer Preffe nur der Eindruck bestätigt, den man alsbald nach ver Reichstagssitzung vom 9. Mai gewonnen hatte. Die„Macher" der Sozialdemokraten fürchten Alles für sich unv ihre Agitation, wenn die Organe der staatsseitig in Angriff genommenen sozialpolitischen Reform erst anfangen, mit den Arbeitem von Angesicht zu Angesicht zu unterhandeln." — Zunächst wollen wir konstatiren, daß uns die„Macher" der Sozialdemokratie, welche durch die Inangriffnahme sozialpoliti- scher Reformen Alles für sich und ihre Agitation zu fürchten haben, völlig unbekannt find' sie düiften wohl nur in der Phantasie des„Hannoverschen Kourier" existiren. Soweit wir die sozialdemokratische Partei kennen, giebt es in ihren Reihen leine„Macher", wie sie leider andere Parteien und namentlich diejenige, welche das genannte Blatt vertritt, aufzuweisen haben- Die Einführung von Sozialrcformcn wirv von der gesammten arbeitenden Bevölkerung schon seit Jahr und Tag mit der größten Spannung erwartet, die Arbeiter wünschen nichts sehn- licher, als daß man von Angesicht zu Angesicht mit ihnen ver- handeln möge und daß endlich einmal die Wenn und Aber aufhören, mrt denen fortwährend experimenlirt wird. Es ist gewiß lein erfreuliches Zeichen, daß heute noch die verhältniß- mäßig doch nur winzige Frage eines gesetzlichen Ruhetages so — lauwarm in maßgebenden Kreisen behandelt wird, wre viel Widerstand werden demnach die viel wichtigeren Reformvor- schlage finden, welche im Arbeiterschutzgesetz enthalten find? Heute noch über die Nothwendiqkeit und Durchführbarkeit Anes gesetzlichen Ruhetages zu diskutircn, halten wir für ganz überflüssig, die Frage ist längst spruchreif. Gegen eine Enquete ist— abgesehen davon, daß dadurch die Erledigung der Ange- legenheit auf lange Zeit hinaus vertagt wird— nichts einzuwenden, wenn dieselbe in richtiger Weise zur Ausführung gelangt. Es kommt ganz auf das Wie und darauf an, ob man die wirkliche Gesinnung der Arbeiter hören will, oder ob nur festgestellt werden soll, daß die Sonntagsruhe resp. ein gesetzlicher Ruhetag weder durchführbar noch nothwendig ist. Daß die Arbeiter„auch" befragt werden sollen, genügt uns nicht, wir wünschen, daß dieselben überall gehört werden und daß dies nicht so nebensächlich mit einigen extra ausgesuchten geschehe. Es wird ein Leichtes sein, bei ent- sprechender Handhabung zu einem g ew ü n s ch ten Resultate zu gelangen. Wird die Enquete aber so geleitet, daß die Meinung der Arbeiter überall unbeschränkt zum Ausdruck kommt, so wird sie auch sicher den besten Beweis liefern für unsere Behauptung, daß die Frage der Sonntagsruhe längst spruchreif ist. Von den Schutzzöllnern wird die Behauptung, daß durch daß das Ausland für gewöhnlich die Zölle tiagc, und eine Erhöhung der letzteren sich im Jnlande in nennenswerther Weise nicht fühlbar mache. Es ist aber durch Thatsachen längst erwiesen, daß die durch die Zölle erzielten Mehreinnahmen that- sächlich vom deutschen Volke gezahlt werden. In welcher enor- men Weise die Netto- Einnahmen aus den Zöllen gestiegen find, beweist die Thatsache, daß dieselben im Jahre 1872 110 424000 Mark betrugen, im Jahre 1883/84 190 144 000 Mark. Nach dem Reichshaushaltsetat für 1834. 85 ist ihr Ertrag auf 190144000 Mark und nach demjenigen für 1885,86 auf 199 820 000 Mark berechnet worden. Was der Erttag der Zölle einzelner finanzieller besonders wichtiger Artikel anbe- trifft, so geht aus den Aufstellungen des„Statistischen Jahr« buches für das Deutsche Reich" hervor, daß der Zoll auf Kaffee von 32 494000 Mark im Jahre 1872 auf 44463 000 Mark im Jahre 1884 gestiegen ist: der Zoll auf Tabak von 14439000 Mark auf 31 274 000 Mark, auf Wein von 7 559 000 Mark auf 14 771 000 Mark, auf Vieh von 1 760 000 Mark auf 3 254 000 Mark, auf Baumwollgarn von 3 035 000 Mark auf 5 175 000 Mark. Die Zollcinnahmen von Getreide stellten sich im Jahre 1882 auf 19 029000 Mark; im �iahre 1884 waren sie auf 23 816 000 Mark gestiegen Aus diesen Ziffern läßt sich schließen, eine wie enorme Belastung des Volkes durch die Zollerhöhungen eingetreten ist, die umso- mehr sich fühlbar machen und eine schädliche Einwirkung auf unsere sozialen Verhältnisse haben wird, als gerade die ärmeren Voltsklassen von ihr am meisten betroffen werden. Die Höher- schraubung der Zoll Positionen, wie sie in der neuesten Zoll- Novelle voigenomnien worden sind, wird den ungünstigen Ein- fluß noch steigern. Die fortgesetzte Belastung wird indeß wohl das ihrige dazu beitragen, die Erkenntniß von der schädlichen Wirkung der indirekten Steuern in immer weiteren Kreisen herbeizuführen und es wird hoffentlich die Zeit nicht mehr fern so wird sie dennoch während der ganzen Reise und sogar noch in San Franziska aufs Schärfste bewacht und be- hütet werden. Ich habe nämlich meinem Freunde Werner hier die beiden Mormonen so genau beschrieben, daß er, im Fall er mit ihnen zusammentrifft, nicht einen Augen- blick im Zweifel über sie bleiben kann; und wenn Ihr ihm eine ähnliche Beschreibung von den Damen gebt, so dürften wir mit Gewißheit darauf rechnen, schon von der Havannah und demnächst von Panama aus, genaue und umständliche Berichte über Alles, was wir zu wiffen wünschen, übermittelt zu erhalten." „Und daß sie in San Franziska, sollten sie sich dort- hin wenden, beobachtet werden, dafür bürgt mein Versprechen," bekräftigte Werner aus vollem Herzen.„Ich besitze daselbst Freunde und werde Personen finden, die mit Freuden ihren ganzen Einfluß aufbieten, einer beabsichtigten verbrecherischen Handlung hindernd in den Weg zu treten." „Zhr reist nach Kalifornien," sagte Weatherton nach- denkend, indem er mit einem verstohlenen eifersüchtigen Blicke die schlanke Gestalt des jungen Kaufmannes maß. „Ihr werdet immer in ihrer Nähe sein und sie täglich sehe« „Das heißt, wenn sie mit demselben Dampfer reist, was noch höchst unwahrscheinlich ist," schaltete Falk ein, und seine Physiognomie verrieth, daß ihm die Gefühle nicht fremd waren, welche Weatherton's Brust bestürmten. „Allerdings ist es noch unwahrscheinlich ," versetzte Weatherton freier und offenherziger zu Werner gewendet, „aber ich will für alle Fälle die beiden Damen so genau beschreiben, wie ich es nur immer vermag. Vielleicht, daß dennoch in dem guten Werk, zu welchem wir uns vereinigt haben. Euch gerade der angenehmste Theil der Aufgabe zufällt." „Aber nicht hier, nicht hier laßt unS diesen Gegen- stand weiter erörtern," sagte Werner dringend, als Weatherton eben mit seiner Schilderung beginnen wollte.„Begeben wir uns hinauf; in meiner Stube sind wir ungestörter, und nachtheilig kann es nach keiner Richtung hin wirken, wenn wir den letzten Rest meiner Kalifornia-Weinproben auf den guten Erfolg leeren." sein, in welcher der Schutzzöllnerei im deutschen Volke völlig der Boden entzogen sein wird. Mit Bezug auf die bekannten Vorgänge auf dem Friedhofe zu Frankfnrt a. M. hat der dortige Magistrat dem Abgeordneten Sabor folgenden Bescheid zugehen lassen: „Ew.Hochwohlgeboren erwidern wir auf das gcfl. Schreiben vom 25. Juli crgebenst, daß wir eine genaue Untersuchung der in demselben erwähnten Vorfälle, sowett dabei städtische Ange- stellte in Betracht kommen, angeordnet haben. Es würde indessen nicht nur zur wesentlichenFörderung dieserUntersuchung gereichen, wenn Ew.Hochwohlgeboren diejenigen thatsächlichen Vorgänge, welche dem von Ihnen gefällten Urtheile zu Grunde liegen,„daß städtische Angestellte sich Brutalitäten in Wort und Tbat zu Schulden kommen ließen", anführen und zugleich die Zeugen hierfür benennen wollten, sondern es darf dies im vinblick auf die Schwere der von Ew. Hochwohlgeboren gegen städtische Bedienstete erhobenen Anschuldigungen diesseits auch erwartet werden.— Der Magistrat. Heussenstamm." Wie die„Frank- furter Ztg." hört, wird dem Magisttat durch Herrn Dr. Epp- stein, den Anwalt der bei der Friedhofsaffaire Betheiligten, das auf das Verhallen der Friedhofsaufseher bezügliche Ma- terial ungesäumt übersendet werden. Verlin hätte nun auch sein„Kreisblatt". Nachdem die antisemitischen Organe, welche als gouvernementale Frank- tireurs agirten, sonst aber auf eigene Faust marodirten, all- mählich fast sämmtlich entschlafen find, hat es die anonyme Leitung der„öffentlichen Meinung" für nöthig gefunden, für einen passenden Ersatz zu sorgen. Das Berliner„Intelligenz- blatt", welches vielfach in jenen Kreisen verbreitet ist, wo dre politische Intelligenz aufhört, bringt seit einiger Zeit Kampf- artikel gegen die oppositionellen Parteien, welche an Gehässig- keit nichts zu wünschen übrig lassen. Vielleicht leiht das bis- her nur dem Stillleben geweihte Blatt seine Ueberzeugung der großen Sache der Reaktion. Ob dieses Engagement für die Wahlen die Zugkraft haben wird, daS„konservative" Publi- kunr anzulocken, welches bei Stöcker auszubleiben beginnt, steht dahin. Wegen der traurigen Vorgänge auf dem Frankfurter Friedhofe ist nunmehr vom Untersuchungsrichler die Vor- Untersuchung eröffnet worden, nachdem vom Polizeipräsidium der Staatsanwaltschaft die Akten vorgelegt worden waren. Gleichzeitta ist, wie wir bereits gestern mrttheilten, Polizei- kommissar Meyer, der den angeblich durchaus unberechtigten Befehl zum EinHauen auf die wehrlose und sich in keiner Weise widersetzenden Menge gegeben hatte, durch Verfügung des Polizeipräsidenten vom 26. d. M. auf Grund des Drsziplinar- gesetzes vorläufig seinen Dienstverrichtungen enthoben. Auf- sehen erregt es m Frankfurt, daß Präsident von Hergenbahn am 27. d. selbst einen längeren Urlaub angetreten hat. Man darf hoffen, daß die Einleitung der Untersuchung wesentlich zur Beruhigung der aufgeregten Äemüther der zunächst Betroffenen beitragen wird. Von dem Ausgange der Untersuchung wird es abhängen, welches Urtheil sich die Ocffentlichkeit über jene ttaurigen Szenen bildet. Das herrschende Kolonisationsfieber lockt auch die ausländischen Äuswanderungsagenten nach Deutschland, sie glauben jetzt die beste Gelegenheit zu finden, um Deutsche zur Auswanderung nach den ungeeignetsten Gegenden zu verleiten. Nachdem erst unlängst selbst von der ausländischen Presse vor australischen Agenten, welche es auf Arbeiter für Zucker- plantagen in Queensland abgesehen hatten, gewamt wurde, Hütt man jetzt, wie uns aus Hamburg berichtet wird, von einem nicht minder schlimmen Projekt aus den ttopischen Theilen von Brasilien. Eine Gesellschaft, welche in den Provinzen Bahia und Minos Geraes einen Bahnbau unternommen hat, wünscht im Interesse der Rentabilität des Unternehmens längs der Bahnlinie, welche meist durch unfruchtbare und sunipfige Gegenden läuft, Kolonisten anzusiedeln, und hat zu diesem Zweck einen Agenten nach Hamburg gesandt. Es darf nicht erst an den traurigen Ausgang früherer derartiger Unter- nehmungen erinnert werden, um vor einer Auswanderung nach jenen, für deutsche Kolonisten durchaus ungeeigneten ttopischen Gegenden dringend zu warnen. Zünftlertsches. Der Echlesische Schneidertag hat sich nicht begnügt, den Prüfungszwang und die Einführung der Zwangsinnung zu fordern, sondern sich auch das Verdienst erworben, über dre Konsequenzen der letzteren Licht zu ver- breiten. In einer Verhandlung über das Herbergswesen wurde bedauert, daß den Innungen die Verpflichtung auferlegt sei, Herbergen zu schaffen, ohne daß ihnen die entsprechenden Rechte verliehen seien. Zweck der Innungen sei, die ver- schiedencn Handwerker zu isolire n>!), das könne aber bei dem Herbergswesen nur dadurch erreicht werden, daß man bei einem Schneidermeister die Herberge einrichte und diesem die Konzession zum Ausschank von Getränken:c. verschaffe. Die Erhallung der Herberge liege der Innung ob, wie aber komme diese dazu, da die Meister, die nicht der Innung angehören, nichts dazu beigetragen haben? Hier müsse die Gesetzgebung helfend einschreiten, wie sie auch die Lebensfähigkeit der Jnnungsherbcrgen, die sonst nicht besucht werden würden, da- durch sichern müsse, daß sie den Schankwirthschaften ver» Weatherton und Falk gingen auf den Vorschlag ein, und bald darauf saßen sie bei dem stark duftenden, edelsten Erzeugniß des Goldlandes, vertieft in die Unterhaltung, welche sie unten in der Halle abgehrochen hatten.— Während die drei Freunde, von Niemand beobachtet, ihre Gedanken und Pläne für die Zukunft austauschten und die entsprechenden Verabredungen trafen, war die Landungs- brücke, neben welcher der Kalifornia-Dampfer lag, schon leer geworden. Auch auf den angrenzenden, aus Brettern und Balken gezimmerten Werften zeigte sich nur noch wenig Leben. Hin und wieder schwankte ein Matrose, der des Guten etwas zu viel gethan, dem Heimathlichen Schiff zu; andere, denen es gelungen war, die Wachsam- keit der Posten zu täuschen, schlüpften wie Schatten in die Stadt nach den wohlbekannten Schänken. Auch sah man wohl ein paar Schiffsrheder, die den Abend bei ihrem Kapitän zugebracht, Arm in Arm den Heimweg antreten, doch vermochten alle diese Gestalten nicht den Charakter tiefster Ruhe zu verdrängen, der sich nach einem geräuschvollen Tage auf die Werfte und die vor denselben liegenden zahlreichen Kauffahrer gesenkt hatte. Die hellen Gaslaternen warfen ein unbestimmtes Licht auf die schwarzen Schiffsrumpfe, die ihnen zunächst lagen, und auf die unteren Masten, lieber die nächsten Schiffs- rümpfe hinaus und bis in die obere Takelage hinein drang die Beleuchtung indessen nicht. Was außerhalb des Licht- kreises der Laternen lag, das fiel mit der nächtlichen Dunkel» heit zusammen, dort als schwarze Masse, ähnlich schlummern- den gigantischen Ungeheuern, sich mit dem dunkeln Wasser- spiegel vereinigend, hier nur schwach und mit verwischten Umrissen vor dem gestirnten Firmament abhebend. Wenn auch in der Ferne Fährdampfer und kolossale Flußschiffe mit ihren zahlreichen erleuchteten Fenstern, wie schwimmende Städte, dumpf stöhnend und ächzend dahinbrausten und eilig die ihnen vorgeschriebene Bahn verfolgten, so schien in der Nähe des Kalifornia-DampferS Alles zu schlafen. Verschlafen gurgelte das Fluthwaffer an den ge- kupferten Wanten entlang; verschlafen hingen die Wimpel, von keinem Lufthauch bewegt, niederwärts, und selbst die Laternen, die als Signale auf den verschiedenen verein- biete(!>, Handwerksgesellen aufzunehmen, und sie verpfli�- sie in die Jnnungsherbcrgen zu verweisen. Es wurde? einem Breslaucr Schneidermeister zur Begründung dieses langen« angeführt, daß die feit einem Jahre von der Bresi» SchneiderinnuNg gegründete Herberge, in der jedem ßssssn den Gesellen auf Kosten der Innung Abends Butterbrod Käse und ein Glas Bier, Nachtquartier und Frühstück � reicht werde, noch nicht von einem einzigen Gesellen W; worden ist. Die Gesellen gingen entweder in die Herberge j, Heimath oder in das St. Vtn enzhaus. Es wurde deshalb das Verbot der Herbergen zur Heimath und der Vincei als eine Konsequenz der Zwangsinnung gefordert.— weiter, die Sache wird heiter! Zum polizeilichen Vrod- Feldzug. Im rh«Ä? Kreise Lennep sollen in sämmtlichen Gemeinden vom 1-% ab wieder Brodtaxen eingeführt werden. Eine zaM besuchte Versammlung von Bäckermeistern hat daber WJ* Eingabe an die Bürgermeister beschloffen:„Ew. Wohlgebor erlauben sich die Unterzeichneten Folgendes zu unterbreil� Eine Polizeiverordnung vom 13. Juli ordnet an, daß die und Verkäuser von Backwaaren vom 1. August d. I- ßWj. sein sollen, ihre Backwaaren, d. h. das Schwarzbrod, mu ew Stempel zu versehen, welcher das Gewicht des Brodes ang ss Zweitens sollen die Polizeibeamten befugt sein, die lokale zu rcvidiren und das etwa zu leicht befundene Broof schneiden zu dürfen. Drittens soll die Behörde befugt w von Zeit zu Zeit das Gewicht und den Preis deS Broves einzelnen Bäcker öffentlich bekannt zu machen. Da von diesen Bestimmungen in dem Gewerbegesetz kein Wort' ist, sondern§ 72 der Gewerbeordnung bestimmt, daß 4°* künftig nicht vorgeschrieben werden sollen und daß dKiss, J wo solche bestehen, in kürzester Frist aufzuheben find, so die Unterzeichneten gegen jede außerordentliche Eimnisww entschieden protestiren zu müssen, um so mehr, als eine u große Konkurrenz in unserm Aitikel den Verdienst sehr und die Käufer von Backwaaren vor Uebertheuemng oc schützt, als alle Taxen und Polizeivorschriften dies zu � vermögen. Bisher haben wir gegen die Bestimmung� Gewerbeordnung nicht verstoßen. Der Preis und das,.: wicht des hier üblichen Brodes hat jederzeit im Beikauft'. ausgehangen, und glauben wir den gesetzlichen Bestimwu»� in allen Punkten nachgekommen zu sein. Zu den Lasten Staates und der Gemeinde haben die Unterzeichneten% Pflichten wie die übrigen Staatsbürger, glauben daher � rechttgt zu sein, auch dreselbcn Rechte zu verlangen undj., Velästigung seitens der Polizeibehörde ihr Gewerbe bestes zu können. Ew. Wohlgeboren ersuchen wir daher erge�, dahin zu wirken, daß die Verordnung vom 13. Ju» r genommen wird."■. Die Handelskammer za Altena(Westfalen) s?s,., ihrem Jahresbericht 1884 über die westfälische E>1.