0 0 Nr. 182. Freitag, de« 7. August 1885. II. Jahrg. SnlimVckslM. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. G« _ Da«„Berliner Volksblatt" �0t9ett< außer nach Sonn- und Festtagen. ZlbonnementSprei« für g w S Hau« vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Abonnement 4 Mk. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf _(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. Redaktion: Keuthstraste 2.— Grpeditio«: Zimmerstraße 44. �vsliudislhe zezeu einheimische Ardeiter. ij,, �uch jn Berlin hatten Bauunternehmer vor, auSlän- .'che, polnische und italienische Arbeiter heranzuziehen, um ? au Kampfe gegen deutsche Arbeiter zu verwenden. Wie Icheint, sind die Herren aber vollständig von ihrem Be- �ch'Usse wieder abgekommen, wahrscheinlich zurückgeschreckt °/oen durch die große Verantwortlichkeit, die sie auf sich Spaden hätten. Äber nicht nur die Berliner Baumeister sind von einem �artigen Tedanken befallen gewesen, derselbe ist oft genug Deutschland ausgeführt worden. So berichteten wir kürz- .? noch au« Bayern, daß dort zahlreiche italienische Ar- !*iter beschäftigt würden und in Oberschlesien wimmelt e« »ü?""tlich von polnisch-russischen Arbeitern. Dann ist es _ manchem Leser noch erinnerlich, daß vor 3 oder 4 , heim Bau de« Mainkanals gegen 1200 Italiener °!chaftigt waren für einen Tagelohn von 1 Mark! (, Solchen„Lohndrückern" gegenüber haben wir schon ver- Mdentlich unsere Stimme erhoben. Dabei betonen wir �Uner wieder, daß un« ausländische talentvolle und bedürfe KlRUnTTm C\r..t__? Ä_____' W.......... �.»4f C* m W WA niT" V\• rt. unter keine die des S<'. v w VV. p«41, V wvw-V W- W«| wolle Arbeiter willkommen in Deutschland sind, weil die- die Löhne heben und auf die Sitten der heimischen vielfach einen wohlthuenden Einfluß ausüben, wäh- bie italienischen, böhmischen und polnischen Arbeiter in M Bcdürfnißlosigkeit den Lohn drücken und die Sitten heimischen Arbeiter verderben. , Und da ist uns unser Deutschland doch viel zu w' um durch die mißverstandene Phrase der„Inter- i, �alität", wie sie unter anderen auch Dr. Max Hirsch kt-w Welt schreit, uns auch nur für einen Augenblick irre zu lassen. g. Wir wenden unS also entschieden besonders gegen die it:3 ltnisirte Heranziehung fremder, anspruchsloser Ar- r nach Deutschland. Die Arbeiterorgane und Arbeiter � anderen Kulturländern haben in ähnlichen Fällen eS wer genau so gehalten. , Wer erinnert sich nicht der Straßenunruhen und Schlä- welche im Herbst 1877 in London stattfanden, b-, flöMche Baumeister inmitten eines Maurerstreiks low � ch e Arbeiter als Aushilfe nach London hatten jjinen lasten? Von den englischen Arbeitern wurden diese i»}' die eben auch noch kein Solidaritätsgefühl besaßen, be» Weise angefeindet, daß sie sich fortwährend"-♦'~ tL.�chuh der Polizei stellen mußten— gewiß doch StjJd�Swwch6 Stellung. Schließlich aber mußten Str.,' den Londoner Meistern nach Beendigung or» kkj* im Stiche gelassen, mit Schimpf und Prügel be- "ach Deutschland zurückkehren. Elsaß fanden zu Ende der siebziger Jahre fort- JeuMeton. Das Mormoueumadche«. zz. Amerikanische Erzählung von Balduin Möllhauseu. (Fortsetzung.) Aerr'äKs 3H: von dem Briefe?" ftagte Weatherton �ea-i.'�� Bootsmann hat mir auf dem Herwege die ganze ist ,?"enheit so weit geschildert, wie sie ihm selbst bekannt �.» ü �nete Falk; außerdem gab er mir aber auch noch Wasser ziemlich zerstörten Brief, welchen er aus fiebtnAtm Starrkrampf geschlossenen Faust förmlich heraus- bat i?en hat. Dem festen Triff ist es übrigens zu danken, bez 5"och leserlich blieb. Ich bewundere die Ueberlegung Äries Burschen, denn wie er mir versicherte, hat er den selbx„ aufgehoben, weil er vermuthete, es sei in dem- f%en ,e.roaä enthalten, was zur Entdeckung der Mörder vnne. "ssili? �er Brief?" fragte Weatherton erregt. Twrockn-. m antwortete Falk, ihm das wieder geglättete und zn�.Papier darreichend. . on nahm es und betrachtete eS sinnend. den Inhalt?" fuhr er fort zu fragen. ."Und r nne ich den Inhalt?" erwiderte der Maler, Ichweben das jnnge Mädchen oder Jemand anders ge- Men jedenfalls besitzen wir in diesem unschein- ornion!-» /� ein Mittel, von Gerichtswegen gegen die n°ch in N.!�chaft vorgehen zu können, die unbedingt _„llß�fo:' verborgen sein muß." Ich nick,.Hertha Jansen den Brief wirklich schrieb, waS 1 SBcaiij IM äTÄÄ' Äw während Streitigkeiten und Schlägereien zwischen einheimi- schen und italienischen Arbeitern statt, weil letztere zu einem geringeren Lobn arbeiteten als die einheimischen. Und in Marseille? Wie ging'S dort noch vor wenigen Jahren zu, wo doch seit jeher die„Inter- Nationalität" der Arbeiter m hoher Blüthe steht? Die Gerichte haben sich dort mit den blutigen Kämpfen und Todtschlägereien übergenug beschäftigt, so daß Jeder weiß, daß die französischen Arbeiter durch den Zuzug der anspruchsloseren italienischen Arbeiter empört, zur Waffe 8 rissen, um die eingedrungenen„Lohndrücker" zu vertreiben. kämpfe, nein förmliche Straßenschlachten wurden in Marseille jener Zeit geliefert— und tausende von Italienern mußten in Folge derselben in ihre Heimath zurückkehren. So zeigen die Arbeiter überall selbst, wie sie„die Frage der ausländischen Arbeiter" auffassen.---- Wir lesen eben mit einem gewissen Erstaunen in einer liberalen Zeitung die Gründe, welche auch von diesem Standpunkte„gegen die Heranziehung ausländischer Arbeiter im Allgemeinen und besonders in Streikfällen" sprechen; dieselben zerfallen, wie es da heißt, in Gründe sozialer, wirthschaftlicher und nationaler Art. Hören wir also: „Wie Jedermann, so ist der Arbeiter auch Konsument und als solcher nicht zu unterschätzen. Der deutsche Arbeiter ist konsumfähig und konsumkräftig und seinerseits für das Fortkommen anderer Kreise unentbehrlich. Wenn nun an seine Stelle der polnische Arbeiter tritt, welcher von SchnapS und Brod lebt, oder der italienische Arbeiter mit noch geringeren Bedürfnissen, so werden auch weitere Kreise dadurch inMitleidenschaft gezogen. Der Konsum der Arbeiter wird geringer, der Umsatz stockt und weit über die Gesellschaftsschicht der Arbeiter hinau« wird sich eine begründete Unzufriedenheit geltend machen." Dagegen kann gewiß nur ein Unternehmer etwas ein- wenden, der auf alle Fälle recht billige Arbeitskräfte haben will andere verständige Menschen werden sich mit obigem Satze sicherlich einverstanden erklären.— Weiter heißt eS dann: „Ferner ist zu erwägen, ob nicht die Heranziehung ausländischer Arbeiter, unter solchen AuSnahmeverhälwisten künstlich herbeigeführt, ein Schnitt ist ins eigene Fleisch, ob sie nicht eine Selbstschwächung der nationalen Produktions- kraft bedeutet. JnZeiten deSArbeitSüberflusses läßt sich gegen die Heranziehung ausländischer Arbeitskräfte zur Aushilfe nichts einwenden. Allein gegenwärtig ist eher Arbeitsmangel als Arbeitsüberfluß vorhanden und zum Theil deshalb in Gestalt von Schutzzöllen ein weitgehender „Schutz der nationalen Arbeit" durchgeführt worden, an welchem auch die Arbeiter theilnehmen sollen. Fremden Maschinen, Halb- und Ganzfabrikaten ist die Ein- verbrecherischer Pläne sein, wie Ihr. Jn dem Brief aber besitzen wir das, was wir so lange zu besitzen gewünscht haben, nämlich einen Faden, um mit Hilfe der Polizei den Mormonen auf die Spur zu kommen, möglichen Falls ihnen sogar das Mädchen zu entreißen und unter gesetzlichen Schutz zu stellen." Weatherton sann eine Weile nach. Er schien mit sich selbst im Kampfe zu liegen. „Weiß außer Euch noch Jemand um diesen Brief?" fragte er endlich. „Niemand." „Gut, so will ich auch nicht, daß sonst noch Jemand um denselben wisse; denn durch mich soll Hertha Jansen nicht in Berührung mit den Gerichten gebracht werden. Nein, niemals, und sollte mein ferneres Forschen nach ihr vergeblich bleiben. Ich will zu den Leiden, welche sie zu tragen bestimmt ist, nicht auch noch die Scham einer öffent- lichen Kränkung fügen. Denn wie die Sache sich auch immer verhalte, unvermeidlich wäre eS, sie zum Zeugen gegen ihren eigenen Verwandten aufzufordern. Ich vermag den Ge- danken nicht zu ertragen! Und welche Entschuldigung hätte ich, wenn diejenigen, gegm welche wir Verdacht hegen, dennoch unschuldig wären! Nein, so lange ich eS zu hindern im Stande vin, sollen sie nicht auf diesen Beweis hm verfolgt werden." „Was aber werdet Ihr antworten, wenn man Euch darüber zur Rechenschaft zieht, daß Ihr ei unterließet, den Euch ertheilten Befehlen nachzukommen und von dem Durchsuchungsrecht Gebrauch zu machen?" fragte Falk zweifeln� nut{cin Wort von einem Verdacht gegen die Mormonen," antwortete Weatherton bestimmt, indem er sich auf sein Lager zurückwarf.„Meine Absicht ist, dem jungen schüttert 2m Gegenthml, je mehr ich zu der Ueberzeugung MKZKMZ fuhr inS Land erschwert worden, fremde Arbeitskräste da- gegen sollten unbehindert herangezogen werden können im Kampfe und zum Schaden der einheimischen Ar- beiter? Darin liegt offenbar ein bedenklicher Widerspruch, welcher den sozialen Frieden zu gefährden geeignet ist, was jeder unbefangene Mensch, ob er im Uebngen Freihändler oder Schutzzöllner ist, wird zugeben müssen." Jn vorstehenden Sätzen defindet sich allerdings etwas Bedenkliches. Weil Zölle auf ausländische Maschinen und Fabrikate gelegt worden sind, deshalb sollen die fremden Arbeitskräfte nicht ins Land— so darf man die Sache doch nicht auffassen, das würde ja bedeuten: Wenn ein Fehler gemacht wird, so muß auch sofort der zweite gemacht werden! Fremde Arbeiter, wir müssen e« nochmals wiederholen, sollen in unser Land kommen, aber keine bedürfnißlosen Fremd- linge mit schlechten Sitten und Gewohnheiten und diese sollen auch nicht herbeigezogen werden in Zeiten des Ar- beitsüberflusses. Vielleicht aber hat sich der Verfasser in obigen Sätzen, besonders wasdenIGeaensatz zwischenSchutzzollpolitik und Ueber- führung fremver Arbeit betrifft, nicht ganz scharf genug aus- gedrückt, wenigstens deuten daraufhin die Ausdrücke:„Schutz der nationalen Arbeit" und„fremde Arbeitskräfte im Kampfe und zum Schaden der einheimischen Arbeiter". Dann müßte eS aber also heißen: Die Regierung und die Schutzzöllner haben wiederholt erklärt, daß durch die neue Zollpolitik die nationale Arbeit geschützt werde und daß dadurch die Arbeiter höheren Lohn und eine bessere Lebenj»- stelluag erhalten würden; wenn man aber au«- ländische Arbeiter„zum Kampf und zum Schaden" der heimischen Arbeiter herbeizieht, so wird der angepriesene(aber nicht vorhandene) Vortheil der Schutzzollpolitik für die Ar- beiter illusorisch." So erst tritt der Widerspruch scharf zu Tage! Zum Schlüsse nun sagt der Korrespondent des liberalen Blattes: „Endlich kann es nicht gebilligt werden, daß die Arbeit- geber sich auf internationalem Wege zu helfen und verstän- vigen suchen, während den Arbeitern derselbe verdacht wird. Was dem Einen recht, ist dem Andern billig. Allezeit und in erster Linie national zudenken, sollte vor Allem auch die Pflicht de« Arbeitgebers sein. Mag man sächsische, bairffche oder schwäbische Maurer nach Berlin be- rufen, Niemand wird dagegen Einwände erheben können. Polnische oder italienische Aroeiter heranzuholen, sollte in- dessen schon der Patriotismus verbieten. Daß ausländische Arbeiter in größerer Anzahl in ein Land berufen werden, wo einheimische Kräfte feiern, dies könnte schließlich auf zur Seite stehen, so bin ich Euch zum größten Danke ver- pflichtet.—" „Ihr habt ja schon mein Wort," unterbrach ihn Falk mit Wärme, denn Weatherton« Edelmutb gefiel ihm eben so sehr, wie er innige Thcilnahme für dessen aufkeimende Leidenschaft und das Mormonenmädchen selbst empfand. „Die näheren Umstände meiner jüngsten Erlebnisse bleiben also ein Geheimniß zwischen uns," versetzte Weather- ton in fast bittendem Tone. „Bleiben ein Geheimniß zwischen uns," pflichtete Falk bei,„und unseren vereinigten Kräften und Bemühungen wird gewiß Manches gelingen, was wir in diesem Augenblick für unmöglich und unerreichbar halten."— Nach diesem feierlichen Uebereinkommen schien Weather- ton sich mehr zu beruhigen, und bereitwillig gab er seinem Freunde eine umständliche Erzählung dessen, was Raft nur stückweise und höchst unzusammenhängend mitgetheilt hatte. Jn dem Deutschen, welcher Weatherton den verbängniß- vollen Brief übergeben und ihn demnächst nach dem Werft hinuntergeführt hatte, glaubte Falk wohl die aufgeblasene Gestalt des eitlen und charakterlosen Grafen zu erkennen; allein von der anderen Seite schien es ihm auch wieder unglaublich, daß derselbe mit den Mormonen in Verbindung getreten und sogar zu einem gemeinen Verbrecher herab- gesunken sein könne. Jedenfalls aber beabsichtigte er, bei nächster Gelegenheit Veranlassung zu nehmen, über der beiden Edelleute helmliches Treiben genauere Erkundigungen ein- zuziehen, ob wirklich nur ihr meisterhaftes Kartenspiel ihnen in letzter Zeit die Mittel gewährt habe, sich mit einem un- gewöhnlichen Luxus zu umgeben. Sich noch einmal an Abraham, den schlauen Mormonen- agenten zu wenden, hielten die beiden Freunde für über- flüssig. Sie wußten, derselbe war, hatte er wirklich eine Hand im Spiele, zu verschlagen, zu vorsichtig und zu gut von seinen Spionen bedient, um ihnen gegenüber auch nur eine Unsicherheit in seinem Benehmen zu zeigen; abgesehen davon, daß er sie, bei seinen weit reichenden Hilfsmitteln, erst recht von der Spur Jansen's und Rynolds' abgeleitet und diese von jeder Verfolgung rechtzeitig in Kenntniß gesetzt haben würde. V« Dauer kein Staat ertrage« und keine Regierung ge» statten." Auch hier sind wir nicht völlig mit der Ausdrucksweise einverstanden, doch findet dieser Absatz schon deshalb unsere Billigung im Allgemeinen, weil er den Herren Unternehmern ein Spiegelbild ihres Patriotismus zeigt, die doch sonst so gern bereit sind, der Arbeiterpartei das Siegel der„Reichs- feindschaft", der„Vaterlandslosigkeit" u. s. w. auszudrücken. Uebrigens ist der Kapitalismus immer international gewesen und wir können es ihm nicht verdenken; auch die Arbeiter- interessen sind international. Das sieht man schon daraus, daß einzelne Forderungen, die eine wirksame Arbeiterschutz- gesetzgebung anstreben, endgiltig nur auf internationalem Wege gelöst werden können. Solche Jnternationalität der Znteresien findet man übrigens auf zahlreichen Gebieten. Aber wenn die deutschen Unternehmer durch Heranziehen von ausländischen„Lohndrückern" die deutschen Arbeiter be- kämpfen und das gesammte soziale Leben in Deutschland schädigen, dann ist eine solche Handlungsweise nicht national, auch nicht international, sondern antinational. Die beiden letzten Worte werden überhaupt viel mit einander verwechselt. Man mag die Angelegenheit drehen, wie man will, man kommt nicht hmauS über folgenden Satz: Die Verwendung ausländischer, bedürfnißloser und auf einer niederen Kulturstufe stehender Arbeiter„im Kampfe und zum Schaden" der heimischen Arbeiter ist ein gröbliches Unrecht seitens der Unternehmer und gereicht Deutschland zur Unehre. Politische Uebrrsrcht. „Das Dreiklassenwahlsqstem ist"— trotzdem Fürst Bismarck die nun folgenden Worte gesprochen hat, wollen wir sie doch nicht nachdrucken, da uns die Bestimmungen eines ge- wissen Strafparagraphen vorschweben, die vom Verächtlich- machen von Staatseinrichtungcn u. s. w. handeln. Aber durch das Aufzählen von Thatsachen, die„nicht erdichtet oder ent- stellt" find, wollen wir wenigstens hier zeigen, daß die Drei- klassenwahl keine p ersö n lich e Wahl ist, sondern eine sachliche. Das soll heißen, daß nicht Menschen den Aus- schlag geben, sondem Sachen. In Magdeburg finden, ebenso wie m Berlin, in nächster Zeit Stadtverordnetenwahlen statt; trotzdem man nun im letzten Jahr in Magdeburg den Zensus noch erweitert hat und zirka 3000 Personen mehr an der Wahl Theil nehmen können, als früher, so stellt fich doch das Ver- hältniß also heraus: 304 Reiche wählen genau soviel Stadt- verordnete, als 1301 mittlere Bürger und als 8144 ärmere Bürger und Arbeiter! 304 Personen, die viel Geld, Häuser, Fabriken, Ochsen u. s. w. besitzen, haben genau denselben Ein- fluß auf die Stadtgesetzgcbung, wie 8144 Personen, die einzeln wenig oder gar nichts, in ihrer Gesammtheit aber ebensoviel wenigstens nach der Steuertaxe— besitzen, als die 304 Per- sonen. Da sage denn doch irgend einer, daß hier nicht der Besitz, das heißt die Häuser, die Fabriken u. s. w. den Aus- Line„Kriegserklärung der Neichen an die Armen" ist neuerdings in Stettin laut Zeugniß des dortigen Bürger- meisters vollzogen worden! Wie diese zu Stande kam, darüber berichtet die ,,D. Schulztg.": Der dort vor etwa Jahresfrist verstorbene Rentier Stolting hatte über sein bedeutendes Ver- mögen zu Gunsten der Stadt verfügt, auch testamentarisch die Bestimmung getroffen, daß sein Wohnhaus, eine Villa in Westend, der Stadt zur freien Verfügung überlassen werde. Der Magistrat beabsichtigte nun, diese Villa in ein Waisenhaus für 30 Knaben umzuwandeln. Gegen dieses Vorhaben re- monstrirten die übrigen Villenbefitzer des Stadtthciles„West- cnd" und richteten an die städtischen Behörden eine längere Petition. In derselben heißt es unter Anderm: „Westend mit seinen hübschen Villen und wohlgepflegten Gärten ist einer der schönsten, vielleicht der schönste Stadttheil Stettins und vielfach der Zielpunkt für die Spaziergänger seiner Bewohner. Kommt das Projekt des Magistrats, ein Waisenhaus hier zu etabliren, in Ausführung, so ist der Cha- ralter des Stadttheils mit einem Schlage geändert; eine Armenanstalt am Kopfe von Westend ist eine schlechte Signatur für eine Villenkolonie"...„Die Lokalisirung einer solchen Armenanstalt wäre ein greller Mißton in der Harmonie des Stadtthciles"...„Ist Westend einmal durch Etablimng einer Armenanstalt seines Charatters als Villenstadt entkleidet, so bedarf es wohl nicht der Erörterung, daß die Besitzungen, wenigstens die der zukünftigen Anstalt nächsten, um ein sehr bedeutendes, sämmtliche um ein gewisses durch diesen Akt in ihrem Werthe heabgcsetzt werden"-c.