� industrie:„Der Eisen st einbergbau lag in 4« Bezirk gänzlich darnieder, sodaß wohl kaum eine einzige Gewinn abwarf. Die Hüttenwerke arbeiteten ebenfalls ju sehr ungünstigen Verhältnissen. Die stets wachsende*■ dehnung des Entphosphorungs Verfahrens macht die nach besseren Roheisenmarken geringer und drückt den so nieder, daß auch hierbei von Gewinn kaum mehr die � sein kann. Nächst oem Bergbau und der Hütten-Jud� nehmen die E i s e n d r a h t- und B l e ch w a l z w e r le ssL,- Metall-Industrie unseres Handelskammer bezirks einen Km ragenden Platz ein. Die ungünstige Lage der erstem inw(: 1883 hat im verflossenen Jahre leider keine Aufbesseruvfl� fahren, vielmehr hat sich dieselbe noch ungünstiger 6% So lange der amerikanische Markt große Mengen walzdraht verbrauchte, hat flch der Preis dieses Erzew � und zugleich derjenige des Puddeleisenwalzdrahts auf wissen Höhe erhalten. Nachdem indessen zufolge einer s«�K noch immer nicht gehobenen Geschäftsknse in Amerika%; darf daselbst wesentlich abgenommen und nachdem zugle�� amerikanischen Eisenwerke sich durch verbesserte Einriastssi»! in den Stand gesetzt hatten, diesen verminderten Bedan P decken zu können, war der Rückschlag unausbleibli«-�. günstigt durch das namentlich zur Erzeugung weicher waaren besonders geeignete Thomas- Gilchnst Verfahren, � A die Verarbeitung der geringsten und billigsten aus haltigen Rasenerzen crblascnen Roheisensorten ermöglicht� die Preise des Flußeisenwalzdrahts schnell herunter, der walzvraht mußte folgen und es wurde schließlich zu verkauft, welche die Selbstkosten kaum mehr deckt« gleicher Lage wie die Drahtwalzwerke befinden sich Werke, welche geschlagenes S t a b e i s e n herstellen- f diese haben in dem Flußeisen einen Gegner, mit dem% yi folarcicher Wettbewerb kaum möglich ist. Im Jnlande Absatz von geschmiedetem Stabeisen sehr herunterg« und sind die Werke fast ausschließlich auf die Auift gewiesen. Bei einer weichenden Preisrichtung'y diese nicht nur �einen äußerst mäßigen Verdienst � vonauslmi dem auch häufig Verwicklungen mit sich, die von auslmft,� ßtanrhtßbßBörben miißnpfnfbtfn mprbptt mfiforn.W Gerichtsbehörden«usgcfochten werden müssen. Die.vs w blech-Jndustrie war, wenn auch in einer gedrückten- samten Verdecken aufgestellt worden waren, wie h'e � die Kajütenfenster schimmernden Lampen, brannten, � gleich mit den Gasflammen, so trübe und düster, al» auch sie sich schon halb im Traume befunden hätten. tii Die an den Werften vorüberführende Sttaße m« � belebt; dieselbe bildete aber gewissermaßen ein Reich Jv selbst, und die Leute, die sich dort noch geräuschvoll h' ji' her bewegten, waren eben nur Bettunkene, oder sich irgendwo verspätet hatten und mit schnellen®t' nach Hause eilten. Nur vor dem Eckhause, in welchem sich W der Kalifornia-Dampfschifffahrts-Gesellschaft befand ein Mann, der keine Eile zu haben schien. m ff Er hatte sich in einen wetten Mantel gohu,' y runder Filzhut saß ihm tief auf der Stirn, so i seinen Gesichtszügen gar nichts zu erkennen war, u» j er sich an einen der das einfache eiserne Güter* � Hausthür tragenden Pfeiler lehnte, zeitweise aum K einige Schritte auf und ab ging, da hätte man y eine Schildwache halten mögen, die hier zur Sicher? Hauses aufgestellt worden. Die meisten der Vorübe den mochten ihn auch wohl für einen Wachposten P,(f denn nur selten nahm sich Jemand die Zeit, die d'%� hüllte Gestalt genauer zu betrachten, dagegen kam � tn deren Nähe, ohne daß ein Paar finstere Äug f unter dem schirmenden Rande de? Hutes h�yif durchbohrendem, forschendem Ausdruck auf ihn» hätten. t d Die Zeit verrann, die Straßen wurden leerer, ß, ft Mann verharrte auf seinem Posten. Bald sitzend,%lif anlehnend, oder auf und ab schrettend, verrieth er geringsten Grad von Ungeduld. Dc-— Stunde Schwingungen„utiy«wmviuumt, V m der Mitte der Stadt her das in diesem Theil de.$ zur Nachtzeit nicht gewöhnliche Rollen eines Wag nehmen. hi Der Wachposten schaute gespannt die Straße von woher sich das Geräusch näherte. S'n. TR pblttlÄ folgen-' KS die B-> M einigermaßen besser daran wie die vorgenannten Gewerbe- Meige, ooschon auch hierin eine Zuvielerzeuguna stattsindet, lvelche.�m Auslände untergebracht werden mutz. Ihrer �atur nach lft die Feinblechherstellung eine sehr langsame, und ist u rfinn Zustande allein zuzuschreiben, daß das Großgcwerbe, a-lches sich auf Massenartikel wirft, dieselben b,s jetzt ziemlich n-rschont hat. Dagegen ist die Eisenblccherzeuguna, namentlich 'n den Kreisen Siegen und Olpe, in den letzten Jahren ganz bedeutend gestiegen, so daß auch in diesem Zweige eme Er- Zeugung entstanden ist, welche mit dem inländischen Verbrauch Z". gar keinem VerbältniK- fteM"- Welch„erfreuliches" Bild, ; inszenirten neuen «wuiuu; sjte igtrren megineurc dieser auf Kosten arbeitenden Volkes veranstalteten ökonomischen Trayrkomo- M werden von ihren eigenen Freunden bereits im Stich ge- Die Industrie liegt darnieder, die metallurgische Krise chronisch geworden, der Arbeitslohn fällt stetig, die Ent- Hungen find an der Tagesordnung, die Ueberproduktron ist «ne so unerhörte gewesen, daß die Unternehmer Kartellverbandc und Konventionen zum Zweck der Einschränkung der Produk- abschließen, bei denen der Arbeiter die Zeche zahlt, mit Mm Worte, wir stecken tief im Sumpf. Der neudeutsche Münchhausen will steh bei seinem eigenen Schutzzollzopf wieder Wichen, und sinkt immer tiefer. Wie soll das enden? München. In dem Hierselbst erscheinenden„Barr. Land- Mn", veröffentlicht der Reichstaasabgeordnete für München II, PI" DOn Vollmar, eine längere Erklärung hinsichtlich der Be- wbigung der Kieler Polizei durch den Minister von Puttkamer Mn der nicht verfassunasgemäßen Verhaftung der von dem Menhagener Sozialistenkongrcß heimkehrenden Abgeordneten Mme und von Vollmar. v. Vollmar giebt dann folgende Milderung des Herganges der Sache. Die Reichsregierung '«damals vollständig überlistet worden; der Parteitag, dessen «bhaltungsort verborgen geblieben, sei gänzlich unbemerkt ,n Menhagen verlaufen. Deshalb fei der politischen Polrzei nur Hoffnungsschimmer verblieben, daß vielleicht ein zurückkeh- (tirfv Theilnchmer(von denen, sechszig an der Zahl, nur die neun W der Rückreise in Holstein verhafteten angeklagt worden M) unvorsichtiger Weise kompromittirende Papiere mit 2 Mhrt hätte. Deshalb seien schleunigst Maßregeln " worden, um die Zurückkommenden unter Be- Wl'gung einer Strafthat untersuchen zu können. Aber dieser «IaH" sn dadurch die Spitze abgebrochen gewesen, daß weniger als 10 Kongrcßtheilnebmer durch ihre Eigenschaft d.i. �lglieder des eben tagenden Reichstages vor zeder Ver- Uung geschützt waren. Selbst im Polizeiprafidlum�,n Berl.n tnon iw, blZ. man im Hinblick auf A wu�Hmficht Bedenken gehabt Art. 31 der Reichsverfassung in Wimhcn«eoenien geyaor haben, die aber bald über- hake �mmoeir seien. Man habe dann den Kommissar von «YQTp j-/--------------------- «fltfip 3J untergeordneten Agenten nach Holstein geschickt, und �°mten der Berliner politischen Polizei Verhaftung in Kiel ausgeführt hätten; die Kieler betheiligt gewesen. Nur auf ausdrückliches �ollmar's habe der Inspektor der Kieler Polizei der nng beigewohnt, er sei aus dem Bett geholt worden. nebcni�.r'�iigen habe die Kieler Polizei nur eine durchaus gespielt. Herr von Vollmar schließt: dem m t sich vor dem Landgerichte zu Chemnitz, von siona�n-.�°ieß gegen die Theilnchmer am Kopenhagener @eC;I" stattfindet, Gelegenheit, die Thätigkeit der politrschen �Mpofizei noch etwas mehr zu beleuchten." Niinitt.? ganzen Königreich Sachsen wird, wie der Finanz- tage»on Könneritz soeben in Ausführung eines vom Land- auf.{P vorigen Jahre genehmigten Gesetzes angeordnet hat, b a i, stokalischen Straßen unv Brücken die Erhebung des m'sssee- und Brückengeldes am 31. Dezember d. daß 10 Uhr, e i n g e st e l l t. Es wäre zu wünschen, gische. �oee mitteldeutschen Kleinstaaten, besonders die thürin- vor i-r�Mkenthümer endlich einmal dem zuerst von Preußen Suva 31 �?hren gegebenen Beispiele folgten und der Belästi- rs Verkehrs ein Ende machten. qv_ Oesterreich U n g a r il. ßeteuflrZ rauenarbeit bemächtigt sich, kraft ihres un- zu niedrigen Kaufpreises, immer mehr der Industrie S t �.."eii des Kapitalprofits. Daß auch der moderne die f.,? ols Unternehmer sich darauf versteht, die billige Waare, tiren Mibliche Arbeitskraft nennt, aufs äußerste zu exploi« kau�gZofür liefert die österreichische Tabaksindusteie, die be- in k 7 Etaatsmonopol ist, einen drastischen Beleg. Es find Dan-pi,«Da bakfabrikation Zrsleithaniens im <"28878 Arbeiter beschäftigt, und unter diesen— wir far-iff Angaben der amtlichen„Statistischen Monats- nicht weniger als 26 000, sage und schreibe find (V�nfn 1•»V?* 4HVMV| MV»/---- r----- -■ cr kolossale Gewinn, der von der Regie erzielt wird echs.. �nuo mcyr weniger arg /o vuv, mgr uuu JHe fo�biwanzigtaufenb weibliche Arbeiter! fhed. �' v*. i— �-— o-. I. /. n. Ii wiprYipn MB die in SB." den Tabakfabrikcn gezahlt werden, mehrfach besprochen worden, und Uo hrjrf lvronare rsewinn, oer von vre f�iös-n die Sozialreform, welche von den österreichischen Go'f m, fiorade so oft hervorgehoben wird, wie anders- geduldig �"foch, auf dem Papier. Und das Papier hielt v" k" Entfernung von ungefähr zweihundert Schntten £ Wagen plötzlich still. hin"2* sind es, endlich!" murmelte der Mann vor sich < z u bewegte er sich langsam auf den »ichf � hatte die Strecke, die ihn von demselben trennte, noch falls Hälfte durchmessen, da trat ihm ein anderer, eben- 'Mfaltrg verhüllter Mann entgegen. "Sr? t redete ihn derselbe an. sich r".?braham," lautete die Antwort, und schweigend reichten �% Kenner die Hände. Zaas�Ä I?es sicher?" fragte Abraham sodann, sich an Eckend stellend und, gleich ihm, die Straße hinauf- sihr sicher," antwortete dieser.„Bis gegen sieben häufi«[2 v �4 im Bureau ein junger Mensch, den wir aber L? mer Gesellschaft des Malers beobachteten, sobald jener q»-- r �u geschlossen wurde, entfernte er sich. Seit lasse»' e-.M sich kein verdächtiges Gesicht mehr blicken aicht stattsi� t™),1 �cher' baß die Durchsuchung des Schiffes �°he'nder eS'" antwortete Abraham mit eigenthümlich voneiÄll Unterhaltung wurde durch das Rasseln des da- UÜten f;in Wagens unterbrochen, und gleich darauf ge- m Sm2 noch°vei Gestalten zu ihnen, die offenbar in �areg gekommen und weiter oberhalb ausgestiegen �atnen�li??,�iben ließen in ihrer noch dichteren Umhüllung M bur*?!h�n, während die dritte sich in ihrem Aeußern �rößenverhältnisse von den beiden zuerst er- At,-r/annern unterschied. sie in unmittelbarer am f in unmittelbarer Nähe von Jansen und Abra- >er �angekommen waren, warf die schlankere und höhere 3lntlib Frauengestalten den dichten Schleier von ihrem zeigt.- zurück, und in dem hellen Schein der nahen Laterne Ich die lieblichen, mit einem schwärmerischen Ernst » buchten Züge Hertha'-. ?! I" sagte sie leise und doch mit so melodischer "nie, daß bei deren Klang das starre Herz eines Urwilden Amerika. Aus New Uork wird dem„VolkSwshl" Mitte Zuli fol- gendes berichtet: In Cleoeland(Ohio) ist eine Bewegung unter den Arbeitern ausgebrochen, welche von allen europäischen Arbeitern, die sich kontraktlich nach Amerika ver- locken lassen, beachtet werden sollte. Die Eigenthümer des dortigen großen Walzwerkes hatten während eines Streiks der einheuniichen Arbeiter polnische und böhmische Ar- bester in Massen eingeführt. Die Polen und Böhmen, wie auch die Ungarn, stehen bei der einheimischen Arbeiterschaft in dem zweifelhaften Rufe, fich für derlei Gegenagitationen sehr willig gebrauchen zu lassen, und werden deshalb ungefähr wie Aussätzrae behandelt. Dieses Verhältniß machen sich derlei Arbeitgever, wie die Eigenthümer des Walzwerks in Cleveland, zu Nutze, und bezahlen die armen Eingewanderten trotz allen vorhergegangenen Versprechungen ganz nach Willkür, da sie wissen, oaß diese auf die Hilfe der amerikanischen Arbeiter kaum zu rechnen haben. Ende Juni nun wurde in dem Walz- werk angekündigt, daß mit dem 1. Juli eine Lohnreduktion ein- trete. Man hatte nicht einmal so viel Achtung vor den Ar« bestem, ihnen zu sagen, wie hoch sich diese Reduttion belaufen solle. Das war selbst für diese Polen und Böhmen zu viel. Sie stellten die Arbeit ein, hielten Massenversammlungen, be« sprachen das Beleidigende in dem Vorgehen der Eigenthümer des Walzwerks, durchzogen in Parade die Stadt, mit Knütteln und Revolvem bewaffnet. Nebenbei bemerkt, haben ste diese Revolver beim Eintritt in das Werk von den Eigen- tbümern bekommen, um fich gegen etwaige Angriffe seitens der damaligen Streiker zu wenden. Die Streiker, die fich verschiedene Ausschreitungen zu Schulden kommen ließen, haben die Vermittelung des Bürgermeisters erbeten und ver« langen, daß ihnen entweder die früheren Löhne, welche ohne- hin niedriger seien, als in anderen Fabriken gleicher Branche, weitergezahlt, oder das Fahrgeld zur Rückreise nach Europa ausgefolgt werde. Man muß gestehen, daß diese Forderungen bescheiden genug, ja für die Eigenthümer sehr günstig sind, da sie noch immer niedrigere Löhne als ihre Konkurrenten zu be- zahlen haben, und daß, falls es wirklich zu Blutvergießen kommt, die schwere Verantwortung hierfür nur auf die Eigen- thümer des Walzwerkes zurückfällt. So beklagenswerth die Ausschreitungen der Arbeiter sind, muß man fich doch fragen, was denn den Leuten sonst zu thun übng blieb, da fie, hierher gelockt unter schönen Versprechungen, mißbraucht, um durch niedrigere Löhne andere Arbeiter außer Brod zu drängen, der Verachtung und Geringschätzung nicht nur der verdrängten Arbeiter, sondern der ganzen Bewohnerschaft einer großen Stadt preisgegeben, nun auch die Mißachtung und Willkür der Fa» hrikanten ernten, die so viele Vorthelle durch fie genossen? Lokales. r. Ueber den Turnunterricht an den Schulanstalte« haben kürzlich in Berlin gemeinsame Berathungen hervorragen- der Schulmänner und Mediziner stattgefunden, und zwar nach der Richtung hin, um eine passende Einreihung des Turn« Unterrichts unter die übrigen Unterrichtsgeaenstände zu veran- lassen. An einzelnen Anstalten fand der Turnunterncht gleich zuerst nach der Mittagspause statt, so daß die Knaben von der Mittagsmahlzeit und mit vollem Magen an die Turnübungen gingen. Da nun kräftige Muskelthätrigkeit die Verdauung be- einträchtigt, so kam es öfter vor, daß solche Schüler von Er- brechen befallen wurden. Außerdem wurde die Nützlichkeit des Schwimmunterrichts allseitig betont, und dessen Ertheilung an Schüler für durchaus zweckmäßig und wünschenswerth erklärt. Freilich müßte für die Dauer des Schwimmunterrichts der Turnunterricht ausfallen, da Uebungen beider Art zugleich den Körper jüngerer Leute zu sehr anstrengen würden. Es soll in Zukunft dahin gewirkt werden, daß namentlich in Berlin eine größere Theilnahme der Schüler am Schwimmunterricht ermög- licht und während der Dauer desselben in den Sommer- Monaten die daran theilnehmenden Schüler vom Turn- Unterricht dispenfirt werden; ferner soll bei Ertheilung des Tum- Unterrichts darauf Bedacht genommen werden, daß derselbe möglichst an den Schluß des Unterrichts, in die letzten Nachmittagsftunden verlegt wird, damit die Schüler unmittelbar nach dem Turnen Gelegenheit zur Erholung haben.— Ohne Beseitigung der häuslichen Schularbeiten an den Tumtagen wird die nöhige Erholung wohl kaum herbeizuführen sein. r. Die verschiedenen Arten der Buddelei, von denen unsere Straßen beständig heimgesucht werden und der Verkehr beständig beengt wird, haben sich nun noch um eine neue ver- mehrt. Das Trottoir an der östlichen Seite des Gendarmen- Marktes ist in seiner ganzen Länge zum Zwecke der Kabellegung für die elektrische Beleuchtung aufgehoben und so ziemlich un- pasfirbar. Vor den einzelnen Hausthüren find hölzeme Roth- Übergänge nach dem Straßendamm zu hergestellt. An einzelnen Stellen befindet fich über der aufgeworfenen Grube ein luftiges Zelt, in dessen Schatten die Anwendung der elektrischen Prü- fungsapparate und die Verrichtung solcher Arbeiten stattsindet, die eines Schutzes gegen die Wittemng bedürfen. Diese Zelte, hätte erweicht werden können;„Onkel!" wiederholte sie, Zansen'S dargebotene Hand ergreifend;„ist es denn wahr, müssen wir, wie Verbrecher, unter dem Schutze nächtlicher Dunkelheit unsere Flucht bewerkstelligen." „Selig sind, die um des Herrn willen verfolgt werden, denn sie werden das Himmelreich erschauen!" antwortete er hohl und unheimlich, indem er des jungen Mädchens Arm durch den seinigen zog und dann, sich kurz umkehrend, die Richtung nach dem Werft hinunter �„Z?men," sagte Hertha mit Ergebenheit, und schwei- gend schloffen sich Abraham, RynoldS und Demoifelle Corbillon an. „Lieutenant Weatherton hat sich also auch bei Dir nicht blicken lassen?" fragte Hertha, nachdem sie einige Schritte zurückgelegt hatten, und in ihrer Stimme offenbarte sich eine Traurigkeit und Theilnahme, wie Jansen noch nie an ihr bemerkt zn haben glaubte. „Sprich nicht von ihm," erwiderte er so finster, daß Hertha von einem innern Beben befallen wurde.