-c. In der Stadtverordnctenfitzung vom 21. v. M. kam d,e Angelegenheit zur öffentlichen Verhandlung und Entscheidung. Nach dem Referenten ergriff Herr BürgermeisterGiese- Weatherton vertauschte in der That an demselben Abend noch des ehrlichen Stelzfußes Behausung mit dem St. NikolaS- Hotel. Der Verdacht, den er sowohl wie Falk schon von Anfang an auf die in New-Aork anwesenden Mormonen geworfen hatte, wurde zur Gewißheit, als sie entdeckte«, daß die DurchsuchunaSordre auf geheimnißvolle Art aus dem wohlverschlosienen Koffer Weatherton's verschwunden sei. Sie nahmen an, daß man, wahrscheinlich um einer Durch- suchung des mit Kriegsmaterial mancher Art befrachteten Dampfbootes vorzubeugen und jede weitere Verfolgung von dieser Seite abzuschneiden, Weatherton's Leben, als das eines gefährlichen Feindes, zu opfern beschloffen hatte. Wegen Nichtbefolgung des an ihn ergangenen Befehls gelang es Weatherton, sich zu rechtfertigen, ohne mehr von der Wahrheit zu verrathen, als er für seine Zwecke dienlich hielt. Er gab nämlich vor, daß eben nur ein einfacher Raubmord gegen ihn unternommen worden sei. Seine Kopf- wunde und Rast's Aussagen waren der beste Beweis dafür; dagegen erholte er sich nicht so schnell von den Folgen seines Sturzes, um an Bord des Leoparden gehen zu können, als dieser schon nach zwei Tagen die Anker zu emer Kreuzfahrt nach den ostasiatischen Gewässern lichtete. Versehen mit einem zwölfmonatlichen Urlaub blieb er in New-Aork zurück. Auch für Jim Rast gelang es ihm, Urlaub auszuwirken. Der alte Seemann schwankte lange in seiner Wahl zwischem dem Leoparden und dem Festlande. Die Zuneigung zu Lieutenant Dickte, dem Sohne des von ihm so hochverehrten, dahingeschiedenen alten Dickie, war indessen schließlich doch überwiegend, um so mehr, da dieser ihm bereitwillig versprach, sich vurch den Urlaub nicht für gebunden zu erachten, sondern noch vor Ablauf der Frist den Leoparden auf dem anderen Ende der Welt aufzusuchen. Fort Utah. Der kulturfähige Boden, der vorzugsweise die Heimath- losen westlich wandernden Mormonen zur Gründung ihres gebirges. Derselbe erstreckt sich tn einer Brette, die zwischen ehn und fünfzig englischen Meilen schwankt, von der nord- b r e ch t das Wort:„Als Vorsteher der Armendirektion fühle er fich berechtigt, die Angriffe, welche in der Petition gegen die Watjenkinder erhoben werden, energisch zurückzuweisen. Diese Petition richte fich nicht gegen das yaus, sie sei vielmehr eine Opposition dagegen, daß Waisenkinder nach Westend gebracht, d. h. daß die Ärmuth den Weitendem einmal näher gerückt werde. Es spreche sich in derselben der volle Hochmuth des reichen Ville n b e s i tz ers gegen die armen Waisenjungen aus, es sei die Petition eine Kriegserklärung der Reichen an die Armen. Redner geht dann auf den Haupttheil der Petition, auf die Beschränkungen, welche nach dem Gmndbuche auf dem Gmnd« stücke ruhen, näher ein. Es sei verboten der gewerbsmäßige Betrieb von Schank- und Gastwirthschaften; könne man ein Waisenhaus dem gleichstellen? Oder sei es etwa eine Fabrik? Es sei femer verboten der Handel mit übelriechenden Stoffen. Die Belegung des Hauses durch Waisen« knaben übelriechenden Stoffen gleichzu- stellen, wäre den Petenten vorbehalten ge- wesen, deren feine Nasen doch sonst den Geruch der eigenen Pferde st älle und deS T attersall sehr wohl vertragen könnten. Ebensowenig sei das Waisenhaus ein Kranken- oder ein Irren- haus; erkrankte ein Kind, so werde es in die Kinderheilanstalt überfühtt; übrigens sei statistisch festgestellt, daß unter den Waisenkindern viel weniger Verrücktheit zu finden sei, als unter den reichen Leuten." Reicher Beifall lohnte den Redner. Mehrere Stadtverordnete erklärten ausdrück- lich ihre Uebereinstimmung mit den Ausfühmngen des Herrn Bürgermeisters. Der Oberbürgermeister Haken beweist noch zahlenmäßig, daß die Umwandlung des Stoltinghauses in ein Waisenhaus der Stadt nicht weniger als 80 000 Mk. ersparen, man dadurch auch in der Schulhausfrage um zwei Jahre schneller vorwärts kommen würde. Zur Beleuchtung der Pe- tition führt der Herr Oberbürgermeister noch an, daß oie West- ender vor zwei Jahren mit einem Antrag an den Magistrat gekommen wären, dort ein öffentliches Schlachthaus errichten zu dürfen.— Man hörte die Reden, man fand sie sehr schön, man schritt zur Abstimmung: Nach dem Antrag des Refe- renten und der„F i n a n z k o m m i s s i o n" wird die Umwandlung des Stoltinghauses in ein Waisenhaus mit 36 gegen 17 Stimmen abgelehnt.— Soweit der Bericht. Die Stettiner Bourgeoisie hat mit einer Stimmmzahl, die ungefähr dem Einflüsse der„oberen Zehntausend" nach dem Dreiklassenwahlsystem entspricht, sich die„übel- riechende" Nachbarschaft der Waisenkinder glücklich von ihrem Villenterrain ferngehalten. Die„Harmonie" des Stadttheils ist gewahrt, aber wie gestaltet fich die„Harmonie" zwischen besitzlosen und befitzenden Klassen nach diesem charakteristischen Beschlüsse? Die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause sollen im Monat Oktober stattfinden. Die Legislaturperiode der gegenwärtigen zweiten Kammer läuft mit dem 26. Ottober d. I. ab. Die Festsetzung der Termine im Staatsmmisterium dürfte im Laufe dieses Monats nicht mehr erfolgen, da die Rückkunft des Ministers des Innern, dem die Ansehung des Wahltages zusteht, erst abgewartet werden muß. Sein Urlaub läuft gegen Ende dieses Monats ab. Die Kirchhofaffaire zu Frankfurt a. M. scheint eine förmliche Krifis in den dortigen Beamten- und Militärkreisen hervorgerufen zu haben. Zunächst ist bekanntlich aeaen den Polizer-Kommissarius Meyer gerichtliche Anklage erHoven wor- den und diese Anklage lautet, wie wir aus guter Quelle er- fahren,„auf Körperletzung im Amt e". Dann hat der Polizeipräsident von Heraenhahn sofort nach der Affaire einen längeren Urlaub erhalten und nunmehr erfährt man, daß der Stadtkommandant zu Frankfurt, der fich erst Urlaub erbeten hatte, plötzlich um seinen Abschied einge- kommen ist. Man bringt hiermit das„Kricgsbercit"-Bataillon in Verbindung, welches während der Affaire in der Nähe des Friedhofs Aufstellung genommen haben soll. Was Wahres an diesen Vermuthungen ist, dürfte schwer zu ermessen sein. Uebri- gens find die Soldaten glücklicherweise nicht zur Verwendung gekommen. Herr Kommissar Meyer hat natürlich daran keine Schuld. Die Ergänzungswahlen für den sächsischen Landtag sind nnnmehr amtlich festgesetzt. Das„Dresdner Journal" veröffentlicht bereits die Namen der Wahlkommissarten. In Summa scheiden aus 20 Konservative, 6 Freisinnige, 5 Nationalliberale, 2 Sozialdemokraten(die Abgg. Liebknecht und Puttrich). Die Sozialdemokraten stellen außer in den biS jetzt inne ge- habten Wahlkreisen noch in verschiedenen anderen Kandi- baten auf. Welche Vlüthen der Afterpatriotismus in Deutsch- land treibt, das acht aus folgender Notiz hervor, die wir einem Dresdener Blatte entnehmen:„Am Montag Abend nach 10 Uhr wurden auf dem hiesigen Böhmischen Bahnhofe drei junge, zur Zeit hier lebende Italiener ganz ohne ihr Ver- schulden Anlaß einer stürmischen und unliebsamen Szene, die weitere Folgen wohl noch vor den Behörden haben wird. Die lichen Spitze des Salzsees gegen hundertfünfzig Meilen weit südlich, wo er in dem umfangreichen Becken des Utah- fees endigt. Der Jordan, ein von zahlreichen Gebirgsquellen ge- nährter Sttom, verbindet den Utahsee mit dem großen Salzsee, und führt das süße frische Wasser des elfteren in fast nördlicher Richtung dem letzteren zu. Er durchschneidet und bewässert daher einen Landstrich, der mit als der beste Theil des mächtigen Salzseethales bezeichnet werden darf, und der sogar dem Auge Szenerien bietet, auf welchen es gern und lange haften bleibt. Am anmuthigsten erscheint dem Wanderer indessen der Utahsee selbst, mit seinem breiten füllen Wasserspiegel, mit der malerischen Einfassung zerklüfteter Gebirgszüge, die ihn von drei Seiten vollständig abschließen, mit den sanft an- steigenden Grasflächen, die von den Ufern nach den Basen ver Berge Hinaufteichen, und endlich mit der Fernsicht gegen Norden, der einzigen Richtung, in welcher die starren Boden- erhebungen ein weites Thor offen lassen, durch welches sich der Jordan seinen Weg gegen Norden gebrochen hat. Große Forellen beleben den See reichlich; fruchtbarer Boden, theils von der Natur schon zur Genüge bewässert, theilS zur künstlichen Bewässerung sehr günstig gelegen, harrt der Urbarmachung und Bestellung entgegen; Holz, zur Feuerung und zu Bauzwecken verwendbar, schmückt die Schluchten und Ausläufer der nahen Gebirgsketten, und so darf mit Recht behauptet werden, daß die Thalgründe des UtahseeS und des Zordans Alles bieten, was einem dem Ackerbau und der Viehzucht obliegenden Volke zur Gründung von Kolonien nur immer erforderlich erscheinen mag. Der beste und untrüglichste Beweis hierfür ist, daß die Mormonen, nachdem sie weiter nördlich am großen Salzsee ihre heilige Stadt angelegt hatten, sich auch über die eben genannten Territorien zerstteuten, und nicht nur Farm auf Farm errichteten, sondern auch zur Anlegung von größeren Städten schritten, und auf diese Wesse den Boden für die nachfolgenden und fast täglich eintreffenden Brüder ihrer jungen Gemeinde gleichsam ebneten. Obgleich die Heiligen der letzten Tage, im Vergleich mit anderen zivilisirten Nationen, einen friedlichen Verkehr jungen Leute, die seit Sonnabend eine große Fußtour ausgr« fühlt hatten, kamen mit dem Zuge von Bodendach an tmo gingen vom Perron aus durch den Wartesaal erster Klaffe na« dem Speisesaal, woselbst sie fich bei Freunden bezw. Lands- leuten niederließen. Einige Herren, die an der Thüre zum Speisesaal beim Wein saßen und augenblicklich auch eist kurz zuvor vom Schützenfeste in Chemnitz gekommen waren, nahmen an den vorübergehenden Italienern Äergerniß, weil dieselben große Tücher mit ihren Landesfarben:„Grün-Weiß Rolh um den Hals geschlungen trugen, welche Farben pie erregten Herren, wie sich aus ihren Reden ergab, für die un- garischen Farben:„Roth-Wciß-Grün" hielten. Die Herren mochten, nachdem was auf dem Tumsest vorgefallen, in dem Tragen dieser Farben in so großen Tüchem seitens der ver- meintlichen Ungarn eine beabsichtigte Beleidigung der Deutschen erblicken und erhoben fich höchst entrüstet, indem sie die über- raschten Italiener mit einer Fluth von Schimpfworten, wie „magyarische" oder„ungarische" Flegel, überhäuften. De Italiener wußten nicht, wie ihnen geschah, ttaten den Herrn näher und fragten natürlich, was man von ihnen verlange. Hierbei wurde dem Einen das Tuch gewallsam vom Hain gerissen. Die Szene war sehr stürmisch und es war nur noch ein Schritt zu widerwärtigen Thätlichkciten übrig. Auf Jnter- vention Anderer begaben fich endlich die Parteien«ach oer Bahnhofs-Polizei-Jnspektion, wo die gegenseitigen Namen fest- gestellt wurden."— Was soll das Ausland von solchen rohen „patriotischen" deusschen Flegeleien sagen? Und wenn es auch wirklich Ungarn gewesen wären, wie verträgt sich ein solches widerwärtiges Gebahren mit der so viel gerühmten deutschen Gastfreundschaft? In der That hat fich nach den deutsch� Siegen von 1866 und 1870/71 verschiedener deutscher Volks- klaffen ein Chauvinismus und ein Hochmuth bemächtigt, W dem wirklichen Patrioten verächtlich erscheinen und Zeugm? ablegen von der ungesunden Richtung, in welche das deutM Nationalgefühl vielfach hineingerathen ist. Ueber die schon erwähnte Auflösung einer K«- tholiken-Versammlung in Eupen, bei welcher die Herreu Kaufmann Ncllessen, Abgeordneter v. Grand-Ry und Redasteur Jmmelen als Redner aufttaten, berichtet das Aachener„Echo- wie folgt:„Herr Schmitz war es, der von seinem Toast am unfern hochwürdigsten Herrn Crzbischof Krementz nicht zu Enve kommen sollte. Mit Wärme schilderte er, was insbesondere dcu jungen Priestern der Erzdiözese unser Paulus gewesen.% könnten wir wieder ausrufen:„Wir haben wieder einen Bischof Mit großer Verehrung und innigster Ergebenheit sähen wir de- reits hin auf diesen unfern neuen Oberhirten. Redner geht am dessen Lebensgeschichte etwas näher ein. Hierbei berührte er da ersten„altkatholischen Stürme," wobei er natürlich auch der übn den Bischof Philippus wegen der Exkommunikation des«all- katholisch" gewordenen Religionslehrers am Braunsbe� Gymnasium, des Herrn Wollmann, verhängten Temporaliensvcra gedachte. Zutreffend bezeichnete er diese Sperre als eine Vor- läuscrin des späteren Brodkorb- oder Sperr-Gesetzes, welches a mit einigen Worten zu charakterifiren suchte. Kaum hatte er das gethan, als der Herr Kommiffar auf den Vorfitzenden der Ver- sammlung, Herrn v. Grand-Ry, zutrat mit den Worten,|* müsse die Versammlung für aufgelöst erklären, weil Redim „die Gesetze des Staates für die schmählichsten und nieder trächtigsten erklärt" habe. Lebhafte Spannung. Nach d# Vereins-Gesetz blieb Herrn v. Grand-Ry, nachdem er an Kommissar ausdrücklich die Frage gestellt hatte, ob er bei f» Forderung der Auflösung beharre, und nachdem Jener Frage bejaht hatte, nichts anderes übrig, als die VersamwjP? zu schließen und die Anwesenden zu ersuchen, sofort den zu räumen. Das geschah denn auch, wobei natürlich% gewisse Erregung sich kundgab. Bis zu später Stunde fich die Diskussion über diese Vorgänge innerhall außerhalb des Lokales nicht legen, und wir können Wil |iu� muvyuv. kji» jju(piUCi, w» on über diese Vorgänge innerhalb oo- ——— �.okales nicht legen, und wir können£ sagen, daß die Versammlung, hätte man es darauf abgestÜ' gehabt, die Katholiken in eine oppositionelle Stimmung, l! bringen, gar nicht besser hätte endigen können, als mit die" Auflösung.". Solingen, S.August. Zum Segen der ne»� Zollpolitik. Das amtliche„Solinger Kreis-Jntelligs� blatt" schreibt in seiner gestrigen Nummer:„Durch die enoff? Erhöhung der russischen Zölle, besonders auf Eisen- und 6% waaren, find die Industrien Solingen, Iserlohn, Altena, und Remscheid nicht unerheblich geschädigt, und einzelnes tikel drohen, von dem Absatz nach Rußland ganz abgeschwV« zu werden. In einer jüngst stattgehabten Versammlung% deshalb die Iserlohner Handelskammer beschloffen, im%% mit den interesstrten Schwesterkammern die Reichsregierung-. ersuchen, durch Unterhandlungen mit der russischen Rcgie� die völlige Abschließung des rusfischen Absatzgebietes fÖJ deutschen Eisen-, Stahl- und Messingwaaren aozuwehren- Zur Zuckerkrifis. Aus Westpreußen berichtet die ,,% Zeitung": Am 3. August hat in Schwetz die Jahresversa�, lung der dortigen Zuckerfabnk stattgefunden. Von derZalS einer Dividende für die Kampagne 1884,85 hat mit auf die andauernde ungünstige Konjunktur der RübenM' Produktion Abstand genommen werden müssen. Außer Lrest�, mit den wilden Eingeborenen aufrecht erhielten, � Grund und Boden sie sich angeeignet hatten, so war K ihnen doch nichts verabsäumt worden, was zur Sichk*L ihrer oftmals sehr weit von einander getrennt lebenden». siedler beittagen konnte. Hin und wieder entstanden Bl Häuser und von Pallisaden eingeschlossene Höfe, die. den anwohnenden Familien bei feindlichen Eingriffen Indianer als Zufluchtsstätten betrachtet wurden. � Das am Timpanogasfluß gelegene Fort Utah war ei. der ersten befestigten Plätze, die man in der Nähe � prächtigen Utahsees errichtete. Dasselbe bildete eine Station, von welcher aus man immer wieder zur 3r von neuen Niederlassungen schritt, und denselben dann noch fernerhin den nöthigen Schutz angedeihen ließ.„z Was man im gewöhnlichen Leben unter der Bezerbr � „Fort" versteht, war die befestigte Ansiedelung nun lich nicht, doch entsprach sie vollkommen den Zwecken, J? � man bei ihrer Gründung im Auge hatte. Dabei entv�i, sie nichts von den Annehmlichkeiten, welche den gerade" verrvöhnten und mit bescheidenen Wünschen dorthin» kommenen Ansiedlern das Leben behaglich machen konnte- Eine Anzahl kleiner, fester Blockhäuser, durch PalW � mit einander verbunden, umgaben einen großen Hofta"� dessen Mitte, auf starken Pfählen ruhend, eine Art � Plattform erbaut worden war. Diese Plattform, aUW man eine Berghaubitze aufgestellt hatte, welche die Umgebung des Forts beherrschte, diente ebensowohl theidigung bei feindlichen Angriffen, als auch zu offen � Versammlungen, in welchem letztern Falle man den mit unterhalb des Schutzdaches zum Aufenthalt wählte- � Berathungen, welche dort abgehalten wurden, verlöre dessen durch die Einfachheit des luftigen Sitzungssaals � uTV Dichtigkeit; ebenso wenig wie die etwaw f theidigung des Postens vielleicht minder nachdrücklw � roeftn wäre, weil derselbe, aus der Ferne betrachte Eindruck einer friedlichen Niederlassung hervorrief-. At gefahrlicher noch, als die Berahaubitze, wären bei' Gelegenheiten die langen Büchsen gewesen, welche,.. � nur genng an Zahl, aber geführt von eisernen furchtlosen Herzen, zwischen de« Balken der>' Men % •n, lüj iff( � unP von 10 Prozent Dividende beschlossen ist, ist Mim. J?ei den Fabriken zu Dirschau und Altfelde die «nt fof Dividende in Ausficht genommen, wogegen, so s sm jfW, bekannt, bei den Zuckerfabriken zu Praust, Sobbo- bT 5??�burg, Tiegenhof, Pclplin, Riesenburg und Schwetz wÄ?"dengewährung nicht in Ausficht genommen ist.— j!l.>.,,..°uch wohl einmal ohne Dividende gehen, da ja jjrjfjf �.�efelbe bis in die letzte Zeit eine recht erhebliche Kopenhagen schreibt man der„Nordd. Allg. Ztg.": erscheinende„Social Democrat" hat soeben eine d s.j� �geklammerte Festnummcr veröffentlicht, um den Tag «ilwK?n cr eine tägliche Auflage von 20 000 Exemplaren 1 wvn'r die reiche Ausstattung der Nummer läßt Tkm. W'efinden schließen, dessen sich vie Sozialdemokratie Kiw.?�°vk erfreut; über die Verbreitung derselben giebt eine %„,,f Königreichs Auskunft, welche die erste Seite schmückt, pJtl•, r schraffirte oder mit rothen Punkten markirte _Lm. l! Gebiete bezeichnen, wo sozialdemokratische Äen Abtheiluugcn des allgemeinen Bundes bereits Sy?. respektive wo bisher zwar eine sozialistische kgovegirng festgestellt werden konnte, ein bestimmter ' 2r: t n vie Parteiorganisation jedoch noch nicht existirte. iorJi?in®ir auf der Karte verschiedene durch rothen Druck kt oWvbene Ortschaften. Dort, wie die Erläuterungen zu bL/P ertlären, findet man Abtheilungen des allgemeinen während die übrigen namhaft gemachten Städte nur Wch. tfoch.vereine oder Vereine ohne Verbindung mit der ».�vvartei auf,ilm->is?n hnhcn— Die Karte bezweckt, den indem fle»ck ocnloa de- I„ B,-„ der„Bund" bereits hin- , Für die konservativen Klassen der Gesellschaft jTJ"' fo scheint es mir, die wohl zu beherzigende Mah- �." bedrohlichen, immer mehr um fich greifenden Orga- l&tA öer � sozialdemokratischen Partei eine Vereinigung der " konservativen Elemente entgegenzustellen." ß, Oesterreich Ungar«. foni«. �6' fich von Tag zu Tag mehr, daß fich der Durch- des so außerordentlich viel Härten enthaltenden Vaga- �«J»'V5)PlPfcaS»waTfkaa Sa»*$Tlnrrtnn/t0 ••.-vycieges, welches während der turbulenten Vorgänge Malusse der letzten Reichsrathssesfion und unter dem Vor- V?! ttaktionärer Schlagwoite ohne viel Widerstand und Angehenderer Kritik geschaffen wurde, fast unüberste.glrche sjxj,'�gkeiten entgegenstellen, und daß vre autonomen Be- L? kaum in der Lage find, den Anforderungen dieses Ge- CÄ entsprechen. Die Wiener PolizeuDrrektron und dre hsg�ouptmannschaften haben an dre Vororte Wiens eine eri l betreffs Durchführung des Vagabunden- ? Wien«, man jetzt meldet, unterhandeln nun & 5lnm! v �orortcgcmeinden wegen ßcir""f—— m S?en nbui;ß des Gesetzes, um den an 7 Drechen zu können. Die Ävfl�tnwnnWaften kündigten ii ? wr.""den an, daß sie ihre Organe gemeinsamen Vorgehens den an fie gestellten Anfor- Die Polizer-Direktion und in ihrer Zuschrift an 2 zur ,m"r'i uaH iw»v«-oiuanc angewiesen hätten, ISn AnHaltung zur Arbeit geeigneten Jndi- �eind-» vetrenenden Bürgermeistcrämtem zu stellen. Die "—'ußer Stande, derar- angemessene" Arbeit ,---—-----------.. und ermatten auch })l t,0cn Erfahrungen gar kein praktisches Resultat von - Sutfil»•e,n' Vagabunden zur Arbeit anzuhalten und fie % Weisung der Arbeit durch Arreststrafen„mürbe" zu toltt* Frankreich. i'!Sb meint in Beantwortung des Artikels der MizAIgem. Zeitung" vom 3. d. M, daß sein Artikel Nn Studie nach Mittheilungen gewesen sei, welche C ,Wtiml»noD,Or erscheinenden„internationalen Revue über nr'th, �en � Armeen und Flotten" entnommen wurden. Die ihn Su�Mörifchen Publikationen enthielten gewöhnlich ähn- S„«m' vhne daß in Frankreich Jemand daran denke, yer'k>>.£ gedanken zuzuschreiben. Der große Generalstab in ßk kürzlich das 15. Armeekorps verstärkt; es sei in »Is der französischen Grenze stehenden Batterien auf J zu halten. Diese Maßregeln würden in Paris « bös?, dte gewöhnliche Klugheit geboten und außerhalb K�liv �bstcht liegend betrachtet. Die Regierung zu Dünsche seit lange die Bildung einer neuen »h»».bei dem 15. Armeekorps und zwar um so mehr, d>. vr Septennat demnächst zu Ende gehe und der das bezügliche Gesetz, namentlich in Bezug auf '"liate h; durchgreifend ändern wolle.— Der Senat ge« e Kreditforderung für Madagaskar. j fce- Dänemark. Ä nenl.v'öfifchen Zeitung„Gaulois" zufolge war der �Chxjs.�dlngs Gegenstand einer feindlichen Demonsttation. ' von einer Spazierfahrt in der Umgebung mi�kbeit/.. zurückkehrte, begegnete er einer Anzahl Eisen- emfo/i ,dle einen Ausflug gemacht hatten. Einer der- plattete vor dem Wagen des Königs eine rothe Fahne hindurch den Angreifern entgegen gestarrt � neigte sich seinem Ende zu, aber noch immer Js tiefen Sllut mit eisigen Fesseln umfangen. Unter ,Ae zrlO Schneedecke schlummerten die Gärten und Felder, «üjjhl 1—' lf«*. imS rnte» tn MW mm »»z'..Dre arm««" einigen � ,m,t ihnen empfinden und ihnen ein I jN) ib.! f? ber Blockhütten wünschen mögen #Wen L'f.roai?en' von kiehnigem Holz Herr ew. �T\." ITt ntö TiiTv. tMr. y<««•_____ rf.„c-i___ ,. die so Zerrührenden S>ft von f,i u,emr beginnen wollen, seine schwere bfi K�Mäßia n��ivschütteln. Doch gerade die Farbe £1 verthe'lten Gewölks und die dem Einbruch vvauseilende Dämmerung waren es, was und die übrigen riefen:„Nieder mit dem Ministerium Estrup!" Der König mußte seinem Kutscher Befehl geben, auf einem Umwege in die Stadt zu fahren. Großbritannien. Der irische Agitator M i ch a e l D a v i t t hat fich kürzlich über den Werth parlamentarischer Vertretung in einer Weise ausgesprocten, die, nach Anficht der„Demokratischen Blätter" zu einem intereffanten Vergleiche mit den jüngsten sozialdcmo- kratischen Kundgebungen zu dieser Frage Gelegenheit giebt. Michael Davitt ist als Fabrikarbeiter aufgewachsen. Als er acht Jahre alt war, riß ihm eine Maschine den linken Arm ab. Durch eifrige Selbsibildung setzte er fich in den Stand, einen Posten als Handlungsreisender übernehmen zu können und wurde später in die fenische Bewegung in Irland hineinge- zogen. Wegen Einschmuggelns von Waffen in Irland und Hochverraths wurde er dann zu sechszehnjähriacr Zuchthaus« strafe verurtheilt. Nach elf Jahren aus dem Gefängnisse be- urlaubt, entwarf er den Plan zur Lanvliga, der von Parnell ausgeführt wurde, trennte sich aber später von letzterem, da er fich des Amerikaners Henry George Ideen über die Nationalifirung des Landes zuwandte. Er gilt für den besten Volksredner Irlands und ist auch rn England bei den Arbeitern sehr beliebt. So ist es erklärlich, daß die radikalen Arbeitervereine von Sheffield ihm eine Kan« didatur für ihren Wahlkreis antrugen. Diese Ehre hat er nun mit folgender Motivirung abgelehnt:„Meine Erfahrungen der letzten sechs Jahre haben mich überzeugt, daß ich Irland, sowohl wie den arbeitenden Klaffen in England fünfzigmal mehr nützen kann, wenn ich mich bemühe, wie bisher, die Massen, zu denen ich gehöre, zu überzeugen, als wenn ich mich der gewöhnlichen Beschuldigung aussetze, die Männern aus dem Volke zu Theil wird, daß fie gesellschaftliche Auszeichnung durch die Befürwortung ihrer Sache suchen- Das Parlament ist überdem nur der Diener der öffentlichen Meinung und ich sehe keinen Vortheil für das allgemeine Wohl darin, jeden Mann in das Parlament zu schicken, der fich eine gewisse Stellung in der öffentlichen Ächtung erworben hat. Wenn Sie den scheinbaren Egoismus der Bemerkung entschuldigen wollen, so bin ich entschieden dagegen, daß das Parlament die für volksthümliche Agitation bestgeeigneten Männer befitzt." Wenn aber alle Männer in Michael Davitt's Stellung so denken wollten, dann würde es um die Vertretung des Volkes im Parlamente sehr schlimm bestellt sein. Bloße Nicker und Hörer taugen da erst recht nichts für eine oppofitionelle Partei._ Zokales. r. Die Reinignng der Vierdruck-Apharate mittelst Wasserdampfes, wie fie für den Verwaltungsbezirk Berlin durch polizeilich Verordnung vorgeschrieben ist, hat von Anfang an die entschiedenste Opposition der Gastwirthe gefunden, weil diese die ganze Dampfrcinigung für nutzlos hielten und der Meinung waren, daß die Bieröruckapparate durch Anwendung chemischer Substanzen viel sicherer gereinigt werden könnten. In neuerer Zeit mehren fich nun die Stimmen von sachver- ständiger Seite, die sich für die Anficht derWirthe aussprechen und zwar auf Grund der gesammelten Erfahrungen. Danach soll die Dampfreinigung, wie fie heute stattfindet, durchaus keine Sicherheit für eine gründliche Reinigung bieten. Um längere Bierröhren im Innern mit Dampf zu reinigen, ist ein längeres Durchströmen eines ein bis zwei Atmosphären starken Dampfes nöthig, den die bei uns zur Verwendung kommenden Dampsapparate aber nicht liefern, da diese überhaupt keinen gespannten Dampf erzeugen können. Viel besser als diese Dampfreinigung empfiehlt fich die Anwendung einer dünnen Aetznatron-Lösung und eine Nachspülung mrt heißem und später mit kaltem Wasser. Diese Nachspülung ist auch bei der heutigen Dampfreinigung aar nicht zu entbehren, wenn man vom Dampfe aufgeweichte Hefetheile, die fich noch im Rohre befinden, daraus entfernen will. Zwar wird die betreffende Polizei- Verordnung heute wohl kaum noch allzu strenge geHand- habt; aber wenn nun schon einmal sich deren Unzweckmäßigkeit herausstellt, so wäre es doch wohl besser, um unnöthige Chi- kanen zu vermeiden, wenn diese Verordnung einfach aufge- hoben würde. i. Die durch die Katastrophe bei Tabberts Wald- schlöstchen Geschädigten haben kürzlich bei der Dampfschiss- fahrtsgesellschaft angefragt, ob letztere in Güte Schadenersatz leisten wolle, worauf die Dampfschifffahrtsgesellschaft geant- wartet, daß fie nur zahlen würde, wenn fie nach gerichtlichem Urtheil dazu verpflichtet würde. Angesichts der Thatsache, daß die gerichtliche Geltendmachung des ganzen Schadens eine be- deutende Gerichtskostenlast verursachen würde und man nicht ganz sicher ist, ein in allen Punkten obsiegendes Erkenntniß zu erstreiten, beabsichtigt Herr Cohn, der Vorsttzende des Komitees, für diese ganze Angelegenheit erst einen Keinen Theil des Schadens einzuklagen, und wenn hier ein obsiegendes Erkennt- niß ersttitten, mit oer großen, den ganzen Schaven aller Jnter- esscntcn umfassenden Entschädigungsklage nachzukommen. Die Geschädigten sind übrigens bisher in der Anmeldung uud der ganzen winterlichen Landschaft, so weit das Auge reichte, den Charakter einer erhabenen, feierlichen Ruhe verlieh. Da schlug plötzlich ein Hund auf dem Westende des Forts an. Zuerst dumpf uno verdrossen, als habe er sich gescheut, sein warmes Lager unter einem mit Stroh angefüllten Schuppen zu verlassen und einen Spaziergang durch den Schnee anzutreten. Als aber andere Hunde antworteten und sich ihm sogar bellend näherten, da schwanden seine letzten Bedenken. Grimmig heulend stürmte er aus seinem Versteck hervor, seine Kameraden schlössen sich ihm nicht minder ge- räuschvoll an, und dahin ging es in wilder Jagd, durch durch den stäubenden Schnee, einer nahen Bodenerhebung zu, von wo aus sie das Thal des Timpanogas bis fast zu seiner Vereinigung mit dem Utahsee zu überblicken vermochten. Auf das Gebell der Hunde öffneten sich mehrere Thüre«, die nach dem Innern des HofeS zu lagen, und in den- selben wurden Männer sichtbar, welche sich gegensettig an- riefen und über die Ursache der unvermutheten Störung be- fragten. Die Männer verschwanden wieder in den Thüren, gleich darauf erschimen indessen auf der Außenseite der Einftie- digung zwei derselben, die sich mit ihren Büchsen bewaffnet hatten und geraden Weges auf die Hunde zuschritten, wäh- rend ein dritter sich nach der Plattform hmaufbegab, um von dort aus in die Ferne zu spähen. Die Hunde hatten sich unterdessen auf dem Hügel nieder- gelassen, und aus dem kurzen, abgebrochenen Gebell, welche» sie jetzt nur noch abwechselnd erschallen ließen, ging deutlich hervor, daß sie dasjenige, was sie aus ihrer Ruhe aufgestört hatte mochte es nun sein, was es wolle, eben für keine drohende Gefahr erkannten. Die Männer, welche sich zu ihnen gesellten, mochten ein Aebnliches denken, denn kaum waren sie bei den wachsamen Tbieren angekommen, die nunmehr ihren Lärm ganz einstellten WWMMZ Gellendmachung ihrer Ansprüche ziemlich saumselig gewesen, und erst gestern noch Rechnungen eingelaufen und Briefe, die mittheilen, daß demnächst noch Rechnungen eingesandt werden sollen, während dieselben schon längst hätten eingehen können. Dre Rechtsanwälte Dr. Hermann und Katz nehmen noch täglich Material entgegen und werden auch heute wieder eine Konferenz mit den Komiteemitgliedern abhalten, um über Mittel und Wege zu berathen, die Staatsanwaltschaft zu ersuchen, die gegen die Schuldigen zu erhebende Anklage, über die bisher noch nichts verlautet, gütigst zu beschleunigen, resp. daß die Staatsanwaltschaft freundlichst Auskunft geben möchte, wie weit die Sache gediehen sei. Außerdem will man Schritte thun, daß die Betheiligten sobald als möglich die Vollmachten bei den Rechtsanwälten unterschreiben zur Erhebung der Privatklage. Neuerdinas find auch noch Sachen von dem Unglück bei Herrn Cohn, Monbijou- Platz, eingeliefert, deren Eigenthümer bisher unbekannt geblieben, wie ein grünlich- grauer Sommer-Ueberzieher, ein Plaid und eine Reiseoeckc. Die in dem jetzigen Kassenstücke des Zentral-Thea- ters„Die wilde Katze" vorkommenden zahlreichen Ge- sangsnummern werden derartig begehrt, daß fich um den Ver« lag derselben unsere Mufikalien-Handlungen streiten. Einzelne Kouplets, wie das von Frl. Anna Grünfeld vorgetragene Zi- garettenlied„Unter duft'ger Varanda" rc., ferner das zündende Kouplet des Frl. Bertha Feldau„Das ist des Lebens rauhe Wirklichkeit und das von Frl. Weiß mit so großem Beifall gesungene Kouplet:„Das war doch famos" erscheinen bereits rn diesen Tagen. Trotz der enormen Hitze erzielte„Die wilde Katze" täglich volle Häuser. Belle- Allianee-Theater. Kontraktliche Verpflichtungen bestimmen die Direktion, den Schwank„Gespenster" von Rosen vom Repertoir abzusetzen und morgen den neuesten Treptow'- schen Schwank„Sein Steckenpferd" zur ersten Aufführung zu bringen. Auch bei diesem Stück ist das Arrangement getroffen, daß das beliebte schwedische Doppel-Quartet im Theater— und zwar nach dem 3. Akt— konzertiren wird. Polizei-Bericht. Am 5. d. M. Morgens wurde die 5 Jahre alte Tochter des Handelsmanns Breitzke in der Linden» sttaße von dem Fuhrwerk ihres Vaters überfahren und erlitt dabei einen Bruch des linken Oberarms.— Um dieselbe Zeit brach der Maler Grabow beim Streichen einer Zimmerdecke im Hause Skalitzerstr. 133 mit dem Gerüst durch und fiel aus einer Höhe von etwa 2 Metern auf den Fußboden herab. Hierbei erlitt derselbe einen Knöchelbruch und mußte nach Bethanien gebracht werden.— An demselben Vormittage ver« unglückte dre Ehefrau des Schiffseigners Prinz auf ihrem Kahn dadurch, daß fie auf dem Verdeck ausglitt und fich berm Fallen an der Wurzel eines Baumstumpfes erheblich verletzte. Die Verunglückte befindet fich in ärztlicher Behand» Irina.— Zu derselben Zeit erhängte sich ein Mann in einer Laube auf dem Grundstück Bärwaldstr. 46. Er wurde jedoch noch rechtzeitig losgeschnittcn und, nackdem er wieder ins Leben zurückgerufen, nach der Charitee gebracht.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein 6 Jahre alter Knabe in der Rosenthalerstraße von einem Omnibus überfahren und dabei so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf verstarb.— Zu derselben Zeit fiel in der Belle Alliancesttaße ein unbekannter, etwa 50 Jahre alter, anscheinend dem Ärbetterstande angehören- der Mann plötzlich zur Erde nieder uud verstarb alsbald. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. Gerichts-Zeitung. Reichsgerichts- Entscheidung. Zum Kapitel„Fahr- läsfiger Meineid" hat der Ferien-Strafsenat des Reichsgerichts in seiner letzten Sitzung vom Sonnabend eine bemerkenswerthe Entscheidung getroffen, welcher folgender Thatbestand zu Grunde liegt. Ein Kaufmann W. in B. war zeuaeneidlich darüber vernommen worden, ob er in gewissen Geschästsunterhand- lungen in näher präzifirter Weise vermittelt habe, was er unter Eidesleistung verneinte. Da fich herausstellte, daß damit objektiv eine falsche eidliche Bekundung geschehen war, so wurde W. wegen fahrlässtgcn Meineids anaellaat und deswegen auch von der Strafkammer in B. zu 3 Monaten Gefängniß verur- theilt. Allerdings— so führte die Strafkammer aus— sei anzuerkennen, daß der Angeklagte, welcher an Epilepfie und den in deren Gefolge auftretenden Krankheiten leide, in seinem Gedächtniß geschwächt sei, dennoch aber sei, da fich der Ange- klagte der damaligen Unterhandlungen überhaupt habe erinnern können, eine strafbare Fahrlässtgkeit seinerseits anzunehmen. Er hätte, um letzterer nicht anheimzufallen, doch immer seine Aussage unter dem Vorbehalt machen müssen, daß er fich viel- leicht m dem einen oder dem anderen Punkt irre. Der Ange- klagte legte unter Hinweis auf ein ärztliches Attest, daß er durch Trunk und Epilepfie in seinem Gedächtniß völlig ge- schwächt sei, Revision beim Reichsgencht ein, wo Reichsanwalt Stenglein im Audienztermin selbst Aufhebung der Vorentschei- dung beantragte, indem er nämlich den vom Vorderrichter hin- gestellten Vorbehalt als unzulässig erachtete. Habe der Ange» klagte nach seinem besten Wissen geschworen, so sei er lediglich warten, die sich auf der nach der Salzseestadt führenden Straße schnell näherten. ES waren dies drei Männer, welche auf kräftigen Maul- thieren reitend, sich so in ihre weiten wollenen Decken ge- hüllt hatten, daß ihre Gestalten sich kaum noch als mensch- liche Figuren auszeichneten. Sie wären in der That schwer von großen Waarenballen zu unterscheiden gewesen, wenn nicht die breitkrämpigen, tief in die Stirn gedrückten Filzhüte und die quer auf den Sätteln ruhenden Büchsen auf ihren Charakter hingedeutet hätten. Sie ritten so, vaß ein Thier immer in die Spuren des andern ttat, und indem sie sich schweigend dahin beweg- ten, und die tiefe Schneelage den Schall der Hufe dämpfte, erhielt die kleine Karavane etwas Unheimliches, was aber im vollen Einklang mit der winterlichen Umgebung und der Oede stand, die trotz der mannigfachen Merkmale von der Nähe von Menschen auf Berg und Thal ruhte. Als die beiden Späher ihrer zuerst ansichtig wurden, mochten sie wohl noch gegen fünfhundert Schritte weit von dem Fort entfernt sein. Es verstrichen daher mehrere Minuten, bis sie nahe genug an die Bodenerhebung herangelangten, um angeredet werden zu können. Wenn die Späher sich aber in Muthmaßungen über den späten Besuch und dessen Zwecke ergingen, so thaten sie es Jeder für sich, denn seit- dem sie dre Blockhütten verlassen hatten, war noch kein ein- ziges Wort zwischen ihnen gewechselt worden. Der Weg führte gerade an dem kleinen Hügel vorbei. Als die Reiter sich also am Fuße desselben befanden, waren sie kaum noch zehn Schritte weit von den schweigsame» Schildwachen entfernt, die noch immer keine Miene machten, ihnen entgegenzutteten. „Guten Abend, meine Brüder," redete endlich der vor- derste Reiter die Späher an, indem er sein Pferd anhielt und, die Decke zurückwerfend, ihnen ein hageres, werter- gebräuntes Gesicht enthüllte, aus welchem ein Paar dunkle: Augen mit eigenthümlich ernstem, aber etwas verschmitztem Ausdruck hervorleuchteten. (Fortsetzung folgt.) in seinem Rechte gewesen. Der Senat nneö indeß, indem er die Argumentation des Vorderrichters für zutreffend erachtete, die Revifion des Angeklagten zurück. Soziales««d Arbeiterbewegung. Ueber die Frage der Akkordarbeit läßt fich die..Vos- fische Zeitung", nachdem der bekannte Beschluß der Maurer, „daß die Akkordarbeit der Mord der Arbeitskraft sei und die älteren Kollegen schonungslos aufs Etraßenpflaster werfe", an- gezogen worden ist, darüber folgendes schreiben:„Ob den Maurern mehr Lohn gewährt werden kann, darüber braucht fich der Außenstehende kern Urtheil beizumessen, eine verkehrtere Motivirung des Beschlusses als die vorerwähnte kann es aber kaum geben. Die von dem Meister zu vergebende Arbeit ist ihm einen bestimmten Lohn werth. Gerade also, wenn die Arbeit in Akkord vergeben wird, wird es dem Meister möglich sein, die Arbeit auch weniger schnellen Arbeitern zu vergeben, sei es, daß die mindere Schnelligkeit derselben auf Alters- schwäche oder Trägheit beruht. Kommt es auf die Zeit der Fertigstellung nicht etwa besonders an, kann es dem Meister gleich sein, ob der Arbeiter dann zwei oder drei Tage zu der Arbeit braucht. Wird dagegen nicht akkordirt, sondem die Arbeit stundenweise bezahlt, so wird fich jeder Meister hüten, einen weniger schnellen Arbeiter überhaupt m Arbeit zu nehmen. Also gerade umgekehrt, die Tagelohnarbeit und nicht die Akkordarbeit muß die trägen und die altersschwachen Arbeiter„auf das Straßenpflaster werfen und dem Hunger preisgeben". Dem gewiß bedauerlichen Umstände, daß der altersschwache Arbeiter alsdann nicht mehr so viel verdienen kann, wie der junge, rüstige Arbeiter, soll ja durch Alterversorgungsanstalten abgeholfen werden, aber es ist ein ganz unberechtigtes Ver- langen, daß der Meister die minderwerthe Arbeit eben so be» zahlen soll, wie die Normalarbeit."— Wir wollen annehmen, daß die„Vosstsche Zeitung" resp. ihr Korrespondent aus gutem Glauben obiges Fechterkunststückchen verübt hat, vor dem Richterstuhle ver primitivsten Sozial- Oekonomie hält dasselbe aber keinen Stand. Es steht doch zunächst fest, daß auf die Dauer der Lohn fich nach Angebot und Nachfrage richtet. Da nun die Akkordarbeit im Allgemeinen intensiver wirkt, da jeder Einzelne seine Kräfte mehr anspannt, um recht hohen Lohn zu erringen, so werden dadurch immer mehr Arbeitskräfte un- beschäftigt, die fich aber immer wieder zur Arbeit anbieten und dadurch den Lohn und auch den Akkordlohn herabdrücken. Denn wie man den Stundenlohn bei großem Angebot von Arbeitskräften herabsetzen kann, so kann man selbstverständlich auch den Akkordlohn, also den Lohn z. B. 1000 Ziegelsteine zu vermauern, ernied, gen, so daß dann trotz des größeren Abmühens der Akkordlohn mit dem des Tageslohns völlig gleichsteht. Außerdem aber werden die meisten Arbeiter bei Arbeit auf Akkord zu größeren Anstrengungen verleitet und ruiniren ihren Körper viel schneller— die abgerackerten Körper der älteren Arbeiter können nichts mehr leisten, so daß der Bauherr ihnen den Platz auf dem Bau nicht mehr einräumt, da der Bau nicht genügend von Statten geht. Also nochmals, der Akkordlohn vermehrt das Angebot der Hände und drückt so auf die Dauer den Ge- sammtlohn herab und der Akkordlohn reibt ferner die Körper der Arbeiter frühzeitiger auf, als der Tagelohn. Deshalb sagen die Berliner Maurer trotz des Korrespondenten der„Vosfischm Zeitung" mit vollem Recht:„Die Akkordarbeit ist der Mord der Arbeitskrast und wirft die älteren Kollegen schonungslos aufs Pflaster."— Wir werden übrigens in diesem Blatte an hervorragender Stelle bald schon auf das Wesen der Akkord- arbeit näher eingehen. � Der Jnnungs-FanatismuS treibt so sonderbare Blüthen, daß ihm selbst schon von den Handwerkern entgegen getreten wird. So bringt das Organ des deutschen Bäcker-Verbandes „Germania" aus der Feder des Hofbäckers Schmidt in Karls- ruhe, des Vorsitzenden des badischen Verbandes, einen ener« gischen Absagebrief an die ganze reaktionäre Gesellschaft. Die Versuche zur Einführung von Brodtaxen in Bromberg%. haben dem Fasse den Boden ausgestoßen. Der Verfasser erklärt ohne Umschweife, dahinter scheine der preußische Handelsminister zu stehen, da Herr von Tiedemann, der frühere Chef der Reichs« kanzlei, die Bromberger Polizei- Verwaltung erst zu ihrer für rechtsungiltig erklärten Verordnung gedrängt habe. Unter dem Deckmantel des Schutzes des Kleingewerbes hebe man eine liberale Errungenschast nach der anderen auf, und die Gewerbetteibendm reichten noch dazu die Hand. Der Ver- fasser schließt mit dem Mahnrufe:„Fort mit den obligatori- schen Innungen und ihren Anhängseln, als Befähigungs-Nach- weis u. s. w.!" Die Fabrikanten in Schlesien wollen den Teufel durch den Belzebub austreiben. Die Handelskammer zu Lauban er- klärt nämlich, daß die Preise der Maaren in der Textil- industtie ungemein niedrige seien und meint dann, daß es auch bei der großen Konkurrenz nothwcndig sei, in den Verkaufs- preisen bis an die möglichst niedrigste Grenze zu gehen.