„Er steht an der Spitze derjenigen, welche die Auserwählten des Herrn verfolgen. Arglos theilte Rynolds ihm mit, wo wir zu finden sei« würden, und er antwortete darauf, daß er sich eine Vollmacht zur Durchsuchung des morgen abgehenden Dampfbootes ausfertigen ließ." „Sollte darüber kein Jrrthum obwalten können? fragte Hertha schüchtern, nachdem sie sich einige Schritte, schweigend und in Gedanken versunken, an der Sette ihres Onkels hinbewegt hatte.„Er ist der Letzte, von dem ich eine der- artige Unaufrichtigkeit erwartet hätte. Seine Worte klangen so ehrlich, so wohlmeinend, und wa»er zu mir sprach, schien „Schien Dir?" fragte Jansen heftig auffahrend und den Arm seiner Nichte fest an sich drückend. „Schien mir aus einem theilnahmvollen Herzen, aus den edelsten Gesinnungen zu entspringen." Sie bogen jetzt, an der Werftstraße angekommen, um die Ecke, und schritten nach der Richtung hin, in welcher der Kali'fornia-Dampfer lag. ..Wie kannst Du, mein Kind, bei den erklärten Feinden | inmitten der mit Hacke und Spaten thätigen Arbeiter, geben 1 der Szenerie ein ziemlich nomadenhaftes Aussehen, das man jedenfalls noch in sämmllichen Straßen wird genießen können» die innerhalb des elettrischen Beleuchtungsbeziris liegen. Ueber vornehme Deserteure wird dem„Pester Tgbl." aus Rustschuk unter dem 22. d. M. geschrieben:„Das Soldatenleben scheint selbst in Deutschland nicht nach Jedermanns Geschmack zu sein, und selbst in hohen, zum Reichskanzler in verwandtschaftlicher Beziehung stehenden Kreisen scheint es Herr- schatten zu geben, welche den Reiz der Pickelhaube nicht zu würdigen wissen. Also geschah es, daß dieser Tage plötzlich ein bildhübscher Jüngling von ungefähr achtzehn Jahren in unserer Stadt auftauchte und im Hotel„Zur Stadt Bukarest" Quartier nahm. Der junge Herr, dessen elegantes Auftreten, welchem eine gewisse jugendliche Schüchternheit einen erhöhten Reiz verlieh, hier besonders der Damenwelt auffiel, führte durch einige Tage ein ziemlich flottes Leben, schien aber nicht daran zu denken, daß man in einem Hotel für das Genossene auch zahlen müsse. Das war der Grund, warum man fich, als seine Hotelschuld 72 Frks. betrug, mit seiner Person etwas ein- gehender zu beschäftigen begann. Bei dieser Gelegenheit stellte es fich heraus, daß der elegante junge Herr, dessen Reise-Do« kumente fich in vollständiger Ordnung befanden, niemand Ge« ringerer war als Et.... von K.... Graf zu H......„ welcher, um dem Eintritt in das deutsche Heer zu entgehen, einen kleinen Ausreißer nach Konstantinopel machen wollte; der junge Herr hatte bereits eine Fahrkarte nach Konstantinopel ge- löst, allein plötzlich war ihm das Geld ausgegangen und er saß auf dem Trockenen, wenn man das wohlrenommirte Hotel „Bukarest" in Rustschuk mit einem für seine Keller so despektirlichen Ausdruck bezeichnen darf- So verbrachte der junge Herr volle zehn Tage in dem erwähnten Hotel zu seiner und des Hoteliers großen Verlegenheit, da Keiner von ihnen wußte, was nun zu thun sei; da der Letztere aber immer heftiger zu drängen begann, verstand sich der junge Herr endlich dazu, ein Telegramm nach Berlin zu richten, in welchem er seine gnädige Frau Mama um Geld dat. Die Ant- wort ließ auch nicht länger als bis zum nächsten Tage auf fich warten; dieselbe erregte sowohl im Herzen des vertrauensvollen Sohnes als auch des Hoteliers große Freude, denn das be- treffende Telegramm lautete:„Geld abgesendet. Dürfte in drei bis vier Tagen kommen." Die mütterliche Antwort hatte nicht gelogen, denn nach drei Tagen kam das Geld that sächlich an» aber nicht allein, sondem in Begleitung der gnädigen Frau Mama des jungen Herrn, der Frau Gräfin K... v. H........, einer nahen V rwandten des Fürsten Bismarck, mehrerer Kon- sulatsbeamten und eines Rittmeisters des kaiserlich deutschen Heeres.(!???!) Dieselben zahlten die Hotelschuld des jungen Grafen und gaben demselben zu verstehen, daß er nicht nach Konstantinopel, sondern nach Berlin reisen werde und zwar in Begleitung der Frau Gräfin und des Rittmeisters. Da halsen weoer Sträuben noch Bitten, noch auch der Hinweis auf die bereits gelöste Fahrkarte nach Kvnstantinopel. Der junge Herr Graf mußte unter der oben erwähnten ficheren Eskorte seine Reise nach Berlin antreten, und es steht zu hoffen, daß er unter dem Schutze derselben die deutsche Kaiserstadt auch glück- lich erreicht haben werde. Die Rustschuker Damen aber werden noch lange von dem interessanten jungen Grafen zu sprechen wissen, der so blondes Haar und so schöne, verliebte Augen hatte." Die Verantwortlichkeit für diese Erzählung müssen wir natürlich dem„Pester Tagebl." überlassen. rt. Romantisches aus alten Berliner Gefängnissen. Die Menschen sind bei Weitem nicht so prosaisch, wie manche Pessimisten annehmen. Es gibt noch empfindsame Seelen» welche gem einen Rock zu doppelten Preisen bezahlen, wenn cr nur in gebundener Rede anempfohlen wird, und da finden fich gleich auch praktische Geister, die, auf jene romantische Neigung bauend, die unschuldigste Rede gerne„binden". Allmälig ent- stand in Berlin auf diesem Wege eine ganz neue Art von Poefie, die alle Anschlagsäulen und die letzte Seite der Jour- nale erobert hat; es find namentlich die Inhaber von„Kleider« instituten", die bei dem Dichtkunst Geschäft gleich Schwung er« reicht haben. Von der Straße, wo die Muse der geschäftlichen Reklame logirt, verpflanzt fich das Reimfieber in das stille Heim des ehrsamen Bürgers und sogar die Herren Diebe werden poetisch; im düster« Gefängniß erblüht die blaue Wunderblume der Romantik! Zuchthäusler studiren Prosa und die altbewährten Insassen von Moabit und Spandau„heben an zu fingen". Das Wollespinncn insvirirt, die Mauern des Gefängnisses find mit poetischen Ergüssen bedeckt. Eine neue naturalistische Schule bildet fich heran, welche an Unmittelbar- keit der Auffassungsweise nichts zu wünschen übrig läßt. Der berüchtigte Einbrecher„Böttcherkarl" hat zum Bciftnel in einer stattlichen Reihe von Strophen geschildert, wie er auf den Weg des Verderbens gcrieth. Der Hauptschauplatz der Berliner Gefängniß- romantik war die„Stadtvogtei", eines der ältesten Gebäude des deutschenReiches.Jm16�ahrhundeitwardieStadtvogtei kurfürst« lichcs Eigenthum und auf dem freien Platze vor derselben stand die Rolandssäule, das Symbol eigener Rechtspflege. Am Fuße derselben spietten fich einst jene blutigen Szenen einer barba- rischen Justiz ab, deren Zweck es weniger war, dem beleidigten unserer auserwählten heiligen Gemeinde freundliche Theil- «ahme und edle Gesinnungen erwarten?" fragte Jansen nach einer Weile, denn die Art, in welcher Hertha des Offiziers gedachte, flößte ihm Beforäniß ein.„Sie verfolgen uns» sie suchen uns Schaden zuzufügen, wie einst das Volk Israel von seinen Widersachern heimgesucht wurde. Du zweifelst vielleicht an meinen Worten; aber wenn morgen der Lieutenant Weatherton kurz vor der Abfahrt des Bootes an Bord erscheint, in der einen Hand die SBollmacht zur Durch-- suchung, in der andern einen VerhaftSbefehl gegen uns, im Falle er die Waffensendung und unsere Beziehung zu der» selben entdecken sollte, dann wirst Du erkennen, wie recht ich handelte, in meinem Verkehr mit ihm nie über die gewöhn-- lichen Grenzen der Höflichkeit hinauszugehen, unsere Abreise aber in das strengste Geheimniß zu hüllen. Sprich also nicht mehr von ihm, gedenke seiner auch nicht weiter; er verdient es nicht; er hat sich gezeigt als Wolf im Schafs- kleide, und das Schwert Gideon's wird auch ihn erreichen." Hertha seufzte tief; sie konnte sich mit dem Gedanken nicht aussöhnen, auch Weatherton als einen Feind ihre» Glaubens bettachten zu müssen. Und dennoch erschien eS ihr als ein untrüglicher Beweis seiner Falschheit, daß er nicht mehr vor sie hingetreten war, wie er es an Bord deS Leoparden so fest versprochen, statt dessen aber einen Durch- suchunasbefehl für sich erwirkt hatte. Was veranlasste ihn zu solch feindlichem Auftteten? WaS aber konnte er bezwecken, als er, anstatt in seinem Verkehr mttrhr sich als offenen, ehrlichen Feind auszuweisen, sich r stig mit der MaSke opferwilliger Freundschaft Indem Hertha so dachte, vergegenwärtigte sie sich Alle» was Weatherton während der kurzen Bekanntschaft zu ihr gesprochen hatte, und so lebhaft schwebten die Szenen ihre» letzten Zusammenseins mit ihm ihrem Geiste vor, daß sie sogar den wohlwollenden Ton seiner Stimme zu vernehmen meinte. „Unmöglich, unmöglich," klang es traurig und zweifelnd unter ihrem Schleier hervor, den sie wieder hatte fallen lassen. (Forffetzung folgt.) Rechtsaefühl Sühne zu verschaffen, als vielmehr zur Belusti- yung ves Pöbels öffentliche Schauspiele aufzuführen. Die Stadtvogtci zerfällt in mehrere Theile, von denen die„Riesem bürg" besonders merkwürdig ist. Nr. 42, die sogenannte„fiw stere Nummer", war Jahrhunderte lang der Schauplay jener Szenen, deren Schluß sich regelmäßig am ft-uß der Rolands fönte abspielte- Hier wurde gefoltert, gezwickt, mit glühenden Eisen gebrannt— Alles„zur höheren Ehre Gottes", wie die Formel lautete, mit der der Jnquisttionsrichter den Büttel ans Werk gehen hieß. Hier stand der„Zwangsstuhl", in welchem Frauenzimmer eingeschlossen wurden, soferne man es nicht vor- zog, dieselben mit Beiseitesetzung des Schamgefühls öffentlich auszupeitschen. Bis in die vierziger Jahre hinein verblieb dieses Marterinstrument in Funktion. Das Sitzen in demselben war eine der gefürchtetsten Strafen; die Delinquenten wurden derart eng eingeschlossen, daß sie fich nicht bewegen und nur durch kleine Oeffnungen spärlich Luft schöpfen konnten. Mit der „finsteren" Nummer wetteiferte an Unbeliebtheit unter den Ge fangenen die Anno 1831 erbaute„kühle", die Separatzellen-Ab tbeilung der Stadtvogtei. Die gänzliche Abgeschiedenheit, das Dunkel und die rigorose Behandlung machten dteseAbtheilung zum Schrecken und Abscheu all Jener, welche das Unglück hatten, in diesen Räumen logiren zu müssen. Der überwiegende Theil der Selbstmorde, welche die Statistik des Berliner Kriminal gefängnisses zu verzeichnen hat, entfällt auf„die kühle Nummer." Dagegen waren die Gesellschaftssäle das reine Paradies der Gefangenen. Hier waren die Herren Verbrecher ganz unter fich uno verbrachten die Tage möglichst angenehm. Ein Un- terhaltungsstoff war und ist das Erzählen begangener Ver brechen. Außerdem machte noch die Langeweile erfinderisch in der Herstellung aller möglichen Spiele. Auf künstlichem Wege hergestellte Karten— das Material bieten zerrissene Hemden, die Figuren werden mit Blut gemalt— Mühl- und Brettspiele waren und sind noch an der Tagesordnung. Femer wurden förinliche Verbrecherlehrkurse abgehalten, bei denen be> sonders das„VerHörspiel" von großer Wichtigkeit für die Jn> fassen dieser Räume war. Es wurden Verhöre fingirt und Unterricht im Verhalten vor dem Richter ertheilt. Den Uner fahrenen wurde der Weg gezeigt, wie fie den Richter irreführen könnten und es hätte den Neid mancher gewiegten Kriminalisten erregt, wenn fie mit angehört hätten, wie geschickt man hier mit Paragraphen umsprang. Die romantische Seite dieser „Theeabende in der Stadtvogtei" bildete die Art und Weise, wie man fich mit den in der Außenwelt lebenden Kollegen in Verbindung zu setzen weiß. Es ist wunderbar, wie genau die professionellen Verbrecher von all dem unterrichtet find, was ihre in Freiheit befindlichen Genossen oder auch die In- fassen anderer Gefängnisse treiben. So war unter Anderem in der dritten Abtheilung, dem sogenannten„Ochsenkopfe", .jahrelang hindurch ein förmlicher Reporterdienst eingeführt, der die„Ochsenkopfzeitung" aufs Genaueste mit allen auf das Gefängniß- und Verbrech erleben bezüglichen Nachrichten versah. Dieser Vmehr fand unter den Augen der Beamten statt, ja mitunter waren dieselben sogar unbewußte Träger der Korre- spondenz. Es ereignete fich zum Beispiel, daß der Aufseher des Morgens in die Zelle trat und bei dieser Gelegenheit in das absichtlich hingestellte Eßgeschirr des Gefangenen ttat. Natürlich war dieser aufs Eifrigste dabei, den Schaden, den die Speiseüberreste an der Uniform des gestrengen Herrn Aufsehers verübt hatten, durch eifriges Glätten und Wischen gut zu machen. Bei dieser Gelegenheit konnten aufs Leichteste einige Striche mit der Kohle, welche man in der hohlen Hand trug, angebracht werden und der Herr Aufseher hatte nunmehr den unbewußten Beruf, die Mittheilung, welche sich in jenen Zeichen barg, von Zelle zu Zelle zu ttaaen. Noch häufiger förderten die Strafgefangenen den Verkehr unter Zellenhäftlingen. Indem ihnen die Aufgabe zufällt, den Kriminalgefangenen Wasser und Brod zuzuführen, Heizung, Gangbeleuchtuna und Reinigung der Fluren zu be- sorgen, gelingt es nicht selten, trotz der strengsten Aufsicht, Geschriebenes einzuschmuggeln. Auch die„Kassiber", mit Hilfe einer in das eigene Blut getauchten Nadel auf Leinwand ge- schriebene Mittheilungen, welche durch das Fenster geworfen werden, gehören zu den Mitteln der Korrespondenz. Und noch Hunderte anderer Wege und Stege, welche die durch die Ein- samkeit geschärfte Phantasie ersinnt! Es ist daher natürlich, daß nur die praktischsten und als scharfsinnig bekannten Beamten zum Aufseherdienste herbeigezogen werden. Ein im Stillen, ohne Gnade und Erbarmen geführter Kampf ist es, welchen die Funttionäre der Justiz mit den Männern des Verbrechens hier auskämpfen. Ein grauenhafter Haß, welcher die Brust des Gefangenen schwillt und mitunter in unvorgesehenen Aus» brüchen sich Luft macht, und das unerbittlich strenge Pflicht- aefühl stehen einander schroff gegenüber. Unglaublich klingt, was sich hier mitunter abspielt. Nicht ohne Theilnahme sieht der Menschenfreund, welche Unsumme von Intelligenz, die auf ehrenhafter Lebensbahn ihren Inhaber reichlich nähren könnte, hier in tückischen Bestrebungen vergeudet wird. Diese mächtige Energie verdiente wohl ein besseres Feld der Thätigkeit. Wir entnehmen den Annalen der Berliner Stadtvogter noch folgende Episode aus dem Jahre 1802, welche schon aus dem Grunde inter- essant ist, weil fie den in unserem Jahrhundert einzig dastehen- den Fall verzeichnet, daß ein moderner Staat dem andern den Gefallen that, das Urtheil zu vollstrecken, welches der letztere gesprochen. Die kontrahirenden Theile sind Preußen und Ruß- land; die Episode ist in der Berliner Wochenschrift„Der Bär" (Band I, Jahrgang 1874, Seite 39) folgendermaßen verzeichnet: „Bei der großen Menge von Räubereien, Brandstiftungen und sonstigen Verbrechen war es nothwendig geworden, auf beson- dere Maßregeln zu denken und man trat daher wegen Ueber- fledelung von 58 der schwersten Verbrecher mit der kaiserlich russischen Regierung in Unterhandlung. Eine Einigung kam zu Stande und nach Begutachtung der Landes-Justiz-Kollegien wurden 58 Verbrecher aus ihren Strafanstalten nach Pillori transportirt. von dort unter strengster Bewachung auf einem dazu besonders eingerichteten Schiffe am 18. Juni 1802 nach Narvo beföldert. Hier überlieferte man dieselben dem russischen Kommandanten, welcher mit den Befehlen seines Souveräns zu ihrem weiteren Transporte nach Stbmen versehen war. Die Reise soll 23 Tage gedauert haben." Diese Verfügung stellte auch fernere Transporte in Aussicht. Doch b teb es nur beim Vorsatze. Wahrscheinlich gelangte die rusfische Regierung zur Ueberzeugung, daß jeder Staat genug zu thun hat, wenn er seiner eigenen Verbrecher Herr werden will. Zweimal begraben. Als Kunosum wird dem„L�-Anz." aus Burg bei Magdeburg mitgetheilt, daß vor einigen Wochen daselbst der Schneider Tomatschek. der dort lange Jahre unter dem Namen Müller gelebt und fich als Flickschneider ernährt hat, nun im Alter von 82 Jahren wirklich gestorben ist. Sein erstes Begräbniß in Berlin, vor etwa 35 Jahren, machte der pikanten Nebenumstände halber ungeheures Aufsehen, und die tragikomische Geschichte ging durch die Zeitungen fast aller Sprachen. Der jüngeren Generation zu Nutz und Lehr sei die Historie vom Schneioer Tomatschek hier in niöglichster Kürze rekapitulirt. Es waren zwei Brüder, Wilhelm und August, die in Berlik die Schneiderei in ziemlich ausgedehnter Weise bettiehen. Wilhelm, der ältere, hatte sein Leben zu Gunsten seines Bruders bei einer Lebensverficherungsgesellschaft mit 10000 Thlr. versichert. Ein ganzes Jahr wurde die Prämie auch pünktlich bezahlt. Da wurde der Versicherte plötzlich krank. Der Hausarzt der Brüder kam täglich mehrere Male vorgefahren und machte ein immer bedenklicheres Gesicht. Zu- /»(•lassen zum Kranken wurde niemand; denn die Krankheit sollte ansteckend sein. Nach sechs Wochen etwa hieß es, Bruder Milbelm sei todt. Der Hausarzt stellte den Todtenschein aus, sich d!?L-i«--Mul-h-»;«»«»» Sarg w»> Ichnn schloffen; denn die Leiche hatte einen so fauligen Geruch, daß das kleine Leichengefolge fast ohnmächtig wurde. Die Versicherungssumme wurde dem überlebenden Bruder ohne weiteres ausgezahlt und damit waren die Men