«Diese niedrigen Preise können nur durch größere Produktton und vermehrten Absatz und die Vertheilung der Herstellungskosten auf größere Mengen von Maaren erreicht werden." So! Da wäre ja die soziale Frage in einem Haupttheil mit einem Schlage gelöst! Und wahrlich mit großer Leichttgkeit. Also immer darauf los produziren, immer mehr produzrren, dann vertheilen fich die Herstellungskosten auf größere Mengen— gewiß ist das wahr. Aber dresen Grundsatz kennt nicht blas die Laubaner Handelskammer, derselbe wird überall gekannt und überall wird nur darauf los produzirt, immer mehr pro- duzirt. Natürlich soll auch der„Absatz vermehrt" werden. Aber woher den Absatz vermehren? Das wollen die anderen Pro« duzenten auch! Glauben die Laubaner, daß unsere Kolonial- Politik ihnen den vermehrten Absatz in den Schooß schütten würde? So wird denn die übermüthige, planlose Produttion lediglich zur Ueberproduttion, zur Geschäftsstockung und Ar- beitslofigkeit führen. Nicht vermehrte Produttion rst gegen- wärtig erforderlich, sondern geregelte Produktton. aus der später nach und nach, gleichsam wie von selbst, eine vermehtte Produltion emporspneßt. Aus der geregelten Produktion gehe zunächst eine Verbesserung der Lage der Arbeiter, aus dieser f ößere Konsumtionskraft des Voltes und aus dieser vermehrte roduttion hervor- das ist die richtige und naturgemäße eihenfolge, von der sich natürlich die Wersen der Handels- kammer nichts träumen lassen. t Ueber die Zahl der englischen Trades Unions haben wir bents eine kurze Nottz gebracht. Das Marzheft 1886 des „Journal of the Statistical Society" enthält t)ic Er- Mittelungen des Mr. Brabrook. Es ergiebt fich darnach folgendes Bild:„ rr � Zahl der Fonds Einkommen Zahl der TradesUnions Pfd.St.*) Pfd.St. Mitglieder 31. De,. 1873 104 215479 269982 264357 31. Dez. 1878 124 309 223 255024 202984 31. Dez. 1883 144 431 495 292 720 253 088 JUkers and Jron Shipbnilders(Vereinigte Gewerkschaft der Keffelmacher und eisernen Schiffbauer), die jetzt über 81 344 Pfd. St. Fonds, 67 361 Pfd. St. Einkommen und 27403 Mitglieder verfügt. Die größte Gewerkschaft ist die der Durhamer Bergarbeiter(Dnrharn Iiiners' Association) mit 37 000 Mitglieder, 26 757 Pfd. St. Fonds und 31 017 Pfd. St. Einkommen. Das„B. V." hat unlängst an dem Beispiel der erstgenannten Gewerkschaft gezeigt, wie gewaltig die an dre & Agt Ausgaben gewachsen ist. Nur eme zentralrsrrte *) 1 Pfund Sterling— 20 Mark. SDie reichste Gewerkschaft ist die United Society of Boiler Organisation der Arbeiter, wie sie hier fich zeigt, vermag einigermaßen gegenüber den periodischen Krisen und Lohn- kämpfen unserer kapitalistischen Produttionsweise Stand zu halten. Daß der Kreis derjenigen, die in die Trades Unions eintreten, fich erheblich verringert bat, eine Folge der rapid um fich greifenden Pauperisirung der Massen und der vielen wirlh- chaftlichcn Katastrophen, das zeigt ein Blick in unsere Tabelle, wenn man die Jahre 1873 und 1883 vergleicht. Auf jeden Fall aber verdient das thatki ästige Vorgehen der englischen Arbeiter- Gilden lebhafte Anerkennung und eifrige Nach- ahmung. Die Statisttk der deutschen Auswanderung für das verflossene Halbjahr bestättgt wiederum, daß die voizugsweise Landwirthschaft treibenden und besonders die Gegenden, in denen der Großgrundbesitz dominirt, den stärksten Antheil zu der Auswanderung stellen, trotzdem gerade sie die am wenigsten bevölkerten find. Allen andern Ländern und Landestheilen voran stehen Pommern, Posen, Westpreußen, während die am dichtesten bevölkerten und industriereichen Landschaften, wie Rheinland, Westfalen, Königreich und Provinz Sachsen, zu- letzt in der Reihe erscheinen.— Man steht schon hieraus, daß die von den Junkern so viel gerühmte Lage der landwirth- schaftlichen Arbeiter keine besonders gute ist, da fie so leichten Sinnes die Heimath meiden. Auch besonders„konservativ" ist solche Massenauswanderung nicht. Kleine Mittheilnngen. Buckau, 5. August. Der königl. Eisenbahn- Mascbw� Kermischtes. Anonyme Denunziation. Aus M.-Gladbach schreibt man: Ueber den früheren Eisendahnwerkmeister von Homberg war in einer hiesigen Witthschaft daS Gerücht verbreitet worden, daß derselbe durch Arbeiter der Werkftätte Privatarbeiten habe ausführen lassen. Dieses Gerücht kam auch zu Ohren eines jenem Werkmeister feindlich gesinnten Bahntcchnikers, welcher nun nichts eiligeres thun zu müssen glaubte, als den Werk- meister anonym bei der vorgesetzten Behörde zu denunziren. Die Babnbehörde nahm den Fall sehr ernst, und stellte eine eingehende Untersuchung an, im Verlaufe welcher der Bahn- techniker als der Verfasser des anonymen Briefes ermittelt wurde. Um ein für allemal ein Exempel für jene Menschen, welche aus Mangel an Ueberzeugung fich unter den Deckmantel der Ano- nymttät verkriechen, zu statuiren, wurde der Techniker sofott aus dem Dienste entlassen. Das Vorgehen der Bahnbehörde hat bei dem übrigen Personal allgemeine Genugthuung her- vorgerufen. Ueber die Verhältnisse im holländischen Söldner- Heere, zu dessen Vergrößerung bekanntlich eine Menge ge- heimer Werbebureaux längs unserer Rheingrenze bestehen, ist uns freundlichst der an hiesige Freunde gerichtete Brief eines aus Ätjeh stationitten Soldaten mitgetheilt worden, dem wir zur Warnung für Solche, die Neigung haben sollten, der lockenden Stimme dotthin zu folgen, nachstehende Stellen ent- nehmen: Was man in Deutschland unter Soldat versteht, ist auf unsere Soldatentruppen in keiner Weise anzuwenden. Die Mitglieder derselben find sowohl von den Eingeborenen wie den einzelnen Euro- päern, welche sich hier eingenistet haben, verachtet, verabscheut, ja verhaßt, weil unter der Truppe die gemeinsten und nieder- trächtigsten Vagabunden der zivilifirten Welt leben, deutsche De- setteure und alle möglichen und unmöglichen Schufte aus aller Herren Länder, femer nicht wenige holländische Zuchthaus- sttäflinge, welche in den Jahren 1875 und 1876 aus ihrer Strafuniform mit einem Handgelde von 300 Fl. in die eines nieder- ländisch-indischen Soldaten übergingen. Damals brauchte man viel Kanonenfutter und der Kopf eines Sträflings war somit ebensoviel wettb, wie der eines ehrlichen Menschen. Diese Gesellen dienen hier, so lange fie noch kriechen können, denn nach Europa zurück dürfen fie nicht. Dazu kommt noch eine schamlose Witthschaft mit den eingeborenen Weibem, deren sich jeder Soldat eine mit ins Lager nehmen kann, bis er ihrer überdrüssig ist und fie fortjagt. Was daraus für ein Lebm für einen noch einiger- maßen an Gefittung hängenden Menschen entsteht, kann man fich leicht vorstellen. Eine Kompagnie soll 150 Mann stark ein, zählt aber in Wittlichkeit 300 bis 350 Köpfe, von denen lllles, was über 150 hinausgeht, Weiber und Kinder find, die fich zur Kompagnie rechnen und Tag und Nacht in den ge- meinsamen Lagerräumen verbringen. Auch das Offizierkorps macht eine Ausnahme hiervon nicht." Wir lassen diese kurze Skizze genügen, um die Annehmlichkeiten dieses Soldatenstandes zu kennzeichnen; alle fich weiter daran anschließenden Be- merkungen des Briefes tragen den gleichen abschreckenden Stempel. Inspektor S. hietteldst bat eine Verfügung erlassen, sämmtliche in den Werkstätten des Buckauer Bahnhosts � schä'ti tten Arbeiter während der Mittagspause von 12 bis Um die Werkstätten und den Bahnhof verlassen müssen. 4�' Maßregel wäre ja ganz schön, wenn nicht unter den etwa 200 Mann von außerhalb wärm, die nun nicht rojlp' wo fie fich aufhalten sollen, um ihr Mittagdrod zu verM� Sie lagem sich nun zu diesem Zwecke in den an den Bern grenzenden Siraßen und da die Zahl derselbm noch um 4- jenigen vermehrt wird, die den Arbeitern ihr Mittagessen! tragen, so wird die Passage dadurch ganz erheblich beeinttachnS Hoffentlich wird jene Verfügung wieder aufgehoben werden. Hamburg, 3. August. Ein entsetzliches Unglück ereigm» fich gestern Morgen gegen 10 /, Uhr bei den Pumpen Ar Die in der ersten Etage wohnende Frau des Komptouvon Kersten war in der Küche mit Feueranzünden beschäftigt un benutzte dabei in der leider so oft vergeblich gerügten sichtigen Weife Petroleum. Es erfolgte eitte Explosion 1® das brennende Petroleum ergoß sich über die unglückliche�� und deren neben ihr stehende sechsjährige Tochter.%, hellen Flammen stehende Frau stürzte sofott aus der nung und eilte die Treppe hinunter, brach jedoch im Hwg unmittelbar vor der Hausthür zusammen, während die wen hoch über ihr zusammenschlugen. Durch das surch® Hilfegeschrei des Kindes aufmerksam gemacht,'L der gegenüber wohnende Dclilatessenhändler C. � Gädcke in diesem Augenblicke herbei, rettete zunächst v- Kind aus der ebenfalls in Flammen stehenden Küche und fick dann auf die Frau, um die Flammen zu ersticken.* während das Kind noch mit verhältnißmäßig leichten& letzungen davon gekommen, war kein Körpettheil der ungiu lieben Frau unvettchont geblieben und an vielen Stellen � Fleisch buchstäblich bis auf die Knochen verkohlt. Aul � Treppe wurde der Trauring gefunden— der Finger war. zu demselben weggebrannt. Trotz dieses schrecklichen Zustav« war die Frau, welche nach dem Allgemeinen Krankenhaust ß schafft wurde, während das minder verbrannte Kind'st ,» Wohnung blieb, gestern Abend noch bei vollem Bewußtsein-. aber heute Nachmittag ihren Wunden erlegen. Leidet j-j auch der Retter nicht unerhebliche Brandwunden am rt®.( Arme davongettagen. Vor dem Hause hatte sich schneu ungeheure Menschenmenge angesammelt; auch der ersteh- der Feuerwehr war rasch zur Stelle und löschte das in der Küche, in der vorzugsweise der Fußboden ge hatte. Aus Sachsen, 4. August, wird der„V.-Ztg." geschnA Das Krankenkasscnwescn der sächsischen Knegervereine i®g, von diesen selbst recht eigcnthümlich aufgefaßt zu werden., ist das in Dresden erscheinende„Sächsische Wochenblatt � Lage, eine Karte zu veröffentlichen, welche der Vorstano ,, „Militärvercins sächsischer Grenadiere" an ein Mitglied dUj Vereins gerichtet hat. Das Schreiben lautet wöttlich: V'L folgt Ihr Krankenzettel! Sie werden, wenn auch in N% wohnend, wie jeder Andere kontrolirt werden. Die Kamer% sollten jetzt, wo wir's Geld zur Fahnenweihe brauchen,% gleich krank werden. Wenn ich wegen jeder HalsentzündM, den Verein gehen wollte, müßte der bald bankerott werden. 4' Vorstd." Hier thut doch wohl schleunige Untersuchung not?-. mit Krankenkassengelder nicht zuFahnenweihcn verausgabt wc>� Wie oft ist von der Regierung und von den rechtsstehnU Parteien betont worden, daß man genau darüber wachen® � daß von sozialdemokratischer Seite die Krankenkassen nioj, Patteizwecken gemißbraucht würden! Mit welchem trauen betrachtet man noch immer die zenttalifitten � lassen! Und hier? Da zeigen die Knegervereine, manchen von ihnen eine strenge ernstliche Äcaussichtigune nöthiger ist, als bei den bösen Sozialdemokraten. Man h aber auch aus diesem Vorkommniß, wie wenig V manche Kneger< Vereine die Unterstützungssachcn n<1'.w. Fahnenprunk, Festfeiern und allerlei„Kinkerlitzchen' ihnen darüber._ Annen(Westfalen), 5. August, 9 Uhr 20 Min. � Zeche Wiendahlsbank find gestern 10 Bergleute durch Wetter zum Theil erheblich verletzt worden. Aus Nürnberg wird gemeldet:„Der hier nach AnM der Frau Guillaume-Schack gegründete Arbeiterinnen-� ist polizeilich für einen politischen Verein erklärt und aW worden." 4. Klasse 172. Königl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom«. August ISS 5. Nur die«ewlnne über 210 Marl sind den betreffende» Nummern in Parenthese beigefügt. tOhnc Bewähr.) 119 58 116001 289 343 46 11500] 64 91 412(300) 632 43 72 74(1500) 600 34(550) 94 715 70 803(300) 16 63 69 75 963 1034 70 97 133 67 72 252 73 304(300) 14 36 76 4 5 24 38 516 41 699 751 72 829 91[5501 914 2017(30001 26[300] 99 123 73 200 340 469 81 87 521 64 95 650 773 804 99[1500] 918[1500] 29 46 64 86 8006 107 31(1500) 64 217 309 1300] 29 46[15001 405(3001 549 94 621(1500) 36[3001 37 48 706 55 60 99 914 33 38 41 68 4063 89 107(300) 58 79[15001 267 79 352[5501 61 412(1500) 26 52 555 70 631 75[1600] 97 742 97(6000) 882(3000) 93 901 7(3-100] 80 83 5030 81 105 10 204 37 91 497 514 40(300) 48 601 60 68 72 770 817 925 27 77 95 0110 22[3001 224 316 18 54 64 82 461(300) 563 68(550) 614(300) 22 89 743 808(3C0) 33 60 918 19 37 7030 55 65 119 21 55 75 382 433(550) 67 89 515 29 37 56 607 82 11500) 94 717 22 80(1500) 81 93 898(300) 996 8000 11 13 48 71 204(300) 76 334 444 99 522 66 72 88 (3001 94 707(650) 31(30 01 65 812 64 975»000(1500) 48 208 319 26 60 65 468 72 521 45 55 80 606 11 67[30001 726 881 96 954 10054 78 III 37 57 60(3001 64 363 69 80 423 89 517 59 70 670 804 928 34 67 66 1 1087 224 27 34(3000) 336 412(300) 21 37 89 605 [300] 34 671 739 805 11 24 34(3000] 86 948 91 1*011 30 34 68 83 103 8 60(300) 256(3000) 360 477 89 519 42 56 99 600 13 51 96 718 34 37 57 76 807 903 9 1.1001[300] 17 28 40(3000) 112 51 96 97 210 80 367 413[550) 67 80 631 35 72 704 875 87 1 4039 66 69 81 96 100 336 66 456 505(1500) 35 77 78 654 717[300] 39 67 830 45 15003 61 66 84 91 94 173 236 76 80 467 503[1500] 634 49 87 702 73[30001 815 28(300) 31 41 89 91 922 16007 9 94 161 94(1500) 207 336 63 76 401 12 38 74 80 618 69 644(1500) 753 62 820 96 907 1 7036 «###= mm 383 4-3 618 24 668 74 798(300) 820(300) 24 31 35 45 54 965 81 88043 s ms tt wwsMfÄS muwnm# 65 624 S, 813 942 41 146(3000) 204(15000) 65 79 86 342 47 57 66(550) 411 553 83 677 85 709[300] 79 806 60 63 65 914 19 66 4*047 92 l63 277 632 13000) 64(300) 684(3000) 741 61 89(6501 801 48066 87 205 37 62 306 62 427 40 70 619(Ii 42 84 868 70(300) 89 964 46014 27 TO 105 11 17 92 210 33 322 41 61 476[30001 553 57 97 665 705 11 28 44 842 85 905%% 3 129 42 64 66 224 381 85(15001 412 1660) 96 531 36 79 613 Li! 67 99(300) 337 38 76(300) 426 96(300) 505 777 825 87 976, »«071 84(550) 108 37 39 200 45 343 445 83 609 735 67 84 972 5 1006 80 98 103 23 232 1300] 86 318 27 30 71 87(f 63 86[1500] 95 659 65(3001 711 86 867 911[60001 24 63 93 135 64 222 23 320 79 402 45 680 613 68 733 59 73 96 913 143 82 220 67 332 62 543 654 701 16 78 87 90 854 97 912 94 M 204 14 60(300) 348[660] 77(300) 448 69 583 661 730 55035 77 III 83[1500] 236 88 364 400 22 53 92 593 814 948 56097 98 128 37 57 82 243 327 52 583 638 62 95 740 5» W 911 28 5 7000 68 171 81 96 219 96 361 402 14 4 1 63 Tk-M, 00] 34 841 922 31 35(550) 41 47 63 58016 81 131 62 206?" «ah k.« r;%%%',. 606(300) 633 62 64 731 897 987«1025 61 81 204 79 820 99% Ä 49 52 614 761 831 41 91 904 31(300) 95«2061 71 127 219 W gS Ä 71 77 413 510 29 59 79 775 826 54 961«»084 393 633 35j? g? � 60 704 38 74 847 944 50(1500) 98«4001 5'61 121 63 73 96 24* 4 69 418 26 639 86 668 69 74[300] 846 962 87«qß% «6001(3000) 13(300) 40(3000) 55(550) 242 306 424 59 776(1500) 921 68««077 96 III 43(3000) 45 48 63 71 215! aesmmm a# 60 90 625 80 99(3000) 728 38 43 47 94 880 948«8007 147 sS4W ü 418 64 70 619 24 66 639 89 730 45 823 941 72 74 78(300)"zU" 832 40[5501 918 94 4 4015 20 101 30 47 212 40 32 76 93 516 55 703 841 77 985 88 83 901 21 66 78____ 49(550) 68 736 37 70 6 90 330 4085 90 414 45101 60 82 98(550) 220(550) 307(560) 17 21 66 84 569 90 602 3 104(300) 36 67 204 12 19 41 65 74 313[300] 86 749 816 24 97 900 70036(300) 106 39 60 249 61 445 505 925 7 1 069 93[1600] 102 90 273 91 360(300) 609 61 757 824 93 930 77 7 2000 18 142[1 82 432 62 62 556[3000] 609 26 34 75 783 15 75 91 158 80 234[3000] 40 370 644. (550) 912 51 66 67 91 74018 43 78 127 61 56 8��„ [60 000] 635 73 864 89 931 68 90 K K-..---«----r-« 914 20 23 76 7»058 (3000) 73 79 653 76 7| "064 76'| 7*000(3 fj lalÄ Kn* *»018 72(300). UM -----"1000J 8 820 901______ 69 906 7------.. 94 515 40(3001 730(3000) � ##0## 883 955 69 73 I 89 601 10(300] 654 75 727 54(30001 62 i 46 190 220 29 318 23 25 69[6000] 409 Verantwortlicher Redakteur ft. Srouhet« in Berlin. Druck und Verlag von Mar vadtng in Berlin- 8W„ Beuthstraße S. Hier»» etae Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 183 Freitag, de« 7. August 1885. IL Jahrg. DemthM iu freudloser Jugend und endlosem Sicchthum, vielleicht sogar m Kühen Tode! �®,o lautet daS Verdikt der sächsischen Fabrikinspektoren SJ 5'Ndem des Proletariats gegenüber, wenigstens das Per- berjenigen unter diesen Herren, die sich in ihren Berichten �r vre Kinderarbeit ausgesprochen haben. -H'rgends wird, so führt die Hamburger„Bürgerzeitung", C �rr dirsen Artikel entnehmen, in ihren Betrachtungen fort, dü 5 der Gewerbeordnung, welcher von der Beschränkung » kmderardeit bandelt, so oft und so schamlos übertreten, o? m den Weberei, Wirkerei- und Stickereibezirkcn des ««Nlarnchs Sachsen, und würden die Auffichtebeamtcn an g%rl Orten Abends gegen neun, zehn, elf Uhr in der Nähe Jr«nckmaschinengebäude verweilen, so könnten sie beobachten, '' viele Kinder über die gesetzliche Zeit hinaus beschäftigt 'Verden, darunter Kinder von sieben Jahren an." i Vorstehenden apostrophirten Satz finden wir nicht in einer y}. Hblikanten feindseligen Zeitung, sondern in dem konser« v°tw liberalen..Leipziger Tageblatt", dem man in dieser Hin- Glauben schenken kann, da es sich durchweg gegen Weiter wendet und für die Unternehmer eintritt. . Ton den sieben Fadrikinspektoren des Königreichs haben .Jh«n Berichten drei der Kinderarbeit keinerler Erwähnung h'M, während die vier übrigen, die von Dresden, Plauen, haben lmÖ �ci�en' P* für die Kinderarbeit ausgesprochen D li«.'A'f neueren Bestrebungen, Kinder unter 14 Jahren über- -vt nicht mehr in Fabriken zu beschäftigen, sind zwar an sich löblich, würden aber in den Famrlienveihältniffen der ner arge Störung verursachen. Kinder zwischen 12 und bfr ei"" flnd oft nach Beendigung des Schulbesuchs und N. Schularbeiten die sechs Stunden, welche durch die jetzige bk/aSi rdnung gestattet find, in der Fabrik unter Aufsicht ./Altern oder anderer Erwachsener viel besser aufgehoben als Ln.se- wo sie oft überhaupt nicht wissen, was sie anfangen T �Allerdings muß die Arbeit den geistigen und körper- Kräften des Kindes angemessen sein, doch sorgt hierfür R Praxis selbst, und ist in dieser Beziehung seitens ��ufsichtsbcamtcn bis jetzt besondere Klage nicht zu führen «u. Natürlich kann keine Klage geführt werden, wenn man te.' Uebertretungen, die das„Lech. Tagcbl." so drastisch "t, gesehen hat. Bei einer einfachen, oft genug vorher wir die darauf bezüglichen Bemerkungen hier zu- Der Inspektor des Dresdener Auffichtsbezirkes & gemachten Revision findet man natürlich in der Fabrik schönster Ordnung.