über Tomat- schek ge chlossen. Ein Jahr später meldete fich ein Berliner Tuchhändler beim Polizeipräsidenten und deponirte folgendes: ..Ich war mit zum Begräbniß des Schneiders Tomatschek. Jahrelang habe ich mit ihm in Geschäftsverbindung gestanden und kannte ihn wie mich selbst. Vor einigen Wochen wai ich in Kopenhagen. Da begegnete mir auf der Straße der Be- gradene, wie er leibt und lebt, namentlich macht ihn eine rothe Narbe quer über der Nase unverkennbar. Ueberrascht rufe ich ihn an: Tomatschek! Im ersten Augenblick war er wie ver- steinert; doch bald ermannte er fich und sagte: Sie irren, mein Herr, ich heiße Danske' dann ging er eilig weiter. Ich beantrage, Herr Präsident, den betteffenden Sarg auf meine Kosten ausgraben zu lassen und den Inhalt zu untersuchen." Dem Wunsche des Kaufmanns wurde nachgegeben und der Sarg in aller Stille aus der Gruft geholt. Als man den Deckel vom Sarge abhob, was fand man? Ein mit Rinder- kaldaune dick umwickeltes Plättbrett. Vierzehn Tage später saß der angebliche Kopenhagcner Danske mit Bruder August in der Stadtvoigtei. Der Arzt, der um den Betrug wußte, und der den Todtenschein für 500 Thlr. ausgestellt hatte, mußte den Dritten zum Bunde— im Zuchthaus— machen. Die Frau des Todtengräbers, die bei Oeffnung des Sarges zugegen war, schlug, als fie das Plättbrett nebst Zubehör sah, die Hände über dem Kopf zusammen und rief erstaunt:„Jott, wie kann fich der Mensch verändem!" Schmu ller, der„Unsterbliche". Mit der Schilderung des sonderbaren Kauzes, der einst diesen Namen führte, leitet in einem in Nr. 44 des„Bär" enthaltenen Artikel der Schrift- steller Ad. Löffler eine Reihe von Sonderlingen aus dem alten Berlin ein. Schmuller, der Sonderling, war früher Superinten- dent und wohnte in der Gegend der Frankfurter Linden. Nicht unvermögend, bezog er auch eine ansehnliche Pension und behauptete, in Folge ver sonderbaren Zubereitung und Ein- en Mahlzeiten, so lange leben zu können, Seine Nahrung bestand einen wie den Aepfeln, Brod und Wienerwürftchen, zu ,lich nur Brunnenwasser trank. Des Mor- echs Uhr erschien der„Unsterbliche" im ,. Zipfelmütze auf dem Hofe am Brunnen, pumpte diesen gehörig ab und trank ein Glas Wasser, worauf er eine viertelstündige Promenade um den Brunnen unter- nahm' dann trank er ein zweites und drittes Glas und aber- mals folgten Promenaden. Nun begab er sich in seine Woh- nung zurück und hielt dort, um mit ihm selbst zu reden,„eine Morgensprache", zu welcher er stets theologisch-wissenschaftliche Bücher zur Hand nahm und laut sprechend und gcstikulirend eine volle Stunde im Zimmer auf und abging. Seine Lebensmittel, die Aepfel, das Brot und die Würstchen(die Aepfel nicht geschält, aber die Würstchen enthäutet», bröckelte er in ganz kleine Stückchen und genoß der„Unsterbliche" dieses Gericht mittelst Löffels auS einer Schüssel. Sein Apfelvorratb war stets ein kolossaler, denn in allen Möbeln, welche Kästen hatten, waren solche in Masse vorhanden. Täglich machte dieser Son- derling einen Spaziergang nach Friedrichsfelde. Kurz vor dem Dorfe machte er Kehrt und trat dann seinen Rückweg an. Endlich starb der„Unsterbliche" und seine Erben hatten in Folge seiner ökonomischen Lebensweise sich nicht über den Nach- laß zu beklagen: er hinterließ thatsächlich ein Baarvermögen von über 150000 Thalem. Die„Eisenbahn- Vereinszeitung" erinnert in einer ihrer letzten Nummern an einen Ministerial-Erlaß über die Rückerstattung von Beträgen für nicht benutzte, resp. nur theil- weise benutzte Billets und Retourbillets. Durch denselben hat der Minister Anweisung ertheilt, in Fällen, in welchen ein Reisender z. B. ein Rctourbillet aus irgend einem Umstände zur Rückfahrt nicht benutzen kann, auf Reklamation den nach Abzug des normalen Fahrgeldes für die einfache Reise ver- bleibenden Ueberschuß zurückzuzahlen, da die Eisenbahnver- waltung nicht wohl mehr als den tarifmäßigen Fahrpreis in Anspruch nehmen könne. Auf dem Billet hat der Reisende vom Stationsvorsteher bescheinigen zu lassen, daß es zur Rück- fahrt nicht benutzt wurde. Eine andere Verwerthung eines Retourbillets, welches zur Rückfahrt nicht benutzt werden kann, z. B. der Verkauf an eine zweite Person, zieht strafrechtliche Verfolgung nach sich, seitdem die Eisenbahnverwaltungcn die Nichtübertragbarkeit von Retourbillets in ihre Tarife auf- zenommen und dieselbe nach den Bestimmungen des Eisen- >ahngesetzes vom November 1838 ordnungsmäßig publizirt haben. nähme seiner täglich wie eS ihm beliebe. andern Tag aus welchen er ausschließ gens präzise halb Schlafrock mit der, Vermischtes. Folgendes Kurrosum wird auS Oschersleben f meldet: Einem hiesigen Bürger ist durch den BürgerM>>° Müller als Vertteter der Polizeiverwaltung folgendes Mandat zugegangen:„Sie haben unterlassen, Ihren Sohn Wm? welcher während der diesjährigen Pfingstferien bei Ihnen M hältlich war, polizeilich anzumelden. Die Uebertretung 0'-. bewiesen durch das hiesige Meldeamt. Es wird desh� biermit gegen Sie auf Grund der§§ 4 und 8 der RegierwVs Polizei-Verordnnng vom 26. April 1876 eine bei der hiW Strafkasse zu erlegende Geldsttafe von 1 Mark 50 Pfg-, 1 deren Stelle, wenn fie nicht beizutreiben ist, eine Haft von- Stunden tritt, hierdurch festgesetzt." Diese Straffestsetzung s? regt Hierselbst allgemeines Aufsehen, einmal deshalb, weil° Polizeiverwaltung aus der großen Zahl der Väter,»m» Söhne oder Töchter auswärtige Schulen besuchen und weis in keinem einzigen Falle eine An- und Abmeldung wahnn der Ferienzeit dewirkt haben, einen einzigen herausgegriffen p°. außerdem aber der qu.§ 4, auf Grund dessen die t'™ festsetzung erfolgt ist, nach unserem Dafürhall nicht maßgebeed sein kann, denn derselbe lautet:> Jeder, welcher als Hauseigenthümer, Vermiether, fj" vermiether, Schlafstellenhalier, Kostwirth, PenfionshaW Dienstherrschaft ic. einer neuanziehenden(§§. 2 und 3) � innerhalb des Gemeindebezirks umziehenden Person Wohnp. oder Unterkommen gewährt, ist verpflichtet, dies binnen Tagen nach der Ausnahme unter Angabe des Namens u Standes der betteffenden Person, sowie ihres Herkunftsort oder der bisherigen Wohnung schriftlich oder persönlich o zumelden."— Selbstredend ist gegen dieses Stafmandat» gerichlliche Entscheidung beantragt, deren Ausgang, wenn auch unzweifelhaft zu Gunsten des Verklagten ausfällt, ni mit Spannung entgegensieht. Dem klügsten Wort der Bibel glauben 10- JL dümmsten Wort der Zeitung zehnmal hundert— das hat manchmal recht gute Folgen. So war in einer Stadt zu obachten, daß die meisten jungen Damen gar nicht aus � Körperhaltung sahen, sondern— und das sieht doch 0 rade hübsch aus,— den Oberkörper vorwärts gebeugt trug Da war denn eines Tages in der Lokalzeitung jener Stav>■ einem Artikel über das Leben auf der Promenade der MK.'% da, am nächsten Tage schon gingen alle Mädchen der kerzengerade, und jedes Mädchen sagte:„Die abstlstU'' zu lesen:„Das hübscheste Mädchen in unsrer Stadt auf der Promenade leider nicht genug aufrecht"— und ff., Zeitung! Mama, gehe ich nicht gerade?",, � Aus der Schulstube. Lehrer:„Wir kommen iwfi den Klee zu sprechen, wer kann mir von Euch von% Blättern desselben etwas sagen?"— Michel:„Sie sind L sauber."— Lehrer:„Wieso denn?"— Michel:„Man™ doch oft, ,das ist ein sauberes Kleeblatt'!" Literarisches. Von dem illusttirten Unterhaltungsblatt„Die Reue j Hamburg. Verlag von I. H. W. Dietz, ist soeben Heft 23 w zehnten Jahrgangs erschienen.. u Inhalt: Auf hoher See. Sozialer Roman von»* stian Prutz.(Fortsetzung.)— Eine überraschende Himw� scheinung und ihre Erklärung. Von A. Eh. Bauer. A Dichter der Hussiten.(Mit Portrait.) Von Wilhelm Eine lange Hopfenstange. Erzählung von Alfred (Schluß.)— Reise-Erinnerungen. Von Dr. Albert Dulk.(f., setzung.)— Goethe während der Schlacht von Jena und � stedt. Von Dr. A. Lindner.— Eine Szene aus dem% leben.— Ein neues Luftschiff.— Unsere Illustrationen Gj,, Felsenbilder im Unstrutthal. Die Konstantinschlacht. ghalesen in Europa.— Für unsere Hausfrauen: Die%, Gemüse. Für die Küche. Faules Kernobst in Essig.% des Spinats. Eier aufzubewahren und zu prüfen. Ew A faches Mittel gegen alle Grade von Verbrennung.— G'1 i Technisches: Pneumatische Verbindung zwischen Paris JJ London. Anwendung der Elektrizität im Seewesen. ElekU- Fußwärmer. Eleltristhe Beleuchtung in Men. Elektrische bahn in Berlin. Telephonverbindung zwischen der Baden und Elsaß-Lothringen.— Rebus.— Aerztlicher A, gcber.— Redaktions-Korrespondcnz.— Literarisches.— ruf.— Gemeinnütziges.— Mannichfaltiges.— Spre» Philisters Talente. Der heutigen Nummer liegt für unsere auswss Abonnenten die Nummer 33 des„Jllustrirtes tagsblatt" bei. 4. Klaffe 172. Königl. Preuff. Lotterie. Zithimg vom 31. Juli 1333. Nur die#«toinnt über 810 Marl sind den beireffenden Nummern in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr.i S 38 113 69 238 96 98 13000) 308 17 19 434[5501 99[3000] 623 27 771 818[560] 25(16001 45 71 913[300) 21 69[5601 1073 132 65 2471300] 58[1600] 355 76 449 603 23(6000) 92 604 710 11 71 73 833 90 1660) 930 73«179 97 241 342 46 422 94 98 629(15001 707 11 26 834 40 61 908 8012 44 92 145 347 49 79 93(300) 98 420 77 83[550] 573 666 82[3000] 729 82 988[1500] 99 4051 106[550] 69 71 77 210 77 95 495 618 20[650 90 96 600 43868 75 914 91 5003 49 177[3001 80 217 31 319 45 67 93 442 75 551 613 42 51 62 756 1650) 936 76(1500) 6000(300] 67 139 62 59 236(560] 53 88 304 58 (300] 416 49 34 536 79 623 45[550] 724 58 96 816[300] 925 7161 201 351 92 498 542 53 76 608 38 49 69 77 738[550] 890 910 61 79 8052 134 79 246 69 72[1500] 330 68 406 62 83 647 54 74 76 96 715 22 44 67 71(5501 820 69 98 967 95[1500]»061 174 298396 415 26 45 518 64 91 645 65 822 36 1550] 948 68 1550] 10024 247 77 98 416 57 558 99[3000] 683 700 814 52 912 39 50 (3001 11058 66(300] 74(1500) 79 211 49 60 457 524 41 57 616 705 12 70 806 81 90 931 53[300] 79 82 1«004 24[3000J 33 153 313[300] 52 401 15 32 64 564[300] 72[3000] 78 601 23 46 86[300] 98 717 53 911 13 92 97 1:1038 56[550] 129 82 233 40 56 91 300 17 84 400 40 539 750 91[3001 94 810 901 6 1 4019 86 93 125 58 207 66[300) 85 308 67 88 91 94 419 23 30 549 55[300] 671 778 808 900 37 57 76 96 15017[550] 31 76 254 300 4 61 73 77[300] 83 13001 97 448 75 98 641 769 88[550] 97 909 37 44 1 1:010 19 35 71 157 99 218 42[1500] 94 365 416 24 526 71 77 612[300] 26 40 54 81 911(550) 79 1 7061 75 144 72 84 267 305 19 29 64[300] 72 463 614 30 52 61[300) 766 99 927 49[300] 18036 56 61 71[300] 82 136 39 84 99[300] 215 18 43 64[5501 355 1300] 704 65 814 64[3000] 19023 45 68[3001 119 200 17 336 47 425(1500] 508 85 87 91 605 61 732 98 1300] 890 955 57 67 ««003 42 54 77 107 57[30001 93 282 453 503[15001 38 56 607 13 69[3000) 701 3 9 829 49[3000] 72 912 34«1020 106[3000] 53(1500) 76[5501 307 38 54 56 402 72 527[3001 63 656 82 705 69 937 39 73 22058 96 210 82 303 97[3000] 476[300] 605 23 62 81 87 650 729 800 23 31 37 935 78 96 97 23029 108 331 73 87 691 96 719 30 72 865 953 96 2 4002 46 139 80 91 94 234 90 347 65 67 81 615 46 641 747 73 812 17 90 909 46 61 25006 70 83 98[560] 140 231 38 46[300] 95 345 429 84 85 664 82 96 6851550) 94 717 19 67 897(3001 931 33 40 81 87 26006 91 123 29 88 202 8 20 53 81 360 86 435[3001 80 527[300] 78 83[30001 660 63 67 1500) 735 46 62 82 816 19 60[300] 911 52[300] 79 2 7010 67 133[3000] 66 213 334 87 414 75 583 625 56 83[800% 719 40 42 44 46[1500] 56 91 813(1500) 32 35 46 60 94 99 913 52 2 8030 32 97 115 33 228 90[150(6 93 408 33 63 678 687 95 750 802 33 82 933 75 2 0031 110[300] 39 226 [550] 70 92 363[550] 85 405 37 38 524 26 45 57[550] 96 734 67[300] 16 49 87 905 30 »«137 48 92 227[300] 322 60 99 423[300] 59 530 93 667 93 701 819 80 95 913 23 34 36 94 31001 13001 42 47 154 88 243 351 54 63[300] 414 80 503 20 605 7 80 710 24 67 76 807 57[300] 973 86 82015 35 [3001 72 73 90 154 72 207 87 67[300] 74 376 421 74 85 693[300] 714 34 44 45[300] 818 27 42[3001 54[30001 57[15001 75 80 915[300] 65 88 38003 32 57[550] 152 69 202 40 76 330[550] 73 446 509 11 81 631 35 70 727 32 45 860 942 51 96[550] 84067[550] 77 147 72 201 28 87 92 95 305 45 59 92[300) 95[1500] 402 27 672[6000] 75 617 28 61[300] 720 36 40 51 834 933 85008 51 67 86 116 49 233 356 428 553 97 605 61 63 739 40 84 [15001 821 35 76 907 27 39 88087 219 61 79 82 317 57 484 585 693 707 62 91 803 17 26 28 62 69 950 88 96 8 7064 157 200 323 31[3001 52 57 563 644 59 70 71 83[3000] 98 705 57 869 77 946 83 96 8X008 ■ 6i fr 35 4,. «MMUUMÄSWUN. mm* % ÄM, wwwww*™" KL« 659 710 14 96 826 43 907 58 63 85 4 8034[1500] 59 65 142 80 225[300] 92 322 51[660] 67 421 506[1500] 623 39 745 93 814 42 58 906 32 Aj 44092 177 218 36 98 490 560 637 722 54 93 822 52 71 916[S#j% 45103 54 79(30 0] 211 32 Gl 97 305 81 400 81[6000] 541 69*, J; 38 72 842 45 59 62 918[3000] 40045[300] 09 114 96 222 41 U,$ 98 99 334 63 91 417 615 60 737(300) 811 40 84 90 925 58 60 47000 14 21 65 68 148 212 56 341 434 46 59 76 86 502 25 87 i-;.« 30 54 57 717 840[550] 48072 75[550] 144 00[3001 324 31 JA Z8 526[300] 620 738 68 72 957 4 9038 58 126 67 70 73 77[15001 21". 413 73 94[30000] 630 33 36 49 808 21(3000) 84 927 38 5«004 52 62 76 164 86 256 95 313 458 79 93 625 62 726 91 MZ, 93[300] 926 56 97 5 1 029 212 83 368 70 91 405 500 639 13001«M 803 4 65 83 919 21 48 5 2000 167[300] 245 49 368 78 81 96£\ 63 83 679 734 868(3000) 98 981 94 68159 218 38 64 72 306 2 i? 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Druck und Verlag von Rar Babing in Berlin SW, Beuthstraße 2. Hirrz« etue Mi Beilage zum Berliner Bolksblatt ♦ Kr. 177. Sotmalrend» den 1. August 1883. II. Jahrg. 1« srzulrrftmliiinslhei fifftttbungm der Gegemolirt «Wten vom sozialistischen Standpun« aus eine sehr ein- Khende Kritik in der soeben erschienen Schrift von Max POippti„Staatliche Lohnregulirung und Vre loMreformalorischen Bestrebungen der Gegenwart."(Soziale oschragen. 10. Heft. Bruns in Minden).- Echippel be- Wnet direkt als seinen Zweck„den Nachweis, daß die Er- °rtcrungen und Bestrebungen, welche gegenwärtig soviel Staub »Ulwubeln. nur die Oberfläche der sozialen Frage strcrfcn, wenn sie letztere überhaupt mehr wie bloß scheinbar berühren! und daß sie(Ausschluß der Arbeiterschutzgesetzgebung) keines JJchd geeignet sind, wcrthvolle Früchte tür die Arberter zu Dgm"— und seine Ausführungen werden hoffentlich dazu der- M"!, die Hohlheit und Unzulänglichkeit des heutigen„Staats- IMüsmus" mehr als bisher zum Bewußtsein zu bringen. " führt der Verfasser aus, etwa deshalb zu schlechter Wohnung und Kleidung ver- iin-e ,,, l......«vvü lui- nicht genug Nahrung und Wohnung Klerdung zu schaffen vermochten, daß im Gegentherl„dre moderne Produktion allerdings die Kraft besitzt, auf rhren Mm Schwingen die Menschheit weit über alle Entbehrungen �auszutragen, die heute das Loos der Mehrheit bilden; daß I?jr,n �.hat bei unserer heutigen wirthschaftlichen Ent- °«lung alle Bedürfnisse unseres Volkes, die bloßen leiblichen wie die höheren kulturellen, reichlich befriedigen könnten, daß M'gstens in unserer Pioduktionsfähigkeit kein hmdernrß vor- um eine Erhöhung des Einkommens der großen Masse »u erreichen."- Im zweiten Kapitel geht Schippe! dann dar- warum diese Erhöhung nicht eintritt, vielmehr eine Mndlge Steigerung der Noch, wenn man den wirthschaft- «chen Verkehr ruhig sich selbst überläßt, und er schildert dann �.der Hand öffentlicher Berichte und Statistiken die Folgen hu Kotigen Massenarmuth; die Zunahme der Sterblichkert, l° lOrDPf TirRo..wh niP Hl!« n„rs_orwr(id)e Entartung und geistige Verkümmerung, die Zu- tiiS!!K �er Verbrechen,— endlich aber die schlimmsten Wir- "--".des Mißverhältnisses zwischen stetig steigender Güter- und stetig gleichbleibendem, oft sogar abnehmendem 3m ersten Kapitel bw Massen nicht S��brauch der'giößen Masse: die immer rascher aufein- Ärh.; Aenden, allmählich dauernd werdenden Krisen mit der lg g t in ihrem Gefolge. hit p,.*") gehoben würden diese Krisen erst werden, wenn R, 1i*J'Un9 der Produltion dem ganzen Volk anheimfiele, wenn „»„.uit mehr, wie heute, in's Blaue hinein erfolgte, sondem sein?,»,, würde, und wenn der Ardeiter das ganze Produkt T- n,. tbeit erhielte. Diesem Ziel hätten wir also zuzustreben. der o,- b e r t werden die heutigen Uebelstände nur dann, wenn da»,.bester oin höheres Einkommen erhält, denn nur i bie sich ausdehnende Konsumtton näher an die Pro« die o,., heran, nur dann mildem sich demnach die Krisen und Der �'tslosigkeit, die schlimmsten Feinde unserer Arbeiter. «ntJ�jjafser prüft also alle heutigen Sozialreformvorschläge (� darauf hin: sind sie geeignet, das Ein- tri>Ri" des gesammten Arbeiter st andes zu "ttfH- Thun sie das— direkt oder indirekt— flefonJ so helfen sie nichts, und zu letzterem Ergebniß gerök».�chwpel nach längeren Untersuchungen bei allen viel- njj'kn Vorschlägen der Regierung und der Mittelklassen. können hier selbstverständlich-nicht auf alle Erörte- liber in b.bkr Gmudbesitzreform, Schutzzoll- und Kolonialpolitik, x?stsvarkassen, Recht auf Arbeit und ähnliche eingehen. ( i* bie Stellung des Verfassers zu der Arbeiterver- . n g wollen wir kurz skizziren. |WU;i ciumui iiuu;9uivvi|�iir vwn wy b>l>s?°»?�stckerung die Aermsten der Armen, die am nothwen stn?.d°r Hilst bedürfen, nicht.berührt,�. B. alle mcht�tt K Zwe,«�emer war es noiywenmg, vag vre«rroeuer, wruoc drei) Wochen lang ihre Beiträge nicht entrichten, d« � 9 stbfchaft und Unterstützungsberechtigung verlustig erklart -■ aa- war es notwendig, daß die Arbeiter, welche Am Jtnlht, 2l«8 dem Dänischen. Skizze von L. Dilling. I. . Der Sandkarren. . Frühlingssonne sandte ihre Strahlen durch die �oldrni hinein, glitt wie spielend über den breiten Ctreik-„ eines Gemäldes hin und warf einen lichten auf die schwere rothe Sammtportiere. �and!e yr,öu faß am Fenster, mit einer Stickerei in der eiW}}n° sah auf die Straße hinaus. Der Mann lag in Und.„„z�fluhf hingestreckt, mit einer Zeitung in der Hand, Uchte eine Zigarre. Und».„il.war eine schöne, junge Frau mit feinem Teint �lankl Antlid ,—' �.f»V(W.yvnv, � I-------,. richem, goldblondem Haar, er etwas älter mit emer «tlitz'°�ganten Figur und einem edlen, etwas müden ic. Frau hustete. �ann J"nnte� bu rtwas weniger stark rauchen, bester ja wüßte nicht, was dich geniren sollte. Du rauchst Zigaretten." "rc Zimmer." jUtütfii ich werde mich augenblicklich in meine Stube Und n'- bann wirst du gleichzeitig von der Zigarre fichkei«" Wtt befreit, und das ist ja eine doppelte Annehm- ist sn"?°�/wber Mann, wir wollen uns nicht zanken, daS her. �wohnlich. Laß uns lieber gleichgiltig sein, wie bis- Wen., sm# weit vornehmer. Wir sind ja beide wohler- Und»„z ischen, nicht wahr? Du bist ja Kammerjunker fache m �snehmer Familie, und ich bin zwar nur eine ein- hatte A aßhändlerStochter aus Kopenhagen; aber mein Vater bersrfmB genug, um mir sowohl eine feine Erziehung zu l�asien wie emen feinen *oaÄrum fährst du nicht fort? Einen feinen Mann, Ibu sagen." hast du gesagt, ich nicht." Es Luxusartikel kann man heutzutage billig kaufen. T s° viele arme Adlige." lunge Frau seufzte leicht. wurden." Auch diese Bestimmung muß bewirken, daß gerade die Leute am wenigsten von den Wohlthaten der Kassen er- langen, welche das unsicherste und schmälste Einkommen haben. Sie bezahlen ihre Beiträge zwar, wie die besser gestellten Arbeiter, so lange sie Beschäftigung haben, also zahlen müssen, aber sie fallen gerade m der bedürftigsten Zeit, in der Periode der Arbeitslosigkeit(wo sie nichts zahlen können, regelmäßig aus dem Verficherungsverband hinaus." Nach Schippel müssen sich mit dem Fortschritt zu höheren Versiche- rungszweigen(Alters-, Wittwen- und Waisenversorgung) ähn- liche Schwierigkeiten häufen, so daß die Hilfskasscn mehr und mehr zu einer Organisation für die besser situirten Arbeiter werden würden.—„Ferner sollte man stets im Auge behalten, daß in unserer Gesetzgebung und Verwaltung schon bisher der Gedanke zum Siege gelangt war, daß kein Mensch verhungern dürfe und daß in Fällen dringender Noth die öffentlichen Körperschaften mit ihren Mitteln einzugreifen hätten. Eine Aenderung würde also durch die Arbeitewersicherung nur in- sofern eintreten, als der Arbeiter die Unterstützung nicht mehr als entehrendes Almosen erhielte, sondern als sein gutes Recht zu beanspruchen hätte, und als fernerhin für die Kosten nicht mehr die steuerzahlcnde Allgemeinheit aufkäme, sondern— hauptsächlich der Arbeiter selbst, sei es nun direkt, sei es da- durch, daß der Untemehmer seinen Beitrag auf den Arbeiter abwälzt. Die erste Aenderung hätte den Erfolg, zu den vielen Arten von„erhebendem Bewußtsein", von denen sich heute der Arbeiter hauptsächlich nährt, noch eine weitere hinzuzufügen; die zweite Aenderung mag mit der ersten unzertrennlich zu- sammenhängcn, aber ihr Ergebniß kann doch wohl kaum ein anderes sein, als daß die Arbeiter im Verhältnih zum Erfolg mindestens gleich hoch belastet würden, wie bei der Armen- steuer." Eine Abwälzung der Versicherungsbeiträge der Arbeiter bestreitet Schippel ganz entschieden, der Arbeiter zahll sie nach ihm stets aus eigener Tasche.„Wenn allgemeine Zwangs- beitrüge sich im Handumdrehen in eine Lohnerhöhung ver- wandeln, warum streiten wir uns dann noch über eine mög- lichst gerechte Besteuerung der arbeitenden Klasse? Wäre es dann nicht das Einfachste, eine Zneue Auflage der Kopfsteuer zu schaffen, weil diese Steuer leicht auf die besitzenden Klaffen abgewälzt würde? Warum drängt man von allen Seiten auf die Einführung der Schulgeldfreiheit, wenn der Schulgeld« Zwangsbeitrag den Arbeiter am Ende doch nichts kostet? Diese Konsequenzen beweisen wohl, wie haltlos die Behauptung ist, daß allgemeine Zwangsbeiträqe der Arbeiter stets den Löhnen a eschlagen würden.— Trotzdem könnte der allgemeine Hilfs- enzwang noch immer von Bortheil sein, wenn er stets ein werthvolleres Bedürfniß auf Kosten eines unwichtigeren sicher stellte, wenn er etwa nur dazu führte, daß der Arbeiter ein paar Zigarren weniger raucht hingegen für sein Alter etwas zurücklegt. Aber wenn man unsere heutigen„ortsüblichen" Löhne betrachtet, so wird man leider befürchten müssen, daß ein großer Theil der Arbeiter seine Versicherung mit einer weiteren Verkümmerung seiner bereits ganz unzulänglichen Nahrung wird bezahlen müssen— und hier wäre von keinem Vortheile mehr die Rede, sondem von einem schweren, uner- setzlichen Schaden. Auch das wird eine wiffenschaftliche Würdi- gung der Pläne der Regierung immer in Betracht ziehen müssen." „Lassen wir aber alle diese Bedenken bei Seite, wegen deren uns die Arbeiterversicherung theils wenig wirksam, theils positiv schädlich erscheint; wiegen wir uns einen Augenblick in der Illusion, daß die Kassen mit ihren Wohlthaten sich über alle Schichten des arbeitenden Standes gleichmäßig verbreiten, ohne mit der einen Hand wieder zu nehmen, was sie mit der anderen geben; setzen wir mit anderen Worten voraus, daß es sich in der Ausführung des Regierungsprogramms in der That um eine Erweiterung der Gesammtbezüge der Arbeiter, über ihre heutige Lebenshaltung hinaus, handele— so müßten wir doch dagegen Einspruch erheben, daß man damit unserem Ziel betreffs der Aufbesserung der Arveiterlage wesenttich näher rückte. Was über die heutigen Leistungen der Armenverwal- tung hinaus den Arbcitem zufließen würde— und nur um dieses Mehr kann es sich handeln— das könnte lediglich bei der besser gestellten Abtheilung einigermaßen ins Gewicht fallm; bei den dürftigsten Klassen würde es über eine gewisse Trink- „Es kann oft theuer genug erkaust sein," murmelte sie. Der Kammerjunker legte die Zigarre fort, ließ die Zei- tung sinken und schloß die Augen, um etwas zu schlummern. Die Frau nähte einige Stiche an der Stickerei. Es war so still drinnen. Man hörte nur die Klingel eines vorbeifahrenden SpurwagenS. Da wurde die Stille von einer Männerstimme unter- krochen, welche Sand auf der Straße ausrief. Der Kammerjunker wandte sich ungeduldig in seinem Lehnstuhl. Zetzt ertönte von einer durchdringenden Weiber- stimme: „Sand, Sand l" „Hm," murmelte der Kammerjunker,„giebt'S nun au, Sandfrauen, um einem die Ohren voll zu schreien. Z, dachte, es existirten nur Sandmänner." Die Frau sah durchs Fenster hinaus. „Sie schiebt auch am Karren." „Da fällt er um so schneller um." „Nein," sagte sie mit ernstem Blick,„die Last läßt sich leichter ziehen, wenn Mann und Frau einander elfen." Sie legte die Stickerei fort und blickte wetter auf die Straße. Der Karren stand im Schatten drüben neben dem Trottoir still. Der Mann füllte Sand in ein Maß, die Frau ruhte auf dem einen Karrenarm aus. Es war ein altes Ehepaar, er gekrümmt und grau« bärtig, mit verblichenem Rock, sie gebräunt und ein- getrocknet wie eine Mumie, in grobem Baumwollen- kleide und mit großem, schwarzem Strohhut auf dem Kopfe. Er leerte das Maß in einen Sack, sie lud ihn ihm auf die Schultern und blieb zurück, während er in das gegen- über liegende Haus hineinging. Die junge Frau saß noch immer am Fenster und blickte gedankenvoll hinab. .Die Sandmenschen scheinen dich B->-»Nch d» si- ,'°ch chf«Ol». "*■ ni' zu interessiren. Mann. ange die wohl ver« gelderböhe nicht hinaus gehen. Die Krankenkassen müssen z.B. weniger zahlen, als der Lohn der Mitglieder während der arbettslüstigen Zeit beträgt; man würde sonst ein für den Be- stand der Kassen gefährliches Simulantenthum großziehen. So ist bei den Zwangskassen das Krankengeld auf die Hälfte bis drei Viertel des Tagelohnes festgesetzt. Was ist nun dieser Tagelohn? Aus den Aufnahmen der Ortsbehörden können wir hiervon eine ungefähre Vorstellung gewinnen. Als„orts- üblicher Tagelohn gewöhnlicher Tagearbciter" findet man im Durchschnitt von ganz Preußen(mit Einschluß der freien Städte) für erwachsene Männer 1,46 Mark; in der Provinz Ostpreußen 1,17 Mark, in der Prov'nz Posen 1,09 Mark, in der Provinz Schlesien 1,02 Marl; im Regierungsbezirk Oppeln gar nur 97 Pfennige; in einigen kleinen Städken Ost- und West Preußens bringt es der Mann im Durchschnitt nicht über 80 Pfennige den Tag; im Kreis Schildbera in Posen nicht über 75 Pfennige. Für erwachsene Weiber bettagen die Angaben: in ganz Preußen 0,95 Mark, in Posen 0,66 Mark in Schlesien 0,67 Mark; für jugendliche Arbeiter männlichen Geschlechts: 80 Pfennige in ganz Preußen, 53 Pfennige in Posen; für jugendliche Arbeiterinnen: 62 Pfennige in ganz Preußen, 39 Pfennige in der Provinz Posen. Die jugendlichen Arbeiter mancher Distrikte erhalten nur 40 und 20 Pfennige täglich. Wenn man bedenft, daß die Gemeindeverficherung über die Hälfte der Löhne über- Haupt nicht herausgehen darf, so wird man sich der Anficht kanm verschließen, daß eine gewissenhafte Armenverwattung weniger auch nicht gewähren kann. Und wenn nur gar ein von ver Regierungspresse vielbelobtes Schriftchen das Projett der Altersversicherung in der Weise enrwickelt, daß vom Beginn des 56. Jahres bis zum Tode eine jährliche Rente von 108 M., schreibe 108 Mark, d. h. monatlich eine Rente von drei Thalern ausgezahlt wird, daß Wittwen sogar mit monatlich sechs Mark abzuspeisen sind; und wenn derartige Jahresrenten, die gerade zum Begraben ausreichen, nach 25 Jahren, also erst im glücklichen zwanzigsten Jahrhundert in Wirklichkeit treten sollen, während es bis dahin lediglich zahlen heißt— so wundert man sich nur noch, wie man um eine solche Reform soviel Lärmens machen kann."— Kommunales. Wie die Gewerbe-Devutation des Magistrats bekannt macht, wird in Folge rechtskräftigen Beschlusses des Bezirks- ausschuffes vom 25. Juni 1885 die Ortskrqnkenkasse der Steinmetzen zu Berlin am 1. August 1885 aufgelöst und lwerden die versicherungspflichtigen, im Steinmctzgewerbe innerhalb des Gemeindebezirls von Berlin beschäftigten Personen von diesem Tage ab der Allgemeinen Orts Krankenkasse gewerblicher Ar- beiter und Arbeiterinnen zu Berlin überwiesen, an welche vom 1. August 1885 ab alle diesbezüglichen An- und Abmeldungerr zu richten find. W. Die Verloosung des zum 1. Januar 1886 aus- scheidenden Drittels der Mitglieder der Stadtverord- netenversammlung(42), welche im Jahre 1883 neugewählt worden find, hat auf Grund der Bestimmungen der Städte- ordnung vom Jahre 1853 in der gestrigen Magistratsfitzung stattgefunden und find dabei folgende Stadtverordnete aus- geloost worden: In der 1. A b t h e i l u n g im 1. Wahlbezirk Stadtv. Simon 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. Lieberman Dr. Horwitz Haß Soli de Näve Grunert Schieanitz Schaefer Frentzel Solon Bemhardt Ncumann Ii. Paulsen Dieselben gehören sämmtlich der liberalen Partei an. der 2. Abtheilung In „So?" „Sie sind gewiß länger verheirathet, als zwei Jahre, — wie wir." „Wohl möglich." „Und denke, sie scheinen sich lieb zu haben." „Das thut dergleichen Volk gewöhnlich." „Ja, die Armen verstehen's ja nicht besser," sagte sie mit spötttschem Lächeln. Der Kammerjunker hatte sich erhoben und stand über seine Frau geneigt und sah wieder auf die Straße. Dabei stützte er sich mit der einen Hand auf die Rückenlehne des Stuhles. Der Mann kam eben zurück. Die Frau trocknete ihm mit ihrer karrirten baumwollenen Schürze den Schweiß von seiner faltigen Stirne, holte eine Flasche Weißbier aus dem Sande heraus und zog ein Päckchen Butterbrode aus der Tasche._.. Dann setzten sie sich, jedes auf emen Karrenarm, und fingen an zu essen. Der Kammerjunker und feine Frau betrachteten sie neu- gierig vom Fenster aus, besonders die Frau. Der Kammerjunker sah mehr auf das reiche, blonde, von Sonnenschein umspielte Haar seiner Gattin und ihre» reizenden Nacken. Er neigte sich tiefer über sie und athmete den feinen Parfümduft ein, der sie umgab. '„Sieh, Ludwig, jetzt zanken sie sich um ein Stück be- legteS Schmalzbrot." Das ist lauter Liebe. Keins von ihnen will selbst daS beste Stück essen." „Nun«heilen sie'S." „Ja, ein hübscher Anblick." Er neigte sich noch weiter vor, so daß er fast den Arm um den Leib seiner Frau legte. ES war doch ganz merkwürdig, daß er nie zuvor be- merkt, welch' schönen Nacken sie hatte. „Ludwig, meinst du, sie werden sich nach ihrer Mahl- zeit küssen?" „Vielleicht." Er fühlte die brennendste Lust, einen Kuß auf de« schlanken, rosigen Nacken zu drücken, der aus den weißen Spitzen hervorschimmerte, und die Hand über diese goldenen im 1. Wahlbezirk Stadtverordneter Leddihn 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. Weiß u Herr mann Fischer Patel Wtt Dietmar Löwel Bulle Dr. Gerstenberg Jänicke Friederici r. riß l. Diersch Sämmtliche gehören der liberalen Partei an. Die Aus- loosung der 14 Stadlverordneten aus der m. Abtheilung erfolgte in der Weise, daß von den 42 Wahlbezirken der dritten Abiheilung von je 3 Wahlbezirken 14 Gruppen gcbilvet wurden und aus jeder Gruppe dann je ein Stadtverordneter aus- getoost wurde Aus den so gebildeten Gruppen sind folgende Stadtverordnete ausgeloost worden: Vom Wahlbezirk 3 Gerold „„ 8 Pickenbach „„ 10 Scheiding „„ 12 Singer „„ 14 Ewald 19 Schern 21 Grobs „„ 25 Krampf „„ 26 Limvrecht „„ 28 Haesecke „„ 32 Dr. Böhme „„ 34 Wiese „„ 38 Wallich „„ 40 Geriete Der Magistrat macht bekannt, daß (B. P.) t» lA.-i iL. w St! (L. P.) 0.-%.) (B.|:j (ll. P.) nach einer Mit- theilung des königlichen Polizei� Präsidiums die Pionierstraße mit einer provisorischen Neunummerirung versehen worden ist. Nach dieser letzteren gehören die Grundstücke Pioniersttaße Nr. 1—12 zum Stadtbezirk Nr. 72, Nr. 13—24 und 61—69 zum Stadtbezirk Nr. 73 und Nr. 25—60 zum Stadtbezirk Nr. 75. Lokales. Die Charlottenburger Stadtverordneten-Versamm- lung hat in jüngster Sitzung, wie vorauszusehen war, auf den Antritt der Bugrs'schen Erbjchaft>über welche gestern berichtet) einstimmig verzichtet. Herr Ascheubrenner, Redakteur des„Christlich- sozialen Korrespondenzblatt", hat an den �andgerichts-Tirektor Lüty folgendes Schreiben gerichtet: Hochgeehrter Herr Landgerichts- Direktor! In dem jetzt durch die Zeitungen veröffentlichten Erkenntnisse im Prozesse Stöcke kontra Bäcker heißt es: 1.„Ferner engagirle Slöcker den gegenwärtig noch als Portrer fungirer.den Aschenbrenner." Ich habe dazu zu er- klären:„Daß es eine absolute Unwahrheit ist, weil ich diese Stellung schon am 1. Mai 1881 verlassen habe und das „Christlich-soziale Korrespondenz-Blatt" erst am 1. Januar 1882 begründet wurde" 2.„Wenngleich eine Vorbeslratung des früheren Portier? und jetzigen Redakteurs Aschenbrenner nicht erwiesen ist." Ich erkläre dazu:„Eine gerichtliche Be- strafung meiner Person ist nicht nur nie erwiesen, sondern absolut unerweisdar, denn ich bin gerichtlich niemals bestraft, meine Personalakten müssen darüber Auskunft geben." Meine Unbescholtenheit dürfte aber auch daraus hervorgehen, daß ich seit bald drei Jahren Mrlglied der Gemeindevertretung der Kirche„Zum heiligen Kreuz" und seit zwei Jahren Mitglied der 17. resp. 25 städtirchen Schulkommisfion bin. Hiernach kann ich nicht umhin, Ihnen, Hochgeehrter Herr Landgerichts Direktor, mein Bedauern darüber auszusprechen, daß solche Jrrthümer relp. Ungenauigkeiten in eimm gerichtlichen Urtheil Platz finden konnten. Ich erwarte in geeigneter Weise Re- medur. Mit vollkommener Hochachtung ergcbenst F. Aschen- brenner, Redakteur des„Christlich- sozialen Korresp.