— Daß aber die Kinder in der im,' besser aufgehoben sein sollen, als zu Hause, das ist doch »ick!""»eine„Erfindung," die Anspruch auf Neuheit, aber «'auf Wahrheit hat. Natürlich, wenn man annimmt, daß W. Unö Mutter in derselben Fabrik beschäftigt find, so % fs angehen, aber dieser Fall kommt ungemein selten vor. Zi- sollen uns deshalb auch nicht weiter bei dieser neuen l-vdung" aufhalten. »imR Inspektor des Zwickauer Bezirks läßt sich folgender- »»aus: ItoJine Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit in den herbeizuführen, erscheint, so wünschenswerth es auch %' unmöglich, nicht nur mangels einer anderen Beschäftigung W wü Rücksicht darauf, daß die ganze Gewerbsthätigkeit ihj?.gerichtet ist, daß sowohl Eltern als auch Kinder beschäf- »»h- Ä müssen, um ihr Auskommen zu haben, sondern auch 1% Berücksichtigung oes Umstandcs, daß die Fabrikation (%' /ch nur unter diesen Verhältnissen zur jetzigen Höhe geschwungen hat." Herren Inspektoren scheint das sogenannte„eherne »w! RClPll'' wtr&'f OtHmftf hßl"«»tttfrtrfll» nicht hekannt zu sein, nicht einmal der einfache M flüche Grundsatz, daß sich der Lohn nach Angebot "»ft richtet. So ist ihnen natürlich auch die Wir- »»b-fnl' Kinderarbeit auf den Lohn der erwachsenen Arbeiter geblieben. Da ist es denn leicht, Berichte zu "'cht Außerdem ist es sonderbar, daß die Herren sich aar �*----------------t Fabrikanten bei Ge. Versprechungen sollte .ugn,,«.,-............. Arbeitern in Gestalt von S hm-& ber Löhne zufallen. Dann wäre ja die Kinderarbeit, ke'Mu'mfa weiteren Verdienst zuzuführen, völlig Mio» si- Und nun gar die Behauptung, daß die Fabri- k jehi'n Sachsen ohne Kinderarbeit sich nicht auf gen Höhe befände! Unter 259 600 männlichen, weib- � lugendlichen und kindlichen Fabrikarbeitem in Sachsen larlinlu's Kojis. Erzählung von Maurus Z o k a i. b . lvar bereit» verloren: der Ruhm der Schlachten, � ttJea UnB ber Patrioten, die Blume der heiligen Schaar i>L.ar.eS ward durch den Kampf bei Dragaschan ver- wQ bte Kraft der Moldau brach und sie wieder der _ unterthänig machte. % dem oni)re'6'9 Jünglinge auS der heiligen Schaar, die M&iNnk"uze auf der Brust für Glauben und Vaterland � ttarLn■ tten Reihen»der Janitscharen durchbrochen - %% die Schlacht verloren war, riß Zordaki die für iSJie-in. wehende Fahne von ihrem Stock herab und sie "?�tel um den Leib schlingend, steckte er ein % t.;'n die Schleife, ergriff ein zweites mit der Rechten £ sich ,7'®'fährten ein„Mir nach!" zurufend, stürzte l�aien"ter die Schaar der ihn umringenden Janit- H Bahn gebrochen hatte und zurückblickte, '' Ü6tin� nur noch zweiunddreißig seiner Gefährten gefolgt, . Die"w""" gefallen. S,Uj der �"lunddreißig Helden aber hatten ihren Anführer 7««o4te"0e der Feinde zu befreien verstanden— ja ffanoen'r war, sie hatten den während der Schlacht "n 4� Ö'Nvmwenc* tapfern Tyndari Beg, den jüng- ' des Sultans, mit sich gebracht, dem Leichnam feine» getödteten Pferdes liegend, .... keiner der Helden der heiligen mehr als achtzehn Jahre; Zordaki, der den Anführern, war sogar erst siebzehn überhaupt befinden sich nur 8293 kindliche, also zwischen 12 bis 14 Jahren. Wenn wirklich die Höhe der Industrie auf diesen wenigen Kinderschultern ruhen soll, wie schrecklich müssen diese Kleinen ausgebeutet sein, wie furchtbar ist das Verdammungs- urtheil der Inspektoren, daß die Kinder in gleicher Weise weiteigeguält werden müßten! Die Inspektoren von Meißen und Plauen schließen sich ihren„geehrten Vorrednern" fast wörtlich an und erklären sich in schärfster Weise gegen die weitere Beschränkung der Kinder- arbeit. Wenn nun schon die Herren Inspektoren in dieser Weise sich äußern, so kann es nicht Wunder nehmen, daß die Fabrikanten lüstern darnach werden, die für sie so lohnende Kinderarbeit noch weiter auszudehnen. Die Forderung, Kindern von zehn Jahren an die Erlaubniß zur Fabrik- arbeit zu ertheilen, tritt nämlich in vielen Orten schon laut hervor. Dieselbe wird übrigens auch von den eigenen Eltern vielfach gestellt, die in Unwissenheit gelassen, von Faktoren und Unternehmern verführt, derartige Forderungen erheben, ohne zu wissen, daß sie sich ins eigene Fleisch schneiden, daß ihre eigenen Kinder ihnen die schlimmste Konkurrenz machen. Da wäre es in der That Pflicht der Herren Inspektoren, nach dieser Richtung hin Aufklärung zu schaffen! Daß wir aber mit unserer Ueberschrift:„Verurtheilt zu freudloser Jugend und endlosem Siechthum, vielleicht sogar zum frühen Tode"— recht haben, das können uns oie Fabrikärzte bestätigen und sie haben es auch bestätigt. Auch die Sterblichkeitstabellen zeigen uns die Richtigkeit unserer Be- hauptung. Und die Lehrerkonferenzen, die sich mit der Frage der Kinderarbeit beschäftigt haben, konstatiren nicht nur bei den armen Fabrikkindern ein körperliches Siechthum, sondem auch vielfache moralische Mängel, die durch die fortwährende Berührung der kindlichen Gemüther mit Er- wachlenen entstehen. Das jugendliche Gemüth wird hinter den dumpfen Fabrikmauem vergiftet— so welken Geist und Körper frühzeittg dahin. Das Kind gehört in die Schule und auf den Spielplatz und nicht in die Fabrik, diese Forderung muß jeder humane, aber auch jeder ökonomisch verständige Mensch stellen, mögen die Herren Fabrikinspcktoren sagen, was sie wollen. . Diese Forderung aber ist ein Theil des von der Arbeiter- partei im Reichstage eingebrachten Arbeiterschutz-Gesetzes, treten wir für dieses ein, so erklären wir uns auch gegen die Kinderarbeit. In der Jugend liegt die Zukunft unseres Vaterlandes und wahrlich nicht allein, wie Viele meinen, in der studirenden Jugend; die Kinder der Arbeiter, des Proletariats, sie sind in der Hauptsache berufen, die großen segensreichen Ideen, die in der Jetztzeit zum Heile der Menschheit aufkeimen, einstmals zum Siege zu bringen. Deshalb auch schon soll die Jugend geschützt werden! Kommunales. Stadtverordneten-Verfammlung. Außerordentliche Sitzung am 6. August. Bänke und Tribünen sind sehr schwach besetzt. Der stellvertretende Stadlverordneten-Vorsteker, Herr Dir. Büchtemann eröffnet die Sitzung um 5 Uhr 30 Min. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die Berichterstattung des Ausschusses zur Vorprüfung der Einwendungen, welche gegen die Richtigkeit der zur Auslegung gekommenen Wähler- listen für die Stadtverordnetenwahlen erhoben sind. 18 Anträge auf Nachtraguno in die Wählerliste liegen vor, außerdem ein Antrag auf Streichung eines Wählers. Berichterstatter über die Anträge 1—6 ist der Stadtverordnete Geheimrath S p i n o l a. Cr empfiehlt im Namen des Ausschusses die Antrüge der im Verzeichniß unter Nr. 1—5 aufgeführten Personen auf nachträgliche Aufnahme in die Gemeinde- Wählerliste abzulehnen, weil der Zeit- punkt, an welchem der Schluß der Aufstellung der Wählerliste stattfand, also der 15. Juli, maßgebend ist für die Beurtheilung, ob die erforderlichen Eigenschaften, melche die Aufnahme der Wähler in die Wählerlisten berech- tigen, vorhanden sind oder nicht. Die betreffenden Antrag- steller waren am 15. Juli d. I. noch nicht 24 Jahre alt, es mangelt ihnen demnach das zur Theilnahme an den Gemeinde- wählen vorgeschriebene Lebensalter. Der Antrag des Ausschusses wird angenommen. Zu Nr. 6 oes Verzeichnisses, Antrag des Tischlers Karl Rahardt, Admiralstt. 20, auf nachträgliche Eintragung, bemerkt der Berichterstatter, daß nach Mittherlung des Magistrats Herr von den Helden der heiligen Schaar überwältigt wurde und den sie im heißesten Kampfe nicht freiließen, sondern mit sich in die Berge schleppten, deren Höhlen und Kluften ihnen für einen Moment eine Zufluchtsstätte boten. Die siegreichen SpahiS verfolgten sie bis spät Abends; wenn sie sich für einen Augenblick unter einem Felsen nieder- ließen, der ihnen als Rastort und bergende Mauer diente, zwang sie daS heraufdringende Geschrei ihrer Verfolger, im nächsten Moment bereits weiter zu fliehen, denn die Feinde boten Alles auf, um die Fliehenden zu erreichen, da sie wußten, daß sich auch Tynardi Beg unter ihnen befinde. Die Sonne war bereits untergegangen, dafür aber stieg der verrätherifche Mond empor, der die ganze Gegend hell erleuchtete und den Flüchtlingen den Segen der dunkeln Rächt raubte. Gleich fliehenden Rehen jagten die rasenden Herden der Janitscharen sie aus ihren Zufluchtsstätten empor. Zwischen der Doppelspitze des Dragaschanberges hoben sich die schwarzen Umrisse eines Gebäudes von dem Mondschein- erhellten Himmel ab; die Spitze eines ThurmeS dieses Ge- bäudes trug das Zeichen des Doppelkreuzes und aus den wei letzten Fenstern zitterte schwacher Kerzenschein durch die elle Nacht. Dieses Gebäude war das Kloster von Zeki. Gottergebene Jungftauen bewohnten dasselbe. Wenn die Fliehenden daS Thor des Klosters erreichen, können sie wenigstens ausruhen— bis morgen, denn die heiligen Zung- frauen werden doch das Thor vor den Letzten der heiligen Schaar nicht verschlossen halten und wenn es sein muß, so werden sie mit ihnen sterben. Aus dem Klosterthurm tönte in melancholischem Gelaute das Sterbeglöcklein.„Zm Kloster giebt's eine Leiche," sagte einer der Helden zum andern,„bald wird eS deren mehr geben." Rahardt Armenunterstützung insofem empfangen haben solle, als seine Tochter Frieda am 1. März d. I. in das Kranken- haus Bethanien aufgenommen und darin 51 Tage verblieben sei. Der Ausschuß könne dieser Anficht nicht beipflichtm, in der Aufnahme des Kindes in das Krankenhaus liege keine Armenunterstützung, zumal durchaus nicht erwiesen sei, daß eine Erstattung der Kurkosten überhaupt nicht erfolgen werde. Der Ausschuß empfehle deshalb, dem Antrage auf nachträgliche Aufnahme stattzugeben. Stadtrath Vogt vertritt dem gegenüber die Ansicht des Magistrat, daß jede derartige Leistung, wie die Aufnahme des Kindes in die Krankenanstalt, nur auf Grund der öffentlichen Armenpflege gewährt werde und ersucht um Ablehnung des Ausschußantrages. Stadtv. Krebs schließt sich den Ansichten deS Aus- schusses an. Der Ausschußanttag wird angenommen. Berichterstatter für die Nr. 7—18 ist der Stadv. Namslau. Nach amtlichen Nachweis seien die Personen sab Nr. 7—18 Schlafleute. Vei der Ent- scheidung der Frage, ob dieselben wahlberechtigt seien oder nicht, käme in Betracht, ob dieselben im Sinne der Städte- ordnung selbstständig seien. Eine Interpretation der Selbst- ständigkeit sei in der Städteordnung selbst nicht gegeben. Der Referent nimmt nun auf verschiedene Ministerial-Reflripte und Magistratsverfügungen Bezug, aus denen hervorgehe, daß derjenige als selbstständrg zu betrachten sei, der einen eigenen Hausstand oder die freie und ausschließliche Verfügung über ein oder mehrere Zimmer habe. Nach diesen Erklärungen seien die Chambregamisten nicht an und für sich auszuschließen, aber selbst der liberalste Erlaß gehe nicht so weit, die Scklafleute zuzulassen. Der Ausschuß empfehle des- halb, die Anträge unter 7—18 auf nachträgliche Aufnahme in die Gemeindewählerliste abzulehnen. Stadtv. G ü r ck i: Ich kann mich dieser Auffassung nicht anschließen. Im Allgemeinen ist man von d-n Anschauungen, abgewichen, die vor 2 Jahren maßgebend war. Hierdurch find eine Menge Wähler ausgeschlossen worden. Der Unterschied zwischen Chambreaainisten und Schlafburschen ist gar nicht klar ersichtlich. Eine Anzahl Personen ist nur deswegen in das Wählerverzeichniß eingetragen, weil sie beim Umzug sich auf den Anmeldebogen als Chambregarnisten eingetragen haben. Viele der Reklamanten sab Rr. 7—18 verfügen thatfächlich über einen eignen Raum. Ich beantrage deshalb, die Fälle sab 7—18 noch einmal an dem Ausschuß zurückzuweisen zur Prüfung, ob die betreffenden Personen thatfächlich Schlafleute oder Chambregarnisten sind, eventuell beantrage ich, ihre Namen in die Wählerliste nachträglich aufzunehmen. Stadtrath Vogt bittet, diesem Wunsche in keiner Weise stattzugeben. Wenn Jemand den Antrag stelle, in die Wähler- listen aufgenommen zu werden, so habe er selber den Nachweis zu führen, daß er berechtigt im Sinne der Städteordnung sei. Er könne nicht verlangen, daß Mitglieder des Magistrats oder dieser Versammlung sich seinetwegen hcrumbemühten. Dieser Nachweis habe spätestens bis zum heutigen Tage geliefert werden müssen; der sei in keinem Falle erfolgt. Stadtv. Herold: Viele Mitbürger werden mit mir diese Auffassung des Magistrats bedauern. Der Magisttat scheint zu vermuthen, daß die Schlafleute nicht einmal über ein eigenes Bett verfügten, daß noch die alten Verhältnisse der sog.„fchlesischen Wohnung" beständen, wo auf einem Lager 10, 12 Mann Platz nähmen. Das ist durch die polizeiliche Verfügung unmöglich geworden. Jetzt hat jeder Schlafbursche ein eigenes Bett, Spind und Stuhl zur Verfügung. Was ist der Unterschied zwischen einer Chambregarniewohnung und einer Schlafstelle? Ich halte mich an das deutsche Wort, und sehe leinen thatsächlichen Unterschied. In dem Verzeichniß steht auch der Name des Tischlers John. Sein Kollege, der mit ihm dasselbe Zimmer bewohnt, ist in die Wählerliste ein- getragen, er nicht. Da ist der Tischler Partenheimer, der für Mutter und Schwester selbstständig sorgt und doch als Schlaf- bursche aus der Liste geblieben ist. Wie kann in solchen Fällen der Magistrat einen Unterschied zwischen Chambregamisten und Schlafburschen aufrecht erhalten- Stadtv. Spin ola meint, daß es sich hier nicht um solche Gesetze handle, wie die Herren Herold und Genossen sie wünschten, sondern um die bestehenden. Die Städteordnung verlange mit Recht, daß nur seß- hafte Leute das Kommunal-Wahlrccht ausüben sollten. Es könne also nur als Ironie aufgefaßt werden, wenn die Schlaf- burschen das Wahlrecht erhalten sollten; schon bei den Cham- brcgarnisten liege die Sache zweifelhaft. Stadtv. G ö r ck i bleibt bei seinen Ausführungen bestehen. Wenn es die Pflicht jener Leute sei, glaubhaft nachzuweisen, daß sie keine Schlafburschen, sondern Chambregarnisten seien, so hätte der Magisttat wenigstens ihnen angeben sollen, wie Gerade verstummte das traurige Läuten, als Zordaki mit der Faust am Klosterthore pochte. „Wer ist draußen?" tönte es von innen. „Zordaki und die Hetairia." Bei dieser Antwore öffnete sich das Thor und eine ehr- würdige Greisin, die Aebtissin des Klosters, in weißem Talar und mit schwarzem Skapulier auf dem Haupte, empfing die Eintretenden. „Du kommst recht; sei glücklich!" begrüßte die Aebttssin Zordaki. „Ungelegener konnte ich gar nicht kommen und Unglück- licher könnte ich gar nicht sein," antwortete Zener bitter. Seine Gefährten folgten ihm durch die geöffnete Thür: die Aebtissin zählte sie. „Blas zweiunddreißig? Und die Uebrigen?" „Sind bereits daheim?" antwortete Zordaki, gen Himmel deutend. Die Aebtissin führte die Helden der Hetairia die Treppe empor; bei der Thür des großen Refektoriums blieb sie stehen und sprach wieder zu Zordaki: „Sei glücklich; Du kamst zurecht. Das Mädchen, welcheSDu gestern hierher gebracht, starb heute ohne zu leiden." Zordaki bekreuzigte sich andächtig und öffnete leise die Thüre. In der Mitte des Saales lag auf einer Erhöhung die Leiche. Eine schöne weiße Erscheinung aus dem Jenseits; eine mit Händen greifbare Seele, die das Auge noch sieht; die Lippe fühlt die Kälte beim Kuß und das Herz weiß, daß die Seele bereits weit weg in einen fernen Stern ge- zogen ist und nicht mehr unter uns weilt. Zordaki schritt hin zu dem schönen weißen Leichnam; die Todte war auch noch ein Kind, sie mochte kaum über sechszehn Jahre zählen und er warf sich hin über sie und 'dieser Nachweis zu führen sei. Möge der Magistiat dafür sorgen, daß Jeder in der Lage sei. die ihn gesetzlich garantirten Rechte zu wahren. In den Anmeldungen werde oft genug das Wort„Schlafstell" nur deshalb gebraucht, weil es leichter zu schreiben sei, als das unbequeme Fremdwort„Chambregarnie". Wenn der Magistrat genügend in Erwägung ziehe, daß er nicht genau angewiesen habe, wie die Reklamationen zu erfolgen hätten, so könne man nichts so Unerhörtes in dem Verlangen finden, den Termin noch einmal auf 8 Tage hinauszuschieben und dem Ausschuß die nochmalige Prüfung zu übertragen. Nach einer kurzen Bemerkung des Stadtv. Baumgarten und einem Schlußwort des Referenten, in dem derselbe auf den amtlichen Nachweis aufmerksam macht, wonach ein jeder der Reklamanten auf seine Pflicht aufmerksam gemacht worden sei, wird der Antrag Görcki abgelehnt und der Antrag des Ausschusses angenommen. Ebenfalls angenommen wird der Antrag des Ausschusses, dem Antrag des Hausbefitzers Gustav Arndt, Kaiserstr. 47, auf Streichung des in seinem Hause wohnenden Schneiderocsellen R. Jordan aus der Wählerliste stattzugeben, weil Herr Jordan nachweislich nicht selbstständig im Sinne der Städte-Ord- nung sei. Schluß 6'/« Uhr. Zokales. Vom Verein Berliner Droschkenkutscher erhalten wir folgende Zuschrift: Aufgabe der Presse wird es sein, dem Publikum soviel wie nur irgend möglich, auf die Taxen der verschiedenen Verkehrsmittel der Residenz hinzuweisen, und da ist es hauptsächlich nöthig, einen Vergleich der Taxen mit ein- ander aufzustellen. Bekanntlich hat sich vor kürzerem die Ber- liner Packetfahrt-Gesellschaft gegründet, welche die Packete von den Wohnungen abholt und nach den Bahnhöfen schafft und umgekehrt. Vor kurzem brachte die betreffende Gesellschaft ein Zirkular zur Vertheilung, worin der Tarif für die Beförderung der Packete, sowie auch die Vortheile, welche dem Publikum bei der Beförderung von Packeten, durch die qu. Gesellschaft erwachse, enthalten war. Dasselbe lautete: Reise» und Hand- gepäck befördert die Berliner Packetfahrt-Gesellschaft vom Bahn- Hof in die Wohnungen und Hotels nach folgendem Tarif. 1. Für größere Gepäckstücke je 10 Kilo Gewicht 20 Pfg. mindestens pro Stück 30 Pfg. Für Handgepäck pro Stück 20 Pfg., ein einzelnes Stück 30 Pfg. Garantie: für große Gepäckstücke bis 200 Mark und für Handgepäck bis 50 Mark. Dang heißt es in dem qu. Zirkular weiter: Bei unseren durch Schilder deutlich erkennbaren Ge- päck-Expeditionen, die auf allen Bahnhöfen errichtet find, kann der Gepäckschein resp. das Handgepäck gegen Quittung abge- geben werden. Kürzeste Beförderungszeit. Wegfall der Trink- aelder, des lästigen Martens am Gepäckschalter, Erspamng der Droschke und Droschkenmarkc. Gepäck, welches nach 7 Uhr Abends aufgegeben wird, gelangt am nächsten Morgen zur Bestellung. Berliner Packest ahrt- Gesellschaft. Die Direktion. Nach diesen Zirkulären war d.r Tarif aber noch öfters und ausführlicher an den öffentlichen Anschlagsäulen veröffentlicht. In denselben hieß es unter Anderen, daß für das Abholen der Gepäckstücke aus den Wohnungen 50 Pf. extra erhoben wür- den. Nimmt man nun an, Jemand hat ein Packet von 50 Kilo zu befördern. Die Packetfahrt- Gesell- schaft erhält hiervon durch Postkarte Nachricht, so würde würden für das Gepäckstück inklufive Postkarte 1,55 Mark zu zahlen seien. Wir wollen zwar über die Höhe des Preises vorläufig noch nichts sagen, sondern es wird unsere Aufgabe sein, festzustellen, wie es mit der schnellen Beförderung der Gepäck- stücke steht. Wie uns von zuocrläsfiger Seite mitgctheilt wird, können die Polizeibeamten auf den Bahnhöfen, Vre beste Aus- kunft ertheilen. Nach den Bekundungen der Herren Beamten, kommen tagtäglich Personen, welche angeben, am vorigen Tage der Packetfahrtgesellschaft das Reisegepäck zur Beförderung nach den Wohnungen oder Hotels übergeben zu haben und bis zum andern, ja es soll häufiger vorgekommen sein, daß das Gepäck am zweiten Tage erst bestellt worden ist. Stellen wir nun einmal einen Vergleich mit unfern Droschken an, so werden wir finden, daß die Beförderung der Packete mit denselben billiger, ja zuweilen bedeutend billiger ist, wie mit der Packetfahrt-Gesellschaft. Die Beförderung von 50 Kilo Gepäck würde mit der Droschke bei einer Entfernung von 30 Minuten und unter Mitfahrt zweier Personen, sowie ein Kind unter 10 Jahren, 1,50 Ml. betragen. Die Beförderung geschieht direkt, der Reisende hat sein Gepäck bei sich. Wir haben oben schon einmal angeführt, daß dasselbe Gepäck, bei der Packet- fahrt- Gesellschaft 1,55 Mk. betragen würde. Es würden sich hier noch hunderte von Beispielen anführen lassen, welche den Beweis liefem, daß das reisende Publikum, durch Benutzung drr Droschken stets besser und auch zuweilen billiger fortkömmt, als wenn es der Packetfahrt-Gesellschaft die Gepäckstücke zur Beförderung übergiebt, und glauben wir, durch Veröffent- lichung dieser Zeilen, dem Publikum und hauptsächlich dem reisenden Publikum einen Dienst geleistet zu haben. Wie es dem Herrn„Agenten" Blasse erging.