-Blattcs", Blücherplatz l. g. Eiue Senkung des steinernen Fußbodens der un- teren Räume der Stadtbahnstation Jannowitzbrücke soll sich, wie uns ein'Berichterstatter meldet, dem wir die Verantwortung dafür überlassen müssen, ereignet haben- Am meisten wahr- genommen wurde die Senkung dicht bei dem Eingange zur Station. Nach Untersuchungen von Sachverständigen soll ein werterer sltachrutsch nicht zu befürchten sein. Falsches Geld. Der„Jll. Anz. für Komtoir und Bureau,, giebt eine sehr wetthvolle Uebcrsicht über die in letzter Zeit aufgetauchten falschen Geldstücke� da es für alle Kreise von Bedeutung ist, von derartigen Fälschungen möglichst genaue Kmntniß zu haben, so soll im Nachstehenden das Wichtigste aus jener Uebersicht wiedergegeben werden. Falsche Zwanzig- Aber so was thut man ja nur er steckt sich seine Locken hingleiten zu lassen in den Flitterwochen. „Sieh, nun sind sie fertig und Pfeife an." „Und die Frau hustet gar nicht bei dem Tabak- rauch." „Ludwig!" ES war etwas so Flehendes und Weiches in ihrer Stimme, wir er es nie zuvor gehört. Er wußte nicht recht, wie es geschah, aber seine Lippen ruhten plötzlich in langem Kusse auf dem rosigen Nacken. „Aber Ludwig, was machst du?" „Wollen— wollen wir nicht versuchen, einander ein wenig lieb zu haben?" Er war auf ein Kissen an ihrer Seite niedergesunken und hielt sie fest umschlungen. „Mir fällt es nicht schwer, Ludwig. Ich habe dich immer lieb gehabt." „Dann weroe ich hinfort leichter den ehelichen Sand- karren ziehen. Es war mir im Anfange etwas ungewohnt und schwer nach einem freien Zunggesellenleben." „Und eine andere Frau schob an ihm— fast wäre er umgefallen." „Aber nun sollst nur du mir helfen, dann wird die Last leichter zu ziehen sein." Der Sandmann und sein Weib schleppten ihren Karren weiter und riefen abwechselnd: „Sand, Sand!" Der Kammerjunker und seine Frau standen nicht mehr am Fenster und sahen ihnen nach. Sie saßen eng an einander geschmiegt und schauten sich tief in die glänzenden Augensterne und da sahen sie lichte Zukunftsbilder. � Artige Kinder. Der Justizrath war in die Wohnstube umgezogen; denn seine Haushälterin war böse. Sie hatte sich oben mit dem Dienstmädchen des Hauswirths wegen des Schlüssels zum Trockenboden gezankt, und in Folge dessen wusch sie die Dielen im Schlafzimmer so nachdrücklich, daß die Nippfiguren auf der Etagere in der Wohnstube bebten Markstücke: Jahreszahl 1679, Münzzeichen D. Die Uncchtheit ist leicht daran zu erkennen, daß der Rand fast vollständig fehlt und daß man beim Befühlen eine ähnliche Empfindung hat, wie wenn man Blei ansaßt. Falsche goldene Fünfmark- stücke: Die Falschstücke haben einen matten, dumpfen Klang und sind von so weickem Metall daß schon ein geringer Druck mit einem harten Gegenstand genügt, um Spuren zu hinter- lassen. Falsche Einmarkstücke find rn den verschiedenen Arten vorgekommen: 1) die Falschstücke in der Prägung von den echten kaum zu unterscheiden, dem Gewichte aber nach erheblich leichter und dem Klange nach matter; es empfiehlt sich ein Nachwiegen beim geringsten Verdachte. 2) Eine plumpe Fälschung, Gepräge ftümperhaft, Klang dumpf, Täuschung bei einiger Aufmerksamkeit unmöglich. 3 Die Falschstücke bestehen aus Blei, dem etwas Wismuth mgesetzt ist; das dadurch be- dingte fettige Gefühl und die Dumpfheit des Klanges lassen die Fälschung ebenfalls unschwer erkennen. Von Zwanzig- Pfennigstücken liegen ebenfalls drei falsche Sorten vor: 1) Jahreszahl 1874, Münzzeichen A. Ziemlich gut nachgemacht. Das Metall ist eine Mischung, welche etwa dem Neufiiber entspricht; die Falschstücke sind im Griff fettiger als die echten. 2) Iah- reszahl 1876, Münzzeichen A., auffallend durch geringen Klang und die mißlungene Prägung des Randes; das Metall ist bleihaltig. 3) Aus Messing mit schwacher, galvanischer Ver- filberung; letztere verschwindet bei der geringsten Schabung, auch nach kurzem Umlauf. Die Prägung auf der Schriftseite klar und scharf, auf der Rückseite etwas verschwommen. Iah- reszahl 1875, Münzzeichen A. Falsche Fünfufennigstücke. Die Falschstücke unterscheiden sich im Klange kaum, in der Prägung etwas, in der Stärke aber auffallend von den echten; der Un- terschied in der Stärke beträgt fast die Hälfte. Die Prägung erscheint matt und dumpf.— Nach vorstehender Uebersichi scheint sich die schon in Amerika gemachte Erfahrung auch bei uns zu bestätigen, daß nach Einführung des die Fälschung so wesentlich erschwerenden Pflonzenfaserpapieres die Fälscher sich mehr dem Metallgelde zuwenden. Darin liegt sicher ein klei- neres Uebel, denn durch falsches Papiergeld erwachsen dem Empfänger in der Regel viel höhere Verluste. Hinsichtlich des Papiergeldes hat man sich dagegen vor ausländischen Falsch- stücken und jetzt namentlich vor falschen italienischen 10 Lire- und österreichischen 50 Gulden-Noten zu hüten. Hin hiestger katholischer Geistlicher erzählt heute in der„Germania" folgenden gegen ibn verübten Schwindel. Es wird wohl kaum einen katholischen Geistlichen geben, besonders unter denen, die in größeren Städten leben, der nicht schon in rasfinirter Weise beschwindelt worden. Auch ich mache keine Ausnahme, glaubte aber durch theure Erfahrung, die ich in verschiedenen Städten machte, jetzt klug genug zu sein, um von keinem Schwindler mehr angefühtt zu werden. Da habe ich nun in letzter Zeit wieder etwas hier in Berlin erlebt, was mir interessant genug scheint, es weiteren Kreisen zu erzählen, wobei ich allerdings die Nebenabsicht Habs Andere zu warnen. An einem der letzten Sonntage las ich um 7 Uhr die Messe. Kaum war ich in meine Wohnung zurückgekehrt, da klopsts an meiner Zimmerthür, und bald tritt ein Mann herein, anscheinend dem Arbciterstande angehörig, grüft und streckt mir die offene Hand entgegen mit einigen Geld- stücken, wobei er einige mir unverständliche Worte spricht. Ich denke, es ist ein Dienstmann, der in dem Hause etwas abge- liefert hat und Geld gewechselt haben will. Ich merke indeß bald, er will etwas anderes, und wie ich ihn frage, ob er viel- leicht eine heilige Messe lesen lassen wolle, fleht er scheu nach einer dritten Person, die auf dem Zimmer ist, und sagt mir leise ins Ohr:„Restitution aus der Beicht!" Ich nahm ihn allein und er erzählte mir in kaum verständlichem Deutsch fol- gende Geschichte:„Ich bin Böhme, bin Maurer, und arbeitete mit einem anderen in einem böhmischen Kloster. Da fanden wir in der Wand ein Schränkchen und in dem Schränkchcn ein Kästchen mit einem goldenen...(er findet das Wort nicht und zeigt mit beiden Zergesingem um den Hals bis auf die Brust und macht auf dieselbe ein kleines Kreuz; sodann dreht er die Fingerspitzen der Rechten um den Goldfinger der Linken: also, wie sich klar herausstellte) eine gol- dene Kette mit Pektoralkreuz und Ring. Der Kollege nahm es mit und wie wir nach Berlin kamen, ging ich zu dem und dem Juden in der und der Straße.(Die Namen konnte ich bei der unartikulirten Sprache nicht verstehen, und die Schwerhörigkeit des reuigen Sünders machte mir vieles Fragen lästig); der Jude nahm einen Stein und rieb das Gold varauf hin und her,(alle Bewegungen des vorsichtigen Juden macht er getreu nach), dann ging er in den Spiegel und drehte das Kreuz hin und her und sieht an dem Spiegel obs blinkt. All dieses verstehe ich mehr aus seinen Gestikulationen, als aus seinen Worten. Noch nicht genug. In Kreuz und Ring waren auch Steine, die prüfte der Juoc, indem er durch dre hohle Hand sah. Er nahm das ganze als Pfandstück und zahlte 80 Mark darauf aus. Wir kamen wieder nach Böhmen und mein Kollege verunglückte an einem Bau und liegt todtkrank in dem Hospital. Er hat gebeichtet, und auch ich hatte keine und die Speisekammer den Anblick einer Kajüte im Sturm gewährte. Der Justizrath trat ans Fenster, öffnete es halb und blickte auf die Straße. DaS war doch seltsam, daß da Wasser in den Rinnstein gekommen war; denn es hatte ja nicht ge- regnet. Es war wahrscheinlich etwa« Spülwasser vom Nachbarhause; denn schmutzig war eS, und viel war es auch nicht, aber doch genug, daß zwei Betteljungen sich darin be- sudeln konnten. Es giebt nichts, wovon Kinder mehr halten, als von schmutzigem Wasser. Vor reinem sind sie eher bange. Die Jungen waren zwischen vier und sechs Jahr. Der älteste, der Anführer, hatte eine verblichene blaue Schifferjacke und schmutzige leinene Hosen an, die hinten so weit waren, als hätten sie einer Dame vom Ballet gehört. Auf dem Kopfe trug er Erinnerungen eines Strohhutes. Der Bruder hatte enge Hosen an, die im Gegensatz zu des andern überflüssiger Hinterpartie von diesem LuxuS fast entblößt waren und ein einziges großes Loch zeigten, welches die Reste eines alten Wmterrockes vergebens zu be- decken suchten. Ein nnr noch fragmentarisch vorhandener e mehr einfache als wirklich geschmackvolle Hut vollendete die Toilette. Sie waren selbstverständlich barfüßig, hatten die Hosen bis übers Knie hinaufgezogen und planschten in dem Rinn- stein unter Jubel und Gelächter herum. Auf dem Trottoir standen zwei vornehme Kinder und betrachteten sie mit einem gewissen schreckuntermischten Interesse. ES waren ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen in blauen Trikotkostümen und Hochrothen Strümpfen mit Lackstiefelchen. Sie standen und hielten einander hübsch an der Hand und lutschten jedes auf einer Zuckerstange. Der Justizrath legte sich in'S Fenster und bettachtete sie. Er hatte Kinder so gern. „Ja, ja, wenn ich mich mit Marianne verheirathet hätte, woran ich einmal dachte, könnte ich auch solche kleinen Kinder haben— ja, ich meine solche artige» Kinder wie die, die da stehen und ihre Zuckerstangen verspeisen, nicht die schmutzigen Jungen im Rinnstein— und eine hübsche Frau, denn das Ruhe, ich ging beichten bei dem Rektor von einem FrauenklM' Er gab mir dicAbsolution, aber er fagtesub-sub-gnbtuiie— so etwas sagte er", und auf meine Korrektur»ab conditione rvirut er Beifall,„ja, so hat er gesagt, er sagte noch dabei, unter der Bedingung, daß ich Alles zurückerstatten wollte." Bei dreift ganzen Darstellung machte er ein so simples Gesicht, daß rW Keiner an der Aufrichtigkeit des Erzählers gezweifelt ho* Auf meine Frage:„Was wollen Sie nun eigentlich von nur. sagte er weiter:. Ich muß nach Hause zurück, und ich hott verkauft, was ich hatte, und habe 70 Mark dafür bekommen! damit kann ich das Pfand nicht lösen." Ich zweifelte n# daran, er wolle mich anpumpen, und dachte bei mir: sei fichtig! Doch ich war im Jrrthum. Was der gute Mann«* kann ja auf keinen Schwindel hinauslaufen. Er sagt werter: „Da ich es nicht weiter bringe, so bitte ich Sie, wollen L>t so gut sein, wenn ich Ihnen heut Mittag die 70 Mark brmge, sie ans Kloster zu schicken; ich Hab' sie nicht bei mir, ick wos eben in Ihrer Messe, und da wollte ich zuerst fragen, ob S>e ee thun wollen. Ich kann das Geld zu Hause nicht geben, sonst erfah- ren meine Frau und meine Kinder, daß ich gestohlen habe. Ich suchte ein Stück Papier, er solle die Adresse aufschreibe» — er konnte nickt schreiben, und ich dachte es hat Zeit, bis« wieder kommt. Ich fragte nun:„Was ist denn ein Kreuz Kelte und Ring wohl in Wirklichkeit werth?" Er sagte:»�er Geistliche, bei dem ich gebeichtet habe, meint 14—1500 Gulbcm Ich wurde bedenklich, und sagte natürlich:„Das geht aber doch nicht, damit thun Sie Ihre Pflicht nicht, Sie müssen da« Gold unbedingt einlösen." Er antwortet, er habe scko»>? lang gewartet, er habe keine Ruhe mehr, er bringe es n# werter,„ich möchte das Geld bald fortschicken." Er deuie» nicht im Mindesten an, ob ich ihm etwas zulegen wolle. ick wegen all dieser Umstände an der Ehrlichkeit auch nicht* Mindesten zweifeln tonnte, ging ich um so und so viel Guldc» Klostcrgeld zu retten, an meine bescheidene Kasse,»»- dachte, den guten Mann machst du mal froh»»• dem Kloster thust du mal einen guten Dienst. � wollte ihm die fehlenden zehn Mark geben; ich nehme zwei Thaler und lege sie hin, und gleich sagt er:„Damit käme ich schon auS, ich könnte noch Kleider verkaufen." Ganz ß% lich nimmt er dankbaren Herzens die Thalerstücke mit der � llärung:„Ich gehe morgen hin(heute ist es wahrscheiw'� nicht offen) und löse das Pfand aus, und ich bringe morgen Mittag das Kreuz und den Ring; ich wickle es A daß Keiner es sieht, und dann schicken Sie Alles fort." Am seinem Geficht zeigte sich ein Ausdruck der Freude, soweit ma» es von einem stupiden Menschen eben erwarten kann, und m» recht recht plumpen Bewegungen geht er zur Thür hinaus.% friedenen Herzens? schaute ich dem Scheidenden über den Hof, und mich quälte nur der eine Gedanke:„Äe»» der Jude nur nickt die Steine gefälscht hat."— Montag Abe* als das sellsame Beichtkind durchaus unsichtbar bleibt,% ich:„Na, du hast durchaus kein Geld wegzuwerfen, aber die?« Stückchen war denn doch seine 6 Pik. werth.". Der hiesigen Kriminalpolizei ist nachstehender Aufm des Polizei-Chefs von New-Uork zur Kenntniß und Veröffem lichung übermittelt worden:„1000 Dollars Belohnung% Wiedererlangung des Körpers eines seit 22. Dezember aus New- Uork verschwundenen Dr. Richard C. Brandeis,>!! es todt oder lebendig." Älter 34 Jahre, Größe 5 Fuß 7V*% (englisch), schmächtiger Wuchs, schwarzes Haar und dürstA' Schnurrbart; bleiche. Gesichtsfarbe, krankhaftes Aussehen, dunm braune Augen, lange vorstehende Nase. Brandeis trug ei»� dunkelbraunen Ueberzieher mit Sammetkragen, einen AnB aus gemischtem Stoff mit rothen Flecken, schwarzem DerM' Hut, goldene Uhr und Kette, die Uhr mit Springdeckel der Nr. 6801 versehen, und einen Trauring mit der innerh� eingraoirten Inschrift:„Aug. 23. 1881." Die PhotograM des Vermißten liegt bei der Kriminal- Polizei zur Ansicht um auch werden daselbst etwaige Nachrichten entgegengenommen. Wie einem hiesigen Schlossermeister M. aus ei»� klcmen Vergeßlrchkcrt namhafte Kosten erwuchsen, davon»f richtet das„Rchsbl." folgendes: Herr M. hatte eine Prief klage, verlor den Prozeß und wurde unterm 4. d. M. K gefordert, die Mandatskosten an den Rechtsanwalt Gegners in Höhe von 12,80 M. zu zahlen. Prompt am; d. M. sendete Herr M. diesen Betrag an den Rechtsanrvm ab, vergaß aber, den Bettag von 5 Pf. Bestellgeld der% einzahlung beizufügen, und diese Unterlassung sollte% großen Aerger bereiten. Nicht etwa, daß der RechtsanMM rhn aufgefordert hätte, diese 5 Pf. noch nachträglich zu iaW.t sondern am 20. d. Mts. erschien plötzlich in der Werkstatt 5', Herrn M.— derselbe ist Hausbesitzer und beschäftigt zahlre� Gesellen— der Gerichtsvollzieher, um in Gegenwart der©v selten und Miether diese Schuld von 5 Pf. exekutivisch«t# treiben, aus der nun aber 2 Mark und 60 Pfennige gcrvorl»'» waren, die sich folgendermaßen zusammensetzten: Restfordern»? 5 Pf., Anwaltsgebühren(für diesen VollstreckungsanttaA 1 M., Kopialien für den Klausclantrag 10 Pf., Kopralicu ü» den Vollstteckungsantrag 10 Pf., Porto bei Eingang des ist Marianne noch, obwohl sie korpulent wird. Das wer� sie immer, diese Kaufmannsfrauen. „Dann hätte ich etwas, wofür ich leben, wofür ich � beiten könnte. Nun stehe ich ganz allein." Ein starkes Klirren ließ sich im Schlafzimmer Man schlug ein Glasgefäß entzwei. Er wandte den Kopf. „Ja das heißt, ich habe ja meine Haushälterin. erinnert mich beständig an ihre Existenz. Sie ist übrige» sehr ordentlich und bestiehlt mich nicht; denn sie glaubt, � wird mich beerben; aber sie versucht nach besten Kräfte mich zu ärgern.. Er legte sich wieder in's Fenster und sah aus die herunter, wo die Betteljungen in dem Spülwasser herum plantschten.. Was steht ihr und glotzt?" fragte der älteste Junge d arttgen Kinder.„Kommt und spielt mit uns." „Wir sollen raufgehen." „Was macht ihr oben?" „Wir spielen mit Abziehbildern. Was thut ihr Tag?" „Wir betteln." „Ist das lustig?" „Ne,'ne mordsmäßige Arbeit. Das Schlimmste daß wir so mit Essen vollgepfropft werden. Aber, siehst>' wenn wir herauskommen, werfen wir die Brodrinden u» die Fleischknochen auf die Straße. Aber Zweier u» Fünfer, die können wir brauchen, und die kann 3%" de» ist' firdp _ i v r v VI vt 14 vi) vi ly 44*1 V viv 414*4*4 auch brauchen. Du hast wohl schon unsere Mutter hier' gesehen.� Die verkauft Krabben. Das� ist� M der Straße„,_________ die ruft: Krabben sind gut, Krabben sind gut. Magst gern Krabben?" „Ja, wenn sie abgepult sind." „Wir pulen sie selber ab, aber wir kriegen sie» wenn sie alt sind." stein Damit plantschten er und sein Bruder wieder im A*»� in herum und sangen laut:„Krabben sind gut, Krad sind gut." Die artigen Kinder betrachteten sie mit halb neidift? Blicken. Wenn sie nur nicht so gute Kleider anhätten! Der Betteljunge stand wieder vor ihnen stillt inklosltt' i— obc* oe mint" anict da Zei Siel« jog JBW :it m ion am! ich h«te komme«! -Ite mSil Mwi' kannlm«' lt weiler/. ollen L-i rk brinze, - ich# nf> Sie-s 3 er rü Auff-s 10$f., Zahlungsgebühr 1 M. Porto und Bestellgeld «om Schuldner eingesandten 12,30 PI. von dem Rechts- anwalt an den Gläubiger 25 Pf. Selbstverständlich wurde die «chuld sofort getilgt. ra?•«on der Wuth des Sturmes bei dem letzten groben «f®?'" zeugt der Umstand, daß eine große Anzahl von starken mamen, an welchen auf den Wafferstraßen in der Umgebung Derlms die Flößhölzer befestigt lagen, von den Wellen umge- r>I:M und die Floßhölzer ziellos umhergetriebcn wurden. Auf «nN �fleler See beispielsweise trieben gegen 1000 Stämme mehr umher, welche auf der Oberhavel gelagert haben, selbst erne Bankfirma die lombardirten Floßhölzer ansammelt. ?M.ü>mtig find nun auf der Havel ca. 50 Arbeiter damit Mastigt mit großer Ramme die umgeriffenen oder abge- Pfähle einzurammen- Bemerkt sei noch, daß die nach fc?.©smitter umherschwimmenden Flößhölzer zeitweise die Mrfffahrt gänzlich versperrten. Mi« �>varzer Adler in Echöneberg. Vorgenanntes Eta- >mment tritt auch mit dem Anfang dieses Plonats mit einer 2% neuer und hervorragender Künstler in Aktion. Dieselben oorausstchtUch vor einem großen Publikum debütiren, � c, tefestlickkeiten, die hier stets zahlreich besucht ,u wer- Pflegen, am Sonntag ihren Anfang nehmen. Am Montag M.«, Erntedankfest statt, das der gesegneten Ernte wegen Dii« sonders glänzend gefeiert werden soll. An Anstten- Originelles und Hervorragendes zu bieten, lassen es ��oncberger bei dieser Gelegenheit nickt fehlen. Außer ■i? �numph-Ernte-Festzug find großartige Volksbelustigungen Mtignt, die auch dem Humor seine Rechte zugestehen. Für di-ö m�ustige Welt ist in ausgiebigster Weise geborgt, da man 'i'krgnügen sowohl im Freien wie in dem Salon genießen {2. Em monströses Feuerwerk, das bei Beginn der Dunkel- ci Abgebrannt werden soll, wird die Festfreude erhöben. ßlt c Tkeilnahme des Publikums gewiß nicht fehlen. Der ZW« v eä Erntefestes wird am Büttwoch stattfinden, wo zum m2,. verdienstvollen und beliebten Regisseurs des schwarzen Uw« einc Galavorstellung unter Mitwirkung hervorragender Künstler und Gäste stattfinden soll. & Tausend Mark verpflichtet fich ein bekannter Zigarren- .«ttrfabnkant in der Alexandcrstraße dem Künstler zu zahlen, Zweite Zigarrenspitze herstellt, wie fic bei ihm aus- «imO'JM* Spitze ist zum Theil aus einem Stück Bcmstein, dk�.st v'l aus Meerschaum und hat die Form einer Schlange, daß fie in der Mitte einen Kreis schlägt. Diese dJ- rst, wie der St. Gotthard-Tunnel, l'A Mal gegen den T.?�,llkbohrt und darin liegt eben die Kunst. Der gedachte Mrl-nt ist bereit, den Betrag von 1000 Mark bei der aisler-Junung zu deponiren. Die Spitze selbst ist unver- W*! H Eine fcfl-r.„fine Zerschmetterung des Unterschenkels erlitt Vormittag ein an der Ecke der.Ritter- und Alcxandri- beschäftigter Dienstmann Laube dadurch, daß ein vor vis ti ��twagen gespanntes Pferd plötzlich ausschlug und den N,»"Wagen Stehenden gerade vor das Schienbein traf. 1�4,» ,'ktzung des Laube war eine so schwere, daß er sofort lC,, c8Ung eines Nothverbandcs mittelst des polizeilichen Ulli,. Ellens nach der königlichen Charitee geschafft werden Zeichnet Zustand wurde dort als ein sehr bedenklicher bn, der Neuen Welt(Hasenhaide) findet am Montag, den.-' August, zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes, Lre- Dow n Märkischen Zentral-Sängerbundes eine Gesangs- die 0.""S statt. Herr Bundesdirektor Wilhelm Handwerg hat v 8 übernommen. Die Mufik wird von der Kapelle .---Kürassier Regiments ausgeführt. bqz(U' der schwedischen Eisbahn wird fich am Sonntag � günstig aufgenommene große afrikanisch- europäische Mm wiederholen. Das Rennprogramm enthält sechs Rennen, bei denen vorzügliche Pferde mit den Äro�Än konkurriren werden, fliamcntlich verdient das 3 TluMraben, eine Konkurrenz zwischen 2 Dromedarhcngsten, das in Atem und einem Rennpferd hervorgehoben zu werden, �h°st' Mottskreisen wegen der guten Besetzung des Feldes vcnnkn Interesse erregt und viel besprochen wird. Da dies Weg.".onr letzten Sonntag so befnedigende Resultate auf- «-funN.V-ch beim großen Publikum den lebhaftesten Verfall Wh, B hat, so verfehlen wir nicht, hierauf ganz besonders Mcn � M machen, da die Sudanesen Berlin in den nächsten Uelsen werden.. v Steßf M das Verhör des Mörders Schunicht an Ortt und IZoz Blutthat erfahren wir noch, daß Sck. namentlich %L f'ehrte und wirre Angaben über die Stellung der krtq.. ln dem Zimmer, wo er die entsetzliche Mordthat be- ander?'»enracht hat. Obwohl die Möbel seit der Ihat nicht das»i gestellt find, behauptet Schunicht doch steif und fest, iestayM dabe nicht am Fenster, sondern an der Seitenwand auch die Kommode, aus der er das Sparkassenbuch, werde" für ich � wer Voxe>' Zunge di- ihr de« n fi« (ÄS neidisch"' 1! mir die Hälfte von deiner Zuckerstange, dann Das m � pudelnaß spritzen." Anerbieten war nicht sehr verlockend. Vge* bekommen selbst nasse Füße," sagte der artige dn, könnt ja die Aermel aufstreifen und mit den Hän- Da«" »ilhl ei» �ar eine neue Seite der Sache, die ihnen gar �gefallen war. "Zollen wir?" fragte der artige Junge seine Schwester. "3' flüsterte das kleine Mädchen schüchtern. 'oß bist„ du kriegst die Zuckerstange nicht eher, als bis du 3�ann dursst du aber nicht mehr daran lutschen." Hn»�*teljunge stellte sich mit krummem Rücken mitten Mxjc./'sustein und die artigen Kinder arbeiteten mit auf- bl>>b-? Wormeln, als ob sie zehn Zuckerstangen für die » Ffop 5wnnen sollten. övifter• Mutter riß in diesem Augenblick erschrocken das ..A«" ber zweiten Etage auf. . Da«»�"der was macht ihr da?" Nich). kleine Mädchen verlor vor Schreck das Gleich- �der J? � der Nase in den Rinnstein und zog den Tv«1* , Wn\�etteIiun9cn nahmen erschreckt Reißaus, und das d bvr*. kam und schleppte die artigen Kinder heulend Der durch naß hinauf. M � irath schloß daS Fenster. �«"kan? es gewiß ebenso gut, wenn man allein ist. JHte« selbst von artigen Kindern Sorgen haben. Ich '"en, � Augenblicklich nicht um Alles in der Welt auf , Er Mchen Teppich haben. 'se gj ost sich in den Lehnstuhl und steckte feine lange M bei1 s�U-rm hatte sich gewiß gelegt. Die Nippsachen Mr zitterten nicht mehr, und in der Speise- � �rrschte Windstille. lä?1' recht, nun war es völlig klares Wetter. Das Ä-Infu d« Haushälterin sehen, die ihm seinen Nach- �nb-n oinem von Wohlwollen und grüner Seife " Angesicht brachte. resp. das Geld geraubt hat, soll nach Sch.'s Behauptung in- zwischen ihren Platz verändert haben, was aber nach der Aus- sage der Zeugen entschieden in Abrede gestellt wird. Wegen dieser und auch noch anderer ganz wirrer und konfuser An- gaben find von mancher Seite neuerdings Stimmen laut ge- worden, welche behaupten, Sch. sei mehr oder minder geistes- krank; doch entbehrt diese Anficht durchaus jeder Begründung. Gerichts-Ieltung. P.— p. Ein jugendlicher Verbrecher stand gestern vor der Fenenstrafkammer des Landgerichts Ii. Dem 16jährigen Schlosserlehrling Albett Lehmann aus Werneuchen gereichte die in seinem Handwerk erlernte Kunstfettigkeit beim Oeffnen fremder Verschlüsse nicht zum Segen, denn er benutzte diese erworbenen Kenntnisse dazu, einen Einbruch auszuführen. Jbm war bekannt, daß die am genannten Orte praktizirende Hebcamme, Frau Jahrmutter in einem Sckreibspindchen größere Geldbetröge zeitweise aufbewahrte. In Abwesenheit der Genannten führte Lehmann am 14. Mai d. I. in deren Wohnung unter Anwendung von falschen Schlüsseln, welche er zu diesem Zwecke in der Wettstatt seines Meisters fabttzitt hatte, einen regelrechten Einbruch aus, der einem gewiegten Einbrecher alle Ehre gemacht hätte. Das dabei vorgefundene Geld im Be- trage von 45 Mark vergrub der unehrliche Schlosser an einem abgelegenen Otte. Von Dorther holte er nach und nach das Geld in kleinen Beträgen, um dieselben mit seinen Altersgenossen zu ver- jubeln. Die ungewöhnlichen Ausgaben, die derBurscke sich erlaubte, hatten zur Folge, daß auf Anordnung seines rechtschaffenen Meisters zwei Gesellen den Lehmann als des Diebstahls ver- dächtia ins Gebet nahmen. Da kamen sie aber schön an; der Bursche bewaffnete sich mit einem eisernen Zanaenttng, den er aus der Werkstatt seines Meisters gestohlen in der einen und mit einem Messer in der andern Hand. Der Schlossergeselle Schröder, welcher, um den Burschen der Polizei zu übergeben, ihn erfaßte, erhielt dabei einen Messerstich durch die rechte Hand, in Folge dessen er sofott ärzllichen Beistand nachsuchen mußte-— Das frühreife Früchtchen, wegen schweren und ein« fachen Diebstahls sowie wegen Körperverletzung angeklagt, war im gestrigen Audienztermin dieser Vergehen geständig. Dem Anttage des Staatsanwalts gemäß lautete das Urtheil unter Berücksichtigung des jugendlichen Alters des Angeklagten auf 6 Monate Gefangniß. Die Vorwurfe des Chikanirens und der Verur» sachung von Echeerereien find nach einer gestern von der fünften Ferienstrafkammer hiesigen Landgerichts I gefällten Entscheidung in der Form unter allen Umständen beleidigend, so daß fie niemals unter den Schutz des§ 193 des Str.-G-B. fallen können. Der Schiffbaumeister Karl Fttedttch Wilhelm Hanne in Treptow b»i Berlin brachte am 20. September v.J. bei dem Landrath des Teltower Kreises eine Beschwerde gegen den Amtsvorsteher Mofisch wegen Störung seines Gewerbe- betttebs an. Die Erlaubniß zum Bau einer Bude auf dem von ihm gepachteten Weg war davon abhängig gemacht, daß der Weg nach seinem Grundstück erheblich verdreitett werde. Da nun nicht der Angeklagte, sondern die könig- liche Eisenbahndirektion Eigenthümer des qu. Weges ist, führte derselbe aus, sei die Abhängigmachung Der Erlaubniß von etwas für ihn Unmöglichem einer Chikane gleich zu achten. Derartige unnöthigen Scheerereien sei er übrigens schon seit 10 Jahren seitens des Amtsoorstehers ausgesetzt. Hierdurch fühlte sich Herr Mofisch beleidigt und wurde auf den von ihm gestellten Sttafantrag der Angeklagte vom hicst- ien Schöffengericht wegen öffentlicher Beleidigung, da die- elbe in einem, an eine öffentliche Behörde gerichteten Schrift- satze kundgegeben sei, zu 30 Mark cvent. 6 Tagen Gefängniß verurtheilt. Gegen dieses Uttheil legte der Angeklagte Be- rufung ein, indem er den Schutz des§ 193 St.-G.-B. für fich in Anspruch nahm und für seine Berechtigung zur Qualifizirung der Maßnahmen des Amtsvorstebers gegen ihn als„Chikanen und Scheerereien" verschiedene dahmgehenDe Beweisanträge stellte. Der Gerichtshof lehnte dieselben aber mit der im Eingänge wiedergegebenen Motivirung ab, hob das erste Urtheil aber auf, weil dann der Begriff der Oeffentlichkeit vollständig ver« kannt worden, und veruttheilte den Angeklagten mit Rücksicht auf die ganze Sachlage und wegen nicht öffentlicher Beleidigung zu 15 Mark ev. 3 Tagen Haft. Sozialesund Arveitervewegung. Vierter Reichstagswahlkreis. Aufruf an alle Handwerker und Arbeiter! Die im vietten Wahl- kreis stattgefundenen Versammlungen mit dem Thema„des Arbeiterschutzgesetzes", haben mit großer Stimmenmehrheit be- schloffen, eine Petition an den Reichstag zu senden, worin die Mitglieder desselben ersucht werden, dabin wirken zu wollen, daß der von der sozialdemokratischen Fraktion eingereichte Arbeiterschutzgesetzentwurf zur Annahme gelange. An den Hand- wettern und Arbeitern liegt es nun, dafür Sorge zu tragen, daß diese Petition mit taufenden von Unterschriften an den Reichstag eingereicht werden kann, und daß namentlich der Herr Reichskanzler, der die Stimme des Volkes hören will, die Ucderzeugung gewinnt, daß den Arbeitern nur mit der Durchführung des Arbeiterschutzgesetzes geholfen werden kann. Also, Handwerker, Arbeiter! Thut Eure Schuldigkeit und gebt Euren Willen durch Unterzeichnung der Petition zu ettennen. Listen liegen aus und find bei folgenden Herren abzuholen: W e s e n a ck, Grüner Weg 13; Kaake, Küstriner Platz 3; M e v e r, Fruchtstr- 36a; Lock, Frucktstr. 53; Köpnick, Schillingstr. 30 a; Spickermann, Rüdersdorferstraße 51; K l e b s,(Leuchtkugel- Büschingstraße 18; Laske, Kleine Andreasstr. 21; Rosenberg, Friedenstr. 36: Liewald, Frankfurter Allee 143; Freyer, Münchebergerstr. 31; von Rolland, Landsberger Allee 44 und Vors, Koppen- straße 22», 3 Tr._ Nereme und Versammlungen. be. Die außerordentliche General-Versammlung des Arbeiterinnen- Vereins, welche unter Vorsitz der Frau Dr. H 0 f m a n n am Donnerstag, den 30. v. Mts., Kom- mandantenstr. 77/79 stattfand, beschäftigte fich mit der Er- ledigung einer Reihe innerer Angelegenheiten. Die bishettge 1. Schatzmeisterin, Frau Fortong, hat ihr Amt wegen Ueber- Häufung mit Arbeit, in Folge der von ihr eingeleiteten Lohn- bewegung der Näherinnen in der Flanell und Fancy Hosen- Branche, niedergelegt. Ebenso find Frl. Engharb und Frau H e r z f e l d aus dem Vorstande ausgeschieden. Zur Ergänzung des Vorstandes wurden gewählt: Frau Neumann als 1., rau Steindorff als 2. Schatzmeistecin; Frau B ü g e als Schriftführerin; Frl. Seger, Frau Walter und Frl. Bührmann als Komitecmitglicder. Hierauf wurde dem Vorstande das Recht gegeben, künftighin fich im eintretenden Falle selbstständig provisottsch zu kooptiren und der ordent- trchen General-Versammlung die Bestätigung der Wahl zu überlassen.— Ferner wurde auf Antrag der Frau Fettau beschlossen, die Lohnbewegung der einzelnen Branchen der Frauenarbeit energisch zu unterstützen und zunächst zu versuchen, die Mäntelnäherinnen zu einer Lohnbewegung aufzurütteln und zu organifiren. Frau Vötting machte im Anschluß hieran die Mittheilung, daß fie in nächster Woche eine Mäntelnähcrinnen-Versammlung zur Erörterung der Lohn- frage einberufen und auch diejenigen Schneidermeister einladen würde, die gesonnen seien, zur Unterdrückung der Schmutzkon- kurrenz das Bestreben ihrer Arbeiterinnen zu unterstützen. Im Interesse dieser Fachversammlungen sollen die Wander- Ägita- tions-Versammlungen vorläufig aussallen. Frau Ihrer gab hierauf ein kurzes'Bild von der bisherigen Thät, gleit des Ver- eins, die hauptsächlich in Veranstaltung von Versammlungen, von aufklärenden und bildenden Vorträgen bestanden habe. Eine besondere Errungenschaft sei der günstige Erfolg der Petition gegen den Nähgarnzoll gewesen, die auf Anregung des Vereins m Umlauf gesetzt worden sei, und, wie die zahlreichen Unterschriften bewiesen, die Anerkennung der Arbeiterinnen in so hohem Grade gefunden habe. Eine weitere Petition sei wegen Errichtung von weiblichen Fortbildungsschulen und Un-- entgeltlichkeit resp. Ermäßigung des Schulgeldes in denselben an den hiesigen Magistrat gerichtet worden, habe aber nur ein negatives Resultat ergeben.— Der Kassenbencht soll später gegeben und veröffentlicht werden. r Die Schneider Berlins hielten am Donnerstag Abend eine öffentliche Versammlung im Vereinshause, Wilhelmftt. 118, unter dem Vorsitz des Herrn Jeschoneck ab, um üher die Thätigkeit ihrer Lohnkommission zu verhandeln, über welche Herr T ä t e r 0 w refettrte. Die Kommission habe Erfolge und Mißerfolge zu verzeichnen; erstere beispielsweise in der Werk- pellen-Frage, letztere in dem Einschreiten gegen die Firma Adams wegen der von dieser gezahlten Löhne, in dem Auf- treten gegen die Firma Solms und Hußfeld wegen der dor- tigen Werkstattoerhältnisse, und in dem Versuch einer Unter- Handlung mit einzelnen Meistern zum Zwecke der Lohnauf-- besserung; an allen diesen Mißerfolgen war aber der Mangel eines korporativen Zusammenhaltens schuld. Heute wirft man nun alle Schuld auf den Vorsitzenden der Lohnkommission, Henn Pfeiffer, der aber doch Alles gethan hat, was in seinen Kräften stand. Andere persönliche Differenzen, welche die gemeinsame Sache zu schädigen drohen, find so kleinlicher Art, daß sie entschieden bekämpft werden müssen. Referent empfiehlt eine Resolution zur Annahme, in welcher die Auf- lösung der Lohnkommission ausgesprochen und zum Anschlüsse an den Fachverein aufgefordctt wird, weil dies bei der gegen» wältigen Lage des Gewerbes nöthig und zweckmäßig erscheint. — Eine andere von Herrn Hipke eingebrachte Resolution weist alle gegen die Lohnkommission erhobenen Beschuldigungen zurück und spricht dieser Kommisston volle Anerkennung aus.— Die weitere Debatte nahm einen sehr gereizten und persön- lichen Charakter an. Die Herren Kraft, Pfeiffer, Favorke, Kannewischer, Horn, Prudler und Z i h n eröttetten das Verhältniß der Subkommission zur Lohn- kommisfion und betonten, daß die Kaffenreviston große Schwierig- leiten mache. Eine Uebeizeugung, ob Regelwidrigkeiten in der Kassenführung der Lohnkommission vorgekommen sind, war aus der Debatte nicht zu gewinnen, da die Meinungen und Be» hauptungcn schroff gegenüberstanden. Es scheint aber, als ob die Subkommission bei ihrer Kassenrcvision von strengen rechnungsmäßigen Grundsätzen ausgeht, die von den Mitgliedern der Lohn Kommission nicht eingehalten sind. Die einzelnen Monita der Kassenrcvision sind so sehr rein tech- nischer und rechtlicher Natur, daß fich ihre öffentliche detaillirte Erötterung in einer großen Versammlung nicht empfiehlt. Können fich die Herren nicht einigen, so empfiehlt es sich viel» leicht, die Sache einem Schiedsgericht zu unterbreiten, statt die sehr persönlichen und unerquicklichen Streitigkeiten noch weiter öffentlich fottzusetzen. Die Verhandlung mußte der vorge- rückten Zeit wegen resultatlos vertagt werden. Die Freie Vereinigung der Graveure und Ziseleure nahm in ihrer letzten Mitgliederversammlung eine Resolution an, in welcher die Nothwendigkeit der Gründung eines Unter- stützungsfonds zur Hebung der Lage und Förderung derKolle- gialität ausgesprochen wird. Nachdem die Berufsgenosien Gc- lcgenheit haben werden, sich über die Organisation und die in Betracht zu ziehenden Unierstützungsfälle auszusprechen, wird voraussichtlich eine bestimmte Kommisston mit den Vorarbeiten und der Abfassung eines allgemeinen Aufrufs bettaut werden, um allseitig das Interesse für diese zeitgemäße Institution wachzurufen. Die Tagesordnung für die nächste Mitgliederversamm- lung am Montag, den 3. August, Abends 8'/, Uhr, Airnenstr. 