(Eine ergötzliche schlefische Geschichte aus dem Berstner Maurerstreik.) Da brauchen die Berliner Meister billige Maurer und schicken den Herrn Blasse aus, auf daß er welche fange, die dumm genug find, sich fangen zu lassen. Denkt er:„Dort in Görlitz, da will ich meine Leimruthen aufstecken, vielleicht hüpfen Gimpel auf!" Morgens am 18. Juni heurigen Jahres, wo die Dummen noch immer nicht alle geworden find, las man verharrte lange unbeweglich. Die Todte war seine Schwester und hatte bei ihren Lebzeiten den Namen Jhrene geführt. Der andere Jüngling, der kein Auge von dem Antlitz der Todten zu wenden vermag, ist Nasta Mariotis, der Verlobte der stillen Braut. Er betrachtet einzeln jeden ihrer Züge, ihre Augenbrauen, die schönen Lippen, wie wenn er meinte, sie dadurch vor der Verwesung bewahren zu können. Oder glaubt er vielleicht, daß man selber daran stirbt, wenn man das Gesicht eines geliebten Todten lange betrachtet? Zwei Kerzen brennen am Kopfende des Sarge», als drittes leuchtet der zum Fenster hereinscheinende Mond; vier Nonnen knieen, leise Sterbegebete murmelnd, vor dem Kruzifix.. Inmitten des Sterbegebetes erkracht draußen ein Schuß und die Scherben des zertrümmerten bemalten Fensters fallen klirrend zu Boden. Die Janitscharen, die SpahiS haben das kleine Kloster bereits umringt. Jordaki verließ seine schöne weiße Todte und MariotiS Hand drückend, begab sich Jeder wortlos ans Fenster. DaS Kloster hatte �acht Fenster, an jedem derselben nahmen zwei Männer Stellung, zwei andere standen bereit, um die abgeschossenen Flinten neu zu laden. In dieser Weise begann der Kampf. Gewehre knatterten außerhalb und innerhalb der Kloster- mauern, viele tapfere Türkenhelden waren bereits ringsum aefanaen, die gemeint hatten, den Tag des Sieges erlebt zu haben Die Janitscharen vermochten nicht die Thüre des Klosters zu erbrechen, alle noch, die es versuchten, fielen unter den Kugeln der Hetainsten. Inmitten des wildesten Kampfes sangen die Nonnen � Bis Mstternach�hatt�n die Jünglinge vier Stürme urückgeschlagen und die Türken sahen em, daß die Ver- in den Görlitzer Blättern die verlockende Anzeige: Tüchtige Maurergesellen für 4 Mark Lohn bei zehnstündiger Arbeitszeit werden lür den Reichstagsbau zu Berlin verlangt. Meldung von 5—9 Uhr Abends im Gasthof„Zur goldenen Sonne.' Der Agent Blasse. Hei! wie freute fich der Herr Aaente! Da kamen pünktlich um 5 Uhr sofort sechs„tüchtige" Maurer auf sein Zimmer, fragen: wie, wo, warum, wozu, zu welchem Zweck, aus welchem Grunde? und— lachten den Herrn Agenten aus. Sie gehen. Da trappt es schon wieder auf der Treppe, klopft an die Thüre und tritt ein. Sechs neue„tüchtige" Maurer find da. Sie fragen: wie, wo, warum, wozu, zu welchem Zweck, aus welchem Grunde?— lachen und gehen! Trapp, Trapp, Trapp find sechs neue„tüchtige Maurer da. Dieselben Fragen, dasselbe Resultat bis 9 Uhr. Da kommt ein einzelner..tüchtiger" Maurer, stellt die gewöhnlichen Fragen, ganz schlefisch gemüthl-ch: Wie, wo, warum, wozu, zu welchem Zweck, aus welchem Grunde? und legt eine Sammel- liste für die streikenden Maurer in Berlin dem Herrn Agenten Blasse zur Unterschrift vor! Jetzt steht er ein: Du bist blamoren Blasse! Die Schlesinger haben Dich geuzt! Er ergrimmt in seinem Zorn und geräth in Wuth, wu es ganz angemessen war. Da trappelt es nochmals auf der Treppe und zwanzig„tüchtige" Maurer erscheinen, um dem Herrn Agenten Blasse„einen schönen guten Abend!" zu wünschen. Er aber reiste fürbaß gen Bunzlau, wo es ihm ähnlich ergangen sein soll. Die„tüchtigen" Maurer in Görlitz, so den Herrn Blasse gcuzct hatten, waren, dem„Bauhandwerker" zufolge, Kollege Traut- mann mit dem ganzen Fachverein und noch einige mehr! Ja, ja, Herr Agent Blasse, es giebt viele schlechte Menschen, aber „tüchtige" Maurer zu Görlitz! ar. Die Rosenthalerstcaße vom Hacke'schen Markt bis zur Weinmeisterstraße hat ein äußerst mangelhaftes Schienen- geleise; dasselbe steht zollhoch über dem Straßenpflastcr und hat schon mehrfach Beschädigungen verursacht. Es ist dringend nothwendig, daß diesem Uebclstande abgeholfen wird. Die Arbeiten zur Herstellung der Blücherstraße bleiben nach der„Voss. Ztg. von jetzt ab, nachdem das große Entwässerungsrohr von der Bülowstraße bis zur Horn- resp. Großbeerenstraße fertig gelegt ist, bis zu Ostern k. K. liegen, während an den Unterführungsarbeiten unter dem Potsdamer Bahnkörper flott weiter gearbeitet wird. Letztere sollen in 5'/, Wochen vollendet werden. Die durch jene Gegend projektirte neue Pferdebahn muß, dem„Fremdenbl." zufolge, laut neuer» dings getroffenen konttaktlichen Vereinbarungen bis spätestens den 1. Januar 1887 fertig gestellt werden. Den Fuhrunter- nehmern nebst Holz- und Kohlenhändlern in der Gegend der Horn-, Großbeeren- und Möckernstraße wird sämmtlich zum 1. April 1886 gekündigt und alsdann der Straßenbau der Blücherstraße mit aller Energie gefördert werden. Auch der Platz für das städtische Thonröhrenlager in der Möckcrnstraße, gegenüber der Hagelsbergerstraße, muß zu dem gedachten Termin geräumt sein. Man hat seitens der Stadtverwaltung vorläufig einen Platz auf dem Kuhnheim'schen Terrain in Aus- ficht genommen. Die dortigen Planirungsarbeiten schreiten sehr flott fort, doch kann die Niederlcgung der Schornsteine erst nach dem vollständigen Abbruch der Gebäulichkeiten erfolg n, in denen gegenwärtig immer noch einige chemische Fabrikate lagern. Das königliche Polizei-Präfldium hat an die Re- daktion der„Allgemeinen Fleischer-Zcitung" ein Schreiben ge- richtet, in welchem dieselbe ersucht wird, mitzuthcilen, welche Vortheile sie beim Roßfleischverkauf erwartet, wenn der Magisttat die Roßschlächterei in eigene Verwaltung nimmt, beziehungsweise worin die Mängel der gegenwärtigen polizeilichen Konttole der Roßschlächterei nach ihrer Anficht oe- stehen. Auf den hiesigen Bahnhöfen ist folgende von der Lon, doner Polizeibehörde zuerst 1882 erlassene Bekanntmachung durch Anschlag wieder in Erinnerung gebracht worden:„Wenn Mädchen, welche nach London gekommen find, um häuslichen Dienst oder sonstige Beschäftigung zu erlangen, irgend in Schwierigkeiten gerathen und Auskunft über englische Gesetz- Vorschriften bedürfen, so erhalten fie solche, sowie etwa erfor- derlichen Beistand auf persönlichen oder schriftlichen Anttag in jedem Polizciamt(Police Station) oder im Bureau des Kri- minal Jnvestigation Departement, Great Scottand Uard, oder auf dem kaiserlich deutschen Generalkonsulat, 5. Blomfield Street, London Wall E. C., an jedem Wochentage in den Stunden zwischen 11 Uhr Morgens und 1 Uhr Nachmittags. Great Scotland Uard, 10. Januar 1882. E. I. W. Hender- son, Kommissioner of Police of the Metropoles." Der Kriminalpolizei ist es am 2. d. Mts. gelungen, den Komplizen des vierzehn Tage früher festgenommenen Ar- beiters Will, den Buchhalter Georg Frankenberg in der Schön- hauser Allee zu ergreifen und dingfest zu machen. Wie bereits mitgeteilt, hatten Beide einer Firma in der Alexanderstraße 866 M. unterschlagen. Bei der Festnahme des Falkenberg wurde bei ihm ein Wechsel über 746 M. vorgefunden, welchen er in einem Wiener Eafs in der Königstraße für 600 M. beim Spiel erworben haben wollte. Aus dem Giro dieses Wechsels wurde der Ursprung desselben von der Behörde erkannt. Der- selbe stammte aus einem Garderobengcschäft am Monbijouplatz und es ist gelungen zu ermitteln, daß das Werthpapier von einem Lehrling dieses Geschäfts Z. entwendet worden ist. Z. war von dem Frankcnberg, einem früheren Kommis Fr. und dem sogenannten schwarzen Herrmann zu dem Diebstahl ver- leitet worden. Z. und die letztgenannten beiden Komplizen sind der Königlichen Staatsanwaltschaft bereits vorgeführt. zweifelten jeden Tropfen Blutes theuer verkaufen würden; sie sandten daher nach Dragaschau hinab, um Kanonen zu holen. Die Kanonen werden daS Schwierigste vollenden, Krummsäbel und Handschar das Uebrige. Bald darauf sahen die im Kloster Eingeschlossenen zwei Feuerschlangen den Bergpfad emporziehen; diese ließ Girlet Aga, ihr Todfeind, auf einem gegenüber- liegenden Hügel auffahren und unter Trompeten- geschmetter die Jünglinge auffordern, sich nicht vergeblich zu vertheidigen, sondern ihre Waffen und den Schwieger- söhn des Sultans, Tynardi Beg, auszuliefern, während sie selbst Gnade erhalten sollten. Bei dieser Verkündigung ergriff Jordaki Tynardi Beg am Arm und führte ihn in das Grabgewölbe des Klosters hinab, wo er einen steinernen Sarg öffnete und ihm zeigte, daß derselbe mit Schießpulver gefüllt sei. „Nun steige in den Klosterthum hinauf und sprich von dort zu dem Beg. Sage ihm, daß wir uns weder ans Gnade, noch auf Ungnade ergeben; wenn er aber wolle, daß wir Dich lebend von hier entlassen sollen, so möge er sich mit seiner ganzen Schaar vom Kloster zurückziehen, da- mit wir in Frieden abziehen können; Du aber bleibst zurück. Wenn er indessen einen einzigen Schuß aus seinen Kanonen gegen das Kloster abgibt, sprenge ich das Gebäude sammt Dir und sammt uns in die Luft. Wenn Dir Dein Leben lieb ist, so wirst Du diese Worte sprechen." Tyndari Beg ließ sich in den Klosterthurm hinaufführen und von dort schrie er aus vollem Halse hinunter: „Tapferer Girlet Aga! Deine Sache ist eS nicht, mein Leben zu retten, sondern den Feind zu besiegen. Darum wage es ja nicht, mit den Empörern wegen meines Lebens zu unterhandeln, denn dies ist Dir nicht gestattet, sondern greife sie ohne Weiteres an, denn sie sind feige und von Entsetzen erfüllt—" Ein Gaunerstrelch der an Frechheit entschieden Gleichen suchen dürfte, ist am gestrigen Tage von 2 zweisilw» Berliner Verbrechern an der Verbindungsbahn in Rixvott m Szene gesetzt worden. Dieselben hatten am hellenlichten � von einer dort weidenden Hammelherde, obwohl der Hirt w bei saß, ein fettes Exemplar unbemerkt gestohlen und w Hammel sodann an der Böschung regelrecht abgeschlachtet u# ausgenommen. Nachdem fie den Kopf, die Haut und die Lüh geweive liegen gelassen, entfernten fie sich in aller Rüde e™ den übrigen Theilen des Hammels. In einiger Entfernung arbeitende Leute wollen gesehen haben, daß die beiden Sv'k buben fich durch die dortige Delbrückstraße in der ÄidM nach Berlin entfernt haben. Die eingeleiteten Recherchen Hanl» bisher keinen Erfolg liebet einen Unglücksfall mit tödtlichem AuscaM wird folgendes berichtet: Gestern Nachmittag wollte der scoi-> jährige Knabe Paul Hartmann vor dem Hause Rosentham' straße 23 kurz vor einem ankommmden Omnibus über die Sttaße laufen, wurde jedoch von dem Handpferde umgestoßen und überfahren. Die beiden rechten Räder gingen ihm gu« über die Brust, wodurch er so schwere innere Verletzung» erlitt, daß er im St. Hedwigs- Krankenhause, wohin er von d« Mutter gebracht worden war, nach einer halben Stunde ver» starb. Dem Kutscher dürfte nach Aussage-der Zeugen cuie Schuld an dem Unglücksfalle nicht beizumessen sein. Wegen mehrfacher Unterschlagungen wurde gestew der Kommis H. verhaftet. Derselbe kondittonirte in oca Butter- und Getreidegeschäft von Grabs, Prinzcnsttaße 41. und war beauftragt, gegen Behändigung der Quittung Kunden Gelder einzukasfiren. Die Aufträge hat er auch au»» geführt, das empfangene Geld aber unterschlagen und in seln»» Nutzen verwandt. Die Täuschung hat er dadurch herbeizu» führen gewußt, daß er die empfangenen Quittungen mit W Bemerken wieder zurückgab, daß Zahlung von oen Künosv nicht geleistet worden sei, während er mit der Unterscbw seines Prinzipals gefälschte Quittungen den Kunden aitsha"' digte. Bis jetzt find 6 derartige Fälle bekannt geworden uiu> der unterschlagene Betrag beläuft fich auf etwa 400 Mark. Der Handlungslehrling Albert Wöckner ist bekannt' lich am 31. Juli auf dem Trottoir der von der Belle Allianc» Straße nach dem Tempelhofer Berge führenden Sttaße, jju: wenige Schritte von der letzteren entfernt, in bewußtlosem o"' stände von einem Wächter aufgefunden worden und weW Stunden später in der dicht beim Fundort belegenen elter' lichen Wohnung verstorben. Die Ursachen der»n seine»' Körper durch die Leichenöffnung konstatirten tödtlichen 2#' letzungen haben durch die bisherigen polizeilichen Ermittelunge» noch nicht aufgeklärt werden können. Daß diese Verletzungen" eine Fraktur des vorderen Echädelrandes und ein BruÄ � rechten Unterarmes— durch einen Fall auf den asphaltirte» Bürgersteig verursacht sein sollten, ist im hohen Grade»»' wahrscheinlich. Dieselben rühren zweifellos von Schlägen:»" einem harten Gegenstand her, der verletzte Unterarm ist scheinlich erhoben worden, um einen Schlag abzupariren. � ist aber auch nicht anzunehmen, daß Wöckner am Fundo» oder in der Nähe desselben die schweren Verletzungen erkalte» hat. Denn der genannte Wächter hat um 1'/« Uhr Nachts � der Ecke der Bellealliance- und Bergmannstraße die Muu» des Wöckner und die beiden Schwestern desselben an P® vorüber in der Richtung nach ihrer Wohnung gede» sehen, ist den Damen langsam gefolgt und hat etwa Viertelstunde später den Albert Wöckner an der bezeichnete» Stelle gefunden. Dort kann er aber noch nicht gelegen hake»' als seine Mutter und die Schwestern das Haus octraten, d!»» an der durch den Mond und eine Straßenlaterne beleuchtet? Stelle hätte die auf dem Bürgersteige liegende Gestalt bcmN» werden müssen. Eine Schwester des Wöckner hat sich unmitij* bar nach der.Heimkehr an das Fenster gesetz, um aus ihren mit ei** Hausschlüssel nicht versehenen Bruder Albert zu warten. sie noch der Wächter haben ein Geräusch, welches»5, einen Ucberfall oder auf eine Schlägerei schließ® ließe, in der stillen menschenleeren Sttaße vernomivs» Der Schwester hätte aber dasselbe um so weniger entgeh® können, als der Wächter den Albert Wöckner fast unmittelb® unter dem Fenster gefunden hat, an welchem das Mädlb? wartend saß. Bei dieser Sachlage muß angenommen werden, dem Albert Wöckner die Verletzungen in einem Lokale in K® Möckernstraße, in welchem er erweislich von mehreren Personen'» der qu. Nacht thätlich angegriffen und gegen 1 Ubr zur Tb>» hinausgedrängt worden ist, zugefügt worden find, daß er Zw» noch die Kraft besessen hat, sich bis in die Nähe der elterlnk® Wohnung zu schleppen, vor dem Betreten des Hauses aber r sammengebrochen ist und das Bewußtsein verloren hat. Gerichts-Zeitung. Das Messer! In der Michaclkirchfiraße wurden Juni d. I. Neupflasternngen vorgenommen. Die Arbe'«- pflegen während der Mittagsstunde die schattigen ThonveS der benachbarten Häuser all Ruhestätte zu benutzen. 7. Juni hatte der Arbeiter Timpe um 12 Uhr Mittags er»® solchen Platz insofern für fich in Anspruch genommen, als l. denselben mit seiner Arbeitsjacke belegt und seinen Topf Mittagsesscn daneben gestellt hatte. Er holte fich nun er» Flasche Bier, als er ader nach einigen Minuten zurückkeh�l gewahrte er, daß der Steinsetzer Hermann A l b c' Raschle ohne Weiteres seine Utensilien bei Se te gcfdst'K' und den Winkel okkupirt hatte. Timpe, ein älterer M»" Das Uebrige konnte er nicht mehr sagen; ein von u»� kommender Schuß aus Jordaki's Flinte machte seinen und seinem Leben zugleich ein Ende; Tyndari Beg MK todt in die Tiefe,— die Tochter des Sultans blieb Wisi�. Und ttotzdem beschoß Girlet Aga das Kloster M, jetzt ließ er es erst recht nicht beschießen. Er wollte M Gegner nicht des Ruhmes theilhaftig werden lassen � � Kampfe zu fallen. Er wollte sich ihrer lebend bemächtig' Es mußte ein Schaugepränge vor dem Hebdomon- Palast abgeben und hierzu wollte er sie aufbewahren.. Der Hebdomanplatz sah bereits die Köpfe zahlre'«� griechischer und walachischer Helden vor das Zelt der rcchtigkeit niederrollen,— Jordaki und seine Gefährten war® nicht die Ersten dort. Das im Kampfgewühl vergossene hat keinen Werth, aber jeder Tropfen, der auf dem platze fließt, wird mit Gold aufgewogen. Girlet Aga M"' die Empörer. Er sandte abermals einen Herold vor das Klosterth� und ließ den Eingeschlossenen verkünden:„ „Tapfere Hetainsten! Girlet Aga schenkt Euch% und Freiheit,«wem, Ihr Evern Anführer Jordaki auslief�' Die Uebngen gehen ungestraft aus." Zweiunddreißig Kugeln durchbohrten zu gleicher � Sprecher,— dies war die Antwort. ''??uge uns noch mehr solcher Botschaften!" � Girlet Aga ließ auch jetzt noch nicht aus seinen M das Kloster beschießen. „Bis am Morgen, oder nach einer Woche werdet �. Euch schon eines Bessern besinnen. Wenn Ihr ausgeh1"� seid, werdet Ihr Jordaki schon ausliefern." Zwei Tage hindurch näherte er sich gar nicht dem MjL, sondern hielt es bloS aus der Ferne umschlossen, dain:'■ wand entfliehen könne. Am dritten Tage waren alle Leb® mittel im Kloster zu Ende gegangen. Ä Mhrt: »ton u «ten M (lallen h, und als »nt« A, «nmn: ."»fite be U. erka % WS Sl wchte seinem viel jüngeren Kollegen über diese Elgenmachtrg- Vorwürfe, worauf dieser sofort aufsprang und»hin nut der fjtfi einen Hieb ins Geficht gab. Blutüberströmt sank der Ge- kofme zu Boden, der Schläger mußte den Hieb mit einem Meffer ffübrt haben. Der Verwundete mußte sofort einen Arzt auf- w-n und dieser konstatirte. daß Timpe einen 2 Zentimeter Mm Messerstich unmittelbar unterhalb des linken Auges er- halten hatte. Das Messer hatte das Augenlid völlig zerschrtten und als ein wahres Wunder ist es zu betrachten, daß das mt unlädirt geblieben. Der Messerheld wurde wegen vor- latluher Körperverletzung mittelst eines gefährlichen Werkzeugs wer Anklage gestellt und gestern vor der dritten Fenenstras- jammcr des Landgerichts I gegen ihn verhandelt, Der Ange- �..erkannte auf eine exemplarische Sttafe— neun Monate Qtongniß— während der Staatsanwalt ein Jahr deanttagt Eine höchst fatale Ueberrafchung ward dem „'�ermeister Nitzge in Rixdorf zu Theil. Als der Genannte Juni d. I., Mittags, fich zu Tische setzen wollte, um mne Mahlzeit einzunehmen, ergab fich die für einen Menschen hungrigem Magen zweifelsohne traurige Thatsache, daß in .wn unbewachten Moment, während Nitzge in einem Neben- iwtner Messer und Gabel�hervorsuchte, ein Bettter eingetreten k? und die angerichtete Mahlzeit vom Tische weg entwendet 2%, Mit gemischten Gofichlcn machte der solchergestalt um ?.�friedigung des nothwendigsten Bedürfnisses Geprellte, c er den ersten Schrecken überwunden, fich auf die nach dem frechen Diebe, der außerdem noch 5 Pfennig � Drsche mitgenommen hatte. In der Nähe des Nitzae'schcn T wurde der unberufene Störer mit kauendem Munde �Z nbgefaßt und erschien derselbe in der Person des vielfach Feriensttaf- bstahls und z»»"""prns. ajos untjeu ocs izieriwiLaoiEv lautete auf Senate und 14 Tage Gefängniß und Ueberweisung an die �ndespolizci Behörde. > mn betrübender Unglücksfall unterlag gestern der ujiuno der dritten Ferienfttafkammer des Landgerichts I. ,QWäsfigen Körperverletzung angeklagt, befanden sich der �.Mlutscher Theodor Rudloff und der Bodenmeister (Im Wöhrmann auf der Anklagebank. Beide An- ■ waren Bedienstete dee bekannten Firma Jakob und �-.im. Am Morgen des 21. d. I. war der erste Angeklagte Z Hein Beladen seines Rollwagens beschäftigt und fast mit tok.�beit fertig, als der zweite Angeklagte ihm den Auftrag 5 wzwischen die Pferde aufzuschirren und vorzuspannen, er L/r"kr Zeitersparniß wegen inzwischen den Wagen vollends y1.. lassen. Bald darauf fuhr Rudloff mit dem Wagen c,*nb hatte seinen Weg durch die Prenzlauerstraße zu nehmen. bis in die Lothringcistraßc gelangt, als er hinter fich �«nch ein lautes Getöse hörte, übertönt von dem markvurch» v?»�kn Schrei eines Kindes. Eine Anzahl der Jsiethünnten Kisten und Ballen war mangelhaft befestigt ge- eJln und heruntergefallen, ein 12jähriaes Mädchen, die lJlerm Hedwig Schütze lag unter den schweren Kollis be- yM und als man sie unter denselben hervorgeholt hatte, da CLwan sie in einem bejammernswcrthen Zustande. Wie n�rzt in der Königl. Klinik, wohin die Bewußtlose sofort Mhrt wurde, konstatirte, hatte dieselbe einen schweren y�klbiuch erlitten, außerdem waren ihr Zeige- und Mittel- der rechten Hand total zerquetscht. Glücklicherweise ist «.Schädelbruch ohne nachtheilige Folgen für die Verletzte »otlfe forden, dagegen haben ihr die beiden lädirten Finger Im"adm abgenommen werden müssen. Für diesen Unglücks- Werden die beiden Angeklagten verantwortlich gemacht. weil er fich nicht vor der Abfahrt von der sicheren der aufeinandergestapclten Kollis verfichelte, ZNn, weil er die Aufladung zu überwachen hatte. sr k angeklagte bestritten ihre Schuld. Rudloff behauptete, ?on jeder Verantwortlichkeit entbunden, weit sein Borge- Schluß des Beladens überwacht hatte und der «klärte, es hätten nur noch einige Kisten in der vollen gefehlt, welche entschieden sicher und vorschriftsmäßig fei, �nd dann mittels Ketten und Schrotleiter befestigt wor- Die Angeklagten waren der Ansicht, daß das Pflaster in der Prenzlauer Straße die Lockerung der yür di. A�kt und dadurch den Unglücksfall herbeigeführt hätte. Beweisaufnahme war die Aussage des Inhabers der iWw vb u. Sallentin besonders ausschlaggebend, derselbe N daß es keinem Kutscher einfallen würde, sich Beladung des von ihm zu führenden Rollwagens Mi»??, M machen zu lassen, es sei denn, daß derselbe die ge- lvn?mfssse Höhe von 3,7 Metern vom Boden überschritte. Mleq Jkrner festgestellt, daß in der That nur einige wenige .�Abwesenheit des Rudloff der Ladung zugefügt worden r%a,"kantragte der Staatsanwalt daher, nur diesen für Miusn,.? krklären, den Mitangeklagten Wehrmann dagegen fst ooni?en- Gegen Rudloff beantrage er aber in Erwägung b? äLr» ßenb«n Mildcrungsgründe nur eine Geldstrafe von �iishof k"t- 5 Tage Gefängniß. Demgemäß erkannte der �ine und Nersammlungen. letzten Versammlung des Bezirksvereins des MM.,'llen Volkes der Schönhauser Vorstadt hielt Herr «kssant-? m Schwennhagen einen äußerst lehrreichen und in- rSt" Bortrag über„Savonarola". Wenn er. so führt M«, t0 M ein Thema aus der alten Geschichte gewählt .«her av�chehc eS, um den Lebenden zu zeigen, daß es schon gieren o, kr gegeben habe, die danach strebten, die Lage der •? bken ihr Leben lassen mußten. Ein solcher Kämpfer " ffkwescn. Derselbe lebte zu Ende des lü. aMchkeit iL?' lorenz und war eine ganz unscheinbare Per- ».Ffse �kin Bestreben ging dahin, das Loos der ärmeren Se in VJ««- Zur Zeit Übten die adlige und die Priester- l�fninni,,�"bung mit der Geldaristokratie(Kaufleute), in in �Üen Mn Staaten Italiens die Herrschaft aus und be- J?. Dol e?? alle mögliche Weise auf Kosten der Besitz- £ brutal I�wkrt war ihr Handwerkszeug. Durch Gewalt ?%>scKs/i� hk>t suchten sie einen möglichst großen Gewinn %'J«I bier% und das Volk auf jede Werse zu knechten. stjAfch ehrl?�� mit Glück auf, aus dem Grunde, weil er es in? Und oia?�?ik. Er regierte auch eine zeillang bis er ge- «Ah«nliai-r ßochverrälher und Ketzer verbrannt wurde. Schon llii�ug. Lktt waren die fozialen Kämpfe an der Tages- ßßofe. � erläutert nunmehr die Art dieser L?* auf S„?,9e derartige Kampf oder Revolution sei dar- KTmpmW' darstellend'ben Thurmbau zu Babel. Der meisterhafter Weise� ausgeführt. Nach der �J(nficht W_ Redner f« dies—- Durch jedoch der Eroberung Kon- öTSÄnsj fiel?ac der Papst und in Florenz das Haus W&v?lCä€t h** M,tv svumu Mu�keundin v�Öskrtk Leo Vll. an prunkendem Hofe mit % daß Ks Als Jemand sie darauf aufmerksam und ungeheuer I ten öa6 diefe>iemano ne vuiuus ' kttnidertc den fauern Schweiß der Arbeiter Uk.„Die Sünden der Deutschen werden dieS alles bezahlen", in Beziehung auf dm damals in Deutsch- land schwunghaft betriebenen Ablaßhandel. Während in Florenz bei großartigen Turnieren und Festen Tausende ver- praßt wurden, lebte oas Volk in bitterer Noch. Seuchen und Hungcrsnoth waren an der Tagesordnung. In dieser Zeit trat nun S. auf, er selbst war Pnestcr; von Hause aus sollte er Medizin ftudiren, er wollte aber Priester werden, um gegen die damals unter den Priestern herrschende Unsirtlichkeit zu Felde zu ziehen. Machiavelli sagt in seinem Werke in Bezug auf die italienischen Priester, daß gerade die Italiener deshalb so gottlos seien, weil so viel Priester vorhanden. AuS dieser Zeit stammt auch das Buch des Boccaccio(Dekameron), dasselbe enthält 100 Erzählungen, wie diese ben zu damaliger Zeit allgemein im Volke kurfirten. Von drei Helden dieser«nicht unsittliche Handlungen enthaltenden) Erzählungen find meistens zwei Priester. S. wollte nun dem Volke zeigen, wie ein Priester leben müsse und ging deshalb selbst unter das Voll, das ihm in großen Massm zu- strömte. Allmälig wurde auch die größte Kirche von Florenz zu klein, die Schaar seiner Anhänger zu fassen und S. predigte nunmehr auf dem Marktplatze. Der Herzog von Florenz, Lorenzo der Prächtige, empfand ein inneres Grauen vor der Macht der Worte dieses Mönches. Trotzdem ließ er den- selben doch rufen, als er auf dem Sterbebette lag, um zu beichten. S. stellte als erste Bedingung, daß der Herzog einen starken lebendigen Glauben an die Barmherzigkeit Gottes Habe; zweitens daß er alles unrechtmäßige Gut zurückerstatten lasse. Diese Bedingungen erfüllte Lorenzo, als S. aber als dritte Bedinguug verlangte, daß der Herzog die monarchische Verfassung aufhebe und der Stadt die Freiheit wiedergebe, drehte fich Lorenzo um und war tobt. Nunmehr gelangte des Herzogs ältester Sohn Pietro, der nach eigener Aussage fernes Vaters ein Thor war, an die Regierung. Unter derselben wurde Florenz von Karl VIII. von Frankreich befiegt und tributpflichtig gemacht, mußte auch als Kontribution 12000 Goldgulden zahlen. Nachdem Karl Vitt. wieder abgezogen war, kam auch der Herzog, der geflüchtet war, zurück, um wieder Besttz zu ergreifen von Florenz. Hieran wurde er jedoch von S. gehindert, der nunmehr eine Republik auf demokratischer Grundlage errichtete. S. bewog, durch die Macht seiner Beredsamkeit die Reichen, von ihrem Rcichthum abzugeben und auf verschiedene Privilegien zu verzichten. Durch das Austreten des S. in ihrem Rechte gekürzt, versuchten nun- mehr seine Feinde, ihn unschädlich zu machen. Da es auf geradem Wege nicht möglich war, versuchte man es mit an- deren Mitteln; man warb Mönche, die dem Volke noch mehr versprechen mußten, als fie schon durch das Vorgehen E.'s er- rungcn hatten(agsnts provocatenrs würde man heute sagen) und bald hatten auch diese eine Menge Anhänger. Als man aber auch auf diese Weise nichts erreichen konnte, berief man einen großen Gerichtshof, vor dem fich S. verantworten mußte; aber auch dieser konnte in den Handlungen S.'s nichts Straf- bares entdecken. Nunmehr griff man zum letzten Mittel; durch einen geschickten Advokaten wurde das Protokoll gefälscht und auf Grund dieser Fälschung wurde S. im Mai 1498 mit noch zwei Gefährten auf dem Marktplatze ver- brannt. So sei auch dies ein Keines Bild, bemerkt Redner, des Märlyrerthums. Habe man auch in unserm Jahrhundert Flamirentod und Folter abgeschafit, so werden andere Mittel angewandt, um diejenigen, die für Besserung der sozialen Ver- hältnisse rintreten, von diesem Wege abzubringen. Deshalb dürfe man aber nicht die Hände feige und furchtsam in den Schoß legen, sondem im Interesse der großen Sache sei jeder berufen mitzuwirken, wenn auch der einzelne zu Grunde gehe. Reicher Beifall lohnte den Redner. Zum 1. Punkt wird an Stelle eines ausgeschiedenen Revisors Herr Wernau gewählt. Das Vergnügungskomitee erstattet Bericht über die am 16. August stattfindende Familien-Landparthie per Kremser nach Moor- lake. Abfahrt am 16. präzise 7 Uhr Ecke Franseckistraße und Schönhauser Allee. Billets zu 1,50 M. für die Persen«Kinder frei) find bis Sonntag den 9. August, Nachmiltags 2 Uhr an folgenden Stellen zu haben: 1) Pansegrau, Destillation, Ecke Wolliner und Fürstenbergerstraße; 2) Zigarrenaeschäft von F. Ewald, Weinbergsweg 15b; 3) Zigarrengcschäft von Ballmüller und Steinike, Veleranenstraße 28. Das Komitee ersucht um rege Betheiligung. Zum 2. Punkt der Tagesordnung ver- liest der Vorsitzende eine Petition an den Magistrat b. treffend Errichtung von Volksbadeanstalten. Dieselbe wird einstimmig angenommen und der Vorstand beauftragt dieselbe dem Magistrat zu übermitteln. Nach Erledigung des Fragekasten schließt der Vorfitzende die Versammlung. Ein von der Arbettsnachweis- Kommission der Schneider einberufene und gut besuchte Versammlung der Schneidergesellen tagte am Mittwoch Abend in Gratweil's Bierhallen(Kommanoantenstraße) unter dem Vorfitz des Herrn Pfeiffer. Zur Tagesordnung„Arbeitsnachweis und Herbergs- wesen im Schneidergewerbe und Mittheilungen aus der letzten Quartalsversammlung der Innung" bemerkte der Vorfitzende, daß die Arbeiter schon vor nahezu vor zwei Jahren in öffent- lichen Versammlungen für einen geregelten Arbeitsnachweis (da der bestehende sehr im Argen lag) eingetreten seien, und diese das ganze Gewerbe interesfirende Frage einer gewählten, aus Mitgliedern der verschiedenen Schneidervereinigungen be- stehenden Kommisston übergeben hätten, welch letztere dann noch die Vertreter der Innung und anderer Vereinigungen zu ihren Sitzungen einlud, um auf diese Weise ein nach allen Seiten segensreich wirkendes Institut zu schaffen. Es habe sich aber bald gezeigt, daß die Vertreter der Meisterschaft nicht Willens waren, einem längst gefühlten Uebelstande ab- zuhelfen, indem die Herren erklärten, die Kommission solle warten bis der von der neu konstiwirten Innung gewählte Ausschuß über diese Frage berathen und be- schloffen habe, die Arbeiter seien aber nicht darauf eingegangen, sondern hätten im vorigen Jahr am 7. April selbständig einen Arbeitsnachweis errichtet, welcher fich jetzt Krausenstt. 11 befinde, und sehr segensreich wirke. Nachdem Redner noch hervorgehoben, daß wie in dieser Frage, so auch im Herbergswesen die Meister erst durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen daran erinnert worden seien, nicht nur immer dm Ruf nach Hebung des Handwerks zu erheben, sondern auch selbst Hand anzulegen, und den arbettslosen und zureisenden Gesellen einen Anhalt zu bieten, wohin fie sich zu wenden hätten, machte der- selbe die Mittheilung, daß in der Quartalversammlung der Innung beschlossen sei, in der Herberge zur Heimath, Oranien- straße 105, eine Schneiderherberge nebst Arbeits- Nachweis zu errichten, was allgemeines Erstaunen hervorrief. Anknüpfend an diese Mittheilung führte der Referent weiter aus, daß es vor allen Dingen Pflicht der Meister gewesen wäre, sich, wo sie jetzt von Polizei wegen daran erinnert würden, was geschehen müsse, die seit langen Iah- ren von der Gesellenschaft hochgehaltene Herberge in Augenschein zu nehmen, und zu untersuchen, ob dieselbe den Anforderungen entspreche, welche zu stellen seien, er(Redner) behaupte, daß in derselben in Hinficht auf Reinlichkeit, menschenwürdige Behandlung. Preiswürdigkeit der Betten, des Ellens und Tnnkms, alles geboten sei, was man nur verlangen könne was von der Herberge zur Heimath nicht immer zu sagen'sei, und bitte er, etwaige Zweifler, fich davon zu über- »euaen Die Schlußfolgerungen des Vortragenden gipfelten darin' daß trotzdem die Meister immer von der nothwendrgen äwma jenen Herren der Spruch gelte,„Geld riecht nicht", und die- selben nicht berechttgt seien, über den kaufmännischen Gewerbe- betrieb ein grotzcs Lamento zu erheben. An der sehr animirtew Debatte betheiligten fich außer den Herren Taeterow, Stanis- lowski u. a. auch der bekannte Schneidermeister Spangenberg, welcher eine Lanze für die Innung und deren Bestrebungew zu brechen versuchte. Wie wenig Glück derselbe aber damit hatte, beweist folgende Resolution, welche einstimmig ange- nommen wurde. Dieselbe lautet:„Die heute am 5. August er. in Gratweils Bierhallen tagende Versammlung der Schneider- meister und Gesellen erklärt, daß die Errichtung einer Herberge und eines Arbeitsnachweises in den Räumen Oranienstr. 105 nicht anzuerkennen ist, daß bereits seit vielen Jahren eine solche in der Krausenstraße 11 existirt und dieselbe auch allen Anforderungen entspricht und auch daselbst seit einiger Zeit ein geregelter Arbeitsnachweis eingerichtet ist, und an» erkannt wird, daß nur letztere verhindern kann, daß die zu- reisenden Kollegen in falsche Bahnen gelenkt werden." Mit dem Hinweis, oaß nur gemeinsames Vorgehen der Meister und Gesellen im Stande sei, den allmächtigen Druck des Kapitals Stand zu halten, schloß der Vorsttzende die Versammlung. Zum Maurerstreik. Eine von der Lohnkommisfion ein» berufene Versammlung der Maurergesellen tagte am Mittwoch Abend im Salon„Zum Deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37, mit der Tagesordnung:„Entscheidender Beschlust über denStreik und Stellungnahme zu dem heutigen Beschluß der Meisterversammlu n g." Die Versammlung war außerordentlich zahlreich besucht. Der Vorfitzende B e y r e n d referirte über die Beschlüffr der Meistcrversammlung und führte aus: Der Tages- ordnung zufolge könnte es scheinen, als wollten wir den Streik beenden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Meister haben in ihrer Resolution selbst zuge» standen, daß fie 4,25 und 4,50 M. Lohn zahlen' fle scheinen auch etwas„gruselig geworden zu sein, weil fie beschlossen haben. fich mit denen solidarisch zu erklären, über welche die„Sperre" verhängt wird." Die Meister haben also die Absicht, sich in solchen Fällen mit Gesellen auszuhelfen. Dies müssen wir ver» hindern; kein Geselle darf fich„verschicken" lassen und muß in solchem Falle lieber seine Entlassung nehmen. Er wird aus- reichend unterstützt werden. Es ist nur ein Waffensttllstand, der augenblicklich eingetreten ist, um die erschöpften Gesellen fich etwas erholen zu lassen. Während dessen beginnen wir den sogenanntem „heimtückischen" Krieg, das heißt eS wird über alle Bauten, wo dieses nothwenvig ist, nach einander die„Sperre" verhängt. Die Gesellen eines von der Sperre betroffenen Baues bekommen eine Unterstützung, die ihrem bisherigem Lohne annähernd entspricht.„Berschicken" dürfen fie fich auf keinen Fall lassen, sondem müssen in der Nähe ihres Baues bleiben und scharf kontroliren, daß kein fremder Maurer anfängt. Aus ihrer Mitte haben fie einen Vertrauensmanm zu wählen, der die Namen und Wohnungen sämmtlicher Gesellen des gesperrten Baues der Kommisfion mitzu» theilen hat, damit letztere ebenfalls in der Lage ist. eme scharfe Kontrole zu üben. Zum Schlüsse seiner Ausführungen, die sich auch wieder gegen: die Akkordarbeit richteten, forderte der Vorfitzende auf, daß Alle rühm weiter arbeiten mögen und nur da aufzuhören ist, wo die Sperre verhängt wird. Maurer Palm äußerte: Wenm die Meister über die Führer des Gesellen Streikes die Sperre verhängen wollen, so werden wir fie zunächst über die Führer der Meister verhängen, und zwar so lange, bis unsere Führer wieder Arbeit haben. Herr Brettschncider wird selbstverständ- lich der Erste sein.(Hier anterbricht der Vorsitzende den Redner und ersucht ihn, bestimmte Personen aus dem Spiel zu lassen.> Doch dieser ruft noch unter dem lebhaften Beifall der Per-' sammlung aus:„Niemand fange bei Herrn Brettschneider unter 5 Mk. an!" Maurer Schulz hält es für die Hauptsache, daß die Gesellen jetzt von der Straße kommen und für 4,50 M. anfangen. Deshalb sollen die Meister doch nicht sagen können, fie haben geficgt. Wir haben uns durch den Streik organifirt, das ist em großer Vortheil. Regicmngsdaumeister Keßler erklärt, daß er zu seinem lebhaften Bedauern in der Tivoli-- Versammlung von 2 Gesellen mystifizirt worden sei bezüglich. der Verarbeitung von„gefärbtem Kalk" auf einem Bau m der Wilhelmstraße. Ihm wurde der Name Wutke angegeben. Er hat fich von der Unwahrheit der Angaben überzeugt und als ehrlicher Mensch erklärt er hier offen, daß er mystifizirt worden sei. Der Redner theilt dann mit, daß die Kommisfiom über 46 Bauten mit 605 Gesellen eine genaue Statistik der Lohnverhältnisse habe. Damach erhalten auf 9 Bauten 164 Gesellen 50 Pfg., auf 22 Bauten 254 Gesellen 45 Pfg., auf 3 Bauten 68 Gesellen 45—50 Pfg., auf 8 Bauten 49 Gesellem 40—45 Pfg. und auf 4 Bauten arbeiten 70 Gesellen in Akkord und zwar auf 3 Bauten pr- 1000 Steine zu 8,50 Mk., auf einem Bau zu 7,50 Mk. Er glaubt, daß dieses Verhältniß auf die übrigen Bauten auch zutreffen wird, und es ist deshalb müßig, zu untersuchen, wer gesiegt hat. Es find im Durchschnitt 5 Pf. pro Stunde zugelegt worden. Redner erklärt weiter, daß ihn die Rede des Äauralhs Böckmann sympathisch berührt habe, wenn man von einzelnen Redewendungen absieht. Die Bildung einer freien Vereinigung der Meister ser mit Freuden zu begrüßen, denn sie ist die Anvahnung einer Vereinbarung mit den Gesellen. Die Innung als solche darf den bestehenden Gesetzen zufolge mit der Gesammtheit der Gesellen nicht unterhandeln. Die freie Vereinigung darf es und wird es, weil die Macht der Verhältnisse zwei sich gegenüberstehende große Organisationen immer zum Ausgleich und zur Unterhandlung drängen.„Wer den Frieden will, muß sich zum Kriege rüsten"— dieser Gast ist richtig. Die Lücken, welcher der Streik in den Fonds ge» rissen, müssen so bald als möglich durch Aufnahme der Sammlungen wieder verstopft, eme straffe Organisation und Disziplin durch den Fachverein geschaffen werden, festes Ver» trauen zu den Führem muß alle beseelen. Nachdem noch eine ganze Reihe von Rednern gesprochen, wurde mit allen gegew eine Stimme folgende Resolution angenommen:„Die heutige Versammlung erklärt, überall da, wo von Seiten der Kommisstow die Bauspcrre erklärt wird, die Arbeit einzustellen und nicht früher dieselbe wieder aufzunehmen, bis von demselben Meister, über dessen Bau die Bausperre verhängt wird, 50 Pfg. Stundenlohn bezahlt werden— aber auch nicht anderwärts ansprechen zu gehen. Den betreffenden Gesellen wird eine dem Lohn annähernde Unterstützung von mindestens 3,50 M. täglich gezahlt werden." Der Streik-Kommission, die kür diese Woche noch aus 5 Mitgliedern, von der nächsten Woche ab nur aus 3 Mitgliedern bestehen soll, wurde von jetzt ab eine Entschädigung von 4,50 M. täglich— 27 M. pro Woche einstimmig zuerkannt. r. Die Wahlbewegung zu den nächsten Stadtverord- neten-Wahlen wurde durch eine öffentliche Kommunal- wähler-Bersammlung begonnen, die am Mittwoch Abend in „Sanssoucr" unter Vorsitz des Herrn Mi tan stattfand.— Herr L i e f l ä n d e r referirte über die bevorstehenden Stadt- verordnetenwahlcn. Dre Bedeutung der Ersatzwahlen sei be- kannt. Dre Ausloosung von 42 Stadtverordneten sei erfolgt; t®? ra- F Auslo osung der Stadtverordneten der dritten Abtherlung hat bereits zu kritischen Äußerungen in der Presse. Veranlassung gegeben. Referent zählt sodann die Wahlbezirke auf, m denen Eriatzwahlen stattzufinden haben. Es ist zu hoffen, daß die Arbeiterpartei ihre bisher innegehabten Bezirke m der Neuwahl siegreich behaupten wird, außerdem in anderen Bezirken, die bisher von Stadtverordneten anderer Parteien vertreten wurden, Kandidaten der Arbeiterpartei durchzubringen. Dieses Ziel muß ins Auge gefaßt werden. So wollen wir denn nun eintreten in den Wahlkampf mit voller Energie und Einigkeit und den Gegnern, die vielleicht auf den Zwiespalt unter den Arbeitern svekuliren, den Beweis liefern, daß die Berliner Arbeiter in einmüthiger Weise zusammenstehen.