16, ist wie folgt festgesetzt: 1. Geschäftliches: Aufnahme neuer Mitglieder, Bericht des Arbeitsnachweise- Bureaus. 2. Diskussion. über: Das Verhältniß der Gehilfen und Meister zu einander. 3. Verschiedenes. Außerdem beschloß der Verein, am Sonntag, den 2. August, eine Herrenpartie nach Halcnsee, Abfahtt 6 Uhr 30 Min., von der Jannowitzbrücke, Rendez-vous.Paulsborn, zu unternehmen. hfe. Eine öffentliche Maurerversammlnng fand gestern Nachmittag im Lokale des Herrn Mündt, Köpnickerstr. 100,, statt. Der Vorsitzende der Stre'k-Kommisston, Herr Behrendt, theilte zunächst mit, daß fich am Donnetttag Abend in einer von ca. 400 Tbeilnehmern besuchten Maurerversammlung zu Kottbus, in welcher er einen Vortrag hielt, ein vielversprechender Fachverein der Maurer konstituitt habe, dem bereits ein be- trächtlicher Theil der dott ansässigen Maurer, deren Zahl sich auf 600 bis 700 belaufen soll, als Mitglieder beigetreten sei. Hieran knüpfte der Redner die dringliche Aufforderung an die Versammlung, wie an alle Maurer Berlins, den mor- gigen Tag(Sonnabend) recht rühttg zur Erhebuna einer verlässtgen Statistik über die Zahl der zur Zeit arbeitenden Maurer und die Löhne, zu welchen sie augenblicklich gearbeitet, zu bcnützen, um die betreffenden Angaben zur„Tivoli-Versammlung" am Sonntag mitzubnn- gen. Die Lohnkommissionsmitglieder Schmidt und K r ü g e r theilten mit, daß auf dem Zentral- Streikbureau am Donners- tag die bestimmte Meldung eingelaufen sei, daß von stimmt» lichen Moabiter Bauunternehmern und Meistern bereits 15 die geforderten 50 Pf. pro Stunde bezahlen und daß im Lause der letzten beiden Tage eine auffallend große Anzahl hiesiger Meister und Arbeitgeber auf dem Zentralbüreau haben an- fragen lassen, welche und wieviele Meister bereits 50 Pf. pro Stunde geben, da fie, die Anfragenden, ebenfalls dazu bereit wären, aber nur nicht die Allerersten sein möchten. (Rufe: Hört! und Beifallklatschen.) Man sehe also, meinten die betreffenden Redner, wie gut es stände. An die Drechsler und verwandten Berufsgenosse» Berlins! Kollegen! Die Unterzeichneten ttchten an Euch den durch die traurigen Lohnverhältnisse in unserem Gewerk durchaus berechtigten Mahnruf:„Drechsler und Berufs» genossen Berlins organifitt Euch!"— Was wir vor Allem er- streben, daß ist eine„sämmtliche Drechsler und Berufsgenossen Berlins umfassende Fachvereinigung!" Vor kurzer Zeit waren wir an den hier bestehenden„Fachverein der Drechsler, Knopf» arbeiter und Bcrufsgenossen" mit der Aufforderung heran- getreten, fich der Vereinigung anzuschließen. Leider jedoch hat der genannte Verein in seiner am 14. Juli abgehaltenen Generalversammlung beschlossen, die von dem„Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenossen" angestrebte Vereinigung der beiden Vereine abzulehnen! Veranlaßt durch die eigen» artige Motivirung dieses Beschlusses haben die Unter- zeichneten beschlossen:„über den Beschluß des Fachvereins zur Tagesordnung überzugehen," sowie in der am Montag, den 10. August, stattfindenden Versammlung des Interessen- Vereins folgendes zur Diskussion zu stellen: den Namen des Vereins wie folgt zu ändern:„Fachverein sämmtlicher int Drechslergewerk beschäftigten Äewerksgenossen Berlins", und im Anschluß hieran, die Statuten-Anderung zu beantragen!" Kollegen! Jeder Einzelne von Euch, der theilnahmslos der Arberter-Fachveremsbewegung gegenübersteht, vermehtt die Zahl denen, gen ferner Kollegen, welche trotz angestrengter Thätigkeit. rmmer mehr und mehr in ihrer Existevzfähigleit heruntersintt. um schlreßlrch als„Vagabund" zu enden, verachtet von denen, welche den Kampf des Arbeiters um seine Existenzberechtigung mcht anerkennen wollen, bemitleidet von den Kollegen, welch« sich der Vereinigung angeschlossen haben, und trotz ihrer kleinen Anzahl stets bereit warm, diese Kollegen zu. unterstützen, solange dies in ihren Kräften stand? Kollegen! Vereinigt Euch! Bedenkt, jeder Einzelne, welcher fich nicht der Vereinigung anschließt, bandelt gegen seine eigenen Interessen und macht fich zum Gegner der vereinigten Genossen, welche bestrebt find, die so traurigen Lohnverhältnisse der Drechsler und verwandten Berufsgenossen zu verbessem. Wir richten an Euch den Mahnruf: schließt Euch dem„Verein zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenoffen" an. Erscheint, Mann für Mann, in der am Montag, den 10. August, in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20, stattfindenven Versammlung, helft uns ein Werl errichten, welches berufen ist, unsere Interessen, die Interessen der Gesammtheit zu vertreten! Mit lollcgialischem Gruß: Der Vorstand des Vereins zur Wahrung der materiellen Interessen der Drechsler und Berufsgenossen. Prause, Pindric, Eündermann, Hartmann, Buchmann, Gromoll, Hoch, Hilde- brandt, Zinkow, Kochlöffel, Hackeschmidt. Der Unterstützungsverein der Vergolder und Berufs- enossen hielt am Mittwoch bei Seefeld, Grcnadirstt. 33, eine ge Generalversammlung ab, welche fich mit der Wahl des Vor- standes beschäftigte. Vor dein Eintritt in die Wahl erläuterte der Vorfitzcnde laut Statuts die Paragraphen, welche darauf Bezug nehmen, daß dem Vorstande ein Ausschuß zur Seite aestellt ist, welcher zu allen wichtigen Beschlüssen erst seine Zu- stimmung geben muß. Aus der Wahl gingen hervor als 1. Vorfitzender Herr Böhl, 2 Vorsitzender Her Link, I.Kasfirer Herr Ramlows, 2. Kasfirer Herr Hamann, als Schriftführer Jentsch und als Beisitzer die Herncn Schwerz und Rühring. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren Petersohn, Borensly, Lehmeit, Gcrzymisch und Heinsch. Es wurde hierauf beschlossen, die nächste Versammlung in 4 Wochen abzuhalten. An die Steinträger Berlins. Kollegen! Sert vielen Jahren hatten wir keinen Verein, welcher geeignet war, unsere materiellen Interessen zu fördern. Der jetzige Streik hat uns den besten Beweis geliefert, wie nothwendig es war, daß wir uns eine Vereinigung schaffen mußten. Hätten wir vor Aus- btuch des Streiks einen Verein gehabt, dann wäre wohl die große Mehrheit unter uns dem Elend nicht so preisgegeben, wie es jetzt der Fall ist. Kollegen, lassen wir uns das zur Warnung dienen, laßt die Zukunft nicht so vorübergehen wie die Vergangenheit, wir werden dann witthschaftlich nicht zu- rück-, sondern rüstig vorwärtsschreiten, denn vereint sind wir alles, aber als Einzelner nichts. Darum rufen wir Euch zu: Schließt Euch alle, Mann für Mann, dem Fachvercin an! Die nächste Versammlung findet Sonntag, den 2. August, Vormittags 10 Uhr, im Schützenhause, Lmienstraße 5, statt, wo auch neue Mitglieder ausgenommen werden. Der Vorstand des Fachvereins der Steinttäger Berlins. I. A.: Otto Renn« thaler. Wie verhält es sich mit der Abrechnung der Lohn- kommisston der Berliner Schneider? Ueber diese Frage wird in vielen Kreisen der Arbeiterschaft lebhaft diskutitt. Um falschen Gerüchten vorzubeugen, steht fich die Subkommisston der Schneider genöthigt, auf diesem Wege zu antwotten. Die mit der Untersuchung der Angelegenheit betraute Subkommisston hat ein Manko von M. 192,35 festgestellt und dürste dasselbe, nach den neuesten Nachnchten des Kasstrers der Lohnkommisston, (derselbe ist gegenwärtig in Straßburg i. E.) sich noch um ein erkleckliches Sümmchen erhöhen, woran der Vorsitzende, Herr Pfeiffer, den arößten Theil auf seiner Seite hat. Die am Montag, den 20. d. M., stattgehabte öffentliche Schneider-Ver- sammlung wurde durch gewisse Personen derattig gestört, daß dieselbe polizeilich aufgelöst wurde und ein Beschluß über das Verhalten des Vorfitzenden, des KasfirerS der Lohnkommisfion, nicht gefaßt werden konnte. Es wird in aller Kürze eine öffentliche Schneider- Versammlung stattfinden, um Stellung gegenüber den Herren Pfeiffer und Maacke zu nehmen. Roch sei bemerkt, daß die notorisch gewordenen Ruhestörer zu dieser Versammlung absolut keinen Zutritt haben. Die Sub-Kom- Mission. I. Ä. Ed. Fenske, Mariannenplatz 13. Bezirksverein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt. Dienstag, den 4. August, Abends 8'/* Uhr, in Meister's Lokal, Schönhauser Allee 161, Versammlung, Tagesordnung: 1. Wahl eines Revisors. 2. Vor- trag des Herrn Schwennhagen über„Savonarola". 3. Bericht über die am 16. August stattfindende Landpattie, Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Reue Mitglieder werden aufgenommen. Gleichzeitig werden diejenigen Mitglieder, welche dem Verein Bücher leihweise für die Bibliothek über- lassen wollen, ersucht, solche in der Versammlung dem Vorsitzen- den zu übergeben. Listen zum Einzeichnen best. Arbeiterschutz- aesetz-Petition liegen in der Versammlung, sowie an den be- kannten Stellen aus.(Näheres Inserat in der Sonntags- nummer d. Bl.) Allgemeine Kranken- und Sterbe-Kasse der Metall- arbeiter(E.H. 29 Hamburg, l. Filiale, Berlin). Am I.August wird die Zahlstelle Tempelherrn- und Urbanstraße- Ecke nach der Mittenwalder- und Fürbringerstraße-Ecke bei Fischer� ver- legt. Aufnahmen und Beiträge werden daselbst jeven Sonn- abend Abend von 8—10 Uhr entgegengenommen. Tischer-Verein. Heute Abend 8'/- Uhr, Kottbuserstt. 4», Versammlung. Fachverein der Möbelpolierer(F. R. A.) Montag, den 3. August, Abends 8 Uhr, Monatsversammlung im Saale des Herrn Secgcr, Grüner Weg 29. T.-O.: 1. Vortrag des Herrn Dr. Stahn über die Erde und ihre Zukunft. 2. Die Miß- stände des Lehrlingswesens. 3. Verschiedenes und Fragelasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Verein der Einsetzer Berlins hält Sonntag, den 2. August, Vormittags 10 Uhr, Neue Friedrichstraße 44, eine Mitglieder-Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Dre Angriffe gegen unfern Vorsitzenden resp. den Vorfiano. 2. Verschiedenes unv Fragekasten. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen am Platze zu sein. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Arbeiter- Bezirksverein dar Nosenthaler Vorstadt. Versammlung am Montag, den 3. August im Wiedemann's Lokal, Tieckstt. 24. Tagesordnung: l. Die Thätigkeit der Ber- liner Stadtverordneten-Versammlung und die bevorstehenden Ergänzungswahlen. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten.— Der wichtigen Tagesordnung halber ist zahlreiches Erscheinen ge- boten. Die Petition für das Arbeiterschutzgesetz liegt zum Em- zeichnen aus.(Näheres Inserat am Sonntag.) Große öffentliche Versammlung der Kommunal- Wähler Berlins am Mittwoch, den 5. August, Abends 8'/, Uhr im Lokale Sanssouci, Kottbusesttraße 4a. Tagesordnung; 1. Die bevorstehende Kommunalwahl. 2. Wahl eines Wahl-Komites. Zentral-Kranken- und Sterbe-Kasse der Tischler u. s. w.(Oertliche Verwaltungsstelle Berlin A.) Montag, den 3. August, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Wohlhaupt, Manteuffelstr. Nr. 9: Versammlung. T.-O.: 1. Rechnung legung vom 2. Quartal. 2. Arztfrage. 3. Verschiedenes.% Mitglied ist laut Statut verpflichtet zu erscheinen. Das# gliedsbuch muß vorgezeigt werden._. Verein zur Wahrung der Interessen der Klaviw arbeiter. Sonnabend, den 1. August 1835, Kommandant n 77/79, Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung as Arbeiterschutzgesetz. Referent: Herr Michelle 2. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Arbeiter-Verein„Hoffnung" für FriedrichSberg Umgegend. Eonnabend, den 1. August, Aben°' 81/» Uhr, im Lokale des Herrn Neumann, Fttedi# berg, Gürtelstraße 41, Mitglieder-Versammlung. Rest� Herr Schnststeller Schwennhagen. Neue Mitgliedn werden aufgenommen. �„ Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der arbeiter Deutschlands(E. H. Hamburg) Filiale 2. 0%, Sonntag, den 2. August, Vormittags 11 Uhr, Versammlti in„Sanssouci", Kottbusersttaße 4a. Tagesordnung: 1- bericht. 2. Verschiedenes. Verein zur Pflege freireligiösen Lebens. Am tag, 2. August, Vormittags 10 Uhr, hält Herr Prediger HE ttchter im Saale des Gcsellschaftshauses, Niederwallsttaße� Vottrag. Thema: Die Entgötterung der Religion. � glieder und Gäste find hierzu eingeladen. Generalversammlung der Zimmerer Berlins und� .egend Sonntag, den 2. August, Vormittags 9 Uhr, in 5*? ouci Kottbuserstr. 4a �" treten des Bundes der Bau-, Maurer- u» Zimmermeister Berlins gegenüber dem S W' der Maurer und welche Lehre ziehen v«ü t l) t t Öbvyv*» n'Chf Zimmerer Berlins daraus? 2. Aufgabe der% und Flugblätter betreffs Annahme des Arbeiterschutz-GeM 3. Verschiedenes.— Es ist Pflicht eines jeden Zimmerers, dieser Versammlung zu erscheinen. Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonnab» den 1. August, Abends 8'/, Uhr, in Gratweil's Bierha� Kommandantenstr. 77/79, Versammlung. T a g e s o r d n u>>? I.Vortrag des Schriftstellers Herrn B a a k e über den doschen Bauernkrieg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Literarisches. Von der„Neuen Zeit", Stuttgart. Verlag von 3� W. Drctz, ist soeben das achte Heft des 3. Jahrgangs( schienen. 3 n halt: Abhandlungen: Das amerikanische Getre� ferne Produktion und sein Handel. Von Paul Lasar# V.- Die thüringer Hausindustrie. Von Dr. Max Quant Germmal. Von R o d e r t S ch w e i ch e l.- Ein idealiM Roman.— Die Cocapflanze sund das Cocain.— Polt«' Korrespondenz.- Literarische Rundschau: Dr. F. S-Z Neumann-Spallatt, Ueberfichten der Weltwirthsckaft.-% L- Chnstcnscn, Gegen unsere Kolonialpolitik.— Notizen- 1 indische Baumwollenfabrikation.— Der Einfluß der M gung auf die Sterblichkeit. Kr. Theater. Belle-Alltance-Theater. Heute: Gespenster. ReueS Krtedrich-WilhelmstädttscheS Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Die weiße Frau. Central-Theater. Akte Jakobstrahe 30. Direktion: Adolph Ernst. Sonnab-nd, den 1. August: Wiedereröffnung. Erstes Auf- treten des Frl. Bertha Feldau vom Fnedrich-Wilhelm- städtischen Theater, und Wiederauftreten des Frl. Anna Grünfeld. Zum l. Male: Die wilde Katze. Gesangsposse in 4 Akten von W. Äannstädt, Musik von G. Steffens. Arbeiter-Bezirksverein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding. Montag, den 3. August er., Abends 8 Uhr, Gersammlung im Wedding-Park, Müllerstraße 178, Tagesordnung: Vortrag.(Referent stehe morgen unter redastionellem Theil.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Frage- kästen. D e r V o r st a n d. Große Mitglieder-Versammlung ~ ein'"~............. v per freien Vereinigung der Former und Berufsgenossen Montag, den 3. August, Abends 8 Uhr, in Konrath's -- n.W#""------—-« Salon, Wasserthorstr. 68. Tagesordnung: 1. Vottrag. 2. Kassen- bericht vom 1. Quartal. 3. Der Stand des Hartung'schen Streiks. 4. Geschäftliches.[1750] Der Vorstand. Bezirksverein der werkthätigen Bevölkerung im 29., 30. und 31. Kommunal-Wahlbezirk. Sonntag, den 2. August, Nachmittags 4 U h r, im Restaurant S i e m u n d, Linien str. 8:[1744 Gemüthliches Znsammeusei» mit Familie. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Die Uhrenfabrik von Max Busse, Mrmallier sr. 157 InTslldenstrssse Mr. 157'M» zwischen Brunnen- und Ackerstraße empfiehlt sein reichhaltige« Lager, sowie seine Reparatur- Werkstatt. 80« Die Nr. 19 der humoristischen Blätter[2572 „Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Expd. des„Verl. Volksbl." zu haben. Küuigl. Prems. Klassen- Lotterie. IV. Klaffe 31. Juli bis 14. August. Orlsrlnale:>/. 72 Mai Anth.:'/. Va Vi«'/« Vi. M. 60 30 15 7V, 3% Potto-Liste 50 Pf. Bich. Schröder, Bankgeschäft, Berlin W, Markgrafenstraße 46, , Gendarmenmarkt(9— 1 und 4V»— 8). [1717 am Große öffentliche Versammlung der Kommunatwähler Merlins am MUtwoch, den 5. Äugust, Abends 8 einhalb Ahr, im Lokale„Sanssouci", Kottbnserftraße Nr. 4». Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Äommubalwahleu. 2. Wahl eines Wahl-Komitees. __ ver Siubernfer: Liefländer. üchweizer-CSarten. Am Friedrichshain. Haltestelle der Ringbahn und der Pferdebahn«ach We Sonntag, den 2. August 1885: Komisches Penerwerk c Kunstfeuerwerker Herren A. und W. Massow, Bonander und Seeburg. Zum Schluß: Illumination des Petersdomes. Dazu: DopHel-Militär-Goncert, Theater-Vorpellung, Auftteten fämmtlicher Spezialitäten _ Volksbelustigungen. Im Saale: Tanzkränzchen. Entree 30 Pf. ÄÄS"»Ä Die Schlacht bei Wörth. der Großes pyrotechnisches Schauspiel und Schlachten-Panorama unter Mitwirkung von 160 Personen ausgefühtt von den Feuerwerkern A. und W. Massow, Bonander und Seeburg.[1771 Senkers Bleich-Soda an Wasch- und Bleichkrast unerreicht in Pfundpacketen zu 15 Pfg. Zu haben in allen Droguen-, Seifen- und Colonialwaarengeschäften. y General-Depot Joh. SchmaJor, KW. ScMffbauerdamn>5 Arbeitsmmkt. 40 dlS 50 Gfkchtztt. welche in Berlin ohne Arbeit find, verlangt[1 Die Streikkommifston der Töpfer Berlins und Umgegend. im Lokale des Herrn Seefeld, Grenadierstraße 33. [1736 Zum Fürsten Wolfga� (genannt»er hnugrige Wolf), Lichtenberg, Landsberger Ehausstt. � � Empfehle mein am See gelegenes Lokal dem ßy, Speisen ist gesorgt. Um recht zahlreichen Zuspruchs Publikum. Schattiger Gatten, Tanzsaal, küche, Würfel- u. Kuchenbude, Schaukel, s 1530| Verantwottlicher Redakteur R. Eronhei« in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Carl V 181 beso