(Lebh. Bei- fall.)— Genau heute vor zwei Jahren fand eine Versamnv «na»u dem gleichen Zweck wie heute statt, damals waren wir «nlunvig mit den einschlägigen Verhaltniffen, heute find wir untenichtet über die Lage der Partei in den einzelnen Be- »irken. Was die Thätigkeit unserer Stadtverordneten betrifft, so ist ihr Eingreifen in das Schulwesen hervorzuheben; bei der Errichtung eines Asyls haben fie mitgewirkt und die Errichtung «ineS gewerblichen Schiedsgerichts ist durch fie beantragt. An uns liegt es, diese Forderungen energisch zu unterstützen. Ein Resultat unserer Agitation ist wohl auch die Berufung deS Tischlers Hencke in die Gewerbe Deputation. Die Verbillrgung der Fahrpreise für Arbeiter auf den Pferdebahnen sollte auf Antrag der Ärbeiter-Stadtverordneten zur Bedingung bei Er- theilung von Konzesfionen an die Pferdcbahngesellschaft ge- macht werden, Herr Professor Virchow kam jedoch mit einer nicht schönen Oppofition gegen diesen Antrag, trotzdem er fich im Prinzip mit demselben einverstanden erklärte. Das Alles find Anfänge einer Bewegung, die wir eifrig im Flusse halten müssen. Die gehäffigen Insinuationen gegen ein- zelne unserer Stadtverordneten werden nicht verfangen; wir halten zu den Leuten, die unser Vertrauen befitzen.(Beifall.) Die Zahl unserer Vertreter in der Stadtverordneten-Versammlung müssen wir zu vergrößern bestreben und unseren Gegner beweisen, daß alle Verleumdungen die Einigkeit unter den Arbeitem nicht stören würden. Wir müssen beweisen, daß wir außer unseren bisherigen Stadtverordneten Ewald und Singer, die aus- reloost find, weiter Stadtverordneten wählen wollen und können Lebhafter Beifall.)— Herr Winter beantragt, für jeden der (4 Wahlbezirke einen Kandidaten aufzustellen, damit bei Zeiten in die Agitation eingetreten werden kann.— Herr Julius Kreutz: Wir haben in verschiedenen Bezirken Ausficht, unseren Kandidaten durchzubringen, da viele Stimmen, die früher für die Kandidaten der Fortschritts- und der Bürgerpartei abgegeben find, heute uns zufallen werden: die Verhältnisse haben ficb seit zwei Jahren vielfach zu unseren Gunsten gc- ändert. Herr N ö s k e empfiehlt, nicht den gleichen Kandidaten für mehrere Bezirke aufzustellen. Die Äusfichten für die Wahlen seien heute günstiger als vor zwei Jahren, doch dürfen wir uns deshalb nicht in Sicherheit wiegen. Der Einfluß un- serer Stadtverordneten hat fich genug bemerkbar gemacht. Die Herren, die dagegen stimmten, daß den Latemen-An- zündern ein Honorar von 2,40 M. pro Tag gezahlt werde, dürfen von uns nicht wiedergewählt werden.— Herr Ertel weist darauf hin, daß, falls in einigen Wahlbezirken Hausbe- fltzer aufgestellt werden müssen, es am besten sei, daß in diesen Bezirken Wahlenthaltung proklamirt werde. Herr Z u b e i l empfiehlt, diese Frage für heute noch ganz außer Acht zu lassen, das sei Sache der Erwägung für das zu wählende Komitee. Auch sei ja die Arbeiterpartei nicht so arm an geeigneten Per- sonen, und nöthigcnfalls werden fich für die zwei Haus- befitzer� Kandidaturen auch wohl geeignete Persönlichkeiten finden. Die Befürchtung eines Durchfalls darf den Kandidaten nicht schrecken.(Bravo.) Er weiß, daß er einer guten Sache dient. Die Arbeiter aber haben gelemt, gesetzlich zu agitiren und werden von ihrem Rechte mit Erfolg Gebrauch machen. tBeifall.)— Herr Voigt: Die Äusfichten für die Wahlen find gut, denn das Vorurtheil gegen den Zensus des Wahl- gesetzes ist geschwunden. Namentlich ist es erfreulich, daß der Osten für die Kandidaturen in Ausficht genommen ist, da dieser Stadtheil beiden Reichstag swahlen recht gute Resultate zu verzeich- nen gehabt hat.— Herr Nicolai räth zu einer energischen Wahl- agitaüon. Die Fortschrittspartei verfüge über bedeutende materielle Mittel, fie werde aber nicht fiegen gegen die rührige Agitation und die Lpferwilligkeit der Arbeiter.— Die Debatte wird hierauf geschlossen und der Antrag Winter angenommen, wonach in allen vierzehn Bezirken einKandidat aufgestellt werden soll.— Herr Voigt beantragte sodann, von der Wahl eines Komitees für beute abzusehen uud in jedem Reichstagswahlkreise eine Versammlung zu berufen, die je ein Komitee- Mitglied wählen solle.— Herr Krohm empfiehlt, dem Komitee nur eine beschränkte Vollmacht zu geben, damit dasselbe nicht seine Befugnisse mißbrauche, wie dies früher geschehen sei.— In gleichem Sinne äußert fich der Antragsteller Voigt, der d-m früheren Komitee den Vorwurf macht, daß es nicht richtig gewitth- schaftet habe.— Herr Strehlow hält heute die Wahl eines Komitees für verfrüht.— Herr N ö s k e wendet sich gegen die terren Krohm und Voigt; es sei schlimm genug, daß sich eute, die im öffentlichen Leben stehen, von den Gegnem mit Schmutz bewerfen lassen müssen; aber traurig ist es, daß auch Freunde solcher Männer schmutzige Vorwürfe erheben. Die Vorwürfe gegen das alte Wahlkoinitee find nicht berechttgt. Herr Krohm rst heute bereits als Kandidat benannt worden, ich werde ihm nicht dabei hinderlich sein; aber Pfui und Schande über Diejenigen, die öffentliche Männer mit Schmutz besudeln.(Lebhafter Beifall.)— Herr L i e f l ä n d e r schließt sich diesen Ausführungen in der Sache an und bittet, die Debatte recht ruhig und ohne persönliche Gereiztheit zu führen. Jede Dezentralisation muß energisch bekämpft werden, und deshalb empfiehlt fich die Einsetzung eines ge- meinsamen Wahlkomitees schon heute. Ohne solche Zentrali- sation ist kaum auf einen Sieg zu rechnen.— Herr Max Kreutz bedauert tief die Angriffe gegen das frühere Komitee; diese Leute haben sicher nicht egoistisch gehandelt und find in die Oeffentlichkeit getreten zu einer Zeit, als dies noch mit Gefahren verbunden war. Damals erklärte Herr Krohm, er sei kein gewöhnlicher Arbeiter(hört! hört!) darum hätte Herr Krohm besser gethan, heute zu schweigen. Heute wird im Geheimen soviel agititt, daß Jeder fich besinnen wird, ein Amt im Wahlkomitee anzunehmen, weil er Gefahr läuft, in nächster Zeit in den Schmutz gezogen zu werden. Ich selbst werde solange verzichten, bis die Arbeiter einsehen, daß fie ihre Erfolge nur in der eigenen Kraft zu suchen haben.— Herr Werner bedauert die persönlichen Auseinandersetzungen, die nur dm Gegnem zu Statten kommen. Der gleiche Undank, den heute daS alte Wahlkomitee erntet, der ist auch den Männem zu Thcil geworden, die in der Reichstags- wähl so große Verdienste fich erworben haben.— Herr Ertel meint, daß die Vorwürfe gegen Herm Krohm nicht begründet find, der viel gethan habe.— Herr H i l d e b r a n d ist der Meinung, daß es fich nicht empfiehlt, hier heute ein gemein- sameS Komitee zu wählen, da dies aus Mitgliedern der ver- schiedenen Bezirke zusammengesetzt sein sollte.— Herr Vogt bedauert, daß man die Agitation nicht zuerst in den Bezirls- vereinen in Angriff genommen habe; er wünschte heute nur ein Mitglied für das Wahlkomitee zu ernennen, und die Wahl der weiteren Mitglieder späteren Versammlungen zu überlassen. Herr Krause: Der Wotte sind so viele gewechselt, daß es Zeit ist, zu Thaten zu schreiten, deshalb wählen Sie heute ein Wahlkomrtee.— Herr Krohm erhebt gegen das alte Wahl- komitee einzelne Vorwürfe, die er aus der Geschäftsordnung des Komitees begründen will und verfichert, daß er bei der letzten Wahl stets zu Gunsten der Handwerker und Gesellen zurückgetreten sei und zu deren Gunsten agitirt habe.— Herr Stadtv. Herold vettheidigt das Komitee, dessen Vorfitzender er war: Herr Krohm erklärte diesem Komiiee:„er sei kein ge- wöhnlicher Fabrikarbeiter"(Herr Krohme ruft: Das ist eine Lüge). So wahr mein Name Herold ist, die Aeußerung ist von mir richtig wiedergegeben. Zwei Mitglreder des Komitees sind inzwischen ausgewiesen worden; fie können fich nicht vertheidigen; aber alles was ein Einzelner gethan hat, dafür übernimmt das Komitee die Verantwortlich- keit.(Beifall.) Stadtverordneter Görcki: Ich bedaure, daß wir, die Stadtverordneten der Arbeiter-Partei, heute Abend aus unserer Reserve hervortreten müssen. Die gegen das Wahl- Komitee erhobenen Angriffe, die ich hiermit ebenfalls zurück- weise, nöthigen mich dazu. Ich ersuche Sie, in der heutigen Versammlung ein Wahl-Komitee zu wählen, obwohl ich der Meinung bin, daß diesmal ein großer Theil der Agitation bei den Kommunalwahlen durch die Bezirks-Vereine bettieben werden könnte. Nach noch längerer Debatte wurde ein aus 14 Personen bestehendes Zentral Wahl-Komitee gewählt und alsdann die Versammlung geschlossen. In der von der Snbkommission der Schneider am Montag, den 3. August er. nach dem Deutschen Vereinshaus, Wilhelmstraße 118 einberufenen Schneider-Versammlung, in welcher laut Ankündigung Beschluß gefaßt werden sollte über das weitere Vorgehen gegen die Vertreter der Lohn- kommisston, ging es nicht nach oem Wunsch der Einberufer, trotzdem dieselben mit allen Mitteln für ihren Standpunkt ein- traten. Nachdem das Bureau, bestehend aus den öerren Prudler, Kartfuß und Frenze!, gebildet war, erhielt an Stelle des durch Krankheit verhinderten E. Fenske Herr Zilm das Wort. Derselbe las aber wie es schien eine von fremder Hand geschriebene Rede war, aus welcher absolut nichts verständlich war» da es ihm offenbar sehr viel Mühe machte, die Schrift zu entziffern. So viel war zu verstehen, daß die Subkommission auf ihrer früheren Aufstellung besteht, und fich keines- wegs dazu verstehen will, den Mitgliedern der Lohnkommisston Einficht in die Bücher zu gewähren, um so auf die Weise eine möglicherweise irrige Aufstellung klarzustellen. Ebenso- wenig will dieselbe drei in ihren Händen befindliche Quittungen über Inserate in den Zeitungen, und außerdem fünf noch im Besitz des Vorfitzenden der Lohnlommisston Herrn Pfeiffer be- findllche ebensolche Quittungen anerkennen. Nachsehreingehen- der Debatte, aus welcher hervorging, daß keine der beiden Kom- misfionen abweichen wollte, wurde von Herrn Traterow der Antrag gestellt, ein Schiedsgencht zu wählen, dessen Spruch sich beide Theile zu unterwerfen hätten. Dieser Antrag wurde auch mit Majorität angenommen. In das aus 7 Personen bestehende Schiedsgericht wurden gewählt die Herren Jefchonneck, Pendler, Büttner, Thoma, Hensel, Stöger und Tangl. Nach- dem Schluß der Versammlung eingetreten war, wurde von Gewählten Herrn Jefchonneck zum Vorsitzenden des Schieds- gerichts ernannt. Wegen Errichtung eines gewerblichen Schieds- gerichts in Berlin hat der Fachverein der Tischler vor einigen .icgen nackstehende Petition an den Magisttat gerichtet: Einem Wohllöblichen Magistrat zu Berlin erlaubt fich der hiesige Fachverein der Tischler nachstehende Petition einer wohl« wollenden Berückfichtigung zu unterbreiten: Nach den Bestimmungen der§§ 120a und 142 der Gewerbe-Ordnung haben die Gemeindebehörden das Recht, nach Anhörung betheiliater Gewerbetreibender durch Ortsstatut die Errichtung eines Ge- werbe-Schiedsgerickts anzuordnen, welchem alle Streitigkeiten der selbstständigen Gewerbetreibenden mit ihren Arbeitern, die fich auf den Antritt, die Fortsetzung oder Aushebung des Arbeits- Verhältnisses, auf die gegenseitigen Leistungen aus demselben, auf die Ertheilung oder den Inhalt der Arbeits- bücher oder Zeugnisse beziehen, zur Entscheidung überwiesen werden.— In Berlin ist ein solches Schiedsgericht bisher nicht gebildet worden, trotzdem dieses schon in vielen anderen Städten Deutschlands geschehen ist. In Berlin wurde die Entscheidung bei vorstehend ge- nannten gewerblichen Streitigkeiten der Gewerbe-Deputation des Magistrats übertragen.— Der Mangel eine»(L.... Gewerbe Schiedsgerichts hat zu vielfachen Klagen der M esstrten Kreise, ganz besonders der Arbeiter, geführt. W* Fachverein der Tischler, welcher laut Statut seinen EJUtgl«5® die Kosten zur Durchführung von Prozessen der gena»"«" Art aus der Vereinskasse erstattet, find vielfach Besti«� über das jetzige Schiedsgerichtsverfahren geführt worden.' Der Verein bittet daher Einem Wohllöblichen Magistrat, W* möglichst die Errichtung eines Gewerbe Schiedsgerichts zu#' anlassm und in dem zu erlassenden diesbezüglichen t/» statut folgende Bestimmungen mit aufnehmen zu t#T'' 1. Das Schiedsgericht wird gebildet zur Hälfte aus Ar# gebem und zur Hälfte aus Arbeitnehmern. 2. Die Genannt werden in geheimer Wahl, die Arbeitgeber von den Ast* gebern, die Arbeitnehmer von den Arbeitnehmem 6�% 2. Die Wahlen finden an Sonntagen statt. 4. Die an Verhandlungen theilnehmendcn Schiedsrichter erhalten st! Entschädigung für ihre Zcitversäumniß, welcke durch» Echiedsgerichtsfiyung bedingt ist. 5. Eine Vertretung Klägers oder Verklagten durch einen Juristen ist beim 64% gericht nicht zulässig, die Verttetung durch einen Fackgeno# jedoch gestattet.— Indem wir uns der Hoffnung hinge»*' daß die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Erna eines derartigen Schiedsgerichts die Anerkennung Eines ü löblichen Magistrats finden wird, indem wir es ferner Freuden begrüßen, daß diese Frage auch in der Lersamm der Stadtverordneten bereits angeregt und dott sympst aufgenommen worden ist, bitten wir um gütige Berückfichst dieser unserer Pctttion Seitens Eines Wohllöblichen- gisttats. Hochachtungsvoll ergedenst Die Mitglieder des W Vereins der Tischler rn Berlin.. Mülheim am Rhein, 3. August. Vorgestem M dem eine halbe Stunde von hier entfernten Dorfe heim eine von Arbeitem und Bauem überaus zahlreich st suchte Volksversammlung statt, in welcher der ReichstagsaM ordnete Schumacher einen sehr beifällig aufgenommenen«st trag über das Arbeiterschutzgesetz hielt. Am Schlüsse der«st sammlung fand eine Resolution, worin die WiedereinbnNKj des Arberterschutzgesetzes verlangt und der sozialdemokraülst' Fraktion ein Vertrauensvotum ertheilt wurde, einstiinw Annahme.. Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler st. anderer gewerblicher Arbeiter. Am Montag, den 17. Äugst vauwtv*- 4*11»«A/z vw&wyy Wit*'• � t\f\ findet in der Neuen Welt ei« großes Sommemachtsfest ist Resten der ftnnnlidcn der Onffc statt. Das Konzert wird»st Garde-KürasficrMegimstst Besten der Invaliden der Kasse statt. geführt von der Kapelle des G.....-»__________„ Außerdem Volksbelustigungen aller Art: als Marioneust Theater, Gratisverloosung K. Abends große Fackelpolonast wozu ein jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält.. jL Garten wird elektrisch erleuchtet. Die Kaffeeküche ist von 3 st» an geöffnet. Billets i. 30 Pf. find zu haben auf sämmckstst Zahlstellen, sowie bei den Kasfirem. Außerdem bei folg#!? Komitec-Mitgliedcrn: L a k u r, Oranienstr. 203, Hof 2 st Wille, Grünaucrstr. 11, Hof, im Keller. Wahrmaust Manteuffelstr. 115, vom 1 Tr. Kolbin, Belle-Älllaiu» Platz 8, Hof 4 Tr. Scholz, Posenerstr. 12, vorn 4 P Pampe, Gitschinerstr. 93, Hof 1 Tr. Allen Kisten- und Kossermachern zur Mitteilung. am Sonntag, den 9. August, Vormittags 10 Uhr, im% �Armin-Hallen, Kommanvantenstt. 20, eine große öffenstst Versammlung der Kisten- und Koffermacher stattfindet. ordnung: 1. Vortrag des Herm Michelsen über die"stst wendigieit der Arbtiterschutzgesetzgebuna. 2. Wie stellen st uns zu den jetzigen Lohnverhältnissen? Ehrensache jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinet. Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- stj Dampfarmaturen. Generalversammlung am Sonnabend, 8. August, Abends 8 Uhr, bei Gratwerl, Kommandanten� 77/79. Tagesordnung: 1. Wahl eines ersten VorfitzeÄ?' 2. Statutenändemna. 3. Wahl der Fachkommisfion. 4. � schiedencs. Fragekasten. � Kisten- und Koffermacher! Die regelmäßige Versstz lung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Kisten- st Koffermacher Berlins, welche am Montag, den 10. Aus, st stattfinden sollte, fällt diesmal aus und findet die tia® Verernsversammlung am Montag, den 31. August, statt. Der Verein sämmtlicher BerufSklassen Berlin geschriebene Hilfskasse) hält Sonnabend, den 8. d.M., Ab*. 8 Uhr, Münzsttaße 5, seine regelmäßige Versammlung � Tagesordnung: Anträge. Geschäftliches. Mittheilungen, Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen,-ist Diitglieder werden in jeder Versammlung sowie beim Kaiist Schilling, Koppenstraße 48, aufgenommen. Gäste find# Versammlung stets gern gesehen. Der Äezirksvcrein der arbeitenden Bevölkcr», des SW. Verlius veranstaltet am Sonntag, den 9. Äugst eine Herrenparthie. Sammelplatz: Solms- und Gnciftust straßen Ecke bei Lindenborn. Abmarsch morgens präz. 6 st. Im Fachverein der Tischler, Neue Grünstraße. (Jordans Salon) hält Sonnabend, den 8. August, Ab*,, S'A Uhr, Herr Dr. Lüttgenau einen Vortrag über:„Volksl® bildung und Volksbildung." Gäste sind willkommen. Kriefkasten der Redaktion. F. M. Es giebt 146 Gemeindeschulen in Berlin.( � stand übrigens vor einigen Tagen im„Berl. Volksblatt.' Theater. Belle-Allianee-Theater. Heute: Gespenster. Neues Friedrich-Wilhelmstädtische» Theater. Heute: Der Großmogul. Ostend-Theater. Heute: Die Brautschau Friedrichs des Großen. Central-Theater. Aste Jakobstraße 30. Direktton: Adolph Ernst. H-ute: Zum 6. Male: Die wilde Katze. Gesangspoffe in 4 Akten von W. Mannstädt, Mufik von G. Steffens. Fachverein der Tischler, Sonnabend, den 8, August d. I., Abends 8'/, Uhr, Neue Grünstraße 28: BerftzRmmlung. Tagesordnung: 1. Vottrag des Herrn Dr. Lüttgenau über:„Volks! chulbildung und Volksbildung". 2. Verschiedenes, Fragekasten. Gäste willkommen.[1316 Der V 0 r st a n d. Große öffentliche Generalversammlung der Kutscher im Mehl- und Getreidehandel Sonntag, den S. August 1885, Nachmittags 3 Uhr. im Saal des Herrn Seefeldt. Grenadierstr. 33. Tages-Ordnung: Die Nothwendigkeit einer Vereinigung. it: Herr Stadtverordneter Fritz Görcki. Um zahlreiches Erscheinen ersucht [1813 Der Einberufer. Zoologischer Garten. Nur auf kurze Zeit.— Heute und täglich: Carl Hagenbeck's Somali- Expedition, begleitet von 7 Dar-Fur-Knaben und bestehend aus 9 afrikanischen Somali-Straußen, 4 Dromedaren, 14 Antilopen, Jagdleoparden sc. MF* Ethnographtschc Ansutelinnff. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: 1 1730 Grosses nilltar-Doppel-Coneert. Bestchtigungszeit 10 bis 1 und 3 bis 8 Uhr. Nachmittags 3, 4, 5, 6, 7 Uhr Straußreiten. Entree zum Zoologischen Garten bleibt unverändert.. Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- u. Dampf-Armaturen. Heneral-Dersammtung am Sonnabend, den 8. Augnst, Abends 8 Uhr, in Gratwetl's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Tagesordnung: 1. Wahl des ersten Vorfitzenden. 2. Viertel- jahres-Abrechnung. 3. Statutenänderung. 4. Wahl der Fach- kommisston. 5. Verschiedenes und Fragekasten.[1815 _ Der V 0 r st a n d. Wir ersuchen diejenigen Meister, welche ihre Unterschrift betreffs des neuen Lohntarifs noch nicht geschickt haben, die- selbe uns innerhalb acht Tagen einzusenden, indem wir die Namen im Verzeichniß zum Druck sonst nicht aufnehmen können., I1817 Dre Lohnkommission der Töpfer Berlins und Umgegend. Ceutral-Äraukeu- und Sterbe-Aajse der Tischler u. s. w. Oertliche Verwaltungsstelle Berlin F. (Schönhauser Thor-Bezirk.) Tersammlungs Sonntag, den 9. August d. I.. Vormittags 10'/, Fehrbellinerstraße 98, RoloffSburg. 1# eütf Tagesordnung: Abrechnung vom n. Quartal, Wahl Revisors und Verschiedenes. ES ist Pflicht eines jeden W glredes, m dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstan' BeztrkS-Verein der arb. Bevölkerung des SW. � Herrenpartie SU senauerstt..Ecke b. Lindenbom. Abm. präz. früh 6 Uhr- ist. Verantwortlicher Redakteur tzt. Eronhetm in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW, Beuthstraße 2. L